Hrgan für die Interessen der Arbeiter Das„Berliuer Volksblatt" erscheint täglich Morgens tmücr nach Sonn- und Festtagen. AbonncinentSpreiS für Berlin frei in's HanS vierteljährlich 3�0 Mark, monatlich 1, 10 Mark, wöchentlich 28 Pf. Ein?, eine Nummer 5 Pf. Sonntags-Nnmmcr mit dein„Sonntags-Blatt" 10 Pf. Postabonncmcnt 3,30 Mark pro Quartal. (Eingetragen in der PostzcitungSpreiSliste für 1890 unter Nr. 892, V. Nachtrag.) Ilnftr Kreuzband, täglich durch die Expedition, für Deutschland und Oesterreich-Ungam Ä Mark, für das übrige Ausland 3 Mark pro Mannt. Jnsertionsgebühr beträgt für die 5 gespaltene Pctitzeile oder deren Raum 40 Pf., für Vereins- und VerfammlungS» Anzeigen 20 Pf. Inserate werden bis 4 Uhr Nachmittags in der Expedition, Berlin SW., Beuthitrahe 3, sowie von allen Aniioncen-Bureaux, ohne Erhöhung des Preises, angenommen. Die Expedition ist an Wochentagen bis 1 Uhr Mittags und von 3—7 Uhr Nachmittags, an Sonn- und Festtagen bis 10 Uhr Vormittags geöffnet. ♦» Lernsprecher; Amt VI. Kr. 4106.«» NedAkkion: VeukhfkvcrZze S.— Expeditron: VeuthiteMe 3. Vevlinev Verhältnisse. ii.*) Kleine Wohnungen sind diejenigen, tu aus 0, 1 oder 2 heizbaren Zimmern bestehen. Im Jahre 1880 roohiu ten in Berlin 72,4 pCt. aller Pewohner in solchen Quartieren. Es gab Wohnungen ohne ein heiz- bares Zimmer im Jahre ., 1867. 2265 mit 6 091 Bewohnern, 1871. 4597„ 12 545 1875 3289 1880 9 855 3230.. 10 051 Im Jahre 1880 lebten also noch 10 051 Menschen, i. h. 0,9 pCt. der Gesammtheit in nicht heizbaren Räumen. Diese Thatsache wirft ein grelles Schlaglicht auf die bürgerliche Zivilisation, auf deren Höhepunkt wir heute stehen. In einem Lande, dessen klimatische Ver- hältnisse die Heizung zu einemsdringendsten Gebot machen, mußte über eine Myriade kleiner Leute in Wohnungen, die nicht heizbar sind, die kalte Jahreszeit verbringen. Unsere philiströse, durch und durch heuchlerische„Wohl- thatigkeit" errichtet deshalb— Würm st üben, anstatt durch eine tüchtige Sozialreform dem Arbeiter Gelegenheit zu geben, am eigenen Herde sich zu wärmen. Man sieht zugleich, wie die sozialistische Auffassung der Wohnungs- frage allein den Schlüssel zu ihrer Lösung bietet. Der wissenschaftliche Sozialismus weist immer und immer wieder darauf hin, daß die herrschende Produktionsweise, die den Proletarier zu Roth und Entbehrungen verdammt, die Ursache auch dieser Wohnungsmisöre ist. Gebt dem Arbeiter die Mittel, die nothwendigen Lebens- und Kulturbedürsnisse ausgiebig zu befriedigen, und er wird auch den in sittlicher, wie in hygienischer Hinsicht so wichtigen Komfort einer guten Behausung sich verschaffen können. Aber freilich, die Durchführung tiesgehender Reformen bedingt eine tiefgehende Umgestal- tung der Wirthschaftsweise, und an dem Kapitalismus soll man, nach dem Willen der Bourgeoisie nämlich, nun ein- mal nicht drehen und deuteln. Es ist ein Glück, daß die soziale Entwickeluug ihren Weg geht, ohne sich auf die Dauer durch irgend ein Hemmniß aufhalten zu lassen, das sich ihr in den Weg stellt. Wohnungen mit einem heizbaren Zimmer gab es 1807... 74 972 mit 289 820 Bewohnern 1871... 93 4SI„ 375 031 1875.., 109 115„ 425 624„ 1880.., 127 509. 478 052 *) Vgl. Rr; 80. Nachdruck verdoUn.] Isenttleton. (4 Wohnungen mit zwei heizbaren Zimmern fanden sich 1867... 39 440 mit 181 318 Bewohnern 1871.., 42 285„ 197 692„ 1875... 53 689„ 249 849. 1880... 67 901„ 302 322 In Berlin wohnten bereits im Jahre 1880 478 052 Menschen oder 43,8 pEt. der Gesammtbevölkerung unserer Stadt in Wohnungen mit nur einem heizbaren Zimmer, 302,322 oder 21,2 pCt. in solchen mit zwei heizbaren Zimmern. Man denke sich im Winter die Massenquar- tiere, die Zinskasernen der Reichshauptstadt: hier pressen und stoßen sich in dem engen Räume eines Zimmers ganze Familien, dazu die nicht zur Familie gehörigen Mit- bewohner, die Aftermiether,„Schlafburschen" u. s. w. Man muß in Erwägung ziehen, daß von den im Jahre 1880 gezählten 256 365 Haushaltungen 18 318 oder 7,1 pCt. Einmiether und 39293 oder 15,3 pEt Schlasleute hielten. Bon den Haushaltungen mit Einmiethern kamen 2888 auf die diesseitige L o u i s e n st a d t, 1910 auf die F r i e d r i ch st a d t, 1660 auf das Spandau er Viertel, 1520 auf die Oranienburger Vorstadt, 1322 auf das Stralauer Viertel und 1253 auf die Rosenthaler V o r st a d t. Ganz anders in der unteren F r i e d r i ch v o r st a d t mit nur 86 und 4« der Thiergartenvorstadt mit 43 solchen Haushaltungen! Die Proletarierviertel heben sich so scharf ab gegen die hauptsächlich von den„oberen Zehntausend" bewohnten„noblen" Viertel, daß die Zahlen für sich allein schon den nöthigen Aufschluß geben. Von den 39 298 Haushaltungen mit Schlaf- l e u t e n kamen 6068 aus das Stralauer Viertel, 5923 auf die jenseitige, 4706 auf die dies seitige Louisen st adt, 3840 auf die Rosen thaler, 3262 auf die Oranienburger Vor st a d t. In der Dorotheenstadt finden sich noch 243, in Neu-Köln 216, in der unteren Friedrich vor st adt nur 69 und in der T h i e r g a r t e n v o r st a d t gar blos 28 solcher Haushaltungen. Zahlen sind brutale Dinge, sagte Rodbertus, sie zeigen, wie in den Quartieren der Armen die Roth dazu zwingt, die ungenügende Behausung mit Fremden zu theileu, um einen Theil der Miethe, die oft unerschwinglich hoch, auf andere Schultern zu wälzen. Betreffs der Höhenlage der Wohnungen und der Bewohnerzahl, die sich aus die verschiedenen Wohnungs- kategorien vertheilt, theilt Berthold ein reiches Zahlen material mit. Aus demselben geht schlagend hervor, daß die Wohnungen der kleinen Leute, diejenigen mit bis 2 heiz- „ZUM Glück der Damelt." Roman von Emile Zola. Antorisirte Uebersetzung von Armin Schwarz. Baudu konnte den Ausruf nicht unterdrücken. ~ Bei Ihnen? Ach, nein! Da danken wir! Dann stand er ganz verlegen da. Denise war tief er- lochet. Tie würde es niemals wagen, dachte sie, in dieses große Magazin einzutreten und der Gedanke, dem Personal dieses Hauses anzugehören, erfüllte sie mit Stolz. — Warum denn? fragte Robineau überrascht. Es wäre im Gegentheil für das Fräulein eine recht günstige Fügung. Ich rathc ihr, sich morgen Madame Aurelic, der ersten Ladenfran, vorzustellen. Es kann ihr doch nichts Schlimmeres widerfahre», als daß sie nicht aufgenommen wird. Um seinen Verdruß zu bemänteln, verlor sich der Tuch- Händler in allerlei verworrenen Phrasen. Er kenne Madame Aurelie, sagte er, oder vielmehr ihren Mann, den Kassirer Lhomme, einen dicken Herrn, dem der rechte Arm durch einen Omnibus zerschmettert wurde. Dann kam er wieder ganz unvermittelt auf Denise zu sprechen. — Es ist übrigens ihre Sache, sagte er; sie kann ja thun, wie sie will. Und er verließ den Laden mit einem Gruße für Nobinean und Gaujean. Vin?ard begleitete ihn bis zur Thür und wiederholte den Ausdruck seines Bedauerns. Denise war schüchtern in der Mitte des Ladens stehen ge blieben, begierig nach näheren Auskünften des Kommis Ro- biueau. Allein sie wagte kein Wort hervorzubringen und entfernte sich endlich, indem sie einfach sagte: — Danke, mein Herr. Auf der Straße angelangt, eilte Baudu, wie von seinen Gedanken getrieben, rasch fort und zwang seine Nichte, fast zu laufen. In der Rue de la Michodiere angekommen, wollte er eben in seinen Laden treten, als ein be- nachbarter Kaufmann, oer auf der Schwelle seines Ladens stand, ihn durch einen Wink herbeirief. Denise blieb stehen, um ihn zu erwarten. — Was gicbt's, Vater Bourras? fragte der Tuch- Händler. Bourras war ein hochgewachsener Greis mit einem Prophctenkopf, langem Haar und Bart und durchdringenden Augen unter den dichten, buschigen Brauen. Er betrieb einen Handel in Spazierstöckcn und Regenschirmen, über- nahm auch Ausbessermigen und drechselte sogar Regenschirm- griffe, was ihm den Ruf eines Künstlers im Stadtviertel erwarb. Denise warf einen Blick aus die Auslage, in wel- cher die Stöcke und Regenschirme in regelmäßigen Reihen ausgestellt waren. Dann schaute sie in die Höhe und war besonders von dem Anblick oes Hauses überrascht. Es war eine alte Hütte, eingekeilt zwischen dem „Glück der Damen" nnd einem großen Hotel aus der Zeit Louis XIV. Man konnte sich gar nicht erklären, wie das Gebäude in diesen schmalen Spalt hineingerathen war, in welchem seine beiden niedrigen Stockwerke schier erdrückt wurden. — Denken Sie sich, er hat meinem Haushern ge- schrieben und ihm den Antrag gestellt, ihm sein Haus abzu- baren Zimmern, am stärksten in der Tiefe des Kellers und unter dem Dach vertreten sind. Es zeigt sich, abgesehen von den unheizbaren Wohnungen im Keller, Erdgeschoß, Halbgeschoß, 1—3 Treppen, eine Zunahme bei der im 4., 5. Stock und im Dach gelegenen. Die Wohnungen mit einem heizbaren Zimmer zeigen die stärkste Zunahme im 3., 4., 5. Stock und im Dach; die Wohnungen mit zwei heizbaren Zimmern haben erheblich im Keller, Erd- geschoß, 1, 2, 3, am stärksten 4 und 5 Treppen hoch zu- genommen." Die Keller wohnungen sind im Jahre 1880 genauer untersucht worden. Von den 443 Kellern mit 1597 Bewohnern ohne heizbares Zimmer hatten 9 eine Zimmerhöhe von unter 2 Metern, 51 eine solche von 2V2_2V4 Metern! Im Jahre 1880 gab es in Berlin 14 321 WohnMec mit n u r e i n e m heizbaren Zimmer, in welchen 58 510 Menschen hausten, also 1988 mehr, als 1880 das ganze Fürstenthum Waldeck zählte. 283 dieser Höhlen hatten Zimmer unter 2 Meter, 1404 hatten 2— 2V* Meter an Zimmerhöhe, 3600 2,/4 bis 21/2 Meter. Ueberhaupt waren unter allen 23 289 Wohnkellern 442 mit 1886 Menschen, deren Zimmerhöhe unter 2 Meter betrug; 2075 Wohnkeller mit 8848 Bewohnern hatten Zimmer von 2— 2'�« Meter Höhe, 5673 Wohnkeller mit 124 728 Einwohnern, so viel wie sie Landsberg a./W. hat, hatten Zimmer nur 2l/«—2l/« Meter. Diese den elementaren Vorschriften der Ge- sundheitspolizei Hohn sprechenden Räume waren der Unter- schlupf für viele Zehntausende von— Menschen. Aber die geringe Zimmerhöhe wird noch lebensgefähr- licher durch die tiefe Lage vieler Keller unter dem Straßenniveau. Von den 443 Wohnkellern ohne heizbare Zimmer lag nur bei 59 oder 13,3 pCt. der Fußboden weniger als 1 Meter unter der Straßenfläche; bei 58 oder 13,2 pCt. lag er 1—1»/« Meter, bei 170 oder 38,4 pCt. schon!>/«— 1»/2 Meter, bei 88 oder 19,8 Procent l»/2— 1»/« Meter, bei 42 oder 9,4 pCt. l3/i— 2 Meter und bei 26 oder 6,9 pCt. sogar über 2 Meter- unter dem Straßenniveau. Hierzu kommt als weiteres schädliches Mo- ment für— die Kellerbewohner die gleichzeitig gewerbliche Benützung ihrer Behausung, ein Mißstand, der„sich überhaupt vielfach in den kleinen Wohnungen findet". Nach der Zählung von 1880 wurden in den 3230 Wohnungen ohne heizbares Zimmer, die überhaupt aus 3699 Zimmern bestanden, 420 Zimmer gewerblich benützt; in den 127 509 Wohnungen mit einem heizbaren und überhaupt 164 745 Zimmern wurden 16 130 Zimmer geschäftlich benützt; serner in den 67 901 Wohnungen mit kaufen! sagte Bourras, die flammenden Blicke auf den Tuch- Händler gerichtet. Baudu erbleichte noch mehr und zuckte zusammen. Die beiden Männer standen mit tiefernsten Mienen stillschweigend einander gegenüber. — Man muß sich auf alles gefaßt machen, sagte Baudu endlich. Da stieg in Bourras der Zorn auf und sein Löwen- haar schüttelnd, rief er aus: — Er soll nur kaufen! Er wird sicherlich den vier- fachen Werth dafür bezahlen, aber ich schwöre Ihnen: so lange ich lebe, soll er keinen Stein davon besitzen. Mein Kontrakt läuft noch zwölf Jahre.,, Wir werden inzwischen Manches erleben! Dies war eine Kriegserklärung. Bourras hatte sich gegen die Modehandlung„Zum Glück der Damen" gewendet, die Keiner von Beiden genannt hatte. Baudu schüttelte still den Kopf, dann wankte er nach Hause und murmelte still vor sich hin: — O, mein Gott! Mein Gott!,.. Denise, welche dieses Gespräch mit angehört hatte, folgte ihrem Oheim. Auch Mme. Baudu kehrte eben mit Pops heim. S»e erzählte, Mme. Gras sei jeden Augenblick bereit, den Kleinen zu übernehmen.'Jean war aus dem Laden verschwunden, worüber Denise sehr beunruhigt war. Als er zurückkehrte, das Antlitz belebt und mit Begeisterung vom Boulevard-Treiben erzählend, da betrachtete ihn Denise traurig, was ihn errötheu machte. Man hatte inzwischen auch den Koffer gebracht und es ivurde ihnen ein Dachstübchen als Nachtquartier angewiesen. — A propos, was ist's mit Vingard? fragte Mme. Baudu. Zimmern 2 heizbaren und überhaupt 140 205 14 587 geschäftlich benutzt. Im Ganzen wurden lOüa Woynnnge»' im Jahre 1867. ' 1871. 1875, 1880. geschäftlich benützt.„Indessen/ wurden von je ,.214 212 166 156 sagt Berthold, ..... H, HP„ist bei dieser Abnahme nicht zu übersehen, daß die Aus sonderung der gewerblich benützten Räume von den Wohnräumen immer mehr zugenommen hat." Kchwmmsche Arbeltevkongresse. i. Ölten, 6. April. Gestern Abend wurde bereits mit den für die Osierfeiertage in Aussicht genommenen verschiedene?« Kongressen der schweizeri- scheu Arbeiterschaft begonnen. Im Hotel„Wysi" traten um 6 Uhr die Delegirten deS Zentralverbandes der Metall- arbeite? zusammen, um eine Reihe organisatorischer Frage?« zu erledigen. Für unsere Berichterstattung koinnien nur einige der VerhandlungSgegenstände in Betracht. Vor allein sei der bei der Erstattung der Situationsberichte von allen Seiten erhobenen Klage über"bcu Jndinercntismus der großen Mehrheit der Kollegen Erivähnung geihan. Nicht bloS daß immer noch die Mehrheit der Melaltarbeitcr ihrer Organisation fern steht, auch die derselben angehörigen Mitglieder bringen der Sache nicht dasjenige Interesse entgegen, das sie ihrer Bedeutung nach bean- sprachen kann. In der Frage der Reorganisation des GeivcrkschaftSbuudes be- schloß die Delegirtenversammlnng, dieReorganisation zu befürivorten und darauf hinzuwirken, daß da?. Zentralisationsprinzip in allen Bcrussorganisaliouen zur vollen Geltung gelangt, Ter Gewerk- schastsbund soll den Zusammenschluß aller der Zentralisationen bedeuten, um so einen allgemeinen schiveizcrischen gciverkschast- lichen Arbeiterbuud zu erhalten. Ferner beschlossen die Metall- arbeite e die Anfertigung des Statuts in Taschenformat, um es dem Mitglied leicht zu ermöglichen, sein Statut stets bei sich zu tragen. Gleichzeitig mit den Metallarbeitern tagten die Schuh- m a ch e r, um einen neuen Zentralverband zu schaffen. Vertreten ivaren die Städte Zürich, Bern, Chaur de Fonds, Luzern, St. Gallen und Winterthur. Die Zentralisation wurde hier ein- stimmig beschlossen und der Statutenentwurf mit einigen Abänderungen angenommen, DerHanptivcrth wird hierbei ans dieZnsammen- sassung der Kräfte gelegt und auch die Schritte, die zu unter- uehmen sind, um die auch in der Schweiz sehr gedrückte Lage der Schuhmachergehilfen zu hebe». Als solche'Aufgaben, die das 'Arbeitsprogramm de? neuen Verbandes bedeuten, wurden be- zeichnet: 1. Statistische Erhebungen über Arbeitslöhne,'Arbeits- zeit und Arbertslojigkeir der Schuhmacher und Einführung einer einheitlichen Wcrkstattordnung für das ganze Land und damit Hand in Hand Beseitigung der Hausindustrie. 3. Abschaffung der Sonntagsarbeit. 4. Gänzliche Beseitigung der Akkordarbeit. 5. Feststellung eines einheitlichen Minimallohnes mit örtlichem Zuschlag. G. Regelung des Lehrlinaswcsens und 7. Einführung gewerblicher Schiedsgerichte. AI? Borort wurde Bern gewählt. Wie die Metallarbeiter, so beschlossen auch die Schuhmacher, für Reorganisation deS Gewerkschaftsbundes einzutreten, Am Donnerstag Vormittag wurde im Stadthaussaale der Geiverkschaftskongrep eröffnet. Die Tagesordnung verzeichnet l4 Punkte, wovon uns indeß nicht alle interessiren. Im Namen des Bundeskomitees referirt Herr Merk über den Auffchnmna « nd den gegenwärtigen Stand des Gewerkschaftsbundes. Seit 1837, wo der Gemertschastskongreß in Aarau stattfand, hat sich die Zahl der Sektionen von ol auf 103 Sektionen und entsprechend auch die Milgliederzahl vermehrt. Der Referent klagt über die Gleichgilti gleit der großen Masse gegenüber der Arbeiterbewegung, die sich derselben ferne halte uno sich nicht um die Wahrung der eigenen Interessen kümmern. Aber auch innerhalb de: Kreise der orgamsirten Arbeiter sei wenig Lebhaftigkeit zu bemerke».■ Z. B.«verde die„Arbst," und die übrigen'Arbeiter- Mütter viel zu wenig gelesen; selbst Abonnenten lesen ihr Blatt oftmals gar nicht. Außerdem ist als Mißstand zu erwähnen der Mangel an agitatorische«« Kräfte««, der sich überall recht fühlbar mache. Tie„Arbeitersumme" zählt gegenwärtig 1950 Abonnenten: 1388 hatte sie eine Zeit lang deren 2500, jedoch fiel diese Zahl destäirdig iviedcr. Bei den« höheren'Abonnentenstande«varf das Blatt einen kleinen lleberschuß ab, der so ziemlich wieder zngesetzr worden. In« Jahre 1889«var das finanzielle Ergebniß ein Rück- schlag vo«« 1039,00 Fr. Es wird viel darüber debattirt, was zu thun sei,«im das Organ zu heben und zum Schlüsse folgende Anträge angenommen: 1. Es ist in jedem Fachverein ein Genosse zu bestimmen, der sich Ter Tuchhändler erzählte von seinem erfolglosen Wege, dann fügte er hinzu, daß man seiner Nichte einen Platz cmgeboten habe; und den Arm gegen die Modehandlung „Zum Glück der Tamm" ausstreckend, sagte er höchst verächtlich: — Schau, da drüben?... Tie ganze Familie«var sehr verletzt. NachutitlagZ«var mn fünf Uhr das erste Dlner. Tmise und die beiden Brüder««ahmen ihre Plätze neben Baudu, Gmevil-ve und Colonlbai««vieder ein. Eine Gasflainme beleuchtete und erwärmte das kleine Speisezimmer, in ivclchem der Geruch der Speisen stockte. Das Mahl verlief still. Als man beim Tessert«var, kam Mine. Band», die es nicht im Laden litt, und setzte.sich hinter ihre Nichte. Uild mn« brach der seit dem Morgen znrückgedränate Stro««« nnailfhalrsam los. Alle er- leichterte» ihr Herz,«iiden« sie auf dem Ungeheuer förmlich her»m«trateu. — ES ist Deine Sache, Du hast ja die Freiheit Deiner Entschließliug,«viederholte Band«« vor Allem, Wir«vollen Dich nicht beeinflussen... Aber«venn Du«vüßtest, welches Hans!... Und nun erzählte er in abgebrochenen Sätzen die Geschichte dieses Octave Mouret. Ein Glückspilz sondergleichen! Es kommt ein Bursche a«is dem Süden nach Paris mit der liebenswürdigen Keckheit eines'Abenteuerers und schon mn nächsten Tage hat er Weibergeschichten; es beginnt eine fort- «vährende Ausbentnng der Frau, man ertappt ihn endlich in flagranti und es entsteht ein Skandal, von dem noch heute im .ganjen Stadtviertel gesprochen»vird; endlich folgte die Plötz- licht und unerklärliche Eroberung der Mme. Hedouin, die«hin die Handlung„Zum Glück der Damen" zubrachte. — Die arme Karoline!• unterbrach ihn Mme. Bandu; sie war in einem entfernten Grade verwandt mit mir. Ach, «venn sie noch an« Leben wäre, dann würden die Dinge eine Eines Morgens, als sie die Arbeiten besichtigte, stürzte sie ii« irgend ein Loch und drei Tage später war sie todt die Verbreitung der Arbeiterpresse zur Ausgabe macht. 2. Es ist von Zelt zu Zeit eine Agitalicnismunmer auszugeben. 3. Es soll von Zeit zu Zeit, ein Diskussionsartikel in der„Arbeiterstimme" erscheinen, der dann in allen Sektionen besprochen werden kann. Ferner soll auf den Einzelverkauf der„'Arbeiterstimme" ein größere? Augenmerk gerichtet werden. Beschlossen«vird weiter, um unter den italienischen Arbeitern Agitation machen zu können, von Zeil zu Zeil Flugblätter in italienischer Sprache herzustellen«nd zu verbreite:«. (Schill ji folgt.) Im Anschluß an diesen'Bericht unseres schtveizer Kor- respondenten sei ein Telegramm«nicgetheilr, welches das „W. T. B." über den wichtigsten Punkt der dort zur Er- ledignng gelangten Tages--dnung verbreitet: Bern, 7. April. Die gestern in Ölten abgehaltene Versmmnlung von Telegirten des schweizerischen Geiverk- schastsbundes hat den Antrag ans Feier des 1. Mai als Demonstration zu Gunsten des achtstündigeii Arbeitstages mit Akklamation angenommen." Das Telegramm ist sehr undeutlich; es theilt den wich- tigsici« Theil des Beschlusses nicht mit, die Angabe der Art und Weise nämlich, wie die schiveizer Arbeiter den 1. Mai zu seiern gedenken. Darüber wird der nächste Brief miseres Korrespondenten Aufschluß geben. Mctrrcftrmrdimzeu. London, 6. April. Heute fand im Arbeiterklnb Vanrhall unter dem Vorsitz von Dr. Ediv. Aveling eine von über 00 Telegirten besuchte Konferenz von Vertretern hiesiger Arbeitervereine ec. statt, in der beschloffen wurde, die Demo««- stration für den achtstündigen Arbeitstag am Sonntag, den 4. Mai, im H y d e- P a r abzuhalten. Der An- trag, den I. Mai dafür zu wählest, wurde, als diesmal noch undurchführbar, gegen 20 Stimmen abgelehnt. Sonst«var die Stimmung der Versaminking eine sehr gute und ist ein Erfolg der Dcinoiistration so gut wie gesichert. So viel für hent. Eingehender Bericht morgen. Erwiderung. Auf das«ii letzter Nummer gebrachte Schreiben des Herrn Liebknecht geht uns von Herr!« Max Schippet folgende Erwiderung zu: 1. So richtig wie es ist, daß der Liebknecht'sche Brief vor dem Beginn des Zeitungsst r e i t e s geschrieben«var— ich wußte auch nicht. wer jemals das Gegenlheil behauptet hätte— so zweifellos«st es, daß der Brief«ach dein Berliner'Aufruf verfaßt und sicherlich auch erst durch diesen angeregt wurde, Sonnabend, den 22. v. M,, Morgens, traf der Aufruf in der „Berliner Volks-Tribüne" in Borsdors(bez. in Dresden) ein, Sonntag, den 23. in dem„Berliner Volksdlatt"-Abdruck, und am 23. Abends ist der Liebknecht'sche Brief zur Post gegangen. Einen Tag früher schrieb auch schon ein anderer sächsischer Landtags- abgeordneter in der Sache an i»«s. Nur dadurch, daß der L.'sche Brief eine Antwort auf den Aufruf sein sollte,«vird es über- Haupt verständlich,«varum Herr L. mit einen« Male an den Unterzeichneten in der Frage des 1. Mai schrieb, da keinerlei brieflicher Verkehr zwischen L. und mir voran- gegangen war. 2. Von einem Meinungsaustausch des Herrn L. mit Berliner Genoffen, durch den der Brief an n« i ch veranlaßt sein soll, ist mir und«vohl auch sämmtlichen Unterzeichnern des Auf- ruses absolut nichts bekannt. 3. Bon„sonderbundlerischen" Neigungen des Herrn L. hat unseres Wissens niemand gesprochen, sondern nur davon, daß Herr L.— im Gegensatze zu dem Abgeordneten, der„vorläufig nichts zu lhun" rieth, weil die Entscheidung„auch noch acht Tage vor dem 1. Mai" früh genug käme— bereits vor 2Va Wochen die Frage als eine sehr dringende behandelte, da es„hohe Zeit" sei,„Einheitlichkeit in die Agitation zu bringen". 4. Den« Wunsche, auch den ziveiteu Brief des Herrn knecht zu veröffentlichen,«verde ich in der nächsten Nummer der „Bolls-Tribune" sehr gern Folge leisten— den Raum des „Volksblattes" glaube ich schon zu sehr in Anspruch genommen zu haben. Nur würde ich mich freuen,»venn«»ich Herr L. in den Stand setzte, gleichzeitig meine darauf erfolgte Antwort im Wortlaut publiziren zu können. Jin Uebrigen dürfte durch diese Auseinandersetzungen die Ungeduld der deutschen Arbeiter kaum gestillt werden und auch ich möchte mir an die Herren von der hohen Empfindlichkeit die Sie, die niemals krank gewesen, die so gesund und schön «var!... Ihr Blut klebt an den Steinen dieses Hauses! Und dabei«vies sie mit ihrer bleichen, zitternde«« Hand durch die Mauern auf das groß« Magazin. Tcnise, die zuhörte,«vie man ein Feenmärchen anhört, bebte leicht zu- sammen. Tie Furcht, die sich schon seit dem Morgen in daS Gefühl der Versnchmlg mengt«, welche dieses Haus auf sie übte, kam vielleicht von dein Blute dieser Frau, von dem Blute, welches sie in dem röthlichen Mörtel des Souterrains zu erblicken glaubte. — Man ist schier versucht zu glauben, daß es ihm Glück gebracht habe, schloß Mine. Baudu, ohne Mouret zu nennen. Doch der Tuchhändler zuckte über diese Ammenmärchen verächtlich die Schultern. Er fuhr in der Erzählung fort und erläuterte die Sitilation vom kaufmännischen Gesichts- punkte. Das Geschäft„Zum Glück der Damen"«var iin Jahre 1822 durch die Brüder Dclenze gegründet«vorden. Als der Aeltere starb, vermählte sich seine Tochter Karoline mit einem Lcinwandhändler, Namens Charles Hedouin; später, als sie Wittive geworden«var, helrathote sie' Mouret. Sie brachte ihm also die.Hälfte des Geschäftes zu. Drei Monate nach dieser Heirath starb auch der Onkel Teleuze ohne Kinder, so daß, als die arme Karoliue unter den Gerüstbatken dieses Hauses ihre Knochen ließ, dieser Mouret der alleinige Erbe der Handlung„Zum Glück der Damen" blieb. Ein beispielloses Glück! — Es ist ein Mensch«nit Ideen, ein gefährlicher Pläne- schmied, der das ganze Stadtviertel umstürzen«vird, wen«« man ihn gewähren läßt, fuhr Baudu fort. Ich begreife, daß Karoline, die selbst ein«venig romantisch veranlagt war, von den abenteuerlichen Plänen dieses Menschen gefangen genommen wurde. Kurz, er hat sie überredet, das Haus zur Linken und dam« auch das Haus zur Rechten anzukaufen und er selbst, als er dann Wittwcr geblieben, hat noch zwei Häuser dazu gekauft. Und so ist dieses Magazin größer und iininer größer geivorden und heute droht es uns Alle zu ver schlingen. Er«vandte sich an Denis«, sprach aber eigentlich zu sich selber, indem er in einem fieberischen Bedürfnis nach Genug bescheidene Anfrage erlauben, wie lange denn diest Z ,v i s ch e n a k t s m n s i k noch fortgehen soll. Friedrichshagen, 8. April 1890. Max Schippe l. j *» Äevichtignng. In der Erklärung Liebknechts(in voriger Nummer) muß es auf der 10. Zeile u. u. natürlich m i ch heiße», statt:„auch", so daß der«sag lautet: Mit Berliner und Dresdener Genossen mich über eine Resolution zu ver- ständigen— Polifisrfjc itclunffirfjk. Der Zieichstag tritt am Dienstag, den 6. Mai, zusainmen, Der gestrige„Reichsanz." enthält die ämtliche Einberufung. Kein Sozialistengesetz! Diese Losung findet jetzt auch in der nationalliberalen Presse einen verschämten Widerhau. Das„Frkft Journ.", dein man früher Beziehungen zu Herrn Miguel nachsagte, erklärt, von einem neuen Sozialistengeset! könne keine Rede sein; man sei fest entschlossen, die Sozial- reform ohne Zuhilfenahme von Ausnahmebestiinmungen weiterzuführen. Interessant aber ist die Schlußbemerkung des nationalliberalen Blattes, welches hinzufügt, daß bei der gegenwärtigen Sachlage auch in den leitende» Kreisen der nationalliberalen Partei keine Meinungsverschiedenheit bezüglichder In' opportunität eines neuen Sozialistengesetzes besteht. Welch' überraschende Bekehrung! Aber freilich, Fürst Bis- marck ist nicht mehr Reichskanzler, und da ist so manches „inopportun" geivorden. lUie nachträglich bekannt wird, hatte sich auch das Exekutivkomitee des internationalen Arbeiterkongresses in Paris an die A r b e i t e r s ch u tz- K o n f e r e n z mit einer Denkschrift geivandt. Das Exekutivkomitee unterbreitet der Arbeiterschuh- Konferenz die in Paris gefaßten Beschlüsse, die im Wesentliche» in folgenden Forderungen bestehen:„Achtstündiger Normatarberts- tag; Verbot der Arbeit von Kindern unter 14 Jahren und Beschränkung der Arbeit aller Minderjährigen von 14—18 Jahre» ans 6 Stunden pro Tag; Verbot der Nachtarbeit mit Ausnahme jener Betriebe,«reiche ihrer Nattir nach ununterbrochenen Betrieb fordern; Ausschluß der Frauenarbeit in allen dein weiblichen Or- ganismus besonders schädlichen Betrieben; Verbot der Nachtarbeit für Frauen und männliche Arbeiter uuter 13 Jahren; eine min- bestens 86 Stunden hinter einander umfassende Ruhezeit in der Woche; das Verbot solcher Jnlustrien und solcher Arbeits- Methode», welche der Gesundheit der Arbeiter besonders schädlich sind; Aushebung des Trucksystems; eine alle Betriebe einschlich' lich Hansindustrie umfassende Inspektion durch-staatlich besoldete Inspektoren, welche mindestens zur Hälfte vpn den Arbeiter»< selbst zu wählen sind. Diese Beschlüsse sind in der Denkschrift objektiv begründet. Zum Schlich heißt es:„'Es erübrigt«ins! noch, unserer aufrichtigen Genngthuung darüber Ausdruck z«> geben, daß sich das«nächtige Denksche Reich dazu entschlossen hat,! die kleine Alpen-Republik in ihren Bestrebungen für das Zu- standekommen der internationalen Arbeiterschiitz-Gesetzgebung s» kräftig zu linterstützen. Daran dürfen wir die Hoffnung knüpfen, daß diese Frage mm nicht mehr von der Tagesordnung der europäischen Politik verschivinden«vird, bis sie gekost ist. Es handelt sich um ein Wert des Friedens im eminentesten Sinne, der wilde Konkurrenzkampf in einzelnen Industriestaaten wird in seine natürlichen Schranken zurückgewiesen, der Jiiteressenkampl unter den Bürgern desselben Staates gemildert werden. Der Tag, an welchem Ihre hohe Versammlung zusammentritt, auf deren Berathungen die'Augen der ganzen zivilisirten Welt gerichtet sind und deren Ergebnisse die Herzen von Millionen Ihrer armen Brüder und Schwestern in froher Hoffnung cntgczenschlaz«», wird für immer mit unauslöschlichen Zügen in das Buch der Ge- schichte eingeschrieben bleiben als der Ansang einer neuen Sache der Kultur und der Zivilisation. 11 cur Praris. Es ist, wie die„Rat. Ztg." mitzutheile» ivciß, vor kurzem die Anordnung getroffen worden, daß bei de»« Borkommm von Ruhestörungen, größeren Ansammlungen und Ardeiterausständen durch die Ortsvorstände sofort zunächst de» Landräthen und gleichzeitig den Oberpräsidenten telegraphische Nachxtzht gegeben werden soll. In allen Fällen, in weiche«« das Mgebot militärischer Kräfte erforderlich wird, soll den Ober- räsidenten aus demselben Wege auch über die Gründe dazu be- Achtet«verde««. Gegen die Anwendung des grobe» Unfugspara- aptzen anf den Koukott, wie sie sächsische Richter fertig kommen haben, erklärt sich sogar die„Köln. Ztg." Natürlich cht etiva aus dem Gefühl heraus, daß es unbillig ist, Arbeiter, c die Waffe des Boykotts in der Gegenwehr gebrauche««, zu -strafen und die amtlichen Erfinder des Boykotts unbehelligt zu ssen, sondern aus Zweckmäßigkeitsgründen. Sie schreibt:. «In Sachsen, wo der Unfug(gemeint ist der Boykott) am meisten ausgeübt wird, hat man sich bekanntlich entschlossen, thuung, diese ihn peii'igende Geschichte wiederkaute. In der Familie war er der Gallige, der Heftige mit. den allezeit geballten Fäusten. Mme. Baudu redete-jetzt nicht mehr drein, sondern saß nnbeweglich aus ihrem Sessel; Geneviüve und Colomban senkten die Blicke und aßen in ihrer Zer- streuuug die Brosamen von« Tische. Es«var in dem engen Räume so schivül, daß Pöp- auf den« Tischende eingeschlafen war und auch Jean die Augen schloß. — Aber nur Geduld! rief Baudu in plötzlicher Ans- «vallung aus. Tie Macher werden sich schon den Hals brechen. Ja, die rechtschaffenen Leute müssen schließlich die Schurken in den Staub sinken sehen; sie brauchen mir die Arme zu kreuzen und ihren Sturz abzuwarten. ,. Mouret macht jetzt eine Krise durch; ich weiß es- Er hat sein ganzes Vermögen in diese tollen Vergrößc- rungen und in die Reklamen hineingesteckt. Ilm sich Geld zu verschaffen, hat er alle seine Angestellten überredet, ihre Ersparnisse bei ihm anzulegen. Er steht also jetzt ohne Sou und wenn nicht ein Wunder geschieht und es ihm nicht gelingt, seinen Umsatz zu verdreifachen, wie er hofft, so wird mau einen Krach erleben, einen Krach!... Ha, ich bin nicht schadenfroh, aber an jenem Tage will i iiluminireu, auf Ehre! So, vetterte er fort; man hätte glauben»lögen, der Sturz des Ha«lses„Zum Glück der Damen" müsse erfolgen, um die Würde des kompromittirten Handels wieder herz»' stellen. Hat mau je dergleichen gesehen? Ein Magcui"- wo Alles zu haben ist! Also ein Bazar! Auch das Per- soual war so nett: ein Haufen Stutzer, die Hantiren wie«>' einem Bahnhof; sie behandeln die Waaren und die Käufer. «vie Packe te; verlassen ihren Herrn oder werden entlassen sü nichts, für ein Wort; das hat keine Anhänglichkeit, kein Sitten, kein Versländuiß für daS Geschäft! Und er naht" Colomban zum Zeugen; ja, Colomban, der noch in d guten alten Schale erzogen«vurde und darum auch wußte, daß man nur langsam, aber sicher die Finessen un» Kniffe des Handels sich anzueignen vermag. D i c Kunst ist nicht die: viel z u v e r k a u f e n, s off; dein theuer zu verkaufen. Colomban kann äff# erzählen, wie er im Hause behandelt worden ist, wie er all' dagegen vorzugehen, und zwar inittelst der Anwendung deZ § 360 Ziffer 19 des Strafgesetzbuchs! einer Nachahmung dieser Praxis seitens der anderen Bundesstaaten, die mehrfach ge- wünscht wird, steht jedoch das Bedeuten entgegen, daß all- gemein die Frage nicht bejaht werden kann, daß das Boy- kotten als grober Unfug im Sinne des Strafgesetzbuchs anzu- sehen ist. Ohne Zweifel giebt es Falle gering, in welchen der Thatbestand auch ohne gekünstelte Auslegung des Gesetzes unter die genannte Bcstnnmung gebracht werden kann. es ist dies beispielsweise dann der Fall, wenn in Zeitungen oder in Flugblättern öffentlich aufgefordert wird, bei einem bestimm- ten Gewerbetreibenden keine Waaren zu beziehen, hingegen dürste die nicht öffentlich erfolgende Aufforderung wenigstens regelmäßig nicht als grober Unfug bestraft werden können. Nach der jüngsten Eritscheidung des Reichsgerichts, die sich mit der Auslegung des§ 300 Ziffer II befaßt— Entscheidung vom 3. Juni 1889, Rechtsprechung de? Reichsgerichts in Straf- fachen Bd. 19 S. 291, 295— enthält diese Strafbestimmung keineswegs eine allgemeine Strafandrohung gegen jeden störenden Eingriff in die unter dem Schutze der öffentlichen Ord- nung stehenden Interessen und Gerechtsame, vielmehr verpönt derselbe nur solche den äußern Bestand der öffentlichen Ord- nung unmittelbar verletzende Ungebührlichkeit, durch ivclche das Publikum schlechthin, nicht also ein individuell begrenzter Per- foueiikrcis gefährdet oder belästigt und solchergestalt der öffent- liche Friede im allgemeinen beunruhigt ivird. Entsprechend dieser, wie nicht zu bezweifeln ist, zutreffenden und dem Geiüe des Gesetzes gerecht werdenden Anslegung wird sich§ 360 Ziffer 11 auf zahlreiche Fälle des Boykotteus nur dann an- , senden lassen, wenn>nan dem Gesetze eine nicht gewollte und juristisch nicht haltbare Ausdehnung giebt. Sollte ein Be- dürsniß vorhanden sein, gegen das Boykotten auch in den- jenigen Fällen einzilschrcitc», in welchen der Thatbestand des groben Unsuges nicht gegeben ist, so wäre demselben da- durch ei n er b es ou d er en B est i m mun g, die sich allerdings ans 360 anschließen könnte, Rech- n u n g g e t r a g e n." Die«euc Alilitärvorlage wird die dauernden Mehr- ausgaben der Atilitärverwaltnng nach einer Mittheilnng der „Rational-Ztg." um jährlich 18 M U l i o n c u M a r k erhöhen. Wie beträchtlich diese neue Steigerung ist, ergiebt sich,.daraus, daß die Erhöhung des Präscnzstandcö im Septenuatsgesetz um 42 000 Manu damals eine« jährlichen Mehraufwand von 23 Millionen Mark bedingte.— Nach den„Hamb. Nachr." soll die Militärvorlage noch nicht fertig sein, da" die Gutachten der kommandirendcn Generale erst in dieseu�Tagen eingehen könnten. Auch die Kolomalvoriagc ivane'erst nach Major Lieberts Rückkehr frühestens Ende Jnpril festgestellt werden können. -.Der telegraphisch erwähnte ZlKa» des Kanmienkönigs '. Krupp hat folgenden Wortlaut:„Diejenigen Arbeiter meiner Zeche Hannover II, welche in Verfolg meiner Bekaniitmachung vom 9. vs. Mts. am heutigen Tage die Arbeit wieder ausgenommen haben, werden daraus hingewiesen, daß sie nach§ 2 der„Arbeitsordnung für die ans der Steinrohlenzcche Hannover beschäftigten Arbeiter" für das Ausbleiben von der Arbeit am 2. unv 8. d. M. eine Disziplinarstrafe, welche hiermit auf den vorgesehenen Höchst- betrag von 3 M. festgesetzt wird, verwirkt haben. Dieser Betrag >oird bei der nächsten Lohnzahlung in Gemähheit§ 7 der Arbeitsordnung zu Gunsten der UnterftlitzungSIaffe in Abzug gebracht iverden. Dem fleißigen and gewissenhaften Theile meiner Beleg- schast wird die Mittheilnng zur Eenugthmmg gereichen, daß ich Anordnung getroffen habe, die den Frieden störenden und zum Kontraktbruch ausreizenden Elemente der Belegschaft im Wege der Kündigung aus derselben zu entfernen. Jeder Arveiter der Zeche aber, welcher mit dem ihm gewährten Lohne oder mit sonstigen auf der Zeche geltenden Bestimmungen nickt zusrieden ist, wolle semers eits am nächsten Kündigungstermin dw Arbeit persönlich in der hergebrachten Weise' kündigen. Essen, den 5. April 1890. Friedrick K r u p p."— Der Ukas rührt vermuthlich von dem ersten Minister des Großindustriellen, dein Geh. Finanzrath Jencke, her, den die Lorbeeren, die sich sei» Kollege Ritter im Abgeord- iietenhause erworben hat, nicht ichlasen gelassen haben. Leicht möglich, daß die Firma ihren Erlaß durchsetzt, daß es ihren Ar- luMta**» u k.»<»— Vi*-—- e.r.rj. /r r.......... VUD V.» UIVCU �11= deitetn augenblicklich an Widerstandstraft fehlt; sie wird sich aber klar darüber sein, welche Erbitterung in den Herzen der Ar- 1* mivS auch______..— I— i....» Leiter zurückbleiben wird. Giue UovrU« zum preuszischoti Korgatfetz soll, nach der „Schief. Ztg.", nach den Osterime« dem Abgeordnejenhause zn- gehe» in Betreff der Verhältnisse der Bergarbeiter. In anderen Kartellblättern>rar vor kurzem in Abrede gestellt, daß die Novelle noch in dieser Session würde vorgelegt werden. Zur Kkrgart»ritert>»wegn»:g. Bochum, 7. April. Tie heute hier abgehaltene Versammlinig von Bergarbeiter-Delegirten, in ivelchcr 40 Zecken vertreten waren, beschloß, den streikenden Belegschaften die Wiederaufnahme der Arbeit zu empfehlen. Die bisherigen Delegirten sollen, mich wenn sie von den Zechen entlassen sind oder entlassen iverden, in ihren Flmktionen verbleiben. Ferner wurde beschlossen, Kreisausschüffe zu bilden und die uiälig in den Kreis der Familie aufgenommen wurde, wie er gepflegt wurde, als er krank war, wie man ihm die Wasche wusch imd ausbesserte, wie man über ihn väterlich i oaehte und ihn schließlich liebte, wie das eigene Kind! — Wahr, wahr! versicherte Colomban nach jedem Ans- ruf seines Palrons. — Du bist der Letzte, mein Wackerer! schloß Bandu gerührt. Nach Dir werden keine solche mehr gemacht. Du allein bist mein Trost, denn wenn em solcher Trödelmarkt heute Handel genannt wird, dann verstehe ich nichts mehr davon, dann will ich lieber gehen. Geneviove, das Hanpt zur Seite geneigt, als ob das dichte Haar ihrer bleichen Stirne zu schwer wäre, betrachtete den lächelnden Kommis und in ihrem Blicke lag etwas wie ein Argivohn, ein Verlangen, zu sehen, ob Colomban, von Gewjssrnsbisscn bearbeitet, bei diesen Lobsprüchen nicht er- rotheii iverdc. Allein, als ein Bursche, der mit den Komödien des alten Handels schon gebrochen hat, bewahrte ruhige Haltung, seine gutmüthige Miene, mit der schlauen Falte um die Lippen. Bandu fuhr indeß zu schreien fort;, er schleuderte Au- klagen gegen diese Leute da drüben, die sich um das Leben raufen ww d,e Wilden und schließlich dahin gelangen werden, das Familienleben gänzlich zu zerstören. Als Beispiel führte er die ebenfalls im„Glück der Damen" angestellte Familie L'homme, an, Vater, Mutter und Tochter, die auf dem Lande ihre Nachbarn sind. Diese Leute haben ja gar keine Häuslichkeit, leben immer auswärts und speisen nur am Sonntag zu Hause: die bringen ja ihr Dasein im Wirthshause, an der Table d'HSte hin. Wohl wahr— fuhr er fort— sein Speisezimmer ist mich nicht übermäßig groß und könnte auch etwas mehr Luft und Licht vertragen; aber wenigstens ist er zu Hause, er lebt mit den Scinigen.- Und dabei blickte er m dem kleinen Raum nmhcr und erbebte bei dem Gedanken, daß diese Wilden da drüben eines Tages, wenn sie sein Hans vollends getödtet haben würden, ihn aus diesem Loche delogircn könnten,>vo es sich zwischen Frau und Tochter so warm und behaglich sitzt. Trotz der Ruhe, die er heuchelte, wenn er von dem endlichen Sturze sprach, Wicdereinstellnug der entläffencn Delegirten. und der änderen. Ar- bciter zu fordern. Schließlich wurde ein Komitce mit Schröder (TortiMlnd) als Vorsitzenden gewählt und zum Sitz des Komitee'» Gelsenkirchen bestimmt.— Gelfenkirchcn, 8. April. Bei der heutigen Morgenschicht sind dje Belegschaften sämmtlicher Gruben vollzählig angefahren. In der„Hivernia" arbeiten 405, in der„Wilhelmine" 872, in der„Rheinelve" 468, in der„Alma" 440, in der„Konsolidation" alle Arbeiter. Der Ausstand kann als beendigt angesehen werden. Leipng. Seit dem Bestehen des Krankenkassen-Gesetzcs, was fast zeitlich zusammenfällt mit dem kleinen Belagerungszustände, haben die Arbeiter sich wenig, fast garnicht um die Wahlen zur Orts-Krankenkasse bekümmert. Erst zu Anfang dieses Jahres nahmen sie Stellung auch zu dieser'Angelegenheit. Mit Majo- rität drang die Liste der Arbeiter für die Vertreter derselben zur Generalversanimlung durch. Mit Eifer haben sich die Gewählten dem Studium des Statuts der Orts-Krankenkasse hingegeben; dabei haben sie gefunoen, daß dasselbe, trotzdem sicher Juristen die Vaterschaft zu demselben nicht leugnen können, immense Wider- spräche enthält. Arbeiter müßten erst darüber kommen und den gelehrten Verjasserlz. sagen, daß das ein Widerspruch ist, wenn in § 41 Absatz 2 steht:„Die Wahl des Vorstandes er- folgt in der ersten ordentlichen Generalv er- s a m m 1 n n g j e d e n Jahres,:c.". Und§ 51, der von der Geschäftsordnung der Generalversammlung handelt, folgende Be- stimmungen anfweist:-„Ordentliche Generalversainmlnngeii finden statt: 1. im November geden Jahres zur Wahl des Ausschusses für die Prüfung der Rechnung des lanseudeii Jahres und zur Vornahme, der erforderlichen Neuwahlen s ü r d e n V o'r st a n d;. 2. spätestens im März jeden Jahres zur Beschlußfassung über die Abnahme der R&hmmg des Vorjahres." Mit Recht wurde von der Generalversammlung gewünscht, daß der Vorstand in- seiner Gesammtheit zurücktrete. Wenn er dies nicht that oder nicht thun wird, so ist das seine Sache; in der öffentlichen Meinung ist er gerichtet. Was weiter in der Generalversammlung gesagt und veschlossen wurde, wollen wir unerwähnt lassen. Es genügt uns, wiedermn mit Freuden bestätigen zu können, wie es immer wieder die'Arbeiter sind, die in unser»! heutigen öffentlichen Leben die geistige Führung über- nehmen. Polittiliche Anflüjung eines Lehrlingsvertrages wegen Verbreitung von Stimmzetteln der Volkspartei seitens des Lehr- Meisters. In einem Dorf des Oberamts Nagold im 7. württembergisch en Wahlkreise hat ein Schrcinermeister die Zurückbriiigung eines ciitlaniciien Lehrlings von der Ortspolizeibehörde verlangi. Der Herr Schultheiß aber hat daraus folgenden Ukas erlassen: „Der Lehrherr N. N. hat sich schon längere Zeit mit Wahluin- trieben und Hetzereien beschäftigt und ist deshalb nie zu Hause; deshalb erachte ich die Lehrzeit für aufgelöst nach§ 128 der Gewerbeordnung. iiiid wenn gleich Schickler dahinter kommt. Zu- steUiiiigSgebühr 20 Pf." Karlsruh», 3. April. Bei den vorgestern hier vollzogenen Stadrverordneien- Wahlen der Wähler der dritten Klasse erhielt die sozialdemokratische Liste 1089, die von sämmtlichen nicht- sozialdemokratischen Parteien gemeinsam aufgestellte Liste 1400 Stimmen. Es stimmten von den 7200 Wahlberechtigten nur etwa 2500 ab, Auch»i» Heitrag zur neue» Kozinlpotitik. Mit Kaffee und Kuchen lie» bei der Stichwahl in Wejthavelland im Dorfe Selbelang der Wahlvorsteher einen dorthin entsandten Berliner Sozialdemokraten traktiren. Nach Schluß des Wahlakts sprach der Wahlvorsteher zu demselben:„Na, nun werden Sie doch in Zukunft chriulich-sozial wühlen!" Auch die schönste Kaffee- und Kuchenpolitik wird keinen sozialdemokratischen Arbeiter christlich- sozial machen! Kofprediger Stöiiicr, Professor A. Wagner lind Reichs- tagsavgeordncter Kropatschock berufen in die Psingstwoche einen evangeiisch-sozialen Kongreß nach Berlin. Angeblich ist der Auf- ruf auch in den Kreisen, welche sonst die bittersten Gegner der Stöcker'schen Richtung gewesen sind, beifällig aufgenommen worden. Tie gesaminte Gießener Fakultät soll sich für die Be- schickung des Kongresses ausgesprochen haben. Man will sich mit der Bersorgmig des'Arbeiters mit gesunder Lektüre beschäftigen. —„Bruder Arbeiter" ist doch eine begehrt? Persönlichkeit. Schade nur, daß er die„höllischen Latwergen" der sich ihm auf- drängenden Wunderdoktoren regelmäßig verschmäht und— gesund bleiben will. In dem Konflikt der freisinnigen Fraktion mit dem Abge- ordneten Richter iverden jetzt die Raulen der mitwirkenden Akteure genannt. Derjenige, der in der Fraktion„das eigenmächtige Vor- gehen" des Avg. Richter zur Sprache brachte, ist der Abgeordnete Halberstadt. Hinter dieser politischen Null steckt der Abgeordnete Rickert. Und der Botschafter, der den Beschluß der Fraktion dem Abgeordneten Richter mittheilte, war der gute Dr. Langcrhans. Jiitereffanter als diese Details ist aber die Enthüllung, daß, als die Fraktion geneigt schien, unter Abänderung ihres früheren Beschlusses eine Verständigung mit dem Abgeordneten Richter herbetzuflihren, zweiMitglieder erklärten, in diesem Falle aus der freisinnigen Partei austreten zu ivar er im Grunde von Angst erfüllt und fühlte tvohl, wie das ganze Stadtviertel nach und nach ruinirt wird. — Ich sage alldies nicht, um Dir die Lust zu be- nehmen, meinte er dann zu Denis« gewendet. Wenn es Deinem Interesse entspricht, in dieses Haus einzutreten, so tritt imnterhm ein. Ich will Dich nicht zurückhalten. — Das glaube ich gern, mein Oheim, flüsterte Deuise verwirrt, deren Verlangen, iu's„Glück der Damen" einzutreten, inmitten dieser allgemeinen Erbitterung nur noch zunahm. Bandn stemmte die Ellbogen auf den Tisch und blickte daS Mädchen nnverwandt an. — Ich frage Dich, die Du vom Geschäft bist, ob es einen Sinn hat, daß ein einfaches Modemagazin allcZ Mögliche von der Welt feilbiete? Ehemals, da es noch einen rechtschaffenen Handel gab, verstand inan unter Modewaaren einfach Wirkwaaren und weiter nichts. Heute denken diese Leute nur daran. Anderen aus den Rücken zu steigen, um Alles zu verschlingen... Das ist's, worüber das ganze Stadtviertel sich beklagt: denn die Kleinhändler leiden fürchterlich darunter. Dieser Mouret richtet sie zu Grunde. Bedra und Schwester, ein Wirkwaaren-Geschäft in der Rne Gaillon, haben schon die Hälfte ihrer Kundschaft verloren. Bei Mllc. Tatin, der Weißwäsche-Händlerin in der Passage Choisenl, denckt man schon daran, die Preise herabzusetzen, um so die Konkurrenz bestehen zu können. Tie Wirkung dieser Geißel, dieser Pest macht sich bis in die Rne Neuve-des Petits-Champs fühlbar, wo die Brüder Vampouille, Rauch- ivaareuhändlcr, sich kaunl mehr zu behaupten vermögen, me man mir erzählt hat. Hahaha! Ein Kattunhändlcr, der Pelzivaaren verkmist, ist das nicht drollig? Auch eine Idee von Mouret! — Und Handschuhe? warf Mine. Bandn dazwischen. Er hat es gewägt, eine Abtheilmia für Hcmdschnhe zu errichten. Ist daS nicht ungeheuerlich! Als ich gestern Abends durch die Rue Neuve-Saint-Auguftm ging, sah ich Quinette, den Handschuhmacher, mit so betrübter Miene in der Gewölbthüre stehen, daß ich nicht den Muth hatte, ihn zu fragen, wie es ihm gehe? Der arme Quinette! Bald wird nur vom Reinigen der Landschuhe leben müssen. müsse U. Von anderer Seite werde», dex„Nat.-Ztg." zufötge, als die Mitglieder der Fraktioii, die mit'ihrem Austtttt drohten, die Herren Rickert imd Bramel bezeichnet. Eine» Hirtenbrief haben nach katholischem Vorbild die Generalsilpcriiitcndenten der Provinz Sachsen erlassen. Derselbe wird in der„Kreuz-Ztg." abgedruckt und ist am 1. Ostertag in allen evangelischen Kirchen der Provinz Sachsen verlesen worden. Es handelt sich in ihm natürlich um die„glaubenslose" Sozial- dcmolratie; zwar wird sie nicht direkt genannt, aber es ist deutlich genug von ihr die Rede. Die nächste Zeit wird wohl noch mehr derartige„Hirtenbriefe" zeitigen. Auf eine Beschwerde des früheren Reichstagsabgeord- neten Kühn in Breslau ist vom Regierungspräsidenten fol- gcnder Bescheid ergangen:„Auf Ihre an den Herrn Minister des Innern gerichtete Vorstellung vom 18. v. M., betreffend das angeblich im dortigen Kreise ergangene Verbot der Er- Hebung eines freiwilligen Eintrittsgeldes bei öffentlichen Ver- sainmlitngen, welche vom Herrn Minister hierher zur Prüfung und Entscheidung abgegeben worden ist, gereicht Ihnen zum Bescheide, daß die in öffentlichen Versammlungen statt- findende Erhebung eines Eintrittsgeldes in beliebiger Höhe als eine öffentliche Kollekte nicht betrachtet imd demzufolge polizeilich weder verboten, noch verhindert, noch unter Skrafe gestellt werden kann. Eine dahin zielende Verfügung ist diesseits auch nicht erlassen. Dem Königlichen Lanorath zu Reicheubach ist entsprechende Mittheilnng zugegangen."— Unter Berufung auf diese Verfügung können nun die Ar- beiter in Preußen in ihren öffentlichen Versammlungen un- bekümmert um polizeiliche Einsprüche und Verbote von den Besuchern„freiwillige Eintrittsgelder" erheben. !ien, 8. April Gesterreich-Ungarn I. April. Der Streik der Ma Maurerarbciter dauert fort. In dem Vororte Neulerchenfeld fanden heute große An- sannnluiigen statt, welche das Einschreiten der Sicherheitswäche und die Absperrung der ganzen Straße nothwendig machten. Auf der Schmelz sammelten sich gegen 3000 Arbeiter verschiedener Berufe an, welche jedoch durch ein Massenaufgebot der Polizei zerstreut wurden. Frankreich. Die P a r is er Schulen sind so überfüllt, daß zahlreiche Kinder wegen Mangels an Platz zurückgewiesen werden und osl bis zu zwei Jahren auf ihre Ausnahme warten müssen. Eine Anzahl Gemeinderäthe hatten daher vorgeschlagen, zunächst nur die Kinder von Parisern und erst, wenn dann noch Platz sei, die Kinder von Fremden aufzunehmen. Der Gemeinderath hat nun eine Erhebung über das Schulwesen angestellt. Italie«. Rom, 5. April. Der hiesige radikale Klub beschloß im Hin- blick auf die künftigen politischen Wahlen eine» Kongreß von Delegirten des radikalen Vereins und der Arbeitervereine am 11. Mai b. I. in Rom einzuberufen. Dem Kongreß wird ein Programm vorgelegt werden, welches dahin geht, daß alle Kräfte der Demokraten, die der Enthaltung bei den Wahlen müde, nun- mehr organisirt und kompakt auf parlamentarischem Boden kämpfen wollen, zu einem einzigen und engen Bunde vereinigt werden. Portugal. Lissabon, v. April. Die Sozialdemokraten in Portugal sind, so schreibt man uns, bei den letztdn Kammer- wählen zum ersten Mal selbstständig in den Wahlkcrmps eingetreten, allerdings nicht in der Hauptstadt des Landes, wo die Führer der nur kleinen Partei die Liste der Republikaner unter- stützten und dieser auch die Mehrheit verschafften. Tagegen wurden in Oporto und Setubal eigene'Arbeiterkandidaten alisgestellt, die zwar infolge des beschränkten Wahlrechtes und der komplizirten Listenwahl nur einen kleinen Theil der abgegebenen Stimmen auf sich vereinigte», aber immerhin einen'Achtungserfolg errangen. In Oporto hatten die sozialistischen Kandidaten etwa den viellen Theil der für die republikauischen Kandidaten abgegebenen Stimmen. Unter dem gegenwärtig bestehenden Wahlsystem wisd es der Sozialdemokratie allerdings nie möglich werden, ohne eine Vereinbarung einer gemeinsamen Kandidatenliste mit anderen Parteien einen der Ihrigen in das Parlament zu bringen. Trotzdem entwickelt sich besonders in Oporto die Arbeiterpartei sehr schnell und gerade gegenwärtig hat sie Gelegenheit, in mehreren bedeutenden Aroeitseinscellungen ihre Organisation zu erprobe». — Sehr übel vermerkt haben es die'Arbeitervereine Lissabons, daß die portugiesischen Delegirten aus der Bertiner Konferenz mit den Franzosen und Spaniern gegen die weiter- gehenden Anträge für einen Schutz der Kinder- und Frauenarbeit gestimmt haben. Das gegenwärtige Ministerium hatte gerade in seinen„Regierunasdekreteu" vom 11. Februar, nachdem zuvor alle militärischen Neuschöpfungen aufgezählt und auch das Gefetz zur staatlichen Anerkennung der freien Hilfskassen gegen Krankheitsfälle santtionirt war, klar und deutlich versprochen, es werde den Schutz der Frauen und Kinder vor Ausbeutung ebenfalls — Und Regenschirme! wetterte Baudn weiter. Das ist das Höchste! Bourras ist überzeugt, daß Mouret nur dar- aus ausgeht, ihn zu Grunde zu richten; denn Regenschirme und Kleiderstoffe— wie reimt sich das zusammen Aber Bourras ist ein zäher Kerl und wird sich nicht so mir nichts dir nichts abmurksen lassen. Wir werden eines Tage» zu lachen bekommen! Er sprach dann noch von anderen Geschäftsleuten und ließ das ganze Stadtviertel Revue passiren. Zuweilen ent- schlüpfte ihm ein Geständniß; so meinte er unter Anderem, daß, wenn Vingard ernstlich daran denkt, sein Geschäft zu verkaufen, auch für alle Anderen im Stadtviertel nichts Anderes übrig bleiben iverde; denn Viuejard gleiche den Ratten, welche daS sinkende Schiff verlassen. Dann wieder lehnte er sich gegen diesen Gedanken auf und träumte von einem Bündniß der Detaillisten, um dem Koloß die Stirne zu bieten. — Ich selbst, schloß er, habe bisher durch ihn(er nannte Mouret so selten als möglich) nicht allzusehr gelitten. Er schadet mir, das ist sicher; aber er führt bisher, nur Damen- tücher, leichtere für Roben und schwerere für Mäntel. Herren- artikel sucht man doch nur bei mir, wie Sammt für Jagd- anzüge, Livreestoffe und dergl., ohne von Flanellen und Mottetons zu sprechen, in welchen er wohl schwerlich so assortirt ist, wie ich. Aber er neckt mich; er glaubt, ich werde mir den Kopf an die Wand schlagen, weil er seine Tuchanslage da, mir gegenüber, eingerichtet hat. Gergde vor unserer Thüre paradirt er mit seinen buntesten Konfektions- Artikeln wie Jahrmarkts- Quacksalber, um. die .jungen Mädchen damit zu ködern. Aus Mannes- ehre, ich würde mich schämen, zu solchen Mitteln Zu en. Seit nahezu hundert Jahren kennt man das Ge- t„Zum alten Elbe us" und es hat nicht uöthig, .einer Thüre solche Lockspeise für Maulaffen auszuhängen. lange ich lebe, bleibt mein Geschäft so wie ich es überkommen habe, mit seinen vier Stück Mustertuch rechts und links und sonst nichts! (Fortsetzung folgt.) ,rci chä an So Eegeuttand seiner Fürsorge sein lassen. Die letztere scheint aber. nach dem Verhalten der Delegirten nicht sehr ernst gemeint zu sein. Lissabon, 7. April. Das amtliche Organ veröffentlicht einen Erlaß betreffend die Bildung eines Unterrichtsministeriums mit Senhor Arroyo als Minister. Zum Minister der Marine und der Kolonien an Stelle Arroyo's ist Falio Velhena ernannt. Weitere heute zur Veröffentlichung gelangte Erlasse betreffend die Reform der Strafrechtspflege, das Versamnilungs- und Vereins- recht, die Gewährung der Preßfreiheit unter gewissen Bestimmun- gen. Letzterer tritt morgen in Kraft. Der Erlaß über das Vcr- sammlungs- und Vereinsrecht stellt die Befugniß der Behörden fest, Schaustellungen, durch welche Einrichtungen des Staates oder Personen angegriffen werden, zu untersagen. Rußlaud. Die russischen Stndentenunruhen haben sich während der letzten Tage nicht nur in Petersburg, sondern auch an den Hochschulen anderer Städte wiederholt."In Petersburg versammelten sich am l. April, so meldet das„Bür. Reuter" von dort, etwa 200 bis 300 Mitglieder der Universität mit der Absicht, nach dem Unterrichtsministerium zu inarschiren und ihre Vitt- schrift zu überreichen; aber che diese Absicht ausgeführt werden konnte, schritt die Polizei ein und verhaftete 173 Studenten. Ein anderer Auszug, zusammengesetzt aus Zöglingen der Forstaka- demie, welche gemeinsame Sache mit den Studenten der Uni- versität machen, wurde auf dem Wege nach dem Ministerium von der Polizei angehalten, welche ebenfalls eine große Anzahl dieser jungen Leute in Haft nahm. Arn 2. April wiederholten sich die Kundgebungen. Die Studenten hielten Entrüstungsversammlungen in allen großen Hörsälen ab, wobei es an leidenschaftlichen Reden nicht fehlte. Die Vertreter der Regierung wurde nicht zugelassen. Tie Forderung wurde wiederholt, die alten Universitätsgcsetze von 18G4 wiederherzustellen, und der Sympathie mit Polen und Juden Ausdruck gegeben. Die Universität wurden darauf von Kosaken umgeben und von Gendarmen besetzt. Bei den Ver- hastungen auf der militärischen medezimscheii Akademie wurde daS Gebäude gleichfalls mit Kosaken umstellt, da die Be- Hörden augenscheinlich befürchteten, daß die Schuymannschaften auf Gewalt stoßen würden. In Charkow wurden 07 Studenten verhaftet. Davon sind 11 wegen Sympathisirens mit der Be- wcgung an der Moskauer Universität ausgestoßen worden. Die Ruhestörungen, so berichtet das genannte Londoner Bureau weiter, werden zweifelsohne als Symptom neuer revolutionärer Pläne im Zusammenhange mit der Agitation im Auslande in Betreff der Vorgänge in Sibirien und Frau Zebrikowa's Brief aufgefaßt. Der Zar hat die Absicht bekundet, die Schließung aller höheren Unterrichtsanstalten für die Dauer eines Jahres anzuordnen. Weiter meldet ein Telegramm der„Voss. Ztg.": Die Absicht des Hofes, das Ende der Fastenzeit wie üblich in Gatschina zuzu- bringen, wurde aufgegeben, weil die Polizei von Gatschina Spreng- stosse in der Nachbarschaft des Palastes entdeckte. Amerika. Chicago, 7. April. 3000 Zimmerleute haben heute be- Hufs Crzielung höherer Löhne und eines achtstündigen Arbeits- tages die Arbeit niedergelegt. Lima, 7. April.(Telegramm des„Reuter'schen Bureaus".) Aus Anlaß der bevorstehenden Präsidentschaftswahl hat die Re- gierung ein Dekret erlassen, welches öffentliche politische Demon- strationen verbietet. Der ehemalige Diktator General Nicolas Pierolas ist gestern Abend unter der Beschuldigung revolutionärer Umtriebe verhaftet worden. Ebenso wurden der Maire, dessen Adjunkt und drei Mitglieder des Munizipalrathes verhaftet. Störungen der öffentlichen Ruhe haben nicht stattgefunden. Morgen wird die Ankunft eines englischen Geschwaders erwartet. Afrika. Sansibar, 7. Apnl. Die Häuptlinge Bana Herr und Jehasi haben sich gestern niit dem Rest ihrer Truppen dem Reichs- kommissar Major Wißmann ergeben. Mrmummalejs. Tagesarduung für die Sitzung der Stadtverord- ueteir- Versammlung am Donnerstag, den 10. April d. I., Nachmittags 5 Uhr. Vier Naturalisationsgesuche.— Bericht- erstattung über die Petition deS Vorstandes der freireligiösen Gemeinde um Ueberlassung von Schulräumen zum Religionsunterricht der Gemeinde und Bewilligung eines Geldbetrages für dieselbe.— Berichterstattung über dir Vorlage, betr. die Ueberlassung eines Theiles des Dennewitzplatzes an die Zwölf-Apostcl- Gemeinde als Baustelle für eine neue Kirche und dw Feststellung von Baufluchtlinien für diese Kirche.— Vorlage, betr. die Be- willigung einer Summe zur Beschaffung von Ehrengaben für das zehnte deutsche Bundesschießen.— Desgl., betteffend die Legung von Pferdeeisenbahn-Geleisen durch die Rathenower- und Birken- straße zun» Anschluß an bereits bestehende Geleise in der Thurm-, Birken- und Perlebergerstraße.— Desgl., betr. die Theilung des Bezirks des 30. Gemeinde- Waisenraths.— Desgl., betr. die Bildung einer 5. Gruppe der Schüler römisch- katholischer Konfesston zur Ertheilung des Religions- Unterrichts.— Desgl., betr. den Verkauf des Baubureau-Gebäudes auf dem Grund- stücke der Gemeindeschule in der Gräfestraße zum Abbruch.— Desgl., betr. die Erweiterung des§ 2 des Ortsstatuts über die Fürsorge für die Wittwen und Waisen der besoldeten Gemeinde- beamten und Lehrer.— Desgl., betr. die Etats für die Reuter- stifwng, für den Gesindebelohnungs- und Unterstützungs- Fonds, für die Sparkasse sowie für die Sublevationskasse und die Vor- spannverwaltung pro 1. April 1890/91.— Desgl., betr. den Ver- kauf einer städtischen Grundstücksparzelle an der Ecke der Lieben- walderstraße und der Straße 49.— Desgl., betr. die Bewilligung der zur Vorbereitung der Markthallenbauten in den Stadttheilen Moabit, Louisenstadt jenseits des Kanals und Tempelhofer Vor- stadt erforderlichen Geldmittel.— Desgl., betr. den Slbschluß eines Vertrages mit der Gemeinde Pankow über Gaszuführung aus den städtischen Gasanstalten.— Desgl., betr. dw Erwerbung von Terrain zu der Verbindungsstraße zwischen Gneisenau- und Blücher- straße vorlängs dem Platze E, Abth. II des Bebauungsplanes.— Zwölf Rechnungen.— Desgl.. betr. den Verkauf der Baulichkeiten auf den Grundstücken Neue Friedrichstr. 29—34 und Alte Jakob- straße 120 zum Abbruch.— Desgl., betr. die Vermehrung der Zahl der Bürgerdeputtrten bei der Parkdeputation um ein Mit- glied.— Vorlage, betr. die Neuwahl von 2 Mitgliedern der Ein- schätzungskoinniission für juristische Versonen, eines Rathsmaurer- meisters und eines Mitgliedes der E'.nschätzungskommission für die klassifizirte Einkommensteuer. Soziale Ltebeestchk. In Elmshorn in Holstein haben 120 Gerber die Arbeit niedergelegt. Grund: Forderung der. zehnstündigen Arbeitszeit. Zuzug ist fernzuhalten. Theater. Mittwoch, den 9. April- Gperntzauo. Der Freischütz. Schon lpielhauo. Der Sturm. Lesstna-Ttzcoter. Die Ehre. berliner«ch rater. Wallenstein'sTod. Deutsches Theater. DerKompagnon. Frirdrich-Wilhelmstädt. Theater. Der arme Jonathan. Mallner-Theater. Die Bajadere. Vorher: Der Spätsommer. Piktoria-Theater. Stanley inAfrika vstend-Theater. Die Geheimnisse von New-Iork oder: Madeline's Dämon. Kestdens-Theater. Marquise. Kclleallianre- Theater. Der Nautilus. Tentral. Theater. Ein fideles Haus. Adolf Ernst. Theater. Der Gold- stlchs. Theater der Reich« halle». Speziali- tätenvorstellung. Gedr. Richter'« KariStö. Speziali- täten-Vorstelluno. Kaufmann'« VariitS. Spezialitäten- Vorstellung. American-Theater WW Zresdetterstraste 55."HWL Täglich Vorstellung. Heute, Die Saison ist bis zum 17. d. Hl. verlängert und findet an diesem Tage die letzte Vorstellung statt. Renz. K a r l st r a ß e. Mittwoch, den 9. April 1890, Abends 7V2 Uhr: Wiederholung der Benefiz-Vorftellung der beliebten Reitkünstlerinnen Miß Lillie und Miß Rosa Meers. Die Touristen, oder: TinSommertagamTegernsee große Original-Pantomime. Ein hippol. Potpourri von 40 Freiheitspferden, sämmtlich dressirt von Herrn Franz Renz. Die beiden Kon- ourrenz-Jockey-Reiterinnen der Bene- izianten Geschwister Meers. Morgen, Donnerstag: Große Vorstellung. E. Renz, Direktor. Englischer Garten Direktion: C. Andress, Alexanderstraße 27 c. Auftreten des Gesangshumoristen Herrn jung. Auftreten der deutsch- schwedischen Chansonnette Fräulein Tonn» Peters. Austreten der vorzüglich. Liedersängerin Frl. Wlargarethe Steinow. Heu 1 1 Austreten des Jnstrumental- und Gesangs-Terzetts(3 Damen) Geschwister Sawona. Auftreten der beliebten Duetttsten Ge- schwister König. Anfang Wochentags 8 Uhr. Entree 30, 50 u. 76 Pf., im Vorverkauf 20 u. 30 Pf. . Sonntags Anfang halb 0 Uhr. SonntagS Entree 50, reservirt 75 Pf., Orchester 1 Mark. Votverkauf Entree 40 Pf. 81. Unter den Linden LI. B Im Hause der Wilhemshallen neben der Passage. Vorführung Ben- Täglich Ali- egyptischer u. indischer 7,/1Ä. Beyc 3. 2 u. 1 M. Billets im Jnvalidendank. Etablissement Buggenhagen am IWoritztiiatz. Täglich: Gr. Instrumental-Concert, Direktion A. Rödman». ., Vfochontags 10 Pfg., Mtree Soim' unck Festtage im Kaisersaal 25 Pfg. Spezial-Ausschank von Patzenhose. Export-Bier, hell u. dunkel, a Sdl. 15 Pf. Gleichzeitig empfehle ich meine hocheleganten Festsäle zu 100 bis 200 und zu ca. 1000 Pers. zu soliden Bedingungen. 041 F. Maller 49 Rixdorf, Prinz Handjerystr, Ecke Falkstr., freund l. Vorderwohnungen (Stube u.Küche, Kloset, Wasserleitung) 50-70 Thlr.[210 Circns Wulff. V Friedrich Carl> Ufer. Ecke Karlstraße. Mittwoch, den 9. April, Ab. 7V2 Uhr: Gr. ausjerorbentl. Vorstellung. u. A.: Vorführung der in Freiheit dressirten 10 Trakehner Hengste, sowie des vorzüglichen engl. Springpferdes � Emerald" durch den Dir. Ed. Wulff. Gastspiel der unübertrefflichen Luft- gymnastiker Mr. Nestor und Aerien. August und Klown Adolf als Hamlet (Parodie). 4faches Tanoern nnt acht eigens hierzu dressirten Vollblutpser- den, geritten von 4 Herren. Auftreten der berühmten Parforcc-Neiterin Frl. Louise Renz in ihren großartigen Saltomortales zu Pferde. Das Wunder- pferd„Emperor"(einzig in der Welt dastehend)� vorgeführt vom Dir. Ed. Wulff. Hurdle-Rennen, von Affen ge- ritten(höchst komisch).„Royal", engl. Vollblutpferd(Geschenk Ihrer Majestät der Königin von Belgien), in der hohen schule ger. vom Dir. Ed. Wulff:c. Donnerstag, den 10. April: Große Extra-Vorstellung. Vorführung des in- folge einer Wette in 8 Tagen in Freiheit dressirten, dem hiesigen Fourage- Händler H. gehörigen Pferdes. Hochachtungsvoll Ed. Wulff, Direktor. Ein strammer Sozialdemokrat ist bei Gustav Türpe, Alte Jakobstr. 63, angekommen. 805 Heute früh 0 Uhr wurde uns ein niedliches Mädchen geboren. C. Röllenbleg und Frau, 797 geb. Mücke. Danksagung. Allen Freunden und Bekannten, welche meinen lieben Mann, den Me- chaniker Wilh. Kettler die letzte Ehre eriviesen haben, insbesondere den Herren Meistern und Kollegen der All- gemeinen Elektrizitäts-Gesellschaft, und dem Verband deuffcher Mechaniker sage ich hierdurch meinen herzlichsten Dank. Die trauernde Ww. Clara Kettler, geb. Wittscheibe. 796 MMer-VerMinlW der Central-Kranken- u. Sterbe- lasse der Maler(Filiale III Süd) nm Donnerstag, den 10. d. M., Abends 8 Uhr, Alte Jakobstraße 83 im Cafü R e y e r. Um zahlreiches Erscheinen ersucht 792 Der Bevollmächtigte. passag- 1 Cr. 9 Uhr M. b. 10 Uhr Ab. Kaiser-Panorama. ||f«: Erste Reise d. d. Rivirra. Monaco. Nizza. Cannes jc. Neu! III. Cyclus Eonstantinopcl. Zweite Reise d. Tirol. Eine Reise 20 Pf., Kind nur 10 Pf. Abonnement l M. mamKmaamaBmamam 3i([liuit(iiit j»(Siiiiitöltt. Wienersirasse 31. Jeden Abend: 716 Gr. Frei- Concert, der Wiener Damen-Kapelle H. Tlloumer. Um gütigen Besuch bittet ergebenst A. Biesenthal. Meinen werthen Kunden, sowie allen Freunden und Genoffen zur Nachricht, daß ich meine Wohnung am 1. April d. I. von der Kl. Andreasstr. 3 nach Landwehrstr. 42 verlegt habe. R. Butziger, Tapezier, 791 Landwehrstr. 42. Berliner Krnnken' Begriibnißkajse snr Franen lurä AWen(Ii ß. Nr. 97). General- Versammlung am Sonntag, den 27. April, Nach- mittags 4 Uhr, in Feuerstein s Lokal, Alte Jakobstraße 75. Tagesordnung: 1. Kassenbericht pro 1. Quartal 1890. 2. Statutenänderung. i. Kassenangelegcnheiten. Um zahlreiches Erscheinen ersucht 783 Der Vorstand: Fr. Freudonreicb, Otto Koppen, Vorsitzender. Kassirer. MuWfli- MAttbMe der laltt unii um». Bnchg. IniMM(6. ö. 31t. 71), Filiale 4 West. Mitglieder.Versammlung am Mittwoch, den 9. April, Abds. 8 Uhr, Lützowstr. 7 bei Appolt. Um zahlreiches Erscheinen bitten 806 Die Bevollmächtigten. Central-Kranken- n. Sterbekasse der Maler und verw. Bernfsgen. Dentsclilands(E, H. Nr. 71), Filiale Berlin II Ost. Mitglieder-Versanlinlung am 10. April, Abends 8>/s Uhr, bei J. Henke, Blumenstraße 33. T.-O.: 1. Kassenbericht. 2. Wahl von Krankenbesuchern. 3. Verschiedenes. 794 Die Ortsverivaltung. Geschäfts-Verlegung! Ten geehrten Genossen zur gefälligen Nachricht, daß ich mein Weiss- und Wollwaaren- Geschäft von der Oramenstraße 89 nach der Wasserthorstraße 68 verlegt habe und sichere bei etwaigem Bedarf wie bis jetzt reelle Waare zu. Achtungsvoll L. Gerhard, 68, Wasserthorstraße 68. 787 Auch ist eine leere Stube zu verm Tillen.Freunden und Genossen empfehle mein Weiss- u. Bairisch Bier-Lokal mit Vereinszimmer. 782 A. List, Zossenerstr. 53. Roktabak. Der noch am Lager befindliche Sumatra<*.*.>... S Q. 6 Doli Bohongao D 2 E S Dell S 2 Lanfikat Ass L S 2 N n. G' Senembah. C D W n. V S C. H A 2 Eh. 0 Z S S 1 S n. B N u. G Frian Dell JE P v d A Frankfurt Estate? p 3 Dell S S 2 Senembah. S 0 2 A S 2 SSCS «ud ein hlehur Best Havanna(ca. 135 Rfuuh) werden Kerttn C., Uene Schmchanserstr. 6, mie bisher in jedem nur annehmbaren Rreife abgegeben. llen übrigen Tabaken ist bereit» 804 vollständig geräumt. link». Mit al Soeben erschien: Berliker Ärbeiterbiblistiek. LSme. pÜh Heft 12: Internationale Arveitsschutzgeseizgebung Von Paul Ernst-Berlin. 36 Seiten. Preis 15 Pfg. Zu beziehen durch die Expedition, Beuthstraße Nr. 3. 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Bekanntlich war es auf der Berliner Konferenz zu Reibereien zwischen deni„Nrbeiterdelegirten" Telahaye und den übrigen Telegirten, besonders Jules Simon, gekommen. Anlaß dazu hatte Delahaye's Absicht gegeben, trotz der erhaltenen Instruktionen in seinem persönlichen Namen für eine Beschränkung der Arbeitszeit der Erwachsenen einzutreten, eine Absicht, die natürlich auf energischen Widerstand gestoßen war. Von offiziöser Seite ward natürlich der Konflikt wegzu- leugnen, resp. in seiner Bedeutung zu verkleinern gesucht. Delahaye's Bericht, der Stein des Anstoßes und der Aergerniß, ward auf Verwendung des Fürstbischofs von Breslau dem Pro- tokoll der Konserenz beigefügt. In folgendem die Uebersetzung eines Auszuges aus dem Tclahaye'schcn Bericht, welcher im„Tenips" erschienen ist. „Im Augenblick, wo die Diskussionen über einen Gegenstand eröffnet werden, welcher ganz besonders die'Arbeiter interessirt, ersilcye ich um die Erlaubniß. so kurz als möglich das Ergcbniß meiner Erfahrungen über die Verhältnisse und Bedürfnisse der Arbeiter darzulegen." Nach dieser Einleitung schildert Delahaye die Lage der Ar- beiter im Mittelalter, wo Arbeit und Kapital noch nicht getrennt waren, folglich auch keine feindlichen Gegensätze bilden konnten. Lohnarbeit kam nur ausnahmsweise und zeitweilig vor, auf einen Lohnarbeiter gab es zehn Meister, während jetzt auf jeden Ar- beitsherrn im Durchschnitt zwölf Lohnarbeiter kommen. Die Ar- beit war im Mittelalter eine natürlich gemäßigte, die Zukunft des Arbeiters, seine Würde waren sicher gestellt. Eine Wieder- Herstellung der Kleinindustrie und ihrer nothwendigen Er- gänzung, der Zünfte und Innungen, ist nach Telahaye ein Ding der Unmöglichkeit. „Es hieße produktiv mittelmäßige und unzulängliche Ar- beitsmittel an Stelle der wunderbaren Produltivlräste der modernen Großindustrie setzen. „Um auf wirksame und dauerhafte Weise das Loos der Ar- veiter zu bessern, um den periodischen Krisen der Ueberproduktion ein Ende zu machen, die ebenso mörderisch geworden, wie die Hirngersnothe des Alterthums, erachte ich, daß eS einer indu- imellen Organisation bedarf, welche die neuen Produktionsmittel der modernen Großindustrie zur Grundlage hat. Durch eine inter- nationale Arbeitsgesetzgebung wird dieser wichtige Wunsch pro- greffiv werden. Seit einem halben Jahrhundert ist dies auch der Wunsch, den die Arbeiter Europas und Amerikas auf allen ihren nationalen und internationalen Kongressen wieder und immer ivieder ausgesprochen haben." Nach Delahaye sind seitEndedeslS.Jahrhunderts dieProduktiv- kräfte riesig angewachsen. In der BaunuvoUcn-Jndustrie sind z. B. aktuell in Europa und Anicrika 100 Millionen von Spindeln für das Spinnen der Baumwolle in Betrieb. Heute genügen 188 000 Arbeiter, um diese zahlreichen Werkzeuge' in Bewegung zu setzen; vor hundert Jahren hätte es dagegen 100 Millionen von Arbeitern bedurft, um das gleiche Resultat zil erzielen, d. h. zede Person produzirt heute 530 Mal mehr als früher. In der l Landwirlhschast, wo die maschinelle Entwickelnng langsamer vor Ifich gegangen ist, verrichtet der Dampfpflug, der pro Stunde und pro Pserdekrafr eine Allsgabe von ca. 5 Centimes verursacht, die Arbeit von 100 Pflügcrn. „Ter wunderbaren Steigerung der mechanischen Kräfte gegen- über, welche die Bedürfnisse des täglichen Verbrauchs mehr- mals verhundertfältigt haben, scheint es natürlich, den'Arbeitern, und ganz besonders den Kindern und jungen Leuten niehr Ah, ß« zu vergönnen, damit es ihnen möglich sei, sich zu unterrichten und bilden, in Künsten und Wissenschasten zu vcr- vollkommnen, ihr Wohlsein in jeder Beziehung zu steigern. Dies ist nicht der Fall, Kinder, junge Arbeiter, Arbeiterinnen werden in gewissen Ländern durch eine übermäßige Verlängerung des Arbeitstages überbürdet; in anderen Ländern wiederum crman- geln Arbeiter jedes Alters vollständig eines Siuhetages pro | Woche. [ Einzeln genommen zögern alle Nationen aus Furcht vor der Konkurrenz auf dem Welthandel die Dauer des Arbeitstages zu beschränken, und dies obgleich die Erfahrung mehr als zur Gc- nilge bewiesen hat, daß bei dem modernen Maschinensystem die, Länder das Maximum der Produktivität(die größte Leistungsfähig | feit) erreichen, welche den kürzesten Arbeitstag haben, �mß gerade diese Länder unter den besten Bedingungen für dielMlig- teil der Waaren produziren, daß sie am meisten gedeibKi, und daß sie au? den Märkten der ganzen Welt die gefürchtcsttn Kon- I klirre utcn sind. Außer wirthschastlichen, physischen und menschlichen Erwä- i gungen lassen es mir gerade die Bedenken und Befürchtungen der industriellen Nationen als so durchaus wünschenswerth erscheinen, I daß eine gemeinsame Verständigung zwischen ihnen zu Stande komme, um die Dauer der Arbeit in den indllflricllen Bettieben 3 zu beschränken und zu regeln." Delahaye weist daraus durch eine, der zehnjährigen Statistik : der Vereinigten Staaten entlehnte Tabelle nach, daß mit der >,: Produktivität der soziale Reichthum gewachsen ist. So ist z. B. von 1850— 1880 die Zahl der Werkstätten von 123 025 auf | 253 852 angewachsen. Ter Werth der Produkte von 0 Milliarden auf 23 Milliarden; die Zahl der Arbeiter von 1 Million auf 3 Millionen, die angelegten Kapitalien von v/s Milliarden auf 32 Milliarden, das Kapital, dessen jeder Arbeiter zum Erwerb seiner Werkzeuge bedarf, von 0000 Frks. aus 12 000 Frks. . ,"�c' Prüfung dieser Tabelle ergiebt sich," sagt Delahaye, ft s f.0'1 �üo— 1880 die Zahl der Werkstätten sich nur ver- ,7 1 doppelte. Ter Werth der Produktion hat sich dagegen ver- viersaltigt, das Wachsthuin des Kapitals gar versechsfältigt. Diese Beobachtungen führen zu dem Schluß, daß den modernen � Produklonsmitteln Bestreben innewohnen, sich in einer immer li, l.etneren �>ahl von Händen zu konzenttiren. „ 1850 kamen auf jeden industtiellen Bettieb im Durchschnitt v? Lohnarbeiter, 1860 schon 9, 1880 gar 11. Gerade das Gegcn- -T theil bemerkt man in anderer Beziehung; während die Zahl der Lohnarbeiter in direktem Verhältniß zur Vergrößerung des in " industriellen Werkzeugen angelegten Kapitals wächst, nehmen die Ersparnisse der Arbeiter im Verhältniß zu der Anhäufung % des sozialen Reichthums ab. Die Ersparnisse der britischen Arbeiter sind sorgfältig be- st. rechnet worden auf Grund der Statistik der Gesellschaften für den z9 Bau von Arbeiterwohnungen, der Sparkassen, der Korporattonen, der Trades-Unions, der Hilfs-, Unterstützungs- und Sparvereine, gl Diese Ersparnisse kommen 3 Milliarden Franks gleich; milden £> entsprechenden Ersparnissen der Reichen von Großbritannien ver- glichen, welche auf 212 Milliarden Franks abgeschätzt werden, ist w das verhältnißmäßig wenig. Die Anhäufung des jährlichen Reichthums, d. h. das runde »k vnd überschüssige Produkt der Produltion, beträgt« Milliarden ' Franks. Diese Summe ist doppelt so hoch, als die gesummten * Ersparnisse der britischen Arbeiter. Aus diesen verschiedenen Beobachtungen ergiebt sich, daß ohne i* einen Eingriff seitens der Regierung der Arbeiter immer ärmer wird und sich immer mehr überarbeiten muß. Delahaye führt darauf noch zwei andre Thatsachen an. Es handelt sich um die Ersparnisse, welche von den euglischen Arbeitern und von den französischen Arbeitern in den Sparkassen eingezahlt worden sind. Zwei Tabellen zeigen, daß während der letzten Periode von 45 bis 50 Jahren die Einlagen pro Person um 41—50 pCt. abgenommen haben. Die Tabelle für Großbritannien ergiebt, daß 1831 429 000 Einzahlungen und 1881 4 140 000 Einzahlungen gemacht wurden, daß die Gesammtslimme der Ersparnisse in dieser Zeit von 342 Millionen auf 2 Milliarden 260 Millionen gestiegen, während die Durchschnittseinzahlung pro Person um 41 pCt., nämlich von 800 Fr. auf 475 Fr. gesunken ist. Die Tabelle für Frankreich zeigt, daß die Zahl der Einzahler von 1835—1880 von 121 009 aus 4 Millionen gestiegen ist und die Gesammtsumme der gemachten Einzahlung von 62 Millionen auf 1 Milliarde 280 Millionen, während sich die durchschnitt- liehen Ersparnisse pro Person um 50 pCt. vermindert haben, von 511 Frks. auf 333 Frks. gesunken sind. „Daraus kann man schließen," fügt Delahaye hinzu,„daß, abgesehen von den Krisen der Ueberproduktion und ihren Folgen, in dem Maße, wie sich die Großbetriebe für Produktion, Aus- tausch, Transport und Verkehr enttvickeln, sich einerseits der soziale Reichthum in wunderbarem Verhältniß vergrößert und in einer immer kleiner werdenden Minorität von Händen anhäuft, und andererseits stellen wir fest, daß es unter den Arbeitern ein Drittel aiebt, dessen Ersparnisse mehr und mehr abnehmen, während sich die große Mehrheit jedes Nothgroschen beraubt sieht und zu einer durchaus unsicheren Zukunft verurtheilt ist." Delahaye endigt seinen Bericht durch folgende Erklärung: „Die französische Delegation ist mit einem bestimmten Mandat hierher geschickt worden, an welchem sie festzuhalten gedenkt. Es ist also nicht in meiner Eigenschaft als Delegirter, sondern in meinem persönlichen Namen, daß ich erkläre, daß ich Anhänger bin und bleibe einer internationalen Arbeitsgesetzgebung, deren Zweck eine Besserung des Loses der Arbeiter ist." Uolrnles. Di« Gsterfeiertage liegen hinter uns. Sie waren von außergewöhnlichem Wetterglücke begünstigt. Berlin ist trotz des gewaltigen, alle früheren Ersahrungen weit hinter sich lassenden Treibens von einem nennenswerthen Unfall, soweit die Nach- richten uns bis jetzt vorliegen, verschont geblieben. Dennoch gab cS, wie die„Nat.-Ztg." richtig hervorhebt. Unzuträglichkeiten ge- nug und sie waren wie immer auf unsere unzureichenden Verkehrs- mittel zurückzuführen. Es mag, um einen kleinen Beweis für den, man kann wohl sagen, ungeheuerlichen Verkehr an diesen Tagen zu geben, nur angeführt werden, daß selbst auf Nebenstationen wie Stadtbahnhos Lehrte am Montag Vormittag um 10 Uhr schon die Kassen zeitweise geschlossen werden mußten. Das ermöglicht einen Rückschluß auf das Treiben auf den bcdeu- tenden Stationen am Nachmittag, und in der That wird uns von allen Seiten berichtet, daß sich in Lebensgefahr begab, wer darauf rechnete, seinen Ausflug mit einer Fahrgelegenheit zu machen. In den Stadtbahnkoupees waren oft bis 25 Personen zusammengezwängt, auf den Bahnhöfen war ent- setzliches Gedränge, Kamps um einen Platz, die rohe Kraft siegte überall. An der Damdfbahu, die vom Nollendorf- platz nach dem Grunewald führt, stauten sich die Massen so, daß sie bis in die Bülowstraße hineinstanden, auch der zehnte Theil der Andrängenden konnte nicht befördert werden. Ganz in der- selben Weife spielten sich die Szenen auf der Potsdamer- und Anhalter Bahn und auch an den Haltestellen der Pferdebahnen ab.— Nicht, daß es vorgestern so war ist das Wesentlichste in den Wahrnehmungen, sondern die Sorge darum: wie soll das werden? Seit der Eröffnung der Stadtbahn, seit also nahezu 10 Jahren, ist für dieWerniehrung und Verbesserung der Verkehrsmittel so gut wifcjFrichtS geschehen. Wir tonnen immer nur wieder bei ZeitAMuffere warnende Stimme erheben und darauf hinweisen, dajMe Zustände unerttägliche geworden sind. Jjr Schnlkrnnkhciten. lieber dieses wichtige Thema hat rnirzlich Herr Dr. med. Ludwig Stumpf in München einen inter- essanten Vortrag gehalten, ans dem wir das Folgende wieder- geben: Um den Einfluß der Schule aus die Entwiclelung festzu- stellen, ist die allgemeine Krankheits- und Sterblichkeitsstatistik belanglos. Zwei Staaten zur Vergleichung unter sonst überein- stimmenden Verhältnissen, von welchen einer eine Schule hat, der andere leine, existiren nicht. Es giebt somit kein Mittel, um den Begriff Schulkraukheit absolut fest zu umgrenzen. Auch nur be- ziehungsweise den Einfluß der Schule nachzuweisen, ist schwierig, weit eben eine große Anzahl vom Schulbesuche unabhängiger Ursachen in Betracht kommen, deren Wirkung mit den Einflüssen des Schulbesuches in richtiger Schätzung abzuwägen, oft kaum möglich ist. Es giebt aber doch eine Methode, die ziffermäßige, beachtenswerthe Resultate geliefert hat: die periodische Unter- suchung der Schüler durch'Aerzte. Aus Breslau, Kopenhagen und Stockholm kamen wohl die werthvollsten Resultate derartiger Untersuchungen. Warnende Stimmen vor den Schädlichkeiten des Schulbesuches erhoben U.A. Friedrich der Große, die Aerzte Frank und Lorintzer. Rousseau übertreibt, wenn er den Menschen, welcher studirt, als ein entartetes Thier bezeichnet,„ein„roher" Mensch, wie er dessen Ideal entspräche, würde wahrscheinlich jämmerlich zu Grunde gehen, müßte vermuthlich verhungern." Unter den schädlichen Wirkungen des Schulbesuches hört man oft das Wort Ueberbürdung als Kollektivnamen für eine Anzahl von Zuständen gebrauchen. Unstreitig kann es eine gewaltigere Veränderung nicht geben, als sie das Kind erleidet, nachdem es sechs Jahre lang Herr feiner Bewegungen, der lustigen.Wahl und Abwechselung der körperlichen und geistigen Beschäftigung gewesen und urplötzlich der Ordnung und Disziplin der Schule unterworfen wird. An diesen Moment erinnert sich deshalb Jeder auss Lebhafteste und bis ins höchste Alter.„Hände und Füße sind noch sehr beweglich", lautete da oft die erste Zensur. Die geringere Bewegung und die gespannte Aufmerksamkeit während oft 1—2 Stunden wirkt aufs Herz, die Lungen, der Mangel an Muskelthätigkeit schwächt bei Vielen die Eßlust, das Kind verliert an Muskeln, Fettpolster, wird blässer. Zill' dies gleicht sich aber meist wieder aus und ist keine Krankheit, verdient auch den Namen Ueberbürdung nicht. Diese kommt erst später in Frage, wenn wirklich die höheren Ausgaben an den Schüler heran- treten. Von wirklichen Erkrankungen in den ersten Schuljahren kommen die Verkrümmungen der Wirbelsäule in Betracht. Der echte Buckel als Folge rhachitischer Vereiterung von Rückgrat- wirbeln hängt mit Schulkrankheit nicht zusammen, wohl aber die zu starke Biegung: der hohe, runde Rücken und die seitliche Ver- krümmung des Rückgrats. Die Gelehrten sind da noch nicht einig und desteht eine ganze Anzahl sich widersprechender Theorien, unter anderem die Annahme leichter Entzündungsprozesse und ihr entgegengesetzt diejenige an den verschiedenen Punkten ungleich- artig einsetzender Verlnöcherungsprozesse. Auf zeden Fall bildet die Schule, besonders mit der falschen Zwangslage beim Sitzen das ursächliche Moment der Erkrankung des Wirbelsystems, den „Entfaltungsreiz," Einen Beweis bildet unter anderem die That- sache, daß die überwiegende Mehrzahl(91 pCt.) der seitlichen Verkrümmungen rechtsseitige sind, mit der Rechtshändigkeit, der verschiedenen Lage der rechten und linken Hand beim Schreiben in ursächlichem Zusammenhange stehend. Eine ganze Gruppe von Krankheiten bezieht sich auf das Nervensystem. Jedes angestrengt thätige Organ ist im Zu- stände der Blutfülle, so das Hirn des Schülers. Abgesehen von dieser aktiven Ueberfülle des Denkorgans kommt auch die passive, venöse Blutüberfülle des Hirns durch Stauung in den rückführenden Blutadern in Betracht. Sie hängt mit gestörter Verdauung zusammen, ist auch vermuthlich meist Ursache des oft beobachteten Nasenblutens bei Kindern. Thatsächlich leiden viele Kinder während und nach den Schuljahren an nicht zu be- seitigendem Kopfschmerz. Eine mit Ueberanstrengung nicht zu- sammenhängende Kopfschmerzursache ist der Ausenthalt in der Schulzimmerluft, welche verschlechtert ist durch Ausathmungs- und Heizgase. Hirn- beziehungsweise Geisteskrankheit werden feiten in der Schule geholt, so unliebsames Aussehen auch die bezügliche Schrift zweier Irrenärzte, Snell und Hasse, vor Jahren erregte. Geisteskrankheit bei Schülern tritt erst in späteren Jahren, fast nur bei Gymnasiasten und da in sehr vereinzelten Fällen auf. Hier müssen noch die Ursachen aus ererbter Anlage, gänzlich ver- k'ehrter Erziehung, fortwährendem Antreiben Schwacher, die schwächenden Momente körperlicher Krankheit und übler Gewohn- Heiken mit in Bettacht gezogen werden. So reizbar ein jugend- liches Gehirn auch ist, so reichen doch die Sorgen der Schul- linder bei Weitem nicht heran an diejenigen Erwachsener, um den Erwerb und dergleichen. Veitstanz und Epilepsie müssen ebenso wie Geisteskrankheit beurtheilt werden. Ein Schreck außerhalb der Schule erzeugt oft Epilepsie. Professor Dr. Karl Friedrich Westphal hat durch ein Experiment an jungen Thieren Epilepsie hervorgerufen durch Schläge auf den Kopf. Wenn es nicht das Schulregutativ schon erböte, dürften dieserhalb Lehrer vor fortgesetzten Schlägen auf die Köpfe der Schüler wohl zu warnen sein._____ Eine wahrhaft typische Schulkrankheit ist die Kurzsichtigkelt. Hier bieten die breslauer Untersuchungen werthvollste Belehrung: Unter 1060 untersuchten Dorfschulkindern waren nur 1,4 pCt. kurzsichtig. Aber in den städtischen Elementarschulen 6,7 pCt., höheren Töchterschulen 7.7 pCt., Mittelschulen 10,3 pCt., in Realschulen 19,7 pCt. und in den Gymnasien gar 26,2 pCt. im Ge- sammtdurchschnitte. Die gleiche Anzahl erster Schuljahre berück- sichtigt, sind vier Mal so viel Kinder der städtischen Schulen kurzsichtig, als solche der Landschulen. Die Steigerung der Kurz- sichtigkeit in den Gymnasien beivegt sich in folgenden Ziffern: Nur 0,4 pCt. im ersten Semester, steigt dann über 4,3 pEt, 8 pCt., 11,3 pCt., 24,1 pCt., 49,5 pCt. bis zu 63,6 pCt. in Ober- Prima der Gymnasien. Die Kurzsichtigkeit beruht bekanntlich wesentlich auf einer Verlängerung des Äugapfels in der Richtung von vorn nach hinten. Man nimmt an, daß sich aufden hinteren Partien des Auges, namentlich auf der Netzhaut Entzündung»- Prozesse bilden, ferner durch die Neigung des Kopfes �ruck- steigerung und Blutstauung im Innern des Puge», eine Dehnung der im zarten Alter natürlich viel nachgiebigeren Ängen- häute veranlaßt und so der Durchmesser verlängert wird. Viele Krankheitsprozesse kommen also in Betracht und nicht die Schule allein kann hier die Schuld tragen. Als ursächliche Schädigung, als Entfaltungsreiz wirkt aber gewiß die Schule. Viel thut auch das Haus. Das Kind wählt sich oft den schlechtesten Platz für die Hansarbeit. Bei mehr verbreiteten hygienischen Kenntnissen wird sich immer jemand finden, der dem Kinde sagt: Du mußt Dir mehr Licht gönnen. Dich anders setzen. Mit allen Verbesserungen der Neuzeit gebaute Schulhäuser allem können nicht Helsen. Das letzte Wort bei der Kurzsichtigkeitslehre ist noch nicht gesprochen, auch nicht über Wahl des Papieres, der Schrist, der Hefte. Professor Stilling schreibt die Hauptschuld an der Kurzsichligkeit den Muskeln zu, deren zu weichem Gewebe, dem vererbten Anliegen des oberen schiefen Sehnenmuskels. Noch wäre die lokale Schwindsucht oder Skrophulose zu erwähnen. Hier wirken aber soziale» Zustände wesentlich mit. Zusammen- gefaßt darf das Publikum die Gewißheit haben, daß eine Anzahl Männer auf der Wacht steht, die Einen, die Aerzte, bestrebt, zu verhüten, daß den Kindern nicht zu viel geschieht, die Anderen, die Lehrer, daß die nothwendigen Aufgaben der Schule erreicht werden. Die Aerzte möchten gerne, daß dem lernenden Kinde nicht das äußerste Gewicht auserlegt, daß nicht der letzte Rest seiner Kraft beim Lernen verbraucht werden soll, weil damtt die geistige Individualität der Person vernichtet wird. Dies Alles zur besseren Annäherung an das Ziel der Erziehung:„Ein ge- sunder Geist in einem gesunden Körper." Etwas vom Kauschwindrl. Die Maurer Wiens befinden sich gegenwärtig in einem allgemeinen Ausstande. Es dürfte da- her nicht unangebracht fein, einen Blick auf die dortigen Bau- Verhältnisse zu iverfen und dürfte ein kurzer Einblick in dieselben um so mehr interessiren, als sie ein getreues Spiegelbild auch der hiesigen Bauverhältnisse sind. Einer der vielfachen Krebsschaden, der auch in der„schönen Kaiserstadt Wien" sein verderbliches Wesen treibt, ist die wucherische Bauspekulation. Wer das Wiener Bauwesen und den dortigen Realitätenmarkt während der letzten Jahre verfolgte, muß zu der Uebcrzeugung gelangt sein, daß die Häuserspekulation daselbst jetzt ihren Höhepunkt erreicht hat. Diese gewöhnlich mit„Bauspekulation" dezeichnete Thätigkeit ist aber durch die Motive, welche den dabei erstrebten Zwecken zu Grunde liegen, gleichbedeutend mit dem Begriff:„Bauschwindel". Früher haben, der„Deutschen Städte- Zeitung" zufolge, in Wien 96 Baugesellschaften ihr Unwesen getrieben; diese sind schon auf acht zusammengeschmolzen und davon gelten jetzt kaum noch 3 für lebensfähig. Von jenen 96 Gesellschaften wurden in einigen Jahren in Wien und ,in den Vororten ca. 600 Häuser fabrizirt, um— angeblich— dem dringenden Bedürsnisse des Wohnungs- mangels abzuhelfen, in Wirklichkeit aber, um die Erwerbung von Geldmassen auf dem Gebiete des Bauwesens fortzusetzen, was ihnen der Papierkrach entzogen hatte. Und wer waren die Jünger dieser unsoliden Bauspekulation? Es waren Agenten, Geldverleiher:c., Leute, die vom Bauen gar nichts verstanden und bei ihrem erlernten Gewerbe nicht im Stande ivaren, sich auf der Oberfläche zu erhalten;— sie wurden„Bauunternehmer". Diese Bauspekulatton ist die gefährlichste. In erster Linie sind dafür die Baugewerksbehörden und ein Theil der wirklichen Bau- meister, die den Spekulanten die Hand reichen, in zweiter Linie die Kredit- Institute, die solchen Leuten das Bau- geld zur Verfügung stellen, und endlich die nach Provsswu haschenden Vermittelungs-Agenten verantworlich zu machen. Denn nur unter Mithilfe dieser Faktoren wurde es z. B. in Wien möglich, eine Ueberproduktion an Häusern zu schassen. Wie diese Spekulanten in Wien Häuser bauen, erzählt uns der dortige„Hausbesitzer" folgendermaßen: Ein Agent tteibt irgendwo einen Baugrund auf und ofserirt denselben an den Bauunternehmer St. N., welcher sich bereit er- klärt, ihn zum Preise von 10 000 Fl. zu kaufen, wenn der Ver- käufer mit einer Anzahlung von 500 Fl. zufrieden ist und mit seiner Restforderung einem Baukredit nach Bedarf nachstehen will. Der Verkäufer kann den verlangten hohen Preis für seinen Bau« rlatz auf eine ander« Art nicht erreichen; so schlieft er den Verkauf mit der Bedindiiuß ab. daki sein guthaben auZ dem Spav lnssenanlehen nach Jertigsielltuijt de? Hauses getahtt werden »uch. Agent hat von den 10 000 m. 2 pt5t. Provision. b. i. 200 Fl., gliialich vom Verkänfer erhalten, so das: ihm(hat- sachlich OOo Ff. für fetneu Bauplah geblieben sind, welcher vielleicht nm S'XX) Fl. gegen Baarvcrtnnf iederzeit an den Mann zu bringen geivese» märe; der»Bauunternehmer hat jeyt einen Bauplatz,— nnn braucht er einen Plan, ein Präliminar und dann die Unterschrift eines Baumeister?, nm die Baubewillignng zu erlangen. Ter Plan ist sehr schnell fertig, das Präliminar macht er sich selbst und die Unterschrift eines wenig beschäftigten Baumeisters bekommt er um 20—00 Fl. jederzeit— das ist alles leider traurige Thntsache! Endlich hat der Herr Baunnternehiner auch die Battbewilligung, aber lein Geld, um auch nur den ersten Spatenstich zur Grundaushebung machen zn können. Jetzt be- ginnt wieder daS Geschäft der Agenten gegen Zusicherung emer 2— I Prozent igen Provision für die Zuführung von Baukrcdit. Mit Opferung diverser Vorschüsse und Wagengebühren behufs Besichtigung der Baustelle wird endlich ein solch rettender Engel gesunden, welcher sich bereit erklärt, einen Baukredit bis zun, Bettage von 20 000 Fl. zu 12 pCi. Zinsen im Ltontokorrent zu geben, d. h. jeden Sonnabend zur Auszahlung des Arbeitslohnes, sowie etwas Vorschust an Gewerbsleule bis zur Grfchöpfung obiger Summe vorzustrecken, mit der Bedingung, daß der ganze Betrag per 20 000 fl. au erster Stelle vorgemerkt und die Zinsen im Vorhinein abgezogen werden. Diese Be- dingungen werden von dem„Bauunternehmer" ohne Weiteres akzeptirt und der Agent bekommt seine Provision nach und nach, was sich aus der Wochenliste nebst dem Hausgebräuche des Bau- uiiternehmerS ersparen läßt, bis die Provision von 400 fl. gedeckt ist. Teint der Agent ist bei solchen Geschäften die Hauptperson. Während der Baunnternehiner trachtet, das Haus fertig zu machen, arbeitet schon ein Heer von Agenten, tun dasselbe sofort nach Fertigstellung entiveder durch Verkauf oder Tausch an den Mann zn bringen. Endlich ist das Haus mit Mühe tutd Roth ztun Bewohnen fertig; der BenutznngSkonsens wurde ertheilt und MUtpparteien wurden aufgenommen, ob dieselben einen Zins zahlen oder nicht, wenn nur alles bewohnt ist, damit seitens der Sparlasse eine möglichst hohe Belehnung gemacht werden kann.— Gin besonders gewandter und findiger Agent, Spezialist, wird mit Zusicherung einer dreiprozentigen Provision beauftragt, diese Transaktion durchzuführen. Dieser Agent stellt sein„Kalkül" zur Schätzung des Hauses auf, aus dein sich ein Schätzttngsiverth von 120 000 fl. crgiebt. Diesem Kalkül tvird knie flngtrte Zinsfassion. welche dasselbe Erträgnifl, wie im Kalkül angeführt ist, ausweist, dann ein ÄrundbuchsanSzug dem Dar- lehnsapsuche« beigeschlossen und mit diesen werthvollen Dokumenten begiebt sich der„Spezialist" auf die Suche nach einer Provinz-Tpartasse, welche mit den Wiener Verhältnissen nicht sehr vertraut ist, und setzt es, wenn auch nicht bei der ersten oder zweiten, durch, daß zwei oder drei Vertteter der Sparkasse das Haus besichtigen, d. h. schätzen und bewilligen nach dent aufge- stellten Kalkül und ans Grund des erhobenen Werthes ein Hypothekardarlehen von 50000 fl.— Hoch erfreut über diesen Erfolg, snhrt der Spezialist sofort nach Einlangung der Erledigung zu den Herren Sparkassc-Funktionären und beklagt sich über die uicdere Belohnung und bittet im Namen des Etgenthttmers, der ja bekanntlich ein so reicher Mann sei, infolge dessen für zeden Betrag gut ist, das Tarlehen um ntittdestenS 2000 Fl. zn erhöhen.— Man geht diesem Ehreninann richtig auf den Leim und bewilligt 57 oou Fl. Ter Herr„Spezialist" lacht sich über den gelungenen Schwindel in'S Fäustchen und dampf vergnügt nach Wien zurück, Pläne schmiedend, was er mit den so leicht rerdienten 1700 Fl. ansangen wird. Tie Durchführung des Hypothekardarlehens geht anstandslos durch, die Provisionen, Zinsen und der Baukredit werden bezahlt, nur der Betrag für den Bauplatz per 0500 Fl. muß sich noch ein Jahr gedulden uud einige Baugewerbetreibende müssen warten, bis ttsch ein sogenannter 2. Satz gcfunven oder bis das Haus verkauft wird. Das Hans hatte nach richtig durchgesnhrter Schätzung einen Werth von 41 000 fl. und mußte im Lizttattons- tvege von der betteffeitdeit Sparkasse um ihren Darlehnsbettag von 57 000 fl. übernommen werden; weder für den Grund blieb etwas, noch irgend ein Geschäftsmann erhielt auch nur einen Kreuzer. Bei diesem Bauschwindel verdienen nur der Bau- schiviudler, Geldgeber und Agent, und der arme Bangcwerbe- treibende wird um sein letztes Hab und Gut betrogen. Solchem Schwindel sucht man jetzt in Wien durch Anstellung von Bezirke- cmssehern zu steuern, denen die'Aufgabe zufallen soll, die Bau- arbeiten zn überwachen uud namentltch daraus zu sehen, daß solche von nichtbetechligten und unbestenerten Personen nicht ausgeführt werden. Jedenfalls ist diese Beleuchtung der Wiener Zustände nicht ohne Belehrung und Interesse für unsere Leser. Duo Arbeitspeiisum, welches der X. internationale me- mzmische Kongreß zn erledigen haben wird, wird ein ungeheuer großes sein,«o sind beispielsweise schon jetzt bei der Abthetlung s.ir innere Medizin einige dreißig Vortrage angemeldet und das Programm dieser Abtheilung verzeichnet bis jetzt 37 Namen von gutem Klange als Referenten und Korreferenten, tvelche auS aller Herren Ländern nach Berlin eilen tvcrden. So sind u. A. als als Vortragende angemeldet: Professor Nothnagel und Seegen aus Wien. Prof. v. Jacksch-Prag, Prost Galassi- Rom, Prof. L Spin e- Lyon, die Pros. H.Weber, P a v y, Harvey, Orb, Sir Andrew« I a rk, Tr. Kidd ans London, Ribbing-Lttnd, Pros. Andrew H. Smith- New- Jork, I a e o b i, A. S. Loomis«nd E tt t ter ans New-Bork, A. K i m m e l- Findlay- Ohio, W. Osler- Baltimore, Dujardin-Beauiitetz- Paris, L a a ch e- Christiania, F l o- r a S-Konstantinopel, GalaL-Rom, Grainger- Steward- Edinburg.'A d a nt k t e iv i c z- Krakati. Rose»stein- Leiden, Lewaschem- Kasan, I ohannessen-Ehristiania. Tien- h o v e tt-Haag, Salm a-Utrecht, D'E s pin c-Genf, N a u n y n- Sttaßburg, L a n d o- Greifswald, Strümpell- Erlangen, F ü r b r i n g c r- Bcrliit, B t e g e r- Berlin. P e l- Ainsterdam.— Schon die Fmammeitstellung dteser Namen zeigt, daß der„internationale" Eharakter dieses Kongresses in der Thai vvllaus ae- tpahrt ist. ?«r Austurm auf die Ktadtbahn an den beiden Feier- lagen war wieder ein ganz gewaltiger. Das Bestreben des Puililmni-, in den einfahrenden Zügen einen Platz zn erhaschen, erzeugte ein in der That lebensgefährliches Gedränge. Die uteist schon überfüllten KupeeS wurden förmlich gestürmt. Alle» Prote- jiiren der Insassen half nichts. Männer, Frauen und Kinder drängten herein und— glücklich Derjenige, tvelchcr nicht hinein- gekommen— wie die Häringe zusammengepreßt ivurde die„Ver- gnügungssahrt" angetreten. Ztvölf bis achtzehn Personen in einem jür acht Personen berechneten Konpe« bildete schon am Sonntag die l'iegel. Am allertollsten aber war es am zweiten Feiertage. an welchem liehst den anderen Vergnügungsznglern die Stadtbahn all die Tausende zu befördern hatte, tvelche dem Erössnungs- Meeting aus der Charlottenburger Rennbahn beiwohnen wollten. Von Mittags 12 Uhr bis 2 Uhr Nachmittags waren sümmtltche Füge in der Richtung Charlottenburg-Aestend überfüllt und oft waren hier zwanzig, sogar fünfundzivanzig Personen in einem Koupee zusammengepreßt. Dw Bahnbeamren hatten alle Umsicht anzuwenden, um Unglücksfälle zu verhüten und das sich heran- drängende Publikum von Unvorsichtigkeiten abzuhalten. Noch schlimmer ging eS bei der Rückfahrt zu. Hier mußte der Billet verkauf zeitweise sisttrt werden. Daß es bei diesem kolossalen Verkehr trotz aller Vorsicht nicht ohne einzelne kleine Unfälle ab- qiiig, braucht wohl kaum besonders erwähnt zn werden. Viele Frauen kamen ins Gedränge und tvurden ohnmächtia. auch Kinder wurden oft stark gequetscht. Indessen ist an den einzelnen größeren Vertehrszenlren trotz des Massenverkehrs von entern ernst licheren Unglücksfalle glücklicherweise nichts gemeldet worden. Der Zuflnst von Fremden nach Berlin ist zu den Osler- seiertagen.'in großer. Gewaltige Menschenmassen drängen sich dnld nach Ankunft ter Personenzüge atts entfernteren Gegenden, von den Hatiptbahnhoseit in die Straßen der Stadt, ein be- achtensivcrtHes Schauspick, das sich den in der Stühe eines Bahn- lwses tvohneitdeu seit Donnerstag täglich wiederholt dielet. Aus den Bahnhöfen selbst kann man sehr deutlich wahrnehmen, daß die Zahl der von Berlin Abreisenden in den gegenwärtigen Tagen viel geringer ist, als die Zahl der Amommeitden. Berlin ist in der gegenwärtigen Jahreszeit auch in der besten Vcr- fassmig. um von den Berlinern ihrem Famipenbesuchc gezeigt zu werden. So kommt es denn gewöhnlich, daß zu Ostern diejenigen Leute ans der Provinz nach Berlin zu Betannten reisen, welche den Besuch dieser Bekannten zu Pfingsten oder während der großen Sommers erien bei sich in der Provinz erwarten, denn in der warmen Jahreszeit wird Berlin, von vielen Berlinern we- niastenS, nicht schön gesunden. Tie Museen, alle Sehenswürdig- ketten, und nicht zuletzt die Theater und Schankwirthschasten sind jetzt von den Fremden sehr besucht, und deshalb ist ein Osterfest nut gutem Welter einer der stärksten Wünsche der Schanktvirthe Berlins und seiner Umgebung. Im Ioologischr» Kart«« beginnen sich jetzt die seither öden und leeren Sommerwohntingen wieder mit ihren geflügelten und vicrfüßigen Insassen zu füllen, und besonders für die Vögel kommt nach langem Stillsitzen in enger Äinterhafl die bessere Zeit ihres Gefangenenlebcns, die von allen mit stillem Behagen oder lauter Freude begrüßt wird. So ertönt jetzt wieder in der großen Raubvogelgalcrie, die dieser Tage neu besetzt und geordnet worden ist, der fröhlich ivieherndc Ruf des afrikaitischen Schrei-Sec- adlers. Im Käfig daneben übt der bunte Gaulleradler, so gut es eben gehen will, seine berühmte Flugkrast, und sein gutes Bei- jpiel muntert sogar die finstere wilde Harpie dazu ans, auch ihre mächtigen Schtvtngen zn rege». Andere schön gefärbte und auf- fallend gestaltete, fremdländische Raubvögel, ivie Kondor, Königs- geier tt. s. tu., schließen sich an, darunter ganz neu angekauft der ostindische Lappengeier, merkwürdig durch 2 große Hautlappen, die seinen nackten, rosenrothen Kops zieren oder, wenn man so will, verunzieren. Jenseits des großen mittleren Knppclkäsigs, m dem die großen Aasgeier hausen, sind jetzt, um der ganzen Sammlung eine möglichst sinnreiche und über- lichtliche Anordnung zu geben, außer dem bekannten, jetzt aber in unseren Alpen vollständig ausgestorbenen Lämmer- geier oder Geieradler, die mehr einfarbigen, unserem Siein- adler ähnlichen Adlersormen vereinigt, und hier bilden ohne Zweifel die hervorragendsten Prachtstücke die beiden von nnsercs Kaisers Majestät in gnädigem Gedenken an den heimischen Thier- garten von der Nordlandsreise mitgebrachten Seeadler, die sich ganz besonders schön entivickclt haben. Das zweite klcnte Raub- vogel-Haus nahe bei, enthalt, entsprechend seinen engeren tltäuinen, die kleineren Räuber der Lüste: ausländische Falken, Milane und Bussarde, unter Letzteren die schönste und größte Bussard- form, die in verschiedenen grauen Tönen über den ganzen Körper wundervoll zart gesperberte Aguja und, ganz neu angekommen, den Rauchfuß-Bussard, den nordischen Vertreter des all- bekannten Mäusejägers unserer Felder, der von diesem durch bis iU den Zehen gefiederte Läuse ausgezeichnet ist. Ferner sehen wir >itr die kleinen'Aasgeierarten der alten und neuen Well, diese eigentlichen GesundheitSpolizistcn des Orients und der Tropen, die schon in Egypten Kanalisation und Adfuhrwesen entbehrlich machen, und schließlich das lichtscheue Nachtgeschlecht der Eulen in großen und kleinen Vertretern aus allen Welttheilen. Alles ist möglichst naturgefchichtlich geordnet und lehrreich grnppirt, o daß es wohl keinen Thierjrettttd gereuen wird. auck, in dieser stillen Ecke des Gartens einmal wieder einige Attgettblicke verweilt zu haben. Am Zieichstagsgebäude wird gegenwärtig das große Mittelrisattt in der önlicyen, an der ReichstagSslraße gelegenen Front ausgeführt. Bis jetzt ist man bereits bis zur Höhe der llttterlaute deS ersten Stockwerks angelangt. Ten Pjeilern der in diesem Mittelrisalit eingeordneten drei Ruitvbogen-Portate werden mächtige Halbsäulen vorgelegt. Das Mittelrisalit in der Front veS Königsplatzes ist derjenige Theil des Baues, welcher ebenso wie der Kuppelaufbau über dem großen Sitzungssaale noch am tvcitesten zurück ist. Alle übrigen Theile des Gebäudes sind fast bis zum Hauptgesims vollendet. Den vier Ecken iverden qttadra- tische Ausbaulcu aufgesetzt, welch« über der Oberkante des Haupt- gcsimses hoch emporragen sollen. Die mächtigen korinthischen Vollsäulen vor den Eckenrisaliten stehen schon. An den Kapitellen i iescr mächtigen Stützen, sowie an jenen der PUaster, welche tue Fronten gliedern, arbeiten behufs feinerer Ausführung der Details schon längst die Steinmetzen. Mit seinem Walt» von Gerüsten, welche noch in jüngster Zeit vermehrt worden, macht der Bau zur Zeit einen wahrhaft großartigen Eindruck. In oer Hauptfront 115 Mir. und in der«eitcnfront 78 Vitt. lang, bedeckt die Batt- masse einen Flächenranm von 9300 Quadratmetern. Um diesen gewaltigen Kern ziehen sich die breiten Gerüste mit ihren Pfosten, Riegeln und Zangen hin, hoch oben eine Fahrbahn tragend, ans welcher sich die zum Herausschaffen der Steine befindlichen Winden hin- tntd herbewegen. Zwischen dem Holziverk sieht man die Bauleute emsig schassen und die zyklopenhasten Sandstein-Wert- stücke langsam zur Höhe eutporschtveben. Unten, zu edener Erde, ruht Werkstück an Werkstück, des Einfügcns in die Frontmauern harrend. Zahlreiche Arbeiter beleben den Bauplatz, der in seinem ganzen Zuschnitt und seinem Umfang große Aehnlichkeit mit den Kölner DornbauhiUten besitzt. ?u der Sicherheit des Ktrassenverliehr» scbreiht der „Volks-Ztg." ein Abonnent: An gewissen Punkten Berltn's. z. B. an Kranztee's Ecke, staut sich der Verkehr der Wagen derartig. daß Fußgänger oft lange Zeit warten müssen, ehe sie die Straße, und immer nur unter einer gewissenjGcsahr, überschreiten können. Tie Polizei steht allerdings dabei, allein mag ein Jeder sehen, wie er htmiberkyinmt! In London dagegen ist es Vorschrift, daß, o wie der Polizcman in ein Pfeifchen stößt, alle Wagen sofort »alten müssen, worauf dann der Fußgänger mit Sicherheit den zahrdamm überschreiten kann. Das findet an stark bejahrenen Straßenübergängen der City alle 5 Minuten statt. Auch führen die Polizemen oft persönlich selbst Tarnen über den Fahrdamm. Daran könnte sich unsere Berliner Polizei ein Muster nehmen. Voll der Zartllo-Säule abgekkiu-it. Schon seit mehreren Jahren ist der Sockel der Jaezko-Saule, tvelche bctanntlich auf der Halbinsel vis-tc-vi« Schildhorn belegen, mit Glassplittern be- legt tvordcu, um das Erklettern des Denkmals de» wendischen Fürsten zn verhindern, was durch Besucher der Halbinsel zu dem Zweck ausgeübt wird, um Stauten einzukritzeln. Tiescr Unfug, tvelchcr leider häufig gentig stattsindet, hat im Laufe des zweiten Feiertags Stachmitlag zu einem schweren Unglücksfall geführt, tvelchcr dem Berungtückten ein längeres schwere» Krankenlager eintragen dürfte. Gegen 3 Uhr erkletterte ein läjährtger Bursche, tvelchcr mit seinen Eitern die Halbinsel von Schildhorn ans de- Nichte, der Sohn eines in der Ackerstraße wohnenden Metall- drehers K., den Sockel des Denkmals, schwang sich dann an den Zacken der Säule bis über die halbe Höhe hinauf, um, sich mit einer Hand jesthaltend, mittelst eines Messers seinen Namen«in- »ukratzen. Plötzlich verlor der Knabe vaS Gleichgewicht, ver- mochte sich nicht mehr zu halten und stürzte von der ziemlich bettächtltchcit Höh? etwa 5 Meter herab, zunächst ans den Sockel aufschlagend, um sodann dicht an dem Abhang nacy der Havel- fme liegen zu bleiben. Die hinzueilenden Eltern, welche Anfangs lächelnd dem Turnerkunststück ihres Sohnes beigewohnt, fanden ihr Kind aus vielen Kopfwunden blutend, mit einem Bruch des rechten Arme?, sowie einer Stichwunde der linken Hand, welche letztere der Kletterer bei dem Fall sich durch sein eigenes Messer zugezogen, vor. und wurde der Bewußtlose sofort vor Wagen nach Berlin geschafft, wo er in einem Krankenhause deS Nordens Attfitahme fand. Zlmch eine» Cifetibaljtiniiji uberfaht-en und getodtek wurde am Osterheiltgabend der Streckeitardeiter der Saflesischen Bahn Reinhardt. R., dessen Frau und drei Kinder in Berlin wohnen und der zur Zeit in Friedrichsfelde eine Schlafstelle tntte hat, gedachte die Ostcrseiertage in dem Kreise der Scinigen z« verbringen. Am genannten'Abend schritt er, um sich den Weg nach seiner Wohnung obztiliirzeii, nackt Beendigung seiner Dienst- zeit gegen V*7 Uhr die Geleise der Schlefischen Bahn entlang und befand sich bereits in der Nahe von Sttalau-stininmelsburg, als vom Kietz her ein Personenzug heranbrauste. Um demselben aus- znweichen, betrat R. das daranstoßende Geleise der Ostbahn, ohne darauf zu achten, daß auf diesen Schienen ebenfalls ein Personen- zng mit voller Fahrgeschwindigkeit herannahte und, obwohl der Lokomotivführer des letzteren den Arbeiter bemerkte und sofort Kontredampf gab, gelang es ihm doch nicht mehr, den Zug recht-- zeitig zum Stehen zn bringen. R., welcher dem herannahenden; Personenzuge den Rücken gewendet und die furchtbare Gefahr, in welcher er schtvebte, nicht geivahrte, wurde von den Radern der Maschine gefaßt und so entsetzlich zugerichtet, daß Kopf. BruW und Arme total zermalmt tvurden. Die Leiche des Verunglückten, welcher erst 33 Jahre alt war, wurde nach der Friedhosshalle des; Rnminelsburger Begräbnißplatzes gebracht. Air Knitde von eilten» Morde verbreitete sich am Sonn- tag in Eharlottenburg. Hinter dem Zaune des neuen Schul- Hauses in der Joachintthalerstraße tvttrde die Leiche eines ist mittleren Jahren stehenden Mannes in Arbeiterlleidern auf-j gefunden. Daneben lag auch ein Brecheisen, ein Hammer und verschiedene zum Maurerhandwerke gehörige Werkzeuge. Da die Leiche im Gesichte starke Kratzwunden auswies, aus einer Kops-l tmtnde Blut floß, auch die Kleider zum Theil zerrissen waren, zuck dem der Boden in der Umgebung mehrere Fußspuren auswies, nahm man an, daß hier ein Verorcchen vorliege. Die Leiche, bei tvelchcr sich keinerlei Legitiinationspapiere vorfanden, wurde auf polizeiliche Anordnung nach dent Charlottenburger Leichenschau- Hanse zum Zwecke der Nelognoszirting und Feststellung der Todes- Ursache geschafft. Ter Feiertag« wegen hat eine Obduktion nicht skattgesttttden, auch ist die Persönlichkeit des Tobten noch nicht festgestellt. Wie uns indessen mitgetheilt wird, haben sich keine Anhaltspunkte für ein Verbrechen ergeben, da an der Leiche außer den Abschürfungen im Gesicht und der unbedeutenden Wunde am Hinterkopfe keine äußerlichen Verletzungen sich vor-' fanden.' J Hrllittmordftatistik! Auch im Monat März war die Zahl der Lebensmüden wieder eine recht bedeutende und zwar s.nb amtlich 47 Selbstmorde und Seldstntordvcrsuche gemeldet, von denen 23 einen todtlichen Berlauf nahmen. Von 31 männlichen Selbstinördern wurden mir 10 gerettet, während von 15 Frauen und Mädchen, die sich das Leben zn nchmen versuchten, nur" starben. Durch Erhängen suchten 12 Personen zu enoen, 3 derselben konnten noch rechtzeitig loSgeschnitten werden. Gikt nahmen 3 Lebensmüde, die Halste derselben starb, während der Rest dieier Selbstmordskandidaten im Krankenhause der Genesung entgegen� sieht. 10 Personen griffen zur Schußwaffe und 7 derselben brachte die Kugel den erwünschten Tod, von 12 freiwillig durch den Svrung ins Wasser den Tod Suchenden wurden 3 gerettet. Mehrere Selbstmordskandidaten versuchten durch Oessnen der Pul»- ädern zu enden, konnten aber noch rechtzeitig dieser Todesari durch Anlegung von Nothverbänden entrissen werden. Ein K-u;- mann endete dadurch, daß er sich selbst erdrosselte. Einer der Selbstmörder tödtele sich erst, nachdem er seine ehemalige Gelieb.e«- die Wittwe Friedrich in der Mühlenstraße, erschossen, ein ernderet Lebensmüder vergiftete sich aeincinschastlich tntt der Frau fei»*» Freundes. Der jüngste Selbstmörder war 15, der älteste 04 Jap» alt; unter den Lebensmüden sind alle Gesellschaftsklassen vertreten, sie rekrutiren aus'Arbeitern, Handwerkern, Kausleuten, Bearnle» und Militärpersonen, unter den Frauen smd auch die begttch Stände vertreten. vir kokalksiu-ttifti«»»itöil«»Illcht»achsl.hiud dl« Cid« der Zgirihk, s 1 ihr« eufalc tu Qtrfammtungeu«»«mgetiltch Ii ergeben und benurti dieselbe wSchtiülich elmuat mit ment. Ablini dab Verogeuiltchunge» in Bezug»ist die dieselbe wSchintticki etämat mit»»«nt7»bSndeninsen abgedruckt wHB,rif«ea«5 g auf die Lotalsragc nur von d«u Wilhklm Werner, Sebastian str. 7J, August Jnsinger, OläbttSBonJJ straste«">, Ctto Seluborf, Langestr.'o, auszugehen haben. All««vent.»- rcgelmäßigleiten sind an Sie genannten Herren zu berichten. KönlgZbanr, Cr. Frankfurterslr. Ii'- 1 Srieger'« Salon,«Dafiertborfir.«'• «uhlnte»'» weselliehafiShau», NoSlin-'t A. lpiötr es-' Sesellschafttbau». 3'*' st. aste 29. � äleuuaoillthev Votlsgarte», ProSlaU� «raste. Notddemicke Brauerei, llhaujseestr. Orfebel, Sebafttanftr. 3». Uictrfitii, Mllllerstr. 7. W. vitchlly, Bergstr.>?. Renz' Salon, Naunnnstr. 27. J Men.iesaltrt'» Salon, lenneretiflr.'' Retter, SUte tzofotflr. ss. Roll, t'lbalbeviiir. it. Sackow, SUtltlerftr. 183. Saegcr,(Sntitcr Weg»p. Sahm's Slubhaus, Annenstr. 16. Sanycuci, Itottbuscrftr.«a. Scheper'* eaten, Jnselstr. 10. Schlostbratieret®rt)bnc5«tg. Satticibcr, iöelfonerstv. 16._ Schröder, Mstlletstraste 17»(D«bd" park). Schwarzmüller, ck»>b«rg«rstr. 22. j Sllder's Salon, Schivedlerstr. 2(., Specht(Brauerei- AuSschant)»<" ?a.kods!r. CO. Süd-Ost, Waldemarftr. Trtlchos«, Rosenthaleritr. Ii.@ Unloncbrouerei, Haseuhatd«. -SereluSbrauerei(Rstbarft. Blktotiabra.ierei, viinowstrahe. z PMoria-Satou, CevUbfrgtrtu. U- BoHSbratttrei(Moabit). Webding-Kastno, Schiilftr. IS. Welik. Stleranderstr. 61.. Weimauu'» AollSgarlen, brunen. Wolischlstger. Btumenfir. 76. Wohlhaupt. aiont«u(T«Iiit.». Zelt Nr. t. Z.mter, Dnlnzstr. Ii. k VuUjcibetichk. Am 6. d. M. früh wurde ein Man» Adlerbraueret, Badstraße. eiftienbrauecet Moabit. 6. Bachmaim, Tresdenerstr. 45, Bergschlostbranerel, Rirdorf. Bener, Neue Srünstr, 14. iSoetbraucrel, Teinpelhoser Berg. vöd»ischeS Brauhaus. Uöhow'S Brauerei. Bolzmann ütndreaSstr. 26. Boberi. Wetnstr. II. Brauerei Tivoli,«reuzberz. Braueret«öntgstadt. Brauerei ZrtedrlchShacn(Sit)*). Brauerei tzriedrichshöhe(Paheuhofer). Brauerei Bfefferberg. Buasenhazeii, Moriyplatz. Bürncriate, Tresdenerjtr.«6. ffonzenpart Ostend, frankfurter Allee. Telgnniller'S Salon, vllte Oatobftr. 48«. lemf�e» BolkOtheater, Schönhauser TiSkeller titablissemenk, Thatisjeeslraße. (ZIllstutn, Landsberger Allee. (auUtuanu, Jupaj'.deustr. t>«. henske, Laiidsdergerstr. 67. Keuersietu'd Salon, Alte Jakobilr. 76. ratweil'S L»erhallen,«omtnanbanten-- (tra|e 79. iSnadl, Brniinetistr. 33. »riinbel, TreOdenerstr. 110. Ä runder'b Salon. Schieertisslr. iz. «liel'S Brauerei, Bergmannstr 5—7. etfe, ijlckitenbcraerftr. it. ifndtid)'» Sale, Beuthftr. 16—81. rtit) g Iget, WilSnqcierstr. 60. Industrie Halle», Marianneitstr. Ol— 02. oel(früher Keller), AndreaOstr. 2t. „omu'o Salon, Nene«ninur. 28. Kaufmann s Barfete, ftonlgStoltmaben. Keller, Bergstr. 68.■■ Könlgshof, Biilomstraste. Könlastadl-Kailno, Holzniarkistr. 72. Klei.OS Reftfaie, Oranieujlr, 160. Stiem, Hasenhaide. ein winuazru tu ort%ouyuuug»et» etuertu, iiuu-t uru � durch Einathiiicii von Gas betäubt und im bcstttnungslosen o stände im Bell liegend aufgefunden und nach der Charitce, bracht. Selbstmorvoersttch scheittl den Umstanden nach nicht% anzunebmen zu sein, vielmehr daß die Gasleitung aus Verjeb nicht ordentlich geschlossen getvescn ist.— Nachmittags wurde, einem Schantlokal in der Schmidstraße ein Mann plötzlich Schlage gerührt und nach der Eharilee gebracht.— Zu d ersetz Zeit stürzte eine Frau beim Fenstcrputzeu ans dem Nüchenfem, ihrer in der Marienhurgcrstr. 24 int zweiten Stock beleflPjJ Wohnung auf den Hör hinab und erlitt außer einem mehrss'� Knocheiibruch des rechten Oberschenkels anscheinend auch»"VU Verletzungen. Sie wurde nach dem Krankenhause Am Friedr�. Hain gebracht.— Abends verunglückte ein Kadett im bcittJjvJS Theile der Hasenhaide hinter den Schießständen des 3. GH Regiments dadurch, daß er von einem Baum, aus den stiegen war. mn Moos für Ostereier zu holen, etwa 8—4 hoch herabjiel und sich hierdurch anscheinend schwere innere letzungen zuzog. Er wurde mittelst Droschke nach der elleri'*, Wohnung gebracht.— Am 5. d. M. fanden zwei kleinere Brände 1', Am C. d. M. Vormittags fiel ein Mann, welcher an der Ecks Koch- und Friedrichssraßc während der Fahrt von WD gebracht werden mußte.— Am Abend desselben wurde die Feuerwehr zur Löschung eines kleinen Brandes' J der Müller str. 35 gerufen.— In der Nacht zum 7. d. M. ffLj eine Frau am Kottbuser Ufer in den Kanal, tvurde aber' � lebend aus dem Wasser gezogen.—?lls am 7. d. M- tt,,? mittags der Schutzmann Vogt an der Ecke des Teinpelhoser w und der LaukiMümße durchgehende Pferde aushalten wollte» wurde er von denselben umgenssen, eine Strecke mttgeschleift und überfahren/ Er erlitt hierbei so schwere Verlegungen, daß er nach der Klinik in der Äteuenburgersttaße gebracht werden mußte. — Gegen Abend gerieth aus der Charlottenburger Chaussee, nahe der Großen Quer-Altee, ein neunjähriger Knabe durch eigene Un- Vorsichtigkeit unter einen in der Fahrt befindlichen Pferdebahn- wagen, wurde überfahren und erlitt nicht unbedeutende Ver- letzungen am Kopfe.— Zu derselben Zeit stürzte auf dem Grund- stücke Weberstr. 13 ein 2,50 Meter hoher Thorpfeiler der Grenz- mauer um und traf ein davor stehendes Mädchen, so daß das- selbe auf der Stelle getödtet wurde. VerTimmMmgen. Zur Drschlnlitasiung über de» Streik fand am dritten Osterfeiertage Vormittags im Konzertsaale der Aktien- brauerei Friedrichshain eine von über 2000 Personen besuchte öffentliche Schuhmach er Versammlung statt. Einberufen war dieselbe von der Lohnkommission der Schuhmacher, deren Mitglied, Herr K l i n g e r, die Ver- sannnlung leite, während Herrn Max B a g i n s k i den einleitenden Vortrag hielt. Die Schuld daran, daß der Streik vor zwei Jahren nicht die Erfüllung aller Forde- rangen im Gefolge gehabt habe, daß trotz einer theiliveisen Ausbesserung der Lage der Schuhmachcrgesellen infolge des vorigen Streiks die Verhältnisse sich wieder so verschlechtert hätten, wie vor dem Streik, maß der Redner dem Umstände bei, daß der Geist der Solidarität die Schnhmachergesellen nicht geimgsam beseelt hatte. Jedenfalls habe der ver- solchen flossene Cchuhmachersrreit gezeigt, daß durch einen doch etwas zu erreichen sei, was hisher für unmöglich gc- halten wurde, sofern wir alle fest zusammenhalten. In ein- gehendster Weise beleuchtete Redner die gegenwärtigen Zeit- Verhältnisse im Allgemeinen und die Verhältnisse im Schnh- machergcwcrbe im Besonderen, angesichts derselben zu einem Streik nicht rathend, die Beschlußfassung vielmehr der Versammlung überlassend, und den Beitritt zu dem Fachverein befürwortend, im Falle eines Streiks aber zum festen Zusammenhalten aufforoernd. Räch einer Pause zur Aufnahme neuer Mtglieder in den Fachverein wurde folgende Resolution beantragt:„Die heute:c. tagende öffentliche Schuhmachcrversammlung beschließt: In Erwägung, daß die wirthschastlichen Verhältnisse die Tendenz haben, für die Arbeiter immer schlechter zu werden, indem die Arbeitslöhne sinken, die Lebensbedürfnisse aber immer theurer werden; daß die herrschende Klasse nie ernstlich etwas thut, die Lage der Arbeiter aufzubessern, im Gegen- theil die Herrschafe des Geldsacks stets zu erweitern sacht, dahin zu wirken, daß die Organisation in unserer Branche gestärkt wird, damit wir selbst Hand ans Werk legen können, um den Kampf zur geeigneten' Zeit aufzunehmen." Diese Resolution gelangte ohne Widerspruch zur Annahme. Ferner wurde beschlossen, daß die Gesellen, welche auf Export- und genagelte Arbeiten arbeiten, in diesem Frühjahr in eine Lohnbewegung eintreten, die FUzschuharbciter dagegen weiter arbeiten, da"die Saison nicht günstig. Des Weiteren ge- langte ein von der Lohnkommission ausgearbeiteter„Lohn- taris der Schuhmacher Berlins" zur Verlesung. Derselbe umfaßt wiederum 8 sklassen, sowie Exportarbcit:c. als Muldeft-Wochenvcrdicnst bei Lohnarbeit sind 18 M. sestge setzt. Ter Tarif gelangte zur Annahme, auch wurde eine gleichzeitige Verkürzung der Arbeitszeit empfohlen. Die weiteren Schritte wird die Lohnkomunssion veranlassen. Eine VerfatttmUn,» der Arbeiter der Pignoforte- Fabrik von Gör« n.«aihnium(Arndtstraße 84) tagte am Montag im Saale des Herrn Uhle, Parade-Garten. Auf der Tagesordnung stand: Berathlmg und Durchführung des achtstün- digen Arbeitstages in selbiger Fabrik. Zu diesem Zwecke waren auch die Herren Arbeitgeber eingeladen. Letztere hatten auch der Einladung Folge geleistet. Zunächst wurde ein Bureau aus den Herren Rettmann, Giinsly und Grätsch gewählt. Kollege Glinsky als Referent betont den Werth und die Nothwendigkeit einer Verkürzung der Arbeitszeit. Gleichzeitig muß aber auch eine dcmentsprecycnde Lohnerhöhung gesordm werden, da sonst dem Arbeiter Vo von seinem bisherigen Verdienst verloren geht und die meisten Arbeiter heut schon so gestellt sind, daß sie, wenn sie weniger verdienen, dein Hunger preisgegeben sind. Hierauf erhielt Herr Görs das Wort. Derselbe erklärte seinem Prinzip nach entschiede,» gegen die achtstündige Arbeitszeit zu sein(er ist dentschsreisinnig) und stellt die Frage an die An- ivesenden, ob Jemand in der Lage ist. zu behaupten, an irgend einem Tage ÖVj Stunde gearbeitet zu haben.(Kein Widerspruch). Herr Görs, fortfahrend: Ja, was'wollen sie denn nur, meine Herren, wollen sie sich selbst zum Sklaven machen; In unserer Fabrik hat stets die größte Freiheit geherrscht n»d jetzt niit einem Mal wollen Sie steh die Zwangsjacke anziehen? Soll die achtstündige Arbeitszeil eingeführt werden, dann wird auch das Markensysteni in dieser Fabrik in Gebrauch kommen und jeder Arbeiter ist dann verpflichtet, jeden Morgen seine Marke abzugeben, und jeden Abend von der Taicl herunter zu nehmen. Redner behauptet v.ochmals, daß Verkürzung der Arbeitszeit zur unbedingte» Sklaverei führt. Wenn behauptct werde, daß diirch die Verkürzung der Arbeitszeit der Arbeitsmarkt verringert werde oder wcmgstens den Arbeitslosen es leichter sei, sieh Arbeit zu verschaffen, so behaupte er(Redener) daß ein rüchtiger Arbeiter jeder Zeit Arbeit bekommt, und diejenigen, die du herumbninmeln, entweder keine Lust zum'Arbeiten haben, oder sehr«nzuverlässige Arbeiter find. Redner richtet noch einen recht warmen Appell an diejenigen Arbeiter, die gegen den achtstündi- gen Arbeitstag sind, so viel wie möglich zn agitiren, daß eine derartige Arbeitszeit niemals in seiner Fabrik eingeführt wird. Kolleg« Blum prolestirt gegen eine derartige Agitalio», da da- durch nur Haß und Streit unter die Kollegen gebracht wird. Nachdem noch mehrere Redner gesprochen, kommt der Vorsitzende Zur Abstimmung, wer im Prinzip für die Cinsührnng des acht- stündigen Arbeitstages ist. Hierfür entschied sich die große Ma- jorität, ca. 15 Stimmen waren dagegen. Bei der Abstimmung ertönte ein Psni aus dem Nebenzimmer. Hieraus stellte ein Kol- lege die Frage an den Herrn Görs, ob er gewillt wäre, die Ar- bettszeit etwas zu verkürzen Herr Görs Erklärte, daß von nun an von Morgens 7 Uhr bis Abends 8 Uhr gcarbeitetwird. Va Stunde Frühstück, IVs Stunde Mittag, die NäclnnittagSpanse fällt weg. Nach einigen kurzen Bemerkungen schloß der Vorsitzende die Per- sammlung. Herr Görs fordert die Anwesenden ans, noch hier zu bleiben, um beim Glase Bier noch einen schönen Abend zu ver- leben. Man konnte noch nach einer Stunde verschiedene Kollegen sehen, denen ein Glas Bier lieber ist, als ein achtstündiger 'Arbeitstag. Eine öffentliche Uebsammlnng säimutlicher in Eisen- bahn-Werkstätten und ähnlichen staatlichen Be- trieben beschäftigten Arbeiter tagte am Dienstag Bor- mittag im Lokal..Königsbank". Große Jrankfurterstr. 117. Das Lokal war so überfüllt, daß es schon vor Beginn der VerHand langen geschlossen werden mußte. Zur Leitung der Versammlung wurden einitimmig die Herren S eh n ß l e r, Schwarz, Sel- l i n und Markgraf gewählt. Herr Schwarz machte die Anwesenden mit dem Zweck der'Versammlung bekannt, es handle sich um Stell» ng nah m e zur U m g e st al tun g r e sp. Auflösung der unter staatlicher Protektion stehenden P e n si o n s k a ss e. Mir dem Jahre 1301 trete die allgemeine Reichsversicherung in Kraft und diese sei auch für die in staatlichen Betrieben beschäftigten Arbeiter maßgebend. Tie Pensionskasse sei sehr kostspielig und die Beiträge den Leistungen gegenüber viel zu hohe. Nach dem Inkrafttreten des Reichsgesetzes werde sich das Verhältniß noch ungünstiger ge- stalten, die ReichSversicherung koste wöchentlich mir 15, die Pensionskasse aber t>5 Pf., infolge dessen würden viele Kollegen aus Letzterer ausscheiden, außerdem werde noch ein bestimmter Be- trag ans den Einnahmen derselben an die Reichs- Versicherung überführt werden müssen. Diese Erwägung hätten die Kollegen von der Lehrter Bahn und der Werstätte Grunewald bereits veranlaßt, sich für Auflösung der ZKassc zn erklären. Es frage sich nun, ob die Versammlung auch der Auflösung und zwar linier der Bedingung zustimmen , volle, daß der nach Auszahlung der fälligen Wittiven-, Waisen-, und Ben efiziantenaeld er und nach Regelung der sonstigen Ver- pflichtungen der Kasse verbleibende Bestand an die Mitglieder nach Verhältniß zurückgezahlt werde.— Die meisten Redner sprachen sich für Auflösung der Kasse aus. Herr Buch holz ivar entgegengesetzter Meinung, in Breslau und Erfurt hätten die Kollegen die Beibehaltung der Kasse gewünscht. Man werde aus der Generalversammlung in Erfurt für Erhöhung der Pensionen, der Wittiven- und Waisengelder und serner dafür einzutreten haben, daß den ausscheidenden Mitgliedern der gezahlte Betrag zurückerstattet, verde. Falls dies nicht akzeptirt werden sollte, sei er auch für die Auflösung. Von den folgenden Rednern wurde betont, daß von der Generalversamm- lung nichts zu erwarten sei. Das Ergebniß der Dis- k u s s i o n war die Annahme einer Resolution mit allen gegen 2 Stimmen, welche die d e m n ä ch st zu wählenden Delegirten verpflichtet, aus der Ge- neralversamml un g im Sinne desRefercnten für Auflösung d e r P e n s i o n s k a s s e zu st i m in e n. Aus jeder Werkstäite wurden hieraus 5 Personen, zusammen 30, gewühlt, welche den Beschluß dem Eisenbahnminister unterbreiten sollen. Beschlossen wurde ferner, cinen Verein der staat- lichen Eisenbahn arbeiter zu gründen. Eine Reso- lution, den l. Mai zu feiern, wurde, nachdem verschiedene Redner dieselbe als unzeitgemäß bekämpft hatten, trotz lebhafter Befürwortung durch den Vorsitzenden abgelehnt. Gewerbliche Oilfsarbritev. Am 25. März tagte in Renz' Salon, Naunnnstr. 27, eine öffentliche Versammlung der gewerb- lichen Hilfsarbeiter Berlins mit folgender Tagesordnung: 1. Der Achtstundentag. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes und Fragekasten. Nachdem sich das Bureau konstituirt hatte, ermahnte der Vor sitzende Herr Wilh. Schmidt die Anivesendcn, die größte Ruhe und Ordnung zu bewahren und ertheilie sodann dem Re'ereuteu Herrn Gottfried Schulz zum ersten Puiikt der Tagesordnung das Wort. Dem beifällig aufgenommenen Vortrag folgte eine Pause von 15 Minuten, welche den Anwesenden Gelegenheit gab, sich in den Verein gewerblicher Hilfsarbeiter einzeichnen zu lassen. Nachdem die Versammlung wieder eröffnet war, wurde zum zweiten Punkt der Tagesordnung geschritten. neran betheiligten sich die Herren Fannenbecker und Günther. eide Redner sprachen sich im Sinne des Referenten aus. Hier- mit war die Diskussion erschöpft und gelangle folgende Resolution einstimmig zur Annahme:„Resolution. Die heut in Renz's Salon tagende öffentliche Bersanimlung sämmtlicher gelverblicher Hilfsarbeiler erblickt in der Verkürzung der Arbeitszeit einen der größten Fortschritte, welche dazu angethan sind, die darbende Menschheit aus den Fesseln der heutigen Ueberprodultion zu er- lösen, und verspricht mit allen gesetzlich zu Gebote stehenden Mitteln für die vom Internationalen Kongreß vor- geschlagene Achtstundenbewegung, durch demonstrative Feier des 1. Mais 1800 einzutrete». Zum 3. Punkt, Verschiedenes, wurde von mehreren Rednern die gegenwärtige sehr traurige Lage der hiesige» Färbereiarbeiter scharf kritisirt und wurde eine deiii- entsprechende Resolution einstimmig angenommen, welche das Vorgehen der Färbcreiarbeiter für gerechtfertigt erklärt. Die Anwesenden verpflichteten sich, die Färbereiarbeiter in bcr gegen- ivärtigen Lohnbewegung finanziell zu unterstützen. Nachdem noch der Fragekasten erledigt war, wurde zur Wahl eines Ersatz- delegirten zu dein in Haniivver stattsiudeuden Ballarbeiterkongresse geschritten und wurde Kollege Fritz Krüger einsiimmig von der Versammlung gewählt. Ta nun weiter nichts mehr vorlag, schloß der Vorsitzende mit einem dreifachen Hoch auf die inter- nationale zielbewußte Arbeiterschaft die imposante Bersainiulung. Uicht genehmigte Kevsammlungen. Zwei Versammlungen, davon die eine für Männer und Frauen, welche mit der Tagesordnung:„Die Sonntagsruhe der kaufmännisch Angestellte» und die Bevölkerung Berlins"»ach der Nordd. Brauerei, Chaussee- straße 58, einberufen waren, haben die Genehmigung des Polizei- Präsidiums nicht erhalten. Berichtigung. In der Versammlungsanzeige für den 32. Wahlbezirk muß es natürlich heißen: A b e n statt Vorniittags 8Vz Uhr. »» «> A>I>t»»a! Wir mache» dl« Mitglieder de? Sozlaldeuiskeatischen Wahl- verein» im«. Berliner NeichStags-Wahirreise darauf„ufmerlsam, da« die nächste Bersanimlung im Sin fang der ntichsten Woche im und an den Säulen vekanni gemacht zZpverfttÄQl. Die Nedaltion fiellt die Venutzung des Sprcchsaals, soweit Raum dafür adzu- geben ist, dem Publikum zur Besprechung von Slngclcg-nheitc» allgemeinen Interesses zur Verfügung: sie verwahrt sich aber gleichzeitig dagegen, mit dein Inhalt desselben tdentifizirl zu werden. In einem hiesigen Blatte finde ich folgendes Inserat, welches Sie den Lesern Ihrer Zeitung im„Sprech'saal" nicht vorenthalten wollen: „Kutscher, der sehr gut Bescheid wissen muß, wird zum Doltorjahren von 3—5 verlangt. Nur solche, die noch Neben- beschäftigung haben, wollen sich melden:c." Wenn man in Betracht zieht, daß dieser gesuchte„Doktor- fahrer" außer der ermähnten Zeit noch thatsächlich drei Stunden an der Renovirung des Gespannes täglich beschäftigt sein muß, so ergiebt sich eine Arbeitszeit von 12 Stunden. Zu welcher Zeil und in welcher Weise der Aufgeber dieser Annonce sich die Neben- beschäftigung des Kutschers denkt, ist mir unbegreiflich, vielleicht sucht dieser„joviale" Herr einen— Nachtwächter— zu enga- gucen. Hochachtungsvoll Oscar' Zoller, Mechaniker, Grüner Weg Nr. 70. Vertttipckzies. Uebev Fawmenfliirze wird vom Simplon gemeldet: In der vorigen Woche erneuerten sich die Schrecken des Winters von 1888. Es fiel eine ungewöhnliche Masse Schnee, so daß der Berg gänzlich abgesperrt wurde. Die Leute, welche hier das Vieh meistens außerhalb des Dorfes zu verpflegen haben, muhten die größten Strapazen aushalten. Viele konnten zwei Tage nicht mehr zurück ins Dorf. Eine Person wurde von der Lawine gerade neben ihrer Scheune begraben. Zufällig waren Männer in der Nähe, welche' sie, da keine Werkzeuge zur Stelle waren, schnell mit den Händen ausgruben, sonst wäre sie verloren gewesen. Wer von Brieg aus die Simplonstraße hinaussteigt, der sieht bald das Fletschhorn, an dessen Fuß das Dorf Simplon liegt, jenseits majestätisch emporragen. Vom nördlichen Abhänge dieses Berggipfels stürzte sich eine ungeheure Gradlawine herunter, die unten Stunden weit Wälder und Wiesen bedeckte und bis zur Landstraße beim Dörflein Egge vor drang. Dort ging in diesem Augenblicke ein junger Mann seines Weges, um in der Nahe das Vieh zu verpflegen; dieser wurde von der Lawine ersaht und im Schneebette begraben. Wahrscheinlich wird noch weiteres Unglück geschehen sein, das noch nicht bekannt ist. Weiter wird berichtet: Am 10. März begann es zu schneien und sel Simpeln und im s S'/s Uhr. De»tsch«r Zimnirrl»»«," IlbendS sX Uhr, t» Jordan'» �WWMWW»» I rliner ÄolksblatU M. m WWW wird. Die Jahltielle» bo finden sich nach wie vor im Osten dci Heindorf, Lanqestr. 70 und Tempel, BreSlauerstr. 27; im Südosten bei Eottsried Schulz, Admiralstr. 40a und Karl Scholz, Wrangel- slrahe 22, Ein» iiff«»siiche Uersaniminnz der ZUaler und verwandle- Berufs- genossen findet am Freitag, den 11. d. M., in KontgShof, Bülowstrafie»7, ZivendS S Uhr, flalt. Näheres Sünlenanschlag und Slnnonze. Ächtnno! W»l>«l»»Ur»r! Mittwoch, den».d.M., SlbendZ» Uhr, find« im„Konmstnsi Kasino", Smljmorttfivaste 73, eine Versammlung de« Verbandes der Mobelpolirer Berlin'S und Umgegend statt. Tagesordnung! >, Die erziellen Erfolge unserer Lohnbewegung und ivie bringen wir unsere Forderungen zur vollständigen Durchführung und wie erhalten wir dieselben in Zulauft ausrechl? Referent: Kollege Kurth. 2. Diskussion. 3. Antrage. 4, BrrschicdeneS. d>.os- i-lfenttich« Uolleovc» sammln»» am Donnerstag, den 10. d. M., Abend« 8 Uhr, in JoelS«efellschastShau«, AndreaZsiraste 21. Tagesordnung: i. Das Kartell der Schirm- und Schirmslorlsabrilanien gegen die Forderungen der Stockarbeiter. Res.: Drechsler Karl Legien lHamburg), Korreferent Sauf- man»«l Verl Anerdach.». DtSkussto».». Verschiedenes, G«»crali>rrsan»»t»no de»„Ncrband lLolalverband Berltu). Freitag, den Ii. d. M., A! Salon, Neue Orünstrape 3*. «ra»I>»»-«ud ticgräbnihUnIT»»er Hau- UN» Fabrilrarbeiter Ser- lin'«(Etngeschr. Hilfst, is). Auberordenntche«eneralvertaminning Eomv tag, dm 13. April, Vormittags 10% Uhr. im Lokale deS Herrn aaeger, Oiüuet Weg 39. Grosie öffentliche«ommnnnlu'äliler- tleilaniminng am Mittwoch, den!>. Sstml 1800, Abends 8% Uhr, in Lehmann s Salon, Echwedterstr. 23— s«. Lachuerrin der x-derarbeiter. Mittwoch, den o. April, Abend« puntt 9 Uhr, im«iablifseme»!«uggenhagen am Morihplah, grobe öffenttiche Ver. santmlimg sämmtlicher Lederarbeiter Berlins und Umgegend. tgrah» öffentliche zierst,»inilnng der in Buchbindereien, Album-, Leder-, Karton- und LarnSpapierfabriken beschäsligten Arbeiter und Arbeilerinnen am Freitag, den n. April, AbendS s'z Uhr. bei Buggenhagen am Morihplah (oberer Saals. «rast, öffentlich»««»eralversauimlnno der Ulaurrr Kerlin'« und it»,geg«»d am Donnerstag, den io. April 1890. AbeudS 8% Uhr, im groben Saale von Buggenhagen am WoriSplah. «raste öffentlich» z>ersti»»»l»»v der Kartou-Ardeiterlmren„nd Ardeiter am Donnerstag, den 10. April 1890, Abends 8 Uhr, in Detgmüller'S Lolal, Alle Jalobstraße 48a. «effentlichr Versammlung»er Säpser Kerlln» und Zlniaeaend am Donnerstag, den io. April, Abends 7 Uhr, im Königsiadl-Kastn», Holzinarll straße 72. Zenteal-Kranke».». Sterbekaff« dea ltentsche» Seneseider Kunde« tS. H.) Verw.-Slelle Berlin: Heule Abend, 8 Uhr. im Restaurant Weich Stlexanderstrabe 31, Mitglieder- und BerwattungS-BersaiinnIang. Kn« �rdeitannihuir!«- Knrean de« Verbände» der Nergalder, '" n» verw. BerusSgenosscn befindet sich Echillingstrafie ooa WochemagS Abends von 8—9, Sonntag Vormittags von io— i» Uhr statt. DI« Mitglieder find verpflichtet, nur den Ar beUSnachweiS zu benutzen. Schinna hUetnUarbeitert Der Zentral-ArbeitSnachwtiS de« Allgemeinen Metallardeiter-veretnS Berlin'S und llmgeg« d besinde! sich Wallstrabe 7 u. 8. Derselbe ist geöffnet von Morgens 8 bi» i- Uhr und Nachmittag» von s b>» « Uhr. Der Arbeitsnachweis ist für Arbeiinehmer sowohl wie sür Arbeitgeber sämmtlicher Branchen der Metallindustrie mientgellltch. neite unheimlich fort bis zum 19. In �wischbergerthale lagen 2 Meter Schnee. Zwischen Gstein und Lasarmetlo erfolgten Lawinenstürze wie vor jjwci Jahren. In Simpeln war die durch den Lauwigraben herabstürzende Staublawine so ungeheuer, daß eine Wolke von Schneegestöber über das ganze nahe Dorf geworfen wurde und der Luftdruck in zwei Häusern die Fenster zertrümmerte. Leider ging es ohne Unglück nicht ab. Bei der Sengbrück ob Simpeln wurde der Jüngling Johann Arnold von der Lawine ersaßt und vom Luftdrucke getödtet. Die Post war vom 17. bis 24. März ganz ausgeblieben. Die»achstrliend-e interessante und anschauliche Tafel der Geschwindigkeit giebt Dr. A. Winkelmann in seinem neu er- schienenen Handduche der Physik: Schnecke 0,0015 in in der Sekunde, Mensch im Schritt 1,25, Schneeschuhläufer 2,95, Halleys Komet im Aphel 3, schnellster Fluß 4, Austballon bei Windstille 0.4. Schnellläufer 7,1, Fliege 7.0, schnellster Dampfer 8,5. Bicyle 0,7, frische Brise 10, Torpedoboot 11,5, Eisläuser 11,6, Rennpferd 12,6, Vergstrom 14,3, Schnellzug 16,7, Wogen des Ozeans 21.6, Brieftaube 27, Orkan 45, Schivalbe 07, stärkster Cyclem 116, Schall in Luft 200, Luft ins Vaeuum 337, Kanonen- luget 500, Fluthwelle 600, Steine des Pic von Teneriffa 1 km in der Sekunde, Mond 1, Explosion der Schießwolle 5,8, Sonne 7,6, Erde 20,5, Sternschnuppen im Mittel 40, Kabelstrom 4000, Telegraphenstrom 11690, Jnduktionsstrom 18 400, elektrischer Strom im Mittel 36 000, Blitzen in Sonnenflecken 200 000, Licht 300000, Kripzig. Eine Arbeiterin schreibt: Dornen und Disteln. Sie ist Wittwe, nach kurzer Ehe ist ihr der Mann gestorben, sie mit zwei kleinen Kindern in den traurigsten Verhältnissen zurücklassend. In. der einzigen Fabrik des kleinen Ortes fand sie Arbeit, schwere und schlecht bezahlte zwar — aber doch Arbeit; von früh 6 bis Abends 7 Uhr gab es Arbeit. Und dann Sonntags Waschen, Flicken und Kinder erziehen. Sorge und abermals Sorge waren bei dem sehr schmalen Verdienst die Losung; aber sie brauchte wenigstens mit den Kindern nicht zu hungern. Da lernte sie ihn kennen und vertrauen, den Nebenarbeiter, Aussehe: oder dergleichen. Die Folge war ein intimeres Verhältniß und ihre beider- seitige Entlassimg vom Chef. Er, ein Elender, suchte das Weite. Nun hungert sie daheim mit drei Kindern. Tie paar Groschen, welche sie mit der Nadel verdient, reichen kaum für eine einzige Person. Ihre bittende Anfrage an die Fabrikleitung um'Arbeit, wurde ein- für allemal adschläglich beschieden." So kurz die einzelnen Daten angegeben sind, so sprechen doch daraus ganze Bände.— Und wie oft erlebt man derartige Beispiele? Voldletttcnarbeiler und und stnvel die AdressenaaSgab« Woä ständige Photographie. Der Ersinoer des Apparates ist ein Spanier, welcher mit demselben nach Paris ging und ihn dort mit Hilfe zweier französischer Chemiker vervollkommnete, doch fand sich erst in London ein Unternehmer, welcher die Hei'- stellnng des Apparates zn Himderttausenden von Eremplaren übernahm. Die Maschine ist 7 Fuß hoch, 2 Fuß breit und 2V3 Fuß tief, sie enthält 400 Platten und chemische Substanzen, welche sür 10 Tage genügen. Nach dem Hineinwerfen des ersten Hals- Pennystücks findet die photographische Ausnahme in fünf Sekuu- den statt. Darauf wirft man das zweite Geldstück hinein, woraus die Platte im Zeitraum von 4 Sekunden zwei chemische Bäder und ein Masserbad durcheilt, sobald dann das dritte Geldstück hiiieingeworfen, erscheint dann die fertige Photographie im unteren Kästchen des Apparats. Die Unternehmer erklaren, daß sich die technische Älusführnng des Bildes in kurzer Zeit noch ivesentlich verbessern lassen werde, so daß die Photographien des Automaten, die gewöhnlichen bisher in den Verkehr gelangten Photographien noch ütertteffeii würden. Da ferner diese Apparate aus allen europäischen und amerikanischen Bahnhöfen, in den großen Konzerl- sälen und Theatern zur Ausstellung gelangen sollen, so dürste damit dem Photographiegewerbe eine enipfuidliche Konkurrenz geschaffen sein. Gi» Hierstfeist ist in München ausgebrochen, da sich die Arbeiter eine Preiserhöhung von zwei Pfennig pro Liter nicht gefallen lassen wollen. Am Mittwoch, dem ersten Tage der Bier- preis-Erhöhung, haben zahlreiche Arbeiter mit dem Biersireik begonnen. Wirthe, die früher 70—80 Liter zu Mittag verzapft haben, setzten heute vielleicht 10 Liter ab; dagegen trinkt mau Weißbier. Die in der Eisengießerei bei Knsterinann beschäftigten ungefähr 600 Arbeiter haben unter sich ein Abkommen dahin getroffen, daß jeder, der Braunbier trinkt, 6 M. Strafe zahlen muß; es ist daher gar kein Bier in die dortige Kantine gefahren worden; das in anderen größeren Fabriken vorgc- fahrene Bier wurde wieder zurückgeschickt. Das beste Geschäft machen die Weißbierbrauereien; es wird nur Weißbier oder Schoppenwein getrunken; bei den meisten Wirthen sieht man jetzt die bekannten Weißbierwagen mit den vielen Glasflaschen vor- fahren. Es wird kaum jemals fo viel Weißbier getrunken wv« den fei«, wie jetzt. Der Restaurnteur der Zentraüverkstätten des Zentralbahnhofes, woselbst an tausend Arbeiter beschäftigt sind, mußte der Löwenbrauerei das Bier zurückschicken und weitere Zufuhr abbestellen, da die Arbeiter sich sämuitlich des Genusses von„26 Psenntg-Bier" enthalten, ebenso die Arbeiter in den Betriebswerkstätten. Die besuchtesten Lokale der Stadt, wo die Er- höhung des Bierpreises auf 26 Pfennige eingetreten ist, sind ver- waist. Es wird oen Brauereien wahrscheinlich nichts anderes übrig bleiben, als das Sommerbier im Kleinverkauf mit 24 Pf. pro Liter abzugeben. Eine blühende spanisch« Industrie war seit mehr als zwanzig Jahren die Ausbeutung Leichtgläubiger welche auf phantastische Erzählungen von verborgenen Kriegskassen und ver- grabenen Schätzen, zu deren Hebung keine Vorschüsse nöihig er- scheinen, eingehen. Die Briefsteller schreiben gewöhnlich aus dem Gefängniß und verstehen es, ihren Darstellungen täuschend nach- geahmte amtliche Dokumente beizulegen. Der Schwindel selbst ist bekannt genug: in überraschenden Variationen wird immer aufs neue das alte Thema behandelt und es finden sich thörichte Leute genug, welche Hunderte und Tausende von Franks für Neise- und Auslösungskosten vertrauensselig einsenden, uni an den Hunderttausenden oder Millionen zu partizipiren. Merkwürdiger Weise war es bisher nicht möglich gewesen, die Gauner zu fassen; die Betrogenen kamen gewöhnlich erst nach langer Zeit zu der Ueberzeugung, daß sie getäuscht worden und versuchten Schritte gegen die Betrüger, wenn diese längst über alle Berge waren. Jetzt endlich scheint es den Bemühungen des deutschen Generalkonsuls in Barcelona, Herrn Lindau, gelungen zusein, auf ein Nest derartiger Raubvögel" die Hand zulegen. Ein deutscher Rechtsanwalt hatte ihm, unter Einsendung derSchriftstücke, mitgetheilt, daß ein„Klient"— ini Lause der Dinge zeigte es sich, daß der schlaue Jurist selbst der Geprellte gewesen— 1000 Fr. solch einem allen„Karlistenkämpser" bereits geopfert habe, daß dieser aber jetzt plötzlich weitere 3000 Fr. verlange, bevor die Sache in Fluß kommen könne. Herr Lindau gab ihm telegraphisch den Rath, dem edlen Sennor die Absendung der erforderten Summe anzuzeigen, einen singirten Werthbrief thatsächlich ab- gehen zu lassen, dem Konsulat aber bei des letzteren Ausgabe zu depeschiren. Die List gelang; Herr Lindau hatte sich vom spani- schen Gouverneur einen gewandten Polizisten erbeten, und als der angeblich beschiverte Brief auf der Post in Empfang genom- men_ werden sollte, wurde der Abforderer verhastet und seine Mitschuldigen waren bald entdeckt. Sie sind jetzt sämmtlich im Gefäugniß und sehen ihrer Verurtheilung entgegen. Ueber Emiu Pascha««d die Htauiey'sche Hilf«- efpedrtion läßt sich der Missionar Schynse, der südlich vom Viktoria Nyanza mit Emin und Stanley zusammentraf und die- selben bis Bagamoyo begleitete, in einem demnächst erscheinenden Buche folgendermaßen vernehmen: Stanley's Expedition galt nicht so sehr dem Dr. Eni« Pascha, als seiner Provinz und seinem Elfenbein. Wären die Verhältnisse geblieben, wie sie waren, so hätten die in Wadelai liegenden 4000 Zentner Elfenbein die Expeditionskosten reichlich gedeckt und außerdem noch einen tonds für mehrere Jahre geliefert. Unterdessen hätte min Pascha neues Elfenbein gesammelt, man hätte so eine hübsche Provinz ganz kostenlos annektirt und Mittel daraus gezogen, sie mit Mombasa in Verbindung zu setzen. Wenn man Einin Pascha verproviantirte, sollte er auch seinen Einfluß und seine Landeskennwisse in den Dienst seiner Befreier stellen, und daS Ganze wäre dann eine wohlgelungene kaufmännische Spekulation geworden.„Ich bin den Herren ja recht dankbar für das, was sie für mich gethan haben," schloß Dr. Emin Pascha,„aber der Endzweck der Expedition war mir bereits klar geworden, als ich mit Stanley meine erste Unterredung hatte. Machte er mir auch keine direkten Vorschläge, so fühlte ich doch sofort heraus, daß etwas anderes dahinter stecke, als der einfache Wunsch, ein paar egyptische Beamte heimzuholen." Unter Stanley's eigenen Leuten war dieselbe Meinung verbreitet: Bei unserem vielen Verkehr mit den Offizieren der Expedition dringt doch manches durch, was klarlegt, welches die Zwecke der Expedition waren. Dem äußern Anschein nach ist sie ja gelungen und wird demgemäß auch in Europa gefeiert werden; in Wirklichkeit aber sind die Helden der Expedition recht unzufrieden mit den Re- sultaten und gestehen heute hier dies auch ein. Man hatte darauf gerechnet, in Dr. Emin Pascha einen Soldaten zu finden an der Spitze von 2000 disziplinirten Leuten, dem man bloS Munition zu bringen brauche, um sich der äquatorialen Provinz für Eng land zu versichern und sich mit Hilfe seiner Bajonette einen Weg nach Monibasa zu eröffnen. Nun, da dies nicht gelungen ist, ist man unzufrieden. Dr. Emin Pascha selbst ist Menschenkenner genug, um sich über die wahren Motive der Expedition keine Illusionen zu machen. Kalte» Master und Kopffchmers. Ueber die Einwir- kuna des Genusses von kaltem Wasser auf den Kopfschmerz macht A. Thielsch nähere Wiittheilungen. Er hat in 200 Fällen die Patienten gegen Kopfschmerzen kaltes Wasser schlürfen lassen. Bei einem großen Theil ließen die Schmerzen nach, bei einem kleineren Theil blieben sie unverändert, und bei dem Rest verschlimmerten Sie sich sogar. Diese Abweichungen sind in den besonderen zu lern Blutdruck in Beziehung stehenden Konstitutionen der ver- schiedenen Patienten begründet. Beobachtet wurden die Wir- kungen des kalten Wassers schon beim Nippen desselben, während dessen der Puls sofort stieg, während er nach beendetem Schlucken aus der Stelle wieder abnahm. Da es keine billigere uno auch keine unschädlichere Medizin geben dürste, so können wir nur Jedem, der mit Kopsschmerzen behaftet ist rathen, die Wirkung des kalten Wassers an sich selbst zu erproben. Jack der Aufschlicher soll, einem Telegramm zufolge, wenn auch nicht verhaftet, so doch„entdeckt" sein. Es wird gemeldet, daß eine verkommene Frauensperson in der Montanenstraße in London von einem Chinesen ermordet wurde und daß die Ver- stümmelungen genau den früher beobachteten Fällen entsprechen. Die Polizei habe bereits 30 Chinesen verhaftet, sei aber unfähig, den Mörder zu identifiziren.— Dies dürfte auch schwer fallen U«w-DorK, 8. April. Nach einem hier eingegangenen Te legramm aus Burlington in Iowa ist die Stadt Prophetstown in Illinois durch einen Zyklon zerstört worden, wobei viele Menschen ums Leven gekommen sein sollen. Der Streik der Holz- und Hafenarbeiter dauert immer noch fort. Die Polizei trittt energisch für Aufrechterhaltung der öffentlichen Ruhe und Ordnung ein. Mirn, 8. April. In Neu-Lerchenfeld fanden heute Abend größere Exzesse seitens der Arbeiter statt. Als die von der Sicherheitswache abgegebenen Alarmschüsse fruchtlos blieben, machte dieselbe vom Seitengewehr Gebrauch. Die zahlreiche Menge nahm fortwährend drohendere Haltung an; zuletzt wurde in Lokale einge- drungen und der Inhalt derselben zertrümmert und auf der Straße zer- streut. In zwei Branntiveinschenkcn wurden die Fässer zerschlagen und der herausfließende Branntwein angezündet, wodurch die Lokale in Brand geriethen. Die Fensterscheiben vieler Hänser wurden zertrümniert, ebenso wie die Fenster der vorbeifahrenden Straßenbahnwagen und Droschken, wobei sich die Menge sogar Pflastersteinen als Wurfgeschosse bediente. Zahlreiche Verhaftungen wurden vorgenoinmen. Zwei Schwadronen Kavallerie und ein Bataillon Infanterie sind soeben in den bedrohten Stadttheil ab- gerückt. Pari«, 8. April. Der verantwortliche Redakteur der „Egalits" ist wegen Ausreizung zur Ermordung des Ministers Constans zu mehrmonatlicher Hast in Verbindung mit einer Geld- strafe vernrtheilt worden; ein" anderer Redakteur wurde wegen Aufreizung zum Morde von Deputirten, sowie zuni Verbrechen gegen die Staatssicherheit zu 15 Monaten Haft verurtheilt. Ziterarisches. Da« in Lieferungen erscheinende reich illustrirte Merk:„Mie Geschichte der«rd»". von R. Bommel, (Stuttgart. I. H. W. Dietz' Verlag), liegt nunmehr mit dem 22. Hest tomplet vor. XX u. 684 Seiten gr. Oktav. Broschirt 4,40 M.. Gebd. 5,90 M. Von der„Ueuen Jett". Stuttgart, Verlag von I. H. W Dietz. ist soeben das 4. Heft des 8. Jahrgangs erschienen. Inhalt: Abhandlungen: Die auswärtige Politik des russischen Zarenthums. Von Friedrich Engels.—®ie Aroeiterbeweaung in Oesterrerch. Von Karl Kautsky (S6)luß.)— Zur Phychologie des Kleinbürgerthums. Von Dr. Bruno Schoenlank.(Schluß.)— Zur Verskunst Heinrich Heine's. Von Dr. Paul Rem er(Paris).— Der Darwinismus auf der französischen Bühne.— Ein neuer Pharao. Von Paul E r n st. Lüdeck, Holzarbeiter Depeplhen. (Molff« Telegraphen-Kureau.) 8. April. Der hier verbotene Kongreß deutscher tagte während der Osterfeiertage in Hamburg.- Kriefkastrn der Redaktion. Bei Anfragen bitten wir die«bonnenienis-Quittung beizufügen. Antwort wird nicht erthetlt. Briefliche Alle» auomiirtige» Postabo»»e»te» theilen wir hier- durch mit, daß Beschwerden, welche unpünktliche Zustellung der Zeitung oder Mehrberechnung des vierteljährlichen Abonnements- betrages betreffen, schriftlich bei der am Platze befindlichen Post- direktion anzubringen sind, da unsere Expedition nicht in der Lage ist, bei derartigen Fällen Abhilfe zu schaffen. Kempiu. Im Jahre 1673. K. M. 1. Der Wwth muß Ihnen die Wohnung in dem« jenigen Zustande übergeben, in dem Sie dieselbe gemiethet haben, sonst brauche« Sie die Wohnung nicht zu behalten, resp. können Sie wieder ausziehen. Einen Anspruch auf Vornahme der- jenigen Reparaturen, die er Ihnen nur mündlich versprochen hat, können Sie gerichtlich nicht geltend machen. 2. Wenn dem Schlafburschen beim Miechen ein Kleiderspind gezeigt oder zugt- sagt worden ist, kann er solches beanspruchen, sonst nicht. S. A. Sie sind als Beschuldigter überhaupt nicht verpflichtet, eine Aussage abz, bequeme Frage die eben, sondern können aus jede Ihnen un- . Antwort verweigern. A. 37. Die in den letzten 6 Monaten gemachten Ge- können Sie zurückfordern, sosern Ihre frühere Braut die- schen!. selben noch besitzt oder durch dieselben bereichert ist. W. L. 80. Er ist, nachdem mehr als 6 Monate verstriche» waren, nicht mehr zur Rückforderung des Geschenkes berechtigt. 1. Zikhmlg der 1. Klaffe 182. Königl. Prentz. Sotlecie. Ziehung»diu 8. Axrll isso Vormittags. Diu dl, Slwiuu« Ud-r CO Vurt«ad de»»»etilen»» Rammt» in Varouhcit dtigtiagi. (Ohue üitwähr.) 41 135 209 81 549 434 016 31 63 813 32 1043 52 60 70 81 11501 443 512 89 601 19 717 37 948«046 109 17 235 36 85 314 43 401 586 607 704 78 11001 844 3129 359 1150) 770 924 70 4185 204 439 82 004 11001 55 823 5042 225 367 79 679 736 98 922 0124 287 90 391 95 422 587 673 734 68 83 95 839 93 7096 138 200 23 339 97 583 605 943 50 1100] 8026 37 125 285 331 604 58 95 837 1100) 951[100]»Uli 1100) 114 228 396 532 982 1«000 131 89 222 82 322 97 596 625 60 72 763 814 63 95 11152 235 61 83 89 371 507[100] 12 57 726 818 49 12065 119 336 38(100) 41 45 54 80 452 75 599 1100] 621 24 13108 43 323 422 659 83 655 942 1 4155 444 696 818 90 922 88 1 8318 25 411 34 690 857 1 0002 391 420 35 57 525 704 804 916 53 67 17072 164 251 300 69 8t 430 502 628 1*026 348 87 446 67 819 1 0121 229 38 320 416 34 65 77 611 53 78 830 960 97 30Ü59 138 58 235 698 722 842 77 84«1183 218 36 334 38 65 445 614 685 88 97 903 81««056 65 222 382 89 99 461 606 37 82 90 660 786 96 891 936 94 3 3027 32 154 319 80 97 630 626 74 758 865 2 4077 227 32(100) 305 404 612 19 82 95 816 57 928«5076 120 288 303 415 34 563 615 41 777 834[100] 942 61 20145 70 318 454 569 673 727 809 [1001 16 26 27028 36 31 237 38 64 87 370 92 419 62 529«8417 539 62 685(100)«»022 135 39 47 69 227 348 425 38 552 701 63 896 961 UÜOl 64 1100] 30095 131 85 207 300 715 66 832 49 941 31022 III 76 300[2001 611 719 948 32314 76 434 635 627 754 89 828 49 67 33029[200] 79 192 93[200] 330 413 822 964 34011 34 61 150 225 91 366 94 95 488 524 65 632 34 11001 861 983 35088 148 287 313 85 479 711 24 848 64 963 3O052 201 81 309 36 474 634 39 92 748 827 32 46 964 87063 101 2(1 450 651 713 24 30 86 807 924 33162 230 49 67 630 677 84 767 76 1150) 3O170 542 752 826 951 „40136 211 303 26 27 439 91 760 926 61 1100] 41138 679 830 64 VV2 4«Üjo 225 634 741 801 76 916 25 43030 128 48 215 68 425 47 69 «3%� 32 � y�ou4Lt5L?7.�?.,'ol<Ä1.6'J 735 �00 18 40118 26 68 263 85 1100] 321 *< 4 O J OOtr t)Ol öi)< OO 874 na ws?.MtM«% atawvws 282 546 650 82 720 882 909 5 3096 134 57 320 87 1100) 92 471 533 611 94 824 61 54060 107 34[100] 54[1001 316 26 33 497 616 79 723 89 871 *5030 272 739 901 42 50105 8 244 344 84 412 25 63 851 89 1100] 858 65 5 7011 66 172 225 29 13001 336 49 70 432 87 605 1100) 87 788 821 989 5*013 IUI 14 41 64[1601 57 225 11001 341 46 65 06 412 568 854 69 84 910 81 5W051 135 260 73 472 85 648 50 57 1150] 802 7 15 1150) 914 00045 69 300 67 460 62 685 604 731 39 842 912 61090 146 201 330 49 87 463 563 615 778 930 91 0«131 67 82 294 1150] 425 616 731 52 6 3508 53 840 48 58 1500) 969 64071 113 232 96 446 659 629 79 81 769 65027 223 376 488 609 19 1150] 832 43[100] 75 66021 215 19 342 1100] 72 696 645 810 54 938 67049 2/2 376 470 584 614[15061 20 724 53 932 OSU56 76 176 208 347 458 712 69 88 867 929 66062 111 35 90 405 75 659 725 873 76061 73 162 276 382 417 45 517 601[2001 29 707 21 814 81 948 710o9 142 270 72 75 624 775 81[1001 800 17 20 953 110OJ 84[100] 98 7«062 83 646 704 851 90 73001 244 555 309 94 8oO 904 54 74010 125 26 331 438 660 79 75101 226 1101] 69 395 425 598 819 7 0212 379 452 514 84 773 934 77101 136 66] 322 85 97 461 79 89 556 75 86 814 26 42 70 99 931 7*422 11501 755 41 830 987 76048 87 120 84 303 24 58 451 1100] 604 76 695 753 68 11001 897[1001 66028 41 62 91 183 211 25 SO 48 65 81 317 39 442 65 521 86 681 887 92 989»1180 218 353 496 543 716 821 74 92 948*«071 225 45 351 64 411 73 7 8 7 9 613 719[100! 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Ziehung der I. Klaffe 182. Könlgl. PttUß. Laltcrie. Zitdune dorn 8 AprlI 18S0, Rochmittag». Aar die«imimii aber 00 Viort lind dt» bcuiitinsin Hümme» in Partulbtte dtigtlägt. 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Druck und Verlag von Ma» Sadwg in Berlin SW.. Beuthstraß» 2," 2. Ur. 82. Ätitriuoch. dr» 9. April 1890. 7. Jahrg. Morvespomdenzen. Uew-Uork, SO. März. Die Vau- und Hausschreincr(C..r- pctiters& Joiners) sind eZ also, welche den Reigen in Kampfe für den achtstündigen Arbeitstag beginnen werden. In der letzten Sitzung der Exekutive der Föderation m Labor wurde die Frage endgiltig erledigt und nach BerichtemaUung des Sekretärs der „Duited Brotherhood of Carpenters& Joiners" P. I. Mc. Guire (1881 Delegat zum Weltkongrcp in Chur) obiger Beschluß gefaßt. Die genannte Organisation ist unzweifelhaft die bestijtuirteste des Landes und zählt nach den Angaben des Sekretärs CO 000 Mitglieder. Die Organisation wird am 1. Mai bedingungslos mit der Forderung des achtstündigen Arbeitstages vorgehen, und wenn dieselbe nicht bewilligt wird, erfolgt ein„Generalstreik" durch's ganze Land, hinter dem die ganze in der Föderation vereinigte Arbeiterschaft steht. Es ist indessen kaum zu fürchten, daß dies uothwendig sein wird; dort, wo genannte Organisation die große Mehrzahl der Arbeiter des Gewerbes in ihren Reihen zählt, wird der Sieg sehr bald errungen sein, und wo dies nicht der <)all ist, wird natürlich auch kein Pulver unnütz verschossen. In zweiter Linie sind nicht, wie seit der vorigen Sitzung der Exekutive in die Achtstundcnsragc angenommen wurde, die Eisen- und Stahl-, sondern die Bergarbeiter ins Auge gefaßt, und zwar übernehmen die Führung die„United Mine A Yorkers". Tie Zeit des Vorgehens dieses Arbeitszweiges wird, nachdem der Sieg der Avantgarde gesichert ist, von der Exekutive festgesetzt, und bis dahin soll eine energische Agitation entfaltet werden. Es sind dazu, außer den schon bestimmten Agitatoren für die Thätigkeit in den einzelnen Staaten, G. E. Mr. Reil von Boston und P. Grottkau von Chicago engagirt worden, welche sofort eine ausgedehnte Agitationstour durch die Vereinigten Staaten und Canada beginnen sollen.— Bei den Bergarbeitern liegt die Sache bei weitem schwieriger, als bei den Bau- und Haus- schreinern(sowie Zimmerleuten, welche ebenfalls fast überall mit der Achlstundenforderung vorgehen werden); es ist ja bc- ' kannt, daß die große Masse der Einwanderer aus den rück- ständigsten Gegenden Europa'?, besonders die slavischen Elemente, in die Bergwerksdistrilte geschoben wurden, und zwar sei Jahren. So weiß man auch sehr gut, daß die ra. 80 000 galizischen Bauern, welche von gewissenlosen„Agenten" der Bremer und Hamburger TampfergeseUschaften völlig ausgeplündert nach Amerika spcdirt wurden, ihren Weg in die Kohlenmincn Pennsylvaniens gefunden haben, obwohl die Herren Einwandertiugskonimissäre hoch und theuer versichern, daß ihnen solche Leute gar nicht unter die Augen gekommen seien. Andererseits ist aber das In- tcresse der ganzen arbeitenden Bevölkerung gerade für die Berg- arbeiter stets ein lebendiges gewesen, und es ist anzunehmen, daß die Unterstützung für den Kampf dieser auSgepreßtcsten aller Lohnsklaven eine weit umfangreichere sein wirb, als bei der Be- wegung in irgend einer andern Jndustricbranche. Ich glaube übrigens, daß sich dann immer mehr die Anficht Bahn brechen wird, daß eine allgemeine Bewegung für die Erringung des achtstündigen Arbeitstages durch die Gesetzgebung ins Leben gerufen werden muß, um denselben besonders für die- jenigen Industriezweige zu erringen, in denen durch die inten sivste Ausnutzung der Arbeitskraft die Menschen bis zur Er- schöp.ung an die Maschinen gespannt werden. Grade die Ar beiter derjenigen Industriezweige, in denen dies besonders der Fall ist(wie z. B. diejenigen der Baunuvollenindustrie) sind am wenigsten in der Lage, die Verkürzung der Arbeitszeit durch- zusetzen, wenn auch die gesammten organisirter Arvciler der übrigen Gewerke ihre Unterstützung leihen. So lange freilich die Arbeitermassen als Schwanz der kapitalistischen Parteien dienen, ist nicht viel nach der Richtung zu erwarten; so lange verlegt man sich höchstens auf sogenannte Pressionspolitik. Aber es wird ja endlich auch hier einmal die Zeit kommen, daß ein anderer Geist unter dem arbeitenden Volke seinen Einzug hält! Vorige Woche ist hier die erste Nummer der jüdischen Arbeiterzeitung erschienen, die in judisch-dentschem Dialekt geschrieben ist. Die Zahl derjenigen Arbeiter, welche nur diesen Dialekt zu lesen im Stande sind, wird hier in New-Vork auf ea. 40 000 geschäht. Dieselben sind zum weitaus größten Theile im Be- lleidunassach beschäftigt, und etwa 8000(2000 Heindcmnachcr und 1000 Hosenmacher) befinden sich im Kampfe um eine bessere Lebenshaltung. Das neue Blatt wird in diesem Kampfe eine tressliche Unterstützung sein, und im Allgemeinen eine günstige Wirkung üben, da es vollständig auf fortschrittlicher Basis steht, also entschieden Front gegen die Schwanzpolilik der Arbeiter macht.— In die hiesige deutsche Arbeiterpresse hat sich eine kurios klingende Notiz eingeschlichen; dieselbe lautet:„In Mainz gährr die Unzufriedenheit unter den Arbeitern dermaßen, daß ein kürzlich gegründeter geheimer Arbciterordcn, ähnlich dem der Knights of Labor, stark iit Aufnahme kommt und bereits eine im Sinne der Kapitalisten drohende Haltung einnimmt. Ich weist zwar, daß die Ordens- Spielerei f. Z. in Belgien, speziell unter den Glasbläsern Ein- gang fand(bekanntlich gehörte auch Fallcnr zu den Knights); aber ich kann doch schwerlich annehmen, daß dieser Sport auch in Deutschland Liebhaber findet. Obige Notiz muß also wohl ans irgend einem Mißvcrständniß beruhen. Die deutschen Arbeiter haben doch wahrhastig bei den letzten Wahlen gezeigt, daß sie mit„offenem Visir" zu kämpfen verstehen! NevIÄ»tr»»tlu»tuen. Au die(örnveure«nd Ziseleure Krrlin» und Um gegrnd. Dem Beschluß der letzten öffentlichen Versammlung gemav, welcher dahin ging, eine öffentliche Versammlung ciiizu- veruscn, um Stellung zu'nehmen zur Wahl einer Agitations- rommisfion, fordern wir die Kollegen auf, in der am Donnerstag, den 17. April, un Feuerstein'schen Lokal, Alte Jakobstr. 73, stattfindenden öffentlichen Versammlung zu erscheinen. Die Tages- ordnung lautet: 1. Wie stellen sich die Kollegen zur Wahl einer Agitationskonunission? s. Eventuelle Wahl einer solchen. L. Die Bedeutung der achtstündigen �Arbeitszeit und der 1. Mai. 4. Diskussion. 6. Verschiedenes. Bei der Wichtigkeit der Wahl einer Agitationstömniission so wie bei der Wichtigkeit der Tagesordnung überhaupt, ist es Pflicht eines Jeden, in dieser Versammlung zu erscheinen. Kollegen, zeigt, daß Ihr entschlossen seid, mit aller Energie für Eure In- teressen einzutreten, zeigt, daß Ihr auf dem Boden der heutigen modernen Arbeiterbeivegung steht, benutzt die wenigen Tage, welche Euch noch von dem Versammlungstage trennen, um in den Fabriken und in den Werkstätten für den Besuch dieser Vcrsamm- lung zu agitiren. Jeder, welcher auch nur das geringste Jnter- esse an der Besserung der Verhältnisse der gesammten Kollegen- schast hat, ist verpstichtet, in dieser Versammlung zu erscheinen. Die Versammlung wird außerdem noch durch Inserat und durch Säulenanschlag bekannt gemacht. Äildhaue»'. Am 20. März tagte in Mundt's Salon unter dem Vorsitz de? Herrn Donath, eine öffentliche Bildhauer-Ver- 'ammlung. Die Tagesordnung war: 1. Vortrag des Herrn Stadtverordceten Zubeil über Eewerbeschiedsgcrichte. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes.— Herr Zubeil referirte über die von den Stadtverordneten der Arbeiterpartei ausgearbeiteten und der Stadtvertnetnng zur Annahme empfohlenen Bestimmungen zur Einführung gewerblicher Schiedsgerichte. Es wird nach dem Vor- trage folgende Resolution angenommen: „Tie heute, den 20. März 1890, in Mundt's Salon tagende öffentliche Bildhauerversammlung erklärt sich mit den Ausführungen des Referenten Herrn Stadtverordneten Zubeil über Gewerbc-Schiedsgerichte einverstanden und er- sucht die Berliner Stadtverordneten-Versammlung, die Gewerbe- Schiedsgerichte innerhalb Berlins derartig ins Leben zu rufen, wie sie von den Arbeiter-Stadtvcrordnetcn angeregt worden sind. Dadurch würden die Stadtver- ordneten beweisen, daß sie etwas wirklich Gutes und Positives für die Arbeiter schassen wollen." I Ein vom Kollegen Bnda eingebrachter Antrag, lautend: Die Versammlung beschließt, daß die Kollegen da die Arbeit nieder- zulegen haben, wo 1. ein Gehilfe in Arbeit tritt, der durch die Stellenvermittelung selbstständigcr Bildhauer zugewiesen worden ist; 2. wo ein Gehilfe in Arbeit tritt, der während des Streiks in einer gesperrten Werkstelle gearbeitet hat und der nicht durch die Stellenvermittelung der Bildhauer zugewiesen worden ist. Erhalten Kollegen anders Arbeit als durch besagte Stellen- vermittelung, so ist dieser behufs besserer Kontrole der Stellen- vermittelung mitzutheilen und von derselben bestätigen zu lassen", wird angenommen. Ein weiterer Antrag des Kollegen Bnda lautet:„Tie Versammlung beschließt, der Kommission das Recht zu crtheileu, die zu zahlende Unterstützung an ausstehende Kollegen je nach Stand der Verhältnisse zu erhöhen oder zu er- niedrigen." Derselbe wird ebenfalls angenommen. Sodann wird die Kommission der Bildhauer noch beanf- tragt. Schritte zu thun zur Bctheiligung der Bildhauer Berlins an der am 1. Mai 1890 stattzufindende» Demonstration zur Er- ringung des achtstündigen Maximalarbcitstages. Hiernach wurde vom Vorsitzenden die Versammlung geschlossen. Eine öffentliche Versammlung der Steiul-ildlianer Kerlin« tagte am 2. d.M. bei Müller, Johannisstr. 20, mit der Tagesordnnna: 1. Wie stellen wir uns zur Ailfhebiing der Akkordarbeit und Einführung der Lohnarbeit� 2. Diskussion. 3. Ver- schiedenes. In das Bureau wurden gewählt die Kollegen Göbel als erster Vorsitzender, Knhnle als zweiter Vorsitzender und Tiepelt als� Schriftführer. Zum ersten Punkt der Tagesordnung erhielt Referent Kollege Bnda das Wort. Redner beleuchtete in aus- führlichster Weise die Schäden der Akkordarbeit und kommt zu dem Schluß, daß nur Lohnarbeit für uns das Richtige und Bessere und das Akkordsystem absolut zu verwerfen sei. Ferner macht Referent noch aufmerksam auf verschiedene Mißstände in unserer Branche; es sei hauptsächlich zu verlangen, daß der Löhn jede Woche voll ausgezahlt wird, gleichzeitig betont Redner das ge- snndheitsschädliche Arbeiten ans unzureichenden Geriisten und be- sürwortet, auch dafür einzutreten, daß nach dieser Richtung hin Wandel geschaffen wird. Zum Schluß bezeichnet derselbe alle diese Forderungen als sehr billige, die wir mit gutem Recht. ver- lanflen kLiiiitdlt. Hiercius entspann sich eine sehr rege Disknssio'.i, ivelche zeigte, daß auch die Steinbildhauer Berlins zum Beivnßt- sein ihrer Klassenlage gekommen sind und daß sie gewillt sind, für ihre gerechten Forderungen einzutteten. Zum Punkt Ver- schiedenes wurde ans mehrere Anträge hin folgendes beschlossen: 1. Eine aus 3 Miegliedern bestehende Kommisfion zu wählen, ivelche die Forderungen zu sormuliren und einer demnächst stattfindenden öffentlichen Versammlung vorzulegen hat. 2. Daß der Lohn jede Woche voll ausgezahlt werden soll und, 3. daß im Laufe der nächsten Woche eine öffentliche Versammlung stattfinden soll. Ferner gelangten folgende Resolutionen zur Annahme: 1. Die heute, Mittwoch, den 2. April, tagende öffentliche Versamuilung der Steinbildhauer Berlins, erklärt sich mit den Ausführungen des Referenten voll und ganz einrerstanden und verpflichtet sich, dahin zu wirken, daß die Akkordarbeit abgeschafft und Lohnarbeit eingeführt wird. 2. Die heute, Mittwoch, den 2. April, tagende öffentliche Versammlung der Steinbildhauer Berlins erklärt sich mit den Zielen der allgemeinen Arbeiterschaft einverstanden und ivird stets im Interesse der gesammten'Arbeiterschaft handeln. Zum Schluß fordert der Vorsitzende alle anwcsenoen Kollegen auf einig zu sein und geschlossen für ihre Forderungen einzu- treten. An alle nicht organisirten Kollegen richtet er das Er- suchen, unserer Organisation beizutreten.— Hierauf Schluß der Versammluiig um l'/e Uhr Die Swiutenbetathungsliommif'sio» der Galvauifenre und Berussgenossen hatte zum Sonntag, den 80. d. M., eine öffentliche Versammlung in Feuerstein'S Salon, mit folgender Tagesordnung einberufen: 1. Statutenberathung. 2. Ausnahme der Mitglieder. 3. Wahl eines provisorischen Vorstandes. 4. Ver Abends» Uhr im Ncstaurant„Wilhelmsgarteu", Koch,tr. 7.— StenogrcwMe Gescllschafi Arends im Restaurant Biirgcrgarten. Ltndenstr. Unen g-U- Itchcr Unterricht und Uebung.- Beelincr Zwuchklub„Wranael Abmds a Uhr im Restaurant flöge, iiSpiiickerstr. iei.— Rauchtlub„Havmna CO Abends uijr im Restaurant Paetzoldt, Reichenaergerstr. 10.— idauchkluv Abends sy. Uhr bei 6). Thiel, Wienersuaste CS.- Geiangvcrew der Tapezirer btuderSdorierflr. s. Aufnahme neuer Miiglteder.— Mannergefangverei» „SiedeS, retheU". Abends e% Uhr tin Restaurant Heule, Blumenstr. SS. Bcrathung der Statuten eingetreten Diskussion hierüber war eine sehr lebhafte und betheiligten sich die Kollegen Polleschak, Senncfch, Weber, Bilz und mehrere andere an derfelben. Nach Schluß derselben wurden die Sta- tuten nach einigen meist redaktionellen Aenderungen einstimmig angenommen. Nachdem hierauf der größte Theil der An wesenden sich aks Mitglieder aufnehmen ließ wurde der vorge- rückten Zeit wegen der 3. Theil der Tagesordnung bis zur nächsten Versammlung vertagt und wird unter„Verschiedenes" den Mit- gliedern ans Herz gelegt, recht eifrig für den Verein zu agitiren. » Gekiiitg-, Turn- und gesclligr tterilnc au» Mittwoch. Männer- acsangvercin„Jnaendlust" Abends 8% Uhr im Restaurant Passod, charten- firahe ici.— Männergefangverein Cacilia" Abends» Uhr im Restaurant Nöpenickrrstr. I27n.— Gesangverein„Männerchor Linde" Abend» Uhr im Restanranr Haller, Nannyiistrasie 70.— Männcrgcsangvercin„Eanaesfrendc" Abend« a Uhr im Restaurant Musclwld, Landsbergerstr.«i.— Gesangverein „fl-mja" Abends% Uhr im Restaurant Veit ecke, Grave Hamburgerstr. 10.— Hltppett'sche Siingervereinigimg jeden Mittwoch nach dem Grsten im Monat, AdendS 9 Uhr im Restaurant Heise, Lichlenbsrgerstr. ü.—„Seogcr'scher Gesangverein" Abends 9 Uhr im Renaurant Schulz, Prenzlauerpr.«i.— Gesang- verein„Schwungrad" Abends 8% Uhr im Restaurant Sahin, Annenslr. ic.— Männergcsangvcrein Lorbeerkranz" Abends s Uhr im Ncstaurant Narsch, Oranicnstr. 19».— Gesangverein„Nord-Jubal" Abends 9 Uhr in VetUn's Bi-rhaus, Beteranenstr. 19.— Gesangverein„Unverzagt" AbcndZ o Uhr Kvp- nickcrslr.>27» bei Greving.— Mannergefangverein„Schneeglöckchen" Abends 9 Uhr im Restaurant Toberftein, Marianncnstr. 91—82.— Gesangverein „Säilgcrrunde" Abend? 8% Uhr Buciowcrstr. 0.— Bei ein„SangcSireue" im Restaurant Henkel, Brüderstr. ec I. Uebungsstunde von ssj— n Uhr Abends. — Gesangverein„Bruderbund" Abends» Uhr bei Pätzoldt, Retchenbcrflr. ic. — Männergesangvcrcin„Schneeglöckchen" Abend« 9 Uhr Sitzung im Restaurant Stcömnnn, Melchtorstr. 15.— Gesangverein„Süd-Ost" Abends 9 Uhr bei gteincr, Cuvrystr. 10. Gäste willkommen.— Lübcck'scher Turnverein(i. Lchr- lings-Ablhetlungt Abends 9 Uhr Eltsabelhstr. 07—59.— Turnverein„Weddtng", Panlslr. 9. Männeradtheilung von«js— lojl Uhr Abends; desgleichen i. Lehr- lingsabthsUuna von 8— io Uhr AbendS.—„Mehr Licht", Berein sür Scherz und Emst, AbendS sZ Uhr im Restaurant Held, Frnchlstr.»sa.— Schtestscher Beretn„Hollei" AbendS 9 Uhr im Nestauram Gehet, Prinzcn- straßc loc.— BergnügungSverein„Fröhlichkeit" AbendS» Uhr im Restaurant Säger, Grüner Weg 29.— Wissenschastücher Berein für Roller'scher Steno- Sraphie Abends s', Uhr im Restaurant Beese, Alte Tchönhauserstrabe 42 nterricht und Uebungsstunde.— Roller'scher Stenograxhenvereln Sud-Berlin AbendS«X Uhr im Restaurant Prtnzenslr. 97, Sitzung und Uebungsstunde.— ArendS'scher Snnographen-Verein„Amicitia" Abend»»X Uhr im Restaurant Behren»«, Schönebergerstr. 6.— Arends'scher Stenographenverein„Philta" Nevmifrtzkes.' � Di- G-kchäfts-Ii- der Bourgeoisie. Ein aufMrksaMer Leser der„kleinen Anzeigen" des„Neuen Wiener Tagblatts hat die auf diesem Felde besonders blühenden Heirathsinserate zu 'einem besonderen Studium erwählt und veröffentlicht zetzt eine Blumenlese aus seinen Sammlungen. Man findet dann den „aktiven Rittmeister mit glänzender Karriere", den„Grafen vom alten Adel im schönsten Mannesalter" dessen an edlen Metallen armes blaues Blut einer Auffrischung durch eine entsprechende Mitgift eines bürgerlichen Mädchens" bedarf, den„lite- rarisch gebildeten Geschäftsmann", den„landwirthschastlicheii Maschinenerzcuger und Hausbesitzer", den Gutsbesitzer und Reserveoffizier", den„jungen feschen Kaufmann", der mit einem„gebildeten Stubenmädchen" durch's Leben wandern will, den„Zuckerbäcker", eine„angenehme Er- schcinung mit reellem Charakter". Da der Grund„wegen Mangels an Bekanntschaft" nicht mehr zieht, wird offenherzig das Motiv zur Neigung angegeben.„Wegen Ucbernahme eines äußerst lukrativen Geschäftes" ist immer noch etwas allgemein gehalten» aber„ivcgen Vergrößerung einer Kunstmühle" ist doch für die er- sehnte Hüterin klar genug ausgedrückt. Das„ewig Wetblrche bietet sich oft in sonderbarer Weise an. Nicht immer wird ein weibliches Herz nach einein„ausgedienten Unterossizier" sich schnen: Ich suche sür meine Schwester, ein 20 jähriges, hübsches, gebildetes und häusliches Mädchen mit 1000 Gulden Vermögen sammt schöner Ausstattung, einen kleinen Geschäftsmann oder einen pensionssähigen Beamten behufs baldiger Verehclichung. Bevorzugt wird ein ausgedienter Unteroffizier. Anträge du . 5. März unter„Glück".... Protektion ist kleineren Beamten immer willkommen. Als Mitgift bringt sie schon folgendes Mädchen mit: Anständiges, fleißiges Mädchen mit Einkommen sucht behufs Ehe die Bekanntschaft eines Beamten im Alter von über SO Jahren. Bahnbeamte, wenn auch mit kleinerem Gehalt, be- vorzugt, da Protektion vorhanden. Anträge.... „Das läßt tief blicken." Jugend, Häßlichkeit.und Armuth bretet folgender„sonderbare, aber ernfte Antrag": Zwei sehr junge, aber häßliche Mädchen, jedoch Vermögens- los, wünschen behufS baldiger Ehe die Bekanntschaft zweier sehr reichen, wenn auch alteren Herren zti machen. Briefe erbeten bis 18. linter„Glückliches Heim". Scherz verbeten. Wahre Selbsterkonntniß ist immer empfehlenswerth: Zivei gemüthliche alte Zwiderwurzen möchten nochmals unter die Haube konimen und suchen Anschluß an ebensolche Herren(Christen). Wittag erbeten unter„Brünett und Blond". Hatte Jemand Muße, mit einer Landpomeranze brieflich zu plaudern? Anträge binnen 5 Tagen unter„Hagelschauer" an die Expedition. Das starke Geschlecht lätzt sich in seinen Wünschen und Nei- gungen schon etwas klassifiziren: melancholische Junggesellen, ritterliche Marssöhne und kühne Unternehmer. Freiheit von Sorgen macht allein nicht glücklich, hier der Beweis. Ein kummerloses Leben allein macht noch nicht glücklich! Suche daher mit einer gleichgestnnten Seele, Dame, 28 bis 40 Jahre alt, von sehr stattlicher Figur, in ehrbare Korre- spondeuz zu treten. Antr. unter„Ohne Eigennutz"... Welch zartbesaitetes, weibliches Gemüth wird nicht bewegt, wenn es liest: Appell an das gute, liebe, weltbekannte Wiener Damen- herz. Zwei Herren der besten Gesellschaft, in Gefahr, in tiefste Melancholie zu verfallen, bitten Damen zu einer aufheiternde», ehrbaren Korrespondenz. Bekanntschaft nicht ausgeschloffen. Unter„Armer Mars". Einem Vaterlandsvertheidiger, der nicht raucht und nicht trinkt, bleibt in Friedenszeiten nichts übrig, als holder Minne- dienst: Junger, fescher Marssohn, ätißerst solid, Nichttaucher, Nichttrinker, hat das langweilige Junggesellenleben satt, sehnt sich nach einem Weibchen. Br. erb. u.„Solider Mars- söhn"... Recht räthselhaft ist folgender Aufruf: Jenes Mädchen, welches sich bereit erklärt, innerhalb zehn Wochen Sandbilder ebenso schnell und schön herzustellen, wie die Sanddame am Kolowratting 7, würde ich zur Schaffung einer sorgenfreien Existenz sofort Heirathen. Antt. u.„Sand- dame"... Daß eine Dame damit einverstanden sei, ihr künftiger Ge- bieter solle alle Nuancen des Pariser Lebens kennen, ist wohl schwer zu glauben. Doch hofft es einer: Parisien! Ein fescher, lebenslustiger und im besten Mannes- alter stehender Wiener, der länger als 10 Jahre in Paris ver- bracht hat, sich ivährend der Zeit das ganze savoir vi vre und alle Nuancen des Parisers und seine Sitten angeeignet Hai, sucht, jetzt in Wien fast entfremdet, die ehrbare Bekanntschaft einer unabhängigen und reichen Dame, um nach gegenseitiger Konvcnienz einen festen Bund zu schließen. Br. u.„Tric".. Zum Schlußseinige kleine Anzetgen, Humor und Ernst aus dem Leben: Steirer Abend Sofiensaal 8./1. a./e. Jenes herrliche Weib, das mir einen Tanz gestattete und welches ich an ihren Tisch führte und der vergessenen Augengläser wegen nicht entschuldigte, bitte ich flehentlich in ehrbarster Absicht um Begegnung. Unter Tschau, Pschütt, Chic und Alan suchen die Bekanntschaft von vier reizenden Damen in höchst ehrbarer Absicht zu machen, vor- ausgesetzt, daß dieselben savoir vivre besitzen. Photographien erwünscht. Diskretion verbürgt. Gest. Antr. unter„Klettenklub 3061" an die Exp. Ein nach Halbasien verschlagener junger Oberlieutenant wünscht mit einer jungen feschen Dame in ehrbarster Absicht in Korrespondenz zu trete». Bedingungen; Geist, scharfe Zunge ohne Scharten und ein entsprechender Onkel in Amerika. Gest. Anträge bis 22. März unter„Qui ne risque rien, n'a rien 2813" an die Exp. Grosse öffentliche E€ommMMagwäM®B�6p@amm8g am Mittwochi den 9. April 1890, Abends Slß Uhr, in Lehmann s Salon, Schwedterstraße 23—24. Tagesordnung: 1. Die bevorstehende Stadiverordnetenwahl im 32. Wahl- bezirk. Referenten: Stadtverordneter Uogthcrr und Becker. 2. Nomi- nirung des Kandidaten. 8. Ergänzung des Wahlkomitces. 4. Diskussion. 5. Verschiedenes.— Zur Deckung der Unkosten findet Telln-sanimlung statt. 721 Der Einberufcr: Adolf Adler, Metzerstraße 33. Gr. öffentl. Kommimalwähler-Versammlung am Donnerstag, den 10. April, Abrudv 8 Uhr, il» Mriiuann« Dolksgarten, Äadstr. 50(Grsundbrnnttru). Tages-Ordnung: 1. Die bevorstehende Kommunalivahl im 42. Kommunal- Wahlbezirk. Referenten: 1) Neichstagsabgeordneter Arthur Stadthagen. 2) Bisheriger Kandidat Wilhelm Gründet. ,2. Aufstellung des Kandidaten. 3. Diskussion. 4. Verschiedenes.— Zur Deckung der Unkosten findet Tellersammlung statt. Die Wähler des 42. Kommunal-Wahlbezirks werden gebeten, zahlreich am Platze zu sein.[783] Der Einberufer. Crche üfentl VechmmlW der Weder und verwandten Kerufsgen. am Oonnersfag, den iu. npni loau, Koenu» o um-, im Böhmischen Brauhaus(gr. Saal), Landsberger Allee. Tages-Ordnung: 1. Bericht der nach Apolda entsendeten Delegirten. 2. Stellungnahme zu der beabsichtigten Erhöhung der Ortskrankenkassenbeiträge. 3. Das Äer- halten des Webermeisters Bruno Scholz. 4. Diskussion. Pflicht eines jeden Webers ist es, zu erscheinen. 785 Der Cinb-rufer. Großze öffentliche Uersammlung jjtr gewerdl. Hilfsarbeiter BerliilS null llmgegeiiii am Mittwoch, den 9. April 9390, Abends SVe Uhr, im Kaalo des Herrn Uebel(Ne»»' Salon), Uauuynstraße Ur. S7. Tages-Ordnung: 1. Die Zustande in den hiesigen Gasanstalten. Referent: Paul Litsin. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Zur Deckung der Unkosten findet eine Tellersammlung statt. Um zahlreichen Besuch wird gebeten. Besonders iverden sänrmtliche Stadtverordnete der Arbeiterpartei gebeten, in dieser Versammlung zu erscheinen. 734 Der Ginbernfer. Fachverew der Tischler. Mittwoch, den 9. April, Abends SVe Uhr, in Schröder s(früher Mohlhaupt's) Kalo», Dtanteuffelstraste 9: Wersammkmg Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Kollegen E. Wiedcmann. 2. Diskussion. 8. Ernennung eines Bevollmäoytigten für Cüd-Ost. 4. Verschiedenes. 798]__ Der Dorstaud._ Grosse öffentSic�e SteinbEisihaueeo» Wer-sammisang am Freitag, de» 11. April, 788 ..... Freitag, de» 11. April. bei Müller. Johanniostraf.- SO. Ab-ndo 8-/2 Uhr Tages- Ordnung» 1. Bericht der Kommission. 2.- Diskussion. 3. Verschiedenes. Jeder Meister, welcher Steinbildhauer beschäftigt, wird hiermit ein- geladen. Die Sommisston. tfepbasisü das* PJSIb©ipoiis*esp Berlins und Umgegend. Mittwoch, den 9. d. Mtv.. Abends 8 Uhr. im Königstadt-Kasino, H 0 l z ni a r k t st r a ß e 72: Außerordeutlichs Versammlung Tages-Ordnung: �.�ges-Ordnung..., 1. Die erzielten Erfolge unserer Lohnbewegung und wie bringen mr L..... c•......<_ c'-r...........-V t-r« SI/». unsere Forderunzen zur vollständigen Durchführung und wie erhalten wir die- selben in Zukunft ausrecht? Ref.: Kollege Kurth. 2. Diskussion. 3. Anträge. 4. Verschiedenes. sgOOs Der Dorstand. [800] Der Dorstand. McSitMwg i GeneB*£iivei«sas?imiyBio sämmtlicher Holz- u. Srettertrager Verliils n. Ulügelltnli am Freitag, den 11. April, Abeuda 8 Uhr. im Königstadt Kasino, Holzniarktstraße 72. Tages-Ordnung: 1. Bericht vom Kongreß. 2. Die Lage des Streiks. 3. Verschiedenes. Um das Erscheinen sämmtlicher Kollegen ersucht 789 L. G e s ch, Friedenstr. 63. Oeopg Sichlisig 29 Große Frankfurterstr. 29 enipsiehlt sännntliche Neuheiten der Frühjahrs-Saison. Jackcts von 3 Mk. an, solide Regen- Paletots von 0 Mk.,! feinere mit Griechen-Aermel von 15 Mk., gedicg. Frauen-Mäntel | in Bandagen, Pellerinen u. s. w., sowie Promenade» von 15 Mk. an j ei«'~*........ bäs zum eleg. Genre, Kindcr-Mäntcl in reizender Ausfuhr, spottbillig Herliner Möbel- Halle AEexandpinensti*. 43, L Ecke Kommandantenstr Möbel-, Spiegel- n. Polsterwaarcn. Theilzahlnng. Mein Zahn-Atelier befindet sich jetzt KöniggrStaerstrasso 65, Hof parterre. 636 Otto Gnbatz, ZchikW». 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Druck und Verlag von Wae Fading in Berlin SW., Beuthstraße 2. _