>. 114, Dienstag, den 80. Mai 1890. 7. Iaisrg. Hrgan für die Interessen der Arbeiter. -... Das..Berliner Volksblatt" i/ täglich Morgens nutzer nach Sonn- und Festtagen. Slbonnenrentspreis für Berlin frei . �us vierteljährlich 3,30 Mark, monatlich 1, 10 Mark, wöchentlich 28 Pf. Einzelne Nummer 5 Pf. r nnttag.TO,»»««".<»;. n»„. ,A Postabonnement 3�0 Mark pro Ouartal. 1890 unter Nr. 892, V. Nachtrag.) für Deutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Mark, für das übrige Ausland 3 Mark pro Monat. «v i u 1 1/ invHutiiu) A/X\ WS-Nummer mit dem„Sonntags-Blatt" 10 Pf. (Eingetragen in der PostzeitungSpreisliste für IS - t' Krenzbaud, täglich durch die Expedition, für Insertion sgebühr beträgt für die S gespaltene Pelitzeile oder deren Raum 40 Pf., für Vereins- nnd VersammlungS- Anzeigen 20 Pf. Inserate werden bis 4 Uhr Nachmittags in der Expedition, Berlin SW., Bentbstraste 3, sowie von allen Annoucen-Bureaur, ohne Erhöhung des Preises, angcnomme». Die Expedition ist au Wochentagen bis 1 Uhr Mittags nnd von 3—7 Uhr Nachmittags, an Sonn- und Festtagen bis 10 Uhr Vormittags geöffnet. -« Lernfprrchrr: Amt VI. Ur. 4106.,- / dem Vevilhk vev '"ZMeizerilÄzetr ._ Seemen haben die schweizerischen Fabrikinspektoren � Bericht pro 1888/89 herausgegeben. Er bestätigt � Neue, wie lax das Fabrikgesetz von den Behörden Mtdhabt wird, in wie frivoler Weise von den Unter- Ueberzeitbemilligungen verlangt und behördlicher- . 8 leichtfertig ertheilt werden. ..Unter dem Fabrikgesetz standen Ende 1889 im Ganzen Fabriken mit einer Arbeiterzahi von rund 160 000. �Etablissements vertheilen sich auf die drei Jnspektions- 1. Kreis 1684, 2. Kreis 736, 3. Kreis 1629. In � Berichtsperiode wurden allein in den beiden ersten '5en 2108 Ueberzeitbemilligungen ertheilt und zwar ''Weichlich in der Textilindustrie und in der Metall- Leitung. Wie wenig gewissenhaft diese Bewilligungen Klt werden, bezeugt folgende Ausführung Dr. Schuler's: " regelmäßiges unbewilligtes Arbeiten über die gesetz- Arbeitszeit fand ich am häufigsten in Sägereien, em dieselben kontinuirlichen Betrieb bewilligt erhalten. Welcher Weise oft die Gesuche um Ueberzeit begründet geht aus dem Folgenden hervor: Ein Petent *t, sich mit der Bewilligung der Ueberzeit von Er- Meilen nicht begnügen zu können; ein Anderer holt sie sein Saisongeschäft ein, wo er fast gar nichts zu thun '.tim einem Konkurrenten eine plötzlich auszuführende \i Bestellung rasch vorweg nehmen zu können. die Gründe, welche die bewilligenden Behörden an- ü sind oft geradezu unbegreiflich. So erhält ein Zeitgeber Jahr für Jahr eine Woche lang Ueberzeit, �inen Bergnügungstag der Arbeiter einzubringen. Ein foii bringt so die Zeit ein, in welcher er für die Er- to,''S des Inventars Ferien machte; ein Dritter arbeitet j(; seiner ganzen Spinnerei eine Woche lang lieber- Nederkkion: BeukMrsrße S.— Expedition: VenkhÜroÜe 3. ganzen Spinnerei weil er eine neue Banque& broches aufzustellen . Diese Mißachtung des Fabrikgesetzes seitens der Be- erklärt sich sehr natürlich ans dem einfachen Um- : j6/ daß die Negierungsräthe die Repräsentanten und ."(Walter der besitzenden Klassen find, wobei es ti;%ltig ist, ob der Regierungsräth ein Liberaler oder �Demokrat ist. Die Fabritgesetz-Ueberwachungskom- . hwn der Arbeiterschaft in Winterthür hat nn Vorjahr jv � einen längeren Bei'icht, der als Broschüre im ganze« v'"e verbreitet wurde, das Per fahren der Regierung bei �Kitbewilligungen ebenfalls kritisch beleuchtet und da- -— JemntJ»"-, iZnnl Glück der Damen." Roman von Emile Zola. �"torisirte Uebersetzung von Armin Schwarz. erzählte weiter, daß er in Vincenncs ein Restaurant wolle; das sei ein alter Plan von ihm, denn c» seil,.!! s'ch innner Lente, die essen nnd trinken wollen. W, s Gesichte spiegelte sich deutlich die Freude daruln, liieren befürchtet hatte.,. ist's mit Ihrem Leiden? fragte Frau Robmeai � Wie, mein Leiden? murmelte er erstaunt. � Ach ja, Ihr Rheumatismus, der Sie so viel plagte. Er erinnerte sich jetzt und crröthete leicht. mmm mit allgemeines Aufsehen erregt. Doch die Züricher Re- giernng vertheidigte sich im Kantonsrathe damit, daß sie zahlenmäßig nachwies, daß es in anderen Kantonen eben- so gemacht wird. Und damit waren die demokratischen „arbeiterfreundlichen" und auchsozialistischen Kantonsräthe ebenso zufriedengestellt wie die liberalen Anhänger der Re- gierung. Gegen dieses gesetzverhöhnende Gebahren können die Arbeiter sich nur folgreich wehren, wenn sie Energie und Entschlossenheit genug besitzen, die zu- gemuthete Ueberzeitarbeit einfach dadurch abzulehnen, daß sie nach Beendigung der normalen Arbeitszeit die Fabrik verlassen und den Fabrikanten mit der Ueberzeitbewilligung in der Tasche und mit einem dummen Gesichte allein zurück lassen. Es ist das schon vielfach, namentlich von den Metallarbeitern gemacht worden. Das Kapitel von den U n f ä l l e n weist deren 14 905 auf, wovon 144 mit tödtlichem Ausgang und 40 mit gänzlicher Invalidität. Im Jahre 1888 wurden für 150 335 durch Unfall verursachte Krankheitstage 875 925 Franks nnd 1889 731 539 Frks. ausbezahlt. Interessant sind die Mittheilungen über d i e U r s a ch e n d e r Unfälle und die davon betroffenen Arbeiterkategorien. S ereigneten sich infolge Ueberau st r engung d e r A b e i t e r 634 Unfälle. In der Baumwollspinnerei trafen 34,7 pCt. der Unfälle Leute unter 13 Jahren, in der Baumwolldruckerei 14,8 pCt. u. f. w. Die Zahl der Fabriknnsälle hat eine bedeutende Steigerung erfahren, wovon am meisten die Arbeiter der Metall- und Maschinenindustrie betroffen wurden. Schlimm steht es auch in den mechanisch eingerichteten Schreiner- resp. Holzbearbeitungswerkstätten. Die Kreisbandsägen haben im ersten Jnspektions- kreise allein 151 Unfälle herbeigeführt, die Zirkulärsäge 76. Nach den Tabellen verunglückt jeder 56. Holzarbeiter an denselben. Und trotzdem werden, wie der amtliche Bericht klagt, bald gar keine Schutzvorrichtungen mehr angebracht, vorhandene sogar beseitigt oder gar nicht benutzt nnd neue werden so schlecht und unbrauchbar als möglich erstellt. Zahlreiche Verletzungen, namentlich der Augen, hat in Webereien das Ausspringen des Schiffchens verursacht. Hier sollten unbedingt Schutzvorrichtungen geschaffen werden. Nicht uninteressant ist eine weitere Bemerkung von Dr. Schüler in Bezug auf die B u ch d r u ck e r e i e n. Er sagt hierüber:„Auffallend ist, wie aus Buchdrucke- reien und Schriftgießereien keine Anzeigen von Erkrankungen erstattet werden, odschon mir privatim Mittheilnng von solchen Fällen gemacht wurde mit dem Beifügen, die Ent- schädigungsfraae sei in Güte erledigt. Eine Spezial- Untersuchung stellte heraus, daß stark bleihaltige Farben hier und da zum Druck verwendet werden und große Gefahren darbieten. Meine Bemühungen, Schriftgießer seinen Schaufenstern ungeheure Stöße der famosen Seide auf, annonzirte dieselbe durch große weiße Plakate, von welchen sich in Riesenziffern der Preis von 5 Franks 50 Centimes abhob. Diese Ziffer revolntionirte die Frauen- weit: 10 Centimes billiger, als im„Glück der Damen"! und die Seide schien stärker, dauerhafter zu sein. Gleich in den ersten Tagen kam ein großer Zulauf von Kundschaften; Madame Marty kaufte ein Kleid, dessen sie nicht bedurfte, indem sie sagte, daß sie es aus Sparsamkeit thue; Madame Bonrdelais fand den Stoff schön, aber sie zog es vor, zu warten, denn sie witterte offenbar die Dinge, die da kommen sollten. In der That setzte Monret in der nächsten Woche den Preis des Paris-Bonhcnr um 20 Centimes herab; er hatte mit Bonrdoucle und den übrigen Jnteressirtcn eine lebhafte Diskussion, um sie zu überzeugen, daß man den Kampf aufnehmen müsse, selbst auf die Gefahr hin, auf Verlust zu verkaufen und diese 20 Cent, waren in der That schon ein Verlust, denn man verkaufte die Waare bereits zum Selbstkostenpreise. Dieser Streich war hart für Robi- nean; er hatte nicht geglaubt, daß sein Rivale mit dem Preis herabgchen werde, denn diese Selbstmorde der Konkurrenz, diese Verkäufe aus Verlnst waren damals noch ohne Beispiel und dcrZu- lauf der Kunden, immer dem wohlfeileren Preise gehorchend, wen- dete sichsofort wiedernach der Rue ßlenve-Saint-Augustin, wäh- rend das Magazin in der Rue Nenve des petits champs sich leerte. Gaujean eilte aus Lyon herbei, es gab angst- volle Berathungen nnd er entschloß sich zu einer Heldenthat: der Preis der Seide wird noch am 10 Cent, herabgesetzt, man wird sie um 5 Fr. 30 verkaufen, um einen Preis also, unter welchen Niemand hinabsteigen konnte, ohne ein völliger Narr zu werden. Am folgenden Tage bot Monret seinen Stoff um 5 Fr. 20. Und von da ab entstand eine wahre zur Benutzung von Abzugsvorrichtungen für die Blei- dämpfe, die Buchdrucker zur Herstellung perforirter, eisen- blecherner und lackirter Doppelböden der Setzerkästen be- Hufs leichterer Reinigung derselben zu bewegen, blieben er- folglos. Die letzteren betrachteten es sogar als Chikane, als das Rauchen in den Setzerlokalen verboten werden sollte, das zum Ablegen der feuchten Zigarren auf oder neben dem Setzerkasten und damit das Einführen von Bleistaub in den Mund Anlaß giebt. Um so befremd- licher ist es, wenn die gleichen Leute durch den in der Luft herum schwebenden Bleistaub geschädigt zu werden vermeinen." Indem wir heute diesen kleinen Auszug aus dein sehr lehrreichen und anregenden Berichte der schweizerischen Fabrikinspektoren zur Kenntniß unserer Leser bringen, be- halten wir uns vor, gelegentlich noch einnial auf weitere Partien desselben zurück zu kommen. .lovrefpondenzon. Hamburg, 18. Mai. Der Betrieb unsrer Gaswerke ist mit Ach und Krach vermittelst polnischer und italienischer Arbeiter, welche vom Bau des Nord-Ostsee-Kanals heran geschleppt wor- den, ausrecht erhalten worden. Diese Kulis, welche, wie es scheint, jetzt überall die Stutzen des deutschen Unternehmerthums werden, wurden gleich in den Nämiien der Gasanstalt in unserm Bororte Barmbeck einqnartirt, indem schon Matratze» zum Schlafen für sie in Bereitschaft gehalten wurde». Zu essen und zu trinken wurde ihnen auch gereicht und sie somit von der Außenwelt bis auf Weiteres volfftändig abgesperrt. Einige, die dort fortlaufen wollten, weil sie die Hitze vor den Retorten nicht auszuhalten vermochten, wurden mit Hilfe der Polizei wieder in die Fabrik zurückgetrieben. So ist Hamburg davon bewahrt ge- blieben, gänzlich in Finsternis! zu versinken. Ob aber dieser Zivangszustand lange aufrecht erhalten, Verden kann und nicht liber kurz oder lang eine neue Katastrophe über den Betrieb der Hamburger Gaswerke hereinbrechen wird, ist sehr die Frage. Die ganze Angelegenheit unsrer statischen Beleuchtungsein« richtung ist sehr bezeichnend für nnsre Stadtverwaltung. Als vor zirka 15 Jahren der Kontrakt der alten Gaskompapnie ablies und die Gaswerke in den Besitz der Stadt übergingen, übertrug man dem Herrn Haäse, damals noch ohne „von", die Pacht derselben, angeblich weil er das günstigste Gebot gemacht hatte. Das günstige Gebot des neuen Pächters bestand darin, daß er den Reingewinn mit der Stadt zur Halste theilte. Dadurch wurde Herr Haase in ganz kurzer Zeit, wie man sagt, Millionär, Rittergutsbesitzer und ein adliger Herr„von" Haase. Nachdem die Dauer der Vereinbarung wiederum zu Ende ivar, hat sich Herr v. Haase mit einem Achtel des Reingewinnes begnügt und ivahrscheinlich rcpräsentirt auch dieser Gewinn noch ein fürstliches Einkommen bei dem ungemein gesteigerten Gaskonsnni. Nun mag man es ja den Bertheidigern unserer heutigen Staats- und Gesellschaftsordnung gönnen, daß sie auf den Pächter der Hamburger Gaswerke mit Fingern zeigen und sagen:„Seht Ihr, das ist ein„seil macio man" in der schönsten Bedeutung des Wortes!" Man kann es ja auch dem Wuth: Robinean replizirte mit 5 Fr. 15. Nun affichirte Monret 5 Fr. 10. Sie gingen nunmehr nur um einen Sou herab und verloren bedeutende Summen, so oft sie dem Publikum dieses Geschenk machten. Die Kunden lachten, entzückt über diesen Ziveikampf, gerührt von den fürchter- lichen Streichen, welche die Beiden hier einander versetzten, um dem lieben Publikum zu gefallen. Endlich wagte es Monret auf 5 Franks herabzugehen, sein Personal zitterte, als es das Glück dermaßen herausfordern sah. Robinean, zu Boden geschmettert, setzte ebenfalls 5 Franks fest, fand aber nicht den Muth, weiter herab zu gehen. Auf dieser Position harrten sie nun aus. Allein, wenn die Ehre auf beiden Seiten gerettet war, so war doch für Robinean die Lehre eine mörderische, das „Glück der Damen" besaß Kapitalien nnd Kredit und hatte eine große Kundschaft, welche ihm ermöglichte, die Verluste bei dem einen Artikel durch Gewinn bei verschiedenen anderen Artikeln hereiilznbringen; während er, bloS durch Gaujean unterstützt und nicht in der Lage, sich durch dcii Gewinn bei anderen Artikeln zu erholen, erschöpft wurde und mit jedem Tage ein wenig tiefer aus der schiefeu Balm des Falliments hinabgltztt. Er verblutete an seiner Tollkühnheit, trotz der zahlreichen Kundschaft, welche in den verschiedenen Phase» des Kampfes ihm zuströmten. WaS ibn hauptsächlich kränkte, war die Wahrnehmung, daß die Kiindschaft langsani wieder «Zum Glück der Damen" zurückströmte, nachdem er sein Geld verloren und so kolossale Anstrengungen gemacht hatte, um die Kundschaft zu gewinnen. Und es kam ein Tag, an welchem er die Geduld verlor. Eine Kundschaft, Madame de Boves, war zu ihm gekommen, nm Mäntel zu besichtigen, denn er hatte seinen Seidenfpczia- litäteu eine Abtheilung für Koinekfton hinzugefügt. Sie Herrn v. Haase gönnen, daß er sich von einein armen Techniker auf Kosten der Hamburger Steuerzahler zum adeligen Ritterguts- bcsitzer aufgeschwungen chat, aber daß er sich theilweise mit ans Kosten der armen Arbeiter dereicherte, welche die Höllengluth der Gasretorten aushalten nnd den giftigen Dunst der Koaks, ivelche niit Wasser gelöscht werden, einathinen müssen, das ist wohl kaum zu billigen. Unter der alten Kompagnie hatten die Arbeiter imMer noch hie und da einen bestimmten freien Tag. Sobald der jetzige Pachter die Herrschast antrat, wurde der freie Tag abgeschafft und es wird in zivci Kolonnen gearbeitet, abwechselnd in zwei Schichten Tag und Nacht. Was war natürlicher, als daß bei den Arbeitern das Gefühl zum Durchbruch kam, den Versuch zu machen, einige Erleichterungen bei ihrer schweren Arbeit zu erstreben? Sie machten Gebrauch von ihrem guten staatsbürger- lichen Rechte und gründeten einen Fachverein, dafür wurden sie gemaßregelt und über Hamburg eine Gaskalamität herauf bc- schworen. Es wurden direkt viele Geschäftsleute wegen Still- standes ihrer Gasmotoren geschädigt und indirekt noch die tumul- tuösen Vorgänge in der Steinstraße und Umgegend herbeigeführt. In der legten Sitzung unserer Herren Stadtvertreter aber fand sich keine Mannesseele, welche all dieser Vorgänge nur mit einer Silbe erwähnte. Wie man sagt, wollen viele Geschäftsleute gegen Herrn von Haase wegen Geschüftsschädignng klagbar werden. Ob sie mit ihrer Klage Erfolg haben? Wer weiß! Die Schuld wird wahrscheinlich von den hochadeligen Schultern auf die Arbeiter abgewälzt werden. Der Ausstand derselben, in den sie mit zirka GOU Mann traten, dauert bis jetzt noch sort, ob aber die Einig- keit sich wird lange aufrecht erhalten lassen, ist zn bezweifeln. Unsere Ewerführer sind bekanntlich infolge der Feier des 1. Mai auch noch im Ausstände begriffen. Wo sich nun irgend nur ein streikender Ewerführer an einer Stelle sehen läßt, von der aus er die Möglichkeit haben könnte, mit einem arbeitenden Kollegen oder einem der herbeigeschleppten fremden Arbeiter ein Wort zn reden, legt sich die Hand des Gesetzes auf ihn, er wird arretirt und nach a l l e r n e n e st e r P o l i z e i p r a x i s wie ein Bauernfänger oder s o n st i g e r Gauner mit einer Nummer auf der Brust p h o t o g r a p h i r t. Das ist unsere neueste republikanische Errungenschast, auf die unser Hamburg stolz sein kann! Die Krawalle in der Steinstraße haben seit der Zeit, daß sich die Schntzinannschaft dort nicht mehr im Massenaufgebot zeigt, aufgehört. Als Kuriosnm ist dabei zu erwähnen, daß «WWMM der arme Herr von Haase Alles zn verantworten hat. Dolilisrho Melrerstchk. Kreuzung gegen die Sozialdemokratie, und zwar ein richtiger, echter'und rechter Kreuzzug, in Szene gesetzt durch die Kirche! Nur sind es nicht, wie im Mittelalter, die Türken, gegen welche das Kreuz genommen werden soll, sondern die Sozialdemokraten! Das ist kein Scherz, wie der Leser wohl versucht sein möchte zu glauben, es ist die nackte Wahrheit, greifbare Wirklichkeit. Und nachdem der Leser dies erfahren hat, wird er auch von selbst wissen, in welchem deutschen Land dieser Kreuzzug gepredigt wird— buchstäblich gepredigt von der Kanzel herab. Natürlich ist es das Geburtsland des Kartells, das Musterland der Sozialistenverfolgung und Arbeiterinaßregclung: das „gcmüthliche" Sachsen i In allen Kirchen des Königreichs Sachsen von allen Kanzeln herab wurde vorigen Sonntag— auf Befehl des Landes- ikonsistoriums ein Gebet verlesen, welches die Hilfe des Himmels anfleht gegen die furchtbare Sozialistengefahr.— Wir geben die Thatsache ohne Kommentar. Und wir fragen bloß, was bezwecken die Urheber dieses modernen Kreuzzugs? Teil„sozialen Frieden" gewiß nicht. Oder gehört auch das zum praktischen Christenthum?— Landrathliche Sozialpolitik. Einige Landräthe fordern nach der„K. Ztg." von ihren untergeordneten Beamten Ve- richte ein, ob>md inwiefern von den Unternehmern Schritte zur Hebung der Lage des Arbeitcrstandes gethan worden find. Als Maßnahmen der in Rede stehenden Art sotten angesehen werden: die Einrichtung von Arbeiter-Wohnhäusern für ländliches Gesinde(!) und für Fabritarbeiter seitens der betreffenden Grund- und Fabrikbesitzer, die Einrichtung be- fondcrer Speiseauftalten, Badeanstalten, Bibliotheken, sowie Räumlichkeiten zu geselligem Verkehr für die in einem indu- striellen Betriebe beschäftigten Arbeiter seitens der Uilter- uehnier, ferner diejenigen von den Unternehmern getroffenen Einrichtungen, welche ihren Arbeitern den bittigen Bezug konllte keinen Entschluß fassen und beklagte sich über die Qualität der Stoffe. Endlich sagte sie: — Das Paris-Bonheur ist doch viel stärker. Robincan hielt sich noch zurück nnd versicherte, daß sie sich täusche; er sagte dies mit seiner kaufmännischen Höflich- keit nnd nln so respektvoller, als er fürchtete, daß seine innere Empörung losbrechen könnte. — Aber sehen Sie sich doch die Seide dieser Rotonde an, sagte sie, das ist ja ivie Spinnengewebe, Sie können sagen, was Sie motten, mein Herr, Monrets Seide zn 5 Fr. ist reines Leder im Vergleich zu dieser. Er fand keine Antwort mehr; mit blutrothem Gesicht nnd auseinander gepreßten Lippen stand er da. Er hatte den guten Einfall gehabt, für seine Konfektions-Abtheilung von der Seide seines Konkurrenten zn kaufen. So verlor Monret an dem Stoff, nicht er. Er begniigte sich, den blau und silberfarben gestreiften Saum wegzuschneiden. — Wirklich, Sie finden das Paris-Bonhenr dicker? fragte er. — Oh, hundertmal! erwiderte Mine, de Boves; gar kein Vergleich! Er war entrüstet über diese Ungerechtigkeit der Kund- schaff; und da diese cbm mit ihrer geringschätzigen Miene die Rotonde hin- und herdrehte, kam unter dein Aufschlag ein schmaler Streifen des Saumes zum Vorschein, welcher der Scheere entgangen war. Nun konnte er nicht länger an sich halten und gestand die Sache ein. — Nun deini, Madame, sagte er; diese Seide ist Paris-Bonheur; ich selbst habe sie gekauft. Da, schauen Sie dcit Saum! Madame de Boves ging sehr verdrossen weg. Die Ge- schichte machte die Runde und viele Damen blieben ihm aus. Und angesichts dieses Ruins zitterte er nur für seine Frau; sie war an ein ruhiges Glück gewöhnt und konnte nicht in Arrnuth leben. Was wird aus ihr werden, wenn eine Katastrophe sie schuldenbeladen auf die Straße wirft? Es war seine Schuld, er hätte ihre sechzigtausend Franks nie- mals berühren sollen. Sie mußte ihm Trost zusprechen. Gehörte denn das Geld nicht ihm ebenso wie ihr? fragte sie. Sie liebe ihn und verlange nichts mehr. Sie gebe ihm von Lebens- und Gennßmitteln, soivie sonstigen Lebensbedürfnissen zu ermöglichen bestimmt sind, endlich auch Stiftungen zum Besten der Arbeiter.— Die Landräthe kennen augenscheinlich das Abc der Sozialreform noch nicht. Alle die Dinge, über welche sie Erhebungen anstellen lassen, berühren die Hauptsache der Arbeiterfrage nicht. Ja einige von diesen Maßregeln, wie die Errichtung von Arbeiter- Wohnhäusern(Fesselung an die Scholle) und der„billige Bezug" von Lebensmitteln(Trucksystem), führen nicht eine Hebung, sondern eine Verschlechterung der Lebenslage des Arbeiters herbei. Warum lassen die Landräthe nicht Er- Hebungen über Erhöhung des Lohnes und Herabsetzmig der Arbeitszeit veranstalten? Oder meinen sie, daß eine solche Enquete zu kläglich und dürftig ausfallen würde? Al» Ersah des Sozialistengesekes fordert das national- liberale„Leipziger Tagebl." ein„zweckentsprechendes Auftreten der Arbeitgeber". Natürlich steht an der Spitze der dahin ab- zielenden Rathschläge, daß es gelte,„den unberechtigten nnd un- erfüllbaren Forderungen der Arbeiter fest und einträchtig ent- gegen zu treten." Es ist nur leider zu bekannt, daß von der Unternehmerschaft selbst die billigsten und bescheidensten Wünsche der Arbeiter für Verbesserung ihrer Lage als zu weit gehend und unerfüllbar bezeichnet werden. Wenn das geringste Opfer ge- fordert wird, so ist die Mehrzahl der Herren Kapitalisten sofort darüber einig, daß die„nationale Industrie", die„gesammte Kultur und Gesittung" in Gefahr sei. Zu Unterhandlunge» über einen Niederlaffungsvertrag mit der Schweiz hat sich Deutschland, wie dem„Berl. Tagebl." ans Bern gemeldet wird, in mündlichen Besprechungen zwischen dem Auswärtigen Amt und dem schweizerischen Gesandten Dr. Roth bereit erklärt. Zur Giuigkeit im deutschfreistimige» Lager. Im „Briefkasten" des„Reichsfrenndes" findet sich folgende vielsagende Mittheilung:„Die parlamentarische Korrespondenz aus der deutschfreisinnigen Partei geht ein. Der letzte Jahrgang ist namens des geschäftsführenden Ausschusses des Zentralkomitees von dem jetzigen Reichstagsabgeordneten Hinze redigirt. Die früheren Begründer und Herausgeber der parlamentarischen Korrespondenz aus der deutschen Fortschrittspartei haben für den letzten Jahrgang keine Beiträge geliefert." Ei»«»anständige« Statt ist die„Freis. Ztg." des Herrn E. Richter. Bekanntlich sind bei dem letzten Zimmererstreik in der Kassenverwaltung Unregelmäßigkeiten vorgekommen, die zn der Entsetzung des Betheiligten von seinen Aeintern geführt haben. Die„Freis. Ztg." theilt nun diese bedauerliche Thatsache ihren Lesern unier folgender Einleitung mit:„Wiederum i st ein Hauptführer der Sozialisten in Berlin der Vernnirenung überführt worden." Ter Gemeinte hat niemals in der politischen Bewegung irgend eine Rolle ge- spielt. Zu der plumpen Niedertracht der„Freis. Ztg." gesellt sich in diesem Falle also auch noch die Lüge. Ii» Uricho-Uerstcherungsanete ist dieser Tage eine Arbeit zum Abschluß gelangt, deren Beginn in das Jahr 1887 fällt. Im Einvernehmen mit den Vorständen der Bernfsgenossenschaften wurde um die Mitte des genannten Jahres vom Reichs-Ver- sichernngsamte die Aufstellung einer einheitlichen Statistik über die von den Genossenschaften im Jahre 1887 entschädigten Unfälle in die Wege geleitet. Dieselbe sollte gleichsam eine Fortsetzung der zur Beschaffung einer Unterlage für das damals geplante Unfallver- sichernngsgesetz im Jahre 1881 angestellten Erhebung über die Zahl und Schwere der im Deutschen Reiche in den verschiedenen Gewerbezweigen vorkommenden Unfälle bilden und insbesondere der Unfallverhütung, also der vornehmsten Pflicht der Berufs- genossenschafte», Dienste leisten. Die Statistik ist nunmehr zur Veröffentlichung gelangt._ Sie bringt in einer zahlenmäßigen Zusammenstellung der im Jahre 1887 entschädigten Unfälle die Natur der letzteren'"""''........ nach der Zeit und der Gelegenheit, nach de» Ursachen und Folgen, unter Berücksichtigung aller Nebenumstände, zum Ausdruck und vermittelt einen Austausch der bei den ein- zelnen Berufsgeuossenschaften gemachten einschlägigen Wahr uehmungeu. Sie umfaßt 62 gewerbliche Berufsgenossenschaften mit 819 453 versicherten Betrieben und 8 861 560 versicherten Personen. Die Zahl der für sie in Be- kracht gekommenen entschädigungspflichtigen Unfälle belief sich auf 15 970. Es ist nicht möglich, in einem engen —-•---- v'-q im rv �... rt.."r.„i.-.- v• r... /~j..... Rahmen ein vollständiges Bild der Ergebnisse dieser Statistik zu geben; wir möchten deshalb nur einige der letzteren zur Dar- stellung bringen. So vertheilen Zsich die Unfälle, bei allen Be- trieben durcheinander gerechnet, auf die Monate des Jahres ziemlich gleichmäßig; dem am stärksten belasteten Monat Okt mit 1479 Unfällen steht der Februar mit der geringsten ZnhbMvn 1193 Unfällen gegenüber. Sonst sind im Allgemeinen die Ämter- inonate unfallreicher als die Sommermonate, und der Allsgleich ivird nur hergestellt durch die größeren Unfallzahlen im Sommer bei dein Baugeiverbe- und Binnenfchifffahrts-Betriebe. Unter den Wochentagen zeigen der Montag, der Freitag nnd Sonnabend eine Zunahme der Unfälle. Bon den Tageszeiten sind die Vor-' mittagsstnnden von 9 bis 12 Uhr und die Nachmittagsstnnden von 3 bis 6 Uhr in höherein Maße mit Unfällen belastet. Bon Wi ben entschädigten Unfällen kommen auf Verletzungen Maschinen 26,84 pCt., auf anderweite Verletz®*! '3,16 pCt. Bei den 4287 durch Maschinen JWfl ------ gerufenen Verletzungen nehmen der Zahl nach on beitsmaschinen mit 2803 Unfällen die erste Stelle Es folgen die Fahrstühle, Aufzüge w. mit 899 Unfalles, Transmissionen mit 369 nnd die Motoren mit 216. Die„ Folgen hatten die Unfälle bei der Schifffahrt; 74,05#.; r, f f_________ r:_r___ i••< n.r. 01___ v___ u ftlaTriCDC" selben verliefen tödlich. Von den Unfällen beim Betriebt Dampfkessel, Dampskochapparate verliefen 48 pCt., von" beim Umgang mit feuergefährlichen, heißen und ätzenden M 34,31 pCt. tödtlich. Als Ursachen der Unfälle ergaben ßchi Unternehmern zur Last fallend wegen mangelhafter«el einrichtungen, keiner oder ungenügender Anweisung, Fehns. Schutzvorrichtungen 19,76 pCt., den Arbeitern zur Last>. wegen Nichtbenutzung vorhandener Schutzvorrichtungen, ptz'"'' wider Vorschrift. Ungeschicklichkeit, Unachtsamkeit, ung«« Kleidung(!) 25,64 pCt., theils den Unternehmern, theils den beitern zur Last fallend wegen Fehlen von Schutzvorrichtunpir und Unachtsamkeit der Arbeiter ec. zugleich, Schuld von i. arbeitern 7,73 pCt. Die übrig bleibenden 46,87 pCt. hatte» � dere oder nicht zu ermittelnde Ursachen. � Kon der Anklage der Koldatenmißhandlung%.t Mittwoch von» Militärbezirksgericht in Würzburg ein UmerM freigesprochen worden. Er hatte einen Rekruten nach desse» J. gäbe dreimal zu verschiedenen Zeiten beim Rekrutenexerzire»»»! nnnbAt iiibsm»r ihn piiimnl mit hev ßrbpihp des ÄataaaN- Auch habe ttL Gewehrkolben an den Schenkel stieß dritten Fall mit der Hand in's Gesicht hieb. L,. zu bereden gesucht, sich nicht zum Arzt zu melden oder weM' anzugeben, er habe seine Verletzungen sich durch einem F»» ,. dein Bette maeioaen. Die �reilvreckuna erlolate. weil keiiM. dem Äette zugezogen. Die Freisprechung erfolgte! weil den 7 anderen beim Rekrutenexerziren niitbetheiligten etwas von den Mißhandlungen gesehen haben wollte.... " J-Ai*— Lt. x ic± vi. c\r..cfiir----- Für ungerechtfertigt ist die Auflösung einer sammluiig in Peine von dem Ober-Verwaltungsgericht E worden entgegen einer Entscheidung� des_ Oberprasio«� von Bennigsen. Ein Polizeikommissar'hatte sich erlanbt, Wahlversammlung der deutschhamioverschen Partei ausz> unter dem Vorgeben, daß Erörterungen über das Verein-,. unzulässig seien. Nachdem nämlich der Polizeikommissar E™ Redner untersagt hatte, über das Freizügigkeitsgesetz zu spl iveil dies mit der Wahl nichts zu thun hätte, hatte ein auseinandergesetzt, dchr die überwachenden Polizeibeamten dem VereinsgesewSlne Befugniß Hätten, die Redner in der des Themas z�Beschränken. Das A-tkierneuefte auf dem Gebiete des„grobe« fug«'' jjPfolgende Thatsache, ailf welche wir die Aufmerkß >lnse«r Leser hinlenken wollen. Das Amtsgericht Magdeburg � uchdruckereibesitzer Fr. Meyer in Hamburg zu vier 9% Haft vernttheilt wegen„groben Unfugs". Den„groben hat das Gericht darin gefunden, daß in dem von Meyer vemo und gedruckten Blatt„Der Kupferschmied" eine Annonce er>? J mit folgendem Wortlaut;„Oschersleben. Der Zuzug nach"J Werkstelle des Herrn...(den Namen lassen wir weg, ufl ebenfalls wegen„gmhmJUvfmw" bestrast zu werden) ist*»* Weiteres fernzuhalten. Tie"cchnkominission der Filiale# bürg. I. A.: O. Hoffmann." Natürlich wird gegen die-, kenntniß Berufung eingelegt und es ist zu hoffen, daß die Instanzen denn doch den Begriff des„groben Unfugs" anders fassen, als�das Amtsgericht Magdeburg. Sollte des st Rechtsspruch in Kraft bleiben, dann wäre kern einziger R()%' oder Verleger einer Zeitung auch nur einen Tag davor weisen regelt ni Messen f'Z Me,„ �rgbeai muß c Mte ali tthen TOi hSSKit, Männer,' �6 beß «toben tote«, n togerlic wurde" Heu tarn, NU at "rferte,, M-rpell, gründet |i bucherisck tN Mit p i % tu®0n ÄST nicht paßt. Hreslau. In einer Strafsache von geringer Bede hatte der„Breslaner Gerichts-Ztg." zufolge der Staat Kobligk es als Erschweruiigsgrnnd angesehen.. wenigstent dies aus den Ausführungen der„Gerichts-Zeitung" hervor ,. daß der Angeklagte Nitschke oft bestraft und so verwähl. sei, daß et* sich auf offener Straße lausj, Sozial 1�#» okratie bekenne. Die„Schles. Na« registrireWskes ohne Kommentar, hoffen aber, daß im auf dich�Fall näher eingegangen werden wird. ,_ n« Sachsen, 18. Mai.[Die drakonischen W n politisch thätige Arbeiter iverden in Sachsen der ach bei allen Landgerichten Uebung. Neuerdings Hai Landgericht zu Zwickau gesprochen und wie! Ein j-, arbeiter NamenscLoUi.�ver seit einiger Zeit in der/» arbeiterbewegung thätig ist, wurde zu einem chr Gefängnin verurtheilt und sofort verhaftet, weil i einer Bergarbeiterversammlung in der Kritik der H/« lungsweise eines Bergwerksdirektors demselben Ä« b r u ch vorgeivorfen. Ein anderer, der einen noch 1 stärkeren Ausdruck gebraucht, bekam vier Monate. schwerend fiel für Horn in die richterliche Wag!«- ■°n vo ben, d W ..toben g: Alles: ihr Herz, ihr Leben. Und man hörte oft, wie sie sich in dem kleinen Zimmer neben dem Laden zärtlich küßten. Nach und nach regelte sich der Haushalt, die Verluste wurden Monat für Monat größer, in einem mäßigen Ver- Hältnisse, so daß das verhängnißvotte Ende hinausgeschoben ivnrde. Die hartnäckige Hoffnung hielt sie aufrecht; sie ver- kündeten noch immer die nahe Auflösung des HauseS„Zum Glück der Damen". — Bah! pflegte Robineau zu sagen: wir sind jung; nns gehört die Zukunft. — Und dann, was liegt daran? fügte sie hinzu. Du hast gethan, was Dir gut dünkte. Wenn Du nur zufrieden bist, bin ich es auch, mein theurer Mann. Denise war gerührt, wenn sie ihre zärtliche Liebe sah. Sie zitterte; sie sah den unvermeidlichen Fall voraus, aber sie wagte nicht, sich einzumengen. Hier lernte sie erst recht die Macht des modernen Handels begreifen und be- wundern, welcher ganz Paris umwandelte. Ihre Ideen reiften; ans dem wilden Kinde, das aus Valognes ge- kommen, entwickelte sich ein anmuthiges Weib. Ihr Leben war überdies ein recht angenehmes, trotz ihrer vielen Mühsal und ihrer Geldknappheit. Wenn sie ihren Tag unter fortwährender Arbeit beendigt hatte, kehrte sie rasch m ihre Wohnung zurück, um sich mit Pepe zu beschäftigen, für dessen Verköstigung glücklicherweise der alte Bonrras sorgte; aber es gab da noch immer kleine Sorgen, bald ein Hemd zu waschen, bald eine Blouse auszubessern. Niemals ging sie vor Mitternacht zu Bett und der Sonntag brachte erst recht viele Arbeit für sie; da reinigte sie ihr Zimmer, besserte für sich selbst Kleidung und Wäsche aus, was ihr so viel zu thun gab, daß sie oft erst gegen 5 Uhr Abends sich kämmen konnte. Trotzdem machte sie zuweilen Spaziergänge, auf welchen sie das Kind mit sich nahm; es war ein wahres Fest für sie, wenn sie in Neuilly eine Tasse Milch nehmen konnten. Jean wollte bei diesen Partien nicht mithalten; er zeigte sich nur von Zeit zu Zeit und verschwand bald, indem er andere Visiten vorschützte. Er verlangte kein Geld mehr, aber er kam mit so melancholischen Mienen, daß seine Schwester für ihn immer ein Hnndert-Sous- Stück bereit hatte. Das war dann ein Luxus für ihn. — Hundert Sons! schrie er jedesmal freudig, T-irx...xi_ i /tso in. i.j.i.---- � Spßf U ÄS" Du bist sehr artig! Es ist jetzt gerade die Frau eines Händlers... — Schweig! unterbrach ihn Denise, ich will wissen. Er glaubte, daß sie ihn für einen Prahlhans hajEJ — Wenn ich Dir sage, es ist die Frau eines Pa? Händlers: oh, etwas Prachtvolles! b,""» So verflossen drei Monate, es kam der Frühling, f jJ � JJfn wollte nicht mehr mit Pauline und Bang« nach I«" M d°...'5 gehen. Sie begegnete ihnen zuweilen in der Saint-Roch, wenn sie von Robineau kam. Eines als sie allein war, gestand ihr Pauline, daß sie vie«� demnächst ihren Geliebten Heirathen werde; sie' noch, weil man im„Glück der Damen" die veryeU)»"j,> Verkällferinnen nicht mag. Dieser Plan überraschte* aJ sie wagte es nicht, ihrer Freundin einen Ratb»u S, ».| im einen Rath zu S>ever, Eines Tages redete Colomban sie auf dein Gaillon? j i /str mtm in den, Anaenbiw, Jststn Vi- 1 i IVV v VVVVVV\£/WVmvvill JiV M»l| WM* Vv»»», J.(]T »eben dein Brunnen an, gerade in dem Augenblick, � Klara vorüber ging; Denise mußte rasch davon eilen, Li er bat sie, sie möge mit ihrer früheren Kameradin*. nnd sie fragen, ob sie ihn nicht zum Manne haben in» l S Sto ——-•. Sie begriff'nicht, warum all' diese Leute sich so ffh* der Heirath sehnen. Sie fühlte sich recht glücklich daß sie Niemanden liebte.# — Wissen Sie, was es Neues gießt? rief Gt Abends der Paraplniemacher entgegen, als sie heimketz — Nein, Herr Bourras._'#1 — Nim denn: Die Lotterbuben haben das Hotel Dnv! angekauft, ich bin zernirt. � H Er fuchtelte mit beiden Armen in einem Auf-H Wuth, ivelche seine weiße Mähne zn Berge steigen C — Das ist eine Machenschaft, von der ich mck)W greife. Wie es scheint hat das Hotel dem Cräckit gehört, dessen Präsident, der Baron Hartman«, dem i« A Monret aus den Leim gegangen ist. Jetzt haben von rechts»ind voi» liitts, von vorne und von hinten.>! rf p. Sie, so ivie ich diesen Knopf eines Spazierstockes' Fernst habe. � sid (Fortsetzung folgt.) d Verl Öi m R" -'"F, in S n � bsi lepx I tau v-v die® cUe � x° liebt b m 1?! t 5K: bei 'ß Ä atte»� I'! teti 'ä% Sz be.ff 'SNÄ 'ein?1! übt, n* iufji «"SS .'SÄ ite« der bei« g erff«� eburgZ W e erj :# weisen n., cm Agitator sei und die Arbeiter die Unternehmer ausrege. Horn konnte nach- „, daß er zwar ans einem Bergwerk gemäß- rWli worden sei, daß man ihm aber mit dem besten- Zeugnrß 'Meissen habe. Anch unterliegt es keinem Zweifel, daß Horn J! Aigen den Direktor erhobene Beschuldigung im besten «muben gcthaic hatte. Es giebt auch noch sehr viele andere �ute, welche die Handlungsweise des in Frage stehenden �rgbeamten genau so beurtheilen wie Horn. Ferner .'Horn persönlich das beste Leumundszeugnis �gestellt werden; der Mann opferte für seine Existenz und hinterläßt jetzt eine Frau mit sieben Kindern. a,.. �aß die agitatorische Thätigkeit einds Arbeiters für die Nkals""� seiner Klasse in den Augen vieler Nichter ,-»- ein besonders strafverschärfendes Moment ange- wird, zeigt, wohin wir gerathen sind. Die Agitatoren �urgerthnnis waren Märtyrer, sie galten als Volks- ■■ iWl,! .„r-„ m,. Frankreich. «Wetocnft«', l','ai- Deputirtenkamnier. Nachdem Laur seine Bündel k..?- wucherischen Aufkauf von Petroleuin be- Achten ni„m,e' erklärte der JusNzminister Fallidres, die vorge- �ribch,.. v. gen geHorten vor die Tribunale, nicht auf die % nJitiu bescher der Raffinerien selbst verlangten vor Ge- -' k Au werden, um sich vertbeidiaen zu rönnen; die StKfjSf'1"" au werden, um sich vertheidigen zu NNV-/'' 9 ,m' 420 aegen 50 Stimmen angenommen. * J l" a n der Raffinerien selbst | I sich vertheidigen zu können von dem Zolltarif her, nicht von dem Schließlich wurde die einfache Tagesord- . Stimmen angenommen.— Laur wünschte '"neno.rs e Interpellation über die Verwendung der Spar- Jwtaimf. Montag zu vertagen, der Finanzminister Rouvier frübeim;!» sofortige Berathung. Die Sitzung wurde deshalb �chrikt>Ä damit Laur sein« auf die Interpellation bezüglichen Litn,,..'. �rbeiholeu könne.— Nach Wiederaufnahme der den ßuist�rf Laur der.i Finanzminister vor, Börsengeschäfte mit Ter fcir>nn der Depofitenkasse der Sparkassen gemacht zu haben. «.t J nanzminister Rouvier stellte das formell in Abrede und .... kllirte Aufklärungen, indem er die----- gjJ fctitf'�'Äe, Tie Deputirteiikammer Depositenkasse"der«Sparkassen gemacht zu haben. Ab Rouvier stellte das formell in Abrede und fänbin•itte Aufklärungen, indem er die Angaben Laur's voll- dri,� widerlegte. Tie Teputirtenkammer nahm unter dem Ein- vn Rouvier's die Abstimmung vor und nahm mit 374 Stimmen eine Tagesordnung an, welche die Er- 81 Negierung billigt, worauf die Sitzung aufgehoben jjti)e®ln,0�en haben einen Gesetzentwurf eingebracht welcher die W V ßl'affe'«n all' das. was Italien zi tLii' wsst" gethan habe(???), an die G ■J0 Oi der m�.her Kammer vorlägen und i •1 n 9, llon ilick, fii" « Kelgie». 1nbft"Lf eI' 18- Mai. Teputirtenkammer. I a n s o n Ärk-!. Jossen haben einen Gesetzentwurf eingebracht, welcher die et verpflichtet, ihre Arbeiter beiderlei Geschlechts gegen kkiebsunfälle zu versichern. , Schweiz. btt rJ'S Zürich wird gemeldet, daß die beiden Kommissionen »- rjehweizerischeii Bundesversammlung für das Versicherungs- f n vom 15. bis 18. Mai in Zürich getagt und beschlossen ben neuen Verfassungsartikel über das cherungsw esen in folgender Fassung festzustellen: , Bund wird auf dem Wege der Gesetzgebung die Kranken- t��tasallversicherung einrichten, unter Berücksichtigung der be- Ion. Krankenkassen. Er kann auch ander« Arten der Per- z, enverstcherung auf deni Wege der Gesetzgebung einrichten. Er L,; den Beitritt allgemein oder für einzelne Bevölkerungsklassen Mvrisch erklären. k«t.?krn, lg. Mai. Der Bundesrath hat sich bereit erklärt, W«? deutschen Regierung in Verhandlungen einzutreten, be- «jJ Abschlusses eines neuen NiederlassungsverEages. Diese in,,"dlungen, welche bereits begonnen haben, finden in Bern , Der Bundesrath Troz ist bevollmächtigt worden, den Ver- htoSdy Grund der vom Bundesrath ertheilten Instruktionen, k** Vorbehalt der Ratifikation, abzuschließen. m, 17. Mai. JeputittMikantmer.■ In Beantwortung t->.°-.�erpellation Odescalchi's erklärte der Minister des Acker- iLv® Viceli, es sei nothwendig, das gegenwärtige Gesetz über die Sitz, f-nrbeit zu verbessern und außerdem einen Gesetzentwurf zur Wr>® der Frauenarbeit vorzulegen. Außer dem gegenwärtig t�Jammer zur Berathung vorliegenden Arbeiter- rlnfallgesetz noch andere derartige Vorlagen gemacht werden, um die r.'ie der Berliner Konserenz zur Anwendung zu bringen.— yest'ec Antwort auf die Interpellation Odescalchi's bemerkte die Berliner Konferenz berühre andere Länder mehr als fchLinV dessen Arbeiter in der Mehrzahl auf den Feldern be- K seien(!), außerdem habe sich die Regierung bezüglich »°rb.,hk'>ng der Konferenzbeschlüsse volle Freiheit des Handelns i'Opr,' Das industrielle Leben Italiens sei erst am Beginn, ftass»....... ÖSrfSSl um Wohle der arbeitenden iesetzentwürfe, welche gegen- welche sich den Entschlusien llttS,-"0.hemmen wurden vorlagen uuu ivc&u/t 1»�, w»...... �»'kferenz anpaßten, und erklärte weiter, die Re- güspi..?ede sich stets die Arbeiterfrage angelegen sein lassen.— Wem. augenscheinlich die Heuchelei zu seinem politischen � grzs,?.e Andrea» str. 33. am hiesigen Platze bekanntlich GrLsste Auswahl. Carantirt sicher brennende SW Tabake."TBK? Streng reelle Bedienung, billigste Preise! Sämmtliche im Handel bcsindlichen giohtabake sind 1653 Lager. A. Goldschmidt, Spaudaucrbr. 6, am Hacke'schen Markt. Unserem Freunde Theodor Ha j iU seinem heutigen Geburtstage j .erzlichsten Glückwünsche von PJ Berliner Kollegen.�_ Ob darnach"der Bier-Hahn Allen Freunden und Bekannten� Nachricht, daß meine Frau nach M zehnwöchentlichem Krankenlager® 16. d. M. verschieden ist.- 1,1,8 t tfi.— D>e jK-wru erdigung findet am Dienstag, den-g � r habe d. 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Ab- Ii den 2*[iSit der»Jh�riUettberger(Soz.); Wir haben es gegenwärtig mit alz einer Vorlage zu thun, die nach jeder Richtung Kung haben !N ms( n« cy, 0 v",v» lyuil, nie uuu) J[cney nueyvi»"» '"tobr n l®e'ier modernen Arbeiterbewegung zu betrachten ist, W„r"nch de» unzweifelhaft vorhandenen guten Seiten, die sie u:. s auch j» denjenigen Punkten, in welchen eine Ver- heutigen Znstandes herbeigeführt werden soll zu Beginn der laufenden Session einen Arbeiter- urf eingebracht, ebenfalls in Gestalt einer Novelle «m cwdnung; ich bedaure, daß derselbe nicht zugleich mit �trden.Senden Entwurf zur Debatte gelangen kann. Wir !%„"llolge dessen gcnöthigt sein, die'Grundzüge des- ko» f Einzelanträge bei der Spezialberathung, resp. wahren' y®« Kommission vorzulegen. Schon vor fünf (nttnuL ü»b wir mit einem derartigen selbstständigen Ira«. J. vorgegangen; ich habe ihn damals im Auf- Fraktion begründet. Es ist aus dem Ent- Wfrfi, v iJ�worbeu i man ging über unsere Vorschläge in fWlnnrl1.*, seu. hinweg. Vielleicht lag das an der damaligen Wbfi.•-il'c9en Situation, welche jetzt eine wesentlich andere ge- Ii«. stt. Wenn wir uns auch nicht übertriebenen Hoffnungen so können wir doch sagen, daß die in der Zwischenzeit t«eraiyung heraustommr. i«»5 war es erst »ix.?h� hör, daß die bekannte kaiserliche Botschaft ergangen tiojotitst"'3,Qnt?''9e Regierungssystem, die damalige Reichstags- Ms-bu,, glaubte dieser Botschaft nicht anders'entsprechen'zu n* ir: oon raß� ääft SS. «a« ,11(1%' 4t«- MÄ »r. f? ew? 3(1 :;Ä raß° durch die Inangriffnahme einer Verstcherungs- von welcher Herr von Bötticher in den jüngsten sejy»- leimt gesagt hat, daß dabei Ungeschicklichkeiten begangen teiDtf!!!, h» wenn auch die Absicht der Regierung immerhin die chjch die Lage der Arbeiter zu bessern. Was die Un- b�Ä'chkeiten betrifft, so bin ich in der Lage, den Herrn ts ii.�lretär mein volles Einverständniß zu erkennen zu geben. 'ich,/. Mehr Ungeschicklichkeiten als Geschicklichkeiten in dieser lm0 begangen worden. Zu den ersteren gehörte wohl ®os in der ärztlichen Praxis längst aufgegebene Ver- itii vur für wirklich eingetretene Schäden eine nothdürftige. ii,. 8 ZU suchen, nicht aber vorbeugende Maßregeln zu treffen r® tu, e llngeschicklichkeit lag in dem Bestreben, das Recht i,.?�bstt>estimmnna für die Arveiterklasse zu nuterdrücken, jede Ut h r® durch die Arbeiter selbst illusorisch zu machen. Das �besonders in dem durch die drei Versicherungsgesetze an- ,.'»iten Wahlverfahren hervor, wo die Arbeiter herzlich ivenig ( Ven haben, wo das Hauptgewicht darauf gelegt wird, daß �berstkounnandirenden der Zwangskassen den Ausschlag geben Angehörigen der freien Hilfskassen nicht blos von diesem '.ttchte ausgeschlossen, sondern auch materiell gewaltig ge- W werden. Diese Ungeschicklichkeiten kann man nicht oft ' hervorheben, vielleicht, daß man doch endlich selbst in den .Ändeii Kreisen sich dazu bequemt, Verbesserungen eintreten !%». Selbsterkenntniß ist immerhin ein Weg zur Besserung. °e>n Gebiete der 1885 von uns verlangten zweckmäßigen und Uchenden Arbeiterstatistik ist seitdem nichts geschehen; dohnstatistiken der Berufsgenossenschaften sind absolut 'eichend, umfassen blos eine» Theil der Arbeiter gewähren daher keinen richtigen Ueberblick über den chen Stand der Lohnvcrhältnisse und die ganze Lage der i'enden Klassen. Die Durchschnittsziffern dieser Statistik wer- .'dich bei solchen Gelegenheiten, wo sie der Regierung nicht " Kram passen, von dieser als unzuverlässig bei Seite ge- J«- Andererseits sind aber doch nicht zu unterschätzende �?ttitte geschehe». Die kaiserlichen Erlasse vom 4. Februar «M Bewecs dafür, daß man seitens der neuen Rathgeber der -»«it.!3ct Ueberzeugnng gelangt ist, daß es in der bisherigen tj,1* nicht weiter gehen kann, sondern daß etwas geschehen muß, «m. ven berechtigten Forderungen der Arbeiter weniaftens ich*' kind-v nicht Gesell- snv ver von Delegirten -»mii»�dir v Erde beschickt war, wo fiieifl.' feafte Umsturz der bestehenden Staats- ntQn.'-önung, sondern thatsächlich über rein praktische nehlt j. derieth, wie sie für die Arbeiterklasse in der ganzen nstr.-i� iar.. �Vilich gleichbedeutend sind. Es wird ja offiziell auch —«(,. lcht mehr geleugnet, daß bei der Einberufung der inter- i#»ll Konferenz nach Berlin auf die Beschlüsse Rücksicht ge- [1/1*1, worden ist, welche jener Kongreß von 1889 gesaßt hat. ntiilg«icin"�üch heißt es in dein kaiserlichen Erlaß vom 4. Februar, i h muff. v- oi____ tf._____»____' �... lrt» htSjt'"ulTe eintreten in die Berathung derjenigeii Fragen, welche n At'«thi,,"' von den Arbeitern auf internationalem Wege III Be- IclJ'"itht 119 genommen worden seien. Diese Beschlüsse sind also von '»ihn. von den Arbeitern auf h:-"9 genommen worden seien.____,.,, ,,, Jt unterschätzendem Einfluß auf die Berufung der Konserenz ■Je"! hoffen wir, daß dieser Einfluß auch serner in gleicher h», wirksam bleiben wird. Unser Arbeiterschutz-Gesetz- tlun l'®vr ja bis zu einem gewissen Grade als ein Gegen- nt gegen die Vorlage betrachtet werden muß, hat seitens �K-j,°nv eine sehr verschiedenartige Beurtheilung gefunden. Eni "''bei-. freisinnigen Presse hat ihn sehr übelwollend, ein wohlwollend behandelt, wenn auch vielleicht nicht vom «tu». Standpunkt aus, weil eben die Leute, welche sich %(,, v'elfach berufen glauben, ein Urtheil in Arbeitersragen ab- 1«% iu können, von uns als kompetent dazu nicht angesehen lotu,• So hat n. A. die„Frankfurter Zeitung" aussprechen zu >>>>( �(glaubt, daß es sich ja bei unserem Schutzgesetz blos um K.»"wnstration handeln könne, da wir ja doch der Ueber- �«(('0 sein müßten, daß gegenwärtig an die Durchführung dieser vgen noch zu denke» sei. Wenn wir zu einer derartigen Sw?.Stellung nehmen, können wir nicht daran denken, zu !c*b»n!ren, sondern meinen allerdings, daß das von uns Ge- Mlii,. durchgeführt iverden kann und muß auf dem Boden der Mi 0" Giefpiifrfinftanrhnifitd-Tri ffc! h- Blatt aeiteht übrigens daß unsere Boden der So fassen Dirnstag. den 20. Mai 1890. 7. Jahrg. ,-i- Zu, entgegen seiner früheren Auffassiing, �iUh.wige» thatsächlich geeignet seien, auf dem '* hat am Sonnabend die Hoffnung ausgesprochen, e» i"«([ bei der Berathung dieses Entwurfs aiif einen Boden % v�i'gen fein, auf dem man auch mit den Sozialdeni�raten ###### ��rteien, zu uns zu kommen, sich zu etwas mehr al- bl.hcr zu bequemen, nicht mehr alle Vorschläge zurückzuweisen, bloß weil sie von uns kommen. Mögen Sie von Ihren Klaffenvorur- theilen und-Bestrebungen ab- und zu uns herüberkommen; dann werden sich die Verhandlungen so glatt abwickeln, daß es eine wahre Freude sein wird.(Heiterkeit.) Die kaiserlichen Erlasse sind von der deutschen Arbeiterschaft durch- weg siimpathisch aufgefaßt worden. Das hat ja gerade der Erfolg bei den Reichstagswahlen bewiesen.(Heiter- keit rechts und bei den Nationalliberalen.) Diejenigen allerdings, welche glaubten, daß mit diesen Erlassen den Sozialdemokraten der Wind aus den Segeln genommen sei, bei den Kartellparteien und anderswo, haben sich ganz gründlich getäuscht. Denn die Arbeiter sagten sich unserer Ansicht nach ganz richtig: Wenn in einem so weiten Maßstabe unsere Forderungen als berechtigt an- erkannt werden, dann haben wir erst recht Ursache, Sozialdemo- kraten zu wählen, damit in der Gesetzgebung nicht wieder Unge- schicklichkeiten wie bei den Versicherungsgesetzen begangen werden. Gewiß sind in erster Linie der Militarismus der steigende Steuer- druck von wirksamem Einfluß auf das Wahlresultat gewesen. Aber gerade die zahlreiche Vermehrung der Arbeiierstimmen erklärt sich vor Allem aus der Erwägung, daß auch auf dem Boden der Sozialreform endlich etwas Ersprießliches geleistet werden müsse, daß die Versicherungsgesetzgebung auch nicht annähernd aus- reichend gewesen sei. Der Abgeordnete und Oberstaats- anwalt Dr. Hartmann hat am Sonnabend für sich und die Konservativen und das Zentrum das ganz besondere Verdienst in Anspruch genommen, daß sie die Arbeiter- schntzbewegung in Fluß gebracht hätten. Es nimmt sich drollig aus, wenn man derartige Versicherungen hier hören muß, wie es denn überhaupt eigenthümlich ist, daß, wenn solche Materien endlich in Angriff genommen werden, alle Parteien behaupten, sie seien eigentlich die Urheber gewesen, und die Sozialdemokraten hätten gar nicht das Recht, irgend einen Anspruch in dieser Rich- tung zu erheben. Derselbe Abg. Hartmann hat es für unmöglich erklärt, den Maximalarbeitstag für männliche Arbeiter einzu- führen, und das Zentrum gebeten, von ihrem früheren diesbezüg- lichen Standpunkt zurückzukommeii. Es wäre traurig genug, wenn die Herren das thäten. Schon 1869 hat neben dem Sozialdemo- kraten Schweitzer, der allerdings in dem dringenden Verdacht stand, ein Staatssozialist zu sein, der konservative Herr v. Brauchitsch darauf gedrungen, daß ein Maximalarbeitstag für alle Arbeiter durchgeführt werde. Die Herren Konservativen haben auf diesem Gebiet nicht nur nichts gelernt, sondern auch ei/.en Rückschritt gemacht. Seit dieser Zeit sind verschiedene bedeutende Sozialpolitiker abhanden gekommen, wie Wagner und Rudolf Meyer, die jeden- falls auf diesem Gebiete erheblich mehr oerstanden, als gewisse sozialpolitische Geheimräthe, die auch in diesem Hause sitzen. Haben wir also die kaiserlichen Erlasse sympathisch begrüßt, so haben wir uns doch nicht verhehlt, daß zwischen einem kaiserlichen Versprechen und der Realisirung auf gesetzlichem Wege noch ein langer, weiter Weg ist, auf dem verschiedene Meilensteine stehen. Sofort nach dem Erscheinen der Erlasse haben zunächst sämmt- liche Parteien erklärt, daß sie das längst selbst gewollt Hütten. Dazu gehörten auch die hartgesottensten Manchesterleute. Aber es dauerte nicht lange, da erklärten zunächst die Heidelberger Gentlemen, vertreten durch die Kölnerin, daß in Bezug auf den Arbciterschutz die kaiserlichen Erlasse doch wohl zu weit gingen. Es sei vielmehr am Platze, jetzt einmal von einein Arbeit- geberschutz zu reden. Diese Saite der Kölnischen Harfe ist neu lich auch von Herrn Hartmann gerührt worden. Ich denke, bis jetzt haben die Unternehinerklasse», die Kapitalisten, Bourgeois, Agrarier und Junker es wohl verstanden, die Gesetzgebung wenigstens nicht zu ihrem Nach- theile ausschlagen zu lassen. Jetzt heißt es fast einstimmig, die Sache dürfe nicht überstürzt werden. Der Schlußpassus in dem Regierungoentwurf, welcher von der Veränderung der Para- grapheu über den Kontraktbruch und die KoalitionSsreiheit hau- delt, ist der beste Beweis dafür, daß diese Einflüsterungen, ja diese Verhetzung von der Unternehmerpresse ihre Wirkung nicht ganz verfehlt haben. Ein großer Theil dieser Verheißungen ist einfach durch das Unternehmerthum den Arbeitern eskamotirt worden. In den kaiserlichen Erlassen war die Rede von einer Verkürzung der Arbeitsdauer und von einer Regelung der Arbeit derart, daß die Gesundheit, die Sittlichkeit und das wirthschaft- liche Bedürfniß der'Arbeiter, sowie der Anspruch der Arbeiter auf eine gesetzliche Gleichberechtigung gewährleistet werde. Ich gebe gerne zu, daß in Bezug aus die Erhaltung der Gesundheit lind die Gebole der Sittlichkeit Verschiedeues in dem fliegierungs- entwurf enthalten ist, was als durchaus zweckentsprechend be- zeichnet werden kann und von uns mit Vergnügen akzeptirt wird. Von einer gesetzlichen Gleichberechtigung der Arbeiter aber ist in dem Entwurf nichts zu spüren. Im Gegentheil, diese Strafbestimmungeu, die unglaublich verschürft sind, sind nichts anderes als eine Art Entschädigung für daS Unternehmer- thum, welches die Aufhebung des Sozialistengesetzes fürchtet, eine neue Art von Sozialistengesetz, durch welches den Unternehmern ein kleiner Trost in ihrer Betrübnis! über die Abschaffung des eigentlichen Sozialistengesetzes gewährt werden soll. Ebenso ist auch in dem Gesetzentwurf in Bezug auf die Regelung der Zeit- dauer und der Art der Arbeit mit einer Halbheit vorgegangen, die von uns ledhast bedauert werden muß. Das in industrieller Beziehung weit hinter uns stehende Oesterreich hat schon vor fünf Jahren einen elfstündigen Stormalarbeitstag für alle Arbeiter durchgeführt und damit wenigstens einen Anfang gemacht. Schon früher ist in dieser Beziehung die Schweiz vorgegangen, ohne Furcht vor der deutschen Konkurrenz. Man sollte ineinen, daß eS, nachdem die internationale Konferenz in Berlin stattgefunden hat, ein Leichtes gewesen wäre, sich nach dieser Richtung hin den Schweizern und Ocsterreichern anzuschließen. Freilich scheint man seitens der herrschenden Gewalten eine Art von Doppelspiel zu spielen. Man hat den Normalarbeitstag für die Arbeiterinnen eingesetzt und in einigen anderen Para- raphen davon gesprochen, daß in den Fabriken im Interesse der Sittlichkeit die Trennung der Geschlechter möglichst durchgeführt werde, und in den Paragraphen 120 ä einen Passus eingefügt, daß es dem Bundesrath überlassen sein solle, in allen Betrieben, wo eine besonders übermäßig lange Arbeitszeit noch vorhanden sei, die Länge der Arbeitszeit festzustellen. Damit hat man ge- glaubt, eine Befriedigung auf beiden Seiten hervorzurufen. Den Arbeitern sagt man, durch die Einführung des Normalarbeits- tages für die Arbeiterinnen werden die Unternehmer gezwungen werden, auch einen Siormalarbeitstag für die männlichen Arbeits- krüfte einzuführen, den Arbeitgebern sagt man, der Normal- arbeitstag für die Weiber bedeutet noch lange keinen Normal- arbeitstag für die Männer, und von der Bestimmung des§ I20d wird in so seltenen Fällen Gebrauch gemacht werden, daß Ihr nichts zu befürchten habt. Ich glaube, die Regierung wird mit einem derartigen Aufzweiachselntragen weder bei den Ar- beitern, noch bei den Unteruehmern besonderes Glück haben. Die halsstarrigen, arbeiterfeindlichen Unternehmer, die nichts Anderes kennen, als die unbeschränkte Ausbeutung der Ar- beiter, werden sich durch derartige Beschönigungsversnche nicht auf andere Gedanken bringen lassen und die Arbeiter werden sich durch solche Halbheiten nicht zufrieden erklären. Man spricht so gern davon, daß die Industrie durch die Versicherungsgesetze ohnehin schon schwer belastet würde. Das ist übertrieben. Wenn man Alles zusammenrechnet, was die Arbeitgeber zu zahlen haben, so entfallen pro Kopf oes Arbeiters 15, höchstens 20 M. auf's Jahr. Wenn man nun rechnet, daß die Arbeitgeber auch nur die Hälfte von dem verdienen, was sie als Löhne auszahlen, so kommen diese paar Mark gar nicht in Betracht; nur der reine Profit des einzelnen Unternehmers wird um ein paar Prozent beschnitten. Ich gehöre auch einer Firma an, welche eine statt- liche Anzahl Arbeiter beschäftigt; ich kann aber nicht sagen, daß durch die Beiträge, die uns durch verschiedene Gesetze aufgeladen sind, das Geschäft so sehr gefährdet sei; im Gegentheil, wir würden sofort einen achtstündigen Arbeitstag einführen, wenn die Konkurrenz durch das Gesetz gezwungen würde, das- selbe zu thun. Die Arbeiter können Gott sei Dank so gut rechnen, daß sie wissen, was durch ihre Arbeit an Werthen hervorgebracht wird, und wie viel von diesen Werthen auf ihren Lohn entfällt, und was in einen anderen Sack wandert. Ich habe bereits vor fünf Jahren darauf hingewiesen, daß wir darauf rechnen, durch eine Verkürzung der Arbeitszeit eine Erhöhung der Löhne durch- zuführen. Dr. Barth in seiner„Nation" hat mich deswegen auf das Lebhafteste angegriffen; er hat u. a. angeführt, daß durch eine rein mechanische Erhöhung der Löhne der Arbeiter sich selbst am meisten schaden würde, weil die ganze Produktion zurückgehen würde. Das ist nicht richtig; denn durch die erhebliche Ver- kürzung der Arbeitszeit wird die Arbeitskraft des betreffenden Lohnarbeiters erheblich gesteigert und der Ausfall an Arbeitszeit durch eine intensivere Arbeit wieder eingebracht. Außerdem kann durch die Verbesserungen der Maschinen ein erheblicher Theil dieser Versäumniß wieder eingeholt werden. Es wird be- hauptet, daß die ganze Lohnerhöhung auf die Produktions- kosten übergewälzt werden würde. Zu den Produkttonskosten würde der Arbeiter nur zu einem Viertel oder Fünftel mitzutragen haben, der Rest würde auf die besitzenden Klassen entfallen. Es ist auch nicht wahr, wie in der„Nation" behauptet ist, daß in den letzten Jahren die Löhne überhaupt in steigender Tendenz begriffen seien. Die Geldlöhne sind in der Zeit hier und da gestiegen, der Reallohn aber nicht, denn durch Ihre geniale Gesetzgebung sind alle Lebensmittel in den letzten Jahren vertheuert worden. Bei einer Verkürzung der Arbeitszeit würde das Unternehnierthum sofort darnach trachten, diese Berkürzung durch eine Verbesserung der Technik auszugleichen. In der Spin- nerei z. B. wird durch ein einfaches Auflegen eines Streifens Leder auf die Riemscheibe auf der Transmission die Schnelligkeit um so und so viel Umgänge gesteigert und infolge dessen cher 'Aus fall der Produktion leicht nachgeholt.(Lachen rechts.) Die Herren, die da lachen, haben jedenfalls noch niemals den Betried einer Fabrik beobachtet.(Lebhafte Rufe: Doch!) Durch die Fortschritte der Technik wird jetzt eine Schnelligkeit von nahezu 1000 Umgängen erzielt.(Zurufe: Neue Maschinen!) Das habe ich auch ausdrücklich betont.(Widerspruch.) Was die Verkürzung der Arbeitszeit insbesondere betrifft, so hat der badische Fabrikinspektor ausdrücklich betont, daß in einzelnen Er- werbszweigen die Ausdehnung der Arbeitszeit derartig ist, daß die benachbarten Fabrikanten in der Schweiz, die einen gesetz- lichen Arbeitstag haben, sich darüber beklagten. Die englischen Aerzte haben schon 1833 erklärt, daß ein achtstündiger Arbeitstag bei der Entwickelnng der englischen Industrie ausreichend sei und nothwendig, um den Arbeitern ein menschenwürdiges Dasein zu gewähre», und die österreichischen Aerzte haben sich für einen zehnstündigen Arbeitstag ausgesprochen. Jedenfalls darf man bei der Prüfung dieser Fragen unter keinen Umständen die Unter- nehmet als Sachverständige gelten lassen. Ich hoffe, daß der Abgeordnete Miquel seinen Einfluß in der Kommission und an anderer Stelle geltend machen ivird, um einen Maximal- arbeitstag eintreten zu lassen. Der Arbeitertag zu Ölten hat einstimmig beschlossen, daß in kürzester Zeit für die Schweiz ein zehnstündiger Arbeitstag auf gesetzlichem Wege einzuführen sei. Die Herren sollten derartige Tage auch einmal besuchen. Sie würden dann finden, daß der abso- lutistische Grundsatz, die Freiheit sei eine Feindin der Ordnung, ein vollständig verfehlter ist, und daß bei politischer Bewegungs- sreiheit mit voller Ruhe und Objektivität diskutirt wird. Viel- leicht finden sich die Herren auf dem nächsten internattonalen Sozialistenkongreß ein, der sofort nach Aufhebung des Sozia- listengesetzes in Deutschland, wahrscheinlich sogar in Berlin, statt- finden wird.(Heiterkeit.) Sie würden auf einem solchen Kon- greß viel mehr'lernen können, als wir auf einem Unternehmer- kongreß.(Heiterkeit.) Das„Evangelische Sonntagsblatt" sagt, die Bewegung für den Achtstundentag mache den alten Spruch wahr, daß der Müßiggang aller Laster Anfang sei, denn die Ar- beiter wüßten nicht, ivas sie mit ihrer freien Zeit anfangen sollen. Im Gegentheil, jetzt kommt der Arbeiter zu keiner edl eren Beschäftigung und ist zum Wirthshausbesuch und Schnapsgenuß verdammt. Die Beamten haben ja bereits den Achtstundentag, müßten also lauter Müßiggänger sein. Graf Moltke meint, die Begehrlichkeit der vom Schicksal minder Begünstigten störe den Frieden. Wenn Graf Moltke Gelegenheit hätte, das Leben und Treiben in der Industrie zu beobachten, würde er sehen, daß die nnersättliche Begehrlichkeit nnd Profitwuth der Unternehmer, welche sogar die Gesetzgebung zu ihren Gunsten miß- bauchen, es ist, welche den Frieden stört. Mögen sich dies diejenigen zu Herzen nehmen, welche es angeht, wenn sie nicht über- Haupt verhärteten Herzens sind, wie es in der Bibel heißt. Unsere erstere Forderung wird immer sein: Schaffung eines gesetzlichen Maximalarbeitstages, über welchen die Ausveutungswuth der Arbeitgeber nicht hinausgehen darf. Einen Fortschritt gegenüber dem jetzigen Zustand bilden die theilweise Regelung der Frauen- arbeit und der Versuch einer Regelung der Kinderarbeit, wenn wir auch nicht damit einverstanden sein können, daß bei der Kinderarbeit unter das 14. Jahr hinuntergegangen werden darf. Bei gutem Willen wird sich in der Kommission über Manches eine Einigung erzielen lassen. Was die Trennung der Geschlechter in den Fabriken betrifft, so wird die Sittlichkeit durch das Zu- sammenarbeiten in den Fnbriksälen lange nicht so gefährdet, wie es gewöhnlich hingestellt wird. Unanständige Gespräche kommen eher da vor, wo die Geschlechter getrennt sind. Eine besondere Gefährdung der Sittlichkeit liegt da vor, wo nur Frauen beschäftigt sind, und die Vorgesetzten Männer sind. Die in den kaiserlichen Erlassen verheißenen Ar- beiterausschüsse sind in der Vorlage nahezu ignorirt und werden nur im Vorbeigehen bei den Arbeitsordnungen erwähnt. Frei- gewählte Arbeiterausschüsse, die das Vertrauen der Kollegen ge- nießen, können Gutes wirken; aber sie müssen obligatorisch ge- macht werden. Deshalb haben wir wieder unseren alten Antrag über die Gewerbeaufsicht eingebracht. Die Gewerbemspekloren dürfen sich allein mit dieser Aufgabe beschäftigen, Arbeiterkammern und ein Reichs-Tlrbeitsamt sind zu begründen. Von der Man- chesterpartei wird dies natürlich für undurchführbar erklärt. Unser Endvurf mag ja ungeschickt sein; aber wenn die Regierung das Stecht hat, Ungeschicklichkeiten zu machen, warum sollen es nicht auch die Sozialdemokraten dürfen?(Heiterkeit.) Bei dieser Or- ganisation wären auch die Gewerbeschiedsgerichte am besten unter- gebracht Wir sind gegen die Berufung von den Schiedsgerichten an die Landgerichte, wohl aber für die an ein Arbeitsamt. So gut man ein Kolonialamt geschaffen hat, wär» es am Platze, auch ein Arbeitsamt zu schaffen. Man sagte früher, eine solche Organisation störe die Zirkel der Bernfsgenossenschasten; aber diese haben sich so wenig bewährt, daß man ihnen die Altersund Jnvaliditütsversichernng nicht anvertrauen konnte. Hat man hierfür andere Organisationen geschaffen ohne Störung der Berufs- genossenschaften, so kann man auch diese Form der Gewerbeaufsicht akzeptiren. An Kosten würden höchstens S— 4 Millionen jährlich entstehen; bei einem Reich, wo man so aus dem Bollen schöpft in Bezug auf indirekte Steuern und den unersättlichen Mili- tarismns, kann es darauf nicht ankommen, wo der soziale Frieden gefördert werden würde. Durch das Neichs-Arbeitsaint wäre auch eine Verbindung niit dem Auslande behufs internationaler Regelung möglich. Uebrigens hätte ich gewünscht, daß uns der Bericht über die Verhandlungen der internationalen Konferenz nicht in französischer, sondern in deutscher Sprache vorgelegt wäre. Wir sind nicht Alle in der Lage, ihn in der Ursprache zu lesen. Sehr sympathisch berührt uns die Bestimmung über die Arbeitskraft der jugendlichen Arbeiter und über die Sonn- tagsruhe. In Bezug auf letztere scheint die Regierung unsere» früheren Antrag zum Muster genommen zu haben. Gänzliä) un- durchführbar ist aber die Bestimmung der Auszahlung des Lohnes der minderjährigen Arbeiter an deren Eltern und Vormünder. Man schüttet da das Kind mit dem Bade aus. Wenn die Stu- direnden ihr Geld, anstatt es zum Studium zu verwenden, beim Frühschoppen vertrinken, hat kein Mensch etwas dawider, höchstens spricht man dann Einiges in akademischer Weise im Abgeordneten- hause(Heiterkeit); die Arbeiter sollen aber eine zuchtlose Rotte sein. Gegen diese Bestimmung verwahren wir uns vor Allein. Arbeitsordnungen müssen geschaffen werden, aber nicht einseitig durch die Unternehmer. Räch der Vorlage sollen darüber die Arbeiter angehört werden. Was heißt das V Entweder geschieht es überhaupt nicht, oder, wenn sie gehört werden, geht es zu einem Ohr hinein, zum andern heraus. Deshalb müssen die Arbeitsordnungen von den von uns vorgeschlagenen Arbeitsbehörden g e n e h m i g t werden. Die ivenigen jetzt bestehenden Avbeitsord- nungen könnte man eigentlich eher Zuchthausordnungen nennen.(Zu- stimmung links.) Beider Bestimmung, daß dicStrasenin den Arbeits- ordmmaen nicht das Doppelte des ortsüblichen Tagelohnes über- steigen sollen, ist nicht gesagt worden, innerhalb welcher Zeit Strafen von dieser Höhe verhängt werden dürfen. Es werden schon jetzt horrende Strafen erhoben. Einzelne Gerichte haben ja entschieden, daß ipcses Strafabzugssystem ungesetzlich ist, aber ein ReichSgerichtserkenntniß liegt in der Materie nicht vor. Von einem Thcil der Unternehmer wird in unerhörtester Weise so viel Lohn abgezogen für Strafen, daß die armen Teufel halb entlohnt nach Hause geschickt werden. Wenn das in den Arbeitsordnungen geregelt wird, wäre es ein wahrer Segen. Ter kleine Rest von Koalilionssreiheit, den wir noch haben, wird durch die kolossalen Strafen für den sogenannten Kontraktoruch in der Vorlage völlig vernichtet. In den Arbeiterkreisen fragt man sich erstaunt, wo das hinaus soll. Nach diesen Bestimmungen ist von .Koaliüonsfreiheit und freier Bewegung nicht mehr die Rede. Ich habe das wiederholt in meiner Vaterstadt erlebt, wo die Lohnbewegung stets in außerordentlich ruhiger Weise verlaufen ist, wie denn grobe Exzesse überhaupt da nicht vorkommen, wo organisirte Arbeiter vorhanden sind. Ein Arbeiter erklärte in eine» Versammlung bezüglich Derjenigen, die sich dem Streik nicht angeschlossen hatten:„Kollegen können wir diese Leute nicht nennen, wir müssen durch die Presse dafür sorgen, daß ihre Namen bekannt iverden, und»venu wir in Gesellschaften mit ihnen zusammen sind, iverden wir ihnen schon den richtigen Platz anweisen." Dafür ist der Mann wegen Berrufserklärung mit Gefängniß bestraft und das Urtheil durch alle Instanzen be- stätigt worden. Die Unternehmerverbände dagegen lassen tag- täglich Streikverrufe, schwarze Listen in ganz Deutschland vor- breiten, nicht blos gegen Streiksiihrer, sondern auch gegen bloße Angehörige von Arbeiter- und Fachvereinen, um sie aus jeder Arbeit zu verdrängen und auszuhungern. Kein Staatsanwalt hat sich bisher gefunden, der gegen solchen groben Unfug der Unternehmer eingeschritten wäre; ja, der Staatsamvalt in Dresden hat einen bezüglichen Antrag abgewiesen, die Unternehmer seien berechtigt, derartigen Unfug zu treiben. So wird mit zweierlei Maß ge- messen; deshalb habe ich die von Herrn Hartmann behauptete Parität der Behandlung der Arbeiter und Arbeitgeber bestritten. Gewiß wird in der Zivilklage unter Umständen mal auch ein Unternehmer hineinfallen und die eingeklagte Summe nicht er- halten, das gebe ich zu, denn die Arbeiter sind eben so ausge- deutet, daß man ihnen nichts nehmen kann. Aber auf dein kri- mincllen Gebiete wird in unverantwortlicher Weise gewirth- schastet. Ständen Sie mitten in der Praxis, Sie würden unmöglich mit solchen unerhörten Vorschlägen kommen, die das bischen Koalitionsrccht, das bisher noch vorhanden war, völlig ausrotten müssen. Wir verlangen daher in unserem Entwürfe die gänzliche Freigabe des Koalitionsrechts. Ein englischer Dclegirter auf der Konferenz ist es gewesen, der -■nif eine Frage von Allerhöchster Stelle nach den Gründen des friedliche» Verlaufes der englischen Arbeiterbewegung die Ant- »vorl gab, das liege an der dort vorhandenen vollstän- digen toalitionssreiheii. Diese Wahrheit kann nicht geleugnet werde« und es ist uns unverständlich, wenn die Behörden trotzdem i och mehr als bisher auf die Arbeiter drücken wollen. Ter Koutraktbruch selbst soll bloß mit Geldbuße belegt firttlii können; auf die öffentliche Aufforderung dazu iverden schwere Gesängnißstrasen gesetzt! Wie ist es denn nun mit Denjenigen, welche geheim, auf dein Wege des Zirkulars, diese Aufforderung ergehen lassen? Immer freilich werden die Arbeiter die Benachtheiligten sein, weil sie infolge ihrer Mehr- zahl stetS öffentlich diese Aufforderungen ergchen lassen müssen. Die Unternehmer thun das Rämliche, nur in zehnfach verstärktem Maße, heimlich; sie brauchen es nichtöffentlich zu thun, sie haben ihre Unternehinerverbände und die Berufsgenossenschasten zur Verfügung. Ich habe ein stattliches Konvolut von Fabrik- ordnungen hier, welche geradezu unmoralische, entehrende Zu- nnithungen an die Arbeiter stellen; ebenso eine Anzahl von Unrer- nehmererlaffen, welche haarsträubende Dinge enthalten, von denen die große Mehrzahl der Reichstagsmitglieder und des Volkes nichks weiß. Die Gebrüder Körting in Hannover, eine Firma, die bei allen Humanitätsbestrebungen prahlerisch an der Spitze steht, hat neulich ein Zirkular erlassen, das nicht für Augen und Ohren der Arbeiter bestimmt war, aber doch zu unserer Kenntniß ge- kommen ist. Tarin heißt es,„daß infolge der Brandmarknng der Arbeiter durch gekennzeichnete Entlassungsscheine und Streik- listen die betreffenden Arbeiter nun ersreulicherivcise naturgemäß nirgends mehr Arbeit bekommen werden". Zugleich ist darin aus- gesprochen, daß das gesetzlich auszustellende Entlassungszeugniß nach einem ganz bestimmten Schema ausgestellt wird und beson- dere Kennzeichen enthält, also direkt gegen die geltende Gewerbe- ordnung verstößt. Mit einem solchen Uriasbrief schickt man die Arbeiter in die Welt; sie finden dann nirgends mehr Arbeit und werden buchstäblich ausgehungert. Wenn das heute schon ge- schieht, was soll erst iverden, wenn die drakonischen Strafbestini- mungen des Entwurfs Gesetz geworden sind? Nun heißt es, die Unternehmer unterstehen ja denselben Strafen. Gewiß, aber es ivird doch nur die öffentliche Assorderung bestraft, nicht die Auf- fordernng an sich. Wir halten es deshalb für unmöglich, daß ein deutscher Reichstag auf etwas Derartiges wirklich eingeht. Schaffen Sie lieber wirkliche Koalitionsfreiheit, machen Sie meinetwegen ein Reichsvereinsgesetz— es wird nicht besser aussallen wie die Landesgesetze, aber es wird wenigstens die nngleicharlige Behandlung der Ar beiter in den Einzelstaaten aufhören lassen— und geben Sieden Berufsvereinen die Möglichkeit, sich als anerkannte Vereine zu konstituiren. Herr von Puttkamer hat als preußischer Minister von der Hydra der Revolution gesprochen, die hinter jedem Streik lauere. Herr v. Puttkamer hat während seiner amtlichen Thätig- leit noch vieles Andere gegen die Arbeiter gesagt und hat Anderen Platz machen müssen. Wir werden auf dem Gebiete auch wohl Weiteres noch erleben, ohne daß es zu seinen pominerschen Kanonen kommt.(Heiterkeit links.) Bei den Buchdruckern ist kein Streik ohne ordnungsmäßige Kündigung vorgekommen, und so steht es iiberall, wo die Arbeiter organisirt sind. Wohin das Gegentheil führt, lehrt der vorjährige schlesische Bergarbeiterstreik; dort ist keine Organisation, aber auch keine Änsklärung, sondern Knechtschaft in jeder Form. Im Waldenburger Streik wurden grausame Strafen erkannt für Dinge, die von den Unternehmern ebenfalls, nicht so greifbar, in ihrer Wirkung aber noch viel nieder- trächtiger, begangen werden. Es ist ja heutzutage die Geivohnheit des Unternehmerthmns, jeden Vertreter der Arbeiter auf die infamste Weise zu maßregeln. Deshalb schiebt man jetzt mehr die jungen Leute vor, die nicht soviel zu risriren, und die nicht Frau und Kinder haben. Auch von demokratisch-frelsinniger Seite hat man uns übelgenommen, daß wir einseitig Strafbe- stiminungen gegen die Unternehmer vorschlagen. Das ist be- gründet in dem hundertfachen kapitalistischen Uebergewicht der Unternehmer. Wenn man die Arbeiter verhindern will, an ihren Berufsverbändeu theilzunehmen, ivenn man das Koalitionsrecht gänzlich vernichten will, so liegt darin ein Widersinn, auf den wir sofort den richtigen Trumps zu setzen beschlossen haben. In einer solchen Zeit wie der jetzigen duckt man sich nicht vor den feindlichen Bomben hinter seine Schanzen, sondern dreht den Spieß um und geht zum Angriff über. Darum sagen wir; nein, dem Unternehmer gehört eins auf den Kopf für solche Ungehörig- leiten.(Bewegung. Hört, hört! und Heiterkeit rechts.) Der große Hamburger Gasarbeiterstreik ist auch hauptsächlich darauf zurückzu- führen, daß der Direktor und Pächter der Gaswerke sich veran- laßt fand, den Arbeitern verbieten zu wollen, sich einem Fachverein anzuschließen. In einer Fabrikordnung ist sogar eine Strafe von 10 M, für die Zugehörigkeit zu einem Fachvercin festgesetzt; allerdings ist in derselben Fabrikordnung eine Strafe von 15 M. für daS Rauchen gesetzt.(Heiterkeit links.) Diesen Uebergriffen des Kapitals und der Unternehinerverbände gegenüber, die ebenso auf den» Gebiete der Innungen stattfinden, giebt es kein Gesetz und keinen Staatsamvalt; hier muß der Reichstag einschreiten. Tie ungeheuere Verbitterung der Arbeiterklasse und die lange Dauer der Streiks in den letzten Jahren ist wesentlich erzeugt worden durch die gemeingefährliche Anwendung des Sozialisten- gesetzes, die Streikerlassc Putikamer's und diese kapitalistischen Uebergriffe. Wir verlangen die Ausdehnung der von uns vorge- schlagenen Arbeiterschutz-Bestimmungen auf die Hausindustrie, das Handwerk und die kaufmännischen Gewerbe; die Landivirthschast ist ein Blümchen, welches man nicht anrühren darf ohne sofort die volle Entrüstung der Herren von Rechts auf sich zu ziehen, das hindert uns aber nicht, die Ausdehnung unserer Schutzbestimmungen auch auf die Landwirthschaft zu verlangen. (Lachen rechts.) Zun» Schlüsse rufe ich Ihnen zu: Setzen Sie den Hebel an in dem Sinne unserer Antrüge zur Beseitigung der zu Tage liegenden Mißstände, dann werden Sie sicher zur Besse- rung derselben und zur Förderung des sozialen Friedens beitragen! (Beifall bei den Sozialdemokraten.) Ülbg. w, Stu i»i»(Rp.): Ter Vorredner hat seine Friedens- sehnsncht am besten mit dem Grundsatz illustrirt: Tie Unter- nehmer sind es, die wir auf den Kops schlagen wollen. Dem reiht sich würdig die Behauptung an, daß in dein Waldenburger Streik, wo die Leute einfach todt geschlagen wurden, zu scharfe Urtheile ergangen wären, Herr Grillenberger hat sich selbst als Unternehmer eingeführt; in keiner Fraktion sitzen so viel Unter- nehmer, als in der sozialdemokratischen; wahrscheinlich sind es also die in ihren Kreisen gemachten Erfahrungen, die die Herren hier vortragen.(Ruf links: Sehr schwach!) Wir haben andere Erfahrungen. Die Löhne sind um das Doppelte und Dreifache höher gestiegen als die Lebensmittelpreise. (Ruf bei den Sozialdemokraten: Das ist nicht wahr!) Nach Herrn Grillenberger dient jede neue dem Arbeitgeber auf- gelegte' Last dazu, die Prositmacherei zu vermindern. Weiß er denn nicht, daß zahlreiche gut geleitete Unternehmungen einfach zu Grunde gegangen sind? Was übrigens brauchbar in Ihren früheren Vorschlägen war, ist vom Reichstag nicht zurückgewiesen worden, dagegen mit Recht Unpraktisches wie der Normalarbeits- tag. Der achtstündige Normalarbeitstag ist eine Utopie, die Sie im Herzen sicher selbst dafür halten. Jedenfalls wird er nicht internationales Gemeingut werden, wenn wir ihn zum Gesetz erheben. Ter Vorwurf, daß der Entivurf die Gleichberechtigung der beiden Parteien durch die Strafbestimmungen zerstöre, ist unge- rechtfertigt. Ter§ 153 garantirt gerade die Gleichberechtigung beider Faktoren, und die von Herrn Grillenberger versuchte Beweisführung ist dafür der beste Beweis. Dergleichen Be- Häuptlingen aufzustellen, hat fast etwas Kindisches.(Präsident von Levetzow rügt den Gebrauch dieses Ausducks einem Abgeordneten gegenüber als u n z u l ä s s i g.) Der Abg. Schräder hat ge- ineint,dieseVorlage bcn'eise, daß das Sozialistengesetz ausgegeben sei. Ich bin jedenfalls nicht so orieniirt in den Kreisen des Bundesraths wie der Abg. Schräder, um darüber ein definitives Urtheil ab- geben zn können. Ich vermuthe aber, da das Sozialisten- gesetz mit dieser Vorlage in keinem direkten Zusaiumenhange steht, ein Sozialistengesetz entweder vom Bundesrath oder von Seiten des Reichstages noch kommt.(Unruhe links.) Ich bin sogar der Ueberzeugung, daß nach dem 1. Oktober d. I. Zustände eintreten können und werden, welche selbst den Abg. Schräder und seine Hintermänner dazu bestimmen werde», einem Sozialistengesetz später zuzustimmen.(Lachen links; Abg. Singer: Sie scheinen ja schon bedeutende Engagements gemacht zu haben!) Daß die Versicheruugsgesetzgebung sich nicht als genügend erwiesen, kann ich nicht zugeben. Ich vetrachte diese Vorlage als eine historische Entivickelung der bis jetzt bei uns erlaffenen sozialpolitischen Gesetze. Sie schließt sich an die Gewerbeordnung von 1809. Die Bestrafung des Trucksystems, die Bestimmungen über die Beschäftigung jugendlicher Arbeiter kamen damals sogar schärfer zum Ausdruck, als es heute vorgeschlagen ist. Erst 1878 ist eine Milde- rung dieser Bestimmungen eingetreten. Wenn die Linke nicht damals gegen unsere und des Zentrums Bestrebungen Front ge- macht hätte, so würde ein Theil des heutigen Arbeiterschutzes längst Gesetz geivorden sein. Stach den Ergebnissen der inter- nationalen Konferenz haben unsere Zustände eine» Vergleich mit den auswärtigen Staaten nicht zn scheuen. Oesterreich und die Schweiz sind uns allerdings etwas voraus. Die Schwei; hat es aber nur mit der Textilindustrie zu thun, und in Oesterreich stehen die analogen Bestimmungen über den Normalarbeitstag auf dem Papier. Frankreich hat sich auf dem internationalen Kongreß bei der Abstimmung über den Sonntagsschutz des Votums enthalten. Alle diese Vorbehalte schließen aber nicht aus, daß ich auch diese Vorlage mit Freude begrüße, ich betrachte sie als einen erheblichen Schritt nach vorwärts nicht bloß nach der theoretischen, sondern nach der praktischen Seite hin. Ich theile nicht die Ansicht des Abg. Miquel, daß dies lediglich ein erster Schritt sei, dem bald andere folgen müßten, sondern ich glaube, daß wir mit diesem Gesetz zu einem gewissen Abschluß und dadurch zur Ruhe kommen. Ter Abg. Miquel hat sich für eine Arbeiterorganisation ausgesprochen und sich dabei aus England be- zogen. Wenn Herr Miquel die englischen Verhältnisse kennte, so wurde er wissen, daß man in England die Trades-Unions höch- stens noch als nothivendiges Uebel betrachtet. Dem aufmerksamen ---—• V. i------'---------.... Beobachter kann es nicht entgehen, wie verschieden die englische Disziplin infolge der Einwirkung der Trades- Unions und die deutsche Disziplin ist. Run ist oft gefragt worden: woran liegt es, daß es in England nicht gelingt, Gußstahlgeschütze herzu- stellen? Das liegt daran, daß ein vollkommen blasenfreier Guß nur dadurch ermöglicht wird, daß jeder von den 100 und 1000 Arbeitern vom Kopf bis zur Sohle von keinem anderen Gedanken beherrscht wird, als daß die Sache richtig verlaufe. Ohne diese militärische Disziplin kann man an so schwierige Dinge nicht herangehen. Einzelne Arbeiter werden ganz gewiß diesen Mangel an Disziplin durch eine höhere sittliche Kraft ersetzen können. Bei der großen Menge aber ist dies nicht der Fall, auch darüber ist man in England einig, daß die persönliche Freiheit der Ar- beiter unter der Herrschasr der Trades-Unions sehr viel geringer ist, als bei den» tyrannischsten Unternehmer in Deutschland. Noch »n der letzten Zeit sind in dieser Hinsicht ganz Drohungen seitens der Gewerkvereine in England erlassen nv den, soweit würde kein Arbeitgeber in Deutschland gehen- jK keiner Arbeiterordnung sind Strafbestimmungen enthalten, entfernt mit diesen drakonischen Strafsätzen vergleichen WJ'* Bisher wurden die Trades-Unions immer in einem gewisse»'' servativen Sinne �geleitet, sie hielten sich von potitsselen- strebungen fern. Seitdem aber So�deniokraten�»�--� sind, hat sich die Sache geändert. Diejenigen Arbeiter, w 4 bisher für dieselben waren, fangen an, in das andere SW.. überzugehen. Die Presse folgt ihnen, und viele verständige. in England meinen, daß man eventuell zu ähnlichen Bechach � kommen werde, wie in Amerika, wo bekanntlich der— � Arbeitgeber und Arbeiter zu einer völligen werfnng der Rnights of labour geführt hat. f® ,. ganz unvermeidlich, daß in solche Vereins sich®'linL mischen, die mit der Sache gar nichts zu thun 9»' Bei uns in Deutschland würde von vornherein r —....,. j)je Ha»!» Verein, wie ihn der Abg. Miquel im Auge hat, in o\V iigenb_elnei poWift# � 0, heute schon Organe'der freisinnigen Partei, die Fachoerewe�� bedingt Organe der sozialdemokratischen Partei befriedigende Verhältnisse, ein persönliches Vertrauen„, Arbeitgeber und Arbeiter besteht, bestehen weder Gewerkver«> noch Fachvereine. Wenn der Abg. Miquel sich auf die Z»°l beruft, so übersieht er, daß es sich damals um Bestrebm g, handelte zum Schutz der Ordnung gegen die Unordnung.■». sein Hinweis aus die Bauordnungen und darauf, daß>»»!?., diesen Beschränkungen der persönlichen Freiheit des thums, weil sie nothwendig und nützlich waren, fügte, istA. stichhaltig. Wenn heute eine Stadt eine Bauordnung nach.. Richtung erließe, daß die Fundamente säinmtlicher Hm'-Ks.j eingerichtet wären, daß beim i ersten Sturin das-v. umfiele, so würde man sich an eine solche Bauord»»» nicht gewöhnen. Man gewöhnt sich nicht an eine �, ..........— die init.t� JUt � Wollen wir mit den Arbeitern zusammen Herr iin Hanse bb>� nung, welche den Umsturz dessen, rm.V»' i 4. r\f f.' J_........ f dann dürfen uns nicht von außen her von Herren, v..-■. Betriebe gar nichts zu thun haben, Ordres zukommen. Da» kein Vorurtcheil, und es handelt sich hier nicht um den— � zwischen Optimismus und Pessimismus, 1 onoern opr' � theoretischer Doktrin und praktischer Erfahrung. Wenn k'f Frieden wollen, so organisiren Sie nicht künstlich! Arbeckg. lind Arbeiter soll man persönlich zusammenfassen und nicht. einanderreißen. Was nun das Gesez selbst anbetrifft, so f#"-, i-.ju>... m.ti:-----— s;. brauen-»,<, V 4 tlkWIV V44 V 4 pv«»> 4* 44 � I»'- t--------- II'' zil"'| sich die Bestimmungen über die Soitntagsruhe, die-'s sich! ti'i /■» r» St« iir»>>o2("8 rtll. Ü 0?.'»»> Kinderarbeit an die Beschlüsse des Reichstages an. ös '— tbm— leichtesten eine Verständigung herbeifuhren � lerdings auch, daß dem Bundesrath zu'veufl... Befugnisse eingeräumt werden. Darüber sollten sich ov. Vit' jenigen Herren am wenigsten beschiveren, welche selbst diest.� c»...• r. vi... cm.___'___"..... 4.... t 77 rCil J..,l fugniß dem Bundesrath eingeräumt wissen wollen. I»"tm auf die Feiertage hat der Verfasser des Gesetzes einen l»Ps,uj.iPi sofern begangen, als er zu Neujahr zivei freie Tage den Arve» geben will, nachdem sie bereits zu Weihnachten zwei fre)«. bekommen haben. Indessen glaube ich, daß man über diese andere Verhältnisse sich leicht verständigen könnte. Ich wuA schlimmsten Falle sogar bereit sein,'diesen ganzen'""Jm Es wäre überhaupt zweckniaßig��.��» sn bloc anzunehmen, ü» ivare uvei>j»»v<- Theil zunächst fertig zu machen und den Rest auf die Hew'i.Lz zu vertagen. Dann würden wir diligentiam präsiiren, ofrLff wir während des Sommers hin und her verhandeln und vi> physisch nicht in der Lage sind, dieses ganze Gesetz zu h... schieden, denn die übrigen Gebiete sind sehr schwierig» J arbeiten. Dies gilt zunächst von den Beflimmungen uv minderjährigen Arbeiter. Zweifellos ist die Verminderunfl-J Autorität der Eltern so himmelschreiend, daß hier etivas 0% muß. Der Vergleich mit den Studenten schlägt den Abg. � � berger selbst. Denn die Studenten verzehren ganz gen»» was die Eltern ihnen geben, abgesehen davon, daß sie W jst machen(Lachen links), das thut aber der Arbeiter auch- junge Arbeiter soll ganz einfach den Theil der Em'.,,) bekommen, den der Vater ihm zuweist. Aller 4 hat der Abgeordnete Grillenberger darin Recht, daß& wi unter den älteren Leuten Lunipe giebt, und es- sehr ungerecht, wenn tüchtige junge Leute absolut unter 0' ivalt unwürdiger Eltern gestellt würden. Ich glaube, die freie Vereinbarung zwischen Arbeiter und Arbeitgeber greifen muß. lieber die Vorschriften zum Schutz der Gesu», Sittlichkeit und des Anstandes wird sich hoffentlich eine ständigung ergeben. Ich halte es aber für unmöglich-� Dinge dem Oberverwaltungsgericht in Preußen als instanz zu unterwerfen. Es ha um lokale Besichtigungen, die können. Es ivird also nichts W. behörden eine Machtvollkommenheit zu geben. Als habe ich ja auch eine gewisse Besorgniß, daß niöguclst,� Ehikanen eintreten können. Indessen b« der segensreichen 4» keit der Fabrikinspektoren ist anzuerkennen, daß Auswüchft die oberen Behörden stets ausgeglichen werden. Will Instanz haben, die neben den Polizeibehörden sungirt, so Berussgenoffenschasten dazu geeignet. Die Fixirung eines arbeitstages ist für gewisse Betriebe, in denen die Ges» durch den Aufenthalt allein schon, nicht durch die»YB.»wt ........--■- aber allgemein««AH H? 1 II i 1 �".bereit lr K Puten, s.) 4% •»QU SJ5 »Nlß US «TO ».'•'Hl dS SS ü gefährdet ist, durchaus ivünschenswerth. wurde der Maximalarbeitstag für viele Gewerbe zu 1»% viele zu lang sein. Ein Portier wird in zwölf Stunden>'»V angestrengt, wie ein Feuernrbeiter in acht. Die kräftigsten ö arbeiter arbeiten innerhalb ihrer zwölsstündigen Schicht WLi sieben Stunden, und für diese würde eine achtstündige Achf iiif völlig unzulässig sein. Das ist der große Jrrthum, daß D'! spannung der Arbeitskraft sich lediglich nach der Zeit richte' � sticht nach der Art der Arbeit. Eine möglichst große Anstre-'�, in kurzer Zeit ist weit schlimmer als eine geringere bei de- p', the'lung auf längere Zeit.(Sehr richtig! im Zentrum.)% i» Vorlage über die Bestrafung des Kontraktbruches vorsch»'» das Mindeste, was auf diesem Gebiete geschehen kann, we»?,.�! bedenkt, daß das Gefühl für Rechl und Gesetz in unserer kerung gekräftigt werden soll. Es handelt sich nicht um ein Privatverhältniß zwischen Arbeitern und»» gcbern, sondern auch der Staat und alle Klaste» Bevölkerung haben ein Interesse an dem Schutze � ein zziiiereste an oem gesetzlichen Zustande?. Die Strafen sind auch im-, hoch bemessen. Ist es denn gleichgiltig, wenn Hamburg ohne Gasbeleuchtung bleibt, wenn die Gasanstalt die Bete-.zs einstellt und alle Privatleute plötzlich ihren Betrieb» lassen müssen? Dergleichen muß verhindert werden, Grillenberger: Tann muß der Direktor bestrast'„stii Daß die Arbeiterordnungen obligatorisch sein und den A zur Begutachtung vorgelegt werden sollen und von den f, K zurückgewiesen werden können, wenn etivas Ungesetzluy� ji> gegen die Sittlichkeit Verstoßendes darin enthalten ist, ffFhpl'' ivesentlich zur Vermeidung von Streitigkeiten zivischen und Arbeitgebern beitragen. Bedenken aber habe ich 0% I» vorgeschlagene Maximalstrafe und gegen das Verbot,» V. Vergehen außerhalb des Betriebes Strafen zu verhäug) Maximalstrafe in Höhe des doppelten ortsüblichen trifft den niedrig gelohnten Arbeiter zu stark, den hoch 0 getö zu gering. Es müßte vielmehr das Doppelte � I *®UmC S SL i p K 61 f »bÄ s: «s gering. Es müßte vielmehr das Doppelte als Maximalstrase festgesetzt werden. Noch mein Bedenken gegen das Verbot der Bestrafung gehen außerhalb des Betriebes. So scharf laßt sich 6» keit des Arbeiters innerhalb und außerhalb de- BeMe � trennen. Wohlfahrtsei nrichtungen, wie Kranke» häuft. �, Menagen. Schlafhäuser, lassen sich allerdings nocy un«*�. 1% .v.wiutyvu,«cymsynuier, iagen|ra) aucroings nocy"äl griff des Betriebes subsumiren, aber es giebt noch an{.>i 1 richtungen, Vergnügungen und Veranstaltungen, die mckft tt M»«». SA, f.--- ijtx.—---—«l.—Wait fallen, aber doch Wohlfahrtseinrichtungen zu Gunsten EHn ,it«' lM Ii!» »inB welchi tt# , Ml- :t,# eitW UntfP * emen" fot«1 jedil ßSnf neik* ne te«<-!» wi#" K bung«« 10« 1 Z itWB , lg- bleibe-' nl M Las % sind, welche der Arbeitgeber lieber unterlassen würde, wenn solchen Gelegenheiten verübte Vergehen an Arbeitern nicht , s-f-n könnte. Zu deii schiversten Schäden in vielen Industrie- 11'Qc», gehören die Durchstechereien zwischen Vorgesetzten und »r iU)|> Pp�nUs)=0mn Eesetzentwurs zu schaffen. Es kann aber f-izei, de» Vaterlandes gereichen, wenn Sie auch dafür Zibir und' bc>3 persönliche Verhältniß zivischen Arbeit- �chts) Arbeiter untergraben, sondern gekräftigt ivird.(Beifall Sg I s 1 W K i I.WU Wir haben der Erörterung des si»terim«?��"i Wort und That schon zu einer Zeit unsere nichi L,, angedcihen lassen, als diese Bestrebungen sich noch siixten �Mpathie aller Fraktionen und des Bundesraths er- Vl-w. bcgvichen selbstverständlich auch die gegenwärtige in!öc,,,-oui das Freudigste. Die wichtigsten Paragraphen sind die itomt u? �e Sonntagsruhe. Der Arbeiter, dem nicht gc »viim....'—_.—"D/'-—■/ l«nikmii-.ft Gebot der Sonntagsruhe zu halten, handelt htji �.F/ wenn er sich auch über die anderen Gebote hin nur KW B i D«:' | I ■»«y m hes M s» ,-"lrcik»� x an Stelle der Entschädigung beim �cht wä» � tlme- 3U s�en ist, ist mir zweifelhast. Viel- |'n fiCn" kine Buße nur dann in Anwendung zu bringen, wenn fex f," Ächadennachiueiä nicht zu führen ist. Die Arbeits- fc A,'i"Ä"deriährige sind nothwendig, und die gute Tendenz, j-Htte» der Eltern und Meister gegenüber den jungen C»" lordern, ist anzuerkennen; andererseits wird die väter- h leider zu oft mißbraucht, so daß die Auszahlung % ift v mQ". die Eltern in vielen Fällen ungerecht wäre. Jeden- toll,„h h le Bestimmung, daß in der Fabrikordnung festgesetzt werden dirju f?.r"ohn an die Eltern oder die Minderjährigen ausgezahlt > stir uns unannehmbar. Vermißt wurde bisher eine Re- Berhältnisse der Betriebsbeamten, Werkmeister, .iso?!'. und wir werden diesen Theil der Vorlage mit Auf- sitlxj.'lettlii der Kommission verfolgen. Bedenklich ist, daß den lilWt. �«enheit gegeben werden soll, sich über jede b 1 Bk L„ wVtifn0 der Fabrikordnung zu äußern. VernüMiig , S' daß sie gehört werden, wenn über die einmal Mige� >Ko,>. z�it hinausgegangen werden soll,«nveruünftiMist es Aikn m �'ner vielleicht durch die Geschäftslage nothwen«g wer- !&, ��rminderung der Arbeitszeil. Einen Normalayeitstag ��«chftne einzuführen, ist kaum möglich. Durch kürzere und Iwcre Arbeit wird der Arbeiter oft mehr erschöpft, als durch r,. und langsamere Arbeit. Die Forderung eines achtstün- 'Arbeitstages ist durchaus unberechtigt und nur als Agi- '»mittel zu verwerthen. Es würde dadurch eine absolute der jetzt bestehenden Verhältnisse, namentlich der ift» s. nisse herbeigeführt werden. Der Arbeiter wird in �"den so viel verdienen wollen, als jetzt in 11 Htti stunden. Das muß die Produktion vor- %n,..und zur Vcrlheuerung der Lebensmittel füh- ch; Die Vorlage will zufriedene Unterthanen schassen, bei d>e hohe Absicht unseres Kaisers, Zusriedenheit arbeitenden Bevölkerung zu schaffen, wird nur dann erfüllt l nneu' wenn die preußische Regierung zugleich das Mnifi der Gcrmanisirung in den Volksschulen, in welche die -St£}} Arbeiter ihre Kinder zu schicken gezwungen sind, ver- ''Ion,,, r müssen verlangen, daß die in der Vorlage in Aussicht Ml,U'°»-n Fortbildungsschulen wirklich ihre praktische Aufgabe nicht Pflanzstätten der Agitation gegen das Polen- \ti»* den. Daß das nur unter voller Berücksichtigung der geschehen kann, werben Sie Alle begreifen Dem - wird die Einführung der polnischen Sprache als lstzio. Awgsgenstand in der Volksschule zu verlangen sein. Das ,�en �'wirrungs- und Berwilderungsstiftem miiß einmal ans- Mneo f.ftN richte an den Sieichskanzler die bringende Bitte, t'ffer nn'lr si als preußischer Ministerpräsident zur Abstellung y N.�itände geltend zu machen. Vor fünf Jahren sprach ich %'»Cherchez lo chnncelier", um oainit anzudeuten, daß L�fcHcn auf den Reichskanzler zurückzuführen sind. Wir wollen wen».- wir das Wort bald wiederholen können in dein Sinne, fiü."ns(j)nrUlr fuch-a, wir eben den Reichskanzler finde», welcher Usafl ü:. s gegenüber angeivandte Ausrottungssystein beseitigt. i».Äbg � den Polen.) °T.t,ftecer(Elsaß-Lothringer): Wir erkennen die be- 'gten K Sfrf % üft cy.�fpniche aus Ardeiterschutz an. Wie das Ende des ru�i-Md s,Ä"uderts den Ansprüchen deS dritten Standes gegen- «drüber wir jetzt den Ansprüchen deS vierten Standes so weit sie berechtigt sind, nn'issen sie beivilligt �»!!"atiom.r Forderungen der modernen Arbeiterbewegung sind ft iT�Noen Vorgehen der Regierungen gegenüber diesen Sa* int-,"1� deshalb auch ein internationales sein; deshalb -bp�agö,..,-"anale Konferenz mit Freude» zu begrüßen. Die fcie lj wicht;!""'si dem Arbeiter unbedingt gesichert werden. Fast dien�aschi..! V* die Beseitigung der Nachtarbeit der Frauen; "ci-n'1 Und tü, fallen eigentlich zur Erleichterung der Arbeiter iui,?er g.-�atzdem haben sie etivas herbeigeführt, was niemals ich dur!?�!?'st. Tausenden von schwachen Frauen iju- Taao? vie Maschinenarbeit die Nachtruhe während L Jahres entzogen, dadurch miiß die 'fte N'nq d°!�,ö"kl>nftigen Geschlechter leiden. Durch die Be- Arbeitszeit der Frauen wird in der Textilindustrie «,JMig der Arbeit überhaupt eintreten; aber in Be fftbe* wo ciJL erroeie iiociyuuvi % S wird.j" m 9?.V"'cht oder nur sehr wenig verivendet .-bj.�aate-■ Verkürzung nicht eintreten. Wir können auch *'""-•'>-»< x....—" �.r___ man nicht ohne Weiteres ein- <& h.-wiiht c w unschenswerth; denn das Vagabondenthum der Ärbeitss,»�!".großen Fabrikzentren. Wir begrüßen es, »buch dem Vater und nicht dem jugendlichen Arbeiter ausgehändigt werden soll, daß der Lohn an den Vater gezahlt werden kann. Dadurch wird der jugendliche Arbeiter an die Familie gefesselt. Bezüglich der Vestraftmg des Kontrakt- braches müssen wir einige Ausstellnngen, welche Herr Schräder und Herr Miqucl gemacht haben, vollständig theilen. Streiks sind nicht mein Ideal, aber sie sind gegenwärtig das einzige Mittel, um dem Arbeiter zu seinem Recht zu verhelfen. Solange der Lohn des Arbeiters von der unbarmherzigen Konkurrenz abhängt, solange darf die Koalitionsfreiheit nicht eingeschränkt werden. Abg. fjarhiile(Volksp.): Im Namen meiner Freunde von der Volkspartei freue ich mich, die Erklärung abgeben zu können, daß auch wir ausrichtig sympathisiren mit der Tendenz des zur Berathung stehenden Gesetzentwurses. Wir erblicken in dem- selben den— wenn auch theilweise noch unvollständige»— Versuch einer Verwirklichung von Idee», für deren Berechtigung unsere Partei seit mehr als zwei Jahrzehnten eingetreten ist. Wir werden demnach mitarbeiten an der Ausgestaltung dieses Gesetzes, und zwar mit dem doppelten Bestreben: Einmal den Bedürsniffeii der arbeitenden Klasse nach festerer ilnd gesetzlicher Regelung großer Arbeitsbedingungen, nach Schaf- fnng zweckmäßiger Organisation und nach Schutz vor körperlicher Ueberansttengung loyal Rechnung zu trage». Andererseits er- kennen wir die möglichste Vermeidung von Maßregeln, welche in schroffem Uebergang und ohne Zivischenstadien die Produktions- bedingungen der deutschen Industrie ändern würden, als ein ge- meinsames Interesse der Arbeitgeber wie der Arbeitnehmer an und wollen dasselbe berücksichtigt wissen. Von diesem Stand- punkte aus werden wir eine Reihe wichtiger Bestimmungen deS Gesetzes annehmen können, andere dagegen zu ändern ver- silchen. Vor Allem werden wir uns denjenigen Bestim- mungen anschließen, welche die Einmischung der Polizei- behörden in die Ordnung der Arbeitsverhältnisse mög- liehst zu beschränken versuchen. Es sind eine Anzahl ge- wichtiger Bedenken von den Vorrednern bereits hervorgehoben worden, denen ich mich zum großen Theil anschließen kann, ohne sie wiederholen zu wollen. Es kommen noch andere dazu, so z.B. bestimmt der§ 138, daß Arbeiterinnen, bevor sie die Arbeit be- ginnen dürfen, vom Arbeitgeber der Ortspolizeibehörde schriftlich angezeigt werden müssen. Dies ivar bisher nur erforderlich, wenn jugendliche Arbeiter in einer Fabrik beschäftigt wurden. Die Ausdehnung der'Anzeige auf die Arbeiterinnen ist eine weitere Vermehrung der vielen Schreibereien, welche dem Arbeitgeber die Sozialgesetzgebung aufgebürdet hat und die ohne Roth nicht ver- stärkt, verden sollten.(Beifall links.) Darauf wird die weitere Berathung vertagt. Abg. Miqurt(persönlich):_ Um jedes Mißverstandniß zu beseitigen, bemerke ich, daß ich nicht verlangt habe, daß von Staats- oder Gesetzeswegen die ganze arbeitende Klasse in bestimmten Berufsvereinen organisirt werden solle. Ich habe gesagt, daß nach meiner Auffassung diese Organi- sationen nicht künstlich gemacht werden können, sondern daß sie wachsen muffen. Die Gesetzgebung habe nichts weiter zu thun als den Boden hierfür freizumachen und Mißbrauch zu verhüts Ich will also Herrn v. Stumm und seine Arbeiter gar. zwingen, eine solche Organisation zu machen. Paßt sie beinhin und seinem Betriebe nicht, dann wird eben diese Pflanze dort nicht ivachsen. In anderen Verhältnissen ist es sicher viel richtiger, der Sache eine wohlgeordnete gesetzliche Grundlage zu gebe». Abg. v. Stumm: Ich habe die Ausführungen des Abg. Miquel so bekämpft, wie er sie eben bekämpst hat. Für meine persönlichen Verhältnisse trete ich hier nicht ein. Ich bin Ab- geordneter des Deutschen Reichstages und Vertreter des deutschen Schluß Bi/4 Uhr. Nächste Sitzung: Dienstag l Uhr. (Fortsetzung.,der heutigen Berathung.) Lokales. Mir«»-halt«» folgrude» Schreiben au« Neiuickeudorf: Das verfluchte Wühleruest! rief der Graf B. v. Br. zu dem Bruder seines Kammerdieners, als er hörte, daß derselbe ein Be- ivohner Reinickendorss sei.„Das verfluchte Wühlernest!" Aber weswegen der Zorn dieses Mitgliedes der Edelsten der Nation gegen die armen Reinickendorfer? Nur weil sie es gewagt hatten, auf dem Grund und Boden des hochedlen Grafen Wahlstugblätter und Stimmzettel zu verthcile». Wahlstugblätter, in welchen den Herren Großgrundbesitzern die Wahrheit gegeigt wurde, und dieses ist nun freilich nicht hübsch, denn für manche Wenschen, ob sie nun rothes oder blaues Blut habe», giebt es gar nichts Gröberes, wie die Wahrheit; und da mußte der Herr Gras wohl zornig werden. Und wie würdevoll muß es ausgesehen haben, als der Herr Gras, wie mir ein Ar- boiler des Gutes erzählte, am Wege im Walde ein paar solcher Flugblätter smid. In höchster gräflicher Rage hob er diese höchst eigenhändig auf. zerriß sie in Atome, die fürchter- lichsien Drohungen gegen die bösen Sozialdemokraten aus- stoßend. Er trampelte diese Ueberbleibsel, als ob er von einer ganzen Anzahl Teufel besessen wäre, in den Boden. Ach der arme Graf V. v. B-.. Doch ich will nicht von dem Grasen erzählen, sondern von Reinickendorf, denn derartige Käuze giebt es riete in Niederbarnim, und muß es auch geben, damit die Lustigkeit nicht ausstirbt, die doch der Gesundheit sehr zuträglich sein soll. Hier in Reinickendorf sieht man noch Vieles, was an die verflossene llieichstagswahl erinnert, an den Laternenpfählen, ans welche» sich keine Laternen befinden, denn int Sommer nehmen wir diese ab, denn brennen thun sie nicht, und was sollen wir nns die Laternen unnöthig vollstauben lassen— an diesen Laternenpfählen sieht man noch Plakate, durch welche die Wähler zur Versammlung nach dem Seeschlößchen eingeladen werden. An Zäunen und Mauerwerk steht mit rother Schrift:„Wählt Stadt Hagen" und die Majorität von Reinickendorf hat der Auffords rung Folge geleistet. Denn Stadthagen erhielt 1061€ trotz Ämlsvorsteher, Nachtwächter und trotzdem die welche immer den Pelz wascht, ohne denselben /Http zu machen, den Konservativen Vorspanndienste leistete, mußte sich Herr Lohren mit 875 Stimmen begnügen. Kann man es da den Wirth der„patriotischen Ecke" verdenken, daß er diesen Rechnung trägt? Die„patriotische Ecke" ist nämlich ein Bier- nnd Braiintweinlokal. Ter Wirth hatte die Schaufenster seines Lokals recht sinnig mit Kümmelflaschen und Büsten von Fürsten und Feldherren ausgeschmückt. Da es aber nun viele schlechte Menschen giebt, und zu diesen gehören natürlich die Sozialdemo- kraten, die eine derartige Dekoration nicht zu würdigen verstehen, infolge dessen ihre Nickel anderswo in Bier oder Branntwein anlegten, die Nickel der Sozialdemokraten aber denselben Werth haben wie die Nickel der Konservativen, und da die schlechten Menschen die Majorität haben, so hat der Gastwirth diesem Umstand still- schweigend Rechnung getragen. Zuerst nahm er die Biisten der Fürsten nnd Feldherren a» beiden Wahltagen aus den Schau- fenster», später auch des Sonntags, in Anbetracht, daß viele Leute ans Berlin kommen, die geneigt sind, ein paar Nickel anzulegen — nnd jetzt sind die Porträts vollständig auS dem Schau- enster verschwunden. Ja, ja, der Patriotismus ist, wenigstens was man heute darunter versteht, eine schöne Sache; aber, man darf sich dabei nicht an den Taschen chädigen. Ein paar hundert Schritt weiter befindet ich das Lokal von Meinke. Hier hängt eine Tafel:„Säle zu Festlichkeiten und für Vereine". Aber zu Arbeiterversammlungen sind die Säle des Herrn Meinke nicht zu haben. Hier war das Wahllokal für den östlichen Theil, aber glänzende Geschäfte hat der Wirth dabei nicht gemacht, die Arbeiter tranken kein Bier bei ihm. Wer daS Bedürfniß fühlt, den innern Menschen ein wenig zu stärken, ging schräg über bei Emil Kirsch, wo man für 10 Pf. ein gutes Glas Bier bekommt und die Arbeiterblätter lesen kann. Abermals ein paar hundert Schritt weiter befindet sich das See- schlößchen. Es ist dieses das einzige Lokal in Reinickendorf, welches für die Arbeiter zu haben ist. Es ist Unrecht von den Berliner Genossen, daß dasselbe nicht besser besucht wird. Tie Pferdebahn fährt bis vor die Thür des Lokals. Dasselbe ist voll- ständig neu renovirt, ein herrliches Laubdach schützt uns gegen die Strahlen der Sonne; der(hintere Theil ist schön am Wasser des Reinickendorfer Sees gelegen und bietet eine herrliche Aussicht. Den Zaun, welchen der Restaurateur Süß hatte ziehen lassen, aus Brotneid, wie die Einen, aus nachbarschaftlicher Frenndschaft wie die An- deren sagen, um den Besuchern deS Seeschlößchens den Anblick des Sees zu entziehen, damit dieselben nicht die See- krankheit bekommen sollten, ist verschwunden. Diesen Zaun ließ Herr Süß ziehen, unmittelbar nachdem unter großem Klimbim, unter Theilnahme der Behörden, Festpredigt des Orts- Pfarrers sowie Gesang der Schuljugend u. f. w. die Enthüllung des Kaiser Friedrich- Denkmals stattgefunden hatte. Infolge dieser Intoleranz und weil außerdem das Lokal zu Ar- beiierversammlungen nicht zu haben ist, wurde in einer Versamm- lung, welche im Seeschlößchen stattfand und von 5—600 Personen besucht war, der Beschluß gefaßt:„Das Lokal des Herrn Süß nicht mehr zu besuchen, und die Arbeiter, welche die Badeanstalt, die dem Herrn Süß gehört, besuchen, aufzufordern, ihr Bier im Seeschlößchen oder bei Emil Kirsch zu trinken." Dieser Beschluß wurde nun zum größten Leidwesen der Arbeiter, von einem Würdenträger Reinickendorfs mißverstanden, oder falsch berichtet, denn derselbe äußerte:„Ick habe seit 78 nich jebadet, aber da die dreckige Bande sich nich mehr in See abwascht, wer ick wieder baden" und ist Herr Süß schön raus und der Würden- träger auch und die übrigen Reinickendorfer erst recht, denn nun haben sie einen Würdenträger, der sich gewaschen hat. Schräg- über dem Seeschlößchen beftndet sich das Lokal von Goldacker „Zum Bürger-Garten", hier dürfen aber nur gutsituirte Bürger einkehren, denn die Sozialdemokraten, die doch auch so zu sagen Bürger sind, sind von dem Herrn Wirth in aller Form ausge- wiesen worden mit den Worten:„Sozialdemokraten leide ich in meinem Lokal nicht." Sollte nun, wenn das Sozialisten- gesctz fällt, der Herr Goldacker das Answeisungsdekret zurück- nehmen, so werde'ich sofort von diesem welterschütteruden Ereigniß die Redaktion des„Volksblatt" per Telegraph in Kenntniß seyen. Auch der erste Mai ist hier ruhig verlausen, eine ganze Anzahl Genossen hatten sich schon am frühen Morgen im Seeschlößchen eingeftmden, diese scheinen aber von dem Berichterstatter der „Berliner Zeitung" nicht bemerkt worden zu sein, denn der schrieb„im Seeschlößchen regte sich keine Katze". Nim vielleicht ist das, was der Herr schreibt überhaupt für die Katze. irrzi Ale Utelreestchl. Uo» dem Verleger des„Kerl. Lokal-Anzeiger" er» alten wir folgende Berichtigung: Die Redaktion ersuche ich ans Grund des§ 11 des Preßgesetzes bezüglich des Artikels in Nr. 113 des„Berliner Bolksbtatt" vom 18. Mai er., überschrieben „Zur Arbeitseinstellung im„Berliner Lokal-Anzeiger" um Aus- nähme folgender Berichtigung:. 1. Es ist unrichtig, daß ich versprochen habe, die ausstehenden Setzer möglichst bald wieder einzustellen und daß es dann eben bei Versprechungen geblieben sei. Ich habe mich am Mittwoch, den 7. d. Mts., bereit erklärt, von den 31 ausstehenden Setzern am Montag, den 12. d. Mts., 15 Setzer wieder in Arbeit zu nehmen; bezüglich der übrigen ausstehenden Setzer habe ich erklärt, eine Verpstich- tung zur Wiederansnahme(aus dem Grunde nicht übernehmen zu können, weil ich diejenigen Setzer, welche infolge der plötz- lichen Arbeitseinstellung angestellt waren, nicht Knall und Fall entlassen könnte. 2. Es ist unrichtig, wenn es in dem Artikel heißt, daß der Streik nicht beigelegt worden ist. Die von den ausstehenden Setzern gewählte Kommission ist sich vielmehr am Mittwoch, den 7. d. Mts., über alle Differenzpunkte mit mir einig geworden, hat sodann am darauf folgenden Donnerstag bezw. Freitag das Inserat in hiesigen Zeitungen veröffentlicht, daß der Streik be- endigt sei, und mit mir vereinbart, daß am Montag, den 12. d. Mts. die Arbeit wieder aufgenommen werden sollte. 3. Es ist unrichtig, daß der Streik durch mein Verhalten am Montag abermals zum Ausbruch gebracht worden ist. An diesem Tage hatten, der getroffenen Abreoe gemäß, bereits 14 ausstehende Setzer ihre Plätze wieder eingenommen, als sie am Nachmittag plötzlich die Anforderung an mich stellte», einen Revers, aus- zustellen, worin ich wich verpflichtete, die übrigen Setzer inner- halb 14 Tagen wieder einzustellen. Als ich mich dessen weigerte und auf meine noch am Vormittag auch von ihnen gutgeheißene Erklärung hinwies, legten sie abermals die Arbeit nieder. 4. Es ist unrichtig, daß ich den Setzern ein Schriftstück vor- gelegt haben soll, worin ihnen eine ehrenwörtliche Enthaltung zedweder Agitation abverlangt wurde. Das Schriftstück, welches von den 14 am Montag wieder eingestellten Setzern auch that- sächlich unterzeichnet worden ist, enthält nur die ehrenwürtliche Versicherung, die vierzehntägige Kündigung, welche erst einige Monate vorher ans Wunsch der Setzer bei mir eingeführt worden ist, inne zu halten. 5. Es ist unrichtig, daß ich den streikenden Setzern die'Aus- ficht gemacht habe, sie in blassen einzukaufen, wenn sie aus dem Unterstützniigsverein deutscher Buchdrucker austräten. Ich habe während der Verhandlung in keiner Form verlangt, daß sie aus dem Verein austreten, vielmehr ihnen ausdrücklich erklärt, daß ich gegen ihre Zugehörigkeit zum Berein nichts zu erinnern habe. Hochachtungsvoll Au g u st S ch e r l. Streik der Kerliner Schuhmacher ist beendet und e zu Gunsten der Arbeiter ausgefallen. Es sind, wie on in früheren Berichten ausgeführt wurde, in der dritten Klaffe-Geschäften im allgemeinen Zulagen gemacht worden, während in der Friedrichstadt die Forderungen, welche gestellt waren, bis auf einige kleine Extraarbeiten voll und ganz durch? geführt sind. Einige Geschäfte allerdings, welche von Streik- blechern schon während des Streiks besetzt wurden, haben nur Zu? lagen gemacht. Dieses sind aber nur einige, nicht wie die„Volks? Zeitung" schreibt, es hätten nur fünf Goschäste bewilligt. Es liegt nun an den Schuhmachern selbst, jetzt sich der Organi- sation anzuschließen, um das Errungene fest zu halten; zugleich haben sie die Pflicht, ihre Werkstatt-Zusauuiienkünfte beizubehalten, um dadurch die Einigkeit zu fördern, denn ohne Einigkeit kein Sieg und ohne Organisation kein Festhalten der Errungenschaften. Wir sprechen hiermit auch zu gleicher Zeit den Arbeitern nnd Zlrbeiterinnen unseren Dank ans für die Unterstützungen, welche sie uns während unseres Kampfes um die Existenz haben zu Theil werde» lassen, denn ohne wesentliche Unterstützung tonnte der Kampf nicht zu Ende geffihrt werden. Die Arbeiter und Arbeiterinnen haben auch hier wieder bewiesen, daß sie gewillt sind, ihre, im Elend und Siechthum dahin lebenden Brüder von der großen Ausbeutiing von Seiten der Unternehmer zu befreien und ihnen ein menschenwürdiges Dasein mit zu erkämpfen. Wir machen zugleich noch bekannt, daß die noch ausstehenden Sammellisten sobald als nur möglich, gezeichnet oder nicht gezeichnet, a i Schuhmacher Wartenberg, Oranienftraße 170, Hof Quergebäude 2 Tr., und an I. Süßmeyer, Kronenstraße 68/69, Hos links 2 Tr., von Morgens 8 bis Abends 8 Uhr einzuliesern itiid. Die Lohnkommission der Schuhmacher Berlins. Achtung Tischler J In der Werkstatt von H y a n, Rüders- dorfer>traße 26, sind eine Anzahl Kollegen gemaßregelt. Diese Maßregelung ist auf die Maifeier mid aus Eintreten der Kollege» für eine geregelte Arbeitszeit zurückzuführen. Anlaß zur Maß- «getmig gab folgender Vorfall: Die„Kollegen" bei Gebrüder Michalchek, Preuß und Schmitt arbeiteten am Sonntag bis spät Nachmittags. Von mehreren Kollegen mit dem Hinweis, daß jetzt doch etn großer Theil Tischler auf der Straße liegt, zur Rede gestellt, gab bereu Erwidenmg einen etwas lauten SöortftrcL infolge dessen Herr Hyan mehreren Arbeitern die Entlassung gab? weil sie„hetzten". Hierauf erklärten sich noch andere Mitarbeiter solidarisch und stellten die Arbeit ein. jüo» Herrn Eifchendörfer erhalten wir folgende„Berichtigung": 1. Tie von mir in der„Graph. Presse" kritisirten Arbeiter- ausschüsse wurden von mir nicht befürwortet, sondern eine ganz andere Form der Kommissionsbildung beantragt, wo- durch ein Widerspruch meines geschriebenen und gesprochenen Wortes absolut ausgeschlossen ist. 2. Ich hatte weder eine Windungskunst noch eine Klausel benützt, sondern nur von dem Rechte des offenen und freien Wortes, welches jeder Bersammlungsbesucher hat, Gebrauch gemacht. g. Eine Ansicht, daß mein Auftreten demoralisirend erscheine, trat nicht zu Tage. Dieselbe würde gebührend zurückge- wiesen worden sein. 4. Daß mehrere Oberlithographen und Oberdrucker die ver- nünftige Taktik der Lohnbewegung anerkennen, habe ich nicht betont, sondern nur von den Chess in dieser Be- Ziehung gesprochen. 5. Eine Scharte hatte ich mir nicht gemacht, daher auch die Nothwendigkeit nicht vorlag, eine auszuwetzen. 6. Ob mein Schritt unkollegialisch und verwerflich war(welchem die große Majorität beipflichtete), überlasse ich getrost dem Urtheil jedes Kollegen. 7. Eine wöchentliche Entschädigung von 33 M. war wohl von der Kommission am 27. April beschlossen, aber(obwohl dieselbe nicht mehr beschlußfähig war) am 30. April wieder rückgängig gemacht. S. Es haben sich nicht„alle" Redner, sondern nur zirka 5 gegen meinen Antrag erklärt, während sich zirka 15 Redner dafür aussprachen; auch hat A. Schulz nicht sachlich da- gegen gesprochen, sondern mich erst nach Annahme desselben persönlich verdächtigt. S. Der Vergleich mit dem Leiden Christi und Jschariot ist dadurch unverständlich, da ein Berrath unter keinen Um- ständen nachzuweisen ist. 10. Ich war niemals und daher auch nicht„Jahre lang zeichnender Redakteur des christlich-sozialen Korrespondenz- dlattes", sondern nur vorübergehend 4 Monate zeichnender Redakteur des„Deutschen Volksblattes", Berlin. 18. Mai 1830. Chr. Tischendörfer. Wenn, was wir nicht beurtheilen wollen, alle Berichtigungs- gründe ebenso stichhaltig sind, wie der letzte, den Herr Tischen- dörser anführt, so schwebt seine Berichtigung allerdings in der Lust. Das„Deutsche Volksblatt" ist aus dem„Christlich-sozialen Correspondenzblatt" entstanden— welcher Umstand wohl genügen dürfte, die politische Qualität des Herrn Tischendörser in das richtige Licht zu stellen. Vvvfmmnluugim. Eine Generaluersammlung de» sozialdemokratische» Wakloereins de» sechste» Kerliuer Neichatago- Mahl- kreise» tagte am 13. Mai in Weimann's Volksgarten. Ans der Tagesoronung stand: Abrechnung. Vorstandswahl. Vortrag des Herrn Becker, Diskussion und Verschiedenes. Die Abrechnung ergab: 353 Eintritte ä 80 Pf.. 2147 Beiträge ii 20 Pf., durch Tellersammlung 3,30 M.. alter Bestand 4,94 M., Gesammteinnahine 550,34 M., Gesammtausgabe 543,00 M., bleibt Bestand 0,74 M. w e �visoren erklärten die Abrechnung für richtig, somit wurde dem Kassirer Decharge ertheilt. Bei der Vorstaudswahl wurden wieder gewählt: Ernst, erster Vorsitzender, Elsholz, zweiter Vor- sitzender, Marzahn, erster Kassirer, Fuchs, zweiter Kassirer, Schwabe, erster Schriftführer,. Herbst, zweiter Schriftführer(neu gewählt). Bath, als Beisitzender. Als Revisoren wurden wieder gewählt: Fiek und Grasnik, neu gewählt wurde Treuchelt. Hierauf erhielt Herr Becker das Wort zu seinem Vortrage„lieber die Ziele der Arbeiterbewegung." Redner referirte unter dem Beifall der Versammlung über das Gothaer Programm vom Mai 1875. Die Diskussion hierüber war eine lebhaste. Folgende Resolutionen wurden einstimmig angenommen: 1.„Die heute in Weimanns Volksgarten tagende Generalversammlung des sozial- demokratischen Wahlvereins des 0. Berliner Reichstags-Wahlkreises wolle beschließen, daß kein Mitglied oder deren Angehörige das im Sommer stattfindende Bundesschießen besuche», zu welchem dieStadtverordneten-Versammlung 40 000 M. bewilligt hat, aber für die Kinder der freireligiösen Gemeinde keine Schulräume zurBer- Sigung stellt.— 2. Die heute in Weimanns Volksgarten tagende Versammlung möge beschließen, so lange kein Bairisch Bier zu trinken, bis die 31 Brauereien die Forderung der Brauergesellen voll und ganz unterschrieben haben.— 3. Die heutige Versammlung beschließt, den Sommergarten bei Puhluiann's nicht zu besuchen. Ebenso wurde folgender Antrag angenommen: Bei Bedarf von Zigarren die Witlwe Hasenelever, Chuusseestr. 49—50, zu unterstützen, damit die materielle Lage der Frau unseres Genossen Wilhelm Hasenelever eine nicht unerträg- liche wird.— Bemerkt sei noch, daß in der Versammlung kein Bairisch-Bier getrunken wurde, worüber der Oekonom Herr Wei- uiann sich in unzufriedener Weise äußerte. Das Selterwasser wurde bald darauf für alle geworden erklärt, da jedoch eine enorme Hitze im Saal war, holten mehrere Genossen ihre Ge- tränke von den nächstliegenden Restaurationslokale», um sich vor Durst zu schützen. Ciue vroste ösfe»tliche UersautUtlnng der Maler, Lastiirer, Anstreicher und veno. Berussgenossen Berlins tagte ani Freitag, den 10. d. M., unter Vorsitz des Kollegen Hohlwegler in den Gratweil'sche» Bierhallen, Kommandantenstrape 77/79. Tagesordnung: 1. Wie stellen sich die Berliner Kollegen zum Hamburger Streik und wie halten wir den Zuzug fern? 2. Verschiedenes. Zum ersten Punkt der Tagesordnung nahm Kollege Maticken aus Hamburg das Wort und führte ungefähr folgendes aus. Im Jahre 1873(die sogenannte Gründerzeit) erfochten sick) die Hamburger Kollegen die neunstündige Arbeitszeit und einen Tagelohn von 4 Mark 20 Pf. pro Tag. Dieses Erworbene ging von Jahr zu Jahr wieder zurück bis im Jahre 1887 auf ein Niveau von 3,30—3,60 M. pro Tag und zehnstündige Arbeitszeit. Da traten die Kollegen wieder in eine Lohnbewegung und erreichten einen Minimallohn von 48 Pf. die Stunde. Seitdem nun Hamburg in den Zollverband getreten ist, stiegen die Miethen sowohl wie Lebensmittel enorm hoch und ist eine Lohnausbesserung unbedingt nothwendig geworden. Redner führte einige Beispiele von Lebens- Mitteln und Miethe an, aus denen hervorging, wieviel es fetzt mehr wie früher kostet. Nun fühlten sich die Hamburger Kollegen gezwungen, da die Ausgaben bedeutend gestiegen waren, auch die Einnahmen zu vergrößern und kündigten daher der Innung den alten Lohntarif. Es wurde eine Kommission beauftragt, einen neuen Tarif auszuarbeiten und den Meistern vorzulegen. Die Herren Jnnnngsmeister wollten aber hiervon nichts wissen, und hielten überhaupt die Kommission nicht für kompetent, um mit ihnen zu unterhandeln. Sie meinten einfach, es müsse federn Einzelnen überlassen bleiben, ob er dieses geben will oder nicht. Die kleinen Meister zahlten den Lohn, aber die großen nicht. Es wurde nun über die letzteren die Sperre verhängt und zahlte jeder arbeitende Kollege pro Woche 6 Mark zum Streiksond. Da wir in Güte unsere Forderung nicht bewilligt bekamen, setzten wir gleich noch einiges hmzu, und war der neue Lohntarif folgender.— Neunstündige Arbeitszeit. pro Stunde 60 Pf. Minimallohn. Ueberstunden bis 10 Uhr 10 Pf. und nach 10 Uhr 25 Pf. pro Stunde Zuschlag. Sonntags die Stunde 75 Pf. Wir standen bereits auf dem Höhepunkt und der Sieg wäre ganz bestimmt schon unser, da 300 Kollegen Hamburg verlassen hatten, wenn da nicht gerade em starker Zuzug von Berlin gekommen wäre. Es kamen an einem Tage achtzig Kollegen an von Berlin. Redner betonte, daß er nicht glaube, aß dieses alles Berliner seien, aber sie kommen doch von Berlin. W wurde denn beschlossen, einen Telegirten hierher zu senden, der�n Verbindung mit den hiesigen Filialen Schritte thut, den Zuzif� fern zu halten, denn hier heißt es. der Innung(die in Hamburg nur ein Kometenschwanz der Handelskammer ist) und dem Kapital einen wirksamen Damm entgegen zu setzen. Redner spricht sich anerkennend Namens der Hamburger Kollegen aus für die Schritte, die sofort hierzu gethan sind und fordert alle Kollegen auf, sich fest an die Organisation zu schließen und Schulter an Schulter zusammen zu kämpfen; hier heißt es, den gemeinsamen Feind, den Moloch des Kapitals zu besiegen, und demgegenüber müssen wir vereint, verbrüdert und gewappnet dastehen. Brausen- der Beifall lohnte den Redner für sein gut gehaltenes Referat. Kollege Hohlwegler schilderte den Import der hier angeworbenen Streikbrecher und sagte sehr treffend, es wären wohl von diesen die allerwenigsten Berliner, sondern meistentheils Leute aus an- deren Städten und dunkle Elemente, die sich hier ablagern. Denn nur aus der christlichen Herberge zur Heimath werden diese Art Leute bezogen. Das Gros der Berliner Kollegen stehe diesem Treiben der Innungen feindselig gegenüber, und haben so viel Ehre und Solidaritätsgefühl im Leibe, so etwas nicht zu thun. Es wird vielmehr die größte Agitation entfaltet werden, um solches zu verhindern. Redner stellt einen Antrag, eine Kom- Mission zu wählen, die hierzu noch die weiteren Schritte thut. Derselbe wurde angenommen und 11 Personen hierzu gewählt. Nachdem noch verschiedene Redner aus eigener Erfahrung die Anwerbung(durch die Hamburger Meister Bauer und Rösicke, die hier als Agenten fungiren), ebenso die Fahrt, Ankunft und vom Bahnhof schleichen, dann wie Sklaven einlogirt, am andern Morgen ausgesucht und wer keine Arbeit bekommt, kann sehen wo er b l e i b t u. s. w., ordentlich beleuchtet hatten, wurde folgende Resolution angenommen:„Die heute hier tagende öffentliche Versammlung der Maler, Lackirer, Anstreicher und verwandten Berufsgenossen erklärt sich mit den Ausführungen der verschiedenen Redner einverstanden und beschließt, mit allen ihnen zu Gebote stehenden Mitteln den Zuzug nach Hamburg fernzuhalten. Der Hamburger Sieg ist auch unser Sieg. Eine Aeußerung des Arbeitsvermittlers Peters von der Christlichen Herberge wollen wir noch erwähnen. Als der große Trupp von 80 Mann hier angeworben war, und sich anschickte, nach den Bahnhof zu gehen, sprang der betreffende Herr(?) auf einen Tisch und sagte:„Meine Herren, ich wünsche Ihnen, daß Sie gesund und glücklich von Hamburg wieder kommen mögen." Also erst wird den Leuten gesagt, der Streik ist beendet, und hinterher kommt eine fürchterliche Warnung. Gerade, als ob die Hamburger Kollegen schon am Bahnhof mit einen großen Knittel stehen, und Jeden, der nach Hamburg kommt, die Knochen entzwei schlagen. Es sprachen noch mehrere Redner über diese Angelegen- heit und wurde dann die Bersammlung mit einem Hoch auf den baldigen Sieg der Hamburger Kollegen geschlossen) Am Montag, de» 1Ä. Mai, Abends 9 Uhr, fand eine öffentliche Versammlung der Dachdecker Berlins und Umgegend im Lokale des Herrn Gründe!, Dresdenerstr. 116, mit folgender Tagesordnung statt: I. Vortrag des Kollegen Rackwitz über: „Ueberproduktion und der Achtstundentag." 2. Wie stellen sich die Dachdecker Berlins zur Gründung einet Filiale des Verbandes der vereinigten Dachdecker Deutschlands im Süden Berlins? 3. Verschiedenes. In das Bureau wurden die Kollegen Mehrlein, Görnitz und Robert Schulz gewählt. Da Kollege Rackwitz noch nicht erschienen war, so wurde zum zweiten Punkt der Tages- ordnung geschritten. Kollege Mehrlein kritisirte zuerst das Verhalten des Kollegen Jbold, und referirte dann über Zweck und Ziele des Ver- bandes. Es wurde dann zur Gründung der Filiale Berlin Süd geschritten. Gewählt wurden Görnitz zum Vorsitzenden, Krämer zum Kassirer und Scholz zum Schriftführer. Da der Referent nun erschienen war, so erhielt er das Wort zu seinem Vortrage. Derselbe wurde mit großem Beifall aufgenommen. Zu Ver- schiedenem führte Herr Görnitz noch aus, daß sich Herr Jbold im vergangenen Jahre hatte zum Vorsitzenden wählen lassen, sich aber nachher nicht mehr um die Filiale bekümmerte, sondern hat sie zu Grunde gerichtet, sonst stände die Filiale jetzt schon in der schönsten Blüthe. Zum Schluß forderten noch mehrere Redner zum Beitritt des Verbandes auf. Es meldete sich noch ein gemaßregelter Metallarbeiter zum Wort. Derselbe kritisirte das Verhalten der Arbeitgeber den Arbeitnehmern gegenüber; dem- selben wurden zur Unterstützung der gemaßregelten Metallarbeiter 10 M. überwiesen. Der Fnchverein der Meber«»d Ver,»a»dter Ker»fs- genösse« hielt am Dienstag, den 13. Mai, eine Wanderversammlung im Lokale des Herrn Gnadt, Brunuensiraße 33 ab, mit folgender Tagesordnung: Vortrag des Herrn F. Berndt über „Zweck und Ziel der Gewerkschaftsbewegung", Diskussion, Auf- nähme neuer Mitglieder und Bezahlung der Beiträge, Verschie- denes. Zum ersten Punkt der Tagesordnung entledigte sich Herr Berndt seines mit Beifall aufgenommenen Vortrages zur Zu- sriedenheit der Versammlung. In der Diskussion sprachen sich die Redner in demselben Sinne aus, und machte der Vorsitzende einige Mittheilungen über die Aufgaben, welche sich der Verein gestellt und bereits befolgt hat. Mit dem 1. Juni wird der Arbeitsnachweis des Ver- eins eröffnet, um eine geregelte Arbeitsvermittelung her- zustellen. Unter„Verschiedenes" führt der Vorsitzende Kollege Lehmann den Geraer Streik an, welcher durch die Fabrikanten erzeugt worden ist, durch eine Aufstellung einer für die Arbeiter unannehmbaren Fabrikordnung. Es sei nun unsere Pflicht, die Kollegen in Gera und Umgegend zu unterstützen. Eine Milthei- luug, daß die Innung beschlossen hatte, die Gesellen, welche am 1. Mai feiern, zu entlassen, wurde mit Entrüstung aufgenommen, zumal mehrere Kollegen wirklich gemaßregelt worden sind. Ferner wurde mitgetheilt, daß am Sonnabend, den 17. Mai, bei Joiss, Andreasstr. 26, ein Konzert stattfindet, wovon der Ueberschuß einem schon lange kranken Kollegen übergeben werden soll. ES wurden die Anwesenden ersucht, sich möglichst daran zu de- theiligen. Gin- össentliche Arbeiter-»nb Arbeiter, nnenver- sammlnug tagte am Mittwoch, den 14. Mai, zu Deutsch-Wilmersdorf im Volksgarten, Berlinerstraße 40. Dieselbe war von ca. 150 Personen besucht, darunter zahlreiche Arbeiterinnen. Als Referent erhielt Herr Buchdrucker W. Werner zu seinem Vortrag über den„Werth der Verkürzung der Arbeitszeit für die arbei- tende Klaffe" das Wort und erntete für die sachgemäße und leicht verständliche Behandlung des Themas reichen Beifall. In der hierauf folgenden Diskussion über das Referat sprachen Frau Habigt und Herr Orlopp; Herr Werner»ahm alsdann noch- mals das Wort, um einige nicht scharf genug beleuchtete Punkte klar zu legen in Bezug auf Frauenarbeit und der Macht des Kapitals über dieselbe.— Unter„Verschiedenes" wurde nach kurzer Debatte folgende Resolution verlesen: Ersuche bei allen Bedürfnissen des Lebens, welche uns im hiesigen Ort nicht zugänglich sind und welche wir a s Verlin beziehen. speziell die Geschäfte ins Auge zu nehmen, welche die Forderungen der kaufmännischen Angestellte» de- willigt haben, ebenso im letzten Augenblick den Brauerstreik nicht durch Verbrauch von Bairisch Bier aus solchen Brauereien welche nicht beivilligt haben, illusorisch zu machen.— Eine recht lebhafte Diskussion fand statt, besonders in Bezug deS Brauerstreiks, zu welchem der Vorsitzende R. Meßmer, Frau Habigt und die Herren Albrecht, Rimmig, Hochbaum und Peters sprachen. Vom Referenten wurde zu dieser Sache eine am 13. Mai stattgehabte Versammlung der arbeitenden Brauergesellen einer scharfen Kritik unterzogen und die Streikbewegung der aus- ständigen Brauer nochmals als vollberechtigt anerkannt. Die obige Resolution wurde in ihrer gestellten Form nach spezieller Klarlegung ihres Werthes einstimmig angenommen. Hierauf schloß der Vorsitzende die Versammlung mit einem Hoch auf die internationale Arbeiterbewegung. ir«! Ehnrlott,»b«rg. Der sozialdemokratische Wahlver Charlottenburg tagte am Montag in der Gambrinus-Bn�.-' mit der Tagesordnung: 1. Die Arbeitslöhne und die 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Das Referat hatte Herr aus Berlin übernommen und entledigte sich desselben zu° seitiger Zusriedeuheit der Anwesenden, wofür der äußerer"� liche Beifall sprach, welcher dem Referenten zu theil WWt_ Namentlich im Schlußwort kritisirte derselbe in äußerst ßW. Worten die Bettelei für das Bismarck-Denkmal und fordeR Mitglieder und sämmtliche Genossen auf, einem Jeden, der f � dem Klingelbeutel für''"" r dieses Denkmal betteln käme, in Art abzuweisen und dafür lieber das Geld auf Listen für st � In der nun und arbeitslose Genoffen zu zeichne». �i> o»*■„ recht lebendigen Diskussion sprachen sich sämmtliche Redner s Sinne des Referenten aus. In„Verschiedenes" sprach Herr über die nächsten Kommunalwahlen in Charlottenburg und diu«' den Wunsch aus, die Genossen mögen einen eigenen Kandidat dazu aufstellen und voll und ganz dafür eintreten, damit möglichst großer Erfolg erzielt wird. Hierauf wurden noch lokale Angelegenheiten erledigt die jedoch eines weiteren Jnterstl entbehren. !,.%%%% 2 jS?l «»oni "M «cff-ntlirtje Nirsanunlu»« sämmtlich»» in 8»r u fchliftiot«» Arbeit«, i»»r» am Mittwoch, den ii. Mai, Adends Jorvan's Salon, Neue Ärünfir 28. Große Mititärtchu-id-r Zlersammiung des W.litarschn-w'c «. Sa** an cm«; orfianSA av 4n CYnrhnn'ä SCUOI»/ wT.wal.a--»» «SKS »ins am Dienstag, den'so. Mai," Abend» sfj Srünstr. 23. Uerband der Zimm erteilte. Zobalverband Hertin. Dienstag, den so. Mal, Abend» 8% Uhr, in Feuerstein» Salon. strabe 7s. Um zahlreichen Besuch bittet der Vorstand... ,, Ml Muftst-Nerei» Edel,»riß, Restaurant Liewald, Mariannenstr. Mitglieder erwünscht. Im Juni Sommersest. gnill- ?rr Lobalverband deutscher Zimiuerleut« ,« Schöneber» woch, den 21. Mai, Abend» 8 Uhr, im Saale der Schöneberger eine iSsneralversaniinlima mit folgender TageZordnung ab: l. pro i. Quartal isso. 2. Besprechung der Vorlage über Anträge zum wertertag. S. Verschiedene» und Fragetasien.— Sämmtliche Z>wn> Schöneberg» und Umgegend werden hierzu eingeladen. Neue Mitglieder aufgenommen..................... m ,o.W' «roß» öffentlich« KildI,au-r-N«rsammlu»g am Dienstag. nd»» Uhr, bei Mündt, Köpntrlerstr. wo.»• Der Arbeitsnachweis der Drechsler befindet fich Dresdenerstr 6lt .—■■"-- r*«..- e.---- ewt«_■/ r.» ol/ DOU Abends 8 Uhr, bei Muni D»r- rt11 und ist geöffnet vom 15, Mai ab von Abends 7% bis 8%, Sonntags von io% Uhr Bormittag.. Zlnt,rstüt,ung»bnnd der DttufdUtur, Dienstag, den so. Ma� s Uhr, bei Feuerstein, Alte Jnkobstr. 75, i Tr., Generalversammlung..K,- "'—-—-•"•Aatthlitlirtrtitchllfen***** «roß, Mastenoersammluna aller Aandlunaogrhitfen «tilftnnen am Dienfiag. den au. Mai, Abend» 9 Uhr, im großen Altienbrauerci Friedrichshain«. den 20. Mai, Abends 8% Uhr, Versammlung in Scheffer'» Salon, Tagesordnung: Vortrag von W. Werner über den achtstündigen Aroeo � Die Mitglieder werden ersucht, ihr Mitgliedsbuch abzuholen, soweit I noch nicht geschehen ist. «auoerein periiner Kiidstauer. Dienstag, den 20. Mai er.:".„„j Sthung. Dafür große öffentliche Btldhauer-Versainwi in Mündt'» Salon, Köpnickerstr. wo, Abends Uhr.,„„«est vesaxg-.®urn-»nd gesetliae Vereint am Dienstag. OefoNfl.. Gutenberg" Adends 8% Uhr im Restaurant Quandt, Slratauersirabs „Gutenberg" Avenvs 8% uyr tm ytcsiauvant«uanvr, toiraiaueii"-� Gesangverein„Alpenglühen" AbendS s Uhr im Restaurant Hildebrandt, v{ straße s?.— Schäser'scher„Gesangverein der Elser" Abends s Uhr ...-.„ r,,____ /m____ em u______._______ i— rnifiTlCM* und"»rüger, Slalitzerstr. 12», Gesang.— Männergesangv ereil! ——— Reftaranr Sfftl,'--- -«fe Abend»» Uhr im Reftaranr Fsrk,«ottbuferftraße'2»......„. Bouvardla"(Männerchor) Abend» 8% Uhr im Restaurant„Teutonia� forterflraße 15.— Männergefangverein„Steinnelke" Abend» 9 Uhr in> rant Schulz, Dtetttncrstraße»0—57.— Gesangverein„Harmonie" 8 Uhr in Reukam'» Bierhau», Große Franksurterslr.<9.— Wlänner»' verein„Echo II" Abends 9 Uhr im Restaurant Drillhose, RosenihalersW — Gesangverein„Sängerhain" Abends 9 Uhr tm Restaurant Kaiser'» Grenadierplah 7.— Gesangverein„Bruderherz" Uebungsstunde Aben°° »%— 11% Uhr. Aufnahme neuer Mitglieder.— Gesangverein««f iRoabil" Abend» Uhr WilSnackersir.»8 im Restaurant Jlge».— j'.itt' gesangverein„Hilaritas" Abend» 8 Uhr im Restaurant 38. Gleist, x„»lic> Allee 89.— Gesangverein„Felicitas" Abends 9 Uhr im Restaurant J' � Langcstr. 108.— Männergesangverein„Olympia" Abend« 9 Uhr im Rel�.z2 Gerth, Prinzenstr. 100.— Gesangverein„Liederlust" Abends S Uhr W,, HI rant Lehmann, Raunynstr.*«.— Männergefangverein„Accordia" bei Weicl, Aleranderstr. 81.— Gesangverein„Ludwig'scher Männerchor- ..... sunde. find willrow-A«!-. gWiu % Vörden• 7ten P mußte, Wen schon 7° Mär Mm? f .«mhap "Iben h «"fe der fe" ?5.nnez. T- Die •uttleren & % Mit i A »rin 9 Uhr Ltndenstr. 100 bei Poppe, Uebungsstunde. Gäste sind willlom°�i«le> I pg,.; Männergesangverein„Liedessreiheit" Abend» 8% Uhr im Reftout�Pj; I ost Btumenstr. 38.—„Deutsche Liederlasel, Dirigent R. Maschinsly Ab-n gz«? I im TOafßemvArst Olnonpr lÄrtintn* ssUsn Sa— Uebungsstunde im Restaurant Eaeger, Gruner Weg 29.'— Männs o,, verein„Alte Linde" Abends 8%— IQ Uhr tm Restaurant John», M«1., Mi ----...____________'VUIIV,—.. 7, I straße 19.— Gesangverein„Bleibtreu", Uebungsstunde'Müllerslraß'goib Pohl.— Zitherllub„Anwhion" Abend» 9 Uhr tn Triebet« Hoher Stetnweg 15.— Turnverein„Froh und Frei" sMänn-rabw' bcnd, 8% Uhr. Bergstr.««rltner�rn�M(%�#g N en 9 ablheiiung) Abend» 8 Uhr in der städiischen Turnhalle, Was Tiiriiverelv..Sialenbatde"(Männerablheilung Abends 8 Uhr, ehemaliger Schüler der 37.®emeinbe(chijum üvra»u--,, u»-. a Uhr bei Herfchleb, Adalbertstr. t.— Rauchllub„Portortto", Slben®,„.««ff Manteuffelstraße 119 bei Grewling.— Nauchsiub„Deutsche Fings". 8 Uhr im Restaurant Händler, Wrangelftr. 11.— Rauchklub„Friebr>� �ll« Abend» 9 Uhr im Restauranl kipping, Landsbergerstr. 118».— �«ff „Lustige Brüder" Abend« 8lf Uhr bei Grothe, Fürsieiibergersir. gnügungsverein„Fröhlich keil", Grüner Weg 2». Große GesellschaN ,,»»� verbunden mit Vorträgen. Gäste willkommen. Entree srei.— :% vervunoen wu Jüori vagen.«>aijc iDimommen. vjnuee verein„Sedan" S Huna Abends 6% Uhr Grüner Weg 9—10.— Tamov � 1 "*•.-■ fk—Mi---- Uebungsstunde Abends y!-*lD Restaurant Hahn, Elfafferstr. „Eintgseit macht stark" 57.-°Mustr-NlieiwMen°-rein Abend» U— II Uhr, bei Trucks, Reichenbergerlir. 88. Ausnah" Mitglieder.—„Verguügunazverein Schwarz- Weiß- Roth" jede» Abend 9 Uhr bei Feuerstein, Alte Jakobstraße. Gäste willlouimen. Depierrltc«. (Molffa Telegr-apifeir-Kureau.) Hannover� 19. Mai. Die Spinner der� Hannover � fttfienen; nur r-tii vor«iviiiueiiiiiieii urucuci. dauert daher fort; die Streikkasse hat von Auswärts neuei schuß erhalten.„gil Eine Versammlung von Seifenfabrikanten aus der 4" u«; Hannover und den angrenzenden Landestheilen bc! einstimmig eine wesentliche Erhöhung der Fabrikate,„ der Preissteigerung des Rohmaterials und der Erhöhung beitslöhne. i Sch'lk Kopeulfag«», 19. Mai. Eine von sämmtlichen hlesige» rhedern heute hier abgehaltene Versammlung beschloß die voii den Heizern und einer größereu Anzahl von- gestellten Forderungen abzulehnen und an de» btshertg» bediltguugen festzuhalten. VviekünUen vrv Mevnktiol*» Bei Anfragen bitten wir die RbonnemenlS-QuitNing beizufügen. Antwort wird nicht ertheilt. giW Kchmirdr. Bitte wollen Sie sich bez. Ihrer Annoni unserer Expedition, Beuthstr. 3(im Laden), bemühen. Ä. N.. S-r»ai.--straf!-. Ihre Zuschrift iverden, wenn es nothig ist, von Ihrem freundlichen Gebrauch machen. m A. N- Die Honorarfordernng eines Arztes verfahrt � Jahren, beginnend mit dem 31. Dezember des Jahres, chem die ärztliche Behandlung stattfand., Alt Moabit 35. Wenn Ihre Frau ihr NieSbra.j(,; -' retten will. :a,n.Ä W Friedrichstraße 18), in welchem Sie Ihrem Verwaltung� d Niesbrauchsrechte entsagen. Auch möge aie dafür< der Niesbrauch des ihren Kindern auszusetzenden»apiw> fj Ihnen Beiden gemeinschaftlich, sondern ihr allein verw» S i «s*"! i So «m .gen I der % l 1 jS JS d»» »> s. i 'ii "seit Verantwortlicher Redakteur: Curt Kaak- in Berlin. Druck und Verlag von Ma» Fading in Berlin SW.. Beuthstraße 2. K-,; jlJflß- 5** zu. all' otb"1'' iDUltH' idi!» )Ct# Ii# s? c Ziel» biüdw jiWte» ni'«' S Uhr, m,«"• ,"0 I. A-»' i fSSi WetW*' ti ß «f 0' A ZZ i SK 1 sH 1 2. Beilage zum Berliner Boltsblaii. Nr. 114. Dienstag, den 30. Mai 1890. y. Jahrg. Lokales. R.®ä tritt uns fein freundliches Bild entgegen, die Zahl KW', � Teulschen Reiches eröffneten 481 Konkurse gegen 407 im % s jäm � 1883 424, 1882 892, 1881 420, 1880 475. Beendigt ,ind ge- Mn in demselben Monate 422 Konkurse, davon wurden 22 '» ort wieder ausgehoben, weil die Konkursmasse zur Deckung der M'l nicht hinreichte, d. h. es war nicht nur alles bis zum ää"& ä" a . jS W f erhalten. 120 Konkurse sind durch Zwangsvergleich ��©efchäste die Existenz der mittleren und klemeren Geschäfte iniißte. Miellen itW'�'2� vct miumti» i Wirb. Ein zweiter Faktor in dem Niedergange des hinOcn f,. der wie es scheint zu wenig Beachtung bisher ge- lauf-' besteht in dem Ausverkaufe oder dem Massenausver- Händen»« dem dem Konkurse verfallenen Geschäfte vor- filiin., paaren, welche zu Spottpreisen angekauft, wiederum »'aiiiie- erkauft werden, als die gleichen des nächsten Kauf- scheren nicht allein theurer einkaufen, sondern auch einen diUd'.s-re�aufschlag ivcgcn der theueren Ladenmiethe machen Vxj.'��hrend der Ankäufer der Konkursmassen sich auf kurze «WA,«erkauf derselben in leerstehenden Läden niederläßt, für z>,""�geringe Miethe zu zahlen ist. dilti-/.,, äjMteu dieser Konkursmacher, welche bis dahin dem Oren e �urgerstande zugerechnet wurden, wenigstens diejenigen, öckli.i« � wegen mangelnder Masse aufgehoben oder durch fookw1 i.ei*un8 beendigt worden ist, vermehren die Zahl des '(«nhJf und da allein im Jahre 1889 eine Zunahme der lo ift iie.*Don- lö'8 pEt, gegen das Jahr 1688 stattgefunden hat, i wefet Zuwachs des Proletariats nicht unbedeutend. In dj» o ,SroBer Besorgnist muß man unter diesen Verhältnissen i j..� Zukunft blicken, auch aus anderen Gebieten und in anderen Zu(v J L'ebt es Anzeichen, daß ein Niedergang zu erwarten ist. 7 Nordamerika und in England ist flau und die km»«: ,nug den Eisen produzirenden Gegenden Teutschlands «n»in'chi feOr vertrauensvoll. Die Kohlenindustrie denkt schon ti,>,. Einschränkung und Verminderung der Arbeiterzahl und ...onlichcr Nachbar, Rußland, plant eine erhebliche Erhöhung (i(nii?"9nng5joUes auf Baumwollengarn, dessen legte Wirkung %ch wiederum den Arbeiter trifft. küf/h" bei solchen Zlussichten in die Zukunft von dem?lr- �iw. de verlangt wird, sein Geschick dem Wohlwollen der i»|hetUn.3en anHeim zu stellen, so heißt das, ihm zuzumuthe», Apathie hinfort vegetircn zu sollen, aber ein altes iDolio« ort i°"tet:«Jeder ist seines Glückes Schmied", und das jw. und werden die Arbeiter auch sein. Graf Moltke nennt kir« ,n feinw Reichstagsrede am 14. d. M. die Begehrlichkeit Hl,% Schicksal minder begünstigten Klaffen, Elemente, die den iSs i$en Frieden bedrohen und deutet damit an, daß ein ge- " Niederdrücken ihn nicht unerwünscht sei, aber aus einer Miu? Äußerung ersieht man nur, ivie gering die Kenntniß M?er sozialen Verhältnisse ist in solchen Lireisen, denen Graf angehört. vor einigen Tagen im österreichischen Herren- " in Wien die Vorlage der Regierung betreffend die Zu- 1 der von öffentlichen Lagerhäusern ausgestellten JC�ants(Lagerscheine) zur Eskomptirung(Beleihung) zur Be- En9 stand, bekämpfte der Präsident des Herrenhauses, Graf Lfftein, dieselbe, indem er ausführte, daß die Arbeiterbewegung V?« i?as kapitalistische System, welches er verwerfe, hcrvorge- „i'fg M S # dife, lapitalistische System, welches er verwerfe, yervorge- Ü diese Vorlage aber dieses System fördere und er % ,9e3C;' sie stimmen werde. Jener Graf Kuefstein fand jfsi sff., wie Graf Moltke den Grund der Arbeiterbeivegung in der Arbeiter, sondern in dem kapitalistischen h#* c � Zonnenfiusteruiß sieht uns am 17. Juni ?e>>a-».»��«d?�9innt nördlich beim Slequator a» der Sierra �6".J,u'te Morgens um 73/4 Uhr. Für uns wird die«Finster- M.z/i �iiiße Stunden später sichtbar, so daß es keines Früh- .kiz�ns bedarf, wie am denkwürdigen 17. August 1888 bei der »ur totalen Sonnenfinsteruiß. Das jetzt zu �tch�.' d�Himmelsfchauspiel wird man in aller Gemüthlichkeit wen tonnen, denn es dauert mehrere Stunden. "ni T* der jlostbehörde wird vtm Neuem darauf aufmerk- daß zur bequemen Einlieferung von Packeten in bh-i11' abgesehen von den zahlreichen Stadtpostanstalten, auch h>ei? die Packetbestelleinrichtungen und Packetwagen der Post bch' Mheit geboten ist. Sämmtliche im Dienst bestndliche Packet- SÖeitT1; sind zur Entgegennahme gewöhnlicher Packete behufs betii!, esorgiing zur Post verpflichtet. Auf schriftliche Auffor- >ttfc° A wittelst Bestellschreibens oder Bestellkarte an das kaiier- W �Packetpostamt in Berlin N.(Oranienbnrgerstr. 70) findet sich )[(..■ i-acfet bestellet zur Abholung der Packete in der Wohnung des iw'bets besonders ein. Die Bestellschreiben bezw. Bestellkarteu ? unentgeltlich bejördert; für die von den Packetbestellern lomn ren Bestellfahrten eingesammelten gewöhnlichen Packete iXrcst ißer dem Porto allgemein eine Nebengebnhr von 10 Pf. Mebung. städtischen Parkanlage»» vor dem Schlesischcn Thore gm, J fu diesem Jahre erheblich unter dem Raupenfraß zu leiden! lii,P, Baumgruppen, namentlich in der Nähe des Karpfenteiches, hj�ereits vollständig kahl gefressen und es macht von Ferne den twtUct, als ob Baume und Sträucher vom Feuer versengt den j'Üt. wären. Am wenigsten werden die Fliedersträuche von »Iii»�störenden Thieren aufgesucht, dagegen scheinen sich dieselben der»«?�iiebe auf den Buchen, Rüster» und Linden niederzulayen, l° l»«�ktige Blätter sie zunächst siebartig durchlöchern und dann diese gefräßigen.............. ""inn»« WM* die Plage kaum eine solche Ausdehnw |tj" können. � k �ns,,«« i.''i'r»cher abgefaßt. Der Kriminalpolizei �Mirde pullst j'9_ der Woche die Mittheililng gemacht, daß geöffnet wurde, öffnete er sich selbst die Korridorthür. Dem Patron gelang es denn auch natürlich, einige Kommoden und Spinden zu erbrechen und die besten Werthgegenstände zu sich zu stecken! als er dann aber die Rh.'sche Wohnung wieder verließ, nahmen ihn zwei in der gegenüber liegenden Etageuhälfte auf der Lauer gewesene Polizeibeamteu fest. Da der beabsichtigte Einbruch mehrere» Bewohnern des Hauses vorher bekannt geworden war, sahen den sich abspielenden Dingen manche Personen theilnahms- voll zu und es entwickelte sich eine recht komische Szene. Der zur Haft gebrachte Patron, Namens Wagner, ist ein bekannter und wiederholt mit Zuchthaus bestrafter Einbrecher. Der Fahrgast»mit dem Devolver. Eine Schießaffaire nach„amerikanischem Muster" macht in Rixdorf erhebliches Auf- sehen und dürfte für den„Schlitzen" recht unangenehme Folgen haben. Unter den Berliner Droschkenkutschern, welche ihre Stand- plätze im Süden und Südwesten der Stadt haben, war es schon längere Zeit bekannt, daß ein fein gekleideter Herr die Fahrten nach Rixdorf stets gratis machte, und zwar dadurch, daß er, am Zielpunkte angekommen, heimlich aus der Droschke hinaus springe und im Dunkel der Nacht— die Fahrten fanden nur nächtlich statt— verschwinde, ohne das Fahrgeld zu bezahlen. Am Himmelfahrtstage wurde der Inhaber der Droschke Nr. 3732 von einem Herrn am Belleallianceplatz zur Fahrt nach Rixdorf enga- girt s dort angekommen, versuchte der Fahrgast, die Droschke an der ThomaSstraße heimlich zu verlassen und dann schnell in ein Nebenhaus zu flüchten. Ter Kutscher aber, der den Ausreißer laufen sah und m ihm den gewohnheitsmäßigen Fahrpreller vermuthete, sprang schnell voni Bock und»var im Nu hinter dem Flüchtenden her. Als der letztere merkte, daß ein Entkommen unmöglich sei, blieb er stehen, zog einen Revolver und feuerte, als der Kutscher Miene machte, ihm den über den Arm hängenden Paletot zu entreißen, gegen jenen einen Schuß ab, welcher dicht am Kopfe des erschrocken Zurückprallenden vorbeisauste. Tie Detonation und des Hilfegeschrei des Kutschers hatte eine Anzahl Menschen, darunter den Nachtwächter Schmidt herbeigelockt, welcher den„Schützen" festnahm und dafür sorgte, daß der Droschkenkutscher sein Geld erhielt. In dem geivalt- thätigen Fahrgast wurde der in Rixdorf in der Bergstraße woh- nende Maurermeister und Architekt Wilhelm Gericke ermittelt, gegen welchen bereits seitens des Inhabers der Droschke der Strafantrag gestellt worden ist.— Wie wir hören, ist der Sistirte nach Feststellung des Thatbestandes wieder entlassen worden. Er gab bei seiner Vernehmung an, daß er nur blind geladen hatte und daß er den Droschkenkutscher durch den Schuß nur von sich abwehren wollte. Gericke wird als ein sehr eraltirter Mann be- zeichnet, der in der That, wie in Rixdorf bekannt ist, schon oft mit Droschkenkutsckern in Differenzen gerathen ist. Gi»» Diet-stahl im der Ueich»i»amii. Mit großer Frechheit wurde, wie von amtlicher Seite mitgetheilt wird, vorgestern in der Reichsbank ein Diebstahl ausgeführt, dessen Opfer der Kassenbote eines hiesigen Bankhauses geworden ist. Der Bote hatte auf einen Check die Summe von 20 000 Mark zu erheben, die ihm in sechs Tausendmarkscheinen, fünfzig Hundertmarkscheinen und für den Rest von 9000 Mark in Gold ausgezahlt wurde. Ter Empfänger wickelte die Geldscheine, also 11 000 Mark, in ein Packet, steckte dieses in eine schwarze Ledertasche, während er das Gold in einen Geldbeutel that. Alsdann ging er in die Abthetlung für den Giroverkehr. Hier mußte er warten und setzte sich deshalb auf eine Bank, legte die Tasche links neben sich. darauf die Mütze und klemmte den Geldbeutel zwischen die Beine. Neben ihn an der linken Seite hatte sich alsbald ein junger bartloser Mann, der ungefähr zwanzig Jahre alt sein dürfte, gesetzt. Der Bote nahm dann die Mütze von der Tasche fort, um sich mit derselben Luft zuzufächeln. Diesen Moment muß der junge Mann benutzt haben, um die Geldtasche an sich zu nehmen; plötzlich war der Nachbar ver- schwunden und als der Bote sich bald darauf erhob und die Geldtasche aufnehmen wollte, war dieselbe verschwunden. Iln- zweifelhast ist der junge Mann der Dieb, denn dem Kaffenboten werden seitens der geschädigten Firma die allerbesten Zeugnisse ausgestellt! ihm wären während langer Jahre schon oft bei weitem größere Summen anvertraut ivorden und nie sei die kleinste Inkorrektheit vorgekommen. Unglücklicherweise kann der Bote eine Personalbeschreibung des jungen Mannes, welcher den Diebstahl ausgeführt hat, nicht geben, er glaubt auch, er würde ihn eventuell nicht einmal rekognosziren können. Die geschädigte Firma hat zunächst eine Belohnung von 1000 M. für die Wieder- beschaffung des Geldes ausgesetzt und würde auch, wenn weniger als 11000 M. wieder herbeigeschafft würden, eine entsprechende Belohnung gewähren. Im»imc fatale Situation geriethen, einem hiesigen Blatte zufolge, zwei Berliner Damen, die in der Sommersrische, etwa gegen 8 Uhr früh, ein Bad in der Havel nahmen. Beide hatten, in Ermangelung einer Badeanstalt, ein stilles Plätzchen im Tegeler Walde ausgesucht, wo sie die Garderobe ablegten und dann ins Wasser gingen. Als sie nach beendigtem Bade nach dieser Stelle im Walde zurückkehrten, waren die Kleidungsstücke bis auf die Morgenschiihe verschwunden. Den Dame» blieb nichts übrig, als in das Wasser zurückzukehren und die Hilfe eines vorbeifahrenden Schiffers in Anspruch zu nehmen, der aus ihrer Wohnung andere Garderobe herbeischaffte. Polizeibericht. Am 17. d. M. Vormittags wurde in der Jnvalidenstraße ein Arbeitsbursche von einem itlrbeitswagen und Nachmittags in der Stralsunderstraße ein Knabe von einem Ge- schäftsivagen überfahren. Beide erlitten bedeutende Verletzungen an den Beinen.— An demselben Tage Nachmittags wurden die Pferde einer in der Mohrenstraße haltenden Equipage, deren Führer dieselbe ohne Aussicht gelassen hatte, plötzlich scheu und gingen nach dem Wilhelmsplatze zu durch. Vor dem Hotel Kaiserhof rannten die Pferde gegen eine Droschke, wodurch der Kutscher vom Bock geschleudert und am Kopse verletzt wurde. Das dadurch scheu gewordene Droschenpscrd ging nun ebenfalls durch, rannte auf dem Wilhelmsplatz gegen eine Bank und die auf derselben sitzenden Personen, wobei zivei derselben so schwere Verletzungen am Kopfe bezw. Arm und Bein erlitten, daß die Verletzten»littelst Droschke nach ihren Wohnungen gebracht wer- den mußten.— Am 18. d. M. Morgens wurde ein Mann vor dem Hause AoMlordhafen Nr. 4 von einem Arbeitswagen über- fahren' und�MNt einen Bruch des rechten Oberschenkels, so daß er nach derMMversitätsklinik gebracht werden mußte.— Nachmittags wurh�Me Frau in ihrer Wohnung in der Boeckhstraße erhängt nden.— Am 17. d. M. und in der darauf folgenden ...Z fanden mi fünf Stellen kleinere Brände statt, welche von Rr Feuerwehr gelöscht wurden. einem| "tiidi" ber Neuen Roßstraße am/ letzten Freitaa�ein Ein- UßtZ'.und zwar bei der drei Treppe» hoch wohnenven Frau ckty.I %."Punien werden würde. Tie Polizei verständigte die-»rau beiuachle das Haus am Freitage. Um 8 12 Uhr Nach- {nti,®1. klingelte es an der Wohnung; als aber Niemand öffnete ki% v'te sich der Besucher wieder. Eine Viertelstunde nachher Ni»«,,? Häniliche Besucher, diesmal in anderem Anzüge, zurück, k nochmals wiederholt und heftig, und als wtederum nicht Sszialo UeKerstcht. Am alle Gewerlifchaften Kerlino. Laut Auftrag der Versammlung vom 12. Mai wird nachstehender Beschluß zur allgemeinen Kenntniß gebracht: „Die heute, den 12. Mai ct., in Joel's Salon tagende öffentliche Versammlung sämmtlicher Gewerkschaften Berlins er- kennt die Nothwendigkeit an, sobald als möglich eine Streik- Kontrolkommission für Berlin in's Leben zu rufen, deren Zusammensetzung aus Mitgliedern aller Gewerke vorzu- nehmen ist. Es werden sämmtliche Gewerke aufgefordert,. in nach st er Zeit öffentliche Versammlungen einzuberufen, um hierzu Stellung und eventuell die Wahl der Vertreter zur Kommission(2 bis 3 für die einzelnen Gewerke) aus ihrer Mitte vorzunehmen. Die Resultate der einzelnen Besprechungen, sowie spezielle Berücksichtigungs- vorschlüge sind den Unterzeichneten baldigst mitzutheilen, welche eine allgemeine Versammlung einzuberufen haben, um die Ange- legenheit zum endgültigen Abschluß zu bringen!" Arbeiter! Gesinnungsgenossen! Die Schwierigkeiten nicht verkennend, muß erwogen werden, daß die Frage eine zeitgemäße ist, um der arbeiterfeindlichen Koalition des Unternehmerthums mit Erfolg begegnen zu können, und so glaubt man, in Anbetracht der immer häufiger vorkommenden erfolglosen Streiks, in der Wahl einer Streik- Kontrolkommission ein Mittel gefunden zw haben, den Auswüchsen der kapitalisttschen Produktion mehr go ivappnet gegenüber zu stehen. Das Büreau der Versammlung: Aug. Taeterow, Mauerstr. 9, v. 3 Tr. Karl Thieme, Ruppinerstr. 3. E. W i e d e m a n n, Wendenstr. 2, 4 Tr. auch Wallstr. 7/3, part. links. Achtung Kleutpuer! Kollegen! Die am 81. März dieses Jahres gewählte Lohnkommisston der Klempner richtet hiermit, gedrängt durch den in der am Montag, den 5. Mai, in Sanssouci stattgefundenen Versammlung gefaßten Beschluß, an Euch die Aufforderung, in den Werkstätten Delegirte zu wählen, welche mit den Fragen betteffs Arbeitszeit, Lohnverhältnisse»c. soweit unterrichtet sind, um dieselben in der am Mittwoch, den 21. Mai, in Orschel's Salon, Sebastianstraße 89, stattfindenden Delegirten- Versammlung klarzulegen, um der Kommisston zwecks Ausarbeitung der zu stellenden Forderungen genügendes Material zu unter- breiten. Mit kollegialischem Gruß: Die Lohnkommifsion de« Klempner Berlins und Umgegend, i. A.: K. Mischa, Ritter- straße 124. Achtung Schlosser und Alnschiuernbauaf beiler Kr?!»«« und zlmgegrmd. In der am 13. d. Mts. stattgefundenen Versammlung der Schlosser und Maschinenbauarbeiter Berlins und Umgegend im Königstädttschen Kasino, ist eine Werkstcrtt« Kontrolkommission gewählt worden, welche über Unregel- Mäßigkeiten zu wachen hat, und werden die Kollegen ersucht, etwaige Mißstände, als Ueberstunden und Lohndifferenzen dwi» unterzeichneten Vorsitzenden persönlich zu melden. Carl Schubers, Vorsitzender, Friedrichstr. 33, Hof 3 Treppen bei Paß. Versammlungen. Cine öffentliche Persamiuluttg der Zlohrleger und Seiler tagte am gestrigen Montag, Vormittag 9 Uhr,»n Feuer- steiu's unterem Saale. Den Vorsitz führten die Herren R e ck n e r, V i c i n u s und Colksdorf. Aus dem Situationsbericht über den Streik ist zu entnehmen, daß im Wesentlichen die Lage noch dieselbe geblieben. In der Diskussion darüber machte sich das Auftreten eines Herrn Generalinfpektors Seglet bemerkbar, der für den Jnnungsmeister Scdlmeyer eine stumpfe Lanze zu' brechen suchte. Er ivarf den Rohrlegern vor, daß sie in den An- gaben über ihre Lohnverhältnisse immer nur das Minimum herausgriffen, darauf Trugschlüsse bauten und dadurch sich selbst betrögen. Das von ihm im Gegensätze dazu vertretene Maximum des Arbeitsverdienstes tüchtiger Rohrleger suche man ihm dagegen zu bestreiten. Man solle doch das Mittel herausgreifen, dann iverde man, wie in allen Fällen, der Wahrheit nahe kommen. Ter Herr Redner, den die Versammlung, obgleich er offenbar Uebertriebenes vorbrachte, ruhig anhörte, wartete die Entgegnung der von ihm Angegriffenen gar nicht ab, sondern verschwant» sofort nach Beendigung seiner rhetorischen Leistung.— Herr Becker widerlegte kurz und sachlich seine Ausführtmgen. Er führte aus, daß in Wahrheit gerade bei Sedlmeyer der Stunden- lohn des Einzelnen nicht mehr als durchschnittlich 30 Pf. betrage. Mehrere Redner nahmen, anschließend daran, noch Veranlassung, auf den Gegensatz hinzuweisen, den man in der Behandlung egnerischer Redner bei den Unternehmern und bei den Arbeitern inde. Bei den Ersteren habe man einfach den Gegner hinaus- geworfen, um unbeobachtet auf die Gegner schimpfen zu kön- neu. Man habe den denkvar provokatorischsten Redner ruhig angehört. Dies lasse erkennen, auf wie schwachen Füßen die Sache der Gegner stünde. Ein—„Jnnungsbruder"— anders könne man diese Leute nicht nennen— habe in der oft erwähnte» Jnnmtgsversammlung zur Bekräftigung seiner Worte mit denr Kitittel auf den Tisch geschlagen. Dies komme bei den Arbeitern nicht vor. Der Herr sei jedenfalls ein Abgesandter des Herrn Sedlmeyer und beauftragt ivorden, die Rohrleger vom ferneren Festhalten an den aufgestellten durchaus gerechten Forderungen abzuhalten. Doch dürfte dieser Liebe Müh' umsonst sein. Es ivard noch auf eine kommenden Donnerstag Abend am gleichen Orle vornehmlich für die arbeitenden Kollegen einzuberufende Versammlung aufmerksam gemacht und darauf mit einem drei- fachen Hoch auf die gute Sache der Rohrleger und Helfer die Versammlung geschlossen. Achtung! Mitglieder sämmtlicher freien Hilfskassen. Die Vertreter dieser Kassen waren am 14. d. M. wiederum in einer Sitzung zur Schlußberathung über das für 1890—91 geltende Aerzteverzeichniß zusammengetreten. In dieser Sitzung wurde Alles noch einmal genau geprüft und sämmtliche Beschwerden, soiveit wie möglich, berücksichtigt. Unter anderen! mögen folgende Zusätze, unter Vereinbarungen, zur Ausklärnng dienen, daß, so- fern mehrere Mitglieder einer Familie erkrankt sind, der Besuch und Behandlung des ersten Patienten mit einer Mark jedoch für jeden weiteren Kranken nur 50 Pf. in Anrechnung zu bringen sind. Im Weiteren wird gewünscht, die Meldungen zum Be- such eines Patienten möglichst Vormittags und in den Sprech- stunden des Arztes zu machen, damit event. Unannehmlich- ketten vermieden werden. Zur Charakteristik diene folgen- der Vorfall: Ein Arzt wurde zu einem entfernt wohnen- den Patienten, zu einer bestimmten Tageszeit, ge- rufen und benutzte zur Ausübung seines Berufs eine Droschke, welche ihm 2 M. kostete. Nachdem nun die Behandlung ge- schehen, glaubt der Patient unter Vorzeigung der Legitimation, nicht mehr als 1 M, zahlen zu brauchen. Daher ist es auch wünschenswert!?, die Legitimation in solchen Fällen bei der Mel- dung, sonst aber bei der ersten Behandlung vorzuzeigen. Alles Nähere liefert das Verzeichniß, mit Ausnahme einiger Apotheken, welche einen Prozentsalz gewähren; dieselben sind bei den Vor- ständen zu crsahren. Mit der Gesammtheit schwebt noch die Ver- Handlung. Wir richten nun an alle betheiligteu Mitglieder die Witte, sich diese neuen Verzeichnisse, welche seit dem 15. d. M. in Kraft sind, anzuschaffen und für die Jnnehaltung derselben Sorge tragen zu»vollen, damit diese Einrichtung den Kassen, sowie Mit- gliedern und allen Betheiligten nutzbringend und zum Gedeihen gereicht. Dio Freie Uerei«tigu,»iz der Gnlvanijrnre und Ke- rufsgeuojsen hatte am 12. d. Mts. eine Generalversammlung ,n Rclzer's Salon, Aste Jakobstraße 83, mit folgender Tagesordnung einberufe»»: Wahl des definitiven Vorstandes; Vcr- fchiedenes. Aus der Wahl gingen hervor: Kollege Kneppel als 1. Vorsitzender; Kollege Weise als 2. Vorsitzender; Kollege Weber als 1. Schriftführer; Kollege Berner als.2. Schriftführer; Kollege Buchhorn als Kassirer; die Kollegen Friede und Wcidcnbach als Belfitzcndc; die Kollegen Bolz, Meizer und Scholz als Revisoren. Unter„Verschiedenen»"»vurde beschlösse»», eine Herrenpartie zu veranstalten»ind der 8. Juni dafür festgesetzt. Näheres darüber wird noch bekannt gegeben»verde»». Auch»vnrde beschloffen, die Kupferschmiede Berlins nach besten Kräften zu»»»terstiitzen. zZpLechfÄol. u stellt die Benutzung deZ Specchscial-Z, soweit Nomn dafür abzu- flcaeit»1», dein Publikum zur Bcsprcchi»»g von Angelegenheiten allgemeinen Interesses zur Bersilgung; sie verioahrt sich aber gleichzeitig dagegen, mit dem Inhalt desselben identifizirt zu iverden. Allf den Artikel in der Sonntagsnumlner des„Berliner Volksblatt", den Brauerstreik betreffend, zur Erwiderung Fol- gendes: _ Auch heute sind»vir noch nicht überzeugt, daß es richtig»var, daß die Lokalkommission in den Streit zivischcn de»» Brauerei- besitzern und ihren Arbeitern eingegriffen hat. Die Lokalkolninission »st von den Berliner Arbeitern gewählt, u>n für ihre Versamm- lungen die nöthigen Lokalitäten zu sichern; sie hatte»nithin erst dann das Recht einzuschreitei», wenn die Besitzer ihre Zusicherlmg zurückgezogen hätte». Das ist bis jetzt noch nicht geschehen. Aber glaubte die Koinmission eingreifen zu»nüffen, so hätte sie in der Dienstagsnummer voriger Woche nicht sämmtliche Brauereien, »vie bis jetzt immer, den Arbeitern als diejenigen empfehlen dürfen, die ihre Säle unentgeltlich zu Versaminlungen hergeben. Wo bleibt die Konsequenz,»venn auf der einen Seite den Arbeitern empfohlen wird, die Lokalitäten der Unternehiner zu benutze»», auf der anderen Seite man sihneii aber abrathet, das Bier der ihm empfohlenen Brauereien zu trinken. Nach unserer Meinung hat die Lokalkommission ihre Befugnisse überschritten. Wir kommen nun zu der„im Interesse sämmtlicher Arbeiter Berlins" gebrachten„Widerlegung" des Sprechsaalartikels. Angenommen, daß»virklich auf 1000 beschäftigte Brauergeselle» 300 Streikende komme»»— den letzteren sind»vohl jeden- falls die bereits entlassenen Mälzer,»velche überhaupt nur von Oktober bis Ende April in den Brauereien beschäftigt iverden, zu- gezählt,— so beweist schon die geringe Zahl der Streikenden, daß die aufgestellien Forderungen von der übergroßen Majorität gar nicht begriffen, und deshalb»»nzeitgeinäße»varei». Durch einen Streik kanst überhaupt nur ctivas erreicht werden,»venn die große Mehrheit der Ge>verkSgeiiossen die aufgestellten Forde- rungen anerkennt.— Daß sich sämmtliche Brauereien in vollem Betrieb befinde»»,»vird von den Artikelschreibern nicht bestritten. Gänzlich hinfällig ist aber»vohl der Theil der„Widerlegung" bezüglich des ArbeilsnachiveiseS. Tie Verfasser des Eingesandt glauben doch als beivußte Sozialdeinokraten selbst nicht, daß ein durch den„guten Willen»»»id der Konsequenz der Arbeiter geschaffener stlrbeitsnachiveis allein es möglich machte, bei der heutigen Produktionsiveise, alte und invalide Arbeiter in Beschäf- tigung zu halten. Es»väre ja dies ein sehr einfaches Mittel, allen Geivcrkschaften zu einein solchen Arbeitsnachiveis zu ver- helfen, und soinit»väre die soziale Sicherstellung und eine Alters- Versorgung der Arbeiter auf privatem Wege erreicht, und das Alles ohne jegliches Eingreife»» des Staates. Das heißt denn doch die längst todt geglaubten Utopistereieu der Hirsch-Dilncker- che»» Geivsrkvereinler mit der modernen Arbeiterbewegung ver- quicken zu wollen. Aeußerst unglücklich sind aber säinmtliche angeführten � die beweisen sollen, daß die Berliner Arbeiter in analoge»» � »nit derselben Waffe kämpften.— Gerade der Verlauf w" den Einsendern angezogenen Boykotts, die anläßlich der«_ der Bäcker, der Hutinacher und Cigarrenarbeiter von on. liner Arbeitern über die Arbeitgeber, welche nicht bewilligt e» � verhängt imirden, lehrt uns ja,»vie vorsichtig man i»,» fl hängung eines Boykotts zu verfahren hat. Ist deim w der angeführten Fülle, in welche»» ein Boykott verhängt's, auch nur etivas Nennenswerthes für die Arbeiter herauSgekoin. ES»vürde zu»veit führen, die äußersten Koirsequenzm solchen Boykottsystems zu entivickeln.... M Was»vürde z. B. geschehe»»,»renn bei einem»n.L der Bäckergesellen die Meister sich 3" stehenden Streik der Bäckergesellen die Meister Ring verbänden—»vie es jetzt von den Unleriiev'»»�. allenthalben geschieht— und die Forderungen der Gesellen» »Viesen, dann wären»vir auf solche Weise gezwungen, stn" vielleicht Fleisch zu essen! Oder wir trinken jeßi, ein I trinken Selterivasser, die Arbeiter der Selterwasserfabriken, schlecht stehen, wollen ihre Lage verbessern. Zu einer Arve stellung ist es bereits auch»virklich gekommen. Da lff � Organisation zur Unterstützung habe», erklären sie»nui � Boden der modernen Arbeiterbewegung" zu stehen. Ihre v. rung»i»uß als eine gerechte anerkannt»verde»— aus Grunde dürfen wir kein Selterivasser trinke».— Was>»>». Wer»vill hier die Grenzen ziehen, bei»velchen Gewerstä) L., bei welchen Streiks der Boykott angebracht ist,»»»»d be»# nicht?— Hat»nan nun bei»» Bäckerstreik»c. falsch gehano-< braucht man doch das Falsche nicht zu»vicderhoteu.-.«p Weiter finden die Ei>»sender u»sere Argumeutirung/° thümlich." Wir finden es eigenthümlich,»venn„eine auf dein � der heutigen Arbeiterbewegung stehende Geiverkschast � die Forderuna 1101 ausstellt:..Die Einstelluna von Arbeil-... zzod« in den Brauereien von Berlin und Umgegend, ist NM sur f ■•-- wereibetneo* hören." Und eine solche Forderung sollte auf den» Bode Arbeiten zulässig, die nicht direkt zum inneren Brauerei modernen Arbeiterbeivegung entsprossen sein? Leonhard Bruns, Emil M»5- Wrangelstr. 61. Wendenstr. 2. Bad Weddingplatz • Bad. Reinickendopfepstr. 2a. 9V Soolqnelle Marie, Filiale vom Admiralsgarien• Komfortadel eingerichtete Badeanstalt. AktheElung für Herr-en und Damen. Wannenbäder für Herren und Damen. 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