Nr. 36. Ibomrmnlts-Hcdingungen: Abonnements-Pret» pränumerando! «terteljährl. 3,30 Mk., monatl. l.lv Mk.. wöchentlich 23 Psg. frei in« HauS. Einzelne Nummer S Pfg. Sonntag«- Nummer mit illuftrtrter Sonntag«- Beilage„Die Neue Well" 10 Psg. Post- Abonnement: 3,30 Mark pro Quartal. Eingetragen in der Post- Zeitung»- Preisliste für lSS7 unter»t. 7437. Unter«reuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Mark, sür da» übrige Auiland 3 Mark pro Monat. Erscheint täglich nutzer Wonkng». Devlinev VolKsblAlk. 14. Iichrg. Die Insertions- Gebühr beträgt sür die sechsgespaltene Kolonel- zeile oder deren Raum 40 Pfg., sür verein«- und BersammlungS-An, eigen, sowie Arbeitsmartt 20 Pfg. Inserate sür die nächste Nummer müssen bis 4 Uhr nachmittag« in der Erpedilion abgegeben werden. Die Erpedilion ist an Wochentagen bi» 7 Uhr abend«, gn Sonn- und Festtagen bi« S Uhr vormittags geöffnet. Keriisprecher: Sink I, Nr. 1003. Telegramm- Adresse: «Sozialdemokrat Berlin". Dentralorgan der sozialdemokratischen Parte! Deutschlands. Wedaktion: 8V. 19, Wenly-Straße 2. Spedition: 8V. 19, Wenty-Straße 3. AblUlllmeiits-EillllldW. Am 1. Februar eröffnen wir ein neues Abonnement auf den „NovtVÄvks" niit der illlistrirten Sonutags-Beilage „Die neue Welt". Die Aendernngen, die ivir feit dem 1. Januar eingeführt haben, erfreuen sich des lebhaftesten Beifalls unseres Leserkreises Unsere Literarische n. Volkswirthschaftliche Rundschau lvcrden allgemein als bedeutungsvolle Bereicherung des In- Halts unseres Blattes angesehen. Durch unsere Nuterhaltnugs-Beilage ist dem Unterhaltnngsbednrfniß unserer Leser nnd Leserinnen in reichstem Maße Rechnung getragen worden. Am I. Februar beginnen wir in derselben mit der Ver- öffeutlichung des ergreifenden Romans Lsrob der V e tz k o von Peter Rosegger. Für Berlin nehmen sännntliche Zeitnngsspediteure sowie unsere Expedition, Benthstr. 3, Bestellungen entgegen zum monatlichen Preise von I Mark I« Pfenuige frei ius Haus. Für außerhalb nehmeil sämmtliche Postanstalten Abonne- meilts zum Preise von 2,20 M. für die Mouate Februar uud März entgegen.(Eingetragen in der Post- Zeitungsliste für 1897 unter Nummer 7437.) Redaktion u. Expedition des„Vorwärts". Dev Kampf Segen den Kvbeitevfiszuh hat seinen vornehmsten Angriffspunkt in der Verordnung des Bnndesraths voni 4. März 1896 über die Schntzbestimmnngen für die Bäckerei-Arbeiter gefunden. Die Vorkämpfer des prinzipiellen Manchesterthnms und die Vertreter des groß- industriellen Feudalismus treffen hier mit den Fanatikern des engherzigsten Zünstlerthnms zusammen, um die kaum in kraft getretene Verordnung als Wurzel aller Uebel zu denunziren und die Versuche zu ihrer Durchbrechung zu stützen. Handelt es sich doch in ihr uni� ein neues Prinzip. So unsicher tastend ihr Vorgehen gewesen ist, so überbescheiden ihre Forde- rill, gen an das Gewerbe sind: sie ist die erste gesetzgeberische Festlegung einer Maximal-Arbeitszeit für erwachsene mann- liche Arbeiter, Grund genug, um sür den Fanatismus arbeiter- feindlicher Profitgier Gegenstand besonderen Hasses zu werden. Es sind jetzt sieben Jahre, daß der deutsche Kaiser in seinem Erlaffe an den preußischen Handelsminister vom 4. Februar 1890 den Satz aufstellte, daß es eine der Aufgaben der Staatsgewalt ist, die Zeit, die Dauer und die Art der Arbeit so zu regeln, daß die Erhaltung der Gesundheit, die Gebote der Sittlichkeit, die wirthschaftlichen Bedürsniffe der Arbeiter und ihr Anspruch auf gesetzliche Gleich- derechligung gewahrt bleiben. Der Bäckerschutz, die Frucht eingehender Erhebungen und Verhandlungen, der sich auf Betriebe mit regelmäßiger Nacht- arbeit beschränkt uud seine engen uud verklausulirten Schutz- maßregeln noch durch eine Reihe von Ausnahmebestimmnugen zu gnnsteu des Meisterthums durchbrochen hat, war eine in ihrer Kleinlichkeit nnd Unzulänglichkeit recht kennzeichnende Frucht der ossiziellen Sozialreform von 1890, über die sich nur die vernachlässigten Gehilfen ob ihrer Unzulänglichkeit hätten beschweren dürfen. Aber ivcit gefehlt. Alles was au der unverkümmerren Erhaltung der Ausbeutung interessirt ist, Eugen Richter und Herbert Bismarck, Graf Knyphausen und Herr Metzner, alle gehen Hand in Hand, um. unbeschadet ihrer sonstigen Kämpfe um die Beute, gemeuisam das Recht des Beutemachens ans der Haut der Arbeiter selbst zu vertheidigen. Und tvie Herr v. Berlepsch, der nnlde Vertreter des be- scheidensten Arbeiterschntzcs, deni Anprall der vereinigten Gegner gefallen ist, wie heute die Organe der nationalgesinnten Ausbeutersippe den» deutscheil Kaiser Heeresfolge im Kampfe gegen den inneren Feind geloben und ein an- geblich von ihm herstammendes absprechendes Wort zum Hamburger Hafenarbeiter-Streik begeistert preisen, so hat auch die ganze behördliche Praxis sich gekehrt. Was im Zuge der Zeit liegt, lnuß der rechte Verwaltungsbeanite allzeit ver- stehe», nnd so finden wir eine so„rücksichtsvolle" und rechnung- tragende Durchführung der Verordnung eines hohen Bnildesraths, wie sie der zuchtgewöhnte deutsche Staatsbürger kaum zn fassen vermag. Durfte doch der Abg. Hüpede» jüngst im Reichstag es aussprechen, daß über die Wirkung der am 1. Juli v. I. in kraft ge- tretenen Verordnung noch nichts zu sagen sei, da sie noch ganz auf dem Papier stehe. Eine solche Praxis der Aussichts- behörden stählt natürlich den Widerstand des Meisterthums, und so unzulänglich die Verordnung ist, so ist es viel übler noch bestellt uni ihren Vollzug. Und trotzdem der Kampf gegen sie! Ganz konnte» ja die Behörden sich der Durch- führung des Gesetzes nicht entziehen, da und dort hat es den Arbeitern den Rücken gestählt— vor allem aber ist es der Grundsatz, der Maximal- Arbeitstag, der den Haß erweckt und zur Proklamirung der offenen Verletzung des Gesetzes gerade durch die gutgesinnten, staatserhaltenden, nationalen Väckervcrtretungen geführt hat. Unter solchen Umständen ist es dankenswerth, daß die Berliner Bäcker ei-Arbeiterschaft durch eine Erhebung Aufschluß über die Wirksamkeit der Verordnung gegeben hat. Die Statistik vom Oktober vorigen Jahres, deren soeben erschienene Ergeb nisse wir bereits im Auszug mitgetheilt haben, liefert ein kennzeichnendes Bild nicht allein des Vollzugs der Verordnung selbst, sondern auch der sonstigen Zustände im Gewerbe, die ein gesetzliches Eingreifen in weit schärferer Weise, als es bis- her geschehen ist, gebieten. Wenn von 375 Betrieben, von denen Berichte vorliegen, in 191 die Verordnung betr. die Arbeitszeit �ur Durch- führung gelangte, davon in 95, die bereits früher keine längere Arbeitszeit halten, in 184 aber die Arbeitszeit 14 Stunden und mehr beträgt, bis zu 20 Stunden, und bis zu 14 ohne jede Pause; wenn in 119 Betrieben die Lehrlinge inner- halb des Maximal-Arbcitstages, in 106 anderen aber länger beschäftigt werden, bis zn 17 Stunden ohne Pause; wenn selbst die achtstündige Ruhepause zwischen zwei Schichten in 77 Betrieben nicht innegehalten ivird nnd an Sonnabenden bis auf zwei Stunden herab sich verringert, wenn in einer großen Zahl, wahrscheinlich der Mehrzahl der Betriebe, die Arbeitszeit der Lehrlinge nicht allein länger als die gesctz- liche, sondern sogar länger als die der Gesellen ist— so ist der deutliche Beweis geliefert, einmal ivie nothivendig, dann aber, wie sehr wohl möglich die strenge Durchführung der Schutzbcstimmungen ist, die zum theil von der Hälfte, zum theil von weit mehr der berichtenden Betriebe gehalten iverden, mithin weder unmöglich noch ruinös für das solide Gewerbe sein können. Freilich ist zu befürchten, daß gerade unter der Mehrzahl von Betrieben, aus denen die Berichte fehlen, die Zahl der Gesetzesverächter eine besonders große ist. Denn wo die Apathie der Gehilfen am größten, da ist weder von einer Betonung der gesetzlichen Rechte noch von einer gewissenhaften Beantwortung der Fragebogen die Rede, und der Widerstand der Meister gegen wahrheitsgetreue Ermittelungen, der oft genug in drastisch- brutalen Kundgebungen zum Ausdruck kommt, wächst im gleichen Maße mit dem Mangel an Einsicht und gutem Willen, der gegen die Schutzbestimmungen selbst Front macht. Und wie gering, wie unzulänglich sind die Bestimmnngen! Lassen sie doch den Krebsschaden des Gewerbes unangetastet: die Nachtarbeit. Regeln sie doch in keiner Weise die Wohnnngsverhältnisse, die Reinlichkeitserfordernisse, die ganz besonders im Argen liegen. Von 234 Schlafräumen werden 99 als gut, 70 als ungenügend, 65 als sehr schlecht bezeichnet. In einem Keller von 2 Metern Breite, 3Vs Metern Länge und 2 Metern Höhe(14 Kubikmetern) stehen 3 Betten. In einem Räume von 30 Kubikmetern logiren in zwei„Schichten" 8 Mann. 3 Gesellen schlafen in einem schlecht ventilirten Keller von 3 Metern Länge und 1,70 Metern Höhe neben dem Backhaus. Einige Schlasränme bc- Herbergen den Gasmesser oder das Kloset, kalt, feucht und schmutzig werden andere genannt n. s. w. u. s. w., es ist neben einer Reihe völlig befriedigender oder doch einigcrniaßen zulänglicher eine Fülle kläglichster Wohn- Verhältnisse, die allen Bedingungen der Gesundheit und des Aiistands Hohn sprechen. Liegen doch von 302 Schlafränmen 180 im Keller oder unter dem Dache oder neben, über dem Backhausc, über dem Pferdestall, dienen als Lagerräume u. dergl. mehr. Und wie sieht es mit dem Arbeiterschntz in einem Gewerbe aus, wo in 63 Betrieben von 193 die Betten von je zwei Mann(in einem Falle erst von zwei Gehilfen, dann von zwei Beuteljungen) benutzt werden, wo in 124 Be- triebe» unter 237 die Bettwäsche seltener als alle 4 Wochen (in 34 alle 3—4 Monate, in 10 garnicht) gewechselt, in zahl- reichen Berichten über Schmutz, Ungeziefer, saules Stroh u. a. ni. berichtet wird. Geben doch von 317 Betrieben nur 70 mehr als ein Handtuch wöchentlich per Kopf bei staubiger nnd heißer Arbeitsluft, 5 nicht einmal cincs. Essen doch von 299 Betrieben nur in 27 die Gesellen auswärts, in 31 am Tische des Meisters, aber in 204 in der Backstube nnd in 180 davon auf dem Backtrog! Welch eine Beleuchtung der patriarchalischen Zustände im Handwerke, ivelch ein Beitrag zu dem„guten Einvernehmen", das durch die Schutzverorduung gefährdet sein soll. Und die Kost selbst wird in 84 Betrieben als gut, in 84 aber als ungenügend und in 105 als sehr schlecht bezeichnet. Dabei beläuft sich der Lohn ohne Kost auf 20—30 M.(34 Gesellen), bei sogenannter halber Kost(710 Gesellen) auf ca. 8—17(i. D. 12,09) nnd bei voller Kost(102 Gesellen) auf ca. 8— 12 M. Geht ein Theil der Löhne herauf bis zu 20 und 25 M. bei halber und bis 19 M. bei voller Kost, so sinkt er in anderen Fällen bis zu 5 M. Wahrlich Grund genug, über die Unbotmäßigkeit der Gehilfen, über maßlose Beschwerungen des ehrsamen Ge- werbes durch die Gesetzgebung, über sozialpolitische Lasten und philanthropische Experimente zu klagen. Und selbst solche Zustände sind ein ersehntes Ziel für zahlreiche Geselle», die in noch tieferem Elend leben: die Arbeitslosen. Aus 222 Betrieben wird die Arbeits- losigkeit von über 160 Gehilfen innerhalb eines einzigen � berichtet, die von 4 Tagen bis auf 28 Wochen, ja selbst aü längere Zeit sich belaufen hat. Jnsgesantmt wird die regelmäßige Zahl arbeitsloser Bäckergesellen in Berlin auf etwa 2000 angeschlagen.*) Welche Summe von Roth, Sorge, Ver- wahrlosung schließen diese Zahlen in sich. Und schlagend beweisen sie die Möglichkeit, durch vermehrte Einstellung von Arbeitskräften jeden Rückgang der Leistung, der nicht durch Verbesserungen im Betrieb ausgeglichen werden kann, leicht wett zn machen. Wird doch in 37 Fällen von der Einstellung neuer(insgesammt 431 Arbeitskräfte, in 7 von der Einführung von Schichtwechsel zur Durchführung der gesetzlichen Vor- schriften berichtet. Und 126 Betriebe insgesammt berichten von günstigen Wirkungen der Verordnung, die, wenn nicht in der Verkürzung, so wenigstens in der besseren nnd gleichmäßigeren Regelung der Arbeitszeit bestanden haben. Die Einführung der Maximal- Arbeits w o ch e anstatt des Maximaltages würde gerade diesen Vortheil zerstören. Sie würde zudem zu einer Unsumme von Rechnungen und Streitig- keiten führen, die den ganzen Rest angeblichen Schutzes zn »ichte machen müßte. Dringend ist die Forderung eines Ein- greifens in die Wohnungszustände der Gehilfe», die Herbei- führung besserer Reinlichkeit, bei der nicht mehr von ver- schmutzten nnd von Ungeziefer gequälten Arbeitern das ivichtigste Nahrungsmittel des Volkes: das Brod hergestellt wird, die für Ventilation in Arbeits- nnd Schlafränmen sorgt und nicht mehr duldet, daß dort Klosets ihren Geruch verbreiten, daß zahl- reiche Personen in einem Waschgefäß Gesicht und Füße waschen, die große Mehrzahl der Gehilfen aus dem Backtrog ihr karges Mahl verzehren müssen. Dringend geboten sind Maßnahmen zum Schutze der Lehrlinge durch regelmäßige Uebcrwachung und Fachunterricht bei kurzer Arbeitszeit und das Verbot der Nachtarbeit mindestens für jugendliche und schwächliche Personen. Vor allem aber die Erhaltung der bestehenden Bestim- mungen! In diesen Tagen werden die Bäckerei-Arbeiter Berlins in vier Versammlungen ihre Rechte wahren nnd die dringendsten ihrer Forderungen zu den Ohren der maßgebenden Behörden und Parteien gelangen lassen. In zahlreichen Fällen wird berichtet, daß die Durch- lochung der Kalendertafel trotz Ueberarbeit nicht stattgefunden hat: aus Furcht der Gesellen vor Entlassung, die in einigen Fällen wirklich die Folge der Befolgung des Gesetzes gewesen ist. In anderen wird über mangelhaste Revision' nnd Befragung der Gehilfen in Gegenwart des Meisters geklagt. In einem Fragebogen heißt es bezeichnend: Kon- trollirt und nicht die Wahrheit gesagt. Wo bleibt hier die berühmte preußische Strammhcit? Es muß sich zeigen, ob das Gesetz mit Füßen getreten werden darf, wenn es einem Kreise von Interessenten einige Opfer für die Lebensbedingungen ihrer Arbeiter auferlegt. Und bald wird es sich zeigen, ob auch den letzten Resten der ehemaligen reformfrenndlichen Bestrebungen das Grab gegraben werden soll, ob der Arbeiterschutz in deutschen Landen wirklich rettungslos dem Wille» der großen und kleinen Ausbeuter geopfert ist. Wir warten es ab. Und die Folgen daraus werden wir zn schätzen wissen. Kolikifche Mebevstchk. Berlin, 30. Januar 1397. Ans den« Reichstage. Nach dreitägiger Debatte wurde heute das Gehalt des General- Postmeisters bewilligt nnd Die gestrigen Debatten klangen in den Ausführungen der Ab- geordneten Fisch deck, Singer und Liebermann von Sonnenberg noch nach. Ersterer brachte eine Reihe von Beschwerden über die Ausführung von Telephon- leitungen vor, während Singer energisch gegen das Ver- halten des Unterstaatssekretärs Dr. Fischer polemisirte, welcher es abgelehnt hat, ans Beschwerden einzugehen, die sich auf Schriftstücke stützen, ivelche durch Vertrauensbruch zur Kenntniß von Abgeordneten gelangt sind. Unser Redner erklärte, daß ein solches Verhalten sich nur die Mehrheitsparteien des deutschen Reichstages gefallen lasse», in England oder Frankreich würde ein Minister, der sich so gehabe, wie es dem Unterstaats- sekretär Dr. Fischer beliebt, keine Stunde länger im Amte bleiben! Zur Charakterisirung des Tons, der von einzelnen Postamts-Vorstehern gegen Unterbeamte beliebt wird, verlas Singer eine Verfügung des Leiters des Postamtes Oberhausen, in der folgende Kraftstellen vorkommen; Ochsen, stinkend faul, Lümmel, Stücke Rindvieh, Rohheiten. Dieser bilderreichen Sprache gegenüber fand sich der Vertreter des Reichs-Postamtes doch zu der Zusage bemüßigt, daß entsprechende Mißbilligung erfolgen werde, wenn die An- gaben sich bestätigen sollten. Nachdem das Gehalt des Dr. v. Stephan bewilligt war, gingen die Verhandlungen rasch vorwärts. Die Anträge Singer und Müller(Sagau), welche sich ans die Gehalts- regulirungen der Uuterbeamten beziehen und unseren Lesern bekannt sind, wurden an die Bndgetkommission verwiesen, ein Antrag des Dr. Hammacher, welcher Herabsetzung der Telephougebühren wünscht, angenommen. •) Die Gesammtzabl der Arbeitslosen in der deutsche» Bäckerei betrug am 14. Juni ISSö 6117 nnter 129 527 Gehilseu am 2. De» zember 8157: fast 5 bezw. über 6 pCt. Zu einer kurzen aber interessanten Debatte gab ein An- trag des Tr. Schneider(frs. Vp.) Anlaß, welche« wünschte, daß die Portofreiheit der regierenden Häuser ans den persönlichen Postverkehr beschränkt werde. Dr. Schneider brachte zur Sprache, daß dieses Vorrecht im ausgedehntesten Aiaßc gebraucht werde, wie es ursprünglich unmöglich gedacht gewesen sein konnte. So benützen fürstliche Gärtnereien die Portvfreiheit zur Versendung von Sämereicit und Schößlingen, königliche oder fürstliche Bäder versenden ihre Prospekte und Preislisten portofrei u. s. w. Unser Genosse Bebel trat für den Antrag ein, indem er daran erinnerte, daß er schon 1868 gegen dieses Privileg gesprochen und gestimmt hatte. Tie Agrarier, in deren Presse vor einiger Zeit die Frage eben- falls angeschnitten worden war, schwiegen sich heute tapfer ans. Der Antrag wurde gegen die Stimmen der Linken natür- lich abgelehnt. Nächste Sitzung findet am Mittwoch, den 3. Februar, statt mit der Tagesordnung: Grundbuchordnung und Konvertirnngs- Vorlage. Für die„groste liberale Parte!" wird wieder einmal geworben. Die Werber, die die Presse und ein paar Organi» saliönchen äußerst geschickt zu verwende» verstehen, gehören fast ansschließlich der freisinnigen Vereinigung an. Der Plan wird wie sein« Vorgänger scheitern. Die»liberalen Parteien" von Herrn Böttcher bis zu Herrn Payer werden langsam aber sicher, und zwar getrennt und nicht mehr geeint zu gründe gehe».— Chronik der Majestiitöbclcldlgungeu. Wegen Majestäts- belcidigimg verhandelte gestern die I. Etrafkannner des Landgericht II gegen die Plätterin F r a» N n g I e r a u s P a n k o>v. Der Anklage lag eine Denunziation scilens einer der N. feindlich gesinnte» Familie Wustrow zu gründe, und zivar stützte sich dieselbe' ans folgende» Vorfall. A»l I. August fuhr der Malermeister Baganz mit seinem Fuhrwerk nach Berlin und nahm zu seiner Unterslühnng den ihm von der An- geklagten empfohlenen Knaben Philipp Jung mit. Unterwegs hatte B. mehrere Vesorgnnge» zu mache», er lieh deshalb daö Sie- fährt unter Aufsicht des I. zurück. Ter letztere ließ sich nun von einem an den Wagen herantretenden Mann, der angab, er sei Thierarzt und«volle das Pferd eln'aS hcrnmsiihren, bewegen, das Fuhrwerk dem Fremden zu überlassen, der alsbald mit demselben davonfuhr. AlS dann B. mit dein Jungen nach Haufe kam und nunmehr Frau Nagler de» Vorfall erfuhr, stellte letztere den I. zur Nede und äußert«: Er dürfe niemandem das Fuhrwerk überlassen, er solle jeden der nach demselben verlange, energisch zurückweisen. Hierbei flocht die Angeklagte eine etwas drastische hier nicht wiederzugebende Aufforderung ein und fährt dann fort:„und wenn der deutsche Kaiser kommt, so darfst Du daS Fuhriverk nicht Heransgeben". I» diesem Augenblick trat Frau Wustrow auf den Hof. auf welchem sich der Vorgang abspielte, während der Ehemann W. vom Fenster auS die Aeußernng hörte.— Vor der Slraftammer behanplele Frau W. ganz bestimmt, die N. habe jene schnmtzige Redensart in bezug auf de» Kaiser gebraucht, während die Angeklagte den Vorgang in der angegebenen Weise schilderte. Der Ehemann W. war schon nicht mehr so bestimmt in seiner Aussage»nd verschiedene andere Zeugen bestätigten die Angaben der Angeklagten, wonach dieselbe zunächst sich jener Aeußernng bedient und dann erst die Person des Kaisers erwähnt habe, ohne jede Be- Ziehung auf die vorhergegangene» Worle.— Der Staats- nnwall schenkte der Frau W. Glauben und beantragte drei Monate Gefängniß. Ter Gerichtshof trug Bedenken, auf die Aussage einer einzigen, der Angeklagte» noch dazu feindlich ge- sinnten Person eine Verurtheilung auszusprechen und erkannte ans Freisprechung. Das UntersuchungSversahren wegen Majestätsbeleidigung gegen den Schützling der Berliner politischen Polizei, de» vielnarnigen und vielgewandten, jetzt auch wohl vielgesuchte» Normann-Schumann ist bereits im Gange. Vor dem Amtsgerichlsralh Herr» v Podewils haben gester» wiederholt zahlreiche Veruehmnngen in dieser Sache stattgefunden. Wegen MajeslälS• Beleidigung wurde der Gutsbesitzer Herum»» S ch» e p p st von Domdrowken am 27. Okiober löüg vom Landgericht L y ck zu Strafe verurtheilt. Auf die R e v i s i o n des Angeklagien gegen das Urtheil, die vom Rechtsanwalt beim Reichs- geeicht Justizrath Dr. D e i ß vertreten wurde, brachte das Reichs- gericht»ach Verhandlung unter Ausschluß der Oefsentlichkeit die dritte Majestätsbeleidignng i» Wegfall»nd hob bezüglich der andere» beiden Fälle das Urtheil aus und verivies die Sache zur nochmalige» Verhandlung und Entscheidung an die Vorinstanz zurück. «« Tentschcs Reich. — Der ausivärtige Handel des deutschen Zoll- gcbiets im Jahre 1396 betrug i» Tonne» zn 1009 kg netto i A. Einfuhr 30 407 BIO gegen 32 B36 970 im Vorjahre, daher mehr 3 370S40. worunter Edelmetalle 1003, Getreide 0 445 491 gegen 5 120 347, daher Niehr 1 323 144. L. Ausfuhr 25 713 633 gegen 23 829 668 im Vorjahre, daher mehr 1 338 375, worunter 444 Edelmetalle. Die Einfuhrwerihe für das Jahr 1390 nach den sür 1695 fest- gesetzten Einheilswerthe», dir selbstverständlich für 1390 noch Korrek- turen unterliegen, betrage» 4 573 443 000 gegen 4 240 111000 im Vorjahre, daher mehr 327 337 000. Darunter Edelmetalle 249 472 000 gegen 125 442 000, übrige Artikel 4 323 970 000 gegen 4 120 009 000, daher ohne Edelnictallverkehr mehr 205 307 000. Die Ansfnhrwerlhe sür daS Jahr 1896 betragen; 3 631 029 000 gegen 8 424 076 000 im Vorjahre, daher mehr 207 553 000, darunter Edelmetalle 227 833 000 gegen 106 170 000 im Vorjahre, übrige Artikel 3 403 790 000 gegen 3 317 900 000 im Borjahre, daher ohne Edelmetallverkehr mehr 35 890 000. — Der Ausschuß des Vereins der Rohzucker- Fabriken faßte in seiner heute hier abgehaltene» Sitzung de» Beschluß, beim Reichstag Schritte zu thun, welche daraus abziele», den im jetzige» Znckerstcuergesetze und besonders in der Art der Kontingenlirung liegenden Zwang zur Uebcrproduktion zu beseitigen. — Gegen die Besser st«llung der Arbeiter durch deren'Ilbivauderuna vom Lande nach de» Slädten. wo doch elwas bessere Lohn- und Arbeitsverhältnisse existiren. zu känipfen, ist sür die Agrarier der Inhalt der ländlichen Arbeiter- frage. So klagt der Bericht der brandeubnrgischen Landwirlh- schastskammer: Erfolglos geblieben sind die Bestrebungen des Vor st an des auf Einschränkung der?lr- beiterfahrkarlen in dem Umkreise von Berlin. Der Eisenbahnminister hat di« Forderung des Kammervorstandes nicht berücksichtigt, selbst nicht für Fahrten über 20 Kilometer Entfernung." Und der Teltower landwirthschaflliche Verein hat für seine Sitzung vom 9. Februar d. I. als Hauptpunkt auf die Tagesordnung gesetzt: „Maßnahmen gegendieMasse nabwanderun gland- wirthschasllicher Arbeiter nach de» Städte» durch Beantwortung des Fragebogens des deutsche» Landivirthschasts- ratheS." — MitHerrnMohr'S parlame n tarisch erThätig« k e i t scheint es nun zn Ende zu sein. Für das durch Niederlegung Mohr'S freigewordene Abgeordneten-Mandat stellen die Freisinnigen Professor Hänel, die Nationalliberalen und Kartellparteien den Kommerzienrath Volkens-Altona auf. Herr Mohr zieht sich wohl ganz auf seine Fabrikanlentbätigkeit zurück, selbst von seiner Virtuosilät, den§ IS deS Preßgesetzes zu gebrauchen, ist er abgekommen; er ersucht uns nun schon höflich, mitzutheilen, daß er nicht mehr Prokurist, sondern alleiniger Inhaber der Firma A. L. Mohr ist. Sinn können unsere Leser auch von dieser bedeutungsvollen Thatsache gebührend Notiz nehmen.— Aus Mcinitige».(Eig. Ber.) Jni ganzen Lande ist jetzt die Bewegung gegen den des seitens der Regierung eingebrachten Gemeinderechts-Gesetzentwurss im besten Zuge. Besonders rührig ist. neben unseren Parteigenossen, die freisinnige Partei im Kreise Sonneberg, von wo ans nicht nur der liberale Wahl- verein, sondern auch der Gemeiuderath einen recht energischen Protest gegen de» reaktionären Gesetzentwurf an den Landtag sandte. Ebenso rührten sich bisher die Freisinnigen in Satzungen; der „Salznnger Anzeiger" brachte zur rechten Zeit eine Reminiszenz. wonach dem Gemeinderechtsgesetze von 1310 die Einleitung vorgedruat war, daß die Regierung wünsche, daß soivohl die Gesammtheit der Bürger sich an den Gemeindegeschästen belheitige und den einzelnen Gemeinden niehr Selbständigkeit n»d BeivSgnngssreiheit gegeben werde. Allgemein ist der Tchinßrefrain sowohl der mündlichen als schrift- lichen Agilatiön gegen den Gcsetzenlwnrf, daß man der„liberalen" Meininger Regierung eine solche reaktionäre That nicht zugeiräiit habe. Unsere Genossen hielten bis jetzt Prolestversammlnngen ab in Saalfeld, Lehepen und Sonneberg, heute ist»vieder eine Aer- saimnlnng in Pößneck, am»Kcksten Sonntag in Gräfenthal; iite- kerent i» Sonneberg ivar Genosse La»dtags-Al geordneter Wehder, in den anderen Orten Genosse Hotmaiin-Sanlseld. ES wird jetzt un- umwunden zugegeben, daß di« an den Besitz sich knüpfende Mehrsttimnenwahl gegen die Sozialdemokratie sich richte; man hat dabei aber die Rechnung ohne den Wirlh gemacht, denn während man in der That in den Slädten die Sozialdemokratie auf grnnd der ßbeabsichiigten Wahlmelhode gänzlich ans den Gemeinde- Vertretungen sernhalie» würde, zeigt sich für daS platte Land und speziell sür die Armeren Gebirgsdörfer das gerade Gegentheil. Dort kommen die großen Einkommen, welche zur Abgabe von 15 bis üo Siiinmen bnechlige», mit vereinzsli vor, während das Proletariat bedeutend überwiegt; hier würde die künftige Leichtigkeit.„Nachbar" oder Bürger werden zu können, die damit verbundene neu einzu- führende Mebrstiimnenwahl vollständig paralysircn. Das Un- gerechte der Mehrstiimnenwahl wird besonders in Pößneck, Mci- Hingen und Sonneberg zu tage treten; in Pößneck werden beispiels- ivetse 199„vollwichtige" Bürger mit einem Einkommen von 3000 bis 38 000 Mark pro Jahr allein 1500 Stimmen abzugeben de- rcchtigt sein; im Durchschnitt würden dort also auf jede dieser Per- sonen 7 Stimme» kounnen. Noch bedeutend ärger ist es in der Stadt Mciuingen selbst, da dort die meisten großen Vermögen zu sinden sind. Mag der Landtag entscheiden, wie er will, die Ent- irickelung der Dinge wird er mit seinen Beschlüssen nicht aushalten können. Jedenfalls wird das Vorgehen der Regierung, ob der Gesehenlwurf nun angenoinine» oder abgelehnt wird, eine treffliche Handhabe bei unserer Agilalio» zu der im September statt- sindenden Landlagswahl abgegeben.— Bekanntlich genehmigte daS Ministerium auch in diesem Jahre trotz des Pro- testes des städtischen Vereins in Saalfeld, den Maifestzug�; darüber ivird dasselbe nun im Landtage seitens der höchst- besteuerten Vertreter interpellirt werden, da diese es nicht ver- winden können, daß de» politisch organisirlen Arbeitern das nicht verweigert wurde, was jedem anderen Vereine ohne weiteres er- lanbt ist. Apolda, 30. Januar.(Eig. Ver.) Nächsten Montag, den l. Februar, lriit der ivelmarisch« Landtag zu einer außer- ordentlichen Tagung zusammen, nm über Abänderungen des Einkonimenstener-Gesehes zn berathen. Man plant bei stener- Pflichtige» Einkommen von 3000 M. an die Selbsteinschätzung ein- zuführen und hofft«ine erhebliche Mrhreinnahme zu erzielen, be- Hufs Erhöhung der Bcamtengchällcr. Natürlich vor allem derjenigen der hohen Beamte». Miinchc», 30. Januar. Ministerialdirektor Ritter von Oswald, welcher zur Zeit in Berlin weilt, hat dieser Tage dort einen Staats- vertrag mit Preußen abgeschlossen, betreffend die Herstellung einer Bahnverbindung von Marxgrün nach Blanken- stein.— — Der Zengnißzwang grasstrt nun in Süddenischland. Fast gleichzeiiig mit der»Mannheimer Volksstimme" ist die „Elsässische Bolkspartei" in Zengnißzwang genommen worden.— Frankreich. PariS, 29, Januar. D« p u t i r t e n k a m in e r. Bei der fort- gesetzUn Berathnng der Zucker st euer-Bor läge bekämpft Berichterstalter Graux den Slntrag Jaurös»nd sagt, die Zoll- kommission wolle die Agiotage nicht ermuthigen, aber zahlreiche Fabrikanten seien infolge der Konkurrenz Deulschlands nud Oester- reichs nicht in der Lage, Zucker zu exportiren. DaS vorhanden« Lager belaufe sich auf etwa 4n0 000 Tonnen. Der Antrag würde die uleresse» der Landwirlhe schädigen. Jaurös hält seine» »trag aufrecht und hofft, die Kammer werde zeigen, daß sie nicht die Agiotage ermulhigen wolle, iliibot erklärt, der Antrag würde di« Anwendung des Gesetzes auf ei» Jahr vertagen zum Nachtheil der Landwirlhe. Der Antrag JanröS wird hierauf mit 252 gegen 24k Stimmen abgelehnt. Der erste Artikel der Vorlage, in welchem Ausfuhrprämien von 3,50 Fr. bis 4,50 Fr. je nach der Art des Zuckers festgelegt werde», wird angenonimen. An diesen Prämien nimmt der seit dem 1. September erzeugte Zucker theil. Der Artikel 2, durch ivelchen dem französischen Kvlonialzucker ein abgestufter Steuererlaß zugestanden wird, wird ebenfalls an- genommen.— PariS, 30. Januar. Die radikalen Blätter greisen Meline wegen der Ablehnung des Antrages Jauros' zum Znckergesetz hestig an, da die interessirten Großfabrikanten und Spekulanten durch Ab- lehnung des Antrages zehn Millionen gewinnen. Die radikalen Btätter bezeichnen das Gesetz als ein Zncker-Panmna.— — I in Senate hat sich nicht, wie wir irrlhümlich gemeldet haben, eine Gruppe der Sozialisten, sondern eine Gruppe der sogenannten»sozialistischen Radikalen" Goblet'scher Observanz gebildet.— England. London, den 27. Januar.(Eig. Ber.) Gestern ist die so- genannte Adreßdcbatte im Parlament zu Ende geführt worden. Sie schloß mit einer Abfertigung der Sutlansfreunde, di« Zurückberufung oder Beiseiteschiebung des jetzige» Gesandte» in Konsiantiifopel ver- langt hatten. Sir Philipp Enrrie ist den Herren Coningsby Disraeli (ein Neffe Disrneli-Beaconsfield's) und Ashmead Bartlett nicht höfisch genug. Er hat dem Sulla» und seinen Kreaturen zn osl gezeigt, daß er sich durch bloße Redensarten nicht hinters Licht führe» läßt. Darm» soll ein anßerordeutlicher Botschafter anS Goldene Horn geschickt werden, zu dem der Sultan Vertrauen hat. Jndeß fanden die Klagen der„Janitscharen". wie Herr Harconrt die Ge- nannlen tiluiirte, kein Echo in Westminster. Regierungs- Vertreter und Oppositionsführer vertheidigten den derzeitige» Gesandten gleich energisch. Er fei ohne Boreinge» onimen- heil an seinen Posten gegangen, habe aber, wie noch jeder seiner Vorgänger, sich davon überzeugen müsse», daß in xnneba Verwalluugsresormen mit blos frenndschastliche» Vorstellungen im Mldiz Kiosk nichlS ausznrichte» sei. Ohne stärksten Druck sei an Verwirklichung von gründlichen Reforme» in der Türkei nicht zu denken, und ohne solche sei die Türkei nicht zu retten.„Unsere fest« Ueberzengung ist", erklärte Herr Balfour unter großem Beifall,»daß «ine reformirte Türkei«ine unverwundbare Türkei,«ine uureforinirt« Türkei eine gerichtete und der Auflösung verfallene Türkei ist", woraus die»Janitscharen" ihren Antrag kläglich— oder klüglich— zurückzogen. — Zwei Nachwahlen werden sich in den nächsten Tage» in stark von Arbeiter» bevölkerten Vororten im Osten Londons ab- spielen. Unser Londoner Korrespondent schreibt hierüber: Bei beiden handelt es sich um Ersatz für konservative Abgeordnete, die 1395 mit sür«»glische Verhältnisse bedeutenden Majoritäten gewählt wurden. � Im Kreise R o m f o r d haben die Konservativen einen Vorsprung von 1300, im Kreise W a l t h a m st o w von 2353 Stimmen. In« nstere» haben ihn«» die Liberalen einen wohlhabendenKaufmann R a pb a e l, im zweiten den Bergarbeiter-Verlreter und parlamentarischen Gewerk- schastssekretär Sam Woods gegenübergestellt. Woods ist natürlich der Slilninen der gewerkschaftlich organisirten Arbeiter sicher, aber auch für Herrn Staphaek treten so radikale Gewerkschaftler wie Mark Hntchins. der Präsident der Union der GaLarbeiter ein. Da im Cleveland-Distrikt neulich der liberale Kandidat mit erhöhter Stimme»- Mehrheit gewählt würde, hoffen dieLiberale» auch hier dasBlättchen sich zu ihren Gunsten wenden zu sehen. Auch in der Provinz sind einige Nnchivahle» im Gange, deren Resultat in den nächste» Tagen be- kannl iverden lvirb. Sozialisten sind bei keiner dieser Wahlen im Felde, aber die Programme der Kandidaten zeuge» von dem wachsenden Einfluß der sozialistischen Agitation. Für ein» in Aus- ficht stehende Nachwahl in Blackbnrn(Lancashire) hat di« Jndepen- dent Labour Party den früheren Redakteur der»Workman's Times". Jos. Burgeß, aufgestellt. — Im Unterhause erklärte Ehamberlain über die Lage in Südafrika:„Die Lage der Angelegenheiten i» Südafrika sei noch nnbefriedigend. Beunruhigende Gerüchte erreichten ihn, Redner, alle Tage. Zweifellos sei innerhalb der letzten Monate ein Wieder- auslebe» der unruhigen Stimmung eingetreten." London, 29. Januar. Unterhaus. Ter Parlamentssekretär deS Kriegsamis Brodrick erklärte, die Bill betreffend die mi Iii Sri« schen Bauten bilde eine» nicht nnivichligen Theil des allgeineine» Programmes der nationalen Vertheidigung. Es seien III 000 000 ili. durch ein« Anleihe zu beschaffen, wovon 22 400 000 M. für Festungswerke bestimmt seien. Die vier westlichen Häsen Bier- Häven, Louah Swillv, Falmoulh und Ecilly sollen befestigt werden, damit die Flotte fleh freier beivegen und die«»glische Handels- marine gesichert iverden könne. Ungefähr 00 Millionen Mark seien erforderlich für Kasernen und große Lager, 23 000 000 M. für Bauten, um London mit Vertheidlgllilgsstellullgen zu umgeben, und 10 000 000 M. sür Manöverplätz«. Dafür hofft die lllegierung, 60 englische Qnadratmeilen Landes in der Ebene von SaliLbnru aiizukause».— Italien. Rom, 23. Januar.(Eig. Ber.) Dem Ministerium di Rudini befreundete Blätter beklagen sich auf das lebhafteste über de» Wider- stand, welchen die in Sizilien von dem Laiidesniinister angebahnten administrativen und sozialen Reformen bei den besitzenden Klassen der Insel finden. Diese Blätter heben hervor,' daß ganz Jlalie» sich damit einverstanden erkläre, daß die Resormthätigkeit des Ministeriums sich zuliachst einseitig und ausschließlich der Insel Sizilien ziigeivendet habe, weil dieses Land gegenwärtig mehr als alle anderen Theile Italiens der Hilfe von feiten des Staates bedarf. Aber gerade diejeiiige», von denen das Ministerium in erster Linie ein Entgegenkoinmen habe erwarten müffen, die besser- situirlen Klaffen der Insel selbst, gewährten den Reformen des Ministeriums nicht nur keine Unlerstützuug, sondern setzten ihnen durchweg einen passiven, luiiuuter sogar«inen aktiven Wider- stand entgegen. Dies habe sich schon gezeigt bei dem Versuche, Unterstntzungskassen sür die Landarbeiter»nd kleinen Grnnd- eigenthünier ins Lebe» zu rufen. In verstärktem Maß« sti der Widerstand hervorgetreten bei der Revision der Koinmnualbudgets, die sowohl in bezug ans Erhebung als auf Verwendung der Steuer» die augenfälligste Uebervortheilung der ärmeren Klassen der Be- völkeruiig darstellten, ebenso bei den Versuchen, eine Verbesserung der ländlichen Arbeitskontrakte im Interesse der Arbeiter herbeizn- sühren; nicht minder bei den Versuchen zur Verbesserung des Loose? der Schwesel-Bergbanarbeiter durch Errichtung von HilfS- und Un- fallversicheruugSknsseu und durch Abschaffung des Trucksystems. In jedem Falle habe die jedesmal speziell iiiteressirte Klasse von Besitzer» den Reformen alle denkbaren Hindernisse entgegengestellt. Gegenüber diesen Klagen muß darauf hingewiesen werden, daß daS Ministerinin von vorn herein Unrecht gehabt hat, für seine Reformen auf den Beistand derjenigen Klassen zn rechnen, gegen deren- Jntmss« diese Reformen gerade gerichtet sind; der Patriotismus dieser Klassen reicht eben gerade soweit, als ihre Geldinteresseii außer Frag« bleiben. Doppell Unrecht hat aber das Ministerium darin, daß es zu eben der Zeit, wo es seine Reformen ins Wert sehen will, einen Feldzug gegen die sozialistische Partei anlündiat und eröffnet, also gegen dieselbe Partei, welche bei der Durchführung der Reformen scm natürlicher Verbündeter fem könnte. Durch bloße admlnistrative Verfügungen läßt sich die Camorra der Besitzerinteressen in Sizilien nicht besiegen; e? bedarf dazu einer entsesselten Volksbewegung. Die Maßregeln gegen die Sozialisten können nur dazu dienen, die Frechheit der Besitzerparlei in Sizilien, di« alle Mißbräuche beibehalten wünscht, zu verstärken. Freilich bedarf es zn einer solchen Politik mehr Math, als das Mintsteriiini di Rudi»» besitzt. Spanien. Madrid, 30. Januar. In den bastischen Provinzen verbreiteltn die Karlisten ein Mrnttsest, in welchem sie die Bevölkerung auffordern. sich gegen die Regierung, welche den Kubanern diejenigen Privilegien zugebilligt, die sie ihnen nach blutigem Kampfe entrissen habe», zu erheben. Mella erklärte einem Journalisten, sobald Dou Carlos den Befehl zum Ausstand« geben würde, die Karlisten marsch- bereit wären. Bei der prekäre» Lage, in der sich die spanisch« Regierung be- findet, wird dies« Drohung mit«ine»» carlistischen Aufstaude als»in neuer schwerer Schlag empfunden werden.— Ruszland. — Kriegsvorbereitungen? Nach einer Meldung Ver „TimeS" auS Odessa stalionirt die aus sechs Panzern, sowie mehreren Kanonenbooten und Torpedoboots-Zerstörern bestehend» Schwarzmeer-Flotte zur Zeit vor Sedastopol. Die Mannschasieu sind vollzählig an Bord und zum aktiven Dienste bereit. Die Panzer und Kanonenboote liegen stets unter Dampf.— — Ans Anlaß des Petersburger Streiks findet gegenwärtig in Rußland der nachstehend folgende Ausruf Ver- breitmig: „DerVerein fürUnter st ützung der Verbannten und Verhafteten: Das 10. Jahr des Bestehens. Die Petersburger Gefängnisse sind mit politischen Häftlingen überfüllt. Unser Verein ist aus Mangel an Mitteln»»cht im stand«, seiner Aufgabe gerecht zu werde». De» 2.(14.) Januar begann der Streik auf der Pttrow'schen Baumwollspinnerei; dieser folgle die Alexandroiv'sche Gußeisenfabrik nach. Es wird uns milgetheilt, daß die Fabrik von Pähl bereit ist, zu streiken, und nach dieser auch die andere». Ueber das Verhalten der Regierung diesen Ereignissen gegen- über kann kein Zweifel bestehen; ihre Gefängnisse werden die Thür« weit öffnen sür die Theilnehmer des Streikes. Wir müssen darauf vorbereitet sein, aber wir haben nicht die Hoffnung, auch nur de» geringsten Theil der Roth befriedigen zu können, wenn nicht der Zufluß der Spenden stärker wird. Außer seinen ständigen Sammlungen veranstaltet gegenwärtig der Verein mit Rücksicht aus die unerträgliche Lage der Arbeiter mit ihren Familien, welche eS gewagt haben, in der Winterzeit, in welcher der Verlust deS Arbeilslohneß besonders empfindlich ist, «inen Sireil zu beginnen, zur Zeit spezielle Sammlungen zu gunsten der Streikende» und erklärt hiermit, daß er Spenden sür dieselben in Empfang nimmt. Ueber die Summen, weiche un? zn diesem Zwecke zugehen werden, wird ein spezieller Bericht veröffentlicht werden. St. Petersburg, den 7.(19.) Januar 1890." Aus der in der Nr. 21 des„Vorwärts" zum Abdruck gebrachten direkt aus Petersburg au uns gelangten Mittheilnng, welche um einig« Tag« späteren Dalums ist, als der Aufruf des UiiterstütznngS- vereinS. ist zu ersehen, daß der Streik auf der Alexandroiv'sche» Gußeisenfabrik mit einem Siege der Arbeiter beendet wurde, daß sich aber dem Streike der Weber die Arbeiter von vier weitere» Webe- und Sp>»»fabriken angeschlossen haben, daß also die materielle Unter- fttitznng der Streikenden seil dem Grschetnen des Aufrufes in er- höhten, Maße nothwendig ist. Doch wie sehr auch die Petersburger Streikenden materielle Hilfsmittel tu ihrem schwere» Kampfe brauchen und obwohl Vi« Bedeutung des gegenwärtigen Massenstreikes und seines Ansgauges für die Ausbreitung der soziahstische» Ideen unter der tttsslschen Arbeiterschaft unermeßlich groß ist, verzichten die russtsckie» Genossen doch mit vtiicksicht auf die großen Anforderungen, welche der Hamburger Hafenarbeiler-Streik an den Opfermuth der deutsche» Arbeiterschaft gestellt hat und noch jeden Tag stellt, darauf, eine» Ausruf um Unterstützung an die deutschen Arbeiter zu richte». Ärtechenland. Athen, 30. Januar. Zwischen der Polizei und den die Universtlät besetzt haltenden Studenten kam es gestern zu einem Zusammenstoß, wobei durch Revolverschüsse ein Schulkiiabe getödtet und der Polizeipräfekt verwundet wnrde. Behufs Aushungerung der Studenten wurde die Wasserleitung zur Universität abgesperrt. Die außerhalb dir Universität befindlichen Studenten drohen, falls der MilUärkordou nicht abzieht, gewaltsam ihre Kollegen ver« proviantiren zu wollen. Eine anscheinend amtlich beeinflußte Meldung stellt die Bor- hänge bedeutend harmloser dar. Sie lautet: „Die Lage ist ruhiger geworden. Die jüngsten Studirenden haben die Universität verlassen, andere verlangten mit der Polizei zu unterhandeln. In der Stadt herrscht Ruhe. Die Absperrung der Universität durch«inen Militärkordon wird ausrecht er- halten."— Amerika. Washtugtou, 29. Januar. Der Senat hat mit 43 gegen 4 Stimmen eine Bill betreffend den internationale» Bimetallis- m u s angenommen. Durch die Bill wird der Präsident ermächtigt, Bertreter zu jeder etwa stattfindenden iuter- nationalen Konferenz zu ernennen, welche den Zweck hat, ein festes Verhältniß zwischen Gold und Silber zu sichern; die Bill ermächtigt serner den Präsiveuleu, eine solche Konferenz nach seinem Beliebe» enizuberusen.—_ RvichskÄg. 1C5, Sitzung v o in 30. I a n u a r 1897. 12 U h r. Am Tische des BundeSraths: v. Stephan und zahlreiche Konnniffarten. Das HauS fetzt die zweit« Berathung des E t a t s f ü r 1897/93 fort beim Etat der Reickspost-nnd Telegraph« n-Vermal t» na, und zwar denn Gehalt des Staatssekretärs. Abg. Bumtller(Z.) beklagt sich darüber, daß die gebotenen katholischen Feierlage in Hohenzollern von allen Seiten gehalten werden, die Post allein stelle ihre Bestellung nicht ein. Staatssekretär v.EtePhan: Die Sache befindet sich im Stadium der Information. Abg. Fvrster-Neustettin(D. Reformp.) weist nochmals daraus hin. daß die Mtlitäranwärter geschädigt werden durch die Nicht- anrechnung ihrer Probedienstzeit; das Landgericht hat sich aus die Seite der Militäranwärter gestellt. Abg. Fischbeck(frs. Bp.) bezeichnet die Reform des Postzeitungs- Tarife» als dringend nothwendig. Die Telearammzensiir kommt Nicht blas gegenüber den Sozialdemokraten zur Anwendung, sonder» auch den kausleuten gegenüber hat man aus Anlaß der Auflösung der Produktenbörse ein Telegramm inhibirt, weil darin von dem Kampfe gegen die Reaktion die Rede war. Redner führt einen Fall an, in welchem der Besitzer einer Villa in Lichterfelde trotz der größten, monatelangen Austrenaungen nickt die Anlage einer Telephoneinrichtung hatte erzielen können. Mißstände sind daraus entstanden, daß die Post Zahlungen im Austrage der Berufs- genossenschaften nicht mehr an dritte, sondern nur an den Unfall- verletzten selbst leistet, trotzdem sie alle Zahlungen für Heilverfahren n. s. m. zu leisten verpflichtet sei und auch jahrelang demgemäß ge- handelt habe; aber das liegt dlos an der Grsparnißwuth. Die Benissgenossenschafteu sollen die 20 Pfennige für die Postanweisung bezahlen. Geheimer Oberpostrath Dydow: Was die Unfallentschädigung betrifft, so verwahr« ich die Verwaltung auf daS entschiedenst« gegen den Vorwurf des FiSkaltsmus. Wenn in der letzten Zeit die Zahlungen, die nicht an den Entschädigungsberechtigten oder a» seinen Stellvertreter oder Rechtsnachfolger zu leisten sind, nicht durch die Post, sondern durch die Berufsgenoffenschaften geleistet worden find, so geschah da? im Einklang mit den Anschauungen des Reichs» VerstcherungSamtes, wie sie in dem neuesten Handbuch niedergelegt sind. Nachdem nun das Reichs» Berstcherungsamt neuerdtngS praktische Bedenken tegen diese Durchführung erhoben hat, werden wir die lache noch einmal prüfe». Wenn die BerufSgenoffenschafle» durch ihr« Bertrauensmänner für unS die Zahlungen vorweg leisten, so werden sie durch die Post sobald wie möglich erstattet. Wir haben uns bemüht, die sozialen Lasten, die uns auferlegt sind, so gut wie möglich zu tragen. Wir haben gerade die Arbeiter, welche wenig Zeit habe», nicht lange warten lasse». Abg. Singer(Soz.): Der Unterstaatssekretär Fischer wollt« wissen, wo ich mein Material über den Beamtenenaß her habe. Ich habe keine veranlassung, mich darüber auszusprechen, auf welche Weise mir Material zugeht.(Zwischenruf rechts: Gestohlen!) Wenn die Postverwaltung es sich so bequem macht, wie der Unter- staatssekretar, dann wird die Verantwortnng der Verwaltung überhaupt illusorisch. Die Herren brauchten ja dann nur allen ihren Handlungen den Charakter„vertraulich" zu geben und jede verant- wortung vor dem Lande abzulehnen. So billigen Kaufes kann die Regierung nicht davonkommen. Der Zwischenruf„Gestohlen!" mischt Dinge durcheinander, die absolut nicht zu einander ge- hören. Für uns Abgeordnete kommt eS absolut nicht darauf an, wie wir Kennlniß von Vorgängen bekomme». sonderu nur daraus, ob die Vorgänge wahr sind. Mit dieser Empfindlichkeit. mit der die Herren einen Unterschied machen, ob einem Abgeordneten etwas nicht ganz legal zugeht, kommen sie nicht weiter; sie wird merkwürdigerweise nur dann an- 8«wendet, wenn eS sich um Personen handelt, die sich nicht eines ervorragenden Schutzes aller Parteien zu erfreuen haben, und namentlich, wenn es sich um u»S auf dieser Seite hier handelt. Ich zweifle nicht im geringsten, daß der Abg. Pauli, der den Zwischen- ruf thal, wenn er eine Thatsache so schwerwiegenden Inhalts erfahren würde, sich seiner Pflicht als Volksvertreter bewußt wäre, die Dinge hier zur Sprache zu bringen. Weshalb fürchtet die Ver- waltung die Oeffentlichkeit? Weshalb bezeichnet sie diese Erlasse als vertraulich, wenn sie nicht verhüten will, daß diese Dinge hier zur Sprache konmien? Diese Dinge müssen in der breileren Oeffentlichkeit besprochen werden; das ist die Pflicht aller Parteien, und es ist für dieses Parlament charakteristisch, daß sich aus de» Majoritätsparteien niemand findet, der Verwahrung gegen solche Eingriffe in die verfassungsmäßige» Rechte der Beamten«inlegt. Ich möchte im englischen oder im tranzösischen Parlament« sehen, daß«in Minister es ablehnen würde, luSkunst über einen solchen Erlaß zu geben. Welcher Lärm würde sich da erheben! Der Minister, der sich in Frankreich herausnehmen würde, eine solche Antwort zn aeben wie der Unterstaatssekretär Fischer, würde dies« Antwort mit seiner Entlassung bezahlen müssen. Die Dinge sind zu ernst, um mit solcher Nonchalance behandelt zu werden. Wir lassen aber die Herren nicht los. Daß der Weg, auf dem wir Kenntniß von dem Erlaß betommen haben, Ihne» miß- fällt, entbindet Sie nicht der Verantwortung vor dem Parlament. Ich fordere den Staatssekretär nochmals auf. die Gründe für den Erlaß hier zu vertreten, einen Erlaß, der die verfassungsmäßigen staatsbürgerlichen Rechte der Beamten auf das stärkste mißachtet. Wenn die anderen Parteien so unempfindlich dagegen sind, daß die Beamten verhindert werden, sich an Petitionen und Versammlungen zu belheiligen, in denen Gesetzesvorlagen der Regierung abfällig kritisirt werden, dann dürfen sie sich nicht wundern, wenn von feiten der Beamtin bei de» nächsten Wahlen den Parteien die Frage vor- gelegt wird: werden wir bei Euch auch Schutz finden gegen Angriffe auf unsere staatsbürgerlichen Rechte? Wollen die Parteien durch ihr Stillschweigen ausdrücken, daß sie der Aus- fassnng des Staatssekretärs zustimmen und es richtig finde», daß im Parlament über einen solchen Erlaß jede Auskunft verweigert wird? Nun gut, so mögen sie es thun. Aber es ist ein Novlun i» der Geschichte des Parlanientarismus und ist wiederum bezeichnend für das Maß der Volksfreiheit auf grund des allgemeiue» direkten Wahlrechts. Mein Freund Bebel hat mit recht betont, daß die Art. wie der Untcrstaatssekrelär Fischer den Geheimen Postrath Heß in Karlsruhe vertheidigt hat, in den Kreisen der oberen Postbeamten den Glauben erwecken kau», als besände» sie sich in solche» Dingen im Einverständniß mit ihrer vorgesetzten Be- Hörde. Daß ei» solcher Ton gegen die unteren Beamten angeschlagen wird, scheint übrigens nicht selten zu sein. Ich kann heute eine Verfügung des Postdirektors Schüßling in Oberhaus«» mittheilen» die übrigens nicht als vertraulich bezeichnet ist, sondern in das Verordnungsbuch eingetragen und jedem zugänglich ist; sie laute« wörtlich: „Seit einiger Zeit befinden sich unter den Packträgern einige Ochsen, die, sobald sie mit einer beladenen Packelkarre an der Rampe angelangt sind. Packele gegen die geschlossene Packkamnierthüre werfen, um dem diensthabenden Packmeister ihre Ankunft anzuzeigen, weil sie eben zn st i n k« n d s a u l sind, um dem Packmeister persönlich ihre Ankunft zu melden. Auf die erstattete Anzeige hin habe ich den Post-Hilfsboten Pracht, als er stch gestern solcher Lümmelei schuldig gemacht halte, mit einer Geldstrafe von 1 M. 50 Pf. bestrast. Sollte es fortan noch jemand wagen, sich wie «in Stück Rindvieh zu betragen, so habe er sich die eriisten Folgen selbst zuzuschreiben. Die Stnbeuanfsicht sowie die älteren Packetträger fordere ich ans, wniu sie solche Rohheilen ihrer Kameraden wahrnehmen, nur sofort Anzeige zu erstatten. Kaiser- liches Postamt. Schüßling." Es hieße die Wirkung abschwächen, wenn ich dazu noch ein Wort hiiizufügte. Ich nehme an, daß die Verwaltung feststellt, ob diese Verordnung wirklich sich vorfindet, und zweifle nicht, daß dann dieser Herr von der vergesehten Behörde eine ernste Rüge bekommt. Es ist charakteristisch, daß überhaupt solche Dinge in der Postverwaltung vorkomme» können. Da ist es doch nothwendig, daß seitens der oberste» Postverwaltung direkt eine Verfügung er- lassen wird, i» der den Vorgesetzten verboten wird, die Untergebenen wie ihre Sklaven zu behandeln. Ich wünschte, daß wir es nicht nöthig hätten, solche Klagen vorzubringe». Die massenhaften Beschwerden von allen Seiten über die Behandlung der unteren Beamten durch die Vorgesetzten lassen sich nur daraus erkläre», daß vielleicht die Ansprüche an die Leistungen der Unterbeamlen so hohe sind, daß die Vorgesetzten in dem Wunsche, daß ihnen von ihren Vorgesetzten keine Vorhaltungen gemacht werde», die Kräfte der Unterbeamten zu sehr anspannen mit Aus- drücken, die sich für einen Kasernenhof nnd Unteroffiziere eignen, aber nicht für Beamte.(Beifall bei den Sozialdemokraten.) Direktor im Reichs-Postamt Wittko: Es ist der Postverwaltung von den» Vorgang in Oberhausen absolut nichts bekannt. Der Post- direklor dort ist dem Reichs-Postamt als ein tüchtiger Beamter be- kannt. Es wird die Angelegenheit untersucht werden, und wenn stch die Mitlheitung bestätigt, wird die entsprechende Mißbilligung aus- gesprochen werden. Abg. Licbermaim v. Sonncubcrg(Reform-P.): Wir haben Misere Mißbilligung über den Beamtenerlaß deutlich genug zum Ausdruck gebracht; wir halte» es für durchaus unangebracht, charaktervolle Beamte zn beeinflussen. Der Erlaß kann aber auch bei anderen Gelegenheiten zur Sprache gebracht werden, wo der Reichs- kanzlcr Gelegenheit hat, sich auszusprechen. Aus den Fall Bashford will ich nicht eingehen, zumal ich hoffe, daß der nationalliberalen Partei eine große Aktion ausgehe» wird, die der Entrüstung enlsprichl, welche durch die nationalliberalen Blätter ging, als man merkte, daß an diesem Falle doch etwas mehr war. als man zuerst annahm. Redner verweist darauf, daß die von einein Kaufmann aufgelieferten 150 Stück Drucksache» nicht sofort bestellt, sondern erst nach der Zentralstelle übergeführt wären. Auch Briefe und Postkarten werden nicht immer mit der nothwendtgen Pü»lt° lichkeit bestellt. Einem einztgen Adressaten sind so viele Fälle vorgckonniie», daß man aunehme» niuß, daß es an dem »ölhige» Personal fehlt. Die Sonntagsriihe ist noch nicht so durch- geführt, wie eS dargestellt wird. Nach dem Stundeiiplan eines Postamts hat von 9 Beamte» jeder erst am 9. Soimiag einen volle» srei«,, Tag. Redner tritt für eine leichtere Sommerkleidung der Land- brtefträger ein und erinnert an die Verse: Wenn Du so rennen solltest, Stephan. Trepp' auf. Trepp' ab, Haus ein. Haus ans. Du zögest sicher Rock und Weste»nd was weiß ich noch weiter aus. (Heiterkeit.) Redner schließt mit den Worten: Stephan, gedenke der Landbriefträger.(Heiterkeit.) Direktor im Retchspostamt Fritzsch: Bei einem Verkehr von ö>/z Milliarde» Postsendungen jährlich kann«S wohl vorkommen, daß einzelne Sendungen verspätet ankommen. Ich kann mich im Augenblick über die Beschwerde» des Vorredners nicht erklären; sie sollen aber aus grund des stenographischen Berichtes geprüft werde». Was den Wunsch betrifft, daß de» Landbriefträgern eine leichte Sommerkleidung gegeben werde, so finden darüber schon seit Jahren Erwägungen statt, und wir hoffen, die Angelegenheit zu einem be- friedigenden Abschluß zu dringen. Abg. Ltebermunn von Sonncubcrg erklärt, daß er Beschwerden an die Postanstalle» gerichtet habe, aber ohne Erfolg. Damit schließt die Diskussion. Die von der Kommission be- antragt« Resolution wegen Packetzustellung an Sonntagen»vird an- genommen. Die Ausgabe für das Postarchiv bemängelt Abg. Werner, weil diese Zeitschrist für die Postagenturen vollständig überflüssig sei. Unterstaatssekreiär Dr. Fischer ist der gegentheiligen Meinung. Die Ausgabe» werden bewilligt. Im Titel 18 der Ausgaben sind aufgezählt die Bureau- und Rechnungsdeamten zweiter Klasse, welche den Postasststenten gleich- gestellt sind. Abg. Miiller-Saga»(frs. Vp.) weist darauf hin, daß diese Beamtenklaffe nicht aufgebessert werden soll, während andere Beamtenklassen aufgebessert werden. Präsident d. Buol verweist darauf, daß die GehallSfrage bei der besonderen Vorlagt behandelt werden soll. Abg. Miiller-Sagan erklärt, daß er nur für die Bureau« und Rechnungsbeamten im Titel 18 eintreten wolle; er wünsche die Er- höhung ihrer Gehälter(1500—2700 M.) auf 3000 M. Berichterstatter Paasch« verweist darauf, daß die Petitionen de» Referenten über die Besoldungsvorlage zur gemeinsamen Be- Handlung überwiesen seien; es solle auch erst das Schicksal der«nt- sprechenden preußischen Vorlage abgewartet werden. Staatssekretär v. Stephan: Ich kann mich dieser Auffassung nur anschließen. Nach kurzer weiterer stch lediglich auf die Geschästsbehandlung beziehender Debatte beantragt Abg. Singer(Soz.), seine Anträge der Budgetkommission zu überweise»; den gleichen Antrag stellt Abg. Mttller-Sagan für sein« Anträge. Diesen Anträgen stimmt das Hans zu. Bei Titel 29: Stellenzulagen weist Abg. Förster- Neustettin darauf hin, daß diese Zulagen als«in unglücklicher Nothbehels bezeichnet seien; sie hälten den Charakter der Gratifikationen, die man möglichst beseitigen müsse. Staatssekretär p. Stephan: Wir sind auch der Meinung, daß die Stellenzulagen nicht zu empfehlen sind, aber da sie einmal ein- gesührt sind, so können sie nur allgemein in der ganzen Staatsverwaltung beseitigt werde». Im Titel 52 werden znr Vervollständigung der Telegraphen- anlagen 10 849 000 M. verlangt. Abg. Haminachcr(natl.Z: Durch die Zeitungen ist bekannt ge- worden, daß zwischen der Reichspostverwaltung und der Stadt BreSlau ein Streit entstanden ist über die Benutzung der öffentlichen Straßen und Plätze für die Errichtung von Telegraphenanlagen. DaS kgl. Ober-Landesgerichl in Breslau bat den Prozeß zu Ungunsten des FiskuS entschieden. Ich weiß nicht, ob das Reichsgericht sich aus denselben Standpunkt stellen wird wie das Ober-Landesgericht. Sollte das der Fall sein, so würde dadurch die Entwickelung unseres ganzen Telephon- und Fernsprechwesens bedroht werden. Ich meine, daß auf gesetzlichem Wege der Reichs-Telegraphenverwaltmig das Exproprialionsrecht eingeräumt werden muß. In Zusammenhang steht hiermit die Anlage elektrischer Straßenbahnen; in dieser Beziehung beginnt jetzt Berlin den anderen große» Städten nach- zuahmen. Es wird aber durch diesen Zustand die Benutzung der Fernsprech- nnd Telegraphenanstalten empfindlich gestört; durch das Geräusch der elektrischen Bahnen werden auch die Adjazenten der betreffenden Straßen in höchst unangenehmer und fataler Weise gestbrt. Ich weiß nicht, ob nicht seitens der Verwaltung das Verlangen erhoben werden wird, daß jene Anlagen so ein- gerichtet werden, daß ihre schädlichen Einwirkungen ans die «Benutzung der Telegraphen- und Fernsprechleitungen verhindert werden.§ 12 des Gesetzes vom Jahre 1892 giebt»ach meiner Meinung der Reichstelegraphen- Verivaltung«in Recht zu dieser Forderung. Danach hat auch die Stadt Berlin oder ein Unternehmer der elektrisch betriebenen Straßenbahnen die gesetzliche Verpflichtung, ihre Anlagen so einzurichten, daß der Fernsprech- und Telegraphen- verkehr nicht beeinträchtigt wird. Wenn die Rechtsfrage auch außer Zweifel ist, so zweifle ich nicht, daß die Verwaltung den Gemeinden in der loyalsten Weise entgegenkommen wird. Staatssekretär v. Stephan: Nach s 12 sind die betreffenden Gesellschaften verpflichtet, diezenigiN Einrichtungen zu treffen, welche die störenden Einwirkungen der Starkstromleitungen auf die Schivachstromleitungen abschivächen. Wir sind immer in der Lage gewesen, durch beiderseitiges Entgegenkommen die Sachen unter gütlichem Einverständniß zu regeln und haben bei den Gesellschaften Berständniß dafür gesunden. Wenn das Reichsgericht auch zu unseren Ungunsten im BreSlauer Falle entscheiden sollte, werden wir die nöthigen Schritte thun, die schon in Erwägung gezogen sind, eventuell im Wege der Gesetzgebung. Abg. Müller- Sagan(frs. Vp.) weist darauf hin, daß die Be- Nutzung einer Fernsprechanlage nickt gestattet würde, wo sie offenbar dazu angelegt wäre, daß die Bewohner eineS Hauses sie beim Portier benutzen könnten. Staatssekretär v. Stephau: Die Verwaltung ist immer sehr entgegenkommend verfahren, aber wen» sich die Nachbarschaft da einfmdet nnd sick gleichsam eine öffentliche Fernsprechstelle heraus« bildet, dann muß dagegen eingeschritten werden. Abg. Müllcr-Sagan: Im Westen Berlins befindet sich die Telephonanlage beim Portier und wird von allen Parteien des Hauses benutzt, ohne daß die Verivaltung dagegen eingeschritten ist. Bei Titel 54: Tagegelder und Reisekosten regt Abg. Förster-Neustettin eine Revision der Borschriften über diese Frage an, da die Entschädigungen zum großen Theil, nament- lich für die höheren Beamten, den Bedarf bei weitem übersteigen. Der Titel wird bewilligt. In Titel 57:„Anderweitige Mielhe für Geschäftsräume«. f. w." sind auch 10 500 M. enthalten, die zum Bau von Wohnhäusern für Post-Unterbeamte namentlich im Osten bestimmt sind. Der Titel wird bewilligt, desgleichen der Rest des Extra« Ordinariums der Ausgaben. Im Ertra-Ordinarium hat die Budgetkommission die Forderung für ein Postgrundftück in Koburg(215 953 M.) gestrichen, an der Sorderung von 439 620 M. zur Vergrößermig des Postgrundstücks am lephansplatz in Hamburg und zu einem lim- und Erweiterungsbau auf diesem Grundstück 113000 M. angesetzt, und das Dispositiv wie folgt geändert: Zum Ankauf eines Grundstückes behufs Vergröße- ruug des Postgrundstückes am Stephansplatz in Hamburg.(An- zahtung von 321 000 M. und Zinsen 5600 M. für Restkaufgeld.) Der Vorschlag der Budgetkommission bezüglich der Forderung für Hamburg wird ohne Debatte genehmigt; ebenso wird die Forde- rung für Koburg ohne Diskussion gestrichen. Die Kommission beantragt serner, die zum Etat; der Reichs- Post- und Telegraphenverwallung eingegangenen Petitionen, betreffend die Erhöhung desPo st gewicht? für einfache Briese, den verbündeten Regierungen zur Erwägung zu über- weisen; die Petitionen um Ermäßigung derFernsprech» gebühren de» verbündete» Regiermigen als Material zu über- weisen; die Petitionen, soweit sie sich auf P o st b a u t e n beziehen, durch die Beschlüsse des Reichstags für erledigt zu erachten. Abg. Hammacher(»all.) beantragt, die Petitionen wegen Er- mäßigimg der Fernsprechgebühren den verbündeten Regierungen zur Erwägung zu überweise». Dieser Antrag wird angenommen, im übrigen stimmt das Haus den Anträgen der Kommission zu. Bei den Einnahmen aus Porto« und Telegrammgebühren beantragt Abg. Schneider(frs. Vp.):„Den Reichskanzler zu ersuchen. dahin zu wirke»,, daß die im§ I deS Gesetzes vom 5, Juni 1869, betreffend die Porlofreiheit im Reich, den regierenden Fürsten, deren Gemahlinnen nnd Wittiven verbliebene Befreiung von Portogebühren auf deren Personen beschränkt wird." Der Antragsteller weist darauf hin, daß die Annahme deS Antrages die unentgeltlichen Leistungen der Post vermindere und die Einnahmen erhöhen würde. Das Regulativ zur Ausführung des Gesetzes gewährt die Portofreiheit nicht den fürstlichen Personen� allein, sondern auch dem Hosstaat derselben. Formell möge diese Auslegung gerechtfertigt sein, aber nach den Verhandlungen im Norddeulschen Bundestage habe man die Portofreiheit nicht in dieser Ausdehnung aufgefaßt. Redner verweist darauf. daß zum Beispiel Gärtnereien fürstlicher Personen ihre Kataloge unter Portofreiheit versenden und auch KouvertS für: die Beantwortung beilegen.(Hört! hört! links.) Auch andere Produtte sürstlicher Ländereien werden auf diese Weise versandt, und dadurch werden die kleinen Gärtner und Landwirthe geschädigt, der Mittelstand, den man ja jetzt besonders stärken möchte. Es haben also alle Parteien«in Jnlereffe an der Beseiti» gung dieses Privilegiums, die außerdem im Interesse deS fürstlichen Ansehens liegt. Unterstaatssekretär Dr. Fischer: Das Zugeständniß dieses� Ehrenrechles war eine der Voraussetzungen, unter denen s.Z. in die' Abtretung des Postrechts an die Ztrone Preußens und dadurch mittelbar an daS Deutsche Reich gewilligt wurde. ES handelt sich hier nicht einfach um ein Gesetz, welche? aufgehoben werden könnte, denn sonst würden wir jenen Voraussetzungen untreu werden. Bei! dieser Sachlage kann ich Sie nur bitten, die beantragte Resolutton abzulehnen. Aus die Einzelheiten gehe ich nicht«in. Wenn von einzelne» Stellen von diesem Rechte«in sehr weitgehender Gebrauch gemacht worden ist, so möchte ich darauf hinweisen, daß wir in solchen Fällen die betreffenden Stellen immer bereit gefunden haben. Mißbräuche einzuschränken. Ich zweifle nicht, daß vaS auch in diesen Fällen geschehen wird. Abg. Bebel: Als man diese? Privileg gesetzlich einführte, hat man zugleich das Privileg aufgehoben, das die Vertreter der beut- schen Landesvertretunge» bis dahin hatten; auch den Mitgliedern des Norddeutschen Reichstaas war bis 1869 die Portofreiheit ge- währt. Es wurde damals die Abschaffung damit befürwortet, daß Mißbrauch damit getrieben sei insofern, als auch die ganze Partei- korrespondenz dieses Privileg benutzte. Namentlich soll ein Herr. der Name wurde nicht genannt, die ganze Parteikorrespondenz so erledigt haben. Ich erklärte damals, wenn man einmal ein Privi- � legium abschaffte, so solle man auch den fürstlichen Personen ohne Unterschied der Person das Privilegium nehmen. Damals hat man noch nicht nachweisen können, zu welchem Mißbrauch daS Privilegium führte; möglicherweise war das, waS der Vorredner ansührte. damals nicht bekannt. Nicht allein, daß die fürstlichen Herrschasten die Erzeugnisse ihrer Landwlrthschaft und ihres Gartenbaues u. s. w. unter der Rubrik der Vortosreiheit zu vertreiben suchen, wir haben gehört, daß daS auch mit Produkten der Meierei geschieht im Wege derBersendung von Packele» unter 5 Kilogramm. Also nicht allein für Briefe, sondern auchfürPackete wird davon Gebrauch gemacht. DaS ist doch«ine mißbräuchlich» Anwendung deS Ge» setztS, und wenn irgendwo von grobem Uilfug gesprochen werde» kann, so ist es hier der Fall. Als das Recht der Reichstagsniitglieder, auf sannutlichen deutsche» Bahne» frei fahren zu können, wieder ab- geschafft wurde, wurde darauf hingewiesen, daß manche enien etwas ausköuimlichen Gebrauch davon gemacht hatten. Aber ein solcher Mißbrauch kann kaum ärger getrieben werden, >v>e es hier von den fürstliche» Personen und deren Angehörigen geschieht. Der Unterstaatssekretär meinte, es handele sich»m ein historisch übernommenes Ehrenecht. Man hat bei anderen Gelegen- Heitel« nicht»ach dem historischen Ehrenrecht gefragt, nicht einmal nach dem historischen Recht, sondern man hat die ganze sürstliche Familie einfach abgesetzt. Ich billige das durchaus und bedauere »nr, daß es nicht gründlich geschehen ist.(Heiterkeit.) Wir habe» allen Grund, uns gegen solche Privilegien zu verwahren. Der Staatssekretär sagt, man könne es nicht ändern, weil damals das Gesetz nur bestimmte, vertragsmäßig über- ,io»,mene Verpflichtiingen festgestellt habe. Ich gebe zn. daß es mit der einfachen Aenderung des Gesetzes nichl gethan sein mag, nachdem einmal solche Verträge existiren, aber wenn einmal darin vorgegangen werde» soll, dann doch zunächst damit, daß wir den Antrag annehmen, und daß dann, wenn er die Zustimmung der Regierungen findet— woran ja vorläufig nicht zu denke» ist, aber vorausgesetzt, daß sie sich finden sollte— in Ver- Handlungen über die Beseitigung der vertragsmäßige» Rechte ein- getreten wird. Es bandelt sich um«ine sehr kleine. aber potente Gesellschaft, die finanziell kaum in der Lage ist, daß sie solche Privilegien in Anspruch nehmen müßle. Die Herrschaften sind materiell außerordentlich günstig gestellt. Es sind nichr nur enorme Vermögen vorhanden, sondern auch die Dotationen seitens der betreffenden Böller sind so hoch, daß die Herrschaften für ihre Korrespondenzen undZ Packetsendungen ihre Pflicht ebenso erfüllen könnten, wie jeder gemeine Mensch. Ich be- daure, daß der Antragsteller nicht gleich gründlich zu Werke ge- gangen ist und nicht beantragt hat, das Privilegium für alle zu beseitigen, statt es auf die regierenden Fürsten zu beschränken. Denn auch bei dieser Beschränkung ivird der Mißbrauch nicht ans- bleibe», zumal sich auch in diesen Menschen die sündige Menschen- natnr bemerkbar macht. Aber da der Antrag einmal so gestellt ist, nehmen wir ihn an.(Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Schneider hofft, daß die Verhandlungen schon dazu bei- trage» wurden, diese Mißstände zn beseitigen, denn es würde dem sürstliche» Ansehen nicht förderlich sein, wenn trotz der Berhaild lungen in» nächsten Jahre der Antrag wiederholt werden müßle. Der Antrag wird gegen die Stimmen der Sozialdemokralen und Freisinnigen abgelehnt. Die Einnahmen der Post- und Telegraphenverwaltung werde» genehmigt. Ohne Debatte erledigt das Haus ferner den Etat der Reichs- druckerei. Schluß Zi/s Uhr. Nächste Sitzung Mittwoch l Uhr.(Erste Lesung der Grundbnchordnung und des Konverlirungsgesetzes.) Ju Danzig wurde in einer Parteiversammlung der Tischler H er m a n» S i o l p e daselbst als Reichstags- Kandidat für die Kreise Danzig-Stadt und Danzig-Land ausgestellt. RclchStagö- Abgeordneter v. Vollinar war nur an einem Anfall von Influenza erkrankt, der bereits überwunden scheint, so daß Genosse Vollinar voraussichtlich schon in einigen Tagen wieder an den Reichstags-Sitzunge» wird theilnehmen können. Ii» Gemcinderath von Frailkeuhanse» am Kyffhäiiser. wo unsere Parleigenossen die Mehrheit haben, stimmte» vier unserer Vertreter mit dafür, daß die Gemeinde eine Summe Geldes— 200 M.— beisteuert zur Anschaffung des Hochzeitsgei'chcnkes, das die Städte des Fürsteuthums dem Prinzen S i z z o widmen wollen. Bekanntlich ist der Standpiliikt unserer Partei der, daß die Einkünfte der Gemeinden ec. nicht zu derartigen Zwecken da sind, sondern daß die Kosten, gleichviel welche» Personen die Ehrungen gelten, aus denPrivatsäckeln gedeckt werde» sollen. Die vier Vertreter im Kyffhäiiser Gemeinderath haben also nicht so gehandelt, ivie sie als Sozialdemokraten z» handeln halten. Im„Saalfelder Volksblatt" wird ihnen dafür der Text gelesen. wobei mitgetheilt wird, daß es sich nur um eine Fahrlässigkeit handelt. In Basel wählte die Generalversannnlnng der Genossenschaft Vorwärts den Genossen Paul Brandt, jetzigen Redakteur des „St. Galler Stadlauzeigers", zu»» künftige» Redakteur des Basler „Vorwärts". Der jetzige Redakteur, Genoffe W u l l s ch l e g e r, ist zum sozialpolitischen Sekretär des schweizerischen Grütlivereins ge wählt.—•»--- Polizeiliches, jGcrichtlicheö jc. — Reichstags-Abgeordneter Horn verläßt am 2. Februar das Landesgefängniß in Zivickau, Ivo er wegen Preßvergehen viele Monate zubringen mußte. Möge sich der wackere Milkämpser von der lange» Hast recht bald und vollständig erholen! — Genosse Vogeuitz in Altenburg, der Redakteur des dortigen„Wählers", hat am 28. Januar eine vierinonatige Gefängnißstrafe angetreten, die ihm ivege» Preßvergehen auferlegt ist. Möge ihm die Kerkerlufl keine» irreparabel» Schaden an seiner Gesundheit bringen! — Genosse Türke. Redakteur am„Saal selber Volks- b l a t t", der gegenwärtig eine vierwöchige Gesängnißstrafe ver- büßt, wurde von» dortigen Schöffengericht ivegen Beleidigung des Landtags-ltlbgeordneten Arnold in Reustadt bei Koburg zu 10 M. Geldstrafe vcrurtheilt. — In Breslau wurde die Genossi» Frau Alice Geiser wegen Beleidigung eines Polizeikommissars. dessen Austreten sie krilisirt halte, vom Schöffengericht zu 50 M. Geldstrafe verurtheilt. — Die„ N i e d e r r h e i n i s ch e V o l k s t r i b ü n e" nannte in einer AbonnementS-Einladung s ä m in t l i ch e Düsseldorfer bürgerlichen Blätter„Organe der Heuchelei und Volksbetrügerei". Der unparteiische„Gcncral-Anzeiger" lief deshalb zum Schöffengericht, das den Redakteur der„Volkstribiine", Genosse» Wessel, in eine Geldstrafe von 30 M.»ahm. — In Dessau wurde in der Expedition und Druckerei des „Volksblatts für Anhalt" sowie in der Wohiiung des früheren verantwortlichen Redakteurs M ü n ch o w nach Mannskripten von Berichten gehaussucht, die das LeopoldshaUer Salzbergwerk be- trafen. Gefunden wurde nichts. Vie Nttfen«vbvitev-'Den»egttng. Ju de» heute morgeu stattgefuudeueu elf Branche»- bersaiumlnugeu der ausständige» Hasenarbeiter»nd See- leuke wurde von je einem Mitglied« der Lohnkommissionen ei» eingehender Bericht über die Lage des Streiks gegebe». Es wurden die Arbeitsverhältnisse im Hasen, die nach Ueberwinduug des Monats Januar sehr günstige für die. Ausständigen sind. und vor allem die Geldverhällnisse umständlich erörtert. So- dann machte» die Vorsitzenden bekannt, daß u,an zur Klärung der Sachlage heute eine Abstimmung darüber vornehme» müsse, ob weiter gestreikt werden solle oder nicht. Um zu verhindern, daß eine große Minorität von einer geringen Majorität über- stimmt werde und dadurch vielleicht in die Lage«e- bracht würde, daß sie sich gegen den mit vielleicht nur 1» bis 20 Stimmen Mehrheit gefaßten Beschluß auflehne» müsse, beantragte» die vereinigten Lohnkommissionen, der Zentralleitnng das Recht einzuräumen,»ach erfolgter Ab- stimmung darüber� zu beschließen, ob der Streik fortgesetzt werden soll oder nicht. Dieser Antrag wurde angenommen und man schritt zur Abstiininung über die Fortdauer des Streiks. die mittels gedrückter Stimmzettel vorgenommen wurde. Die i» einer Zentrale vorgenonunene Zahlung der Stimm- -«ettel ergab. daß 28 Prozent der Streikenden f ü r und 72 pCt. gegen bedingungslose sofortige Wiederaufnahme der Arbeit gestimmt hatten. Die Zentral- Streikleitung beschloß daher die Fortdauer des Streiks. Wenn die Hamburger Hafenarbeiter und Seeleute in ihrem gerechten Kampfe, dessen Fortdauer sie mit übergroßer Majorität beschlossen haben, nicht unterliegen sollen, so ist es dringend nöthig, daß die Ar beiterschaft Deutschlands mit aller Energie für Munitio» sorgt. Bei der verhältnißmäßig geringen Unterstützung, die die Streikenden beziehen, und trotzdem ein Theil der Streikenden freiwillig verzichtete, sind wöchentlich doch noch immer über 150 000 Mark nöthig, um die Unterstützuug auszahlen zu können. Wenn jeder Arbeiter und Arbeitersreund seine Pflicht thilt, so wird der Unlernehmertrotz gebrochen werden, nachdem der schlechteste Theil des Winters, der Januar, überwunden ist und die Schifffahrt jetzt mit jedem Tage lebhafter wird. ** Bei der Berliner Getverkschaftskommission gingen für die streikenden Hamburger Hafenarbeiter folgende Beiträge ein: Mallin,». Rate 2,—. Sozialdeinokratischer Arbelterveriw, Köpenick. 2. Rate 20,—. ii. Wnlsf i» Eutin 5.85. Spandauer grüne Jungens,«. Rate«9,—. Liste Sias, Schleifer und Drücker von C. Spinn u. Sohn 5,20. Liste diu, Frau Fahremvaldt(darunter Röderinnen der Firma M. Hol, u Komp. s.ss) s,3{. Liste 3170, Schulz, Möbelpolirer 5,50. Liste» 3898 10.80 und 38»9 15,16, Mafchtnenfabrtl<3. Siein d. H. Billing: 25,95. Listen d. John 5235, Lehmann'« Fabrik, Risder-Schöniveide it.so: 5239. Fabrik von Stock li,80 i 6237 7,15 und 5238 5,75, Fabrik von Protzen u. Sohn: 10,50. Skalklub Einigkeit, 2 Rare 1,75. Listen der Musikinstrumenlen- Arbeiter durch Wustrow: 5183, Siewert 9,50( 6193, Ouand 19,85; 5198, Pfeiffer 15,70; 6199, Klinkman» 16,10; 6201, Reufeldt 6,60; 5208, Schmidl 5,80; 5200, Seidel 10,— 5210, Hansen 9,30 l 521 1, Buchholz 8,50: 5005, Siemcri»,50: 5112, Baurenai 17,90; 6115, Mttiag 13,60;«00, Pfeiffer 1,70; 553, Moers 7,20; 6179, Hanke 5,—; 5190, Janowskr, 10,26; 5192, Hoffmann 6,25; 6191, Heindorf 7.20; 5195, Hoof 9,35 i 6197, Otto 27,10; 5205, Lange ll.—: 6216,(Broh 2,30; 6211, Schufz 8,—— 235,30, AI. M., lHalle an der Saale i,—. Lifte» d. Brinkmann 38ii 2,80, 1739 5,95, 1710, Kunflfchmtede von Schulz und Holdesteist d. F. 19,50. St. A. l,So. Lederfabrik von Fuchs, Wriezener- flraste 5,15. Lederarbellcr der Handfchuhfabiik in Konstanj am Bodenfee ii,—. Bautffchleret Slabenow in Pankow 1,26. Nachtrag d. Brinkmann 1,0z. ttzemlllh- liches Beifanimenfef» be! 81. Scheere, Blnmenftr. 33 7,30. Listen d. Schonheim 1101 Barendt 0,25, 6070 Holzbearbeittuigsmaschinen- Arbeiter bei Fechler(auster dein Bandwurm) 6,»o. Buchdruckerei I. Bahilc 2,60. Mutter Hempel und naffe Ecke, Wordelmann. Nieder, Schönhansen 2,60. Verband denkscher Wold- und Sflbera, heiler, Zahlstelle Berlin, 6. Rate 100,—. Am Mittwoch bei Osterlag 2.— Liste 3170 Fröhlich, Tischler 3,85. WlaSarbetter tu Köpenick 20,—. SewerkfchaslS iarkeil in Köpenick 8,10. Listen d. Kopp, Kreis Niedcrbarnim 2939, 2938, 2919, 2878, 2921, 2922, 2923, 2926, 2973, 2959, 2818, 2918, 2SI7, 2805, 2805, 2807, 2971 2955, 3000, 2891, 2892, 2951 idarunter Bilogiesterei, vormals Gladenbeck u. Sohn Friedrichshage» o,—. Aniltnfabrik Rummelsburg 3,96. Einige Töpfer aus der Kalferstiaste 1,35. Tischleret Barth, Fruchtstr. 8. in 3 Raten 37,25): 115,55. Liste 6772 ktziographen d. M. Kau 13,50. M. W. 32, Buchdrucker, i Rate 18,90. Listen d. Hoinann 5555 7,55 und 1187 1,25. Slalklnb Rullramsch, 2.Rale 10,—. Listen 1933,1928, 1570, 2375, 6771, 1559, 1929, 1930, 3201, 1313, 1311, 1921, 1575, 5775, 1332. 3-385, 1588, 5758. Deulscher Mctailarbciker-B'rband, Zahlstelle Berlin(darunter Metall- arbeiler, Breslaneeftraste, 11,50) 172,10. O. M. I,—. Franz, Köpnick-rslraste 33a, 9,50. A.Kunze, 3. Rate 3,—. Lilie» d. Erde: 5029, Knopsarbeiter.i Slralauer Ehauffee, 13,65. ooio, Pntzerkolonne""öifch, Bau Eharlottenstraste 5,75. 5011, Putzerkolonne Liest, Bau Marburgerstr. 3, 5,25. 3519, Ptanosabrik Bechfiein. R-ichenbergerstraste, 28,—. 5729, Tischlerei Barth 6,50. 1939, Eeiangverei» Georginia?,»5. z6l8i, Möbelfabrik I. C. Pfnff, Plafchinenfaal>1,70. 1835, Fraiferci Hagenau und Brierbrauer 11,95. Listen d. Erbe 331,15(3159, 351s, 3328, 8615, 3155, 3160, 6030, 5037, 5033, 5039, 1810, 1811, 5169, 1887, 6167, 727, 725, 6151, 6169, 1115, 6030, 3121, 3132, 6016, 6019, 6017, 5050, 5963, 5962, 6911, 6165, 1931, 6187, 5170, 6723, 751, 2312, 3115, 1816, 1817. 6016, 5195, 6196, 1832, 112, 4101, 1002, 1003, 1007, 1008, looo). 91.»., i. Rale 1,63. Zwei Brüder, Memelerfvads, 2,—. Liste 5051, Buchdruckeret Marschner u. Slephan 7,05. Treppcnba»- Fabrik von A. Hundt, iSrimmstraste 85, 7,50.„Frieden- ftraste" 1,50. Freie Bereinigung der Zivil- Berufsmustler Berlins und Umgegend(Exlrasauiinlung), i. Rate(darunter Rauchklub Bombardon 3,55) 26,10. Familie R. 6,—. Charlottenburger Eewerkschaflskommiisto», s. Rale, d. Flg. IIS,—(dnrunler Tellersammlung der öffentlichen Ztmmererverfammlung v. 26. Januar 1597, 5,55. Charlottenburger Riefelbude, 3. Rale, 13.25. Listen 58 und 59, Anhallische fviaschtnenfabrit Marlin ikenfelde, 13,05. Listen 85 und 85, Arbeiter der Firma Zimmermann u. Sohn. Charlottenburg, 23,35). Liste 6816 Tischlerei Krause, Kurfürnenstr. 12. 11,55. Listen der Kupferschmiede 1883, 5598, 5700, 5703, 6701, 6705, 5706. 5709, 5711, 5712, 5713, 5711, 5716, 6716, 5717, 6718 126,05. Drei verwahrloste Dekaleure, 2. Rale, 3,—. Liste 5973 Lampenfabrik VON Hirschhorn n.M. Amerikanische Auklion bei Probst, Fennstr. u, d. D. Wirsing, 6,—. Rauchklub Coluinbus, Südost, Oppelncrstr., 6,—. EtSdetnessen bei Wlyei 5,10.„Nudelliud", 1. Rate, 3,25. Line 5305 Mechanische Werkstatt, F. Hirl- schulz, 3,50. Rixdorf, 9!estaurani Hornburg, Borlrag; Slreik der Schmiede" von Bteiz(in Pappe gellebl) 1,30. Lifte 6133 Bildhauer von I. C. Pfafs durch gierbahr 13,70 Amerikanische Auktion einer Zigarre im Kununer'schen Äesang- verein durch Kitsche 1,20. Berichtigung: I. ES must heißen: Mühlhausen t. Thüringen, 8. Rate. 2. Durch Ehrte, Kassirer, 3. Rale, 28,30. Weiler« Beiträge niitimt das Berliner Gewerkschaftsbureau (R. M i l l a r g, Berlin 8., Aunenstr. 16, vorn parl.) in der Zeit von S—l Uhr bormittagS und 6—8 Uhr abends enlgcge». GemerkMaf klirhes. Der Berliner BäckerinnnngS-Obermeister Bernard ver- sendet folgenden Artikel an die Zeitungen: „Zur Austiäruug. Die sozialdemokratische» Bäckergesellen Berlins veröffentlichen in ihrem Blatte„Der Bäcker" das Resultat ihrer statiiltschen Erhebungen, welches ungeheuerliche, Ekel erregende, im- wahre respektive übertriebene Behauptungen enthält, die geeignet sind, den deutschen Bäckerstand in den Augen der Welt herab- zusetzen. Außer langer Arbeitszeit, welche trotz des Maximalarbeitstages in vielen Bäckereien stattfinden soll, wird vorzngsweise über Schlaf- räume und sonstige Einrichtungen der Bäckerei-Räume sowie -Gebräuche geschrieben, die richtig zu stellen wir uns veranlaßt fühlen müssen. 1. Daß die 12 stündige Arbeitszeit häufig überschritten wird, und zwar auch in den Bäckereien, wo bei richtiger Eintheilung die Arbeit in. der festgesetzte» Zeit unschwer fertig gemacht werden könnte, gebe» wir gern zu. Mit wenig Ausnahmen trifft aber die Gesellen an der längeren Arbeit die Schuld, weil diese allzubequein arbeiten und zn viel Pausen lnachen. Der Meister aber will und kann nicht immer als An- treiber hinter den Gesellen stehen,>veit er auch andere Verrichtniigen hat iind ihm ein gutes Verhältniß mit seinen Gesellen am Herzen liegt. Daß in Bäckereien 18 bis 20 Stnnden gearbeitet wird, ist unwahr, weil inan diese Meister einfach anzeigen würde. 2. Die Schlafräniue sind durchweg von der Polizei revidirt, und wirklich Nngesunde Räume dürsen seit vielen Jahren zum Schlafen nicht mehr benutzt werden. Gesunde Keller- und Soulerrain-Ränme werden noch von vielen tausend Berliner Ein- wohner» bewohnt. Alle anderen Behauptungen über Bettwäsche u. s. w. sind ent- stellt. Der Gesellenansschuß ist wiederholt aufgefordert worden, Bäckereien, wo behauptete Mißstände bestehen, dem Jnnungs-Vor- stände zur Abhilfe anzueigne», doch ohne Erfolg. Der öffentliche Skandal dient nur zur sozial- de ni akratische ii Propaganda und zur Erhaltung der B ä ck e r e i v e r o r d n u n g vom 4. März v. I. Bei dem Tone, der auf den von den sozialdemokratischen Ge- sellen einbernfenen Versammlungen herrscht, kann die Meisterschaft »ach gemachten Ersahrungen diese Versammlungen nicht mehr be- suchen. Bei den vier Versammlungen am 2. Februar wird die Innung offiziell nicht vertreten sein. Der I n n u n g s v o r st a n d." Daß der Jnnungsvorstand mit dieser Erklärung heute in ganz Berlin der Gegenstand aller nur erdenkliche» Witze sein wird, scheint er nicht geahnt zu haben. Mildernde Umstände sind ihm freilich insofern zu bewilligen, als er für eine der Volkswohlfahrt widerstreitende, also schlechte Sache eintreten muß, welches Bemußt- sein den persönlichen Mulh natürlich nicht stärken kann, während die Bäckergesellen sür ihr selbst vom Bundesrath anerkanntes gutes Recht kämpfen, das mit dem allgemeinen Kulturintereffe zu- sammenfällt. Tie Fiinferkoinmissio» der Konfektionsschneider und -Näherinnen Berlins beruft auf Dienstag, den 9. Februar, den Jahrestag deS Ausbruchs des Streiks in Berlin, fünf öffentliche V e r s a m ni l n n g e n ein. In den Ver- sammlungen werden Genossen ans dem Reichstage die Ergebniffe der Erhebungen in der Konfektionsindustrie und die Maßnahmen der Regierung behandeln; außerdem soll in den Versammlungeii zn Lohnfrage» Stellung genommen werden. Achtung, Zimmerer Berlins! Die Differenzen in dem Bau- gefchäft von Fichel, Danzigerstraße, find beigelegt, da der Slnnden- lohn von 55 Pf. wieder gezahlt wird. Die Lohnkommission. An alle lokalorganifirten, auf grund deS BertraucnsmiinnershstemS zentralisirtcn Gewerkschaften Deutschlands. Die Vertreter der vorgenannten Gewerkschasten Berlins haben in einer am 15. Januar d. I. stattgehabten Konferenz beschlossen, spätens Anfang Mai dieses Jahres einen Kongreß für die oben genannten Gewerkschaften Deutschlands einzuberufen. Die Ver- sammlung am 15. Januar war der Ansicht, daß ein Zusammen- schluß obiger Gewerkschaften unter allen Umständen erfolgen wird, um ans den vielen kleinen und großen, nicht an die General- koinniission Teutschlands angeschlosienen Gewerkschaften ein großes Ganzes zu bilden. Parteigenossen! Zu diesem Behnfe soll der Kon- gieß in einem Orte Mitteldeutschlands zusainmenberufen werden, damit es auch den am äußersten Ende Deutschlands wohnendeii Ge- nossen möglich gemacht ist, sich auf diesem Kongreß vertreten zu lassen. Als Tagesordnung des Kongresses ist vorlänsig folgendes festgesetzt: I. Die Stellung der Gewerkschaften zur Politik. 2. Der Zusammenschlnß der lokalorganisirten oder auf grund des Ver- trauensinäniier-Systeins zentralisirten Gewerkschaften Deutschlands. 3. Die Presse. 4. Agitation. 5. Anträge. Dies die provisorische Tagesordnung. Diejenigen Gewerkschasten, welche noch Anträge zum Kongreß zn stellen haben, werden hier« durch ausgefordert, dieselben bis spälistens den 15. März d. I. behufs Veröffeiillichnng an den Unterzeichneten einzusenden. Später einlaufende Anträge können nichl berücksichtigt werden. Also auf zum Kongreß, auf zur Einigung sämmllicher Gewerischaflen Deutschlands! Nur dadurch, daß sich allesamint dem einen oder dem anderen anschließen, kann der Friede unler- uns, sowie nnscre 5iraft und Widerstaiidssähigkeit gegenüber uiiseren Ausbeutern gefördert werden. Die Kowinilsion der lokalorganisirten Gewerkschasten Berlins. I. A.: E. B l a u r o ck in B e r l i u, Gipsstr. 16. Alle arbeitersreundlichen Blätter werden um Abdruck gebeten. Aufruf an die Handels-, Transport- und VerkehrSarbciter Dentschlands. Der in Altenburg beschlossene Zentralverband unseres Berufes ist nnnmehr in Funktion getreten. Es gilt, alle Kräfte anzuspannen, um diese unsere Organisation auszubauen, sie stets und ständig zu vergrößern. Wir fordern Euch, Haiisdieiier.Knlscher.Marklhelfer, Packer, Speduions- und Möbeltransport- lilrbeiter allerorts auf, Ver« waltiiiigsstellen zu grüiiden. Sollte dies, wie beispielsweise in Sachsen, nicht möglich sein, so tretet dem Zeutralverbande als Einzelmitglieder bei. Material für Verwaltungsstellen, sonne sür die BevoUmächtigten der Einzelmitglieder,- ist stets beim Unter- zeichneten unentgeltlich zn haben. Die Geiverkschastskarlelle der verschiedenen Orte werden freundlichst ersucht, unseren Kollegen bei der Schaffung von neuen Verwaltungsstellen behilflich zu sein, beziehentlich diese hierzu an- znregen. Kollegen Deutschlands! Eure Pflicht ist es, für Eure gewerk- schaftliche Organisalion alle verfügbare Kraft einzusehen. Nur wenn jeder einzelne voll und ganz seine Pflicht thut, wenn wir alle Kräfte anspannen, werden wir den Jndifferentismus, der leider noch allznjehr in den dichten Massen unserer Bcriisslollegeu herrscht, besiegen können. Unser Verband kann vermöge der große!« Zahl unserer Berufs- angehörigen einer der größten und stärksten Gewerkschaftsverbäude Dentschlands werden. Es liegt in Eurer Macht, ihn dazu zu mache», wenn Ihr fleißig arbeitet lind wenn Ihr bestrebt seid, alle schädlichen Einflüsse von ihm fernzuhalten. Also aus. Kollegen, an die Arbeit und läßt Euch diese für den Verband im Interesse unserer ganzen Kollegenschaft ange« legen sein. Ans alle Anfragen ertheilt der Unterzeichnete bereitwilligst Aus- kmift und Antwort. Das Büreau und der Arbeitsnachweis des Zenlralverbandes befindet sich vom 1. Februar ab: Heilige Geiststr. 15, H. pt. r. Im'Austrage des Zentralvorstandes: Oswald Schumann, Berlin, Adalbertstr. 47, H. pt. Alle arbeitersreundlichen Blätter werden um Abdruck gebeten. Der dritte ordentliche Berbandstag der Konditorgchilfen, Pfeffer- und Lcbkiichlcr ist aus den 18. und lS. April nach Gera einberufen. Die vorläufige Tagesordiiiing lautet: 1. Berichterstattung vom Zentralvorstand und Kassirer; 2. Verschmelzung der Verbände (Bäcker, Konditoren und Müller) zu einem Jndustrieverband. Ter Ausschuß des Müllerverbandes hat sich mit der Verschmel« zung bereits einverstanden erklärt. Der Webcrstreik in Tannhansen in Schlesien ist beendet. Die Firma Meyer K a u f s m a n n machte am Montag bekannt, wer am Dienstag morgen nicht die Arbeil ausnehme. sei entlassen. Infolge dessen kehrte die große Mehrzahl der Streikenden in die Fabrik zurück; den übrige» blieb nun ebenfalls nichts anderes übrig, als dcn Streik aufzugeben. Die Löhne einzelner Waarengattungeii sind nm 16—36 Pf. pro Stück erhöht worden. Gegen 46 der Streikenden wurden nicht wieder angenommen, die Mehrzahl derselben ist ver- heirathet. Uiiterslütziing ist daher noch nöthig. Ju Weihcnfels ist der Stand des S ch u h m a ch e r st r e i k s unverändert. Die Fabrikanten kündigen an, daß sie am I. Februar den Betrieb„wieder eröffnen" und Arbeiter aller Brauchen an- nehmen. Vorläufig wird aus der Wiedereröffiumg der Betriebe wohl nichts werden, denn die Sireikenden halten fest zusammen. In Steyr in Oesterreich ist, wie uns telegraphisch gemeldet wird, in der F a h r r a d- F a b r i k ein Streik ausgebrochen. Zuzug ist sernziihalten. Tie czechischc» Fach- und Bildnngsvereine hallen heule in Karolinenthal bei Prag einen Kongreß ab, wobei es sich in der Hauptsache nm die Bildung einer eigenen GeivertschaftS« koinniission für die Ezechen handelt. Eine Genossenschaft östcrreichisch-nngarischcr Zuckerfabriken ist Mitte Januar ins Wiener Genvffeuschastsregister eingetragen worden. TaS deutsche Znckcr-Thlidikat, das Projekt der Rohzucker« fabrikanten, ist am 36. Januar in einer Berliner Znsammenkuiifl der Vertreter uon 151 Ziickerjabrikeil zn stände gekommen. Das Syndikat wird als Gesellschaft mit beschränkter Haftung eingetragen werden. Zum'Vorsitzenden des AufsichtsralheS wurde Herr v. Arnim(Giiterberg), zum Stellvertreter Dr. Preißler, Direktor der Zuckerfabrik Linden, zum Geschäftsführer Dr. Hager (Berlin) gewählt._ Depostlzen und lehte Ltachvichken. Wien, 36. Januar.(B. H.) Dem„Neuen Wiener Tageblatt" wird aus Rom gemeldet: Ein hervorragender Arzt, welcher den Papst i» den letzten Tagen iintersnchte. stellte bei demselben eine Gehirn-Anämie fest. In diesem Leide» haben die zahlreichen Ohnmachtsanfälle und die allgemeine Erschöpfung ihren Grund. Lemberg, 36. Januar.(B. H.) Heute Stacht wnrde gegen den hiesigen Militär- Intendanten ein Raubmordversnch verübt. Die Attentäter waren ein aktiver Soldat und ein Reservist. Der Mord- anschlug mißlang jedoch. Budapest, 29. Januar.(B. H.) Die Verwaltung der öfter- reichischc» Sraatsbahn-Gesellschaft giebt bekannt, daß der Streik in Anina vollständig beendet sei. New-Pork, 36. Januar.(W. T. B.) Wie der„New-Uork erald" aus Cayenn« vom heutigen Tage meldet, sind in dem ästrikte von Cachipour von bewaffneten Brasilianer» ein Franzose getödtet und sechs andere gefangen gesetzt worden. Cachipour bildet einen Theil des zwischen Brasilien und Französisch Guyana strittigen Gebietes. Washington, 36. Januar.(W.T.B.) Der Senatsansschnß sür auswärtige Angelegenheiten hat mit 6 gegen 4 Siiiiimen beschlossen. die Annahme des Schiedsgerichts-Vertrages zwischen England und den Vereinigten Staaten zu empfehlen, jedoch mit einige» Ameiidemeiiis. Verantwortlicher Redalieur:«ngnst Jacobcy in Berlin. Für den Jnseratentheil verantwortlich! Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin. Hierzn S Beilage« u. Unterhaltungeblatt. st. 26. i4. IchMs. j griiape des FllMlilts" Kerlilttt Aldsllllltt. S-Niag. 3l. IM« l8S7. Pvozrg ZVitto- Stöcke,-. (Schluß.) der Verhandlung vom Freitag Abend ist noch nach- zutragen, daß die Vernehmung des Chefredakteurs vom„Reichs- boten", Prediger Engel, sich zu einer rechten Seelenqual snr de» frommen Gotlesmann gestaltete. Es handelte sich danim, daß Stöcker die Autorschaft eines 1873 im„Reichsboten" erschienenen Aersammlungsberichtes abgeleugnet, der Chefredakteur Engel aber zugestanden haben soll, daß der Bericht von Stöcker sei.— In bei- vorgestrigen Verhandlung meinte Prediger Engel zuerst, der Artikel sei von ihm selbst geschrieben, dann aber, wenn Herr Witte bei dieser Gelegenheit die von diesem behauptete Aeußcrung gethan haben sollte, so könnte es nur in dem Sinne ge- schehe» sein, einen etwas zu eindringlichen Frager los zu werde». --- Pastor Witte setzt noch einmal auseinander, daß Engel ihm bei der fraglichen Angelegenheit schließlich zugestanden habe, daß der Artikel von Stöcker geschrieben sei. Daß Herr Engel sich mit ihm keinen Spaß habe mache» wolle, geh« daraus hervor: siinf Jahre später noch habe ihn Pastor Engel aufgefordert, Artikel mit seinem Namen zn unterzeichne», für welche er eine bedeutende staatsmännische Kraft gewonnen habe.— Hofprediger Stöcker: Was er Herrn Pfarrer Wille vorwerfe, sei: daß Witte ihm verweigert habe, den ihm ge- machteil Vorwurf der Uuwahrhastigkeit seinerseits zu entkräften, ob- wohl ihm klar gemacht worden war, daß er sich im Jrrthnm be- finde.— Rechtsanwalt L e n z m a n n: Soll diese ganze Zeugen- Vernehmung den Zweck haben, den Kläger Witte der Uuwahrhastigkeit zn zeihen?— Rechtsanwalt Ratzel: Das ist allerdings der Zweck. — Rechtsanw.ilt L e n z in a n n: Dann muß ich einen ganz bestimmt formulirten Antrag stelle», der die Unwahrhafligkeit des Herrn Stöcker in eklatanter Weise beweise» ivnrde. Herr Stöcker hat vor einiger Zeil in Barmen einen Vortrag gehalten und darin auch eine Forde- rung berührt, die einmal an ihn ergangen ist. Daran hat er eine Erzählung geknüpft, die eine große Umvahrheit enthält. Herr Stöcker U'ar einmal von dem verstorbenen früheren Redakteur der„Volks- Zeitung" Phillips gefordert worden. Unter Mitwirkung des Rechtsanwalts Kaufmann ist damals ein Protokoll zu stände gekommen, in welchem Hofprediger Stöcker revozirte und in welchem beide Kontrahenten sich auf Ehrenwort v e r- pflichteten, von der Forder ungsangelegenheit nichts i n d i e O e f f e n t l i ch k e i t zu bringen. Herr Stöcker hat mit seiner Barmer Rede gegen dieses Ehrenwort gehandelt und obwohl er durch den Vertreter Phillips' durchaus korrekt und gentlemanlik« behandelt worden war, hat er in letzter Rede in spöttischem Tone von dem Kartellträger behauptet: „Selb st redend war es ein jüdischer Rechts» a n w a l t!" Herr Stöcker kannte Herrn Rechtsanwalt Kauf- mann ganz genau, er wnßte ganz genau, daß dieser kein Jude ist, er hat also»visse ntlich die Un- Wahrheit gesagt. Ich kann es dann dem Gerichtshofe ul'erlassen, ob nach diesem Vorgange Herr Stöcker noch in der Lage ist. Herr» Witte Unwahrhaftigkeit vorzuwerfen.— Der Gerichtshof behält sich eine Entscheidung über den Antrag Lenzmann vor. Die Vernehmung des„Journalisten" Leckert und des Polizei- spitzcls v. Lützow förderte nichts von Wichtigkeit zu tage. Nach Be- eudigung der Zeugenvernehmung wurde ei» Antrag der Rechts- amvälte des Herrn Etöcker, Frau Pastor Witte nicht zu vereidige», abgelehnt; sowohl Frau Witte als Frau Grüneberg»vurden ver< «tdigt. Vorsitzender Landgerichisrath R e i n e ck e eröffnete die Sonn- abend-Sitznng um ll) Uhr. Die Beweisaufnahme knüpft zunächst an die Thatsache an, daß der Rechtsamvalt Lenzmann gestern am Schlüsse der Sitzung ans ein Grnneberg'sches Tagebuch verwiesen hatte, welches in de» Besitz des Klägers gekommen war. Der Vorsitzende theill mit, daß, nachdem der Zeuge Leckert gestern abgetreten war, sein Bertheidiger Rechts- anwall Dr. Coßmann dem Gerichtshof die Mittheilung gemacht habe, daß Leckert zur Wahrung seines Gewiffens den Wunsch habe, seiner Zeugenaussage»och etwas hinzuzufügen. Grüueberg's Tagebuch. Der Vorsitzende läßt den Zeugen G r ü» e b c r g noch einmal vortrete», und dieser giebl folgende Aufklärung über das Tagebuch: Ich kannte Leckert von Jugend auf, ich stand mit seinem Groß- valer in engster Beziehung. Kurz nach dem vielbesprochenen Kaisertoast traf ich de» Leckert in der Philippstraße und er bestellte mich zum Abend in das Restaurant„Kuhstall" in der Invaliden- ftraße. Dort erzählte er mir viel von seine» großen journalistischen Thale» und kam dann auf den Hofprediger Stöcker zu sprechen. Er sagte, er sei von dem Freiherrn von Stumm beauftragt worden, Material gegen Slückcr zu sammeln. Stöcker müsse todl und vor der Oeffentlichkeit unschädlich gemacht werden und ich sollte ihm etivaiges Material zur Verfügung stelle». Ich erklärte ihm, daß ich alles vernichtet habe, daß ich»hm höchstens mein Tagebuch znr Durchsicht überlassen könnte. Ich gab es ihm denn auch und machte es ihm zur Pflicht, es mir in drei Tagen zurückzugeben, denn e S fei mir mindestens 120 Mark wert h. Nach drei Tagen erhielt ich das Tagebuch nicht zurück. Ich ersuchte vergeblich darum und wandte mich dann an den Vater. Dieser sagte nur, das Buch liege unter polizeilichem Siegel, der Kriminalkommissarius habe es versiegelt, der Kommissarius sei aber ein sehr guter Freund von ihm»nd er werde das Buch gewiß leicht herausgeben. Also, Herr Präsident: Entweder liegt ein Amtsvergehen des Kriminalkommissarius oder eine Unter- s ch l a g»» g vor und ich beantrage, das Buch mit Beschlag legen zii lasse», da ich es nicht.für die Oeffentlichkeit bestimmt habe.— Präs.: Herr Grüneberg, ich glaube nicht, daß der Gerichtshof in der Lage ist, hier«inzuschreiten und Sie jetzt in de» Besitz des Buches z» bringen.— Rechtsanwalt L e» z m a n n: Beruhigen Sie sich nur, Herr Grüneberg, Sie sollen nachher das Buch zurück- bekomme», denn ich lege wenig Werth daraus. Als Zeuge wird sodann Leckert jun. vorgerufen. Er sagt, er habe seine gestrige Aussage dahin zu ergänzen, daß er nicht nur Mittheilnnge», sondern auch ein Tagebuch unter dem Titel „Ein Verbannter" von Herrn Grüneberg erhalten habe. Die Broschüre habe sich unter seinen Papieren befunden, dann an seine» Bater gegangen und er wiffe nichts, was daraus geworden ist.— Rechtsanwalt L« n z m a n n: Sind Sie damit einverstanden, daß ich das Tagebuch a» Grüneberg herausgebe?— Z e u g e: Ich habe darüber keine Entscheidung zu treffen, sondern mein Vater, der zur Stelle ist- Leckert sen. behauptet, daß er das Verfügungsrecht über das Buch besitze. Er würde mit der Herausgabe nur einverstanden sein, wenn die dazu gehörigen vier Briefe, aus denen sein Verfügungs- recht klar hervorgehe, ihm zurückgegeben würde».— Rechtsanwalt L e n z m a n n: Ich werde auch ohne Zn- stimmung Ihrerseits das Tagebuch herausgeben. Sie können mich ja dafür faffen.— Frau Pastor Witte erklärt sich bereit, die vier Briese sofort aus ihrer Wohnung herbeizuholen. Leckert wird hiernach wieder abgesührt. Rechtsanwalt Dr. B i e l h a b e»: Um z» beiveisen. daß der fragliche Brief wirklich gefälscht ist, lege er den Jahrgang 1378 der „Vossischen Zeitung" vor, aus welchem ersichtlich ist, daß damals .die Reichstagswahl am 30. Juli stattgefunden hat» die be- rvußte Versammlung in der Norddeutsche» Brauerei aber am 23. Juli. Der fragliche Brief datire aber vom 19. A n g u st 1373 und es sei gar nicht möglich, daß posb festurn der Sofprcdiger Stöcker dem Grüneberg den viel beregten schriftlichen uslrag gegeben habe.— Pastor Witte uieint: er habe in seiner Broschüre gar kein Datum des Briefes angegeben, sondern geschrieben: „im Sommer 1878", Wenn der Brief das Datum des 19. August 1373(19./3. 78) trage, so komme es ja oft genug vor. daß jemand in bezug auf diese Zahlen einen Jrrthnm begeht. Die Beweisaufnahme wird hierauf geschlossen und die Parteien erhallen das Wort. Hofprediger a. D. S t ö ck e r sucht dar« zulegen, daß er unschuldig sei und seinen Amlsbrnder Witte nicht ins Unglück getrieben habe; die Aussage des Gemeinde kirchenraths-Milgliedes habe das Gegenlheil bewiesen. Der letzte Theil der Beweisaufnahme habe Andentungen dafür gegeben, wie man ihn in der Presse todt machen wolle. So leid ihm an sich der Prozeß thue, so freue er sich doch, daß durch ihn ei» Helles Licht gegossen worden sei über die Art, wie man ihn bekämpfe. In eingehenderDarlegung sucht R.-A. L e n z m a» n die Echtheit des Grüneberg'sche» Brieses nachzuweisen; wer würde Fran Witte wohl des Meineides verdächtigen wollen? Und was thut Stöcker, als ihm der Vorwurf gemacht wird, daß er gegen eine» Ämtsbruder hinterrücks agitire? Wen» er ein reines Gewissen ge- habt hätte, so hätte er gesagt;„Was wollt Ihr? Ihr lügt! Ich kann einen solchen Brief gar nicht geschrieben haben!" lllber anstatt dessen ist es sein erstes Bestreben, sich den Brief in die Hand spielen zu lassen. Nach alle- dem komme ich mit dem ersten Richter dazu, daß der Herr Stöcker nicht nur ans§ 186, sondern auch ans Z 187 zu bestrafen ist. Ich verlange ganz einfach, daß Herr Stöcker in das G e- s ä n g n i ß geschickt wird. Bezüglich der Widerklage ersuche ich in Uebereinstimniung mit dem ersten Richter um Freisprechung des Herr» Witte. Pfarrer Witte verwahrt sich noch gegen die Behauptung des Herrn Stöcker, daß in der Behörde der Brief sofort als gefälscht erkannt worden sei. Das Gegentheil sei der Fall, denn die Behörde habe im Urtheil ausdrücklich erklärt, daß er(Pfarrer Witte) optima ficlo gehandelt habe. Nach einem Plaidoyer des Rechtsanwalts V i e l h a b e n, der für Herrn Stöcker sprach, wurde noch ein erfolgloser Vergleichs- versuch gemacht, worauf abermals die lliechtsanwälle Lenzmann und Vielhaben ihre Kräfte maßen. Zum Schluß folgte noch eine Aus- einandersetznng zwischen Stöcker nndILenzmann, worauf der Gerichts- hos sich zur Berathung zurückzog. Nach 3'/e Uhr wird das Urtheil verkündet. Der Präsident. Landgerichtsrath R e i n e ck e, macht folgende Ausführungen: Auch in diesem Falle wie in so vielen anderen Fällen sei es dem Gericht nicht gelungen, in allen Punkten die Wahrheit festzustellen. Besonders in dem wesentlichen Punkte nicht, ob der Beklagte Stöcker den Brief geschrieben hat oder nicht. MancheMoniente deuten ja auf die Existenz eines solchen Briefes hin, ein Beweis sei aber nicht erbracht. Da sei zunächst dre Zeugin Frau Witte, die sicher die Wahrheit gesagt habe, aber möglicherweise doch das Opfer einer Täuschung geworden sein könne. Aus diesem Grunde konnte das Gericht sich der Feststellung des ersten Richters, daß ein solcher Brief bestanden habe, nicht anschließen. Ebensowenig, daß Stöcker wider besseres Wissen gehandelt habe. Aber der ß 185 müsse in betreff des Artikels im„Volk" insofern gegen de» Be- klagten zur Anwendung kommen, als derselbe als„Gehilfe" anzusehen sei. In betreff des Artikels in der„Evange- lischeu Kirchen- Zeitung" sei der Beklagte als Thäter Dnznsehen und der Schutz des Z 193 Str.-G.-B. könne ihm nicht zu- gebilligt werden, denn Stöcker habe kein berechtigtes Interesse gehabt, so gegen Witte vorzugehen, wie er es gethan. Auch sei ans den Umständen die Absicht der Beleidigung zn erkennen. Was die Strafe anbelange, so habe das Gericht wegen des erste» Artikels auf 200, wegen des zweiten auf 300 M.(im Nichtzahlnngsfalle ins- gesamnit 50 Tage Gefängniß) erkannt. In betreff der Widerklage liege im ersten Falle Verjährung vor, im zweiten Falle (Broschüre„Schneider Grüneberg oder der gesälschte Brief") sei Freisprechung erfolgt, da keine Beleidigung gegen Stöcker enthalten sei. Was den dritten Fall betreffe(der Schriftsatz vom 4. Aug. 1896 mit dem Ausdruck„niedere Gesinnung"), so liege nach Ansicht des Gerichtshofs hier in eminentestem Maße die Wahrnehmung be- rcchtigtcr Interessen vor und mit Rücksicht auf den ganzen Zu- sammeuhang sei keine Beleidigung darin erkennbar. Nommunttles. Tie Ucbcruahmc der Polizeiverwaltung in die städtische Verwaltung beschästigte gestern einen Ausschuß der Stadlverord- neten aus Anlaß des Antrages Stadthagen und Genosse» und der ablehnenden Haltung der Staatsregierung gegenüber dem Versuche des Magistrats, die Wohlfahrtspolizei in städtische Verwaltung zn erhalten. Der Ausschuß nahm, nach Ablehnung weitergehender Anträge, den Antrag an: Mit Jiücksicht ans die bedauerliche Thatsache, daß der größten Gemeinde des Staats bei den Verhandlungen betreffs Uebertragung der Polizei- lichen Funktionen ei» so geringes Entgegenkommen seitens der Staatsbehörden bewiesen ist, daß ihr nicht einmal die Gründe für die Nichtüberlragung dieser Funktionen angegeben sind, kann sich die Versammlung keinen Erfolg von weiteren Ver- Handlungen versprechen. Die Versammlung hält mit dem Magistrat an der Anschauung fest, daß auf allen Gebieten, deren sonstige Ver- waltung der Stadt obliegen, die Uebertragung der polizeiliche» Funktionen an die Stadt erforderlich ist. Sie weist darauf hin, daß eine solche Uebertragung seitens der Slaatsregierung selbst wiederholt, besonders bei Berathung des Pvlizeikosten-Gesetzes anerkannt ist. Ein weitergehender Antrag, der daraus abzielte, eine Aenderung der Gesetzgebung nach der Richtung hin herbeizuführe», daß festgestellt wird, daß der Stadt die Polizeiverwaltung ans allen die Wohlfahrt der Stadt angehenden Gebieten zustehe, wurde als aussichtslos abgelehnt.— Behufs Einziehung von Kosten für die Verpflegung von Waisenklndern hat der Magistrat bei der Sladtverordneten-Ver- sammlung die Genehmigung nachgesucht, daß für den drei- jährige» Verwaltungszeilraum vom 1. April 1897 bis 31. März 1900 folgende Sätze: 1. An Verpflegnngskosten a) für ein in der Waisenanstakt zu Rummelsburg verpflegtes Kind jährlich 597,60 M., täglich 1,66 M., d) für ei» im Waiseudepot zu Berlin verpflegte» Kind jährlich 335,20 M.. täglich 1,07 M., c) für ein in dein Erziehungshanse für verwahrloste Mädchen in Klein-Beeren ver- pflegtes Kind jährlich 943,20 M., täglich 2,62 M.; 2. an Ver- waltungskosten a) für ein Kind in hiesiger Kostpflege jährlich 13 M.. täglich 5 Pf., b) für ein Kind in auswärtiger Kostpflege jährlich 25 M., täglich 7 Pf. neben den für dieselben gemachten ander- iveitigen Aufwendungen liquidirt werden. Tic Deputation für das städtische Turn- und Badewesen, hat gestern unter Vorsitz des Stadtschulraths, Geheimen Regierungs- raths Dr. Fürstenau, beschloffen, die Angelegenheit wegen Neu-Anstellung von Fachturnlehrern au drei hiesigen Schule» aus ein Jahr zu vertagen._ Lokales. Den Parteigenossinnen und Genossen von Moabit zur Nachricht, daß am Mittwoch de» 3. Februar in Ahrens' Brauerei eine Volksversammlung stattfindet. Reichs- tags-Abgeordneler Pens wird über den demoralisirenden Gegensatz zwischen Reich und Arm reden. Es wird um rege Agitation für diese Versammlung gebeten. Die VertrauenSperson. Ter Zuzug nach den Vororten Berlins muß in dem Jahr- fünft 1391— 95 sehr bedeutend gewesen sein. Amtliche Fest- stellungen über den Zu- und Abzug nach bezw. von den Vororlen liegen, von Charlottenburg abgesehen, leider nicht vor. Es läßt sich jedoch aus den Ergebnissen der letzten beiden Volks- Zählungen und aus den Veröffentlichungen über die Geburten und Sterbesälle annähernd berechnen, wie groß i» dem Zeitraum zwischen den beide» Zählungen in den Berliner Vor« orten der Ueberschuß derZuzüge über die Fortzüge gewesen ist. Für Berlin ist der Bevölkerungszuwachs vom 1. De- zeinber l890 bis 2. Dezember 1895 auf 93510Köpfe crmiltelt worden. Da der Geburtenüberschuß, nach dem Berliner„Statist. Jahrb.", in diesem Zeitraum 31 964 betrug, so bleiben für den Wanderungs- Überschuß nur 16 546 übrig. In Charlottenburg stellte sich der Bevölkerungszuwachs von einer Zählung zur anderen auf 55524, der Geburtenüberschuß, nach dem Berliner„Statist. Jahrb.", in diesem Zeitraum aus 7730, also der Wanderungsüberschuß auf 47794,— das ist absolut fast dreimal soviel wie in Berlin! Von dem Bevölkerungs- ziiwachs des letzten Jahrfünfts kamen in Berlin nur 17 pCt., in Charlottenburg dagegen 86 pCt. auf den Wanderungsüberschuß. Für eine Reihe anderer Vororte müssen die Veröffentlichungen des„Gesundheitsamts" über die Geburten und Sterbesälle(vom 1. Dezember 1890 nur bis 30. November 1395) als Quelle dienen. In Schöneberg, Friedenau, Steglitz, Lichterfelds mit Lankwitz, Tempelhof. Rixdorf, Treptow, Stralau, Boxhagen-Rummelsburg. Lichtenberg mit Friedrichsberg und Wilhelmsberg, Friedrichsfelde, tohen-Schönhause», Alt- und Neu-Weißensee, Pankow, Nieder- chönhausen mit Schönholz. Reinickendorf, Tegel, Plötzensee betrug der Bevölkerungszuwachs bezw. der Geburten- und Wanderungs- Überschuß 106 309 bezw. 20 819 und 85 490(darunter speziell in S ch ö» e b e r g 33 956 bezw. 4050 und 29 906, in Rixdorf 24236 bezw. 5499»nd 13 737). In den genannten Vororten kamen also 80 pEt. des Bevölkerungszuwachses auf den Wanderungs- Überschuß(speziell in Schöneberg 88 pCt., in Rixdorf 77 pCt.). Für Be rlin s a in m t allen Vororten, die oben erwähnt sind, stellte sich der Bevölkerungs- zuwachs beziehungsweise Geburten- und Wanderungsüberschuß auf 260 343 beziehungsweise 110 513 und 149 330 Köpfe. Nimmt inan noch das in den letzten Jahren rasch vergrößerte Wilmersdorf hinzu (das in den Veröffentlichungen des„Gesundheitsamts" nicht berück- sichtigt ist), so erhält man für Verlin und alle mit ihm in wirth- schaftlicher Verbindung stehende» Vororte einen Wanderungsüber- schuft von mehr als 150 000 Köpfen. Statistisches vom GaSkousum. Fünsundzwanzigtausend- zweihuudertundfüiifzig neue Kunden habe» die städtischen Gas- anstalten im verflossenen Jahre zuerhalteu. Wie der Magistrats- Vertreter, Stadtrath N a m s l a n,»nttheilte, sind im Jahre 1896 11237 Kochgas- und 13 963 Leuchtgas- Anschlüsse seitens der Gas- werke neu ausgeführt worden. Wie ferner mitgetheilt wurde, sind im verflossene» Jahre 3700 Laterne» mit rrnid 6000 Flammen der öffentlichen Straßenbeleuchtung mit G a s g l ü h l i ch t versehen worden. Die dadurch herbeigeführte Ersparniß an Gas schätzt die Verwaltung auf rund eine Million Kubikmeter, ivelcher Betrag bei der Aufstellung des neue» Etats für 1397/93 Berücksichtigung ge- fluiden hat. Ganz bedeutend würde der Gaskonsum noch steigen, wenn die Stadt sich entschließen könnte, durch Anbringung von Automaten und Verleihung von Apparaten auch der minder be- mittelten Bevölkerung diese praktische Kochmethode zugängig zn machen. Abermals ei» neuer Adeliger. Dem Stadtrath, Geheimen Regiernngsrath Friede! ist vom Kaiser von Oesterreich der Orden der„Eiserneu Krone" verliehen. Mit diesem Orden ist das Adels- Prädikat verbunden. Repcrtoir der Urania, Abtheilung Taubenstraße: Sonntag, Montag, Dienstag:„Ein Ausflug nach dem Monde".— Mittwoch, Donnerstag, Freitag und Sonnabend:„Durch den Gotthard".— Wochenplan der Urania, Abtheilung Jnvalidenstraße: Sonnlag, Montag und Freitag, Herr Dr. Naß:„Die moderne Küche".— Dienstag und Donnerstag, Herr Dr. Spieß:„Flüssige Lust".— Mittwoch, Herr Prof. Dr. Kny; Die Bewegung im Pflanzenreiche". — Sonnabend, Herr Dr. Spieß:„Dynamo- Maschinen und Motoren". Im Berliner Aquarium sind jetzt die am Rande der Treppen- grotte ausgestellten, nach Art der Zimmer-Aquarien aus Metall und Glas gebauten und somit gänzlich von den eingemauerten Becken des Instituts abweichenden Behälter für Fische und Kriechthiere neu eingerichtet und besetzt worden. Ihre Bevölkernng besteht fast aus- schließlich aus Gatlunge» und Spezies, die hier noch nicht gezeigt wurden. Zum ersten Mal aus ihrer Heimath Nordamerika ein- fesiihrt ist eine wurmfresseude W ii h l s ch l e i ch e(Abastor), eine ußlose und daher an unsere Blindschleiche und die Schlangen er- innernde Eidechse, die in ihrem roth und dunkel gestreiften Schuppen- kleid recht nett aussieht und sich gern im Sand und lockeren Erd- reich aushält, weshalb auch das ihr angewiesene Glashaus als ein„trockenes Terrarium" hergerichtet ist. Neu ein- geführt ist auch der japanische Hi-goi, ein prächtig goldrother und goldgelber, schlank gebauter Karpfen, de» man vor dieser Einführung in Berlin nur nach einem auf der internationalen Fischerei-Ausstellung 1830 vorhandenen ausgestopften Exemplar kannte. Außer zwei goldgelbe» Stücken ist im Aquarium auch ein silberfarbenes Exemplar zu sehen. Der Direktor Witte-Wild vom verkrachten Theater de! Westens verläßt dies Institut und tritt zum Sommer die Direktion des Thealers in Teplitz an. Die Dircktio» deS Passage-PanoptikumS theilt uns mit, daß die Vorstellungen des Affen-Thealers, welche täglich sowohl abends als auch schon nachmittags 5 Uhr veranstaltet werden, in- soweit ohne Extra-Entree stattfinden, als nur die vordersten Reihen gegen geringes' Geld reservirt sind. Ter am Freitag Verstorbeue Bcrliuer Posseudichter Dr. Eduard Jacobsohu hat ein Alter von 63 Jahren erreicht. Geboren ain 10. November 1333 zu Groß-Strehlitz in Oberschlesie», studirte er 1854 bis 1858 in Berlin Medizin, promovirle 1859 und nahin seinen dauernden Wohnsitz in Berlin. Als Student schrieb er den Schwank«Faust und Grelchen", der sehr gefiel, und widmete sich dann ganz der heiteren Muse. Er hat in» Laufe der Jahre selbständig oder in Gemeinschaft init andere» den deutschen Possen- kühnen eine stattliche llteihe schlagkräftiger, derbkomischer Werke ge- liefert. Zn seinen erfolgreichsten Stücken gehörten„Singvögelchen", „500 000 Teufel",„Der Postillon von Müncheberg",„Die Galoschen des Glücks".„Das Mädel ohne Geld",„Die Lachtaube",„Der jüngste Lieutenant",„Der Mann im Monde"». a. In den letzten Jahren verband er sich mit Mannflädt und Treptow, den Haus- dichter» des Adolph Ernst-Theaters. Er hinterläßt eine Frau und eine junge Tochter. A»S der Untersuchungshaft entlassen worden ist der Direktor Puckmüller von der„Internationalen Gasglühlicht-Gesellschasi", über dessen Verhaftung wir kürzlich berichteten. Sein Vertheidiger, Rechtsanwalt Theodor Marcus«, halte gegen die seiner Ansicht nach zu unrecht erfolgte Festnahme Beschwerde erhoben und die Eni- lassung beantragt. Aus diese Beschwerde hin wurde an der zu- ständigen Stelle Freitag Nachmittag 1 Uhr der Beschluß auf Haft- eutlassung gefaßt und um 2 Uhr dem Beschlüsse bereits Folge gegeben. Sonderbare Zustände. Die Auszahlung im„Konsum-Verein Süd-West" hat doch nicht ganz beendigt werden können. Als Herr Weinberg die letzten 8000 M. zwecks Auszahlung von der National» dank abheben wollte, wurde ihm das Geld verweigert, weil inzwischen der Mehlhändler Max Reetz Beschlag auf das Geld hatte legen lassen. Herr Reh hatte vor Weihnachten, als die Auszahlung nicht stattfinde» konnte, an seine Kunden ca. 15 000 M. aus eigenen Mitteln ausgezahlt und deren quittirte Sparbücher dafür in Pfand genommen. Schriftsteller Karl Wald theilt uns berichtigend mit, daß er cci einer Chainpagnerfestlichkeit, während welcher der Verlags« buchhändler Finktng verhaftet wurde, nicht zugegen gewesen ist. Ter am 10. September v. I. verschwundene 11jährige Paul Bernot hat sich leider immer»och nicht wieder eiiigesnudett; der Bater des Verschwundenen, Schraubendreher Wildelm Berndt, Naunynftr. 20, hat trotz aller Bemühungen noch nicht die geringste Spur von seinein Sohne entdecken können. Vielleicht verHelsen diese Zeilen zu irgend welcher AuSkuust. Der junge Mensch ,vurde am genannten Tage von seinein Vater zum Küster der Marknsgemeinde geschickt, um sich die Legitimation zur Einsegnung zu holen; seit diesem Tage ist der ctivas schwächliche Knabe nicht wieder gesehen worden. NngliickSfälle im Strastctiticrkchr. Vor dem Haufe Ober- wallstr. 1 wurde morgens der öljährige obdachlose Arbeiter Sch. halb erstarrt aufgefnuden und»ach der Charitee gebracht. Nach- mittags ivnrde auf dem Oranienplatz die verehelichte Maurer Ida Holtz, geb. Mendt durch einen von dem Fuhrherr» Franz H. ge- führten Möbelwagen überfahren und ain rechte» Nnterschenkel ge- quetscht. Die Schuld am dem Unfälle trifft den Kutscher, weil er die Frau nicht anries und auch sein Fuhrwerk nicht anhielt, sondern rück- sichtslos über sie hinivcggefahren ist. Bei dem Versuche, ihn fest- zuhalte», blieb der Schutzmann niil seinem Trauringe an einem Haken des Magens hängen und erlitt dabei«ine Verletzung des Fingers.— Ebenfalls durch die Schuld des Wagenführers, des Fuhrherrn Otto S.. gerielhen abends in der Pankstraße die 50 Jahre alte Witlwe Therese Noscuthal und ihre 22jährige Tochter Gertrud unter die viäder des übermäßig schnell fahrenden Wagens. Während die Mutter nur eine leichte Hautwunde am linken Ellenbogen davon- trug, erlitt die Tochter schwere Quetschungen des Fuß- und Hüft- gelenkes.— In der Nacht zum 30. d. M. siel der Gelbgießcr Neinhold Lüders in der Auguststraße infolge der Glätte hin und brach de» rechten Unterschenkel. Er wurde in die Charitee gebracht._ Ans dcu Nachbarorte». Tie Partcigciiossck von Charlottenburg werden ans die heute Nachmittag 2 Uhr in„ B i s m a r ck s h ö h e" stattfindende » o ni m u n a l w ä h l e r- Versammlung ganz besonders auf- nierksam gemacht; vor allem sind die Parteigenossen aus dem erste» Kommunal-Wahlbezirk eingeladen. Genosse M e tz» e r- Berlin spricht über die Bedeutung der am k. Februar stattsindenden Stadtverordnetcnwahl, zu der unser Genosse H. S ch a r n d e r g als Kandidat aufgestellt ist! Die Flugblatt-Bertheilung findet am Sonntag Vormittag um 8 Uhr, vom Restaurant Schmiedlke, Christstr. 20, auS statt. Rixdorf. Heute, Sonntag, vormittags 11 Uhr, findet in der Bergstraße 151 bei Hofsmann«ine Versammlung statt mit der Tagesordnung:„Die Blulthat in Spanien". Die Versammlung ist trotz des Bewußtseins, daß das Lokal zu Arbeiterversaiinnlungen nicht zu haben ist, von a n a r ch i st i s ch e r Seite dorthin einberufe» worden. Die Arbeiterschaft wird es als ihre Pflicht erachten, der Versammlung fernzubleiben. Um spätere Unannehmlichkeiten und Jrrthümer zu vermeiden, ist die Wirlhin auch benachrichtigt worden, daß die Ver« fammlnng mit der Sozialdemokratie nichts gemein hat. Die Rixdorfer Parteigenossen werde» ersucht, die Matinee in den„Viktoriasälcn", Hcrniaunstraße 47, zu besuche», welche vor- mittags 11>/s Uhr stattfindet. Der Gesammtüberschuß kommt den streikenden Hafenarbeiter Hamburgs zu gute. Folgende Säle stehen der Arbeiterschaft frei zur Bersügung: Neue Welt, Hasenhaide; Varietö-Theater, Hermannstr. 22; Viktoria- Säle, Hermannstr. 40; Wiersing, Knesebcckstraße; Knmmer, Berliner- straße; Nieschke, Steinmetzslraße; Stolzenburg, Cannerchanssee. Gesperrt sind alle übrigen Säle. Der Vertrauensmann. Die Uebcrwachuilg der Bcreiue und Zusammcnkiiufte in Steglitz jedweder Art durch die dortige Behörde ivird in einet» Schreiben an uns des weiteren illustrirt. Danach wäre der Verein, rvelcher am 3. Oktober vorigen JahreS im Tieke'schen Lokal in Steglitz ein Abeudesse» abhalten wollte, der Gesangverein„Zaget n i ch t" gewesen. In seiner Berichtigung vom 6. Januar hebt der Anitsvorsteher Zimmerinann hervor, baß dieser Verein unter das Vereinsgesetz falle und deshalb die Auflösung der gesellige» Zusammenkunft(nach Ansicht des Amlsvorstehers allerdings erne Versammlung eines politischen Vereins, an der Frauen nicht lheilnehmen dürfen) zu recht und in seinem Auftrage erfolgt sei. Die Steglitzer Arbeiterschaft klagt nun aber allgemein darüber, daß seitens der Ortsbehörde, namentlich in der letzten Zeit, Vergnügungen, Stiftungsseste, gesellige Zusammen- künfte U. s. w. durch die vereinsgesetzliche Brille augesehe» und dementsprechend behandelt werden. Einige Vereine, darunter der Verein der Ball- und getverblichen Hilfsarbeiter, verftichten trotz des Verbots des Amtsvorstehers ihre Vergnügnngen abzuhalten, weil sie der Meinung waren, das Verbot geschehe zu uurccht und um eventuell die Angelegenheit durch den Richter eulscheiden zu lasse». Der genannte Verein konnte indessen nicht zur Abhaltung fernes Festes gelangen, da die Steglitzer Polizei am besagten Abend vollzählig erschien und drohte, von der Waffe Gebrauch machen zu wollen, falls die Festtheilnehiner sich n i ch t s o s o r t entfernen würden. Die LassaUcfeier wurde ebenfalls nursürMäunersreigegebenund in einer VerfügungdenFrauen und Kindern die Theilnahme a» derselben untersagt. Die sozial- demokratische Arbeiterschaft verzichtete aber unter diese» Umständen auf das Fest. Um nun gegen die fortgesetzten Jnhibirungen der Arbeitervergnügunge» Front zu machen, wurde eine Versammlung einberufe», in der gegen diesen Zustand Protest erhoben iverden sollte. Die Gemeindevcrtreter und der Anitsvorsteher Zimmermann rvaren zu dieser Versammlung brieflich eingcladen. In der außer- ordentlich stark besuchten Versammlung erschien indessen nur ein Gemeindeverlreter, der ebenfalls die polizeilichen Maßnahmen mißbilligte. Die Versammlung nahm, wie wir seinerzeit berichtete», eine Protest-Resolution einstimmig an und beauftragte das Bureau, das aus den Parteigenossen Mohr, Schivericke und Bach- in a n n bestand,«inen entsprechenden Antrag bei der Gemeinde- Vertretung zu stellen, der die Beseitigung der geschilderten Zustände verlangt. Da der Amlsvorsteher zugleich Gemeindevorsteher ist, so wurde die Resolution sowie der Antrag demselben übcrsandt, beide unterzeichnet von den drei genannten Genossen. Es kam auch recht bald der Bescheid, daß Herr Zimmermann in seiner Eigenschaft als Gemeindevorsteher es ablehnte, den fraglichen Antrag der Ge- meindevertretnng zu unterbreiten. Dagegen wurden die Genosse» Mohr und Schivericke am 8. Dezember vorigen JahreS und Genosse Bachum»» am 6. Januar bestellt, vor dem Unlersuchungs- richtet in Moabit zu erscheinen, wo ihnen eröffnet wurde, daß der Anitsvorsteher Zimmermann sich durch die Resolution beleidigt fühle!!! Es ivird nun den Steglitzer Arbeitern jedenfalls Gelegen- heit geboten werden, sich über die Art der polizeilichen Ueberwachung von Arbeiterfesten an Gerichtsstelle zu äußern. Wie aber auch diese Angelegenheit verlaufen mag, unsere Partei wird davon keinen Schaden haben. Der überquellende Patriotismus, der am 27. Januar, wie dies ja ganz selbstverständlich ist, vor allem im preußischen Beamtenthum keine Grenze kannte, mußte in unserem Nachbarorte Friedrichshagen zu einer gewaltigen Sozialistentödiung den Anlaß geben. Der Amtsvorsteher Klüt ließ beim Festschmans eine Rede vom Stapel, über die das Lokalblältchen des Orts folgendes berichtet:„In markigen Worten wandte sich der Redner gegen die Auswüchse der Sozialdemokratie; er bezeichnete sie als den einzigen Feind unseres mächtigen Deutschen Reiches, das keinen äußeren Gegner z» fürchten hätte. Mit gleicher Kraft, wie man vor einem Bierteljahrhnndert den Erbfeind zu Boden geworfen, müsse man auch de» innere» Gegner, der zumeist aus arbeitsscheuen Elementen und gescheiterten E x i st e n ze n bestände, vernichten."— Bon dieser Rede ver- sprechen sich unsere Parteigenossen in Friedrichshagen eine prächtige agitatorische Wirkung. Sie wollen die zitirten Kraftstellen ausgiebig verwerthen und dafür sorgen, daß die Stimmeuzahl für unsere Partei, die 1893 in Friedrichshagen schon 930 betrug, sich bei der nächsten Reichstagswahl erheblich vermehre. Bedeutend weniger erhebend als in Friedrichshagen scheint der 27. Januar in Reinickendorf verlaufen zu sein. Aus diesem Orte veröffentlicht die„Kreuz-Zettung" folgend« klassische Zuschrift:„Man sah am Morgen des 27. Januar wohl mehr Fahnen- schmuck auf den Häusern, als es beispielsweise am Tage des Geburtssestes der Kaiserin der Fall war. Für die D e st i l l a t i o n s« a e s ch ä f t e sind die Flaggen za auch die bequemsten Aushänge- s ch i l d e au solchen Tagen. Man hörte auch die Glocken der SegenSkirche läuten. Betrat man aber das Innere der Kirche selbst, so sah man nur Uniformen, die Schuljugend und ver- schwindend wenig Mitglieder der eigentlichen Kircheitgemeinde. Auffallenderweise war selbst der Kriegerverein„Metz" durch keine Abordnung vertreten. Wo ist diese Seele und das Gemüth unseres Nordens hingerathen?— O, wie traurig! Tie Nachforschuugc»»ach dem Wüstling, der am vorigen Sonntag Abend auf der Potsdamer Chaussee bei Spandau ein löjädiiges Mädchen vergewaltigt und beraubt hat, sind bisher ohne Erfolg gewesen. Das Mädchen hatte behauptet, der Thäler sei ein Trainsoldat. Auf Veranlassung der Polizei hat der Koiiimandenr des 3. Braiidenburgischen Trainbataillons alle Mannschaften antreten lassen, damit sie von dem Mädchen, das im Beistand ihres Vaters er- schien, in Augenschein genominen werden konnten. Das Mädchen hat jedoch den Schuldigen nicht herausfinden können. Durch die Eulziindniig eines Gepiickwageuö erlitt gestern Mittag der hier fällige Wiener Konrierzug eine einstündige Ber- spätnug. Kurz vor Berlin war die Achse des Gepäckwagens in Brand gerathen und mußte der Zug infolge dessen in Friedrichs- Hagen liegen bleiben, wo der Wagen ausrangirt und entladen wurde. Auf dein Spandaner Bock kam vorgestern Abend ein Schaden- fencr zum Ausbruch, welches einen Schuppen mit leeren Biersässern, sowie den Dachstuhl eines benachbarten Lagerraums zerstörte. Der Schaden beläufl sich auf 20 000 M. Ein räuberischer Uebcrfall und Mordversuch ist vor einigen Tagen ans der Landstraße zwischen Falkenrehde und Hoppenrade im Kreis« Osthavelland verübt worden. Der auf dem Heimwege bestndliche Werkmeister Jbsch aus Hoppenrade wurde hinterrücks zu Boden geworfen; sein Angreifer, der Dienst- tnecht Friedrich Köhler ans Falkenrehde warf ihm eine Schlinge iiin den Hals, würgte ihn und schlug so lange auf ihn ein, bis der Mißhandelte wie tobt dalag. Daun raubte er ihm die Uhr und die Börse mit 20 M, Der Ueberfallene kam nach einiger Zeit wieder zu sich und schleppte sich nach Falkenrehde, wo er auf- genommen wurde. Er hat verschiedene, glücklicherweise nicht lebenS- gefährliche Verletzungen davongetragen. Ans«Panda» wird berichtet: Für ungesetzlich erklärt und aufgehoben wurde ein Beschluß der hiesigen B ä ck e r i n n n n g dnich die vorgesetzte Verwaltnngsbehö'.de. Die Innung hat!« ihre Mitglieder verpflichtet, bei Vermeidung einer Ordnungsstrafe„keinem Kunden eine Wochenzugabe, einen mouatlichen Rabatt oder ein Geschenk, sei es zu Weihnachten oder sonst, zu geben, ferner für den Preis von zehn Pfennig nur zwei oder vier Stück frisches und für fünf Pieiiiiig nur fünf Stück alte Backwaare zu verkaufen". Der Bezirksausschuß erblickte in dieser Maßnahm« eine Ueber- schreitung des Jnnungsprivilegs und versagt« ihr die Genehmigung. In der Begründung war darauf hingewiesen, daß die Handlungen, die der Beschluß verbieten will, weder als unlauterer Wetlbewer» noch als ein schwindelhastes Gebahren angesehen werde» können. Gegen diese Eulscheidiing beabsichtigt die Innung beim Handels- minister Beschwerde einzulegen. Nunlk und MMeufchuft. Heute, Sonntag, nachmittags 8 Nhr, geht im Belle- Alliancc Theater nlö Volksvorstellimg unter Regie von Julius Türk noch einmal Don Carlos in Gzenc. Elizabeth: Tlj. Freuburg a. 61.; Eboli: Hedwig Margot; König i Wilh. Rufs; Don Carlos: Rich. Jürgas; Marquis Posa: Julius Türk. Die Reue freie Volksbühne veranstaltet heute Nachmittag 2�/» Uhr im Zentral-Thcater sür ihre 2. Abtheilung— in der noch Mitglieder aus- genommen werden können— eine Vorstcltuug von Max Dreyers„Winter- schlaf". Die Regie hat Herr Franz Haid; die Hauptrollen haben: Frl. Eugcnic Lenz und die Herren Eisfeld und Haid. Thcater-Wochcnchronik. OpernhauS: Sonntag. 31.:„Undwe." Montag, 1. Februar:„Carmen". Dienstag, 2.:„Uudine". Mittwoch, 3.: „Bcnvcmito Cellini". Donnerstag, 4.;„Rienzi". Anfang«>/« Uhr. Freitag, 5.:„Martha". Lyonel: Herr Emil Götze, kgl. Kammersänger, alS Gast. Sonnabend, 6.:„Bajazzi".„Phantasien im Bremer Rathslcller". Sonn- tag, 7.:„Uudine".— Schauspielhaus. Sountag, 31. Januar: Zum 1. Male:„Die Zeisige". Montag, den 1. Februar:„Die Zeisige". Dienstag, 2.„Wallensicin's Lager".„Die Piccolomiiü". Mittivoch:„Wallen- steint Tod". Donnerstag, 4.:„Die Zeisige". Freitag. 3.: Zum 100. Male:„Die „Komödie der Irrungen."„Der eingebildete Kraule." Sonnabend, 6.; „Die Zeisige". Sonntag, 7.:„Faust". Ansang 7 Uhr. Montag, 8.:„Der Verschwender".— Neues tön ig l. Opcrntheater(Kroll).(Zu e r- mähtgten Preisen): Sonntag, 31. Januar:„Das Leben ein Traum." Somitag, 7. Februar:„Wohlthätige Frauen".— Das Deutsche Theater bringt heute, Sonntag Aheud, die erste Wiederholung von Henrik Ibsen' s neuem Schauspiel:„John Gabriel Borkman", das außerdem Dienstag und Doimerstag gegeben wird:„Die versunkene Glocke" kommt Biontag, Mittwoch, Freitag, nächsten Sonntag und Montag Abend zur Aufführung; Sonnabend„Morimri". Als NachmittaaS- Vorstellungen sind für heute, Sonntag,„Die Wildente", für nächsten Sonntag„Die Jüdin von Toledo" angesetzt.— Die französischen .Künstler im Lessing-Theater haben Juleö Leniäitreö Komödie äit'tieiio" in Verbindung mit den Solofzenen auch für ihren Abschieds- abend am nächsten Dienstag auf den Spielplan gesetzt. Die Gesellschaft wird also noch folgende Vorstellungen geben: Montag(als vorletzter Gast- sptclabend)„Äarcello" und Dienstag„L'äge difficile" mit Herrn Antoiue in der Hauptrolle, in Verbindung mit einer Reihe von Soloszenen, die von Frl. Josset, den Herren Coqueli» und Dnnieiiy zum Vortrag gebracht werden. — Im Berliner Theater findet heute. Sonntag, die 25. Aufführung von„Kaiser Heinrich" und Donnerstag eine Wiederholung des Dramas statt. „Renaissance" geht Montag, Mittivoch und Sonnabend m Szene. Dienstag gelangt„Die Jungfrau von Orleans" mit Frau Gcßner in der Titelrolle zur Aufführung. Freitag(21. Abonnenlents-Vorstellung) wird zum ersten Male A. Webers Schauspiel„M u t t e r r e ch t e" dargestellt und Somitag Abend wiederholt werden. NachmiUagö-Vorstellungcn sind heute und nächsten Sonntag„König Heinrich"; Sonnabend, 6. Februar,„Aschenbrödel".— Das Residenztheater bringt von dem Schwant„Fraucnjäger" heute die letzte SonmagSanfführung. Sonnabend, S. Februar, geht Gandillots neuester Schwank„Associös" in deutscher Uebersetzung und Bearbeitung von Max Schönau zum ersten Mal in Szene. Die beiden Hauptrollen des Stückes werde» von den Herren Alexander und Pansa dargestellt. — Der Spielplan des Neuen Theaters wird auch in dieser Woche ausschließlich von SardouS„Marcelle" beherrscht.— Das Schiller-Theater veranstaltet heute Abend im Bürgersaale des Rath- hauscß zur Feier des hundertjährigen Geburtstages Schubert'S, wie schon gemeldet, einen Franz Schubert-Abend. Den eiiileitendcii Vortrag hält Dr. Karl Krebs.— Im Schiller-Theater selbst wird heute Sonntag Nachmittag Ibsens Schauspiel„Die Stützen der Gesellschaft" gegeben, abends geht daö Lustspiel„Der Schierling" und Shakespearc's„Die Komödie der Irrungen" in Szene. Montag findet die erste Aufführung von„Ein V o l t s s e t Ii d", Schauspiel in 5 Akten von Ibsen, statt, Dienstag, Donnerstag und Sonnabend wird diese Vorstellung, Mittwoch „Der Schierling" und„Die Komödie der Irrungen", Freitag Kretzer's Volksstück„ Der Millioneubauer" wiederholt.— Im Theater Unter den Linden wird im angekündigten Sttautz-Zyklus die erste Vorstellung„Indigo und die vierzig Räuber" sein.— Im Zentral- Theater wird heute die letzte Sonntagsvorstcllung der„Tollen Nacht" stattsinden. Montag, 1. Februar, geht zum Benefiz der Soubrette Göhrs zum letzten Mal„Die tolle Nacht" in Szene, während Dienstag bis ein- schließlich Freitag die vier letzten Vorstellungen der„Wilden Sache" gegeben werden. Für den Rest der Spielzeit will Direttor Schultz in Form eines dramatischen Quodlibets alle theairalischen Ereigniffe der letzten Zeit zusammenfassen und sie in einem geschlossenen Ganzen als Revue zur Aufführung bringen. — Das Belle-Alliance- Theater bringt Sonntag die Elysche Posse„Böse Buben" mit vollständig neuer Besetzung. Die Mtzi-Gizi spielt Frl. Straß vom Lübecker Stadt-Theater.— Im Friedrich- Wilhelm städtischen Theater geht Sonntag, Montag und Dienstag „Dorf und Stadt", Schauspiel in fünf Akten von Charlotte Birch-Pfciffer, in Szene. Mittwoch findet das erste Gastspiel von Frl. Lainico vom Deutschen Volks-Theater in Wien und von Herrn Kutschern vom Hofburg- Theater in Wien in dem fünfaktigen Trauerspiel„Manfred" von Moritz von Gutmami statt.— Im Alexanderplatz-Theater hat wie alljährlich auch jetzt wieder sür die zweite Hälfte der Spielzeit eine Preisermäßigung auf den besseren Plätzen stattgefunden. Bei der Sonn- tags-Vorstellung der Berliner Gcsangsposse„Eine pikante Ehe" treten morgen die billigeren Preise in kraft._ Gerichts �Äeikung. Ei»«euer Verhandlungstermin gegen die Journalisten Sckuide, Stettenheim und Fölliner ist vor der 7. Eiraskainmer Landgerichts I auf den 8. Februar angesetzt worden und iverden alS Verlbeidiger die Rechtsanwälte Justizralh Kleinholz, Dr. Lnbscinsky und Dr. Werlhaner austrete». Das Nichtbcdeckc» dampfender Pferde während der Zeit deS Haltens aus der Straße, das in einein«inGespmi» des Amtsraths Schräder (Alt-Landsberg) betreffenden Fall als Thierquälerei aufgefaßt und mit Strafe belegt war, ist imnmehr in der Berufungsinstanz alS straffrei erklärt worden. Vor dem mit der Sache betrauten Gerichtshof führte der persönlich erschienene Amlsrath Schräder aus, daß er prinzipiell für seine Arbeitspferde keine Decken halte, und zwar ans Gesuiidheitsrücksickten. Er unterbreitete dem Gerichtshof zugleich das von Oberst-Lteulenant Spohr verfaßte Buch„Die naturgemäße Gesnndheitspflege der Pferde", in dein die Abhandlniig gegen daZ Auflegen der Decken mit dem Satze schließt:„Der beste Schutz im Winter ist für Pferde ihr eigener natürlicher dichter Winter- pelz." Als Sachverständiger war Professor Eggeling von der Thierärzliche» Hochschule geladen, der eingehend über die Haar» bildung der Pferde sich äußert« und darlegte, wie bei Pferden, die im Stall und bei der Arbeit ohne Decken gehalten weiden, unter dem langen Haar sich eine feine wollige Haarschicht bilde, welche die Thier« besser wie Decken schütze. Bezüglich des Dampfes erklärte der Sachverständige, daß dieser Zustand keineswegs ohne weiteres auf eine Ueberaiistreiigung hindeute, daß vielmehr auf dem glatten Pflaster Berlins infolge des beängstigenden Ansrutschens die Pferde sehr bald zu dampfen ansangen, wie man die? bei Omnibussen und Pferdebahnen häusig beobachten könne. Auf grund der VerHand- lungeii zog der Amtsanivalt den Straftrntrag selbst zurück, worauf die Freisprechung erfolgte. Ter Biirgermcister Hou Radevormwald. Ein beachteus- werther Laiidsriedensbriichs-Prozeß ivnrde vom 25. Januar ab mehrere Tage hindurch vor dein Schwurgericht Elberfeld ver- handelt. Zwölf Angeklagte, meistens Arbeiter aus Radevormwald hatten sich unter der Anklage des genannten Verbrechens zu ver- antworten. Die 23 jährige Elise H.. Tochter eines Materialien- Verwaliers aus Cameu in Westfalen, die bei dem Bürger- ineister HiiLgen zur Erlernung der Küche und des Haushalts sich anshielt, hatte Metzgern, einer anderen Dienstmagd, einer Waschfrau und verschiedenen Nachbarn erzählt, der Bürgermeister Hüsgen habe sie abends und nachts in unsittlicher Absicht mit Worlen und lhällich verletzt. Bald wußte ganz Radevormwald, was sich in der Wohnung de8 Bürgermeisters zugetragen haben sollte. Es kam zu einer Katzenmusik, die dem Bürgermeister am 31. August vor dem Rathhause dargebracht wurde. Die Polizei versuchte einzuschreiten, mußte sich aber zurückziehen, als alle Laternen auf dem Markiplatze ausgelöscht wurden. Einein Polizisten, der trotzdem gegen das Volk vorging, wurde übel mitgespielt, und als derselbe ins Nalhhaus enlkomnie» war, fiel auS einem Fenster des RalhhauseS ein Schuß, durch den ein alter Mann, der Arbeiter S., so schwer in der Seile verwundet wurde. daß er ins Krankenhaus getragen werden mußte. Das war sür die Menge das Signal zu groben Ausschreitungen. Mit Pflastersteinen und Ziegeln wurde das Nalhhaus boinbardirt, so daß sich am anderen Tage keine heile Fensterscheibe mehr am ganzen Rathhause befand. Der Bürgermeister stellte gegen die Urheberin des Gerüchts Strasautrag wegen verleumderischer Beleidigung. Di« Sache kam am 28. November vor der Strafkammer des ElberfslderLandgerichts zur Verhandlung, endigt« aber nur mit der Verurtheiliing des Mädchens wegen übler Nach- rede zu 30 M. Geldbuße. In der Begründung deS Urlheils hieß es, das Gericht habe nicht die Ueberzeugung gewonnen, daß es uu- wahr sei, was die Angeklagte behauptet habe; es falle somit die Beschuldigung, wissentilch unwahre Thatfachen zum Zwecke der Verächtlichmachung deS Bürgermeisters vehanptet und verbreitet zu haben, weg. Die weitere Untersuchung führte zu einer Anklage gegen die zivölf Personen. Die mehrlagige Verhandlung schloß gestern mit der Freisprechung s ä m m t l i ch e r A n g e- klagten. Der eigentliche Angeklagte war daS Oberhaupt der Stadt. Das Kochlehrmädchen Elise Haberer hat erstens gegen den Herrn Bürgermeister Anklage wegen lhätlicher Beleidiaiing erhoben, zweitens hat der Staatsanwalt Anklage gegen den Bürgernleister Hüsgen erhoben wegen Verdachts deS Meineids. In dem Beleidigungsprozeß gegen die Elise Haberer hat Hüsgen de- schworen, daß die Behauptungen des Mädchens auf Unwahrheit beruhen. In der letzten Verhandlung hat daS Mädchen diese Thal- fachen unter Eid ausdrücklich aufrecht erhalten. Auch hat ein Dienst- mädchen vorgestern ähnliche Sachen beschworen. Den Vorsitz in der letzlen Sladlverordnetensttzung von Radevormwald sührte bereils der erste Beigeordnete. Tic Angelegenheit wegen de« gefälschten Looses der Ber- liner Gewerbe- AusstellungS- Lolterie, über welche wir seinerzeit de- richtet haben, hat nun vor der Slraskainmer in Grand enz ihr gerichtliches Nachspiel gehabt. Die Fälschung war mit dem Loose Nr. 177 820, auf welches der Hauptgewinn im Werth« von IS 000 M. gefallen war, vorgenonimeii worden. Als Fälscher jenes Looses ist der Knecht Johann Malkowski aus Treul bei Neuenburg ermittelt worden, welcher unter falschem Namen das gefälscht« Loos dem Kaufniann Meyer in Neue» bürg zum Kause angeboten hatte. Bei Präsentalion des Looses ist Meyer damals in Berlin ver- hastet worden. Malkowski wurde zu sechs Monate» Gefängniß verurtheilt._ Vevsttttttnlungrn. Eine Versammlung der Berliner Christbaumhändler (Kleinhändler) befaßte sich am Donnerstag im Arlushos, Perleberger- straße, abermals mit den Mißständen im Ehristbaum-Kleiuhandel. Der Vorsitzende, Händler Schröder, gab eingangs seiner Ber« wunderung darüber Ausdruck, daß der Einberufer, entgegen de« Gepflogenheiten zielbewußler Arbeiter, die Versammlung nach einem gesperrlen Lokal einbernfen habe. Der Händler sei Arbeiter und habe keinerlei Ursache, bezüglich der Lokalsrage eigen« Weg« zn gehen. Diese Ansicht wurde im Laufe der Verhandlungen von allen Rednern getheilt, die zugleich die nichtssagenden Einweiidiingen des Einberufers energisch widerlegten. Di« Ber- sammliing beschloß nach reger Debatte, die in der vorigen Versammlung gewählte siebengliedrige Kommission anzuerkennen und derselben aufzugeben, zu den für nächste Zeit«inziiberusenden Wander- versammluiigen eine rege Agitation zu entfallen und reichliches Agilniiousmalerial zu beschaffen. Außerdem soll durch Eingab« an die Eisenbahnbchördeii auf Beseitigung des Einzelverkaufs aus den Bahnhöfen hingewirkt und durch eine Beschwerde au den Polizei» Präsidenten und Magistrat der Ueberlassung von öffentlichen Plätzen an Großhändler und der fortwährenden Steigerung der Platzmieth« vorgebeugt werden. Weihensee. Am 23. Januar tagte hier ein« öffentlich« Ver» sammluiig, in der Reichstags-Abgeordneter S t a d t h a g« n einen beifällig aufgenommenen Vortrag hielt. Unter Verschiedenem wurde eine Kommisflon, bestehend ans Haufschild. Eschbach und fl a s e w a l d, damit beaustragt, die Beschwerde» über unpünktliche ieserung des„Vorwärts" entgegenzunehmen. Generalversammlung des Verbandes der Maler» Lackirer und Anstreicher. Vierler Verhandlungstag. Bei Be- rathung der Staluten wird zunächst«in Antrag abgelehnt, wonach nur Arbeitnehmer aufgenommen werden sollten. DaS Eintrittsgeld wird von SV auf� so Pf., die Beiträge im Sommer von IS auf 20 Bf. erhöht. Die Abstimmung war eine namentliche. Anträge aus Erlaß der Beiträge in Krankheitsfällen oder bei Ardeitslostg- keit werden abgelehnt. Der Ausschluß der Mitglieder erfolgt, wenn dieselben 13 Wochen mit den Beiträgen im Räckstande sind. Ferner wird ein Antrag angenommen, der es ermöglichen soll, notorische Krakehler, die beabsichtigen, die Vereinigung zu schädigen, ausschließen zu können. Der Vorsitzende und Kassirer. als besoldete Beamte. solle» auf der alle 2 Jahre stattfindenden Generalversammlung ge- wählt werden. Die Wahl eines Ausschusses, der zugleich als Preß- lommisstvn zu fnnglre» hat, wird gleichfalls gutgeheißen. Die Streik» Unterstützung wird durch mehrere Bestimmungen im Statut näher geregelt. Das achttägige Erscheinen des Verbandsorgans wird in namentljcher Abstimmung einstimmig beschlossen und soll der Redak- teur vom Vorstand und Ausschuß bestimmt werden. Von de» Bei- trägen sollen m/i pCl. statt 50 pCt. an die Hanptkasse abgeführt werden. Die Reiseuntcrstützung, welche 75 Pf. in de» Filialen beträgt, wird von der Hauptkasse gelragen und wird erst nach einjähriger Mitgliedschaft in der Zeit vom 15. Nov. bis 15. März gezahlt. Neben dem Gehalt des Hauplkassirers wird für den Vor- sitzenden«in Jahreigehalt von 1450 M. festgesetzt, um beide ganz für die Vereinigung zu gewinnen. Der Sitz der Vereinigung wird von Berlin nach Hamburg verlegt und Tobler-Ha»iburg als Vorsitzender, W e n t k e r- B e r l i n als Kassirer gewählt. Zum Sitz des Ansschnsses wird Stuttgart bestimmt. Redaktion und Aerlag des„Vcreiiis-Anzeigers" kommen nach Hamburg. Nach einein Bericht über den allgemeinen Geiverkschaflskongreß wird folgende Resolution angenommen:„Die General-Ver- sannnlung zu Kassel schließt sich den Beschlüssen des Berliner Gewerkschaslskongresses in bezug auf die Arbettslosen-Unterstützung im großen und ganzen an. Da jedoch zu eingehender Beralhung über diesen Gegenstand genügendes Material nicht vorliegt, wird der Hauptvorstand beaustragt, in Gemeinschaft mit dem Ausschuß duS nothwendige Material zusammen zu tragen, zu bearbeiten und zu veröffentlichen, um der nächsten Generalversamiiilung eine ein- achende Berathnng und Beschlußfassung über die Einführung einer solchen Unterstützung zu ermöglichen." Nach einem kräftigen Schluß- wort des Vorsitzenden Tobler wird die Generalversammlung abends b/«iv Uhr geschlossen. Arbelter-KIIdiingofchuI«. ISonniag, vormittags von. ivz-is Uhr ab- wechkelüd FortschriuShirfns in Slalionaiötonomi« und Redcubung im Lolai» der N o r d I ch u I«, Anmnenstr. Zö. Mvnlag Abend lein Unlerrichi. "die SchuIrSume sind zur Benuhnng der Bibtioihet und des reichen Zeit» ichnftemnaierlal« schon von 8 Uhr abends an geossnei. |U« xrseha», der Ardeltee-BIIdungstchnI«, Brunnsnstr. 25, ist Wochen- iag« von 6—» Uhr, Sonntag« von I— S Uhr, unemgelllich für jedermann geöffnet. Die cheichafisstelle der Schule SO., Kaiser Franz-chrenadier-Plah 7, die den AereinSoorstünden zur«ermittelung von«orirSgen wiffenfchafttichen Tharalter» zur Verfagung steht, ist vormittags von i°-l Uhr geöffnet. Arb,iier-K仫»ri>«nd Berlin« und Nmgegeud. Borsthender Ad. Sleumann, vat,ivatlerflr.Z. All« Aendernnge» im VereinSlatender flnd zu rtchle» a» Friedrich «orium, Sflanteuffelstr.«», v. 2 Tr. Knud der gefelligen»rbelleruerein« Kerlino»»d Vingegend. Alle Znfchriflen, den Bund betreffend, st»d zu richte» an P. Stent, s. dresdener- ivi/s. ' Paucherbund D>rli»»O und Nmgigen». Asndernngen im c? zu richten an Hermann Brau»schweig, TreSdener« iircipe so, f. Hos. m s>"«»Ngu»,«»,r,I„..»lemanla». Heute Abend» Uhr im«nglifchen Hof, N.ue Nobür.»esellschaflSadend. Samariterliurf«» für Arbeiter ,,nd Ardeitrrlnnen. Montag, den l. Februar, abend« ej Uhr, tn Cohn'« Feftsälen, Beuthftraße So: Vortrag de« Herrn Dr.«hrtsteller Uder: Eesahrdrohende Kr-nkh-tl»,ustand«. Nachher praltlsche Uebunaen. ., �b'nter-vefellfchast Erika. Heute Abend S Uhr: Seselllge« Beisammen- leln det Stehmann, Melchlorflr. Ib. Montag den l.Fevruar: Sigung bei Nowacl, Manleuffetslr. ,. Vevmifchkes vom Tage. — Maßnahmen gegen die Pest. Die„Beil. Wissensch. Korr." schreibt: Sicherem Vernehmen nach wird auf Veranlassung der Reichsregieruug eine Kommission von deutschen Sachverständigen nach Bombay entsandt werden, um dort die Beulenpest zu studiren. und wie von unterrichteter Seite verlautet, ist maßgebenden Ortes die Frage erörtert worden, ob es geboten wäre, Professor Robert Koch, der bekanntlich zur Zeit im Auftrage der Kapregierung sich in Südafrika zum Studium der Rinderpest befindet, zurück- zuberufen, damit er die d e u t s ch e E x p e d i t i on leite. Natürlich würde sich, falls dies geschehen sollte, Herr Professor Koch von seinem jetzigen Aufenthaltsorte direkt nach Bombay be- geben.— Was die internationale Sanilätskoiiferenz betrifft, die am Iv. Februar in Venedig zusammentrilt, so wird wahrscheinlich Geh. Ober-Regierungsrath Dr. Köhler, der Direktor des kaiserl. Reichs- Gesundheitsamtes, mit einem medizinischen Sachverständigen, über dessen Namen noch nichts verlautet, sich als Vertreter Deutschlands an der Konferenz betheiligen. Die Pestkonferenz, die am Dienstag, den 26. d. M.. im kaiserlichen Reichs- Gesundheitsamt fortgesetzt wurde, dauerte bis abends 6 Uhr. Z» der Konferenz war diesmal noch der zur Zeit in Berlin weilende Hasenarzt Dr. Rocht hinzugezogen ivorden. Bereits für Anfang nach st er Woche werden die Verfügungen der Reichsregierung zur Abwehr der Pestgefahr erwartet. Zu diesen Verfügungen wird voraussichtlich u. a. gehören, daß die als ver« dächiig angesehenen Schiffe nicht bis in den Hafenquai heran dürfen, sondern in gewisser Entfernung von demselben vor Anker tgehe» müssen. Veranlassung zu diesem Vorschlage der Sachverständigen- Kommission gab die Thatsache, auf die auch der bekannte Berliner Bakteriologe, Professor Pfeiffer, auf eine Anfrage der„Berliner Wissenschaftlichen Korrespondenz" hingewiesen hat. daß die Pest auch Ratte» und Mäuse befällt. Da sich auf Schiffen be- kanntlich Ratten stets in großer Anzahl aushalten, wäre die Möglichkeit nicht ausgeschlossen, daß durch die Thiere, welche ausgezeichnete Schwimmer sind. die Pest von einem eventliell verseuchte» Schiffs auf daS Land übertragen wird. Neben Deutschland, Oe st erreich und Rußland hat übrigens auch Egypten bereits eine wisseiischaftliche Expedition zur Er- forschung der Beulenpest nach Bombay gesandt. — Die Einfuhr amerikanischer Butter nach Deutschland weift eine stetige Zunahme auf. Während sie 1393. auf 21 500 Kilogramm sich bezifferte, wurden 1894 bereits 293 400 Kilogramm und 1895 375 100 Kilogramm eingeführt. In den ersten acht Monaten deS laufenden Jahres hat die Einsuhr aus den Vereinigten Staaten 398 800 Kilogramm betragen, gegen 139 100 Kilogramm im«ntsprecbenden Zeitraum des Vorjahres. Allein im August 1896 wurden 123 100 Kilogramm eingeführt gegen nur 49 800 Kilogramm im August 1895.— — Schiffs Unglücke. Das sranzösische Schiff„Jenne Alexandre" scheiterte bei Kap Fimsterre; 6 Personen ertranken.— Das Packetboot„Kanton" scheiterte bei Tourane(Cochinchina). Die Passagiere sind gerettet; die Lage des Schiffes ist kritisch. — R u b a i x, 29. Januar. Die Brandstiitungen an der belgischen Grenze mehren sich in erschreckender Weise. In der vor- letzten Nacht sind abermals drei Pachthöf« infolge Brandstiftung zerstört worden.— — Stilistischer Unfall.„In Frankreich aber ist dem nicht sehr weisen Cassagnac die Klinke seines Gehirnes ans der Angel gefallen."— s — In Südspanien(Provinz Valencia) greift die Aus- s a tz- S e u ch e furchtbar um sich.— — Algier. Ein entlassener Steuerbeamter schoß, um die Auf- merksamkeit auf seine elende Lage zn lenken, aus den Gouverneur einen blindgeladenen Revolver ab. Er wurde nach Feststellung deS Thatbestandes wieder entlassen.— — Von eitlem New- Yorker Polizeirichter wurde ein siebzigjähriger Greis wegen Vagabundirens auf 10 Tage ins Arbeits, Haus gesandt. Der Mann war früher Bibliothekar an de« Universität in Bonn und Herausgeber einer Literatur-Zeitung gewesen.— — Ein Riesenfaß läßt gegenwärtig die California Wme« Association bauen. 30 000 Gallonen soll das Ungethüm fassen.— — Wenn es wahr ist. Ein amerikanischer Telegraphist soll eine Notationsmaschine erfunden und das Patent für sieben Millionen Dollars an ein englisches Konsortium verkaust haben.— Druckfehler-Berichtigung. In unserer letzten„Literarischen Rundschau" heißt es in der zweiten Hälfte der dritten Spalte: „Archiv für soziale Gesetzgebung und Praxis"; statt des letzten Wortes soll es natürlich Statistik heißen. Briefkasten der Redaktion. 3 Wettende. Beides dreisilbig.- H. H. 70. I. Vi- 2. Der Vater ist im Recht; der mündliche Lehrvertrag giebt kein Recht aus Klage wegen Nichteinhaltung desselben.— F. A. 85t. Gewerbeschein.— F. 8. 100. Die Wohnung müssen Sie zu der im Vertrage angegebenen Zeit MielhS- lustigen zeigen.- P. K. 100. I. Siein. 2. Die Wäsche müssen Sie auf- bewahren. Sie können nur den Schuldner verklagen und dann die Sachen psänden lassen.- A. M. a) Ja. b) Ja.-«. 1. 1. Keine. 2. und 3. daher gegenstandslos.- F. B. 1. Ei» Arzt ist g e s e tz I i ch zur Hilfe- leistung nicht verpflichtet. 2. Sie müßten aus Auszahlung des Abzugs klagen.— W.«ch. Der Standesbeamte ist im Recht.— P. P. 39. Nein. - K. SS. In 30 Jahren.- 2. P. 30. Au das Amtsgericht.— E. K. 99, M. Fg. Ja.- R. F. 100. Sie sind nicht hastbar.- Briefkasten der Exxeditwn. Micsch. Das Inserat kostet 3,60 M. A. K. Uns nicht bekannt. WittcruiigSiibcrsickit boin 30. Jaiinar 1897, - Stationen. Sivinemünde » g 3Ä sa°f i.g.B L eefü ®,2 3« M rs i ii •0 e •5's a.2 litte« 3'S SS «£3. a(2) II W c i.o erlin Wiesbaden. Miinchen, Wien.., Haparanda Petersburg Cork... Aberdecn. Pari?... Wctter-Prognose für Sonntag, de» St'. Januar 15497. Zeitweise heller, vielfach wolkig mit zunächst etwas strengerem, nachher abuehmeiidem Frost und ziemlich frischen südöstlichen Winden; kenie erheblichen Niederschläge. Berliner Wetterb nreau. Folgende Vavteifprditionvn nehmen Abonnements auf den ..Vornrsvks". Freie Stunden, Jacob und Postillon entgegen: BerlUi Tlorter Wahlkreis O.: Robert Wengelö, Fruchtstr. 30, Hof I.-««.: Fritz Thiel, Skalitzcrstr. 35 v. pari.- Sechster Wahlkreis(Koablt): Karl Anders, Salzwedeler- straße 7, pari, im Laden.— Wcddlng und Oranienburger Vorstadt: Emil Stolz enburg, Wiesenstr. 14.— Oesnndhrnanen: Wilh. Gaßmann, Grünthalerstr. 64.— Roscnthaler Vorstadt: Gustav R o sen th a l, Granseerstr. 6.— Schönhauser Vorstadt: Karl Mars, Kastanien-Allee 95/96.— Charlottcnbnrg: Gustav Scharnberg, Pestalozzistr. 27, Quergeb. pari.- Deutsch- Wllnicrs- dorf: Frau Kübler, Sigmaringerstr. 34 und Frau H e i n e m a n n, Sigmaringerstr. 35.(Hier ist auch die„Brandenburgische Bolks-Zeilung" zu erhalten.)— Dixdork: Ost ermann, Jägersir. 70, II.— SchUnc- berg: Wilhelm Bäumler, Belzigerstr. 59, Seitenflügel pari.— Johannlsthal-Sfieder-SchUnewelde: Otto John, Johannisthal, Friedrichftr. 57. Annahmestelle: Nieder-Schöneweide: Karl Weber, Zigarrengeschäst. Außerdem ist sämmtliche Parteiliteratur, sowie alle wissenschaftlichen Werke dort zu haben. Zar pünktlichen Besorgung des „Vorwärts" für den Osten Berlins und der Vororte«mpstehlt sich die Zettungsspedttton von Varl Hohn, Franlfurter Allee 135 », Garderobe für Herren t" u. Damen Spezialttat: Göttin d. Freiheit, roth. Teufel. Große Auswahl. Bereine 20 pCt. 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DM- Die Herren Geistlichen der umliegenden Kirchen und Synagogen, sowie Pfarrer Naumann und B a l t e l i n a sind brieflich hierzu eingeladen. I. A.: Ad. Hoffmanu. Austrittöcrklarungcn sind bei den Konimissionsmitgliedern zu haben und werden aus Wunsch ausgefüllt. 3015b Ad. Hoffmann, Blunienstr. 14; H. Jäusch. Weidenweg 77; E. Lindemann, Moritzsir. 9; F. Buckow, Münchebergerstr. 10; G. Bohne, __ Brunnenstraße 141. ParteigeiWil niiö ßeiioipiiticii in Mittwoch, beu 3. Februar, abends 8 in Zlhrcns Brancrci, Thnrnistraftc: Uhr, Aoje VsW-Vttsllliiinlnng. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Rcichstags-Abgeordneten Genossen Bei»« über:„Der demoralisireude Gegensatz zwischen Reich und Arm. 2. Diskussion. Um zahlreichen Besuch, besonders der Frauen, ersucht 215/10 Die Bcrtrauensperson der Frauen Berlins. Achkuttg! Nrhtnttg! SoLaldeWkratischer Wahlverein im 4.Ver!!ner Reichstags-Wahikreis(Osten). Dienstag, den 2. Februar, abends 8 Uhr, Im Lokale des Herrn Xlcft, Weberstrasse\o. 17: £> e v fa m m l it n g. TageS-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen Rcichstags-Abgeordneten Ben« über: „Arbeit, Bildung und Besitz". 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Um zahlreiches Erscheinen wird gebeten. Gäste haben Zutritt.'Neue Mitglieder werden aufgenommen. 242/12 Her Vorstand. Lerliuer �rbettervertreter-Verem. Dienstag, S. Febr., abends 8V2Uhr, bei Baske, Grenadicrstr. ZZ: äBT* Versammlung."WW Tages-Ordnung: 53/7 1. Fortsetzung des Berichts von der letzten Bersamnilung aus den anit- lichcn Nachrichten(RclurS- und Rcvisionsentscheidungcn). 2. Wichtige Vcr- einsangclcgenheitcn. 3. Verschiedenes. Gäste willloutinen. Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen ersucht Be»- Vorstand. MeVkrklmg.d.Wllikn>sSMMkr Berlins und Umgegend. Dienstag, den 2. Februar 1897, vormittagö ltt>/z Uhr, in Dklel's _ Festsäle», Frankfurtcrstrastc 3(>a: WUT Ausserordentliche General- VevsÄurmlung. Tages-Ordnung: 1. Vortrag. Referent wird in der Versammlung bekannt gemacht. 2. Aendcrung des§ 6 des HauSstatutS. 3. Vereinsaligelegenheiten und Bcrschiedencö. 50/8 Mitgliedskarte und Buch lcgitimiren. Um pünktliches Erscheinen ersucht_ Per Vorstand. Ächtung I Nroletarierfranen und Mädchen. Damen, welche einem größeren Damen- Gesangchor— Uebungs- stunden Montags abends— beitreten wollen, werden gebeten, ihre Adressen oent Gesanglehrcr A. Miesch, Schliemannstr. 9, 3 Tr., umgehend einzu- enden. Monatlicher Beitrag sehr gering.___ 264/11 Ifrlunid der Gramre. Ciskleme nud verw. Bernfsgciiossen Deutschlands«Filiale Berlin I). DM- Dienstag, den 2. Februar 1897, abends 8V2 Uhr, in den„Oranienhallcn«. Oranieustr. öl: Leneral-Versarnrnlung. Tages- Ordnung: 1. Wahl des Verbandsvorstandes und der Kontrollkommission. 2. Wahl des Filinlvorstandes. 3. Wahl der Revisoren, Bibliothekare und anderer Komitees. 4. Vortrag des Herrn Otto Zillier über: Die Zentralorganisation und die Pflichten ihrer Mitglieder. 5. Diskussion. 6. Ver- schicdencs. 74/11 Ernst Brückner. SO., Mariannenplatz 5. Aichkung! K chtnng! Fabrik-, Marbeiter nnb-Arbeiterinnen Berlins. Große öffentliche Versammlung am Montag, den I. Februar er., abends 8�- llhr, im Kolberger Salon, Kolbergerstr. SS. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Rcichstags-Abgeordneten Wurm über:„Die Arbeiter- tänipse der Gegenwart." 2. Dtskulsiotl. 3. Verschiedenes. 64/2 Pflicht aller Fabrik-Hilfsarbeiter und Arbeiterinnen ist es, in dieser Versammlung zu erscheinen.,_ Der Etnberufcr. Achtung, Kürschner! Montag, den 1. Februar 1897, abends 8'Iz Uhr, Grcnadlerstrassc 33: Lessen!!. Veesnnlmlnng nller Arbeiter n. Arbeiterinnen. Tagesordnung: 1. Bericht des Delcgirtcn zur Gewerkschastskonimission und Neuwahl desselben. 2. Bericht der Vertrauenspersonen lind Neuwahl. 3. Verschiedenes. Um zahlreiches Erscheinen ersuchen 93/3 Die Vertrauenspersonen. Friedrichsberg! Dienstag, de» 2. Februar 1897, abends 8'/- Uhr. bei Gpltsle, Frankfurter Allee 193: Große öffentliche Versammlung aller Bauhandwerker und Bauarbeiter. Tages-Ordnung: 1. Vortrag über:„Die Bauspekulation und ihre Folgen für dce Arbeiter". Referent: Genosse Blaaroek. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Zur Deckung der Unkosten wird ein Eintrittsgeld von 10 Pf. erhoben. Zu zahlreichem Bestich ladet ein I3008bs Der Ecnberufer. Achtung! Maurer. Achtung! Dienstag, de» S. Februar, abends 7 Uhr, in M. Cohn's Lokal, Beuthstr. 20: toit jptliijk BttjumlW kt Maurer BttliiiS null»MM»!!. Tages-Ordnung: 1. Bericht der Lohukommission und Neuivahl derselben. 2. Wahl von Beitragssammlern zum Streikfonds. 3. Stellungnahme zu einem neuen Kontrollkarten-Systein. Il.L. In dieser Versammlung liegt die Abrechnung von: 6. Juli 1896 bis 2. Januar 1897 gedmckt vor und wird unentgeltlich an die Kollegen verabfolgt. Die Wichtigkeit der Tagesordnung verpflichtet alle Berliner Maurer, in der Versammlung zu erscheinen. 133/1 Die Lohnkommission der Maurer Berlins und Umgegend. Deutsch. Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Bezirks- Versammlungen: für Wedding und Oranienburger Vorstadt am Dienstag, den 2. Februar, abends 8c/z Uhr, im Colberger Talon, Colbergerstraße 23. Tagesordnung: 1. Vortrag des Reichstags-Abgeordneten Peus. 2. Dis- kussion. 3. Verbandsangelegenheiten. für Vindorf am Dienstag, den 3. Februar er., abends 8Vz Uhr, in den Viktoria- Täten, Hcrmannstr. 49. Tagesordnung: 1. Vortrag des Kollegen H. Cohen über die Lohn- bewegungcn des Jahres 1896 und was lehren uns dieselben. 2. Diskussion. 3. Verbandsangelegenheiten. für Görlitzer Viertel an: Mittwoch, den 3. Februar er., abendS 8'/, Uhr, im Lokale des Herrn Rauteuberg, Oranienstr. 180. Tagesordnung: 1. Vortrag des Herm Dr. Heymann. L.Diskussion. 3. Verbandsangelegenheiten. für Westen und Schöneberg an: Mittwoch, den 3. Februar er., abends 8l/z llhr, bei Obst, Schöneberg, Grnnewakdstr. 110. Tagesordnung: 1. Vortrag dcS Genossen M. G r e in p e über:„Die Sttaverei des Weibes." 2. Diskussion. 3. Verbandsangelegenheiten. Gäste willkommen. Zahlreiches Erscheinen eriviinscht. 114/16 Die Ortsberwaltung. Aliimg! Knmerer. Achtw! Mittwoch, beu 3. Februar 1897, abends 8 Uhr, bei B n s k e, Grenadierstr. 33: Vlatz-DkpMrten-Vkrsammlmig. Die augcnbkilklichcn Verhältnisse in unserem Berufe machen es jedem Einzelnen zur Pflicht, dafür zu sorgen, daß jede Arbeitsstelle in dieser Ver- sammlung vertreten ist. Auch werden in der Versammlung die neuen Quittungskarten ausgestellt. Ble liohnkomniisslon. Arbeiter-Sängerbund Berlins und ITmgcgcnd. IST Achtung!"Wi Den Vereinen zur Kenntniss! Die General- Versammlung findet am(Sonntag, den 7. Mlira, im Saale der Brauerei Friedrichshain statt und bitten wir die eventuell zu stellenden Anträge bis zum 21. Februar beim Vorsitzenden einzureichen. Ber Vorstand. NB. Am 18. März findet ein Liederabend statt und werden die Namen der zur Verloosung kommenden Vereine in der Generalversammlung entgegengenommen._ D. O. Kauhandmerker-Krankenlmffe für Berlin und Umgegend. sElngesekrledene Hilfskasse Xr. 118.) Den Mitgliedern zur Kenntniß, daß in der tieneralversaninilung am 24. Januar die Wahl der auögelovsten Vorstandsmitglieder stattgcsundcn hat und besteht der Vorstand aus folgenden Personen: 1. Vorsitzender: Heinrich Mehle; 2. Vorsitzender: Hermann Jänsch; 1. Kassirer: Wilhelm Knrpe: 2. Kassirer: Albert Schacht; Beisitzer: Paul Tcholh; Wilhelm Roll? Ehristoph Pfister. Das Kassenlokal befindet sich Gypsstr. 16 und ist geöffnet von morgcnS 9 Uhr bis nachmittags 5 Uhr. 261/6 I.A.: Ber Vorstand: Heinrich Metzle, Oderbergerstr. 10. Ferner geben wir bekannt, daß der Ausschuß sich konstituirt und zunl Vor- sitzenden Herrn Karl B l a u r o ck, Gupsstr. 16, gewählt hat._ D. O. Bildungsverein„Mehr Licht" Sonntag� den 31. Januar, abends tt'/a Uhr, Arminhallen, Kommandantenstr. 20, VevlÄtnntlung. Vortrag:„Der geschichtliche Materialismus 5' Reserent Herr Bernstein. Diskussion. Daraus: veLöliiges SeiLSmmevseili und Tanz. Dr. 50/1 Achtung! Kolberger Salon Achtung! Kolbergerstrasse 83. Sonnabend, den 6. Februar 1897: Grober Wiener Maskenball arrangirt voin Gesangverein„Uordwacht� (Mitglied des Arbeitcr-Sängerbundes). Anfang»V, Ihr. Ende??? 65/19_______ Der Vorstand. Achtung! Achtung! Unckiror! Dienstag, den 2. Februar, abends pünktlich 8 Uhr: Versammlung der Elllale IV. im Restaurant Schöning, Köpnickerstr. 68, Hos geradezu. Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn Dr. Wehl: „Der Werth der Verkürzung der Arbeitszeit". 2. Stellungnahme zu dem von der Innung gefaßten Bc- schluß, die zehnstündige Arbeitszeit wieder einzuführen. 3. Verschiedenes. Gäste willkommen.— Zahlreichen Besuch erwartet 124/13 Der Vorstand. Täschner n. Kofferarbeiter Filiale Berlin III. Dienstag, den 2. Februar 1897 Versammlung bei Kintz u. Co., Alte Jakobstr. 83. Tagesordnung: 1. Arbeitslosennnterstützung. 2. Wahl eines Delegirten. 3. Berbandsangetegenheilen. 156/14_ Der Borstand. Nicht übersehen!!! An allen Orten werden solide Personen gjesucht, die sich auf leichte, ehrl. Weise einen grossen Nebenverdienst verschaff, wollen. Fachkenntniss nicht erforderlich. Man schreibe unter A. 8. 99 an Knd. Bosse, Kiil ii a. RCiein. TttMlftlfSV beg. Sonnt. 3 llhr. *-1111)111111 Honorar mäßig. Kellers Säle, Koppenstr. 29. 3017b Sozialdmohratifcher Wahlvereindes weiten Deriiner Wahlhreifes. Am Donnerstag, den 28. Januar, verstarb unser Genosse 23876 ArUr mm an der Proletarierkrankheit. Die Beerdigung findet am Montag, den 1. Februar, nachniittags 2 Uhr, von dem Krankenhause Am Urban nach dem Heiligen Kreuz- Kirchhos in Mariendorf statt. Weiteren Kollegenkreisen zur Nach- richt, daß unser Freund und lang- jährigeS BercinSmitglicd, der TchriMer Arthur Dotep am Donnerstag Abend verstorben ist. Die Beerdigung findet am Montag, nachmittags um 2 Uhr, vom Kranken- Hause Am Urban statt. I. A.: Paul Münnich. Dentsdier Sclmeider- n. Sclineideriimen-Verbaud (Filiale Berlin). Unser Mitglied, Frau Auguste Haus verschied nach längerem Krankenlager am Mittwoch, 27. Januar. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 31. d. M., nach mittags 2 Uhr, vomTrauerhause, Mariannenstr. 13, aus nach dem Thomaskirchhof, Hermannslraße. statt. i 162/0 Die Bevollmächtigte». Zentral-Kranken- und Bcgrübnisskasse d. Sattler aiulBerufsg. Deatschlands „Hoffnung"(E. H. 04). Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Schmied August Hädnch am Freitag, den 29. Januar, vcr- starben ist. Die Beerdigung findet am Montag, den 1. Februar, nachm. 3 Uhr, vom Traucrhause Fcnnstr. 56 aus statt. Um rege Betheilignng ersucht 3025b Die Ortsverwaltung. ( Bitglicder- Verzcichniss der Freien Vereinigung der selbständigen Barbiere, Frisenre Berlins und Umgegend. N. u. NO.: Gust. Grnndcl, Weißenburgcrstr. 40. Alb. Lehman«. Hochuicisterstr. 13. Emil Taalmann, Schönhauser Allee 122. Louis Böhm. Danzigcrstr. 86. Wilh. Göltet. Pappelallee 19. Hugo Hampcl. Schliemannstr. 16. Elias Most. Danzigerstr. 90. Johann Morlack. Kastanienallec 13. Heinrich Hossmann, Marienburger- straße 24. Ad. Leschky, Mütterslr. 12. Otto Tcholz. Mütterslr. 7. Karl.Koppe. Feldstr. 4. Heinrich Borges. Kolbergerstr. 12. Rod. Marx, Weddingstr. 8. Fried. Ermisch, Schulzendorfer- straße 17a. Paul Bojak. Putbuserstr. 47a. Gust. Walter. Ruppincrstr. 19. Hciur.2ch>varz,Swiiiemünderstr.65. Heinr. Hennig. Jnvalidenstr. 150. C.: Herm. Deutschmann. Mulackstr. 5. Alb. Gross. SLemstr. 22. Konrad Tchlonsky. Landsberger Alle« 2. Otto Bergausky, Gubcnerstr. 1. Otto Friedrichs, Langestr. 41. 89.: Alfr. Haase, Mariannenstr. 5. Gust. Kuschte, Skaliycrsir. 18. Fritz Daubert. Skalitzerstr. 69. Ww. Ludwig. Reichcnbcrgerstr. 177. Emil Heitmann, Liegniycrslr. 35. Frledrlelisberg: Bernh.Weissslnck, Wartenbergslr.68. 8el>iineberg: Pank Handke. 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Wie bei allen von Arbeiterorgani- sationen vorgenommenen Erhebungen ist auch hier die Betheilignug nn Verhällniß zur Mitgliederzahl nur eine geringe, jedoch reicht das Ergebniß der Statistik hin, um von de» durchschnittliche» Lohn- und Llrbeitsverhältnisse» der verschiedenen Orte wenigstens annähernd ei» Vild zu gebe». Ueber die Arbeitszeit erfahren wir, daß dieselbe— abgesehen von den durch die kurze» Tage im Winter be- dingten Aendernngen— in Hinsicht ans Beginn und Schluß �hr verschieden ist. Nicht so groß sind die Verschiedenheiten hin- sichtlich der Länge des sommerlichen Arbeitstages, der für das Malergewerbe als Norm gilt. Eine zehn- stündige Arbeitszeit bildet die Regel in 49 Städten, darunter: Barme», Bielefeld, Vranuschiveig, Köln a. Rh., Dresden, Düsseldorf, Frankfurt a. M.. Hannover, Hamburg, Karlsruhe, Lübeck, Magde- bnrg, Mainz, Nürnberg, Rostock, Steltin. 16 Städte, meist in Thüringen und in Schlesien liegend, habe» den elfstündigen Älrbeils- tag. In Danzig, der einzigen Stadt, die in der Statistik das nörd- östliche Deutschland vertritt, rvird 12 Stunden gearbeitet. Eines neunstündigen Arbeitstages erfreuen sich Berlin(mit Charlottcnbnrg, Friedenau und Rixdorf), Bremen, Leipzig, Wandsbeck und die süd- baricrischen Städte Partenkirchen und Rosenheim. Außerdem kommt noch in einzelnen Orten eine 9>/z-, und 10>/e stündige Arbeitszeit vor. U e b e r st u n d e n- und Sonn tagsarbeit wird ans allen Slädlen gemeldet. Sie hält sich zwar meist in bescheideneu Grenzen, erreicht aber auch in manchen Fällen ein sehr hohes Maß. Die Lohnhöhe schwankt sehr bedeutend, sowohl innerhalb jeder einzelnen Stadt, als auch im Vergleich der verschiedenen Städte zu einander. Tie niedrigsten Mininial-Stundenlöhne weisen Goslar uud Gotha mit lö Pf. ans. Daun folgt Haynau in Oberschlesien mit 13, Eberstadt, Kaiserslautern, Görlitz, Mühlhansen i. Th. mit 29 Pf. Minimallohn, der in einer Reihe anderer Städte bis auf 3ö Ps. sieigt, in einzelnen Orten 49 und 4ö Pf. beträgt und die höchste Grenze mit 89 Pf. in Wandsbeck erreicht. Die höchsten sv! a x i m a l l ö h n e kommen vor in Charlottenburg mit 67, Berlin 64, Hamburg und Wandsbek mit 69 Pf. Die niedrigsten Maximal- löhne werden gemeldet aus Mühlhausen i. Th. mit 29, Arnstadt und Haynau mit 39 Pf. Der durchschnittliche Stundenlohn ist im allgemeinen um so höher, je kürzer die Arbeitszeit ist. Er beträgt in den Siädten mit 9 stündiger Arbeitszeit 49—83 Pf., in den Orte», wo 19 Stunden gearbeitet wird, 28—43 Pf. und da, wo die 11 stündige Arbeitszeit herrscht, nur 22— 37 Pf. Entsprechend der Verschiedenheit des Slundenlohnes ist auch der Tagesverdienst sehr verschieden. Er bewegt sich im Sommer durchschnittlich zwischen 2,83 und 4,71 M. Im Winter sinkt er dagegen ans eine durchschnittliche Höhe von 1,83 im niedrigsten und 3,58 M. im höchsten Falle. Die Arbeitslosigkeit erreicht im Winter— der Natur des Maler- gewerbes entsprechend— eine bedeutende Höhe, macht sich aber auch im Sommer in unliebsamer Weise bemerkbar. Von den Einsendern der Fragebogen waren 71,6 pCt. im Laufe des Jahres arbeitslos, 21,3 pCt. gar über 3 Monate. 189—299 arbeitslose Tage im Jahre sind keine Seltenheit, es kommen deren auf den einzelnen durch- fchnitllich im Sommer 29,4, im Winter 63,9 Tage. Angesichts solcher Verhältnisse kann es nicht Wunder nehmen, daß die Familien- vätcr mit ihrem Verdienst die nothwendige» Ausgabe» nicht decken können, sondern— wie aus der Statistik hervorgeht— oft Frauen- und Kinderarbeit in Anspruch genommen werden muß, um Einnahme und Ausgabe im Gleichgewicht zu erhallen. Eine vom Schnhmacher-Fachverci» der Stadt Bern vor- genommene Wohnungs- und WerkstattS-Enquete ergab u. a., daß 72 pCt. dieser Werkstätten zugleich als Schlafzimmer für die Arbeiter diene», während nur in 23 pCt. der Werkstätten nicht geschlafen wird. Tie Entwickeluug der Schweiz zum Jndustriestaate geht ununterbrochen vor sich. Vor dreißig Jahren wurde die Industrie und Gewerbe treibende Bevölkerung noch weit von der Landwirth- schaft überragt. 1879 betrug die landwirlhschaftliche Bevölkerung nur noch 43 pCt., die industrielle dagegen 48 pCt. der Gesammt- heit. Bis zur Zählung von 1338 war diese Entwickeluug so weit fortgeschritten, daß die Landwirthschaft 39, die Industrie 43 pCt. der Bevölkerung umfaßte. Landwirthschaft und Viehzucht überwiegt heule nur- noch in den spärlicher bevölkerten Alpenkantonen, tritt dagegen im Flachlande mehr und mehr zurück. Auch daran ist die Tendenz der Entwickelung zum Jndustriestaate klar zu erkennen, daß die kleine Alpenrepublik innerhalb der letzten fünf Jahre viermal »»John Gsbriel Freitag, 29. Januar 1397. Erste Aufführuiig am Deutschen Theater. Um das neueste Schauspiel Jbsen's brach in diesen Tagen eine Fehde zwischen den beiden nordischen Dichtern Björnson und Ibsen aus. Björnson war aufgebracht«nd wollte wissen, er und seine Familie hätten im gewissen Sinn Ibsen als Modell gestanden und Ibsen hätte die Wahrheit arg karrikirt. Der angegriffene Ibsen entgegnet hierauf aus Christiania, er hätte gewiß nicht an ein be- ftiulintes Vorbild gedacht, als er seinen„Borkman" schrieb. Uns kümmert der häusliche Dichterslreit nichts. Die innere Wahrscheinlichkeit entscheidet für Jbsen's Aussage.„John Gabriel Borkman" ist ein alles Weil, wie schon betont wurde, als im„Vorwärts" eine knappe Analyse des Buches erschien. Nicht brennender Haß, nicht eisrige Polemik treiben den Dichter; das menschliche Individuum, und sei es, wer es sei, verliert vor dem weitsichtigen Ange die wichtige Bedentnug; das Allgemeine an Menschen- schicksalcn beiregt des Dichters beschaulichen Sinn, nicht das Be- sondere; und er symbolisirt den Menschen lieber, als daß er seinen Einzelmeikinalen und bestimmten Eigenthümlichkeiten nach- spürte. So hat Ibsen sicherlich nicht an den bestimmten Björnson gedacht, als er seinen„Borkman" schuf. Das Vnhnenbild, das man am Freitag im Deutschen Theater schauen konnte, lehrt nichts anderes, als die Lektüre des Buches. Ter Inhalt von Jbsen's bitterer Tragikomödie sprengt den Bühnenrahmen. Er ist zu weit, um in die enge Szene gezwängt werden zu können. Der Leser des Buches kann mit dem grübelnden Poeten nachsinnen; in der wortkargen Sprache dieses Poeten gewinnen knappe Andeutungen lebenswahren Sinn; was an sinnlicher Wärme und Fülle fehlt, ergänzt der Nachdenk- liche. Die Bühne aber ist ein harter Gläubiger. Sie verlangt die volle sinnliche Lebenswärme ans der Stelle. Daher kam es, daß dort, wo der Dichter selbst mit heißerer Theilnahme an einem besonderen Menschenschicksal hängt, wo er ein einzelnes Weib mit leidenschaftlichen Akzenten über sein verlorenes Liebes- leben klagen läßt, die Bühnenwirkung so spontan hervorbricht, wie sonst nicht im Stücke. Das ist zum Schluß des zweiten Aktes; und es liegt nicht etwa an unserem Publikum. So war es in Christiania ebenfalls und so in Kopenhagen. Eine Tragikomödie habe ich �Jbsen's„Borkman" genannt. Eine Tragikomödie, etwa in der Bedeutung, wie man von der Tragi- komödie eines Don Qnixote sprechen könnte. Stur daß„Borkman" mehr in düsteren, dunkle» Farbe» geHallen ist. Kein faustisches Ringe» erlebt in John Gabriel Borkman seine Tragödie. Ein phantastischer Mensch mit überheißem Willen zur Macht greift jnit schwachen, menschlichen Häirden nach dem Ueberschwänglichen; ifein ganzes Dasein ist ein Leben der Illusion. Borkman, der Berg- des HMrls" so viel Lebensmittel ein- als ausführte, während an Fabrikaten doppelt so viel hinaus- als hineingingen. Soziale Veltzlspftejge. Vor dem II. Senat des Reichs-Versicherungsamtes wurde dieser Tage ein höchst interessanter Rechtsstreit erledigt. Dem Acker- knecht Tewcs war es von seinem Stiefbruder, bei dem er arbeitete, zur Pflicht gemacht worden, dafür zu sorgen, daß„ans dem Hofe alles in Ordnung sei". Als er nun am 23. Oktober 1394 erfuhr, daß sich drei junge Männer durch das offene Stallfenster mit den melkenden Mägden unterhielten, schritt er dagegen ein und verwies die Pnsseure vom Gehöft. Diese verschwanden aber nicht gleich, worüber Tewes in große Erregung gerielh. Die Folge des mündlichen Streites war eine derbe Schlägerei, bei der T. natürlich unterlag. Der Streit hatte für ihn ein überaus trauriges Ergebniß, eines seiner Beine mußte ihm amputirt werden. Er wandte sich an die westfälische landwirthschastliche Berufs- genossenschast um'eine Unfallrente, wurde aber abgewiesen. Auch das Schiedsgericht erkannte seinen Anspruch nicht an; es führte aus, der Kläger habe nur das ihm zu- stehende Hausrccht ausgeübt, es fehle aber der Zusammenhang zwischen landwirlhschaftlichem Betrieb und Unfall. Das Reichs- Versichernngsaiiit unter dem Vorsitz des Direktors Pfarrius hat nun aber doch dem Kläger nach langer Berathung die Rente zu- gesprochen. Gründe: Als Kläger die drei Männer— Berg- lcute— vom Hofe verwies, habe dies unter anderem auch zum Zwecke gehabt, Störungen bei der landwirthschaftlichen Betriebs- Handlung des Melkens zu verhüten. Wie die sachverständigen Bei- sitzer des Rekursgerichts darlegten, sei die iiimnterbrochene Abwickelung dieses Geschäfts ganz besonders im landwirthschastlichen Interesse gelegen. Kläger habe also im Betriebsinteresse gehandelt. Es frage sich nur, ob er sich nicht durch die Art, wie er die Leute fortwies, außerhalb des Betriebes gesetzt habe. Die Frage sei zu verneinen. Möge selbst der Kläger die fremden Personen in ungestümer Weise, ja unter Anwendung von Schimpfwörtern, wie„Vagabunden" zum Verlassen des Hofes aufgefordert haben, und möge er gar seinem Gebole dadurch Nachdruck zu verschaffen gesucht haben, daß er die Slbflcht gewaltsamer Entfernung bekundete, so habe dieses Vorgehen auch noch im Betriebsinteresse gelegen. Tie Vorsteher von Buchbiudereicu in Drnckerei-Be- trieben betrifft ein Urtheil der Kammer VIII des Gewerbegerichls vom 23. Januar, mit dem dieselben schwerlich einverstanden sein dürften. Der Buchbinder Timm, der sich Werkführer nennt, hatte in der Druckerei von Bänsch die Abtheilung„untcr sich", in welcher alle in einer Druckerei vorkommenden Buchbinderarbeiten gemacht werden. Nachdem er mit 14tägiger Kündigung entlassen worden war, klagte er gegen die Firma auf Zahlung einer Lohnentschädigung und machte geltend, er sei M e i st e r in der Druckerei gewesen und habe gemäß K 133a der Gewerbe-Ordnung Anspruch auf eine sechs- w ö ch e n l l i ch e Kündigniigsfrist. Auch hätte sein Austreten ans dem Betriebe nur für das Ende des Kalenher-Vierteljahres verlaugt werden könne». Hiergegen wandle der Vertreter des Beklagten ein, Timm wäre höchstens Vorarbeiter gewesen, z. B. hätte er auch mit- gearbeitet, nnd er falle wie jeder andere Arbeiter in einem fabriks- mäßigen Betriebe unter die gesetzmäßig vorgeschriebene Arbeits- oidnung. Nach dieser betrage aber die Kündigungsfrist in der Druckerei von Bänsch sogar nur sieben Tage. Der Kläger betonte nunmehr mit großer Bestimmtheit, daß er die Buchbinderei bei Bänsch selbständig geleitet und auch das betreffende Personal, einige Buchbinder nnd eine An- zahl Mädchen, beaussichtigt habe. Er habe die Arbeit ausgegeben und auch Kalkulationen gemacht. Der Vertreter des Beklagten suchte selbstverständlich die Stellung des Klägers aber der Eigenschaften zu eutkleiden, bie seinem Prinzipal hätten Geld kosten können. Ans eine Frage des Vorsitzenden gab Timm dahin Anskunft, daß er einen Wochenlohn von 33 M. bezogen und Ueberstnnden extra be- zahlt bekommen habe. Der Gerichtshof unter dem Vorsitz des Assessors Blankenstein wies die Klage mit folgender Begründung ab: Kläger sei nicht als Werkmeister anzusehen, da er nicht im wesentlichen mit der Aufsicht des betreffenden Personals betraut gewesen sei. Was er als Kalkulationen bezeichne, beschränke sich wohl lediglich auf einige Auskunftsertheilungen, die von ihm, dem Sachverständigen, verlangt wurden.(Woher diese durch das Vort bringe» der Parteien nicht gerechtfertigte Feststellung? Lied.) Iii ihm könne somit nur eine Art Vorarbeiter gesehen werden. Ab- gesehen aber davon sei für das Urtheil maßgebend gewesen, daß z 133a die sechswöchentliche Kündigungsfrist der dort erwähnten Personen unter anderem davon abhängig mache, daß die Leute „gegen feste Bezüge" beschäftigt seien. Kläger habe einen Wochen- mannssohn, träumt davon, daß sein Wille zur Macht die Wünschel- rnlhe sei, die ihm die Erzadern der Berge zeige und öffne, auf daß er sie nutzbar mache für alle Welt; John Gabriel Borkman erträumt sich eine besondere Herrenmission, wie Held Don Qnixote sich seine ritterliche Sendung erträumte; um seiner Herrenilliision willen verräth nnd verschachert er das Theuerste, was er hat, ein geliebtes Mädchen; er steht ja jenseits von Gut und Böse, er ist ein Uebermensch in seiner Illusion. Je hitziger sein phantastisches Sehnen wird, um so öder und leerer wird es in Borkmau's Brust. Aber er übertäubt die innere Oede, selbst als er kläglichen Schiffbruch gelitten. Im Gefängniß noch hält ihn die Lebenslüge, in die er sich hineingesponnen, aufrecht. Und als sein gebrochener Geist wirr zu schwärmen beginnt, da klainmert sich John Gabriel Borkman noch an seine Illusion, wie ein Ertrinkender an einen Strohhalm. Menschenscheu und einsam haust er, der„krauke Wols", in seinem Zimmer; nur einen Gefährten duldet er um sich, den allen Schreiber Foldal, dessen Jammer- leben gleichfalls nur durch eine Illusion erträglich, die Illusion, in ihm stecke etwas vom verkannten Dichtergenie. Wie die beiden sich mit einander vertragen, so lauge sie gegen- seilig ihre Lebenslügen schonen, wie sie einander brauchen, und sich doch durchschaue», wie sie anseinanderfallen, nachdem sie sich in der Erregung die Wahrheit bekannt hatten, das gehört zu den tragikomischen Einfällen von so grausiger Ironie, wie wir sie nicht allzu viele in der Weltliteratur haben. Auf der Bühne verblassen diese Szenen vor den blutwärmere», in denen Borkman'sJugendgeliebte zur wuchtigen Anklägerin wird. JohniGabriel Borkman hört die Anklage; aber sie kann keinen Widerhall in seiner Seele finden. Denn sein Geist ist zerstört. Und wieder ein Zug von grausig- ironischer Menschenbeobachtung: John Gabriel Borkman spricht sich selber frei. Er ist frei von Schuld an dem, was er über die Geliebte, über Weib und Kind gebracht hat. In seiner Manie weiß er nur eine große Sünde: Er hat zu arbeilen versäumt, Tag und Nacht zu arbeiten versäumt, um das„siegende Erz", das Gold in den Bergen wieder unter seine Macht zu zwingen. Er hätte ja einst schon fein Ziel erreicht, so redet er sich vor, und wäre der Finanzkönig im Lande geworden, wenn sein eigener Freund nicht ihm voreilig in den Stücken gefallen wäre und ihn in Schande gestoßen hätte. Und so baut John Gabriel's kranker Sinn Illusion um Illusion auf. Die letzte noch ist die: Sein Sohn soll ihm Stütze und Mitarbeiter werden, dieser Sohn, um den zugleich drei Frauen kämpfen. Die eigene Mutter, die ans ihn ihren Lebenswahn baut und ihn zur Mission erziehen will, des Vaters Schuld zu sühnen, deren Zwillingsschwester, seine Pflegemutter, die an ihm mit der Liebe der Frauen hängt, die um ihr Liebes- «»recht betrogen wurden; und Erhard in seiner Jngendfrische nnd seiner Jiigendselbsisucht ergiebt sich dem dritten Weib, SDMlllS. BI. Itnut 1897, lohn erhalten und jede Mehrarbeit, die Ueberstiinden, besonders bezahlt bekommen; hierin könne man einen„festen Bezug" nicht sehen. Die Arbeitsordnung galt auch für ihn. Eine ausgeglichene Beleidigung. Gegen die Lohn» entschädigungsklage der Stepperin W. wandte Herr Rose, stiller Theilhaber der beklagten Firma Ehrmann u. Sußmann ein, er sei grob beleidigt worden von der Klägerin und hätte diese mit recht entlassen. Es handelte sich uni die Worte: es wäre ja stadtbekannt, daß er seine Leute, hauptsächlich die in Lohn arbeiteten, schinde. Die Klägerin glaubte, im Laufe der Verhandlung Herrn Rose ein Führuugsattest ausstellen zu muffen. Trotzdem er verheiralhet sei, habe er ihr— so erzählte sie— nachgestellt und sie mehrfach nach Hause begleitet. Auch sei er zu ihr in den Arbeitsraum, worin sie alleiii gewesen sei, zu Besuch gekommen und habe sie geküßt. Sie hielt Rose, der alles bestritt, persönlich vor, daß er sich doch er- innern müsse, zu ihr gesagt zu haben:„Sieh mal einer an, die Kröte wird roth, wie'ne Jungfer, wenn man ihr einen Kuß giebt." Auch auf der Treppe habe er sie geküßt. Der Herr Vertreter spielte mit ziemlichem Geschick den Entrüsteten, nichts wollte er gethan haben. Er wollte beweisen, daß er nie Sittlichkeitsattentate verübt habe, wie er es nannte. In furchtbarer Erregung sprach er fortwährend von„Lügen",„frech gelogen",„raffinirt erlogen" u. s. w., so daß dem Vorsitzenden der Kammer I des Gewerbegerichts, vor der verhandelt wurde. endlich die Geduld riß. Assessor T e ch o w verwarnte ihn, sich nicht weiter ungebührlich zu benehmen. Der Zurechtgewiesene erklärte hieraus in seiner Wuth, er könne sich nicht helfen und wenn er noch einen Ordnungsrus erhalte. Und wirklich, er konnte sich nicht helfen; so half denn auf weitere derbe Ausdrücke der Gerichtshof mit einer Geldstrafe von 19 Mark nach.— Die Klägerin gab noch an, Rose habe ihr versprochen, für sie ein neues Kleid aus England schicken zu lassen; einige Geschenke hätte er ihr schon gemacht.— Ueber den Wortlaut der angeblichen Beleidigung brachte die Vcr- Handlung nicht volle Klarheit, es wurde aber festgestellt, daß Rose nach der Entlassung die Klägerin gepackt und sie gewaltsam zur Thür hinaus geschoben habe. Der Gerichtshof nahm an, daß hierin auf jeden Fall eine grobe Beleidigung zu finden sei und daß sich, wenn man eine Beleidigung Rose's durch die Klägerin annehme, beide Beleidigungen gegenseitig aufhöben. Demzufolge fiele der geltend gemachte Entlassungsgrund fort. Die beklagte Firma wurde zur Zahlung der beanspruchten 49 Mark verurtheilt. Besuchszeit verschiedener Museen und sonstiger SelieuSwürdigreiteu. Alles und N e u e s M u s e n m am Lustgarten. Besuchszeit täglich, mit Ausnahme des Montags in den« Wtiitermonaten von io— S Uhr, In den 6 Sommermonaten von 3—3 Uhr: Sonntags iml April— September 12 bis 6 Uhr, Ottober und März 12—5 Uhr, November und Februar 12— t Uhr, Tezember und Januar 12— z Uhr(Unentgeltlich).— Die National- g a l l e r i e in der Museumsstrahe. Besuchszeit Wochentags von io— S Uhr (Montags aus aenom inen). Sonntags Im April— September von 12 bis o Uhr, im März und Oktober 12—5 Uhr, Februar und November 12—« Uhr, Januar und Dezember 12—2 Uhr(Unentgeltlich).— Kunstgewerbe- Museum ,i Prinz Albrechtstr. 7. Weössnet an den Wochenlagen(Montags ausgenommen) im Sommer von s— s Uhr, im Winter von io— ti Uhr, Sonntags, April— September 001112—6 Uhr, Oktober und März 12—5 Uhr, November und Februar 12—« Uhr, Dezember und. Januar 12—2 Uhr(Unent- geltlich).— Museum für Bolkerkunde, Könlggräherstr. 120. Besuchs- zeit wie im Kunstgewcrbe-Museum(Uiientgeltlich).— H y gl e n e-W u f eu m, Klostersir. 25. Besuchszeit Sonntags wie. im Kunstaewerve-Museum. Außer- dem Dienstags und Freitags von 10—2 Uhr(Unentgeltlich).— Museum für Naturkunde, Jnvalidenstr.«2. Besuchszeit Sonntags wie im Kunst- peiverbe-Museum. Außerdem Montags nnd Sonnabends von il— 2 Uhr.— Museum für deutsche B 0 l k s I ra ch l e II und t! rzeu g II is s e des Hausgewerbes, Klosterstr. 26. Jeden Tag mit Ausnahme des Mittwochs von Ii— 2 Uhr geostnek. EtiitrtltSgeld: Erwachsene 50 Ps., Kinder 25 Ps., Vereine Sonntags 10 Pf.— R e i ch s p 0 st- Mu s eu III, Leipjigerstr. 15.(80- vfsnet Sonntags 12—2 Uhr, Montags, Dienstags, Donnerstags, Freitags von Ii— 2 Uhr(Unenlgellltch).— RathhauS, Köntgstraße. tSeöffnet täglich außer Tonnerstan und Freitag von 11—2 Uhr.(Unentgeltlich). Aus- sichlSthurm(Eintrittspreis 20 Pf.).— Kunstausstellung des Vereins Berliner Künstler, Wilhelmstr.»2. Sonntags II— 2 Uhr, Wochentags 10 bis« Uhr. 50 Pfennig Eniree.— Sternw arte, Emre- plag sa. Mittwochs und Sonnabends von» bis 11 Uhr BormitlagS.— Urania, WissenschaftlicheZ Theatsr. Sternwarle. Juvaltdenstraße 57—22 und Taubeustr.«s is. Geöffnet von 6 Uhr Nachmittags bis 10% Uhr Abend», Eniree 60 Pf. Zuschlag für Theater von 50 Ps. bis 5 M.— Aquarium: Schadowstr. 1«. Geöffnet von 0— 6 Uhr. Sntree Sonntags 50 Pf., an jedem letzten Sonntag im Monat 25 Pf.— Eastan's Panoptikum, Friedrich- straße. Geöffnet 10— lv Uhr. EinirittsprsiS so Ps.— Passage-Panoptikum 10 10 Uhr. Eintrittspreis 50 Pf.— M a r t ne- Pa 11 0 r am a, Am Lehrter Bahnhof. Sonntags von»—« Uhr. Sntree 60 Pf.— K a I s e r- P a n 0 r a m a, Passage(Unter den Linden). G-östnet von» Uhr Morgens bis io Uhr Abends. 000 verschiedene Reisen, Laiidschaftsbilder. Jede Reise 20 Pf.— Zoolo- gtscher Garten, Lützowufer. Sonntags so Pf.— Borftg'Z Garten mit Palme n ha uS,«It-Moabil ss/ss. SiniriltspreiS so Pf.— O effent- l t ch e Lese h a l l« der Deutschen Gesellschaft für Ethische Kultur, Neue Schönhauserstr. 12. Unentgeltlich geöffnet am Werltag abend« von 0 bis 10 Uhr, Sonntag sjj— I vorm., s-10 abends.— Städtische Lese» Halle, Mohrenstr.«i, geöffnet Wochentags abend« von 0—0 Uhr und Sonn- tags von 11 biS 2 Uhr. einer erfahrenen Kokette. So ist es Nacht geworden im Hause Borktiian, und alle Lichter sind verlöscht. Johu Gabriel Borkman taumelt im letzten Fieber noch einmal aufwärts in die Berge, die ihn gelockt und verführt haben. Dort greift eine eisige, eine Hand von Erz an seine müde Brust; dort haucht er seine Seele aus. Nur Ella war ihm gefolgt, die Berrathene, deren Liebe nicht zu tödteu war. Sie erweist ihm den letzten Liebesdienst; mid an der Leiche John Gabriel's reichen sich die feindlichen Zwillingsschwestern, Borkmau's Gattin und Ella die Hand:„Zwei Schatten über einem Tobten." Tragikomödieu vom Schlage der neueste» Dichtung Jbsen's geben auch der Darstellung Ausgaben, die nicht recht zu lösen sind. Das Fleischliche, so zu sagen, an den Gestalten schwindet; die Figuren werden zu Trägern symbolischer Vorstellungen. Danach kann keine schauspielerische Verkörperung die Ge- dankenarbeit ersetzen, der der Leser sich hingeben darf. Will man diese Einschränkung gelten lassen, dann bestand das Deutsche Theater mit großen Ehren, an ihnen hat Fräulein Else Lehmann den Hauptantheil. Freilich gab sie die Partie, die vom Dichter am wärmsten behandelt wurde, die Ella. Herr Nissen faßte sehr klug uud wirksam John Gabriel Borkman von vornherein als schwer psychopathisch, seelenzerrüttet. So weit Frau v.Pölluitz (Frau Borkman) starrer Härte fähig ist, überwand sie ihr weiches Naturell. Nicht voll traf Herr Reinhard(Foldal) Jbsen's Humor; doch war es immerhin eine beachtenswerthe Studie. Frisch und lebendig fügten sich in kleineren lliollen Herr Rittner und Frau S a n d 0 w ins Ensemble ein.— Eingelaiifeiie Druckschriften. „Soziale pra»l«, Zentraldlali für Sozialpolittk".(Berlin, Carl Heymann'« Beilag) enthäll In Ihrer neuesten Nr. is folgenden leitenden Aussatz: Gestnde- märkte. Bon 0r. jur. M. Quarck.— Interkantonaler Berband für Natural- verpstegung armer Reisender In der Schweiz.— Kommunale Markthallen mit amtlichen EngroS- Verkäufern In Budapest.— GaSpoliilk In Magdeburg.— 1 Städtische NolhstandS-Arbetlen.- Hausbesitzer- Prozesse wegen Gemeinde- Abgaben. Ausführung di!S preußischen Kommunalabaaben-Geseyes.— Badiicher Städtetag.— Preußische Einkommen- und«ermögenSsteuer-Slatlstlk 1805/36 und 1866/07.— Die Tarispolitlk der französtschen Eisenbahnen. Bon Eisenbahn- direktor O. de Terra.— Gewerkverein englischer ftrankenpstegerinnen.— Eintreten italienischer Baumwoll-Jndustrieller für Abschaffung der Nachtarbeit.— Berein für Bersicherung gegen ArbeitSlostakeit In Köln.— Ergebnisse de« Sparverein« für Konfirmanden in Braunschweig.— Die Armenstatisttk 6-c- deulschen Großstädte 1896. Von Dr. H. Rettich.— Aerztliche Wohnung«-/ Inspektoren in Mainz.— Vorschläge zu Gesetzentwürfen gegen den Bauschwindel in Preußen.— Guiachten der Hamburger Sewerbekammer über den Bau- schwtndel.— Slalistik europäischer«rüppelhetme.— Zusammenarbeiten der Landes- und Bolksbibliothek in Graz. Die Uoiursteilmetstode bei liieren- lind Kiafenleideu(Darnbeschwerben) von Dr. Carl Reiß. Berlin. Verlag Hugo Steinitz. Allerlei Kiiri«»il( 100 amüsante Salonscherze auf wissenschaftlicher Grundlage, für Groß und Klein von Dr. Heinr.«übe.«erlag Hugo Steinitz, Berlin LVV. Prozeß Mitte-Slöii,,». Bericht über die Verhandlung vor dem königk. Schössen» gerichi zu Berlin am 12. November 189«. Herausgegeben von« a r I W i 1 t e. Verlag von F. Fontane u. Co., Berlin W, Ol Mr den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keiuerlei Verantwortung. �lze�tev. Sonntag, Li. Januar. Opernhaus. Und ine. Morgen: Carmen. Schauspielhans. Die Zeisige. Morgen: Zeisige. Neues Opern(Kroll). Das Leben eilt Traum. Schiller. Der Schicrlinq. Nachm. 3 Uhr; Die Stühen der Gesellschaft. Morgen: Ein Volksfeind. Deutsches. John Gabriel Borkman. Nachm. V-3 Uhr: Die Wildente. Morgen: Die versunkene Glocke. Berliner. Kaiser Heinrich. Nachm. VP Uhr: König Heinrich. Morgen: Rena.isso.nos. Lessing. Vor der Ehe. Nachm. 3 Uhr: Das Glück im Winkel. Morgen: Marcelle. Westen. Unsere Frauen. Nachmittags 3 Uhr: Treue. Morgen: Unsere Frauen. NeueS. Mareelle. Morgen: Marcclle. Residenz. Die Frauenjager. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Unter den Linden. Flotte Bursche. Rund um Wien. Nachm. 4 Uhr: Der Obersteiger. Morgen: Flotte Bursche. Rundum Wien. Zentral. Eine tolle Nacht. Morgen: Frau Lieutenant. Friedrich-Wilhelmstädtisches.Dorf und Stadt. Nachm. 3 Uhr: Die Waise von Lowovd. Thalia. Frau Lieutenant. Nachmittags 3 Uhr: Trilby. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Rlexanderplah. Eine pikante Ehe. Nachmittags 4 Uhr: Aschenbrödel. Morgen: Eine pikante Ehe. Ostend. Der Walzerkönig. Nachmittags 3 Uhr: Der deutsche Michel. Morgen: Die Stunde der Ver- suchung. Parodie. Genovesa. Volks. Robert und Bertram. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Passage-Panoptiknin. Traumbilder. Spezialitäten. Slpollo. Spezialitäten. Velle-Alliance-Theater Nolks-Vorstellnna unter Regie von.IiiUii» Türk. Sonntag, den 31. Januar, nachmittags 3 Uhr: Auf vielfaches Verlangen: Don Carlos. Eintrittskarten a 60 Pf. sind in den bekannten Zahlstellen zu haben. Schillov-Ttzenkev /z Uhr. Nachmitt. 3 Uhr: Der deutsche Michel. Halbe Preise.— Montag: 1. Volksvorstellnng. Kleine Preise: Die Stunde der Versuchung. Anfang Uhr. Thalia-Theater. (vormals Adolph Ernst- Theater). Nachmittags 3 Uhr bei ermäßigten Preisen: Trilby. Drama in 5 Akten nach dem Roman des George Maurier von G. Olonkowsky. Abends 7-/, Uhr: »Frau Lieutenant." Vaudeville in drei Alten voll Paul Ferrier und Antony Marö. Deutsch von Hermann Hirschel. Musik von G. Serpette und Ä. Roger. Morgen und folgende Tage:„Frau Lieutenant." Volks- Theater 3t Reichenbergerstr. 34 nahe dem Kottbuser Thor. Sonntag, Montag u. Dienstag die letzten 3 Borstellungen von Robert Nh Bertram. Sonntag, vorher zum 1. Male: Flitterwochen. Schwank in 1 Akt von F. Waldau. Mittwoch, den 3. Februar: Zum 1. Male: Vm Stufe zu Stufe. Lebensbild mit Gesang von Dr. Hugo Müller. Anfang: Woche 8 Uhr. „ Sonntags 7 Uhr. Concoi'liis Variete- Theater Itrunnenstr. 154. Täglich: Grossse Theater- und Spezialitäten-VorstellDne. Das beste Prograiiiin d. Nordens. U. a. Geschw. C a r r o, brillante Doppel- Jongleure. Mira Borrmann, die fesche Soubr. Otto Buddel, gefällt nach wie vor. Neu einsttldirt: Bombe» und Granaten. Posse. Anfang Wochentags?:/, Uhr. Sonntags 6 Uhr. Umtausch- Billets haben Giltigkcit. Feen-Palast, Direktion Winkler& Eriibcl. -Vur noch bis Sonntag das riescnhaste Jammr-Programm Sonntag letztes Auftreten des ge- sammten so erfolgreichen lKünsstler-EerHonal«. Anfang 71/2 Uhr, Sonntags 6 Uhr. Entree 30 Pf. Nescrvirt 50 Pf. Am 1. Februar durchweg neue ZmillMiiten. Circns Renz KarlntrasiHC. (Jubiläums- Saison 189« 97.) Sonntag, den 31. Januar 1897: 2 gr. VorstelluilM 2 Nachmittags 4 Uhr: Er in ästigte Preise und 1 Kind unter 10 Jahren frei.) Aufführung des großen militärische» ZlttSstattungSstiickes smr isro/w. Abends 7V, Uhr; A u f f ü h r u n g der Novität! Durchschlagender Erfolg! Aug drr Mappe eines Rieseilgedirgg-Phlültastett. Eine romantisch- phantastische Handlung. Von Direttor Frau» lleuz und dem großherzoglich hessi- scheu Hosballetmeister Aug. Siems. Komische Szenen! Gebirgsepi- soden! Hochinteressant. Schlitten- Korso auf die steile» Anhöhen! Stauncnerregende Ausfahrt eines dahinjageude» Viereramgeü«, der mit Blitzesschnelle den über vierzig Fust hohen Berg erreicht. (Erregt jedesmal die g r ö ß t e S e n- s a t i o n!) Höchster Triumph der heutigen Eircuskunst! Naturgetreu« Hörnerschlittenfahrt im Niesen- gebirge. Im Reiche des Geistes- fnrsten. Zauberisches Ballet. Montag, de» 1. Februar 1897, Abends 71/. Uhr: Ans der Mappe eines Riesengebirgö- Phantasten. Cireus Busch. llahnhof Börne. Sonntag, den 31. Januar: 2 große Borstellungen Nachmittags 4 Uhr: (1 Ktnd nuter 10 Jahren frei): iLebeus. das Waldaiädlhen. Schwinnnende Elefanten, schwimmende Pferde nut Reitern. Außerdem Vorführen und Reiten der bestdressirten Freihcits- u. Schul- pferde. 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Dienstag bei Hansel, Brunnenstr. 173: Vortrag des Herrn Winkler:„Tolstoi'4. 204/12 Gäste willkommen. Der Vorstand. Freie Kranken- u. Begräbnisskasse der Schuhinaher und Berufspnossen Berlins. (E. H. 37.) Sonntag. 7. Februar, im„Königstadt- Kasino", Holzmarktstr. 73: Kr. Wiener Masken-Ball. Anfang abends 7 Uhr. Entree 50 Pf. Billets sind bei Herrn Schulze. Leipzigerslr. 41-, Hollweg. Lützow- straße 93; Ege. Roßstt. 12; K. Lange, Dragonerstr. 15, zu haben.(264/13 Achtung, Schuhmacher! Sonnabend, den 13. Februar, i>» Cohn's Festsälen, Beuthstr. 30: Grosser Wiener Maskenbali arrangirt vom Uerein deutscher Schuhmacher. UiWWMtS Anfang 8(Ihr. HBUBBl Billets st 50 Pf. sind zu haben bei Willner, Ransel und Köpnik, Schillingstraße, bei Späth, Weinstraße, und bei Cohn. 185/4 Um zahlreichen Besuch bittet_ Das Komitee. iV 12 Met für 12 f. 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Dieses duroh seine wirksame Elgensohaften bekannte Kraut gedeiht in einzelnen Olstrloten Busslands, wo es eine Höhe ble zu t Meter erreicht, nicht zu verweohteln mit dem in Deutschland wachsenden Knöterich. Wer daher an Phthlsis, Lufträhreii-(Hrunchial-) Katarrh, LauyeaspUtvn-Aff'ec- tiunen, Kehlkopfleiden, Asthttia, Athetnnulh, JtjitHtbr.kleviniang, Hustsn, Heiserkeit, Bluthusten etc. ctc. leidet, namentlich aber derjenige, weloher den Keim zur LunyruschtrintUucM Insich vermutet, verlange u. bereite eich denAbtud diesesKräuter- thect, welcher echt In Paokoten 4 1 Mark bei Erust kVeldeinann, l.tebeuburs r. Hara, erhlltlleh Ist. Bro ohuren mit ärztlichen Aeusserungen und Atteeten gratis. Depot für Herlin hl. bei H. luibowsky, Deinmiaerstr. 5. „.. C.„ Alb. Tanabttuscr Nachfolger, Breitcstrassc 18. J. 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Trotz unseren ohnedies sehr billigen Preisen haben wir dieselben noch bedeutend herabgesetzt ! nnd liegt es im Interesse des kaufenden Publikums, von der Offerte den ousgiebigsten Gebrauch zu machen. Eine so günstige Gelegenheit zu io vorthetihaftem Einkauf dürfte sich wohl kaum wiederholen. Mfrtei'-Nfrtlrts 10'»s, 20, 25, 3« M. prima. öhenzoIlern-Mi&ntel, schwarz u. grau 18. 26, 25-36 M. tislifiet- iinll ItocMn?iij)e 12 m 27»». prima. Gesellschafts- und Bräutigarns-Anzuge 20-35*». - 8to«II.PüskUWö-»-Kl>Hnsts den ich mtr meinen werthen Freunden> Gönnern und Kunden des Westens dnnde, veranlagte mich, auf viel IlwSfache Wünsche meiner werthen Freunde Gönner und Kunden des Ostens n an cn a t M Aliktlis- 1 ßeftoit fc. ZI. Ncbcrzeuftt, daß mir meine werthen Freunde des Lstens ebenso | auch Pionier-Dienste leisten werden wie die des Westens, werde ich i nicht ermüden, trotz boshafter Anfeinduiiae» einer unsaubercu Co»- eurrenz, nach wie vorreformatorisch auf dein Gebiete der Fußbekleidung und auf dem Cigarrenmarkt wie bisher so auch weiter zu wirken; hierbei fällt mir ein Epigramm„Serder's" ein, welches ich dem freundlichen Leser nicht vorenthalten will: Und(iräml Dich,®Mer,»och(in Wort HoSbofKc Stcidgdcllrn Y Der hohe Mond, er leuchtet dort, Und ISHt die Hunde bellen, Und schweig«— und wandelt ruhig fort Was Stach« ist, aufjnhellcn. Der freundliche Leser vergleiche die hiesigen Cigarren-Verhältnisse von 1377 mit 1897, ebenso die Fußbekleidungs-Verhältnisse von 1889 mit 1897— und ohne anmaßend zu sein, kann ich behaupten, daß die � jetzigen, für das kaufende Publikum günstigeren Verhältnisse die Früchte meines einschneidenden Wirkens aus diesen Gebieten sind. Ei» Lager- Schnhwaaren, cä miä" 3. Mal- Berlin gtWt» ms, unier Garantie für beste Haltbarkeit durch Garantiescheine, Von dem Anspruch nuf Entschädigung b"'��chuhw�nr�n''�' bitte den ausgiebigsten Gebrauch zu macheu. MST Bei etwaiger Unzufriedenheit ist weiter kein Wort zu vcrlicrcu nöthig, sondern nur______„,, Vorlegung oder Einsendung des Reclamationsjcheines.— Jede Reclamation ist mir willkommen j Leder.— Auf die Haltbarkeit übt die Einlage keinen Einfluß aus. und wird über jedes Erwarten des Käufers zur größten Zufriedenheit erledigt.— Die mit einem * bezeichneten Artikel sind ausnahmsweise theils mit Factiszuthaten in der Einlage hergestellt, da sie sonst ihren Zweck— sehr leicht zu sein— nicht erfüllen. Die Anschauung, daß eme Spaneinlage zwischen Sohle und Brandsohle minderwerthig sei, ist eine irrige.— Die Spaneinlage ist um mehr als das Dreifache theurer als das Leder, welches man hierfür zu verwenden pflegt.— j Spaneinlage ist nicht nur leichter, sondern auch in sanitärer Hinsicht mehr zu empfehlen als 40000 Pm Schehe 11. Stichl 25 bis SB'l.lo Wijtt bester Fobrikate, die durch ihre ielfeitigtei«, Eleganz und Siccllität den Aipfel der Voll- tomuienhcit erreichen, zum The» Verkausöbcdingnngeu: Gegen Nachnahme oder vorherige Einsendung des Betrages. Porto trägt der Besteller. Von 15 Mk. an versende franco auf meine Kosten, sich auf diese Zeitung bezieht.— Nichtconvenirendes bitte mir im Originalzustand zurückzusenden, und empfängt der Besteller alsdann sofort sei» Geld zurück. durch Versenken eines genau passenden Stabes in den getragenen Stiefel festzustellen und in Centimetern anzugeben, und ob Spann hoch oder niedrig. Für Gummischuhe. besten Fabrikaten gehörend, übernehme keine Garantie. wie ich solche in der billißsten Lcdercon junciur vertonst«. wenn Käufer Das Maß bitte obgleich zu den Herren- Fußbekleidung! ... Besatz. Halbscliulic, von Roßleder mit Gummizug. Zierlicher Knopi- besag und Corvelkappcn. derbe SIrapajirichuhe mit solider genageiier Sohle, hohem oder nicdrigein Ablah..... Nie. 4,50. Besatz-Halbuchulie von feinen! prima Rohicdcr znni Schnüre» oder mit Gummizug mit durchlochten Zicrtavpen und Kuopsbesatz. Sauber aus Raud genäht, tadelloser Sifc....... Mk. 6,5«. Glatte KosHloder-Zugutlcrel mit reinen Lederzuthaten, streng solide genagelte Sohlen, niedrige oder hohe Absähe früher Mk. ö�o jeht Mk 4,75 Dieselben in noch eleganterer Ausjührung mit Besah, Cordelkapveu und Kuopsoerzierung......... Mk. 5.S5 Dieselben mit glattem Oberleder, leichtere AuSkührnng, mit genähter Sohle und maikirtem gelben Rand, beste Haltbarkeit.. Mk. 5,5«. Dieselben mit Besah. Cordelfappe. 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Ucber Kaiserthum und Sozialismus sprach Pfarrer N a u- mau» ai» Freitag im Keller'schen Saale vor einer von»lehr als 2000 Personen besnchten Versammlung, in der auch einige hundert Anhänger der Sozialdemokratie anwesend sein mochten. Daß das Kaiserthum mit dem Sozialismus zusammengehe» könne, ist nach Ansicht des Referenten gegenwärtig nicht möglich, jedoch hält er ein solches Zusammengehen in der Zukunft nicht nur für möglich, sondern auch für wünschenswerth. Er beruft sich darauf, daß, wie Auer am ö. September 1895 in seiner Sedanrede gesagt habe, die Arbeiter in den 80 er Jahren noch königstren waren, und daß anch Lassalle, dem ein soziales Königthum vorschwebte, i» seinen sozialen Bestrebungen durchaus national war. Wenn die Arbeiter einst königstreu und national waren, so könne auch eine Zeit komme», wo das Kaiserthum sich den sozialen Bestrebungen nähere. Die kaiserlichen Erlasse von 1890 hatten die Hoffnung auf Verwirklichung des sozialen Königthums erweckt. Der Redner hält es für glaubwürdig, daß der Kaiser, trotz seiner Stellungnahme gegenüber den verschiedenen sozialen Parteien und trotz seiner bekannten Aeußcrnng über den Hamburger Streik immer noch auf dem Boden der Erlasse von 1390 stehe. Die Sozialdemokratie werde zwar ihren prinzipiell ablehnen- den Standpunkt gegen die Monarchie nicht aufgeben, sie könne aber wie sie dies schon öfter gelhan habe— einen durch die geschicht- liche Entivickelung überholten Gedanken zurückstellen. Wenn die sozialistische Bewegung noch mehr Zuwachs aus de» gebildeten Kreisen erhalte— und das sei nur möglich, wenn sie auf nationaler Grundlage beruhe— dann werde das Kaiserthum, gezwungen durch die Entivickelung der Verhältnisse, auf diese Be- wrgung Rücksicht nehmen müssen. Das herbeiführen zu helfen, sei das Ziel der National- Sozialen.(Lebhafter Beifall.) Als erster Diskussionsredner trat Waldeck-Ma nasse auf. Er wollte— wie er sagte— die Antwort geben, welche die Sozial- demokratie auf die Slusfiihrungen des Referenten zu ertheilen hat. Man kann nun nicht sagen, daß er das mit besonderem Glück ge- than hätte. Zwar krilisirle er unter lebhafter Zustimmung eines Theils der Versammlung mancherlei Mißstände unseres öffentlichen Lebens, ohne indeß auf den Kernpunkt der Naumann'schen Rede einzugehen. Frau Kühn und Engler sprachen gleichfalls im sozialdemokratischen Sinne. Schließlich vertrat ein Herr v. U bisch einen spießbürgerlich-reaklionären Standpunkt. Er tadelte die Unter- zcichner des sogenannten Prosessorenaufrnfs zu gunsten des Hain- biirger Streiks und bezeichnete letzteren unter großem Unwillen der Versammlung als einen frivolen und unberechtigten. In seinem Schlußwort fertigte Pfarrer N a u m a n n den letzten Redner treffend ab und ging auf die Ausführungen der übrige» Redner von seinem Standpunkt ein. Auf eine» Antrag, den Ueberschuß der Tellersainmlung de» Hamburger Streikenden zu überweisen, erwiderte der Vorsitzende Herr v. Gerlach, daß dies auch ohnedem ge- schehen wäre. Ter Fachverciu der Klempner verhandelte am 22. Januar über die Auflösung der Organisation. Es wnrde beschlossen, in einer außerordentliche» Generalversammlung die Angelegenheil zur Entscheidung zu bringen. Sodann wurden den Hafenarbeitern 30 M., den Schuhmachern in Weißenfels 20 M. und den Lübecker Metall- arbeiteru 20 M. Unterstützung überwiesen. Zentralverbaud der Töpfer(Filiale Berlin). Die Mitglieder- Versammlung am 24. Januar nahm folgende Abrechnung vom 4. Quartal 1896 entgegen: Einnahme 269,70 M., an die Haupt- lasse 1ö0 M., örtliche Ausgaben 55,05 M., Kassenbestand für das nächste Quartal 64,65 M.; die Jahreseinnahme betrug 982,32 M., an die Hanptkaffe wurden überwiesen 760 M. und für örtliche Aus- gaben 157,67 M. verwandt. Hierauf wurde die Einführung der Arbeits- losen- Unterstützung von dein Mitglied Böhme eingehend erläutert. Manthe, Greier und Haberkorn sprachen dagegen. Nach ihrer Ansicht hätte man vor Jahre», als eine bessere Geschäftskonjunktur vorhanden war, zu einer derartigen Einrichtung Stellung nehmen solle». Unter den heutigen Verhältnissen sei es schwer, den Kollegen noch mit einer derartigen Extrastreuer zn kommen. K a u l i ch und I a c o b e y sind der Meinung, daß trotzdem ein Versuch gemacht werden könne, die Arbeitslosen-Unterftützung einzuführen. Schließlich wurde eine Kommission gewählt, die sich mit der Angelegenheit zn beschästigen hat. Sodann forderte Böhme die Arbeitslosen auf, niindestenö einmal in der Woche sich im Arbeitsnachweis zu melden, damit man eine Uebersicht habe, wieviel von den Mitgliedern ohne Arbeit sind. Zentralvcrband der Brauer. In der Mitgliederversammlnng am 24. Januar reserirte Dr. Pinn über das Thema:„Pharisäer- thmn einst und jetzt." Die Abrechnung vom Stiftungsfest am 16. Januar erstattete Noro schal. Der Ueberschutz von 40,65 M. wurde auf Beschluß der Versammlung den Hambirrger Hafen- arbeiteru überwiesen. Den etwaigen Ertrag von 39 noch ausstehen- den Billels erhält der Gesangverein„Gerstenähre". Unter„Ver- schiedenes" sprach sich die Versammlung dafür ans, am 6. oder 20. März einen Maskenball zu veranstalte». Außerdem hatte der Vorstand der Versammlung einen Antrag unterbreitet, das „Münchener Brauhaus" für Mitglieder wieder frei zu geben. Dieser Autrag wurde nach längerer Debatte gegen eine Stimme an- genommen. Eine Mitgliederversammlung der Zentral-Krankenkasse der Maurer, Gipser n. s. w. tagte am Sonnlag den 24. Januar. Zum ersten Punkt der Tagesordnnng verlas der Kassirer P a r d e m a n n die Abrechnnng vom IV. Quartal 1896. Die Kasse hätte eine Ein- nähme(inkl. Bestand vom III. Quartal von 3435,66 M.) von 33 980,72 M., demgegenüber stand eine Ausgabe(inkl. 4500 M., die a» die Hauptkasse gesandt wnrde») von 30 399,38 M.; bleibt somit am Schlüsse des IV. Quartals ein Bestand von 3531,34 M. Die Stockarbeiter hielten am 25. Januar i» Keller's Festsälen ihre regelmäßige Mitgliederversammlung ab. Zunächst las der Kassirer den Bericht vom letzten Quartal vor, der mit einem Bestand von 79,57 M. eine Einnahme von 173,12 M. und eine Ausgabe von 46,90 M. aufwies, mithin ist ei» Bestand von 126,12 M. vor- Händen. Alsdann berichtete L a m b e ck über einen am letzten Sonnabend ausgebrochenen und siegreich beendeten Ausstand bei der Firma Mendt. Ein vor einigen Wochen eingestellter Buchhalter hatte sich durch sein Bemühen, die Preise zu drücken, bei den Ar- beilern recht unliebsam gemacht. Nachdem es ihm schon einmal gelungen, den Preis für eine bestimmte Arbeit von 20 ans 15 Pf. herabzusetzen, versuchte er am letzten Sonnabend eine iveitere Preis- reduktion auf 12Vs Ps. Hierauf legten sämmtliche Arbeiter, 33 männliche und 12 Arbeiterinnen, einmüthig die Arbeit nieder. Nach kurze» Verhandlungen bewilligte der Fabrikant außer dem allen Prelse auch einen geringen Lohnzuschlag für die Arbeiterinnen und eine halbe Stunde Arbeitszeitverkürzung bei den Malern. Der Vorsitzende ermahnte die Anwesenden, sich an diesem musterhaften Znsammenhallen ein Beispiel zu nehmen. Die Buchbinder nahmen in der am 25. Januar stattgefundencn außerordentlichen Generalversammlung die Wahl von acht Dele- girten zn dem am 2l. Februar und folgende Tage zn Halle a. S. stattfindende» Verbandstage vor. Gewählt wurden: Bergmann, Bidomsky, Frau Greifenberg. Iah», Seiler, Schmidt, Schulz und Schumacher. Hieraus pflog die Versammlung über die zum Verbandstag gestellten Anträge eine eingehende Berathung. Bei der großen Zahl der Anträge mußte die Verhandlung abgebrochen werden und findet die Fort- setznng in der nächsten Versammlung statt. Nach Besprechung einiger Vereinsangelegenheitei» wurde auf die Versammlung der Lederarbeiter. die an, I. Februar bei Roll. Adalbertstraße, sowie auf die Versammlung der Kontobuch-Arbeiter, die an demselben Tage te„Nmiick" bei Große, Annenstraße 16, stattfindet, aufmerksam gemacht. Bei Feuerstein ist am 2. Februar eine Branchen-Versannnlung der Buch- binder einberufen. Der Verband der Möbelpolirer(Filiale Südost) hatte am 25. Januar eine Versammlung anberaumt, in der Genosse Grempe eine» beifällig aufgenommenen Vortrag hielt. Nach Erledigung einiger interner Angelegenheiten wurden die Mitglieder ersucht, die Kontrollkarten auszufüllen und am nächsten Zahlabend in den Zahl- stellen abzuliefern. Eine Verbands- Versammlung der Schneider und Schneideriuuc» fand am 26. Januar in den Arminhallen statt. Timm referirte über:„Das Koalitionsrecht der Arbeiter Deutsch- lands, wie es ist»nd wie es sein sollte". Die hierauf erfolgte Abrechnung von, 4. Quartal 1896 ergab einschließlich des Bestandes von 6.73 M. eine Gesammteinnahme von 1172,33 M., hiervon sind 850 M. an die Hauptkasse nach Flensburg gesandt. Die Lokalkasse erwies bei eine», Bestand von 1335,87 M. eine Gesammteinnahme von 2348,09 M., der 725,34 M. Ausgaben gegenüberstehen; somit bleibt ein Bestand von 1622,75 Mark zu verzeichnen. Dem Kassirer Timm wurde einstimmig Decharge ertheilt. Die Versammlung beschloß die Gründung einer Bibliothek»nd wurde hierzu eine Bibliothekkonnnifsion, bestehend aus Ahl, S o m in e r und Frl. F ritsch e, ernannt. Unter Vereinsangelegenheite» wurden die Lohnabzüge bei der Firma Herrmann Hoffman», Friedrich- und Schützenstraßen-Ecke, besprochen; die dort Beschäftigten wurden ver- pflichtet, sich hiergegen zn wehren. Ferner wurde es gerügt, daß die Arbeiter bei der Firma Bothmer u. Dünger ihr Fest in einem Lokal abhielten, das nicht zu Arbeiterverfamnilungen zur Verfügung steht. Zum Schluß lheilte der Vorsitzende mit, daß der diesjährige Masken- ball des Verbandes am Sonntag, den 14. Februar, in der Berliner Ressource. Kommandantenstr. 57, stattfindet. De» in Holzbcarbcitungs-Fabrike»«nd anf Holzplätze» beschäftigten Arbeiter» hielt in einer öffentlichen Versammlung am 26. Januar Frau R o h r l a ck einen recht lehrreichen Vortrag, in welchem sie, an der Hand reichen statistischen Materials, die Nothwendigkeit der Erweiterung der Fabrikinspektion und die Aus- dehn», ig derselben anf die Hausindustrie nachwies. Hierauf gab der Vertrancusmann den Rechenschaftsbericht, der einen Bestand von 1070,28 Mark aufwies. Der Markenabrechnung folgte eine lebhafte Debatte, da de», früheren Verlranensmai», ein Posten Marken abhanden gekommen war. Schließlich wnrde beschlossen, diesen Posten Marken für vernichtet zu erklären. Auf Antrag der Revisoren erhielt der Vertrauensmann P i e l Decharge und wurde hierauf wiedergewählt. Zun, Stellvertreter wurde I n h r e ernannt. Eine längere Debatte entspann sich über die Unterstützungsberechtigung von sieben ausständigen Kollegen, die vor 14 Tagen bei Simon u. Komp. die Arbeit niederlegten. In einer, gegen eine Stimme an- genommenen Resolution wurde das Vorgehen dieser Kollegen an- erkannt, deren Handlungsweise jedoch für inkorrekt befunden und deshalb Unterstützung versagt. Zum Schluß wurden den Hamburger Hafeuarbcitern 100 M. bewilligt. Tic Stellmacher hielten am Mittwoch eine öffentliche Ver- sammlung ab. Da der Referent nicht erschienen war, erstattete Brühl Bericht über die Thätigkeit der Agitationskommission, woraus hervorgeht, daß„ach dem ungünstig verlaufenen Streik die Agitation zwar schwieriger, aber der Erfolg, insbesondere in den großen Werkstätten, ein günstiger sei, weil dort ein Stamm organisirter Kollegen thätig ist. Dagegen habe der ganze Beruf unter den Entwickelunge» der Technik insofern schwer zu leiden, als namentlich bei der Pferdebahn die hölzernen Schwellen, wie auch im Wagenbau Holzbestandtheile durch eiserne ersetzt und da- durch eine Anzahl Arbeiter überflüssig werden. In diesem Jahre werde es vor allem darauf ankommen, den Neunstundentag zu er- halten und die Uebelstände in den kleineren Werkstätten auszumerzen, wozu die Agitationskommifsion bereits die geeigneten Schritte gethan habe. Es entspinnt sich nun über die Art der Agitation eine längere Auseinandersetzung. Es wurde sodann die Agitationskommifsion durch die Wahl von A l b r e ch t, Baum und H e n s ch k e auf sieben Mitglieder erhöht. Auf eine diesbezügliche Anfrage wurde mit- getheilt, daß das Verkehrslokal nach wie vor beim Restauraleur Lange verbleibt. Der Bericht von K ö h n k e über de» Kongreß der lokalorganisirten Gewerkschaften zeitigte ebenfalls eine längere Dis- kussion, in der sich fast sämmtliche Redner gegen Beschickung des Kongresses erklärten. Eine in diesen, Sinne gefaßte Resolution wurde von der Versammlung angenommen. Der Arbeiterverein für Stralau-Rummclsburg«nd Um- aegend tagte am 24. Januar in der Brauerei Siraln». Auf der Tagesordnnng stand ein Vortrag des Naturheilkundigen Otto Grund m a n n, dessen Ausführungen in der Versammliing mit regem Interesse entgegengenommen wurden. Der Kassenbericht vom letzten Quartal wies eine Einnahme von 365,60 M. und eine Aus- gäbe von 279,26 M. auf. Nach dem Bericht des Bibliothekars besitzt die Bibliothek 133 Bände im Werths von 233,80 M. Die Bücherausgabe findet Freitags abends von 3—9 Uhr bei Georg Berg er, Gvthestr. 11, 4 Tr., statt. Steglitz.. In der Sitzung des Holzarbeiter-Verbandes kam am 20. Januar eine recht unliebsame Angelegenheit zur Erörterung. Der Tischler K. war bei der Lohiibenvegung im vorigen Jahre in eine Kommission gewählt, welche die Leitung des Streiks übernahm. In dieser seiner Stellung hat K. eine Liste im Be- trage von 18,80 M. und eine andere in Höhe von 6 M. unter- schlagen. Nachträglich hat er 3 M. abgezahlt. Besondere Maß- nahmen ko>inte die Organisation gegen K. nicht unternehmen, da derselbe der Organisation nicht angehört. In Rixdorf tagte am 24. Januar eine öffentliche Versammlung der Zimmerer, in der F i s ch e r- B e r l i n über die vorjährige Lohnbewegung referirte und den Geschäftsbericht der Lohnkomin'ssion gab. Besonderen Werth legte Redner auf den Zusammenschluß der Vororte mit Berlin. In der Diskussion schilderte zunächst G u st- m a n n die Praktiken der Rixdorfer Unternehmer. Redner glaubt nicht, daß ein großer Erfolg zu erziele» sei, da zumeist die dort beschäsligten Zimmerer von außerhalb herangezogen würden und die Rixdorfer in Berlin arbeiten. Nachdem Neu in a n n die Ver- Hältnisse im Gewerkschastskarlell geschildert, wurde der Vertrauens- mann beauftragt, jede öffentliche Versammlung dem Kartell vor- her anzuzeigen. Tempclhof. Der Arbeiter-Bildungsverein für Mariendorf und Umgegend hielt am 26. d. M. bei Gerth in Tempelhof einen Lese- Abend, verbunden mit einem Vortrag des Herrn E. Rosenstock über „die Frauenbewegung" ab. Der nächste Lese- Abend findet am Dienstag, den 9. Februar, im selbigen Lokale statt. Friedrichshagc«. Die Graveuve und Ziseleure nahmen in einer Sitzung am 26. Januar von dem Mitglied Brückner den Bericht über den Kongreß entgegen und erklärten sich mit den Beschlüssen des Kongresses einverstanden. In die Ver- waltung der Filiale wurden gewählt: B r o e g e erster, Becker zweiter Vorsitzender; F ö r st e r. Schriftführer, Brehme, Kassirer. Zum Vertrauensmann wurde Tobias ernannt. Weißensee. Der sozialdemokratische Arbeiterverein vollzog am 26. Januar die Neuwahl des Vorstandes, die folgendes Resultat ergab: P e u k e r t, 1. Vorsitzeuder; B a t n e s, Kassirer; K o o p- m a n n, Schriftführer: Polleschack, Nietsch. Brettaque, D i ch e l t und Schleinitz, Beisitzer; May und S ch a a p, Bibliothekare; Haufschild, Pafewald und Kraft, Ne- visore». Der Kassenbestand betrug 249,80 M. Nach dem Bericht der Bibliothekare zählt die Bibliothek 107 Bände, und wurden 30 M. zur weiteren Ergänzung derselben bewilligt. Unter Ver- schiedenem wurden den streikenden Hafenarbeitern Ivo M. bewilligt. , SMlez, 81. Imal 1897. Briefkasten der Redaktion. Die juristische Sprechstunde findet Montags, D i e n st a g s, Freitags und Sonnabends, abends von 7—8 Uhr statt. I. D. 100. Sie können uns doch nicht zuinuthen, daß wir mit jedem Verleumder und Eicl, der sich in Privatgesprächen über uns abfällig äußert, polemisircn. Lassen Sie den Burschen reden, vernünftige Leute werden ihm ja doch nicht Glauben schenken.— K.«. W. Wir bitten um Zusendung auch der übrigen Artikel. Frau Krüger. Wenden Sie sich zunächst an das Polizeibureau Ihres Reviers. 55, 31. S. und Andere. Welches sind die Voraussetzungen für die Erlangung der Invalidenrente? Zwei Voraus- setzungen müssen erfüllt sein, um einen Anspruch auf Invaliden- rente geltend machen zu können. Es muß nämlich der Versicherte 1. dauemd erwerbsunfähig geworden sein, 2. eine Wartezeit von 235 Bei- tragSwochen hindurch versichert gewesen sein. Dauernde Erwerbs- Unfähigkeit liegt nicht schon dann vor, wenn der Versicherte nach ge- wöhnlichem Sprachgebrauch erwerbsunfähig ist, sondern erst dann, wenn der Versicherte infolge seines körperlichen oder geistigen Zustandcs nicht mehr im stände ist, durch eine seinen Kräften und Fähigkeiten ent- sprechende Lohnarbeit mindestens einen Betrag zu verdienen, welcher gleich- kommt der Summe: eines Sechstels des Durchschnitts-Lohnsatzes(derselbe beträgt für Klasse l; 300, für Klasse II: 500, für Klasse III: 720 und für Klasse IV: 9K0 M'.), nach welchem für ihn während der letzten 5 Beitragsjahre gerechnete Beiträge entrichtet worden sind und eines Sechstels dcS 300 fachen Betrages des nach§ 8 des Kranken- verstcherungs-Gcsetzcs ortsüblichen Tagelohns für gewöhnliche Arbeiter des letzten Beschästigungsortes, in welchem er nicht lediglich vorübergehend be- schästigt gewesen ist. Beispiel: Der Versicherte hat in den letzten 5 Beitragsjahren Bei- träge nach einem Jahres-Arbcitsverdieuste von 800 M. geleistet. Der ortsübliche Tagelohn im Sinne des§ 8 des Krankenvcrsicherungs-Gesetzes betrage 1,50 M., dann ist dieser versicherte Arbeiter erst dann im Sinne des Jnvaliditäts- Versicherungs- Gesetzes erwerbsunsähig, wenn er nicht mehr als: von 720 M.(Durchschnittslohn seiner Lohnkasse).= 120 M. + i/e von 450 M.(300 X 1,ö0 M.).......= 75 M. inögefauimt 195 M. jährlich durch eine seinen Kräften und Fähigkeiten entsprechende Lohnarbeit verdienen kann. Es genügt für das Erforderniß der dauemden ErwerbS- Unfähigkeit nicht, wenn er in seinem früheren Beruf diesen Satz von 195 Mark nicht mehr verdienen kann. Vielmehr ist erforderlich, daß er in keinem Beruf diese 196 Mark verdienen könnte, selbst wenn ihm Arbeitsgelegenheit geboten würde. Mangel an Arbeitsgelegenheit wird unberücksichtigt gelassen. Der dauern- den Erwerbsunfähigkeit wird gleich gerechnet, wenn ein Versicherter ein Jahr hindurch erwerbsunfähig(z. B. infolg» Krankheit) gewesen ist. Die Wartezeit beträgt 235 Beitragswochen. Auf die Wartezeit kommt in Anrechnung: 1. Krankheit, wenn sie nnt Erwerbsunfähigkeit verbunden war, mindestens sieben Tage gedauert hat, und wenn sie weder vorsätzlich noch bei Begehung eines durch straf- gerichtliches Urtheil festgesetzten Verbrechens noch durch schuldhafte Betheiligung bei Schlägereien oder Naufhändeln, noch durch Trunksälligkeit. noch durch geschlechtliche Ausschweifungen zugezogen war; von der Krankheit kommt jedoch höchstens ein Jahr in Anrechnung, 2. militärische Dienst- leistungen, mit Ausnahme der während Friedenszeit freiwillig geleisteten. Die Krankheit muß bescheinigt sein. Die erforderliche Bescheinigimg ertheilen die Vorstände der Krankenkassen und für die Zeit übe» die Unterstützungspflicht hinaus die Gemeinden. Für die in Rechnung des Staatsbetriebes beschäftigten Arbeiter können die Be-, scheinigungen durch die vorgesetzte Dienstbehörde ausgestellt werden. Die Länge der Wartezeit ist für die, welche in der Zeit vom I. Januar 1891 bis zum 31. Dezember 1895 invalide geworden sind und mindestens 49 Wochen geklebt haben, etwas herabgesetzt. Der Anspruch auf Invalidenrente ist bei der unteren Verwaltungsbehörde des Wohnortes des Antragstellers anzubringen(das ist in Preußen in Städten von mehr als 10 000 Einwohnern, sowie in den Städten der Provinz Hannover, für welche die rcvidirte Städte-Ordnung vom 24. 7. 1858 gilt, bei den Gemeinde- vorständen— Magistraten—, im übrigen bei den Landräthcu, in Hohenzollern bei den Obcr-Amtsmännern. Die unteren Berwaltungs- behörden für die übrigen 25 deutschen Vaterländer sind im Arbeiterrecht S. 189—191 ausgeführt). Wir haben den vielen Anfragen gegenüber dies« Darlegung abernials ausführlich gemacht, müssen aber Wiederholungen dieser Auseinandersetzungen des beschränkten Raumes halber für die Zukunft ablehnen und anheimstellen, diese Darlegung sich auszuschneiden und aufzu- bewahren. Betonen wollen wir nur noch verschiedenen auch nach dieser Richtung wiederholten Anfragen gegenüber, daß selbstredend eine nach Ein- tritt der Erwerbsunfähigkeit vollzogene Heirath auf den Bezug der Invalidenrente eüiflnßlos ist. Dambeck. Stirbt der Miether, so wird im Gebiete des Landrcchts nicht ohne weiteres der Miethsvertrag zn gunsten der Wittwc gelöst. Die Rechts- verhält» iffe sind vielmehr alsdann folgende: 1. Hat die Wittwe den Mieths- vertrag nicht unterschrieben und ist sie auch nicht Erbin des Mannes ge- worden, so ist sie zur Fortzahlung der Miethe nicht verpflichtet; die zum Nachlaß gehörigen Möbel unterliegen dem Pfand- und Zurück- behaltungsrecht des Vcrmiethers. 2. Hat die Witlwe den Miethsvertrag nicht unterschrieben, ist sie aber Erbin des Mannes geworden, so ist sie (falls im Miethsvcrtrage keine kürzere Endzeit vereinbart ist) noch ein Halbjahr von Ablauf des Quartals an, in dem der Mann starb, an den Ver- trag gebunden. Erfolgt z. B. der Tod im Januar 1897, so würde die Wittwe noch bis zum 1. Oktober 1897 an den Vertrag ge- bunden sein. Will sie von ihrem Kündigungsrecht zum 1. Oktober Ge- brauch machen, so muß sie jedoch spätestens innerhalb der ersten 3 Juli- tage kündigen. Dasselbe KitndiguugSrecht wie die Wittwe hat auch der Ver- miether. Der Miethsvertrag wird also nicht durch den Tod des MietherS von selbst gelöst, vielmehr steht nur den Erben und dem Venniether daS Recht zu, von dem Vertrage nach ein cm halben �Jahre, vom Ablauf des Sterbeqnartals an gerechnet, zurückzutreten. Die Absicht zurückzutreten muß jedoch innerhalb drei Tagen des letzten Quartals geniacht werden. 3. Hat die Wittwe selbst gemiethet, so läuft der Miethsvertrag weiter: der Tod des ManncS ändert dann an dem Miethsverhältniß nichts. Nur wird in einigen Fällen dann die Bestimmung der ßZ 376, 377 1, 21 des Allgemeinen Landrechtes Platz greifen können. Danach kann nämlich der Mietber, der„durch eine nicht freiwillige Veränderung in seiner Person oder llmständen außer stände gesetzt wird" die. Wohnung zu gebrauchen, gegen Bergiitung einer HalbjahrSmiethe vom Vertrage zurücktreten oder einen passenden Nntermiether stellen. ArbeiterloS. Der Anspruch auf Unfallrente verjährt, wenn er nicht innerhalb 2 Jahren nach dem Unfall seitens des Verletzten bei dein Vor- stand der Bernfögenossenschast angemeldet wird. Soviel ersichtlich, steht Ihnen aber kein Anspruch anf Unfallrentc zu, weil, wie es scheint, der Unfall in einer handwerksmäßig betriebenen, also nicht iinfallversicherungspflichtigen Schmiede sich ereignet hat.— S. L. 11. Das Abzahlungsgeschäft ist im Recht. Die Nichtzahlung ist nicht strafbar.— A. Z. VN. Die Rente von 15 pCt. verbleibt dem Kinde unverkürzt bis zu dessen zurückgelegtem 15. Lebensjahre. Die Wittwe erhält für den Fall der Wiederverheirathung den dreifachen Betrag ihrer Jahreörente. Ihr Fall ist indeß nicht analog. zu behandeln; vom Tage der Scheidung ab würde Ihnen kein Anspruch mehr zustehen.— R, W. 9. Eine Klage auf Erlatz wäre erfolglos.— A. K. 100. I bewahre! Dadurch, daß ein verletztes Mädchen heirathet, werden ihre verletzten Glicdtnaßeu doch nicht gesund; sie hat also auch nach der Heirath die Unfallrcnte weiter zu beziehen.— 91. B. und R. W. Ei« junge Frau, die vor ihrer Heirath mindestens 235 Marken geklebt hat, hat einen Anspruch auf Ersatz der Hälfte der geklebten Marken. Sie muß diesen Anspruch aber innerhalb 3 Monaten nach Verehelichnng bei der Versicherungs- ansialt geltend machen. Ein Beispiel für solchen Antrag finden Sic im Arbeiterrecht S. 319. Der Antrag ist an die Versicherungsanstalt zu richten, an die zuletzt Beiträge gezahlt sind.— Br. Es kann möglich sein. G. AI. 27. Sie werden voraussichtlich eine Anklage wegen unbefugten Jagens erhalten. Nach Freisprechung erhalten Sie Ihr beschlagnahmtes Gewehr zurück.— T. G. A. Sic müssen im Termin erscheinen und Ihre Einwendungen in demselben erheben. Erscheinen Sie nicht, so ergeht Ver- säumniburthcil.— Oesterreicher 100. Ihre Kinder werden, auch wen» sie in Deutschland geboren werden, Oeslerreicher und haben in Deutschland keiner Militärpflicht zu genügen.— H. P. 1.— 5. Wenn Sie dienen, so haben Sie 2 Jahre zu dienen. Leistenbruchanlagen und Krampsanlagen haben Ihre Zurückstellung auf 1 Jahr veranlaßt. 6. 15»/«.— 91. Voigt, 1. Ja. 2. Sie werden voraussichtlich zur Zahlung venirtheilt werden.— H. Z. 96. 1. Ist kein Testament vorhanden, so hat der überlebende Ehe- gatte in der Mark das Recht: entweder auf das Erbe zu verzichten und sein Eigenthum zu behalten, oder: sein Eigenthum mit dem Nachlaß zu» fammeuzuwerfen und von dieser gemeinschaftlichen Masse die Hälfte zu erben. 2. Ja, wenn nicht durch Vertrag für mindestens 6 Wochen Fürsorgz getroffen ist.— Kretfchmcr. Mit der Klage werden Sie kaum durchdringen. Wir müssen in diesem wie in alle» Fällen ablehnen, Klagen su, andere zu führen.- W. Schw. 1000. Am 1. April nächsten JahrcS. F Warm rühstück/�f�- zur Auswahl_ �.O�Echt Münchener 7s � tS�BÜrgerbräu F> v'ir P''8enep' h'esi9es v. A�yrhell- u. dunkl. Lagerbier rS-*? Wüisüblev. »« Cognac selber zn machen, «aufe man für 75 Pf. 1 Flasche Es ist die beste bisher existirende Cognacesseuz und erzielt man damit durch Zusatz von feinem Weingeist u. 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