Ur. 25. Abomlkments-Kedwgunge«: Abonnement»- Preis pränumerando: Vierteljährb ZLV Ml., monatl. 1,10 Ml., wöchentltih 28 Pfg. sret ins Hau». Einzelne Nummer S Psg. Sonntag»- Stummer mit tllustrirter Sonntag»- Beilage„Die Neu- Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: SL0 Marl pro Quartal. Eingetragen in der Post- Zeitung»- PveiSltste für 1897 unter Er. 7437. Unter»reuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für da» übrige Ausland 3 Marl pro Monat. Erscheinl täglich-lusjer Monkag». 14. Jahrg. Die Insertions-Gelrüht beträgt für die fechSgefpaltsns Kolonel- »eile oder deren Raum 40 Pfg., für Bereln»- und VerfammlungS-Anzeigen, sowie ArbeitSmarlt 20 Pfg. Inserate für die nächste Nummer müssen bt» t Uhr nachmittag» in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochentagen bi» 7 Uhr abend», an Sonn- und Festtagen bi» 9 Uhr vormittags geössnet. Verlinev VolksblÄkt. Dentvawrgan der sozialdemokratischen Partei Deutschtands. Fernsprecher:«ml l, Er. 1Sic Kulkuv des Netpiknlismtts. Tie pateutirteu Staatsstützen soivohl, ivie die freiwilligen Verfechter der göttlichen Weltordnung, so sehr sie sick nnch sonst in den Haaren liegen, in einem Punkte sind fix»lle mit einander einig. Tiefer eine Punkt ist bei ihi'�n allen in einem Glaubenssatz geworden, der wie alle übrige, Glanbens- Sd Ä" auch SS rnib nirgends ernsthaft zu beweil ,t versn�i worden ist- �it ��"�cindUchkcit des Sozio'i-mus, di� Kulturfreundlich- »'« Glaubenssätze si>� �ben Glanbcussätze! ?�ründung und, nüssen blind geglaubt sonsen'em weshalb auch nicht?. � machen ja dem denk- "'l Menschen das Lebe., so bequ � Weshalb soll er sein ?-!Ä?'"alz unnothig anstrelige.,� Wenn er nur nu- K. m?"l'tchen einstreichen �«l, im übrigeii will er ». � haben. Ta er aber an � gern als Dumm- bürgerlichen Glaube��� möchte» wir hier «-S K-m attuellen pratlische» OV) er*' 5> ff t f' M* ÖCC t)0lt öCU bnrgerlicheu Presse bis zum Ekel ,mn' ber denkbaren Variatl oilen produzirte Glaube. �er Sozialismus ist der Feind der Ki"U- S-ozia. r-ft f?'U e01�' ��ches die Segnungen ber modernen kapita- Ii tischen Kultur augenblicklich in beso,.b- b.x, nießt ist bekanntlich Kuba. Wir ha berichtet daß durch die große Meuschenschlächter.i b:. bg,.? fiöberen Ehre des Militarisnn.s, des Patriotis°.?�des Kantt� w.d.höchsl-. Gü L S ä» d,e man»ich schon wie an eine dauernl c�,,stitiltion eine berechtigte. E,ge ähümlichkeit, gewöhnt hat!Ä/l u°id' Wandel v°äkonn"..��bnude.. und t � land�Mche�Pr� Hill ganz~ � iwvveVi..d. et n s weite eotreckeu w fhat man sich erst garnicht die Muhe genonimen, die Aecker xj„,.esletten, da man doch nicht darauf hoffen durfte, die Ernte miszllbriiigen: und wo man weniger vesstmistisch angehalicht Pl� an die Feldarbeit gegangen war, da werden diejenigen erkl.utagen, deren Besitzer sich für die„ailgestanuiite" Herrschaft thg>irei,, von den„Aufständischen", diujenigen, deren Eigen- unb»er sich für die letzteren erklärei., von den Spaniern, diejenigen endlich, deren Eigner es mit keinem .verben wollen, abwechselnd von beidien Parteien verwüstet. (gi Nun durchschwirren seit einigen Tagen, in die ewigen g, egesnachrichten der Spanier eine angenehme Abwechselung singend, einige dunkele, nicht recht verständliche Andeutungen Presse, dahingehend, daß dieser liebliche Zustand aus Kuba e, wodurch und weshalb wird nicht gesa gt— in nächster Zeit i Ende nehmen würde. Wir habe» vorläufig nicht die geringste Veranlassung dazu, ' i die Richtigkeit dieser Nachricht zu glauben. Aber wenn sie wirklich bewahrheiten sollte, so wäre es doch eigentlich selbst- d rständlich, daß die ganze Menschheit sich darüber freuen, ja, r>.j3 sie wie von einen, Alp befreit ausatthmen müßte. Wir 1 ürden es noch verständlich finden, wenn gewisse Leute, denen • e kubanischen Wirren direkte Vortheile einbringen, ,«ie die militärischen Lieferanten, die wie fast überall , nch hier den Staat betrügen, oder die spanischen ienerale, die ihre Söhne in Kuba in ungefähr- iche Adjutantenstellen hineinstecken sie dann mit t5old und Ehren überhäuft als nation al Helden in ihr sheucres Vaterland zurückkommen lassen, w r würden es ver- > ändlich finden, sagen wir, wenn diese Leute der Beendigung ieser Zustände mit einem gewissen Bedauern entgegen sähen. lber bei anderen Leuten sollte man das doch für unmöglich alten, und namentlich in unserem guten, deutschen lZatcrlande, das in diesem Falle ja nur als Zuschauer in der Sache betheiligt ist, sollte jeder, so wird der Spießer iieinen, in seinem ach so guten Herzen wünschen, daß den uinrn Leuten dahinten nach so langen blutigen Kämpfen mdlich Ruhe und Frieden bcschieden sein mögen. Mit nichte», guter Spießer; du irrst! Erwache, arm- seliger Träumer und mache die Augen auf! Wir halten dir ein gut bürgerliches und repntirliches Blatt vor die Nase, das „Haniburger Handelsblatt", das über den internationalen gnckermarkt folgendes schreibt: „... Dagegen verstiimnte» in Englanl)'emporär Nachrichten über Friedensverhandlungen auf Kuba.... Wäre nun auch vom rein inenschliche» Standpunkte ans die Beilegung des blutigen Krieges zu wünsche», so würde dies Ereig-niß sür den Artikel Zucker einen harten Schlag bedeuten...." Und genau das gleiche kann man in jeder Nummer der Zeitschriften der Zuckerinteressenten lesen. Gehen dir die Augen auf, guter Spießer? Du erfährst hier— und hundert andere Blätter, deren Beziehungen zu den Beherrschern der Zuckerproduktion nicht so offen zu tage liegen, sagen dir das gleiche mit ähnlichen Worten— daß du vom„rein menschlichen Standpunkte" aus gedacht hast! Nun steht aber der rein menschliche Standpunkt an sich schon in unserer Zeit nicht besonders hoch im Kurse, und wenn er nun gar, wie hier, mit dem geschäftlichen Standpunkt i» Widerspruch geräth, dann fort niit ihm! Einen solchen Standpunkt kann man sich höchstens einmal gestatten, wenn er den dreimal geheiligten Geldbeutel nicht gefährdet. Gehet alsä hin alle, die ihr in Eurem feuer- und diebessicheren Geldschränke Zuckeraktien und ähnliche angenehme Papierchen habt, und betet zum Gotte Mammon, daß der Krieg auf Kuba nimmer ein Ende finden niöge. Und wenn ihr noch ein übriges für euren heiligen Besitz thun wollt, so wünscht auch auf eure übrigen Konkurrenten wenigstens Mißwachs und Pestilenz herab. Dann wird es euch wohlgehen und eure Älktien werden schwindelnde Kurse erreichen. Das tieftranrige au der ganzen Sache ist nun aber nicht, daß so etwas gesagt werden kann, sondern daß es wahr ist! In der„besten aller Welten" ist bekanntlich jeder Mensch der natürliche Feind seines Nächsten, da er in dieser oder jener Hinsicht sein Konkurrent ist. Und auf dem Weltmarkte für Zucker waren die kubanischen Exporteure keine unbedeutenden Konkurrenten. Welche Freude ivar es also für die anderen, als sie die Kubaner ans so bequeme Weise loswerden konnten! Natürlich würden sie sich über das Verschwinden jedes anderen Konkurrenten von gleicher Bedeutung ebenso gefreut haben. Die internationale Zuckerproduktion zog und zieht noch heute ans den kubanischen Wirren thatsächlich enorme Vor- theile. Und wenn nun auf Kuba wirklich geordnete Zustände wiederkehren sollten, sodaß die Zuckerproduktion in vollem Umfange wieder aufgenommen werden könnte, so würde durch dieses plötzliche gewaltige Angebot die Zuckerindustrie, die so ivie so schon von den Staaten künstlich aufgepäppelt werden muß, in der That in eine bedenkliche Lage gerathen, über deren Ausgang man nur Vermnthungen hegen kann. Man kann es also den Zuckerinteressen wirklich nicht ein- mal verdenken, wenn sie vor dem Friedesschluß auf Kuba zittern, und man kann es den bürgerlichen Zeitungen nicht ver- Übeln, wenn sie auf die für die heimische Industrie hieraus entstehenden unheilvollen Folgen in mehr oder weniger ge- schmackvollen Worten hinweisen. Aber kann eine Gesellschaft, deren Wirthschaftsordnnng es mit sich bringt, daß die Be- endignng blutiger Greuel für weite Kreise ganz unbetheiligter Völker verhänanißvoll einwirkt, kann eine solche Gesellschaft wirklich die Ehrenbezeichnuug der Kultur für sich in Anspruch nehmen? Wer vertritt den Knlturfortschritt: der Kapitalismus, der den Menschen aus dem Unglück seines Mitmenschen Profite ziehen läßt, oder der Sozialismus, der die wirthschaftlichen Gegensätze beseitigen und damit die Grundlage schaffen will für die allgemeine Geltung und Befolgung des uralten Gebotes: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst politische Aebeelicht. Berlin, 29. Januar 1897. Ans dem Reichstage. Das Gehalt des Reichs- Post- meisters ist auch heute noch nicht bewilligt worden, denn die Art, wie gestern Herr Dr. von Stephan und seine„rechte Hand", Dr. Fischer, die berechtigtsten Wünsche, welche von den Abgeordneten der verschiedensten Parteien gestellt wurden, ab- wiesen, fordert zur Kritik und entschiedenstem Widerspruch geradezu heraus. Der Herr General- Postmeister fühlt sich so sehr als absoluten Herrscher in seinem Departement, daß, wie es scheint, er Kritik nur schwer mehr zu ertragen vermag, macht ihn nervös. Da aber der Reichstag vorläufig noch nicht aus Postbeamten besteht, welche schweigen müssen, wenn es Herrn v. Stephan beliebt, so setzte heute die Kritik noch frischer ei» als gestern. Herr v. Leipziger erklärte sich zwar zunächst gegen die gestern geforderten Reformen, aber selbst dieser konservative Redner konnte nur für einen Brnchtheil seiner Freunde spreche», der Rest der Konservativen verlangt ebenfalls Vcrbilligung des Portos w. Diesem Redner folgte Genosse Bebel, welcher, au- knüpfend an den Fall des Rittmeisters von Auerswald, sich dagegen verwahrte, daß Verwaltungszweige wie die Post sich fremden Einflüssen zugänglich zeigen und ihren Dienst nach den Guiistbezeugungen einrichten, deren sich der eine oder andere an hohen Stellen erfreue. Weiter kritisirte Redner die Depeschenzensur, wie sie z. B. auch ge- legen slich des Hamburger Streiks geübt worden sei. Köstlich waren die Ausführungen, welche der Direktor im Reichspostamt S ch e f f l e r den Beschwerden Bebel's entgegensetzte. Er bestritt ebenfalls, daß eine Vorschrift existirc, nach welcher die Herren vom Unionklub bevorzugt werden sollen. Aber der Dienst am Fernsprecher mache nervös und ebenso gäbe es Menschen, welche, wenn sie ans Telephon kommen, leicht unruhig werden. Kenne � man erst solche explosive Naturen, so sei es wohl niöglich, daß nian sie rasch zu befriedigen suche, um Unannehmlichkeiten zu vermeiden. Herr v. Auerswald sei wohl als so ein Kra- kehler bekannt gewesen und deshalb mag es sein, daß für ihn ein besonderes Zeichen existirte.— Ob man einen gewöhn- liehen bürgerlichen Krakehler wohl auch so zuvorkommend be- handelt hätte? Die Telegramm-Zensur erklärte der Herr als auf inter- nationalem Abkommen beruhend, sie sei also Pflicht der Be- Hörde. Dr. Förster(Antisemit) wiederholte die gestern von seinem Fraktionsgenossen Werner bereits vorgebrachten Klagen noch einmal, außerdem wahrte er das Recht des Hauses, Äe- schwerden vorzubringen. Müller(Sagau) replizirte ans die gestrigen Ausführungen vom Bundesrathstisch, wobei er, wie uns scheint zu unrecht, vom Herrn Präsidenten zur Sache ver- wiesen wurde. Dr. Pa ch nicke leistete sich eine verschämte Vertheidi- gung der Sonntagsarbeit, worauf Genosse Singer einen geheimen Erlaß des General-Postmeisters zur Sprache brachte, der an die gesamniten Bezirks-Oberpostdirektionen gerichtet ist und der sich unter Hinweis ans einen bezüglichen Erlaß der preußischen Regierung direkt gegen das Petitions- und Ver- sammlnngsrccht der Postbeamten richtet. Der General- Postmeister bezieht sich dabei ans eine Anweisung des Reichskanzlers, so daß also feststeht, daß es der Wille der Reichsregiernng ist, daß den Postbeamten die Rechte, welche sonst jedem Staatsbürger zustehen, beschränkt werden. Natürlich ließ unser Genosse es an einer entsprechenden Würdigung dieser Maßnahme nicht fehlen. Der Unterstaats- sekretär Dr. Fischer wußte darauf nur zu erwidern, daß der Erlaß ein geheimer gewesen sei und daß eres deshalb ablehnen müsse, darauf öffentlich ein- zugehen. Das wäre freilich die bequemste Art, um unangenehme Dinge herum zu kommen, aber die Herren im Reichspostamt glauben doch selber schwerlich daran, daß der Reichstag sich so billig abfinden läßt. Nachdem B e ck h(Kobnrg) noch gezeigt, daß Preußen es vor allem sei, an dessen Widerspruch alle nothwendigen Re- formen scheitern, vertagte sich das Haus. Morgen 12 Uhr Fortsetzung. Im preußische» Abgeordnetenhanse stand heute zunächst die Interpellation der Pole» belr. die Auflösung vor- s ch r i f t s in ä ß i g angemeldeter Versammlungen, weil die Redner sich i» denselben der polnischen Sprache bedienten, auf der Tagesordnung. Als die Pole» vor wenigen Wochen eine ähnliche Interpellation eingebracht hatten, erklärte der Minister des Innern Frhr. v. d. Recke, daß demnächst eine Entscheidung des Ober-Verivallungsgerichts zu erivarte» sei. Trotzdem nn», um eine Entscheidung dieser höchsten Instanz herbeizuführen, nur die Aus- lösung einer einzigen Versammlung nöthig ist, scheint der Minister doch, unbekümmert, wie die Entscheidung lauten wird, vor- läusig auf eigene Jaust die Auflösung von Versamm- lungen zu billigen aus einem Grunde, den er selbst als«»gesetzlich bezeichnet hat. Und in dein Vorgehen scheint eine gewisse Methode zu liegen, denn innerhalb weniger Wochen sind fünf solcher Fälle zur Kenntniß gelangt. Die Interpellation war also völlig berechtigt, und der Minister des Innern halte durchaus keine Veranlassung, dem polnischen Abg. Czarlinski zu erwidern, daß die Besprechung dem Hause hatte erspart bleiben können, da das Urtheil des Ober-Verivallungsgerichts»och nicht ge- sprochen sei. Sonderbar ist die Auffassung des Ministers, daß der Gebrauch der polnischen Sprache an und für sich kein Grund zur Auflösung sei, wohl aber dann, wenn keine geeignete Person zur Ueberwachung vorhanden ist und dadurch das Ueberivachungs- recht des Staates illusorisch wird. Daß die Regierung mit allen Mitteln der polnischen Agitation entgegenzutreten bereit ist, beiveist die Erklärung des Ministers, er würde, falls die Entscheidung des Ober- Verwaltungsgerichts nicht in seinem Sinne ausfiele, de» Weg der Gesetzgebung beschreiten. Für seine Behauptung, daß die Gefahren der national- polnischen Bewegung so große sind, daß dagegen Maßregeln ergriffen werden mußte», brachte Herr v. d. Recke einen Beweis nicht bei; er be- schränkte sich einfach darauf, i» einer späteren lltede dem Abg. R i ck e r t zu erwidern, diese Gefahren seien so deutlich, daß er sie nicht nachzuweisen brauche; er würde damit offene Thören ein- renne». Für das den Polen zngefügte Unrecht legte» sich namentlich die Zentrums- Abgeordneten R o e r e n und Dr. P o r s ch ins Zeug. während der Slationalliberale Dr. Sattler dem Minister zu Hilf« kam. Noch weiter als Freiherr von der Necke ging Graf L i in b u r g- S t i r u m(kons.), der die Regierung auch für den Fall nin ein verschärftes Vercinsgesetz ersuchte, daß die Entscheidung des Ober-Verwaltungsgerichts nicht nach dem Wunsch des Ministers ausfallen sollte. Das Gespenst der von den Polen dem Staatswesen drohenden Gefahr suchte Abg. Dr. Gerlich(sk.) an die Wand zu malen. Die Größe dieser Gefahren kann man ermessen, wenn man bedenkt, daß nach der Schilderung dieses Redners ein Pfarrer seinor Gemeinde empfohlen hat, nur polnische Hebammen zu nehmen und daß eine exaltirte Lehrerssrau die Zeit herbeisehnte, wo die Polen sich im deutschen Blute baden würden. Mil solchen Erzählungen kann man allerdings höchstens aM das preußische Abgeordnetenhaus Eindruck machen. Nach Erledigung der Jnterpellatio» begann das Haus die Be- rathung des von uns bereits mitgetheilten agrarischen F l e i s ch v e r t h e u e r u n g s- Antrages. Die Begründung seitens des Abg. Ring(kons.) begann mit dem üblichen Klagelied über die Roth der Landwirthschast, der als einziger Eriverbszweig nur noch die Viehzucht übrig geblieben sei. Man merkte ihm an, daß es ihm lediglich darauf ankam, auf Koste» der ärmeren Be- völkerung de» Agrarier» wieder einige Vortheile zuzuwenden. Die Ant- wort desLandwirthschastsministers war überaus scharf und bestimmt. Er erklärte sich im Namen des Staatsministeriums gegen jede Sperrung der Grenzen und verwarf namentlich den Vorschlag des Verbots der Einfuhr russischer Schweine, da die gering entlohnte» oberschlesischen Industriearbeiter, die einer kräftigen Fleischnahrung bedürften, auf das billigere russische Schweinefleisch angewiesen seien. Nachdem noch Graf Kunitz die handelspolitischen Bedenken des Ministers zu zerstreuen gesucht hatte, wurde die Debatte auf Montag ver« tagt.— Eine interefsaute staatsrechtliche Frage. Die Botschafter konferenzen i» Konstanlinopel scheine» zu dem einen sichere» Er gcbniß zu führen, daß dein Sultan in erster Linie zur Aufrecht- erhaltung seiner verschwenderischen Hofhaltung ein großes Anlehen unter der Zinsengarantie der Großmächte vermittelt wird. Das ossiziöse Organ des österreichisch-ungarischen Auswärtigen Amtes, das Wiener„Fremdenblalt" meldet in seinem Handelstheil: „Die Hilfsaktion der Mächte, die den Zweck hat, die Auf- nahme einer neuen türkischen Anleihe zu erleichtern, wird nicht in der Uebcrnahme einer Zinseiigarantie bestehen. Die Mächte werden nur die Bürgschaft dafür übernehmen, daß die zur Deckung der Kouponzinsen bestimmten Fonds nicht zu anderen Zwecken venvaudt werdein Es wird sich also in den betheiliglen Staate» keinesfalls eine finanzielle Belastung ergeben, sodaß auch die Nolhwendigkeit entfällt, die Angelegenheit den Parlamenten zu unterbreiten. Die Fonds für die Kouponzinsen werden aus den Ueberschiissen derjenigen türkische» Staatseinkünfte gebildet. welche der vettg jmbli�ua(der Verivaltung der öffentlichen Schuld) gewidmet find." Und ivenn, was doch höchst ivahrscheinlich ist, die Zusicherung an die garantireiide» Mächte die stets in Finnuzkalamitäten befind- liche» türkischen Slaatsmüiiner doch nicht hindern wird, die zur Zins- Zahlung bestinimten Fonds für die Vervollständigung des Harems des türkischen Großherr» zu verwenden, werden dann nicht die Mächte selbst aus ihre» eigenen Steliereiiinahinen zu zahlen haben? Da diese Eventualität möglich ist, da es sich ferner um einen staatsrechtlichen Bemag von großer Bedeutung handelt, scheint u»S die Vorlage des Vertrags an die Parlamente erforderlich.— •• Deutsches Reich. — Nachwahlen zum Reichstage. Nachdem vom Reichs tage die Wahl des Abg. H o l tz im 5. Wahlkreise des Negiernngs- bezirks Marien, verder, Schwetz, für ungiltig erklärt worden ist, hat der Regiernngspräsident von Marienwerdcr die Ersakwahl auf Mitt woch, den 31. März d. I., anberaumt. Bei der gestrige» Reichstags. Ersatzwahl in Douau- Eschingen erhielt der„Bad. Landesztg." zufolge nach de» bisherigen Zählungen Dr. Merz(nallib.) 8366. Schüler(Zentr.) 8063 und Krohn(Soz.) 110S Stimmen. Es hätte somit eine Stichwahl zwischen Dr. Merz und Schüler stattzufinden. — P a r l a in e u t s m ü d e soll der Abg. Bennigsen sein. Diese früher schon oft gemeldete Nachricht scheint diesmal richtig zu sei», denn die Nationalliberalen des Wahlkreises Stade-Bremervörde sind schon auf der Suche nach einem neuen Kandidaten.»- — Dementi rt wird von de»„Berliner Neuesten Nach- richten" die auch von uns übernommene Mittheilung der„National Zeitung", daß gegen de» Oberstlieutenant Gäbe wegen seiner Zeugen» aussage im Prozeß Leckert-Lützow ein ehrengerichtliches Verfahren eingeleitet sei.— — Gegen das Spitzel wesen eifert nun auch— man höre und stamie— die„Staatsbürger Ztg." Sie schreibt anläßlich des Zoppoter Mordprozesses: Es hat sich auch hier wieder gezeigt, wie unsicher alles Spitzel- ivesen ist, und daß nicht immer der Kommissar der Austifler zu einer unrichtigen'Auskunft sein muß. Sollte das nicht dazu fuhren, das Spitzelthum überhaupt mehr einzuschränken?— — Die Stimme der A n g st tönt aus dem Hirtenbriefe, den der G e n e r a l s n p e r i n t e n d e n t Dr. R u p e r t i in Kiel inngst veröffentlichte. Iii bezng aus Holstein heißt es:„Mit großer Sorge sehe ich auf die sozialistische Strömung hin, die in unserer Zeit auch durch die Kreise der Geistlichkeit geht, besonders der lungeren iintcr ihnen. Gewiß, wir lutherische» Pastoren sind alle Sozialisten. In seinem Amte ist dem Pastor ja alle Roth Leibes und der Seele, die er sieht, ans sein Geivissen gebunden. Er ist der ge- boreue Freund und Berather, Heiser und Tröster in seiner Geineinde. Aber das ist dem modernen Sozialiste» nicht genug. Die Pastoren wollen große Politik treibe», für neue Ordumig der Stenern, des Wahlrechts u. s. w. agitiren, Partei für eine» besonderen Stand ergreifen. Ateine Brüder, ich sehe in diesem Treiben eine große Gefahr für unsere Kirche! Uns Pastoren fehlt für solche sozialistische Agitation die Zeit, die Kraft, das Recht."— Welche Bescheidenheil über Nacht! Sonst können ja die protestantische» Pastoren so ziem- lich alles, mehr noch fast als die Juristen. Jetzt ans einmal habe» sie nicht die Zeil, die Kraft, das iltecht sich mit einer Sache zu be- schäfligen, die die ganze Welt bewegt.— — Sächsische V e r s a m in l n n g s v e r b o t e. Die Ver- sannnlungsverbote einer löblichen sächsischen Behörde erfreuen sich in ganz Deutschland einer gewissen Berühmtheit. Neuerdings ist der Name des Bürgermeisters des sächsischen Weberstädtchens Meerane, ein Herr Dr. Ebeling. aus der Verborgenheit seiner ainllicheu Wirksamkeit in die iveitere Oeffentlichkeit gedrungen. Der Herr hat bekanntlich kürzlich dem Genossen Bebel das Sprechen in Meerane durch ein eigenartiges Verbot unmöglich gemacht. Wir druckten dasselbe an leitender Stelle ab, iveil es durch seine Bezugnahme auf die Vorgänge in Lille und die Kritik unserer Beivcgung von beson- derein Interesse war. Herr Bürgermeister Ebeling zu Meerane hat aber jetzt ein neues Lersannnlungsverbot erlassen, diesmal gegen den Genossen Rosenow, welches ivir vollständig abdrucken, weil der Herr Bürgermeister sich darin bitterlich über den bösen„Vorwärts" beklagt. Hier das Verbot: Beschluß des Stadtraths zu Meerane. vom 25. Januar 1897, Die am 23. für de» 26. Januar d. I. vom Arbeiter- Bildungsverein im Saale des Thüringer Hofes anberaumte öffent- liche Versammlung mit der Tagesordnnng: Vortrag des Herrn Eniil Rosenow aus Chemnitz über Thomas Müuzer und die Zeit des deutschen„Bauernkrieges" wird ans grund von Z 3 und§ 12 des Gesetzes vom 22. November 18S0 verboten. Dem Redakteur Rosenow, welcher im vergangeilen Jahre eine wegen Majestätsbeleidigung verhängte Gefängnißstrafe von drei Monaten verbüßt hat, ist der Aufenthalt in 11 Dorfgemeinden der königl. Amtshauptmannschaft Chemnitz untersagt worden, weil mit Rücksicht auf die Erfahrungen bei seinem öffentlichen Auf- treten zu befürchten sei, daß ihm der Aufenthalt in besonderem Grade die Gelegenheil zur Wiederholung von derartigen Rechts- Verletzungen darbietet und dadurch Gefährdung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung verursachen werde. Diese Ausweisung ist vom Redakteur Rosenoiv angefochten, aber sowohl von der königliche» Kreishauptmannschaft zu Zwickau als auch von dem königlichen Ministerium des Innern bestätigt worden. Eine solche durch alle Instanzen durchgeführte Entscheidung, welche auf gesetzlicher Grundlage beruht, kann gewiß Anspruch auf Achtung erheben. Statt dessen ist sie aufs schärfste kritisirt, ja sogar in einem sogenannten sozialdemokratischen Witzblatt durch ein die Obrigkeit der Dorfgemeinden verhöhnendes Bild und mit Versen versehen, unter denen die Worte:„Die sächs'schen Schädel füllt Heit und Stroh, das könnte entzünden der Rosenow," be- sonders beleidigend sind. Ist schon an und für sich bei dem Auf- treten der Führer der Sozialdemokratie, einer Partei, welche in dem Staate ihren geschworenen Feind und in seiner Vernichtung, in dem Umsturz aller staatlichen Verhältnisse ihr Parteiziel erblickt, polizeiliche Aufsicht nothivendig, so ist dies um so mehr»öthig bei einem Führer, dessen Ausenthalt in einer Anzahl Ortschaften als «ine Gefährdung der öffentlichen Ordnung angesehen wird. De» gewöhnlichen Versammlungen der hiesigen sozialdemokratischen Anhänger und den Reden auch auswärtiger Parteigenossen wird durchaus kein Hinderniß in den Weg gelegt. Der der Sozial- demokratie angehörige Theil der Arbeiter hat vollauf Gelegenheit. sich öffentlich über Politik auszusprechen und seine Interessen zu berathen und zu verfolgen. Es wird nicht, wie manjüngst im Reichstag verkündigte, „mit zweierlei Maß" gemessen. Die beleidigenden Artikel des„Vorwärts" gelegentlich des Verbots der Bebelfeier, daß man sich das Hirn zermartere nach neue» Mitteln, um der Sozialdemokratie eins auszuwischen, sie wenigstens zu quäle», da man sie nicht besiegen könne und sich a» ihr zu rächen, so lange man noch das Heft in der Hand habe, entbehren jeglicher Berechtigung. Wenn wir aber die Ueberzeugung haben, daß die Person des Redners und das Thema des Vortrags mit Sicherheit erwarten läßt, daß das Austreten nur den Zweck hat, Verhetzung zu stisten, durch Berufung auf die entstellte Vergangenheit die unverhüllt gezeigten slaatsgefährdende» Zukunftsziele der Partei vor- zubereiten, so wird die Berechtigung der Behörde als Vertreterin der öffentlichen Ordnung eiiizugreisen zur Pflicht, einen solchen Vortrag zu verbieten. Der Vortrag:„ThomaS Münzer und die deutschen Bauernkriege" ist ein seil langer Zeit beliebtes Thema, um unter dem Vorwand der Verbreitung i ffchichtlicher Bildung aufreizend zu wirken. Unter Berücksichtigung dieser Umständ und besonders mit Rücksicht aus die Person des Referenten vird die Versammlung verboten. Dr. Ebeling, Bürgermeister. � In diesein neuesten sächsischen Versainmluigsverbot ist znrächst einmal nur ein einziger Grund vorhanden, de: nach dem sächli chen Vereinsgesetz einem Redner das Sprechen»nnöglich machen kinnle und dies ist: die Bestrasung des Genosen Rosenow»regen Majestätsbeleidigung. Diese Bestrafung aber hat niemals latt- gefunden; Genosse Rosenow ist unseres Wissens wegen„Verächlich- inachung von Staatseinrichtungen" bestraft, nicht ivegen Malejiäts- beleidigung. Damit fällt also der einzige Scheingrund zum Verbote dieser Versammlung auch noch fort. Alles übrige hat, außw dein Thema, nichts mit der Ver>ammlung zu thun, sondern ist eine Art Rechtfertigung auf unsere Angriffe und diejenigen unserer Genossen im Reichstage. Die amtliche Bescheinigung des Herr» Bürfer»'°>st°r Dr. Ebeling, daß die Hiebe des„Vorwärts" gesessen habe?-»vird durch seine Polemik gegen unser Blatt nicht abgeschwächt. Hirrn Dr. Ebeling's Einwände gegen unsere Darstellung sind so schivach ausgesallen, daß es unnütze Arbeit verrichten hieße, wollte»»an diJ® Polemik fortsetze». Sollte aber Dr. Ebeling's Schaffen und stil/fffchs Meister- schaft sich zu»och auffälligere» Versanimlungsverboten l�rsteigen, fv kann er sicher sein, daß seine Leist»»»ge>» in unseren» Platte de» iveitesten Kreisen zugänglich gemacht»verde»».— — Wieder ein„kleines" Mittel. Im Anschluß a» den sächsische» Landesverband landivirthschastlicher Geiiosseiifchafte1» ist gestern die erste große Kor»»Hausgenossen schaft für das Königreich Sachsen mit dem Sitz in Löbau gegründet »vorden. 82 Mitglieder sind derselben sofort beigetreten. — Das meiningische Ministerium hatte seinerzeit auf Beschiverde unserer S aalfelder Genossen entschieden, daß die von Magistrat und Landrath erlaffenen Verbote des vorjährigen Maisestzuges»»izulässig seien. In» ineiningischen Landtag haben nun einige„Patrioten" eine Interpellation angemeldet, UNI zu erfahren, aus welche» Gründen das Ministerium die Verbote auf- gehoben hat. Hamburg, 29. Januar.(Eigener Bericht.) In den Geschäfts räume» von A u c r u. C o.»vurde am Freitag eine Haussuchung nach dem Manuskript eines Artikels vorgenominen, der sich»nit den Geschäflsunternehlnungen des Königs der Belgier beschäftigt. Gegen den früheren verantwortliche» Redakteur des„Echo", Stenzel, der gegenwärtig 2 Monate Gefängniß verbüßt, ist aus griind des§ 103 des Str.- G.- B. ein Verfahren ivegen Beleidigung des Königs der Belgier eingeleitet»vorden. Unseres Wissens ist dies der erste Fall einer Anklage auf grund des§ 103 Str.-G.-B. Der Paragraph lautet bekanntlich: „Wer sich gegen den Landesherrn oder den Regenten eines nicht zum Deutschen Reiche gehörende» Staats einer Beleidigung schuldig macht, wird mit Gefängniß von einer Woche bis zu zivei Jahren oder mit Festungshaft von gleicher Dauer bestraft, sofern in diesem Staate de»» Deutsche» Reiche die Gegenseitigkeit verbürgt ist. Die Verfolgung tritt nur auf Antrag der aus- »värtigeii Regierung ein. Die Zurücknahme des Antrages ist zulässig." Der König der Belgier muß zu de» In Majestätsbeleidignngs- Prozessen freilich sehr beivährte» deutschen Gerichte» ein weit Größeres Vertrauen haben als zu den Gerichten, die in seinem lauien Recht sprechen. In Belgien ist der König alltäglich Gegen- stand der ärgsten Angriffe, ohne daß er es wagt, Prozesse an- zustreuge». Jedenfalls ist der Prozeß, der dem„Hamb. Echo" bevorsteht, einer der interessanteste», der der viel verfolgten sozialistischen Presse seit langem geblüht hat.— Oesterreich. — Der böhmische Landtag hat den Aulrag betreffend die E i n f ü h r u u g direkter W a h l e» in den Landgemeinden init dem Zusatzantrage Ruß, daß das Gesetz schon bei den gegen- wältigen Reichsraths-Wahlen Anwendung finden solle, in zweiler und dritter Lesung angenonnne».— Die Tapferkeit der böhmische» Landboten erhält aber durch die Mittheilung, die ein Prager Blatt gemacht, ei» ganz sonderbares Gesicht. Nach dieser Quelle ist das Ganze ei» abgekartetes Spiel>i»d zwar zwischen Badeni und dem Führer der deutschböhmischen Fortschrittler. Diese bringe» den An- trag ein, der Antrag»vird angenomnien. Die Regierung lehnt es aber ab, ihn nuszuführe». Schlußeffekt: Es bleibt alles beim alten. Die Fortschrittler aber sind ihren bisherigen Wählern gegenüber schön heraus.— Belgien. Briiffcl, 29. Januar. Senat. Ii» Beantwortling einer Jnter- pellation erklärt der Landivirthschaslsminister, die belgische Re- gierung habe als cin�der erste» Vorsichtsmaßregel» gegen die Ein- schleppung der Pest getroffen. Die Schiffe unterlägen i» Antwerpen einer Quarantäne und die Reisenden müßten sich einer Desinfektion nnterziehen. Besondere Vorsichtsniaßregeln seien für Lnnipen und ähnliche Sachen getroffen worden. Der Gesundheitszustand in Belgien sei in jeder Hinsicht ein ausgezeichneter.— Italien. — Die Räumung der erylhräischen Kolonie,, die,»vie gestern gemeldet wurde, von der italienischen Regierung beabsichtigt sein sollte,»vird,»vie nun aus Rom telegraphirt»vird, nicht statt- finden. Dagegen melden„Daily News" aus Rom, daß der Minister- rath beschlossen habe, Kassala zu räumen und die Plätze gänzlich zu zerstören, da die Egypter Kassala vorläufig doch noch nicht be- setzen können.— Niederlande. Haag, 23. Januar. Die erste Kammer nahm mit 25 gegen 16 Stimmen das neue Zucker st euer-Gesetz an,»velches ein Niederlagen-Systeu» einführt und den Fabrikanten von Rübenzucker Allsfuhrvergütungen beivilligt. Die Aussuhrvergütungen sollen für 1897/93 2>/s Millionen Gulden betragen und innerhalb ö Jahre auf 1700 000 Gulden herabgehen. Ruhland. — Zur I u d e» f r a g e. Russische Blätter veröffentlichen ein Rundschreiben der sibirischen Militärgouverneure an die Bezirks- und Polizeiverwaltunge», durch»velches de» Juden sogar der zeit- »veilige Aufenthalt innerhalb einer 100»verstigen Zone von der chinesischen Grenze verboten»vird.— Türkei. Konstantiuopel.(Meldung über Philippopel.) Der Studien- leiter der Kriegsschule, Brigadegeneral Tesik-Pascha ist ins Ausland geflüchtet.— Veichsksg. 164. Sitzung v o in 29. I a n u a r 1397. 1 U h r. An, Tische des Bundesraths:».Stephan, Graf P o s a- d o w s k y und zahlreiche Kommissarien. Die zweite Berathung des Reichshaushalts-Etats ür 1397/98 wird sortgesetzt und zivar beim Etat der Reichs- post- und Telegraphen- Verwaltung in der Debatte über das Gehalt des Staatssekretärs. Aag. Hasse(natl.): Wohl keine deutsche Stadt hat ein so großes Interesse an der Entivickelung des Post- und Telegraphen- Verkehrs wie Leipzig. So sehr die Leipziger daher An- erke»»»»»g empfinden für die Leistungen der Post in den »ebziger Jahren, so bedauern sie doch, daß der Staats- ekrelär keinerlei Entgegenkonunen zeigt bezüglich des Briefportos, der Telephongebühre» w. Die Haiidelskammern sind doch in erster Linie diejenige», die hierbei vorgehen müssen, und»venu nicht mehr Eingaben gekommen sind, so liegt das an der bisherigen Erfolg- losigkeit aller Bemühungen. Einverstanden sind wir mit der Aus» dehnung der Sonntagsruhe, niit der Gewährlmg des Soinmerurlaltbs w. Aber eine Frage bedarf noch der Berücksichtigung, nämlich für die Unterbeamten sollten Dienstwohniliigen errichtet werde»», damit d»e Be- amten nicht unter der großstädtischen Wohnungsnoth zu leiden haben. Redner kommt anf den, Fall Bashford zurück, über den nach der Verhandlung im Reichstage in den Zeitungen Dlittheilunge» ge- bracht sind, die den Ansführunge» des Staatssekretärs»vidersprachen. Es scheint nicht, daß gegen die betreffenden Beainten,»velche diese Mittheilungen gemacht haben, disziplinarisch eingeschritten ist. Der Staatssekretär sollte doch darüber Aufklärung geben. Herr Bashford soll sich übrigens einer so großen Bevorzugung erfreuen, daß er den besten Platz auf der Journalistentribüne hat. Der Herr Präsident sollte doch dafür sorge», daß eine solche Bevorzugung gerade dieses Herrn nicht stattfindet. Redner tritt für d,e Er- höhung des Briefgewichts auf 17 Gran»» mindestens und ebenso für die Ermäßigung der Telephongebühren ein, d»e auch für das platte Land von Bedeutung sind. In Sachsen werde innerhalb 10 Jahre» wohl jedes Dorf seine Fernsprecheinrichtung habe». Von einer schlechten Finanzlage kann nicht gesprochen»verde». Neue Schulden für unproduktive Zwecke wollen wir nicht machen, aber produktive'Anlagen sollte man nicht unterlasse». Ausgaben für Marine- und Militärzwecke sollte man entweder aus den laufen- den Mitteln decken, oder doch dafür keine eivigen Renten ausgebe». Der Postetat ist nicht recht durchsichtig; die Verwaltung wird sich dem nicht entziehe» können, eine llebersicht zu geben über den Ver- mögeiisstand und den buchmäßigen Werth der Betriebsanlage». Die Postverwaltung hätte dem vorzuarbeiten, daß ein mittel- europäisches, einheitliches Wirlhschaflsgebiel geschaffen»vird. Der Vertrag mit Oesterreich sollte erweitert»verde»» auf die Schweiz, Belgien und Niederlande, damit später auch ein einheitliches Zoll- gebiet entstehen kann. Der Abg. Müller-Saga» befürchtete, daß das .'cue Kabel»ach Vigo den Kolonien zugute kommen solle, �zch hoffe das, denn hoffentlich werden die Kolonialunlernehmungen»« de» nächsiiN Jahrzehnten eine ivichtige lliolle spielen. England ver- dient ai' der Besorgung des internationalen Telegraphenverkehrs jährlich iw?l 100 Millionen Mark. Deutschland sollte sich davon srelinachen. �p.) stattet dem Staatssekretär des Reichs- voltaiuts den Dr."! des platten Landes ab für seine Berücksichtigung der Interessen dei�lben und empfiehlt die Nichterhebung des Zu- schlages für außerha V-r Dienststunden aufgegebene Packet-� soweit dabe. Arzneien in be-ralh.�"'Äen Ausführungen bei und widerspricht der' Äufnatn.u vo,? auch zu produktiven Zwecken. Bei de r gr o ß en Ailsde Hmr'? � Postregals»niffen»v.r f..r das Reick eine erbeblickc Vru"lu"g erziele» und dürfen nicht durch und Schmäle rung der Einnahuien die Ueberschiiffe veM zen BcS"Sl'ch der Telephongebühre.. möchte ich �"°»'-"d den kleineren Orten. Aber auch ,■" 6 Millioii-n berechnet, den man doch 1, ckt durck Rel�stn, a der Steuerbezahler decken kann. Der Post- »ea«, W besten Reform eine solche Sil», ine nicht drwäe»?«>,nen?>?- R°lorui dieses Tarifes»ach gesünderen Gründsätzem nach S Leistungen der Post, wünsche ich dringend. Abg. Bebel(Soz.): .Denn man von dieser Seite hier Auklagen ,»,d.-.tjelne Verwaltungszweise vorbringt, da»» tt Äv l�ickt ae>«rt das als sozialdemokrarische Gehässigkeit /°l>r'e.chl ge.' tgt Wem. es eine Partei giebt, die hat dlst gerade die Postverwaltung ein Institut ft in? m- nnN st-> Knnpulhie findet, und»veun jemals eine Nnri-i i»n, zur Erweiterung dieser Einrichittugen I?�e' b°r-it>var- alle � � � öieg fteiabe bie Sozialdemotratie. Forderndes zu uiilerstutzv, �hren gegenüber den'Forderungen ! in'bezug auf Neubauten? Uu. Gegen- sni. cie!1 stud gerade die Sozialdenicckraten ge- „/uJ hi- VinVntr�1' Forderungen zu unterstützen,»vcil»vir in diesen s nri!i,ui,ne� Kulturinstitut ersten Ranges sehen. Da- d7l°".E'''rich'unge> c... da*"-e Beschwerden, die auch gestern gegen muß lch koiih� �-.. �, t<,uch vielleicht in ine»» Freund Slngf.-vorgebraa. v"»/' �- j... �(Ul( eiueiii andern Tone,.wli vci'"Saih>:' iujii iiuz uiiuecei»©eie», des Hauses zum Attst.r».ck gelangte». Hier stimmen die Pott-, tum' die sonst»ueit auseinandel gehen. i» ihre» Beschiverde»» überein nnd d-.jsi,,. kann die Postverivaltu» ig.sie nicht ohne weiteres von der Hand iuima» Der Herr Staatssekretär sagte gestern, man könne niache», was.uog wolle— anf Dank könne man»ie rechnen. Run, die Volksvertresiehr hat hier nicht eine Dnnl'esbezeilgung kund zu thun; sie hat vieliixj,,.. die kritische Sonde anzu legen uiid zu prüfen, ob Verbessernngen„„„ zuführen sind und daiimh ihre Forderungen zu richten. Es sind der gestern hier Fordcrunge:» geltend gemacht worden, über die bei j» großen Mehrheit des Hcnises volle Uebereinstimmung existirt, s>..„g bezug ans die Geltendmcichiing der Sonntagsruhe, die Beurla»bn,e. der Beamten und Unterloeamten, die Arbeitszeit der Beamten w. Aber von feiten der Postverwaltniig wird bestritte», dx. diese Forderuiigen und Klagen berechtigt sind. Der Herr l1nt>,r staatssekretär hat uns bezüglich eines einzelnen Falles die Akten z x Einsicht gegeben, und ick, habe mich überzeugt, daß derPostvmva»!, des Eisenacher Postaml-i das Schema eingeschickt hat, nach dem t Sonntagsruhe gchaudhabt wird. Daß solche Schemata existir« I habe ich nie bezweiselt, aber man sollte auch danach handeln. J übrigen ist mir von einer gauzen Reihe von Postbeamten, i» di l letzten Tagen»vieder aus einer»vestdeutschen Stadt, sol» Schemata in Abschrift eingeschickt worden; aber in d.si selleiisten Fällen werde danach gehandelt, und es kämen übera Ueberschreitungen vor, ohne daß die abhängigen Beamten es wage dürften, Opposition zu machen. Jahr für Jahr werden die Ve treler aller Parteien niit Beschwerden von Postbeamten nach diese Richtung hin förmlich überschwemmt und es würde auf den Getj der Beaiutenschaft ein schlechtes Licht werfe», wenn diese Beschiverde unberechtigt wäre».>.Aber ich habe das Vertrauen zu diesen Be amten, daß sie uns nicht anlügen, daß sie auf grund ihrer E». fahruiigen diese B'schiverden hier vorbringen und wenn iunne, wieder nach der gleichen Richtung die gleichen Be. schwerden laut»verde», müsse» sie»vohl berechtigt sei» Da»vird uns z. B. ans Mannheim mitgetheilt, daß dort die Packet bestellet jeden Sonn- und Feierlag das ganze Jahr hindurch Packet« bestellen mußten bis>/sI2, ja bis über 12 Uhr hinaus. Die Unter beamte» haben dort nur da»»» einen freien Sonutag,»venu si' 24 Stunden uiiunlerbrocheu von Sonnabend früh bis Sonntag srüt. im Dienste gcivesen sind. Das kann doch nicht als freier Soinita� betrachtet»verde», da der aus dem Dienst kommende Beamte»»in. bestens sechs Stunden der Ruhe pflege» muß. Auch aus anderen Orten kominen ähnliche Klage». So zun» Beispiel eine aus Hannover, die sehr charakteristisch ist. Von dort schreibt»nir ein Briefträger— der Mann existirt und ich kenne seinen Namen— daß er seit 10 Jahren noch keinen vollen sreiei» Sonntag gehabt Hab». Es ist eben gegenüber der immer steigende»» Anforderungen an die Post ein Mangel an Beainten vorhanden. Der Herr Unterstaats'eliretär hat gester» mit großer Emphase darauf hingeiviesen, und Her? v. Leipziger hat es ihm heute nachgeredet, daß davon keine Rede sein könne angesichts der Thatsache, daß! allein in diesem Etat 5000 Beamte etalsmäßig angestellt würden. Das ist ja sehr erfreulich,»veil da- mit die Postverivaltung einem Verlangen nachgekoiinnen ist, das der Reichstag schon seit Jahren an sie gestellt: daß die auf Kündigung angestellten Beainten»ach einer bestimmten Dienst- zeit auf feste Anstellung zu rechnen haben. Aber damtt ist in bezug auf Vertheilnng der Arbeit und Entlastung der Beamten absolut nichts gethan. Ob es Beamte sind, die im Ki'uidigiingsverhältniß stehen oder solche, die fest angestellt sind— dieselbe Arbeit muß ja doch von derselben Zahl von Beamten»ach»vie vor getha»»verde». Angesichts des fortgesetzt steigeudei» Verkehrs muß die Postverival» tung in jedem Jahr eine ganze Reihe neuer Stellen schaffen. Aber die Anstellung neuer Arbeits- und Hilfskräste steigt»icht in de»n Maße »vie die Arbeitslast, die immer größer»vird. Jetzt w ird, obgleich dieArbeits- zeit für Unterbeamte 70 Stunden betragen soll, auch diese über- schritten, und die Leute arbeite» nicht 10, sondern 13, 14, selbst 1V Stunden täglich. Von den Postämtern wird aus SparsamkeitS- rticksichten nlles aufgeboten, um die Anstellung neuer Beamter zu umgehe». Dadurch werden die zur Verfügung stehenden und zu ge- ringen Arbeitskräfte bis aufs äußerste ausgenützt. Bei der Reichs- Postverivaltung existirt eben fortwährend das Bestreben, die Ueberfchüsse, wenn sie auch von Jahr zu Jahr steigen, mög- lichst unverkürzt an die Reichskasse abzuführen, wo sie dann anderen Zwecken zur Verfügung gestellt werden. Daß bei solche» Bestrebungen Uebelstände eintreten müsse», und daß selbstverständlich die Herren von der Postverwaltung an der obersten Stelle nicht überall dabei sein können, nicht überall zu kontrolliren und nachzusehen vermögen, scheint mir ziemlich zweifellos z» sei». Dasselbe ist ja auch mit den sogenannten Urlaubsbewilligungeu der Fall. Es wird ja dankbar anerkannt, daß jetzt auch die Üuterbeamten das formale Recht be- sitzen, alljährlich einen kurzen Urlaub zu beanspruchen. Wenn es ihnen nur nicht darauf verkürzt würde, daß sie für eine» Stellvertreter sorgen und ihn nicht selten auch bezahlen müssen! Da der Urlaub schon Mehrausgabe» mit sich bringt und eventuell auch noch der Ersatzmann zu bezahle» ist, ist es bei den doch gerade nicht allzureichlich bemessenen Gehälter» begreiflich, daß von dem formalen Recht in vielen Fällen kein Ge- b.anch gemacht werden kann. Auch bezüglich der schlechten Be- Handlung, die die Unterbeamten von feiten der höheren Beamte» erfahren, wird viel geklagt. Die Oberleitung der Postverivaltung sollte einmal auf diesem Punkte ihr Augenmerk zuwenden nnd hier Abhilfe schaffen. Der Herr Unterstaatssekretär Fischer hat sich gestern bemüht, die Art und Weise des Ober- Postdirektors in Karlsruhe in dem Schreiben an seine Unterbeamlen gewissermaßen zu rechtfertigen. Der Mann soll gereizt worden sein. Gewiß konnte er über ein Schreiben mit dem Name» Sorvilitss, das deutlich auf gewisse Stellen abzielte, entrüstet sein.' Aber von diesem bis zu dem Zirkular, in.dem er sich so schwer beleidigend ausspricht, ist doch ein großer Schritt. Ich habe eigentlich von dem Anstandsgefühl der Herren von der Oberleitung das Vertrauen, daß sie sich niemals hinreißen lassen, solche Zirkulars zu verfassen, wie das von Karls- ruhe. Ich hätte gemeint, daß der Herr Unterstaalssekretär feine Mißbilligung über diesen Ton hätte aussprechen sollen neben seiner Erklärung, wie ein solches Zirkular zu stände kam. Geschieht das nicht, dann wird gegebenenfalls ei» ähnlicher Ton wieder angeschlagen werden, und das möchte doch böse Folgen haben. Ich bin im höchsten Grade erstaunt, wie der Herr Unterstaats- sekrctär über de» Vorgang in bezug ans den ZHiltmeister v. Aners- wald hinweggegangen ist.(Sehr richtig! links.) Er sagte nur, die Behandlung aller Telephonbenutzer sei nach den Vorschriften eine gleiche. Von verletzten Vorschriften hat aber gestern der Abg. Singer nicht gesprochen, er hat nur auf grund jener Gerichts- Verhandlung hingewiesen ans die Anordnungen des Vorstehers des betreffenden Telephonamts, daß Herr v. Auerswald, oderj sonft ei» Mitglied des Unionkubs, vor allen anderen Telephonbenutzer» zuerst berücksichtigt werden sollten. Das steht gerichtlich fest auf grund der Aussagen der beiden Telephonistinnen, und der des Herrn v. Auerswald selbst, der erklärte, daß ans der Mitte des Unionklnbs, in erster Linie durch den Herzog von Ralibor Beschwerde geführt sei, weil man ungebührlich lange hätte warte» müsse». Das ganze Verfahre» der Herren ist doch äußerst seltsam. Wie kommt die Postverivaltung dazu, solche Beschwerden ohne weiteres zu berücksichtigen? Daß die rothe Klappe angebracht wurde, hat der Unterstaatssekretär nicht be- stritte», er hat darüber geschwiegen. Sie ivird auch nicht zu be- streiten sein, weil sie thatsächlich angebracht ivurde, damit die Be- amten sofort wüßten, iver zn sprechen wünsche. Das Entscheidende ist aber, daß diese Herren die bevorzugte Stellung, die sie am Hofe einnehmen, glaubten benutzen zu können, um mit Ueber- Lehmig aller Instanzen direkt beim Kaiser auf Abhilfe dringen zu können. Ja, sind wir denn in einem absoluten Staate?(Sehr »t!) Hat denn irgend einer, und sei es selbst der Kaiser, das iechl, ohne weiteres derartige Beschwerden anzunehmen und dafür zn sorge», daß diese Herren, die ihre bevorzugte Stellung miß- brauchten, auch sofort berücksichtigt wurde», ohne Frage darnach, ob die Beschwerde gerechtfertigt war oder nicht? Von dem Vorsteher des Telephonamts wundert es mich nicht, daß er alles aufbot, um den Wünschen der Herren Rechnung zu tragen. Daß aber die Verwaltung dem entgegen- kommt, daß sie es in der Ordnung findet, wenn jene Herren ihre Stellung Mißbranchen nnd sich mit Umgehung des Jnstanzenzuges beschweren, das müssen wir entschieden mißbilligen. Diese Herren müßten doch die Vorschriften über die Instanzen in der Armee kennen gelernt haben; sie betrachten aber den Staat als eine Art Domäne für ihre eigenen gesellschaftlichen Zwecke, wo man ihren Wünschen Rechnung'tragen müsse. Worin unterscheiden wir uns noch von dem absoluten Staat vor 100 Jahren, dem ancien regime? Dieselben Zitztände kehren wieder; dagegen müssen wir uns als Volksvertreter wehren. Herr Hammachcr meinte gestern, man dürfe hier nicht in beleidigender Weise gegen Personen außerhalb des Hauses vorgehen. Aber wir haben das Recht nnd die Pflicht der Kritik, und wenn jemand als Schelm handelt, so muß ich als Volksvertreter ihn Schelm nennen können. Gerade um die Personen und Dinge im rechten Licht- zu zeigen, haben wir die Immunität; wir haben sie nicht bekommen, um sie nicht zu benutzen, sondern um sie im Interesse des Staates und der Gesammtheit zu benutzen, auch gegenüber jenen hochgestellten Herren, die sich immer auf ihr feines Ehrgefühl berufen, bei denen aber immer die wahre Natur wieder zum Vorschein kommt. Diese über- tünchte Höflichkeit erinnert mich an das französische Spricbwort: GraUo? les Eusses, vous reverrez les Tartaros.(Kratzen Sie den Russen und Sie finden den Tartaren). Wenn die Herren immer auf ihr Ehrgefühl Rücksicht genommen haben wollen, so müssen sie auch danach handeln; einen ehrbaren Mann werden wir aber niemals angreifen, nur solche Leute, die ihre bevorzugte Stellung mißbrauchen; geschieht dies von keiner anderen Seite des Hauses, dann werden wir es thun. Eine andere Sache. Die Post- nnd Telegraphenverwaltung nimmt für sich das Recht in Anspruch, Telegramme und Postkarten, die einen ungehörigen, staatsgefährlichen Inhalt haben, nicht zn befördern. Aber da wird auch zweierlei Maß gehandhabl. Meine Freunde und ich bekommen oft Briefe und Karten mit dem beleidigendsten Inhalt. Ich klage nicht darüber, ich amüsire mich. Ich sage mir, da hat doch deine Rede gesessen, ich bin zufrieden. Aber auffällig ist doch, daß uns solche beleidigenden Karten zugehen. In anderen Fällen verfährt man ganz anders. In beziig auf Telegramme wird oft mit großem Rigorismus Zensur geübt. So ist ein Telegramm über den Hamburger Hafenstreik a» die hiesige Volkszeitung nicht befördert worden, weil darin der Ausdruck vor- kam:„Kampf aufs Messer". Das hat den Beamte» eine Art- Grauen eingeflößt, und es wurde vom Postamt zurückbefördert mit der Miltheilung, daß es wegen seines gemeingefährliche» aus- reizenden Inhalts nicht zur Beförderung zuzulassen fei. Wie kommt man dazu, ein solches Telegramm zn beanstanden; der Ausdruck„Kampf aufs Messer" war, wie aus dem übrigen Inhalt hervorgeht, nur bildlich gebraucht, wie er im Wahlkampfe von alle» Parteien benutzt wird. Ja, gegen die Sozial' demokratie„Kampf aufs Messer"— daniit sind alle unsere Gegner einverstanden! Das Telegramm hatte also nichts Verfängliches. Dagegen sind aber viele Telegramme verbreitet worden, in denen, der Wahrheit zuwider, den Streikenden Gewaltthätigtcn in die Schuhe geschoben wurden, auch Znsammenroltungen, die erst durch ein starkes Polizei-Aufgebot auseinander getrieben wären. Das hat sich alles als unwahr eriviesen, und dochwaresgeeignet,großeBeunruhigung hervorzurufen, wenigstens auf unserer Seite, die wir den Ausstand materiell und moralisch unterstützt haben, und es war geeignet, auch auf lins ein böses Licht zu werfen. Sobald eben auf die eine Seite, die nichts zu sagen hat, die Steine geworfen werden. da giebt es keine Zensur, mögen die Angriffe noch so gemein sein, aber Umgekehrt wird ein ganz anderer Maßstab angelegt; auch wieder ein Beiveis auf diesem Gebiete: Wenn zwei dasselbe thun, ist es nicht daffelbe. Wenn eine Zensur sein soll,»mß sie auch nach beiden Seiten hin geübt werden. Aber ich bin im Zweifel, ob ich der Postverwaltung eine Zensur zugestehen soll; sie ist nur eine Dienerin des Publikums; sie mag ruhig abwarten, daß der Staatsanwalt den betreffenden Aufgeber festnimmt; die Post mag dazu beitragen, indem sie konstatirt, von ivem sie das Telegramm bekommen hat. Sobald sich jemand durch den Inhalt einer Postkarte beleidigt fühlt, mag er seinerseits den Absender anklage». Ich bestreite entschieden der Post das Recht, nicht alles z» befördern, was ihr übergeben wird,— ausgenommen vielleicht Explosionsstoffe— ich bestreite ihr, daß sie Zensur übt und nach Belieben mit de» ihr übergebenen Sendungen umgeht. Sonft kommt die Post i» eine schiefe Lage, wird Zensnrbehörde, wird als solche parteiisch nnd muß sich Angriffe gefallen lasse», wie sie hier gegen sie gerichtet werden. Ich möchte noch mit einem Wort über die von vielen Seiten angeregten Erleichterungen spreche». In den Verhandlungen spielen eine große Rolle die enzeblichen 10 Millionen, die durch gewisse Erleichterungen im Telephonverkehr, durch Erhöhung des einfachen Vriefgewichts von 15 auf 20 Gramm u. s. w. verloren gehen solle». Das sind lauter Forderungen, die im Interesse des Verkehrs noth- wendig sind. Ich habe gestern nur gehört, daß der Herr Staatssekretär 6 Millionen herausgerechnet hat; die übrigen 4'Millionen bezogen sich, wenn ich richtig verstanden habe, auf Anschaffungskosten für die Leitung.(Zuruf.) So habe ich es verstanden, ich kann ja auch irren; nun, ob 4 oder 6 Millionen ist ja in der Hauptsache meines Erachtens gleich. Ich glaube, daß ein großer Theil der Einnahme», die angeblich verloren- gehen solle», ans die amtlichen Briefe entfällt. Gerade die verschiedenen Behörden betheiligen sich stark an den Briefe» zwischen 15 und 20 Gramm. Was wird da groß übrig bleibe»? Damit schwindet die Konzession, die Sie für das große Publikum machen ivollen, schon sehr zusammen. Wie können Sie sich aber gegen eine solche Reform sträuben, die in andere» Staate» bereits eingeführt ist?! In Oesterreich z. B. gilt heute der Satz von 20 Gramm sür einen einfachen Brief bei einfachem Porto. 5 jtreuzer Porto ist obendrein iveniger als 10 Pfennige. In der Schweiz gar werden in einer Stadt wie Zürich, deren Gebiet größer ist als Berlin, Briefe bis 250 Gramm zu 5 Zentimes, das ist 4 Pfennig befördert. Zlngesichls dieser Tbatsache kann die deutsche Postverivaltung die Erhöhung des Briefgewichts auf 20 Gramm nicht ein geivagtes Experiment nenne». Wenn i» Berlin und in einer ganzen Reihe anderer Städte sich neben der Reichspost Privatposten etablire», die bedeutend billiger Briefe befördern nnd der Herr Staatssekretär dagegen nichts einzuwenden hat, wie er sagte, so sollte er doch seinen Einfluß darauf verwenden, daß auch die Privatgesellschaften dieselbe» Privilegien eingeräumt bekomme», wie die Reichspost.(Sehr richtig!) Die Privilegien der Post würden gar keinen Zweck haben, wenn sie nicht mehr die Bedürfnisse dieses Verkehrs am billigsten und zweck- mäßigsteii ordneten. Dann muß man für die freie Konkurrenz ein- treten, wie sie in Berlin und anderen Städten besteht. Der Staaissekretär wacht aber niit unglaublicher Eifersucht darüber, daß ihm niemand ins Gehege kommt. Er klagt seit Jahren, daß die Zeitnngsbeförderung sür die Post ein sehr un« lukratives Geschäft sei. In der letzte» Instanz schwebt ein Prozeß, wo von seilen der Postverivaltung gegen einen Zeiluugsinhaber Klage erhoben worden ist, iveil der betreffende seit einem Jahre seine Zeitung in der nächsten Nachbar- schaft so vertrieb, daß angeblich die Privilegien der Post dadurch verletzt werden. Ter Zeitungsin Haber ist von dem Gerichte vernrtheilt ivorden, 4000.oder 0000 M. Strafe zu zahlen für das entzogene Porto, und das Reichsgericht hat nun zu entscheiden, ob die Strafe mit den Gesetzen im Einklang steht oder nicht. Der Staatssekretär verkündet mit großer Genngthuung die Zahlen, die für die Steigerung des Verkehrs sprechen. Ich mißgönne ihm diese Freude nicht, das ist aber nicht seine Schuld nnd sein Verdienst, sondern es liegt an den allgenieine» Verkehrs- und Produklionsbedingungen unserer Gesellschaft. Diesen entsprechend müssen aber auch die ersorderlichen Formen eingeführt werden. Herr Hammacher hat unrecht, daß das Deutsche Reich oder Herr v. Stephan die Postkarle zuerst eingeführt hat. Irre ich nicht, dann ist z. B. die Postkarte, die wir seit 1367 etwa haben, vordem schon in Oesterreich eingeführt worden.(Sehr richtig!) Das einheitliche Porto von 10 Pf. hatte England früher bereits, auch Oesterreich vor uns. Das waren nicht Erfindungen der Leiter unserer Postverwaliung, nein, sie hatten bereits in anderen Staaten Boden gefaßt und sind dann erst bei uns eingeführt worden. Die deutsche Postverwaltnng sollte einmal nicht auf das Beispiel anderer Staaten ivarten, sondern ans eigener Initiative vorgehen. Die Telephongcbühren in der Schweiz sind erheblich niedriger als bei»ns. Die fiskalischen Gesichtspunkte müssen beseitigt werden; diejPost arbeitet nicht mehr für sich, sondern für den Militär- und Marinefiskus nnd für das Verkehrsinteresse bleibt nichts übrig, ob- wohl wir nach einem Ausspruch im Zeichen des Verkehrs stehe». (Beifall bei den Sozialdemokraten.) Direktor im Reichs-Postamt Tchcffler: Es ist eine alte Er- fahrung der Telephonie, daß sie sehr nervös macht; diese Nervosität ist gewachsen, seitdem das Publikum selbst an die Apparate herantritt. Es giebt geduldige und grobe Manschen und man warnt ja wohl auch jeinandeii vor einem Menschen, der sehr geneigt ist, zu explo- diren.(Heiterkeit.) Im Fernsprechverkehr fehlt der mildernde Ein- druck des Auges. Es ist die Gewohnheit im Fernsprechverkehr eingetreten, vor Leuten zu warnen, die Krakehler sind. Man ist ohne jede Vorschrift dazu übergegaugen, ein kleines Zeichen an der Klappe zu machen. Ob dieses Zeichen eine Begünstigung ist, (Heiterkeit) das frage ich Sie alle. Ganz so liegt der Fall; der betreffende Herr ist als Krakehler bekannt gewesen, er ist ja auch zu einer erheblichen Geldstrafe verurtheilt worden. Wie eine derartige Erzählung hat entstehen können, daß Beschwerden an die allerhöchste Stelle gegangen sind, kann ich mir nicht erklären. Da- von ist nichts richtig. Die Prüfung des Inhalts von Telegrammen beruht auf den Bestimmungen des internationalen Verkehrs nnd der Telegraphenordnung für das Deutsche Reich. Wenn das Postamt in Hamburg ein Telegramm beanstandet hat wegen des Ausdrucks „Kampf aufs Messer", so kann das nicht getadelt>werden, denn solche Ausdrücke sind gefährlicher als Explosivstoffe.(Heiterkeit.) Abg. Förstcr-Neustettin(Resormp.) verwahrt sich dagegen, daß sein Freund Werner durch die Vorbringung von Einzelbeschwerde» die Würde des Reichstages verletzt habe. Die Würde des Reichstags ist auf andere Weise in greulichster Weise verletzt, das könnte man beweisen, wenn man in die Gründerzeit zurückgehen wollte. Durch gute Worte sollte sich depReichstag von der Aufrechterhaltung seines Rechtes nicht abhalten lassen. Die Einführung der Tage- gelber und der Freifahrt, dje Regelung des Vereinswesens sollte man ebenso dringend und mit den schärfsten Mitteln fordern, wie die Erfüllung der Wünsche, die wir in bezug auf die Post- Verwaltung haben. Bezüglich der Beurlaubungen der Beamte» befolgen die Oberpostdirektionen nichi die Vorschriften, die das Reichspostamt erlassen hat. Wenn wir ehrlichen Willen beweisen nnd auch etwas erreichen— denn bezüglich des Braunschweiger Oberpostdirektors hat ja Herr v. Stephan die Beschwerden meines Freundes Werner an- erkannt— dann sollte man uns auch dankbar sein. Durch die Re- solutionen und Anträge bezüglich der Ausbefferung der Gehälter der Postbeamten, bezüglich der bessere» Regelung der Verhältnisse der Assistenten:c. hat der Reichstag nichts erreicht. Be- züglich der geforderten Erleichterungen des Verkehrs gilt allmälig das Wort: Immer langsam voran, daß unsere Landwehr nach- kommen kann. Einnahme-Älusfälle werden höchstens vorübergehend entstehen; denn Verkehrserleichterungen bringen immer Steigerung des Verkehrs. Bei der Ermäßigmig der Telcphongebührcn sollte man nicht unterscheiden zwischen den größeren und kleineren Städten. Will nia» Ersparungen machen, dann sollte man dies bei den Dienstgebäuden thun. Die Posteleven sollten nach ihrer Würdigkeit angenommen werden, nicht nach der Stellung ihrer Eltern. Die Kinder von Post-Unter- beamten sollen nicht angenommen werden. Bezüglich der mitt- leren und unteren Postbeamten sollte eine Aufbesserung der Gehälter erfolgen. Das Gratifikationswesen sollte vollständig beseitigt werden. Redner verlangt für die Militäranwärlcr die Anrechnung ihres Probejahres bei der Berechnung der Dienstzeit, wie das früher geschah. Redner bemängelt, daß die Sonntagsruhe, nament- lich auch für die Landbriefträger, noch nicht durchgeführt sei. Die Telegraphistinnen erreichen ihr Höchstgehalt von 1500 M. nicht,«eil sie nicht so lange im Dienste bleiben. Die Telephongehilfinnen werden schon nach 10 Jahren angestellt; die Telegraphistinnen aber müssen länger warten. Die Sonntagsruhe im Fernsprech- verkehr sei noch ziemlich unvollständig. Wenn man aus die nervösen Leute im Telephonverkehr solche Rücksicht nimmt, dann wird die rothe Klappe sich schnell vermehren. Die Frage, ob der preußische Erlaß wegen Verbots der Unterzeichnung von Petitionen gegen die Regierung für die Reichs-Postbeamten mündlich wieder- holt ist, ist nicht beantwortet worden. Daß den Postbeamten nicht verboten ist, dem Assistentenverband beizutreten, scheint mir nicht zu stimmen. Die Eingaben der Beamten darüber besagen etwas anderes. Unterstaatssekretär Dr. Fischer: Die Vorschriften über die Anrechnung des Probejahres bei Militäranwärtern können nicht zn gründe gelegt werden bei den Dienstalterszulagen. Denn diese' Dienstalterszulagen beginnen von der ctatsmäßigen Anstellung an. Es wird den Militäranwärtern also kein Unrecht zugefügt. Der Prozeß eines betheiliglen Beamten ist in erster Instanz zu seinein Gunsten, in zweiter Instanz aber zu gnnsten der Verwaltung entschieden worden. Solange der Prozeß schwebt, können wir von unserer Auffassung nicht zurücktreten. Abg. Miiller-Sagau(frs. Vp.): Herr Gamp hat gestern einen Gegensatz zwischin mir und meinen Parteifreunden konstruirt bezüg- lich des Postzeitungstarifs. Ein solcher Gegensatz besteht aber durchaus nicht. Die Einnahmen und Ausgaben der Post aus dem Zeitungsverkehr stehen in keinem richtigen Verhältniß. Die Ein- nahmen und Ausgaben der Post aus dem Zeitungsverkehr haben sich von 1877 ab nur um 82 pCt. gesteigert, während die Beförde.ung von Zeitungen von 314�/2 auf 822 Millionen Nummern gestiegen ist, also um 161 pCt., und die Ausgaben für die Post haben sich sogar um 395 pCt. ver- mehrt. Bezüglich der Erhöhung des Gewichts der einfachen Briefe müßte festgestellt werden, wieviel Briefe zwischen 15 und 20 Gramm befördert werden; da wird sich kein Eiunahineverlust von 4 Millionen Mark ergeben. Wenn die Postverivaltung das Telephonwesen monopolisirt, dann müßte sie sich auch der Pflicht bewußt werden, daß sie für die Bedürfnisse des Publiknins zu sorg.'» hat. Staatssekretär Gras Posadoivsky: Der Abg. Förster-Neu- stettin bat behauptet, daß durch die Dienstaltersstusen der Reichs- fiskus Millionen erspart habe. Ich werde bei den Besoldungen darauf ausführlich eingehen. Bezüglich der Reichs- Postverivaltung liegt die Sache so: Nach dem Stellen- Znlagesystem wurden die neuen Stellen mit dem Durchschnittsgehalt eingerichtet, während die Beamten das niedrigste Gehalt erhielten. Es blieb also reichlich Geld zur Verfügung für die Stellenzulagen. Nach dem Dienstalters- Zulagensysteni gab die Post aber 162 000 M. mehr aus als nach dem Stellen-Zulagesystem. Das nähere behalte ich mir vor. Abg. Pachnicke(frs. Vg.): Die Zensur der Telegramme hat die Verivaltung vergeblich zu vertheidigen gesucht. Aber wenn die Verkehrserleichterungeii nicht durchgeführt werden, dann nimmt der Telephonverkehr ab und damit auch die Einnahme aus demselben. Den Wünschen der Mehrheit des Reichstages bezüglich der Be- schränkung des Sonntags-Packetverkehrs möchte ich mich aber nicht anschließen. Redner empfiehlt die Abschaffung des Strafportos, behält sich aber sein Urtheil über den Postzeitungstarif vor; das bestehende Mißverhältniß zwischen den Leistungen der Post und dem Tarif müsse beseitigt werden. Abg. Singer(Soz.): Wenn die Postbeamten nicht alle ihre Menschenwürde aufgeben wollen, weil sie in ihrer Uniform stecken, dann hat der Vorredner recht, gegen eine Beschränkung des Sonntags- Packetverkehrs zu sprechen. Aber die Sonntagsruhe muß den Postbeamten werden, auch wenn dadurch einzelne Interessen verletzt werden, und Herr Pachnicke am Sonntag einmal die nöthige geistige Nahrung in der Form von Zeitungen u. s. w. nicht erhält. Die Postverivaltung hat bestätigt, daß eine besondere Behandlung gewisser Fernsprech-Theiliiehmer stattfindet, wenn auch die Verwaltung darüber keine Anordnung getroffen hat. Die Post- Verwaltung sollte eine solche Bevorzugung sofort aufheben, damit jede Ungleichheit beseitigt wird. Ueber die Mittheilung des preußischen Er- lasses an die Postbeamten hat sich die Postverivaltung ausgeschwiegen. Eine Beantwortung ist auch nicht mehr nöthig; ich habe inzwischen die Abschrift des Erlasses bekommen.(Heiterkeit.) Der Erlaß ist als ein vertraulicher bezeichnet, ist eigenhändig an die Ober-Postdirektoren gegangen mit der Anweisung, nicht durch allgeineine Verfügung, sondern mündlich den Beamten davon Kenntniß zu geben. Darin liegt das Anerkenntniß, daß die Sache möglichst unter Aus- schluß der Oeffentlichkeit geschehen soll. Das gereicht der Postver- ivaltung schließlich nicht zur Schande, der Erlaß beeinträchtigt die staatsbürgerlichen Rechte der Postbeamten. Herr v. Stephan, den ich als Vertreter der verbündete» Regierungen betrachte, bedaure ich aufrichtig, daß er sich zum Sprachrohr der verbündeten Regierungen hat machen lassen müssen. Die Beamten werden dadurch zu willenlosen Werk- zeugen ihrer Vorgesetzten, ein solcher Zustand muß sich bitter rächen in der Abnahme der Arbeitsfreudigkeit der Beamten. Als 1881 der verstorbene Abg. Berger-Witten eine ähnliche Verfügung eines Ober- post-Direktors im Reichstage zur Sprache brachte, erklärte der Geheim« Oberpostralh Miesner, daß die Zentralverwaltung keine Anweisung dazu gegeben habe. Seitdem hat sich die Postverivaltung so heruntergearbeitet, daß sie ihren Beamten verbietet, sich an Petitionen und Versammlungen zu betheiligen. Das ist das Fazit einer 16jährigen Verivaltung, ivozu wir uns nicht beglückwünschen können. Bon allem, was ich gestern vorgebracht habe, ist nichts widerlegt worden. Unterstaatssekretär Dr. Fischer: Ich bin der Meinung, daß meine Ausführungen eine vollkommene Widerlegung der An- schuldigungen des Vorredners waren, namentlich bezüglich der finanziellen Plusmacherei der Postverivaltung. Die Zahl der im Reichspostdienst beschäftigten Personen wächst jährlich um 6000. Ein Widerspruch zivischen meinen Erklärungen und denen meines Kollegen Schefflcr über den Fernsprechdienst liegt nicht vor. Eine Bevorzugung im Fernsprechdienst hat mein Kollege nicht zugegeben. Er hat nur mitgetheilt, daß die Theilnchmer, die Krakehl machen, bekannt und gekennzeichnet sind, nicht um sie zu bevorzugen.(Wider- spruch links), sondern um durch Zuziehung von Zeugen die Beamten vor Beleidigungen zu schützen. Ich weiß nicht, ivie ich die Be- amten davon abhalten soll, sich solche Persönlichkeiten zu merken und mit Vorsicht zu behandeln. Nur infolge eines groben Ver- trauensmißbrauchs kann das Aktenstück betreffend de» Er- laß der preußischen Regierung in andere Hände ge- langt sein als in die, sür welche es bestimmt war. Das Reichsposlamt muß es deshalb ablehnen, in eine Er- ürterung darüber einzutreten(Widerspruch links), und ich muß es daher ablehnen, aus die Folgerungen«inzugehen, die der Vorredner daraus gezogen hat.(Beifall rechts.) Abg. Bcckh(frs. Vp.) bedauert, daß aus finanziellen Rücksichten die Verkehrserleichterungen auf dem Gebiete der Post nicht vorwärts kommen; auf diesem Gebiete sei ein Stillstand dem Rückgänge gleich. Das Sparsystem des Fiskus zeigt sich überall. Die bayerischen Rückfahrtkarten, auf 10 Tage giltig, sind in Preußen nicht eingeführt. Redner erzählt, daß er auf der Fahrt zwei Stunden zwischen zivei Bahnhöfe» in Leipzig habe liegen müssen, weil keine Reservemaschine da war.(Heiterkeit.) Zuruf: Post!) Die Post mußte ebenfalls liegen bleibe».(Große Heiterkeit.) Man muß also sagen: Immer laugsam voran, daß die preußische Landwehr nachkommen kann. Um bV« Uhr wird die weitere Berathung aus S o n n a b e n d 12 Uhr vertagt. NAvlsmettkÄviPches. In der letzten Sitzung des Bundesrathes wurde die vom Reichstag zu Petitionen ivegen der Sonntagsruhe gefaßte Resolution dem Reichskanzler überwiesen. Die Zustimmung wurde erlheilt: dem Gesetzentwurf wegen Abänderung des Gesetzes über die Beschlag- nähme des Arbeits- oder Dienstlohnes nnd der Zivilprozeß-Ordnung, dem Entwurf einer Verordnung betreffend die Gerichtsbarkeit der deutschen Konsuln in Egypten, sowie verschiedenen seitens der zu- händigen Ausschüsse in Steueraugelegenheiten gestellten Anträgen Von de» übrigen Beschlüssen haben wir bereits gestern Mittheilung gemacht. Zum Postctat. Die sozialdemokratische Fraktion hat den solgeudcn Antrag gestellt: den Herrn Reichskanzler zu ersuchen ver- anlassen zu wollen, daß in dem nächstjährigen Gesetzentwurf für den Reichshaushalls-Etat: a) im Kap. 3 Tit. LS des Etats der Reichs- Post- und Tele- graphenverwaltung das Gehalt für sämmtliche zu diesem Titel gehörenden Poft-Unterbeamten aus SM— 1300 M. festgesetzt, b) das Höchstgehalt der Landbriefträger(Kap. 2 Tit. 26) auf 1000 M. erhöht werde, sowie ferner dafür Sorge zu tragen, daß o) de» nack) dem I. April 1833 aus der Landbriefträger-Klasse in Postschaffuerstellung(Titel 25) übergetretenen Unter- - beamten die etatsmäßige Laudbriefträgerzeit als Diätariat angerechnet, und d) den nach dem I. April 1895 bei der Reichspostverwaltung in feste Anstellung gelangende» Unterbeamte», die Privat- Postillous-, Arbeiter- und Mililärdienstzeit bei Festsetzung des Besoldungsdienstalters angerechnet iverde. Portofrcihciten. Zum Postetat hat die freisinnige Volkspartei (Dr. Schneider und Genosse») den Antrag gestellt, den Herrn Reichs- kanzler zu ersuchen, dahin zu wirke», daß die im Z 1 des Gesetzes vom 5. Juni 1869, betreffend die Portosreiheite» im Reich, den regierenden Fürsten, deren Gemahlinnen und Wittiven verbliebene Befreiung von Portogebühre» aus deren Personen beschränkt wird. Budgetkommissiou. Der Kriegsminister wünscht. daß, wenn die Konnnission Streichungen vornehmen wolle, man ihm die Mög- lichkeit gebe, zu entscheiden, welche Forderungen die dringenderen seien. In ähnlichem Sinne spricht sich der Staatssekrekär Graf Posadowsky ans. Abg. Lieber setzt auseinander, daß es sich für ihn und seine Freunde darum handele, gegenüber den in Aus- stcht stehenden Ausgabesteigerungen die Anleihe»ach Möglichkeit zu vermindern. Im weiteren verweist er auf den Beschluß des preußischen Ministeriums, wonach die Kommission durch Erhöhung der Ausgaben für den Jnvalidensonds einen staatsrechtlich unzukissigen Schritt gethan haben solle. Das bestreite er, ähnliche Vorwürfe könne man den Vertretern einzelner lliessorts mache». Den Borschlag des Kriegministers erachte er für»n- annehmbar. Der Kriegsminister v. G o ß l e r führt aus, daß sein Borschlag, wenn er in irgend einer Form Annahme finde, jedenfalls eine Unmenge Arbeit der Verwaltung erspare. Hunderte von Be- «unten namentlich im Baufach würden lange Zeit mit Aufgabe» be- schäftigt, die nachher als vergeblich sich herausstellten. Abg. Lieber regt eine zweite Lesung der Beschlüsse an. Abg. Richter erklärt sich dagegen, die angeregte Frage müßte weiter erörtert werde». Abg. v. Massow fetzt auseinander, aus ivelcheu Gesichtspunkten die Referenten die Streichungen beantragten, nachdem sie mit der Kriegsverwaltung sich ausgesprochen hätten. Abg. Richter setzt auseinander, warm» die Koni- Mission bezw. der Reichstag auf die Vorschläge des Kriegsministers nicht eingehen könne. Die Forderungen hätten die verschiedenste Bedeutung und dienten de» verschiedensten Zwecken und alle Forderunge» würden gleich hartnäckig von den Kounnissäre» der Regierungen vertheidigt. Eine ziveile Lesung sei bei der knapp zugemessenen Zeit unmöglich. Man könne ja immer noch Verständigungen bis zur Plenarverhandlung über abgelehnte Positionen herbeiführen, wie das früher schon geschehen sei. Nach einigen weiteren Auseinandersetzungen verschiedener Redner wird der Gegenstand verlasse» und ivird zur Berathung der einmaligen Ausgabe» des Militärelats geschritten. Die Forderung für Jnsterburg 230 0M M. wird auf 26 000 M. (Kosten des Grunderwerbs) herabgesetzt. Die Forderung für Kolberg (300 MO M.) wird abgelehnt; eine Forderung iu der gleichen Höhe für Magdeburg wird ebenfalls abgelehnt; das gleiche Schicksal theilt eine Forderung für Posen zum Bau einer Garnison-Waschanstalt (100 MO M.). Eine Forderung für Reihe(erste Rate für Entwurf SOM M.) wird durch eine Petition des Ober-Glogauer Magistrats indirekt bekämpft, weil die Errichtung von Stallungen im Gesammtbetrage von 642 000 Mark zur Unterbringung der Pferde der jetzigen Ober- Glogauer Garnison diene» soll, die die erwähnte Stadt verlieren soll. In der gleichen Lage befindet sich Neustadt i. Schles. und Strehlen. An der Debatte betheiligten sich Oberstlieutenant von Wollmer, General v. Gemmingen, der Kriegsminister und die Abgg. Weiß und v. Kardorff, der namentlich für das in Mit- leidenfchaft gezogene Strehlen das Wort ergriff. Die geforderte Summe wird bewilligt. Die Forderung für Münster zum Neubau einer Kaserne (250 OM M. für Grunderwerb und Herrichtung des Bauplatzes) wird abgelehnt. Die gleiche Entscheidung fällt für Osnabrück, für das zu einem ikasernenbau als erste Rate 300 000 M. gefordert wurden. Auch für Darmstadt werden als erste Rate 400 000 M. abgelehnt, die zum Um- und Erweiterungsbau einer �Trainkaserue gefordert wurde». Bei der Position Titel 75 werden 50 000 Mark von den geforderten 100000 Mark abgesetzt. Für die Erwerbung eines Truppen-Uebungsplatzes für das Gardekorps(Gesammtbetrag 10 645 000 M.) werden als fünfte Rate 1730 000 M. gefordert. Der Referent Abg. Bachen« beantragt 2M0M M. zu streichen, schließlich zieht aber der Antragsteller seinen Antrag«vieder zurück und ivird die ganze Summe bewilligt. Die nicht beanstandeten Posten werden sämmtlich beivilligt. Schluß der Sitzung; die nächste Sitzung findet Mittwoch Vormittag 10 Uhr statt. Nitfallvcrsicherungö-Konimission. Die Kommisfion des Reichs- tags zur Borberathung des Entwurfs eines Gesetzes, betreffend die Abänderung der Unfallversicherungs-Gesetze, hat sich konslituirt und den Abg. Rösicke zum Vorsttzenden, den Abg. Freiherr» v. Stmni» zum Stellvertreter des Vorsitzende» und die Abgg. Fusangel, Lessing und Stadthagen zu Schriftführern gewählt. Außer Stadlhagen sind die Abgg. Grillenberger und Molkenbuhr Vertreter unserer Fraktion in dieser«vichtigen Kommission.— Die Bndgetkomuiissio» des Abgeordnetenhauses ist auf 28 Mitglieder verstärkt«vorden. Ursprünglich«varen nur zur Be- rathnna des Besolduugsplans sieben Milglieder hiuzugeivählt, es hat sich aber herausgestellt, daß sich die Frage der Beamten- besoldungen nicht von der Berathtlng des Etats trennen lasse. Al>avkei-'Nachvirszten. Der Ncichstags-Abgeorductc l>. Vollmar ist, wie die „Vossische Ztg." in Erfahrung gebracht haben«vill, seit vorgestern in Berlin am Wundfieber schiver erkrankt. Uns ist keine Meldung darüber zugegangen. Am Donnerstag«vnr Genosse Vollmar in der Reichstagssitzuug anivesend und völlig gesund. Da der Schußkanal der Wunde des Genossen Vollmar offen ist, ist freilich ein solcher Krankheitsfall leider nicht ganz a«lsgeschlossen. Polizeiliches, Gerichtliches te. — Das Reichsgericht verivarf die Revision, die vom Genossen Stenz el, verantivortlichem Redaktenr am„Hamburger Echo", gegen das Urtheil des Hainburger Landgerichts eingelegt worden war, das gegen ihn«vegen Beleidigung auf 1 Monat Ge- fängniß erkannt hatte. Die Sache ist ziveimal verhandelt«vorden, da daS erste Urtheil von, Reichsgericht aufgehoben«vurde. — Genosse K u n i s ch in Düsseldorf«vurde in der Revisions- Instanz vor der Essener Strafkammer, vegen Beleidigung der dortigen Slaatsanivaltfchast zu 300 M. event. 30 Tage» Gefängniß verurtheilt. In der ersten Instanz«var er freigesprochen worden. Kunisch hat erneut Revision angemeldet. — In einer«vegen der Umsatzsteuer abgehaltenen Protest- verfaminlung der Konsumvereins-Mitglieder in Hilbersdorf bei Chemnitz hat Genosse Karl R i e m a n>> das Verhalten eines Geuieinderaths-Mitgliedes kritisirt. Durch die Kritik soll er nach Ansicht der Amtshauptmannschaft„groben Unfug" verübt haben, «veshalb ihn diese zu 3 Tagen Haft verdonnert hat.____ Die �AfettAvbeiiev�Vewegttttg. Aus Hamburg wird uns geschrieben: In« Hamburger Hafen sieht es sehr öde aus. Die einzelnen Hafentheile sind so voll Schieb- eis, daß Oberländer Kahne, Leichter und Schule«« absolut nicht mehr an die Schiffe herankommen können und deshalb von den Schiffen nur nach den Quais gelöscht«verde» kau». Da nun weitaus nicht alle Schiffe an den Quais Platz gefunden haben, so ist die Löscharbeil kaum»ennensiverth. Die Rhederpresse kann deshalb mit recht täglich schreibe», daß über IM„Arbeits- ivilligen" keine Arbeit gegeben«verde«« konnte. Es liegen a«ls vorigem Jahre noch 27 grobe Dampfer hier, die noch immer nicht seeklar sind. Von Segelschiffe» liegt eine noch größere Zahl an der Stadt. Die Arbeit aus den Segelschiffen ruht ebenfalls fast vollständig. In der Donnerstags- Versammlung der Schauerleute nah««, der Professor T ö n n i e s das Wort,>«»« die Unterzeichner des bekannten Ausrufs zu guusten der Streikenden gegen die brutalen Hetzereien der„Hainburger Nachrichten" in Sch«!tz z«« nehmen. In Beziehung auf die neuliche Forderung des ehreniverthen Blattes für Landesverrath und sonstige Schandthate», die Unterzeichner des Aufrufs aus der bürgerlichen Gesellschaft auszuschließen,«veil sie die Geschäfte der Sozialdemokraten betriebe», äußerte der Redner, indem er in sehr feiner Weise auf die bekannten massenhasten unsitt- lichen Annonceu der„Hainburger Nachrichten" hiuivies, zu der Gesellschaft der„Hamburger Nachrichten" gerechnet zu«verde««, ver- «vahre er sich entschiede», folglich könne man ihn a«ls dieser „noblen" Gesellschaft auch nicht ausschließe». In den Branchenversammlungen an« Freitag«vurde mitgetheilt, daß am Sonnabend alle au« Ausstand betheiligten Hafenarbeiter und Seeleute zu den Zlppellversaminlungen zu erscheinen hälten, «veil eine sehr«vichtige Abstimmnug vorznnehuien sei. Es ivird darüber a b g e st i in in t, ob man die Arbeit«vieder aufnehmen«vill zu den von den« Arbeitgeber- Verbände aufgestellten B e d i n g«« n g e n oder«licht. In den« Bureau der Lohnkonimission der Seeleute beschlag- »ahmte die Kriminalpolizei an« Donnerstag einen Stempel mit der staals- und gesellschaftsgefährlichen Ansschrist:„Lohukonilnission der Seeleute". Warum? Weshalb? Das«veiß allein die hohe Polizei. Das„Hamburger Echo" schreibt:„Der Arbeitgeber-Verband hat es für angebracht gehalten, in der„National- Zeitung eine» 'Artikel über den Hamburger Streik ablagern zu lassen, der sich in den« allbekannte» Geleise beivegt, in den« die Auslassmigen der von den Unternehmer» gecharterte«, Presse sich von jeher hielten. Neues bietet er also nicht. Gege>«über der stetig«vieder- kehrenden falschen Darstellung,«vonach die Arbeiter alle Verhandlungcn unmöglich gemacht hätten, veriveisen«vir «viederholt auf die Thatsache, daß die Arbeiter seit ei«len« Jahrzehnt mehrfach vergeblich den Versuch gemacht haben, V e r h a» d l u n g e» mit den Arbeitgebern anzubahnen,«veil diese sich stets ablehnend verhielten, und daß auch in« November v. I. die Stauer und Rheder nach einer nichtssagenden Scheinkonzesston jede«vettere Verhandlung mit den Schauerleute» ablehnten und damit den Streik provozirlen,«veil in, Arbeitgeber-Verband längst beschlossen«var, daß ohne dessen Zustimmung die Unternehmer in« und au« Hafen überhaupt«veiter- gehende Konzessionen den Arbeitern nicht machen durften und auch heute noch nicht inachen dürfe»,«veil sie nach«vie vor der Bor- inundschafl des Arbeitgeber-Verbandes unterstehe», der jeden in Ver- ruf erklären«vürde, der sich ihm nicht unterordnet!— Das ist die Wahrheit!" Der„Vossischen Zeitung"«vurde aus Hamburg berichtet:„Der Arbeitgeber-Verband hat beschlossen, auf das Schreiben der Aus- ständigen keine Antivort zu ertheilen,«veil der Ausstand zu Ende fei. Nachden« die Seeleute fast alle die Arbeit«vieder auf- genommen haben, beivilliglen die Rheder von heute(Freitag) ab Lohnerhöhungen; danach erhalten die Heizer 70, bisher 60, die Triinmer 60, bisher 50 M. monatlich; sie forderten im Ausstand 85 und 75 M. monatlich." Daß der Ausstand z» Ende sei, ist natürlich nur eine Verlege»- heilsa«lsrede. •• » Bei der Berliner Gelverkschaftskomniissivi« gingen für die streikeudei« Hamburger Hafenarbeiter folgende Beiträge ein: »esangveretn„Rüllt", Friedenau lv,—. Liste 619«, NoSke, Planofabrik durch Westroiv«7,10. Spreinberg, Nieder-Lausty, von den Genosse». 3. Rate«o,—. Beztrtsveretn der Buchdruiter i»«Llogau 20,—. Rlessnberg— ,60. Neuiezecl —,50 Bauttschleret Chr. Mitlch, Barntmstr. 22, d. Carlchen«,«5(Listen«Verden n t ch t versandt). B. M. A. G. d.<5. 8,«o, Knetptlsch bei K. tu Kassel«o,—. Schney iu Bayern d. Loesch, 3. Rate 45,50. Frau« Müller. Reinickendorf, West, 4,45. Aibetter a»S Tahuie«o,—. Frau Professor Warschauer 4,—. Tischlerei NajewSlc, außer den Lammfrommen, 4,so. Organisirte Stereotypeure Berlins 50,—. Würzburg. d. N. Kern 95,55. Crimmitschau in Sachsen d. Colditz. 9. Rate 399,—(darunter B. und K. S.... l Tanuenbaumveramigen 30,—, Unaenannt d. ffl. H. 3,—). P.<8. In Pose», 2. Rat« 22,—. Z. in Ch. 9,—. Neudamm, Unaenannt 6,—. Neudamm, Nu»«5,76(darunter von einem Berliner— ,50).„Drei Ostpreußen" 3,—. Gelsenltrche»(Westfalen) d. H. Poloruy 25,—. Ataler, Bau Würzburgerstraße, 4. Rate 9,40. Nauchllub„Veilchendust", vom Arbeiter-Raucher- bund, 3,50. Krüger, Berlin, Höchstesiraße, 9,—. Erpcdilion der Solinger „Freien Presse", 5. Raie 100,—. Mittweida in Sachse» d. CimS 55,0s(darunter O. Z. 14,60, E. Z 5,10, O. V. 5,20. amerilantsche Auktion 9.25, Metallarbeiter ll,35, Rothe Fabrik 9,10, Dividende 5,58, Zwei Bürger 3,50). Weimar, gcs. d. Br. Kesk 17,—. Buchdruckcret Häbrinaer 20,46. Buchdruckerei C. Hecksndorff 5,50. Robinson und Genossen, 5. Rate«1,50. Einige Hausdiener einer große» Firma s,50. Ttschlergcselle» von Frister». Roßmann, Saal 20, 6,66. Prinzen- und NUlersiraßen-Ecke 1,20. Gesangverein Einigkeit s, Groß-Lichlec- felde, Maskenball(darunter 2,so für veranklionirtcn Fächer) 10.6«, Tapezircr von Krieg u. Wecke 5,22, Charlottenburg, aus einer Milslerwerkliatt, I,—. Ge- burtstagSseier bei G,K. 1,—. Morig, Fuhrherr, 4,—. AuS der Jakodstraßs 1,20. Skamniitsch K.... straße. 8. Rale 9».—. Bo» den Zimmerern von Brest u. Ko., Wollankstraße, Pankow, 9,55, G. E. W. 54 I,—. Studiosus R, R.. Charlotie»- bürg, 9,—. M. Hamm, Berlin. 2,—. Verunglückte vom Maikenall 0,—, Listen d, Schonhetm 9514 und 95l5, Metallarbeiter, Bülowstrabe, 90,90: 9510, Tlschleret Gebrüder Lüdtke, Britzcrstr, 8, 15,40; 3605, Zabel 5,45. Listen d. E. Ernst A. E. G.«504, Schmiede, Saal 9, 22,25, 5695 9?,I6, 5696 29,50, 6604 11,06, 6599 15,50, 4392 10,96. 4707 92,76, 4528 19,96, 4526 24,25, 4088>4,—, 4087 28,10, 4085 «5,90, 556 0,56: 257,20. Listen d. Ii. Ernst 4555, Etsengteßerei Hummel 8,16: 4«58, Modelllischler A. Borsig 7,65; 6506, Maschinensabrik Sentker 20,26: 4557. Grüntng, Plötzcnse« 3,20; 6512, Bautischleret Sprenger>0,25:«562, Keiltng u. Thomas, Eisengießerei, 14,56: 6509, Arbeiter Germania, Tegel, l?,—; 4526, Mechautker Norde» 21,55; 4554, Brodnih u. Seidel 0,10; 4561, Hirsch, Nordufer, 8,46: 4981, Zcntral-Kiaulenlafse und Sterbekasse 7,—: 4032, Tischlerei Strothof 10,—: 4948, Tischleret Rah» 19,55; 4597. 4545, 5509, Maschinensabril Hasse 75,76; 6505, 6307, 6508, Gebrüder Nothman», Reue Hochstraße, 99,26; 4961, Buchdruckerci Schuhmacher 8,70; 9406, 4021, 4622, Hartgunimi-Fabrik im Norden 20,40; 4069 und 4062, Siemens». Halske. Abiheilung 2«. 46,50: 944,50. Liften durch E. Ernst 241, 809, 2751, 9950, 9996, 4020, 4041, 4046, 4094, 4040, 4599, 4555, 455«, 4559, 4559, 4571, 4575, 4579, 4589, 4591, 4596. 4505, 4700, 4949, 4960, 4962, 6689, 6692: 270,76. Möbelpolirer der Möbelfabrik C. Müller, Schönhauser Allee 15« 4,60. Llsle«9 Möbelpolirer von Frd. Vogts 6,86. Liste 4601 Trunsch, Händler 3,76. Liste 4490 Prcnß, Brauer 0,60. Rauchtlub Eldorado, 2. Rate(darnnter I,— von Kaschka) 6,—. Llslen 4656, 4655, 6771) Maschtnensabrik von Kappler, Prinzen-Allee 43,80. Liste 965 Lnlas Ernst 6,60. Berliner Tischler tu Bredow bei Stetil» 3,—. Arbeiter von Kooke u. Weyland und Th. Kr. 3,20. Billardsabrik von Nenhuse» d. Lenlinann 4,60. Schlosseret Müller, Wallstr. 17 5,«ö, Siegesfeier der Orts-ftrankenkasse der Kanflsnte, Restaurant Ptnzer, Frtedrichsgracht 4,60. Alfred, Bergnitgungsralh aus Peter- »lanu's Baude«.—.„Der Arbeit ihr Lohn" aus EuSltrchen 6,—. Listen durch Michels, AdlerShof, 5995, 6790, 6785, 6781, 6630, 6629, 5625, 5525, 4793, 4792, 4730, 4758, 4754, 4156, 1034, 5998, 6997, 6995, 6999(darunter Metallwaaren-Fabrtk Gebrüder Krüger, Köpenick 34,56) 109,04. Listen«374, 4979, 4377, von den Putzern durch Vogel 32.iv. Klempner, Alle Fakobstraße«0-41, 4. Rate 7,20. Liste 699« Taxsmetersabrik Tllnhölter u. Schölzel 20,90. F. �>, Thaerstr. l,—. Privat- Theatergefellschast„Glück aus"«0,—.„Machandelbrüder", Rosenihaler- straße 90, 0. Rate 6,—. Buchdruckerei R. Boll 8,20. Liste 6798, 5799, Lcskau, Stellmacher n.so. Großes Pellkartoffel- und Herlngsesseu bcl Bowitz, Falckensteinstraßs 4,35. P. H., Llnienstraßs 11,15. Neberschuß einer Seburlstagsseier bei Gotte 11,55. Saal 12 und 21, 5. Rale(darunter 2,«o Dividende) 9,80. Korbmacher. WNhelmstraße, 7. Rate«,50 Agttations- kommtlston der Bergolder Berlins, 6. Rate 100,—. Liste 5900 Hof- wagensabrik Ed. Kühlftein, Charlottenburg 9,90. Lederwaarenfadrtk von Grosse 9,—., Listen 3595, 9685, 959«, 9690 Tertilarbetter d. Ktrschbach 59,60. Lanlow 3,— R. B. 55 2,—. Eine lönigliche Musteriverkstait,«. Rale«,—. Listen d. H. Werner 2495 Lachmann a,-. 2490 Hirsch 16,26. 2495 Brokop 4,40. 8535, 8642, 3544 21,40 d. Faller, 3648 Kroker 7,60. 3560 Hensel 9,50. 6090 Hinye 13,60. 6091 Krößner 1,50. 5092 Mehner 9,50. 5095 Bing er 8,90. 5008 Jung 5.90. 6100 Metallarbeiter Bülowstrabe 17,80, 114,75. Spar- und«redttverem Etnigkelt, Naunynstraße 80, so,—. Liste» d. Reul 976, 2009, soio, 2045, 2047, 204s,«201, 4204, 4200, 4208, 6322, 6323, 6324, 6327, 6328, 6332, 6298, 6060 120,95.„Blumenstraße 70" 19,26. Dr. D. 4,80. Personal der Gebrüder Köppe 5,05. Schwab» 3,—. Listen d. Thtelki 5823, 5808, 5153, 5152, 5151, 6807, 6975. 5977, 6982, 155«,«574, 1747, 1749, 4258, 4610, 6981,«612,(darunler Tischleret Wollncr 7,86. Maschine»- fabrik G. Kärger, Krautstr. 52 28,55. Möbelsabrtk I. GroschkuS, Gollnowslraße 50,20) 129,70. Sraetz, Maler, Liste 537« 7,30. Berichtigung: 1) In No. 22 peile 5 VON oben muß es heißen„Billardklub, Stoppelbrüder" zu Rirdorf.— 2) In No. 22 Zeile 4 van oben muß es heißen „Maler, Bau Hübnerstraße 9,20."— 3) In No. 12 muß es heißen„Untsrilützungs- fonds der Tapezirer" 60,— d. E. St.— In No. 10 muß es heißen„Herrmann Steinmetz, Modelltischler in Schöningen, Schützenstraße 1,50".(Liste war Nicht versandt.) Weitere Beiträge nimint das Berliner Geiverkschaftsburean (N. M i l l a r g. Berlin S., Annenstr. 16, vor» pari.) in der Zeit von 9—1 Uhr vormittags und«—8 Uhr abends entgegen. In Weistenfels hatten,«vie uns berichtet«vorden war, die streikenden Schuhmacher auf einen Theil ihrer Fordernngen verzichtet,«im dem Friedensschluß keine Hiuderiiiffe zu bereiten, der bereits in Aussicht stand, weil die Fabrikauteu sich eines besseren besonnen zu haben schienen, indem sie am Dienstag in eutgegeii- kommender Weise mit den Vertretern der Streikenden verhandelt hatten. In den Verhaudlunge» am Donnerstag, die 4 Stunden währten, machten die Fabrikanten denn auch Konzessionenf; als aber ein Arbeitervertreter erklärte, alle seine Kollegen würden an den Forderungen festhalten, die bei Beginn des Generalstreiks aufgestellt worden sind, da benutzten dies die Fabrikanten, uni ihre Konzessionen für nichtig zu erkläre» mid die Verhandlungen abzllbrechen. Falls nnii die Fabrikanten während der Zeit zwischen der ersten und ziveiten Verhandlung nicht von Scharfmacher» aufgehetzt worden sind, scheinen sie, beziehenllich ihre Führer die Äerhaiidlungen nur begonnen zu habe», um dadurch die Erinnerung au die frivole Androhung der Aussperrung ihrer Personale auszulöschen, die die Ursache des Massenstreiks«var n»d die— mit«venig Ausnahmen— selbst von der Presse aller bürgerliche» Parteien mißbilligt wurde. Was die von ihnen zugestandene» und wieder für nichtig er- klärten Loh»erhöhll«ige>, betrifft, so kamen dabei nnr einige Fabriken in Frage; in mehreren Fabriken«verde» so«vie so schon höhere Löhne bezahlt. Auf die Forderung nach dem Reim- ftnudentag nnd nach der, die Zuthalen uiieutgeltlich zn liefern, sind die Fabrikanten überhaupt nicht eingegangen. Nachdem die Ver- Handlungen am Donnerstag abgebrochen waren, faßten die Streikenden in einer Versammlung den Beschluß, an den aufgestellten Forde- rnngen festzuhalten. In der Hauptsache soll es sich nur um einige Fabrikanten handeln, die es zu einem Vergleich nicht kommen lassen«vollen, sondern die Niederlage der Arbeiter bezwecken. Ein großer Theil der Unternehmer soll zn Konzesstonen geneigt sein. Wie es heißt, drängen die Grossisten auf Ablieferniig der Waaren und«vollen unter Umständen Schadenersatz> Klage anstrengen. Die Haliung der Streikenden ist ruhig, ihr Mnth iliigebrochen. Streikbrecher giebt es zur Zeit über- Haupt noch nicht, und ausivärts«vird— soviel bekannt— Arbeit für Weißenfels nicht geliefert. Sympathie-Erklärungen für die Streikenden sind von auswärts selbst a«ls bürgerlichen Kreisen eingelaufeu. Den streikenden Geiverkvereinlern ist das öffentliche Sammeln»«nter der Stadtbevölkerung erlaubt worden. Aus Hamburg wird uns mitgetheilt: Die Meldung bürger« licher Blätter, der Hamburg-Altonaer Verband der Eisenbahner habe seine Statuten der Eisenbahu-Direklio» zur Genehmigung vorgelegt, ist unwahr. Allerdings ist in einer neu« liche» Versammlung des Verbandes ein dahingehender Antrag ge- stellt worden, derselbe«vnrde jedoch gegen die Stinune des Antrag- stellers abgelehnt._ Sozittles. Tie„Kölnische Zeitung" schreibt:„Der japanische Nagelfabrikant T. Jamaguchi reist gegenwärtig in R h e i n l a n d- W e st f a l e n umher, um die Nagel-, Schrauben- und Drahtfabrikatioi« soivie deren Herstellungsniaschiiien kennen zu lernen. Er ist mit einem Empfehlungsschreiben des kaiserlich japanischen Konsuls«n Berlin, C. Wolffson, versehen, das die Werke ersucht, Nawagnchi z» empfangen und seine Absichten zn««nterstütze». Wir meinen, daß der Konsul der ohnehin im Wettbewerb schwer kämpfenden dentschen Drahtindustrie einen sehr schlechten Dienst erweist, wenn er ihr einen japanischen Konkurrenten ins Haus schickt, der Kennt- niß von deren Einrichtungen zu nehmen sucht. Wir finden es deshalb begreiflich nud pollkommen gerechtfertigt, daß man auf den Werken nicht geivillt ist. dem Ersilchen der Herren Wolffson und Pamaguchi zu entsprechen." Daß die„Kölnische Ztg." das„vollkommen gerechtfertigt" findet, ist dumm genug. Um den Export Deulschlands stünde es schlecht, wenn die andern Nationen den Vertretern der deutschen Industrie ebenfalls keine Einsicht in ihre Produktion gewähren wollten, wie es die rheinisch- westsälischen Drahtwerke dem Japaner gegenüber lhui« sollen. Bekanntlich haben die deutschen Unternehmer sogar Vereine gegründet, die den Zweck haben, durch an Ort und Stelle geschickte Personen die deiitsche Industrie über die Industrien anderer Länder fortgesetzt zn unterrichten und dadurch unser«« Export markt- sähig zu erhalte». Schweizerische Auswanderung. Nach überseeischen Ländern sind im Jahre 1896 aus der Schiveiz 3330 Personen gegen 4268 im Jahre 18SS ausgeivandert. Seil 1847, also im letzten halben Jahr- hundert, sind ca. 250 000 Personen aus der Schiveiz überseeisch a>ls- geivandert.«vovon mehr als neun Zehntel nach den Bereinigten Staaten von Nordamerika. Das Maximuin mit 13 502 wurde 1883 erreicht; seitdeu« geht die Auswanderung beständig zurück. Der Tabak-Konsnm in Frankreich ist seit mehreren Jahren in fortiimhrendein Steigen begriffe». Nach de» Erhebungen der Fiuauzverivaltung stellte sich der Konsul» i» de» letzten drei Jahren ivie folgt: 1 894 35 900 MO Kit ogr., 1895 30 300 000 Kilogr., 1896 37 100 000 Kilogr., macht pro Kopf in den entsprechende» Jahren 934, 1013 und 1045 Gramm. Die Einnahnie» aus dem Tabakmonopof sind demgemäß von 374 Millionen Fra»ks im Jahre 1893 auf 375 Millionen tu 1994, auf 331 Millioiie» in 1895 und ans 393 Mill. in 1896 gestiegen. Die Zunahine des Verbrauchs betrifft vorzugsiveise Rauchtabak und Zigaretten. Die inländische» Zigarre«, werden innner «veniger, die ausländische«« Luxus-Zigarren«»««»er mehr geraucht. Der Äerbrauch des Schnupftabaks nimmt dagegen regelmäßig von Jahr zn Jahr ab. DepeMen und letzke Aachvichken. Magdeburg, 29. Januar.(W. T. B.) Die königl. Eisenbnhu- Betriebsinspektion Magdeburg«»acht bekannt: Au« 27. d. M. nach- mittags gegen 5 Ilhr fuhr eine von Schöneberg konnneude Ma- schine auf den Schluß des vor Bahnhof Westerküsen haltenven Güterzuges Nr. 1106. Hierbei kauien 2 Wagen zur Entgleisung. Die ausfahrende Maschine und 3 Wagen«vnrden schiver und 4 «vettere Wage» uiibedeulend beschädigt. Ferner«vurde der Schluß- bremser des Güterzuges verletzt. Infolge des Unfalls«varen beide Hanptgleise mehrere Stunden gesperrt. Frankfurt a. M„ 29. Januar.(B. H) Man berichtet der „Frankfurter Zeitung" aus Stuttgart: Gegen 400 Bäckergehilfen beschlossen gestern eine Erklärung zu gunsteu der Aufrechterhalttmg des Maximalarbeitstages. Budapest, 29. Januar.(B. H.) In einem hiesige» Hotel ver- letzte der angeblich aus Düsseldorf stammende Garde- Offizier Slägemaiin die Schanspieleri» Anni Helluiiiig durch einen Nevolver» schnß tödtlich,«vorauf sich Stägemann selbst erschoß. Das Motiv zur That ist Eifersucht. Brüssel, 29. Januar. Gestern Abend kam es zwischen hundert ausgehobenen Rekrnte»«nid etiva 50 Mitgliedern der sogenannten Graninützenbaiide zu einer blutige» Schlägerei,»vobei mehrere der Betheiligten lebensgefährlich verletzt«vurden. Ein starkes Polizei- aufgebol«var zur Stelle, es erfolgten zahlreiche Verhastunge». Petersburg, 29. Januar.(Reuter's Bureau.) Die Pest ist aus Formosa ausgebrochen. Athen, 29. Januar.(B. H.) An verschiedenen Punkten Ost- Kreta's kamen große Unruhen vor. Eine Anzahl christlicher Dörfer «vilrden von Muselmannen überfallen und ausgeplündert. Der Gouverneur befahl, die Ruhestörer streng zu bestrafen. Berantwortlicher Redakteur: August Jacobe») in Berlin.. Für den Jnseratentheil verantwortlich: Th. Gloet« in Berlin. Druck u,ld Berlag von Max Babing in Berlin. Hierzu 2 Peilage». ilr.25. 14. ZchMg. j|f jlup HVitte � Sköckev. Unter»»geheurein Andränge des Publikums fand gester» vor der achten Strafkammer des Landgerichts I die Verhandlung der be- kannten Beleidigungsklage des Pfarrers Witte gegen den Hof- Prediger m D. Stöcker statt. De» Vorsitz des Gerichtshofes fuhrt Laiidgerichtsrath Reine cke, Beisitzer sind Landgerichtsrath M u n k e l und Landrichter Hirsch. Die Parteien sind persönlich zur Stelle, ihnen zur Seite stehe» Rechtsanwalt L e n z m a n n für Witte und Rechtsanwalt Rätzel I und Vielhaben für Slöcker. Die Verhandlung findet im große» Schwurgerichtssaale statt. Unter den vorgeladenen Zeugen befindet sich der aus dem Ziechthanse vor- geführte Freiherr von H a m in e r st e i n, die aus dem Gefängnisse vorgeführten Journalisten von L ü tz o w und L e ck e r t, Konsistorialrath Lconhardt, Redakteur Oberwinder, von Ger- lach, Dr. Strack, Schneider Grüneberg und Frau, Pfarrer Witte und andere. Von den» gleichfalls als Zeugen vorgeladeneu ehemaligen Vorsitzenden in dem Prozesse Stöcker- Bäcker. Landgerichtsrath a. D. Lüty, ist aus Wiesbaden ei» K r a u khe i t s a t t e st eingegangen. Gleichzeitig theilt Direktor Luty mit, daß sein Gedächlniß so gelitten habe, daß es ihm nicht möglich sei, sich aus die Vorgänge euts dem Jahre l3Sö zu erinnern. elnch von der als Zeugin geladenen Frau Geh. Ober- Regierungs- rath Wagner ist ein Krankheitsatlest eingegangen. Rechtsanwalt Rätzel macht daraits aufmerksam, daß ein Antrag von ihm vorliege, die Akten des k. Konsistoriums vorzulegen. Der Vorsitzende spricht seine Ansicht dahin aus, daß alle Parteien ivohl dahin einig seien, daß es wünschenswerth sei, die Sache zum Ende zu bringen. Der Gerichtshof halte die ausgebliebenen Zeugen für entbehrlich. Der Anklage liegt folgender Beschluß zu gründe:„Ans die Privatklag« des Pfarrers Witte wird gegen den Hosprediger a. D. Slöcker das Hauptvcrfahre» eröffnet, weil derselbe verdächtig erscheint, durch zwei selbständige Handlungen in Berlin a) de» Verfasser des in Str. 79 der Zeitung„Das Volk" vom 2. April 1SSS enthaltene» mit„Pfarrer Witte" überschriebenen Artikels vorsätzlich dazu bestimmt zu haben, den Privatkläger zu beleidige» und dadurch zugleich selbst durch Mittheilung der in dein Slrtikel erwähnten Thatsache, de» Privatkläger beleidigt zu haben; b) den Privatkläger durch den in der Nr. IS der„Deutschen Evangelischen Kircheuzeitung" enthaltenen mit„Wahrheil" über- schriebenen Artikel beleidigt zu haben und zwar inittels der Presse, also öffentlich; auf die Widerklage, wonach der Privatkläger hinreichend ver- dächlig erscheint, den Beschuldigte» durch das Eingesandt in der dritte» Beilage zu Nr. S2S der„Kreuz-Zeituug" beleidigt zu haben und zwar mittels der Presse, also öffentlich, Wie allgemein bekannt sein dürfte, wurde Stück er in der erste» Instanz am 12. November vorigen Jahres vom Schöffen- gericht wegen verleumderischer Beleidigung zu 600 Mark Geld- strafe verurtheilt, Pfarrer Witte dagegen auf die Wider- klage sreigesproch e». Der springende Punkt in der ganzen Streitsache bildet bekanntlich der augebliche Brief Slöcker's an de» Schneider Grüneberg, worin der letztere aufgefordert wird, den Pfarrer Witte in öffentlicher Versammlung anzugreife». Seitens Slöcker's wird die Existenz eines solchen Briefes bestritte». In der Urtheilsverkündigung des Borderrichters heißt es in betreff dieses Punktes: „Auf grund der stattgehabten Beiveisaufnahme hat das Ge- richt die Ueberzeugung gewonnen, daß Privatkläger mit recht zu der Annahme gelangen konnte, ein Brief Stöcker's an Grüneberg existire thatsächlich. Alle Behauptungen des Privatklägers in bezug auf diesen Brief sind optima Ms ausgestellt; wenn ihm nuil Fälschung des Briefes in der Absicht, daß er wirklich als ein Bries Slöcker's gelten könne und nur zu dem Zwecke korrigirt sei, um mit dem Schein der Echtheit die öffent- liche Meinung irre zu führen, vorgeworfen wird, so ist dieser Vorwurf für den Privatkläger ei» sehr schwerer und sehr ivohl geeignet, ihn verächtlich zu machen und in der öffentlichen Meinung herabzuwürdigen. Das Gericht ist aber weiter gegangen, indem es zu der Ueberzeugung gelangte, daß der Brief auch that- sächlich existirte. daß somit nicht nur der Tbatbestand des Z 186 Sir.-G.-B., sondern des§ 187 des Str.-G.-B. gegeben sei. Dem Zeugen Grüneberg konnte wegen seines unstäten Wesens, seines iviederhollen Gesinnungswechsels nicht unbedingter Glaube ge- schenkt werden." Gegen dieses Urtheil ist von beiden Parteien Berufung einge- legt worden. Nach Verlesung des Urtheils erster Instanz und seiner Gründe durch den Referenten Landgerichts-Rath M unkel wird festgestellt, welche Anträge für die zweite Instanz gestellt werden. Rechtsanwalt Lenzmann wiederholt seinen schriftlichen Antrag auf Verwerfung der Widerklage des Hofpredigers a. D. Stöcker, Erhöhung der Strafe und Aenderung der Strafart.— Rechtsanwalt 3t ä tz e l beantragt Freisprechung des Angeklagten Stöcker und Verurtheilung des Klägers und Wiederbeklagten Pfarrers Witte. Als Einleitung zur eigentlichen Verhandlung betont dee Vor- sitzende, daß die ganze Frage sich darum dreht, ob der Angeklagte Slöcker den fraglichen Brief au de» Schneider Griiueberg geschrieben hat oder nicht und wie es gekommen ist, daß die Abschrift des Briefes, die Pfarrer Wille dein Konsistorium eingereicht hat, s p r a ch l i ch e Fehler enthält, die in dem von Witte in seiner Broschüre abgedruckten Briefe nicht zu finde» sind. Vors.: Herr Hosprediger Stöcker, wie steht es mit diesem Bries? Sie kandidirlen 1873 wohl in mehreren Berliner Wahl- kreisen und es scheint so, als ob der Privatkläger Witte auch die Absicht hatte, im 6. Berliner Wahlkreise zu kandidiren. Haben Sie nun dem Schneider Grüneberg den Auftrag gegeben, de» Pfarrer Witte in der Eiskeller- Versaiumlung öffentlich anzugreifen?— Stöcker: Es ist ganz unmöglich, daß ich einen solchen Auftrag gegeben habe. Wen» ich ihn gegeben hätte, wäre er auch ausgeführt worden.— Präs.: Die Versammlung im Eiskeller soll sehr tnmulluarisch geivesen und schließlich der Auflösung verfallen sein. Es wird behauptet, daß es Schneider Grüueberg aus diesem Grunde nicht möglich war, den Auftrag auszuführen.— Stöcker: Es hätte doch garnichts im Wege gestanden, den Auftrag an einem der nächsten Tage zur Ausführung zu bringen.— Präs.: Ein Mann namens Küster soll Ihne» bald nach der Eiskeller-Versammlung über de» Verlauf der letzteren Bericht erstattet haben. Darauf sollen Sie jenen Brief an Grüneberg geschrieben und darin den Auftrag wiederholt habe».— S t ö ck e r: Ich mache darauf aufmerksam, daß der erste Satz in diesem angeblichen Briefe ohne Fehler ist, ivährend der zweite und dritte Satz sechs stilistische und satzliche Fehler enthält. Ich habe den Verdacht, daß der ersteSatz aus eine in wirklich von mir herrührenden Briefe sta in nit und das übrige gefälscht ist. Ich vermuthe dies umsomehr, als der letzte Satz einen Hinweis auf die Jndenfrage enthält, die damals»och garnicht an- geschnitten war.— Rechtsanwalt L e n z m a u n: Kennt Herr Slöcker den» einen solche» Bries, ans dem der erste Satz entnoimne» sei» könnte? S t ö ck e r: Es ist mir ganz unmöglich, heute nach 13 Jahren der- artiges noch zu wissen. Das ist ja die Art, in welcher immer von gewisser Seite gegen nnch gekämpft wird. Kleine Sachen, die zehn und zwanzig Jahre zurück liegen, werden hervorgeholt und dann soll ich mich darüber äußern. Den zweiten Satz in dem fraglichen Briefe kann ich gar nicht geschrieben haben. Grüneberg war Beamter der von m i r geleiteten christlich- sozialen Partei und ich hätte ihn nicht um etwas„ersucht", sondern ihm„befohlen!"— Rechtsanwalt L e» z m a n n: Herr Stöcker ist jetzt mit neue» Einwendungen hervorgetreten. Giebt er zu, daß er wiederholt an Grüneberg geschrieben und ihn darin Ks.KwiirlS" „ Lieber Grüneberg" angeredet hat?— Präs.: Das ist ja richtig, daß man manch m a l auch einen Untergebenen„ersucht" und ihm nicht immer„be- stehlt". S t ö ck e r: Ich lege auf die Sache auch kein großes Gewicht.— Präs.: Wie ist Herr Stöcker überhaupt mit Grüneberg bekannt geworden?—- Stöcker: Grüneberg kam im Jahre 1877 mit einem Briefe des Missionsdirektors Wangemann zu mir. In dem Briese stand, Grüneberg sei früher Sozialdemokrat ge- wesen, habe sich aber bekehrt und es werde nun angefragt, ob ich ihn für die innere Misston verwenden könnte. Das ging nun nicht. Aber ich ging damit um, eine Gegenbeweguug gegen die Sozialdemokratie ins Leben zu rufen. Ich fragte deshalb Grüneberg, ob er dabei mitwirken wolle. Er wollte zuerst nicht, ließ sich aber durch mich schließlich doch dazu bewegen. Er ist dann von der christlich- sozialen Partei angestellt worden. In den erste» Monaten hat er mit unvergleichlicher Treue und Hingebung dieser Sache gedient, später zeigte es sich, daß er seine Stellung dazu benutzte, um sich selbst eine gewisse Macht anzueignen. Es kam zu Konflikten und es kam vor, daß Vorstandsmitglieder mir sagten, sie würden nicht mehr mitthun, wenn Grüneberg nicht als 3l e i ch s t a g s- Kandidat aufgestellt werden sollte. Um der Sache keinen Schaden zuzufügen, konnte ich mich diesem Andrängen nicht entziehen. Ich war mir aber ganz klar darüber, daß Grüneberg zu einer derartigen öffentlichen Wirksamkeit nicht der geeignete Mann sei. Ich hatte die Absicht, ihn auf meine Kosten in ein Bruderhaus zu schicke». damit er sich zu seinem neuen Berufe weiter vorbereitete! Slechlsanwalt L e n z m a n n: Herr Stöcker behauptete, daß zur Zeit, als seine Verbindung mit Grüneberg begann, die Jndenfrage noch gar nicht angeschnitten war. Ich frage den Herrn Stöcker, ob er sich der Broschüre des Predigers Todt erinnert? Stöcker: Gewiß.— Lenz mann: Die Broschüre ist im Jahre 1877 er- schienen. Hat Herr Stöcker nicht dies Buch dem Schneider Grüne- berg beim Beginne seiner Vekanntschast mit ihm zum Durchlesen nach Hanse mitgegeben?— S t ö ck e r: Ja, aber ich that es, damit er sich mir den Satzungen der christlich- sozialen Partei bekannt mache. Das Buch ist von keiner Behörde beanstandet worden. Der Verfasser ist ein Mann, der auf durchaus kirchlichem Boden steht.— L e n z m a n n: Jawohl, ich be- Haupte ja auch, daß er einer der schlimmsten Anti- semiteu ist.(Heilerkeil im Zuhörcrraum.)— Witte: Herr Stöcker will die Fälschung des Brieses auch daraus herleiten, daß er den Ausdruck„ersuche" nicht gebraucht haben würde. Ich kau» Nachweis en, daß dieser Ausdruck bei Herrn Stöcker bei solchen Anlässen ganz geläufig ist. Was die von Herrn Slöcker herangezogenen„inneren Gründe" betrifft, so bedarf es für mich solcher„inneren Gründe" nicht; was der Herr Hofprediger hier vor- bringt, sind nur innere Scheingründe. Was die Behauptung be- trifft, daß die Judenfrage damals noch gar nicht angeschnitten war, so hat Herr Slöcker in seinen eigenen Aussagen in dem Prozeß Stöcker-Bäcker zugegeben, daß er schon 1874 mit Grüneberg gesprochen habe und daß dabei schon auf die angebliche Beschaffung von Titeln an Juden die Rede war.— Vors.: Herr Hofprediger, Sie haben den unter Anklage gestellte» Artikel nicht verfaßt? Stöcker: Nein.— Präs.: Wissen Sie. wie derselbe zu stände gekommen ist?— Der Beklagte Stöcker macht folgende Angaben: Wiederholt sei er im Abgeordnetenhause wegen seiner Angelegenheit mit dem Pfarrer Witte angegriffen worden, so z. B. vom Ab- geordneten Rickert. Der Abg. v. Eynern habe damals den Wunsch geäußert, daß die Sache endlich ausgeklärt werde. Dies sei gerade zu jener Zeit gewesen, als der damalige Redakteur des„Volk", Herr v. Gerlach, ihm eine angebliche Berichtigung von» Pfarrer Witte unterbreitet habe, die ihm zur Aufnahme in das„Volk" zugestellt worden sei. Er, Slöcker, habe erklärt, daß die Aufnahme seinetwegen er- folge» könne, denn man sollte auch dem Gegner nicht das Wort abschneide». Aber wenn Herr v. Gerlach die Witle'sche Erklärung aufnehme, so möge er auch den ganzen Sachverhalt klarstellen. Zu diesem Behufe habe er dem Herrn v. Gerlach die Abschrift emes Briefes gezeigt, den er für gefälscht halte» mußte. Auf grund dieses ihm gegebenen Materials habe Herr v. Gerlach den Artikel im „Volk" versaßt.'Als Sammlungen für Pfarrer Witte veranstaltet worden seien, habe man in dem Aufrufe durchblicken lassen, daß Stöcker und v. Hainnierstein schuld an der Amtsentsetzung des Pfarrers Witte seien, obgleich der Oberkirchenrath bereits aus eigenem Sln- triebe eine Erklärung veröffentlicht habe, daß die Amtsentsetzung desselben wegen seiner Störungen des Friedens in seiner Gemeinde erfolgt sei. Sechs Jahre hindurch sei er, Slöcker, in der in- und ausländischen Presse wegen dieser Angelegenheit aufs heftigste an- gegriffen worden, bis er schließlich dazu gedrängt worden sei. Auf- {lärmig zu geben.— Rechtsanwalt L e n z m a n n: Das giebt Herr Slöcker aber doch zu, daß er die angebliche Thatsache, Witte operire gegen ihn mit einem gefälschten Briefe, dem Verfasser des Artikels, Herrn v. Gerlach, gegenüber aufgestellt hat?— S t ö ck e r: Ich wurde dazu gedrängt, nachdem ich im Abgeordnetenhause angegriffen und die Angelegenheit soweit eine öffentliche geworden war.— Pfarrer Witte: Ich bestreite, daß Herr Stöcker öffentlich an- gegriffen wurde, er hat die Angelegenheit einfach ivieder aus- gegraben. Die Zeugenvernehmuug beginnt mit dem Zeugen ßiedakteur O b e r w i n d e r. Derselbe erklärt, daß er zu der Verfasserschaft des beanstandeten Artikels im „Volk" in keiner Beziehung stehe. Der Stefereut macht darauf aufmerksam, daß in dem Artikel doch manche nicht gewöhnliche und allgemeine übliche Aus- drücke enthalten sind, die in dem von Herrn Stöcker in seiner Kirchen- zeitung verfaßten Artikel sich auch finde».— R.-Sl. Lenz mann: Ich würde eventuell zu diesem Theil der Anklage noch Anträge zu stellen bezw. Anfragen an Herrn Stöcker zu richten haben. Ich würde beispielsweise, um den Antrag auf eine andere Straf a r t zn recht- fertigen, den Nachweis erbringen, daß Herr Slöcker noch neuer- Vings wieder in einer Volksversammlung in Barme» Behauptungen in dieser Angelegenheit aufgestellt hat, die Unwahres enthalten. — Der Präsident erwidert, daß der Gerichtshof den dringen- den Wunsch habe, die Sache heute zu Ende zu bringen Der folgende Zeuge, Redakteur v. G e r l a ch, giebt an, daß er der Verfasser des Artikel? sei und schildert die Entstehungsgeschichte des- selben in einer Weise, die sich mit den Angaben Stöcker's hierüber deckt. In der sogenannten„Berichtigung" des Pfarrers Witte seien Behaupiungeii enthalten, welche unrichtig waren. So wurde bei- spielsweise behauptet. Stöcker sei mit kirchenregimentlichen Personen verwandt.„Ich hielt es für meine Pflicht, Herrn Stöcker das Eingesandte des Herrn Witte zu unterbreiten, der gegen dessen Aufnahme nichts einzuwenden hatte, aber hinzufügte, daß auch er dann die Sache der Oeffentlichkeit übergeben werde. Er bat mich, ihn nach dem Abgeordnetenhause zu begleiten, wo er mir den Beweis erbringen wolle, daß mit dem fraglichen Briese eine objektive Fälschung vorgenommen sei. Ich überzeugte mich dann, daß in dem Briefe, den Herr Slöcker in seiner Schublade im Abgeordnetenhause aufbewahrte, Unrichtigkeiten enthalten waren. Auf grund des mir von Stöcker gegebenen Materials habe ich dann den Artikel versaßt und ebenso den Schlußsatz hinzu- gefügt.— Bon der Vereidigung des Zeuge» v. Gerlach wird ebenfalls wegen Verdachts der Theilnahme A b st a n d genommen. Der Zeuge Ober minder wird auf Beschluß des Gerichts als der Theilnahme verdächtig nicht vereidigt. Es wird sodann der Artikel des Hospredigers a. D. Etöcker in der„Evang. Kirchenzeilung" verlesen. Präs.: Es läßt sich nicht leugnen, daß, ganz objektiv be- trachtet, schwere Beleidigungen gegen den Privatkläger in dem Artikel enthalten sind.— S t ö ck e r: Ich habe dabei im besten Glauben gehandelt. Ich konnte gar nicht anders denken, als daß SUMM, 30. 1««m 1897. Herr Witte so gehandelt habe, wie ich es in dem Artikel darstellte. Meine Kirchenbehörde legte mir plötzlich den angeblichen Bries au Grüneberg vor; er enthielt verschiedene satzliche Fehler, während Herr Witte de» Brief in seiner Broschüre ohne diese Fehler abgedruckt hatte. Herr Witte hätte doch die Pflicht ge- habt, diese von ihm beliebte Abweichung zu motiviren. Es handelte sich doch um eine Sache, in welcher man mich mit aller Gewalt zum Meineidigen machen wollte. Der Brief ist doch auch erst im Jahre 1889, also 11 Jahre später, zum ersten Male in die Oeffentlichkeit getreten. Gezeigt ist mir der Brief n i e m a l s worden, was ich sehr bedauere, denn sonst hatte ich sofort sagen können, daß er gefälscht sei. Ich habe Herrn Direktor Wangemann und den Freiherrn v. Hammerstein gebeten, sich doch den angeblichen Brief einmal zeigen zu lasse». Er wurde aber niemals produzirt. llebrigens ist doch auch von Grüneberg schon 1834 in sogenannten Enthüllungen gemacht worden, in diesen ist aber nirgends von dem angeblichen Briefe aus den> Jahre 1878 die Siede.— Präs.: Ist aber nicht in dem Prozeß Stöcker> Bäcker von jenem Briefe die Siede ge- wesen?— Stöcker: Nein< die Bezugnahme des Er- kenntnisses im Prozeß Bäcker hat einen v e r h ä n g n i ß v o l l e n I r r t h n m begangen, indem es einen von mir erst im Jahre 1882 an Pastor Witte geschriebenen Brief mit einem angeblich von mir im Jahre 1878 an Grüneberg geschriebene» Bries verwechselte.— Der Präsident bringt den betreffenden Absatz aus dem Erkennt- niß in dem Prozesse Stöcker-Bäcker zur Verlesung.— Es kommt zu lebhasten Erörterungen über die Frage, welchen Brief das Erkennt- niß eigentlich gemeint hat, zwischen den Rechtsanwälten Lenz- in a n n und Rätzel, sowie zwischen Witte und S t ö ck e r. Von klägerischer Seite wird behauptet, daß in jenem Prozeß Stöcker- Bäcker Herr Pastor Witte eines Brieses Erwähnung gethan, in welchem Herr Hofprediger Stöcker ihm(kurz vor dem damaligen Termin) geschrieben habe, daß er möglicherweise einmal im Jahre 1373 davon gesprochen habe,„daß er ihn event. fallen lassen würde" zc.w. Später habe Herr Grüneberg in demselben Termin den jetzt hier frag- lichen Brief aus dem Jahre 1373 zeigen wollen, der Präsident Lüti) aber habe es angesichts der Bekundung des Pastors Wittwe nicht mehr für nölhig erachtet, auf diesen Brief noch zurückzukommen. Von seilen des Beklagten wird dieser Zusammenhang der Dinge bestritten und behauptet, daß das Erkenntniß einen verhängnißvollen Jrrthuin sich habe zn schulden kommen lassen und daß gerade dieser Jrrthum den Ausgangspunkt zu den späteren Angriffen gegen den Hofprediger Stöcker gebildet habe.— Kläger Witte: Die ganze Etage, um welche es sich damals bei der Produzirung einer telle aus dem Stöcker'schen Briefe an mich drehte, war die, daß ich den Beweis liefern wollte, mit welcher Unkollegialität Hofprediger Stöcker gegen einen Amtsbrud r vorzugehe» fertig bekommt. Der Gerichtshof hielt diesen Beweis schon durch den von mir produzirte» Brief für erbracht und hielt es deshalb nicht für geboten, auch noch einen Brief an Grüneberg dafür heranzuziehen. Der Jrrthum, der im Erkenntnisse uiiter- gelanfen, ist übrigens Herr» Stöcker nur zugute gekommen. Ich habe ans amtsbrüderlicher Liebe damals nicht das Datum des an mich geschriebenen Briefes mitgetheilt, hätte der damalige Gerichtshof ge- wüßt, daß es sich um einen Brief handele, den Herr Stöcker mir unmittelbar vor dem Termin geschrieben und in welchem ein Versuch zu erblicken war, mich als Zeuge einzuschüchtern und zu bedrohen, A. Rätzel beantragt, sämnitliche Briefe, die vom Zeuge» Grüneberg an Siöcker gerichtet wurden, zu verlese». Ferner beantragt er, einen Arzt aus der Charitee zur Verhandlung herbeizuziehe». Es solle nämlich bewiesen werden, daß die zögernde Slrt und Weise, in welcher der Zeuge Grüneberg alle an ihn gerichteten Fragen beantworte, ein« gekünstelte sei. Ein gleiches Verfahren habe Grüneberg früher beobachtet. Auf die Fragen des Präsidenten erklärt der Zeuge Grüneberg, daß er im Jahre 1881 wegen Geistesstörung in der Charitee behandelt worden sei. Es licge in seiner Familie, sein Vater und sein Bruder seien ebenfalls in Geisteskrankheil verstorben. Er müsse dabei bleiben, daß er von den Einzelheiten in betreff des Briefes keinen Llufschluß mehr geben könne. Es gelangt darauf eine ganze Anzahl Briefe zur Verlesung, welche vom Beklagte» Stöcker dem Gerichts- Hof« überreicht werden und die von Grüneberg an ihn gerichtet sind. Im Anschluß daran werden Briefe verlesen, die Grüneberg an Witte geschrieben hat und die in dessen Broschüren veröffentlicht worden sind. Die Briefe geben ei» seltsames Bild von dem Charakter des Zeugen G r ü n e- berg. In den au Siöcker geschriebeneu Briefe» schlägt er einmal einen sehr energischen Ton gegen den Hofprediger an, er verbittet sich nachdrücklichst, daß dieser ihn als»»glaubwürdigen Menschen hin- stellte. Dan» kommen wieder Briefe, die vollgespickt sind mit reli- giöseu Phrasen, mit Berufungen auf den Heiland ,c., dann aber doch wieder Andeutungen über Beweismaterial, ivelches er noch in Händen habe, enthalten, dem Hosprediger schmeicheln, ihn um Unterstützung angehen u. s. w. Dies alles ungefähr um dieselbe Zeit, wo er bei Witte war und dort den fraglichen Brief Stöckers produzirt hatte. In anderen Briefen sind die heftigsten Angriffe gegeu den Pfarrer Witte und dessen Ehefrau enthalten und alles mögliche davon erzählt, was Pfarrer Wille bei seinen Unter« Handlungen mit ihm über Siöcker und andere Personen gesagt habe. Der Präsident hält es für zweifellos, daß der Zeuge Grüneberg ein falsches Spiel getrieben hat. Es wird noch festgestellt, daß Grüne- berg im Jahre 1831 wegen wissentlich falscher Ülnschuldigung zu vier Monaten Gefängnis! vernrlheilt ivurde. Auch damals Halle er den Einwand der Geistesstörung erhoben, Medizinalrath Dr. Wolff aber begutachtet, daß er stmulire.— Der Zeuge Grüneberg erklärt hierzu, daß dies eine große Beleidigung für ihn fei. Zur Verlesung gelangt ferner«in Brief des Missionsdirektors Waugemann an Stöcker vom 7. Juni 188g. Aus dem Briefe ergiebt sich, daß Stöcker Waugemann beauftragt hatte, den frag« licheu Brief von 1878 von Grüneberg herauszubekommen. Wangemann schreibt nun an Stöcker. daß Grüneberg, der noch Achtung vor Slöcker zu haben scheine zwar den Brief nicht herausgeben»volle, jedoch anderseits versprochen habe, de» Brief nicht gegen Stöcker zu mißbrauche».— S t ö ck e r: Ich ivollte doch endlich einmal Klarheit darüber erhalten, ivelche Beivandtniß es eigentlich mit dein angeblichen Briefe habe und deshalb hatte ich Herr» Wangemann gebeten, zu versuchen, ob er Einblick in diesen Brief nehmen könnte.— Rechtsanwalt Lenzmann: Das stimmt doch nicht ganz. Herr Waugemann, der jetzt lodt ist, ist auch i» dem Disziplinar- verfahren vernommen worden und hat ausgesagt, daß es sich nicht nur darum handelte, den Brief zu„sehen", sondern auch ihn„heraus- zubekommen". Nächster Zeuge ist Konsistorialrath L e o n h a r d t. Er erinnere sich dunkel, daß einmal Grüneberg zu ihm gekommen sei und ihm erzählt habe, daß Frhr. v. Hammersteiu versucht habe, von ihm einen Brief zu bekommen. Zeugiu Frau Griiucberg: Sie habe den Brief selbst nicht gelesen, sie habe aber von ihrem Manne mehrfach gehört, daß Herr Stöcker ihm einmal den Auftrag erlheilt habe, öffentlich Herrn Witle als einen Man» hinzustellen, der jüdische» Leuten Titel verschaffe.— Rcchtsanivalt Lenz- m an n: Hat Ihr Mann Ihnen jemals eine Andeutung gemacht, aus welcher Sie schloffen, daß Ihr Mann einen Brief Stöcker's gefälscht habe?— Zeugin: Einen derartigen Verdacht rverse ich ganz entschieden zurück.— Auf Antrag des Rechtsanwalls wird ein Brief der Zeugin an de» Hof« Prediger Stöcker verlesen. In demselben wird unter anderem ausgeführt, daß ihr Mann, der von verschiedene» Leute» überlaufen iverde, zu der gehässigen Stimmung gegen den Adressaten gekomme» sei, weil ein Offizier ihm gesagt habe, die Offiziere würden nichts mehr bei ihn» arbeiten lassen, so lange er sich nicht von den» B o r>v u r f der U n>v a h r h a f t i g- keil gereinigt habe. Grüneberg sei nun»vieder ins Elend gekommen." sie könne aber Slöcker zuschivören, daß ihr Mann nichts gegeu ihn thun iverde; er iverde immer derselben Ansicht sein, wie Herr Slöcker und sich auch immer auf denselben Staudpunkt wie dieser stellen. Dieser Brief dalirt wenige Tage nach dem Besuche des Zeuge» Grüneberg bei Witte.— Rechts- anmalt L e n z in a n n: Sollte Ihr Mann einmal einem Fremden den Brief herausgeben, von dem hier immer die Rede ist?— Zeugin: Ja, Herr Direktor Wangeman» wollte eiiimal den Brief haben, ich habe aber meinem Manne davon abgerathen, ihn heraus- zugebe».— Rechtsanivall L e n z m a n n: Sie bleiben aber trotz dieses jetzt verlesenen Briefes, den Sie an Herrn Stöcker gerichtet haben, dabei, daß Ihr Mann mit Ihnen wiederholt von einem Briefe aus dem Jahre 1373 gesprochen hat?— Zeugin: Jawohl!— Präs.: Nun möchte ich Sie auch einmal etivas fragen. In Ihrem an Herrn Stöcker ge- richteten Briefe kommen viele orthographischen Fehler ganz von der Art vor, wie sie sich in dem angeblichen Briese vom Jahre 1873 finden. Habe» S i e vielleicht den letzteren geschriebeii?— Zeugin: Nein, bewahre!— Auf Befragen des Rechtsanwalts Rätzel wird festgestellt, daß der von Frau Grüneberg an Herrn Stöcker gerichtete Brief theilweise unter Mitwirkung ihres Mannes, der krank im Bette gelegen, zu stände gekoinmen sei. Zcugi» Fran Prediger Witte. (Auf Befragen des Präsidenten erklärt Zeugin, daß sie Zengniß ablegen will.) Sie bekundet sodann folgendes: Am Nachmittage des 28. Januar 1883 Habesich i» ihrer Wohnung während derKonfirwanden- stunde ein Fremder als Schneidermeister Grüneberg vorgestellt und erklärt, daß er ihr eine wichtige Mittheilung zu machen habe. Er sei nämlich im Besitze eines Briefes, in welchem Stöcker ihn auffordere, in öffentlicher Versammlung gegen ihren Ehemann z» agitiren. Es seien schon mehrere Herren, darunter der Freiherr von Hammerstein, bei ihm gewesen und hätten ihm für die Herausgabe des Briefes b00 Mark geboten. Sie habe ihn gefragt, warum er den Brief denn nicht verkauft habe. Grüneberg habe erklärt, er»volle es nicht, er habe den Herren schon fünfzehn Briefe herausgegeben, sei aber mit Undank g�gelohnt� worden. Als die Zeugin ihm gesagt habe, er möge ihr de» Brief doch mal zeigen, habe Grüneberg unter einer Anzahl Schrift- stücke, die er aus der Brusttasche hervorholte, eins herausgenommen und es ihr überreicht mit dem Bemerken, daß es nur die Abschrist sei. Die Zeugin habe erwidert, daß auf eine Abschrift nicht viel zu geben sei, sich das Schriftstück aber doch angesehen. Es sei ein« Seite eines auf drei oder vier Seiten beschriebenen Briefes gewesen, welche sie gelesen habe. Darin sei die Aufforderung Stöcker's an den Adressaten enthalten gewesen, gegeu dei» Pfarrer Witte vorzugehen. Sie habe sich hingesetzt und mit Grüne- berg's Erlaubniß die betreffenden Stellen, welche auf ihren Mann Bezug hatte», abgeschrieben. Sie habe dabei, weil sie eine worlgetrene Abschrist von der Grüneberg'sche» Abschrist haben wollte, jeden Fehler in der Rechtschreibung und Interpunktion ebenfalls abgeschrieben. Als sie dann»och- mals an Grüneberg die Bitte gerichtet habe, er möge sie doch einen Blick in das Original iverfen lassen, da habe Grüneberg dasselbe hervorgeholt, es aber nicht auS der Hand gegeben, sondern es ihr nur vorgehalten. Da habe sie sich denn überzeugt, daß der Hofprediger Stöcker der Schreiber des Briefes gewesen sei. Sie könne s i ch d a r i n n i ch t i r r e n. Als sie Abschrift von der Abschrift genommen, sei ihr Man» heimgekehrt und habe in Gegenwart des Grüneberg aus ihrem Munde vernommen, was pafsirt fei und um ivelches Vorkomme iß es sich handle. Grüneberg habe sich dann plötzlich entfernt. Sie habe, als sie einen Blick in das von Grüneberg festgehaltene Original geivorsen, sofort die Stöcker'sche Handschrift erkannt und sie habe auch die Worte gelesen und sich davon überzeugt, daß die von ihr genommen« Abschrift mit dem Originale übereiilstimme.— Rechts- anivall Lenzmann: Es könnte auffallend erscheinen, daß die Zeugin die Handschrift des Herrn Stöcker so genau erkannt haben will und die Vorgänge selbst so genau im Gedächtniß behalte» hat. Die Frau Zeugin hat in erster Instanz eine Erklärung dahin ab- gegeben, daß sie die Handschrist des Mannes, der so namenloses Elend über ihre Familie gebracht, unter taufenden herauskennen würde wid daß die Vorgänge dauernd ihrem Gedächtniß eingeprägt bleiben würden. Steht die Zeugin noch heule auf diesem Stand- punkte?— Zeugin: Jawohl. Als nächster Zeuge wird Freiherr v. Hammerstein vorgerufen. Er betrill den Saal vom Zimmer der Geschivorenen aus, in welchem er mit seinem Transporteur bis dahin Platz ge- nominell hatte. Er sieht körperlich noch mehr zurückgekommen aus, als bei seiner Vernehmung in erster Instanz. Er trägt seine eigene Kleidung und beantwortet die an ihn gerichteten Fragen noch in der frühereu an ihm gewohnten„chevalcreskeu" Art. Er wird vor seiner Vernehmung vereidigt und giebt der gericht- licheu Eidesformel nach den Worten„So wahr mir Golt helfe" »och den Znsatz:„Durch I e s u in Christum zur Selig- k e i t. A in e»!" Seine Aussage» lassen sich dahin zusammenfasse»: Er erinnere sich, vor etwa 10 Jahren mal auf Aufforderung des Hospredigers Slöcker zum Pfarrer Witte gegangen zu sein, um mit ihm über die Beilegung irgend welcher Differenzen Rücksprache zu nehmen. Er habe nur Fran Witte anwesend getroffen und mit ihr eine Unterredung gehabt, ans deren Einzelheiteii er sich absolut nicht erinnern kann. Nach seiner Erinnerung sei dann über den Inhalt dieser Unterredung ein Bericht in den Zeilunge» erschiene», den er als zutreffend nicht habe erachten können. Er fhabe deshalb gegen diese Darstellung damals in der„Kreuz-Zeilung" Stellung genommen. Er müsse sagen, daß er seine Aussagen hier lmiiler nur unter dem Vorbehalte machen könne,„so weit er sich noch zu erinnern vermöge". Die Behanplung, daß er einmal zu Grüneberg gegangen sei und versucht habe, den Brief gegen S(X) Mark von diesem heranszubekommen, glaube er mit Be- stimintheit bestreiten zu können, denn soweit wurde ihn fein Gedächtniß doch nicht verlasse». Frau Grüneberg, die noch einmal vorgerufen wird, erklärt, daß mehrere Männer in Sachen des Briefes bei ihr gewesen feie», sie kenne aber den Zeugen v. Haiinuerstei» als einen solchen nicht wieder. Rechtsanwalt L e» z m a n>»: Die Lebcnsschicksale des Zeugen haben dessen Aeußeres ja wesentlich ver- ändert. Ich habe hier eine Photographie des Herrn v. Hammer- stein aus der hier fraglichen Zeit. Vielleicht erkennt die Zeugin ihn in diesem Bilde wieder. Die Zeugin vermag dies nicht. Pfarrer Witte: Herr Grüneberg hat vor dem Konsistorium aus- gesagt, daß u. a. ein„hocharlstokratischer ZeilungSredakteur" wegen der Herausgabe des Brieses mit ihm verhandelt habe.— Zeuge Grüneberg erklärt, daß er den Zeugen v. Hammersteiii nicht als einen der Herren wiedererkeinie, die bei ihm geivese».— Pfarrer Witte stellt»och durch einige an Herrn v. Hainmerstein gestellte Frage» fest, daß das Gerücht, er(Wille) sei zur Zeit der Unter- redung doch anwesend gewesen und habe ungesehen der Unterredung gelauscht, lediglich das Ergebniß von Schlußfolgerunge» und Er- wägungen innerer Art gelvesen sei. Er sei lhatsächlich nicht zu Hanse gewesen, seine Frau fei durchaus im Stande, die Einzelheiten einer solchen Umerredmig zu präzisiren und der Bericht über letztere sei erst auf den Rath des Rechtsanwalts Dr. Sello in die Zeitnngen gebracht worden.— Weitere Fragen werden au dt» Zeugen v. Hammersteiii nicht gerichtet und er wird abgeführt. (Schluß folgt.) Momnntimles. AuS dein Rathhanse wird besonders berichtet, daß diejenigen Magistratsmitglieder, welche im Besitze von Pferdebahn-Ülktien sind, sich an den Berathungen wegen Umwandlung des Betriebes nicht belheiligt habe». Das ist gesetzlich und daher für einen Kommunal- beamten wohl selbstverständlich. Ob dieser AbsentismuS aber die Wahrung der Interessen der Berliner Bevölkerung verbürgt, muß sich ja nunmehr bald herausstelle». Vorerst ist die Hoffnung noch nicht sehr stark. Das Magistrats-Kollegium hat nämlich gestern die Beschlüsse der Verkehrsdeputation angenommen, wenn auch mit folgenden Nenderunge». Es soll nämlich fortfallen das Wahlrecht der Pferde-Eisenbahn-Gesellschafte» statt der Gewährung der H ä l f t e des 12 p C t. übersteigenden I a h r e s- llt e i n g e iv i n n e s weitere 2pCt. von derBrntto-Ein nähme zu zahlen. Bezüglich der Unterhaltnug des Bahnkörpers und der Reinignilg soll es bei den Bedingungen der geltendeii Verträge verbleiben. Endlich soll für eine Bahn zivischen Hohen-Schönhanseli und Berlin die Mitbenutzung der Geleise der Neuen Berliner Pferde-Eisenbahn zwischen der Petersburger- und der Weberslraßc gestattet lverde». Die städtischen Gasanstalte» speisten Ende Dezember 1336 2S 113 öffentliche Laternen. Dazu traten die von den englischen Gasanstalten auf dem ehemaligeu Schöneberqer Gebiet gespeisten SLS Flammen, so daß also im ganzen 26 048 öffentliche Gaslaternen vorhanden waren. Außerdem brannten 1190 Petroleumlaternen. Die Zahl der durch die städtischen Gasanstalten gegen Zahlung gespeisten sogenannten Privatflammen, das heißt der nicht zur öffentlichen Beleuchtung der Stadt ge- hörige» Flammen, der Privatflammen in Berlin und der öffentlichen und Privalflammen in den Vororten Dall- dorf, Reinickendorf, Pankow, Boxhagen, Rummelsburg, Slrala» und Treptow betrug 973 133 Flammen, das sind gegen Ende Ok- tober v. I. mehr 13 311 Flammen. Die Gasproduklion betrug im Vierteljahr Oktober- Dezember v. I. 41 S83 000 Kubikmeter, in dem gleichen Zeitraum des Jahres 1893 dagegen nur 39 168 000 Kubik- Nieter; es sind demnach für das betreffende Vierteljahr 1896 mehr produzirt 2 415 000 Kubikmeter, mithin 6,17 pCt. mehr. Vokales. Achtung, 2. Wahlkreis! In der Versammlung, welche am Sonntag, den 31. Januar, abends 6>/- Uhr, beim Genossen Znbeil, Lindenstr. 106�stattfittdet, wird Genosse Räder über das Thema: „>,W i e der Mensch ißt. so ist er" referiren. Um rege und pünktliche Betheiligung wird ersucht. Wie der Eiseubahufiskus alte Arbeiter belohnt. Bei den preußischen Staatseisenbahnen werden langjährig beschäftigten Ar- veiter» bei VoUendung einer fünfundzwanzig-, fünfuuddreißig- und fünszigjährige» zufriedenstellenden Beschäftigung im Eisenbahndieuste besondere Anerkennungen in Form einmaliger Geldbelohnunaen im Betrage von 30 bis 100 Mark zu theil. Im Jahre 1336 sind in dieser Weise 2520 Arbeiter belohnt worden. Von diesen haben 2106 ihr fünfulldzwanzigstes, 373 ihr fünfunddreißigsles und 33 ihr fünfzigstes Beschäfligungsjahr vollendet. Hundert Mark für fünfzig Jahre treuer Pflichterfüllung macht für jeden Tag dieser Dienstzeit just zweidrittel Pseuilig Anerkennung aus. Bei solcher fiskalischen Spendirlust ist es ja ganz unmöglich, daß Eisenbahnarbeiter zu Sozialdemokraten werde»! Die Schnec-Abfuhr in die Wasscrlänfe Berlins ist von der Aufsichtsbehörde verboten worden und geschieht wieder in der früheren Weise nach den Kölluischen Wiesen, den Rehbergen und audercn städtischen Abladeplätzen. Etwa 3300 Fuhren ä 4 Kubikmeter— 14 000 Kubikmeter Schnee sind in den wenigen Tagen in die Spree geschüttet. Die Uraniasänlen werden jetzt wieder um drei vermehrt. Die eine Säule an der Ecke der Potsdamer- und Bülowstraße geht ihrer Vollendung entgegen, zur zweiten am Frankfurter Thor, Ecke der Memelerstraße, ist der Grund gelegt, und der Bau der dritten auf dem Audreasplatz>vird in kurzer Zeit in Angriff genommen werden. Der elektrische. Betrieb ans der Waunseebahn soll nach den neueste» Bestimnunigeu noch in diesem Frühjahr eingerichtet iverden und zivar zunächst probeweise mit einem allstündlich in de» sahrplau- mäßigen Bahnverkehr eingelegten elektrischen Wageuzuge aus der Strecke Berlin-Zehlendors und zurück. So'» bischen Französisch?„-Am benefice de la Genossenschaft deutscher Bühnenangehöriger par la Tournee Madernoiselle Josset 1897" beginnt eine Anzeige in der„Vosstschen Zeitung", in der zu«iiitni Konzert eingeladen wird. Da diese Anzeige sich ivahr- scheinlich doch au ein deutsches Publikum wendet und im Program»» des Konzerts ebenso viel deutsche Musikstücke als sranzösische Dekla- matioiisstücke verzeichnet sind, so will uns dies bischen Französisch nicht gerade besonders geschmackvoll erscheinen. In der Angelegenheit der Konkordia werde» wir um Stuf« nahine der folgenden, von Herrn Emil Paul, Adalbertstr. 71, ein- gereichten Zuschrift ersucht: Die Mitglieder der Kraiikenzuschußkasse Konlordia werden zu Moutag, de» 1. Februar 1837, abends 3 Uhr, im Lokal des Herrn Raulenberg, Oranieilstr. 180, eingeladeu. Dr. Eduard Jacobson, der bekannte Possendichter, ist, der „V. Z." zufolge, gestern gestorben. Nicht 2,40 M., wie wir gestern infolge eines Druckfehlers meldete», sondern nur 2,23 M. bekomme» die von der Stadt an- genommeiicil Schneeschipper als Tagelohu. Znr Mittheilnng über die Untersuchung gegeu den Buch- Händler Ernst Fmking und deffen Beziehungen zum Verleger Paul Kittel, Aorkstr. 13, schreibt dieser Herr:„Es ist unrichtig, daß gegen mich, Paul Kittel, iui verflossene» Jahre ei» Eriniltelluigsverfahreii geschivebt hat, niid unrichtig ist ferner, daß ich wegen Betrugs ver- bächtig war. Richtig ist, daß ein von mir im Herbst 1393 plötzlich entlassener Herr, der damals zu dem z. Z- verhafteten Fiuking ging, gegen mich eine Denuiizialion gemacht hatte, die dahin führte, daß die zuständige Behörde die anhängig gemachte Sache ohne weiteres zurückwies." Ter kleine Arthur Tchivartz, der sich, wie wir milheilten, in der Küche der elterlichen Wohnung verbra»»te, indem er aus einem mit siedendeiu Wasser gesüllten Theekeffel trinke» ivollte, ist im Kraiikenhause an der Verbrennung des Rachens gestorben. Die Staatsanwaltschaft hat die Leiche zur Feststellung des Thatbestandes durch gerichtsärztliche Oeffuuug beschlagnahmt. Erhängt hat sich gestern der 36 Jahre alte Restaurateur Froh- berg in elneiii Hotel der Friedrichstadt. Eheliche Zwistigkeiten haben den Mann in de» Tod gelrieben. Gleichfalls erhängt hat sich der 43 Jahre alte Bauanschläger Sldolf Berger in semer Wohnung Gr. Franksurterstr. 129. Ans der Straffe verstorben. Der Bäckergeselle August Krufke, der aus Schlesien stammt und bis vor«t»ig«r Zeit bei dem Bäcker- uieister Dubelow in Templin beschäftigt ivar, wurde gestern Nach« mittag gegen 4 Uhr vor den» Hause Alt-Moabit vo»«iuem Blut- stürz besaUen und starb nach kurzer Zeit. Gestern Morgen hatte der 69 Jahre alte Arbeiter Löwenstein ans der Schönhauser Sillee 186a für seine Tochter Slrbeiteu au die Firma I. Berber in der Slkexanderstraße 2 abzuliefern. Da er 10 Minuten vor Oeffiiuiig des Geschäftes ankam, setzte er sich auf die Treppe, um zu warten. Sier fand ihn bald daraus das Geschäflspersonal als Leiche auf. in Slrzt konnte nur noch den Tod au Herzschlag feststellen. Beim Schnccfcge» ist an, Freitag Morgen uui 10 Uhr der 56 Jahre alte Dachdeckermeister Franz Höhne vom Dache abgestürzt. Höhne war mit seinen» 23 Jahre alte» Sohne Franz auf das Dach des Slndreas- Real» gynniasiuins in der Laugestraße 31 gestiegen, um den Schnee zu be- seitige». Dabei glitt er aus dem Dache des ersten Quergebäudes aus und stürzte in die Tiefe hinab. I»» Falleii er- griff er noch eine eiserne Stange, konnte sich aber nicht halten und fiel in den Hos hinab auf das Stacketen- gitler eines kleinen Vorgartens. Äou zwei der hölzeriieii Gitlerlatlen brachen die Spitzen ab, während der Meister mil dem rechten Arme zivischen zwei andere gerieth und hänge» blieb. Der Schuldiener, der gerade aus dein Hofe war, befreite den Verin,- glückten aus dem Giller uiid holte einen Slrzt; dieser gab dem Schwerverletzteu, der bei vollem Bewußtsein war,«ine Morphium- einspritzung und ließ ihn in das Kraukenhaus am Friedrichshain bringen. Höhne hat eine schwere Verletzung an» Kopfe und auscheineud Brüche des rechten Slrmes und des linken Beines erlitten. Bei dem Versuch, ein scheu gewordenes Gespann aufzuhalten, ist vorgestern Mittag ein unbekannter Mann schwer verunglückt. Das Gespann kam führerlos, eine» Arbeitswagen hinter sich herschleifend, aus der Pallisadenstraße herailsgestürmt, jagte über die Landsberger- straße hinweg nach der Mehnerstraße, ivoselbst zahlreiche Schul« kinder aufs ärgste gefährdet erschienen. Ein eliva dreißigjähriger Slrbeiter versuchte die wülhcnden Thiere aufzuhalten, ivurde jedoch zu Boden geschleudert und überfahren. Der brave Mann, deffeu Persönlichkeir nicht festgestellt werden konnte, erlitt so schwere ninere Verletzunge», daß er»ach dein Krankcnhause Friedrichshain gebracht werden mußte. Die Pferde waren inzwischen durch eiueii Schutz- mann zum Stehe» gebracht worden. Die Schauspielerin Martha Patzke, die sich am Montag Mittag in ihrer Wohnung in der Frobenstr. 37 durch einen Schuß in die Brust zu lödte» versuchte, ist nicht ganz so gefährlich verletzt, wie es anfangs schien. Nach dem bisherigen Verlaufe des Heil» Prozesses hat man begründete Hoffnung, sie am Leben zu erhalten. Ans den Nachbarorten. Zwei Falschmünzer sind vorgestern in Schöneberg abgefaßt worden. Die beiden, zwei Brüder Berger, hatten in der Gastwirth- schaft von Reichard, Großgörscheustr. 7, versucht, ein falsches Zwei- markstück ailzubriiigen. Sie wurden»ach dem Schöneberger Haupt? polizeibureau gebracht, wo bei ihnen noch mehrere falsche Zweimark- stücke gefunden wurden, über die sie keine einivaudsfreie SluSkuuft geben konnten. Später fand»na» in der Wohnung der Brüder, Grunewaldstr. 45, das vollständige Falschmünzermalerial nebst noch einer Anzahl weiterer falscher Geldstücke. Vunfl nnv UVMenfthafk. Lessiug-Thcater. L'äge dikficile de Jules Lernaitr(Das gefährliche Alter). Bei voll besetztem Hause ging das genannte Stück in Szene. Von de» bisher gegebene» unterscheidet es sich dadurch, daß nicht die Frau, sondern der Mann sich auf galaiiie Abenteuer einläßt. Ist es in den deutschen Stücken dieses Genres meist die Schwiegermutter, die den liebenden Eheleuten immer im Weg« steht, so ist«S hier der allzu zärtliche Onkel der Frau, Chambray, dessen Rolle Antoin« zufiel. Das gefährliche Nlter deutet darauf hin, daß man mit«0 Jahren in eine selbst ziemlich plump angelegte Falle gehen kann, wenn sie von einer jungen, begehrcnswerthen Frau gestellt wird. Chambray, der diese» Fehltritt seines angeheirathelcn Neffen so sehr rügt, läßt sich durch dieselbe Frau verlocken, troh seiner 60 Jahre und seiner grauen Haare, eine Liebelei mit ihr anzubändeln. Er ist eben im Begriff, den letzten Schritt zu thun, der früheren Maitreffe seines Neffen einige tausend Franksscheine zu bringen und den süße» Lohn dafür zu empfange», da wird Mmes Meriel gemeldet, seine Jugend- liebe. Durch diese läßt er sich auf den Pfad der Tugend zurück- bringen und söhnt sich mit seiner Nichte, der er es nicht verzeihen wollte, daß sie ihrem Manne gefolgt war, wieder aus. Erst im zweiten Akte, als man dahinter kam, in welchen Be- Ziehungen die Personen zu einander standen, wurde man warm Am meisten trug das Spiel des Herrn Antoine dazu bei. Halte dieser bis dahin nur kleine undankbare Rollen gehabt, so kam fein Können in der gestrigen Aufführung zur vollen Geltung. Die anderen Schauspieler blieben hinter den Leistungen des Herrn Antoine weit zurück. Dem Stücke folgten einige Vorträge. War das Publikum durch die letzte Scene des Stückes in etwas rührselige Stimmung versetzt, so wurde es gleich durch den ersten Vortrag des Herrn Coquelin in recht heitere Stimmung ge- bracht, es kam aus dem Lachen nicht mehr heraus. Brachte Herr Coquelin die geistvolle und schauspielerische Art, die Komik seines Vortrages zur Geltung, so wirkte Fr. Jossöt hauptsächlich durch ihre An- »mlh und das Mienenspiel. Aber auch der Vortrag ließ nichts zu wünschen übrig. Zuletzt sprach Dumeny. Er stellt eine» Maler dar, der die große Gabe zu pfeifen besitzt, dem diese Gabe aber ab- Hauben kommt, sobald er ein Glas über den Durst getrunken hat. So lange er Junggeselle war, ging's noch. Jetzt hat er aber eine liebende Gattin, die seine Schwäche sehr wohl kennt. Sie nimmt den Schlüssel in Verwahrung und will ihm denselben nur dann heruuteriverfen, wenn er ein Lied vor ihrem Fenster pfeift. Er hat wieder Blau-Montag gemacht. Der Regen strömt herunter. Alle Versuche zu pfeifen sind vergebens. ES bleibt beim Mundzuspitzen. Da sieht er einen Bürger über die Straße kommen und bittet ihn, für ihn zu pfeifen. Sehr erheiternd wirkte es, als er diesem beim Abschied zuruft:\ lundi prochain,— Die heiterste Stimmung rief der zweite Vortrag des Herrn Dumeny hervor, den er auf vielfaches Beifallsklatschen, noch sprach. Ter gestrige Abend darf wohl zu den gelungensten des bisherigen Gastspieles gezählt werden. Im Osteiid-Thcatcr schien es bislang, als ob die abgelebte Adolph-Ernst-Posse wieder aufgefrischt werden sollte. Herr Direktor Weiß hat sich gestern eines anderen besonnen und noch einen Pflock iveiter zurückgesteckt. Im„ W a l z e r k ö n i g" von M a n n st ä d t kam die alte, nach Volksthümlichkeit schielende Gesangsposse der sechziger und siebziger Jahre wieder in voller Rührseligkeit zum Vorschein. Alle verstaubten Puppen trippelten am Draht heran: Die alleinstehende Konfektioneuse diskreter Herkunft, die, in Wehmuth deS Unglücks ihrer Mutter gedenkend, sich durch reelle Arbeit ein tugendhaft-behagliches Dasein schafft, desgleiche» der bei alle» leicht- fnßigcn Seitensprüngen im Grunde seines Herzens doch recht brave junge Lebemann, der den Frieden des Modistinuenateliers stört, serner der ebenfalls leichtfüßige, jetzt aber bereits etwas sentimental angekränkelte alte Onkel, der die Heiralh des Paares znrechtrenkt und bei der Gelegenheil in der Konfektioneuse seine natürliche Tochter wieder erkennt, und endlich als Gegensatz zu dieser brave» Gruppe die vornehmlhuende Schclmenzunft, die garnichts hinter sich hat und am Ende natürlich elend Schiffbruch leidet. Unter ihr findet sich sogar der gröhlende Politiker und Volksredner wieder, der überall seinen erborgten Unsinn anbringt. Mochte» derartige Farcen, die die Namen des Volksstücks be- kanntlich so arg in Verruf gebracht haben, in ihrer Modezeit sich noch mit einem schwache» Widerschein des Lebens brüsten können, der hier und da ans sie siel, so wirken sie heutzutage beinahe wider- wärtia. Sie haben, dank dem Riesenfortschritl in der ökonomischen Entwickelnng, jeglichen Rückhalt in der Wirklichkeit verloren! Die Künstler des Ostend-Theaters gaben sich redliche Mühe, dem Stück« zum Erfolg zu verHelsen. Vor allem ist Herr Direktor Weiß zu nennen, der sichtlich in den Erinnerungen schwelgte, die in ihm aus der früheren Darstellung seiner Heldenrolle wieder auftauchten. Neben ihm glänzte vor allein Fräulein Anna Müller als Modistin und Herr Dill als alter Onkel. Die Ausstellung des MalerS Wereschagiu wird am Sl. Januar im alten Reichstagsgebäude, Leipzigerstr. 4, eröffnet. Im Ostend-Theater wird von heute ab der Beginn der Vorstellung wieder auf Wz Uhr festgesetzt, da der„Walzerkönig" die gewöhnliche Spiel- zeit überschreitet. Sonntag Nachmittag ist eine nochmalige Aufführung vom ..Deutschen Michel" und zwar zu halben Preisen. Montag ist die erste Volksvorstcllung; zur Aufführung gelangt:„Die Stunde der Versuchung". Im Schiller-Theatcr wird Henrik Jbsen's sünfaktiges Schauspiel „Ein Volksfeind" Montag, den l. Februar, zum ersten Mal in folgender Besetzung gegeben: Doktor Stockmann Albert Patru. Frau Stock- mann Scraftne Dctschy, Petra Grete Meyer, Peter Stockinann Hanl Pauly, Haustad Willy Froböse, Billing Max Reimami, Aslaksen Karl Dahlen. Im Thalia-Theatcr findet au: kommende» Sonntag Nachmittag 3 Uhr die erste Wiederholung des Senfattons-Schauspiels„Trilb y" statt. Die Preise der Plätze sind ermäßigt. Morgen, Sonntag, nachmittags 3 Uhr, geht im Brlle-Alliance- Theater als Volksvorstcllung unter Regie von Julius Türk noch einmal Don Carlos in Szene. Elisabeth: Th. Freybnrg a. G.; Eboli: Hedwig Margot; König; Wilh. Rufs; Don Carlos; Stich. Jürgas; Marquis Posa: JuliiuS Türk. Die Neue freie Volksbühne veranstaltet am Sonntag, den 31. Jan.. nachmittags 2l/2 Uhr, im Zentral-Th'eater für ihre 2. Abtheilung— in der noch Mitglieder ausgenommen werden können— eine Vorstellung von Max Dreyer's„Winterschlaf". Die Regie hat Herr Franz Haid; die Haupt- rollen haben: Frl. Engente Lenz und die Herren Eisfeld und Haid. Gerichts-Ieikung. Wegen Beleidigung des früheren Kolonialdirektors Tr. K a y s e r stand am Freitag Dr. Schröder-Poagelow vor der Strafkammer in Berlin, angeklagt, in einem Briefe an den Reichskanzler erklärt zu haben, daß Dr. Kayser ihn„ans un- wahrem und ungesetzlichem Wege" ans dem Kolonialralh entfernt habe. Der Gerichtshof billigte dem Angeklagten den Schutz des § 193(Wahrnehmung berechtigter Interessen) zn und sprach ihn frei. Das Reichsgericht verwarf heute die Revision des Redakteurs Karl Sedlaczek, welcher am 20. Oktober vor. Js. vom Land- gericht II Berlin lvegen Beschimpfung der jüdischen Kirche und Gotteslästerung zn 3 Monaten Gefängniß verurtheilt worden. Das Ehedrama i« Oranienburg, von dem neuerdings mehr- fach berichtet worden ist. beschäftigte gestern das Schwurgericht am Landgericht II. Bor de» Schranke» stand die jetzt verivittwele Elise Eleonore Ottilie Thomczik aus Oranienburg, welche am 23. September v. I. ihren Ehemann, den früheren Hilfs-Nacht- Wachtmeister Thomczik, erschossen hat. Sie war von diesen, fort- gesetzt unsäglich gepeinigt worden»nd hatte auf den von ihr ge- trennt lebende» Mann an genanntem Tage mehrere Schüsse aus einem Revolver abgefeuert, nachdem sie abermals von ihm mit einem Stocke überfallen und geprügelt worden war. Die Waffe hatte sie sich ihrer Darstellung nach auf de» Rath eines Oranienburger Polizeibeamten angeschafft, als sie diesem von den fortgesetzten Bedrohungen in Keuntniß gesetzt hatte. Frau Thomczik, die im 34. Lebensjahr steht, hatte 1890 von einem alten Bankier Lischipski, dem sie die Wirth- schaft führte, etwa 130 000 M. geerbt. Dies Geld wurde von dem Manne, den sie 1392 heirathete, in Grundstücke» wohl unvortheil- Haft angelegt, sodaß trotz des Vermögens zuweilen Roth im Hause herrschte. Vor Gericht berichtet die Angeklagte über ihr Vorleben, daß sie den Bankier am 4. Dezember 1390 in sein Zimmer erschossen auf dem Fußboden gefunden habe, neben ihm lag sein Dienstmädchen Emma Winde mit eingeschlagener Hirnschale. Aus dem Tische lag ein von Lischipski's Hand geschriebener Brief, in welchem er mittheilte, daß er sich selbst erschossen, vorher aber das Dienstmädchen erschlagen habe, weil diese ihm gedroht hätte, ihn wegen eines versuchten Sittlichkeitsverbrechens anzuzeigen. (Daß die Angeklagte an dieser doppellen Blutthat in keiner Weise betheiligt war, geht aus den damaligen Ermtttelungsakten deutlich hervor.) Ueber das ihr zur Last gelegte Verbrechen sagt Frau Th. aus, daß sie, ihr Kind auf den Arm, in der Llothwehr gehandelt habe. Das Verdikt der Geschworenen lautete auf n i ch t s ch u l d i g, worauf die Freisprechung erfolgte. Ein Jmpfprozeß von einiger Bedeutung wurde am 26. Januar in Hamburg vor dem Landgericht, Strafkammer I, unter dem Vorsitz des Landgerichtsdirektors Dr. Föhring verhandelt. Angeklagt waren die drei praktischen Aerzte Dr. med. Gans, Dr. med. Heinrich Schmidt nnd Dr. med. Böhm wegen Vergehens gegen Z 278 des Strafgesetzbuchs, weil sie angeblich in einer größeren Anzahl von Fälle» wider besseres Wissen Impfscheine ausgestellt haben sollen, auf denen eine erfolgreiche Impfung bestätigt war. Der Prozeß ist durch einen hiesigen Arzt Dr. Lübrecht veranlaßt, der ein von Dr. Gans geimpfte! Kind wegen irgend einer Krankheit in Behandlung bekam und bei einer Untersuchung keine Spur von einer Jmpsnng ge- fundcn haben wollte. Er erstattete Anzeige beim Medizinal-Kollegium und dieses ordnete eine Revision aller von den drei oben genannten Aerzten geimpften Kinder an. Dabei haben die staatlichen Impf- ärzte dann festgestellt, daß bei einer großen Anzahl von Kindern, für die Jinpfscheine mit demVermerk„MitErfoIg"ausgestellt waren, entweder gar keine Narben mehr vorhanden waren, oder doch nur solche, die nach Ansicht der revidircn Aerzte nur von einfachen Entschritten herrührten, in die Lymphe nicht eingeführt war. Die drei an- geklagte» Aerzte, die sämmtlich entschiedene Vertreter der Natur- Heilkunde sind, bestreiten, jemals wider besseres Wissen falsche Impf- scheine ausgestellt zu habe». Nach dem deutschen Jmpfgesetz sei die Beurthetlung des Erfolges der Jntpfung dem Ermessen des impfenden Arztes überlassen. Sie hätten nie cinen Schein ausgestellt, ohne de» Erfolg vorher zu konstatiren. Allerdings seien sie Gegner des Impfzwanges, aber keine Jmpfgegner. Sie impften vorsichtig, und die Kunst des Naturheilarztes bestehe darin, daß er durch die Behandlung mit Wasser verhindere, daß der Entzündungsprozeß tiefer greife. Die Sachverständigen sprachen sich natürlich sämmt- lick, gegen die Angeklagten aus. Der Staatsanwalt hielt bezüglich des Dr. Böhm jedoch die Anklage nicht für erwiesen, wohl- aber bezüglich der beiden anderen Angeklagten. Er beantragte deshalb Freisprechung des Dr. Böhm und gegen Dr. Gans und Dr. Schmidt je 2 Monate Gefängniß. Die Verlheidiger Dr. Volkmar-Berli» und Dr. Siemers-Hambnrg beantragten die Freisprechung. Nach mehr- ständiger Beralhnng erkannte das Gericht aus rechtlichen und that- sächlichen Gründen auf kostenlose Freisprechung aller drei Angeklagte». Zu der Verhandlung hatten sich eine Anzahl Aerzte, Vertreter und Anhänger der Naturheilknnde und Jmpfgegner als Zuhörer eingefunden, die die freigesprochenen drei Aerzte nach der Verhandlung lebhaft begrüßten. GenrerKMzKftlithVS. Die Agitation für die Gewerkschaften stößt in Preußen jetzt ans dieselben Hindernisse, wie die Agitation für die sozial- demokratische Partei. Frau Greife»berg aus Berlin, die gegenwärtig Schlesien bereist, um die Arbeiterinnen für den Anschluß an die Gewerkschaften zn gewinnen, konnte in Breslau weder am Sonntag in einer a l l g e nr e i n e n F r a u e n v e r s a m m l u n g noch am Montag in einer Schneiderinnen- V e r s a m m- lang ihr Referat beenden. weil die Versammlungen aufgelöst wurde». In ersterer Versammlnng erfolgte die Auflösung. als die Rednerin gesagt hatte:„Die Veränderung der Produktionsweise in uiiserem Jahrhunderl hatte auch eine vollständige Umwälzung sowohl der wirthschastlichen wie der gesellschaftlichen Zustände zur Folge." Als allgemein die Frage erscholl, auf grund welches Paragraphen die Versammlung aufgelöst sei. erklärte der überwachende Beamte: auf Befehl dej Polizeipräsidiums. Die zweite Versammlung verfiel der Auflösung, weil Frau Greifenberg einen Vergleich gezogen hatte zwischen der peinlichen Sorgfalt, die ein Fabrikant seinen Pferden ange- deihe» läßt, und der Nonchalance, die er gegenüber seinen Arbeitern an den Tag zu legen pflegt. Eine Handschuh- Näherinnen- Versammlung konnte überhaupt nicht abgehalten werden, weil der Wirth des gemiethetcn Lokals seine Zusage rückgängig machte. Auch in Blumenau, in welcher Gegend sich jetzt ein Webersireik adspielt, wurde Frau Greifenberg durch das Verbot der betreffenden Versammlung daran gehindert, den Arbeiterinnen den Anschluß an die Organisation zu empfehle», das einzige, wodurch sie ihre traurige Lage verbessern können. Die Art und Weise, wie sich jetzt in Preußen die Polizei zu den Gewerkschaften stellt, während die Unternehnier-Organisatione» auch nicht die geringste Behinderung ihrer vielfach geradezu gemein- gefährlichen Thätigkeit erfahren, ist ein weiteres deutliches Zeichen für den rückläufigen Kurs, den die Regierung auf sozialpolitischem Gebiete eingeschlagen hat. AuS Dresden meldet das Wolff'sche Bürean: Die Eisen- bah narbeiter aus Dresden. Pirna, Boden dach und anderen Orten beschloffen am Donnerstag in einer von mehr als 1000 Personen besuchten Versammlung, eine festere Organisation ins Leben zu rufen und für die Fordernnß auf Aufbesserung der Löhne und der sonstigen Arbeitsverhältniffe einzutreten. Die Tischler Hamburgs beschlossen, zu geeigneter Zeit folgende Forderungen zu stellen: Neunstündige Arbeitszeit, eine» Minimallohn von 4ö Pf. pro Stunde für Bau- und Möbeltischler, einen solche» von 60 Pf. für Bauanschläger, SV pCt. Aufschlag für Ucbcrstunden und Sonntagsarbeit. Eine Kommission wurde gewählt, die sich mit den Tischlern in Wandsbcck und Altona über gleiche Forderungen verständigen soll. Der S. Kongreß des schwedischen ManrerverbandeS, der kürzlich abgehalten wurde, war von 33 Vertretern des Zentral-Ver- bandcs und 20 Vertretern der Lotalvereine beschickt. Die Mit- gliederzahl der Organisationen ist im letzten Jahre von 1227 auf 2236 gestiegen. In 10 Orten erreichten die Maurer durch Verhandlung eine Lohnerhöhnng von 2— SOere pro Stunde; in 2 Orten ivnrde eine solche von 5 Oere pro Stunde durch den Streik erlangt. Besonders lebhafte Diskussion veranlaßte die Lehrlingsfrage. Ei» Vorschlag ans Göteborg, der von Unternehmern nnd Arbeitern ge- meinsain ausgearbeitet worden war, wurde gebilligt. Die Frage der Unfallversicherung soll in Angriff genommen und dafür in der Presse agitirt werden. Das Akkordsystem wurde durch eine Resolution für verwerflich erklärt. VevssmmlunZVtt. Generalversammlniig des Verbandes der Maler, Lackirer und Anstreicher. Aus Kassel wird uns unter dem 23. Januar geschrieben: In der heutige» Sitzung wird mit der Debatte über den Kassenbericht begonnen, in deren Verlauf verschiedene Anträge Annahme fanden, durch welche Filialen von Schulden bei der Haupt- lasse entbunden werden. I» Zukunft soll der Kasstrcr allein keine angelegten Gelder abheben können, vielmehr sind zwei Vorstands- Mitglieder dazu nöthig. Den Hamburger Hafenarbeitern werden einstimmig 1000 M. ans der Hanplkasse bewilligt. Ueber das Fachorgan, den„Vereinsanzeiger', werden heftige Klagen gegen die Redaktion und de» Hanptvorstand vorgebracht, die ßjedoch von den meiste» Redner» für unbegründet erachtet werden, da nicht die Per- mien, sondern die Umstände Schuld daran tragen. Ueber den An- trag, der„Vercins-Anzeiger" erscheint achttägig, entspinnt sich eine längere Debatte, die jedoch abgebrochen wird, bis durch Statut die Beiträge festgesetzt sind. Mehrer« Redner traten für den Antrag ei», wollen aber von einer Erhöhung der Beiträge durchaus nichts wiffe». Eine Veränderung in der Erscheiiuingsweis« würde aber ohne die Redaktionskosten einen Mehraufwand von 3500 M. b»« dingen. Aus dem Bericht des Verbands-Vorsitzenden geht hervor, daß in den letzten drei Jahren 80 Lohnbewegungen stattfanden, die zum theil ohne Streik ganz oder theilweise zu gnnsten der Arbeiter ausfielen. In 22 Städten ivnrde eine Verkürzung der Arbeitszeit von 1—3 Stunden erreicht. In der folgen- den Diskussion wurde allgemein anerkannt. daß kampffähige Organisation auch entsprechende Beiträge erheben müssen. Es wird in die Berathung des Statuts eingetreten und findet zunächst folgender Antrag Annahme, auf der ersten Seite des Mitglieds- vnches eine Rubrik einzufügen, in der, wie bei anderen Verbänden, Geburtsjahr und Tag des betreffenden Mitgliedes vermerkt wird. Bei§ 1 wird der Antrag Berlin(Lackirer), Berufsstatistik zu streichen, ferner der Antrag vom Hauptvorstande, Heilbronn und Jser�'k>n: Rechtsschutz bei Unfällen, zu streichen, sowie der Zusatz- antrag von Gelsenkirchen: Rechtsschutz für gewerbliche Streitigkeiten von der H a u p t k a s s e zn gewähren, abgelehnt. In einer gut besuchte» Schnhmacher- Versammlung, die an« Donnerstag im Lokal„Köuigsbank", Frankfurterstraße, tagte, referirte Reichstags- Abgeordneter Bock über die Aussperrung der Schuhmacher in Weißenfels. Nach den Ansführungen des Redners hat die vor ca. zehn Woche» vorgenommene Statistik der Schuh- macher in Weißenfels geradezu schreiende Zustände zu tage gesördert. Danach sind von 52 Verstorbenen 43 der Schwindsucht erlegen. Vc r diese» habe» zwei Drittel noch nicht das 35. Lebensjahr erreicht. Die Löhne betragen für jugendliche Arbeiterinnen 1,50 bis 3 Mark pro Woche. Bei solche» über 16 Jahre 7 bis 9 Mark, und wie festgcfieNt werden mußte, verdienen verheirathete Leute sogar i» der guten Zeit oft nur 10 M. pro Woche. Die Behauptung der Fabrikanten, daß die Zwicker 30 M. verdienen, konnten sie selbst nicht aufrecht erhalten, indem sich unter den von ihnen veröffentlichten Lohnlisten, obwohl sich dieselben nur auf die Saison und die besten Arbeiter beschränken, keine einzige befand, die einen derartigen Lohn aufwies. Die Arbeiter hatten demnach alle Ursache, Forderungen zn stellen nnd wenn sie die Bewilligung derselben erst vom I. Oktober d. I. ab verlangten, um den Fabrikanten Gelegenheit zu geben, ihre Geschäftsabschlüsse dementsprechend zn machen, so mußte dies löblich anerkannt werden. Der Redner stellt fest, daß die 150 pCt. Lohnerhöhung, über welche die Fabrikanten schreien, sich lediglich aus die jugendlichen Arbeiterinnen, die oft eine mehrwöchige Lehrzeit umsonst durchzumachen haben, beziehen, und für diese der gewiß nicht hohe Minimalsatz von 4 M. pro Woche festgesetzt werden soll. Die Aussperrung der 3000 Arbeiter war von den Fabrikanten wohl überlegt in Szene gesetzt, um die Arbeiter für längere Zeit niederzuhalten, weil sie wußten, daß die Organffation nicht genügend vorbereitet und die Kassenverhältnisse keine glänzenden waren. Die kleinen Differenzen der Arbeiter mit dem Fabrikanten Blasig boten den Unternehmern die gewünschte Gelegenheit. Die ersten Verhandlungen zur Beilegung des Kampfes, wozu der Redner hinzu- gezogen wurde, verliefen ergebnißlos. Den Beschlüssen der Fabrikanten entsprechend erfolgte eine Besprechung der Kommission der Arbeiter mit Herrn Blasig, die die Beseitigung der bestehenden Differenzen zeitigte und eine vollständig gütliche Einigung herbeiführte, so daß von beiden Seiten kein Grund zur Weiterfnhrmig des Kampfes vorlag. Entgegen den Beschlüssen der Ausgesperrten, die sich mit den Abmachungen einverstanden erklärte» und nun hofften, die Arbeit wieder auf- nehmen zu können, nahmen die Fabrikanten eine Resolution an, in der die getroffenen Abmachungen verworfen und die bedingungslose Wiederaufnahme der Arbeit bei Blasig gefordert wurde. Gegenwärtig ist die Situation eine verhältnißmäßig günstige, indem die Ausgesperrten unterstützt werden konnten und die öffentliche Meinung entschieden für die Arbeiter Partei nimmt. Der Redner hofft, daß die gegenwärtig schwebenden Verhandlungen von Erfolg begleitet sein werden. Mit der Aufforderung an die Arbeiter, gleich den Unternehmern� sich in der Organisation eng und dauernd zusammen- zuschließe», um für die nahe Zukunft schon gerüstet zu sein, schloß der Redner seine von der Versammlung mit der größten Anfmerksamkeit verfolgten und mit lebhaftem Beifall ans- genommene» Ausführungen. Einstimmig gelangte hieraus ein An- trag zur Annahme, nach welchem die arbeitenden Kollegen verpflichtet werden, 5 pCt. von iyrem Arbeitsverdienst an den Unterstützungs- fonds abzuführen. Nach kurzer Begründung von Weber wurde den Delegirlen zum internationalen Schnhmacher-Kongreß anHeim gegeben, außer der Regelung der Steife- Unterstützung auch eine gegenseitige Unterstützung der verschiedenen Länder durch das internationale Sekretariat bei Massenanssperruiigen anzubahnen. Unter Verschiedenem wurde angeführt, daß Arbeiter von dem Arbeitsnachweis der Fabrikanten aus Monate ohne jede Begründung ausgesperrt sind und demzufolge in den Fabriken keine Arbeit be- kommen. Wie Willner nutlheille, hat die Kommission sich an die Fabrikanten mit dem Ersuchen gewandt, eine Besprechung zn veranlasse», iid der die Angelegenheit deS Arbeitsnachweises behandelt werden sollte. Eine Antwort auf dieses Schreiben sei bisher nicht erfolgt, dafür ist im Fabrikantenorgan ein Artikel erschienen, in welchem die Arbeiter geradezu verhöhnt werde». Die nächste Versammlung wird sich mit dem event. Antwortschreiben be- schästige». Allgemein ist die Meinung vorherrschend, daß auch die Berliner Fabrikanten, ähnlich wie es in Weißenfels geschieht, eine Machtprobe planen und deshalb die Arbeiter fortwährend provoziren. Zum Schluß»ahm die Versammlung eine Resolution an, in der sie sich mit dem Protest der sozialdeinokralische» Berliner Stadtverord- »ete» gegen die Verwendung städtischer Gelder für die Geburtstags- feier Wilhein I. einverstanden erklärt. Aeb»>t»r-Kild»»g»xch»«l». Sonnabend Abend von»— 9Y Uhr: Südost- s ch u l e. Waldemaritr. u; Nalionalölonomie(Allgemeine Ueberstcht der ver- schiedenen Wirthlchaflgstusen. Enlwickelung der bürgerlichen Iheorettschen Nailonalökonomle. Die Marxqche Werth- und Mehriverth-Lehre). Herr Dr. Eonrad Schmidt.— Nordschule, Brunnenstrabe 25: Natur-Erlenntnib. AnINe und moderne Naturbetrachtung. Problem der Weltbildung Im Alterthnm. Sriechtsche Weisheit und biblische Ueberiteserung. Die Entthronung der Erde aus ihrer bevorzugten Stellung im Weltenall. Mechanistische Auffassung und experimentelle Forschung. Die Einreihung des Menschen in das Naturganze iLamark-Darwi»). Das Deelenproblem. Atonitsmu« und MalerialtSmuS. Grenzen der Ratur-Erlenntnißi. Herr Dr. E. Joel. Die Schulräume find zur Benuyung der vtbliolhel und de« reichen Zeit« schrlstenmalerials schon von 8 Uhr abend« an geöffnet. N>« LesehaU« der Ardritcr-Sildnugaschule. Brunncnstr. 25, ist Wochen- tags vo» 5—8 Uhr, Sonntags von 8—8 Uhr, unentgeltlich für jedermann geöffnet. Die Geschäftsstelle der Schule SO., Kaiser Franz-Grenadier-Plah 7, die den Vereinsvorständen zur Vermtttelung von Vorträgen ivissenschafuichen Eharatter? zur Versügung steht, ist vormtltags von 10— i Uhr geöffnet. Zirt>»>t,r Kä,>gr»t»l»d Berti»« uud Unigegend. Vorsihettder Ad. Nenman», Paseivallerslr. 8. Alte Aenderunge» im«ereiiiSlalender sind zurichte» an Friedrich Kort» in, Blanteusfelstr.<», v. 2 Dr. K»»d der geselligen Arbeitervereine Kerlin» nnd Umgegend. Alle Zuschriste», d eil Bund betreffend, sind zu richten an P. G e n t, L. Dresdener- praße 107/8. Arbeiter- Pancherbund Kerlin» nnd|(», gegen». Aenderunge» im Vereinslalender sind zn richten an Hermann Braunschwetg, Dresdener- strajje 80, 2. Hof. Freireligiös« vernein»». Sonntaq, den 81. Januar 1887, vormittags « Ubr pünktlich. Rosenlhalerstr. 88: Versammlung. Freireligiöse Vorlesung. Un» Ii Uhr vorm. ebendaselbst: Bortrag de» Herrn Wilhelm Bölsche: Polar- forschung und Welluniergang. Ientrnl-Dtraniirn- nnd Kterbekass» der deutschen Wagenbaner, (Berlin, Bezirk*.) Sonntag, den 81. Januar, vormittags lo Uhr:«er» fammlung im Lokal de« Herrn Liewald, Mantcuffelftr.«s. Konristen-»I»b Ruf. Sonnabend Abend 8 Uhr bei Scholz, Dresdener» straße 58: Geselliges Beisammensein. VevtmMkes uont Cagc« — Schnee und Eis halten gegemvürtig fast die gesammte nördliche Halbkugel in Banden. In Dculschland ist auf einer Reihe von Bahnlinien der Verkehr eingestellt worden, ganze Ort- schasten durch Schneemasfen gänzlich abgeschlossen. Auf dem Elsässer Belchen wurde» zwei französische Zollbeamte vom Schneesturm über» fallen. Der eine erfror, der andere stürzte ab, erlitt eine» Bein» bruch und wurde erst nach 13 Stunden aufgefunden.— In Amerika 'ind bereits viele Menschen der Kälte zum Opfer gefallen.— Und »un das Gegenstück hierzu: In Mannheim sind bereits am 14. Januar die ersten l897er Spargel» auf den Markt gekommen. — In Kottbus fand man ein Portemonnaie, das ein elf- jähriges Mädchen verloren hatte. Darin fand man einen Zettel, auf h«m 20 Namen standen und darüber:„Liste meiner sanuntlichen Verehrer".— — Zu A u S s ch r e i t u>, g e n laut«J am Dienstag Abend wahrend de? Zapfenstreiches in Stettin. Halbwüchsige Burschen Plünderten einige Läden.— — Eine neue, sehr gefährliche und sehr ansteckende Thier- r r a n k h e i�t ist in zwei Ortschaften deZ Landsberger Kreises in je einem Gehöft ausgebrochen, die Borna'sche Pferdekrankheit, eine Gehirn- und Rückemnarckentzündung. Die Seuche ist zuerst in Borna im Königreich Sachsen beobachtet worden und nach dieser Stadt benannt.— — Auch eine Rache. In einem unterelsässischen Dorfe hatte ein Mann Streit mit seiner Frau. Um seine Geliebte recht gründlich zu ärgern, schrie er einigemal hintereinander:„Vivs le France". Jetzt wird er drei Monate eingesperrt. Nun argern sich zwei: sie und er.— — D i e W i e n e r A n t i s e m i t e n schicken jetzt Abend für Abend eine Schaar verlumpter Leute von Kneipe zu Kneipe. Die Kerle sind angewiesen, überall Schweinereien anzurichten, zum Schlüsse aber, wenn sie hinausgeworfen werden, ein Hoch ans die Sozialdemokratie auszubringen. Der Zweck des ganzen ist: die Wahlchanccn der österreichischen Genossen zu verringern.— — Neuer Kanal. Zwischen der Donau und der Save (zwischen Vukovar und Samac) ist ein 50 Kilometer langer, 8 Meter tiefer und 15 Meter breiter Kanal projektirt, der die Verbindung Ungarns mit Bosnien um 400 Kilonieter verkürzt. Die Kosten sind auf 4 Millionen berechnet. Der Bau soll im Frühjahr begonnen werden.— — D u e l l i r t haben sich in Wien der ältere Bruder des Bulgarenfürsten und ei» Premierlieutenant. Keinem wurde die Haut geritzt.— — In I m b r i o v a c(Kroatien) sind zwei Knaben nnd ein Mädchen auf einein Teiche durch das Eis gebrochen und ertrunke». Das Mädchen wollte seinen Bruder retten.— — Einen 100 Kilo- Verein gilbt es in Paris. Bei der ersten Versanimlinig des Vereins waren 40 Männer anwesend, von denen jeder über 100 Kilo wog.— — I» N e w- A o r k ist dieser Tage eine Wittwe C a r s o» gestorben, die die letzte Hälfte ihrer Lebensjahre damit zugebracht hat, unablässig zwischen New-Iork und England hin und her zu fahre». Den größte» Theil ihres Vermögens verniachte sie den Offizieren desjenigen Schiffes, auf dein sie am häufigsten gefahren.— — Das Vermögen der Provinz Pavia(Italien) ist auf Verlangen der venetianischen Provinz mit Beschlag belegt worden wegen einer Schuld von 561 000 Lire, die erster« den letztern noch vom Kriege 1848/49 her zahlen muß.— Witteruu�Siibersn�t� Stationen. Sivinemünde ainburg. erlin.. Wiesbaden. München. Wie»... Haparanda. Petersburg. Cork... Aberdee».. Paris. C» s . 5, 8 I ai*-« ■O .5�3 £3 Wetter s;i2 S5 £15� LZ II Z-UZ dt � 751 753 753 757 759 757 762 762 765 760 762 WSW NW W SW W W N SO W WNW WNW 3 2 2 3 6 5 2 0 1 4 2 Schnee Dunst bedeckt Schnee heiter bedeckt Schnee Schnee bedeckt ivolkig bedeckt -3 -4 —4 — 0 — 5 _ 2 —7 —7 3 0 0 Wetiet-Proguose für Tonuabcnd, 30. Januar 1H97. Ein wenig wärmer, ziemlich trübe mit leichten Schneesällen und mäßigen westlichen Winden. Folgende ZAavkeispvditionen nehmen Aboilnements auf den „Nm'nmvks", Freie Stunde», Jakob und Postillo» entgegen: Berlin vierter Wahlkreis O.: Robert Wcngels, Fruchtstr. 30, Hof I.— SiO.: Fritz Thiel, Skalitzerstr. 35 v. pari.— Sechster Wahlkreis(IHoabit): Karl Anders, Salzwedele r- strahe 7, pari, im Laden.— Wcdding und Oranienburger Vorstadt: Emil Stolzenburg, Wicsenstr. 14.— tZesandbrannen: Wilh. Gaßina nn, Griinthalerstr. 64.— Roscnthalcr Vorstadt: Gustav Rosenthal, Gransecrstr. 6.— Schünhanscr Vorstadt: Karl Mars, Kastanien-Allee 95/96.— Charlottcnbnrg: Gustav Scharnberg, Pestalozzistr. 27, Quergeb. pari.— Rixdorf: Öfter- mann, Jägcrstr. 79, II.— Sehiineberg: Wilhelm B ci u m l e r, Belzigerstr. 59, Seitenflügel prt.— Johannisthal-Vlcdcr-SchUne- weide: Otto John, Johannisthal, Fricdrichstr. 57. Annahmestelle: Nieder-SchSneweide: Karl Weber, Zigarrengcschäft. Außerdem ist sämmtliche Parteiliteratur, sowie alle wisscnschastlichen Werke dort zu haben. Verband der in Buchbindereien, der Papier- und Leder-Galanteriewaaren-Jndustrie beschäftigten Arbeiter imd Arbeiterinnen. Budjlnubef! Montag, den 1. Februar, abends 8V2 Ohr, im liokale von Feuerstein. Alte Jakobstr. Dranchen-Versammllmg."HW - Tages-Ordnung: 1. Bericht und Neuwahl der Vertrauenspcrsonen. 2. Werkstuben- Augetegenhciten und Verschiedenes. Kontobuch-Krauche! Montag, den 4. Februar, abends S'/z(Ihr, im Lonisen- stttdtischen Klubhaus, Annehstrasse 16j� Branchen-Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen Br. Piirsch über:„Parlamentarismus, Gewerkschaftöbetvcgung und Vollsgcsetzgebung". 2. Bericht und Neuwahl der Vertraucnspersonen. 3. Verschiedenes. zedermaaren-Kranche! Montag, den 1. Februar, abends S'/2 Uhr, bei Roll, _ Adalbertstrasse 21: IW Wilcheil-Versaminlimg"WU der Leder- u. Galailterie-Arbeiter u. Arbeiterinnen. Tages-Ordnung: 1. Was lehrt unS der Hamburger Hasenarbeiter-Streik? 2. Bericht und Neuwahl der Vertrauenspersonen. IT! n vt o u-43 reut rite! Dienstag, 2. Februar, abends SVz(Ihr, im Englischen Barten, Alexanderstr. 27c: Branchen-Versammlung. Tagesordnung: 1. V nicht und Neuwahl der Vertrauenopersonen. 2. Werkstuben- Angelegenheiten und Verschiedenes. Dienstag, den 2. Februar, abends S1/, Uhr, in Feuerstein s unterem Saal, Alte Jakobstrasse 75: Grotze Versammlung sämmtlicher in Lnxuspapier-Fabriken beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnell. Tageö-Ordnung: I. Bericht des Vertrauensmannes. 2. Neuwahl der Vertrauens- Personen. 3. Die Beseitigung der Mißstände in den Luxuspapier- Fabriken. Um zahlreiches und pünktliches Erscheine» sämmtlicher Kollegen und Kolleginnen ersuchen Die Vertrau ensper so nen. Metallarbeiter! Moutag, de» I. Februar er., abends 8 Uhr, im Kösliuer Hof, Köslinerstr. 8: OeNontl. Dorsrmtmlmtg. Tages-Ordnung: Der gegenwärtige Stand des Streiks in der Fabrik von �iwmermsim& Buchloh und unsere weiteren Maßnahmen. m/s Zahlreiches und pünktliches Erscheinen der Kollegen ist erforderlich. Der Vertrauensmann der Berliner Metallarbeiter. Otto Naether, N., Nnklamerstr. 44. Deutsch. Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. kmmsWUl LnimcMiSmr-LnstmlW am Sonntag, den 31. Januar, vormittags>/>10 Uhr, bei Cohn. Beuthstrasse-Vo. 21. Tages-Ordnung: L Wie stellen wir uns zu dem eigenmächtigen Verhalten zweier Mit- glieder unserer Agitationstommission? 2. Das Aufstellen von Kandidaten zur 3. Generalversammlung unseres Verbandes. 114/15 Bei der Wichtigkeit der Tagesordnung ist es dringendste Pflicht der Vertrauensleute, zahlreich und pünktlich zu erscheinen. Die Ortsverwaltung. fticliv. der Musikinstrumenten-Arbeiter. Montag, den 1. Februar, abends S'/i Uhr, Im Lokale des Herrn Henke, Vaunynstrasse 27: Mitglieder- UevsammUmg Tages-Ordnung: [141 2. Diskussion. 3. Vereins- ges-Ordnnng 1. Vortrag deS Herrn Dr. F. Bernstein. angelegenheiten. Neue Mitglieder werden aufgenommen. AuSgabe der Billcts zu dem am 27. Februar er. bei Schnegelsberg, Hasenhaidc, stattfindenden Maskenball. Um zahlreichen Besuch bittet Der Vorstand. Achtung! fliffnilfßft! Achtung! Sonntag, den 31. Januar, mittags 12 Uhr, im„Fnglischen Garten'-, Alexanderstrassc Mo. 27c: Geffentliche Versammlung der Mosaik-Fliesenleger Berlins und Umgegend. Tages-Ordnung: 29935 1. Wie stellen sich die Fliesenleger zur Gewerkschaft? 2. Diskussion. 3. Delegirtenwahl zur Gewcrkschaftskoniniission. 4. Verschiedenes. Zur Deckung der Unkosten findet Tellersammliing statt. Um zahlreiches Erscheinen ersucht_ Der Vertrauensmann. NktAitb kt WödkWlM. Nächsten Montag, abends 8V2 Uhr, in Rixdorf, Knesebectstr. 118: yiBPsammiung*"WW Tages-Ordnung: 140/5 1. Vortrag des Kollegen C. Kurth über: Arbciterfchutz und Thicr- schutz. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes und Wertstcllciiangelegcnhcitcn. Die Kollegen werden ersucht, dafür zu sorgen, daß mindestens von jeder Werkstelle einige erscheinen. Der Vorstand. Möbelpolirer Berlins u. Umgeg. Montag, den 1. Februar 1897, abends 8 Uhr, OefVentl. Versammlung bei Wilke, Andreasstr. 26. Tages-Ordnung: 1. Wie stellen sich die Kollegen zu dem von den lokalorganisirten Gewerkschaften einzuberufenden Kongreß? 2. Berufs- Angelegenheiten._ 146/6 W?" Tegel."WS Oeffeutl. Volks-Bersammlung füv Wliinnev und Lnruueu am Sonntag, den 31. Januar, nachmittags 1 Uhr, im Lokale des Herrn Riibsam, Schloststr. 7—8. Tagesordnung: 1. Vortrag deS Reichstags-Abg. Stadthagen über:„Polizei und Presse." 2. Diskussion. 3. Wahl eines Vertrauens- manncs für Tegel 222/4 Zur Deckung der Unkosten 16 Pf. Entrce. Um zahlreiches Erscheinen ersucht Der Finbcrufcr. Sonnabend, den 30, Jannar er., beginnt in unseren sämmtlichen Ausfchanklokalen der Anstich unseres ff. Book-Bieres. ■k Liter 15 Pf.. 1. Liter 8 Pf. Süddeutsche Brauerei Carl Kintz& Co. Achtung! 970L» O. J. Engelke, Neue Jakobstraste 26, echten alten Nordhäuser Liter M. 1,—,'-»Ü.M. 0,50. » extra alte Waare„„ 1,40„„ 0,7,0 Kleinverkauf von 10 Für Wlederverkfinfer._ Roth-, Zwiebel- u. Mettwurst, 5 Pfd. gemischt ä Pfd. 45 Pf. f. Leber-, Schlackwurst u. Salami, gLbck a Pfd. 75 Pf. Rohschneideschinken, ä 8-15 Pfd. ä Pfd. 80 Pf. Schinken in Brodteig gebacken, ä Pfd. 65 Pf. J. A. Fartenhcimcr, Berlin C.. Kaiser wilhelmstr. 19a. Ächtung! Achtung! Künstliche Zähne von 3 M. an, Theilz. wöchentl. 1 M., wird abgeholt. Zahnziehen, Zahnrcinigcu, Nervtödten bei Bestellung umsonst. ßllPltol Lausitzerplatz 2, Elsafler- UUtlvCl, st,.]2, Steglitzerstr. 71 1. Betten, flkegulatoren, Reniontoir- uhren, Wäsche, Anzüge, Hosen, Goldw., Granatschniuck spottbillig Pfandleihe Ncanderstr. 6. Weltgeschichten, Brockhaus, Meyer's Lexikon, Brehm's Dhierleben, jedes wissen- schaftliche Werk beleiht und kaust Leihhaus tu Antiquariat Rofen- thalerstr. 11/12. Fernspr. HI. 6535. Reeü und billig kauft man in der Norddeutschen Schuh- fabnk von W. Hltschke, gegründet 1872, Tkalisterftr. 13, Ecke Admiralstraße, aui Kottbuser Thor. gerreu-UUle KS Pf. Besiere Hüte, enorm billig, verlauft aus der Fabrik im Komptoir* K a r» i m H t raste 4/S, Kastanien-Allee 1V1. Sonntags geöffnet. jnvpzagim usjohuriatZ n-rogoiz rr> 'uzqmseznwuzvoal uoa zgvSjnizuatiZLv Empfehle mein Weist- u. Bairifch Bierlokal, paffend z. größ. Zahlstelle. L. Zimmermann, Brunnenftr. 151. Biildungs-Schule. Sonntag, den 31. Januar 1897, vormittags lO'/a Uhr, im Lokale der Vordschuie, Brunnenstrasse 25: Rede-Uebung (Fortschritts Kursus). 1. Vortrag des Herrn i iddach; „Nutzen der Berufsvereine 2. Diskussion. Zur Theilnahme am Unterricht sind alle früheren Theilnehmer am Unterrichtsfach Rede-Uebung berechtigt, als Gäste sind ausserdem die übrigen Mitglieder der Schule willkommen. 5/8 Zentral-Amkeil- u. Tierbe- Kasse her Tischler. Ottsverwaltung Berlin F. ffffilNljedervei'ssmmIullg am Montag, den 1. Februar, abends 8Vz Uhr, im Lokal von Rosin, Nuppinerstr. 42. Tagesordnung: 1. Abrechnung vom 4. Quartal 1896. 2. Bericht der Delegirten von der Generalversammlung. 3. Verschiedene Kaffenangelegenheiten. 183/5 Die Ortsberwaltung. Deutscher Dolzarbeiter- Verband. Zahlstelle Berlin, Den Mitgliedern hiermit zur Nach- richt, daß unser Verbandslollege, der Einsetzer Hermann Schmidt am 27. Januar am Herzschlag ge- starben ist. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 31. Januar, nachm. 3 Uhr, vom Trauerhause Perlebergerstraße 27 aus nach dem Nene» Johannis-Kirchhof bei Plätzensee statt. Um rege Betheilignng bittet 81/4 Die Ortsverwaltung. zentral-Kranken- u. Tierbe- Kasse der Tischler it. andern gmerbl. Arbeiter. Berlin D. E. H. Nr. 3, Hamburg. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß das Mitglied 182/9 »ermavn Sedmidt am 27. d. M. verstorben ist. Die Beerdigung findet am 31. d. M., nachm. 3 Uhr, von Perlebergerstr. 27, aus statt. Um zahlreiche Betheiligung bittet Die Ortsverwaltung. Vödes- Anzeige. Den Parteigenossen des K. Ber- liner Reichstags-Wahlkreises zur Nachricht, daß unser Genosse Martin Borrmann am 26. d. M., mittags, plötzlich infolge eines Schlaganfalles verstorben ist. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 31. d. M., nachmittags 2 Uhr, von der Leichenhalle des neuen Moabiter Kirchhofs hinter d. Schützen- Hause aus statt. Ehre seinem Andenken! _ I. 8t.; C. liudwig. Dodes-Zlnzcige. Am 23. Januar, abends 8 Uhr, verschied nach langem Leiden mein lieber Mann, unser guter Vater, Schwiegervater und Großvater, der Buchdrucker Fmii Schikowski im Alter von 62 Jahren. 3007b Die Beerdigung findet am Sonntag, nachm. 3 Uhr, vom Lazanis-Kranken- Hause, Bernauerpr., nach dem Elisabeth- Kirchhof, Prinzen-Allee, statt. Um stille Theilnahme bittet Die ttauernde Wittwe nebst Kindem. Dodcs-Anzeige. Den Parteigenossen, Kollegen und Bekannten die trauttge Nachttcht, daß meine liebe Frau 29986 Bertha Welz am 28. Januar an der Influenza ver- verstorben ist. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 31. d. M., nachm. 2 Uhr, von der Leichenhalle der St. Markus-Gemeinde in Wilhelms- berg statt. Um stilles Beileid bittet Der ttauernde Gatte nebst Tochter. _ Josef Welz, Tischler. Wassersucht, Magenleiden, lst hellbar. Rath gratis /notllmcl r-urch F. KTardenkötter, Badmühle, Westfalen(ärnl gel. Heilanst.) Reinhold Streit Vaunyn- Strasse 8G empfiehlt Freunden u. Bekannten sein Weiss- u. 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Die Lohndiffercnzen in der Werk- statt von Fährmann in Rummels- bürg sind erledigt; es werden die bishettgen Preise weitergezahlt. 81/5 Die Ortsverwalttlng. Achtung, MeMarbtiter! Der Ausstand bei der Firma Zimmermann n. Buchloh. Ufer- straße 6a, sowie bei der Gesellschaft „Fahrpreis- Anzeiger". Hagels- bergerstr. 25, dauert unverändert fort. Zuzug ist sernzuhalten. 112/1 Der Borstand desBerbandes allerin dcrMetall- Industrie beschäftigten Arbeiter Berlins. Drahtarbeiter!! Tüchtige Trahtarbeiter. die selbständig arbeiten können, möglichst Messingdraht, werden bei sehr gutem Lohn sür Hamburg gesucht. Meldungen bei L. J. Meyer, Steinstr. 90, Hamburg. Kurbclstepper u. Stepperinneu verlangt bei hohem Lohn 2975h _ David Riese, Jügerstr. 25. Strickerin für Maschine, dauernde Beschäftigung, verlangt I.ohfeuer, Friedrirti- straffe 231. 29956 Korbmacher! 2 tücht. Geftellarbcitcr a. amcrikan. Pcddigrohrmöbcl bei gutem Lohn nnd dauernder Beschäftig. Desgleichen 2 ans Bambus u. Pfefferrohr nach auswärts sofort gesucht. Adr. unter R.& F. an die Expedition d. Blattes. Einem Thcile unserer heutigen Auslage liegt ein Prospekt deS Waarenhauscs Bürgerliches Kaufhaus t». Gerstel, SW. Belle-Alliancestr. 106, bei. Beranttvortlicher viedalteur: August Jnrobey in Berlin. Für den JnseratentHeil verantwortlich: TH. Glocke in Berlin. Druck und Berlag von Max Vadiug in Berlin. st. 25. u.mmn. 2. foilnp des„Ulimillts" Kttlimr WldsdIM. s°M°dk»d. zy. I»m«r 1897. rikernrifrl'.c Nttnvfihkru. Göttwgcr Arbcitcrbibliothek. Erster Band, I8S6, Göttingen. (Heft 1: Jesus als Volks,»anu von Pfarrer Naumann! Heft 2 und 3: Die Börse von Professor Dr. Max Weber; Heft 4: Bodenwucher und Bauspekulaute» von Pfarrer L e h i» a n»; Heft 5: Von der HauSwirthschaft zur Weltherrschaft von Pfarrer Wenk: Hesl 6: Gesunde Wohunugen von Dr. Ruprecht; Heft 7: Tie GcnosscnschaftSbcwcgnng der englischen Arbeiter von Professor v. S chulze-Gäveruitz; Hesl s: Tchöpfung und Entstehung der Welt von Dr. Rieh in; DarwiuiSnins und Christenthum von demselben; Heft 10: Tic Tozialdemokratie in der grosse» französischen Ncvo- lntion von Professor Hans Delbrück).— Vom zweiten Band sind bisher erschienen: Heft 2 und 3: Arbeitszeit-Vertiirznng und Achtstundentag von Th. Trau b, und Heft 4 n. 5: Die Börse(Schluß) von Max Weber.— Preis des Heftes 10 und 20 Ps. Soinbart: Ideale der Sozialdemokratie im Januar- hest von Heinrich Braun's„Archiv für soziale Gesetzgebung und S t a t i st i l". Von der G ö kt i n g c r A r b e i t e r b i bl i o t h e k. die der bekannte Pfarrer Naumann in Verbindung mit„Vertretern der evangelische» Arbeitervereine" seit einigen Jahre» heransgiebt. ist im Vorjahr der erste Sannnelband erschienen. Die kleiuen, ein oder zwei Bogen starken Broschüren, die in ihm vereinigt sind, verdienen auch außerhalb der engen evangelisch-sozialen Zirkel Beachtung. Bei aller Knappheit ist die Darstellung der behandelte» Fragen doch lebendig und gemeinfaßlich und in mancherlei Hinsicht wohl geeignet, nützliche ökonomisch- politische Kenntnisse in weiten Volks- kreisen z» verbreiten. Was den allgemeinen Standpunkt und die Tendenz betrifft, so tritt daS Evangelische, die Beziehung zum Christen- lhnm in den meisten Schrifien völlig zurück, wenn man etwa von einigen Redewendungen absieht. Daß ans der Bibel, die unter total anderen gesellschaftlichen und ökonomischen Verhältnissen entstand, sich nicht unmittelbar ein ökonomisch-polilisches Programm für die Gegenwart entnehmen läßt, ist selbstverständlich und wird auch von den Verlretern der evangelisch> sozialen Richtung mehr und mehr anerkannt. Es konnte sich also vernünsligerweise für sie nur darum handeln, gegenüber der Sozialdemokratie, welche die Religion als Privatsache erklärt, die soziale» Reformbestrebungen in irgend eine allgemeinere Beziehung zur christlichen Ethik und zum christlichen Gottesglanben zn setzen. Die neue, Nanmanu's Führung unterstehende Gruppe, die sich im vorige» Herbst in Erfurt konstituirte, nennt sich denn auch be- t«ich»e»derweise nicht mehr ch r i st l i ch- sozial, sondern„national- sozialer Verein auf ch r i st l i ch e r Grundlage." W, stelle des „christlichen" Momenles wurde das„nationale" als wichtigstes Unter- scheidungsmitlel gegenüber der internalionalen Sozialdemokratie hervor- gekehrt.JndenvomErfurlcrKougresseangenonuneuenErundidee» wurde, wie Göhre sagt,„die christliche Weltanschaunng als der Well- anschanungs-Hintergrund aller national-sozialen Arbeit, als die maß- und trostgebende Gesinnung für alle National-Sozialen, die Erhaltung und Vergrößerung der nationalen Macht und Kraft nach innen und außen als das einzige Ziel und Ideal, grund- legende, wirklich durchgreifende soziale Reformen aber als das hauptsächlichste Mittel zur Verwirklichnug dieses Zieles gewonnen." Da die„Grundlinien" ausdrücklich für«ine„angemessene Ber- mehrung der deutschen Kriegsflotte, sowie für Erhaltung und Ausbau unserer Kolonien" eintreten und die„Macht- e n t s a l t u» g der deutschen Nation nach außen als die Voraussetzung aller größeren sozialen Reformen im Innern" er- klären, also militaristische Fortentwickelnng des Deutschen Reiches aus der gegebenen Basis prollamiren, mußte allerdings schon des- halb die„christliche Weltanschauung" in den Hintergrund und zwar, um mit der preußisch- deutschen Pickelhaube nicht allzuscharf zu kollidiren, in einen recht entfernten, recht b e s ch e i d e n t l i ch e n Hintergrund abrücke». Statt Hintergrund könnte man vielleicht passender schon„Dekoration" sagen. Pfarrer Naumann, der im ersten Heft seiner Arbeiter- bibliothek Jesus so warm als friedebringendeu Menschenfreund ge- feiert hat, sollte in einem der späteren Hefte als angemessene Er- gäuzung hierzu doch auch die innere Wesensaemeinschafl behandeln, die zwischen der Friedensbotschaft des Nazareners und einer militaristisch- nationalen Politik im Bismarck'schen Stile besteht. Das wäre außerordentlich interessant und belehrend. Die Nanmann'sche Schrift„Jesus als Volks mann" und zwei Aussätze von Dr. G. Riehm über„Entstehung und Schöpfung der Welt" und über„Darwinismus und C h r i st e n t h u m" sind unter den bisher erschienenen Arbeiten der Göttiuger Bibliothek die einzigen, die den christliche» Stand- punkt in prinzipieller Weise vertreten. Der„Volksmann Jesus" wird von Naumann mit Kraft und Klarheit ge- schildert. Das Bild, das er von Jesus entwirft, deckt sich mit der Auffassung Tolsloi's; zn der kirchlich-offiziellen Ueberzeugung, die in der Lehre von der durch Gott eingesetzten Obrigkeit und Gesellschaftsordnung gipfelt, steht es in schneidendstem Gegen- sah. Naumnmi's Jesus ist der wirkliche unverschnörkelte Jesus, auf den so viele, auch sozialistische Weltverbesserer sich von je berufen haben.—„Mein Herr Jesus, heißt es bei Naumann, die Menschen nennen Dich ihren Herrn, weil sie denken, daß Du schon lange todt bist; wenn Du aber heute in Berlin, oder in Franlsurt, oder sonstwo auftreten würdest, wer »reiß, ob luan nicht wieder spräche: Dieser Verführer!... Ich glaube, er würde viel Roth haben, er würde auch eines Tages im Gefängniß unter seine» geringsten Brüdern sitzen." Und dann au einer anderen Stelle:„Die gewaltigste Rede, die Jesus gehalten hat, ist seine Darstellung des Weltgerichtes(Matth. 23, 31—46). Wonach wird die Welt gerichtet? Nicht nach Dogmen, nicht nach Konfessionen, sondern»ach ihrem Verhalten zur Armuth.... Ein Zeitalter, das sie nicht speiste, be- heibergte, kleidete, besuchte, ein solches Zeitaller gehört in das ewige Feuer.... Wer die Armen verachtet, verachtet Jesus, mag er Mönch oder Bischof oder Prediger sein. Christenthum ist Armenhilse... Aber Armenhilfe ist etwas anderes aliAlmosen... Wer die Zeit»uit Stiftungen und Armenhäusern heilen will, gehört »och ins Mittelalter... Weder das Wunder noch das Almosen sind unsere Mittel." DaS sind Worte ehrlicher, innerer Be- wegtbeit. Die Menschenliebe Jesu, die in seiner Liebe zur Armuth am leuchtendsten hervortritt, hat zweifellos noch heute etwas Be- geisterndes. Den Sozialiste» kann es nicht einfallen, das zu leugne». Aber jede nähere Beziehung zwischen den modernen, auf die ma- terielle Besserstellung der ausgebeuteten Klasse» hinzielenden sozialen Reformbestrebungen und der evangelischen Lehre fehlt. Der Gedanke des K l a s s e n k a m p s e s und der durch Klassenkämpse sortschreitende» Gesellschafts-Ent Wickelung, von dem die soziale Bewegung der Gegenwart völlig durchdrungen ist, liegt gänzlich außerhalb der Denkweise Jesu, ja er steht in unver- mitlelteni scharfen Kontrast zn ihr. Darum ist auch die Ver- dinduug des Sozialen mit dem Christliche», wie sie von den Evangelisch-Sozialen vertreten wird, eine recht äußerliche. Die Grundbegriffe, mit denen sie wohl oder übel, wenn sie über- Haupt sozial sein wollen, arbeilen müffe», sind auf einem ganz anderen als dem evangelischen Boden erwachsen und drücken dem gesammte» „Weltanschauungs-Hiutergrund" bcreils einen sehr wenig christlichen Stempel auf. Das„Evangelische" reduzirt sich schließlich darauf, daß auf die Evangelien als subjektive Erbauungsquelle hingewiesen wird. Es kann auch gar nicht anders sein, sollen anders die Hand- grciflichsten Utopistereien vermieden werden. Was dabei heraus- kommt, wenn man die Grundgedanken nicht der modernen Auf- fassung, sondern wirklich den Evangelien entnimmt, läßt sich ani dcutlichsteu bei einem so ehrlichen und konsequenten Christen wie T o l st o i sehen, der an stelle des Klassen- kampfes das christliche„Nichlwiderslreben dem Nebel", an stelle der Entwickelung einen gottseligen Stillstand, an stelle der sorlschreilenden, alles umwälzenden Industrie das Beharren im dumpfen, aber an Resignationstugenden reichen Bauernstande setzen »iLchle. Ein Schriftsteller kann solchen Gedanken nachhängen, eine soziale Partei würde heute ihr Todesurtheil aussprechen, wenn sie in diesem Sinne mit dem christliche» Geiste Ernst machen wollte. Ebenso bleibt die Anknüpfung an den christlich-biblischen Stand- punkt, die Rieh m in seinen Aufsätzen über„Schöpfung und E n t st e h u n g der Welt" und über„Darwinismus und C h r i st e n l h u m" versucht, im A e u ß e r l i ch e n stecken. Die Darstellung der neueren naturwissenschaftlichen Lehren in diese» beiden Broschüren ist sehr klug und anschaulich, um so mehr fallen die christlichen Schlußanwendunge» gegen das Vorhergehende logisch ab. Selbstverständlich, die letzten Welträthsel kann, soweit wir heute das Vermögen des menschlichen Verstandes überschaue», keine Natlirwiffenschaft lösen. Die komplizirlen Vorgänge in der Welt auf einfache Vorgänge, sogenannte Gesetze, zurüctzusühren und das Gewordene in der Natur aus früheren Naturzustände» zu er- klären, das sind die Aufgaben, aber auch die Grenzen jeder Natur- erkenntuiß, während die unersättliche, hochfliegende Fragelust des Menschen über diese und alte Grenze» nolhwendig weit hinaus- schweift: Was ist der Grund der Naturgesetze? Hat die Welt cinen Anfang? Woher die scheinbare Zweckmäßigkeil in den Be- weguugen der Materie u. s. w., u. f. w.? Herr Riehm weist an der Hand dieser ungelösten Fragen seine Leser aber nicht aus die Begrenztheit menschlichen Wissens hin, sondern demonstrirt daraus, daß die Bibel, wenn auch ihre Schöpfnngs- geschichte keine Autorität beanspruchen kann, in der Hauptsache, darin nämlich, daß Gott alles geschaffen und angeordnet, durchaus Recht habe, wie der christliche Offenbarungsglaube es verlangt. „Wenn wir nun sehen, daß die Naturgesetze der Varia- bilität, Vererbung, natürliche Zuchtwahl und wie sie alle heißen, eine so sinnvolle Wirkung haben, wie es die Erzeugung des flinken Pferdes oder des fluggewandten Vogels ist, so muß doch wohl jemand(!) sie so ver- uünflig eingerichtet und allgeordnet haben, und zwar jemand, der den Zweck gehabt hat, diese Tyiere so und nicht anders werden zu lassen. Wer das ist, das sagt uns freilich die moderne Naturwissenschast nicht, sondern das gerade sage» uns die Schöpfungsberichte der heiligen Schrift." Zllso wo die Naturwissenschaft nicht hinreicht, da hat die Bibel mit ihren naiven patriarchalischen Gott- Vorstellungen einzutreten! Weshalb aber gerade die biblischen und nicht vielleicht irgend welche anderen Vorstellungen? Hier versagt bereits die Vc- rufniig ans das vernünftige Nachdenken; die Berufung auf die „geoffenbarte" Wahrheil muß an stelle der Vernunft treten. Es ist indessen klar, daß die e v o l u t i o n i st i s ch e Weltanstcht doch nicht nur das Reich der Natur, sondern ebenso das der mensch- tische n Gesellschaft, also auch das gesellschaftliche Vor- stellungsleben, mithin auch die religiöse Gedankenwelt um- spannen will. Wie wäre es ihr ohne intellektuellen Selbstmord möglich, vor dieser Schwelle etwa Halt zu mache» und was dahinterliegt als ein jenseitiges geheiligtes Reich der„Wunder" und„Offenbarungen" gläubig anzustauuen? Selbstverständlich kann ihr also auch die Bibel, ebenso wie die „heiligen" Schriften anderer Völker und Zeilen nur als der natürlich, psychologisch und sozial bedingte Gedankenuiederschlag einer bestimmte» gesellschaftlichen Entwickelungsstufe gelten. Wer aber die Bibel nicht in dieser unbesangenen Weise betrachte» mag, sondern, aus dem Strom des gesellschaftlichen Lebens sie heraushebend, in ihr die gottbezengte lautere Wahrheilsquelle. die„Offenbarung" sieht, der sollte auch offen erklären, daß er mit diesem Glauben, ohne den seine Gotlesvorstellungen ihre ganze geschichtlich« Bestimmlheit ver- lieren, sich in prinzipiellen Widerspruch mit der ganze» evo- lutiouistischen Wellansicht setzt. Hier ist der Punkt, wo die natür- liche, keine bindende Autorität anerkennende Entwickelungslehre und die Fundamente dcs Christenglaubens, die beiden Momente, welche Herr Riehm unter Berufung auf die Grenzen des Naturwissenschaft- liche» Eikennens oberflächlich versöhnen möchte, u n- versöhnlich auseinanderklaffen. Es kann kein Zweifel sein, daß mit steigender Bildung und wissenschaftlicher Aufkläruua die Grundgedanken der Entwickelungslehre in immer breiteren Massen logisch zwingende Gewalt erhalte» und den widerstreitenden christ- lichen Offenbarungsglanbe», der von den Evangelisch- Sozialen der Sozialdemokratie entgegengehalten wird, in steigendem Maße ver- drängen werden. Ob damit freilich die Grundlagen allen religiösen Empfindnngs- und Gedankeulebeus. nicht nur die des auf biblische Autorität gestützten Glaubens völlig untergraben werden, ist eine andere Frage. Hier haben wir es nur mit dem biblisch-geoffenbarten Gott ber Evangelisch- Sozialen zu thun, dem Gott, von welchem Herr Riehm den geknechteten Arbeilermassen zu erzählen wagt, daß er „auch deine und meine Wünsche und Gebete vorhergesehen und vorher berücksichtigt und alles so eingerichtet hat, wie es für dich und mich gut ist"! So wenig wie der evangelische Jesus, so wenig fügt sich, das ist klar, dieser biblische Gott in das moderne Bewußtsein und die sozialen Tageskämpfe ein. Im übrigen tritt, wie bereits gesagt, der spezifisch christliche Staudpunkt in den Schriften der Göttiuger Arbeiterbibliothek sehr zurück. Der Inhalt ist recht manuigfaltig. Als„sozial" im engeren Sinne des Wortes sind die Broschüren von Ruprecht: „Gesunde Wohnungen", von Lehmann:„Bodenwucher und Bau- spekulation"(ganz instruktive Ausführungen, die aber in völlig un- klare positive Vorschläge ausmünden), von Schulze-Gävernitz: „Die Genossenschasts- Bewegung der englischen Arbeiter", und vo» Traub:„Arbeitszeit-Verkürznug undAchistundentag" hervorzuheben. Traub stellt die Argumente für die Nothwendigkeit einer Arbeitszeit-Verkürzung übersichtlich zusammen uud schließt mit der Forderung eines nach den verschiedenen Gewerbsarten abgestuften Normalarveitstages: Reine Berussarbeit soll über 10 Stunden dauern, keine schwere Berussarbeit(„und dies werden die meisten industriellen Arbeilen sein") über 3 Stunden, besonders schwere und uumittelbar gesundheitsgefährliche nicht über 6 Stunden. Die beiden historischen Broschüren von Wenk:„Von der HauSwirthschaft zur Wellwirthschaft" uud von Hans Delbrück:„Die Sozialdemokratie in der großen sranzösischeu Revolution" laufen nach einer interessanten und lehrreichen Darstellung gleich der Lehmann'schen Schrift, in sehr verschwommene Schlußivendungen ans. Ganz unklar bleibt z. B., was Wenk von der Weltwirthschaft, die er sich als eine erst kommende(!) Stufe des wirthschafilichen Lebens vorstellt, für die von ihm verlangte„gerechte Gütervertheilung" erwartet. Und Del- brück, der den Unterschied zwischen den Jakobinern und der modernen Sozialdemokratie klar hervorgehoben, kann sich zum Schlüsse nicht versagen, der durchaus realpolitisch gesinnten Sozialdemokratie die Robespierre'sche Schwärmerei. welche„auf einen tugendhafteren Menschen rechnet, als er in Wirklichkeit existirt", zu unterschieben. Daraus folgt dann noch eine Apotheose des„sozialen Königlhrnus" und der deutschen Sozialpolitik! Frei von aller Verschwommenheit, dabei aber auch ohne jeden Funken„ e v a n g e l i s ch- s o z i a l e n" A e i st e s, sind die beiden Doppelhefte, in denen der Freibnrger Professor Max Weber die Börse, ihre Organisation, ihren Zweck und dle Formen des Börsenverkehrs behandelt. Diese Arbeit füllt eine große Lücke auch in der sozialdemokratischen ökonomischen Äufklärungeliteratur aus. Trotz oder vielmehr wegen des überall konsequent festgehaltenen kapitalistisch-nalionale» Standpunktes können wir die Weberffche Arbeit allen Genossen, welche sich über die Börse, dieses jetzt wieder besonders lebhaft gescholtene enkaut tsmblo der kapitalistischen Volkswirthschaft, unterrichten wollen, aufs wärmste empfehlen. Weber, der das von der Börsenenquete-Kommission zu tage geförderte Material an anderer Stelle verarbeitet hat. beherrscht seinen Stoff vollkommen, die Darstellung ist ebenso gedrängt wie lichtvoll, nur entbehrt sie leider, was die Uebersicht erschwert, der Zertheilung in einzelne Abschnitte und Kapitel. Besonders gelungen vom kapitalistisch- nationalen Standpunkte aus ist die Beleuchtung des Tcrmiuhandels, seiner inneren Gründe und der mit ihm verflochtenen Interessen. Der Verfasser spielt in bewußter Weise das„nationale" gegen das christ« lich-ethische Interesse aus.„Eine starke Börse, so schließt er seine Ausführungen, kann eben kein Klub für„ethische Kultur" sei», uud die Kapitalien der großen Banken sind so wenig „Wohlfahrtseinrichtungen" wie Flinten uud Kanonen es sind. Für eine Volkswirthschastspolilik, welche diesseitige Ziele erstrebt, können sie nur eins sein: Machtmittel im ökonomischen Kampfe. Sie... hat die P f l i ch t, in letzter Linie darüber zu wachen, daß fanatische Interessenten oder weltfremde Apostel des ökonomische» Friedens nicht die eigene Nation entwaffnen." Dieser kapitalistisch- nationale Standpunkt der Bärsenvertheidi- guug stimmt mit den kolonialpolitisch-militaristischen Proklamationen der„Erfurter Grundlinien" ganz ausgezeichnet zusammen. Wie er sich aber mit dem evangelischen Christenthume, das nach eben der- selben Erfurter Erklärung„im Mittelpunkt des geistigen und sitt- lichen Lebens unseres Volkes steht", verträgt, wird wohl für alle Zeilen ein Geheimniß Nanmanu's und seines„national-sozialen Vereins" bleiben. Indessen scheint doch die reale Eulwickeluitg den neuen„Verein" in ganz gesunde Bahnen zu drängen. Wie das christliche Interesse durch das nationale, so scheint auch dieses niehr und mehr durch das soziale Interesse, als oberste Instanz, in den Hinter- grund geschoben zu werde». Christenthum und Natio- nalismus sind immer willkommene Unterscheidungsmittel gegenüber der bürgerlich unrefpektnblen Sozialdemokratie, aber es sind zugleich traditionelle Feldzeichen, welche die Naumann'sch« Richtung mlt anderen bürgerlichen Parteien gemein hat. Bedeutung kann ihr nur zukommen durch das, wodurch sie sich vom Viirgerlhnm scharf zu unterscheiden vermag, also durch ein energisches Eintreten sür die Klasseninteresseu dcs Proletariats. So kann die neue Gruppe, wenn auch innerhalb«nggesteckter Grenzen, fruchtbare Propaganda treibe». „Die Zeit", das Organ des„national-sozialen Vereins", zeigt deutlich diesen vernünftigen Entwickelungsgang. Der publizistisch« Tageskampf sür die gewerkschaftlichen und politischen Interessen der Arbeiterklasse, nicht aber christliche oder nationale Bestrebungen sind es, die mehr und mehr ausschließlich ihr den Stempel aufdrücken. Der Traum des„sozialen Königthums", und was von falschen Sentimentalitäten darum und daran hängt, scheitert an dem harten Gefüge der Wirklichkeit. » �» Eine der Vorfrage», welche die Christlich-Sozialen aller Schatlirungen sich hätten vorlege» müssen, ist die Frage, welche Rolle denn Ethik und Religion den„Idealen der Sozial- Politik" gegenüber spielen, ob die christlich-cthische Annahme, daß solche Ideale aus ethisch-religiäsen Allgemein-Vorslellungen recht- mäßig hergeleitet und begründet werden können, prinzipiell zutrifft? S o m b a r t behandelt dies Problem sehr interessant in dem Januar- Heft des„Archivs sür soziale Gesetzgebung und Praxis". Mit Recht bezeichnet er als einen reaktionären Grundzug aller „ethischen" und der meisten christlichen Oekonomie„die instinktive Angst vor großkapitalistischer Entwickelung und die jVorlicbe für alle kleinwirthschastlichen Formen: kleine Bauern, kleine Handwerker, kleine Hausindustrielle u. s. w.," da ja eben die überlieferte Ethik auf den, ökononlischcn Boden solcher primitiven Betriebsformen sich entwickelt hat. Dies« instinktive Angst, die doch am wirklich ökonomischen Verlaus nichts wesentliches ändern kann, entbehrt natürlich jedes klaren sozialpolitischen Prin- zips, ist auf„ Obstruktion" gerichtet, und hat als ethische Wirthschaflspolitik„die eingeborene Tendenz zur Zer- fahrenheit, zur Planlosigkeit, zur Kasuistik, zur Augenblickspolitik, zum Eklecticismus". Sombart vertritt solcher Politik der ethischen Reminiscenze» gegenüber eine einheitliche Sozialpolitik, die ihre Ideale aus ihrem eigenen Gegenstande, dem wirklichen sozialen Leben mit seinen Bedürfnisse», entnimmt. Eine solche Sozialpolitik muß dann aber bei der Gegensätzlichkeit der Klassen- interessen niiabweislich„Klassenpolitik" sein. Es frage sich dann weiter, welche soziale Klasse, welches Wirlh- schaftssystem soll von der wohl verstandenen Sozialpolitik begünstigt werden? Er antwortet: Diejenige soziale Klasse, welche de» ökonomischen Fortschritt und damit die Ent- wickeluug der„Produktivität", deren höchstmögliche Steigerung das immanente Ideal jeder zielbewußten Sozialpolitik sein muß, re> präsentirt. Die Abweisung der sich„ethisch" oder auch„christ- lich" nennenden ökonomischen Kurpfuscherei und die Fixirung der Sozialpolitik als Klassenpolitik entspricht durchaus dem sozialistischen Gedankenkreise. Indessen scheint uns ein Pro- duktivitäls-Jdeal, das gewissermaßen als selbständiges, von den !ilasse»i»teressen losgelöstes Ziel der Sozialpolitik vorschwebt, eine Fiktion zu sein. Kapitalistenthuni und Arbeiterschaft, beide sind heute z. B. für rasche Entwickelung der produktiven Kräfte, verlangen aber selbstverständlich je nach ihrem Klassencharakter eine ganz verschiedene Sozialpolitik. Wie sollte sich nun eine selb- ständige Sozialpolitik, der das Produktiviläts-Jdeal als höchstes Ziel vorschwebt, in diesem Dilemma anders als eben wieder nach den Klasseninteressen, denen sie zuneigt, entscheiden? Die Produktivität an sich ist doch gar kein selbständiges Ziel, ihre Bedeutung kann daher immer nur gemessen werden als Mittel sür die Lebenssteigcrung und die wirthschastlichen Lebensziele gewiffer Klassen, so daß das Produktivitäts-Jntcresse in das Klassen- Interesse ausinündet und dieses wie die erste so die letzte Instanz sür alle Ideale der Sozialpolitik bleibt. Eine Berselbständigung des Produktivitäts-Jdeals erscheint uns ebenso unmöglich, wie etwa die Naumann- Göhre'sche Berselbständigung des nationalen Macht-Jdeals gegenüber den Klasseninteressen der in der Nation vereinigten Gesellschaftsglieder. 0. S- Bis IQ Uhr abends getfffhet! Meinen Frennden, Gönnern nnd den? geschätzten Pttblikn?« des Oste??s die ergebene Mittheilnng, daß ich ,, n ii mctu I. Kaufhaus___■■.. � heute Sonuabend Grüner weg erOllUB Jacques Raphael! (Ecke Andreasplatz) Fabrik«»d I. KaashaaS Un der Z. Kaufhaus Berlin, spandauer"Brücke 2. Potsdamerstr.!08a, Stegu™SSe. Heute Sonnabends Eröffnung des III. Kaufhauses, Grüner Weg 31, Ecke Andreasplatz, Wguber kl Verkälts von Cigarre??, Schlthtvaare??, Herren-«ttd Knabelt-Garderoben?t»td Hnte»?. Nuf ineine ain Sonntag erscheinende ausführliche grosse Offerte weise de» freundliche» Leser hin. Wochentags bis 10 Uhr abends und Sonntags von 8— 10 und 12—2 Uhr geöffnet. Bis 10 Uhr abends seöffnet I MhvAkrv. Sonnabend, 30. I a N n a r. Opernhaus. Die Afrikanerin. Schauspielhaus. Doktor KlanZ. Deutsches. Die versunkene Glocke. Berliner. Faust. Nachm. Uhr: Aschenbrödel. Lessiug. Les Demi-Vierges. Weste». Unsere Frauen. NcneS. Marcclle. Residenz. Die Fraucnjäger. 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Mannstädt und I. Freund. Musik von Julius Einüdöhofer. Anfang y28 Uhr. Morgen und die folgenden Tage: Ein« toll««aeht."TBfc,: Thalia-Theater. (vormals Adolph Gruft-Theater). „Frau Lieutenant." Vandeville in drei Slkten von Paul Ferrier und Slntony Mars. Deutsch von Hermann Hirschel. Musik von G. Serpetle nnd B. Roger. Morgen nnd folgende Tage:„Frau Lieutenant." Sonntag, nachm. 3 Uhr: Trilby. zriedrich Wilhelmjt. Thtater. Der Lockvogel. Volksstück til 5 Slkten v. Mar Kretzer. Sonntag, nachmittags 4 Uhr: Die Waise von Lowood. Schauspiel in 3 Akten und 1 Vorspiel nach dem gleichnamigen Roman von Charlotte Birch-Pfeifser. Abends 8 Uhr: Dorf nnd Stadt. Billets sind ohne Vorbestellgebühr schon 3 Tage vorher an der Theater- lasse zn haben; außerdem im In- validendauk, Unter den Linden 24, bei Paul Romeick, Lcipzigerstraße v, und Julius Lengenfeld, Markgrafenftr. 50. Alexanderplaii-Tlieilter. Zum 1. Male: Eine Pikante Ehe. Posse mit Gesang in 4 Akten von Eugen Prudens. Sonntag, nachm. 4 Uhr, zum ersten Male: Aschenbrödel. Zauber- Märchen nitt Gesailg und Tanz in 0 Bildern von Bolten-Bäckers. Sonntag Abend und die fol- genden Tage: Eine pikante Ehe. Poffe mit Gesang in 4 Slkten von Eugen Prudens.— Bons, auch die zu anderen Stücken ausgegeben sind, behalten ihre Giltigkeit. Billets, ohne Vorbestcllgebllhr, sind schon 3 Tage vorher an der Theaterkaffe zu haben. Fee??- Palast, s.*Ä Direktion Winkler& FrOhel. Kar noch bis Sonntag das riesenhafte Januar-Programm «onntag letztes Austreten des ge- sammten so erfolgreichen Künstler-Personals. Anfang 71/2 Uhr, Sonntags 6 Uhr. Entree 30 Pf. Reservat 50 Pf. Km 1. Februar durchweg neue SpeMMiiten. II r o 11 i a Tauben- Strasse U 1 allld, Ko. 48-4». Naturkundliche AnSstellniig täglich geösftiet von 10 Uhr vorm. ab. Eintritt 00 Pf. Wissenschaftl. Theater abends 8 Uhr. SteriimorM??.?S.S Hof. Täglich von 71/2 Uhr abends ab 00 Pf. Im Theater- Saale täglich 8 Uhr abends Vorträge, mit Erpen- menten n. gr. 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(Jubiläums-Saison 1896/97.) Sonnabend, 30. Januar 1897: abends 7'/2 Uhr: Pmde-CM-MstMlllg. A u f f ü h r u n g der Novität! Durchschlagender Erfolg! Aus der Mappe eines Rieseilgebirgs-Phlliltasttii. Eine romantisch- phantastische Handlung. Bon Direktor Frau» llenz: und dem groschcrzvglicki hessi- schen Hofballetuteister Vng. Siems. Komische Szenen! Gebirgscpi- sode»! Hochinteressant. Schlitten- Korso auf die steile» Anhöhe»! Staunenerregende Auffahrt eines dahiujagenden Vlererzugcs, der mit Blitzesschnelle de» über vierzig Fns« Hohen Berg erreicht. (Erregt jedesmal die g r ö ß t e S e n- s a t i 0 n!) Höchster Triumph der heutigen Eircusknnst!'Naturgetreue Hörnerschlittenfahrt im Riefen- gebirge. Im Reiche des Geistes- fürsten. Zauberisches Ballet. Sonntag, den 31. 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