Ilv. 27, Abomument«-Hedingungt»: AbonnemenIS- Preis pränumerando! Pierteljährl. 3,30 Mr., monatt. 1,10 Bit., ivöchenMch 28 Psg. frei inS HauS. Sinjelne Nummer 8 Pfg. EonnlagS- Nummer mit tllnslrtrler EonnlagS- Beilage„Die Neue Well" 10 Plg> Post- Abonnemenl: ZLO Mark pro Quartal. liingclragen in der Post- ZeiiungZ- Preisliste für 1897 unter St. 7437. Hilter»reuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Marl, für da» übrige AuSland g Marl pro Monat. Erfcheinl täglich autzrr Wonlag«. Derliner VolKsblakk. 14. Jahrg. Kie Inftrtions- Gebühr beträgt für die fechSgespaltene Kolonel- zeile oder deren Raum 40 Pfg.» für Vereins- und VersammlnngS-Anzeigen, sowie ArbeiiSmarlt 20 Pfg. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 4 Uhr nachmittag» in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochentagen bi» 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis 9 Uhr vormittags geössnet. Fernsprecher:»mt I, Nr. 1008. Telegramm- Adresse: «»»iialdemokrat vrrlm". Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Zi-daklion: SW. 19, W-nly-Straße 2. Dienstag, den 2. Febrnar 189�. Spedition: SW. 19, Mettty-Straße 3; L0akzlve«sztsdeschvÄnkungen in Italien? Einige nicht ganz klare Aeußernngen des Minister Präsidenten di Rndini im italienischen Senate haben den ersten Anlaß zn der Annahme gegeben, daß das italienische Ministcrinm eine Einschränkung des Parlamentswahb rechts beabsichtige. Preßstimiiicn, welche seitdem eine solche Eiuschränrung befürworteten, können nicht als voller Beweis für das Vorhandensein einer solchen Ab ficht des Ministeriums gellen, weil nicht festzustellen war, ob sie dem Gedanken des Ministeriums Ausdruck geben oder ob sie ihrerseits dem Ministerium eine Einschränkung des Wahlrechts empfehlen wollten. Neuerdings aber taucht die Angabe auf, daß di Nudini in dem„Bericht an den König", welcher das zu erwartende Kammerauflösnngs-Dekret begleiten soll, die Wahlrechts-Einschränkiing als eine Programm-Forde: rung aufstellen wolle. Angesichts dieser Angabe ist zunächst die Thatsache het vorzuhebeu, daß das jetzt in Italien geltende Wahl: gesetz keineswegs das allgemeine Wahlrecht verleiht. Tie Wahlberechtigung ist in Italien entweder von einem bc� stimmten Besitz oder, für die Nichtbesitzeuden, von dem Nach weis der Fähigkeit, lesen und schreiben zn können, abhängig ge macht. In einem Lande, in welchem thatsächlich die Hälfte der erwachsenen Bevölkerung dieser Kenntniß entbehrt, wie dies in Italien der Fall ist, ist somit die Hälfte der Bevölkerung von vornherein vom Wahlrecht ausgeschlossen. Das Vcrhältniß wird aber noch ungünstiger durch den Umstand, daß die zum Wahlrecht erforderlichen Schulkenntnisse sich selbst- verständlich häufiger in den jüngeren Generationen der erwachsenen Bevölkerung vorfinden, die ihrerseits das zur Ans: Übung des Wahlrechts erforderliche Alter noch nicht besitzen Während also in Frankreich der vierte Theil, im Deutschen Reiche der fünfte Theil der Gcsamnitbevölkerung das Wahl- recht besitzt, besitzt es in Italien höchstens ein Zehntel der Bevölkerung. Ein solches Wahlgesetz macht eine einigermaßen beträcht: liche Vertretung der sozialistischen Arbeiterpartei im italienischen Abgeordnetenhause von vornherein unmöglich. Ueberdies hat Crispi bei den letzten Wahlen durch Korrigirung der Wählerlisten das Wahlrecht vieler ihm nicht bequemen Wähler auf dem Verwaltungsivege annulliren lassen. Wenn man jetzt nun das Wahlrecht noch mehr einschränken wollte, so wäre dies ein Zeichen dafür, daß man auch die jetzige, äußerst schwache Vertretung der Sozialisten im Parlament unmöglich machen, daß man also überhaupt jeden Sozialisten vom Par- lamente ausschließen wollte. Für Crispi, welcher seit seinem Sturze unablässig nach einem Programm sucht, das ihm den Vorivand geben könnte, die Regierung wieder zn übernehmen, würde ein Feldzng der gegenwärtigen Regierung zum Zwecke der Einschränkung des Wahlrechtes ein unverhoffter Glücksfall sein. Sein Programm für den Angriff auf das Ministerium di Rudini wäre sogleich gefunden. Er brauchte nur ans seiner buntscheckigen politischen Vergangenheit die demokratischen Nüancen hervor- zukehren, um sich als den berufenen Vorkämpfer des geltenden Wahlrechts auszuspielen und damit das jetzige Ministerium in eine gefährliche Lage zu bringen. Da selbst vom„konservativen" Standpunkte aus gar kein zwingender Grund zu einer Beschränkung des Wahlrechts in Italien vorliegt, so ist es immer noch möglich, daß das Ministerinm eine darauf gerichtete Absicht nur vorgiebt, um den Vorwurf abzulehnen, daß es die extremen Parteien de- günstigen wolle._ Nontilattott und ANttssenuttglücke dev Gruben. AnZ Fachkreisen wird uns geschrieben: In Nachsolgeudeni wollen wir nacheiiiander die Masserninglücke auf dem Wrangelschacht im niederschlesische»,„Prinz von Prenße»" im Bochumer,„ttaiserstuhl" im Dorlmuiider,„Kleophas" im ober- schlesischen und„Blumeuthal" im Recklinghanser Kohlenrevier besprechen. Am öl. Dezember lS9S sielen 3l Mann einer Gasexplosion auf dem Wrangelschacht zum Opfer, außerdem wurden 14 Mann schwer verlegt. Die Explosion war durch ausströmende Gase hervor- gerufen, die aber nicht plötzlich in Erscheinung traten, sondern, wie nach den ganzen Umstäude» anzunehmen war, infolge der Mangel» hasten Weltersührnng(Lustzuführung) sich anhäuften. Hätte man durch Zuführung von Lust die Gase genügend verdünnt und entfernt, wie es grnbentechuisch erforderlich war, dann wäre aller Berechnung nach die Katastrophe vermieden worden. Nun war die Wetter- führ un g in der betreffenden Abtheilung so getroffen, daß der Welterstrom an dem Fuße eines Bremsberges— ein schräg liegender Schacht, der bis zur Sohlenstrecke herabgeht und hier mit Brettern dicht verkleidet war— vorbei geleitet wurde nach einem hinter- liegenden sog. schwebenden Betriebe für einen neuen Bremsberg. In der Verlleidnng des Fußes dieser Unglücksbremse— so wollen wir sie nennen, weil hier die meisten Verunglückten nr- beiteten— war aber eine Thür angebracht, die jedes- mal aufgemacht werden mußte, wenn von dem Gestell. das zwecks Förderung in der Unglücksbremse auf und nieder ging, der volle Kohlenwagen abgezogen und ein leerer Wagen aufgeschoben werde» sollte. Und jedesmal beim Auf- machen dieser Thür entwich der Wetterstrom ungenutzt; das Gas, das an den Arbeitsstellen der Verunglückten austrat, wurde nicht genügend verdünnt. Das geschah in der betreffenden Unglücksschicht zirka 200 Mal und war in der unmittelbar vorangegangenen Schicht ebenso oft geschehen. Der Z 7 der Bergpolizei-Verordnung des Oberbergamts Dort- nullit) vom Oktober 1887 fordert aber an solchen Punkten 2 bis 3 Thüren, damit eine derselben trotz der Förderung stets geschlossen bleibt. Hier war die Anlage, L TT wie nebenstehende Figur zeigt. B soll den Fuß des Brems berges, die beiden parallelen Strichcheu die Thür und der ___ Pfeil die Richtung des Wettev stromes vorstellen. Am Fuße des Bremsberges ist eine kleine Erweiterung. durch welche die Wetter bei geschlossener Thür hindurch nach dem hinter: liegenden Betrieb zum neuen Bremsberg strömten und von da zurück zn den einzelnen Arbeitspunkten der Unglücksbremse. Wie es hätte sein solle», zeigt folgende Figur: £ ■<« <-* a und b sind Thüre», c ein fester Verschlag. Geht die Förderung durch a, bleibt b geschlossen und umgekehrt. Hierbei muß der Wettev ström seinen Weg stets durch die(Umbruch-) Strecke x nehmen Hätte er das gethan, konnte sich niemals Gas ansammeln. Die Umbruchstrecke würde ca. 300 M. gekostet haben. Wäre diese Ein richtung getroffen, so konnte nie die Vermuthung auftauchen, daß durch das fortwährende Ausmachen der einen Thür am Brems berge der Wetterstrom für die unglückseligen Arbeitsstellen zuviel verloren ging.— Dieser von Arbeitern der Unglücksgrube ans: gestellten Annahme, die auch in der Presse zur Besprechung kam, ist nicht widersprochen worden und der betreffende amtliche Berg- inspektoren-Bericht, der über das große Unglück— 3 Zeilen bringt, giebt nicht die geringste Aufklärung. Die Gasexplosion auf„Prinz von Preußen" im Jahre 189ö hat 37 Bergleuten das Leben gekostet. Den Beamten, so schrieben die zur Ungtücksstelle geeilten Berichterstatter, wäre es verboten gewesen, Mittheiliingen über das Unglück zn machen. Die Arbeiter hatten jedoch erzählt, daß die Verbindungsstrecke zwischen der 3. und 4. Sohle zu Bruche gelegen habe, weshalb man die Leichen mehrere 100 Meter tragen mußte. Auf Schlagwettergruben darf nach§ 19 der»wähnten Berg- Polizei-Verordnung der Wetterstrom nur aussteigend(von der einen Sohle zur andern) geführt und dielWetterwege müssen stets in gutem, gangbarem Zustande gehalten werden. Wäre ein solcher guter, gangbarer Weg zwischen der 3. und 4. Sohle in dem Unglücks- flötze auf„Prinz von Preußen" vorhanden gewesen, konnten die Arbeiter nicht dazu kommen, das Tragen der Leichen auf das Zu brncheliegen der Verbindungsstrecken zurückzuführen.— Nach Z 18 der erwähnten Berg-Polizei-Verordnung müssen aber solche Welterwege mindestens 2 Ouadratnieter Oeffnung haben: Wie nun ein Bruch in einer Strecke die freie Durch- strömuugsöffnung beeinflußt, zeigt folgende Figur: A ansgebrochener Raum im Dach der Strecke, B heruntergefallene Masse; a a die beiden freigebliebenen Stellen, welche hänsig so eng sind(mitunter ist alles zugebroche»), daß kein Mann durchkriechen kann. Sind mehrere Brüche in einer Strecke, so findet an den mit a a bezeichneten Stellen bei allen Brüchen zweimal eine Hemmung des Wetterstromes statt, welche die Kraft der Strömung fast ganz auszehren. — Es entsteht dadurch eine erhebliche Verzögerung des Luft- abzuges und demgemäß auch Verzögerung der Luftzuführung. Die daran interessirten Leute erhalten dann nicht das nach§ 16 der Berg- Polizei-Verordnung ihnen zustehende Luftquantum von zwei Kubikmeter» pro Minute und das hier austretende Gas wird nicht in der vorgeschriebenen Weise verdünnt und abgeführt, sondern sammelt sich au. Die erste Bedingung des Massenunglücks ist ge- gegeben.— Der bedeutungsvollen Behaiiptnng, daß die Verbindung zivischen der dritten und vierten Sohle nicht intakt geivefeu, ist nicht bestritten worden und sonderbar, der Berginspektoren- Bericht schreibt über dieses große Unglück— gar nichts. Auf„Kaiserstuhl" verunglückten im Jahre 1893 über 60 Mann durch«ine Explosion in einer Banabtheilung, welche unter den Bergleuten als ein gefährliches„Wetterloch" bekannt war. In dem darüber erstatteten Bericht an die Grubenbesitzer wurde seitens des Direktors ausgeführt, wie gerade bei dem in dieser Abtheilung zur Verfügung stehenden starken Wetterstrome die Verwaltung mehr darauf bedacht gewesen sei, überflüssige Wettermengen abzusperren und daß bei der nach dem Unglück erfolgten Untersuchung keine schlagende Wetter entdeckt worden seien. Es bleibe nnr die Annahme einer Kohlenstaubexplosion übrig. Und doch wurde in demselben Bericht gesagt, das Gebirge am Herd der Ex- plosion sei tropfend naß. Ob oder daß vor dem Unglück in der Abtheilung schlagende Wetter aufgetreten, davon sagte der Bericht nichts. Bei der behörd- lichen Untersuchung wird nian schwerlich bestrebt gewesen sein, Lusimengen abzusperren, wie vorher.— Auch davon stand nichts im Bericht. Die 1882 zur Untersuchuiig einer Reihe Zechen eingesetzte preußische Wetterkommission hob in ganz besonderer Weise als bemerkenswerlhe Erscheinung hervor, daß aus dem Schachte Kaiser- stuhl sogar in dem Hangenden(Gestein) eines Flötzes bedeutende Mengen Schlagwetter austreten. Da wird nian also wohl eine Gas- explosion annehmen dürfen. Bei solcher Gasausströmung noch an eine Kohlenstaubexplosion zu glauben, kann nnr Leuten zugemuthet werden, die von der Sache nichts verstehen. Wo Gas sich in solchen Mengen angesammelt hat, daß es zu einer Massenexplosion ausreichte, da bleibt es das gleiche Vergehen, ob man die Ansammlung begünstigte dadurch, daß man keine Lust hinführte, oder bestrebt war, die zur Verfügung stehende Lust abzu- sperren.— Im Jahre 1895 ereignete sich auf einer oberschlesischen Zeche im Bergrevier Königshütte ein Brand i n der Grube. 18 Mann und 2 Steiger kamen dabei durch Einathmen der Brandgase ums Leben, weil sie sich, so hieß es damals, wegen Fehlens der Seilfahrt nicht rasch genug aus den tödtlichen Gasen hätten entfernen können. Man hat diesen Vorwurf stillschweigend über sich ergehen lassen. Im März 1896 entstand auf der Kleophasgrnbe im Bergrevier Myslowitz< Kattowitz in Oberschlesien ein Grubenbrand, dem 114 Mann zum Opfer fielen. 114 Mann! Und das in einem Massenunglück ohne Explosion? Beim ersterwähnten Grubenbrande fehlte eine Seilfahrt; auf „Kleophas" fehlten Ventilatoren. Trotz der große» Ausdehnung ans der Kleophasgrnbe— sie hat 4 Schächte, 30 Pferde im Betriebe und eine Belegschaft von 1200— Mann war die Wetlerversorgung ans nur 2 Welteröfen beschränkt. Diese konnten aber weder sofort still ge- setzt, noch ihre Leistungen erheblich gesteigert werden, mochte dieses auch für die Rettung noch so dringend erforderlich sein. Es hieß damals, man habe vergebens mit allen Mitteln ver- sucht, einen der ausziehenden Wetterströme zum Stillstande zu bringen. Bei Ventilatoren, wären solche vorhanden gewesen, hätte es nnr des Willens bedurft, die Strömung der Wetter zn hemmen. Ungefähr einen Tag nach Beginn des Brandes gelang es einem Steig«,!«» einen Wetlerosen heranzukommen und zu beeinflusse», wodurch noch fünf Bergleute gerettet wurden. Herausholen wollte man allerdings alle bedrohten Leute, aber die tliettnngsmannschast konnte nirgends weit genug vordringen, da der Ranch überall hindrang und dieser sogar dem einziehenden Wetterstrom bis an de» sogenannten einziehenden Schacht entgegen drang und der Schacht selbst in Brand gcrieth, wodurch dann die Konfusion in der„Führung" der Wetter voll- ständig wurde. Wären Ventilatoren vorhanden gewesen, so konnte man sofort bei Beginn des Brandes in der energischsten Weise auf den Wetter- ström einwirken, und mau wäre auch im stände gewesen, die aller- nöthigste» Vorkehrungen zur Absperrung des Rauches von der Ab- theilung, worin die gefährdeten Leute arbeiteten, zu treffe». In der Leitung der Rettungsarbeiten wäre dann leine Kopslosigkeit ein« getreten, noch in der Führung deS Wetlerstromes eine Kufusion. Wenn wir die Ursachen der verschiedenen Massenunalücke in Unterbrechnng, Verzögerung und schließlich in der Schwäche und Planlosigkeit der Führung des Wetterstromes fanden, so haben wir eS bei der am 19. Dezember 1896 auf„General Blumenthal" im Recklinghanser Kohlenrevier erfolgten Gasexplosion, bei der 28 Mann ihr Leben einbüßten und 4 Mann schwer verletzt wurde», mit etwas anderem zu thun. Im Bericht der Berginspeklion von 1896 schreibt der betreffende Berichterstatter über das Recklinghanser Revier, daß in den Gruben viel drnckhastes, gebräches und qnillendes Gebirge sich vor- fände. Solches zerdrückt und beschädigt die Wettertyüren, Wetter- scheider. Verschlüge zc. ic. in ganz erheblichem Maße. Daher ist die Führung der Wetter mit diesen Apparaten daselbst eine äußerst schwierige, selten und auf die Daner nie eine exakte. Mit den beiden großen Venlilatoren, die auf„Blumenthal" die Wetter- Versorgung leisten, kann also nicht viel ausgerichtet werden, weil die frische Lust ivegen defekter Apparate in der Führung der Wetter nicht an die für sie bestimmten Punkte gelangt.— Das große Unglück auf„Blumenthal" zeigt, daß trotz zweier großer Ventilatoren eine Massenexplosion nicht vermieden werden konnte, daß trotzdem eine große Menge Gas sich angesammelt hatte. Woran lag das? Genau läßt es sich nicht mehr feststelle». Aber nach Kenntniß der nähern Umstände kommt man auf die in den Gebirgsverhältnissen begründete Mangelhaftigkeit der Apparate zur Führung des Wetterstromes als Ursache des Unglücks. Bei dem indirekten, einseitigen System(Sangesiistem) der heutigen Welter- Versorgung der Gruben sind aber die genannten Apparate im- entbebrlichl Die direkte Welterversorgnng, das ist die frische Luft mit Maschine und Röhrentouren bis unmittelbar vor jeden Arbeitspunkt der Schlagwettergruben hingeführt, dazu eine besondere, planmäßige Abführung der verbrauchten Luft mit saugenden Ventilatoren,— würde alle Massenexplosione» unmöglich machen. Massenunglücke, wie das auf„Blumenthal", sind bei der heutigen, auch noch aus einem anderen Grunde völlig nnzuläuglichen, ein- seiligen, indirekten Wetlerversoranng der Schlagweltergruben so schwer zu vermeiden, daß man bestimmt sagen kann, sie werden fort- gesetzt erfolgen, so lange man bei der jetzigen mangelhaften und dazu noch verkehrten Wetlerversorgung bleibt. Für die Vermindernug der gesammten Verunglückungen sind unabhängige Kontrollbeamie ans den Reihen der Bergarbeiter»n- erläßlich. Für die Verhütung der Massenexplosionen auf Schlag- weltergruben giebt es kein anderes als daS vorhin erwähnte Mittel. Angesichts der für die G r u b e n v e r w a l t u n g e n erlassenen strengen Bergpolizeivorschriften und des Umstandes, daß trotz dieser strengen Vorschriften die Wetterversorgung von den Grnbenbeamten nur im N e b e n a m t e geleistet wird, erscheint die nach jedem Massenunglück unter den armen davon betroffenen Bergarbeiter» angestellte Suche nach dem Karnickel als höchst alberne Snt- schnldignng, die die Aufmerksamkeit von dem wahren Schuldigen ablenken will._ polMfchv Aebevstchk. Berlin, 1. Februar 1897. Das preußische Abgeordnetenhaus setzte heute die Debatte über den Antrag Ring betr. Vorkehrungen gegen Viehseuchen fort. Einigen Herren gehen die agrarischerseits geforderten Absperrungsmaßregeln noch nicht weit genug; unter Führung des Grafen Hoensroech(Z.) beantragten sie daher auch das Verbot der Einfuhr von frischem Fleisch aus den Niederlanden. Andererseits beantragte der Abg. L e t o ch a(Z.) eine geringe Milderung, insofern als er die Einfuhr russischer Schweine nicht gänzlich verboten wissen wollte; er verlangte, daß die Schließung der Grenze gegen die Einsuhr russischer Schweine aufrecht erhalten und die Einfuhr russischer Schweine nur ausuuhmZweise— unter sofortiger Nb- schlachtuug in öffentlichen Schlachthäusern— bis ans weiteres noch in soweit zugelassen wird, als dies im Interesse der Ver- sorgung des oberschlesischcu Jndnstricbczirks mit Schweinefleisch und Speck sich als nothwcndig erweist. Einen schweren Stand hatte in der heutigen Debatte der erste Redner der Ztationalliberalcn, Abg. O s w a l t. Diese Partei hat in ihrer Mehrheit den Autrag'Ring nntcrschricbcn, aber nach der scharfen Erklärung dcS Ministers v. Ha in m e r- stein gegen den Autrag wurde den Herren vor ihrer eigenen Kühnheit bange; sie, vollen es ans keinen Fall mit der Regierung verderben, und so ließen sie denn heute in den bekannten natioimlliberaleu Redewendungen verkünden, das; sie mit den Einzelheiten des Antrags gar nicht ciuverstanden seien und dast ein Theil von ihnen nur seine Unterschrift hergegeben hätte, nm dadurch der Sympathie sür den Grundgedanken des Antrages, die Per« Hinderung von Viehseuchen, Ausdruck zu geben. So treibt die blasse Furcht vor der Regierung diese tapferen Mannesseelen dazu, sich selbst zu verleugnen. Der Landivirthschaftsminister schlug heute eine weit mildere Tonart an, als in der vorigen Sitzung. Zwar bezeichnete er auch heute noch den Antrag als unannehmbar und wandte sich gegen die der Vetcrinärpolizci gemachte Zumuthung, eine Preissteigerung siir inländisches Vieh zu bewirken; aber dadurch, daß er die Landivirthschaft als das von allen pro- duktiven Gewerben am schwersten bedrängte bezeichnete, und dadurch, dag er sich offen als einen scharfen Gegner der Handels- Verträge bckaimtc, gelang es ihm, die Herren auf der'Rechten einigermaßen zu versöhnen. Rur der Abg. Ring polemistrte noch einmal heftig gegen ihn, da die Laudwirthschaft es satt habe, zu warten. Nach recht langer, aber unbedeutender Debatte wurde die weitere Berathung ans Sonnabend vertagt. An den Zivischcntagen fallen die Plenarsitzungen aus, damit die Budgetkommissioil Zeit zum Arbeiten gewinnt. Tic Moral der Oberen und Oberste», die de»> Volke Moral predigen irnd es mir Gewalt und Polizei.sittlich" machen wollen, ist von jeher eine sehr inerkivürdige gewesen— seit einiger Zeit aber belhntigt sie sich so drastisch, dost auch den» Blödesten die Schuppen von den Augen adsallei» innsse». Man nehme nur die Skandalchronik der letzten Woche». I. Eine Tochter des Liöiugs vo» Goties— leider nicht Volles— Gnaden Do» Carlos von Spanicii brennt mit einem verheiralheten Maler durch. L. Eine Tochter des belgische» Musler- königs Leopold, Frau eines Fiustc» von Kobnrg-Koharz und Schwägerin der Wittlve des auf Ehcbrnch ertapplcn und von dilti beleidigte» Mann erschossenen österreichischen Ex-Thronfolgers »ludolf wie des Fürsten von Bulgarien, ist mit einem Husareu- Osfizier durchgebrannt. 3. Prinzessin Chiniay, Tochter eines sromuien amerikanischen Millionärs und Frau eines französischen Fürsten mit i»digobla»ei» Blnt, ist mit einem Zigeuner dlirchaebrannt, und wurde vor einige» Tagen ans Brüssel anc-geiviesen, weit sie mit ihrem Liebhaber allzu ösfenUich Adam»nid Eva spielte. Das ist eine ganz hübsche Blnmenlcse. Und»»» sie zn vervollständigen, sei noch der Fall des Grasen Bernstorff erwähnt, der einer berüchtigten D— ame die Ehe versprach, und zivar auf ttavalicrschre, sein Kavaliersivort aber brach, und zwar unter dem Einflup der gräflichen Familie, welche, ivie ein Brndcr des Grasen in einer „Erkliunng" darlegt,.die Einlösung des—— gegebenen Vcr- sprechens" zu hintertreiben sich verpflichtet hielt. Wir er- fahren auf diese Weise, daß ein Kavalienvort auch in den höchsten Kreisen der Kavaliere nur dann Giltigkeit hat,»vemi.die Einlösung" den Herren paßt.— Belehre»» will uns ein Londoner(?) Korrespondent der .Münch euer Neneslen Aachrichtcu". Derselbe schreibt d. d..London 27. Januar": Gegenüber der Behauptung des.Vorwärts", das euglische Parlament sei noch leerer als das deutsche, mag doch daraus hin- gelvicseu werde», daß in den verschiedenen Abstimimmge», zu deneu die Amendeuielits der Adreßdebalte Veranlassung gaben, nie weniger als 200 und gewöhnlich über 300 Abgeordnete abstimmte». Und leine dieser ülbstiminungen war von der geringsten Bedentung.— Der Schreiber dieser belehrenden Notiz ist offenbar noch sehr nnerfahreu. Denn er weiß nicht, daß die A d r e ß d e b a t'te n des englischen Parlamculs Haupt- und Staalzaklioneu sind— und zwar ernsthafte, in denen Regierungen gestürzt nnd gegründet werden. Er scheint auch nicht zu wissen, daß das englische Parlament bei iveitem mehr Mitglieder zählt als der deutsche Relchstag— 370 gegen 337—, so daß die aiigegebene Zahl der auiveseiideu Mitglieder für die Adreßdebalte eine außerordentlich niedrige ist.— «» • Tentschcs Reich. NeichSeittttahmelt. I» der Zeit vom l. April 1893 bis zn», Schluffe des Monats Dezember I8S3 sind im Deutschen Reiche folgende Einnahinen(einschließlich der krcditirieu Beträge) an Zöllen und gemeiuschastlichen Verbrauchssteuern sowie andere Einnahllleii zur Anschreibung gelangt. Zolle 352 930 730 M.(gegen denselben Zeitraum des Vor- jahrs-i- 41 387 081 M.). Tabaksteuer 8 084 022 M.(— 247 347 M.). Zuckerstener und Zuschlag zn derselben 77 736 372 M.(-4- 14 295 938 Marl). Salzsteuer 36 010 783 M.(+ 1080 303 M.), Maischbottich. und Braluttiveinuiaterial- Steuer 5 112 575 M.(— 1923 650 M.), Verbrauchsabgabs von Branntwein und Zuschlag zn derselbe» 94 750 387 M.(4- 5 223 601 M.).Brei»>steu«r 574497 M.(-t-317 192 M.). B raufte uer 21 204 190 M.)(+ 315 958 M.). Uebergallgsabgabe vo» Bier 2 825 331 M.(4- 64 090 M.). Summe 599 259 417 M. (4- 30 813 113 M.). Stempelsteuer für: a) Werthpapiere 11 076 733 M. (—245 954 M.), d)Kauf- und sonstige Anschassungsgeschäfte 9 621 4I7M. (— 6180 098 M.), c) Loose zu: Privatlotterien 3188 796 M. (4 621 507 M.). Staatslotterien 10 685 448 M.(4-656 521 M.). Spiel- karteilsteiilpel 1 065 970M.( 4- 63946M.),Wichselstempelstener 6 3 l 1 584M. (4- 363 805 M.), Post- und Telegraphen-Berwaltung 225 054 824 M. (4- 10 561 872 M.). Reichs- Eisenbahnverwaltnng 54 540 000 M. (4- 8 100 000 M.). Die zur Reichskasse gelangte I st- E i n n a h m e abzüglich der Aussnhrvergülnilgeu und Venvaltungskoste» beträgt bei den nach- bezeichneteu Einnahmen bis Ende Dezember 1396: Zölle 309092763 M. (4- 33 980 287 231.), Tabaksteuer 9 605 496 331.(4- 593 261 M.), Zuckersteuer und Zuschlag zn derselben 73397 024 M.(4- 1 4 332 800 M.), Salzsteuer 32 988 995 M.(4- 1219 067 M.). Maischbottich und Branutweinmaterialsteuer 7 910875 M.(— 1919715 M.), Verbrauchsabgabe von Branntwein und Zuschlag zu derselben 77 735 618 M.(-J- 4 799 673 331.), Brennfteuer 267 448 M. (4- 112 518 M.), Brausteuer und Uebergangsabgabe vo» Vier 20 419 265 M.(4- 577 970 M.), Snmma 531 317 484 931. (4- 53 740 661 M.)— Spielkartenstempel 993 392 M.(4- 70 761 M.) Glänzend ist nach diesem Ausweise der Stand unserer Reichs- sinanzen und dabei reden unsere Posadowsky's, Bölticher's und Stephan's stets von der finanzielle» Nothlage des Reichs, da ja mmert der nunmehrige Herr v o» Miqnel über die Sorgen, die der preußischen Finanzverwaltnng seitens des böse» Reichs, das ist in diesem Falle der Reichstag, gemacht werde». Ueber 10'/» Millionen Mark Mehreinnahmen gegenüber dem Vorjahre hat in s/4 Jahren der Chef der Reichspostverwaltnng und»»» Reichstage erklärt er auf jede Anregung einer Reform, daß diese an sich vielleicht ganz berechtigt, aber aus finanziellen Gründen undurchführbar sei. Ja freilich,»veim das Volk ans erhöhten Reichseiniiahmen nnd ans noch zu beivilligenden Stenern nur die Pflicht zu größeren Bus- »vendinige» sür Heer und Flotte gewinnen sollte, dann hätte» unser« Herren in Ministersrocks freilich recht. Das Volk ist natürlich anderer Meinung.— — Herr v. Koller soll im» Oberpräsident von Sehleswig- Holstriii werden. Nach Berichten aus dieser Provinz soll hierüber nicht gerade Freude herrsche».— — Die Fortbild iings« und Fachschulen sind der Berathiiiigsgegenstand einer ans hohen Ministerialbeamten, Männern ans der Praxis und Schuldirektoren zusammengesetzle« Koinnlisfio» geivesen, die anfangs Jminar vorigen Jahres ans Einladung des veiflosseneu Handelsiliinisters v. Berlepsch zusammensilrete» war. Der Bericht hierüber ist im Handelsininisterini» redigirt »porden. Die Herren Beamten haben sich dabei aber so gute Zeit genoliiineu, daß daS Mannskript erst am 2l. Januar dieses Jahres dein Präsidenten des Abgeordnetenhauses mit den» Ersuchen nm Drucklegung zugehen konnte.?l»i 29. d. M. ist der gedruckte Bericht mm an die Abgeordiieten vcrtheilt worden. Man war sich in der Versammlung über die außerordeittlichen Mängel der preußische» technische» Lehranstalten einig. In kü»st- lerischer Beziehung stehe Preiißen hinter dem Auslände, Frankreich, Oesterreich, auch hinter Süddeulschlaiid zurück. An Bangewerk- schnten>var ein solcher Mangel, daß jährlich bis zn über 2000 Ans- »ahme Begehrende zurückgewiesen werden miißte». Für Freistellen stehen 10 pCt. der Schulgeldeinnahine zur Verfügung; es ist deswegen aber,„um Mehrausgaben für die S t a a l k a s s e zu vermeiden," das Schulgeld pro Se- mester von 50 auf 30 Mark erhöht worden! Grund auch hier: unser liberaler, bildnngs- und knllnrfreundlichcr Finanzminister v. Miqnel. Mehrfach wurde konstatirt:„Die Hindernisse siir die Vermehrung der Schule» liege» nanientiich ans den, Gebiet des Finanzministeriums", und man müsse durch geeignete Beschlüsse dein Handelsminister gegenüber dem Fiuanzmmister„einen größeren Rückhalt" gebe». Recht interessant sind nainenllich die bei den Berathnngen zn läge geförderte» Ansichte» über die Fortbildnngsschnlen gewesen. Mehr- fach»vnrde die obligatorische Einführung des Kortbildungsiinterrichts gefordert. Gegenwärtig besuchen in Preußen etwa 122 000 junge Leute einen Fortbildungsunterricht; wäre die Schule obligatorisch, würden eS 400 000 sein. Auch hier ist das Haupthiliderniß der im- bequeme Herr Finanzmtnister. Der Kommissar des Handelsiliinisters, Gcheimralh Simon, erklärte, die Hauptursache für den unerfreulichen Zustand der Fortbiidungßschnleil sei die Beschränktheit der zu Gebote stehende» Mittel geivesen, beispielsweise für die weiblichen Fort- bildnngsschule» habe„so gut wie gar nichts" geschehen können. Auch die von den Fortbildiingsschillc» zn erwarte» de Einwirkiing auf die Sozialdemokratie'wurde natürlich behandelt. Der Handelsininister v. Berlepsch meinte, daß in diesen Austaltei» nebe» dein Betreiben der Elemciitarfächer auch die„Sittlichkeit und die Liebe znin Vaterland" bei den Schülern geweckt werden müsse. Herr v. Schenckendorff war für obligatorische Fortbildmlgsanstalten, >»» den junge» gewerblichen Nachwuchs der Sozialdemokratie zu entreißen. „Ich habe gesehen, daß die Jugend nicht immer von vor»- herein verdorben ist, sie ist nur verlasse», Re menschliche Gesellschaft nimmt sich ihrer nicht a». Die alten Stutze» sind gefallen, und wir haben die Verpflichtung, iieue Stützen anszusührcii, wen» wir die Zuknnst des Vaterlandes im Auge haben. Wir haben uns der Jugend anzimehme», wen» wir sie nicht ins s o z i a l d e m o- l ratische Lager hin ei» treibe» wollen." Genau entgegengcsetzier Meinung war der Berliner Stadt- Schulrath Pros. Dr. B e r t r a m. Er erzählte, daß man in Berlin jetzt„F o r t b i l d n n g s s ch u l- G o t t e s d i e n st e" in den Aulen abhalte, und zwar am Sonntag früh vo» 3 bis 9, so daß mau vo» 9 ab in den L-Hrfücheni unterrichten könne. Den Zivang zum Besuch der Fortbildungsschulen verschmäht er aber, da er nicht wisse, ivaiin sich der selbständige Wille und Charakter bilde» solle. wenn man die Jugend zwangsweise bis zum 14. Jahre in die Volks- schule, dann bis zum 18. in die Fortbildungsschule und schließlich noch zwei bis drei Jahre zum Militär bringe: „Die Schattenseite der obligatorischen Fortbildungsschule ist die Nliscldstäiidigkeit, und je weniger>vir den selbständigen Willen pflegen, desto mehr überantworten wir das Hera»>v achsende Geschlecht dene», ivelche die bestehende G e s e l l s ch a s t s o r d»»» g b e k ä m s e n." Es innb doch«ine sehr schwierige Sache sei», der Sozialdeuio- kratie an de» Krage» zu kommen, wen» so gelehrte Leute,»in dasselbe Ziel zi» erreiche», genau entgegengesetzte Wege gehen ivollen! Was uns selbst betrifft, so sind»vir bekanntlich für obligatorischen Fortbildungsunterricht; aber nicht so, daß die kümmerlichen Ruhe- stunden der jungen Leute nach Feierabend und all» Sonntag hierzu verivendet»verde», sonder» so, daß die Meister ui»d Unternehmer geivisse Bor- oder Llachmiltagsstniiden hierzu freizugeben habe». So lange dies nicht gesetzlich festgelegt ist,»vird es mit den Fortbilduugs- schule» nicht viel»verde». Ten Unterricht i» de» Abend- und Sonn- tagstunde» obligatorisch zn inachen, könnte»»vir nicht billige». Das»viirde in viele» Fällen schon mehr aus Meiischenquälerei heraus- kolninen. Schließlich einigte man sich ans die folgende Resolution: „Tie ständige Konmiission sür den technischen Unterricht be- schließt, die königl. Staatsregierung aufzufordern, der Förderung des Forlbildniigsschnliveseus künstig eine höhere Beachtung zuzu- wenden." Bisher ist aber noch nichts geschehen.— — Die freisinnige Verein ig»ing hatte sich an die kreisinnige Voltsparlei geivandt, um eine Garantie für die Sicherung ihres Besitzstandes zn erhalte». Tie Antwort Eugen Richters ist dilatorisch gehalten, aber koil»n>t einer Absage gleich. Mit der großen liberalen Partei ist eS auch diesmal nichts.— — Die ni angelnde Beachtung,»n, nicht zu sagen Nichtbeachtung, der das Li e i ch s- V e r s i ch e r»» n g S a m t auf seite» des Reichsamls des Inner» begegnet, ist schon längst auf- gefalle». Die„Boss. Ztg." bringt gesteni die folgende Notiz: Daß der Präsident des Reichs- VersichernngSamts D r. B ö d i k e r den Verhandlungen»»» Reichstage über die Novelle zu», Unfallversicherungs-Gesetz nicht beigewohnt hat, hat,»vie hier mehrfach hervorgehoben»vnrde. Befremden er- erregt, und der daraus gezogene Schluß einer zivischen dein Reichs-Verstcherungsamt nnd dem Reichsamt des Innern bestehen- den Spannung wurde auch durch die Erklärungen des Herrn v. Bötlicher nicht»viderlegt. Wie mm die von dem Mitgliede des Reichs-Versicherungsamts, Baumeister Fetisch, herausgegebene „Baugewerks-Ztg." mittheilt, ist die Novelle zum Unsallversiche- rmigsgesetz im Reichs-Verfichcrungsninte mich nicht berathen »vorden; wenigstens sind die nichtständigen Mitglieder des Amte?, die doch die gewählten Vertreter aus den Kreisen der Berussgenoffenschasten nnd Arbeiter sind, niemals zu den Be- rathimgen nnd Aussprachen herangezogen." Wir können diesen Mittheiliingen hinzufügen. daß nach unseren Jnfonnatione» das Neichs-Versichernngsamk auch bei der Vorbereitung der il» September veröffentlichte» Neufassung des Jnvaliditäts- und Alters- LZersicherungsgesetzes nicht mitgewirkt hat. Trotzdem das Reichs-Aersicherungsaint fast ausschließlich mit den Versichenmgsgesetze» zu thu» und infolge dessen große Er- sahruiigen in der Materie hat. Der Entivurf ist in dem dem Minister v. Bötlicher unterstellten Reichsamt des Innern bearbeitet »nd dem Reichs-Versicherliiigsaint ebenso wie dem übrigen Pnbliknlii erst durch die Veröffentlich nng bekannt geworden. Was zu diesen sonderbaren Zustände» die Ursache ist, ob die iveitreichende» Einflüsse der Berufsgenofsenschaften dahinterstecken, denen die vom Reichs-Versicherungsaml geüble unparteiifche Rechtsprechung von jeher ein Dorn im Auge ist,— oder ob sich Herr von Bötlicher an dem verhältnißmäßigen Ver- trauen stößt, das in den Arbeiterkreisen der Thäliqteit des Reichs- Versichernngsamtes und seines Präsidenten Dr. Bödiker entgegen- gebracht wird, mag dahingestellt bleiben.— Altona, 1. Februar.(Eig. Ber.) Die Wiederwahl des Margariiiesabrikanten Mohr- Bahrenfeld zun» Abgeordnelen für den preußischen Landtag ist gesichert. In einer gestern Nachmittag abgehaltenen Wahliilänner-Versammlnilg, ivelche von 130 Personeil besucht war, entschieden sich 129 dafür, Mohr wieder- wählen zu wollen. Später haben sich noch 12 Wahlmänner durch Unterschrift für die Wahl Mohr's erklärt. Daß letzterer die Wahl nieder aimehmeii wird, steht bei seiner Großniaillissilcht wohl außer alleiii Zweifel. Die privilegirten Wähler von Altolia-Oitenseil scheilii» keines besseren Vertreters werih zn sei».— Weimar, 1. Februar. Bei der heute stattgehabten Eröffnung der außerordentlichen Lan dtags-Session wurden in der zur Vorlage gebrachte» Eröffnirngsschrift Gesetze über den Ausbau der S e l b st e i» s ch ä tz n n g zur E i u k o»> m e n st e u e r. über die Uingestaltung der Landeslreditkasse, sowie die Einführnng deS Bürgerlichen Gesetzbuches angekündigt.— — Sl n s dem ersten ,v e i m a r i s ch e n W a h l k r e i s e. Bekanntlich versuchen die Konservativen die Ungiltigkeilserkläriliig der Reichliiuth'schen Wahl mit allen Mitteln zu verhindern. In Azmannsdorf und Schloßvippach,— die beide» Orte, welche insolge der dort vorgekomuienen Unregelmäßigkeiten sür die Ungilligkeits- erklärung hauptsächlich in belracht konnneu,—»var man deshalb auch, nachdem kurz vor Weihnachten Kardorff den Antrag aus Vertagung dieser Wahlprüfnng gestellt hatte, in gc- wissen Kreisen sehr thätig, um Material— Erklärungen— zur Verhinderung der Ungiltigkeitserkläruiig betr. Wahl zu beschaffen.— Am Sienjahrstag waren zufällig(?) die ton- angebenden Personen des nuter der Leitung des Lehrers Otto Caspar stehenden Reichsvereins in Schloßvippach in» Georg»'scheu Restaurant versanunelt; bei der Besprechung über die Wahlangelegcnheit äußerte sich ungefähr der Herr Pfarrer Friedrich Schmidt:„Wenn man das Ausklingeln ansgegriffe» hatte, da»väre es schon längst„ruiil". Es haben sich nun trotz ge- übler Vertuschungsarbeit genügend Zeugen gefunden, die trotz der neueren gegentheiligeu Erklänluaen unter Eid belunbe» können, daß die im Protest angeführten Unregelmäßigkettei» thatfächlich vor- gekoimiieu find. Ja, in Schloßvippach sind im Auftrag des Ge- meinde-Vorstandes Theodor Leberl durch de» Gemeindediener am Tage vor der Siichwahl in orisüblicher Weise durch Aus- schelle» und Ausrufe» die Wähler ausgefordert»verde»,»ur den Kandidaten der Ordnungspartei, den Gutsbesitzer Reichmuth zu wählen.— Das sind Fälle der krassesten Wahlbeeinflussnngen, daß selbst der Pfarrer zugeben muß, durch das Zlufgreisen— Bekanntwerden— derselben, sei die Wahl ungillig. Schiveiz. Zürich, 30. Januar.(Eig. Ber.) Die Agitation für und gegen das Bulides-Bankgesetz, ivorübec am 28. Februar das Volk abzustimme» hat, hat begonnen. Unsere Genosse» habe» bereits an mehrere» Orte» in Voltsversammlunge» für die Annahui« des Ge- setzes agiürt, so Greulich, Wnllsch leger u. a. Das Bundes- Bankgesetz hat so ivenig wie das Eisenbahn-LIechilungsgesetz«ine un- mittelbar praktische Bedeutung für die Wohlfahrt des arbeitenden Volkes, allein es bebeutet gegenüber dein jetzigen Zustande mit dem Notenmonopol der privaten Bankvkratie einen sozialpolitischen Fort- schritt»nd deshalb ist auch alles im oppositionellen Lager, nm? zum Großkapital gehört und von der Ausbeutung anderer lebt. Die Genfer und Lansanuer haben zur Bekämpsung des Gesetzes bereits eine ganze Organisation geschaffen und siir die Gegeuagitatio»«inen Feldzngsplan ausgestellt. Hoffe»ll»ch machen sie damit glänzendes Fiasko. In Genf siudet am 28. Februar, an» Tage der Abstimmung über das Bankgesetz, auch die Ersatzivahl für Bundesrath B a ch e>i a l i» den N a t i o n a l r a t h statt. Er»var der einzige vo» de» sieben Bnndesrälhen, der sich der sogenannten Kompliinents- wähl in den Nalionairath unterzog nnd im Dezember mit seinen sechs Kollegen wieder als Bundesräthe bestätigt wurden. Die Radikalen in Genf, deneu im vorigen Herbste die Sozialdemo- kraten zn eiiiein vollständigen Siege über die Konservativen ver- Holsen habe», überlassen diesen den zu besetzende» Sitz ohne Kamps. Die Sozialdemokrateii gehe» selbstverfläudlich leer aus. Krankreich. Paris, 1. Februar. Die Aufführung des Ohnel'schen Dramas „Le Colonel Roquebrune" im Thealer der Port« St. Marlin giebt jede» Abend zu bonapartistischen Kundgebungen Anlaß. Man glaubt, die Polizei»verde die Vorstellungen verbiete». Die arme Republik, die sich vor einei» Theaterjubel fürchtet.— — Maire und P r ä f e k t. Im Departenient des Nordens ist ein neiler Präfett eingesetzt worden, da der vorige sich den Sozialisten gegenüber zu unfähig bewiesen hat. Dem neuen Präfekt — Laureuceau— hatte am Soniiadend der Maire vo» Lille, nnser Freund Delory, den sozialistischen Stadtrath vorzustellen. Er er- klärte kurz:„Sie kenne» die Grundsätze der Majorität unseres Stadt- raths— wo es sich nm das Wohl unserer Stadt und ihrer Bürger handelt, werden Sie stets auf uns zählen können!" Als der Präfekt dann antwortete: daß er von der Revolution ebenso entfernt sei als von der Reaktion, daß er aber für das Wohl der Stadt Lille mit dem Stadtrath zusammenwirkei» und an Eifer wetteifern»verde, ergriff Delory nochmals das Wort und bemerkte:„In bezug aus Lille»verde»,»vir also einig sein. Sit dürfe» jedoch»»»cht vergessen, daß»vir mit«inen» s e st e n Programm in das Stadthaus ein» gezogen und daß»vir entschlossen sind, dieses unser P�rogramm vollständig zu verwirklichen." Der Präfekt sagte nichts»veiter und die„Vorstellung" war zu Ende.— Belgien. — Die Offiziere a. D. der belgischen Armee erklärten sich für die Einsührimg der allgemeinen Wehrpflicht. England. London, 29. Januar.(Eig. Ber.) England undJudien. Ilebereinstimimmg zwischen Negierimg und„Front Beuch"(die vorderste Bank— iiäiulich der Opposition—, auf der die iviit- glieder des abgetretenen Ministeriums sitzen) stellte sich bei der Debatte über den Antrag des liberalen Abgeordneten Sir William Weddcrburn heraus, der Untersuchung der Ursachen der völligen Hilflosigkeit»nd Widerstandslosigkeit der indischen Bevölkerung gegen Nothstände verlangle. Der konservative wie der»hm in» Amt vorangegangene liberale Staatssekretär stimmten ein Loblied an über die Leistungen der englischen Berivaltung in Indien. Großartige Bewässerungsanlagen, Kanalisationen k. seien her« Bestellt, ein»veites Netz von Eisenbahnen gebaut»vorbei»— urz, alles Menschenmögliche geschehen,»im Nothstände»» »virlsrnn zu begegnen. Aber gegen hartnäckig anöbleibendei» Regen sei jede Regierung ohnmächtig. Achtzig Prozent der 300 Millionen Indiek lebten von der Landwirthschaft, und Regen sei Rohinaterial siir sie, ohne daS sie nicht bestehen könnten. Uebrigens habe man es nicht mit einem einmalige» Nothstand zn thun, sondern mil einer ganzen Reihe auseinandersolgender Mißernten. Eine Unter- suchiing sei zivecklos, die Berivalttuig sei sparsam und umsichtig und habe unermeßlich viel Gutes in Indien geschaffen. Nach Lord Hamilton, dem jetzigen Staatssekretär, eigentlich zu viel Gutes, denn»mter der Fülle des ihr»viderfahrenen Segens habe sich die Bevölkerung etivaS gar zn schnell vermehrt. Da scheint der Himmel also ein Einsehen gehabt zn haben. Der Antragsteller, der jahrelang Verwaltimassbeainter in Indien geivesen, sieht in der Slärkmig, resp. Wiederherstellung der indischen Dorfgemeinden die wirksamste Schutzmaßregel. Nicht gegen Dürren an sich,— die kann natürlich keine Form der Verwalttmg verhindern, denn die beste» Bewässerungsanlagen sind vergeblich, wo alles aus- getrocknet»st. Aber durch das Mittel der Dorfgemeinde könne am beste» für Ausspeichernng von Gelreidereserve» gesorgt n»d jenen moralischen Depressionen vorgebeugt werden, denen der vcm Wucherer ausgepovert« isolirte Jndier so leicht anheimfällt. Die alt» hibifcfje Dorfgemeinde sei„der Hnnpianler indischer Regiernngs- dunst". Herr Wedderburn wird wahrscheinlich recht haben, ob aber die Wieberherstcllnng der aufgelösten und die Befestigung der in Auf- lösung begriffenen indischen Genieinden heilte noch möglich ist, ist «ine andere Frage. Jedenfalls würde eine darauf gerichtete Politik die angloindisch« und die auskommende indische Bourgeoisie gegen sich haben. Das indische Problein ist ungemein verwickelt, da man es mit ganz verschiedenartigen Stamnien und Bölkerschaftcn zu thnn hat. Anscheinend radikale Mittel könne» in der Praxis leicht die um- gekehrte Wirkung haben, die ihre Befürworter sich verspreche», oder ganz andern als den gemeinten Leulen zu gute kommen. Eo ist der Borschlag gemacht worden, die indische Regierung solle silberne Schmucksachen zu einem bcstimmtcil Preise an- kaufen, damit die indischen Bauern sich leichter Mittel zni» Beirieb ihrer Felder verschaffen können. I» der Praxis würde dieser Vorschlag jedoch, wie Lord Hamilton richtig bemerkte, ein Geschenk an alle möglichen Wucherer und Spekulanten bedeuten. Unter den gegebenen Un, ständen ist die direkte Nnterstützuug an die NotHleidenden die sicherste Hilfe. Herr Foivler, der frühere liberale Staatssekretär, sprach sich da für ans, daß das voranssichtliche Defizit der indischen Verwaltung für 1897 durch ein Geschenk ans dem Lieichsschatz gedeckt werde Ein Vorschlag, der in verkleinertem Maßstabe ans ähnliches hinaus� käust wie Hyndman's Vorschlag, für das ganze Jahr überhaupt in Indien keine Steuer» für Verwaltnngszwecke zu erheben. Hyndman's Auftreten im Manflonhaus hat ihm sehr viel Zu siimmnngsadressen von in England lebenden Indien» eingetragen. Puch viele bürgerlich- radikale Engländer haben sich für die Grund- idce seines Vorschlages ausgesprochen, wenngleich die Mansionhaus- Versammlnng nicht der geeignete Ort dafür gewesen sei. Ein solcher Borschlag>mt entsprechender Diskussion gehöre ins Parlament. Ob ihn dort jemand ausnimmt, bleibt abzuwarten. Unsere Genossen von der Sozialdemokratischen Föderation wolle.- nun ein großes Meeling in der St. James' Hall abhalten. auf dem Hyndma» seinen Vorschlag begründen will. Ein scharf gefaßtes Flugblatt, das in lOSOlX) Exemplaren verbreitet werden soll, ist in der jüngsten Nummer der„Justice" abgedruckt. Für den Mansionhaus- Fonds sind bis heute 1S4 000 Pfund zusammen. Derselbe ist nur für subsidiäre Nnterstützungcn bestimmt. Der«»steil Nolh helfen überall die Regieruugsorgane selbst ab — d. h. sie sollen ihr abhelfen. Aber Zehntansende auf Landstraßen w. sterbe» dahin, ebe die Hilfe sie erreicht. Die Zahl der an Nothstandsarbeilen Beschäftigten hat die enorme Höhe von Millionen erreicht und schivillt»och immer an. Man kann danach die Aufgabe bemessen, der sich die indische Verwaltung gegenübergestellt sieht. Unter den Geldspenden für die nothleidenden Jndier befinden sich auch 2000 Pfd. vom Verband der Textilarbeiter von Lancashire. Tie Mitglieder des Verbandes wollen mit diesem Geschenk bezeugen, daß ihre Älgitalion gegen die indischen Einfuhrzölle von keiner un- edlen Gesiiuiung gegenüber dem indischen Volk diktirt war. Was auch wohl niemand geglaubt hat.— Tänemark. -— Steuerreform. Das Ministerium hat den lange an- gekündigte» R e f o r m e» t w u r f, betreffend die direkten Staats- und Kommunal st euer» dem Parlamente zu gestellt. Steuerfrei bleiben danach in Kopenhagen Einkommen bis 600 Kronen und in den kleineren Städte» die ersten SOO Kronen, ans dem Lande die ersten 400 Kronen. Der Hauptmangel des neue» Gesetzes ist, daß ihm eine steigende Skala fehlt. Die Steuer beträgt l'/e pCt. des Einkommens und 0.3 Kronen pro Mille des Ver- mögeus. Kleine Erlässe werden in den untersten Sleuerstufen für Kinder gewährt. Jedenfalls sind Arbeiter mit einem Einkommen von 800—1000 Kronen weit ungünstiger gestellt, als Leute mit erheblich höherem Einkommen. Für kinderlose Arbeiter bedeutet die Eleuerreforni geradezu einen Verlust. Das Gesetz führt das Prinzip der Selbsteinschätzung ein, das allerdings zu einer etwas stärkeren Heranziehung der großen Vermögen führen wird. Jedenfalls beiveist auch dieser Antrag wieder, daß die dänische Regierung gar nicht daran denkt, eine»virklich die nnbemittellen Bolkskreife entlastende Sieuerpolilik zu betrctben, denn sonst wäre es heute wohl nicht möglich, noch«in Vermögens- und Einkommen- steuer- Gesetz ohne jede prozentnale Steigerungs« f k a la vorzulegen. Die Sozialdemokratie kann sich einem solchen Gesetzentwurf gegenüber nur schroff ablehnend verhalten. Rukland. — Russische Deportation. Wie ans Petersburg vom 31. Januar verlautet, soll die Verschickung nach Sibirien durch die Verschickimg nach Sachalin ersetzt werde». Dies bedeutet also eine weitere Verschärfung der besonders gerne gegen politische Verbrecher verhängte» Deportation. Das Gouvernement Sachalin besteht aus nnwirthlichen Insel» im «-lilleu Ozean, daS Land ist sumpfig, das Klima äußerst rauh und selbst der Sommer hat dort kalte und dichte Nebel. Getreide wird nur i» den günstigsten Jahren reif.— Türkei. Konstantinopel, 81. Januar. Die von den Muhamedanern im Kreise K a n d i a inszenirie Bewegung beginnt sich auf Relhymo auszudehnen. Christen und Mohamedaner cerniren gegenseitig ihre Dörfer. Gestern wurde in Kandia«in christlicher Notabler ermordet, was Repressalie» befürchten läßt.— Griechenland. Athen, 31. Januar. Gegen einige dreißig Stndirend« und Privatpersonen, welche an der Kundgebung vom Freilag theil- genommen halten, ist ei» Haftbefehl erlassen worden. Der Sludent, welcher während der Besetznng der Universtlätsgebäude die Funktionen eines Kommandirende» ausübte, wurde verhaftet. Amerika. Washington, 30. Januar. Der Senatsalisschuß für auswärtige Angelegenheiten hat, wie wir schon kurz gemeldet hallen, mit 6 gegen 4 Stimmen beschlossen, die Annahme des Schiedsgerichts- Vertrages zwischen England und den Vereinigten Staaten zu empfehlen, jedoch mit einigen Amendements. Während die meisten Abänderungen lediglich redaktwneller Natur sind, wird durch eine derselben der Artikel, welcher den König von Schweden und Norwegen zum Schiedsrichter bestimmt, gestrichen, und an dessen Stelle ein Artikel gesetzt, nach welchem beide Mächte einen Schiedsrichter wählen, sobald ein solcher für nothwendig erachtet wird. Durch eine weitere Abänderung wird dem Artikel 1 ein Paragraph hinzugefügt, nach welchem keine die innere oder äußere Politik der beiden Vertragsmächte berührende Frage i» ihren vertragsmäßig oder anderweitig geregelten Beziehung«» zu irgend welchem anderen Staat dem Schiedsgerichte gemäß den Bestiinmnngcn dieses Vertrages unterworfen sei» soll, außer wenn dies durch ein besonderes Abkommen stipulirt wird. Die meisten New- Vorker Blätter finden, daß die Abstimmung in der Senatskoinmission über den Schiedsgericht?- Vertrag eine unerwartete Opposition zeige, so daß man befürchten müsse, daß der Vertrag nicht die nothwendig« Zweidrittel'Mehrheit im„Senate erhalten werde. Das Blatt„Fonrnal" glaubt, da? von der Kommission beschlossene Amendement bedeute, daß die Vereinigten Staaten entschlossen seien, die Monroe-Doktri» aufrecht zu halten; eine Einmischung Englands in die Fragen betr. Nicaragua, Hawai oder kiuba würde nicht ge- duldet werden.— New-Bork, l. Februar. Ein Telegramm der„New-Aork World" aus Chicago besagt, der zum Schatzsekretär designirte Chicagoer Bankpräsideut Gage werde öffentlich erklären, die Greenbacks(Staats» noien) müßten dauernd zurückgezogen und die Schatzscheine zurück- gelaust und vernichtet werden. Da? gemäß der Gherman-Bill an- gekaufte Silber müsse behutsam verkauft und der Banknoien-Umlauf auf eine breitere und elastischere Grundlage gestellt werden. Sollten sich diese Nachrichten bewahrheiten, so werden die Bimetallisten ihre Hoffnungen gänzlich sinken lassen müssen.— Habaua.(New- Jork Herald). Die Aufständischen brachten in der Provinz Pinar del Rio am vorigen Freitag einen Eisenbahn- zug mittels Dynamit zum Entgleise», wobei der Maschinist, die teizcr und 13 Soldaten ums Leben kamen. Nach derselben cpesche sollen Mayai Nodriguez, welcher die Aufständischen in der Provinz Pinar del Rio befehligt, und Nivera, der den Ober- beseht in der Provinz Havana führt, beide die Trocha überschritten haben. Z» nuscrcm Artikel: Zum Kapitel: Vertrauensärzte der Berussgcnosscuschafteu theilt uns Herr Dr. R o t h e n b e r g in einer Znschrist berichtigend folgendes mit: 1.„Bei dem Steinträger N. N. sind von vornherein auseinander zu hallen sein nahezu 80 Jahre krankes Bein, das ihn auch vor etwa 27 Jahren wegen hochgradiger Krampfadern militärfrei gemacht hat, und sein am 3. Dezember 1895 erlittener Unfall. für welchen übrigens aktenmäßig keine Zeugen existiren. Bezüglich des letzteren attestirt der zum Schluß als Obergntachter angegangene Herr Professor Dr. Jnlins Wolff, was Sie unerwähnt ge lassen, daß „keine objektiven Ueberreste von der Verletzung vorhanden sind und daher der schlechte Znstand des Beines mit derselben nichts zu thmi hat." 2. Wie jeder der in Frage kommenden Gutachier hatte ich zu erörtern, ob Arbeitsunfähigkeit infolge des Unfalls vom 3. De- zcmber 1895 vorliegt. Diese Frage habe ich verneint, befinde mich dabei zwar im Widerspruch mit Herrn Sanitätsrath Dr. Becker, aber im Einklang mit dem Herr» Obergutachter Professor Dr. Wolff, und mit einem vom städtischen Ztrankeuhause Moabit ausgestellten Alteste, nach welchem der N. N. schon am 10. März 1896 aus der stationären Behandlung desselben als von seinem Unfälle geheilt ent- lassen worden ist. Eine eventl. allgemeine, etwa von dem seit 30 Jahren kranken Bein herrührende Arbeitsunfähigkeit war, weil un- abhängig vom Unfall, in dem von Ihnen rcprodnzirten Satz nicht zu erwähnen. Soweit die Berichtigung des Herrn Dr. R. Die übrigen Punkte 3, 4 und 5 enthalten nichts, was als Be richtigung zu unserem'Artikel angesehen werden könnte. Wir haben keine Veranlassung, die uns gleichgiltigen Privatansichten des Herrn Dr. Rothenberg durch unser Blatt zu verbreiten. Die AZttfettÄebeikev-Vemvüttng. Aus Hamburg wird uns unterm 1. Februar geschrieben: Der mit großer Majorität gefaßte Beschluß der Hafenarbeiter und Seeleute, im Ausstande zu verharren, hat allgemeine Sensation hervorgerufen. Die Unternehmer hatten fest darauf gehofft, daß die Arbeiter, nachdem am letzten Dienstag die Unterstützung um 3 M. gekürzt worden war, kapiluliren würden. Hatten die Unter- nehmer doch sogar den„Arbeitswilligen" aufgegeben, sich zu letzten Sonnabend feste Logis an Land zu suchen, was so viel heißen will, als daß man hoffte, von Sonnabend ab auf die„Arbeits- willigen" nicht mehr angewiesen zu sein, denn wenn diese Leute selbst Kost und Logis bezahlen sollen, kehren sie dem theuren Hamburger Pslaster schleunigst den Rücken. Andere können auch auS anderen Gründen nicht am Land wohne». Aus allen Welt gegenden sind zweifelhafte Elemente ans der Flucht vor der Polizei, die wegen aller möglichen Vergehen und Verbreche» auf sie fahndete, nach Hamburg gekommen und fanden im Freihasen sicheren Unterschlupf. Dort wohnlen sie ungeuirt, ohne gemeldet zu sein und ohne Gefahr zu laufen, von der Nemesis ereilt zu iverde». Unter diese» Umständen ist das Wohnen am Lande für sie äußerst g« sährlich. Ein großer Theil der„Arbeitswilligen" ist am Sonnabend abgereist und am Montag nicht wieder eingetroffen. Meistens sind es Landarbeiter ans Mecklenburg. Dithmarschen und Pommern. Ab- gefallen sind bis Montag Mittag nur wenig Streikeude Die Unternehmer hatten ans Hunderte gerechnet. Hoffeut- lich sorgt die deutsche Arbeiterschaft durch energische finanzielle Unterstützung der Hamburger Hafenarbeiter und Seeleute dafür, daß von denselben nicht mehr durch die Roth gezwungen werden, der Sache, für die sie so lange Wochen gekämpft haben, un treu zu werden. Der Wörmann- Danipfer„Melitta Bohlen" ging am Montag mit etwa halber Ladung i» See. Nicht weniger als 75„Arbeitswillige' haben au dem Löschen und Laden des großen graue» Dampfers wochenlang gearbeitet, während sonst 12 ordentliche Hamburger Hafenarbeiter dieselbe Arbeit oder vielmehr das Löschen und die ganze Ladung in wenigen Tagen schaffen. Trotzdem die„Melitta Bohlen", wie gesagt, lange nichl vollständige Ladung an Bord hat, geht sie in See. um allzu große Verluste zu vermeiden. Auch an diesem Beispiel sieht man wieder, was es heißen will, wenn bürger- liche Blätter melden, der Ausstand habe keine Bedeutung mehr, oder gar. er sei zu Ende. Die Zentl-al-Streikkommission der Hafenarbeiter Hai» bnrgs quirtirt hierdurch über den Empfang folgender Beträge: vom Gewerkschaftskartell in Spanda» 30 M., von Croneberger Schraubendrehern 1. Rate 15,25 M. '»* Bei der Berliner Gcwcrkschaftskommission gingen für die streikenden Hanibnrger Hafenarbeiter folgende Beiträge ein: Befsetftraße,». Rate, w.sz. Tischler von strikter u. Roßmann, Saat 30, 8. Male, 7,30. Tischlerei Matuse, ewmiralstr. l«,«. Mal«, 0,70. Ttschleiei Fischer u.(So. 4,80. Tuet munler« Naaelbrüder, Lindeusir. es,!. Rate, t.eo. List« 4779, Braun 4,9». Liste 8«si, Wigger« e.eo. Mechanische Werlstaii von Krüger 21,08. «ürller bei Moser!, 9. Male, 2.08. Buchdrnckerei Mar Röster in Rirdorf 4,80. Lift« 8813, Bachmann 8,e8. chianosorlefabril von Wähler, Landsberger»!, l«, 6. Rate. 11,76, Maichinensabrll st. Osenberg, alle Mann, 2. Rate, i«,8o. Stilb vergnügt 1,—• Tischleret Witte, Wrangetstr. 188, 8. Rate, 4,—. Tapeztrer von Prächlel,«. State, 11,88. Lille» 6988, 8981, 8960, 8964, 8968, 8982, Möbelsabrit von I. tt. Psass 77,98. Rohrleger und Gchtlsen von stricke. Machst., 8,20. Personal der Minlcr'schen Buchdruckeret, 9. Rate, 41,—. Tapezirer und Beizer von I. E. Psass, 7. Rate, 12,70. Ter neu« Schwiegersohn o,78. Meister und tLesellen der Tischlerei von Franz Berndt, Krausenstr. asa. 8,10. Tischlerei, Akliengescllschasl für Bauaussührnnaen, Charlottenburg. Salzufer,«. Rate, 18,70. Liste ooss, Tischlerei Fort u. Krerschmor, Barnimstr. 18, außer dem Lamm- srommen, 11,60. Bierprozenle von Tischlerei Fort u. Kretschmar 18,—. Personal der Buchdruckeret von LiebheN u Thiessen. 8. Rat«, s.sv. Wolst'tche Bude, mit einer Ausnahme, 4,80. 4 Maler der Kunstmübelsabrtr von Kutsch, Königs- b.rgerstraße 10, 2,—. Pianosortesabrtk von Ecke, e. Rate, 18,60. Ttschieret Becker. Oranienstraße(mir Ausnahme von 8 Htrsch-Tunlerschen) 8. State, 16,70. Lifte 6794, Maschineirsabrik F. und L., Blumen. straße 70 10,18. Tischlerei(S. Spahn, Adalbertstr. 72, 4. Raie. Mehrere StummtmSnner d. B. 2,—. Liste 8871 14,86. Eisenbahner ohne Weihnachten 1,—. Tischlerei von Wille, Königsbergerstr. 8, 4. State>8,48. Bvwcewaarenfabrtl von <£. Cramme, 4. Male 17,80; Tischleret Hausmann mit«udtler, 4. Rate 4,10. Buchdruckerei W. Ereve, 8. Rate 7,80. Tischleret Kvpnickerstr. 189 4,20.(Be* sammelt d. Fritze, 4. Rate 18,88. Tischlerei W König, 9. Rate 3,80. Zmet Wider. spenstlge A. E. Reiche«,—. Bilddauer von Sieberl u. Aschenbach«,8V. Arbeiter der Berliner Belveifabrik 18,—. Tischler von vachmann, 7. Male. Ttschieret Riedel, Eisenbahnsir. 3«c 8,78. Liste 8879, BUHHaueriveristott Tins« 8,80. Eoldbachstche Stocksabrik, s. State 8�28. Listen C498,«491,»490, 6489. 8488, Lüde» u. fflufe, Schraubenfabr» 68,95. Metallwaarenfabrck Teile u. Co., 7. Rare 10.78. Listen der Ktstenmacher durch Tschernig«084, 8090,«734, 808t,«088, 8081,»088, 8088, 8087 47,40. Liste»94 d. Rttsche, Liste lonstztrt durch 71. Poltietbureau, Hornstrabe, 2.88. Bildhauer und Tischler von Krause, Mariannenstr. 18 8,80. Liste 4290, Oskar'S Eeburrstagsfeier»,—. Zielbewußte Eisenbahner 8,—.„Wenn Ihr nicht stegt, die Solidarstal dann unterliegt-«,—.??? Wieder ein belehrter Mauerpolter, Bau Sptnelmartt Mobelpoltrer von Zelder u. Platen. »önigsbergerst! aße, 8. Raie u,78. Liste 3314 durch H. Basiert 20,40. Liste 8287, Sranttwerie von vormals Schleicher 22,—. Listen 8288, 8249, 8280,«289, Sieinindustrt«- Ardeiter durch«läsing 88,88. Fünf Schneeweiße 8,80. Buchdruckerei-Hilssarbetter vom„Lolal-Anzeiaer-(90) 23,96. Buchdruckerei Max Babing. Htlssarbeiler der Adiheiiung„Barwärts"«. R. d. H. I. 10,—. Arbeiter von König, Kücken u. Ko. 16,—. Listen d. Fr. Thiene 4818, 5801, 8818,«280, 1741, 2888, 2801, 4280, 4518, 4824, 4887, 8122, 8182, 8812, 8814, 8828, 8827, 8828, 8988,«718,«7>«(darunter Lacktrer und«ergolder VON Ä. E. Psass 12,48, Schuh- macker auS der Jügersiraße und Alexanderstraße d. Erostniann 14,90, Tischleret F Wolter, Büschingflr. 7, iv,«s, Tischleret von«aste 7,»o) iee,86. Lifte' 8600 Trunsch, Handler 18,15. Tischlerei Weist, Retchenbergerstr. 47,». R. 8,80. Buchdrucker Slralauerstr. 66,«. R. 6,26. Elellrische Monteure mit Skatsptel, Brausret Moabit«,—. Metallwaarensabrtl Alte Jalobstr. 91, 3,60. Slockarbetter Erün- straße 8. R. 8,80. Ptanofabrtr Werner, Königsbergerstr. lO, 4. R. 9,88. von den Putzern Berlin« 8. R. 800,—.«an 4 Freunde»«rndtslr. 41, 2,—, 117, 118 Sir. Pöring 2.80. Tischlerei v. Raget, Lrar.ienstr., 2, SO.«ergmann. Reu« Jatobstr., 8.80. Klempnerei(D. F. Schäfer'S Stachst 10,45. Tischlerei von Hanke u. KSber, Webersir. 82, 17,-. Tischlerei F. Klär, Alle Jaldbstr., 8. R. 9.40. Köpnick-r Meiallschleiser«,—. LandtagSsetzer von W. Möser 9,-. Personal Buchdruckeret Woche»Iöhne»(für erwachsene Arbeiter 15 M., für Arbeiter unter 16 Jahren 4,50 M., für ältere bis zum 21. Lebensjahre 9 M.) und von Minimal-Akkordsätzen, un- entgeltliche Lieferung sämmtlicher Znthate» je. Da das Ende des Streiks»och nicht abzusehen ist und die Unter- nchmer versuchen, die Organisation der Schuhmacher Deutschlands in Weißenfcls zunichte zu machen, so ist es wohl Pflicht der Ans- ständigen, den 5kampf ausrecht zn erhalten. Die wöchentlich zur Ans- Zahlung gelangende» Streikgelder belausen sich auf rund 9000 M. für 2500 Arbeiter und Arbeiterinnen. Infolge des Hamburger Hafenarbeiter-Streiks fließe» die Gelder für die Weißeufelser Ausgesperrten ziemlich spärlich, daher er- suchen wir die auswärtigen Genosse» um bessere materielle Unter- stützung, damit wir nicht gezwungen sind, aus Mangel a» ge- nügendcr pekuniärer Unterstützung den Kampf aufzugeben, oder einen den Arbeitern unwürdigen Vertrag einzugehen. C. Rebs, Die Zentr.l-Streikkommission. Vors. des Gewerkschaftskartells. Fr. Fleischhauer. Gelder sind an Hugo Kirchner, An der Kirche Nr. 5, zn senden. Die Auszahlung erfolgt Dienstags. Die Unterstützungssätze differire» zwischen 3—9 M. An die Gürtler Berlins! Kollegen, besucht zahlreich die von mir im Juseralentheil angekündigte Versammlung, wenn Ihr nicht wollt, daß Eure Lage immer noch weiter herabgedrückt werden soll. Lässigkeit in Eure» eigenen Reihen ist der größte Feind! Der Vertrauensmann. Herberge und Arbeitsnachweis für Gärtner in Hamburg. Die Gärtnervereine von Hamburg und Umgegend haben in der „Lessinghalle" in Hamburg, Gänsemarkt 35. eine Herberge, verbunden mit Arbeitsnachweis, eingerichtet. Für gute Betten, entsprechende Speisen und Getränke zu sehr mäßigen Preisen ist Sorge gelragen. Der Arbeitsnachweis ist für Prinzipal« und Gehilfen unentgeltlich. Anfrage» von außerhalb ist Porto bei- zufügen. Arbeiterblätter werden um Abdruck gebeten. Ans Brandenburg wird das Ersuchen an die Maurer Berlins gerichtet, den Zuzug dorthin streng fernzuhalten. Ans Wcistenfels wird uns berichtet: Am Sonntag wurden drei große Versammlungen der Zwicker, Maschinen- arbeiter, Stepperinnen und Vorrichterinnen ab- gehalten. Einmüthig erklärten die Streikende», an de» Forderungen festzuhalten und die Fabrik nicht eher zu betreten, bis jeder Branche annehmbare Zugeständnisse gemacht sind. Diese Woche wird die Zentral-Streikkonimissiou das G ew e rb e g e ri ch t als Ei»igungs> n m t anrufen. Die Unterstützung wird den Streikenden Dienstag Nachmittag ausgezahlt. Ein Telegramm meldet nns noch: Die Polizei geht jetzt schärfer gegen die Arbeiter vor. Die Genehmigung zn Sammlungen ist zurückgezogen und zehn Gendarmen sind in Weißensels stationirt worden. Am Montag gab es einige Streik- brocher, was jedoch aus den Stand des Streiks ohne Einfluß ist. Mehrere Fabrikanten erkenne» die Zentral-Streikkonnnission an, andere wollen blas mit der Streikkommission ihrer Fabrik verhandeln. Der Oberpfarrer L o r e n z crniahnte von der Kanzel Herabbeide Thcile zum Frieden. Am Dienstag sind Versammlungen der Ausständigen, der Arbeitslosen anderer Branchen und der Frauen der streikenden Schuhmacher. Der Verein Weißenselser Schuh- und Schästefabrikanten erläßt im Kreisblatt eine Bekanntmachung, worin er die Arbeitslosen aller Branchen auffordert, sich zur Erlernung aller in den Schuhfabriken vorkonimenden Arbeiten zn melden. Bei der in den Fabriken herrschenden Theilarbeit sei jede Beschäftigung innerhalb weniger Tage auch für den minder Geschickten leicht zu erlernen. Der Verein ist so gütig, mitzutheilen, daß bisherige Angestellte jetzt be- vorzngt würden, später aber nur soweit, als noch Stellen offen wären. Es darf wohl erwartet werden, daß es den Fabrikanten nicht gelingen wird, die zur Fortführung ihres Betriebes erforderliche Zahl von Streikbrechern zu bekommen. Außer moralischer Unterstützung der Streikenden ist aber auch finanzielle Hilfe dringend n ö t h i g. Ter Verband aller in der Lcderfabrikation beschäftigten Arbeiter Teutschlands hat in den drei Jahren 1894, 1895 und 1S96 an streikende und gemaßregelte Mitglieder 28 763 M. Unter- stützung aus seinen Mitteln gezahlt. Außerdem kamen für den gleichen Zweck durch Listensammlungen 37 391 M. ein, wovon ein bedeutender Theil aus anderen Berufen stammt. Jnsgesamml sind an Streik- und Geniaßregelten-Unterstützung rund 66 000 M. geleistet worden. Die Verbandsleitung hofft, daß infolge der Betrags- erhöhung, die von der vorjährigen Generalversammlung beschlossen worden ist, das Listensammeln eingeschränkt werden kann. An gteise-Uiiterstütziing sind rund 46 600 M.. an Familienunterstützuiig (an verheirathete reifende Mitglieder) 8200 M., an Unterstützung bei Umzügen 6500 M. gewährt worden, in Summa rund 63 300 M. Die Zahl der beitragzahlenden Mitglieder beträgt im Durch- schnitt 4000. Der Kongreß der ck, ristlichen Bergarbeiter- Vereine Tentschlands, der in B o ch n m abgehalten wird, und zu welchem zahlreiche Vertreter aus allen Theilen Deutschlands eingetroffen find, wurde am Sonntag Nachmittag mit einem dreifachen Hoch auf den Kaiser eröffnet. Der Bergmann Brust hob in einer Ansprache hervor, die christlichen Arbeiter wollten keinen Ausstand, sie wollten aber die augenblicklich günstige Konjunktur zur Erzielung höherer Löhne benutze». Es sprachen alsdann unter großem Beifall Geheimrath Professor Dr. Adolf W a g u e r- Berlin, Professor Dr. Hitze- Münster und Landgerichtsrath K u l e m a n n- Braunschiveig. Prof. Wagner äußerte sich über den Unternehmer- gewinn und den Arbeitslohn und verlangte mäßigen Gewinn sür die Unternehmer und entsprechende Löhne sür die Arbeiter. Prof. Hitze erörterte die Ausgaben der Gewcrkvereine und Landgerichtsrath K u l e m a n n besprach die Berechtigung und den Nutzen der Ge- werkvereine unter Hinweis auf die englischen Gewerlschasten. Dem Kongreß wohnten auch Pfarrer Naumann, Pfarrer Weber- Gladbach, sowie Vertreter der kgl. Bergbehörde bei. Die eigentlichen Verhandlungen begannen am Montag. In den„Preußischen Jahrbüchern" führt Prof. Dr. Karl Die hl in Halle a.S. in einem'Artikel über„Sozialismus und soziale Bewegung im 19. Jahrhundert" hinsichtlich der englischen Gewerkschaften aus:„Die Streiks werden auf ihre Zweckmäßigkeit hin von An- gehörigen des betr. Arbeitszweiges benrlheilt, nicht, wie in Deutschland, vonVerlretern einer bestimmtenpolilischen Partei, die meist de» Verhält- nisse» des betr. Gewerbes völlig fern stehen." Da hat man wieder den richtige» deutschen Professor, wie sich ihn die„Hamburger Nach- richten" wünsche», der drauflos schreibt, ohne sich darum zu kümmern, ob das, was er schreibt, auch mil der Wirklichkeit harmonirt. Oder kann nns der Herr Professor einen einzigen deutschen Streik nenne», dessen Zweckmäßigkeit vorher nicht von den Angehörigen des betreffenden Arbeitszweiges selbst erwogen worden wäre? Es ist freilich ein aller Kniff des Unternehmerthnms, die Streiks unserer Partei zur Last zu legen und alle im Vordergründe einer Streikbewegung stehenden Arbeiter als Sozialdemokraten zu bezeichnen. Auf solche verbrauchte Kniffe noch hiiieinzufallen, sollten sich aber die Herreu Professoren und Doktoren doch endlich hüten. Nebcr den ezechischen GcwcrkschaftS Kongreß wird nns ans Prag geschrieben: Ans dem zu Weihnachten abgehalrnie» Kongreß der österreichischen Gewerkschaften hatte sich ein Gegensatz zwischen der Geiverkschaftskounnission und einem großen Theile der ezechischen Fachorganisalionen offenbart. Die Vertreter der letzleren glaubten in der derzeitige» Organisation der Kommission und des Sekretariats eine Benachtheiligiing des ezechischen Elements zu erblicken und beantragten eine Reihe von Reformen, die in der Forderung eines vollständig unabhängigen ezechischen Sekretarmts mit dem Sitze in Prag gipfelten. Die Kongreßmajorität fürchtete, durch das Ei»- gehen auf diese Wünsche die Einheit und Energie der österreichischen Arbeiterbewegung zu schwächen, nahm aber, um ihre Anerkennung nolh- wendiger Bedürfnisse und ihr Entgegenkommen zu dokunienlireii, einen Antrag auf Schaffung eines Slcllverlreterpostens im Sekretariat an, ivelcher Posten der ezechischen Nation eingeräumt werden sollte. Die ezechischen Delegirten erhoben jedoch gegen diesen Beschluß Protest und verzichteten a»f die weitere Betheiligiing an den Kongreßberathungen. Die P r a g e r Gewerkschaften, von denen die'Aktion eingeleitet worden war, beschloffen nun, von der ezechischen politischen Partei begünstigt, an die vollständige Loslösung der ezechischen Arbeiterschaft von der gesamnit- österreichischen auch in gewerkschaftlicher Hinsicht zu gehen. Ein vorbereitendes Komilee berief auf den 3l. Januar nach der Prager Vorstadt Karolinenthal einen Kongreß aller ezechischen Gewerks- und Bildungsvereine. Es kamen 108 Delegirte zusammen, welche 90 Organi- sationen vertraten. Außer Prag hatten ca. 40 böhmische Land- organisativnen Delegirte gesandt; aus Mähren, wo die zentralistische Strömung bei den vorgeschrittenen Gciverkschaften stärker ist, als in Böhmen, waren blos vereinzelte Zustinimniigsschreibtn eingelaufen. Als Gast war der Gewerkschastssekrelär Hueber aus Wien anwesend. Die Frage des Tages war die Gründung einer völlig selbständig ezechischen Organisation, nicht aus territorialer, sondern ans nationaler Grundlage. Alle ezechischen Arbeiter sollen sich nicht mit ihren anders sprachigen Arbeitsgenossen, fondern nach Kronländern mit ihren branchenverwandien Konnationalen in einer Organisation ziisammenschließen. Erst die llnionen als Ganzes sollen mit den entsprechenden Reichs- verbänden in ein Gcgenseiligkeilsverhällniß treten. Nach einer halb- tägigen Debatte, wobei alle ezechischen Redner nachdrücklichst be- tonten, die Loslösung von der Reichszentrale sei nicht ein Abfall vom internationaler Prinzip, sondern ein von realpolilischer Erwägung diklirter Schritt, wurde der vorgelegte Ent- wurf einer czecho-slavischcnGewerkschafts-Organi- s a t i o n. d'r allerdings in der recht willkürlichen Nor- mirnng von 18 Jiidustriegruppen eine wenig autonomistische Gestalt zeigt, einstimmig angenommen. Es bleibt abzuwarten, ob .J den Präger Sezession isten gelingen wird, die gesammle czechische Arbeiterschaft, insbesondere auch die jener Kronländer, wo die Czechen in den bisherigen Gewerkschaften die Minderzahl bilden, zur Vefolgnng der Prager Beschlüsse zu bewegen. In jedem Falle sind hier Kräfte engagirt, die bei der eben beginnenden Wahl- bewegung nicht leicht entbehrt werden können. I» Ttchr in Oesterreich ist die F a h r r a d- A b t h e i l u n g der dortigen Waffe nfabrik wegen des bereits gemeldeten Streiks geschlossen worden. An dem Zlusstande sind, nach bürger- licher Angabe, 380 Mann betheiligt. Zuzug ist aufs strengste fern- zuhalten. Die schtveizcrischeu Glasermeister haben ihren Boykott- prozesi gegen den G e w e r k s ch a f t s b u n d— sie wünschen nur 3000 Fr. FrühstückSgeld— nun auch vor dem Züricher Obcr- gericht verloren.— Dagegen hat das in den sozialen Streitig- reiten berüchtigte Kreisgericht Davos(Granbünden) die dortige Arbeiterunion wegen der Boykottirung des Brauerei- und Gasthof- besitzers Velsch zu 300 Fr. Entschädigung und zur Traguug der Prozeßkosten von 160 Fr. verurlheilt. Ter Verband der schweizerischen Klempnermcister und Blechwaaren-Fabrikanten hat eine Austrittskarle für die Arbeiter obligatorisch eingeführt, ivelche ans zwei Blättern besteht. Das eine enthält die vorgedruckt« Bescheinigung des Arbcitsckiistrittes, welche nur mit Namen, Datum und Unterschrist anszufüllen ist, während das andere ganz weiß ist. Hat nun der Arbeiter sich„gut aufgeführt", so wird ihm aus dem weißen Blatt ein Zeugniß aus- gestellt; war die Aufführung eine„schlechte", so erhält er kein Zeug- niß und wird das leere Blatt abgetrennt. Im„Grütlianer" wird ausgefordert, die Spengler sollen den Geschäftsinhabern die Aus- trillskarte zerrissen vor die Füße werfen. Aus England wird uns geschrieben: Ter Ausschluß der Schieserarbeiter von Penrhyn dauert unverändert fort. Eine Anzahl der Ausgeschlossenen sind augenblicklich in London und geben Gesangsvvrträge zu gunsten der WiderstandSkasse. Die Bevölkerung von Wales ist leidenschastlich dem Gesang ergeben und pflegt den Kunstgesang mit religiöser Inbrunst. Die Samm- lnngen des„Daily Chronicle" für die Ausgesperrten haben bis jetzt 1300 Pfund Sterl. ergeben, zn denen, außer einer Anzahl vorgeschrittener Liberaler und Sozialreformer, fast nur Arbeiter bei- gesteuert haben. Eine Sammlung für die Ausgesperrten, die der radikale Baptistenprediger Clifford vorletzten Sonntag nach seiner Predigt in der Kirche vornehmen ließ, ergab über 40 Pfund (800 M.) und fast eine gleich« Summe, nämlich 39 Pfund, wurde im„City Temple" nach Gesangsvorträgen der Arbeiterdeputation aufgebracht. Auch diese Kirche untersteht einem radikalen Non- konsorniistenprediger. Die Liberalen werden die Aussperrung im Parlament zur Sprache bringen. Schon ihr Führer Harcourt hat ihn in seiner Antwort auf die Thronrede berührt, und andere liberale Führer, wie Mundella, haben sich in öffentlichen Reden sehr scharf gegen die Anmaßungen Lord Penrhyn's ausgesprochen und betont, daß in der- artigen Fällen der Staat stärkere Vollmachten haben müsse als die des jetzigen Gesetzes. TlnkeLnehmev-VevbÄnde. Das Rhcinisch-Westfälischc Kohlcusyndikat plant eine neue Organisation des Verkaufs. Um der Konkurrenz der einzelnen Syndikatsabtheilungen vorzubeugen, sollen große geographische Bezirke gebildet werden, von denen jeder einer be- stimmten Ablheilung des Kohlensyndikats zum alleinigen Verkauf zugewiesen wird. Es sollen 4 solcher Bezirke gebildet werden. Ter erste Bezirk wird die Provinz Hannover, die deutsche Küste, die holländischen und belgischen Häfen und den Export Über See ninsassen; der zweite die Provinz Westfalen, das Siegerland, Kassel und Hessen; der dritte die Rheinprovinz; der vierte Bezirk umfaßt den Hasen zu Ruhrort, das Siheingeschäst. besonders Mannheim, Süddeutschland, Belgien._ Soziales. Tie Errichtnng eines städtischen unentgeltlichcu Arbeits- Nachweises beantragte in der Stadlverordneten- Versammlung in Spandau unser Genosse S ch r ö e r. Das Kollegium beschloß die Wahl einer Kommission zur Berathung dieser Angelegenheit und setzte die Beschlußfassung über den Antrag so lange aus, bis diese berichtet haben wird. Die Arbeiterschaft von Küthe»(Anhalt) verurlheilt« in einer Prolestversammlung den Beschluß des Stadtralhes, wonach dieser die Gründung eines Gewerbegerichtes für Köthen abgelehnt hat. Ter Stadlralh begründet seine Haltung damit, daß hinter de» die Errichtung eines Gewerbegerichtes verlangenden Arbeitern das Gros der Arbeiter Kölhens überhaupt nicht stehe. Auch hätten sich die befragten Arbeitgeber gegen die Gründung ausgesprochen. Die Ar- beiler selbst hat man aber nicht gefragt. In der erwähnten, von über 300 Personen besuchte» Versammlung wurde nun beschlossen, eine genügend begründete Petition zur Unterschrift bei den Arbeilern und auch zum theil bei Unternehmern zirkuliren zu lassen und diese dann der beim Ministerinin einzureichenden Beschwerde beizugeben. Ladenschluß um 5 Nhr nachmittags hat in Leipzig die Papier- und Schreibwaaren-Handlung O. Th. W i n ck l e r(Inhaber A. und O. W ü n s ch in a n n) eingeführt, nachdem sich innerhalb einer dreimonatigen Bersnchszeit herausgestellt hat, daß die neue Einrichtung nicht von Schaden, sondern von Vortheil war. Tic Answandcrnng über Hamburg stellte sich in den letzten zehn Jahre» wie folgt. Es wanderten aus im Jahre 1887 71 007 Personen darunter 22 648 Deutsche 1888 88 737„„ 25 656„ 1889 74 343„„ 23 058„ 1890 99 350„„ 24 929, 1891 144 382„„ 31 724„ 1892 103 820„„ 28 144„ 1893 58 876„„ 30 514„ 1894 88 827„„ t 16 297 1895 55 097„„ 13 997„ 1896 52 743„„ 12 324„ Die Zahl der Bierbrancreien Englands ist von 15 774 im Jahre 1882 ans 8785 im Jahre 1896 gesunken, die Menge des ge- braute» Bieres hat aber nalürlich zugenommen, denn die Vier« Produktion ist mehr und mehr zum Großbetrieb geworden. Ter Kampf gegen den Geutcr„Vooruit" wird von de» politischen Gegnern mit den erbärmlichsten Mitteln fortgesetzt. Vor kurzer Zeit wurde die Anklage gegen A n s e e l e erboben, er habe Butter verkauft, die mit Margarine vermengt, also gefälscht war. Allerdings war solche Butter verkaust worden, die Untersuchung er» gab aber auch, daß der Betrug nicht vom„Vooruit", sondern von dem Lieseranlen verübt ivorbcn ivar. Die Genoffenschast konnte nachweisen, daß sie die Butter als beste Qualität bestellt und bezahlt hatte. Der Lieferant, der beiläufig bemerkt, zu den Klerikalen gehört, wird wegen Betruges verfolgt werden. Vevsmmttlmraen. Eine gut besuchte öffentliche Versammlung fand am Freitag Abend im„Schweizergarten" sür den 5. Berliner Wahlkreis statt. Reichstags- Abgeordneter Stadthagen referirte über das Thema:„Polizei und Presse". Seine vielfach humorvollen Aus- führungen und Schilderungen der Polizeispitzeleien unter Schmalz. Stieber und Konsorten, insbesondere vor»nd nach der 4Ser Revolution und im Kölner Konimunisten- Prozeß wurden von der Ver- sammlung mit lebhaftem Beifall ausgenommen. Eine Diskussion fand nicht statt. Zum Schluß forderte der Vorsitzende auf, anstatt der bürgerlichen Blätter den„Vorwärts" zu lesen und für die Ver- breitung desselben Sorge zu tragen. Der Verein der graphischen Arbeiter und Arbeiterinnen hatte am 21. Januar seine regelmäßige Mitgliederversammlung an- beraumt. Der Bericht des Kassirers Stropp ergiebt vom 4. Quartal eine Einnahme und Ausgabe von 2516,25 M. An die Hauptkasse abgesandt 1849,77 M. Burean-Einnnhnie und Ausgabe 851,60 M. Das Vermögen des Vereins beträgt 851,50 M. Der Verein zählt 1065 männliche und 227 weibliche Mitglieder. Die Abrechnung der Unterstützungskommission vom 18. Mai 1896 bis 18. Januar 1397 weist in Einnahme 1200,45, in Ausgabe 1160,30 M. auf. Tie chirurgische Branche nahm in ihrer Versammlung am 26. Januar den Jahresbericht des KassirerS entgegen. Danach be- trug die Einnahme 1720.50 M. und die Ausgabe 1425,35 M. Bei der Neuwahl des Vorstandes wurden gewählt: Menz, erster, B r e n n i ck e. zweiter Borsitzender; P e t a ck erster, R. H i l b i g, zweiter Schriftführer; Schuster, erster, P e s ch k e, zweiter Kassirer; Grothe, Sens und Lehn Hardt Beisitzer; Melchior und Merten, Bibliothekare; Löck, Brückner und K r a tz n> a n n Revisoren. Die Arbeitsnachweise blieben in den Händen der bisherigen Vertreter. Tic Anarchisten hatten am Sonntag in einem boykottirten Lokal in Nixdorf eine Versainmlnng einberufen, die sehr mäßig besucht war. Der Referent Herr Weisheit nahm deshalb von einem Vortrag Abstand und sprach Herr Paw.lo witsch über die Greuel, die gegen die Anarchisten in Spanien verübt wurden. Wie bekannt gegeben wurde, will man eine größere Prolestkundgebung arrangiren._ Depesilkzett und lvhke Llnchvichten. Leipzig, 1. Februar.(Privaldepesche des„Vorwärts".) Das Landgericht Leipzig lehnte die Einziehung der beschlagnahmten Nr. 41 der Münchener Wochenschrift„Simplicissimns" wegen an- geblich darin enthaltener Gotteslästerung ab, weil dieselbe nicht öffentlich verbreitet worden war.— Stuttgart, 1. Februar.(„Franks. Ztg.") In Mm hat sich eine Zenlrumsversauimlung für die Proporiionalwahlen unter Aenderung der von der gtegiernng aufgestellten Borschläge an?» gesprochen. Dagegen haben sich kürzlich mehrere dentschparleiliche Äersanimlungeu gegen die Verhältnißivahlen erklärt.— Tonancschingc», 1. Februar.(W. T. B.) Amtliches Resultat der am 23. v. M. im zweiten(Donaneschinger) Wahlkreis« stall- gehabten Reichstags-Wahl. Abgegeben wurden insgesammt 17 849 Stinimen. Davon entfielen auf Dr. Merz(natl.) 8662. auf Bürgermeister Schüler(Z.) 8063 und auf Krohn(Soz.) 1109 St. Es hat mithin eine Stichwahl zwischen Merz und Schüler stattzn« finde». Graz, 1. Februar.(B. H.) Der bekannte Botaniker Professor Frhr. v. Ettinghausen ist heule hier gestorben. Budapest, 1. Februar.(B. H.) Im Auftrage des Justiz« Ministeriums erhob der Staatsanwalt gegen das A n a r ch i st«n« b l a t t„Ohne Staat" die Preßklage. Kopenhagen, 1. Febr.(W. T. B.) Der Sund ist mit Eis gefüllt, die Schifffahrt ist hierdurch gehemmt, aber nicht aufgehoben. Der große Bett ist ebenfalls mit Eis gefüllt, die Scgelschiffsahrt ist unmöglich; die Dampfschifffahrt ist noch nicht gehindert. Beraiilwortlüber Nedaiteur: August Jacobey in Berlw. Für den Jnseratcntheil verantworttick: Tb. GUcke in Berlin. Druck und Verlag von Mar Babing in Berlin. Hier»« 4 Beilage u. Unterhaltnngsblat«. Nr. 27. 14. ZchgW. SfilMt des Armrls" Kerl« WMÄ. DieiAag, 2. Febmr 1897, Gbvv-Vovmkllkuitgsgrvichk und Vevvinsvechk. . Mehrere grundsätzlich wichtige Entscheidungen hat der I. Senat des Ober-Verwaltungsgerichts in seiner letzten Sitzung gefällt. Im Regierungsbezirk Oppeln besteht ein„Oberschles. christlicher Arbeiter verein zu gegenseitiger Hilfe", der bezweckt, die Mitglieder in alle»„An , Gelegenheiten des Standes» zu unterstützen. Die Mittel dazu solle» •../""smnlnlilnfleii mit belehrenden Vorträgen, eine Sterbekasse, Ertheilung von Rath in Rechtsangelcgenheiten, Abfassung und A ose n du ng von Petitionen an die gesetzgebenden eS*?./.)'] � a f*e n un�" u Behörden, Anfertigung von Schriftstücken, die durch das Arbeitsverhältnis nothwendig werde» u. f. w. Der Vorsttzende des Vereins, Paul Nowak in Beuthen. hatte unter der Bezeichnung„Vorstand des Vereins(folgt Name)' z»in 1. März 1396 nach einer im Amtsbezirk Neudeck belegenen Ge meinde eine Versammlung„zur Besprechnng von Arbeiterangelegen helteii» einberufen. Der Amtsvorsteher zog aber die bereits ertheilte Bescheiniguiig der Anmeldung zurück, indem er geltend machte, dag nur Einzelpersonen Versammlungen anmelden könnten, nicht Vereine und Borstände. Hiergegen erhob N. die Beschwerde und meldete wieder„zur Besprechung von Arbeiterangelegenheiten" eine neue Versammlung an, wobei er um die Erlaubniß zur Anheftung von Plakaten cinkam, durch die zur Versammlung eingeladen werde» sollte. Nowak erhielt indessen abermals keine Bescheinigung. sondern eine Verfügung, in der er zur Eiureichung des Mitglieder Verzeichnisses und der Statuten gemäs§ 2 des Vereinsgesetzes auf gefordert wurde. Weiter verlangte der Amtsvorsteher ein Prüfungs excinplar der Plakate, die auszuhängen beabsichtigt wurden. Die Verfügung erging am 4. März, während die Zurücknahme der Be schein ignng im ersten Falle am 29. Februar erfolgt war. Nowak beschwerte sich nun auch über die Verfügung vom 4. März. Land rath und Regierungspräsident gaben ihm darin recht, daß der Amtsvoisteher bei jener ersten Anmeldung am 29. Februar au jeden Fall die Bescheinigung hätte ertheile» müssen, indessen erhielten sie die Verfügung vom 4. M ä r z vollkommen aufrecht. Nowak klagte daraus beim O b e r- V e r w a l t u n g s g e r i ch t. In der öffentlichen Verhandlung ließ sich der Minister des I n»er» durch einen K o in m i s s a r, den Geheimrath D i t e r i c i vertreten, soviel Werth legte er auf die Sache. Der Kommissar gab selbstverständlich den Regierungsbehörden in jeder Beziehung recht. Das Ober-Verwaltungsgericht erkannte in diesen beiden Fällen u u r insoweit zu gunsteu des beklagten Regier ungspräsi- deuten zu Oppeln, als es die Einforderung des Plakats für berechtigt erklärte, im übrigen setzt« es die bekämpften Ver- fügungen des Amlsvorstehers außer kraft. Zur Begründung führte Präsident Persius aus: Die Borenthallung der Bescheinigung vom 29. Februar ivar gesetzlich nicht zulässig. Aber auch das Gebot vom 4. März, vorerst die Statuten und das Mitglieder- verzeichniß einzureichen, sei nicht gerechtfertigt. Allerdings bestrebe der Verein, dem Nowak vorstehe, die Einwirkung auf öffentliche Angelegenheiten. Die damit zusammenhängende Verpflichtung. Statut und Mitgliederverzeichniß einzureiche», bestehe jedoch für den Vorstand eines Vereins, der wie hier, sich über mehrere Polizei- bezirke erstrecke, nur gegenüber der Polizeibehörde des Vereins- sitz.es, und das sei nicht im Bezirk Neudeck. Nicht jede besondere Polizeibehörde, in deren Bezirk der Vorstand bezw. Verein thätig ist, könne dies verlangen, der§ 2 würde nur für denselben Verein Anwendung finden, wenn sich die Thätigkeit auf einen Ort außer- halb des allgemeine» Hauptbezirkes erstrebte. Und dies auch nur da»», wenn im betreffenden Orte die Mitglieder des Hanptvereins einen Sonderverein bildeten, that sächlich und formell. Das sei im Amtsbezirk Neudeck noch nicht der Fall gewesen. Dagegen sei die Einforderung eines Plakats nach tz 16 des preußischen Preßgesetzes, der noch zurecht bestehe, bc gründet.— Dieselbe» Parteien fochten einen Rechtsstreit aus, bei dem es sich um eine ganz sonderbare Anwendung des Z 8 des Vereinsgesetzes handelte. Der obengenannte Verein besitzt in ver- schiedenen Orten sogenannte Bezirkskassirer. Derjenige in Jcsowa hatte schon jahrelang Bersammlungen einberufen, darunter hin und wieder solche als„Vertreter des Vereins». s. w.», aber die meisten, ohne daß er seinen Zusammenhang mit dem Verein zu erkennen gab. I» dieser letztgenannten Weise meldete er auch wieder am 27. April 1896 eine Versammlung zur Besprechung von Arbeiter angelegenheiten an. Ter Amtsvorsteher des betreffenden Polizei- bezirkes gab die Bescheinigung, beauftragte aber zugleich den über- wachenden Beamte», keine» Delegirten des„Oberschlesisch christlichen Arbeitervereins» aus einem anderen Bezirke sprechen zu lassen. Damit war Paul Nowak, der als Redner erschienen war. die Mög- lichkeit abgeschnitten, zu Worte zu kommen. Nowal's Beschwerden waren vergeblich und auch das Ober-Verwaltungsgericht. vor dem wieder Diterici als Vertreter des Ministers auftrat, wies ihn ebenfalls mit der Klage ab. Gründe:„Nach.dem ganze» Auftreten des Ortskassirers i» Jcsowa und nach dem Wirke» der dortige» Mitglieder des„Oberschlesischeu christlichen Arbeitervereins» fei anznnkhnien. daß dort unter jene» etwa 166 Mitgliedern ein be souderer Verein besiehe und daß die fragliche Versammlung eine Versammlung dieses Vereins gewesen sei. Dieser Zwcigverein verfolge aber, wie die in allen Versammlungen gepflogenen Er örterungen bewiese». ebenso politische Zwecke, wie der allgeuieim Sauptverein. Wäre nun der Vorsteher des weiteren Vereins, des auptvereins, in der Versammlung aufgetreten, dann wäre damit ei» gesetzwidriges Jnverbindnngtreten zweier politischer Vereine her gestellt gewesen. Die Polizei habe aber das Recht, Strafthaten vorzn- beugen, und zwar auf grund Z 10 II 17 des Allgemeine» Landrechls. Deshalb sei gegen die angefochtene Verfügung nichts einzuwenden.» — Höchst originell, fürwahr! NontmunÄlles. Der AnSschufi der Stadtverorducte»- Versammlung zur Vorberathung der Magistralsvorlage zur Anschaffung mechanischer Leitern sur die hiesige Feuerwehr hielt heule Vormittag eine Sitzung ab. Der Ausschuß hat beschloffe», der Versammlung zu empfehle», den Magistralsantrag, daß zur Beschaffung von drei mechanischen Feuerleitern 18 666 M. in den Etat eingestellt werden, z» geneh- inige» mit der Bedingung, daß zunächst eine Probeleiter angefertigt und vorgeführt werde. Zunächst empfiehlt der Ausschuß, de» Magistrat zu ersuche». bei den Verhandlungen über die neue Bau- Polizei- Ordnung dahin zu wirken, daß der Z 37 der Baupolizei- Ordnung dahin abgeändert werde, daß der Fußboden des obere» Geschosses, nicht ivie vorgeschriebe» iverde» soll, 17,S6 Meter, sondern 19 Meter über dem Bürgersteige liegen darf, da bei der Kon- struktion der Leiter die Möglichkeil vorhanden ist, bis zu dieser Höhe hinauf zu steige». Uokales. De» Parteigeuossinueu und Genossen von Moabit zur Nachricht, daß am Mittwoch den 3. Februar in A h r e n s' Brauerei eine Volksversammlung stattfindet. Reichstags- Abgeordneter Pens wird über de» demoralisirenden Gegensatz zwischen Reich»nd Arm reden. Es wird um rege Agitation für diese Versammlung gebeten. Die Verlrauensperson. Stöiker- Griiueberg- Hödel- Nobiling. Das Auftreten des Schneiders Grüneberg im Prozeß Etöcker-Wilte ruft Erinnerungen rvach an die Zeit, wo der„theure Gottesmann» im srisch-sromm- fröhliche» Kampfe gegen de» Umsturz die ersten wesentlichen Prügel von den Truppen seines eigenen Lagers erlitt. Es war im Früh- ling 1873, kurz bevor der ominöse Brief, der in der aur letzte» Freitag verhandelten Privatklage eine beträchtliche Rolle spielte, ge- schrieben war. Noch hatte Herr Stöcker kaum Zeit zum Jntriguiren gegen seine» lieben Amtsbruder gefunden, denn im ureigensten Revier spielten sich just Vorgänge ab, die einen sehr bitteren Bei geschmack hatten. Der Klempner Hödel hatte durch den bekannten Schuß vom 11. Mai 1373 zwar nicht den Kaiser, wohl aber den Hos Prediger ins innerste Mark getroffen. Wie das kam, darüber gab der wandluugsfähige Schneider Grüneberg 1384 in den„Demo kratischen Blättern» einige Auskunft. Er erzählt zunächst, wie Hödel in der christlich-sozialen Partei Ausnahme und Beschäftigung als Flugblattverbreiter gefunden und dann kurze Zeit darauf das Attentat begangen hatte. Am Tage des Attentats noch wurde Grüneberg, damals Sekretär der von Stöcker befehligten christlich sozialen Arbeiterpartei, von der Kriminalpolizei dem Untersuchuugs. richter Landgerichtsrath Joel zugeführt. Wörtlich fährt Grüneberg nach Schilderung dieser Begebenheilen fort: „Obwohl ich zehn Jahre lang der sozialdemokratischen Partei gedient hatte, verniochte ich doch keine andere Auskunft zu geben als daß ich durch Gollonibeck(Herausgeber und Redakteur des chrisb lich-sozialen»nd sozialisteutödtenden„Staatssozialist») und Stöcke: zu diesem Menschen(Hödel) gekomme» sei. Herr Stöcker war natürlich sehr entrüstet über diese Mitgliedschaft, ließ den Namen sofort st reichen und mahnte zur Vorsicht bei der Aufnahme. Wie aber hätte ich Vorsicht üben sollen? War doch Herr Stöcker umgeben von einer Schaar schiffbrüchiger Existenzen, Studirender, Doktoren und ziveifel hafter Größen aller Art. Solche Leute erschienen dann bei mir und verlaugte» im Namen S t ö ck e r' s Ausnahme in die Partei. So ging es auch mit Nobiling. Dieser war ebenfalls M i t g l i e d d e christlich-s ozialen Partei und die christlich-soziale Partei kann nur Gott danken, daß die Mitgliedskarte nicht wie bei Hödel, so auch bei Nobiling gefunden wurde.... Damals(am 2. Juni 1878, dem Tage des Nobiliug-Älttentats) vernichtete ich sofort die alte Mitgliederliste und fertigte eine neue unter Weglassung des Namens Nobiling au. Jndeß war diese Vorsicht überflüssig; denn die Polizei nahm in diesem Falle Abstand davon, bei uns zu recherchiren. Was die fragwürdigen Existenzen bedingt, so hat sich die Partei bis heute nicht gebessert, denn ich glaube behaupten zu dürfen, daß General Boolh in seiner Heilsarmee nicht solch Gesindel mit sich führt, wie es sich um die christlich-soziale Fahne des Herrn Stöcker dräng t.» So der Schneider Grüneberg, der hier nur vergessen hat, sich selber in die Gesellschaft der fragwürdigen Existenzen einzureihen Mit den Mitteln, die Stöcker heute zu seiner Vertheidigung au ivendet, arbeitete er auch damals. Stvcker mußte die Richtigkeit der Grüneberg'schen Angaben z u g e b c n. Dies hat den frommen Mann natürlich nicht gehindert,»ach dem Attentat die That Hödel's als die Frucht der„teuflischen Lehren" der Sozialdemokratie und Hödel selbst als deren Typus und Vertreter hinzustellen. Genau nach dem- selbe» Rezept ließ Bismarck sich einige Monate später voni deutsche» Reichstage das Schandgesetz gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie bewillige». Gcgcu die kopflose» Zeituugc» nahmen am 31. Januar etwa 70 Zeituugsbesitzer und Buchdrucker aus der Mark Brande»- bürg, die sich Wilhelinstr 118 versammelt hatte», eine Resolution folgende» Inhalts an:„Durch das Unternehmen der Firma Hach selb, Schmitz u. Ko.(den Gründer» des auch von uns kürzlich be- sprochenen Unternehmens) und ähnliche Unternehmungen wird die Existenz aller selbständigen Zeitungen gefährdet, und es ist daher Ehrensache jedes Verlegers, die Auerbietunge» der genannten Firma entschieden zurückzuweisen. Sie stellen sich ini übrige» vollständig ans de» Standpunkt der Resolution ihrer sächsischen Kollegen des Kreises VII vom 16. Januar 1897 und erwarte» vom Vorstande des Deutschen Buchdruckervereins, daß er die gekenuzeichuelen trebungen mit allen ihm zu Gebote stehenden gesetzlichen Mitteln bekämpfe» wird. Gleichzeitig wird beschlossen, ein zur Aufklärung des Publikums dienendes Zirkular, welches die moralischen und volkswirlhschaslliche» Gefahren des geplanten Unternehmens klar legt, der gesammten deutschen Presse zur Veröffentlichung zu über 'enden." Diese Resolution wird die neuen Gründer wohl ebenso wenig von ihrem Vorhaben abschrecken, wie Klagen ähnliche» In- Halts aus Herrn Scherl irgendwelchen Eindruck machen. Geschäft ist Geschäft. Eine Haussuchung hat gestern abermals in der Offizin, in der die„ K r i t i k» gedruckt wird, stattgefunden. Vier Kriminal- beamte erschienen vormittags i» der Druckerei der Aktiengesellschaft „National-Zeitung", Mauerstraße 86 und beschlagnahmten nach längerer Durchsuchung verschiedenes Manuskript. Es soll sich um einen Artikel„Schneeverwehungen" handeln, der erst in der nächste» Nununer der genannten Wochenschrift erscheinen soll. Die Backerinnung..Germania" hat den Mehlbezug für ihre ämmtlichen Mitglieder monopolisirt. Nachdem seinerzeit mit dem gemeinsamen Bezug von Hese der Anfang gemacht worden war, olgten bald auch Butter, Margarine, Schmalz, Milch. Eier, Salz. und jetzt schließlich das Mehl. Das ist der„Germania" nicht zu verdenke». Bekanntlich sind es aber vielfach gerade die Innung?- Handwerker, die großen Lärm machen, wenn Arbeiter sich in Konsumvereine» günstige Einkaussgelegenheiten sichern. Das Pserdcniaterial der öffentlichen Verkehrsanstalteu hat, wie die Zeitungen berichten, durch den anhaltenden Schneefall der letzte» Tage ganz erheblich gelitten. Die Frage, ob auch das Meuschenmaterial der Verkehrsaustalten, auf das nicht die geringste Rücksicht genommen wird, de» Dienst ohne Schädigung seiner Ge- undheit aushalten kann, diese Frage wird überhaupt nicht gestreift. Im Verein„Zoneutarif" fand am Sonnabend eine ein- gehende Besprechung der Vororllariffrage statt, an welcher sich auch der z» der Versammlung erschienene Reichs- und Landtags- Abgeordnete Brömel hervorragend betheiligte. Die Versammlung be- chloß einstiminig, an das Abgeordnetenhaus und an den Reichstag eine erneute Petition um eine„Reform der Personentarife aus den preußischen Slaatsbahneu» zu richten. Zum Fall Rothenburg. Der Oberpräsideut der Provinz Brandenburg halte bekanntlich unter dem 12. d. M. die sofortige „Entlassung» der Frau Baumeister Rothenburg aus der städtischen Anstalt Herzberge dem Magistrat der Stadl Berlin aufgegeben. Wie wir hören, ist Frau Baumeister Rothenburg, trotz der Ver- ügung des Oberpräsidente», bis heute»och»ichl entlassen, vielmehr gedenkt der Magistrat aus grund eines Protokolls, das er hat auf- nehmen lasse», von neuem zunächst bei dem Oberpräsidente» vor- 'tellig zu werden.— Wie weiter berichtet wird, wurde seitens der Anstalt Herzberge dem Sohn, Referendar Rothenburg, welcher nun 'einerseits auf grund jenes Oberpräsidial-Reskriptes vom 12. d. M. eine Mutler ans der Anstalt Herzberge abhole» wollte, die Ent- lassung seiner Mutter weiterhin verweigert, mit dem Bemerken, daß zunächst wiederum eine„Genehmigung» des Polizeipräsidiums hierzu einzuholen sei und daß die weitere Entschließung der Anstalt Herzberge danach— jedenfalls erst nach acht Tagen— zu erwarten sei. Ablehnung. Wie die„Nat.-Ztg." erfährt, hat der zum Nach- olger des veritorbenen Professors du Bois- Reyuiond an erster Stelle vorgeschlagene Professor der Physiologie Willy Kühne in Heidelberg den Ruf nach Berlin abgelehnt. Vielleicht ist dem Herr» hier die Luft zu windig. Im Parodie- Theater nimmt das Gastspiel der Gesellschaft Lumpe allmälig eine» Verlauf, der lebhaft an das Schicksal mancher armen Krüppel erinnert, die nicht allein ihren körperlichen Jammer mit sich herumtragen, sondern obendrein noch von der Gassenjugcnd verhöhnt werde» Seit es sich herunigesprochen hat, daß es am Moritzplatz einen„Feez" giebt, strömt dorthin eine Menschenmenge, die zum sehr beträchtlichen Theil aus Neugierigen besteht, im Kern aber aus jenen holden Jünglingen zusammengesetzt ist, die sonst ivohl in gewissen Kunstinftituten der Elsasser- und Münzstraße ihre geistige Erquickung finden mögen. Gegenwärtig ergötzt sich das Publikum an dem Schicksal der armen Genovefa. Die tugendhafte Pfalzgräsin wird vom bösen Haushofmeister Golo des Ehebruchs verdächtigt. Der Graf ruft seine beiden Henkersknechte und befiehlt ihnen, die arme Person mitsammt ihrem Wickelkinde zu tödten und ihm von ihr die Zunge, von dem kleinen Würmchen aber beide Augen vorzulegen. Das mit der Ge- sitlung des neunzehnten Jahrhunderts überfirnißte Publikum geräth ob der rohe» Kabinetsjustiz des Grafen in helle Aufregung.„So 'ne Gemeinheit!»„Pfui Deibel". Diese und ähnliche Interjektionen schwirre» durcheinander. Ein robuster besaiteter Stammgast meint: „Warum nicht? Es ist ja nicht»ne bei arme Leute, es ist ja alles da!» Gefühlvoller als der Graf sind- zum Glück die beiden Henker; sie verkünde» der schwergeprüften Gräfin unter stürmischem Jubel, daß sie im Walde leben bleiben könne. Als eine Hirschkuh über die Bühne gezogen wird, mit deren Milch das Kind aufgepäppelt werden soll, ruft das Publikum:„Nun braucht sie keeue Amme»ich!» Unter solchen Begleiterscheinungen nimmt das Stück seinen Verlauf, bis endlich die vom reuigen Grafen wieder rehabilitirte Dulderin todt auf dem Paradebett liegt und von bengalischen Flammen beleuchtet wird.„Die Seele schwinget sich wohl in die Höh juchhee!» singt das Publikum, und die Schauspiel- Gesellschaft, die längst erkannt hat, zu welchem Zwecke sie sich prostituire» muß, macht gute Miene zu der Berliner Bevölkerung. Es verdient übrigens hervorgehoben zu werden, daß das klägliche Spiel, das Herr Lumpe mit sich treiben läßt, in de» Kreise» seiner reisenden Kollegen als Entwürdigung empfunden wird und schon Anlaß zu Proteste» gegeben hat. Ini„Berliner Theater" scheint man sich den Prinzipien des neueste» Kurses insoweit angepaßt zu haben, als mau bezüglich der � Hilfskräfte niederer Ordnung möglichste Sparsamkeit walten läßt. Ob immer zum Vortheil der Bühnenwirksamkeit des knlturkämpfe- � tische»„Kaiser Heinrich», möge dahingestellt bleiben. Ani Abend des 27. Januar, so wird uns geschrieben, wurden die Statisten, die bisher in der Zahl von etwa 56 Herren und 15 Damen thätig waren, auf 25 Herren und 5 Damen rednzirt. Als eine empfindliche Rücksichtslosigkeit muß es bezeichnet werden, daß die ausrangirten Kräfte nicht im Voraus, sondern erst kurz vor Beginn der Vor- stellung von dieser Maßregel in Kenntniß gesetzt wurden; der Portier ließ sie nicht hinein und theille ihnen einfach mit, daß sie sich ihr Geld am 2. Februar holen könnten. Natürlich ließ sich der Mangel an Statisten auch vom Zuschauer- räum aus bemerken. Auch fiel es manchem aus, daß ans dem Liebe von der Wonuegans, das nach dem Fest- prolog ertönen sollte, die erste Strophe vom Sängerchor dreimal wiederholt wurde; die»»patriotisch erzogenen Sänger kannteil leider nicht das ganze Lied. Unter dem Walten der Sparsamkeitspraxis wurde ferner in, vierten Akt das wüthende röniische Volk durch etiva vier männliche und ebenso viele weibliche Personen repräsentirt/ gegen welche die Deutscheu mit ihrem Heinrich V. gut Löcher in die Luft zu schlagen hatten. Auch im fünfte» Akt hatte man Gelegen- heil, de» Muth der ivenigen Personen zu beivunder», welche es riskirten, den Kaiser inmitten seiner Vasallen mit Fäusten zu be- drohen. Bemerkt sei noch, daß den Kindern, die vor einiger Zeit gestreikt hatte», bei der Gagenzahlung nicht die ausbedungenen 75 Pf. für den Abend, sondern nur 56 Pf. ausgezahlt wurden, ja für einige Nachmittagsvorstellungen erhielten sie gar nur den alten Satz von 25 Pf. Der Posscudichtcr Dr. Eduard Jacobson ist gestern unter zahlreicher Betheilignug aus literarische» und Künstlerkreise» auf� dem jüdischen Friedhofe i» Weihensee zur letzten Ruhe bestattet worden. Im Graud Hotel Alcxaiiderplah, also in einem gesperrten Lokal, veranstaltet die Tapezieriverkstatt von Gerson am 6. März einen Maskenball. Die Arbeiter werde» wissen, wie sie sich zu ver- � halten haben. Beim Latcruenputze» in die Spree gefallen ist am Montag abends gegen 5 Uhr der Laternenanzünder Christians aus der Dragonerstr. 35. Der Mann hatte aus der Kronprinzenbrücke seine Leiter an de» großen Kandelaber gehakt und war eben dabei, die Scheiben der Laternen zu reinige», als die Sprosse, auf der er stand. brach und er auf die nächsttiefere herabfiel. Die Wucht des Falles' hatte jedoch zur Folge, daß auch diese brach und nach ihr»och mehrere. Dadurch verlor Christians gänzlich de» Halt, siel von der Leiter herab auf das Brückengeländer, überschlug sich auf diesem und stürzte nun kopfüber in die Spree hinab. Zu seinem Glück waren Schiffer in der Nähe, die ihm mit einem Kahne zu Hilfe kamen und ihn bald retteten. Der Verunglückte wurde dann in die in der Nähe gelegene Charitee gebracht. Von der Bahnmeisterci am Lehrter Bahnhof sind in den letzten Tagen etwa 26 Mann znin Schneeschippe» angenommen. worden. Einige dieser Arbeiter waren in der irrthümlicheu Meinung befangen, daß der Lohn, welcher täglich 2,36 M. ausmacht, alle drei Tage ausbezahlt werde, wogegen thatsächlich nur alle Woche die Lohnzahlungen erfolgen. Nachdem die Arbeiter— es waren ihrer drei— über diesen Jrrthum aufgeklärt waren, erbaten sie sich deimoch unter Hinweis auf ihre traurigen häuslichen Verhältnisse einen kleinen Vorschuß. Sie wurde» denn auch an die Kasse bestellt, er- hielten ihr Geld, aber auch gleichzeitig ihre Entlassung. Mußte das sein? Ju einer Zuschrift an uns sucht sich die Leitung der Chemischen Fabrik auf Aktie»(vormals E. Schering) gegenüber de» Mittheilungen zu rechtfertigen, die wir in Nr. 26 über die Lohnverminderunge» brachte», welche von der Firma für die neu einzustelleude» Arbeiter eingeführt werde». Die Direktion ent- 'chuldigt sich damit, daß auch die neuen Arbeiter, wenn schon im ver- angsamten Zwischenraum(!), dieselben Lohnsätze, wie sie jetzt be- 'tehen. erhalle» werden. Diese schöne Redensart schafft aber leider öie von uns mitgetheilte» Thalsachen nicht aus der Welt; ebenso wenig werden diese durch die Mittheiluug korrigirt, daß im Jahre 1895, wo die Gesellschaft an ihre Aktionäre, Direktoren und Anssichtsrälhe 437 487 M. Dividende und Tantiömen vertheilte, auch 33 633,76 M. für„Wohlfahrtseinrichtungen» verausgabt sind. In einem Falle aber giebt Saling's Börse»- Handbuch, dem wir einige Daten über die Verhältnisse der Fabrik ent- nahmen, eine ungenau vrientireude Auskunft. Die Summe von 63 868 Mark, die wir als gezahlte Löhne anführten, falle» unter das Unkoslenlonlo als Ausgabe für Expeditionslöhne. Die eigentlichen Fadriklöhne betrugen in 1895 478 679,76 M, welche Summe am Jahresschluß dem General-Waarenkonto belastet wurde, sodaß sie im Gewinn- und Verlustkonto nicht erscheint. Doch dieser Punkt trifft den Kern der Sache durchaus nicht. Die Frage, warum es bei de» hohe» Dividenden und Tantiömen, welche die Gesellschaft in den letzten Jahren zu zahlen in der Lage war, er- orderlich erschien, den neueinzustellende» Arbeitern geringere Löhne, als die bisher üblichen zu zahlen, wird in der Zuschrift nicht be- antwortet. Der Selbstmord eiucö fiiufzchnjährizze» Mädcheus wird uns aus dem Hause Hochnieisterstr. 27 gemeldet. Dortselbst wohnt in dem vierten Stock des Quergebäudes die Wittwe des vor acht Jahre» verstorbenen Tischlers Bolle mit ihren vier Kindern im Alter von 18 bis zu 9 Jahren. Frau B. ernährt ihre Familie mittels Näharbeite» und wurde in der Sorge um das tägliche Brot von hrein ältesten 18jährigen Sohn und ihrer löjährigen Tochter unterstützt. Die letztere, die in einer Kartonsabrik thätig ist. ivar infolge eines vor Jahre» erlittene» Sturzes ver- krüppelt. Am Sonnabend Abend inachte der ältere Bruder eine» Maskenball mit und entfernte sich gegen 9 Uhr aus der mütterlichen Wohnung. Frau B. war zur Zeit nicht anwesend. Der junge Mann hatte eben die Zimmer verlassen, als sich das Mädchen plötzlich auf einen am Fenster stehenden Stuhl schwang und— ihren kleinereu Geschwistern die Worte zurufend:„Adieu Ztindcr, Ihr seht mich nicht mehr wieder!"— ans den Hof hinabstürzte. Als der junge Mann wenige Sekunden später ans de» Hof hinaustrat, fand er seine Schwester mit zerschmetterteln Schädel vor. Neber die Ursachen, die zum Selbstmord geführt haben, bestehe» nur Bermuthuugcn. Durch Schlicsie» dcr Ofruklappe hat sich am Montag die 5S Jahre alle Sliekerin'Amanda Marquardt, geb. Tutor, iu ihrer in dcr Koiuinandautenstraße belegenen Wohnung zu lödte» versucht. Die Dame wurde noch lebend aufgefunden und nach der Charitee gebracht. Mißliche Bermvgeusverhältuisse haben sie zum Selbstmordversuch getrieben. Brandstiftung. Am Montag Vormittag um 6 Uhr wurde der 17. Zug der Feuerwehr nach der Stallschreiberstr. IS gerufen. Dort brannte eS im Erdgeschoß in einer Werkstatt und im vierten Stock ebenfalls in einer Werkstatt. Der Befund ließ darauf schließen, daß vorsätzliche Brandstiftung vorlag; man fand die Fußböden mit Petroleum begossen, die Füllungen der Thüreu gewaltsam erbrochen und die Liänme an verschiedenen Stellen iu Flammen stehend. Die Inhaberin der im vierten Stock belegenen Werkstelle, Wittwe Henzler, befand sich in größter Gefahr und»mißte von der Fcner- »vehr gerettet»verde»». Durch ciucu Dchnst in de» Kops hat der 42 Jahre alte Gast- »virlh Gustav Ziegeler ans der Kautstr. 133 sich zu tödlen versucht. Er »vurde in ein Krankenhaus gebracht. Todt aufgefuudcu»vurde au» Sonntag Morgen um 6 Uhr der 48 Jahre alte Droschkenkutscher Wilhelm Müller aus der Pallisadenstr. öS im Oberthurme des Grundstücks Kleine Frank- fnrterstraße 1. Allem Anscheine nach ist der Arme an einen» Schlag- aufalle eines natürliche» Todes gestorben. Bei einet» Besuch, den sie dem Piauosortefabrikanteu Pfaff in der Alexanderftr. 45 abstattete, ist die Hauseigenthnmerin Wittive Emilie Radach derart gefährlich durch einen Sturz von der Treppe verunglückt, daß sie am nächsten Morgen 3 Uhr starb. Ungliicköfälle in» Ttrastctlvcrkchr. In der Brunnenstraße fiel der Arbeiter Stein von einen, von ihm gesührlen Wagen herab, gerieth unter die Räder und»vurde an beiden Armen schiver verletzt. — Der 68 Jahre alte Tischler Aulich»vurde in der Große» Frank- fnrterstraße plötzlich von einem Blutstnrz besallen und starb auf der Stelle.— Auf dem Neuen See siel mittags der Regierungs-Ban- »neister Fritz Hedde beim Schlittschuhlaufen und brach den»rechte» — In der Nacht zu gestern fiel der 48jährige Kellner Heinrich chade beim Besteigen des Borderranms eines durch die Oranien- straße sahrenden PferdebahnwagenS der Linie Görlitzer Bahnhof- Zoologischer Garten hin. gerieth unter die Räder und erlitt eine schwere Verletzung des linke» Handgelenks. Stach Anlegung eines NothverbandeS auf der Sanitälöivache Adalberlftr. 10»vurde er nach den» Krankenhause au» Urban gebracht.— Alis de» Niichbarorteit. Frirdrlchöhagen. Parteigenosse»! Am Miltivoch, den 3. Februar, abends 8>/, Uhr, in» großen Saale von Max Lerche: P r o t e st v e r s a m ,» I u n g gegen die Angriffe des A m t s v o r st e h e r s K l n t wieder die S o z i a l d e in o- kratie. Der wichtigen Tagesorduuiig wegen ist.es Pflicht eines jeden Genosse», in der Versammlung zu erscheinen. Amtsvorsteher Klüt ist brieflich eingeladen. Die Vertrauensperson. Fortgesetzte Nuterschlagniigeii sind bei de» Charlottenburger Wasserwerken seit etwa zwei Jahren verübt worden. Nach de» vorläufigen Feststellungen Handell es sich um etwa 7000 M., wahrscheinlich aber werden die»veiteren Ermittelungen noch mehr Fälle aufdecke». Vereinigt halte» sich zu den Strasthaten der 84 Jahre alte Bureanvorsteher Max Gasler, der LSjährige Kassenbote CoerdS und der 46 Jahre alte Biireaugehilfe Franz Csderholm. Die Unterschlagmigen wurden zum lheil durch AiiSstellling doppelter Quittuiigeii, zum theil mit gestohlenen Rechnniigeii möglich gemacht. Die Rechnuiigen werden nämlich in Hebeiisten«ingetragei,; einen Theil davon eiilwendetcu nun die uiigetreueii Bcamlen, bevor sie eingetragen waren, und zöget» daraus die fälligen Be- träge für sich ei». Den Ausfall in der Kasse haben die Leute an- scheinend dadurch ausgeglichen, daß sie frühere Unterschlaauuge» durch neue Einziehnngen deckten. Da un» vernuithlich das Wasser- buch mit den Hebelisteu nicht scharf genug vergliche» worden ist, so habe» die Uiiterschlaguiigeii lauge Zeit unenldeckt bleiben können. Schließlich ist aber de» Uebellhäteru die Sache doch über den Kops gewachsen und in Berlvirrung gerathe». Bei eine»» Hausbesitzer »vollteu sie eiiieu Betrag, über den schon quittirt worden»var, noch einmal einziehen. Als der Hausbesitzer bei der Direktion die be- zahlte Rechnung vorwies, entstand Verdacht, und bei einer Kontrolle stellten sich da»» auch erhebliche Fehlbeträge heraus. Auf eine An- zeige bei der Staatsainvalischaft»vurde» Gaster, Coerds und Ceder- hol», sestgenomme» und in Unlersnchungshafl nach Moabit gebracht. Zille drei sind verheiratet und waren schon lange Jahre in» Dienste der Wasseriverke. Während dcr Fahrt aus den» Znge gespruugei» sind ans Station Niederschönweide ei» Eiseubahnschaffner und die LOjährige Marie Kainmel aus der Gegend von Sora» N.-L. Beide hatten die Stadtbahn benutzt,»m von genannter Station mit den» Fernzug nach Görlitz weiter zu fahren. In Niederschömveide versännilen sie jedoch das Anssteigen, und als sie bald darauf ihren Jrrthuin geivahr »vurde», sprangen sie von dein schon in voller Bewegung befindlichen Zuge ab. Dem Schaffner glückte der Sprung, ohne daß er sich de» genngsten Schaden zusügte. während das junge Mädchen mehrere Kopf- »vundei» davontrug. Die bekannte Badc-Slnstalt in Halensee bei Berlin, die im Winter als Aufenthalisort für das die Eisbahn benutzende Piiblikiii» dient, ist i» der Nacht von» Sonntag zum Montag zivifchen 1 und 2 Uhr abgebrannt._ Vunpt und MisseufchÄft. Franz Schubert- Feier. Ii» den» geiäuuiige» Saale des Böhmischen Brauhauses feierte an» Sonnabend die Arbeiter« Bildungsschule den lüv jährige» Geburtstag Franz Schuberl's. Die Bühne zierte das von dunklem Grün umrahmte Bild des ge- feierte», Komponisten. Tie Festrede auf Schubert hielt Herr Dr. Karl Krebs, der im iveseutlichen nichts anderes als eine trockene Aus- zählung der Daten von Schnbert's Leben und der Beueuuliugen seiner Kompositionen bot. Des Redners Aufgabe»väre es gewesen, ein lcbensivarnieS, greifbares Bild dieses liebenswürdigen und liebe»?- werthen Komponisten vorzuführen. De» Zuhörern»var ver- stäudlich zu machen, warum der Komponist nicht nur in seiner Heiuiath, sondern all überall, wo die Tonkunst zu Hause ist, verehrt und gefeiert wird, weshalb seine tief er- greifenden, schlichten, bald neckischen, bald«ruften Melodien, denen die Kraft innewohnt, über trübe Stunden hinwegzuhelseii und die schönsten Stunden zu versüßen, nicht nur zu volksthümlichen. sondern zu wahren VolkSmelodien geworden sind. Was der Redner nicht mit Worten zu sagen vermochte, sagte das darauf folgende Trio in Es-chir in Tönen. Tasselbe wurde von den Herren A. Förster. P. Müller und H. Techert mit Wärme und guter Technil vorgetragen. Auch der Vortrag des Solostückes„Wanderer-Phantasie", von Herrn A. Förster ausgeführt, verdiente volle Auerkeiinniig, wiitte aber bei dem fast zu reichhaltigen Programm und den kiirzeii Pansen zwischen den einzelnen Vor- trägen, etwas ermüdend. Die Gesangstücke wurden von Fräulein Dsirne recht ansprechend voigelrageu. Ihre beste Leistung war das „Wiegenlied". Von den anderen Liedern gelangen ihr die von neckischem Charakter, wie„Mit dem grünen Lautenbande",„Wohin am besten, die ernsten Charakters weniger gut. Hoffentlich finden die in Zukniift arrangirten Feste der Arbeiler-Bildungsschule ebenso viel Anklang in der Arbeiterschaft wie die Schuberlfeier vom Sonn- abend sich zu»rriiigeu wußte. Im Zentral-ZAcater soll am Sonnabend die neue Revue„Ein fideler Tag" zuerst aufgeführt werden. Im Schiller-Theater wird heute„Ein Vollsseind" zimi ersten Male wiederholt. Die Erstaufsührnng von SkowronuekS Lustspiel„Eine Palast- revolution" findet ÄMierstag, den II. Februar, statt. — Direktor Dr. Oskar Blum enthal hat das Lessing- Theater vom Jahre 1838 ab an Dr. Otto N e u m a n n- H o s e r verpachtet. Tab Volksthcatcr, Neichenbergerstr. 34, bleibt heute, Dienstag, wegen Vorbereitung zu dem am Mittwoch den S. Februar zum ersten Male in Szene gehenden Dr. Hugo Müllepfchm Lebcnsbilde„Bon Stufe zu Stufe" geschlossen._ Soziale Nechkspflege. Vor dcr Kammer Iii des GeiverbegerichtS, der Assessor Schmieder vorsaß, inachie der Steinträger B. gegen den Maurer- nieister Meier einen Anspruch ans Lohnentschädiguiig geltend, indem er sich darauf stützte, rechtswidrig entlassen zu sein. Den Einwand, die gesetzliche Knndigungsfrist sei ausgeschlossen gewesen, vermochte der Beklagte nicht genau zn beweisen. Dagegen erachtete der Ge- richtShof für sestgesiellt, daß Kläger, der in Lohn arbeitete, drei- mal ans Bequemlichkeit von d e in Haufen Steine abtrug, der aus- drücklich nur für die A k k o r d t r ä g e r bestimmt war. In diesem wiederholten Vergehen gegen die Anordnungen des Arbeit- gebers erblickte das Gericht eine beharrliche Weigerung, den aus dem Arbeitsverhältniß entspringenden Dienstverpflichtiingen nachzukommen, und wies den Kläger ab, da eine solche Weigerung nach K 128 der Gewerbe-Ordiiuiig zur sofortigen Entlassung be- rechligt. Als Steinmetz, Bildhauer, Verkäufer und Geschäfts- fiihrer war der Bildhauer H. in die Filiale der Grabmoiiiiinenteii- sabril der Frau Christiansen eingetreten, und zwar hatte er sich kontraktlich bis zum 1. Oktober 1897 für das Geschäft verpflichten lassen. In dem Verlrage waren auch die Alkordpreise festgelegt, gegen die er arbeiten sollte. Eines Tages gerieth er mit seiner Arbeitgeberin und deren Gatten wegen einer Arbeit in Streit, die im Vertrage nicht vorgesehen war. Nähere Abiiiachiingen betreffs solcher Arbeite» sollten nach dein Vertrage der freien Veiciiibaruiig vorbehalten bleiben. H. wollte nun die Arbelt nur gegen Tage- oder Stundenlohn machen, die Fra» Christiansen bestand aber darauf, daß er sie in Alkord übernehme. Auf die fortwährenden Fragen, was er für die'Arbeit haben wolle, erklärte H. schließlich, er halte sich lediglich an de» Verlrag und mache dann(wenn nicht in Loh») die Arbeit überhaupt nicht. Frau Christiaiisen entließ ihn darauf, was H. niil einer Klage beim Ge werbegericht auf Erfüllung deS Vertrages beaut- wortete.— Die Beklagte berief sich iu der mündlichen Verhandlung vor der Kammer III auch auf den erzählten Vorgang und der Gerichtshof, unter dem Vorsitz desAssessorSLohmeyer, folgte thatsächlich ihrem'Antrage, den Kläger schon wegen seines Benehmens an jenem Tage abzuweisen. Das tlrtheil erfuhr die originelle Begründung, daß Kläger selber den Vertrag gebrochen habe, da er sich g e- weigert hätte, dem Verlrage gemäß über eine in ihm nicht vor- gesehene Arbeit eine Vereinbarung einzugehen.— Mit Verlaub, ist nur das eine Vereinbarung zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber, wenn jener daS Verlangen des letzteren als maßgebend an- erkennt, in diesem Falle also das Verlangen, die fragliche'Arbeit in Akkord auszusühre»?! Gehört nicht zu einer„Vereinbarung" die gegenseitige llebereinftiiiiniiing? Hatte nicht darum der Arbeiter H. das vertragliche Recht, eine Arbeit ganz zurück- zuweisen, weil seinen» Verlangen, sie iu Lohn zu machen, nicht stattgegeben»vurde! Für einen Bahnban iu Norwegen waren die Arbeiter L. und M. von de», Ingenieur Schmidt«ngagirt worden, jedoch hatte man ihre Abreise»mmer wieder aufgeschoben und sie zu guterletzt i» Berlin gelassen. Sie klagte» demnächst auf Gewährung einer vierzehntägigen Lohneulschädigiing. Sie konnlen entgegen den Be- hauptuugcn des Beklagten nachweisen, daß sie sehr»vohl die Be- snhigung zn den ersorderlichen Arbeiten besaßen,»voraufhin die Kammer III des Gewerbegerichts Schmidt zur Entschäbiguiig ver» u r t h e i l t e._ GeTirhks-SVttttNg. Tie Familie Friedman»» wird deninächst»vieder einmal das Gericht beschäftigen. Als nach der Flucht Dr. Fritz Friedmann's seine eheverlassene Frau mit den Kindern subsisteiizlos»var,»vurde von Verivanble» und Freunde» ein kleines Kapital auf- gebracht, welches für die Erziehung der Kinder ver- ivandl»verden sollte. Die Geber verwahrten sich aber da- gegen, daß dieses Kapital der Frau Dr. Friedman» aus- gehändigt»vürde, da deren unsichere Existenz keinerlei Garantie dafür bot, daß das Kapital auch wirklich dem ins Auge gefaßten Zwecke zugeführt werde. Nu» hat Frau Dr. Frieduiaun einen ihrer Ver- wandle», dennnzirt, den Erziehnngsfoiidt der Kinder unierschlage» zu habe». Die Slaatsamvallschasl hat dieser Denunziation Folge gegeben und die Anklage ist bereits erhoben»vorden. Wege» Beleidigung des bekannten Vorsitzenden der nordöst- liehen Bmigewerks'Berussgeiioffeiischast, Baumeisters Fe lisch, und wegen Hausfriedensbruchs stand gestern der Maler B e ck e r, ein älterer Meister, der früher Beamter der Genossenschaft»var, vor dein Schöffengencht. Der Angeklagte halle sich bei Herrn Baumeister Felisch um die Uebertragnug von Malerarbeiten beworben und eiiie» Kostenanschlag dafür angefertigt. Als er die Arbeit nicht über- trage» erhielt, machte er eine Forderung von über 46 M. für den Kostenanschlag geltend, deren Bezahiiing Herr Felisch verweigerte. Zu persönlicher Rücksprache erschien der Angeklagte eines Tagcs in der Wohnung des F. Letzterer erhielt den Eindruck, als ob sich Becker in einer Nolhlage befände und wollte ihm 26 M. geben; dieser aber verlangte 36 M. und soll dabei nach der Lekniidung des Zeugen Felisch ein Manuskript halb aus der Tasche gezogen und gesagt haben:„Ich habe hier Material gegen die nordöstliche Baiigcwerks- Berufsgenosseiischaft, welches in einem Buche veröffentlicht werden soll und Ihnen iinbeqneii» werden könnte!" Herr Felisch faßte dies als eine Art Drohnng. jedenfalls aber als starke Beleidigung auf und forderte den Angellagte» ans, sein Hans sofort zu verlassen. Es kam darüber zu einer läriiieudeii Szene, die damit endete, daß der An- geklagte gewaltsam aus der Thür geschoben wurde. Dieser be- hanplet. daß die Aeußerung über Mißstände in der Berussgenosseuschaft in gar keineni Zusaiiimenhange mit der Forderung von 36 M. gestanden habe und den Zeugen persönlich gar nicht habe beleidigen kömien. Der Gerichtshof war auch der Meinung, daß in jener'Aeußerung eine Beleidigung der Person, des Baumeisters Felisch nicht zu er- blicken sei. dem Angeklaglen aber auch der Schutz des ß 133 zur Seile stehen würde. Er erkaiinle deshalb wegen der Beleidigung (für welche der Staatsanwalt 166 M. Geldstrafe beantragt hatte) auf Freisprechung und wegen des Haussriedeiisbrnches nur auf 5 M. Geldstrafe. Eine Warnnng für Mütter, die geneigt sind, kleine Kinder mit Hilfe des bekannten Giunmipfropsens zu beruhigen, enthielt eine Anklage wegen fahrlässiger Tödlung, die gestern vor der 1. Straf- kaminer gegen das Dienstmädchen Emma E. verhandelt wurde. Das Mädchen war anfangs September v. I. von der Restaurateursran Elsner zur Kinderpflege angeiiomme» worden. Frau E., die einem großen Geschäfte vorsteht, hatte auch ihren jüngsten Sohn der Aussicht des Mädchens überlassen müsse». In der Nacht zniii 20. September war das Kind unruhig und das Mädchen suchte es in der üblichen Weise zu beriihigen. indem es ihm den zur Milchflasche gehörigen Saugpfropsen, dessen unteres Ende mit einem Kork verschlossen worden war, in den Mund steckte. Nach einiger Zeit»vurde das Mädchen durch lautes Röcheln deS Kindes eriveckt; sie sah nach und bemerkte zu ihrem Schrecken, daß das Kind den Gummi- pfropfe» verschluckt hatte und dieser ihn» in der Kehle festsaß. Die Angeklagte machte zunächst selbst den Versuch, den Fremdkörper ans der Kehle zu entsernen; es glückte ihr ebenso ivenig,»vre der schleunigst herbeigehoite» entsetzten Mutter und als da»>»«in Arzt alannirt »vorden»var, kounte dieser nur den eiiigetreteue» Tod des Kindes feststellen. Die Anklage legte diese» betrübenden Unglücksfall den» Mädcken zur Last und erblickte die Fahrlässigkeit desselben darin, das sie dieses Beruhigungsmiltel»vährend ver Nacht angewandt habe, wo das Kind ohne fortgesetzte Aufsicht sich befand. Die Beiveisausnahme ergab aber, daß die bedauernSwerthe Mutter diese von so vielen Frauen mit Vorliebe geübte Anwendung des Gummi- sangers gekannt und gebilligt, ja wohl auch selbst geralhei» hatte, das Kind in dieser Weise zu beruhigen. Unter diesen Umstände» erkannte der Gerichtshof ans Freisprechung der Angeklagten. Die Frage« ob die vom Magistrat angestellten Markt- h a l l e n- A us s e h e r alS Exekutivbeamte anzusehen seien oder nicht, »vird von den verschiedeneu Gerichten ebenso verschieden beanlivorlet. Gelegentlich einer Markthallen-Uebertretung entschied kürzlich die neunte Straskamnier deö Laitdgerichls I, daß die Ausseher in keiner Beziehung zur Polizeibehörde ständen. Die Markhalle sei ei» öffentlicher Ort, wie ein Marktplatz und den Siand- Pächter» könne es ebenso wenig verboten»Verden, ihren Kaffee von einer außerhalb der Halle liegenden Wirth- schaft zu beziehen,»vie den» Lieferanie», das Getränk in die Halle zu bringen. Wenn der Angeklagte trotz des Verbots der Aufseher die Halle dennoch»vieder betreten habe, so könne darin nicht eine Nicht- defolgung einer polizeiliche»'Anordnung gefunden»verde». Auf gruiid dieser damals in den Blätlcru»viedergegebenei» Enlscheidung halle auch ein anderer Kaffeehäudler geglaubt, sich eine Ausweisui g aus der Halle nicht gefalle» lassen zu müssen. Er erhielt ei» Strafmandat in Höhe von 3 M.,»voraus er richlerliche Ent« scheidung beantragte. Die 145. Abtheilung des Schöfsengerichls urtheilte anders, wie früher die iieunie Strafkainiuer. Die neue Polizeiverordnung vom 14. März 1896 erkläre ausdrücklich, daß den'Aiiorduuiigeii der Markthallen- Zluseher ebenso unbedingt Folge zu leiste» sei,»vie denjenigen der Schutzleute. Der Angeklagle sei demzufolge zu verurth-ilen. das Strasmaß aber auf 1 M. herab- zusetzen. Au Episoden aus de»» Prozeß Heinze erinnerte die Verhandlung, mit der gestern eine nen««schivurgerichlslagung des Landgerichts I unter dem Vorsitz des Landgerichtsdirekiors Kälter begann. Aus der Untersuchungshaft wurde der sogeuaunte „Arbeiter" Otto Horn vorgeführt, ein Mensch,»velcher außer Diebslahls-Borstrafe» besonders solche aiifzuweisen hat, die auf gewaltthätige Handlungen zurückzlisühre» sind. Die Anklage gegen ihn lautete auf Kuppelei, versuchte Erpressung, schwer« Körperverletzung, schweren Diebstahl und Unter« s ch l a g u» g. Der Angeklagte ließ sich seit etwa ändert- halb Jahren von der»»»verehelichten Emma Lehmann ernähren. Er soll sie in der empörendsten Weise lyrannistrt und sie auf's nilmenschlichste genüßhaudelt haben,»venu sie ihn» nicht Geld genug gab. Am 1. Dezember v. I. konnte die Lehman» nur 2 M. an ihn abführen. De», Angeklagten»var dies nicht genug, er ergriff einen Besenstiel und schlug damit auf das unglückliche Wesen ei», bis es ohnmächtig zusammenbrach. Sodann soll er noch eine Kaffee« kanne auf dem Kopse der Lehimnm zertrümmert haben. Er raffle darauf eine Sinzahl Betlstück« und Kleider, welche der Lehmann gehörte», zusaminen und entfernte sich. Die Gemiphandelie mußte sich i» ärztliche Behandlung begeben, ihr Körper»var mit»ii« zähligen Beule» und blulunterlaufenen Stellen bedeckt. Der An- geklagte, der vom Rechtsanwalt Weber vertheidigt wurde, be- auptete, daß die Lehman» ihn aus Rache bezichtigte. Die Ver- aiidluug,»velche unler Ausschluß der Oeffeutlichkeit slatlfaud, endete mit der Verurtheilung des Angeklagte» zu anderthalb Jahre» Gefängniß, Ehrverlust und Polizeiaufsicht. Ter KirchhofS-Haudel mit Blume» und Kränze» unterliegt auch den Bestimmungen über die Sonntagsruhe im HandelSgewsrbe. So lautet ein in der„D. Jur.-Zlg."»nitgetheiltes Erkenntiiiß des Kaniinergcrichtk. Ein Angeklagter halte fortgesetzt des Sonn- tags auch in den für de» Handelsverkehr verbotenen Stuiiden des Nachmittags und des Abends aus einein Kirchhofe von den, von ihm gepachteten und gärinerisch bearbeilele» Terrain meist selbst gezüchtete, zum theil auch gelauste und gepflegte Pflanzen an Kirchhofsbesucher verlaust. Dies ist, so sagte das Kammergericht, ein verbotener Gewerbe- Betrieb iu einer offeiicn Verkaufsstelle Zwar fällt die Gärtnerei d. h. das Aufziehe» von Pflanzen aus Same» und Stecklingen und das Pflegen derselbe» durch Behandlung nach de» Regel» der Garten- kunst unter Benutzung von Licht. Wärme und Regen an sich nicht unter die Bestimmungen der gg 41a und 103b dcr Reichs-Geiverbe-Ordnung. Wenn aber der Gärtner mit den selbst gezogene» und überdies mit anderweitig aiigekausteu und gepflegten Pflanzen in der Weise Handel treibt, daß er die- selben von einer jedermann zugänglichen Verkaufsstelle an ander« verlaust, so sindel die Verbotsbestiinmung des tz 41» auf ihn An« »vendung. In Sachsen ist das Schuldenbezahlen verboten. Bekannt« lich ist in Sachsen das öffentliche Sainmeli» von Geldern verboten. bezw. an behördliche Genehmigung geknüpft. Diese? Verbot soll sich lediglich gegen uiisere Bewegung richten, denn»vir, vürde» sicherlich die Geuehiinglliig zum Sammeln von Streikgeldern jc. nicht bekommen. Richlsdestorveniger aber gebe» die sächsischen Arbeiter iinuier eine» schönen Beiveis ihres Solidaritätsgesübls. Bei jedem Streik sind große Geldsummen zusaimirengebrachl worden. Die Arbeiter wissen sich eben zu helfen. An- läßlich des Dresdener Manrerftreiks im vorigen Frühjahr., der beinahe ein ganzes Menschenalter Gefängnißftrafen kostete, hat der Maurer Eisold in einer Schanlwirthschasl Geld gesammelt und ist dabei„gekappt"»vorden. Er»vurde»»Her Anklage gestellt, aber von» Schöffengericht freigesprochen, weil er„achgeir-iesciiermaßeii nur unter Maurern gesammelt hatte, die sich vorher in einer Versammlung durch Annahme einer Siesolution verpflichtet hatten, wöchentlich einen bestimmten Betrag an das Streikkomitee abzn- führen. Das Schöffengericht erachtete in dieser Veipflichlmig die Ueberiiahme einer privatrechtlichen Verbindlichkeit, die Maurer treten nach Ansicht des Schöffengerichts in bezng auf das Streilloinitee in ein Verhäitniß wie der Schuldner zum Gläubiger. Der damalige 'Amtsrichter betonte, es»vürde zu weit führe»,»volle man die Ein- ziehung dieser Schulden als öffentliche Geldsauinilung betrachten und bestrafe». Auch da? Landgericht schloß sich dieser Ansicht an, nachdem die Staatsaiuvallschaft gegen das freisprechende Urtheil Bernsmig eingelegt hatte. Aber das reaktionäre sächsische Ober- Landesgericht hob infolge der slaatsanivaltschaftltche» Revision das sreispiechende Urtheil ans. Es erblickt i» dem Beginne» Eisold's ,i»r eine Umgehung des Gesetzes. Die Ueberiiahme einer privatrecht- lichen Verbindlichteit diirch Annahme einer diesbezüglichen Resolution in öffentlicher Versammlung sei jedenfalls«in Nonsens»ud nicht bindend.— Also das Schiildenbezahle», ist in Sachsen strafbarer Unfinn, auch nicht übel.— Das Landgericht vernrlheilt«»»»„»ehr den Frevler zu 13 Mark Geldstrafe.— Wegen Ver- gehe>i s gegen das sächsische„Juivel"»vurde Genosse ErHardt zu 30 Mark Geldstrafe verurtheilt,»veil er versucht hat. eine öffentliche Metallarbeiter-Versannulung einzuberufe», ir ozu er nur die Genehmigung des Pieschener Gemeiiidevorstandes, nickt aber die der A m t s h a n p t m a n n s ch a f t hatte.—Genosse W ü» s ch m a ,» n in Dresden ist»vegen Beleidigung des dortige» ans Sozialistenprozesse»» bekannten Kriminalinspeklor Bor» zu zivei Wochen Gefängniß vernrlheilt»vorden. Der Reserve« Offizier und Baukdircktor Hegel« aiiS Konstanz stand gestern»vege» der kolossalen Unterschlagungen, die er als Agent der Reichsbank begangen, vor dein dorligen Schwur- geeicht. Er»vnrde,»vie uns ei» P r i v a t t e l e g r a u» m aus Konstanz meldet,»vegen Aiuisunlerschlagung und Betruges zu sieben Jahren Zuchthaus und zehn Jahre» Ehr» verlust verurtheilt. ,v»r weitere Geschäftskreise ist ciile Entscheidmig von Jnlelesse, dl« der Strafsenat des K a n> in e r g e r i cd t s gefätit hat. »res Qiimb des§ 79 des Ztommnnal-Abgabengesetzes vom 14. Juli 1893 mar die Slaatsanivaltschafl �egen einen Hotelbesitzer Michel vorgegangen und hatte anch seine Vernrtheilnng durchgesetzt. Das Gericht hielt für erwiesen, dap M. für die Veranlagung zur Biersteuer falsche Angaben gemacht habe. Der genannte Gesetzesparagraph «stinunt: Wer in der Absicht der Steuerhinterziehung an zuständiger stelle auf die an ihn gerichteten Fragen oder bei der Begründung eines Einspruches unrichtige oder unvollständige Angaben macht, wird mit J«»» vier- bis zehnfachen Betrage der stattgehabten oder veabstckiliglen Verkürzung, mindestens aber mit einer Geldstrafe von 100 M. bestraft. Das ilammergericht erklärte indessen die Bor- eiltscheiduug für rechtsirrlhuinlich und sprach den Angellagteu frei. Die angewandte Bestimmung des ß 79 des Noniinnual.Abgabengesetzes sei hier garuicht anwendbar. Sie träfen nur direkte Steuern, nicht aber indirekte, wie die Biersteuer»ine sei. VerfnunttlunAen» . JPH* Deutsche Holzarbeiter- verband hielt am LS. Januar bei Keller, Koppenstr. L9, eine Generalversammliing ab. Zum ersten Punkt der TageSordnnng gab Miele folgenden Kassenbericht vom 4. Quartal 93: Einnahme für die Hauptkasse 15 604.33 M. Ausgabe......_. 13 863,09„ Bestand f. d. nächste Quartal 2 251,24 M. 14 502,83 M. 2 586,30. Einnahme für die Lokalkasse Ausgabe....... Bestand f. d. nächste Quartal 11 916,53 MI' Einnahme vom Stiftungsfest. 483.25 M. Ausgabe,„.. 330,25„ Auf eriheilt. Ileberschust 153,— M. Einnahme für die Uuterstützungskasse 220,08 M. Ausgabe.......... 175,-„ Bestand 45.03 M' Antrag der Revisoren wurde dein Kassirer Techarge Glocke unterbreitete hierauf de» Vorstandsbericht. Danach stnd im Laufe des Quartals zehn Prozesse angestrengt, und zwar einer ivegen Rentenanspruch, die andern wegen unrechtmäßiger Ein- behaliung von Löhnen und Legilimationspapieren. Nach dem Bericht de? Schriftführers habe» im vierten Quartal eine ordentliche und eine außerordentliche Generalversammlung stattgefnude», ferner zehn Vorstnndssitzungen, darunter eine mit der Kontrollkommission. Den Bericht der Werkstalt-Kontrollkommission erstattete G eppert. Die Kommission hielt im ganzen 60 Sitzungen mit 256 Werkstätten ab. in welchen 3077 Arbeiter beschäftigt sind. Erschiene» waren 1414, davon organisirt 1014. In mehrere» Fällen ist von de» eiugeladeuen Arbeitern niemand erschienen, theilweise haben sogar Mitglieder der Einladung keine Folge geleistet. Die Bezirksfuhrer klagten über schlechten Besuch der Bezirks- versammlunge» und forderte deshalb die Mitglieder auf, die Ber- saniinluiiacn besser als bisher zu besuchen. Miede mann be- richtete über den Arbeitsnachweis. Im letzten Quartal waren 304 Stellen vorhanden. Vom l. Januar biS 31. Dezember 1896 liefe» 2276 Adressen von 1884 Unter»ehn>ern ein, denen ein An- gebot von 8275 Arbeitslose» gegenüber stand. Die Bibliothek be- »utzte» 217 Mitglieder, die 264 Bände entliehen. Die hierauf vollzogenen Ersatzwahlen zur Ortsverivallung er- abc» folgendes Resultat: Glocke, erster Bevollmächtigler; ieke. erster Kassirer; Kreutz, erster Schriftsührer; ichter»nd Matzke, Beisitzer; Post. Revisor. Blocke ik forderte sodann die Mitglieder auf, das Vertrauensmänner� System, das sich im vergangenen Jahre so gut bewährt hat. auch in» lausenden Jahre eifrig zu fördern. Ferner empfiehlt er die Ab- Haltung von Branchen-Versaininlungen, um die verschiedenen Branche» für de» Verband zu interessiren. Vor alle» Dingen mögen die Mit glieder über das Berhalten derjenigen Meister berichten, welche versuchen, die Errnngenschasteu des Frühjahrs streitig zu machen. Redner weist ferner ans den Hamburger Hafenarbeiter-Strcik, den Streik der Schuhmacher Weißenfels und den der schlesischen Weber hin. Das Resultat der Abstimmung über die Beitragshöhe könne und dürfe die Mitglieder von der Organisation nicht zurückschrecken, zumal anch andere Gewerkschaften sich gezwungen sehen, ihre Bei träge zu erhöhen. Einzelne Branchenstrecks wären jedenfalls im Frühjahre zu erwarte», weil einige, so die Bautischler, fast keine Forderungen gestellt haben. Der Verein der Einsetzer hat sich auf gelöst und sind die Mitglieder in der Mehrzahl dem Verbände bei- getrete». Micke bemerkt auf eine Anfrage, daß die Zahlstelle Berlin ca. 5600»ahlende Mitglieder besitzt. Beschlossen wurde sodann, die Unterstützung von Streiks nach Lage der Kassenverhält- nisse der Ortsverwaltung zu überlassen. Ard,tt«r.Aitd»»>gi»schul«. Dienslag Abend von»— roz Uhr:»»dost Schule Waldeinarsir. U: Deutsch(Die deuische Literatur tu der zwette» Halste de» neunzehnten Jahrhundert«— Aufsahlehre.I Herr Heinrich Schulz.— Nordschule, Brunnensir. 28: Nationalötonouite(Uedersicht der verschiedenen Wirthlchasljf>use»-(i.»Wickelung der diiraerliche» theoretischen Nalio»al0lo»omte. Die Marx'sche Werth- und Mehrwerthlehre) Herr Dr. Konrad Schmidt. Die Schulräume sind zur Benuhung der Blbllothel und de« reichen Zeit- schrisUmiialerial« schon von 8 Uhr abend» an geöffnet. Pi» Zesrhall« der Arbeiter-Sitduiigafchlrle, Brunnenstr. 25, ist Wochen- tag« von 8—8 Uhr, Sonnlogs von 8—8 Uhr, unentgeltlich für jedermann geöffnet. Die GeschäslSftelle der Schule SO., Kaiser Franz-iSrenadier-Plah 7, vi« den Vereinovorständen zur BermNtelliNg von Borträgen wtssenschastlichen Eharafter« zur Bersügung steht, ist vormittag« von Iv-i Uhr geöffnet. Arbeiter K«,>o«rt»„,d Berlin«»nd Nmgenend. Borst..............__________ Pasewallerstr.». Alle Aenderungeu t», Berelnilaleuder sind zu richten an friedl ich rtum, Manteuffelstr.«e, v. 2 Dr. K»»d der geseUigen Arb-it-ruerei»« verli»» und himgege»». Züsch risie», den Bund betreffend, stnd zu richten on-~ en im en«r- Arbriter-Kö»a-rb»„d Berlin«»nd Nmgenend.«orstiiender Ad. Neumann, seniaNerstr.». Alle Aenderunge» i», st'.....'"'-- K o r I u ui, Manteuffelstr. 49, o.» Dr. d hlmgegexd. Alle �.......WW....__________ J_._«nt, S. Dresdener� strahe so, 2. Hos. Arbeiter- V»»ch«>l>»ud Kerli»««nd hlmgegend.«enverunge! verelnskaienber stnd zu richte» an Hermann Braunschwetg, Dre»dl straste 107/». Verutifchtes vonr Gage. — Am letzten Januar waren in Berlin um den Abgeordneten v. Schenckendorff eine Slnzahl Herren versammelt, um ei» deutsches N a t i o n a l f e st zu begründen. Das wird den Herren nur dann gelingen, wen» sie das Fest auf den Tag verlege», de» das wirkliche deutsche Boll schon seit einigen Jahren feiert,— den 1. Mal. Ansonsten magS wohl verschiedene„Kater", aber kein Nationalfest geben.— — Aus etgenth ümziche Weise ums Leben ge- kommen ist in Bamberg eine alleinstehende 75jährige Tage» lShnerswiitwe.'Sie fiel in der Nacht mit dem Oberbett auf den Stnbenboden, das Bett zerplatzte, die Frau gerieth mit Kopf und Oberkörper in den Schlitz und erstickte infolge Einathmens von Federn.— — Einen merkwürdigen Schnurrbart hat ein Mit- arbciter des„Regensburger Marienkalender für 1897" gesehen. Er sagt von ihm:„Seilt kleiner, blonder Schnurrbarl kräuselte sich keck in die Höhe, er strotzte von Kraft und Gesundheit, entsprossen dem herrlichen Boden, den seine Väter schon seit Jahrh hatten."— — In Z a i s e n h a u s e n(Baden) ist der 14jährige Sohn einer armen Wiltive beim Spatzenschießen von einem 12 jährigen Knaben aus Unvorsichtigkeit erschossen worden.— — Auf offener Straße erschossen hat.sich in Wien ein Buchhändler. Grnnd: Schlechter Geschäftsgang.— : Jahrhunderten bewohnt — Bei einer Spazierfahrt in der Nahe der Station den heim(Elsaß) wurde ein Ehepaar aus Solothurn vom Schnellzuge überfahren und schwer verletzt.— — Versittlich ung des Theaters. In Paris hat sich aus Redakteuren monarchischer und katholischer Blätter ein Ausschuß gebildet, welcher die Bildung christlicher Theater beabsichtigt.— Warum nicht gleich dem Teufel den Weihbrunnkessel umhängen?— — Eine bemerkenswcrlhe Wettfahrt von Motoren- wagen und Motorcycles hat zivischen Marseille und Monte Carlo stattgefunden. Die Abfahrt erfolgte Freitag früh um 7 Uhr in Marseille; die ersten Wagen sind am 31. Januar in Monte Carlo eingetroffen. Der erste Wagen war ein Dampfmotorwagen. Der letzte Theil des Weges, welcher aus abfallendem Gelände läuft, wurde mit einer Geschwindigkeit von 34 Kilometern die Stunde zurückgelegt.— — Bei einem im Waisenhaus zu Saransk(Rußland) auSgebrochenen Feiler, welches durch Fahrlässigkeit des Aujflchs« Personals entstand, kamen S Kinder um? Leben. — Ei» Zollbeamter in B a t u m war wegen Bigamie an» geklagt. In der Gerichtsverhandlung theilt« der Mann mit, daß er noch eine dritte Frau befitze.— — In S a n t o s(Brasilien) ist, wie der„Köln. Zeitung" ge- schrieben wird, Ende Dezember dicht an der Hafeneinfahrt ein vulkanischer Ausbruch vorgekommen. Die Erde öffnete sich in einem Umkreise von vier Meiern, und eine Feuersäule schoß heraus, die in der Nacht in einer Entfernung bis zu zehn Kilometer» gesehe» wurde. Gleichzeitig fand eine heftige Erderschütterung statt. Die Feuersänle, die Steine und Lava auswarf, hatte eine Höhe von 20-30 Metern, einen Durchmesser von 5 Metern und verbreitete eine ungeheuere Hitze.—_ Briefkasten der Redakkion. Armuth. Sprechen Sie gelegentlich auf der Redaktion vor. Gries. Wir sind nicht bemfen, den Namen im Briefkasten zu nennen. Kommen Sie ev. zu uns. Iwan. Aerzte empfehlen wir nicht im Briefkasten. W. W. 103. Eine deutsche Meile ist 7532 Meter lang, eine englische Meile zählt 1609 Meter, eine Seemeile 1855 Meter. A. A. 101. Magdeburg ist noch Festung. icht liom 1. Februar I8V7. Wctter-Proanose für Dienstag, de» S. j Ziemlich trübe mit Schneesällen. mäßigen sü steigender Temperatur.---- Februar IBO?. _____________..... südlichen Winden und Berliner Wetterb urea». Für den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegeuüber keinerlei _ Uerantwortnn� djcafcc. Dienstag, S. Februar. Opernhaus. Undine. Schauspielhaus. Wallenstein's Lager. Die Piccoloiniiii. Schiller. Ein Volksfeind. Deutsches. John Gabriel Borkma». Berliner. Die Jungfrau von Orleans. Lesstng. L'ige difficile. Mono- loencs. Westen. Der Militärstaat. Neues. Marcelle. Resident. Die Frauenjäger. Hilter den Linde». Flotte Bursche. Rund um Wien. Zentral. Eine wilde Sache. Friedrich.WilhrlmstädttfcheS.Dorf und Stadt. Thalia. Frau Lieutenant. Nlexanderplah. Eine pilante Ehe. Vstend. Der Walzerlöliig. Parodie. Gcnovesa. Volk«. Geschloffen. Paffage.Panoptiknm. Traumbilder. Spezialititte». Apollo. Spezialitäten. Sckillvv�Tlzeakev Dienstag, abends 8 Uhr: Ein Volk»- feind. Mittwoch, abends 8 Uhr: Der Schier- ling.- Die Komödie der Irrungen._ Central Theater. Alte Jakobstr. 30. Dir. Rich. Schultz. Dienstag, de« 2, Februar er.: Knifl Tltonia» n.<«. Zum 124. Male, drittletzte Aufführung: Eine wilde Sache. Ansang Vj8 Uhr. Morgen: tu«««-lld«; Sache. orbereitung: Et» fideler Dag. Polks- Theater »4 Reichenbergerstr. St. PferdebahnstationKottbuserThor. Dienstag: Wegen Vorbereitung zu„Bon Stufe zu Stufe' geschloffen. Mittwoch, den 3. Februar. abends 8 Uhr: Zum ersten Male in glänzender Ausstattung: Von Stufe zu Stufe. Lebensbild mit Gesang von Dr. Hugo Müller. Musik von R. Bial. die neuen Kauplet« und Gesangsnuiuurern v. R. Brodeck, komponirt von R. Thiele. Regie: August Reiff. Preis« der Plätze: Prosc.- Loge 3 M. Parquetlog« 2 M., Parq.-Faut., Mittelraiig-Faut. und I. Rang-Fauteuil 1,50 M., Mittelrang und 1. Rang 1 M. Tribüne 75 Pf. Entree 50 Pf. Belle-Aliiaute-Thtater Volks-Vorstellnng unter Regie von Jallan Türk. Sonntag, den 7. Februar, nachmittags 3 Uhr: Zun» ersten Male: Das Käthlheil oou Heilbrouu. Von Heinrich von Kleist. Käthcheil: Wtlhclina Wagner. Wetter v. Strahl: Heinrich Frey. Rheingraf v. Stein: Rich. Järgas, Theobald: Wilh. Rnff. Eintrittskarten ä 60 Pf. sind in den bekannten Zahlstellen zu Haien. Thalia-Theater. (vormals Adolph Ernst-Theater). „Frau Lieutenant." Vandeville in drei Akten van Paul Ferner und Antony Mars. Deutsch von Hermann Hirfchel. Musik von G. Scrpette und V. Roger. Morgen und folgende Tage:„Frau Lieutenant." Sonntag, nachm. 3 Uhr: Drilbtz. Ostend- Theater. Gr. Frankfurterstr.13S. Dir. E. Weift. Heute und folgende Tage: �Val-eerhün I Gesangs- Posse in vier Akten von Mannstädt. Musik von G. Stessens. Anfang» Uhr.W Kriedrich Mlhelmst. Theater. Abends 8 Uhr: Dorf und Stadt. Schauspiel in 5 Akten von Charlotte Birch-Pfciffer. Mittwoch: I. Gastspiel von Frida LantnS vom„Deutschen Volkstheatcr" in Wien und Viktor Kntschera vom „Hofburgtheater" in Wien:„M a n- f r e d". Trauerspiel in 5 Akten von Moritz von Gutmann zum ersten Male. Billcls sind ohne Borbestellgebühr schon 3 Tage vorher an der Theater- lasse zu haben; austerdem im In- validcndank, Unter den Linden 24, bei Paul Noincick, Leipzigerstrahe 6. und Julius Lengeitfeld, Markgrafenstr. 50. Altraildtrplah-Tsitater. Abends 8 Uhr: Eine Pikante Ehe. Berliner Posse mit Gesang in 4 Alten von Eugen Prildens.— Morgen und die folgenden Tage: Eine pikante Ehe. Billet», ohne Vorbestellgebühr, sind schon 3 Tage vorher an der Theaterlaffe zu haben. Vormittag VtH—'/tf Uhr. Abends von>/,? Uhr an._ AI o a z a r Variete und SpezialitUten- Thouter 1. Kangea. Dresdcnerftr. 53/53(City-Paffage) A»»e»str. 42/43. Sensationelles, neues Programm. Unter anderem: Di« unerreichten. groftartige» mf Kunstschsitzen Brothers Clewera. Kohln A Berat. Barnam A Beilay. ZM- Graftes Konzert"Wß eines pollbef. Orchesters unt. perf. Lett. de» Kapellmeisters Martin Stein. Freikarten haben Ailttgkeit. Anfang: SSU- S W «ntree 30 Pf. Di« Direktion. Ilnanla Tauben- Strasse uraoia, x«. 48-4«. Naturkundliche Ausstellung täglich geöffnet von 10 Uhr vorm. ab. Eintritt 50 Pf. Wissen schaftl. Theater abends 8 Uhr. AmimMÄiSS Hof. Täglich von?>/- Uhr abendS ab 50 Pf. Im Theater- Saale täglich 8 Uhr abends Borträge, mit Experi- nienten u. gr. Lichtbildern ausgestattet. Näheres die Tagesauschläge. Passaoe- Paoopticum. Vom 23. d. M. ab: AM- Tlskater und Zirkus. Borstellungen um 5 und 7 Uhr. � Castan's Panopticnm. is Pygmäen die rteinsten Menschen der Welt! Damen-Wettschwimmen. Mssesloiisgin- Almtelwg kiopolson I. in linstlttock 1812 �Ites Keielistaxs-Kedüllile 4 4.e1p-Ig;erstr. 4. I Oeöffa. V. 11 Torm.b.OUhr ab.| Entree 60 Pf. Apollo-Theater. Auftreten der bcrühmt.s panischen Tänzerin OaU>iv»Savitap sowie deü engl. Schönheits-Quintetts fgiTde 5 lorrison,� genannt: Das Empire-Quintett. Kinelogranli»7»« SV Biloer-Serie._ 0«" Ferner: IL Sebut»."WU Kaffeneröffumig«V, Uhr. Ans. 7l/zUhr. tainpe-kaakiilel Parodie-Theater Orauienftr. 53. Jeden Abend 8 Uhr die Novität: «enovefa, Psalzgräsin am Rhein. oder: Ein schwer geprüftes Kranen- herz. Grobes Ritterdrama in 5 Akten. Cipcus Renz Karlstrasse. (Jubiläums- Saison 1896 97.) Dienstag, den S. Februar 1897, Abends 7r/z Uhr: ISÄM' A.nfführung der Novltätl Durchschlagender Erfolg! Aus der Mappe eines Rieseugedirgs-Phautasten. Eine romantisch- phantastische Haadluug. Bon Direktor Eranz Renz und dem grohherzoqltch hessi- fche» Sosballettneister A»tr. Siems. Komische Szenen l Gebirgsepi. soden! Hochinteressant. Schlitten- Korso auf die steilen Anhöhe«! Stauncnerregenvc Auffahrt eines dahinjageuden. Vlererauaes, der mit Blitzesschnelle den»ber vierzig Fnft hohen Berg erreicht. (Erregt ledcsmal die gröbteSen- s a t i o n!) Höchster Triumph der heutige» Eircuskunstl Naturgetreue Hörnerschltttenfahrt im Riesen- gcbirge Im Reiche de« Geister- fursteu. Zauberisches Ballet. Mittwoch, den 3. Februar l8S?, AbendS 7:/» Uhr: A»S der Mappe eines Riefenaedircks ��a�astwn Feen-Palast, Direktion Wiuhler A Erübel. _ Das nenc Sensations- IW" Februar-"WS Riesen-Programm. 30 Kunst- Spczlallthten. Nur noch einige Tage: Zirkus Sarrasani."MG Am 4. Februar: Zum 1. Male: Eine teile STacht. Hauptrollen: Rich. Winkler und Wilhelm y r ä b e l. Ansang Uhr, Sonntags 6 Uhr. Enttee 30 Pf. Reservlrt 50 Pf. 8ejiippavov8llx'z Deutsche Konzerthallen 8panaa»cr Brücke 3. Ken! Kcu! Ken! Ulm MhlingsglanM Populürc Konzerte: Im Fliederhaiu. In der R o s e n l a» b e, Im Obstgarten. In der Hopfen taub«, Im Weinberge. Entrüe frei! Enti-ec fi-ei! Theater-Abthellung: Auftteten von Humoristen, Komikern Hllllömirthö Tölliterleiu. Posse. �iusaehanh 4er Berliner Bock-Brauerei. K. Va v. Meper u. Brockhau« 4 P T I n II und andere Bücher jeder ÄVAsllW Wissenschast taustu.be- setb» Antiguariat«ochstr. 59. l, Uei'Iinei' i'osskli-IIiezlei' ffliinzstrasse 17. (Eingang Lünigsgraben.) Direktton: Joseph Aschiuger und Leonhardy HaSkel. Der Glücklichmacher. Der Lumeilball. Anfang der Vorstellung 7 Uhr. Kaffenerössnung 5 Uhr. Entree 50 Pfennige. Welt- Restaurant YariütH- nmlSpozlalltüton- Theater. Dresdener, traft« 97. Im vorderen Saal täglich bei freiem Enttee: Ciroases Künstler-Konzert Im großen Theatersaal: Berliner Tportmädels. Ausstattungs- Burleöke mit Gesang Anfang i I Entree: Wochent. T/i Uhr. Wochentags 20 Pf. Sonntags 6 Uhr.| Sonntags 30 Pf. Böbmisches Brauhaus liandsberger Allee. Heute, sowie jeden Dienstag: Steftiner Sänger (Mehsel. Pietro. Britton, Steidl, Krone, Röhl und Schräder). Uuke'S Scheliueuitreillje. Enfeiilble voil M e y f e l. Anfang präz. 8 Uhr. Enttee 50Pf. Vowerkauf 40 Pf.(stehe Plakate). Mittwoch: Moabiter Stabttheater. LonlZlZl'liis Vässislö-Iltestsi' Brunnenstr. 154. Täglich:«rosse Thenter- und Spozlalitilten-'Vorstellanc. DaS beste Programm d. Nordens. U. a. Gefchw. Earrä, brillante Doppel-Jongleure. Mira Vorrmann, die fesche Soubr. Otto Buddel, gefällt nach wie vor. Neu einstudtrt: Bomben und Granaten, Posse. _ 7'/, Uhr. oniltags 6 Uhr. Umtausch- Billets haben Giltigkett. ne von 3 M. an, Achtung-! che Zähl Theilz. wächeml. 1 M., wird abgeholt. Kunstliö Zahnziehe», Zahnretnigm, Nervtübten bei Bestellung umsonst. lluclel, ii-ecuZ Bahnhof Bürse. Dienstag, den 3. Februar, Abends 7V2 NHr: 8r.gujerMtutl.BorKtlluug Das Tagesgespräch von Berlin: Nach Sibirien. Feenhafte Ausstattung. Noch in keinem ander» Eircus gewagte equeftr. Effekte._ jjsy Original-Ideen.--Wg Ferner: Htppolog. Potpourri von 14 Fuchshengsten,»reff. u. voraef. v. Dir. Busch. Zanzibar. rnss. Hengst ger. von Herrn Salamvnski. Austr. der hervorragendsten ReitKnstlerinnen und ReitMnstler. Pierrots-Aben- teuer. Auftt. deS Gigerl-Klown Mr. Alf. Daniels. Spezialitäten ersten Ranges. Morgen: Nach Sibirien. Kanftnaim's Vartttö Kcucs Programm!!! Der kleinste Eircus der Welt. Neu! Wasser-Pantomime D Entfübrg.a. d. Drachenichlucht. Mr. Pattz- Antipode, liorch-Trupp«, Rose nnd Jules, B lack and White, Oeschw. Emiion, Geschiv. Oorelly, Edi Blum und 25 Elite-Nummern. RichardBabieis Restaurant C., Rosenthalerstrassc 57. Brreinszimmer für 50 u. 100 Personen sind für Montag, Mittwoch und _ Donnerstag frei.[972a* Reinhold Streit Naunyn- Strasse 86 empfiehlt Freunden u. Bekannten sein Weiss- u. Bnirischbicr* Lokal. Vereinsstmmer bis 50 Personen fassend, noch mehrere Tage frei._ F zur Auswahl TütrUch:»♦y/" � W a r m•• � d tt rtthstück�Tlf � itv 0 \W\Qyr Kcht .�Tlttnchsner A�/Bürgorbräu 'l> rfv'nlsener, hiesigst r Ui dunkl. Lagerbier 4- Welssbier.• Berndt's VQrstelstube STo. 7 Molkonmarkt Bio. 7 ®mp(. mein Beretnsztmmer in. Piano D AMttNg! Sonaldemokratlscher Wahlverein im L Berliner Reichstagg-Wahlkreis(Offen). Dienstag, den L. Ucbrnar, abends 8 Uhr, !i» Äv« Herrn STlcft, Weberstrasse\'o. 17; Vevsstmmlnng. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen ReichstagS-Abgeordnetcn Hens über: „Arbeit, Bildung und Besitz". 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Ilm zahlreiches Erscheinen wird gebeten. Gäste haben Zutritt. Neue Mitglieder werden aufgenommen. 242/12 Der Vorstand. Zentralverein der Bildhauer. Dienstag, den S. Februar, abends 8Vz Uhr, Annenstr. 16; IM" NevsÄnttttlung. Tages-Ordnung: Vortrag deS Kollegen Hnpont: Soziale Zeitungsreklame(„Kleines Journal" und„Berliner Lokal- Anzeiger").— Beschlubfassung über ein Sommer- und Herbstfest. 21/1 Der Aorstand. Deutscher Holzarbeiter-Verband. Verwaltanj�sstclle Berlin. Mittwoch, beu 3. Februar, abends 8 Uhr: Nrtm«tnsmlin«er-UelsiiMllmgtn. Zjid-Ofteil: im Lokale des Herr» Ilantenbers, Oranienstrafte Rr. 180. Hierzu sind die Kollegen der Werkstatt von Klingner, Manteufselstr. 10 und Krause, Marienstr. 18, eingeladen. Gke«: im Lokale des Herrn Heise, Lichtenbergerstraste 81. Weddina und Gesundbrunnen: im Lokale deS Herrn Baabe(Ktolberger Salon), Kolbergcrstr. 23. Die Mitglieder der Werkstatt- Kontrollkommission versammeln sich um 7 Uhr vorn im Lokal. Die in Fabriken beschäftigten Kollege» werden be- soudcrS ersucht, Vertrauensmänner zu entsenden. Die Adresse des Obmanns ist W. Abraham, Plantagenstr. 42. Schsnhanser und Bosenthaler Vorstadt: im Lokale des Herrn Hörsebel, Schönhauser Allee Nr. 28. Westen und Südwesten: im Lokale des Herr» iKabeil, Lindenstrastc 106. Moabit: l,n Lokale Thurmstraste 84. Branchen- Bersammlnng der Drechsler im Louisenstädtischen Klubhaus, Aunenstrahe 10. Tagesordnung: 1. Wie können wir in diesem Jahre unsere Lage verbessern? Nefercnt: Kollege Kunze. 2. Diskussion. 3. lluscre Branchen- Verhältnisse.— Besonders eingeladen sind die Kollegen folgender Werkstätten: Mehnert, Schulzendorferstr. 8; Wolf, Fehrbellinerstr. 14; Wagemann, Joachimstr. IIa, sowie sämmtliche Baudrechsler Berlins und Umgegend. Der wichtigen Tagesordnung halber ist das Erscheinen aller Kollegen nothwendig. Nertranensmänner-Mung der Bürstenmacher am 0. Februar, abends 8'/, Uhr, im Lokale des Herr» Hreuss, Neue Friedrichstr. 20. Sämmtliche Werkstellen müssen vertreten sein. Die Kollegen der Werk- stelle von Kühn, Chausseestr. 0 und En gier u. Sohn, Behrenstr. 36, sind zu dieser Sitzung besonders eingeladen._§1/6 Achtung! Gürtler. Achtung! Mittwoch, de» 3. Februar, abends pünktlich 8 Uhr: Weckstätten-Vertrauensmäuner-Versammlung im Lokale des Herr» Hetamer, Oranienstraste 184. Die Kollegen werden ersucht, Vertrauensmänner zu dieser Versammlung zu entsenden. 118/ll_ Der Bertrauensman». Bnliuii allkr im HliildclS- miS Treiitzort-SlmrrU biWstistlii Hilstirbeistr. Hlttwoeb, den 3. rcbruni% abends S'A Ubr, liu Lokale der Annintaallen, Koniiuandantcnstr. 20: GvoHe Vevsetttnnlung. Tages-Ordnung: 1. Mitthcilungen. 2. Die Nothwendigkeit der gewerkschaftlichen Or- ganisatton. Referent Regierungöbaumeister a. D. Hessler. 3. DiS- tussio». 4. Verschiedenes. 63/8 AM- Wir ersuchen die Kollegen, in dieser Versammlung recht zahlreich zu erscheinen._ Sonnabend str. 20: Vorlüttfige Anzeine! ________, 27. Februar, bei Keller, Köppern Gvokev AMetslrenUÄll M a WT.. 4- cm MM c Der Vorstand. Silberne Medaille. Königsberg i. Pr. 1887. Äctien- Brauerei Goldene Medaille. iHH Berlin 1891. Medriebsbain. Silberne Medaille Kiel 1894. Hierdurch theilen wir unserer geehrten Kundschaft und dem verehrlichen Publikum ergebenst mtt, daß wir von jetzt ab das Goldene Medaille Lübeck 1895, ausschliesslich unter der neuen Direktion gebraute ss. Bier(in Lager-, Pilsener- und Münchener- Qualität) zum Ausschank bringen. Wir halten uns überzeugt, daß die vorzügliche Qualität, die Reinheit und der Wohlgeschmack unserer Biere allgcmetncn Anklang finden wird und bitten um geneigte Zusendung von Bestellungen auf unsere Biere, sowohl in Gebinde» als auch in Flaschen. Berlin, den 1. Februar 1897. Hochachtungsvoll Die Direktion: Schuh-Marlc. H. Soldan. Telephon Vit 5843. H. Stern. Belle-Alliaiiee-Theater. Die Volks-Vorstcllnngcn unter Regie von dullus Türk werden von nun an unter Theater annoncirt. 229/20 Sonntag, den 7. Februar: Das Käthchen von Heilbronn._ ■>/'% Berliner Bock-Brauerei Actlcn-Gesellschaft, BERLIN SW., Tempelhofep Berg. 59= Bockbier-Saison 1897. Eröffnung: Sonnabend, den 80. Januar 1897. Wir offeriren unser weltberühmtes Original-Bockbier in Korkflaschen mit Kapseln 20 Flaschen für 3 M."WS Flaschen leihweise ohne Pfand. (Nur echt mit zwei in die Flaschen eingeblasenen Böcken!) v InG-ebinden: X 1L To. 2,50, i To. 4,50,'>4 To. 9,-M. Gefl. Bestellungen werden durch Karte/ oder Telephon Amt VI 3019 erbeten./ 6� Restaurant Friedenshallen, Friedenstr. 07 10278*] vis-ä-vis dem Petrl-Kirchhof. Empfehle mein Weift- und Bnirisch-Bierlokal, grobe Winter- Kegelbahn(noch einige Tage frei), Vereinszimmer, Billard. An- enehmer Familienaufenthalt. Aosef Wicdcniann. Der Ansstoft unseres diesjährigen Bock- Bieres beginnt Sounaheud. de» 6. Febrnar. mw- Brauerei Pichelsdorf. 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