Ar. iäß. Mittwoch, de« 4. Juni 1890. V. Jahrg. Hrgan für die Interessen der Arbeiter. -rs».. Das./Berliner Volksblatt" in'« ftl /°?uch Morgens außer nach Sonn- und Festtagen. Abonnementspreis für Berlin Conn.- vierteljährlich 3/0 Mark, monatlich 1,10 Mark, wöchentlich 28 Pf. Einzelne Nummer S °2s-Nunimer mit dein„Sonntags-Blatt" 10 Pf. Postabonnement 3,30 Mark pro Quartal. ?f„, Eingetragen in der Postzeitungspreisliste für 1890 unter Nr. 892, V. Nachtrag.) f Krrnzband, täglich durch die Expedition, für Deutschland und Oesterrcich-Unaarn L Mark, für das übrige Ausland 3 ZUnrl: pro Monat." In f e r t i o n s g e b i�h r beträgt für die 5 gespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pf., für Vereins- und Verfammlungs. Antigen 20 Pf. Inserate werden bis 4 Uhr Nachmittags m der Expedition, Berlin SW., Bcutb trabe 3, sowie von allen Annoncen-Bureaux, ohne Erhöhung des Preises, angenommen. Die Erpedition ist an Wochentagen bis 1 Uhr Mittaas und von 3—7 Uhr Nachmittags, an Sonn- und Festtagen bis 9 Uhr Vormittags -* Fernsprecher: Amt VI. Ztr. 41< Medakkion: S.— Expedikion: VeukhflvMe 3. »g. »uf � SNonat Juni eröffnen wir ein neues Abonnement «»d-m»Kerliner Wllisbtatt" „Sonntags-Blatt" � Gratisbeilage. a-t.�5U hinzutretenden Abonnenten wird der bisher erschienene des Romans von G. Zola „Zum Glück des* Damen" Stotig und sranco nachgeliefert. ».„s.�vstabonnenten, welche für den Monat Juni abonniren vueii, haben bei ihren Postanstalten 1 Mut 10»ch .»"Zuzahlen. Das„Berliner Volksblatt" ist eingetragen in die Postzeitungsliste'" ------- unter Nr. 892, V. Nachtrag. Für Berlin nehmen sämmtliche Zeitungs-Spediteure, sowie Unsere Expedition, Beuthstrape Nr. 3, Bestellungen znm Preise von hlO M. monatlich, frei ins Zaus, entgegen. Probenuipniern stehen auf Verlangen gratis und sranco zur ...fügung. . Wir ersuchen unsere Freunde, hiervon recht zahlreich Ge- "Uch zu machen. Die Gepeditiau des„Berliner DolKsblatt�, Kruthstraffe 3. Aus Gosterrrirtz. Lib c'11 elender Wechselbalg der sogenannte »JW'smus unserer Zeit ist, enthüllt uns nicht blos das benri'' reaktionäre und freiheitsfeindliche Gebühren der bna i Nationalliberalen, sondern auch im gleichen Maße der„liberalen" Partei Oesterreichs. Arbeiten jene L etuet tvahren Wuth an der Vernichtung des bestehen- i./ allgemeinen, gleichen und direkten Wahlrechts, i>» s... o.t—-— xi» ftalirc bind l0?"ugeineinen,,. so btis�r- liberalen Oesterreichs, die 20 Jahre hindurch ein» ��ütsruder in Händen hatten, fortgemirthschaftet init !,"l geradezu vorsündfluthlichen Wahlrecht, das an einen <»'.i—r..,-'— nW thrpm Liberalismus ■".tu gerctoezu»oriunomuyuu;iti—•------- �ien Zensus gebunden war, aber ihrem Liberalismus �"kommen entsprach. .. �3 ist die reinste Ironie, daß in Oesterreich die t �uualige Erweiterung des Wahlrechts von ver feudal- �'�ativen Partei ausging. Im Jahre 18-1 fehle � Ministerium Hohenwart, dem auch Schäfsle angehörte, den Zensus auf 10 Gulden herab und 10 Jahre später reduzirte das Minifterum Taaffe den Zensus auf fünf Gulden. Man darf daher schließen, daß die öfter- reichische Arbeiterschaft mit größerer Wahrscheinlichkeit das allgemeine Wahlrecht von einer konservativen als von einer liberalen Regierung erhalten wird. Freilich ge- schieht die Ausdehnung des wichtigsten politischen Rechtes auf weite oder auf alle Kreise der Bevölkerung von den Konservativen nicht aus Liebe zum Volke, sondern aus politischen Erwägungen, um ihr Regiment zu stützen. Aber nicht bloß, daß die österreichischen Liberalen ihren Namen vollständig auf politischem Gebiete ver- leugneten, sie leisteten auch absolut nichts, um die ge- druckte Lage des arinen Volkes nur um etwas zu heben. Man darf sich versichert halten, daß heute noch in Oesterreich keinerlei Arbeiterschutz-Gesetzge- bung vorhanden wäre, wenn ihre Schöpfung von den Liberalen abhängig gewesen wäre. Allerdings hat 1883 der mit heißer Sehnsucht nach einem Minister stuhle lechzende liberale Parteiführer von Chlumecky die Regelung des Armenwesens und die Einführung der Kranken- und Un- fallversicherung angeregt, allein seine ganze Partei gab sich keine Mühe, auch wirklich etwas zu schaffen. Erst"als die konservative Regierung sich der Fragen bemächtigte, kamen die beiden Versicherungsgesetze zu Stande. Wie die deutschen Nationalliberalen mit Begeisterung das Sozialistengesetz bewilligten, so stimmten auch die öfter- reichischen Liberalen dem über fast ganz Nieoerösterreich verhängten Ausnahmezustände zu. Die beständige Angst um das nur selten ehrlich erworbene große Verniögen läßt jeder Verfolgung der ausgebeuteten Bevölkerungsklassen zu- stimmen; wenn es sich um die Sicherheit des angeblich be- drohten Besitzes handelt, vergißt der wohlhabende Polinker sehr leicht auch Freiheit und Volksrechte und er hat keine Zeit, sich daran zu erinnern, daß er ja eigentlich ein „Liberaler" sei. Und wohlhabend, sehr wohlhabend, sind die Parlamentarier der liberalen Partei in Oesterreich durchwegs. Man hat sie in früheren Jahren nicht an- ders als die P a r t e i d e r V e r w a l t u n g s r ä t h e bezeichnet und man könnte wohl es heute noch thun. Der große liberale Staatsmann G i s k r a, der in seiner pmselhaften Einfältigkeit die soziale Frage bei Vodenbach aufhören ließ, war in seiner Jugend als armer Student aus Mähren, sein Hab und Gut in einem Bündel unter dem Arme tragend, nach Wien gekommen und als er starb, hatte er sich um den österreichischen Staat so ver- dient gemacht, daß er ein Vermögen von 14 Millionen Gulden hinterlassen konnte. Giskra mar freilich nicht der einzige Staatsmann, für den das„Aufreiben im Dienste des Vaterlandes" zum goldenen Segen wurde! ... Feuilleko». �«-rbvl-np_(48 tiZmu Glück der Damen." NomanvonEmileZola. utorisirte Nebersetzung von Armin Schwarz. '»ciiÄ* Sanzes Wesen hatte sich verfeinert, die Haut war keutens s n®clicht: zart und ernst, ihr gebrechliches mibe- "" es Acufk-rng von cbcmals war einem Reiz von em- bttiicrJ Außeres von ehemals war einem Reiz von o?. Diskretion gewichen. •"eijj„• j'e sind sehr gütig, niein Herr, stammelte sie, ich 'VT.roie ich... fCc"uterbrach sich, denn auf der Schirelle erschien lein»», er Lhomnie. Er trug einen großen Ledersack auf ™»vj>ihnmeltcu off,„.�01"me-®r trug einen gropen i:ev�,ii». if, n ei,. vi'- eu Arme, während er mit dem verstümmelten Ä ta», r: Portefeuille an seine Brust drückte. Hinter belad",' M, Albert Lhomme, ebeufalls mit Geld- & Fr>wks�ihundert siebenillldachtzigtaiiseiid zweihundert s. ichivon,,» 0 Centimes, rief der Kassirer, dessen weiches ""geben, Gesicht gleichsam von dem Widerschein einer L, Diez Summe sich zu illnminiren schien. «uz"®lüs? �'e Einnahme des Tages, die größte, welche seil 3-;„{ Damen" bisher gemacht. Ans der Ferne, L'j" schm», der Btagazine, welche Lhomme soeben mit k/He der» Tritten durchschritten hatte, hörte man Aus- �ies»,,.?"gemcineil Freude und Ueberraschung, welche To?"s'Phnie hervorgerufen. llt superb, sagte Mourct entzückt. Mein wackerer Lhomme, legen Sie nur nieder, und ruhen Sie sich aus, denn Sie können ja nicht weiter. Ich werde das Geld schon zur Hauptkasse schaffen lassen. Ja, ja, stellen Sie nur Allesauf mein Schreibpult, ich will mich an dem Anblick weiden. Er war heiter wie ein Kind, der Kassirer und sein Sohn entledigten sich ihrer Last, der Ledersack hatte einen hellen Goldklang, zwei Säcke platzten und es stoßen Silber und Kupferstücke heraus, während aus dem Portefeuille die Ecken der Bankbillets hervorlugten. Ein großer Theil des Schreibtisches war mit den Geldsäcken und Portefeuilles be- deckt. Es war gleichsam ein Reichthum, den Jemand in 10 Stunden zusammengerafft hatte. Als Lhomme und Albert, sich den Schweiß vom Ge- sichte trocknend, fortgegangen waren, stand Mourct einen Augenblick unbeweglich da, die Blicke ans das Geld gerichtet; dann, als er aufschaute, bemerkte er Denise, die sich zurück- gezogen hatte. Und nun lächelte er wieder, er zwang sie, vorwärts zu treten und sagte ihr schließlich, daß er ihr schenken würde, was sie niit einem Griff nehmen könnte und dieser Scherz klang wie ein Liebcshandel. — Greifen Sie in den Ledersack, ich wette, daß Sie weniger als tausend Franks herausnehmen, Ihre Hand ist so klein. Allem sie war erbleicht und wich noch mehr zurück. Liebte er sie denn? Sie begriff plötzlich und fühlte die zunehmende Flamme seiner Begierde, mit der er sie zu ver- schlingen schien, seitdem sie in die Konfektions-Abtheilung zurückgekehrt war. Was sie noch mehr verstörte, war, daß sie ihr Herz stürmisch pochen fühlte. Warum ver- letzte er sie mit all' diesem Geld, da sie von Dankbarkeit überströmte und er sie mit einem einzigen freundlichen Worte gewinnen hätte können? Er näherte sich ihr wieder Als 1878 die liberale Partei das Staatsruder an die Konservativen abgeben mußte, da ahnte sie nicht, daß sie so lange von den schönen Ministerstühlen fern gehalten werden würde. Nunmehr währt es aber schon 12 Jahre und noch immer ist kein Ende des an Blamagen aller Art so reichen Regimes Taaffe abzusehen. Die Partei der Verwaltungsräthe erinnerte sich in den letzten Jahren einige Male, daß sie ja eine„liberale" Partei sei und daher etwas„liberales" thun müsse, um ihr verlorenes Prestige beim Volke wieder zurückzugewinnen. Zu diesem wecke heckte vor mehreren Jahren der gleich seinem Kollegen Chlumecky ministerlüsterne Plener den Plan von den Arbeiterkammern aus. Durch diese Institution sollte dem rechtlosen arbeitenden Volke ein Surrogat_ für. das allgemeine Wahlrecht geboten werden und ohne dieses selbst geben zu müssen, hoffte man im Stillen auf einen Zuwachs der liberalen Partei durch die Abgeordneten dev Arbeiterkammern. Als die Liberalen jedoch sahen, welche Auffassung von diesen Kammern die Arbeiter haben und daß unter den obwaltenden Umständen lvenig für sie zu erobern sei, da betrieben sie ihren Plan nicht weiter und man hört nun von den Arbeiterkammern in Oesterreich nichts mehr. In jüngster Zeit war jedoch der geniale Plener wiederum produktiv und er beschenkte die Welt abermals mit einem seiner Wunderkinder. Er hatte seine Aufmerk- samkeit den Streiks zugewandt und schlägt nun zu ihrer Regelung die Einrichtung von Einigungsämterw vor. Man kann über den event. Nutzen derselben sehr getheilter Meinung sein, immerhin wäre nach unserer Meinung die Sache eines Versuches werth. Plener faßt die Angelegenheit so auf: Zweck der Einigungsämter ist die Ausgleichung von Meinungsverschiedenheiten bezüglich der Lohnverträge, mögen sich dieselben auf die Auslegung bestehender Verträge oder auf deren Abänderung beziehen. Die Entscheidung rechtlicher Streitigkeiten aus Lohnverträgen steht dagegen den Einigungsämtern nicht zu. Es„können" dieselben für gleiche oder verwandte Betriebe oder Gewerbe errichtet werden, wenn in denselben mindestens zweihundert Arbeiter beschäftigt sind. Die Errichtung von Eiuigungsämtern er- folgt im Verordnungswege. Das Einigungsamt besteht aus einem Obmann und seinem Stellvertreter, sowie je drei bis fünf Vertreter der Arbeiter und Unternehmer als Beisitzer. Die letzteren wählen den Obmann und seinen Stellvertreter, die aber weder Arbeiter noch Unternehmer zu sein brauchen. Nur die Arbeiter-Beisitzer erhalten eine Entschädigung für ihre Reiseauslagen und den erlittenen Verdienstentgang; alle sachlichen Kosten der Einigungs- ümter, ihre räumliche Unterbringung und Ausstattung mit unter allerlei Scherzen, als zu seinem großen Mißvergnügen Bonrdonclc erschien, unter dem Vormande, ihni mitzntheiten, wie viel Personen am heutigen Tage das„Glück der Damen" besucht hatten. Es waren 70 000 Menschen da. Denise beeilte sich fortzugehen, nachdem sie noch einmal gedankt. Zweites Kapitel. Am ersten Sonntag des Monats August wurde In- ventur gemacht, welche bis zum Abend beendet sein sollte. Wie an Werktagen war schon am Morgen Jedermann auf seinem Posten und die Arbeit begann.bei geschlossenen Thüren. Denise war.nicht um 8 Uhr heruntergekommen, wie die übrigen Verkäuferinnen, Sie war 5 Tage krank gewesen au einer Verstauchung, die sie sich durch das viele Treppensteigen zugezogen hatte; sie befand sich jetzt schon besser, allein da Madame Aurel ie sie verhätschelte, beeilte sie sich nicht zn ehr, sie zog mit Mühe ihre Schuhe au, da sie dennoch ent- chlvssen war, sich in der Abtheilung zn zeigen. Die Zimmer xr Fräulein okkupirten jetzt den ganzen fünften Stock der neuen Gebäude, die Rue Monsiguy entlang. ES waren ihrer sechzig zu beiden Seiten ccnes Korridors; sie waren etwas bequemer, als die alten, obgleich nur mit einem Eisen- bett, einem großen Schrein und einem kleinen Toilettentisch von Nußholz möblirt. Denise hatte übrigens als stellvertretende Nbtheilnngs- Vorsteherin eines der größten Zimmer bekommen, dessen zwei Mansarden-Fenstcr aus die Straße gingen. Sie war jetzt fast reich und gönnte sich manchen Lux»?, so eine Eider- ounendecke mit einer Gnipnre überzogen, einen kleinen Teppich vor dem Schrein, zwei Vasen von blauem Glase mit tünst- lichen Rosen für ihre Toilette. Schreibern fallen dem Staat zur Last; die Schriftstücke der Aemter genießen Porto- und Stempelfreiheit. Die Amtsperiode ist eine dreijährige. Die Verhandlung er- folgt auf Antrag einer Partei, ausnahmsweise auch von amtswegen. Das seitens der Arbeiterschäst gestellte An- suchen muß mindestens von 10 Arbeitern ausgehen. Die Vermittelung durch das Einigungsamt kann nur ein- treten, wenn beide Theile dieselbe übereinstimmend in Anspruch nehmen. Eine hervorragende Stellung bei dem Einigungsamt ist dem Gewerbeinspektor zugewiesen. Derselbe ist berechtigt, an den Verhandlungen und Be- rathungen theilzunehmen; jede Partei kann aber auch dessen Erscheinen verlangen. Er ist zur Erstattung von Aus- künften über thatsächliche Verhältnisse, sowie zur Erstattung von Gutachten berufen. Die Verhandlung ist mündlich. Die Vertretung vor dem Amt hat nicht durch Rechts- beistände, sondern durch Vertrauensmänner zu geschehen. Das Amt hat das Recht, Zeugen und Sachverständige selbstständig von sich aus zu vernehmen. Die VerHand- lung, welche nicht öffentlich ist, soll so lange fortgeführt werden,„bis eine Einigung erzielt oder die Upthunlichkeit einer solchen konstatirt wurde." Im letzteren Falle kann jede Partei das Ansuchen stellen, das Amt möge einen Ausspruch über die Gerechtigkeit oder Billigkeit des von der Partei gestellten Begehrens oder der von derselben vertheidigten Anschauung über den Inhalt des Lohnver- träges fällen. Wenn sämmtliche Beisitzer aus der Reihe der Arbeiter oder Unternehmer gegen Fällung eines Ausspruches stimmen, so gilt derselbe als abgelehnt. Die Vereinbarung vor dem Einigungs- amte und der von demselben gefällte Ausspruch sind aber nicht vollstreckbar; doch haben dieselben für die an den Verhandlungen betheiligten Personen rechtsverbindliche Kraft. Die verhängten Bußen können jedoch durch die gewöhnlichen Behörden ohne weiteres eingetrieben werden u. s. w. Wir glauben nicht, daß der Plener'sche Entwurf Ge- setzeskraft erlangen werde und wollen deshalb auch in keine weitere Besprechung der mitgetheilten Grundzüge eintreten. Der Antrag ist ohne Zweifel von der Absicht eingegeben worden, die Aufmerksamkeit der Arbeiterschaft auf"die ihr freundlichen Bestrebungen zu lenken und dadurch Popularität zu erhaschen. Wie bei früheren ahn- lichen taktischen Unternehmungen wird sich die liberale Partei auch diesmal mit ihrem Plane wiederum ver- rechnen, denn die österreichischen Arbeiter besitzen nun einmal zur Partei der Verwaltungsräthe und ihrem Libe- ralismus nicht das geringste Vertrauen und das ist auch in der That gut so. 1. Sitzung der Ardeiterschutz- Kommisston. Dienstag, den 3. Juni. Der Präsident Graf Ballestrem jeröffiiet 10 Uhr Morgens die Sitzung. Nachdem er sdem Wunsch Ausdruck gegeben, die Kam- Mission möge die schivere Arbeit der Prüfung des Arbeiterschutz- Gesetzes in sorgfältiger und thunlichst schneller Weise erledigen, damit das Gesetz noch in dieser Session vom Reichstag zur Bcr- abschiedung gelangen könnte, schlägt er vor, zwei Lesungen abzu- halten und sofort in die Spezialdrskussion einzutreten. Dem wird zugestimmt. § 105 giebt zu einer kurzen Erörterung über den vor- liegenden Antrag Bebel und Genossen Veranlassung. Die Fassung des§ 105 seitens der Letzteren will statt„selbst- ständige Gewerbetreibende",— und„gewerbliche Arbeiter", „Unternehmer" resp.„gewerbliches Hilfspersonal" setzen,— ferner soll dem Paragraphen hinzugefügt werden:„Das Hilfs- personal ist in der Wahl der Unternehmer unbeschränkt." Die An- träge Bebel und Gen. werden abgelehnt. Es entspinnt sich eine längere Geschästsordnungsdebatte, ob die sozialdemokratischen Anträge, die aus dem Gesetzentwurf Auer und Gen. in der Forni von Amendeinents mit zur Dis- tussion gestellt, zuzulassen seien. Hervorgehoben wurde, daß die betreffenden Anträge wohl materiell, nicht aber formell richtig gestellt seien. Bebel und Gen. erklären, die betr. Anträge in der geeigneten Form bei den einzelnen Paragraphen wieder einzu- bringen- Kanutnge-Apbeit. § 105 n, der von Ausnahmen handelt, in welchen die Ar beiter zur Sonntagsarbeit verpflichtet werden können, wird mit Stimmengleichheit abgelehnt. § 105 b, alinoa 1, handelt von dem generellen Verbot der Sonntagsarbeit und des Beginns und der Dauer der Ruhezeit. — Abnco, 2 will dem Handelsgewerbe Beschränkungen auf- erlegen bezüglich der Beschäftigung von Gehilfen, Lehrlingen und Arbeitern au Sonn- und Festtageil. Zu alinea 1 liegen Anträge vor von Hitze, Bebel und Gen., Kleist-Retzow, Stumm, Schmidt, Hähnle. Geh. Rath L o h m a n n erklärt ans Aufrage, daß unter „Werkstätten" die Handwerks- und hausindustriellen Betriebe zu verstehen sind. Graf von Kleist-Retzow vertheidigt die Regierungsvor- läge. Er will nur den Kalcndcrsonntag von 12 Uhr Nachts bis 12 Uhr Nachts gelten lassen, damit würde Allen die Gelegenheit zum Kirchenbesuch gegeben. Tarauf komme es einzig und allein an. Hähnle meint, daß eine llöstündige Sonntagsruhe wohl in der Großindustrie durchzuführen sei, nicht aber sei dies möglich in der Klcinindnstrie und dem Handwerk. Er glaube, daß man mit einer SOstündigen Pause besser auskommen würde. Dr. Hirsch plädirt für die gOstündige Ruhe. Er fragt dann an, wie es mit dem Komptoirpcrsonal gehalten werden solle. Während dem Arbeiter die Ruhe zu Theil wird, würden die kaufmännischen Arbeiter.nach wie vor zur Thätigkeit herangezogen werden können. Bebel freut sich, daß die Regierung unter„Werkstätten" die Handwerks- und hausindustriellen Betriebe versteht. Hier sei es sehr nothwendig einzuschreiten.— Im Uebrigen bittet Bebel, die Anträge Hitze, die sich mit den sozialdemokratischen Anträgen decken, anzunehmen. Eine 36 ständige Sonntagsruhe sei unter allen Umständen nöthig. Reg.-Rath Wilhelmi giebt eine Erklärung auf die Anfrage des Abg. Hirsch dahingehend ab, daß das Komptoirpersonal gerade so wie die im Handelsgewerbe beschäftigten Gehilsen(al. 2) zu behandeln seien. Merbach tritt für eine nur 24 stündige Sonntags- ruhe ein. Hitze vertheidigt seinen Antrag, die Sonntagsruhe auf 36 Stunden auszudehnen. Nur dadurch sei eine vollständige Sonntagsseier erreichbar. Da der allgemeine Maximalarbeitstag in der Vorlage nicht vorgesehen, so müssen zum Mindesten Kau- telen geschaffen werden, damit den Arbeitern der Sonntag nicht gekürzt werden könne. v. S t u ni m glaubt, daß die 86stündige Feiertagsruhe in katholischen Distrikten die Nachtarbeit in denjenigen Wochen, wo mehrere Feiertage stattfinden, unmöglich machen werde. Er exemplifizirt auf ununterbrochene Feuerbetriebe; zochöfen 2C. müßten ausgelöscht werden. Jedenfalls müßten Ausnahmen zugelassen werden. Ob diese den Anordnungen des Bundesraths zu überlassen seien, bezweifle er, da sänimtliche Redner im Plenum sich gegen weitgehende Konzessionen an den Bundesrath ausgesprochen hätten. Hier müßten Be- stimmungen im Gesetz selbst getroffen werden. Er habe in seinem Antrag versucht, ein richtiges Verhältniß zwischen den pro- testantlschen und katholischen Distrikten herzustellen. Land mann(bayr. Bevollm.) akzeptirt den Antrag Stumm. In Bayern bestehen 18 gesetzliche Feiertage. Wenn einer er- weiterten Pause an Feiertagen stattgegeben werde, so wären die Konkurrenzverhältnisse der Unternehmungen in katholischen Distrikten gegenüber den in protestantischen aufs Ernsteste ge- fährdet. B i e h l hat nicht wahrgenommen, daß die katholischen Feier- tage in Bayern der Konkurrenz geschadet hätten. Nach den Feier- tagen arbeiteten die Arbeiter um so fleißiger. Wenn Jemand klagen könnte, so wären es die Handwerker, die sehr schwer an den Lasten der sozialen Gesetzgebung zu tragen hätten. Die Hand- werker tragen die Lasten jedoch gerne in der Hoffnung, daß man auch ihnen in geeigneter Weise helfen werde. Nach längeren Auseinandersetzungen zwischen den Herren Klemm, Schmidt-Elberfeld, Kleist-Retzow und Hirsch pro et contra der Feiertagspause, bringt der Letztere den Antrag ein, unter die Bestimmung des§ 105 b al, 1 auch die Handlungsgehilfen und Lehrlinge zu stellen. Regierungsrath Wilhelmi glaubt, daß die letztere Be- stimmung nicht nöthig sei, da in den meisten Betrieben die Sonntagsarbeit des kaufmännischen Personals nicht mehr statt- finde.— In der Schweiz ständen die Bestimmungen einer ver- kürzten Sonnabendsarbeit nur aus dem Papier. Bebel bestreitet, daß in der Schweiz die Gesetzesvorschrift, am Sonnabend nur 10 Stunden arbeiten zu dürfen, vielfach um- gangen würde. Wenn dies dennoch ab und zu geschehe, so liege es daran, daß die Schweizerischen Fabrikanten stets auf die Konkurrenz Deutschlands hingewiesen, wo Schutzbestimmuugeu noch nicht existirten. Was dte Anträge Stumm beträfe, die die Möglichkeit gewähren wollen, am Sonnabend Abend die nöthigen Reparaturen w. vornehmen zu lallen, so müsse er(Bebel) sagen, daß nur die unanständigen Unternehmer diese Nachtarbeit in Anwendung bringen. Es müsse Gleichheit herrschen, damit auch die anständigen Unternehmer vor Uebergriffen ihrer Kon- Als sie die Schuhe angezogen hatte, versuchte sie im Zimtner hin- und herzugehen. Sie mußte sich an die Möbel stützen, denn sie hinkte noch. Doch sie dachte, es werde ihr nur gut thun, sich ein iveniß zu beivegen. Nichtsdestoweniger hatte sie recht gehandelt, eme Einladung zum Diner beim Onkel Baudlt abzulehnen und ihre Tante zu bitten, daß sie Pöpv, den sie wieder zu Madame Gras in Pension gegeben hatte, ein wenig spazieren führen. Jean, der sie den Tag vorher besucht hatte, dinirte ebenfalls beim Onkel. Sie versuchte noch tmmer vorsichtig hin- und herzu- gehen und faßte den Vorsatz, sich zeitlich zu Bett zti legen, um ihrem kranken Beine Ruhe zu gönnen, als die Aufseherin Madame Cabin an die Thüre klopfte und ihr mit geheimnißvoller Miene einen Brief übergab. Als die Thür geschlossen war, erbrach Denife den Brief, ganz betroffen über das geheimnißvolle Lächelnfdieses Weibes Als sie gelesen, war sie sehr bleich und sank in einen Sessel. Es war ein Brief von Mouret, in welchem er sagte, daß er über ihre Genesung glücklich sei und sie bitte, Abends mit ihm zu diniren, nachdem sie nicht ausgehen konnte. Der Ton dieses Billets, familiär und väterlich zugleich, hatte nichts Verletzendes; allein sie konnte unmöglich mißverstehen, im Magazin wußte man recht wohl, was diese Einladungen zu bedeuten hatten; Klara hatte mit ihm dinirt und auch Andere, alle Jene, auf welche der Patron sein Auge ge- warfen; und nach dem Diner kam das Dessert, wie die böswilligen Kommis zu sagen pflegten. Und die bleichen Wangen des Mädchens üahmen allmälig eine tiefe Scham- röthe an. Sie hatte den Brief auf die Kniee gleiten lassen und saß nun mit hochklopfendem Herzen, die Augen starr auf die hellen Fenster gerichtet da. Sie wiederholte sich ein Ge- ständniß, welches sie in diesem Zimmer in Stunden der Schlaflosigkeit sich oft gemacht hatte und dieses lautete: Wenngleich sie noch immer zusammenbebte, so oft er voübcr kam, so wußte sie doch jetzt, daß es nicht mehr Furcht sei ihr Unbehagen, ihre Furcht von ehemals konnte nichts eine allgeinei» Möller und Clemm wenden sich, gegen den Sie. haben in ihrer Prans nickst bemerkt, W b,( W kurrenten geschützt seien. Das könne nur durch 36 stündige Sonntagspause durchgeführt werden. Hirsch, wie yuueii in lyict n.vyi._. männischen Hilfsarbeiter von der Sonntagsruhe ganz ausgeschwist" wären."« v. P u t t k a m e r glaubt, daß die großen Feiertagspam einen erheblichen Lohnausfall für die Arbeiter bedeuten. Da» I doch jm Interesse der Arbeiter zu berücksichtigen.. Dietz bemerkt darauf, daß die meistens gut situirten Ihwv- nehmer sehr leicht darüber hinwegkommen könnten, wenn sie Arbeitern für die Feiertage freiwillig auch den Minimallohn aus- zahlen würden. Dann erst könne der Arbeiter den Feiermg Vorläufig können Anderes sein, als die scheue Unkenntniß der Liebe, die Ver- wirrung der erwachenden Zärtlichkeit in ihrem kindlichen Wesen. Sie raisonnirte mcht viel, sie fürchtete blos, daß 'ie ihn stets geliebt habe, von der Stunde angefangen, )a sie bebend und stotternd vor ihm gestanden. Sie hatte ihn schon geliebt, als sie ihn noch fürchtete, wie einen erbarmungslosen Herrn. Sie hatte ihn geliebt, als ihr thörichtes Herz von Hutin träumte. Sie hätte sich vielleicht einem Andern hingegeben, aber niemals hatte sie einen anderen Mann geliebt, als diesen, dessen Blick sie erstarren machte. Und nun belebte sich die ganze Vergangenheit wieder und rollte sich vor ihr ab in dem blendenden Lichte des Fensters: Die Strenge der ersten Zeit, der liebliche Spaziergang unter den Kastanien des Tuilerien- Gartens, endlich die stummen Bewerbungen, deren Gegenstand sie seit ihrem Wiedereintritt gewesen. Plötzlich pochte mau an die Thüre, sie beeilte sich, den Brief verschwinden zu lassen. Es war Pauline, die unter irgend einem Vorwande ihre Abtheiluug verlassen hatte und herauf kam, um ein wenig zu plaudern. — Wie geht es Ihnen, man sieht Sie ja gar nicht mehr. Da es verboten ivar, in die Zimmer hinaufzugehen und insbesondere sich zu Zweien einzuschließen, führte Denise sie in das Sprechzimmer am anderen Ende des Couloirs; es war dies eine Galanteric des Direktors für die Fräulein, die dort bis 11 Uhr ihren Abend zubringen konnten. Das Zimnier, von der banalen Nacktheit eines Hotelsaales, war mit einem Piano, einem großen Schrein, mehreren Fauteuils und Kanapees ntöblirt. — Wie Sie sehen, kann ich nun schon gehen, sagte Denise, ich werde sogleich hinunter kommen. — Ei, wozu der große Eifer? rief die Andere. Ich würde mich schonen, wenn ick einen Vorwand hätte. Beide hatten sich auf ein Kanapee gesetzt. Pauliuens Haltmig hatte sich einigermaßen geändert, seitdem ihre Freundin zweite Vorsteherin in der Konfektions- Abtheilung geworden. In ihre Herzlichkeit des gut- müthigen Mädchens mengte sich ein Zug von Respekt, eine wirklich als solchen begehen. Vorläufig können allervtngs«eseh- liche Bestimmungen zu einer solchen Verpflichtung der Unter- nchmer nicht getroffen werden, aber mit der Zeit würde dies docy wohl angänglich sein.. Hirsch und v. Stumm polemifiren bezüglich der kauf- männischen Hilfsarbeiter. Hierauf zieht Hirsch seinen Antrag gurucf. Nach einer Kontroverse zwischen v. Stumm und Dietz be- theiligen sich noch an der Debatte Bichl, Geh. Reg.-Rath Loy- mann, Kropatschek und Dr. Stöhr. Letzterer berührt die hygiems�s Seite der Sonntagsruhe, die dringend erheische, die Ruhe nntst zu kurz zu bemessen. Nachdem der Referent Schmidt-Elberfeld die Antrage kurz resumirt, macht der Korreferent Hitze darauf aufmerksam, daß Herr v. Stumm stets von dem Standpunkt der regelmäßigem Tag- und Nachtbetriebe ausgehe; für diese Betriebe seien bereu- im Gesetze selbst Ausnahmen zugelassen; beeinflussen sollte die Gewohnheit dieser Betriebe die übrigen Bettiebe nicht. Tie Abstimmung über die Amendements des alinsa 1 des § 105 b ergiebt folgenden Wortlaut dieses Theils des Para- graphen: «Jm Betriebe von Bergwerken, Salinen, Aufbereitung-- anstalten, Brüchen und Gruben, von Hüttenwerken, F"- briken und Werkstätten, von Zimmerplätzen und anderei« Bauhöfen, von Werften und Ziegeleien, sowie bei Bauten aller Art dürfen Arbeiter an Sonn- und Festtagen nicht beschäftigt werden. Die den Arbeitern zu gewährende R# hat für jeden Sonn- und Festtag mindestens 80 Stunden, für das Weihnachts-, Oster- und Pfingstfest je 60 Stunde» und in sonstigen Fällen für zwei auf einander folgen°s Sonn- und Festtage 48 Stunden zu dauern. Die Ruh� zeit hat am vorhergehenden Werktage frühestens um 6 Uhr Abends, spätestens um 12 Uhr Nachts z« ginnen. Schluß der Sitzung 4 Uhr. Nächste Sitzung Mittwoch M 10 Uhr. Korrespondenzen. London. I.Juni 1890. Ich weiß nicht, ob es vielen Let� auf dem Festland bereits bekannt ist, aber es ist jedenfalls Iverm- bekannt zu sein, daß hier in England, dem„Lande D', Manchesterthums", in einer ganzen Reihe von Städten zwar tto°j nicht der Betrieb, aber doch bereits die Anlagen der Snaßs» bahnen Eiaenthum der Gemeinde sind. Jm Ganzen betrug Jr! städtische Straßenbahnnetz Englands am 30. Juni vorigen Jahs. 949 englische Meilen(1 englische Meile gleich 1609 Meter) 11, davon waren 243 englische Meilen, also etwas über ein%t(tt' städtisches Eigenthum. Dasselbe vertheilt sich auf 29 Stm» woran Glasgow mit 30 englische Meilen, Liverpool mit 28 M. tischen Meilen, Manchester— man denke, Manchester!-~r*. 28 englischen Meilen und Birmingham mit 19 englisV Meilen. Wenn, mit einer Ausnahme, diese Orte nicht auch den BelnslH) der Straßenbahnen selbstständig leiten, so ist dies in vielen lediglich dem Umstand zu verdanken, daß ihnen dies d Gesetz verboten ist. Man sollte es kaum für möß halten, aber thatsächlich enthält das Gesetz über die Straff, bahnen vom Jahre 1870 einen Paragraph, der es den öffentlich. Behörden verbietet, Straßenbahnen anders zu betreiben als du>� Vermittelung eines Privatunternehmers. Und zwar war es& liberales Ministerium, unter dem diese gesetzgeberische Ungeheu� lichkeit geschaffen wurde, wahrscheinlich auf Bettetben des 8*% John Bright, der damals Präsident der Abtheilung für öffentlm- Arbeiten war. Aus diesen fossilen Freihändler mögen sich auch die liberalen Stadtväter der Mettopole der deutschen 3J telligenz fürderhin beru-en, in England ist der vorgeschritten, Liberalismus über diesen Abscheu vor dem„Gemeindesozialisw»' bereits hinweg._ Das erste Loch in das erwähnte Gesetz hat die Stadt H11?! dersfield in Uorkshire gerissen. Nach vielen Mühen erreichte j. es im Jahre 1882, daß ihr durch ein Spezialgesetz gestau. wurde, den Betrieb ihrer Sttaßenbahn selbstständig zu% Doch waren die leitenden Geister im Departement für öffentW Arbeiten vorsichtig genug, in das Spezialgesetz wieder ei'w Speztalparagraphen einzuschmuggeln, der die Verttetung der nannten Stadt verpflichtet, daß�Sttaßennetz zu verpachten, so� ihr ein Unternehmer einen Pachtschilling garantirt, der gewisse Ueberraschung darüber, daß die kleine gebrecht' Verkäuferin von ehemals im Zuge sei, ihr Glück zu ntach� Denise aber liebte sie sehr und vertraute ihr allein uln den 200 Fräulein, welche gegenwärtig im Hause beschär- waren. — Was ist Ihnen? fragte Pauline, als sie die M wirrung des Mädchens bemerkte. — Nichts, wiederholte diese, indem sie zu lächeln suchte. — Doch, doch, es ist Ihnen etwas. Sie mißtrau mir, warum theilen Sie mir Ihren Kummer nicht mit« In der Aufregung, die ihr Herz schwellen machte, kott» nun Demse nicht länger an sich halten. Sie reichte Paull den Brief und stammelte: — Schauen Sie, er hat mir geschrieben. Sie hatten unter einander noch niemals offen Mouret gesprochen, aber eben dieses Stillschweigen war 01� snm cm Geständniß ihrer geheimen Gedanken. Pauline tPiß Alles. Nachdem sie den Brief gelesen, schmiegte sie sich Dentje, nahm sie um den Leio und flüsterte ihr in sanl Tone zu: — Meine Liebe, wenn Sie mir erlauben, offeßhfs., JU sem, so will ich Ihnen sagen, daß ich meinte, dies schon geschehen_... Seien Sie nicht so entrüstet dar».t neu, daß das ganze Magazin � tch versichere eo" c\v»•■/ v»*«. o"'' ü*"—'• rj— u■"'..- Mentung sst. Mein Gott, er hat Sie so rasck zur z�.rf Vorsteherin ernannt, auch ist er fortivährend hinter M her. es ist zu augenfällig. Sie küßte sie auf die Haare und fragte sie dann: — Sie werden natürlich der Einladung folgen. � Denise betrachtete sie, ohne zu antworten, dann% sie plötzlich in ein Schluchzen ans und stützte den Kopl ihre Freundin. Diese war sehr überrascht. — Beruhigen Sie sich, sagte sie. Da. ist nichts � wa8 Sie so bestürzt machen müßte. — Nein, nein, lassen Sie mich, stammelte Denise, Sie wüßten, wie bekümmert ich bin. Seitdem ich" rSt* Verzinsung de? An'egeiapitalZ ent- ist:Z den Behörden von Huddersfield gelungen, vom Gesetz voroeschencn Kapitalisten vom Leibe zu '.-n ml iy: f_____• fC.»« v> T rtfS ##*# 1% mäfjin. imh......... SVifv,r V!: unier Äufrechterhaltung der vorher gezahlten Löhne 440A 8ük~e"n Betriebsjahre 1886/89 einen Nettoüberschuß von ,®ter[- erzielt, was einer Verzinsung des angelegten m �»üt beinahe 0 pCt. gleichkommt. finVix eu-cr�'n9® rüste» sich auch andere Städte, das Beispiel von S6"* nachzuahmen, so it. A. Liverpool. Im Londoner d»n V�sisrath herrscht gleichfalls die Absicht, sobald als möglich form? lraFenba&nl'etrieb Zu munizipalisiren. Der„Finanzial Re- den?'. � Organ der Finanzreform-Gesellschaft, die im Uebrigen dne Freihandel als Hauptgrnndsatz aus ihre Fahne geschrieben redet dieser Bewegung energisch das Wort.„Die Munizipa- dein k" Straßen oahnen", schreibt das genannte Blatt, die vorstehenden Zahlen entnommen sind,„würde 9 ilachlich sehr bald die allgemeine Pennytaxe und achtstündige» Arbeitstag bedeuten, der Betrieb durch �,'sugesellschafteil bedeutet einen Zoll von durchschnittlich 7 pCt. d°» V�uds an den Kapitalisten und übermäßige Arbeitszeit für °r" Tramwaysklaven." r�rnanzreform- Gesellschaft, dies sei noch einmal gesagt, ' B hauptsächlich aus Liberalen und Radikalen! h i,®'e Bewegung unter den Foudoner TramWa»/» Ange- rna>!' ueuerdings wieder in ein lebhafteres Tempo gekom- Li,?*' r Leute der Südlondoner Trainwaygesellschaft hatten große . un, zu streiken, baden aber vorläufig davon Abstand genommen yar uch geweigert, irgend"eine Deputation zu empfangen, die in einer �ttsainmlung gewählt sei, dagegen wolle er eine auf Grund von «timinzettelwahlen ernannte Delegation empfange», zu denen er "ue Stimmzettel ausgeben werde. Das hat er denn auch gethan, we Zettel zurückgefordert und erklärt, die und die Personen seien gewählt. Merkwürdigerweise sind das nun lauter NichtMitglieder ver Gewerkschaft, während vier Fünftel der Leute gerade dieser Gesellschaft angehören. Es ist daher sehr begreiflich, daß diese flch weigern, die Delegation anzuerkennen. Bezeichnend ist ser- «er, daß der Direktor erklärt hat, keinen Nichtangestellten als Begleiter der Deputation zuzulassen, auch John Burns nicht, ob- Wohl derselbe, wie auch das„Volksblatt" schon berichtet hat, vom streik abgerathen hatte. Am Bezeichnendsten ist aber vielleicht öie Thatsache, daß als neulich ein Arbeiter die Gesellschaft vor dem Gerichtshof in Lambeth wegen zurückbehaltenen Lohnes verklagte dnd der Anwalt derselben als Beweis, daß die Gesellschaft zu ihren -Naßnahmen berechtigt sei, den Vertrag verlas, den der Arbeiter beim Antritt in seine Stelle unterschrieben, dieses Schriftstück dem Richter den entrüsteten Ausruf entlockte:„Ich weine, die Sklaverei sei in diesem Lande ab- geschafft!" Und trotzdem der Anwalt nachwies, daß diese »freien" Vertrüge bereits in Prozessen beim Obergericht als bindend anerkannt worden seien, erkannte der Richter für den Arbeiter unter der Motivirung, daß wenn die Gesellschaft in ihrem Vertrage sich das Recht vorbehalte, selbst Richter zu spielen, dann hätte sie auch nach richterlichen Grundsätzen verfahren und den Arbeiter erst hören sollen, bevor sie ihm, auf eine bloße Denunziation hin, für schuldig erklärte und bestrafte. Juristisch mag diese Deduktion anfechtbar sein" aber auch Partia's De- Aktion ist sehr anfechtbar und doch giebt ihr jeder gegen Shylock Recht. Große Erregung herrscht unter den Gnaarbeitern Loudous. Die„Gas Light and Eoke Company", die ganz London nördlich der Themse und einen Theil von Südlondon mit Gas versieht, macht große Miene, Herrn Livesey nachzuahmen oder womöglich zu überbieten. Sie hat den Arbeitern angekündigt, daß sie einen Kontrakt zu unterzeichnen haben, der eine anscheinend gegenseitige üierwöchentlicheKündignngsfrist festsetzt, die aber »hatfächlich nur für die Arbeiter bindend ist, während die Di- keklion sich in der zweiten Klausel deS Vertrages nicht nur eine ganze Reihe von Hinterthüren offen hält, beziv. öffnet, aus denen sie jederzeit hinaus, das heißt, den Arbeiter ohne Kündigung ent- wssen kann, sondern sich auch das Recht sichert, den betr. Ar- beiter ohne Weiteres des rückständigen Lohnes für verlustig zu erklären, vorbehaltlich etwaiger Hastbarmachung für verursachten Schaden. Gleichzeitig hat die Gesellschaft in einer ihrer Anstalten neue Vorrichtungen an den Retorten anbringei�lassen, die einen er- heblichen Theil menschlicher Arbeitskraft überstüssig machen, das hat zu Konflikten mit den Arbeitern geführt, die entsprechend ihren �e.verkschaftsregeln, für Arbeit an arbeitssparenden Maschinen er- höhten Lohn verlangen. Als ihnen der von ihnen geforderte Satz ass zu hoch verweigert wurde, legten sie— 72 an Zahl— die Arbeit nie cr und wurden durch Nichtgewerkschaftler ersetzt, Brief erhalten, lebe ich nicht mehr. Lassen Sie mich weinen, erleichtert mir das Herz. � war sehr gerührt und ohne eigentlich recht zu An» �tmch sie dem Mädchen Trostivorte zu. Vor nein bezucht er nicht mehr Klara, sagte sie. Man erzählt äwar, daß er außerhalb des Hauses zu einer Dame vJ' Q�er das sei nicht erwiesen.' Dann erklärte sie ihr, „iJL tflan auf einen Mann in einer ähnlichen Position der ��rsüchtig könne. Er habe zu viel Geld, er sei r»,, Denise hörte ihr zu und ivenn sie noch an ihrer Liebe u.//. Zweifeln können, so mußte sie jetzt derselben klar »?üßt werden, bei dein Leiden, welches der Name Klaras sachte Anspielung aus Madame Desforges ihr verur- Sie würden also gehen? fragte sie. r!->?'�hne Zweifel; kann man denn anders handeln? ' Pauline ohne lange zu überlegen. — Dann fügte sie hinzu: ln!t«T gewiß. Heute nicht, denn jetzt will ich mich handel�uge verhcirathen und das wäre von mir schlimm ge- bnn der That sollte Bange, welcher das Haus„Au ein, verlassen hatte, um beim„Glück der Damen" b�utreten, sie in den ersten Tagen des Monats August i� üthen. Äourdoncle war kein Freund von Ehepaaren ,r■ �aufe, allein sie hatten die Bewilligung zu ihrer er'aU0t' hofften sogar 14 Tage Urlaub zu be- ein sehen wohl, erklärte Denise, wenn ein Mann �athet Fachen' f" mw� er e§ h��thcn. Bange hei Tatr�uline lachte hell auf. Dann faßte sie sie unt die ""d sagte: h.:, TT Meine Liebe, das ist nicht das Nämliche. Bauge die wich, weil es Bauge ist, er ist mir gleich, da geht Vi», �e"an selbst... Herr Mouret aber— kann Herr r°t eine seiner Verkäuferinnen heirathen? die unter dem Schutz von 34 Polizisten arbeiten. Kurzum, die Situation ist ziemlich ernst. Bei dieser Gelegenheit sei erwähnt, daß in der Pfingstwoche die Gewerkschaft der Gasarbeiter und Handarbeiter ihren ersten Jahres-Kongreß abhielt, der von 89 Delegirten beschickt war, dar- unter 8 ans Irland, die 3585 Mitglieder vertraten. Die Gewerk- schaft zählt im Ganzen etwa 1Y0V00 Mitglieder. Drei der ge- faßten Beschlüsse sind bemerkenSiverth. Der erste spricht sich für die Nothwendigkeit der Wahl von Arbeitervertretern in alle öffentlichen Verwaltungskörper aus, der zweite verpflichtet die Mitglieder, dafür zu sorgen, daß der achtstündige Ar- beitstag zum Gesetz erhoben werde, und der dritte bestimmt, daß die Fonds der Gewerkschaft nur in Staats- und Gemeinde- obligatio», nicht aber in Hypothekenbriefen solcher Gesellschaften angelegt werden dürfen, die Dividenden zahlen. Dieser letzte Beschluß mag Manchem philiströs erscheinen, er bleibt aber doch als Merkmal der antikapitalistischen Denkweise ein bedeutsames Zeichen der Zeit. In die Exekutive der Gewerkschaft wurde u. A. auch Frau Aveling gewählt, und ebenso als Delegirte zum Trades-Unions- Kongreß, der im September in Liverpool stattfinden wird. Der G e n e r a l p o st in e i st e r R a i k e s hat neuerdings den Kampf gegen die Union der Postlente wieder aufgenommen. Er hat Aufpasser in die Meetings der Union geschickt, und den ihm gemeldeten Besuchern dieser Meetings Verfügung zugehen lassen, sich über ihr ganz nnsubordinationsmäßiges Verhalten zu„äußern". Woraus ihm geantwortet sein soll, die Postlcute wüßten nicht, daß sie durch den Eintritt in den Postdienst die Rechte englischer Staatsbürger verwirkt hätten. Man darf auf die Entwickelung dieser Sache um so mehr gespannt sein, als es sich auch bei den Arbeitern in anderen Regierungs- und Verivaltungsdepartements immer ernst- hafter regt. Rüsten sich doch auch dieLondonerPolizisten jetzt zum Lohnkamps und— schrecklich zu sagen— wenn nöthig, Streik. Dieselben werden allerdings recht miserabel bezahlt. Ebenso, und das ist vielleicht noch bezeichnender, erheben die An- gestellten in den großen Londoner Konsumvereinen bittere Klagen über das S ch w i tz s y st e m, unter dem sie ausgebeutet werden. Ich komme auf diese Angelegenheit später zurück und schließe für heute mit der Mittheilung, daß im Londoner T>r a d e s- C o u n c i l bei den am Donnerstag stattgehabten Er- neuernngswahlen das reaktionäre Element eine e N t- schiedene Niederlage erlitten bat. An Stelle des Herrn G. Schipton wurde mit einem Mehr von 80 Stimmen der Möbeltischler W. Parnell zum Sekrötär gewählt. Ich will mich über die persönlichen Eigenschaften des Gewählten nicht weiter auslassen— er war der Kandidat der Sozialisten und vorgeschrittenen Gewerkschaftler, und das genügt. NolWstste MeverstSik. Ueue Steuerprojelite zur Deckung der erhöhten Militär- kosten werden in den maßgebenden Kreisen bereits ventilirt, wenn- gleich die bezüglichen Pläne noch nicht bis zu Entwürfen for- mulirt sind. So wird der„Freis. Ztg." mitgetheilt, daß in erster Reihe sich das Augenmerk gerichtet hat auf eine Besteuerung der Streichhölzer, sei es, daß hierfür das französische Monopol oder die russische Besteuerungsform(Einnahme 8 Millionen Rubel) in Vorschlag gebracht wird. Daneben soll der frühere Plan einer Stempelsteuer auf die Quittungen wieder erneut in Erwägung gezogen iverden. In den Reichstagssessionen 1880 und 1881 unterbreitete bekanntlich der Bundesrath dem Reichstag einen Gesetz- entwurf, jede Quittung, welche über den Betrag von 20 M. und mehr lautete, mit einer Stempelsteuer von 10 Pf. zu belegen. Die konservativen Parteien zeigten sich damals dieser Stener als einer„gerechten, guten, leichten und einträglichen Steuer" sehr geneigt, hielten es aber für unzweckmäßig, unmittelbar vor den damaligen Reichstagswahlen auf eine solche Steuervorlage einzugehen. Abermals neue Witttärforderungen! Das preußische Kriegsministerium, d. h. die deutsche Heeresverwaltung", hat soeben einen weiteren Antrag an den Bundesrath gebracht, wonach die Gehälter sämmtlicher Offiziere vom Lieutenant auswärts bis zum Major erheblich erhöht werden sollen, wodurch eine abermalige dauernde Vermehrung der Militärausgaben um über achtzehn Millionen pro Jahr nöthig würde. Sogar in Bundesrathskreisen soll man über diese fortgesetzte enorme Steigerung der Militärlasten nichts weniger als erbaut sein. Gb Herr«au Schals bleibt oder geht, ist nach der „National-Zeitung" noch immer nicht entschieden. Derselbe hat ein Entlassungsgesuch bisher nicht eingereicht, und sein Rücktritt ist keineswegs dergestalt beschlossene Sache, daß er sich bereits einen Ruheposten gewählt hätte. Seine Abwesenheit bei den Ver- Handlungen des Abgeordnetenhauses über den Nachtragsetat war Und sie lachte noch stärker, indem sie Denise von Neuem auf die Haare küßte. Ihr breites Gesicht mit den kleinen zärtlichen Augen nahm den Ausdruck mütterlicher Theil- nähme an. Dann erhob sie sich, öffnete das Piano und spielte leise mit einem Finger den König Dagobert. Denise war ini Kanapee zurückgesunken, stützte den Kopf aus das Geländer, sie war abermals eine Beute des Schluchzens geworden, welches sie mit ihrem Taschentuche zu unterdrücken suchte., — Schon wieder, rief Pauline, sich umwendend, Sie sind wirklich nicht gescheidt., Warum haben Sie mich hierher geführt? wir hätten in Zhrem Zimmer bleiben sotten. Sie kniete vor ihr nieder und begann von Neuem ihr zuzureden. Wie viele Andere wünschten an Ihrer Stelle zu sein, sagte sie; übrigens wenn die Sache ihr nicht gefalle, so habe sie einfach Nein zu sagen, ohne sich darüber viel zu kränken. Aber sie wird sich die Sache gewiß überlegen, bc- vor sie eine Stellung riskirt durch einen unerklärlichen Refus, da sie anderwärts kein Engagement habe. Ist es denn gar so schrecklich?... Und die Abkanzelung schloß mit einem heitern Gesiüster, als man plötzlich vom Korridor her Schritte vernahm. Pauline ivar aufgestanden, um einen Blick durch die Thüre zu werfen. — Still, es ist Madame Aurelie, flüsterte sie, ich fliehe... Und sie trocknen sich die Augen; man braucht nicht zu wissen. Als Denise allein war, erhob sie sich und drängte gewaltsam ihre Thränen zurück; mit zitternden Händen in der Furcht, daß man sie hier müßig überraschen könnte, schloß sie das Piano, welches ihre Freundin offen gelassen hatte. Sie hörte Madame Aurelie an ihre Thüre pochen; nun trat sie aus dem Salon. — Wie, Sie sind aufgestanden? rief die Vorsteherin; das ist sehr unklug von Ihnen, mein liebes Kind. Ich bin heraufgekonnnen, um mich nach Ihrem Befinden zu erkun- digen und Ihnen zu sagen, daß wir unten Ihrer nicht be- dürfen.(Fortsetzung folgt.) nur durch eine Reise veranlaßt, welche er der ärztlichen Behend lung seines Augenleidens halber unternommen hatte. Von d?r Gestaltung des letzteren dürfte sein Ausscheiden aus dem Amte oder sein Verbleiben in demselben ausschließlich abhängen. Mir ein im Dienste des Staates»erungliistrter Arbeiter um seine Entschädigungsansprüche kommen kann, darüber giebt ein soeben von der Petitionskommisston des preußischen Abgeordnetenhauses erstatteter Bericht eine wenig erbauliche Aus- tunft. Ein Stellmacher Gibasiewicz war seit 1879 in der Maschinen- werkstätte der kgl. Eisenbahnverwaltung in Speldorf mit der stau- digen Bedienung einer Kreissäge beschäftigt. Im März 1833— also vor Inkrafttreten des Unfallversicherungs-Gesetzes— hatte er ein windschiefes Brett nach einer vorgezeichneten Linie zu schnei- den, wobei seine linke Hand in die Säge gerieth. Mittel-, Ring- und kleiner Finger wurden ihm vollständig zerrissen und mußten aniputirt werden, nachdem er schon mehrere Jahre zuvor die Nagelglieder des Daumens und des Zeigesingers derselben Hand verloren hatte. Die linke Hand wurde dadurch völlig unbrauch- bar. Die Direktion stellte Gibasiewicz demnächst als Revisor in der Maschinenwerkstätte an, entließ ihn aber schließlich, weil G.— nach Angabe des Regierungs-Kommlssärs — vorgeschützt habe, die ihm übertragenen Arbeiten nicht ver- richten zu können, sich häufig krank gemeldet habe und die ihm der Krankenkasse gegenüber zustehenden Rechte wiederholt bis zur äußersten Grenze ausgenutzt habe. Wie das � gekommen ist, dar- über enthält der Bericht der Petitionskoimnission noch folgende Mittheilungen. Gibasiewicz will am 20. Februar 1884 noch eine zweite Beschädigung erfahren haben; er sei nämlich bei Regen- ivetter mir der Prüfung des Sitzes eines Bremswagens beschäftigt geivesen, habe sich mit der schwachen, linken Hand nicht genügend festhalten können und sei vom Wagen heftig auf den Rücken ge- fallen. Er behauptet, durch diesen Fall eine periodische Rücken- lähmung erlitten zu haben und hierdurch zu jeder Arbeit unfähig geworden zu sein. Die Eisenbahnverwaltung versichert, daß sich in ihren Akten von diesem zweiten Unfall nichts finde. Im Wortlaut vorliegende ärztliche Atteste aber bestätigen, daß der verunglückte Arveiter vom 30. Januar ab 5 Tage lang an Kontusion der Lenden- muskeln und seitdem wiederholt an chronischem Rheumatismus der Rückenmuskeln und der Extremitäten behandelt worden ist, außerdem an allgemein nervöser Schwäche; es wird dem Manne ärztlicherseits ausdrücklich bescheinigt, daß er durchaus nicht den Eindruck eines Simulanten gemacht habe und daß er gegenwärtig infolge seines krankhaften Zustandes zu aller und jeder Arbeit unfähig sei. Wenn er sich häufig krank meldete, so scheint er hiernach nicht dem Verdacht ausgesetzt zu sein, geschwindelt zu haben. Gibasiewicz erhob nach der Entlassung Enffchädiglings- anspräche wegen des ersten Unfalls auf Grund des Haftpflicht- gesetzes. Das Landgericht in Duisburg entsprach dem Klage- antrage, weil festgestellt ivar, daß die nach dem Gutachten des Dortmunder Gewerberathes hei der Kreissäge erforderliche Schutz-- Vorrichtung, eine Kappe, gefehlt hat. Wie sehr sich die Eisen- bahnverivaltung dieser ihrer Unterlassungssünde bewußt ist, geht daraus hervor, daß sie gleich nach jenem Unfall die Schutzkappv an der betreffenden Kreissäge hat anbringen lassen und deren Benutzung unter Strafandrohung anbefohlen hat. Trotz- dem hat die Eisenbahnverivaltung gegen das sie verurtheilende Duisburger Erkenntniß Berufung eingelegt, und das Oberlandes- Gericht in Hamm hat nunmehr den Gibasiewicz mit seinen An» sprächen abgewiesen I Und weshalb? Man muß es in einem amtlichen Schriftstück lesen, um es glauben zu können!„Weil bei herabgelassener, also in Wirksamkeit befindlicher Schutzkappe das Schneiden einer wirdschiefen Bohle genau nach der vorge- zeichneten Linie unausführbar sei; der Arbeiter müsse die Kapp» heben und sie damit unwirksam machen; es sei also zweifellos, daß auch bei vorhandener Schutzeinrichtung der Verletzte nicht ge- schützt worden wäre." Eine wunderbare Logik fürwahr! Ist die Schutzvorrichtung vorhanden, dann ist der Unternehmer um deswillen von der Haftpflicht befreit. Ist die Schutzvorrichtung nicht vorhanden, dann ist der Unternehmer gleichfalls nicht haftpflichtig, weil— voraussichtlich der Arbeiter sich der Schutzvorrichtung doch nicht be» dient haben würde! Auf die bloße Möglichkeit hin, daß der Arbeiter sich den Unfall vielleicht auch durch eigene Schuld zuge- zogen haben würde, nimmt das Oberlandesgericht rn Hamm diese eigene Schuld des Arbeiters bereits als gegeben an und legi auf die den Unternehmer belastende Thatsache, daß durch dessen Schuld die Schutzvorrichtung überhaupt fehlte, gar kein Gewicht! Und als nun der verunglückte G. Revision einlegen will und zu dem Behuf bei dem Reichsgericht das Arnienrecht nachsucht, wird ihm dieses vom Reichsgericht„wegen Aussichts- losiakeit der weiteren Rechtsverfolgung" verweigert! Und die Petitionskommisston wiederum beantragt Uebergang zur Tages- ordnung über die Petition des Gibasiewicz u. A. in Eriväguug, daß dem Bittsteller keinerlei rechtliche Ansprüche zur Seite stehen." Wir glauben, diese ungeschminkte Darlegung des Sachver- Halts inacht jede kritische Bemerkung überflüssig. Hinzuzufügen dürste blos noch sein, daß diese Art, verun» glückte Arbeiter der Staatsbetriebe zu behandeln, nicht blos ii» Preußen, sondern auch in unserem Bayerlande gebräuchlich ist. Der Uachtragaetat, welcher die Erhöhungen der Gehälter für die unteren und mittleren Reichsbemnten enthält, ist in den Rcichsänitern fertig gestellt worden. Ter Bundesrath wird diese Vorlage in der nächsten Plenarsitzung berathen, so daß der Reichs- tag beim Wiederzusammentritt oder bald daraus den Nachtrags» etat erhalten ivird. Außer diesem Nachtragsetat ist ein auf vis Militärvorlage bezüglicher Nachtragsetat noch zu erwarten. Der„Deutsche Innungstag" tagt wieder einmal in Berlin. Die alten Kämpen sind noch da, sie sind dauerhaft. Aber auch die alten Forderunge» sind noch da, die sind noch dauerhafter; erst wenn der letzte Kleinhandwerker voin Großkapital verschlungen wird, dann wird aucb der Ruf des Handwerks nach„Rettung" verstuinmen, und vielleicht wird auch dieser letzte noch auf die„be- gehrlichen Arbeiter" schimpfen. Die Forderungen: Obligatorisches Arbeitsbuch für alle Arbeiter ohne Unterschied des Alters, obli- gatorische Innungen, Befähigungsnachiveis u. s. w. kehrten denn auch diesmal wieder. Entschließt sich der Staat zu alledem, so wird— versichern die Herren— die allein durch die„freiheitliche Gesetzgebung" gezüchtete Sozialdemokratie in Nichts zerstieben und das selbstständige Handwerk wieder blühend und als mächtige Stütze des Thrones und Altars dastehen. Es dürfte schwer sein, irgendwo ein geringeres sozialökonomisches Berständniß anzu- treffen, als auf solchen Jnnungstagen; selbst die evangelischen Sozialpolitiker sehen aber weiter, weil ihnen, den Theoretikern, nicht die eigene ungünstige Stellung den Blick verengt. Ein Theil dieser rcaktionären Handwerker ist in der That der Meinung, daß das Kleinhandwerk allein durch die„freiheitliche"„manchesterliche" Gesetzgebung gehindert wurde, sich zu entfalten und zublühen. Andere erkennen zwar in der Großproduktion die Ursache für den all- mäligen Niedergang des Kleinhandwerks, aber sie suchen die Rettung" aus dem Wege nach rückwärts, in der Hemmung der Großproduktion; das ist nicht gesellschaftlich, sondern egoistisch gedacht, denn so können wenigstens sie selbst noch eine Weile über Wasser gehalten werden. Der Jnnungstag hat übrigens seinem alten Inventar an reaktionären Forderungen einige neue Stücke zugesellt. Er verlangte diesmal bereits: Beschränkung der Koa- litionssr ihcit für Arbeiter bis zu 20 Jahren, Ahndung des Kontraktbruches mit Gefängniß, strengere Bestrafung der Verrufs- erklärungen, und wenn er noch ein wenig beisamlfien bleibt, wer weiß, was noch an Vorschlägen hervorkommen mag. Wie man sieht, wird der Jnnungstag immer engherziger und nimmt er immer schroffer gegen die Arbeiter Stellung. Er wird sich wohl selbst nicht einbilden, daß seine neuen Vorschläge, wenn sie ange- nommen werden sollten, es ihnen zu Liebe würden. Wird mau wirklich die Koalitionsfreiheit beschränken und den Kontraktbruch I mit Gefängmß ahnden. so geschieht es, weil es so dem großen Kapital wirthschastlich und der Regierung politisch in den Kram paßt. Nach dem Kleinhandwerk wird man dabei nicht fragen. Wamittugr» an die Arbeiter veröffentlicht der erste Staats- anwalt in Magdeburg unter[dem Hinweis, daß am 22. Mai 23 Personen wegen gewaltsamer Störung der Erwerbsfreiheit zu empfindlichen Freiheitsstrafen bis zu einem Jahre verurtheilt seien. Der Staatsanwalt warnt nach dem„Berliner Tageblatt" vor„Vergewaltigung Arbeitswilliger zur erzwungenen Arbeits- einstellung oder zum widerwilligen Festhalten an der Arbeits- einstellung und vor jeder„öffentlichen Aufforderung zur Vertrags- widrigen Arbeitseinstellung".— Wo aber bleiben die Warnungen der Staatsanwaltschaft gegen das ungesetzliche Vorgehen der Unternehmer? Oder sollte dieses der Staatsanwaltschaft unbe- kannt geblieben sein? Die Antwort auf die Eingabe des Rheinisch-Westfälischen Bergleute-Verbandes(Bunte und Genossen) an das Ministerium, in welcher die Staatsbehörden angegangen worden, die Wieder- annähme der nach dem Ausstande entlassenen Bergleute zu er- wirken, ist nunmehr erfolgt. Der Regierungspräsident Winzer in Arnsberg hat dem Verbands-Vorstande, infolge Auftrages des Oberprästdenten, geantwortet, die Staatsregierung könne der über- handnehmenden Mißachtung vertragsmäßiger Verpflichtungen seitens der Arbeiter keinen Vorschub leisten, müsse daher die er- betene Vcrmittelung zu Gunsten Vertragsbrüchiger Arbeiter ab- lehnen. i Herr Dr. Karl Deters soll der„Times" zufolge auf semem Durchmärsche durch Uganda am Nordwestuser des Viktoria-Nyanza dem vertriebenen König Mwanga gegen seinen Gegner Karema und dessen Araber zum Siege verhelfen und ihn wieder zum Herrscher Ugandas gemacht haben, wofür Peters bedeutende Zugeständnisse und Monopole für Deutschland er- halten habe.— Die Nachricht ist nicht sehr wahrscheinlich. Ein- mal ist es nicht recht ersichtlich, welche Hilfe Herr Peters mit seiner kleinen Karawane dem Häuptling Mwange hätte leisten können. Weiter muß man sich erinnern, daß auch der Engländer Stoles lauge vor Peters„Erwerbungen" in Uganda gemacht haben will. Man hat es hier anscheinend nur mit einem Schreck- schuß zu thun, um die englische Regierung zur förmlichen Aner- kennung der angeblich von Stanley vorgenommenen„Erwerbungen" zu bewegen. faipfiß, den 2. Juni. Morgen wird der Redakteur des „Wähler", Herr Heinisch, seine sechsmonatliche Gefängniß- strafe, die er wegen Preßvergehen erhalten hat, in Zwickau antreten. Auf ein Gesuch um Selbstbeköstigung, welches er an die Gefängnißdirektion richtete, ist ihm gar kein Bescheid geworden, was natürlich keine sehr angenehmen Aussichten eröffnet. Mög- lich, daß die jüngsten Reichstagsdebatten über die Anarchie im deutschen Strafvollzug und über die barbarische Behandlung poli- tischer Gefangener nicht ganz ohne Wirkung geblieben sind. Thatsache ist, daß die Ungleichheit in der Behandlung politischer Gefangenen in keinem Staate Deutschlands so groß und so auffällig ist, wie gerade in unserem Sachsen. Während die Einen aufs Anständigste— oder sagen wir richtiger: so wie es sich geziemt— behandelt werden, müssen Andere sich die unwürdigste Behandlung gefallen lassen, wie z. B. der Abgeordnete Geyer, der seinen Fall ja neulich im Reichstage er- zählt hat. Ein Prinzip, oder eine Methode, nach der verfahren wird, läßt sich von dem gewöhnlichen Menschenverstand mcht entdecken. Jedenfalls liegt aber der Fehler im System, denn gegen die sächsischen Gefängnißbeamten— das muß gerechterweise anerkannt werden, hört man seit der Entfernung D' A l l i n g e' s— der eine Art von modernem N i e g e r war — keine Beschwerden. Gesterr-ich-Ungarn. Bei den deutsch-böh mischen Ausgleichsver- Handlungen im Prager Landtage werden die Anträge der Jungtschechen fortgesetzt von der dem Ausgleich geneigten Mehr- heit abgelehnt. Ilm Sonnabend verwarf der Landtag in nament- licher Abstimmung mit 167 gegen 52 Stimmen den Antrag der Jungtschechen auf Uebergang zur Tagesordnung über die Schul- vorläge und beschloß das Eingehen in die Spezialdebatte. Mit 38 Jungtschechen stimmten 10 Alttschechen und 4 keinem Tschechenklub aiigehörige Tschechen. In der Abendsitzung am Sonnabend wurden alsdann die modifizirten Bestimmungen des Schulauf- sichtsgesetzes über die Zusammensetzung des Landesschulrathes, sowie die Modalitäten der Ernennung und der Funktionsdauer genehmigt. Am Sonntag lehnte der böhmische Landtag den Antrag, betreffend die in das Ausgleichsgcsetz aufzunehmende Bestim- mung über die Verhandlungssprache im Landesschulrathe ab und nahm einstimmig den Vermittelungsantrag des Fürsten Windischgrätz an, daß diese Bestimmungen im Verordnungswege unter Wahrung der Gleichberechtigung der deutschen und der böhmischen Sprache erfolgen sollen. Der Statthalter hatte gegen diesen Vermittelungsantrag nichts einzuwenden, falls sich die Parteien darüber einigten. Am Montag beantwortete im böhmischen Landtag der Stet Halter die jungtschechische Interpellation wegen des angeblichen%- gesetzlichen Vorgehens des Militärs bei der Untervrückimz � Arbeiterunruhen in Nürschau. Vor der Anwendung der Waich- gewalt seien wiederholte Aufforderungen zum Auseiißandergeye erfolgt. Darauf seien aus der Arbeitermenge Rufe ttznis geworden, die Soldaten dürsten nicht schießen und sei das Militär m Knütteln bedroht und die Abmahnungen des kommanidirenoe Offiziers mit Hohnrufen beantwortet worden. Auf ein gejgebene Zeichen seien die Arbeiter auf das Militär losgestürzt. Ante den Getödteten und Verwundeten hätten sich fremde Elemente� funden; einer der Schwerverwundeten habe gestanden, daß piun oerungen beabsichtigt waren. Aber auf wessen Ae zuführen sind, darüber Arbeiter haben sicherlich Frankreich._ Zu der Verhaftung der Russen in Paris wird jetzt der ,,Pofi von dort im Widerspruch mit einer früheren Meldung dessetve Blattes berichtet: Die Untersuchung der bei den Nihilisten gefundenen Bomben ergab eine chemische Füllung von äußerjre Gefährlichkeit(?) Ein russischer Student. Namens Labaniew, Rue de la Clef wohnhaft, wurde am Sonnabend Abend verhaftet. Aus Genf wird gemeldet, ein Komplott gegen den Kaye Alexander sei vorbereitet worden. Dembski, der aus der Schwe» ausgewiesen war und sich in Annenmasse(bei Genf) aufyiei, war von dem nihilisttschen Zentralkomitee nach Paris berufen- Letzteres hatte kürzlich Gelder erhalten und nach Rußland maßei- Haft Proklamationen, sowie Bomben gesandt. Ein Aufstand»va für den Fall des Gelingens des Komplotts in mehreren Stadls vorbereitet. Die Flüchtlinge sollten alle nach Rußland ß%h Etwa 20 mögen schon dort sein; alle mit Sprengstoffen.■— geben diese Mittheilungen wieder, ohne irgend welche Geway für deren Richtigkeit zu übernehmen. Im Gegentheil glauben wir, daß dieselben von Anfang bis zu Ende erfunden sind, uno zwar liegen alle diese Alarmnachrichten doch nur ausschließuqj im Interesse der russischen Polizei. Kakkanlättder., Sofia, 3. Juni. Sämmtliche im Panitz«- Prozeffe Sr\e' gesprochenen, mit Ausnahme von Matheff, nämlich Demeter Rizoff, Abalansky, Stamenoff, Nojaroff und Pantalei Kesiimow sind ans Bulgarien ausgewiesen und vergangene Nacht durch ou Polizei an die serbische Grenze gebracht worden. Theater. Mittwoch, den 4. Juni. Gpernhaus. Ein Maskenball. Schauspielhaus. Die Prüfung. Hier- auf: Der Mann der Freundin. Zum Schluß: Post festurn. Derliucr Theater. Dor Kriegsplan. Deutsches Theater. Der Pfarrer von Kirchfeld. Lesstu-a- Theater. Die große Glocke. Friedrich-Milhelmltädt. Theater. Der arme Jonathan. Walluer-Theater. Geschlossen. Kiktoria-Theater. Stanley inAfrika. Gstend-Theater. Romeo und Julia. Kelleallianre- Theater. Der Nau- tilus. Kroll's Theater. Die Hochzeit des Figaro. Kausinauu's Varietö. Große Spe- zialitäten-Vorstellung._ Englischer Garten. Austreten d. Liedersängcrin Frl. Ltoiuov. Austreten des Gesaugshumoristen Herrn Jonas. Auftreten des Komikers, Mimikers und Stimmen-JmitatorL Herrn Gödicke. Auftreten der Geschwister Herzog. Auftreten des musikalischen Neger- Klown Mr. de Dolis. Andress. (MifentCllt Buggenliagen am Mopitzplatz. Täglich: Grosses Garten-Concert. Direktion A. Rädmann. Dienstag und Freitag: Walzer-Abend. Fnfroa Wochentags 10 Plg., ijllll tC gönn, und Festtags 25 Pfg. Bei ungünstiger Witterung in den unteren giestaurationsräumen. Großer Frühstücks- und MittagStisch. Spezial-Ausschank von Patzenhoser Export-Äier, Seidel 15 Pf. Die oberen Säle bleiben bis auf Weiteres wegen Renovirung geschlossen. 641 F. Mittler. liniere ForderuM Wen bis heute beivilligt: lünchener Brauhaus, Zchmisstr. IM. National-Brauerei iLouis Kronhahn) Tempelhoserberg. Gräfl. Reiscliach'sche Brauerei, Stralan-Rumlel Berliner Voiksbrauerei, Alt-Moabit 4W. Die Lohnkoinmission ber Branergesellen von Berlin uns ISSi Vassau- 1®v. 9 Uhr M. b. 10 Uhr Ab. Kaiser-Panorama. Hervorrag. Sehenswürdig?, d. Residenz. In MM- di-s-v"MW Woche: 3. Reise durch die Schweis, das malerische Bern erOberland. Neu! Zum e r st e n Male: Hochinteressant: Slam. Eine Reise 20 Pf., Kind nur 10 Pf. Abonnement 1 M. Gegründet 1863. LOUIS GORDAN, Gegründet 1863. Äiuliermogeu.���� Andreas Kr. ä3. AT****** Wftl# Bergschlossbrauerei, Hasenhaide. mm weil- Heute, Mittwoch, Kinderfest mit Gratisverloofnngen. Nachm. �b- Concert und Specialitäten-Vorstellung. Puppen-Theater. Circus Junymann. Stangenkietterci. Festzug, Bonbonregen. 1654 Für Kinder, die eine Mütze, ein Geschenk und Ifl zss»» ein Freiloos erhalten i"-Pill* __' Donnerstag s"MZ I. Massen-Land- und Wasser- Feuerwerk. Zum Schlüsse Die Grobernug von Kilwa. Gr. Kriegsseuernrevk. Entree 13 Psg. Gausses Semmer'fest des Vereins zur Wahrung der Fntereßen der Alavierarbeiter und verwandter Serufsuruosse» Neue Weit, Hasenhaide, Montag, den 23. Juni, bestehend aus Konzert, Spezialitäten-V orstellmi werk. Tanz in sämmtlichen Sälen. Billets ä SO Pf. sind zu haben bei den Kollegen Voglsang, Wiener- straße 44; R. Schmidt, Stralauer Platz 23, Hof I Tr.; Riediger, Dieffcnbachstr. 59; H. Nagel, Wienerstr. 25, Hof 3 Tr.; Sparfeld, Sorauerstr. 27; Paul, Adalbertstr. 64, sowie bei sämmtlichen VorstandSmit- gliedern, im Arbeitsnachweis bei W i n tz e r, Naunynstr. 73 und in alten mit Plakaten belegten Handlungen. 1651 KindcrMnstignngen, Fcncr- B. StiftMogs�Fest des tipiler Mmer-Fchmeins am Sonnabend, den 7. Juni, Abends 8 Uhr, im BCaSsepSicif, Grünstraße Nr. 35. Hierdurch laden wir sämmtliche Kollegen von Berlin, die sich an der Gründung des Fachvereins betheiligt haben, ein. Es findet ein Ball, verbunden mit komischen Vorträgen, statt. Der Vorstand. 1655 Flcherein der TWer für den Bezirk Cnd-D. ET Donnerstag, den 5. Juni, Abends SVo Uhr, 1 im Vereinshause„Süd-Ost", Waldemarstr. 75: "Wepsammüuw&m Tagesordnung: Vortrag des Herrn Dr. Wille über:„Die Kominunytengemeinde karia.— Diskussion.— Werkstellenangelegenheiten.— Verschiedenes.— Billets un Stiftungsfest werden ausgegeben. Der K-vollmächtigt- 42 Oranienstrasse 42, Ecke Oranienplatz. Wegen Nnibau meiner GeMsranrne eröfte ich om Mcmtasgi den 2. Juni d» J., einen Muswerkauf um mein großes Lager von � üfianufsiMue«? Mede--, Wasche-, Leinen- und Baumwoiiwaaren bedeutend zu verkleinern und werde ich iPHr ganz erstaunlich billig verkaufen! Schluß des Ansoecknfs am 30. Juni er. Die enorm heruntergesetzten Ausverkaufspreis e stehen auf der Nnckseite der Etiquettes neben den früheren Preisen mit hlauen Ziffern vermerkt, so daß sich Jeder von dem Preisunterschied zwischen früher und jetzt überzeugen kann. An Sonn- und Feiertagen bleibt mein Geschäft von 10 Uhr an geschlossen. Abrechnung nom Streik d.(Mrtner Berlins n. Umgegend. A) Einnahmen: Freiwilligs Beiträge.. 603,— M. Sammellisten..,.. 467,40„ Tellersammlungen... 274,27„ Bon Gewerkschaften Berlins: Gärtner...... 250,—„ Tischler...... 100,—„ Putzer....... 100,—„ Metallarbeiter.... 40,—„ Modelltischler.... 30,—„ Graveure und Ziseleure 25,—„ Sattler...... 20,—„ Bürsten- u. Pinselmacher 10,—„ Diverse Einnahmen... 2,40„ Sa. 1922,07 M. C) Bs Sa Einnahmen.... Ausgaben.. E) Ausgaben s Unterstützungen.... 967,05 M. Reisegelder...... 365,80„ Agitationskosten.... 116,05„ Unterstützg. an Durchreisende (Schlafmarken)... 112,20„ Drucksachen...... 129,50„ Säulenanschläge u. Versamm- lungsunkosten... 65,20„ Inserate....... 17,30„ Stempel......, 3,50„ Diverse Auslagen: Porto sow. Schreibmate- rialien u. s. w... �_ 72,80„ Sa. 1849,40 M. n z: 1922,07 M. 1849,40„ Bestand 72,07 M. Reoidirt und für richtig befunden:_[1646 Die Streikkommission: Die Revisionskommission: I. A.: Karl Bern, Wienerstr. 11. I. A.: Ernst Büchner, Ackerstr. 147. Jebe 50 i zu repairren(außer �ruch) kostet bei mir BRapk unter Garantie des Gut- und Nichtig- gehen?. Kl. Reparaturen entsp. billig. Lager aller Arten Dhren, Gold- nnd Silberwaaron. 074 C. Wunsch, Gruppenbilder unserer Reichatags-Abgeordnekeu Kabinetgröße50Pf., Größe] 7.21cm IM. Größe 23.29cm 1,75,®r.34-42cm 3,50M. GAP- Photographie-Wlg |U i ederverhiinfer Rabatt. Zu beziehen durch[1661 Wilhelm Kahl, Berlin SO., Neichenbergerstr. 17, im Tuchgeschäft Prinzenstr. 53, gegenüber der Turnhalle: He: i en- und Knaben- Anzüge, Paletots, sowie Damenkleider etc. Auf Wunsch auch gegen Theitzahlungen. 739 4% Sabril: sorgfältig ijear- beltelct Regen- u. Sonnenschirme Itcut Roßfir. S ju achten. Jltuljtifert vori'ähr. Sonnenschirme, halbe Preise. Bekannt reelle sest» preist. Auswärt« per Nachnahme. Achtung I Kein Laden. Nur eigene Fabrikation, 25 Zigarre« 1 Markt Garantie rein amerikanischer Tabake. Rippentabak 2 Pfd. 60 Pfg- 234 K. F. Dinslage, Kottbuserstraße 4, Hof pari. Verantwortlicher Redakteur: Gurt Snakc in Berlin. Druck und Verlag von War Kading in Verlin 8W„ Beuthstraße 2. Lier-n«'ne Ä-ilaae. Mge zum Nr. IAH. Mittwoch, den 4. Juni 1890. y. Jahrg. NovooMondenzon. d-. ,�?ris. den 30. Mai. Wenn Jemand das tout-Paris. nicht .'Ludlciufig so bezeichnete Minorität der auf den großen Boule- 6?n,L.Unb in den Nachtrestaurants sich herumtumnielnden und �bammelnden Klubmänner, Börsenjobber und Kokotten, kurz tZ tout-Paris des Genusses, sondern das tout-Paris der Arbeit s.">°u>er besten und liebenswürdigsten Seite kennen lernen will. 2%; er es bei einer Manifestation sehen und beobachten. - uerdings darf dies keine Manifestation sein, welche ausschließe 5 ein@rri 1'- 1''' Tw? VVIV4U» UU| iriiriiuilllliu».«------ VI-" I." � soziale Mitte, in der sich die Pariser bewegen, ist noch nicht [jjr vui| vies leine iycamyeiiuium[tui, r,i' ein Geltendmachen von Forderungen bezweckt, die aus der "Mnwart heraus auf ökonomischem Terrain erwachsen sind. Z,>°zlale Mitte, in der sich die Pariser bewegen, ist noch nicht N zersetzt und verwandelt, sie ist noch zu kleinbürgerlich nach als>. Achtung hin, zu wenig von der Vergangenheit losgelöst, ihnen rein proletarische Kundgebungen naheliegen könnten. V.uteresse kreist noch ansschließljch oder doch hauptsächlich um dm tonische Leben und Treiben, und hie Aebarrlickkeit. mit welche von dem strahlenden Glanz «ein prayienoen lÄianz ihrer geschichtlichen Tradition Mu. bringt es mit sich, daß nur solche Manifestationen der �cheiligung der breiten Schichten gewiß sind, welche eben an Tradition und an das politische Leben anknüpfen. Aber Gang der Entwickeluug hat bewirkt, daß der Form der alten fw." immer mehr und mehr der junge Geist neuer Be- Mimgen eingeflößt wird, daß das Volk das Gestern weniger 1 1«ncr selbst willen verherrlicht, als insofern es eine Bürg- Mt für ein besseres Morgen erscheint. Tie französische , Ngeoisie greift aus der nationalen Tradition die Momente maus, welche in der Klassenherrschaft des dritten Standes ihre Mllung gefunden, das französische und ganz besonders das KNfer Proletariat hält dagegen an jenen Momenten der Tradition l'' Welche bis heute nur Prophezeihungen für die Zukunft geblieben Keime, aus denen neues gedeihliches Leben hervorwächst und "'porknosvl. Manifestationen solcher Art. in denen sich der Ruhm Zukunft vermählt, Bolksfeiertagen im »dn ••• rmei.. chwneller Beifall, 'er die frische, i �eigenstem Fuhlen frtC.• V»vuyilicu wyuv j[�vv.r v j i ig. vwv.. ?p-.ia fast stets gegen Absicht und Willen der herrschenden Welt sie das Volk in Anlehnung an die Ehrentage seine Ge- Mchte ganz spontan aus seinem eignen Empfinden und Denken Mus. allerdings fehlt ihnen mit dem offiziellen Stempel auch vssizielle gleißende Pomp, aber dieser wird reichlich aufgc- �vgen durch die durch Nichts zu ersetzende imponirende Wirkung !t selbstständigen, freien Bethätigung der Masse. Wo bei den einer hohen Obrigkeit dekretirten„Festen" steif kon- kalte Schaulust herrscheu, da pulsirt warme Lebensäußerung von hes Volkes ......„..,-1 und Wollen. Solche in Paris , Volksfesten, zur Volkssitte gewordene Manifestationen lauben, den Herzschlag der Masse zu belauschen, ihre geheimsten �danken und Wünsche zu entziffern. Und in diesen Momenten rschwinden dann all jene die germanischen Stationen so oft un- Mndlich oder geradezu peinlich berührenden Eigenthümlich- sten, welche der Stellung und Haltung des französischen dletariats im Emanzipationskampfe der Gegenwart ihre Mognonne aufdrücken und die Frage aufwerfen lassen, ob das- in der entscheidenden Stunde Geweyr bei Fuß wohlgerüstct Reih und Glied stehen werde. Die Zersplitterung in Sekten Sektchen, das übermäßige WoHlgechllen an theoretischen �rtklaubereien und Spintisireu, die Abneigung gegen die Tis- »in einer strammen, einheitlichen Organisation, kurz alle die »»kte, in denen die französische Arbeiterbewegung vielfach �ständig erscheint, existiren dann nicht mehr. Trium- >'rend manisestirt sich das eine klassenbewußte, begeistert st ein Ziel zustrebende und zuringende Volk der- °ßen geschichtlichen Tage, daö Volk, das opferfreudig und °elnd die Bastille gebrochen, daS 1703 für sich reklamiren darf, Volk, das sich mit den Kaimts von Lyon erhoben, das in den Mitogen sein Siecht forderte, und welches sich in der Kommune sterblich gemacht. Alle die bei der ruhigen einfachen Werktags- veit der Propaganda und Organisation oft nicht zu erkennen- " großen geschichtlichen Züge des sranzösischen Volks treten Pn für Augenblicke in ihrer ganzen ymnheit, in ihre», bebenden Zauber hervor. Ter Parteihader, der Mangel an Panisation, die Kleinlichkeilskrämerei sind dann ausgelöscht vor staninienden Enthusiasmus für ein gemeinsames Ziel, der � von allen Seiten zusammengeströmte, vieltausendköpfige Menge Mij.rl und sich von Zeit zu Zeit in stürinisch brausende» Hoch- !l«t Lust macht. Tie ledhafte gespannte Physiognomie, die ltzeildeil Augen jedes einzelnen Mani.eftanten verrathen, daß er ch Leib und Seele bei der Sache ist, wie schnell er von Zanken zu Gedanken bis zu den letzten Schlußfolge- "gen eilt, wie rasch und begeistert er vom Gedanken m Wort, vom Wort zu der Thal übergeht. Die populären 'anisestationen helfen dem Ausländer das Berständniß für den Pwickelungsgang des sranzösischen Volks zu erschließen, das fP langsam. Schritt für Schritt in methodischem Marsche vor- wts rüat, sondern das vielleicht in einem Momente innehalt, '.' dafür im nächsten pfeilschnell in einem einzigen Satze ans stl zu fliegen. Unter den an die Geschichte anknüpfenden Manifestationen " Pariser Bevölkerung ist keine so populär geworden, wie die Ehren der Kommune, aber auch keiner einzigen wohnt die siche Bedeutung inne, wie ihr. Die Kommune und ihre Kampfer heißt eben nicht Mos, die Vergangenheit verherrlichen, "dern vor Allem ein Glaubensbekenntniß der sozialpolitifchen 'derzeugungen ablegen. Die Manisestationen knüpfen besonders an zwei Momente [i der Geschichte der Kommune an, an die Erklärung derselben 18. März und an ihre glorreiche Niederlage ,n der ""gen Maiivoche. Das erstere Datum wird besonders '» den sozialistischen Arbeiterorganisationen seplich begange», ° Manifestation zu Ehren der blutigen Maiivoche gehört da- Sch der Masse, die zu Tausenden und Abertausenden nach der .lauer der Föterirten" auf dem Pöre-Lachaise pilgert, �n den Peu letzten Jahren hatte sich die Bevölkerung weniger zahlreich 'd allgemein an der Feier der blutigen SAmwoche betheiligt, *'l die um den Boulangismus wogenden politischen Wirren die mm» Arbeiter einzeln oder in Gruppen dem Pore-Lachaise zu SM«« Menge, welche sich rastlos vor der Mauer der Föderirten drängte und aus der sich viele hochcharakteristische aber auch rührende Gestalten hervorhoben. Proletarier und Proletarierinncn der verschiedensten Berufszweige, Proletarier und Proletarierinnen jeden Alters waren hier von einem Gedanken beseelt zusammen- geströmt, darunter gar manche, die mit Stolz sagen konnren: vor 19 Jahren war ich auch dabei! Leute, die an der nämlichen Stelle, die Waffen in der Hand, gefangen genommen worden.nachdem die Mitrailleuse die Mehrzahl der Kameraden hinweggemäht. Auch Kinder befanden sich unter der manifestirenden Menge,„Revolutions- samen", meinte ein grauköpfiger Erdarbeiter mit scharfgeschnittenen Zügen und blitzenden Augen, der in seinem Arbeitskostüm, weit- bauschigen Sainmthosen, von einem breiten rothen Gurt gehalten und ans der Brust offenstehende» Blousenhemd, einen ungemein malerischen Typus des kämpfenden Proletariers repräsentirte. Besonders zu den Stunden, für welche die Manifestationen der verschiedenen sozialistischen Organisationen angekündigt waren, häuften sich vieleZTausende von Arbeitern vor der Föderirten- mauer zusammen. Vormittags manifestirten die Possibilisten, welche im stattlichen, mehrere Tausend Theilnehmer zählenden Zuge kamen, an dessen Spitze der possibilistische Abgeordnete Duniay, die possibilistischen Stadträthe und der Parteiausschuß stand. Die einzelnen Gruppen und Organisationen waren fast ausnahmslos um rothe Fahnen und Banner geschaart, welche beim Eintreten in der Pdrc-Lachaise entfaltet wurden. Viele der Fahnenträger erklimmten die Mauer, und das proletarische Banner wehte über der lauschenden Menge, und schien von den Höhen des Pvre-Lachaise aus die Stadt Paris zu beherrschen, die sich schier endlos vor den Blicken dehnte. Die niedergelegten Kränze, meist aus rothen Immortellen und mit entsprechenden Inschriften, waren zahlreich, darunter befanden sich viele, die von sozialistischen Organisationen der Provinz gesendet worden. Aus den Reden der possibilistischen Führer verdient hervorgehoben zu ivcrden, daß dieselben im Gegensatz zu den beiden vergangenen Jahren die sozialistische Note ivieder etivas bestimmter betonten. Charakteristisch war ferner, daß manche Redner, ganz besonders der in eine flache Alltagspolitikasterei eingeschworene Lavy, noch post festum den Kadettismus der possibilistischen Parteiführer zu erklären und zu rechtfertigen suchten. Man mußte bei diesen Versuchen unwillkürlich an das alte Wort denken:„Qui s'excuse, s'accuse", wer sich entschuldigt, klagt sich an. Die Masse nahm übrigens die diesbezüglichen Stellen der Reden mit kaltem Stillschweigen auf, während sie die klipp und klar sozialistisch gehaltenen Passagen, die Versicherungen einer Rückkehr zur alten Taktik, die Betonung des Klassenstandpunktes, durch warmen, jubelnden Beifall nnterstrich. Nachmittags fand die Manifestation der Blanquisten, Kollcktivisten und unabhängigen Sozialisten statt. Ihre Zahl war geringer, als die der Possibilisten, dafür war die herbei- geströmte Menge weit zahlreicher als Vormittags. Die Blanquisten, von Vaillant geführt, brachten erst noch dem Grabe Blanqui's ihre Huldigungen dar und mußten zu verhindern, daß der dem sozialistischen Prinzip untreu gewordene und zum Bon- langismus übergelaufene Bruchtheil der Partei die letzte Ruhe- statte des alten Revolutionärs und die Mauer der Föderirten durch eine angebliche Manifestation besudelten. Natürlich ging dies nicht ohne Handgemenge ab, bei dein es hüben und drüben blutige Köpfe gab, in dem aber die Boulangisten die Kürzeren zogen. Bezeichnend war, daß die Sozialisten und Revolutionäre aller Schattirungen, sowie die gesammte Masse einstimmig gegen die falschen Vrüder Partei ergriffen, durch Wort und That ihrer Ueberzeugung Ausdruck verliehen, daß es grober Unfug, hohnvolle Heuchelei sei, wenn Leute, die Hand in Hand mit einem der Schergen von Versailles marschirt, zu Ehren der tobten Kommunekämpfer manifestiren wollen, klein- laut, von herben Worte» überschüttet, als Verräther bezeichnet, mußten die Granger, Sieche und Genossen sich aus dem Staube machen, worauf die Feier ihren ruhigen, ivürdigen Verlauf nahm. Genosse Guesde führte aus, daß das Proletariat seit 19 Jahren zum ersten Male nicht als Besiegter, sondern als Sieger an den Gräbern seiner Tobten manisestire. Das Proletariat der ganzen Welt habe die Aufgabe übernommen, welche sich die Kommune noch in vager Weise gestellt hatte. Im Mai ist die Kommune besiegt worden, im Mai hat aber auch die internationale Arbeiter- schast den ersten siegreichen Versuch einer Mobilisation gemacht. Indem die Bourgeoisie gegen die durchaus friedliche Maimaui- festation Polizei und Militär aufbot, hat sie gestanden, wie nichtig alle ihre bisherigen Siege, der von 1871 über die Kommune inklusive, gewesen sind. Der sozialistische Abgeordnete Ferroul betonte ebenfalls besonders den internationalen Charakter, welchen die Arbeiterbewegung seit der Kommune angenommen, der immer glänzender hervortrete und der allein zum Siege führe, f.s.r.______ i" v,„„ miiff» mit hom tüot.f.10,(1 1 im .... Paris ist Organisationen, von einem dichten Volksschwarm gefolgt, maui- sestirten darauf noch an den Gräbern mehrerer Vorkämpfer der Arbeitersache: Blanqui's, Eudes', Delescluze's und des unfterb- licheu Sängers der Leiden, Kämpfe und Forderungen des Pro- letariats: Eugene Pottier's. nähme der breiten Masse. Und die stattliche Anzahl, in welcher die- selbe auf das sozialistischerseits gegebene mot cTorclre hin herbeigeeilt war, die begeisterte Aufmerksamkeit, die jubelnde Zustimmung, mit welcher sie den Entwickelnngen sozialistischer Anschauungen folgte, bewies, daß sich die breiten Schichten immer mehr mit sozialistischem Geiste erfüllen. Besonders als Sympton in dieser Beziehung hat die jährliche Feier der blutigen Maiwoche ihre Wichtigkeit. Die diesjährige Manifestation hat deutlich gezeigt, daß das Klassenbewußtsein der außerhalb der Organisationen stehenden Masse in den letzten Jahren bedeutend gewachsen ist, daß sich immer breiteren Kreisen die Ueberzeugung aufdrängt, nur eine Umgestaltung der Gesellschaft im sozialistischen Sinne könne die Emanzipation der Arbeit bewirken. Die Thatsache bildet ein Gegengewicht gegen die trübe Stimmung, welche sich des Einzelnen oft angesichts der zerfahrenen Parteiverhältnisse der sranzösischen Arbeiterschaft bemächtigt. Die sozialistischen Bataillone haben die Freischaaren des Emanzipationskampfes Revue passiren lassen, und daß diese in Masse und voll Begeisterung dem Riffe Folge geleistet habe», ist eine Bürgschaft für die Zukunft. Die erste Re- publik verdankt ihre glänzendsten Siege gegen die koalirte Reaktion nicht alten, erfahrene», ivohlgedrillten Soldaten, sondern den be- geisterten jungen Freiwilligen, die herbeistürmten, um die Freiheit über Europa zu tragen. ToliLtles. Auffcv der Gräflich Urij'chach'schr» und der Unfional- brnurrei hat gestern noch die Berliner Volks- Brauerei, Alt- Moabit, die Forderungen der Gesellen bewilligt. Am Montag Vormittag ist die Spree zwischen der Neu- städtischen Kirchstraße und der Albrechtstraße,>vie bereits ge- meldet, überbrückt ivorden. Es ist eine lauge ersehnte, oft in Frage ontirungsarbeiten vollendet sind und die Brücke dem Verkehr übergeben werden kann. Der eiserne kolossale Bau von 51 Metern Längern ist von der Fabrik Lauchhammer heute glücklich in Posi- tion gebracht worden. Für die Entlastung der Friedrichstraße, für die Verkürzung der Wege, für die Erschließung der Albrecht- straße und namentlich der neuen Uferstraße zwischen Reichstags- ufer und Weidendammbrücke ist der neue Verkehrsweg von hoher Bedeutung. Wir würden indessen eine Pflicht verabsäumen, schreibt die„Rat. Ztg.", wenn neben der Besriedignng über die endlich hergestellte Verbindung nicht auch ein Empfinden deS Bedauerns darüber zum Ausdruck käme, daß einem Werke, das, wie sich jetzt herausstellt, kaum wirkliche Schwierigkeiten im Wege standen, anscheinend unüberwindliche Bedenken cntgegengethürmt wurden. Der Wunsch, diese Briicke zu erhalten ist so alt wie die Stadtbahn. An ihrem Bau waren nicht allein die unmittelbaren Anwohner interessirt, sondern der ganze Westen und Nordwesten, dessen Beivohner zu großen Umwegen gezwungen wurden, weil zivischcn Friedrichsstraße und Wilhelmstrahe sich keine Verbindung über die Spree befand. Als die Stadtbahn gebaut wurde, erschollen sofort von allen Seiten die Rufe nach Her- stcllung der Brücke. Man nahm mit Recht an, daß es ein Leichtes sein würde, gleichzeitig init der Eisenbahn- brücke über die Spree auch diese Brücke zu errichten. Das Ve- dürsniß wurde von keiner Seite bestritten. Aber ivie immer gab es— in unserer Zeit hochentwickelter Technik!— Bedenken ohne Ende. Wie viel Behörden dabei mitzusprechen hatten ohne sich einigen zu können: Fiskus, Stadt, technische Baukommission, Wasserpolizei, Stadtbahn-Direktion und noch Andere, es sei heute nicht nachgerechnet. Nur soviel ist feststehend, daß damals ein„Unmöglich" das Resultat gewesen. Jenes„Unmöglich" hat nothwendig nicht verhindern können, daß die Brücke nun doch ausgeführt ivorden ist, allerdings nach vollen zehn Jahren, nach- dem ein halbes Hundert Petitionen darüber an die verschiedensten Behörden gerichtet ivurde und die Zeitungen unaufhörlich darüber geschrieben haben. Und so ist man wohl zu der Frage berechtigt: Mußte das so sein? Ist es denn gar nicht denkbar, daß bei allen wichtigen Dingen, welche die Entwicklung der Stadt be- treffen, ein so schnelles Tempo eingeführt wird, wie bei der Niederlegung der Schloßfreiheit? Wer weiß, wie die jetzt noch verwahrloste Gegend an diesem Theile des Schiffbauerdammes' schon seit Jahren aussehen würde, wenn man damals nicht das inzwischen zu Schanden gewordene„Unmöglich" gesagt hätte. Die Albrechtsstraßenbrücke ist übrigens nicht das einzige Beispiel von Jahre langen Kämpfen, die nöthig waren, um segensreiche Neuerungen einzuführen. Vielleicht trägt diese neue Erfahrung dazu bei, daß bei ähnlichen Fragen alle in Betracht kommenden Behörden in gemeinsamen Berathungen eine Lösung zu finden suchen, statt den langen Weg des Vortrages von Behörde zu Behörde einzuschlagen. Kereits am ersirn Tage nach feinem Inkraftiveten ist der diesjährige Sommerfahrplan für den Lokalverkehr Berlin- Potsdam seitens der Eisenbahndirektion geändert worden. Unsere Abonnenten wollen dem entsprechend beim Fahrplan Nr. 74m, (Lokalzüge Berlin-Potsdam-Werder) unseres Kursbuches folgende Aenderungen yandschriftlich eintragen: Der Mittags-Personenzug ab Berlin Potsdamer Bahnhof Ii Uhr 40 Min. fährt nur bis Zehlendorf, es sind also die fünf folgenden Fahrzeiten: Schlachtensee 12 Uhr 14 Min., Wannsee 12 Uhr 20 Min., Neubabelcberg 12 Uhr 28 Min., Nowawes 12 Uhr 34 Min. und Potsdam 12 Uhr 38 Min. Nm. zn streichen. Dagegen ist der Lokalzug ab 12 Uhr Mittags nach Zehlendorf(Fahrplan 73a) wie folgt zu ändern und weiter zu führen: ab Berlin, Potsdamer Bahnhof, 12 Uhr 7 Min. Nm.(anstatt 12 Uhr), ab Steglitz 12 Uhr 17 Min., ab Groß-Lichterfelde 12 Uhr 22 Min., ab Kehlendorf 12 Uhr 28 Min. und weiter ab Schlachtensce 12 Uhr 35 Min., ab Wannsee 12 Uhr 42 Min., ab Neubabelsberg 12 Uhr 50 Min., ab Nowawes 12 Uhr 50 Min., an Potsdam 1 Uhr Nachm. Urb er die ringförmige Sonneitfinsterniff, welche, wie mitgetheilt, am 17. d. M. bevorsteht, macht die Zeiffchrift„Himmel und Erde" einige genauere Angabe»:„Die Sonnenfinsterniß wird Vormittags in Süd-Tunis, auf der Insel Kreta und in lilein-Asien, Nachmittags in Persien und Süd-China sehr auffüllig sein. In Europa ist die Bedeckung der Sonne nur partiell, für die ein- zelnen Orte desto bedeutender, je südlicher sie gelegen sind. In Berlin tritt der Beginn der Finsterniß 9,26 Vormittags, das Ende um 11,49 Mittags ein; es, verde» etwa 5,2 Zoll der Sonne (1 Zoll= Vis Sonnendurchmesser) bedeckt werden. In Rom reicht die Verfinsterung über 8, in Athen über 10 Zoll. Die längste Dauer wird die zentrale Bedeckung in Süd-Kleinasien, in der Nähe der Stadt Adalia, haben, nämlich 4 Minuten fünf Sekunden. m 9'c rchste» fünf junge» Schwäne in der Umgebung Berlins strichen in diesem Jahre am Psingstsonnabend von ihrem Sleste am Kanal in Nähe der MoabUer Eiswerke ab. Die Alten, durch gesürchtete Bissigkeit bekannt, nisten dort schon seit mehreren Jahren und schlugen seither durch Kraft, Gewandtheit und Wach- samkeit verschiedene Nachstellungen erfolgreich ab. Obgleich ihnen die Eier schon vom Neste geraubt wurden, haben sie den ihnen lieb gewordenen Vrüteplatz doch nicht verlassen. Das alte kraftige Paar, welches sein Nest alljährlich an der Spitze der Landzunge an der Moabiter Brücke baute, wurde in diesem Frühjahr durch das sich dort entwickelnde rege Treiben am Brüten gehindert. Mitleidig richteten die Arbeiter der Borsig'schen Fabrik dicht beim Krahn für dasselbe eine Erdvertiefung her und lieferten einiges enffprecheude Material für Herstellung des primitiven Nestes, daS von den Schwänen zur völligen Ausgestaltung desselben gern an- genommen und sofort verivandt wurde. Das Nest ist zur Zeit mit 8 Eiern belegt, aus denen die Jungen in diesen Tagen ausgehen müssen. Unter der Moabiter Brücke, nach Charlotten- bürg hin, brüten an der Spree noch mehrere Paare, von denen jedes sein Revier gegen jeden Eindringling jeder Art aufs Heftigste vertheidigt. Die strafrechtliche Uerurthellnng eines Wödelhänd- lers wegen der beim Verkauf alter Möbel angewendeten täuschenden Kunstgriffe hat einen heilsamen Schrecken auf diesem Gebiets des Handels zur Folge gehabt. Wie weitgehend die Täuschungen waren, denen die Käufer ausgesetzt sind, das ergiebt sich aus folgendem Vorrommniß. In der Nähe des Oranien- ausgestattet war, und dessen einzelne Zimmer die Frau an junge Leute vermiethet hatte. Diesen Ab- miethern war es allerdings aufgefallen, daß die einzelnen Möbel- stücke im Zeitraum von einigen Wochen oft zwei, drei Mal ge- wechselt wurden. Auch der Wirth wunderte sich über den de- ständigen Ab- und Zugaug der Möbel, hatte jedoch keinen Grund, der Sache näher zn treten, da die Miethe pünktlich pränumerando von der Mietherin bezahlt wurde. Vor einigen Wochen jedoch bat die Mietherin den Wirth, sie von dem noch iaufenden Mieths- kontrakt zu befreien. Aus ihren Andentungen war zu entuebmen. daß sie d!e WohnungZiniethe auZ der Einnahme von den Ab- vermiethimgen allein nicht bestreiten könne und eine nicht unbedeutende Einnahmequelle aus dem gelegentlichen Möbelhandel versiegt sei, da der dabei betheiligte Händler diese Art des Ge- schäfts nicht weiter fortsetzen wolle. Augenscheinlich hat zwischen dem Händler und der Mictherin ein festes Abkommen bezuglich der zu verkaufenden Sachen bestanden und bei der ganzen Chambre-garni-Einrichtung der Wohnung waren die meisten Känfcr ganz sicher überzeugt, daß es sich um den gelegentlichen Privatverkauf eines Möbels handelte. Für die Inhaberin der Wohnung siel jedenfalls bei den einzelnen Verkäufen, je nach der Höhe des erzielten Gewinnes, ein Autheil ab und außerdem hatte sie den Vortheil, die Sachen zur Benutzung an ihre Abmicther überlassen zu können. Der Hausbesitzer vermuthet sogar, daß zeitweilig, wenn die Frau nicht alle Zimmer vermiethet hatte, ihr eine Micthsunterstütznng, vermuthlich von Seiten des betheiligten Möbelhändlers, zugeflossen ist. Augenscheinlich hat die neuliche Verurthcilung eines Möbelhändlers auch auf die Schließung dieses eigenartigen GeschästeS Einfluß gehabt. Die leidige Uertrauenoduselei der kleinen Bewerbe- treibenden hat sich schon manches Mal bitter gerächt. Auch gestern kam ein solcher Fall zu unseren Ohren. Er ist dem Stuckateur Ernst Rost, Görlitzerstr. 37, passirt. Rost, ein sehr strebsamer Mann, der noch vor 2 Jahren als Gehilfe arbeiten mußte, übernimmt jetzt als selbstständiger Meister die Stuckarbeiten für ganze Bauten. In seiner Stammkneipe klagte er nur darüber, daß er nirgends Geld einkriegen könne. Dies hörte der Bier- reisende Lutzmann, ein höchst nobel auftretender Mann, und bot Rost seine Hilfe, indem er sich bereit erklärte, auf zwei von Rost angenommene Wechsel von der Brauerei B e r o l i n a. Waldemar- straße 74, für welche er reist, Geld zu besorgen. Rost ging gern hierauf ein und gab dem L. zwei von ihm akzeptirte Wechsel, jeder über 150 M., fällig im August beziehungs- weise September. Dies mar zu Pfingsten— und bis heute hat der noble Vierreisende dem Rost weder Geld gegeben, noch die Wechsel zurückgcliefert. L. ist, wie die Nachforschungen an den Tag gebracht, seit längerer Zeit von jener Brauerei entlassen und hat sich bei seiner in der B ö ck h st r a ß e(52) wohnhaften Frau schon eine Woche lang nicht sehen lassen. Die im besten Rufe stehende Frau lebt in Roth und Verzweiflung und hat sich wegen der Lüderlichkeit ihres Mannes bereits ertränken wollen. Die weiteren Ermittelungen haben ergeben, baß 2. den am 25. August fälligen Wechsel über 150 M., mit dem Rost'schen Akzepte, am 3. Pfingsttage bei dem Restaurateur Friese, Elisabeth-Ufer 18, für 20 M. weggegeben hat. Auf Anrathen der Polizei hat R o st nun die Sache der Staatsanwaltschaft übergeben. Die zur Dnlldorfer Irrenanstalt gehörige Jdiotenanstalt hat seit einigen Tagen eine große Erweiterung insofern erhalten, als für dieselbe in betreff der Unterrichtsverhältnisse zwei neue Lehrer eingestellt worden sind, welche die spezielle Aufgabe haben, die unglücklichen Kinder in die Mathematik und Geographie ein- zuweihen. Um den Kindern dies so viel wie möglich zugänglich zu machen, sind zu diesem Behuse eine Unmasse von Jnstru- menten.Geräthenu. s.w. angeschafft worden. Da finden wir Modelle von Maschinen, Schiffsgerathe, Feuerwehrutensilien und Berg- werksgeräthe. Auch der Schulunterricht hat insofern eine Erweiterung erfahren, als seit dem S. Feiertage vier neue Landkarten, einige kostbare Globen und sonstige Requisiten, angeschafft worden sind. Für die weiblichen Idioten ist das Gebiet der Handarbeil eben- falls erweitert worden, indem auf einigen Arbeitssäkmi Strick- Maschinen und sog. Nähschirme eingestellt wurden, untMf diese Weise die Mädchen unter Anleitung der Lehrerinnen in ömbaus- lichen Arbeiten einzuweihen. Um außerdem den unglüMchen Kindern so viel wie möglich Zerstreuungen zu verschaffen, Mxr- den wöchentlich zweimal gemeinschaftliche Spaziergänge m die liegende» Haidegebiete unternommen werden. Di« Kpiritistrn machen wieder einmal von sich reden' Herr Egbert Müller. Hilfsarbeiter im Großen Generalstabe und Doktor ziveier Fakultäten— man sieht: Studiren schützt vor Thorhelt nicht— scheint die Absicht zu haben, seine spiritistischen Lehren ständig in der Presse zu vertreten. Wir begrüßen diesen Kollegen auf das herzlichste, indem wir uns im Voraus auf die heiteren Stunden freuen, die er uns noch bereiten wird. Die Ge- schichte, die er da vor einigen Tagen von dem Juristen erzählte, mit dem ein verstorbener Korpsbruder seine Scherze trieb, ivar in der That höchst spaßhast, und wir, verde» Herrn Dr. Egbert Müller sehr dankbar sein, wenn er uns noch öfters so amüsante Geschichten zum Besten giebt. Der Spiritismus hat überhaupt in der neueren Zeit sich sehr zu seinem Vortheil verändert. Früher galt es als eine verteufelt gruselige Sache, mit Gespen- ster» zu thun zu habe». Diese ivnßten nach allgemeiner An- nähme nichts anderes zu thun, als scheußliche Verbrechen zu enthüllen, eventuell auch bei derselben Gelegen- heit dem Missethäter den Hals umzudrehen, oder bevorstehende Unglücksfälle zu prophezeihen. Leider hat sich von diesem höchst nngemüchlichen Gespenficrivesen auch noch ein Rest bis in die Gegenwart erhallen— es soll ja z. B. immer noch gelegentlich vorkommen, daß der Posten im Potsdamer Schloß die„weiße Dame" erblickt; zwar hat sich dann in der Regel herausgestellt, daß nur ein ganz harmloser Küchenjunge über den Korridor ge- gangen war, aber der arme Posten hatte doch seinen Schreck weg. Der neuere Spiritismus hingegen ist viel gemüthlicher; allenfalls wird noch bei den spiriti ischen Szenen von„Aujust mit der kalten la inain" ans der Geisterwelt zitirt, der den Gläubigen ins Gesicht fährt, aber das ist schon das gruse- ligste Experiment, ivclches man heut zu Tage macht. Sonst ist gegenwärtig die Beschiistigung mit den„Geistern" höchst belustigend, denn die„Geister" sind des trockenen Tones satt geivorden, sie haben es aufgegeben, düsteres Unheil über die Sterblichen zu bringen, und spielen nur noch die Rolle von Klowns. Der eine wirst mit Schinkenknochen und mit Kar- toffeln, ein anderer zieht uns, wenn wir im Bette liegen, schalt- hast die Bettdecke fort, ein dritter schüttelt uns die Hand und zerrt uns in der Stube umher u. s. w. Kurz, die„Geister" benehmen sich zwar nicht sehr geistreich, aber sie sind durchweg gute Kerle und fidele Burschen, so daß man ihnen kaum böse sein kann, wenn sie sich einmal in ihrem Uebermuth einen Ver- stoß gegen den Paragraphen vom groben Unfug zu Schulden kommen lassen. Was uns Herr Dr. Egbert Müller von dem losen Treiben der„Geister" erzählt, stimmt ganz mit dem Bilde überein, welches Hensel, der Oberpriester des Spiritismus, von dem Leben im Jcusetts entwirft. Danach lebt der Mensch auch nach dem Tode als ganz derselbe weiter, der er auf Erden war; es scheint sogar, daß das Sterben eine sehr sidele Sache ist, denn nach dem Tode sind die Individuen, wie schon ausgeführt, so kindisch und albern, wie man es auf Erden nur selten findet. Nach Hensel haben die„Geister" oder„Brüder", wie der tech- nische Ausdruck lautet, zunächst auch noch einen Körper, zwar nur einen„scin-materiellen", aber anscheinend doch ziemlich robusten; wenigstens existirt im Jenseits noch die Prügelstrafe, oder es wird, wie sich einer der Gelehrten des Spiritismus um- schreibend ausdrückt,„eine gegen den negativen Pol gerichtete, nicht selten mit einem besonderen Raffinement ausgeführte, bei uns zuletzt in Mecklenburg abgeschaffte Strafe" in Anwendung gebracht. Auch werden Geister, welche sich etwas zu Schulden kommen lassen, mit Gefängniß bestrast, welche Strafe noch ver- schärft werden kann, z. B. durch Entziehung von Licht in den Abendstunden. Ferner lehren uns die spiritistischen Apostel, daß den Geistern noch die Nägel und die Haare wachsen, und daß sie sich infolgedessen auch noch— rasiren lassen müssen. Wer es nicht glauben will, daß es im Jenseits so und nicht anders zu- geht, der braucht nur das von dem viel genannten Protektor Karl Wolter's, Gerichtsassessor a. D., Puls, geschriebene Buch über den Spuk von Resau lesen, in welchem auf Grund„Wissenschaft- licher Forschungen alles haarklein beschrieben ist, und in welchem sich außer den obigen noch viele merkwürdige Mittheilungen über das Leben tm Jenseits finden; dieses von unfrei- willigem Humor strohende Buch können wir überhaupt allen empfehlen, die nicht den Vorwurf des Dr. Egbert Müller auf sich laden wollen, welcher meint, daß„in die Gefahr der Indolenz geräth", wer sich nicht mit dem Spiritismus be- schäftigt. Uebrigens zeigt das Werk des Herrn Puls ebenso wie die sonderbare Sprechweise des Herrn Dr. Müller, daß der Ver- kehr mit Geistern auch auf den Stil höchst verderblich wirkt— aber das schadet nichts, daS macht im Gegentheil den Spiritis- mns nur noch amüsanter. Im Großen und Ganzen kann man den Spiritisten nur dankbar dafür sein, daß sie in unserer ernsten Zeit sich die Erheiterung ihrer Mitmenschen so angelegen sein lassen. Das Gpfev der Gaserplosta» auf der Kaiser-DZil- hrlmslirürke, der in der Landwehrsiraßs wohnende Schneider- meister Mahler ist jetzt, nachdem derselbe von seinen schweren Verwundungen, die ihn Monate hindurch ans Krankenbett fessel- tcn, als geheilt aus der Charitee entlassen worden. Die Kur- kosten, Schmerzens- und Entschädigungsgclder des M. wird der Magistrat der Stadt Berlin zu bezahlen haben. Die Repa- raturarbciten an der Kaiser-Wilhelmsbrücke sind jetzt, nachdem die Ersatzfliesen zur Stelle geschafft, in vollem Gange und dürften in ca. 14 Tagen beendet sein. I» eine gefährliche Kitnatio» gerieth am vorgestrigen Nachmittag die Frau eines Schlächtermeisters, welche mit einem ihrer Gesellen in ihrem Gefährt um die vierte Stunde durch die Mariendorferstraße fuhr. Denselben Weg kam ein Landmann aus der Ilmgegend Berlins mit einer mächtig anfgethürmten Fuhre Heu, die er einem in der genannten Straße belegenen Fourage- geschäft zubringen wollte. Die Ladung scheint nicht gehörig auf- gepackt gewesen und überdies durch die längere Fahrt übel zu- sammengcrüttelt worden zu sein, denn sie neigte sich ganz auf die eine Seite. Der biedere Landmann beachtete dies aber nicht, fuhr vielmehr mit dem verschobenen Ungethüm ruhig weiter, bis das- selbe plötzlich stark schwankte, unischlug und unter seiner Last den erwähnten Schlächterwagen begrub, der sich im kritischen Augen- blick gerade an der bedrohten Seite befand. Passanten eilten sofort hilfsbereit hinzu, und ihren gewaltigen Anstrengungen gelang es auch, die„Begrabenen" wieder ans Tageslicht zu be- fördern.„Die Madame fiel aus einer Ohnmacht in die andere" — so versicherte uns ein Augenzeuge, obwohl sie durch den „Krach" nur einige leichte Abschlürfungen erlitten hatte. Der Ge- selle war mit dem bloßen Schreck davon gekommen. Es dauerte felbstverständlich eine geraume Zeit, che das gekenterte Wrack wieder aufgerichtet und mit seiner Ladung von der Stelle geschafft werden konnte. In grosso Feboitsgefahr geriethen am Sonntag Nach- mittag zwei junge Mädchen, Schwestern, bei einer Bootfahrt auf der Oberspree. Sie hatten sich an der Oberbaumbrücke ein kleines Boot gemiethet und waren mit demselben nach dem Rummels- burger See hinausgefahren. Als sie die Treptower Wiesen passirt hatten und eben im Begriff waren, nach dem Tabbert'schen Restaurant zu steuern, winkte ihnen vom Ufer aus ein junger Mann, den die Mädchen kannten und der sie bat, ihn mit hin- über zu nehmen. Um dieser Bitte nachzukommen, wendeten die Mädchen mit dem Boot, um an das Ufer zu fahren. Durch irgend eine Unvorsichtigkeit kenterte aber das Fahrzeug und beide Insassinnen sielen ins Wasser. Zum Glück war gerade eine so- genannte Zille in der Nähe, deren Bediensteten es unter großer Anstrengung gelang, die sich in ihrer Todesangst kramfthaft an das Boot Ztnklammernden zu retten. Der junge Mann ließ so fort einen Wagen requiriren, in welchem die fast bewußtlosem Mädchen nach ihrer Wohnung in der Skalitzerstraße befördert wurden. Gin Spazin'gang der Goistevkranken. Die Verwaltung der städtist. en Irrenanstalt zu Dalldorf hat in Anbetracht der ünstigen Witterung Veranlassung genommen, denjenigen in der nstalt befindlichen Geisteskranken beiderlei Geschlechts für die mnermonate kleine Ausflüge in die Umgebung der Anstalt zu 'ren. Diese Spaziergänge, welche unter Aufsicht des be- irefM�en Wartepersonals unternommen werden, sollen einen ganz ungezivlMgenen Charakter tragen und durch die allgemeine Ge- selligkeit die Gemüther der Kranken anregen und aufmuntern. find in dieser Beziehung in Betreff der Heilung schon große Resultate erzielt worden und die Äerzte hoffen, daß diese Spaziergänge immer mehr das Interesse der Kranken erregen werden. Ein solcher Spaziergang hat in voriger Woche nahe der Tegeler Haide stattgesunoen. Zu demselben waren ca. 100 Kranke beiderlei Geschlechts herangezogen worden. Mit Sang und Klang zog das luitige Völkchen hinaus ins Freie und man sah es de» verklärten Gesichtern an, daß sie froh waren, sich einmal recht ungezwungen bewegen zu können. Am Zielpunkt wurden ihnen zunächst einige Erfrischungen gewährt und dann trat die Fidelitas in ihre Rechte. Es wurde getanzt nach Herzens- lust, Spiele veranstaltet u. dergl. Kurz, es war eine„Landpartie", wie sie gar nicht besser gedacht werden kann. Nach Eintritt der Dunkelheit zog die fidele Gesellschaft wieder nach der Anstalt zurück. Klutvergiftung mit tödtlichem Ausgange. Ein junger Mann, ein Herr N., welcper längere Zeit in Brasilien gelebt, kehrte vor einiger Zeit zum Besuche seiner hier in der Boyen- straße lebenden Eltern nach Berlin zurück. Vor einigen Tagen trat derselbe beim Aufstehen aus dem Bette aus einen ihm zu- fällig im Wege liegenden rostigen Nagel und zwar derart kräftig, daß ihm derselbe tief in die Sohle eindrang. Schnell war der- selbe jedoch entfernt, und da die anfänglichen Schmerzen sehr bald nachließen, so kümmerte sich Herr 91. nicht weiter um die Verletzung. Am vierten Tage stellten sich jedoch heftige Schmerzen und eine Geschwulst am Fuße ein, die schnell den ganzen Unterschenkel in Mitleidenschaft zog. Ein hinzugezogener Arzt konstatirtc eine schwere Blutvergiftung, der nur noch durch Amputation begegnet werden könne. Ehe es jedoch dazu kam, erlöste der Tod den jungen Mann von seinen gräßlichen Qualen. Gestern fand seine Beerdigung statt. Do» einer Kreuzotter gebissen wurde am Sonntag Nach- mittag in der Wuhlhaide bei Köpenick ein Spaziergänger, welcher sich in Begleitung mehrere Gefährten in ein abseits gelegenes Gebüsch zur Ruhe niedergelegt und sich zur Bequemlichkeit seiner Stiesel entledigt hatte. Der Betreffende sprang plötzlich zum Schrecke» der andern auf und klagte über heftige Stiche im rechten Fuß. Es stellte sich dann nach Untersuchung desselben sofort die Ursache der Stiche heraus, die, wie festgeqellt wurde, von dem Biß einer Kreuzotter herrührten, die wahrscheinlich durch die ausströmende Wärme des Fußes angelockt worden war. Schnell entschlossen machte sich einer der zufällig Mitanwesenden, welcher Krankenwärter war, dabei, die Wunde auszusaugen und dann noch mit Höllenstein auszubrennen. Nach Anlegung eines Verbandes verließen die Ausflügler mit ihrem Gefährten natürlich schleunigst die gefährliche Stelle. Zu dem ,, Drama i» der Zimmerstrasse" meldet eine hiesige Lokalkorrespondenz, daß die unglückliche Mütter, die Wittwe Schulz, es abgelehnt habe, gegen die gewaltthätige Tochter Straf- antrag zu stellen, infolgedeffen Letztere in Freiheit gesetzt worden sei.— Das ist unrichtig; im vorliegenden Falle beoars es über- Haupt keines Slrafantrages von Seiten der Mutter, weil es sich um einen Raub und eine qualifizirte Körperverletzung(mittelst gefährlichen Werkzeuges) handelt. Kerliner Astjluereiu für Gbdachlo». Im verflossenen Monat Mai nächtigten im Männerasyl 9111 Personen, davon badeten 2812 Personen; im Frauenasyl 1166 Personen, davon badeten 98 Personen. Kausjuchung. Am Montag Abend wurde zu später Abend- stunde bei dem Maurer Heinrich Fiedler, Fehrbellinerstr. 99, nach verbotenen Schriften gehaussucht. Gefunden wurden drei ver- schieden? Nummern des„Sozialdemokrat". Außerdem aber wur- den verschiedene nicht verbotene Broschüren und Zeitungen, u. A „der Ursprung der Familie", beschlagnahmt. 2. d. M. Morgens«urde est» FA von einem Schlächterwagein überfahren� Am . Volizeibeiffcht. aus der Schloßbrücke von einem Schlächterwagein ums»*-—.,, erlitt anscheinend so schwere innere Verletzungen� daß sie wmeu Droschke nach der Charitee gebracht werden imiußte.— mittags wurde ein achtjähriger Knabe beim Ueiberschreiten fs,; Straßendammcs vor dem Hause Elsasserstraße 11 von einem Wss schäftswagen überfahren und erlitt hierbei einen Bruech des limw Oberschenkels, sowie eine anscheinend leichte Berletzuinig ampiv — Um dieselbe Zeil fiel ein fünfjähriges Mädchen befim fP18', tn den Louisenstädttschen Kanal, wurde aber, ohne S'.rhaden genommen zu haben, von einem Schiffer aus dem Wasstst gezogen und nach der elterlichen Wohnung gebracht.— An -vage Nachmittags wurde ein sechsjähriger Knabe d�mselb-n Ituu« der Andreas- und Großen Frankfürtersträße beim Uebersch',re des Fahrdammes von einem Pferdebahnwagen überfahren. erlitt hierbei einen Bruch des linken Unterarmes und wuro z_ nächst nach der Sanitätswache in der Blumenstraße uno dort nach dem Krankenhause am Friedrichshain gebracht. der Nacht zum 3. d. M. erhielt der Arbeiter Koppen Prenzlauer Allee, nahe der Danzigersttaße, von dem Arv Schulz durch einen Messerstich in die Brust so bedeutende letzungen, daß er zunächst nach der Sanitätswache in der un straße, und nachdem ihm daselbst ein Verband angelegt n>or war, nach dem Krankenhause im Friedrichshain gebracht've mußte.— Am 3. d. M. Morgens fand Lindeustr. 53 ein kleiner Feuer statt. Gerichks-Zeikuttg. U»W wurde, erging aus der Versammlung eine Aufforderung» de ..... cindcn der Schutzleute� Manne nachzulaufen und ihn aus den'Händen....,, befreien.„Wir müssen Alle nach!" hieß es,„der muß steigen werden.muß hier bleiben!" Als einer derjenigen, welche diese Rust gestoßen hatten, wurde gestern der Arbeiter Joseph Käsler der 1. Strafkammer des Landgerichts II wegen Widerst� Käsler " n gegen die Staatsgewalt zur Verantwortung gezogen. i-m# stritt.— A.f Grund der Beweisausnahme erachtete ch"- st. der Gerichtshof für überführt und mit der Begründung,.�;, geahndet auf muffe ochen Gefängniß . gegen Käsler Frage. ob aus' der"sis katischen Abdeckerei vorgekommen sind und dieses Fleisch seinen Weg r iwat Mit gropen Schwierigkeiten verknüpft. Die„Allgernk. -. m-»*--- 0l'i vorgekommen seien und als die Verwaltung der letzteren( die Behauptung in einer„Berichtigung" bestritt, erklärte 6»< leischerzeitung". daß sie darüber � außerordentttch� erflau�.�, I IVI|, v««p| iv WV.» v»«-*----------- V,--ITIIW )as Blatt stellte weiter die Behauptung aus, daß die ehewn lbdeckereiarbeiter Carl Lethe, Wilh. Leben, Ha„j -■- entlassen Ä Abdeckereiarbeiter mann Scheuer und Arbeiter Siegfried wegen solcher Diebstähle an Fleisch bestrast worden Auf Grund dieses Artikels hatten die vier genannten Pe' die Privatklage gegen den Redakteur der Allg. Fl.-Ztg." .Vorwitz, angenrengt, indem sie behaupteten, daß sie Arbeit von der Abdeckerei nicht entlassen, sondern selbst geg% und außerdem auch nicht bestraft worden seien. Ihr Befl> tt, Rechtsanwalt Mühsam I erklärte die Behauptungen de- worden seien. die Bel treffenden Artikels für durchaus unzutreffend,—..... präfldium schon der städtischen gemischten Deputation die fünft erthcilt habe, daß solche Diebstähle und solche Bestraft'' L überhaupt nicht vorgekommen seien. Rechtsanwalt Dr. F*' -'— b*'-x---.-Ti.--- V Srt' ---- Vi/ mann machte dagegen Namens des Angeklagten geltend, P®? Jt selbe aus keinen Fall frivol, sondern im besten Glauben geh"�- habe, da die Behauptung von stattgefundenen � urtheilungen nicht nur in der Sradtverordneten-Versammlung � gestellt, sondern auch in einem offiziellen Berichte deS Genda', Engel zu Reinickendorf enthalten.— Der Vorsitzende des Süst'i, gerichts stellte fest, daß er sowohl bei dem Land- wie bei � Amtsgerichten, als auch bei den Staatsanwaltschaften mi Polizeipräsidium Umfrage gehalten habe, daß aber von* Stellen der Bescheid gekommen sei: von solchen VerurlheilU''«� sei nichts bekannt. Rechtsanwalt Dr. F r i e d m a n n wollte's, aber hiermit noch nicht begnügen, aus seinen Antrag wurde � mehr noch der Gendarm Engel und der ehemalige Gem™ jetzige Kirchhofsinspektor Julian, vernommen. Erslerer erim � jeyige»rircyyoiSiiffpcitor �uiiuii, uciuumuicii. daß er die Behauptung bezüglich stattgefundener Verurlhei'unp�., welche sich in seinem Berichte vorfinden, aus Grund von z theilungen seines Kollegen Julian aufgestellt habe. Er I„ habe s. Z. bei den Klagern Leben und Siegsried Haussuch-' abgehalten und auch Fleisch und Fetttheile bei denst � vorgefunden. Das Verfahren sei aber wegen ungenügender„ weife gegen diese Beiden eingestellt worden. Zeuge I u'. bekundete, daß er s. Z. durch eine anonyme Anzeige daraus gewiesen worden sei, daß der jetzige Kläger Scheuer offenbar stöhlen es Abdeckereifleisch nach Reinickendorf bringe. Er v denselben mehrfach beobachtet, aber Nichts feststellen können, gegen habe er eines Tages bei einer Frau P r i e Y e l- jjf, welcher Scheuer zusammen lebte, eine Quantität von»n Rindfleisch Talg er. vorgefunden und festgestellt, duß xt selbe von einem gewissen Kutscher Sack dorthin ge�-l worden war. Sack sei dann auch vom SchöstW'.� mit 2 Monaten, die Prietzel gleichfalls mit 2 bestraft. Scheuer selbst dagegen freigesprochen worden. Der'.„j tische Vertreter erklärte auch dies entschieden für falsch, b® der Abdeckerei derartige Diebstähle überhaupt nicht vorgeko»'... seien. Dem Vertheidiger gelang es jedoch, aus der®ev'Lj schreiberei wenigstens das Terminsbnch herbeizuschaffen, welchem ersichtlich war, daß im Jahre 1886 jedenfalls eine klage gegen Sack und Genossen wegen Diebstahls zum Aaw'V.. der Abdeckerei verhandelt worden ist. Unter diesen Umfu''., blieb dem Gerichtshof nichts übrig, als die Sache aber»'®®*. vertagen und durch Einholung der betr. Akten und eine Ans» bei dem Polizeipräsidenten die wirkliche Sachlage endgilt'8„g. zuklaren. Rechtsanwalt Mühsam machte übrigens eine Anveu' nach welcher die Stadtverordnete» Talke und Kalisch, welche ganze Angelegen heit in der Stadtverordneten-Versaminlung � Sprache gebracht haben und deshalb von dem Vertreter Klager„Agitatoren" genannt wurden, auch noch eineiBeleib'ö klage zu erwarten hätten. ,, Gestern wurde der 67jährige ehemalige Haiiptman®" G e n t h e r aus der Strafanstalt zu Plöyensee vorgesühel'...s sich vor der zweiten Strafkammer des Landgerichts I s, gp' « re rll r k u n d e n f ä l s ch u n g zu verantworten.®,;ad StT.0 Ä% seinerAusstoßung aus dem Militärstande in»>>'U reicher Weise Wechselfälschungen begangen.nach dem das Krieges.A desselben Verbrechens zu 3 Jahren Zuchthaus vetu1.(l " m gefälschten Wechsel est NiK'ÄSi VH der Zwischenzeit sind noch fünf in gleicher Weise »elnlschte Wechsel aufgetaucht, die der Angeklagte in ».Äung gegeben hat. Es handelte sich um bedeu- ende Beträge, insgcsammt um über sechstausend Mark. AangS versuchte der Angeklagte zu leugnen, auf Vorhalten des W.denten und seines Vertheidigers, Rechtsanwalts Dr. Sello, »ab er dann aber der Wahrheit die Ehre und räumte die Fal- Hungen ein. Als Beweggrund gab der Angeklagte die Nothlage M die er qerathen war. Der Staatsanwalt beantragte nun- Mr eine Zuchthausstrafe von drei Jahren und funsiahrlgen Ehrverlust. Der Gerichtshof berücksichtigte aber da* Alter und °le hohe Gebrechlichkeit des Angeklagten und billigte rhm mil- «ernde Umstände zu. Das Urtheil laute iu>ei Jahren Gefängniß. lautete auf eine Zusatzstrafe von Sozkole Ueberflrkzk. »g, Maurer k Der Hamburger Streik dauert un- fort. Es wird daher dringend gebeten, dem Säulen- vom gestrigen Tage keine Folge zu leisten. A» die Clavarl-eiter des In- und Aua- im flr?-! Kollegen! Heute, als am 1. Juni, befinden wir uns sins l, �' oa. 140 Kollegen— 20 sind bereits abgereist— weil n � kos Machtwort eines Unternehmers arbeitslos, nicht wei*„ eil!e unerfüllbare Forderung stellten, sondern weil sie sich leAt �' jetzt und in Zukunft auf ihr gesetzliches Vereinigungs- 3r»„% verzichten. Die Direktion der hiesigen Werke gez. Herr dio c r. � �e, hat es versucht, durch einen„aufklärenden" Brief umzustimmen und dem Verein fahnenflüchtig zu nW ist ihm nicht gelungen, mit Ausnahme von einigen ki/J Jpu, mit denen aber ein Werk nicht zu betreiben ist, und die h.Uens bis auf Weiteres als Tagelöhner arbeiten werden. Wir Hilles versucht, uns mit Herrn Schultze zu einigen— vergebens. dpmr fu ai sandten wir eine Kommission zu dem Herrn, um mit Sil,.?,. zu unterhandeln; die erste Frage des Herrn imx rl ,D.ar' ob die Kommission voin Fachverein gesandt sei ols dies bejaht wurde, erklärte der Herr, daß er nicht mit k.?!,Verem unterhandle, erklärte auch zugleich, daß er in Zu- keinen Fachverein dulden werde. Am 22. Mai erstattete fc.L, inmiff'on Bericht in einer Versammlung, welche einstimmig sirr � unter allen Umständen den Verein hoch zu halten. GrhT"'®'e Unternehmer sind auf Einladung des Herrn cyuitze zusanunengekommen, um zu berathen, ivas zu thun sei, b>» fS Hüttenwerk durch einen längeren Arbeiterausstand in «uge kän,e, seine Kundschaft nicht befriedigen zu können? Wie di°k hören, haben sich die Herren darüber geeinigt, daß, sollte AsierFall eintreffen, sich die Hütten verpflichten, die nothwendigen paaren für die Oldenbnrger Hütt» durch ihre Arbeiter anfertigen lassen, sowie keine Oldenburger Arbeiter zur Arbeit anzu- chmen. Wie Ihr seht, ist es auf eine Aushungerung der Ar- zfuer abgesehen, um dieselben zur Nachgiebigkeit zu zwingen. S J"on jf* verteufelt schlau angelegt, er wird mißlingen, wenn le Kollegen die Augen offen halten und sich mit oen Aus- Werrten solidarisch fühlen. Kollegen! Man kann Euch nicht zwingen, für den Bedarf einer Hütte zu arbeiten, welche ihre eirbe,ter feiern läßt, um eine berechtigte Forderung zu unter- orucken. Man kann nur von Euch verlangen, für den eigenen rvedarf der Hütte zu arbeiten. Fühlt Ihr Euch eins mit uns, lo werdet Ihr wissen, was Ihr zu thun habt, um unfern Kampf für das bessere Fortkommen der Genossen zu erleichtern. Die Oldenburger Unternehmer haben uns den Kamvf anfgezwungen Und uns ihre Kampfesmittel verrathen; arbeiten die Kollegen Nicht für die Oldenburger Hütte, unterstützen sie uns nach Kräften Mit Geldmitteln und suchen hier nicht um Arbeit nach, so kann für uns der Erfolg nicht zweifelhast sein. Von Euch, Kollegen, hängt Sieg oder Niederlage ab; unterliegen wir, so wird der Beivegung nn schlimmer Rückschlag bereitet; siegen wir, so wird sie zum �nten für die gesammte Kollegenschast ausschlagen. Sorgt, daß M Letztere eintritt! Alle Sendungen sind zu richten an Gastwirth *uttrich Hadeler in Osternburg bei Oldenburg, Langenweg. .. Zimmerer Kerliiro. Da von den Meistern an den Säulen Gmmerer für Hamburg verlangt werden, so sorgt dafür, daß dies Unternehmern nicht gelingt, da Hamburg seit I. Mai im streik liegt. Folgt nicht der Lockspeise, damit die Kameraden Hamburgs siegen, denn das ist auch unser Sieg. Versttmmlumieu. .©itteöjfeMttichr Solz- ntil> Arrtterträger Urrsamiuluua am Freitag, den SO. Mai in Feuerstein's Salon mit �vder Tageöordnumz: 1. Vortrag des Herrn G. Link über- Gegensätze zwischen Kapital und Arbeit."" ■" �-egeniaye zivuryr« 2) Stellung- 'ui* zum Fachverein. 3. Wahl der Streik-Kontrolkommissions- 'iglieder. 4. Verschiedenes. Der erste Punkt der Tages- "ung konnte nicht erledigt werden, da der Referent, Herr ' am Erscheinen verhindert war. Zu Punkt 2 übergehend, Herr Gesrois einen Ueberblick über das Verhalten der 8en der Organisation gegenüber nach beendeter Lohn- und war der Meinung, daß, wenn es so fort gehe . i-.-.o uno war oer uueiHuity, vup,........ vizher, wenn nicht mehr Energie für die Organisation ge- f'verde, dieselbe doch lieber falle» zu lassen, und zu ver- V.u, ohne eine Arbeitervereinigung, wie es ein Theil der ./gen meint, mehr zu erzielen. Darauf wurde einstimmig ein . vag angenommen, welcher besagte, den Fachverein weiter be- zu lassen. Zu Punkt 3 legte Herr Gesrois der Versamm- .8 tne Bedeutung einer Zentral-Streikkontrol-Kommission klar demzufolge wurde beschlossen, zwei Mann in diese Kom- h«m%L entsenden. Gewählt wurden die Herren P. Karnal -ill. Meyer. Da im„Verschiedenen" keine wesentlichen Er- jjavfle» stattfanden, machte der Vorsitzende bekannt, daß die .?lte Versammlung des Fachvereins am Sonntag, den 15. Juni, Mittags 10 Uhr, stattfindet, was auch im„Berliner Volksblatt" �dekanut gemacht werden wird, uno schloß die Versammlung Ciue gut besuchte LfsentUche Schneiderv-rsammluug k-- Montag Abend unter dem Vorsitz der Herren ' i fer, Schulz und Mendt bei Gratweil statt. Die gesordnung lautete! 1. Wie stellen sich die Tagschneider zur .1?chl"ng der Akkordarbeit? 2. Wie stellen sich die Schneider lip* öur Zentral-Streikkommission? 8. Diskussion. 4. Ver- '«öenes. Vorsitzender Herr Pfeiffer thcilt vor Eintritt in die .Ordnung mit, daß laut eben eingetroffenen Berichts der 'Mlommission der Berliner Brauer die Forderungen derselben " heute bewilligt hätten: Münchener Brauhaus, National- che«, und Gräflich Reischach'sche Brauerei zu Stralau. Er t k.._Z rnnfpnueiiteä Melde» anderer Zum ...... Herr & die tage- und eventuell stundenweise und nach Tages- sei ��vhe eine Berechnung augenw.»»....g ,�..1 Ichre!...r"ch'" diesem Spezialzweige der Schneidere, herrsch- "de Mißstände. Uebermäßig lange Arbeitszeit bei Z notf.' ytzn seien derart eingeristen, daß längst schon Beffe- Xen'ß IV: Diese müsse insofern angestrebt werden, daß �enfohi k'96 Arbeitszeit bei geregeltem auskömmlichen n ,» ch. vsngesührt werde, wie man dies auch gegenwärtia de 2"chei, wenigen Berliner Geschäften finde. Freilich den iif, t oft genug die regelmäßige Arbeitszeit durch lieber- 's'nd..n'-�/ch gemacht. Referent streifte den Krebsschaden der stne, betonte, daß alle Schneider Berlins nächstes Frühjahr bestimmt in eine umfassende Lohnbewegung eintreten würden und mahnte, sich dem gemeinschaftlichen Treiben der Stunden-Akkord- arbeit mit allem zu Gebote stehenden Nachdruck entgegenzusetzen. — In der ausgedehnten Diskussion sprachen noch im wesent- lichen im Sinne des Herrn Referenten die Herren F a f o r k e, Herrig, Bleiche, Reichard, Täterow, Schulz und Rege. Folgende Res olution fand einstimmige Annahme: „Die Versammlung erklärt nach Anhören der heutigen Verhandlungen, mit allen Mitteln das nächste Frühjahr so viel als möglich die Akkordarbeit zu bekämpfen, sowie einen festen Wochenlohn bei geregelter Arbeitszeit mit allein Ernst anzustreben. Die Arbeit der Schneider soll in eigenen Werkstätten geleitet werden. Die Siebenerkom- Mission soll durch zwei Vertreter von Tagsschneidern verstärkt werden. In den kommenden Tagen soll zu gleichem Zwecke auch eine Versammlung der Berliner Lieferungsschneider stattfinden." In die Siebener- Kommission wurden sodann die Herren Platzschneider Behnke und Faforke und zum Schluß nach einem Referat des Herrn Täterow in die Zentral-Streik- kommission von Seiten der Schneider die Herren B o h n ö und Täterow gewählt. Eine öffruiliche Uopfammluttg fiiv all« in Imnf- mäiuiischru Geschäfte» Angestellten(Handlungsge- Hilfen,-Gehilfinnen und Hausdiener) war zum 2. d. M. seitens der Agitationskommission für Schließung der Geschäfte an Sonntagen behufs Berichterstaltung nach den Bürger- sälen, Dresdenerstr. 96, einberufen worven und tagte dortselbst unter Vorsitz der Herren Miecker, Hinze, sowie des Fräulein Chaim. Der Berichterstatter, Herr Hinze, Namens der am 24. Januar d. I. bei Buggenhagen gewählten Agitationskommission theilte mit, daß die Kommission sich dahin schlüssig geworden war, die Agitation mit Hilfe von Flugblättern, Versammlungen:c. zu betreiben. Die erste dieserhalb stattgehabte Versammlung wurde aufgelöst, die weiteren Versammlungen unter Versagung der An- gäbe der Gründe, selbst auf das dieserhalb an den Polizeipräsi- deuten gerichtete Gesuch, verbolen. Eine Beschwerdeschrift an den Minister des Innern hatte die Antwort zur Folge, daß der Minister die Verfügung der Genehmigung zur Abhaltung von öffentlichen Volksversammlungen nach Kenntnißnahme der Gründe nicht miß- billigen könne, ohne jedoch seinerseits Gründe anzugeben. Doch wurden weiterhin Versammlungen genehmigt und fanden deren 3 statt. In einem Aufrufe hat sich die Kommission an die Ge- schäftsinhaber gewandt und daraufhin 14— 1500 Zuschriften im zustimmenden Sinne erhalten. Auch haben Geschäftszweige auf eigene Hand die Schließung der Geschäfte herbeigeführt und das Vorgehen der Kommission ist demzufolge keineswegs nutzlos ge- wesen. Viele Kollegen und Kolleginnen haben nunmehr die vor- läusig erreichbare Sonntagsruhe, wofür dieselben der Kommission dankbar sein können. Selbstredend hat die Agitation auch Geld- kosten verursacht. Die Gesammt- Einnahmen betrugen 273 M. 75 Pf.(aus Tellersammlungen und freiwilligen Bei- trägen sich zusammensetzend), die Gesammt-Ausgaben.betrugen dagegen 333 M. 84 Pf._ Das verbleibende Defizit würden die Interessenten zu decken bemüht sein müssen. Der Kommission wurde einstimmig Decharge ertheilt und legte dieselbe ihr Amt nieder. Herr Auerbach beantragte daraufhin, eine Kommisston aus fünf Mitgliedern bestehend, zu wählen, welche die Agitation für Schließung der kaufmännischen Geschäfte an Sonntagen, weiter führen solle.(Beifall.) Gegenüber diesem Antrage warf Herr Miecker die Geldfrage auf, während Herr Hinze hoffte, daß bis zum Oktober der Gesetzentwurf, daß kaufmännisch Ange- stellte Sonntags nur fünf Stunden arbeiten dürfen, Gesetzeskraft erlangt haben werde, im Uebrigen aber der Meinung war, daß es nunmehr Aufgabe der einzelnen Vereine sei, dafür Sorge zu tragen, daß der Gesetzentwurf Gesetz werde. Die Versammlung beschloß die Wahl einer neuen Agitations- bezw. Ueberwachungs- kommission und wählte in dieselben die Herren Auer- bach, Buchholz, Finkelstein, Lasch und Fräulein Chaim, und veranstaltete eine freihändige Tellersammlung zur Aufbringung eines Agitationsfonds. Nach Erledigung dieser Angelegenheit erläuterte Herr Stadtverordneter Heindorf in einem ausführlichen Vortrage die Nothwenoigkeit der Ausdehnung der Gewerbe-Schiedsgerichte auf die im kaufmännischen Gewerbe ange st eilten Gehilfen und Gehilfinnen, welcher die lebhafteste Zu- stimmung der Anwesenden erzielte. Nach einer weiteren Dis- kusston über das Verhandlungsthema gelangte folgende R e s o- l u t i o n zur e i n st i m m i g e n Annahme:„Die heute, am 2. Juni er. in den Bürgersälen tagende öffentliche Versammlung von Angestellten des Handelsgewerbes(Gehilfen, Gehilfinnen und Hausdiener) erklärt sich mit den Ausführungen des Referenten, betreffend ihre Unterstellung unter das Gewerbegericht, voll und ganz einverstanden und richtet durch Ueberreichung dieser Resolution an den Reichstag die Bitte, die Angestellten des Handelsgewerbes ebenfalls der Jurisdiktion eines für das Reich zu schaffenden Geiverbegerichts zu unterstellen. Die Angestellten des Handelsgewerbes unterscheiden sich in ihren Engagements- Verhältnissen in nichts von den der übrigen arbeitenden Klassen und beanspruchen deshalb auch den gleichen Rechtsschutz, wie er diesen gewährt wird. Das Büreau der Versammlung wird be- auftragt, diese Resolution dem Reichstage schnellstens zugehen zu lassen." Zum Schlüsse wurde allen der dringende Rath ertheilt, sich der Freien Vereinigung der Kaufleute anzu- schließen, da in diesem Vereine allein die Interessen der jungen Kaufleute in rationeller Weise vertreten werden. Auch wurde das Bureau der Versammlung beauftragt, eine Eingabe an den Reichs- tag zu richten, daß bei der nächsten Novelle zum Krankenver- sicherungsgesetze, die seitens der Regierung vorgelegt wird, die im kaufmännischen Gewerbe Angestellten in den Krankenversiche- rungszwang mit einbegriffen iverden. Ein« zahlr«ich i»«juchte Mitglird-rnkrsammluug d«» Zlnt«rst«h»ngsve««in» d«r d«ntsch«n Hutmach««(Mitglied- schaft Äerlin) tagte am Donnerstag, den 29. Mai, im Restaurant Fenske, Landsbergerstr. 37, unter dem Vorsitz des Herrn H. Kruse mit folgender Tagesordnung: 1. Gewerkschaftliches. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Zum ersten Punkt brachte Kollege H. Berg- mann in längeren Ausführungen eine eingehende Darlegung über die neugegründete deutsche Hutfabrik und hob hervor, daß wir mit Hilfe dieses Unternehmens einzig und allein in den Stand gesetzt seien, den Ring der Fabrikanten zu sprengen, welchen die- selben gebildet haben, um die Einführung der von der Arbeiter- Kontrolkommission herausgegebenen Arbeiter-Kontrolmarke unmög- lich zu machen. Von den Antheilscheinen, über welche in dem Zirkular, welches den Mitgliedern zugegangen,' genaue Auskunft gegeben ist, ermahnte Redner, recht ausgedehnten Gebrauch zu machen. Am Schluß der hierauf, olgenden sehr animirten Diskussion gelangte folgende Resolution gegen eine Stimme zur Annahme: Die heute im Restaurant Fenske tagende Mitgliederversammlung des Unterstützungsvereins deutscher Hutmacher, Mitgliedschaft Berlin, erklärt sich mit dem Vorgehen der Hauptverwaltung in Betreff der neugegründeten deutschen Hutfabrik voll und ganz einverstanden. Zu Punkt 3 macht Kollege Kempe bekannt, daß an folgende streikende Gewerk- schasten Unterstützungen gezahlt sind: Kartonarbeiter 100 M. Former 100 M. Metallschraubendreher 100 M. Schuhmacher 50 M. Kupferschmiede 40 M. Rohrleger 30 M. Stockarbeiter 50 M. Mövelpolirer 25 M. Rollkutscher 20. Nachdem dem Vorstande von der Versammlung Decharge ertheilt worden, wurde die Versammlung um 11% Uhr geschlossen. Di« hi«stge Filial« d«o d«utschkn Schnrid>erv«vbande» hielt am 29. Mai in Gratweil's Bierhallen ihre Mitglieder-Ver- sammlung mit folgender Tagesordnung ab: 1. Statutenberathung. 2. Wahl eines Rendanten. 3. Entgegennahme von Beiträgen. 4. Verschiedenes. Die Statuten wurden ziemlich in derselben Fassung wieder beibehalten, mit Ausnahme einiger Paragraphen. Es entspann sich zunächst bei§ 7 eine lebhaste Debatte, wonach die bisherige Beitragszahlung 10 Pf. pro Woche nach einem An- trag Reißhaus in Erfurt um 100 pCt. erhöht iverden sollte. Ein diesbezüglicher Antrag vom Kollegen Vöglberger, die Beiträge bis 15 Pf. zu erhöhen wird von der Versammlung ebenfalls abge- lehnt und wird§ 7 in der bisherigen Fassung beibehalten. Bei § 10 wird ein Passus hinzugefügt, wonach Mitglieder, wenn dieselben von einem Orte abreisen, erst nach 6 Wochen an demselben Orte wieder Reiseunterstützung erhalten. Bei diesem Para- graphen wird der Antrag Magdeburg kritisirt und für ungerecht- fertigt bezeichnet. Der§ 32 wird dahin abgeändert, daß bei der Generalversammlung je 300 Mitglieder und im vorkommenden Falle auch weitere 200 Mitglieder von einem Delegirten vertreten werden. Zum Punkt 2 wurde Kollege Th. Müller zum Rendanten aller überschüssigen Gelder gewählt. Unter Verschiedenes wird eine Anschuldigung gegen denArbeitsvermittler besprochen, wonach derselbe während einer Lohnstreiligkeit in Spandau Arbeiter dorthin geschickt haben soll, was derselbe entschieden bestreitet. Der Vor- sitzende Kollege Vöglberger wird beaustragt, in Spandan anzu- fragen, ob die Arbeiter thatsächlich von dem Arbeitsvermittler hingeschickt worden sind. Ein Antrag, für zwei kranke Mit- glieder 16 M. und Zuschickung der Fachzeitung zu bewilligen. wurde angenommen. Eine Anregung des Kollegen Zilm, eine Zeitungs-Expeditionskommission zu wählen, wurde auf einen An- trag auf die nächste Tagesordnung gesetzt. Zum Schluß wird noch bekannt gemacht, daß am Montag, den 23. �um, eme Dampferpartie nach Woltersdorfer Schleuse stattfindet. Ain dritten pfingstfeiertag« hielt der Verein der gewerb- lichen Hilfsarbeiter für Johannisthal und Umgebung eme öffent- liche Versammlung im Henneberg'schen Lokal zu Johannisthal mit der Tagesordnung: Die Arbeiterschutz-Gesetzgebung vor dem Deutschen Reichstage, Referent W. Werner, Diskussion, Verschle- denes, ab. Un, Vall Uhr eröffnete der Vorsitzende die gut be- suchte Versammlung. Nach Verlesung des Protokolls der vongen Versammlung ergriff der Herr Referent Wilhelm Werner das Wort zu seinem längeren mit vielem Beifall aufgenommenen fesselnden Vortrage. Derselbe führte der Versammlung die jetzt gemachten Vorschläge der Regierungen zmn Schutze der Arbeiter vor Augen, wie das be» Licht besehen gar kein Schutz sei; namentlich unierzog Redner den neuen ß 153. der Gewerbeordnung einer eingehenden Besprechung und erklärte, kein Arbeiter könne sich mit dem betreffenden Paragraphen ein-. verstanden erklären. Die Versammlung dankte dem Redner durch lauten Beifall für seine trefflichen Ausführungen. Nach dem Referat nahm Herr Fritz Krüger-Berlin das Wort, um an einigen drastischen Beispielen zu beiveisen, wie heutzutage in Arbeiterschutz gemacht wird.— In der folgenden Diskussion wurde Herrn Neu- mann, Arbeiter in der Fabrik von Gebr. Lehmann, Nieder-Schön- weide, vorgeworfen, sich nicht am 1. Mai so verhalten zu haben, wie er in der vorhergehenden Versammlung versprochen halle. Derselbe erklärte das als grobe Unwahrheit. Nach längerer De- balle wurde eine Kommission von fünf unparteiischen Männern iUr Untersuchung der Sache gewählt.— Da bei Punkt„Ver- schiedenes" die"Versammlung ziemlich unaufmerksam wurde, schloß der Vorsitzende die Versammlung um 1 Uhr Nachmittags. Am Dirnstag, d«n 30. Mai, fand«ine Mitttär- schnrider-Urrsammlnng des Militärschnrider-Verein« statt mit der Tagesordnung: 1. Vortrag des Reichstagsabgeord- neten Herrn Stolle über die sozialdemokratischen Anträge eines.. Arbeiterschutz-Gesetzes. 2. Diskussion. 8. Bericht der Revisoren. 4. Verschiedenes und Fragekasten. Zunächst erhielt Herr Stolle- das Wort zu seinem Vortrage, in welchem er 3 hauptsächliche- Punkte: 1. Regelung der Arbeitszeit, 2. Fortsall der Sonntags- und Nachtarbeit, 3. Regelung der Kinderarbeit, den Anwesenden vor Augen führte und betonte, daß diese Forderungen nicht neu im Reichstage sind; aber sie müssen immer wieder eingebracht werden, bis sie zur Durchführung gelangt sind. Erst dann wer-,. den die Arbeiterverhältnisse sich bessern; denn jetzt ist der Vater, auf die wenigen Groschen, welche seine Kinder nothgedrungeu verdienen müssen, angewiesen und das Kind wird durch das Mit- verdienen von der Schule fern gehalten und kann das ein- zige(die Schulbildung), ivelches ein Arbeiterkind mit bekommen muß, nicht mit auf den Weg ins öffentliche Leben nehmen. Mit dem Schlußworte, man wird sich doch bald dazu bequemen müssen, die Forderungen der Arbeiterklasse an die heutige Gesell- schaftsordnung zu realisiren, erntete der Referent für seine längeren Ausführungen lebhasten Beifall. In der hierauf folgen- den Diskussion sprachen sich die Kollegen Wiesemann, Kroll und Schulze ganz im Sinne des Referenten aus, daß gerade bei uns in dem Schneidergewerbe keine regelrechte Arbeitszeit zu finden ei, und wurden die Kollegen dringend ersucht, sich das Referat sehr zu Herzen zu nehmen und darnach zu handeln, damit auch die Schneider eine Stufe in der Kultur höher steigen. Von den Revisoren wurde die Kasse für richtig befunden und dem Kassirar Decharge ertheilt. Ferner wurden auf Antrag diejenigen Kollegen�' welche das 65. Lebensjahr überschritten haben, zu Ehrenmitgliedern des Vereins ernannt. Zur Veranstaltung eines Vergnügens seitens des Vereins wurde ein Vergnügungskomitee, bestehend aus 5 Personen, gewählt. Auch wurde dem gemaßregelten Kollegen Wiesemann eine Unterstützung gewährt, die Höhe der Summe dem Vorstande überlassen. Zum Schluß wurde noch folgende Reso- lution angenommen: Die heute in Jordans Salon tagende Militärschneider-Versammlung erklärt sich mit den Ausführungen des Referenten voll und ganz einverstanden und verpflichtet sich, rege unter den Arbeiten! zu agitiren, um die Forderungen, welche die Arbeiterpartei dem Reichstage vorgelegt hat, hoch zu halten. Gin« N»vfam>nlung d«a V«r«ws}»»« Mahrnng de« Interessen der Klavierarbeiter und verwandten Berufs- genossen tagte am Sonnabend in Lehmann's Salon. Herr Kenziora, welcher über das Thema:„Der Reichthum im"sitt- lichen Staat", reserirte, entledigte sich seiner Aufgabe zur vollen Anerkennung der Versammlung. Unter Vereinsangelegenheiten wurde die Abrechnung vom Maskenball verlesen; dieselbe ergab einen Ueberschuß von 326,21 M. 8 Kollegen wurden als gemaßregelt anerkannt. Keljwl»««, a»lf«c und K»ruf«a»n»ss«n Kerltn« und Zlmgea-nd. Große offeialiche Versammlung am MlNwoch, den t. Junt, Abend» s Uhr. tn Feuerslein's Lokal. Alte Jakob, ir. 76. v' «effentUche Uersammluns der parquetbodenleger BerltnL und Um- aegend am 4. Juni. Abends 8* Uhr, im Lokale des Herrn Feuerstein, Alle Jarovstr. 75. MSSWW» Achtung. HiutamnbtiUt! Die nächste Vsreinsversamnilung findet an» *. Juni statt. Lokal wird noch bekannt gemacht. Nrrrimgliitg der Drechsler Deutschlunds, Grtsoerwaltung 1— 7. Sonntag, de» 8. Juni. Familtenpart is nach Johannisthal(Senftleben). Großes Kasfelochen und Anderes mehr. Abfahrt vom Eorlitzsr Bahnhof i Uhr 35 Minuten Nachm. vom Schlesischen Bahnhof l Uhr Li Minuten. Alle Kol- legen herzlich willkommen. Nrreinignng der Drechsler Deutschlunds, Ortsverwaltung Berlin>. Montag, den s. Juni, Abends 8 Uhr, in Sahm�s Klubhaus, Annenstraße 10: Bersammluna. Tagesordnung: i. Geschäftliches, s. Vortrag des Herrn Bölsche über: Entstehung der Erde. s. DiStufston. 4. Verschiedenes und Fragelasien. Cämmtliche Angelegenheiten betr. die Rechtsschuh-Kommisston sind zu richten an Tabbert, Manteuffelstr. 99. ziedertasel der Freien Uereinignng der Kauurbeiter Kerlino. Freitag, Abends 8% Uhr, Große Hamburgcrstraße 4: UebungSstunds. Slimm- degabte Herren jeder Branche finden Aufnahme. Zachverein der Tischler. Montag, den io. Juni, in der Neuen Welt, Hascnhaide aec: io. EtislungSsest, Konzert, Ball, Auftreten des gcsammten tillnstlerpersonals. Abends grobes Feuerwerk. Billets hierzu sind auf den Zahlstellen des Vereins, sowie bei folgenden Herren zu haben: Fest, Stall- fchreiberslr. 430: Millarg, Lehrterstr. 22, 2 Tr.; Apelt, Sebastianstrabe 27—28; Mende, Wiencrstr. 87, a Tr.; Schmidt, Fürbringerstr. 25, Hof i Tr. b. Wieheholz; Schade, Rüdersdorferstr. 04; Glocte, Laustherstr. 52,» Tr.; Wicdeniann, Wendenstr. 3, 4Tr.; Dahlgrün, Adalbertstr. SS, Quergebätlde 4 Tr. b. Bomba; Haberland, Reichenbcrgcrstr. ioi, 2 Tr.; Micke, Adalbertstr. o, 4Tr.; Manien, Kreuzbergstr. 9, Quergebäudc 3 Tr.— Die Mitglieder werden ersucht, ihre Beiträge gefl. regelmübig zu entrichten. Tr'ano-, Turn- und gesellige Uereinr am Mittwoch. Männer- gefangverein„Jugendlust" Abends 8% Uhr im Restaurant Pafsod, Garten- straße ISS.— Männergsfangvsrein„Cacilia" Abends s Uhr im Restaurant Köpenickerstr. 127».— Gesangverein„Männerchor Linde" Abends 8.� Uhr im Restaurant Haller, Naunynstrabe 70.— Männergesangverein„Eanaesfreude" Abends s Uhr im Restaurant Muschold, Landsbergerstr. 31.— Gesangverein „Freya" Abends 8� Uhr im Restanrani Benccke, Große Hamburgerstr. IS.— Huppert'fche Sängervereinigung jeden Mittwoch nach dem Ersten im Monat, lllbonds 9 Uhr im Restaurant Heise, Lichtenbergerstr. 21.—„Seeger'scher We- fangverein" Abends s Uhr im Restaurant Wenck, Blumenstraße 46.— Wefang- v erei»„Schwungrad" Abends sjf Uhr im Restaurant Sahm, Annenstr. is.— Männergesangverein„Lorbeerkranz" Abends o Uhr im Restaurant Karsch, Oranienstr. Ivo.— Gesangverein„Nord-Jubal" Abends 9 Uhr in Bettin's Blerhaus, Beleranenstr. IS.— Gesangverein„Unverzagt" AbendS 9 Uhr Köp- »ickerstr. I27a bei Greving.— Männergesangverein„Schneeglöckchen" Abends 9 Uhr im Restaurant Doberstein, Mariannenstr. 31—32.— Gesangverein „Sängerrunde" Abends 8.% Uhr Buckow erstr. 9.— Verein„SangeStrcue" im Restaurant Henkel, Briiderstr. 20 I. UebungSstunde von 8%— u Uhr Abends. — Gesangverein„Bruderbund" Slbends 9 Uhr bei Pälzoldt, Rsichenberftr. 16. — Männergesangverein„Schneeglöckchen" Abends 9 Uhr Sitzung im Nestau- rant Stehmann, Melchiorstr. 15.— Gesangverein„Süd-Ost" Abends s Uhr bei Ziemer, Cuvryftr. is. Gäste willkommen.— Llibcck'schcr Turnverein(i. Lehr- lings-Abtheilung) Abends 8 Uhr Elisabethstr. 57—39.— Turnverein„Wedding", Pankstr. 9. Männerabtheilung von 8�—10% Uhr Abends; desgleichen 1. Lehr- lingSabtheilung von s— 10 Uhr Abends.—„Mehr Licht", Berein für Scherz und Ernst, Abends s.st Uhr im Restaurant Held, Fruchtstr. 36a.— Schlesischcr Verein„Hostel" Abends 9 Uhr im Restaurant Gehrt, Prinzen- straße los.— BergiiligungS verein„Fröhlichkeit" Abends 9 Uhr NN Restaurant Säger, Grüner Weg 29.— Wissenschaftlicher Verein für Rollerstcher Stenographie Abends 8� Uhr im Restaurant Beese, Alte Schönhauserstraße 42 Unterricht und Uebungsstunde.— Roller'scher Slenographenverein Süd-Berlin Abends 8% Uhr im Restaurant Priuzenstc. 97, Sitzung imnd UebultgSstuud« � Arends'scher Stenographen-Verein„Amicitia" Abends 8,� Uhr MMlie' -WV« V»•»-V»■» v»V*- 11, Clfjili Behrends, Schönet ergerstr. s.— Arends'scher EtenograN pheiivereiN Abends 9 Uhr im Restaurant„Wilhslmsgarren", Kochstr. 7.\— Stenogtapo: Gesellschaft Arends im Restaurant Bürgergarten. Lindens�r. löo. ��„3; licher Unterricht und Uebung.— Berstner Rauchklub„liDirangel 9 Uhr tm Restaurant Foge, Köpnicksrstr. 191.— Rauchllühb Abends 8% Uhr tm Restaurant Pactzoldt, Reichenbergersir. sUS.-. „Gemüthlichkett" Abends 9 Uhr tm Restaurant Achsel, Kop«tickersir.-, Rauchklub„Columbia" Abends 8% Uhr tm Restaurant BeyerZ dPrrnzsRw Gräsestr. 82.— Friedrichsberg. Rauchllub„Nordstern", Llppe s Friedrich-Karlstr. 11.— Vergnügungsoerein„Fröhlichkeit, gegrv Abends 9 Uhr, Grüner Weg 29.-„Pollack-Club-Eintracht", jeden Abends 8% Uhr bei G. Thiel, Wienerstraße 68.- Gesangvereiu den. Berlins, jeden Mittwoch Restaurant Seydelftr. 30, von 9— lt Uhr 2,� Unterhattungsoerein..Harmonie». Sitzung.Abends» Uhr Dr-sd-n SS Unterhaltungsverem„Harmonie". Sitzung Avenvs s uyr bei Wendl.— Tambourverein„Exelstor", 8% Uhr. Uebungsfwnds �ct» � Rüdersdorferstr. 8. Aufnahme neuer Mitglieder.— Mannergesam«v„ „Liedessrethcit", Abends 8% Uhr im Restaurant Henke, Blumermraß. d»'. � Flöter'scher Gesangverein bei Muschold, Landsbergerstr. 31, ARndS 9. vi. Kartenrlub„Kreuz-Tame", Abends 9 Uhr tm Restaurant Mönch, Lichte 11 Friedrichsfelde, Prinzen-Allee s.— Vergnügungsverein„Kreuzfidel tm n, Doberstein, Mariannenstraße 31—32: Sitzung. Nach der Sitzung»an», träge ic. Gäste, durch Mitglieder eingeführt, willkommen. Fachverein der Papierarbeiterinnen und der- wandten Berufsgenossinnen. Große Uersommimtg am Donnerstag, den 5. Juni, Abends 8 Uhr, in Fenske's Lokal, Landsbergerstr. 37. Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn Stadtv. Fritz Z u b e i l iiber„Arvcitevschutzgesetz". 2. Diskussion. 3. Ergänzungswahl zum Vor- stand. 4. Verschiedenes und Fragckastcn. l(5G2 Alle Album-, Karton-, Luxtispapier-, Galauteriewaaren- Arbeiterinnen und Prägerinnen müssen in dieser Versammlung sein. Billets zu dem am 9. August in Renz' Ball Stiftungsfestes sind in dieser Versammlung z» haben. Salon stattfindenden Der Torstand. OeffeütL siinlütWtt(in HchbesMWs-MWm kfjift Arbeiter am Donner-sfag, den 5. Juni, Abends gVs Uhr, bei Feuerstein, Alte Jakobstr. 75. Tagesordnung: 1. Rechnungslegung der Kongreß-Kommission und Auflösung derselben. 2. Endgiltige Beschlußfassung zum'Anschluß des Verbandes. 3. Ergänzung der Agitaiions-Kouimissiou. 4. Unser Verhalten den Beschlüssen der Arbeit- geber gegenüber. 5. Verschiedenes. 1649 Die Agitations-Kommissto«». I. A.: W i l h. Wolfs. ESrnssse der Fr. Derewig. d. Hausdiener Berlins NW" am Oonnen-stag, den 5. Juni, Abends 3'/a Uhr,"WM in Jordan's Salon, Neue Grünstr. 28, I. Tagesordnung: 1. Mittheilungen. 2. Vortrag des Herrn Stadtv. H ein d o rf. 3. Dis- kussion. 4. Aufnahme neuer Mitglieder und Verschiedenes. 1656 Der Vorstand. I. A.: H. Pinzen. i und! verwandte Berufsgenossen. Grche öjfklltl. Bchmmlmg heute Abend S1� Uhr, in Gratweil's Vierhallen. Tagesordnung: 1. Die Lage des Hamburger Streiks. Referent W. Schweitzer. 2. Dissussion. 1665 3. Wahl von zwei Delegirten zur Zentral-Streikkontrolkommission. Um zahlreiches Erscheinen ersucht Der Einberufer. Große öffentliche Versammlung der Metgllarbeiter ätt Bruchei! am Mittwoch, den 4. Juni er., Abends 8 Uhr, im Kahmischen Kranhans, LlUidsberger Allee 11-13. Tages-a�rdnung: I. Berichterstattung der Delegirten v. Metallarbeiter-Kongreß z. Weimar. 2. Diskussion. 3. Die Aussperrung der Schlosser und Maschinenban-Arbeiter Hamburg?. 4. Verschiedenes. 1647 Metallarbeiter! Kollegen! Da es uns trotz der größten Mühe nicht möglich war, ein günstiger gelegenes Lokal zn bekommen, ersnchen wir Eucl', den Weg nicht zu scheuen, und bei dieser wichtigen Tagesordnung Mann für Mann zu erscheinen. Der Einbemfer. Grtslirnnkenllasse d. Skeindrucker und- Litliogrnphe». Am 2. Juni er. verstarb unser Mit- glied, der Steindrncker und frühere Kassenbote, Herr Alfred Bastian. Die Beerdigung findet am 5. ds. Mts., Nachm. 6 Uhr, von der königl. Charitee aus nach deren Begräbnißplatz, Ntüller- straße, statt. Um zahlreiche Betheiligung bittet[1663] Der Vorstand. Grche ofciitl. Versarnrnlkilg (i Maurer von Nixdorf und Umgegend am Donnerstag, den 5. d. M., Abends 8 Uhr, im Lokale des Herrn Kummer, Berlinerstraße 136. Tages-Ordnung: 1. Berichterstattung vom 7. deutschen Maurer-Kongreß. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Es ist Pflicht eines jeden Maurers, in dieser Versammlung zu erscheinen. 1650] Der Einberufer. Wnumren, Werkzeuge, Huils- rnil) Wengerüthe E. Vogtherr, � o.. g Lnttdsbrrgrrstr. 64, amAleranderpl. _(Sonntags geschlossen.)_ Jede Uhr zu rcpariren und zu reinigen kostet bei uns unter Garantie des Gutgehens nur 1|il. 50 Df.(außer Bruch), kleine Reparaturen billiger. Lager aller Arten neuer und gebrauchter Uhren. Verkauf zu erstaunlich billigen Preisen. 159 E. 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Eduard Aveiing- Broschirt M. 1,50. Geb. M. 2,—. Karl Marx* Oekouomische Lehren. Gemeinverständlich dargestellt und erläutert von Karl Kautsky. Broschirt M. 1,50. Geb. M. 2,-. Weltschöpfnng nnd Weltnutergang. Die Entwickelung von Himmel und Erde voin Standpunkt der Nattlrwissenschaften dargestellt von Oswald Köhler. Broschirt M. 2,—. Ge- bnnden M. 2,50. Die ländliche Arbeiterfrage. 2. Auflage. Nach dem Russischen des Kablukow. Brosch. M. 1,—. Geb. M. 2,— Thomas More nnd seine Utopie. Mit einer historischen Einleitung von Karl Kautsky. Broschirt M. 2,—. Gebunden M. 2,50. Charles Fourier, sein Lehen und seine Theorien. Von August Bebel. Brosch. M. 2,—. Geb. M. 2,50. Das moderne Elend nnd die moderne Ueber- VÖlkernng. Zur Erkenntniß unserer sozialen Entwickelung. Von Max Schippet. Brosch. M. 1,50. Geb. M. 2,—. Die französische Revolution. Von wiiheim Bios. Gebunden in Prachtband k Exemplar M. 5,50. Broschirt in Heften k 20 Pf. Dazu Einbanddecken ä M. 1. Die Geschichte der Erde. Von r. Bommen. Gebunden in Prachtband ä. Exemplar M. 5,90. Broschirt in 22 Heften a 20 Pf. Dazu Einbanddecken a M. 1- Berliner Arbeiter-Bibliothek. Von Max schippei. Serie I. Heft 1: Ein sozialistischer Roman.(Ein Rückblick. Von Bellamy). Heft 2: Der Nutzen der Gewerkschaften. Von Max Schippel. Hest 3: Die Arbeiterinnen- und Frauensrage der Gegenwart. Von Clara Zetkin(Paris). Heft 4: Der Sozialismus in Frankreich seit der Pariser Kommune. Von Ossip Zetkin-Paris f. Heft 5: Charakterköpfe aus der sranzösischen Arbeiterbewegung. Von Ossip Zetkin-Paris f. Hest 6: Die Hausindustrie in Deutschland. Von Paul Kampffmeyer-Genf. Heft 7: Junker und Bauer. Von Paul Kampffmeyer-Genf. Heft 3: Die wirthschaftlichen Umwälzungen und oie Entwicke- lung der Sozialdemokratie. Von Max Schippel. Hest 9: Die Marx'sche Werththeorie. Von Paul Fischer-London. Heft 10 Die Sozialdemokratie und der Deutsche Reichstag. Heft 11: Die soziale Frage auf dem Lande, I und II. Von Paul Kampffmeyer-Genf und%*. Heft 12: Die Arbeiterschutz-Gesetzgebung Von Paul Ernst-Bcrlin. Serie II. Heft 1: Der Mythus von der Begründung des Deutschen Reiches. Von Hans Müller- Rostock.— Preis pro Hest 15 und 20 Pf. Einbanddecken zu Serie 1. a 30 Pf. Die Arbeiterinnen-Bewegung Berlins. Von A. Berger. a Heft 30 Pf. Ferdinand Lassalle,-in- Gedenkschrift zu seinem 25jähr!gen Todestag. Von Max Kegel, a 50 Pf. Gesetz der Alters- u. Invaliditäts-Versicherung. Von A. Bebel und P. Singer. Preis cartonnirt M. 0,50. Lichtstrahlen der Poesie. Gedichtsammlung von Max Kegel. Jllustrirt von O. E. Lau. Elegant geb. M. 3,50. Liebknecht, W., Volks-Fremdwörterbuch. Sechst« Auflage. Gebunden M. 3.—, broschirt in 12 Heften a 20 Pf. Dazu Einbanddecken a 30 Pf. Robert Blum und seine Zeit. 2. Auflage. Broschirt in 6 Heften a 25 Pf. Dazu Einbanddecke a 35 Pf. —, Ein Blick in die Neue Welt. Elegant gebvn. » ». M. 3,-. Stern, J., Die Religion der Zukunft. Dritt« vermehrte Auflage. Broschirt M. 0,50. —, Halbes und ganzes Freidenkerthum, Z-»- und Streitschrift. 2. Auflage. Broschirt 15 Pf. —„—, Thesen über den Sozialismus.». Auflage. Broschirt M. 0,30. —„—, Die soziale Krankheit, ihre Ursachen und ihre Heilung. 2. Auflage. Broschirt 30 Pf. Die Klassengegensätze von 1789. Von k. Kautsky. a Exemplar 50 Pf. Die Arbeiterschntz-Gesetzgebnng und der Achtstundentag. Von Karl Kautsky. Broschirt 30 Pf. Die Sonntags-Arbeit. Von A. Bebel. 2 Hefte. Brosch. M. 1. Die Mohamedanisch- Arabische Knltnrperiode. Von August Bebel. 2. Auflage. Broschirt 50 Pf. Sybil. Roman v. Disraeli, übersetzt v. Natalie Liebknecht. Die Ritter der Arbeit. Nach dem Amerikanischen des Zor von Natalie Liebknecht. Wilde Blumen. Gedichtsammlung von Adolph Lepp. Broschirt M. 2,-. Verantwortlicher Redakteur: Gurt Laake in Berlin. Druck und Verlag von Mar Lading in Berlin SW.. Beuthstraße 2.