.94. Mittwoch, den 33. April 1890. V. Jahrg. nV tzen b«? ■tU Hrgan für die Interessen der Arbeiter. tili', f. Das„Berliner Volksblatt" .chcint täglich Morgens auszer nach Sonn- und Festtagen. AbonnementSpmS für Berlin frei 's Haus vierteljährlich 3,30 Mark, monatlich 1,10 Mark, wöchentlich 28 Pf. Einzelne Nunnncr 5 Pf. ,.,IBNntagS- Nummer mit dem„Sonntags-Blatl" 10 Pf. Postabonnement 3,30 Mark pro Ouarial. �(Eingetragen in der PostzcitungSpreisliste für 1890 unter Nr. 892, V. Nachtrag.) Kreuzband, täglich durch die Expedition, für Deutschland und Oestcrreich-Ilngarn 3 Mark, für das übrige Ausland 3 Mark pro Monat. mg uter und Festtagen bis 10 Uhr Vormittags geöffnet. Lernfprechrr: Amt VI. Ur. 41Ö6., Sonn- m ßÄ' Nedslütion: VeukkMvÄtze Ä.— Expedition: Vettkhfteoße 3. Srhlergliilzkev«wf ic MirlilÄtrilrrik des a Gro�knpitnls. 9 Die Produktivität der Arbeit wächst beständig, die e Getriebe dehnen sich mehr und mehr aus, die arbeits- * arende Maschinerie degradirt die Arbeiter zu Handlangern, sikt die Löhne, reiht Weiber und Kinder in die Fabrik- »onnen ein und ermöglicht wohlfeiler und immer wohl- -so ililer zu schaffen. So sehr aber auch die Kunstfertigkeit in der stionellstenAusni'chung des variabeln Kapitals sichentwickelt, 11. Mn die Festlegung allzugroßer Massen konstanten Kapitals er ßf'i verhüten, so beschleunigt nichtsdestoweniger der Groß- �trieb die Auflösung der mittleren und kleineren Unter- ber �Ijmungen. Hier einige Beispiele! In Deutschland gab i durchschnittlich jährlich1): Steinkohlen- Mittl. Belegschaft Produktion in _____ ♦. 1871/76 1887 werke 623 431 Roheisen Hütten 218 104 1000 Tonnen 172 074 34 485,4 217 867 60 334,0 Mittl. Belegschaft Produktion in Köpfe 1000 Tonnen 24 906 1945,7 21 432 4024,0 8tr� 1871/75 _ 1887 Im deutschen Brausteuergebiet�) gab es: hflnrnt«- Menge der Menge des Betriebe venvenv. Braust, gewann. Biers gewerbliche iu 1000 bl in 1000 hl 1872 14 167 10 478 410 244 18 102,2 am## 1887/88 0 639 8600 064 721 27 475,8 Noch schlagender zeigt sich die rapide Vernichtung »er lebensschwachen Kleinbetriebe in den Zahlen der vteuerstatistik. Von den im Betrieb gewesenen Brauereien >aben an Brausteuer entrichtet: I_. über über über über über über über l tili I bis 15 60 300 600 1500 6000 15000 tw 15 M. bis bis bis bis bis bis M. 60 M. 300 M. 600 M. 1500 M. 6000 M. 16000 M. 1872: i 3110 1971 3642 1701 1896 1441 271 125 1887/88; i 1317 830 2018 1298 1734 1700 451 291 HUW' Man erkennt hieraus, welche Verheerungen die freie ��Monkurrenz, hier die Ueberlegenheit der über bedeutende ?�»Nittel und alle Vortheile der hochentwickelten Zymorechnik '�gebietenden Großbrauereien, auf dem Gebiete der Zwerg- AMud Mittelbetriebe anzurichten vermocht hat. Ein kundiger �DMachmann, B. Müller, kgl. Rechnungsführer in Weihen- fephan, spricht es kurz und unverhohlen aus:«Nicht nur ts H« »L m die Zunahme der Biererzeugung, sondern ein nicht uner- heblicher Theil der Produktion der Kleinbrauereien über- Haupt ist auf die Mittel- und Kleinbrauereien überge- gangen... Die Dezimirung der Kleinbrauereien wird nach den seither von fachmännischen Seiten abgegebenen Erklärungen durch den unvollkommenen Betrieb und die nicht genügenden Betriebskapitalien befördert... Die Zunahme der Bierproduktion kommt nahezu ausschließlich den größeren Brauereien zu Gute.1)" Werfen wir einen Blick auf die Zustände in der deutschen RhedereK Der Bestand der deutschen Kauf- fahrteiflotten an registrirten Fahrzeugen mit einem Brutto- raumgehalt von mehr als 50 Kubikmeter betrug am 1. Januar: 1884.,. 4315 Schiffe mit 1 269 477 Registertons netto 1885... 4257._ 1 294 288 1886... 4135„„ 1 282 449,, 1887... 4021,„ 1284 703_, 1888... 8811„, 1 240 182„„ 1889... 8635„„ 1 233 894„„ Unsere amtliche Quelle bemerkt hierzu:„Der Schiffs- zahl nach hat der Bestand der deutschen Kauffahrteiflotte vom 1. Januar 1884 bis zum 1. Januar 1889 erheblich, um 15 pCt. abgenonnnen, und zwar geht aus der oben angegebenen Zahlenreihe ein von Jahr zu Jahr ununter- brachen sich fortsetzender Rückgang hervor. In den bei- den letzten Jahren hat sich auch der Gesamnitrauminhalt der im Bestände nachgewiesenen deutschen Kauffahrteischiffe vermindert. Aus dem Verhältniß der Schiffszahl zum Gesammtraumgehalt der Schiffe geht hervor, daß die ab« gängig gewordenen Schiffe in der Regel durch eine ge- ringere Zahl von größeren Fahrzeugen ersetzt worden sind. Das wird am besten an dem Durchschnittsraumgehalt der im Bestand gezählten Schiffe ersichtlich, welche für die Gesammtheit der Seeschiffe von 294 Registertons netto am 1. Januar 1884 auf 339 Registertons netto am 1. Januar 1890 gestiegen ist." Der Dampf verdrängt das Segel, die Schiffsbautechnik macht durch Verein- fachung bezw. Verbesserung der Takelung, durch sonstige inaschinelle Verbesserungen immer mehr gelernte Arbeits- kräfte überflüssig. Unter 100 Schiffen waren: Segelschiffe Dampfschiffe 1881... 86,0 14,0 1889... 79,4 20,6 Von 100 Registertons Netto-Raumgehalt der Schiffe kamen auf i) Statistisches über die Bierbrauerei und den Bierverkehr, im Brauer- und Mälzer-Kalender für Deutschland und Oesterreich. Jahrgang 1338— 1889, S. 1—3.__ %) Die deutsche Ceeschiffsahrt im Jahre 1888, in den Monatsheften zur Statistik des Deutsches Reiches. Jahrgang 1889, Novemberheft, S. 1 ff. [16 LseuMeton. _ �«achdruck verboten. I_ „Zum Gluck der Damen." Roman von Emile Zola. Autorisirte Uebersetznng von Armin Schwarz. a, i— Ziehen Sie den Gürtel nach vorne, rnkbcrhotu l. �«t�Radame Aurelie; so, jetzt haben Sie wenigstens Uin ÄVWvcker mehr! Und Ihre Haare! wie ist es nur möglich, f zusammenzupressen! Sie wären prachtvoll, wenn S »...w sch-.ch-»--m's >tNM)as aschblonde Haar fiel bis zu den Knöcheln herab»nv fzUMenn sie sich frisirte, genirte es sie dermaßen, daß 1,1' MUZWMZ 1-'.iil bogen stieß, indem sie that, als mußte sie gleichfalls vor [jll� Lachen ersticken. Allein Panline schien nicht zum Scherzen gestimmt. Sic betrachtete Denise eine Weile und erinnerte sich, was sie selbst in den ersten Tagen ihres Eintrittes in das Haus zu leiden hatte. — Ei was, sagte sie, nicht Jederniann hat eine solche Mähne! Und sie kehrte in die Wäschcabtheilung zurück, die An- deren verlegen zurücklassend. Denise, die Alles mitangchort hatte, sandte ihr einen dankbaren Blick nach, während Ma- dame Äurölie ihr ein Nerschleißheft, das auf ihren Namen ausgestellt war, übergab, indem sie sagte: — Morgen werden Sie sich besser kleiden und nun trachten Sie, sich mit den Gewohnheiten des Hauses vertraut zu machen und warten Sie, bis Sie im Verkauf an die Reihe kommen; es wird heute heiß hergehen und wir werden sehen, was Sie können. Die Abthcilung blieb indessen leer; es kamen in dieser frühen Morgenstunde nur wenige Kunden in die Konfektions- Abtheilung. Die Verkäuferinnen schonten sich bei der Arbeit, um sich für die Mühen des Nachmittags zu kräftigen. Denise, eingeschüchtert durch den Gedanken, daß alle übrigen ihr jetzt auflauern, wie das Debnt ausfallen werde, schnitzte ihren Bleistift, um sich eine Haltung zu geben. Dann schob sie ihn, den übrigen nachahmend, zwischen zwei Knöpfen des Leibchens in den Busen. Sie machte sich selber Muth, denn es galt, den Platz zu erobern. Man hatte ihr Tags vorher gesagt, daß sie nicht gegen fixe Bezüge eintreten, sondern nur Pcrzcnte und eine Provision nach jedem Verkauf haben werde. Sie hoffte dennoch ans 1200 Franks zu kommen, denn sie wußte, daß die guten Verkäuferinnen es auf 2000 Segelschiffe Dampfschiffe 1884... 70,5 29,5 1889... 59,3 40,7 Die Besatzung der Seeschiffe betrug 1884: 39 615, 1889; 36 258 Mann. Wir finden als durchschnittlichen Schiffs- durchschnittl. regelmäßige raumgehalt auf einen Besatzung auf einem Mann auf einem Segelschiff Dampfschiff Segelschiff Dampfschiff Register-Tons 1884.. 7,3 21,0 33,2 29,6 1889.. 6,8 22,2 87,4 80,1 Während die Arbeitsleistung der Seeleute gewachsen ist, läßt sich ein fast ununterbrochener Rückgang der Ar- beitslöhne feststellen. Es betrugen die durchschnittlichen Monats Heuer1) für 1883 1884 1885 1886 1887 1888 M. M. M. M. M. M. Vollmatrosen. 47,74 47,61 46,63 45,01 44,30 46,53 Schiffsjungen. 16,02 15,46 14,75 14,10 14,25 15,21 Den Schiffs Handwerkern, deren Thätigkeit durch die Maschinerie mehr und mehr eingeengt wird, werden von Jahr zu Jahr geringere Heuern. Sie er- halten im Durchschnitt monatlich�) 1884... 49,5 M. 1885... 47,4„ 1886... 46,0„ 1887... 43,1, 1888... 42,5„ Die rapide Entwickelung der Großindustrie vernichtet, wie in an sieht, die kleinen und mittleren Unternehmungen und sorgt zugleich für eine immer größere Menge von Rekruten der industriellen Reservearmee. Charakteristisch sind auch die Verhältnisse in den deutschen Steinkohlen-Bergwerken. Es betrug in einem Werk durchschnittlich die geförderte die Jahres-Durchschnitts- Kohlemnenge zLr, L, Arbeiter- leistmig eines Gruben- iu 1000 1 zahl arbeiterS in Tonnen 1878. 76,4 401,3 824,3 235,1 1887. 189,9 727,1 504,3 277,5 Danach hat in diesem Zeitraum zugenommen die Produkten- der Produktions- die Arbeiter- die Arbeits- menge um werth um zahl um leistung um pCt. pCt. pCt. pCt. 88,1 81,1 55,5 13,0 Wells führt aus dem 1886er Bericht des Fabrik- Inspektors der Vereinigten Staaten einige interessante Daten an.„In der Erzeugung landwirthschaftlicher Maschinen", wird dort gesagt,„verrichten jetzt in einem bestimmten Fall 600 Mann die Arbeit, die vor 15 bis iää ras s?-" � aa6"ia"ä Seit? 22 b' f' b'2, Öl" �rg. 1387, S. 33, Jahrg. 1389, bringen. Ihr Budget war geregelt: 100 Franks werden genügen, die Pension Pöpes zu bezahlen und auch Jean zu ernähren, der noch nichts bezahlt bekam; dabei würde ihr noch so viel übrig bleiben, daß sie selber leben und sich hier und oa ein Wäschestück oder ein Kleidungsstück lausen könnte. Allein, uni eine so große Sumnie zu erzielen, wird sie sich arbeitsam und stark erweisen niüssen, wird sich das uebelwollen, das sie umgab, nicht sehr zu Herzen nehmen dürfen, wird sich wehren müssen, uno wenn nöthig, den ihr zukommenden Theil sich auch mit Gewalt erobern. Und während sie sich mit solchen Kampfgedankcn beschäftigte, ging ein großer junger Mann durch die Abtheilimg und lächelte ihr zu; als sie Deloche erkannte, der ebenfalls gestern in der Spitzenabtheilung eingetreten war, erwiderte sie lächelnd seinen Gruß, ganz glücklich über diese Freundschast, die sich hier wieder fand, und in diesem Gruß eine glückliche Vor- bedeutimg erblickend. Um V*10 Uhr rief eine Glocke zur ersten Frühstücks- Tafel, dann ward die ziveite Tafel gerufen. Die Kunden kanten noch immer nicht. Madame Fröderic, die zweite Vor- steherin, die in ihrer ewig verdrossenen Wittwenstirnmung immer schwarz sah, versicherte, daß ver Tag verloren sei; es werden nicht vier Katzen erscheinen; man könne die Schränke schließen und nach Hause gehen. Diese Weissagung ver- düsterte das glatte Gesicht Margueritens, die sehr gewinn- süchtig war, während Klara schon an eine Landpartie dachte, falls das Hans sallit würde. Was Madame Aurelie betrifft, ging sie stumm niid ernst in der leeren Abtheilung umher, wie cm General, den bei Sieg und Niederlage gleichmäßig die Verantwortung trifft. Gegen eilf Uhr erschienen einige Damen. Denise kam 20 Jahren 2145 erfordert haben würde; 1545 wurden freigesetzt... Ganz wunderbare Erscheinungen weist in dieser Beziehung die Fabrikation von Schuhen und Stieftln auf. Die Besitzer einer großen und langbestehenden Fabrik bezeugen, daß 500 Personen nothwendig wären, um ebenso viel Frauenschuhe mit der Hand zu machen, als 100 Ar- beiter mit der Maschine herstellen. Das ist eine Frei- setzung von 80 pCt." Diese aus den Verlustlisten des industriellen Krieges geschöpften Ziffern entbehren nicht einer gemissen ein- dringlichen Beredtsanikeit. Man könnte ganze Bände da- mit füllen, wollte man auch nur eine einigermaßen um- fassende Sammlung der urkundlichen Beweise für den Sieg des Großbetriebs auf allen Gebieten des wirthschaft- lichen Lebens liefern. Die Nothwendigkeit, durch eine tiefgehende Fabrik- gesetzgebung und durch andere soziale Reformen die breiten Masten vor der Minirarbeit des Großkapitals zu sichern, offenbart sich deutlich, wenn man die mitgetheilten Daten sich vor Augen hält. Es ist an der Zeit, daß statt der Züchtung von Millionären, die staatliche Fürsorge sich denen zuwende, welche die Millionen schaffen, den ar- beitenden Klassen. Ohne Arbeiterschutz im weitesten Sinne treibt unsere Gesellschaft dem Chaos entgegen. PoimjVfrc Ueberstchk. Gin Ztachtragsetat ist im Abgeordneten Hause einge- gangen, über dessen wichtigsten Bestandtheil, die B e s o l- dungsverbessernng für die untereil und eine Anzahl mittlerer Beamten, eine beigefügte Denkschrift Auskunft giebt. In derselben heißt es: „Bei den Vorschlägen wegen der Gewährung von Dienst- einkomweus- Verden erungen aus dem Betrage von 13 Millionen Mark ist davon ausgegangen, daß es sich gegenwärtig nur darum handeln kann, innerhalb der durch den Betrag der verfügbaren Mittel gezogenen Grenzen Einkoinmens- Verbesserungen für diejenigen Beaintenklatzen, bei welchen dazu ein besonders dringendes Bedürsniß obivaltet, insoweit eintreten zu lassen, als zur Ab- Hilfe dieses dringenden Bedürfnisses erforderlich tst. Die danach für jetzt zu berücksichtigenden Beamteuklassen sind insbesondere nahezu sämmtlicheKlassen der unteren Beamten, sowie einzelne Klassen von mittleren Beamten und die Volksschullehrer."— Es wird dann weiter ausgeführt, daß sich eine gleichmäßige prozentuale Er- höhung nicht empfiehlt, sondern daß es„in hohem Grade wunschenswerth erscheint, m Verbindung mit der Erhöhung der Gehälter zugleich auch eine allgemeine anderweite Regelung derselben zu dem Zwecke vorzunehmen, um die gegenwärtig bc- stehenden zahlreichen Verschiedenheiten in den Besoldungssätzen, soweit diese Verschiedenheiten, wie vielfach der Fall, der inne- ren Berechtigung entbehren, zu beseitigen und für den gesamm- ten Bereich der Staatsverwaltung alle unteren Beamten in bestimmte Besoldungsklassen nach dem Grundsatze ein- zureihen, daß überalt für gleichwerthige Stellung und Obliegenheiten auch gleiche Besoldung gewährt wird."— Die für die Gehälter der unteren Beamten in Aussicht genom- menen Klassen sind folgende: Stufe I. 1600—2000, durchschnittlich 1800 M. II. 1500— 1800,■ Hl. 1200-1800,- IV. 1200—1600, V. 1100—1600, VI. 1000—1500, VII. 900—1500, VIII. 800—1200, IX. 700— 900, X. 400— 800, I Diese Neueintheiluug im Einkommen 1650 1500 1400 1300 1250 1200 1000 600 600 der verschiedenen Beamtenkategorien erfordert eine Mehrausgabe von 10 611 000 Mark, das heißt rund 13 pCt. der bisherigen gesammten Be solduugen der unteren Beamten. Die Denkschrift fährt hierauf fort: der Erhöhung der Gehälter „Neben der Erhöhung der Gehälter für etatsinäßige Bc- amte erscheint auch eine Verbesserung der Einkommensverhält- niste der diätarisch beschäftigten Beamten des unteren und des Bureaudienstes, sowie der bei einzelnen Ver- ivaltnngen, namentlich der Gestütverwaltung, im Lohnver- hält nisse stehenden Bedienfieten erforderlich und bedarf es hierzu für die meisten VerwaltuugZzweige der Bereitstellung erhöhter Mittel. Auch in dieser Beziehung kann aber zur Zeit an die Reihe, zu verkaufen; es wurde eben eine Kundin ange- meldet. — Es ist die Dicke auS der Provinz, Sie wissen ja, flüsterte Margnerite. Es war eine Frau von 45 Jahren, die von Zeit zu Zeit aus ihrem entfernten Departement nach Paris kam. Zu Hause legte sie Monate lang ihre Ersparnisse bei Seite und wenn sie dann nach Paris kam, so galt ihr erster Weg dem Hause„Zum Glück der Damen", wo sie alles bis auf den letzten Pfennig ausgab. Selten machte sie eine briefliche Bestellung, denn sie wollte sehen, was sie kauft, sie wollte die Freude genießen, die Waare zu befühlen und kaufte hier sogar ihre Radeln, welche, wie sie behauptete, in ihrer kleinen Heimathstadt nicht zu bezahlen wären. Das ganze Magazin kannte sie, man wußte, daß sie Boutarel heiße und in Aldi wohne; um das Uebrige kümmerte sich niemand. Wfl_ — Sie besiuden sich hoffentlich wohl, Madame? sagte Madame Aurelie, ihr höflich entgegengehend. Was steht zu Diensten? befehlen Sie; wir stehen zu Ihrer Zersügung. Dann wandte sie sich um und rief: — Mein Fräulein! Denise näherte sich, allein Klara war ihr vorausgeeilt. Gewöhnlich war sie ziemlich träge beim Verkauf; sie machte sich nicht viel aus dem Gelbe; sie verdiente außerhalb des Hauses weit mehr und ohne zede Mühe... Allein der Gedanke, der Neuangekommenen eine Kundin wegzukapern, spornte sie an..... — Pardon, ich bin an der Tour, sagte Demse empört. Madame Aiirelie sandte ihr einen strengen Blick zu. — Es giebt da keine Tour, ich allein habe hier zu be- fehlen.... Bekannte Kundschaften können Sie noch nicht bedienen; warten Sie, bis Sie sich im Hause besser aus- Denise wandte sich ab und da ihr die Thränen in die Augen traten, kehrte sie den Rücken und that, als würde sie auf die Straße hinunterschauen. Wie, sollte man sie am Verkauf hindern wollen? Sollten sich Alle verständigt haben, um ihr die ernsten Verkäufe wegzuschnappen/ Die bange Sorge um die Zukunft erfaßte sie; sie fublte stch nur dem dringendsten Bedürfnisse Rechnung getragen werden und es ist daher im Allgemeinen nur eine Verstärkung der Fonds zur Remuneriruug von Diätarien im Unterbeamten- dienste beziehungsweise zur Löhnung derartiger Bediensteter, um etwa 10 pCt., derjenigen zur Remuneriruug von Diätarien im Büreaudienste um etwa 5 pCt. in Aussicht genommen. Der gesainnite Mehrbedarf für alle in Betracht kommenden Kategorien berechnet sich, wie An- läge 4 ergiebt, auf 1325 000 M. Es wird sodann beabsichtigt, das Diensteinkommen der Lehrer und Lehrerinnen an Bolküschulen durch weitere Ausgestaltung des bestehenden Systems der staatlicherseits gemährten Dienstalterszulagen zu verbessern, und zwar in der Weise, daß statt der gegenwärtigen Regelung, wonach Dienstalterszulagen nach einer Dienstzeit von beziehungsweise 10, 20 und 30 Jahren in Beträgen von jährlich 100, 200 und 300 M. an Lehrer, sowie von 70, 140 und 210 M. an Lehrerinnen gewährt werden, eine anderwcite Regelung dahin erfolgen soll, daß die Alters- zulagen nach einer Dienstzeit von beziehungsweise 10, 15, 20, 25 und 30 Tienstjahren in Beträgen von jährlich 100, 200, 300, 400 und 500 M. an Lehrer, sowie von 70, 140, 210, 280 und 850 M. an Lehrerinnen gewährt werden. Ter dadurch erwachsend« Mehrbedarf ist aus rund 8 000 000 M. zu veranschlagen. Tie Erhöhung der Gehälter der unteren Beamten war schon seit lange eine unabweisbare Nothwendigkeit. Man mußte den Leuten, denen das Reich durch die Zölle auf die nothwendigen Lebensmittel soviel aus den Tauchen nimmt, wenigstens etwas davon wiedergeben. Immerhin bleibt die Gehaltserhöhung weit hinter berechtigten Ansprüchen zurück. Die Hälfte der Kategorien der unteren Beamten bezieht Ge- hälter, die zum bescheidensten Leben nicht ausreichen. An demselben Uebel leiden die Volksschullehrer. Wir haben kürzlich in einer Artikelserie darauf aufmerksam gemacht, wie ungenügend gerade fiir die Volksschullehrer gesorgt wird. Die Dienstalterszulagen allein werden diese Klagen nicht ver- stummen machen. Gewünscht hätten wir mich, daß den in Staatsbetrieben beschäftigten Lohnarbeitern eine durchgehende Lohnerhöhung zu Theil geworden wäre. Die besondere Be- rückstchtignng der Arbeiter der Gestiitverwaltungen erscheint unverständlich. Zur Feier de« 1. Mai. In einem Artikel des„Cri du Travaiilenr" von Lille erklärt Jules Guesde ausdrückli gewissen opportunistischen Ordnunasphilistern geaenüber,' der Pariser Kongreß nicht beschloffen habe, die ManifeftcNion des 1. Mai solle in einer Arbeitsruhe bestehen, sogmu daß die Art der Feier den Arbeitern der verschiedenenMnder reigestellt worden sei. Von Deutschland sagt er: In welcher Form auch unsere deutschen Brüder zum Rendezvous des 1. Mai kommen werden, sie werden kommen und auf dem Posten sein. Das werden sie. Dismarck will sich in den Reichstag wählen lassen. Die „Hamb. Nachr." bringen einen offenbar vom Fürsten Bismarck inspirirten Artikel, in welchem es u. A. heißt:„Wir unserseits sind der Ansicht, daß Fürst Bismarck wohl nicht daran denkt, mit seiner Meinung zurückzuhalten, sobald es ihm nöthig und nützlich erscheint, dieselbe zu äußern. Dazu wird sich die nächste Gelegenheit im preußischen Herrenhause bieten und später ini Reichstage, für den der Fürst binnen gegebener Frist ein Mandat sicher annehmen dürfte." Die(Gtantv hev Sozialurforu», selbst der bescheidensten Sozialreform, sind nicht vloS in den Kreisen der Großindu- striellen zu finden, sie sitzen auch im Bundesrath. So wendet sich das Organ der sächsischen Regierung, die„Leipz. Ztg.", in einem Leitartikel in Anbetracht der mit immer größerer Be- stimmtheit auftretenden Gerüchte, daß man auch in Deutschland gewillt sei, das Verbot der Ki n d er arb eit in den Fabriken bis zur Entlassung aus der Volksschule auszudehnen, gegen jede weitere Einschränkung der Kinderbeschäftigung. Das klinge zwar, so sagt sie, wenig reformfreundlich, aber aus Gründen der internationalen Konkurrenz und nicht zuletzt im Interesse der Arbeitnehmer erscheine eine derartige Forderung als nothwendig. Die letzteren seien vielfach aus den kleinen Rebenverdienst ihrer Kinder mit angewiesen, und viele derselben seien auch froh, ihre Kinder selbst in den Fabriken beaufsichtigen zu können.— Diese nichtswürdige Heuchelei könnten doch als zu veraltet endlich einmal vnn diesen„Kindersrennden" bei Seite gelegt werden. Jedenfalls läßt das Vorgehen der„Leipz. Ztg." daraus schließen, daß die Vertreter der sächsischen Regierimg im Bundesrat h für eine weitere Einschränkung der Kinderarbeit nicht zu haben sein werden. Zur Uaturgefchichte der Sachsengiingerei schreibt man uns: Die Leser wissen wohl, was man unter„Sachsen- gängerei" versteht— es sind das die jährlichen Wände- rangen von Arbeitern ans den östlichen Provinzen Deutsch- lands, namentlich aus Schlesien, nach dem mittleren und Im Ge- die kalte ivie erdrückt unter so vielen feindlichen Interessen. fühle ihrer bitteren Verlassenheit, vie Siirne an Fensterscheibe gedrückt, blickte sie nach dem„Alten Elbens" hinüber und dachte, eS wäre besser, wenn sie ihren Onkel gebeten hätte, sie zu behalten; vielleicht ist auch er jetzt mehr geneigt dazii, denn sie fand ihn gestern sehr gerührt, als sie sich verabschiedete. Sie stand so allein inmitten dieses un- geheueren Hauses, wo niemand sie liebte; sie fand sich ver- letzt und verloren; Pepe und Jean lebten bei Fremden. Zwei schwere Thränen rannen langsam über ihre Wangen und durch dieselben sah sie die Straße» wie in einem Nebel verschwimmen. Inzwischen hörte sie hinter sich die Stimmen summen. — DaS ist mir zu enge, sagte Madame Boutarel. — Madame sind im Jrrthum, erwiderte Klara, die Schultern sind ja ganz bequem... Madame würden viel- leicht eine Pelisse einem Aiantel vorziehen? Jetzt fuhr Denise zusammen, eine Hand hatte sich auf ihren Arm gelegt und Madame Aurelie fragte sie im strengen Tone: — Nun denn, Sie thun jetzt nichts? Sie betrachten sich die Leute da draußen? O, so darf es nicht fortgehen! — Man verhindert mich ja, zu verkaufen. — Es giebt für Sie andere Arbeiten, fangen Sie beim Anfang an! Legen Sic zusammen! Um die wenigen Kunden zu bedienen, welche bisher gekommen waren, hatte man schon sämmtliche Schreine ausleeren müssen; auf den beiden langen Eichentischen rechts und links im Salon lagen ganze Haufen von Män- teln, Pelissen, Rundkrägen, Kleidern von allen Schnitten und Stoffen. Wortlos machte Denise sich daran, dieselben zu putzen, zusammenzulegen und sorgfältig wieder in die Schränke zu hängen. Dies war die untergeordnete Arbeit der An- fängerinnen. Sie protestirte nicht, da sie wußte, daß man unbedingten Gehorsam forderte; sie wartete nur darauf, daß die Vorsteherin sie auch zum Verkauf zulassen, verde, wie sie es anfangs zu beabsichtigen schien. Und so fuhr sie fort zu- sammeuzulegen, bis Mouret erschien; dies störte sie aus ihrer Resignation auf; sie errötdete, ohne zu wissen, weshalb; westlichen Deutschland; früher gingen diese W meist nur bis nach Sachsen— daher der Sachsengänger sind meistens Maurer, Erdarbeiten arbeiter. Sie gehen Anfangs April auf die kehren im Herbst zurück. Die Familien bleiben.Is und leben von dem' Geld, welches der Ernährer M daß dies ganz unnatürliche Zustände! leuchtet ein,...„— Ö„..0------------ t_ die Frage drängt sich auf, wie kommen Arbeiv Frau und Kind auf ein halbes Jahr jährlich zu s> und so lange auf die Annehmlichkeiten des FaMW zu verzichten? Die Antwort wird von den Leute»! wenn man sie fragt. Einige Sachsengänger, mit denen ich dieser« sprachen, schilderten ihr Leben„daheim"—'j schlesien— wie folgt: Wir sind ans unserem Dorfe ganz abhängig Gutsbesitzern. Sie bezahlen einen Tagelohn Eheschl gegen: wohner eine El Heirath in Frm s# c Schärf,' zum 3 tüchtige Lehre l lange barone die Ai werflich verkehr! Vogesei Aber, i schreibe dreißig Pfennigen, dazu die KoM kapital, berechnen sie auf 1 Mk. 60 Pf., sie ist aber nicht«u« den Be nicht den dritten Theil werth. Und wie kann via» eine Familie ernähren? T ie Gutsbesitzer sind ivüth� oder kr reich e wir m die Fremde gehen; sie ärgern sich, daß wirl- übrigei 30 Pf. bei ihnen arbeiten. Sie chikaniren un!' werden. Weise— insbesondere auch durch Hiumifsch� vogclfr< Steuern. j™ch' 01 Auf meine Einwendung, das beste Mittel, iw bauet, kanen zu entgehen, sei, ganz auszuwandern-, stin nei wo sie ihr Brot verdienten, auch ihren WoU zuschlagen— wurde mir erwidert, der dienst sei sehr prekär, und sie könnten nichchl rechnen, nächstes Jahr an demselben Ort ihr UwJ zu finden. Daß dies trostlose Zustände seien, 0»t- zu:„Aber was sollen wir thun? Leibeigene! Pfennig den Tag werden wir niemals wieder!" 1. Eine ähnliche Geschichte haben so ziemlich alle 1( *"SS-! gänger" zu erzählen. Und so sehr es das Selb eines an der Spitze der Zivilisation marschirende» volks>�rletzen mag,— die Thatsache steht fest, itoßR Theil der deutschen Reichsbürger noch ein N 0* en primitivster Art führt. Au» Frirdvichsruh erhält die„Freist Ztg." voN� issigen Korrespondenten,>vie sie sagt, nachstehende«? Mittheilungen über Aeußerungen des Fürsten Bisl»? Empfang der Deputation des Zentralverbandes der! Industriellen, welcher am vorigen Mittwoch stattfand. Ij Aeußerungen des Bedauerns seitens der Deputatio». daß Fürst Bismarck seinen Abschied genommen hab»- derselbe mit unverkennbarer Erregung, er habe seil»» erhalten und wäre sehr gern im Amt geblieben,» Kaiser es gewollt hätte. Fürst Bismarck nahm weit« anlassung, sich über die Undankbarkeit der Menschen i» Er halte sich zu den» Glauben berechtigt, daß ein M>» meint ist, wie die Hörer der Aeußerung vermuthe«. Bötticher.), der ihm sein ganzes Emporkommen zu ave, ri� Verbindung mit Hofbeamten gegen ihn 9' den Kaiser gegen ihn auszubringen gesucht h» dies zu verhindern, habe er die alte Kabinetsi 1852 heroorgesucht, welche den Verkehr der Minister mit der Krone unter die Kontrole des prüstdenten stellt. Der Kaiser habe ihm seine j mit dem Abg. Windthorst zum Vorivurf gemacht, eres als das Recht des Kaxzlers betrachten, mit jede, boten"— diesen Ausdruck gebrauchte Fürst Bismarl ständig zu verkehren. Jetzt glaube er allerdlugs, da! dieser Konferenz eine Falle gestellt worden sei. Wi, die Konserenz gewünscht, aber so unverschämte For macht, daß diese Forderungen gar nicht ernst gl konnten. In sachlicher Beziehung sei er in Meinung-l Di zu ein« Zustän! kann el burten nommei Jahre burtenz 1884 u e'h e l i die Vir immer heit mit dem Kaiser nur in Äetresi der Behandlung» seiner Ansicht müsse das jetzig sragen gerathen. Nach_______...... der Regierung zur Züchtung von Sozialdemokraten f, diese Aeußerungen �wurden in einem größeren Krel sonen gethan, welche nicht den Eindruck empfingen, a Bismarck eine diskrete Behandlung derselben voo der Verabschiedung äußerte Graf Herberl Bismarck in gegen d Der Ue letzteren 100 Ar bei den Diese£ Verfalll Di. ihrer ar ihrem ik reichend Hilfe ge eingerüo „ Da Lesung! und nal vatbahn vertagte aus den aung de Osten Da veröfsen und dies dimokra auch sol zusehen Stimmzl jener„h Nachsicht solches Meineid ver Austritt aus der Tretmühle des Amtes roiÜfo»ui»»J schuldig aber für seinen Vater dauere ihn dessen VeradschieW? stch in derselbe wäre sehr gern noch Kanzler geblieben. Frausöstsche». Nach den Mittheilungen des officiel" wurden in Frankreich während des I» eingetragen: 276 848 Eheschließungen, 4708 Ehest 882 639 Geburten und 837 867 Todesfälle. Ter der Geburten über die Sterbefälle beträgt Jahre 1887 hatte er noch 56 536 betragen. D»« sie fühlte sich wieder von jener seltsamen Angst eff sie glaubte, oaß er sie ansprechen werde. Allein, gar nicht, er erinnerte sich dieser kleinen Person mehr, die ihm einmal durch einen vorübergehenden Eindruck aufgefallen war. — Madame Aurölie! rief er in gebieterische». Er war bleich, die Augen aber waren hell»'] ihre Entschlossenheit behalten. Seine Tour duwj. theilungen machend, fand er diese völlig leer und Sven. eigensinnige» Zutrauen an sein Glück war plötzlich' lichkeit des Mißlingens aufgetaucht. Allerdings schlechte. und and Partei si -aller Ki könne ni „dieses A werth e vereinen tischen! Was bi. ruf aufu ganz em .. Aw des we stammen then, in stattfind. Stunder Infolge lichkeit des Aiisinngens aufgetaucht. Aiietdinö» j 11 Uhr, er wußte aus Erfahrung, daß die Meng» J Komik i mittags komme. Allein, gewisse Symptome dem kü ihn: bei den früheren 3lusverkäufen zeigte# U Eugen i Morgen eine gewisse Bewegung, auch fehlten heutt»i«aten, Kunden ans dem Stadtviertel, die als Nachbarin», zu kommen pflegten. Wie alle große Feldherren � kanntlicl Augenblick, da die Schlacht beginnen sollte, von s j mig ben gläubischen Schwäche erfaßt worden, trotz seine» z heitsrnäßigen Entschlossenheit eines Mannes° M statt, ii Tie Sache scheint nicht gehen zu wollen, er ist fammlu weiß gar nicht zu sagen, weshalb; aber er liest sff.ul Man iß gang selbst in den Gesichtern der Damen, die vor. w ein allg Jetzt entfernte sich eben Madame Boutarel, ff i f" die sonst immer kaufte,—| im' ifte, und sagte im Fortgehe» nj — Nein, Sie haben nichts, was mir gel» J ... Ich werde sehen, ich, verde mich ein anderes Iftouret blickte ihr nach, dann als Mad»»ff auf seinen Ruf herbeikam, führte er sie bei Sesff Beiden tauschten rasch einige Worte aus. Sie Geberde des Bedauerns, offenbar sagte sie iht» Verkauf nicht recht in Schwung kommen* standen einen Augenblick wortlos einander gebannt durch einen jener Zweifel, welchen ihren Soldaten zu verbergen pflegen. Endlich und muthvoll: — Wenn Sie noch mehr Leute brauchen,\ ein Mädchen aus dem Atelier, sie wird doch etiv»', können. tFortsetzunö bar Beckeng. stration 1. Mai die ein, Mehrer. klärten 4. Mai von der ar 'ersei mT lautet, meinen hältniss mägunx Eheschließungen im Jahre 1888 hat gegen 1887 um 212, gegen 1886 um 6360 abgenommen. Es trafen auf 1000 Einwohner 7,2 Eheschließungen gegen 7,5 in den letzten Jahren, eine Eheschließung auf 139 Einwohner und auf 42 unver- heirathete erwachsene Personen beiderlei Geschlechts. Das in Frankreich zur höchsten Blnthe gelangte Z w e i k i n d e r- s ysst c m, dieser Triumph der Bourgeoismoral, kommt auf's Schärfste in der' geringen, stetig abnehmenden Geburtenzahl zum Ausdruck. Frankreichs Volkskraft wird, falls nicht tüchtige soziale Reformen die geineinfchadliche nialthusiauische Lehre beseitigen, in absehbarer Zeit erschöpft werden. So lange noch das Kleinbürgerthum, so lange die Parzellen- barone im holden Verein mit der großen Bourgeoisie die Aufzucht von mehr als zwei Kindern für vcr- merklich halten, so lange die Nealisirung des Gesellschafts- Verkehrs so systematisch betrieben wird, wie jenseits der Vogesen, so lange ist auf keinen Umschwung zu rechnen. , Aber, wie gesagt, das System steht und fällt mit unserer Kost' kapitalistischen Eigenthumsordnung, die den Tisch blos für cht Wj den Bevorrechteten deckt, die Armen-mit Brosamen abspeist oder kurzweg hungern und verhungern läßt. Wenn Frank« reich ein G r o ß i n d u st r i e st a a t' geworden ist, dürfte übrigens die Physiognomie der Geburtenstatistik eine andere werden. Denn der echte Fabrikprolctarier, besitzlos und vogclfrei, legt sich in seinen geschlechtlichen Beziehungen nicht die Fesseln auf, wie der Kleinhandwerker oder Klein- bauer, der noch em bettelhaftes Stückchen„Eigenthum" sein nennt. Die fortschreitende Jndustrialisiruna Frankreichs wird '(So«. zu einer Umgestaltung der wirthschaftlichen und sozialen nichts Zustände führen. Wie die Dinge heute liegen, Unte» kann es auf die Dauer nicht fortgehen. Die Zahl der Ge- gesiis burten des Jahres 1888 hat gegen 1887 um 16 794 abge- flCnr nommen und ist die niedrigste seit 1871. Seitdem f Jahre 1884 ist ein ständiges Sinken der alljährlichen Ge- ' 9 burtenziffer wahrzunehmen, die Differenz zwischen den Jahren 1884 und 1833 beträgt rund 55 000. Die Zahl der außer- ejh e l i ch|e n Geburten ist im Z u n e h m e n, ein Beleg für jjsl C.1. V,, l.«A..".j ieserV ä#* >?» icyl", I MO» reillW i wir», UNs' ichraw» el, biß ernf BoW endl No»' ation! V* v«V vywuwvil i|l DU U U C y iU cu, Viu die Verschlechterung der ökononnschen Lage, die das Heirathen immer mehr erschwert. Es trafen aus 100 Geburten 1881... 7,5 uneheliche Geborene. 1885... 8,0„„ 1888... 8,5„ Wie sehr kontrastirt die Geburtenziffer der Franzosen gegen diejenige der in Frankreich lebenden Ausländer. Der Ueberschuß der Geburten über die Sterbefälle betrug bei letzteren 11 134, so daß dieser natürliche Zuwachs lauf 100 Ausländer beträgt, also, nahezu zehn Mal stärker als bei den Franzosen, wo er 1,1 auf 1000 Einwohner ausmacht. Diese Zahlen genügen, um die betrübende Thatsache deS Verfalls zu konstatiren. Die Großmacht Uenß-Grei» hält sich durch die Absicht ihrer arbeitenden„LandeSkinder", ven 1. Mai zu feiern, so in ihrem Bestände bedroht, daß sie ihr» Militärmacht für nicht aus- reichend hält und sich an Sachsen mit der Bitte um nnlitärische Hilfe gewendet hat. Die„Garnison Zwickau" ist bereits in Greiz eingerückt. Was aber geschieht in Zwickau? Das Abgeordurtrnhaus beendete am Dienstag die zweite Lesnng der Scknndärbahn-Vorlage ohne erwähnenswerlhe Debatte und nahm sodann auch die Vorlage, betr. den Erwerb von Pri- vatbahnen, an. Nach weiterer Erledigung einer Rechnungssachc vertagte sich das Haus auf Mittwoch, wo Initiativanträge aus dem Hause, darunter auch der Antrag Balan aufErmäßi- aung der Eisenbahntarise für Getreidesendung aus dem Osten zur Berathung stehen. Das Präsidium oon Kachfens Militärvereinsbund veröffentlicht einen Aufruf, der sich an alle Einzelvereine wendet und diese dringend ermahnt, gegen Mitglieder, die der Sozial- denwkratie zuneigen, in rücksichtslosester Weise vorzugehen und auch solche nicht zu schonen, die man etwa als„Verführte" anzusehen geneigt sein könnte. Wer sozialistische Flugblätter oder Stimmzettel vertheilt oder sich gar soweit„vergessen" hat, einem jener„heuchlerischen Volksbeglücker Beifall zu bringen, soll un- , ali.j nachsichtlich aus den Militarvereinen ausgestoßen werden. Ein zraufA solches Mitglied habe sich nicht allein eines Treubruchs und j nc*j Meineides, sondern im gewissen Sinne sogar des Landesverraths(!) Mine"! schuldig gemacht. Die Militärvereine seien gewiß weit entfernt, chie� sich in das Getriebe der Politik zu begeben, aber es heiße -ine I des I. .—,...■».-*■«crvwvtvw vv* ßu ütycüefT/ QöCT Cö l}Cipe schlechterdings nicht Politik treiben, wenn man bei Reichstags- und anderen Wahlen Mann für Mann für die staatserhaltende Partei stimme, das sei eine selbstverständliche patriotische Pflicht ■J.JIfS aller Königstreuen, und wer dieser Pflicht nicht genüge, der chfraj könne nicht Mitglied eines MilitärvereinS sein.— Die Sprache )er, ck dieses Aufrufs ist eine erfreulich offene, die es sehr wünschens- t werth erscheinen läßt, daß alle Sozialdemokraten den Militär- D�"5 oereinen, die nunmehr offenkundig zu ordnungsparteilichen, poli- tischen Vereinen gestempelt werden, freiwillig den Rücken kehren. Was die Logik der Schlußsolgerungen anlangt, mit den der Auf- ruf aufwartet, so kann diese auf Alle, die des Denkens noch nicht ganz entwöhnt sind, nur erheiternd wirken. ., Westfalen, 20. April. Verschiedene Polizeibehörden des westsalifchen Kohlenreviers haben eine aus alter Zeit stammende Polizeiverordnung ausgegeben, wonach sie den Wir- then, in deren ßnfnT.»-.------------ ------...,—,... �ummiuung geistige Getränke Infolge dessen weigern sich die Wirthe, ihre Lokalitäten herzu geben. Der Vorstand des Bergarbeiter- Verbandes Hot an den Minister des Innern eine Eingabe gerichtet, in der um Aufhebung der Verordnung gebeten wird.. Der lirssett-dar», städtische Mittistev Finger- nur der Somu wegen verzeichnen wir diese Thatsache— hft� j 1„in eu Sklaverei. Der Individualismus der Menschen wird gstödtet und diese werden zu Maschinen." Just das Gegentheck l'' kanntlich der Fall: das Kapital macht Maschinen und Sklaven aus den Arbeitern und dies eben wollen wir beseitigen>. I,.Dürnberg fand in,..Bürgersaal" eineArbeiterveifammlung statt, in der Herr Breder über die Berathungen derin d sammlung am 16. April gewählten Kommission Berncht ers■ Jk R. h --.«WWW ' OttflGNnmtvio« All----- ■s1 if. c ««S.Ü schen Arbeitern und Arbeiterinnen den Wunsch ausgesprochen hat, diesen Tag nicht durch allgemeines gluhenlassen der Arbeit zu seiern uiid endlich in Er>vägung, daß viele Arbeiter und Ar- beiterinnen sich dem Wunsche der svzialdemokratischen Fraktion Unterwerfen, beschließt die Verfammlung, von einer allgemeiuen Feier des 1. Mai Abstand zu nehmen und am Abend Massenversammlungen mit darauffolgenden geselligen Unterhaltungen zu veranstalten. An« Miirttsmberg.(Was eine Reichstagswahl kostet.) Der demokratische Abgeordnete Frhr. v. Münch hat den frei- konservativen Kollegen v. Giiltlingen verklagt, weil dieser eine abfällige Kritik an der Art und Weise geübt hatte, ivie Herr v. Münch seine Wahl„gemacht" habe. Uin nun der Ansicht ent- acaenzutreten, daß Wahlbestechung verübt worden sei, veröffeiit- licht Herr v. Münch eine genaue Angabe der Kosten, die ihm seine Wahl verursacht, als 1271 M. für Druckkosten, 608 M. für auswärtige Agitation, 1500 M. an Unterstützungen und 8415 M. für Freibier nach der Wahl!— Der Durst der Spießbürger!! Frankreich. Paris, 22. April. Mehrere Zeitungen bringen einen Auf- ruf, in welchen, auch die Handlnngsdieiier aufgefordert werden, sich an der Manifestation am 1. Mai zu bethemgen. Spanien. Diejenigen Elemente, welche anderswo die sozialistischen Parteien bilden, stecken hier noch in der Agitation für diese oder jene Staatsform; meist treten sie für die föderale 3ie- publik ein, von der sie alles Heil erwarten, oder richtiger gesagt, erwarteten, denn zur Stunde beginnen sie ihren Jrrthnm zu erkennen und schließen sich überall da, wo eine Zlrbeiterbevölkernng vorhanden ist, zu sozialistischen Gruppen zusammen, orga- nisiren sich und werben. So hat oas„ConntS nacionalsocialista de Espana", welches seinen Sitz in Barcelona hat, in den letzten Tagen an die einzelnen Arbeitervereine der Halbinsel ein Rund- schreiben erlassen, in welchem, anschließend an die Agitation in anderen Ländern, zu der festlichen Begehung des 1. Mai aufgefordert wird, jedoch mit dem Unterschied, daß man Feier und Demonstration auf den dem 1. Mai folgenden Sonntag, auf den 4. Mai, verschiebt. An diesem Tage sollen dann in allen großen Städten, in allen Fabrikorten, Industrie- und Minen- Bezirken, Arbeiterversammlungen abgehalten werde», in denen folgende Forderungen aufzustellen sind: 1) Einführung des achtstündigen Normalarbeitstages für alle erwachsenen männlichen Arbeiter. 2) Verbot, Kinder unter 14 Jahren zu beschäftigen und Herab- setzung des Normalarbeitstages für Knaben und Mädchen von 14—18 Jahren auf 6 Stunden. 8) Verbot der Nachtarbeit, aus- genommen für gewisse Jndustrieziveige, die eine Unterbrechung der Arbeit nicht zulassen. 4. Verbot der Frauenarbeit für die- jenigen Jiidustrien, welche dem weiblichen Organismus Nachweis- lich schädlich sind. 5. Absolutes Verbot der Nachtarbeit für Frauen und alle Arbeiter unter 18 Jahren. 6. Wöchentlich einmal eine Ruhezeit vyn mindestens 36 Stunden für alle Arbeiter. 7. Verbot gewisser Fabrikationssysteme, welche nachiveislich ver- meidbar und der Gesundheit der Arbeiter schädlich sind. 8. Verbot der Begebung von Arbeit an den Mindestfordernden. 9. Ver- bot den Arbeitslohn in Maaren oder Lebensmitteln zu zahlen. 10. Ueberwachung aller Industrie-Etablissements, großer und kleiner, durch vom Staat bezahlte und mindestens zur Hälfte von den Arbeitern gewählte Fabrikinspektoren. »»» Gertrtiks-BeitmiN. Schwerin, den 19. April, v. O ertz en(Kons.) c on tr a Peters(Soz.) Heute fand hierfelbst als Nachspiel des letzten erbitterten Wahlkampfes eine Verhandlung vor der Straskammer des Großherzoglich Meklenburgischen Landgerichts statt. Der als Kandidat der sozialdemokratischen Partei im 6. Güstrower Wahlkreis aufgestellt gewesene Zigarrenmacher H.Peters von hier hatte sich zu verantworten ivegen eines von ihm verfaßten, in Druck und zur Verbreitung gegebenen Flug- blattes, in dessen Ausführungen einer der konservativen Partei- führer, Herr Amtmann v. O e r tz e n, eine Beleidigung gegen seine Person erblickte. Nach den heutigen Aussagen der Zeugen und des Angeklagten ist der Sachverhalt kurz folgender: Am 26. Februar ds. Js., also kurz vor der Stichwahl am I.März, versammelten sich in Bützow Vertreter der liberalen und konservativen Partei. Mecklenburgs, um über ein gemeinsames Vor- gehen gegen die Sozialdemokraten in der Stichivahl zn berathen. In dieser Versammlung erklärte von den drei konservativen Ver- tretern des Schweriner Wahlkreises Herr v O e r tz e n von vorn- herein, daß er seinen Namen nicht unter dem beabsichtigten Aufruf zur gegenseitigen Unterstützung setzen iverde, da er ein Mandat von seinem Wahlverein habe, während die an- wesenden Liberalen doch eigentlich nur als Privatleute hier und nicht im Stande seien, Namens der Wähler Erklärungen abzu- geben. Die beiden anderen 5ko»servativeii aus Schwerin, Herr Archivrath Dr. S ch i l d t und Herr Bibliothekar Dr. Schröder, vertraten einen anderen Standpunkt und erklärten sich, nachdem ein Aufruf ausgesetzt, bereit, denselben zu unterzeichnen. Als sich Niemand mehr zur Unterschrift meldete, fertigte man Abschristen für die einzelnen Zeitungen an. In der Abschrift nun, welche für die hiesige liberale-„Mecklen- burgische Zeitung" von dem Redakteur derselben, Herrn Winkler-Tannenberg hergestellt war, fehlten die Namen der beiden Herren S ch i l d t und Schröder, worüber man in der noch att demselben Abend hier im Hotel de Paris stattsin»- denden Versammlung der liberalen Partei zu einer lebhafien Er- örterung gelangte, die dazu führte, daß die liberalen Unterzeichner des Ausrufs in einem Telegramm an die„Rostocker Zeitung" ihre Unterschriften zurückzogen. In der liberalen Versammlung war man an jenem Abend allgemein der Ansicht, daß man von den Konservativen hinter's Licht geführt sei. Von diesen Vorfällen erhielt der Angeklagte Peters noch an demselben Abend Kenntniß, und er schrieb sofort ein an die frei- sinnigen Wähler gerichtetes Flugblatt, in welchem er unter Nen- nilng der Herren v. Oertzen, Schildt und Schröder mittheilt, daß die konservativen Wortführer sich als geriebene Heuchler entpuppt hätten und daß das Ganze ein abgekartetes Spiel gewesen sei, damit die Freisinnigen alle für die Konservativen stimmten, aber von diesen keiner für jene. Am Schluß fordert Peters die Freisinnigen auf, nicht für den Konser- vativen zu stimmen, sondern sich entweder der Stimmabgabe zu enthalten oder für ihn einzutreten. Dieses Flugblatt ließ er in Güstrow drucken und vertheilen. Später erschien nun der Bützower Aufruf mit allen Namen, mit Ausnahme der derjenigen Herren, welche, wie v. Oertzen, offen nicht unterschreiben zu wollen erklärt hatten. Das frühere Fehlen der beiden konservativen Namen wird aus einen Schreib- fehler zurückgeführt. Peters erklärt heute, daß er mit dem Flugblatt keine Per- son habe treffen»vollen, sondern die konservative Partei als solche, welche die Sozialdemokraten mit den gemeinsten Mitteln bekämpft und ihn, den Kandidaten im Güstrower Kreise und Vorsitzen- den des sozialdemokratischen Wahlkonntees auf das heftigste gereizt und beleidigt habe. Der Vertheidiger, Reichstagsabgeordneter Rechtsanwalt Stadthagen-Berlin, legt z>vei Flug- blätter der konservativen Partei vor, in denen sein Klient schwer beleidigt sei, und stellt in Aussicht, daß er, falls Peters für die Beleidigung schuldig erkannt würde, Kompensation beantragen würde. Staatsanwalt Geh. Justizrath Giffenig führt aus, daß die Beleidigung eine sehr schwere und daß der Ange- klagt« als Vorsitzender des sozialdemokratische« Wahlkomitees war berechtigte Interessen vertrat, daß er dies aber in anderer Form gekonnt hatte. Aus dieser Form gehe unzweifelhast hervor, daß die Absicht vorhanden gewesen sei, die Ehre abzuschneiden. Eine Kompensation könne nicht eintreten, da in den vorgelegten konservativen Flugblättern der Name des Angeklagten garnicht genannt sei. Er beantrage, den Angeklagten nach§ 185 des Strafgesetzbuchs zu einer Geldstrafe von 150 M. zu verurtheilen, ihm die Kosten aufzuerlegen und Herrn v. Oertzen das Recht der Ver- öffentlichnng des Urtheils zuzuerkennen. Der Vertheidiger erklärt zunächst, daß er es sehr ge- sucht finde, wenn Herr v. Oertzen, der sich doch in Gegensatz zu den konservativen Wortführern gestellt habe, in den gegen diese gerichteten allerdings beleidigenden Worten eine Beleidigung für sich finde. Er habe ja von vornherein erklärt, nicht unterschreiben zu»vollen, während Schildt und Schröder sich dazu bereit erklärten, trotzdem aber später ihre Namen unter der Abschrist der„Mecklenburgischen Zeitung" fehlten. Nehme man aber»virklich eine Beleidigung an, so müsse man bedenken, daß der Angeklagte gerade so wie die Schweriner Liberalen an jenem Abend der festen Ueberzeugung»var, die Konservativen hätten ein unehrliches Spiel gespielt. Außerdem stehe dem Angeklagten das Recht zu, zu bitten, daß kompensirt werde. In den konservativen Flugblättern heiße es, die Sozial- demokraten seien vaterlandslos, revolutionär; sie wollten die Vernichtung der bestehenden Gesellschaft auf blutigen» oder unblutigem Wege. Bosheit Täuschung und Verleumdung wird ihnen vorgeworfen. Das seien schwere Beleidigungen und wenn auch nur die Sozial- demokraten im Allgemeinen genannt seien, so beziehe sich das doch in erster Linie ans die Leiter und Kandidaten, also auch auf seinen Klienten Peters. Herr v. Oertzen habe das eine Flugblatt mit unterzeichnet und sei Vorsitzender des Vereins, ir dessen Verlag das zweite erschienen. Er bitte deshalb den An- geklagten freizusprechen oder, falls er der Beleidigung schuldig befunden, zu koinpensieren. Darauf zog sich der Gerichtshof zurück und verkündete nach etwa halbstündiger Berathuna das den» Antrag des Staats- anwalts geniäß auf 150 M. Geldstrafe, Kostentragung und Publikationsbefugniß des Herrn v. Oertzen lautende Urtheil. Eine gefähviiche Rrrsrl'ekamitschnft machte an einem Augusttage des vorigen Jahres der Student P. als er von Magdeburg nach Berlin fuhr, um die Unfall-Versicherungs-Aus- stellung in Augenschein zu nehmen. Er unterhielt sich im Eisen- bahnivagen mit einem Hingen Manne, der zu demselben Zwecke nach Berlin ivollte und der sich dem in der Residenzstadt völlig Fremden als Führer anbot. Gern wurde dies Anerbieten ange- nommen. In Berlin angekommen, besuchten sie auf den Rath des angeblichen Einheimischen zunächst eine Restauration in der Nähe des Bahnhofes, wo sie eine Weiße tranken und der Student P. sein Gepäck der Wirthin in Berivahrung gab. Dainr gingen sie beide zur Ausstellung. Es war Sonntag und sämmtliche Aus- stelluugsrüume waren überfüllt.- Es fiel dem Studenten daher wenig auf, daß sein Begleiter plötzlich von feiner Seite ver- schwunden war, nachdem sie kaum den Ausstellungs- raun» betreten. Er dachte, daß sie sich bald wieder zu- sammenfinden würden und mit großem Interesse gab er sich der Besichtigung der vielen sinnreichen Ein- richtungen hin, welche die Menschen erfanden, um ihre Neben- menschen vor Unfall und Schaven zn behüte». Der Student mußte erfahren, daß es gegen betrügerische Menschen keine andere Schutzmaßregel gicbt, wie die eigene Vorsicht. Er fand seinen neuen Bekannten nicht ivieder. Als er am Abend die Reftaura- tton wieder aufsuchte, Ivo er sein Gepäck in Verwahrung ge- geben, und als er sich dasselbe wieder ausbat, erfuhr er zu seinem Schrecken, daß bald nach ihrem Weggange am Mittage sein Be- gleiter sich die Sachen mit dem Bemerke» habe aushändige» lassen, daß sie sich eines anderen besonnen hätten und die Aus- stellung nicht besuchen wollten. Der Betrüger ist in der Person des Korbmachers Reinhold Grunewald ermittelt worden, »velcher gestern vor der ersten Strafkammer des Landgerichts 1 Sind und wegen des häßlichen Streiches zu drei Monaten e f ä n g n i ß verurtheilt wurde. Soiisle Ueberstlkzk. KS« falls schon genügend bekannt sein wird, haben die seit Wochen gepflogenen Verhandlimgen der Arbeitnehmer mit den Arbeitgebern schließlich in einer allgemeinen Arbeitsniederlegung ihr Ende ge- flinden. Wir erklären uns hierdurch mit den Arbeitern und Ge- werkschasten Berlins solidarisch, und indem wir nachstehend die einzelnen Brauereien, welche bewilligt und unterschrieben haben, namhaft machen, ersuchen wir um geeignete Unterstützung.— Bewilligt und unterschrieben haben folgende Brauereien: Spandauer Bergbrauerei; Gambrinusbrauerei, Charlottenburg; Münchener Brauhaus, Johannisstraße; Sternecker, Weißensee; Gräflich Reischach'sche Brauerei, Stralau.— In Anerkennung der humanen Gesinnung der Leiter vorstehender Brauereien erlauben»vir uns, dieselben hierdurch noch besonders zu empfehlen und werden wir weitere eingehende Genehmigungen und Unterzeichnungen unserer Bedingungen ungesäumt an dieser Stelle veröffentlichen. Die gestimmten Brauergesellen Berlins. Cottbus. Gestern Vormittag brach unerwartet ein Lohnstreik in der Rohsabrik von Frank& Kniepf aus. Zuzug ist streng fern zu halten. Näherer Bericht folgt. Arbeiter, Genossen! Seit Montag, den 14. April, streiken " und geschlagene Atbeit in Magdeburg die ans Gestell- und geschlagene Atbeit' beschäf- tigten Korbmachergesellen. Wenn man bedenkt, daß dieselben einen wöchentllchen Durchschnittslohn von 11—12 M. hatten; wenn man ferner bedenkt, daß ein lediger Geselle für Kost und Logis 8,60— 9 M. zu zahlen hat, von dem noch überbleibenden Geld« die Kosten für Kleidung, Wäsche u. f. w. nicht zu bestreiten sind; man bedenke ferner, daß ein verheiratheter Kollege für dieses Geld seine Familie nicht menschenivürdig erhalten kaun, so ist es also den Streikenden nicht zu verargen, wenn sie zur Besserstellung ihrer Lage alle gesetzlich erlaubten Mittel zur Hand nehmen. Dl« Korbniachergesellen unterließen nicht, die Herren Arbeitgeber zu öffentlichen Korbmacher- Versammlungen ein- zuladen, um auf diesem Wege, wenn irgend möglich, eine kriedliche Einigung zu erzielen. Die Arbeitgeber zogen es jedoch vor, mit den Gesellen nicht zu unterhandeln. In einer Versaninilung, die ungefähr vor 8 Wochen tagte und zu welcher auch einige Arbeitgeber erschienen waren, wählte man beiderseits eine Kommisston zur Erzielung eines höheren Lohnes. Die Kom- Mission der Arbeitgeber hielt nun eine Sitzung ab, in welcher sie eine Lohnerhöhung, d.h. aber von den niedrigst gezahlten Löhnen (es bestanden hier sehr verschiedene Löhne), bewilligte, behielt sich jedoch vor, daß,»venu andere Meister die von ihr aufgestellten Löhne nicht bewilligen würden, solle von den Gesellen zum alten Lohn weiter gearbeitet werde». Genannte Kommission unterließ jedoch das, was ihre Pflicht ivar, nämlich eine Versammlung der Arbeitgeber eimuberufen. Da de» Gesellen jetzt die günstigste Zeit und Gelegenheit geboten ist, so legten sie, wie oben erwähnt, die Arbeit nieder und sind fest entschlossen, an ihren Forderungen festzuhalten, zinnal einige Arbeitgeber die von den Gesellet» ge- sorderten Löhne als gerecht anerkannt habe» und bezahlen. Bemerkt sei noch, daß die Forderung der Streikenden 21—24 pEt. beträgt. Arbeiter, Genossen! Wir richten an Euch die Bitte, uns in dem gerechten Kampfe nicht zu verlassen, damit wir zu» Siege gelangen. Das Streikkomitee. I. A.: Albert Gläser.— Briefe und Sendungen sind zu richten an Albert Gläser, Magde- bürg. Klaue's Restauration, Katbarineustr. 5,— Zuzug ist strengstens fern zu halten, Theater. Mittwoch, den 23. April. Gpmihaua. Die lustigen Weiber von Windsor. f chanfpielltnns. Der Sturm. rsstng-Thentev. Juliette. Vorher: Die Schulreiterin. Deutsche» Theater. Glich von Ber- lichingen. Kerliuer Theater. Hamlet. Frirdrich-Milhelmstadt. Theater. Der arme Jonathan. Ukaliner-Thrater. Rigobert. Das Armband. iktoria-Thoater. Stanley inAfrika 'stend» Theater. Gilberte, oder Dämon Leidenschaft. Lelidenz-Theater. Marquise. KrUeaUia»re- Theater. Der Nau- tilus. Central» Theater. Haus. Adolf Ernst- Theater. Der Gold- Ein fideles Kroll'» Theater. Lucia, do Lam- mormoor. Kaufmantt's U aristo. Spezialitäten- Vorstellung. American-Tlieater - Dresdenerstraße 55, � Täglich Vorstellung. Montag, den 28. ApriS- Unwiderruflich letzte Vorstellung. Circns Wulff. QQF* Friedrich Carl- Dfor. Ecke Karlstraße. Mittwoch, den 23. April, Abends TVa Uhr, Gr. acherlirhelltl. Voritellnilg. Besonders hervorzrcheben: Auf viel- seitiges Verlangen: Nochmaliges Vor- führen des infolge einer Wette in acht Tagen dressirten, dem Fouragehändler Herrn Habedanck geh. Pferdes„Sieg- fried," durch den Direktor Hrn. Wulff, und Auftreten des vorzügl. Jongleurs Mr. Palnier, und der Saltomortal- Reiterin Frl. Louise Renz. Die Schul- „Royal und Roland," geritten Pferde. W. vom Direktor und Frau Anna Wulff. Gastspiel der Lustgyinnastiker Air. Nestor und Aerie».„Micado", das hier so beliebte Springpferd, vorgeführt o. Direktor Ed. Wulff. Wallküremanöver, geritten von IG Damen. 4 Percheron- Schimmelhengste mit der Original- Wagenpromenade, vorgeführt von Frau Anna Wulff jc. Donnerstag: Letzte Komiker-Vorstellung zun» Benefiz säunntl. Clown. Englischer Garten Direktion: C. Andreas, Alexanderstraße 27 c. Auftreten des Gesangshnmoristen Herrn Jung. Austreten der deutsch- schwedischen Chansonnette Fräulein Tonny Peters. Auftreten der vorzüglich. Liedersängerin Frl. Margarethe Steinow. Heu 1 1 Auftrete» des Jnstrumental- und Gesangs-Terzetts(3 Damen) Geschwister Sawona. Auftreten der beliebten Duettisten Ge- schwister König. Anfang Wochentags 8 Uhr. Enttee 30, 50 u. 75 Pf., tm Vorverkauf 20 u. 30 Pf. Sonntags Anfang halb 6 Uhr. Sonntags Entree 50, reservirt 75 Pf., Orchester 1 Mark. Vorverkauf Entree 40 Pf. I 21, Unter dr» Zindr» 21. Im Hause der Wilhemshallen neben der Passage. Beil- Vorführung Täglich Ali- General-Vemmmlnng kl TWlimMW» MhlmeiiS im 2. Wchlkmse am Donnerstag, den 24. April, Abends SVa Uhr, im Saale ,, Königshof", BQIowstr. 37— 40. Tages-Ordnung: 1. Abrechnnngsbericht des Kassirers und der Revisoren. 2. Wahl des Gesammtvorstandes. 3. Vortrag über„Die achtstündige Arbeitszeit und die Gesetzgebung". Referent wird in der Versammlung bekannt gemacht. 4. Dis- knsston und Verschiedenes. Mitgliedsbuch legitimirt lcaengcnommen. Um zahlreich �finden sich außerdem im SW. bei egyptischer u. indischer 7'/» Rhr W5 mvy Abends. öCy 'Zauber fünfte. 3, 2 u. 1 M. Billets im Jnvalidendank. Ailblipilent Buggeuhagen am Moritzplatz. Täglich: Gr. Instrumcntat-Concert, Direktion A. Uodmann. Vocl „., Wochentags 10 Pfg., rjlltrce Sonn- und Festtage im Kaisersaal 25 Pfg. Spezial-Ausschank von Patzen hofer, Export-Bier, hell u. dunkel, a Sdl. 15 Pf. Gleichzeitig empfehle ich meine hocheleganten Festsäle zu 100 bis 200 und zu ca. 1000 Pers zu soliden Bedingungen. 041 F. Müller. Passage 1 Tr. 9 Uhr M. b. 10 Uhr Ab. Kaiser-Panorama. Nur«ar* dies--WS Woche: Ueu. Zum ersten Male: 8. Reise d. Kpanien. Granada, Alhambra:c. 7. Reise auf den Nlontblanr. ziavonen» Alpe». Eine Reife 20 Pf., Kind nur 10 Pf. Abonnement 1 M. Jede Woche andere Reisen. Kr. öffentl. Volksversammlung Dmechg, kn 24. S(|ti(, Ml 8'" lljr, im Äile kr tanti gritkiljljuin, am SönigstS«. Tages-Ordnung: ■---■- Fpi 1. Der I. Mai. Referent: Herr Fritz Zubeil. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes.' 1246 Zur Deckung der Unkosten Tellcrsammlung. Oer Einberufer. Gr. MaMttMllW aller Kartoaarbeiterillllell u.-Arbeiter am Mittwoch, den 23. April, Abends TVa Uhr, im Böhmischen Brauhause, Landsberger Allee 11—13. Tagesordnung i 1. Sind Forderungen, die auf Verkürzung der Arbeitszeit und Lohnerhöhung abzielen, maßlose und unverschämte? Referent: Herr Albert Auerbach. 2. Diskussion. 8. Bericht der Kommission. 4. Verschiedenes. Arbeiterinnen und Arbeiter! Der Generalstreik dauert fort. . eberall muß die Arbeit rnhett. Erscheint Alle zur Mittmoch-Uer- sammluug. Seid Alle am Platze. 1213 Das Ktreikbureau befindet sich Andreasstraße 26 bei Bolzmann. Zossenerstrapen-Ecke, im W. bei C. Böyland, Bülowsttaße 51. [1247 Große öffentliche Ti schler-Uersammlmtg am.Rittivolh, k# 23. April, AbM 8 Uhr, im grohea Saale her Berliner Vollbrauerei, am Tempelh.Berg. Tages-Ordnung: i. Die moderne Arbeiterbewegung und der 1. Mai. (Referent: Th. Glocke.) 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. 1129 Zur Deckung der Unkosten findet eine Tellersammlung statt. Um recht zahlreiches und pünktliches Erscheinen ersucht Der Einberufer. Große öffentliche Versammlung sämmtlicher Hilfsarbeiter Verlins vnNlmMnli ittwoch, den 23. April, Abends 8Va Uhr, in Renz' Salon, Naunynstrasse Mo. 27. Tagesordnung: 1, Endgilttge Beschlußfassung über die Feier am I. Mai. Referent: Herr G. Link. 2. Diskussion. Verschiedenes. 1216 � ahlreiches Erscheinen ist nothwendig. Speziell sind die Arbeiter der Berliner Messingwerke eingeladen. Oer Einberufer. Ul Achtung, Kollegen! Grosse Ifepsammlung siimmttichor der Ludwig Lowe#» Fabrik beslhästigten Arbeiter am Mittwoch, den 23. April, Abend» VVe Uhr, bei Buggenhagen am Moribplab, im Kaiserfaale. Tagesordnung: 1. Bericht der Kommission in Betreff des 1. Mai. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes.— Zur Deckung der Unkosten findet eine Teller- sammlung statt. Es ist die größte Pflicht eines jeden Arbeiters, in der Ver- sammlung zu erscheinen.[1217] Der Einberufer. Oeffentliche Versammlung der Btilaieip und AnsireEcher Berlins am Donnerstag, dr» 24. April, Abend« SVa Uhr, in Habet'« Hraurrei. Dergmaunstraße 6/7. > Nrnurrr», Vrri;»»»« Tages-Ordnung 1. Die Bedeutung des Achtstundentages. Referent wird in der Ver „ bekannt gemächt. 2. Diskussion." 8. Gründung einer Filiale für Südwesten. 4. Verschiedenes. 1221 Pflicht eines jeden Kollegen, zu erscheinen, ist Ehrensache. Oer Einberufer. Große öffentliche Versammlung sämmtlicher in der Posamentenbranche beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen am Donnerstag, den 24. April, Abends SVe Uhr, in Fenerstein's grossem Saal, Alte Jakobstrasse 75. 1218 Tagesordnung: 1. Vortrag: Der 1. Mai, Ref.: W. Schweitzer. 2. Diskussion und Beschlußfassung. 3. Bericht des Delegirten vom Delegirtentag der Textilarbeiter in Apolda. Wahl einer Agitationskommission. Verschiedenes. Der reichhaltigen und wichtigen Tagesordnung halber ist es dringend nothwendig, so zahlr. und pünktl. wie möglich zu erscheinen. Der Einbernfer. Stuckateure! Grosse öffentl. Versammlnng sämmtl. Stnckatenre Berlins n. Umg. am Donnerstag, den 24. April, Abends 71/2 Uhr, in Feuerstein s Salon, Alte Jakobstraße 75. Tagesordnung: 1. Vortrag über den Nutzen ..tr x..____~ �: r.4:.... t- i v» XAv 51? f.... � gewerkschaftlichen Organisation.(Referent wird in der Versammlung nnt gemacht.) 2. Diskussion. 3. Rechnungslegung der Vertrauensleute. der bekannt■——>. 4. Verschiedene gewerkschaftliche Angelegenheiten. NB. Gratisvertheilung von Kongreßprotokollen._ 1227 Um recht zahlreiches Erscheinen ersucht dringend Der Einberufer. kr. öffentl. Tischler-Versamml am Mittwoch, ben II April, Abends 8% im gr. Saale d. Kerl.Kockbrauerei, amTempelh.Berg. Tages-Ordnung: 1. Die moderne Arbeiterbewegung und der 1. Mai. (Referent: Th. Glocke.) 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. 1129] !ur Deckung der Unkosten findet eine Tellersammlung statt. ""* Hl"*"~ inen ersucht m recht zahlreiches und pünktliches Erscheinen ersuch Der Einberufer. Sielmann& Rosenberg Kommandautenßrase, Ecke Lindenßrahe, Berlin� Mnnnfabtnr-, Mode-, Kammet-, D lösch- u. Keidenwaa� Teppiche, Gardine», Fabrik und großes Lager von V*r Mänteln, Kostiimes, Morgenröcke», Jupons etr. Zeigen hierdurch ergebenst an, daß unser Etablissement für's jähr und für den Sommer mit einer außerordentlich großen Ar schöner moderner «"»r. 9 5- Kleiderstoffe t billigen Preisen zu bekannt den De» ionaten jres sind Mir ers irauch zu - ausgerüstet ist. Mir osseriren als besonders preiswerth!!! Chcviot-Beige, Itt. 90 Cheviot Neige,(."»wrÄSS Mit. 99 Diagonal Karo, 104-105 em owwett) cteu sehr dauerhafter Stoff in ver- schiedenen Karos r. 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Zimmermanns Grober JeWer Blnieriikritß' Veranttvortticher Redakteur: Curt Kaak» in Berlin. Druck und Verlag von Mar Fading in Berlin SW„ Beuthstraße 2. Hierzu lin sr 94. t» Aa»"' etc. 1 fä) Mittwoch, dril 23. April 1800. 7. JolM. fe Die Uetitionsbogen den Deutschen Reichstag, bctresss der Beschlüsse dcZ inter- ionaten ArbeitcrlongresseZ zu Paris am 19. Juli vorigen yceö sind in unserer Expedition, Beuthstr. 3, zu haben. ssWir ersuchen, von denselben einen möglichst umfangreichen irauch zu machen. Die Fabrilr für chirursifche Instrumente von L. und lLömensteui, Sophienjtr. S, hat ihren Arbeitern den 1. Mai Feiertag freigegeben. erei von Und. bewilligt als . der Maschinenbau und Ci ssinl-tman», Gitschinerstr. 65, ist der 1. Mag! .Die Metallwaarenfabrilt von M. Fifchbach, Köpnicker- 145, hat ihren Arbeitern den 1. Mar als Feiertag be- , 03 W|i„ ntl hrr Peripherie Kerlins, namcnt- ! Oft, Nordost, Süd und Südwest sind in den Schaufenstern Handlungen Plakate des Inhaltes angeheftet:„Lieferant I OP» i| Konsumvereines Nordost" u. f. w. Es haben in diesen Ge- . Äv? den Personen, welche in den freisinnigen Bezirksvereinen eine «.lle spielen, Konsumvcvrine gegründet, welche die Einrichtung QK Gen, daß die Käufer bei Bezahlung ihrer Einkäufe bei gewissen * Ä»"ifieuten, welche die Verpflichtung übernommen haben, einen süssen Rabatt an den Konsumverein von dem gemachten Um- Ist Mc zu zahlen, Marken bekommen, die ersichtlich machen, wie * IW t" gekaust und gezahlt worden ist. Der betreffende Kaufmann Jt den vereinbarten Rabatt bei Empfangnahine der Marken OS«> Vereinsvorstande eigentlich im Borau?. Der Vorstand » W T'imelt den Rabatt an und vertheilt ihn gewöhnlich gegen Weih- chten an die Vereinsmitglieder iwch Ausweis ihrer Marken. I Diese Konsumvereine gehören zu der Zahl derjenigen Wohl- tigkeitsanstalten, durch welche die Bourgeoisie ihr Wohl- llen und ihre Humanität so gern leuchten läßt; sie kosten den Ost«canstaltern nichts, denn die Unkosten werden aus dem Rabatt OU"eckt. Und wie erglänzt das Vollmondsgesicht im Bewuhstein Ost Fürsorge, wenn es dem Armen gegen Weihnachten DU Ibdet 6 M. ausgezahlt werden. » 50 0 Vber wie überall ist es auch mit dieser Art des Sparens ' hts, das Konsumvereins-Mitglied hat nur Schaden; daß um cihnachten eine kleine angesammelte Summe ausgezahlt wird, l � � welcher man niemals einen nierkbaren Beitrag gegeben bat, 2 u."cht einen Jrrthum hervor. Man bilde sich doch nicht ein, daß Kaufmann, der zu den in der betreffenden Stadtgegcnd be- tA PK senden Preisen verkaust, noch einen Rabatt geben könne, ein paar 5 2— Sfcnbon an die Kinder der Kunden an Sonntagen ist alles Mögliche. 'ia jze Konkurrenz im Materialgeschäft ist sehr groß, in keinem t�igk/usse, fehlt ein Keller, in dem Materialwaarcn irgend einer Art vkaifft werden. Ein Kaufmann, der Rabatt giebt, führt ent- :der geriugwcrthige Maare oder kürzt am Gewichte. Beides lrd ihm erleichtert, weil bei vielen Leuten die Gewohnheit crscht, die Waare nicht nach dem Gewichte, sonder» nach dem ilde zu fordern, z. B. für 10, für 25 Pf. Zucker u. s. w., außer- m fehlt meistens in der Küche eine Waage, um daS Gewicht zu »trolircn. Würde die Käuferin ihre Waare jedesmal zu Haufe ner genauen Prüfung unterziehen, so würde sie bald heraus- iden, daß der Nachtheil beim Einkauf größer als der Gewinn , den die erhaltenen Marken repräsentiren. Beschönigend läßt h nicht die dekannte Redensart anführen,„die Menge muß es fingen", die Billigkeit ist bei den Materialhändlern an ihre cenze gelangt, ein Darunter, selbst bei dem größesten Umsähe, ibt es nur auf Kosten der Reellität. Und darum sind diese Kon- »vereine nach beiden Seiten, dem Verkäufer und Käufer, hin üblich und führen Letzteren zn der wirthschaftlich gänzlich un- htigen Ansicht, daß ein kleiner Schaden, den man nicht merkt, ner sei, eine Lehre, die von interessirter Seite zwar laut genug d predigt wird. i Vor mehreren Jahren hatten sich in den wohlhabenden Ge- D»den sogenannte Markenvereine gebildet, deren Einrichtung >e den besprochenen Konsumvereinen ähnliche war; obgleich in esen feinen Gegenden die Einkäufe umfassender sind und an n dort geforderten Delikatessen mehr verdient wird, so sahen .ld Verkäufer und Käufer ein, daß beide nur Nachthcile hatten, « Einrichtung wurde aufgelöst. Nach solchen Betrachtungen und Erfahrungen kann nicht ingend genug vor der Betheiligung an einem solchen Konsum- reme gewarnt werden, die passende Devise für einen solchen iMN ist„flattirtc Waare, oder der Schein trügt." R Da» Iianfinnnuische Proletariat. Der Kapitalismus bolntiomrt nicht nur die Industrie und Landwirthschaft, nein, »er den ganzen wirthschaftlichen Körper verbreiten sich seine Wirkungen; auch das Geldwesen und den Handel hat er revo- aonirt. In den großen Städten finden sich die Vertreter einer untergegangenen Produktionsform, Schuhmacher, Schneider, mit Stolz den Titel„Jnnungsmeister" führen, auch wenn sie Thätigkeit auf das Gebiet des Flickens beschränken müssen; »so finden sich in den kleinen Städten, fern von den großen idustriezentren, noch eine ganze Reihe von Kramläden, in denen I herzersreuendcr Eintracht buntseidene Halstücher neben weizerkäse liegen, in denen neben dem Leierkasten für den >hn des Bürgermeisters Senfgurken und saure Heringe seil ge- »ten werden. Sie sind die Uebcrbleibsel einer längst abgestorbenen iirthschastsperiode; denn überall werden Spezialgeschäfte ge- tiindet, in denen nur wenige Artikel, diese aber in den ver hiedenartigsien Formen, Mustern und Farben dargeboten werden. J Aus dieser Veränderung der Verkaufsweise entsteht natürlich tch eine gänzliche Veränderung der Stellung der kaufmännischen Heiter. Früher herrschte das alte, patriarchalische System; bei st» Krämer lernte der Sohn einer besreunveten Familie. .] blieb bei ihm als Gehilfe, bis er seine Tochter hei- �<�thete, das Geschäft übernahm oder ein anderes Geschäft einer andern Stadt eröffnete. Ter Gehilfe war der Mit- tbeiter des Besitzers, lernte die verschiedenartigsten Artikel und e verschiedenartigsten Thätigkeiten kennen, den Ein- und Ber tuf, das Führen der Bücher, die Expedition k. Er wohnte i>. gW ein Hause seines„Brotherrn", aß an seinem Tische und gehörte »r Familie. 1 Jetzt, in den spezialisirten Geschäften, singen die Unternehmer b, den Nutzen der Theilung der Arbeit auch bei den Gehilsen « begreisen. Sie engagiren nun nicht mehr Kommis, sondern Einkäufer, Konfektionäre und ausüben und eine „ daß die Frauen daß sie bei weitem -"•» die delfl- soll iol i;e."jdst zu unterschätzende Arbeitskraft sind, t st�ftliger« und bei weitem„williger" sind als Ür'1 MM«M*. � r**• L.- sich Männer und sie beginnen„junge Damen" einzustellen, die,, V.ir ln-PH* als genügender Anzahl bescheiden zur Verfügung leuen. In einem der ersten Großgeschäfte Berlins waten an- '~—.... s. o cTv______:__ rv i ooo I f.,(1.-VJ" vmnu vvv vyivpytiUjUfic ILUllVU Uli' iestetlt im Jahre 1884 42 Herren und 8 Damen, im Jahre 1888 55 Herren und 15 Damen; in den vier Jahren hatten sich die männlichen Arbeitskräfte vermehrt um 31 pCt., die weiblichen um mehr als 87 pCt. Und da sich nun die Mädchen sehr an- stellig zeigen und besonders für den Verkauf, der Freundlichkeit wegen, sehr brauchbar sind, so stellen nun eine ganze Reihe von Geschäftsinhabern außer den Hausdienern überhaupt nur Mädchen an. Andere wieder sind von einer so starken Menschen- Freundlichkeit erfüllt, daß sie sich völlig der jungen Generation ividmen und ganze Schaaren von Lehrlingen zur Ausbildung heranziehen. Diese Lehrlinge nun dienen diesem freibeuterischen Geschästshäuptling dreifbis vier Jahre, arbeiten ununterbrochen für 10—20 M. monatlich, zur Abwechslung auch vielfach ganz unent- geltlich und nach Beendigung der Lehrzeit schallt ihnen der Schiller'sche Vers entgegen„Der Mann muß hinaus in's feind- liche Leben." Da schließen sich eine Reihe von Großkapitalisten zusammen und gründen Gesellschaften, um den Handel im Großen zu be- treiben wie in Paris der„Louvre" oder der„Bon marche, wie in Berlin der im Entstehen begriffene„Kaiserbazar". Diese Bazare verbinden die Annehmlichkeit des früheren Kramladens, den Kunden alle Artikel in einem Hause vorzulegen mit der höchsten Theilung der Arbeit dadurch, daß jeder Artikel ein eigenes Ressort mit eigener Bedienung bildet. Zu gleicher Zeit sammelt 'ich ungeheures Kapital in den Bankgesellschasten, sammeln sich ungeheure Waaren in den großen Waarenreservoirs der Großgeschäfte, die infolge der weit geringeren Kosten und weit besseren Bezugsquelle» viel billiger sein können, und expropriiren in ununterbrochener Folge die kleinen Geschäfte. Während die Ansprüche, welche die Kunden an die Bazare stellen, größer werden, elektrisches Licht, unentgeltliche Expedition, Schau- feilster in prächtiger Ausstattung, elegante Verpackung, Geschäfts- wagen und Erfrischungen, während diese Geschäftsformen von den kleinen Geschäftsleuten nur in stümperhafter Weise nachgeahmt werden, während sich der Ring der Kapitallosigkeit immer enger um ihren Hals legt und sie allem Möglichen die Schuld der 'chlechten Geschäftslage zuschieben, den Kriegsdrohungen, dem Wetter, Boulangcr, den Streiks, nur nicht den wahren"Gründen, dem mangelnden Kapital und der Verringerung der Kaufkraft der Arbeiter infolge sinkenden Einkommens, zeigen die täglich erschei- nenden Konkurslisten deutlich, wie das Großkapital die kleinen Geschäftsleute würgt. Und jetzt ist auch der Nimbus, der den Handlungsgehilfen leuchtend umgiebt, gefallen. Immer deutlicher und greller stellt sich die Thatsache heraus, daß sie verurtheilt sind, ihr Lebelang abhängig zu bleiben und daß tausende und nochmals tausende von Handlungsgehilfen beschäftigungslos herumwandern. Er giebt der Konkurrenz der Frauen schuld an seinem Elend, den Lehr- lingen, findet aber kein Mittel der Rettung und kann nicht be- greifen, daß die veränderten wirthschaftlichen Zustände ihn ebenso proletarisirt haben wie den Industriearbeiter. Ist es noch nöthig zu erivähnen, daß die Handlungsgehilfen, Gehilfinnen und aucy die Hausdiener durchschnittlich eine weit längere Arbeitszeit haben als die Industriearbeiter, daß eine große Zahl von Männern und Frauen während des ganzen Jahres ununterbrochen arbeiten, da es in den meisten Detail- geschäften aller Städte Sitte ist, weder Sonntags noch Feiertags zu schließen. Der Lohn der kaufmännischen Proletarier, der aller- Vings hochtrabend„Gehalt" oder„Salair" genannt wird, schwankt zwischen 60—100 M. monatlich, das heißt 14—23 M. wöchentlich; bei den Mädchen 20—50 M., das heißt 4,60—11,50 M. wöchentlich. Die wenigen höheren Sätze machen durchaus keinen Unter- schied, da die Gehälter oft noch niedriger sind. Es ist der eine Unterschied zwischen Industriearbeitern und Handlungsgehilfen, daß den letzteren der verdiente Lohn einen Monat lang embehalten wird, wodurch sie noch eher dem Schuldenmachen anheimfallen. Im Sommer müssen sie in glühendster Hitze in duinpfigen Räumen oder in größeren Ge- schästcn unter schwitzenden, fauchenden Menschen schwer arbeiten, un Winter kennen weitaus die meisten Gcschüftsbesitzer brennende Kohlen nur dem Namen nach, besonders weil die Geschäfts lokale gar keine Oefen besitzen und die Ausgabe für einen eisernen Ofen dem Inhaber den Namen eines Verschwenders einbringen würde. Außerdem bringt der kausmännische Beruf noch andere Nach- theile mit sich. Während die produktiven Arbeiter höchstens der Werkführer, die Fabrikanten quälen können, der kaufmännische Proletarier kennt noch einen dritten Plagegeist, das kaufende Publikum, die Modedamen, die sparsamen Hausmütter, den Bourgeois, deren Wünsche er jederzeit dienstbar sein muß, vor deneü er sich täglich demttthigen muß. Während der Arbeiter st doch wenigstens moralische Anerkennung erkämpft hat, erhält der Kommis für eine"gemeinnützige Thätigkeit die Behandlung eines fchmarotzendcn Lakaien. Jemehr das Publikum auf flotte„Be dienung" dringt, eine um so schlechtere, um so verächtlichere Behandlung erhält der Kommis, die sich bei einer„jungen Dame" noch steigert, da hier noch das geschlechtliche Moment hinzutritt. Die vielen Selbstmorde unter den Handlungsgehilfen haben eine verdammte Aehnlichkeit mit den Selbstmorden in dem stehen- den Heere. Trotzdem sind die Proletarier des Kaufmannsstaudcs von der Verdienungssucht so angesteckt, wie ihre Chefs. Während der industrielle und ländliche Arbeiter den Werth eines Produktes steigert, steigert der Kaufmann nur den Preis der Waaren. Diese wegelagerische Erwerbsform hat allerdings ihren legitimen Ge- winn, der, durch die„Sitte" geheiligt, nicht angefochten wird, aber außer diesem legitimen Gewinn kennt jeder Kaufmann eine ganze Reihe von„ G e s ch ä f t s n s a n c e n", die in schlimmen Füllen dem§ 263 des deutschen Strafgesetzbuches verfallen und jeder Chef bemüht sich, seine Angestellten mit diesen Kniffen ver- traut zu machen. Bon dem jungen Mann, der von seinem Chef angehalten wird, statt 1 Pfund Kaffee nur Ve zu geocn, bis zu dem Buchhalter, der von seinem„Brotherren" zur Nr- kundensälfchung verleitet wird, ist allerdings ein weiter Weg, über den sich aber wie Meilensteine die Prositwuth hinzieht, die dem kaufmännischen Proletariat von Jugend auf mit allen Mitteln eingeimpft wird. Daß die Geldgier den Charakter ver- dirbt, für andere Bestrebungen unzugänglich macht, außer etwa dem Sratspiel und der Befriedigung der sinnlichen Gelüste, ist klar. Wer jahrelang nur an sich, nur an seinen Vortheil denkt, verliert die Fähigkeit, nioralisch zu handeln, Solidaritätsgefühle aufzunehmen. Die gemeingefährlichen Triebe der»virthschaftlichen Konkurrenz zwischen den einzelnen kaufmännischen Proletariern, die Verschiedenheit der Einkommen treibt sie an, den andern zu stürze», in aus seiner Stellung zu dränge». Ein grandioses Bild dieses thierischen Kampfes ums Dasein giebt Zola in seinem genialen Roman, der augenblicklich das Feuilleton dieses Blattes füllt. Daher vor Allem schreibt sich die Schwierigkeit, das kauf- männische Proletariat der Arbeiterbewegung zuzuführen. Und doch wäre dies von großem Nutzen. Wie die Klein- bürger bilden sie den Uebergang der Bourgeoisie zum Proletariat. Ihrer Erziehung, ihrer Tenkungsart nach sind sie Bourgeois, ihrer Klassenlage nach Proletarier. Gelingt es uns, sie mit proletarischem Geiste zu erfüllen, so ist eine ganze Mauer der bürgerlichen Festung umgerannt. Gerade jetzt bietet sich hierzu eine passende Gelegenheit. Die kausmännischcn Angestellten Verlins haben in einer stark besuchten Versammlung eine Kommission mit der Aufgabe betraut, die Schließung sämmtlicher Geschäfte Berlins des Sonntags von 12 Uhr ab zu veranlassen. Die Kommission ist zu dein Resultat gekommen, daß sie dieses für die Verhältnisse der Kaufleute sehr große Ziel sofort nur erreichen kann, wenn sie die Bevölkerung Berlins bittet, nur von denzenige» Geschäften ihre Bedürfnisse zu beziehen, deren Inhaber ihre Lokalitäten in der angegebenen Zeit schließen. Der ganze Plan steht und fällt mit der Berliner Arbeiter- fchaft. Sie hat in vielen Fällen bewiesen, daß sie Energie genug besitzt, gefaßte Entschlüsse auszuführen; wir können den Arbeitern Verlins und ihren Frauen nur empfehlen, der Bitte dieser Kam- Mission zu folgen und mit unerschütterlicher Planmäßigkeit keinen Geschäftszweig von dieser Maßregel auszuschließen. Gelingt es den Arbeiter», auf die Besitzer der Verkaufsstellen diesen Druck aus- zu üben, so werden die kaufmännischen Proletarier einsehen, daß allein die Arbeiterbewegung auch ihnen Hilfe bringen kann. Haben die Berliner gesiegt, so wird sich die Bewegung bald über ganz Deutschland fortpflanzen. Tritt außerdem die Agitation der aufgeklärten Kaufleute hinzu, so wird auch diese Gruppe der Ar- beiter Deutschlands in nicht allzuferner Zeit der internationale» Arbeiterbewegung Gefolgschaft leisten. Ein schwerer ZaunnsaU, dem leider ein Menschenleben zum Opfer gefallen, ereignete sich, vorgestern Vormittag im Nord- oste» der Stadt. Auf den» Grundstücke Mehnerstraße 1/2 beabsichtigt die kaiserliche Postdirektion eine Posthalterei erbauen zu lassen und der Abriß der auf dem Grundstücke befindlichen Ge- bäude soll derartig beschleunigt werden, daß derselbe am 1. Mai vollendet ist. Vorgestern Vormittag gegen Vsll Uhr waren zwei Maurer damit beschäftigt, aus dem dritten Stock des einen der Hofgebäude ein Fensterkreuz herauszuschlagen; letzteres saß jedoch ziemlich locker in der Mauer, und als nun der eine der Arbeiter mit einem Stemmeisen kräftig gegen das Holz stieß, flog das' Kreuz plötzlich aus der Füllung heraus und im weiten Boge» auf den Hof hinab, woselbst die beiden Arbeiter Harnisch und Bauer mit dem Abklopfen des Mörtels von den Klamotten be- schäftigt waren. Das schwere Holzgestell flog dem H. gegen den Kopf und traf B. auf den Rücken, so daß beide Männer bewußt- los zu Boden sanken; während B., der anscheinend nur leichte Verletzungen erlitten, sich bald wieder erholte, war Harnisch der- artig am Kopse verletzt, daß er besinnungslos nach dem Kranken- hause Friedrichshain gebracht werden sollte. Auf dem Transporte dorthin verstarb er bereits. Der Verunglückte, welcher 65 Jahr e alt war, hinterläßt Frau und Kinder. ?lie Entwrichuugon der Häusling e im Städtischen Ar- ause zu Rummelsburg nehmen bei Eintritt der ivarme» Jahreszeit sehr überhand. Erst am zweiten Osterfeiertage wurde die Verwaltung alarmirt, da an diesem Tage ein bei der Schneider- kolonne beschäftigter Häusling, der übrigens schon früher einmal und zwar unter ganz besonders schweren Umständen entsprungen war, an dem oben genannten Tage ebenfalls das Weite gesucht hatte und bis heute noch nicht ergriffen ist. Die Ausbrüche bei diesem Häusling sind um so niehr zu bewundern, als derselbe ein Krüppel ist, der einen Stelzfuß besitzt. Ilm Montag Abend ist es nun abermals einem bei der Kolonne beschäftigten Häusling ge- lungen, sich heimlich aus der Anstalt zu entfernen. Kurz vor Ein- schlich vermißte der dienstthuende Aufseher beim Antreten den be- treffenden Häusling; derselbe war aber trotz sofortigem Absuchen des Anstaltsterrains nicht mehr zu entdecken und hatte, ivie sich später herausstellte, seinen Weg über die Umfassungsmauer nach dem Waisengarten genommen, von wo aus er dann entkommen ist. Von demselben fehlt bis jetzt jede Spur. In der Thomnsliirchc fand gestern um 4 Uhr eine Hoch- zeit statt. Als der neu getraute Ehemann mit seiner jungen Frau die Kirche verließ, stellte sich ihm ein Mädchen mit Kindern in den Weg, schlug dem Bräutigam in's Gesicht und riß der Braut den Kranz und Schleier vom Kops. Wahrscheinlich hatte der Herr Bourgeois vor seiner Ehe ein zartes Verhältniß gehabt, mit dem er sich in der bekannten noblen Weise„abgefunden" hatte. Das Feichendegättguiß unseres verehrten Genossen, des Kupferschmiedes Leist vom„Cyclop", fand am Sonntag unter großer Äetheiligung statt. Der wohlgeordnete Zug umfaßte ca. 500 Personen, bei dem auch die zahlreich vertretene Schuymann- schaft nicht fehlte. Die Träger zu beiden Seiten des Leichen- wagens waren durch Spalier bildende Vertreter der Polizei ersetzt. Als der Chariteekirchhof erreicht war, machten reitende Schutzleute und die aufgebotene Gendarmerie von Tegel Front, so daß es den Anschein hatte, als sollte der Zug gesprengt werden, da in der Mitte des letzteren ein großer Kranz und einige rothe Schleifen sichtbar waren. Unter den Klängen der Trauermusik und gefolgt von den Genossen wurde der fc>arg zur Gruft getragen. Mehrere Genossen sandten dem Dahingeschiedenen inhaltS- volle Abschiedsworte nach. Vom Verein der Berliner Metall- arbeiter wurde ein Kranz niedergelegt mit der Widmung:„Dem Kämpfer für Wahrheit und Recht." Auch Vertreter des 6. Wahl- kreises legte» einen Kranz nieder. Ein Genosse brachte ein Hoch auf die internationale Sozialdemokratie aus. Die Ruhe wurde nicht gestört. ZloUzeibn'icht. Als am 21. d. M. Vormittags von dem Hauptgasrohr der städtischen Gasanstalt eine Leitung nach dem Hause Alexandrinenstraße 25 hergestellt weroen sollte, fand eine Explosion des dabei ausgeströmten Gases statt, wobei der Ar- beiter Müller so bedeutende Brandwunden an den Händen er- kitt, daß er nach dem Kcankenhause Bethanien gebracht werden mußte.— Zu derselben Zeit stürzte beim Abbruch des Hauses Mehnerstraße 1 ein Mansardenauchau ans dem 3. Stock auf den Hof hinab und traf den daselbst beschäftigten Arbeiter Hanisch, so daß er außer einem Bruch des rechten Beines eine schwere Kopfverletzung erlitt. Hanisch wurde nach dem Krankenhause am Friedrichshain gebracht, verstarb jedoch bald darauf. Ein ande- rer Arbeiter erlitt nur leichte Quetschungen an der Schulter und am Rücke».— In einem Schanklolal in der Kommandanten- straße entstand Abends zwischen den Gärtnern Kossatz und Bartsch eine Schlägerei, wobei letzterer durch einen Schlag mit dem Bier- glase eine schwere Verletzung des Hinterkopfes und eine Gehirn- erschütterung davontrug. Bartsch ivurde nach der Universitäts- Klinik gebracht.— Am 21. d. M. fand Nachmittags Friedrichs- felderstraße 24 ein Dachstuhlbrand und Abends WiihclmfUaar 73 ein Gardinenbrand statt. Gevichls-IZeikuns« Kerinträchtignng der G edrauchof ähi gü ett einra wichtige» Körperglirdeo bedingt nicht unter allen Umständen eine Verminderung der E r iv e r b s f ä h i g k e i t der von elfteren betroffenen Person. Diese für die Arbeilerkreise so ein- schneidende Entscheidung fällte gestern das R e i ch s- V e r s i ch e- r u n g s-A m t in der U n f a l l s a ch e des Bäckerlehrlings Georg Lauer in Barmen gegen die Nahrungsmittel- Berufsgenossenschaft. Der 15 Jahre alte Kläger erlitt beim Gebrauch der Knetmaschine eine Quetschung des Daumens bn; lmkm Hand, wodurch nach vollendeter Heilung eine Steifheit incjes Gliedes eingetreten ist. Tie Bernfsgenossenschaft und mit chr da-> Schiedsgericht in Köln nahmen an, daß die Ver- tetzung des Daumens, von welcher die Mitglieder des letzteren bel der persönlichen Anwesenheit des Verletzten Einsicht nahmen. so geringsügiger Natur sei, daß dadurch dessen Erwerbsfähigkeit nicht vermindert worden ist. Aus diesem Grunde wurde dem- selben zede auch noch so geringfügige Entschädigung abgesprochen. -Seit gegen die Entscheidung des Schiedsgerichts eingelegten Rekurs vertrat- im Termin der Redakteur I. Franke l. Auf seinen Antrag wurde das ärztliche Attest verlesen, aus dem her- vorging, daß die fragliche Verletzung beim Zugreifen hinderlicher sei, als ein steifes Glied. Daraufhin fährte er aus, daß gerade uii Bäckergewerbe die Daumen beider Hände intakt sein müssen und daß die niangelnde Gebrauchsfähigkeit des einen selbstvcr- stündlich die Leistungen minderwerthig mache. Er beantragte daher, die Beklagte zur Zahlung einer Rente von 10—15 pCt. zu verurtheilen.— Nach längerer Berathung erkannte der Gerichtshof unter Aufstellung des obigen Rechtssatzes auf Zurückweisung des Rekurses. Der Dorstaud dea Luckenwalder Arbetteriitne»»- Kerrrns, aus sechs Personell destehend, stand an« vorigen Donnerstag vor dem Geschivorcnengericht, angeklagt wegen Ver- aehens gegen das Vereinsgesetz. Eine Anklageschrift war den Frauen nicht zugegangen; sie erfuhren erst bei der Verhandlung, wehen man sie beschuldigte. Die Anklage stützte sich, wie 1885 «jeim Prozeß gegen den Vorstand des Berliner Arbeiterinnen- Vereins, daraus, daß der aus Frauen bestehende Vorstand zu- gelassen habe, daß in den Vereinsversammlungen politische Gegenstände erörtert worden seien und daß Frauen und Mädchen als Mitglieder aufgenoinmen ivurden. Bekanntlich verbietet§ 6 des preuflischen Vereinsgesctzes Frauen und Lehrlingen die Theilnahme an politischen Vereinen. In den Versammlungen sn über folgende politische Thematas gesprochen worden: Von Herrn Baginski über„Frauenarbeit", von Herrn Türk über „Moderne Poesie", von Herrn Bölsche über„Darwinismus außerdem hatte man bei den Diskussionen von der Feier des 1. Mai gesprochen, auch hatte einmal am Schluß der Versamm lung die Vorsitzende du internationale Sozialdemokratie hoch leben lassen; ferner sei einmal von Marx und Lassalle gesprochen und die Gleichberechtigung der Frau und der Klassen- haß gegen Fabrikanten gepredigt woroen. Auffallend sei es mich, daß nur Sozialdeinokraien gesprochen hätten. Der Staatsanwalt betonte, daß ans den Aufzeichnungen der überwachenden Beamten allerdings hervorgehe, daß der Vorstand bestrebt war, eine Hebung der wirthschaftlichen und geistigen Interessen der arbeitenden Frauen und Mädchen herbeizuführen; doch die weitere Erörterung der genannten Thenm, die dann über die örtlichen Verhältnisse hinausging, sei politischer Natur gewesen. Frauen sollten sich um Politik nicht kümmern, sie hätten Besseres zu thun! Geschehe dies dennoch, dann dürfe dies nur in ö s f e n i l i ch e n V e r s a m m- lungen sein! Im Frauenverein dürfe man nicht einmal nationalökonomische Fragen erwähnen, geschweige denn erörtern; aber es ist sogar über Gesetze, z. B. das Alters- versorgungs- und Jnvalidengesetz, gesprochen worden; die Frauen haben es gewagt, dieses einer abfälligen Kritik zu unterziehen. Daß die Frauen die Tragweite ihrer Handlungen nicht begreifen oder übersehen konnten, sei ein ersch w eren d er G run d zur Verurtheilung der Angeklagten. Der Verlheidiger führte folgendes aus: Eine Erörterung öffentlicher Angelegenheiten sei noch keine Einwirkung au> Gesetze und nur eine solche sei Frauen durch§ 2 des Vereinsgesetzes verboten. Wenn in der Versammlung nur Männer sprachen, die der politischen Richtung nach zur Sozialdemokratie gehören, so sei es eben sehr bedauerlich und andererseits sebr bezeichnend, daß man sich von anderer Seite nicht herbeilasse, den so gedrückten Arbeiterinnen aufzuhelfen. Man könne diesen Verein nicht schließen, wenn man Vereine wie de»„Allgemeinen deutschen Franenverein" weiter fortbestehen lasse, der doch thatsächlich be- zwecke, auf öffentliche Angelegenheiten einzuwirken, da seine weib lichen Mitglieder z. B. ganz offen das Wahlrecht erstreben. E< erfolgte darauf die Verurtheilung der angeklagten 6 Frauen 15 M. Geldstrafe evcnt. 5 Tagen Gefängniß. Der Verein w geschlossen,„da er offenbar nur gegründet war, um den Man Gelegenheit zu geben, ihre Ideen in den Kreisen der FraiiK zu verbreiten". Soziale MeHersiihk. A» da« Karton vetbranchrude Dnbliknm Kerlina! Bürger und Bürgerinnen! Der Verein Berliner Kartonfabri- kanten versandte an die Kunden seiner Mitglieder ein Zirkular, worin die Forderungen der Arbeitnehmer, womit dieselben an die Fabrikanten herantraten, als derart maßlose bezeichnet wur- den, daß eine Bewilligung derselben die Existenz unserer Jndusttie- zweige überhaupt in Frage stellen würde. Nun, wir Proletarier der Kartonbranche behaupten, das ist nicht wahr. Beweis ist: daß Kartonsabrikanten binnen kurzem immer in der Lage sind, sich Maschinen im Werthe von Tausenden, Häuser und Villen an- schaffen und bauen, sich Pferd und Equipagen halten und ele- ganten Haushalt führe». Wir fragen, kann ein Jndustrieziveig, der alles dieses den Fabrikanten abwirst, in Gefahr gebracht werden durch eine Verkürzung der Arbeitszeit»in 2 Stunden und einen Prozentzuschlag für die Akkordarbeiterinnen? Wir sagen nein; und die Antwort des Publikums wird ebenso lauten. Also ist die Behauptung der Fabri- kanten nicht wahr. Weiter ist nicht wahr, daß vor 6 Monaten, wie es in dem Zirkular heißt, eine bedeutende Lohnerhöhung stattgefunden hätte. In einer Fabrik, in der das geschah, find sie nach und nach reduzirt worden. Wenn dann weiter gesagt wird, wir hätten die Arbeit ohne Kündigung nieder- gelegt, nun, dann sagen wir ja, aber es war nur eine Antwort auf die geschehene Massenkündigung und beschloffene Aus- hungerung. Ob wir recht oder ungerecht gehandelt haben, über- lassen wir Jedem selbst zu beurtheilen. Das Zirkular schließt mit der Bitte, Rücksicht zu nehmen, bis die Arbeitsslellen durch Ar- beitskräfte von außerhalb beseyt sind. Wir bitten, keine Rücksicht zu nehincil. Soll die Zahl der Prostituirten, die genau einmal so groß ist, als Berlin Militär beherbergt, noch mehr vermehrt werden? Die Löhne der Arbeiterinnen der Kartonbranche sind dazu angethan. Die streikenden Kartonarbeiterinnen und Arbeiter Berlins. Achtung! Schuhmacher! So nothwendig es ist, daß viele Kollegen Berlin verlmje», um uns den Kampf gegen das Kapital zu erleichtern, so müssen wir doch die Kollegen warnen, wenn dieselben Berlin verlassen und ihr Glück in anderen Orten suchen. Folgende Städte find zu meiden: Brandenburg a. H., Magde- bürg, Burg, Braunschiveig, Frankfurt a. M., Frankfurt a. O., Spandau, Potsdam, Charlottenburg, Hamburg, Delitzsch, Elms- Horn i. H., Brenierhasen, Harburg, Ottensen, München, Nürnberg. Kollegen, eS mag wohl Manchem die Wahl schwer werden, wohin er sich wenden soll, allein es ist Ehrensache, unseren Kollegen den Kampf nicht zu erschweren. Die Lohnkoinmission. Achtung! Schuhmacher Kerliua! Kollegen! Wie Ihr schon aus den früheren Berichten ersehen habt, ist am Montag, den 21. April, der allgemeine Streik der Schuhmacher Berlins in einer von ca. 5000 Personen besuchten Verscunmlung beschlossen. Dieser Beschluß wurde von der Versammlung mit großer Be- geisterung aufgenommen und ist demzufolge eine große Betheili- gung zu erivarten. Kollegen! Nun ist es nothwendig. fest zur Lohnkommission zu stehen und Mann für Mann den von Euch aufgestellten Lohn- tarif aufrecht zu erhalten. Rüttelt deshalb die noch Schläfrigen auf, dann ist der Sieg der Kollegen sicher. Wir erachten es als unsere Ausgabe, Euch von dem lausenden Gang der Stteikbeive- gung zu unterrichten. Kollegen, es haben bis zum Schluß des Streikbureaus(4 Uhr) folgende Arbeitgeber bewilligt: 1. Klasse Äuschrat. 2. Klasse Mohr, Stolzenberg(Münz- straße), Braune, Stolzenberg(Kommandanten siraße), Schwin- towski, Mielenz, Krahner, Andresen, Krügel. 3. Klasse Risch, Smith, Emmel, Hahne, Baier, Ege, Donath, Seeger, Lehmann, Boldt, Pusch, Boggemann, Bau- mann, Laube, Lange, Schütz, Dames, Stockmann, Rohmann, Ellmann, Albrecht, Krüger, Diewell, Wissel, Kagell. Wendel, Steinporn,'Altmann, Rippert, Seeger, Schäfer, Schendel, Burghardt, 6. Export, H. Lewerenz, Coper, Mielke, Wet- schoreck., Kollegen, angesichts solcher Thatsachen, solcher glänzenden Errnngenschasten an einem Tage haben die Kollegen alle Ur- fache, zufrieden zu sein und ihren Kampf muthig weiter zu führen. Kollegen haltet fest zusamnien, zeigt daß ihr nicht länger geivillt seid, ein Leben voll Unterdrückung und Entbehrung zu führen, daß ihr nicht länger gewillt seid. Euch einen Lohn aufzwingen zu lassen, welcher nicht einmal ausreicht, die Volksküche zu be- suchen, viel weniger Euch um etwas anderes zu kümmern. Kollegen, stehet fest zusammen, wie ein Mann tretet ein in den Kamps, einer für den anderen! Richtet Euch nicht nach den Säumigen, sondern nach den zielbewußten Kollegen, denn nach diesem Resultat ist der Sieg unser. Zur weiteren Bericht- erstattung ist auf Donnerstag Vormittag eine Versammlung nach Sanssouci, Kottbuserstr. 4a, einberufen und werden alle Kollegen ersucht. Mann für Mann zu erscheinen. Die Kommission. I. A.: Süßmeyer. Achtung, Klempner! In der MetaNwaarensabrik von Govcrt ii. Ko., Lausitzerstr. 34, haben sänimtliche Klempner, 13 an der Zahl, die Arbeit niedergelegt, weil ihnen vom Fabrikanten für einen neuen Artikel ein so geringer Akkordlohn gestellt worden ist, daß es unmöglich ist, mit demselben auszukommen. Auch eine Forderung auf 24 M. Wochenlohn wurde abgelehnt, da man nach Ansicht des Meisters mit 21 M. sehr gut auskommen kann. Zuzug von Klempnern ist nach obiger Fabrik fernzuhalten. Achtung! Arbeiter Serlins! Tie Schraubensabrikanten versuchen, durch Annonzen aus allen Branchen Leute heranzu- ziehen, da von den streikenden Schraubendrehern sich noch kein einziger gesunden hat, welcher sein gegebenes Wort brechen würde. Wir appelliren an das Solidaritätsgesühl der Arbeiter Berlins und bitten, den Zuzug strengstens fern zu halten. Die Kommission. In der Eisengießerei der Firma Gehrs n. Komp., Wienerftr. 36 a, ist der Schlosser Risch wegen Sammlung von Unterschriften zu einer Aufforderung an den Fabrikanten, den 1. Mai frei zu geben, entlassen worden. Achtung! Der Streik der Firnia Friedrich Siemens u. Ko. dauert unverändert fort. Zuzug ist fern zu halten von Schlossern, Drehern, Gießern, Klempnern, Formern, Kernmachern, Modell- tischlern und sämmtlichen Hilfsarbeitern. Potsdam, 22. April. Der Streik der Tabakarbeiter von Potsdam und Neuendorf ist nach einer sechswöchentlichen Dauer für die Arbeiter siegreich beendet, alle Fabrikanten haben fämmt- liche Forderungen bewilligt; es ist wieder der klare Beweis ge- liefert, daß ein festes Zusammenhalten, ein zielbewußtes Vorgehen der Arbeiter, auch diesen stets den Sieg sichert, und daß stets an die Einigkeit der Arbeiter alle Machinationen der Arbeitgeber scheitern. Ter Kampf war ein sehr harter, die Unterstützungen sind sehr spärlich eingelaufen, so daß die Abrechnung mit einem Defizit abschließen wird. Wer also noch sein Opfer dringen will zur Teckling dieses, möge Zuschriften an Unterzeichnete senden. Auch werden Tie-««igen, ivelche noch Sammellisten von uns in Händen haben, sMeten, diese ebenfalls dort abzuliefern. crsanttnluitgctt. ie berliner Schuhmacher waren am Montag zu recht ni Thun im Konzertsaale der Attienbrauerei Friedriche- am versammelt. Es galt die Berathung und Beschlußfassung über die Proklamirung des allgemeinen Aus- t a n d e s. Wie sehr die Schuhmacher die Wichtigkeit der Tages- ordnung erkannt hatten, war ans dem Besuche oer Versammlung, welche diesen größten Saal Berlins in gedrängter Masse füllte, owie aus dem freudigen Interesse, mit welchem die nach Taufen- zen zählende Menge den Verhandlungen folgte, zweifellos erficht- lich. Das Bureau der imposanten Versammlung bildeten die Herren Klinger, Richard Baginski und Niederauer. 3or Eintritt in die Tagesordnung beantragte Herr Wartenberg, ofort den allgemeinen Streik zu proklamiren. Da sich gegen diesen Antrag kein Widerspruch erhob, so proklamirtc der Vorsitzende, Herr Klinger, im Namen der Lohnkommisston der Berliner Schuhmacher den allgemeinen Streik der Berliner Schuhmachergesellen.(Jubelndes Bravo.) Herr Klinger verwies darauf auf die Bedeutung dieses Beschlusses und richtete an die Kollegenschast den energischen Appell, nun auch mit aller Kraft einzutreten und auszuhalten, bis die Forderungen erfüllt sind. Nieinand dürfe zum Streik- brechet werden. Von lebhaftem Bcifalle begrüßt, nahm hierauf Herr Max Baginski das Wort. Derselbe ermahnte, keine privaten Abmachungen mit ihren Arbeitgebern zu treffen, sondern die Regelung der Verhältnisse allein der Lohnkommission zu über- lassen. Nur durch eine einheitliche Organisation sei etwas zu erreichen. Diese Lehre hätten die Schuhmacher aus dem Streik vor zivei Jahren zu ziehen, welcher durch den Mangel an Ein- heitlichkeit viel von seinen Erfolgen eingebüßt habe. In scharfer Weise kritisirte Redner die heutigen sozialen und wirthschaftlichen Zustände und wies daraus hin, daß der Erfolg des proklamirten Streiks nicht von der Lohnkommission, sondern von den Kollegen selber abhänge. Nur wenn alle Kollegen Mann für Mann hinter der Lohnkoinmission, hinter dem Streik stehen. Jeder sei verpflichtet, im allgemeinen Interesse Opfer zu bringen. Deshalb müßten alle persönlichen Vortheile in den Hintergrund trete». Niemand dürfe aus große Geldunterstützunge» hoffen, der Geist der Solidarität solle und muffe die Kollegenschaft beseelen, nur das allgemeine Interesse dürfe im Auge behalten werden. Jeder müsse zu der Erkenntniß kommen, daß der Einzelne nichts, die geschlossene Menge alles vermag. Ein günstiger Erfolg des Streiks sei nur zu erwarten, wenn die Kollegen ausharren und nicht schon nach kurzer Zeit fahnenflüchtig werden. Allerdings stellen sich bei einem Streik regelmäßig die Elemente ein, welche im Trüben zu fischen hoffen. Doch ermahnte Redner, den Geist der Bruder- lichkeit walten zu lassen. Die Schuhmacher der Um- fegend Berlins, von Potsdam, Spandau, Charlottenburg, er- lären sich, wie der Referent berichtete, mit den Berliner Kollegen solidarisch, auch werden auswärtige Börsenarbeiter zu Gunsten der Berliner Schuhmacher die Arbeit niederlegen. Der Streik soll ein Vorpostengesecht sein zu dem unausbleiblichen Kampfe zwischen Kapital und Arbeit. Deshalb forderte Redner die Kollegen auf, um dieses Vorposteiigefecht siegreich zu gestalten, Alles aufzubieten, die indifferenten Kollegen für die gerechte Sache durch Aufllärung zu gewinnen zu suchen, um eine Besserung der überaus traurigen Lage der Schuhmacher zu erringen, die Arbeit von dem auf ihr lastenden Drucke des Kapitals zu befreien. (Großer rauschender Beifall.) Vor Eintritt in die Diskussion machte der �Vorsitzende verschiedene eingelaufene Mittheilungen, die hauptsächlich die Zusammenkünste einzelner Fabriken und Werkstätten behufs Besprechung der Streikangelegenheiten betrasen. Auch wurde bekannt gegeben, daß das Streikbureau für Moabit sich Birkenstraße 24(Restaurant Fick) befindet. Die Forderungen, welche an die Arbeitgeberschast gestellt werden, bestehen in den verschiedenen Lohntarisen, welche von der Lohn- komniission ausgearbeitet und von der Allgemeinheit anerkannt worden sind. Diese Lohntarife, welche einen wöchentlichen Mindest- lohn von 18 M., sowie eine tägliche zehnstündige Arbeitszeit, Be- seitigung der Sonntagsarbeit, sowie Lohnzahlung des Sonnabends bedingen, sollen zur Durchführung gebracht und unverzüglich den sein. stehe Bücher i haben, n «rr Damm thaus Sa iß die Eiw vdaß ein U itspinnt si -klärt, daß in Vergnü Irrangemen -sticht der Arbeitgebern zur Unterschrift vorgelegt werden. lanfenen Antrag auf Errichtung eines permanent» weise-Vureaus beantwortete Herr K l i n g e r bahnt Dauer des Streiks der Arbeitsnachweis in den Ha-' kommission ruhe. Dieselbe hat ihr Bureau im Lo Lteyer(Alte Jakobstr. 83), dort sind auch alle 3)1 statten. Ter Frage der Errichtung eines perina- Nachweises wird nach Beendigung des Streiks näher Vor Eintritt in die Diskussion ermahnte der folgenden Redner, sich möglichst kurz zu fassen. � sich nicht mehr um Worte. Ter Worte seien geiM� handele es sich um Thaten, d. h. das HandwerisD e unberührt zu lassen, bis die gerechten Forderung» 1»gebotene i Schuhmachcrgesellen zur Durchführung gebracht 3™. ammlung 1 den Redner folgten dieser Weisung und hoben oeiW ß>trag des: daß die erzielten Erfolge nur durch die feste gesch'�'. onnnission sation hochgehalten werden könnten und machte» �ders, Rol allen Kollegen zur Pflicht, dem Verein zur WaWA ,ird das! essen der Schuhmacher und verwandten Berufsgenon»t e stimmt, s Dieser Pflicht wurde auch während einer Pause, Ürzung der der Versammlung in reichem Maße genügt. Auch w erstanden s den Kollegen dringend ans Herz gelegt, keinerlei �jV.sse des Art Einzelnen mit den Arbeitgebern abzuschließen, stn". Abschaffung für die gemeinsame gerechte Sache einzutreten. J'WMaße vorlo Diskussion gelangte folgende Resolution einsttmlNig r, Betreff des „Die heutige Schuhmacherversammlung beschließt, onv.iuttng, dah Arbeit ruhen zu laffen und sich Mann für Man» ,ljng, in we> stratton zu Gunsten der achtstündigen Arbeitszeit»'.wird, einstiu um durch eine Verkürzung der Arbeitszeit die Nachts. legen in Arbeit zu bringen. Ferner erklärt die? Tie uö Mann für Mann in den Lohnkamps einzutreten m. Mai, Vor nicht eher aufzugeben, als bis die Lohnkommispon Jtajjc 28, st, beendet erklärt hat." Diejenigen Kollegen, welche Eine bewilligt erhalten, werden ersucht, wöchentlich 1 � tt N�ouarb Streikbureau, Alte Jakobstraße 83 bei Neyer, zur M. d. M. i« der streikenden Kollegen abzuliefern. Die Versanm» Srittei der sich hiermit einverstanden. Auch wurden die? lrbeltennnei Kollegen ermahnt, täglich ihre Streilkarten abstenl� Immission. Die Bureaus für die einzelnen Stadttheile, in denr weit Nhttwo Morgens ab heute Meldungen entgegengenoinmen' er Arbeiterl auf den Lohntarisen verzeichnet. In Charlottenburg willigt erhal mittags in der Gambrinus- Brauerei ebenfalls der er mederzul klamirt werden. Die bewilligten Lohntarife sinp., en sollen al statten aufzuhänge» zu Jedermanns Einsicht._ DC Witten mit d sammlung findet am Donnerstag Vormittag statt.'Fabrikautenv Schlußworte des Referenten wurde die VersamMWohn einige sprach unter großem Beifall über das angesetzte Theu>« 5�.® t.e( Resolution wurde gegen zwei Stimmen angenommeli. J*. A"lyeu öffentliche Versammlung der Maler und Anstreich-r ,?» Herr Zc vorigen Jahre in drei öffentlichen Versammlungen feiern: Morgens 9 Uhr Versammlung. Nachmitw«- �erschrm� meine Landpartie, und ist zur Anordnung und' bl Komitee von drei Mann zu wählen. Gewählt wiw, r( legen Schweitzer, Retzerau und Minkley. In ftmein 0 0- sprach der Referent seine Jrende über den gefaßten%. 0.. L-. ri.ir______ rj.„iAta nll forderte aber die Kollegen auf, sich durch nichts an provoziren zu lassen. Im zweiten Punkt der 7 „Stellungnahme zu dem Streik der auswärtigen R Herr Link aus, daß es sich überall in allen Str Verkürzung der Arbeitszeit handle. Daß wir ve gerade solche Streiks zu unterstützen, sei aus dein der Tagesordnung eriviesen. Er ersuchte die An" allen Dingen den Zuzug nach Hamburg, Hann Kiel, Flensburg, Freiburg i. B., Magdeburg und b zu halten und die von der Vereinigung Marken umzusetzen. Mit Freuden sehen wir der Kollegen in den kleineren Städte, welche fallen gelassen und einsehen gelernt haben, Kapital nichts zu erwarten sei. Würden in den kleinen Städten besser gestellt sein, so der Massenzuziig nach den Großstädten vermindei� In der Diskussion sprachen sämmtliche Redner»V Referenten, worauf folgende Resolution einstimmig»I wurde: Die am 18. April tagende öffentliche Vcrso° Maler und Anstreicher erklärt sich mit den außerha-" t e i n b e r >en arbeiten durch sortivä -lächerlich ma des Herrn A ix Heranzii n Antrag lit Ausschl nitbe ebcnfi -ei eine Schc ■ mdeln. C ärchen aus -halten, da icrde. Und s Fabrikanten mter ihnen. 'orderungen erleiten zr Ehrungen. Ie Frauen' Kollegen solidarisch und beschließt, mit aller wirken, daß die Kollegen niateriell wie werden.■. Hierauf wurde die Versammlung mit einem dre- auf die internationale Arbeiterbewegung vom Sw" ' 3 Donnerstag, den 17. d. M.» fand t'itt'V lung der Arbeiter der Telegraphenbau-Anstalt-3 m, ü) ann, G ürmischen i -r Arbeite) -rsammlun ieder die: . er daraus ürd acht 5 Genest, Aktiengesellschaft, im Lokale des Herrn Rey»,.Sie werden straße 33, mit folgenvcr Tagesordnung statt: Tie..iabeud wie! den Mißstände in der Fabrik. Diskussion. Verschtts.j�Nachdem u 1. Punkt führte Kollege Trittelwitz aus, daß die 2i1�' den, welch um 3/4 Stunden täglich verkürzt worden ist, jedoch--.-Generalstre der Lohn- und Akkordarbeit nicht durchgehend ftattg' �zeugende V demzufolge haben sämmtliche'Rollenwickler die Ar ��geschlossen. legt. Um eine fernere Verständigung unter den Ay' J Am| hindern, wurde folgende Verordnung in der Fabrtf*&» Lokal, l „Dem bei uns arbeitenden Personal wird Hierour® �-streikenden verboten, andere Arbeitsräume der Fabrik ohne fchy,»ordnung st weis zu betteten. Wer ohne diesen schriftlich� Kz. Diskuss über den Zweck seines Aufenthaltes in einem srew''»(erschienen getroffen wird, oder sich längere Zeit, als es der �-»geschritten. in einem Saale aushält, wird von dem betteffenvc � �Sireiks llo hinausgewiesen, bei Zmviderhandlungen erfolgt u»» xfttzie Streiki sofortige Entlassung." Es wurde eine Koimins!� � wurde e i Mitgliedern gewählt, welche nachstehende Resolutis».„Königsba leitung zu unterbreiten hat: ,:[ st streikeiiden Resolution:„Sämmtliche am 17. SU if � gegen die versammelten Arbeiter der Aktiengesellschaft � � erklären sich damit einverstanden, eine Komnnst( Mitgliedern zu wählen, welche Petitionslisten der Direktion ihre Forderungen zu unterbrei», Unter„Verschiedenes" kritisirten verschiedene, Handlungsweise des Meisters Hübner. Ztini. den noch sämmtliche der Organisation fernstehenden' gefordert, einer solchen beizutreten, da nur durch w ganisatton etwas Ersprießliches zu erreichen sei. i Der Derband der dentsche» Vold terdächtig verschämt« seien, den lung ist ii geschlagen erzielten S In sittlick gründetest rapid Der Derband der deutsche» Gold-"» ß der Wohn aiveiter(Mitgliedschaft Berlin) hielt am 16. � vollauf g, stein's Restaurant. Alte Jakobstr. 75, eine gut besu��Arbeitszei „s,,,,/.«.ii Tagesordnung ab. l'.1, Arteitertl .............. k'S�Sch.?- Ablieferung der statistischen Fragebogen. Ter, deiter ent Tagesordnung mußte, weil der Referent ohne W vjftetesfe theilung zu machen, nicht erschienen ivar, leider ö�'V r und ersucht der Vorsitzende die Anwesenden, in dea�'Ä das "■"'"ches, einzutreten. Hierzu berichtete der Kassi�g/ sittlich ca.«. SSftf ÄÄÄ K hafte Entrichtung der Beitrage und ersu® fr glieder, in dieser Beziehung doch eliv®» I .„ au sein. Nachdem die Revisoren erklärt hatten, sämmt- U Bücher und Belege geprüft und in bester Ordnung gefunden HU haben, wird dem Kassirer Decharge ertheilt. Hierauf berichtet �Ä�Werr Damm über den geschäftlichen Theil der am lü. Febr. im Kon- n Äthans Sanssouci abgehaltenen Matinee. Daraus geht hervor, ? mSon die Einnahmen 268,80 M. betragen, dre Ausgaben 17ch10 M., „»«odaß ein Ueberschuß von 96.70 M. verbleibt. Ueber die Matmee '��Äntspinnt sich eine lebhafte Debatte, in welcher der Vorntzende ��Mklärt. daß zu derartigen, künstig vorkommenden Fallen unbedingt w /.Aiin Vergnügnngskomitee gewählt werden müsse, welches die '■ ��»�dngements in die Hand nimmt. In Betreff der Bibliothek jgttfucht der Vorsitzende die Anwesenden, den Vorstand zu er- wertsJ�dchtigen, eine den Verein für eine ganz unbedeutende Summe --- rrr-rr' MWM~ Art vv.n. wu»oÄliii eme ganz unveoem Angebotene Bibliothek käuflich erwerben zu können. Die«er- zt fr kiaiumluug beschließt demgemäß und werden im weiteren auf n �!?Ämtrag des Herrn Lindemann folgende 6 Mitglieder als Sbibhothek- >ommission geivählt: Schneider, Döring, Fremmth, Luck, V�LKU" lei Ko�ss des Arbeiters ii°»°......*• � ' miJi slbschaffung der gerade in unserer Branche in so ailsgedehntei» r �JHaße vorkonimenden Sonntags- und Ueberfcierabcnd-Arbeit. In wng''�etreff de3 1. Mai wird ein vom Kollegen Konrath gestellter Pt.'""".stutrag, dahingehend, den 1. Mai Vormittags eine Festversamm- Na«»-'ung, ivxlcher ein dem Tage entsprechender Vortrag gehalten szeti ö'Vinrd, einstimmig angenommen. Schluß der Versammlung 12 Uhr .c arvo�g�tj-� die K Tie nächste Versammlung(Fcstversainmlung) findet de» �e>i, Vormittags 9 Uhr, in Jordan's Restaurant, Reue Grün- sgon-.traßc 28, statt. (flu» öffentliche Nerfinumlung der streikeude» lartonarbeitev und Arbritcriuneu fand am Freitag, den . d. M. im„Königstadt-Kasino, Holzmarktstraße, statt Zwei •ittcl der den Saal überfülleuden Anwesenden bestanden aus Arbeiterinnen. Zum 1. Punkt der Tagesordnung: Bericht der komliiission, nahin Herr Greisfenberg das Wort. Er führte aus: »eit Mittwoch haben keine Unterhandlungen der Fabrikanten mit er Arbeiterkommission stattgefunden. Alle diejenigen, welche be- »illigt erhalten haben und jetzt arbeiten, haben die Arbeit wie- er niederzulegen, da der Generalstreik fortdauere. Die Streiken- en sollen alles zu vermeiden suchen, was zu irgend welchen Kon- lttten mit der Polizei führen könne. Am Donnerstag habe eine '-".brikantenversammlung stattgefunden, zu welcher durch Herrn ihn einige Mitglieder der Kommission eingeladen waren. Als 0 eiiN�ie in den Saal eintreten wollten, wurde gefragt, ob Herr Greissen- schloss�jerg unter ihnen sei. Als diese Frage bezaht wurde, wurde diesem Ualtt gedeutet, er dürfe den Saal nicht betreten. Als die anderen Borsll.'»llegen nun auch nicht eintreten wollten, wurde es ihm erlaubt. lus eine Aeußerung aus der Versammlung, die an- lesenden Arbeiter möchten ihre Mittheilungen machen, anwortetc loUege Stein: Er wisse nichts von den Fabrikanten zu machen- en Mittheilungen, er könne aber der Versammlung unterbreiten, iaß Herr Jakobsohn gesagt habe, er werde den Streik in die 'änge zu ziehen suchen, damit die kleineren Fabrikanten vernichtet leroen. Hierauf große Unruhe unter den Fabrikanten. Zwei der- selben, welche bewilligt haben, die Herreu Angreß und Friede, sklärteu, sie hätten nichts bewilligt; trotzdem die Kommission die Unterschrift des Herrn Friede habe und bei Angreß unter den vn den Arbeitern gestellten Bedingungen gearbeitet werde.— lrotzdem die Kollegen bald aus der Fabrikantenversammlung »rtgingen, sei es ihm, Redner, doch möglich, noch einige Vor- singe aus derselben zu erzählen. So sei ein Antrag des Herrn Stein berg, garnichts zu bewilligen, sondern wieder loStun- I. den arbeiten zu lassen, abgelehnt, weil die Fabrikanten sich ' Koli/dnrch fortwährendes Aenderu ihrer Beschlüsse der den Arbeitern Z�lsNcherlich machen würden. Demselben Schicksal versiel ein Antrag ~" �dcs Herrn Alexander, welcher die Gründung eines Fonds, " ti Heranziehung von Arbeitskräften ans Sachsen, wünschte. sin Antrag des Herrn Angreß, mit der Arbeiterkommission mit Ausschluß einiger Mitglieder derselben, zu unterhandeln, wurde ebenfalls abgelehnt. Herr Grunow bemerkte hierzu, es lei eine Schande, mit einein früheren Arbeitsburschen zu unter- ' mdeln. Ein anderer Fabrikant wollte seinen Kollege» das iärchen ausbinden, die Kartonarbeiter hätten ans Paris 2000 M. chatten, damit das Prinzip der Achtstundenarbeit durchgeführt lerde. Und so ging es fort. Zu einem desi»itive,> Beschluß seien die Fabrikanten nicht gekommen. Zerrissenheit und Unfriede herrsche mter ihnen.— Mit einer Aufforderung zum Fesihalten an den Forderungen und sich nicht am Montag zum Arbeiten lerleiten zu lassen, schloß Kollege Greiffenberg stine Aus- ührungen.(Beifall.) An der Diskussion belheiligten sich ie Frauen Freudenberg, Greiffenberg, Dahlmann md Hak s, sowie Frl. Z e i p e l t und State r und die Herren lilÄr Arbeiterinnen ist, daß Versammlung versucht hat, c (Webet die neunstündige ei»j lt darauf anzogen, sagte ZlWsrd acht Stunden gearveiti �...«ürinischen Beifall bel'ohnt. Lervorzubebeii aus den Äusfübrungen Arbeiterinnen ist, daß Herr Friede nach der Fabrikanten- ersammlung versucht hat, an Stelle der achtstündigen Arbeitszeit lieber die"„.ncw.L.:..........-• einzuführen; als die Arbeiterinnen sich ., gte er:„Mag kommen, was da will, es .-s' ��uiter Verschiedenem eine Resolution angenommen wor- ü"«ääxäs geschlossen nut einem Hoch auf die gerechte Sache . Ä™r V-»tag. den 31. April. Vormittags 11 Uhr, fand eikenbe'n'-I?a>iks>lrterstr. 117, eine Versammlung der . 1 und Arbeiter statt. Auf der Tages- •'» nwÄ des Stadtverordneten Otto Heindorf. r � verschiedenes. Da der Referent noch nicht ro�' �de zunilchft zum dritten Punkt Verschiedenes ! Vorsitzende legte den bisherigen Verlans des i» u er sicherte, daß derselbe auch im weiteren für ssion xlwilrb'l. Ä« � ausfallen würde. Folgende Resolution den Fabrikanten in die Oeffentlichkeit geschleuderten ml»» ar. J. ch�Mngen, wonach die Forderungen der Streikenden als un- ,:I hingestellt werden, und welche geeignet Z�siki chlagene Lohnerhöhung in Frage kommt, diese durch den bisher ,«fM�i��en Verdienst,— bei dem besonders jener der'Arbeiterinnen .,,i( und gesundheitlicher Beziehung zu den be- .ruildetesten Befürchtungen Veranlassung giebt— der durch nit' fi k?, erstiegenen Lebensmittel, sowie dem Anwachsen »ri! �der Wohnuiigsmlethen, fortwährend künstlich herabgemindert wird, �, Lerechstertigt ist. Das Gleiche gilt von'der geforderten Ki*2 lodtb*— ganz abgesehen davon, daß diese von der Arbeiterklasse aller Länder mit moderner Zivilisation gefordert Ifro r-tT" uoch keineswegs durch den stetigen Fortschritt der i iFjUlchmeritechnik fortwährend überflüssig werbenden Zahl der Ar- cv,1,. entspricht. Andererseits ist ver achtstündige Ärbeitstag im physischen und geistigen Wohlbefindens, der besseren �'stiingsfähigfeit und Tüchtigkeit der Arbeiter nur zu geboten, »D�istUs auch in überzeugendster Weise durch das niedrige durch- insmltltche Lebensalter der Arbeiter erbracht wird. Ein Hinweis, rl"oh} genügend ist und ganze Bände von dem durch die Jini=?f.e Ausbeutung geschaffenen Elend der Arbeiter spricht, diese» Grunde auch die Anerkennung aller wahrhaft i W Wch und human denkenden Freund« der Arbeiter gefunden m 5. di« hat. Die Versammlung bestreitet des weiteren nicht nur jene aus den Forderungen der Arbeiterinnen und Arbeiter abgeleiteten Sckslußsolgerungen, wie beispielsweise den Ruin der Karton- fabrikaiio», sondern sie spricht den Fabrikanten das Recht und die Kompetenz zu diesem Urtheil rundweg ab, da dasselbe ohne vorherige Verständigung und Rücksprache mit den eigentlichen Konsumenten nur zu dem Zwecke erfolgt ist, die Forderungen der Streikenden unmöglich zu machen und sich für die Zukunft das Recht der weiteren schrankenlosen Ausnutzung zu sichern. Soweit aber von einem Rum die Rede sein kann, kann derselbe nur in der thatsächlich grassirenden fortwähren- den Preisherabsetzung und gegenseitigen Unterbietens der Preise gesunden werden, wie andererseits die Blüthe der Kartonbranche nicht nach dem Reichthum und Wohlstand der Fabrikanten, sondern nach dem wirthschastlichen Wohlbefinden sämmtlicher in der Fabrikation thätiger Arbeiterinnen und Arbeiter bemessen werden kann." Da inzwischen Herr Heindorf erschienen, erhielt derselbe zu seinem Vortrage das Wort. Derselbe sprach über die Entstehung der allgemeinen Arbeiterbewegung. Zum Schluß wurden noch ver- schiedene Mißstände der einzelnen Kartonfabriken, namentlich das Verhalten einzelner Werkführer und Direktricen den Arbeiterrnnen und Arbeitern gegenüber, gerügt. Um 2V4 Uhr wurde die Ver- sammlung mit einem Hoch aus die Arbcitersache geschlossen. Dir streisieudeit Uoll- und Lastiuhvwrrüs-llutschee waren Dienstag Vormittag wiederum in Jordan's Salon, Reue Grünstr. 28, versammelt. Die Haltung der Streikenden ist wie bisher eine musterhaste. Ueber den ersten Punkt der Tagesord- nung:„Die Arbeit früher und jetzt," sprach Herr Gustav Link unter allgemeinem Beifall. In der Diskussion besprach zunächst Herr Schütte die Organisation und ging dann näher ans den bisherigen Verlauf des Streiks ein. Er ersuchte die Anwesendenj sich recht rege an der Diskussion zu betheiligen und ihre eigene Meinung kund zu geben. Es sprachen hierauf mehrere Redner über den Streik, die meisten jedoch für Beibehaltimg des General- streiks. Herr Grauer empfahl gleichfalls den Generalstreik und machte gleichzeitig den Vorschlag, noch eine Versamm- lung der Rollkutscher und Spediteure einzuberufen, damit den Arbeitgebern ebenfalls Gelegenheit gegeben werde, sich auszusprechen. Dieser Vorschlag fand allseitige Zustimmung. In seinem Schlußwort forderte Herr Link zu reiflicher Ueber- legung vor der Abstimmung ans, und unterzog das Verhalten der -.rossen Firmen einer vernichtenden Kritik; gleichzeitig ging dr* Redner noch näher auf die Kautionsfrage ein und wies r daß diese Kaution, welche den Kutschern von dem so wiMgen und schwer verdienten Lohne abgezogen worden, nicht einvehalten werden darf, sondern nach dem Gesetze den Kutschern voll und ganz ausgezahlt werden muß. Die Abstimmung ergab nunmehr die Beibehaltung des Generalstreiks gegen l Stimme. Herr Schütte und Herr Link ermahnten nun nochmals, jetzt aber auch dem Beschlüsse gemäß zu handeln und nicht etwa, durch Ver- sprechungen der Arbeitgeber verleitet, den Versammlungsbeschlüssen untren werden. Hierauf schloß Kollege Brunsch die imposante Versammlung.— Am Mittwoch Vormittag findet wiederum eine Versammlung in demselben Lokale statt wozu sämnttliche Spedi- teure eingeladen sind. ... In denUerfammlnngsbevicht des fozinldmokvntij'che» Mahlvereina für den VI. Mahlürris ist aus Versehen sol- gender Passus mit hineingekommen: „iNL. Allen Genossen des VI. Wahlkreises zur Kennt- niß, daß der 1. Mai im„Moabiter Schützenhaus" in Plötzensee gefeiert wird; hiermit verbunden sind Konzert, Tanz und Kindcrbelustigungen. Sollten sich andere Ge- werkschaften uns anschließen wollen, so ist Auskunst hier- über zu erfragen bei Eugen Ernst, Hussitensir. 83." Die Belustigungen, die daselbst stattfinden, gehen keineswegs von dem Verein aus, sondern werden von dem Wirth unternommen. Eine Einladung an andere Gewerlschasten ist nicht ergangen, da- gegen sind Gesellschaften willkommen. Herr Ernst wohnt übrigens Hussiteustr. 83. _ Eine zahlreich besuchte U ersammlung des Fachvereins der Tischler tagte am 17. d. M. in Joöl's Lokal am Andreas- platz. Der 1. Punkt der Tagesordnung bestand in einein Vor- trag des Herr» A. Gerisch über Rational-Reichlhum und National- Armuth. Die Ausführungen des Vortragenden waren höchst wirkungsvoll und wurden von der Bersammlung mit reichem taeifall belohnt. Unter„Verschiedenes" werden eine Reihe von Streik-Unterstützungsgesuchen erledigt. Ueber die Bewilligung einer Summe für die streikenden Stockarbeiter soll nach vor- genommener Recherche der Vorstand befinden. Ein Vertreter der streikenden Kartonarbeiter und-Arbeiterinnen ersucht um eine Unterstützung derselben und betont dabei, daß man durch gegen- wärtigen Streik hauptsächlich die elende Lage der Arbeiterinnen aufzubessern bestrebe. Es werden sofort 100 Mark bewilligt_ Das Unterstnhungsgesiich der streikenden Weiß- gerber will man ebenfalls dem Vorstande überweisen; doch ivird dem gegenüber von einem Mitglieds des letzteren auf die Bedenklichkeit solcher Ueberweisung hingewiesen, die Verant- wortnng für die Bewilligung so vieler Summen könne der Vor- stand kaum übernehmen, einmal in Anbetracht der eigenen ernsten Lage, denn die Tischler Berlins stehen ebenso wie viele Taufende von Gewerkskollegen im Reich vor einer Lohnbewegung. Zwei- tens bestehen Beschlüsse, nach welchen der Fachverein nur solche Streiks zu unterftiitzen gedenkt, welche von der unerläßlichen Vor- bedingung für eine erfolgreiche Lohnbewegung, von der Grund- läge einer Organisation ans unternommen werden. Diese Be- schlüsse hochzuhalten sei vor allem der Vorstand verpflichtet. Auch wird bei dieser Gelegenheit betont, daß das regellose Ein- tteten der verschiedenen Gewerkschaften in einen Streik schwere Nachtheile bezüglich der gegenseitigen Unter- stühungen in sich birgt. In allen Versammlungen, in denen Werth und Wesen der Streiks erörtert wurden, würbe auch von allen Arbeitern als Wahrheit anerkannt, daß die Vorbedingung zu einem Streik die Organisation sei, aber alle diese theoretifchen Ailssührlmgen haben keinen Zweck wenn sie nicht in der Praxis befolgt werden. Ein Streik-UntersttitzungSgesuch der Parquet- bodenleger wird mit Uebergang zur Tagesordnung erledigt, iveil dieselben unterlassen haben ihre Angelegenheit einer öffentlichen Tischlerversammlung zu unterbreiten und weit serner einer Unter- stützung von Seiten des Vereins die Beschlüsse desselben entgegen- stehen. Schließlich gelangte noch eine Resolution zur Annahme, nach welcher die Versammelten sich verpftichten, vom 4, Mai er. ab nur in denjenigen Geschäften zu kaufen, deren Inhaber ihre Lokali- täten an Sonn- und Feiertagen spätestens um 12 Uhr Mittags schließen und nach dieser Zeit ihre Angestellten nicht mehr be- schäftigen. Eine öffentliche Uerfit»»>nlnn>z der in der Schäfte- faltrihrttivi beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen fand am MontagÄbend in Grativeil's Bicrhallcn, Kommaiidanten- ftraße, unter Vorsitz des Herrn Gabriel statt. Herr W. Schweitzer hielt einen beifällig aufgenommenen Vortrag über das Thema: „Nutzen der Organisation und sind die errungenen Vorthcile durch eine solche festzuhalten?" Der Referent ermahnte, die eben noch geführten Waffen jetzt nach Beendigung des Streiks nicht aus der Hand zu legen, da die Arbeiter sonst leicht überfallen werden können. Doch man solle nicht allein der Vereinigung angehören, man möge auch weiter agitlren und die Kollegen heranziehen, sie über ihre Klassenlage aufzuklären und auf den Staat der Zu- kunft vorzubereiten. In der Diskussion sprach Herr Gabriel, Herr Krause und Fräulein Baader. Frau Lesinski ermahnt die An- wesenden, nur da zu arbeiten, wo alles bewilligt ist. Auf keinen Fall möge man länger als neun Stunden arbeiten. Unter„Verschiedenes" wird beschlossen, wöchentlich 20 Pf. zum Lohnfonds abzustoßen. AuS den Baarmitteln des letzteren sollen die streikenden Berliner Schuhmacher 50 M. erhalten. Weiter wird beschloffen, die Kaufleute in ihrem gerechten Kampfe zur Er- ringung der Sonntagsruhe zu unterstützen und nur in den Ge- schäften zu kaufen, die Sonntags von 12 Uhr an geschlossen bleiben. Es werden hierauf 3 Revisoren'gewählt und zwar: Frl. Lesinski und die Herren Gabriel und Kleiimu. Nachdem noch aufgefordert worden, rege für die am 1. Mai Vorm. 10 Uhr bei Reper, Alte Jakobstr. 83, stattfindeiide, öffentliche Versamm- lung zu agitiren, wird die Versammlung geschloffen. Die Freie Vereinigung der Knufteute hielt am Freitag, den 18. April, eine Mitgliederversammlung ab, in der Herr Gustav Miecker über das Thema referirte: Die Stellenvermitte- lung, unter besonderer Bezugnahme auf das Chiffre-Slunon-enun- wesen und die Kündigungsfristen im Handelsgeiverbe. Redner gab einen kurzen Ueberblick über die allgemeine Nothlage in unserem Berufe, kritisirte die Stellenvermittelung der hier bestehen- den kaufmännischen Vereine, welche es nur auf den Geldbeutel der Stellensuchenden absehen und kommt dann auf das veriverf- liche Chiffre-Annouzenumvesen, sowie die zum größten Theile noch existirenden ungesetzlichen Kündigungsfristen zu sprechen, welche sogar bis zu einem Tage heruntergehen. Er empfiehlt die Einbringung einer Petition an den neuen Reichstag, in der die Minimal-Knndigungsfrist auf 4 Wochen festgesetzt werde.— An der darauf folgenden Diskussion betheiligten sich mehrere Herren, die meist im Sinne des Referenten sprachen; nur Herr Kaufmann Guttmann aus Mannheim wendet sich gegen die vierwöchent- liche Minimal- Kündigungsfrist und wies nach, wie gerade auf dem Lande die gesetzliche� sechswöcheutliche Kündigungsfrist noth- wendig sei. Herr Auerbach sprach seine Entrüstung darüber aus, daß sich Handlmigsgehilfen der Speditionsbranche gefunden Hütten, welche die Arbeiten der streikenden Rollkutscher verrichteten. Im An- schluß hieran wurde folgende Resolution einstimmig angenommen: „Die heutige Versammlung der Freien Bereinigung der Kaufleute spricht ihre Entrüstung darüber aus, daß' sich Handlungsgehilfen der Speditionsbranche gesunden haben, die durch Ueberuahme der Arbeitsleistung der Rollkutscher diese in ihrem gerechten Kampfe un, Lohnerhöhung so empfindlich schädigen. Die Versammlung spricht oen Roll- kutschern ihre volle Sympathie aus, beschließt, denselben eine Geldunterstützung zu überliefern und weist jede Ge- meiafchaft zurück mit Kollegen, welche sich dazu hergeben, 'fch persönliche Arbeitsleistung Arveitern in ihren Be- ebnngen nach besseren Existenzbedingungen Hindernisse zu bereiten." . Die Versammlung wurde hierauf mit einem Hoch auf die noderne Arbeiterbewegung geschlossen. Die Arbeiter der gejchlossene» Amiinfabeik waren am Montag Vormittag fast vollzählig im Lokale Naunynstr. 27 versammelt, um die von der Direktion getroffene Maßregel zu besprechen. Den Vorsitz führte Herr Rosenow, das Referat hatte Herr Gottfried Schulz übernommen. Redner schil- derte in zutreffender Weise die überaus traurigen Verhältnisse der Arbeiter in dieser Fabrik; die Beschäfttgung mit den bös- artig wirkenden Giften wirke unheilvoll auf die Gesundheit und erst vor einigen Tagen habe sich der Fall ereignet, daß ein Kollege durch Einathmung giftiger Gase plötzlich erkrankt und schon nach wenigen Stunden verstorben sei. Nicht einmal eine Bahre zum Fortschaffen des Erkrankten sei zur Zeit vorhanden gewesen. Angesichts dieser Zustände muffe der jetzige Lohn von 2,50 bis 2,90 M. als ein viel zu geringer bezeichnet, verde» und die ausgeschlossene Arbeiterschaft habe gewiß das Recht aus höheren Lohn wie auch auf verkürzte Arbeitszeit und nicht minder sei dieselbe berechtigt, den 1. Mai als einen Feiertag zu Gunsten der Verkürzung der Arbeits- zeit zi, feiern. Sehr bettübend sei es mithin, daß die Fabrik- leitung die bescheidenen Forderungen nicht anerkannt, sondern im Gegentheil die Fabrik geschloffen habe. Es frage sich, was nun geschehen müsse. Diese Frage würde leicht zu beantworten sein, wenn die Betroffenen organisirt wären; da aber dies nicht der Fall sei, so empfehle er, noch einmal mit der Direktion zu ver- handeln und wenn die übrigen Forderungen bewilligt würden, wenn es sich nur um den 1. Mai handle, diesen Tag zwar zu arbeiten, ihi, aber am Abend in angemessener Weise zu feiern. (Lebhafter Beifall.) Herr Schmidt sprach sich ganz entschieden für Aufrechterhaltung der Feier des 1. Mai aus. Wenn die Herren, wie gesagt werde, sich Arbeiter aus Ostpreußen holen wollten, so sei zu bedenken, daß diese auch leben und mithin in Berlin nicht bei solchen Löhnen bestehen könnten. Die Berechtigung zur Verbesserung der Lage der Arbeiter sei selbst an höchster Stelle anerkannt und die Arbeiter würden sich selbst schädigen, wenn sie nicht durch die Feier des 1. Mai zeigen wollten, daß sie von der Gesetzgebung die Erfüllung ihrer Wünsche verlangen.(Beifall.) Herr Meyer berichtete über die mit der Direktion gepflogenen Verhandlungen und konstatirte, daß die diesbezüglichen'Artikel in der Presse voll- ständig entstellt seien. Die Direktion habe positive Zugeständnisse eigentlich garnicht gemacht. Die Forderungen waren: Neun- stündige Arbeitszeit inklusive einer halben Stunde Waschzeit, für jeden Arbeiter ein Mindestlvhn von 2,75 M„ nach halbjährlicher Thätigkeit 8,00 M., nach einjähriger 3,25 M., zweijähriger 3,50 und dreijähriger 8,75 M. Außerdem wurde der 1. Mai als Feiertag verlangt. Man habe ihm nun gesagt, daß die neunstündige Arbeitszeit unv eine zehnprozentige Lohner- höhung vielleicht bewilligt werden könnten. Bezug- lich des 1. Mai habe man erwidert, daß man, falls dieser Tag gefeiert werden sollte, auch für die beiden folgenden Tage die Fabrik schließen werde. Als die Arbeiter nach einer zweiten Unterredung auf den Forderungen beharrten, sei die «Schließung der Fabrik erfolgt. Redner hob hervor, daß ein Vergleich ivohl hätte stattfinden können, ivenn man den Arbeitern entgegen gekommen wäre. Herr Z u b e i l bezeichnete ebenfalls die For- derungen als durchaus berechtigte, sprach sich aber, da die Or- gamsation fehle, dafür aus; bezüglich des 1. Mai das Anerbieten der Direktion, bis 4 Uhr zu arbeiten, zu akzeptiren. Er würde diesen Vorschlag nicht machen, wenn er sich einer organisirte» Gewerkschaft gegenüber befände. An den übrigen Forderungen möge man festhalten.(Beifall.) Das Resultat der nahezu fünf- stundigen Verhandlungen war die Annahme folgender Resolution: Tie ausgesperrten Arbeiter der Anilinfabrik ver- pflichten sich, an der Forderung eines nennstündigen Arbeitstages sowie Lohnerhöhung auf 2,75 bis 3,50 M. und der Feier des 1. Mai sestznhalten. Gegen diese Resolutionen erhoben sich drei Stimmen. Hierauf wurden neun Personen gewählt, die den Beschluß der Fabrik- leitung vorlegen sollen. Die Versammlung schloß mit einem drei- fachen Hoch auf die internationale Arbeiterbewegung. ....»«efammtmio Nimmtlicher P»r.i»«tt>sd»»lea«r S»rll»o am rau- Kl«mpn»r S, � bei Grundel. Dresdenerftr. Iis. Die Arb-itsvermittelung ist unent- gelilich für Arbeilgeber und Arbeitnehmer. Schlosser werden verlangt i2 Uhr 118 Abends von s bis 10 Uhr, Sonntags von io bis Gesang., Tnrit-»nd gesell .bends ige Verein« am Mittwoch. Männer- Restaurant Haller, Naunynftraße 70.— Männergcsangverein„Sangesfreude" 2lbends»Uhr im Restaurant Musehold, LandSbergerstr.»i.— Gesangverein „Frepa Abends 6% Uhr im Restaurant Beneike, Grobe Hamburacrstr. is.— wuppert sche Eängcrvereinigung jeden Mittwoch nach dem Ersten im Monat, Abends» Uhr im Restaurant Heise, Lichienbergerstr. 21.—„Sccger'scher Ge- sangvereiii Zlbends» Uhr im Restaurant Schulz, Prenzlauersw. 41.— Gesang- «rem„«chwungrad" Abends 8% Uhr im Restaurant Sahm. Annenstr. is.- Mamiergesangverein„Lorbeerkranz" Abends o Uhr im Restaurant Karfch, Oramenstr. i»o.- Gesangverein„Nord-Jubal" Abends» Uhr in Betttttts Bierhaus, Veteranensir. ig.— Gesangverein„Unverzagt" Abends s Uhr Köp- nlckcrstr. 127a bei Greving.— Männergesangverein„Schneeglöckchen" Abends »Uhr im Restaurant Doberstein, Mariannensir.»1—32.— Gesangverein «Sangerrunde" Abends Uhr Buckowerstr.».— Verein„SangeStreue" im Restaurant Henkel, Brüderstr. 2« I. UebungSstunde von s�— 11 Uhr Abends. — Gesangverein„Bruderbund" Abends» Uhr bei Pätzoldt, Reichsubersir. 18. — Männergefangverein„Schneeglöckchen" Abends» Uhr Sitzung im Nestau- rant Slehmann, Melchiorftr. 16.— Gesangverein„Süd-Ost" Abends» Uhr bei Ziemer, Euvrystr. 18. Käste willkommen.— Lübecksscher Turnverein(1. Seht- lings-Abtheilung) Abends 8 Uhr Elisabethsir. 57—58.— Turnverein„Wedding", Pankstr.». Männerablheilung von 8%— 10% Uhr Abends; desgleichen 1. ficht- Itngsabthellung von 8—10 Uhr Abends.—„Mehr Sicht", Verein für Scherz und Ernst, Abends 8% Uhr im Restaurant Held, Fruchtstr. ssa.— Schlestscher Verein„Holtei" Abends» Uhr im Restaurant Sehrt, Prinzen- straste 10s.— Vergnügungsverein„Fröhlichkeit" Abends» Uhr im Restaurant Säger, Grüner Weg 2».— Wissenschaftlicher Verein für Rollersscher Steno- graphie Abends s% Uhr im Restaurant Beese, Alte Schönhauserstraste 42 Uebungsstunde.— RoUer'schcr Stenographenverein Süd-Berlin Unterricht und Abends 8% Uhr im Restaurant Prinzensir.»7, Sitzung und Uebungsstunde.— ArendS'scher Stenographen-Verein„Amicitia" Abends 8% Uhr im Restaurant Behrends, Schönebergerstr. e.— Arends'scher Stenogräphenverein„Philia" Abends» Uhr im Restaurant„Wilhelmsgarten", Kochstr. 7.— Stenographische Gesellschaft Arends im Restaurant Büraergarten. Lindenstr. 135. Unentgeltlicher Unterricht und Uebung.— Berliner Rauchklub„Wrangel" Abends » Uhr im Restaurant Foge, Köpnickerstr. isi.— Rauchtlub„Havanna SO Abends 8% Uhr im Restaurant Paetzoldt, Reichcnbergerstt. 18.— Rauchklub „Gemüthlichkeit" Abends» Uhr im Restaurant Achsel, Köpntckerstr. 181.— Rauchllub„Tolumbia" Abends 8% Uhr im Restaurant Beyer. Prinzenstr. sa. — Rauchklub„Frisch gewagt" Abends 8% Uhr im Restaurant Tempel, Bres- lauerstr. 27.— Rauchklub„Vulkan" Abends» Uhr im Restaurant Schulz, Gräsestr. 82.— Frtedrichsbcrg. Llauchklub„Nordstern", Lippe's Restaurant, Friedrich-Karlftt. II.— Vcrgnügungsverein„Fröhlichkeit", gegründet 1880, Abends g Uhr, Grüner Weg 2».—„Pollack-Cluv-Einlracht", jeden Mittwoch, Abends 6% Uhr bei G. Thiel, Wienerstraße 83.— Gesangverein der Tapeztrer Berlins, jeden Mittwoch Restaurant Seydelstr. so, von»— 11 Uhr Abends.— Unterhaltungsverein„Harmonie". Sitzung Abends» Uhr Drei bei Mendt.— Tambourverein„Ek«lstor", 8% Uhr. Nebungsfnr Rüdersdorferfir. 8. Aufnahme neuer Mitglieder.— Mann „Liedesfreiheit", Abend« 8s( Uhr im Restaurant Henke, Blum-' Flöler'scher Gesangverein bei Musehold, Landsbergerstr. si, Vviefkalken dev KedÄkM lnfragen bitten wir die Abonnements-Quittung beizufügen. Anttvort wird nicht ertheilt. F. H. Da Sie Ihre Firma nicht Handelsgerichts nntragen lassen, können Sie gegen Ihren Konkurrei» eintragen unternehnlen A. K. Landsberger Platz 5. I. Die Blitzzüge hießen früher Jagdzüge. K. 175. Zu mündlicher Ailskunft sind wir b« Schlvregevvnter I. 1. 35. 2. jDer Jnseratemhi!« Sonntagsnummer hat Ihnen Auskunft gegeben. 4 f). E. Krunnrustraße. Zu mündlicher Auskimss f bereit. y. M. Wir können darüber leider keine Ermü stellen. AcMmg! Partgigenossen! Die Unterzeichneten beabsichtigen, einen Wegweiser für die Parteigenossen von Keriin und Umgegend aelcher unter den Arbeitern gratis vertheilt herauszugeben, welcher............................................ Deckung der entstehenden Kosten richten wir einen Inseraten- An hang ein, werden soll. Zur in welchem Parteigenossen für Berlin und Umgegend Ge- schalts-Emplehlungen zum Preise von 10 M. für die halbe Seite aufgeben können. Wir ersuchen hiermit, die Inserate bis spätestens am Freitag, den 25. April er., an die Unterzeichneten einzusenden. Der Betrag wird nach Herausgabe des Buches von einem der Unterzeichneten gegen Quittung eingezogen werden. Andere sind dazu nicht berechtigt. 1139 Gleichzeitig fordern wir alle Vorstände der Fach- und Gcwerkschasts-, sowie Wahlvereine und Zentral-Krankcnlassen auf, die Adresse» der Zahlstellen, Arbeitsnachweise, Filialen und die Adressen der Vorsitzen- den unverzüglich bei uns einsenden zu wollen. Am Freitag, den 25. d. M., wird die Annahme geschlossen. Die Auflage ist auf 200 000 in Aussicht genommen. In der Hoffnung auf die Unterstützung aller Vetheiligten zeichnen M. Wevnevt Buchdrucker, Sebastianstr. 72. OSio HeSiadoipfff, Langestr. 70. August Bnsinger, Rüdersdorferstr. 45, Große öffentliche Versammlung der Weder- Uaschmacher, Tuchmacher und alltv in dieser Krauche beschiistiateu Arbeiter _____ dieser Krauche drschiistigteu Arbeiter SV am Donnerstag, den 24. April, Abends 8 Uhr, f&B im Böhmischen Brauhause, Landsberger Allee 11—13. Tagesordnung: 1. Wahl von Vertrauensmännern für das Agitationskomitee. 2. Vortrag des Kollegen Paul Wagner über die Beden- tung des Achtstundentages und des 1. Mai. 8. Diskussion. 4. Verschiedenes. Zur Deckung der Unkosten findet eine Tellersammlung statt. 1219 Der Einberufer, Emil Müller, Gr. Franksurterstr. 65. 1230 Maler- und Anstreicher-Uersammluug am Freitag, den 25. April, Abends 8v« Uhr, in Faustmann's Salon, Jnvalidenstr. 144. Tagesordnung: 1. Die Arbeitslosigkeit in unserem Gelverbe und wie stellen sich die Maler und Anstreicher zu den gefaßten Beschlüssen der Generalversammlung zu Bremen? Referent: I. Hohlivegler. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes.— Zur Deckung der Unkosten Tellersammlung. Es ist Pflicht eines jeden Malers und Anstreichers, zu erscheinen. Oer Einberufer. Zu beziehen durch die Expedition, Beuthstrasse 3. Zum 1. Mai! Soeben erschien bei W ö r l e i n& Co., Nürnberg; Der chtWige ArbeiAag und die Beschlüsse des Jttteruationalen Arbeiter- Kongresses zu Paris. Von Carl ICau-ftsky. Vier Vogen Oktav. Preis 30 Pfennig. Partieupreis billiger. - r. rrrx'. m Zu beziehen durch die Expedition, Beuthstrasse 3. DMell-ll.WlhelUilM-Wrik Georg SäoWsMg 29 Große Franksurterstr. 29 ifichlt fmmutliche"Neuheiten der Frühjahrs-Saison. empfiehlt sämmtliche Jackeis von 3 Mk. an, Regen- Paletots von 9 Mk., j feinere mit Griechen-Aermel von 16 Mr., gebieg. Frauen-Mäntel solide ' in Bandagen, Pelleriuen u. s. w., sowie Promenades von 15 Mk. an j bis zum eleg. Genre, Kinder-Mäntel in reizender Ausführ, spottbillig. Das gr. Lager Berlins > Audreavstr. 33. Soeben erschien Znm 1. Mai! Der nicht Jacob Nr. 98. 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Wittwe Leist nebst Kindern. Generalversammlung ki Kranken- nni» Sterbekajse Nr. 55 am Donnerstag, den 1. Mai, Abends 8 Uhr, im Kaffenlokal Linienstr. 44. Tagesordnung: 1. Statntenberathung. 2. Verschiedenes. 1224 Der Vorstand. Große öjsentliche Versammlung ä. Sattler u. Berufsgenossen Berlins und Umgegend am Donnerstag, den 24. April, Abends 8Vz Uhr, in Deigmüller's Salon, Alte Jakobstr. 48a. Tagesordnung: 1. Die Nothwendigkeit der Verkürzung der Arbeitszeit in unserem Berufe und Bericht der Lohnkommission. 2. Dis- kussion. 3. Verschiedenes. 1222 Um zahlreiches Erscheinen ersucht Oer Einberufer. Verband bentschrMechaniktt n. vermlibten Vernssgenossen. Zahlstelle Berlin. Versammlung am Mittwoch, den 23. April, Abends 8V2 Uhr, im Louisenstädtischen Klubhaus, Annenstr. 16. Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn Kendziora über:„Aus Plato's Staat." 2. Ver- schiedenes. 3. Fragekasten. Aufnahme neuer Mitglieder. Gäste willkommen. Um pünltliches Erscheinen ersucht 1226 Oer Vorstand. Generalversammlung des Vereins zur Vahmng d. Interessen der Gast- und Schankwirthe Berlins und Umgegend am Freitag, den 25. April, Nachmittags Gnadt, 4V8 Uhr, beim Kollegen Brunneustr. 33. Tages-Ordnung: 1. Kassenbericht des Kassirers und der Revisoren. 2. Ersatzwahl des Vor standes lallt Statut. 3. Bericht des Vergnügungs- Komitee's. 4. Vereins- Angelegenheiten. 5. Verschiedenes und Fragekasten. Um zahlreiches Erscheinen ersucht Der Vorstand. I. A.: W. Gründel, 1223 Dresdenerftr. 116. Generalversammlung der Licpner'sclien Kranken- nnd Sterbekasse Nr. 23 am Donnerstag, den 24. April, Abends 8 Uhr, im Kassenlokal Linienstr. 44. Tages-Ordnung: 1. Stawtenberathung. 2. Verschiedenes. 1237 Der Vorstand.| Kettfedern! reell und billig bei H. Marcus, R6i™o�r- lWWils 0. Heine. Clsausseestraßel� Die schönsten Kinderkleiber u.-Mittel kür Mädchen jeden Altere, sowie impriifs. Unkt# n. TnMMcn I auch im Einzelverkauf sehr billig! | MassbesteUnngen n. 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