f. IS? Donnerstag, den 5. Inni 1890. 7. Jahrg. I vor ;«nb1 m n?S- man tlätt Sefe dar I A'i Hrgan für die Interessen der Arbeiter. Das ..Berliner Volksblatt"......... Jnsertionsgebühr beträgt für die S gespaltene Petitzcile oder deren Raum 40 Pf., für Vereins- und VerfammlungS- Anzeigen 20 Pf. Inserate werden bis 4 Uhr Nachmittags in der Expedition, Berlm SW., Beutystraße 3, sowie von allen Annoneen-Bureaux, ohne Erhöhung des Preises, angenommen. Die Expedition ist an Wochentagen bis 1 Uhr Mittaas und von 3—7 Uhr Nachmittags, an Sonn- und Festtagen bis 9 Uhr Vormittags geöffnet. -4.- 1 Fernsprecher: Amt VI.|lv. 4106.«» MednKkion: Veukhptvstße S.— Expvdikion: VeukMrtttze 3. Asililkiiltllts-EialllKllg. «ifljk Monat Juni eröffnen wir ein neues Abonnement „Kerliner UolKsblatt" «-��Somuags-Blatt« hinzutretenden Abonnenten wird der bisher erschienene � des Romans von E. Zola „Zum Glück der Damen" ®tati§ und sranco nachgeliefert. »..n�ostabonnente», welche für den Monat Juni abonniren haben bei ihren Postanstalten . i Mark 10 Wach �"Zahlen. Das„Berliner Volksblatt" ist eingetragen in die "°>�eitungsliste unter Nr. 892, V. Nachtrag. , Für Berlin nehmen sämmtliche Zeitungs-Spediteure, sowie jljte Expedition, Beuthstraße Nr. 3, Bestellungen zum Preise von 'ch|0. monatlich, frei ins Haus, entgegen. �.Probenummern stehen auf Verlangen gratis und sranco zur W.r ersuchen unsere Freunde, hiervon recht zahlreich Ge- "ch zu machen. Die Crpedltwn des„KerUner NolKsdlatt�, Kenthstraße 3. Ekttrers zAontvQkkvvuÄs. iiet„Krach" war nach dem tollen Mummenschanz sg. Mllliaroenära über Deutschland hereingebrochen, das fe;®-en� war ein gewaltiges, die Masse des werk- t,j: 9e.n Volkes befand sich in drückendster Bedräng- Arbeiterbewegung faßte tiefer und tiefer Wurzeln. de» t Bourgeoisie schaute mit Besorgniß auf die sozial- As iatischen Wahlerfolge, und der„liberale" Minister ruck, damals die rechte Hand des Fürsten Bismarck A..�rthschastspolitischen Fragen, legte dem deutschen Dichf a9 uu Jahxe 1874 einen Gesetzentwurf vor, der §2 rtwa den Staat gegen die allgemeine lltoth in die ,sj. uuken rief, sondern nichts mehr und nichts weniger K. uls eine Vorlage über die Bestrafung des °Ntraktbruchs. °N«l verboten.! Ieuilletott. [49 »Zum Glück der Damen." R o m a n v o n E m i l e Z o l a. utorisirte Uebersetznng von Armin Schwarz. >Vt»j5ruise versicherte, daß sie sich besser befinde und daß ein �-Beschäftigung ihr nur gut thun werde. °cii.Isi-eck) muß mich ja nicht ermüden, Atadame. Sie wer- �chr-ir..uuf einem Sessel installiren und ich werde bei den Zuarbeiten mitthun. >!ch ,,„�oe gingen hinab. Madame Aurelie war sehr Höf- °Ise»b"&,at sie, sich auf ihre Schulter zu stützen. Sie hatte �üli- gerötheten Augen bemerkt und beobachtete sie »ielx A- Sie war ohne Ziveifel auf dem Laufenden über �»>ge. Mit,. war ein unverhoffter Sieg: Denise hatte endlich die Heilung erobert. Während sie ehemals 10 Monate t�Sekü? vergebens gegen die Böswilligkeit ihrer Umgebung pst hatte, war es ihr jetzt in wenigen Wochen ge- t Um* r 3U beherrschen. Alle geschmeidig und respektvoll ?er>. Leven zu sehen. In dieser undankbaren Aufgabe, die % A) lU gewinnen, war ihr die plötzliche Aufmerksamkeit M onie Aurelie sehr behilflich gewesen; man erzählte |e(stvi"äkeife, daß die Abtheilungsvorsteherin die HelfcrS- ,. �.genommen, daß man sicherlich sie ihr ganz besonders vsohleu hatte. Allein auch Denise hatte Alles aufge- '»in ihre Feindinnen zu entwaffnen. Die Aufgabe war Eine ergötzliche Komödie spielte sich damals unter den bürgerlichen Parteien ab. Während ein Theil der Fort- schrittler unter Führung Duncker's und Schultze's gegen die Knebelung der Arbeiter und die im Grunde beab- sichtigte Zertrünnnerung des Koalitionsrechtes sich aus- sprach, folgten andere dem Herrn Löwe,, der in einer Wahlrede sich für dies heilsame Prinzip ausgesprochen hatte. Bei den Nationalliberalen war es Bamberger, der bereit war niit einer Schaar seiner Freunde Kfflffn für die Proletarier zu schmieden, die Konservativen„fühlten sich angeheimelt durch die Schlagworte Zucht und Ord- nung und stürzten blind auf den vorgehaltenen rothen Lappen los." Freilich nicht alle Konservativen handelten so, sicher einer nicht, der mahnend seine Stimme erhob und in einer noch heute beachtenswerthen Flugschrift den bevorrechteten Gruppen den Text las. Dieser Mann ist freilich ein Jdeolog, der geglaubt hat. Feigen vom Dornstrauch lesen und mit Hinterpommerischen Schweinezüchtern und Schnaps- brennern eine wirkliche Sozialpolitik treiben zu können, ein wirthfchaftlich gebildeter und ehrlicher Mann, der dem grrroßen Staatsmann von dazumal, dein Fürsten Bismarck, ungeschminkt die Wahrheit sagte, und dafür in die Verbannung gehen mußte, es ist Rudolf Hermann M euer, der Freund von Rodbertus und Hermann Wagener, oer�Geschichtsschreiber des Emanzipationskampfes des vierten Standes. Auch heute erscheint wieder in der vielberufenen Ge- iverbenovelle ein neuer Plan, zur Lahmlegung der gewerkschaftlichen Arbeiterbewegung, ein neuer'Versuch, die Koalitionen der Arbeiter zur Erreichung besserer Lohn- und Lebensverhältnisse einzuschränken und niederzuhalten. Die Strafbarkeit des Kontraktbruches, der mit hohen Geld- strafen geahndet werden soll, ist das Heilmittel gegen die „Zuchtlösigkeit" der Arbeiter, soll das Unternehmerthum vor Ausständen, vor Gewährung zeitgemäßer Zugeständnisse schützen. Im Jahre 1874 fiel die Vorlage, und wir wollen hoffen, daß auch diesmal der Reichstag sich gegen das durch und durch reaktionäre Projekt aussprechen und es endgiltig zu Falle bringen wird. Es dürste aber nicht ohne Nutzen sein, einiges aus Rudolf Meyer's Streit- sehnst mitzutheilen, das den Herren von der Rechten, die ja so eifrig in Sozialreform— für die Industriearbeiter machen, unter Umständen vorgehalten werden kann, ihnen so gut wie der profitwüthigen Partei der großkapitalistischen Gentlemen. Man beachte, daß Meyer in jener Periode des Zu- um so schwieriger, als sie die allgemeine Entrüstung über ihre Ernennung zur zweiten Vorsteherin beschwichtigen mußte. Die Fräulein schrieen über Ungerechtigkeit nnd beschuldigten sie, daß sie beim Dessert mit dem Patron diesen Posten ge- wonnen habe und sie fügten ganz abscheuliche Details hinzu. Indessen, trotz ihrer Entrüstung iniponirte ihnen der Titel einer zweiten Vorsteherin. Denise gewann eine Autorität, welche die feindseligsten unter ihnen in Erstaunen setzte und beugte. Ihre Be- scheidcnheit und ihre Sanftmuth vervollständigten die Eroberung. Klara allein bewahrte ihre übelivollende Haltung. Während der kurzen Laune Mouerts hatte sie die Situation dazu mißbraucht, die Arbeit zu vcr- nachlässigen; sie war faul, geschwätzig und eitel; bann, als er ihrer überdriissig ward, beklagte sie sich nicht, denn in der galanten Zügellosigkeit ihrer Existenz kannte sie keine Eisersucht; sie begnügte sich damit, aus der Affaire den Vortheil zu ziehen, daß man sie im Hause duldete, obgleich sie nichts that. Allein sie dachte, daß Denise sie um die Nachfolgerschaft der Madame Frcderic gebracht habe. Sie würde wohl diese Stelle niemals angenommen haben, versicherte sie, weil gar zu viel Mühsal da- mit verbunden sei; allein es verdrieße sie dieser Mangel an Rücksicht; sie habe die nämlichen Ansprüche, ja sogar ältere Ansprüche als die Andere. — Schau, die Wöchnerin wird ausgeführt; sagte sie, als Denise am Arme der Madame Aurelie eintrat. Margucrite zuckte die Achseln nnd sagte: — Das ist ein schlechter Witz, den Sie da gemacht haben. Es schlug neun Uhr. Draußen lachte der Himmel in schimmernder Bläue ans sanunenbruchs, welcher naturnothweudig auf die Gründerzeit folgte, geschrieben hat, und man erwäge ferner, daß wir heute, wie 1872/73, in einer Aera des fieberhaften „wirthschaftlichen Aufschwungs", der kühnen Börsenspeku- lation, der industriellen Gründlingen und Kurstreibereien leben; der Katzenjammer der Krisis wird auch diesmal nicht ausbleiben, und er wird vielleicht furchtbarer fein, als in den vergangenen Tagen, da Lasker im Partei- interesse den Ketzerrichter über etliche aristokratische Börsen- jobber spielte. Unser konservativer Gewährsmann schrieb also: „Man täusche sich nicht: wie vor 100 Jahren die Idee der Emanzipation des dritten Standes vom Joche des mittelalterlichen Feudalismus durch Europa und Amerika ging und zum Siege kani, so geht jetzt die Idee der Emanzipation des vierten Standes vom Joche des Kapitalismus durch die Kulturländer.... Alle gesetzgeberischen Maßregeln bezüglich der inneren Verhältnisse, soweit sie die Masse des Volks m seinen materiellen und geistigen Interessen berühreil, müssen danach geprüft werden in erster Linie:„Wie nimmt sie die Masse des Volkes auf?" Die Masse des Volkes, das jetzt in bisher unerhörtem Umfange anfängt, sich mit politischen Dingen zu beschäftigen, die Masse des Volkes, welche die große Last des Heer- und Kriegsdienstes tragen muß, und welche das größte Recht, das der allgemeinen gleichen Wahl, üben darf.... die muß man bei aller gesetz- gcberischen Thätigkeit besonders schonend behandeln. Und jetzt hat man besonderen Grund, es zu thun! „Auf eine Periode des Schwindels und der Ueber- spekulation ist eine Krisis gefolgt. An der Gründungs- und Produktionsraserei war die Masse des Volkes unschuldig. Aber sie hat auch einen Theil von dem Golde haben wollen, welches scheinbar sich in unerschöpfbarer Fülle über unfern Wirthschaftsmarkt ergoß, und da hat sie hier und da gestreikt, sich koalirt und wohl auch Kontrakte gebrochen. Jetzt ist das Alles vorbei; jetzt(1874) streikt nur noch Max Hirsch mit seinen Metallschlägern in Nürnberg, um der Fortschrittspartei, die ihn so schnöde bei den Wahlen behandelte, zu zeigen, daß er auch noch beißen und unangenehm werden kann, wenn er will, der arme verfehlte semitische Sozialdoktor und Streikdilettant Waldenburger traurigen Angedenkens; und Kontrakte bricht jetzt auch Niemand, weil Jeder froh ist, wenn er Arbeit und einigen Verdienst hat... Und die Krisis selbst ist ja auch nicht ein Produkt von Ausschreitungen der Ar- beiter, und die hier und da durchgesetzten höheren Löhne haben die Krisis auch nicht verursacht, und die vereinzelten Kontraktbrüche waren auch nicht Beförderungsmittel der die Straßen herab; Fiaker rollten nach den Bahnhöfen, die sonntäglich gekleidete Bevölkerung zog in langen Reihen ins Grüne hinaus. In dem Magazin, in welches das Licht der Sonne durch die breiten Fenster eindrang, begann das Personal die Inventur. Jede Abtheilung besorgte dieses Geschäft separat für sich. — Warum sind Sie heruntergekommen? fragte Mar- guerite Denise höflich. Wir haben ja Leute genug. — Das Nämliche habe ich ihr auch gesagt, er- klärte Madame Aurelie. Aber sie wollte durchaus uns be- hilslich sein. Alle Fräulein eilten herbei, um sich Denisen gefällig zu zeigen; die Arbeit wurde dadurch unterbrochen. Man be- glückwünschte sie und hörte mit Erstaunen die Geschichte von der Verstauchung. Endlich ließ Madame Aurelie sie aus einen Sessel vor einem Tisch Platz nehmen nnd es wurde ausgemacht, daß sie sich begnügen werde, die ausgerufenen Artikel auszuschreiben. Bei solchen Inventuren wurden alle Angestellten, welche schreiben konnten, zur Arbeit herangc- zogen: Inspektoren, Kassirer, Kommis, ja selbst die Laden- bursche. Alle diese Leute wurden dann in die verschiedenen Abtheilmrgcu vertbeilt, damit die Arbeit rascher von statten gehe. Denise fand den Kassirer LhoMme und den Laden- barschen Joseph an ihrer Seite, beide über große Blätter Papier gebeugt. — Fünf Mäntel von Tuch, mit Pelzbesatz, dritter Größe, zu zweihundertfünfzig Franks! rief Margucrite, vier idom, erster Größe, zu zweihnudertzwanzig Franks. Die Arbeit ging nun wieder au. Drei Verkäuferinnen hinter, Marguerite waren damit beschäftigt, die Schränke auszuleeren, dann klassifizirten sie die Artikel und reichten sie ihr in ganzen Packeten hin, und wenn Margucrite« die Artikel ausgerufen hatte, warf sie sie auf die Tische Krisis, sondern die auf Habsucht der besitzenden Klassen beruhende Ueberspekulation war die Ursache. „Fragen wir uns doch einmal ernstlich, was hat dem Nationalwohlstand mehr geschadet, was im Palast und in der Hütte mehr Thränen erpreßt, was mehr ehrenhafte Männer vom kleinen Handwerker bis zum Feldmarschall- Lieutenant zum Selbstmord getrieben— der Gründungsschwindel, der Aktienschwindel, die wahnsinnige, ver- brecherische Spekulation oder die Streiks und die Arbeiter- koalitionen? Und fragen wir weiter, was hat mehr Men- schen demoralisirt, was hat zur Zeit des Aufschwungs mehr ganze Volksklassen zur gewohnheitsmäßigen Ver- schwendung und zur Ueppigkeit getrieben, was hat mehr die Männer entnervt und die Weiber zu Fall gebracht zur Zeit, als man bei einer Gründung Hunderttausende gewann und, als allerdings der Maurer auch zwei Thaler und der Steinträger wohl fünf an einem Tage verdiente, was hat zur Zeit der beginnenden Pleite massenhaft Bankdirektoren und Beamte, junge Kaufleute und Gründer und Per- fönen in öffentlichen Aemtern verführt, ihre Hände ihn fremde Kassen zu stecken, anvertraute Gelder zu unter- schlagen und sich und ihre Familie zu entehren und un- glücklid) zu machen— hat alles dies mehr entsittlichend auf das Volk gewirkt, oder haben die Kontraktbrüche der Arbeiter das etwa gethan? Ein alter Spruch sagt: Innerhalb der trojanischen Mauern wird gesündigt und außerhalb derselben; aber wahrlich, uns scheint die Sünde, die von innerhalb der Mauern der Börse ausging, größer und in ihren Folgen verhängnißvoller gewesen zu sein, als die, welche auf dem Arbeitsmarkte begangen wurde. Will man irgendwo anfangen mit der Reform, so soll man bei dem Kapital anfangen und dann zur Arbeitüber- gehen, nicht umgekehrt. Was aber ist da gesthehen? Als man die Aussd)reitungen auf dem Kapitalmarkt im Reichs- tag zur Sprache brachte, sagte derselbe Herr Delbrück, welcher heute das Kontraktbrud)-Gesetz vorgelegt hat: „Die Regierung kann Niemanden daran hindern, der sein Geld loswerden will." Den Aussthreitungen der Kapitalmacht gegenüber proklamirte damals derselbe Minister die Ohnmadst der Staatsgewalt, der den Ausschreitungen der Arbeiter gegenüber heute die Staatsgewalt mit dem Rechte der Strafe ausstatten will." In diesen Blättern ist kürzlich die„Kreuz- Zeitung" gebührend deshalb gekennzeichnet worden, weil sie mit einer einzigen aristokrattsthen Handbewegung die Ausdehnung des Arbeitersthutzes auf die Landarbeiter ablehnte, dagegen freudig die Uebernahme der reaktionären Strafbestimmungen der Gewerbenovelle in die bereits so schon reich ausgestattete Rüstkammer der agrarischen Herr- schaftsverhältnisse befürworrete. Schon im Jahre 1874 forderte mit dem kecken Uebermuth eines„kolossal schnei- digen" Reiteroffiziers Herr von Min nigerode, dies Schreckenskind der Rechten, daß„ein neues Ab- hängigkeitsverhältniß für den Arbeiter- stand zu schaffen" sei, da nur auf diese Weise„die soziale Frage ihre Lösung finden wird." Damals nannte mit der ganzen urkräftigen Plebejerderbheit, die ihn so vortheilhaft auszeichnete, R. Meyer diesen frivolen Junker „einen politisth ganz unzurechnungsfähigen Agrarier, der nach vorn und nad) hinten ausschlägt und natürlid) das Geschick haben wird, auf einen Körpertheil zu fallen, dessen populäre Benennung nicht der Schriftsprad)e angehört." Damals charakterisirte Meyer die Konservativen als Leute, die„alle anderen Privilegien verloren haben" und deshalb „jetzt das Privilegium der politisd)en Kurzsichtigkeit für sich in Anspruch zu nehmen sd)einen." Damals hoffte aber Meyer auch. Illusionär vom Wirbel bis zur Zehe, daß„die„Kreuz-Zeitung", die der sozialen Frage gegen- über bisher eine gewisse, nicht unkluge Zurückhaltung be- obadstet" doch noch„in ein richtiges Fahrwasser" einlenken werde. Aber er war und ist eben ein unverbesserlicher Schwärmer, dieser konservative Flüdstling. Er sagt am Sdstusse seiner Streitschrist von sich:„Wir akzeptiren alle anderen Freiheiten, vor allem das allgemeine gleiche Wahlredst und die Koalitionsfreiheit, weil wir uns als echt Konservative auf den gegenwärtigen Rechtsboden stellen. An die beiden Seiten unseres geraden Weges wollen wir als Prell- und Bordsteine fest stabiliren die Wuchergesetze und den Normalarbeitstag. Wuchergesetze, welche nicht bloß die Halsabschneiderei der Psandscheiuschieber, sondern auch die Halsabsd>neiderei der Börsenjobber, sei es daß sie geübt werde in Rumäniern oder Aktien der Dortmunder Union oder Quistorp'schen Unwerthen, ganz entschieden unmöglid) machen und welche dem Wudjerer wiederum den ihm gebührenden Platz anweisen, den Platz auf der Anklagebank neben dem Kuppler. Den Normalarbeitstag wollen wir andererseits mit dem ganzen Appendix von Fabrikgesetzen(totalem Verbot der Kinderarbeit unter vierzehn Jahren in den Fabriken und der Sonntagsruhe u. f. w.) und Fabrikinspektoren. Für das Amt der letzteren dürste indessen der Zivilver- s orgungsschein nicht immer als genügende Quali- fikation gelten." Wir meinen, daß es nicht unangebracht war, diesen Halbversthollenen einmal wieder sprechen zu lassen und die markige Kritik eines einsichtigen konservativen Sozial- Politikers auszugeben, die heute nod) so einschneidend und beweiskräftig ist, wie vor sechzehn Jahren. Heute, da so viele Pseudo-Sozialreformer herumlaufen und mit der Faust auf den Tisch schlagen. 2* Sitzung der Ardeiterschntz- Kontmisston. Mittwoch, den 4. Juni. Die Sitzung wird um 10V4 Uhr eröffnet. Das Zentrum ist schwach besetzt. Die Berathung wird fortgesetzt mit Absatz 2 des § 105 b, welcher von der Sonntagsruhe der im Handels- g e w e r b e beschäftigten Gehilfen, Lehrlinge und Arbeiter handelt. Dazu liegen Anträge von Kleist- Retzow, Bebel- Dietz- Grillenberger, Stumm und Hirsch-Wöllmer vor. Der, gegen früher modifizirte, s ozialdemokratrsche Antrag lautet:„Verkaufs- stellen aller Art dürfen an Sonn- und Festtagen höchstens 3 Stunden geöffnet und müssen spätestens Mittags 12 Uhr geschlossen sein. Die nähere Zeitbestim- mung steht der höheren Verwaltungsbehörde (nicht, wie die Negierungsvorschläge und die anderen Anträge wollen, der Polizei) zu. Die Feststellung kann für ver- schiedene Zweige der Handelsgewerbe verschieden erfolgen. Für die letzten vier Wochen vor Weihnachten, sowie für einzelne Sonn- und Festtage, an welchen Zärtliche Verhältnisse einen erweiterten Geschäftsverkehr erforderlich machen, kann die höhere Ver- waltungsvehörde eine Vermehrung der Stunden, während welcher die Beschäftigung stattfinden darf, zulassen. Um Uebrigen dürfen in Handelsgewerden(Fabriken, Engros- und Bankgeschäften), Gehilfen, Lehrlinge und Arbeiter an Sonn- und Fesitagen nicht beschäftigt werden." Herr v. K l e i st- R e tz 0 w, der ebenfalls nicht blos die Nichtbeschäftigung des k a u f m än n i s ch e n P e r s 0- nals, sondern die Schließung der Geschäfte überhaupt verlangt, beantragt, die Ausnahmezeit auf fünf Stunden und die Beendigung auf 10 Uhr Vormittags festzusetzen. Er begründet seinen Antrag mit ausdrücklichem Hinweis auf Klingel-Bolle, dessen„Wohlfahrts"- und Seelsorge-Ein- richtungen er eine begeisterte Lobrede hält. Das Zentrum vertheidigt die Regierungsvorlage. Der sozialdemokratische Antrag wird von dem Abgeord- ncten Bebel in längerer, sehr irnormirender Rede begründet, in der er namentlich darauf hinweist, daß er und seine Parteigenossen zu einer wesentlichen Einschränkung (eigentlich richtiger Ausdehnung) ihres früheren Antrages gekommen seien lediglich infolge zahlreicher Aeußerungen der Interessenten s e l b st, die sich alle dahin aussprechen, daß eine wesentliche Einschränkung, ja seibst ein Verbot des Sonntags- Verkaufes recht wohl möglich, aber eben der Konkurrenz wegen nur durch g e s e tz l i ch e Regelung möglich sei. Sehr eindrucksvoll waren namentlich seine Darstellungen über die z. Z. im Handelsgciverbe vielfach vorhandene ungebührlich lange Arbeitszeit. Er beantragt schließlich noch, am 1. Weihnachts-, 1. Oster- und 1. Psingstfecertag jegliche Thätigkeit im kaufmännischen Gewerbe zu untersagen. Abg. W ö l l m e r(freis.) spricht sich gegen die sozialdemo- hin, wo sie sich allmälig zu riesigen Stößen aufthürm- ten. Lhomme schrieb �in und Joseph legte zur Kontrole eine zweite Liste an. Inzwischen war Madame Aurelie, von drei anderen Verkäuferinnen unterstützt, damit beschäftigt, die Seidenkleider zusammenzuzählen, welche Denise aufnahm. Klara war damit betraut, die einzelnen Haufen zu über- wachen, zu rangircu und aufzuräumen, damit sie auf den Tischen so wenig Raum als möglid) einnehmen. Aber ihr Sinn war nidst bei der Arbeit, einzelne Stöße sielen um. — Sagen Sie einmal, sprach sie zu einer kleinen Ver- käuferin, welche im Lause des verflossenen Winters einge- treten war, sagen Sie einmal: Hat man auck) Ihnen Ihre Bezüge aufgebessert? Sie müssen nämlich wissen, daß man das Gehalt der zweiten Vorsteherin auf zweitausend Franks abgerundet hat, und das macht mit ihrer Verkaussprovision siebentausend Franks! Ohne in der Arbeit inne zu halten, erklärte die kleine Verkäuferin, daß sie die Boutique stehen lassen werde, wenn man ihr nicht achthundert Franks geben werde. Die Gehaltserhöhungen fanden gewöhnlich am Tage nach der Inventur statt; an diesem Tage behoben auch die Abtheilungsvorstände ihre Tantiemen. Diese Geldfragen besthästigtcn denn and) alle Welt während der Arbeit. Man flüsterte sich zu, daß Madame Aurelie aus fünfundzwanzig- tausend Franks kommen werde. Diese Summe versetzte die Fräulein in die hödffte Aufregung. Marguerite, die beste Ver- käuferin nad) Denise, war aus viertausendfünfhundcrt Franks fixe Bezahlung und dreitausendfünfhundert Franks Tantieme gekommen, während Klara Alles in Allem nur zweitausend- fünfhundert Franks erreidste. — Ich kümmere mich viel um die Gehaltsaufbesserung. sagte Letztere. Wenn mein Vater einmal todt ist, lasse ich sie stehen... Aber was mich verdrießt, das sind die sieben- tausend Franks dieser Vogelscheuche. Madame Aurelie unterbrach plötzlich dieses Gespräd). — Schweigen Sie, meine Fräulein, man hört ja sein eigenes Wort nidst. Dann fuhr sie fort auszurufen: — Sieben Rokokomäntel erster Größe zu dreißig . Franks! drei Pelissen von Surah zweiter Größe, zu hundert�fünfzig Franks! Haben Sie geschrieben, Fräulein Klara mußte sid) jetzt mit den auf den Tischen ans gehäuften Kleidungsstücken besd)äftigen; sie schob sie weiter, um Raum zu gewinnen. Doch bald ließ sie die Arbeit wieder in Stick), um einem Kommis zu antworten, der aus seiner Abtheilung heraufgekommen. Es war der Handschuh- Verkäufer Mignon, der zwanzig Franks von ihr pumpen wollte. Er war ihr schon dreißig schuldig, die er nach einem Wettrennen, wo er sein ganzes Geld aus ein Pferd gesetzt und verloren hatte, von ihr geborgt hatte. Klara hatte nicht mehr als zehn Franks bei sich, die sie ihm willig hingab. Und nun plauderten sie, sprachen von einer Landpartie, die sie zu Sechs nach einem Restaurant zu Bougival ge- macht hatten, wo die Frauen ihre Zeckie bezahlten; das sei besser, meinten sie, alle Welt befindet sich besser dabei. Mignon, der seine 20 Fr. brauchte, neigte sich dann zu Lhomme, um sie von diesem zu verlangen. Der Kassier, in seiner Schreiberei gestört, scksten sehr verlegen. Er wagte es aber dennoch nickst, die Bitte abzuschlagen und suchte in seinem Portemonnaie nach einem 10- Franksstück, als Madame Aurelie, überrascht darüber, daß sie Margueritens Stimme nicht mehr hörte, sich umwandte und Mignon er- blickte. Nun begriff sie. Sie sandte ihn schroff in seine Abtheilung zurück, es sei unuöthig, daß er hierher komme, um die Fräulein zu stören. In Wahrheit fürchtete sie den jungen Mann, der ein intimer Freund ihres Sohnes Albert war und der Mitschuldige allerlei bösen Streiche desselben, welche, wie sie befürchtete eines Tages ein böses Ende nehmen mußten. Als er seine 10 Fr. hatte und sich davon gemacht hatte, sagte Mab. Aurelie zu ihrem Gatten: — Sie werden sich dock) von diesem Gecken nicht narren lassen, hoffe ich. — Aber, meine Liebe, ich konnte ihn wirklich nicht ab- weisen:....... Sie unterbrack) ihn durch ein Zucken ihrer machtigen Schultern. Dann, als sie sah, daß diese Fräulein sich über kratischen Anträge aus. Sein Antrag lautet:„Im Hei gewerbe dürfen Gehilfen, Lehrlinge und Arbeiter an 0 und Festtagen nicht nach 1 Uhr Nachmittags und nicht 1, gesetzlich verboten ist. Dr. B ö t t g e r, wesentlich die Regieru» vorläge vertheidigend, polemisirt vom„rein manchefierno)' Standpunkte aus prinzipiell gegen Bebel und den pan minister; er glaubt, daß der Geschäftsschluß auch nicht ein landesgesetzlich geregelt werden könne. Nach der halbstündigen Frühstückspause nimmt die De ihren stebhaften�Fortgang. Es betheiligen sich an derselben j Kleist-Reyow, Bebel, Stumm, v. Huene, Klemm-Sachsen.« e"' hatte darauf hingewiesen, daß ber Annahme der Regierung» � läge, Nichtfestsetzung der einzuhaltenden Stunden, die Gefahr � liege, daß große Geschäfte, welche über genügendes versügen, eine Art Relaissystem einrichten, den einen Bediensteten Vormittags fünf, den anderen Theil Nachnn fünf Stunden arbeiten lassen würden. Es wurde � von den verschiedensten Seiten bestritten, daß dies naey Wortlaut des Regierungsentwurfs möglich und zulässig sev es auch nicht ausdrücklich darin gesagt werde, so sei es"0�. zweifelhaft, daß die Regierung habe sagen wollen, der Ge betrieb als solcher dürie nur fünf Stunden dauern, nan suchte dies Klemm-Sachsen vom jurigischen Standpunkte nachzuweisen. ttjt Hirsch beantragt noch, daß die in den letzten vier Woche» Weihnachten zu gestattende längere Geschäftsausübung a' Sonntagen nicht länger als zehn Stunden währen dürfe., Der Unteranttag Bebel, betreffend die drei ersten siei". wird mit 15 gegen 10 Stimmen(Die Konservativen stimme» � gegen!) angenommen, der sozialdemokratische Hauptanttag allen gegen die Stimmen der Antragsteller abgelehnt. Durch die ungemein komplizirte Schlußabstimmung«ckP Absatz des§ 105b schließlich folgende Fassung: n,,<,«!(' „Im Handelsgewerbe dürfen Gehifien, Lehrlinge und Att,. an Sonn- und Festtagen nicht länger als 5 Stunden besch®') werden. Am 1. Weihnachts-, 1. Oster- und 1. Pfingstft'H� dürfen Gehilfen, Lehrlinge und Arbeiter in Handelsg�verben beschäftigt werden. Für die letzten vier Wochen vor Weihn®� sonne für einzelne Sonn- oder Feiertage, an welchen örtlich» Hältnisse einen erweiterten Geschäftsverkehr erforderlich kann die Polizeibehörde eine Vermehrung der Stunden,. welcher die Beschäftigung stattfinden darf, jedoch nickst zehn Stunden Es wird sodann in die Berathung des§ 105 c eingl eingetreten. Nach längerer Debatte, speziell über die Frag*- � Gas und Elektrizitätsiverke, sowie die Bergnügungs- und, Holungs-Anstalten besonders unter de» in dem graphen genannten Betrieben ausgeführt werden wird der Absatz 1 des genannten Paragraphen mit gst„je- Majorität, einzelne Punkte einstüiniugstn ach der R« ö rungsvorlage angenommen mit einem Zusatz, beem ,*4% vom Äbg. Schmidt, wonach auch die gesetzlich vorgeschri® Inventuren an Sonntagen vorgenommen werden dürfen.®S der Sitzung 4 Uhr. Nächste Sitzung Freitag, den 6. d. M- mittags 10 Uhr. In derselben kommt der sozialdemokral 1. Antrag auf Errichtung von Arbeitsämtern u. f.' Verhandlung. diese kleine häusliche Auseinandersetzung lustig machten,( 1 sie mit strenger Stimme fort: m\ — Vorwärts, Fräulein Marguerite, wir werden schlafen, so werden wir niemals fertig. — 20 Paletot von Double Kashmir, vierter zu 80 Fr. 50 Zentimes, rief Marguerite mit ihrer Stimme. Lhomme war wieder über seinen Bogen gebeugt '—-"--- auf 9000 J( h-� schrieb. Man hatte allerdings seine Bezüge aus vu �1 erhöht, aber er bewahrte noch immer seme Unterwurfigt � Madame Aurelie, welche das Dreisache ins Haus VWVV..4V.vvvv�v vvw VV», V»VV,V �--- ©0 glilg die Arbeit eine Weile ungestört fort, es trstt Ziffern ausgerufen, die Packete fielen mit dumpfein anf die Pulte hin. Inzwischen hatte Klara eine neue Ä. streuung erfunden. Sie neckte Josef, den Ladenburstr, wegen einer Liebschaft, die er angeblich mit einem in* Mustet-AbcheUung angestellten Fräulein angeknüpft% sollte. Dieses Fräulein, 18 Jahre alt, mager und ble ivar em Protegöe der Madame Desforges. Sie hatte 9% eine ganze traurige Geschichte über dieses Mädchen erÄ ?><> fet ein- rnwf« hin b-s GWrbWNes der st.'l sie sei eine Waise, die Letzte des Geschlechtes tenailles, einer adeligen Familie aus dem P.,�] sie sei mit ihrem Trunkenbold von einem Vater Paris gekommen, sei aber trotz ihrer Armuth ehrb®- blieben; leider sei sie nicht genug unterrichtet, um ab». 'gab keine unfähigst Geschöpfe, als diese,% 1 nicht vom Himmel, st1 j § ist ein sehr kompllst indessen die Proteges vornehmer Herkunft empfahl, es gab keine unfähig.�. unerträglicheren, unbrauchbareren Geschöpfe, als diese, 1 J er; auch fallen die Verkäuferinnen---" muß diese Sache kennen, denn es und heikles Metier. Er nahm indessen die Madame Desforges, allein er steckte sie in die Muster® st lung, sowie er zwei Gräfinnen und eine Baronin, einigen Freunden zu Liebe aufgenommen hatte, mit der> fertigung von Schleifen und Enveloppen beschäftigte. moiselle de Fontenailles verdiente täglich 3 Fr., just K#1 um in einem Kämmerchen in der Rue d'Argenteuil zu Ihre traurige Miene, ihre dürftige Kleidung hatten e' Josef, der unter seiner strammen Haltuno des ehemalige» i Rovreppoudettjen. LS. Mai. In einer gestern hier stattgehabten l lemsamenVersammlung der verschiedenen Sektionen der sozralljtl- �".Arbeiterpartei(englische, deutsch� u nb jüd isch e)� ro in. de�be- Die Ifen, in der diesjährigen Herbstivahl selbstständig vorzugehen. Stimmung ist also schnell wieder umgeschlagen. Bei der vorvorigen Wahl ging die Partei mir vielem Feuer ins Treffen, »nd war das Resultat für den(soundsovielten) Anfang auch ein SS akzeptables. Es sind zwar bei früheren Wahlen größere ««minenzahlen erzielt worder, doch ist in Betracht zu ziehen, daß die nicht" in der Aktion(dem regulären Parteileben) stehenden Sozialisten nach jeder' Wahl die �Lust verloren, weil sie sahen, n' uuc9 zeoer xvoyi uie wrnuu;», alle Arbeit und Mühe, in die Massen einzudringen, ver seceng war. Auch bei der damaligen Wahlagitation zeigte sich «... S.Arbeiter keinen Trieb hatten, sich um die politische Aktion yrer Klassengenossen zu bekümmern; die überall in der Stadt . vangirten Wanderversammlungen zeigten alle fast nur die alten. v-lannten Gesichter auf. Ob die massenhaft verbreiteten Flug- °mner in englischer, deutscher und böhmischer Sprache interessirte J-e>er fanden, ist sehr zu bezweifeln; jedenfalls war damals nichts vn zu verspüren. � Es war daher kein Wunder, daß bei der nächsten Wahl die «nmmung eine ebenso pessimistische war, wie sie bei der vorigen M wenn auch nicht optiniistische, so doch unternehmende war. '' aber immer nur auf die aktiv ani Parteileben Theil- chmenden anzuwenden. Die übrigen sozialistisch gesonnenen Ar- flnif1' welche nur bei besonders feierlichen Anlässen auf der Bild- ».erscheinen, werden so ziemlich genau in dem Berhältniß zur Heiligung an der Wahlbewegung herangezogen, je nachdem die nergie der ersteren eine größere oder geringere ist. Eine ebenso große Majorität also, wie sich bei der vorher- �Zviißenen Wahl für die Betheiligung ausgesprochen, "■Jchieb sich bei der letzten dagegen.— Wie schon im tu, Briefe mitgetheilt, ging diesmal die Anregung «u- Wahlbetheiligung von der englischen Sektion aus. Die �vnde derselben sind folgende: Es fei unbedingt nöthig, seitens ».f. Sozialisten vorzugehen, da sonst die Central Labor Union g'öft politisch in die diesjährige Wahlbewegung eintreten werde. ,.vgar sei es wahrscheinlich, daß in der nächsten Sonntagssitzung wie derartige Resolution in der C. L. U. vorgebracht werden r■ ,.?llle Verhältnisse deuteten daraus hin, daß für die hiesigen Sozialisten der Zeitpunkt gekommen sei, vor die Gewerkschasten Anzutreten und sie aufzufordern, unabhängig in die Politik zu «fhen i die Wahlerfolge in'Deutschland, die Aufdeckung der Korrup- "vn tn den öffentlichen Aemtern. die Geneigtheit der Arbeiter, unabhängig in politischer Hinsicht vorzugehen u. s. w. Die meisten Redner traten für die Wahlbetheiligung ein, und wurden dafür soziemlich dieselben Argumente angebracht, wie sie auch , ei den früheren Gelegenheiten dienten. Der frühere Chefredak- *eur der„Volks- Zeitung", Jonas(welcher kürzlich nach neun- monatlicher Abwesenheit aus Europa zurückgekehrt und bei der vorvorigen Wahl als Kandidat für das Bürgermeisteramt auf- gestellt war) meinte, wenn man erst später politisch vorgehen werde, würde die Gefahr betreffs Einreißung von Korruption eine noch größere sein als jetzt. Man solle in Erwägung ziehen, ob durch Eintreten in die Wahl seitens der S. A. P. es nicht verhindert werde, daß die unabhängige Arbeiterbewegung dieses Lahres von den korrupten Elementen geführt und irre geleitet werde.— Ferner wurde geltend gemacht, daß es die Aufgabe der Mrtei sei, in die Wahl einzugehen, da es nunmehr die Sache ver Sozialisten sei, hervor zu treten, denn sie seien die einzige Körperschaft in der Arbeiterbewegung, welche das unbedingte «ertrauen der organisirten Arbeiter sich erhalten hätte. Dann wurde auch auf die großen Vortheile des neuen Wahlgesetzes Angewiesen. Ebenso auf den Umstand, daß die Arbeiter New- Jorks den Muth gefunden hatten, sich offen Sozialisten zu nennen und als solche vorzugehen.(Bei der Maimanifastation.) Andere Redner waren der Meinung, daß trotz der angeführten .. xunkte die Situation im Allgemeinen keine andere sei, als bei «er vorigen Wahl, und somit dieselben Argumente wie damals fegen die Betheiligung geltend feien.— Die Majorität entschied M schließlich für die Betheiligung. � Ob von nun an der schon wiederholt(auch bei der vorigen ,-wahlbetheiligung) gefaßte Beschluß, regelmäßig unter allen Um- Uanden selbstständig in die Wahl einzutreten, von jetzt an zur Geltung kommt, läßt sich freilich nicht absehen. Gut wäre es vvch früher unter allen Umständen gewesen, wenn man fu ihm festgehalten hätte. Der Fehler war nur, daß man sich segelmäßig zu viele Illusionen machte, deren Nichtverwirk- "chung stets einen argen Rückschlag verursachte. Diese zeitweilig Streteitden Illusionen haben auch wiederholt den A laß zu Ex- veAmenten gegeben, deren Fehlschlagen ebenfalls deprimireild .. Der bisherige Chefredakteur der„Volkszeitung", Schewitsch, 'lt vom Blatte gänzlich zurückgetreten, und zwar nach seiner iin «iatte erschienenen Abschiedsivorten aus Familienrücksichten. Es !?nr schon einige Zeit vorher eine Notiz durch die kapitalistische ?vesse gegangen, daß Sch. in Rußland rehabilitirt sei und er vvn in seine Familienrechte eintreten könne. An seine Stelle ist Sen ein zärtliches Herz verbarg, gerührt. Er gestand seine Leidenschaft nicht ein, aber er erröthete, wenn die Fräulein °us der Konfekttons-Abtheilung mit ihm ihren Scherz trieben; Venn die Musterabthcililng befand sich in einem benachbarten «aal und sie hatten ihn vor der Thür desselben herum- lungern gesehen. .■ Josef ist zerstreut, ninrmelte Klara, seine Nase kehrt Wh immer wieder nach der Wäsche-Abtheilung.�_ «u Gladem oiselle de Fontenailles half nämlich jetzt tn dieser "btheilung bei der Aufnahme der Inventur. Und da Josef a der That fortwährend nach dieser Abtheilung blickte, be- Sannen die Fräulein zu lachen. Er gericth in Verlegenheit, versenkte sich ganz in seine Inventur, während Atargucrtte, Um die Lachlust zu unterdrücken, die ihr den Rachen kitzelte, Ichrie, so laut sie konnte:... ..- 14 Jaquets von englischem Tuch, zweiter Große, zu , Madame Anrelie wandte sich mit majestätischer Miene .% Ihr AnbäTMb sÄ�rmÄ ßefcheibt, daß jW Euch mit solchen Kindereien unterhaltet, da dte Zeit WMWB lächelnd da. (Fortsetzung folgt.) provisorisch der frühere Geschäftsleiter der Züricher Genossenschasts- Buchdruckerei, H. Schlüter, der s.Z. aus der Schweiz ausgewiesen wurde, gewählt worden.— Wie die„Chic. Arb.-Ztg." schreibt, ist die Befürchtung einer Zersplitterung unter den Karpenters und Zimmerleuten unbe- gründet gewesen. Diese Befürchtimg ist dadurch entstanden, iveil das Komiteemitglied Scott, das man stark in Verdacht hatte, Verrätherei gerrieben zu haben(man hatte ihn wiederholt dem Hauptquartier der alten Meistcr-Vereinigung geheime Besuche ab- statten sehen), ein Mitglied des Ordens der Knights of Labor war, denen man wegen des zweideutigen Verhaltens ihres„Groß- Werkmeisters" Powderly sowieso kein volles Zutrauen schenkte. Nun haben aber die Mitglieder des Ordens selbst Scott unter Anklage gestellt und werden ihn wahrscheinlich ausstoßen.— Ter Governor des Staates New-Uork hat das von beiden Häusern der Legislatur beschlossene Gesetz bezügl. Anstellung von acht Fabrik-Jnspektorinnen mit seiner Unterschrist versehen. Es kommt nun freilich ganz darauf an, ob bei Besetzung der Stellen die im Uebrigen ohne Ausnahme geltende Maxime in Anwendung koinmt, sie als„Krippen" für„verdiente" Parteigängerinnen zu bettachten, oder die von den diversen Arbeiter- und Arbeiterinnen- Organisationen gemachten Vorschläge beachtet werden. Es ist in der Arbeiterpresse drüben hier und da irrthümlich angegeben worden, daß in den Vereinigten Staaten der 1. Mai schon lange als Arbeiter-Feiertag gelte. Der hiesige„Labor Tay" ist der erste Montag im Septcniber, und zwar ist derselbe g e- setzlich nur in den Staaten New-Dork, Pcnnsytvanien, Massa- chusetts, New-Jersey, Kolorado und Nebraska eingeführt. Ge- eiert ivird er indessen überall dort, wo sich Arveiter- Organi- ätionen befinden. Die Chicagoer Arbeiter-Zeitung schreibt neuerdings, daß der Versuch zur Besreiuung von Neebe, Fielden und Schwab nicht als ganz hoffnungslos zu bettachten sei. Die Stimmung in den„ein- lußreichen" Kreisen, deren Druck s. Z. die Verurtheilung herbei- ührte, habe einen ganz bedeutenden Umschwung erfahren, und ms sei auch von wesentlichem Einfluß auf die. Anschauungsweise der Richter. Z?olikifche Meltovstthk. Der Fall des baiierifchen Ministers Fuh hängt mit dem Sturze des Fürsten Bismarck zusammen, dessen er- gebenster Diener und Nachäffer er war. Fürst Bismarck )atte es verstanden, in den meisten deutschen Bundesstaaten ich solche Leute an maßgebender Stelle zu halten. Und sie alle sind natürlich durch den Sturz des Fürsten Bismarck mehr oder weniger in ihren Stellungen erschüttert worden. Herr Lutz wird unzweifelhaft in nächster Zeit noch Nach- olger haben. Auch in Oesterreich und Italien dürften ähnliche Wirkungen eintreten. Herr Crispi z. B. hat, seit Bismarck beseitigt ist, offenbar keinen festen Boden mehr unter den Füßen und es müßte ein Wunder geschehen, wenn er noch lange mitmachen sollte. Finanzminister von Scholz hat, wie die„Köln. Ztg." meldet, seine sämmtlichen Dienstardeiten wieder übernommen; in einem Augenleiden soll sich eine Besserung eingestellt haben. Herr von Scholz scheint hiernach die Gerüchte von seinem bevor- sehenden Rücktritt nicht bestätigen zu wollen. Dies wird an� der„Schles. Ztg." in einer von„gut unterrichteter Seite" her- rührenden Berliner Zuschrift mitgetheilt. I« Krzng auf seine Ministerkarriere äußerte Oberbürgermeister Dr. Miquel bei einem Bankett zu Ehren von zwei Frankfurter Senatoren nach einem Telegramm der„Post": Er lese jeden Tag Dinge in der Presse, von denen er selbst keine Ahnung habe, er habe darauf verzichtet, zu dementiren; der Presse gegenüber ziehe man immer den Kürzeren, man solle sich nicht verschwören für alle Zukunft, niemals zu sagen sei Ver- messenheit; aber er habe nicht den Wunsch, mehr zu werden, als er sei, denn seinem inneren Wunsche nach möchte er bis an sein Lebensende in Frankfurt bleiben. Die Nachricht der„Freis. Ztg.", es bestehe innerhalb der verbündeten Regierungen die Absicht,„zur Deckung der erhöhten Militärkosten" eine Besteuerung der Streichhölzer und eine Be- Neuerung der Quittungen vorzuschlagen, wird von den„B. Pol. Nachr." als der Begründung entbehrend bezeichnet. Das Abgeordnetenhaus begann am Dienstag die zweite Berathung der Sperrgeldervorlage. Die Erörterungen drehten ich um den bereits in erster Lesung hervorgehobenen Hauptstreit- punkt, ob das gesperrte Kapital oder nur eine jährliche Rente dieses Kapitals zurückgegeben werden solle. Die Redner des Zentrums vertraten den Standpunkt, daß das Kapital an die ursprünglich Berechtigten als die eigentlichen Eigenthümer zurück- zuerstatten sei, während der Kultusminister von Goßler und die Redner der Regierungsparteien die gesperrten Gelder als freien Fonds der Regierung bezeichneten, auf den ein Eigenthumsrecht nicht geltend gemacht werden könne. In Bezug auf die end- giltige Stellungnahme der Vorlage erklärten die Konservativen und Nationalliveralen, dein Gesetz nur zustimmen zu wollen, falls das Zentrum sich zur Annahme desselben in der Regierungs- ässung bereit erkläre. Die Redner der Zenttumspartei hingegen stellen es für zweckentsprechender, von einem Gesetzentwurf in der vorliegenden Form abzusehen und die Regelung der Sperr- geldersrage bis zur Vorlegung eines genehmeren Gesetzentwurfs zu vertagen, in welchem Sinne auch mehrere Anträge seitens der Abgg. Dr. Windthorst und Dr. Brüel vorlagen. Im Verlaufe der Erörterungen nahm Abg. Dr. Windthorst nochmals Gelegen- heit, der bei der ersten Lesung in der Kommission vom Kultusminister gemachten Mittheilung, daß der Papst seine Zu- stimmung zur Vorlage erklärt habe, entgegen zu treten, indem er erklärte, daß derselbe zu dem Entwurf überhaupt keine Stellung eingenommen habe, das Zentrum also in seiner Entschließung vollkommen frei sei. Kultusminister v. Goßler hielt seine frühere Mittheil.mg aufrecht, modifizirte dieselbe zedoch dahin, daß dem Papst allerdings die Vorlage selbst nicht vorgelegen habe, son- dern daß ihm nur die maßgebenden Grundsätze derselben zur Kenntniß gebracht seien, denen er denn zugestimmt haue. Auch dies erklärte Abg. Windthorst in einem Zwischenruf für unrichtig. Mittwoch wird die Berathung fortgesetzt. Die»iberferische Auvivaudrrutig aus dem Deutschen Reich über deutsche Häfen, Antwerpen, Rotterdam und Amsterdam hält sich ziemlich genau auf der Höhe der vorjährigen. Nach dem neuesten Monatsheft zur Statistik des Deutschen Reichs sind im April er. auf den angegebenen Wegen ausgewandert 13 949 Per- sonen gegen 13 813 im April 1889, 16 098 im April 1888, 15 142 im April 1887 und 10594 im April 1886. Die Gesammtzahl der Auswanderer betrug von Anfang Januar bis Ende April d. I. 31 048 gegen 31 146, 33 496, 34162 und 23 432 im gleichen Zeitraum der Vorjahre bis 1886. Von den Auswanderern des lausenden Jahres kamen allein 6728 aus Posen, 4929 aus Pommern und 4138 aus Westpreußen. Im vorigen Jahre waren bis Ende April aus diesen Provinzen 6314, 8469 und 4567 Personen ausgewandert, so daß also die posensche und besonders die pom- mersche Ausivanderung zugenommen, die westpreußische dagegen abgenommen hat. In Leipzig ist ein Arbeiter, der in Connewitz- am 20. Februar— am Tage der Wahl— einem Studentenschlepper eilte heftige Ohrfeige gab, von der das Trommelfell zersprang, zu einem Jahre Gefängniß verurtheilt worden. Das„Leipz. Tgbl." bemerkt dazu triumphirend: also war Alles wahr, was wir über den sozialdemokratischen Wahl- terrorismus gemeldet hatten!' Nein, biederes Tageblatt, es war nicht Alles richtig. Nichts war richtig! Die Prü. gekeien, welche am 20: Februar d. I, zivischen Leipziger Studenten und Arbeitern der Vorstädte stattfanden, wäre« in keiner Weise ernsthafter. und heftiger als, die üblichen Studentenprügeleien in den Vorstädten. Und die Prügeleien des 20. Februar waren unzweifelhaft durch die Studenten, welche sich zu der traurigen Rolle von„Schleppern" miß- brauchen ließen, provozirt.„Wahlterrorismus" wurde ant 20. Febniar einzig und allein durch die Ordnungsparteien geübt— die mörderischen Massenüberfälle in der Umgegend von Berlin und von Harburg, in der sächsischen Lausitz«. waren sämmtlich das Werk der Parteigenossen des„Leip- ziger Tageblatt". Auf welche Strafe wohl in diesen Fällen erkannt wird? Wir sind neugierig. Freienmalde. 3. Juni. Bei der heute im 5. Wahlkreise des Regierungsbezirkes Potsdam(Oberbarnim) stattgehabten Reichstags- Ersatzwahl erhielt von Bethmann-Hollweg(freikons.) 6536 Stnn- men, Oberlehrer Althaus-Berlin(dfr.) 5972 Stimmen, auf den sozialistischen Kandidaten entfielen 835 Stimmen; es ist mithin eine Stichwahl zwischen den beiden ersteren nothwendig.(Für einen Theil der Auflage wiederholt.) Aus Dortmund, 3. Juni, wird uns geschrieben: Am Abend des 1. Juni fand die regelmäßige Versammlung des Vereins für volksthümliche Wahlen statt, in welcher Herr Redatteur Jeup aus Elberfeld über die Thätigkeit des neuen deutschen Reichstages sprach. Gelang es diesem Redner, seinen Vortrag ungestört zu beendigen, so hatte der nachfolgende Redner, Schlosser Wagner, nicht das gleiche Glück. Die Kolonialpolitik bezeichnete er als von der Regierung dem deutschen Volke vorgeführte Nebelbilder. Das trug ihm einen„Ordnungsruf" seitens des überwachenden Beamten ein. Maler Trempa beschwerte sich mit Recht über die immer größer werdende Bevormundung, man könne kaum einem Genossen das letzte Geleit geben. „Kozaren- Politik" nennt tteffend die«Leipz. Ztg." das Verfahren der Unternehmer- Koalitionen, nach welchem sie alle Arbeiter ächten wollen, die irgend welcher, wenn auch nicht sozial- demokratischer Vereinigung angehören. Namentlich richtet sich dieser Vorwurf gegen den Berliner„Zenttalverband der deutschen Industriellen", dem die Zumuthung gar zu kraß erscheint, bei Feststellung der Arbeitsordnungen auch Arbettervertreter zuzuziehen, wie dies zum Beispiel bei den Buchdruckern schon seit langer Zeit geschieht. Gvklävung. Von Herrn W. Liebknecht geht uns fol« gende Erklärung mit der Bitte um Veröffentlichung zu: Zur Charakteristik des haarsträubenden Blödsinns, den gewisse Telegramm- und Korrespondenz-Fabrikanten mir einem Berichterstatter des Pariser Petit Journal gegen« über in den Mund legen, habe ich zu bemerken: 1) daß dieser Blödsinn sich bloß in den betreffenden deutschen Telegrammen und Korrespondenzen findet, nicht aber in dem Bericht des„Petit Journal"— wenigstens soweit mir derselbe aus der Justice, Ba« taille und anderen fremden Blättern bekannt ist; 2) daß der Berichterstatter des Petit Journal, der von Pariser Freunden warm an mich empfohlen war, ü b e r h a u p t k e i n I n t e r v�i e w mit mir gehabt hat, sondern nur, da ich gerade viel zu thun hatte, eine flüchtige Unterredung im Foyer des Reichstages, die mit den Unterbrechungen— ich wurde leider mehrmals abgerufen— höchstens eine Viertelstunde dauerte. Ich sagte natürlich nichts, was nicht Jedem gesagt werden konnte; und was ich von dem Be« richt des Petit Journal gelesen habe, enthält zwar mancherlei Jrrthümer und Schiefheiten aber nichts, was mich zu einer �Berichtigung hätte veraplafsen können. Kurz, der haarsträubende Blödsinn, den man mir in den Mund legt, ist deutsches Fabrikat und offenbar zu dem Zweck angefertigt, von den skandalösen Aeußerungen, welche der Reichskanzler a. D. reichsfeindlichen Interviewers gegenüber gemacht haben soll, die Kritik abzulenken, und diese Aeußerungen in einigermaßen milderem Licht erscheinen zu lassen. Borsdorf, den 3. Juni 1890. W. Liebknecht. Schwei?. Bern, 4. Juni. Der neue deutsch-schweizerische Nieder- lassungsvertrag ttitt am 20. Juli d. I. in Wirksamkeit und bleibt bis zum 81. Dezember 1900 in Kraft. Die Auswechselung der Ratifikationsurkunde soll bis spätestens den 10. Juli er. in Bern stattfinden.— Der Artikel 2 des Vertrages lautet wörtlich: Um die- in Arttkel 1 bezeichneten Rechte beanspruchen zu können, müssen die Deutschen niit einem Zeugniß ihrer Gesandtschaft ver- sehen sein, daß der Inhaber die deutsche Reichsangehörigkeit be- sitzt und einen unbescholtenen Leumund genießt. Frattkreich. Paris, 3. Juni. Der Präsident Carnot hat heut« die Begnadigung des Herzogs von Orleans unterzeichnet. Derselbe wird in dieser Nacht an die Grenze gebracht.— Wie die Morgenblätter melden, wurde der Herzog von Orleans heute Nacht in größter Heimlichkeit nach Delle an die Schweizer Grenze gebracht. Derselbe dürfte sich zunächst nach England be- geben. Der neugewählte Pariser Gemeinderath hielt heute seine erste Sitzung ab. Er wählte zu seinem Vorsitzenden Herrn Richard mit 41 Stimmen; Lamakreux erhielt 31 Stimmen. Der Abg. Ferroul hat einen Gesetzentwurf eingebracht, durch den ein aus Arbeitgebern und Arbeitern gebildeter Aus- schuß in allen Fabrikorten eingesetzt werden soll. Jede Fabrik- ordnung soll erst dem Gutachten dieses Ausschusses unterworfen werden. Der Minister des Aeußern fordert alle Vertreter Frankreichs im Auslande auf, sich über die Arbeiterorgani« sation in den Ländern, in welchen sie beglaubigt sind, zu unter- richten. Die auf diesem Wege erhaltenen Ausschüsse sollen als Grundlage für die Arbeitergesetze dienen, welche den Kammern vorliegen oder von der Regierung vorbereitet werden. . lieber die Verhaftungen von Russen in Paris N»d inzwischen fchon kühlere Meldungen eingetroffen. Einzelne der Verhafteten sind freigelassen und ein Telegramm der„Franks. eltung" sagt, die beschlagnahmten Stoffe seien meist harmlos. ei dein nicht zu den Nihilisten zählenden Fürsten Nakadschitz seien viele Papiere aufgegriffen worden, welche nicht revolutio- nare Bewegungen, sondern die liberale Opposition betreffen.„Die angeblichen Dynan.itvorräthe und Bomben," heißt es in einen, Pariser Brief der„Post",„sind zum Theil einfache Laboratoriums- requisiten und Versuchsretorten der Studenten. Die weiter vor- genoiilmenen 80 Haussuchungen sind völlig ergebnißlos geblieben. Der Angeklagte Lavreynius ist ein steinreicher russischer Getreide- Makler, der die Chemie zu seinem Vergnügen betreibt, Nachweis- llch aber seit zwei Jahren in seinem jetzt versiegelten Labors- gearbeitet hat." Der große Koup ist also schon beträchtlich zusammengeschrumpft und es liegt nicht wenig Grund -ur Annahme vor, Herr Constans habe sich durch seine Beflissen- )e:t dem Zar gefallig zeigen und bei den französischen Politikern, die für die russische Kameradschaft schwärmen, in Gunst setzen wouen. Theater. Donnerstag, den 5. Inn/. Gperichans. Die Hochzeit der Figaro. Schanlpiellianv. Don Carlos. ! Till Dentsche« Tsteater. Götz von Ber- ' Itchingen. Kerliner Theater. Kean. Zesstttg» Theater. Die Ehre. Friedrich-Milhelmstädt. Theater. Der arme Jonathan. WaUner-Theater. Geschlossen. Viktoria-Theater. Stanley in Afrika. Gsteud-Theater. Lohengrin. Kelleallianre- Theater. Der Nau- tilus. KroU's Theater. Die Hochzeit. Kaufmattn'o Uariotö. Große Spe- zialitäten-Vorstellung. t Hasenhaide Ausstellungs-Fark. 1686], 16 Eingeborene ans dem Kitui-Lande. Vorstellung and Produktion von Nachm. 4—9 Uhr Abds. stündlich. Englischer Harten. Auftreten d. Liedersängerin Frl. Steinow. Austreten des Gesangshumoristen Herrn , Jonas. Auftreten des Komilers, Mimikers und Stimmen-Jntitators Herrn Gödlcko. Austreten der Geschwister Herzog. Austreten des musikc musikalischen Neger- Klown Mr. de Dolls. Andreas. Etllblissemtlit Buggenhagen am Moritzpiatz. Täglich: Grosses Garien-Conoerl. Direktion A. Rödmann. Dienstag und Freitag: Valzer-Abend. Fnh'PO Wochentags 10 Pfg., Jjllll cL gönn- und Festtags 25 Pig. Bei ungünstiger Witterung in den unteren Restaurationsräumen. Großer Frühstücks- und Mittagstisch. Spezial-Ausschant von Patzenhoser Export-Bier, Seidel 15 Ps. Die oberen Säle bleiben dts auf Weiteres wegen Renovirung geschlossen. 641 F. Maller. Varißtd-Theater. (Hasenhaide) Hermannstr. 18— Neue Strasse 18. In dem vollständig renovirten Garten: 275 Grches Konzert, Thenter, SpejinMen-VorMnng unh BALL, nettes Programm. Anfang 4 Uhr. Entree 25 Pf. linder frei! Passage 1 Tr. 9 Uhr M. b. 10 Uhr Ab. Kaiser-Panorama. Hervorrag. Sehenswürdig!, d. Residenz. "- dieser Woche: In 3. 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Arbeiter- Retourbillets 30 Pfg."MD ........---......~~ u Frie! 1626 Treffpunkt bis spätestens Morgens 10 Uhr im„Bellevue" zu Friedrichs- Hägen. Züge fahren ab vom„Schlesischen Bahnhof" 7,06, 7,46, 9,20 Uhr. "'cbeiter- Retourbillet fahren wollen, Diejenigen Genossen, welche auf Arbeiter müssen die Fahrt um 3 Uhr beendet haben. Um zahlreiche Betheiligung ersucht Der Vorstand. Achtung, Bildhauer! arcr- Oicnstan. den 10. Juni. Abends SVe Uhr."TBiB 1663 Dienstag, den 10. Juni, Abends SVe Uhr, findet bei K e ß n e r, Annenstr. 16, me Delegirtev- Versammlung M. Der Wichtigkeit der Tagesordnung tvegen ist es nöthig, daß jede Werk- statt einen Delegirten entsendet. Dir Kommission der Kildhaurr. SAistgiesjer-NechillmlUg am Freitag, den 8. Juni, Vormittags 10 Uhr, in Jord a n' s Salon, Neue Grünstr. 23. Tagesordnung: 1. Bericht über unsere Lohnbewegung. 2. Verschiedenes. 3. Wie stellen wir uns zur Streik-Kontrolkommission? 1681 Die Kommission. Fachverein der Tischler. Sonnabend, den 7. Juni, Abends 9 Uhr, in Joel's Sälen, Andreasstr. 21. AchrockM. GemckersMillW. Tagesordnung 1. Stattttrttabiin>rmtng.l 2. Hrschlusifassung über Erhrbung einer Ertrastener für strei- Kendo Kollrgett. 3. Verstärkung der Werkstatt-Kontrolkommission. Vereinsangelegenheiten. Verschiedenes und Fragekasten. 1667 Mitgliedsbuch legitimirt. Der wichtigen Tagesordnung wegen erwartet zahlreiches Erscheinen Der Vorstand. Große öffentliche Versammlung der Schlosser und Maschinendanardeiter Herlins und Umgegend SjCy am Donnerstag, den 5. Juni er., Abends 8V2 Uhr,"VRE im Königstadt-Kasino, Holzmarktstr. 72. Tagesordnung: 1. Bericht der Delegirten vom Weimarer Metallarbeiter-Kongreß. 2. Diskussion. 3. Das Vorgehen der Hamburger Eisen-Jndustriellen gegen die Orga- nisationen der Arbeiter. 4. Verschiedenes. Zur Deckung der Unkosten findet eine Tellersammlung statt. Bei der Wichtigkeit der Tagesordnung und im Interesse unserer Sache ist eS Pflicht eines jeden Kollegen, in dieser Bersamntlung«u erscheinen. Der Einberufer. 1669 Freie Vereinigung der Seife nfteder und Kernfsgenosten Keriins und Umgegend. Mitglieder-Versammlung Sonnabend, den 7. Juni, Abends SVe Uhr, im Lokal des Herrn Schäsfer, Jnselstr. 10. Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn Pirch über:„Das Recht auf Arbeit". 2. Diskussion. 3. Entrichtung der Monatsbeiträge und Ausnahme neuer Mitglieder. 4. Umtausch der Bibliothek. 5. Verschiedenes. 1643 Es ist Pflicht eines jeden Kollegen, sich der Organisation anzuschließen. Gäste willkommen. Um zahlreiches Erscheinen ersucht Oer Vorstand. Hamburg- Amerikanisehe " Dnefrl nYn wf*c!/»Vi ifPnliwf Postdampfsehiffahrt Hamburg-NewYork Sonthaiupion anlaufend Oceantabrt 7 Tage. Ausserdem regelmässige Postdampfer-Yerbindung »wischen Ii iWre— Newyork. Stettin— NeTryorli. Hamburg— Baltimore. Hamburg—"Westlndion. Hamburg— HaTiina. Hamburg— Mexico. Nähere Auskunft ertheilt: Wilh. Mahler, Berlin N., luvalidensirasse 121, 283 und August Langer, Berlin, Platz vor dem Neuen Thor 3 !. 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Dieses ist richtig. Es soll heißen: Emil KlrcDl Residenzstr. Nr. 20. 1677 B. s. Abreise in das Land des 9# stundent.send. a. Freunden e.herzl.iLebe»'' 1684 A. Hermann, Buchbinder. Ich warne hiermit Jeden, mei# Frau etwas auf meinen Namen) borgen, da ich für nichts aufkomme. 1672] Carl L i s k o>v, Birkenstr#' Kundschaft, ist Preiswerth zu verkani Off. unt.«. I684 an die Annoncen' Expedition, Gr. Frankfurterstr. 39. Platinabfälle, wie Draht aus Glub' lampenze. kauft Borgvitz.Dragonerstn-�' Aldorf,-'t*z H-dj-6ry3trass0 l lllXO LAÄUUJOl»Ii<*»»»'.. kleine Wohnungen nn Wasserlei'lung, 50—56 Thlr., per foM zu vermiethen.' Frdl. Schläfst, an Herrn z. verm. Niwczyk, Schinkestr. 2, v. 3 Tr. l. [lS 1 Möbl. Schläfst, z. v. Pankstr. 12a, 4%*■ Arbeitsmrkt. Laufbursche verlangt Kohlhardt, Mariannenstr. 84� Papierschläger, a geübt, verl. M. Vollmer, Uvbnnftr. Garantie 20 M. pro Woche. 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In der Generaldiskussion über die N�.s � sch�itt bemängelte der Vorsitzende Ackermann, daß für fehl? i � und Schiedssprüche der Gemerbegerichte die Exekutive »nd Tr m aus die englische Gesetzgebung hin. Dr. Eberty(dsr.) betont-.» Kuchem(Zentr.) traten für die Regierungsvorlage ein und Bert.»» ß gerade der Mangel der Exckutionsmöglichkeit das Sinn- �u erivecke. Dr. Schier(konservativ) äußerte sich in diäte x Vorsitzenden. Dr. v. Cuny(nationalliberal) verthei SlO SXJrtrt J nvitv» VN vT/-»AC» oYvcmfrt �T» OYTovrttihPI die Regierungsvorlage, ebenso Dr. Alexander ».««» s" Abschnitt-.....~ vierten �er" bän?.��'Ä?'öte die Kommission§§ 64—68 inkl. unverändert. dieses«!!..%f4njtt beginnt mit tz 69:„Die Bestiimnungen Gesetzes finden keine Anwendung im..- der Zteichs- und Staatsdruckereien, �iunzanstalten, sowie der unter der Mrlitar- kskn aus Streitig der staatlichen oder Aiarinever- wattung oder der Staatseisenbahnverwaltung stehenden Betriebs- »lagen mit den in diesen Betrieben beschäftigten Arbeltern. Deesbach(Soz.) beantragt, den§ 69 zu streichen. Geheimrath ahmann lesürivortete die Beibehaltung des§ 69. Dr. Bachein wende.), Dr. Eberl-,(frs.) und Tutzauer(Soz.) erklarten such für Rn Antrag Dreesbach. Die Kommission besckstoß, dap nur die Mitjgkeiten der Vorstände der unter der Militär- oder der -----•"--—.-_"■ dickr �'ualtung stehenden Vetriebsanstalte» mit ihren Arbeitern Bo.d"'!. das Gesetz fallen sollen, dagegen die Streitigkeiten der Btinr? nnderen Staatsbetriebe mit ihren Arbeitern den Ve- die z-n, ungen des Gesetzes unterstellt werden.§ 70 wurde mit a.,;,r?9 Eunt),§ 71 unverändert genehmigt.§ 72 lautet: Die Mandigkeit der Jnnungs-Schiedsgerichte erleidet durch dieses sjjstch keine Einschränkung. Das Gleiche gilt, sofern ein nach .»izgnbe dieses Gesetzes errichtetes Gewerbegerichl nicht vorhan- de? uon der Zuständigkeit der Innungen und der auf Grund g,«-andesgesetze zur Entscheidung von Streitigkeiten der im bezeichneten Art berusenen besonderen Behörden. Gegen Entscheidungen der Innungen und Jnnungs-Schieds- h j'te steht binnen zehn Tagen die Berufung auf den Mtsweg durch Erhebuiig der Klage beim ordent- sajen Gericht offen. Dr. Eberty beantragt, die beiden jst'en Satze zu streichen und den dritten Satz also zu '»lseii: Sofern ein nach Maßgabe dieses Gesetzes errichtetes Ge- Werbegericht nicht vorhanden ist, bleibt die Zuständigkeit der �'nungen und Jnnungsschiedsgerichte, sowie der auf Grund der -?ndesgesetze zur Entscheidung von Streitigkeiten der im§ 3 beschneien Art berufenen besonderen Behörden unberührt." Dr. Lachem(Zentrum) beantragt: Die bestehenden Jnnungs-Schieds- chte, die Besugniß der Innungen, Schiedsgerichte zu errichten, Zuständigkeit der Innungen zur Entscheidung von Lehrlings- ngkeiten, foivie die Befugniß der höheren Verwaltungsbehörde wäß Geiverbeordnung§ 100e Nr. 1 bleiben unberührt. Wo �werbegerichte bereits bestehen, haben die Rechte neu zu errichtender Mungen den Vorzug. Gegen die Entscheidungen der Innungen und �»uugS-Schiedsgerichte steht binnen zehn Tagen die Berufung foj den Rechtsweg durch Erhebung der Klage beim ordentlichen 'cht offen.§ 72 wurde mit diesem Antrag Bachem auge- Wiiien, ebenso§ 72a: Die gemäß Gerichtsversassungsgesetz§ 14 (Si„ 4 zugelassenen, aus Grund der Landesgesetzgebung bestehenden 'Werbegerichte bleiben ebenfalls unberührt.§§ 73, 74 wurde Wnbert angenommen,§ 75 mit Antrag Eberty Centralbe- Upen bestimmen, welche Verbände als weitere Kommunalver- g,"de anzusehen sind, welche Gemeinde-Kommunalvcrbandsorgane Stuten über Errichtung von Gewerbegerichten und welche »'»ats- oder Gemeindeorgane(nur die mit Aufsicht in Gemeinde- ijMegenheiten betrauten höheren Verwaltungsbehörden) die ßjWn Verrichtungen wahrzunehmen haben. Stach§ 76 soll das am 1. Oktober 1890 in Kraft treten. Nachkiiinge zum Weimarer Metallarbeiter-Kongvest. ®c'»i man den Versicherungen Schiller'» Glauben xy.-aer r-■ «öttex fchCltfo��'V(,lUU VtU iWV|IU/VV«.i.l)v..~ V b f°st damals, als noch die alten griechischen Zeit» c? Szepter führten, eine schönere, eine„ganz andere" 1 0,,f �........... e»;.. e§ aber auch in Bezug Wpli.(iivyvvvii, v»v»v , ch'f Erden gewesen sein. bcrAtM »lz k>e»��tyscyatzung der Arbeit damals ganz anders war, &u§ tj'» scheint mindestens zweifelhaft. Vom Allvater geriebe.. Schirmherrn der Kanflente und Diebe, dem ü waren alle Götter wohlgebildet, bis auf doste,,'dem Vertreter der Arbeit, dem Verfertigcr der knnst- >»id-.�drathe und Waffen, der mißgestaltet einher hinkte, Me[f6T. Lanzen auf dem Olymp herum faulenzenden Götter- Soften 4 aI§ Zielscheibe des Spottes dienen mußte. UüKre»�", �en ruhigen Gesellen, war alles erlaubt. �iars vor seiner Esse hantirte, koste der galante K.''"t seiner liebensivürdigen Gattin, und als >>i>d.Lst das saubere Paar in flagranti ertappte, ftzitin den übrigen Göttern vorführte, erdröhnte der "am Hohngelächter über den betrogenen Vulkan. 'che» werden, war und blieb das Schicksal der ehr- - Arbeit durch Jahrtausende hindurch. Als Vulkan ßchq.,!" den Tiefen des Aetna hauste, hatte er sich Mägde stge. die auf sein Geheiß kamen und giiigen und über- ? Arbeiten verrichteten. Die Jünger Vulkans haben �wctltl Altmeister längst übertroffen) gegen die Natur- ' welche sie in ihren Dienst genommen, erscheinen ffseD4' Pwnkräfte der Alten als schwaches Kinderspiel. Das »der,»- Zottalter bewältigt Hindernisse, welche den Alten un- »iib"-dlich erschienen, es hat die Entfernungen aufgehoben Meff Füllhorn ungeahnten Neichthums über die M ausgeschüttet, aber die russigcn Jünger Vulkans . d>iik>t dabei ausgegangen. Lange schon sind sie Sen V"ch ein besseres Dasein zu erringen, und so >» zü.ste auch dieses Jahr wieder zu ernsten Berathuugen Ae q�war zusammen. Es war ein seltsamer Zufall, der SSSLowbeiter wiederum nach Weimar führte, der Berstadt, die bisher ängstlich bemüht gewesen ist, die Mottttttttttsles. Di« Tagesordnung für die Sitzung der Stadtverord- neten-Uerfammlung am Donnerstag, den 5. Juni, lautet: Ein Naturalisationsgesuch— Vorlage, betreffend Verleihung eines Benefiziums der Wunderlich-Stiftung— Wahl je eines Mit- gliedes für den Ausschuß für die Wahlen von unbesoldeten meinde-Beamten, für die Arbeitshaus- und die Waisen-Vei tung und für das Kuratorium der Sydow-Stiftung> richterstattung über die Vorlage, betreffend Abtretung von Land zum Steichstags-User— Vorlage, betreffend die Errichtung von fünf Fachturnlehrstellen— desgl. betreffend die beabsichtigt ge- wesene Erwerbung der Grundstücke Koloniestraße 6 bis 9 und hinter diesen Grundstücken— desgl. betreffend die im Quartal Januar-März 1890 durch die städtische Gasanstalt gespeisten Flammen— desgl., betr. die Ermäßigung der Wohnungsmiethe für eine an den Turnwart zu vermiethende Wohnung im Direktorialgebäude Elisabethstr. 57/58— desgl., betr. die Skizze zum Bau einer Volksbadeanstalt auf dem Grundstück Thurm- straße 82— desgl., betr. den Verrauf einer Parzelle des städtischen Parkgrundstücks an der Königsbergerstraße— desgl., betr. die bezüglich des Chausseehauses an der Charlottenburger Chaussee be- fchlossene Resolution— desgl., betr. den Ankauf verschiedener Parzellen in Französisch-Buchholz zwecks Erweiterung und Ab- rundung der Rieselländereien— desgl., betr. den Verkauf von Straßenland vor den Grundstücken Holzmarktstr. 33/34— desgl., betr. die Einrichtung von Büreauräümen für die Desinfektions- Anstalt I. im Hause Reichenbergerstr. 66,— desgl. betr. die Er- werbung von Terrain des Grundstücks Rosen thalerstr. 9 zur Bürgersteig-Verbreiterung— desgl. betreffend das öffentliche An- schlagwefen— desgl., belr. die Abänderung des§ 1 des Zusatzes zum Miethssteuer-Regulativ vom 21. Februar/2. April 1889— drei Rechnungen— Berichterstattung über die Vorlage, betr. die der Stadtgemeinde zugefallene Vorfter'sche Nachlaßmasse— Vorlage, betreffend die Weiterbewilligung von Erzichungsgeld für ein Kind eines verstorbenen Steuererhebers— eine Unterstützungssache. ToKetlvÄ». Die Fahrpreis- Herab setz«n>gen für den Vorortsverkehr auf der Görlitzer Bahn, welche vor einiger Zeit bei dem Jnkraft- treten des Sommer- Fahrplans angekündigt wurden, sind leider nicht erfolgt. Mit dem Sommerfahrplan sind lediglich die schon in früheren Jahren während der Sommerszeit üblich gewesenen Halbtags-Rückfahrkarten wieder eingeführt, die mit den mancherlei blireankratischen Einschränkungen, die ihnen anhaften, eine be- ständige Quelle von Aergernissen für das Publikum und die Ve- amten sind. Die Halbtags- Fahrkarten gelten von 1 Uhr Nachmittags ab; sie gelten aber wieder nichk für den um 2 Uhr 15 Atinuten abgehenden Zug, der, obwohl er auf allen Vorort- stationen hält, doch aus irgend ivelchen eisenbahntcchnischen Grün- den nicht als Vororts-, sondern als Fernzug betrachtet wird. So bleibt also in den Wochentagen die Giltigkeit der Halbtags-Fahr karten auf den um 1 Uhr 35 Min. abgehenden Zug und auf die um 3 Uhr 35 Min. und später fahrenden Züge beschränkt; für die bei Halbtags-Aussiügen doch sehr wichtige Zeit zwischen 1 Uhr 35 Minuten und 3 Uhr 35 Min. sind diese Fahrkarten werthlos. Außerdem ist der Preis derselben zu hoch, wie die Preise für den dortigen VorortSverkehr überhaupt. Vor einigen Jahren wurden die Halbtagsbillets beispielsweise für 30 Pfg. nach Johannisthal ausgegeben; heute kosten dieselben 40 Pf., während das für zwei Tage giltige Retourbillet nur 50 Pf. kostet. Ganz ebenso gering- fügig ist der Preisunterschied für diese Halbtagesbillets nach den anderen Stationen bis Grünau. Darüber hinaus werden solche Billets überhaupt nicht verausgabt. Noch hoffen die ständigen Fahrgäste dieser Strecken auf eine Aenderung dieser augenfälligen Mißverhältnisse bei der Eröffnung des zweigeleisigen Betriebes bis Wusterhausen, der man noch im Lause dieses Sommers ent- gegensicht. An öffentlichen aus den stiidtifchen Gasanstalte» versorgten Flammen waren ult. März 1890 vorhanden 18 735 Stück, die durch die englischen Gasanstalten(auf dem ehemaligen Schöneberger Gebiet) gespeisten öffentlichen Flammen betrugen zur selben Zeit 666, mithin war der Bestand der städtischen und englischen öffentlichen Flammen ult. März er. 19 401 Stück. Die Großindustrie mit ihren dampfenden Schloten, ihrem Ge- töse und ihrem Fabrikproletariat von sich fern zu halten. Die Bürger von Weimar„sein helle". Die guten Leute wissen sehr genau, daß sie in ihrem Schiller- und Göthe- Haus eine Zugkraft und Einnahmequelle besitzen, welche so und so viel Dampfmaschinen mit Hunderte von Pferde- kräste» ersetzt. Daher auch die große Pietät, mit der in Weimar das Andenken der Geistesheroen gepflegt wird, und das so weit geht, heute noch die Herren v. Schiller und Göthe als lebend im Adreßkalender weiter zu führen. Mau wandelt in Weimar auf Schritt und Tritt auf geweihtem Boden, und auch die Theilnehmer am Kongresse konnten sich diesen Einflüssen nicht ganz entziehen. Als die Delegirten zum ersten Male den Sitzungssaal betraten, und die gewaltige, in einem Gestelle hängende Glocke gewahrten, riefen alle, nachdem sich die erste teiterkeit gelegt hatte, wie aus einem Munde:„Friede sei r erst Geläute!" Aber es blieb nicht bei klassischen Zitaten. Wer täglich auf seinem Wege der Reihe nach am Denkmal Wieland's, dem Göthe- und Schillerhaus, dem Denkmal Herder's vorbeikam, der fühlte plötzlich eine poetische Ader, von deren Existenz er vordem nicht die geringste Ahnung hatte, und es ging das Gerücht, daß verschiedene Delegirte selbst die Aufträge, welche sie von Weimar aus ihren Frauen zusandten, nur noch in Versen verfaßten. Auch das dramatische Element kam nicht zu kurz. Wenn nach Schiller Weiber unter Umständen zu Hyänen werden können, warum nicht in der klassischen Atmosphäre Weimars Eisendreher zu Tragöden? Allezeit unvergeßlich wird sämmtlichen Kongreßtheilnchmern die Pose sein, mit der Riemann (Chemnitz) am Schluß seiner Philippika gegen alle Halb- Heiken vom Podium hermlter schwebte. Delegirte, ivclche durchaus nicht an einem Uebcrfluß von Mammon litten, erklärten dennoch, daß sie selbst für hundert Thaler nicht auf den Kunstgenuß verzichtet hätten, welche ihnen durch die mimischen Leistungen Nicmann's geboten wurde. War der Einfluß der Klassiker auf die Kongreßthciluehmer uu- streitig, so scheint er auf die leitenden Kreise Weimars gleich Null zu sein. Andernfalls wäre es völlig unerklärlich, wie man das Doppelstandbild von Schiller- Zahl der durch die städtischen Gasanstalten gespeisten Privat- flammen betrug am Schlüsse des Monats März er. 827 045 Stück; der Bestand der Petroleumlampen betrug zu derselben Zeil 1185 StüK Die Gasproduktion betrug im Quartal Januar-März 1890 afoSO 000 cbm, gegen dasselbe Quartal im Jahre 1889 231 000 cbm. Gine nrno Art von„Thierfchntz" scheint sich in Berlin einbürgern zu wollen, die so empörend ist, daß Presse und Publikum begründete Veranlassung haben, ganz energisch dagegen zu protestiren. Am Dienstag Vormittag zwischen 10 und 11 Uhr gingen vier Hundefänger in der Neuen Königstraße dem Hunde- fange nach."Auf der Thürschwelle des im Hause Neue König- straße 71 befindlichen Posamentierladens saß ein kleiner Hund, der ohne Maulkorb aus der offenen Ladenihür geschlüpft war. Die Hundefänger wendeten zunächst das bekannte Rezept an, den Hund von der Thürschwelle fort zu locken bczw. zu scheuchen, um ihn auf neutrales Gebiet zu bekommen. Als dies gelungen mar, wollte einer der Hundefänger die Schlinge werfen, er warf aber fehl und der Hund ergriff die Flucht. Nun entspann sich eine milde Jagd. Im Karriere liefen die vier Hundefänger hinter dem armen Thiers her, das dem Königsthore zujagte. Wiederholt wurden die Schlingen geworfen, doch keine traf das Thier weiter als wie auf de» Rücken. Am Thore drehte dasselbe um und rannte denselben Weg zurück. Da die Hundefänger in ihrer verblüffenden Ungeschicklichkeit mit der Schlinge nichts ausrichteten, so griffen sie zu den M e s s e r n n n d st a ch e n n a ch d e m T h i e r e. Aus mehreren Wunden blutend und reiche Blutspuren auf der Straße zurücklassend, gelangte es doch wieder bis zum Laden seines Herrn. Dort wurde es endlich gestellt. Einer der Hunde- fänger postirte sich vor die Ladenthür, der zweite vor die Hausthür, der dritte an die Bordschwelle des Trottoirs und so in die Enge getrieben, verfiel das erschöpfte Thier der Schlinge des Vierten. Der Besitzer des Hundes war nicht daheim, die allein anwesende Frau löste denselben sofort ein; auf ihre Frage, was sie mit dem Hunde gemacht hätten, erwiderten die Hundefänger, er habe sich mit einem anderen Hunde gebissen, sofort ertönten aber aus dem vielhundertköpfigen Menschengewühl, daß sich mittlerweile gebildet hatte, Dutzende von Stimmen:„Nein, gestochen haben sie den Hund, ivir haben es ge- sehen!" Dutzende von Fäusten, Stöcken und Peitschenstielen hoben sich drohend gegen die Hundesänger und sicher hätten diese eine Züchtigung erhalten, wenn sie sich nicht ebenso still wie schleunig entfernt hätten. Der Hund hat am oberen T heile des rechten und linken Hinterschenkels je zw ei 6— 3 Centimeter lange und durch das dicke Muskelfleich bis auf den Knochen reichende Wunden, deren glatte Schnitt- flächen beweisen, daß die Wunden mit haarscharfen Schneide- werlzeugen beigebracht worden sind. Die Ausrede der Hunde- fänger, daß der Hund sich mit einem anderen gebissen habe, ist eine mit verblüffender Dreistigkeit erfundene. Die Jagd hat 10 Minuten gedauert. Bei Beginn derselben hatte der Hund eben in bester Gesundheit den Laden verlassen. Während der tollen Jagd konnte der Hund nicht gebissen werden, die Hunde- fänger hätten ihn denn auch leichter gesangöa, ganz abgesehen davon, daß Hunde, die sich beißen, sich stets an den vorderen Körpertheilen verletzen. Zudem haben sich Dutzende von Zeugen gemeldet, welche behaupteten, gesehen zu haben, wie die Hunde- fänger gestochen haben. Leider hat sich die Besitzerin des Hundes keinen der Zeugen notirt, sie bittet aber solche, mit Rücksicht auf das allgemeine Interesse sich nachträglich im Posamentierladen, Neue Königstraße 71, zu melden. Vielleicht tritt auch die Polizei — die mit der Waffe des groben Unfugsparagraphen ausgerüstet, den Roportermeldungen in Bezug auf deren Richtigkeit nachzu- forsche» liebt— der Sache von selbst etwas näher. Eine halbe Stunde nach dem hier geschilderten Vorgange er- schienen dieselben vier Hundesänger wieder in der Neuen Königstraße. Diesmal gelang es ihrer eminenten Ge- schicklichkeit, eine zweite wilde Jagd zu veranstalten. Sie jagten einen anderen maulkorblosen Hund von der Linien- straße bis zum Alexanderplatz, ehe es ihnen gelang, denselben ein- zusangcn. Da der Thierschutzverein seine Hundefänger nicht zu Vieren ausschickt, so geht daraus hervor, daß der alte Unfug wie- der eingerissen ist, d a ß s i ch d i e H u n d e f ä n g e r T r e i b e r halten, die sich allerlei Uebergriffe erlauben und nie gefaßt werden. Der Thierschutzverein kennt die Treiber nicht, und der Hundefänger will sie nicht kennen, weil er infolgedessen seine und Göthe vor einem Gebäude zur Aufstellung bringeil konnte, daß zwar ein Theater vorstellen soll, aber weit mehr einem Gefäugniß ähnelt, und was mau in unmittelbarer Nähe des Theaters ausführt, ist geradezu ein Barbarismus, ein Attentat auf den guten Geschmack. Von den Künstlern, denen Schiller vor hundert Jahren nachrühmte, daß sie das holde Gleichmaß in die Welt gebracht, scheint noch Keiner in Weimar Schule gemacht zu haben. Rechts von dem Dichtcrpaar steht eine uralte Baracke, deren Beseitigung uu- bedingt geboten wäre, um dem Platze ein freundlicheres Aussehen zu geben. Aber kleinstädtischer Krämergeist ließ unten große Läden mit moderner Eisenkonstruktion bauen, wodurch zwischen Unterbau und Oberbau ein Miß- verhältniß entstand, wie es schreiender gar nicht gedacht werden konnte. Und diese ästhetische Ungeheuerlichkeit er- richtet man 20 Schritte von dem Denkmal eines Dichters, der dicke Bücher über das Schöne geschrieben hat. Waren die Delegirten, und vorzüglich die kritisch veranlagten Groß- städter mit den künstlerischen Leistungen, die Weimar bot, nicht ganz zufrieden, so war dies mit den materiellen, leib- lichen Genüssen noch viel weniger der Fall. Manch einer seufzte, angesichts der schmalen Portionen, nach den Produkten aus Mntterns Küche, und nicht alle waren so glücklich wie ein Vertreter von Stettin, der erklärte:„Ich habe schon gefrühstückt wenn ich einen Schmied sehe, was zur Folge hatte, daß von allen Seiten die Aufforderung an ihn erging, sich aus eine eben so bittige Weise Mittag- und Abendbrot zu verschaffen, um die Diäten zu sparen. Abgesehen von solchen kleinen humoristischen Zwischenfällen, lagerte über den Verhandlungen des Arbeiter- Parlamentes� ein gemessener Ernst, und wer die Arbeiter- gestalten mit den durch schwere Arbeit übermäßig ent- wickelten rechten Schultern beobachtete, der konnte sich des herben Eindruckes nicht erwehren, daß unser viclgcrühmter Fortschritt den Arbeitern nur in verschwindendem"Maße zu tute gekommen ist. Mögen die in der Dichterstadt ge- pflogeuen Verhandlungen dazu beitragen, daß das bittere Muß der gegenwärtigen Arbeitsweise durch etwas mehr Muse gemildert werde., eigenen Uebergnsse auf die Schultern des großen Unbekannten schieben kann. So viel Uebergriffe sind kaum unter der Aegide der fiskalischen Abdeckerei seligen Angedenkens vorgekouunen. Ter Thierschunverein hat zwar zu Reklamen und Berichtigungen stets Leit, aber zur Veaufsichtigung seiner Hundefänger scheint es ihm an Zeit zu mangeln. Zlrl'rr den KeeKaual nach Kerlin sprach vorgestern im Berliner Architektenverein der mit den Vorarbeiten betraute Ne- gierungsbaumeister Scheck. Der Vortragende ging noch einmal auf die bisher behandelten Projekte ein: Berlin— Hamburg— Nord- see, Berlin— Stettin— Ostsee und das ganz alte: Berlin— Wis- mar— Ostsee. Die Richtung des Kanals Berlin— Hamburg würde etwa folgende sein: Ausgang Tegeler See— Kremmen— Fehrbellin— Wusterhausen— Kyritz— Perleberg— Elbethal—Britzenburg— Lautenburg— Harburg— Hamburg. Die Kosten würden sich auf 248 Millionen Mark belaufen, bei einer Länge von 273 Kilo- meiern. Die Richtlmg des Kanals Berlin— Stettin wird sein: Ausgang ebenfalls Tegeler See— Eberswalde— Finowkanal— Oderberger See— Schwedt— Greifenhagen in die Oder. Länge löö Kilometer, Kosten 1G0 Millionen Mark. Der dritte Kanal würde in gerader Richtung bis an die mecklenburgische Grenze und von dort bis Wismar gehen. Es fragt sich nun, ob die Ver- mittelung des Verkehrs, die durch solchen Kanal geschaffen wird, eine Steigerung des Verkehrs zur Folge haben wird, ähnlich wie bei Post und Telegraphie. Herr Baumeister Scheck will diese Frage ohne Weiteres beiahe». In der Besprechung über den Vortrag nahm u. A. Herr Schlichting das Wort, und seine Ausführungen gipfelten darin, daß für den Kanal gar kein Bedürfniß vorliege, da durch den jetzt im Bau begriffenen Nord- Ostseekanal nicht allein den Ostseeländern und den unmittelbar dahinter gelegenen Binnenländern der Verkehr mit dem Aus- lande erleichtert, sondern auch dem russischen Reiche die Nordsee eröffnet werde. Wenn wirklich ein neuer Weg geschassen werden soll, dann wird durch den fertig zu stellenden Rhein-Weser-Elbe- Kanal Alles gethan sein, was für absehbare Zeit nöthig erscheint. Vorerst müßte der Ausbau der Binnenwasserstraßen ins Auge gefaßt werden. Die Zahl der in städtischer Irrenpflege befindlichen Geisteskranken hat sich von 1582 im Jahre 1882/88 auf 2528 im Jahre 1889 gesteigert. Diese Steigerung übertrifft das Verhält- niß der Zunahme der Bevölkerung fast um das Dreifache, denn während die Bevölkerung Berlins sich in der gedachten Zeit um 22,49 pCt. vermehrt hat, ist die Zahl der in Berliner Anstalts- pflege befindlichen Geisteskranken in derselben Zeit um 59,79 pCt. gestiegen. Die Verhältniß müßte, wie es in dem Verivaltnngs- berichte des Magistrats heißt, Bestürzung erregen, wenn nicht be- kannt wäre, daß die Zahl der Geisteskranken fast überall mehr als 2 auf das Tausend der Bevölkerung beträgt und daß,;e humaner die Irrenanstalten eingerichtet werden, desto vollstän- diger die Aufnahme der überhaupt vorhandenen Geisteskranken in Anstaltspfiege erfolgt. In Berlin entbehrt nur ein geringer Theil der Geisteskranken der Anstaltspfiege und die Gesammtzahl der in der städtischen Jrrenpflege befindlichen Geisteskranken bleibt auch gegenwärtig nicht unbeträchtlich hinter 2 auf das Tausend der Bevölkerung zurück. Die Verhältnisse Verlins stellen sich nach der letzten Volkszählung besonders günstig dar, indem nur allein die Provinz Posen einen geringeren Prozentsatz der Bevölkerung an Geisteskranken aufweist, anderseits in keiner Provinz auch nur entfernt ein so hoher Prozentsatz der Anstaltspflege genoß. Im gesammten Deutschen Reiche hat vom 1. Januar 1881 bis 1886 die Zahl der Anstaltsirren von 34 270 auf 42 669, mithin in fünf Jahren um 24,5 pCt. zugenommen, die Bevölkerung des Reiches dagegen um 3,6 pEt. Di« Krähen, die Zigeuner der Vogelwelt, haben die Holz- tauben aus ihren Niederlassungen im Thiergarten völlig vertrieben und deren Nester eingenommen, in denen sie jetzt ihre Jungen unermüdlich päppeln. Letzteres geschieht in der Hauplsache durch junge Spatzen, wodurch sie sich also als deren natürliche Feinde und Vertilger und dadurch zugleich als Freunde und Bundes- genossen des Menschen erweisen. Originell ist die Art und Weise, wie sie sich der Thiere bemächtigen. In vielen, namentlich ein- zeln stehenden Neu- und sogar Rohbauten Moabits haben die Spatzen die Rüststangen- und Klammerlöcher je. der Giebelwände für Nestanlagen benutzt. An diese fliegen die fütternden Krähen Zug um Zug an, klammern sich mit bewundernswerther Geschick- Ilchkeit gleich echten Klettervögeln fest, fassen einen der erschreckte» feisten jungen Spatzen schlankweg am Kragen und, sein Ach und Weh verachtend, fliegen sie mit ihm dem Zieste zu, übergeben ihn den Jungen und kehren dann sofort um und wiederholen das- selbe Manöver. Auch an der Siegessäule am Königsplatze stiegen die Krähen besonders am Morgen und Abend an und holen die Jungen der dort massenhaft nistenden Spatzen aus den Nestern. Der attstn'grwühttUch« lebhaft« Fustgängerveekehr in der Nosenthaterstraße erleidet vor dem Grundstücke Nr. 9 häufig Stockungen, da der Bürgersteig vor diesem Grundstücke nur die geringe Breite von 1,90 m aufweist, weshalb die Passanten, um aneinander vorbeikommen zu können, oft noth- gedrungen den Straßendamm, welcher einen ungewöhnlich erheb- liehen Fahrverkehr aufzunehmen hat, benutzen müssen. Der Pia- aistrat beabsichtigt nun, von dem genannten Grundstücke zur Verbreiterung des Bürgersteiges die erforderliche Fläche von ca. 19 qm für den Preis von 15 000 M. pro Ouadratruthe zu er- werben und hat hierzu die Genehmigung der Stadtverordneten- Versammlung nachgesucht. Heber de»»„Kp«k" in ber Gisasserstrahe, welcher vor einigen Monaten von sich reden machte, werden jetzt in der Sphinx" mit Genugthuung die Berichte der hiesigen Blätter zu- sammengestellt. Das Spiritisten-Organ bemerkt, daß, nachdem die Vorgänge sechs Wochen angedauert haben und keine lebenden menschlichen Urheber gefunden worden sind, man die Thatsache eines veritablen Spuks als festgestellt erachten wird.„Denn wird wohl Jemand glauben, daß es der schneidigen Berliner Polizei mit Aufgebot ihrer besten Kräfte nicht gelungen sein sollte, bei wochenlanger Beobachtung einen boshaften Unfug zu entdecken, falls ein solcher hinter diesem Spuk gesteckt hätte? Wenn aber darin irgend eine Aeußeruug des Böttchermeisters nach seinem Tode(!) zu vermuthen sein sollte, dann wird wahrscheinlich der dadurch geschädigte Rentier Buggisch oder sonst einer der stark Betroffenen wissen, warum ihm dieser Schabernack gespielt worden ist. Seltene Folgen einer Glenmvergiftnng sind in der hiesigen Charitee bei einer dreißigjährigen, körperlich allerdings sehr robusten Frauensperson beobachtet worden. Dieselbe hatte am frühen Morgen, nachdem sie die letzte Nahrung am Abend vorher zu sich genommen, einen viertel Liter Oleum getrunken. Dabei hatte sie nicht nur keine empfindlichen Schmerzen in der Speiseröhre, die sonst in ähnlichen Fällen eine Ohnmacht herbei- zuflihren pflegen, sondern sie unternahm sofort noch einen weiteren Selbstmordversuch, indem sie sich die Pulsadern zu durchschneiden versuchte. Erst nach vier Stunden wurde die Kranke der Charitee übergeben und dort in ärztliche Behandlung genommen; wobei zuerst eine Ausspielung des Magens vorgenommen wurde, indem man der Spülflüssigkeit doppeltkohlensaures Natron zusetzte. Die Kranke trank dann Milch und schlief mehrere Stunden. In der Folgezeit erbrach sie mehrfach eine dunkle, zähe Flüssigkeit und nach acht Tagen ein röhrenförmiges Hautstück. Aus dem Kehlkopf oder der Speiseröhre konnte dasselbe nicht herrühren, denn das Schlucken ging bei der Kraulen ganz gut von Statten, wohl aber ließ die Form des Hautstückes den Schluß zu, daß dasselbe sich vom Atage». Eingänge abgelöst habe. Das Oleum hatte al,o die Mundhöhle und die Speiseröhre passtrt, ohne hier wesentlich seine ätzende Wirkung zu äußern, die sich erst beim Eingänge in den Magen geltend machte. Der Zustand der Kranken ,st zur Zeit noch ein guter, nur fürchtet der behandelnde Arzt, daß sich an der verletzten Stelle des Magens eine Verhärtung bilden wird. Ein ähnlicher Vergistungsfall wurde vor etwa einem Jahre m der Charitee behandelt. Die damalige Patientin, em lunges Mädchen, hatte sich durch das Trinken von Oleum schwere Ver- letzungen im Kehlkopf zugezogen; diese wurden zwar geheilt, hinter- ließen aber eine Verengung der Speiseröhre, so daß zu Spaltung des Kehlkopfes geschritten werden mußte. Die Patientin ist damals als geheilt ans der Charitee entlassen, freilich hatte das junge Mädchen noch immer heftige Schluckbeschwerden und eine ziemlich klanglose Stimme als dauernde Andenken an den Vergistungs- Versuch. Auf der Krandstelle des stauiglichett Proviant- mngatino wird bis heute Abend die Aufräumungsarbeit be- endet sein können, die fortgesetzt zwei Züge der Feuerwehr und außerdem Mannschaften der Gardeinfanterie beschäftigte. Der Feuerwehr füllt zunächst die Aufgabe zu, daß dicht gestapelte Stroh, welches noch jetzt sengend heiß ist, aus dem Gebäude her- anszuschaffen. Da dabei zuweilen helle Flammen aufgehen, müssen stets Rohrführer zur Stelle sein, deren Schlauchleitungen mit Hydranten verbunden sind. Das herausgeworfene Stoh wird sodann von Soldaten auf Wagen geladen und nach dem an den Barh'schen Speicher grenzenden Hof gefahren, wo es auf weiten Flächen ausgebreitet wird. Auch hier stehen Feuerwehr- Männer und lassen über die Strohflächen Wasser streichen, um auch die letzten Brandkeime zu ersticken. Man hofft einen Theil des Strohes wenigstens noch als Lagerstreu verwerthen zu können. Wie die„Ueue Zeit" mittheilt, hat sich vorgestern Mittag die etwa 40 Jahre alte Frau Handschke, Kurfürstendamm 124 wohnhaft, welche sich von ihrem Ehemann hintergangen glaubte, aus dem Fenster ihrer im vierten Stock befindlichen Wohnung gestürzt, nachdem sie vorher letztere in Brand gesteckt hatte. Die Frau war sofort tobt; das Feuer konnte rechtzeitig unter- drückt werden. Die Witterung des Wouats Mai er. wird in dem bei weitem größeren Theile ihres Verlaufs ungemein warm. Vom Monatsersten an hatte das Wetter diesen sommerlichen Charakter, der mit einer kleinen Unterbrechung(am 14. und 15.) bis zum 25. anhielt. Die Wärme erreichte an den meisten Tagen die für die Hnndstage normale und überschritt an einzelnen Tagen noch die des vorjährigen Mai, der bekanntlich der wärmste Wonne- monat seit Beginn regelmäßiger Witterungsbeobachtungen(1719) gewesen war. Der 12. und 13. waren so warm, wie seit Vor- liegen genauer täglicher Beobachtungen(1848) noch niemals ein Tag in der ersten Hälfte des Mai gewesen ist. Ter auf diese beispiellose Hitze vom 12. und 18. folgende Umschlag, der lang ersehnten heftigen Regen brachte, hielt, wie Oven bemerkt, nur zwei Tage an; dann wurde es allmälig wieder warm, und der 20. und 21. übertrafen sogar den 12. und 13. an Wärme. Während am 25., den» ersten Psingstfeiertage, noch sehr warmes Wetter herrschte, wurde man am folgende» Tage Morgens durch eine empfindliche Kühle überrascht und auch den Tag über blieb die Wärme trotz heiteren Himmels unter der normalen, wie sie sich denn überhaupt bis zum Monats- schlusse nicht mehr sonderlich hob; die Tage vom 26.— 31. waren sämmtlich um 2—4 Grad zu kalt. Die letzten beiden Monatstage brachten überdies Regenböen und heftige Winde, die am 31. einen selten stürmischen Charakter annahmen. Wir können es nur als ein auffallendes und den Fachmann ziemlich berührendes Faktum bezeichnen, daß der energische Witterungsumschlag vom 26. von mehreren„Wetterpropheten" vorausgesagt war. Hoffentlich behalten diejenigen, welche behaupten, daß das jetzige kühle Wetter Den ganzen Juni andauern werde, Unrecht.— Die Ergebnisse der meteorologischen Beobachtungen waren im Mai c. die fol- genden: Der Barometerstand war im allgemeinen sehr gleichmäßig. Manchmal schwankte das Wetterglas in 48 Stunden noch nicht um 2 Mm. Ein rascher Absturz kam nur vom 12. zum 18. und vom 24. zum 26. vor, so daß die beiden Witterungsnmschläge durch das Barometer angekündigt wurden. Der mittlere Stand des Monats betrug nur 753,4 Mm., während 757,5 für den Mai norncat sind Der höchste Stand wurde am 24. mit 762,7, der niedrigste am 13. mit 740 Mm. beobachtet. Die Temperatur betrug im Monats- mittel Morgens 7 Uhr 13,1 Gr.(normal sind 11,3 Gr.), Mittags 2 Uhr 19,6 Gr.(normal 16 Gr.), Abends 9 Uhr 15,9 Gr. (normal 12,6 Gr.). Es ergiebt sich hieraus eine mittlere Monats- temperatur von 16,1 Gr., während dem Mai nach langjährigen Beobachtungen 13,1 Gr. zukommen. Der letzte Monat war also um 3 Gr. zu warm. Wären die letzten 6 Tage nicht so kalt ge- wesen, dann würde die Monatstemperatur noch beträchilich höher gewesen sein. Der Mai 1889 halte eine mittlere Temperatur von 19,2 Gr., war also noch um mehr als 3 Er. wärmer als der diesjährige. Immerhin wird die Temperatur des letzten Mai im Laufe dieses Jahrhunderts nur von der der Jahre 1801, 1811, 1833, 1862, 1865, 1868 und 1889 übertroffen. Der wärmste Tag ivar der 21. mit 22,6 Gr. Mitteltemperatur, der kälteste der 27. mit 11,1 Gr. Die höchste absolute Temperatur fällt auf den 13. mit 28,1 Gr., während die niedrigste Temperatur am 27. mit 5,9 Gr. beobachtet wurde. 23 Tage waren zu warm, 7 zu kalt, 1 hatte die ihm zukommende Temperatur. Am Erdboden stieg das Maximum aus 33,8 Gr.(am 21.), das Minimum betrug nur 1,5 Gr.(am 27.). Die Windverhältnisse gestalteten sich ziemlich verwickelt. Vom 1. bis 2. herrschten östliche Winde vor, dann wehten 2 Tage nordwestliche, um wieder den südöstliche» Platz zu machen, die bis 13. anhielten. Nach 3 Tagen mit starken westlichen Winden trat dann wieder Ostwind ein, während vom 22. ab der Polarstrom mit dem Aeqnalorialslrom vielfach wechselte. Nordwinde wurden 4 mal, Nordost 9 mal, Ost 22, Südost 18, Süd 2, Südwest nur 5 mal, West 10 mal, Nordwest 19 mal beobachtet; 4 mal herrschte Windstille, wogegen der Wind oft den Stärkegrad 5 und am 31. sogar den hier sehr seltenen Stärke- grab 8 erreichte. Die Bewölkung war sehr gering; sie betrug nur 4,6 der lOtheiligen Skala, während 5,4 jüt den Mai normal sind. Nur 2 Tage waren trübe, 6 heiter, die übrigen hatten ge- mischte Bewölkung. Die relative Feuchtigkeit war im Vergleich zu dem hellen Werter ziemlich hoch; sie betrug 68 pCt., 4 pCt. mehr, als dem Mai zukommen. Die Niederschläge vertheilten sich nur aus 5 Tage; sie ergaben zusammen 39 Mm. Höhe, während dem Mai 51 zukommen. Nahgewitter wurde 1 mal, Ferngewitter mal, Wetterleuchten 3 mal beobachtet. Der Schneidermeister Wähler, der bekanntlich bei der Explosion auf der Kaiser Wilhelm-Brücke verunglückte, ist nicht in der Charitee, sondern in der königlichen Klinik behandelt worden. Derselbe ist auch keineswegs als geheilt entlassen, sondern er ist heute noch nicht einmal fähig, sich richtig bewegen zu könne». Herr Mahler befindet sich durch den Unglücksfall in sehr bedrängten Verhältnisse». Answrisung. Der Schuhmacher Franz Schütz, gebürtig aus Böhmen, wurde vorgestern Mvrgen 6 Uhr von seiner Wvh- nung Sebastianstraße 21 nach dem Polizeipräsidium ststirt, wo- selbst ihm eröffnet wurde, daß er Berlin auf Grund des Heimaths- zeseyes zu verlassen habe. S. war am 27. Dezember v. I. in einer Schuhmacheroersammlung von einem Kriminalbeamten beobachtet worden, als er für die Familien der Angeklagten im Elberselder Geheimbundsprozeß einige Groschen aus eine Liste gesammelt hatte. Deshalb steht derselbe wahrscheinlich im Gerüche eines„gefährlichen" Sozialdemokraten. poliseibericht. Am 3. d. M. Vormittags stürzte auf dem von Bleicyröder'schen Neubau, Behrenstr. 60, der Zimmergeselle Bruhns infolge eigener Unvorsichtigkeit vom Dache des Seiten- flügels auf den gepflasterten Hof hinab und erlitt hierbei, außer einem Bruch des rechten Beines anscheinend so schwere innere Verletzungen, daß er mittelst Droschke nach der Charitee gebracht werden mußte.— Zu derselben Zeit wurde ein Mann in seiner Wohnung in der Aldrechtstraße im Bette liegend, anscheinend ver- gistet, todt aufgefunden.— Nachmittags wurde eine Frau auf dem Berliner Lagerhos in der Brunneustraße vom Schlage ge- troffen und verstarb auf der Stelle.— Zu derselben Zeit wurde der'Arbeiter Sellin auf dem Hofe des Grundstücks Stromstraße Nr. 46 unter einem Schuppen, wo er mit Zerkleinern von Holz beschästigt gewesen war, neben seinem Arbestsgeräth todt vorge- fnnden. Nach Ausspruch des Arztes ist der Tod infolge cnit- Herzschlages eingetreten. Beide Leichen wurden nach dem Sch�' Hause geschafft. Gevichks Ieikung. Die dritte Strafkammer des Landgerichts l W« � gestern wiederum mit einem schweren Unheil zu beschäftigen,»ff Kutscher Karl Wegener, der sich auf der Anklagebank befanh fuhr am Nachmittage des 20. März durch die Brunnensttst* An dem Krenzungspunkte der Anklamerstraße wollte eine siebcnA jährige Frau den Damm überschreiten. Ter Angeklagte sstF die verkehrsreiche Stelle so schnell, daß die Greisin nicht rech'- zeitig auszuweichen vermochte, sie gerietst unter den Wagen iln erlitt so schwere Verletzungen, daß der Tod die Folge war. Angeklagten stand der mildernde Umstand zur Seite, daß er Dt muthigen jungen Pferde trotz der größten Anstrengung nicht i bändigen vermocht hatte, der Gerichtshof war aber mit dem Staatsanwälte der Ansicht, daß dies den Angeklagten nicht voAg entlasten könne, denn es müßten besondere Vorkehrungen i"1 Vorsichtsmaßregeln getroffen werden, um das Publikum vor F- artigen gefahrbringenden Fuhrwerken zu schützen. Es wurde aul eine Gefängnißstrafe von einem Monat erkannt. Das Schwurgericht des Landgerichts I war gestern> der Lage, über einen Angeklagten eine äußerst milde Strafe � zwölf Tage Gefängniß— zu verhängen. Ter Schuhmache Moses Janinski war des schweren Verbrechens de» Straßenraubes, gegen seine eigene Frau begangen, beschul digt. Der Angeklagte ist erst im Oku: vor. Js. mit einer au- seiner Heimath Posen stammenden Landsmännin, welche er yn wieder traf, die Ehe eingegangen. Janinski soll nach der»e* Häuptling seiner Ehefrau bald nach der Hochzeit in lüderlich Gesellschaft gerathen sein und das Zusammenleben 0; staltete sich bald zu einem so trüben, daß die Eheffa dem Angeklagten im März ds. Js. wieder verließ. Sie M, bei einer Freundin Unterkommen und in einer Fabrik Ar»'; Am 18. März begegnete Janinski seiner Ehefrau in der Chorw� straße. Er bat sie, zu ihm zurückzukehren, erhielt aber eine sast� ablehnende Antwort, wobei seine Ehefrau ihm vorwarf, daß ihr mehrere Vorstrafen verschwiegen. Sie wandte sich mit Worten:„Mit einem Spitzbuben stehe ich nicht auf der Straße- von ihm ab. sNiin wurde Janinski in hohem Grade erregt; nach � Anklage hat er seiner Ehefrau das Portemonnaie mit 1 M 20 Pf- J halt, das sie in der seftgeschlossenen Hand hielt, mit Gen>a entrissen und ihr hierbei mehrere Faustschläge� in's Gesicht#' setzt. Er bestritt, daß es auf eine Beraubung abgesehen mar, habe seine Frau vielmehr nur an der Hand festhalten wollen'' '....... � das Portemonnaie fallenlasse bei ihrem Sträuben habe sie das Portemonnaie,— Dagegen räumte er ein. daß er ihr nach der beleidigen Aeußerung mehrere Ohrseigen versetzte. Di« ZeugMjS, nehmung beschränkte sich auf zwei Personen. �5 rend der Staatsanwalt auf Grund der Aussagen"J, Straßenraub für erwiesen hält, plaidirte der Vertheidiger, R*# Anwalt H oltz, für Freisprechung. Die Geschmore, sprachen den Angeklagten auch nur der einfachen K örv' Verletzung schuldig, für welches Vergehen der Gerichtshof vorerwähnte Strafe als eine ausreichende Sühne ansah.>< Elberfeld, 2. Juni. 42 im Wupperthaler Geheimvuu Prozeß Vernrtheilte hatten gleichzeitig mit dem Staatsamo» gegen dieses Erkenntniß Revision beim Reichsgericht angeinw, Als der Staatsanwalt die Revisionsanmeldung zurückzog, moo das Gleiche auch die Verurtheilteu durch ihren Vertheidiger Die Zurücknahme unterblieb jedoch wegen der Kosten, ms durch die Bevollmächtigung ihres Vertheidigers erwachsen nFj Vor einigen Tagen(st nun, der„Köln. Ztg. zufolge; einem*L von ihnen seitens des hiesigen Landgerichts ein Schreibend?«! gangen, wonach die eingelegte Revision, weil die Revision träge bis Ablauf der geseylicyen Frist nicht angebracht seieM unzulässig kostensällig verworfen sei. Ärbeikerbetvegnttg Magdeburg 3. Juni. In einer öffentlichen. Versammlung hielt Former Grenz aus Chemnitz einen � � über„die Aussperrung der Arbeiter, besonders SchlNIf;�. Maschinenbauer Hamburgs, und das Borgehen der Arbe> ß..„si ß-ZKMMZ .... j, gi*.VVUVI., VVI»,.....».„m- solchen Verein angehörten, aus demselben auszu» � Die Ausfuhrungen des Redners kamen in folgender ■öerfammlung einstimmig angenommenen Resolution gungen angeschlossen haben, und sich nunmehr weigern, � Inngen der Fabrikanten ohne Weiteres aus der Orgamsat'-�M, I chtossen, die Hamburger Kollegen mit allen TOöglichetlW1 w � unterstützen, und zwar durch: a. Ausbringung von Organisirung eines thatkrästigen Widerstandes, b. Fernyo jeden Zuzugs, c. möglichste Vermeidung von Streiks w übrigen Städten Deutschlands während der Zeit des AusfM» in Hamburg. Scrsinlc Tkebevstrhtt., A» alle Gewerkschaften Kerlin». Laut Auffrag � Versammlung vom 12. Mai wird nachstehender Beschluß 3 tu gemeinen Kenntniß gebracht: Die heute, den 12. Mai er., in Josl's Salon tagende liche Versammlung sämmtlicher Gewerkschaften Berlins et» ,, die Nothwendigkeit an, sobald als möglich eine Streik- Kon � kommission für Berlin in's Leben zu rufen, deren Zusamwe»!� aus Mitgliedern aller Gewerke vorzunehmen ist. gci! Es iverden sämmtliche Gewerke ausgefordert, in nächste*�; öffentliche Versammlungen einzuberufen, um hierzu Stellung � eventuell die Wahl der Vertreter zur Kommission(2 bis 3 einzelnen Gewerke) aus ihrer Mille vorzunehmen. Die Resu der einzelnen Besprechungen, soivie spezielle Berücksichtigt�� vorschlüge sind den Unterzeichneten baldigst mitzutv- � welcke eine allgemeine Versammlung einznberusen K um die Angelegenheit zum endgiltigen Abschluß zu bringe»!-j Arbeiter! Gesinnungsgenossen 1 Die Schwierigkeiten verkennend, imiß erwogen werden, daß die Frage eine zeitg*' ist, um der arbeiterfeindlichen Koalition des Unternehmer t?.� mit Erfolg begegnen zu können, und so glaubt man, in Z f tracht der immer häufiger vorkommenden erfolglosen Streck�' j der Wahl einer Streik-Kontrolkommission ein Mittel gesunde, habe», den Auswüchsen der kapitalistischen Produktion mW wappnet gegenüber zu stehen._./ Das Büreau der Versainmlnng: Aug. Taeteroiv, straße 9, v. 3 Tr.; Carl Thieme, Ruppinerstraße 8; C. Asi'st. mann, Wendenstraße 2, 4 Tr.; auch Wallstraße 7/8, pari. Arbeite« Kerlin» 1 Noch einmal wenden wir uns an Oujl an Euer Mitgefühl avpcllirend. Wie Ihr wißt, liegen übet � Wochen gegen hundert Schrauben-Facondreher, ausgesperrt oF den Jndifferentismus ihrer Kollegen, auf der Straße.(ß/J mungslos will man sie seitens der Fabrikanten aushungern,» aerciat sind, das famose Schriftstück(Austritt aus dein Um'z w Ä öU unterzeichnen. Sie, stets die Vordersten im Kainpfe stamUi �'"'üssen mit 2—3 M. wöchentlicher Unterstützung ihre ZZ ernähren. Miethe ist noch nicht gezahlt. Ex- ßeiliw setzen vor der Thür und sind solche schon aus- laffo» Pn dem größten Theil der eigenen Kollegen ver- und wir Euch zu. helft uns vorläufig einmal muthig harren wir wieder aus. Wir unterzeichnen nicht! «m-kTu werden unsere Ehre, unser Koalitionsrccht nicht dafür z>..„">en, um nachher das Recht zu haben, uns knebeln zu lassen. ftlmim■ 1 e'ter Berlins, erklärt Euch mit uns solidarisch. Wer '!pbt, giebt doppelt. Jeirfmof" l ersuchen alle noch ausstehenden Listen, ob ge- und l r �icht, bis zum 10. Juni abzuliefern behufs Revision ftms. 5»c Empfang zu nehmen bei Vogtländer, Manteufsel- mmil& L Restaurant Lenz, Alte Jakobsiraße 69. Die Koni- I> en: H. Hirsch, Neu-Weipensee, Sedanstr. 85a. Verpi«n»»»lu»rge»r. ©ürni* von Fierrenaardcrot'e-Oel'chäften des z l sud- niid Zlordostens von Kerlin waren am ftrnfi. des Herrn Linden b a u m, Gr. Frankfurter- der äu einer Berathung über die Frage der Schließung 31 � Schafte an den Sonntagen von 2 Uhr ab bis inklusive eminlrüM d. I. nach Breuer's Salon, Gr. Franksurterstraße 73, trnAi-» �°rden und war der größere Theil der 43 in Be- feerro 0J2?menden Geschäfte vertreten. Das Büreau bildeten die JL:. 11. W o r m a n n und Weiß. Herr L i n d e n b a u n: be- Boraus, daß die in Anregung gebrachte Schließung v�siMlchafte als ins Wasser gefallen zu betrachten sei, indem sich sJfT■ e Geschäftsinhaber durchaus geweigert haben, die Ge- 3,- rn der ooen gedachten Weise zu schließen und sind dies lAnd-- b'e€ierTen Sachs(Köpenickerstraße) und Treuherz �.is�stdstraße), andere dagegen, und zwar die Herren Abrah am o>n°, der Bohne(letztere mit drei Geschäften), ihre bereits � Unterschrift zurückgezogen haben. Dessen ungeachtet k>te Herr H a a I e, den Geschüftsschluß in obengedachter probeweise auf vier Wochen stattfinden zu lassen. Dieser fc/i 8 erhielt indessen bei der Abstimmung die Minderheit der . lmmen. Im Allgemeinen war die Meinung vorherrschend, daß im /«?'�8liche Geschästsschluß keinerlei geschäftliche Schädigung ...Gefolge haben würde und wurde allgemein der Wunsch nach {vfolichec Sonntagsruhe geäußert, um auch eines Familienlebens «mk �ig zu werden. Daß das Bedürfniß nach Sonntagsruhe ryanden sei, wurde von keiner Seite geleugnet, auch wurde .„ �gehoben, daß die Arbeiterschaft einen genügenden Druck «euben werde. Auch wurde seitens des Herrn Alexander arauf hingewiesen, daß polizeilichcrseits der Geschäftsschluß ge- t.TMsht werbe und daß diejenigen Geschäftsinhaber, welche nicht ß schließen, schließlich auf irgend eine Weise 'r",.Geschästsschluß gezwungen werden würden. Er �pstshl. daher, ohne Rücksicht auf die sich Weigernden I IgT/ ivivct Jtguüiycii»vatvcu,«venu[ic lyuticu iüutucu, viv jicjuv Zchneßung gezwtmgen würden und daß sehr scharfe polizeiliche Maßnahmen bevorjländen. Demzufolge wurde der Antrag, die Geschäfte auf drei Monate des Sonntags von 2 Uhr ab zu schließen, noch einmal aufgenommen. Von 3Z Interessenten, die chre Unterschriften gegeben haben, waren 22 anwesend, doch war keine Einigung herbeizuführen. Auch die weiteren Berathungen hatten keinen Erfolg und kamen die Interessenten zu der Ueber- Zeugung, daß durch eine freie Kcreinigung die gewünschte Sonn- tagsruhe nicht zu erzielen sein würde, daß vielniehr hierzu der gesetzliche Zwang erforderlich sei. Die Versammlung stimmte demzufolge schließlich folgender Resolution zu, dieselbe sofort ,'«Verzeichnend: »,»Die heute am Dienstag, den 8. Juni, im Vreuer'schen Lokale, Franksurterstraße 75, tagende Versammlung der Herren- �arderobengeschafts-Jnhaber des Ostens, Nordoucus und Süd- °!tens beschließt: .„.Da eine freiwillige Vereinigung behufs Schließung der Ge- iaiaste an den Sonnlagen von 2 Uhr an nicht erzielt werden 'hnnte, an den Herrn Overpräsidenten der Provinz Brandenburg -che Petition einzureichen und zu bitten, daß eine Verordnung für Stadt Berlin, die Kreise Ober- und Nieder-Barnim und Teltow �lassen werde, daß sämmtliche Geschäfte an den Sonntagen von '".Uhr Vormittags an geschlossen werden und daß während dieser ■{Flt jeder geschättliche Verkehr ruhen müsse. Diese Resolution soll in allen Geschäften zirkuliren. � Dir am 1. I»ni stattgefundene Mitglieder- (jOrsammlung der Vereinigung der Drechsler � o u t s ch l a n d s, Filiale Rixdorf und Unigegend, war gut esucht. Die Tagesordnung war folgende: 1. Aufnahme neuer �titglieder. 2. Vorstandswahl. Der Vorstand wurde gewählt »ug, olgenden Mitgliedern: Bevollmächtigter: R. Sonnenschmidt, Mfirer: F. Papeniuß, Schriftführer: P. Dausacker, Beisitzender: £' Ahrberg, K. Jonas, Revisoren: O. Stegun, O. Jesch. Unter„Verschiedenes" stellte Kollege H. Schneioer den Antrag, {JOB die Mitgliederversammlung jeden Sonntag nach dem 15. stattfinden soll. Derselbe wurde nach kurzer Debatte mit i�chorität angenommen. Ferner machte Herr Kollege Lutz die �'kglieder darauf aufmerksam betreffs der Lohnbewegung, welche T Herbst stattfinden soll. Kollege Jonas machte bekannt, daß .-'"e Filiale der freien Hilfs-Kranken- und Sterbekasse der Drechsler a. Rixdorf gegründet ist. Kasfirer derselben ist H. Enders, «'ethenstr. 26. Schluß der Versammlung iVe Uhr. „j. A". Montag, den 2. Juni, tagte in Deigmüller's Salon, -Ute Jakobstr. 48a, eine stark besuchte Versammlung des Vereins zur Wahrung der Interessen der Klavierarbeiter und verwandten 'Aorufsgenossen. Auf der Tagesordnung stand: 1. Vortrag des Sstwn Bölsche über:„Gehirn und Geist". 2. Werlstattangelegen- �ten und Verschiedenes.— Nach Beendigung des Vorttages 'am die Hof-Pianofortefabrik von Bechstein zur nochmaligen Ver- Mdlung. Hierzu erhält Kollege Blougis das Wort. Derselbe schildert die Zustände in der Fabrik. Sticht nur daß theilweise x" geringer Verdienst erzielt wird, auch die Behandlung seitens er Werksührer läßt noch zu wünschen übrig. Das gute Einver- jehnien, welches zwischen dein Herrn Rath und seinen Arbeitern Mauden hat, scheint seit dem I. Mai gänzlich geschwunden zu sein. M.schon den Lesern des„B. Volksbl." bekannt sein wird, hat Herr Sechstem aus die Forderung, das übliche Kostgeld von 13 M. auf 20 M. �erhöhen, folgenden Ukas an den inncreiiPs-ilern seines Fabrik- ssrasss'r i» s stiner Fabrik das Kostgeld von 20 M. nicht verdienen, er aber Ost Arbeitern entgegenkomnit und von letzt ab 18 M. zahlen °'sd." Nun der Herr Rath hat ja h.-rdurch selbst anerkannt, MMUUMZ sWMMKW a. M. 2. Verschiedenes und Fragckasten.— Da Kamerad Wolter Nicht anwesend war, sondern von der Freien Vereinigung der Zimmerer Berlins ersucht war, die Beschlüsse,'"olche gefaßt wären, kundzugeben, so übernahm Kamerad Ortland das Referat. Redner berichtet zuerst über die Betheiligung der Delegirten am diesjährigen Handiverkertage, sowie über das Wachsthum der Zentralorgamsation. Er theilte mit, daß sich der Verband der deutschen Zimmerer in diesem Jahre um 36 Städte vermehrt hätte, und 3 Städte wären ausgetreten, welche sich dem süddeub schen Zimmerbunde angeschlossen hätten, der sich erst ncugegründet hat. Da mehrere Delegirte von der Freien Vereinigung derZiinmerer Deutschlands anwesend waren, sowie Kamerad Brinkmann aus Magdeburg, der Leiter der Freien Vereinigung, erkärten die Delegirten der freien Vereinigung, daß, wenn der Ver- band das neue ausgearbeitete Statut anerkennen würde, sich wieder der Zentral-Organisation anzuschließen. Nach langer und schwerer Debatte dieses Punktes ist auch das neue Statut bis auf kleine Abänderungen von den Dcligirten als angenommen erklärt. Sodann erhielt Kamerad Seitzt als Vorsitzender des Verbands- Ausschusses das Wort. Er berichtete zunächst über die Thätigkeit sowie über die Beschwerden, welche dem Ausschusse im vorigen Jahre zugegangen sind. Am Schlüsse seiner Rede ersuchte er die Kameraden, Mann für Mann dafür einzutreten, uni so viel wie möglich den Verband der deutschen Zimmerer hochzuheben. Drr Unrein der pliitterinnen hielt seine erste Mitglieder- Versammlung am Montag, den 2. Juni, im Saal der Böhmischen Brauerei mit der Tagesordnung. 1. Unsere Organisation. 2. Ausnahme neuer Mitglieder, 3. Wahl des Gesammt-Vorstandes, sowie der Revisoren. 4. Verschiedenes, ab. Frl. Sydow eröffnete die Versammlung, und ertheilte zu Punkt I. Herrn Möhring das Wort. Derselbe führte noch einmal die Schäden und Mängel, welche sich in der Wäsche-Branche eingeschlichen haben, vor und zur Tagesordnung übergehend empfahl derselbe in jedem Ge- schäfte eine Delegirte zu wähleu, welche dem Vorstande das Marerial zurVesserung undAbhilse derUebelstände unterbreiten soll. Hierauf folgte einePause von 30 Min. zur Aufnahme neuer Mitglieder. In derselben ließ sich, trotzdem reichlich Kräfte vorhanden waren, der starke Andrang nicht erledigen, und mußten die größte Hälfte der Bitte nachkommen, im Laufe der Woche sowie Sonntags Vor- mittags sich bei der Kassirerin zu melden. Aufgenommen wurden 134 Mitglieder. Nach Wiedereröffnung der Versammlung verlas die Vorsitzende folgenden Antrag: Die heutige Mitgliederversammlung des Vereins der Plätterinnen stellt hiermit den Antrag, die Wäschezuschneider Emil Möhring und Gustav Koopmann als Anerkennung ihrer stets bereiten thatkräftigen Unterstützung, zu Ehrenmitgliedern deS Vereins zu ernennen, mit dem Wunsche, daß Herr Möhring die Vereinsvcrsammlungeu leitet und Herr Koopmann als Berichterstatter fungirt. Nachdem Herr Grünhagen warm für den Antrag gesprochen, wurde derselbe mit lau- tem Bravo einstimmig angenommen. Herr Möhring übernahm nun die Leitung und ersuchte zu- nächst die aiuvesenden Konfektionäre und Vertreter der Ehefs, den Saal zu verlassen, welcher Aufforderung unter stürmischer Heiter- keit eiligst Folge gegeben wurde. Es wurden sodann zu Punkt 3 gewählt: Fräulein Sydow als 1. Vorsitzende, Frau Klukofsky, Stellvertteterin; Frl. Biedermann, 1. Schriftführerin; Frau Wagener, Stellvertreterin; Frl. Tieve als I. Kassirerin und Frl. Hahmann als Stellvertreterin. Zu Revisorinnen die Damen Frl. Meier Heiler, und Frau Kupfahl.— Zu Verschiedenem spracyen die Damen Frl. Schmidt, Frau Schulz, Frl. Hahmann sowie die Serren Graßhold und Koopmann. Frl. Hahmann führte der ersammlung ein trübes Bild ihrer Erlebnisse bei der Firma Gebr. Borchardt vor und fordert alle Anwesenden ans, auch für die Zukunft gebührend Front zu mache». Hiermit schloß die Versammlung. Am 31. Mar fand in Demeins Salon eine öffentliche Franen-Uerlammlung statt.(Männer hatten Zutritt.) Tages- ordnung: 1. Vortrag des Herrn Wernau. 2. Diskussion. 3. Auf- nähme neuer Mitglieder. 4. Verschiedenes. Zum Punkt 1 erhielt Herr Wernau das Wort. Redner führte aus, daß ein alter griechischer Philosoph Aristoteles die Menschen in zwei Klassen lheilte, rn Freie und Sklaven. Er verlangte jedoch die Berechti- gung der Sklaven zum Leben aus dem einlachen Grunde, weil die Sklaven die Arbeit der Freien verrichten mußten; deshalb war ------------ em schlecht ihn ge ellt �WWWW kümmert sich ein Arbeitgeber um die, welche ihn ernähren und die Werthe schaffen? Nein! Ist der Arbeiter nicht im Stande, den Anfor- derungen genügen zu können, wird er entlassen, wßil genügend Ersatz vorhanden ist.-- Redner verwies in seinen weiteren Ausführungen auf die Arbeiterschutz-Gesetzvorlaae der Regierung. Er wies»berzeugend »ach, daß es die heiligfte Pflicht der Frauen und Mädchen sei, den Männern in ihrem Kampf zur Besserung ihrer Lage zu heljen dadurch, daß sie sich organisireu, und forderte die Frauen und Mädchenvon Weißensee aus, dem hier bestehenden Verein beizutreten. Lebhafter Beifall lohnte den Vortragenden. Nachdem noch ver- schiedene Redner die Ausführungen desselben ergänzten, wurde , olgende Resolution einstimmig angenommen:„Die heutige hier tagende Arveiterinnen-Versammlung erklärt sich mit den Ans- führungen des Referenten voll und ganz einverstanden und ver- spricht, daß durch ihren Beitritt in den Verein ste gewillt ist, ihre Lage zu verbessern. Auch wurde der Antrag angenommen, in keinem Geschäft zu kausen, welches Sonntag von 1 Uhr ab nicht geschlossen ist. Die Vorsitzende verlas eine.Lohnftatistik, welche bewies, daß der Verdienst der Frauen und Mädchen, um sie lebensfähig zu erhalten, vollständig ungenügend sei.— Mit einem Hoch auf das Gedeihen des Vereins schloß die Vorsitzende um HVe Uhr die Versammlung. Die Möbetpoliver hielten am Dienstag Abend eine öffent- liche Versammlung im Lokale des Herrn Venzki, Landsberger- straße 37, unter Vorsitz des Kollegen Schulz ab, um zunächst Stellung zur Wahl von Delegirren zur Zentral- Streikkontrol- kommisston zu nehmen. Die Kollegen Franke und Reuter legen eingehend den Zweck und die Aufgaben der Kommission dar. Es solle durch dieselbe dem Ueberhandnehmen aussichtsloser Streiks gesteuert werden; zu gleicher Zeit solle sie auch eine Gegenorganisation der Arbeiter gegen dw Ringe der Kapitalisten bilden. Es sei die höchste Zeit, daß Einheitlichkeit und Uebersicht in die Streiks kommen. Es müsse verhindert werden, daß zu viele Gewerkschaften auf einmal in eine Bewegung eintreten. Kollege Weber regt die Gründung eines allgemeinen Berliner Arbeitervereins an, in den sämmtliche Fachvereine und Organi- sationen aufzugehen haben. Jede Gewerkschaft müsse eine Sektion bilden. Redner verspricht sich viel von dieser GewerkschaftSorga- nisation. Kollege Franke leitet aus den Gründungen der Unter- nehmerverbände die Nothwendigkeit für die Arbeiter her, sich sammt und sonders zu organisiren. Der§ 162 der Gewerbeordnung müsse voll ausgenützt werden. Wer weiß, wie lange wir ihn noch haben. Es wird die Wahl von Delegirten be- schloffen und die Kollegen Franke und Feehse gewählt.— Zum S. Punkt der Tagesordnung:„Der Streck der Möbelpolirer und welche Vortheile haben die Kollegen aus der Nähmaschinen- Branche?" wird von mehreren Rednern mit Bedauern ausge- führt, daß sich die Kollegen aus der Nähmaschinen-Branche nicht voll und ganz der Lohnbewegung angeschlossen haben. Jede Werkstatt möge einen Delegirten wählen und ihn zu der am 16. Juni bei Bolzmann, Andreasstr. 26, stattfindenden Verbandsversammlung entsenden. Kollege Feehse ermahnt, wöchentlich 25 Pf., wie beschlossen, zum Streikfonds abzustoßen. Der Tischlerstreikstehe bevor und die Kol- legen seien moralisch verpflichtet, zugleich mit den Tischlerndie Arbeit niederzulegen. Es müsse also Geld zur Unterstützung vorhanden sein. Scharfe Tritik wird vom Kollegen Reuter an dem Vor- gehen mehrerer„nicht streikender Möbelpolirer" geübt, welche einen Arbeitsnachweis gegründet haben und ihn in der Volks- Zeitung" empfehlen. Kollege Franke ersucht, die Tabakärbeiler tu der bekannten Weise zu unterstützen; bis jetzt sei der Aus- fit«» 5 ÄUS"ü Cr""«"6 Citt« öffentliche Uepfnmmlung der Mililärfchneider Kerlins beschäftigte sich am Dienstag Abend in Jordan's Lokal, Neue Grünstraße 23, mit der Abrechnung vom letzten Streik. Die Einnahme betrug insgesammt 4398,17 M.; davon gingen ein auf Listen 1973,34 M., von den Berliner Gewerkschaften 664,05 Mark, von den Kollegen, welchen die Forderungen bewilligt waren 1635,70 und durch Tellersammlungen 325,08 M. Zu Unterstützungen wurden 3953,50 M. verausgabt, außerdem be- trugen die Unkosten 382,17 M. 81,50 M. wurden an einige Kollegen als Darlehen gegeben und 179,23 M. sind noch als Bestand vorhanden. 153 Listen sind noch nicht zurückgeliefert worden. Die Abrechnung wurde als richtig anerkannt. Zum zweiten Punkt der Tagesordnung, Wahl eines Kollegen in die Streik-Kontrolkommission, wurde nach längerer Diskussion be- schloffen, aus praktischen Gründon von der Wahl Abstand zu nehmen. Ueber die Verwendung des verbliebenen 51aHenbestandes entspann sich eine lebhafte Diskussion, in welcher die Ansicht durchdrang, daß derselbe in den Händen der Lohnkommifsion zu lassen sei. Mir erhalten folgendes Schreiben: In dem Versamm- lungsbericht des Untersttitzungsvereins deutscher Hutmacher,(in gestriger Nummer) sind die von den Hutmachern unterstützten streikenden Stockarbeiter mit 50 Mk. Unterstützung angegeben; dieses ist aber ein Jrrthum, es soll heißen S5 Mark. «roye üffent.iche Nersamniluug der Maurer von Rixdorf und Um- gegend am Donnerstag, den 6. d. SB!., Abends 8 Uhr, tm Lorale des Herrn Nummer, Berlincrilr, IM. Fachverein der Aapierarbeiteri uueu und»«»wandten Keruf«- grnossinneu. Große Versammlung am Donnerstag, den 0. Juni, Abends 8 Uhr, in Fensle's Lokal, LandSbsrgerstr. 37. Sleffentliche Uerfainmlung fammtlich»« an Aolibearbritunga-, Maschinen beschält. Ardeiter am Donnnerstag, den 5. Juni, Abd«. 8% Uhr, bei Feuerstein, Alte Jarobstr. 75. «roh» Nersamuiiung der Freien Vereinigung der Aausdiener Kerlin» am Donnerstag, den 5. Juni, AbendS 8% Uhr, in Jordan's Salon, Reue Grünstr. 88. 1 Dr. Verein der KauanschiSger Kerlin» und jtmgegend. Sonntag, den Juni, Vormittags 10 Uhr, Versammlung bei Seefetd, tvrenadterstr. 80.— OuUlungSbuch tegilimirt. Di» Mitgliederverfanimlnng der 0. Filiale Moabit der Veretni- gung deutscher Maler, Faiilirer, Anstreicher' findet Montag, den 9. Juni, Abends 8% Uhr, im! Perlebergersir. SS, statt. Auf der Tagesordnung steht:___________ lung, Referent Kollege Reherau, 2. DiSlussion, 3. Verschiedene». Pflicht eine» jeden Kollegen ist es, in dieser Versammlung zu erscheinen. «rohe» Soinmerfeft de» Verein» ,ur Mahr», ig der Interessen der Klanierarbriter und oerioandler Berussgenossen in der Neuen Well, Hasen- Haide am Montag, den 23. Juni, bestehend aus Konzert, Spezialilälen-Vor- stellung, Ktnderbelusttgungen, Feuerwerk. Tanz in sämmtlichen Sälen. I. Ktiftnngoseft des Kopenistier Maurer-Fachverein» am Sonn- abend, den 7. Juni, Abends 8 Uhr, im«atserhof, Gruniir. 35. Lachverein der Tischler für de» Krlirl» Süd-Äst. Am Donnerstag, den 5. Juni, Abends 8% Uhr, tm VeretnShause„Elld-Ost". Waldomarftr. 75:' Versammlung. Kederarbeiter. Mittwoch, den 18. Juni, findet in Renz Salon mit wichtiger Tagesordnung eine äfsentltche Versammlung statt, für die Herr ReichstagSabgeordneter Ullrich aus Ofsenbach das Referat übernommen hat. Den Mitgliedern des Fachvereins der Lederarbeiter wird hiermit auch der un- entgeltliche Arbeitsnachweis deS Vereins, in dem mehrfach Stellen für Rahm- und Tresorarbeit angemeldet stnd, dringend zur Benuhung empfohlen.— Nächste Vereinsversammlung am Dienstag, den lo. Juni.— In der.letzten. Versammlung wurden den streitenden Formern so Mark bewilligt. über: Emstehung ber Grde. 8. Dtstusflon.«. verschiedene« und Fragetastcn. Sämmtliche Angelegenheiten betr. die Rechtsschuh-Kommisston sind zu richten an Tabberl, Manleusseistr. os. «»fang-, Turn» und geselUg» Verein« am Donnerstag. Männer- gesangverein„Lätttia" Abends 9 Uhr in Velttn's Restaurant, Veteranenjtr. 19. — Gesangverein„Bretzelschluß" Abends 8% Uhr im Restaurant Mündt, Köp- nitlerstraße 100.— Männergesangveretn„Nordstern" AbendS« Uhr im Restaurant Pohl, Müllerstr. 7.— Schäser'scher„Gesangverein der Elser- Abends 9 Uhr bei Wolf u. Krüger, Skaltyerstr. m, Gesang.— Gesangverein „Blüthenkranz" Abends 9 Uhr tm Restaurant Brandenburastr.«0.— Männer- gesangverein„Alexander" AbendS 9 Uhr tm Restaurant Rose, Straußberger- straße 3.— Männergesangveretn„FtrmitaS" bei«inner, Kopntckerstr.«8-— Gesangverein„Sängerlust, Abends 9 Uhr, im Restaurant LandSbergerftr. 80.— Gesangverein„Männerchor St. Urban" Abends« Uhr Annenstr.«.— Gesangverein„Deutsche Liederlasel" Abends« Uhr«öpntclerstr. 100.— Gesangverein „Norddeutsche Schleife" Abends von« biS 11 Uhr, Michaeikirchstr. so.— Männergesangverein„Sangesfreunde" Abends» bt« n Uhr, Frankfurter Bier- hallen(Krüger), Große Franksurterstr. 102.—„Brunonia Abend?» Uhr Uedungssiunde bei Lehmann, Alexandrtnenstr. 32.— Turnverein„Hasenhaid.« (L-hrltngsabtheiluna) Abends 8 Uhr D testen dach str. 80— 61.—„Berliner Turn- genossenschafl"(7. Lehrltngsablheilung» Abends 8 Uhr in der städtischen Turn- Halle, Briverftr. 17— 18:— desgl.«. Männerabtheilung Abends 8 Uhr in der slädllschen Turnhall«, Subenerstr. 01.— Lübeck' scher Turnverein(Männer- AbtheUung) AbendS 8 Uhr Eltsabithstr. 67-68.— Allgemeiner Arends'scher Slcnographenverein, Abtheilung„Louifenftadt", AbendS 8% Uhr im Restaurant Preuß, Orantenstraße 51.— Arends'scher Stenographenverein „Phalanx" Abends 8% Uhr tm Restaurant„Zum Buckower Garten", Buckower- straße 9.— Deutscher Berein Arends'scher Stenographen AbendS 8 Uhr in Heidt's Restaurant, Koppenstr. 75, Unterricht und Uebuna.— Berliner Eleno- graphen-Veretn(System Arcnds) AbendS 0 Uhr im Restaurant Friedrich- straße 208.— Etolze'scher Stenographenverein„Nord-Berlin" Abend« 0 Uhr, Schlcgelstr.«i.— Verein der„Natursreunde" Abends 9 Uhr tm Restaurant Wienerstr. 35.— Verein der Unruhstädtcr AbendS 8% Uhr tm„König- stadt-Kastno", Holzmarltstr. 72.— Verein ehemaliger F. W. Rellschlag'scher Schüler am 1. und 3. Donnerstag jeden Monats im Gase Schüler, Lands- bergerstr. 78 Abends 8 Uhr.— Rauchklub„Kernspitze" Abends 8% Uhr im Restaurant Böhl, RüderSdorserstr. 8.— Verein eisern. Schüler der 23. Gemeindeschule Abends 9% Uhr, Große Franksurterstr.*7 bei Martini.— Rauch- tluh„Arcona" Abend« 2 Uhr bei Ziplinslt, Retchenbergerstr. 71.— Rauchllub „Dezimalwaage" AbendS 9 Uhr tm Restaurant Lock, KrautSstr. 48.— Rauchklub .Vorwärts" AbendS» Uhr beim Herrn Tempel, Restaurant„Zum Ambos", BreSlauerstr. 27. Orientalischer Rauch Nub" AbendS 9 Uhr tm Reslaur. Wuchert, Orantenstraße 8,— Rauchklub„Krumme Piepe" AbendS 9 Uhr Langesir. 70 bei H-indors.— Rauchllub„Collegta" Abend« 9 Uhr bei Th iemernumn, Slalitzerftr. 85. — Stalltub„Rückwärts" jeden Donnerstag Abend 8 Uhr tm Reftaur. Boderte. Palllsadenstr. 47.— Privat-Theateraesellschafl„AdUrschwmge" Sitzung 9% Uhr Gartenstr. 14 bei Träger.— Musttveretn„Vorwärts" Uedung Abends von. bis 10X Uhr, Annenstr. 14 pari. Reue Mitglieder, weiche schon blasen innen, finden Aufnahme.— WergnügunqSveretn„Fartnelly" AbendS 9% Uhr Sitzung Ftdelttas Jnvaltdenstr. 139. Gäste wtlllommen. Ausnahme neuer Mitglieder.— Arbeitergesangverein„Hoffnung" FriedrichSberg bei Reusch, Frantsurlcr Chaussee- und Dorsstraßen-Ecke. Uebungsstunde. Ausnahme. neuer Mitglieder.— Rauchktub„Maid-Knaster" Abends von» biS 11 Uhr Wallsir.» bei Simpel. SKtvechfirnl. ��Jnhau' desselben tdentisizirt zu werden. In der Nummer 249 vom Sonntag, den 1. Juni des„Lokal- Anzeiger" befindet sich unter„Lokales" eine Abhandlung, wie der o_ i-f-i—••... nw-.t-_-i.-'-~" t)OU so Redaktion des Blattes wird sich wohl oder übel dazu bequemen müssen, besagten Artikel als unwahr zu widerrufen. Wenn jene Herren ehrliche Absichten der Arbeiterbewegung gegenüber hätten, ivürden sie sich dahin bemühen, wo wir frei und offen unsere Sachen verhandeln, und nicht wie jene ekelhaften Schmierblätter die Wahrheit aus de» Kopf stellen.— Kollegen! Arbeiter! Sollten denn nicht endlich jedein Einzelnen die Augen ausgehen, daß er derartige Schand- und Brandblätter mit seinen sauerverdienten Arbeitergroschen unterstützt?-- Denn ein Preßorgan, wie der „Berliner Lokal-Anzeiger", welches nach allen Seiten liebäugelt, dem alle Mittel zum Zweck heilig sind und sich ganz im Schlepptau des Kapitals nehinen läßt, ein solches Zwitterding nennt sich un- parteiisch.-- Um aber dieses Klatsckblatt recht zu kennzeichnen, folge hier jenes saubere Machwerk, w« es nur der„Lokal-Anzeiger" zuwege bringt. Es heißt: Der Formerstreik, obwohl er von den Führern in den öffent- lichen Versammlungen immer noch aufrecht erhalten wird, ist in der That zu Ende und für die Arbeiter so kläglich verlaufen, wie kaum jemals ein Streik in einem anderen Gewerbe. Diejenigen. welche heute noch den Streik„aufrecht erhalten", gehören fast alle zu denjenigen Formern, die nirgend mehr als Arbeiter angenommen werden. Die übrigen sind reumüthig nach den früheren Arbeitsstätten zurückgelehrt, wo man denn auch die größtentheilS„verführten Sünder" wieder aufgenommen hat. Die Aufwiegler sind aber überall zurückgewiesen worden und stnd heute noch und bleiben unbeschäftigt. Durch das Zusmninenhalten der Fabrikbesitzer sind die Maßnahmen der Ar- beitnehmer vollständig mißglückt. Während di, Arbeiter nach Proklannrung des Generalstreiks auf ein Nachgeben der Arbeit- aeber mit Bestimmtheit rechneten, da in allen Fabriken auf viele Monate hinaus Arbeit in Hülle und Fülle vorhanden mar, und sogar kontraktliche Fristen innegehalten werden mußten, ist es den Fabrikbesitzern diesmal ein leichtes gewesen, in ganz kurzer Zeit genügende Arbeitskräste von auswärts zu bekomnien. Die jetzt noch streikenden Former sind nun in arge Bedrängniß gerathen. Zum größten Theil verheirathet, befinden sie sich nnt ihren Fa- Milien in der bittersten Roth, da die Streikgelder längst verbraucht sind. Aus Berzweiflung über seine traurige Lage hat sich einer bereits das Leben genoinmen, ein zweiter ist seil acht Tagen ver- schwunden. Genossen! Arbeiter! hier zeigt es sich, wo unser Theil zu suchen ist. Würden alle Arbeiter eingedenk sein, ihr Interesse da zu suchen, wo es wirklich gefördert wird, es wäre jenes Käse- blatt nicht zu dem geworden was es ist. Denn nur durch die ungeheure Unterstützung der Arbeiter hat es sich so in die Höhe schwingen können. Deshalb fordern wir Euch auf, weist jenes faule Geschmier dahin, wohin es gehört und unterstützt ferner ein Unternehmen nicht mehr, welches Euch einmal schmeichelt und um Eure Groschen buhlt. Euch aber zehn und zwanzig Mal belügt, um es auch allen anderen recht zu machen. Die Lohnkommisston. Vevmistfzkes. Cine neue Erwerbsquelle. Der Pester Plauderer der ,,Pr." erzählt von einem Zwischenfall, der sich in der Nähe von Pest ani ersten Pfingstfeierlage bei einem Eisenbahn-Unglücksfall ereignet hat:„In den« Schrecken der verhängnißvollen Pfingst- nacht ist eine Episode verloren gegangen, deren zwingende Komik in ruhiger Stunde selbst verbitterten Grillenfängern ein Schmunzeln entlocken wird. Mit dem Hilfszuge, der spät nach Mitternacht aus Budapest in Rakos-Esava eintraf, kamen einige Oberbeainte der Staatsbahn. Inspektor G. ging sofort daran, den Befund an Leibesschaden aufzunehmen, und er schritt die lange Reihe der Passagiere ab, untersuchend, dem einige freundliche Worte sagend, jenen zur Ruhe und Geduld ermahnend. Als er damit zu Ende war, flog sein Blick noch immer suchend umher:„Ist Nieinand mehr hier?— Keine Antwort. Mit lauter Stimme rief jetzt der Inspektor einen Namen:„Berger! Berger! Ist Her-r Berger hier?" Eine Sekunde tiefes Schlveigen. Dann löste sich ans dein Dunkel ein Schatten, der näher kam und unmittelbar vor dem Beamten stillhielt.„Ah, da sind Sie ja, Herr Berger: Gott sei Dank, Sie sind nicht verunglückt?"— Der Schatten gab ein Lebenszeichen:„Ich bin's, Herr Inspektor. Geschehen ist mir nicht viel. Da, an der Stirn ein kleiner Riß— höchstens ziveihundert Gulven«verth!"— Der Beamte fuhr auf: „Was ziveihlindert Gulden? Mensch, haben Sie noch nicht genug?! Ich bitte, Herr Doktor"—«vendete er sich an einen der anwesenden Aerzte—„untersuchen Sie diesen Herrn!..." Der Arzt prüfte den„Verunglückten" rasch und erklärte, daß den« Passagier kein Leid geschehen sei.„Und die Stirnirnlnde?" wendet jener ein. Der Inspektor antivortete an Stelle des Arztes:„Wenn Sie noch ein Wort sprechen, so lasse ich auf Grund unserer Akten, welche beweisen, daß Sie diese Wunde vor vier Jahren zwischen Raab und Bruck erhielte», die Anzeige wegen Be- trugsversuchs gegen Sie erstatten! ES kommen dann«vohl noch andere Dinge an den Tag..." Der Schatten verschwand, als hätte er dem Peter Schlemihl angehört, die Gc- schichte seines Besitzers aber ist die folgende: In unserem guten Budapest lebte zu Anfang der siebziger Jahre ein ziemlich(oder, dä sich dies nicht schickt, ein unziemlich) armer Teufel, der Ex- Börsianer Berger. Ein ruinirter Kaufmann, hatte er sein Un- glück an der Börse versucht und dasselbe blieb ihm treu. Er warf sich auf das Versicherungswesen und als Akquisiteur bereiste er seine Heiinath von den Karpathen bis zur Adria. Er hatte Glück. Bei einem Eisenbahnunfalle brach er ein Bein und er- hielt als Schmerzensgeld 10 000 Gulden zugesprochen. Von da ab war sein Stern im Steigen. Berger wurde der Schrecken der ungarischen und gemeinsamen Bahnen. Er lebte nur noch von Eisenbahnkatastrophen. Es gab keine Kollision, bei der er nicht Schaden genom«nen hätte, die Direktion der Verkehrsunternehmuugen wollten stets den Skandal vermeiden und trafen gütliche Arrangements mit den« famosen Reisenden, und als Hr. B. vor einigen Jahren bei Groß-Kanizsa abermals einen rentablen Armbruch unter dem Kostenpreise er- warb, da«vußte der Vertreter der Bahn keine schlagendere Ein- wendung zu erheben als:„Wo nimmt Herr B. so viel Glied- inaßen her, als er sich bezahlen läßt?" Trotz dieses sehr be- gründeten Einspruches aber erhielt unser Mann abermals eine I größere Entschädigung, und heute«vird Herr Berger in Budapest ehr hochgeschätzt. Er ist mindestens Hundertrausend Gulden chwer geworden. Die Zinsen dieses Vermögens scheinen jedoch einen unbescheidenen Bedürfnissen noch nicht zu genügen, denn er bemüht sich,««sie Figura zeigt, noch iinmer, auf der Eisen- bahn zu verunglücken. Diesnial ist ihm sein Unglück treulos ge- worden. Ueber Chile und die Chilenen hat jüngst in verdeutschen Kolonialgesellschast Herr Dr. 5kirstein einen Vortrag gehalten, der in einer Warnung sür Ausivanderungslustige gipfelte. Dieser Vortrag veranlaßt eine sich zur Zeit in Berlin aufhaltende Dame, die seit mehreren Jahren in Chile lebt, ihre in diesem Lande gesaminclten Erfahrungen in nachstehenden Zeilen darzulegen,«velche, indem sie die Verhältnisse Chiles unter einem andern Gesichtspunkte betrachten, auch zu einem andern Schlüsse kommen. Die Daine schreibt:„Es soll hier kein Urtheil abgegeben werden über geographische und klimatische Vor- oder Nachtheile von Chile, über welche sich Jedermann»ach Be- lieben Alifschluß verschaffen kann durch gute, alisführliche geographische Bücher, es soll nilr der Wahrheit Rechnung ge- tragen werden hinsichtlich der Kultursähigkeit seiner Bewohner und der redlichen Bestrebungen der chilenischen Regierung, der Zivilisation vom Auslande her inlmer mehr Eingang z«« ver- schaffen. Was staatliche Organisation, Ruhe und Ordnung im Innern des Landes anbetrifft, so ist eS bekannt, daß Chile nebst Argentinien an der Spitze der südamerikanischen Republiken steht. Um mit wenigen Worten die Kulturfähigkeit seiner Bewohner hervorzuheben, sei bemerkt, daß der Chilene in hohem Grade aus- gestattet ist mit der Gabe, die man im Spanischen den„espiritu asiinilacion" nennt, Gabe der„Aneignung",«Nittels«velcher er sich ohne die geringste Schivierigkeit zu eigen macht, was ihm Nachahmungsivürdigcs geboten wird, sei es auf intellektuellem Gebiet, seien es technische.Fertig- leiten, daher von der chilenischen Regierung jeder zrmlisirte Freinde«villkoinnien geheiße«« wird, der aus«virklichem Jnterepe für das Wohl des Landes bemüht ist. etwas Mustergiltiges und Nachahmungswerthes zu leisten und einzusührei«. Unter den deutschen Kolonisten, welche hinübergehen, um das Land anbauen zu helfen, ist leider ein großer Theil, der sich für nichts weniger als für den Landbau eignet, indem oft genug Leute auswandern, wie Mechaniker und alle Arten von Handiverktreibenden, die aus der deutschen Heimath kaum eine Idee von Ackerba«« und Viehzucht mit sich bringen; natürlich«veichen sie in Eue dann bald vor Sch,v,erigkeiten und Anstrengungen zurück, die das Kolonieleben in seinen, Gefolge hat, und ziehen nach den Städten, um dort eine ihrer Jndividualltat entsprechende Beschäftigung z«l finden. Ich habe solche sich zurück- gezogenen Kolonisten in der Hauptstadt Santiago gesprochen, d,e, der Wahrheit Zeugniß gebend, eingestanden, die Regierung sei allen ihren im Kontrakt erwähnten Versprechungen pünktlich nach- gekommen, sie selbst aber hätten die Arbeit nicht nach ihrem Geschmack gefunden.. Und warum? Einfach, weil sie derselben nicht gewachsen waren. Für Chile wäre es freilich besser, wenn die zum Anbau berufenen Einwanderer jenen Urzustand vorfinden würden, den die ersten Kolonisten in Nord-Amerika antrafen, die mit der Büchse in der Hand jede Hand breit Erde erringen und sich ein Obdach der primitivsten Art schaffen mußten: jedenfalls würde dann mehr Thatkraft und Leistungsfähigkeit ent- faltet werden als unter den in Chile gegenwärtig obwaltenden Verhältnissen, wo die Regierung von vorne herein durch eine Menge Zugeständnisse ein so energisches und selbstständiges tändeln und Arbeiten unnölhig macht. Um auf eine andere lasse von Leuten zu kommen, die Chile von Deutschland aus zu- wandern, dort ihr Glück zu versuchen, gelte die Mittheilung, daß seit den letzten 6 Jahren eine auffallend große Anzahl von Lehren« und Lehrerinnen hinübergegangen sind und augenblicklich hinüber- gehen, um die mit ermuthigendem Erfolg begonnene Reform auf dem Ünterricktsgebiet weiter durchzuführen. Es kann doch nur zuGunsten des Landes und seiner Regierung sprechen, dieses rege Interesse für die Einführung des soliden deutschen Unterrichtssysteins und gründliche Methodik, und wahrhaft bewunderungswerth ist es, mit welcher Begeisterung von der chilenischen studirenden Jugend das ernste verstandesmäßige Lernen begrüßt und aufgenommen worden ist an Stelle des geisttödtenden mechanischen Memorirens. In dem erwähnten Zeitabschnitt von 6 Jahren sind 2 Lehrer- und 3 Lehrerinnen-Seminare unter deutscher Leitung geschaffen worden, die jetzt etwa 40 deutsche Lehrkräfte zählen; mit bestem Resultat haben diese schon eine Anzahl chilenischer Lehrkräfte herangebildet, welche allmählich über die ganze Republik verbreitet werden, und binnen des letzten Jahres allein sind 106 neue Elementarschulen gegründet worden, so daß auch die entlegeneren Gegenden des Nordens und Südens der Republik mit neu organisirten Schulen versehen werden und bei der schon gepriesenen Bildungsfähigkeit der Nation die Zivilisation bald allgemein durchdringen wird. Die Opfer, welche die Regierung zu Unterrichtszwecken bringt, sind nach unsere» Begriffen oft geradezu unglaublich und das Entgegenkommen der Autoritäten erleichtert das Schaffen auf eine bei uns ganz ungeivohnte Weise. Schreiberin dieses ist vor sechs Jahren nach Chile gegangen, um dort ein Siminar zu gründen, das sie zu ihrer großen Freude vier Jahre unter ihrer Leitung hat gedeihen sehen, sie ist stets auf die huldvollste Weise vom Präsidenten der Republik empfangen worden, und ihren Vor- fchlägen und Forderungen ist von dem jedesmaligen Unterrichts- nunister auf eine so überaus zuvorkommende, bereitwillige Art nachgekommen, daß ihr Wirken das angenehmste und leichteste war, das sich nur denken läßt. Wenn der vornehme Chilene sich nicht bemüht, den Ausländer in seinen sozialen und Familienkreis iU ziehen, so ist ihm dies nicht zu verdenken angesichts derThat- fache, daß fremde Elemente(und ihre Neuerungen sich erst mit der Zeit allgemeine Anerkennung und Hochschätzung verdienen müssen; und in welchem Lande wird nicht eine Reform stets von einem Theil der Bevölkerung mit mißtrauischen Augen betrachtet, einer geraumen Zeit bedürfend, bis sie Jedermanns Gutachten gefunden! Möchte nur jeder Deutsche, der nach Chile auswandert, durch redliche Bestrebungen nach dem Guten und Edlen und durch mustergiltiges Beispiel sein altes Vaterland ehren und seiner neuen Heimath nützliche Dienste leisten! Leider aber giebt es auch Menschen, die sich nicht auf verständige Weise in Land und Leute in der Fremde zu schicken wissen und sich nicht auf gemäßigte ruhige Art mit den neuen Autoritäten einigen können, leider auch gar solche, die sich zum Zweck der Jugenderziehung für's Ausland kontraktiren laffen, dann aber, ihre hohe und verantivortliche Mission vergessend, durch unedle Prinzipien und Handlungsiveise unendlichen Schaden zufügen, statt Segen zn verbreiten, und daß solche traurigen Er- sahrungen an Ausländern auch von der chilenischen Regierung gemacht«vorden sind, kann Schreiben» leider an Beispielen nach- iveisen. Sie selbst, augenblicklich mit einer ehrenvollen Kommission der chilenischen Regierlmg in Europa betraut,«vird binnen einiger Monate nach Chile zurückkehren, dem sie mit aufrichtiger Sym- pathie und Dankbarkeit ergeben ist." Ein nrnea Krilmiktcl„Ekalgln". Wenn die Zahl der neuentdeckten Arzneimittel ein Zeichen für das Fortschreiten der medizinischen Wissenschaft wäre, dann müßte die ärztliche Kunst gegenwärtig auf der Höhe ihrer Entivicklung stehen; leider aber offenbart gerade die Herstellung iminer neuer Arzneimittel nur zu deutlich die Thatsache, daß die Heilivissenschast noch nicht über solche Arzneimittel verfügt, wie sie im Interesse der leiden- den Menschheit wünschensiverth wären. Seit einem Jahrzehnt etlva löst in dem von den Aerzten verwaiidten Arzneischatz immer ein neues Mittel das andere ab. So geschieht es namentlich bei den schinerzstillenden Mitteln. Auf das Antipyrin ist das Antifebrin, das Phenaeetin und anderes mehr gefolgt, ohne daß eines von ihnen allen Ansprüchen, welche die Heilkunde an ein gutes Arzneimittel stellen muß, genügt. Neuerdings wird nun zur Ergänzung dieser Mittel von englischen und französischen Aerzten das Exalgin einpfohlen, das seiner cheinischen Zusammen- setzung nach Methylaeetanilid ist und zuerst 1874 von dem berühmten Berliner Chemiker A. W. von Hofmann dargestellt worden ist. Das Exalgin bildet schöne weiße, geruch- und geschmack- lose Krystalle, deren Schmelzpunkt be« 101 Grad liegt, eS ist wenig löslich in kaltem Wasser, dagegen leicht löslich in Alkohol und in Wasser, das mit Alkohol versetzt ist. Als Fiebermittel besitzt das Exalgin keinen Werth, dagegen konnte Prof. Dujardin- Beaumetz in Paris, eine der Koryphäen der französischen medizi- nischen Wissenschaft, eine Beeinflussung der Bewegungs- und Empfindungsnerven durch das Exalgin feststellen, wahrend erst in zweiter Linie dessen Wirkungen auf Athmung, Blut- nmlatif«lnd Teinperatur in Betracht kommen. Sehr günstig «virkte das Exalgin bei den sogenannten Neuralgien, d. h. Schmerzen im Verlauf bestimmter Nerven, und übertrifft bei dieser Anwendung das Phenaeetin, in manchen Fällen auch das Antifebrin und Antipyrin an Wirksamreit. Weniger kräftig, aber dennoch auch eine Verminderung der Schmerzen bringend wirkt das Exalgin bei Ischias, bei Zahnschmerz, Muskel- und Gelenk- rheumätismns. Das Mittel«vird zumeist in Dosen von ein Viertel Gramm zwei Mal des Tages am Morgen und am Abend gegeben. Als besonderer Vorzug des Mittels«vird gerühmt, daß es frei von all den störenden und schädlichen Nebenwirkungen ist, die bei Anivendung fast aller anderen schmerzstillenden Mittel gelegentlich hervortreten. Eine Statistik über pastenr'» Heilerfolge. Man schreibt aus Paris vom 30. v. M.: Es sind nun vier Jahre ver- flössen, seit Pasteur in der Akadenüe der Wissenschaften die ersten Ergebnisse seiner Versuche der Wuthimpfung nuttheilte. Nach- dem sich die neue Heilmethode, bei 380 Kranken a»gewe>«det, er- folgreich ermiese», ivurde durch Beiträge aus allen Ländern das Institut Pasteur in Paris und ähnliche in anderen großen Städte» errichtet, lieber die vierjährige Wirksamkeit des Instituts liegt uns heute ein ausführlicher Bericht des Dr. Perdrix vor. Nach dem- selben wurden in der Anstalt co»S1886— 1889 im Ganzen 7893 ivuthkranke Personen behandelt. Bon dieser Zahl sind nur 53 ge- storben. Jedes Jahr nahm die Sterblichkeit ab. Im Anfang hatte man natürlich einige Bedenken ivegen der Art der Behandlung jeden einzelnen Falles. Gewisse schivere Fälle, bei denen die Ver- letzungen zahlreich waren, hatten den Sitz der Eiterung Haupt- sächlich nahe dem Gehirn. Das Gesicht, der Hals und die oberen Glieder entivickelten an der wunden Stelle eme rasche Eiterung, als die anderen Körpertheile und mußten deshalv kräftiger be- handelt werden, d. h. mit weniger verdünnten Einspritzungen und mit öfteren und schärferen Einimpfungen. Tie behandelten Personen sind in drei Kategorien getheilt: 1. Personen, gebissen von Thieren, bei denen die Wuth auf experimeittalein Wege, durch Jmpfprobe oder durch die Beobachtung anderer von ihnen gebissener Thiere, nachgewiesen ist. 2. Personen, gebissen von Thieren, deren Wuth, durch thierärztliche Prüfung konstatirt wurde. 3. Personen, gebissen von Thieren, die der Tollivuth verdächtig waren. Dem Bericht ist eine Tabelle beigegeben,«vonach von 1336 behandelten Personen der ersten Kategorie 13 starben, also 0,97 pCt.; von 5»Ii der zweiten Kategorie starben 33, also 0,63 pCt.; von den 1316 der liebt W ipati« iliid dritten Kategorie endlich starben 7, also 0,53 pCt. Es ergv also, daß von den 7893 behandelten Personen 53 oder 0,b? A7 starben, und zwar im Jahre 1886: 25 Personen, im Jahre i■ 13, im Jahre 1888: 9 und im Jahre 1889 nur noch 6 Perst; Von 0,94 pCt. im Jahre 1886 ist die Sterblichkeit also° 0,33 pCt. im Jahre 1889 gefallen. Der Grad der Schivere Fälle richtet sich nach dem Sitz der Verwundung Von den 7893 Personen, die behandelt wurden, 672 am Kopf oder in's Gesicht gebissen worden starben 15 davon(2,23 pCt.), 4387«varen in d«e, gebissen worden, und es starben 29 von diesen(0.66 p �' und endlich 2834 waren an den übrigen Niedern ain Rumpf gebissen worden, wovon 9 starben(0,32 P Die Verletzungen an« Kopfe dehnen sich rasch auf das Gehvw Rückenmark aus und können, wenn nicht eine schnelle-w) lung der gebissenen Stelle eintritt, nicht mehr geheilt wer Man kann ferner auch auf die Thatsache Bezug nehmen, da?., den Bissen in's Gesicht und in die Hände der Zahn des 0'-.. direkt in das Fleisch dringt, während bei den anderen Tye des menschlichen Körpers derselbe erst nach Zerreißen der i dungsstücke, die gewissermaßen den Zahn abivischen uno Speichel aufhalten, das Fleisch aufreißt. Eine interestante d saminenstellung von Perdrix zeigt, daß das sofortige Aebg große Heilwirkung hat. Auch das Ausbrennen der Wui«de nicht zu empfehlen, da das glühende Eisen nicht immer•» ausbrennt. m* man in einer Voldstadt lebt. Eine intereffautt Schilderung des Lebens in Johannesburg, der kaum dreiiahrlg Goldstadt der südafrikanischen Republik, finden wir«n* Münchener„N. N." Die einstöckigen Häuser, meist aus geripm Eisenblech gebaut und mit Segelttich gedeckt, sind luftig«md. quem und machen mit ihren breiten, ringsum laufenden Berat«» einen ganz wohnlichen Eindruck. Die Miethe aber betragt L ein solches aus vier Zimmern bestehendes Haus jährlich 7200' Ein afrikanischer„Zinunerherr" zahlt durchschnittlich 300 M. Monat. Bereits sind 400 Wirthshänser in der Stadt, obwohl Flasche Bier 4 M. kostet. Eine Semmel kommt auf 25 Pf-, L Pfund Butter auf 7 M. 60 Pf.. Zucker 1 M., Mehl 1*5 20 Pf.. Grütze 1 Mark 90 Pfennige, Kartoffeln 1% 20 Pf. zu stehen. Am billigsten ist Fleisch zu 90 Pf. bis 1 Dagegen kann man keine Staude Salat unter l M. 20% haben und muß für einen Kohlkopf mindestens 2 M. 60# zahlen. Eier bekommt man das Dutzend um 4 M. 60 Pst das Dutzend um* an. w ri" frische Milch das Quart für 2 M. Diese ungeheuren Ml find erkärlich, weil fast Alles auf zehn- bis z>völ>spänmg Wagen 500 Kilometer weit durch eine dürre Sandwüste h%' geschleppt werden muß. Dennoch lebt man in Hülle und F>m Bäcker und Köche sind die gesuchtesten Personen und erhem jeden Lohn, den sie verlangen. Auch die übrigen Arbeiter stch sich glänzend und ein Schreiner z. B. verdient 250 M. die Wocy Troy dieser hohen Einnahmen wird wenig gespart. Man ist I leichtlebig als freigebig, und der Pfarrer fand letzte Weihnacht im Opserstock seiner eisernen Kirche nicht«veniger als 10 000• Ter Zuzug nach den neuentdecklen Goldfeldern steigt fortivahte» und Tausende strömen herzu, doch ist das Klima keineswegs 9 sund. Johannesburg giebt allein 60 Aerzten Beschäfttgu*»' Außerdem leidet die Stadt oft furchtbar unter Wassermangel. Eigenthüiuliche ztistflätt«. Daß Rothschwänzchen sich � die absonderlichsten Brutplätze aussuchen, ist bekannt. So«str. sie beifpielsweife oft an Eisenbahnivagen und begleiten dieselbe auf der Fahrt. Neu aber dürfte ein Vorkommniß sein, das F der„Frankfurter Zeitung" zufolge, in Ober-Wegfurt in Oberhesst, ereignete. Dort gerieth ein Rothfchwänzchen auf der Suche«stj® einem Nistplatz durch ein zufällig offen gelassenes Fenster in st Kirche und ersah sich den an der Wand hängenden Klingelbe»� als geeignete Stätte, so daß an« nächsten Sonntag der KüstetJ» seinem großen Erstaunen ein Nest mit zivei Eiern in deniselF vorfand. Die Erkrankung des Grafen Lea Totstok.®!* Nowoje Wremja«vird vom 13V25. Mai aus Moskau geschrieben' Gestern wurde Leo Tolstoi vom Gut seines Bruders, wo er 9, Gast war, vollkommen krank auf sein Gut„Jaffnaja PoljaN» gebracht. Er hatte eine Eiitzündung der inneren Organe F einen starken Anfall von Gelbsucht bekommen. Man befürchte'' eine Blutvergiftung. DieZFainilie des Dichters«var in groF Angst und noch gegen«värtig ist Tolstoi mager, schwach und g-st daß er noch längere Zeit kurirt«verde» muß, was sehr sch>vier>9 ist, da er keine Medizin anerkennt und die Aerzte nicht leibe» mag.— Danach bestände also keine unmittelbare Todesgefahr. Ziterarisches. Wir erhalten soeben Heft 1—4 von Dr.. W.Zimmer mann's Großer deutscher Bauernkrieg, illustrire Volksausgabe, herausgegeben von W i l h. Blas.(Stuttgart I. H. W. Dietz' Verlag.) Von allen Historikern, die jene geivaltige Beivegung Deutschland zum Gegenstand ihrer Forschungen und DarstellunS wühlten, steht Zimmermann dem Herzen des Volkes aw nächsten. Es ist daher zu begrüßen, daß dieses.klassische G* schichtswerk in einer billigen Ausgabe weiteren Kreisen zugäng lich gemacht wird. Das Werk erscheint in ea. 26—23 Lieferungen ä 20 Pf. Jed� Heft enthält an Text zwei Bogen Großoktav. Deprossthen. (Wolff» Trlegraphen-Kurrnn.) Paris, 4. Juni. Das Zuchtpolizeigericht verurtheilte, cm« verlautet, den Marquis Moräs wegen Aufreizung zu Ansa»««' langen anläßlich der Kundgebung am 1. Mai zu drei Monaten Gefängniß und den Mitangeklagten Arbeiter Vallöe zu einen» Monat. VviefkÄpken dev MederKkion. Bei Antragen billen wir die Abonneinenls-Quittung beizusüge», BrtesO� Antwort wird nicht ertheilt. A. H. Es ist eine absolute Unwahrheit, wenn Herr A. � hauplet, daß seine Einsendungen von uns prinzipiell zurückgeivicsc» würden. Stur eine einzige Mittheilung hat uns der betreffend� Herr gemacht, die von uns auch anstandslos veröffentlicht wurde- — Etwas Anderes ist es allerdings mit seinen Reklamenotizen- Unsere Expedition ist ein für alle Mal angewiesen, Anzeigen, d«' nur unter der Bedingung eines empfehlenden redaktionellen H»"' weises aufgegeben werden— wie das wohl bei den meiste anderen Zeitungen üblich ist— grundsätzlich abzulehnen. Es$ ihm daher auch die Aufnahme eines reklamehaften Artikels st»' sein Fabrikat von unserer Expedition veriveigert worden. McF Herr A. übrigens soviel Geld übrig hat, daß er sich ein eigens Reklameorga» gründen will, so mag er das thun; unsere" Segen hat er. #. 3. Von dem Aufruf ist uns nichts bekannt. Wiedel holen Sie denselben. te lllQ Verantwortlicher Redakteur: Gurt Laake in Berlin. Druck und Verlag von Ma» Lading in Berlin SW.. Beuthstraße 2. -sät «ib K S. %