Ar. ifto Dwtstas. den 13. Mai 1800. 7. Jahrg. Hrgan für die Interessen der Arbeiter. Jnsertionsgebuhr m r beträgt für die 5 gespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pf., für Vereins- und Versammlung�- Anzeigen 20 Pf. Inserate werden bis 4 Uhr Nachmittags in der Expedition, Berlin Sw., Bcuthlüahe 3, sowie von allen Annoncen-Bureaur, ohne Erhöhung des Preises, angenommen. Die Erpedition ist an Wochentagen bis 1 Uhr Mittags und von 3—7 Uhr Nachmittags, an VonnittagS geöffnet. Ztr. 41üß.----»- Sonn- und Festtagen bis 10 Uhr Fernsprecher: Amt Mednktion: VeuklMvatze 2.— Expedition: BeuthttvMe 3. Merr(Lonplatts. gtf f®ei: Minister des Innern zu Paris scheint aus seinen Sit V gegeil den Boulangismus die Lehre geschöpft %a'. man mit den polizeilichen Machtmitteln ist Wichen könne. Wenn er dies wirklich glaubt, so Ä» Jr publik darum zu bedauern, daß ihre inneren z»..� Geilheiten von einem Manne verwaltet werden, der hat re|"cv9'fch, aber um so beschränkter ist. Herr Constans loa»» �hon einen gewissen Lächerlichkeitsnimbus zuge- >4 r* er fl1n ersten Mai zu Paris Anstalten treffen ytfnuu r öelte es einen Straßenkampf um die Existenz der Ntln» Nachdem der erste Mai zu Paris fast ebenso >»it f herlaufen mar, wie anderwärts, kam Herr Constans laifei er»Idee", fünftausend Ausländer ausweisen zu Und 0��ou e'n äußerer Anlaß dazu gar nicht vorlag. L, nachdem dieser absurde und brutale Gedanke in oh'!>vilisirten Europa überall mit Energie abgewiesen L.?ch mit tausend Bedenken aufgenommen worden ist, � ,�)eri' Constans nichts Besseres zu thun, als einen zi,°päi scheu Polizeifeldzug gegen die vorzuschlagen, an dessen Spitze er sich v haben immer, sowohl die Prinzipien und aucfy die Taktik der Anarchisten verworfen L Mven uns oft genug scharf gegen die sogenannte rlOpß----•—._. *ifIn r u 9 an da der That gewendet. Aber wir sind W.,!3 Cespensterseher gewesen und so wenig es fünf- »fremde" Anarchisten in Paris giebt, so wenig ist derartig mit Anarchisten bevölkert, haß man Grund W' eillcu solchen Polizeifeldzug zu unternehmen, selbst L,'"an die„staatsmännischen" Gesichtspunkte des Herrn �»ans theilen wollte. ■Tour Verfolgung von allenfallsigen Verbrechen sind die W! allen Staaten weit mehr als ausreichend; die � Itvdexe aller Länder thun darin des Guten zu viel. hj.-/"ill nian aber thun? Die Anarchisten würden sich il|te j-p allgemeinen Verfolgung so gut wie andere auf '»e» a, bürgerlichen Rechte stützen; um ihnen beizukom- �s wutzte man diese Gesetze durchbrechen und so würde btj Gedanke der A u s n a h m e g e s e tz g e b u n g, i>»� pN einzelnen Staaten völlig Bankerott gemacht, ühg/ Constans zur internationalen Idee z» jz ein Gedanke, der einen drastischen Gegensatz bildet tMiUig sanken der internationalen Arbeiterschutz-Gesetz- 5lich,�� fetzt hatte sich immer nur Rußland die schöne ßänL Gestellt, mißliebige politische Leute in andere h ja- U"d womöglich in allen zugleich verfolgen Sein Minister des Innern war nun »«rtoun.] Fenilleto«. [31 Glück der Damen." Roman von Emile Zola. �°�>sirte Uebersetznng von Armin Schwarz. " las�., einen Kellner fortschicken und mir Orangen »Nt?' Mgte sie dann, sich erhebend; kommen '" erwiderte Tenise, an einer Brotkrume '�r U»/i/�fchlossen, zurückzubleiben, um Gelegenheit 0"e�ug mit Robineau zu suchen. rMeL,-,, fl? l'ch mit Jonve allein befand, fühlte sie .Ä,"ud verließ endlich den Tisch. Als sie sich ÄVSS* � f"6 ano»� ,)oc ihr und hatte eine väterlich gutmüthige Tesch»??""en. Sein grauer Schnurrbart, sein bürsten- iWenen® ,! Haar gaben ihm das Aussehen eines � sein»?°idaten; dabei streckte er die Brust vor, auf Ordensband prangte. S'-b�ch-.„aei, rpoten ,tiJnter den Teppichen plauderten. Sie wissen, das u1 he e;'nb wenn ich darüber Bericht erstatten wollte?... >» P&t be>mQr fthr, Ihre Freundin Pauline? Was seih■j enn nnt einander, daß Ihr Euch gar so zuge- zugleich der oberste Büttel Europas und hatte und hat seine besoldeten Spione und Agenten über- all. Diese schöne Rolle will Herr Constans nun dem heiligen Rußland abnehmen oder wenigstens mit ihm theilen. Es ist klar: seine Erfolge gegen den Boulangis- mus haben ihm den Kopf verdreht; er will Europa um- krempeln. Das wäre eine neue Seite der„russisch- f r a n z ö s i sch e n A l l i a n z" und vielleicht die traurigste. Man denke nur an die Folgen einer solchen Maß- regel. Zunächst würden sich in vielen Ländern die Be- Hörden auf eine Menge von Leuten stürzen, die zwar keine „Anarchisten", aber sehr mißliebig sind. Was kann man mit dem Begriff„Anarchist" nicht Alles anfangen! Man bedenke nur, daß im Jahr 1848 und in der Reaktions- zeit eine Menge von demokratischen und konsütutionellen Politikern in den Listen der damaligen politischen Polizei als„Anarchisten" aufgeführt worden sind. Sozialismus und Anarchismus sind sich ausschließende Gegensätze, weil der Sozialismus die stärkste Zentralisation, der Anarchismus die äußerste Dezentralisation ent- hält. Auch die mit geetzlichen Mitteln arbeitende sozia- listische Propaganda hat mit dem Anarchismus nichts zu schaffen. Dennoch würden die Sozialisten unter der Anarchistenverfolgung leiden. Wir haben es ja in Oester- reich gesehen. Was soll denn ein verknöcherter und ver- sauerter Bureaukrat sich noch Mühe geben, den Unter- schied zwischen Sozialismus und Anarchismus zu studiren? In Oesterreich sind thatsächlich zahlreiche Sozialisten auf Grund des Anarchistengesetzes verurtheilt, zahlreiche Druck- schriften auf Grund des Anarchistengesetzes verboten wor- den, die mit dem Anarchismus gar nichts zu thun hatten. Dazu käme, daß solch eine Verfolgung in ganz Europa den Anarchismus auch über ganz Europa ver- breiten würde. Wir verspüren in Deutschland vom Anarchismus sehr wenig, allein eine mit dem gewöhnlichen Lärm in Szene gesetzte Hetzjagd würde ohne Zweifel den anarchistischen Theorien Anhänger zuführen, wo sie jetztnoch keine besitzen. Es ist auch ganz natürlich, daß man den Dingen, mit denen sich die löbliche Polizei so eifrig beschäftigt, Aufmerksamkeit schenkt. Wie es dann geht, weiß Jedermann, der solchen Aktionen schon zugesehen hat; die Polizei erreicht immer das Gegen- theil von dem, was sie bei solchen Gelegenheiten be- zweckt. In den Ländern, wo in der Arbeiterwelt der Sozia- lismus vorherrscht, wird der Anarchismus immer ohne allen Belang bleiben, denn die Arbeiter finden im Sozia- lismus, was sie suchen. Wenn man ihnen aber die Be- theiligung an der sozialfftischen Bewegung verwehren will, dann ist es erklärlich, daß jene Leute Anklang finden, Denise verstand ihn nicht und fühlte sich immer unbe- haglicher vor ihm; er war ganz nahe an sie herangetreten und sprach ihr ins Gesicht. — Es ist wahr, wir plauderten, Herr Jouve, stammelte sie; aber dabei ist ja nichts Schlimmes... Sie sind sehr gütig gegen mich, ich danke Ihnen. — Ich sollte nicht gut sein, sagte er; nur gerecht: ich kenne nichts weiter als Gerechtigkeit... Allein, wenn man so hübsch ist... Und er trat noch näher. Nun wurde sie von Furcht erfaßt; sie erinnerte sich der Worte Paulineus und der Ge- rächte, welche im Umlaufe waren, von den Verkäuferinnen, die, durch den Vater Jouve terrorisirt, sich sein Wohlwollen erkauften. Er begnügte sich übrigens im Magazin mit kleinen Vertraulichkeiten, kniff die Fräulein, die ihm gefielen, in die Wangen, nahm ihre Hände und behielt sie in den sei- nigen, als würde er sich vergessen. Das hatte einen väter- lichen Anstrich; seinen sinnlichen Gelüsten ließ er nür außer- halb des Hauses freien Lauf, wenn sich Eine herbei ließ, seine Einladungen zu einer Tasse Thee in seine Wohnung, Rue des Moineaux, anzunehmen. — Lassen Sie mich, murmelte das Mädchen zurück- Ajeiclicnb. _ Sie werden doch nicht die Spröde spielen wollen, einem Freunde gegenüber, der Sie stets geschont hat, sagte er- seien Sie liebenswürdig, kommen Sie heute Abend auf eine Tasse Thee zu mir; es ist gut gemeint. — Nein, nein, sagte sie abwehrend. Der Speisesaal blieb leer; der Kellner war nicht mehr zurückgekehrt. Jonve spitzte die Ohren, ob er Schritte hören würde und blickte scheu um sich; er war in höchster Auf- welche die Arbeiter gerne in geheimen Konventikeln für die „Propaganda der That" gewinnen möchten. Man muß sich nur wundern, daß sich ein franzö- sischer Minister mit einer solchen„Idee" heran wagen kann. Denn die französische Geschichte ist doch gerade in dieser Beziehung lehrreich genug und Herr Constans könnte doch Nutzen ziehen aus den Erfahrungen, welche die ver- schiedenen französischen Regierungen mit ähnlichen Aktionen gemacht haben. Ein solcher Polizeiminister steht der Republik übel an. Man kann sich nur wundern, daß nicht schon eine dritte Abt Heilung„nach berühmten Mustern" er- richtet worden ist. Man darf wohl annehmen, daß die Zeiten eines F o u ch e, eines Pietri und ähnlicher Genie's für Frankreich vorüber sind. Und Herr Constans ist nichts weniger denn genial, sondern nur brutal. Die französische Volksvertretung hat in der Republik das entscheidende Wort: möge sie zeigen, daß sie die Foucho's und die Pietri's nicht wieder aufleben lassen' Friedrich Engels über den Antisemitismus. Einem nach Wien gerichteten Privatbriefe Friedrich Engels entnimmt die Wiener„'Arbeiterzeitung" mit Genehmigung des Schreibers und des Empfängers die nachstehenden Ausführungen: ... Ob sie aber mit dem Antisemitisinns nicht mehr Unglück als Gutes anrichten werden, muß ich Ihnen zu be- denken geben. Der Antisemitismus ist das Merkzeichen einer zurückgebliebenen Kultur und findet sich deshalb auch nur in Preußen und Oesterreich, resp. Rußland. Wenn man hier in England oder Amerika Antisemitismus treiben wollte, so würde man einfach ausgelacht und Herr Drumont erregt in Paris mit seinen Schriften— die an Geist denen der deut- scheu Antisemiten unendlich überlegen sind, doch nur ein bischen wirkungslose Eintags-Sensation. Zudem muß er ja jetzt, da er als Stadtraths-Kandidat auftritt, selbst sagen, er sei gegen das christliche Kapital ebenso sehr, wie gegen das jüdische und Herrn Drumont würde man lesen, wenn er auch die gegentheilige Meinung verträte. Es ist in Preußen der Kleinadel, das Junkerthum, das 10 000 M. einnimmt und 20 000 M. ausgiebt und daher den Wucherern verfällt, das in Antisemitismus macht, und in Preußen und Oesterreich ist es der dem Untergang durch die großkapitalistische Konkurrenz verfallene Kleinbürger, Zunfthandwerker und Kleinkrämer, der den Chor dabei bildet und mitschreit. Wenn aber das Kapital diese Klassen der Gesellschaft vernichtet, die durch und durch reaktionär sind, so thut es, was seines Amtes ist regung, verlor seine Haltung und wollte sie auf den Nacken küssen. — Kleine Kröte! kleine Thörin! sagte er. Wenn man solche Haare hat, darf man nicht so schlimm sein. Kommen Sie heute Abend zu mir; wir werden lachen. In ihrem Schrecken, in ihrer Empörung über dieses flammende Gesicht, über diesen glühenden Hauch verlor sie völlig den Kopf. Mit einer äußersten Kraftanstrengung ver- setzte sie ihm einen Stoß, daß er wankte und schier auf den Tisch hinfiel. Glücklicherweise für ihn war ein Sessel da, auf den er niedersank, allein infolge des Stoßes spritzte ein Rest Wein aus einem Glase und beschmutzte seine weiße Kravatte und benetzte sein rothcs Ordensband. Ohne daran zu denken, sich abzutrockenen, saß er nun da, erstickend vor Zorn über eine solche Brutalität, die von einer Seite kam, von der er keinen Widerstand erwartet hatte, wo er nicht seine Macht, nur seine Güte hatten walten lassen! — Ach, Fräulein! Sie iverden das bereuen, auf Ehren- wort! Denise war entflohen. Man läutete eben zur letzten Tafel und in ihrer Verwirrung, zitternd vor Angst, eilte sie hinauf, Robineau völlig vergessend. Später wagte sie es nicht mehr hinabzugehen. Da die Sonne am Nachmittag die Fa�ade am Gaillonplatz beschieu, erstickte man schier vor Hitze in den Salons des Zwischenstockes, trotz der Fenster- vorhänge von graner Leinwand. ES kamen hie und da einige Kunden und brachten die Verkäuferinnen in Schweiß, ohne etwas zu kaufen. Die ganze Abtheilung gähnte unter den großen, schlummernden Augen von Madame Aurelie. Gegen drei Uhr endlich, als Denise sah, daß Madame Aurelie eingeschlafen, ging sie hinab und eilte mit ihrer gc- schäftigcn Miene durch das Magazin. Um die Neugierigen m und thnt ein gutes Wer?, einerlei ob es nun semitisch oder arisch, beschnitten oder getanst ist; es hilse den zurück- gebliebenen Preußen und Oestmcichern vorwärts, daß sie endlich auf den n.iodcrnen Standpunkt kommen, wo alle alten gesellschaftlichen'Unterschiede aufgehen in den einen großen (Lcgcnsat) von Kapitalisten und Lohnarbeitern. Nur da, Ivo dies noch nicht der Fall, wo noch keine starke Kapita- listentlasse cxistirt, also auch noch keine starke Lohnarbeiter- klasse, wo das Kapital noch zu schwach ist, sich der gc- 'ammten nationalen Produktion zu bemächtigen und daher ic Effektenbörse zum Hauptschauplatz seiner Thätigkeit hat, wo also die Produktion noch in den Händen von Bauern, Gutsherren, Handwerkern und ähnlichen aus dem Mittel- alter überkommenen Klassen sich befindet— nur da ist das Kapital vorzugsweise jüdisch und nur da giebt's Anti- semitismus. In ganz Nordamerika, wo es Millionäre giebt, deren Reich- thum sich in unseren lumpigen Mark, Gulden oder Franken kaum ausdrücken läßt, ist unter diesen Millionären nicht ein einziger Jude, und die Rothschilds sind wahre Bettler gegen diese Amerikaner. Und selbst hier in England ist Rothschild ein Mann von bescheidenen Mitteln z. B. gegenüber dem Herzog von Westminstcr. Selbst bei uns am Rhein, die wir nnt Hilfe der Franzosen den Avel vor 95 Jahren zum Land hinausgejagt, und uns eine moderne Industrie geschaffen haben, Ivo sind da die Juden? Der Antisemitismus ist also nichts anderes als eine Reaktion mittelalterlicher, untergehender Gcsellschaftsschichten gegen die moderne Gesellschaft, die wesentlich aus Kapitalisten und Lohnarbeitern besteht, und dient daher nur reaktionären Zwecken unter scheinbar sozialistischem Deckmantel; er ist eine Abart des feudalen Sozialismus und damit können wir nichts zu schaffen haben. Ist er in einem Lande möglich, so ist das ein Beweis, daß dort noch nicht genug Kapital cxistirt. Kapital und Lohnarbeit sind heute untrennbar. Je stärker das Kapital, desto stärker auch die Lohnarbeiter- klaffe, desto näher also daS Ende der Kapitalistenherr- fchafr. Uns Deutschen, wozu ich auch die Wiener rechne, wünsche ich also recht flotte Entwicklung der kapitalistischen Wirihschaft, keineswegs deren Versumpfen im Stillstand. Dazu kommt, daß der Antisemitismus die ganze Sach- läge verfälscht. Er kennt nicht einmal die Juden, die er niederschreit. Sonst würde er wissen, daß hier in England und in Amerika, Dank den osteuropäischen Antisennten, und in der Türkei, Dank der spanischen Inquisition, es Tausende und Abertausende jüdischer Proletarier giebt; und zwar sind diese jüdischen Arbeiter die am schlimmsten aus- gebenteten und die allerelendesten. Wir haben hier in Eng- tand in den letzten zwölf Monaten drei Streiks jüdischer Arbeiter �gehabt und da sollen wir Antisemitismus treiben als Kanips gegen das Kapital? Außerdem verdanken wir den Juden viel zu viel. Von Heine und Börne zu schweigen, war Marx von stock- jüdischem Blut; Lassalle war Jude. Viele unserer besten Leute sind Juden. Mein Freund Viktor Adler, der jetzt seine Hingebung für die Sache des Proletariats im Gefängniß in Wien abbüßt, Eduard Bernstein, der Redakteur des Londoner„Sozialdemokrat", Paul Sin- g e r, einer unserer besten Reichstagsmänner— Leute, auf deren Freundschaft ich stolz bin, und alles Juden! Bin ich doch selbst von der„Gartenlaube" zum Juden gemacht wor- den, und allerdings, wenn ich wählen müßte, dann lieber Jude als„Herr von" I.... London, 19. April 1890. Friedrich Engels. Zwliktpho Ltebcrstckrk. Der phttasophische U»lK»wirthkchi»ftl»r der„Dofl. Ztg." ergeht sich einmal wieder in spekulativen Becrach- tuagen, die unsere lebhafte Heiterkeit erregen, über die Zu- fünft der Sozialdemokratie. Anlaß zu diesen Betrachtungen giebt dem Verfasser die Stärke, in welcher die sozialdemo- tratische Fraktion diesmal im Reichstage austritt, die Re- gierungen wie Parteien zwingen, mit der Sozialdemokratie zu rechneu. Dies ist eine Anschauung, mit der wir so weit vollkommen übereinstimmen, die zu verwirklichen auch bisher das lebhafteste Bestreben der Partei bildete. Die ganze bis- herigeKampf- und Agitationsweise der Partei hätte keinen Sinn gehabt, wäre es ihr nicht darum zu thun gewesen, eine möglichst von der Spur abzubringen, ging sie nicht direkt in die Seiden-Ahtheilung; sie that, als hätte sie sin der Spitzen« Abtheilung zu thun und fragte Deloche um eine Auskunst; dann, im Erdgeschoß, ging sie durch die Abtheilung für Rouener Kattune und betrat die Kravatten-Abtheilung, wo sie höchlich überrascht stehen blieb: Jean stand vor ihr. — Wie, Du b ist's? flüsterte sie erbleichend. Er hatte seine Arbeitsblouse an, und war baarköpfig, mit seinen unordentlichen, blonden Haaren, deren Löacyen auf sein mädchenhaft weißes Gesicht herab ringelten. Er stand vor einem Fach, welches schmale, schwarze Kravatten enthielt und schien in tiefe Betrachtungen versunken zu sein. — Was machst Du? fragte sie. — Nun, ich erwartete Dich; Du verbietest mir zu kom- men, ich bin aber dennoch eingetreten, ohne Jemanden etwas zu sagen. O, Du kannst ruhig sein; thue, als ob Du mich nicht kenntest, wenn Du willst. Schon hatten einige Kommiß erstaunte Blick« auf sie geworfen. Jean dämpfte die Stimme. — Sie wollte mich begleiten. Ja, sie ist draußen auf dem Gaillonvlatze am Brunnen... Gieb mir schnell die 15 Franks oder wir sind in der Tinte, so wahr die Sonne uns bescheint! Denise gerietst in die äußerste Verlegenheit. Rings- umher lächelte man höhnisch und schien sie zu belauschen. Da hinter der Kravatten-Abtheilung eine Treppe in das Souterrain führte, drängte sie ihren Bruder nach dieser Treppe und hieß ihn hinabsteigen. Unten angekonunen, wiederholte er seine Geschichte in verworrenen Worten, offen- bar fürchtend, daß sie ibm nicht glauben würde. — Das Geld ist nicht für sie, denn sie ist zu vornehm dazu. Und ihr Mann! Ay, der macht sich viel aus fünf- zehn Franks! Nicht für eine Million würde er seiner Frau einen Fehltritt gestatten. Es ist ein Fabrikant, wie ich Dir sagte, außerordentlich vornehme Leute... Nein das Geld ist für einen Elenden, einen Freund, den sie hat, und der uns gesehen hat.— Du begreifst: wenn man ihm die fünf- zehn Franks heute Abend nicht giebt... — Schweig, flüsterte Denise, sogleich, geh' nur voraus. entscheidende Machtstellung im Parlament zu erlangen und wir bcoancrn nur, daß dies nicht noch in ausgedehnterem Maße durch die letzten Wahlen zu erreichen gelang. Der Zahl der für die Partei abgegebenen Stimmen entsprechend, hätte sie bekanntlich ca. 80 Vertreter statt 35 haben müssen. Die„Voss. Ztg." irrt aber vollkommen, wenn sie meint, „daß eine positive Reformarbeit, durch welche die Führer etwa ihre staatsmännische Begabung beweisen wollten, bald der Vernrtheilung durch die sozialistischen Massen verfallen würde." Genau das Gegentheil ist wahr. Gerade, daß die Sozial- demokratie an die praktischen Bedürfnisse der großen Masse anknüpfend, ihre Agitation entfaltete und hier zunächst Ab- Hilfe zu schaffen versprach, hat ihr die Sympathien der arbeitenden Klaffen zugewandt und wird sie ihr in steigen- dem Maße zuwenden, wenn die Partei die gegebenen Ver- sprechen zu erfüllen bestrebt ist, wie dies die eingebrachten An- träge beweisen und andere weitere beweisen werden. Es ist eine Absurdität sonder Gleichen und ein Beweis, daß der Artikelschreiber der„Voss. Ztg." von dem Wesen der Sozialdemokratie, ja nicht einmal von dem Wesen der bürgerlichen Parteien eine richtige Ahnung hat, wenn er ausführt, daß der von der sozialdemokratischen Fraktion eingebrachte Arbeiterschutz- Gesetzentwurf nichts„spezifisch Sozialistisches" enthalte und deshalb durch diesen wie durch andere ähnlicheAnträge diePartei nickt mehr widerrufen können, „daß den Arbeitern auch im Rahmen der bestehenden Rechts- und Gesellschaftsordnung zu helfen sei," worin denn das Anerkenntniß liege, daß der„Zukunftsstaat" auch allmälig für die Arbeitermaffen in das Reich der Träume rücke." Das sind wirklich recht merkwürdige logische Springe, die nur einer Vogelstraußpolitik entspringen. Daß der vor- liegende Arbeiterschutz-Gesetzentwurf nichts spezifisch Sozia- listisches enthält, daß er wirklich voll und ganz verwirklicht werden kann, ohne daß die Grundlagen der bürgerlichen Gesellschaft dadurch angetastet werden,„hat niemand nach- drücklicher als die Sozialdemokratie betont, sie ist sich der Tragweite ihrer Forderungen vollständig bewußt. Und dennoch hätte keine andere Partei wie die Sozialdemokratie einen solchen Gesetzen t- wurf einbringen können, weil jede andere aus die Interessen der Unternehmerklasse Rücksichten nimmt und nehmen muß bei Strafe ihres Versalls. Die Forderungen der Sozialdemokratie werden also den Beweis liefern, daß keine bürgerliche Partei für sie voll einzutreten wagt, obgleich sie ohne Anfechtung der bürgerlichen Gesellschaftsordnung verwirklicht werden könnten. Der Verfasser jenes Artikels in der„Voss. Ztg." merkt vielleicht jetzt, was für ein großer moralischer Sieg für die Sozialdemokratie in derjKonstatirung einer solchen Thatsache liegt. Und wie hier, so wird die Sozialdemokratie noch auf vielen anderen Gebieten Forderungen stellen können und stellen, die bei gutem Willen alle ausführbar wären, aber nicht ausgeführt werden, weil das Klassenintereffe der Besitzenden sich dem widersetzt. Die häufige Konstatirung solcher Thatsachen muß aber nothwendigerweise der Partei zum Nutzen gereichen und ihr immer mehr Anhänger aus den bürgerlichen Parteien zu- führen. Wer das nicht einsieht, ist blind. Damit wird aber auch die Erkenntniß für die Roth- wendigkeit grundlegender Umgestaltungen an Haupt und Gliedern der Gesellschaft nur geweckt und gestärkt. Und ist diese Erkenntniß nicht bloS im engeren Kreise der Parteigenossen, sondern auf Grnnd der stetig wachsenden Uebel und der höheren Kulturbedürfnisse allgemein vorhanden, dann tritt auch die Frage des„Zukunftsstaats", den die„Voss. Ztg." etwas voreilig in das Reich der Träume verweist, in greif- barer Nähe. Die Sozialdemokratie handelt so wie sie handelt voll- kommen richtig. Sie giebt von ihrem Programm nicht um eines Haares Breite aus, aber sie trägt andererseits auch den praktischen Verhältnissen Rechnung, doch so, daß sie dabei in ihren Forderungen allen übrigen Parteien um einige Nasen- längen voraus ist. Und darin besteht ihre Unüberwindlichkeit und Stärke. Der Arbelterfchuh- Gesetzentwurf der Kegierung er- fährt in der„Franks. Ztg."«ine scharfe Kritik, weil er„neben einigen anerkennenswerlhen Verbesserungen der deutschen Fabrik- und Werkstätte-Besetzgebung positive Rückschritte im bestehenden Arbeiterschutzrechte v rschlagt". Während nämlich bisher löjäh- Sie waren jetzt im Versandtdienste. In der salsov morte schlief dieser geräumige Keller im bleichen Lichte, das durch die Fensterlöcher hereinfiel. Es war hier kalt, tiefe Stille herrschte unter der gewölbten Decke. Ein Bursche ordnete auf dem großen Tische die wenigen Packete, welche ur das Madeleine-Stadtviertel bestimmt waren. Canipion, zer Chef dieser Abtheilung, saß schlummernd auf einer Bank. Jean begann wieder: — Der Gatte hat ein großes Messer. — So geh' doch, wiederholte Demse, ihn immer fort- schiebend. Sie folgten einem der engen Korridore, wo immer- während das Gaslicht brannte. Rechts und links waren in finsteren Seitenkellern die Reserve- Waarenvorräthe aufge- stapelt, von dem Hauptkeller durch Lattenverschläge abge- sondert. Endlich hielt sie vor einer solchen Lattenthüre. Da wird sie doch Niemand stören, dachte sie, allein es war ver- boten, in diesen Theil des Kellers zu kommen und sie zitterte vor Angst. — Wenn dieser Lumpeickerl plaudert, fuhr Jean fort, so kommt der Gatte mit seinem großen Messer... — Wo soll ich 15 Franks hernehmen? rief Denise verzweifelt. Kannst Du denn nicht vernünftig werden? Dir passiren fortwährend so kuriose Geschichten... Er schlug sich prahlerisch auf die Brust. Bei seiner romantischen Erfindungsgabe wußte er schon selber nicht die genaue Wahrheit der Geschickten. Er dramatisirte ganz ein- fach seine fortwährenden Geldbedürfnisse. — Bei Allem, was es Heiliges giebt, dieses Mal ist die Sache wahr... Sie hieß ihn von Neuem schweigen; sie war erzürnt, gepeinigt, außer sich. — Ich will nichts weiter wiffen, bleibe für Dich mit Deiner schlechten Aufführung, es ist zu häßlich, daß muß ich Dir sagen; Du peinigst mich unaufhörlich, ich bringe mich um, um Dich mit hundert Sousstücken zu unterstützen. Ja ich bringe die Nächte zu..... Abgesehen davon, daß Du Deinem Bruder daS Brot vom Mund« wegnimmst. rige Kinder allgemriil nur 6 Stunden täglich in Fabriken deschab tigt werden durften, könnten dieselben nach dem neuen Entwuc künftig täglich 10 Stunden zur Fabrikarbeit verwendet>r,est� r# reuet uuem|ttuf|uuii) vttmt«. v, l-v* ♦Vv—*v Ct' wissen des erfteren Arbeiterschutz-Bestimmungen nicht bencyic, / L c, v.,, Ort«-' il w•. rf-.e.-r........ MßllPll � Und in der Bestimmung, daß statt des Unternehmers der ben leiter allein straffällig erklärt wird, sobald der letztere olpn, blickt das demokratische Blatt die Einführung eines neue». reizes zur verbotenen Ausnützung geschützter Arbeitskräfte. Die neue Vorlage für jeden Tag der vertragswidrig versäum� Arbeitsfrist die Forderung einer Buße in der Höhe des uchen Taglohnes gestatte und die Bestimmungen gegen die gung zum Streik verschärfe, muffe entschieden von Neuem E Enttäuschung und Verbitterung der Arbeiter beitragen. Enduq zahlt die„Franks. Ztg." zu den von ihr gerügten rückschrittlich� Bestimmungen die Vorschriften, betreffend die Lohnzahlungen jugendliche Arbeiter. Das„L-ip?. Taaeblatt" ist sehr entrüstet, daß das„ '....... �- des Innern den Rath gab, blatt" dem sächsischen Minister"„chm* fc'ÄraTnÄ«s'S »«>- läjJ&S die Sozialdemokratie anwende. Dieses letzteren durfte es nicht erst, da schon gegenwärtig die sächsischen~ den sich auf' die schärfste Ha'ndhabung ches Vereins- und � wird aber auch darauf gefaßt � sein müssen� da? � sozialdemokratische Fraktion durch Antrag auf Erlaß Reichsgesetzes über das Vereins- und Versammlungswesen srt f r. i �- p-f. x».■ ert___; a____ Ss f. tlOt Gelegenheit erfaßt, um die sächsische Praxis gründlich vor weitesten Oeffentlichkeit zu erörtern. Die politische Feigheit und Charakterlosigkeit des fächstWI Nationalliberalismus zeigt sich übrigens in hellster Beleuch„ tr* Ofrtrtr+vitf rrnrh TOreFti rttirtipff ot* P.ttl££' v in diesem Ängstruf nach reaktionärster Handhabung erues f.« darunter zu leiden hatten und Ambos waren. Heute,>»0 Hammer sind, ist es ihnen nicht reaktionär genug und sie P»" die willkührlichsten Auslegungen desselben gut. Wir haben es a mit von Klaüenhaß erfüllten Gegnern zu thun, die in's. blinden Wuth zu jeder politischen Lumperei aufgelegt sähig sind. Die Leipziger Amtshauptmarmschaft hat dem Arbeit«»«? für die Feier des 1. Mai ihre Anerkennung ausgesprochen u s das Geschick, mit welchem dasselbe die Demonstration geleitet" Ruhestörungen verhindert habe. Das„Leipz. Tagebl.", das g�f jeden Schmutz gegen die Sozialdemokratie aufhebt, um sie®flrä zu bewerfen, hat noch keine Zeit gehabt von diesem Jnha» Amtshauptmannschast Kenntniß zu nehmen. Herr von HeUdorff hatte nach der„Kölmschen zeitung" geplant, die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung' offiziellen Organ der konservativen Partei zu machen,»T natürlich Herrn Pindter sehr lieb gewesen wäre. Er b«arbe>� zu dem Behuf« seine ehemaligen Fvaktionsgenoffen im tage, stieß indeß bei den maßgebenden Persönlichkeiten au stand, so daß der Plan nach tagekangen Erörterungen geben�wurde. pu? Der Knndesrattz hat bekanntlich den Entwurf eines�s fetzes, betreffend die Abänderurg von Bestimmungen des gesetzbuchs, die Zustimmung ertheilt. Es handelt sich, w« «-? schiedene Blätter mittheilen, in dieser Novelle darum, die '- 1 phenlinien auf RohrU wenige», welche »werthzeichen r Gntwerlhungsze Frankirung benützen, der Strafe" des§ bestimmungen zum Schutz der Telegraphenlinien auf anlagen auszudehnen. Ferner sollen diejenigen, welche schon/? mal verwendete Post- und Telegrapheuwerthzeichen nach W. weiser oder gänzlicher Entfernung des Emtwerthungszeichens K ~■ es§ 276 des Strafgesetzbm' unterliegen und dergl. mehr. x Da sich dir snchstschrn UationaMbrralr«««d srrvatiorn noch immer nicht an den Gedamken gewöhnen könn? ohne Sozialistengesetz existiren zu muffen, erscheint es der Ztg." am Platze zu sein, einmal daran zu erinnern, wie die v ' erläge von F. A. Brockhaus erscheinende Zeitschrist„ U nf'L im Jahr« 1878 wenige Wochen vor der@nffch«%, über dasselbe»rtbeilte. Diese% Zeit' über das Ausnahmegesetz über dasselbe urtheilte. Diese v-j schrift, deren politischer Theil stet» der politischen Richtung Verlegers entsprechend in nationalliberalem Sinne redigirt n»» schrieb damals wörtlich: j „Nimmt der Reichstag das Ausnahmesesetz an, so f�'L. das Deutsche Reich mit vollen Segeln im breitesten Fahrn�JL Sot* OJortFttrttt• otn0 Qott Xor fWofin Mit n /"rein nf« oi urth•' der Reaktion; eine ßeit der Gesinnungspolizei und Gedan � inquisitton, die an die vormärzlichen Jahre erinnert,«b# � itt? der Denunziationen, welche jetzt' schon hinlänglich mehr als 500 Prozesse wegen Majestätsbeleidigung»aus-„ wird, bricht heran. Das Doppelgesicht des Gesetzentwurfs, neben dem terroristischen Medusenhaupt, das er der SoZ' demokratie zuwendet, auch die Züge eines m das alte Präven» system zurückfallenden Spezialgesetzes trägt, macht dasselbe l, die Freiheit des deutschen Geistes nur um so bedrohswL Mindestens aber sollte kein'Abgeordneter, der diesem®"L, seine Zustimmung ertheilt, noch die Stirn haben, sich*» Wie� Jean stand verstört, mit bleichem Antlitz da. w- ist häßlich? Er begriff die Sache nicht, er hatte fc j Schwester immer als Kameradin behandelt und er fa"Vx ganz natürlich, daß er ihre Börse plünderte. Was ih« a,„ hauptsächlich verstörte, war zu erfahreu, daß sie die zubringe. Der Gedanke, daß er sie tödte und daß er p � das Brot wegesse, machte ihn dermaßen bestürzt, daß#' weinen begann.-,t — Du hast Recht, ich bin ein Elender, rief er; �> ist durchaus nicht häßlich, im Gegentheil... � deshalb fängt man immer wieder von vorne an Jetzige ist 20 Jahre alt, mußt Du wissen: sie lachte, ich erst 17 Jahre alt bin. Mein Gott, ich bin wuth genug über mich, daß ich noch so jung bin! Er hatte ihre Hände erfaßt, dt« er küßte und mck st1 Thränen benetzte..{ — Gieb mir die 15 Franks, es wird das fetzten sein, ich schwöre es Dir; oder gieb mir nichts, ich will lu sterben; wenn der Gatte mich tödtet, so wirst Du m« los sein. Und weil nun auch sie weinte, fühlte er bisse. Ich sage das übrigens nur so, vielleicht tödten. Wir ich verspreche werden Dir's, uns Niemauden vergleichen, ich gehe. � Jetzt vernahmen sie das Geräusch von Schritten, die j. anderen Ende des Korridor's herkamen. Alle Beide erschrak' sie drängte ihn rasch gegen die Lattenthüre in einen ditztz Winkel. Einen Augenblick hörten sie nichts, als das Pft'L der Gasflamme in ihrer Nähe, dann näherten sich Schritte; sie streckte den Kopf vor und erkannte den 0 spektor Jouve, der mit seiner strengen Miene dahö»�. Kam er zufällig oder hatte ein anderer Wächter ihn ben»� richtigt? Sie wurde von einer solchen Furcht ergriffen, 1 ,]t sie den Kopf verlor. Sie stieß Jean wieder aus deni duNb. Winkel hervor, wo sie sich Beide versteckt hatten und � ihn vor sich her, indem sie stammelte: — Geh, geh! L Liberalen zu zählen, welche Etikette auch die Partei, der er an- Schört, ausgesleckt haben mag." Pedenkt mein mm, daß heute die sächsischen Nationallibcralcn liebsten einer Verschärsuna des Sozialistengesetzes, insdeicm- ete aber der ErpatriKung zustimmen.würben, so kann man nur toiien über die Fortschritte, welche diese„Auchliberalen" im "st des letzten Jahrzehnts gemacht haben. ...An» Finstrrn-atde schreibt man uns zu der ,,Be- tichtigung» des Bürgermeisters Klix: Die Erklärung des Herrn l"% daß bei dem friedlichen und verständigen toimi hiesigen Slrbeitcr an militärische Maßnahmen nicht gedacht werde» ist, ist schwer mit dem Versammlungsverbot am 1. Mai, in welchem von Bestrebimgen aus Umsturz ec. gesprochen wurde, in «inilang zu bringen. Das Verhalten der hiesigen Behörde war "M so auffälliger, als den Arbeitern bei anderer Gelegenheit vorn Verrn Burgermeister versichert worden ist, daß er ihnen freies ®piet(äffen und keine Versammlung verhindern werde. Uebtigens Jevstchem Unternehmer, welche der von Herrn Klix einberuseuen �chamuilung beigewohnt haben, daß von militärischen Acap- "ahmen— natürlich gegen die Arbeitnehmer— thatsächlich die ätede gewesen ist. Schade nur, daß Herr Klix ein weiteres Ein- ichen auf diesen Punkt für überflüssig hält. Aus Gera, den 11. Mai, wird uns geschrieben: Eine schneidige Polizeibehörde ist doch die von Gera. Bereits vor iwei Jahren bei Gelegenheit des Maurerstreiks erregten die Maß- "ahmen derselben die allgemeine Slusmerksamkeit. Damals ließ t)ei Stndtrath wider Recht und Gesetz die Maurerstreikkasse be ------'•--.--.—----- 1— em.» i, nifn behielt dieselbe ein volles Jahr in Verwahrung. aS 5�ntragte damals der Stadtrath die Bestrafung des Streik- 2'"'""de aber in allen Instanzen damit abgewiesen. für hat damals dieselbe Behörde alle Personen, welche pf. j streikenden Maurer einsammelten, wegen Bettelei mit kä cl0, aten beschenkt. Da jedoch die Betroffenen von allen and«.? freigesprochen wurden, hat man die Sache vnbk.v?"3dsangen. Im Oktober 1889 wurde eine Verordnung «dn' nftch welcher alle Sammlungen jeder Art tot«.?"""gängige stadträthliche Erlaubniß ver- be x®'e diese Verordnung gehandhabt wird, geht am inn,?. hervor, daß jetzt gegen ungefähr 10 Personen Straf- bei ru, ,n Höhe von 5 M. erlassen wurden, weil die Betreffenden Leaheit eines Leichenbegängnisses zur Anschaffung von j;., ,stn unter ihren Kollegen in den Fabriken ohne stadt- dies»«> �"saubniß Sammlungen veranstaltet haben. Auf Grund Iii? Ii �"".ardnung ist nun auch das Einsammeln von Beiträgen «roii o rstützung der ausgesperrten Weber verboten und eine sehr 10 an"an Personen, welche dem zuwiderhandelten, sind mit ä>,7i�Jeslrafl worden. Das stärkste aber ist wohl die nachstehende u'.sdoimg, welche im„Amtsblatt", sowie an den Plakattafeln »lnnt gemacht worden ist: Stehenbleiben auf den Straßen u. s. w. Auf Grund des Gesetzes vom 8. Juni 1864 über die Polizeistraigewalt veroronen wir hiermit, daß alles unbe- fugte Stehenbleiben, Hin- und Hergehen und sonstige zweck- lose Verweilen auf den Straßen und den an dieselben an- grenzenden offenen Grundstücken, insbesondere in der Nähe der Fabriken und der Zugänge zu denselben, bis auf weiteres namentlich in den Stunden vor Beginn und Ende der Thätigkeit in den Fabriken verboten ist. Zuwiderhandlungen werden, soweit nicht schwerere Strafbestimmungen einzutreten haben, mit Geldstrafe bis zu 150 M. geahndet. Der Stadtrath zu Gera, den 3. Mai 1390. Ruick. Ruckdeschel. cti etwas dürfte wohl noch nicht dagewesen sein. Diese Ver- rj,.N"ng ist gegen die ausgesperrten Arbeiter gerichtet und charakte- üit treffend die Gesinnung in gewissen Kreisen. «e. �in leuchtendes Keifpirl exemplarischer Gestnnung«- g chtigkeit, wie sie in der Zeit seit Aufrichtung des neuen » Alchen Reick es so üppig in's Kraut geschossen ist, liefert„Der ."..isterstatter" für Deutschlands Porzellanoreher und-Maler in "Widern„Eingesandi"- Obgleich wir vor Berührung mit Denunzianten- ? geschichlen zurückscheuen, veröffeutlichen wir auf Wunsch des Porzellanmalers Ollinsky in Tiefensurt in Schlesien E Folgendes:„Hiermit erkläre ich, daß die Anzeige wegen Maiestätsbeleidigung weder durch den Porzeuanmaler Ollinsky erfolgt ist, noch derselbe irgend weiche Ver- anlassung gegeven hat, sondern daß ich dieselbe nur allein, und zwar in Rücksicht auf mein Geschäft als Gastwirth f gethan habe. Karl Hübner, Gastwirth. Die umseitige Unterschrist des Gasthosbesitzers Hübner wird hiermit beglaubigt. Ober-Salzbrunn, den 22. März 1890. Der Amtsvorsteher. (Polizei-Stempel.) Drescher. r..lieber die Angelegenheit selbst wird den„Schles. Nachr." ge- assstben: Der Porzellanmaler Förster war bei dem Gastwirth yjjjiet in Logis. Bei einem Glase Bier mar er mit einigen fni! �en geinuthlich zusammen und sprach mit diesen über die Weichen Erlasse. Förster soll über dieselben einige miß- % Aeußerungen gethan haben, und zwar, wie bekundet wird, Ünb nun liefen alle Beide, wobei sie hinter sich den schenken Athem des Vater Jouve hörten, der sie verfolgte. kamen wieder durch den Versandtdienst und gelangten vP1 ftujje der Treppe, die zu dem Glasverschlag der Rue de «chodisre führte.,... »— Geh, geh! wiederholte Deuise, ich werbe Dir die Franks senden, wenn ich es kann._ » Jean entfloh ganz außer sich. Der Inspektor, der lhemlos hinter ihm drein war, sah nur noch einen � �" C.C.» � weißen Blouse und die flatternden Locken seines »den Haares. Der alte Jouve schnaufte sich einen Augen- ,,»us, um die Korrektheit seiner Haltung wieder zu finden. . hatte eine neue weiße Kravatte, die er in der Wäsche- cheilung gekauft. in>"7 so- das ist eine saubere Geschichte, mein Fräu- i'sagte er mit bebenden Lippen. Ja, sehr nett. Glauben l,- daß ich es dulden werde, daß Sie im Keller solche �»ittzige Dinge treiben? is sin lU't diesem Worte verfolgte er sie, während sie in „-.Magazin hinaufstieg,' ihr war die Kehle wie zusammen- �nurt, sie fand kein Wort der Vertheidigung. Jetzt be- ie L)«, entflohen zn sein. Es wäre doch besser gewesen, i«ituation zu erklären und ihren Bruder zu nennen. i° Inan abermals solche abscheuliche Geschichten über �"finden und sie wird vergebens schwören, man wird onJlicht glauben. Sie hatte nun Robineau wieder >eil>m'ig"Hessen und begab sich direkt in ihre Ab- ,, Jouve hingegen eilte sofort in die Direktion, um über � Vorfall Bericht zu erstatten. Der Diener sagte ihm, „? Herr Monret sich in Gesellschaft der Herren Bourdonele .. Robineau befinde. Die Thüre stand übrigens halb lcml' �on konnte Monret hören, welcher den ersten Kommis �.Me, ob er einen angenehmen Urlaub gehabt habe; von je et Entlassung war keine Rede; es handelte sich im Ibrf um verschiedene Maßnahmen, welche in seiner Heilung getroffen werden sollten. Was wünschen Sie, Herr Jouve? rief dann Mourech "tolen Sie herein.(Fortsetzung folgt.) nachdem er schon„eins über den Durst" getrunken batte. Ehreu-Hübner hatte Nichts Eiligeres zu thun, als zu deiuinziren. Förster wurde mit k> Monaten Gefängniß bestrast. Er wird allgemein bedauert, da er ein sonst ruhiger und besonnener Mensch ist. Elberfeld, 10. Mai. Nach länger denn Jahresfrist war heute Vormittag wieder einmal eine Hausdurchsuchung in den Räinncii der Druckerei und Expedition der„Freien Presse." Polizeikommiffar Kammhoff mit mehreren Polizeibeamten in Zivil erschienen plötzlich gegen 10 Nhr, Polizeikommiffar Kammhoff frug nach dein AilfbewahrungZort der Zeitungen ohne den Grund der Hausdurchsuchung anzugeben. Herr Grimpe frug, auf wessen Anordnung ic. diese Maßregel getroffen sei und um was es sich handle. Polizeikolmnissar Kainmhoff bemerkte darauf, daß die Mittheilung über den Zweck erst nach vollendeter Hausdurch- suchuiig erfolge, weil sonst der Zweck hinfällig gemacht werden könne. Herr Grimpe protestirte unter solchen Umständen gegen die Vornahme der Dnrchsuchung und verlangte unter allen Um- ständen die Zuziehung von 2 Privatpersonen, wie dies das Gesetz vorschreibe. Polizeikommissar Kammhoff beeilte sich, dieser Vor- schrift Genüge zu leisten und ging fort, gefolgt vom Polizeisergeant Jäckel, solche zu holen, während ein Polizeiwachtmeister zur„Beauf- sichtiguna" in der Expedition zurückölieb. Nach einem'Zeitraum von 20 Minuten erschienen dann auch die Herren wieder, gefolgt von zwei Personen in Zivil, die als die Herren Ewald Risse, Mittelstr. 27, und Hermann Rauwald, Alexanderstr. 13 wohnend, vorgestellt wurden. Da Herr Grimpe weder den einen noch den anderen der Herren kannte, richtete er die Frage an sie, ob sie im Dienste der Polizei ständen, um sich zu vergewissern, ob er auch thatsächlich mit Zivilpersonen zu thun habe. Die Antwort auf diese Frage blieb aus. Auf den abermaligen Protest gegen die Durchsuchung, bevor nicht der Zweck derselben bekanntgegeben worden, erhielt Herr Grimpe vom Polizeikommiffar Kammhoff die Antwort, daß er jetzt die Durchsuchung vornehme und wenn er sich derselben widersetze, er sich des Widerstandes ic. schuldig mache. Die Durchsuchung begann und wurde in„behauptetem" Zustande vorgenommen. Nachdem die alten Zeitungen und Makulaturen drunter und drüber geworfen waren, entdeckte Polizeikommiffar Kammhoff in der Druckerei ein Exemplar der Nr. 33 der„Düffel- dorser Arbeiterztg.", die er vorläufig an sich nahm. Nach been- diäter Durchsuchung wurde Herrn Grimpe der Zweck derselben bekannt gegeben. In Nr. 33 der„Düsseldorfer Arbeiterztg.", zweites Blatt, vom vorigen Jahre, ist die bekannte Erklärung des Reichstagsabgeordneten Frohme veröffentlicht, die zum Gegenstand eine Zurückweisung einer Behauptung des Polizeikommissars Tilger, die derselbe als Zeuge in dem Riesenprozesse gethan hatte, hat. Frohme wurde wegen dieser Erklärung der Beleidigung des Tilger in Düsseldorf angeklagt und zu 50 Mark verurtheilt, ebenso wurde ausgesprochen, die noch vorhandenen Exemplare sowie Formen und Platten, die zur Herstellung der Erklärung dienten, zu vernichten. Das Resultat der Durchsuchung ist in folgendem Aktenstück niedergelegt: Dem Redakteur Herrn H. Grimpe wird hiermit bescheinigt, daß die in den Räumen der Redaktion und Druckerei statt- gefundene Durchsuchung nach der Nr. 33 der„Düsseldorfer Ar- beiterzeiwng". Zweites Blatt, erfolglos war. Elberfeld, den 10. Mai 1890. Der Polizeikommiffar: Kammhoff." Aochum, 9. Mai. Eine Beschwerde folgenden Inhalts ist an die königliche Regierung zu Arnsberg abgegangen.„Am 27. April fand tu Langendreer beim Wirth Leyendecker eine Versammlung der Mitglieder des Verbandes zur Wahrung und Förderung bergmännischer Interessen in Rheinland und West- falen statt. In dieser Versammlung sollte das Verbandsmitglied Ludwig Schröder aus Dortmund über Zwecke und Ziele des Ver- bandes referiren. Als ihm das Wort ertheilt werden sollte, erklärte der überwachende Beamte, wenn Schröder spreche, würde die Versammlung sofort aufgelöst. Hierüber war die Versamm- lung sehr unzufrieden und aufgeregt, und verlangte eine Erklärung, weshalb Schröder nicht sprechen sollte. Der Polizei- sergeant erklärte hierauf, daß laut landräthlicher Verfügung vpm 28. März, Brodam, Marggraf, Bunte, Schröder, Siegel und Meyer bis auf Weiteres in keiner Versammlung sprechen dürsten, widrigenfalls die Versammlung sofort aufzulösen sei. Wir Endes- unterzeichnete suhlen darin eine Beschränkung unserer staats- bürgerlichen Rechte und sind hierdurch in der öffentlichen Meinung durch die Behörde herabgesetzt und heruntergemurdigt. Wir sind mit dem Strafgesetze noch nicht in Konflikt gekommen, wir haben bis heute unsere bürgerlichen Ehrenrechte nicht verloren, stehen nicht unter polizeilicher Aufsicht, bezahlen unsere Steuern und tragen unsere Pflichten als Staatsbürger in vollem Umfange. Wir bitten die Regierung, die Unterbehörden anzuweisen, daß sie lins in der Ausübung der uns gesetzlich zustehenden Rechte nicht hindernd in den Weg treten. Wir bitten, den Uebergnsfen der Unterbehörden nach dieser Seite hin zu steuern. Bunte, Brodam, Meyer, Siegel, Marggraf, Ludwig Schröder. Oesterreich-Ungar«. Die fürsorglichste Behörde in Oesterreich ist entschieden das Kreisgencht in Jitschin(Böhmen). Sie richtet ihr Augenmerk auch auf im Auslände erscheinende Zeitungen. So hat sie kürzlich mehrere Nummern der„Sächsischen Arbeiter- zeitung" konsiszirt oder wie es in dem Erkenntnisse heißt, das objektive Verfahreil gegen dieselben eingeleitet und auf Vernichtung der weiteren mit Beschlag zu belegenden Exemplare erkannt". Beanstandet sind u. a. mehrere Stellen aus der Wiener„Ar- beiterzeitung", die hier in Wien nicht beanstandet wurden; ferner die Zeile unter dem Kopf:„Am 1. Mai von Land zu Land— ruh' Proletariers schwielige Hand", die auch der Freigeist" in Reichenberg seit Monaten ungenirt an der Spitze führte, die ein- fache Nottz, daß die belgische Regierung die Demonstrationen ver- boten habe u. s. w. In all dem Aufgeführten sei die Aufforderung „nicht zu verkennen",„gewisse Zugeständnisse und günstigere Arbeitsbedingungen von den Arbeitsgebern zu erzwingen", somit der Thatbestand des in§ 805 Str.-G. bezeichneten Vergehens gegen die öffentliche Ruhe und Ordnung enthalten. Frankreich. Pari», 10. Mai. Deputirtenkammer. Finanzminister Ron- vier hat den Gesetzentwurs eingebracht, nach welchem aus trockenen Trauben hergestellter Wein mit 3 Frks. Steuer per Hektoliter belegt werden soll.— Unterstaats-Sekretär Elienne gab in der Beantwortung der Interpellation wegen Dabomey ein Bild der dortigen Lage, bestätigte die Zurückgabe der Geiseln und fugte hinzu, Frankreich werde seine Position behaupten; die Regierung beabsichtige nicht, eine Expedition dorthin zu entsenden, dieselbe werde aber die Okkupation des französischen Territoriums ausrecht erhalten; Alles deute darauf hin, daß der König von Dahomey sich zu Unterhandlungen werde aenöthigt sehen. Frank- reich habe in iilsrika einen sehr großen Besitz, den eS kolonisiren müsse; wurde es sich auf irgend einen, Punkte stbivach zeigen, so würde sein Prestige darunter leiden(Beifall). Marinemimster Barbey gab in Beantwortung einiger Fragen des Deputirte» Fleurens Details über die Streit- kräfte in Dahomey, der Gesundheitszustand derselben sei besrie- digend, übrigens sei das Geschwader ohne Forderungen neuer Kredite verstärkt worden.— Hierauf wurde die von der Regierung gebilligte einfache Tagesordnung einstimmig angenommen. Paris, 10. Mai. Deputirtenkammer. In, weiteren Ver- laufe der Sitzung interpellirte der Deputirte Boyer(Sozialist) über die anläßlich der Kundgebungen vom 1. Mai getroffenen Maßregeln und machte der Polizei Vorwürfe. Der Minister des Innern Constans erwiderte, die Kuiidgebuug hätte einen politi- scheu Charakter gehabt, das Verhalten der Polizei sei anerkennens- werth, und er übernehme die Verantwortung für dasselbe. Schließ- lich ivurde eine Tagesordnung, in welcher das Verhalten der Regierung gebilligt wird. n»' 394 gegen 57 Stimmen angenommen. Itnlien. Das Zentralkomitee der Arbeiterpartei in Italien hat an die UiUerabtheilungen den Plan zur Grün- dung einer Unterstützungskasse für verhaftete Parteigenossen ver- sandt. Die Satzungen dieser Knffc sind im Auszüge folgende: 1. Vom 1. April ab wird von der italienischen Arbeiterpartei eine Hilfskasse eingerichtet, um solche Parteimitglieder z» unterstützen, die sich wegen ihrer Betheilianng an Ausständen oder an der Agitation im Gefängnisse befinden. Das Zentralkomitee über- nimmt die Verantwortlichkeit. 2. Der dazu nöthige Fonds wird aufgebracht durch einen Beitrag von 30 Cts. monatlich, der von Anhängern der Partei ohne Unterschied gezahlt wird. 3. Das Zentralkomitee wird allen Sektionen zu diesem Zwecke gedruckte Musterlisteil schicken. 4. Nur die Parteimitglieder haben ans die Hilsc dieser Kasse Anspruch. Mit dem Ende eines jeden Viertel- jährcs wird das Zentralkomitee der Partei und der Nation Bericht über die Thätigkeit dieser Kasse erstatten. Rnßlnnd. Die Erzählungen des amerikanischen Journalisten George Kennan über seine Erlebnisse in Sibirien habe» so ungewöhnliches Aufsehen erregt und sein, auch von uns seiner Zeit eingehend ge- würdigtes Buch:„Sibirien" hat eine so große Verbreitung ge- funden, daß Herr Kennan sich veranlaßt gesehen hat, unter dem- selben Titel eine„Neue Folge"(Sibirien! von George Kenuan. Deutsch von E. Kirchner. Berlin Verlag von Siegfried Cron- dach) erscheinen zu lassen. Wenn in dem früheren Buche Haupt- sächlich die Leiden der Verbannten auf der Reise geschildert»vor- den, so beschäftigt sich die„Neue Folge" insbesondere mit der Behandlung derselben in den ihnen zum ständigen Ausenthalte angewiesenen Gefängnissen in Sibirien. Die Bilder sind mit einer einzigen Ausnahme stets dieselben— grausige. Wenn die Petersburger Zentralbehörde nickt der Ansicht gewesen wäre, daß Herr Kennan ein ausgesprochener Gegner der russischen Sozialrevolutionäre sei, so würden er und sein Genosse Herr Frost nie Gelegenheit erhalten haben, die Zustände in den Minen von Kara kennen zu lernen. Diese Minen sind„Eigenthum' des Zaren, welcher zum Tode verurtheilie„Nihilisten" dorthin in die Verbannung begnadigt. Zur Zeit befanden sich in 7 Gcfäiigiiisicn 1800 zu Zwangsarbeit Verurtheilie. Der Zustand der Gefängniß- zellen ist ein entsetzlicher: keine Ventilation, auf dem Boden eine5iruste festgetretenen Schmutzes, an den Wänden ganze Streifen von dem Blute getödteter Wanzen, Holzpritschen, auf denen die Sträflinge ohne Etrohsäcke, ohne Kissen und Decken dicht aneinander ge- drängt schlafen müssen, in einer Zelle 29 Mann in einem Raum von 24 Fuß Länge, 22 Fuß Breite und 8 Fuß Höhe. Dabei der unvermeidliche Exkrementenkübel— das einzige Möbel in der Zelle. Ferner giebt es für Einzelhaft Zellen, welche zum Stehen nicht hoch genug und zum Liegen nicht lang genug sind!„Ich war," so erzählte der Oberst,„9Va Jahre Kommandant de- icosakenbataillons in Kara und als ich endlich vor einigen Monaten abkommandirt wurde, war ich so froh, daß ich einen besonderen Dankgottesdienst abhalten ließ." Alle Bergwerke in diesem% heile Transkaukasiens sind Eigenthum des Zaren und als die„Kabinetminen" bekannt. Auf welche Weise die Zaren dieselben erworben haben, ist in weiteren Kreisen nicht bekannt und als ein gebildeter Russe an einem Werke zu arbeiten anfing, welches den Titel„Ursprung des Reichsthums der Roma- nows" führen und im Auslande veröffentlicht werden sollte, da wurde derselbe, noch ehe er seine Forschungen beendet hatte, nach Sibirien verbannt. Welche Behandlung die sogenannten politischen Verbrecher auszustehen haben, ist bereits aus dem früheren Werke des Herrn Kennan und aus sonstigen Mitthei- lungen, die in der Tagespresse erschienen sind, bekannt geworden. Es ist eine Thatsache, daß die„Politischen", Männer wie Frauen, wiederholt Versuche gemacht haben, durch den Hunger- tod ihr Elend zu beenden. Viele derselben haben Selbstmord ver- übt, wie z. V. die Frauen Rogatschew und Leschern und die Männer Semjonowski Rodin und Uspenski. Es ist auch nichts Seltenes, daß man unter den Gefangenen Wahnsinnige antrifft. An mehr als einem Orte Transkaukastens wurden die Amerikaner beim Betreten überfüllter Gefängnisse durch Wahnsinnige erschreckt, die plötzlich mit wildem Geschrei oder hysterischem Lachen aus die Besucher lossprangen. Im ganzen Lande giebt es keine Irrenanstalt und es ist bequemer und wohlfeiler, wenn die Mit- gefangenen für einen Geisteskranken sorgen, als ihn abzusperren und mit einem eigenen Wächter zu versehen. Für gebildete poli- tische Gefangene tst es natürlich entsetzlich niederdrückend, bestän- dig in dem armen Kranken ein Beispiel von dem Elend vor Augen zu haben, das möglicherweise auch der Abschluß ihres.Da- seins fem wird. Kalkanländ«?. Im weiteren Verlaufe der Anklageschrift gegen Panitz« wird der Nachweis zu führen versucht, daß Kolobkow thatsächlich in der Eigenschaft eines Bevollmächtigten der russtscheii Gesandtschaft in Bukarest gehandelt habe, daß der Chef des asiatischen Departements Z i n o w j e w und anderen hochgestellten Persönlichkeiten um das Komplot gewußt hätten, sowie daß auch Z a n k o w dabei eine Rolle gespielt habe. Ferner schildert die Anklageschrift, auf welche Weise der Prinz nach seiner Rückkehr von der Reise nach dem Westen hätte verhaftet iverhen sollen und an welchen Umständen die Ausführung des Planes ge- scheitert sei. Nrboikovbvrnogung. Frankfurt, 10. Mai. In die letztwöchentliche Lohnbewegung traten nun auch die Barbiergehilfen; sie wollen Aufbesserung der Lohnverhältnisse, Verkürzung der in einzelnen Geschäften lOstimdigen Arbeitszeit, wie auch früheren Schluß am Sonntag. Am nächsten Dienstag soll nach Beschluß einer am letzten Dienstag stattgehabten Gehilsenvcrsammluna eine gemeinschaftliche Ver- sammlung von Prinzipalen und Gehilfen über diese Fragen be- rathen. Gera, 9. Mai. Der Ausstand in Gera dauert unverändert fort. Sämmtliche Greizer Weber haben in einer dort abgehaltenen Textilarbeiter-Versammlung folgenden Be- schlich gefaßt: Wenn bis Sonnabend, den 10. Mai er. zwischen den Geraer Fabrikanten und den dortigen Webern reine Einigung erzielt wird, legen wir am genannten Tage die Arbeit nieder. Alle Vermittlungsversuche sind bis jetzt resultatlos verlaufen. Die Ausständigen verhallen sich musler- hast und halten fest an der zehnstüudigen Arbeitszeit. Ter Ausstand nimmt Tag für Tag größere Dimensionen an. (Siehe auch die Korrespondenz aus Gera unter Politische Uebersicht. Kamburg, 11. Mai. Der hiesige Verband für Eisenindustrie macht durch Inserat bekannt, daß sich der größte Theil der Be- triebe auf dem Gebiete der Eisenindustrie im Streik befinde, und bittet die Austraggeber deshalb um Nachsicht. Die Polizei» behörde hat eine Bekanntmachung erlassen, in der sie die Ar- beiterkreise darauf aufmerksam macht, die Polizeiwachen und Patrouillen seien angewiesen, den Nicht-Streikeuden gegen etwaige Störungen oder Belästigungen bei der Arbeit jederzeit Schutz zu gewähren. Kopenhagen, 11. Mai. Eine Versammlung der hiesigen Maurergesellen hat beschlossen, morgen zu streiken, weil die Meister den neunstündigen Arbeitstag verweigern. Prag, 11. Mai. Eine von etwa 8000 Streikenden besuchte Arbeiterversammluug beschloß heute, die Arbeit nicht früher wieder aufzunehmen, als bis zwischen allen Arbeitern und Fabrikanten Einigkeit hergestellt sei. Eine kleine Arbeiter- Versammlung in Lieben hat ebenfalls die Fortdauer des Streiks beschlossen. Theater. Dienstag, den 13. Mai. Gpernstano. Die Zauberflüte. Kchaufpielstimo. Der Sturm. Lrsfiirg-Tstratrr. Ein Besuch. Hieraus: Mädchenrache. Denifchr» Tsteater. Faust. Erster Thcil. y erlitt ei' Theater. Julius Cäsar. Friedrich-Milhelntstädt. Theater. Ter arme Jonathan. Wallner-Theatcr. Ultimo. Uiktaria-Theater. Stanley in Afrika.' Wstend-Theater. Der Scharfrichter von Berlin. Rrstdetiz-Theater. Marquise. KeUeallianre- Theater. Der Nautilus. KrcU'v Theater. Die Regiments- tochter. Ventral- Theater. Ein fideles Haus. Adolf Ernst- Theater. Der Gold- fuchs. Gedr. Kichter'« UariötS. Speziali- täten-Borstellung. Englischer Garten Direktion: C. Andreas, Alexander- straße 27c. EröWng Wj Sottlmergllrtells Hiii) Bühne. Täglich Anftreten erster Spezialitäten. Anfang Wochentags 8 Uhr. Sonntags 5-/2 Uhr. Enlree Wochentags und Sonntags 80, 50 lt. 75 Pf., im Vorverkauf 30 it. 50 Pf. Der Garten ist an Vereine für Com- inerfestlichkeitcn mit Spezialitälen-Vor- stellung zu vergeben. Andress. Etllblissemeitt Buggenhagen am Moritzplatz. Täglich: Grosses Garien-Concert. Direktion A. Mödman». Dienstag und Freitag: Walzer-Abend. da Wochentags 10 Flg., Hill U cL Sonn- und Festtags 25 Pfg. Bei ungünstiger Witterung in den unteren Nestaurationsräumen. Großer Frühstücks- und Mittagstisch. . Spezial-Ausschank von Patzenhofer Export-Bier, Seidel 15 Pf. Die oberen Säle bleiben bis auf Weiteres wegen Renovirung geschlossen. 641 F. Müller. Passagr 1«r. 9 Uhr M. b. 10 Uhr Ab Kaiser-Panorama. Stur diese Woche: Vielen Wünschen entsprechend: 1. Reise d. Norwegen. Z. ersten M.: Eine Reise KteiermarK— Grsterreich. Eine Reise 20 Pf,. Kind nur Abonnement 1 M. Jede Woche ander» Reisen. 10 Pf. I Chausseestraße 14.l Die schönsten Werkleidn u.-Mavtel für Mädchen jeden Alters, sowie Morgenröcke, Unterröcke, Blossen nnö Tricottsiüen auch im Einzelverkauf sehr billig!| Massbestellnngen n. 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Mai, Nachmittags 3 Uhr, von der Sorauerstraße 2 aus statt. Kameraden, die gewillt sind, ihm die letzte Ehre zu erweisen, werden gebeten, sich zu mel den bei Vittwe Klabunde, 318] Sorauerstraße 2. Achtung! Tabakarbeiter! Ueber folgende Fabriken ist die Sperre verhängt: Carl Martienzen(wegen Maßregelung), 1. Geschäft: Webersir. 5, 2.„ Friedrichstr. 97, 3.„ Alexanderstr. 71, 4. ,, Neue Promenade 1, 5.„ Gertraudtenstr. 20, 6.„ Belle-Allianeestr.98/99, 7.„ Dresden erstr. 93, 8. ,. Poststr. 16, 9.„ Neue Königstr. 19c, 10.„ Andreasstr. 75, U. ,, Chausseestr. 8, 12.„ Prinzenstr. 83, 13. ,, Andreasstr. 59, 14.„ Friedrichstr. 204, 15.„ Spandau. Schmeissor(wegen Maßregelung). 1. Geschäft: Chausseestr. 25, 2.„ Chausseestr. 76, 3.„ Friedrichstr. ICO. Nancke, vormals Schubert& Sohn (wegen Maßregelung), Michael kirchsttaße 6. 1. Geschäft: Dresdenerstr. 72/73, 2.„ Charlottenburg. Keilpilng, Elsasserstraße 8, Laden. Hübsch, Prenzlauerstraße 3. Ratko, Alt-Moabit Nr. 130. Carl Branzlow(Inhaber August Deier) (wegen Maßregelung), König straße 23. Die Deborwachnngs-Kommission 264 der Tabakarbeitor Berlins. Verein der Bauanschläger Berlins. Donnerstag, den 8. Mai, starb plötzlich unser Kollege Herr G. Baudach. Die Beerdigung findet am Dienstag, den 13. Mai, Nachmittags 6 Uhr, von der Leichen- halle des Elisabeth- Kirchhofes (Prinzen-Allee) aus statt. Um rege Betheiligung bittet Der Vorstand. Grabdenkmäler Mnrmor, Spit nnil ertigt zu den solidesten Preisen A. Zabel, Schönhauser Allee 163. III Empfehle mein Geschäft in Irischen Blumen und Kränzen. 1212 Robert MeyeP| Nr. 2 Mariannenstraße Nr. 2. Fachverein der Tischler. {gglgr Sonnabend, den 17. Mai,: im„Konzerthause Sanssouci", Kottbuserstraße Nr. 4a Tanz-I�ra&nzchen. Billets hierzu sind bei folgenden Herren zu haben: Fest, Stallschreiber- straße 43a; Millarg, Lehrterstr. 22 II; Apelt, Scbastianstr. 27/28; Mende, Wiener- straße 37 II; Schmidt, Fürbringerstr. 25, Hof I, bei Wiedeholz: Schade, Rudersdorferstr. 64; Glocke, Lausitzerstr. 52 III; Wiedemann, Wendenstr. 2 IV; Dahlgrün, Adalbertstr. 96, Quergeb. IV, bei Bomba----- Haberland, Reichenberger- straße 161 II; Miele, Adalbertstr. 9 IV; Monien, Kreuzbergstr. 9, Quergeb. III. Ferner sind auf allen Zahlstellen des Vereins Billets zu haben. .Ireichen Besuch ersucht 339 Oer Vorstand. Grosse öffentliche Versammlung sämtlicher(taeiirc nnö Menre Berlins uns UWegeud am Dienstag, den 13. Mai, Abends SVa Uhr, bei Feuerstein, Alte Jakobstrasse No. 75(oberer Saal). Tagesordnung: 1. Wie verhalten wir uns den am 1. Mai gemaßregelten Kollegen gegenüber? 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. 327 Zur Deckung der Unkosten findet Tellersammlung statt. Es ist Pflicht eines jeden Kollegen, in dieser Versammlung zu erscheinen. Achtung! Ten Mitgliedern der Central-KrankeMe öer Maurer, Eteinhaner K., „Nrnndstein zur Cinigheiss', zur Nachricht, daß die VersammluH nicht am Mittwoch, den 14. Mai, der» am Freitag, den IL. Wa'i Abends 8 Uhr, Beuthstr.£0 stattfindet. 831 Die örtliche Verwaltung' W e i 6 e. Folgende Werkstellen sind Maßregelung von Kollegen bis weiteres zu meiden: Kapler(Aktiengesellschaft), Prinzi»' Allee 75/76 Neumeier(Merkstatt für Klaviere), Britzerstraßc 7. Der Vorstand de« Fachvereins der Tischi®" Kreit BereichW der Kanflente. Donnerstag(Himmelfahrtstag), den 15. Mai i Herren-Partie nach Erkner, Kalkberge Riidersdars re. Abfahrt Bahnhof Alexanderplatz Morgens 6 Uhr 5 Min. präzise. Nachzügler fahren Mittags 1 Uhr 10 Min. vom Bahnhof Alexanderplatz nach Erkner. Treppunkt: Woltersdorter Schleuse. 323 Der Vorstand. Fachverein der Tischler für den Westen und Halleschen Thor-Bezirk. Mittwoch, den 14. Mai, Abend» 8Va Mir, in Kabels Krauerei, Kergmannstraste Ur. 5—7:_ Grosse Versammlung. Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn Gerisch übet:„Nationalreichthum und Nationalarmuth". 2. Diskussion. 3. Vereinsangelegenheiten und Verschiedenes. Aufnahme neuer Mitglieder.— Jeder Tischler hat Zutritt. Um recht zahlreiches und pünktliches Erscheinen ersucht 313 Der Bevollmächtigte. Ächtung! Kerliner Arbeiter- Kildnngs- Verein! Die in der„Berliner Volks-Tribüne" angekündigte Versammlung zum 14. d. M. findet nicht bei Lehmanns, Schwedterstraße 23, sondern in der Aktien-Brauerei Friedrichshain(früher Lips), Abends 3V» Uhr, statt. Referent ist Reichstagsabgeordneter Bruhns aus Bremen. Alle Ge- nassen sind hierzu eingeladen. Aufnahme neuer Mitglieder. 309 I. A.: Ernst Fischer. Steinmetzen! Die Herren-Fuss-Partie findet am Donnerstag(Himmelfahrt) nach Pichelsbergs statt. Abmarsch 7 Uhr Morgens vom Brandenburger Thor. Die Schöneberger und Wilmersdorfer Kollegen schließen sich 8 Uhr Morgens in Westend an. Hierzu ladet ein 811 Albert Hempel. Stn Emiini Tis Jan 80 Herren- u. Knaben- 316 i Garderoben-Geschäft. IBS Willi Pohl* Elisabelhkirchstr. VV Uli. r diu, Nr. 8 am Pappelp l. t'Xgi r zu repairren(außer Kruch) kostet bei mir Mark unter Garantie des Gut- und Richtig- gehens. Kl. Reparaturen entsp. billig. Lager aller Arten Uhren, Bold- und Silborwaaren. 674 C. Wunsch, frass Freunden und Bekannten, sowie meiner werchen Nachbarschaft empfehle bei Bedarf meine 162 Cigarren Geschäfte Eig. Fabrikate. Verl. z. Engros-Preisen. E. Storde, SS!W--. %#i#("" WlWltt» jed. Art u. Größe, Portieren, Gardinen, Tischdecken, Läuferstoffe, Steppdecken unterm Kostenpreis. Einzel- Verkauf Teppichweberei Zimmerstr. 86, Hol part. 853 Lasialle-, Marx-, Bebel-, Liebknecht-, Singer-Köpfe, als Cig.-Spitze, echt Meersch., a. 1,50 M. und besser. Wieder Verkäufer Prozente. 1205 B. GUnzel, Brunnenstr. 157. Roh-Tabak rtÄ" Größte Auswahl, billigte Preise. 667 6. Elkhuysen, Miinistr. 10. Allen Genossen empfehle mein Schuhwaaren Geschäft Skalitzerstrasse 125. 18 A. Heinrmanu. Für Restaurateure! Kleines Orchestrion mit Auto >nat verkauft Restaurant Prinzessinnen- straße 15 für 400 Mark.[319 Die Beleidigimg gegen den Arbeiter Paul Deich nehme ich zurück und erkläre ihn für einen Ehrenmann. 332 R. Mayer. Große öffentliche Versammlung snr samnltlilhe Zimmerer Berlins uns Ilmgegenö am Mittwoch, de» 14. Mai, Abends SV» Uhr, in Mai'« Festsälen(früher Hegdeich), Beuthstraße 20—22. Tagesordnung: 1, Abrechnung der Bewegung von 1889. 2. Der Hamburger Streik und wie verhalten sich die Berliner Zimmerer dazu? Referent: D i n a r- Hamburg. " Wie schützen wir die Platzdeputirten?[314 Zur Deckung der Unkosten findet eine Tellersammlung statt. I.A.: Der Gesellenausschuss. R. Päsler, Dalldorferstr. 4. Veröanö k>er deuWtn nnö MerMeiter ö1� Uhr, bei Feuersteift»% Jakobstraße 75: � Mitgliederversammlung; Tages- Ordnung: 1. Vortrag Stadtverordneten Herrn V o g tb»5' „Nach dem 1. Mai." 2. Diskus!'� 3. Verschiedenes.— Zeitungen Wochenbeiträge, ebenso die Ausnah� neuer Mitglieder in der Versammlu»i beim Kassirer. Gäste willkommen.% recht zahlreiches und pünktliches � scheinen ersucht Oer Vorstand� Die Kollegen der Werlstelle Klflllfss' Prinzessinenstrasse 24, M. mit dem Meister wegen der Arbeit-1?, in Differenzen gerathen. Der Streik in der C.H. ist beendet. Wir ersuchen die � ausstehenden Listen an Fr. Hell*''' Waldemarstraße 41, Hof 4 Trepl� einzusenden. _ Die Kommission Aufforderung. Alle, die noch im Besitze von Saww? listen für die ltreikcndcn Möbelpoi' sind, werden aufgefordert, da der St siegreich beendet ist, dieselben im hureau, Blumenstraße 38 bei Abends von 7 bis 10 Uhr abzuliesck' Die Streikkommissioi*1, Wilhelm Lindncr, Oderbergcrstr�s U Klagen, Reklamationen, Gesuche werden im Restaurant Zio", I kirchstr. 42 angef. Volksbl. l Kinderivagen u. Feldbettst.. fast �. bll. z. vk. Liegnitzerstr. 2, H. I. Ladcnt�. j Arbeitsinarkt. Verein der geiverblichen Hilssarbeiter Verlins nnö Umgegenö. Generalversammlung am Dienstag, den 13. Mai 1890, Abends SVa Uhr, in Renz's Salon, Naunynstr. 27. Tagesordnung: 1. Kassenbericht. 2. Situationsbericht. 3. Neuwahl des gesammten Vorstandes. 4. Verschiedenes und Fragekasten.— Es ist Ehrenpflicht eines jeden Mitgliedes, in dieser Versammlung zu erscheinen. 318 Der Vorstand. Große öffentliche Versammlung der KnOrschMe Krr lins und Umgegend am Dienstag, den 13. Mai. Abends 0 Uhr. Landsbergerstraß» 37. , ä a.-----—.?—w—— ry** 316 Die Tagesordnung wird in der Versammlung bekannt gemacht. Das Streikkomitee. Große Versammlung aller Kartanarbeiterinnen n. Arbeiter am Dienstag, den 13. Mai, Abends präzise 8 Uhr. im gr. Daale der Krauerei Friedrichshain(früher Fips) am Friedrichshai«. Tages-Ordnung: 1. Der Streik(Achtstunden-Bewegung) der Kartonarbeiterinnen. Refe- rentin Frau Marie Greifenberg. 2. Diskussion. 3. Die Maßregelungen von Seiten der jtartonfabrikanten. 4. Verschiedenes.— Zu dieser Versammlung sind alle Arbeiterinnen und Arbeiter aller Berufe eingeladen. 247 Oer Einberufer. NB.: Die Versammlung ist genehmigt. Soeben erschien Ter malte Jacob Mr. 99. durch die Expedition Zu beziehen Beuthstraße 3. BB Achtung I Kein Laden. Nur eigene Fabrikation, 25 Zigarren 1 Marl Garantie rein amerikanischer Tabake. Rippentabak 2 Vsd. 60 Pfg. 234 K. L Dinstage, Kottbuserstraße 4, Hos part. Schlfst.f.M.Nickert,Swinemünderst.47lV Schläfst, f. Hrn., sep. Eing., z. vm. Admiralstr?8, Querg. IV, b. Amelung. Tücht. Metallschleifer aul. Jnstrum. Laemrnstein, Sopyiensw Ein Cigarrrnmachcr oder Nigarrrnmachrii»(Hausarb.) r sof. ges. Zabel, Potsdamcrstr. durchaus tüchtige Arbeiter, für%% mark gesucht. Dauernde, gute gute Löhne. Nähere Auskunft zwi M 11 und 1 Uhr Vormittags und zwir� 3 und 5 Uhr Nachmittags bei Moritz Salomo"» 325 Kurftr. 18/19.___, Ein Sohn anständiger Eltern, Lust hat, Töpfer zu werden, Meister. Gef. Adr. an Tröschle, mannstraße 17, 4 Tr. Tüchtige Drechsler auf Gab"' vl. dauernd G. Hoff mann, yi'" Steinmetzen W. dell'Amior Nachf., Luther, tt. Das Arbeitsnachweisbuj� -nt ei z>■*%f**••Cj O" nd genossen(Filiale Berlin)� besindr���i des Verbandes der VergO""� Gcidlcistenarbeiter""" Schillingstrasse 30a und si'L die Adressenausgabe für Mitg�e, und Stichtmitglieder unentgeltlich Lj und zwar von jetzt ab den ganze« bis 9 Uhr Abends. Die |tnb verpflichtet, nur den Arbeits«�, weis zu benutzen Veranwortlicher Redakteur:«nrt Kaakr in Berlin. Druck und Verlag von Mar tu Berlin SW„ Beuthstraße 2. Kartonarbeiterinne� und-Arbeitern � wird Arbeit nachgewiesr» durch die Kommifston, strasze Stt bei Kalzinann. (H Hierzu zwei SJeil'"5 1. Nr. 109. stenstag, den 13. Mai 1890. DÄvlQsnenlsl�erieszke. Deutscher Reichstag. 4. S i tz u n g v o m 12. M a i, IV* Uhr. Am Tische des Bundesraths: v. C a p r i v i, v. B ö t t i ch e r, "Lucius, v. Oehlsch läger, v. Marschall u. A. . Nachdem der Gcsekentivurs, betr. die Ausdehnung des§ 14 r Gebührenordnung für Zeugen und Sack)versläudige auf f-er- [ bei Soldatenstandes in dritter Berathung entgllUg ge- "chmlgt ist, tritt das Haus in die erste Berathung eines N a ch- "agsetats für 18yo/91 ein. Es werden in demselben ver- Mgt als einmalige Zluscmbcn 4 500 000 M. für Maßregeln z u r u n I e-r c ar».is1"«.."».».7-7- «Itimmte Mittheilungen jw, machen� wetcy l�usfichttich in der nuni Herrn—•vv*v•iv*v,vv,ivib/ guriu�i* uiv-"M C�?om,niffar§ ZU prüfen. Diese Prüfung ist norge- iwi._" ivorden an Ort und Steüe niilitnvisrl-lt»« und rerl�- Gesichts}; ien Rechu gsältigen ugsetat vor. Wenn ich mir das Wort erbitte, diese Bor. wurden. Es nunmehr laufenden Etatsperiode erforderlich war nothivendig, zunächst die Vorschläge des .». f � 3._.._." p_/ f.*_ r_*Yr__ � a.*. a« � a. "ttif'Äl" m0"?611 an Ott und Stelle vom militärischen und rech- di,J.' l1 Gejichtspuukte aus durch den Herrn Major Liebert und diis.» /'ueu Rechnungsbeamten nieines Ressorts. Das Ergebniß "äst igen Prüfung liegt Ihnen in dem gegen, värtigen T.' NrtV 4 /*X\•***%• Cfi)»**•+ fa Strtfa "uniPypM,'Wiyc.iitniy ut'cv ttuviie, vis. vvitisM/wi wir J1'"' deutschen Angehörigen in Ostafrika widerfahren war; � wollten ferner— und v"=---'—---— iftb erff ie Unterdrückung »ickeu."""Andels Raun r" deutschen<_______________.................. bii�. eä als eine gebieterische Pflicht erachten, von dem Augen- Jitüs.""-.wo wir Fuß in jenen Gegenden gefaßt hatten, mit allen W x �>nzutreten, um die eingeborene Bevölkerung zu befreien Stinmif" Jauche, der seit Jahrhunderten auf rhnen lastete. das war der Hauptgesichtspunlt— _ des fluchwürdigen Sklavcuraubes Raum schaffen für eine gedeihliche Ent- deutschen Jntereffen in jenen Gegenden. Wir 4 U»V. vvy V, w*[ vi V VV«. l»v*|.»/»»v.».v.|.v.v. daß v,.'1 doch alle Kenner des dunklen Erdtheils darin nberein, tilbe I" Befreiung die erste und grundlegende Voraussetzung W' fjai jenes Land dem Christenthum, der Zivilisation, dem L hi.'®n Wohlstande zu erschließen.(Bravo!) Wir haben bis- "dii* � Z�l stets unverrückt im Auge behalten, und ich darf Qs,..- das wird auch in Zukunft geschehen. Was bisher in Sie l. v1'. bani Ihrer Bewilligungen erreicht ist, das entnehmen de,, gß. den Mittheilungeu, die Ihnen in fortlaufender Folge in �ai.. j.?düchern unterbreitet worden sind. Es wird außerdem lhj""tebert, der soeben von Ostafrika zurückgekehrt ist, in der cb-.n, Ihnen nähere Mittheilungen zu macbe». Ich . wich also darauf, in einzelnen großen Zügen -w die gegenwärtige Situation zu schildern. Es .Zwei Ereignisse, die im nördlichen Theile von Leidender Bedeutung gewesen sind; einmal die Ge- j�wuahme Buschiri's: er hat für seine Schandthaten am «Dezember vorigen Jahres den verdienten Lohn empfangen. '%"hm war das Räuber- und Bandenwesen erloschen, das er L, Mangan bis zum südlichen Theil von Usaramo eine Zeit V"ut Erfolg organisirt und geführt hat. Das zweite Ereigniß Hit i,c Unterwerfung Buanaheris, der seine Landschaft Usegua ��gie vcrtheidigte. Ich möchte gerade auf dieses Ereigniß Vi°'°nderes Gewicht legen, weil uns hier recht deutlich das 'Wrx1* �silgegentritt, wie die Eingeborenen Alliirte Teutschlands '"M,, sind. Buanaheri war wiederholt geschlagen; seine Unter- US? wurde dadurch herbeigeführt, daß die uns befreundeten >-i.,'"wge ihn umstellten und ihn aushungerten, inden, sie ihm Sit,," Proviant mehr zukommen ließen. Tie gegenwärtige Wmn" darf ich, ohne dem Verdacht einer allzu optimistischen lchsj llUng z„ unterliegen, nach allen Berichten dahin charak- «»Men. X..?----..„v— 1« f" tcst» I $ ■UJO«,' vv» IVIIVV vi»vyv*i v M»vv g»vuv t/.vy I T StrÄrtÄ£ srÄ swr: t((1: innere unterdrückt.(Bravo! rechts.) Und demen MKUAMK MWWOW ■ in dem Verdacht steht, für w I ctimok" bciv und ich darf darauf hinweisen, daß�dre �. �/ f;.fy. K& Weltblatt, das sonst nicht n sitz� Ne Kolonialunternehmungen allzu ■I Reichskommissars nach dem 800 Kilometer von der Küste ent- fernten Mpwapwa gemacht haben. Das Auswärtige Amt glaubte, als der Herr Reichslommissar mit dem Vorschlage hier auftrat, Mittel zu bewilligen zu einer weiteren Expedition in das Innere, inn so weniger Anstand nehmen zu sollen, dieselben zu bewilligen, als wir hierzu in der Person unseres Landsmannes Eutin Pascha eine ausgezeichnete Kraft gewonnen haben, und ich darf rühmend hervorheben, daß dieser Mann, der glänzende Beweise seiner Beharrlichkeit, seiner Tüchtigkeit gegeben hat, keinen Augen- blick gezögert hat, obgleich ihm von anderer Seile viel glänzendere Anerbietungen gemacht worden sind, seine Erfahrungen, seine Autorität in afrikanischen Dingen, seine Sachkenntniß aus freien Stücken in den Dienst seines Vaterlandes zu stellen.(Lebhaftes Bravo.) Diese Expedition, die Emin Pascha zu führen hatte, ist Gegenstand einer Reihe von Legenden geworden; man hat der deutschen Reichsregierung alle möglichen abenteuerlichen Pläne imputirt. Ich glaube, der Gedanke, als ob wir irgend die Ab- ficht hätten, in dem Augenblicke, wo noch die Eroberung des Südens bevorstand, einen großen kostspieligen Kricgszug auszu- rüsten nach solchen Ländern, von denen wir der englischen Re- gierung schon wiederholt amtlich erklärt haben, daß sie außerhalb unserer Interessensphären liegen, dieser Gedanke ent- springt zu offenbar einer etwas erhitzten kolonialen Phan- tasie, als daß ich nöthig hätte, darauf näher einzugehen. Zur Beruhigung aber möchte ich erklären: Diese Auf- gäbe Emin Paschas ist keine Andere, als im Innern der uns unbestritten zugehörigen Juteressenphäre freundliche Beziehungen mit den Eingeborenen anzuknüpfen, vor allen Dingen auch die Interessen der dort angesessenen Missionäre zu schützen— zu die- fem Zwecke begleitet ihn der bekannte Pater Schynse—(Bravo! im Zentrum), allerdings auch die Frage in Erwägung zu ziehen, ob und inwieweit und mit welchen Kosten etwa dort Stationen errichtet werden können zur dauernden Sicherung der Karavanen- straften und zur nachhaltigen Unterdrückung des Sklavenhandels. (Bravo!) Wir bewegen uns hierbei auf der Linie, die uns die Berathungen des Brüsseler Kongresses vorzeichnen. Denn dort sind alle Sachkenner zu der übereinstimmenden Meinung gelaugt, daß eine nachhaltige Unterdrückung des Sklavenhandels nicht möglich ist, wenn nicht im Innern Stationen angelegt werden und das Uebel an der Wurzel angefaßt wird. Inwieweit wir das können, inwieweit das möglich ist, finanziell das zu leisten, das wird Gegenstand weiterer Vereinbarung mit dem Reichstag sein. Nun gestatten Sie mir zum Schluß noch einige kurze Bemerkungen über unser Verhältniß zu England. Ich möchte die Bitte aus- sprechen, daß bei der Diskussion auf die schwebenden Ver- Handlungen mit England eine gewisse Rücksicht genommen wird. Ich überlasse es Ihrem taktvollen Ermessen, eine Erörterung der- jenigen Fragen zu vermeiden, wegen deren wir in Verhandlung mit England sind. Wir sind nach wie vor entschlossen, in unserer Kolonialpolitik und speziell in Ostasrika Hand in Hand mit Eng- land zu gehen, und ich darf mit Genuglhuung konstatiren, daß diese freundliche Gesinnung von Seiten der englischen Regierung in der loyalsten Weise erwidert wird.(Bravo!) Die freund- lichen, ich darf sagen frenudschaftlichen Beziehungen zu England, deren Pflege eine wichtige Aufgabe Sr. Majestät ist(Bravo!), schließen ja nicht aus, daß aus unserer stlachbarschast gewisse Differenzpunkte entstehen. Ich finde es menschlich begreiflich, daß diese Differenzpnnkte von den näher Betheiligten in Klagen und Vorwürfen, auch in Uebertreibungeu mit mehr Eifer in der Oeffeutlichkcit zur Geltung gebracht werden, als dies vielleicht für eine ruhige, sachliche Erledigung dienlich ist. Allein diese öffentlichen Diskussionen geben kein Bild von dem Verhältniß von Regierung zu Regierung. Wie die früheren Verhandlungen, so werden die jetzigen geführt in dem Geiste des beider- seitigen Entgegenkommens und in der Erkenntniß, daß es für beide Theile gleich nützlich ist bezüglich der ungelösten Fragen, soweit möglich, zu einer abschließenden Verständigung zu ge- langen. Was speziell die Abgrenzung unserer Jnteresscusphäre betriät, bezüglich deren neue'Abmachungen nöthig sind, da das frühere Abkommen durch die Entwickelung der Dinge überholt worden ist, so kann es nicht die Aufgabe sein, möglichst viel Terrain auf der Karte anzustreben; vielmehr wird das ernste Augenmerk darauf zu richten sein, daß das, was zusammengehört nach seiner geographischen Gestaltung, nach den Verkehrswegen zu Wasser und zu Lande, nach jden Verkehrs- und Handels- beziehungen, zusamnienbleibt, und daß jedes der beiderseitigen Gebiete ohne die Gefahr fortwährender Reibungen selbstständig zu einer gedeihlichen Entwickelung geführt werden kann. Wir sind beiderseitig bereit, die kleineren Interessen, die uns trennen könnten, in den Hintergrund zu stellen und stets vor Augen zu behalten, daß bei allen Sonderinteresfen, die wir zu vertreten haben, doch auch eine gemeinsame Aufgabe uns gestellt ist und wir namentlich auf dem Gebiete der Unterdrückung des Sklavenhandels und der Verbreitung des Christenthunis zu gemeinsamer Arbeit, nicht zum Streite berufen sind.(Lebhaftes Bravo.) Ich schließe meine Bemerkungen mit der Bitte, Sie möchten den Ihnen vorgelegten Nachtragsetat einer sorgfältigen und wohlwollenden Prüfung unterziehen und nicht wankend werden in dem Entschlüsse, das Werk zu vollenden, was wir be- gönnen haben, und das zu erhalten, was wir errungen haben mit Opfern nicht nur an Gut, sondern auch an deutschem Blute. (Bravo!) Ich bitte Sie, in diesem Sinne an die Berathung der Vorlage heranzutreten und das Vertrauen zu den verbündeten Regierungen zu haben, daß sie, wenn es sich um definitive Ge- staltung der Dinge handelt, stets bereit sind, eine Ordnung der Dinge anzustreben, die dahin geht, daß die gebrachten Opfer, wie sie von der Allgemeinheit getragen worden sind, so auch dem all- gemeinen nationalen Interesse zu Gute kommen müssen.(Lebhaftes Bravo!)| Abg. Dr. Fambergcr: Dem Herrn Staatssekretär kann ich nicht das Recht bestreite», sich auf den Boden zu stellen, als sei die Fortsetzung der seit zwei Jahren in Ostafrika begonnenen Kolonialpolitik eine selbstverständliche Sache; denn die Mehrheit des Reichstages hat mehrfache Bewilligungen in diesem Sinne ausgesprochen. Immerhin war aber im Reichstage eine namhafte Anzahl von Mitgliedern, namentlich die größte Mehrheit meiner Fraktion der Ansicht, daß unsere Kolonialpolitik, besonders die in Oftafrika, ein Jrrthum sei. Angesichts der jetzigen Lage müssen wir auf diesen Standpunkt mit Nachdruck hinweisen. Wir können nicht zugeben, daß wir durch das, was bis jetzt ge- schehen ist, unwiderruflich gebunden seien, alle die Schritte weiter zu thun, die uns zu einen, uferlosen Vordringen in das Innere von Afrika und zu einer Kolonialpolitik führen, die mit den Interessen Deutschlands nicht entfernt im Einklänge steht. Wir sind in nnserer Fraktion durchaus nicht abgesagte Gegner einer jeden Kolonialpolitik, aber Gegner derjenigen, wie sie si,' im Deutschen Reich entwickelt hat und namentlich jetzt in Ostafrika vollzieht. In dem Anfange der ziger Jahre dachte weder die öffentliche Meinung, die breiten Massen des Volkes daran, daß Deutschland Machtsphäre jenseits des Meeres ausdehnen müsse. Als______ die Kolonialfrage raset) an uns herantrat, genoß sie eine gewisse Gunst, so lange sie m,t der Auswanderungssrage in Verbindung gebracht wurde, da der Wunsch allgemein war, es möchten die Millionen deutscher Auswanderer dem Vaterlande erhalten werden sich acht- noch seine dann und in intimster Beziehung mit ihm W?iben. Man hat nül damals immer entgegengehallen, daß es /sich nicht um ein rechnimgs- mäßiges Prüfen der Vortheile handeln könnte, sondern- daß patriotische Betrachtungen den Ausschlag geben müßten, daß es sich mit einem Worte darum handele, das Vaterland muß größer sein. Aber in Ostafrika kann von einer solchen Answanderung nicht die Rede sein.(Zuruf rechts.) Ist Herr v. Kardorff unter Ihnen?(Abg. von K a r d o r s f: Ja! Heiterkeit.) Hier handelt es sich um Pflanzkolonieen, und da bin ich berechtigt, zu untersuchen, ob diese Unternehmungen einen wirthschaft- lich verwendbaren Werth für uns haben oder nicht; da darf man mir nicht vorwerfen, ich wäge mit krämerhastem Sinn eine Maß- regel, welche mit der Größe der Nation zusammenhängt. Ich will sofort den früher gemachten Einwand begegnen, den be- sonders der frühere Chef der Reichsregierung in seiner scharf pointirtcn Weise in den Ausspruch zusamn, engefaßt hat, man möge doch nicht verlangen, daß diese kolonialen Unternehmungen schon am nächsten Donnerstag einen Ertrag bringen. Nein, so thöricht ist Niemand, sich bei diesen Dingen auf ein sofortiges Resultat gefaßt zu macheu, aber bei allen solchen Unternehmungen ist abzuwägen, wie sich die künftigen Vortheile zu den erforder- lichen Opfern stellen. Hier sehen wir ein ungeheures Mißver- hältniß zwischen dem, was jetzt von den deutschen Steuerzahlern verlangt ist und noch verlangt wird, und dem, was dafür einige Plantagenunternehmer oder eine Kolonial- gesellschaft an Vortheil erzielen könnte. Die Vortheile sind ungewiß und in absehbarer Zeit nicht als bedeutende zu erwarten, und die Last ist eine sehr schwere. Mit Deutschen können Sie die Kolonien nicht betreiben, Sie müssen mit deutschem Gelde Neger, Kulis, Chinesen beschäftigen, und das ist nicht nur sehr schwierig, sondern auch sehr theuer. Was etliche Gesellschaften dabei herausschlagen können, kann mit den Opfern, die Deutsch- land an Menschen, Arbeit nnd Zeit bringt, nicht im Geringsten verglichen werden. Die Kolonialpolitik steht auch durchaus nicht im Verhältniß zu dem Gefühl der Unsicherheit, das wir in Deutsch- land haben können, wenn wir jetzt unsere Vertheidigungslinie weit hinaus in entfernte Gegenden verlegen. Die Gefahr mag ja nicht nahe liegen, daß Deutschsand zur See in seinen entfern- ten Besitzungen angegriffen wird, aber Niemand wird bestreiten: Mehr tritt die Gefahr, daß wir angegriffen werden, für den Fall eines ausbrechenden Krieges in den Äordergrund. Auch die Empfindlichkeit Deutschlands wird dadurch vergrößert, daß wir verwundbare Punkte ansammeln, an denen von heute auf mor- gen eine völkerrechtliche Verwickelung entstehen dürfte, die ja nach dem Temperamente der Völker und der Regierenden die vcrhängnißvollsten Folgen haben kann. In den vier oder 5 Jahren, seitdem wir die Kolonialpolitik begonnen haben, sind wir dreimal schon in Konflikt gekommen, nnt der sranzö- fischen Regierung in Westafrika, dann in der berühmten Karo- linengeschichte und schließlich in Samoa. Ein Mann wie Fürst Bismarck tonnte sich damals vielleicht leichter als ein noch so vortrefflicher nnd ausgezeichneter Nachfolger heraushelfen. Wer ein solches Kapital von europäischer politischen, diplomatischen Autorität für sich hat, sich so oft durchgeschlagen hat, kann sich auch mal ein bischen am Ohr zupfen lassen. Ich habe das vollste Vertrauen zu dem Nachfolger des Fürsten Bismarck, aber es können noch viele Nachfolger komme» und sie werden kommen, und was dann bei Konflikten geschehen kann, ist unberechenbar. Wenn jedes Jahr unendliche Mehrforderungen für unsere Vertheidigungskraft gestellt werden, so scheint mir jede Äer- mehrung der Gefahr unverantwortlich, wenn nicht enorme Vor- theile gegenüberstehen. Morgen und übermorgen werden die verschiedenen Parteien, die einen vielleicht in der Moll-,, die anderen in der Dur-Tonart, sagen: so kann es mit den Militärforderungen nicht weiter gehen. Und jetzt sollen wir noch für die höchst zweifelhafte Kolonialpolitik Opfer bringen und die Möglichkeit von Konflikten auf dem Boden der europäischen und außereuropäischen Politik vermehren! Daher waren wir von Anfang an gegen die Kolonialpolitik und sind heute gegen die Ausdehnung derselben. Der Staatssekretär hat allerdings, wie wir gewohnt sind, den Ausdruck auf die Sklaverei- frage gelegt. Alleroings muß diese mit in Betracht gezogen werden, sie hat eine Rolle mitgespielt, als wir den Feldzug in Ostafrika unternahmen, aber die Hauptsache ist sie nicht. Der Staatssekretär sprach von den Abmachungen mit England und von der Anlegung von Stattonen für die Karawanen, aber zwischen den Zeilen konnte man lesen, daß es sich darum handelt, ein Kolonialdirektorium in Ostafrika zu begründen. Die Be- kämpfung des Sklavenhandels giebt dabei eine ganz verdienstliche Dekoration ab, ist aber nicht die Hauptsache.(Sehr wahr! links.) Wohin hat man uns geführt? Als im Jahre 1884 zum ersten Mal von diesen Dingen die Rede war, bieß es nur, man wolle die Teuffchen, die auf eigene Kosten Kolouialpolitik betreiben, nicht unbeschützt lassen, und es wurde das englische System der colonial Charters von dem Reichskanzler als Grundlage vorgeführt und dagegen protestirt, daß an etwas anderes zu denken sei. Die erste Denk- schrift über die deutschen Schutzgebiete von 1885/86 gab dieser Anschauung mit deutlichen Worten Ausdruck. Damals war man in der Kolonialpolitik keusch und enthaltsam, und von Feldzügen, von Truppen, von Kasernirungen und all dergleichen war wicht im entferntesten die Rede, und wer sich vermessen hätte, so etwas vorauszusagen, wurde sicher ein Unglücksprophet genannt worden sein. Noch in der Begründung der Vorlage zur Unterdrückung der Skaverei vom Jahre 1889 hieß es, die Jnterventton des Reichs könne in der Regel nur anderen auswärtigen Mächten gegenüber zur Geltung kommen; die Ueberwältigung des Wider- standes der Einwohner des zu kolonisirenden Landes sei aber Aufgabe der Unternehmer. Machen Sie uns kein T für ein 11, schon stehen wir vor einem Feldzuge, den wir nicht absehen können. Das Deutsche Reich ist in die ostafrikanische Kolonial- Politik hineingezogen wie, entschuldigen Sie den Ausdruck, ein Spieler. Nachdem sich erst die westafrikanischen Kolonien die Gunst der Regierung erworben hatten, kam die Lust auch für Ostasrika, nachdem ein paar junge Leute, deren Unternehmuugs- geist ich zwar bewundere, mit wenigen Mitteln und wenigen Vorbereitungen dort Tausende von Quadratmeilen Land erwor- ben und mit allen Fürsten Verträge geschlossen hatten, unter denen Negerkrenze standen; was weniger werth ist, als diese Neger- kreuze, weiß ich nicht. Ein Dorfhäuptling hat dem Dr. Peters sogar sein ganzes Gebiet abgetreten mit allen den Rechten, die dem deutschen Staatshoheitsrecht gleich stehen.(Heiterkeit.) Dann sollte die ostafrikanische Gesellschaft von dem Land Besitz nehmen. Das war allerdings nicht so leicht, wie der Abschluß jener Ver- träge. Sie pachteten aber vom Sultan von Sansibar die Zölle, und dies Geschäft war von vornherein nicht gerade schlecht, ivenn auch mcht die deutsche See- und Landmacht dazu bestimmt ist, solche Unternehmungen mit Kanonen zu vcrtheidigen. Dann kam der Konflikt mit den Eingeborenen. Das war vielleicht ein Uu- gluck für Deutschland, aber ein Glück für die Gesellschaft. Ohne diese Streitigkeiten wäre das Deutsche Reich schwer- lich zu dem Kampfe zu Gunsten der Gesellschaft und zu einem Eroberungszuge ins Innere veranlaßt worden. Es fehlte nun nur noch die Br ücke, um im Gegensatz zu alle» bis- herigen Anschauungen dazu übergehen zu Ainnen, mit beivassufter Hand das Ansland zu erobern. Diese Brücke bot die Frage der Sklaverei. Ich will heute zwar Niemandem einen Vorwurf machen, aber die Herren vom Zentrum tragen am nächsten die Verantwortung, daß wir in die ostafrikanische Sache hinein» gezogen sind. Die Herren werden ja auch heute sagen, da man einmal Ä gesagt habe, müsse man auch das ganze Alphabet durchbuchstaviren. Unsere jetzigen Kolonien in Amka sind beinahe zn reinen Kronkolonien nach englischem Wtuster geworden, nur mit dem Unterschied, daß Lasten unv Vortheile nicht gegen- seitig sind, sondern das Reich alle Opfer bringt und die etwaigen Äortheile die Ostafrikanische Gesellschaft hat. Die Ge- sellschaft Hütte gar nichts Besseres thun können, als einen solchen Konflikt hervorzurufen, der ihr die Vortheile der Kronkolonien einbrachte. Jetzt hat man der Gesellschaft nach einer Zeitungs- Meldung sogar ein Regal zugestanden, das eine direkte Ausübung des Hohnts rech res bedeutet, während alle Lasten desselben dem Reiche zufallen. Man hat ihr nämlich das Recht gegeben, Geld zu prägen, wovon sie recht erklecklichen Nutzen ziehen wird, denn zwischen dem wirklichen Gehalt des Geldes und dessen Nominal- Werth wird ein großer Unterschied sein. Das System der eng- lischen Charters ist bei uns völlig in die Brüche gegangen. Haben Sie von einer englischen Gesellschaft gehört, daß sie Krieg fuhrt, Truppen in das Feuer schickt? Die englischen Gesell- schaften machen dabei ihre Sache nicht schlecht, man rühmt sie ja als uns gefährlich. Die Unterdrückung des Sklavenhandels ist wirksam nur möglich mit der Abschaffung der Sklaverei über- Haupt. Die ostafrikanische Gesellschaft würde sich selbst aber in die größte Schwierigkeit setzen, wenn sie versuchte, die Sklaverei zu beseitigen. Es heißt jetzt, Wißmann habe in Verbindung mit Vohsen bestimmte Stationen zur Besetzung in Aussicht genonimcn; und darunter sind auch Diejenigen genannt, die vornehmlich mit Sklaven handeln. Die Sklaverei geht daranch hier geioifsormaßen unter dem Schutz deS Deutschen Reiches, und andererseits sagt man, alle unsere Opfer gelten der Unterdrückung der Sklaverei. Stein, Unternehmungen von Plan- tagen u. dcrgl. sind es, woraus man ausgeht. Es wird auch schon zugemulhet, demnächst auf Kosten des Reiches eine Bahn in O afrika zu bauen. Im Januar 1889 sind die ersten zwei Millionen für Ostafrika bewilligt worden; die zerschmolzen wie Butter an der Sonne; bald folgten weitere zivei Millionen; dazu kam dann die Srrpention der Dampfer, die sicherlich nicht für die Bedürfnisse des Handels geschaffen worden sind, in der Höhe von neun Millionen, das sind zusammen 13 Millionen. Nun verlangt man heute wertere fünf Millionen, so daß wir auf 18—19 Millionen kommcii, die bereits für Ostafrika ausgegeben sind— alles Das für die Deutschostafrikanische Gesellschaft, deren Vermöge» auf ihrem Kulminationspunkte auf höchstens fünf Millionm geschätzt wurde. Es äußert sich ei» romantischer Srn», den wir ja bei alle» Naiionm mehr oder weniger vertreten finde», ein Luxus gebildeter Kreise, die sich erwärmen an dem schönen kolonialen Gedanken, jensciis des Meeres eine große Rolle zu spiele». Wer behauptet, daß die Ausgabe aller dieser Millionen die Zerstörung eines mit saurem Fleiß erivorbenen National- Vermögens bedenke, den stellen sie als Philister hin. Ich habe den Ehrgeiz, nach dieser Richtung, als möglichst großer Philister zu gelte», mögen die Dinge aus einem noch so schöben Geffihl heraus eutspringeu. Koloniatpolitik ist Wirthschaftspolitik, und Wirth- schaitopolitik muß rechnen. Wie mit dem Gclde, ist es auch mit den Schwierigkeitell gegangen. Anfangs sagte uns der damalige Staatssekretär Graf Bismarck, 3— 4uO Polizcisoldaten würden genügen, um die Ruhe in Ostafrika herzustellen, Buschiri aufzu- knüpsen und den Frieden aufrecht zu erhalten. Buschiri ist nun freilich aufgeknüpft, aber es hat doch etwas gedauert, und die Pazifizirung ist doch nur theilweise erfolgt. Aus den 499 Main» sind aber inzwischen 1100 geworben, uno für die Zukunft sind uns 1700 vorgeschlagen. Die Dinge werden sich so weiter entwickel», und die Kolonialpolilik, die zu Nutz und Fromme» des deutschen Volkes eingeleitet wurde, wird sich zuerst begnügen, einige Tausend Z»liis, Sudanesen u. s. w. und deren Frauen und Kinder zu ernähren. Ebenso hat man mit Täuschungen bezüglich der Schuelliakeit der Operation operirt. Es klingt sonderbar, und wäre es nicht so schmerzlich, so könnte man sagen, es sei komisch, daß im vorigen Jahre der Reichs- kanzler die Vornahme der ersten und zweiten Lesung der Forde- ru»g für Ostafrika an einem Tage verlangte, weil sonst die Ex- pedition wenige Tage sich verzögern würde. Dse Expedition Emin Paschas muß uns gegen die Kotonialpolitik nur um so bedenk- lichcr machen. Ich brauche ja nicht einzllstiminen in das Lob dieses interessanten Landsniannes, das jetzt von allen Zungen schallt; das steht auf anderem Gebiete als das der deutschen Kolonialpolitik. Wenn ich etwas sage, so möchte ich es zur Warnung sagen. Emin Pascha ist zum Theil Militär, zum Thcil Reisender. Wenn diese beiden Cigeiischasten zusammen- kommen, so sind kühne Unternehniuiigen natürlich. Das ist die berechtigte Eigeilthüuilichkeit solcher Persönlichkeiten. Ganz anders aber ist die Aufgabe der Nation, die sich zn fragen hat, wie weit sie sich durch einen solchen Mann engagirt. Das mächtige England hat Gordon in Chartum im Stiche lassen müssen und tiefgehende und große Opfer gebracht. Wir müssen uns vorsehen, uns mit den Unteriiehmungeii Em»» Paschas zu identisiziren, und es hat mich gefreut, daß der Herr Staatssekretär einige beruhigende Versicherungen in dieser Rich- tung uns gegeben hat, vielleicht wird es uns vergönnt sein, dar- über noch in der Kommission Näheres zu hören. Ich warne davor, daß der EnthusiaLinus für die Vorlrefflichkeit und Helden- hafligkeit dieses Mannes uns zn Schritten fährt, die wir wirth- schastlich nicht verantwortcu können. Hüten wir uns vor jeder Schwärmerei und Romantik. Stanley ist jetzt der Löwe des Tages in London; auch bei uns war die Vegeistcrmig für ihn grob, er scheint aber jetzt englischen Interessen bedenklich näher zu stehen als den deutscyen, und unser Enthusiasmus ist schon nicht mehr der gleiche. Aus allen diesen Gründen haben wir die ostafrikanische Eroberungspolitik so wenig bisher mitgemacht, wie»vir deren Fortsetzung mitmachen wollen. Wir beginnen eine neue Acra unserer inneren Politik, und da sind vielleicht friedliche Erklärungen mehr am Platze als je. Indem ich»n meinem und meiner Freunde Namen— mit Ausnahme von zwei oder drei Stimmen, die der Kolonialpolitik etwaö freundlicher gesinnt sind— die ablehnende Haltung voll- ständig vertrete, so»nüssei»»vir doch sagen, daß es sür den Nach- folgcr des ersten Neichskanziers und die gegemvärtige Regierung eine kitzlige Aufgabe ist, ivie sie es anders Hütte machen sollen, als»vle sie es gemacht hat. Angenommen, der gegemvärtige Reichstag dächte über die Kolonialpolitik genau so wie wir, so hielte ich es doch nicht für durchführbar, daß ein neuer Reichs- kanzler durch die bisherige Retchskolonlalpolitik einfach einen Strich mackte. Eine Partei kann sagen, wir bleiben ruhig auf unserem Standpunkte stehen. Auch wenn»vir die Mehrheit hätten,»vüroe ich nicht anstehen zu sagen, die Ehre Deutschlands ist vollkommen gewahrt. Wir können sicher sein, daß unsere Kanonen und Hinterlader auch in Zukunft in Ostasrika respcktirt werden. Vielleicht bekommen»vir schon jetzt für»insereBorsicht eine ansehnliche Zahl, und vielleicht wachsen»vir demnächst zu einer Mehrheil heran. Tie Reichsregieruvg aber, welche der Träger der früheren Regierung ist, kann nicht so wirthschaften, sie kann höchstens darauf hinauskommen, daß sie sagt: Es ist wahr, in der Weise kann die Sache nicht fortgehen; ,vie kommen wir heraus? W»r sind engagirt, wir rnüffen aber eine Grenze ziehen und sehen,>me weit das Land mit Opfern gehen kann, un» dann abzubrechen und die Sache in die Hand derer zu legen, welche sie übernommen haben, und von denen sie nicht hätte übernommen werden sollen, nämlich in die Hand der Ostasrikanischen Gesellschaft. Für diesen Standpunkt»vüroe ich Berständniß Haien und bereit sein, alle Omer aus den Taschen des Landes dafür zu bringen; vielleicht gelingt das noch. Am 28. November 1889 haben Gras Bismarck und Herr Hobrscht, einer der wärmsten und eisrigiten Vertreter der Kolonialpolitik. eine Perspektive nach dieser Richtung hin eröffnet. Um mich kurz zu resumiren, meine Freunde u>»d ich sind der Ansicht, wenn die Regierung einen Weg zn zeigen vermag, wie wir mit Anstand und einigen Opfern aus unserer bisherigen Politik herauskommen und die Sache in die Hand der Ostasrikanischen Gesellschaft zurücklegen können, dann»verde» wir»ms nicht straff und siramm ablehnend verhalten; aber eine Kolonialpolitik, die uns unendliche Opfer auferlegen»vird, werden wir niemals»»nter- stützen.(Lebhafter Beifall links.) Reichskanzler v. Caprivi: Der Herr Vorredner hat sein Auge von dem engeren Kreis der Vorlage auf die Koloirialpolitik im'Allgemeinen gerichtet. Ich kann zunächst mit Vefriedigung konstatire», daß er der Reichsregierung das Zeugniß ausgestellt hat, sie habe die Berechtigung gehabt, sich bei dein,»vas sie bisher gethan hat, mit dem Reichstag in Ueberemstimmung zu wissen. Das ist in der TKat der Fall, und ich brauche die lange Reihe von Rcichstagsbeschlüssen nicht anzuführen, durch die der Reichstag bekundet hat, daß er geivillt war, die bisherigen Schritte der ver- kündeten Regierungen zu unterstützen. Ich nehme das Benefizium an nicht blas pro praeter» to, sondern auch pro futuro, und ick habe, »vie der Mann, der vor mir an dieser Stelle gestanden hat, die Ueber- zeugung, daß eine Koloi»»alpolitik mir so lange und so»veit aus- führbar ist, als sie an dem Willen und— von dem Empfinden der Nation getragen und gestützt wird.(Bravo! rechts.) Der Herr Abgeordnete hat auf meine Person Bezug ge- nommen und angedeutet, daß durch deren Eintritt in das Aint vielleicht ein Wechsel in den Ai»schauungen etntreten werde. Ich muß das verneinen. Ich glaube, daß es zieinlich allgemein unter Denen, die mich früher zu kennen hier Gelegenheit gehabt haben, bekannt gcivorden»st, daß ich nicht zu denFreu»iden der Kolonial- Politik gehört habe. Ich habe in meiner damaligen Stellung aus verschiedenen Gründen, und nicht blos aus Ressortgründen, die Einführung der Kolonialpolitik zu jener Zeit für bedenklich ge- halten. Ich bin aber jetzt der Ueberzeugung, daß so wie die Sache heute liegt, wir nicht allein ohne Verlust an Ehre, sondern auch ohne Verlust an Geld nicht zurück können, daß wir ebenso wenig auf diesem Standpunkte stehen bleiben könne»», daß uns also nichts Anderes übrig bleibt, als vorzuschreiten.(Bravo! rechts.) Ter Herr Abgeordnete Bau, berger hat wohlivollend geäußert, daß, wenn die Negierung anzuaebe» wisse, bis zu»velchein Ziele sie vorzugehen gedenke,»venn das bescheidene Ziele»vären, auch er und seine Parteigenossen geneigt sein»vürden, mitzukommen. Ich entnehme daraus zuerst mit Befriedigung, daß auch unter seinen Parteigenossen kein Mann ist, der etiva geneigt sein»verde, die Rolle Hannibal Fischers für die deutschen Kolonien zu über- nehmen.(Sehr gut! rechts.) Wenn er aber dann von mir erivartet, daß ich ein be- stimmtes Programm geben, daß ich jetzt im Stande sein sollte, zn sagen: nun wollen wir noch so und so viel Millionen in dje Hand nehmen, die werben»vir ausgeben, dann werden»vir so »veit kommen, die Äeichshilfe abstellen und die Sache sich selbst überlassen zn können,— so bin ich dazu nicht im Stande. Bei Drnge», die sich der Einsicht in ihre innere Natur so sehr, die so viel Zufälligkeiten unterworfen sind, wie es die Anlage von Kolonien in Ländern ist, die bis dahin nicht allein»lns, sondern auch allen anderen Leuten unbekannt wäre»», ist es rein»»»»möglich, von heute aus zivöls Monate voraus zu sagen: das und das soll geschehen, so und so viel werden wir brauchen. Ich kann mich nur zunächst darauf berufen, und viel- leicht giebt ii»ir das eine gewisse Läes auch bei den Parteigenossen des Herrn Bainberger, daß ick eben kein Kolonialschivärmer bin, daß ich mit ganz kaltein Verstände auch heute noch der Sache gegenüber stehe, und baß mit meinen» Rath die Sache nur soweit gehen wird, als die Ehre und die Interessen Deutschlands es er- fordern.(Bravo!) Der Herr Abgeordnete sieht im Wesentlichen die Kolonial- Politik als eine Geldfrage an und sagt: Kolonialpolitik ist Wirth- schastspolitik:»»»d er hat in geimjsem Umfange dar»» reckt, obivohl ich der Meinung bin, er setzt die Grenze etwas eng. Er hat dann diese Wirthschaftspolitik, die die verbündeten Regie- rungen bisher in Bezug auf die Kolonien betrieben haben, in einein wenigstens nicht günstigen Sinne geschildert, er hat Zahlen für die bisherigen Ausgaben gemacht, die nach meinem Dafür- halten erheblich zu hoch gegriffen sind. Ich trage eine natür- liche Scheu dem geiviegten Finanzmann gegenüber, auf einzelne Details einzugehen. Ich kann aber konstatire»», daß er unter die von ihn» angeführten Kosten die Kosten für Dampfersubventionen, für den Gebrauch von Kriegsschiffen, für Beamtengehälter in die Kolonialpolitik eingerechnet hat, Kosten, die wenigstens bis zu eine»» gewissen Grade auch anderen Z»vecken dienen und zun» Theil unumgänglich geivesen»vären, auch wenn man sich nicht zu einer Kolonialpolitik entschlossen Hütte. Nach dem inir vorliegenden Material beläust sich die Sumine, die das'Reich aus seinem Säckel bisher für Kolonialpolitik ausgegeben hat, auf noch nicht ganz b'/e Millionen und das Vermöge»», welches in Gesell- schaften engagirt ist, so weit ich das zu übersehen im Stande bin, noch nicht ans 10 Millionen. Es ist ja zugegeben, daß bei dem Austreten der Kolonialpolitik eine große Menge von llnklaren Vorstellungen unterliefen. Man glaubte, daß»nan nur die Hand auszustrecken brauchte und in der einen Kolonie dicke Goldklumpen, in der anderen fertige Zigarren finden würde. Daß das Jrrthümer sind, konnte jeder Mensch, der sich mit solchen Dingen ernstlich beschäftigte, voraus- sehen. So konnten die Dinge nicht niehr laufe»; die Zeiten sind nicht dazu angethan. Das, was für deutsche Kolonieeu noch übrig geblieben war an Grund und Boden, war auch nicht derart, um solche Hoffnungen zu rechtfertigen. Man konnte sich also von Hause aus nur sagen, daß nur mit Arbeit— und das ist nach nieiner Ansicht ein Glück— und nur langsam ein Geivinn für Deutschland und für Diejenigen, welche ihr Kapital dort anlegen würden, erwachsen könnte. Wenn eine große Masse sich darin in Unklarheit befand und in Bezug auf die Kolonieen, auch auf den finanziellen Theil derselben Gefühlspolitik machte, so möchte ich dafür als eine Erklärung ansühren, daß vieffach eben die Einsicht in diese Dinge»ehlte. Der Herr Abgeordnete führt uns daS englische Beispiel vor und sagt: Macht es doch wie die Engländer, deren Gesell- schaften inachen es allein, der Staat giebt Nichts zu. Ja,»vir »vürden das mit dein größten Vergnügen thun, und wir geben, was ich in Bezug auf seinen Schlußpassus schon jetzt bemerken »vill, z»», daß das auch u»ser Ziel ist, und daß wir auch heute die bestimmte Hoffnung haben, dahin zu kommen, daß das Reich nicht mehr mit'Geld engagirt sein wird, daß die Gesellschaften die Pflichten»md die Kosten voll übernehmen, und daß dennoch ein Reinertrag für die Unternehmer erwachsen»vird. Wir sind aber absolut nicht in der Lage, dies englische System jetzt anzunehmen: erstens weil wir keine Männer haben, die es verstehen, dieses System an Ort und Stelle zur Durchführung zu bringen. Schon in der kurzen Zeit, wo ick hier bin, habe ich empfunden, wie schwierig es»st, wenn nur für eine verhältnißmäßig untergeordnete Frage einer unserer Kolonien ein Mann gesucht wird, da einen Maiin zu finden, der die Erfahrungen mitbringt, ohne die er an der Stelle nichts nutzen kann. Dann aber, glmibe ich, unterscheidet uns von England noch ein anderer Umstand. In England ist das Pvivatkapital historisch geneigt, sich solchen Unternehmungen zuzuwenden. Der Deutsche kaust viel liel er das zweifelhasteste Staatspapier irgend eines zweifelhaften ansländi- scheu Staats, als daß er sein Geld in deutschen Kolonieen anlegt. (Heiterkeit. Sehr gut!) Die Motive dafür sind ja bekannt, und d»e kennt zweisellos der erfahrene Herr Abgeordnete besser als ich sie kenne. Nun sind die verbündeten Regierungen nicht in der Lage, wie ja diese Vorlage beweist, an einem 1. April genau zu sagen, was sie an» andern 1. April verbraucht haben»verden. Wir brauchen in dieser Beziehung das Vertrauen der Nation und brauche!» das Vertrauen des Reichstages, daß wir nicht weiter gehen werden, als unumgänglich nothwendig»st. Wir brauchen da» Vertrauen soweit daß wenn wir mal statt SVa Millionen 4 Millionen ausgeben, uns das nicht so übel genommen Das ist einmal in diesen Dingen nicht zu vermeiden.% kann die Kolonialpolitik nicht im Wege der SubwW' di» an die Miiidestsordernden ausbieten"»vollen keit), sondern man muß sie den Leuten geben, die geivillt sin®, ,, Sache zu übernehmen. Wir geben aber— das will ich n®TL, konstatire»— die Hoffnung nicht auf— und ich � Wochen, die ich hier bin, mehr Kolonialpolitisches gelesen m- meinem ganzen Leben(Heiterkeit)— wir geben die nicht auf, daß wir dahin koinmen werden, daß das Reich.'' mehr Geld zu leisten haben wird und die jetzigen KeW« Reinerträge abwerfen werden..m, Wenn bei der heutigen Debatte das Auge sich»n» 2%, lichen auf Ostafrika richtet, so»st das natürlich, aber gerad! m den finanziellen Theil, für die Schlußfolgerung, die aus W gangenheit aus die Zukunft zu machen sind, ist Ostasrika"»l®l ungünstig, als es einmal ein unabsehbar weites Terrain ist, l verschiedene Verhältnisse da obwalten und Aufstand die na gemäße Entwickelung unterbrochen hat. Ich könnte aber° ans. hren, daß die Schutzgebiete Togo und Kamerun' etiva fünf Jahren so weit gekommen sind, daß,"L ich wiederum von den Kosten der Marine und der» amten absehe, sie schon jetzt das, was sie verbrauchen, selbst bringen. Also wir wirthschaften nicht überall mit einem sondern wir sind an dieser Stelle unter einer tüchtigen Ver» tung dahin gekommen, schon jetzt usisere Ausgaben und E»"»» men balanziren zu können. Ich halte es für wahrscheinlich, der Zeitraum, bis zu dem»vir so»veit in Ostafrika sein wer »veiter zurückliegt. Um Jahre langsamer»vird das gehen; JL ich habe die Hoffnung und den Glauben, daß wir auch kommen werden. Es ,st ja ohne einen geivissen Grad vo.i fl)' den, von Vertrauen in die Sache in der Kolonialpolitik nicW' inachen. Wenn mir Jemand sagt: Ich glaube das nicht, so'.1, ich mich vor seiner Ueberzeugung verbeugen, ich kann>hu überzeugen. Ebensowenig aoer kann er mich überzeugen, ö kann Jynen nur sagen: Ich bin ganz kalt und ganz m'", und viel mehr geneigt, jedes solches Unternehmen mit Ich'» Augen anzusehen, als an die Zahlen, die»»an mir vorsu» willkürliche Stullen anzuhängen... m Wenn ich nun zwar der Meinung bin, daß ein best»».'®;/ Programm nicht vorgelegt werden kann, daß, wenn diese v» ruiigeil nicht genügen, ich weiter nichts zu sagen habe, so.oj® ich doch den Versuch machen, auf die Entstehuiigsgesch'ch�R,, Kolonialpolitik insoweit zurückzugehen, daß ich mich frage:*' hat denn eigentlich das Reich zn dieser, nach den Äusich""., Herren leichtfertigen Politik gebracht, wie sind wir dazu u. komme»? Es liegt von Hause aus die Annahme sehr nah®-, da noch andere Gründe als die Hoffnung auf finanziellen werb mitgewirkt haben müssen, denn sonst würden so viele., sichtige, verständige Männer, wie sie vereinigt sind, nickt i»® Schiff eingestiegen sein, sie würden nicht mitgemacht Haien 5toio»ialpolitik,»venn außer der Geldsrage nicht noch das �, oder Anbere bestimmend geivesen wäre. Ter Herr Abgeoro s hat die humane und religiöse Frage der Antisklavere» yefiw welche Bedeutung man der hier beimißt, will ich dahingel' � sein lassen; aber das, glaube ich, wird auch Jemand, der. Dingen nichtgeneigt ist, zugeben miissen, daß ohne die Eiiigevoreia, eine»» geivissen Grade von sittlicher und»ntellektueaer Pü®fL zu bringen, auf die Dauer ein schwunghafter Handel mit w eine gangbare Industrie an Ort und Stelle, selbst eine 0ut 5 triebene Landivirthschaft kaum möglich sein werde. Wollen � aber die Leute auf den Standpunkt bringen, so haben»vir ist, u», unseres eigenen pekuniären Interesses willen nach in"',', Dafürhalten die Verpflichtung, die Missionen zu unterstützen"' die Gesittung dieser Menschen zu heben.,; Es ist ja bekannt, das Zentrum ging auf die Kolonialp?'� ein, ausgehend von der Anttskavereibeivegnug und von reliß'/L Motiven. Aber soweit ich die stenographischen Berichte% verfolgen können, ist damals auch von Seiten des Zcktu» anerkannt worden, daß, wenn nebenbei deutsche Interessen dabei gewönnen, dies dem Zentrum nur r recht wäre. Andere betonen zuerst die deutschen, die wirthschastlif Interessen; sie nehmen es aber dankbar mit, wenn auf d/ Wege christliche Religion und deutsche Gesittung wette® 1 bereitet»vürden. Es uiuß ja Jeder mit sich abmachen, wie j er es für seine Pflicht hält, diesen Dingen einen größeren*5 geringeren Werth beizulegen; aber wir sind über das_ unserer subjektiven Pflichten der Antislaverei gegenüber hinauf s kommen schon durch die Kongoakte. Wir sind international"V pflichtet, für diese Dinge etwas zu thun.»md die jetzt im befindliche Brüsseler Konferenz wird uns nach derselben R»4r noch stärker verptzichten. ,/ Wir werden auf die Dauer der Sklaverei nur dann meiner Ueberzeugung entgegentreten können, ivenn es uns g"'*, «n» rirnmiifntinn»it frimnon Ui- hem mnS man in#*5 AAlUVIl|UIW(V»v V4VVV HUWf«vtltvw. QV,.,——,, zelne Stationen ins Innere schaffen, von denen der Mifft � — und nur durch Konzentration bleiben Gefühle auf b'» in den Massen warm und stark—, bedarf eines gewissen V» m Punktes, und ein solcher Brennpunkt wurde ihn» in der Kol®' � Politik gegeben; er wurde von der Nation, soweit ich habe® theilen können, dankbar ausgenommen. Der Herr Avgeo®®� Bamberger nennt das einen romantischen Sinn, und sprich�.? wenig Bedeutiing zu. Ich möchte mir aber doch mal die öLp erlauben, ob ohne diesen romantischen Sinn, ob ohne den 3*1',,; des Gefühls im Volke der Deutsche Reichstag heute hier' ck würde, wo er sitzt!(Bravo! rechts.) Ich glaube umö" Einem solchen nationalen Instinkt, dem Unbewußten ,• der Volksseele, erkenne ich eine gewisse Kraft zu. � ich würde mich auch an meiner Stelle für verpi»' ,� halten,»venn ich wahrnähme, daß eine solche Kraft da. ihr nachzugehen und zu versuchen, wie sie nutzbar zu und in brauchbare Wege zu lenken ist.(Bravo! rechts.), ,ji Nun hat der Herr Abgeordnete darin ganz recht,(( mit diesem Enthusiasmus insofern nicht viel anzufangen,®�> sich sehr schwer in klingender Münze übersetzt(Heiterkeit),�! mit dem deutschen Kolonralenthusiasmus, voi» dem man mit W A sagt, er macht meist vor dem Geldbeutel Halt. Indessen ha®*,) gerade, was Ostasrika angeht, den bestimmte» Glauben, daß, f i das, was da jetzt im Werke ist, durchgeführt, wen» die P" Witt. '1 iS % 3 bm ü"sendet, wenn geordnete Zustände da hergestellt sein wer- r Ostasrika eine Stelle sein wird, die für das Privat- ander? rwr �nziehungskrast haben wird, als der eine oder der andere rw''.'.�y" uü'-il"-"l 1 yaven wiro, ais oer eine vver vcr naä c-- ßr auch zum klingenden Ausdruck bei dem «..«wicyuien kommen wird.__,. irnn �tt der nationalen Frage hing für Viele eine Art Macht- zusammen, und ich muß auch hier zugeben, diese Macht- M die in der Kolonialpolitik lag, ist mit einem großen Auf- nSti t Don Mangel an Sachverständniß(Hört, hört! links), ich ®tu sagen: in der Menge behandelt worden. Denn man glaubte, wenn wir nun Kolonien hätten und kauften einen Atlas und da m* len n!'r Afrika blau an, dann wären wir große Leute ge- worden.(Heiterkeit.) Ja, Davon konnte keine Rede sein. Der Mnn einer Kolonialpolitik arbeitet in Bezug auf Machtver- !?�utsse zweifellos mit negativen Vorzeichen. Menschen und Geld erden an einer Stelle ausgegeben, wo sie fürs erste nicht reu- nren. Wenn die Kolonialpolitik eine Politik des Glaubens und s5 Hossnung ist, sowohl finanziell als in Bezug auf die ethi- !.%' Gepchtspunkte, so ist sie das auch in Bezug auf die Macht, J vielleicht sind die Anforderungen an den Glauben ZÄV'U'' Ä"'>. mnö..kommen, wo jeder Mann im Glied und fede k- Kasse uns willkommen sein wird, und ich kann dem S)* �bg. Bamberger versichern, daß, was mich angeht, rein w'ann mehr in Ostafrika eingesetzt und keine Mark mehr ausge- ?n0?n werden wird, als eben um das zu erhalten, und , u Bahnen, die einmal vorgezeichnet sind, auszubilden, was nsr da ist. 3ch würde mich nicht dazu entschließen, große Summen, Wiueiche Deutsche nach Ostafrika zu ziehen, nur etwa, um nur a den Luxus einer Truppe, einer gewissen Machtentsaltung zu vewahren. ... Der Serr Abaeordnete hat auck> den Krieg gestreist und pfiagt! wenn es zum Kriege kommt, sind solche Kolonien eine «edeMch» Sache. Ich will ihm das zugeben, daß es nur zweifel- tfi, aber vielleicht glaubt er mir als altem Soldaten; es ifi x."'ü'tiirisch anerkannter Grundsatz, daß die Entscheidung aus „ixl Hwupt-Kriegeschauplatz immer über die Neben-Kriegsschau- «Ä», uut entscheidet, und wenn es nun, was Gott Schuten wolle, zu einem Kriege in Europa käme, und vür in Europa siegen, so hat es keine Roth, selbft wenn , iwifchen die eine oder die andere Kolonie in üble Lgge gerathcn ä JoUtc- Ter Friedensschluß giebt uns das reichlich wieder. lT-hr richtig!) .mißt man sein Auge nun etwas weiter in die Zukunft gehen, K. ich es doch nicht für unmöglich, daß die Entwlckelung, v im Ganzen nimmt, auch Deutschland dazu nothlgen mit hr-*--—■ fe; Uu' vül transozeanischen Staaten in einen engeren Verkehr �Mtlich immer zur friedlichen— zu treten als bisher. Das vhaakendasein eines kleinen europäischen Staates hat em Ende, werden mit Mächleu ienseils des Meeres rechnen muffen, die Ä? ganz andere Schätze an Menschen und Geld verfügen wie "- und, wenn man üverhaupt nur zugiebt, daß Zeiten kommen M»n. wo deutsche Macht und deutscher Geist fick stärker autzer- OV.aen, wo deutsche Macht und deulscher Geist sick"stärker außer- Ml» Deutschlands dokumentiren müssen, als bisher, so folgt j�ler, daß wir dann zur See eine gewisse Kraft zu entwickeln Marine zu erreichende Ziel immer vorgeschwebt. >Ne Lage zu bringen, daß, wenn»in Mal eine sc � Äse, es Wirkungskreises notknvendig wäre, fie dazu befähigt wäre ?'°bt man nun das als m.n.nft.ni...—w die Marine in solche Erweiterung ?>an eine Möglichkeit wenigstens zu, giebt n, oap wir in Zeiten kommen können, wo eine Thätigkeit 2 aftarine in ausgedehntem Maße im Frieden und Krieg in »•'"deutschen, außerheimischen Gewässern erfordert wird, so muß Cr ßch unumgänglich die Frage vorlegen: Woher bekommt i"1» die Marine das, wovon sie lebt und ohne das sie weder j?vsgungs- noch gefechtsfähig ift, die Kohlen? Wenn wir jetzt ."den Krieg mit emer fremden Macht verwickelt werden, so L.M wir ja einige, aber schwierige Mittel, unsere Schiffe im �»stände mit Kohlen zu versorgen: Wir sind im Ganzen auf das "Mivotlen neutraler Staaten angewiesen, und wer einmal dazu sich für die Marine zu begeistern, ihr eine große Zukunft zu- E'ckenen, der muß zugeben, daß eine solcheMolle in außerheimi- M Gewässern sür die Marine auf die Dauer nicht durchzu- sein wird. Wir müssen selbst in den Besitz wenigstens OS er Punkte gelangen, in denen deutsche Kohlen von deutschen Morden an deutsche Schiffe gegeben werden können. Das Da- h" von Kohlenstationen ist für einen zukünftigen Krieg die Be- OgUng jeder Wirksamkeit der Marine. Also, wenn wir auch im -. genblick Ausgaben, und es sind sehr unbedeutende Ausgaben, �Unsere Kolonien machen, so möchte ich doch die Hoffnung des aufgeben, daß auch dieses Kapital rentiren und auch hier ium? vv*p der Reich ein selbstständiger Organismuß geworden ist, WWMW müssen. Indessen der bisherige Verlauf der Sache ist so günstig gewesen, als wir es irgend wünschen konnten. Es ist dem Major Wißmann in kurzer Zeit gelungen, mit verhältnißmäßig wenigen Mitteln eine Truppe zu bilden, die heute in Afrika entschieden die beste ist. Sechs feste Küstenplätze, darunter drei vorzügliche Häfen, sind gewonnen. Der Sklavenhandel an der Küste hat auf- gehört, ebenso die Sklavenausfuhr t die Missionsanstalten stehen überall in voller Blüthe, und es ist erfreulich, daß Missionäre und Schutztruppen in bestem Einvernehmen sind. Eie Einge- borenen nehmen mehr und mehr Partei für die Schutztruppe gegen die Araber. Wir haben bereits einen festen Stützpunkt 300 Kilometer von der See entfernt, und von diesem Stütz- punkt aus soll nun Emin Pascha mit einer Erpedition weiter ins Innere vorgehen. Man pflegt den Deutschen vorzmverfen, daß sie im Auslande ihre Nationalität leicht vergessen. Emiil Pascha macht jedenfalls von dieser Regel eine rühmliche Ausnahme. Nachdem er lange Zeit fremde Provinzen verivaltet und fast verschollen war, hat er sich jetzt unserer Schutz- truppe angeschlossen. Ich glaube, daß auch der Reichstag alle Ver- anlassung hat, ihm dafür den wärmften Dank auszusprechen.(Sehr gut y Hoffeil wir, daß es ihm gelingen wird, weitere fruchtbare Gebiete, welche jetzt, international betrachtet, res nullius sind, in den Kreis deutscher Interessen hineinzuziehen. Haben sich nun die Dinge so erfreulich entwickelt, so haben wir keinen Grund, die Hand von dem Werk abzuziehen. Schließlich möchte ich zwei Wünsche aussprechen. Einen hat mir der Reichskanzler schon vorweg genommen, nämlich den, daß die Wißmann'sche Schutztruppe, die immerhin einen privaten Charakter hat, in eine Reichstruppe umgewandelt werde. Der zweite geht dahin, daß die Kolonien finanziell auf eigene Füße gestellt werden; vielleicht bedarf es dazu eines neuen Uebereinkommens mit dem Sultan von Sansibar. Ich enthalte mich ferner jeder weiteren speziellen Vorschläge, um der Sache nicht zu schaden. Möge die Regierung diesen wichtigen Punkt möglichst im Auge behalten. Ich beantrage die Ueberweisung der Vorlage an die Budget- kommission.(Beifall rechts.) Abg. v. Uollmar(Soz.): Meine Partei hat die Kolonial- Politik von Anfang an bekämpft. Wir hatten es deshalb nicht nöthig, bei dsr ostafrikanischen Krise unsere etwaigen früheren Hoffnungen herabzuspannen,>vir brauchen sie jetzt, wo die Sache etwas besser zu gehen scheint, nicht wieder aufzugeben. Nicht als ob ich kein Interesse an der Ausschließung Afrikas oder keine Thcilnahme, oder Achtung habe für die kühnen Männer, welche sie durchführen. Aber es kommt darauf an, daß das deutsche Volk nicht mit derartigen Unternehmungen belastet werde. Ob die Kolonial- Politik in anderen Ländern berechtigt ist, lasse ich dahingestellt, obwohl auch dort darüber die Meinungen getheilt sind. Für Deutschland ist sie vom Uetel, der Militarismus und das nicht näher zu qualiftzirende Gewaltregiment hat uns die Lösung vieler wichtigen Aufgaben entzogen, welche andere Länder bereits gelöst haben. Wir haben noch viele alten und neuen Ruinen einzu- reißen, manches Versäumte nachzuholen. Man sollte also oie Kräfte konzentriren und nicht zerstreuen, wie es durch die Kolonial- Politik geschieht. Zunächst wird durch die Kolonialpolitik der Eroberungs-, der Abenteurergeist, der Chauvinismus noch mehr verstärkt und die Gelegenheit zu Konflikten aufs Aeußerste vermehrt. Ich will sa zugeben, daß die maß- gebenden Mächte in Deutschland, zu denen wir leider nicht gehören, wesentlich von dem Standpunkte aus- gehen, den Frieden aufrecht zu erhalten— das Gegentheil wäre auch ein Verbrechen—; wenn man aber sich als eine Friedensmacht hinstellte, dann ist die erste Aufgabe und Pflicht, auch den kleinsten Funken von den aufgehäuften Pulverfässern fern zu halten. In der Thronrede heißt es, daß jede Verschiebung oer Machtverhältnisse die Gewähr für die Ausrechterhaltung des Friedens gefährden würde. Ich finde, daß jeder Schritt vorwärts in einer amtlichen Kolonialpolitik eine unberechenbare Verschie- bung der Machtverhältnisse bedeutet. Nach einem autoritativen Worte hat Deutschland in der Welt leider wenia oder gar keine Freunde; wir werden gefürchtet, aber nicht geliebt; um so mehr sollte man jede Gelegenheit benutzen, an die Stelle dieser Furcht Zuneigilng zu bringen. Im vorigen Jahr war eine Gelegenheit, wo die Zuneigung der rechtlich denkenden Menschen und Völker in Europa für Deutschland zu gewinnen war. Das ivar der portugiesisch- englische Konflikt. Wenn damals Deutschland frei von derartigen Unternehmungen, die ihm leider die Hände gebunden haben, gewesen wäre, dann wäre es im Stande gewesen, wirklich sich hier Sympathieen zu erwerben. Diese Gelegenheit ist verpaßt, und wir müssen nun sehen, daß wir nicht in größere Verlegenheiten kommen. Das nationale Prestige, das Wort von der engagirten Fahne, die wir nicht im Stich lassen dürfen, sind Schlagworte, die uns immer tiefer in den Sumpf hineinführen. Der Herr Reichskanzler, der so ruhig und kalt die Dinge beurtheilt, hat selbst den Beweis dafür geliefert, daß, wer auf diesem Gebiete einmal A sagt, bis zum Schluß kommt, daß er die Verfügung und Selbstbesiimmung tiber demnächst vorzunehmenden Schritte mehr und mehr verliert. Er, der ursprünglich ein Gegner der Kolonialpolitik gewesen, ist schließlich übergegangen zu einem Phantasiegemälde dessen, was in Zukunft geschehen muß. Cr sprach schon davon, daß die Wißmann'sche Lanvknechtstruppe eine Reichstruppe werden soll, vielleicht später ein Garde- regiment.(Heiterkeit.) Der Herr Reichskanzler sagte, die Ehre und die Interessen Deutschlands dürfen nicht im Stiche gelassen werden. Es fragt sich nur, wie man die Ehre und das Interesse des Volkes aufsaßt. Der Reichskanzler hat ein sehr bemerkenswerthes Wort gesagt, das nicht unbemerkt bleiben kann:„Das nationale Empfinden hat eine große Rolle gespielt und spielt sie noch, das ist zu begrüßen, weil nach dem Kriege von 1670 und 1871 das nationale Empfinden nach und nach zurückgegangen ist. Die Kolonialpolitik ist ein geeignetes 41»»>«f»itnXot»" STDiifati(S,in Mittel, das Nation algefühl wieder zu �entzünden". Wissen' Sie, wohin diese Theorie fuhrt? Zu der Polikik Napoleon lll.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Augenblich erwärmt sich das Nationalgefühl an Ostafrika. Ist Ostasrika pazisizirt, was soll dann werden? Wird man dann vielleicht in Europa einen geeigneten Anknüpfungspunkt finden? Das Napoleonische Regime hat auf diesem Wege stets neue Ableiwngspunkte für das nationale Empfinden, beziehungs- weise zur Beschwichtigung der Unzufriedenheit gesucht. Ich finde, daß im Gegentheil das nationale Moment durch die Kolonialpolitik geschädigt wird. Jede Thorheit irgend eines Beamten in unsere> Kolonien ist im Stande, uns zu kom- promittiren und die früheren Berechnungen über den Haufen zu iverfen. Und nun frage ich, ist Deutschland so reich, um sich den Luxus zu gestatten, Millionen für fremde Zwecke wegzugeben? Hat man doch viel geringere Summen sür viel dringlichere und b'effere Zwecke nicht hergeben wollen, weil wir dazu kein Geld haben. Wurde nicht aus demselben Grunde unsere Forde- rung aus Errichtung von Arbeiterkammern zurückgewiesen, die angeblich 3—5 Millionen kosten sollten? Schlimmer aber als der Geldverlust scheint mir der Umstand, daß durch die Kolonial- politit von dringenden Bedürfnissen des Volkes, von den sozial- ökonomischen Bestrebungen wenigstens zum Theil abgezogen wird. Welche ungeheure Mühe und Ueberwindung von Haß und Vortheil hat es und, die wir hier so zahlreich, nicht zu ihrem Vergnügen, vorhanden sind, gekostet, um weiteren Kreisen der Bevölkerung die Ueberzeugung zu aeoen, daß die Lage der Arbeiter verbessert werden muß! Wir müssen alle unsere Kraft einsetzen, um das Volk zu warnen und zu hindern, in diese Falle zu gehen. Ich eifere keineswegs gegen eine Kolonisation Ostafrikas oder anderer Lander auch durch die Deutschen. Einmal wäre das ein Wind- mühlenkampf, und dann gereichen zweifellos solche Unterneh- mungen schließlich, wenn auch leider unter sehr schlimmen Be- gleiterscheinungen, der Kultur zum Vortheil. Aber solche Unter- nehmungen müssen der privaten Initiative und der privaten Spekulation überlassen werden. Die Britische Ostafrikanische Gesellschaft ist auch ein Privatunternehmen. Man sagt, die Engländer seien auch reich genug dazu, unser Kapital sei aber zu schwach und daher müsse bei uns das Reich zuerst eintreten. Unter den seiner Zeit erlassenen Aufruf zur Befreiung Emin Paschas befanden sich die Unterschristen von IVa Dutzend Millionären, und man erstaunt, wie diese reichen Leute bei Anderen betteln gehen konnten. Mögen diese doch mit ihrem Kapital herausrücken. Den Herrn Reichskanzler mache ich darauf aufmerksam, daß eine lelstungsunfähige Gesellschaft in England überhaupt keine royal charter bekommt. Rechnet man in Ostafrika überhaupt auf einen Gewinn, so mag man auch das Risiko den Herren überlassen. Mögen nach Afrika Forscher gehen, wir werden sie mit unserer Sympathie begleiten und ihnen auch Zuwendungen geben; mögen Missionäre dorthin gehen, um den Schwarzen begreiflich zu machen, daß ihre Reli- gionsauffassung eine bessere sei; wir lassen sie ohne Neid ziehen, können auch Einige davon entbehren(Heiterkeit); mögen Pflanzer und Händler nach Afrika gehen, um zu versuchen, Gewinn zu erzielen, aber ausschließlich auf ihre Rechnung und Gefahr. Daß sich die Regierung nicht des Aufsichtsrechtes und der Kontrole gänzlich entschlägt, dazu läßt sich nichts sagen, aber Zill es muß auf Kosten und Gefahr der Gesellschaft geschehen, ohne Verbindlichkeit für das Reich. Man spricht auch von der Befreiung der Sklaven in dieser Sache. Wir auf dieser Seite schmeicheln uns, auf allen Gebieten Befreier zu sein, wir brauchen nicht nach Afrika zu gehen. Es giebt auch hier ausbeutende und tyraunisirende Herren. Nur kommen sie bei uns nicht auf. Nach einem englischen Sprich- wort sagen wir, die Besreiungsmission Deutschlands würde bei uns ansangen. Hierauf möge die Regierung ihren Fleiß und ihr Studium richten, dann wird sie auch auf dem sozialen Gebiete ein Verständniß an den Tag legen, wie jetzt in den afrikanischen Dingen. Dann werden auch die Ungeschicklichkeiten, die, wie Herr v. Bötticher sagt, in der Sozialpolitik vorgekommen seien, endlich einmal ein Ende nehmen. Die höchste Zeit wäre es dazu. Ich werde gegen die Vorlage stimmen. Abg. v. Hardouff(Rp.): Es ist recht schwer, auf kolonialem Gebiet neue Gedanken vorzubringen(sehr richtig! links; Heiterkeit); denn was der Vorredner vorgebracht hat, hat uns schon im vergangenen Jahre der Abg. Bebel gesagt, und ich kann auch nur dasselbe erwidern, wie damals. Daß die Sozialdemokraten sich gegen die Kolonialpolitik stellen, befestigt mich in dem Ge- danken, daß ein guter Kern in dieser Kolonialbeivegung liegen muß, die der deutschen nationalen Bewegung zu Gute kommen muß.(Lachen links.) Die Herren wollen natürlich unsere ganze Nationalität stören; wir halten aber die Grundlagen unseres ganzen Staatswesens für gesunde und gute. Der'Abg. v. Bollmar hält hauptsächlich die Kolonien für zu gefährlich, wegen der Möglichkeit von Verwickelungen. Wie kam aber dann der Abg. Liebknecht vor einigen Jahren dazu, hier einen Krieg mit Rußland vom Zaune brechen zu wollen?(Lebhafter Mder- spruch bei den Sozialdemokraten.) Ja wohl, das hat er gethan. Weshalb sind wir denn reich genug für eine Kolo- nialpolitik? Weil wir eben noch keine Kolonieen gehabt haben? Die anderen Länder haben ihren Nationalreichthum zum Theil aus anderen Kolonien. Herr von Vollmar meint, die Kolonialpolitik zöge davon ab, unsere schlechten inneren Zustände zu beseitigen. Sind denn unsere Zustände schlechter als m ande« ren Ländern? In der Justiz, im Schul- und Verkehrswesen, können wir uns mit unseren Einrichtungen sehen lassen.(Beifall rechts.) Daß das dem Abg. von Vollmar nicht gefällt, ist klar, aber dem großen gesunden Theil des Volkes gefällt es. Kein Reichstag kann die Verantivortlichkeit übernehmen, das, was in Ostafrika angefangen ist, sitzen zu lassen, daß die Kosten, die jetzt das Reich auswendet, einmal von der Ostaftsikauischen Gesellschaft ersetzt werden, wünsche ich auch, und ich meine, daß der Kolonial- besitz in Ostafrika nach allem, was wir gehört haben, so werth- voll ist, daß wir mit Sicherheit darauf rechnen können. Nach- dem der Sultan Said Bargasch die Zölle an die Oftafrikanische Gesellschaft verpachtet und ihr die Vertretung sein« Hoheiisrechte gegeben hat, dann aber den Vertrag nicht halten konnte, weil die Küstenstämme ihm nicht mehr folgten, und nach« dem wir dann die Ordnung hergestellt haben, müssen wir in der Kommission genaue Auskunst über die Verhältnisse erhalten. D«! Sultan muß doch der Gesellschaft das ersetzen, was er selbst vor- schuldet hat. In der Kommission müssen wir auch die Stellung der Gesellschaft prüfen, um Sicherung dafür zu schaffen, daß die- selbe die Kosten der Unternehmung trägt. Alle freunde der Kolonialpolitik haben dahin gestrebt, daß das Reich nicht un- mittelbar mit den Kosten belastet wird, sondern die Gesellschaft. Ich bitte nur die Gegner der Kolonialpolitik, die Berichte unab- hängiger Leute gründlich zu prüfen und nicht das deutsche Kapital fortwährend durch ihre schlechten Schilderungen abzuschrecken. Je welliger es von Ostaftlka abgeschreckt wird, desto eher wird das Reich zu seinem Gelde kommen. Der Abg. Bamberger hat einen Punkt vergessen, was ich ihin nicht verdenken kann: daß wir nämlich auch die Leuchte des Chriftenthums in Ostafrika ausstecken müssen. Wir sehen ja die außerordentlich segensreiche Thätigkeit des Christenthums, und das dürfen wir in der Kolonial- Politik nicht fallen lassen, um nicht unsere Stellung als zivilistrte Nation auszugeben.(Beifall rechts.) Abg. Dr. Mindthovst: Ich hätte gewünscht, daß uns Major Liebert, der soeben aus Ostafrika gekommen ist, die Ver- hältnisse aus seinen Wahrnehmungen dargelegt hätte. Wenn Gründe obwalteten, den Major Liebert uoch nicht sprechen zu lassen, so muß es unter allen Umständen vor dem Abschluß der Diskussion geschehen. Ich bin niemals ein großer Schwärm« für die Kolonieen geivesen und habe dieser Politik aufs Entschiedenste wider- strebt, weil wir unsere Kräfte zusammenzuhalten haben. Stände ich wied« am Anfang der Dinge, so würde ich entschieden sagen: Gehen wir nicht hinein!(Ruf bei den Sozialdemokraten: Sie haben ja A gesagt!) Der Herr Reichskanzler hat uns ab« dar- gelegt, daß« ähnliche Ansichten gehabt hat, wie d« Fürst Bis- marck, daß wir aber infolge des Verlaufs d« Dinge nicht Halt machen können, sondern so weit gehen müßten, wie die Ehre und das Interesse des Reiches verlangen. Der Reichskanzler meint, weil wir in Ostaftika in unserer nationalen Ehre beleidigt seien und d« Gesellschaft den Schutz gewähren müßten, den wir ihr versprochen hätten, müßten wir auch diese Ausgabe machen. Aber die Gesellschaft müsse sie ersetzen. Dieser Standpunkt des Reichskanzlers ist unanfechtbar und ich bin mit solchein langer Zeit kein« Auseinandersetzung gefolgt, Sie hatte neben den sachlichen Gründen verführerische Ausdrücke, für die ich nicht bin. Wenn ich auch keinen idealen Zug in der Kolonialpolitik erkennen kann, so liegt es doch in der Natur der Sache, daß unsere Nation, nachdem sie neue Kraft in der Ver- einigung gewonnen hat, auch einen Zug in sich finden müsse, sich auch auf der großen Weltbühne geltend zu machen. Wenn zu- gesagt ist, daß nicht weiter gegangen werden solle, als absolut nothwendig sei, um das Gewonnene auftecht zu erhalten, so«urß die Kommission sehen, ob nicht festere Grenzen gefunden werden können, als diese allgemeinen Versprechungen. Das Reich muß sobald als möglich von diesen Kosten befreit werden, und sie müssen Denen auferlegt werden, die einen Nutzen davon haben. Erobe- rungslustig bin ich nicht; ich will nicht mehr von dem afrikani- scheu Sande haben. Gegenüber irgend einer Andeutung nach dieser Richtung werde ich ganz bestimmt Nein sagen. Die Koni- misston muß prüfen, ob die ausgeworfene Summe richtig bemessen ist. Eine Abniinderung wird kaum möglich sein. Wir werden uns mit dem Gedanken vertraut machen müssen, daß wir weitgehende Hilfe leisten müssen. Wenn man ab« solche Summe zahlt und zahlen muß, so muß man überlegen, wie es zu machen ist, daß solche Dinge nicht wied«kehren. Die Erklärung des Reichskanzlers in dies« Beziehung hat mich durchaus befriedigt. Es koulmt nur darauf an, wie die theoretische Grenzbestimmung, die der Reichskanzler gegeben, zu einem praktischen Resultat ge- I Interesse' seit wie dieser. allerlei sehr unempfänglich führt wird. Dazu ist nothwendig, das; wir über den Zustand der ostafrikanischen Gesellschaft, ihre Finanzen u. s. w. nähere Auskunst erhalten. Ter Abg. Bamberger meinte, daß seine Partei jetzt würde Schicht machen wollen, um zu versuchen, Ost- afrika wieder in die Verwaltung der ostafrikanischcn Gesellschaft zu stellen. Der Regierung aber kvnnc er diesen Weg nicht zumuthen. Standpunkt verstehe ich. Wir haben immer für unsere Pflicht gehalten, das, was wir für richtig erkannt haben, auch zu thun. Ter Abg. Bamberger hat sich dann auf die Aeußerung des Grasen Bismarck vom 23. November 1889 Bezug genommen. Ter Reichskanzler hat mit aller wünschenswerthen Deutlichkeit gesagt, daß die Regierung diesen Weg auch jetzt noch verfolge. Ich führe dies an, weil mich die Erklärung um so mehr de- ruhigt, auf dem vorgeschlagenen Wege weiter zu gehen. Die Verantwortlichkeit, die der Abg, Bamberger dem Zentrum für die erste ostafrikanische Vorlage zuschiebt, will ich nicht zurück- weisen. Ich übernehme stets die Verantwortung für das, was ich thue. Aber wenn wir hier unsere Ansichten darlegen und der Deutsche Reichstag in seiner lRchcheit sie t heilt, so übernimmt der Deutsche Reichstag als solcher die Verantwortung. Die Unterdrückung der Sklaverei war damals wie heute unser erstes Ziel. Wenn sich daneben noch andere Interessen verbinden lassen, insbesondere auch die Vermehrung des nationalen Ver- mögens, so ist uns das sehr willkommen. Das haben wir zu An- fang ausgesprochen, und ebenso deutlich dies, daß Alles aufzu- bieten ist, das; das Geld, das für Ostasrika ausgegeben wird, uns vou der Gesellschaft wieder ersetzt werde. Die humanitäre Sache haben wir mit Nachhaltigkeit vertheidigt, und ich hoffe, daß sie nicht vergessen wird. Tie Herren sollten sich ein Beispiel an Emin Pascha nehmen. Wen hat er sich zum Begleiter gewählt? Einen Jcsuitenpater! Emin Pascha und Pater Schynse wurden Beide gemeinschaftlich herzlich begrüßt in Ostafrika. Was aus Menschen nicht Alles wer- den kann!(Heiterkeit.) Missionen sind also nothwendig. Missionen wachsen aber nicht auf der flachen Hand und man kann sie nicht aus der Erde stampfen. Wollen Sie aber Missionen haben, die wirken können wie Emin, dann gestatten Sie, daß wir auf deutschem Boden solche Missionen pflanzen.(Beisall im Zentrum.) Die Tüchtigkeit Wißmann's und seiner Begleiter erkenne ich mit wahrhafter und inniger Freude an(Beifall) und ich hoffe, daß Niemand im Deutschen Reichstage ist, der nicht diese» wackeren deutschen Männern ein Hoch zuruft nnd sie auffordert, auf ihre»; Wege fortzuschreiten.(Stürmische Heiterkeit.) Aber diese Operationen kosten Geld und die Herren müssen sorgen, die Dinge so ein- zurichten, daß das Geld dort gewonnen wird.(Beisall im Zentrum.) Darauf wurde die weitere Bcrathung vertagt. Abg. Kambcrgrv(persönlich): Ter Abg. Graf Stolberg hat meinen schlichten Worten über unser Verhältniß zum neuen Reichskanzler eine Deutung gegeben, die darin nicht gelegen. Ich bin beruhigt, daß der Reichskanzler sie besser verstehen wird als Gras Stolberg, umsomehr, als ein besonders schlechter Wille dazu gehören müßte, sie anders zu verstehen, als sie gemeint waren. (Sehr richtig! links.) Dann meinte Graf Stolberg, früher hätte ich den Fürsten Bismarck angegriffen, jetzt wolle ich seine Partei ergreifen. Das wäre ja so schlimm nicht. Ich würde das jedenfalls vorziehen, als wenn ich mich vor deni anwesenden Fürsten Reichskanzler verneigt, den ab- wesenden aber angegriffen hätte.(Sehr richtig! links.) Ich bin aber viel hällfiger der Angegriffene gewesen, und es ist doch nicht schon ein böses Thier, das sich vertheidigt, wenn man es angreift. Der Abg. von klardorff meinte, ich hätte kein Vcrständniß für die Missionare und ihre Wirksamkeit. Diejenigen, die mit ihrem Christenthum am meisten prunken, haben am wenigsten davon in sich.(Sehr richtig! links.) Tie Enge der Auffassung Hütte ich dem Abgeordneten von Karvorff doch nicht zugetraut, daß er»nr unterlegt, ich hätte weniger Sinn für die Aufgabe der Mission unter uukultivirten Völkern, weil ich selbst nicht Christ bin. Ich bin nicht, wie er, darauf erpicht, mit diesen Truppen, welche Heiden sind, vermittelst der Schießgewehre das Christenthum zu verbreiten.(Beifall links.) Schluß 5 Uhr. Nächste Sitzung D i e n st a g 1 Uhr. (Fortsetzung der heutigen Debatte und Militär- vorläge.) Lokales. Der Kuchdt'tuKer Herr Philipp Schmitt, derzeitiger Vorsitzeuder des Vereins Berliner Buchdrucker und Schriftgießer, kann sich über die ihm kürzlich von uns zu Theil gewordene Ab- fertigung immer noch nicht beruhigen. Zwar hatten wir uns vorgenommen, die Anstrengungen dieses Herrn mit Stillschweigen zu übergehen, weil uns eine gerichtliche Auseinandersetzung mit Herrn Schmitt angekündigt war. Aber Herr Schmitt klagt nicht, und das Recht ist doch so sehr auf seiner Seite! Statt dessen aber benützt Herr Schmitt die Zirkulare, auf welchen den Mit- gliedern des Vereins die Versammlungen angekündigt werden, um die Mitglieder auf Kosten des Vereins mit seinen persön- lichen Angelegenheiten zu behelligen. Sei es drum, das ist nicht unsere Sache. Was uns aber angeht, ist, daß Herr Schmitt den Versuch macht, durch allerlei Verdrehungen seine unwürdige Haltung bei dem Ausstand der Setzer der„Berliner Zeitung" zu bcniänteln. Daß Herr Schmitt hierbei vor keinem Mittel zurückschreckt, mag sich aus der Nothlage erklären, in welche der genannte Herr durch die Eröffnungen unseres Blattes sowohl bei seinen Kollegen als bei der ganzen Arbeiterschaft Berlins gerathen ist. Die Beweisführung des Herrn Schmitt stützt sich darauf, daß er den Berliner Buchdruckern vorflunkert, es wäre ihm von Seiten eines Redakteurs unseres Blattes die Zu- sicherimg gegeben worden, daß das„Berliner Volksblatt", nachdem eine Verständigung zwischen dem Setzerpersonal und dem Verleger der„Berliner Zeitung" erzielt war, diese Angelegenheit nicht mehr besprechen würde. Herr Schmitt weiß sehr genau, daß das absolut unwahr ist. Er legte den; Redakteur nur eine ganz indifferente Mittheilung vor und nur in Bezug aus diese erhielt eine Zusage, die Herr Schmitt jetzt wissentlich falsch auslegt. Herr Schmitt hatte, kurz bevor er mit dem Redakteur verhandelte, jene Annonze aufgegeben, die nachher so viel unwillige Entrüstung in allen Kreisen der Berliner Arbeiterschaft hervorrief. Er mußte ganz genau wissen und er wußte es auch, daß der Redakteur von dieser Annonze noch keine Kenntniß haben konnte; und Herr Schmitt hatte wohl auch Grund zu der Annahme, daß ihm in Bezug auf diese Annonze niemals in irgend einer Form eine Zu- sage gemacht worden wäre. Dies ist der einfache Thatbestand, den wir jederzeit zu be- weisen in der Lage sind. Wir haben also in dieser Beziehung mit Herrn Schmitt nichts mehr zu verhandeln. Andererseits aber versucht sich Herr Schmitt mit Bezug auf seine Stellung zum verflossenen„Volksfreund" in das lilienweiße Kleid absoluter Unschuld zu hüllen. Ach, hätte doch Herr Schmitt nur geklagt: wie wäre er als Sieger aus dem Streit hervorgegangen! Zwar ist es unerheblich, daß Herr Schmitt zu seiner volks- freundlichen Stellung im Bureau der„Nordd. Allg. Zeitung" engagirt wurde, zwar ist es unerheblich, daß viele Manuskripte, die im„Volkssreund" zum Abdruck gelangten, auf Papier ge- schrieben waren, welches den Ausdruck„Preußisches Staats- Ministerium" trug, zwar ist es unerheblich, daß Herr Schweinburg Herrn Schmitt in freundschaftlicher Weise seine Mit- arbeiterschaft bei dem„jungen Unternehmen" zusicherte, — aber vielleicht wären noch andere Sachen zum gerichtlichen Austrag gekommen, die höchst interessante Streiflichter auf die „geheime""Arbeiterbewegung aus dem Frühling des Jahres 1884 geworfen hätten. Doch genug,— überlassen wir Herrn Schmitt seiner ent- zückenden Unschuld und geben wir ihm die Versicherung, daß, wenn er es nicht gerade wünscht, in der Oeffentlichkeit so leicht nicht wieder von ihm gesprochen werden soll. Achtung. Arbeiter! Folgendes geht uns zu: Auf dem Zentral-Streikbureau der Schuhmacher sind die Nummern 860 bis 368 und 370 der Sammellisten entwendet worden. Es wird ersucht, dieselben anzuhalten und an Joseph Süßmeier, Kronen- straße 63 und 69, Hof 2 Tr., abzuliefern. Auch während des diesjährigen Sommers werden auf der Stettiner Eisenbahn Sonderzüge zu ermäßigten Preisen an bestimmten Tagen abgelassen werden. Wir nennen in erster Reihe die Freienwakder Sonderzüge, welche vom I. Juni bis Ende September alle Sonntage verkehren werden. Dieselben werden um 7, 8,15, 9,10 Uhr Vormittags vom Stettiner Bahn- hos hier abgehen und um 7, 8 und 9,35 Abends von Freienwalde wieder abfahren. Die Fahrpreise betragen bis Eberswalde und zurück 11. Kl. 2 M., III. Kl. 1,50 M., bis Freienwalde II. Kl. 2,50 M., III. Kl. 2 M.— Ferner werden vom 1. Juni ab allsonntäglich bis Mitte September, jedoch ausschließlich 6. und 13. Juli auf der Stettiner Bahn Sonderzüge nach Stettin abgelassen. Dieselben fahren Sonnabends Abends 11,20 Uhr von hier ab und treffen Sonntags früh 2,16 Uhr in Stettin ein. Rückfahrt von dort Sonntags 10,25 Uhr Abends.— Schließlich werden am 14. und 28. Juni, 12. u. 26. Juli, 9. und 23. August So n Verzüge nach Swinemünde abgelassen werden. Dieselben fahren Sonnabend Abends 10,25 Uhr vom Stettiner Bahnhof und treffen Sonntags 3,30 in Swinemünde ein. Rück- fahrt von dort Sonntag Abend 10,14 Uhr. Der Selbstmord einer fnngen Dame wird uns vom Sonnabend Nachmittag aus Moabit gemeldet. Gegen 3 Uhr Nachmittags begab sich ein etwa 22jähriges Mädchen, welches recht elegant gekleidet war, von Bahnhof Bellevue kommend, nach der in der Nähe befindlichen Moabiter Brücke, schwang sich über das Geländer und sprang in die Finthen der Spree. Die Bedauernswerthe sank sofort unter, und obwohl seitens der In- saffen zahlreicher Boote, die gerade jene Stelle passirten, Rettungs- versuche gemacht wurden, so gelang es doch nicht mehr, die jugendliche bildhübsche Selbstmörderin lebend aus dem Wasser- rabe herauszuziehen. Erst nach einer Stunde wurde der !eichnam der Bedauernswerthe», über welche jedes Signalement fehlt, am Uferrande schwimmend vorgefunden und nach der Morgue gebracht. In der Tasche des unglücklichen Mädchens fand man ein Portemonnaie mit— 3 Pfennige Inhalt. Gin reck/t schwerer UirgUichofall bei de» Kanalisation»- arbeiten ereignete sich gestern in der Verbindungsstraße zwischen der Borsig'schen Gleisanlage und dem Arminiusplatz dadurch, daß die beim Graben ausgchobene Erde sich lockerte und lawinenartig zwei Arbeiter unter sich begrub. Dieselben waren gerade damit beschäftigt, ein Kanalisationsrohr in die richtige Lage zu bringen, als ihnen ein nicht in der Grube beschäftigter Kollege plötzlich zurief, daß der vom Arminiusplatz aus rechts gelegene Sand- Haufen ins Rutschen geriethe. Der eine der beiden Gefährdeten besaß Geistesgegenwart genug, sich sofort in das Kanalisationsrohr zu flüchten, während der Andere durch die unerwartete Gefahr m Bestürzung gebracht, von den sich niedenvälzenden Sandmassen gegen das Rohr gepreßt und vollständig überschüttet wurde. Von der sogleich herbeizitirten Feuerwehr wurden die erforderlichen Rettungsarbeiten ohne Verzug vorgenommen, und gelang es den Mannschaften, die dem Ersticken nahen Verun- glückten an das Licht zu fördern. Jetzt stellte sich heraus, daß der Arbeiter, der in dem Rohre seinen Schutz gesucht hatte, völlig unverletzt geblieben war, während sein Genosse, der Arbeiter August Naujoch, Swinemünderslr. 41 wohnhast, mittelst Tragbahre nach dem in der Nähe befindlichen städtischen Krankenhause Moabit geschafft werden mußte. Dort wurde bei der ärztlichen Untersuchung festgestellt, daß der linke Arm wie die linke Brust- seite starke Quetschungen erlitten haben. Die Aerzte geben sich der zuversichtlichen Hoffnung hin, den Verletzten am Leben zu er- halten und ohne dauernden Schaden an seiner Gesundheit zu kuriren. politeibericht. Am 10. d. M. Vormittags wurde in der Spree, nahe der Fußgängerbrücke am Stadtbahnhof Bellevue, die Leiche einer unbekannten, etwa 25 Jahre alten Frauensperson aufgefunden.— Nachmittags sprang ein Mann in der Trunken- heit von der Oberbaumbrücke in die Spree, wurde jedoch noch rechtzeitig aus dem Wasser gezogen.— Zu derselben Zeit wurde vor dem Hause Ackerftraße 165 ein neunjähriger Knabe von einem Kutschwagen überfahren und erlitt anscheinend innere Ver- letzungen.— Abends entstand zwischen dem Arbeiter Karl Sache- witz und seinem Bruder August in der gemeinschaftlichen Woh- nung, in der Thurmstraße, eine Schlägerei, wober Ersterer mittelst eines scharfen Instruments am Halse lebensgefährlich verletzt wurde, so daß er nach dem Krankenhause in Moabit gebracht werden mußte, wo er in der darauf folgenden Nacht verstarb. Der Thäter ist verhaftet.— Zu derselben Zeit sprang ein etwa 25 Jahre alter unbekannter Mann von der Schlcusenbrücke in den Spreekanal und ertrank.— Am 11. d. M. Morgens wurden in« kleinen Thiergarten, hinter dem Grundstück Thurmstraße 81, und Mittags am Holsteiner Ufer die Leichen neugeborener Kinder aufgefunden und nach dem Schauhause geschafft. Sijzisle MtskerstÄzk. Sämmtliche in der Schranbenbranche arbeitenden Kollegen, welche bis heute Anklagen resp. Verrufserklärunaeii, festgestellt haben möchten, mögen am Mittwoch, den 14. d. M., von 6—7 Uhr Abends im Restaurant, Alte Jakobstr. 69,(ich einfinden. Die Kommission. N.B. Der Streik der Schrauben-, Facon- dreher-Berufsgenossen dauert fort, da noch gegen 150 Kollegen die Arbeit nicht aufgenommen haben. Arbeiter Kerlin»! Sämmtliche Sendungen in Sachen der streikenden Schrauben- und Facondreher sind von jetzt an E. Voigtländer, Manteuffelstraße 46, v. 1 Tr., zu richten. Anfragen und Briefe an H. Hirsch, Neu-Weißensee, Sedanstraße 35a. Die Kommission tagt jeden Abend von 6—8 Uhr in der Alten Jakob- straße 69 bei Lenz. An alle Arbeiter! Da die hiesigen Fabrikanten nach allen Städten die Nachricht verbreiten, unser Streik sei zu Ende, so erklären wir hiermit, daß dieses unwahr ist. Wir stehen nach wie vor fest, und ersuchen jeden Zuzug fernzuhalten resp. zu meiden. Wir bitten alle Ärbeiterblätter, dieses aufzunehmen, da nach allen Städten Telegramme seitens der Fabrikanten gesandt wurden. Dieses statt jeder besonderen Meldung. Die Streik- komnussion der Former und Berufsgenossen Berlins. A» die Arbeiter und Arbeiterinnen Deutschtands. Gern, den 10. Mai. Bereits länger als 14 Tage dauert nun die Aussperre der hiesigen Arbeiter und Arbeiterinnen der mechanischen Webereien und noch immer ist keine Aussicht auf Beilegung der Streitfrage. Der Vermittelungsversuch, welchen der Herr Land- rath auf Veranlassung des Arbeiterkonntees gemacht hat, ist 9?' lich mißglückt, weil die Fabrikanten jede Unterhandlung lehnt haben. Dieselben verlangen bedingungslose Unteriven� der Arbeiter und motiviren dies damit, daß ihre Autorum Arbeitgeber gefährdet sei, wenn sie nachgäben, ferner W, Ä™«---- rvf,-.«»iinrtllull1 Konkurrenz wegen eine Verkürzung der Arbeitszeit unmöglnv m Nicht einmal von einer 11 stündige Arbeitszeit wollen die etwas wissen, haben sie doch die Firma Lummer, Bach »unger aus dem Fabrikantenverein ausgestoßen, weil oW, ihren Arbeitern die 11 stündige Arbeitszeit bewillig� � ------ y---__ Die Herren betrachten die ganze Frage als eine Machtsrage� sie glauben sich stark genug, die Arbeiter besiegen zu können!. ihre Macht ist ja auch eine große; beschränkt sich doch das p?� kantenkarte., nicht nur auf"Gera und auf die Mv Webereien, sondern es erstreckt sich auf weitere Kreise. erhalten die Geraer Weber Arbeit, und die, welche schon Ar» erhalten hatten, sind überall wieder entlassen worden.~a,, ist zu ersehen, daß die Arbeiter einen schweren Stand haben,» hoffentlich lassen die Arbeiter Deutschlands die Geraer% nicht im Stich, sondern kommen ihnen auch materiell p% Dasselbe ist um so nothwcndiger, als hier in Gera das b'' sammeln von Geldern zur Unterstützung der Ausgesperrten � boten ist. Alle Briese und Sendungen richte man an Emil Bog' Gera, Reich, Karlstr. 1. VevsQnrmlungen. Der fonnldem-krntische Wahlverein für den!##*% Berkner Wahlkreis hielt am 8. Mai in Möwe's GeseUschaü' Haus(Fichtestraße) eine Versammlung mit der Tage-ordnuH 1. Die wirthschaftliche Lage der ländlichen Arbeiter.(R(M: Herr Türk.) 2. Diskussion. 3. Bericht der Kommission%' fescne Arbeiterblätter. 4. Verschiedenes, ab. Nachdem das � tokoll angenommen war. erhielt Herr Türk zu seinem das Wort. Derselbe schildert in ausgedehnter Weise die tag ländlichen Arbeiter und wurde dem Referenten nach dem trag der reichste Beifall zu Theil. Als Berichterstatter der J, Mission sprach Herr Klei. Es wurde über diesen Punkt sehr l, debattirt, bis Genosse Retzerau den Antrag stellte, die Versam> � möge eine neue Kommission wählen. Dieser Antrag wuro genommen und folgende Herren in die Kommission sur breitung gelesener Arbeiterblätter gewählt: Retzerau, Schröder, Kreuzbergstr. 15, O. Klein, Ritterstr. 15, P- Fichtestr. 26, H. Werner, Bülowstr. 64. Dann machte der■ sitzende die Zahlstellen bekannt, wo neue Mitglieder., genommen weroen. Der Monatsbeitrag auch 61,9 V, genommen wird. Es sind dies Böhland, Bülonstin Wilfchke, Junkerstr. 1, Scheuer, Gneisenau- und Sch... macherstraßen-Ecke. Um die vierte Zahlstelle soll M Vorstand bemühen. Es waren während dieser Zf" A,: Resolutionen eingelaufen, die erste behandelte den Ausstm Brauer. Es wurde von verschiedenen Rednern daraus o wiesen, wie indifferent sich sonst die Brauer verhalten 9 � (Fackelzug) u. f. w.; man wurde sich aber dann doch Brauer ,n ihrem Kampfe zu unterstützen, aber die Rosm. fallen zu lassen nnd eine große Volksversamw abzuwarten, wo dann die geeignetsten Beschlüsse. zilfOYÖßirtTf VCll /y V L V* t' f I»*./ 1_ bestellen und auf jede Art gegen dieses Blatt zu agitiren, derselbe die gemaßregelten Setzer wieder eingestellt hat»n. Verpflichtung zur Unterschreibung des Reverses zurückgezogen � wurde nach kurzer Debatte angenommen. Hierauf schloß de» sitzende die Versammlung. zi«rrl»lg»ng btt z>rech«ier Peuttchland«(DviSoenouttunn Stoubranche). Versammlung am Dienstag, den 13. Mai, Abend« 5"» Detgmüller's Salon, Alle Jakobstr.«8». Tagesordnung: i. Seschan"» 2.«assenbertchl. 8. Bericht über die Lohnbewegung und Diskussion, n, I schtedenes und Fragekasten.— ES wird gebeten, daß alle Nolles scheinen. «auorrei» Kertiner Kitdhauer. Dienstag, den 13. Mai, Abends" Restaurant«ebner, Annenstrabe 1». 1.«eschästltcheS. 8. Verse» 8. Bibliothekabend. Nersnmmlnng der Filiale 1(Küd) der Maler«tr. am Dienstag, den 18. Mai, Abends läien, Orantenstr. iso. Versammlung «JroQ«-ffentliche Fachvereiii der Sapriirer A erlin« und ztmgegrnd. Dien Mi . Mai, AbendS 8 Uhr, bei Feuerstein, Alte Jakobstraße 75: MUS _----, Urrsammluns kür sämmtliche im 9* gewerbe deschaftigte Kollege» am Dienstag, den 18. Mai, Abend« im Saale des Böhmischen Brauhause«, Landsberger Allee n— 13.„»r Mauder-tzlersainullung dro Fachvrrein» der Meder«"» P -'" am Dienstag, den 18. Mai, Abend»» l»- mandten„ W. Lokale deS Herrn Gnadt, Brunnenstr. 88. Freie Nrrriniaung der Schneider Kerlin». Sroße Versammlung am Dienstag, den 18. Mal, Abend» 8X Uhr, ln Eta f Bterhallen, KommandanlensNaße 77— 7».— Die Versammlung nehmlgt., ff Kombinirte Mitglieder- Versammlung der Perrinigu»'«�-» Srecheler Deutschland»>- den 1«. Mai, Abend« 8% Uhr, in Gründel'S R-stauranl, Dr-sdenersir°» � Tagesordnung: 1. Stellungnahme der Vereinigung zur Lohnfrage."iLelr Kollege Raulenberg. 2. Diskussion. 8. Regelung des Arbettsna« t. Verschiedene». PiinMicheS Erscheinen erbeten,«äste haben Zulrw' fosialdemodratischrr Mahtverein de» 6. Kerliner lkreisr». Dienstag, den 13. Mal, Abend» 8% Uhr, in Vollsgarten, Gesundbrunnen, Seneralversammlung. Fachvrrrin für Schlosser und"'---- Umgegend. Dienstag, den:8. Mal, S lung im Königstadl, Kasino, Holzmarktstr. 72. Verein der»rrchoter Drutschtand». QrtSverwaltung 5. brauche. Am Dienstag, den 13. Mai, AbendS 8 Uhr, bei Bolzmann, straste 28, Vers $3 Feilen haurr Kerlin«. Oessentliche Versammlung am Dienstä�Ä 18. Mai, Abends 8 Uhr, bei Meißner, Äarlenstr, 182. Der wicht ige" Ordnung wegen ist das Erscheinen aller Kollegen nothwendig. ßst;, Allgemeiner M-tallarbeiteroer-in für Berit» und Umgegend, gp«. Versammlung am Dienstag, de» 13. Mai, AbendS 8% Uhr, im Wedd.�se Müllerstr. 178.— Da die Slatisttk der Metallarbeiter am 1. Jn»t P'"-«'" wird, so wird darauf aufmerksam gemacht, dieselbe noch so viel ai» zu benuhen. Groszr öffentliche der Arbeiterinnen d � � und Wäscheschnetderets am Mittwoch, den 14. Mat, Abends 8�# R-nz's Salon, Raunystr. 27. Tagesordnung: Ist der Achtstundentag" die Frauen durchführbar? Referent Fritz Zubeil....ml% Oer Fachverein der Ktrindrncher und Kithoarapsten veranst" i>al>!lische" aufgestellt wurde, nämlich die des Genoffen fi-M'u6' n Thnlweil am Züricher See, der über 700 Stimmen (,"• über damit in der Minderheit blieb. Ebenso unterlagen Mors. Heusler, Conzett. Mors und Merk sind in A'k lvemokraten haben freilich bessere Geschäfte geniacht im,» Sozialisten. Sie hatten im letzten Kantonsrath 91 Schc '"°.und nun haben sie mit Einschluß der Sozialisten bereits 100. i' l drei den Demokraten günstige Stichwahlen in Außersthl ,, Tie Konservativen haben III, während sie im lehien »i�tensrathe mit 110 die ausschlaggebende Mehrheit besaßen. Parteiverhältnisse sind also insosern verschoben, als bei der v,.,K.'che>' Stärke der beiden großen Parteien keme eine feste 2%ch( Majorität besitzt und der Ausgang von Absliniinungen .ß�ingfügige» Umständen abhängig sein kann. Zm oergleuhe oen IBhTpp»Klni.r«..>>!» .•*v'rvl yiupvt[cm ivct vc»»»iw....... "HitihiM v t'on �er unerträglichen und entwürdigenden Bevor- ÜWtpi■- Herrschsucht und Tyrannei der sogen, demokratische» Hilde gemacht und vollständig auf eigene Füße gestellt kral�i�en Regier ungsrathswahlen hatten die Demo- Um;.....?? Tlück; ihr Kandidat blieb hinter dem wegen seiner politischen Charakterlosigkeit schon immer be- g;g,,, na"liberalen" Walder zurück, der 3000 Stimmen— 23335 hielt i90' bei einem absoluten Mehr von 26 866— mehr er- der Demokrat Graf. Bg.ix"•®crn haben nach den vorliegenden Nachrichten die Kbr,!,?braten im ersten Wahlgange keinen der ihrigen durch- dl,, sondern sie stehen in Stichwahl. In Basel dürften «eitet und die Freisinnigen gesiegt haben. ,�er I.Mai ist in der ganzen Schweiz in befriedigender Weise Große Umzüge mit Festarrangement fanden statt I und St. Galle»; kleinere in Winterthur, Genf, �"mnne u. f. w. Dagegen fand wohl in jedem industriellen »tti,» �ne Demonstrationsversammlung mit Vortrag und damit Netf«*1 gemüthlicher Unterhaltung statt. Die größten j�l»»nnlungen waren in Genf und Zürich, 6000 und Personen, dann Basel, St. Gallen, Lausanne, Winter- < s'Schaffhausen, Bern, Biel, Aarau, Ehur, Ollen Iteji?' Natt. Es herrschte überall eine vorzügliche erhebende bh"9 und man kann wohl annehmen, daß, wie in alle» 1»?'.'0 e>uch in der Schiveiz, die Sozialdemokratie in ihrer stnbvickelung durch die Achtstundcnbewegung mächtig gefördert .?*■ Daß nirgends eine Ruhestörung vorkam, ist selbstver- , denn wo die Arbeiter sich selbst Polizei sind und die sniäßige Polizei fern bleibt, sowie dem Volke der aufregende "ck schußbereiter Militärmassen erspart wird, da werden die �»nienkilnste der Slrbeiter durch keinen Mißton getrübt. �ehen von ihrer Bedeutung als bemerkensivcrthes Zeichen seit und ihrer verfassungsmäßigen Bedenklichleit hat die lastigkeit des Bundesanwalts keine weitere Beachtung ge- man nahm sie zum großen Theile mehr humoristisch als Zürich haben die S ch l o s s e r m e i st e r die zehn- Ii*'8t Arbeitszeit bewilligt und dadurch den sonst unvermeid- ß* gewesenen Streik hintangehalten. In Bern haben die Ist,., hm ach er mit ihren Lohnforderungen bereits theilweisen �«. jedoch befindet sich noch eine Anzahl der Gehilfen im fett worden.( Uokerles. bft U}* kolialkommisisio» veröffentlicht nachstehend die Liste . h�' ihre Lokale zu Versammlungen unentgeltlich her- Mint!!!!, bemerkt hierzu, daß dieselbe wöchentlich einmal mit liÄn' Abänderungen abgedruckt wird, ferner, daß Veröffent- he? 9en in Bezog auf die Lokalfrage nur von den Herren Wil- � iWss. ,e r n e 1' Sebastianstraße 72, August Jnsinger, Jito.i�borferftr. 45, und Otto Heindorf, Langestr. TO, aus- � haben. Alle event. Unregelmäßigkeiten sind an die ge J i ltn Herren zu berichten. Adlerbrauerei, Badstraße. Aktienbrauerei Moabit. C. Bachmann, Tresdenerstr. 45. Bergschloßbrauerei, Rixdorf. Beyer, Neue Grünitr. 14. Bockbrauerei, Tempelhofer Berg. Böhmisches Brauhaus. Bötzow's Brauerei. Bolzmann, Andreasstr. 26. Bobert, Weinstr. 11. Brauerei Tivoli, Kreuzberg. Brauerei Königstadt. Brauerei Friedrichshain(Lips). Brauerei Friedrichshöhe(Patzenhofer). Brauerei Pfefferberg. Buggenhagen, Moriyplatz. Bürgersäle, Tresdenerstr. 96. Konzertpark, Ostend, Frankfurter Mee. Teigmüller's Salon, Alte Jakobstr. 48 a. Deutsches Vollstheater, Schönhauser Allee. Eiskeller-Etablissement, Chausseestraße. Elysium, Landsberger Allee. Faustmann, Jnvalidenstr. 144. Fenske, Landsbergerstr. 37. Feuerftein's Salon, Alte Jakobstr. 75. Gratweil's Bierhallen, Kommandantenstr. 79. Gnadt, Brunnenstr. 38. Gründe!, Dresdenerstr. 116. Gründer's Salon, Schwerinstr. 13. Habel's Brauerei, Bergmannstr. 5—7. peife, Lichtenbergerstt. 21. pennig, Hochstr. 32a. oeydrich's Säle, Beuthsir. 18—21. Fritz Jlges, Wilsnackerstr. 63. Jndustrie-Hallen, Mariannenstr. 31—32. Joöl(früher Keller), Andreasstr. 21. Jordan's Salon, Neue Grüustr. 28. Kanfmann's Vnric't?, Königskolonaden. Keller, Bergstr. 63. Königshof, Välowstraße. Klein's Festsälc, Oranienstr. 180. Klient, Hasenhaide. Königsbänk, Gr. Frankfurterstr. 117. Krieger's Salon, Wasserthorstr. 68. Kuhuney's Gesellschaftshans, Köslinerstr. 17. A. Möwes' Gesellschaftshaus, Fichtestr. 23. Müller, Johannisstr. 20. Neustädtischer Volksgarten, Proskanerstraße. Norddeutsche Brauerei, Chausseeslr. 58. Orschel, Sebastianstr. 39. Reichert, Müllerstr. 7. W. Nehlitz, Bergstr. 12. Renz' Salon, Nauntznstr. 27. Rennefnhrt's Salon, Tenneivitzstr. IL; Reyer, Zllte Jakobstr. 33. Roll, Adalbertstr. 21. Ruhland, Moabiter Schühenhaus. Sachow, Atüllerstr. 186. Eaeger, Grüner Weg 29. Sahm's Klubhaus, Annenstr. 16. Sanssouci, Kotlbuserstr. 4 a. Scheffer's Salon, Jnselstr. 10. Schloßbranerei Schöneberg. Schneider, Belsorterstr. 15. Schröder, Müllerstr. 178(Weddingpark). Schwnrzmüller, Kolbergerstr. 23. Silber's Salon, Schwedtcrstr. 24. Specht(Brauerei-Ausschank), Sieue Jakobstr. 26. Süd-Ost, Waldemarstr. 75. Unionsbrauerei, Hascnhaide. Vereinsbrauerei,(Ripdorf). V i ktori a bra n erei, Lü tz ow straße. Viktoria-Salon, Perlebergerstr. 13. Volksbrauerei(Moabit). Wedring-Kasino, Schulsir. 29. Weich Alexanderstr. 31. Weimann's Volksgarten, Gesundbrunnen. Wollschläger, Blumenslr. 73. Wohlhaupt, Manteuffelstr. 9. Zelt Nr. 1. Zemter, Miinzstr. 11. Der hirsiigr Zlkngistrat hat nntcrm 7. Mai 1886 den Beschluß gefaßt, daß die Parkdeputation in Erwägung ziehen und darüber berichten solle, ob in den städtischen Parks Hallen zur Erholung und Stärkung des Publikums, welches die Anlagen be- sucht, und zum Ausschank erfrischender Getränke zu errichten seien. Die städtische Parkdeputation hat jetzt„s ch o n" den Bericht fertig gestellt und führt in demselbsn etwa Folgendes ans: Die städtischen Parks, der Friedrichshain, der Humboltshain, der Treptower Park werden von dem Publikum, welches den söge- nannten„besseren Ständen" angehört, nicht so ausgiebig besucht, wie man es erwarten dürste. In Hamburg, München würden dagegen die öffentlichen Parks von Personen aller gesellschaftlichen Kreise zur Erholung stark aufgesucht, Kaffeehäuser, Konditoreien, Kurhäuser n. s. w. seien in denselben erbaut. Dem Umstände, daß solche Anlagen in den Berliner Parks fehlen, schreibt die Deputation dem geringen Verkehr des sogenannten „besseren Publikums" zu, welches keine Ruhestätte finde. Vorgeschlagen wird, in den betreffenden Parks 150 Quadrat- Nieter zur Erbauung von Ersrischungshallen an ge- eignete Privatpersonen abzugeben und die Verabreichung von Wein und feinen Licflienren in diesen Hallen zu gestatten, den Verkauf von Bier und Branntwein aber nicht zu erlauben. Aus dem Inhalte dieses Berichtes erkennt man sofort, daß ein sozialdemokratischer Stadtverordneter an der Abfassung des- selben nicht niitgewirkt hat, aus jeder Zeile hört man den Bour- geois, welcher bemüht ist, jede Berührung mit dem Arbeiter zu verhindern. Daß der Arbeiter weder Wein noch feinen Liqueur trinken wird, weiß die Pnrkdeputation, man weiß aber auch, daß die Mitglieder dieser Deputation ihr Seidel nicht verschmähen und keine Freunde der Enthaltsamkeit sind. Wird denn der Hain oder Park entweiht, wenn in demselben eine Weiße mit einem Himbeer getrunken wird? Der Zweck des Berichtes geht ziemlich ünverblümt darauf hinaus, den Arbeiter aus den Parks zu ver- treiben und sie für das sogenannte bessere Publikum zu reserviren. Wird der Plan der Parkdeputation vom Magistrate und den Stadtverordneten genehmigt, so werden die Erfrischungshallen an den schönsten Punkten errichtet werden, schattenlose Bänke an den Anläufern der Parks werden großmüthiger Weise dem Arbeiter gelassen werden. Der Dönhofsplatz ist ein lehrreiches Beispiel; einige Bänke an den äußeren Thcilen des Platzes für Arbeiter, aber alle schöne Partien desselben mit Stühlen besetzt, deren Gebrauch mit 5 Pf. bezahlt werden muß und meistens von wendischen Ammen eingenommen sind, übrigens ein trauriges Zeugniß des körperlichen und sittlichen Verkommens der„gnädigen Frau", wie sich das Weib des Bourgeois jetzt titnliren zu lassen beliebt, das entweder nicht befähigt ist, seinem Kinde die Brust zu reichen oder der Faulheit wegen nicht will. In diesem Berichte der Parkdeputatton haben wir wieder einmal einen Werthmesser für die vielen Versicherungen des Wohlwollens und der Fürsorge seitens der Stadtverwaltung dem Arbeiterstande gegenüber; wüßte die Deputation nicht, daß sie mit ihrem Berichte geneigte Ohren finden würde, so wäre er gewiß anders ausgefallen. Zu beachten ist auch noch der Vorschlag in dem Berichte, daß der Bau der Ersrischungshallen geeigneten Unternehmern überlassen werden solle. Auch hier wird wieder der Wohlhabende gegen den Aermeren bevorzugt. Die Ausrede kann hier nicht an- gebracht werden, die Stadt dürfe sich in geschiiftliche Betriebe einlassen, denn Niemand wird verlangen, daß die Stadtverwaltung Schank- wirthin werde, aber die Hallen muß die Stadt erbauen lassen, damit bei jeder Verpachtung auch Aerniere als Leiter auftteten können. Arbeiten Magistrat und dann wieder die Stadtverordneten in dieser Sache ebenso schnell wie die Parkdeputation, so wird noch manches Jahr vergehen, ehe Champagnerpfropfen in den Parks knallen werden; unsere Zeit ist eine schnelllebige und Un- verhofftes und von Vielen Unerwünschtes kann bald kommen. Schafst uns dir Sozialdemokraten vom Hälfe, und wir bewilligen Alles, was verlangt wird," ist der Sinn eines Artikels in der neuesten Nummer der von dem Reichstagsabgeord- neten Tr. Barth herausgegebenen„Nation". Es wird in diesem Artikel etwa Folgendes gesagt: Der neue Kanzler wird nicht in den Fußtapfen seines Vorgängers treten, sondern versuchen sich friedlich mit dem Reichstage auseinander- zusetzen. Aus diesem erhofften Entgegenkommen erwächst dann aber für die Parteien die Pflicht, dem neuen System und den neuen Männern eine ehrliche Probe zu bewilligen, wie es hoffent- lich auch geschehen wird. Weiß Herr von Caprivi diese günstige Lage durch Geschmeidigkeit auszunützen, so wird ihnen alles Wesentliche— auch betreffs der militärischen und kolonial- politischen Forderungen— bewilligt werden, und er wird sich auf dem Gebiete der Sozialpolitik weitgehender sozialdemo- kratischer Forderungen leicht erwehren können. Eine bessere Kennzeichnung des Charakters der freisinnigen Partei konnte gar nicht gegeben werden, als eZ hier geschehen ist. Fügt sich der Reichsranzler unserem Wunsche, die Forderungen der Arbeiterpartei niederzuhalten, so fehlt uns nicht die nöthige Geschmeidigkeit, wir wissen uns in die Verhältnisse zu fügen, wenn nur ein Geschäftchen zu machen ist. Ki» Todtschlag ist am Sonnabend spät Abends in Moabit, und zwar vom Bruder am Bruder erzielt worden. In dem Hause Thurmstr. 79 wohnt im Seitenflügel, zweiten Stock, der 35jährige Zimmermann S a ck w i tz mit seiner aus Frau und fünf Kindern bestehenden Familie. Sackwitz wird als nüchtern, solid und verträglich geschildert; die Hausgenossen haben bis zum letzten Sonnabend niemals Streit oder Lärm aus der Wohnung gehört. Ab und zu hielt sich nun für einige Wochen der jüngere Bruder des Sackwitz, Hermann, welcher 24 Jahre zählt und Hammerführer bei Borfig ist, bei ihm auf; es war ihm ein eigenes Zinimer eingeräumt. Derselbe wird nicht nur als un- dankbar gegen den älteren, welchem er stark verpflichtet ist, son- der» auch als gewaltthätig geschildert und soll die Neigung ge- habt haben, den älteren, jedoch schwächeren Bruder zu hänseln und zu„kujoniren". Dies ist auch am Sonnabend Abend— Morgens war der Hermann S. erst zugezogen— der Fall gewesen. Auf einen Wortwechsel folgten Thällichkeiten und in der zehnten Stunde gebot der Hauswirth, welcher sich über den Lärm bei den sonst ruhigen Leuten wunderte, Ruhe; schon vorher sollen sich die Brüder in einem Schankkeller heftig mit einander gezankt haben. Nach der Erzählung von dem Hergange, welche die An- gehörigen des Sackwitz als die einzigen Zeugen der That unserem Berichterstatter vortrugen, hat der jüngere Sackwitz im Streite sein Taschenmesser gezogen und auch einen gleichfalls ihm gehörigen Gummischläger hervorgesucht und ist, dieses in der Linken, jenes in der Rechten, auf seinen Bruder losgestürzt. Die Zeugen flohen, so daß die folgenden Vorgänge von Niemandem beobachtet worden sind. Der Ausgang ist aber der gewesen, daß der Angegriffene mit den Waffen seines Angreifers diesen ge- tödtet hat. Hermann Sackwitz erhielt eine tiefe Schnittwunde am talse und einen Hieb auf den Hinterkopf. Er hatte noch soviel rast, von dannen zu eilen, um sich zur Sanitätswache zu be- geben, und der Thäter lief mit, um ihm Hilfe zu leisten. Unter- wegs aber brach das Opfer infolge enormen Blutverlustes zu- sammen und verstarb alsbald. Der Thäter wurde gleich an der Stelle verhastet. Frau und Kinder desselben erfuhren erst am Sonntag. Vormittag, daß ihr Schwager mid Onkel todt sei. Nachträglich ist auch das Messer, mit melchem der Stich geschehen ist, deschlagnahmt worden, der Gummischläger nicht. Daß der Vorgang sich in der von den Angehörigen berichteten Weise wirklich zugetragen habe, vermag der Berichterstatter nicht anzu- geben; es dürfte aber schwerlich zu beweisen sein, daß er einen anderen Verlaus gehabt hat. SoiiÄcle Dir Arbeiter der Filzsichuhfabrik von Gufiktv Uemanö» Rheinsbergerstr. 24, haben wegen Lohndifferenzen die Arbeit ein- müthig niedergelegt, und ist daher Zuzug nach dieser Fabrik hin streng fernzuhalten. Achtung Bürstenmacher Herlin» und Umgegend! Die in der Schleif- und Drahtbürstenbranche beschäftigten Bürsten- wacher erhielten die Forderungen bei folgenden Fabrikanten be- willigt: Stauder, Oranienstr. 184; Schinlaucr, Skalitzerstr. 27; Hofmann, Soranerstr. 80; Frehn, Louisen-Ufer 2; Hamann, Sebastianstr. 64. Die folgenden zwei Fabrikanten haben bis jetzt noch nicht bewilligt: Kuhn, Sebstianstr. 17; Konrad, Waldemar- straße 19. Der erste Herr ist verreist und erklärte, daß er be- willigen wird, wenn er diese Woche zurückkommt. Kollegen, haltet den Zuzug von diesen beiden Werkstellcn fern, bis die Forderungen beivilligt sind, dieselben sind gerecht und hoffen wir, daß ims die Kollegen unterstützen, bis der Sieg unser ist. Der Tarif wurde folgendermaßen aufgestellt: neunstündige Arbeitszeit, IVsstiindige Mittagspause, 35 Pf. Minimallohn, bei Akkordarbeit 25 pCt. Erhöhung. Die dem Ueichstage von der Regierung vorgelegte Novelle zur Gewerbeordnung spricht bekanntlich das Verbot der Beschäf- tigung von Arbeiterinnen während der Nachtzeit aus. Ueber de» Umfang der weiblichen Nachtarbeit sind m Preußen im Jahre 1834 Erhebungen angestellt worden. Danach ist der einzige Fabrikattonszweig, in welchem eine regelmäßige Tag- und Nacht- arbeit für Arbeiterinnen allgemein vorkommt, die Rübenzucker- fabrikation. In 236 Betrieben dieser Industrie waren 1884 in Preußen 6500 Arbeiterinnen beschäftigt. Außerdem kam die regelmäßige Nachtarbeit von Arbeiterinnen in Preußen bei 15 Eisenhütten, 10 Zinkhütten und 4 Zementfabriken Oberschlesien mit insgesammt 671'Arbeiterinnen vor. Auf den Obcrschlesischens Berg- und Hüttenwerken wurden im Jahre 1886 11 683 weibliche Arbeiter beschäftigt, davon 8658 bei den Steinkohlen- und 2620 bei den Erzbergwerken. Auf den letzteren haben die Arbeiterinnen regelmäßige Tag- und Nachtschichten, die von Woche zu Woche ivechseln. Auf den Steinkohlenbergwerken findet keine regelmäßige Frauenarbeit statt, wohl aber zeit- weise bei starker Förderung und an den zwei Zahltagen des Monats. Nach den Erhebungen vom Jahre 1884 kam ferner regelmäßige Nachtbeschäftigung der Arbeiterinnen in Preußen vor: bei einzelnen Briquettesfabriken, bei Glashütten, bei Papier- fabriken, bei KunstwoUfabriken, hei Zeitungsdruckereieu, bei Woll- Wäschereien und Kämniereien, Kamnigarnspinnereien, Webereien, Netz- und Teppichfabriken, Zuckerrafstnenen, Stärke-, Cichorien- und 5krautfabriken, chemischen Fabriken, Holzschlcisereien, Oel- mühlen, Dampfttegeleien, Kleineisenfabriken und Spiegel- Manufakturen. Einige Ehokolade- und Zuckerwaarensabrilen, Schirm- und Teppichfabriken hatten in der Saison vollständige Tag- und Nachtarbeit. Auch in der Textilindustrie gab es viele Vetriebe, welche in der Saison die Arbeiterinnen zur Nachtarbeit heranzogen. Au» Sachsien, 7. Mai. Die Zahl der Fabrikarbeiter ist im Königreich Sachsen auch im vergangenen Jahre erheblich ge- stiegen, von 321 629 auf 840 498, also um 5 pCt. und das ist jedenfalls mehr als die Zunahme der Bevölkerung beträgt. Die Textilindustrie nimmt wiederum über ein Drittel(135 343) der gesammten sächsischen Fabrikarbeiter in Anspruch, dann folgt die Maschiueniudustrie mit 41 804, die der Erden und Steine mit 34 934 Arbeitern und so weiter. Von sämmtlichen Fabrik- arbeitern sind ziemlich genau ein Drittel 113 796 weibliche, wovon allein 72 285 in der Textilindustrie beschäftigt wurden. Die Zahl der jugendlichen und kindlichen Arbeiter stieg von 38 061 auf 38 512, die der letzteren allein von 11 009 auf 11 869. Die Textilindustrie beschäftigt mehr als die Hälfte der kindlichen Arbeiter. verlnttnnlunNen. Mne öffentlichr Urrsanttnwug der Weber, Wirber Und sonstigen Zlrbeiter der Textilindustrie fand am 8. b. M. im „Elysiniit" statt, war aber leider»nr von etwa 150 Personen besucht. Zluf der Tagesordnung stand: Bericht jiber den Kongreß in Apolda und Wahl einer Agitationskominisston. Ueber die Verhandlungen des Kongresses rcfcrirte Herr Scholz. An sein Referat knüpfte sich eine Diskussion, hervorgerufen dadurch, daß der Referent vor Allem die kleinen Meifter, den industriellen Kleinbetrieb erhalten und retten wollte. Herr H e i u d o r f zeigte, wie durchaus unmöglich dies ist. Es sei allerdings falsch zu sagen, daß die Sozialdemokratie den Kleinbetrieb vernichten wolle, nein, diese Vernichtung sei die nothwendige Folge der kapitalistischen Produktion und wir müssen uns auf den Boden der Thatsachen stellen. Diese Ausführungen fanden lebhafte Au- stimmung. Was den zweiten Punkt der Tagesordnung betrifft, so ist in Apolda beschlossen worden, daß sich Berlin ein Agi- tationskomitee wähle» solle. Dasselbe soll in denjenigen Städten, in welchen eine Organisation noch nicht besteht, eine solche be- schaffen oder wenigstens anregen. Infolge des schwachen Besuches der Versammlung wurde dieser Gegenstand jedoch vertagt und es soll die neue Versammlung, in welcher das Agitationskomitce ge- wählt wird, noch in dieser Woche stattfinden. Es ist aber drin- gend nothwendig, daß diese Versammlung stärker als die letzte besucht werde. Spvcrliknnl. Tie Ncdetüo» stellt die Benutzung des Sprechsnals, soweit Nmim bnfilr abzugeben ist, dein Pnblirnm zur Besprechung von Angelegenheiten allgemeinen Jnterestes zur Beringung: sie verwahrt sich aber gleichzeiltg dagegen, mildein Inhalt desselben tdentifizirt zu werden. Durch den in Nr. 108 des„Berliner Volksblatt", den Streik der hiesigen Brauergesellen behandelnden Artikel, fühlten sich Unterzeichnete veranlaßt eine dem Inhalt des betreffenden Artikels entgegengesetzte Ansicht zum Ausdruck zu bringen. Ueber die bis jetzt an die Oeffentlichkeit gedrungenen Berichte über die Ursachen, welche den Streik hervorgerufen, sowie über die eigentlichen, von den Brauergcsellen aufgestellten Forderungen, herrscht wohl bei dem Gros der Berliner Arbeiterschaft, welches in dem angezogenen Artikel zur Parteinahme für die Vrauerge- sellen aufgefordert wird, völlige Unklarheit. Dieser Ungewißheit wird auch durch den Artikel in Nr. 108 nicht abgeholfen. Darüber, daß die Forderungen der Brauergesellen gerechtfertigte sind oder nicht, haben doch nicht nur die Unterzeichner des Aufrufs ein Urtheil zu fällen, sondern es wäre Pflicht der Lohnkommission der streikenden Brauer, den zur Parteinahme aufgeforderten Berliner Arbeitern einen genauen Bericht über den Verlauf und den jetzigen Stand der Bewegung zu geben. Da, wie gerüchtiveise verlautet— und die von der Lohn- kommission herausgegebenen Flugblätter besagen nicht das Gegen- theil— nur W der Berlins sich überhaupt am Streik betheiligt haben, sämmtliche Brauereien sich in vollem Betrieb befinden sollen, alle, auch nachträglich gestellten Forderungen— außer der, daß die Unternehmer sich verpflichten sollten, offene Stellen nur durch die Vcrmittelung des Arbeits- Nachweises der Gesellen zu besetzen— bewilligt sind— so war es von doppelter Nothwendigkeit für die Brauergesellen, ehe sie an die Arbeiterschaft Berlins appellirten, denselben über den Stand der Lohnbewegung reinen Wein einzuschenken. Daß der von den streikenden Brauern so betonte Vortheil, der durch das gezwungene in Arbeitsstellen von 30 Jahren allten Invaliden, eintreten würde, wohl sehr fragwürdig ist, da ein Unter- nehmer selbstverständlich einen ihm unbequeme Arbeiter bei passender oder unpassender Gelegenheit entläßt, dürfte wohl jedermann einleuchten. Solche Verhältnisse liegen eben in der modernen Produktionsweise.— Deshalb ist es von der größten Nothwendigkeit, daß die Brauer sich organisirten, einen Arbeits- Nachweis griindeten, und dahin aufklärend zu wirken trachteten, daß die Kollegen nur Arbeit durch ihren Arbeitsnachweis nehmen, dann würden die Unternehmer gezwungen, den Arbeitsnachweis der Gesellen zu benutzen, ohne daß sie sich schriftlich dazu ver- pflichteten. So machen es andere Gewerkschaften und das wäre auch für die Brauer wohl das richtige. So lange es eine N e- servearmee von jungen und kräftigen Arbeitern geben wird, so lange bleibt es eben ein Ding der Unmöglichkeit ältere und unbrauchbare Gesellen mit Hilfe des Arbeitsnachweises allein in Arbeit zu bringen. Mit der Aufstellung solcher Forderung!!' würden wohl fast sämmtliche Gewerkschaften Fiasko machen. angenommen, sämmtliche Forderungen der Brauergesellen würd!" von der gesammten Berliner Arbeiterschaft als die allergerechtefü" anerkannt, so wäre es doch immer fraglich, ob gerade biiß Kampfesweise die richtige ist. Falsch ist es auch so zu argumentW wie es in dem Artikel geschieht:„siegen die Unternehmer, so den Berliner Arbeitern innerhalb einer Woche kein Saal w# zu ihren Versamnilungen zur Verfügung." Gerade wenn Berliner Arbeiterschaft beschließt, kein Bier von den betreffeflW die letzteren im Kampfe gegen ihn uns* Brauereien zu trinken, bis 'Arbeiter die Waffen gestreckt, gerade dann werden Brauereien ihre Säle entziehen; denn schlimmeres kann ja gar nicht passiren, als daß ihr Bier nicht getrunken w'1, Ist also diese Argumentation in dem Ausruf hinfällig, lwi" haben auch die Parteigenosse wckein weitergehendes 3" terefse an dem Brauerstreik, als an jedem anderen LohnkaM� „Hie Arbeit— hie Kapital". Ohne den Gegensatz Zw'!, beiden gäbe es überhaupt keinen Streik, und jeder Streik ist Machtfrage. Hie Arbeit— hie Kapital heißt es also nicht ß* beim Brauerstreik, sondern bei jedem Streik. Sollten natürlich die Versammlungssäle trotzdem Arbeitern entzogen werden, dann wird die Berlin!' Arbeiterschaft dafür eintreten, daß ihr nicht das Mittel gerau wird, ihre Ideen in weitere Kreise zu tragen. Falsch ist es auch, wenn der Aufruf unterzeichnet war „Mitgliedern der Lokalkommission". Entweder hat die Majarw der Mitglieder der Lokalkommission beschlossen, diesen Aufruf i" veröffentlichen, dann mußte die Lokalkommission auch unterzeichu'� oder aber der Aufruf durfte nur unterzeichnet sein, ohne daß Zusammenhang mit der Lokalkominission hervorgehoben wur� — Der Boykott ist ein zweischneidiges Schwert, das ist sch»" � gesagt,— falsch angewendet schlägt er leicht in das Gegend dessen um, was man zu erreichen strebt. Bernhard Bruns, 80. Wrangelstr. 61/62. Emil Mix, SO. Wendenstr 2. Achtung Metallarbeiter! Die am 7. Mai er. in der öffentlichen Metallarbeiter-Versammlung in der Brauerei Friedrichshain gewählte Kommission zur Entgegennahme von freiwilligen Beiträgen zur Beschickung des Allgemeinen Metallarbeiter-Kongresses zu Weimar macht hiermit bekannt, daß freiwillige Beiträge bei den unter- zeichneten Kommisstonsmitgliedern entgegen genoinmen werden, und daselbst auch Bons zn haben sind. 305 Paul lletzi Köpenickerstraße 150—151, vorn IV. Rieh. Beyer, Grüner Weg 121, Hof IV. Franz Rasselhach, Kottbuser Damm 36— 37, v. IV. Allen Freunden und Genossen zur Nachricht, daß ich unter dem heutigen Tage ein 240 Weiss- u. Bairisch-Bier-Lokal nebst Garten Naunyn-Strasse No. 86 eröffnet habe. Vereinszimmer für Vorstände und Klubs stehen zur Ver- süg'mg. Fr. Zubeil. Achtung! RHetallar belter Wir ersuchen alle Kollegen, welche noch Sainniellisten für die streikenden Zigarrenarbeiter, Bildhauer, Luckenwalder Gemaßrcgelte und Siemens'sche Slrcikende in Hände» haben, dieselben unverzüglich, ob leer oder gezeichnet, an Otto Klein, Ritterstraße 15, Zigarrengeschäft, oder an Kollegen Wolff, Reinickendorferstraße 14a, 1 Tr., abzuliefern. 80(5 Der Streik bei der Firma Fr. Siemens& Co., Neuenburgerstr. 24, ist, da alle Streikenden bis ans einige untergebracht sind, aufgehoben, jedoch besteht die Sperre über diese Fabrik fort. 306 Die Unterstütznngs-Konunission. Uchiung! 307 Metaliarbeiter aller Branchen! Gedenket der am 1. Mai gemaßregelten Kollegen! Listen zu freiwilligen Beiträgen, sowie freiwillige Beiträge werden ausgegeben und entgegengenommen von Otto Klein, Ritterstraße 15, Zigarrengeschäft, und Kollegen Wolff, Rcinickendorferstr. 14a, außerdem sind Listen bei den Vorstandsmitgliedern und in den Zahlstellen zu haben. Achtung üfelSegen Die Luckw. Löwe'schen Ausgesperrten vom 1. Mai werden aufgefordert, sich heute Vormittag von 8—12 UHe bei Richter, Brandenburgstrahe 74, part., mit Entlassungsschein und Mitgliedsbuch einzufinden behufs Unterstützung, ebenso auch sämmtliche Schleifer von Löive. 303 d. KtlilM Btrlins 11. lling. Große Versammlung am Mittwoch, den 14. Mai 1890, Abends 8 Uhr, in JoSI's Salon, Andreaactrasoe 21. Tagesordnung: 1. Vortrag des Reichstagsabgeordneten Hern: W. Metzger, Hamburg. 2. Diskussion. 3. Aufnahme neuer Mitglieder. 4. Verschiedenes.— Gäste haben Zutritt. 803 Der Vorstand. H. Guttmann, ÖÄKÄSÄ'ÄÄ ö. Krunnen straffe 9, Inecht u. a. m. zu ermaß. Preis. 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