Zr. IZi. Donnerstag, de« 29. Mai 1890. 7. Jahrg. Hrgan für die Inierefsen der Arbeiter. . Das„Berliner Volksblatt" tätlich Morgens auger nach Sonn- nnd Festtagen. Abonnementspreis für Berlin frei vlerteljährlich 3.30 Mark, monatlich 1,10 Mark, wöchentlich 28 Pf. Einzelne Numnier 5 Pf. 'uagS-Nummer mit dem„Sonntags-Blatt" 10 Pf. Postabonnement 3,30 Mark pro Quartal. tlnl». �"'gktragen in der Postzeitungspreisliste für 1890 unter Nr. 892, V. Nachtrag.) ' Kreuzband, täglich durch die Expedition, für Deutschland und Oesterreich-Ungarn _ 2 Mark, für das übrige Ausland 3 Mark pro Monat. Insertion sgebühr beträgt für die 5 gespaltene Petitzeile oder deren Raun» 40 Pf., für Vereins- und VersammlungS- Anzeigen 20 Pf. Inserate werden bis 4 Uhr Nachmittags in der Expedition, Berlin SW., BeuMraße 3, sowie von allen Annoncen-Bureaur, ohne Erhöhung des Preises, angenommen. Die Expedition ist an Wochentagen bis 1 Uhr Mittags und von 3—7 Uhr Nachmittags, an Sonn- und Festlagen bis 9 Uhr Vormittags geöffnet. -*•-• Fernsprecher: Amt VI. Ztr. 4100.--«#- Medelktion: VeukMratze S.— Expedition: VeutMeoize 3. und Arbeit. ben stets wiederkehrenden Klagen, welche von dem lui��merthum erhoben werden, gehört auch die Behaup- ß � eigentlich gar nicht mehr lohne, Unternehmer, ! nders Fabrikant, zu sein, da Sorge und Mühe größer kk ß der Gewinn. Der„Profit", das Ideal >.Kapitalisten, wird für unzureichend erklärt, und jede L..""9 der Arbeiter auf Erhöhung der Löhne, Ver- � f�g.der Arbeitszeit, größere sanitäre Fürsorge in den L a umen' zurückgewiesen mit der Bei werde Hiid?�gkgeuüber ist es nun sehr interessant, mit un- i beglichen Ziffern nachweisen zu können, daß diese Be- Wcv uumen' zurucrgewieien mir oer Begründung, daß es �"Industriellen unmöglich sei, mehr zu zahlen, da sein von Jahr zu Jahr geringer, die Fabrikation weniger »idiri Aiungen nicht auf Wahrheit beruhen, und der Arbeiter i? sehr vstl— nämlich das Doppelte seines bis- a%n Einkommens erreichen muß, ehe er wirklich dem Spital den Unternehmergewinn entzieht. Diese Ziffern finden sich in dem amerikanischen stati- W)e» Jahrbuch, das amtlich herausgegeben wird und 2®cunb des zehnjährigen Zensus(Volks- und Gewerbe- Vlung) Angaben über die Fabriken in den Vereinigten jkateii von Nordamerika enthält, die für die gesammten 2%ielleil Verhältnisse als maßgebend erachtet werden .j'ien,(Der Titel des Buches lautet: American 'ßnac and freasury of tacts Statistical, financiel and J'lical for the year 1889. evited by Ainsworth ' Spofford. librarian of congress. New-York.) Es belief sich die Zahl der industriellen Etablissements: 1870 auf 252 148 mit 2 053 996 Arbeitern, also auf 100 Fabriken 815 Arbeiter; 1880 auf 253 840 mit 2 738 930 Arbeitern, also auf 100 Fabriken 1079 Arbeiter. t Dieses Wachsthum der Arbeiterzahl in den einzelnen ..�ffssements zeigt deutlich die stete Steigerung der Groß- j3>trie, welche an Stelle der zahlreichen kleinen Werk- iJ,- mit wenig Arbeitern wenige große Fabriken mit Areichen„Händen", wie der Engländer sagt, setzt. .Das Anlagekapital für sämmtliche Fabriken betrug: M: 8897 Millionen Mark; für jede Fabrik 35 232 Mark. 1880:1x7� 46166„ bos o®'e öahl der Arbeiter stieg also von 100 auf 132, Anlagekapital von 100: 138. Die amtliche Uebersicht bringt nun ferner Ziffern, 77, denen sich die Profitrate der Unter- ?mer berechnen läßt. v Zunäd)st wird angegeben, wie hoch sich die gesammte 9 n z a h l u n g in sämmtlichen Etablissements belief. wurden gezahlt: Hb: Lvitilleton. 'bud«etboleu.] (43 „ZUM Gluck der Damen." Roman von Emile Zola. �utorisirte Uebersetzung von Armin Schwarz. jmJV sie nicht auch in Begriff, wieder die Hand an die und sie hatte die Empfindung, daß sie mchtv mmmm mmmi mm MZS-ü-SSe 1870 insgesammt 3257 Mill. M., mithin auf 1 Arbeiter 1585 M. 1880„ 3981„..„„ 1„ 1453„ Also— der Durchschnittslohn für die Arbeit sinkt! Man kann dies auch davon herleiten, daß die Be- schäftigung der noch geringer als die Männer bezahlten Frauen und Kinder überhand nimmt. Auf jeden Fall hat das Kapital den Vortheil, daß die Arbeitsleistung durch- schnittlich 1880 schlechter bezahlt wurde als früher, und da, wie wir sehen werden, die Summe dieser Arbeits- leistung nicht geringer, sondern sogar höher wird, daß die Unternehmer eine steigende Profitrate erzielen! Der Arbeitslohn sinkt— die Profit- rate steigt! Der Werth der verwendeten Rohmaterialien betrug 1880 gegen 14 256 Millionen Mark. Der Werth der gesammten erzeugten Waaren ergiebt sich aus den Ziffern: 1870: 17 774 Millionen Mark. 1880: 22 554 Millionen Mark. Für das Jahr 1880 können wir demnach ganz genau die Profitrate berechnen. Es wurden verausgabt: Es wurde eingenommen: für Söhne 8 981 Mill. 9%. „ Nohmaterial 14 256 Mill. 22 554 Mill. M. Summa 18 237 Mill. M. mithin Ueberschuß 4 317 Mill. 22 554 Mill. M. 22 554 Mill. M. Ein recht lehrreiches Nechenexempel! In Prozenten vom erzielten Werth ausgedrückt heißt dies: 8981 Millionen Mark Lohn..— 17,6 pCt. 14 256„„ Rohmaterial— 63,2„ 4 317„„ Ueberschuß= 19,2„ 22 554 Millionen M. erzeugter Werth— 100 pCt. Mithin erhielt das Kapital als Unternehmer- gewinn 4317 Millionen Mark oder 19,2 pCt. des Ge- sammtertrages, während der Arbeiter, welcher diese Werthegeschaffen hat, nur 17,6 pCt. erhielt. Man sieht also deutlich, daß das Kapital mehr Profit zieht, als es Löhne zahlt. Wenn wir von den 22 554 Millionen Mark erzeugter Werths die Kosten des Rohmaterials, also 14 256 Millionen Mark abziehen, bleiben 8298 Millionen Mark übrig, von denen die A r b e i t e r an Lohn 3981 Mill. Mark— 48 p C t., das K a p i t a l, das Unternehmer- thum dagegen, an Profit 4317 Millionen Mark, also 52 p C t. erhält! Wir zeigten oben, daß 1880 auf jeden Arbeiter durch- schnittlid) nur 1453 M. Lohn entfällt. Das Kapital da- Laden zum„Alten Elbens". Die schwarzgekleideten Kutscher hielten die Zügel ihrer prächtigen Pferde straff, welche un- geduldig den Boden stampften und an ihren silberneu Ge- bissen kaute». Und so oft einer dieser Wagen beladen war, entfernte er sich mit einem sonoren Rollen, welches alle diese benachbarten kleineu Batiken zu erschüttern schien. Beim Anblick dieses Trinmphznges, welchen sie täglich zwei Mal mitansehen mußten, brach den Baudu's daS Herz. Der Vater fragte sich, wohin man wohl diese Massen von Waaren führen mag, während die Mutter, aufs Tiefste be- kümmert über die Leiden ihrer Tochter, wortlos duldete und stille Zähren vergoß. Zweiter Knnd. Erstes Kapitel. An einem Montag, den 14. März, wurden im„Glück der Damen" die neuen Magazine durch eine große Ausstellung von Sommermodeartikeln eingeweiht, welche drei Tage währen sollte. Draußen heulte ein frischer Wind und die Passanten, überrascht von diesem plötzlich wiederkehrenden Winter, zogen rasch vorüber, in ihre Paletots fest eingehüllt. Hinter den geschlossenen Thüreu der benachbarten Krämer gab es eine große Aufregung und man konnte durch die Fenster- scheiben die bleichen Gesichter dieser Krämer sehen, welche damit beschäftigt waren, die ersten Wagen zu zählen, welche vor der neuen Ehrenpforte in der Rne Neuve St. Angustin erschienen. Diese Pforte, hoch und tief wie eine Kirchen- thür, überragt von einer Gruppe, welche die Industrie und den Handel darstellte, war durch eine breite Marquise ge- schützt, deren frische Vergoldung gleichsam einen hellen Schein ans die Trottoirs warf. Rechts und links zogen sich die frischgctnuchten Fggaden hin und bogen in die Rne de gegen verdient an jedem Arbeiter, da es durch 2 733 930 Arbeiter 4317 Millionen Mark Profit erzeugen läßt, 1576 Mark durchschnittlich, oder anders ausgedrückt: Wenn die Produktionsmittel Gemeingut der Ge- sellschaft wären, so könnte sich schon allein durch diese wirthschaftliche Umwandlung das Ein- kommen der Arbeiter mehr als verdoppeln! Fragen wir uns n ich, wie viel Zinsen wirft das in der Industrie angeregte Kapital ab. Bekanntlich ist der Bankdiskont 3— 4 pCt., d. h. der- jenige, welcher sein Kapital zinstragend in die Bank legt, erhält jährlich 3—4 vom Hundert. Die Fabrikation da- gegen wirft zehnfach höhere Beträge ab. Das gesammte Anlagekapital von 11 718 Millionen Mark ergiebt einen Reingewinn von 3317 Millionen Mark, d. i. 37 p C t. vom Kapital! Man sieht, das Unternehnierthum theilt sehr ungleich mit den Arbeitern. Und Angesichts dieser Thatsachen wagt das Unter- nehmerthum noch zu jammern, wenn die Arbeiter ein kleines Etwas weniger Ausnutzung ihrer Kräfte, ein kleines Etwas mehr Schutz verlangen? Da behaupten die Industriellen noch, daß eine Verkürzung der Arbeitszeit bei gleicher Höhe der Löhne die gesammte Industrie ruiniren müsse? Uebrigens— sicherlich giebt es hier und da einen Pfiffikus, der da sagt: Ja— in Amerika mag das so sein, hier ist es aber weit besser für den Arbeiter und weit schlechter für das Kapital! Freilich— deutscher Durchschnittslohn ist nicht 1500 M., sondern höchstens 800 M., dem entsprechend wahrscheinlich auch die Z i f f e r der Erträgnisse des Unter- nehmerthums kleiner. Aber der Prozentsatz, die Profitrate ist hüben wie drüben gleich groß. Wenn die Unternehmer dies be- streiten, so mögen sie doch die Forderung der Sozial- demokraten unterstützen, daß eine umfassende Erhebung über die industriellen Verhältnisse Deutschlands veranstaltet wirö — und zwar von Reichs- und Rechtswegen. Dann werden wir ja sehen, woher diesseits und jenseits des großen Wassers die Pflanze Kapital ihre Kraft saugt! Aorrefpondeitzen. Mailand, 26. Mai. Die That fder 9. Kompagnie vom 10. italienische» Infanterieregiment, welche am 20. Mai aus dem Marktplatz von E 0 n s e 1 i e e einen Angriff auf die dort ver- sammelten Arbeiterinnen unternahm und von diesen nicht weniger als zwanzig mit Flintenkugeln jund Bajonnetstichen tödtete oder la Michodiere ein, die ganze Häuserinsel okkupirend, mit Ausnahme der Rue du Dix Decembre, wo der Credit immobilier bauen sollte. Längs dieser unge- henren Kasernensagade konnte man hinter den großen Spiegelscheiben, vom Erdgeschoß bis in den zweiten Stock hinauf, die Anhäufung der verschiedenen Waaren sehen. Dieser unermeßliche Kubus, dieser kolossale Bazar benahm den kleinen Krämern die Aussicht aus den Himmel. Es war ihnen, als käme die Kälte, die sie in ihren Boutiken er- zittern machte, ebenfalls von diesem kolossalen Hause. Schon um 6 Uhr war Aionret zur Stelle, um seine letzten Anord- nungen zu treffen. Im Zentrum, in der Achse der Ehren- Pforte, lief eine breite Halle von einem Ende zum andern, zu beiden Seiten flankirt von zwei engeren Galerie», der Galerie Monsigny und der Galerie de la Michodiere. Man hatte die Höfe mit Glas gedeckt und dieselben in Hallen umgewandelt. Eiserne Wendeltreppen führten von dem Erd- geschoß in die Stockwerke und eiserne Brücken verbanden in der Höhe die verschiedenen Etagen. Der Architekt, ein intelligenter junger Mann, verliebt in die neue Zeit, hatte sich der Steine nur für die Kellerlokalitäten und die Eck- pfeiler bedient, im llebrigen aber das ganze Gerippe aus Eisen hergestellt. Die Wölbungen und die Zwischenwände der einzelnen Abtheilungen bestanden aus Ziegeln. Man hatte überall an Raum gewonnen, Luft und Licht hatten ungehinderten Zutritt. Es war eine Kathedrale des modernen Handels, leicht nnd solid, bereit zur Aufnahme einer ganzen Bevölkerung von Kundschaften. Unten in der Zentral- gallerie waren die Abtheilungen für Kravattcu, Handschuhe und Seide untergebracht. In der Gallerie Monsigny fanden sich die Abtheilungen für Weißwaaren und Rouener Kattune. In der Gallerie de la Michodiere die Pfaidlerei, die Wirk- schwer verwundete, hat die Arbeiterschaft JtalienZ zu einer neuen und nachhaltigen Bewegung angespornt. Die Presse der Haupt- stadt, welche bis auf wenige Ausnahmen im Dienste des Minister- Präsidenten steht, versuchte zwar die Vorgänge zu einer„anar- chistischen Nevolution" aufzubauschen(welchem Beispiel auch der römische Korrespondent der„V o ssi sch en Zri tun g" folgte. D. R.), doch wurde sehr bald durch die einwandfreiesten Zeugen und von zwölf Bürgermeistern der Romagna bestätigt, daß die Arbeiterinnen in vollkommener Ruhe die Arbeit eingestellt und eine Deputation an den Stadtpräfeklen von Conselice cnt sandt hatten, um diesen zur Vermittlung des Streites aufzufordern. Während nun die Deputation noch im Stadthause war und eine starke Polizeimacht den übrigen Arbeiterinnen, was ziemlich überflüssig war, von einem Eindringen in das Amts- gebäude abhalten sollte, verhaftete eine Militärpatrouille einen Arbeiter, der aiis dem Marktplatze mit einem Spaten über der Schulter stand. Diese Verhaftung suchten einige hinzutretende Arbeiter zu vereiteln, worauf sofort eine Abtheilung Karabinieri dazwischen sprang. Hierbei flog dem Anführer derselben»in Pflasterstein gegen die Brust, sodaß der Wachtnieister hinstürzte, aber keineswegs— wie der offizielle Telegraph behauptete— todt liegen blieb. Diese That genügte für den Kommandanten der genannten Kompagnie, sofort zum Angriff auf die Menge der völlig unbetheiligten Frauen vorzugehen. Unter den Ge- tödteten und Schwervenvundeten bepnden sich Frauen und Mädchen jeden Alters von 14 bis 60 Jahren, die sämmtlich im Rücken, also fliehend verwundet wurden. Daß diese That einen Schrei der Entrüstung in ganz Italien hervorgerufen hat, läßt sich begreifen. Es half auch nichts, daß der Regierungstelcgraph die Unwahrheit verbreitete, jene Arbeiterinnen hätten das Stadthaus von Conselice stürmen wollen, da die Kommission der Aerzte die Verwundungen der Opfer im Rücken konstatirte, sodaß selbst Crispi in der Kanuner den Versuch ausgab, die That zu beschönigen. Auch die Bezeich- nung„Hungerrevolte" trifft für die Vorgänge nicht zu; es hatte Niemand revoltirt, obgleich der Hunger unter der Arbeiterbevölkerung von Ravenna schon genug Ver- Wüstungen angerichtet hat. Jene 600 Arbeiterinnen von Conselice waren auf den Reisfeldern des Herrn G a l e a z z o Massari, Herzogs von Fabriago, beschäftigt, e»»es Mannes, der Hunderttausende opfern konnte, uni diesen Titel zu erhalten, und der sein Leben den verschiedenen Jahreszeiten ge- maß in seinen Villen in Neapel, Rom und Paris zubringt. Auf den Besitzungen dieses Herrn erhielte» nun die Arbeiterinnen für _!___ Of f..'X:.-'X------ onrt------ �\ i n!• n e\n l.« �. auszuführen, und die mit Reitpeitschen vewassileten Ausseher der Arbeiterinnen sind meist wegen ihrer Brutalität verhaßt. Die übrigen Plan- tagenbesitzer der Provinz Ravenna, die fast sämmtlich Millionäre sind, zahlen auch nicht niehr als 60 bis 70 Centesimi. Jetzt freilich sind unter dem furchtbaren Eindruck, den das Be- kannttverde» dieser Zustände und die Blutszenen von Conselice hervorgerufen hat, die Löhne auf 80 Centesimi und eine Lira, also aus 65 bis 80 Piennige erhöht Ivorden. Allerdings erst anderthalb Jahre später, nachdem Crispi seine berühmte Depesche vom L. September 1880 an den damals die Romagna besuchenden König Humbert absandte, in der sich die Worte befanden:„Seit langer Zeit studire ich die soziale Frage, und betreffs der Verhältnisse in der Romagna werde ich eine Spezial- Enquete veranlassen." Runmehr freilich werden die Ar- beiter jener Provinz Herrn Crispi zwingen, sich etivas näher mit ihrer Lage zu beschästigen. Zeigte schon die vor anderthalb Monaten erfolgte einstimmige Wiederwahl des Arbeiterführers Andreas C o st a die Stimmung der dortigen Arbeiterschaft, so gehen heute die Wogen der sozialistischen Bewegung hoch. In allen Orten der Provinz wer- den in Massenversammlungen Trauerkundgebungen für die Opfer des 20. Mai veranstaltet. Das in Bologna tagende Exekutw- komitee der norditalienischen Arbeitervereine hat die Begründung einer„Vertheidigungsliga aller Arbeiter Italiens" angcr.gt und von rnderen Städten ans ist der Vorschlag gemacht worden, eine�„Nationalsubskription für die Opfer von Conselice" zu eröffnen, zu welcher jeder Arbetter 10 Cts.(8 Pf.) beitragen soll, Neu» Uork, 16. Mai. Wahrend des Bau-, Hausschreiner- und Zimmererstreiks sind der Organisation(Brotherhord of Car- venters und Joiners, der auch meistens die Zimmerer angehören) dort über 1000 neue Mitglieder gewonnen worden, welche sich bis dabin ferngehalten hatten. Gänzlich beendet ist der Stteik noch nicht, da mehrere der größten Unterneh.ner noch immer hartnäckig sind, doch ändert dies an dem Resultat, dein»rrun- genen Sieg, nichts. Ueber 6000 von den ca. 7000 Arbeitern sind ,n Thätigkeit. Es hat sich übrigens inzwischen heraus- gestellt, daß die Arbeiter auch der neuen Meistcrver- einigung gegenüber, niit welcher sie den Vertrag abge« schloffen, aus der Huth sein muffen. Dieselbe hat in den Blättern an den kleinen Orten im Lande soivie in Kanada An- zeigen erlassen, in welchen unter Hinweis aus die Wahl Chicago's als Ausstellungsplatz, Carpentcr ic. aufgefordert werden, dorthin waaren-,�Tuch- und Wollwaareimbtheilungen; im ersten Stock- werk die Abtheilungen für Konfektion, Wäsche, Shaivls, Spitzen und andere neu errichtete Abtheilungen. Im zweiten Stockwerke fand man Bettausrüstungen, Teppiche, Möbelstoffe und andere schwere Artikel. Das Magazin zählte gegenwärtig 39 Abtheilungen und 1200 Angestellte, darunter 200 Frauen. Es war eine ganze Welt für sich zwischen diesen hohen neuen Mauern. Monret hatte die einzige Leidenschaft, das Weib zu be- siegen. Er wollte, daß sie in seinein Hause als Königin herrsche, ihr hatte er diesen Tempel erbaut, um sie dort in seiner Gewalt zu haben. Darin bestand seine Taktik, sie durch galante Anziehungsniittel zu betäuben, auf ihre Be- gierden einzuwirken und dieselben auszubeuten. Tag und Nacht sann er über neue Pläne und Erfindungen nach. Um den Damen die Mühe des Ausstiegs zu ersparen, hatte er zwei mit Sammt gepolsterte Aufzugsinaschinen installirt. Dann hatte er ein Büffet eröffnet, wo man Erfrischungen und Biskuits gratis verabreichte, ferner einen Lesesalon, eine riesige Galerie mit überreichen, Luxus möblirt, wo man so- aar kostbare Gemälde fand. Da er aber auch auf die nicht koketten Frauen wirken wollte, kam er auf die Idee, die Mutter durch das Kind zu erobern. Er spekulirre eben auf alle Gefühle und schuf eigene Abtheilnngen für kleine Knaben und Mädchen. Er hielt die Mütter im Vorübergehen an, indem er den Böbes Bildchen und Ballons darbot. Jede Käuferin erhielt solche Ballons als Prämie. Rothe Ballons aus feinem Kautschuk, auf welchen der Name seines Aiaga- zins zu lesen stand und die an einen, langen Faden geHallen in der Luft flatterten und so eine lebendige Reklame für ihn in allen Straßen bildete». Seine vornehmste Stärke aber war die Oeffentlichkeit. Mouret trieb dieselbe so weit, daß er jährlich dreimal- hunderttausend Franks aus Preiskataloge, Annonzen und Plakate verausgabte. Aus Anlaß des Ausverkaufs von Sommer- mode-Artikeln hatte er zweimalhunderttausend Kataloge ver- sendet, darunter sünfzigtausend in alle Sprachen übersetzt, ms Ausland. Seine Kataloge waren jetzt schon illustrirt, ja, er ließ sogar einzelne Waarenniuster hineiukleben. Es war wie ein Ueberströme» seiner Auslagen; das„Glück der zu kommen, um bei gutem Lohn(3b Cent die Stunde, während ,n den kleinen und mittelgroßen Städten der Stundensatz zwischen 20—90 Cents schwankt)„dauernde Befchäfttgung" zu finden. Da die neue Meister-Vereinigung nicht einmal die gegenwärtig in Chicago befindlichen Arbeiter alle beschäftigen kann, so liegt auf der Hand, daß man nur ein Ueberangebot von „Händen" herbeiführen will, um im günstigen Augenblicke oder so ganz unter der Hand nach und nach den eingegangenen Vertrag zu brechen. Es sind in Folge dessen sofort„Gegenminen" gelegt und weitere Arrangements zur Zurückhaltung von Seals getroffen worden.— Das Streik-Komitee hat es durchgesetzt, diu zwei der Inspektoren für Einwanderung in Chicago verwetten,. und darüber zu wachen, daß keine Arbeiter unter Kontrakt von'« Auslande eingeführt werden. Im New-Iorker Hafen wurde'.." dieser Tage ein Dutzend Zimmerleute angehalten, welche d,* einen Agenten der alten Meister-Vereinigung drüben angeworl„• worden waren; sie werden mit demselben Schiff, welches sie h' gebracht, wieder zurückgeschickt. Vor Kurzem wurde ein Mitglied des Stteik-Komitees aus de selben gestoßen, weil es Verrätherci geübt, d. h. den Untergevn. Mittheilung von den Plänen und Schritten der Arbeiter gemacht �at. Es muß übrigens noch verschiedenes Andere gespielt haben, denn es verlautet, daß ein Zwist bestehe, der möglicher Weise»tu? Zersplitterung herbeiführt; die Knights scheinen dahinter zu stecken. Wären die amerikanischen Arbeiter nicht im Allgemeinen noch so rückständig in ihren Anschauungen— für die große Maffe selbst auch der organisirten Arbeiter ist die gegenwärtige Produktionsweise eine ebenso unabänderliche Institution, wie die Drehung der Erde um die Sonne(resp. für die noch sehr zahlreichen Kirchengläubigen vice versa), so stände es mit der ganzen Arbeiterbewegung überhaupt anders. Es wäre dann ja auch ausgeschlossen, daß selbst die- jenigen Arbeiter, welche sich heute im heftigsten Kampfe mit dem Kapital befinden, morgen einen Vertreter desselben in die Gesetz- gebuna wählen.— Die Küfer von Chicago, welche zum Theil die Arbeit niedergelegt hatten, haben dieselbe wieder aufgenommen, weil ihre bei den großen Schlachthaus-Bcsitzen, Annour und Morris ar- bettenden Kollegen nicht mitmachen wollten. Die Schlacht- Hans-Arbeiter selbst, von denen es hieß, daß sie ein- müthig die Arbeit niederlegen wollten, wenn ihre Forderungen nicht erfüllt würden, haben diese Absicht ausgegeben, weil noch zu wenigin Bezug aus Organisation geschehen in. Eswerden aberalleAn- sttengungen gemacht, um bis Juli— der günstigsten Zeit— bereit zu sein.— In den letzten Tagen ist— abgesehen von einer ganzen Reihe Streiks in einzelnen Etablissements— eine Arbeitseinstellung der in den Werkstätten beschäftigten Näherinnen ansgevrochen; 8000 derselben sollen betheiligt sein. Es handelt sich dabei neben einer Aufbesserung der miserablen Bezahlung um Abstellung vieler Mißstände, welche sich besonders im letzten halben Jahrzehnt eingeschliwen haben. Wie ich im vorigen Briefe mittheilte, hatte das Philadelphia „Tageblatt" angeregt, auf die dein Kongreß zu Washington vorliegende Achtstuiiden- Bill hin eine Bewegung in's Leben zu rilsen, um die Frage des gesetzlichen Normal- Arbeitstages(von acht Stunden) in Fluß zu bringen. Dies hat zu einer Polemik mit der hiesigen„Volkszeiwng" ge- führt, welche»ur bedingnngsweise auf einen solchen Plan ein- gehen möchte und darauf verweist, daß der Bund keine Macht- bcfugnisse habe, um auf diesem Gebiete— abgesehen bezüglich der von ihm selbst im Auftrag gegebenen Arbeiten— etwas bewerkstelligen zu können. Die„V.-Z." meint, es würde unter den obwaltenden Umständen ein solches Vorgehen nur dazu führen, daß die Herren Gesetzgeber mit ihrer Versprechungstaktik in's Feld rücken und damit die selbstständige Bewegung der Arbeiter für dieHerabsetzing der Arbeitszeit lahmlegen oder wenigstens schwächen. Stände es, wie vorhin bemerkt, mit der Entiv icklung der Arbeiter bezüglich ihrer sozialpolitischen Erkenntniß besser, wie es der Fall ist, so hätten die Bedenken der„B.-Z." nichts auf sich; ein- mal muß aber dennoch mit der Bewegmig zur Erlangung des gesetzlichen Achtstundentages begonnen werden, und das wird ivobl ohne Bedenken nebe» dem Kampse der einzelnen dazu bis- ponirten Organisationen vor sich gehen können, da die nicht direkt an diesem Kampse betheiligten Gewerke ja in keiner Weise darin beeimrächtigt werden, für die Unterstützung der im „Feuer" Stehenden zu sorgen. Im Gegentheil würde die eine Bewegung von günstiger Rückwirkuug aus die andere sein.— Es dürfte unter den klarblickenden �Arbeitern wohl keine geben, welche nicht die Ueberzengnng hätten, daß in einer ganzen Reitze bedeutender Jndmtriezweige(besonders solcher mit Frauen- n»d Kinderarbeit) der Kampf um den Achtstunden- tag ein gävzlich hoffnungsloser sein würde. Für diese muß also der gesetzliche Rormalarbettstag erobert werden, und die Aussichten hierzu werden um so günstiger sein, je mehr in den übrigen Industrien die Forderung durch die Macht der Organi- sation durchgesetzt wird. Ehe dies geschehen, dürste auch die vom Philad.„Tageblatt" auf's Nene angeregte Bewegung keine Aus- ficht haben, groben Umfang anzunehmen. Ich weip nicht, ob ich schon in einem meiner früheren Briefe gemeldet habe, daß der Advokat Fielden's, Salomon, ansgesunden, daß bei dem Prozeß gegen die Chicaaoer Anarchisten ein Form- sehler begangen wurde, welcher eine Revision veranlassen könnte. Damen" sprang der ganzen Welt in die Augen, verbreitete sich über alle Mauern, alle Zeitungen, ja sogar über die Theatervorhünae. Er verkündete das Bekeimtniß, daß die Frau der Reklame gegenüber machtlos sei, daß sie wider- ftandSlos der Lärmtrommel folge. Uebrigens legte er dem Weibe noch schlauere Fallen; er studirte dasselbe als Mo- ralist in großem Styl. Er hatte die Erfahrung gemacht, daß sie der Versuchung, wohlfeil zu kaufen, nicht widerstehen könne; daß sie ohne Bedärfmß kauft, wenn sie einen vor- theilhaften Handel zu schließen glaubt; auf dieser Wahr- nehmung baute er sein System der herabgesetzten Preise auf; er setzte die Preise der unverkauften Artikel immer mehr herab; denn er zog es vor, auf Perlust zu verkaufen, denn gar nicht zu verkaufen; er blieb aber seinem Grundsatze getreu, daß das Kapital immer wieder umgesetzt werden müsse. Später war er noch tiefer in das Herz des Weibes eingedrungen: er erfand die „Rückstellung der Waare", ein Meisterstück jesuitischer Verführung.„Nehmen Sie immerhin, Madame", pflegte er zu sagen;„Sie werden uns die Waare zurückgeben, wenn sie Ihnen nicht mehr gefällt."_ Und das Weib, das allen anderen Lockmitteln zu widerstehen wußte, fand hierin eine letzte Entschuldigung; sie durste sich jede Thorheit gestatten, nachdem das Gewissen beruhigt war. Die„Rückstelluilg der Waare" und die„herabgesetzten �Preise" ftmgirten fürder als klassische Wtittel des niodernen Handels. Aber worin Mouret sich als unerreichbarer Meister zeigte, das war die innere Anordnung der Magazine. Es galt bei ihm als Gesetz, daß nicht ein Winkelchcn im „Glück der Damen" leer bleiben dürfe. Er wollte überall Geräusch, Bewegung, Leben sehen;„das Leben"— sagte er—„zieht neues Leben an" und aus diesem Gesetze zog er die verschiedenartigsten Anwendungen. Vor Allem wollte er, daß man sich drängen müsse, um das Magazin zu be- treten; die Leute auf der Straße müssen glauben, daß es einen Aufruhr gebe. Dieses Gedränge erzielte er dadurch, daß er unter der Thür ganze Fächer und Körbe voll Laden- hütcr-Artikel zu niedrigen Preisen aufhäufen ließ; dadurch ward das gemeine Volk angelockt; dasselbe versperrte den Zugang, so daß man glaubte, die Magazine seien„zum Das Gesetz schreibt nämlich vor, daß bei jeder Urtheilsverku»! der Angeklagte, resp. dessen Vertheidiger anwesend sein mu"f,,. aber bei der Entscheidung des Staats-Obergerichts nicht beod i wurde, bei dessen Urtheilsfällungen dies überhaupt nicht Zedr lich war. Letzteres ist auch der Grund, warum der TerlhmH' erst nachttäglich darauf kam. Der bekannte Advokat �en ö' General während des Bürgerkriegs, wurde für die wonnen, und nach längeren Verhandlungen hat nun Bundesgericht entschieden, daß der Fall— d. h. im Herop-. vor ihm verhandelt werden solle. Die Chicagoer„Arbeneud.� meint zu der Sache:„Der gute Wille des Advokaten Sa>.- unseren m.Joliet eingekerkerten Freunden durch technische -v- reitzeit zu verhelfen, ist ja recht anerkennenswerth. �. y 0t i& auch, daß General Benj. Butler sich bereit emas jeu Fast in. Herbst noch einmal vor das Ober-Bundc-.geriai, Ringen Aber/'siaß das Alles viel helfen wird, können � ieide- nich. glauben; Schwab und Fielden und" «s auch nicht." VMifWhp Melrevstchk. ?raz°v.st» der neuen Peerespläne. Tie Ztg." stellt eine Berechnung auf, wonach bei voller Dmch) des vom'.ciegsvnnifter in der Militärkommffsion � Planes, künftig jeden wehrfähigen Deutschen im«,,()« volle Präsenz bei der Fahne militärisch auszubilden,'EAqH 1900 sich eine Friedenspräsenzstärke von 1 0»» Mann(jetzt 468 000 Mann) und eine Heeresstärke 1" ,� K r i e g von 6 560 000 Köpfen(jetzt 8 330 000 Mann)"2° würde:„Eine solche Kriegsstärke würde bei Vorausseyung Volkszahl von 52 Millionen Seelen im Jahre 1900 Ii~i, Bevölkerung oder ein Uieriel der männttäM � kerung(vom Säugling bis zum Greise) umfassen. D» o � Volkszählung im Jahre 1885 die Zahl der männlichen 1* L(t, vom vollendeten 17. bis zum vollendeten 43. Lebensjahre. Haupt nur 9128 722 betrug, so würden von diesen �-I,xir klassen 72 pCt. nach den neuen Plänen in das Kries»v als ausgebildete Mannschaften einzustellen seien." Die Kosten einer solchen Friedenspräsenz berechnet Pt-v z. Ztg." aus mindestens 2 Milliarden Mit. für einmalig � gaben und auf 070 Millionen Mi,, für fortdauernde � gaben, wozu noch jährlich 80 Millionen Mk. an Zinsen' 2 Milliarden treten würden. Gegen den jetzigen Miütarei giebt das eine Erhöhung von 608 Millionen Mk. r&hi' Die„Freisinnige Zeitung" kommt zu folgendem „Die Reineinnahmen aus allen Reichssteuern, Zöllen,- brauchs- und Stempelabgaben im Etat für 1890/91 p e, 567 Millionen Mark veranschlagt. Eine Verdoppelung de stimmten indirekten Stenernlast würde also noch nicht um die Mehrkosten des Militäretats zu decken. Wollte nun � Mehrkosten aus die direkten Steuern in den Einzelstaaten wers- würde die Steigerung noch beträchtlicher sein. Ter Reiner sämmtlicher direkten Steuern beträgt jetzt in Preußen W ltonen Mark. Denkt man sich die preußische Staatsveriai! � auf ganz Deutschland übertragen, so würde dieselbe nOT jetzigen Steuerveriassung einen Reinertrag von 240-"H". Mark ergeben. Um einen Mehraufwanv für Militär im von 608 Millionen Mark auszubringen, müßten also die l? � lichen Prozentsätze für Einkommensteuer, Klassensteuer, y» � steuer, Gedäudeneuer, Gewerbesteuer im Verhältniß von 850 erhöht werden. «WM««« -----------.tt arxirt' Gedeihen der Völker nicht länger verträglich. Will so viel Soldaten haben, daß es gleichzeitig Frankreich U"» � land geivachsen ist, dann läßt sich dies blos durch den, zum Milizsystem erreichen. Dann werde jeder Soldat- TR' werde das Wort vom„Volk in Waffen" endlich Allein, im Rahmen des Militarismus, mit dreijähriger» 1(, zeit, läßt sich das nicht beiverksteUigen. Wer soll denn die ernähren, wenn das ganze wehriuhige Volk aus drei die Kaserne gesteckt wird?, Uan vre Ausdehnung de» Arbeiterfchutze«„pi Lauduiirth schuft verspürt die„Kreuz-Ztg.", so sehr st* „Schlotbaronen" eine kräftige Fabrikgesetzgebung gönnt,» � ordentliche Abneigung. Sie sagt:„Aucy auf dem Laude 0 Moment des„Patriarcyalischen" zwar vielfach 844%' äußerliche Beziehungen sind an seine Stelle getreten, sind diese Beziehungen lauge noch nicht so kalt und rein 1% gst als sie sich in der Fabrik darstellen; schon deshalb nicht, tz* Zahl der Leute, mit denen man im einzelnen Falle zu tynn durchschnittlich weit geringer ist, so daß das nnmittelbar M � liche noch zu seinem Rechte kommen kann und, wie jeder w � der Dinge weiß, auch wirklich kommt. Wie sich das nu � uk nft gestalten wird, nachdem überall Rechtsansprüche» Stelle der freiwilligen Auswendungen getreten sind, das w» ja zeigen. Vor der Hand aber steht es in weiten Gebieten � so, dap die Uebertragung von Einrichtungen, wie sie im G- � Brechen voll", während sie in Wirklichkeit oft ha zu ----«. Dann besaß er die Kunst, jene Abtheilunfl � iren, welche„schliefen" wie die Shawls waren maskiren und die Kattune ini Winter; er wußte' sie mit Abtheilungen zu umgeben und sie im Getümmel verschwuw��� machen. Er war zuerst auf die Idee gekommen, dtcAbthei; für Teppiche und Möbel in den zweiten Stock zu oe tV es waren dies Abtheilungen, wo die Kunden sparttw schienen und welche im Erdgeschoß kalte, leere Löcher S � haben würden. Wenn es möglich geivesen wäre, ya die Straße durch sein Waarenhaus gejührt. Monret war eben die Beute einer Krise in spiration. Am Sonnabend Abend, als er einen letzte» warf auf die Vorbereitungen zu dem großen A"6 1„iflii welcher am Montag stattfinden sollte, und zu welchem � sich schon seit einem Monat rüstete, kam ihm ployt 4 Erkenntniß, daß die von, ihm getroffene Anordnung ff tauge. Und doch war diese Anordnung von absoluter � gewesen; auf einer Seite die Stoffe, auf der andern � die Konfektionsartikel, eine vernünftige Eintheilung, � den Kunden ermöglichte. Alles, was sie brauchen, j*1-xhie. finden, indem man ihnen Alles sozusagen zur Hand � Ehemals, in dem engen Laden der Mme. Hßdonin, � er eine solche Eintheilung geträumt und nun,, hc« diesen Traum verivirklichen sollte, war er davon iu' Einfriedigt. Plötzlich rief er aus: Das Ganze muß einander! Man hatte nur mehr achtundvierzig � und es handelte sich darum, mit einem Theil der M g zu übersiedeln. Das bestürzte, gehetzte Personal ver zwei Nächte und den Sonntag inmitten eines j' �n� Durcheinanders. Selbst am Montag Morgen, eme£»! vor der Eröffnung, gab es noch Waaren, die v'ch*-ge»- und Stelle waren. Geiviß: der Patron ist verrückt ge zje sagten sich die Lente. Niemand kannte sich mehr a- Verblüffung war allgemein... hei — Vorwärts! Tummelt Euch! rief Mouret ruhigen Sicherheit seines Genies. Da sind noch die hinausgeschafft werden müssen. Ist der Isi? aUti»p Teppich auf dem Fußboden der Zentralhalle schon biivf«?lr scheinen, in der Sandwirthschaft keine», wirklichen Ve- entsprechen. Beiden ge», einsam dagegen ist der Uebelstand ches. der keineswegs blos vom wirthschaftlichen, son- .?°ch mehr vom sittlichen Standpunkte mit allem Nachdruck be- Uhli l werden muß. Rückhaltlos treten wir deshalb für die hierauf be- Bestimmungen der Vorlage ein. Wer sich auf einen ohJ Standpunkt stellt, ist entweder ein bewußter Revolutionär, too» Weichling, der in seiner Rührseligkeit den ärgsten Schaden ' two er„human" zu wirken glaubt." tumiW �*1 recht' bemerkt die„Frks. Ztg." dazu, damit Nie- KeK»»? Zweifel bezüglich der künstlich groß gezogenen Ueber- rick«„5""l51"61' Agrarier bleibt: die„Uebertragung von. Ein- ' aus der gewerblichen Gesetzgebung aus di and »m?;?a'®n.1'ln'icht»einem wirklichen Bedürfnisse", wenn.'-st des Kontraktbruches handelt. Dieses,>ir SBeburpiip" verschwindet aber sofort(das heißt: si'& Sic scher), wenn statt des„Arbeitertrutzes" der Arbetk m..i'-?'b'-.verständlich mit den nöthigen Anpassungen an land- tn» AJastliche Betriebsverhältnisse, herübergenommen werben L'm Klassen-Egoismus giebt sich doch zu nackt, als dltß . �densarten von dem„unmittelbar Menschlichen", welches T dem Lande„noch zu feinem Rechte komme", oder die - �wipfereien über„Revolutionäre" und„Weichlinge" noch ver- lungm könnten. b,.'�beitgbureatt. Einige Blätter melden, die Regierung "�o lchttge, ein Zlrbeitsauskunstsbureau einzurichten. Dazu be- '"" die„Mgdb. Ztg.":„Die Meldung hat vielfach Räthsel auf fiiStfit'''e wird verständlicher klingen, wenn für„Arbeitsaus- »,,--,.°ureau" Arbeitsbureau gesetzt wird, dessen Einrichtung und Minche Bewä'......-■- �— �'wzem von Erkennenden yrung in den Vereinigten Staaten vor ofsiziöser Seite einer sehr wohlwollenden und Besprechung unterzogen worden ist. In �amka wurde bekanntlich das erste Arbeitsbureau im �,2% Massachusetts im Jahre 1863 errichtet, und nach „? Muster desselven sind dann in den folgenden Jahren bis 1887 ..Arn zwanzig anderen Staaten für den gleichen Zweck Bureaus ."Ml worden, die in dem 1884 in Washington errichteten Ar- .�bureau der Vereinigten Staaten eine Art von Zentralstelle diÜ au.haben. Wenn jetzt hinzugefügt wird, daß in Deutschland Zurichtung nach englischem Muster getroffen werden solle, so d, e: wenn die Meldung zutteffend ist, daraus gefolgert wer- In>. ß die Einrichtung eines besonderen Bureaus in Deutsch- and nicht geplant wird, denn in England hat man sich lediglich ".°"f beschränkt, einen board of trade, eine Abtheilung für Ar- °eiterstatislik zu begründen. Ein Zwischending zwischen staatlicher und privater Einrichtung bildet das schweizerische Arbeitersekre- „ ttat, das, im Jahre 1887 begründet, allmälig zu einem Arbeits- «M gestaltet werden soll. Das schweizerische Arbeitersekretariat st Organ des großen schweizerischen Arbeiterbundes, dessen Vor- tand den Arbeitersekretär ernennt, sein Arbeitsprogramm be- nnnnt und seine Geschäftsführung überwacht. Die Eidgenossen- chaft als solche ist an ver Einrichtung nur insofern betheiligt, £ iJie Zur Unterhaltung des Sekretariats 1000 Frks. im Jahre ««steuert. Vor kurzem ist der dritte Jahresbericht desselben er- Ichienen." ..A»« de» dem Ueichatag« zugegangenen, vom kaiserl. nmlsuschen Amte ausgearbeiteten Zusammenstellung des Ergeb- wi es der Reichstagswahlen im Jahre 1800 läßt sich bei einem vergleiche mit den entsprechenden Zahlen für 1887 erkennen, wie 9*0P die Verschiebung war, die in der Partei gruppirung der Wähler seit den letzten Wahlen stattgejunden hat. Zunächst ist zu bemerken, daß die Wahlbetheiligung eine weit geringere war, Jus im Jahre 1867. Es waren 10 145 877 wahlberechtigte Personen d. i. 376 075 mehr als vor 3 Jahre»; dagegen wurden bei den ersten Wahlen nur 7 228 542 giltige Stimmen abgegeben d. i. 312 806 weniger als vor 3 Jahren; die Zahl der ungiltigen Stimmen betrug 33 117 gegen 29 772 im Jahre 1887. Im Ganzen haben von 100 Wahlberechtigten nur 71,6 ihre Stimme abgegeben gegen 77,5 im Jahre 1887. Von den einzelnen Parteien .vereinigte die meisten Stimmen aus sich die sozialdemokratische wil 1 427 238; dann folgen das Zentrum 1 342 113, die National- uderalen mit 1 177 807, die Freisinnigen mit 1 153 315, die Deutsch-Konservativen mit 805 103, die Deutsche Reichspartei Mit 482 814, die Polen mit 246 773, die Volkopartei mit 147 570, die Welsen mit 112 675, die Elsasser mit 101 156, die «»tisemiten mit 47 536 und die Dänen mit 13 672 Stimmen. Auf Kandidaten unbestimmter Parteirichtung sielen 69 740 Stimmen; zersplittert jmd 14 870 Stimmen. 1887 standen die Nationalliberalen mit 1 677 979 Stimmen an der Spitze, dann folgten das Zentrum mit 1 616 222, die Deutsch-Konservativen mit 1 147 200, die Freisinnigen mit »73 104 und erst in sechster Reihe die Sozialdemokraten mit 763 128 Stimmen. Der Gewinn an Stimme» seit 1887 bezifferte stch bei den Sozialdemokraten aus 664 170, bei den Deutsch-Freisinnigen aus 186 811, der Volkspartei auf 58 752, den Antisemiten, die 1887 als Partei gar nicht auftraten, aus ■17 636, den Polen auf 26 800 und den Dänen auf 1312. Verloren dagegen haben an Stimmen die Nationalliberalen 600 172, die deutsche Reichspartei 254 075, die Teutschkonservativen 252 097, das Zentrum 174109, die Elsasser 132 629 und die Welse» 182 Stimmen. Die Nationalliberalen und die Konservativen haben spannt? Greift zusammen, Kinder! Ihr sollt sehen: sofort wird der Verkauf angehen!_„_ , Auch Bourdoncle war seit Tagesanbruch zur Stelle. Er begriff so wenig wie die Uebrigen und seine Bltcke folgten besorgt dem Thun und Treiben des Patrons. Er wagte es Jucht, ihn zu befragen, denn er wußte wohl, m welcher "�eise man in solchen kritischen Momenten von Moüret empfangen wird. Endlich entschloß er sich dennoch, tn schüchternem Tone zn fragen:, 0f, — War es wirklich nothwendig, knapp vor dem Aus- derkauf Alles durcheinander zu werfen? Zuerst zuckte Mouret die Achseln, ohne jedoch zu am- «orten. Dann, als Bourdoncle bei seiner Frage beharrte, - brach er los. — Wäre Ihnen lieber, daß die Kunden sich Alle aus «mem Fleck anhäufen? Es war das eine saubere Idee «nes Geometers! Ich würde eS mir nienials vergeben haben, wenn ich dabei geblieben wäre. Ich hatte ja bm Menge lokalisirt! Begreifen Sie? Eme Frau wäre cm- äiää»f'Ä| 'ch entfernt, ohne sich ein wenig zu verirren Nicht eme DZMHm-s ### also je mehr als Vi Million Stimmen eingebüßt, wogegen die Sozialdemokraten 8A Millionen Stimmen gewonnen haben. Beachtenswerth ist außerdem neben dem Gewinn der Freisinnigen, der sich auf 19,2 pCt. beziffert, der enorme Rückgang der elsassischen Stimme» um 56,6 pCt. Das Verhältnis! der Stimmenzahlen der einzelnen Parteien zu einander ist Folgendes: Von 100 giltigen Stimmen sielen ans die S o z i a l d e m o- traten 19,7(1887 nur 10,1), auf das Zentrum 18,6(1887 20,1), auf die Nationalliberalen 16,3(1887 22,2), auf die Deutsch-Freisinnigen 16,0(1887 12,9), auf die Deutsch-Kons ervativen 12,4 (1887 15,2), ans die deutsche Reichspartei 6,7(9,8), die Polen 3,4 (2,9), die Aolkspartei 2,0(1,2), die Welsen 1,6(1,51, die Elsasser 1,4(3,1), auf Kandidaten unbestimmter Parteistellung 0,8(0,7), die Antisemiten 0,7(0,0) und die Dänen 0,2(0,2). Zersplittert waren 0,1(0,2) pCt. der ailtigen Stimmen. Unter 100 Wählern sind also immer nahezu 6 den Nationalliberalen Und 6 den beiden konservativen Parteien untre» geworden, dagegen mehr als 9 den Sozialdemokraten und 3 den Freisinnigen hinzugetreten. Auf dem Abgeordnetentnge des deutsche» Kriegerbundes, welcher an den beiden Pfingsttagen in Dortmund abge- halten wurde, wurde der Antrag des Kriegervereins„König Albert von Sachsen" zu Chemnitz wegen des Ausschlusses der Sozial- demokraten vom Vorsitzenden kurzer Hand von der Tagesordnung abgesetzt unter lebhafter Zustimmung der Versammlung, weil die Vunvessatzungen eine Erörterung politischer Slngelegenheiten nicht gestatten. Der Antrag der braven Chemnitzer hatte sich die Fassung ves Sozialistengesetzes zum Muster genommen und wollte demnach „Mitglieder, welche zu der Annahme berechtige», daß sie sozia- listischen Tendenzen huldigen", von: Vereine ausgeschlossen sehen. Die Versammlung in Dortmund hat ganz korrekt gehandelt, indem sie sich auf den Standpunkt stellte, daß schon jede Erörterung über die politische Haltung von Mitgliedern der Krjegervereine als po- litische Erörterung nicht in die Kriegervereine hineingehöre. Dir fächstschr Regierung ist entschlossen, den Antrag auf Verlängerung des kleinen Belagerungszustands für Leipzig und Umgegend im Bundesrath zu stellen, obgleich das am 1. Oktober bevorstehende Ablaufen des Sozialistengesetzes die Verlän- gerung auf eine so kurze Frist(3 Monate) in etwas sonderbarem Lichte erscheinen läßt. Die sächsische Regierung will aber den bösen Sozialisten nichts schenken, und giebt sich außer- dem— gleich dem Mr. Micaw ber des Dickens'schen Romans — der tröstlichen Hoffnung hin, daß sornething may tum up— daß sich schließlich doch noch irgend etwas Günstiges sich er- eignen wird. Ter arme Micawber war bekanntlich auch eine sehr„gemiithliche" Haut; weit in der Welt hat er's jedoch nicht gebracht. De» K-ystott in Kachfen. In Bezug auf das Er- kenntniß des sächsischen Oberlaudesgerichts, welches neuer- Vings den Boykott verurtheilt hat, nachdem es ihn früher für straflos erklärt hatte, wird unS mitgetheilt, daß das strafbare Moment in der Bertheilung von Flugblättern auf offener Straße gefunden wurde. Das soll„grober Unfug" gewesen sein. Die für straflos erklärten Flugblätter, durch velcbe die Neichstreuen von Wurzelt den Redakteur Thiele boykottirten, waren seiner Zeit mindestens ebenso öffentlich verbreitet worden— nämlici) durch wochenlanges Kolportiren in Privathäusern und Auflegen in Wirthshäusern. Der juristische Verstand, dem kein Wunder unmöglich ist, muß also in der Vertheilung auf der Straße ein besonders gefährliches, die Strafbärkeit bedingendes Moment gefunden haben, welches dem Laienverftand unsichtbar ist. Uebrigens schweben vor dem Obcr-Landesgericht noch andere Boykott- Prozesse, bei denen das Moment der Verbreitung auf der Straße nicht vorhanden- ist. Wir wollen die Entscheidung in diesen Fällen abwarten; unter allen Umständen aber wird dafür gesorgt werden, daß die vcrschiedentlichen Boykott- erkemituisse der obersten sächsischen Instanz zusammengestellt und dem Publikum übersichtlich vor die Augen geführt werden. Beiläufig ist Sachsen bislang das einzige Land, welches die Boykottprozesse kultivirt. In Preußen wurde— vor dem Amtsgericht Erfurt— ein einziger Versuch gemacht, der aber so vollständig scheiterte, daß seitdem kein weiterer gemacht worden ist. Sächsisches. Diese Rubrik ist, lachgerade ebenso ständig und charakteristisch geworden, wie weiland die: Spanisches. Und in der That, gar vieles Sächsische jkommt uns spanisch vor. Da wurde z. B. neulich Herr Sparig, der Muster- agitator der vereinigten(Un-) Ordimugsparteien wegen gröblichster Beleidigimg eines fortschrittlichen Lehrers— wobei es„Lumpen" und ähnliche ordnungsparteiliche LiebenS- Magazin das Haus in ihren Augen dreimal so groß er- scheinen lassen als es ist. Drittens: sie sind genöthigt, durch Abtheilungen zu gehen, in welche sie sonst keinen Fuß gesetzt ätten; im Vorübergehen werden Versuchungen sie festhalten, ie werden unterliegen. Viertens.... Doch jetzt stimmte Bourdoncle schon in sein Gelächter mit ein. Mouret war entzückt und unterbrach sich, um de« Bedieusteteu zuzurufeil: — Sehr gut, meine Kinder! Nun, rasch auskehren und Alles wird im schönsten Glänze dastehen! Als er sich jetzt umwandte, erblickte er Denise. Er und Bourdoncle befanden sich eben vor der Koufektions-Ab- theilung, welche Mouret entzwei theilen hatte lassen, indem er Roben und Kostüme in den zweiten Stock hatte schaffen lassen, an das andere Ende der Magazine. Denise, welche zuerst herabkam, machte große Augen. Sie kannte sich nicht ans. — Wie? sagte sie; man übersiedelt? Diese Ueberraschung schien Mouret zu belustigen, der es liebte, solche Theaterkoups zu veranstalten. In den erstell Tagen des Monates Februar war Denise beim„Glück der Damen" wieder eingetreten, wo sie zu ihrem freudigen Er- staunen fand, daß das Personal sich Höstich, fast respektvoll benehme. Besonders zeigte Mine. Aurelie sich wohlwollend; Marguerite und Klara schienen entwaffnet, selbst Vater Jotive benahm sich sehr ergeben und that Alles, um das unangenehme Abenteuer von ehemals vergessen zu machen. Ein Wort, von Mouret gesprochen, hatte alldies bewirkt; es gab ein Geflüster unter den Leuten, man blickte ihr nach, wo sie ging. Und angesichts dieser allgemeinen Liebenswürdigkeit war sie einigermaßen verletzt durch die seltsame Niedergeschlagenheit, welche Deloche zur Schau trug und durch das räthselhafte Lächeln Pauliiteiis. Mouret blickte sie noch immer mit seiner entzückten Miene an. — Was suchen Sie, Fräulein? fragte er sie endlich. Denise, die seine Anwesenheit noch nicht bemerkt hatte, errötbcte leicht. Seitdem sie zurückgekehrt war, empfing sie von ihm verschiedene Beweise von Güte, die sie sehr rührten. Pauline hatte ihr— sie wußte nicht weshalb— die Lieb- Würdigkeiten regnete— zu 50 M. Geldstrafe verdonnert. Vor ein paar Jahren wurde Liebknecht, weil er denselben :c. Sparig„beleidigt" hatte, zu mchrwöchentlichem Gefängniß verurtheilt. Es scheint fast, als gehörte Herr Sparig zur sächsischen„Staats- und Gesellschaftsordnuiig".— Die Mngdebnrge» Kegievung hat eine Verfügung, be- treffend die Verwendung von Schulkindern beim Verziehen von Rüben, erlassen. Die Regierung hat aus den im vergangenen Jahre eingeforderten Berichten ersehen,„daß die Verwendung von Schulkindern beim Verziehen der Rüben nicht immer die der Sittlichkeit und Humanität schuldigen Rücksichten gewährt wer- den", und deshalb Folgendes bestimmt: 1) Schulkinder dürfen nur getrennt von den Er- wachsenen, sowie in Knaben und Mädchen nach den Ge- schlechter» gesondert, bei dem Rübenverziehen beschäftigt werden. Ebenso sind Knaben und Mädchen getrennt von einander zur Arbeitsstelle zu befördern oder von derselben zurückzubringen. 2) Nicht nur während der Arbeitszeit, sondern auch auf dem Wege zur Arbeitsstelle und von die er zurück sind die Kinder behufs Aufrechterhaltung guter Sitte und Fern- Haltung aller Ungehörigkeiteu durch erwachsene, dazu ge- eignete Personen zu beaufsichtigen. 3) Damit die Kräfte der Kinder nicht über das Maß der Billigkeit hinaus zu den oben bezeichneten Arbeiten ausgebeutet werden, setzen wir die tägliche Arbeitszeit der Kinder auf höchstens 8 Stunden fest. Diese Arbeitszeit ist durch eine ziveistündige Mittagspause zu unterbrechen. 4) Es ist durchaus unzulässig, die Kinder auck cm Sonn- und Festtagen zu den Arbeiten auf den Rüben- feldern heranzuziehen. Im Falle der Nichtbeachtung dieser Bestimmungen soll die Genehniigung zu besonderen„Rübenferien" zurückgezogen werden. Die Schulvorstände, Schulinspektoren und Lehrer sollen die Aus- führung dieser Bestimmungen überwachen und von vorkommenden Ueberschreiwngen Anzeige erstatten. Ebenso sind die Gendarmen von den Landräthen auf Veranlassung der Regierung angewiesen worden, auf ihren Pattouillengängen die Aussührung der vor- stehenden Bestimmungen zu kontroliren.— Em striktes Verbot sollte diesem Unfuge schon längst ein Ende gemacht haben. Gegen da« allgemeine gleiche Mahlrecht bringt die „Köln. Zeitung" wieder einmal einen heftigen Artikel, in welchem ie behauptet, daß„in keiner Frage alle gebildeten Kreise der putschen Nation so einmüthig seien wie über die Verwerflichkeit des allgemeinen gleichen Wahlrechtes."—„Gebildet" im Smne der„Kölnischen Zeitung" ist bekanntlich nur derjenige, der die Tasche voll Geld hat. Di«..Kationalzeitung" wird bekanntlich jetzt von einer Aktiengesellschaft unter der Firma„Nationalzeitimg" fortgeführt. DasHandelsgericht veröffentlicht die desfallsigen Bekanntmachungen. Darnach beträgt das Grundkapital 750 000 Mark in 750 Aktien über je 1000 Mark. Die Gründer der Gesellschaft sind Abg. Sammacher, Abg. Holtzmann, Abg. Scipio, Geheimrath a. D. dugo Lent, Rentier Otto WesendoNk-Berlin. Diese bilden zu- ämmen mit dem Abg. Hobrecht und dem Oberbürgermeister a. D. Weber den Aussichtsrath. Herr Köbner ist Vorstand. Aus dieser Namensreihe geht hervor, daß die Diskonto- Gesellschaft bei der Gründung stark betheiligt ist. De" unter den Grundern aufgeführte Geh. Regierungsrath Lent i. ein Bruder des Bauraths Lent, des Theilhabers der Diskonto- Gesellschaft und wird von letzterer häusia als Vertrauensperso verwandt; er war früher Präsident der Magdeburg-Halberstäd Eisenbahn-Gesellschaft und hat, nachdem er bei der Versta u- lichung mit einer reichen Abfindung in den Ruhestand getreten war, zu der Diskonto-Gesellschaft sehr enge Beziehungen ange- knüpft.- Der Ober-Bürgermeister a. D. Weber ist«in Beamter Bleichröders. Zlebrr de» Stand der große»« Steuerdefrandationv- angrlegrnheit in Hamburg, an welcher bekanntlich auch mehrere oberschlestsche Geschäftsleute betheiligt sind, wird der „Bresl. Ztg." von dort geschrieben: Die Untersuchung ist noch immer nicht abgeschlossen, da die Ermittelung sämmtlicher Schuldigen am hiesigen Platze bisher nicht gelungen ist. Da- gegen hat die gerichtliche Untersuchung die Quantitäten des ein- geschmuggelten Sprits resp. Weins festgestellt. Es wurden in der Zeit vom 3. April bis 24. Mai 1889 an vier verschiedenen Tagen 64 Fässer Spirituosen, vermuthlick Wein, eingeschmuggelt. Ferner wurden eingeschmuggelt in der Zeit vom 5. Juni bis 14. Dezember 1889 insgesammt 146 Fässer Sprit und vom 17. Januar bis 26. März d. I. 308 Fasser Sprit. In der letzten Zeit scheinen die Defraudanten immer kühner geworden zu sein, denn am 12. Februar d. I. schmuggelten sie nicht weniger als 160 Fässer auf einmal ein. Vielleicht wird sich Mancher verwundert fragen, wie es möglich war, daß trotz der scharf bewachten Grenze des Hamburger FreihafengebieteS ein so unerhörter Schmuggel ge- trieben werden konnte. Wie ermittelt worden ist, Häven die Defraudanten so geschickt operirt, daß die Entdeckung des Schmuggels mir durch einen Zufall herbeigeführt werden konnte. Sie kauften den Sprit im Freihasengebiet auf, wo sie natürlich schuften des Patrons mit Klara erzählt, wo er mit dieser zusammenkam, wie viel er ihr bezahlte u. s. w. Und sie kam oft auf diesen Gegenstand zu sprechen; sie erzählte ihr, daß er noch eine andere Maitresse habe, diese Mine. Dessorges, die das ganze Magazin kennt. Solche Geschichten versetzten Denise in Aufregung; sie ward in seiner Gegenwart wieder von einer Bekteinmung erfaßt wie früher, von einem Unbehagen, i» welchem Dankbarkeit und Groll gegen einander kämpften. — Ich bin ganz verwirrt durch diese Umsiedelungen, erwiderte sie endlich. Mouret trat jetzt näher zu ihr heran und flüsterte ihr mit leiser Stimme zu: — Heute Abends, wenn der Ausverkauf vorüber ist, kommen Sie in mein Kabinet, ich habe mit Ihnen zu reden. Sie senkte verlegen das Haupt und wußte kein Wort hervorzubringen. Uebrigens begab sie sich in die Abthcilung, wo auch die anderen Fräulein sich schon einfanden. Allein, Bourdoncle hatte Mouret gehört und schaute jetzt lächelnd den Patron an. Als sie allein tvaren, wagte er die Be» metkung: — Jetzt Die auch noch! Nehmen Sie sich in Acht! Mit Der wird es ernst werden! Mouret wehrte sich lebhaft und suchte seine Ausregung unter einer sorglosen Miene zu verbergen. — Lassen Sie gut sein, es ist nur ein Scherz! Das Weib, das mich dauernd fesseln könnte, ist noch nicht geboren. Und er eilte davon, um einen letzten Blick in die ver- schiedenen Abtheiluilgen zu werfen: denn die Magazine wurden schon geöffnet. Bourdoncle schüttelte den Kopf. Diese Denise, so sanft und einfach sie war, begann ihm Be- sorgniß einzilstoßen. Einmal hatte er gesiegt, indem er sie verabschiedete. Aberj sie ist wieder erschienen und er sah sie in ihrer Stellung dermaßen erstarken, daß er sie als eine Gegnerin betrachtete und der Stunde harrte, wo er sie wieder unschädlich machen konnte. (Fortsetzung folgt.) ■ incht die Steuer zu entrichten Hutten. Uin mm ungehindert die Zollgrenze zu passircn, ließ sie den Sprit in sogenannte Schuten laden, offene, slachgehende, aber sehr geräumige Fahrzeuge, welche für den Hafenverkehr bestimmt sind, legten einem ihrer Helfers- Helfer die Uniform eines Zollbeamten an und ließen dann die Schuten in Begleitung dieses Pseudo-Veamten in das Zollinland fahren. Selbstverständlich ließen die dienstthuenden Grenz- aiifseher die Schuten ungehindert passiren, denn nach den gesetz- lichen Bestimmungen können auch unversteuerte oder unverzollte Waaren— gleichviel ob zu Wasser oder zu Lande— aus dem Freihasengcbiet in das Zollinland und zwar in ein unter Zoll- Verschluß befindliches Lager transportirt[werben, wenn jedem Fahrzeuge ein Zollbeamter— in der Regel ein Ausseher— als Begleiter beigegeben ist. Spionensteber. Wie der„Franks. Ztg." aus Mainz ge- meldet wird, wurde vor dem sog. Ganthor, und zwar auf dem Gebiete der Festung ain 26. Nachmittags ein schwedischer Kapitän a. D. wegen des Verdachtes der Spionage von einem Höheren Offizier verhaftet. Der Verhaftete heißt Petersen. Der ,,Uerciu der rrgierungsfrenndliche» presse", ein Verein derjenigen Blätter, welche aus dem Preßbureau des Mi- nisteriums unterstützt werden, ist nach Mittheilung des freisinnigen „Boten aus dem Riescngeb." nunmehr eingegangen. Der Verein, dessen Vorsitzender der Redakteur der konservativen„Görlitzer Nachrichten" war, hat sich jetzt init Hinterlassung eines erheblichen Defizits in Wohlgefallen aufgelöst. Großbritannien. Eine von den Parnelliten in Aussicht genommene p o l i- tische Kundgebung in Tippe rary wurde ain Sonn- abend Abend von der irischen Vollzugsregierung verboten und die Behörden trafen Vorkehrungen, um dem Verbote Geltung zu verschaffen. Das in Tipperary stationirte Manchester- Regiment wurde in der Kaserne konsignirt und die zum Theil mit Gewehren bewaffneten Schutzmannschaften wurden uin 200—300 Mann verstärkt. Dillon, William O'Vrien und mehrere andere irische Ab- geordnete kamen nicht direkt nach Tipperary, sondern stiegen schon zwei Meilen vor Tipperary in der Station Limerick Junction ab, wo unter dein Vorsitz des Paters O'Dwyer und unter Betheiligung von etwa 2000 Personen ein Meeting abge- halten wurde, wobei Dillon und O'Brien Reden hielten. Die wenigen Schutzleute, welche zugegen waren, schritten nicht ein. Die Abgeordneten begaben sich sodann, gefolgt von einer großen Volksmenge, zu Wagen nach Tipperary. Unweit der Stadt begegneten sie einer starken Abtheilung Schutz- leute, deren Befehlshaber, Oberst Caddell, den Abgeordneten Dillon in Kenutniß setzte, daß die Abhaltung einer Volksver- sammlung unter freiem Himmel nicht gestaltet werden könnte. Die Schutzleute hatten einen dichten Kordon über die in die Stadt hineinführende Straße gezogen. Hier kam es zu Zusmninenstößen zwischen Volk und Polizei, welch' letztere �von ihren Knütteln ausgiebigen Gebrauch niachte, wodurch viele Personen Verletzun- gen am Kopse oder den Schultern davontrugen. William O'Brien hielt von seinem Wagen eine Ansprache an das Volk, im Verlauf welcher er das Verbot der Behörden als eine schänd- liche Verschwörung, das Volk in Konflikt mit„bewaffneten Feig- lingen" zu bringen, bezeichnete. Die Polizei zerstreute sodann die Volksmassen, wobei viele Personen durch Knüttelhiebe verwundet wurde», während die Schutzlente unter Steinwürfen der Volks- menge zu leiden hatten. Gegen Abend herrschte wieder völlige Ruhe in der Stadt. Abends fand in der iNationalschule ein Bankett statt, bei welchem O'Brien und andere Mitglieder der irischen Partei Reden hielten. Selsten. Aus Jolimont wird unter dem 24. d. M. berichtet, daß der internationale Bergarbeitertag mit den Frei- tagSsitzungen zum Abschluß gekomnien ist. Ein heißer Kampf entspann sich zwischen den Briten selber über die Art und Weise, wie der Ächtstundentag zu erreichen sei. Grundsätzlich waren alle Amvesenden über die Nothwendigkeit desselben einig, sämmtliche Festländer auch darüber, daß die Beschränkimg der Arbeitsdauer nur auf gesetzlichem Wege erfolgen könne. Unter den Briten fand eine Sonderabstiinmung statt, ivelche ergab, daß die Mehrheit derselben, 21, für und nur S(!!) gegen die gesetzliche Regelung waren; auch nach der Zahl der Mitglieder haben sich die britischen Bergleute, insoweit sie hier vertreten sein mochten, für die gesetzliche Regelung ausgesprochen. Weiterhin wurde auf Antrag des englischen Abgeordneten Eoivey folgender Beschluß angenommen:„Der Kongreß empfiehlt die Bildung von Ar- beitcrsyndikaten in den einzelnen Ländern und die Bildung eines internationalen Bundes sämmtlicher Bergleute. Ein internationaler Ausschuß soll für Auftechterhaltnng der Beziehungen zwischen den Bundesgenossen sorgen." Auch erhob der Kongreß einmuthig Widerspruch gegen die gesetzliche Beschränkung der Arbeiter- Organisation. Dle Bestimmung des Ortes für den nächsten Kongreß wurde dem internationalen Bundesausschuß überlasse». Spiutiett. Madrid, 28. Mai. Der Senat hat das Gesetz über das allgenieine Stimmrecht endgiltig angenommen. Dalkanländer. Sofia. 27. Mai. Panitza-Prozeß. Nach seinem heutigen Plaidoyer beantragte der Staatsanwalt gegen Panitza, Arnandoff und Lieutenant Rizoff die Todesstrafe, gegen die übrigen in dem Koinplott verwickelten Offiziere und Angeklagten die nach dem türkischen Gesetze vorgesehenen Freiheitsstrafen und zog die An- klage gegen Demeter Rizoff, Nozarofs, Ablansky und Lieutenant Stamen off zurück. Avbeikerlmvejzuttg. . Magdeburg. Eine Schnhmacher-Versammlung erklärte>» einer Resolution, nach dreiwöchentlichem Streik den von � Arbeitgeberkommission ausgestellten Lohntarif anzuerkennen. dein, dre Kollegen ihren Tarif ganz durchsetzen könnten, erklärt°- Versammlung in Erwägung, daß gegenwärtig in Süddeutsch�., 5000 Kollegen ausgesperrt und entlassen worden sind, den o»« für beendet und beschließt, die ganzen niateriellen Mittel dock# zu senden.— Der von den Gesellen errungene Lohnausschlag o' tragt 15—20 pCt. Ferner wurde ein Äntrag angenommen,'� »ach sämmtliche Arbeiter wieder eingestellt werden müsse"' fluten irgend welche Maßregelungen vorkommen, so so» Arbeit so ort wieder niedergelegt werden.. . Hamburg. Der Ewerfuhrerslreik befindet sich noch w gleichen Stande, wie in voriger Woche und die Streikenden st" nach wie vor fest entschlossen, nicht nachzugeben. Allerdings von nonn----. Q.nieder ausgi den 2300 Streikenden ganze 8 die Arbeit wieder. nommen, dagegen ist es aber gelungen, niehr als 50 ver Ausivärts als Ersatz Angekominenen zur Abreise zu bewegen,> daß die Streikenden jetzt weitaus bessere Chancen als st haben. Zudem lassen die sich fortwährend iviederholenden fälle inr Hafen, welche auf die Ungeschicklichkeit der stm Ewerführerbetrieb beschäftigten Leute zurückzuführen find,' und mehr den jetzigen Zustand als unleidlich erscheinen. Handel envachsen aus der Verkehrsstockung die größten Nachli) die wohl nicht mehr lange geduldig ertragen werden.. Königvberg i. Ihr., 28. Mai. Die hiesigen Sch«'«°' haben seit gestern die Arbeit eingestellt; dieselben verlangen � Abschaffung der Sonntagsarbeit und einen Minimal-Wochem � von 13 M. Für den kommenden Monat steht ein Aussrano Töpfer in Aussicht. trev VedafctitW ♦ Bciestichk Bei Anfragen bUten wir die Abonnements-Quiltung beijusügen Antworl wird nicht enhetlt. amdis Zwei Wettende. 1. Der Vater eines unehelichen»>' nruß Alimente zahlen, auch wenn die Mutter sich weigert, o � Heirathen. 2. Es würde zu weit führen, wollten wrr JY dieser Stelle sämmtliche Gesetzesbestimniungen über die.lum � vtv|v* w«vmv I uuiuifcivvi/v\-/v| vy---- Sa« Di/I» frage mittheilen. 3. Die Eltern eines Kindes sind für"s � demselben angerichteten Schaden(z. B. Einwerfen ernes tfffi � nicht verantwortlich, wenn ihnen nicht nachgewiesen weroe.� daß sie die Erziehung des Kindes oder die Aufsicht über pflichtwidrig vernachlässigt haben..»hrer Krone 100. Ihr Stiefvater durfte sich den Nachlaß o � Mutter nicht aneignen und darüber verfügen. Beantrag beim Nachlaßgericht Nachlaßregulirung. Zu näherer mun Auskunft sind wir bereit._ TlMter. Donnerstag, den 29. Mai. Npernhans. Rigoletto. Kchauspirihnno. Der Sturm. perliner Theater. Kean. Ketttscheo Theater. Faust I. Theil. Lrsstns- Theater. Der Fall Cle- menceau. Friedrich-WUHelmftüdt. Theater. Der arme Jonathan. Wallner-Theater. In falschem Ver- dacht. Hierauf: Unter vier Zlugen. Urktoria-Theater. Stanley iuAsrika. Gsteird- Theater. Romeo und Julia. Nestde»?-Th«ater. Marquise. KrUealliattre- Theater. Der Nautilus. Kroll'o Theater. Der Postillon von Lonjumeau. Adolf Ernst- Theater. Der Gold- fuchs. Kanfmann'« pariete. Große Spezialitäten-Vorstellung. Englischer Garten Direktion: C. Andress, Alexanderstraße 27 c. (iropiniö des CmikeMckvs nui) Buhne. Täglich Aaürston erster Spezialitäten. Ansang Wochentags 8 Uhr. Sonntags 5l/a Uhr. Entree Wochentags und Sonntags 30, 50 u. 75 Pf., im Vorverkauf 30 it. 50 Pf. Der Garten ist au Vereine für Som- mersestlichkeiten mit Spezialitäten-Vorstellung zu vergeben. Andreas. EtllWllleut Buggenliageu am Moriiz|.latz. Täglich: Grosses Garäen-Concert. Direktion A. zliidmann. Dienstag und Freitag: Walzer-Abend. ITilfv/to Wochentags 10 Pig., ümllvc Souu- nnd Postlags 25 Pig. Bei ungünstiger Witterung in den unteren RestaurationLräumen. Großer Frühstücks- und Mittagstisch. Spezial-Ausschank von Patzenhofer Export-Bier, Seidel 15 Pf. Die oberen Säle bleiben bis aus Weiteres wegen Renovirung geschloffen. 641 F. Müller. Variete-Theater. (Haaenhaide) Herrmanustr. 13— Neue Strasse 18. In dem vollständig renovirten Garten: 275 fötojjeä Kuuzttt, Theater, Speziatitliteu-Borstelluilg uud BALL. Durchiocg tmu« Proguamm. Ansang 4 Uhr. Entree 25 Pf. Kinder frei! Bruchbänder u. s. w. dauerhaft gearbeitet, sowie sämmtliche Artikel zur Kraulte»- pstegc empfiehlt 499 J. Oh. FoBImaniip 30 L i n i e n st r a.ß e 30. Lieferant f. sämmtl. Srank«»liassrn Nene Welt. Bergschlossbranerei, Hasenhaide. Heute, Donnerstag: Nachm. Ä: Militair-Coucert u. Specialitäten-Yorstellg. Unter Ändern: Miss Adele, dress. Hunde. Bodjarofl-Truppe, Gym- Heise u. Frau, geb. Weitzmann, Tanzseil. Neirra-Truppe, Luftgymnastik u. f. w. Cirous Jungmann, Roll-Corso, Tanzkränzchen, Rutschbahn, Volksbelustigung. Entree 23 Pfg., im Borverkavs 20 Psg.,%»»: srei. Konntag und Montag: Vroßc Vorstellung, Conrert, Feuerwerk. F. Renz' Ball-Salon Nannyn- Strasse 27 Jnh.: Albert Uebel. Empfehle zur nächsten Herbst- und Wintersaison meine Salons den geehrten Vereinen und Privat-Gesellschaflen zu den koulantesten Be- dingungen. Jeden Montag, Donnerstag und Sonntag: Oedentl. Tanz. 669 Achtungsvoll Albert Uebel. Sozialdemokratischer Wahlverein für den 5. Berliner Reichstags-Wahlkreis» Oeffentliche Uersammlnng.... heute, Donnerstag, den 29. Mai, Abends 8 Uhr, im Los des Herrn Seefeld, Grenadierstrasse Ho. 33. Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn Peus über: Kapitalistisch� sozialistische Moral". 2. Diskussion. 3. Verschiedenes und»rnnefafte«." Mitglieder werden ersucht, recht zahlreich zu erscheinen. Gäste sind w« 673 Oer Vorstand Zahnärztliche Poliklinik, Chausseestrasse la Meine Poliklinik für Zahnleidende ist wochentäglich von 3— 10 Uhr Vor- mittag?, 12—1 Uhr Mittags, 4—6 Uhr Nachmittags geöffnet. Krhandlnng und Zahnziehen«nentgeltlich. Für Plomben und künstl. Zähne werden dieselben Beträge berechnet wie im Universitäts-Jnstitut. 333 Dr. Erich Richter, approbirter Zahnarzt. Eine Vnrthie W feMerhaHe Teppiche!, in Stofigrüsso ä 5, 6, 8 n. 10 H. ■ in Salougrösse ä 12, 15, 20-50 M.■ 1 Werth M IoMlte 1 I fjardinen i (W ä 10, 12, 15-40 Mark. i 500 Mustor stets vorräthig.■ 'Gardinen- u. Trppichfabrik� Emil Lefävre,- Berlin S., Aranienstr. 158. i Jllustr. Musterbücher franko, ff KinderlUgell-. Bazllr Jernsalemcrstr. 56, Hof Parterre. «r«ka»tia,zr»»wal>t jeder Art billigst! ('Auch a.Theilzahlg.) 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Kühler). m Tagesordnung: 1. Die internationale Arbeiterschutz-Gesetzgebung. Rel Buchdrucker IH. Werner— Berlin. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes.— zahlreiches Erscheinen ersucht 675 Der Einberufer.___ Für Berlin. tsroge Gneral-VeriaulmlNg der Bäckergesellen Berlins und Umgegend am Donnerstag, den 29. Mai, Nachm. 3 Uhr, in May's Festsälen, Beuth- straße 21/22 links. 668 Tagesordnung: 1. Das Arbeiterschutz- Gesetz im Reichstage. 2. Wahl eines VertrauensnianneS. 3. Erledigung von gewerkschaftlichen Angelegenheiten. Spiegel und �Polstemaarcn.l eigener Gr. Lager, bill. Preise, f Fabrik. Emil Heyn, Brunnenstraße 28, Hos parterre. Theilzahlung»ach Uebereiukunit. ür jede vorkommende Arbeit, für Modell, Bau und Möbel, Glaserei, Einrahm. aller Arten Bilder, Schleifen u. a. m. Demminer- straße 4,«. Abraham, Querg. pt. Lassalle-, Marx-, Bebel-, Liebknecht-, Siuger-Köpse. als Cig.-Spitze, echt Meersch., ä 1,50 M. und besser. Wieder- Verkäufer Prozente. 1205 B. Günzol, Brunnenftr. 157. 5«ot sehr lohnenden Uertrleb einer Hpeziaiität in echtem bayrri- scheu Schnupftabak werden Ziir- deringen gesucht. 665 WerrHe Adressen an die Expedition dieses BlatteS unter K. S. 3. öchljst- oerin. Lauge, Retcheubergerst.l??. Allen denen, lichen Mann die meinen nnvergs� Hermann töffler fei semem Begräbniß die letzte" Ehre erwiesen haben, insbesondere oe» r. nassen des 2. Berliner Wahlkreis� dem Verein gewerblicher Hilfsarbctttt' '— m-r—-tf k._ dem Personal der..........„„ Berlin, nnd dem Arbeiter-Bil-- Verein zu Weißensee für die rege A-' theiligung am Grabe und für schönen Blumenspenden meinen fuhltesten Dank. W'ttiwe Marie Löffler, Eltern nnd Geschwister. tiefS� Grabdenitmoler Mllmol', Cyttlii Mü krBlt fertigt zu den solidesten Preise» A. Zabel, __ Schönhauser Allee�_ ÄiniKtiDajtH.�Xä.8�!?. oerw- Frdl. Schläfst, an 2 H. sos- � g?« Köpnickerstr. 79, H. r. 4 At. �__;—- v-r»'- Schlafstelle an einen Herrn zu zum 1. Juni Schiffbaueroamm u'- �4 rechts 4 Tr. bei Ww. Roth. � Eiueklcmerc lauowirtyschasttlcy � schinenfabrik sucht einen 9"te:'.»4 zu drei Drehbänken, deranw terslelle übernehmen kann; einen Schlosser. Schriftliche Ätel�. bei N. Koska, Beneschau Wageulackirer verlangt C. H � Schiffvauerdaun» 19. Verantwortlicher Redakteur:«nrt Paalir in Berlin. Druck nnd Verlag von Max Äading in Berlin SW., Beuthstraße 2.$iere Beamten hätten nicht einmal so viel ivie die iihi fertp!"9,1-' deren Löhne von 160, 180—200 M. seien„gar Z-'HI unfnLr®eIdft zugegeben, es hätten 100 Bergleute(welche Rii« h-c ri-�u hoch ist!) im rheinisch- westfälischen Kohlen- bluffe Lohne gehabt: was will das aver in einer 1.1-, Uber HO 000 Bergleuten bedeute»? Auf 1000 Berg- ti, Nu-,.e i>icht mal ein einziger solchen Lohn! Ehe ich chitofdvix'wirklichen Durchschnittslöhne gebe, seien hier die Zwischen Beainten, Reviersteigern und Bergleuten eiux bth.,,* Abgesehen davon, daß die Thäligkeit des Beamten die lännpr"o leichtere ist, als die des Bergmanns, fällt doch sehr .�obensdauer der Beamten gegenüber derjenigen der Sonitn V" �owicht; denn diese allein bedeutet im Großen und Ä.,«neu höheren Verdienst. Der Prozentsah der Verun- unter den Beamten ist an und für sich schon ver- Fnioei, v>win und um so mehr in Vergleich zu dem- itHioj,,. Bergleute; denn alle Augenblicke können die Zei- «...�ulweder von einzelnen oder Masscnverunglückungen berichten. Auch kommt noch in Betracht, daß die weil sie eine längere Lebensdauer haben, das in die 'M; xMlwkasse eingezahlte Geld vollständig und vielfältig noch n-st„ uoer hinaus als Jnvalidenpension wieder herausbezahlt ®--"gegen kommen die Bergleute selten in die Lage, aus bfj|{(J*ane eine nur der Einzahlung entsprechende Auszahlung i J A"'önnen, weil sie 1) eine kürzere Lebensdauer an und /, Ä schon haben, 2) nicht selten verunglücken und 8) ihrer 9 und geringen Pension wegen so lange als es„noch eben an,~~ Vnö das will schon etwas heißen, denn ein „ �"N stst schon an ein ordentliches Abrackern gewöhnt— ieil-i? kgmännischen(bei Verlust des Anrechts auf die Pension ist n i keinem andern!!) Verdienste nachgehen müssen. Ferner aiyj°�.zu beachten, daß eine längere Levensdaucr für die Be- ijw" kin Lebensgenuß ist, das allerdings nicht von einen» armen Mann behauptet iverden kann. m--kolossale"jl?hkizei,), Dünger für den Garten jc. und nebenbei Tan- sür„den Soll" oder„Ueberförderung" und einer Jahres- Nation für„treue Pflichterfüllung". Es läppert sich da L, ki noch so etwas zusammen. Jedoch die Löhne der Berg- j» ll grinsen„glatt und öfter trostlos" aus den Lohnbüchern dem (|. beiiselben seine„Studien" Machenden entgegen; da läppert o>chts hinzu, im Gegentheil-- k>.,. v>er der Lohn aus den„Lohnbüchern" von 26„Hauern" der ibbg �oncr Bergwcrls-Aklien-Gesellschast aus Atonat März Sun,» Für die Kranken- und Pensionskasse, Stra- fe» der Älrbeilerordnung, Gezähe, Lohnbücher gingen ab i» Summa 164,08 M., so daß die Bergleute ausbezahlt er- hielten 1820,47 M. Diese Summe ist verdient i» 581 Schichten, also un Durchschnitt pro Schicht ca. 3,15 M, vrrlivte».) Ariadne. Skizze von E in i l P e s ch k a u. ��i"klssturin will kein Ende nehmen. Das ist kein das ist ein Toben mit Händen und Füßen, kr und immer wieder muß der Borhang sich heben des Meisters ertönt jubelnd ans tausend %.— c SOn�'l1"6.'st nicht ganz unbekannt in der Stadt. Es öftnz �tles Mannes, der seit einem Meuscheualter eii,Z v"»s wandert und die heranwachse»!»«» • fintf. Echeimilisscn des Klavierspiels vertraut x, ,,n ,Qöci" ist dieser Name ein berühmter, ein ge- ö'icken � Derselbe Name, der nnr mit einem Nicht' euien' höhnischen Lächeln genannt ivurde, wenn - fcbmaiT" Stundengebeii, sondern vom Kompoiiiren l»„t,'kstUl auf Aller Lippen, und dabei glänzen die tex»... �furcht, Freude, Begeisterung sind in allen !>t krsen. Ungläubig, schadenfroh, voll kleiner le E,,t- iu's Theater gekommen. Aber dann gab "Uschi, ug»ach der andern und bald machte sich Diese Rechnung hat deshalb die größte Wahrscheinlichkeit, B_ hat deshalb die der Wahrheit am nächsten zu stehen, für sich, weil stellung 3 wirklich hohe Löhne sich befinden; also fast der dritte Theil der angeführten Löhne; und dieses ist erfahrungsgemäß überall der Fall. Die hohen Löhne sind die der Nr. 5, 9, 10, (deckt sich bezüglich der Schichtenzahl mit Nr. 2), 12, 17, 19, 22 und 25. Sollte es Zechen geben, die höhere Löhne haben, so giebt es dagegen auch Zechen, die niedrigere aufweisen; immerhin ist diese Rechnung gewissermaßen„maßgebend"! Der Herr Filsangel, Chefredakteur der Westfälischen Volkszeitling, jetzt persönlicher Gegner des Delegirten( u n) ivesens, hat nach dem Streik im Mai 1889 eine große Masse Leiblicher erhalten, um daraus eine ivahrheitsgetreue Berechnung aufzustellen. Er würde mich sehr verbinden, wenn er ans den eingelieferten Lohnbüchern, ohne zu lügen, das bitte ich mir aber aus— den von ihm als eine„dninuifrcche Masse" bezeichneten Bergleuten einen höheren Durchschnittslohn nachwiese. So lange dieses nicht geschieht, halte ich vorliegende Berechnung und auch wegen ineiner Erfahrung für richtig. Einige an den Durchschnittslohn von 8,15 geknüpfte Betrachtungen iverden das „Glänzende" der Lage der Bergleute ins rechte Licht stellen. Außer den 32 Sonntagen pro Jahr sind noch zirka 13 Feiertage, an welchen nichts verdient wird. Diese 13 Feiertage absorbiren so ziemlich die 13 Pf. bei den 3 Mark Durchschnittslohn, so daß regelmäßig aus 6 Wochentagen a 3 M. verdient wird; wovon aber der Sonntag sein Theil mit haben muß. Es ergiebt sich also pro Tag 2,57 Mark für den„Dnrchschnittsbergmann". Be- rechnet auf die Nahrung?- und sonstigen Bedarfsverhältnisse ergiebt es ein ganz anderes Bild. 300 Arbeitstage pro Jahr zu 8,13 macht eine Jahreseinnahme von 945 Mark. Eine Durchschnittsbergmannsfainilie besteht aus Mann, Frau und 3 Kinder». Diese haben nöthig: der Bergmann jedes Jahr einen„vollständigen Anzug" und einen vollständigen Grubenanzug, ebenso die Frau einen vollständigen Anzug. Der Anzug des Bergmanns ist bestritten niit 80 Mark, Grubenanzug 20 Mark. Tie Kinder zerreißen in Summa für 90 Mark. Eine solche Familie wohnt nicht unter 120 Mark. Steuern werden nach der 3. Stufe berechnet und betragen im Durchschnitt in Summa 20 Mark. Für Schulbedürfnisse, Arzt und Medikamente, Hebeamme«., Verschleiß an Bettzeug und sonstigen Haushaltnngs- gegenständen in Sumuia 55,00 Mark. Darnach bleiben für die bloße Ernährung noch 500 Mark ans 365 Tage; macht pro Tag 1,37 Mark für»iindestens 3 Mahlzeiten; macht pro Mahlzeit ca. 45 Pfg. aus 5 Personen; macht»Person und Mahlzeit 9Pfg Das ist daö„Glänzende" der Lage, das sind die von den Reptilien schönrednerisch hcransgestrichenen„auskömmlichen" Löhne: 9 Pfennig pro Mahlzeit und das sogar nnr dreimal im Tage. Dabei brauchts nicht des Wunsches„guten Appetit"! Friedrich Bunte. Jahrg. LolrLtles. Innere Mission, Vermehrung der Kirchen und der Geistlichen, Ansprachen geistlicher Kehörden, welche von der Kanzel verlesen werden und Predigten einzelner Geistlichen, welche sich besonders berufen fühlen, gegen den Antichrist anzu- kämpfen, iverden für geeignete Mittel gehalten, dem Ehristenthum diejenigen wiederzuzuführen, welche ihm den Rücken gekehrt haben, und die Lauen, die sich indifferent nach jeder Seite hin verhalten, niit dem rechten Glauben zu erfüllen. Eine tiefe Spaltung geht heute durch unser Volk, auf deren einer Seite stehen die Schwachen, die Unterdrückten, die, deren Kampf um daS tägliche Brod mit der aufgehenden Sonne be- ginnt und deren Elend erst die Schatten der Nacht verbergen; auf der anderen Seite die Mächligen, die, denen kein Genuß an den», was die Erde und das Leben a» Schönheit und Freuden bieten, versagt ist. Und ivie verhalten sich Beide: denn an ihren Früchten wird man sie erkennen. Da tritt ein Mächtiger in öffentlicher Rathsversamuilung auf und lobt die Verräther, '-'■—«-» ff f—_____(SjC' welche sich unter falschem Namen und geheuchelter sinnung an Andere herandrängen, um sie sicher zu verderben, hat denn das alte Sprüchwort:„Vom Verräther frißt kein Rabe" seine Geltung verloren? ein an- derer Mächtiger schilt ebenfalls öffentlich die, durch deren Fleiß alles geschaffen wird, arbeitsscheu, obgleich eS ihm ein Leichtes gewesen wäre, sich, bevor er solchen?lusspruch that, die ernlüdeten Gestalten der von der Arbeit Heimkehrende» zu betrachte»; und Einer, der mit Ehren und Gütern überhäuft worden ist, wirst dem Armen, in dessen Wohnung kann, jc die Sonne scheint, der die Seinen und sich nur nothdürstig kleiden und nähren kann, Begehrlichkeit vor, wenn er nach Besserung seiner Lage ringt! Kommt doch, ihr Männer der inneren Mission, und leset diesen Mächtige» die Bergpredigt Jesu vor und vermahnet sie, zu hau- dein, ivie Jesus es verlangt, und ihr, Ihr Geistliche», gehet doch ebenfalls mit der Bergpredigt zu Jenen Eurer Amtsgenossen, die sich nicht schenen, zu denunzireu, wenn der Freund am Grabe des Freundes ein paar Worte gesprochen hat, und ihr, Ihr Geist- lichen, suhlt Ihr denn nicht den Beruf in Euch, von der Kanzel herab zu reden gegen scne Unternehmer, welche sich verbunden haben, solchen Arvciter» keine Arbeit zu geben, welche als Leiter einer Arbeiterbewegung ausgetreten sind, haben sie doch gethan, wie Jesus geboten hat, sie haben ihr Licht leuchten lassen und sagt Jesus doch nach Evangelium Matthäi Kap. 5 V. 22:„Wer mit seinem Bruder zürnet, der ist des Gc- richts schuldig; iver aber zu seinem Bruder sagt: Racha, der ist des Raths schuldig." Und heißt es nicht wiederum Vers 21 des- cin Umschlag in der Stimmung bemerkbar. Nirgends mehr ein Zischeln, Lächeln, ironisches Zuwinken. Ehrfürchtiges Schweigen, ernste Mienen, da und dort der Ausdruck lebhaften Erstaunens. Und dann Beifallsmurmeln, Klatschen, nach dem großen Finale des ersten Aktes bereits lebhafte Rufe nach dem Kompoinstcii. Doch erst der ziveitc Akt ent- schied den Sieg. Run weiß man, daß der Mann, der vor zwanzig Jahren eine empfindliche Niederlage erlitten und seitdem vergebens an die Pforten der Theater klopfte, von Gott begnadigt ist. Run weiß man, daß der arme Klavier- lehrer, der bisher nur mit der Mühsal des Lebens und den Bitternissen des Vcrkanutseins gekämpft, eine Zukunft voll Glanz und Sonne hat. Ter Sieg ist erkämpft und immer und immer wieder wird der schlanke, graul vckige Manu hcrvorgcjubelt. Seine Gestalt schlvankt, seine Hände zittern und Thräuen schweben in seinen Augen. Man hat den Eindruck, als fände er kaum de» Weg ans d ie Bühne, diente ihm nicht die iugend- liche Primadonna, die Sängerin der„Ariadne" als Führerin. Und sie scheint es mit derselben Begeisterung zu thun, die unter den Zuhörern herrscht. Ihre Wangen sind gcröthet, ihre Augen glänzen und als der Gefeierte die Hand, die ihn lenkt, an seine Lippen ziehen will, läßt sie es nicht gc- selben Kapitels:„Du sollst nicht tödten, wer aber tödtet, der soll des Gerichts schuldig sein." Keine Arbeit mehr geben, heißt aber nichts Anderes als Tödten, zwar nicht mit der Waffe, aber wohl- bewußt qualvoller, durch den Hunger. Und ihr, Ihr Priester, gehet mit der Bergpredigt zu Jenen, die da verbieten, dem Bettler zu geben oder die Frauen und Kinder Derer zu unter- stützen, die das Gesetz getroffen hat. Und hättet Ihr Schrift- gelehrten iveiter nichts gepredigt, als die Bergpredigt, und hättet Euer Leben lang auch darnach gehandelt, so hättet Ihr Großes gethan und Ihr würdet nicht zn klagen brauchen über'Abtrünnige und Laue. Wollet Ihr aber, Ihr Sendboten des Christenthliins, Men- scheu aufsuchen, welche, man kann sagen, gstich selbst unbewußt, täglich, ja stündlich thun, was Jesus in der Bergpredigt ver- langt, so gehet zu Denen, die auf der anderen Seite der Spaltung stehen, zn den Unterdrückte» und Schwachen. Nicht die Hänser Unter den Linden sucht der Bettler auf, er weiß, daß der Vornehme und Reiche kein Almosen für ihn hat, die Hintertreppen in den Arbeitervierteln führen ihn zu Thüren, an welche er nie vergebens zu klopfen braucht. Wer sind denn die stets Hilfsbereiten, wenn in den Straßen ein Unfall sich ereignet, die Damen in seidenen Kleidern und die Herren mit feinen Glaceehandschuhen gewiß nicht! Wer könnte je einer Arbeitervereinigung vorwerfen, daß sie sich ge- brüstet habe mit den Wohlthaten, welche sie den Nothleidendeu erwiesen? Der Vers Matthäi Kap. 6. V. 3:„Wenn Du aber Almosen giebst, so laß Deine linke Hand nicht wissen, was die rechte thut" ist hier Fleisch und Blut geworden. Wie oft hört man doch in Bürgerversammlungen rühmen, ivas Alles für die Armen gethan wird, ganz abgesehen von den Uebertreibungen, entgeht Keinem, daß die Bourgeoisie für sich doch zuerst, und zivar in recht großem Maßstabe sorgt. Mo fehlt's!(Das Nachstehende bildet den Inhalt einer so- eben vom Parteikomitee der sozialdemokratischen Partei der Schweiz ausgegebenen Flugschrift,»velche vollaus verdient, auch hier be- kannt zu werden. Denn die allgemeinen grundsätzlichen Bestre- biingen der Sozialdemokratie sind darii, in klassischer Kürze und Klarheit, populär im besten Sinne des Wortes darlegt.) Arbeiter jeder Art, der Du im Dienste'Anderer stehst oder als Kleinmeister, Kleinhändler, Kleinbauer Dich plagst, ohne mehr als das Nothwendigste zum Lebensunterhalt zu gewinnen, ivas hast Du zu klagen? Was fehlt Dir? Hast Du eine zn kleine Wohnung, oder ist sie nicht freund- lich, nicht gesund genug? Sieh' doch: es ist noch Raum überall. Dir ein Häuschen zu bauen. Es giebt Steine, Holz, Eisen, alles, ivas zu einem Haus- bau gehört, und auch geschickte Arbeiter, die gerne bauen helfen, übergenug im Lande. Wo fehlt's denn, daß Du keine bessere Wohnung hast? Fehlt es Dir an Hausgeräthe, an Betten, Tischen, Schränken, Stühlen, Küchengeräthc», Weißzeug? Sieh' doch, alle Magazine, die solche Dinge feil halten, stecken voll davon und ihre Besitzer irürden gar gerne damit aus- räumen. Fehlt es Dir a» guten, kräftigen Nahrungsmitteln? Auch daran ist heute, wo mau frisches Fleisch von Australien, Weizen aus Indien, Gemüse und Obst aus aller Herren Länder in großen Massen täglich herbeiführt, kein Mangel. Fehlt es Dir und den Deinen an Kleidern? In allen Städten ist Ueberfluß an Tuch und fertigen Klei- dungsstücken. Schneidern und Schustern fehlt es an Arbeit, weil schon zu viel Kleider inid Schuhe unverkauft daliegen. Fehlt es Dir aber vielleicht besonders nur an freier Zeit, wo Du Dich des Lebens freuen, etwas Gutes lesen, in Ge>ellschast sein oder auch nur Dich recht ausruhen könntest? Siehe: auf den Landstraßen wandern Tausende, die gerne arbeiten inöchten und die Dir manche Arbeitsstunde abnehmen könnten, und Hunderttausende haben etwas Arbeit, aber zu wenig, nur hier und da, wenn das Glück ihnen gerade etwas Arbeit zuführt. Oder fehlt eS Dir, Arbeiter, an Freude und Vergnüguiigeu, die daS Leben erheitern? Sieh' doch: Wie viel Schönes bietet nicht die Natur? Wie viel Interessantes giebt es nicht zu sehen und zu hören? Und mit der Eisenbahn kannst Tu ja schnell weil kommen, viel Neues schaue», viel Unierhalteudes aussuchen an allen mögliche» Orten. Arbeiter! Wenn Dir dennoch daS Alles fehlt und nicht mög- lich ist, ,00 heu kommt den» das? Was nur Dein Herz begehren mag: es ist da, im Ueber- flnsse da. Warum kannst Du es nicht genießen? Du, der Du doch mehr arbeitest als die Eeiii'cßcndeii, iind der Du Dich mit den Teiuen oft bis zum Aeußersten anstrengen mußt, nnr um des dürftigsten Lebensunterhaltes willen? Woher die Armuth des Volkes beim Ueberflnsse an Lebens- gütern aller Art, den die Menschheit heute besitzt und der mit leichter Mühe fast ins Uueudliche vermehrt iverden kam,? Nun ja, die Antwort ist leicht. Du giebst sie Dir wohl selber: die Lebensgütcr gehören eben nur den Einen, den Ander» nicht; darum sind die Einen reich, oft übermäßig reich, während die Andern arm sind.— Ja, aber woher kommt das? Wie kommt es, daß den Einen alles z fällt, was erzeugt und herbeigebracht wird, während die Andern für ihre Arbeit nur einen„Lohn" erhallen, eben gros; genug, daß sie davon leben können, wie Du weißt, daß Deines- gleichen lebt? Das wollen wir Dir sagen. schchen, aber sie umfaßt seine Hand mit ihren beiden und preßt sie an ihre Brust. Und von Neuem jubelt das Publikum— dem Meister rollen die Thränen aus den Augen— die Sängerin sieht ihn mit einein Blicke an, der ihn ein langes Leben voll Demüthigung und Entsagung vergessen läßt, als hätte er aus einem Zanberbrunnen getrunken. Er ist wieder jung, wie vor zwanzig Jahren— der Sieg ist da— das Glück ist erkämpft!.... * Mitternacht ist längst vorüber, das Theater liegt wieder still und einsam da, aber das Hotel aus der anderen Seite des großen Plastes ist hell erleuchtet. Da wird der Sieg NUN gefeiert, und immer und immer wieder knallen die Champagncrpfropfen, immer und immer wieder tönt der berühmt gewordene Name aus neuen Reden und Trink- sprücheu. Seit Langem war der Direktor nicht in so guter Laune, wie er es heute ist. Seine Lippen lächeln beständig und seine Augen strahlen. Er ist so vergnügt, daß er den Champagner auch in Strömen herunter regnen ließe, wenn er nicht wüßte, daß man es vorzieht, ihn zu trinken. Das ist einmal ein Erfolg! Auf Monate hinaus volle Häuser! Siehe: alle?, was die Arbeit schafft oder au? den fernsten Ländern herbeibriugt, daZ qehört denen, welche Herren über die Arbeit sind, welche„arbeiten lassen", knrz, den Herren. Und u'arum? Weil sie die Eigenthnmer von alledem sind, was zur Arbeit niithig ist. Wer eine Fabril besitzt und das nöthige Betriebskapital, der kann arbeiten lassen, arbeiten Tag für Tag, vom frühen Morgen bis zum späten Abend— alles, was da von Anderen geschasscn wird, ist sein unbestrittenes Eigcnthum. Wer ein Landgut besitzt, der kann durch die mannigsaltigste Arbeit alles Mögliche daraus hervorbringen lassen, es gehört alles ihm, wenn er wirklich Eigen- thüuicr des Landgutes ist und nicht etwa seine Hypothekargläu- biger faktisch zum größte» Theile Herren desselben sind und des- halb daS Erarbeitete in Form der Zinse ebenfalls zum größten Theile einziehen. Aus nichts ivird nichts. Alle Lebensgnter müssen aus etwas Vorhandenem und mittelst Vorhandenem geschaffen werden durch die Arbeit; wer aber dies bciitzt, auS dem und mit dem man Güter schassen lau», der ist sowohl Herr über die Arbeit, d. h. er bestimmt, ob und was und wie gearbeitet werden dars, als auch Herr des Erarbcilelen, der geschostenen Güter, von Rechts wegen. — Man nennt,»nt einem Fremdworte die Güterbeschaffung Pro- duktioii(vom Lateinische» producere: erzeugen, hervorbringen) und alles das, woraus und womit die Güter beschaffen werden: Prodnltionsunttel. Du wirst nun, werther Leser, begreifen, warum ein ganzer Reichthum, ja Ueberstuß an Lebensg lern vorhanden sein kann, ivährend doch die meisten Menschen Mangel an solchen leiden, d. h. warum dieser Ueberstuß und aller, der noch geschaffen werden könnte, nur den Einen zufällt, den Anderen aber, die doch dabei das Meiste arbeiten, nichts als ein kärglicher Arbeitslohn. Es ist eben desivegen, weil diesen Einen die Produktionsmittel, alle Produktionsmittel, die es giebt, gehören. Du wirst auch be- greisen, warum es von Einzelnen, von verhältnißmäßig Wenigen abhängt, ob Du und Deinesgleichen arbeiten dür en oder nicht, und auch was und wie viel Ihr arbeiten, v. h. Lebensgüter er- zeugen und herbeischaffen dürft; niit anderen Worten: warum Einzelne, Wenige, die Herren über alle Arbeit sind, die gethan wird oder gethan werden könnte. Es ist wiederum des- wegen, weil diese Einzelnen Eigenthümer der Produktions- inittel(Arbeitsgegenstände und Arbeitsmittel) sind. Und nun wirst Du auch erst recht einsehe», wie es kommt, daß Armuth neben dem größten Ueberflusse bestehen bleibt und daß der Ueber- stuß nicht den Entbehrenden zustießt, sondern den Besitzenden. Es gehört iind bleibt eben alle», man mag schaffen so viel man will, immer den Besitzern der Produktionsmittel. Die Anderen müssen vorlieb nehmen mit dem, was ihnen diese für ihre Arbeit geben, und das ist gerade so viel, wie Du wohl kennst. Im dem Privatbesitze einzelner an den Produktionsmittel. auf welcher alle Mensche» zur Gewinnung der für ihren Lebens unterhall nöthigen und föroerliaien Güter von der Natur notl ivendig angetviesen sind, da liegt der Fehler, warum das Bot verhältnißmäßig wenigstens(01t auch in Wirklichkeit), darb während doch heute zeder Bürger iind jede Familie nach de jetzt vorhandenen Mitteln zur Guterbeschaffung im vollsten Wohl stände leben könnte; da liegt der Grund aller nicht selber ver- schulderen Armuth und Dürftigkeit und alles Mangels im Volke überhaupt. Es giebt darum nur ein Mittel der Abhilfe, der wirklichen Lösung der sozialen Frage, und das ist die Ueberführung der Produktionsmittel in den Besitz des gesammten Volkes. Erst wenn das Volk Herr über die ihm in seinein Lande ge- gebenen Prodttklionsmittel sein wird, erst dann wird es auch Herr sein über che Arbeit, die Produktion, und das heißt: sein eigener Herr; erst dann wird, mit anderen Worten, die Arbeit frei sein. Gerade wie die politische Freiheit eines Volkes i» seiner Herrschast, in der Polksherrschait besteht, so besteht auch seine ökonomische Freiheit in seiner ökonomischen Selb»herrschast, resp. Selbstständigkeit. Aber auch dann erst werden die aus und mit den Prodnk- tionsmitteln eines Landes erzeugten Lebensgüter dem ganzen Volke gleichmäßig zukommen können, eben iveil das Volk selber Besitzer der Produktionsmitkel ist, ihm mithin alles gehört, was an Entern aus und mit denselben geschaffen wird. Der Besitz der Produktionsmittel entscheidet über die Herrschaft und das Lebensglück, soweit dieses von materiellen Gütern abhängt. Wer darum die Freiheit des Volkes nnd die allgemeine Volkswohl- fahrt herbeiführen will, der muß dem Volke zum Befitze der Pro- duktionsmittel verhehe». � Das aber ist das politische Streben unserer Partei, sowie Vc' Sozialdemokratie aller Länder. Auf dem ruauarlifch-fonnlen Kougress« der augenblick- lich in Berlin tagt, hielt auch Professor Adolf Wagner eine Rede, der wir, um die Sache in das rechte Licht z. sielten. Folgendes entnehmen. Ter Herr Prosesjor äußerte sich ungefähr in folgender Weise em uns Zu unserer Freude ist es uns gelungen, Männer verschiedener Ircl im Interesse «i*if t-v w»view i|v vv«mv izviimyvii,.viiiiiiiv« vv«) kirchlicher Richtung in diesem Lokal zusammenzubringen. ein autes deichen, daß die Borurtbeile aeaen Einu ist Zeichen, daß die Vorürlheile gegen Einzelne von der gemeinsamen Sache überwunden worden Und welche Reklame! In der ganzen Welt wird sein Name genannt werden als der Entdecker eines neuen Talentes. Wie wird sich der Poliini„fuchsen"!„Hoch! Unser Meister soll leben!" Man sollte es gar nicht glauben, wie gern ein Direktor unter Umständen leben läßt! Aber nicht blas der Direktor, alle Welt lebt im Rausch. Die Sänger sind vergnügt, weil sie dankbare Aollen haben. Der Kapellmeister ist vergnügt, weil es nun auf lange Zeit hinaus keine Proben giebt. Die Journalisten sind ver- gnügt, iveil sie nun einmal nach Herzenslust loben können. Und alle Andern sind vergnügt, weil der Champagner fließt wie Brunnenwasser. Auch der Meister selbst scheint im Himmel zu sein. Das Glück blüht ihm aus den Wangen und lacht ihm aus den Augen. Er sitzt neben der Primadonna, der Sängerin der Ariadne, und iver die erhitzen Gesichter der beiden ficht, ihr Flüstern, ihr Lächeln, ihre Blicke beobachtet, der würde so- fort auf ein Liebespaar rathen, wüßte er nicht, daß es Meister und Apostel, Komponist und Sängerin, die der Abend des gememschaftlichcn Erfolges zusammengeführt. Ein neuer Trinkspruch— neuer Jubel. Der Meister achtet nicht darauf. Seine Augen hänge» an dem reizenden Gesicht seiner Nachbarin, er hört nur die süßen Schmeichel- worte von ihren Lippen. Nicht blos die Zeit der Demüthi- gung und Entsagung ist vergessen, auch der Erfolg liegt hinter ihm>vie ein Traum. Was er sieht, ist nur der Liebesblick in ihren Augen, nnd der Frühling kommt über ihn mit seiner berauschenden Macht— er ist wieder jung wie vor zwanzig Jahren, und das Glück ist erkämpft— das einzige Glück, das es giebt. Und wie er so in ihr schönes, blühendes Gesicht schaut, beugt sie sich plötzlich zu iym nieder und legt ihre Lippen an sein Ohr. So nah, daß ihr Haar das seine berührt, daß es ihn mit Wonne durchschauert, als hätte er einen Kuß empfangen... Die Champagnerpfropfen knallen, neues Hoch und neuer Jubel, aber er Hort nichts mehr. Er hört nichts, als das Eine, was sie ihm leise und doch auch jubelnd in's Ohr sagt... sind. Die Dinge, die uns beschäftigen, sollen verhandelt werden im evangelisch-kirchlichen Geiste, aber sie haben auch eine fachmissenschastliche, rechtliche und wirthschaftliche Seite. Diese muß in den Vordergrund gestellt werden, das Ganze aber muß der christliche Geist durchdringen. Wir wallen uns auch nicht in einen feindlichen Gegensatz geaen die große Schwesterkirche brin- gen. Die katholische Kirche kann uns in manchen Dingen als Muster dienen. Was sie durch ihre Geistlichen, u. A. Ketteler und Hitze geleistet hat, verdient manche Anerkennung. Betonen wir mehr das Einigende, als das, was uns trennt. Wir sieben der Sphinx der sozialen Frage gegenüber. Vor dem Ausdruck„Lösung der sozialen Frage" muß ich warnen. Zu lösen ist sie nicht. Das würde voraussetzen, daß die Menschen etwas Höheres und Besseres wären als sie sind. Das ist das Verhängniß der Sozialdemokratie, daß sie wähnt, durch eine andere wirthschaftliche Ordnung die Menschen anders machen zu können. Es kann sich nur darum handeln, unsere Sünden zu bekennen und zu bekämpfen. Wir können die soziale Frage nicht lösen, aber Manches bessern. Unser Kampf gelte nicht blos der Sozialdemo- kratie, sondern auch den Sünden und Schwächen der besitzenden und wohlhabenden Klassen. Die Sozialdemokratie ist nicht blos ein Produkt der Agitation, sondern auch unserer wirthschaftlichen Verhältnisse, nicht zum Wenigsten der Sünden der wohlhabenden, gebilseien Klassen. Der Standpunkt des freien wirthschaftlichen Lebens mit seinem Egoismus ist auch von der Regierung verlassen; auch unsere Staat?regier»ng fragt jetzt, wann, wo und wie die Staatsgewalt in das wirthschaftliche Leben eingreifen kann, soll und muß. In weiten Kreisen herrscht noch Furcht vor dem Wesen, dem Wort und dem Begriff des Sozialismus. Aber er ist schon in Schutz genommen in den Motiven zur Unfallversicherung und der Bolschaft Kaiser Wilhelms 1. Leider ist man nicht auf allen Ge- bieten fortgeschritten, insbesondere nicht auf dem Felde des Ar- beiterschutzes. Aber auch das soll jetzt anders werden. Eine andere Anregung der Sozialdemokratie, nämlich die internationale Regelung gewisser Fragen, ist jetzt Regierungs-Programm ge- worden. W r Deutsche» können stolz darauf sein, daß unser Kaiser als Pionier für die ganze Welt vorgeht. Wem die So- zialbemokraten uns sagen:„Wir bleiben dennoch auf unserem Standpunkte", so rufen wir ihnen entgegen die Worte eines Mannes, der sich mit dem ersten der Sozialdemokraten messen kann:„Mit Pflastersteine», Petroleum ung Streiks löst man die soziale Frage nicht!" Und wenn Konservativ heißt Erhalten alles alten Plunders, dann giebt es nichts antikonservativeres als die soziale ij�ge. Wenn es aber Anschluß der unteren Volks- klasse�an die Staatsgewalt heißt, dann ist nichts konservativer aj�vie soziale Frage.— Redner wurde wiederholt durch Beifall nterbrochen. Dna„Kleine Journal" bringt in seiner vorgestrigen Nummer einen Bericht über eine Konferenz, die zwischen dem Mitglieds der Lokalkommission Wilhelm Werner, dem Reichstags- abgeordneten Paul Singer einerseits, und den Brauereidirektoren Rösike und Golbschmidt andererseits stattgefunden hat. Die in dem betreffenden Artikel mitgetheilte Thatsache, daß sämmtliche Brauereien den von den Brauern gestellten Forderungen bezüg- lich de- Vorschlages Rüsicke nachgegeben hätten, bedarf insofern der Richtigstellung, als den obengenannten Vertretern der Arbeiter bisher noch keine Mittheilung über das thatsächliche Nachgeben der Brauereien zugegangen ist. Das Verhältniß mit Bezug aus den Boykott der Brauereien ist daher bis jetzt das alte geblieben. Etwaige Aenderungen werden den Arbeitern ausschließlich durch das„Berliner Volkeblatt" bekannt gegeben. Menn drr Mai für Kerlin und nüchfte Umgebung iu diesem Jahre wenig vier gar keine Maikäfer brachte, so dafür ein Heer ebenso häßlicher als schädlicher Raupen, von denen die des Eichenränklers und Prozesffonsspinners dem Eichen- bestände im Thiergarten und an anderen Orten durch Aufzehren de? Landes sehr schädlich werden, während Rosenblattwickter nnd Blüthenstecher die Entwickelung der Rosen in Frage stellen, von denen ItoL» pvimpinelipolia, die kleine zierliche dibarnellblätte- rige Rose, am Wilhetinplatze schon seit mehreren Tagen in voller Bliithe steht. Neben dem würzigen Kalmus fehlte diesmal das sonst zu Pfingsten altgemein übliche Fliederbonquet, da der Flieder bereits vor Mitte Mai abgeblüht hatte. Ebenso verdient verzeichnet z» werden, daß Anno 1890 zu Pfingsten die Akazien in vollster Bliithe standen, der Jasminstrauch bereits seinen be- täubenden Blüthendust ausströmte, der schwarze Traubenholluiider seine telJerchrmigen weiße» Blüthentrauben präsentirte und die ersten Blüthen der großblätterigen Linde sich öffneten. I vorigen Jahre erblühten hier als erste Akazien die am Garten der Eharitee in der Louisen»raße am 9710. Juni, diesmal am 19720. Mai. Die Felder berechtigen hinsichtlich des Standes sowohl des Winter- als Sommergetreides zu den schönsten Hoff- uungen auf eine ergiebige Ernte, vo> Kornblumen, Raden, Ritter- sporn und Klatschmohn bunt durchwein. Das Frühlings- und Sommer-Adoitisröschen erblüht jetzt zugleich. Im fetten Weizen- jelde schlägt die muntere Wachtel. Zu de» Ufiugftfriertnge» strebt der Großstädter mehr als an allen anderen Tagen im Jahr hinaus ins Freie, und dieses Streben wurde diesmal durch das herrlichste Wetter begünstigt, weil die heißen Strahlen der Sonne durch einen frischen Nord- ivest, der am zweiten Tage allerdings zuweilen etwas unange- nehm kühl tvurde, gemildert waren. Es ivird über den noch folgendes Bild entworfen: Die Entvölkerung Ber gann schon am Freitag mit den Reisen nach außerhalb und' am Sonnabend ganz außerordentliche Ausdehnung an. Estm ---- W~ W<* VI£1010*01? 21% auf Extrazüge wurden von IVII&Vtll VVJI VlUVt« V Vl V'1----«ItIPRl rollendem Material zu fehlen, und die Reisenden wurden«• eingeladen, im Viehwagen Platz zu nehmen. Vom«u Bahnhofe wollten Sonnabend Abend mehr als 3000 "--- 1-' h'- und es entt°t-w als eine Schlags altein nach Stettin, Swinemünde zc. fahren, sich auf dem Perron beim Einsteigen mehr ms Die Weiber schrieen, die Männer schalten, die Wagen uberst sich im Nu. Glücklich schätzte sich, wer unverivundet ttm■' Der Verkehr nach den Vororten überschritt an de»»e Pffngstseiertagen alles bisher Dagewesene. Früh* strömte schon ein großer Theil der Berliner na« Vergnügungslokalen zu den Frühkonzerten. Eine Stunde 1�.. ergoß sich der Strom der Anszügler auf die®7'v. Jeder ankommende Zug wurde im Sturm besetzt, und„ war eine Verminderung der die Bahnsteige erfüllenden-o'H. nicht zu verspüren. Auf dem Potsdamer und Anhalter B#/ sind an jedem Feiertage über 20 Extrazüge abgelassen wo j Der an jedem y-eimoge uoer zu ixxirazuge aogewii<.»-, vom Schlesischen Bahnhof abgehenden eingelegten Zuge w-.' 1 viel mehr. Der Vormittagsverkehr ging in der 1 den östlichen Vororten: Köpenick, Friedrichshagen, Ern- Rüdersdorf einerseits und Johannisthal- Grünau nndereffa� Auf Bahnhof„Friedrichstraße" waren von Mittag ab die von Hunderten umlagert. Mancher hat erst nach einemy« r-;-""hrkarte gelöst. Ter Grunewald w' am isruueivaioiee uno oer lriinime» vmue tmuuuu imufw»,—, waren alle Wege mit fröhlichen Schaaren bedeckt. Vom f* damer Bahnhos fuhren öfter Trains bis zu 20 Wagen aus s' Halle. Alle Lokale bis nach Zehlendorf waren bis aus den leh Platz besetzt. Die Dampfstraßenbahn von Lichterfelde über ö, hos nach Teltow reichte als Beförderungsmittel nicht aus. Machnow, der etwa 20 Minuten von Zehlendors entfernte reize gelegene Flecken mit seinen schönen am See gelegenen u geebneten Laubwegen schien mehr vom besseren Publikum. sucht zu sein. Wannsee erfreute sich eines außerordeo. lich starken Andranges. Die weite Wasserfläche wimmelte". Fahrzeugen aller Art. Die stolze Segelyacht strich günstigen Brise schlank an den Miethsbooten vorbei. Die gesellschaft" brachte mit ihren Dampfern Tausende nach den° Wannsee baelegenen Lokalen, wo recht fröhliches Treiben henlM Der Wald hallte wider von frohem Gesänge und freudigen W'' der zum Sviel vereinigten Gesellschaften. Etwas unangen�., wurde die Rückkehr. Schon gegen 7 Uhr Abends füllten ff* 1 nach Berlin zurückkehrenden Züge. Als die Dunkelheit hereinbr� entstand besonders auf den der Stadt näher gelegenen Statw" ---—-- m-r �'-V-■»(.„„anerii')1, Es dämmert bereits. Schwankend, wie ein Trunkener, schreitet der Meister durch die stillen Straßen. Endlich hält er an. Das Schloß knarrt, der Thorflügel öffnet und schließt sich ächzend. Tann geht eS langsam die dunklen Treppen hinauf. Oben aber muß Licht sein. Die Treppen werden Heller und Heller— und dann kommt die letzte Krümmung— der Vorplatz— ja, da steht eine Lampe. Und bei ihrem Schein sieht man, daß die Wohnungsthüre festlich geschmückt ist. Gnirlanden und Tannengrün und Rosen umranken sie und darüber prangt die Aufschrift:„Ariadne." Der Meister bleibt stehen und jetzt ist sein Gesicht starr, bleich ivie das eines Todtkranken, in seinen Augenjliegt es wie thränenlose Nacht und seine Lippen zucken bitter. „Ariadne," murmelt er, Ariadne!" Dann öffnet sich die Thüre und eine Frau tritt heraus, um ihn zu begrüßen. Sie bat Thränen iu den Augen, aber ihr Gesicht strahlt vor Freude. „Danke, danke, Frau Lenthold," stammelt der Meister. „Ich kann nicht sprechen— ich muß Ruhe haben." Bor der Thür seines Zimtners angelangt, wendet er sich aber nochmals um. „Frau Lenthold," sagte er,„ich werde nun viel Geld bekommen. Für mich kommt's zu spät— aber Ihr Junge — der Friy— er soll studiren— ich will für ihn sorgen." Die Fran schreit auf; doch der Meister winkt ab mehrend, und dann verschwindet er in seinem Zimmer, schließt die Thüre und schiebt den Riegel vor. Drüben, hinter den grauen, herbstlichen Hügeln geht jetzt die Sonne auf, und ihr bleicher Glanz fällt in die enge Stube, als wollte sie den ärmlichen Hausrath in Decken hüllen von lauterem Gold. Ter Meister hat keine Freude daran, er sieht es nicht. Er sinkt ans den Stuhl, der vor dem Klavier steht, und birgt den Kopf in den Händen. Nnd dann kommt alles wieder wie ein Traum. Nicht !das lange Leben voll einsamer, unaedankter Arbeit, die I lange Zeit, die sein Haar grau gefärbt hat. Erst die Zeitz 1 wo es schien, als sollte sich alles wenden. Die crwartungs von allen unendlicher Länge und ungeheurer � � Bahnhöfen abgelassen. Es Halensee, Schmargendorf und Wilmersdorf ein öst lebensg-. liches Gedr.mge. Die Wagenabtheilungen der Züge waren. Nu überfüllt. Wer ohne„Havarie" davonkam, konnte von sagen. Das Mindeste, was verloren ging, war eine Schleife 0. ein paar Knöpfe. Viele konnten gar nicht beordert werden mußten, nachdem der letzte Zug abgegangen, sehen, wie I'k tz uß ihr Heim erreichten. In die Extra-Aororts-züge waren Viehwagen eingereiht, welche gedrückt voll waren. Die in diä, Wagen herrschende Atmosphäre erschwerte in hohem Maße � Athmen und man war froh, wenn man den„Schweißkasten"," j das„Dampfbad", wie diese Art Wagen gestern vieljach genn»" wurden, verlassen konnte..> Die Zahl der beurlaubten Zaldaten, welche die feiertags in Berlin zubrachten, war eine recht eryebliche, JL man bereits am Donnerstage bei den hier namentlich vom PS her einlausenden Zügen wahrnehmen konnte. Die Urlaul der nach Berlin beurlaubten Soldaten enthielten auf der seile ein Verzeichniß von 20 hiesigen Schankwirthschas ten,■ Besuch den Soldaten verboten ist. Nach einein vom Ariille? s Regiment Nr. 18 zu Frankfurt a. O. ausgestellten Passe sind? die folgenden: Salzwedell, Klosterstr. 33, Guiara, Weberstr. Kubath, Prinzenstr. 85, Zirke, Gitschinerstr. 73, Muchow, H'n Haide 35, Lindenvorn, Gneisenaustr. 17, Schwarz, Blumeui�rn Schneider, Flottwell str. 6, Wittich, Thurmstr. 42a, Funcke, Anw, straße 40, Kreuz, Admiralstr. 40, Rüsler, Elisabethftr. I6. —--™—----- SyJjlW im i un-.-. m 40, Rusler, Elisabethstr. Mttan, Wienerin:. 31, Varrel, Brunnenstr. 145, Steinte, ,, Itrape 7, Gnadt, Brunnenstr. 38, Voß, Rathenowerslr. 0, 9% Alexander, ir. 117, Hansen, Berginannstr. 10, Recke, SeipÄ strape 59, Henke, SM"—-..... SUeranberiir. 117,.yuuicu, otigiuwuiiitv.&& straße 59, Henke, Blumenstr. 38, Frau, Nürnberg, Autlamerp;(i Ricke, Tempelhof, Berlinerstr. 9, Ammer, Heunstr. 1, A-er> _. J.*• w. rVV»..* j.<_. fY ÖK. Heim ffr. 2 nnd Hertel, Zirkustunnel in der Äarkthallensttaße- Uor geraumer Zeit machte» wir auf die GefnjP.. aufmerksam, welche durch die Nähe der Wasserwerke am Iftiier Thor und der Abladeplätze an der Stralauer Chaussee tz.. Gesundheit der Bevölkerung erwachsen. Wäre doch ein»1% liehet Zusammenhang zwischen der Typhus-Epidemie im Cr* Berlins im Beginn des vorigen Jahres und dieser Nachbarsdr nicht unbedingt von der Hand zu weisen. Soweit es angänM würde durch Zudecken der Reservoirs und durch Beschleunig*' r»» sfriipitpn«n den neuen Wasserwerken am Müggelsee dNI,. Das sicherste Mittel aber ist und bleibt d der Arbeiten an Gefahren vorgebeugt volle, aufregende Zeit der Proben— wie sie ihm täg� lieber und lieber wurde— und wie dann jeder Gedanke � Erfolg eigentlich nur mehr der Gedanke an sie war. u' dann der Abend der Aufführnng— wie begeistert sie* — wie sie seine Hand an ihre Brust preßte— wie sie da» bei geschlossenem Vorhang weinend in seine Arme sA. Was er längst gehofft, wußte er jetzt— daß es nicht vi das Interesse an ihrer Rolle, an seinem Werke war,#n in ihr lebte— daß sich ihr Herz iym zugewandt habe 0a und gar. � So träumt er weiter und nun zuckt ein grausam � Lächeln um seine Lippen. Er hört das Knallen der Eha>' pagnerpfropfen— er sieht in ihr aufgeregtes Gesicht ihre freudeglänzenden— nein, ihre verliebten Augen. schön sie ist, wie ihn das Glück nun durchschauert, einzige Glück, das es giebt!" Und nun neigt sie sich ZU»v — ihr heißer Athem berauscht ihn— ihre Lippen berühr. sein Ohr. Nnd so flüstert sie es ihm zu— geyeimntpvv lächelnd— in glückseligem Ton— als machte sie ihm kostbarste Geschenk des Abends: „Sie sollen der erste sein, der es erfährt. Heute der Vorstellung habe ich einen Brief von meinem Verlobte Lieutenant von Berkow erhalten— seine Eltern willigt ein— Ihre Ariadne war die letzte Rolle, die ich Ö Mädchen sang.", Der Traum ist zu Ende. Er weiß nun, daß er yra, Haare hat und daß er„das einzige Glück, das es gtebl< nicht mehr erkämpfen wird.. So sitzt er, den Kopf in den Händen vergraben, bis.. den späten Morgen hinein. Bis alles glänzt und gicm von dem Gold der Sonne, bis Frau Leutholv klopft u> endlich die Thüre öffnet.,... Und dann schließt er mit einer Leidenschaft, die sich harmlose Frau nicht zu erklären vermag, ihren Jungen seine Arme und küßt ihn wieder und wieder. „Du sollst es besser haben als ich, Fritz," sagt er da�' mit bebender Stimme,„Du sollst es besser haben... � Du bist ja noch jung!... s-äi roi neu wei Ja, br« icl- hei das ber Ul'l A> serniinq aller S SLtÄ; welch' Stadt. MM .' i- w. entfptec&c b': «i der .me in sich bergen, Inrc si dies in hoffentlich wird, deutet der des. ftägtischi P : 1-408— 89.m Jahrxz Iä® es- 1 h,. bi i der jcften hin icrn das . seit dem n adeplätzo für tesige Verkehr, ib't entivickelt hat. ungsberichts wurden folgende ent- Dezember 1887 Müll, Kehricht der sich schon Nach Aus während des igewiim Bericht 49 736 Fuhren Unrath nach den es ergab sich aus der Verwaltung der von 7641 M. Man darf sich aber, so weiter, der Täuschung nicht hingeben, Unternehmen die Aufgabe, für die Unterbringung noe ausreichenden Raum J" Miiffpn„ollständia ....... In um»ä r.-�auge ausreicyenven Raum zu schaffen, vollständig tu die Dauer gelöst ist. In der kurzen Zeit von sechszehn ■> i m-i l gcuifi i|t. oer rurzen vuu loamjcy» ■uenntr|lttl, 60 m Fuhren auf die Abladeplätze mit einem „'�nraum von zusammen 21 Morgen gebracht worden. Die d-i derselben wird von Jahr zu Jahr steige», eine Wie- tMitmug der gelagerten Stoffe, um neuer Zufuhr Platz zu sjuMM würde sehr erhebliche Geldopfer erfordern und so wirb ,.;lc9 keine andere Lösung übrig bleiben, als die Erwerbung de»" ,!eJn der Stadt gelegenen, auf Jahrzehnte ausreichen- Abladeplatzes, nach welchem sämmtliche, nicht durch die -''I itw» entfernte Abgangsstoffe der Stadt auf dem Wasser ' transvortirt werden. T** Rüdersdorf wird uns berichtet, daß daselbst während ,'-«ViCtt Pllt iitv «Neger ein Theil des dortigen Kriegervereius zur Nieder der Sozialdemokratie konsignirt war. Die tapferen hielten bei Freibier Wache. Sie hatten ihre Geschütze UM sii V'-'«" un omuiei xjsatnu.«ic mmcu mit i.'liirenisbüchsen bei sich und sollen schließlich noch für ihre .s�waltung je drei Mark erhalten haben. Auf dem Aufsichts- in den Kalkbergen hat während des Tages ein Doppel- der Rüdersdorf vor dem Ansturm der Berliner Demokraten retten sollte.— Zur Belustigung derjenigen g�#anb«n, rifi'm"' von Berlin gekommen waren, sollen diese kriege- >�ei> Vorbereitungen nicht wenig beigetragen haben. Lampenlicht den Kindern das Ballspiel im Zimmer zu rix' diese Unsitte hat sich gestern Abend schwer gerächt. Als s™ vaz in der Kaiserstraße 4 bei einer dortigen Herrschaft in '"si stehende Mädchen D. allein mit de» Kindern befand, flog -.. luch der Ball mit solcher Wucht gegen die Lampe, daß die- umfiel und sich der Inhalt über die am Tische sitzende D. StfuS' �cren Kleider sofort zu brennen ansingen. Infolge des i'Bstgeschreis des Mädchens eilten zufällig anwesende Personen .-rvei, welche die D. mit nassen Tüchern bedeckten und die Mtmnen erstickten. Jedoch hat die Unglückliche derartig schwere M�.unden auT der Brust und an den Händee erlitten, daß w Hinzuziehung einis Arztes unverzüglich zu ihrer Ueber- l'yrung nach dein städtischen Krankenhause am Friedrichshain %'ch�" werden mußte. Der Zustand der D. ist ein be- ,. Zu restognosziren ist eine unbekannte Irrsinnige, welche scheinend mit ihrer Fanulie auf einem VergnügungSausfluge c? zweiten Pfingstfeiertage nach Friedrichshagen gekommen tind '.-9 dort der Obhut der Ihrigen entzogen hat. Die etwa 30jäh- -�.Person, welche sich derart auffallend betrug, daß sie schon Interesse der öffentlichen Sicherheit verHaftel werden mußte, dunte sich Hankwitz aus Berlin, vermochte jedoch nähere An- ?dden nicht zu mache». Die Geistesgestörte, welche von Tob- wchtsanfällen heimgesucht wurde, ist gestern Abend nach Berlin wansnortirt worden. . Ein größerer Waldbrand wüthete am ersten Feiertag in «er Gegeno von Bergieloe-Borgsdori. Die Ursache des Brandes dt noch nicht aufgeklart, doch nimmt man an, daß er durch das ibortwersen von breunenden Streichhölzern entstanden. Trotzdem dlle.Torsbewohner zum Löschen herbeieilten, war es nicht zu oerhindern, daß eine vier Morgen große Schonung abbrannte. 1. Zahlreiche JlnfälU werden auch vom gestrigen,„dritten Feierlage" gemeldet: Im Müggelsee ertrank ein unbekannter »»iger Mann, welcher in der Nahe der städtischen Wasserwerke jtoet«; ebenfalls beim Baden ertrank in einem am Marzahner g-'ege belegenen See der in Friedrichsfelde wohnhafte Maler S. derselbe ivar zu iveit in den See geschwommen und dort unter- Gegangen; seine Leiche ist bereits aufgesunden worden. Durch o>e Explosion eines mit Wassergas gefüllten Ballons erlitten ein Herr und fein vierjähriges Töchterchen in Treptow und eben da- selbst ein zwölffähriger Knabe beim Entzünden einer Platzpatrone Brandwunden iin Gesicht bezw. an den Händen. Durch eine �chnufet wurde in einem Gartenlokal von Reinickendorf ein Mädchen erheblich verletzt; die Kleine lief an einer besetzten Schaukel vorüber lind wurde von dem Kasten mit solcher Gewalt «P Kopse getroffen, daß sie besinnungslos niedersank und M schwerer Kopfwunde nach Berlin überführt werden mußte. Buch in Schildhorn ist, wie nachträglich berichtet wird, ?m, zweiten Feiertag ein Boot mit sieben Personen, orer Herren und vier Dame», gekentert. Die Boots- Massen hatten, um sich von den Wellen schaukeln zu lassen, an einen vorüberfahrenden Vcrgnllgungsdampser herangerudert und °er starke Wellenschlag hatte das leichte Fahrzeug zum Kentern Gebracht. Durch herbeieilende Fahrzeuge konnten die ins Waffer Gesallenen Personen glücklicherweise noch gerettet werden.— Aus ueharlottenburg wird ein Unfall gemeldet, welcher sich dort am ersten Feiertag Abends zutrug: An der Rosinen- und Berliner- Nraßen-Ecke löste sich das Rad eines schnell dahinfahrenden Breaks los. durch den kolossaien Ruck der auf den Boden stoßen- °en Achse stet der Führer des Gefährts, ein Bankier B. aus Berlin, vom Wagen und zwar so unglücklich, daß er unter das ■jfferö zu liegen kam. Die Verletzungen, weiche der Verunglückte ii M waren glücklicherweise nur leichterer Natur.— Zu dem emglücksfalle, welcher sich, wie gemeldet» am zweiten Feiertag aus dem Seddiner See, nahe Kentzin, ereignete, meldet eine heesige Lokalkorrespondenz nachträglich, daß nur zwei Grenadiere ysutzmann und Weseldorf), sowie ein Dienstmädchen ertr»mken stnd; die andern beiden Soldaten und das zweite Mädchen ? wurden gerettet... . Ein Leichenfledderer wurde vorgestern Nachmittag in der fenhaide dingfest gemacht. Am ersten Pfingstfeiertage war ven, Arbeiter P. aus Rixdorf, als er aus der vor seinem Hause „Endlichen Steiutreppe eingeschlafen war, seine silberne Taschen- uhr nebst Kette, sowie das Portemonnaie mit etwa 40 Mark Mhalt gestohlen worden. Am zweiten Feiertage nun besuchte er Bestohleue mit seiner Familie ein Vergnügungslokal der Hasenhaide; dort bemerkte er einen jungen Menschen, der die gestohlene Uhr hervorzog und einem seiner Begleiter zeigte. In «m so>ort durch einen Schutzmann Verhafteten wurde der Mchlergeselle E. rekognoszirt, welcher auch zugestand, den P. .eraubt zu haben. Der Leichenfledderer wurde daraufhin t« das eiutersuasungsgefängniß eingeliefert. f.. In» Walser gefallen. Aus der Oranienbrücke tummelten sich heule Vormittag mehrere Knaben und turnten am Geländer «er Brücke. Plötzlich fiel einer derselben, im Alter von etwa . siahren, über das Geländer hinweg in die Spree. Ein geradr �herkommender Schiffer sprang dem Knaben sofort nach, er- weichte ihn auch glücklich und brachte ihn unversehrt ans Land. Eine„feinr Dame" wurde vorgestern in der Droschke verhaftet. Die Kriminalpolizei fahndete seit längerer Zeit aus «siee anscheinend sehr routinirte Hochstaplerin, welche eine bewegte Vergangenheit hinter sich haben muß und unter den verschiedensten trat. enden Namen hier zahllose Schwindeleien verübt hatte. M waren nämlich vor einiger Zeit mehrfach Anzeigen bei der s, Ilgen Kriminalpolizei eingelaufen, wonach ,n einem Falle ein siehrer um 4000 M., in einem andern Falle ein Student, m einem selten ein Baumeister:c. um ebenfalls erheblichere Summen von euer in den 30er Jahren stehenden,' hocheleganten und respektabel Aussehenden Dame geprellt worden waren, welche sich bald„Frau o'ch Reimann geb. v. Rheinbaben", bald„Baronin v. Rheinbaben v. d. Marwitz", bald„Frau Dr. Hoffhaus" u. s. w. nannte, in Wirklichkeit aber Elise Meier heißt. Diese Person, welche sich auch sonst ihren Liebhabern interessant zu machen wußte, hat den letzteren unter dm verschiedenartigsten Vorwänden Gelder abgeschwindelt, welche diese zweifelsohne nicht gezahlt haben würden, wenn sie gewußt hätten, daß die Pseudo- Baronin:c. früher— unter sittenpolizeilicher Kontrole gestanden und wegen Diebstahls, Betruges und Unterschlagung wiederholt Strafen ab- gebüßt hat. Aber auch von Geschäftsleuten waren Strafanzeigen eingelaufen, und auch hier wiesen alle näheren Angaben und Unfftände auf dieselbe Hochstaplerin, deren man gestern endlich habhaft wurde. Eine Zeit lang war dieselbe nämlich vom Schauplatze ihrer Thätigkeit verschwunden; wie sich herausgestellt, hat sie inzwischen England„bereist". Stach ihrer vor einigen Tagen erfolgten Rückkehr von dort sah sie vorgestern ein Kri- minalwachtmeister in einer Droschke und veranlaßte sofort die Verhaftung der so gesuchten Dame. Die Verhaftete leugnet natürlich die ihr zur Last gelegten Schwindeleien; indeß dürfte die eingeleitete Untersuchung ihre Schuld und zugleich recht in- teressante Details ihres hiesigen Treibens zu Tage fördern. Der Skat i» der offenen Droschke ist jedenfalls dem Skat im Elsenbahnkoupee noch„über"! Am dritten Pfingstseier- tage sah man eine offene Droschke zweiter Güte im bekannten Fahrtempo durch die Straßen Berlins sich schlängeln. Um die Fahrt etwas amüsanter zu gestalten und die lange Zeit etwas zu verkürzen, wußten die Insassen der Droschke, drei Männlein und ein Fräulein, augenscheinlich nichts Besseres zu thun, als einen gemüthlichen Skat zu dreschen. Das Fräulein betheiligte sich als „vierter Mann" wacker an dem Spiele! Begreiflicherweise erregte diese in den Straßen Berlins noch neue Erscheinung vielfach Auf- sehen und Heiterkeit, besondere Würdigung aber bei allen zünf- tigen Skatbrüdern und-Schwestern. Dolizeibericht. Am 26. d. M. Abends wurde ein Mann in seiner Wohnung in der Landsberger Allee erhängt vorge- funden.— Zu derselben Zeit wurde ein 12jähriges Mädchen im Garten des Restaurants„Zur Lehmkute" auf Kriegersselde, als es nach Benutzung einer Schaukel den dieselbe umschließenden Raum verließ, von der daneben angebrachten in Bewegung be- sindlichen zweiten Schaukel erfaßt und niedergestoßen. Das Mädchen erlitt hierbei, außer einer Verletzung der Lunge, einen Bruch des linken Oberschenkels.— Am 27. d. Mts. Vormittags siel euier Frau vom Dache des Hauses Landsbergerstr. TO ein Dachstein auf den Kopf, wodurch sie eine so bedeutende Ber- letzung erlitt, daß sie nach dem Krankenhause am Friedrichshain gebracht werden mußte.— Zu derselben Zeit wurde im Hum- boldthain, gegenüber der Adler-Brauerei, ein Mann erhängt vor- gefunden.— Mittags wurde ein Sjähriaer Knabe vor dem Hause Weberstr. 61 von einer Droschke überfahren und erlitt einen Bruch des linken Armes.— Abends warf ein 6 jähriger Knabe in der Wohnung seiner Eltern, Saiserstr. 4, beim Spielen mit einem Ball eine brennende Petroleumlampe vom Konsolvrett herunter, so daß das aus dem zerbrochenen Behälter ausfließende Petroleum sich entzündete und über den Fußboden ergoß. Bei den sofort angestellten Löschversuchen kam das Dienstmädchen mit ihren Kleidern der Flamme zu nahe, so daß dieselben in Brand geriethen. Das Mädchen erlitt dabei so schwere Brandwunden, daß es nach dem Krankenhause am Friedrich? Hain gebracht werden mußte. Auch ein zur Hülfeleislung herbeigeeilter Schutzmann hat ich bei den Löschversuchen nicht unbedeutende Brandwunden an er rechten Hand zugezogen.— Am 27. d. M. fanden an zwei Stellen kleinere Brände statt. Dafj die Einfahrten zu den Haupt-Do stämtern ihres außerordentlich regen Verkehrs wegen für Fußgänger höchst ge- fährliche Stellen sind, bewies wiederum eine Verhandlung, welche gestern vor der I. Strafkammer des Landgerichts I stattfand. Ter Kaufmann Prager ging an einem Apriltage des vorigen Jahres durch die Kronenstraße. Im Begriffe, den Bürgersteig vor der Einfahrt des dortigen Postamtes zu überschreiten, wurde er von einem hochbeladenen Handkarren, der gleichzeitig von der Straße aus in die Einfahrt geschoben wurde, umgestoßen. Prager fiel gegen einen Prellstein und wurde im nächsten Augenblick von dem Wagen über das linke Bein gefahren, welches dadurch einen schweren Bruch erlitt. Ter Verunglückte hat noch heute an den Folgen zu leiden. Der Führer des Wagens, der Hausdiener- Friedrich H e i n tz e stand gestern wegen fahrlässiger Körnerverletzung vor Gericht. Er führte zu seiner Ent- schuldigung an, daß er laut angerufen habe, bevor er vom Damme aus auf den Vürgersteig fuhr, da der Wagen schwer war und eine Steigung von über einen Fuß zu überwinden war, so mußte er mit einer gewissen Vehemenz fahren und behufs größerer Kraftaufwendung eine gebückte Stellung an- nehmen, sodaß er außer Stande war, die Strecke vor seinem Wagen zu übersehen. Ter Vertheidiger wies noch darauf hin, daß ein Jeder die Pflicht habe, beim Vorübergehen an einer solchen Einfahrt die Augen nach rechts und nach links zu werfen, die vielen aus dem Posthofe kommenden Wagen, deren Führer das Publikum nicht anzurufen pflegen, machten schon eine be- sondere Vorsicht nothwendig. Der Gerichtshof erkannte unter Berücksichtigung aller dieser Umstände nur auf eine Geldstrafe von 60 Mark, während der Staatsanwalt 200 Mark beantragt hatte. Unter der Anklage des Uergeheus im Amte und der ustistmig zur unbefugten Ausübung eines öffentliche» mtrs, sowie dieser Ausübung setblt waren vor ber ersten trafkannncr des Landgerichts I augeklagt: der Gerichtsvollzieher Christoph Grünewald und dessen Bureaubeantter Johann Martin Adolf Becker. Den Vorsitz führte Landgerichtsrath Braun, die Anklagebehörde vertrat Staatsanwalt Unger, die Vertheidigung hatten übernommen die Rechtsanwälte Posner und Bieber. Die Strasthat der Angeklagten hat nicht etwa den Zweck gehabt, für eine» von beiden einen ungerechtfertigten Vortheil oder Gewinn zu erzielen, sondern bestand aus keiner anderen Handlung, als daß Becker im Auftrage seines Vorgesetzten, zu dessen Bequcmlich- keit amtliche Schriftstücke mit Grünewalds Namen unterzeichnet hat. Im Verkehr zivischen Privatleuten ist es wohl gestattet, daß einer im Auftrag oder mit Wissen und Willen eines andern ein als eine Urkunde anzusehendes Schriftstück unterzeichnet; dies darf aber Niemand thun, wenn es sich um ein amtliches Schrift- siück handelt, welches fast immer als öffentliche Urkunde anzu- sehen ist. Ein solches hat der Beamte, der es ausstellt, stets selbst zu unterzeichnen. Für die Gerichtsvollzieher besteht hier- über noch eine ganz spezielle Vorschrift. Daß Becker Pfändungs- und Versteigerungsprotokolle mit Grünewalds Namen unter- schrieben und dieser es gewußt habe, bestritte» Beide nicht, waren hierzu auch nicht in der Lage, denn es war seit Jahren in Hunderten von Fällen geschehen. Becker hatte aber nur im Auf- trag seines Vorgesetzten gehandelt und wollte deshalb keine Kennt- „iß davon gehabt haben, daß er etwas Strafbares begehe. Grünewald bestritt, eine Urkundenfälschung begangen zu haben, als welche man seine Handlungsweise nach Ansicht des Gerichts auch ausfassen könne, iveil hierzu nothwendig sei, daß er die Urkunde gefälscht habe, um davon Gebrauch zu machen. Letzteres habe er keinesfalls gethan, denn die hier m Frage gekonimenen Protokolle seien in seine Akten ge- heftet worden. Die Ausführungen des Staatsanwalts und der Vertheidiger drehten sich fast nur um die Beantwortung der Frage, nach welchem Paragraphen des Strafgesetzbuches die That der Angeklagten zu beurtheilcn, beziehungsweise nicht zu beur- theilen sei; denn die Vertheidiger beantragten prinzipaliter Frei- sprechung. Der Staatsanwalt erachtete Urkundenfälschung nach 6 267 des Reichs-Strafgesetzbuches für vorliegend; wies darauf hin, daß alle diese Protokolle über Versteigerungen oder Pfän-- düngen als gefälscht rechtlich keine Geltung haben konnten, welche Schädigungen und Weitläufigkeiten für die betreffenden Personen hieraus hätten mvachseu können und beantragte gegen Grüne«. wald, der übrigens schon einmal aus ähnlichem Anlaß vorbestraft sei, eine Gefängnißstrafe von 1 Jahr und gegen Becker eine solche von 3 Monaten. Die Täuschung habe darin bestanden, daß den die Protokolle revidirenden Beamten jene als ächte vorgelegt worden sind. Der Gerichtshof schloß sich der letzten Annahme an und verurtheilte Grünewald, jedoch nicht im Sinne der Anklage, sondern aus§ 270 des Reichs-Strafgesetzbuchs, daß einer Urkundenfälschung gleich zu achten sei, wenn Jemand von einer gefälschten Urkunde, wissend, daß sie falsch sei, zum Zweck einer Täuschung Gebrauch macht. Da jedoch ein ungerechtsertigter Vermögensvortheii nicht beabsichtigt oder erwachsen, auch ein Verlust nicht eingetreten sei, so wurde die Strafe auf zwei Mo- nate Gefängniß festgesetzt. Becker wurde freigesprochen, weil der Gerichtshof annahm, daß Becker lediglich im Auftrage seines Borgesetzten gehandelt und in der That nicht das Bewußtsein gehabt habe, daß er dadurch etwas Strafbares begehe; deshalb könne auch keine Rede davon sein, daß Becker unbefugt das Amt eines Gerichtsvollziehers habe ausüben wollen, indem er dessen Namen unbefugt unter Protokolle setzte. Htiudrr Gifer schadet nur. Blind ist zwar die Göttin der Gerechtigkeit, um ohne Ansehen der Person abzuwägen und zu richten, doch darf von den Dienern die Gerechtigkeit, als welche wohl in erster Linie mit die Berliner Schutzleute zu be- trachten sind, um so mehr ein offenes Auge beansprucht werden, als sie in ihrer Person mit„das Auge des Gesetzes" zu ver- körpern haben. Immerhin aber darf diese Voraussetzung nicht in Hellseherei ausarten, d. h. ein Schutzmann darf nicht mehr sehen, als thatsächlich in der Wirklichkeit geschieht, wie es bei dem Schutzmann D i ck h ä u s e r der Fall war, auf dessen Denunziation hin der Droschkenkutscher K u b a t ein polizeiliches Strafmandat von 8 M. wegen„groben Unfugs" erhalten hatte. Auf die gegen diese Verfügung eingelegten Widerspruch hin gelangte diese An- gelegenheit zur schöffengerichtlichen Verhandlung. Kubat wurde beschuldigt, den vorübersahrenden Kutscher Trettin mit der Peitsche geschlagen zu haben. Der kommissarisch in Frank- furt a. M. vernommene Zeuge Kaufmann Strauß, der seiner- zeitige Fahrgast des Angeklagten, wie auch der„geschlagene" Kutscher T r e t t i n bekundeten übereinstimmend, daß der Ange- klagte nicht geschlagen habe, insbesondere bekundete aber der„geschlagene" Trettin auf die Frage des Gerichtsvor- sitzenden, daß er nicht geschlagen worden sei. Auf das Zeugniß des Schutzmann Dickhäuser wurde gerichtsseitig verzichtet und der wegen groben Unfugs Angeklagte kostenlos frei- gesprochen. Gin«uuerbefferlicher Diel» und Ketrüger scheint ein gewisser Karl Gustav Otto Richter zu sein, welcher der vierten Strafkammer des Landgerichts I aus der Untersuchungshaft vor- geführt wurde. Obgleich schon mehrfach wegen Eigenthumsver-� gehen, einmal sogar mit Zuchthaus vorbestraft, war es Richter im vorigen Herbst doch gelungen, in einer großen Lampensabrik eine Stellung als Monteur zu erlangen. Als er dieselbe nacheiniger Zeit wieder aufgeben mußte, siahl er vor seinem Abgang eine Anzahl Rechnungssormulare, welche mit dem Namen der Firma versehen waren. Hatten diese Formulare auch an und für sich keinen erheblichen Werth, so wurden sie doch für Richter werthvoll, denn er füllte sie mit dem Namen von Kunde» und Summen aus, von denen er wußte, daß die betreffenden Kunden sie der Fabrik schuldeten. In einem Falle gelang es ihm auch wirklich, von einem Bückernieister, dem er die quittirte Rech- nung angeblich im Auftrage der Firma vorlegte, 60 M. zu. erlangen. Bei einem zweiten Mal war Richter kühner ge- worden; er füllte eine andere Rechnung mit der Firma Lossau' und Co. aus und quittirte über den Betrag von 270 Mark. Der Firma Lossau schien aber diese Art der Mahnung seitens einen Fabrik, mit der sie in den beste» Beziehungen stand, nicht recht geheuer, sie ließ schleunigst einen Polizeibeamten herbeiholen, welcher Richter festnahm. Es stellte sich auch alsbald heraus,. daß es aus einen Betrug abgesehen war. Zugleich ergab sich aber auch, bei der nun eingeleiteten Untersuchung, daß Richter den Miethskontrakt seines Bruders benutzt hatte, um sich auf diese Legitimation hin eine Taschenuhr im Werths von 66 Mark aüf Abzahlung zu verschaffen. Kaum hatte er aber die Uhr in der Tasche, da dachte er nicht mehr an die Abzahlung, sondern verkaufte die Uhr für 16 Mark. Wegen dieser Strafthaten, deren Richter übrigens ohne jeden Rückhalt geständig war, verurtheilte der Gerichtshof den Angeklagten zu einer Zuchthausstrafe von zwei Jahren, Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von vier Jahren und Zulässigkeit der Stellung unter Polizeiaufsicht. Leipzig, 27. Mai. Feine Leute.(„Volks-Ztg-") Der auf« sehenerregende Strafprozeß gegen drei Angehörige des Adels, welcher am 5. März vor dem Landgericht Berlin I stattfand, kam kürzlich in der Revisionsinsianz vor dem zweiten Strafsenate des Reichsgerichts zur Verhandlung. Wegen gemeinschaftlicher Körper- Verletzung sind verurtheilt worden der Lieut. a. D. Frhr. Albrecht von Marenholtz und der Privatier Graf Kleist von Loß zu je 600 Mark, sowie der Kaufmann Ernst v. Ettlinger zu 1000 Mk. Geldstrafe. Tie Strafthaten, wegen deren die Angeklagten verurtheilt wurden, spielten sich in einerspäten Abendstunde des vorigen Sommers in Berlin ab. Die Herren hatten bei Dressel gespeist und gingen von den Linden aus die Friedrichsstraße entlang nach dem Halleschen Thorr zu. Als sie dann in die Mohrenstraße einbogen, trafen Marenholtz und Ettlinger aus einen ihnen unbekannten Herrn, den Bankbeamten Eisen, der nur ein Bein besitzt und gerade mit einer ihm bekannten Dame sprach. Marenholtz rief nun den übrigen zu:„Augen rechts!" und unmittelbar darauf stieß Ettlinger den Eisen mit dem Ellbogen so heftig in die Seite, daß derselbe einige Schritte weit an die Wand flog. Eisen war über diese unmotivirte Anrempelei im höchsten Grade empört und rief den Angeklagten entgegen:„Ich verbitte mir eine derartige Unge- Hörigkeit! Proben Sie das nicht noch einmal!" Als Antwort erhielt er aber nur einen heftigen Stoß vor die Brust und einen kräftigen Faustschlag ins Auge, so daß er sich mit seinen, Stocke wehven mußte. Nun kam Herr von Kleist, welcher sich iuzwischen entfernt und seine„Dame" in Sicherheit gebracht hatte, seinen Genossen zu Hilfe und hieb mit seinem recht dicken Stocke Herrn Eisen über den Kops, so daß er einen Augenblick die Besinnung verlor. Bis zur Ankunft des Grafen Kleist hatten die beiden anderen Angeklagten Herrn Eisen mit Faustschlägen gegen den Kops traktirt. Als dann die Raufbolde zur Wache geführt wurden, rühmte sich Graf Kleist noch, daß er dem Eisen„ordentlich eins versetzt" habe und sagte;„Mit den, Schmiß können Sie noch anständig renommiren! Da müssen Sie hübsch Watte und Karbol auflegen."— Von den Augeklagten, die mit den für ihre Verhältnisse nicht bedeutenden Geldstrafen immerhin gut weggekoinmen waren, hatten sich EtLinger und Marenholtz bei dem Urtheile beruhigt, Kleist dagegen hatte Re- vision eingelegt und in der Hauptsache die Verkennung des Be- griffes der Nothwehr(!) gerügt, die er in der Hauptverhandlung geltend gemacht hatte. Er stellte die Sache so dar, als ob er, der von dem ganzen Streite nichts gewußt habe, seine Freunde nur habe vertheidigeu wollen. Seine Revision scheiterte jedoch an den thatsächlichen Feststellungen, welche diesem Vorbringen widersprachen, und wurde daher als unbegründet verworsen, jSufiaie Msbuvstrkzk. ., Au die Arbeiter Hertius! Arbeiter, Genossen! Wie Ihr schon Alle wißt, ist durch den Jndifferentismus eines größeren Theils der eigenen Kollege» der Streik der Schrauben- Faoon- dreher in's Wasser gefallen und sind dadurch ca. 100 Mann auf's Pflaster geworfen worden. Die Kollegen unserer Branche wollen uns wahrscheinlich dem Hungertode überliesern, denn alle An- zeichen sprechen dafür, wenn man bedenkt, daß von ca. 600 arbeitenden Kollegen 140 M. für die Festwoche zur Unterstützung der öcmafjvcgeltcn eingelaufen sind. Gerade diejenigen, welche mit allen ihnen zu Gebote stehenden Mitteln die Organisation hochgehalten, sind zum größten Theil Familienväter, welche jetzt, nach ea. 7 Wochen Entbehrung, in der traurigen Lage sind, wo- möglich noch exmittirt zu werden, denn der 1. Juni steht vor der Thür und wie Ihr Alle wißt, lassen die meisten Eigenthümer nicht mit sich reden. Darum, Arbeiter, appellireu wir an Euer so oft gezeigtes Solidaritätsgefühl, so viel wie möglich die Unter- stützungen bis zum 81. d. M. einlaufen zu lassen. Denn schnelle ist doppelte Hilfe. Sendungen bitte an Voigtländer, Berlin, Manteusselslr. 40. NB. Alle diejenigen, welche noch im Besitz von Sammellisten sind, werden dringend ersucht, dieselben bis zum 81. d. M. im Lolal Alte Jakobstr. 69 abzuliefern. Aletallarbeiter-Kongrelz zu Weimar.(Ausführlicher Bericht.) Am 2. Feiertage Mittag llVe Uhr wurde in dem romantisch gelegenen Schießhaus zu Weimar der allgemeine Me- tallarbeiterkongreß eröffnet. Nachdem Kärger die zahlreich er- schienenen Delegirten begrüßt und im Namen der Metallarbeiter Weimars willkommen geheißen hatte, theilte der Einberufer des Kongresses, Segitz, die Tagesordnung mit. Zunächst entspann sich eine lebhafte Debatte darüber, ob erst der allgemeine Kongreß tagen, oder die Branchenkongresse zunächst zusammentreten sollten. Metzger(Hamburg) l erklärte, daß der von ihm zu Nachmittag 4 Uhr einberufene Klempnerkongreß eröffnet werde, möge der all- gemeine Kongreß beschließen, was er wolle. Die Versammlung wählt zunächst eine Mandatsprüfungskommission und vertagt sich bis Nachmittag 2Va Uhr. Nach Wiederausnahme der Verhand- lunge» erstattet die Mandatsprüfungskommission Bericht. AuS demselben geht hervor, daß 88 Orte mit 180 Mandate, durch 146 Delegirte vertreten sind. Hierauf folgte die Wahl des Bureaus. Gewählt wurden als Vorsitzende die Herren Segitz, Deisinger nud Pautzner. lieber den 15. Punkt der Tagesordnung, Herausgabe eines Protokolls wurde zuerst verhandelt, die Versammlung beschließt einstimmig ein Protokoll herauszugeben. Scherm(Nürnberg) macht die Mittheilung, daß durch die Herausgabe des letzten Kougreßprotokolles ein Ueber- schuft von 747 Mark erzielt worden sei. Hierauf erhält zum ersten Punkt der Tagesordnung, Berichterstattung der Vertrauens- männer, zunächst der Vertrauensmann der Metallarbeiter, Segitz, das Wort, der in klarer und trefflicher Weise die Kämpfe schilderte, welche die Metallarbeiter in den letzten beiden Jahren zu be- stehen hatten. An Einnahmen und Ausgaben für Agitation gingen durch die Hände dieses Vertrauensmannes 943 Mark, für Streiks 1474 Mark. Dem Vertrauensmann der Schlosser, Jung(Hamburg) wurden an Streikgeldern übermittelt: 4686 Mark, von denen 3690 Mark zur Vertheilung gelangten. Die Einnahmen für Agitation be- trugen 1020 Mark, denen 823 Mark Ausgabe gegenüber standen. Bei dem Vertrauensmann der Klempner, Metzger(Hamburg) waren für Streiks 3937 Mark eingegangen, wovon 3520 Mark an Streikende zur Auszahlung gelangten. Welch schwere Opfer die sozialen Kämpfe den Arbeitern auferlegen, zeigte der Bericht des Vertrauensmannes der Former, Schwarz(Lübeck). Durch die Hände dieses Vertrauensmannes gingen 48000 M. Streikgelder. Doch ist in dieser Summe noch nicht die Hälfte der wirklich ge- zahlten Unterstützungen enthalten. Kostete' doch allein der Hain- burger Streik bis zum 1. April dieses Jahres 80 000 M.," der Braunschweiger Streik 37 000 M., der Streik in Altona-Ottensen 20 000 M., der Streik in Hannover 16 000 M. n. s. w. Der Bertrauensmann der Schmiede war nicht anwesend, da die Schmiede zu gleicher Zeit in Halle einen Spezialkongreß abhalten. Nach erneuten lebhasten Debatten wurde der Antrag, den allge- meinen Kongreß nach Erledigung des ersten Punktes der Tages- Ordnung zu vertagen, mit schwacher Majorität angenommen. Dietrich(Hamburg) machte noch die Mittheilung, daß ein Vor- standsmitglied des Verbandes der Eisenindustriellen ihm erklärt habe, daß am nächsten Sonnabend alle einem Fachverein ange- hörigen Schlosser und Maschinenbauer Hamburgs entlassen werden sollten. Zuzug muß daher nach Hamburg strengstens fern gehalten werden. Schluß 7 Uhr. Nächste Ätzung: Dis- kilssion über den Bericht der Vertrauensmänner. 2. Sitzung. Am Dienstag wurde der Kongreß pünktlich um 3 Uhr Morgens von dem Vorsitzenden Panzner eröffnet. Mit der Vorlesung der Präsenzliste wurde zugleich eine namentliche Abstimmung über einen Antrag verbunden, der schon in der letzten Sitzung gestellt war, und dahin ging, die tägliche Arbeitszeit des 5kongresses auf 8 Stunde» festzusetzen. Für diesen An- trag stimmten 65 Delegirte, während 71 Delegirte sich gegen den- selben erklärten. Begrüßungstelegramme waren eingegangen von Lübeck, Potsdam, Duisburg, Meiningen, Hamburg. Der Kongreß beschließt, den Kongressen der Maurer in Erfurt, der Zimmerer in Frankfurt und der Schmiede in Halle ebenfalls Telegramme zu senden. Hierauf wird in Punkt 1 der Tagesordnung, Diskussion über die Berichte der Vertrauensmänner, eingetreten. Das Wort nahmen die Delegirten: Breder(Nürnberg), Mittag(Halle), Zuckerschwert(Chemnitz), Klein(Berlin), Tauscher(Chemnitz), Ehrlich(Berlin), Ebeling(Halle), Gombert(Berlin), Grenz (Chemnitz), Riemann(Chemnitz) u. s. w. Schwarz(Lübeck) stellte den Antrag, den allgemeinen Kongreß um 1 Uhr Mittags zu vertage», damit die Branchenkongresse um 3 Uhr Nachmittags er- öffnet werden können. Dieser Antrag wurde angenommen. Zur Untersuchung nnd Schlichtung verschiedener Streitigkeiten wurde eine Kommission von 11 Mann gewählt, in welche von den Berliner Abgeordneten die Herren Klein und Gerisch delegirt wurden, welche ebenfalls schon der MandatsprüfungL-Kommission angehört hatten. Um 1 Uhr wurde, nachdem durch Abstimmung Schluß der Diskussion über den ersten Punkt der Tagesordnung angenommen worden war, der allge- meine Kongreß vertagt, um den Brancheukongressen die Bahn frei zu machen. Von diesen letzteren erledigte der Hchlohler- Kongreß sehr schnell sein Pensum. Derselbe wurde Nachmittags 3 Uhr von dem Einberufer Junge(Hamburg) mit den üblichen Formalitäten eröffnet. Vertreten waren 45 Orte durch 58 Delegirte. Als Vorsitzende wurden gewählt die Herren Junge und Deisinger, als Schriftführer die Herren Schwer und Breder. Ueber den erfteu Punkt der Tagesordnung:„Zentralisation der Schlosser und Maschinenbauer Deutschlands", wurde nach längerer Ge- schäftsotdnungsdebalte sofort abgestimmt, ohne daß erst eine Dis- tusston stattfand. Der Kongreß erklärte sich mit großer Majorität gegen eine zenlralisirte Branchenorganisation. In namentlicher Abstimmung wurde folgende Resolution angenommen:„In Er- wägung, daß die Gründung von Branchenverbänden innerhalb der deutschen Metallarbeiterscyast den Geist für die große gemeinsame Sache nur abschwächt, in vielen Fällen direkt schädigt; 2. in Erwägung, daß durch Gründung von Brancheu-Verbänden die Kräfte zer- splittert, und durch die vielen Verwaltungen den Arbeitern nur unnöthige Kosten auferlegt werden; 3. in Erwägung endlich, daß die Gründung von Branchcnvcrbänden nur die Folge eines Aus- nahmezustandes und der Auflösung der Metallarbeiter- Organi- sation war, beschließt der Kongreß: Angesichts der großen Fa- drikanten-Verbände von einer Branchen-Organisation abzustehen, dafür aber dem allgemeine.-. Kongreß zu empfehlen, eine allge- meine Metallarbeiter-llnion anzubahnen. Für diese öieso- lution stimmten 39 Delegirte, dagegen 12 Delegirte, und 6 Delegirte enthielten sich der Abstimmung. Da nach Annahme dieser Resolution die übrigen Punkte ihre Bedeutung ebenfalls vollständig verloren hatten und besser auf dem allgemeinen Kongreß er örtert werden konnten, wurde ein Antrag Warnickes(Berlin), den Kongreß zu schließen, angenommen, und derselbe um 6 Uhr Nach- mittags geschlossen. Der Schlosser-Kongrcß kann sich dadurch rühme», der kürzeste Kongreß zu sein, der jemals getagt hat. Mittwoch früh 8 Uhr nimmt der allgemeine Kongreß seine Sitzungen nneder auf. Eine Elfrcnorwätfmmg. In der„Schweiz. Hnndelsztg." findet man folgende Notiz: „Eine Eh rener wähnung verdient auch%n unserem Blatte die Seidenfabrik Schüpsheim, die für dortige Gegend ein wahrer Segen ist, bezahlt sie doch jährlich ca. 80 000 Frks. an Arbeitslöhnen aus. Unsere Ehrenerwähnung betrifft speziell folgende Thatsache: Herr Fabrikbesitzer Hoffmann fügt jeder Arbeiterin, die wenig- stens 10 pCt. ihres Verdienstes in die kantonale Spar- und Leihkasse legt, IVa pCt. alljährlichen Zuschlag zum Sparkassa-Prozent hinzu, so daß jede Sparerin ihr Spar- geld zu 5 pCt. sich verzinsen lassen kann. Ehre diesem fürsorgenden Sin n." Es ist staunenswerth, es ist ein Denkmal der Humanität! Allein 30 000 Frks. an Arbeitslöhnen.— Herr Fabrikbesitzer Hoffmann sollte den Arbeitern nicht so viel Geld in die Finger geben. Er sollte sich die Seide ganz allein weben, dann könnte er das schöne Geld auch allein behalten. Zumal er doch gewiß an der Seide nichts verdient und höchstens für die verauslagten Arbeitslöhne auf die Kosten kommt. 30 000 Frks., das ist ja eine Summe, wie sie beinahe für die persönlichen Ausgaben des Herrn Hoffmann selbst hinreichen würde! Das ist zuviel! Das ist"nicht mehr fürsorgender Sinn, das ist sträfliche Verführung zur Ueppig- keit und Unmäßigkeit. Man denke: 80 000 Frks. an höchstens 30—40 Arbeitern, da kommt ja, wenn manes recht bedcnktzjede Woche an die 17 M. auf den Mann! Ja, das ist wirklich ein Segen für die Gegend!— Aber Herr Hoffmann setzt sich selbst die Krone auf, er übertrifft sich selber. Er läßt sich nicht genug daran sein, den Arbeitern 30 000 Franks Arbeitslohn zu bezahlen, nein, er schenkt jeder Arbeiterin, die von ihrem Arbeitslohn den zehnten Theil zurückzulegen im Stande ist, noch l'/e pCt. dieses ersparten Kapitals, sodaß sie mit den 8V2 pCt., die sie von der Sparkasse bekommt, 5pCt. Zinsen bezieht. Wenn sich nun freilich �err Hoffmann zum Bettler macht, dann ist es seine eigene Schuld. enn wo soll denn das hinaus? Nehmen wir einmal an, so eine Arbeiterin bekäme die Woche ihre 20 Mark Lohn— nach deutschem Gelde, dann brauchte sie nur 2 Mark die Woche(gleich 10 pCt. ihres Einkommens) auf die Sparkasse zu tragen, was im Jahre 104 Mark macht, dann würde sie nicht allein von der Sparkasse ihre 3Ve pCt. Zinsen bekommen, gleich 3 Mark 64 Pfennig, nein, Herr Hoffmann will nur glückliche Gesichter um sich sehen, die Arbeiterin soll ihre 5 pCt. voll haben. Und so schenkt er denn jeder dieser sparsamen Arbeiterinnen 1 Mark 56 Pfennig aufs Jahr als Extrabelohnung und ganz umsonst,— das macht die Woche— 3 Pfennig. Ehre diesem fürsorgendcn Sinn!_ Vovmifclzk» s. Hamburg, 27. Mai. Ein riesiger Stör-m G-sichte 500 Pfd. wurde heute von Finkenwärder Fischern an ve Pauli-Markt gebracht. Das kolossale Thier hatte»ei einer t. von 15 Fuß einen Umfang von 6 Fuß.;r(t Köln, 27. Mai. Ein schlaues Bäucrlein nerV■ hiesigen Firma einen Wagen Heu, wobei er da? Ceu>u, jt den Bündeln berechnete. Tie Firma wollte aber mch! uus ,.M Verkaufsart eingehen, sondern verlangte Feststellung des �■ durch die städtische Waage. Auch damit war das Bäuerle i. frieden, indeß unter der Bedingung, daß, im Falle ein M. Gewicht als das von ihm angegebene sich herausstelle, diel f werde. Die kaufende Firma sandte dem Bauern ohne d einen ihrer Bediensteten nach. Dieser bemerkte, wie aus-- nach der städtischen Waage ein beleibter Arbeitsmann auf d-m v kletterte und im Heu verschwand. Auf der städtischer£ wurde das Gewicht festgestellt, welches stark 75 Kilo das zuerst angegebene betrug. Der Vertreter der»... Firma ersuchte aber das Bäuerlein ganz trocken, den verborgenen Mann abzurechnen. Dieser kroch in Sch've» badet aus seinem Versteck und rannte davon. Unter diest- ständen verzichtete die Firma auf den Ankauf des Heues. Zletz. 26. Mai.(Mord.) In dem Dorfe Klerri- M',, schnitt während des Hochamtes am Pfingstsonntag ein-v zunge aus Klein-Riedeuthal der 60jährigen, ledigen Hansbep9 Hungel, welche neben der Kirche in ihrem Hause allein w: den Kopf weg. Der siebzehnjährige Mörder unternahm einen Selbstmordversuch, wurde zedoch daran verhindert Haft genommen.._ Wien. 27. Mai.(Mord.) In dem zum Gemen, dec-f. tütteldorf gehörigen Pfarrerwalde hatte es sich gestern eine gn esellschast bequem gemacht. Die Kinder begaben sich) Wald hinein, um Blumen zu suchen. Sie waren kaum sm'.' Schritte von den Eltern entfernt, ais sie entsetzt stehen bi. Eines der Kinder schrie:„Ein Todtenkopf!" Die Kinder!' vfruio? vet-cvv&cwtvf|; erschreckt zu den Eltern und machten diesen von ihrem, haften Funde Mittheilung. Nun ging die ganze GeseUM:- "'.I $0? jener Stelle— ein menschlicher Schädel ragte aus hervor und nach genauer Besichtigung zeigte daß der Schädel auf einen, Körper ruhe, welcher VvvsÄttnnlttngen. Der Lnchurrrin der Marmor- nnd Granitschleifer hielt am 2o. d. M. eine außerordentliche Mitgliederversammlung ab, mit folgender Tagesordnung: 1. Die Hamburger Angelegenheit. 2. Verschiedenes. Kollege Paulikat erläuterte zunächst die Ursachen und den bisherigen Verlauf des Streiks der Hamburger Kollegen. Die Forderungen derselben bestehen in: 1. neunstündiger Arbeitszeit; 2. 40 Pf. Minimallohn per Stunde; 3. Ab- schaffung der Akkordarbeit. Die Arbeitgeber aber weigerten sich, diese doch so bescheidenen Forderungen zu bewilligen und so kam es, daß am 28. April sämmtliche in der Marmorvranche beschäftigten 89 Mann die Arbeit niederlegten, darunter.SO Verheirathete. Von verschiedenen Rednern wurde der Hamburger Streikkom- misfion der Vorwurf gemacht, tie auswärtigen Fachvereine nicht zeitig genug von dem ausgebrochenen Streik in Kenntniß geletzt zu haben. Kollege Kalinki(Hamburg) war der Meinung, daß die Kommission dies wohl unterlassen habe in dem guten Glauben, daß die Differenzen in 8 oder 14 Tagen beigelegt sein würden, da auch nicht ein einziger Indifferenter vorhanden und Zuzug von auswärts auch nicht zu erwarten war. Ein Antrag, 100@1 aus der Vereinskasse zu bewilligen, wurde angenommen. Unter Verschiedenes wurde beschlossen, eine öffentliche Versammlung einzuberufen, behuis Stellungnahme zur Streikkontrolkommissio». Nachdem der Vorsitzende die Anwesenden ermahnt hatte, sich rege an der Sammlung für die streikenden Hamburger Kollegen zu betheiligen, ward die Versammlung geschlossen. Mitslicd«rv»rchmi»l«ng de» zl»terfiiilinng»v«r«ii>» d«»t(chcr an, Donnersuig, den i». Mai, ülbcnbä 8 Uhr, im Lolal bti Herrn FenSke, Landsvergcrstr. 27. Lachorrein der steindruiteer u»d Ktthographeu. Die nächste Bei- cins-Verlaminluiig stiivel nicht am 2»., sondern am Sonnabend, den 21. Mai, AbendS>t\ Uhr, in Zordan'S Salon, Neue»riinlir. 2», stall. Tagesordnung: 1. Abrechnung von der Matinee. 2. Berlchi über die ArbeUSlosen-Unier- siühung. s. Unsere Lohnbeioegung. e. Unser Fachorgan. 5. Verschiedenes und gragekasten. Um recht zahlreiche» Erscheinen wird ersucht. CefrUiolui,«verein..Porniärt»." Sonnabend, den St. Mai, Abend» 9 Uhr, Blumengr. 78, bei Wollschläger, Versammlung. AuSgabe der Billeis zum Sommerfest. Tie Mitglieder werden ersucht, recht zahlreich zu er- 4 einen. »irofie Verla inmlnng de» Verein* der Klempner Verlin» und Um- gegend am Donnerstag, den 2S. Mai, Abend» 8% Uhr, im Weddingpart, Müllerstr. 178. ANocineiner Arbeiterinnen• Verein lammtlichrr Herns*lweige Berlins und Umgegend am Donnerstag, den 28. Mai er., Abends 8% Uhr, in Schefser'S Salon, Jnselstr. 10, Seneralversaminlung. Lachverein fnr Schtoster nnd Watchlnenbanarbeiter Kerlina nnd Zlmgegend. Sonnabend, den 81. Mai, Abends 8% Uhr, in Deicherl'» Salon (Zentral- Schühenhaus, Tegeler Chaussee), Scharnweberstr.«: Srobe Ver- saniinlnng. Tagesordnung: t. Vortrag de» Herrn Türk über: Die Lage der ländlichen Arbeiter. 2. Diskussion. 8. Ausnahme neuer Mitglieder und Eni- richtnng der Beiträge. 4. Verschiedene» und Fragelasien.— Um zahlreiche» Erscheinen wird ersucht. Deutscher Kchneider-Verband(LUiale Kerlin). Am Donnerstag, den 29. Mai, Abend» 8% Uhr, Mitgliederversammlung in Sratweil'» Aierhallen, ttouiinandantenstr. 77—79. Zlle Kranlien• und Kegriibnißbals» de» Verein» siimmtlicher Kerufostlaireii. VenvaltungS-ielle Berlin I. Sonnabend, den 81. Mai er., Abend»»Uhr, Blumenstr.7» bei Wollschläger: Versammlung. Tagesordnung: Anträge. Mittheilungen. Kassenbericht. SefchäfiltcheS. Vtedizinalveeei» der Labaliarbeiter, deren ie hekranen und Tabak- ardeiteriunen m Kerlin. Sonnabend, den 31. Mai, Abend» 9 Uhr, bei A. Fr. ye, lilisadethlir. so, Eeneralversammlung. Gesauo-, Sur»- und geieliig» Vereine am Donnerstag. Männer- gesansverein„Lätitia- Abends 9 Uhr in Bettin's Nestauranr, Veteranenstr. 19. — Eesaiiaverein„Brehelschluv" Abend« 8% Uhr im Sleslaurant Mündt,»öp- nictersiraße 100.— Mäunergesangvereln„Nordstern" AbendS 9 Uhr im Restaurant Pohl, Müllerstr. 7.— Schäserst'cher„Gesangverein der filfci" Abend» 9 Uhr bei Wolf u. Krüger, Etalitzerslr. 120, Eesang.— Gesangverein „Blütheiitranz" Abend» e Uhr im Restanrant Brandenburgstr. co.— Männer. gesangverein„Aterander" AbendS 0 Uhr im Restaurant Rose, Stranüberger- strahe 8.— Männergesangveiein„FirniitaS" bei«inner, ttopniclerstr. 88.— Gesangverein„Dängerlust", AbendS 0 Uhr, im Restaurant Landsbergerstr. so.— Gesangverein„Männerchor St. Urban" AbendS 0 Uhr Annenstr. 9.— Gesang- oerein„Deutsche Liedertafel" AbendS» Uhr Kopnickerstr. 100.— Gesangverein „Norddeulsche Schleife" AbendS von 9 bi« II Uhr, Micha-itirchstr. 89.— Männergesaiigverein„SangeSsreunde" AbendS 9 bi» II Uhr, Franlsurter Bier- hallen(Krüger), Srobe Franllurterstr. 102.—„Brunonia" Abend» s Uhr ü.'_~____—--------— A-----------—-----—- 1�1«, ürin Balle) Briyerstr. 17— 18;— deSgl. 0. Männerobtheilüng ÄdenbS s Ühr in der städtischen Turnhalle, Gubenersir. 81.— Lübectst'cher Turnvereiii(Männer- Ablheitung) Abend» 8 Uhr lltisabelhstr. 87—88.— Allgemeiner ArendS'scher Slenographenverein, Ablhe.lung„Louifenstadl", Abends 8- Uhr im Mestaurani Preub, Oramenstrasie 61.— ArendSstcher Slenographenverein „Phatanx" Abend» 8\ Uhr im Restaurnitt„Zum Buetower Sailen", Buckower- straße 0.— Deutscher Sicrc.n Arendsscher Stenographen Abends 8 Uhr in Heidt'« Restaurant,»oppenstr. 78, Unierrichl und Hebung.— Berliner Sieno- graphen-Be.ein(Shstem«read») Abend» 9 Uhr Im Res'.aurani Friedrich strave 203.— Siolze'scher Stenographenrerein„Nord-Berlin" AbendS 0 Uhr, Echtegelsir. 44.— Verein der„Nainrfreande" Ab«.!»» 9 Uhr im Reslauran! Wienerstr. 35.— Verein der Nnruhsiädter Abends a\ Uhr im„Konig- stadt-Kasino", Holzmarttstr. 72.— Verein ehemaliger F.'W. Rettschlag'scher Schüler am t. und 8. Donnerstag jeden Monat» im Cafe Schüler, Lands- bergerstr. 78 Abends s Uhr.— Rauchklub„srernspihe" Abend» 8': Uhr nn Reslauran t Böhl, RüderSdorserslr. 8.— Rauchllnh„Aroona" AbendS 0 Uhr bei ZivlinSli, Reichenbergerslr. 71.— Rauchtlub„Dezimalwaage" AbendS 9 Uhr im Restauranl Lock, KraulSstr. 48.— Rauchtlub„Vorwärts" Abeub» 9 Uhr beim Herrn Tempel, Restaurant„Zum AmdoS", Bceslauerstr. 27.— „Orieiitalischer Rauchllub" Abends 9 Uhr Im Restaurant Wiechert, Oranien- straße 8.- Rauchllub„Krumme Piepe" Abend» 9 Uhr Langeslr. 70 bei Heindorf.— Rauchllud„Collegin" Abends 9 Uhr bei Thiemermann, Stalitzersir. 05. — Etattlub„illückwäris" jeden Donnergag Abend 8 Uhr im Restaur. Boderle, Pallisadenstr. 47.— Prival-Theniergesellschaft„Adleischwinge" Sitznng Uhr Sartenstr. 14 bei Träger.— Musikverein„Vorwärts" llebiing Abends von sll bi» I0'i Uhr, Annenstr. 14 pari. Bleue Mitglieder, welche schon blaien lonnen, stnden Aufnahine.— BergnüginigSoereiu„Forinelly" Atend» Uhr Sitzung Fidelttas Jnvalidenslr. 139. Gäste ivilllommen, Ausnabme neuer Mitglieder,— Verein-hemaliger Schüler der 23. Semeindeschule Abends M Mir Holzmarttstr. 72.—«rbeitergesangveretn„Hossnung" Friedrichsberg bei Reusch, Arantfurter Chaussee- und Torssttabeii-Ecke. UcbungSstunde. Aiifnahm« neuer Miiglteder.— Rauchtlub„Wald-Knaster" Abend» von 9 bis n Uhr Wallst.'. 3 bei Gimpel. zum Halse unter der Erde vergraben war. Bürgermeisteramt Hütteldors wurde nunmehr von dem Verbtt-) m Kenntnis! gesetzt. Der Bezirkshauptmanu sandte soforl(■r-e\ Postenführer, um die nöthigen Vorkehrimgcn � �enoarinene-Pojlensuyrer, um oie noiyigen> treffen, damit an dem aufgefundenen Leichnam nichts vew�o werde. Nach dem Grade der Verwesung, in welchem der graben« Leichnam aufgefunden wurde, dürfte das Verbreäier reits vor Jahresfrist geschehen sein; auch dürfte ursprünglich\; Kopf ebenfalls vergraben gewesen sein, doch scheint dieses � im Laufe der Zeit infolge Regens weggeschwemmt wordcä- sein. Bis zur Stunde sind nicht die geringsten Anhaltspuniü.' Feststellung der Identität des Gemordeten, noch über den Th"' bekannt._> Komorn. 25. Mai.(Liebes tragödie eines Gymnasiast*. Der 17 jährige Geza Siegler, der einzige Sohn einer hiesigen� wohlhabenden Familie, besuchte in Neutra das Gyninagu Dort lernte er ein hübsches Mädchen kennen. Vergebens er von seinem Professor aufgefordert, diese Liebschaft aufzugcds7 er brachte seine freien Stunden stets bei dem Mädchen zu; e»ost, wurde ihm auch von den Eltern des Mädchens der Zutritt'� Haus untersagt, was sich der junge Mann so zu Herzen naiP daß er sich am 22. d. erhängte. Am Grenzstein.(Aus G. Kennaus„Sibirien" S. 26—'-'j Als wir am zweiten Tage nach unserer Abreise von Jekaterint? bürg zwischen den Dörfern Markow« und Tugntinskaja? einem ziemlich lichten Walde dahinfuhren, hielt der Kutsch z plötzlich seine Pferde an und sagte:„Hier ist die Grenze." sprangen aus dem Tarantas und erblickten an der Straße eü viereckigen zehn bis zwölf Fuß hohen Pfeiler aus beworst� Backsteinen, der auf der einen Seite das Wappen°- europäischen Provinz Perm, auf der andern Seite"r der asiatischen Provinz Tobolsk trug. Es war der Grw stein Sibiriens. An keinen Punkt zwischen Petersbi™ und dem Stillen Ozean knüpfen sich so schmerzliche- innerungen; keiner hat für den Reisenden melancholisch� Interesse als diese kleine Waldlichtung mit dem durch Gram st' heiligten Pfeiler. Hunderttausende von menschlichen Wsi-J Männer, Frauen und Kinder, Fürsten, Edelleute und Bputt. haben hier von Freunden, dem Baterlande und der Heim�!. für immer Abschied genommen. 5ieiit anderer Grenzlff in der Welt ist Zeuge von so viel menschlichem Elend gern off"' an keinem sind so zahllose Wesen mit gebrochenem H**??. vorbeigeschritten. Seit 1878 sind 170 000 Verbannte ct' Straße gezogen, seit Beginn dieses Jahrhunderts über halbe Million. Da der Grenzstein halbwegs zwischen,. letzten europäischen und der ersten sibirischen Etappe' ist es immer üblich gewesen, den Verbannten zu erlaube- sich hier auszuruhen und der Heimath und dem Vaterlau ein letztes Lebewohl zuzurufen. Ter russische Bauer, selbst n« ein Verbrecher, ist von inniger Vaterlandsliebe beseelt, und 0 herzzerreißendsten Szenen haben sich ofl an dem Grenzpfeiler a' gespielt. Manche überlassen sich rückhaltlos ihrem Schnür? andere finden Trost in ihren Thränen; einige knieen nieder>> pressen ihr Antlitz gegen den geliebten Boden des Vaterlaub � oder drücken ihre Lippen ans den kalten Backsleinpseiler, als er das Symbol alles Geliebten sei, das sie hinter sich 0" „Bildet Reihen", lautet der crnste Befehl des Unterosfiziers,>r die Kolonne führt. Beim Kommando:„Vorwärts, inarsoi' machen Verbannte und Verbrecher eilig das Zeichen des KrcuZ< und unter dem Geklirr der Kelten setzt sich der Zug langsam Bewegung über die Grenze Sibiriens. Bis vor kurzem der sibirische Grenzstein mit kurzen Inschriften, Avschiedswor und Namen von Verbannten beoeckt, die in den harten S*"., mit dem der Pfeiler ursprünglich bekleidet, eingekratzt'vw»' Zur Zeit unseres Besuches war der Bewurf großentheils u schwuiiden; es blieben nur wenige rührende oder bedeuiungebv Jnschrfften oder Initialen übrig. An einer Stelle las ich! wohl, Maria!" Dem Aerbannten, der dieses letzte Avschtt wort auf den Grenzstein schrieb, war Maria vermuthlich ,oUcv„f der Welt; sein Ueberschreiten der Grenze war ein Verzicht a Vaterland, Heimath und Liebe. Wir pflückten einige Blt»»e>t, Fuße des Pseilers, bestiegen unfern Wagen, sagten Europa„*-0 wohl", wie dies Hunderttausende vor uns gelhan, und uornw ging's nach Sibirien. Vvicflmfken der NedKktion. ®et Anfragen bitten wir die Abonnements-Quittung beizufügen. Antwort wird nicht ertheilt. � . Ist von den Lesern des„Kerl, zlolstoblnkt" in der Lage, folgende Slöresien oder den Aufenthalt von umv stehenden Personen anzugeben: 1. Rabnitz, Schneider, gewohnt Vettcranenstraße, 2. Ziemer, Tischler, gcivohnr Junkersiraße 7, 3. Appelgrüii, Klempner, gewohnt Fichteittaße, 4. Lachmann, Steinmetz, gewohnt Hornftraße 11? Portoauslagen werden vergütet. F. R. Skrinschlrifer, Landsbergerstrastr. Ihre � scndtiiig ist deswegen noch nicht zum Abdruck gelangt, weil 0 selbe nicht den Nagel auf den Kopf trifft. Wollen Sie uns>3(v einmal in der Mittagsstunde besuchen?.. Ijsinv W. 1110. Ter Lohnarrest ist wegen solcher Forder»» uujuiäfjig..-g N f. 40. Wenn der Vater hilfsbedürftig ist. so muß° Tochter ihn unterstützen, sofern sie hierzu im Stande ist, chnen und ihrer Familie Unterhalt zu gefährden. � Berautwortlicher Redakteur: Gurt Faake in Berlin. Druck und Verlag von War Fading in Berlin SW., Beuthstraße 2.