Freitag, den 80, Mar 1890. 7. Jahrg. Serliner VckMatt. Hrgan für die Interessen der Arbeiter. ,.r.. Das..Berliner Volksblatt" i TO« taglich Morgens ander nach Sonn- und Festtagen. AbonnenrentZpreiS für Berlin frei Sonn.""8 v'ttleljährl.ch 3.30 Mark, monatliä, 1,10 Mark, wöchentlich 28 Pf. Einzelne Nummer 5 Pf. «nmags-Nuuuncr mit dem„Sonntags-Blatt" 10 Pf. Postabonncment 3,30 Mark pro Quartal. l(H,_ Eingetragen t« der Postzeitiiiigspreisliste für 1890 unter Nr. 892, V. Nachtrag.) Krrnzdand. taglich durch die Expedition, für Deutlchland und Ocsterrcich-Ungam _ Ä Mark, für das übrige' Ausland 3 Mark pro Monat. Jnsertionsgebühr betrügt für die 5 gespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pf., für Vereins- und VersammlungS« Anzeiaeu 20 Pf. Inserate werden bis 4 Uhr Nachmittags in der Expedition, Berlin Sw., Bmtbjtrafjc 3, sowie von alle» Annoncen-Bureanr, ohne Erhöhung des Preises, angenommen. Die Expedition ist an Wochentagen bis 1 Uhr Mittags und von 3—7 Uhr Nachmittags, an Sonn- und Festtagen bis 9 Uhr Vormittags geöffnet. -• Fernfprrcher: Amt VI. Zlr. 4106.«» Nednktion: VettkMvAtze 2.— Expedition: Venthiteotze 3. AbvllnmeM-Eillllldllllg. �ur Monat Juni eröffnen wir ein neues Abonnenient »st dem"I�rliner UolkMatt" hinzutretenden Abonnenten wird der bisher erschienene des Romans von E. Zola „Zum Glück der Damen" tatt§ Und sranco nachgeliefert. �.n/vstabonnenten, welche für den Monat Juni abonniren M haben bei ihren Postanstalten 1 Mit lil Pseniz Miohlen. Das„Berliner Volksblatt" ist eingetragen in die �rilungsliste unter Nr. 892, V. Nachtrag. , Für Berlin nehmen sämmtliche Zeitungsspediteure zum Preise � 1,10 M. monatlich, sowie unsere Expedition, Beuthstr. 3, ellnngen entgegen. f-rodenummern stehen auf Verlangen gratis und sranco zur Mng. . ersuchen unsere Freunde, hiervon recht zahlreich Ge- ,cv zu machen. Die Expedition des„Kerliuer UoiKsblatt", Kenthstraßo 3. Die N�kviQrFxAliMze Legende. . Die Herren Agrarier geben sich bekanntlich viele vd, sich bei den Arbeitern festzusetzen und sich deren sirauen zu erwerben. Niemand treibt ein solch dreistes z i mit Phrasen in Bezug auf den A r b e i t e r s ch u tz, agrarischen Junker, die sich bei den Konservativen beim Zentrum befinden. Wer ein Demagoge werden >«er kann bei diesen Herren getrost in die Schule 2en> da ist wirklich etwas zu lernen. Sie schlagen vor r* Volke an ihre Brust und betheuern ihr warmes Herz d>e Arbeiter; sie erkennen die Pflicht des Staates, Le,me gute Arbeiterschutz-Gesetzgebung zu sorgen, rück- '«los an. Dabei aber sind die Herren bemüht, dahin .wirken, daß die Arbeiterschutz-Gesetzgebung nicht über , gewissen Rahmen hinausgeht, d. h. daß sie nieinals lästig und durchgreifend wird, um dem Arbeiter (44 _ Iseuitteton. »«toten.)_ Glück der Damen." Roman von Entile Zola. �utorisirte Uebersetzung von Armin Schwarz. �'Uen in der Halle Saint-Augustin fand er den Patron ' welcher eben unmuthig ausrief: �, tnT" glaubt mau sich etwa Späße mit mir?>zch Hube P' daß die blauen Sonneuschirine zu unterst aufge- �werden sollen! Sofort soll das Arrangement geändert Er .. wollte nichts hören; ein Schwärm von Laden- wußte sich sofort daran machen, die Sonnenschirme �aufzustellen. Und weil er sah, daß schon einzelne Frtmov. nv Ait? ptninp 5VT>mitfrh hiß �LluitC turnen, uev er aus euage viv ,7n und erklärte, daß er lieber nicht öffnen werde, als °wuen Sonnenschirme in der Mitte zu lassen. Das 1 la seine ganze Komposition verderben. Hutin, Mignot .widere kamen, um sich das Arrangement zu betrachten. ift wareii von einer anderen Schule und thaten, als sie nichts von der Sache. ,�dl,ch wurdet! die Thüren geöffnet und der Strom °Ln. Gleich in der ersten Stunde, noch ehe die Magazine s.si'llt hatten, entstatid unter dem Vestibüle ein solches Gc- .?e' daß die Polizei einschreiten mußte, iim den Straßen- � aufrecht zli erhalten. Monret hatte gut gerechnet: gedrängte Masse von Köchittnen, Haushälterinnen, Vnrgersfrauen stürzten sich ans die wohlfeilen Ar- gegenüber dem Unternehmer mehr Selbstständigkeit zu geben. Das hat seinen guten Grund. Denn wenn sich eine Schutzgesetzgebung bei den industriellen Arbeitern— und diese sind vorläufig nur gemeint— bewährt hat, so ist kein Grund vorhanden, dieselbe nicht auch, soweit dies zulässig, auf die l a n d w i r t h s ch a f t l i ch e n Arbeiter zu übertragen. Sobald man aber davon spricht, sind die Herren Junker, die Großgrund- und Rittergutsbesitzer ganz aus dem Häuschen. Sie erklären dies dann für eine baare„Unmöglichkeit" und kehren damit das nackte Klasseninteresse heraus, das sie mit„arbeiterfreundlichen" Phrasen zu verhüllen bestrebt gewesen sind. Dagegen sind die Herren so gütig, gewisse Strafbestimmungen auch auf die landwirthschaftlichen Arbeiter ausdehnen zu wollen. Die„K r e ii z- Z e i t u n g" ließ dieser Tage tief in ihr edles Herz blicken, das bekanntlich nach ihrer Be- hauptung gleichfalls so warm für die Arbeiter schlägt, als sie sich bereit erklärte, die B e st r a f u n g des Kon- traktbruchs auch auf die Landwirthschaft zu über- tragen. Und zwar nicht blas aus wirthschaftlichen, sondern auch aus sittlichen Gründen! O dieser H a ni m e r- st e i n, der jedenfalls auch nicht nur aüs wirthschaftlichen, sondern auch aus sittlichen Gründen der Landwirthschaft Valet gesagt und sich der„patriotischen" Thätigkeit bei dem großen Junkerblatt gewidntet hat! Wir hören dabei unaufhörlich die Klage, daß die „patriarchalische n" Zustände auf den Gütern durch den modernen Geist innner mehr verdrängt würden und daß das Verhältniß zwischen Gutsbesitzer und Tage- löhner vielfach ein so kaltes und rein äußerliches sei, wie in der Industrie. Es kommt dabei freilich an, was man unter patriarchalischen Zuständen versteht. Meint man damit ein gewisses herzliches Einvernehmen zwischen Gutsherr und Tagelöhner, so ivird man zugeben müssen, daß solche „patriarchalischen" Zustände wunderselten sind, und wer einigermaßen die Vergangenheit unserer Landwirthschaft kennt, der wird wissen, daß das patriarchalische Verhältniß niemals so bestanden hat, wie die Junker und Junker- genossen uns glauben machen wollen. Eine freundliche Behandlung ist ohne Zweifel angenehm; sie bringt indes; noch keine Besserung der Lebenshaltung des Arbeiters mit sich und hat oft nur den Zweck, den Ar- beiter über die Lasten, die man ihm auferlegt, hinweg zu täuschen. Ein gtltes Verhältniß zwischen Arbeiter und Gutsbesitzer stellt sich ganz von selbst her, ivenn die Ar- beiter ausreichend bezahlt und nicht übermäßig angestrengt werden. In den Zeiten der großen Blüthe der deutschen Landwirthschaft im fünfzehnten Jahrhundert waren die ländlichen Tagelöhner in Bezug auf Essen und Trinken tikel, auf die Ladenhüter und Stoffreste, die man sozilsagcn auf der Straße aufgestapelt hatte; es gab da einen Kalikot zu 7 Sons, einen Kattun zti 9 Sous, vor Allem aber einen Orleans zu 38 Centimes, ivelcher die Börsen dieser armen Weiber plünderte. Man stieß und drängte sich um die Ar- tikel, die zu herabgesetzten Preisen verkauft wurden, Spitzen zu 10 Centimes, Bänder zu 5 Sons, Strumpfbänder zu 3 Sons, schottische Handschuhe, Jnpons, Kragen, Kravattcn, wollene Strümpfe, Gamaschen— alle diese Artikel ver- schwandeil im Nu, wie verschlungen von dieser Menschen- menge. Den ganzen Vormittag dauerte dieses Gedränge an. Gegen ein Uhr mußten die Käufe); schon Queue inachen. Die Straße war von Menschen versperrt, wie zur Zeit eines Ans- standcs. Madame de Bovcs und ihre Tochter Blanche wartete auf dem Trottoir gegenüber, da wurden sie von Madaine Marty angesprochen, die gleichfalls von ihrer Tochter begleitet ivar. __ Ist das ein Gedränge, wie? sagte Erstere. Die Leute tödten einander da drüben. Ich ivoltte nicht kommen, denn ich war zu Bett, aber ich bin doch aufgestanden, um etwas frische Luft zu schöpfen. _ Ganz wie ich, erklärte die Andere. Ich habe meinem Mann versprochen, seine Schivester in Montmartre zu be- suchen Im Vorübergehen ist mir eingefallen, daß ich ein Swnü'rband benöthige. Nun ist es doch ebenso gut, wenn icki es hier kaufe, wie anderwärts. Oh, ich gedenke keinen So» auszugeben, denn ich brauche nichts. Indessen ließen sie kein Auge von der Eingangspforte. Sie waren wieder fortgerissen von dem Zug der Menge. Nein, ich gehe nicht hinein, ich fürchte mich, flüsterte ganz ohne Zweifel weit besser daran als heute; man würde aber einer groben Täuschung verfallen, wenn ntan diesen Umstand aus den„patriarchalischen" Verhältnissen auf den Gütern ableiten wollte. Die reiche und kräftige Landwirthschaft von damals, die ganz Deutschland mit der unerschöpflichen Fülle ihrer Gaben überschüttete, trieb von selbst den Preis der Arbeit empor und hatte viel eher die Wirkung, den Arbeiter selbstständiger zu machen, als ihn in das„patriarchalische" Joch zu spannen. Neberhaupt halten wir es für eine Abgeschmacktheit und eine starke Anmaßung, wenn sich Landjunker und andere Leute als„Patriarchen" aufspielen wollen, wozu sie weder die Bildung noch die Befähigung haben. Die Herren Rittergutsbesitzer, die sich im Winter in den Spieltlubs der großen Städte unthertreiben, sollten sie im Sommer eine andere Qualität bekommen, wenn sie dann auf ihren; Gute über die geringe Grundrente jauchzen und nun mit einem Mal als„Erzväter" gelten wollen? Wir halten die Einrichtung der„Erzväter" nicht für nothweNdig und nicht für nützlich; wenn sie aber bestehen sollte, so lvürde sie sicherlich mehr erfordern, als den bloßen Besitz eines Stückes Land. Und was haben fünf Sechstel unserer Rittergutsbesitzer denn mehr? Nein, es ist eitel Heuchelei, wenn die Agrarier be- haupten, auf dem Lande bedürfe man einer einschneiden- den Arbeiterschutz-Gesetzgebung nicht und es brauchte nur die Verallgemeinerung patriarchalischer Gebräuche, um. den Arbeiter besser zu stellen. Unter den Gutsbesitzern, die über„Arbeitermangel" jammern, befinden sich „Patriarchen" im Sinne der„Kreuz- Zeitung" gerade ge- nug; sie werden aber nur die Probe zu machen haben, indem sie ihre Arbeiter besser bezahlen und behandeln, und dann wird der Arbeitermangel sofort verschwinden. Statt dessen wollen die edlen„Patriarchen" die Frei- z ü g i g k e i t des ländlichen Arbeiters beschränken! Wenn man von der Aufhebung der mittelalterlichen Gesindeordnungen spricht, so erheben sämmtliche Patriarchen ein Geschrei, als ob das Vaterland in Gefahr wäre. Es vergeht kein Jahr, ohne daß nicht einige„Pa- triarchen" wegen grober Mißhandlung ihrer Arbeiter zur gerichtlichen Verantwortung gezogen werden— was mag Alles verschwiegen und unbestraft bleiben? Und die Löhne? Jüngst ward aus Schlesien, Posen und Ost- preußen berichtet, wie die sogen. Hofegänger gestellt sind. Die Hoseweiber, die nicht zum Gesinde gehören, arbeiten dort von 6 Uhr früh bis 7 Uhr Abends und be- kommen dafür 45 Pseunige! Wahrscheinlich werden sie vom Gutsherrn bei der Auszahlung dieses großartigen Lohnes mit einem patriarchalischen Grinsen bedacht, damit sie besser auskommen sollen. Gehen wir, Blanche, wir werden ja Madanie de Boves. zermalmt. Doch sie wurden wieder schwach und wichen endlich dem Verlangen, dort einzutreten, wo alle Welt eintrat. Auch Madanie Marty hatte sich ergeben; sie wiederholte fortwährend: — Halte Dich an mein Kleid, Valentine; ach, mein Gott! ich habe niemals dergleichen gesehen; man trägt uns ja davon! Wie wird es erst da drin aus- sehen? Von dem Strome fortgerissen komiten die Damen nicht mehr zurück. Gleichlvie ein überquellender Strom alle Nebengewässer eines Thales an sich zieht, so schien die durch die Pforte hineinströmende Menge alle Passanten an sich zu reißen, gleichsam als sollte ganz Paris da hinein. Sie kamen nur sehr langsam vorwärts, waren dermaßen eingepfercht, daß sie schier den Athen; verloren, was ihre Neugierde nur noch erhöhte, anstatt sie zu dämpfen. Es gab da ein Gc- misch von in Seide gekleideten Damen und ärmlich geklei- detcn Bürgersfrauen, von Mädchen in bloßen Haaren. Alle von der nämlichen Leidenschaft getrieben. Einige Männer, eingeklemmt zwischen den überquellenden Miedern dieser Weiber, warfen besorgte Blicke umher. Eine Amnte, die im dichtesten Gedränge stand, hob ihren Säugling hoch in die Luft; und der Kleine lächelte holdselig über dieses Gedränge. — Ich fürchte, daß ich meinen Rock nicht heil davon- bringe, sagte Madame de BoveS wiederholt. Madame Marty erhob sich auf die Fußspitzen, nm über die Köpfe der Anderen hinweg in die Fernen der Magazine zu blicken. Die Pupillen ihrer grauen Augen waren zusammen- gezogen, wie die einer Katze, die ans dem hellen Sonnenlicht Wie die Junker und Agrarier sich gederden, als liätten sie die Vieh- und Getreidezölle nur aus Begeisterung für das deutsche Vaterland erhöht, so wollen sie glauben machen, sie seien aus so edlem Stoff, daß die patri- archalische Gewohnheit bei ihnen eine hinreichende Bürg- schaft für eine gute Behandlung der Arbeiter sei. Dreist sind die Herren; aber das kann die Gesetz- gebung aüf die Daner nicht beeinträchtigen; sie wird auch in dsOMndwirthschaft den erforderlichen Schutz für die herstellen müssen. Die Autisemiteu. Wir beschäftigen uns nicht oft und nicht gerne mit dieser Sartei und mit den armseligen und gemeinen Hetzereien ihrer Häuptlinge. Man wird von trüben Gedanken erfüllt, wenn man bedenkt, was sich alles in dem öffentlichen Leben llnseres Volkes aufspielt und sich ihm mit freundschaftlichen Diensten anbietet. Unser Volk ringt schwer, um sich aus den Fesseln der ökonomischen Abhängigkeit zu befreien. Wenn der Klassenkampf, der sich jetzt zwischen den beiden Polen Streik und Boykott hin und her be- wegt, manchmal einen heftigen Charakter angenommen hat, so liegt das in der Natur der Sache, da tausenderlei Interessen dabei berührt werden. Dem Sozialisinus ist es zu verdanken, daß in die öffentliche Diskussion eine Reihe sozialwissenschaftlicher Probleme eingeführt und dadurch die Diskussion selbst gehoben worden ist. Dem gegenüber erscheint in seiner ganzen Hohlheit und Gemeinheit der Antisemitismus, dessen einziges Ziel die Rassen- und Massenverhetzung ist und der sein vollgerüttelt Maß dazu beiträgt, die Zerklüftung und Zerrüttung innerhalb unseres politischen Lebens auf die Spitze zu treiben. Es ist schon außerordentlich albern, für die Gestaltung der heutigen sozialökonomischen Zustände eine einzelne Klaffe oder gar eine Konfesston verantwortlich zu machen. Wer das thut, beweist, daß er gar keinen Einblick in das Wesen der modernen gesellschaftlichen Entwicklung hat. Aber damit lassen es sich die Antisemitenhäuptlinge nicht genügen, sie wollen uns auch beweisen, daß sie nicht nur Ignoranten sind, sondern, daß sie auch ausschneiden und schwindeln können. Dies geschieht in einem Flugblatt, das zur Zeit in Deutschland verbreitet wird und das aus der wohlbekannten antisemitischen Offizin in Leipzig hervorgegangen ist. Dort wird die Behauptung aufgestellt, die ganze sozialistische Vewegung sei nur ein großes Marionetten- Theater, bei dem die Fäden von einigen— natürlich jüdischen— Bankiers in der Hand gehalten würden. So würden die Sozia- listen im Interesse der„jüdischen Geldwechsler" gelenkt und das Werk der Letzteren seien auch die verschiedenen großen und kleinen Streiks, die in Deutschland ausgebrochen seien und noch aus- brechen würden. Es giebt sonderbare Auffassungen von der modernen Arbeiter- bewegung, und am sonderbarsten ist, daß man ihren Ursprung nicht da sucht, wo er am ersten zu suchen ist, nämlich in de» sozialökonomischen Verhältnissen selbst, sondern daß man die ganze große Bewegung als etwas künstlich Gemachtes, durch„Agita- toren" ins Leben Gerufenes betrachtet. Unter all den verschiede- neu Auffassungen ist aber sicherlich diejenige die dümmste, daß die Sozialdemokratie nur eine„Mache jüdischer Bankiers" sei. Sie ist so dumm, da» wir gar nicht nöthig Häven, sie zu widerlegen. Wir wollen nur ein„Beweisstück" der Verfasser des Flugblattes anführen. Danach soll„ein ehemaliger Führer der Chemnitzer Sozialdemokratie" ausgesagt haben, der Erfurter Sozialistenkongreß von 1874 habe den Juden 100000 Mark gekoster, und er, der „Führer", habe noch lange nach dem Kongreß davon mit seiner Familie zu leben gehabt. Zu Erfurt hat 1874 kein Kongreß der Sozialdemokratie statt- gefunden und im selben Jahre auch sonst nicyt. Nun haben die antisemitischen Häuptlinge noch so viel Ueber- legmig, um sich zu sagen, daß das Publikum nch doch fragen möchte, zu welchem Zweck die Arbeiter von den jüdischen Bankiers zum Streiken und zur„Revolution", wie es heißt, verführt und verhetzt werden. Auch dafür haben die Herren einen ihrer Mei- nung nach untrüglichen Beweis. Sie zitiren eine Stelle aus einem — Liebesbrief Lassalles an die bekannte Helene von Rackowitza, geb. Dönniges, worin Lassalle, offenbar in scherzhafter Weise, da- von spricht, wie er als„König Ferdinand, der Volks-Erivählte", seinen Einzug in Berlin hallen wolle, und Helene als„Königin" an seiner Se,te. Dieser harmlose ScherzLaffalles wird von den Antisemiten dahin gedeutet, daß er den Beweis dafür enthalte, die„jüdischen Banklers" wollten in Deutschland eine neue, natürlich jüdische Dynastie begrün- den. Die Arbeiter sollen dazu gebraucht werden, durch den Umsturz aller Verhältnisfe den Boden für diese Dynastie zu bereiten. Dann heißt es wörtlich:„Am 1. Mai wollen die Juden noch einmal Heerschan über ihr Söldnerheer halten; dann soll allem Anschein' nach der Sturm gegen Thron, Altar und Deutschthum beginnen!" in einen finster« Raum kommt. Sie schien nichts unter- scheiden zu können, ihr Blick war hohl, wie der einer Person, die eben erwacht. — Ach endlich, sagte sie dann, einen Seufzer der Er- leichterung ausstoßend. Die Damen hatten etwas Luft bekommen. Sie befanden sich in der Halle der Rue St. Augustin. Wie groß war ihre Ueberraschung, als sie dieselbe fast leer fanden. Ein unnennbares Behagen bemächtigte sich ihrer. Es war ihnen, als würden sie, nachdem sie den Winter der Straße hinter sich gelassen, in den Frühling eintreten. Während draußen noch der eisige Märzwind wehte, verspürte man in diesen Galerien schon den lauen Hauch der leichten Stoffe, den blüthenhaften Glanz der zarten Farben, die ländliche Heiter- keit der Sommermoden und der Sonnenschirme. — Schauen Sie nur! rief Madame de Boves entzückt. Man befand sich vor einer Ausstellung von Sonnen- schirmen. Diese waren sämmtlich offen, gewölbt wie Schilde und bedeckten die Halle bis zum Glasdach des Plafonds. Rings um die Arkaden der hohen Stockwerke bildeten sie gleichsam Festons, die schlanken Säulen entlang schlangen sie sich wie Guirlandcn; in fest geschlossenen Reihen zogen sie hinan bis zu den Ballustraden der Gallerien, bis zu den Geländern der Treppen. Und in symmetrischen Reihen streiften sie die Wände roth, grün und gelb. Es war als sähe man große venetianische Lampen für irgend ein Fest vorbereitet. In den Winkeln hatte man komplizirte Motive arrangirt, Sterne aus Sonnenschirmen zu 39 Sons von hellen Farben, wie zartblau, cremefarben, zartrosa; darüber gab es ungeheure japancsische Parasols, auf welchen Kraniche in Gold- färben gemalt aus einem purpurnen Himmel dahinschwebten. Madame Marty rang nach Worten, um ihrem Ent- zücken Ausdruck zu verleihen, aber sie wußte nichts weiter zu sagen als: — Es ist feenhaft! Dann trachtete sie sich zu orientiren und sagte: — Schuürbänder bekommt man ja in der Pfaidlerei, ich kaufe mein Schnürband und gehe. — Ich gehe mit Ihnen, sagte Madame de Boves. Und daran schließt sich die Warnung, nicht zu warten, bis es zu spät ist! Man könnte erstaunt sein über diese Ausgeburten fieber- kranker, von« Rassenhaß erhitzter Gehirne, wenn man von dieser Seite nicht das Stärkste gewohnt wäre. Die Leute haben ja „Beweise" und auf„ein Bischen Falscheid" kommt es ohnehin nicht an. Aber diese armen Schacher täuschen nur sich; sie täuschen keine Anderen. Wenn sie wüßten, mit welcher stolzen Verachtung die Arbeiter, an die sie sich wenden, ihre Pamphlete bei Seite werfen, so würden sie an ihrer Sache verzweifeln. Sie leiden au einer Art Verfolgungswahn, denn sie glauben sich überall von Juden unterdrückt, verfolgt, geknechtet. Ihr großer Jrrthum ist der, daß sie glauben, das ganze deutsche Volk sei von einem solchen Verfolgungswahn befallen. Das kann heiter werden, wenn die antisemitische Gruppe im Reichstage ihre parlamentarische Taktik auf die Welt- anschauungen gründet, die in dem Leipziger Flugblatt enthalten ist. Vielleicht giebt es ängstliche Gemüther, die im ersten Moment die Sache etwas ernst nehmen. Dies wird aber nicht lange dauern und das Austreten der Antisemiten wird nur eine Quelle ungetrübter Heiterkeit werden. Wir wollen schließlich zur Erheiterung unserer Leser noch Pröbchen von der„Schlauheit" vorlegen, mit der die AntisemZken den Arbeiter- und Bauernfang betreiben. Es heißt in»em Flugblatt: „Gleichzeitig müssen aber schleunigst die Arbeiterschutzgqetze, Sonntagsruhe, Normalarb'eitstag, Minimallohn und Aehnliches in Angriff genommen werden und zwar am Pesten durch Ver- anstaltung von Massenpetitionen, denn dadurch wird den sozial- demokratischen Führern der arbeiterfreundliche Deckmantel entzogen. Was haben denn diese Leute schon Positives für die Arbeiter ge- than? Gar nichts!" Es liegt fürwahr ein gewisser Galgenhum« darin, wenn man von einem Anderen dessen Ideen stiehlt, dann zu thun empfiehlt, was derselbe schon seit Jahrzehnten thut, und dann sagt, derselbe habe noch gar nichts gethan! Als schlechter Witz nimmt sich das nicht übel aus, aber als Walßrzeichen einer politischen Propaganda kann es seinen Träger«ur lächerlich machen. Damit wollen wir die Rotte der Antisemiten wieder entlassen, doch nicht ohne ihnen die wohlgemeinte Mahnung zu geben, die Arbeiter mit solchen Pamphleten zu verschonen. Denn die Arbeiter sind im Allgemeinen sanftmüthig und geduldig. Wenn man ihnen aber gar zu dumm kommt, so werd>en sie grob, und das kann man ihnen auch gar nicht verdenken! „Echo." Volikrsiho Mteberstckk. Angesichts des evangelisch-soziale« Kongreflses verdient hervorgehoben zu werden, daß sich auch der Exminister Schäffle in seiner neuesten Arbeit über die Bekämpfung der Sozialdemokratie ohne Ausnahmegesetz, auf die wer dem- nächst ausführlich zurückkommen, wenig von einer kirchlichen Sozialpolitik verspricht. Er meint nämlich, bestenfalls werde die Kirche mit ihren Werken immer nur einen Theil der Arbeiter, die dankbaren unter den eigentlich Leidenden, beein- flussen; die wesentlich städtisch-industriellen Arbeitermassen würden schwerlich gerade zum„dogmatischen" Glauben zurück- kehren. Für das Proletariat habe es etwas„Aufreizendes", sich blos aus den Himmel vertröstet und durch Wohlthätigkeit abgefunden zu sehen. Wahlskandale. Da der Reichstag'sich nach Beginn der Ferien ziemlich oft mit Wahlprüfungen zu beschäftigen haben wird, so ist' es sehr wünschenswerth, daß die sozialdemokratischen Abgeordneten von dein Thun und Treiben der sogenannten Ordnungsparteien während der letzten Wahlbewegung gencrue Kenntniß erhalten. Es i't nöthig, auch solche Handlungen mit- zutheilen, die nicht zu einem Wahlprotest Anlaß gegeben habai. Im Leipziger Landkreis z. B., wo die Sozialdemokraten mit so riesiger Majorität gesiegt haben, ist von den Ordnungsparteien eine riesige Summe von Unfug und Schlimmerem verübt worden und es würde gegen die historische Gerechtigkeit ver- stoßen, wenn man das den Schuldigen schenken wollte. Und nicht besser ist's in vielen anderen Wahlkreisen hergegangen, aus denen kein Wahlprotest vorliegt. Der 20. Februar hat die Herren Ordnungsparteilcr zwar hart getroffen, allein das ist kein Grund, ihnen nun Amnestie zu ertheilen. Im Gegenthcil, damit der an jenem Tag gefällte Wahrspruch des Volkes gründlich vollstreckt werden kann, muß das Sündenregister auch vollständig gemacht werden. Nicht wahr. Blanche, wir wollen nur einmal durch das Magazin gehen, nichts weiter? Allein, die Damen waren verloren, sobald sie die Thüre überschritten hatten. Sie wandten sich nach links, weil aber die Pfaidlerei anderswohin verlegt worden war, gelangten sie in die Abtheilung für Rüchen und dann in die Abthei- lung für Weißzeug. Es war sehr warm unter den Gallerien, es herrschte eine Treibhanshitze, geschwängert von den unan- genehmen Gerüchen der Stoffe. Sie gelangten mit Mühe wieder zur Thüre zurück, wo bereits ein Zug nach außen statt- fand. Ein unendliches Defile von Frauen und Kindern, über welche eine Wolke von rothen Ballons schwebte. Vierzigtausend Ballons waren vorbereitet worden; eine Menge von Ladenburschen waren damit betraut worden, sie zu ver- theilen. Das ganze Magazin war illuminirt von diesen rothen Ballons. — Da hat sich ja eine ganze Welt eingefunden! erklärte Madame de Boves: man weiß nicht mehr wo man ist. Indessen konnten die Damen nicht lange im Gewühl vor der Thür bleiben, denn sie wurden da von den Kommenden und Gehenden hin- und hergestoßen. Glücklicherweise kam ihnen Inspektor Jouve zu Hilfe. Ernst und aufmerksam stand er im Vestibüle, jede Frau, die vorüberging, genau prüfend. Er war mit der internen Polizei betraut und hatte auf die Diebinnen aufzupassen. Demzufolge hatte er ein besonderes Augenmerk auf dicke Frauen. — Sie suchen die Pfaidlerei, meine Damen? fragte er höflich: wenden Sie sich links, da, hinter den Wirk- waaren. Madame de Boves dankte ihm. Aber Madame Marty, als sie sich umwandte, fand ihre Tocher Valentine nicht mehr an ihrer Seite. Sie erschrack, als sie sie in der Ferne, am andern Ende der Halle Saint Augusttn bemerkte, in den Anblick von Damenkravatten zu 19 Sons versunken, die auf einem langen Tische ausgestellt und von Kommis laut aus- gerufen wurden. Es war dies eine Idee von Mouret; er verschmähte auch dieses Genre nicht und machte sich über die Leute lustig, welche behaupteten, die Waare müsse für sich selber reden. Spezielle Verkäufer, Pariser Taugenichtse Dem Interesse der ländlichen— Kennd besitzet etwa der ländlichen Arbeiter, die es wohl weniger nöthig R müssen, dient eine Verfügung des Ministers der öffentliche � beiten. Der„Reichsanz." macht darüber folgende Angaben-' ist Klage darüber geführt worden, daß die bei Eisenbahnba beschäftigten Unternehmer vielfach die Interessen der Grundbesitzer dadurch schädigen, daß sie kontra ktbruq gewordene ländliche Arbeiter annehmen und rros' sie ergangener Reklamationen nicht ohne' Weiteres z u rü ck g � oder gar, daß sie den ländlichen Grundbesitzern die Arbeiter�■, Verleitung zum Kontraktbruch ausmiethen. Ein derartig�/ begründeten Beschwerden Anlaß gebendes Verfahren der u nehmer darf nicht gestattet werden, weshalb der MnnM öffentlichen Arbeiten die Königlichen Eisenbahn-Direwonen auftragt hat, geeignete Maßnahmen zu treffen, damit Bon � nisse der gedachten Art vermieden werden."— VorzugltZ dieser Auslassung der Ton. Kontraktbrüchig gewordene m werden„zurückgegeben", etwa wie nian eine Summe Eelve», irsKd einen Gegenstand zurückgiebt. Wie herrlich weit 9 es doch gebracht! t Eine t-rachtenswerthe Auslassung des preft' rentan» in der„Leipz. Ztg." verdient weiteste Berbrei ie„Leipz. Ztg." hatte in einein längeren Artikel ihre Zu! mung zu der bekannten Stumm'schen Fabrikordnung kundgeg: in welchem insbesondere der Heirathskonsens als eine uve � segensreiche Einrichtung geschildert wurde. In diesem» war u. 31. die Bemerkung eingestreut, daß auch einige eng!, Gewerkvereine die Verheirathung ihrer Mitglieder von»et nehmigung des Gewerkveremsvorstandes abhängig machen i, Darauf veröffentlicht Professor Dr. Brentano in der„Letpi- o folgende Berichtigung: „Ich glaube, die englischen Gewerkvereine gut zu kenn auch besitze ich die Statuten und Berichte einer Anzahl dcrff- die ich gern zur Einsicht zur Verfügung stelle. Es ist Mr etwas vorgekommen, was die in der„Leipziger Zeitung sprochene Behauptung rechtfertigen könnte. Wohl aber wew daß die englischen Arbeiter eine Zumuthung, wie sie hier sprochen ist, mit derselben Entrüstung zurückweisen würden, wenn sie vom Arbeitgeber ausginge. Und wenn ein Arveng � ihnen eine solche Zumulhnng stellen wollte, wäre die Schrei der Entrüstung von einem Ende des Landes zum an � es würde nicht einmal zmn Streik kommen, denn der betr.» geber würde ganz außer Stand sein, seine Zumuthung rntgeM' öffentlichen Meinung aufrechtzuerhalten. Aber eine solche Zumm? würde dort niemals gestellt werden können. Der Arbeng der sie stellen würde, wäre zeitlebens ein Gegenstand HA Entrüstung. Auch kann meiner Erfahrung nach nich» Arbeitsverhältniß so sehr verbittern als die Geltendmachung solchen Herrschaft des Arbeitgebers über das persönliche des Arbeiters. Und indem Herr Stumm sich damit zu' � fertigen suchte, daß er sich darauf berief, den Arbeitern würo Beachtung der Borschrift der Einholung des Heirathskom_ bei Eingehung des Arbeitsvertrages zur Arbeitsbedingung macht, bediente er sich des manchesterlichen Arguments, m„ dessen die Rechtfertigung der revoltirendsten ArbeitsbedingU"» versucht wurde!" Zweierlei ist besonders beachtenswerth in dieser Bericht# einmal die unqualifizirbare Art und Weise der Bevormundung � deutschen Arbeiter seitens der Unternehmer im Gegensatz N � englischen Unternehmern und zum Andern die Lammesgeduld� deutschen Arbeiter gegenüber den englischen Arbeitern, mit w» � jene auch das unverschämteste Ansinnen ertragen. Hütte- deutsche Arbeiter mehr Selbstbewußtsein— nur annäl viel wie sein englischer Klassengenoffe— die feudalen, eines Stumm und anderer klemerer Stummeriche würde», ihrem lächerlichen Nichts verschwinden, wie morscher Schnei der Frühlingssonne. � Ein Eingesandt, welches der Leipziger„Wähler" ver licht und die Bemerkungen, welche die Redaktion des Blatt« vollem Recht daran knüpft, dürften auch für unsere Left Interesse sein: „Das Sozialistengesetz soll und wird fallen, wie der politischen Konstellation ersehen kann. Der Vater „staatsmännischen Musterleistung", wie die„Leipziger es nannte, ist schon selbst außer Dienst gestellt und nun ftü, lfi noch seine„staatsmännffche Musterleistung" und„Schöpfung alte Eisen wandern. Das ist bitter für die Leipziger Tante, Ja es läßt sich dagegen nichts machen. Die Welt will sich nach den guten und weisen mütterlichen Rathschlägen der � ziger Tante entwickeln, sondern schlägt starrköpfig andere W# ml Das Gesetz soll fallen und zwar soll es„ruhig" ablaufen. „Frkf. Ztg." und die„Berk. Volks-Ztg." verlangen, daß J,»ß, aufgehoben und daß eine allgemeine Amnestie erlassen werden«�, Sie sagen, wenn das Gesetz bis zum letzten Augenblicke habt wird, so würde dies einen kläglichen Eindruck machen und � versöhnend wirken; würde hingegen das Gesetz sofort aufgeü so würde den Arbeitern dadurch gesagt: wir wollen mit y System brechen und wir wollen die berechtigten Forderungen � Arbeiter unter der Aegide der Freiheit prüfen und verwirsis� Dvs, was diese beiden demokratischen Zeitungen da aussuv� hat manches für sich, aber der wahre Kernpunkt, warum und Blaguenrs waren damit betraut, solche kleinere mit lauter Stimme unter die Menge zu iverfen.,«w — Oh, Mama, flüsterte Valentine, sieh doch diese � vatten! Jede hat in der Ecke einen gestickten Vogel. � Der Kommis pries den Artikel und schwur, Lj Kravvtte sei durchaus von Seide, der Fabrikant M � � fallit geworden und man werde niemals etivas Schon und Wohlfeileres bekommen. — Neunzehn Sons! ist das möglich? sagte MA.ck Marty, entzückt gleich ihrer Tochter. Pah, ich darf � zwei bavon nehmen, das wird uns nicht ruiniren. v Madame de Boves verhielt sich geringschätzig..Sie j. achtete diese Art von Verkauf. Als ein Kommis sie')C.-it rief, ergriff sie die Flucht; Madame Marty war überr. � und begÄff dies nicht. Sie war anderer Natur und es, sich«berrumpeln zu lassen.■[ — Iftnb nun rasch mein Schnürband, sagte sie, ich' nichts mehr sehen. s fit Allein» als sie die Abtheilungen für Foulards un Handschuhe durchschritt, ward sie wieder weich. Es befgu, � hier unter dem vollen Lichte des Glasdaches eine Aussn. � in lebhaften und heiteren Farben von entzückendem l...,. Die symmetrisch aneinander gereihten Pulte waren wie ü platze, sie verwandelten dieHalle in ein französisches Blume in welchen die Blumen m allen Farben und Abstuft lachten. In dickbäuchigen Kartons lagen auf den � Cjjic Mafsen von Foulards: hellrothe wie Geranien, myo � wie Petunien, goldgelbe wie Chrysanthe««, himmelblau Verbenen; weiter oben, an Messingstäben, zog sich ein w "<*<.4. AM' h- �oiunien]ci}nxua nxn, yeuuuci uu» wuivuuiucii und Bändern,«n leuchtender Kordon, der sich verlang an den Säulen hinaufschlängelte und sich in den SP verhundertfachte. Allein, was die Menge am meisten packte, das der Handschuh-AlÄheilung ein Schweizerhäuschcn, guNZ Handschuhen aufgebaut, ein Meisterstück Mignots, zwei Tage Arbeit erfordert hatte. Schwarze Hanoi bilteten das Erdgeschoß, dann kamen resedafarbene, � blntmrbene Handschuhe, die als Dekoration angebracht w n?,eim es nicht mehr verlängert werden soll, sofort oitszir L™ ist ein ganz anderer; für die sofortige Aufhebung i„'.9,eu viel gewichtigere Gründe, und wir wollen heute einige Muhren. Würden z, B. jetzt, in den Monaten Mai und Juni, - Leiter bei Verbreitung von verbotenen Druckschriften abge- 12'' 0 würde die ganze Prozeßprozedur nnt Reichsgerichts-Ent- ,Mung mindestens bis Anfang September danern. Das Urtheil Nnte demnach noch mit knapper Roth Rechtskraft erhalten; der �waffallige müßte also seine Strafe noch absitzen. Hingegen Alle Prozesse wegen Vergehen gegen das Sozialistengesetz, 2%"> de» Monaten Juli, August und September begangen erven, nicht mehr beendigt werden können, denn die sl"' würde sein dav . beendigt & i- zu kurz sein, damit die Strafsache bis zum i»'??°piember durch alle Instanzen gelangen könnte. Wurden Monaten Arbeiter bei Verstößen gegen das Gesetz so brauchten sie nur alle Instanzen zu benutzen ? Sache würde dann vor das Reichsgericht gelan- JJ,..' sv käme es dort zur Verhandlung, wenn das Gesetz— nicht 22 bestände. Also schon aus diesem Grunde würden alle Ver- Wen, welche gegen das Sozialistengesetz in den letzten drei begangen würden, straflos endigen. Aehnlicher kurioser £. 7 J e dürften wir viele erleben. Betrachtet man das ab- Sozialistengesetz von dieser Seite, so kann man sagen: .besetz hat Ende Juni seine Rechtskraft verloren; alle späteren nuf I?9en rndigen resultatlos und straflos. Sollte indeß das 22? bis zum letzten Athemzuge„in Kraft" bleiben, so dürften ,2 iusiigt Dinge erleben; es dürften nur Heiterkeitserfolge erzielt Verden. Das Gesetz hat Ende Juni seine positive Kraft verloren, wd deshalb werfe man so schnell als nur möglich diese„staats- �Nische Musterleistung" ins alte Eisen. X. .... l-ww haben vorstehende Ausführung unseren Lesern mitge- ni sie einer weitverbreiteten irrigen Ansicht Ausdruck nvSr �iner irrigen— denn ein„Vergehen" oder„Verbrechen" ,22 stets nach denjenigen Gesetzen bcurtheilt und gerichtet, welche 2 Zeit der That(delicti commissi) in Kraft waren. Wenn in Zeitraum zwischen Begehung und Aburtheilung der That swe Aenderung der Gesetze stattfindet, so kann dies zwar auf die -ownessung der Strafe von Einfluß sein, juristisch, d. h. mit Bezug Ä die Rechtsfrage aber wäre sie völlig belanglos. Red. des »Wahler".) s Mit dem Uiickti'itt de« Finansminiller« v. Schal? W a e§ nunmehr, nachdem derselbe wieder in Berlin einge- t offen. Ernst zu werden. Der ruhigere Posten, auf den Herr cholz sich zurückziehen soll', scheint auch bereits gefunden zu In offiziellen Kreisen spricht man, der„Post" zufolge, «"»n, daß der seitherige Finanzminister Nachfolger des Chef- Präsidenten der Ober-Nechnungskammer, Wirkl. Geh. Raths von Mnzner werden wird. Dieser Beamte feiert in den ersten Tagen Juli sein sechszigjähriges Dienstjubiläum und gedenkt, sich (n Geschäften zurückzuziehen. Es handelt sich da um einen '~' Dienstwohnung). § Herrn v. Scholz wollen. Der Leipziger Amtatzauptma«»— P latzmann sst sein Name— scheint mit seinem bekannten Dank an ble Leipziger Arbeiter nicht den Dank der sächsischen Regie- rung verdient zu haben. Es muß auch gesagt werden, daß ble naive Offenherzigkeit des genannten Beamten zu der siaatsmännischen Absicht des Herrn von Nostiz-, Wallwitz, ben Leipziger Belagerungszustand vom 30. Juni bis zum ?0. September prolongiren zu lassen, so schlecht wie nur ckgend möglich paßt. Was soll aus den haarsträubenden »Motiven" werden, wenn der maßgebendste Beamte in der denkbar deutlichsten Sprache die Haltung der belagerten Arbeiter für m u st e r h a s t erklärt? Da hört eben die politisch-polizeiliche Geisterbeschwörung aus. Die Dank- anspräche des Herrn Amtshauptmann hat die rothen Ge- Fenster verjagt/wie der Sage nach beim Krähen des Hahns die gewöhnlichen Gespenster auseinanderstieben. Dem Leipziger Herrn Amtshauptmann war es allerdings % Morgen des 1. Mai nichts weniger als behaglich zu Düthe. Er war auf das allerschlimmste gefaßt und wenn dt« Leipziger Arbeiter eine Bartholomäusnacht organisirt Und die gute Seestadt Leipzig in einem Blutmeer ersäuft Wen, so wäre ihm das fehr fatal gewesen, jedoch nichts weniger als unerwartet. Der Herr Amtshauptmann ist ein Episches Exemplar jener großen Schaaer von Köhlergläubigen, weiche die staatsretterischen Lügen über die Sozialdemo- tratie für baare Münze genommen haben und Opfer ihres Köhlerglaubens geworden sind. -, Der Professor Kohlschiitter in Hall« hat den reaktionären Heißspornen, welche die Sozialdemokratie ausrotten möchten, ein wenig Wasser in ihren Wein geschüttet. Aufgefordert, einer neuen Partei zur Bekämpfung der Sozialdemokratie(au!) beizu- treten, erklärte der genannte Herr: Man möge die Sozialdeino- Wtie als politisch gleichberechtigte Partei ansehen und ihr. so wnge sie die Erreichung ihrer Ziele im Rahmen der Gesetzgebung dw Fenster einrahmten, die Balkons markirten, die Ziegel setzten. Was wünschen Madame? fragte Mignot, als er Aiadame Marty vor dem Schiveizerhäuschen festgebannt flickte. Wir haben schwedische Handschuhe zu 1 Fr. 75, °rste Qualität., 0 Es war seine Leidenschaft, die Passanten hmter seinem "omtoir anzurufen, sie durch seine Höflichkeit zu bc- wmgen. Da Madame Marth ablehnend den Kops schüttelte, 1% er fort: ...-7 Tiroler Handschuhe zu 1 Fr. 25, Turiner-Handschuhe 'Kt Kinder, gestickte Handschuhe in allen Farben. qv.— Nein, ich danke, ich brauche nichts, erklärte Madame Aiarty. .�Allein er merkte, daß ihre Stimme schwächer wurde, er }!w% noch hartnäckiger zu, indem er ihr gestickte Hand- '?uhe vorlegte und sie gab ihren Widerstand auf; sie taufte wl Paar davon und als sie Madame de Bovev kacheln sah, Möthete sie -- Ich bin ein Kind, nicht wahr? Wenn ich nicht Schnürband kaufe und davon gehe, bm ich ver- ra Unglücklicherweise gab es in der Psaidlcrei ein solche» mmm «LZ%% 1 mit Gründen anstrebt, mit Gründen, nicht aber mit Gewalt gegenübertreten. Wie das Anwachsen der Partei dieselbe auf ruhigere Wege dränge, zeige sich schon jetzt aus ihrem Verhalten deutlich. Daß Unruhen ernstlicher Natur nicht zu befürchten, habe der Verlauf des 1. Mai bewiesen. Wie liberalerseits vor- ausgesagt, sei Sinn für Ordnung und Gesetzlichkeit auch in den breiteren Massen viel tiefer begründet, als man sonst annehme, und der Staat wäre doch zu fest gefügt, als daß er ohne Weiteres auseinandergehen könne. Man möge vor Allem dahin wirken, daß die Weiterentwickelung der Gesetzgebung sich im liberalen Sinne vollziehe.— Im liberalen Sinne, d. h. im wirklich liberalen Sinne und der ursprünglichen, aber nicht in der korrum- pirten Bedeutung- des Wortes.— Es ist nicht gesagt, mit wie langen Gesichtern die Sozialistenfrcsser abgezogen sind. Aus Lvrirzrir, den 28. d. M. schreibt man uns: Herr v. Bethmann-Hollweg hat sein Mandat niedergelegt, nachdem die Wahlprüfungskommission es für ungültig erklärt hatte. Die terren vom Kartell trugen sich mit dem Gedanken, den eisernen erzog in Friedrichsruh als Kaudidaten aufzustellen. Es muß wohl aber aus der Sache nichts geworden sein. Plötzlich wie ein Blitz aus heiterem Himmel wurde die Neuwahl zum 3. Juni mit ders' Kandidatur des ungültigen Reichstagsboten proklamirt. Schlecht kann man diesen Schachzug nicht nennen, denn auf eine derartige Ueberrumpelung war man hier nicht gefaßt. Wie dem aber auch sei, die Herren soll«" uns auf dem Platze finden. Mit neuer Kraft und frischem Muth gehen wir dem Kampf entgegen. Das Wahlkomitee, bestehend aus den Herrn R. Salomon, Wriezen, A. Pökelmann, Strausberg und G. Mehnert, Eberswalde, hält an der Kandidatur des Herrn Otto Thierback fest. Am nächsten Sonntag werden in Wriezen, Eberswalde und Strausberg Volks- Versammlungen abgehalten werden. An» dem Saarrevirv, 20. Mai. Während der letzten Tage fanden, nach der„St. Joh. Ztg.", in mehreren Orten des Bezirks Vorträge des ehemaligen Bergmanns Fischer aus Gelsen- kirchen statt behufs Gründung evangelischer Arbeitervereine.— „Schade nur"— schreibt die„Saarbrücker Zeitung"—„daß die- jenigen, an welche der Vortrag zunächst gerichtet war— die Arbeiter— gar nicht in der Versammlung vertreten waren." Di« Handlungsgehilfe» in Uordbrastlien versuchen, wie wir dortigen Zeitungen entnehmen, seit Beginn dieses Jahres durch eine energische Agitation ihre wenig erfreuliche Lage zu verbessern. Sie haben damit begonnen, die vollständige Schließung der Geschäfte an den Sonntagen zu verlangen, womit sie auch i n Bahia, der Haupthandelsstadt des tropischen Brasiliens, Er- folg hatten. In P e r n a m b u c 0 dagegen kam die Polizei den bedrängten Prinzipalen zu IHilfe; und als am 18. April etwa 300 Handlungsgehilfen die Arbeit eingestellt hatten und in einer Versammlung ihre weiteren Schritte berathen wollten, ließ der Polizeidirektor dieselben durch eine Kompagnie Soldaten um- ziugeln und sie als gefangen erklären. Die Streikenden wurden alsdann unter starker militärischer Bedeckung nach einem im Hafen liegenden Kriegsschiff gebracht, von welchem mir diejenigen entlassen wurden, welche sich verpflichteten, zu den bisherigen Be- dingmigen wieder in Arbeit zu treten. Militärpatrouillen und begleitende Polizeiagenten hatten alsdann dafür zu sorgen, daß die Entlassenen sich auch thatsächlich ihren früheren Herren wieder stellten. chwei». ekanntlich ist die schweizerische Ar- Revision des eidg. Fabrikgesetzes, die Arbeitszeit durchzusetzen, deren täglich verlangt wird. Diesen Be- Zürich. beiterschaft 26. Mai.% bemühlt, eine namentlich in Bezug auf Reduktion auf 10 Stunden strebungen der Arbeiter gegenüber dürfte die folgende Bemerkung )es Fabrikinspektors Nüsperli in seinem neuesten Berichte von Interesse sein:„Eine größere Anzahl von Etablissementen hat die Normalarbeitszeit auf 10 Stunden reduzirt. Dieser Versuch ist namentlich auch in einer der bedeutendsten Uhrenfabriken ge- macht worden, wobei es sich ergeben hat, daß das Etablissement ganz wohl mit allen anderen Fabriken konkurriren kann und ortfährt zu blühen und zu gedeihen." Dieser Bemerkung ent- spricht die Thatsache, daß bereits viele Etablissemente der Schweiz die lOstündige Arbeitszeit eingeführt haben. FrauKveich. Ueber die französische Bergarbeiter-Schutz- gesetzgebung entnehmen wir der„Allgem. Zeitung" folgende interessante Einzelheiten. Der frühere Bautenminister Baihaut brachte als Berichterstatter des Gesetzes über die Arbeiterdelegirteu für die Kohlengruben einen tiefen Eindruck hervor, der sich allen Schichten der Gesellschaft mittheilt. Dieses Gesetz ging seit 1882 zwischen der Kammer und dem Senat ergebnißlos bin und her; die Kammer hat es endlich zu Stande gebracht. Europa, sagte der Berichterstatter, ist ein— Feldlager, aus dem sich em Schrei des Erbarmens erhebt für die Schwachen, die Greise, die Frauen und Kinder, für alle Unglücklichen, welche von den Staatsgewalten ein wenig mehr soziale Gerechtigkeit erwarten. Wir stehen viel- leicht einer Umgestaltimg wie vor einem Jahrhundert gegenüber. Damit die Evolution sich friedlich vollziehe, ist es die oberste Pflicht der Gesetzgeber, die Gewaltthäligkeit zu entwaffnen, indem sie sich als gerecht und sogar als großmlithig bewähren. Im Jahre 1739 wurden in Frankreich jährlich 675 000 Tonnen in zwei Wochen würden Sie ihn für 12 Franks bekommen haben... Mich werden diese Lente nicht dran kriegen. Und sie sehte eine ganze Theorie der guten Hausfrau auseinander, man müsse später kaufen, meinte sie, denn die Magazine setzen unfehlbar die Preise herab. Sie wolle nicht durch dieselben ausgebeutet werden, sie wolle wohlfeil kaufen und kaufe auch stets wohlfeil. Sie führte diesen Kampf gegen die Magazine mit einer gewissen Schadenfreude und rühmte sich, daß sie dieselben niemals einen Sou gewinnen habe lassen. — Indeß, sagte sie schließlich, ich habe ja meinen Kleinen versprochen, ihnen da ooen im Salon Bilder zu zeigen, kommen Sie mit mir, Sie haben ja Zeit. Utid nun war das Schnürband vergessen, Madame Marty gab nach, während Madame de Boves refüsirte. Sie ziehe es vor, sagte sie, vorher im Erdgeschoß die Runde zu machen. Uebrigens hofften die Damen, sich oben zu treffen. Madame Bourdclais suchte eine Treppe, als sie die Auf- zugsmaschine bemerkte und sie beeilte sich auch, mit ihren Kindern zur Aufzugsmaschine zu gelangen, um so die Partie zu vervollständigen. Madame Marty und Valentine traten ebenfalls in den enge» Käfig ein, wo man nun sehr gedrängt saß. Allein die Spiegel, die sammtbedeckten Bäukchen, der reich gearbeitete Verschluß der Thür beschäftigten die Gesellschaft dermaßen, daß man den sanften Aufstieg der Maschine gar nicht bemerkte. In der ersten Gallerie harrte ihrer übrigens ein anderes Vergnügen. Da man eben am Büffet vorbei kam, ließ Madame Bourdelais es sich nicht entgehen, ihre Kleinen mit Syrup zu traktiren. Dieses Büffet war ein vier- eckiger Saal mit einem breiten Tisch; an beiden Enden waren Springbrunnen aus versilbertem Metall. aufgestellt, njelche einen feinen Strahl steigen ließen. Dahinter waren aus kleinen Tischchen Bouteillen aufgestellt. Drei Laden- burschen waren damit beschäftigt, unaufhörlich die Gläser auszuspülen und frisch zu füllen. Um. die herandrängende Menge in Ordnung zu halten, mußte man eine Art Queue einrichten, wie vor den Theatern, was mit Hilfe einer ele- ganten, mit Sammet überzogenen Barriere geschah. (Fortsetzung folgt.) Kohle zu Tage gefördert. Die Förderung beträgt gegenwärtig 23 Millionen Tonnen im Werths von etwa 230 Millionen Frank». Es werden überdies 10 Millionen Tonnen Kohlen vorzüglich aus Belgien und England eingeführt. Die Anzahl der eigentlichen Kohlengräber übersteigt 200 000 mit einem Jahreslohne von 114 Millionen Franks, die bestehende Sicherheitskontrole ist besser als in anderen Ländern und die Unglücksfälle sind seltener als in Belgien, England und Deutschland. Doch wurde nach und nach auch von den Grubenbesitzern die Zweckmäßigkeit und sogar die Rothwendigkeit anerkannt, daß die Arbeiter Delegirte erwählen, welche monatlich zweimal alle Gänge und Tiefen besichtigen und ihre Bemerkungen bezüglich der Sicherheitsbedingungen in einem Register Protokolliren, auch bei einem Unglücksfall den ersten Thatbestand unverzüglich an Ort und Stelle konstatiren. Die Unabhängigkeit der Arbeiterdelegirten wird dadurch sickergestellt, daß je ein Tele girier für einen Bezirk besteht, dessen voll- ständige Besichtigung nicht mehr als 6 Tage erfordert, und daß der Delegirte vom Staate eine Geldentschädigung bezieht, die mindestens dem Lohne von 10 Arbeitstagen gleichkommt und dem Staate von der Grubenverwaltung zurückbezahlt wird. Es be- fanden sich unter 600 Abgeordneten nur 4, welche diesem Gesetze ihre Zustimmung verweigerten. Die Kammer klatschte sich selbst Beifall.— Was sagen dazu die Herren Stumm und Konsorten? Wir empfehlen ihnen die Haltung der französischen Kammer zu geneigter Beachtung und Nachahmung. Paris. 28. Mai. Vor dem Zuchtpolizeigericht wurde heute das Urtheil in Sachen der Lociötc desMetaux verkündet. Die Glieder der Verwaltung wurden des wucherischen Aufkaufs von Kupfer und der Vertheilung fiktiver Dividenden für schuldig erklärt und verurtheilt: Secretan zu sechs Monaten Gefängniß und 10 000 Franks Geldbuße, Lavessisre zu drei Monaten Ge- fängniß und 3000 Franks Geldbuße, Hentsch zu 3000 Franks Geldbuße. Joubert, der Direktor der Bank von Paris, wurde arts, 28. Mai. Der Ausstand der Bergleute im Gard- Departement ist als beendet zu betrachten. Mehr als zwei Drittel der Arbeiter habe» ihre Befchästigungen wieder aufge- uommen. Paris, 23. Mai.„W. T. B." versendet folgendes Tele- gramm:„Die Polizei verhaftete heute früh 15 russische Staats- angehörige, bei denen zahlreiche Schriftstücke, sowie Explosivstoffe mit Beschlag belegt wurden. Die Verhaftung derselben erfolgte auf die zahlreichen Einkäufe hin, die sie bei Chemikalienhändlern gemacht hatten. Die Verhafteten sind Mendelsohn aus Fon- tenay aux Roses, welcher das Haupt dieser nihilistischen Verbin- dung zu sein scheint, ferner Orloff genannt Volgrin, ein Studenr Namens Lavreynius,. Fräul. Guatowski, Labowitsch, Atschinazi, Reichleu und dessen Frau, Frl. Redozova, Nakatchiz, Nepanow, Kalchinzen genannt Anämien, Peplof genannt Levoff, Jemstei und Frl. Brombcrg. Bei sämmtlichen Verhafteten wurden. Bomben und Explosivstoffe vorgefunden."—> Die Nachricht ist mit Miß- trauen aufzunehmen. Kelgictt. Die belgische sozialistische Arbeiterpartei schließt sich bei den diesmaligen Wahlen, wie zu erwarten war, keiner Partei an, sondern zieht mit ihrem Programm allein in den Kampf. Sie hat das Anerbieten der Progrefsisten und Ra- dikalen, Arbeiterkandidaten im Bunde mit ihr anfzustellen, abge- lehnt. Sie begründet ihre Abweisung damit, daß Liberale, Pro- gressisten und Raditale vereinigt das allgemeine Stimmrecht nicht einführen wollen und daß die'Arbeiterpartei sich mit dem Zensus- Wahlsystem, welches nur auf Bestechung beruhe, nicht verbinden dürfe. Wer am meisten Geld ausgebe und besteche, werde gewählt. Liberaler und klerikaler Wein und Champagner, Bier und Wahl- mittagbrote zum Preise von 5 Franks per Stück wie baare Gelder arbeiteten, so daß die Wahl eines Kandidaten 60 000 Franks bis 150 000 Franks koste. Mit solchem schämlosen Vorgehen dürfe sich die sozialistische Arbeiterpartei, welche das Wahlrecht für alle Bürger fordere, nicht verbinden. An diesen Angaben ist Alles buchstäblich wahr. Die sozialistische Partei hat gleichzeitig einen neuen Fortschritt in ihrer Organisation erzielt. Sie hat 17 sozialistische zur gegenseitigen Unterstützung errichtete, aus 7210 Mitgliedern bestehend« Vereine in einen Bund mit dem Sitze in Gent vereinigt. Italle«. Rom, 27. Mai. Ueber die gestrige Sitzung der Kammer, in welcher die Interpellation Bovio's betreffend die polizeiliche Maßregelung des demokratischen Kongresses auf der Tagesord- nung stand, ist folgendes zu berichten: Bovio führte in der Be- gründung seiner Interpellation aus, die Polizei habe das Ver- sammlungsrecht verletzt; er tadelte das Verfahren der Regierung und appellirte an das Urtheil des Landes. Crispi antwortete, indem er zunächst bemerkte, seine Handlungen und die von ihm vorgelegten Gesetze zeigten genau die Grundsätze seiner Regierung an, die übrigens der Kammer und dem Lande zur Genüge be- kannt seien. Die Verfassung habe zwar das Vereins- und Ver- sammlungsrecht gewährleistet, aber es sei nicht zu vergessen, daß die Ausübung dieser Rechte durch das Gesetz über die öffentliche Sicherheit geregelt sei. Run hätten auf ihrer Reise nach Frank» reich die Delegirten der italienischen Demokratie gegen den Frieden gesprochen. Lantano, auf den dieser Ausfall gemünzt war, rief dazwischen, daß dies eine Verläumdung sei, was einen großen Tumult in der Kammer hervorrief. Als die Ruhe wiedexherge- stellt war, erklärte Crispi, daß er auf das Versammlungsrecht die nämlichen Grundsätze anwende, die man in England bade. Die Regierung hindere friedliche Kundgebungen nicht, aber solche seien jene nicht, die nnt der Tödtung oder Verwundung von Offizreren und Soldaten enden. Er fürchte keine Partei, aber er werde nicht dulden, daß man die Gesellschaft unterwühle. Diese Er- klärun� rief auf der äußersten Linken lebhafte Proteste hervor, worauf Crispi beifügte:„Sie wollen hier machen, was Sie draußen versuchen, aber weder hier noch draußen lasse ich mir von Ihnen imponireu!"(Der reine Bismarck. Red.) Booro erklärte darauf, daß er die Antwort des Ministerpräsidenten un- genügend finde, und er brachte ein förmliches Tadelsvotum ein, dessen Berathnng mit der Diskussion des Budgets des Mini- steriums des Innern, dessen Inhaber bekanntlich Crispi ist, ver- bunden wird. Spanien. Der Bergarbeiter- Aus st and im nördlichen Spante n ist nunmehr, wie uns aus Madrid geschrieben wird, gänzlich beendet, nachdem sich die Grubenverwalttmgen ver- pflichtet hatten, auch die„Rädelsführer" der Streikbewegung wieder einzustellen. In den am Psingstsonntag abgehaltenen Versammlungen entschloß man sich daher, am Dienstag die Arbeit wieder überall aufzunehmen. Es wurde aber zuvor aus den Delegirten sämmtlicher Gruben ein Ueber wachuugs- ausschuß gebildet, welcher an zwei Sonntagen im Monat in Bilbao zusammentritt und vor Allem darauf zu sehen hat, daß die den Direktionen abgerungenen Zugeständnisse und die acht- stündige Schrchtdauer genau eingehalten werden. _. Kalkanlander. _. Die»Köln. Ztg." bemerkt zu dem Prozesse Panitz«: Dre rustychen Blätter behaupteten, es sei eine Betheiligung des 'Auslandes an dem Unternehmen Panitza's nicht nachgewiesen worden. Dagegen müsse in Erwägung gezogen werden, daß, wenn auch Briefe von G i e r s und H i t r 0 w 0 nicht an Panitz« abgegangen seien, doch hochstehende offizielle Personen bei solchen dunklen Sachen ihre Unterschrift nicht hergäben. Jakobson sei der anerkannte Vermittler zwischen Hitrowo und den Ver- schwörern gewesen. Die Unterredung Panitza's mit Willamow zeige deutlich, daß Rußland die Hand im Spiele gehabt habe. Wenn ein russischer Beamter mit einem bulgarischen Offizier in geheime Verbindung trete, so könne das nur den Zweck haben, den Offizier zu gesetzwidrigem Vorgehen gegen die Staatsregierung aufzurerzen. Arbeiter Berlins und Umgegend! Durch die Presse und anderweitig verbreitete falsche Gerüchte sucht man den Vierring als gesprengt und den Brauerstreik als beendet darzustellen, um dadurch die Arbeiterschaft irre zu leit» Wir bitten daher um fernere Unterstützung, indem ihr kein Bayerisch Bier trinkt, bis der Friede im„Verl. Volksblatt" endgiltig erklärt wird. Bis jetzt hat nur„Münchner Brauhaus"« Johannisstr. 18/19, bewilligt. Trinkt daher nur dieses Kier. Die Lohnkommission der Eranergesellen von Berlin und Umgegend. Theater. Freitag, den 80. Mai. Tpernhaus. Die Walküre. Kchanspielhans. Verlorene Liebes- müh. Kerliner Theater. Die Räuber. Deutsches Theater. Der Königs- lieutenant. Hessing- Theater. Der Zaungast. Friedrich-Milhelmstädt. Theater. Der arme Jonathan. MaUirer-Thrater. In falschem Ver- dacht. Hierauf: Unter vier Augen. Uiktoria-Theater. Stanley inAsrika. Ostend- Theater. Lohengrin. Nrstdeni-Theater. Marquise. Kellealliaure- Theater. Der Nau- tilns. troll' s Theater. Don Juan. dolf Ernst» Theater. Der Gold- fuchs. Kanfmann's Uariotä. Große Spe- zialitäten-Vorstelluug. Englischer Karten Direktion: C. Andress, Alexander- straße 27c. kröjsuW W SovlAergllrtcils und Bühne. Täglich Auftreten erster Spezialitäten. Ansang Wochentags 8 Uhr. Sonntags BVs Uhr. Entrce Wochentags und Sonntags 80, 50 it. 75 Pf., im Vorverkauf 30 u. 50 Pf. Der Garten ist an Vereine für Com- merfestlichkeiten mit Spezialitäten-Bor- stellung zu vergeben. Andrea». MWmilt Buggenhagen am Moritzplatz. Täglich: Grosses Garten-Concert. Direktion A. Rödinan». Dienstag und Freitag: Walzer-Abend. Fnh'AA Wochentags 10 Pfg., HjIUIcc sonn- und Festtags 25 Pfg. Bei ungünstiger Witterung in den untere» Restaurationsräumen. Großer Frühstücks- und Mittagstisch. Spezial-illusschank von Patzenhoser Export-Bier, Seidel 15 Pf. Die oberen Säle bleiben bis auf Weiteres wegen Renovirung geschlossen. 641 F. Müller. Varietä-Theater. (Hasenhaide) Eerrmannstr. 18— Neue Strasse 18. In dem vollständig renovirten Garten: 275 Theater, Spezialitaten-Borstellullg und BALL. chweg neues Programm. 4 Uhr. Entree 25 Pf. Kinder frei! Passage 1 Tr. 9 Uhr M. b. 10 Uhr Ab. Kaiser-Panorama. Hervorrag. Sehenswürdigk. d. Residenz. In WßBT dieser Woche: 3. Reise durch die Schwei», das nmlerische BernerOberland. 2. Wanderung durch die PariserMelt- AussteUnng. Eine Reise 20 Pf.. Kind nur 10 Pf Abonnement 1 M. Drtskrankenkasse der Klempner. Die Mitgliederunserer Kasse, Klempner Carl Himer und Arbeiter Julius Siebert sind verstorben. Die Beerdigung derselben findet am Freitag, den SO. d. M., Nachm. 6 Uhr, und zwar des ersteren von der Woh- nung Urbanstr. 108 nach dem neuen Jakobikirchhofe und des letzteren von der Leichenhalle desselben Kirchhofes aus statt. 639 Oer Vorstand. Gr. öffentliche Versammlung fiimmtlicher Vergolderinnen und Vergolder am Montag, den 2. Juni, Ab. 8VsUhr, in Scheffer's Lokal, Jnselstr. 10. Tagesordnung: 1. Wie stellen sich die Vergolderinncn und Vergolder zu dem Lohnabzug der Barock- Vergolderinnen der tirma August Werkmeister? iskussion. 3. Verschiedenes. Zur Deckung der Unkosten findet Tellersammlung statt. 689 Die Ginberuferin. Allgem. Teutslher Sattlerverein (Mitgliedschaft Kertin). Sonnabend, den 31. Mai, IIb. SVs Uhr, bei Reget;, Alte Jakobstr. 83: Versammlung» Tages-Ordnung: 1. Vorlesung. 2. Gewerkschaftliches. 3. Verschiedenes und Fragekasten. 691 Der Vorstand. Falhverein der Steindrncker und Lithographen. Versammlung am Sonnabend, den 31. d. MIß., Abends S'/a Uhr, in Jordan's Salon, Neue Grünstr. 23. Tagesordnung: 1. Abrechnung von der letzten Matine. 2. Bericht über die Arbeitslosen-Unter- stützung. 3. Unsere Lohnbewegung. Referent Kollege S i l l i e r. 4. Unser Fachorgan. 5. Verschiedenes. 692 Gäste haben Zutritt. Um recht zahl- reichen Besuch bittet Oer Vorstand. Geslhästs-Eröjsnnng. Allen Genossen, Freunden und Be- kannten zur Nachricht, daß ich am 1. Juni in Charlottenburg, Scliamstr. 16, (Eingang Wilmersdorferstraße) ein 681 Cigarren- und Tabak-WM eröffne. Es wird stets inein Bestreben fein, mit guter und reeller Waare zu dienen und bitte bei vorkontniendem Bedarf mich gütigst zu berücksichtigen. A. Sellin. Gr. öffentl. Versammlung der Filiale II Weißensee des Allgemeinen Arbeiterinnen- Vereins sämmtlichpr Berufs- zweige Berlins und Umg. a m S o n n a b e n d, bett 31. Mai, Abends SV: Uhr, im Lokal des Herrn D e w e i n. Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn Wernau. 2. Diskussion. 3. Aufnahme neuer Mit- glieder. 4. Verschiedenes. Männer haben zu der Versanimlung Zutritt. 693 Zur Deckung der Unkosten findet eine Tellersammlung statt. Um zahlreiches Erscheinen bittet Die Keoollmächtigte. Am 1. Feiertag habe ich beim Um- steigen in Charlottenburg im Zug Grnnewald-Griinnu einen 690 hellbraunen Sommerüberzieher (Cheviottstoff, braunes Futter) liegen lassen. Sollte irgend ein Genosse über den Verbleib desselben Nachricht geben können, namentlich Schneider, da ich von großer Statur, ist es nicht ausge- schloffen, daß derselbe geändert wird, so zahle ich 10 Mark in die große Armettitasse und noch Belohnung." Mittheilungen an die Expedition dieser Zeitung, Beurhstr. 3. 690 | Pestev.3>/z—5Meter spottbillig. jEtnil Lelevre,(Dritumtstr. 158. [13 Empfehle mein Bierlokal sowie Arbeiter- Lesezimmer; sämmtliche Gewerkschafts-Organe liegen aus. Emil Böhl, 854 Frankfurter Allee 74. Arbeiter bes Norbens. Am frühesten erhält man das„Berk. Volksblatt" bei 679 C. Pirch, Fehrbellinerstr. 46. Grosse Versammlung lies Wvereins für SGoiser und Maslhineubauarb. Berlins und zsntgcgcud am Sonnabend, den 31. Mai, Abends 8V: Uhr, in Teichert's Salon, (Zentral-Schützenhanss.TeglerChaussee, Scharnweberstr. 4. Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn Türk über: „Die Lage der ländlichen Arbeiter" 2. Diskussion. 3. Aufnahme neuer Mitglieder und Entrichtung der Bei- träge. 4. Verschiedenes und Fragekasten. Wegen der Wichtigkeit der Tages- ordnung wird um zahlreiches Erscheinen ersucht. Gäste haben Zutritt. 697 Oer Vorstand. NB. Arbeiter-Verkehrs-Almanach da selbst zu haben. Empfehle allen Genossen meine Clnserei, Spiegel- uns Bilber- einrahvlung. Verkauf von Bildern bewährter Volks- männer. Besonders empfehlenswerth Sinnsprüche. Neu: Bebel u. Liebknecht, Pendant 37: 51 cm hoch. Bestellungen nach auswärts brieflich. 1050 Karl Scholz, Wrangelstraße 32, Eingang vom Flur. Nur 8 Mark Uagrn. Eingabe», Kittgesuchr latst. Rechtsbeistand 047 Pollack, Alexanderstr. 39, II. Frdl. Schläfst, an 2 H. sof. zu verm Köpnickerstr. 79, H. r. 4 Tr. l. 676 Grabdenkmäler in Mnrinvr, Syenit und Granit fertigt zu den solidesten Preisen A. Zabel, Schönhauser Allee 163. III 31oI)t«6dAÄ"Sach am hiesigen Platze bekanntlich Griisste Auswahl. «arautirt s»>er brennende VHf Tabake. Streng reelle Bedienung, billigste Preise! Sämmtliche im Handel befindlichen Rohtabake fiitb am 1653 Lager. 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Heft 11: Die soziale Frage auf dem Lande, I und II. Von Paul Kampsfmeyer-Genf und%*. Heft 12: Die Arbeiterschutz-Gesetzgebung. Von Paul Ernst-Berlin. Serie II. Heft 1: Der Mythus von der Begründung des Deutschen Reiches. Von Hans Müller- Rostock.— Preis pro Hest 15 und 20 Pf. Einbanddecken zu Serie 1. a 30 Pf. Die Arbeiterinnen-Bewegung Berlins. Vonm. Borger. a Heft 30 Pf. Ferdinand Lassalle,»t«« zu seinem 25jährigen Todestag. Von Max Kegel, a 50 Pf. Gesetz der Alters- u. Invaliditäts-Versicherung- Von A. Bebel und P. Singer. Preis cartonnirt M. 0,50. Lichtstrahlen der Poesie. Gedichtsammlung von Ma* Kegel. Jllustrirt von O. E. Lau. Elegant geb. M. 8,50. Liebknecht, W., Volks-Fremdwörterbuch. Sechst- A u i l a g e. Gebunden SR. 3.—, broschirt in 12 Heften a 20 Pf- Dazu Einbanddecken a 30 Pf. —, Robert Blum und seine Zeit. 2. Auflage. Broschirt in 6 Heften a 25 Pf. Dazu Einbanddecke a 35 Pf. ,—, Ein Blick in die Neue Welt. Elegant gebvn. iDT. 3#—, Stern, J., Die Religion der Zukunft. 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Ns6,r�°"age. betreffend die Entwürfe und Kosten- «WtprA: 9 e u>r die Errichtung der ersten Hälfte einer neuen s'°.i„��"""gs-Station am Müggelsee und einer Vertheilungs- Lichtenberg, die einen Aufwand von zirka 20 Millionen ToJ'tn,' wird an einen Ausschuß verwiesen. Neu?-> Ersauf der Baulichkeiten auf den Grundstücken I- chstr. 33 und 34 zum Abbruch wird genehmigt. -vt a r k für die Renovirung des Treppenhauses im Der N fdtin,,?» � a ch t r a g zun, Etat für die Verwaltung der Kanali- �nen Ausjch/'� Rieselfelder pro I. April 1830/91 geht an Sch/Üß'u t 2:n9C§orbnuns �schöpft. % folgt Uhr. eine nicht öffentliche Sitzung. UnlrQles. U>�,!?�a«tz«u>o Erltlärung ist den» Zerr» Wilhelm der Ii Seiten des Vereins der Bratereien Berlins und �wgegend zugestellt worden: Berlin, den 29. Mai 1890. Herrn Werner! cv. Berlin, Sebastianstraße. 72. ktj zM Anschluß an die Unterredung, welche Sie in Gegenwart den% 9' Singer mit den Mitgliedern des unterzeichneten Vereins, tabt V?6" �b89. Goldschmidt und Roesecke, im Reichstage ge- ' wiederholen wir unsere Erklärung, welche»vir auf (obn; 9 bet Versammlung unseres Vereins am 6. Mai er. der Immission mündlich haben ausdrücken lassen: „Daß der Verein der Brauereien Berlins und der Um- gegend den Herren Braumeistern im Interesse des Friedens empfohlen hat, die ausständigen Gesellen— mit Ausnahme derjenige»,»velche sich in gröblicher Weise gegen ihre Vorgesetzten vergangen haben sofern sie um Arbeit nachsuchen, je nach Bedarf wieder einzustellen. z. Sonntagsruhe in Kerlin. Das Polizeipräsidium hat nach/ »Nationalzeitung" de» Polizeirevieren neuerlich ein Erkennt- � des Kannnergerichts zur Kenntniß gebracht,, vonach an Sonn- ,° Festtagen während der angegebenen Zeit ein Geiverbeverkehr, z-N wenn er durch Seiten- oder Hinterthüren erfolgt, als ein Üblicher anzusehen und deshalb verboten ist. Es ist dabei des Polizeipräsidiums bemerkt»vvrden, daß auch gegen diirch Hinterthüren stattfindenden unerlaubten Handels- birb namentlich während der Hauptkirchstunden, eingeschritten soll,»Venn er den Charakter eines Gewerbeverkehrs an- 1(3« und geeignet ist, dem Sonntage den Charakter eines Feier- C' in nehmen und ihm das Gepräge des Alltagslebens auf- Zacken. »,» 1. J«»i treten mit dem nene» Fahrplan viele »ii, �rungr» in» Verkehr zivische» Kerli» und Spandau Alle Züge von Berlin nach Spandau,»velche über diese 1 to 0'» in der Richtung nach Hamburg hinausfahren; gehen dw'.ab 1. Juni nach dem Lehrter Bahnhof in Spandau; in %-L � Richtung bei der Fahrt in der Richtung von Hain- kr x». Spandau nach Berlin»vird für Spandau gleichfalls kr»- Bahnhof benutzt. Eine große Zahl neuer Verbin- !il,(1pf?,wird ferner für den Verlehr zwischen Berlin und Spandan dagegen können die Hamburger Schnellzüge für den �li>» Verlin-z-pandan resp. Spandau-Berlin nicht mehr benutzt «ii;., Diese Hamburger Schnellzüge halten in Spandau 5ttfr! Zarnicht mehr oder nur noch zur Ausnahme resp. zum Spandauer Passagiere, die von Hamburg»». s.>v. vesp. nach Hamburg u. s.»v. gehen. �eder......................... � �....... i � Spandauer Passagiere, die von Hamburg resp. nach Hamburg u. s.»v. gehen..., !tgh?rori»«ine» Urbelstnnd, der sich regelmäßig be» fest- W'Z..1........... «tliL0"1 wtt Garderobe belegten Stühle. Während os ®�fte vergeblich ein Plätzchen zur Ruhe %pL.9 fachen, uuisse» sie erfahre», daß alle diese»hren Berus >,i�°»te,iden Sitze„besetzt" sind, ihre Inhaber nur augenblicklich stfeei?, uefenö seien, während dieselben, wenn sie überhaupt ze lih,. e», vielleicht noch eine Meile entser »eint das Fachblatt, eine sind oft hunderte und Er- vielleicht noch eine Meile entfernt find. Es zeigt sich das Fachblatt, eine Ilücksicht-losigkeit des neben 1� Lege» andere Gäste und den Lokalinhaber, w»e sie dx ?>>« h l)Umiuöv. ycöcu unsere �ajie uno ut;ii. Jiu nicht gedacht werden kann, denn„wer nicht da iu, chAs«.rc«.UZ.. #«fci)(ih;Lol§ Wirth um Beistand angerufen werden, diesen d»n . m ,9tei1 Gaste in vollen» Umfange gewähreii. tev wie ka»II ertönte»in käonntag i> 4t 'ZU'" --"'»»[fcv III WW V II& will[ll»iyv y v•/.— g wie sonst ertönte am Sonntag im Zoologischen Ml« stn,,* e"d und jänimerlich weinend neben dem Dirige» «»» >l)utl iz Wmmemm I rompetens nicht kennen, aber als man aus seinen » Kinder. Bei urchbrenner— der Mutter zu Berliner.Kinde zu thun habe und die den ivotbei», iL auf dem Orchester als warnendes Beispiel vorgeführt, beim ziveiten und dritten Male nahm man sie an die Hand, führte sie hin bis an die thränenübersiuthete Stätte des Unglücks und erzielte damit auch einen,»venu auch nur momentanen Eindruck. Denn wenn das Känguruh mit seinen grotesken Sprüngen, die Affen mit ihrem possirlichen Klettern oder der Löwe mit seinem majestätischen Gebrüll mit dem»veinenden Knaben in Konkurrenz tritt, dann schivindet der gute Eindruck wieder und die große Sorge der Eltern beginnt von Neuem, daß sie die richtige Kopfzahl auch wieder mit nach Hause bringen. In seinem letzten Schreiben in Angelegentzrit des Vesaner Spukes hat Herr Dr. Egbert Müller in Aussicht gestellt, später einmal— vielleicht— Näheres über die Mani- sestationen zu erzählen, denen ein Jurist und ein Kriminalist unterzogen»vurden. Aus dem nachstehenden erneuten Schreiben des Herrn Dr. Egbert Müller erhellen die Gründe, aus denen er früher, als er beabsichtigte, einen Theil der Geheimnisse preisgiebt. Die„Nat.-Ztg." bemerkt hierzu: Wir bringen die Zuschrift unver- kürzt zum Abdruck und befinden uns mit dem Verfasser in voll- ständiger Uebereinstimmung darüber, daß es sich um„eine höchst l u st i g e Geschichte" handelt. Der Brief lautet: Verehrliche Redaktion. Ihre Veröffentlichung meines Schreibens vom 20. d. M. in Nr. 296 Ihrer geschätzten Zeitung hat nicht verfehlen können, bei Ihren Lesern Nachdenken zu erregen, so daß mir— und vielleicht auch Ihnen— vertrauensvolle Anfragen geworden»vcgen näherer Ausschlüsse über den deutschen Kriminalisten und über seine Mediumitätsosfenbarungen. Es dürften diese Anfragen, obwohl sie bei mir fast nur mit anonyiner Bitte um postlagernde Antwort geschehen sind— die ich jedoch niemals ertheilen mag doch ein Interesse auch Ihres Leserkreises erkennen lassen und darum wohl vielleicht meine heutigen Zeilen sich recht fertigen.— Ich habe brieflich Nachricht, daß die Manifestationen, die hier in Berlin eintraten, sich(was aber verheißen »vorden ivar) in fast gleicher Stärke bereits, mehrmals wiederholt haben. Was in Berlin geschah,»var nun aber das Folgende. Durch ein ungewöhnlich unruhiges Klopfen begann der Geist sich anzukündigen, der das neu erstehende Medium zu kontroliren suchte. Nach Verständigung mit ihm, die sich leicht herbeiführte und darun» auf ein intelligenter entivickeltes Wesen schließen ließ, »vard der Name des Geistes durch Klopfen buchstabirt, dann der der Universität Jena und später auch von Heidelberg. Dies schon machte den Juristen stutzig; aber der ehemalige alte lustige und joviale Korpsbrnder war damit nicht zufrieden und z»vang den gar nicht mehr dazu angethanen und aufgelegten Herrn im streu- gen Justizdienste zuerst vom Stuhle aufzufahren und ein recht inniges, aber Lachen erregendes Handschütteln auszuführen»nit komisch gebogener Arm- und Schulterhaltung. Darauf zog der Geist seinen ehemaligen Studiengenossen am ausgestreckten Arme und bei gebeugter Körperhaltung in» Zimmer umher, wogegen ein sichtlich recht starkes Widerstreben des Herrn nichts vermochte; plötzlich alsdann wurde der friedliche Herr in Mei»sur gebracht und elegante Schlag- und Stoßhiebe»vürden von ihm mit dem unsichtbaren Gegner ausgeführt, zum vollsten Erstaunen des Herrn auch nie sonst je von ihm geübte Säbelhiebe. Nach Ausführung dieser drastischen Fechterkünste vermochte der Pantomimen»vider Willen inspirirte Herr sich»nieder»»iederzu- setzten. Aber plötzlich begann er auf dem Stuhle Reiterbeive- gungen zu machen, die immer heftiger wurden bis zum vollen Trab herauf. Wieder trat kurze Zeit der Ruhe ein, dann das Erstaunlichste, das stets nur bei starken Medien geschehen: der Rock des Herrn zieht sich in der Taille zusammen,»vie wenn der Körper hier von zivei Händen gefaßt»vird, und es beginnt ein gänzliches Hochheben des Herrn in sitzender Position in Luft, so daß die Knien über dem Rande des Sitzungstisches sichtbar»verde»! Und alles dies bei hellem Lichte im Zimmer ringsum. Auch ein charakteristisches Scherzstück des alten jovialen Korpsburschen trat noch zu Tage. Auf die Frage des Juristen an den Geist seines alten Universitätsgenossen, ob er ihm die ihn»»»»»bekannte Münze nennen»volle, durch Schreiben oder durch Klopfen, die in einer von ihn, mitgebrachten umklebten Holzschachtel enthalten sei,»vard unser Jurist zu seinem Entsetzen genöthigt, diese Schachtel zu ergreifen und ans die Tischplatte, ohne»viderstehen zu können, selbst zu zerschlagen, so daß die Münze heraussprang vor ihm hin und so sich ihm nach Werth und Zeit selber offenbarte! Zum Abschluß entstand dann eine pantomimische Schreibbeivegung der rechten Hand des Herrn, und mit einem ihn» schnell in die Hand gesteckten Bleistifte schrieb er auf untergeschobenen Papierbogen mit fast grausiger Rapidität fortivährend und in einer gänzlich ihm uneignen Handschrist den Bor- und Zunamen des»veiland Korpsburschen bis der Stift aus den Fingern wegflog;»vomit denn auch alle Manipulationen aufhörten.— Die Erscheinung des lustige» Bruders»vard au» Schlüsse der S?ance von dem sich inanifestirendcn Geiste der„kleinen Abila", deren ich in meiner Schrift„Enthüllung des Spukes von Resau" S. 47/48 gedacht habe, dem Herrn Juristen bestätigt und genau beschrieben. Und von dieser„kleinen Abila" möchte ich bei dieser Gelegenheit nicht unterlassen, für Alle, nah und fern,»velche diesen»vunderbar an- ziehenden Kindesgeist haben kennen, ja lieben lernen, hier mitzu- theilen, daß in einer jüngsten Sitzung(am 23. Mai) der Geist mit seinen Kindeshänden zwei Blumensträuße, einen ziemlich großen und einen kleineren vor Aller Auge», geradezu hindurch durch den festen Stoff des Kabinctvorhanges an sich genommen! Cigenthümliche physikalische Vorgänge hierbei»vürde an diesem Orte zu»veit führen zu beschreiben. Erlaubt sei nur zu bemerken, daß diese durchaus perfunktorischen, übermis für die Forschung »vichtigen Vorgänge den antispiritistischen Zauberkünstlern— besser a-spiritistischen, denn antispiritistische kann es nicht geben, — gänzlich»»»bekannt sind. Was übrigens dieserartige jetzt so beliebte Kunststücke anbetrifft, so sind sie sämmtlich käuflich zu haben iu»„Magical Bazar Otto Maurers in New-Uork, Bowery Nr. 921. Jlllistrirte Kataloge»verde»» gratis versendet." Berlin, den 28. Mai 1890. Egbert Müller. Als bewährtes«nd leicht zu beschiist'endes Wittel bei Magen- und Darmkatarrh-erkrankten Kindern»vird uns von ärzt- licher Seite das Knlkivasser empfohlen. Dasselbe, in jeder Apo- theke ohne Weiteres für ein paar Pfennige erhältlich, mildert in entsprechender Menge— einige Thee- bis Eßlöffel voll— zu der Milch zugesetzt, den Durchfall der Kinder dadurch, daß die schädliche Säurebildung in der Milch ferngehalten»vird. Selbstver- ständlich ist nur gute Kuhmilch zu geben, und zivar muß dieselbe möglichst frisch bezogen und soll an» besten gekc�t gegeben»verde«. Ost vertragen gerade Kinder mit Magen- und Darmkatarrh die in kleinen Portionen gegebene kalte Milch besser, als warme. Die vielfach üblichen Verdünnungen der Milch mit Salep-, Hafer- und Gerstenschlei», sind nicht immer ziveckmäßig, und nur bei frischen Verdauungsstörungen ist es zmveilen rathsam, für einige Tage die Milchnahrung fortzulassen und anstatt ihrer vielleicht nur etivas schleuniges Getränk z. B. Salepabkochung zu reiche». Manchmal»vird, auch von schwächlichen Kindern, ein Zusatz von etivas Kalbsbrühe zur Milch recht gut vertragen. Dir i» den beiden tetzten Nächte» eingetretene Kälte hat in Feld»»nd Garten viel Schaden angerichtet. Nach der prächtigen Witterung der letzten Wochen hatte sich die Natur für die jetzige Jahreszeit weiter als sonst enttvickelt, und deshalb wirkt der jetzige Umschlag um so empsindlicher.(An, meisten sind, »vie uns aus den»»inliegenden Ortschaften berichtet»vird, die Kartoffeln(jedoch nur strichweise) mitgenommen, doch haben auch andere Pflanzen sehr gelitten. Hoffentlich macht ein»varmer Regen bald»vieder Alles gut. Eine„interessante" Dekaration zeigt das Schaufenster eines leerstehenden Ladens im Hause Adalbertstr. 93. In der Mitte des Fensters steht eine ca. fünf Fuß hohe,-weitbauchige Kaffeekanne, die zur Rechten von einen», bebrillten Esel und zur Linken von cinein Z i e g en b o ck bewacht»vird. Auf der Kanne sind folgende humoristische Verse zu lesen: Bnnzlau ist mein Vaterland, Kaffeekarline iverd' ich genannt. Die Tante Trine, Tante Tatsch: Das ist der richtige Kaffeeklatsch! Von Weitem haben»vir's gerochen: Hier können Familien Kaffee kochen! In Angra Pcquena, in'Afrika, Dort»Buchst der Kaffee, Allelujah! Dort»vird skalpirt, gehauen und gestochen, Da thun die Kaffern F a n» i l i e n kochen! Des Abends»vird die„Ausstellung" durch eine kleine Laterne, die halb mit Brettern vernagelt ist, spärlich erleuchtet. Der Esel empfiehlt sich durch ein Plakat als praktisch zum Vorreiten bei Landpartien und sonstigen Festlichkeiten. Die Ausschinückung er- regt natürlich große Heiterkeit bei allen Passanten. Man erzählt sich, daß der H a u s w i r t h dem Miether des bezeichneten Ladens. einem Maskengarderoben-Händler, der jetzt in der Nähe sein Ge- schüft betreibt, nicht gestatten»vollte, das Lokal während der Dauer des Kontraktes an einen Anderen abzuverniiethen, obgleich der Miether die ganze Miethssuinn»e in» Voraus baar zu hinter- legen bereit geivesen sei. Infolge dessen habe der Letztere seine „besten" Gegenstände im Schaufenster plazirt,»im den» auf seinem Schein bestehenden Haus»virth eine„Freude" zu machen. Wiederum eine Illustration des Kapitels: Hausivirth und Miether! Ginrn»»nhriinlichrn Fnnb machten gestern Vormittag die Bedienungsmannschaften des'Abfuhrwagens Nr. 52 auf dem Hose des Grundstücks Ktosterstraße 34. Beim Ausräumen des Müll- kastens fanden sie nämlich den abgeschnittenen Fuß eines ausge- wachsenen Menschen sowie einige»nenschliche Gebeine. Die be- treffenden Arbeiter sehten das nahe gelegene Büreau des 21. Polizeireviers von ihrem Funde in Kenntniß und lieferten denselben auch daselbst ab. Mit irgend einen» Verbrechen dürfte dieser Fund wohl nicht im Zusammenhange stehen, die Prove- nienz der erwähnten»nenschlichen Gliedmaßen dürfte vielmehr auf das auf dem Grundstück belegene„Hygienische Institut" der hiesigen Universität zurückzuführen sein, aus»velchen» einer der dort frequentirenden Medeziner sich der zur Präparation ge- brauchten Theile in ungehöriger Weise entledigt haben mag. Ertrunken beim Kaden. In der sogenannten„Pütte", einem Lehmpfuhl auf der Weißenseeer Feldmark, badeten am dritten Pfingstfeiertag zivei Schmiedegesellen im übermannstiefen Wasser. Auf den» schlüpfrigen Lehmgrunde kam einer der Baden- den zu Falle, seinen Kameraden,. der ihm»vieder aushelfen wollte, mit in die Tie>e hinunterziehend. Die beiden Männer verschwanden urplötzlich vor den Augen des am Lande harrenden Dritten, welcher anfangs glaubte, es handele sich um einen Scherz, während Beide ertranken. Am Mittiooch»vurden die beiden Leichen aus dem Pfuhl auf Anordnung der Weißenseeer Ortsbehörde herausgefischt. Eine Ziege mit... Keinkleidern. In dem südöst- lichen Vorörtchen Neu-Britz erregt eine»veibliche Ziege, welche i»it einer hosenartigen Bekleidung aus derbem Drillichstoff ver- sehen sich auf einem kleinen, mehr ländlichen Grundstück an der Straße zeigt, die Neugier und das Kopfschütteln der Vorüber- gehenden. Das„Verl. Tagebl." führt das des Näheren ans: Sind dies spottlnstige Berliner, so hört man nicht selten die Ver- muthung äußern, daß vermuthlich die hohe Obrigkeit zur Wah- rtmg der öffentlichen Sittlichkeit eine Hosenordnung für die Britzer Vierfüßler erlaffen habe. Dem»st aber keinesivegs so, vielmehr klärt uns ein kundiger Thebaner die Sache an der Hand der Thatsachen wie folgt auf: Der Besitzerin des Thieres»var es aufgefallen, daß die Ziege, obgleich mit einem strotzenden Euter von der Mutter Statur ausgestattet, die Milch auf räthselhaste Weise verlor. Um den vermuthlichen Dieb abzufassen, legte man sich auf die Lauer; wer beschreibt n»n das Erstaunen der guten Frau, als sie bemerkte, daß die Ziege sich die Milch selber ab- og. Um dieser Berirrung und vermögensrechtlichen Schädigung in Zukunft vorzubeugen, sind den» arglistigen Hornthier doppelte Hofen angefertigt und ankou»pliinentirt»vorden, die auch ihren Zweck ganz gut erfüllen müssen, denn fortan giebt die Ziege»vie- der ihr pflichtinäßigcs Quantum Milch. Die Rajen stehen bereits in voller Blüthe. Sonst»st die Rose die Blume des Juni-Monals. Auf den Wiese,» macht man den ersten Schnitt. Das Gras ist von seltener Ueppigkeit. Kolisribericht. Am 28. d. M. Morgens wurde ein Mann in seiner Wohnung in der Sivineiniinderstraße erhängt vorge- in,»den. Derselbe hatte sich vorher die Pulsadern am Halse und am rechten EUbogcngelenr geöffnet.— BorniitlagS»vurde an der Ecke der Jerusalemer- und Leipzigerstraße ein Mann von einem Omnibus überfahren und erlitt anscheinend innere Verletzungen. — Nachmittags ,v>lrde der Kutscher Herzum am SchleSimger User bei einer Schlägerei mit einigen unbekannten Arbeitern nieder- geworfen und erlitt eine»» Bruch des rechten Unterschenkels, so daß er nach dem Krankenhause in Moabit gebracht werden mußte. — Zu derselben Zeit wurde ein Tischlergeselle in seiner Wohnung in der Prinzenstraße krank aufgefunden»»nd nach der Charitee gebracht. Angestellten Ermittelungen zufolge hat derselbe Vor- mittags in der Werkstatt seines Arbeitgebers, in der Maria»««»- lraße, versucht, sich mittelst Schweselsanre zu vergijten. Tlieakev. Mnllnr»' Theater. Mittwoch, den 28. Mai. Zun» ersten Male: Im falschen Verdacht. Schivank in 4 Akten von Georg Cohnitz. Zum Schluß, zum ersten Male: Unter vier Augen. Lustspiel in einem Akt von A. Drei/fuß. Am Ende der Spielzeit stellt sich im Wallner-Theater so etwas wie Erfolg et», ein rarer Artikel für dieses Theater in der Saison. Der«chivank, den Herr G. Cohnitz mit Hilfe bewährter Vorbilder verfaßt hat, gefiel, sein hausbackener Witz traf auf Verständniß, man klatschte, man rief den Dichter. Und der Dich- ter, der nebenbei bemerkt— obgleich sich der Gefälligkeits- dienst des Beifalls vielleicht hauptsächlich daraus zilrückführen läßt— Direktor irgend einer Aktiengesellschaft ist, erschien, ver- beilgte sich»»»»d trat, bevor der Vorhang noch herunter,»vieder hinter die schützenden Koulissen. Also ein Neulmg dieser dichtende Direktor! Nun, die Zeichen»varen günsttg für den Anfänger. Er spinnt den Faden der Moser und Schönthau weiter, und bei der unglaublichen geistigen Bedürfnißlosigkeit der Mittelklasse auf dem Gebiete des Theaters und andersivo, genügt das vollauf. Von dem Inhalt des Schivankes ist natürlich nicht zu reden: nur eine Thatsache verdient erwähnt zu»verde». Die Figuren des Schivankes sind, soweit sie zur Bourgeoisie gehören, sainmt und sonders, die edelsten und klügsten Menschen. Den dunklen Hintergrund für diese Lichtgestalten geben zwei armselige Proletarier ab: ein„nichtsnutziges" Dienstmädchen, welches die„Herrschast" ärgert, und ein Bureauschrciber, der den Namen eines Rechtsanwalts mißbraucht.-- Unter den Darstellern ragte Anna Schramm hervor, die eine ausgezeichnete Leistung bot. Der französische Einakter, der den Schluß bildete, hat den Vorzug der Grazie und bot Fräulein Valentine Riedel Gelegen- heil, ihr MeiWM- und Sprechtalent im besten Lichte zu zeigen. dem Prozeß des Knchbindermeister» Konstantin Janiszewalti gegen den Oberpräsidenten der Provinz kandenburg auf Zurücknahme der vom Polizeipräsident gegen hn verhängten Ausweisung hat, wie wir seiner Zeit berichteten, der erste Senat des Oberverwaltungsgerichts auf Zurückweisung der Klage erkannt, die Publikation der Gründe aber dem schriftlichen Urtheil vorbehalten. Dieses ist nun am Sonnabend Abend dem Vertreter des Klägers, Rechts- anwalt Dr. Flatow zugegangen. Die Gründe lauten: Kläger ist rechtskräftig bestraft: l. Durch Urtheil des Königlichen Landgerichts zu Posen vom 20. Februar 1882 wegen Vergehens gegen die öffentliche Ordnung in drei Fällen, Abhaltung einer Versammlung unter freiem Himmel ohne polizeiliche Erlanbniß, Majestätsbeleidigung und Bedrohung mit einem Verbrechen mit zwei Jahren drei Monaten Gefängniß und wegen Uebertretung des Vereinsgesetzes in fünf Fällen mit drei Monaten Haft, 2. durch Urtheil desselben Gerichtes im Jahre 1387 wegen Vergehens gegen die öffentliche Ordnung und wegen Zuwider- Handelns gegen die§§ 0 und 18 des Reieys-Preßgesetzes mit zwei Jahren und einer Woche Gefängniß, 3. durch Urtheil desselben Gerichtes vom 80. Januar 1888 wegen Vergehens gegen das Gesetz vom 21. Oktober 1878, betreffend die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie, zusätzlich mit einem Jahre und sechs M-.iaten Gefängniß. Nach Verbüßung dieser letzteren Strafe hat Kläger sich am 7. Oktober v. I. als bei dem Buchbinder Greifenberg hier, Dieffenbachstraße Nr. 28 angezogen gemeldet, worauf ihm durch die Verfügung des Königlichen Polizeipräsidenten zu Berlin vom 10. dess. Mts. gemäß§ 2 3cr. 2 des Gesetzes über die Ausnahme neu anziehender Personen vom 31. Dezember 1842 die Ausweisung aus Berlin und Charlottenburg unter der Warnung bekannt gc- geben ist, daß er die Festsetzung einer Geldstrafe bis zur Höhe von 300 M. oder bei Unvermögen einer Haftstrafe bis zu vier Wochen bezw. den Zwangstransport zu gewärtigen habe, falls er hier nach Ablauf der in der Verfügung vom 11. dess. Mts. aus 8 Tage bemessenen Frist noch betroffen werden sollte. In der hiergegen fri zeitig angebrachten Beschwerde hat Kläger die Meinung vertreten, daß, wenn auch vor der unter den Rechtslehrern streitigen Geltung des§ 2 Nr. 2 des Gesetzes vom 81. Dezember 1842 ausgegangen werden sollte, dessen Anwendung doch die Bestrafung zu Zuchthaus oder zu einer anderen Strafe wegen eines Verbrechens, wodurch der Thäter sich als ein für dre öffentliche Sicherheit oder Moralität geiahrlicher Mensch darstelle, voraussetze. Dies treffe indeß für ihn auf Grund seiner Verurtheilung wegen Strafthaten, welche als Vergehen qualifizirt seien, nicht zu. Selbst wenn aber seine Verurtheilung wegen Vervrechen unter Annahme mildernder Umstände zu Ge- fängnißstrafe ausgesprochen worden wäre, so würde er doch an seiner Gefährlichkeit für die öffentliche Sicherheit— hier habe das Gesetz an Leben, Gesundheit und Eigenthum gedacht— o. er für die Moral fehlen. Nach Abweisung dieser Beschwerde Seitens des beklagten königlichen Oberpräsidenten durch Bescheid vom 1. November v. Js. hat Klüger unter Wiederholung seiner bis- herigen Ausführungen und unter Betonung, daß er nur wegen politischer Vergehen bestraft worden sei, beantragt: Den Bescheid des Beklagten und die Verfügung des Polizei- Präsidenten aufzuheben. Der beklagte Oberpräsioent hat dem widersprochen; denn das Gesetz vom 31. Dezember 1842 beziehe sich keineswegs nur auf Personen, welche dein Eigenthum und der Moral Gefahr bringen, während es anderseits darauf nicht ankäme, ob die dem Kläger zur Last fallenden Handlungen sich im Sinne der gegenwärtigen Strafgesetze als Verbrechen oder Vergehen charakterisirten. Die Gefährlichkeit des Klägers für die öffent- liche Sicherheit und Moralität sei nach der Begründung der Strasurtheile nicht in Zweifel zu ziehen. In der mündlichen Verhandlung hat der Vertreter des Klägers sich dafür, daß es diesem an dem erforderlichen Vor- trauen hier nicht fehle und ihm insbesondere keine ehrlose Ge- sinnung beigemessen werde, auf das Ergevniß der letzten Reichs- tagswahl berufen, wonach auf ihn sich im ersten Wahlgange 20 000 Stimmen, hei der Stichwahl sogar deren 23 000 vereinigt hätten. Ein Mehreres als die Fortsetzung der Agitation für dre sozialistische Partei sei vom Kläger nicht zu befürchten, und daß diese als für die öffentliche Sicherheit oder Moralität nicht fiir gefährlich erachtet werde, habe der Polizeipräsident selbst dadurch zu erkenne» gegeben, daß er seine Anordnung mcht auf das Reichsgesetz gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozial- demokratie vom 21. Oktober 1878(Reichs-Gesetzblatt S. 851) gestützt habe. Der Klage mußte indeß der Erfolg versagt werden. Der Gerichtshof hat in den im Bano IX Seite 415 ff, Band X Seite 836 ff., Band XII Seite 405 ff. der Sammlung von Entscheidungen des Oberverwaltungsgerichts veröffentlichten Urtheilcn des Näheren dargelegt, daß die fortdauernde Geltung des§ 2 Nr. 2 des Gesetzes vom 81. Dezember 1842, obschon sie bestritten, anzuerkennen ist, weil diese Vorschrift weder ausdrück- lich aufgehoben ist, noch späteren Landcsgefetzen, insbesondere dem Artikel 6 der Versassungsurkunde vom 31. Januar 1850 und dem die Beschränkung des Aufenthaltes als Nachwirkung der Polizer aussicht regelnden Gesetze von: 12. Februar 1830 bezw. dem Straf gesctzbuch vom 14. April 1851 widerstreitet, während andererseits tz 3 Absatz 1 des Reichsgesetzes über die Freizügigkeit voin 1. November 1867 die Landesgesehe, nach welchen bestrafte Personen durch die Polizeibehörde Aufenthaltsbeschränk ngen unter- worsen werden können, aufrechterhalten und das Reichs-Straf gesetzbuch hieran nichts geändert hat. Zln diesem Grundsatze war fiir den vorliegenden Fall umsomehr festzuhalten, als Kläger zur Widerlegung der diesseits für maßgebend erachteten, ihm bekannten Gründe neue rechtliche Gesichtspunkte nicht geltend gemacht hat. Gegenüber der Ausführung aber, daß die Anivendbarkcit des§ 2 Nr. 2 des genannten Gesetzes die Verurtheilung wegen Verbrechen im Sinne des gegenwärtig geltenden Strafrcchtes zur Voraus- setzung habe, kann ebenfalls auf die vorgedachte Entscheidung im Band IX— Seite 430— verwiesen werden, woselbst nachge- wiesen ist, daß der Begriff des Verbrechens für jenes Gesetz sich nach dem derzeit maßgebenden Strafrccht bestimnit, welches im Titel 20 Theil 11 deS Allgemeinen Landrechts unter Verbrechen alle strafbaren Handlungen einbegriffen hat. Nach den Gründen der zu 1 und 2 erwähnten gerichtlichen Urtheile ist Kläger, von den sonstigen Strafthaten abgesehen, für überführt erachtet: 1. in einer den öffentlichen Frieden gefährdenden Weise ver- schiedene Klassen der Bevölkerung zu Gewaltthätigkeiten gegen einander angereizt zu haben und zwar nochmals nach voraus- gegangener Vorbestrafung— Vergehen gegen§ 130 des Reichsstrafgesetzbuches—, 2. als Vorsteher an einer Verbindung, deren Dasein und Zweck vor der Staatsregierung geheim gehalten werden sollte bezw. zu deren Zwecken es gehörte, die Vollziehung des Gesetzes gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie vom 21. Oktober 1878 durch das ungesetzliche Mittel der Ver- breitung verbotener Druckschriften zu verhindern, Theil genommen zu haben— Vergehen gegen§§ 128, 129 a. a. O., 3. Seine Majestät den deutschen Kaiser und König von Preußen, seinen Landesherrn durch die in einer öffentlichen Ver- sammlung am 21. August 1881 ausgesprochenen Worte: „Unser König verbraucht täglich 3000 Thaler und arbeitet doch nicht, sondern läßt die Arbeiter für sich thätig sein", be- leidigt zu haben— Vergehen gegen§ 95 a. a. O., 4. Andere mit der Begehung eines Verbrechens, nämlich des Mordes, bedroht zu haben— Vergehen gegen§ 241 a. a. O. Von diesen Strafthaten läßt sich die letztgenannte, weil ein Vergehen gegen die persönliche Freiheit, als politische selbst nach den Grundsätzen nicht beurtheilen, welche in der Theorie für die Qualifizirung einer Strafthat als politischen inaßgebend sind. Der theoretischen Unterscheidung zwischen politischen und nicht politischen Verbrechen und Vergehen sind indeß auch weder das Allgemeine Landrecht im Titel 20 Theil II, noch das preußische und das Reichsstrafgesetzbuch gefolgt. Ist deshalb solche Unter- scheidung für die Anwendung des§ 2 Nr. 2 ausgeschlossen, so bieten weiter weder die im Band IX Seite 413 ff. mitgetheilten Verhandlungen zu dem Gesetze vom 31. Dezember 1842, noch der Wortlaut irgend einen Anhalt dafür, daß die Gefährlichkeit einer bestraften Persönlichkeit für die öffentliche Sicherheit oder Mora- lität lediglich aus solchen Strafthaten entnommen werden dürfe, welche gegen Leben, Gesundheit oder Leben gerichtet gewesen sind. Wohl aber ist aus dem Hinweife darauf, daß die Versagung des Aufenthalts aus polizeilichen Gründen eintreten könne und ferner daraus, daß der Polizei die Fürsorge für die öffentliche Ordnung und Sicherheit obliegt(§ 10 Tit. 17 Th. II des Allgemeinen Landrechts) und daß das landrechtliche Strafrecht bei Bemessung der Strafe gegen die innere Ruhe und Sicherheit des Staates die Störung der öffentlichen Ordnung berücksichtigt wissen will(§ 149 Tit. 20 Th. II) zu folgern, daß bei Erlaß des Gesetzes ein grund- sätzliches Bedenken über die Zulässigkeit, die Gefährlichkeit für die öffentliche Sicherheit oder Moralität auch aus Zuwider- Handlungen gegen die öffentliche Ordnung abzuleiten, nicht be- standen haben kann. Schon auf Grund dieser Strafthaten ergiebt die Prüfung gemäß§ 127 Nr. 1 des Gesetzes über die allgemeine Landesver- waltung vom 30. Juli 1883, daß Kläger in seinen Rechten durch den angegriffenen Bescheid des beklagten Oberpräsidenten zufolge Nichtanwendung oder unrichtige Anwendung des bestehenden Rechts nicht verletzt worden ist. Durste die Verfügung des Polizei-Präsidcnten, wie Kläger annimmt, auch auf Grund des § 28 des Gesetzes vom 21. Oktober 1878— der§ 22 kommt nach dem gerichtlichen Urtheil nicht in Betracht— ergehen, so hat der beklagte Oberpräsident sich doch jedenfalls mit dem bestehenden Rechte nicht in Widerspruch gesetzt, wenn er die auf§ 2 Nr. 2 des Gesetzes vom 31. Dezember 1842 als das gemeine Recht ge- stützte Verfügung ausrecht erhielt. Mit der nach Nummer 2 des § 127 a. a. O. zugelassenen Prüfung über das Vorhandensein der thatsächlichen Voraussetzungen hat aber dem Verwaltungsrichter die Sachprüfung nicht im weitesten Umfange, sondern nur dahin eröffnet werden sollen, ob die Polizeibehörden die äußersten ihnen bemessen zugezogenen Grenzen innegehalten hat, dergestalt, daß ihre Verfügung ersichtlich nicht auf Willkür oder Pflichtwidrigkeit, vielmehr auf objektiven polizeilichen Erwägungen beruht(siehe des Näheren v. Brauchitsch: die neuen preußischen Verwaltungsgesetze, 10. Aufl. Bd. 1 S. 131 Anmerkung 240). Und daß dies hier nicht zutrifft, kann daraus nicht gefolgert werden, daß der Polizeipräsident seine Anordnung nicht auf§ 28 Nr. 3 des Ge- setzcs vom 21. Oktober 1878 gegründet hat. Wohl aber ist in Rücksicht darauf, daß der Strasrichter bei der Zumessung der Strafe die Gefährlichkeit und Planmäßigkeit der vom Kläger be- thätigten, wie bemerkt, auch auf die Aufreizung zu Gewalt- thätigkeiten gerichteten Agitation für wesentlich bestimmend er- achtet hat, anzuerkennen. Daß der Polizeipräsident ihn als für die öffentliche Sicherheit gefährlich beurtheilen und von dem dauernden Ausenthalte in Berlin und Charlottenburg ausschließen durfte, weil es hier an Gelegenheit zu solcher ver- derblichen, polizeilich immerhin schwierig zu überwachenden Agitation nicht fehlt. Wollte Kläger eine weitergehende Prüiung dahin erstreben, ob nach den besonderen thatsächlichen Verhält- nisten die Verfügung, wie geschehen, nothwendig oder angemessen zu ergehen hatte, so war dies nur bei der dem beklagten Ober- Präsidenten vorgesetzten Aufsichtsinstanz zu erreichen. E i n Mehreres durfte freilich dem Kläger nicht untersagt werden, als die dauernde Nieder- lasfung und also nicht der vorübergehende Aufenthalt(siehe Entscheidungen des Oberverwaltungsgerichts Band X Seite 336); indeß nach demWortlaute der Verfügung des Polizeipräsidenten ist auch nicht anzunehmen» daß hierüber hinaus Kläger hat beschränkt werden sollen.-- Die Kritik dieses Ur- theils wollen wir getrost unseren Lesern überlassen, in thatsäch- licher Beziehung aber bemerken, daß die Verurtheilung des Klägers wegen Bedrohung des Verbrechens mit dem Todschlage in einer Rede desselben in einer öffentlichen Versammlung gefunden»vor- den, in ivelcher gesagt war, daß die Arbeitgeber bei Nichtbeob- achtung der ihnen gezogenen Schranken sich die Folgen, welche über sie hereinbrechen werden, selber zuzuschreiben haben würden. Auch hat das Oberverwaltiingsgericht ein wesentliches Moment des Vertheidigers Rechtsanwalts Dr. Flatau, daß der im Gesetz gebrauchte Ausdruck„e n t l a s s e n e r Sträfling" auf eine in Beziehung auf Ehre und Moralität gesunkene Person hinweist, welche doch Kläger ganz zweifellos nicht sei, in seiner llrtheils- begründung ganz außer Berücksichtigung gelassen, wahrscheinlich, weil dann das ganze Urtheil nicht zu halten gewesen wäre. Die Kpitnindigüeiten eine» irrsinnigen Strafgefangenen befchäsligten seit geraumer Zeit die Staatsanwalt- schaft und auch die 2. Strafkammer des Landgerichts II. In der Strafanstalt zu Plötzensee befand sich behufs Verbüßung einer sechsjährigen Gefängnißstrafe, welche ihm wegen Betruges und Urkundenfälschung zuerkannt worden war, der Kaufmann August F l e m m i n g, geboren am 16. Juli 1851 zu Straß- burg im Elsaß. Es war nicht das erste Mal, daß Flemming hinter Gesängnißmauern jahrelang seinen Aufenthalt nehmen mußte; er ist im Jahre 1876 bereits mit 2 Jahren Zuchthaus und späterhin u. A. wegen Betrug schon einmal mit 5 Jahren Gefängniß vorbestraft worden, aber sein Verstand hat offenbar unter den Eindrücken des jahrelangen Gefängnißlebens stark ge- litten, denn Flemming benahm sich bei Verdüßung der zweiten fünfjährigen Gefängnißstrafe im Gefängniß zu Plötzensee in einer solch auffallenden Weise gegen das Beamten-Personal ohne Aus- nähme, daß man schließlich keinen Zweifel mehr hegte, es mit einen. Irrsinnigen zu thun zu haben. Flemming entnahm z. B. sein Trinkwasser dem Wasserzufluß des Klosets, er behauptete, die Beamten beabsichtigten ihn durch Gist aus der Welt zu schaffen und zu diesen, Zweck hätten jene ihm das Trinkwasser in seinem Kruge vergiftet u. s. w. Das zerrüttete Gemiith des Strafge- faugenen machte sich schließlich in verschiedenen Schriftstücken be- leidigenden Inhalts Luft, welche der Oberstaatsanwaltfchaft und anderen Gerichtsbehörden im August v. I. zugingen. In diesen, mit der den Geisteskranken beiwohnenden Spitzfindigkeit verfaßten Schreibwerken hatte Fleinming die Mehrzahl der Plötzensee'er Gefängnißbeamten der schlimmsten Vergehen und Verbrechen be- zichtigt. So erzählte er von einem heimlichen Morde, welchen angeblich zwei Beamte begangen haben, daß er vom Guckloch seiner Zellenthür den Transport eines blutigen Leichnams wahr- genommen und daß er infolge der Angst, es werde ihm ebenso ergehen, heftig gezittert habe und von Krämpfen befallen worden sei. Schließlich hatte Flemming einem Mitgefangenen gegen- ü.er seiner fehlgeschlagenen Hoffnung über das Ausbleiben einer Amnestie Ausdruck verliehen und sich bei dieser Gelegenheit emer Beleidigung des Kaisers schuldig gemacht. Gegen Flemming war Anklage erhoben worden wegen des letztbezeichneten Vergehens und wegen einer stattlichen Anzahl von Beamten-Be- leidigungen. Die vorgebrachten Ungeheuerlichkeiten konnte ihm Bei einer, früheren vor der U. Strafl-� Niemand glauben. des Landgerichts ii. ,m wconane Januar o. ,y. uu-ww—- Handlung hatte des Angeklagten Vertheidiger, Rechtsanwalt stein, einen Brief, welchen Flemming aus den, Gep"""" zugesandt, zur Verlesung gebracht und daraus Zwe Zurechnungsfähigkeit seines Kliewten geltend gemacht. .- �-«•. fV! �-T--... und)«» '«''»irtti'g Flemming beobachtet worden und das im gesttigen Audienztew- vor der Strafkammer des Landgerichts U. bekannt gegebene ü- —- den gebniß der richtshof den monatelangen Beschluß zu Exploration bewog verkünden, daß da-> gegen Flemming vorläufig einzustellen, da nach dem des behandelnden Arztes der Angeklagt? überhaupt nicht ver? lungsfähig sei.— Der Angeklagte gab in diesem Termm d, I � konfusen Antworten, wie zuvor bei der ersten Verhandlung, � ", als hatte ihn der Vorsitzende des Gerichtshofes befragt uoei.. Gründe der behaupteten angeblichen Vergiftungsversuche im chß csruuoe ver uepuupcewu uinjeuiiu;cu—.- fängniß und Flemming gab zur Antwort:„Das kommt von. herab! Aber ich kenne das Gegengift! Ich muß dri"S , Händen meiner Denunzianten"»i bitten, daß ich aus den Händen werde!" Die deutsche KolouialgeseUschaft hat kein beson� ihren Angestellten. Nachdem erst kürzlich jhchil des Einbruchsdiebstahls in der Umversitat ve. wegen des Einbruchsdtebstadls in der............ stud. zur. Lencer die Gesellschaft um reichlich 600 M- hatte, wurde gestern wiederum ein ungetreuer Beamter ven. in der Person des Freiherrn Ludwig Fried ri 4 '—--——'->...-.i/irTOTt ali Schauroth aus der Untersuchungshaft der vierten � kammer des Landgerichts I. vorgeführt. Mit ihm besan.. der bereits vielfach vorbestrafte Rechtskonsulent anilbelm».... und der bisher unbestrafte Artist Friedrich Göbe dank. Dem ersten Angeklagten wurden 11 Urkan verbunden mit Unterschlagungen zur Last gelegt ich0"AAttit sollten sich die drei Angeklagten einer außerordentlich ran Urkundenfälschung zu betrügerischem Zwecke schuldig haben. Der Angklagte von Schauroth war in geständig. Er war bei der deutscheu Kolonialgtfellfch> aUa Expedient angestellt, konnte aber mit seinem Gehcolte m*(gl kommen, so daß er fortwährend mit Geldverlegenheichn Z» hatte. Er gab zu, daß er in 11 Fällen Beiträge in°" von 285 M. von den Mitgliedern eingezogen und dpi tungen eingehändigt hatte, die er mit der Untat Kassirers gefälscht hatte. Zur gemeinsamen UrknnchM. igjjji übergehend, gab der Angeklagte folgende Schilderung ßP verhalts: Er habe auf dem Pulte eines seiner Kollegen«i, beschriebenen Vogen Papier mit der Unterschrift des#4 � der Gesellschaft, des Fürsten von Hohenlohe-Langen�'�.� iit, de, und sich das Papier angeeignet, um es I» SWJLzD zwecken zu benutzen. Zu diesem Zwecke setzte er sich i.- mit dem Artisten Göbel in Verbindung, den er ausiv, ihm behilflich zu sein. Göbel habe ihn, erklärt, daß er t derarttgen schriftlichen Arbeiten nicht einlassen könne, er ihn mit einem Manne bekannt machen, der solche i-n- abwickele. Dies sei der Angeklagte Kinne gewesen, weico � sofort mit dem ihm gemachten Vorschlage, die Untersch�l, Fürsten von Lohenlohe-Langenburg zu einer_ 0" 1 zu benutzen, einverstanden� erklärte. Sie gmgPV
wfsen, ihre Organisation nicht preis zu geben und werden die rdeit event. niederlegen, Köllen, wir fordern Euch nun auf, wst den Hamburgern diesen hinterlistigen Hieb unserer Gegner . Poriren und haltet den Zuzug nach dort fern. Mit kollo- �»sischem Gruß: Die Delegirten des II. Weimarer Metallarbeiter- ogresses: C. Warnecke. I. Bäthge, A. Gerisch. O. Klein. Unger, Gombert, I. Hartmann. Ebenfalls ist von Potsdam � Zuzug fernzuhalten. .. Wir erhalteu folgendes schreibe»:„Auf die Berich- Mng des Herrn Tischendorwr in Str. 114 dieses Blattes fühle A mich veranlaßt, euuge*'zu erwidern, da ich als Schriftführer m der Versammlung vom 26. April fungirte und somit den Be- "cht über dieselbe veröffentlicht habe. . Was Punkt 1—8 anbetrifft, so verweise ich auf den bctr-'fen- °en Artikel in der„Graphischen Presse" sowohl, wie auf d..,. Auf- «eten des Herrn T., dann findet jeder denkende Kollege selbst das wichtige, denn diese Sätze geben abermals Kunde von der Win- ungskunst des Herrn T., und ob und was demoralifirend war, ">«3 auch zeder Kollege selbst erwägen. e. Punkt 4 zeigt nur eine Wortklauberei des Herrn T. Die cyarte, welche sich Herr T. zugezogen hat, bestand darin, daß seinen Namen unter das Zirkular an die Chefs gesetzt als jwniniissionsmitglied, wofür er gemaßregelt und von Herrn Hagel- "g entlaffen worden ist. Diese Scharte suchte Herr T. dadurch uszuwetzen, daß er die Vorschläge der Herren Chefs der Firma Schäfer u. Scheibe, mit denen er die einstündige Unterredung ge- Übt und wodurch ihm die Mittheilnng gegeben wurde, daß die Hess sich gegen Herrn Hagelberg moralisch verpflichtet fühlten, Herrn T. vorläufig nicht in Stellung zu nehmen, zum Vor- ngtog und durch bekannte Manier zur Annahme brachte. ,»7* Punkt 7 anbetrifft, so muß ich hier ganz besonders be- o°rI,•' t>aß Herr T. diesen Punkt gegen seine Ueberzcugung »eichneben, denn er war in der Komimssioiissitzung am 27. April R?esend und weiß genau, daß die Kommisston als solche keinen eschluß gefaßt hat. Nur die Kollegen der Kommission als dns« 6 hotten versprochen, dahin zu wirken in ihren Kreisen, Herrn T. von den Truckern 15 M., von den Lithographen . und von den Schleifern 3 M. wöchentlich Entschädigung da bekanntlich diese Branchen speziell getrennt in den «Konisationen marfchiren, mithin war es nicht möglich, einen Reichlich in der Kommissionssitzung am 90. April rückgängig zu nim» wo Herr T. nicht anwesend war. Daß die Kollegen nun tJ? sur Herrn T eingetreten sind, liegt in der Natur der Sache, oi.a1 i. tritt jeder nur ein für würdige Kollegen. Es ist somit fn*) hier die Thatsache zu verzeichnen, daß es nicht jeder Mensch '0 genau nimmt mit der Wahrheit. Die übrigen hier nicht an- WfUhrten Punkte sind in derselben Weise zu betrachten. Naher Sw Ausführungen des Herrn T. einzugehen oder fich mit zub�häftigen. hieße mnM ihm»ii viel Ehre anzu T. cJr�l 16. v-p» wohl, ihm zu viel Ehre e ich das Weitere den durch das Auftreten des. utteis geführten Kollegen. F. Rose, Land� lrger- �Seit'sechs fflSchtnÄn wÄ Lohnkmnpfe. um »Ns,«ei»|ea;» xavuieii......... einer a.Q Utenschenwürdige Ezislenz zu erringen. Die Forderung » e n ,, Duerhöhung, als auch die Verkürzung der Arbeitszeit auf sind-.stunden täglich, die dazu durchaus nothwendig »eriLrlr,. unsere Arbeitgeber rundweg abgelehnt. Der Kampf ,,, worhniT. in b GUI 9 ""spric�e� un,ere--irvengever-�u..vv..... I auf ein äußerst hitziger und langwieriger zu werden, ind k e i t wu Seite die Kollegen mit einer seltenen Eini er Ku nr /?wn ha lten, während auf der anderen Seite der Ver wird.�erjchnijedereien Deutschlands steht, der Alles aufbieten sf*.■'" unsere gerechten Forderiingen zu hintertreiben; der es "''"------ CTJ-v""—--- k U Üffleat rfjmC?Kn Coroerung»................. p?ch dem&„L, Gesetzt hat, unseren Verein zu sprengen, d. h. Fa Iege„heii I,!1 eines Mitgliedes dieses Vereins die günstige '"et. m> �U benutzen, die sich durch die hiesige Arbeitseinstellung ,,">gen. wir auch nicht daran zweifeln, daß sich jede der- „ r Nicht" Hungen vergeblich erweisen iverden, so können wir ?! er qe,».« fhehien, daß ein derartiges Vorgehen der Arbeit- �iUwirken!n uuf ängstliche Gemüther für uns nachtheilig aT�genns,.» r• ein»och engerer Zusammenschluß der Be- kröche,, kuwie ein Anschließen an die Gewerkschaften anderer »??bse als �chhßen uns ans dem uns aufgedrungenen Prinzipien- firsichtü*. �.'eger hervorgehen zu lassen. Unsere Arbeitgeber be- »» enge",.wchts geringeres, als unseren Verein dadurch zu ?bein 909 sie nur solche Kollegen beschäftigen wollen, die C. �»lersm"9 nicht angehören, sie scheuen sich nicht, uns Reverse 9i c' die' vorzulegen, die eines freien Arbeiters unwürdig in. eiter 1 J'" Koalitionsrecht stracks entgegen stehen. Kollegen, tno"el-i, 9.em müssen wir mit allen gesetzlichen Mitteln gegen- >, e» fq,.' am,t es dem Untemehmerthum in Zukunft nicht ein- l9»(ti j" uns als Buben zu behandeln. Tretet Alle dem Sln- sÄGunas? Arbeitgeber entgegen und schließt Euch den Ber- oiiiw 1 on, wo solche bestehen, um zu beiveisen. ���"«ingTeifen zi, lasse« bei.°Ung von"«' zu lapr,.._ 'ein, wj. r rfr unserer Meister und Fabrikanten muß vor- lelbst müssen erkennen, was uns frommt, und nur uns allein soll das Verfügllilgsrecht über unser freies Handeln zustehen. Kollegen, Arbeiter! schließt Euch eng aneinander. Jeder Erfolg, den wir erringen, kommt nicht blos uns, sondern den ganzen Berufsgenossen sammt der ganzen Arbeiterschaft zu Gute. Unterstützt uns daher in unserem Kampfe, damit unsere Arbeitgeber nicht über uns triumphiren können; lasset uns zeigen, daß wir unser Vereinigungsprinzip, wie es uns in der Gewerbe- ordnung gegeben ist, nicht gesonnen sind preiszugeben. Mit Eurer Aller Unterstützung iverden wir den Kampf muthig weiter und siegreich zu Ende führen. Mit Arbeitergruß die streikenden Kupferschmiede Berlins. Berlin, im Mai 1890. Sendungen und Anfragen sind zu richten an H. Ladner, Berlin 0., Weinstr. 11, (Kupferschmiede-Herberge). Da» Geschrei der Reaktionäre aller Schattirnnge», die Unternehmer gegenüber der zunehmenden Zügellosigkeit und Wortbrüchigkeit der Arbeiter durch staatliche Maßnahmen zu schützen, hört sich recht komisch an, wenn man bedenkt, daß sich das ganze wirthschastliche Uebergewicht auf Seiten des Unter- nehmerthums befindet und wenn man sieht, wie die Unternehmer es verstehen, von diesem Uebergewicht die weitgehendsten Vortheile zu ziehen, auf Kosten der Arbeiter. Daß trotzdem dieser Schrei nicht ungehört verhallt ist, daß man ihn in unseren sozial- reformerischen Regierungskreisen sehr wohl zu würdigen verstan- den hat, davon zeugen die Ausführungen, welche der Minister von Berlepsch im Reichstage gelegentlich der Berathung über die Abäiideruiig der Gewerbeordnung machte: Aber das wollen Sie mir gestatten doch zur Erwägung zu geben, daß, wenn man in den Grenzen des Aus- sührbaren für das Interesse der Arbeiter und ihres Schutzes in diesem Entwürfe sorgt, es doch auch recht und billig erscheint, solchen Ausschreitungen gegenüber gesetzliche Bestimmungen zu treffen, die sich in der letzten Zeit, nament- lich gelegentlich der großen Slrbeitseinstellungen in immer zunehmendem Maße und in einer das öffentliche Wohl ge- fährdenden Weise bei einem Theil der Arbeiter gezeigt haben. Ich meine die sichtbar zunehmende Zügellosigkeit der jugendlichen Arbeiter, die Vergewaltigung derjenigen Arbeiter, die sich an einem Streik nicht betheiligen wollen, durch ihre ausständigen Genossen und die leider fast zur Regel gewordene völlige Nichtachtung der Vertrags- mäßigen oder gesetzlichen Kündigungsfrist bei Niederlegung der Arbeit. In letzterer Beziehung bin ich in der Lage, Ihnen einige Zahlen mitzutheilen. Ich habe versucht, mir eine Uebersicht über die Arbeits- einstellimgen seit dem 1. Januar vorigen Jahres zu ver- schassen. Die Uebersicht ist»och nicht vollständig, giebt aber immerhin ein Bild aus SO Regierungsbezirken der preußischen Monarchie. In diesen 30 Regierungsbezirken haben seit dem 1. Januar 1889 bis Ende April 1890 im Ganzen 574 große gewerbliche Arbeitseinstellungen stattgesunden, d. h. solche, bei denen mehr als 10 Arbeiter betheiligt waren; in diesen 574 Großbetrieben oder HandwerkSzweig umfassenden Arbeitseinstellungen ivaren 294 691 Arbeiter ausständig, und von diesen ivaren 206 395 Arbeiter oder mehr als 87 pCt. kontraktbrüchig. Ich meine, diese Zahlen geben zu denken, sie liesern den Beweis, daß die Heiligkeit des gegebenen Wortes und des Vertrages völlig außer Beachtung in weiten Kreisen unserer Arbeiterschaft ige- kommen sind, und zwar in so weitem Maße, daß das öffentliche Interesse in äußerstem Grade dadurch geschädigt erscheint. Das heißt in anderen Worten:„Beruhigt Euch, Ihr Unter- nehmer, Ihr Handwerksmeister, der Staat wird Euch Arme schützen gegen die Zügellosigkeit, gegen den Kontraktbrnch Eurer Arbeiter. — Wer aber schützt denn nun den Ardeiter gegen Kontraktbrüche der Fabrikanten? Warum hat sich der Herr Minister nicht darüber Ausklärung und Zahlen zu verschaffen gesucht, wie oft Kontrakte gebrochen werden vom Fabrikanten, vom Handwerks- meister oder auch vom Grundbesitzer? Freilich hätte man hierüber die Arbeiter selbst befragen müssen, wenn die richtige Antivort erfolgen soll. Oder meint vielleicht der Herr Minister, „so etwas giebt es bei uns nicht?" Wir können sofort mit einem solchen Falle aufwarten: In der größten der hiesigen Flügel- und Pianoforte- Fabrik von C. Bechstein in der circa 500 Arbeiter beschäftigt sind, wurde am 20. Mai, also am Dienstag vor Pfingsten, folgender Ukas den Arbeitern zur Kenntniß gebracht: „Hierdurch theile ich meinen sämmtlichen Arbeitern mit, daß in der Festwoche nicht gearbeitet wird. Veranlassung dazu geben mehrere Veränderungen und Reinigungen der Maschinen. Außerdem aber wird mich der Streik der Former doch bald zwingen, den Betrieb einzuschränken. Ich glaube deshalb im Sinne meiner Arbeiter zu han- dein, ivenn während der Festwoche nicht gearbeitet wird. Berlin, den 20. Mai 1890. C. Bechstein.« Der weitaus größte Theil der Arbeiter ist im Akkord be- schäftigt, ihr Kontrakt reicht jedesmal solange, bis ein angefangenes Stück Arbeit fertig ist. Sollte die neueste Abänderung der Ge- werbeordnung, nach dem Regierungsentwurfe Gesetz werden, so dürfen sie diesen Kontrakt nicht unterbrechen, ohne mit diesem Gesetz in Konflikt zu kommen. Der Fabrikant hat hier willkürlich den Kontrakt gebrochen, indem er seine Arbeiter auf 4 Tage von der Arbjllt ausschließt. Wo ist nun der Gesetzesparagraph, auf essen der Unternehmer wegen Bruch des Kontrakts be- straDssivird? Ist das nicht auch ein Vertragsbruch, durch den '�öffentliche Interesse im äußersten Grade geschädigt erscheint? Aufruf! A» fämmtllchr Glasarbeiter Drutfchlauds! Schon zu wiederholten Malen ist in unserem Fachorgan die Einberufung eines deutschen Glasarbeiter- Kongresses angeregt worden. Anfänglich stand die Glasarbeiterschaft diesen Anregungen ziemlich kühl gegenüber. Seit der letzten Anregung seitens der Fürther Kollegen jedoch ist auch in dieser Hinsicht ein Wandel zum Besseren bemerkbar; es sind bereits eine Anzahl zustimmende Erklärungen abgegeben worden, so daß Hoffnung vorhanden ist, dieser Kongreß werde zur Thatsache werden. Welchen Nutzen versprechen wir uns nun von einem Kongreß für die deutsche Glasarbeiterschaft? Bekanntlich hat auch die Glasarbeiterschaft endlich eingesehen, daß es noth thut, eine feste Organisation zu schaffen, welche mit- arbeitet an der Besserung unserer nicht sehr beneidenswerthen Lage. Es sind in den letzten Jahren eine Anzahl Fachvereine ins Leben gerufen und haben dieselben auch schon manche Uebel- stünde im Gewerbe abgestellt, so daß deren Nutzen unverkennbar ist. Allein auch diese Fachvereine können eine gründliche Besserung nicht herbeiführen; denn einerseits mangelt diesen Fachverelnen eine einheitliche Leitung und andererseits haben bis jetzt fast sämmtliche Fabrikanten eine feindselige Stellung gegen dieselben eingenommen; wo man die Gründung nicht verhindern konnte, sucht man nachträglich durch Versprechungen, und wo das nicht hilft, durch Drohungen die Mitglieder zum Aus- tritt aus dem Verein zu bewegen. Und leider haben sich mehrfach Kollegen soweit einschüchtern lassen, daß sie den Fachverein ohne Kamps fahren ließen,(ich erinnere hier nur an Westerberg, Brackwede und Hainholz), durch diese Erfolge er- muthigt, hat auch neuerdings die Oldenburger Glasfabrik ihren Ar- beitern, welche im Fachverein sind, den Krieg erklärt und dieselben gekündigt. Alle diese Vorkommnisse weisen darauf hin, daß die deutschen Glasarbeiter sich über die Organisationsfrage besser verständigen müssen und diese Verständigung herbeizuführen, ist Sache des Kongresses. Da nun dieser Kongreß mit großen Kosten verbunden ist, so müssen wir suchen, denselben aus einen möglichst kurzen Zeilraum zu beschränken. Um dieses zu können, ist es nothwendig, daß wir unS über die Hauptfragen, welche auf dem Kongreß zur Erörterung kommen, schon vorher nach Möglichkeit verständigen. Es ist daher er- wünscht, daß die Kollegen allerorts Anträge ausarbeiten und die- selben im Fachorgane veröffentlichen. Thue daher jeder Kollege in dieser Hinsicht seine Schuldigkeit, denn es ist jedes Einzelnen Pflicht, an der Besserung unserer Lage mitzuarbeiten. Das Koalitionsrecht ist nicht allein für die Fabrikanten, son- dem auch für die Arbeiter, während nun die crsteren dieses Recht für sich voll und ganz in Anspruch nehmen, suchen sie es dem Arbeiter in jeder Hinsicht zu verkümmern, um fich denselben als willenloses Werkzeug zu erhalten. Betrachten wir doch unsere Lage einmal genauer. Seit etwa 20 Jahren ist in der Glasbranche in Betreff der Produktionsfähigkeit ein nie geahnter Aufschwung zu verzeichnen; durch mannigfache technische Verbessemngen und Einrichtungen ist die Leistungsfähigkeit vermehrt worden und wirft infolge dessen die Glasproduktion für den Untemehmer ganz hübsche Profite ab. Welchen Nutzen hat nun aber der Glasarbeiter von diesem Aufschwung in der Branche? Wir müssen hier leider antworten: Keinen. Gerade durch die vermehrte Leistungsfähigkeit hat sich die Lage desselben immer mehr verschlechtert, die Arbeitszeit ist verlängert worden und dabei der Lohn stetig gesunken, während andererseits die Lebensbedingungen durch Vertheuerung der ge- wöhnlichen Lebensmittel u. s. w. schwieriger zu bestreiten sind, denn je. Außerdem ist hervorzuheben, daß bei den neuen Einrichtungen und Verbesserungen fast ausnahmslos nur auf vermehrte und billige Produktion hingesehen wird, die Gesundheit des Arbeiters dagegen wenig berücksichtigt wird. Die Arbeitskraft ist das Kapital des Arbeiters, dieses Kapital sich so lange wie möglich zu erhalten, liegt in seinem eigensten Interesse. Wir müssen also auch in dieser Hinsicht darauf sehen, daß unsere Gesundheit bei Llnlagen von Fabriken u. s. w. berück- sichtigt wird. Der Fabrikant hat weniger ein Interesse daran, wie lange der Arbeiter seine Arbeitskraft ausnutzen kann, da ja überflüssige Arbeitskräfte genug vorhanden sind. Lassen wir uns daher nicht abschrecken durch allerhand Machinationen, sondern laßt uns treu die Bruderhand reichen zur Vereinigung; denn nur durch Vereinigung können wir etwas erreichen; nur durch Vereinigung können wir Mittel und Wege finden, wie etwaige Uebelstände abzustellen sind. Da wir»u», wie vorerwähnt, gesehen haben, daß durch die besteheuden Fachvereine eine gründliche Besserung nicht zu er- warten ist, so werden die hiesigen Kollegen zum Kongreß die Gründung eines Zentral-Verbande? beantragen, denn nur durch die Zentralisation ist eine einheitliche Leitung der Organisation möglich. Alle übrigen Anträge diesseits werden wir im Fachorgan veröffentlichen. Indem ivir sämmtliche Kollegen nochmals auffordern, die Vorarbeiten zum Kongreß möglichst zu beschleunigen und indem wir alle diejenigen Kollegen, welche zum Kongreß einen Delegirten senden wollen, ersuchen, dies vorher im„Fachgenosse« zu ver- öffentlichen, zeichnen mit kollegialem Gruß Die Glasarbeiter zu Bergedorf. I. A.: Albert Gebel. Fritz Kindler. Aug. Dörwald. Albert Zander. C. Beutling. Alle arbeiterfreundlichen B bitter werden um Abdruck gebeten. I» das Fabrillreglement der technischen Institute der Artillerie in Spandan ist vor kurzem zu§ 8 ein Zusatz gemacht worden, durch welchen jedes Einsammeln von Geld in der Fabrik von der vorherigen Genehmigung der Direktion abhängig gemacht ivird. Diese Maßnahme ist erfolgt, um zu verhindern, daß unter dem Fabrikpersonal zum Besten Streikender gesammelt wird. Bevor aber der bezeichnete Zusatz in sämmtliche Reglements nun aufgenommen worden war, ist bereits, wie der„Anz. f. d. Havell.« meldet, auf Gmnd desselben ein Kupferschmied so- fort„aus Befehl der Direktion« aus der Arbeit entlassen worden. Der Gemaßregelte soll überführt sein, sowohl unter den Gesellen des Kupferschniiedemeifters Lemm, als auch auf dem Eiswerder kleinere Beträge zur Unterstützung streikender Berliner Genossen eingesanimelt zu haben. Die Entlassung dieses Mannes wurde dem Fabrikpersonal durch folgenden Anschlag bekannt gemacht: „Der Kupserschmied(folgt oer Nanie) ist heute auf Grund des § 8a des Arbeiterreglements, wonach es untersagt ist, Mitglied eines von der Polizei auf Grund des Gesetzes gegen die gemein- gefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie vom 21. Oktober 1878 verbotenen Vereins zu sein und für deren Bestreben zu werben, Beiträge zu leisten oder zu sammeln, entlassen worden. I. V.: Kronisch, Hauptmann.« Ter Gemaßregelte gehört nun, nach seiner Behauptung, aber keinem auf Grund des Sozialisten- gesetzes verbotenen Verein an, hat auch nicht für die Zwecke eines solchen geworben oder gesammelt, sondern er ist Mitglied des Unterstüizungsvereins der Kupferschmiede Deutschlands, der unterm 1. Februar 1889 vom Minister des Innern genehmigt ist. Er hat für die Zwecke dieses Vereins und im Auftrage desselben hier unter seinen Kollegen zu Gunsten streikender Genossen gesammelt. Der gemaßregelte Arbeiter ist willens, beim Kriegsminister Be- schwerde wegen seiner Entlassung zu führen. Solingen, 23. Mai. Eine Hiobspost ist ans den Vereinigten Staaten von Nordamerika hier hergelangt. Das Repräsentanten- haus hat nämlich— um sich an den Fleisch- und Kornzöllen Deutschlands und Frankreichs zu rächen— gestern mit 20 Stimmen Majorität einen neuen Zolltarif angenommen, der, wenn derselbe vom Senate bestätigt iverden sollte, einen unabsehbaren Schaden für unsere und auch für andere Exportindilstrien involvirt. Alle Kräfte werden nunmehr angespannt um vor dem 1. Juli, dem Tage, wenn der neue Tarif in Kraft treten soll, möglichst viele Maaren über die große Wasserwüste zu schaffen. Die neuen Sätze der Tarifvorlaae, soweit sie unsere Industrie hauptsächlich be- rühren, sind folgende: Der Zoll auf Scheeren wird von 85 auf 46 pCt. erholst. Die Zollsähe auf Messer betragen für Messer bis zu 2 M. per Dutzend 50 pEt. vom Werths(wie jetzt) und 12V9 Cts.(50 Pf.) per Dutzend extra(demnach 75 bis 100 pCt.; Messer bis zu 6 M. per Dutzend 50 pCt. vom Werths(wie jetzt) und 60 Cts.(2 M.) per Dutzend extra, demnach ca. 85 pCt.; Messer bis zu 8 M. per Dutzend 60 pCt. vom Werths(wie jetzt) und 1 Dollar(4 M.) per Dutzend extra, demnach ca. 100 pCt.; Messer bis zu 12 M. per Dutzend 50 pCt. vom Werths(wie jetzt) und 1,50 Dollar(6 M.) per Dutzend extra, beinnach ca. 100 pCt.; für alle höheren Messer wie diese sollen nach der Vorlage ge- zahlt werden 50 pCt. vom Werths und 2 Dollar(8 M.) per Dutzend extra. Achtung! Aus Hannover schreibt man uns: Von mehreren Seiten ist uns Mittheilung durch zureisende Tischler geworden, daß in auswärtigen Zeitungen oder auch durch fingirte Briese die Nachricht verbreitet wird, der„Streik" sei hier vorbei. Wir ersuchen nun im Interesse unserer Lohnbewegung solchen„Lüge n« keinen Glauben zu schenken. Der Streik dauert noch ununter- brochen fort. Die schlechtesten Werkstätten(50 an der Zahl) müssen entweder noch bewilligen oder die Bude schließen. Letzteres ist uns das Wünschenswertheste. Gerade in diesen Werkstätten blüht die Schmiitzkonkurrenz. Obige schwindelhaften Nachrichten sollen den Zweck haben, einen großen Zuzug nach hier zu schaffen. Wir werden zur Zeit nicht ermangeln, das Ende des Streiks be- kannt zu geben. Wir verlangen keine materielle Unterstützung von den deutschen Kollegen; aber eine Unterstützung durch möglichste Fern H ai t u n g des Zuzuges werden wir allen Kollegen sur Zeit Dank wissen. Fingirte Briefe, welche im Besitz von liollegen gerathen, bitten wir uns gefälligst zu übersenden. Mit Gruß und Handschlag. Die Streikkomlnisston. Utrtallavbeiter- Ko»s»'eS?u Wrimar. 3. Tag. Die Sitzung wurde ani Mittwoch Vorinittag 8 Uhr von Seifinger eröffnet. Zunächst erstatteten die Referenten der Branchen-Kon- greffe Bericht über die Verhandlungen, welche auf den Branchen- irongressen gepflogen wurden. Den Verlauf des Schlosser- Kongresses haben wir bereits mitgetheilt. Die Former haben ihre Verhandlungen noch nicht zu Ende geführt, wir werden daher später auf dieselben zurückkommen. Der Klempner- Kongreß war von 32 Delegaten besucht, welche 34 Orte vertraten. Ein Antrag, für die Klempner eine Zentral-Organisation zu schaffen, wurde abgelehnt. Die Regelung der Streiks wurde dem allgemeinen Kongreß überlassen. Zu Vertrauensmännern der Klempner wurden die Herren Metzger, Hemme und Fries gewählt. Auch die F e i l e n h a u e r theilen mit, daß es ihnen in Folge der politischen und wirthschaftlichen Verhältnisse nicht möglich sei, für eine Zentralisation einzutreten. Nachdem noch die Schläger Bericht erstattet hatten, trat der Kongreß in den zweiten Punkt der Tagesordnung ein: Diskussion über die Gesammtorganisation der Metallarbeiter. Zu diesem Punkte sprachen nicht weniger als 28 Redner. Von den Berliner Delegirten die Herren: Prinz, Ehrlich, Hirsch, Gerisch, Hartmann und Klein. Mit wenigen Ausnahmen sprachen sich sämmtliche Redner dahin aus, daß es unter den gegebenen Umständen am gerathensten sei, auf der bisherigen Basis weiter zu operiren. Das System der Vertrauensleute soll beibehalten, aber erweitert werden, da die wenigen Vertrauensmänner, welche bisher in Thätigkeit waren, fernerhin nicht mehr im Stande sind, die gewaltige Arbeit, welche ihnen aufgebürdet ist, bewältigen zu können. Nach Schluß der Diskussion erhielt der Vertrauensmann der Schmiede, Hilmer, welcher nach Schluß des Schmiedetages auf dem allgemeinen Kongreß erschien, zur Berichterstattung über seine Thätigkeit das Wort. Der Bericht rief eine lange und lebhaste Debatte hervor, da eine allgemeine Mißstimmung darüber herrschte, daß Herr Hilmer erst so spät seiner Verpflichtung nach kam. Allseilig kam die Meinung zum Ausdruck, daß Herr Hilmer verpflichtet gewesen wäre, am ersten Tage gemeinsam mit seinem Kollegen Bericht zu erstalten, um den Kongreß die zweimalige Diskussion zu ersparen. Obgleich der Kongreß bis zur Dunkelheit tagte, war es nicht möglich diese Angelegenheit zum Abschluß zu bringen. Sie wird voraussichtlich auch morgen noch geraume Zeit in Anspruch nehmen. VevlÄnHnlungen. Der N«rein jnv Wahrung der materiellen Interelsen der Steinträger und verwandten Berufsgenossen Berlins hielt am Dienstag, den 27. d. M., eine außerordentliche General- Versammlung in Renz' Salon, Naunynstr. 27, mit folgender Tages- ordnung ab: 1. Bericht des Vorstandes über Statutenänderung. 2. Vereinsangelegenheiten. 3. Verschiedenes. Nach kurzer Aus- einandersetzung wurde der Borschlag des Vorstandes, daß der Verein von jetzt ab„Freie Vereinigung der Bauarbeiter Berlins" heißen soll, und der Kopf, sowie§ 2 des Statuts, um nicht sämmtliche Bücher zu verwerfen und dadurch große Geldausgaben zu verursachen, nur mit dem neuen Namen des Vereins gedruckter Streifen zu überkleben und die Vercinsstempel zu ändern, ange- nommen. Bei„Vereinsangelegenheiten" wurde ein Unterstützungs- gesuch der streikenden Former verlesen und dieselben mit 30 M. unterstützt. Aus Antrag des Kollegen Gutsch wurden die streikenden und ausgesperrten Kollegen Hamburgs, Stettins, Braunschweigs u. s. w. mit 20ll M. unterstützt und soll diese Unterstiitzung durch eine Extrasteuer wieder gedeckt werden. Die Frage, ob wir gewillt sind, unser Stiftungsfest zu feiern, wurde von allen Seiten be- jaht und ein Festkomitee aus den Kollegen: Hartleib, Nöding, Beeskow, Müller, Zick, Jaursch, Kandale, Brunsch, Tauschte, Neufert, Wittmar und Deredder gewählt. Ein Antrag, ein ltlr- beitsnachweise-Bureau zu gründen, wurde bis zur nächsten Ver- sammlung, in welcher Vorstandswahl stattfindet, zurückgesetzt, um es dem neuen Vorstände gleich in die Hand zu geben. Von mehreren Kollegen wurde wiederum die Löhnsrage einer scharfen Kritik unterzogen und das Wettrennen der 5iolonnen>ührer, um nur den Ersten zu machen, sehr getadelt, weil sie nur dadurch dem Arbeitgeber oder richtiger dem Kapital, dem Arbeiter gegen- über die Waffe immer noch mehr schürfen. Da sich die ohnehin schon sehr schwach besuchte Versammlung immer noch niehr lichtete, mußte die Versammlung geschlossen werden. Nächste Ver- sammlung am 15. Juni. Cine öffentliche Uerfanrmlnug der Rohrleger und Helfer Kerlin« tagte am Dienstag, den 27. Mai, in Feuer- ftein's Salon, Alte Jakobstraße 75. Die Tagesordnung lautete: 1. Situationsbericht über den Stand des Streiks. 2. Verschic- denes. Kollege Becker erledigte den ersten Punkt der TageS- ordnung; er führte aus, daß in 5 Werkstätten die Arbeit nieder- gelegt sei, 12 Firmen haben den Tarif voll und ganz bewilligt, und bei 20 Unternehmern hätte eine Lohnerhöhung um 15 bis 20 pCt. stattgefunden. Der größte Theil der Unternehmer stehe den Forderungen der Arbeiter schroff gegenüber, sie bewilligen so gut wie gar nichts. Bedauerlich sei es, daß die meisten Kollegen den Beschluß vom 6. Mai nicht aufrecht erhalten haben; hätte man sich eben hieran gehalten, so wäre der Streik zu Gunsten der Arbeiter längst beendet. Durch die geringen Lohnzulagen haben sich die Kollegen vom Unter- nehmer ködern lassen und von den gerechten Forderungen, insbe- sondere von der Verkürzung der Arbeitszeit, abbringen lassen. Man sagt, ein Jeder muß sein Schicksal ertragen, wie er es ver- dient, und die Rohrleger werden dieses bei späteren Gelegenheiten ebenfalls erfahren, denn nach den Auslassungen des Jnnungs- obermeisters werden mit der Zeit die Löhne fallen, statt steigen. Traurig sei es, daß die große Masse der Arbeiter unserer Branche so kolossal indifferent sei; dadurch sei dieser Streik illusorisch ge- worden, und es bedarf keines Beweises mehr, daß sich dieselbe nicht fest zusammenschaart und organisirt, sie noch traurigen Zeiten entgegen geht. Sämmtliche folgenden Redner sprachen sich in demselben Sinne aus und er- mahnten zu eifriger Agitation und fester Organisirung der Masse, nach Beendigung des Streiks muß die Arbeit erst beginnen, damit die Arbeiter dem Kapitalismus geschlossen gegen- über treten können. Es gelaugte hierauf folgende Resolution zur Annahme: „Die heutige Versammlung der Rohrleger und Helfer drückt zu dem Verhalten der arbeitenden Kollegen ihr tiefstes Bedauern aus, da sie erst einem Antrage zugestimmt, der besagte, in allen Werkstellen, wo nicht der volle Tarif bewilligt ist, die Arbeit niederzulegen, und nachher nicht ihr Wort gehalten haben. Hätten die Kollegen in ihrer Gesammtheit die Arbeil, laut Antrag vom 0. Mai, niedergelegt, so wäre auch für die Gesammtheit der Rohrleger und Heffer etwas Ersprießliches erzielt worden. Die Versammlung erklärt weiter, unter diesen Umständen von weiteren Arbeitsniederlegungen Abstand zu nehmen und den Streik, weil eine, wenn auch nur geringe Lohnerhöhung erzielt, der Jndifferentismus und Unverstand der Kollegen jedoch noch ein zu großer ist, für beendet; macht es aber den arbeitenden Kollegen zur Ausgabe, für die Kollegen, welche durch Arbeitsniederlegung an dem Beschluß festgehalten haben, energisch einzutreten und dieselben zu unterstützen. Die Agitations- und Streikkommission bleibt vorläufig bestehen und es entscheidet über die Auflösung derselben eine zu diesem Zweck einzuberufende Ver- sammlung." Ferner gelangte ein Antrag zur Annahme dahinlantend, in nächster Zeit eine öffentliche Versammlung einzuberufen mit der Tagesordnung, wie stellen sich die Rohrleger und Helfer zu einer Zentral-Streik-Kommis si on. Nachdem noch beschlossen wurde, den Delegirten des in Wei- mar tagenden„deutschen Metallarbeiterkongresses" telegraphisch zu ihrer ernsten Arbeit ein„Glück aus" zu übermittel», wurde die Versammlung mit einem begeisterten Hoch auf die intet nationale Arbeiterbewegung geschlossen. Dir Uerrin Krrlin»r Aa»odie»ir hält am Freitag, den 30. Mai ct., Abends 9 Uhr, Neue Srünstr. 98, eine Versammlung mit folgender Tagesordnung ab: l. Mitlhetlung. 2. Die Berhältuiffe der Hausdiener Breslaus. 3. Aufnahme neuer Mitglieder. 4. VereinSangelegenheiten und Fragekasten. SZrahe öffentlich« Uolksversamnilnna siir Schmargendorf und zlmgrgend am Freitag, den 30. Mai, Abends 8 Uhr, im Restaurant ffatfer Friedrichs-Äarten(P. Kubier). Solialdrmoltratifcher itft- und BiolmtUhlub„Zaffalle". Freitag den ao. Mai, Abends 8% Uhr, Adalbertstr. s bei Schneider. Um zahlreiches Erscheinen wird gebeten. Säfte haben Zutritt. Freireligiöse«emeindr, Rosenthalerftraße 88. Sonntag, den I. Juni. Vorm. 10 Nhr: Vortrag des Herrn Dr. Bruno Wille über„JefuSlehre und Moral der Neuzeit". Säfte sehr willkoinmen. Mitgliederversammlung de» N-reino ,nr Wahrung der Inter- »ffrn der Kerliner Dachdecker am Sonntag, den I. Juni, Vorm. Wi Uhr, bei Herrn Schlüter, KI.Marfusstr. 10.— Der jetzige Kassirer, Herr Kretfchmer, wohnt Pallisadenflr. 40. Mitglieder werden aufgenommen. Ei»» Dersanimlung deo Folialverbande« deutscher Zimmerer von Uirdorf und Dritt findet am Sonntag, den I.Juni, Vormittags 11% Uhr, im Saale des Herrn Summer. Berlinerftr. 130, statt. Die Kameraden werden er sucht, zahlreich zu erscheinen und die Bücher in Empfang zu nehmen. Frei« Pereinigung der Maurer Perlina und Pmnegend. Srobe öffentliche Versammlung am Sonntag, den i. Juni, Vormittags 10% Uhr, be! Orschel, Sebastianstr. 39. Tagesordnung: i. Vortrag des Herrn Pens über: „Kapttaltslische und sozialistische Moral". 2. Wie stellen sich die Mitglieder zur Sründung eines AgttaflonS- und UnterslützüngSsonds? 3. Abrechnung vom Vergnügen. 4. Verschiedenes.— Mitglieder werden aufgenommen. Uni zahlreiches Erscheinen wird gebeten. Eesang-, Turn- und gesellige vereine am Freitag. Kaifer'schcr Männergesangverei» Abend« 9 Uhr im Restaurant Tamm, Schönhauser Allee 28.— Gesangverein„Pausebeutel" Abends s Nhr im Restaurant Hensel, Alexandrinenstr. 16.—„Liedertafel der Maler und verivandler Berussgenossen" Abends 9 Uhr im Restaurant Kleine, Brandenburgstr. 00.— Buchbinder- Männerchor Abends 8% Uhr bei Feuerstein, Alte Jatobsstr. 76.— Gesangverein „Flöter'scheS Toppelquartett" Abends o Uhr im Ristanrant Musehold, Lands- bergersrr. 31.— Gesangverein„Fortschrill" Abends 9 Uhr im Restaurant Blninenslr. 40.— Gesangverein„Echo 1872" Abends 9 Uhr Orantcnftrabe 80. Reue Mitglieder werden ausgenoininen.— Gesangverein„Osstan" Abends 9 Uhr, slucSdcnerstr. 83 bei Gustavus.— Huppert'sche Sänger-Vereinigung „Hanuonic" Abends 9 Nhr bei Niest, Weberslr. 17.— Gesangverein„Sänger- Hain" Abends 9 Uhr Adalbertstr. 21,— Liedertafel dcS FachvercinL der Stein- träger Berlins Abends 8 Nhr Große Hamburgerstr. 4 Uebungsstnndc.— Gesangverein„Ohnesorge" Abends 9 Uhr, Restaurant Neyer, Alte Jalobstr. 83. — Gesangverein„Widerhall" Abends 9 Uhr bei Herrn Boge, Köpnickerstr. 191. — Gesangverein„Lorbeerlranz" 8% Uhr Resiailrani Weinstr. n.— Arbeiter- Gesangverein„Nord" UebungZstunde Abends 8K Uhr im Restaurant Gnadt, Brunnenstr. 39. Stiininbcgadie auch passive Aiilglieder werden aufgenommc». — Gesanftvercin„Eollegia AdcndS von 9— n Uhr bei Schuster, Lramensir. 8. — Voigtsicher Dileiiaiiten-Orchcsterverein, UebungZstunde von 8h— 11 Uhr Abends im Louisenslädtischen Klubhaus, Anuenstr. 10, i Tr.— Berliner Turngenossenschast(6. Männerabthe. lungj Abends 8h Uhr in der städtischen Turnhalle, Wasserthorstr. 31.— Turnverein„Hascnhaidc" sMiinnerablheilung) Ad. 8 UhrTtesseubachstr. oo— m.— Turnverein„Froh u. Frei" tMännerabth.) Abends 8h Uhr Bergstraße 69.— Wissenschastlicher Verein für Rollcr'sche Stenographie Abend«»h Uhr im Restaurant Ziethen, Dorotheenstr. 31. Unterricht und UebungSstunde.— ANgsme.ner ArcndSsicher Stenographenverei», Ablhcilung„Vorwärts". Abend« sh Uhr im Restaurant Koll, Mariannen- play lt.— Arendssicher Stenographenverein„Apolloblind" Abends 8 Uhr im Restaurant Seydelstr. so.— Hieve n ehemaliger Dr. Doevdelinscher Schüler Abends 9 Uhr im Resiaur. Krebs, Friedrichsir. 208.— Zilherverein„Alpenveilchen" Abends 8h Uhr lm Restaurant„Wahlstait" Belleallianceslr. 80.— Rauchtiuv„Westend" AbendS 9 Uhr im Hohenzollerngarte» Siegliyerstr. 27.— Rauchklub„Weichfel- dlntl" AbendS 8h Uhr im Restaurant Slalitzerslr. 147a.— Rauchtlud„Ohne Zwang" Abends 8h Uhr IM Restaurant W. Späth Weinstr. 28.— Verein ehemaliger Schüler der 22. Gemeinveschule Abend« 9 Uhr im Restaurant Schröder Stcgliyerstr� is.— Lese- und Distuiirllud Herwegh Abend« 8 Uhr im Lokale de«'Herrn Olto Linie, Foriterstr. 46. Gäste, Herren und Damen, durch Mit- glieder eingesührt, haben Zutritt.— Sozialdemolrattscher Lese- und Disluiir- tluv Lassalle Abb«, sh Uhr Adalbertstr. 8 bet Schnelder. Gäste durch Mitglieder können emgesührt werden.— Sozia Idemotlaiischer Lese- und DtikuttrNwb Vorwärts Abends SK Uhr tn Poland'« Lokal, Naunynstr. 83, Sitzung. Gäste lönue» durch Mitglieder eingesührt werden.— Mänuerchor der„Berliner Mechaniker" Abend« 9 Uhr im Reslauranl Krüger, Franzstr. 8.— Verein ehemaliger Schüler der 23. Gememdeschule Abend« 9h Uhr Königstadt-Kasino, Holzrnarllstr. 72. Aufnahme neuer Mitglieder. Gäste willkommen.— Leseklnb Karl Marx" Abends von 9— 11 Uhr bei Schönseld, Mariendorserslr. 10. „Muslerzeichiier-Verband DeutschlaudS" Abends 8H Uhr. Zum Schultheiß LandSbergerstr. 73. VevntisÄzkes. Retirr de» RngliicktofnU in der Dnnziger Kucht bringt die„Danz. Ztg." folgende, die telegraphische Meltmug ergänzende Miltheilnng: Zwei in Heubude versaminelte Gesellschaiten, bestehend aus der Frau von Sprockhofs, ihrem siebenjährigen Sohne, ihren beiden Schwestern Frl. Loserl, Frl. Born aus Stolp (Tochter eines dortigen Arztes), Frl. Dora Dieckmann ans Tanzig, Frl. Martha Tornier aus Traghcim und Fräul. Bertha Liffer aus Danzig, sowie dem Bruder der letzteren. Reserveunter- offizier Lisser, und dem Handelsbeflissenen Strohloke, hatten sich durch die spicgelklare See und den um jene Zeit nur schwach aus Osten wehenden Wind zu einer Segelfahrt verleiten lassen. Sie nahmen in dem Boot des Fischers Schulz Platz und fuhren in die See hinaus. Als sie ungefähr 600 Meter vorn Lande entfernt ivaren, wünschte Frl. Dieckmann umzukehren, und Herr Lisser, der bis dahin am Steuer gesessen hatte, ersuchte den Fischer, nach hinten zu kommen und das Manöver des Umkehrens auszuführen. Schulz gehorchte dieser Aufforderung, muß aber, wie die Augen- zeugen meiuen, die Wendung nicht richtig ausgeführt haben, denn mit einem Male füllte sich das Segel, welches nicht los- gemacht war, mit Wind und druckte das Boot auf die Seite, so daß es Wasser schöpfte und nur noch mit einer Bordseite über die Wellen hervorragte. Viel- leicht ist auch das Umspringen des Windes, der in demselben 'Augenblicke von Ost nach Süd umsetzte, die Ursache zu der nun folgenden Katastrophe gewesen. Sämmtliche Insassen stürzten in das Wasser, das an dieser Stelle eine Tiefe von 40 Fuß haben soll; da jedoch das Boot durch das Segel in seiner Lage sestge- halten wurde, so gelang es sämmtlicyeti Personen, sich an dem treibenden Boote festzuhalten. Der kleine Knabe wurde von den Herren aus die Bordwand gesetzt. Sei es nun, daß die Damen in ihrer Bestürzung sich nicht ruhig verhalten haben, oder daß die Last zu groß war, das Boot neigte sich vorn über und die noch über dem Wasser stehende Bordwand ver- schwand ebenfalls in den Wellen. Wieder gingen sämmtliche Personen unter, doch tauchten diesmal nur Herr Lisser mit Fräulein Tornier, die seinen Hals umklammert hielt, Fräulein Lisser und Herr Strohloke aus, welche sich an dem Borbrande, der sich allmählig wieder aus dem Wasser aufrichtete, fest- klammerten; alle übrigen sieben Personen fanden ihren Tod in de» Mellen. Die beiden Herren nahmen nun ihre Plätze an den beiden Enden des Bootes und brachten die beiden Tamen bis an die Mitte. In dieser Stellung ließen sich dieselben, Hilfe er- wartend, aus dem offenen Meere treiben. Am Ufer hatte sich unterdessen eine große Menschenmenge versammelt, die mit Eni- setzen das Kentern des Bootes, den Untergang der sieben Menschen und die Lebensgesahr der noch übrigen vier Personen mit an- sehen mußten. Die Lage der vier an der Oberfläche verbliebenen Personen wurde mit der Zeit immer gefährlicher, denn häufiger tauchte das Boot unter Wasser, wobei die sich Anklammernden jedes Mal mit versanken. Sichtlich matter wurden die Kräfte der beiden Herren, die mit Aufbietung aller Energie die Damen immer wieder an die Oberfläche brachten, und fast schien es, als sollte die Hilfe, die sowohl Heubuder Fischer vom Strande aus als die bei Ausübung ihres Gewerbes auf See besind- lichen Neufährer Fischer brachten, zu spät kommen. Wiederum tauchte das Boot unter und dieses Mal gerieth auch Fräulein Tornier unter dasselbe, so daß nur noch ein Fuß aus dem Wasser hervorragte. In diesem kritischen Augenblick kam das Boot der Neufährer Fischer, die mit allen Kräften ihre Nüderschläge be- schleunigten, zur Stelle. Zuerst wurde Fräulein Tornier, schon ganz beivußtlos, aus dein Wasser gezogen, dann Fräulein Lisser in das Boot genommen und schließlich stiegen auch die beiden Herren, die sich bis dahin tapfer gehalten hatten, ein. Die Leichen sind gesunden. Die Geretteten haben keine üblen Folgen von dem laugen Aufenthalt in dem kalten Wasser gehabt und befinden sich wieder ziemlich wohl. Sturz ri«r» Lotto», otivführers in die Trau». Der „N. Fr. Pr." meldet ein Arzt folgendes: In fröhlicher Stim- immg befanden sich am Pfingstmontage um die Mittags- zeit zahlreiche Psingstgäste aus dem Perron des Bahnhofes zu Aussee, um die Heunsahrt anzutreten. Auch ich harrte der Ab- nhrt, nachdem ich meiner zu Aussee weilenden Familie eW seiertagsbeslich abgestattet hatte. Da trat ein kräftiger srnf kann mit heiterer Miene auf mich zu, mich herzlich hegru?' -......»er WZuges, der mit eS war der Maschinenführer o.« s»»«..............„ Zeit von zahlreichen Fahrten im Salzkammergute bekannt# „Nun, da ich mit Ihnen fahre, Herr Doktor, wird mir M gewiß kein Malheur passiren, meinte er. Die Umstehenden lachl� das Glockenzeichen ertönte. Alles begab sich in die Wagg°°'' und bald brauste der Zug durch das wildromanM Koppenthal gegen Obertraun dahin. Da plötzlich— wir moctD etwa eine Viertelstunde gefahren sein und hatten arade den Tunne Passlick, ertönten schalle Signale der Dampfpfeife, die VacuM bremse trat in Thätigkeit, und nach wenigen Sekunden blieb da Zug stehen. In heftiger Erregung stürzten die Passagiere den Waggons. Die Kondukteure liefen ungefähr hundert oen Waggons.-AJie«onouueuie ueie» v""""' tXHi zurück und deuteten entsetzt nach einem im Flußbette der 1 ......V___ n*___..........______.... V.„.. jkX /£ /\ r* 44.Vi O s i"T*l PtTl U V» j das fast senkrechte, hohe Ufer in die Traun gefallen. Eine unbeschreiblicher Verwirrung folgte, und es währte lange, unter iSArMtovirtfoitim hpn Npinlnutuckten über da# J großen Schwierigkeiten den Verunglückten � Ufer hinauf- und in einen Waggon des Zuges befordert�y� war schwer wo er sofort gewaschen und gelabt wurde; er_ letzt und unfähig, zu sprechen. Der Heizer erzählte unter Thrane!, dap der Maschinenführer, um einen äußeren Bestandtheck d» Maschine zu besichtigen, sich zu weit hinausgebeugt hatte, dabu von einer der längs des Gleises befindlichen Telegraphenstastg'" am Kopse � getroffen und herabgeschleudert worden war. Heizer durste den Zug nicht bis zu der ungefähr zehn Minuter entfernten Station Obertraun führen, da er nicht geprüft war So mußte denn durch den nächsten Wächter diese Station nachrichtigt werden, welche eine Hilfsmaschine dem Zuge gegcnschickte, wodurch nach einer halben Stunde den jHeisf® die Zsort|etzung ihrer Heimfahrt ermöglicht wurde. Srlbstuerbrentiting. Petersburg, 25. Mai. Im D-fl Mitma machte dieser Tage der Bauer Dudkiu, 13 Jahre alt,.«« Dudkin war m einck schreckliche Weise seinem Leben ein Ende Mühle in Nishni Nowgorod bedienstet gewe|en, yaae ,r»"- lohnung erhalten und sich' auf den Weg in die Heimath begeben- Statt nun direkt dorthin zu gehen, begab er sich mit eiW. areunden in ein Wirthshaus und vertrank und verspielte � sein letztes Geld. Darauf aber nahm er sich den Verlust so i Herzen, daß er auf dem Wege nach Mitina beschloß, durch Selb!' »iivi-t, 2» ontio» imt in de» L>e»schuuven einer BäueffNi mord zu enden. Er trat in den Heuschuppen einer— schloß die Thüre hinter sich zu, zündete das Heu an und brannte dort bei lebendigein Leibe. SzrrerhsÄÄll. de« Sprechsaal». soweit Raum dafür�ß t___.._...... rre... rtllncll*. Die Redaktion stellt die Benutzung„r»——-„,,„»1»'- geben ist, dem Publikum zur Besprechung von Anaelegeuheiten äuge � Jnleiessc« zur Verfügung; sie verwahrt sich aber gletchzetttg dagegen, m Inhalt desselben tdenltstzirt zu werden. ■■*„Berliner Volksblattes" ich, 11» ntelessei zur Verfügung; sie verwahrt Inhalt d,"" Die Redaktion des.. Interesse der allgemeinen Arbeitersache um Aufnahme genden. Mit einer Gesellschaft von 15 Personen war ich infolge öffentlichen Aufforderung der Reinickendorfer Genossen- Restaurateur Herrn Böttcher,_„Reinickendorfer Seeschlößchs� durch den Besuch seines Lokals zu unterstützen, am i Pfingstfeiertag dorthin gegangen. ,, Aus meine Frage mußte ich zu meinem größten Erstau»„ hören, oaß der Herr Bier von einer boykotttrten Brauerei# schänkt. Als wir Weißbier haben wollten, bekamen wir zur � ivort, dasselbe sei alle. �> Nun ging ich persönlich zu Herrn Böttcher, um deust". i darüber zu interpelliren, und ,vas war die Antwort, welch« in Gegenwart von Zeugen erhielt? „Dann müssen Sie Ihr Geld wo anders verzehren.". Aus meinen Himveis, daß die Arbeiter Berlins sich für pflichtet halten, die betreffenden Lokalinhaber, welche ihr L» zu Versammlungen hergeben, moralisch durch ihren Besuchs unterstützen, erhielt ich die kurze und bündige Antwort: danke für die Unterstützung der Arbeiter,'mich braucht keiner> unterstützen." Dies hiermit allen Genossen und Arbeitern» Kenntniß. Hochachtungsvoll Eduard Becher, Ackerstraße 121. ftejreftfjen. (Wolff« Telegraphrn-Kurran.) -- rr———w#—«j--. Paria, 29. Mai. Außer den bereits gemeldeten Person Xto fflrtTtao» rtrtff* imp» mpt+orp WifutlltPlt. vechaftete die Polizei noch zwei weitere Nihilisten,„ 1 Berdltschewskl, bei denen Abhandlungen über die brikatum von Sprengstoffen gefunden wurden. NviefÜtttken Vev VebaKtiott» Bei Anfragen bitten wir die AbonuementS-Quttmng beizufügen. Lrtell Antwort wird nicht erlhetlt.■( bei E»"' Südl"' A. L. 91. Der Arbeitsnachweis befindet sich Lindemann, Moritzstraße 9. Drei Wettrude, Wafserthovstralie. 1. Die Insel" hören zu der Gruppe der selbstständigen Inseln der S» 2. Das wissen wir nicht..t A. K. ffi. 100. Der Wächter ist berechtigt, aber n"? verpflichtet, selbst gegen Bezahlung das Haus auszuschließen. 101. A. I. Kluinrnberg. Vorläufig seien Sie mißtrau'- und nehmen Sie den Betreffenden noch nicht als Kompagnon" Ihre Angaben sind viel zu unbestimmt und lassen nicht erken" 1 um was für Dokumente es sich handelt. Zu mündlicher Auskuu' sind wir bereit. --------——...... Fol ©.©. Raufigerstiaffe. Wenn Sie über Ihre ganze,"..-, derung quittirt haben, so gilt dies als Vergleich des Im'* ' 1 An cm cvk».«.» cn)flf,iviniP11.. WW'....... SHeAt R. 100. Der Kaufvertrag braucht nicht von einein anwalt oder Notar beglaubigt zu werden. Einfache schr>l' Abfassung und Stempelung genügt.«iS Krrtin 100. Ihre Anfrage kann ohne zuvorige Keim„ von dem Wortlaute der Testamentsbestimmung nicht wortet werden. Zu mündlicher Auskunft sind ivir bereit..gi W. S. 90. 1. Lesen Sie doch den Miethskontrakt.»„t steht, daß der Wirth im Falle unpünktlicher Miethszahluvg.z Exmission berechtigt ist. 2. Daß der Wirth seines klagv* Nestes auf Miethszahlung nicht dadurch verlustig geht, da? j, Miether rückt, ist doch selbstverständlich. Uebrigens ruerdeit. in Zukunft Anfragen, die so undeutlich mit Blei geschrieben l unbeantwortet lassen....»i (£. K. 100. Sie müssen die eingeforderten Beitrag«-. Innung zahlen, sonst werden dieselben zwangsweise beige»', st K. A. Die Befugniß des Budikers, das ihm für Ge» geschuldete Geld Sonnabends bei der Lohnzahlung wegzune? � kann zwar zweifelhaft sein. Keinesfalls würde eine Anzeig� gen Diebstahls gegen ihn von Erfolg sein, da er bei der*Z.|, nähme des Geldes nur das sich verschaffen wollte, was# '"npig zu fordern hatte. V. p. 100. Ihr Vater kann Ihnen nichts anhaben, n z? Sie den angegebenen Schritt thun. Sie können auch geg«?,.,� auf Ertheilnng der Genehmigung zur Verheirathung beim 1 gericht Klage erheben. Verantwortlicher Redakteur: C«vt Sänke in Berlin. Druck und Vertag von Wae Sabina in Berlin SW., Beulhftrahe 2. 1