Nr. 84. Freitag, den 11. April 1890. 7. Jahrg. Hrgan für die Interessen der Arbeiter. Metzeleien. Das unheilvolle Spiel mit beunruhigen- den Nachrichten, daß von der offiziösen Presse so lange und in so ausgedehntem Maße betrieben worden ist und theilweise noch betrieben wird, hat in der gewöhn- lichen spießbürgerlichen Presse Nachahmung gefunden. Fast jeden Tag stößt Man in irgend einem Blatte auf eine Notiz, welche dahin geht, daß„scharfe Maß- regeln" seitens der Militärgewalt für den Fall vorgesehen seien, daß bei Streiks Aus- schreitungen vorkommen sollten. Diese Notizen, die ganz unbestimmt gefaßt find, machen die Runde durch die Presse und werden ab und zu von einzelnen besonders eifrigen Redakteuren mit Zusätzen und Ausschinückungen versehen, bis richtig aus der Maus ein Elephant ge- worden ist. Wir wollen eine solche Notiz herausgreifen, auf die wir in verschiedenen Provinzialblättern gestoßen sind. Die- selbe lautet: „In unterrichteten Kreisen ist man auf militärisches Einschreiten bei künftigen Ausstands-Exzessen durchaus gefaßt und der Ansicht, daß dergleichen nicht mehr lange aus- bleiben könne." Wer sind die„unterrichteten Kreise" und wer ist„man"? Wer„unterrichtet" ist, der weiß zunächst, daß militärisches Einschreiten bei Streiks durchaus nichts Neues ist. Man wird sich doch wohl erinnern, daß bei dem großen Ausstand der Bergarbeiter in Westfalen und Rheinland ein militärisches Einschreiten statthatte. Sodann ist es sonderbar, daß gerade in diesem Moment solche Ideen kommen. Denn es ist zur Zeit von einem größeren Ausstand in Deutschland nirgends die Rede. Bei den Bergarbeitern ist eine größere und ein- heitliche Bewegung gar nicht in Fluß gekommen und wird es auch so bald nicht wieder, da ja die Bergleute durch politische, religiöse und lokale Differenzen in sich gespalten sind. Es finden in einzelnen Städten Arbeitseinstellungen statt, wie sie im Frühjahr immer stattfinden, weil die Ar- beiter in dieser Jahreszeit bei den meisten Branchen die besten Chanzen zur Erzielnng besserer Lohn- und Arbeits- bedingungen haben. Aber die Arbeiter machen dabei von einem durch die Gewerbeordnung ihnen ge- währlei st eten Rechte Gebrauch. Wenn Exzesse bei den Ausständen vorkommen, so wird sie niemand billigen. Man kann aber verschiedener Meinung darüber sein, was den Exzessen gegenüber ge- schehen soll. Wir blasen nicht in das große Horn und schieben den Arbeitern nicht immer gleich die Schuld an ocn Exzessen zu, ohne die Sache nur näher untersucht zu haben. Wir verwerfen die Exzesse schon deshalb, weil sie die Sache der Arbeiter schädigen müssen, von hundert anderen Gründen abgesehen; aber um so vorsichtiger verhalten wir uns gegenüber den Meldungen der sogenannten anständigen Presse. Wir haben bei den Wahlen gesehen, wie ge- schwindelt wird und wie die geringfügigsten Vorkommnisse bei den Wahlen zu großartigen„Exzessen" aufgebauscht, dagegen die Exzesse fanatischer Kartell- dauern sorgsam verschwiegen worden sind. Aber, fragen wir, warum spricht man denn so viel von„Ausstandsexzessen" in einem Augenblick, da gar keine solcheil vorkommen? In der ganzen letzten Zeit"sind bei Ausständen, von einigen ganz geringfügigen lokalen Vor- fällen, die man zu anderen Zeiten gar nicht beachtet haben würde, absolut keine Ausschreitungen vorge- kommen; die bekannte Köpenicker Affaire hatte nichts mit Ausständen zu schaffen und scheint ohnehin jetzt in eine ganz neue Beleuchtung gerückt zu werden, so daß sie nach keiner Seite hin„ f r u k t i f i z i r t" werden kann. Wo- zu also die immer und immer wieder auftauchenden Versuche, von„AuSstandscxzessen" so zu sprechen, als ob ganz Deutschland von solchen bedroht wäre, und wozu das Manöver, die Sache so darzustellen, als sei ein baldiger Zusammenstoß mit der Militärgewalt unaus- bleiblich? Es liegt System in diesen Hetzereien und muß so- nach auch ein bestimmter Zweck mit denselben verfolgt werden. Haben vielleicht gewisse Unternehmerkreise von den Offiziösen etwas gelernt? Offenbar will man das Spießbüraerthum erschrecken, dem man fortwährend die Streiks vorhält, damit es durch dieselben die bürgerliche Ordnung bedroht glauben soll; andererseits will man die Arbeiter aus diese Weise ein- schüchtern. Die Arbeiter werden aus diesen Dingen die ent- sprechenden Lehren ziehen und werden am Besten-thun, wenn sie sich von a l l e n E x z e s s en f e r n h a l te n und denselben vorbeugen. Die spießbürgerliche Auffassung, daß die Arbeitsein- stellung an und für sich schon ein Vergehen sei, ist im Schwinden begriffen; nun wird der verzweifelte Versuch gemacht, sie aufrecht zu erhalten und das Spießbürger- thum in derselben zu bestärken. Daß in dieser Zeit wirthschaftliche Bewegungen, Ausstände und Boykotts stattfinden, kann sich Jedermann aus der Natur der Dinge erklären. Die Lebensmittel- Ileuillekon. Nachdruck verbol-n.j_ «ZUM Glück der Damen." Roman von Emile Zola. Antorisirte Uebersetzung von Armin Schwarz. .noch immer Kommis. Denise hörte sie rv �"' zudem sie an ihr vorbeikamen, ihr einen 1* jwi««ienb._ Sie ward immer mehr verlegen dar- der, das Ziel so vieler Blicke zu sein und entschloß sich, einen Spaziergang von einer halben Stunde durch das Quartier zu machen, als der Anblick eines jungen Mannes der raschen Schrittes aus der Nue Port-Mahon daher kam pe einen Augenblick zurückhielt. Dieser mußte ein Ab tycilungschef sein, denn alle Kommis grüßten ihn. Er ,var fP}}. öroßer Gestalt, seiner, weißer Haut, der Bart sorg- Ir® gspstegt; seine Augen, die er im Vorbeigehen einen Äugeiimick auf ihr ruhen ließ, hatten die Farbe von attem Gold und den milden Glanz des Sammtes. Er war tangst Mit gleichgiltiger Miene im Magazin verschwunden, mr J i 9 immer unbeweglich, wie festgebannt von diesem -oucke da stand, von einer seltsamen Erregung ergriffen, in welcher das Unbehagen übenviegend war. Ein Gefühl der "ffillte sie; sie ging langsam die Rue Gaillon, dann >e Rue Saint-Roch hinab, in der Hoffnung, daß sie ihren -vluth wiederfinden werde. Der junge Mann war mehr als ein AbtheilungS-Chef. m j?.?* Pc'nue Montet in Person. Er hatte die verflossene »nacht nicht geschlafen; denn nachdem er eine Soiree bei preise sind bei uns immer noch im Steigen begriffen; das sehen wir ganz deutlich an der Tbatsache, daß von ver- schiedenen Orten die Gastwirthe immer noch die Preise der von ihnen zu verabreichenden Speisen erhöhen. Diese Theuerung ist die hervorragendste der vielen angenehmen Erbschaften, die uns die Kartellwirthschaft hinterlassen hat. Wenn das so weiter geht, so werden wir wahrscheinlich noch dahin kommen, daß im Deutschen Reiche von allen Ländern am theuersten zu leben ist. Dagegen haben wir eine ganze Reihe von Arbeitsbranchen und Industriezweigen, in denen die schlechtesten Löhne gezahlt werden. Dieses Mißverhälttuß stiftet das Unheil an; aus ihm entspringen die Konflikte. Soll man sich denn da wundern, wenn wir eine ganze Reihe von Ausständen sich haben abspielen sehen und kann es uns unerklärlich sein, wenn sich diese Erscheinung in der Zukunft wiederholt? Die spießbürgerliche Presse thut immer, als ob die Frage der„Ausstands> Exzesse" die Hauptsache wäre. Nein, sie ist es nicht, sondern die Hauptsache ist die Frage des Arbeitslohnes und der Arbeitszeit. Wo Beides sich nur einigermaßen erträglich gestaltet hat, so daß man bei den heutigen Verhältnissen aus- kommen kann, da wird nicht so leicht gestreikt werden. Die Hetzereien beweisen uns nur, welche Korruption in der sogenannten anständigen resp. spießbürgerlichen Presse vorherrscht. Wenn dem Spießbürgerthum das rothe Gespenst nicht mehr von den Offiziösen an die Wand gemalt wird, so besorgt ihm das seine eigene Presse. Es ist aber gut, daß das Spießbürgerthum nur einen Theil der menschlichen Gesellschaft ausmacht. einem Wechsel-Agenten verlassen, war er mit einem Freunde und zivei Frauenzimmern sonpiren gegangen, die sie hinter den Koulissen eines kleinen Theaters aufgelesen hatten. Sein zugeknöpfter Paletot verbarg den Frack und die weiße Kravattc. Er stieg rasch in seine Wohnung hinauf, um sich zu waschen und die Kleider zu wechseln; und als er in sein Schreibzimmer, das im Halbftock lag, zurückkehrte und an seinem Schreibpulte wieder Platz nahm, war er wieder frisch, das Auge hell, völlig beim Geschäft, als hätte er zehn Stunden in seinem Bette zugebracht. Das geräumige Schreibzimmer hatte Möbel von Altcichen, mit griinem Rips überzogen. Die einzige Zierde des Schreibzimmers war ein Porträt: das der unglücklichen Mme. Hödouin, von der man im Stadtviertel noch immer sprach. Octave bewahrte ihr ein zärtliches Angedenken und zeigte sich sehr dankbar dafür, daß sie ihm ein Vermögen zugebracht hatte, indem sie ihn zum Manu nahm. Bevor er daran ging, die Wechsel zu unter- schreiben, die auf seinem Pult lagen, sandte er denn auch vem Porträt ein Lächeln zu, das Lächeln eines Glücklichen. Hier, in ihrem Angesichte, fand er sich immer wieder ein, um zu arbeiten, nach seinen Zerstreuungen eines jungen Wittwers, wenn er die Alkoves verlassen, wohin er sich in seinem Bedürfnisse nach Vergnügungen verirrt hatte. Man pochte an die Thüre und ohne eine Antwort ab zuwarten, trat ein junger Mann ein, groß und mager, mit dünnen Lippen, spitziger Nase, sehr korrekt gekleidet, mit glattem Langhaar, in welchem schon einige graue Büschel zu sehen waren. Mouret schaute einen Augenblick auf, dann sagte er, im Unterschreiben fortfahrend: — Haben Sie gut geschlafen, Bourdoncle? — Sehr gut, ich danke, erwiderte der junge Mann, der mit vertraulicher Haltung im Kabinet herumtrippelte. Schweizerische Ardeiterkongresse. ii. Ölten, 8. April. Die Reorganisation des Gewerkschaftsbundes wmde in der von mehreren Seiten schon seit längerer Zeit gewünschten Form beschlossen. Demnach soll der Gewerkschaftsbund der Zusammenschluß, der Samnielpunkt aller vorhandenen und noch entstehenden Bcrufsverbände werden. Um die finanzielle Belastung durch Beitragsleistung zu erleichtern, soll pro Mitglied und halbes Jahr an die Bundeskasse ein Beitrag von 10 Cts. entrichtet werden. Es steht zu erivarten, daß dem neugestalteten Gewerkschaftsbunde alle die größeren und auch kleineren Verbände, die bis jetzt aus finanziellen Gründen dem Gewerkschastsbunde fernbliebe», sich sodann deniselben anschließen und damit seine Mitgliederzahl von gegenwärtig 4000 vervielfältigt werden dürste. In die Berathuna des zur Reorganisation des Bundes voin Zentralkomitee vorgelegten Stawteneutwurses wurde jedoch nicht eingetreten, sondern dem Komitee der Austrag Bourdoncle, Sohn eines armen Pächters aus der Um- gebuna von Limoges, war gleichzeitig mit Mouret im „Glück der Damen" eingetreten, zu einer Zeit, als das Ge« schüft kaum mehr als die Ecke der Place Gaillon einnahm. Sehr verständig, sehr thätig, wie er war, schien es damals, als würde er leicht seinen Kameraden verdrängen, der weniger ernst war und fortwährend mit Weibergeschichten zu thun hatte. Allein, Bourdoncle hatte nickt den genialen Zug dieses leidenschaftlichen Proven?alen, es fehlte ihm seine Kühnheit, seine überwältigende Liebenswürdigkeit. Uebrigens hatte er als kluger Mann vom ersten Augenblick sich wider- standslos vor ihm gebeugt. Als Mouret seinen Kommis den Rath erthcilt hatte, ihr Geld in seinem Geschäftshause anzulegen, hatte Bourdoncle als Einer der Ersten nachgc- geben und ihm sogar eine Erbschaft anvertraut, die ihm von einer Tante unerwarteter Weise zugefallen war; uno nach- dem er alle Grade durchgemacht, Verkäufer, zweiter Kommis, Chef der Seidenabtheilung gewesen, war er schließlich einer der Stellvertreter des Patrons geworden, der beliebteste und angesehenste, einer der sechs Jnteressirten, die den Chef in der Leitung des Hauses unterstützten, eine Art Ministerrath unter einem absoluten König. Jeder von ihnen über- wachte eine Abtheilung, Bourdoncle hatte die Hauptaus« ficht inne. — Und wie haben Sie die Nacht zugebracht? fragte er vertraulich. Als Mouret ihm erwiderte, daß er nicht zu Bett ge- gangen war, schüttelte er den Kopf und murmelte: — Das ist eine unkluge Lebensweise. — Warum denn? sprach der Ändere in munterem Tone. Ich bin weniger ermüdet als Sie. Sie haben vom Schlaf ausgedunsene Äugen; Sie werden schwerfällig, wenn ettfceitt, ra Zürich ein; Komnüssion wählen zu lassen und mit dieser gemeinschaftlich einen neuen Entwurf auszuarbeiten. Betraf? ber Neservekasse wurde beschlossen, dieselbe )ök französischen Schweiz. entstamme, von Herrn Cornaz hodcuur aufgegrifso.!, aber von ihm verballhornisirt worden sei. Sie wollten keine gemischten BerusSaenossenschasten. ,ond»rn für jeden Theil besonders; die Hauptsache sei für sie jedoch die Ausstattung der Gewerkschaften mit den«lochten der juristischen Person und der rechtskräftigen Verbindlichkeit ihrer Beschlüsse für alle Berufsgcnosjeu. In disssm Sinne hat denn auch Herr Arbriterselretar Greulich seine Thesen aufgestellt. Gegenüber den Cornaz'schon obligatorischen Berufsgeuoisenschastet» erklärt der Kongreß durch einstimmig ge- faßten Beschluß,„daß sie für die Freiheit der vlrbmer als sehr gefährlich dezstchust werden muffen und daß er in ihnen kein Mittel erbliat, dt« Stellung des Arbeiters zu verbessern oder die sozialistische Organisation anzubahnen". Dagegen wird den Greulich'schen Thesen im Prinzip zugestimmt. Betreffs der Kranken- und Unfallversicherung wurde beschlossen, die Karenzzeit� bei Unsüllen gänzlich m Weg; all zu bringen und die Ilnsallversicheruna zu verpflichten, den Unfall vom ersten Tage an zu unterstützen. In Bezug auf daS F a b r i k g e s e tz wird dessen möglichste Erweiterung ans alle Arbeiter und die Reduktion des Llormalaroeitstages verlangt. Nachdem noch beschlossen, die Kcngreßverhandlnugsn in Druck zu legen und als Aroschüre zu verbreiten, schließt der Präsident, Herr Beck von Zürich, den Kongreß mit einem dreifachen Hoch aus die Sozialdemokratie, in daS die Delegirten(74) und Gäste begeistert einstimmten. ♦• _Am Montag Vormittags 0-1 Uhr begrüßte zunächst der Stadt- Präsident die Versammlung im Namen der Stadt Ölten, sie in der Arbeiterstadt willkommen heißend und ihren Verhandlungen den besten Erfolg wünschend. Dem fteundlich entbotenen Gruß dankte »er Präjtöent des cüacmeme«...... Herr S ch« r r e r von St. ch a l vrofstuntg M'.t, daß 247 Delegirte j-»v, VIV ä�uuuiutRI JjWOOO»rganisirte Bürger vertreten. AIS erfteuliche stleucrung tonst-twt««r, daß zun, ersten Male auch Frauen akSTelegirte aus einem schweizerischen Arbeiterkongresse erschienen seien; die- lolbwt vertreten die Arbeiteriuuenvereine Zürich. Bern, Et. Gallen «nd Mnterthur. Nach Wahl deS Bureaus theilte der zun» Tagcspräsidenten geueählts Herr Schotter die Traktanden mit: l. die Verfichenings- frage. 3. Statut, nrevisivn."-S. Wahl des Bundeskoinitces und des Arbeiters«kr«lärs. 4- Berti-Sgetzossenschafteu..5. Erweiterung des Fadrikgefttzes. Als v.eferint übn den ersten Punkt hielt Her? Rationalrath E u r t i einen»pohldurchdachten ijuö sachlich unangreifbaren Vortrag. Er verivies auf die Mannigfaltigkeit des praktischen Vor- stchrrungZoedürsnisseS der Bevölkerung hin, das die Person in «lleu mögliche!» Beziehungen versichert haben möchte. Bei der rage, wer von den staatlichen Auiorttitten, als Bund. Kanton, cuieinde, zur finanziellen Unterstützung der Versicherung heran- Ei« allzu vernünftig sind. Ihre Gedffnfen aufrütteln. Unterhalten Sie sich: daS wird Oft stritten sie in freundschastlicher Weise über diesen Gegenstand. Bonrdonele hatte anfangs seine Maitrcssen geprü» gelt,»seil sie, wie er sagte, ihn nicht schlafen ließen. Qeift gestand et offen; dost et die Frauen hasse; indessen hatte er sicher- lich aiüsivärtL solche Begegnungen, von welchen er nicht sprechen ivollte, so»venig berührten sie seil» GemiithSlebe!»; er begnügte sich, im Magazin die weiblichen 5bundschaftrn auszubeuten, wobei er sich mit großer Mißachtung über die �»ichtsertigkeit aussprach, mit welcher sie ihr Geld in so un- nützen» Fetzeuiverk vergeuden. Piouret that im Gcgeniheil schr«ntjückt, war in Gegenwart der Frauen stets ver- sührerüsch, liebe»ts>vürdtz und sortwähreild in neue Liebschaften verwickelt'K«nl» diese Liebschaften»varen gleichsam eine Netlame sür fein Geschäft; mau-var versucht, zu sagen, daß er da* ganze weibliche Geschlecht in einer einzigen Umarmung umfasse, um es desto sicherer zu betäuben und sich dienstbar zu machen. — Ich habe heute Nacht Madam, Dossorges gesehen, ftrhv er fort. Sie mar reizend auf diesem Ball. — Aber Sie haben hernach nicht mit ihr soupirt? fragte der»ssocw. — Oh, rtinsswegs, tief Mouret; sie ist viel zu ehrbar,»nein Lieber... Nein, ich habe mit Helokse sm'.prrt, der Keinen Aaeicc vom Folies-Theater. Sie ist dumm, wie eine Ganil, aber sehr drollig! Gr nahin en» anderes Packet Wechsel zur Hand und fuhr fort, zu»mterschmbe»». Unterdessen ging Bourdoncle im Kabimt auf und ab. Von Zeit zu Zeit»vars er einen Blick durch d»e hohen Spiegelfenster auf die Rue Neuvc- Saütt-Augnftin, dann tan» er z»»»»» Schreibtisch zurück und sagte: — Aber sie werden sich rächen. — Wer detm? fragte Monret zerstreut. — Nun. die Frauen. Dies« Bemcrntl'.g versetzte Mouret in eine heitere Sinumung; es kehrte die Brutalität hervor, die bei ihn» unter der Anbetung der Frauen sich barg. Er zuckte verächtlich die Achseln, um gleichsam damit auszudrücken, daß er sie zu zuziehen sei, könne nur aus die Eidgenossenschaft abgestellt»Verden. Um die ihr hieraus entspringende Ausgabe zu erleichtern, sei es nöthlg, neue Einnahmeaucllen zu erschließen. Dieselben können geschaffen werde»» durch Einführung einer Reihe von Mono- polen, nämlich: Tabak-, Getreide-, Elektrizitäts-»km» Zünd- holzmonopol, außerdem Verstaatlichung der Eisenbahnen u. s. w. Das Tabakmonopol»vürde jährlich 8—10 Millionen Frauken abwerseu und es könnte damit dem Raucher zugleich die Prämie bezahlt werden und trotzden»»vürde es»nöglich sein, das Pfeifchen des„armen Mannes" mit besseren» Tabak zu füllen. Gegenüber der Machtverstärkung, die die Zeiztralgeivalt aus den neuen Schöpsmigen erfahren»vürde, sollte als heilsames Gegengewicht die von der Demokratie geforderte Volksinitialive geschaffen »verden. Referent stehe»»»cht auf dem Standpunkt zu erklären: entweder Alles oder nichts, aber er sage: etwas Rech t e s oder njchts. Die soziale Frage stehe im Vordergründe unseres Zeit- alters. Die Arbeit begin>»t jetzt den Reigen. Die internationale Konserenz zum Schutze der Arbeit bringe in das Völkerrecht ein neues Pri>»z»p; wahrend bis jetzt immer das kriegerische das ein- flußreichste war,»verde es jetzt das der friedlichen Arbeit werden. Poiikii'che MeberMtk. Dtf Aturr ves Fürsten Dismavch wurde hier und da als den Weltfrieden bedrohendes Ercignisz ausgesagt oder doch wenigstens hingestellt. Wer nicht ganz unwissend oder ganz gedantenloZ war, lächelte natürlich über eine so alberne Behauptung. Gerade der, unter Leitung oder dein Einfluß des Fürsten Bismarck stehende Theit der deutschen Presse übte fortivähre>»d das Handwerk der Verhetzung und de- Haudelle insbesondere Frankreich mit einer Gehässigkeit, welche wahrhaftig nicht geeignet sei»» konnte, die Sache des Friedens zu fördern. Wer dies weist, der konnte an die Entfernung des Fürsten Bismarck»»»möglich Besürcht»lnacn für den Friede»» knüpfe»;. Ut»d in der That haben vie Hetzereien in der detitschen Presse seitdem fast vollständig«»»s- gehört und ist msolgedessen in Frankreich das Mißtranen gegen Deutschland»vesciitlich gcschivitüdcn. Auch die italienische Regierung, welche bisher— wie in. Frankreich allgemein angenommen wird, ans Betreiben des Fürsten B:s:narck — der französischen Republick gegenüber eine sehr herausfordernde Haltung angenommen hatte, ist weit versöhnlicher gestimmt, wie aus der Entsendung eines italienischen Geschwaders nach Tonlon zur Begrüßung des Präsidenten der französischen Republik erhellt. Di» Aufhebung dcs Paliiivangr» an der elsässisch- französische!» Grenze steht, wie die„Voss. Ztg." aus Lern von gut unterrichteter Seite erfährt, in nächster Zeit bevor. Wir würben dies sehr erklärlich finden, denn die Einführung des PaßzivangeS gehörte auch zu den Mißgriffen der Bismarck'schen Aegierungs- Politik. Der' f»winonf»pvative Abgeordnete Tr. Otto Arendt veröffentlicht im„Deutsch. Wochenbl." einen scharfen Artikel gegen die offiziöse Presse und rügt besonders die Veröffentlichung aer Beschlüne der internationalen Arveiterschutz-Konferenz durch die „Berk. Pol. Nachr." ES sei»vichtig, darüber Klarheit zu schassen, ans»velchem Wege dieselben zu jenen Äcschlüffei» gekommen seien, um dergleichen künftig zu meiden. Alsdann jährt der Verfasser fort:„Die Würde und das Ansehen der Reg'erung verlangen, daß dieselbe jene»» Schacher mit Nachrichten ein Ende macht, der von einer Anzahl offiziöser Korrespondenten bisher getrieben wurde und ein Krebsschaden ge>vorden ist. Entspricht es etwa der Achtung vor de» Mitgliedern der Parlamente, we»»n diese wichtige Regier, mxwvorlage»» zuerst aus den Blältern kennen lernen?" Das Offiziöseitth m sei einer Preßkligue überantwortet, von der mau schwer begreife,»vie sie das Vertrauen hoher Stellen erlangen konnte:„Für die Nachrichten,»velche diese Preßtravanten erhalte:», haben sie unbedingte Gefolgschaft zu leisten und namentlich durch Artikel in der Provinzprcfse, manchmal auch in auswärtigen Blät- lern, versteckte Angriff» gegen unbequeme Persönlichkeiten aukzn- sichte»». Gerade die Hetzaroeit osfiziöser Fesern gegen»nißliebig« Personen hat besondere Mißstiminung hervorgerufen... Zwei Blätter haben das Osfiziöseuthum besonders und bei allen Par- teten gleichmäßig verhapt gemacht, die„Nordd. itlllgeuieine Ztg." und die„Berliner Politischen Nachrichten". Tie Art und Weise, »vie diese beiden Blätter sich herausnehmen, mit denjenigen um- zuspringen,»velche eine ander- Meinung haben, als die von der Regierung in jedem Einzelfall gewollre, ist eine derartige, daß mit 9! echt gesagt werden kann, diese Blätter haben zur Vergiftung der Parleikä'.npse tu Teutschland ganz besonders beigetragen... Daß aber z. V. die„Berliner Politischen Nachrichten" auch audere Hintermänner haben, als die Rezixrnng, ist allgemein bekannt. DaZ Blatt ist ein Organ des Zeniralverbandes Ventscher Jndu- strieller. Wer»vill unterscheiden, ob Ausführungen der„Berliner Politischen'Nachrichten" aus dein Ministerlum oder vom Zen Boden werfen»vürde,»vie einen Pack leerer Säcke, an dem Tage, Ivo sie ihm zum Ausbau seine» Glückes verholfen haben würden. Bonrdonele aber wiederholte in seiner cigenstnuigei» — Sie werden sich rächen... Es»vird sich Eine finden, welche alle Uebrigei» rächt; es ist immer verhängnißvoll mit den Matte»». — Ich habe keine Furcht, rief Mouret. Diese Eine ist noch nicht geboren. Uno wem» sie doch kommt, so»vird sie an mir ihren Mann finden. Er erhob seine» Federhalter, fuchtelte damit herum und stach damit ins Leere, als wollte er ein unsichtbares Herz durchbohren. Ter'Assozis halte seinen Gang durchs Zimmer wieder aufgenommel» und neigte sich stumm wie immer vorder Ueberlegcnheit des Patrons, dessen Genie ihn außer Fassung brachte. Obgleich es sehr kühl, sehr logisch, sehr leidenschaftslos angelegt war, hatte er doch volles Äer ständisi« für die durch die Weiber erzielten Erfolge und er wußte sehr wohl, daß Paris sich dem Muthigsten in einen» Kuß ergebe. Es trat Stillschiveigei» eins man hörte nichts als das Gekritzel der Feder Monret's. Aus feine kurzen Fragen gab »hu» Bourdoiiele Aufklärungen über den großen Ausverkauf von Winter-Modeartikeln, welcher am nächsten Montag statt- finden sollte. Es war dies ein sehr großes Unternehmen und die ganze Eriftenz des Hauses stand dabei auf dem Spiele, denn die in» Stadlviertel im Umlauf befindlichen Gerüchte waren nicht ganz ohne Begründung. Mouret hatte sich»vie ein Poet in die Spekulation ae- stürzt, mit einem solchen Aufivandc, mit einem solchen Be- oürsniß für das Kolossale, daß alles unter ihm zusammenzu- brechen schien. Er entlvickclte da einen ganz neuen Silin für den Handel, eine kommerzielle Phantasie, welche ehemals Ma- dame Hedoinn besorgt gemacht balle und welche noch heute, trotz der ersten Erfolge, seine Ptitinteresslrten zuweilen in Bestürzung versetzt«. Man tadelte im Stillen den Patron, dag er allzu rasch vorgehe; man beschuldigte ihn, daß er in gefährlicher Weise die Magazine vergrößert habe, olme sich vorher einer entsprechenden Zunahme der Kundschaft ver- tralverbaud stammen? Der Zentralverband aber ist gege«- wärtig in nahezu völliger Union mit dem Verein zur Wahrung der Interessen vo»» Handel und Gewerbe, jeuen» Verein„mit dem langen Namen", der ivosentlich Börsen- und Gro�apttalsiuterejse!» zu vertreten bestimmt ist. Die Seele beider Vereinigungen ist en» Herr, der zugleich eine leitende Stellung in der Berliner Dis- fonto-Gesellschaft besitzt. Zu welchen bedenklichen Folgerunge» eine solche Verbindung des Offiziösenthilms mit der Börse führen mliß oder doch führen kann, bedarf reiner weiteren Ausführung. — Herr Arendt verlangt durchgreifenden Wandel in den Be- Rehungen der Regierung zu der Presse, insbesondere die Wiederherstellung eines anerkannt offiziösen Blattes, wie es die„Pro».- Kor»-." war, für»velche das Staatsministerum die Verantwortung trug. Nur Eins scheint Herr Arendt ganz zu vergessen, den Welscnfonds. Soll das Hebel ernstlich angegriffen und ausge- rottet»verde», so muß man ihm an die Wurzel gehen. So lange aber Herr Arendt den Welsenfonds unangetastet läßt, wird man seinen Ausiassungen keine besondere Bedeutung beimessen. Zum Degr-iff der Majeftätsbeleidiguug hat das Reichs- gericht(3. Senat) durch Urtheil vom 10. Februar d. I. ausge- sprachen, daß das Strafgesetzbuch endgiltig den alten preußischen Begriff der„ElpffurchtZvcrlctzung" beseitigt hat und die Maiestälä- beleidigung dem gemeinrechtlichen Begriff der Beleidigung unter» ordnet. Daß bei Beürtheilung dessen, was als Mißachtung zu gelten hat, die Persönlichkeit des Fürsten, Ansehen, Würde un» soziale Stellung mit in Betracht kommt, und hiernach Kuu«- geöuuzen als für den Landesherrn beleidigend angesehen werden können,»velche einem Privat-manne gegenüber unverfänglich nwrechs folgt mit innerer Nothwendigkeit ans dem relativen Charakter der Beleidigung und ist nichts dem§ 93 des Strafgesetzbuch« Eigenthüniliches. Verfehlt ist die Rechtsanfsaffung, daß AnW Laudesberrn gegenüber jeder gewöhnliche menschliche Mapsta» versagt und er schlechthin jedem Nrtheil and jeder Kritik entrückt sein soll. daß jede gleichwie geartete Aeußerung über persönliche Handlungen des Landesherrn schon»vcgen der darin enthalten eu Ueberhebung als unehrerbieug,„folglich" als beleidigend zu gelten habe. Ufkff Dr. Karl Erters bat der geschastLsühreiid« Ausschuß des deutschen Einin Pascha-Komites am Mittwoch folgende» Telegramm aus Sansibar erhalten:„Empfingen Brief von Peters, datirt Kaptes Kamassta(westlich vom Baringo-See); er sowoP wie Leutnant Tiedemann wohlauf.. Sein Brief an S»e so'S1- Hansing."— EL ist dies die erste direkte Nachricht, welche von Herrn Peters seit der Verbreitung des Gerüchtes über ferne E* morduiig eingetroffen ist. Anderiveitig ist bereits gemeldet worden, daß Herr Peters»ich in 5iaviwudo nordöstlich vom Viktor»� Nyanza befindet. ES scheint sich demnach zu vestätigen, daß Hell Peters die Nachricht von seiner Ermordung absichtlich hatte au»- sprengen laffen. An« Sachse» haben wir gemeldet, daß diejenige» Militärr ereine,»velche sich geiveiacrt haben, Sozialdeuiokrateit als solche auszustoßen, vom sächsischen Mftitärvere»usd»iB ausgeschlossen und mit sonstige»— übrigens gleich unschWf licheu— Ätaßregeluugen bedacht worden sind. Es»1* wirklich sehr wenig Logik in solchem Vorgehen, so lauge dck Sozialdemokraten gezivungeu smd, Soldat zu werden. Wc>w ein Sozialdemokrat als solcher der öffentlichen Ordnung gefährlich ist, dann»st er e3 als Soldat doch zweifellos w höherem Grade denn als Militärvereinler. Wird man i"- „gemüthlicheu" Sachsen sich denn nicht endlich zu der StoV scqucuz aufraffen, im Bundcsrath die Ausschließung aull Sozialdemokraten aus dem Heere zu beantragen? Dar» wäre doch Sinn und es ließe sich hören. Zlebev dl» Kraukenversichernnq de? Arßelter � ahre 1883 entnehme»» wir dem neues»«»„Monatsheste Statistik des Deutschen Reichs" die folgenden vorläufigen A» gaben: Es bestanden 20 408 Staffen gegen 19 715 im Jatzro 13� 19 357 im Jahre 1896 und 18 942 im Jahre 1885. Davon 9*' hörten 7852(1887 7368) der Gemeinde-Krankeaversicherung f' 3893(3703)»varen Ortskrankenkassen, 5868(5757) Bernev- Kraukeulassen, 185(131) Bailkrankenkassen. 401(352) Innung» Kranktnkaffen, 1853(1878) eingeschriebene Hilfskassen � SU"a»HC»»»OI|eil, 40Ui> liuia; V"'""*""".»htt 400(471) auf Grund landesrechtlicher Bestimmungen ennchtt en. Ter Bestand aller Kassen an Mitgliedern beim anuar 1888 4 833 039 gegen 4 500 018 am 1. Januj» 1337, 4 308 205 am 1. Januar 1986 und 8 727 231 ov Hilfskassen. am 1. J> oot, tovo wo uiu*. x>UUUWW 1. Januar 1885; davon entfallen 1905 460 auf die OrtskranKJJ lassen, 1 373 084 auf die Betriebskrankenkassen, 722 309(W die eingeschriebenen Hilfskassen, 625 212 auf die Gemeindss lrankenversicherung u. s. iv. Di« Zahl der Erkrankungen Oll" sich auf 1762 520(1887 1 738 900), die der Krenlheitsta? aus 29 623 770(27 012 705). Die Einnahmen betrüge' be» allen Kraukenkassen zusammen 91 914433 M. geg� 78 928 281 M. im Vorjahre; die Auegaben 85 517 089 SR. geg� 61008 262 M. int Vorjahre. Davon entfallen auf Kapila ls»� läge 16 928 400 M., auf Venvaltnugskosten 4 503 280 M. und äff Krankheitskosten Ol 501 484(1887 55 202060) M., und zwar«« ärztliche Behandlung 22470119(19 014 248) M., aus Kranke" ■............. i � sichert zu haben: insbesondere zitterte man, als man daß ex alles Geld auf eine Karte sehe, indem er ganze BllS von Wahren anhäufte, olfne einen Reservefonds zu behalt� Nachdem sehr bedeutende Summe» auf die Baulich»«»»' verausgabt»varen, riskirte er das ganze noch verfügb" Kapital auf diese,» Ausverkauf; es hieß nunmehr: siege» � sterben. Er aber bewahrte»umitten dieser allgemeinen � stürzung seine triumphirende Heiterkeit, eine geivtffe Sicheriff der Millionen, als Mann, den die Frauen anbeten, ff; sich«-.»möglich täuschen kann. Als Bourdoncle sich erlauvs- seine Besorgnisse über die allzu große Dotation gewpl., Abtheilungen des Hauses zu äußern, deren Rentab»»� sich siioch nicht bewährt Hab«, lachte Mouret zuversichv«' und rief:. �, ist — Lassen Sic das gut sein, mein Lieber, das Haus noch immer zu klein.. s Der Andere war wie niedergeschmettert, von emer Ave erfaßt, die er aar»licht zu verberge» suchte. Das Hau»?, klein! Ei» Modcwaaren- Haus,»n»velchem es ncnüü� Abtheilm-.ge» gab und welches vierhundert und dreißig � gestellte zählte! f: — Gewiß, sagte Mouret, ehe anderthalb Jahre. gehen, werden wir genöthigt sein, da?.Haus zu veraröp»„ ch denk» ernstlich daran. Gestern Abend hat MaW. esforges mir versprochen, mich in ihren Salon? mit e»'> Herrn bekannt weiter darüber reis ist. zu machen sprechen, wenn Kurz, wir werden die Sache einmal spr von seinem Erstaunen erholen konnte. Mouret ergötzt« y immer an der Angst der klugen Leute, welche sein« � gebung bildeten. In einer jener plötzlichen Slmvandluuk von Freimnth, mit welchen er zuweilen seine Vertrag, verbliffstc, erklärte er, daß er im Grunde mehr als alle Juden der Welt; von seinem Vater, dem er pH und moralisch gleiche, habe er die Gabe geerbt, den VTj des Geldes zu schätzen; von seiner Mutter aber h� jenen Zug von nervöser Phantasie, die ihn sicher»nw � ?e!d. Unterstützung an Wöchnerinnen und Sterbegeld 32 440 879 (29 793 318) M. und Verpflegungskosten an Anstalten ö 650 468 <5 792 300)?'J?, Tie Aktiva aller Kassen am Jahresschluß betrugen 61 913 745»Ts?., darunter 48 959 207(1887 S8 521 638)®1, MM Reservefonds gehörig, die Passiva 1 943 764 M. Im Vergleich zur durchschnittlichen Mitglieder�hl des Jahres 1888, welche durch die Aufnahme von land- und fvrstwirthschaftlichen Arbeitern auf 5 393 478 gestiegen ist, war die Zahl der Erkran- kungen u. s. w. folgende: Es kamen auf ein Mitglied 0,3 Erkrankungsfälle, 5,5 Krankheitstage und 11,4 M. Krankheitskosten. Am ungünstigsten war das Ergebnis! bei den Bankrankenkassen, die auf 1 Mitglied 0,7 Erkrankungen, 8,3.Krankheitstage und 16,5 M. Krankheitskosten hatten. Bei den Betriebskranlenkassen betrugen die betreffenden Zahlen 0,3, 5,9 und 14,7, bei den Ortskrankenkassen 0,8, 5,3 und 10,5. Gest-rre!ch.Uttg»»v«. Die Unruhen in Wien sollen, wie es jetzt in liberalen Blättern heißt, antisemitischen Ursprungs sein. So schreibt der„Verl Börsen-Cour.":„Die Krawalle, deren Schau- platz Wien am Dienstag gewesen, haben am Mittwoch Vormittag eine Fortsetzung gehabt. In Neu-Lerchenfeld haben stch die Exzesse wiederholt. Die angesammelte Menge bewarf eine Brannt- wernschänke mit Steinen, doch kam es zu keinen ernstlichen Aus- schreltimgen. Zur Verhütung von solchen sind die umsaffendsien Sicherheitsmaßregcln getroffen worden. Die Straßen, in denen am Dienstag Nacht Krawalle ffalffanben. bieten ein Bild arger Verwüstung. Älastrüuimer bedeäen das Pffaster; dazwischen Uegen Viktnalien, zerbrochene Fenster u. s. w. Von den am Dienstag verhasteten 89 Personen sind die Mehrzahl czechische «chustergesellen. Sobald die Ausschreitungen begonnen hatten, traten streikende Maurer hinzu, und jugendliches Gesindel, von antiiemit,,chen Agitatoren gehetzt, ging zu Raub. Plünderungen und Brandstiftungen über. Die Verbrechen richteten sich vor- nehmnch gegen jüdische Bäcker. Die Lavenbesitzer wurden miß- handelt, später die Backstuben demolirt. Nur ein von einer Revolver- kngel verletzter Mann wurde in das Spital aufgenommen. Die Polizei forderte jedoch die Verwaltungen der Spitäler aus. alle diejenigen, welche wegen Schußivunden Ausnahme forderten, zur Anzeige zu bringen. Man schließt daraus, daß mehr Schüsse gefallen sind, als bisher angenouimen war. Viele Personen siiid durch Säbelhiebe verwundet worden� viele haben durch Steinwürfe Ver- letzungen erlitten. Die Polizei fand an den Thüren von Brannt« schänkern christlichen Bekenntnisses Zettel mit der Inschrift: „Christliche konzessionirte Branntweinschänk«." Diese Laden blieben von dem Pöbel verschont. Der Obmann der Drechsler- gehilfen veröffentlicht einen Aufruf an die Arbeiter, sie möchten den Krawallen fernbleiben, da derartige Ausschreitungen der Ar- betterschaft nur Schaden bringen können. Daß gerade der Ob- wang der Drechslergehilsen einen solchen Au-ruf erließ, erklärt I sich daraus, daß der erwähnte von einer Revolverkugel Verwun- l dcte ein Drcchslergchilfe- ist. Es muß übrigens hervorgehoben , werden, dag die Arbeiter. sich fast ausnahmslos den Krawallen fernhielten, daß sie namentlich an den Plün- derungen und Diebstählen keinerlei Mlheil haben".— lieber den W i e n e r Maurer streik schreibt die„Arbeiter- >'Zeitung": I.„Die tiefgehende, schon Monate hindurch andauernde und | aus eine Verbesserung ihrer Lage abzielende Beweg, mg unter den Maurern Wiens und der Vororte ist nun offen zum Ausbruch ge- , kommen. Seit Montag, den 31. März, resp. Dienstag, den 1. April d. I., stehen die Wiener Maurer, zirka 12 000 an der Zahl, im Streik. Die regellosen Zustände im Gewerbe überhaupt, die fast beispiellos elenden, niedrigen Löhne, die übermäßig lange Ar- beitszeit, die rohe Behandlung seitens der Poliere und ander- wcitige, sonst bei fast keinem Gewerbe mehr vorkommenden Miß- stände gestalteten die Lage der MaurergebÜfen zu einer schier un- erträglichen und mußten demzufolge dieselben, nothgedrungen Schritte zur Erlangung besserer Arbestsbedingunaen unternehmen. Bemerkt sei, daß der Lohn in den.allermeisten Fällen bei einer durchschnittliche,, 1 Sstssndiaea Arbeitszeit Ist.» höchstens Ist. 20 kr. per Tag nicht liberitieg. Vor einigen Wochen überreichte nun der Gehilfenausschuß 1 den Baumeistern in einer wohlbegründeten Eingabe die Forde- mnigen der Manrergehilfen und es wurde als Termin der Beantwortung der 19. März festgesetzt. Die Forderungen be- stehen wesentlich in folgendem: Zehnstündige Arbeitszeit inkl. Ruhepausen; Minimallohn von 2 st, täglich; Einhaltung der Sonntagsruhe; Abschaffung des Blechgeldes, sowie der 5kanlinemvirthschaft und Regelung der Ar- beitsverunttlung. Ans diese gewiß nicht übertriebenen, im Gcgenlheil sehr be- sche, denen Forderungen der Gehilfen wußten die Herren Bau- nmster nur mit Phrasen zu antworten, so z. B. wird in einer von den Baumeister» an den Wjenex Magistrat gerichteten Ein- gäbe als Antwort auf die Forderungen der Gehilfen u. A. ge- -sagt:„Daß zugegeben werden müsse, daß die Lage der Maurer» gehilfen eine bedauernSworthe sei, allein auch die Lage der Bau- | meister sei eine traurige. Schuld daran sei der schlechte Ge- schäftögang, die geringe Baulust u. s. w. und könne deshalb führen werde; denn er fühle in sich die unbezwingliche Kraft, I Astes zu wagen. .— Sie wissen ja, daß wir Ihnen folgen bis zu Ende, i schloß Bourdoncle. ( Bevor sie hinabginge», mn durch das Magazin den i üblichen Rundgang zn machen, ordneten sie noch gewisse i Details unter einander. Sie bcsichligten ein Muster von cineul Jllzieichest, welches Mouret erfunden hatte, um darin den Zerschleiß auszuzeichnen. Der Patron hatte nämlich die Wahrnehmung gemacht, 1 daß die ans der Mode geloinmencn Artikel, die sogcnannicn 'Ladenhüter, um so rascher abgesetzt wurden, je größer die I Verkaufsprovision war, welche er seinen Komniis bewilligte. Ans diese Wahrnehmung hatte er eine neue Art.von Geschäft »asirt. Er betheiligte künftig seine Kommis an dem Ver- -.kanfe sämmtlicher Artikel und gab ihnen Pcrzente für den kleinste» Stoffrest, für den geringsten Artikel, welchen sie ver- rauften. Diese Einrichtung hatte einen wahren Kampf um die i Elsten; unter dcn K mimis entwickelt, einen Kampf, welcher den Ecschäftseigenthümerii zugute kam. Dieser Kampf. »vurde künftig i» seinen Händen die Lieblingöformcl, das organisatorische Prinzip, welches er fernerhin unabänderlich in Anwendung brachte. Er liest alle Leidenschaften sich entfesseln, alle Kräfte sich in Bewegung setzen, er ließ die Kleinen von den Großen auffressen und befand sich sehr wohl bei dieseni Kampf der Interessen. Das Muster für das Juxteu-Heft ward für gut besnn- oen; auf jedem einzelnen abtrennbaren Blatte, so auch aus der �nrta befand sich oben die Bezeichnung der Geschäfts- abtherlung und die Rümmer des Verkäufers, dann ans beiden Seiten Rnbrikcn für die Meterzahl, für die Gattung der Artikel und fiir die Preise; der Verkäufer hatte ganz einfach das Blatt zu unterzeichnen, bevor er es an der Kasse abgab. In dieser Weise war die Kontrole sehr einfach, es genügte, die an der Kaste abgegebenen Noten mit den in den Händen der Komniis zurückbleibenden Juxten zn ver- gleichen. Die Kommis konnten jede Woche ihre Provisionen beheben. Ein Jrrthnm war unmöglich. — Wir werden weniger bestohlen werden, bemerkte keine einzige der Forderungen der Gehilfen berücksichtigt werden." Als nun in einer am 30. März stattgefundenen, massenhaft besuchten Gehilfenversammlimg diese Antwort bekannt wurde, waren sich die Gehilfen klar, daß es nun nichts niehr gebe als das letzte, verweiflungsvollste Mittel, den Streik, und wie aus einen, Munde ertönte es aus all den taufenden von Kehlen: Wir streiken. Montag, den 31. März, wurden diese Worte bereits zur That gemacht. Auf fast sämmtlichen Baustellen wurde die Arbeit niedergelegt und nur auf zehn wurde noch Montag gearbeitet, aber auch hier am Dienstag Vormittag die Arbeit eingestellt. Den Wiener Maurern schlössen sich auch die in den um- liegenden Ortschaften, wie Hütteldorf, Lainz, Speising, Hietzing u. s. w. an. Eine fast ebenso große Zahl, wie die der Maurer, von Tagelöhnern n. s, w. ist infolge der Arbeitseinstellung ge- nvthigt zu feiern, so daß sich die Zahl der Ausständigen auf nahezu 25000 belauft. Rechnet man noch hinzu die Frauen und Kinder der Streikenden, so ergiebt sich eine Masse von gering geschätzt 45—50 000 Menschen, die unter der starren Unnachgiebig- keit der Baumeister zu leiden haben. Das Verhalten der Streikenden selbst ist ein, mit wenigen Msnahmen, musterhaftes. Bei dem leider geringen Bildungs- grade eines großen Theiles der Maurerschaft, bei der Ver- bitterung, die unter den Leuten infolge des geringen, fast gänzlich inanaelnden Entgegenkommens seitens der Unternehmer, einzelner Behörden u. s. w. Platz griff, ist es begreiflich, wenn es«b und zu zn gewiß bedauerlichen Äusschreitimgen kam. Tie bisher mit dem Genoffeuschafts-Vorstande geführten Ver- Handlungen sührieu zu keinem Resultat. Einerseits will man die in der Gehiisenversammluug gewählte Lohnkommission der Gehilfen seitens der Baumeister nicht anerkennen, andererseits behaupten die Unternehmer, absolnt außer Stande zu sein, auch nur ein Jota von dem Geforderten bewilligen zu können. Trotzdem sind aber die Ansstchten der Gehilfen die besten, das schöne Wetter zu Beginn der Bausaison ist ein wirkungsvoller Bundesgenosse der Ausständigen. Wenn nun die Maurer in zäher Ausdauer ausharren, fest und energisch, dabei aber ruhig und besonnen ihre Forderungen vertreten, ist der Sieg der ihre. Beim M a u r e r st r e i k nimuit die Polizei wieder einmal eine ganz andere Haltung wie beiui Drechslerstreik ein, d. h. sie sorgt für„Ruhe und Ordnung"— wie gewöhnlich. Wir wollen die Haltung der Schuhleute bei den wenigen am ersten Tage des Streiks vorgefallenen„Ausschreitungen" gar nicht untersuchen, aber merk'.vürdig, höchst merkwürdig ist schon folgendes: Eine Versammlung, welche am Dienstag, oen 1, April, stattfinden sollte, wurde verboten, weil sie einige Stunden zu spät an- gezeigt worden war. Daraufhin begab sich eine Deputation der streikenden Maurer zum Polizeipräsidenten Baron Krauß, wurde aber von letzterem nicht empsangen. Dagegen wurde die Dcpu- tation vom Vorstande des polizeilichen Bureaus für Vereins- und Verstimmlungs-Angelegenheiten empfangen, welcher erklärte, daß die geplante Versammlung der Streikenden nicht abgehalten wer- den dürfe. Daraufhin gab die Deputation die Erklärung ab, daß die Führer der Bewegung unter solchen Umständen die Verantwortung für etwaige Exzesse entschieden ablehnen müßten und für nichts bürgen könnten. . Was erwiderte der Polizeibeamte darauf:„Dafür sind schon wir da; wir werden schon für die Ausrechrerhaltuiig der Ruhe zu sorgen wissen." Meist ist Jedermann sroh, wenn man ihm eine Sorge und eine Verantwortung abnimmt, aber die Polizei will wieder voll des edelsten Diensteifers alles selbst besorgen. Es wird sicher nicht ihr Verdienst sein, wenn sie nichts dabei verdirbt. Die Maurer gehen geradezu staunens, verth ruhig und besonnen vor; am zweiten Tage kam keine einzige Ruhestörung mehr vor und die Polizei kam nicht dazu, für die„Aufrechterhaltung der Ruhe zu sorgen". Selbst das Bersainmlungsverbm nahmen die Maurer ganz ruhig hin und zogen, nachdem sie von demselben nicht recht- zeitig verständigt werden konnten und deshalb in einer Anzahl von nahezu 10 000 Man» erschienen waren, ruhig ab, so daß die Zeitungen melden konnten, selbst der Oberkommiffär Müller habe 'ich„anerkennend über die Ruhe ausgesprochen, welche die Gehilsen an den Tag gelegt". Frankreich» Der M i n, st e r r a t h besprach die bevorstehenden Pariser Gemeinderathswahlen, verschob aber die endgiltige Festsetzung des Tages, an welchem dieselben stattfinden sollen, ans Donnerstag, damit Herr Coiistans inzwischen sich noch über einige Einzel- heilen genauer unterrichten kann; man nimmt indessen an, daß die Wahlen schon am 27. d. M. stattfinden werden. Man beschäftigt sich bereits auf der Sein epräfektnr mit den bevorstehenden Pariser Gemeinderaths- wählen. Die 20 Stadtbezirke wählen 80 und die Bannmeile 8 Gcineinderäthe. Die Zahl der Kandidaten beläuft sich dem „Rappel" zusolge auf fast 900. Die bei den Kaminenvahlen im letzten September angewandte Eintheilung in Abstimmungs- bezirke ivird beibehalten werde», Paris wird in 320, die Bann- meile in 116 Bezirke zerlegt werden. Man richtet schon das nöthige Bourdoncle im Tone der Zufriedenheit;«s war eine ausge- zeichnete Idee von Ihnen. — Ich habe diese Nacht noch an ganz andere Dinge gedacht, sagte Mouret. Ja, mein Lieber, diese Nacht beim Souper... Ich hätte Lust, den Peamten unseres Ver- vechuuNgZ-V litcaus eine Prämie für jeden Felzler zu be- willigen, den sie in den Verschleißhosten entdecken wür- dcn. Da sind wir sicher, daß sie die Hefte genau durchsehen werden. Und tr' lachte, wahrend der Andere ihm mit einer Miene der Beivuuderung anblickte. Diese neue Ausnutzung des Kampfes um die Existenz entzückte ihn. — Nun tvollen wir hinabgehen, sprach Mouret. Wir müssen uns mit dem Ausverkauf beschäftigen. Die Seiden sind gestern angekomnieu, wie? und Bouthemont muß jetzt bei der Uebernahme sein. Bourdoncle folgte ihm. Die UebcrnahmSabtheilung lag im Keller, auf der Seite der Rue Ncuve-Saint-Augustin. tier öffnete sich auf die Straße ein mit Scheiben versehener erschlag, wo die Streiswagen die Waarcn abluden. Diese wurden gewogen und dann auf einer Rutsche hinunterspedirt, deren Holz- und Eisentheile von den Ballen und Kisten, die sich daran rieben, hellglänzend geworden waren. Alles nahm seinen Weg durch diesen klaffenden Schlund; eS war ein imuntcrbrochencS Vcrschlingeil, ein Regen von Stoffen, der mit dem Geräusch eines Flusses niederfiel. Besonders zur Zeit der Ausverkäufe spie die Rutsche eine uuerschöpfliche Fluth in die. Kellerräunie aus: Lyoner Seiden, englische Wollstoffe, flandrische Leinen, Elsässer Calicots, Rouencr Kattnue; zuweilen standen die Streiftvagen in einer langen Zeile hintereinander; die hinabrolleuden Ballen verursachten da unten ein dumpfes Geräusch, wie ein schwerer Stem, der in ein tiefes Wasser geworfen wird. Mouret blieb einen Augenblick bei der Rutsche stehen; sie war eben in voller Tliätigkeit; lange Reihen von Kisten kamen herab, man sah die Hände nicht, die sie oben hinab- 9 leiten ließen; dann kamen Ballen rollend herab wie sseselsteine, die fortgeschleudert werden. Mouret schaute schweigend zu. Er sagte nichts, aber dieser Regen von Waarm, der jeden Augenblick tausende von Franks bei ihm Material her, um die Wahllokale einzurichten, und sucht da? nöthige Beamtenpersonal für die Wahlen zusammen zu bringen. Tie Kosten werden sich auf 170 000 Frks. belaufen. Diejenigen revisionistischen Kandidaten, welche die Zustimmung des boulan- gistischen Komitees nicht gefunden haben, sind sehr unzufrieden und erhalten ihre Bewerbung auch gegen den Willen des Generals B o u l a n g e r aufrecht. Das größte Mißfallen erregt die Auf- stellung des schon zwei Mal bei den Kammerwahlen durch- gefallenen Dr. Lusini gegen den äußerst volksthümlichen Dr. L u n e l in C l i g n a n e o u r t.— Die„Justice" ist der Ansicht, daß, wenn sich auch bei der großen Zahl von Kandidaten die republikanischen Stimmen auf verschiedene Namen zer- splitterten, sie sich doch beim zweiten Wahlgang, ob sie nun den Gemäßigten, Radikalen, Opporttmisten oder Kollektivisten angehören, um Den schaaren werden, der bestimmt ist, die Fahne der siegreichen Republik zu tragen. Kelgke». Brüssel, 7. April. Die Kochburg des belgischen Ultra- montanismus, das kirchenreiche Löwen, beherbergte gestern und heute den Kongreß der belgischen Arbeiterpartei. Herr Defnet, Mitglied des kürzlich gegründeten Hauptausschusses der Arbeiter- Partei, berichtete über den Fortgang der Arbeiten und über die erreichten Erfolge. Wir entnehmen dem Berichte das Folgende: Die belgische Arbeiterpartei hat an mehreren internationalm Kongressen theilgenominen; in Paris war Belgien durch 24 Abgesandte vertreten. Diesen Kongreß, auf welchem die internationale Kundgebung kür dcn achtstündigen Arbeitstag beschlossen wurde und der auch sonst gute Ergebnisse aufzuweisen hatte, bezeichnet der Referent als mittelbare Ursache der Erlasse des deutschen Kaisers und der Berliner Konserenz. Ein anderer internationaler Kongreß zu Paris, jener der Bergleute, beschloß die internationale Zusammenkunft zu Jolimont, welche in diesem Sommer stattstnden wird. In Jolimont wird die Verschmelzung des belgischen und des internationalen Bergmannsbundes sich vollziehen. Im nach- sten Jahre sol» ein abermaliger internationaler Arbeiterkongreft in Belgien stattfinden, und man hofft auf diesem die Einigung aller jetzt bestehenden sozialistischen Fraktionen zu erzielen. Der Bericht beklagt, daß dieser engeren Verbindung hier in Belgien selbst die in der. Gegend von Charlero, sehr zahlreiche Partei der „Ritter der Arbeit" widerstrebt, welche bei Streikanläsien mehr- fach ihre Genossen im Stich gelassen hätte, und spricht den Wunsch aus, daß diese der Allgemeinheit schädliche Haltung aufgegeben iverde. Die einzelnen sozialistischen Vereine des Landes haben sämmtlich Fortschritts auszuiveisen. zahlreiche neue Vereinigungen haben sich gebildet und sind stetig im Wachsen vegriffen. Sozia- listische Stutentenvereine bestehen zur Zeit in Gent und Brüssel. Von diesen Lokal-Vereinen gingen die zahlreichen Kundgebungen aus für das allgemeine Stimmrecht, für Abänderung des Wehr- gesetzes und für die Streikbewegung in verschiedenen Theilen des Landes. Besondere Erfolge haben die bestehenden Koope- rativ-Vereine auszuweisen, welche sich ebenfalls um einige ver- mehrt haben. So haben die Cigarrenarbeiter in Antwerpen und Gent, sowie die Schlosser in Brüssel neue Genossenschaften ge- gründet. Die hiesige Genoffenschast„Maison du Fonple" zählte im Jahre 1883 nur 109 Mitglieder; heute beträgt die Mitglieder- zahl 3911. Ter jährliche Umsatz beträgt 3 300 000 Frks. Der Bericht spricht den Wunsch aus nach Vereinigung säinmtlicher Genossenschaften. An internationalen Kundgebungen betheiligte sich die belgische Arbeiterpartei mehrmals; sie unterstützte die Londoner Dockarbeiter, zahlte einen Beitrag von mehreren tausend Franken für die Wahlkasse der deutschen Sozialisten und sandte am 18. März einen Kranz für die 1871 erschossenen Föderirten auf dem Päre Lachaise. Unter lautem Beifall sprach der Referent zum Schlüsse dem durch sein uneigennütziges Wirken. für den Sozialismus beka, inten Gelehrten Dr. Cäsar de Paepe den Dank der Arbeiterpartei Belgiens aus und thcilte den Beschluß des Hauptausschusses mit, den? durch!stankyelt schwer heimgesuchten Mann seine Thätigkeit zu erleichtern durch eine jährliche Unterstützung für eine Reise nach dem Süden. Der Vorsitzende verlas sodann eine Adresse an die deutschen So- zialisten folgenden Wortlautes:„Die zum Kongresse in Loewen vereinigte belgische Arbeiterpartei schickt zum Ausdrucke der mter- nationalen Zusammengehörigkeit aller Arbeiter der deutschen sozial- demokratischen Parte, ihre Glückwünsche zu ihrem neulichen Wahl- siege und zu ihrer erfolgreichen Propaganda." In der heutigen Sitzung wurden folgende Beschlüsse verlesen: 1) Am 1. Mar findet eine allgemeine Kundgebung statt für den achtstündigen Arbeitstag. 2) Die allgemeine nationale Arbeiter-Kundgebyng, welche gewöhnlich am 25. Juni stattfindet, ist wegen der Jum- wählen auf den 10. August ds. Js. verschoben. 3) Statt der all- gemeinen Streikkasse haben die einzelnen Geiverkvereine je nach Bedürfniß Streikkassen zu gründen, für welche der wöchentliche Beitrag einen Centime beträgt. 4) Ein Kongreß der Unter- stützungskassen hat am 25. Mai dieses Jahres stattzufinden. 5) Die Arbeiterpartei wird bei den Wahlen im Juni möglichst eigene Kandidaten aufstellen und. wo dies nicht thunlich erscheint. ölche Kandidaten wählen, welche für das Programm der Partei timmen wollen. 6) In den Hauptausschuß werden abermals echs Vertreter gewählt, darunter Volders, Verrijken, Defnet and Bertrand. 7) Sämmtliche Genossenschaften steuern 5pCt. ihrer niederfallen ließ, entzündete einen rasch, vorübergehenden Blick in seinen lebhaften Augen. Noch nie hatte er das Bewußtsein des Kampfes, den er aufgenommen, so klar cMpscmden. Es handelte sich darum, diese Fluth von Waaren nach allen Ecken und Enden von Paris zu schleudern. Mouret setzte seinen Rundgang fort. In dem Zivie- lichte, das durch die breiten Kellcrfeuster hereinfiel, war eine Gruppe von Mäimern damit beschäftigt, die herabgleiteudcu Waaren aufzufangen, eine andere Gruppe hatte die Auf- gäbe, unter der Aufsicht des AbtheilunaLchefS die Kisten aufzunageln, die Ballen zu öffnen. Das lebenvige Treiben einer Werkstätte erfüllte diesen unterirdischeil Raum, dessen Wölbung ans gußeisernen Säulen ruhte und dessen nackte Mattern nicht den geringsten Fleck von Feuchtigkeit zeigten. — Ist alles da, Bouthemont? fragte Mouret einen kräftig gebauten jungen Mann, der eben damit beschäftigt war, den Jnhalc einer Kiste festzustellen. — Es ivird wohl alles angekommen sein, erwiderte Bouthemont. Ich iverde den ganzen Vormittag mit der Uebernahme vollauf zu thun haben. Vor einem Pulte stehend, blickte der Abtheilunaschcs in die Faktura, während einer seiner Verkäufer Stück für Stück die Seiden aus der Kiste nahm und auf das Pult hinlegte. An dieses Pult reihten stch noch andere Pulte,<"mnitlich voll angehäuft mit Waaren, die von einem Heer von Kommis geprüft wurden. Es gab da inmitten eines Ge- summes von Stoffen, die hin- und herg lvcndct, geprüft, untersucht und schließlich markirt wurden. Bouthemont, in seinem Fache eine Berühmtheit, hatte ein rundes, gutmüthigcS Gevattergestcht, pechschwarzen Bart und schöne braune Augen. Er war aus Montpellier, ein lebenslustiger Mensch, etwas prahlerisch, für den Verkauf nicht sonderlich zu verwenden, dagegen für den Einkauf nn- bezahlbar. Sein Vater, der in Montpellier ein Modewaarcn- Geschäft führte, hatte ihn nach Paris gesandt, damit er ettvaS Rechtes lerne. (Fortsetzung folgt.) Einnahmen zur Unterstützung der täglich erscheinenden sozialistischen Blätter bei. 8) Die Partei wird alles aufbieten, um in die Ar- beiter-Si S) Die bei den Wahlen Genossen zu bringen. �ossenschaften halten am 15. August einen allgemeinen Kongreß ab. 10) Die Arbeiterpartei ersucht alle Bergleute, sich auf dein Kongresse in Joliinont vertreten zu lassen. 11) Die junge sozialistische Garde wird ihre Berichte im„Peuple" veröffentlichen. 12) Der nächste Jahreskongreß wird in Verviers abgehalten. 18) Die Schaffung eines Kooperativ-Ateliers wird den Genossenschaften anheimgegeben. 14) Der Kongreß betrachtet das� Gesetz der belgischen Kammer vom 16. Januar und betreffend die Schaffung einer Kasse für die Invaliden der Arbeit nur als eine Schmeichelei für den König und zugleich als eine Täuschung der Arbeiter und verlangt vom Staate die obligato- rische Unfallversicherung, deren Kosten die Industriellen zu tragen haben. Vortttgal. Das portugiesische Ministerium hat seinen Sieg bei den letzten Wahlen rasch dazu benutzt, die Zügel der Regie- rung viel straffer anzuziehen, als man in Portugal seither ge- wohnt war. Das Amtsblatt vom Montag hat nämlich eine Reihe einschneidender Dekrete veröffentlicht, von denen das eine die Preßfreiheit zwar garantirt, dieselbe zugleich aber nach dem Muster des kürzlich vom französischen Senat angenommenen Ent- wuiffs beschränkt; dieses Dekret ist sofort in Kraft getreten. Weitere Dekrete verbessern die Rechtspflege, insbesondere auf dem Gebiete der Strafjustiz, regeln das Vereins- und Versammlungs- recht und geben den Behörden die Vollmacht, Theatervorstellungen zu verbieten, in welchen die Einrichtungen des Landes oder Per- sonen angegriffen werden. Ueber alle Theaterinstitute wird im Anschluß daran eine Oberaufsicht geschaffen, die aus den lokalen Behörden und zugezogenen literarischen Persönlich- leiten besteht. Ein anderes Dekret erklärt das Amt des Ministers mit dem eines Direktors oder Verwallungsrathes von Finanz- oder anderen Gesellschaften, die vom Staate abhängig sind, für unvereinbar. An der Spitze der getroffenen Maßregeln steht ein Dekret, durch welches ein besonderes Ministerium des Unterrichts und der schönen Künste geschaffen wird; an die Spitze desselben tritt der bisherige Kolonialminister Arroyo, der als solcher durch Senhor Jnlio Vilhena ersetzt wird. Alle diese Dekrete, zu denen noch eine den ain 19. April zusammentretenden Kortes vorzulegende Reform des Heeres- und Marine- wesens angekündigt wird, sind von ungleichein Werthe. Die einen schränken die öffentlichen Freiheiten bedeutend ein, die andern, namentlich die Besserung der Rechtspflege und die Schaffung eines besonderen Nntcrrichtsministerimns, bahnen wirkliche Fort- schritte an. Es ivird behauptet, am Erlaß der Dekrete habe einen hervorragenden Antheil der König genommen, der entschlossen sei, der Regierung eine bestinimte und den Bedürfnissen des ganzen Landes entsprechende Richtung zu geben; namentlich liege ihm die Hebung des Volksunterrichts am Herzen. Das geschehe im bewußten Gegensatze zu dein System seines Vorgängers Dom Luiz, der Alles gehen ließ, wie es eben ging, und sich stets der Leitmiz seiner Ministerien anvertraute, die auch nicht iminer recht wußten, wo sie hinauswollten. Im Publikum haben die Dekrete begriff' sicher Weise großes Äuffehen erregt, Widerstand gegen ihre Durch' füyrung werden sie wohl nirgends zu befürchten haben, nachdwi die Regierung in den letzten Wahlen für Alles was sie thut, i» Voraus Recht bekommen hat. Amerika. Der 1. Mai wird auch in Argentinien festlich begangen werden, wie wir aus dem in Buenos Ayres erscheinenden„Vor- wärts" ersehen. Wir lesen da:„In dem Verein ,, Vorwärts wurde am letzten Sonnabend über die Feier des 1. Mai verhandelt und einstimmig eine Resolution angenommen, wonach sich del Verein verpflichtet, soweit seine Kräfte dazu ausreichen, für eine würdige Feier des vom internationalen Arbeiterkongreß in Paris für die ganze zivilisirte Welt festgesetzten Arbeiter-Propaaanda- tages am 1. Mai einzustehen. Es wurde zu diesem Zwecke ein« �«...---.«-t— Po Kommission eingesetzt, welche sämmtlichen Vorstände» der Gewerkschaften und Arbeitervereine in Verbindung setzen soll, zur Mitwirkung ihrer Vereins-, Berufs- und Spracd en.'Die Propaganda soll pch erstrecken an! er Achtstunden-Arbeitszeit, durch öffentlich« Versammlungen, Flugblätter und Benutzung der Presse*c." um diese zur genossen zü veranlassen. Die die Popularisirung d Theater. Freitag, den 11. April. Opernhaus. Fra Diavolo, oder: Das Gasthaus zu Terracina. f chauspielhan». Der Sturm. efstng-Thrater. Juliette. Vorher: Trudel's Ball. Aerliner Theater. Wallenstein's Tod. Deutsches Theater. König Midas. Kriedrrch-Milhelmllädt. Theater. Der arme Jonathan. Mallner-Theater. Die Bajadere. Vorher: Im Spätsommer. Niktoria-Theater. Stanley in Afrika Ostend-Theater. Die Geheimnisse von New-Iork oder: Madeline's Dämon. Desidrnz-Theater. Marquise. Oelleallianr«- Theater. Der Nau- tilnS. Central- Theater. Ein sideles Haus. Adolf Ernst> Theater. Der Gold fuchs. Theater der Ueichshallen. Speziali- tätenvorstellung. Gedr. Richter'« Karißtß. Speziali- täten-Vorstellung. Kaufmann s Uarißtt. Spezialitäten- Vorstellung. Englischer Garten Direktton: C. Anctresa, Alexander- Auftreten des �esangshumoristen Herrn jung. Auftreten der deutsch- schwedischen Chansonnette Fräulein Tonny Peters. Auftreten der vorzüglich. Liedersängerin Frl. Wargarethe Steinosr. ■eu 1 1 Auftreten des Jnstrumental- und Gesangs-Terzetts(3 Damen) Geschwister Saweaa. Auftreten der beliebten Duettisten Se- schwister Körnig. Anfang Wochentags 8 Uhr. Entree 30, BO u. 75 Pf., ,m Vorverkauf 20 it. 30 Pf. Sonntags Anfang halb 6 Uhr. 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Ten Mitgliedern zur Nachricht, daß der freiwillige Arbeitsnachweis der Putzer xon der Brauerei Pfefferberg nach der Brauerei Königstadt(früher Wagner) verlegt ist, da die alten Räume auf„Pfefferberg" zum Arbeitsnachtveis nicht mehr genügen und die neuerbauten uns dazu verweigert werden. D. O. Bereis zur Kshrusg der mt Zstereses der Atlntcher und Verusspsp Berlins und Umgegend. Am Sonntag, den 13. d. M., Vorm. 11 Uhr, in Scheffer'L Salon, Jnselstr. 10: Mglickr-BttsMUlW. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Herrn Fr. Zubeil über: Die gewerkschaftliche Bewegung mit be- sonderer Berücksichtigung ihrerVortheile. 2. Abrechnung vom 1. Quartal 1890. 3. Vereinsangelegenheiten, Verschiedenes und Fragekasten. Um pünktliches Erscheinen bittet 832 Der Vorstand. FchMis ssr 0#(# vnd MWmbmrbeiter Berlins und Umgegend. Sonnabend, de» IS. April, Abends 6>/2 Uhr, in Vetziitz' Salon, Sergstr. IS: Gr. Versammlung. Tages-Ordmmg: 1 Vortrag des Herrn Peus über: Selbststündige Ueberzeugüng, die Grund- läge aller Wahrheit. 2. Ausnahme neuer Mitglieder und Entrichtung der Bei- träge. 3.'Anträge. 4. Ersatzwahl der Arbeitsnachweis-Kommission. 5. Verschiedenes und Fragekasten. Um zahlreiches Erscheinen ersucht Der Vorstand. 828 Btrblüld dentscher Zimlserleute Lokalverb. Berlin. Freitag, den 11. April, in Jordan's Salon, Nene Grttnstr. 28 Abends 8V2 Uhr: Generalversammlung. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Herrn Stadtv. Hein- dorf über Gewcrbe-Schiedsgerichte. 2. Delegirtenwahl und Anträge zum diesjährigen Handwerkertag. 790 3..Verschiedenes und Fragekasten. Es ist Pflicht eines jeden Mitgliedes, zu erscheinen. Der U-rstand. am Montag, den 11. April, Abends 8V2 Uhr im Saale der Tivoli-Brauerei, Kreuzberg« Tages-Ordnung: 1. Vortrag über„Was soll am 1. Mai geschehen"? Referent W. Schweitzer. 2. Diskussion. 3. Der 1. Mai und die Presse. in 4. Verschiedenes. 842 Um zahlreiches Erscheinen wird ersucht. Zur Deckung der Unkosten findet eine Tellersammlung statt. Der Einberufer. Verband deutscher Zimmerleute Lokalverband Rixdorf, Britz und Umgegend« S-nutaa. d. 13. April 1890, D-rm. 11 Uhr. 1« Saal« des Kernt Kummer, Kirdorf» K erlitterstraffe 136» Genera I-Wepsaaiimiungs Tages-Ordnung: 1. Wahl des Gcsammt-Vorstandes. 2. Weitere Regelung des Lokal« Verbandes. 3. Verschiedenes. Aufnahme neuer Mitglieder. Gäste haben Zutritt. 338 Der Einbernfer. Allgemeiner Metallarbeiter-Verein Berlins und Umgegend. Sonntag, den 13. April, Vormittags 10 /e Uhr, Im KSnigstadt' Kasino, Holzmarktstrasse Mo. 72 1 Ordentliche General-Bersauunlung.% Tages-Ordnung: 1. Rechnungslegung des Kasstrers. 2. Anträge des Vorstandes. 8. wP gänzmigswahl der Kommissionen. 4. Verschiedenes. Mitgliedsbuch�legitimirt. Der wichttgen Tagesordnung wegen ist# Pflicht sämmtlicher Mitglieder, zu erscheinen. 841 Der Vorstand. Achtung! Modelltischler! Achtung! »Ä&V fmmirtif n# MriM«.. Treffpunkt: Morgens 6Vs Uhr Bahnhof Friedrichstraße, Breslauerstraße 2' bei Tempel u. Schles. Bahnhof. Für Rachzügkr'ABrauerei in Friedrichshagen Zahlreiche Betheiligung erwünscht. Gäste willkommen! NB. Die 95| plante Bepchttgung der Gladenbecfschen Kunstgießerei kann wahrscheinlich map stattfinden. 638 Verein der Modelltischler Berlins und Umgegend. Montag, den 14. April, Abend« 8 Uhr, im Medding-Restanrattt, Zilii II er straff- 178: Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Vorlesung: Das Verhältniß des Freidenkerthuml um Sozialismus. 2. Vierteljahresbericht. 8. Vereinsangelegenheiten. 4. W iedenes und Fragekasten. Grosse öffentliche Sleinbildhauei*- Versammlung am Freitag, den 11. April, 7* bei Müller, Johannisstraffe 20, Abends 8V2 Uhr, Tages- Ordnung: 1. Bericht der Kommission. 2. Diskussioll- 3. Verschiedenes. Jeder Meister, welcher Steinbildhauer beschäftigt, wird hiermit ei»' geladen.. Die Kommisston. � Achtung! Rohrleger! Die Mitglieder, welche über sechs lochen mit ihren Keiträgen im . üchstand sind, haben keinen An- sprach auf die Metallarbeiter-Zeitung. 826 Der Vorstand. Cevtrlll-Kmkeil- v.SterbtW der Töpser v. s. lv. Oertliche Verwaltung Berlin. Diejenigen Mitglieder, welche am 1. April d. Js. thre Wohnung ge- wechselt haben, jedoch noch nicht angc- meldet, fordere ich dringend auf, selbige bei mir anzumelden, um Unregelmäßigkeiten zu vermeiden. Ich mache speziell auf 2. Nachtrag Art. II, Absatz I unseres Statuts aufmerksam. 337 Entil Vlendschiaa, Kassirer, Straße 7b Nr. 2. Soeben erschien Der m# Zacob Nr. 97. durch die Expedition, Zu bezichen Beuthstraße 3. Vereill der Filzschllh-Arbeitek und Vernfosrnosfen. Sonnabend, den 12. April, Abends SVa Uhr bei Zemter, Münzstraße Nr. IM Versammlung� Tagesordnung: ,. 1. Vortrag des Herrn Max Baginsu über„Kapital und Arbeit." 2. Diskussion. 8. Der Streik in der Fabrik vo» Silberstein und Landsberger. 4. Verschiedenes. 833 Der Vorstand. SßmltWlllf Goldschmidt, JlUljlllllIll Spandauerbrücke 6, am hiesigen Platze bekanntlich GrLsste Auswahl. Garantirt sicher brennende «BW Tabake."WZ Streng reelle Bedienung, billigst« Preise! Sämmtliche im Hanvel befindlichen Rohtabake sinb am 1653 Lager. A. Goldschmidt, Spandanerbr. 6, am Hacke'schen Markt. Meinen werthen Kunden, sowie cßfi Freunden und Genossen zur NachrW' daß ich meine Wohnung am 1. Ap�i d. I. von der Kl. Andreasstt. 3«u« Landwehrstr. 42 verlegt habe. B. Butziger, Tapezier, 791 Landwehrstr. 42. Verantwortlicher Redakteur:(Cttrt Kaake in Berlin. Druck und Verlag von Mar Kading in Berlin 8W„ Beuthstraße 2.-«Ur;« eine Keilag� Nr. 84, Freitag, den 11. April 1890. V. Jahrg. Motnnrunslss. Stadtverordnete»»Uersammluug. Sitzung vom Donnerstag, den 10. April. Der Stadtverordneten-Vorsteher, Stadtv. Dr. Stryck, er- öffnet die Sitzung ,m> SV« Uhr mit einer Reihe geschäftlicher Mrühellungen. Erster Gegenstand der Tagesordnung ist die Berichterstattung über die Petition der freireligiösen Gemeinde nm Ucberlassung von(4) Schulräumen(im Norden, Süden, Ölten und Westen) zum Religionsunterricht(Mittwoch und Sonn- fn vÄ?0n SVe— 41/2 UHi) der Gemeinde und Bewilligung eines Geldbetrages(jährlich 8000 M.) für dieselbe. Folgende Anträge sind eingelansen: I. Wir beantragen, die Versammlung wolle beschließen, (entgegen dem Vorschlage des Petitionsausschusses) die Petition der freircligiöscn Gemeinde(ad 1), ihr Schillräume zur Erthei- tung des Religionsunterrichtes zu überlassen, dem Magistrat zur schleunigen Berücksichtigung zu überweisen. Vogtherr. �ubeis. T u tz a u e r. H e r z s e l d. Tempel. Gnadt. Stadthagen. Klein. Heindorf. II- Tie geehrte Vcrsaniinlung wolle beschließen, den Ma- gistrat zu ersuchen, der freien Gemeinde Schulräunie zur Erthei- lung des Religionsunterrichtes für ihre Kinder zu bewilligen, wenn derselbe von Lehrern ertheilt wird, welche das Bc- sähigungsattest und den Unterrichts-Erlaubnißschein beigebracht haben. Wunder. Bulle. Baumgarten. Michelet. L o e w e l. III. Die Ueberweisung der Petition soweit dieselbe die �>er- gäbe von Schulränmen betrifft, an den Magistrat zur Berück- s i ch t i g u n g beantragen die Stadtv. Dr. F r i e d e m a n n und Genossen(32 Unterschriften). Der Verichterstatter des Ausschusses, Stadtv. Sieb mann, beantragt über die Petition den Uebcrgang zur Tagesordnung. Ter Magistrat habe den Peteuten einen ablehnenden Bescheid zu- kommen lassen mit der Begründung, daß die Stadtgemeinde keine Verpflichtung habe, für den Religionsunterricht aller aus der Kirche ausgeschiedenen freien Gemeinden zu sorgen. Dieser Ansicht vflichte der Ausschuß bei. Schon einmal habe die Angelegenheit die Versammlung beschäftigt, und damals sei nian zur Ablehnung gekommen. Derselbe Vorstand wende sich an die Gemeinde, der trotz alle dein, was der frühere Stadtverordnete Kunert in religiöser und politischer Beziehuug zu vielfachem iilergerniß ge- äußert, an Kunert solange festhielt, bis Kunert vom Polizeipräsidium mit Geldstrafe bedroht wurde, wenn er den Unterricht nicht aufgebe und seine Stelle allein niederlegt. Ja der Vorstand erklärt sich in seiner Petition vollständig einverstanden nnt den Worten Kunert's: Wir fürchten weder Gott, noch irgend etwas anderes, und er fügt in anerkennenswerther Offenheit hinzu, daß die sreireligwse Gemeinde nicht an Gott glaube. Deshalb nimmt der Ausschuß an, daß der Unterricht nach wie vor dort im Kunert'scheu Geiste ertheilt wird. Von der Gemeindeverwaltung Berlins können aber nur gute Sachen gefördert werden. Da es zweifellos keine gute Sache ist, wenn die zarte Jugend zur Gottes- leugnung und Atheismus erzogen wird, so kann keine Unterstützung gewährt werden, wenn man sich nicht mitschuldig machen will. Unterstützt man die freireligiöse Gemeinde, dann können auch andere Religionssekten, wie die Baptisten, die Menoniten, die Jrwingianer, die Methodisten kommen und gleiche Forderung ver- langen. Stadtv. V o g t h e r r: Seitdem die Angelegenheit das letzte Mal die Versammlung beschäftigte, ist ein Jahr verflossen. Ich hatte gehofft, daß diejenigen, die vor einem Jahr gegen den Antrag sprachen, die Gemeinde-Schulräume zuüberlajsen, daß diese— und der Herr Berichterstatter ist einbegriffen— sich während dieses Jahres mit den Bestrebungen der freireligiösen Gemeinde bekannt gemacht hätten. Leider hat der Herr Berichterstatter diese Hoff- nung nicht erfüllt. Es sind dieselben Gründe, die er heute an- führt, und die vor einen» Jahre angeführt wurden und deren Nichtigkeit in allen Punkte» nachgewiesen wurde. Es gereicht dem Herrn Berichterstatter auch nicht zun» Ruhme, daß er an- führte, es ist noch derselbe Vorstand un Amte, der vor einein Jahre anitirte. Hoffentlich will der Herr Berichterstatter nicht erst den Vorstand zerschmettern, ehe er der Gemeinde die gewünschte Wohlthat zu Theil werden läßt. Doch dazu hat der Herr Berichterstatter kein Recht. Ter Herr Vorredner hat mit ziemlich denselben Worten gesagt, die Gemeinde ist ebenso ge- sährlich, wie früher. Ich will nicht darauf eingehen, die von Jrrthümern strotzenden Ausführungen des Berichterstatters zu widerlegen; dazu gehört mehr Zeit, mehr Material, als äugen- blicklich zu Gebote steht. Der Berichterstatter hat den Geist Kunert's wieder herausbeschworen. Ich hatte gehofft, daß man ihn im beiderseitigen Interesse würde ruhen lassen. Nicht, daß ich eine Diskussion in dieser Hinsicht scheue. Aber eS ist doch mehr als gewagt, anzuführen,' daß auch noch seine politischen Aeußerungen zu Aergerniß führten. Mas haben diese mit der Petition der freireligiösen Gemeinde zu thun? Das heißt Gründe, die keine Gründe sind, an den Haaren heranziehen. Der Bericht- erstatter hat auch das Erkenntniß des Polizeipräsidiums gegen Kunert angezogen. Ich bin in der glücklichen Lage, mittheilen zu könne», daß das Verwaltungsgericht dem Polizeipräsidium die Berechtigung zu diesem Vorgehen abgesprochen hat. Der Bericht- erstatter hat die Lehre der freireligiösen Gemeinde für schlecht er- klärt. Dieses Urtheil ist sehr einseitig. Die 5—0000 Mitglieder der freireligiösen Gemeinde halten ihre Anschauung für gut. Hier steht Meinung gegen Meinung, das sind aber keine Gründe. Wenn der Herr Berichterstatter meint, daß, wenn der sreireligiöseii Gemeinde eine Unterstützung gewährt werde, dann auch andere Religionsgemeinden diese Unterstützung zu verlangen hätte», so stimme ich darin mit ihm überein. Wir haben einen Antrag gestellt, nach dem die Forderung der Geldunterstütziing fallen gelassen ist, nicht weil mir dieser Forderung die Berechtigung absprechen, sonder» weil wir die Empfindung gehabt, daß keine Majorität hierfür zu erlangen sein wird. Früher hat die Stadt der freien Ge- ineinde gegenüber eine andere Stellung angenommen, als heute. In den 4ver Jahren wurde eS als eine Art Ehrenpflicht von denen, die sich zu den aufgeklärten Kreisen rechneten und besitzend waren, betrachtet, der sreircligiösen Gemeinde anzugehören. Im Jahre 1840 wurde der Gemeinde die Klosterkirche überwiesen und 1000 Thaler Zuschuß gewährt. Die Ablehnung des An- träges, der im vorigen Jahre gestellt war, hat unangenehm berührt. und viele den für freisinnig gehaltenen Bestrebungen der Gemeindeverivaltung abgewendet. Der Vorwurf, daß die Schul- räume durch den Unterricht entweiht würden, war beleidigend für die Eltern, die ihrer besten Ueberzeugung Ausdruck gaben. rndem sie ihre Kinder freireligiös erziehen lassen. Die vorjährige Beschlußfassung hatte unter dem Eindruck der Stimmmig, die gegen Herrn Kunert war, stattgesunden. Diese Stimmung mochte '."enschlich erklärlich sein, aber die Versauimliing und der Magi- strat sollten die Gelegenheit ergreifen, den Schritt, den sie ge- than, wieder gut zu machen und das für recht und billig anzuerkennen, was recht und billig war, ehe man Kunert kannte, sah und' hörte. Redner pole- misirt weiter gegen den Antrag Wunder, den er als eine Hinterthür für diejenigen bezeichnet, die den Antrag des Ausschusses nicht annehmen und auch nicht direkt ablehnen wollen. Würde die freie Gemeinde auf die Bedingungen des Antrages Wunder eingehen, dann müßte sie die Achtung, die sie hoffentlich genießt, verlieren. Die freireligiöse Gemeinde würde eher auf alles verzichten, als sich in das freie Selbstbestimmungsrccht bei der Wahl ihres Lehrers hineinreden zu lassen. Redner leugnet nicht, daß die freireligiöse Gemeinde eine atheistische Gesellschaft fei. Als solche stehe sie nach Artikel 12 der Verfassung außerhalb jeder Beschränkung. Es handle sich hier nur um einen Kamps der alten und der neuen Weltanschauung. Viele Mitglieder der Versammlung selbst hätten Anschauungen, die sich nicht auf Dogmen, sondern aus die Wissenschast stützen. Diese Anschauungen sollten in die Schule getragen und nutzbar gemacht werden in Lehre und Leben. Redner, fortfahrend: Geben Sie der Petition statt, Sie werden sich eine dankbare Menge schaffen. Wir fordern nichts als Gleichberechtigung. Lehnen Sie unfern Antrag ab, in den Bestrebungen der freireligiösen Gemeinde wird dadurch nichts geändert. Es ist vor einem Jahre auch nicht geschehen aus Konsequenz. Die freie Gemeinde wird weiterkämpfen und ringen wie seit 45 Jahren. Sie ist seit 20 Jahren nicht gefährlicher geworden; allerdings haben die Anschauungen und Lehrmittel nach Maßgabe der Verhältnisse Fortschritte gemacht, grade wie in anderen Gemeinden. Die Gemeinde hat nichts weiter vor, als ihre reli- giosen Bedürfnisse nach der Art ihrer Weltanschauung zu regeln und die Sittlichkeit zu fördern. Ob diese schlecht oder gut sind, darüber hat niemand, hat kein Konsistorium, hat kein Stadt- schulrath zu befinden; darum hat sich niemand zu kümmern. Stadtv. Baillen bittet den Antrag des Ausschusses an- zunehmen. In den Verhältnissen habe sich seit Jahresfrist nichts geändert. Gerade die Rede des Stadtv. Vogtherr beweise, daß, wenn auch die Person des Herrn Kunert nicht mehr da wäre, sachlich in der freireligiösen Gemeinde alles dasselbe geblieben sei. Herr Kunert habe nur den unleugbaren Vorzug besessen, daß er nach seinein Temperament Dinge ausgesprochen habe, die andere klug und verschwiegen in der eigenen Brust bewahren. Die freireligiöse Gemeinde dürfe nicht den Anspruch erheben, mit irgend einer Äelione gemeinschast wie Baptisten auf eine Stufe gestellt zu werden. Sie sei keine Religionsgemeinschaft, weil sie zedes Ueber- sinnliche leugnet. Stadtv. Baumgarten: Er gehöre zu den Unterzeichnern des Wundcr'schen Antrages. Derselbe sei nur deshalb einge- bracht, u>n hier religiöse Debatten zu vermeiden. Nachdem es aber doch zu einer solchen Debatte gekommen sei, wolle er mit seiner Meinung nicht zurückhalten. Die Kulturgeschichte beweise, daß es kein Volk, keinen Staat ohne Religion gegeben habe. Dem Volk die Religion nehmen, heißt das StaatSsystem zu Fall bringen.(Beifall.) Die Schulränme dürfen nicht als Brnlstätten solcher Ideen gemißbraucht werden. Wir wollen ein gebildetes Volk haben; aber ein gebildetes Volk ist auch ein frommes Volk. (Bravo.) Stadtv. Friede mann: Herr Baumgarten hat sich offen auf den Standpunkt des Herrn Baillen ge- stellt und damit bciviesen, daß der Antrag Wunder nur den Zweck verfolgt, in milder Form die Ange- lcgenheit zu Fall zu bringe». Wir haben die Frage der Wahrheit eines religiösen Bekenntnisses nicht zu untersuchen. Die Stadt gewährt ihre Schulräunie zu allgemeinen Bildungszwecken; sie stehen beispielsweise dem Humboldtverein offen. Fragen Sie da, ob die Sachen, die gelehrt werden, Ihren, Standpunkt ent- sprechen? Die freireligiöse Gemeinde will an Stelle des Religions- Unterrichtes die Sittenlehre treten lassen. Ist das ein unsittlicher Zweck? Viel unsittlicher sind diejenigen, die die Verhetzung anderer Religionen wollen.(Beifall.) Halten wir fest an den alten, würdigen, liberalen Grundsätzen und füberweisen wir die Petition in ihrem ersten Theile dem Magistrat zur Berück- stchtiguiig. Stavtschnlrath Bertram: Wir lassen uns leiten I. vom Gesetz, 2. von den Prinzipien, die von jeher in der Gemeindever- waltung üblich sind. Diese Prinzipien sind Gottesfurcht, Königstteile und Toleranz. In dem Allgemeinen Landrecht, das zum Glück noch immer gilt, heißt es: Religionsgesellschasten, welche die Ehrfurcht gegen die Gottheit angreisen, sollen im Staat nicht geduldet werden. Ich habe geglaubt, das Belenntniß des ehemaligen Lehrers Kunert: Ich lehre die Kinder überhaupt nichts fürchten, weder Gott noch sonst etwas, sei das Bekennwiß eines ManneS; heute ist es aber fast in gleicher Schärfe ausgesprochen worden. Ans allen Schriften der freireligiösen Gemeinde geht hervor, daß sie den Kindern Sittlichkeit lehren will. Das wäre ein Unterricht, wie er in den Schulen auch gelehrt wird. Deshalb müssen die Personen, die in der Sittenlehre Unterricht ertheilen. den Vor- schnsten des Regulativs gemäß ihre Qualifikations dem Staate nachweisen. Das verlangt der Antrag Wunder als Bedingung für die Ueberlassting der Schulräume an die freireligiöse Gemeinde. Im gewissen Sinne ist dieser Antrag überflüssig, weil der Dtagistral aus einen ähn- lichcn Standpunkt steht. Früher sah es in den freireligiösen Ge- meinden auch anders aus, und die jetzige Gemeinde würde ver- muthlich in die größte Verlegenheit kommen, wenn sie die Kloster- kirche benutzen sollte.(Heiterkeit. Stadtv. Vogtherr: Nein.) Ter Staat muß genau prüfen können, ob das Lehrsystem der Sittlich- keit, welches die freireligiöse Gemeinde den Kindern überliefern will, mit den Staatsgrundsätzen und Idealen, die in der großen Masse des Volkes lebendig sind, vereinbar sind. Wenn das ge- fchieht, wenn diese Kantelen vorhanden, sind wir bereit, die Räume herzugeben, damit die Kinder wenigstens einen Trost haben für die ganze Verödung ihres Levens, an der sie leiden, weil sie sich von der Religion des Volkes entfernen.(Zustimmung und Widerspruch). Nachdem noch der Stadtv. Löwel für den Antrag Wunder gesprochen, wird ein Schlußantrag angenomnien. Zum Wort ge- meldet gegen den Antrag des Ausschusses: Wunder, Stadthagen, Meibauer, Richter und Vogtherr; für: Baillen und Frenzel. Die Abstimmung über den Antrag des Petitionsäusschusses auf Uebergang zur Tagesordnung ist namentlich. Er wird mit 59 gegen 33 Stimmeii abgelehnt. Ebenfalls abgelehnt wird der Antrag Vogtherr und Genossen. Dagegen wird der Anttag Friedemann und Genossen auch in namentlicher Abstimmung mit 40 gegen 48 Stimmen angenommen. Zur Beschaffung von Ehrengaben für das X. deutsche Bundes- schießen sollen 40 000 M. bewilligt werden. Stadtv. Stadt- Hagen und Genossen beantragen:„Die Versammlung wolle be- schließen, den Antrag des Magistrats abzulehnen und statt dessen sich damit einverstanden zu erklären, daß aus dem Dispositions- quantuin zu unvorhergesehenen Ausgaben der Betrag von 40 000 Mark zur Gewährung außerordentlicher Beihilfen für die Arbeiter, welche in städtischen Diensten stehen und weniger als 2 M. 50 Pf. Tageslohn erhalten, schleunigst entnommen werden. Stadtv. Stadthagen: Rur solche Vorlagen dürfen wir annehmen, die nicht gegen die Gesetze sind und irgend einem nützlichen Zwecke dienen. Wie steht es mit der Gesetzlichkeit der Vorlage? Wir stehen auf dem Gebiete des kleinen Belagerungs- zustandes.(Heiterkeit.) Wenn Ihnen das lächerlich ist, uns ist das wahrhaftig nicht lächerlich! Der§ 28 des Sozialistengesetzes verbietet— allen nicht nur Sozialdemokraten!— hier das Waffentragen. Wenn wir die Borlage annehmen, so würden wir uns zweifellos der Anstiftung zu dem Bergehen aus§ 28 des Sozialistengesetzes schuldig machen.(Heiterkeit.) Ich würde mich sehr freuen, diese Heiterkeit auf den Gesichtern der Richter zu sehen! Und was die Nützlichkeit betrifft, so ist es in der That stark, in einen» Augenblick, wo der Vertreter des Magistrats sagte, die Finanzlage der Stadt sei so schlecht, daß die Lohne der städtischen Arbeiter— Löhne von 1 M., 1 M. 25 Pf. an— nicht erhöht werden können, 40 000 M. für eine Spielerei hinzugeben. (Unruhe und Gelächter.) Nachdem Etadrv. H o r w i tz für den Anttag des Magistrats gesprochen und Stadtv. Stadthagen erwidert, bemerkt Stadtv. Meyer I, eine gewisse Seite halte hier Hetzreden. Stadtv. Stadt Hägen weist darauf hin, daß die Ver- sammlung es mit ihrer Gerechtigkeit vereinbar halte, derartige Ausdrücke ungerügt zu lassen. Der Majorität der Versammlung fehle die Legitimation, darüber zu urtheilen, wie er seine Pflicht als Stadtverordneter ausübe.(Unruhe.) Die Vorlage des Magistrats wird angenommen. Der vorgerückten Zeit wegen vertagt sich die Versamm- lung. Schluß 9 Uhr. TrckQleS. Ztlülsclo« und doch ftljv einträglich ist der Handel mit Baustellen, wie einige dieser Tage veröffentlichte Angaben er- weisen. So hat die Baugcsellschast für Mittelwohnungen in den letzten Tagen ein Terra»» von 223 Quadrattuthen für 230 M. für die Quadrattiithe und ein an einer ungepflasterten Straße belegenes Terrain von 22 Quadrattuthen für 105 M. für die Quadrattuthe verkauft. Diese beiden Terrains stehen nur nnt 52 M. pro fltnthe zu Buche, die Gesellschaft hat mithin bei dein Verkauf der 223 Ruthen 40 584 M. und der 22 Ruthen 2480 M., zusammen 43 070 M. verdient. Der Konrs der Aktien dieser Ge- sellschaft ist dem Gewinne entsprechend ein hoher, er bettägt 033 Prozent. Auch die Vangesellschaft„Moabit" macht ein gutes Geschäft. Sie hat im Rechnungsjahre 1888/89 88 Parzellen von zusammen 20 000 Quadratmeter Grundfläche gegen 18 Parzellen mit 13 042 Quadratmeter im vorigen Rechnungsfahre verkaust. Der Nutzen aus dem Verkaufe der 33 Parzellen beträgt 401 460 M. Die Preise waren gegen das Vorjahr steigend und insofern für die Gesellschaft vortheilhaster, als sie nur bei wenigen Parzellen Prioritätsrechte einräumen mußte. Der säinmtliche Reingewinn bettägt für dieses Jahr 485 443 M., nach einer Zuschreibung von 20 859 M. zum Reservefonds wird an die Aktionäre eine Divi- dende von 7 Prozent vertheilt. Daß die Lichterselder und die Kurfürstendamm-Gesellschaften ebenso glücklich overiren, beweist der Kours ihrer Aktien. Di? Ersteren werden mit 250 Prozent, letztere niit 149 Prozent notirt. Mit dieser gewinnbringenden Spekulation in Baustellen fängt die Vertheuerung der Wohuungsmiethen an, ohne alle Aussicht, wann sie ihren Höhepunkt erreichen wird. Von der Staats- regierung scheint ein Eingreifen in die verschiedenen Arten des Baustellen-, Bau- und Häuserschwindels nicht zu erwarten zu sein, obgleich er dem Geldwucher so ähnlich ist, wie ein Ei dem anderen. Wie aber jede Uebertreibung irgend welcher Art zum endlichen Zusammenbruche führt, so wird auch diese Ausbeutung den Zeitpunkt beschleunigen, an welchem die abgelebte Wirthschaftsordnung durch eine neue und bessere ersetzt werden wird, die allen Menschen nicht allein ein gleiches Anrecht, scm- der» auch die gleiche Befriedigung der menschlichen Bedürfnisse gewähren wird. Nicht so glücklich, wie die Spekulation in Bauterrain ist in der letzten Woche diejenige in Bergwerksaktien gewesen, selbst gut- situirte Bänke« sind in Mitleidenschaft gezogen worden und haben einen nicht unbedeutenden Koursrückgang ihrer Aktien zu verzeichnen, wie nachstehende kurze Tabelle zeigt: 4. Jan. Jan. u. März. Gegen 4. Jan. Diskouto-KommandU 255,00 Darmstädter 187,70 Verl. Handelsgesellschaft 210,00 Dresdener Bank 198,75 Dortmunder Union 180,50 Laurahütte 175,40 Bochumer 273,10 Gelsenkirchen 228,90 Sibernia 249,75 arpener 808,75 Ob dieser Koursrückgang noch Liquidationskourse. 248,60 230,50—24,60 181,00 104,00—23,70 199,00 167,00—43,00 189,00 154,00—73,75 123,20 93,00—43,50 170,00 144,00—31,00 244,50 168,00—103,10 196,00 174,00—49,90 224,00 182,00—67,75 266,00 212,00—96,75 weitere Fortschritte machen wird, läßt sich augenblicklich noch nicht beurtheilen. Sollte sich aber ein allgemeiner Rückgang auch für andere Papiere einstellen, so läßt sich die Größe des Unheils, welches dann entstehen wird, gar nicht ahnen. In allen Zweigen des industtiellen Lebens hat sich der Schwindel breit gemacht, am meisten durch unnatürliche Erhöhung der Preise. Sollte dieser Schivindelbau zusammen- brechen, so würden viele Fabriken ihren Betrieb einstellen müssen und tausende von Arbeitern brotlos werden. Solche Aussichten bietet unsere gegenwärtige Wirthschaftsweise. Der Kau drr neuen städtische» Naobereitungsanstalt in Schmargendors-Wilmersdors wird nunmehr in Angriff ge- nomine» werden, nachdem gegen den Bau in dem eingeleiteten Genehmigungsverfahren von keiner Seite Einspruch erhoben und der Kreisausschuß Teltow den von dem städtischen Erleuchtung»- Kuratoriuni aufgestellten vorläufigen Bauplan ohne irgend welche erschwerende Bedingungen genehmigt hat. Diese Anstalt soll zu- nächst soweit ausgebaut werden, daß sie im Stande ist, den in dem Winter 1893/94 zu erwartenden Mehrbedarf an Gas von 30 000 Kubikmeter pro Tag zu übernehmen. Es bettagen die zu diesem Zwecke aufzuwendenden, auf die Jahre 1890, 1891, 1392 und 1893 zu vertheilenden Baukosten nach einer überschläg- liehen Kostenberechnung 8 474 000 M., wovon allein auf die Eiienbahnanlage 693 000 M. und auf das Gasbehälter- bassin und Haus 1 130 000 Mark entfallen. Gleichzeitig mit dem Bau dieser Gasbereitungs- Anstalt ist auch die Anlage einer Gasbewahrungs- Anstalt in der Lutherstraße beabsichtigt gewesen; mit den Vorbereitungen hierzu hat jedoch noch nicht vorgegangen werden können, weil gegen dieselbe sowohl von dem Magistrat in Charlottenburg, als auch von anderer Seite Ein- spriich erhoben und eine Entscheidung hierüber von dem mit der Verhandlung dieser Angelegenheit seitens des Regierungspräsi- deuten beausttagten Stadtausschusses zu Spandau noch nicht er- gangen ist. Drv Majsrrvrrliehr Krrlins hat, nach einer von Doktor Rentzsch zusammengestellten, soeben zur Veröffentlichung gelangten Tabelle, im Jahre 1889 im Lokalverkehr«ine Steigerung, im D v.i)iaiiASv«Ivts eluea J'.üclaang gw»!6s? 511 verzilchkitt •jsjatf. I a Ls!alv«rk«hr anirotn 4'331 550 Sonucit eingeführk -tcjen t-kü TÄä ZOi,us» in i8S8 und 4 3i£2">t Tonnen ia 1i>S7, »ti«z»führ! öS? öS8s Tonne» gegen gL»74S Tonneri in 1883 U'.ib -4S öuö Tonnen in ISST. T»r gesammte Lokalverkehr betrug -t»ZS VL8 Tennen gegen 4 080493 äouncn in 78S8 und 4 503 840 Ssanw iu 188?. ii« Zahl der Schiffe betrug Kl 077 gegen �2 4V4 i» 18GS und OSyOS in 1887. ES iiberrviegen Uliincr mehr Sie— 4«: £»»nr6 Ui iSiV. snh»w Ssw-�uliUiiui» droheudc Grsahr, durch ab- irrcate Sisch.»ss««ue den Gchießschndcn der Hasrnhnide getroffen zu werden, juch Möglichkeit abzuwenden, nimmt das Polizei- »dciswt«!» Veranlassung vor unvorsichtiaer Annäherung, beziehungsweise dem Betreten des Tempeihofer Ererzierplahes und der Hasenhaide zu warn«. Zugleich werden die Eltern und alle Diejenigen, welchen die Obhut von Kindern anvertraut isr, auf- gefordert, diese auf die Gefahr aufmerksam zu machen, welcher ffs sich dciiii Betreten dieser Gebiete aussetzen. , ,,#* siel oitt Pri? iir vor Fvühtiilgsnachi", und zwar in der Stacht vom Mittwoch zum Donnerstag. In der Umgegend von Berlin waren am Morgen alle Tücher und freien Plätze" mit einer weisen Hülle bedeckt, und nur, wo die Sonnenstrahlen früh- »eitig Hinstelen, schwand der Reif, der so unwillkommen als hoffent- iich letzter Siachjüxlcr des geschiedenen Winters sich eingefunden lhatte. An der Stach! waren an freien Stellen 2—3 Grad Kälte, «nd tu» in den Warten schon blähende Blumen frei aufgestellt waren, liehen ü««um Morgen die 5tvpfchen hangen, denn der Nachti'rost hatte es ihnen angethan. Viosen und Weinreben, die «uch schon ihrer winterlichen Hülle entkleidet sind, haben nicht gelitten, ebenso wenig die Saat der Felder. Aber dem Gärtner wird der späte Nachtfrost doch zur Warnung dienen, nicht zu früh die Lommerveele zu bestellen, denn solche Reifnächte können noch wiederkehren. Eins„tzsaUsu-Ettploston". Ueber einen in der Unfall- Statistik Berlins wohl„einzig" dastehenden Vorfall, bei welchem durch eine Ezplosion von„ninder-Luftballons" eine Person meh- rers Brandwunden erlitten, wird uns von einem Augenzeugen lolaeudes berichtet. Arn Mittwoch hielt der Handelsmann F. am Koitbuser Tamm eine größere Anzahl jener bekannten Pariser ÄöstbaUons, die er an einer Schnur zusammengebunden, fei! und erfreute sich eines großerew Absatzes seiner Waare. Gegen 4 Uhr Nachmittags ging der in der Rittersträste wohnende Kaufmann M. mit fetnetu% Jahrs alte» Söhnchen vorbei, welch letzteres den .Pater bat, ihm d»ch eine» Ballon zu kaufen. Herr W. schickte sich an, den Wunsch seines Kinde- zu erfüllen, und beide traten auf den Handelsmaim|u; während Herr W. noch mir demselben sprach, ertönte plötzlich eine laute De- ronation und in derselben Sekunde schlug auch schon eine Fenersäule empor. Die gcsammten Vallons, 40 an der Zahl, waren durch einen nicht jestzusiell enden Umstand erplodivt; wahrscheinlich hätte einer der Passanten einen brennenden Zigarrenstummel fertgeworsen und ein Funke ivar gegen die leichte Hülle eines Ballons gestogen, Halts ein Loch gebrannt und fo dr« Explosion heroeigrsührt. Durch die entstandene Luft- orschütterung wurde der kieine W. zu Boden geworfen und der Vater deiseiven erlitt durch bis Slichsiannve Brandwunden im Gesicht u>rd am Halse, während die Haare förmlich vom Kops tiaruntirgesengt waren. Paler und Sohn mußten sofort die nächst» Sanilätswache aussuchen und die Hilfe derselbe» in An- sprach nehmen; die Perletzungen beider sind übrigens nicht ge- fährivch. Bt» Zusiite de? Kinde p. an den Haltestellen dir Pferde- «»»Hoahit die von den Fahrgästen benutzte» Billets einzusammeln, hat wiederum zu einem bedauerlichen Unglücksfall geführt. Tas sechsjährige Söhuchen des Metalldruckers Hölzer war gestern Nach- mittag argen 4 Uhr auf dem Fahrdamm gegenüber dem Belle- Alliance-Theater v»r einem stillstehenden Pferdebabnwagen gerave auf's Eisngste mit dem Auflesen der von de» aussteigenden Passa- gieren sorrgeworfenen Fahrkarten beschäftigt, als von der Rich- »ung des Halleschen Thores her ein Kremser in ziemlich schneller Gaugart aiigefaüren kam. Der Kutscher vermochte, als er das M«id«olickte, s»tn Pferd nicht mehr zu zügeln und im nächsten »ugenbiick ging das eine. Hinterrad des Wagens dem Knaben «bot das recht« Bein. Mitleidige Passanten nahmen sich des «Mr.cn Berituatäckken an und brachten ihn in die»Uerlichc «»himng, wähsca» di, Persönlichkeit beS Kutschers polizeilich seftgestiÄt wurde. Zr.xrcmcii diesen eine Schul« an dem Vor- fosis triffh könnt« nicht sogleich ermittelt werden. Jedenfalls »nög» letzterer den Eltern von neuem Veranlassung geben, ihre Kinder»or dem gefährlichen Etrastensport eindringlich zu W«cn«n. V» oinem Kampfe im Walser zivischen einem Selbst- Mörder und seinen Rettern kam es am Mittwoch Mttag am Man- dach-llser,»nd verursacht« diese Szene eine nach vielen Hunderten von Personen zählende Menschen-Änsammlung. Ein reduzirt aus- sehender Dlann, irelcher durch sein besonderes Benehmen die'Aus- merksamkcit der Passanten auf sich gezogen, sprang gegen 2 Uhr plötzlich in der?,ähe des Studentendades in den Landwchrkanal, ehe noch Jemand den Unglücklichen an seiner That zu hindern vermochte. Mbald eilten von vorfchiedenm Seiten Schiffer, welche mit ihre» Kahn, u in der Nähe ankerten, aus Böten herbei and »ersuchten den Selbstmörder seinem nassen Grab« zu entreisten, wogegen sich dieser jedoch so energisch sträubte, Sa st mehrere der Netter in Gefahr oerielhen, mit ihren Boote» zu kentern. Der Äebonsmäde, ein schon älterer Mann, suchte nunmehr durch Schwimmen sich seinen Helf-rn zu entziehen, was ihm auch that- sächlich durch häufiges Untertauchen und Schwimmen unter dem Waffer gelang, bis er ermattet in den Wellen verschwand. Jetzt erst gelang es, den rabiaten Selbstmörder, der inzwischen beivustt- los geworben, aus dem Waffer herauszuziehen, und nachdem derselbe auf der Polizeiwache, wohin er zunächst gebracht worden war, unier den Händen eines hinzugerusenen Arztes ins Leben zurückgekehrt, wnroe er nach dem Krankeuhause Bethanien geschafft. Ueber seine Personalien und Motive zur That verweigerte dcr Lebensmüde jegliche Auskunft. Ei» ornftrr*Zt>tml-vii:i5all crelgnele sich am Donnerstag Abend in det ArlilleriewerkstaU zu Spandau in bei Äbtheilnng der Gattlcr. Ein Zuschneider gericth mit der rechten Hand so unglücklich Unter die Stanze, dast ihm die Hand fast total abge- «netscht wurde. Int Krankenhause wurde'der schwer verletzte KirperthcU fosert abgenommen; nur der Daumen ist von der Hand erhalte» gedUeoen.— Ebenfalls am Tonnerstage wurde «'.aem im B»hrwerk der Wefchützgiesterei beschäftigten Geschütz- «zdsilrr»»11 einer Maschine die recht? Hand schwer verletzt, so dafc im Kronkenhanse alsbald die Amputation zweier Finger er- filgen mstte. Pvvch«inen bedentrudcn ZAckwbtkMtd wurden am zweiten Osterseiertaae viele in der Umgegend von Friedrichs- Hägen befindliche Berliner Ausflügler aus das Höchste er- schreckt. In der vierten NachmütagSstunde wurden plötzlich die nach Tausenden zählenden Epaziergänger, welche nach dem so beliebten AuSfingspunkte unseres Vorortes, den Müggelbergen, gewandert waren, durch gellende Feuerrufe allarmirt. In der That wurde der Aus- »mich eines„Waldbrandes" durch gewaltige Rauchmassen, die sich immer näher wälzten, gekennzeichnet: in der Mh? des Aussichts- phurmzs war in der Haide, vermuthlich durch leichtsinnige- Fort- werfen eines brennenden Zigarrenstummel-, ein Schadenfeuer entitanden, das, da anfänglich Löschversuche nicht gemacht wurden und sich der Bergnügungsansflügler eins Panik bemächtigt hatte, bald gröstm Dimensionen annahm und sich in kurzer Zeit über ü Morgen Wald verbreitete. Stach geraumer Zeit wurde dem Brand- endlich durch Anfwersen von Gräben Halt geboten und derselbe an? seinen Entstehungsheerd beschränkt. Trotzdem sind etwa S Morgen stämmigen WaldeS vernichtet worden; mehrere kleine Waldbrände werden übrigens auch während der Feier- tage an dem Bahndamm zwischen Erkner und Friedrichsyagen gemeldet. Bw löofniidhoitvsustäud k» Krt'Uw blieb in der Woche vom 23. bis 29, März cm ziemlich günstiger und auch die Sterb- lichkekt zeigte im Vergleich zur Vorwoche nur eine geringe Zu- »ahme(22,6 pro Mille und Jahr berechnci). Unter den Todes- Ursachen kamen Durmkatarrhe und Brechdurchfälle, besonders unter Kindern, in ansehnlich gesteigerter Zahl zum Vorschein«nd führten auch in S3 Fällen(gegen 43 in der Vorwoche) zum Tode. Ter Aulheu des SäuglinäsalterS au der Sterblichkeit war ein bedeutend erhöhter, von je 10 000 Lebenden starben, aufs Jahr berechnet, 85 Säuglinge. Dagegen haben akute Entzündungen der Alhmmigsorgane erheblich ubgenomnien und auchck» selteneren Fällen zum Tode geführt. Von den Jnfekiionslrank- hciten käme» Masern, Scharlach, Diphtherie und typhös« Fieber in wenig gegen die Vorwoche veränderter Zahl zur Anzeige. Maser» zeigten im Siralauer Viertel, in der diesseitigen Luisenstadt, in der Teuipelhofer- und Schöne- bergcr Vorstadt, sowie in der Friedrichstadt die größte�Verbrei- tung: Erkrankungen an Scharlach wurden aus dem Stralaucr Viertel, Erkrankungen an Diphtherie aus dem Wedding, der Ntosenthaler und Tempelhofer Borstadl am zahlreichsten zur Mel- düng gebracht. Das Bockomuien von typhösen Fiebern blieb ein beschränktes. Rosenariige Eutzündungen und Erkrankungen an Kindbetifieber kamen nur vereinzelt zur Kenntnist. Zwei weitere Erlrank»ngen an Pocken gelangten zur Anzeige. Erkrankungen an Keuchhusten waren noch zahlreich, die Zahl der gemeldete» Sterbefülle sank auf 12. Rheumatische Beschwerden der Muskeln kamen weniger, akute Gelenkrheumatismen dagegen zahlreicher in ärztliche Behandlung. UviZribericht. Am 9. d. M. Morgens sprang ein Mann vor dem Grundstücke Kottbuser Ufer 2 in den Landwehrkanal, wurde jedoch wieder aus dem Wasser gezogen und nach der Charitee gebracht.— Nachmittags wurde ein Mann auf dem Boden eines Hauses in der Pücklerstraste crhängt vorgefunden. — Zu derselben Zeit fand in den Geschästsräumen von Stückle» u. Soltau, Spandauerstraße 14/15 eine Gasexplosion statt, wobei der Arbeitet Grünwald am Kopse, an den Armen und Händen nicht unbedeutende Brandwunden erlitt. Z» Vor Sache Iauisirweki gegen den Oberpräsidenten sieht am 16. April um 1 Uhr vor dem Oberverwaltungs-Gericht, Markgraftust?. 47, Termin an. Die Vertheidigimg führt Rechts- anmalt Dr. Flatau. .... sich wegen Betrugs in drei Fällen zu_______ belle sich um dieselben Schwindeleien, wegen derer Liermann be- reits verschiedene Vorstrafen— zuletzt anderthalb Jahre Gosäng- niß— erlitten. Er sollte wiederum Stellensuchende in der Weise geprellt haben, daß er ihnen hohe Einschreibe-Ge'oühren und Vor- schüsie abnahm, ohne dafür die in Aussicht gestellte Beschäftigung rerschäsicn zu können. Als der Slngeklagrs im Januar vor. Je. aus dem Eefängnissc eiitiassen wurde, nahm er sofort sein früheres Geschäft als Stellenvermittler wieder auf; da ihm aber die Kon- zessiou hierzu entzogen worden war, mußte er einen Umweg be- nutzen. Er wußte eine Dienstmagd ans dem Ostpreußischen, welche eine Stellung durch ihn suchte, zu bereden, ihren Namen zur Weitersührung des Geschästes herz geben, während er der Form nach als Leiter desselben auftrat. Bald prangte an dem alten Lokale in der Jägerstraß« die Firma:„Oliczewski", und unter diesem Namen wurde auch der Schriftwechsel von einem eigens dazu angenommenen„Bureaimorsteher" geführt. Bald gelangten wiederum drei Fälle zur Keuntniß der Polizei, in denen Stellensuchende geprellt sein wollten. Aus der_ Zeitung ersah Liermann, daß ein Kainnierdiencr Schmidt eine neue Stelle suchte. Er ließ demselben schreiben, er möge sich nach dem Bureau bemühen und hier theilte er ihm mit, daß sich mehrere Herrschasten zur Erlauzung eines Kaimiierdieners an daS Bureau gewanot hätte». Schmidt mußte zunächst 10 Mark Ei»schreibe- Gebühre» und dann ans Vorhalte» LiermannS,„daß es schneller gehe, wenn man ordentlich spicke", noch weitere 10 Mark opfern, die ihm iai Falle der Ersolgtosigkeit zurlickgegeoen werden sollte». Sodann erhielt Schmidt ort» Adressen mitgethctli, an welche er Ich zu wenden hatte. Die Stellungen waren entweder bereits be- etzt oder der Suchenhe für dieselbe nicht geeignet, als er später >ie 10 Marl zurückhaben wollte, hieb es» dieselben seien in seinem Interesse bereits für AnnonzeN verausgabt. Aehnlich lagen die beiden übrigen Fälle.— Staatsanwalt Hoppe hielt den Angeklagten durch di« Beivcis- ausnahme für überführt, er hielt es nunmehr an der Zeit, dem anscheinend Unverbesserlichen endlich das Handwerk zu legen und beantragte gegen ihn eine Z n ch t h« u L st r a s e von zwei Jahren, 750 Mark Geldstrafe oder noch sänszig Tage Zuchthaus und dreijährigen Ehrver- lust. Der Anzeliagte bat so inständig, der Gerichtshof möge sich doch aus seine» Eeschästsbiichern überzeugen, dah er hunderte von Stellen besorgt hatte, daß seinem Wnnsche gejolgt wurde und da- Ergebniß der Prüfung war denn ai'.ch, daß der Gerichtshof di« vielen vorliegenden Berdachtsgründe dock, nicht für ausreichend genug hielt, um daraufhin" den Angeklagten verurteilen zu können, es erfolgte deshalb ein freisprechendes Er- l e n n t n i ß. Mnfi dem Lefehle»incs Schvtzmauue, der Jemand zur Wache transportirt, ihm nicht nachzufolgen, unweigerlich Folge geleistet werden? Mit der Beantwortung dieser Frage war gestern in der Strafsache gegen die Haiidtungsbestissenen Miethr, Walter und Zeioler die 06. llibtheilung des Berliner Schöffengerichts befaßt, und standen sich die An- schanungen von Jimtsanivalt und Gerichtshof direkt entgegen. Die Angeklagter, kamen am Späiabeud boZ 16. Januar er. mit einer größeren Anzahl anderer junger Männer aus der Sitzung eines Gesangvereins. Einige der Letzteren wurden, weil sie den sogenannten Bärcnlaus«xetutirte», von einem Schutzmann und einem Nachtwächter arretirt; die übrigen jungen Leute, darunter die drei Angeklagten, folgten hinterher. Tie Beamten forderten diesetben nunmehr auf, zurliaziibleiben. Hieraus zerstreute sich die Gesellschaft, die drei Auge- sagten, welch« zur Erreichung ihres Heims sich ans dem Wege besaiideiv folgten ihren arretirten Vereinsgenossen. Am Wachtlok-il angelangt, fragten die drei Personen den Beamten. od sie alS Zeuge» mit auf die Wache gehen dürsten, was dieser bereitwillig;: zuließ. Dort wurden ihnen aber als Angeschuldigten ihre Naüonale abgefordert, und der amtsnchierliche Ttrasbcsehl wegen lleberireiung deS 117 des Straßenpolizei-Reglemeins— Nichtbcsolgung eines vom Exekutivbeainten erhaltenen Befehls— folgte nach. Im Termine beantragt« der Amtsanwalt Bestrafung der Angeklagten, der Gerichtshof erkannte aber auf deren Frei- sprechuiig, iveil vorliegend der Äe;ehl des Beamten über seine Macktbesügniß hinausgegängen fei. Uo» einer«nßrrordetittich regen Urtbrecherphankasic legte gestern cm Angeklagter Zeuaniß ab, welcher der Ii Strafkammer hiesigen Landgerichts 1 mit einer sehr romantischen Geschichte einen ungeheuren Bären aufzuhindtn vernichte. Der Angeklagte, welcher sich„Rentier" Earl Gottlieb Wilhelm Bourgeois nennt, ist eine hartgesottene Verbrecher' ecke, dessen Rentierschaft ein reines Phantasie stück ist, der aber' wegen der verschiedensten Slrafthaten als: betrügerischer Bankerott, Meineid, Verleitung zum Meineide, Urkundenfälschung j«. schon fall ein ganzes AtenschetilibtN im Ziichchaüfe zugebracht hat. Zuletzt ha! er 14 Jahre Zuchthaus hinter einander abgemacht und die Er- eignisse der Jahre 1675 bis 1899 sind spurlos an ihm vor- übergegangen. Als er im Oktober 1889 wieder auf freien Fuß gesetzt worden war, wandte er sich nach Berlin,, uiiethete sich hier in der Möckernstr. 133 a ein und leitete bald � wieder in äußerst verschmitzter Weise einen Schwindel in die Wege» welcher ihn nun vor die Strafkammer brachte. In der „Vosstschen Ztg." erschien'Anfangs dieses Jahrcs eine Anzeige,; in welcher der Fischhändler Kell«? ans sein in dein Dorfe Lade- bürg bei Bernau eine Hypothek von 24 000 M. fuchrc. Es waren daraus viele r'lneroietmigcn eingegangen: Herrn Kellers Kismet 'ließ die Wahl desselben aber gerade auf den Angeklagten fallen. Er trat mit d'em letzteren in Verbindung und dieser war auch ganz geneigt, das gewünschte Geld herzugeben. Er spielte dabei wiederholt den„Rentier" aus, erklärte, daß es ihm,' als alleinstehendem Manne sehr darum zu thun fei, sein Gel» in sicherer Obhut zu wij'en und unterwarf das Grundstück in Ladebnrg auch einer persönlichen Bestchttgung. Das 'stuftreten des Angeklagten gefiel Herrn K. dermaßen, daß dieser ihm mehr Vertrauen schenkte, als nothwendig war, ja, sich sogar dazu bestimmen ließ, einzuwilligen, daß das Geld erst gezahlt werden sollte, nachdem die Formalien auf dem Grundbuch amte vollständig abgeschlossen wären. Die Eintragung der Hypothek wurde denn auch m aller Jorw. boantt'agt, der Angeklagte erhielt das Hypothekendokument zugeschickt, Herr K. aber wartete vcr- gebens auf die Ueberweisung des Betrages von 24 000 Marc. Als einige Mahnbriefe nnbeatitivortet blieoen, ließ er den Am geklagten beobachten und da festgestellt wurde, daß der Herr! „Rentier" in der Volksküche in der Scharrenstraße zu Miltaz speise, veranlaßt« er dessen Verhaftung. Der Angeklagte war außerordentlich entrüstet und behauptete mit der unschuloigsten Mren: von der Welk, daß er die 24 000 Mark baar ausgezahlt habe. Er blieb auch in dem gestrigen Termin, ohne sich durch den Ei» de? Herrn K. aus der Fassung bringen zu lassen, bei dieser lecken Bebauptung und als er vom Vorsitzenden, Landgerichts- rath Grandtke, sehr eingehend darüber befragt ivurde, woher denn sein angebliches Vermögen stammte, gab er folgende aben- teuerliche Geschichte zum Besten: Seine Mutter, welch« vor sechs Jahren gestorben sei, habe sich aus Rafstnement den Anschein einer armen Frau gegeben, thatsächlich � aber doch größere Geldsummen besessen. Als er nun aus dem Zuast' Hause entlassen worden, hätten ihm seine in Lteuruppul wohnhaften Verwandten seine Sachen zugeschickt und als er stw nach so langer Pause zum ersten Male wieder seinen alten Lew- rock angezogen, habe es in einer Tasche geknistert und er habe einen Zettel aus derselben zum Vorschein gebracht. Tiesi» Stückchen Papier sei für ihn äußerst werthr'oll gewesen, denn w euthsiett die Mittheilung eines inzwischen gleichialls verstorbenen Onkels, daß an dem Grabe der Matter eine Summe von 25000 M- für ihn vergraben worden sei. Er habe sich denn auch auf den W«Z nach dem Grabe seiner Mutter gemacht und richtig einen Fuß ti«! unter der Erde einen Blechtaste» entdeckt, aus welchem ihm wohn gesichtete blanke 20-Markitucke imGesamnttbetrage von 250ooM.eiW gegen lachten.— Ter Angeklagte war offenbar aiitzerordentlich stolz ans diese Geschichte, denn er schloß dieselbe, nachdem er noch eine genaue Beschreibung des Blcchkastcns gegeben, mit einem ganz befriedigten Gestchtsansdruck. Ter Gerichtshof glaubte aber von der ganzen Historie nicht ein einziges Wort. Da zum UedM stich»och festgestellt ivurde. daß der Angeklagte sich mit tcM Plane getragen nach Mexiko auszuwandern, fo war der Gerichts hos mit dem Staatsanwalt der Ansicht, daß cS wahrscheinüch der Hintergedanke des Tlngeklagten gewesen ist, die Hypoth» schleimigst zu zediren oder zu verpfänden und dann zu ver> schwinden. Mit Rücksicht aus die Höhe der in Frage kommende« Summe wurde der romantische Scyivindler zu 8 Jahren G«' s ä n a n i ß u n d 5 Jahren Ehrverlust vcrurcheilt. Ärrsden. 9. April. Der Redakteur Sommer von dtt „Sächs. Arbeiterztg." wurde vom hiesigen Schöffengericht weg«« 'Ausnahme einiger Annonzen, in denen die Behörden ew« Achtetklärung von Gastivirthen erblickten, zu 20 Tagen Ha? verurtheilt._. J Cijtmniir, 9. April. Das hiesige Landgericht«wwckWg* einen'Arbeiter' aus Thalheim, der sich in einer öffentlichen fantmlana kritisch über die Nichtbestätigung der Wahl eines S? zialdemokraten zum GemeiiideäUesten ausgesprochen und bei Gelegenheit das Wort Beamtensippschasr gebraucht hatte, weg«« Beamtenbeleidigung zu C Monaten Eefängniß. Sozinlo AwsLnf air alle t�cwerkfrlsaften? Die Tabalarbeit� Deutschlands,«ine der in Bezug auf Lohn am schlechtesten stellten' Brauchen(die letzte stattstische Zusammensiellung erg� einen durchschnittlichen Wochenverdienst für männliche Zigarr«>r arbeiter von 10 M. 02 Pf. und für weibliche 6M, 64 Pf.), hatte« aus verschiedenen Gründen Forderungen gestellt, wie: Human«? Behandlung von Seiten des Meisters, kleine Lohnaufbesserung«« insofern, daß die theilmeise Abschaffung der vor Fahren gemackst� Lohnabzüge verlangt wurde, sowie Zurückweisung von neuer diNln angekündigten Lohnabzügen.., Statt auf diese Foroerungen einzugehen, haben sich die tz* •-hfAfpr Arfp r.ovli«nh«>n itnh ihre Fabrikanten gegen die Arbeiter wird Jedem klar sein, es einen Kampf gegen_ die Organisation� � der wtWg] VIVIVil Vt». I. die Arbeiter fürn»'1' überhaupt gilt. Deshalb fordern wir v»-- lieber Gewerkschaften auf, uns, trenn irgend möglich, in dem«fr atifgedrnngenen Kampfe unverzüglich hilfreich beizustehen.» durch, daß alle Arbeiter sich mit uns solidarisch fühlen, w«d« wir ans diesem Kampfe um so schneller und leichter als@:«9 hervorgehen. Jn�Brmmsch'voig�öo Arbeiter, in Halberstadt 600, in Wo# Hansen 1100, in Osterode 40. Außer diesen befinden sich noch im Ausstande: � In Berlin 140'Arbeiter, in Potsdam 180, in Geng«« back, 40, in Salzungen 0, in Gardelegen 8, in Summa 2614•l b eiler. s Etwaige Unterstützungen wolle man an W. Nieder-Wellah/ Breinen, LZmigstr. 17, senden, damit dieselben nach Bedarf v«� wendet werden können. Briefe und sonstige Zuschriften an Unterzeichiieten. Mit Gruß I. A. I. H. Junge, Vorsitzender des Unterstützungs-Vereins deutscher Tabakarbcii«" Bremen, Ct. Jürgensir. 58., ,j Alle arbeiterfreundlichen Blatter werden um Abdruck m«' Ausrufs ersticht. In der Celegpaplirnl'an-Aullalt Mix». Genest, burgerstraße 14a, haben vier Rollenwickler'die Arbeit»>«»« gefegt~"~ mm A 'i,")»"-"»,!?. v, yaven griiern Arbeiter, Tischler, Kehler. Kreisfägenschneider lind HilsSarb«!� nieocrgelegt. Grund: Differenzen über die Ard«' zeit. Zuzug ist fernzuhalten.. Achtung! Arbeiter k Die von Lnckenwalder Hntmach«- au-gegebencn Listen für die Gemaßregelten sind nngesiempelt aegeoen, �iffctfcen haben trotzdem Gtltigkcit. Wir bitte»«, Nevpsmntlungstr.. Kouliu«nalwäli'.cr.Urrsammln"S Lj e:.r„ J. KtNvK fand am Mittwoch Abend, in Lehn'�. vc.Ion, Schiredtersir. 23/24, unter Vorsitz der Herren Paul H« viann, Taufe. tds.simd und Adler statt. Ctadtverordueter Vcgt- Herr hielt das Referat, in welche!» er Eingangs detonte, daß es nicht allein geniige, Fragen, die die Interessen des Berliner ar- deitenden Volkes berühren, nur zu erörtern, sondern daß es geboten erscheine, diese Fragen auch in die Form umzusetzen! Hierfür biete sich in der Kommmialvern'altung der Stadt Berlin ein großes Feld. Im Lause der Zeit hätte"sich, nicht nur eine Anzahl unbewußter Fehler, die eine Rüge verdienen, in der Ber- waltung herausgestellt, nein, es existirten sogar Strönnnigen, die daraus ausgehen, ihre alleinigen Interessen, sei es auch auf Kosten der großen Masse der arbeitenden Bevölkerung Berlins, cinseikirs zu vertreten. Seien Fahrlässigkeiten zu rügen, so gebiete cS das Pflichtgefühl, jenen Jnteresseugrupp«,, die nur aus ihren eigenen Vorthcil bedacht sind, energisch«niaegenzutreten. Daß that- sächlich chen Besitzenden Vortheile auf Vortheile gewährt werden, andererseits die Ärbeiterbevölfeumg zurückgesetzt und vernachlässigt werde, lehre ein Blick in die Zahlenangaben und die Berichte der Verwaltungen. Redner greift aus dem Gebiete der kommunalen Verwaltung nur einzelne Punkte heraus, übt scharfe Kritik daran und kommt zu den» Schluß, daß z. B. Wohlfahrtseinrichtnngen, ivenn sie getroffen werden, nicht dort getroffen werden, wo das Herz BerUns, sondern baI des Berliner Geldbeutels ist.(Sehr richtig; Bravo.) Diese Ungerechtigkeiten müßten beseitigt werden. Die Finanzwirthschaft, in der»ch so recht der Geist, der die Ge- __:__*..* i z-«" v<.r« cr\• v oo> Z, T' y i•••/ K vv vii,»vm.u;vji�4i der Arveltcrpartei, die im rochen Hause saßen, hätten keine Ge- legerchert vorüber gehen lassen, auf'dlesen wunden Punkt hinzu- weisen und ihrer Kritik sei es zu verdanken, daß man noch zu der Erzeugung gelange, daß diese«teuer nicht inehr aufrecht zu er- halten sei. ES werde an ihr herumgeflickt. Redner kennzeichnet in längeren Ausführungen diese Steuer als ein Privilegium der �.esltzenden und als eine Kopfsteuer für die ärmeren Klassen, di L-j?» druckender sei, als auch für-Werkstätten die Steuer* mittlchten sei. Redner fordert an Stelle dessen eine proareMve Elnkommemtcucr mit Selbsteinschätzuiig, also eine Steuer, dickroas Kapital trifft. Ausfälle, die hierdurch entstehen, könnten durch nachhaltige Ausnuhnng gewisser Betriebe geveckt werden. Die Stadt könne zum Beispiel den Betrieb der Pferdebahnen über- nehmen, für die augenblicklich eine privilegirte Gesellschaft nur em Butterbrot gebe. Es sei eine gerechte Forderung, daß die Ertrage eines Unternehmens, das durch die Beiträge der AU- gsmeinheit erhalten»verde, auch der Allgemeinheit zu Gute toinmcn. Redner fährt in seiner Kritik der Art und Weise der Kommunalverwaltung fort. So sei auch in Bezug auf die Gas- und Wasserwerke viel gut zu machen. Durch die Mittvirkung soziiildemokratischer Aogeoroneten seien nicht über Nacht Vor- thene zu erreichen; werde aber fort iiiid fort der Daumen auf- gedrückt, so werde man doch schließlich diesem Drucke nachgeben musseu. ES werde in der Berivaltung oft nicht nur nicht' nach a£m Sntarefse der Bürgerschaft gehandelt, sondern ost nach einem llBiiik, der von einer geioissen Stelle gegeben ivird. Beweis dafür sei die Brunnendeputation. Solchem Gebahren müsse ebenso entschieden entgegengetreten werden, wie den so beliebten Lob- nudeleien auf die Gemeint»(schicken. Mit dem Vorreiten dieses Paradepferdes sei nicht bewiesen, daß die Gemeindeschulen jetzt Muster einer Schule sind; im Gegentheil sei viel zu bessern. Be- wiesen sei nur, bnü die Schulen jetzt besser, früher aber erbarm- lich schlecht sind. Der Geist, der in den Berliner Gemeindeschulen herrsche, sei nur dazu angethan, der Stöckerei und Milckerei Vorschub zu leisien. Etwaige Verbesserungen seien nur auf deil kritischen Druck der Bevölkerung zurückzuführen. Redner geht nun zu einer Kritik der Bürgerpartei, die bis jetzt den 32. Bezirk behauptete, über. Die Bürgerpartei sei bei den Berliner Bürgern sehr im Preise gesunken; sie habe bis jetzt nichts gethan, ab., die unteren Klaffen der Bevölkerung zu bedrücken. �4� auch diese Partei von der Ungerechtigkeit der Mlethssteuer, aber erst,. seitdem ihr Schutzpatron Bismarck diese äußerst drückend und ungerecht fand. Ein wunderbares Schauspiel sei es immerhin, daß diese Partei hier für Abschaffung einer Steuer eintritt, während sie im politische» Leben bei jeder Gelegenheit dem arbeiteudei» Volke Steuern über Steuern halse.'' eine\ sie eine_ HHPHH von gewisser Seite bläst.(Sehr richtig.) Gegenüber diesen' Thatsachen fei es nothwendig, das; Leute in daö rothc Haus kom- inen, die dem Willen der große» Volkekreise ungeschminkt Ausdruck geben, unbeeinflußt durch Sönderintereffen. Nur dann sei zu erwarten, daß den Anforderungen de? arbeitende» Bevolre- rung seitens der Bourgeoisie mehr Leachttina geschenkt wkb. SMwik: arbeit,.ob» n;'mil( auch die Vortheiie feiner Arbeit'mit genießen.(Bei- fall.) Der zi vrite Referent, Herr Becker, legt in kurzen Zügen klar, warum eine Bethelliguug an den Komimmalwähken■ ihm geboten erscheint. Die Arbeiterklasse diirke sich nicht Vertreter anderer Klassen ausbringen lassen. Sie seien unfähig, etwas zum Wohle des ÄrbeiterS zu thuu. Das könnten nur Sozialdemo- traten. Deshalb möge man für die Wahl eines solchen eintreten. Es wurde hieraus folgende Resolution einstimimg angenommen: „Die heutige in Lehmanüs' Salon tagende.Kommunal-Wähkerver- sammlung des 32. Kommunal-WahlbezMs beschließt, den Fleisch- waarenhändler Karl Becker, Swtneinüp.Serstr. 13 als Kandidaten der Sozialdemokratie aufzustellen." Hierauf wurde das Wnhlkomitee durch die Herren Seiler Ncuuiann, Borkosthäudler Lietle und Schneider Renntyaler ver- vollständigt und das Wahltablea» verlesen. Die Einwohner folgender Häuser haben zu wähtvi: Tbeil I, Wcißenburgerstr. 4a(Turnhalle): Fehrbellincrstr. 1—2 Lotbrinaerür. 8—90. im«üchsten Jahre stark orgaiiistrt dlirch den Militärschneider- Verein, in den Lohnkamps einzutreten." Ferner wurden die Herren Wilde, Tomas, Günter, Timm, Kollan, Wolter und Matzke zu einer Agitationskommission gewählt. Eine öffeutttchr Kiflrnmncher-Urrl'nmntltlng tagte am Donnerstag, den 3. d. M., in Feuerstein's Lokal, Alte Jakob- straße 75, mit der Tagesordnung: Die Delegirten-Besprechung. Kollege Hering, von der Delegirtenkommission, berichtete, daß gegen die Wahl des Kollegen Streubel Protest erhoben worden sei und Grund dessen heute die Versammlung sich mit dieser Frage zu beschäftigen habe. Kollege Sircutel enviderte hierauf, daß er einen anonymen Brief erhalten habe und Grund dessen sich veranlaßt fühlt, sein Mandat als Telegirter niederzulegen. Ein Antrag von Kollege Friese, welcher lautete: Keine» Delegirien zu wählen und so schnell wie möglich eine Depesche nach Lübeck zu schicken, wurde angenommen. Hierauf schloß der Vorsitzende die Versammlung um 11 Uhr. Fit d«»» Ucrsaminltinssbrrlcht der CisrubaljUivertr» stätir:«-Arbeitev u. f. iv. in Nr. 82 befindet sich ein Fehler. Hinter den Worten Pensionskaffe 35 Pf. muß es nicht heißen „infolge dessen würden viele Kollege» aus letzterer ausscheiden", sondern„wenn nun die alte Penstonskaffe beibehalten wird, so werden die Mitglieder derselben nach Abzug des Prozentsatzes, der zur Reichsversicherung gehört und das sich selbstverständlich von Jahr zu Ja�n. steigende Risiko der alten Kasse— bei einem ettvaigeii AusMttke» aus der B e s ch ästi g»» g schwerlich noch ivas�Mms bekommen, wohingegen wir bei einer jetzigen ÄitstösiUMver Kasse ein ganz Theil unserer eingezahlten Beiträge zurückzahlt erhielten, und das Zahlen der hohen Beiträge isv deutsche» Zimmerer in Gotha am 7., 8. id!). April 1390. Wie bekannt, bestehen zwei Organisationen der Zimmerer, der Vorstand der deutschen Zimmerer und die Freie Vereinigung. Wir wollen hier nicht auseinandersetzen, warum dieser unerquick- liche Zustand zum Gaudium deS Unteruehmerthums bisher be- standen hat; genug, auf beiden Seiten suhlt man das dringende Bedäriniß, sich zu vereinigen. Diesen Zweck zu erreichen, fand bereits am 19. Januar d. I. eine Konserenz in Halle statt; das Ergebniß der dort gepflogenen Berathungen war der Beschluß. daß die beiden Hauprvertreter der getrennten Organisationen— Müllerstein-Haniburg und Brinkmann-Magbeburg den Austrag erhielten, den jetzigen Kongreß einzuberusen. Der Kongreß wird Nachmittags 3 Uhr durch Müllcrstein- amburg mit einer Begrüßungsansprache»nd Bekanntgabe der agesordnung eröffnet. Der einzige Punkt der auf der Konferenz in Halle vereinbarten Tagesordnung lautet: Wie ist eine ein- heitl'iche Regelung der Lohnbewegung der deutschen Zimmerer zu erzielen. Nach der Bildung eines provisorischen Bureaus, welches'aus den Herren Schräder- Hamburg, Schulz- Berlin, Fuchs- Gotha, Loß-Berlin, Schulz-Berlin, Rose-Halberstadt, Wießner-Breslau besieht, wird zur Wahl der Mandats- Prüfungskommission ge- schritten. Dieselbe besteht aus den Herren Glasau-Lübeck, Diener- Hamburg, Stellmacher-Stettin, Stanimcr-Leipzig, Lehmann-Berlin. Da» Bureau, sowie die Mandats- Prüfungskommission sind aus Herren, den beiderseitigen Organisattonen angehörig, zusammengesetzt. Ter Kongreß vertagt sich nunmehr, bis die Mandats- Prüfungekomntission ihre Arbeiten erledigt hat. Nach einer ein- stündigen Pause erstattet Herr Glasau das Resultat der Prüfung Anwesend sind 88 Delegirte, davon besitzen 75 ordnungsmäßig ausgestellte Mandate, 13 Delegirte haben aus dem einen oder dem anderen Grunde kein Mandat, ihre Zulässtgkeit wird jedoch von dein Kongreß bejaht, nachdem die Herren die Erklärung aus Ehrenwort abgegeben haben, in einer Versammlung der Zimmerer —-"t...«•.!_--------------- amggggWm"»den. dem Zothringerstr. 8—20, 22. Prenzlauer Allee 2-13, 241, 243, 248. Eaarbrückerstr. 1—4, C— 18, 25—83. Schönhauser Allee 1-11, 177—188, fehlt 180. Straßburgcrflr. 2—21, 88—48», 63—89. Weißendurgerstr. I. Theil 11, Weißenburgerstr. 4 a(Aula): Ehristinenstr. 14-23, 23-30. Metzerstr. 1—13. Schönhauser Allee 173—173. Schwebterstr. 1-17, 255-238. Templiner, str. 2—6, 10-13, 16-18. Weißenburgerstr. 2—6. ZivnSkirchstr. 23-31. Theil Iii, Zchdnickerflr. 17/18(Turnhalle); Angcrmünderstr. 2—6, 9—12., Chorinerstr. 7-13, 71-77.' Christinenstr. 3-7, 10-13, 31-89. Fehrbellinerstr. 3-8, 11-15, 53, 87-98, 95—100. «ottumstr. 1—6, 8-21, 23—28. Templiiierstr. 14. ZionZkirchstr. 22-25, 33-30. Theil IV, Zehdnickcrstr. 17/18(Aula): Chorinerstr. 15—19, 67— 71, Fehrbellinerstr. 17—24, 77—83. Kastanien Allee 36/87—50, 52-59, 61—68, 70, Schwedierstr. 23—26, 245—254». Zionskirchstr. 14—19, 33—44. Nach beendeter lebhafter Debatte schloß dann die Versainm- nng. . Die Offizier- uud Seamten-Lieferungoschueider hatten s'ch vorgestern versammelt, um zu dem von den Liessnings- schneidern eingebrachten Thema:„Sind wir gewillt. Anfangs Mai in einen Lohnkampf einzutreten?" Stellung zu nehmen. Folgende Resolution gelangte zur Annahme:„Die Versammlung ttkennt eS als ihre erste Pflicht an. unter den Schneidern eine rege Agitation zur Besserung ihrer Lebenslage zn entfalten, um gewähltzu sein. Diese Erklärung wird von de» 13 Delegirten avgcge die Mandat?- Prüsungskommisston erhält Entlastung mit i Ailfttaa, bis zum nächsten Morgen die Präsenzliste' ordnungs mäßig fertig zu stellen. Nunmehr wird das provisorische Bureau für die Dauer des Kongresses bestätigt. Der Kongreß tritt nunmehr in die Berathung der aufgestellten Tagesordnung ein. Eine sich entspinnende Geschäftsoronungs- Debatte dehnt sich bis Abends 7 Uhr ans, um welche Zeit die Vertagung bis zum nächsten Morgen 3 Uhr vom Kongreß an- genommen wird. An dem Abend fand in dem Kongreßldkal eine von den Gothaer Zimmerern versustaltets Abendunterhaltung statt, welche die Delegirten in dem Kreise der Gothaer und deren Familien noch für einige Stttnden in heiterer Unterhaltting beisammen hielt. Tie 2. Sitzung deS Kongresse» wird am Dienstag Morgens um 8 Uhr eröffnet. Die Präsenzliste führt 83 Delegirte, welche 95 Städte vertreten, auf. Der Kongreß beschließt, daß die Prä- scnulste Noch dadurch vervöllständigt werden soll, daß die Tele- girten darüber Mittheilung machen sollen: 1) Wieviel Zimmerer an den einzelnen Orten arbeiten; 2) wieviel organisirt sind; 3) welcher Art die Organisation ist; 4) wieviel die Stundenzahl der täglichen Arbeitszeit beträgt; 5) den Sttindenlohn. Nunmehr tritt der Kongreß in die eigentliche Tagesordnung ein, und nimmt als erster Redner Herr Brinkmann- Magdeburg da? Wort. Derselbe führt aus, bau über die Berechtigung des Arbeiterstaudes, bessere Lahn- und Arbeitsbedingungen zu crzicleu, unter dem Arbeiterstand Zweifel nicht mehr beständen. Auch die Frage, ob rg möglich sei, diese besseren Lohn- und Arbeits- beduigungen zu erzielen, müsse bejaht werden. Nur sei diese Besserung nickt nach den Dlariuien der„alten Schule" zu er- reichen. Die Arbeiter müssen politisch ausgeklärt iverden. Zu diesem Zwecke seien die zentralen Verbänce ungeeignet. Hierzu seien örtliche, die gesammte Arbeiterschaft umfassende Organisattonen zu schassen. Die großen Städte hätten längst begriffen, baß die Gewerk- jchattsbewegung abgeivirthschaftet habe. Freilich soll, ehe dies Ziel erreicht ist, gewerkschaftlich weiter organisirt werden. DaS Ziel muß aber sestgehaiten werden und an Stelle deS Lohnkanipses der Klaffenlampf treten. Ter Vorschlag des Redners geht dahin, einen Agitation? sond zn gtütiöC», der von einem Kassirer, welcher unter der Kon ttole von drei Kontroleuren gestellt werden soll, verwaltet wird Für die Agitation eiiwstehlt der Redner das Institut der Aer trauensmänner. Der Redner bringt eine diesbezügliche Resolntton und einen'Antrag ein. Herr Müllcrstein, der Kassirer des Verbandes der deutschen Zimmerer, erklärt sich mit dem GedankenganaBrinkmanns ein- verstauden, jedoch nicht mit den empfohlenen Mitteln zu diesem Ziele zn gelangen. Derselbe empfiehlt den Ausbau des Verbandes, um den Sachsen zu ermöglichen, nach einer selbstständigen Organisation mit dem Verband Fühlung zu gewinnen. Hauptsächlich könne der Verband, gestützt aus feine Organisation, selbst dann Mittel flüssig machen, wen» die Kasse leer sei. Die Hamburger Zim- meter allein haben im vorigen Jahre 12 000 M. nach außen und lg 000 M. in Hamburg für andere Gewerke verwandt. Ter gleichen Ansicht' ist Glasau-Lübeck, Hantelrnann-Köln, Diener- Hamburg. Letzterer führt aus, das, der Aussall der Wahlen den Bewei» geliefert habe, daß zu diesem Resultat die Zentralorgani- sationen der Gewerlschaften mindestens nicht weniger geleistet hätten, als die Lokalorganisationcn. Hempel und Scheut(Leipzig) reden der Lokalorganisation haß Wort. Moztan-Berlin führt aus, daß eS heute Aufgabe deS KsugreffeS sein müsse, die Erfahrungen der letzten 20 Jähre in Erwägung zu ziehen. Theoretisch sind die Anträge Brink- mann's richtig, praktisch unbrauchbar. Der Verband der deutschen Zimmerer kann resormirt werben, will die Opposition dazu mit- beilragen, so wird sie das Richtige und einzig Mögliche treffen. (Mittagspause.) 3. Sitzung. Nachmittags IVe Uhr. Rohde-Leipzig redet der Vereinigung das Wort. Meisner- Berlin macht den in der Zentralorganisation Vereinigten den Vorwurf, dieselben hätten nicht den Much, politisch auszutreten. Schulze-Magdeburg: Ich habe mir die Mühe gegeben, die Gegensätze auszugleichen. Dies ist nur nicht gelungen, ich i gebe deshalb die Mühe auf. Die Frage der Vereinigung ist noch nicht chruchreif. Die Vorstände der Zentralorganisationen sind zu vor- ichtig. Dieselben wollen nicht in den Geruch der Sozialdemokratie kommen. Der Schwerpunkt der Agitation muß in der poliiischen Beweaung liegen. Barthel-Magdeburg weist den Vorwurf zurück, al» ob die Zentralverbände geradezu reaktionär wären. Außerdem seien die Mittel zur Lohnbeivegung durch die Zentralorganisation viel korrekter und unter vesserer Kontrole einzuziehen, als durch Sammellisten.____._ Lehmann-Berlin ist mit Brinkmann der Ansicht, daß die Organisationsfrage durch Majoritätsbeschlüsse nicht erledigt iverde. Mozian sei trotz seiner 20 jährigen Erfahrung hinter unserer modernen Bewegung zurückgeblieben. Der KorpSgeist der Branchen müsse ausgerottet werden und die allgemeinen Interessen gepflegt werden. Stellmacher-Stettin befürwortet warm und durch Beibringung drastischer Beispiele die Zentralorganisation. m Stammer-Leipzig ebenso die Lokalorganisation. Müllerstein-Hamburg weißt die Einwürfe der Vertreter der Lokalvcreinigung der Reihe nach klar und trcssend zurück. Derselbe geht auf die Liesolution und den Antrag Brink- mann's des Näheren ein. Tie Lokalorganisation zwingt die einzelnen Orte sich auf sich selber zu stellen. Die Resolution will nur einen Agitationssonds. Die politische Lins- klärung der Massen ist in der Zentralorganisation durch die Presse am besten zu bewirken. Ich bin Mitglied von drei Orga- nisationen der Zimmerer gewesen, ich habe gesunden, daß die Zentralorganisation die beste ist. Wen» die Freie Vereinigung die Beschlüsse des Kongresses nicht anerkennen will, so wäre es besser geivesen, wir wären nicht zum Kongreß gelommen und hätten die Kosten desselben der Lohnbeivegung zugesührt. �ch konftatire, daß die diesbezügliche Erklärung zweimal von Lehmann und Brinkmann abgegeben ist., Redner macht Gegenvorschläge als Ergänzung der Brink- mann'schen Anträge.'Außerdem sind noch sieben die gleiche Materie behandelnde Anträge eingegangen, die sämintlich einer Redaktionskommission zur Berichterstattung überwiesen werden. Die Kommission wird gebildet aus den Herren Müllersiein, Hantelmann, Diener, Vriilklliann, Stammer und Lehmann. Hier- nach wird die Debatte fortgesetzt, um die Ansichten so mel wie möglich sämmtlicher Delegirten zu hören. Die Rednerliste ist eine recht stattliche. Dieselbe erreicht die Zahl von 40 Namen. Schluß Abends 7 Uhr. Mittwoch, den 9. April. 4. Sitzung. Nach Verlesung der Präsenzliste erhält Herr Brinkmann Namens der gestern eingesetzten Redaktionskommission das Wort zur Berichterstattung. Derselbe führt aus, daß die Kommission Angesichts des Unternehmerthnms, geleitet von dem Gedanken, daß wenn nicht Alles docki Etivas erreicht werden müsse, folgenden Kommissionsantrag zur Annahme empfehle: In Anbetracht, daß die heuttgen Gesetze es nicht gestatten, die Lohn- und Arbeitsbedingungen wirksam zu verbessern, be- schließt der Kongreß, mit aller Macht dahin zu wirke», daß solche Gesetzesbestimmungen herbeigeführt iverden, die es der Aröeuer- klaffe ermöglichen. Lohn- und Arbeitsbedingungen so zu regeln. wie es der Stand der Produktion gestattet und die Zahl der Ar- In fernerer Erwägung, daß die Unternehnierklasse sich in jeder Weise solidarisch erklärt, um die Bestrebungen der Arbeiter zur Verbesserung der Lohn- und Arbeitsbedingungen zu unterdrücken, erklären sich die Zimmerer Deutschlands durch den Kongreß den Unternehmerbestrebungen gegenüber solidarisch, und beschließt der Kongreß, beide Organisationen der Zimmerer Deutjchlands fried- lich nebeneinander bestehen zu lassen und dahin zu wirken, daß sich beide zu einer einheitlichen Organisation verschmelzen. Die Resolution wird debattclos einstimmig angenommen. Desgleichen ein Antrag, vorstehende Resolution offiziell zur Keimtuißuahme der sozialdemokratischen Reichstagsfraklion zn übermitteln._._ Die anderweitigen Resolutionen, die auf die Einfuhrung eine» deutschen Bcreinsgesetzes gerichtet sind, werden als erledigt be- trachtet und zurnagezogen.._ Ein Antrag aus Einführung eines einzigen Organs der deutsehen Zimmerer wird als verfrüht zurückgezogen. ff->e An- rcgnng, wieder eine technische Beilage einzuführen, wird von Müllersiein und Brinkmann abgelehnt und dringend vor dem Abonnement der Zimmerkunst gewarnt. Das Protokoll des Kongresses wird von den beiden Schrift- sichrem Lop und Schulz Berlin fertig gestellt, von den Einbe- rusern des Kongresses. Müllersiein und Brinkmann, unterzeietznet, in Hamburg gedruckt und von Berlin exvedirt. Anmeldungen zum Bezug, sind bis zum 1. Mai an die Herrn Otto Lop, Berlin W., Schillstraße 14, und Paul Schulz, Berlm N., Neue Hochstr. 27, zu richten. Ter etwaige Ueberschuß aus dem Verschleiß des Protokolls wird den Gorhaer Zimmerern überwiesen. Die mit der Präsenzliste aufgenommene Statistik soll dem Pro- tokoil beiaesügt werden. DesWeiteren ivird einAntrag einstimmig angenommen, weicher in Zkilssührung der Beschlüsse des vorjährigen interna ionalen Artjetterkongresses in Paris, den I. Mai als Feiertag erlbärt,»no zur Durckssührüüg dieser Maßregel das Programm der Berliner Arbeiter den deutschen Zimmerern empfiehlt. Hiermit sind die Berathuilgen de» Kongresse» erschöpft. Der Vorsitzende dankt den Delegirten für die treue Hingabe an die Arbeiten des Kongresses. Ntüllerstein dankt für die zahl- reiche Betheiiigung und freut sich, daß eine Annäherung stattge- funden hat, welche die Gewähr bietet* daß eine Vereinigung in ver weiteren Entwicklung ftattsiiiden wird. Brinkmann hofft, daß die Arbeiten des Kongresses dazu bei- tragen werden, dem Proletariat die Führung de» Klassenkampfes zu erleichtern. Mit einem dreifachen Hoch auf die Jnternationalität der Arbeiterbestrebungen, wird hiernach der Kongreß um 10 Uhr von dem Vorsitzenden geschlossen..,.. Aua Solingen, 6. April, wird uns geschrieben: Hier ist der 1. Mai für eine Demonstration zu Gunsten des Achtslundeu- tages durchaus nicht geeignet. Abgesehen von dem vorhergehenden preußischen Büß- und Bettage, wodurch nicht allein zwei Tage Lohnmisfall und größere Geldausgaben entstehen, die von den im Tageloh» arbeitenden Familienvätern so leicht nicht verschmerzt werden können, ist hier allgemeiner Nmzugstag— Wohnung»- Wechsel— so daß auch an eine Abends stattstndcnde Volksver- samiulimg, in welcher die Bedeutung der achtstündigen Arbeits- zeit auseinandergesetzt, verdcn soll, nicht zu denken ist. Vielfach liegt bei uns die Verkürzung der Arbeitszeit in den Händen der Arbeiter selbst, und es ist wenigstens Aussicht vorhanden, daß— abgesehen von den Wasserwerken, wo oft wegen Wasser- manget tagelang nicht gearbeitet werden kann— die zehnstündige Arbeitszeit allgemein eingeführt werden wird. Hier kann durch Einmüthigkeit noch Vieles ohne Rücksicht aus die Fabri- kanten geschehen, und es enstire» auch thatsächlich keine Arbeiterbranchen in Teutschland, die mit ihren Organisationen solche Erfolge aufzuweisen haben, wie die Schleifer des Kreises Solingen. Einerseits liegt dieses in den eigenthümlichen Ver- Hältnissen unserer Stahl-Jndustrie, da bei Differenzen mit de» Fabrikanten eine Herauziehung auswärtiger ArbeUskräste voll- ständig ausgeschlossen ist. Andererseits liegt es aber auch an dem festen und besonnenen Austreten der Arbeiter selbst. Auch eine plötzliche allgemeine Arbeitseinstellnng ist in den seit Einführung der Koalitlvnssreiheit organisirten Branchen nicht möglich, da der mit den Fabrikanten vereinbarte Lohntarif Vierteljahr gekündigt werden muß. den Versuch machen, unter dem beiderseitig auf ein Diejenigen Arbeitgeber, welche vereinbarten Tarif zu zahlen, rcetöen auf vorherige Verwarnung, jedoch ohne Kündigung, in Streik erklart und in den weitaus meisten Fällen mit Erfolg Wenn auch Inder in den hiesigen Fachvercinen nur plattdeutsch gesprochen wird, so verdient der Geist, die Uneigennützigkeit and Redlichkeit, welche in denselben groß gezogen wurde, immerhin alle Anerkennung. Giebt es doch eine Anzahl Männer in denselben, welche bei Streiks, die wochenlang dauerten, die Vercinskasse nicht in An- fpruch genoinmen haben! Bei auswärtigen Arbeitseinstellungen, namentlich bei dem Bergarbeiter-Ausstande, habe» die Solinger Arbeiter viel geleistet, für sich selbst liehen sie aber noch niemals den Klingelbeutel im Lande herumgehen. Es soll damit anderen Arbeitern kein Vorwurf gemacht werden. Würoen jedoch bei den» hier und da ausgebrochencn Streikfieber die Berufsgenossen sich mehr auf sich selbst nno ihre Vereinskassen, als auf den Appell an die Taschen ihrer Mitbrüder verlassen, dann würden sie vor mancher Täuschung und mancher Niederlage beivahrt worden sein. Die Elberfelder Färber und Barmer Riemendrehcr wissen ein Liebchen davon zu singen. Auch der Umstand, daß in den Fachvereinen, welche die Solinger Industrie umfaffen, nur Fachmänner, die selbst den betreffenden Organisationen angehören, das Wort führen, ist von segensreillier Wirkung gewesen.— Arn zweiten Sonntag im Mai wird Hierselbst eine Bolksversainmlung stattfinden, in welcher die Bedeutung der achtstündigen Arbeits- zeU erörtert werden soll. Nöln, 9. April. Die Volksversammlung in Gürzenich vor- gestern Mittag war von ungefähr 5000 Personen besucht, welche meist den gewcrklichen Fachvercinen von hier und der Umgegend angehörten. Den Vorsitz führte Woldersky. Hauptgegenstand der Verhandlung bildete die Stellungnahme zu dem achtstündigen Arbeitstage. Der Vorsitzende meinte, daß diese Angelegenheit auch Sache der Zentrumspartei gewesen wäre, um zu zeigen, ob sie aervlllt sei, diese Forderung der Kölner Arbeiter zu unterstützen. Tie sozialdemokratische Partei sei allerdings mit dieser Forderung noch lange nicht zufrieden, es sei eine Art Abschlagszahlung; ferner solle die Frage erörtert werden, wie stellen sich die Kölner Arbeiter zu dem Beschlüsse des Pariser internationalen Arbeiterkongresses bezüglich des für den I. Mai in Aussicht ge- nommenen Feiertages. In einstündiger Rede entwickelte dann Max Lücke, der Kandidat der Partei bei der diesjährigen Reichs- tagswahl, die Gründe für die Forderung des achtstündigen Ar- beitstages. Bezüglich der geplanten Feier bemerkte der Redner, daß man die Schwierigkeiten nicht verkenne, welche dadurch ent- stehen, daß zwei Feiertage hintereinander(am 30. April ist Buß- und Bettag) folge». Der Ausfall im Arbeitslohn sei ansehnlich; .aber trotzdem empfehle das Komitee, den 1. Mai als Feiertag zu «heiligen". Der Beschluß sei übrigens kein bindender. Die Feier solle einen demonsttativen Charakter nach außen haben, sie soll ein Druck fein auf die staatlichen Organe. Eingehend be- > gründete dann der Redner die Forderung des achtstündigen Nor- malarbeitstages. Die Nothivendigkeit desselben ergebe sich aus der heutigen Produktionsweise, welche den goldenen Mittelstand .fast ganz vernichtet habe, so daß der Kleinmeister nahez»» am Hungertuche nage. Die Forderung sei ferner ökonmnischen Ur- sprungs. Die Signatur der Jetztzeil sei das Akkordsysteni, welches die Arbeitskraft als Waare betrachte und mit allen Mitteln de- kämpft werden müsse. Nicht, je langer man arbeite, sondern je weniger man arbeite, desto mehr verdiene man, müsse es heißen. Ein fernerer Grund für die Einführung des Nor- malarbeitstages sei die Konkurrenz. Eine Ueberproduktion isei gar nicht vorhanden. Wenn mehr verdient würde, werde auch der Konsum größer sein. Aber es fehlen die Mittel zum Ankauf. Redner bezeichnete den Norinalarbeitstag als eine spezielle Forderung der Sozialdemokratie, für welche die liberale Partei Bocksprünge mache, wenn die Regierung, es wolle. Auch aus ethischen Gründen müsse man die Forderung aufstellen, namentlich damit der Familienvater sich auch der Erziehung der Kinder widmen könne. Ferner soll auch dadurch die Kinderarbeit mehr oder minder beseitigt werden, weil durch diese der Lohn der Erwachsenen herabgedrückt werde. Endlich drängen die Fort- schritte der Maschinentechnik und Sittlichkeitsgründe zu der For- derung. Schließlich seien es auch politische Gründe, welche die Forderung berechtigten. Je mehr Zeit der Arbeiter habe, desto bester könne er sich weiter ausbilden, desto mehr könne der Ar- beiterstand sich stärken, um seine politischen Rechte weiter aus- dehnen zu können. Es fei eine Kulturforderung, wie die der Ab- schaffung der Sklaverei, die allerdings auch jetzt noch und in weit größerem Maße bei den Arbeitern herrsche. Eine Reihe von Ein- wänden sei gegen die Forderung von den verschiedensten Seiten erhoben worden. So behaupte nian, der Norinalarbeitstag sei «in Eingriff in die persönliche Freiheit; man lege die Industrie lahm u. f. w. Aber Militärzwang, Schulzwang, Enteignung der Grundstücke seien auch solche Eingriffe, die zum Segen der AU- gemeinheit dienten. Die Fordenlng des Normalarbeitstages soll aber nur auf gesetzlichem Wege geltend gemacht werden, Nicht»vie der Fortschritt beziehungsweise die Freisinnigen es wünschten, in» Wege der freien Vereinbarung zwischen Arbeiter und Arbeitgeber. Der Ausfall der jüngsten Reichstagswahl habe das Großkapital derart erschreckt, daß dasselbe Dahin strebe, den Schwerpunkt der Arbeitersrage aus dem Reichstag in den Landtag zu verlegen. Es sei bereits der Entwurf eines Gesetzes betreffend die Ver- hüttmg von ArbeiterauSständen in der Mache.§ 1 desselben verlange zweimonatliche Kündigung von Seiten des Arbeiters,§ 2 sehe Strafen bis zu sechs Monaten vor gegen die Verleitung zum Ausstände durch Mittel, welche einen Willenszwang auszuüben im Stande seien. Zun» Schlüsse bemerkte der Redner, dap auch aus«anderen" Gründen die Forderung erhoben werde. Der acht- stündige Arbeitstag soll ein Sicherheitsventil sein. Die Kapitalisten »varteten schon darauf, uin im Arbeiterblut die Arbeiterbewegung lahm zu legen. Aus den Reihen der Arbeiter heraus habe man ein solches Vorgehen nicht zu erivarten. Als Ausdruck der E orderung soll der 1. Mai gefeiert werden, und zwar sollen zwei ersammlnngen an diesem Tage abgehalten werden.(Leb- Haftes Bravo!) In der nachfolgenden Erörterung sprachen sich die Vorfitzenden der verschiedenen Fachvereine allgemein für die Aussetzung der Arbeit am 1. Mai aus. Der Tag solle ein Prüf- stein für die gesammte Arbeiterivelt und für die Regierung sein, ob sie geiviUt sei, die Arbeitszeit auf internationalem Wege zu regeln. Diese Unternehmerzund Fabrikanten hätten einfach sich zu fügen. Die benutzten jetzt schon den einfachen Feiertag als Schreckmittel, uin für ihre Erzeugnisse höhere Preise zu fordern. Die nachstehende Resolution wurde dann mit allen gegen zwei Stimmen angenommen.„Die heute auf dem Gürzenich stattge- habte Arbeiterversammlung beschließt, den 1. Mai als Feiertag zu begehen, um an der Seite der Arbeiter aller Länder die Per- »virklichung eines internationalen Normalarbeitstages von acht Sttmden zu erstreben. Tie Versammlung beschließt daher, so viel als möglich dahin zu wirken, daß die Derfaminlungen am 1. Mai zahlreich besucht werden und die Arbeit zur wirksamen Temon- stration für diese Forderung an diesem Tage ruht." Zur plan- mäßigen Organisation wuroe ein Ausschuß von 23 Mitgliedern der Fachvereine gewählt. Wie Herr Lücke im Schlußwort be- merkte, soll in der nächsten Zeit eine Petition um Einführung des achtstündigen Arbeitstages an verschiedenen Stellen der Stadt aufgelegt werden. Es solle dadurch dem Reichstage von der ge- kämmten deutschen Arbeiterwelt die Pistole bezüglich seiner Arbeitersreundlichkeit auf die Brust gesetzt werden. Mit einem Hoch auf die internationale Arbeiterbewegung trennte man sich nach 2Vsstündiger Versammlung. Zwei groß» iiflfciitlich» ßtommunalmiiiiler Nerfamnilung«» finden am Mvniag und Dienstag für den 33. Kommunat-Wahibezirk statt. Montag, Abends s% Uhr. Beiforierstr. 16 bei Schneider. Neferenien: ReichSlagSabge- ordneter Stadthagen und Becker. Tagesordnung: Tie bevorstehenden Stadt- verordurtsnivahle», Tisrnfston,«Zerschiedene«.— Dienstag, Abends 8 Uhr, Schwedterstr. 23 bei Lehmann: Verkündigung des Wahtrefultats, Ansprache des Kandidaten, DtSkusston. ZU« Krnnlirn- und �i-grübnißstaNe de» Verein» sämmtticher Kerus«- stlosten, Berwaitnngsstelle, Berlin l, hält Sonnabend, den 12. d. M., Abends 8 Uhr, bei: Wollschlager, Blnmenftrabe 78, eine Bcrsammlung ab. Tagesordnung: Kassenberichl, cheschüslUches, Mitthellungen, Antrage. Verband deutCcher Ziinuieelent«, Lokalverb. Berlin. Freitag, den ll. April, in Jordan'« Salon, Neue Srunstraste 28, Adend» 8jj Uhr:«eneral- versammlung. vffenb. Frauenkais». verwallungsstelle Berltn M. Sonntag, den 13. April, Nachmittags» Uhr, BrunnenfiraKe 38 bei Herrn Snadi: Haupt- Berfammlung. Frei» Vereinigung der Zohgerber«nd xederiurichter Herlin». Sonntag, den 13. April 189», Sonnlttags io\ Uhr, Weinstrage u bei Feind!: Berfammlung. vroß»»Ifentliche Versammlung sammtUcher Arbeiter der Firma Buhle u. Co., Attt-ngesellschafi für Metallindustrie, am Freilag, den ll. April 1930. AbendS 8'; Uhr, t>n Saale des Herrn Uebel(Sien»' Salon), Naunvnslraste 27. """""" Freien Oentnianag nd am Sonnabend, Jniekstraß« io. Große i-lsentiichr Ateinbildhanee- v»rsa>»ml»»g am Freitag, den ll. Apcll, bei Müller, Johanntsstr. 20, Abend» 8% Uhr. Tagesordnung: i. Bericht der Kommisston.?. Diskusston.». BerschiedeneS.— Jeder Meister, welcher Stelnbildhauer beschästlgt, wird hiermit eingeladen. Hoiialdeinostratifchrr£»)>- und Viskutir-Klub„galTnUe", Freitag, den II. Aprtl, Abend« s% Uhr, bei Ziemer, Cuorystr. 10. Säst«, durch Mil- glteder eingeführt, haben Zutritt. Filiale 4 der AUgem»in»n und Zentral-Kranken-«nd Kterkekast« der tUetaUarbciter, E. H. 29 und 89, Hamburg. Sonntag, den 13. Aprtl, BormtllagS ll Uhr, Andreasstraste 20, bei Boljmann, Berfammlung. Tagesordnung: l. Kassenbericht. 2. Verschiedenes.> Vi»«tfrntlich» Versammlung der in Huchbindereien rtr. b« schuf- tigte» Arbeiter und Ardriterinne», die am Freilag Abend bei Buggen- Hägen stattfinden sollte, hat die polizeiliche Senehinlgung nicht«»hallen. Freireligiöse Gemein»», Nosenihalerftr. 38. Tonnlag, den 18. April, BorniillagS io Uhr, Bortvag des Herrn Peu» über»Den Sinflub der ölono- mischen Verhältnisse aus die Selbstständigkeit der Ueberzeugung." Süste sehr willkommen. Gesang-, Turn- und gesellig» Perein» am Freilag. Kaiser'schcr Münnergesaiigoercin Abend« 9 Uhr»m Restauram Tamm, Schönhauser Allee 28.— kZesaugverein»Pausebcutel" Abends 8 Uhr im Restaurant H-nsek, Alerandrinenstr. 16.—„Licdertasel der Maler und verwandter Berussgenossen- AbendS» Ubr im Reitauiant Kleine, Brandenburgsir. oo.— Buchbmder- Mniinerchor Abends 8% Uhr bei Feuerstein, Alt« Jakobssir. 76.—«esangverein „Flöler'scheS Doppelquarttti" Ade-d« 3 Uhr im vleslanrant Musehold, Lands- bergerslr. 81.— Sesangverein„Fortschritt" Abends 9 Uhr Im Restaurant Blumenstr. es.— Sesangverein„Echo 1873* Abends 9 Uhr Dtanlenjitohe* Neue Mttglteder werden ausgenommen.— Sesanavsreln„Ossian" Aßffjj 9 Uhr, Dresdenerstr. 85 bei Sustavus.— Huppert'sche Sänger-Bereinigm - Ä-sanav-rctn„Widerhall" Abends 9 Uhr bei Herrn Boge, Kspnick-rstr. M — Sesangverein.Lorbeerkranz"% Uhr Nestaurant Wetnstr. 11.— A»del» Gesangverein„Nord" UebungSstunde Abends 8% Uhr im Restaurant Siw* Brunnenstr. 38. Slimmbegabie auch passive Mitglieder werden aulgenomiu. - Sesangverein„Colleqia" AbendS von 9-ii Uhr bei Schuster, Oranicnslr.» — Boigl'scher Dilettanien-Occhesterverein, UebungSstunde von«S— ll r? Abends im Louisenstadtischen Klubhaus, Anncnstr. iß, l Tl.— Bltl»» Turnaenossenschaft(6. Männerabtheilung) Abend« Uhr tn der stadtts« Turnhalle, Wasserlhvrftr. 31.— Turnverein„Hasenhaids"(MünnerabtheiluiT Ab. 8 Uhr Diefsendachstr. 00-01.- Turnverein„Froh u. Frei"(AiänneradP Abends 8% Uhr Bergstras!- 69.- Wtstenschaftticher Verein für«ollerst» Stenographle Abends sz Uhr lm Restaurant Ziethen, Dorotheenstr. 31. Urum Restaurant Sendelstr. 30.— Deren» ehemaliger Dr. Doebbelinscher Schüler L— 9 Uhr im SUilaut. Krebs.Friedrlchstr. 20S.-Zlrhervere:i>„i!ll?enveilch-n Aden» Uhr im Restaurant„Wahlslatt" B-lleallianeestr. 69.- Aauchllub„ifflefiew Abends 9 Uhr im Hohenzollerngarten Stegliherstr. 27.— Rauchstub„Weich- blatt" AbendS Uhr ini Restnurant Skaliyerstr. 147».-»taucht Hb Zwang" Abends 8,\ Uhr im Restaurailt W. Spalt) Weinstr. 23.— Verein ehe maliger Schüler der 22. S-meiiid-ichuIe Abends 9 Uhr im Reitaiuiant SchSZ Stegliherstr. 18.- Lese- und DiSkutirklud Herwegh Abend» 8 Uhr tm LM W.----- r*---— r,...- O. irt»tviS TirttMOit 'S 8,j llyr vuvrystr. 16 ve: �lemeD. louftv VUHU) �4.3»�'. können eingeführt werden.— Sozialdemokraiischer Lese- und DiSkulirli» Borwarks AbendS 8% Uhr tn Boland's Lokal, Naunnnstr. 83, Sihung. säe lönnea durch Mitglieder eingeführt werden.— Arve ilergesangverstn„VwJ nung" Friedrichsberg bei Reufch, Frantfurier Shaullce- und Dorfslragen-its UebungSstunde. Aufnahme neuer Milglieder.— Mannerchor der«Berit?? Mechaniker" Abends 9 Uhr im Nestaurant Krüger, Franzstr. 8.— V-r-» ehemaliger Schüler der 23. Seineindeschule Abends 3% Uhr«onlgstadt-Kast> Hvlzniarklstr. 72. Ausnahme neuer Milglieder. Sasle willlommen.— Lesel,- „Karl Marl" Abends von 9— n Uhr bei Schönseld, Martendorsersir. si „Muster,-tchner-verband Teutschland«" Abends 8% Uhr. Zum Schull»» Landsbergerstr. 78. SpreLhsÄol. Die Redaklton stellt die Benutzun. geben ist, dem Publikum zur Bei, Interesse» zur Verfügung; ste verwahrt stch abu--------- Inhalt desselben tdenttstztrt zu werden._, Im Interesse der Lohnbewegung sowie im Interesse W Arbeiterbewegung überhaupt fühle ich mich veranlaßt, folgen� bekannt zn geben:-,, Am 3. Osierfeiertag Vormittag fand von den Schuhmach-? Verlins eine Massenversammlung bei Lips, am Friedrichsha� statt. Der große Saal war bis auf den letzten Platz g-fW? Die Versammlung hatte zu entscheide», ob die Schuhmacher lins in diesem Frühjahr in eine Lohnbewegung eintreten. J*-3* einem Referat des Herrn M. Baginskl wurde die Resolutto» dahingehend, zur geeigneten Zeit in den Lohnkampf einzutret» angenommen. Soviel ich nun gesehen habe, waren mehrere � richterslatter anwesend.» In dem Bericht des„Volksblatt" ist leider nicht ermahnt, dfl die Stimmung der Versammlung eine sehr lebhafte war. Eben!'' ja noch weit wichtiger ist es doch für die Bewegung, daß m? Beschlüsse, welche wie der folgende lauten, in einen Bericht alst nimliit:„Die heutige Versammlung beschließt, die freiwillige Wochenbeiträge von jetzt ab von 10 auf 60 Pf. zu erhöhe� damit auch die Kollegen, welche nicht anwesend waren, ebenso" wissen, wie sie sich zu verhalten haben. Einer Erwähnung n> auch die Annahme der folgenden Resolution werth gewesen:«*' heutige(von ca. 3000 Personen besuchte) Versammlung beschuh den 1. Mai als Feiertag zu betrachten und die Arbeit ruhen zu laptn- Ich möchte bitten, daß sich in Zukunst die Herren BerichterstaV einer größeren Genauigkeit und Präziston befleißigen möchten.: Josef Süßmeyer, Kronenstr. 68/69. j Depielchett. 1 (Moiff» Trlegrapheu-Kni-cau.) «amburg, Donnerstag, 10. April. Die hiesigen MaZ gehilsen haben heute Morgen in fast allen Geschäften die«*3 eingestellt; dieselben verlangen einen Miiumcillohn von 60 P» ver Stunde, während die Malerinnung nur 50 Ps. bewilligt. Arm leicht verwundet. Im„Reichs anzeienk" werden die(französischen) Protoko� der Arbeiterschutz-Konserenz veröffentlicht. Wir bringen r morgen übersetzt. � Verlobte: Frl. Helene RyoHlik mit Herrn August Rux. 827 Allen Freunden und Genossen di« traurige Nachricht, daß unser Genosse, der Schuhmacher Carl Plauts am Mittwoch den 9. April nach langem schweren Leiden gestorben ist. Die Beerdigung findet am Sonntag Nackmittag 2V2 Uhr vom Traueryause, Ruppiner- straße 29, nach deni Freireligiösen Kirchhof in der Pappel- Allee statt. Ein Kämpfer für Freiheit, Wahrheit und Recht, ein treuer Genosse, stets eintretend so lange es feine Kraft gestattete für die Enterbten des Volkes, für die Emanzipation des vierten Stan- des. Ehre seinem Andenken. Die Genossen des 6. Berliner Reichstags- Wahlkreises. 834 Empfehle mein Bierlokal sowie Arbeiter- Lesezimmer; sämmtliche Ge- werkschafts-Organe liegen ans. Emil Böhl, 1812_ Frankfurter Allee 74. Allen Freunden und Genossen em- pfehle mein Weiss» u. Bairisch- Bier-Lokal mit Vereinszimmer. 782 A. List, Zossenerstr. 53. I Spiegel nnd �Polsterwaaren.l eigener Gr. Lager, bill. Preise. Fabrik. Emil Heyn, Brunnenstraße 28, Hof parterre. Theilzahlung nach Uebereinkunst. Roh-Tabak. Mein Rohtabak-Lager befindet sich jetzt 38. Prmzenstraße 38. Beste Auswahl. Billigste Bedimung. Eberhard Herz, 38, Prinzenstraße 38, am Moritzplatz. 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