Nr. it« Donnerstag, den SS. Mai 1890. 7. Jahrg. Hrgan für die Interessen der Arbeiter. E-nnlags� Nummer mit dem„Sonntags-Btatt. iu.-pi. ll»t rr (Eingetragen in der Postzeitungspreisliste für 1890 unter Nr. 892, V. Nachtrag.) Kren, band, täglich durch die Expedition, für Deutschland und Oestcrrcich-Ungam 2 Mark, für das übrige Ausland 3 Mark pro Monat. Sonn- und Festtagen bis 10 Uhr VornnttaaS geöffnet. -, Fernsprecher: Amt VI. Hr. 4106.«- Nedclkkion: Veukhlkva�e S.— Expedition: Venthitenße 3. leimig üfiumit. bem m6"} ßi'ößei-er Kummer konnte den Reaktionären aus sl e r k ei: ätzten Monate erwachsen, als d a s A b- 9% ipgs bewahren sie ein griinmiges Schweigen darüber, >veil->n �e.m Ablauf des Gesetzes machen wollen; zu über bricht die innere Aufregung durch, und es ' on �'e Herren Junker und Junkergenossen in Wehklagen um die verlorene schöne Zeit, da ,3�,1 wüten St'sn �rz,»ugen um oie»muiene|u;üiic orir, uu ieh.'«, v ttforner als schützender Polizeigenius über auck tschen Haupte schwebte. Dann lassen die Herren und �enig in die tieferen Falten ihrer Herzen blicken äuim Iii erkennen, was sie dem deutschen Volke Alles p» ühen niöchten an Bevormundung und Unterdrückung. »»s/ r � wachsen ihre Bäume nicht in den Himmel, sie werden schon noch ein gutes Weilchen im Schmollwinkel sitzen müssen. opT.u edler Dreistigkeit tverfen sich diese Vertreter ab- sei«,? niittelalterlicher Anschauungen in die Brust, als � ü sie berufen, darüber zu entscheiden, was das wahre Streb, des Landes ist, während ihr ganzes Dei-nu6]1 bocch uur dahin geht, für die Erhaltung cW Klassen- und Standesinteressen zu wirken da Art einzuführen. Es gab eine Zeit, o leJe Bestrebungen sehr gefährlich waren, die Zeit des sells,- jetzt ist es erlaubt, sie von der heiteren Seite nehmen. «. Anders betrachten wir auch die Aeußerungen des Honigs Stumm" nicht, die in der Debatte über die Ar- Ksiterschittzvorlaae der Regierung gefallen find. Hoffent- � werden die Witzblätter bald Anlaß nehmen, einmal *'„armen Millionär", der des gesetzlichen Schutzes sg dringend bedarf, in seinem ganzen Elend l!.-�suber dem Arbeiter darzustellen; die Stuinm'sche Rede jp»., �HUCUtTl UUl,)U|iCuCi( j viv| v«/»vw J" üazu ein reichliches Material. Herr Stumm erhob u,.über auch zur Rolle des Propheten und zivar des ni.jchü�spropheten. Er rief dreimal Wehe über das un- Sm r-c Deutschland und behauptete, nach Ablauf des txJ ü�siengesetzes würden in Deutschland Zustände ein- flesp,"'- daß auch die Freisinnigen gern für ein Sozialisten- tiorh'.tlmmen würden. Der edle Patriot hatte aber auch fotUp einen � für gleich gestimmte Seelen; er hoffe, er» daß von der Regierung oder vom Reichstage Ueues Sozialistengesetz werde eingebracht werden. kon?, 1'9 Stumm hat jedenfalls den Schmerz der ganzen da- �ütiven Partei ausgeströmt; für das Kompliment, ms— �......- ,,...... n-r. t,«; �hm Freisinnigen gemacht, mögen sich diese bei 9ns. �danken. Verdient haben sie jedenfalls ein solches %,b.T Hb: ltu" freiheits- und wahrheitsliebenden Mann nicht verhindern, einein anderen Lande verübte Greuelthaten entschieden zu � urtheilen. Daß ein„Recht" der Einnüschung nur ein schwachen, nicht aber auch einem unabhängigen Staate 9W' über bestehen soll, ist für die Auffassung Gladstone's sehr zeichnend. Frrtttkreich..... Die boulangistische Partei, welche durch Boulange Abschiedsbrief aufgelöst ist, beginnt jetzt sich unter einem ande Titel und ohne B o n l a n g e r neu zu gestalten. Folgendes°' Anstoß Laguerros ausgearbeitete Rundschreiben wurde W an alle Abgeordneten und Gruppen der früheren boulangisWL Partei versandt:„Unter dem Namen„R e p u b l i k a n t s 9 s ozialistisch-revisionistischer Bund" wird Bereinigung von Bürgern gcgrünoet, welche folgenden Grm' fügen als einer Mindestforderung anhängen: 1. Anerkennung°. Republik. 2. Durchsicht der monarchischen Verfassung v. I. durch eine konstituirende Versammlung, deren Werk der aug meinen Volksabstimmung unterworfen wird. 3. Wirthschaftliche u>> gesellschaftliche Verbesserungen, Aertheivigung der Rechte der Arbeue und Förverung ihrer Interessen. Gerechtigkeit und wahre Fff heit als Grundlage der gesellschaftlichen Beziehungen. 4. Gerechng, reit für Paris, Unterstellung des Seinedepartenients unter da? gemeine Recht. 5. Amnestie und Aushebung aller Ausnahmegestf' Die vorläufigen Satzungen des Bundes sind: Art. 1. Der A*'11 1 wird durch einen 2Sglieorigen Anssührungsausschuß geleitet, d*? halbjährlich in geheimer Wahl gewählt wird. Dieser Aussäst� wählt den Vorstand des Bundes. Die Wahl der Generalvew girten wird durch die Generalversammlung bestätigt.— Art.-■ Die Generalversammlung vereinigt sich allmonatlich.— Art.�' Jedes Parteimitglied zahlt einen wöchentlichen Beitrag von wewS' stens lo Cts.— Art. 4. Die beitretenden Bürger und Gruppjj bewahren ihre vollste Unabhängigkeit in allem, was w# das Minimalprogramm und die Satzungen des Bundes de- trifft.— Wie die„ C o c a r d e" bemerkt, hat der Gener« Von langer nur denjenigen Komiteemitgliedern, welche d" Parteisache für verloren hielten, ihre Freiheit geben wollen. Ab denen aber, welche ihm treu bleiben wollten, werde er auch Zukunft in Verbindung bleiben. Er sei nun nicht mehr duri? ein ihm und den Wählern feindliches Komitee vom allgemein� Stimmrechte getrennt. Der Neu-Boulangismus werde vom Land- mit verdienter Gleichgiltigkeit aufgenonnnen werden.— Da mfl': an der Echtheit von Bon langer's Absagebrief zweifelte, 9* der General denselben telegraphisch bestätigt.„Brief von mm aber falsch verstanden worden. Keine Verzuhtleistung, im Gegew iheil; aber ich will keine Veriuittler mehr zwischen allgemeinem Stimmrecht und mir haben." Umsturzes blieb nur die schmale Baracke des alten Bourra» unberührt und unbeweglich, hartnäckig eingepfercht zwisch� hohen Dlauern, die von Arbeitern bevölkert waren. Als am folgenden Tage Denise mit Pepe sich Zsttfl Onkel Band« begab, war die Straße eben von einer R(# von Karren versperrt, welche vor dein alten Hotel Duvillard giegel abluden. Ans der Schwelle seines Lädens stand der nrel nnd betrachtete mit bekümmerter Miene dieses Schaw spiel. In dein Maße, als das„Glück der Damen" M ausbreitete, schien das„Alte Elbens" sich zu verkleinern; Mädchen fand die Auslagen noch finsterer, noch schmort und gedrückter unter dem niedrigen Zwischenstock iiiit den runden Fenstern eines Gefängnisses. Die Feuchtigkeit hatte die grün angestrichene Firmatafel seither noch mehr entfärvl, diese ganze bicigrane Fayade hatte ein so unsäglich traurige? und. kümmerliches Aussehen. — Da seid Ihr nun, sagte Baudu, nehmt Euch 111 Acht, sie iverden Euch über den Leib himvegfahren! Als sie den Laden betrat, empfand Denise die nämliche Beklemmung im Herzen. Sie fand denselben noch düsterer, noch trostloser, als früher. Uebcrall dunkle, leere Winke», Pulte und Fächer vom Staub überzogen; von den Tuäsi stücken, die so lange Zeit nicht berührt wurden, strömte ein Kellergeruch aus. An der Kassa saßen Madama Baudu nn» Genevieve stumm und still; Niemand störte sie. Die Mutter strickte, die Tochter saß, die Hände in den Schoß gelegt, und schaute in's Leere. — Guten Abend, Tante, sagte Denise, ich freue mich- Sie wiederzusehen und wenn ich Ihnen Kummer verursachte, so bitte ich um Verzeihung. Madame Band» ivar gerührt und küßte das Mädchen- — Mein armes Mädchen, sagte sie; wenn ich kciusU anderen Kummer hätte, so würdest Du mich recht fröhlich wieder sehen. — Guten Abend, Base, sagte Denise weiter, indem r Genevieve ans beide Wangen küßte. (Fortsetzung folgt.) 20. Mai. Deputirtenkammer. Verathung des be- m, s f* dem Senate votirten Prepgesetzes. Deschanel erkannte »! das Gesetz von 1881 über die Presse unzureichend, jedoch änf)(ceichen Abänderungen aufrecht zu erhalten sei. Der ®r.snet"�angt die Beibehaltung der Geschworenengerichte für wL�gehen und sagt, eine offene und wahrhaft nationale tolt! atrde die Regierung der Republik stark machen. Eine L T werde es der Regierung ersparen, zu Ausnahlneinahregeln tJu 5u wüsten. Der Deputirte Reinach entgegnete, daß der fn„x®e"d* Gesetzentwurf die Freiheit der Presto nicht berühre, m"," bezwecke, gegen die Zügellosigkeit, die Beleidigungen und SWr u"8en einzuschreiten, welche nichts mit der Freiheit der «rulf#Mein hätten. Die Fortsetzung der Berathung wurde auf �chlten Donnerstag vertagt. m... Kelgieir. in«.. Kussel, 20. Mai. Heute Mittag wird in Jolitnont der "Wwnale Bergarbeiter- Kongreß eröffnet. Unter den engli- utT? Abgeordneten ragen besonders die Mitglieder des englischen »5?wnents, die Herren Thoinas Burt, Fenwick, Pickard, William Ü"nd Bailey hervor. Aus Frankreich sind bereits der des m- Thivrier, der Generalsekretär des Bergarbeiter-Bundes m? pas de Calais Herr Lamendin, wie die von den französischen -m„ i te» erwählten Vertreter, die Herren Basly und Jouveneau .?0ffen- Die Kohlenbecken Belgiens sind vollzählig vertreten .chre Bevollmächtigten haben die Weisung erhalten, vor Allem L flfb,e achtstündige Schichtzeit einzutreten."Deutschland ist durch Abgeordnete vertreten. Vrlrlcimcitkclvifihcs. Nie Reichstagskommisston zur Berathung derNovelle � Gewerbeordnung(Arbeiterschutzanträge) ist am Witt- �bch gewählt worden und hat sich konstituirt: Graf Ballestrem Matrum), Vorsitzender, Dr. Böttcher(natlib.) Stellvertreter, '■ Kropatscheck,(kons.), Stoehr(Zentruin), Dietz(Soziald.) und »tfleisch(deutschfreisinnig). Schriftführer. Außerdem ge- boren der Kommission an: v. Puttkamer, Klemm(Sachsen), Hartmann, v. Kleist-Retzow(kons.), Frhr. v. Stumm, Mer- �4(Reichspartei), Schmidt-Elberfeld, Dr. Hirsch, Wöllmer, o. krause(dfr.), Haehnle(Volkspartei), Hitze, Dr. Lieber, Graf Galen, Stötzel, von Huene, Biel(Zentrum), Möller, Dr. Clemm Cudwigshafen),(natlib.), Cegielski(Pole), Kelul. Di-tz. GWlIenberger(Soziald.)— Zu Referenten sind die Abgg. Frhr. �iunim und GriUenberger bestimmt. Di« Rrichstagskommissto« zur Borberathung des Gesetz- unvurfs, betreffend die Gewerbegerichte, setzte Dienstag �ornnttag die Berathung bei§ 12 fort. Die Absätze 1, 2 und 4 'irden nach der Vorlage angenommen, die Berathung über sf'fwtz 3(Mitglieder eines Jnnungs- Schiedsgerichts sind weder wahlbar noch wahlberechtigt) wurde bis zur Berathung über§ 72 �gesetzt. Nach§ 18 stehen den Arbeitgebern die Stellvertreter betreffende Hausindustrielle ,, der Wähl als Arbeitgeber oder Arbettnehnier anzusehen § 14 bestimmt, daß die Wahlen der Vorsitzenden, deren Stell- Vertreter und Beisitzer der Prüfung durch die höhere Verivaltungs- Mörde unterliegen und Wahlen, welche gegen Gesetz oder Kfahlvorschristen verstoßen, für ungiltig erklärt werden sollen. jw« Wahlen der Vorsitzenden und deren Stellvertreter sind von Ifb höheren Verwaltungsbehörde zu bestätigen. Die Frei- '?nigen und Sozialdemokraten beantragten, diese Stimmungen zu streichen. Wi lisch(freis.) schlägt vor, das Mtättgungsrecht nur für Vorsitzende und deren Stellvertreter in Gemeinden unter 80 000 Einwohnern, sofern die Erfordernisse des '9 40 Abs. 1 fehlen, aufrecht zu erhalten. Auf Antrag Miguel wurde die Bestimmung dahin abgeändert, daß die höhere Ver- waltungsbehörde über die Giltigkcit der Wahle» der Beisitzer wcht schlechthin ex officio, sondern nur dann zu entscheiden hat, wenn Beschwerden gegen die Wahlen vorliegen, im übrigen das UGestätigungsrecht(mir Eventualantrag Eber ty) angenommen. S U Abs. 2 wurde, nach Antrag P o r s ch, Abs. 8 unverändert Angenommen. Laut§ 15 ist das Beisitzeramt ein Ehrenamt und «Inn aus den zur Ablehnung eines unbesoldeten Gemeindeamts, ' Mw. Vormundsamts berechtigenden Gründen abgelehnt werden. ~Me Bestimmung wurde nach der Vorlage genehmigt. Ferner iümmte die Kommission dem Antrage der Sozialdemokraten zu: Die «eiptzer erhalten für jede Sitzung, der sie beigewohnt haben, eine 1 �statthast.§§ 10, 17 wurden unverändert genehmigt,# 18 mit ver Abänderung des Dr. Bachem, daß gegen Verurtheilungen von Beisitzern an das Landgericht, in dessen Bezirk das Gewerbege- "cht seinen Sitz hat, Beschwerde einzulegen ist,§ 10 mit einem Unwesentlichen Antrage Mriptel. Dr. At i q u e l beantragte, an geeigneter Stelle eine Bestimmung einzuschieben, wonach die Ge- Werbegerichte verpflichtet sein sollen, auf Anfordern von Staats- Behörden oder des Vorstandes des Konimnnalverbandes über ge- werbliche Fragen sich gutachtlich zu äußern und evcnt. zn diesem "ehufe Ausschüsse zur Vorprüfung zu bilden. Diese Autschüsse Wilsten, sobald es sich um gemeinsame Interessen handelt, aus °er gleiche» Anzahl Arbellgeber und Arbeitnehmer bestehen. Diesem Antrage st i ni m t e die Kommission z u, Iwvie der§§ 20—24. _ Die MttttiirkomMiM-n hat sich bis auf Freitag nach r-lmgsten vertagt. Das bisherige Ergebniß faßt die„Freis. Ztg. w>e fvlgt zusammen:„Die Kounnissionsverhandlunaen, die Er- Alnung einer unabsehbaren Perspektive auf Steubelastungcn des Kolkes und die bestimmte Ablehnung jeder Kompensation zur Zeit -Wben die Annahme der jetzigen Militarvorlage unzweifelhaft er- f.chwert. Gleichwohl scheint die unveränderte Annahme dieser Vorlage in Aussicht zu stehen, da die ausschlaggebende Zentrums- Partei Alles bewilligen will, so sehr auch Herr Windthorst sich in "'agen und Ausdrucken des Bedauerns ergeht.(Sollten nicht °"ch Deutschsreisinnige vom Schlage des Herrn Rickert für die Äilitärvorlage stimmen.? Red. des Berl. Volksbl.) Bei dem Ersaygeschäst im Jahre 1888 sind 86 205 Personen aer Ersaareserve überwiesen worden, während ausgehoben wurden oder freiwillig in das Heer traten 170 077. Wenn "Emnnch im letzten Stadium des neuen Planes alle Ersatzreier- msten mehrjährig ausgebildet werden, so würde das Ausbildung?- tvntingcnt jährlich sich auf 262 000 Mann belaufen, was s« 1 b l| bei zweijähriger Dienstzeit einschließlich von 06000 "Uteroffizieren eine Friedenspräsenzstärke von<114 000 Mann Segen gegenwärtig 468 000 Mann ergeben würde. Schon nach Der ersten vom Kriegsminister vorgez?ichncten Staffel im neuen Plan würde sich eine Steigerung um 55 000 Mann exklusive der vermehrten Unteroffiziere ergeben, und schon dadurch ohne Ein- fuhrung verkürzter Dienstzeit die Präsenzstärke von 403 000 Mann >'ch ans mindestens 680 000 Mann erhöhen. �, Schwerin i. 18. Mai. Gegen die Wahl deS Reichstags- Abgeordneten Bilsing,(Schwerin-Wismar) ist von sozialdemo- "alischer Seite Protest erhoben. � � o. Aus Sachsen. 10. Mai, wird der„Vos,. Ztg." geschrieben: Aus dem Wahlkreise Oschatz-Wurzen ist Ansang voriger Woche °em Reichstage ein von freisinniger Seite herrührender Protest Segen die Wahl des konservativen Oberamtsrichters Dr. Giese pberreicht worden. ... Mai«?. 10. Mai. Eine von sehr vielen hiesigen Laden- "isitzern unterzeichnete Eingabe an den Reichstag wegen Ein- führung der Sonntagsruhe hat folgenden Wortlaut:„Es wolle der hohe Reichstag bei Berathung des Gesetzes über die Sonn- tagsruhe das Gesuch deS Standes der Ladenbesitzer berücksichtigen und beschließen, daß dieser Stand ebenfalls der Sonntagsruhe theilhaftig werde. Ohne eine gesetzliche Regelung ist es unmög- (ich, die Sonntagsruhe genießen zu können, weil sich immer einzelne Geschäftsinhaber finden, welche in gewinnsüchtiger Absicht ihre Lüden nicht schließen. Es genügt, wenn das Gesetz sagt, daß um 12 oder 1 Uhr die Läden geschlossen werden müssen. Wenn hoher Reichstag diesen Beschluß fassen könnte, so wäre auch die Frage der Sonntagsbeschäftigung unserer Geiverbegehilfen erledigt." Kkrl»eikevbe»vesu»LN. Lübeck, 21. Mai. Sämmtliche Schmiede, welche bei Jnnungsmeistern arbeiten, stellten die Arbeit wegen verweigerter Lohnerhöhung ein. Die Nichtinnungsmeister bewilligten theil- weise die Forderungen der Gesellen. Prag, 10. Mai. Der Führer des Maschinenarbeiteraus- standes in Prag und den Vororten, Adalbert Steska, wurde von der Bezirkshauptmannschaft Karolinenthal wegen Nebertretung der Gewerbeordnung(!) zu drei Monaten strengen Arrests(!!) verurtheilt. Tngesordnnng für die Sitzung der Stadtversrd- netrn-Versammlung am Donnerstag, den 22. Mai d. I., Nachmittags 5 Uhr. Neun Naturalisalionsgesuche— Bericht- crstattnng über die Vorlage, betr. Auswahl von Straßen zur Neu- bezw. Umpflasterung, sowie über den Antrag von Mitglie- der» der Versammlung, betr. die Regulierung und definitive Pflasterung der Schönhauser Allee zwischen Saarbrücker- und Franseckistraße— desgl. über die Vorlage, betr. die Skizze zum Neubau einer Turnhalle jc. beim Köllnischen Gymnasium— Vorlage, betr. die Erwerbung eines zur Freilegung der Straße 49 Abtheilung X 1 des Bebauungsfflanes, zwischen Max- und Liebenwalder Str. erforderlichen Terrains— desgl. die erfolgte Bauabnahme der Gemeinde-Doppelschule in der Straße 20a bei der Elbinger Str.— desgl., betr. die bei der Haupt- Stiftungs- lasse pro 1. April 1889—90 eingegangenen Vermächtnisse und Geschenke— desgl., betr. den VeAauf des hinter dem Grund- stück Neue Jakobstraße 12, 13 und 14 belegenen städtischen Grundstücks— desgleichen, betreffend die Vertheilung der bei dein Lehrpersonal der Gemeindeschulen vorhandenen Stellen ans die einzelnen Gehaltsstufen voin 1. April 1890 ab— desgleichen, betreffend die Skizze zuin Neubau einer Markthalle in der Wörtherstraße— desgl., betr. das Dankschreiben des Zentralausschusses des X. Deutschen Bundcsschießens für die Bewilligung des städtischen Beitrages zur Beschaffung von Ehren- gaben— desgl., betr. die Entwürfe zu den Etats der Haupt- Stiftnngskasse, sowie der Ludols'schen, der von Barner'schen, der Kleemann'schen, der von Scheve'schen und der von Steinwehr'schen Stiftung pro 1. April 1890/91— desgl., betr. den Verkauf einer anf dem Grundstücke der 4. Gcmeindeschule, Alte Jakobstraße 127, abzubrechenden Baulichkeit, sowie des Bureaugebäudes auf dem Schulgrundstücke in der Gräfestraße zum Abbruch— desgl., betr. die erfolgte Bauabnahme der 108/116. Gemeindeschule in der Hagelsbergerstraße 34— desgl., betr. die Skizze zum Neubau einer Höheren Bürgerschule auf dem Grundstücke Bellealliancestraße 80 — desgl., betr. tue Projekte zu dem Neubau einer Markthalle in der Eisenbahnstraße, des Anstalts-Gebäudes für jugendliche Epileptiker bei der Heilanstalt zn Biesdorf und einer Gemeinde- Doppelschule auf dem städtischen Grundstücke zwischen Böckh- und Diessenbachstraße— desgl., betr. die Räumung des Stein- depotplatzes in der Bremerstraße, sowie den Abbruch der daselbst befindlichen Gebäude und deren Wiederaufbau auf dem Depot- platze in der Pankstraße— Beantwortung der Anfrage von Mit- gliedern der Versammlung, betr. die Ausführung der Kanali- sation im X. Raoialsystem.— Vorlage, betr. die bei der Etats- berathung bezüglich der 7. höheren Bürgerschule beschlossene Resolution— desgl., betr. Uebersichten über die Bestellung der Stadtbriefe durch das Zentralburcau des Magistrats— desgl., betr. die Skizze zum Neubau einer Gemeinde-Doppelschule in der verlängerten Göbenstraße— desgl., betr. die Benutzung der ersten Etage des Kommunalhauses Poststraße 10 und des vom Fiskus zu überweisenden Gebäudes Mtthlendamm 83a, beziehungsweise Molkenmarkt 1 zu städtischen Bureauzwecken, sowie die Instand- setznng der Räume im Hause Mühlendamm 33a— desgl., betr. die Hergabe einer Baustelle am Humboldthain zu einer Kirche für die St. Elisabeth-Gemeinde— desgl., betr. die erfolgte Bau- abnahm« des Hospitals und Siechenhauses an der Prenzlauer Allee, sowie den Entwurf zur Errichtung einer Hofuhr daselbst— 3 Rechnungen— 0 Nnterstützungssachen— Vorlage, betr. die Wahl von 7 Vertrauensmännern für dm bei dem königl. Amts- gericht I zu bildenden Ausschuß für die Auswahl der Schössen:c. — desgl., betr. die Wahl eines stellvertretenden bürgerlichen Mitgliedes der Ersatzlommission IIb— desgl., betr. einen der Stadt- gemeinde Berlin zugefallenen Nachlaß. Der Gindruchsdirb stahl in der Univerfttät, welcher kürzlich Gegenstand einer Verhandlung vor der ersten Strafkammer des Landgerichts I. bildete, die zwecks Beschaffung neuer Beweis- mittel vertagt werden mußte, hat in gestriger Sitzung derselben Kammer seinen gerichtlichen Abschluß gesunden. Die Angelegen- heit hat viel Staub ausgeivirbclt, denn anfänglich richtete sich der Berdacht gegen ein Vorstandsmitglied des Vereins deutscher Studenten, dem canä. phil. Paul Fittig, welcher in Untersuchungs- hast genommen wurde, bis sich seine völlige Unschuld heraus- stellte. Jetzt richtet sich die Älnklage gegen den 24jährigcn iltechtskandidaten Rudolf Gustav Carl L en c er aus Jena, welcher des schwere» Diebstahls und der Unter- schlagung beschuldigt wird. Ter Zuhörerraum war bis ans den letzte» Platz mit Studenten beseht. Dm Vorsitz führte Land- gerichtsrath Brau», die Anklage vertrat Staatsanwalt Dr. Opper- mann, die Bertheidigung lag in den Händen des Rechtsanwalts Dr. Richard Wolfs. Trotzdem die Belastungsmommte fast er- drückend erschienen, blieb der Angeklagte bei seinem Leugnen. Es dürfte eine kurze Wiederholung des Sachverhalts genügen. Der Eingeklagte ist der Sohn eines verstorbenen Oberlehrers, seine Mutter und seine Schwester leben in dürftigen Verhältnissen. Der Angeklagte war darauf angewiesen, sich während der Studienzeit etwas zu verdienen und hierzu wurde I ihm Gelegenheit geboten, als der Vorstand der deutschen Kolonialgesellschaft ihn zu einer Agitationsreise in Thüringen und den flieichslanden annahm. Lencer hatte auch Beiträge ein- zukassiren und von den Geldern hat er geständlich über 000 Mk. für sich verbraucht. Er machte längere Zeit hindurch Ansstüchte, wenn Abrechnung verlangt wurde, bis er dem energischen Trängen des Vorstandes nicht länger widerstehen konnte und im Februar vorigen Jahres nach Berlin kam, um sein Vergehen einzugestehen und inn Nachsicht zu bitten. Er wich aber jeder Begegnung mit dem Vorstande aus und reiste am Abende des ziveiten März unverrichteter Sache nach Jena ab. In der Frühe des folgenden Morgens wurde der Einbruchsdiebstahl in der Königlichen Universität entdeckt. Der Ausschuß des Ver- eins deutscher Studenten hat daselbst das Zimmer Nr. 3a inne. J» einer Wand desselben befindet sich eine Nische, und in dieser wurde die eiserne Kassette mit vem lausenden Baarvermögen des Vereins aufbeivahrt. Am Abende des 2. März enthielt die Kassette gegen 1800 Mark und ein Sparkassenbuch über 600 M. Lencer, welcher während seiner Anwesenheit viel mit dem Kassirer des Vereins, Student Fittig. verkehrte, war gegenwärtig, ivie der Letztere ani Abende des 2. März gegen 6 Uhr die Kassette in jenen Raum stellte und die davor befindliche eiserne Thür zuschloß. Fittig entfernte sich mit Lencer, bald darauf kehrte der Letztere aber noch ein- mal allein nach deni Vereinszimmer zurück und sagte dem Beamten Knechtet, daß er auf Fittig warten wollte, der ver- sprachen habe, sich bald wieder einzustellen. Fittig kam aber nicht und Lencer entfernte sich, nachdem er Knechtet noch geholfen hatte, die eiserne Stange an der Innenseite der Fensterläden vorzu- legen. Als der Hausdiener das Zimmer am folgenden Morgen betrat, fand er die Thür ordnungsmäßig verschlossen. Dagegen war die eiserne Thür vor der Mauernische geöffnet und die Kassette verschwunden. Die Fenster standen ebenfalls offen, so- daß es anfänglich den Anschein hatte, als habe der Ein- brecher diesen Weg genominen. Kriminalkommissar Braun stellte aber leicht fest, daß dies unmöglich gewesen, am Abende vorher hatte es um 8 Uhr etivas geschneit und die leichte Schneedecke vor dem Fenster zeigte keinerlei Eindrücke. Auch wäre es dem Einbrecher unmöglich ge- ivesen, die Läden wegen der im Innern vorgelegten eisernen Stange zu öffnen. Nur Jemand, der in: Besitze eines Stuben- schlüssels gewesen, konnte den Diebstahl ausgeführt haben. Die Anklage nimmt an, daß Leiner sich entweder einen Schlüssel ver- schafft, oder einen Nachschlüssel angewandt hat und den Einbruch m der Zeit von 8 Uhr Abends bis 11 Uhr, als seine Abreise erfolgte, beging. Es sind viele Unistände, die für seine Schuld sprechen. Am Orte der That wurde ein Kneiferglas Nr. 10 gefunden, ver Angeklagte trug diese Nummer uno hat sich am 3. März gleich nach seiner Ankunft in Jena einen neuen Kneifer gekaust. In dem Zimmer stand ein Tisch, in dessen verschlossener Schublade der Beainte Knechtet eine nicht unbeträchtliche Summe ansbewahrte, der Dieb hatte verflicht, die Schublade mittelst eines Messers zu öffnen, wie die aufgefundene abgebrochene Messerspitze und die Blutjpuren an dem Schlosse bewiesen. Lencer hatte bei seiner Verhaftung leichte Wunden an der Hand. Während der Angeklagte vor dem Einbrüche in arger Geldverlegenheit war, hat er nach seiner Ankunft in Jena plötzlich über bedeutende Mittel ver sögt. Am 5. März sandte er der Kolonialgesellschast die unterschlagenen 660 M. ein, er bezahlte außerdem die dringendsten Schulden und hat man ihm Ansgabeu zun» Gesammtbetrage von fast 900 M. nachgewiesen. Er hat lüderlich gelebt und an einem Abende 30 Mark für Champagner verausgabt. Der Angeklagte behauptet, daß er das Geld von seiner Mutter, beziehungsweise seiner ältesten Schwester erhalten habe und ist die letztere auf seinen Antrag geladen worden. Seitens der Anklagebehörde wird angenommen, daß Lencer die Kassette, welche mit Gewalt gesprengt werden mußte, in seinem Handkoffer mit nach Hause nahm, er behauptet dagegen, daß er ohne Koffer die Reise nach der Heimath angetreten hat. lieber diesen Punkt ist inzwischen die Dienstmagd der Mutter des Angeklagten kommissarisch vernommen worden. Die Zeugin bekundet, daß Lencer mit einem Koffer in der Hand zur Thüre herein getreten, sie habe ihm das Gepäck abnehmen wollen, die Schwester des Angetlagten sei ihr aber zn- vorgekommen. Aus der umfangreichen Beweisaufnahme ist her- vorzuheben, daß der Sachverständige mit aller Bestiinmthett bekundet, daß das gefundene Glas die Nummer 10 trägt und in einem Metallkneifer gesessen hat. Dagegen hat der Angeklagte in Jena einen Hornkneifer gekauft und niehrere Zeugen meinen auch, daß Lencer stets einen Hornkneifer getragen. Wachtmeister Horz aus Jena, der die Magd der Wittwe Lencer vernommen hat, bekundet noch, daß die Zeugin aus dem Berichte über die letzte Verhandlung erfahren hat, um was es sich bei ihrer Ver- nehmung handele und sie hat ihrem Erstaunen unverhohlen darüber Ausdruck gegeben, daß Lencer leugnet, nrit einein Koffer angekommen zu sein. Unter den Zeichen der höchsten Seelenqual legt die älteste Schwester des Angeklagte», Frl. Ida Lencer, ihr Zeugniß ab. Sie behauptet, daß sie ihrem Bruder 300 M. von ihren Ersparnissen gegeben hat. Sie nebst ihren Schwestern arbeiten für ein Wollwaarengeschäst in Apolda, Im Laufe der Beiveisanfnahme stellt sich heraus, daß der Ange- klagte sich noch einer zweiten Unterschlagung schuldig gemacht hat. Seine Schwester hat sich von einer Bekannten ein Werthpapier über 600 M. geborgt, worauf der Angeklagte sich 300 M. geben lassen sollte; derselbe hat das ganze Papier verkauft. Staatsanwalt Dr. Oppermann wies auf die außerordentliche Traurigkeit des Falles hin. Der jedenfalls begabte Angeklagte, der eine Stütze für Mutter und Gefchwister sein sollte, habe die auf ihn gehegten Hoffnungen aufs schmählichste zu Schanden ge- macht. Durch seinen unverwüstlichen Hang zum Wohlleben habe er jeden sittlichen Halt verloren. Bezeichnend für den Charakter des Angeklagten sei die That, die ihn zum ersten Male mit dein Strafgesetzbuch in Konflikt brachte und durch Urtheil des Land- gerichts zu Weimar am 12. Februar d. I. eine Gefängnißstrase von sechs Wochen eintrug. Sein Vater war gestorben und seine Mutter händigte ihm das Geld zur Bezahlung ein. Später reichte der Tischler die Rechnung ein und es stellte sich heraus, daß Lencer das Geld unterschlagen und seiner Mutter eine mit dem Namen des Tischlere gefälschte Quittung überreicht hatte. Ein Mensch, dem nicht einmal der Sarg des Vaters heilig sei, dem sei alles znziltranen und so könne eigentlich die ihm jetzt zur Last gelegte Strafthat so große Ver- wunderung nicht erregen. Der Staatsanwalt kommt an der Hand der Beweisaufnahme zu der Ueberzeugung, daß Lencer im vollen Umfange der Anklage überführt ist. Bei der Strafab- Messung falle erschwerend in's Gewicht, daß die That mit einem ansterordentlichen Rafsinement ausgeführt sei und daß er seinen guten Freund Fittig unter dem Verdachte der Thätcrschaft habe leiden lassen und nur seine Jugend, und iveil er unter dein Drucke stand, wegen Unterschlagung zur Verantwortung gezogen zn werden, könnten dafür spreche», ihn nicht in's Zucht- Haus zu schicken. Er beantrage unter Wegfall der noch zu verbüßenden Gefängnißstrase von 6 Wochen eine Gc- samintstrafe von vier Jahren Gefängniß und fünf- jährigen Ehrverlust. Der Vertheidiger führte in längerer Rede aus, daß alle Ver- dachtsmomcnte theils nicht erwiesen und theils nicht ausreichend feien, den Angeklagten des schweren Diebstahls für überführt: zn erachten. Er bat, ihn nur»vegei» der eingestandenen Unter- schlagung zu verurtheilen. Der Gerichtshof" hielt den Ayge- klagten im volle» Umfange schuldig und erkannte auf drei Jahre 9 Monate Gefängniß und dreijährigen Ehrver- lust. Der Berurtheilte erklärte, sich nicht beruhigen zü wollen. DviefkAZken Vev Medttktion. Bei Anfragen bitten wir die Abonnements-Qulttung beizufügen. Antworl wird nicht crtheilt. Brieflich« I. D. Zll den VollstrecknngSkoste», welche der Schuldner ersetzen muß, gehören auch die 15 M. Verhaftungskosten, welche der Gläubiger für Verhaftung des im Termin zur Leistung des Offenbarungseides ausgebliebenen Schuldners verauslagt hat. ZU. I. Dahme. Sie sind als Vormund nicht nur be- rechtigt, sondern verpflichtet, den Vater auf Alimente zu ver- klagen. Wir rathen Ihnen, sich vom Vormundschaftsgericht ein Armuthsattest für das Kind zu beschaffen und auf Grund des- selben beim Prozeßgericht das Arinenrecht und die Beiordnung eines Rechtsanwalts zu beantragen. lt. Kuhrplatzstr. Wenn wegen Steuerschulden Ihres Mannes solche Sachen gepfändet werden, welche nachweisbar Ihnen gehören, so können Sie unter Glaubhaftmachung Ihres Eigenthunis die Steuerbehörde zur Freigabe aussordern, eventuell sie bei Gericht verklagen.» Theater. Donnerstag, d e n W M a i. Gpornhaus. Tristan und Isolde. Kchanspirlhaus. Verlorene Liebes müh. Kerliner' Theater. A tempo.— Der Weg ourch's Fenster.— Hexen « fang. Deutsche» Theater. Der Unter- staatssekretär. Jesstug-Theater. Die Ehre. Frirdrich-Wilhelmstädt. Theater. Der arme Jonathan. Mallner-Theater. Hänschen(Bebe). Guten Morgen, Herr Fischer. Viktoria-Theater. Stanley inAsrika. Gstend» Theater. Lohengrin. Nesidenk-Theater. Marquise. KeUealliaur«- Theater. Der Nau- tilus. Kroll'« Theater. La Traviata. Adolf Gruft- Theater. Der Gold fuchs. Englischer Garten Direktion: C. Andreas, Alexander stäche 27c. Erössmg i>es Soimilergllrtells Nd BSHlle. Täglich Auftreten erster Spezialitäten. Ansang Wochentags 8 Uhr. Sonntags öVä Uhr. 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Pfingstfriertag); Grosses Früh-Concert zum Besten erkrankter Mitglieder des Unterstütznugsvereins der Maurer des Westen Berlins. 545 Bidets sind bei folgenden Herren zu haben: Karl Franke, Zieten- 'traße 4; Karl Schröder, Alvensleb'enstr. 19; Fritz Wolf, Steinmetzstr. 58; August Orlowsky, Bülowstt. 50; Franz Blinde, Bahnstr. 17(Schöneberg); Julius Raabe, Bülowstr. 64; Schäfer, Bülowstr. 33; Restaurateur Böland, Bülowstr. 52; Restaurateur Graffunder, Schwerinstr. 9; Antrick, Cigarren- geschäst, Steinmetzstr. 60(am 1. Pfingstfeiertag Morgens 4 Uhr geöffnet). Anfang 5 Uhr. Entree 25 Pf. Bei ungünstiger Witterung stehen innere Räumlichkeiten zur Verfügung. Um zahlreichen Besuch bittet Der Vorstand. Allgemeiner Metallarbeiter-Verein Berlins und Umgegend. Große Versammlung am Donnerstag, den 22. Mai, Abds. SVa Uhr, im Weddingpark. Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn Gerisch über Fabrikantenverbände und Arbeiterorganisation. 2. Diskussion. 3. Aufnahme neuer Mitglieder. und Fragekasten. 4. Verschiedenes 543 Der Vorstand. Verein der Klempner Verlins n. Umg. Ausserordentliche General-Versammlung am Donnerstag, den 38. Mai d. I.. Abends 8 Uhr, im Königstadt- Kastno. Holzmarktstrabe Ur. 78. Tagesordnung: 1. Ergänzungswahl des Vorstandes und der Kam- Missionen. 2. Besprechung über Erhöhung des Eintrittsgeldes. 3. Verschiedenes und Fragekasten. 547 Ausserordentliche Mitglieder-Y ersammlung der Central-Krankenkosse der Manrer, 0tcinlinner u. s. m. Grundstein zur Einigkeit", genannt„ am Freitag, de» 83. Mai 1890, Abends SV« Uhr, in Orschel s Salon, Sebastianstr. 39. Tagesordnung: 1. Entgegennahme von Anträgen zur Generalversammlung. 2. Berathung über die betreffenden Anträge. 3. Fortsetzung der Diskussion über die Revision der eingezogenen Bücher. 4. Verschiedenes in Kassenangelegenheiten. 542 Der wichtigen Tagesordnung wegen ist es Pflicht eines jeden Mitgliedes, zu erscheinen. Sämmtlichr Anträge müsse» bi» zum 85. Mai bei dem Centraloorstande eingelaufen sein. Den Wünschen derArbeiterbeuölkerung Serlins Rechnung bleibt mein Pub-«nd Meistwaaren-Gefchäft vom 1. Juni er. � Sonntags Uachmittag Zur bevorstehenden Saison erlaube mir hierdurch auf mein reich- haltig sortirtes Lager in Horben- u* Knaben-Gaenlepolbe zu außergewöhnlich billigen Preisen aufmerksam zu machen. Gleichzeitig empfehle mein als prompt und reell bekanntes Bestellungsgeschäft einer gütigen Beachtung. J. Krakauer, Kerren- und Kunden-Garderobe, Ripdorf,"iWI Bergstrasse 22. Velmnntnmchnng! Die Herren- imd Knaben- Garde roden sowie das Stofflager aus der Louis Zadcckffchen Coneairsmasse «2 fall täglich von 9—1 Uhr Vormittags, 3—7 Uhr Nachmittags im bisherigen Gefchiiftslolral 7. Spandaner Brücke 7 zu festen Taxpreisen ausverkauft werden. Oer Verwalter. WedebchlMbindnng unß jeder Rickstnng. KWlathBumen- En-gr os- Verkauf in der Kranzbinderei und Blumengeschäft von[496 i. Meyer, Skalitzerstr. 38, in der Ecke bei der Manteuffelstraße. Resterhandlnng. 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Werner bei �eteihinm 9eit$t 5U Stettin und dem Landgericht zu Cassel wegen föt bi»» 8 schwebenden Privatanklage-Verfahren w? Dauer der Session. dreier in: Es handelt sich hier um drei Klagen wegen gönnen, r mi 1°" deni Abg. Werner herausgegebenen Blatte be- Brauck i.-»?- �"Lungen. In Anknüpfung an den alten guten Wbeh,,»!� 2 Hauses wird gewiß das Haus auch diesmal die zivar n„'8 Strafverfahrens besäzlieheis. Es handelt sich hier d>e als Privatklageu, aber immerhin um solche Prozesse, r°in l-n�.��erfahren detrachtet werden, wenn sie auch nicht Stthn k? geführt werden. Niittiin?,■)t,?(Berlin): Da gestern der Herr Präsident den d»B der erklärt hat, so möchte ich daraufhinweisen, A»wenb.. �'k-l�l der Reichsverfassung auch auf Privatklagen silie''"ß fiiibet. In dieser Beziehung liegen uns Präzedenz- haus- i'loivohl aus dem Reichstage wie aus dem Abgeordneten- die airi,> f«1'1 niemals ein Zweifel darüber erhoben worden, daß � OfnhpvpS fp» nTa ptnp Stnrm hpß(�tvrtfs eine Form des Strafe viel wichtiger als die nichts Anderes sei, als r"" (fa t.r.?ß wird angenommen. tnb ,,,A, r die Interpellation des Abg. Bamberger, ob d e x cv'n, der Entwurf eines Gesetzes, betreffend den Vollzug tSst r af eix, dem Reichstage vorgelegt telln5�"�ftkretär v. Gehlschlägrr erklärt sich bereit, dieJnter- -n-% bcantworteii. Ahf®.ort �hält zur Begründung den q,.8� sambrrger: Meine Interpellation hat keineswegs oberX.j J.' beu verbiindetcii Regierungen lästig zu fallen; sie dürite �iü,,I.'cht schneller zum Ziele führen, als ein Antrag es könnte. d'c®w.r bestritten worden, daß das Strafgesetzbuch und fenbin, �ct,oldn.UTt0 oH"c ein Strafvollzugsgcs tz durchaus unvoll- ist 8-.?"rd rmzureichend sei. Schon im norvde.uschen Reichstag d»»? �.?? ,..'r?rden, daß gleichzeitig mit einem Strafgesetz- '871« 9 alsbald ein Strafvollzugsgesetz zu vereinbaren sei. dabin! zuerst von dem nationalliberalen Abg. Tellkamp ein in s.n., Sender Antrag gestellt. 1876 antwortete der Bundesrath tn,!. If,1' Entschließungen, daß die Vorarbeiten für den Entwurf ...-- den Vollzug der Freiheitsstrafen soweit ge- könnte, sobald die 'imir �~e"' daß ihre Beendigung erfolgen ftiew? Strafprozeßordnung festgestellt sei. Später ist die Sache »im,, v''wch 1887 durch einen Antrag des Abg. Johannscn Ii*»fli worden. Von Seiten des Bundesraths wurde nament- uL auf die finanzielle Tragweite eines solchen Gesetzes hin- K. 5�' Den nücysten Anstoß zu meiner heutigen Interpellation »ine Reihe von in der letzten Zeit bekannt gewordenen Miß- u.lugeu gegeben, welche in den Gefängnissen an .J' Verurthcillen begangen wurden, welche sich politischer Sehen schuldig gemacht haben. Ich glaube, dich iiuch, or ein Strafvollzugsgesetz erlassen wird, die Reichs- altung sich mit diesen Angelegenheiten befassen kann. j der Reichsverfassung hat die Reichsverwaltung die »ubnng des Strafrechts im ganzen Reich zu überwachen. u sie aber das kann, so kann sie auch Anweisungen oder Er- uigen, Beleuchtuiigen einzelner Punkte eintreten lassen über Handhabung der Strafgesetze, selbst in solchen Fällen, wo man noch nicht auf ein Strafoollzugsgesctz stützen kann, damit ge- mi» Dinge vermieden werden können. In diesem Sinne hat jj? nuch der Reichstag bereits 1875 entschieden, als es sich um Fall handelte. Ich möchte noch an den Staats- Mar des Reichs-Justizamts' die Frage, respektive die Bitte �len,„b es nicht möglich ist, schon jetzt, ehe die Zeit verstreicht, k.Pw zu einem Strafvollzugsgesetz kommen, sich mit den ver- % m" Regierungen dahin zu verständigen, daß die Ausführung tob�fäi'gmßstrafe bei gcwiffen Kategorien in der milden Weise ij�whabt wird, wie es sich bei nicht entehrenden Vergehen »ua- 9 0011 �lbst versteht und wie es in allen übrigen Staaten �dgeübt wird. Ich weiß ja, daß es politische Vergehen nach der hjMilvn des Strafgesetzbuches bei uns nicht aiedl. Da es sich »>an administrative Verordnungen handelt, so könnte L.. diese Vergehen als solche definireu, welche durch die Uj°der durch Rede oder auf dem Wege der Beleidigung ic. "»iu'-i®"'"'d- Um Ihnen deutlich zu machen, was ich meine, (" lch aus einige Fälle hinweisen, die in der letzten Zeit vorge- lfj.Mff sind. Bekannt ist Ihnen der Fall AMmrl, wo ein wegen i.»ibigung durch die Preffe bestrafter Journalist wie ein Zucht- bi,s � behandelt worden ist. Tie höheren Behörden waren an die � Mißhandlung entschieden unschuldig, und sie haben, sobald stet 9» zu ihrer Kenntniß gekommen war, auch Remcdur ein- st!», �sseu; dieser Fall zeigt aber, daß solche Dinge vorkommen tai.• Dem Betreffenden wurden die Haare geschoren, der Barl 3[™v er wurde in die schmutzigsten Kleider gestellt, zu gemeinen üb» v'n angehalten. Sie können sich denken, welcher Jammer >,»? die Familie dieses sonst ehrenhaften Mannes gekommen ist, ich et sogar an seiner Gesundheit geschädigt worden ist. ein» übergehe eine Reihe anderer Fälle, möchte aber aus in., Briefe, den ich aus Anlaß meiner Interpellation c" dem Redakteur der„Tremonia" in Tortmund, rnTPß sievüch- erhalten habe, mittheilen, daß diesem n.??kteur im Jahre 1887, als er in Dortmund eine sechswöchige 0. loiignißstrafe wegen Bismarck-Belcidigung abbüßen mußte, sein k*>uch aus eigene Beköstigung rom ersten Staatsanwalt abge- wurde. Er mußte also die Gefängnißloft zu sich nehmen, ict.-.Blochen lang Tüten kleben(Lachen lirtks), auf jede Lektüre �Jschlen und mit 4 oder 6 Gefangenen, die wegen gemeiner li�vecheu verurtheilt waren, in einer Zelle sitzen.(Hört, hört! .>..■) Ick alaube bei keiner Partei a J<- M Iben"'• öch glaube bei keiner Partei auf Widerspruch zu stoßen, in, 9'»ch sage, eS ist eine schwere Versündigung gegen die Huma- : gegen die Zivilisation, gegen das deutsche Volk, wenn die Bei. n in einem Sinne ausgeübt werden, wie es von dem Gesetz- ,ij et unmöglich gemeint sein kann.(Sehr richtig! links.) dos Lieste Rüllstchren kann man hier nicht gelten lassen. Wenn Ii Deutsche Reich so viel Geld für mögliche und unmögliche ausgiebt, dann darf es nicht wohl aus finanziellen . en zulassen, daß derartige �ckeunlichieiten vorkommen. b,.'ann nicht in der Absicht eines vernünftigen Strafgesetz- und eines vernünftigen Strafvollzuges liegen, daß C,"igen, welche wegen politischer Vergehen zu Gefüngnißstrafe stän�. heilt werden, in einen Stand versetzt werden, der voll- iJ�'g mit Infamie bedeckt ist. Das ist aber der Fall, wenn Iii»?. die Verurtheilten in Zuchthansklcider zwängt und sie zu iio,. iß°u Zlrbeiten zwingt; das ist ei» Stull körperlicher Züch- s»(Sehr gut! links.) Es giebt ja Menschen, die in tb» der. böser Absicht den Anderen in der Preffe beleidigen, um 1 iu schäbigem Aber ich glaube, in den meisten Fällen handelt es sich nur um einen laxsus calami oder linguae.(Na, na! rechts.) Wer Zeit hat, ruhig nachzudenken, kann mit einiger Ge- schicklichkeit die Sache so machen, daß, wenn er einen irgend ge- rechten Strafrichter vor sich hat, nicht verurtheilt werden kann. (Sehr richtig! links.) Ich hätte schon manches Strafwürdige be- gangen, wenn ich mich nicht vorsichtig ausgedrückt hätte.(Heiter- reit.) Aber nicht Jeder, der schreibt, hat Zeit, Geduld und Uebung, um es so zu machen, daß er nicht auf eine Klippe stößt. Es fragt sich, sollen Diejenigen, welche sich derartiger Vergehen schuldig gemacht haben, so scheußlich, ich möchte sagen, widernatürlich behandelt werden, wie es in diesem Falle vorgekommen ist. Wir dürfen ja hoffen, daß in der heutigen Zeit vielleicht diese Art von Bestrafungen und Prozessen etwas ab- nehme. Ich möchte jeden Schein vermeiden, als wollte ich an einer Größe, die das Schicksal getroffen hat, und mit der ich in offener Gegnerschaft gestanden, noch nachträglich eine kleinliche Rache nehmen, was weder der Würde dieses Hanfes noch der meinigen entspräche, umsomehr, da der Anstoß'zu diesem Falle nicht von uns, sondern aus einer höheren Region gekommen ist. Aber das muß ich doch sagen, es ist durch die Massenhaftigkeit und das systematische Verfolgen jeder kleinen verletzenden Rede oder Schrift eine üble Praxis in Deutschland eingerissen.(Sehr wahr! links.) Ich habe einige Hoffnung, daß mit manchem Anderen auch das jetzt vorüber ist. Ich hoffe, daß es keine Rubrik der Caprivi- Beleidiaunaen niehr geben wird, und daß die betresfenöM"�iötucklen Formulare auch aus den Akten der Gerichte verschwinden werden. Das wird im Großen und Ganzen ein ermunterndes Beispiel sein, daß nicht jede kleine Behörde, wenn an ihr etwas kritisirt wird, gleich den Staats- anwalt anruft. Dann wird ein Theil dessen, was ich hier beantrage, von selbst überflüssig werden. Wenn wir ein Straf- vollzugsgesetz erhalten, so könnte darin auch die Frage geregelt werden, welche in der letzten Zeit hier wieder als Kontroverse aufgeworfen ist, daß nämlich ein wegen nicht ehrenrühriger Ver- gehen bestraftes Mitglied dieses Hauses, welches seine Strafe be- reits angetreten hat, von Amtswegen während der Sitzung ent- lassen werden kann. Gelegentlich des Falles Harmening ist die Frage wieder in den Vordergrund getreten. Uebrigens möchte ich hier der Meinung entgegentreten, als ob die Heiterkeit des Reichs- tages— ich habe nicht gelacht— bei der Mittheilung des Präsi- deuten, daß der Abg..siarmenina wegen Tcstunasbait nicht an den Sitzungen des Reichstages theilnehmen könne, auf Fivolität beruht habe. Diese Heiterkeit entsprang vielmehr dem Kontrast, daß ein barmloses Urlaubsgesuch in einer solchen Weise motivirt wurde. Es war eine Komik des Moments. Der Herr Staats- sekretär würde sich ein Verdienst erwerben, wenn er uns eine Verständigung der verbündeten Regierungen in dem Sinne zu- sagen könnte, daß dergleichen Mißbräuche nicht mehr vor- kommen sollen. Man hat in der Zeit, namentlich bei Ostafrika so oft von christlicher Gesittung und Menschenliebe ge- sprochen. Hier handelt es sich um unsere eigenen Atitbürger, uni schweres Herzeleid, das wir manchmal ungerecht bereitet sehen. Die hohe Rechts- und sittliche Bildung dcS Volks erkennt in dieser Abhilfe einen Akt der Humanität und Gerechtigkeit, der sich mit jedem anderen messen kann.(Beifall links.) Staatssekretär im Reichsjustizamt v. Gehlschläger: Die gesetzliche Regelung des Strafvollzuges wird seitens der verbün- deren Negierungen als im Interesse der vollen Einheitlichkeit des Strafverfahrens liegend ins Auge gefaßt; über die Zeit aber, in welcher dem Reichstag eine bezügliche Vorlage gemacht werden wird, kann eine bestimmte Zulage heute noch nicht ertheilt werden. Schon bei der Berathung des Strafgesetzbuchs im Norddeutschen Bunde hat der Bundesrath darüber keinen Zweifel gelassen, daß zur Einheitlichkeit des Strafverfahrens nicht nur ein einheitliches Strasrecht, sondern auch ein einheitliches Strasvollzugsgeseh gehöre. Da damals die Bcsorgniß herrschte, daß das Strafgesetz auch bei Inangriffnahme eines Strafvollzugs- gesctzes verzögert werden würde, und da sich Differenzen zwischen den einzelnen Bundesregierungen über den Straf- Vollzug ergaben, wurde von der Vorlegung eines Strafvoll- zugsgesetzeS abgesehen. Auch bei der Emanation der einheitlichen deutschen Strafprozeßordnung trat die Frage hervor, konnte aber auch damals nicht vollständig geordnet werden. Der Reichs- kanzler hatte das Reichsjustizaml beaustragt, einen Entwurf des Strafvollzugsgesetzes auszuarbeiten. Dieser Entwurf ist ausge- arbeitet in einer Kommission von Sachverständigen und dem Bundesrath zur Berathung überwiesen worden. Im Bundesrath ergaben sich zunächst Bedenken in Betreff der Einzelhaft. Der Grundsatz der Einzelhaft war ein Kardinalpunkt der Vorlage. Dagegen wurden namentlich finanzielle Bedenken geltend gemacht. Die Kosten für Preußen für Einführung der Einzelhaft würden sich auf eine einmalige Ausgabe von 115 Millionen gestellt haben und eine entsprechende jährliche Budgetbclastung, für Bayern auf 47 Millionen einmalige Ausgaben, für Sachsen auf 13 Millionen einmalige Ausgaben. Deshalb mußte die Aus- sührung des Strasvollzugsgesctzcs vertagt werden. Zunächst haben sich die einzelnen Regierungen bemüht, alle Neubauten so einzurichten, daß sie später dem Grundgedanken des Entwurfs gerecht werden könnten. Ein zweites Hemmniß entstand in den Angriffen, welche in neuerer Zeit gegen unser ganzes Strafsysteni, hauptsächlich gegen das System der Freiheitsstrafen erhoben wur- den. Noch erscheint es verfrüht, alle Vorschläge einer genauen Prüfung zu unterziehen; es kann aber auch nicht für angezeigt erachtet werden, mit einem Vollzugsgesetz, welches sich immer aus der Basis des bestehenden Rechts ausbauen muß, schon jetzt vor- zugehen, wo alle diese Wünsche noch nicht zur Steife gekommen sind. Nichtsdestoweniger glaube ich, daß es nicht lange dauern wird, bis der Bundesrath mit einer Vorlage kommen wird. Frei- (ich werden die Erwartungen des Vorredners nur dann erfüllt werden können, wenn zugleich eine Revision des Strafgesetzbuchs vorgenommen wird. Ein Strafvollzugsgesetz kann man nur auf- bauen auf dem Boden des materiellen Rechts. Das Strafaeseü BefttMliungen des materiellen Rechts zu revidiren. Ich glaube sogar, daß in der Vorlage, die die Regierung Ihnen vielleicht vorschlagen wird, innerhalb des materiellen Strafrechts Veränderungen nothwendig sein werden. Auch die Bestim- nmng des Preßgesetzes, welches ausdrücklich vorschreibt, daß alle strafbaren Handlungen gegen dasselbe genau so wie alle übrigen strafbaren Handlungen behandelt werden sollen, würde zu ändern sein. Indessen das ist eine oura posterior. Unmöglich ist es aber, seitens des Reichs auf die einzelnen Bundesstaaten � darauf hinzuwirken, daß ihre Reglements nicht gegen den Geist des Strafgesetzbuches verstoßen. Strafvollzug ist Sache der Landesgesetzgebungen und liegt nicht in der Kompetenz der Reichsregierung; nur eine Ueberwachung des Reichs ist mög- (ich, daß nicht gegen Bestimmungen des Strafgesetzbuches selbst verstoßen wird. Fälle, die zu Klagen über die Handhabung des Strafvollzuges Anlaß geben, werden und sind in den einzelnen Landtagen behandelt worden.(Beifall rechts.) Abg. Klemm(Sachsen, kons., auf der Tribüne Unverstand- (ich) schließt sich den Ausführungen des Staatssekretärs an. Abg. Dr. v. Kar(dsr.): Es ist wünschenswerth, daß durch die Interpellation vor der Welt konstatirt wird, daß der Deutsche Reichstag ein lebhaftes Interesse an der Verbesserung unserer Strafrechtspflege hat. Man sagt, ohne Veränderung des Straf- gesetzbuches sei eine gründliche Regelung des Strafvollzugs nicht möglich. Der größte Theil der Strasrechtswissenschaft hat den Wunsch, es möge das Strafgesetzbuch in Ansehung der Freiheits- strafen revidirt werden. Auch unsere Gefängnißbeamten wünschen dasselbe, die durch die mangelnde Klarheit im Straf-Gesetzbuch den allergrößten Schwierigkeiten ausgesetzt sind. Diesem Umstände sind Ungerechtigkeiten in der Praxis häusig zuzuschreiben. Deshalb dürfen wir uns nicht scheuen, an eine Revision des Strafgesetzbuches selbst zu denken. Schwierigkeiten liegen ja allerdings vor, einmal in dem Streite der Theorieen und dann in den komplizirten Verhältnissen eines Bundesstaates; aber diese Schwierigkeiten können überwunden werden. Die Freiheitsstrafen sind im Deutschen Reich nicht überall dieselben, ja können'sogar innerhalb eines Staates ver- schieden sein, z. B. in Ostpreußen andere als in Westfalen oder in der Rheinprovinz. Der Stichler weiß aariiickt, was die Ge- fängnißstrafe im Einzelnen bedeutet. DtcyWE« roftd zum Theil auch in den Räumen eines Zuchthauses vollzogen, und da kann die Strafe sehr leicht einen anderen Charakter annehmen, und es ist nicht zu verwundern, wenn zu Gefängniß Verurtheilte wie Zuchthansstrüflinge behandelt werden ohne jeden bösen Willen. Die wesentliche Grundlage der Strafvollstreckung ist die Haus- ordnung der Gefängnisse, der sich auch der gebildete Mann unterwerfen muß. Das steht mit dem Geiste des Gesetzes in Widerspruch, und es wird so bald als möglich das Freiheitsstrafensystem vereinigt werden müssen zu einer Strafe mit Zwangsarbeit und einer solchen ohne Zwangsarbeit. Ver- schiedenc Staaten stehen bereits auf diesem Standpunkt. Das Strafvollzugs-Gesetz wird sich nicht in einem allgemeinen Rahmen zu bewegen haben, sondern sehr bestimmte Vorschriften treffen müssen. Es könnte vielleicht auch zu erwägen sein, ob nicht dem Verurtheilten, ivenn ein Streit entsteht, ob eine bestimmte Art und Weise der Strafvollziehung dem Gesetz entspricht, der Schutz einer Berufung an eine richterliche Behörde zu gewähren ist. Gerade in unserem Strafvollzug finden sich sehr erhebliche Uebel- stände, wenn auch die Verwaltung schon Vieles gebe), Z. B. müssen die kurzzeitigen Freiheitsstrafen möglichst beschränkt werden, damit nicht nicht die Moralität der nur kurze Zeit im Gefängniß Besindlichen erschüttert wird. Wir werden der Regie- rung helfen, alle Schwierigkeiten zu überwinden. Abg. Geyer(Soz.): Wir sind über die Interpellation außerordentlich erfreut. Die freisinnige Partei hat sonst ja immer wohlwollend auf unsere Seite geblickt, wenn>vir ver- schiedene Beschwerden über unsere Behandlung durch die Behörden vorbrachten. Aber jetzt, nachdem einmal einer der Ihrigen höchst unwürdiger Weise behandelt ist, nahmen Sie sich selbst der Sache an.(Abg. Bamberger: Ganz falsch!) Wir haben immer auf dem Standpunkt gestanden, daß humane Grund- sähe in der Strafvollstreckung Platz greifen müssen. Die Aus- sührungen des letzten Redners waren von größerer Humanität getragen, als die des Abg. Klemm, dessen juristische Ausführungen wir schon im sächsischen Landtage zu bewundern Gelegenheit ge- habt haben. Stach meinen persönlichen Erfahrungen der schliinmsten Art in» Gefängniß muß ich erklären, daß ein Vollzugsgesetz fü die Freiheitsstrafen nicht nur für politische Vergehen nothwendig ist, sondern, daß überhaupt die Behandlung der Gefangenen besser wird. Die Beköstiauna der Gefangenen ist gänzlich unzureichend, und wir Häven Stteinanden, dem wir solche Uebetgrisse änfhalsen können. Für die Gefängnißordnungen sind die Gefängniß- direkteren verantwortlich. Beklagt man sich aber bei einem solchen, so geschieht alles, um diese Klagen zu Boden zu schlagen. So ist es mir im sächsischenLändtäge gegMgeii, Uno me Mis- flüchte der Siegierungsvertreter waren so unglaubliche, daß bei- nahe selbst den Herren auf der Rechten die Haare zu Berge ge- standen haben.(Hört, hört!) Aber ich habe doch die Genug- thuung gehabt, daß infolge meiner Darstellung der frühere Direktor der Gefängnißanstalt außer Dienst gestellt wurde. Auch die wegen gemeiner Vergehen Beftraftcn müssen eine bessere Be- Handlung erfahren, denn eine brutale Behandlung wird immer Arbeitsunlust erregen. Das Gefängniß soll bessern, aber bei so unwürdiger Behandlung, wie ich sie m Ztmckau gefunden habe, herausgehen.(Sehr richtig! ebefsert hat. müsse» die Gefangenen verdorbener links.) Unser Kolleae Brulms wurde lerneymii Geheimbündelei verurtheilte! als.Kucktbäuslerin/ bebande Bettenusivwürde mit'kreuzweise g�fM�LN mu Händen nach einer'Vernehmung nach der Strafaiistalt'zuru führt.(Hört, hört! links. Rufe links: Wo?) In Bremen. Auf seine Beschwerde bedauerte man ein solches Verfahren, antwortete aber, eS liege keine Veranlassung vor, gegen den Beamten mit Sfrake vorzugehe», denn den Trans- porteuren sei es überlassen, einen Gefangenen zu fesseln. In Baden wurde eine bis dahin hochangesehene, wegen ne in der Weiberanstalt in Bruchsal erhielt keine eTfßmT Wäsche und anderen Gefangenen geduzt.(Hört, iguug verurtheMSkk Journa- hört!) von den Einen wegen Mafx listen fuhr der Gesangenenauffeher in Heilbronn mit den Worten an:„Du Lümmel, lanujt Du nicht anfländig hiiistehen?" Ein anderer Nedakkeür mußte in Bambeüg Weiberröcke nähen. Der Redakteur der„Elberselder Freien Presse", Bölger, wurde in Herford glatt rasirt und geschoren und trug.Gefäugnißkleider, während andere wegen Körperverletzung bestrafte Gefangene Bart und eigene Kleidung trugen. Politische Gefangene werden zum Theil viel härter behandelt, als die wegen gemeiner Vergehen Jnhastirten. Ein ivegen Betrugs gleichfalls in Herford inhastirter Herr v. Born durfte eigene Wäsche tragen, konnte sich selbst be- söstigen und Zeitungen lesen. Ein Sozialdemokrat ZuchaMi wurde auf seinem Krankenlager in Berlin verhaftet uiwrrank nach Posen ins Gefängniß transportirt; die Eltern durften ihn erst nach 8 Wochen besuchen. Er wurde, gestützt auf zwei Aufseher, vorgeführt, seine Mutter fiel bei diesem Anblick in Ohnmacht. Er bat seine Mutter, die Gerichte um seine vorläufige Entlassung zu ersuche», da er Wunden am Körper habe, die auf den harten Brettern, auf denen er liegen müsse, sich verschliminerten." Diese'Bllll!» Mieden aber von einen» hohen Gericht und dem Staatsanwalt unberücksichtigt. Schließ- (ich wurde er nach 14 Wochen nach dem Franziskanerkloster in Breslau gebracht, wo er bald daraus von seinen schweren Leiden durch den Tod erlöst wurde.(Hört, hört! links). Den politischen Gefangenen muß endlich eine bessere Behandlung zu Theil wer- den, und es muß zunächst festgestellt werden, was>nan unter einem politischen Gefangenen versteht. In Frankreich wird den- selben eine bessere Behandlung zu Theil. Professer von Holtzen- dorff schrieb einmal an die„Vossische Zeitung", die heidnische, römische Republik habe die Gef,"'g-"-"' als es von der christlichen Gesetzgebung des 19. Jahrhunderts geschieh!; ein römischer Dichter habe sogar in den Gefängnissen Lustspiele verfassen können. Mir wurde in Zwickau auch die Selbst- beköstiguna und S el b verweigert. Der Drreltor fragte mich:„Wie heißt'.DR? was ist Dein Vater? was ist Deine Mutter? Als ich diese Fragen vereitwilligst beantwortet --JJtS ?"(Hört, hört hatte, fragte mich der Herr:.. links.) Damit meinte er meine Geschwijter. Was sollen dann erst die unteren Beamten thun, die sich nach ihren Vorgesetzten richten?(Zurnf links- Die sind viel humaner!) Solche bösen Beispiele verderben gute Sitten. Giebt die Negierung ein Straf- vollzugsgesetz nicht, das den Geboten der Humanität entspricht und eine würdige Behandlung der Gefangenen sichert, dann wird sie in weitesten Volkskreisen den Glauben nicht verwischen können, daß sie politische Gefangene maltraitiren will.(Beifall bei den Sozialdemokraten. Abg. Dr. Wi»drhor'st(Ztr.): Ich möchte bei dieser Frage an die Leiden der katholischen Geistlichen und Redakteure in der Zeil des Kulturkampss erinnern Das wirksamsteMittel zursBeseitigung solcher Ungehörigkciten ist die Oesfentlichkeit llnd die Besprechung hier im Hause. Für eine Ncvision des Strafgesetzbuches möchte ich aberunter den gegebenen Umständen doch nicht plädircn. Fälle, wie die vorgetragenen, dürften bei ausreichender Kontrole auch jetzt nicht vorkommen; sie beruhen auf einem Mißbrauch der Strafgewalt, für welche die Beamten verantwortlich gemacht werden sollten. Auch ohne gesetzliche Regelung kann im Verwaltungswege schon Abhilfe eiferen. Stög Dr. Margnards«»(natl.): Wir begrüßen die durch die Interpellation gegebene Anregung. Unsere Partei hat von j.yee die Einführung eines deutschen Strafvollzngsgesehes ange- strebt als nothwendige Ergänzung des deutschen Strafgesetzbuches. Hoffentlich wird ein solches Gesetz, der Zusage deL Staatssekretärs entsprechend, bald vorgelegt werden. Hierauf wird die Besprechung geschlossen. Die Interpellation B a u m b a ch, betreffend den Niederlassungsvcrtrag mit der Schweiz, wird auf Vorschlag des Abg. Dr. Baumbach von der Tagesordnung abgesetzt. Es folgt der Antrag Niutele», betreffend das gerichtliche Z u st e l l u n g s w e s e n. Der A n t r a a st e l l e r weist darauf hin, daß sein Antrag bereits in der vorigen Session berathen worden sei und die Zu- stimmung der praktischen Juristen gefunden habe. Das jetzige Zustellungsverfahren sei viel zu sormaliftisch, weitläusig und kost- spielig. Die Regelung des Zustellungsversahrens sei ....„_.------------------... gar nicht abhängig von einer generellen Revision der Prozeßordnung, son- dern könne abgesondert behandelt werden. Es komme vor allen Dingen darauf an, daß für die von Amts wegen zuzustellenden Schriftstücke Schreibgebühren und Zustellungsgebühren bei den Gerichtskosten nicht berechnet werden. Der'Antragsteller schlägt vor, seinen Antrag einer Kommission von 14 Mitgliedern zu überweisen. Das HauS beschließt demgemäß. Es folgt die Beralhung des Antrages Rickert auf Abänderung des§ 5 der Geschäftsordnung, Wahlprüfungen be- treffend. Der Anträgst eller weist darauf hin, daß von 1874—76 lediglich den Abtheilungen das Wahlprüsungsgeschäft obgelegen habe. Auf Antrag der Abgg. v. B e r n u t h und Genossen sei eine besondere Wahlprüfungs- Kommisston beschlossen wor- den. Eine schnellere Erledigung der Wahlprüfungsarbeit und eine festere sichere Grundlage für die Entscheidung, wie man gehofft, sei aber trotzdem nicht eingetreten. Daraus solle den früheren Wahlprüfungs-Kvinmissionen kein Vorwurf gemacht wer- den; sie konnten eben nicht mehr leisten. Infolge dessen seien einzelne Wahlen erst am Schlüsse der Legislaturperiode geprüft worden. Er beantrage nun, wie früher schon, daß im Bedürs- nißfalle der Reichstag statt einer zwei Kommissionen niedersetze. In dieser Scsflon seien nicht weniger als 78 Wahle» angefochten. Es sei nicht abzusehen, wann dieselben noch geprüft werden sollen. Der Einwand, daß dann vielleicht die beiden Kommissionen nach verschiedenen Grundsätzen verfahren würden, sei nicht stichhaltig. Wenn diese WahlprüfnngSfragen auch nicht als Parteisragen be- handelt würden, so könnten doch die Mitglieder der einzelnen Fraktionen, welche in beiden Kommissionen sitzen, sich leicht einigen. Soviel stehe aber fest, daß, wenn man einmal auf seinen Vorschlag nicht eingehen wolle, die Prüfung der Wahlen in den Abthei- lungen noch den Vorzug verdiene. Jedenfalls möge man doch wenigstens einen Versuch wagen; gelinge derselbe nicht, so könnte man in der nächsten Session zu dem alten Verfahren zurückkehren. Abg. Miiller-Mariemverder(Rp.) widerspricht diesem An- trage. Alle Versuche, die Wahlen auf einem anderen Wege zu prüfen, als es jetzt geschieht, haben sich als unpraktisch erwiesen. Die konservativen Parteien haben durch ihre Thätigkeit in der Kommission und im Hause nachgewiesen, daß sie genau dasselbe Interesse habe», wie die anderen Parteien, Unregelmäßigkeiten bei den Wahlen wirksam entgegenzutreten. Es haben sich aber selbst zwei so erfahrene Parlamentarier, wie die Abgg. Windthorst und v. Heeremau, gegen zwei Wahlprüfungs- Kommissionen erklärt, und sogar der sozialdemokratische Abg. Liebknecht hat zugegeben, daß dadurch das Uebel nur verschlimmert werden würde. Die Debatten würden dadurch über Gebühr verlängert werden. Prinzipiell dm ich also für Ablehnung des Antrages, eventuell für Ueberweisimg au die Geschäitsordnungs- Kommission. Ich glaube, daß wir uns mit vielmehr Recht über die kolossale Ueberhäufung mit Wahlprotesten zu beklagen hätten.(Oho! links.) Das Parlament kann solche Angelegenheiten nicht be- wältigen, oyne seine Mitwirkung an der Gesetzgebung in unver- antwortlicher Weise zu vernachlässigen.(Sehr wahr! recht?.) Die Urheber solcher Proteste machen sich nicht klar, welches Nn- recht sie dem Reichstage thun, wenn sie ihn mit jedem lokalen Ereigniß, jeder Ausschreitung irgend eines Stachtwächters be- helligen. Auffällig ist, daß in keinem Falle, wo es sich um die einfachsten Sachen handelte, auch nicht einmal der Versuch ge- macht worden ist, auf dem Instanzenwege deL Landes, in dem die Wahl stattgefunden hat, Abhilfe zu schaffen. Der Reichstag sollte doch erst dann angerufen werden, wenn der Jnsianzenzug erschöpft ist und nichts geholfen hat.(Zuruf links: Frist.) Von 100 4 uia toarr.ro-..-r..._...~—--- 1884 bis 1887, also nicht etwa während des Kartellreichstages, ist nur eine Wahl, die des Abg.-..... Gottburger, kassirt worden. Wozu also dieserIganze Apparat'f Wir brauchten mindestens zwanzig Sitzungen, um alle diese Proteste zu erledigen. Dazu hat der Reichstag keine Zeit. Wir haben kallii, Zeit, die Initiativ- aiiträge zu erledigen, auf welche Sie(links) doch so großen Werth legen, und mit Recht beschwert man sich, daß das Petitions- recht fast illusorisch geworden ist. Ueber die schwierigsten Ge- setzesvorlagen iilüffen wir uns in 8—4 Tagen schlüssig machen, und da sollen wir etwa die Wahlprüfungen zum Mittelpunkte unserer Geschäfte machen? Nein, gegen diesen Unfug der Wahl- Proteste muß entschieden Stellung genommen werde». Mit Er- staunen lese ich in freisinnigen Zeitungen, daß man geradezu zu Wahlprotesten Heransforderl.(Sehr richtig! bei den Sozialbemo- traten.) Wer ist denn heute nicht in irgend einer Weise in der Lage, eine Wahlbeeinslussung vorzunehmen? Schließlich sollen alle Träger irgendwelcher Antorität bei den Wahlen mundtodt ge- macht werden, es bleibt dann nur übrig eine agitatorisch aufge- hetzte, verblendete und verführte Masse.(Lachen links.) Durch solche massenhast vorgebrachten, in vielen Fällen ganz unbe- gründeten, aus Ümvahrheitcn beruhenden Wahlproteste kann man höchstens das allgemeine Wahlrecht ad absurdum führen!(Bei- sehr am Herzen liegt, zu verhüten, daß das Haus mit unuöthigen Wahlprotesten behelligt wird, so hätten sie diese Gegenproteste unter- lassen sollen. Die Wahlproteste entstehen übrigens nur infolge der Beeinflussung, welche viele Behörden, namentlich die Landräthe. bei den Wahlen sich zu Schulden kommen lassen. Meiin Sie die Wahl- Proteste aus dcrWelt schaffen wollen, lassen SiedieWahlbeeinflussu, ig fort.(Sehr richtig! links.) Die Wahlprotestc sind auch nur ge- fall rechts.) Abg. Kingev(Sozialdemokrat): Vielleicht stellen die Herren von der konservativen Partei nach diesem Vortrage, den Antrag, daß Wahlproteste verboten und Diejenige», die den Reichstag damit behelligen, auf Grund des Unfugsparagraphen zur Rechenschaft gezogen werden.(Sehr gut! links.) Die Ent- rüstung über die Wahlproteste ist für mich nichts weiter als der Ausdruck des bösen Gewissens, welches die konservative Partei bei den Wahle» sich erivorben hat.(Sehr richtig! links; Lachen rechts.) Erst in den letzten Tagen ist das Mandat eines unserer Mitglieder einstimmig für ungiltig erklärt, die Möglichkeit der Entscheidung aber durch Einreichung eines Gegenprotesies im letzten Augenblick verzögert worden. Wenn es den Herren so ziviingen der Ausfluß des Petitionsrechts, der Uebmengung, daß der Reichstag die Stelle ist, an der das verletzte Recht gesühnt wird, und der Reichstag sollte dankbar sein, daß er in dem Maße das Vertrauen des Volkes besitzt. Die Konservativen haben in der vorigen Legislaturperiode allerdings das Ihrige gethan, um dem Volke dag Vertrauen zu nehmen. Die Grundsätze in Bezug aus Wahlfreiheit, die im Lause der Jahre mühsam errungen waren, hat die Kartellmehrheit im vorigen Reichstage einfach über den Haufen geworfen und es wird eine der nothwendigsten Thätig- keiten dieses Reichstages sein, den verloren gegangenen Glanben dem Volke wieder wachzurufen. Eine große Schwierigkeit liegt in der Langsamkeit, mit der die vom Reichstage beschlossenen Er- Hebungen gemacht werden. Wenn hier Besserung einträte, dann würde der Reichstag seine Entschließungen schneller fassen können. Ich betrachte den Antrag Rickert nicht als Heil- mittel für alle Schäden aus diesem Gebiete, sondern als einen Versuch, der gemacht werden kann, und den man, wenn er zum gewünschten Ziele nicht führt, wieder ausgiebt. Der Schwer- punkt der Entscheidung muß und wird immer bei dem Reichstag liegen, und deshalb find die Befürchtungen, daß durch das Nebeneinander mehrerer Wahlprüsiings-Kommissionen eine ver- schiedeue Praxis in der Entscheidung entstehen wird, unbegründet. Die Koilimissionen bereiten ja die Dinge nur für den Beschluß des Reichstages vor; der Reichstag wird immer in der Lage sei», einige Grundsätze festzllstellen. Gegen die Ueberweisung des Antrags an die Geschäftsordmings-Kommission habe ich nichts einzilwenden; vielleicht gelingt es dort, das, was der Antrag- steller will, noch in präziserer Form zum AnSdruck zn bringe». Aber daß in Bezug auf die Wahlprüfung etwas geschehen muß, scheint mir unzweifelhaft. Es liegen bereits etwa 80 Wahlproteste vor und der Reichstag hat das größte Interesse daran, die Legitimation seiner Mitglieder möglichst schnell festzustellen. Sollte der Antrag ans Ueberweisung an die Geschästsordnungs- Kominission nicht angenommen worden, so werde ich schon heute für den Antrag Rickert stimmen.(Beifall links.) Abg. von Atrinrückl(kons.). Ich protestire gegen die Be- Häuptling des Abg. Singer, daß unsere ablehnende Haltung gegen den Antrag Rickert ein Ausfluß unseres bösen Gewissen sei, wir haben ein ebenso gutes Gewissen wie die anderen Parteien. Reine ck.~ �.. i.<«r#——■-—.-* Zweckmäßiakeitsgründe leiten uns bei unserer Stellung zu dem Antrage. Bor allen Dingen bestreiten wir, daß nach Annahme dieses Antrages eine Beschleniiigung des Wahlprüfungsverfahrens eintreten würde. Schon jetzt können die Wahlprüfnngen dadurch erheblich beschleunigt werden, daß die Abtheilungen eine Reihe von Wahlprotesten erledigen. Abg. Gröber(Centr.): Die Herren von der Rechten sollten statt von dem Unflig der Wahlproteste lieber von dem Unfug der Wahlbeeinflussungen reden, das unterlassen die Herren wohl- weislich. Wir müssen auf eine möglichst gründliche Erledigung der Wahlprüfungen dringen, und in dieser Beziehung stimme ich allerdings auch Herrn Rickert nicht ganz bei, wenn er das Hauptgewicht auf recht schleimige Erledigung sdes Prüfungs- geschäjts legt; recht gründliche Erledigung ist die Hauptsache, lind diese kann nicht übermäßig schleunig' geschehen. Ter Antrag Rickert wird keine wirkliche Besserung zur Folge haben; eine solche wäre nur zu erwarten, wenn etwa kurz nach Beginn der Session die Wahlprüfilngs- Kommisston, ohne daß deren Mitglieder durch Plenarsitzungen zurückgehalten werden, eine Zeit lang sich ausschließlich mit der Erledigung von Wahl- Prüfungen beschäftigen. Wir sind jedoch mit der Kommissions- berathung etnverstanden. Abg. Keine(Soz.): Ich erkenne gern an, daß bei den letzten Wahlen eine Beeinflussung der Regierung nicht so sehr hervorgetreten ist, wie bei früheren Wahlen; um so mehr ist diesmal aber der Einfluß der Arbeitgeber hervorgetreten, welche die Arbeiter schaarcnweise zur Wahl trieben und durch die Schnapsflasche zur Wahl veranlaßten. Eine solche Beeinflnffimg wird von der freisinnigen Partei nicht für eine solche angesehen, welche eine Ungültigserklärimg nöthig machen könnte. Unser Wahlsystem müßle durch das sogenannte australische System ersetzt werben, weldies sich in den einzelnen Staaten Nordamerikas vor- trefflich bewährt hat. Abg. v. Marqnardse«(natl.): Ich bin mit dem Antrag Rickert nicht einverstanden, weil er das Ziel and, nicht annäher» o erreichen wird. Aber die Angelegenheit ist wichtig genug, um sie in der Geschästsordnnngs-Kommission zum Austrag zu bringen. Bei gutem Willen werden aber mich in einer Kommission von 14 Mitgliedern ersprießliche Resultate erzielt werden können. Wenigstens haben wir 1876, als die Wahlprüfungs-Kommission zum ersten Mal bestand, gleich in der ersten Session die Wahlen ent- weder für giltig oder ungiltig erklärt oder die Beanstandung ansgesprocheii, und nur die letzteren Fälle gingen in die nächste Session über. Wenn die Abtheilungen bereits über manches entscheiden und es nicht der Wahlprüfiings-Kommission überlaffcn, wird auch in Zukunft eine raschere Erledigung ermög- licht sein. Abg. Müller(Marieniverder): Ich habe nicht die Wahlproteste als Unsiig bezeichnet, sondern nur die rein erfundenen, unwahren Protestbehailptuiigen. Zeitlmgsredaktcure reichen z. B. Proteste über Wahlen in ganz anderen Wahlkreisen ein. Ein Redakteur hat einen Protest eingereicht imd sich vorbehalten, die Begründung nachzubringen, das ist eine Frivolität.(Große Un ruhe links.) Das halte ich aufrecht. Damit schließt die Diskussion. Im Schlußwort bedauert Abg. Uickiert, daß bei der Stimmimg des Hauses nicht viel aus seinem Antrag herauskommen werde. Die formalistischen Bedenken der Juristen und ähnlicher Herren seien nicht stichhaltig. Es kämen viel mehr Wahlbeeinflussimgen vor, als in den Protesten zum Ausdruck kämen(sehr wahr! rechts), denn Proteste zu erheben, sei nicht ungefährlich. Er bedauere, daß der Abg. Müller auch bei dieser Gelegenheit Parteipolitik getrieben habe. Wenn auch sein Antrag mit formalistischen Gründen todtgeschlagen werden würde, so habe er doch gegen über den zahlreichen Klagen von allen Parteien über daS Hinaus ziehen der Wahlprüfungen seine Pflicht gethan und werde mit seinem Antrag immer wiederkommen. Der Antrag wird der GeschästsordillingSkomiiiission über- wiesen. Damit ist die Tagesordnung erledigt. Der prastdrut schlägt vor, die nächste Sitzung nach dem Pfiiigflsest erst am 0. Juni abzuhalten, in der Hoffnung, daß diese lange Zeit und nameiitlich die Woche vom 2. bis 9. Juni von allen Kommissionen zur sorgfältigsten Bearbeitung der ihnen übertragenen Geschäfte verwendet wird, auch von der Wahlprü- fungs-Kommission.(Heiterkeit und Beifall.) Schluß öVs Uhr. Nächste Sitzung Montag, den 9. Jimi, 1 Uhr(Interpellation Baumbach, betreffend den schweizerischen NiederlassiingSvertrag, zweite Lesniig des Nachtragsetat, betreffend Ostafrika, erste Berathung der Strafgesetznovelle). Loftales. Die Stadtbahu ist bei dem raschen Anwachsen der Berliner Bevölkerung nicht im Stande, den an sie gestellten Ansprüchen zu -.......----------...<—««.. r.j? Li. a>.„,i.,!.L.„Ol,,». .Ten letzten Sonntag hatten sicks'die Berliner zu' Aus- bahnverbindung wegen waren die Stationen der Ringba'i Berlinern überfluthet, und als es Nacht zu werden begann, ei>- stand ein schreckliches Gedränge auf den Bahnhöfen, j�er] ein Plätzchen im Eisenbahnwagen eroberte, schätzte sich übach_ lich. Mehr als zwanzig Personen waren meistens in e» Koupee zilsammengedrängr, und trotzdem blieben Hnnocne_'i den Stationen zurück. Wie wird es während der Pfingstst1211 9 werden! Fast fammtliche Drtaillenre fakturwaaren ec.) desNordens v dem Rundschreiben ihre Unterschriften gegeben:,. mir „Durch die heutige Strömung veranlaßt, glauben w � ntcresse der ganzen Kaufmannschaft zu handeln,>v" der Tertilbranch-(#g von Berlin haben!#% im I �5luv'Lcj|c vgl. ö". wir durch eine freie Vereinbarung uns auf Ehrenwort verpflichten, unsere Geschästslokale während der Nional 1. Juni bis 1. September an Sonn- und Festtagen vo» IVsT Uhr Nachmittags an zu schließen, des sich Verpflichtenden sollen durch eine strafe von 50 M.' und durch Publikation in sämmtlichen Zeitungen gestraft werden. Die Konventionalstrafe wäre<" die hiesige städtische Armendirektion zu zahlen und ifl 8!' richtlich einzuklagen."—(Folgen die Unterschriften.). An» Nanliou» ist den Genossen mitzutheilen, daß . 1)4 VtU Viyvuu[(t4r wrrtjwty vrtvn,_ in der nächsten Umgegend noch immer kein Saal zu Arbeit«»«!' sammlungen zuhaben ist, unser Organ, das„Berliner Volksblali' ist bei dem Restaurateur Woepke in Pankow nicht mehr � finden; es liegt nur in Borchardt's Gasthaus in Pankow, Schulze- Itraße und bei dem Restaurateur Müller in Nieder-Schönhaustn, Kaiserin Augiistastraße ans, was bei Ansflügeii nach dem Nor«» zu benickstchlmen sein dürfte. Der schiidtichr Cinflnfj, welchen die im Erdboden liege»- den Gasleitungen auf das Erdreich und auf die in ihrer M wurzelnden Bäume ausüben, kann recht deutlich am Kottbcher Tamm beobachtet werden. Hier sind bereits vor mehreren Iah«» Baumpflanzungen auf der Berliner Seite gemacht. Erst mehrer- Jahre später wurden gleiche Anpflanzungen auch auf der dorfer Seite vorgenommen. Gegenwärtig sind die letzteren bedeutend besser entwickelt als die ersteren, obwohl diese vom Son- iienschein mehr begünstigt werden und auch sonst eine sorgfältig«' Pflege empfangen als die Bäume ans der fltirdorfer Seite,>°° Gasleitung nur auf kurzen Strecken und auch erst seit Kurze« gelegt ist, während sie allerdings auf der Berliner Seite läng desteht. Lluf dem Hohenstausenplatz, der von der Gasleitung n>ch so nahe berührt ivird, gedeihen die Anpflanzungen ebenfalls aui- fallend besser, als an der nahen Straße. am jueituajiaiig«uj vm viiieiumyiicii. Markgrafendamm sind zivei Personenwagen erster und zch- Klasse für elektrische Glühlichtbeleuchtung bereits eing«m) worden. Jeder Wagen soll mit fünf Lampen von 6 Normmk«! latoren W"l der zur Gasbeleuchtung eingerichteten Wagen, unterhalb Leuchtkraft versehen sein, deren Speisung mittels Akkunrnlaw erfolgt. Die Akkumulatoren befinden sich, wie die Gasbeya�� Wagenkastens und die Batterie kann für eine Beleuchtungsdau von ungefähr 24 Stunden mit Elektrizität gelaoen werden, handelt sich'zunächst nur um einen Versuch mit dieser Pe« tungseinrichtnng. Die Versuchsfahrten mit den beiden Wag werden wahrscheinlich schon in nächster Zeit stattfinden.... Geffentlichr Krlobigung für Rettung aus Lebensge>c>?" Der Landrath des Niederbarnimer Kreises, Geh. Reg.-!"'1' Scharnweber, erläßt folgende Bekanntmachung:„Am 81. Jan», er. wurden durch den Arbeiter Kochanowsky zu Neu-Weißch!� und zwar mit eigener Lebensgefahr zwei Knaben, melme (jtvv»» ,»»»»' w W.-(j*-------------,•VvfcVV/v Schlittschuhlaufen auf dem bei seiner Arbeitsstätte nahe geleg-».� See eingebrochen waren, vom Tode des Ertrinkens gerettet. � muthige und entschlossene That wird hiermit belobigend 3 öffentlichen Kenntniß gebracht und die derselben gebührende erkennung hierdurch ausgesprochen." Mnrr von den Londoner Gaunern ist en' seinem Schicksal ereilt worden. DaS„Verl. Tagebl." hierüber: Der seit einigen Jahren in Lonbon wohnhaft Kaufmann Bernhard Harseld ans Mitau, welcher in Hamsj-i wegen Betruges und Urkundenfälschung strafrechtlich vers»-, wird, ist infolge eines von der deutschen Regierung gestellten i'' träges zu Ansang dieses Monats englischerseits ausgeliefert den und wird sich nun vor den Hamburger Gerichten seines Treibens zu verantworten haben. Derselbe hatte mehr«, Hamburger Firmen geschädigt, indem er A uiib> frnbi gel., »u S Wiek ffi Klttj Pvt- te eines über und nach »3 erbai Geri! blöch Uilgl enfch haus. einen -- äffet hmal tlopfl knie i die z berbr häilt« Wied IS S & letzt i % Hase! hang 'anal eines Besch< eines «vett elber elber selber niami hierb Utbci Ü zweij ®toct auf Schäi Stell, Derselbe hatte nieyr« : bei wiederholten�, suche" in Hamburg' sich dort als.Agent eines �angebu�l „Millionärs Woroff" in London einführte und gefälschte i und Checks begab, welche an die Ordre von Ooheyn u. Co. A London ausgestellt und von dieser Firma an Harseld indofl. waren. Welcher Zusammenhang zwischen dieser Firma. Harseld und zwischen Letzterem und Woroff bestand, die Untersuchung in Hamburg klarstellen. In London, ein Millionär Woroff' vollständig unbekannt. Dort f». nur zu ermitteln, daß unter der Firma Nu»'». Alexander Woroff ein gewisser Willy Otto, welcher bis 3, Jahre 1879 in Berlin gelebt haben und sert 1333 in London sässig sein soll, Schwindelgeschäfte betrieben hat. Das Geschä!'� lokal desselben fand sich eines Tages geschlossen, nachdem. Hauseigenthümer wegen der rückständigen MiethSsord«» Zwangsvollstreckung an das Mobiliar ausgebracht hatte.«jL. der Firma Odheyn». Ko. trieb ein gewisser Odheyn in Ver» dnng mit einem Godfroy Schwindelgeschäfte. Die Beiden I'. gleichfalls seit längerer Zeit spurlos verschwunden.— D«, nicht ansgeschlossen erscheint, daß Woroff sowohl wie Ob% und Godfroy unter irgend welchen pomphast klingenden F«?-,. ihr schwindelhastes Treiben, welches namentlich auch in land Opfer fand, fortzusetzen bemüht sein werden, so sei vor diesen Leuten auf das Dringendste gewarnt. v Lcbrnsrrttnng. Am Sonntag Nachmittag kamen 3�, junge Leute, welche in einem Treptower Lokale des Guten) viel gethan hatten, auf die unglückliche Idee, eine Ruderpar. auf dem Rummelsburger See zu machen. Als dieselben läng Zeit auf dem Wasser herumgefahren waren und die Plätze me*. wollten, gericth das Boot in's Schwanken lind kenterte.®.,5 licherweise befand sich gerade eine sogen. Zille in der Nähe,'* den auf denselben befindlichen Mannschaften gelang es" einiger Anstrengung, die mit den Wellen Kämpsenden 011... Haken an die Zille zu ziehen. Nachdem man die Geretteten». Lvnd aebrackr und dort mit trockenen K'leidern versehen h»„. Ä»V Land gebracht' und dort mit trockene» Kleibern wurden sie nach ihren in der Mühlenstraße belegenen geschafft..1*, Kliiivrrgiftnug durch Fischr. Das bei dem in FriedrNu, berg wohnenden Kaufmann Krause londilionirende Dienstmabai Emma Köhn war am Sonntag Abend mit dem Abschuppen tov Fische beschäftigt, welche die Frau am Abend vorher in...;; Zcntralmarklhalle gekauft hatte. Nach Verrichtung dieser Ar. spürte das Mädchen plötzlich heftige Stiche im linken Handge« x die immer heftiger wurden, so daß das Mädchen schließlich% Schmerz in Ohnmacht fiel. Die durch den Fall herbeig«». Frau ließ sofort einen Arzt holen, der sofort eine Blutvergisi, konstaiirte, die sich das Mädchen durch einen kleinen Schnitt Daumen beim Abschuppen der übrigens nicht mehr frischen FA.,- ''-...... des bedenkliche" o'., zugezogen hatte. Der Arzt ordnete wegen jtandcs die sofortige Ueberführnng des Mädchens in ein Haus an und verfugte die Vernichtung der Fische. Eiubruchsdirbstaht. In der Nacht wm ww ii)« v»v v X>>> vom Montag 3 � Dienstag ist in dem an der Goltz- und Grunewaldstraßen-Ecke legenen Restaurant von Götsch ein mit großer Raffinirtheit» � geführter Einbruch verübt worden. Die Diebe, welche m« A Oertlichkeit genau vertraut sein mußten, versuchte» zuerst/»,,. das in der Goltzstraße belegene Fenster in den Keller einziidring., Da ihnen jedoch dies nicht gelang, entfernten sie das j" Grunewaldstraße vor dem Fenster befindliche Drahtgitter, nunmehr in den Keller ein und gelangten auf diese Weise i" eine Treppe hoch gelegenen Laden. Die Einbrecher, welche° C % fliVO {teile totei & Är' datir S-wö >N't! Hera, Und B ■öei 1 fe % ?«ss 'mm N II �0V( C ßewe dent, ->Is l? Und ©ten I Seilten Theil der Eßwaare», sowie Zigarren und einige Flaschen "�ucur nntnahincn, liesten eigenthüinlicher Weise die Ladenkasse ' Ebenso haben dieselben anch einzelne im Laden be- «•tnf- Sparbüchsen, deren Inhalt nicht unbeträchtlich war, zurück- •i, srn"'«®on �en Dieben, welche bei dem Einbruch so vorsichtig L.s e gegangen waren, daß sie ungehindert den Ausgang . ��passiren konnten, fehlt bis jetzt jede Spur. Es ist nicht ans- W' M'Otien, daß dieselben mit denjenigen Personen, welche vor e'nen ähnlichen Diebstahl in einem Schankgeschäst der i>olsdainerstraße ausführten, identisch sind. .�''brrsahrru wurde vorgestern Vormittag in der Köpnicker- d«!» kcm Hause 138 der Arbeiter Schmidt. Derselbe wollte ei, Ja' ben Fahrdamm passiren, als er von den Pferden üh.vt t 5 Treptow fahrenden PscrdedahnwagenS umgerissen und »MN- wurde. Er erlitt hierbei eine Oberschenkelsraktur vnl lmcn Knüchelbruch, und wurde seine sofortige USbersührung w dem Städtischen Krankenhause im Friedrichshain angeordnet. t™»� 5"� uom KnugeriiA. Ein bedauerlicher Unglücksfall fi. J d•'?n.1 vorgestrigen Nachmittage gegen 6 Uhr auf dem Grund- .....��drichstr. 180 zu, auf welchem der Tucher'sche Bierpalast Omm?�ben soll. Von dein den Bauplatz umgebenden Hohen .».d'nt stürzte um die angegebene Zeit aus der Hohe der zweiten in h®8 Avtge oines Fehltritts ein Zimmermann' Namens Protze bln?8 � und siel auf einen der dort angefahrenen Sandstein- »»�-welche zur Bekleidung der Fa?ade verwendet werden. Der ..Puciliche, welcher die Besinnung verloren hatte, wurde mit lJ»!.ieuö schweren innere» Verletzungen nach einem Kranken- Wse uberführt. ÖV*. � ui'frl'r!,r-Ue rgiftung wird von Prof. Falk nach Mu!,.�>cht von A. Hartge im Zentbaldlatt für die medizinischen m,,u°»schast«n mitgetheilt. Ein Student nahm nach einer starken .» oholepzedirung(wie euphemistisch!), um ordentlich schlafen zu i-ft'/u, eine Unze Antifebrin, der Art, daß er immer einen Thee- bi>I> f*"7 i" den Niund nahm und mit einigen Schluck Wasser k/mü Nach dreistündigem Schlaf erwachte er mit Herz- «>«»«!!' Sodbrennen, Uebclkeit, und bald fiel seiner Umgebung .>e blaue Hantfärbung auf. 9 Stunden nach der Ingestion war )iwi Theil blau-schwärzliche Färbung über den ganzen Körper rbreitet, einschließlich der Nägel und der sichtbaren Schleim- Ter Puls zählte 160, die Athmuug 30—40 in der Minute. Wiederholt erschien der Zustand besorgnißerregend, was erst nach stunden schwand. Ter Patient konnte am dritten Krankheits- wich geeigneter Behandlung das Bett verlassen, die Blau- iurvimg war inzwischen gewichen. , f-i» Abkchirfie» der Krähe» auf pichelswerder wird i°i taglich fortgesetzt. An den einzelnen Tage» sind jedesmal Ji» Stück erlegt worden. Von einer merklichen Abnahme " Thiers ist bisher aber noch nichts zu spüren. , Volizridrricht» Am 20. d. M. Vormittags wurde in der Dasenhaide, in der Nähe der Militär-Schießstände, ein Mann er- hangt vorgefunden.— Mittags wurde im Landwehr- n»al, gegenüber dem Grundstück Kottbuser Ufer 63, die Leiche neugeborenen Kindes aufgefunden und nach dem Schauhause schafft.— Nachmittags fielen einem Ardeiter beim Abrüsten nies Schutzdaches auf dem Grundstück Triststraße 48—49 einige mtcr auf den rechten Oberschenkel, so daß er einen Bruch des- t.ru n �litt. Er wurde nach der Charitee gebracht.— Zu der- vwen Zeit fiel auf dem Neubau Friedrichstr. 180 der Ziinmer- aiaim Christoph etwa 3 Meter hoch von der Rüstung und erlitt Mrbei anscheinend schwere Verletzungen am Kopfe, so daß seine neberführung nach der Charitee erfolgen mußte.— Abends wurde jwJ nluthgraben die Leiche des seit dem IG. d. Mts. vermißten Malers Bremer aufgefunden.— Zu derselben Zeit stürzte ein «weijährigez Mädchen aus dem Küchensenster der im dritten «toct des Hauses Katzbachstr. 20 belegenen elterlichen Wohnung M. den Hof hinab und verstarb ai'f der Stelle infolge eines IchädelbrnchS.— Im Laufe des Tages fanden an 6 verschiedenen bellen kleinere Brände statt. Gevichrs-IZeikung. G Unter der Anklage de« Mnchers standen gestern der Mdelsmann Gustav Cohn und der Kausuiann Julius 'vvrchardt vor der II. Strafkammer des Landgerichts I. Der ßbgeblich Bewucherte sollte der Hauptmann z. D. und Wein- i/isende R. sein, welcher bei Erstattung der Anzeige der Staats- pswaltschast 12 Wechsel zum Betrage von je 2— 300 M. unter- reitet hat, die ihm voin Angeklagten Cohn diskontirt worden �»ren, wobei R. aber bisweilen bis zu 400 pCt. Zinsen hat jMra müssen. Cohn bestritt dies nicht, behauptete aber, daß mi der Zeuge den Verdienst aus freie» Stücken angeboten habe nd von der Ausbeutung einer Nothlage nicht die Rede sein oiiiie. Er sei Händler mit alten Kleidern und habe seinen Stand einem der bekannten Kreuzungspunkte der Friedrichstraße. gPw ausnahmsweise habe er dann und wann einmal ein kleines Geschäft abgewickelt. Seine Bekanntschaft mit dem Zeugen b, Je von einem Märzabende des vorigen Jahres, als er wie gewöhnlich seine Geschäftsstelle inne hatte. Der Zeuge, ein Mann ■nt dem Auftreten eines Millionärs, sei an ihn mit der Frage /»getreten, ob er nicht eine silberne Sparbüchse kaufen wolle, "Ü*.sei dies Geschäft auch abgeschlossen ivorden. An einem der a/chsten Abende habe der Zeuge ihn dann ersucht, ihm gegen ein ///pt Geld z» verschaffen und es wurde mit einem Wechsel über m0 M., wofür der Zeuge 180 M. erhielt, der Ansang gemacht. tjl den häufigen Besuchen, die der Angeklagte dem Zeugen in Ijner Wohnung, abgestattet habe, habe er sich von dem militärischen '/rad des letzteren, sowie auch davon überzeugt,� daß derselbe in f/wzsnden Vermögensverhältnissen leben müffe. Der Herr Hauptmann habe häusig von seinem großen Einkommen rnprochen, daß er als Vertreter eines der. eriten Wein- '»Fr aber nur in den berühmtesten illestaurants Unt�r des den er nur Linden viel verkehren Champagner könne und und im Austern Jntereffe verzehren Geschäfts »"Mie. Es wäre lyin ouaj ein Rw;»*»,—- teuJiriidtn Verlegenheiten Geld zu beschaffen, er dürfe sich diese - �ße aber nicht gehen. Der Angeklagte erklärte ferner, wie nun '»'er wieder neue Wechsel vom Zeugen ausgestellt und auch ein- LÄWiirden, bis auch die letzten drei zum Gesammtbetrage von ß Mark. Als er diese am 15. November in der Wohnung des iZ»gen präsentirte, habe der bis dahin so entgegenkomniende 8»8* ihm barsch die Thür gewiesen. Ter Angeklagte Cohn hat drei Wechsel dann für 730 Mark an den Mitangeklagten Schürdt verkauft, welcher den Betrag eingetrieben hat und sich nvurch der Beihilfe zuin Wucher schuldig gemacht haben soll. ö�uge R. meinte, daß er thatsächlich in schwerer Nothlage ? Wesen sei und daß Cohn dies gewußt habe. Bon dem Präfi- Uten über sein Einkonimen befragt, gab der Zeuge an, daß er tj Hauptniann eine Pension von 1836 Mark beziehe. Bon v, ei,, Weinhause erhalte er ein festes Gehalt von 8000 Mark, j..M. 50 Pf. tägliche Spesen, wenn er in Berlin undSO M. täg- wenn er auf Reisen sei; außerdem 6 pCt. Provision. Die totere Einnahme aus der Provision komme aber nicht in Be- da sein Haus ihm bei seinem Eugagement einen bedeuten- >./? Vorschuß zur Tilgung alter Verbindlichkeiten gewährt habe »ud die Provision dafür zur Verrechnung gelange. Seine öl» v g verpflichte ihn zu großen Ausgaben und so habe er sich, »«.der Gerichtsvollzieher ihm drohte, in seiner Nothlage au W» gewandt. Der Staatsanwalt hielt den Wucher schon um j�hnlv für erwiesen, iveil Cohn sich sagen nmßte. daß ein Mann /der Stellung des Zeugen sich in großer Roth befinden müsse. inj»» er sich an ihn wende. Er beantragte gegen Co hn sechs Mshvf schloß sich aber den Aussührimgen des Bertheidigers, »j/htsanwalt Wreschner, an und erkannte auf Freisprechung. Von �«r Nothlage. weil man nicht Austern und Champagner ge- »ießen könne, könne keine Rede sein und außerdem war der Zeuge keinesivegs gezwungen, sich an die Quelle zu wenden, die er auf- gesucht. zZozicrlo Meberstihl Maßregelung. Bei der Firma Theodor �uiremand, Prinzessinnenstr. 20, sammelten einige Klempner Unterschriften zu einem Gesuch an den Fabrikanten, den 1. MaMrei zu geben. Von den dort arbeitenden 28 Klempnern untertrieben nur IG, indem sie sich zugleich verpflichteten, für etwaige Gemaßregelte einzutreten. Bei der geringen Betheiligung der Kollegen an oem Gesuch, wurde letzteres nicht abgeschickt. Nachträglich wurden die Name» derjenigen, die unterschrieben hatten, dein Chef hinter- tragen und zivei Kollegen entlassen. Die Anderen arbeiten weiter. Achtung! Arbeiter de« Süden Kerliu«. Gelesene Arbeiterblätter zur besseren Agitation in den Provinzen werden in folgenden Sammelstelle» entgegengenommen: Otto Klein, Nitterslr. 15, im Laden; C. Netzerau, Heim- und Bergmann- straßen-Ecke, im Restaurant Ammer; Paul Sucker, Fichtestr. 26, im Laden; H. Werner/ Bülowstr. 64; P. Schröder, Kreuzbergstraße 15.— Alle diejenigen Genossen in den Provinzen, welche Arbeiterblätter zur Vertheilung in ihren Kreisen zugesandt haben ivollen, mögen ihre Adressen an Herrn Otto Klein, Zigarrenhändler, Berlin S., Ritterstr. 15, abgeben. Die Steindruriier und Lithographen versenden folgen- deS Zirkular:„Zu der von Herrn Tifchendörfer in der öffent- lichen Versammlung der Steiudrucker, Lithographen und Berufs- genossen am 23. April ausgesprochenen Ansicht, wonach derselbe Herrn A. Schnlz den Vorwurf der Unwahrheit machte, bestätigt die Dreizehner-Komiiiission, daß die in dieser Versammlung zum Antrag erhobene Ansicht des Herrn Tifchendörfer in der Kom- m i s s i o n s e l b st nicht v er e i n b a r t i st. Wenn Herr A. Schulz einen diesbezüglichen Vorwurf machte, so ist derselbe im vollsten Maße gerechtfertigt. Im Gegensatz zu der Behaliptung des Herrn Tifchendörfer erklärt die Dreizehner- Kommission, daß derselbe die Unwahrheit gesprochen, berechnet, die seit langer Zeit im Gange befindliche Lohnbewegung zu inhibiren. Wir bedauern, daß Herr Tifchendörfer das Vertrauen, wel- ches wir ihm infolge seiner scheinbar regen Thätigkeit zu Theil werden ließen, zum Schaden der Gesammtheit gemißbraucht hat. H. F r i e d e iv a l d. A. H i l d e b r a n d t. A. Neumann. M. Preuß. Fr. Rose. A. S p i tz b a r t h. M. S o m m e r f e l d, B. S i m o n s o h n. O. S i e m e r. O. Sillier. W. Zechert. Achtung Arbeiter Äertiira. Ter Streik der Schrauben- und Fa?o>idreher ist für beendet erklärt, und zwar ist die Arbeit, durch den Jndifferentismus eines größeren Theiles der Kollegen, zu den alten Bedingungen aufgenommen worden, wodurch gegen 100 Kollegen arbeitslos wurden. Gerade die Besten, Zielbe- wußten liegen auf der Straße. Wollt Ihr sie und ihre Familien zu Grunde gehen lasten? Ihr arbeitenden Kollegen bedenkt, daß sie mit Euch stritten und kämpften. Vergeßt die Ausgesperrten nicht. Laßt das Pfingstsest auch ihnen ein Fest der Freude sein. Listen für die Gemaßregelten sind zu haben Alte Jakobstr. 69. Sendungen u. s. w. an H. Hirsch, Neu-Weißensee, Sedanstr. 35a und Vogtländer, Manteuffelstr. 46, l Tr. Vera, 19. Mai. Ter Erlaß der Verbote betr. der Geld- sammlung für die ausgesperrten Weber, sowie das des Stehen- bleibens auf den Straßen, nimmt die Thätigkeit der Polizei sehr stark in Anspruch, um alle die Missethäter zu ermitteln, welche die Stadtrathsverfügungen nicht heilig halten. Es vergeht wohl kaum ein Tag ohne Vertheilung von Straf- Mandaten. So hat heute wieder ein Weber eine Strafe von 15 M. event. 2 Wochen Gesängniß zndiltirt erhalten wegen Verübuug von„grobem Unfug", welchen der Betreffende dadurch be- gangen haben soll, daß er vor einer Fabrik hin und hergegangen sei. Ein anderer Arbeiter erhielt einen Strafbefehl von einer Woche Gesängniß„wegen Bettelei". Derselbe soll Bei- träge für die Ausgesperrien auf dem Lande eingesammelt haben. Auf dein Lande bestand bisher ein Verbot nicht, es hat deshalb die Behörde zum Bettelparagraphen gegriffen. Ob man sich jetzt damit bei den Gerichten mehr Glück verspricht, als vor zwei Jahren? Damals wurden die„Bettler" sreigesprochen, weil eine Sammlung für Andere keine Bettelei sei. Aus alledem ist zu ersehen, daß wenn irgend ein Paragraph existirt, derselbe sofort hervorgesncht wird und wenn kein anwendbarer aufzufinden ist, so wird schleunigst einer ge- macht. So wurde heute den Vertretern des Arbeiterkomitee vom Geheimrath Voller! im Ministerimn mitgetheilt, daß auch der Landrath für den Landbezirk ein Verbot der Geldsammluug erlassen werde. Auf was es bei den Verboten abgesehen ist, geht sehr deutlich aus den Aeußernngen hoher Beamten hervor: Der Ausstand werde durch Genehmigung von Geldsammlnngen nur in die Länge gezogen.— Dies ist wohl deutlich genug ge- � In einer hiesigen Weberei ist eine Schurkerei verübt worden, indem an 57 Stühlen von unbekannter Hand die Ketten zer- schnitten ivnrden. Sofort hat sich die arbeiterfeindlichePreffe bemüht, diese Thcit den Streikenden zuzuschieben, doch wohl nur mit der durchsichtigen Absicht, die Siimpathie der Bürgerschaft für die Arbeiter zu verwischen. Jedoch ist diese Absicht durchaus nicht er reicht worden, da nicht der geringste Anhalt dafür vorliegt, daß irgend ein Arbeiter die Thal begangen haben kann. Nicht die geringste Spur für ein geivaltsaines Eindringen liegt vor. Der Thäter scheint vielmehr ohne alle Schivierigkeit in die verschlossene und durch einen großen Köter bewachte Fabrik gekommen zusein. Die Sache ist sehr räthselhast und Niemand hat ein größeres In- tereffe an der Aufklärung dieses Vorkommnisses, als die Slrbeiter. Der Wunsch der„Ger.-Zeitung", daß dieses Ereigniß„den AuS- ständigen auch den letzten Schimmer von Sympathie entziehen müsse", ist nicht erfüllt worden, wie eine stattgefundene große Versammlung von Bürgern und Geschäftsleuten bewiesen hat. Glm«horn. Der Streik der Gerber und GerbereiarbZ dauert unverändert fort, die hiesigen Lokalblätter verbreitet' die Mähr, daß die Stellen der Streikenden durch auswärtige�Kräfte hinreichend besetzt seien. Demgegenüber erklären wir, daß der Streik unverändert fortdauert. Was nun die ausivärtigen Kräfte anbelangt, so ist es den Unternehmern theittveise gelungen, Kanal- arbeiter und sonstige Leute heraiizuziehc», die sonst immer abge- wiesen wurden, unter den jetzigen Verhältnissen aber willkommeii sind. Kollege», Slrbeiter, hieraus könnt Ihr sehen, daß es die kapitalistische Presse mir darauf abgesehen hat, den Zuzug nach hier zu bewerkstelligen. Haltet vor allen Dingen den Zuzug fern, so werden die Fabrikanten doch noch gezwungen sein, die zehn- stündige Arbeitszeit zu bewilligen. Briefe und Sendungen sind zn richten an A. kkvpns. Alle arbeiterfreundlichen Blätter werden um Abdruck gebeten. Die Lohnkommission. I. A. H. Landen- berger. Elmshorn. Arbeiter! Kollege»! Jnsolge einer von den Korkarbeitern der Fabrik Carl Nahmer in Breslau geforderte Lohnerhöhung von 20 pCt. und Verkürzung der Arbeitszeit, die von dem Fabrikanten aber abgelehnt wurde, steht ein allgemeiner Streik in genannter Fabrik bevor, worauf sämintliche Kollegen hierdurch mit dem Er- suchen aufnierksam gemacht werden, im Interesse des Gelingens des Streikes Zuzug nach hier fern zu halten, und uns, wenn irgend möglich, durch Beiträge zn unterstützen, zumal der hierorts bestehende Fachverein noch nicht genügend gekräftigt erscheint, um den Streik mit eigenen Mitteln erfolgreich durchführen zu können. Freundliche Unterstützungen werden an die Adresse des Kollegen Julius Metzner, Brunnenstr. 28, Briefe an Carl Stief, Tauenzienstr. 55 in Breslau, erbeten. Alle arbeiterfreundlichen Blätter werden um Abdruck gebeten. 'erfrzinittlungen. „ Eine grosie»ffentlicke Versammlung vo» Aandlnngs- Gehilfen n»d Gehilfinnen tagte am 20. d. Mts. im großen Saale der Aktienbrauerei„Friedrichshain", um die Frage zu er- örtern:„Welche Forderungen stellen wir an den neuen Reichstag?" Nachdem die Versammlung die Herren Hinze, Ma nasse, Oberländer und das Fräulein C h a i m in das Bureau gewählt hatte, nahm der Referent, Herr Auerbach, das Wort zn seinem Vortrage über das zur Tages- ordnung stehende Thema. Derselbe äußerte sich dahin, daß, da wir gegenwärtig in einer Zeit der sozialen Reformen leben, die Handlungsgehilfen und Gehilfinnen sich klar darüber zn werden hätten, ob ihre Lage nicht verbesserungsbedürftig sei. Redner war wohl dieser Ansicht und gab mm eine Schilderung der kauf- männischen Misere, wie sie in allen Variationen schon so oft der Oeffentlichkeit vor Augen geführt worden ist. Derselbe begegnete zunächst dem Märchen, daß die Handlnngsbeslissenen etwas„Besseres" seien, als die schlichten Arbeiter und zeigte, daß sie allen Grund hätten, mit Achtung und Ehrfurcht auf den Arbeiterstand zu blicken, dessen Solidaritäts- gefühl hoch erhaben sei über dasjenige der Handlungs- gehilfen. Auf die freisinnige Partei, welche vor den Wahlen den Mund gar so voll genommen habe, daß sie auch für die kauf- männischen Angestellten Sorge tragen wolle, näher eingehend, tinterzog er den vom freisinnigen Abgeordneten Direktor Gold- s ch m i d t im Reichstage eingebrachten Antrag, die Kündigungs- fristen ic. betreffend, einer durchaus abfälligen Kritik und war der Meinung, daß, wenn die freisinnige Partei keine anderen An- träge zu stellen vermöchte, sie lieber gar keine Anträge stellen sollte. Des Weiteren sprach sich Redner für eine absolute Sonn- tagsruhe der in kaufmännischen Geschäften Angestellten aus, je- doch nicht auf Grund einer freien Vereinbarung, sondern auf Grund gesetzlicher Bestimmungen. Da aber eine absolute Sonn- tagsruhe vorläufig nicht vom deutschen Reichstage zu er- hoffen sei, so würden sich die Handlungsgehilsen vorerst mit der halben Sonntagsruhe als praktische Leute begnügen. Regierungsseitig sei ein Gesetzentwurf eingebracht, dahingehend, daß Handlungsgehilfen des Sonntags nicht länger als 5 Stauben beschäftigt werden dürfen. Mit der Regierungsvorlage könnten sich die Handlungsgehilfen nach dieser Richtung hin befreunden, jedoch nur unter der Voraussetzung, daß die kaufmännischen Ge- schäfte spätestens um Mittags 1 Uhr geschlossen werden. Bezüg- lich der Reform der täglichen Arbeitszeit erklärte Redner eS als einen Segen, daß der sozialdemokratische Arbciterschutz-Gesetzent- wurf auch die Handlutigsgehilsen berücksichtige, wofür diese der sozialdemokratischen Partei im höchsten Maße dankbar zu sein Hütten. Das Gleiche gelte von den Kündigungsfristen u. s. w., wie die Bestimmungen des sozialdemokratischen Abeiterschutz- Gesetzentwurses lauten, welche Referent eingehend erläuterte. Redner schloß mit der Aufforderung, sich der modernen Arbeiter- bewegnng anzuschließen und war der Meinung, daß die kauf- männische Bewcgling nur dann Erfolge erzielen wird, wenn sie eine soztalistische ist, sein soll und sein muß und sagte dem Proletariats Berlins seinen Dank für die gewährte Unterstützung in der Frage der Sonntagsruhe.(Stürmischer Beifall.) Folgende Resolution war eingegangen: „Die am 20. Mai er. im Saale der Brauerei Friedrichs- Hain tagende öffentliche Versammlung der Handlungs- gehilfen und Gehilfinnen beschließt angesichts der dem Reichstage vorliegenden Arbeiterschutz-Gesetzentwürfe, daß dem Reichstage solgende Resolution zur Kenntniß zu bringen ist: In Erwägung, daß die Angestellten im Handels- gewerbe bezüglich ihrer Engagementsverhältnisse jeglichen gesetzlichen Schutzes entbehren und sich infolge dessen die größte Willkür seitens der Arbeitgeber auf das drückendste fühlbar macht; in weiterer Erwägung, daß der von der Regierung ein- gebrachte Arbeiterschutz-Gesetzentwurf die Angestellten des Handelsgeiverbes nur in der Frage der Sonntags- ruhe berücksichtigt, im Uebrigen aber die unbedingt noth- wendige Regelung der werktäglichen Arbeitszeit und der Kündigungsfristen gänzlich unberührt läßt und in schließ- licher Erwägung, daß der Arbeiterschutz-Gesetzentwn.'-f der sozialdemokratischen Fraktion die bei den, Regierungs--Ent- ivurf vermißten Schutzmaßnahmen enthält, erkennt die Ver- sammlung den Arbeiterschutz-Gesetzentwurf der sozial- demokratischen Fraktion als denjenigen an, welcher allein den berechtigten Forderungen der Allgestellten des Handels- gewerbes Rechnung zn tragen sucht. Allerdings entspricht derselbe nicht ganz den Wünschen und Bedürfnissen der Handlungsgehilfen und Gehilfinnen und fordert deshalb die Versammlung folgende Ergänzung des Gesetz-Entwurfes: 1. Die Angestellten des Handelsgewerbes dürfen an Sonn- und Feiertagen nicht länger als 5 Stunden, und zwar nicht vor 7 Uhr Morgens beginnend und nicht über 12 Uhr Mittags hinausgehend, beschäftigt werden. 2. Die Kündigungsfrist soll nicht in der Regel. sondern mindestens 4 Wochen bettagen. 8. Die Gehaltszahlung soll 14 täglich erfolgen. Die Versammlung bittet die'sozialdemokratische Fraktion, in diesem Sinne ihren Gesetzentwurf zu amendiren und richtet ferner an den Reichstag die Bitte, durch Annattme dieses Gesetzentwurfes endlich einmal auch den Angestellten des Handelsgewerbes denjenigen Schutz zn verschaffen, den dieselben zur Wahrung ihrer wirthschaftlichen Existenz unbedingt fordern müssen." Diese Resolution gelangte mit erdrückender Majorität zur sofortigen Annahme und wurde das Bureau der Versammlung beauftragt, diese Resolution dem Reichstag zu unterbreiten. Nach- dem svnd eine lange, mitunter stürmische Debatte statt, da viele iliiMögene Elemente in der Versammlung anwesend waren. .. einem Schlußworte des Referenten wurde die Versammlung it einem dreifachen Hoch auf die Sozialdemokratie geschlossen. Eine-st'enttiche Versammlung der KrauergeseUr» KerUna nnd Umgednng beschäftigte sich am Dienstag Abend im Lokal des Herrn JoLl, Andreasstr. 21, mit der gegenwärtigen Lage des Brauerstreiks. Das Referat hatte Herr Richter über- nominell, welcher noch einmal die Ursachen des Streiks und die mit den Brauereibesitzern gepflogenen Berhandliuigen schilderte. Tie Gesellen-Kommission habe sich redlich um die Beilegung der entstandenen Dissercnzen bemüht, ohne jedoch das gewünschte Resultat erzielen zu können. Man weigere sich beharrlich, die Streikenden wieder einzustellen und ebenso ivenig wolle man den Arbeitsnachweis der Gesellen anerkennen. Diese Punkte bildeten vornehmlich den Stein des Anstoßes. Direktor Rösicke habe als Beauftragter der Brauereien erklärt, daß diese den Gesellen, welche iveiter gearbeitet hätten, zu Dank verpflichtet seien und sie deshalb nicht entlassen könnten. In Arbeiterkreisen denke man aber anders über derartige Leute und was den Arbeitsnachweis anbetreffe, so sei derselbe unter den obwaltenden Verhältnissen eine dringende Nothwendigkeit geworden. Es sei für die Arbeitslosen schon schwer, überhaupt nur in die Brauereien hineinzukommen, um dort anfragen zu können und die bejahrteren Kollegen weise man gewöhnlich von vornherein zurück, obgleich bei zweckmäßiger Ein- theilung auch für diese entsprechende Beschästtgniig vorhanden sei. Als eine Ueberhebung könnten diese Forderungen der Streikenden doch gewiß nickt bettachtet werden. In der Presse habe man, jedenfalls aus Veranlassung der Herren Brauereibesitzer, den Jahresverdienst der Gesellen auf 19oO M. angegeben. Hier seien aber Schlafstelle und Bier mit einer hohen Summe in Anrechnung gebracht worden. Die Gesellen würden aber den Brauereien noch gern 200 M. schenken nnd auf Schlafstellen und Bier gern Ver- zicht leisten, wenn sie so viel Verdienst erzielten. Sie würden schon aus dem Grunde gern auf„Schlafstellen" verzichten, weil Mancher in den dazu hergerichteten Räumen nicht einmal tobt, geschweige denn lebendig sein möchte. Wenn die Brauer sich nicht in dem Mäste ivie andere Arbeiter an der all- gemeinen Bewegung betheiligt hätten, so liege das an den eigen- thiimlichen Verhältnissen in diesem Gewerbe. Ein großer Theil der Kollegen schlafe eben gleich in der Brauerei und viele kämen während der ganzen Woche kaum eimnal von der Arbeitsstätte fort. Abgesehen von den indifferenten Kollegen ständen indessen auch die Brauergesellen auf dem Standpunkt der modernen Ar beiterbewcgung und sie hätten mithin nicht anders können, als sich an dre Berliner Arbeiterschaft uni Unterstützung in diesem Streit zuwenden. Diese Unterstützung sei ihnen auch in so reich- lichcm Maße zu Theil geworden, dast die Angelegenheit Hassent- lich bald einen befriedigenden Abschluß erhalten werde. Von gegnerischer Seite setze inan freilich alle Hebel in Bewegung, sogar eine Brauergesellen-Versammlnng habe man zu Stande ge- bracht. welche einen Beschluß gegen die Forderungen der Streikenden faßte. Diese Versammlung habe sich zusammen- gesetzt aus Arbeitgebern, Vorderburschen und auch aus solchen Kollegen, welche'zwar die Hand für die For- derungen hoch gehoben, aber nicht den Muth hatten, später für dieselben einzutreten. Gegenwärtig habe man noch mit un- gefähr 800 Srreikenden zu rechnen, die anderen hätten Berlin verlassen. Möge der Streik ausfallen, wie er wolle, die aufge- llärten Brauergesellen würden fest auf dem Boden der modernen Arbeiterbewegung stehen bleiben, der Funke werde weiter glühen und zur geeigneten Zeit wieder angefacht werden.— der folgenden sehr lebhaften Diskussion, an welcher sich außer mehreren Brauergesellen auch die Herren Lütgen au, Kreutz, Kräker, Schmidt und Schade betheiligten, wurde die Haltung der Streikenden allgemein gebilligt. Hervorgehoben wurde auch, daß das Münchener Brauhaus, wahrscheinlich infolge seiner Stellung zu dem Streik, die Lieferung für gewisse Kantinen verloren habe. Eine Resolution, die dahin lautete, nur das Bier derjenigen Brauereien zutrinken, welche die Forderungen der Streikenden bewilligt haben, wurde angenommen. Weiter wurde das Vorgehen der Lohnkonnnission von der Versammlung für vollständig korrekt er- klärt. Mit einem Hoch auf die allgemeine Arbeiterbewegung schloß die Versammlung. Eine Mitgtirdervrrt'ammlnng der Jentrnl-Kranken- «nd«jtevMmjr« der Töpfer und Kerufsg-nosfen Deutschlands(E. H. 80), Sitz Dresden, örtliche Verwaltung Berlin. fand am Montag, den 19. Mai, bei Jordan. Neue Grünstr. 28, irnt folgender Tagesordnung statt: I. Bericht der Delegirten von der dritten Generalversammlung in Halle. Hierzu berichtete Herr H. Hoffniann sehr eingehend, welchen Aufschwung die Kasse seit ihrem Bestehen genommen. Sie zählt jetzt 42uu Mitglieder in 62 Verwaltungsstellen, und hatte im letzten Jahre eine Einnahme von 69 291,14. M.. eine Ausgabe von 57 327,67 M., und einen Ueberschuß von 11 963,27 M. Am Schlüsse des Jahres besaß sie ein Vermögen von 31 596,82 M. Es konnte daher die Kranken- Unterstützung erhöht, verden bei gleichem Beitrag, und erhalten nun die Mitglieder in der 1. Klasse 16,40 M., Beitrag 42 Pf., 2 Klasse 12,50 M., Beitrag 32 Pf., 3. Klasse 9,40 M., Beitrag 24 Pf. statt 26 Pf., 4. Klasse 6,40 M.. Beitrag 16 Pf., bei einer Kraniheitsdauer von 36 Wochen statt SO Wochen; erwerbsfähige Kranke erhalten auch mehrere pekuniäre Wer- günstigungen, auch sind Naturheilkundige zugelassen, Krankenscheine zu unterschreiben..Der Vorsitzende des Zentralvorstandes, Herr Fräßdors-Dresden, ergänzte noch manches. Der Ausschuß hat seinen Sitz in Berlin behalten. Der 2. Punkt ivar„Theilung der örtlichen Verivaltung", welches eine erregte Debatte hervorrief, aber damit endete, vier Verivaltungen zu errichten bis zum 1. Januar 1891 und wurde eine Geschästsordnungs-Kommisston von 7 Mitgliedern gewählt, welche mit dem Ausschuß und der örtlichen Verwaltung dieses bis dahin zu regeln haben.— Da der Kassirer erkrankt ist, mußte ein anderer Kassirer gewählt werden. Die Wahl fiel aus Herrn Otto Greier, Köpnickerstr. 100, welcher sofort die Geschäfte über- nommen hat. Dann wurde die Versammlung um 11 Uhr geschlossen. Der Fachverein der Metallarbeiter in Gas-, Wasser- und Dazupfarmnture» hielt am 17. d. M. seine regelmäßige Mitgliederversammlung bei Zcmter, Münzstr. 11, mit folgender Tagesordnung ab: 1. Vortrag des Herrn Könitz über Rheuma- tismus und deren naturgemäße Behandlung. 2. Diskussion. 3. Vierteljahresabrechnung. 4. Verschiedenes. Der Referent er- ledigte sich seiner Aufgabe in IVe stündiger Rede. Zu Punkt 3 erhielt Kollege Wreden zum Kassenbericht das Wort. Die Ein- nähme betrug 356 M. So Pf. und die Ausgabe 181 M. 95 Pf., mithin vervlieb ein Kassenbestand von 174 M. 55 Pf. Da die Revisoren die Richtigkeit der Kasse bestätigten, wurde dem Kassirer Decharge ertheilt. Unter„Verschiedenem" wurden einige Fabriken einer scharfen Kritik unterzogen und klar gelegt, mit welchen Mittel» die Fabrikanten ihren Arbeitern den i. Mai anrechneten. Ferner liefen zwei Unterstützungsgesuche der streikenden Former und Kupferschmiede ein. Da es die Kassen- Verhältnisse nicht gestatteten, konnte nur eines berücksichtigt wer- den, und zwar wurden den streikenden Formern 60 M. bewilligt. Alsdann machte der Vorsitzende bekannt, daß die nächste Ver- sammlung am Sonnabend, den 14. Juni er., in demselben Lokale stattfindet. Neveittigung der Maler. Die Filiale I(Süd) hielt am 13. d. M. ihre Mitgliederversammlung mit folgender Tagesord- nung ab: 1. Vortrag des Stadtverordneten Herrn Znbeil. 2. Diskussion. 3. Abrechnung der Fachschule. 4. Verschiedenes. Herr Zubeil rcferirte über Gewerbe-Schiedsgerichte; derselbe unter- zog verschiedene Paragraphen des Status einer scharfen Kritik und ermahnte am Schluß seines, mit großem Beifall aufge- nvmmenen Vortrages, zu festein Anschluß an die Organisation. Da auf eine Diskussion verzichtet und der 3. Punkt der Tages- ordnung bis zur nächsten Versammlung verschoben wurde, so meldete sich Kollege Martike aus Hamburg zum Wort. Der Streik der Hamburger Maler wäre in kürzester Zeit zu Gunsten der Gehilsenschaft entschieden gewesen, wenn sich nicht in letzterer Zeit massenhafter Zuzug von Berliner Streikbrechern eingestellt hätte. So wären vorgestern 80 Mann aus Berlin dort ange- kommen, und da dieses doch etwas starker Tabak war, so kam die Meinung auf, es müsse hier mit unserer Organisation sehr lau sein. Herr Martike wurde deshalb als Tclegirter herge- sandt, um Maßregeln zu veranlassen, welche es vielleicht ermöglichten, den Zuzug von hier zu beseitigen.— Hcchlwegler erklärte hierauf, daß er die Hamburger schon vorher telegraphisch von dem Herannahen des Trupps von Streikbrechern verständigt hätte. Redner bespricht hierbei de»§ 152 der Gewerbeordnung, welcher dem Arbeiter das Koalitionsrecht giebt, und betont, dast dasselbe Recht ihm durch die Polizei illusorisch gemacht wird, indem diese sich stets auf Seite der Unternehmer stellt. Man sehe dieses auch jetzt in Hamburg. Tie dort ein- treffenden Streilbrechcr würden gleich vom Bahnhof unter poli- zeilicher Eskorte zu den betressenden Jnnungsbrüdern geleitet. Redner bezweifelt jedoch, daß die meisten der dort Eingetroffenen schon mal in Berlin gearbeitet hätten, denn der Zuzug nach hier wäre ebenfalls sehr groß. Zur Abwehr des Zuzuges nach Ham- bürg von hier aus wurde eine Kommission, bestehend ans zwei Mann, gewählt, welche augenblicklich geeignete Maßregeln zu er- greisen hat. Schließlich theilte Herr Hohlwegler noch mit, daß in Magdeburg und Kiel ein Streik ausgebrochen ist und appellirt an die Versammelten, überall vor Zuzug nach den im Streik liegenden Städten zu warnen. Eine zahlreich besuchte Uersnmmlnna des Fachvereins der Lithographie-Steinschleif-r und Derufsgrnosse» tagte am Sonntag, den 11. Mai bei Zeniter, Munzstr. 11, mit der Tagesordnung:„1. Kassenbericht. 2. Vortrag:„Welche Stellung haben wir einzunehmen zu der jetzigen Situation in unserer Branche." 3. Verschiedenes". Kollege E. Rohmann verlas den Kassenbericht, welcher vom Koll. Karge für richtig erklärt wurde. Dem Kassirer wurde Decharge ertheilt. Zu Punkt 2 der Tages- ordnung ergriff Herr Rose das Wort. Er ließ an unserem geistigen Auge die Vorgänge des Vereins von der Bildung bis zur Affäre Tischendörfer im Böhmischen Brauhause vorüberziehen und kam zu dem Schluß, daß wir uns jetzt abwartend verhalten sollten und unser Geld bei der Lohnkommission festlegen bis auf Weiteres. Hiergegen erklärte Koll. W. Zechcrt, daß wir den letzten Versuch nicht vorübergehen lassen sollten, den Herrn Chefs einen Tamm entgegen zu setzen in Forin der Wahl von Tele- girten. Es sei dann immer noch an der Zeit, abzuwarten. So- dann schilderte ein Präger die Lage seiner Kollegen bei Heimann it. Schmit, desgleichen� 2 Präger die Lage ihrer Kollegen bei Landsberg, worauf Herr Seidel(Präger) aufforderte, dem Verein noch reger beizutrete», daß sie zum Oklober vereint Lohnforderungen stellen könnten. Es wurde dann noch beschlossen, am 20. Juli eine Landparthie zu machen. In das VergnügungskoiNitee ivurden gewählt die Herren: F. Rose, H. Zechert, Seidel, Schäfer und Schlüter. Kollege Zechert machte den neuen Mitgliedern bekannt, daß sich die Vereinsbibliothek bei Kollege F. Rose, Lands- bergerstraße 16, befinde und forderte auf zur fleißigen Benutzung derselben. Ein» Lssenkliche Uersianrinluirg der MetnUschraube»-, Facondvrher und Der»»fogrnosse» Berlins fand am Montag, den 19. Mai, in Doberstein's Restaurant, Mariannenstr. 31/32, statt. Die Tagesordnung lautete: 1. Der Stand unserer Lohn- bewegilng. 2. Wie stellen>vir uns zum Metallarbeiter-Kongreß? 3. Diskussion. 4. Verschiedenes. Kollege Hirsch berichtete über den Stand der Lohnbewegung und forderte die Anwesenden auf, sich darüber auszusprechen, wie sie sich den gemaßregeltcn skollege» gegenüber verhallen. Auf ihn(Redner) mache es den Eindruck, als ob die Gemaßregelten als verpönt betrachtet würden und dem Hunger überliefert werden sollen. Man müsse wenigstens zu diesem Schlüsse gelangen, ivenn man bedenkt, daß von 600 Schraubendrehern nur 100 M. in dieser Woche eingelaufen seien und zwar nur aus zwei Werkstätten. Redner sprach sein Bedauern darüber aus, daß diese Versammlung so schwach be- sucht sei. Beschämend sei es, wenn man bedenkt, daß 750 Kollegen Schulter an Schulter drei Wochen gekämpft haben und man nun diese gelichteten Reihen sieht. Es ist Pflicht eines jeden Kollege», sich aufzuraffen und helfen aufzubauen,, um dem Kapitalismus entgegen zu treten und für Besserstellung seiner Lage einzutreten, wie es zielbewußten Arbeitern ziemt. Univillkürlich müsse man die Frage auswerfen, ob die Rotlege» aus Scham gegen uns oder aber aus Feigheit vor den Fabrikanten der Versammlung fern geblieben sind; letzteres ist wohl anzunehmen. Kollege Stabernack warf einen Blick aus die Handlungsweise der Fabrikanten. Verschiedene Kollegen, welche schon in Arbeit gestanden habe», wurden mit dem Bemerken entlassen: der Fabrikantenverein gestatte die Einstellung nicht. Anschließend an die Ausführungen des Kollegen Hirsch betonte Redner, daß es nicht lange dauern wird, dann zählen ivir sämmt- liche Kollegen wieder in unseren Reihen, da die Fabrikanten durch ihre schrosse Handlungsweise uns in die Hände arbeite». Nachdem verschiedene Kollegen für Aufhebung des Streiks eintraten, da der Streik sie in der Bemühung nach Arbeit hindere, wurde folgende Resolution angenommen: Die am 19. Mai in Dobersteins Lokal tagende Versammlung beschließt, die Aufhebung des Streiks und Erlaß eines Ausrufs an die Arbeiter Deutschlands zur Unterstützung der Gemaßregelten, weil auf die Hilfe der eigenen Kollege» nicht zu rechnen ist.— Zu Punkt 2 legte Kollege Hirsch die Bedeutung des Kongresses klar und trat für Beschickung desselben ein. Sümmtliche Redner schlössen sich den Ausführungen des Kollegen Hirsch an. Es wurde be- schlössen, den Kongreß zu beschicke», jedoch dem Delegirten ein gebundenes Mandat, gegen Zentralisation und für Branchenorgani- sation, zu geben. Köllme Hirsch wurde als Delegirter gewählt. Zur allgemeinen Slreikkomniission wurden die Kollegen Thate und Stabernack gewählt. Zur Regelung der Angelegenheiten der Gemaßregelten wurde eine Kommission, bestehend aus den Kol- legen Milde, Linke und Gützoiv gewählt. Mit einem Hoch auf die internationale Arbeiterbeivegung wurde die Versammlung ge- schlössen. Eine Uff sammlung dra U cur ins der Filzschuh- nrbritrr Berlins und Umgegend tagre am Sonntag, de» 18. Mai, Vormittags, Münzstr. 11, mit folgender Tagesordnung: 1. Viertel- jahrsabrechnnng, 2. der Streik von Gustav Remane, 3. Vortrag des Herrn Paul Litfin über:„Der Achtstundentag und seine Be- deutung", 4. Diskussion, 5. Verschiedenes. Der Kassirer nahm zuerst das Wort. Die Vierteljahre-Einnahme betrug 82 M. 40 Pf., die Ausgabe 78 M. 88 Pf. Es bleibt ein Bestand von 3 M. 52 Pf. Die Abrechnung wurde von den Revisoren für richtig anerkannt. Da Niemand gegen die Abrechnung Einsprache erhob, so wurde dem Kassirer Decharge ertheilt. Dann wurde der Streik bei Remane von Seiten der Lohnkommission als been- digt erklärt. Hierauf erhielt der Referent das Wort zu seinem Vortrage und legte unter regem Beifall in treffender und vor- züglicher Rede die Bedeutung einer verkürzten Arbeitszeit für die gesammte Kulturwelt klar. Folgende Resolution gelangte zur eiiistimmigen Annahme:„Die heute, am 18. Mai 1890, bei Zemter, Münzstr. 11, tagende Filzschuharbeiter- Versaminluhg erklärt sich mit den Ausführungen des Referenten einverfta»- den und verpflichtet sich, mit allen gesetzlichen Mittel» für eine Verkürzung der Arbeitszeit und Aufbesserung der Löhne einzutrete», damit die arbeitslosen Kollege», die alle ein Recht auf Arbeit haben und den Staat und der Kommune gerecht werden sollen, von der Straße entfernt werben; ferner verpflichten wir uns, an den übrigen Beschlüssen des internatio- nalen Ardeiterkongresses festzuhalten, für die Durchführung der- selben mit aller Kraft zu agitiren und einzutreten, damit wir unsere gerechte Forderung zur Durchführung bringen." In der Diskussion sprachen sich mehrere Redner im Sinne des Referenten aus. Zum Verschiedenen kam ein Antrag einstinimig zur Annahme, daß sich unsere Geiverkschast einer Fachzeitung anschließen möchte. Dann wurde beschlossen, den streikenden Formern So M. zu überliefern; ferner wurde ein VergnügungskoiNitee aus solgende» Herren gewählt: Valerius, Weltruf, Rader, Lange und Haag. Ter Ar- beitsnachweis wurde einer scharfen Kritik unlerivorfen und Kollege Lange an Stelle des Kollegen Kühne gewühlt. Zum Schluß wurde der Vorstand beauftragt, eine öffentliche Versammlung einzuberufen betreffs Stellungnahme zur Zentral-Streik-Kontrol- kommission sämmtlicher Gewerkschasten. Hierauf schloß der Vor- sitzende die Versammlung. Ginr össrntliche Versau» mluug des Kerliner Ar- beiterbitdunasvereins tagte am 14. d. M. in der Brauerei Friebrichshai» mit der Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn Reichstage abgeordneten Bruhns. 2. Diskussion. 3. Allgemeines und Fragekasten. Redner sprach über die Maltus'sche Theorie und widerlegte dieselbe mit durchschlagenden Gründen. In der Diskussion sprach als erster Redner Herr Pens, der die Beispiele, Gründe und den Schluß des Referenten bestätigte und ferner sich ein Thema über Gesetz und Ninslurz wählte, ivelches Redner in verständlicher Weise klar legte. Ferner sprachen noch die Herren Heidtmann, Wach und Bier im Sinne des Referenten. In» Allgemeinen wurden folgende Beschlüsse gefaßt: 1. De» vereinigten Tabackfabriken Karl Brunzlow, Georg Prätorius, König- ftraße 23, und den Herren Wilhelm Brunzlow u. Sohn, Post- straße, bis zur Einstellung der gemaßregelten Pacletschlüger die nöthige Aufmerksauikeit zu schenken. 2. Sich mit de» Brauer- gehilsen solidarisch zu erklären und kein Bairisch Bier zu trinken. Eine Frage„Kann ein Sozialdemokrat Anhänger einer der staat- lich anerkannten jüdischen oder christlichen Kirchen sein" rief noch zum Schluß eine kurze Diskussion hervor, näher darauf einzu- gehen wird deshalb unterlassen, da beschlossen wurde, hierüber einen Vortrag halten zu lassen. Schluß der Versammlung un> 11V2 Uhr. Gin- Lff-ntlich- Tischl-rversaininlnug mit der Tage-- ordnung:„Wie verhalten sich die Berliner Tischler zu den außer- halb streikenden Kollegen?" Referent: Herr Fritz Zubeil. So- wohl vom Referenten wie auch von den Rednern in der Di-- knssion wurde darauf hingewiesen, wie uns durch den Anschuß sämmtlicher Arbeiter an festen Organisationen, den letzteren o Möglichkeit gegeben ist, den Anmaßungen des vereinigten Kap»?. erfolgreich gegenüber zu treten. So lange die Tischler«cru- sich nicht in großer Mehrzahl dem gachverein angeschlossen hav-' so lange wird jeder Lohnkampf zu Gunsten des Unternehme thums ausfallen. Haben nun die Berliner Tischler dazu Aer lassung, ihre außerhalb streikenden Kollegen zu unterstütze», da I sich doch selbst in einer elenden Lage befinden? Allerdings, de- so lange in anderen Städten noch schlechtere ArbeltsbediNgussg herrschen als in Berlin, so lange wird es schwer halten, bei eine Ausstand der hiesigen Gesellen den Zuzug fern zu halte»! J Unmöglichkeit wird dies, wenn die Kollegen in der Provinz m». Organlsaiibn entbehren, wenn sie der heutigen Wirthschastswe l verständnißlos gegenüber stehen! Handelt es sich nun um die fA- stenz einer Organisation, wie es namentlich beim Streik in Bre-i der Fall ist, so haben also die Berliner Tischler doppelte Ursache, den Arbeitern und ihren Organisationen zum Siege zu verhessem Folgende Resolution gelangte zur Annahme:....... „Die am 19. Mai in Sanssouci tagende öffentlich� Tischlerversammlung fordert sämmtliche Tischler Ben»- auf, dem Fachverein beizutreten; sie fordert serner, daß» Kollegen Berlins die außerhalb streikenden Tischler»?> besten Kräften unterstützen. Die Fünser-Kommission w» beauftragt, sofort die Samnilungen für die streikende Tischler fortzusetzen."« Zu„Verschiedenes" wird folgender Antrag angenommen:„0 kürzester Zeit ist eine öffentliche Tischlerversammlung einzuberuie» mit der Tagesordnung: Wahl eines Mitgliedes zur Zensra» Streikkonimission."— Angeregt durch einen in der Versammlung anwesenden Former wurde von verschiedenen Redner» die■o- deutung des Formerstreiks hervorgehoben; hier handelt es»l darum, die Arbeiter zu unterstützen, sie zum Siege zu verhessc gegen das zentralisirte Kapital. Auf a l l e n fZ a h l st e l l e derZentralkafse, allen Zahlstellen des Fach Vereins mögen am Sonnabend freiwillige Be>� träge für die streikenden Former entgegen 8*' nommen werden. Listen werden an jede Adresse sofort vc- sorgt durch Eugen Schnarchendorff, Jüdenstraße 56, Restaura» Triischmann, Streikbureau. Soiinidrinokvatil'liisr Z«st. n»d vi»k»tirkl»t>„ZassaU»". ffsslMg- den 23. Mai er. Abend» 8% Uhr, Abalberinr. 8 bei Schneider. Tagesordnung I. Vortrag de» Herrn Bader über die Mannesniann'sche Erfindung und. daraus entstandenen mirthschaftlichen Folgen für die heutige Seselllaiui■ 2. Disrusswn.— Gäste haben Zutritt. vroh» ötsenttiche-lersa-nniixng btx Saltler und Kernsegenoii Merlins und Umgegend am Donnerstag, den 22. Mai, Abende»x Uhr, in u>r>8 muller's Salon. Alte Jalodstr. 43 a........ Grffentlich« zirriVumnlnng der köpfer am 22. Mai, Abends 8j Uli' bei Herrn Fronte(AiSmarckhöhe) tu Charioltenburg...„ zirrein rhriualiger Kchüler der 20. vrmeindrrchnlr. Abends 8*»* Generalversaininlung im Nontgstadt-Kastno. Holzmarltstr. 72..... Achtung! Nohrl-arr und Aclfrr iZerli»». liine grobe ofsenm�, Versammlung findet an, Donnerstag, den 22. Mai, Abends e Uhr, tn Fem stein's Salon(oberer Saal), Alte Jaiobstr. 75, statt.. Achtung! Kildhaurr! Donnerstag, den 22. Mai, Abends 8 Uhr, gtrtenversammlnng bei»ebner, Annenstr. 16, � Achtung! xelelitub«! Der Lesellub„Natur" veranstaltet am 2. wMf!, feiertags einen Familtenausflug nach Hohen- Neuendorf und ladet dte AU glieder säminllicher LesellubS zur Thetlnahme freundlichst«tn. Für Beiul. uungen, wie Spiele im nahen Walde, ist bestens geforg». Treffpuntt: l» u» Stelttner Bahnhof. Die Kommisston trägt Abzeichen.— Genossen, fetd zu« reich am Plahe. «rpang-, Sunt-»ud gesellige Vereine am Donnerstag. Manne gesaugveretn„Lätltla" Abends g lthr in Bettln's Restaurant, Beteranenstr,!' — Gesangverein„Bretzelschluß" Abends 8% Uhr tm Restaurant Mündt, kW ntckerstrabe loa.— Männergesangverei»„Nordstern" Abends o Uhr!. Restaurant Pohl, Müllerstr. 7.— Schäfer'fcher„Gesangverein der Gil« Abends 9 Uhr bei Wolf u. ltrüger, Skauherstr. 126, Gesaug.— Gesangvere „Blülhenlrauz" Abends 9 Uhr tin Restaurant Brandenburastr. so.— Plann' aesangveretn„Alerander" Abends 9 Uhr im Restaurant Rose, Straubberg-� »rabe 8.— Männergcsangverein„Firmitas" bei«inner, Köpnickerstr. 68. � Gesangverci»„Sängeriust", Abends 9 Uhr, im Restaurant Landsbergerftr. 8». Gesangverein„Männerchor St. Urban"'Abends 9 Uhr Annenstr. 9.— Geiau-. verein„Deutsche Liedertafel" Abend« 9 Uhr Köpnickerstr. 100.— Gesangvere-; „Notddeulsche Schleife" Abend« von o bis u Uhr, Michaellirchstr. 39. Männeraesangverein„Sangesfreunde" Abend« 8 bis u Uhr, Frankfurter B» hallen(Krüger), Graste Franlsnrtcrstr. 102.—„Brunonia" Abends»»> Uebungsflunde bei Lehmann, Alerandrtnenstr. 32.— Tucnveretn„Hasenba>°- (Lehrllngsabtheilung) Abends 8 Uhr Tieffenbachstr.«o— 61.—„Berliner 1% gen olsenschaft"(7. Lchrlingsabthellungl Abends 8 Uhr In der städtischen Tü» Halle, Briherstr. 17— 18;— deSgl. 6. Männerabtheilung Abends 8 Uhr in o städtischen Turnhalle, Gubenerftr. 61.— Lübeck'scher Turnverein(Manfu Ablhetiung) Abends 8 Uhr Elisabethstr. 67-68.- Allgemeiner Arend» Iss' Sienographenverein, Abtheilung„Louifenftabt", Abends 8% Uhr' Restaurant Preust, Orantenstraste 61.— Arendd'scher Slenographenver- „Phalanx" Abend» 8% Uhr im Restaurant„Zum Buckatver Warten", Buckdive siraste o.— Deutscher Verein Arends'fcher Stenographen Abends s tlhs Hetdl's Restaurant, Koppenftr. 76, Unterricht und Uebuna.— Berliner S'ffj., graphen-Verein(System ArendS) Abends 9 Uhr im Restaurant Frieoss™. >W»»WW>W>W»W>W Uhr»»»»cnuuium »raste 20s.— Slolze'fcher Sienographenverein„Nord-Berlin" Abends 9 Schicgelstr. 44.— sücrein der„Naiurfreunde" Abends 9 Uhr tm stlestaura Wienersir. 85.— Verein der Unruhstadler Abends 8% Uhr im -*......" W. Neuschlag stadl-Kasino", Holzmarftstr. 72.— Verein ehemaliger\j, Schüler am i. und 3. Donnerstag jeden Monats ir" iin Gase Schüler, 9a»d� bergerstr. 78 Abends 8 Uhr.— Rauchllub„Kenispihe" Abends 8X Uhr .............«l""""-ersdorferstr. 8.— Rauch lluh„Arcona" Abends»>?. „,. tbergerstr. 71.— Rauchllub„Dezimalwaage" Aden 9 Uhr im Restaurant Lock, Krautsstr. 49.— Rauchllub„Vorwärts" Aven� 9 Uljr oeun ijerrn u.ei»pcl, oienaurani„Zum Ambos", BreSlauerstr. s?. „Orientalischer Rauchllub" Abend» 9 Uhr im Restauranl Wtechert, Dram- straste 8,— Rauchllub„Krumme Piepe" Abends 9 Uhr Lange str. 70 bei v-. darf.— Rauchllub„Gollegia" Abends«Uhr betThiemermann, Slalih-rNc. - Slatklub„Rückwärts" jeden Donnerstag Abend 8 Uhr im Restanr. Bodcr Palltsadenstr. 47.— Prtvat-Thealergeselllchasr„Adlerschwinge" Sitzung«X', Gartenstr. 14 bei Träger.— Musilverein„Vorwärts" Uebung Abend»„ sv fita iav n Nr m.ni»!. Ar_ JA rvirt OiMic Mitolieder. welche schon t»ui ' AbenbS 95 M Sistung F.delttas' Jiivalldenstr. 189.' Gäste willlommen. Ausnahinen-� Mitglieder.— Verein r hemaliger Schüler der 28. Gemeindeschuie Aden »X Uhr Holzmarltstr. 72. VvieflinPfon dev Medslktion. Bei Anfragen bitten wir die Abonnements-QuiUnng beizufügen. Briests Antwort wird nicht erlhetlt. V.■?., Vrin»-»» straff-. Mit Uebuiig.,.At A. D. In die Verhältnisse dieser Gesellschaft sind wir vick> eingeweiht; wir empfehle» grundsätzlich keine..„ F. Sch. in M. Wir können Ihnen leider nicht Stark ist es allerdings, wenn der Magistrat in Jhrein Abgang zeugniß als Grund Ihrer Entlassung angiebt,„daß begrüne« Veranlassung zu der Annahme vorlag, daß er sich an so)'" demokratischen Bestrebungen betheiligt." A. K. Der Betreffende würde auf eine von dem Gcsw. digten beim Staalsanivalt gestellten Strafantrag hin ivegen stahls, zum Mindesten aber ivegen Sachbeschädigung beffrai werden. Den Strafantrag kann der Geschädigte auch in der A' meldestube(Neue Friedrichstr. 13) zu Protokoll geben.„ F. V-ich-ubrrgerst-. Ihre Frau ist zur Zahlung f pflichtet, Sie sind es dagegen nicht, da es sich um eine vorehelwt Schuld Ihrer Frau handelt. Da Ihre Frau Nichts in die gebracht hat, das in der Ehe Erivordene aber Ihr EigenthuiN so kailn Ihnen Siichts genommen werden. Vmi». 14 Tage nach Aukunst. m Erock-mnohu-r. 1. Der Wirth hat, nachdem er® wegeit Feuchtigkeit der Wohnung vom Kontrakt entbundeli 9" keine Ansprüche mehr an Sie. 2. Sie kömieii dagegen von w den Ersatz des durch die Feuchtigkeit nachweislich entstaiiden Schadens verlangen. 8. Auch können Sie, wenn Sie das wo»« f gegen ihn Strafantrag wegen fahrlässiger Körperverletzung der Polizei stellen..« f». M. Wenn eine Ehe wegen Ehebruchs rechtskräftig 8 schieden ivordeu ist, so kann der andere Theil binuen 3 Mi)»ai seit der Rechtskraft Strafantrag gegen den schiildigeu Theil« dessen Mitschuldigen stellen. Die Strafe ist Gesängniß bis' 6 Monaten._. D. 54. Tie Forderung der im Jahre 1888 gelieffff!. Gegenstände verjährt am 31. Dezember 1890, wenn nicht.". 1688 der Schuldner die Schuld ausdrücklich oder durch Leill" einer Theilzahlung anerkannt hat. V. K. pof-n-rstraff-. 1. Auch Bilder von Lassalle,. können gepfändet werden. 3. Ter Austritt aus der Laude-l»� ist gebührenfrei. Verantwortlicher Redakteur: Gurt Kaast- in Berlin. Druck und Verlag von Ma» Kading in Berlin 8W.. Beuthsttaße 2.