Ur. 81. Somttag, den 6. April 1890. V. Jahrg. Hrgan für die Interessen der Arbeiter. Aboniiemtilts-EiilllldNg. Zum Quartalswechsel eröffnen wir ein neues Abonnement auf das„Berliner Volksblatt" mit dem.Sonntaasblatt" als GratlSbeilage. Unf» Blatt kostet ß#* tNS HttUS 1 M 1« Wwz pro Monat und 88 Pfennig pro Mache. Durch dir Post bezogen von jetzt ab nur 8 Mark 30 Pf. pro Quartal(eingetragen in der Postzeitungsliste für 1690 unter Nr. 892 V. Nachtrag). Im Feuilleton unseres Blattes begannen wir mit dem Abdruck eines der bedeutendsten Romane von Emile Zola. „Zum Gluck der Damen" (Au bonhour des darnes) ist die meisterhaft« poetische Darstellung des tragischen Kampfes. den das»um Tode verurtdeilte Kleinkramertbum aeaen die über- Und weist in ihm darauf hin, wie in dem Rie! grau- Ida esenbazar der Großstadt. istenzen aufsaugt und in reime der M....W> Wir glauben kaum unseren Abonnenten eine bessere Unterhaltungslektüre bieten zu können. Redaktion und Grpedition des Mwer Uolksdlatt". ÜDaju Vev Dnvnr? Aus Thüringen schreibt man uns: In der deutschfreisinnigen Presse wird augenblicklich ein heftiger Federkrieg gegen das gothaische Mtnisterium geführt. Der Redakteur des deutschfreisinnigen„Gothaer Tageblatt", ein Herr B oshar�. der wegen Beleidigung des Landesfürsten Ernst zu mehreren Monaten Gefängniß verurtheilt worden ist, hatte seine Strafe, Monate, im Gothaer Gefängniß, wo die Verhältnisse für die In- I'euUletou. Machdnia»»toten.)_(3 «Zum Glück der Damen." Roman von Emile Zola. Autorisirte Uebersetzung von Armin Schwarz. -Ach, Onkel! Wo denken Sie hin? Mich ver- hnrathen!... Und die Kleinen? Sie fand tue Idee so barock, daß sie darüber lachte. Und dann— welcher Mann würde sie auch zur Frau nehmen, sie, die keinen So» besitzt, nicht größer ist, als eine Drossel und auch nicht schön? Nein, nein; sie wird sich niemals verheirathen; sie hat genug mit zwei Kindern. — Du hast Unrecht, sagte der Onkel. Eine Frau be- darf imnier eines Mannes. Wenn Du einen braven Mann gefunden hättest, so wärest Du nicht mit Deinen Brüdern auf das Pariser Straßenpflastcr gefallen wie die Zigeuner. Er hielt wieder inne, um mit ebenso viel Oekonomie als Gerechtigkeit eitle Säiüssel Kartoffeln mit Speck auszu theilen. welche die. Magd gebracht hatte. Dann fuhr er fort, mit dem Löffel auf Colomban und Teneviüve zeigend: — Schau, die Zivei werden im Frühjahr Heirathen, wenn die Wrntersaison sich günstig gestaltet. So war es patriarchalischer Brauch im Hause. Der Begründer desselben, Aristtde Finet, hatte seine Tochter Desirs seinem ersten KouuniS Hauchccorne zur Frau ge- haftirten günstige sind, abzusitzen begonnen. Da wurde er plötzlich nach dem„Männerzuchthaus Ichtershausen" bei Gotha abgeführt, gemäß der Anstaltsordnung ge- zwungen, die StiMjvMleidung zu tragen, sich das Haar und den Bart MerenzuTWen, kurz, alle die Annehm- lichkeiten an' sich v'öMshen zu lassen, die der moderne Strafvollzug, dies Entzücken so vieler Juristen, im Ge- folge hat. Von vornherein sei auf's Nachdrücklichste be- tont, daß wir selbstverständlich die ausgiebigste Preß- freiheit als das beste Mittel zur Verhütung solcher Vor- kommnisse ansehen. Wenn das Recht der freien Rede in den Versammlungen wie in der Presse uns garanlirt wäre, wenn nicht hinter jedem gesprochenen oder geschriebenen Wort der Schutzmann und der Staatsanwalt stünden, dann wäre es besser um unsere politischen Verhältnisse be- stellt. Aber der Liberalismus hat das Preßgesetz, das wir haben, geschaffen, und so hat er denn auch den Galgen mitgezimmert, der nach dem Junker von Thadden politischen Gefangenen, wie aller Gefangenen überhaupt, fordern müssen. Aber während man sich in Deutschland eifrigst bemüht, die Zustände in den Strafanstalten zu Gunsten der gemeinen Verbrecher zu bessern, verfährt man durchgängig anders— rühmliche Ausnahmen zugegeben — mit den politischen„Verbrechern", die man auf das- selbe Niveau herabdrückt, wie irgend einen Taschendieb oder Wegelagerer. Wenn nun einmal diese ungereimten „politischen" Strafthaten unsere Gerichtshöfe beschäftigen müssen, so sei doch wenigstens dafür gesorgt, daß die Opfer der Prozesse, die um ihrer Gesinnung, um des Aus- drucks ihrer Ueberzeugung wegen hinter Schloß und Riegel kommen, diese Thatsache niemals zu vergessen brauchen. Der frühere preußische Landtagsabgeordnete Dr. Stern, der als Redakteur der„Frankfurter Zeitung"' viere Monate hinter der schwedischen Gardine gesessen hat, brachte seiner Zeit im Abgeordnetenhause eine ganze Reihe von Mißständen, die aus der verkehrten Behandlung politischer Gefangenen ensspringen, aus eigener Erfahrung zur Sprache. Wir verurtheilen also auf's Schärfste die Art und Weise, wie gegen Herrn Boshart vorgegangen worden ist. Herr Boshart hat, wie es scheint, das Schicksal, stets dann von sich reden zu machen, wenn er eingesperrt wird. Es ist derselbe Herr, welcher in M ü n ch e n als Redakteur der nationalliberalen„Neue st en Nachrichten" geben; Baudu, der mit sieben Franks in der Tasche in das Geschäft eintrat, hatte Elisabeth, die Tochter Hauchecorne's, geheirathet und er war entschloffen, seine Tochter Geneviöve fammt dem Tnchgeschäft seinem ersten Kommis Colomban zu überlassen, sobald nur die Geschäfte eine Wendung zum Besseren nehmen würden. Die Sache war seit drei Jahren abgemacht und er verzögerte die Heirath nur wegen eines Skrupels; in seiner eigensinnigen Rechtschaffenheit wollte er das Geschäft, das er blühend übernommen hatte, seinem Nachfolger nicht mit verminderter Kundschaft übergeben. Colomban war aus Rambouillet, wie der Vater von Mme. Baudu, ja, es bestand zivischen Beiden sogar ein entfernter Grad von Verwandtschaft. Er war ein tüchtiger Arbeiter, der sich seit zehn Jahren im Hanse plagte und sich seine Stelle durch harte Arbeit und ernstes Streben errang. Colomban war übrigens kein so Hergelaufener, versicherte Herr Baudu; er war der Sohn des alten Colomban zu Rambouillet, des besten Thierarztes im ganzen Departement Seine et Oise; leider jagte er Alles, was er verdiente, wieder durch die Gurgel. Zum Glück ist der Sohn ein besserer Wirth, als der Vater und weiß den Werth des Geldes zu schätzen. Während er so sprach, beobachtete Denise Colomban nnd Geneviöve. Sie saßen bei Tisd)e nebeneinander; aber sie verhielten sich ganz ruhig; da gab es kein Er- röthen, kein Lächeln. Seit dem Tage seines Eintrittes zählte Colomban auf diese Ehe. Er hatte die verschiedenen Etappen im Hause zurückgelegt; war zuerst Lehrling, dann Verkäufer und ward zuletzt zu den Geheimnissen und Vergnügungen der Familie zugezogen; alldies hatte wegen Zeugnißverweigerullg auf etliche Tage oder Wochen in die FAWWe�geMNk' und als Blutzeuge des liberalen Gedankens von den„N. N." und dem ganzen liberalen Zeitungsgeschwister gefeiert worden ist. Es sind das die- selben„N. N.", welche in persidester Weise die Arbeiter- bewegung tagtäglich attakiren. Die Monstreprozesse gegen unsere Genossen, bei denen Gut und Blut geopfert wurde, bei denen Jahrzehnte Gefängniß, bei denen Untersuchungs- Haft, Haussuchungen, Vexationen aller Art Dank dem edlen Michael Geh r et etwas waren, behandelten die„N. N." als„sensationelles" Lese« futter für ihre Abonnenten, und nur zagend und feigsetig fchämten sie sich ein wenig, ein klein wenig, als der letzte f rozeß gegen Auer und Genossen die Schändlichkeit des ockspitzelunwesens gar zu offen zu Tage treten ließ. Waren doch ihre Parteihäuptlinge, natürlich nur aus „Humanität" diejenigen gewesen, die den Erzfchurken FJUst während der Wahlperiode 1887 mit Geld alimentirt hatten. Wie gesagt, Herr Boshart war bereits einmal der „Märtyrer", und dieselben Organe, welche die Ein- kerkerung unserer Genossen im besten Falle als pikante Notiz brachten, waren außer sich über die Gräuelthat gegen Boshart. Ja, Bauer, daS«st auch etwas Anders. In Gotha hat Herr Boshart einen so beschränkten wie gehässigen Kanipf gegen die Sozialdemokratie in seinem Blatte geführt; er ist eben jeder sozialpolitischen Einsicht baar, was er freilich mit Herrn Eugen Richter und an- deren„Größen" seiner Partei gemein hat. Aber seine Kanipfesweise war, wie wir hier in Thüringen am besten wissen, eine keineswegs gentlemanlike; alter Klatsch und Tratsch, alle Bütisen, mochten sie auf dem Miste des Herrn Böhmert oder des Herrn von Ungern-Sternberg gewachsen sein, waren ihm willkommen, wenn sie nur gegen die Ar- beiterpartei gerichtet waren. Wir haben nicht den geringsten Anlaß, den Mann persönlich zu bedauern, wir pro- testiren auf's energischste gegen die ihm zu Theil ge- wordene Behandlung, weil wir Gegner jeder Unter- drückung sind, mag sie den Freund oder den Feind treffen. Nun aber der Revers der Medaille! Ist das, was dem Deutschfreisinnigen Boshart widerfahren ist, nicht Hunderten und aberhunderten deutschen Sozialdemokraten widerfahren, die wegen Preßvergehen, wegen Vergehen gegen das Sozialistengesetz, wegen„Geheimbündelei" ver- urtheilt worden sind? Herr Boshart wird aus seiner bayerischen Zeit sich wohl am besten erinnern können, daß z. B. die 1834 verurtheilten Münchener„Geheim- er geduldig abgewartet, hatte das geregelte Leben eines Uhrwerkes geführt und Geneviöve wie ein ausge- zeichnetes, ehrbares Geschäft betrachtet. Die Gewißheit, daß er sie besitzen werde, hatte ihn verhindert, nach ihr Ver- langen zu tragen. Und auch das Mädchen hatte sich daran gewöhnt, ihn zu lieben; aber mit dem Ernste ihrer zurück- Hailenden Natur und mit einer tief eingewurzelten Neigung,' deren sie bei ihrem einfachen, geregelten Alltagsleben sich kaum bewußt war. — Wenn man sich gefällt und es thun kann, glaubte Denise lächelnd sagen zu sollen, um sich gefällig zu zeigen. — Ja, dann schließt man immer mit der Heirath, er- klärte Colomban, der bisher nur langsam gegessen und noch kein Wort gesprochen hatte. Geneviöve blickte ihn lange an und sagte dann: — Man muß sich verstehen, dann geht alles von selbst. In diesem Erdgeschoß des alten Paris war ihre Neigung entstanden. Sie war wie eine Kellerblüthe. Seit zehn Jahren kannte sie nur ihn, verlebte sie ihre Tage an seiner Seite, hinter den Tuchstößen, i.n Dunkel des LadenS; und Morgens und Abends fanden sie sich Seite an Seite in diesem engen Speisezimmer, wo eS kühl war wie in einem Brunnen. Sie hätten draußen im freien Felde, unter dem Laubwerk der Bäume, nicht mehr verborgen, mehr außer Acht sein können. Nur ein Zweifel, eine Regung der Eifer- sucht konnte das Mädchen zu der Entdeckung bringen, daß sie sich in dem mitschuldigen Dunkel dieses Ladens, in der Leere ihres Herzens und Hohlheit ihres Kopses gänzlich und für imnier hlngegeben habe. In dem Blicke, welchen Geneviüve auf Colomban bundler" im Nürnberger Zellengefängttiß gerade so be- handelt wurden, nach der Anstaltsordnung behandelt wer- den mußten, wie die übrigen Insassen. Also Züchtlings- tleidung, Maske, lein Name, sondern eine Nummer! Wobei freilich zu konstatiren, daß weit über Bayern hin- aus die dortige Gefängnißleitung durch ihre humanen Grundsätze vortheilhaft bekannt ist. Aber wie ist es denn bei uns, um von Plötzensee u. s. w. ganz zu schweigen? In dein sogenannten„MännerzuchLhaus Ichtershausen" — thatsächlich ist es eine Strafanstalt, in welcher auch Gefängnißstrasen verbüßt werden— hat vor etlichen Jahren auch der Reichstagsabgeordnete Bock eine längere Hast verbüßen müssen. Damals freilich hat kein Deutschsreisimn'ger darnach gekräht Aber Bock ist ja auch Sozialdemokrat! Damals war das recht und billig, was heute Unrecht und Unbill ist. Und nicht blos Bock, auch andere Genossen haben in den anmukhigen Räumen von Ichtershausen sich „bessern" dürfen. Damals tödtliche Stille, und heute ein tosender Lärm, Beschwerden der liberalen Presse, Wehrufe der „gutgesinnten" Bürger und Erklärung des gothaischen Ministeriums, daß„die BeHandlungsweise inkorrekt" sei, daß der Direktor der Strafanstalt bestraft werden solle, daß das Ministerium nicht die Schuld an den Leidendes Herrn Boshart trage. Sehr wohl, wir begrüßen das Eingreifen des Ministeriums; wir sind der Ansicht, daß derlei überhaupt nicht hätte vorkommen dürfen, aber wir hüten uns, den sentimental-weinerlichen Schwindel mitzumachen, den der Liberalismus jetzt eben wieder aufführt. Dieser Liberalismus blieb nicht blos kalt gegenüber dem wahren Martyrium von so vielen braven Arbeitern, die in's Elend gingen, im Kerker dahinsiechten, deren Familien Hunger litten; dieser Liberalismus ist auch der Mitschuldige an den heutigen Zuständen. Und so büßt Herr Boshart nun, was der Liberalismus gesündigt. Das Volk, die Arbeiterschaft, wird es endlich besser machen. Ciu Artikel Friedrich Engels' über die deutschen Wahlen, den er Ende Februar im„Ncivcastle Daily Chronicle" veröffentlichte, analysirt die durch die sozia- listischen Wahlerfolge völlig veränderte politische Situation Deutsch- lands so treffend und charakteristisch, namentlich das Vrrhältmß zwischen Bismarck und Kaiser in so klarer Weise, daß gerade in der heutigen Situation, nach der Entlassung des Kanzlers, eine Uebersehung dieses Artikels den deutschen Arbeitern willkommen sein wird. Natürlich mußten mit Rücksicht mif die deutsche» Preß- zustände verschieden» Wendungen gemildert werden, die in der englischen Presse und vor dem englischen Publikum, das eine klare und ungeschimnkte Ausdrucksweise liebt, nur selbstverständlich er- scheinen. Der Artikel lautet: «Jeder, der die politisch« Entwicklung Deutschlands während der letzten zehn Jahre aufmerksam verfolgt hat, konnte an dem Erfolge nicht zweiseln, welcher oer deutschen Sozialdemokratie bei den allgemeinen Wahlen von 1890 harrte. 1878 ward die sozialistische Partei einem strengen Ausnahme- gesetze unterworfen, kraft dessen alle ihre Zeitungen unterdrückt, ihre Versammlungen verboten oder aufgelöst, ihre Organisationen zeytört wurden. Jeder Versuch, sie neu zu schaffen, wurde unter der Annahme einer„geheimen Verbindung" mit Strafe belegt und Verurtheilungen bis zur Höhe tausendjähriger Gejüngnißstrase über die Anhänger der Partei gefällt. Nichtsdestoweniger brachten die Sozialisten eine Agitation über das ganze Reich fertig. Woche um Woche»vurden taufende von im Ausland hergestellten Zeitungen und Broschüren ver- breitet. Auch im Reichstag hatten sie ihre Vertreter und in einer großen Anzahl von Gemeindeverwaliunaen, u. A. auch in Berlm. Diese wachsenden Erfolge der Partei wurden auch von ihren erbittertsten Gegnern anerkannt. Und dennoch mnß ein Erfolg, wie der von den Sozialisten am 20. Februar errungene, selbst den Zuversichtlichsten unter ihnen überraschen. 21 Sitze wurden im ersten Wahlgang erobert und in 68 Kreisen standen sie zur Stichwahl. WaL die Gesammtzahl der abgegebenen sozialistischen Stimmen gerichtet hatte, glaubte Deuise«ine beginnende Unruhe zu entdecken. Sie erwiderte daher aus die Bemerkung Gene- viive's: — Ei, wenn man sich liebt, dann versteht man sich auch.— Doch Band» überwachte streng die Tafel. Er hatte eben kleine Portionen Käse ausgetheilt und, um seine Ver- wandten festlich zu bewirthen, verlangte er noch ein ziveiteS Dessert, eine Flasche eingemachte Johannisbeeren. Es war dies eine Verschwendung, welche Colomban sehr überraschte. Pepe, bisher recht artig, führte sich jetzt, als die Johannis- beeren kamen, schlecht auf. Jean, der dem Gespräch über die Ehe mit gespitzten Oyren zugehört hatte, betrachtete jetzt seine Kousin« Genevwve; er fand sie zu weich, zu bleich uns verglich sie im Stillen mit einem weißen Kaninchen mit schwarzen Ohren und rothcn Augen. — Jetzt ist'S genug geplaudert, machen wir den Anderen Platz! schloß der Tuchhändler, die Tafel aufhebend. Nun gingen Mine. Baudn, der andere Kommis und das Fräulein zn Tische. Denise saß wieder allein in der Nähe der Thüre und wartete, bis ihr Oheim Zeit ge- winnen würde, mit ihr zu Vinaaro zu gehe». P p spielte zu ihren Füßen, Jean hatte seinen Beobachtung� poste» ans der Schwelle wieder eingenommen. Fast eine Stunde lang beobachtete Denise aufmerksam die Vorgänge im Laden. Ab und zu erschien eine Kundschaft; der Laden behielt seinen dumpfigen Geruch, sein Halbdunkel, in welchem de, ganze alte, rechtschaffene, einfache Handel seine traurige Verlassenheit zu beklagen schien. Um so interessanter war das Treiben gegenüber, in der Modehandlung„zum Glück de, Damen", deren Auslagen man durch die offene Thür sehen konnte. Der Himmel war noch immer umwölkt; ein lauer, stiller Regen ging hernieder und in dem matten Tageslichte, in welchem die Sonne wie in Staub aufgelöst mar, herrschte in dem großen Magazine ein reges Leben, eine rührige VerkaufSthätigreit.. � Denise glaubte eine mtt Hochdruck arbeitende Maschine vor sich zu sehen, deren Bewegungen sich selbst den Aus- lagen mittheilen. Es waren dies nicht mehr die kühlen Schaufenster vom Morgen; sie schienen jetzt wie g«. anbetrifft, so können wir sie erst annähernd schätzen. 1871 halten sie nur 102 000 Stimmen, 1873 zählten sie 493 000, 1878 550 000, 1387 763 000, 1890 können sie nicht weniger als 1 450 000 Srim- nlen haben, eher mehr. Die Sthrke der Partei ist also innerhalb drei Jahren M inindesteuI SO— SO pCi. gestiegen. 1887. gab es nur drei Parteien mit mehr als einer Million Wähler: die Nationalliberalen mit 1 673 000, das Zentrum mit 1 516 000, und die Konservativen mit 1 147 000. Diesmal wird nur das Zentrum seine Stärke behaupten. Die Konservativen haben starke und die RatioiialliberaUu geradezu enorme Verluste erlitten. In dem Verhältniß der Parteien in Teutschland vollzieht diese Wahl eine förmliche Revolution. Sie wird, darf man sagen, eine neue Epoche in der Geschichte Deutschlands einleiten, denn sie markirt den Anfang vom Ende der Periode Bismarck. Im Augenblick ist die Situation folgende: Mit seinen Erlassen über die Arbeiierschutz-Gesetzgebung und die inieruationale Konferenz trennt sich der junge.Kaiser von seinem Mentor Bismarck. Dieser yat es für klug erachtet, seinem inngen Herrn hierin freie Hand zu lassen, und ruhig abzuwarten, bis Wilhelm II. mit feinem Bestreben der Arbeitersreundschast sich Verlegenheiten bereitet hätte, dann würde für Bismarck die Zeit aelommen fein, als äeux ex maebina auf der Bildstäche zu er- scheinen. Diesmal hat ViZMatck über den Gang der Wahlen sich nicht sonderlich beunruhigt gezeigt. Ein Reichslag, mit dem sich nicht regieren läßt, und den man aufiösen könnte, sobald der junge Kaiser seinen Mißgriff eingesehen, würde sogar den Interessen Bismarcks dienen und ein beträchtliches Anwachsen der Sozialisten wird ihm dazu helfen, sich mit einer guten Wahlparole dem Lande zu präsentiren, sobald der Momeiit der Auflösung ge- kommen ist. Der Kanzler hat diesmal, daZ muß man gestchen, einen Reichstag erhalten, mit dem Niemand regieren kann. Wilhelm II. wird bald die Unmöglichkeit einsehen, in seiner Stellung und Angesichts deS gegenwärtigen Geistes der Großgrundbesitzer und der Bourgeoisie mich nur ein Atom der in seinen Erlaffen verkündeten Projekte zur Verwirklichung zu bringen. Die Wahlen haben ihm schon die Ueberzeug ng verschafft, daß die deutschen 'Arbeiter Alles, was man ihnen anbietet, als Abschlags- ahlung akzepciren, aber nicht ein Iota von ihren Prinzipien und Forderungen nachlassen; und sie werden in ihrer Opposition gegen eine Regierung nicht erlahmen, die nicht existiren kann ohne Knebelung der Majorität des arbeitenden Volkes. Deshalb wird auch sehr bald zwischen Kaiser und Parlament Konflikt entstehen, und die Sozialisten werden von allen rivali- 'ireuden Parteien der Schuld an Allem geziehen werden. Ein neues Wahlprogramm wird fertig sein und dann wird Bismarck kommen und die Auflösung bewirken. Aber er wird dann erkennen müssen, daß die Zeiten sich ge- ändert haben. Die sozialistischen Arbeiter werden stärker und entschlossener dastehen als zuvor. Bismarck wird nicht mehr auf den Adel rechnen können; dieser hat ihn immer als Verräther am wahren Konservatismus betrachtet, und ist bereit, ihn über Bord zu werfen, sobald der Kaiser nichts mehr von ihm wissen will. Die Bourgeoisie war seine Hauptstütze; aber diese hat kein Vertrauen mehr zu ihm. Der' kleine Hausstreit zwischen Bismarck und dem Kaiser ist auch dem Publikum zu Ohren ge- kommen. Er hat bewiesen, daß Bismarck nicht mehr allmächtig und der Kaiser nicht unzugänglich ist für die seinem Kanzler gefährlichen Strömungen. Wem von Beißen wird das deutsche Philisterthum sein Vertrauen zuwenden?... In der That, der Glaube an die Stabilität der 1871 geschaffenen Neuordnung der Dinge— ein Glaube, der, was die Bourgeoisie betrifft, unerschütterlich war, so lange der alte Kaiser regierte, Bismarck am Ruder und Mottle an der Spitze der Armee war— dieser Glaube ist für immer dahin. Das Joch der immer drückenderen Steuern, die Berthenerung der Lebensmittel durch exorbitante Zölle auf alle Gegenstände, Nah- rnngsmittel und Juoustrieprodukte; die unerträgliche Last der Milttärvflicht, die beständige und immer erneute Furcht eines möglichen Krieges— eines Krieges, der ganz Europa in Mit- leidenschuft ziehen kann und 4— 5 Millionen Deutscher unter die Dahnen zwingt— Alles das hat dazu beigetragen, den Bauern, den Kleingewerbtreibenden, den Ardeitern der Regierung zu ent- fremden— kurz, die ganze Nation, mit Ausnahme der kleinen Zahl derer, die von den durch den Staat geschaffenen Mono- polen profitiren. Alles das wurde ertragen, so lange der alte Kaiser, Bismarck und Moltke ein Regierungstriunwirat bildeten, das unbesiegbar schien. Aber heute ist der alte Kaiser todt, Moltke pensionirt und Bismarck hat es mit einem jungen Kaiser zu thun, den gerade er mit dem Glauben an sich selbst erfüllt hat, der danach strebt, das Kanzletregiment abzuwerfen. Bei einem solchen Stand der Dinge wird das dem Volke aufgebürdete Joch nicht mehr geduldig ertragen: der Glaube an die alte Stabilität der Dinge ist dabin: der Widerstand. der früher aussichtslos schien, wird jetzt zur Nothwendig- keit und bewirkt, daß so unregierdar der jetzige Reichstag erscheint, der künstige in dieser Hinsicht dem jetzigen noch über ist. Nach alledem hat Bismarck sei« Spiel schlecht kalkulirt. Bo, einer Auflösnng wird auch daS röche Gespenst, der Krikgsruj j gegen die Sezialisten, seine Hoffnungen nicht erfüllen." Erklärung. Um Mißverständnissen vorzubeugen, habe ich zu erklären: 1. daß mein von Herrn Schippe! in der„VolkS-Tribune" veröffentlichter Brief Sonntag, den 23. März, in Borsdorf geschrieben wurde, ehe die bekannte Zei- tungspolemik begonnen hatte; 2. daß dieser Brief, durch einen Meinungsaustausch mit Berliner Genossen veranlaßt war und» wie aus dem Wortlaut erhellt, meine Freude darüber ausdrücken sollte, daß der Gedanke einer allgemeinen Arbeitsruhr ausgegeben worden. Daß meinem Wunsch, mit Berliner und Dresdener Genossen auch über eine Resolution zu verständigen, keine sonderbünd- lerischen Neigungen zu Grunde lagen, brauche ich nicht zu ver- sichern. Wie scharf ich den Verftich, die Fraktion bei Seile zu schieben, mißbillige, das hat Herr Schippel, falls er einen Zweifel in dieser Beziehung hegen könnte, aus einem zweiten Bris von mir ersehen, den er wohl die Güte haben wird, zu ver- öffentlichen.. Alles Weitere überlasse ich der Fraktion, welche m nächster Zeit zu einer Konserenz zusammentreten wird. Bosdorf, den ö. April 1690. W. Liebknecht. xiolikifcho Ueberstrhk. Sojialpolitifches. Wenn wir immer energisch dafür| eingetreten sind, daß dem Uebergewicht des Unternehmers: und Kapitalisten über den Arbeiter gesetzliche Schranken gezogen werden müssen, so geschah dies nicht aus einer ein- i scitigen Abneigung gegen einzelne Unternehmer. Der einzelne' Unternehmer ist in seinen Handlungen und Entschlüssen nicht frei; er steht unter dem Banne der Konturrenz, die ihn zivingt, rücksichtslos zu sein, auch wo er es gar nicht möchte. Deshalb sind wir zu der Neberzeugung gekommen,, daß bei der Sozialgesetzgebung der gute Wille der Unternehmer ein Faktor ist, mit dem nicht gerechnet werden kann. Die bekannten sozialpolitischen Artikel des„Reichs« Anzeigers" bewegten sich in der Illusion, daß mittelst dieses vorausgesetzten guten Willens eine befriedigende j Lösung der Frage derArbeisdauer und der Lohnfrage zu erzielen sein werde. Es wurde dabei die Hoffnung ausgesprochen, daß die zu schassenden Organe, „welche ein Fühlungnehmen zwischen Arbeitern und Arbeit-| gebern ermöglichen", auch in der Lage sein werden,.be« gründeten Beschwerden" abzuhelfen. Nun, unseres Erachtens wird es dann möglich sein,- begründeten Beschwerden abzuhelfen, wenn die zu schaffenden Organe volksthümlich zusammengesetzt und; mit der richtigen Machtvollkommenhett ausgestattet werden. Daß solche Körperschaften indessen auch eine b e-? friedigende Lösung der Lohnfrage bewirken können,- das glauben wir nicht. Sie können viel thun, aber die Lohnfrage hängt mit den Gesetzen des Arbeitsmarktes, ja des Weltmarktes zusammen, und da kommen andere Dinge in's Spiel. DaS Vertrauen des„Reichs- Anzeigers" zu dem guten s Willen der Unternehmer wird schnell dahin schwinden, wenn sich der„Reichs-Anzeiger" genauer ansehen will, wie sich die Unternchiner und die ihnen ergebene Presse zu de, neuen Sozialpolitik gestellt haben... Unter den neu zu schaffenden Organen waren wohl tn erster Linie die vielgenannten Arbeiter- Ausschüsse zu verstehen, welche bekanntlich sofort das Widerstreben der großen Industriellen im Stanlsrath schon erregt haben.| Daß gar von obligatorischen Arbeiter- Ausschüsse» gesprochen wurde, konnten die Herren kaum erfassen; welche» Widerwillen sie gegen solche Arbeitervertretungen habe», auch wenn diese noch so schattenhaft sind, konnte man bei der BeratHnng der Unfallversicherung seinerzeit schon schein Höchstens würden sie sich aus gutem Willen entschließen, mit emigen von ihnen zu berufenden Arbettern eine Berathung Z» pflegen und dann nach eigenem Gutdünken zu befinden, was geschehen solle. Betrachtet man vollends die dem Unternehmerthum er- heizt und bebend von der inneren Erschütterung. Es stand jetzt ein schaulustiges Publikum da: Frauen drängten sich vor den Schaufenstern, eine ganze gierige Menge. Und in dieser leidenschaftlichen Erregung des Trottoirs gewannen die Stoffe frisches Leben; es ging wie ein Leben durch die Spitzen, welche in geheimnißvoller Weise die Tiefen des Magazins verhüllten; selbst die Tuchstticke, dick und massig, athmeten einen verführerischen Hauch aus, während die Paletots sich noch mehr auf den Probepuppen spannten, die eine Seele zu gewinnen schienen, und der große Sammet- mantel sich ausbauschte, geschuieidig und lau wie auf Schultern von Fleisch, und als ob in Brust und Lenden frisches Leben pulsiren würde. Doch die Fabrikhitze, in welcher das Haus glühte, kam hauptsächlich von dem Ver- kauf, von dem Drängen an den Pulten, das man sozllsagen die Mauern hindurch verspürte. Es mar wie das fort- dauernde Pusten einer in Bewegung befindlichen Maschine, einer„Verarbeitung" der Kunden, die zuerst vor die Schau- fenster gelockt, dann an den Waarcnpulten verblüfft und schließlich an die Kasse geschleudert werden. Und all' dies war mit mechanischer Genauigkeit geregelt: eine ganze weib- liche Bevölkerung von der Gewalt und Logik dieses Räder- wetfS erfaßt. Denise stand schon seit dem Morgen unter dem Ein- drucke der Versuchung. Dieses für sie so ungeheure Magazin, tn welches sie binnen einer Stunde mehr Leute eintreten sah, als bei Cornaille in sechs Monaten, verwirrte sie und zog sie an; eine unbestimmte Furcht rang in ihr mit dem Verlangen, daselbst einzutreten. Der Laden ihres Oheims hingegen erweckte ein Gefühl des Unbehagens in ihr. Es war eine unvernünftige Geringschätzung, eme instinktive Ab- neigung gegen diese eisige Höhle des alten Handels. Alle ihre Eindrücke: ihr scheuer Eintritt, der verdrossene Empfang seitens ihrer Verwandten, das trübselige Frühstück in diesem gefängnißartigen Zwielicht, ihr Warten inmitten der schläfrigen Einsamkeit dieses alten, sterbenden Hauses vereinigten sich zu einem dumpfen Widerstreben, zu einem leidcnschaftlichm Verlangen nach Licht und Leben. Und trotz ihres guten Herzens wandten sich ihre Blicke doch immer wieder der Handlung„Zum Glück der Damm" zu, alS ob die Verkäuferin in ihr daS Bedürfniß hätte, sich an der glühenden Atmosphäre dieses großartigm Geschäftes zu er« wärmen. — Diese haben wenigstens Zkundm, flüsterte fle unwill- kürlich. Sie bereute allsogleich diese Worte, als sie die Band»? neben sich bemerkte. Mme. Baudu, die ihr Frühstück längst beendigt hatte, stand ganz weiß da, ihre weißen Augen aus das Ungeheuer da drüben gerichtet, bei dessen Anblick eine stumme Verzweiflung ihre Augenlider schwellen machte. Was Genevieve betrifft, überwachte sie mit steigmder Um ruhe Kolomba«, der sich unbclauscht wähnend mit entzückte» Blicken die Verkäuferinnen der Konfektions- Artikel betrach' tete, deren Pult man hinter den Spiegelscheibm des Halb« stockes sehen konnte. Baudu, mit seinem galligen Gesichte, begnügte sich zu sagen: — Nur Geduld! Es ist nicht alles Gold, was glänzt- Er preßte die Lippen auf einander, aus Furcht loszu- brechen. Es war klar, daß die ganze Familie den aufstci- genden Zorn gewaltsam niederkämpfte. Ein Gefühl der Eigenliebe hielt sie zurück, so rasch, vor diesen erst ai» Morgen angclangtcu Kindern, sich gehen zu lassen. Endli« ermannte sich der Tuchhändler, er machte Kehrt, um nicht länger Zeuge deS lebhaften Treibens da drüben zu sein. — Nun dem:, gehen wir zu Tineard, sagte er. die Plätze sind jetzt sehr gesucht; morgen wäre es vielleicht schon zu spät. Bevor er ging, gab er dem zweiten Kommis den Aus« trag, Denisens Kasser vom Bahnhof zu holen. Mme. Baudu, welcher Denise ihr Brüderchen Pep» anvertraut hatte, er« klärte, sie wolle den freien Moment benützen, um de» Kleinen zu Mme. Gras, nach der Rne des Orties 3» bringen. Jean versprach seiner Schwester, den Laden nicht zu verlasseii. — Wir sind in zwei Minuten an Ort und Stelle, sagte Baudu seiner Nichte, während sie durch die R>» Gaillon gingen. Vin?ard hatte eine Spezialität in Seide» geschaffen, in der er noch sein Geschäft macht. Doch hat er zu kämpfen wie alle Welt, wenngleich er ein KnouP k gebene und beffen spezifische Jnteeesfen wahrende Presse, so wird man Jich käuitt mehr einem Zweifel darüber hingeben können, daß der gute Witte zum EutgegeukomMen unter die fromnien Wünsche gehört. Es kann nicht genug-ssstgc- nagelt_ werden, daß die Kartellpresse sich ganz offen gegen die kaiserlichen Erlasse aussprach und daß ein Blatt wie die„Hamburger Nachrichten" ganz unverblümt aussprach, die neue Sozialpolitik werde die Begehrlichkeit der Arbeiter steigern. Da kann Man sich denn auch nicht wundern, wenn diese Art von Presse bereits in Erregung kommt, sobald von Lohnfrage und Frage der Arbeitsdaner überhaupt nur gesprochen wird. Man erinnere sich nur, welche Haltung diese Presse gegenüber der Frage der inter- nationalen Arbeiterschutz-Geschgebung eingenommen hat, die sie immer noch für eine„Unmöglichkeit" erklärt, an ihr Auftreten in Bezug aus die Bewegungen unter den Berg- arbeitern und ähnliche Dinge, die alles Mögliche, nur nicht den vorausgesetzten guten Willen beweisen. Die„Urheber der Bismarcfschen Cozialreform" glaubten weiss zn sein, indem sie dieselbe so einrichteten, daß das Unter- nehmerthum damit zufrieden sein konnte; in Folge dessen blieb die„Sozialresorm" wirkungslos. Wenn man sich auf olle die Einreden der Unternehmer einläßt, so wird man vor tausend Hindernissen stehen und Halt machen müssen. Die Karlellpresse freilich hat nichts gelernt UM nichts vergessen. Von den Ausführungen des„Reichs-Anzeigers" gefallen ihr nur diejenigen, welche andeuten, die Staats- gcwalt werde Nach wie vor die Sozialdemokratie bekämpfen, und welche dahin gehen, daß die sozialistische Bewegung eine von den Agitatoren künstlich gemachtes«. Ter sozialpolitische Geheimrath, welcher diese Artikel verfaßt, hat ohne Zweifel die Grundlage zu seinen Anschauungen im Bismarck- scheu Lager gewonnen und bringt sie mm mit. Die Kartell- i'resse klammert sich daran und vergißt ganz, daß es doch sie so befehdete Volksbewegung ist, welche die ganze Reform- poluik angeregt hat. „Der„Reichs-Anzeiger", ein recht schwerfälliges Fahr- zeug, versucht in einem schwierigen Fahrwasier zu steuern; er verlangt von den Unternehmern gewisse Konzession, verspricht ihnen aber dafür den Kamps gegen die Sozialdemokratie. Wenn er damit die Unternehmet und die Arbeiter für sich gewinnen will, so irrt er sich, denn den Ar- becteril gefällt der Kampf gegen die Sozialdemokratie so wenig, wie den Unternehmern die Konzessionen gefallen. Wenn andererseits neuerdings berichtet wird, man wolle daS Sozialistengesetz fallen lassen, so halten wir dies nur für der Situation angemessen, nachdem die nngeheure Mehr- heit des deutschen Volks ihr Verdikt über dies Werk des gestürzten Kanzlers gesprochen hat. Dabei müssen wir aber nochmals kräftig betonen, daß mit dem guten Willen der Unternehmer nichts zu erreichen ist.?tur mit wohlformu- lirten gesetzlichen Bestimmungen kann map etwas ausrichten. Die zu schaffenden Organe müssen so gestaltet sein, daß die Interessen der Arbeiter voll und ganz zur Geltung kommen, und sie müssen eine Machtvollkommenheit besitzen, die ihren Beschlüssen Geltung und Befolgung verschaffen kann. Wir erinnern an die Arbeitskammern, wie sie in dem großen Antrag der sozialdemokratischen Abgeordneten von 1884 vorgeschlagen worden sind. Solche Körverschasteu würden das Vertrauen der ganze» Arbeiter- fchast besitzen. Acdeiterschich nach dem Sti'itn der arbeiterfreund. tiche« Herren Keatttionäre.„Schutz der Arbeiter gegen Terrorisums"— das ist die neueste Forderung der Sozial- refonner, die in der„Leipziger Zeitung", dem amtlichen Organ der sächsischen Regierung, den Pfaden deS abgetakelten Herrn Schweittburg folgend, ihr Wesen treiben. Daß im Land des Älttmchenkassee's und der Massenprozesse gegen die Verbrecher, welche sich erdreistet, das Kartell zn sprengen, mit dem Terrorismus nur der Einfluß der bösen Reichsfeinde gemeint sein kann, das versteht sich von selbst. Die Freiheit der Arbeiter muß vor den Eingriffen der— Sozialdemokraten geschützt werden— das ist„das notb- wendige Gegenstück des Koalitiousrechts— orakelt die „Leipziger Zeitung." Die Muhme macht wirklich Fortschritte im unsreiwilligen Humor. Allerdings neu ist das Späßchen ja nicht. Daß die Freiheit der Wähler durch die sozialdemokratischen Agitatoren beeinträchtigt sei, ist eine Entdeckung, die schon vor Monaten den sächsischen Landtag in Staunen und Heiterkeit versetzte. Und Fürst Bismarck hat ja bereits vor Jahren ich in ähnlichem Sinn über die Wahlfreiheit.geäußert. Vielleicht bringt nun die„Leipziger Zeitung" demnächst einen Borschlag, dahin gebend, daß jeder„Agitator",„Sozial- dcmolrat" oder sonstige reichsseiudliche Mensch, welcher die Arbeiter durch Wort oder Schrift zu irgend einem Handeln zu bestimmen sucht, als„Terrorist" unter Anklage gestellt und auf etliche Monate oder Jahre hinter Schloß und Riegel gesteckt wird, damit die Arbeiter ihr Koalitiousrecht „frei" ausüben können. Wundern sollte es uns Nicht, wenn ein solcher Vorschlag allen Ernstes gemacht würde. Welch sonderbare Begriffe in den Köpfen der„Leipziger Zeitungs"-Gelehrten und Geistesverwandten spuken, erhellt aus einer Notiz in derselben Nummer des genannten Blattes. Es wird da berichtet, daß in einer Versammlung von Leipziger Maurern beschlossen worden sei, den Staatsanwalt in Kenntniß zn setzen, daß die Maurermeister einen Bund ge- 'chlossen haben, welcher jeden Thejlnehmex zu gewissen Maß- regeln gegen die Arbeiter verpflichtet, und im Fall der Nicht- ersüllnng mit einer schweren Konventionalstrafe belegt.„So wenig Respekt haben die Arbeiter vor dem Koalitionsrecht, das auch für die Arbeitgeber besteht!" ruft ganz entrüstet >ie Muhme. Sie scheint nicht zu wissen, daß den Arbeitern, nsbesondere auch den Maurern das Koalitionsrecht in Sachsen thatsächlich genommen ist, und daß die Arbeiter, wenn sie ich au die Zraatsanwaltsmaft wenoen/blos ein gleiches Recht ür die Arbeiter wie für die Arbeitgeber fordern. Daß das ämtliche Organ der sächsischen Regierung eine solche Zu- muthung seltsam findet, das ist allerdings sehr charakteristisch. Der bvrnirte Parteigeist hat bei diesen Leuten alle Begriffe verdreht und das Urtheilsvermögeu vollständig gelähmt. Es gehört das zu dm„segetisreichen Errungenschaften" der Aera Bismarck, die das unabhängige Denken und Ftthlm in Bann thut, und dadurch einen„nationalen" und �.patriotischen" ' irnschwnnd hervorgebracht hat, der uüs mit den größten esorgnissen für die Zukunft erfüllen Müßte, wenn, er nicht zum Glück aus gewisse Theile der sogenannten.gebildeten Klassen" oder„höheren Stände" beschränkt wäre. (Offifiä« wird geschrieben:„Das gesetzgeberische Pensum '!ir die nächste Reichstagssession wird, abgesehen von der Vorlage über die Gewerbegerichte und Einigungsämter, welche bereits den Bundesrath passirt hat, in einer Novelle zur Gewerbeordnung. einer Militär- und einer Kolonialvorlage bestehen. Alle drei letzt- genannten Vorlagen befinden sich noch in dem Stadium der Bor- berettung; dem Bundesrathe ist noch keine derselben zugegangen. Es dürste vielmehr bezüglich aller drei noch einige Z«t vergehen bis der Bunvesrath in die Berathung der Vorlage eintreten kann. Diese letztere selbst aber kann naturgemäß nicht über das Knie gebrochen werden, fondern bedarf sicher einiger Wochen. ES ist daher nicht ausgeschlossen, daß die Einberufung des Reichstages sich selbst bis zum Monat Mai verschiebt. Auch der auf die Erhöhung der Beamtengehälter bezügliche Nachtragsetat liegt dem Bundesrathe noch nicht vor. Neirngens entspricht die Angade, daß die in dieser Richtung bestandene Absicht im Hinblick auf die Mehrausgaben aus dem Gebiete der Heeresverwaltung eingeschränkt sei, der Wahrheit nicht." Wie rasch auch die klugen Ratte» das sinkende Bis- marcfsche Schiff verlassen haben, so sind doch einige auf ihm zurückgeblieben, man weiß nicht recht, so meint der Berliner Korre- spondent der„Franks. Ztg.", ob ans Unerfahtenheit oder in einer ihrem Geschlecht sonst nicht eigenen Anwandlung von Tapferkeit und Treue. In einzelnen Kartellorganen und in den Kund- gedungen von Körperschaften und Vereinen wird die Ent- lassung des Fürsten Bismarck auch jetzt noch in einem Tone besprochen und bedauert, der keinen Zweifel darüber läßt, daß die Entschließung des Kaisers dadurch mißbilligt werden soll. Vom demokratischen Standpunkt ist gegen eine tapfere Kritik nichts einzuwenden, nur sieht man mit Behagen, wie diejenigen Leute, die im letzten Dezsnntuin der Slera Bismarck mit der„kaiserlichen" Politik gekrebst und das„starke, preußische Königthum" weidlich gegen jede Regung dek Opposition ausgespielt haben, jetzt in der eigenen Schlinge zappeln und halb unbewußt, halb trotzig, s' antikaiserlich geberden. Das Erfteulichste auf diesem Geh leistet das konservativ-nationalliberal-gouvernemental-antisemitis_ „Deutsche Tageblatt". In einem Artikel, worin der liebe Gott gebeten wird, daß er das Deutsche Reich nach Verlust seines treuen Eckarts nicht elend untergehen lasse, wie einst das west- römische Reich, wird aus tiefem Fonds klassischer Bildung Fürst Bismarck mit— Stilicho verglichen, jenem weströmischen Reichs- kanzler ans dem Anfange des fünften Jahrhunderts, den der junge Kaiser Honorins ermorden ließ, weil er ihn in dem Verdacht hatte, dap er für seinen ältesten Sohn— Eucherius hieß dieser Sohn des weströmischen Kanzlers— nach der Kaiserkrone strebe. Das ist so ziemlich das stärkste, was eine der un- besonnenen oder tap.eru Ratten geleistet hat, und es ist begreis li«,. daß ein Blatt, wie die„Kreuzzeitung", über diese„Frechheit" ist, wie man ihn nicht bald wieder findet. Ich denke, er will sich zurückziehen wegen seines Rheumatismus. DaS Magazin Vin�ard's befand sich in der Rue Neuvc deS-petits-Champs, in der Nähe der Passage Choifeul. El war sauber und hell, ganz mit modernem Lupus eingerichtet, aber klein und mit einem dürftigen Waareuiager versehen. Baudu und Denise trafen Herrn Vin�ard in angelegentlicher Anterreduna mit zwei Herren. — Stören Sie sich nickt, rief der Tuchhändler; wir haben Zeit und werden warten. Er trat auS Diskretion in die Thnre und flüsterte seitler Nichte zu: — Der Magere ist zweiter Kommis in der Seiden Abtheilung beim„Glück der �Dameu", der Dicke ist ein Fabrikant aus Lyon. Denise begriff, daß Virnjard sein Geschäft Herrn Rovinean, dem Kommis vom„Glück der Damen" ans- schwätzen wolle. Offen und freimüthig thnend, warf er mit semtn» Ehrenworte herum wie ein Mann, den dergleichen nicht genirt. Er versicherte, sein Hans sei eine Goldgrube und trotz seiner überquellenden� Gesundheit unterbrach er sich zuweilen, um zu stöhnen und über seine verdammten Schmerzen zu klagen, die ihn verhinderter sein Glück zu machen. Doch Robineau unterbrac ihn ungeduldig;_ er wisse sehr wohl, sagte er, da,. für Modeartikel eine kritische Zeit gekommen sei und er führte eine Seiden-Firma an, welche durch die Nähe des Hauses „zum Glück der Damen" bereits in den Grund gebohrt worden sei. Doch Vinqard ereiferte sich und rief laut: — Ach ja! Der Sturz dieses Gimpels Vabre war ein Verhängniß! Seine Frau verschlang alles... Und dann bin ich fünfhundert Dieter weit, während Vabre sich Thür an Thür neben seinen Konkurrenten befand. Jetzt mengte Ganjean, der Seidenfabrikant, sich in die Unterhaltung. Man dämpft« von neuem die Stimmen. Der Fabrikant beschuldigte die großen Magazine, daß sie die französische Industrie ruiniren; ihrer drei oder vier dittiren allen übrigen und beherrschen den Markt. Die einzige Art, sie zu bekänivsen, fei die Begünstigung deS klei» neu Handels, besonders der Spezialitäten, welchen die Zu- kunft gehöre. Er stellte denn auch Robineau einen weit- gehenden Kredit in Aussicht. — Sehen Sie nur, wie das Haus„zum Damen" sich Ihnen gegenüber benommen hat! jnrn Glück en" sich Ihnen JB,. es keine Rücksicht auf geleistet« Dienste; ist, eine Maschine der Da giebt zur Ausbeutung von aller Welt!... Die Stelle des ersten Kommis war Ihnen seit langer Zeit zugesagt; da kam dieser Bouthemont, man weiß nicht woher, ohne jeden Rechts- titel, und nahm Ihnen den Posten vor der Nase weg. Noch blutete die Wunde, welche man Robineau durch diese Ungerechtigkeit geschlagen. Allein, er zögerte, sich zu etabliren. Das Geld sei nicht das seinige, erklarte er; seine Frau habe seckzigtausend Franks geerbt und er möchte sich lieber beide Hände abhacken lassen, als dieses Geld in zweifel hasten Geschäften zu riskiren. — Nein, ich kann mich nicht entschließen, sagte er end- lich; lassen Sie mir Bedenkzeit; wir werden schon noch davon reden. — Wie Sie wollen, erwiderte Vin?ard, ineem er seinen Verdruß zu verbergen suchte. Es liegt ja nicht in meinem Interesse, das Geschäft zu verkaufen. Hätte ich nicht solche Schmerzen... Dann wandte er sich an Baudu und fragte: — Womit kann ich Ihnen gefällig sein V Der Tnchhändler, der mit einem Ohr gelauscht hatte, stellte Denise vor; sie habe zwei Jahre in der Provinz ge dient und da Vingard eben eine Verkäuferin braucht... Vingard that sehr verzweifelt. — Ach, Sie kommen zn spät? Ich suchte acht Tage lang eine Verkäuferin; aber es sind kaum zwei Stunden her, seit ich eine solche aufgenommen habe. Es trat Stillschweigen ein. Denise schien bestürzt, Robineau, gerührt von ihrer dürstigen Gestalt, betrachtete sie theilnahmsvoll und erlaubte sich eine Bemerkung. — Ich weiß, daß man bei uns in der Abtheilung„Kon stktion" Jemanden braucht. (Fortsetzung folgt.) empört ist. Weniger taWos und mit mehr Geschick ist der Schmerz und der Unwille» über die WWnllng des bisherigen Reichskanzlers seit bei« Tage seinds ASganges bis zimt Ge- burtstaasfest in Kundgebungen zum Ausdruck gekouimen, bereu Urheber wahrscheinlich sehr bald über ihre eigene Tapferkeit, me oft der Much der Unwissenheit ist. erschrecken worden. Je mehr die Unklarheit, die durch die gefärbten, scutniiciitaleii Geruchw über den Abschied des Reichskanzlers verbreitet war. dura) genauere Kenntniß der Thatsachen und Verhältnisse aus oen Köpfen der bisherigen unbedingten Bismarckanbeter schwindet, desto mehr werden sie den Kundgebungen ihrer Trauer Schranken setzen. Das ist in den klügeren ihrer Organe schon deutlich erkennbar, sie haben bereits die Methode gefunden, den Schmerz über den Berlust des großen Staats- mannes in einer Form zu äußern, die auf der anderen Seite keinen Anstoß erregt. Einer ihrer klügsten Köpfe, Herr Miquci, der natürlich weiß, wie die Dinge in Berlin sich abgespie.i haben, ist ihnen mit dem besten Muster vorangegangen. In der Pfalz, wo man es versteht, sich national zu entrulten, und wohin Herrn Miqncl sein Herz zieht, namentlich weitn infolge der Ztveifelhastigkeit seines Mandats eine Neuwahl nicht lerne liegt, hat erne„Bismarckseier" stattgefunden. Hauptredner Herr Dr. Miquel. Die Welt, oder, um nicht zu übertreiben, d,e pon- tischen Kreise waren wirklich gespannt, wie dieser kluge Mann, dessen Politik bisher aus dem Zusammenwirken von Kaiser und Kanzler basirt war, die Aufgabe lösen werde, über den Rücktritt Bismarcks zu sprechen, ohne oort anzustoßen, wo er selvst persona srata ist. Man hat mit Ungeduld die Berichte erwartet, und setzt, Ivo sie vorliegen, herrscht nur eine Stimme, Herr Miquel hat seine Aufgabe mit ftaatsmännischem Glänze gelöst. Er har eine von warmer Begeisterung durchwehte Rede auf den--Kaiser ehalten. Eine Rede auf den Reichskanzler ist natürlich auch ge- alten worden, aber nicht von Herrn Miguel, sondern vo» einem ssarrkr. Man hat dem Fürsten Bismarck auch gratulirt, herzlich und dankbar, aber nur so, wie man einem verdienten Manne gratulirt, der in den Ruhestand getreten ist. Allen bangen Ge- müthern, denen es jegt nicht leicht wird, ihren Schmerz über die Entlassung Bismarcks in rechten Einklang mit der üblichen Treue gegen den Kaiser zu bringen, ist die„Bismarckseier" in Kaisers- läutern als Muster zu empfehlen. Uatioitallibrrale Uuverschämthett. Die„Boss. Ztg." druckt folgenden Brief aus Gelsenkirchen ab: Das bedeutendste Radauelement stellen die Polacken, deren Sächsengängerei hier nicht weniger als Landesunglück empfun- den wird wie in, Osten; an sie schließt sich Alles, was an un- reifen jungen Lümmeln vorhanden ist, und diese beiden Ka- tcgorien, welche bei den Reichstaaswahlen ihre schützbaren Stimmen wuchtig in die Wagschale werfen, terrorisiren die dritte Gruppe: die altern Hauer, welche sich der guten Löhne erfreuen und gern in diesen fetten Jahren für die zweifellos kommenden schlechtern Zeiten etwas zurücklegen möchten... Es ist nur die höchste Zeit, daß dieser herrliche Frühling wieder verschwinde, welcher das Faulenzen zu augenehm macht, daß unser Herrgott in seinem Zorne surchtbaren Regen- sturin niederströmen läßt, der die Menschheit ernüchtert und die Leute herabsteigen läßt, indem er sie von der Erdoberfläche vertreibt, welche jegt viel zu schön ist, als daß man sie ver- lassen möchte.,..... Die„unreifen jungen Lümmel", welche ihre schätzbaren Stinimen in die Wagscyale werfen, müssen nach§ 1 des Gesetzes vom 81. Mai 1869 das 25. Lebensjahr zurückgelegt haben. Arbeiter merkt es Euch! Aus Uvtersirauke». Aus Faulbach a. M. bringt die „Fränkische Tagespost" folgende Mitlheilung: Der hiesige Pfarrer hat an der Kircythüre folgenden Erlaß anschlagen lassen:„Mahnung an meine Pfarrkinder!?lm 20. Februar haben zwei Drittel der katholischen Gemeinde Faulbach sich für einen Mann ent- schieden, der sich offen in Würzburg als ChrisMsfeind Und Re- ligionshaffer erklärt hat, zwei Drittel haben sich also als Anhänger der Feinde Christi offen bekannt und mit Schneider Höpsner (Sozialdeuiokrat) ihren Glauben öffentlich verleugnet; zwei Drittel haben mit den Juden vor Pilatus eingestimmt in das Geschrei: „An's Kreuz mit der Religion Christi!" Ist das Euer Mille? Dann reißet Eure Kirche nieder; denn sie hat keinen Platz i» dem von Schneider HLpfner ersttebten Zukunftsstaat.— Habt Ihr aber aus Unwissenheit und Verblendung gehandelt, so laßt und eifrig zu Gott stehen, besonders in der letztgen Fastenzeit, daß er uns den 20. Februar 1890 nicht zu streng vergelte. Faulboch, den 21. Februar 1890. Zieglcr, kath. Pfarrer." Das Aktenstück ist mit dem Amtsstempel der Pfarrei Faulbach versehen. Dur Kergarl-otter-Kewcanng. Gelsenkirchen, den 5. April. Bei der heutigen Morgenschicht sind angefahren auf Zeche„Hibernia" 886 Mann,„Wilhelmine I" 468 Mann,„Wil- tzelmtne II" 250 Mann,„Rheinelbe" 484 Mann,„Alma" 2841 Mann; aus Zeche„Konsolidation" ist die Belegschaft fast voll- zählig angefahren. Man erwartet, daß die Reste der Belegschaften mit den Mittagschichten anfahren werden. Dortmund, 5. April. Der„Rh«in.-Westf. Zeitung" zu- folge kann der Streik als beendet angesehen werden. Wie auf Zeche„Konsolidation", so sind auch auf„Bruchstraße",„Krone", �Borussia",„Amalia" und„Recktinghausen" d,e ganzen Beleg- schafteN angefahren, scaner auf Zeche„Hannover" bei Eickel, ans Schacht„Recklinghausen" und„Amalia" der Harpen« Bergbau- aesellschast. Auf Zeche„Reu-Jserlohn" bei Langendreer sind auf Schacht 1 von 216 Mann 63, auf Schacht 11 von 426 Mann 330 angefahren. Aus Zeche„Ringeltaube" bei Witten ar- beiten von 800 Mann 82 unter Tage und auf Zeche„V«- einigte Hamburg" ebendaselbst sind 277(vorgestern nur 92) an- gesahre». fiU Stichwahl k» Kraudenburg Mesthnvettiind«gab en Teutschsreisinnigen Hugo Hermes 7117, für Ewald (Soziald.) 6154 Stimmen. Herr Hermes ist also geivählt. In der Stichwahl am 1. März siegte Herr Rickert mit 7500 über Ewald mit 7000 Stimmen. Großbvttauniett. In Folge der Ausweisungen auf den Olphert- scheu Gütern in der Grafschaft Donegal sind jetzt 1800 Menschen daselbst obdachlos. Nur sechs Pächter sind auf ihren Stellen belasten worden. Es wurden in aller Eile Hütten ge- baut, um den Armen ein Unterkommen zu gewähren. Bei Killull und Baltony sind auf diese Weise zwei neue Därf« im Entstehen begriffen und eine dritte Kolonie befindet sich unmittelbar vor dem Olphert'schen Schlosse. Fvattlrreich. Paris, 4. April. Infolge eines Uebereinkomniens zwischen den Mimstera des Krieges, des Auswärtigen, der Marine und des Handels und dem Nnterstaatssekretär der Kolonien beschloß die Regierung die nothwendigen Maßregeln zur Verhinderung d« Landung von Waffen an der Küste von Dahomey zu treffen. Paris. 4. April. Der Ministerpräsident Freycinet hat tele- graphisch die Untersuchung üb« die Entstehung des BrandeS der Militärbaracken von Commercy angeordnet. Der Hammelauftrieb hat zu dem letzten Markte in La Billette eine derartige Zunahme erfahren, daß die Krisis als beendet angesehen werden kann.(? Red.) Vortugal. Ein Massenstreik der Weinküfer in Oporto ist auch in diesem Frühjahr ausgebrochen; doch erschienen dieses Mal die Arbeiter besser orgamsirt auf dem Kampsplatze und hoffen ihre Forderungen durchsetzen zu können. Sie verlangen zehn- stündige Arbeitszeit und eine Lohnaufbesserung um 40 Prozent, am letzten Montag betrug die Zahl d« Streitenden Mann. Theater. Sonntag, den ö. April. Vpernhau«. Das Käthchen von Heilbronn. Montag: Othello. Dienstag: Die Zauberflöte. Kchauspielhan». Die Quitzow'S. Montag: Die Anna-Lise. Dienstag: Der Sturm. LeMna-Thenter. Die Ehre. Montag: Juliette. Vorher: Zru- del's Ball. Dienstag: Das vierte Gebot. AevUner Theater. Wallenstein'sDod. Montag: Der Veilchenfresser. Dienstag: Wallenstein's Tod. Deutsches Theater. Der G'wissenS- wurm. Montag: König Midas. Frirdrich-Milhelmstädt. Theater. Der arme Jonathan. Montag: Dieselbe Vorstellung. Dienstag: Dieselbe Vorstellung. HpaUner-Theater. Die Bajadere. Vorher: Der Spätsommer. Montag: Dieselbe Vorstellung. Dienstag: Dieselbe Vorstellung. Diktoria-Theater. Stanley in Afrika Montag: Dieselbe Vorstellung. Dienstag: Dieselbe Vorstellung. vstrud-Thrater. Die Geheimnisse von Neiv-Io� oder: Madeline's Dämon. Montag: Dieselbe Vorstellung. Dienstag: Dieselbe Vorstellung. DrKdrtts-Theatrr. Marquise. Montag: Dieselbe Vorstellung. Dienstag: Dieselbe Vorstellung. Krlleallianr«» Theater. Der Nau- tilus. Montag: Dieselbe Vorstellung. Dienstag: Dieselbe Vorstellung. Kiiuiastädtischr» Theater. Zwischen Himmel und Hölle. Montag: Dieselbe Vorstellung. • Dienstag: Dieselbe Borstellung. Central Theater. Ein fideles Haus. Montag: Dieselbe Vorstellung. Dienstag: Dieselbe Vorstellung. Zl>»lf Gruft» Theater. Der Gold- fuchs. Montag: Dieselbe Vorstellung. Dienstag: Dieselbe Vorstellung. Aroll's Theater. II Trovatoro. Montag: La Traviata, Dienstag: II Trovatore. Theater der Zieichohalleu. Speziali- tätenvorstellung. vebr. Uichter'o Kartttö. Speziali- täten-Vorstellung. Kaufmann a Kariott. Spezialitäten- Vorstellung. Englischer Garten Direktion: C. Andreas, Alexander- slrahe 27 c. Auftreten des Gesangshumoristen Herrn Jung. Auftreten der deutsch• schwedischen Ehansonnette Kräulein Tomuy Patar#. Auftreten der vvrzöalich. Liedersängerin Frl. Margaretha Steinow. Mau 1 1 Austreten des Jnstrumental- und Gesangs-Terzetts(3 Damen) Geschwister Sawona. Auftreten der beliebten Duettisten Ge- schwister König. Anfang Wochentags 8 Uhr. Entree 30, 60 u. 76 Pf., im Vorverkauf 20 u. 30 Pf. Sonntags Anfang halb 6 Uhr. Sonntags Entree 60, reservirt 76 Pf., Orchester 1 Mark. Vorverkauf Entree 40 Pf. MM 81. Zliitrr den Linden 81. MM Jni Hause der Wilhenishallen neben der Passage. BßXl- Borführung egyptischer u. indischer 7,Ä. Bey% 3, 2 u. 1 M. Billets im Jnvalidendank. Täglich AU- MWüttttt Buggenliagen am Moritzpiatr. Täglich: 6p. InatrumantaUConoart, Direktion Zi. Ködmann. «.. Wochentaga 10 Pfg., Xilltl'ee Sonn- und Festtag« in Kaiseraaal 25 Pfg. 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Vorführen d. 8 großartigen englischen Vollblutspringpferde. Schulquadrille. Auftr. d. Schulreiterin Frl. Zephora. E. Renz, Direktor. Circus Wulff. DV Friedrich Carl• Ufer. Ecke Karlstraße. Sonntag, den 6. und Montag, den 7. April, (erster und zweiter Osterseiertag): Je 2 Nachmittags 4 Uhr u. Abends 71/s Uhr. Zu den Nachmittagsvorstellungen ist jeder Besucher berechtigt, auf das von ihm gelöste Billet 1 Kind unter 10 Jahren frei einzuführen. Sämmtl. Vorst, sind mit versch. vorz. gewählten Programmen ausgestattet. In den Nachmittag- u. Nbend-Vorst. Gastspiel der fliegenden Männer Mr. Nestor u. Zlerien in ihren sensationellen Leistungen am fliegenden Trapez. In den Abend-Vorstell. 10 traf. Hengste in Freiheit vorges. v. Direktor. Auftr. der -altoinortal-Reiterin Frl. Louise Renz. Mikado, bestes Springpferd der Gegen- wart, springt zum Schluß durch eine Krupp'sche Riesenkanone. Dienstag, d. 7. April. Abends 7Ve Uhr, gr. Borst, mit neuem Programm. Hochachtungsvoll Ed. Wulff, Direktor. American-Theater Dreodrnrrstraßr 65. T Agile h Verstellung Passaar 1 Tr. 9 Uhr M. b. 10 Uhr Ab. Kaiser-Panorama. Neu: Erste Reise d. d. Uiviera. Monaco. Nizza. Cannes ic. Neu! III. Cyclus Gonstantinopel. Zweite Reise d. Tirol. Eine Reise 20 Pf., Kind nur 10 Pf. Abonnement 1 M. Vergnögungsver.„Schwarz- Weiss-Roth". Am Dienstag(3. Feiertag), Abends 7 Uhr, Sitzung mit Damen im Restaur. euerstein. Alte Jakobstr. 75. Nach der atzmig Fidelitas. Gäste willkommen. Die Sitzungen findet regelmäßig am Dienstag 9 Uhr statt.[724 Reßaumt im WM. WicnerstraSBe 31. Jeden Abend: 716 Gr. Frei- Concert, der Wiener Damen-Kapelle H.Thenmer. Um gütigen Besuch bittet ergebenst A, Biesenthal. Lager sämmtl. Musikinftrum. als Zithern, Violinen Kandolinen, Flöten, vnitarren�. "•'• �.�V�Sluswahl in ♦ v ��Leierkast.,Aristons Spieldos.,Harmonikas August Kessler, Lausitzerstr.51,Jnstr..Ges>' Roh-Tabak! Preiswert he Sumatra-Decken 250 Pf. bis 600 Pf., wie billige Cmblatt• und Einlage-Tabake empfehlen 1228 W. Bergemami u. Co., C., Alexanderstr. 38. WIaho IATaII Hasenbaide, Bergschlossbrauerei. Heue weil Am 1. u. 3. Feiertage: SelMrt Lustschhffers Job. Otto mitarn„Condor." 91 Dftnf tiertag; Militaii'-Coiicert, Bai champetre etc. Damtif-Caronsscl, Circus, Riesenschaukel, Rollcorso, Laohcabinot etc. 722 Entree 25 Pfg- frei. Grosse öffentliche Kommunalwählep-Vei�sammlg. am Mittwoch, den 9. April 1890, Abends S'/e Uhr, in Lehmann s Salon, Schivedterstraße 23—24. Tagesordnung: 1. Die bevorstehende Stadtverordnetenwahl im 32, Wahlbezirk. Referenten: Stadtverordneter Vogtherr und Becker. 2. Nomi- nirung des Kandidaten. 3. Ergänzung des Wahlkomitees. 4. Diskussion. 5. Verschiedenes.— Zur Deckung der Unkosten findet Tellersamnilung statt. 721 Der Einberufer: Adolf Adler, Metzerstraße 33. Große öffentliche Versammlung sämmtlicher in Giseudahnmerkstätten n. Ketrieben beschäftigter Arbeiter am Dienstag, den 8. April, Vormittags 10 Uhr, im Lokale Konigsbank, Große Fraiikfurtcrstraße Nr. 117. Tagesordnung: 1. Stellungnahme zur Umgestaltung resp. Auflösung der Pensionskasse. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. 741 Oer Einberufer. m■iRs»BriifiMwr.\im.iiw.4WMwii Große Versammlung des Fachvereins der Former und verm. Herufsgenoffen am Dienstag, den 8. April er., Vormittags 10 Uhr, in Heydrieh's Festsäle, Beuthstraße 22. Tagesordnung: 1. Wie stellen sich die Former zum 1. Mai? Referent A. Körsten. 2. Diskussion. 3..Die Aussperrnng von Wehrent von Michaelis und Easpari. 4. Verschiedenes.— Um recht rege Betheiligung ersucht 734 Der Vorstand. Fachverein der Lederarbeiter. Mittwoch, den 9. April, Abends punkt 9 Uhr, im Etablissement Buggenhagen am Moritzplatz: Große öffentliche Versammlung sämmtl. Lederarbeiter Kerlins n. Umg. Tages-Ordnung 1. Wie verhalten sich die Hausarbeiter zu unserer bewegung? Referent Herr Schuhmachermeister Metzner 3. Beschlußfassung über den 1. Mai. Sämmtliche Hausarbeiter sind hierzu eingeladen. hrigen Lohn- schievenes. Große öffentliche Versammlung her iv BltPinhereiel!, Mm-, Leher-,Kllrtl>llll.Ll!xusMi>ier- am Freitag, den 11. April, Abends 8V2 Uhr, bei Buggenhagen am Moritzplatz(oberer Saal). Tagesordnung: Stellungnahme zum 1. Mai. Referent Herr Max Baginski. Diskussion. Verschiedenes.— Zur Deckung der Unkosten findet eine Tellersammlung statt. Der wichtigen Tagesordnung wegen rechnet auf zahlreichen Besuch 720 Oer Einberufer. Große öffentliche Versammlung der Klavier-, Klaviatur- und Viano- Mechanib-Arbeiter am Dienstag, den 8. April, Vormittags 9Vz Uhr, bei Buggenhagen am Moritz-Platz. Tagesordnung: Wie stellen sich die Klavierarbeiter zu den Lohnsorde- rungen der Tischler? Referent Fritz Zubell. Um zahlreiche Betheiligung der Kollegen ersucht 698 Oer Einberufen. Sichtung! Putzer! Grosse öffentliche Versammlung der Putzer Berlins und Umgegend am Dienstag, den 8. d. M., Nachm. 2 Uhr, im Lokale KSnigshof» Bülowstraße 37. Tages-Ordnuna: 1. Die Nothwendigkeit einer Vereinigung zwischen Putzern und Maurern. 2. Diskusston. 8. Verschiedenes.„ �„ Zur Deckung der Unkosten findet eine Tellersammlung statt. Um zahl- reichen Besuch wird gebeten. Ter Einberufer: Hermann Liefert, Skalitzerstraße 64a, 694 Gr. vffentl. Generalversammlung her Mrer Berlins nni) Umgegend am Donnerstag, den 10. April 1890, Abends 8�-> Uhr, im grossen Saale von Buggenhagen am Moritzplatz. Forderung(neun ist ein Stre� Tages-Ordnung: 1. Ist bei unserer jetzigen Agitation unsere gestellte„------- stündige Arbeitszeit, CO Pf. pro Stunde) zu erreichen, oder ist ein Streik noth- wendig, event. wann gedenken die Maurer dieselbe zur Durchführung zu bringen? 2. Entgegennahme von etwaigen Monitas von der letzten Abrechnung vom Generalfonds, sowie Neuwahl eines Vertrauensmannes fürs Centrum. 3. Stellungnahme zu dem am 27. Mai d. I. in Erfurt stattfindenden Deutschen Maurer-liongreß. 4. Wahl der Telegirten zu demselben. 6. Verschiedenes. Eine recht rege Betheiligung erwartet Der Eiliberufer. 773 Ache öjfentl. Versnmmlnng der Carton-Arbeiterinueu und Arbeiter am Donnerstag, den 10. April 1890, Abends 8 Uhr, in Deigmüller's Lokal, Alte Jakobstr. 48a. Tagesordnung: 1. Welche Mittel sind geeignet, eine Verkürzung der Arbeitszeil und Lohnerhöhung yerbeizusühren? Referent: Max BaginSki. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Ter wichtigen Tagesordnung wegen ist das Erscheinen der Arbeiterinnen und Arbeiter dringend nothivendig. Die Versammlung wird Punkt 8 Hlbr eröffnet. 781 Di» Giuberuferin. Mnhpl Spiegel und Polster-Waaren, MK W W VA; reell» Dvaar»;u soliden preise«. Ganze Ausstattungen BMMMMMIM8MM in Nlahagoni u- Nußbaum; Kiichenmöbei in großer Franz Tulzaner,'&%%%% Breslauerstraße 27. Allen Genossen empfehle mein VelsZ- und Bairisch-Bierlokal. 678 Großes Vereinszimmer mehrere Tage frei. Gustav Tempel* Allen Freunden und Bekannten empfehle mein 947 Weip nnii BnirW-VückW. C. J. Petersen, Veteranenstr. 22. Allen Genossen empfehle mein[390 Emil Koepnick, Schillingstr. 30a, Ecke Magazinstraße. Allen Freunden u. Genossen empfehle mein 147 Weiß- nni) BllmWier-LM. 2 Vereinszimmer stehen zur Verfügung. H. Wuttke, Priedriohsbergerstr. 20, park. Echten MMnser Ksrn ä FL ezcL 75 Pf. Bttl. kckÄt-Mml 00 Pf. zOttliMt/"-?.?'"" empfiehlt die Groß-Destillation von Leltau& Keil,"TT an der Rosenthalerstraße. Geschäftsschluß AbendS 8 Uhr. H. Richtet*} Optiker, Berlin C., Wallatraase 97, am Spittelmarkt. 2. Geschäft: Weinberg»- veg 15 h, am Rof entHaler Thor. Alumingold- Brillen und Pince-nez, garantirt me schwarz werdend..., M. 2,o9 Nickelbrillen u. Pince-nei. M. 1,5° do. allerfeinste Qual. M. 2,— Rathenover Brillon... 391. 1,— do. allerfeinste Qual. M. 2.— Spetiläfer, trÄ«• zle»! Opern- n. Reiscglas, Excelsior, das Beste auf dem Markte, mit Etui? und Riemen M. 12,—. Acht«til dilligste Sfjnjäptlf aller optischen Tlrtikek, genaueste Fach- lennwiß, eigene Werkstatt, prompt. Ver- fand nach außerhalb gegen vorherig« Einsendung oder Nachnahme. 1«8 Verlegung« Hierdurch mache ich die ergebene Mittheilung, daß ich Anfang April ds. Js. meine Geschäftsräume für das Engrosgeschäft nach Lnckaner Strasse 15 pt. und für das Detailgeschäft nach Oranieii* Strasse 159 verlege. CaH Krebs, Cigmen-FMil mii) Import, billigst! W.Müller GrOnor Weg 112. Fr. Gragert, 5u.l3 Zionskirchplatz 5 w. 13' Magazin für - C 1 als": Kochgeschirr», Kolinger Stahl' waaren, sowie verschiedene Kotf- waaren. KlUigst« Kef ugoqueU« für Miedst vrrliäufer. Tie besten und billigsten EigaN«' sind zu haben Lübecker str. 42. 1� Ii._- Verantwortlicher Redakteur: Eurt Kaalle in Berlin. Druck und Verlag von Ma» Kading in Berlin S\V„ Beuthstraße 2. Kirr«« zwei Leilagt» 1 Nr. 81. Sonntag, den 6. April 1890. ?. Jahrg. Arbeiter des 3Z. nnd 42, Kommnnal-Mahldezirks! 9lm 15. April findet in Euren Bezirlcn eine Nachwahl für dir Stadtvertretung statt. Bei der Wichtigkeit, welche die Agi- tation für die Stadtvcrordneten-Wahlen für die Berliner Sozial- denwkratie hat, ist eZ nöthig, daß diesmal eine ganz besondere Stärke und Nachhaltigkeit in unserem Vorgehen gegen die frei- sinnige Majorität entfaltet wird. Die Wählerlisten liegen für den 32. Wahlbezirk vom Mittwoch, den 9. d. Mts., beim Restaurateur Schcrbing, Fehrbellinerstr. 93: für de» 42. Wahlbezirk Sonntag, den 6. d. Mts., beim Restaurateur Li. Wilke, Hochstr. 32; täglich von des Morgens bis Abends zur Einficht für Jeder- uiann aus. Diejenigen Genossen, welche gewillt sind, sich an der Wahl- Agitation und der Wahlhandlung zu betheiligen, werden ersucht, ihre Adressen beim unterzeichneten Zentral-Wahlvorstand sowie bei den Vertrauensleuten der Bezirke niederzulegen. Das Zentral-Wahlkomitee. Otto Klein, Stadtverordneter, Ritterstraße 15. Otto Kräker, Zigarrenhandlung, Wasserthorstr. 20. Franz Mohrbach, Konditor, Lausitzer-Platz 3. Johann Gnadt, Stadtverordneter, Bnmnenstr. 38. Franz Tutzauer, Stadtverordneter. Köpnickerstr. 24. Karl Wuttig, Tischler, Solmsstr. 2. Otto Heindorf, Stadtverordneter» Langestr. 77. 'Die Vertrauensleute der Bezirke sind: Für de« 32. Kezirk: Adolf Adler, Kaufmann, Metzerstr. 33. Karl Tausenfreund. Möbelhändler, Fehrbellinerstr. 73. PaulHeidtmann, Zigarrenarbeiter, Vrunnenstr. 92. Für de« 42. KmrK: A. I o c o b e i, Töpfer, Hochstr. 33, Hof 11. H. Raschle, Maurer, Wiesenstr. 8, Hof 111. W. Marten, Metallarbeiter, Liesenstr. 4, Hof IV. W. G a n s ch o w, Maurer, Wiesenstr. 8, Hof III. C. Eltzholz» Badstr. 15, 11. Wir machen hier noch besonders auf die Bersammlungs- anzeigen aufmerksam, welche im Vereins- und Annonzentheil rechtzeitig bekannt gegeben werden. In der nächsten Woche findet die Aufstellung der Kandidaten statt. LoKsles. 5«* Kpandauer Kock war am Charfreitag das Ziel für Zehntausende von Berlinern. Seit den großen Radauszenen, die vor einem halben Jahrzehnt daselbst aufgefühtt worden sind, ist der Besuch in keinem Jahre wieder so stark gewesen wie diesmal. Am Vormittag war der Besuch der beiden Lokale nnr müßig, aber Nachmittags von drei Uhr ab ergoß sich eine wahre Völker- Wanderung zu Wagen und zu Fuß da hinaus. Die Wagen der verschiedensten Art fuhren so dicht und in mehrfacher Reihe, daß es oft fünf Minuten dauerte, ehe es möglich wurde, die Straße zu überschreiten, welche den„Bock" von der„Zibbe" trennt. Aus dem eigentlichen„Boa" war Nachmittags kein freies Plätzchen mehr zu finden, aus leeren Tonnen wurden Tische improvisirt, Ostern! „Was weinest du? Um bitt're Erdenoth? Weil über dir die Trübsalswolke dunkelt? O siehe, wie das Ostermorgenroth So hell auf dm Charfteitagabend funkelt; D'rum dulde muthig, glaube, Hofs' auch du." Die Glocken läuten das Ostern ein; ihr eherner Klang geht über die Lande, weckend die Eriimerung an das Evangelium der Erlösung und Versöhnung, das die Müh- seligen und Beladenen trösten und erheben, sie nnt neuer Kraft erfiillen und mit dem Bewußtsein beleben soll, daß Leid, Roth, Trübsal und Tod doch nicht den Sieg behalten, sondern weichen'müssen der Macht des Lichtes, der Wonne und des Lebens. Nach langer, banger Winternacht, die mit vielgestalti- gem Banne Natur und Menschen umschlossen hielt, bricht leuchtend der befreiende Lenz herein; auf seinen Schwingen hält das Osterfest seinen Einzug und tausenfältig in Wald und Flur aus entknospeilden Trieben spricht die hehre Bot- schaft der Auferstehung. Aufjauchzen im Glänze der sich ent- faltenden Lenzesvracht soll das freie, frohe Lied; vergessen sollen wir am Osterfest, was die Brust beengt, den Sinn bedrückt; neue Hoffnung soll einziehen in das gequälte Menschenherz, jene heilige Macht, die neuen Muth und neue Kraft zum Ringen und Kämpfen gicbt. Nnd die Hoffnung, sie ist ja so schön, daß es verführen kann, über reizvollen Bildern der Zukunft die nicht immer reizvolle Gegenwart zu vergessen und die bessernde Hand von den Nebeln der � Die Natur übt ihre gewaltige Macht. Was sie heut noch als Vorahnung schöner Tage nur andeutet, steht nach wenigen Monden in vollendeter Gestalt vor uns. Denn die Bestimmung alles dessen, was unter ihrer Herr- schaft existirt, ist, daß es nicht nur Hoffnungen errege und nähre, sondern durch seine Entwickelung nutzbringende Früchte zeitige. Und kann der Mensch ein besseres Muster tur sein Thun und Handeln finden, als in der Arbeit, um wenigstens die Gläser mit dem dunkelbraunen Gerstensafte aus der Hand setzen zu können. Zahlreiche Gruppen hatten sich bereits auf dem Erdboden gelagert, so weit der Menschenandrang dazu Raum ließ. Auf der„Zibbe" wurde ein Entree von 25 Pf. erhoben, dessen Ertrag den Armen von Spandau und Charlotten- bürg zu Gute kommen soll. Dieses Entree berechtigte aber nur zum einmaligen Betreten des Etablissements„Entree- Marken" gab es nicht, wer hinaus ging und wieder hinein wollte, mußte auch von Neuem Entree bezahlen. Dadurch wurde das sonst beliebte Bummeln von einen» Wirths- Haus zum anderen inhibirt. Trotzdein war auch dieses ausgc- dehnte Etablissement vollständig gefüllt und gegen Abend»var der Andrang so groß, daß der neue große Saal, der 2000 Personen 'aßt, bis auf den letzten Platz besetzt war. Hinter dein Saale liegt das geräumige Billardzinnner, welches den Gendarinen als „Wachtstnbe" überwiesen worden war. Wegen Platz, nangels mußten aber auch noch in der„Wachtstube" Gäste plazirt»verde», 'o daß die Beamten sogar um ihre Erholung nach der Ablösung kamen. Für die Ruhe und Ordnung sorgten 20 Gendarmen— acht berittene und zivolf zu Fuß—»velche aus dem Teltower Kreise zusamnien gezogen»varen. Außerdem»varen in beiden Etablisse- nients große Plakate«»»geschlagen, durch»velche„das Ausschlagen nnt Stöcken, Schirmen, Gläsern, Schlüsseln auf Tische und Stühle, das gemeinsame Absingen von Liedern, die Unsitte lärmender Vcrivundernngsausdrücke, das prozessionsmäßige Anfmarschiren, wie alles karnevalistische, die Würde des Tages vergessende Be- nehmen" untersagt wurde, damit„die mit strengen Instruktionen versehenen Beamten" keine Gelegenheit zum E»nschreiten finden sollten. Im Großen u,id Ganzen ist die Ruhe denn auch nicht ge- stört, vorden. Bis zum Abend hatten die Beamten noch keinerlei Gelegenheit gesunden, ihre Autorität einzusetzen. Z»var gab es hin und»vieder„Ausdrücke der Verwunderung", wenn unter den zahlreichen Skatspielen» einer zivei Mal hinter einander einen „Grand mit Bieren" ansagte, oder wenn Damen, deren physisches und moralisches Gleichgewicht durch die alles bez»vingende Gewalt des Bockes erschüttert worden war, dazu herausforderten, aber im übrigen zeigte sich nur die harnilose Lustigkeit des kneipenden Berliners und dieser setzten die Sicherheitsbeamten kein Hinderniß entgegen. Indessen hat der Spandauer Bock doch aufgehört, ain Char- freitag der Sainmelplatz aller arbeitsfreien Schauspieler und Künstler zu sein, wie früher. Nur wenige Vertreter kleiner Bühnen waren anwesend. Am Abend zeigte sich wieder, daß alle Verkehrsmittel solchein Andränge gegenüber ziemlich unzulänglich sind. Droschken, Kremser, Pferdebahmvagen wurden im Sturm erobert und jedes Stadtbahnbillet mußte auf Bahnhof„Westend"»nit schivcrer Gefahr für Leib und Leben erkämpft werden. Wie die Mauern standen die Menschen auf den Perrons und jeder einfahrende Zug war im Moment besetzt, ohne daß eine Ver- Minderung der harrenden Menschenmenge zu bemerken gewesen wäre. Tie Stationsbeamtcn waren indessen eifrig bemüht, die „2. Klasse" von den halbblinden Passagieren zu reinigen; sie ließen sich in den besetzten Ifoupces die Billets vorzeigen und da alle kommenden K u r b ä d e r n(!) herrscht. Man beliebt nämlich»n hiesigen Badeanstalten— deren Nennung wir vorläufig unterlassen »vollen,»veil wir hoffen, daß dieselben auch ohne die Namhaft- machung Wandel schaffen werden— bei Verabreichung von Dampskastenbädern das Warmwasser, die Wäsche und die Woll- decken mehrmals, also verschiedenen Badegästen in Gebrauch ge- geben, statt das Warmwasser nach einmaliger Benutzung wegließen, die Wäsche sofort in die Waschanstalt gelangen, die Woll- decken desinfiziren und reinigen zu lassen. Es kommt vor, dap drei- bis viermalige Ingebrauchnahme stattfindet, ohne daß die»m- bedingt zu erwartende Behandlung gescheycn ist. Es giebt Bade- anstalten, wo täglich 25 bis 40 derartiger Bäder genommen werden und kaum halb soviel Wolldecken zu finden sind, wie man vorauszusetzen bat.— Jedenfalls Beiveis genug! Die achljährige Schülerin Marie Lauge hat srch v. M. aus der Wohnung ihrer Stiefeltern, Bergstr. 67, ., m, r p« L._________ f... fT\ O t/V . M........... schlauen sitzer der braunen Billets»vurden alsdann mit dein kategorischen Jinperativ zum Verlassen des Koupees genöthigt und es»var für viele Passagiere sicher nicht der schlechteste Abschluß des genossenen Vergnügens, wenn im Koupee 15, 16 oder 17 Personen saßen und standen und die besten Plätze wurden plötzlich, leer, weil die „Schlauberger" unter Hohn und Spott hinaus mußten. Die Letzteren wurden sammt und sonders veranlaßt, die üblichen 6 M. Strafe zu erlegen, für diese war der Abschluß des Char- freitags weniger schön. Matinee. Am 7. April(2. Ostertag), Vormittags 11 Uhr, findet in Joel's Saal, Andreasstraße 21, eine Matinee statt; der Ertrag fällt einem seit Jahren kranken Handwerker zu, das reich- haltige Prograinin verspricht einen genußreichen Vormittag, und »väre schon des guten Zweckes halber ein recht reger Besuch dieser Matinee erwünscht. Billets an der Kasse 30 Pf. Ein recht gesnudhritsgrsührdeiider Mißbrauch der den Behörden und Aerzlen nicht bekannt zu sein scheint, wird in der Mehrzahl von Berlins Badeanstalten in eine»» die Badegäste bereits empörenden Maße getrieben. Es klingt unglaublich, wird aber von verschiedenen Angestellten der Badeanstalten zugegeben, daß gedachter Mißbrauch gerade bei den zur Verabreichung 14. v. »velche in unci»twegtem Kreislauf die Natur vollzieht? Was sonst in salbungsvollen Worten als das unfehlbarste Heil anempfohlen wird, bleibt Vielen ein ungelöstes Räthsel; sie vermögen es nicht zu verstehen und verlieren den Weg, den zu gehen ihnen angepriesen wurde. Aber ohne, daß es einer besonderen Gabe, Uebcrzeugung z»» schaffen, bedarf, beweist die unaufhaltsam arbeitende Kraft der Natur durch ihre be freiende Wirkung, daß offener, unbefangener Sinn das finden ka»tn,»vas der Meilschheit zum Heil gereicht. Ob es Zufall ist oder Absicht der Anordner des Ostev festes, daß es die Eigenschaft an sich trägt, Frühlings gedanken zu wecken, mag dahin gestellt bleiben. Genug, es beginnt zur Zeit, wo dieses Fest gefeiert wird, die neue Thätigkeit in der»veit ausgedehnten Arbeitsstätte der Natnr und dainit neues Hoffen. Mit dem Hoffen aber ist bei den Menschen eng verknüpft der Gedanke an ein Besseriverden der der malen bestehenden Zustände. Es ist daher auch wohl die Frage erlaubt, ob Grund dazu vorhanden ist, daß eine Besserung mit Recht erwartet werde. Ucbel»väre es um die Welt bestellt geivesen, wenn»»iemals die Erkenutniß der Verbesierungsfähigkeit— gleichviel auf welchen Gebieten— vorhanden gewesen wäre. Wo würde die Menschheit heut stehen, wenn Alles, was zu ihrer Fortentwickelung gedacht, geschrieben, gesprochen und gethan wurde, durch allen Fort- schritt stets feindliche Gewalten, so mächtig sie oft in dessen Zurückdrängen sich auch äußerten, auf iminer und für alle Zeit vernichtet worden wäre? War es nicht die Geivißheit, daß nichts in der Welt mächtig genug ist, die Aufbesserung bis zur Unerträglichkeit entwickelter Verhältnisse aufzuhalten, wodurch die Machtlosen ermuthigt wurden und begeisterte Jünger sich ihnen anschlössen? Wer daS leugnen will, der schlägt der Enttvickelungsgeschichte der Menschheit geradezu ,ns Gesicht, oder ist so kühn, die Geschichte sich zurecht zu stutzen, wie es ihm eben paßt. Immer und immer wieder belebte die unumstößliche Vor- aussicht den harrenden Kämpfer:„Es muß doch Frühling werden." seit ent- hat mng lein, 'ernt und ist bisher nicht aufzufinden gewesen. Das Kind chon früher häusig die Schule bösivillig versäumt und hat .uin Uinhertreiben. Die Entivichene ist für ihr Alter....... chwächlich, dunkelblond, hat rundes blasses Gesicht und eine freie Stirn. Beim Fortgange trug das Kind ein graues Kleid, schwarze Schürze, grauwollene Strüinpfe, Knopsstiescl und rothe Unter- bcinkleider. Mittheilungcn hierzu werden von der Kriminal- Polizei und in den Polizeirevier-Bureaus entgegen genommen. Kleber einen„MesserfchUrcker"»nachte Professor Doktor Rose in der„Freien Vereinigung der Chirurgen Berlins" einige interessante Mittheilungei». Ein 17 jähriger Mechanikerlehrling beschäftigte sich in seinen Mußestunden damit, es den sogenannten Degenschluckern nachzuthun und benutzte zu seinen Uebungen em 16,5 cm langes, 1 cm breites, messerartiges Stück Eisen. Eines Tages entglitt das letztere seinen Fingern, da es keinen Stiel hat und wurde unwillkürlich verschluckt. Am folgenden Tage brachte ihn sein Vater nach Bethanien aus Sorge vor Verschlimmerung, obgleich der Sohn zunächst nur einen beständigen Druck in der Magengegend verspürte. Alle Versuche, den verschluckten Fremd- körper wieder zum Vorschein zu bringen, waren erfolglos, der Kranke bekam schon bei leichtem Druck auf die Magengrube Schmerzen und so entschloß sich denn Prof. Rose zum Magen- schnitt, welcher denn auch in überraschend guter Weise gelang und für den Kranken keinen Nachtheil im Gefolge hatte, trotzdem derselbe eines Tages eine ganze Düte mit Zuckerwerk, welche ihn, von den eigenen Eltern zugesteckt war, verzehrt hatte. Durch Oeffnung des Magens ist das verschluckte Messer herausgcholt , vorden und der Kranke konnte nach kaum 6 Wochen als voll» ständig geheilt aus Bethanien entlassen werden. In der km Grunewald belegenen Krnmme» zank- ist am 30. v. M. eine Flasche gefunden worden, welche eme aus den Namen„Richard Kinne" lautende Visitenkarte mit folgender Ausschrift enthielt:„Habe mir am 18. März Hierselbst ertränkt, saget meinen Eltern davon. 18./8. 90." Ein Leichnam ist bis setzt indeß noch nicht zum Vorschein gekommen. Die Polizei- behörde von Zehlendorf hat nun in Berlin Ermittelungen ange- stellt, ob seit der genannten Zeit eine Person gleichen Namens als vermißt gemeldet worden ist. Angehörige dieses Namens werden daher ersucht, nähere Mittheilungen der hiesigen Kriminal- polizei zugehen zu lassen. Die Leiche eines etwa 30 Jahre alten Manne« ist gestern im Plötzensee gefunden worden, bei derselben befand sich ein weißer Ätlasschlips mit Monogramm A. E. Eine höchst gefährliche-Passage für das Publikum ist der Uebergang über den Strapendamm von der Halle'schen Thor- brücke nach dem Waterloo-Ufer resp. Blücherstrafie. Man schwebt nämlich fortwährendsin Gefahr, von den Hinterhufen der dort war- tenden Omnibuspferde geschlagen zu werden. Hauptsächlich ist der Weg ein sehr gefahrvoller für die dort wohnenden Schul- kinder. Die Pferde stehen nicht nur dicht an der Bordschwelle, sondern häufig auf derselben; man»st stets gezwungen, einen Umweg zu machen, will man von den obengenannten Straßen ungefährdet nach der Halle'schei» Thorbrücke gelangen. Kaum ist man den Hufen der Pferde entronnen, so läuft man von Neuem Gefahr, von den nachrückenden Omnibuffen überfahren zu wer- den. Es wäre sehr erwünscht, wenn oie Omnibus-Gesellschast den Beamten der Linie Hallesches Thor-Chausseestraß« eine ge- eigneten Stelle zum Warten für die Reservepferd« anweisen wollte. poliieibericht. Am 8. d. M. Morgens fiel ein Boots« mann am Hnmboldthafen vom Kahn in's Wasser und ertrank.-- In der Nacht zum 4. d. M. wurde im Hause Dragonersttab« 19 ein im dritten Stock wohnhafter Goldarbeiter von Hausbewohnern in dem auf dem Hofe befindlichen Kloset tobt aufgefunden. Da Darum sind die Vorbilder für Solche, welche in gleiche Lage gebracht sind, welche gegen Finsterniß und Nacht, gegen Ueberniuth und Stolz, gegen Selbstsucht und knechtischen Sinn ankämpfen und unter der Kälte einer dem starrsten Winter gleichenden Epoche ihr Leben zu fristen haben.„Die Sonne duldet kein Weißes!" Dem Licht des Tages bleibt kein Winkel verborgen; seine Strahlen dringen hinein, wenn auch durch die künstlichste Absperrung die Möglichkeit dazu ihnen geraubt zu sein scheint. Und haben wir denn heute Grund, eine Besserung der Verhältnisse zu erwarten und anzustteben? Selbst auf die Gefahr hin, zu den Thoren und Schwärmern gezählt zu werden, die, stets schöner Hoffnung voll, sich und Andere täuschen,— sprechen wir es mit froher und stolzer Zuversicht aus: Ein neuer Völkerlenz bricht an! Des Menschthums hehres Ostern tagt! Wir wissen zivar, daß lange, mühselige, aufopferungs- volle Geistesarbeit eines ganzen Volkes, ja sogar des weit- aus größten Theiles aller Kulturvölker dazu gehört, das Riesemvcrk der materiellen und politischen Befreiung und Beglückung des Volkes für die Dauer zu begründen. Daß die Erkennwiß nicht nur einzelnen, wenigen auf» gegangen ist, daß sie von Männern und Frauen der arbeiten- den Volksmehrheit getheilt wird, daß sie in die Ueber- zeugnng von Millionen übergegangen ist, ja noch mehr, daß hunderttausende bereits rüstig, unermüdlich an der Arbeit sind, sich selbst geistig zu vervollkommnen und sich zu ver- einen zu politischein und sozialwirthschaftlichem Streben und Wirken, daß der schroffste Widerstanv, Mißachtung, Verleum- düng, Verfolgung nicht nur nickt im Stande sind, das bedächtige Anwachsender also sich sozialpolitisch mündig erweisenden Volks- massen zu hindern, sondern auch nicht mehr die Leidenschaften des Volkes bis zum gewaltthätigen Zornesausbruche aufzu- stacheln vermögen-- das gewährt die untrügliche Gewiß- heit, daß ein echter und gerechter Völkerfrühling nicht mehr fern ist. Aber nicht nur, wie das Voll zu streben, wie eS sich fc«v hevbeigerufette Avzt die Todesursache rächt seslstelle-'. kouiäe. rvurde die Leiche nach dem Schauhause geschafft.— Zu derselben Veit stürzte sich eine Frau in einem Anfalle von Geiftestzestörtheit aus dein Fenster ihrer im zweiten Stock in der Belle- Alliance- strafte belegenen Wohnung auf die Straße hinab und verstarb einige Stunden später an den erlittenen Verlctzungrü.— An: 4. d. M. Vormittags wurde ein Mann in seiner Wohnung in der Etraußbergerftraße erhängt vorgefunden.— Am 4. d. M. fanden an zwei Stellen kleinere Brände statt. Ge�ichks�eiknnA. Hin tviideo Sittenbild muß sich in einer Verhandlung entrollt haben, welche gestern unter Ausschluß der Oenentlichlei: vor der zweite:: Strafkavimer des Landgerichts I. stattfand. Auf der Anklagebank befanden sich Mutter und Tochter, die nnvcr- ehelichte Marie Ennlie Behrendt und ihre kaum dem Kindcs- alter entwachsene Tochter Hedwig Behrendt. Beide waren der Kuppelei beschuldigt. Aus der Urtheilsverkundigung ging hervor, daß die erste Angeklagte von den: sittenlosen Treibe-: ihrer Tochter nicht nur Kenntinß gehabt, sondern demselben noch Vorschub ge- leistet hatte. Der Gerichtshof verurtheilte die Mutter zu einem Jahrs Gesänguisj und ordnete ihre sofortige Verhaftung an, dagegen wurde mit Bezug aus die Tochter angenommen, dap sie von der Strafbarkeit ihres Lebenswandels in lri- ininalrechtlichcr Beziehung eine Kenntniß nicht gehabt iiatte und wurde deshalb auf ihre Freisprechung erkannt. Ter (iiärichtvhoi beschloß aber dieselbe einer Zrvangeerziehungsanstalt zu überweisen. Zwei„schwer» Zungeu" wurden gestern der zweiten Straf- lammev des Landgerichts 1 in den Personen des„Arbeiters" Nomillo Kar! v. Angern und des ebenuttigen Kellners itarl Hermann Roß vorgeführt. Die beiden Angeklagten, denen drei schwere Diebstähle zur Last gelegt wurden, sind der Kriminalpolizei als ein Paar äußerst geschickte und verwegene Spitzbuben bekannt. Als Roß verhaftet wurde, versuchte er einen Beutel mit verschiedenen Diedswerkzcugen unbemerkt aus die Straße z» werfen. Vorübergehende sahen aber dir Bewegung und händigten dem Kriminalbeamten die Beutel ein. In der Tasche des Roß wurde außerdem ein Stück Wachs gefunden, wie es Einbrecher zu benutzen pflegen, um sich Abdrücke von Thürschlösscrn zu ver- schaffen. Aus dem Wege zur Mache versuchte der Verhaftete plötzlich, sich zur Wehre zu setzen, wobei er einen mit ö Schüssen' geladenen Revolver hervorzog, der Kriminalbeamte Jordan ergriff den Verbrecher aber an der Hand, die den Revolver um- schloß und verhinderte, daß von der Waffe Gebranch gemacht werden konnte. Roß trat stets höchst nobel auf, er war ein Einbrecher in Lack- stiefeln, mit goldener Brille und wohlsristrtem Haar, der mit Vorliebe in Kneipen mit Dammbedienung verkehrte und durch Freihallen anderer Gäste groß« Zechen machte. Die Erscheinung des Angeklagten Romillo von Angern fleht mit seinen: vornehm klingenden Namen«imgermaßen in Widerspruch, er macht den Gindruck eines verwahrlosten jungen Burschen und steht in geistiger Beziehung weit unter seinem Komphzen. Tie Angeklagten sollen im Novemder trn Rojenthaler Viertel drei Einbrüche be- gangen haben, welche ihnen erhebliche Beute brachten, sie bestritten aber alles. Besonders Stoß war um eine Antwort nie ver- legen, das bei ihm gefundene Wachs wollte er beispielsweise benutzt haben, um seinen Lackstiesein neuen Glanz zu verleihe», und den Revolver wollte er bei sich getragen und aus der Tasche hervorgezogen haben, um ihn gegen sich selbst zu wenden. Nach längerer»eweisaufnahnie hielt der Staatsanwalt den Angeklagten Roß der Einbrnchsdiedftähle für schuldig, aber nicht für erwiesen, baß von Angern dabei thatig gewesen. Dieser habe vielmehr nur die Rolle des HesterS gespielt. Er beantragt« gegen Roß eine Gesmnmtstras« von zwölf Jahren Zuchthaus, gegen von Angern«in Jahr Gefängniß. Das Erkenntniß lautet gegen Roß aus vierzehn Jahre Zuchthaus und die üblichen Nebenstrafen, gegen von Angern auf ein Jahr sechs Monate Gefängniß und dreijährigen Ehrverluft. Arbeit zu den alten Bediuguugeu wieder ausgenommen haben.— Lille, welche noch im Besitz von Sammellisten sind, werde» er- sucht, dieselben, oo leer oder gezeichnet, so schnell wie möglich an den Unterzeichneten einzusenden, damit die Abrechnung erfolgen kann. Ernst Klapper, Trauerberg 15 a. Liibsck:, den 5. April. Wie uns ein Privattelegranun aus Lübeck meldet, ist der Holzarbeiter-5congreß, der dort tagen sollte, in letzter Stunde verboten worden. Den Telegirten wurde auf- gegeben, binnen sechs Stunden die Stadt zu verlassen. Lübeck hat sich durch seine Polizeiverfügungen bereits einen Ruf er- worden. Soziale Iteberlirfz*. A« vis Ardriter nnd Arbeiterinne» der Kchiifte drnnche! Nachdem wir uusere Forderungen in der Mehrzahl der hiesigen Werkstätten durchgesetzt, gilt es, diese auch voll und ganz durchzuführen. Es ist verhalb Ppicht aller Kollegen und dtolleginncn, in den als gesperrt bekannten Geschäften keine Arbeit »u nehmen. Außerdem müssen wir aber jetzt an der Organisation fest- halten, müssen öffentliche sowohl, wie Vereinsvcrsatnmlungen be- suche», damit w'.r jeden Augenblick bereit sind, lkebergriffe der Nnternehrner zurückzuweisen. Die öffentlichen Versammlungen welche am LS. und 29. März und 2. April stattfinden sollten, er-, hielten die polizeiliche Genehmigung nicht. Wir machen noch ans den Beschluß der öffentlichen Ver- fammlung an: 18. v. M. aufmerksam, wonach alle diejenigen, welche unter den von uns gestellten Bedingungen arbeiten, pro Woche 1 M. für die streikenden Kollegen zu zahlen haben. Alle Anfragen und Sendungen sind an H. Krause, Sllexandrinen- straße 116%, Seilenflügel 4 Tr., zu richten. Kvandenburg a.§. Der Streik in der R-ichstein'schen Kinderwagen-F-adrik ist als für beendet zu bettachten, da dienwistondie für die Zukunft vorzud ernten hat, sondern auch, rvas es zu erstreben hat, weiß ein großer und beständig sich erweitern- der Theil des Volkes. Das Ziel, nach dem die Arbeiter von heute streben, ist klar und deutlich vorgeschrieben. Jeder kann es erkennen und Niemand seine Vcrnttnftigkeit und Billigkeit leugnen; kein einsichtiger Mensch kann sogar bestreiten, daß dieses Ziel in absehbarer Zeit erreichbar ist. Die Völkeraeuwinschaften wirthschastlich so zn organi siren, erstens, daß kein Mensch anders als durch gesellschaft- Uch nutzbringende Arbeit— gleichviel ob durch'körperliche oder durch geistige Arbeit— die Mittel zum eigenen und der Seinen Unterhalt gewinnen kann; zweitens, daß die Produktion geregelt werde nach den: Bedarf, daß also die heute herrschende regellose Produktion au gut Glück, daZ Waarcnerzeugen in's Blaue hinein, und damit jede Möglichkeit einer Ueoer- oder Unter- Produktion beseitigt werde; drittens, daß die Preise aller Maaren nach den Herstellungskosten sestgcstellt werden viertens, daß der Preis der Menschcnarbeit den körperlichen, geistigen und gemüthlichcn Bedürsmffey des Arbeiters angepaßt werde-- das ist das Ziel, welches den wirth fchaftlich und politisch denkenden und strebenden Männern des Volkes heutzutage in leuchtender Klarheit vor Augen � Diese Bestrebungen bergen die Keime einer noch gar nicht berechenbaren Kulturcntsaltung in sich. Erst wenn diese Forderungen erfüllt sein werden, wird die Menschheit dte Kinderschuhe abgeworfen haben, wird der Wmter des Massen elend» völlig überwunden sein..,. Wir sind der felsensesten Ueberzeugung, daß sie kommen joiich, diese bessere Zeit, die den Sieg der höheren Sozial gerechtigkeit der Menschheit bringt. Und wir wollen muthtg % entgeger.ringen unter dem alten guten Banner, aus dem -"ch-- Verfannnlungett. Der vom„Lesrbluli Karl Mar»" zum Sonntag, den 6. April, in H ab el's Brauerei angesetzte Vortrag des Herrn Tr. Lüttgenau über den„Darwinismus" hat die polizeiliche Ge- nehmignug nicht erhalten. Die bereits verausgabten BilleL können zu dem am 4, Mai stattfindenden Vortrag, welcher noch bekannt gemacht wird, umgetauscht werden. Gi»e grosZe Versammlting aller in der Gold- und Silberw aar enbr auch« beschäftigter Arbeiter tagte am Donnerstag, den 27. März er., Abends 8Va Uhr, in Orschel'S Salon, Sebastianstraße Nr. 39, mit der Tagesordnung: 1. lieber die Verkürzung der Arbeitszeit und den achtstündigen Arbeitstag. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes.— Herr Günther führt in semer Rede über die Verkürzung der Arbeitszeit vor, wie überfüllt das Gewerbe mit Arbeitern ist, wie lange die Ar- beilszeit dauert, infolge dessen die draußen Sichenden nicht mit herangezogen werden, wodurch ein Proletarlerthum entsteht, das zn verhindern, die Ausgabe der in Arbeit Stehenden ist.— Ueber die Feier des 1. Ma: wird von den verschiedenen Rednern aus- geführt, daß die feste Organisation dsS Fachvereins herbeigeführt werden muß, um eine Demonstratio» mit Aachdruck auszuführen. Durch Herrn Heinicke wird der Versammlung die Mittheilung gemacht, daß in dem Geschäft von H. Mayn tu Ko., wo 159 Personen arbeiten, der 1. Mai frei gegeben und als Feiertag gehalten wird. Folgende Resolution wurde gegen vier Stimmen angenommen: Die heute in Orschel'S Salon tagende öffentliche Versammlung ämmtlicher in der Gold- und Silberwaarenbranche beschästigten Arbeiter verpflichten sich, den 1. Mai als Feiertag zu betrachten und in fämmtlichen Geschäften dahin zu wirken, daß das auch in allen Geschäfte» geschieht." Eine öffentliche Nevsautiulttttg der Sieliinachev fand am Dienstag, den 1. April, im GesellschastLhaus, Landsberger- ttaße. statt. Ans der Tagesordnung stand: 1. Vortrag des Gerrit M. Baginski. 2. Berichterstattung vom deutschen Stell. macherkongreß. 3. Wie verhalten sich die Stellmacher Berlins zu dem von der Innung ernannten GesellenauSschuß. 4. Gewerk- chastlicheZ. Der Referent zum ersten Punkt, Herr Baginsky, egte in übersichtlicher Ausführung die moderne Arbeiterbewegung, ihre Entstehung und Entwicklung, klar. Rauschender Beifall lohnte ihm dafür. Die Berichterstattung über die Beschlüsse des Kon- gresses hatte Herr Geelhaar übernommen. Den Ausführungen desselben entnehmen wir folgendes: Ter deutsche Stellmacher- lougreß wurde am 16. März in Halle eröffnet. Erschienen waren aus 13 Städten 22 Telegirte. Die Verhandlungen leitete die Berichterstattung über die Arbeitsverhältnisse in den verschiede- nen Städten und Landbezirken«in. Daraus war zu er- ehen, daß in großen Städten, wie Hamburg und Leipzig, die kürzeste Arbeitszeit zehn Stunden ist. In letzterer Stadt erst seit kurzer Zeit durch Jnnungsbeschluß. In Berlin arbeiten von 500 bloß ca. 200 Stellmachergehitien nicht über zehn Stunden. Um dem Uebct der zu langen Arbeitszeit abzuhelfen, wurde beschloffen, dahin zu wirken, daß aus den: platten Lande nicht über zehn Stunden, in mittleren und größeren Städten neun Stunden und wo es durchführbar sei, acht Stunden gearbeitet werde. Ferner wurde beschlossen, die Abschaffung des Auszahlungsmodus mit Kost und Logis zu erstreben. Als Normallohusatz für das flache Land wurde 15 M.; für mittlere und große Städte 24 M. fest- gesetzt. Jedoch bleibt es Orten, die mehr erringen können, über- lassen, dies zu thun; überhaupt sich in allen Fragen den je- welligen Verhältnissen anzupassen. Des Weiteren wurde die Frage, ob Lokal- oder Zenttalorganisation. diskutirt. Der Kongreß sprach sich für letztere aus. Ein Antrag, welcher die Wahl einer Zentral- Lohnregetungs- Kommission befürwortete, wurde angenommen. Derselben wurde als Zentralsitz Berlin überwiesen und Kollege Singer als Kauptverttauensmann gewählt. Ueber die Gestaltung der Presse konnten keine destnitiven Be- schlüsse gesaßt werden. Es muß erst die Generalversammlung der Wagenbauerkasse, als Besitzerin des jetzigen Organs,� der „Wagenbauer-Zeitung", abgewartet werden. Für später ist die Möglichkeit vorhanden, daß in Berlin ein neues Organ gegründet wird. In der Diskussion wurde aus die Abschaffung des'Akkord- systemL hingewiesen. Der Innung wurde die Existenzberechtigung für unsere Zeit abgesprochen. Den Kongreßmitgliedern wurde an- empfohlen, mit aller Macht zu versuchen, die gefaßten Beschlüsse zum Durchbruch zu bringen. So der Kongreßbericht. Unter Geiverk- schafttichem wurde folgende Resolution einstimmig angenommen In Erwägung, daß die Sonntagsruhe auch für die in der kauf- mämnschrn Branche Angestellte» nochwenig ist, sind wir verpflichtet, dieselben auch thatkräftig zn unterstützen. Aus diesem Grunde beschließt die heutige Versammlung, dahin zn wirken, daß sämmtliche kaufmännischen Geschäste Sonntags von 10 Uhr an geschlossen bleiben, eventuell vom 3. Mai d. I. an nur noch in solchen Geschäften zu kaufen, welche um 12 Uhr ihre Läden des Sonntags zum Verkauf nicht mehr öffnen. Nachdem noch einige Gewerkschaftsangelegenheiten besprochen worden, wurde die Ver- sammlung geschloffen. Der Allameta« Metallarbeiter Verew Kerlius und Umgegend hielt am 2. Slpril, bei Renz, Nannynsttaße, eine Mitgliederversammlung ab. in der Herr Bölsche einen Vorttag über„Heinrich Heine" hielt.(Derselbe stand ausführlich am Freitag im„Berliner Volksblatt"). In der Diskussion sprachen mehrere Kollegen im Sinne des Referenten, daß, wenn Aeine'S Gedichte unsittlich waren, so müste man andere Bücher wie Bibel, weit eher als solche bettachten; auch wurde Stöckers Ver- lxtUen, der Denkmalserrichtung für Hemr. Heine in Düsseldorf. einer absprechenden 5lriiik unterzogen; daß man alle großem Männer, die da gelebt haben, nicht von unserem Zeitstandptmkk beurtheilen kann, sondern nach dem Maßstäbe der Zeit, in der dieselben gelebt haben, und da sei Heine eus'Vor- kampser der Freiheit gewesen. Nachdem noch eine Frage.vetreffs Heines Mutter zur Zufriedenheit des Fragestellers beantwortet war, trat eine Pause ein, in der sich 31 Mitglieder in den Verein einzeichnen ließen. Zu Verschiedenem fordert Kollege Gerisch die Kollegen auf, den nun eröffneten Centtalarbeits-Nachweis (Wallstr. 7—8) recht rege in Anspruch zu nehmen, das sogenannte Umschauen in den Werkstätten zu unterlassen, damit auch diese mit vielen Opfern seitens verschiedener Mitglieder ins Leben ge- rusene Einrichtung den: Verein zum weiteren Emvor- blühen dienlich sei. Ferner möge auch jeder Kollege, der sich als Arbeitssuchend einzeichnen küßt, sollte er anderweitig Beschäsiignng erhalten, dieses dem Arbeis- Nachweis anzuzeigen. Aus eine Frage, ob auch außer- halb der Arbeitsnachweis bekannt gemacht werde, erwiderte Kollege Hartmann, daß dieses doch selbstverständlich sei; der Stand des Stteiks bei F. Siemens und Komp. sei unverändert, von den dabei betheiligten Kollegen(150) seien noch 50 Kollegen zu unterstützen, die Sache dieser Kollegen ist eine gerechte, daher müssen alle Metallarbeiter dieselben moralisch und materiell unterstützen, bis der Sieg errungen sei, denn mit den Kräften, die der Firma jetzt zur Versügimg stehen, kann dieselbe nicht auf die Dauer weiter produziren; eine diesbezügliche Resolutton wurde einstimmig angenommen. Im weiteren wurden die Kollege»: ans die freie Volksbühne bingewiesen und gewünscht, dam recht vlie! Kollegen sich daran betheiligeu mögen. Auch mögen die Kolkgen nicht in der Agitation für de» Verein erlahmen; da es nicht genug sei, Mitglied zu sein, sondern auch dafür Sorge z« tragen, daß die Versammlungen besser besucht werven,' als in der letzten Zeit, ebenso sei die Ausfüllung der Fragebogen jedem Kollegen zur Pflicht zu macheu. Mit dem Appell, daß die neuen Mitglieder auch dem Verein treu bleiben mögen, schloß der Vorsitzent« die Versammlung. �rr Fachvrrcin der Garkuer ÄerUus«ttd Zlmgebnna hielt"am 2. d. M. seine dritte ordentliche Generalversammlung ab mit dar Tagesordnung: 1. Das Verhalten der Arbeite? bei Abschluß eines Arbeitsvertrags. Res. Rechtsanwalt Wolsgang Heine. 2. Diskussion. 3. Vereinsangelegenheiten. 4. Fragekasten und Verschiedenes. Da der Referent nicht erschienen war. mußte Punkt l rckd 2 fallen gelassen werden und theilte der Kassirer zirnt dritten Punkt den Äechenschaslsbericht über die verstosseneu drei Quartale mit. Die Gestanmteinnahine betrug 739,80 M. 1 die Gesamnit ausgäbe 407,00 M.. mithin Kassenbestand 832,80 M. und wurde dem Kassirer Decharge ertheilt. Da im Laufe der Zeu j verschiedene Mängel in unser»: Bereinsstatut zu Tage getreten waren, wurde eine Durchberathmig desselben beschlossen. Auch wurde der N«me des Verein? geändert, und heißt derselbe nach Ablauf deZ eiste» Geschäftsjahre? vom 1. Juli ab:„Freie Vereinigung der im Gartenbau besckäfttgten Arbeiter Berlins und Umgebung". Auch tritt vom 1. Juli ab das dementsprechend veränderte Steck itt in Kraft. Fragekasten und Verschiedenes gaben Anlaß zu lebhaften Debatten und wurde beschlossen, die Feier de? 1. Mai in der am 9. d. M. stattfindende» öffentlichen Versamm- � lung definitiv zu beschließe». Hierauf erfolgte Schluß der Ver- sammlung mit einem Hoch aus die Lohnbewegung der Gärtner. • �• Z», 32, Stfimirtrn.lUwftlilbejU'k find» om Mittwoch, den». d. Mi?, SormMa,»«? Uhr, eine große off-ntttch-»°mmuuativ»hler-«-rsam«lung�n fomUeel.«. 3)UtufIU»i und«erlchiedene» «troS-�W-Alt• JltuHu« am». Osterfeierlaz, vormittaizZ.| II Uhr, in Hossmann'S Zentral-FeMät«, eZranie.Mrnße iso. Alle Nrbeaer I «nd Arbciierinnen sind«Siseladen. Eniree 25 Ps. BillelS an der Kail.. a _______ Saal, Akte Jakobstr-ß« 4»i>..Welch« Mittel sind cee.gner, eine Berlürzung Uer ArbeitZzeir and eine Erhöhung des Lohnes htrvttzufvhren. R-ser-n:: 'iöt ohe' hwll!«»ert«miutuna Montag, den l«.«prtk,«iendS s Uhr, in Buggenhaüen'S grobem Taalal, AndreaSstr. es. um Clachjugici' werden tu o Uhr auf Spandausr Sock enoarie..- j!>i«h»«r»in der»I»»i«rard»i«rr>«n»« und i�«r,>s»sn>ofstnN«N. AM Diennag(S. Feiertag), Abend« e U!m.ch-Müihltch-L Beifammensetn«et Hehdrtch.j Beuthstr. m— ei. Oufie rolUtommcru i Z/Näb-iPotirer! Am MUttoach, den». April, stnd«! im ltönigsiadt-Kastn», Holzu'.arktstr. n, eine aubero.denilichc Verbandg-Aeriammlung statt. Tage»- ordnuna::. Dte erzletieu«krsolge uvserer Lohnd-wegung, wie bringen mit unser- Forderungen zur volltttinblgen Durchführung und wie«chatten wir dieselben in Zukunft anirechi. Stesecenl!«ollege«ari Iwrih.». 3. Antrage. 4. Verschiedenes. Um da« Errungene festzuhalten, ist eS Pfl'«», eine« jeden Kollegen zn erscheinen. � »lecclulguug der deutsche, I Waler, Zachlrer. Zinsticicher und vtv uandoe» Ki-rusagenossrn. Donnerstag,""I" Brnnnenstraße es,»eneralversammlupg. 2. Wahl eine« S:ritkprükung»kommtliio><-2 4. B-rschiedene«. "den w'Ärll,' AbendS% Uhr. >-MUg1ieb°».��V�l'laIangeleg-nh-iten. Seydelstraße w bei Seidel. Mitglieder, bw mit S-ilräzen un Rnckstaiide stno. werben ersucht, solche umgehend zu begleichen, d« bei 19 Wochen Nest der AuSlchluß unbeS'.ngl erfolgen muß. VepekcltLil. Motff'« Telegrapheit-Kurra«.) Essen a. ff. Äukir. 5. April. De«„Nhein.-Wests.-Ztg."»M e hat die Firma Friedrich Krupp an die Bergleute ihre? e„Hannover" bei Bochum eine Bekanntmachung erlassen, t" welcher alle Arbeiter, die heute die Arbeit wieder aufnahmen, darauf hingewiesen werden, daß sie nach§ 2 der Arbeitsordnung für die auf der Steinkohlenzeche„Hannooer" beschästigten kiter für das Ausbleiben von der Arbeit am 2. unv S. d. M. eine Disziplinarstrafe zum vorgesehenen Höchstbettag« von 3 M. verwirkt haben. Dieser Betrag wird bei der nächsten Lohnzahlung zu Gunsten der Uuterstütznngbkasse in Abzug gebracht werden..__, Kndnc». o. April. Während eines verheerenden Orkans an der Küste der Neuen Hebriden scheitert« unter anderen Fahr- zeugen ein Arbeiterschiss bei der Malikoloinsel, wobei 5 We'.ßr und 80 Eingeborene ertranken. 80 andere, welche das User er« reichten, wurden von den Wilden niedergemetzelt. «rlefllchD Zriefllsssten der Redaktiou. Bit Anfrag:» bitten wir die AbounemeniZ-Quittung beizufügen. Antwori wirb nitvt«Nhetlr. Neffalit'»» dop„Kerlwer Pcitnua". Das diesjährlgt Bockbier scheint auf Ihr bischen Gehirn geradezu verheerende Wirkungen auszuübe». Erst belästigt uns Ihr Herr Verleger wU Briefen, für welche jeder Grund fehlt, und nun sangen Sie mit denselben Ueberflüssigkeiten und Unwahrheiten auch noch in Ihrem Briefkasten an. Wir haben Ihnen ebensowenig jemand zugeschickt. als es uns einfällt, Artikel Ihrem Blatt zu„enttehnen". Müssen Sie denn den Zorn Ihrer Auftraggeber immer dadurch abzulenken versuchen, daß Sie andere Leute anrempeln? Lassen Sie doch die Herren selbst ins Geschirr gehen, vielleicht blüht ihnen dann dasselbe Geschick, wie aus der Redaktion eines anderen hiesigen Blattes. Wenn Ihnen übrigens sehr viel daran liegt, sind n# gern bereit, Ihnen einmal ein kleines Sündenregister vorzuhalttN — vielleicht kommen Sit dann auf ganz ander« Gedanken. M"" ft"' krausgegeben von W. B los. vc>. 8 äck�jlttzen en5n°urch unser« Expedition Dank. Allen Freunden und Genossen, die Mir in den letzten Togen ihre Theil- Äat haben, hiermit herzlichen Dank! Sorsdorf. den 3. April 1800. W. Liebknecht. Unfenn Freund u. Genossen Richard Kahler zu feineni heutigen Wiegenfeste r," dreimal donnermdeZ Hoch. Die N-then a«. Siid-Sff. Unserm Freunoe und Genossen . Fritz miclenz in seinem morgenden Wiegenfeste ein dreimal donnerndes Lebehoch und ,vie e» denn so rvird. 7�2 . Die Genossen von Johannisthal.' Ceniral-Krinckil- ßiiiil Cterbe- dech'lhe« ZilllMttt v. tj. zir. 3, Samburg. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß daS Mitglied 769 Franse Andrzejewski Marienburgerstr. 18 am Donnerstag, den 3. d. Mts., uer- stvrben ist. Die Beerdigung sindet am Montag, den 7. d. M.(2. Osterseiertag), Nachmittags 5 Uhr, von dem Et. Hedwigs- itrankenhaus, Gr. Hanlburgerstraße 10, aus statt. Um rege BetHeitigung bittet Der Vorstand Kachruf. Allen Freunden und Genossen zur Nachricht, daß der Mechantter Wilhelm Kettler ! im 33. Lebensjahre am I. Avri! er. l an der Prolctarierlranlheit vcr- starben ist. Wir vermissen in ihm | nicht nur einen theuren Frriind und Kollegen, sondern auch einen I tapferen Streiter{Freiheit, Gleichheit und Recht 738 Die KoUcgca der AügeraeiuoaElei- trlzitätB-Gesollechalt. Acht Ulla! f Danksagung. Allen Verwandten, Freunden und Be- Bekannten sage ich hiermit fitr die liebe- volle Theilnahme bei der Beerdigung meines unvergeßlichen Mannes, des Eisendrehers Wilhelm Bernhardt, insonderheit den Herren Vorgesetzten, Kollegen und Mitarbeiter der Allge- meinen Elektrizitäts-Gesellschast meinen herzlichsten Dank. 718 Berlin, den 2, April 1860, Di» tiefbetrübte Wittice Hiebst Kindern. ?senthalerstr. 11/12: Vortrag übt „Dir Quelle» de» Keil»". Montag, den 7. April,(ebenda), Punkt 71/3 Uhr, Vortrag. Hierauf an beid. Abenden gesellige Unterhaltung. Damen u. Herren als Gaste willkommen. Tie in der öffentlichen Versammlung am 24. März gewählte Kommission hat zur Entgegennahme freiwilliger Beiträge für den Generalfonds folgende Zahl- stellen eröffnet: Für den Osten bei Heindorf, Lange- straße 70; für den Norden bei Gnadt, Bxunnenstr. 39, Lehmann, Schwedter- straße 23, Flick, Boyenstr. 40; für den Nordosten bei Wagner, Neue König- straße 88; für dm Süden und Südosten bei Gründe!, Drekdener-str. 116; für das Centrum bei Kuhlmey, Rosen- thalerstraßo 30. Jeden Sonntag von 10—-V2I2 Uhr. Um rege Betheiligung der Kollegen bittet 766_ Die Kommission. Oesduifts-Ei'üffnimg. Allen Freunden u. Bekannte«, speziell Denjenigen, die es wissen wollen, zur Nachricht, daß ich Koppeustr'. 43e /zw. Pallisaden- u. Jriedmstraße) ein Veras- u. Bairisch-Bier-Lokal eröffnet habe.[717] MUH. Loren?. Älh.Hoffmami's Salon Rizdorf, Bergstr. 133. Sonntag, den 6. April, 1. Osterseiertag: (k Wm-ZMtt-VorMllilg. 2. und 8. Feiertag: Grosser Ball es bei großem Orchester. 761 Krilnken- iu AtgräbchW her BtM (Eingeschr. Hilfst. 18). Ausserordentl. GencralversammL Sonntag, den 13. April, Vorinittags lOVa Uhr, im Lokale des Hrn. Saeger, Grüner Weg 20. Tagesordnung: 1. Kassenbericht. 2. Innere Kassenaugelegenheiten. 3. Verschiedenes. Das Kapcnbuch legitimirt. Um zahl- reiches Erscheinen der Mitglieder ersucht Dcr Uorstaud. 762] I. A.: V. Beinert. Restaurant und Cafe von Carl Pietzner InseJslr. 13 an der Köpnlckerstr, An den drei Osterseiertagen: G Goncert der Damen-Capelle Holuasn. Von 12 bis 2Vj Uhr: Gr. Motinäc Entree gänzlich frei, lein Tellorsammeln. Ausschank von hellem Lager- u. Bockbier, h Glas 16 Pf. 780 Speisen k la carte zu billigen Preisen. Tag und Nacht geöffnet. „Berliner Vollsblatt" liegt aus. AsclljAst für Vcrbrtliuilg Am 3. Osierleiertag, AbeudL 7Vs Uhr, Oranicnsir. 180: Vortrag des Herrn Schade über „Ostern". Gäste. Damen und Herren, will- kommen. 770 Der Dorstaud. NB. Am 2. Osterseiertage findet seitens der Gesellschast«in Ausflug nach Schmargendorf statt. Tresspunkt spätestens 3 Uhr im Schützenhause. W- >ahrt der Züge vom Potsd. Bahnhof 12.10,— 1.10,— 2.10; vom Schles. Bahnhof 12.40,— 1.40 Nachmittag. Roh-Tahak. Mein Rohtabak-Lager befindet sich jetzt 38. Prinzensttaße 38. Beste Auswahl. Billigste Bedienung. Eberhard Herz, 36, Pnnzenstraße 38, am Moritzplatz. Sarg- AßlagazaM von z. Ecke Arkonaplatz, empfiehlt zu billigen Preisen sein reich ausgestattetes Lager. Fuhrwesen und sammtliche Gänge werden besorgt. 207 Achtung Zimlilerlevte! Aus ver Baustelle„Pferdeausstellung" haben sämmtliche Zunmerlent» wegen Lohndifserenzen die Arbeit niedergelegt. Der Zimmermeister äußerte{ich, lieber Pioniere und Eisenbahner anzustellen, als 60 Pfennig Stundenlohn zu be- willigen. 770 Bitte Zuzug fern zu halten. Die Plata:dcputirten WmKml. .R.W.Wtt, Wz. _ i-v---- o wu'B» am Dienstag, den 8. April, Vormittags 9 Uhr, im Neustädter VolkSgarten, Proskauerstraße. Tagesordnung: I. Stellungnahme zur Lohnbewegung. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Um zahlreiches Erscheinen ersucht <50 Der Eiubernfer. Große Versammlung glitt WzittS-, Sf«iiil(ii= twii LitMiizSslhgtidkt Dienstag(3. Feiertag). Vorm. 10 Uhr, in Jordan's Salon, Neue Grünstr. 28. Tagesordnung:[766 1. Sind die Beamten und Lieserungs- schneider gewillt, Anfangs Mai in einen Lohnkamps einzutreten, und aus welche Art»nd Weis, ist dieS zu erzielen* 2. Tiskussioii. 3. Verschiedenes. Achtung! Allen Arbeitern und Parteigenoffen zur Kenntniß, daß die Matinee vom Unterhaltungsverein Schiller, welche in Moabit bei Herrn JlgeS, Wilsr.acker- ftraß» 63, am 3. Osterseiertag stattfinden sollte, von der Polizei verbot worden ist.[736] Der Norstand. Achtung! Stockarbeiter! Folgende Werkstätten sind ge tperrt: lemmert, Prinzenstr. 86. Gebauer, Dresbeneistt. 79. Jodeck, Scharrnstr. B. Gurotau A Kross, Sebastianstr. 72. Briese A Co., Landwehrstr. 11. Philipp, Dresdenerstr. 86. Friegcl, Oranienstr. 38. Grunewald, Klosterstr. 72. Fi lese, Meynerstr. 4.[728 Fiebig, Büschingstr. 26. Luft A Co., Blumenstr. 74. Hicier A Co., Fehrbellinerstr. 18. Kochel A Lehmann. Alexanderstr. Hinbfuss, Auguststr. 26. Eckarsdorf, Kommandantensir. 53. kr. Ceingl-Attjunligz der Orkkranken- und StevLekasso der Böttcher Berlins Dienstag, den 15. d. M., Abends gVe Uhr, Lichtenberaerstr. 21. TazeSordnuna: I.Jahresbericht. 2. Erhöhung der Beinäge. 8. Verschiedenes. 727 Der Vorstand. 960� Elsen-Rollen,"MG trocken, in allen Dimensionen, bei 746 ,, Wiralg, Friedrichsberg. Frankfurter-Chaussee 52, Telephonamt Friedrichsberg Nr. 16. _ WWW 3. Seist._ Chm»sseestiaße14. Dia schönsten Killderttcker«.-Miel für Mädchen jeden Alters, sowie MorgeMe, HnterrMc q. Jriföttaifieii ■ auch im Einzelverkauf sehr billig! idaBBbestollangen u. Reparaturen Tanten prompt erledigt! Ohauffeestraße14. ' WWW 0. Heise. k Za den Osterleierlagen empfehle allen Btännern der Arbeit eine vorzügliche Weisse, ein gutes Glas E airisch Bier und einen kräftigen FrähstliclcsUsch. 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MDmiis im 4. Verl. NeiPtligsmhlkttift barmif aufmerksam, daß die nächste Versammlung im Anfang der nächsten Woche stattfindet und Näheres hierüber Ende dieser Woche im„Verl. Volks- blatt und an den Säulen bekannt gemacht wird. „ m Die Zahlstellen befinden sich nach wie vor im Osten bei Heindorf. Lange- Maß? 70. und Tempel. Breslauerstraße 27; im Südosten bei Gottfr. Schulz. Admnalstraße 40» und Karl Scholz. Wrangelstrahe 32. <92 Oer Vorstand. __ r yevsammlun� ßes MMmen letulurlieiter�creiiis für Berlin null Umgeg. am Oienstao, den 9. April. Vormittags lOVa Uhr, im Vfedding-Park. Müllerstraße Nr. 178. .... Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn Carl Becker über: Der Beschluß des Pariser Kongresses betreffend den 1. Mai. 2. Diskussion. 3. Der Strelk bei der Firma Siemens».Comp. 4. Ausnahme neuer Mitglieder. b. Verschiedenes und Fragekasten. 735_ I. A.: R.(Inger. Oeffentliche Versammlung i>er Töpfer Berliks ukö llmkegesö am Donnerstag, den 10. April. Abend? 7 Uhr, im Könlgctadt-Kasino. Holzmarltstraße 72. Tagesordnung: 1. Der 6. deutsche Töpferkongreß und Wahl der Dele- gnten zu denselben. 2. Gewerkschaftliches.— Pflicht eines jeden Kollegen ist es, in dieser 707 Versammlung zu erscheinen. C. Thieme, Ruppinerstr. 3. Gr. öjfektliche TisGer-BersmmlNg fnr Kirdorf und Kmgednng am Dienstag, den 8. April d. I., Vormittags 10 Uhr, in Bartha's Salon, Bergstraße Nr. 120. Tages-Ordnung: ..... Der bevorstehende Tischlerstreik und die Beschlüsse des Fachvereins der Tischler. Referent Kollege jul. Apelt. Diskussion und Verschiedenes. Der Wichtigkeit der Tagesordnung wegen bittet um zahlreiches Erscheinen 762 Der Einberufer. Achtung Metallarbeiter! Der Zentral- Arbeitsnachweis des Allgemeinen Metallarbeiter- Vereins Berlins und Umgegend befindet sich Wallsftrs 7 und T. Derselbe ist geöffnet von Morgens S bis 12 Uhr und Nachmittags von 2 bis 6 Uhr. Der Arbeitsnachweis ist für Arbeitnehmer sowohl wie für Arbeit- geber sämmU. Branchen der Metallindustrie unentgeltlich. Der Dorstand. WÜT Achtung! Glare- Handschuhmacher Herlins! Da die Versammlung am 23. März d. I. polizeilich nicht genehmigt war, so findet am S. April, Vormittags lOVa Uhr. bei Fritz Zemter, Münzstraße 11, eine Versammlung mit derselben Tagesordnung, wie schon be- kannt, statt. Tagesordnung: 1. Stellungnahme zur Verkürzung der Arbeits- zeit. Referent wird in der Versammlung bekannt gegeben. 2. Diskussion. 8. Berschredenes.— Gäste haben Zutritt. Zur Deckung der Unkosten findet »in« Tellersammlung statt. Um rege Becheiligung bittet 740 Der Einberufer. General-Versammlung Wille m LS der Im#« Iii», Mim, Weeißer ml«nrnnlta BemstMjse» en S. April 1890, Abends N/a Uhr, in am Dlenstani den S. April 1890, Abends sva Uhr, in Henke's Salon, Blumenstr. 38. Tages-Ordnung: 1. Bierteljahres-Kass enbericht. 2. Wahl eines Stteik-Kommisfionsmit- gliedeS und Wahl eines Äeschwerde-KommissionSmitgliedes. 3. Fachschulfrage. 4. Verschiedenes. Um recht zahlreiches Erscheinen der Mitglieder wird gebeten. Oer Vorstand. Am Montag, den 2. Osterseiertag, findet das zum 1. Feiertage geplante und von der Polizei nicht genehmigte Vergnügen vom $mi« pt Wchmz In JitnM In Whrnchn u«l «nmmltn Siemispiufm, bestehend aus Konzert und Tanz in Heydrich's Festsälen, Veuth- straße 21, statt. Billets 25 Pf. Herren, welche am Tanz theilnehmen, 60 Pf. »rtra. Die schon ausgegebenen Billets haben Gilttgkeit. 751 Der Vorstand. Der Fackverein der Tapezirer Kerlins feiert am 6. April(1. Osterseiertag), Abends 7 Uhr, sein diesjähriges Oster Uergmrgen, verbunden mit Konzert, Vorträge und Tanz, in den Bürgersälen, Dresdener- straße 96, wozu fämmtliche Kollegen mit Damen, sowie Freunde und Gönner herzlichst eingeladen werden._..,. Entree 30 Pfg. Billets sind zu haben bei Hartig, Kasfirer, Gitschmer- straße 61, und bei Freigang im Restaurant Schützenstraße 18/19. 772 Oer Vorstand. Achtung. Der Streik in der Knopffabrik von C. H. Röhll dauert unverändert fort. Zuzug ist strengstens fernzuhalten. Lei«mifim Herren- u. 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Die Arbeit ist in der Nähe des Zoolo- gischtn Gartens für die PfcrdrauZstellung. Herr 5irohne meinte, daß ivenn die Arbeiter auf ihren Forderungen beständen, er sich lieber„Pioniere und Eisenbahner" kommen lasse. Herr Krahne soll so etwas wie Hallptmann in der Nieserve fem. Achtung: Ilrraoldrr: Es wird belannt gegeben, daß in Niederbreisig bei Köln und in Wesseling bei Köln, Streiks wegen Maßregelung der bevollmächtigten der Filiale des Verbandes und wegen Lohnreduktion ausgebrochen sind. Zuzug ist unbe- dingt fern zu halten. Gelder sind nach Niederbreisich an Anton Becker und nach Wesseling an Joh. Jasper, Haus 27S, zu senden. Zn Gardetrgrn ist unter den Maurern ein Streik aus- gebrochen. Zuzug ist fern zu halten. Unsere Meister wollen uns zwingen, von Morgens 0 bis Abends 7 Uhr zu arbeiten bei llö Pf. Stundenlohn. Alle Zuschriften sind an Wilhelm Schmidt, Gardelegen, Goldner Ring 413 zn richten. Alle Arbeiterblätter werden um Abdruck gebeteu. Aufruf a» dir Schubmachcr Kerliuv. Kollegen! Wie bereits bekannt, soll am dritten Osterfeiertag darüber entsc !. ob biß SAiirimr»fTik>v 5R?i*ft«S i%»*»♦/*?«•♦» um ics verannt, sott am dritten Osterfeiertag darüber entschieden werden, ob die Schuhmacher Berlins gewillt sind, in diesem Früh- jähre in eine allgemeine Lohnbewegung einzutreten. Kollegen, die Frage, die uns hier beschäftigt, ist ernst genng, und bedarf wohl einer genauen Prüfung, che die Entscheidung gefällt wwd. Deshalb, Kollegen, agitin nach Möglichkeit. Rüttelt die be- schränkten, gleichgiUigeu und schläfrigen Kollegen auf. Zieht sie mir heran, denn Jene sind es gerade, die durch ihr Verhalten alles zwecklos machen. Kollegen, hier gilt eS, auf dem Posten zu sein. Bedenkt, daß jeder sein eigenes Geschick in der Hand hat. Jeder von Euch soll selbst entscheiden. Drum Kollegen steht fest zusammen wie ein Mann, und erscheint Alle am dritten Osterfeiertag in der Versammlung in der Akticnbranerci„Friedrichs- Hain" am Königsthor, Die Lohnkommifsion: Joseph Klinger, Kottbuserftr. 9� ctTemmtltmaim. den eingebrachten Gesetzentwurf eines Gewerbe-«' D einer scharfen Kritik. Es können sich die Arbeiter mit einem Entwurf nicht einverstanden erklären, welcher nicht ihren Ansprüchen genügt. Ein diesbezüglicher Entwurf muß vor allen Dingen auch einen Passus haben, welcher der Frau gestattet, ihren Rechtsspruch nicht vor dem grünen Tisch als Zeugin, sondern hinter demselben als Richter abzugeben. Ebenso gut wie dieselbe durch das heutige wirth- schastliche System gezwungen ist, Produkts zu schaffen, muß derselben auch gestattet sein, über dieselbe» in einer Streitsrage zu nrthcilen. Ferner besagt ein Paragraph des Entwurfs, daß ein Arbeitgeber und ein'Arbeitnehmer zur Zlburtbeilmig eines Falles thunlichst diesem Berufszweige angehören soll. Wir müssen ent- schieden darnach streben, da es von großer Tragweite ist, daß unter allen Ilmständen zur Abnrtheilung eines Falles Richter urtheilen, in deren Berufszweig dieser Fall gehört. Der§ 15 gestattet den Magistratsbeisitzern, einen Beisitzer der Arbeit- nehmer wegen Univürdigkeit auszuschließen. Da dieser Passus zu ausdehnbar ist, so können Beisitzer, welche vielleicht wegen ihrer politischen wie wirthschaftliche» Meinung nicht ange- nehm sind, von ihren Aemtcrn entfernt werden. Redner führte noch verschiedene Paragraphen an,' mit denen sich die Arbeiter nicht einverstanden erklären können und forderte eine starke Ber- breltnng unter den Arbeitern und Arbeiterinnen, da keine Gelegenheit so geboten wie auf diesem Gebiete. Eine Frucht unserer Stärke sowie unseres moralischen Einflusses muß dieses Gericht sein. In der Diskussion sprachen verschiedene Redner im Sinne des Referenten. Herr Stadtverordneter Zubeil beleuchtete noch verschiedene Punkte' in längerer Ausführung. Ebenso gut wie es einem jungen Manne von LI Jahren gestattet ist, die Führung einer großen Fabrik zu übernehmen, so muß es auch gestattet sein, daß eine Frau nicht vom 25. sondern vom 21. Jahre an wahlberechtigt lft. Es wirb auch nie das Unheil einch Jnmmgs- Schiedsgcrichtcs so ausfallen, wie das aus' einer freien Wahl hervorgegangen Schiedsgerichtes. Redner betonte, daß ein Passus des Entwurfs für uns sehr wesent- (ich wäre, indem juristische Personen an diesem Gerichte ausgeschlossen sind, und empfahl ebenfalls eine starke Agitation in dieser Angelegenheit. Hiermit gelangten folgende Resolutionen zur einstiminigen Annahme: „Die Versammlung schließt sich den Ausführungen des Refe- reuten insofern an, als sie anerkennt, daß durch Gewerbe-Schieds- gerichte eine Besserung bei Schlichtimg gewerblicher Streitigkeiten eintreten würde.— In Anbetracht jedoch der vom Referenten beleuchteten Mängel des neuen Entwurfs beschließt hie Versammlung. denselben überhaupt abzulehnen und beauftragt die Vertreter der'Arbeiter in der Stadtverordneten-Aersannnlnna, dafür Sorge zu tragen, daß der alte vom Oberpräsidenten zurück- gewiesene Entwurf wieder zur'Aufnahme kommt und darin auch das passive Wahlrecht der Arbeiterinnen berücksichtigt wird"— „In Erwägung, daß die Sonntagsruhe auch für die in. der kauf- mcmnischeu Branche Angestellten nothwendig ist, sind wir ver- pflichtet, dieselben thalkräftig zu unterstützen. Aus diesem Grunde beschließt die heute im„Böhmischen Brauhanse" tagende Volks- versaninlimg dahin zu wirken, daß sämmtliche Geschäfte des Sonn- tags von ist Uhr an geschloffen bleiben, event. vom 3. Mai d. I. ab nur noch in den Geschäften zu kaufen, welche Mittaas 12 Uhr ihre Läden nicht wieder öffnen."— Hierauf schloß der Vorsitzende die Versamuilnug. Die Müller beginnen jetzt, sich ihrer höchst traurigen, jäin- Merl ich en Lage bewußt zu werden. Endlich erwachen auch sie aus ihrem tiefen Schlafe. Die Gewerkschaft der Müller ist die einzige, welche einen N o r m a l a r b e i t s t a g fast in ganz Deutschland hat. Derselbe bestcht aber in einer Wochentags 18- und Sonntags L4stündigen ununterbrochenen Arbeitszeit. (Die Berliner Mühlen haben ausnahmsweise 1Ä- resp. Ä4stundige Arbeitszeit.) In dieser traurigen Lage sich befindend, beschlossen die Merse- burger Müllergesellen in ihrer letzten Verbandsversmnmlung, mit ihren Forderungen an die Mühlenbesitzer heranzutreten, jedoch erst die günstige Zeit hierzu abzuwarten. Durch einen eigen- artigen Druck des Besitzers der Rischmühle(Merseburg) auf die Gesellen sahen sich dieselben gezwungen, schon am 17. März ihre Forderungen zu stellen: I. Herabsetzung der ISstündigen Arbeits- zeit auf eine ILstündige. II. Abschaffung der Sonntagsarbeit resp. der Lsstündigen Arbeitszeit. III. Beseitigung der Kost und des Logis in den Mühlen und Aufbesserung des Lohntarifs. Diese Forderlingen wurden von den Herren Mühlenbesitzcrn als unerhört, als unverschämt bezeichnet, weil es eben Forderungen und keine Bittschrift waren. Tags darauf, am 18. März, er- klärten sich die Kollegen der Meuschauer- und Damm-Mühle (Merseburger) mit ihren Leidensgefährten solidarisch und legten sänumlich die Arbeit nieder, und beschlossen, nicht früher die 'Arbeit aufzunehmen, bis in sämmtlichen Mühlen Merseburgs Alles bewilligt sei. Der Streik wäre in kurzer Zeit beigelegt ge- wesen, wenn nicht, wie in anderen Gewerkschaften, die söge- nannten Mittelpersonen(Werksührer) diejenigen gewesen wären, welche den Zivtst zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer an- fachten und dadurch vie Kluft zwischen den beiden immer mehr erweiterten. An diesem Falle ift es aber wieder thatsächlich be- wiesen: die Lage der Arbeiter kann aller Menschenwürde spotten, die Forderungen im vollsten Maße gerechtfertigt sein, die Bour- eoiste erkennt dieselben nicht an, die Forderungen sind unver« ämt und gemein. Adler- Acüen- Telephon empfiehlt ihre vorzüglichen Adler-Bier in Schoppen 36 Fl. 3 U, m. Patentverschl. ä Vio 1 30 Fl. 3 M. PUseuer in Schoppen SO Fl. 3 M. in. 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