Ur. SS. 14. Jahrg. Abonnements-KedingMgtn: Hl Die Insertions Gebühr Abonnements-Pret» pränumerando:»W I Hh beträgt für die sechigespaltene»olonel- Ltertetjährl. S,zo Mb, monatl.l,10Mr., I M> tL BB WW Hnj Bj H|H zelte oder deren Raum 40 Pfg., für wöchentlich 28 Pfg. frei ins Hau«. feBB) Uff) BB Hl|tiC| WU WU■Qj EX. DM DM\ //»erelns- und VerfammlungS-A», eigen. Einzelne Nummer S Pfg. Sonntags- HB �B DM|H MD �zJ DM �M[ sowie ArbettSmarlt 20 Pfg. Inserat« Nummer mit illustrirter Sonntags- �DBM DB I �B �B �B IM WM DM MD für die nächste Nummer muffen Beilage„Tie Neue Welt" 10 Pfg. Post- MM I �B �B ��MVEMV JBB\. SM 4 Uhr nachmittag» in der Expedition Abonnement: ZPO Mark pro Quartal. HD WM �BL�BV �HWK> � BBMv BH\ yy BD abgegeben werden. Die Expedition Eingetragen in der Post- Zeitungs- �M|�Kl // HD ist an Wochentagen bt» 7 Uhr abends, Preisliste für 1S97 unter vr. 7437. � fln Sonn- und Festtagen bis g Uhr Uuter Kreuzband für Teutschland und—-- � vormittag» geöffnet. Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für da» V t)- übrig- Ausland 3 Marl pro Monat. X------/»ernspr.cher: Bml I, Er. 1508. Erscheint i-iglich autzrr Monk-o». � � � � � 3lK f..Sobald, mokrnt»erlin". Dentrawrgan der sozialdemokratischen Partei Deutschtands. Redaktion: 8V. 19. Weuly-Straße S. Vom liberalen Vürgevttzum. Wieder einmal uuihen sich liberale Politiker ab, eine Eüüguug aller Liberalen zu Wege zu bringen. Aber das Schicksal früherer Versuche hat sie zaghafter gemacht. Nicht mehr für die große liberale Partei wird geivorben; es handelt sich nur um eine Verständigung für den bevorstehenden Wahl- kanipf, der spätestens im Jahre 1898 der Ablauf der fünf- jährigen Reichstagsperiode bringen wird. Doch mag auch der direkte praktische Zweck der eingeleiteten Unterhandlungen geringfügig sein, mit tönenden Worten von der Ehre des deutschen Bürgerthnms suchen die Wortführer der liberalen Einigung den eingeleiteten Verhandlungen einen Schein von Wichtigkeit zu verleihen. Jetzt oder nie kann das Bürgerthum zu seinem Rechte kommen, heißt es in der liberalen Presse. Der Uebermuth der Agrarier wächst von Tag zu Tag. Mehr und mehr Zugeständnisse ertrotzen sie sich von unserer programmlosen Regierung. Hat sie doch sich dazu drängen lasten, eins der heiligsten Güter der Nation, die Börse, anzutasten. Schon wird die Politik der Handelsverträge preisgegeben von einzelnen Ministern. Auf zum Kampfe, ihr Bürger, schützt die Freiheit des Handels und des redlichen kapitalistischen Erwerbes vor den Unterdrückungsgelüsten unserer agrarischen Konkurrenten um die Herrschaft im Staate! Fehlt nur noch der charakteristische Ruf, mit dem der jetzt verstorbene Oberbürgermeister von Berlin, Herr v. Forckenbeck, die Seinen bei einer ähnlichen Gelegenheit zu politischen Heldenthaten anzufeuern suchte: „Zurück auf die Schanzen!" Damals— es war nach der Fusion, als vermnthete Kronprinzengunst dem alternden Liberalismus Frühlinasgefühle in den Gliedern erweckte— haben sich die Liberalen so erfolgreich„rückwärts auf die Schanzen" konzentrirt, daß die mehr als hundert Mann, die sie im Feuer der Reichstagsdebatten stehen hatten, mittlerweile auf etwa ein Drittel reduzirt sind. Zurück auf die Schanzen! Weiter bringt es auch heute noch nicht der Einigungsruf der Hüter des bürgerlichen Kapitals. Zurück auf die Schanzen, um was zu vertheidigen? Etwa einen Zustand im Staatswesen des Deutschen Reiches und Preußens, der der mächtigen Entwickelung Teutschlands zu einem Jndustriestaate auch in Politik und Verwaltung ent- spricht? Wo man über die wirthschaftspolitischen und Verkehrs- einrichtungen hinausgeht, bei denen trotz niannigfacher Rück- ständigkeit doch die kapitalistische Entwickelung des Deutschen Reiches sich Geltung erzwungen hat, steckt Deutschland noch bis über beide Ohren im polizeistaatlichen Gewände, an dem wohl Bureaukraten und ostelbische Junker ihre Freude haben können, nicht aber das Bürgerthum. Wir sagten ausdrücklich„ostelbische" Junker, denn an sich sind bureaukratische Einrichtungen keineswegs nach dem Herzen eine? selbstbewußten Landadels, wie ja in England sich der Landadel eine Jahrhunderte lange Vorherrschast durch Abweisung bnreaukratiscker Einrichtungen gesichert hatte. Aber in Ostelbien haben die Junker ihre Rechnung dabei gefunden, sich mit der Bureaukratie zu verbünden, sintemalen ihnen zur Ver- sorgung ihrer nichtbegüterten Klassengenossen die fettesten Pfründen im Heer- und Staatswesen bereitwillig von Alters her zugestanden werden. Antibureaukratische Junker vom Schlage des verstorbenen Herrn v. Wedemeyer sind weiße Raben und bestätigen als Ausnahme die Regel. So hat es die historische Entwickelung fertig gebracht, daß der ostelbische Junker mit dem Dünkel des länd- lichen Winkelautokraten und der Ausbeutnngssncht des kapi- talistischen Schnaps-, Rüben- und Kornprodnzenten auch noch die lakaienhafte Streberseele des bevorrechteten Pfründen- cxpektanten vereinigt. Das deutsche Bürgerthum, dem die Profitsncht längst seinen verschwommenen Liberalismus ausgetrieben hat, war mit dem früher befehdeten Jnnkerthum einen stillschweigenden Gegenseitigkeitsvertrag eingegangen, der dem Junkerthum alle seine Vorrechte im Staatswesen überließ, sich ein- verstanden erklärte mit der Erhaltung der polizeilich- bureaukratischen Staatseinrichtnngcn und der selbst- verständlichen Knebelung des Proletariats gegen die einzige Gegenleistung, daß das Wirthschaftsleben von den Fcsteln kleinstaatlicher Zollschranken und Bewegungseinschränkungen befreit, Handel und Industrie zünftlerischer und polizei- licher Fesseln entledigt und der freien Konkurrenz, diesem Lebenselemente kapitalistischer Produktion, keine Hemmnisse in den Weg gelegt würden. So lange die auf junkerlicher Grundlage organisirte Bureaukratie diesen Pakt hielt, also bis zur ersten bismärckischen „Zollreform", hat das Bürgerthum, damals als nationalliberale Partei organisirt, alle zur Knebelung de? aufstrebenden Pro- letariats durchgeführten Zwangsgesetze und Maßregelungen mitgemacht. Erst der Versuch einer junkerlichen Wirthschafts- reaktion machte es aufsässig. Nicht politische Zustände, nicht Schwärmerei für liberale oder gar demokratische Einrichtungen und Gesetze führten zur sog. Sezession und zum vorüber- gehenden Anschwellen der Jahrzehnte im Hintergrunde stehen- den kleinbürgerlich frondirenden Fortschrittspartei. Aber die junkerlich- bureaukratische Regierung brauchte nur mit ihrer offiziösen I-aterna maKica den rothen Schrecken oder den Franzosenschrccken in grausigen Bildern an die Wand zu werfen, dann fiel das aufsässige Bürgerthum vor Angst gleich Donnerstag, den 4. Februar l89'7. wieder in die Reihen der Kämpfer für Ordnung, Sitte und Religion zurück. Und nicht nur der große Haufe des Bürger- thnms, der dann wie 1387 für die Kartellkandidaten stimmte, sondern auch seine Führer. Geht es doch Herrn Rickert wie einem alten Militärgaul, der jetzt vor einer bürger- lichen Droschke geht. Wird auf dem Paradcfclde zur Attacke geblasen, dann spitzt er die Ohren und fällt steifbeinig ein in das Galopptenipo der vorübersausenden Schwadronen. Siehe 1893! Und die Leute wollen uns glauben machen, sie würden mit ihrem bürgerlichen Mannesmuth einen neuen liberalen Aufschwung erkämpfen? Man kann es wirklich nicht Herrn Eugen Richter ver- denken, daß er hinter der ganzen pomphaften Veranstaltung nur ein Manöver wittert, einigen bei ihren klein- bürgerlichen Wählern in Mißkredit gcrathcnen Mitgliedern der liberalen Vereinigung die wackligen Reichstagssitze zu sichern, so Herrn Barth in Hirschberg und Herrn Pachnicke in Parchim davor zn schützen, daß sie durch nicht so militärfrommen Kandidaten der freisinnigen Volkspartei verdrängt werden. Möglich, daß der Uebermuth des Junkerthums den Libe- ralen aller Schattirungen, besonders der freisinnigen Volks- partei und der süddeutschen Volkspartei, eine Anzahl von Reichstagswahlsitzen bei der nächsten allgenieinen Wahl ver- schafft, aber auf die große liberale Partei werden die liberalen Staatsmänner ebenso vergeblich hoffen nnd harren wie auf die Ministerposten von Hofes Gnaden. politische Mebeeficht. Berlin, 3. Februar 1897. Aus dem Reichstage. Nach kurzer Diskussion, an der sich nur Juristen und von diesen wieder nur Aiitglieder der gewesenen Kommission für das Bürgerliche Gesetzbuch be- theiligten, verwies der Reichstag den Entwurf für eine Reichsgrnndbuch-Ordnung an die XVI. Kommission. Den zweiten Punkt der Tagesordnung, Umwandlung der vierprozentigen Reichsanleihe in eine 3'/zproze>itige Anleihe leitete der Reichsschatzsekretär mit einer kurzen Wiederholung der gedruckt vorliegenden Motive ein. Aus dem Hanse fand die Vorlage allgemeine Zustimmung, nur der Redner unserer Partei, Genosse Bebel, betonte ent- schieden, daß die Herabsetzung auf 3V2 statt ans 3 pCt. und die Gewährung einer Schonzeit von 8 Jahren, innerhalb deren eine weitere Zinsherabsetzung gesetzlich ans- geschlossen sein soll, eine Bevorzugung der Papicrbesitzer auf Koste» der Steuerzahler sei, für welche sich kein gerechter Grund anführen lasse. Von den Rednern der Linken mußten die Einwände Bebel's als berechtigt anerkannt werden, man glaubt aber dieselben nicht berücksichtigen zu können, da andern- falls die Konvertirung überhaupt nicht zu erreichen sei und die Steuerzahler dann nach wie vor 4 pCt. bezahlen müßten. Morgen ist Schwerinstag. Tages- Ordnung: Antrag unserer Genoffen auf Einführung des Achtstundentages; derselbe wird von dem Abgeordneten R. Fischer begründet werden. Anfang der Sitzung 1 Uhr. Zur Behandlung politischer Gefangener in Preußen. Die„Rhein. Wests. Arb-Ztg." schreibt: Wie unseren Lesern bekannt, wurde dem Redakteur Genosse» Block im Gesängniß zu Münster die Selbstbeschäftigung abge- schlagen unter Bezugnahme aus einen ministerielle» Erlaß, nach welchem die Selbstbeschäftiguug von Strafgefangene» über- Haupt nicht»»ehr zulässig sei. Bon einer amtlichen Stelle, die man für informirt halten muß, wird uns jetzt milgetdeilt, daß eine derartige ministerielle Verfügung nicht existire. Es wäre doch sehr erwünscht, wenn dies authentisch festgestellt würde; vielleicht bietet sich bei der dritten Lesung des Etats im Reichstage die Gelegenheit zn einer Anfrage. Auch unserem Kollegen vom„Volksblatt für Harburg:c.", Genosse Kanffman», wurde von der Direktion des Gefängnisses in Hameln milgetheilt, daß ihm auf grund einer»nnisterielle» Ber- fügnng Selbstbeschäftigung nicht gewährt werden könne. Im Reichstage schwiegen sich bei der Verhandlung über de» Justizetat die Schönstedt und Nieberding gründlich aus, als sie über die Existenz einer solchen Verordnung Auskunft geben sollte». Die Frage ist aber so bedeutungsvoll für den Kulturzustand Preußens, so wichtig für jede politische Partei, so brennend für die gesammte Presse, daß es sich wohl gebühren würde, daß amtliche Erklärungen endlich erfolgen. Sache der Presse ohne Unterschied wäre es. nicht zu ruhen, bis für die Behandlung der„Preßsünder" Garantien ge- schaffen werde», ivie sie selbst rückständige Länder wie Oesterreich und Ungarn besitzen.— Auf Kreta ist der„Aufstand" wieder anSgebrochen, und dies- mal scheint es ernster zu sein alS früher. Diesmal sind es nämlich die Türken, die sich gegen ihre eigene Regierung erhoben habe», weil diese, dem Druck der Mächte nachgebend, eine „Beruhigungs- Gendarmerie" ans Griechen, Bulgaren, Monte- »egrinern nnd sonstigen Söldnern Rußlands hat bilden lassen, was der Auslieferung der Insel an die Russen gleichkommt. Diese Wirkung war vorauszusehen. Die Türken sind keine Hammel, die sich ruhig abschlachten lassen. Warten wir ab, welche Folgen dieses neue Kunststück der europäische» Diplomatie haben ivird. Greift der Ausstand um sich und schlägt er über in andere Theile der Türkei, so müssen wir uns auf blutige und entscheiduugsvolle Er- -ignifse gefaßt machen.— »* Deutsches Reich. — DerProzeß gegen die„DeutscheTages.Ztg." wegen Verächtlichmachung von Staatseinrichtungen durch nicht erweislich wahre Thatsache» wird am 16. Februar stattfinden. Der Hikpedition: 8V. 19, Ueuth-Straße 3. Staatssekretär des Aeußeren v. Bieberstein ist hierzu als Zeuge gelade».— — Der Bundesvorstand der polnischen Sokol' vereine erläßt folgende Erklärung: In der letzten Zeit sind einige Sokol Turnverein« zu wieder- Hollen Malen von einem gewissen Theil der Presse, gewissen Kreisen im Landtage und von de» Regierungsvertreter» politischer Tendenzen verdächtigt worden. Angesichts dessen stellen wir als die oberste Behörde der Bundesvereine in erster Linie ausdrücklich fest, daß diese Vereine einzig und ausschließlich die Pflege der Geslludheit und die Entwickelung der körperlichen Kräfte durch Turnübungen zum Ziele habe». Da wir außerdem darüber wachen, daß nicht nur keine politischen, fondern iib erHaupt keine öffentlichen Angelegenheiten in unsere Vereine hereingeschmuggelt wevden, da keiner der dem Bunde angehörenden Vereine irgendwelche Nebenzwecke ver- folgt, sonder» gewissenhaft die durch die Statuten ausgesteckten Grenzen innehält, stellen wir hiermit öffentlich fest, daß die be- sagte» Verdächtigungen augenscheinlich aus ungenauen und »»wahren Informationen beruhen. Diese Erklärung wird Herr» von der Recke von der Horst in keiner Weise beeinflussen. Für den Herrn preußischen Minister des Inner» liegt sicher i» dem Gutachten eines beliebigen Gendarmen weit mehr Autorität als in der Erklärung einer großen Korporation ganz gewöhnlicher Steuerzahler.— Ans dem Riesengebirge. Aehnlich wie in Fuchs m ü h l ergeht es den Bewohnern von Ag Hetendorf im Riesen» g e b i r g e. Die dortigen Stellner hatten das Recht, sich aus de» anliegenden Forsten des R e i ch s g r a f e n v. S ch a f f g o t s ch — dem Herrn der Welt, soweit dieselbe am Ricsengebirge liegt— Raff-, Lese-Holz nnd Streu für ihren Bedarf zu hole». Dieses Recht wurde ihnen seitens des Waldbesitzers noch im Jahre 18S7 förmlich anerkannt. Seil längerer Zeit wurden jedoch de» Berechtigten allerhand Schwierig- leiten seitens der gräflichen Forstverwallung bereitet und wurde» dieselbe» nebst ihren Angehörigen mehriach mit Gewalt aus bei» Walde vertrieben, wenn sie ihr Holz- und Streurecht ausübten. Dadurch wurden die Stellner zu dem Entschlüsse gedrängt, eine Ablösung ihrer Rechte anzustreben. Dieses Bestreben hat nun eine Reihe langwieriger und kostspieliger Prozesse für die Agnelendorser Bewohner ini Gefolge gehabt. Vor uns liegt außer anderen Akten auch ein Erkenntniß de? preußischen Ober- Landeskulturgerichtes, welches sich gegen mehr als hundert Agnetcndorfer Kleinbesitzer richtet. In diesem Erkenntniß ist der gegenwärtige Geldwerth des Holzes und der Streu, welches die 113 berechtigten Stellen- besitzet' ans den Forsten des Grasen Schaffgolsch holen dürfen, für jede einzelne Stelle per Jahr aus 24 M. 14 Pf. festgesetzt worden. welcher dann zum zwauzigsachen Betrage durch ein Kapital von 432 M. 80 Pf. für jede dieser Stellen zur Ablösung gebracht werden soll. Dieses Erkenntniß wird ja zweifellos den gesetzlichen Bestimmnngen bezüglich der Kapitalisirung entsprochen, jedenfalls sind aber die Abgelösten nicht im stände sich von den Zinsen des Kapitals, die dafür losgewordenen Rechte voll zu ersetzen, denn wenn sie jährlich wirklich nur für 24,14 M. Holz und Streu brauchten, so müßte sich das Ablösungskapital mit 5 pCt. Zinsertrag anlegen lassen, wenn sie ihren Bedarf decken wollten. Dies ist aber nicht möglich; außerdem werden höchstwahrscheinlich, die Holz- und Strohpreise immer höher steigen und die Stellner müssen dann einfachz immer mehr und mehr aus ihrer Tasche zulegen. Das uns vorliegende Erkenntniß enthält auf 66 engbeschriebenen Seilen die Berechnung, aus grund deren das erkennende Gericht zu seiner Werthmessung der abzulösenden Rechte gekommen ist; trotz der eingehenden Spezialistrung haben nur aber nicht die Ueberzeugung gewinnen können, daß die in Frage stehenden Stellner aus ihrem Holz- und Steuerrechte wirklich blos pro Jahr für 24 M. 14 Pf. Nutzen gehabt haben. Die Spezialbercchnnng der Sachverständigen, auf die sich das Urtheil stützt, kommt zu dem Schluß, daß der Festnieter des Holzes, welches die Berechtigten aus dem Walde holen dursten nach Abzug der darauf verwandten Arbeit nur noch einen Rein- werth von»ttgesähr �/io Ps. repräsentire, oder für all« 113 der berechtigten Stellner zusanimen im Jahre nur 72 Pf., dazu sind dann die Anfuhr des Ersatzholzes und die Unkosten beim Einkauf desselben gerechnet und so kommt für jede Stelle im Jahre der Betrag von 6,12 M. heraus. ivelcher für das Holz durch die Ablösung zu ersetzen sei, während 18,02 M. auf die Streunutzung gerechnet werde». Diese niedrige Wcrthbemcssung des Rechtholzes ist dadurch zu stände gekomme», daß die für das Sammeln und Einholen desselben ausgewandte Zeit von dem Gebrauchsiverth abgezogen wurde, gerade darin liegt für die Berechtigten der wunde Punkt bei diesem Ab- lösungsverfahren. Wie und ivomitsollen denn die in dem weltentlegenen Hochgebirgsdorfe im Walde wohnenden Menschen, die für das Holz- und Strensammel» aufgewandte Zeit anders verwerthen, dazu fehlt ihnen aber so gut wie jede Möglichkeit. Diese Leute sind eben einfach mit dem Walde verwachsen, der Wald ist ein Stück ihrer Lebens- Möglichkeit. Was nützt es ihnen mithin, wenn das Erkenntniß auch noch so eingehend vorrechnet, daß sie sich in der Zeit, wo sie sonst Holz und Streu sammelten, anderweitig Geld verdienen können. Das Erkenntniß wird sicherlich allen in den Ablösungsgesetzen enthaltenen Bestimmungen entsprechen, aber gerade dadurch ist be- wiesen, wie wenig diese Gesetze den wirkliche» Bedürfnissen derer entsprechen, welche Rechte an den Großgrundbesitz haben und wie gut es die„Edelsten" und„Besten"— unter deren Einfluß und wesentlicher Mitwirkung diese Gesetze im preußischen Landtage zn stände gekommen— verstanden haben, ihre Interessen in den- selben zu wahren. Bekanntlich haben dieselben„Edelsten" und „Besten" es auch sehr gut verstanden, den Landleuten, welche» von ihren Vorfahre» allerhand Hofedieuste nnd sonstige Lasten aufgepackt worden waren, eine öojährige Rentenpflicht für Ablösung dieser Lasten aufzuerlegen.— — Verschlechterung des Militär- Straf- Verfahrens. Während über die künstige Gestaltung der Militär- Strafprozeß- Ordnung für das Reich noch immer nichts Sicheres verlautet»»d über den Zeitpunkt der Durchführung der so mysteriösen Reform erst recht Ungewißheit herrscht, scheint die Ber- schltchteruna deS in Süddeutschland bestehenden Zustande? Thai- fache zu fein. Für Bayern steht die Sache fest, aber auch für Württemberg dürste dies der Fall sein. In der bisherigen württem- bergischen Militär-Strafprozeß-Ordnung ist vorgeschrieben, daß die Voruntersuchung durch einen Rechtsgelehrten bezw. den Auditeur geführt werde. Wie die„Frankfurter Zeitung'' erfährt, enthält nun die neue Militär-Strafprozeß-Ordnung eine Bestimmung, nach der die Voruntersuchung künftig von einem Offizier geführt werden soll. Für Württemberg würde dw Annahme dieser Bestimmung geradezu einen Rückschritt bedeute».— — Die Durchführung der Konverttrung der vier- prozentigen Staatsanleihen geht überall spielend vor sich. So wird jetzt au? Württemberg amtlich gemeldet: Ans Anlaß der Konversion der vierprozentigen würtlembergische» Staatsschuld haben nur 38 Gläubiger mit Ilv Schuldverschreibungen einen Kapitalbetrag von bl 100 M. gekündigt, was gegenüber dem zur Umwandlung bestimmten Gesammtkapital von 31b Mill. Mark ein verschwindender Bruchtheil ist. In dem glänzenden Gelingen der Maßregel liegt der schwere Vorwarf gegen die Regierunge», daß sie sich erst so spät und erst auf wiederholtes Andrängen zu einer so leicht durchsührbaren Maß- regel entschlossen haben.— Strasiburg i. E.» 3. Februar. In der heute Vormittag im Landesausschusse fortgesetzten ersten Lesung des Etats stellte der Unterstaatssekretär v. Schraut eine Erleichterung für die Landwirthschaft durch Ablösung der Fronde» in Aussicht und wie? darauf hin, daß in den letzten 10 Jahren 28 Millionen zu Meliorationen aufgewendet wurden, welche in der Hauptsache der Landwirthschaft zu gute gekommen sind. Der Unierstaats- fekretär sagte ferner ein« Organisation des Handwerks durch die Landesregierung zu für den Fall, daß eine solche durch das Reich wider Erwarte» nicht js» stände kommen sollte Unter- staatssekretär Zorn v. Bulach bezeichnet die verhängte zweimonatige Viehmarklspcrre als das wirksamste Mittel gegen die Ausbreitung der Maul- und Klauenseuche. Sodann wird die erste Lesung des Etats geschlossen. — Das Zeugnißzwangs- Verfahren gegen die „Elf.- Lothr. Volkspartei" ist beendigt. Die Einsender der beanstandete» Lokalnotiz meldeten sich freiwillig. Hiernach halte das Personal der„Els.-Lothr. Volksp." keine Ursache mehr, das Zeugniß zu verweigern.— Frankreich. PariS, 3. Februar.(Privatdepesche deS„Vorwärts".) Ei» beute in kraft getretener, zwischen Guesde, Lafargue und Genossen mit den Eigenthümer» der„Petite RSpublique" abgeschlossener Vertrag garantirt unseren Varteigenosse» auf 2 Jahre volle Selbständigkeit der Redaktion und während dreier Monate die Möglichkeit, das Blatt für die Partei anzukaufen.— Paris, 3. Februar. Der„Mattn" meldet, die von Lagarde und Ras Makonnen unterzeichnete Handelskonvention zw ischen Frankreich und Abessynien regele insbesondere die den Karawanenverkehr zivischen Djibuti und Abessynien be- treffende» Fragen und enthalte ferner eine Klausel, in welcher die Unabhängigkeit Abessynien s anerkannt wird. Di« Konvention sei nicht früher unterzeichnet worden, um nicht die Empfindlichkeit Italiens zu wecken. Damit ist von einer Großmacht die Aufhebung der, wie an- aenommen wird, von Crispi gefälschten Klausel des Vertrages von Djibuti bez. deS alleinigen Rechtes Italiens, Abessynien dem Aus laude gegenüber zu vertreten, anerkannt.— Belgien. Antwerpen, 3. Februar. In der Provinz Antwerpen haben sich Liberale, Katholiken und Sozialiste» hinsichtlich der Organisation einer großen Kundgebung verständigt, welche demnächst zu g u n st e n der persönlichen Wehrpflicht stattfinden soll. Nur ein kleiner Theil des belgischen Volkes, die durch ihren Reichthum Privilegirlen, sind für das Weiterbestehen des ungerechten Loskaufsysteins. Dieser winzige Bruchtheil der Be- völkerung ist aber durch seinen sozialen Einfluß entscheidend.— England. — Vier Millionen Mark ist da? Ergebniß der für die durch die Hungersnoth in Indien Betroffenen eingeleiteten Lamm- lungen.— Italien. Rom, 1. Februar.(Eig. Ber.) In Piemont, der Lombardei und Venetien macht sich bereits seit zwei Jahren eine auf die Herbei- sührung einer größeren Dezentralisation in der Verwaltung gerichtete politische Bewegung bemerklich, welche jetzt auf die bevorstehenden Neuwahlen zum Parlament Einfluß zu nehmen sich anschickt. In jeder der genannten drei Landschaften hat sich ein Komitee zu diesem Zweck» gebildet und bei dem Mangel an anderen sachlichen Programmen für den bevorstehenden Wahlkampf innerhalb der Bourgeoisie ist es nicht unmöglich, daß die Stellung zu der Forde- rung einer administrativen Dezentralisation hier oder dort über das Schicksal der Kandidaturen entscheiden wird.-- Türkei. Konstantinopel, 2. Februar. Der ökumenische Patriarch gab infolge des Zwiespaltes zwischen den beiden Parteien der Synode seine Demission.— Konstantinopel. 3. Febr. Ein Jrade des Sultans verbietet in allen Tekes(Mönchsklöstern) die Abhaltung von nächtliche» Gebeten. Die Vorsteher der Tekes niußten sich schriftlich verpflichte», das Verbot einzuhalten. Die Maßregel, welche in mohamedanischen Kreisen Aufsehen hervorruft, hat den Zweck, Versammlungen während des RamaganS zu verhindern.— Konstantinopel, 3. Februar. Nach hier eingegangenen Be- richten aus Kreta herrscht in dem Kreise Kanea vollständige Anarchie; eS werden zahlreiche Zusammenstöße zwischen Christen und Türken gemeldet. Bewaffnete Christen sind von Apokorona gegen Kanea im Anzüge. In den Kreisen Kandia und Retimo herrschen ähnliche Zustände; eS wird der W i e d e r b e g i n n des Aufstandes befürchtet; eine Verstärkung der reduzirten Be- satzung der Insel ist im Gange.— Philippopel, 3. Februar.(Meldung des Wiener K. K. Tele- graphen-Korrespondenz-Bureaus). Nach hier vorliegenden Berichten auS Konstantlnopel haben sich der Staatsrath Tewfik Bey, che- maliges Mitglied der ersten jungtürkischen Partei, welche in den siebziger Jahren bestand, und Tuzuf Pascha, seinerzeit Dcputirter für Jerusalem im türkischen Parlament, im Auftrage des Sultans nach Pari? und London begeben, um die dortigen jung» türkischen Komitee's zum Verzicht auf weitere Thätigkeil zu bewegen und bei den Redakteuren der daselbst erscheinenden jungtürkischen Blätter darauf hinzuwirken, daß die Blätter ihr Er« scheinen einstellen. Neueren Berichten zufolge iväre auch die gemeldete Abreise des Brigadegenerals Tewfik Pascha, der zuletzt Studienleiter in der Kriegs- schule und früher Militärattacho in Paris ivar, nicht als Flucht anzusehen, sondern auf eine ähnliche Mission Tewfik Pascha's in Paris zurückzuführen.— Ferner wird ans Konstantinopel gemeldet, daß von dort aus dem jungtürkischen Komilee in Paris die Er- füllung seiner Wünsche bezüglich der Wiederherstellung der Kon- stitution, und zwar zum Bauamfeste in Aussicht gestellt worden sei; doch werde in Konstantinopel vielfach der Ernst dieses Versprechens in Zweifel gezogen und angenommen, daflelbe sei nur zu dem Zw. ck« gegeben, um die jungtürkischen Umtriebe während des Ramagans einzudämmen.»» Amerika. Washington, 2. Februar. Die Meldung auswärtiger Blätter. Präsident Cwveland habe Senator Palmer gegenüber erklärt, er w erde der E i n w a n d e r u n g s b i l l sein Veto entgegensetzen, falls nicht bedeutende Aenderungen erfolgte», wird vom Senator Palmer für unbegründet erklärt; ihm— Palmer— sei von Cleveland'S Ansichten über die Einwanderungsbill nichts bekannt.— Washingtou, 2. Februar. Der Schiedsgerichts-Ver- trag, betreffend Venezuela, ist heut« Nachmittag von dem großbritannischen Botschafter Sir I. Panncefote und dem venezo- lanischen Gesandten Andrade unterzeichnet worden. Das engltsch-amerikanische Schiedsgericht in der Venezuela-Frage wird ans fünf Mitgliedern bestehen: Lord Herschell und Richter Collins werden England, der Präsident deS obersten Gerichtshofes Füller und Richter Bremer die Vereinigten Staaten von Amerika vertreten. Diese vier werden einen fünften Schiedsrichter wählen, der Präsident deS Schiedsgericht? sein wird. Sollten die vier Schiedsrichter sich binnen drei Monaten über die Wahl des fünften Schiedsrichters nicht einigen können, so soll König Oskar von Schweden und Norwegen denselben ernennen. Das Schiedsgericht wird sich sechs Tage nach Vertheilung der gedruckten Etreilschriste» in Paris versammeln; alle Fragen werden durch die Mehrheit des Schiedsgerichts entschieden werden.— MeithskÄg. 166. Sitzung vom 3. Februar 1897. I Uhr. Am Tische des BundeSraths: Nieberding, Gras Posa» d o w S k y und Kommiffarien. Auf der Tagesordnung steht zunächst die erste Berathung deS Entwurfs einer Grundbnch-Ordnung. Staatssekretär des Reichs-Justizamtes Nieberding: Die vor- liegende Grundbuch- Ordnung ist bestimmt, eines der wichtigsten Kapitel des Bürgerlichen Gesetzbuches zur Durchführung zu bringen, nämlich das Liegenschaftsrecht. Das Liegenschaftsrecht beruht darauf, daß die Belastung des Grnndeigenlhilins eingetragen werden soll i» die öffentlichen Bücher. Es müssen über diese Bücher also reichsgesetzliche Vorschriften erlassen werde», soweit eine einheitliche Regelung nolhwendig ist. Neber die Fragen, wie die Eintragung in das Grundbuch vor sich gehen soll, wie die Beurkundung gestaltet sein soll, vor welchen Instanzen die Eintragungen u. s. w. er- folgen sollen, müssen einheitliche Bestimmungen getroffen werden. Ihrem Inhalte»ach beruht die Vorlage auf dem preußischen Grundbnchrccht. Die Vorlag« behält noch einzelstaatliche Vor- schriften vor; das ist vom technischen Standpunkt« aus nicht sehr erwünscht, aber es ist politisch nothwendig, um die einzelstaatlichen Verhältnisse nicht zu sehr zn stören, sondern die Volksgewohnheiten zu schonen. Abg. Spahn(Z.): Meine Freunde theilen den Standpunkt des Staatssekretärs vollkommen, daß nur das Nothwendigste reichs- gesetzlich geordnet werden nniß, während die Einzelheiten de» Einzelstaaten überlassen bleiben. Trotz des Einverständnisses mit der Vorlage können wir aber dieselbe nicht im Plenum berathe», sondern beantragen, die Vorlage der Kommission zu überweisen, welche mit der Vorlage über die ZwangsverNeigerung beschäftigt ist. Es muß die allgemeine Haft- pflicht eintreten; der Staat muß auch eintreten für Versehen der Redner verbreitet sich dann über unzurechnungsfähigen Beamten. R einige Einzelheiten des Verfahrens. Abg. Himburg(dk.): Wir beantragen ebenfalls die Verweisung der Vorlage an die Kommission, welche sich mit der Zwangsversteige- rung beschäftigt. Abg. Kauffman»(frs. Vp.) schließt sich diesem Antrage an. Abg. Pieschcl(natl.): Im Auftrage meiner politische» Freunde habe ich zu erklären, daß wir dem Gesetzentwurs durchaus sympathisch gegenüberstehe», daß wir zwar Bedenken in Einzelherleu haben, aber hoffe», daß diese in der Kommission werden erledigt»verde» können. Abg. v. Bnchka(k.) spricht als Vertreter eines Einzelstaates, in dem die Verhältnisse anders liegen als in Preußen. Wenn die verbündeten Regierungen auch nach Möglichkeit die besonderen Ver- hällnisse der Einzelstaaten geschont habe», so wird»och die Aende- rung manche Schivierigkeiten hervorbringen. Redner geht dann im einzelne» auf die»necklenburgischen Verhältnisse ein. Damit schließt die Debatte, die Vorlage wird der bereits bestehenden Kommission für die Vorlage über die Zwangsvollstreckung überwiesen. Es folgt die erste Berathuna des Gesetzentivnrfs, betreffend die Kündigung und Um»vandlung der vierprozentigen R e i ch s a i» l e i h e n. Staatssekretär Graf PosadowSky: Bei der Vorlage kommen drei Kardinalpnnkte in betracht: I. Soll überhaupt konvertirt »verde»? 2. Soll konvertirt werden auf 3>/s oder 3 pCt.? 3. Soll im Interesse der Gläubiger eine Schonzeit in» Gesetz festgelegt werden? Die erste Frage ist bereits, nachdem Preußen, Württein- berg und Baden damit vorgegangen sind, entschiede». Die beiden anderen Fragen sind in der vorigen Session soivohl am Regierungstisch»vie von den Rednern aller Parteien in so erschöpfender Weife behandelt, daß ich glaube, unbilliger- weise die kostbare Zeit des hohen Hauses in Anspauch zn nehmen, wenn ich mich über diese Fragen überhaupt äußerte. In den Parlamenlen ist diese Frage so eingehend erörtert»vorde», daß neue Gesichtspunkte überhaupt nicht mehr anzuführen sind. Vorbehaltlich einer Erividerung ans Einivände. die gegen den Wortlaut des Gesetzes erhoben»verde» könnten,»»ache ich vorläufig nur zivei Beinerkungen: erstens entspricht die Vorlage fast»vörtlich dem preußischen Gesetz, die Ab- »veichnngen sind rein formaler Natur ans grund der Reichs- gesetze. Ferner bemerk« ich, daß mit dem Konversionsversahre» eine Statistik verbunden»verde» soll, um sestzustellen, welcher Antheil der Reichsanleihen sich in a»tslä»discheu> Besitz befindet, und ferner »vie der inländische Besitz an Reichsanleihen auf juristische und Privatpersonen vertheilt ist. Ich hoffe in nicht allzulauger Zeit»ach der Konvertirung dem Hause dieses interessante Material unter- breiten zu können. Abg. Hng(Z.) erkennt an, daß die Faktoren, welche eine Kon- vertirung fordern, vorhanden sind; der Zinsfuß ist gesunken und die Kurse der vierprozentigen Anleihe zeigen, daß man allgemein eine Konvertirung erivartet. Die Gläubiger erleiden eii»en er- hcbliche» Zinsausfall, den die reichen Leute»vohl tragen könne», nicht aber die Slistungen, deren Leistungen dadurch so beein- trächtigt»verde», daß vielleicht der Staat für sie eintreten »»»»»ß. Aber trotzdem empfiehlt Redner die Herabsetzung des Zins- süßes auf 3-/2 pCt. und die Ge,vähr»>l»g einer gewissen Schonsrist für die Gläubiger. Redner enipfiehlt die Ueberiveisung der Vorlage an die Bndgelkoinniissio». Abg. Haminacher(natl.): Wir»verde» für unveränderte Annahme der Regierungsvorlage stimmen. Aus de» voin Staatssekretär an- gegebenen Gruiiden halten wir eine Borberathung des Gesetzes in einer Kominission sür überflüssig. Staatssekretär Graf PosadowSky: Selbstverständlich hängt die Richtigkeit der von uns geplanten Statistik zum großen Theil von dem guten Willen derer ab,»velche die Frageboge» auszufüllen haben. Wenn den Bankiers die Verpflichtung auferlegt wird, das für ihre Kunden zu besorgen, so»verde» wir»vohl ein annähernd richtiges Material erhallen. Abg. Bebel(Soz.): So interessant diese Statistik sein mag, so lege ich doch keinen großen Werth darauf,»veil man ja doch nicht weiß, was dabei herauskomiuen»vird für unsere gesammten Finanz- Verhältnisse. Meine Freunde haben schon be» früheren Gelegenheiten ihre Stellung zur Konvertirung scharf gekennzeichnet, und»vir haben immer die Konvertirling aus 3 pCt. verlangt. Ich unterschreibe alles.»vaS neulich der Abg. Lieber über die 3 prozentige Anleihe gesagt hat. Ich bin ebenfalls der Ansicht, daß das Reich bei der Emittirung der 3 prozentigen Anleihe sehr großen Schaden gehabt hat, und ich»vundere»nich nur. daß die Herren, die von der Reichsverivaltung als Sachverständige herangezogen »varen, ihr Urtheil einstimmig dahin abgeben konnten, daß der von ihnen gebotene Weg betreten»verde» mußte, der für das Reich Schaden herbeiführte. Unter diesen Sachverständige» ivar auch der preuß. Finanziui,»ister v. Miguel, der bei seinen hinreichenden Er- sahrnugen als früherer Direktor der Diskonto- Bank in erster Linie hätte einsehen sollen, daß der vorgeschlagene Weg dem Reiche»»»d Preußen nicht zun» Vortheil gereicht. Daß eine solche Anleihe von 3 pCt. nicht den mindesten Vortheil bietet, gegen 3-/sprozentige Papiere, liegt auf der Hand. Aber der Reichstag hat auch einen große» Fehler gemacht. Wir hätte» von vornherein bei der Bewilligung der Anleihe Einspruch erheben müssen. Jetzt scheint ein ziveiter Fehler geinachl»verde» zu sollen, den auch Herr Lieber mit seinen Freunden mitmachen»vill. Dagegen niuß ich»varnend die Stimme erheben. Die äprozentigen Papiere sollen auf 3-/s pCt. konvertirt»verde», die 3-/zprozeiitigen Reichspapiere stehen augenblicklich nicht ganz 164, die 3prozentigen 93,66. Das ist ein Miß- verhältniß im Kurs zwischen beiden. Nach dem Kurs der öpro- zentigen von 93,60, die augenblicklich durch keinen Eingriff in ihre»» Kurs erschüttert sind, sodnß also der Kurs ihrem inneren Waaren- »verlh entspricht, müßten die 3-/zprozentigen mindestens UV, wenn nicht 112 stehe». Daß die sprozentigen nicht höher stehen, erklärt sich daraus, daß augenblicklich die Konvertirung droht. Die Konvertirung wird sich ja, wie bisher überall, in aller Ruhe vollziehen; nur eine u»bedeutei»de Summe»vird zurückzuzahlen sein. Die Gläubiger werden froh sein, daß sie 3>/zprozentige Papiere bekommen könne»,»veil sie mit Sicherheit darauf rechnen können, daß sofort nach der Konvertirung der Kurs von 103,60 auf 110 und 112 steigen»vird.(Widerspruch.) Ehe ei» halbes Jahr vergeht, wird der Kurs der 3-/2 prozentigen Papiere bedeutend höher sein, als nach dem gegenwärtigen Stande auf dein Markt. In der Wochenschau der.Kreiiz-Zeitung" über Börse und Weltinarkl wird dieselbe Ansicht ausgesprochen. Was»vird die»veitere Folge sein? JndemAugenblick»vodas Konvertirungsgeschäft vollzogen»vird,»vird ein großer Theil der Ja- Haber der 3prozentigen Papiere dieselben zun» Kaufe aus de» Marlt werfen, um mit den 3-/sproze»tigen ein Geschäft machen zu können. Die 3 prozentigen»verde» zurückgehen, die 3-/- prozentigen werde» hinaufgehen. Die weitere Folge wird sein, daß,»ven» das Reich in nächster Zeit wieder Anleihen machen»nüßte, es die Anleihen nicht zu 3-/2, sondern gleich zu 3 pCt. ausgeben»vird, und dann »vird das Reich geschädigt»verden. Es»vird die 3 prozentigen niedriger ausgebe» müssen als jetzt. So »vird»vieder das Reich ein Papier zu viel geringere» Werth auf den Markt»verfcn und dadurch künstlich die eigenen Anleihen des Reichs iin Kurse drücken. Dieser Weg müßte unter allen Uni- ständen vermieden»verde». Und besonders bedenklich ist, daß Sie erklären, bis 1905 darf keine neue Konvertirung eintreten. Wie können Sie sich auf volle acht Jahre die Hände binden? Die bayerische Kanuner»vollte zur Sicherheit der Kapitalbesitzer auch eine solche Frist festsetzen, der bayerische Finaiiz»»ii»ister ließ es aber nicht zu. In Württemberg»»nd Preußen hat man zun, Schaden dieser Länder die Frist gewährt. Abgesehen von großen Erschütterungen— vielleicht durch einen europäischen Krieg, der aber außer Berechnung bleiben muß, weil seine Wirkungen überhaupt nicht zu berechnen sind— ist doch die ganze Enlwickeluna»tnserer »virthschafllichen Berhältnisse so, daß kein verständiger Mann, der die Sachlage beurtheilen kann, behaupten könnte, daß Aussicht vor- Hände» ist, daß dein Fallen des Zinsfußes irgend ein Hinderniß in den Weg treten könnte. Die Ursachen des Fallens des Zinsfüße? sind iiicht ein Probleu», denn dieses sortgesetzte Fallen des Zinsfußes geht ganz ver- nü»stiger und(natürlicher Weise Hand in Hand mit der ganzen großkapitalistisch- wirthschastlichen Entwickelung. In dem Maße, wie diese Elitwickelung in iininer rascherem Gange sich vollzieht, findet eine ungeheure Kapitalanhäufung statt. Kapital hat keinen Werth für den Besitzer, wenn es nicht verzinslich angelegt»Verden kann. Er»vird die Anlegnng umZjeden Preis versuchen, er»nuß es lhun zu dein Preise, den ihm der Geld- markt bietet,»veil das Kapitalangebot sehr groß ist. Seit 1-/, Jahren, Ivo»vir»vieder eine Zeit der Prosperität haben, sind riesige Kapitalien angesammelt»vorden, und wenn dies so»veiter geht: Ivo»verde» diese Kapitalien dann eine entsprechende Verivendung finden? In den 60er, 70er, ja 30er Jahren haben wir in einer ganzen Reihe europäischer Staaten und in Nordamerika kolossale Eisenbahnbauten gehabt, die ungeheure Summen in Anspruch nahmen;»vir haben die andern Verkehrsmittel, die Dampferlinien ic. in großartigen» Maßstäbe sich entwickeln sehen, es sind eine große Zahl industrieller Unterneymungen in den verschiedensten Ländern ins Lebe» gerufen »vorden. Aus der ander» Seite haben gerade in de» letzten zivanzig Jahren auf dem Gebiete der Marine- und Kriegsausrüstung einzelne Staaten riesenhaft« Summen beansprucht. Wir habe» geiviß alle Ursache, unzufrieden zu sein, wenn wirklich der Reichstag bald »vieder eine größere Anleihe machen soll, um neue Kanonen zu beivilligc», und»venu hinter diesen neuen Kanonen noch neue Ge- »vehr« stehen. Aber betrachten Sie die Summen, die dafür erforder- lich sind, so sind das alles zusammengefaßt nicht solche Summen, »velche nicht bequem und rasch beschafft werden könnten, ohne daß dadurch eine große Be>vegu»g aus dein Kapitalmarkt oder selbst innerhalb der Industrie herbeigeführt würde. Alle?, was für die nächsten Jahre in Ausstcht steht, wenn„ene Kapitalien sür neue Unternehmungen beansprucht werden, steht ganz außer Verhältniß zu der riesenhaften Zulage der Kapitalsansammlung in allen Kulturstaaten in den letzten Jahr- zehnten. Da ist ferner sicher, daß,»venn jetzt unsere vreiprozeuiigen Papiere 93,60 stehen, sie in einem Jahre bereits über pari stehen »verde». Diese Anschauung ist noch durch ein»veiteres begründet. Iin September 139» standen die dreiprozentigen Papiere schon auf 100,30. Daß sie auf 93,60 gesunken sind, lag daran, daß infolge der großartigen Prosperitätsperiode von Handel- und Verkehr in den letzten 1-/» Jahren eine große Kapitalnachfrage existirte. die den Zinsfiiß erhöhte. Aehnliche An- sorderungen an den Kapitalmarkt»vird die folgende Periode nicht stellen. Nach»virthschafllichen Gesetzen»vird die gegenivärtige Prosperitätsperiode, die jetzt ihren höchste» Stand haben dürste, spätestens 1393 ihr Ende erreichen, und dann werde» »vir n»s»vieder in einen»»virthschaftlichen Niedergang be- finden. Daher»verde»» unzählige Leute, die ihr Geld bisher in industriellen Unternehmungen anlegten, ihre Papiere und Aktien verkaufen,»m bei dem drohenden Sinken dieser Werth« in sicheren Staatspapieren ihr Geld anzulege». Dadurch steigt der Kurs dieser Papiere. Beim Bürgerlichen Gesetzbuch haben wir für künftig bei Zins- berechniingen und bürgerlichen Rechtstreitigkeiten 4 pCt. alS maßgebenden Zinsfuß festgesetzt. Wie kann da angenommen»verde», daß ein Zin? von 3-/2 pCt. sogar bis 190b von den» so poteuten Deutschen Reich als»naßgebend und billig angefchcn»verde», könnte!; Daher ist diese Vorlage höchst ungerechtfertigt. Es handelt sich hier nicht»ur um da? Reichsinteresse, den» sonst»vären mit uns alle mit der Konvertirung aus 3pCt. einverstanden. solcher»» auch um das Kapitalisteninteresse und das Interesse aller Institute und Stiftungen. Ich sehe nicht ein,»veshalb»vir uns durch die Rücksicht auf die Kapitalisten, die Stiftnugen u. s. w. von der dreiprozentigen Kon- vertirung sollen abHallen lassen. Habe» etiva die Kapitalisten ein Recht auf einen bestimmten Zinsfuß? Was»vürde» Sie dazu sagen, »venn auch die Arbeiter mit dem Verlange» kommen, daß ihnen unter allen Umständen»veuigstens bis 1905 ei», ganz bestimmtes Einkommen garantirt»vürde? Dagegen»vürden Sie sich ganz ent- schieden als gegen eine ungeheuerliche Zumuthuug auflehnen. Daß aber die Kapitalisten von Staats»vegen ihren Zins garantirt bekommen, finden Sie ganz i» der Ordnung. Wir meinen aber. daß hier das Reichs- und Staatsinteresse den Ausschlag zu geben hat. Da? Reich kann unter ganz anderen Bedingungen seine An» leihen abschließen. Es wäre ein großer Fehler, wenn die Borlage in dieser Form von der großen Mehrheit des Reichstages angenommen»vürde. Rußland hat schon I83S eine sehr bedeutende Sunune seiner Staatsschuld zu 3-/2 pCt. konvertirt. Im vorigen Frühjahr stand der KurS der 3-/sproze»tigen Russe» ans 94,50, heute stehe» die 3-/2prozei>tigcn Russen aus 100. Die holländischen Kreditpapiere von 3 pCt. stehen 4 über pari! Und Deutschland sollte so etwa? nicht riskire»? Der Abg. Hau:- »nacher hat der dreiprozentigen Konvertirung daS Bedenken entgegengestellt, es könnten die deutschen Kapitalisten ihr Geld in exotischen Werthen anlege». Der Minister Delbrück hat hier, als es sich auch darum handelte, daß der Staat Vorsorge treffe, daß die Kapitaliste» möglichst»venig Schaden erlitten, sehr richtig gesagt:»va» eben wich die Kapitalisten mit ihrem Gelde an, dafür habe ich nicht einzutreten. Ueberlassen wir daS doch jedem einzelnen! Sie sind doch sonst so sehr gegen die Staatsvormnndschaft! Wie soll hier auf einmal der Staat den Wohlthäter spielen. Die deutschen ikapitalisten haben in den letzten Jahren mit den Argentiniern, Portugiesen, Grieche» u.s.w. so schlechte Erfahrungen gemacht, daß sie sich wohl vorsehen werden, und wenn nicht, so ist das eben ihre Sache. Endlich hat der Abg. Hainmacher zu meiner Ueberraschung ans die Kündigung der Kriegsanleihe nach IS71 hingewiesen und daraus die Schwindelperiode hergeleitet. Das deutsche Volk hätte es einfach nicht begriffen, wenn die deutschen Finanzminister damals die Kriegs- schuld nicht bezahlt hätten. Wäre es aber nicht geschehen, so hätte man die Schwindelperiode auch gehabt. Keinem Finanzminister wäre es eingefallen, die fünf Milliarden einfach in eine» eisernen Geld- schrank zu stellen oder in einen zweiten oder dritten Julius- thurm. das Geld wäre also auch in der einen Weise der Spekulation dienstbar gemacht geworden. Augenblicklich schwimmen wir auch ohne die französtschen Milliarden im Geld- reichlhum. Das beweisen die Geldlresors der europäischen und außereuropäischen Banken, und dieser Geldreichthum muß auf den Zinsfuß wirken. Es wäre ein Unrecht, wenn das Reich diese Ge- legenheit nicht benutzte, seine Anleihen müglichst billig aufzunehmen. (Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Abg. Graf Udo Gtolberg(f.): Als die Frage der Konvertirung in der letzten Session behandelt wurde, war ein Theil meiner Freunde gegen die Konvertirung, ei» Theil dafür. Zu denen gehöre tch, und zwar will ich die Konvertirung auf 3pCt., weil sonst der Zinsfuß künstlich hochgehallen wird zum Schaden der Landwirthschaft. Die Konvertirung der Pfandbriefe, die begonnen hat, aber nicht durchgeführt werden konnte, wird jetzt unmöglich gemacht durch das Vorhandensein der 3>/2prozentigen Papiere. 1871 handelte es sich nicht um eine Konvertirung, sondern um eine Zurück- Zahlung, das Kapital wurde ganz frei nnd mußte eine andere An- läge suchen. Die Freunde des Herrn Hammacher waren damals mit dieser Vorlage vollständig einverstanden. Da aber die Kon- verlirung auf S pCt. nicht zu erreichen sein wird, deshalb werden wir für die Vorlage stimmen. Ich würde aber für die Herabsetzung der Schonfrist von 8 auf S Jahre stimmen. Abg. Barth(frs. Vg.) meint, daß nicht der Zinsfuß der Staats- papiere den Zinsfuß im Lande künstlich hochhält, sondern daß nach dem Zinsfuß, der sich im Lande herausgebildet hat, die Veriverthung der Staatspapiere erfolgt. Wenn die 3>/iprozentigen Papiere von jeder weiteren Konverston ausgeschlossen werden könnten, würden sie erheblich im Kurse steigen. Die Anschauung Bebel's, daß die Zl/eprozentigen Papiere letzt steigen würden, sei nicht zutreffend; denn sonst hätte die Börse schon längst ein Geschäft damit gemacht. Die Begebung der 3prozentigen Papiere sei seitens des Finanzministers Miquel nach der damaligen Finanzlage kein Fehler gewesen. Rur wenn man jetzt die Konvertirung auf 3 pCt. vor- nehmen sollte, was Herr Lieber nicht will, wäre der von Herrn Lieber gemachte Vorwurf berechtigt. Was inzwischen seit der Zeit sich geändert hat bezüglich des Zinsfußes konnte niemand voraus- sehe». Im Interesse der Steuerzahler ist die Konvertirung auf 3 pCt. das richtige, denn der Staat braucht nicht der Schutz der Kapitalisten zu sein. Deshalb will Redner gegen die Schonfrist stimmen. Abg. Meycr-Danzig(Rp.) erklärt sich mit der Vorlage namens seiner Freunde im allgemeinen einverstanden. Redner erklärt stch für seine Person gegen die Schonfrist- Staatssekretär Graf Posadowsky: Die Behauptung des Herrn Bebel, daß die gt/eprozeuligen Papiere steigen, die 3prozentigen fallen würden und damit ein gutes Geschäft gemacht werden würde, ist nicht richtig. Die Konvertirung auf 3'/- pCt. hätten wir vor 3 oder 4 Jahren schon vornehmen können, aber andere Staaten sind ebenfalls nur auf S>/> pCt. zurückgegangen. weil sie nur dadurch sich einen guten Kurs sichern können für etwaige neue Anleihen. Wir haben das Interesse, daß die Gelder unserer Staatsangehörigen im Inlands bleiben, da- mit da? Interesse am Staate erhalten bleibt. Die Konvertirung muß so vorsichtig erfolgen, daß die Gläubiger sich durch den Zinsgenuß m ihrer sozialen Klasse erhalten könne». Einen Zusammenhang zwischen der blühenden Erwerbsthätigkeit und einem niedrigen Zinsfuß kann ich nicht zugebe». Wenn ein wirthschastlicher Aufschwung vorhanden ist, fragt der Kaufmann nicht danach, ob er 3 oder 4 Prozent bezahlen muß. Obgleich England einen geringeren Zinsfuß hat, als wir, ist dort kein wirth- schaftlicher Aufschwung vorhanden. Wenn die Borlage nicht an- genommen werden sollte, so würden die vi-wrozentigen Papiere steigen und die Käufer derselben würden in ausgezeichnetes Geschäft machen. Abg. Hammacher(natl.): Allerdings giebt eS in dem Ver- hältniß zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer auch schwankende Koujunkturen. Der humane und intelligente Arbeitgeber folgt aber bei sinkenden Konjunkturen mit de», Lohn nicht immer, um sich seine Arbeiter zu halten. Dasselbe muß der Staat auch bezüglich seiner Gläubiger thun. Der Schwerpunkt der Vorlage liegt nicht in der finanziellen, sondern in der wirthschastlichen Frajje. Abg. Lieber(Z.) weist de» Vorwurf zurück, der gegen das Zentrum erhoben sei, daß es bei Z'/spCt. stehen bleibe. Das sei eine Folge der Erklärung der verbündeten Regierungen, daß die Konverlirnng pari xassu mit den Einzelstaaten erfolge» solle. Ein dauerndes Sinken deS Zinsfußes aus 8 pCt. kan» heute noch nicht behauptet werden, deshalb muß man bei 3'/- pCt. stehen bleiben und nicht der Zinsbewegung voraneilen. Abg. Bebel: Die Zinsen richten sich»ach den Markt- Verhältnissen, und der Staat muß die marktgängigen Preise de- zahlen, wenn er Geld haben will. Abg. Barth meint, die Inhaber dieser Papiere hätten ein gutes Geschäft gemacht; warum ich denn selbst nicht das Geschäft gemacht hätte? Ja, der Geist ist willig. aber das Fleisch ist schwach.(Heiterkeit.) Das eine kann ich dem Kollegen Barth sagen: die Sozialdemokratie hat, als zum erstenmal die 3proze»tigen Papiere ausgegeben wurde», sofort eine» großen Posten gekauft zu 87 und ein ausgezeichnetes Geschäft dabei gemacht.(Große Heiterkeit.) Der Kurs der 3prozentigen ist ziemlich sicher und steht nahe an 100. Danach müßten die 3>/zprozentige>, höher stehen als sie jetzt stehen. Sie sind also doch von Bankiers beeinflußt, welche mit der Kon- vertirung rechnen. Sobald die Konvertirung beendet sein wird, werden die 3Vsprozentigen gewaltig steigen. Das ist keine Prophezeiung, sondern Berechnungen aus grund der Erfahrungen des Geldmarkts. Kollege Hammacher machte darauf aufmerksam, daß diese Papiere nicht i» den Händen von Großkapitalisten, sondern in wirthschaft- lich schwächeren Händen wären. Diese kleinen Leute find aber be- (onders geneigt, den Lockungen der Bankiers zu folge», wenn diese aule Papiere auf den Markt bringen. Das beiveifen Papiere wie die Rumänen, Argentinier, Griechen u. f. w. Die Groß- kapitalisten find es also, die die kleine» Leute verführen. Aktie» von Bergwerken u. s. w. find in den Händen der Großkapitalisten. Gras Posadowsky hat übersehe», daß ich nur von den nächsten Wirkungen der Konvertirung gesprochen habe; die Bewegung wird allerdings nach einer bestimmten Periode zum Abschluß kommen. Wir wollen ruhig abwarte», wer von uns in diesem Hause in 2 oder 3 Jahrenlrecht hat. Ich wünschte allerdings, daß der jetzige kapita- listische Staat bald zu Falle gebracht werde, aber mit dem Wunsche allein ist es nicht gethan. Wenigstens§ 10 muß abgeschafft werden; Herr Hammacher hat geltend gemacht, daß§ 10 nur für die 400 Millionen 4prozentiger Papiere, die jetzt in Frage stehen. in betracht komme, aber nicht für die schon vorhandenen 800 Millionen Zl/eprozentiger Papiere. Ich stimme de», vollkomme» bei. Aber es besteht die große Wahrscheinlichkeit, daß auch an die Kon- vertirnng der 3�.prozentig»n Papiere nicht eher gedacht wird, als es jetzt bei den 4-projenligen geschehen wird. Darin liegt der Schaden für das Reich. Die Verweisung der Vorlage an eine Kommission wird nicht beliebt. Schluß 3 Uhr. Nächste Sitzung Donnerstag 1 Uhr(An- trag Auer wegen des A ch t st u n d e n t a g e s und Petitionen). Z�nrlnnrenkarisiJreS. Vudgctkommission. Für Erwerbung eines Truppen-Uebungs- Platzes für das IV. Armeekorps werden als letzte Rate 1 545000 M. gefordert, der ganze Platz kostet 4 745 000 M. Referent Abg. Bachem beanstandet anfangs die Summe, er läßt sich aber eines besseren be- lehren und zieht seinen Widerspruch zurück. Die Position wird be- willigt. Für das V. Armeekorps werden für einen Uebungsplatz I0000M. Vorbereitungskosten verlangt, der ganze Platz soll 5—0000000 Mark betrage». Auch hier giebt Äbg. Bachem zur Erwägung, ob mit Bewilligung der Summe ein Engagement eingegangen werden solle. Die Abgg. v. M as s o iv nnd Gröber und der General v. G e m m i n g e n sprechen für die Bewilligung, Gröber mit dem Hinweis, nicht zu rasch mit der Beschaffung der großen Uebnngsplätze vorzugehen. Die Forderung wird bewilligt. Für das VIII. Armeekorps werden für den Uebungsplatz als Rest 1 358 000 M. gefordert; der ganze Platz beansprucht 5 158 000 Mark. Abg. B a ch e m beantragt, 203 000 M. von dieser Summe abzusetzen. Abg. Prinz v. Aren berg spricht gegen diesen Antrag. General v. Gemmingen giebt zu, daß die Summe von 200000 M., die für einen Bahnban„ach dem Uebungsplatz gefordert werde, noch ans ein Jahr zurückgestellt werden kau». Es wird demgemäß beschlösse». Für die Vergrößerung deS Artillerie-Schießplatzes Lockitädt werden 1 100000 M. bewilligt; für Unterbringung von Kavalleriedivisionen auf Uebungs- platzen 200000 M.; für Erweiterung des Barackenlagers aus de», Uebungsplatz bei Arys 213 000 M., zum gleichen Zweck für die Senne 370 000 M., für Münster 30 000 M.; sür Schießstände für ein neues Garde-Jnfanterie-Regiment in Berlin 27 000 M. Weiter werden zur Erwerbung von Schießständen für die neuen vierte» Bataillone 300 000 M. gefordert und bewilligt. Bewilligt werden weiter die Titel 87—105. Für den Neubau eines Kadetten- Hauses in Naumburg werden als erste Vaurate 513 500 M. gefordert. die ganze Bausnmme ist auf 1 930 350 M. veranschlagt. Abg. Bachem beantragt Beanstandung der Summe sür dieses Jahr. Nach längerer Debatte ivird die Bewilligung mit 10 gegen 9 Stimmen ausgesprochen. Weiter werden die Titel l07 bis 127 bewilligt. Für Zaber» werden 450 000 M. für einen Kasernenbau gefordert, Gesanniitkosten 1038 000 M. Die Forderung wird abgelehnt. Die nächsten Forderungen bis zu Titel 134 werden be- willigt. Man geht über zur Berathung des außerordentlichen Etats. Von der Forderung für Beschaffung von Feldbahnmaterial(912 000 Mark) werden 300 000 M. abgesetzt. Die übrigen Forderungen bis zu Titel 7 werden bewilligt. Hierauf werden die Forderungen des sächsischen EtatS, einmalige Ausgabe», von Titel 135—141 bewilligt. Für den Uebungs- platz in Zeilhain wird die dritte Rate, einschließlich einer Mehr- ausgäbe von 170 000 M., mit 950 000 M. gefordert. Die Gesammlkosten belaufen sich auf 3 430 000 M. Die Forderung wird ebenfalls bewilligt. Die Titel 144—143 werden bewilligt. Von der Forderung in Titel 147(150 000 M. für Ausftattungs- ergänzungen in Leipzig) werden 40 000 M. gestrichen. Für ein Barackenkasernement in Kamenz werden 400 000 M. gefordert, aber nur 200 000 M. gutgeheißen. Die Titel 149—153 werde» bewilligt. Titel 154 werden statt 80 000 M. nur 40 000 M. zugestanden. Die Restsorderungen bis Titel 133 werden genehmigt. Auch die For- derungen im außerordentlichen Etat für Sachsen werde» bewilligt. Es beginnt die Berathung des einmaligen Etats für Württem- berg. Die Titel 137—173 werden bewilligt. Bei dem Titel 174, der 391 000 M. für Kasernenients sür die neuen vierten Bataillone fordert, entsteht eine längere Debatte über die Erhaltung der jetzigen Garniso» in Weingarten. Eine diesbezügliche Resolution hatte der Reichstag im vorigen Sommer augenommen, die das württembergische Kriegs», inistcriil», als für seine Pläne genierlich ansieht und aufgehoben haben möchte. Die im Vorjahre angeiio», mene Resolution wird von der großen Mehrheit der Kommission auss neue bestätigt. Die weiteren Forderungen des württembergische» Militäretats werden»ach Abstrich von 230 000 M. bewilligt. Nächste Sitzung Freitag, vormittags 10 Uhr. Die Konservativen wünschten für morgen de» Ausfall der Sitzung wegen einer wichtigen Fraklionssitzung. Dem Reichstage ist heute der Entwurf eines Gesetzes wegen Abänderung des Gesetzes, betreffend die Beschlagnahme des Arbeits- und Dienstlohnes, und der Zivilprozeß-Ordnung zugegangen.— Eine Parteikonferenz für de» oberrheinischen Ag.tations- bezirk wird auf Beschluß der Parteigenossen in Köln und Kalk am 14. Februar in Neuwied abgehalten. Unter anderm soll über deu Sitz des Agitationskomitees Bestimmung getroffen werden. Unser Genosse Singer, dessen Erkrankung an einem Luugeu- kntarrh>vir vorgestern meldeten, ist zum Glück auf dem Wege der Besserung; es wird aber voraussichtlich noch längere Zeit dauern, ehe er sich seiner öffentlichen Thätigkeit wieder widmen kan».— Bon der Agitation. J» E b e r s w a l d e hielt am Montag Abend Genosse Bebel einen Vortrag über die Grundanschauungen und Grundsätze der Sozialdemokratie. Die Versammlung war über- füllt; ivegen der Kleinheit des Saales fanden leider viele Besucher keinen Platz. Nach dem Vortrag ergriff ein sreisinniger Rechts- anwalt das Wort, um feine Partei gegen Angriffe des Referenleii zu vertheidigen, im weiteren griff er den Referenten wegen dessen Schrift:„Die Frau" an. Da die Zeit bereits sehr vorgeschritten war und Bebel mit dem letzten Zuge nach Hause mußte, erklärte dieser sich bereit, in Kürze wiederzukommei, und die Einwände des Gegners gründlich zu beleuchten. Die Versammlung stimmte diese», Vorschlage zu und soll die nächste Versammlung innerhalb vierzehn Tagen, womöglich in einem größere» Saale, abgehalten werden. Die sozialdemokratischen Vereine in Altona und Ottensen haben den Monatsbeitrag von 30 auf 50 Pf. erhöht. Aus Frankcnhansen am Kyffhäuser bringt das„Saatfelder Volksblatt" eine Erklärung der vier Parteigenosse» Apel, Hoff- mann, Rumpf und Schmidt, die i», dortige» Gemeinderath dafür gestimmt haben, daß sich die Stadt Fraukenhaiise» an der von den schwarzburgischen Städten geplanten Widmung eines Hochzeits- geschenkes sür de» Prinzen Sizzo mit einer Summe betheiligt. Das wesentliche der Erklärung lautet:„Wir waren uns im Moniente der Abstimmung voll bewußt, daß die Bewilligung dieser 200 Mark unsererseits ei» Verstoß gegen die Prinzipien unserer Partei sei. Gleichzeitig aber waren wir uns auch klar, daß eine durch uns herbeigeführte Nichtbelheilignng der Stadt von de» nicht- sozialdemokratische» Bürger» Frankenhansens als eine schwere Schädigung städtischer Interessen nach außen betrachtet worden wäre. Da wir nun infolge nnserer Majorität im Stadtrathe sür jede» Beschluß auch die volle und ganze Verantwortung zu tragen habe» und um uns nicht immer und immer wieder den Vorwurf seitens unserer Gegner mache» zu lasse», daß wir in diktatorischer Weise die Interessen der Gesammtheit der Stadt unsere» Parteiinteresfen unterordnete», stimmte» wir für die Vorlage, bemerken aber ausdrücklich, daß wir dies nur angesichts des in betracht kommende» verhältnißniäßig geringfügige» Objekts von 200 M.(es war ein Betrag von 300 M. ins Auge gefaßt) und zwar lediglich ans Zweckmäßigkeitsgründen thaten, inde», wir unter Berücküchtigung der i» solche» kleinen Städten auch kleinlichen, von vielen Faktoren abkängigen Jnleresse» obigen Vorwurf nicht ans»ns werfen lasse» wollte». Wenn gesagt ist, daß unsere Abstimmung bei de» Genossen Unwille» und bei den Gegnern Schadensrende erweckt habe, so bitte» wir doch, diese Angelegenheit weniger vom hohe» Standpunkt des Parteipolilikers, als von de», der Duldsamkeit der Majorität gegenüber der Minorität beurtheile» zu wolle». Dies fällt nach richtiger Würdigung und Keiinliiißiiahine der örtlichen Verhältnisse jedensalls u», so leichter, als es sich that- sächlich um kein großes Opfer aus de», Kommunesäckel, sondern um ein« Bagatelle handelte. Wir glauben deshalb auch nicht, daß wir nun in den Augen der Parteigenosse» jetzt als schlichtere Partei- genossen gelten, als vorher. Vor diese», Verdachte glaubten wir uns schon deswegen geschützt, weil der«ndstehend milunlerzeichnete Parteigenosse Apel vor kurzem im Landtage in nicht mißzuver. stehender For», den Standpunkt unserer Partei gegenüber Monarchie und Erbfolge klar dargelegt hat." Durch diese Erklärung haben die vier Parteigenossen ihre Position nicht verbessert, sondern verschlechtert. Wenn die sozialdemokratische Partei ihre Grundsätze Zweckmäßigkeitsgründen zu Liebe preis- geben wollte, würde es mit ihr bald Matthäi a», letzten stehe». Das zeichnet gerade unsere Partei vor den übrigen aus. daß sie ihr Verhalten nach Grundsätzen, nicht oppor- tunisttsch nur„ach den jeweilig obwaltenden Umständen bestimmt, und gerade das zwingt dem Gegner Respekt vor uns ab. gerade das bietet dem Proletariat die Gewähr, daß es seine Ver- tretung vertrauensvoll nnserer Partei übertragen kann. Toleranz auf Kosten von wohlerprobte» Grundsätzen zu üben, führt zur Charakterlosigkeit und macht uns bei den Gegnern nur lächerlich, denn diesen fällt es gar nicht ein, n»s gegenüber auch nur in eine», Punkte Toleranz zu üben. Polizeiliches, Gerichtliches er. — Die Magdeburger„Volksstimme" schreibt: Genosse Schröter ist noch nicht in Freiheit; Montag Vormittag ging ihn» Nachricht z», daß er die ihm wegen Verübuug groben Unjugs, begangen durch die Presse, zuerkannte Strafe verbüßen kann. Schröter öffne» sich am Sonntag den 21. Februar die Pforten der Strafanstalt Gommern. — Genosse Richard Wittrisch, Redakteur an der „Sächsischen A r b e i t e r- Z e i t u n g hat am 2. Februar das Dresdener Gefängniß nach Vcrbüßung der dreimonatliche» Strafe verlassen, die ih», wegen Beleidigung des sächsischen Gesamuit- Ministeriums auferlegt war. Er hat durch die Haft Schaden an seiner Gesundheit nicht erlitte». Auch Genosse Horn, der wegen Preßvergehen acht Monate im Zwickauer Gefängniß hat zubringe» inüsse» und ebenfalls an» 2. Februar auf freie» Fuß gesetzt worden ist, sieht, wie die„Sächs. Arb.-Ztg." mittheilt, äußerlich wohl ans. Bei seinem Alter würden indeß die Nachwehe» der Haft wohl nicht ausbleiben._ Dev GefttndhvtkszuMnd der Vevgleuke. Der von der„Zeilschrift für Bergbau-, Salinen- und Hütten- wesen" unlängst publizirte Bericht über die Rechnuugsergebnisse der preußischen Knappschaftsvereine ist wieder ei» Beweis für die außerordentlich den Körper zerrüttende Wirkung der Grubenarbeit. Im Jahre 1895 waren in Preußen 74 Knappschaftskassen vor- Händen, die eine Gesammtzahl von 423 123 Milgliedern hatte». Die Mitgliederzahl war gegen daS Vorjahr um 5572= 1,32 pCt. gestiegen. Das schuldeiisrcie Vermögen des Vereins belief sich 1895 auf 30 303 315,83 M. oder auf de» Kops jedes Mitgliedes 219.57 M. Von den 428 126 Kassenmitglledern erkrankten 241 793! Be- rechnet man das Verhältniß der Kranken zu der Gesan»nt-Mit- gliederzahl in den letzten 10 Jahren, so entfielen auf pro 1090 beitragszahlende Bergleute Kranke: 1836 1387 1338 1889 1390 557 529 517 508 547 1391 1892 1893 1894 1895 553 535 583 547 565 Wie man sieht, nimmt die Morbidität der preußischen Knappen ständig zu. Diese Zahlen sind Durchschnitte für ganz Preußen. In einzelnen Knappschaftsbezirke» ist das Verhältniß der Kranken zu de» Gesunden ei» weit uttgünstigeres. So z. B. waren von den Mitgliedern der W» r n,- K r a» k e n k a s s e(Aachener Revier) sage und schreibe KZ pCt. 1895 in ärztlicher Behandlung. In, Bochum er Knappschaftsverein entfiele» 1895 auf jedes Mitglied Z(drei) ärztliche Kousultationc»! In Nieder- und Ober« schlesien ist es nicht besser. Die günstige amtliche Ziffer ist nur zu erkläre» durch das Mitberechnen der Mit- glieder vieler kleine» Kassen in de» Erzbergwerksbezirken, wo die Arbeiterschaft vielfach nicht ständig die Grube befährt und wo eine gesundere Landluft die Schäden der Grubeniniasmen am mensch- lichen Körper oftmals paralisirt. Bon de» Erkrankten hatten 30,23 pCt. eine Kraukheitszeit von durchschnittlich 13.2 Tagen zu verzeichnen. Dieser Durchschnitt ist fast der gleiche des Vorjahres. Würde man die Bergleute nicht mit allelhand Aufpassern nnd Spionen umgeben, die, sobald der Kranke nur eben wieder kriechen kann, sofort dem zuständigen Kuappschaslsarzt melden: der Man» ist wieder gesund, dann sollte sich die durchschnittliche Krankfeierzeit schon bedeutend verlängern. Es ist ein offenes Geheimniß, daß selten ein völlig ausgeheilter Kranker wieder die Bergarbeit auf- nimmt. Schon der geringe Krankenlohn zwingt den Empsänger, will er nicht wirlhschaftlich ruinirt werden, die Arbeil vorzeitig anf- zunehmen. Der geringe Krankenlohn hält auch überdies manchen todtkranke» Knappen ab, sich eine» Krankenschein geben zu lassen. Da bleibt man lieber am schuften; trotz Lungen- affeklion und Magenleiden schuftet man bis man hinfällt. Dies ist keine Uebertreibung, sondern leider bittere Wahrheit und jeder Ungläubige kann sich in den bergbautreibende» Dislriklen Preußens leicht überzeugen von dem, was es heute»och für nn- möglich hält. lieber das durchschnittliche Dienstalter der preußische» Bergleute theilt die amtliche Zeitschrift ebenfalls interessantes mit.„Halb- invalide" wird der Knappe schon mit 43,5 Jahren. Hat er sofort nach seiner Schulentlassung die Grube befahren, dann schaut er also bei Eintritt der„Halbinvalidität" ans dreißig Jahre unterirdische Grubenarbeit zurück. Aber diese Zahl ist nur zu sehr problematisch; die wenigsten Berg- leute befahren die Grube schon in einen, Alter von sechzehn Jahre». In, Stnhrgebiet ivaren 1893 nicht weniger wie 12,3 pCt. der Bergleute erst ein Jahr als solche thätig, während die Zahl der Arbeiter von 17—27 Jahre» stark ein Drittel der Belegschaft ausmachte. Man darf ruhig annehmen, daß im Ruhr- gebiet höchstens l/z der Gesammtbelegschaft sofort bei arbeitsfähigen, Alter Bergarbcil verrichtet. Die übrige» e/s sind erst, nachdem sie in anderen Bernfsarten längere Zeit thätig ivaren, zum Bergbau gekomme», sind ineistens ältere eingewanderte Ostelbier. Viel richtiger wäre es. wenn die amtliche Statistik das Dienst- alter— und zwar das unterirdische— der Knappe» Preußens feststellte. Hier würde dann ein ganz anderes Resnltal herauskomme». So beträgt z. B. das durchschnittliche Dienstalter der Ruhr-Bergleute nur 19 Jahre! Hiernach träte an der Ruhr schon init 35—37 Jahren die Invalidität der Bergleute ein. „Ganzinvalide" wird der preußische Bergmann durchschnittlich mit 49,1 Jahren. Auch diese Ziffer ist vorsichtig auszunehine». Es kommen hier sür die amtliche Statistik günstig in betracht wieder die vorwiegend Landwirthschaft betreibenden Erzbergwerks-Bezirke. i» denen die Arbeiter oft monatelang gar nicht die Grube aus- suche», sondern mehr als Saisonarbeiter zu betrachte» sind. Wir nennen hierzu nur das S i e g e n- N a s s a u e r Erzrevier. Der W e tz l a r e r Knappschastsverein bat den» auch»eben dem des Saalkreises die höchste Ziffer von Jahren aufzuweisen, in welcher erst die Ganzinvalidilät der Mitglieder ausgesprochen werden würde. Dahingegen niußte der B r ü h l e r Verein feine Mitglieder schon mit 39,0, der oberschlesische mit 43,6 Jahren zu Ganz- invaliden mache». Wer nun weiß, wie schwierig es dem Bergmann gemacht wird, seine Invalidität bescheinigt zu bekommen, der behandelt die eben erwähnte» anitlichen Ausweise mit sehr großer Vorsicht. Man muß die Bergleute in ihre» Versammlungen klagen hören über die Chikanen, die sie zu erdulden haben, ehe der Arzt sie zum Invalide» macht, um den vollen Werth der uns vorliegenden Statistik für de» Sozialpoliliker ermessen zu können. Wen» man die Arbeiter so lange zwingt, zur Grube zu gehen, bis sie fast zusammenfallen, da»» läßt sich wohl ei» hohes Durch- schnitlsaller für Invaliden berechnen. Wie sehr der Körper des nnaliden Knnppeu. whb er iuvaUde, zerrüttet ist, mag u»S die ««Uiche Nachricht lehren, daß die Lebensdauer eines invalid »-wordenen Bergmannes nur noch 16.23 Jahre beträgt. Diese kurze Zeil darf sich also der preußische Bergmann, nachdem er 20 bis 30 Jahre den Gefahren der Tiefe trotzte, scincs Lebens freuen und schwelgen mit de» paar Pfennigen der Juvalidenpension. Während der Grubenbesitzer nach 20 bis ZOjähriger„Arbeit" sich im Wohlgesühl eines gefüllten Beutels seine„wohlverdiente Nnhe" gönnen lann. muß der Bergarbeiter trotz seines kranken Leibes mich noch als Invalide zusehe», wie er sich einige Pfennige zu seiner Pension zuverdient. Denn von dieser allein müßte er Hungers sterben. Ja, herrlich ist das BergmannSleben. GewevKJiszÄfittifzes. I» der Glaöschleiferei von D i t t m a n n in Berlin, Ritter- straße ll, haben sämmtliche Kollegen die Arbeit wegen Lohndifferenzen niedergelegt. Zuzug ist fernzuhalten. I. A.: H a m a» n. N»s WcisicnfelS wird uns unterm 3. Februar berichtet: Im Stande der Schuhmacherbewegnng ist infolge der Wiedereröffnung der Fabriken eine wesentliche Aenderung eingetreten. Da die von den Prinzipalen erwartete allgemeine Wiederaufnahme der Arbeit nicht erfolgte, den Fabrikanten aber das Feuer ans die Nägel brennt, so hat man die Zentral-Streikkommission ersucht, in Ver- Handlungen einzutreten. Reichstags-Abgeordneter Bock ans Gotha ist um feine Bermittelung angegangen worden. Die Streikenden haben nun einen Theil ihrer Forderungen fallen gelassen und die aus grund dessen mit fünf Prinzipalen gepflogenen Verhandlungen führte» z» dem Resultat, daß in diesen fünf Fabriken die Arbeit icdenfalls heute wieder aufgenommen werde» wird. Infolge dieser Verhandlnuge» glaubten die Streikenden besser vorwärts zu kommen, wenn sie mit den Unternehmer» gemeinsam verhandelten. Eine Delegation von drei Mann begab sich deshalb zum Fabrikanten Moritz Seiler, dem Vorsitzende» des Fabrikanten- Vereins, um diesen die Slnsicht, allgemein und nicht vereinzelt ver- handeln zu wollen, mitzntheilen. Herr Seiler wies aber der Koni- Mission, die aus dem Genosse» S i e b e r l- Nürnberg, dem Fach- Vereinsmitglied Fleischhauer und dem Gewerkvereinsmitglied Enke bestand, brüsk die Thür; indessen ist auch dieser Herr geneigt, in Verhandlungen, aber nur mit seinen Arbeitern' einzutreten. Er hat seine» Zlrbeiter» bereits verschiedene Zugeständnisse gemacht. Die Ausständigen sind gewillt, bei nur halbivegs annehmbaren Bedingungen die Arbeit wieder aufzunehmen, beschlossen aber i» der großen Versammlung am Dienstag, den Streik fortzuführen, falls keine Konzefsione» gemacht werden. Am Dienstag hat sich der erste Zuzug von auswärts bemerkbar gemacht. Vermeidung des Zuzuges und weitgehendste finanzielle Unterstützung ist dringend nöthig. Achtung, Metall- und Fabrikarbeiter! Seit 17 Woche» stehe» die Arbeiter und Arbeiterinnen der Firma Carl Thiel«.Söhne in Lübeck im Streik. Es handelt sich auch hier um die Frage: Sollen die Arbeiter sich demüthig vor dem koalirte» Unternchinerthum beugen und zu allem Ja und Amen sage», oder sollen sie ihre Menschenwürde hochhalten und ausharren, bis annehmbare Bedingungen gestellt werden? Der Streik hat bereits ungeheure Opfer gekostet. Es sei nur darauf verwiesen, daß von der JustizH einundzwanzig Jahre fünf Monate und zwanzig Tage Gefängniß, Haft oder llntersuchungshaft über am Streik direkt oder indirekt betheiligle Arbeiter verhängt worden sind. Gleiches dürfte in der Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung kaum noch dagewesen sein. Trotzdem wanken die Streikende» nicht. Wie die Hamburger Hafenarbeiter, so sind auch die Lübecker Streikenden gewillt, bis aufs äußerste standzuhalten. Sie hoffen, daß ihnen die Sympathie und Unterstützung aller klassenbewußten rechtlich denkenden Arbeiter hilfreich zur Seite steht. Noch sind 283 Streikende zu nnlerstühe», darunter 80 Wittwen und Mädchen; verheirathel sind 151 Streikende, die Zahl der von ihnen zn er- nährenden Kinder beträgt 355. Genosse»! Es handelt sich bei dem Streik um die Verlheidigung der durch§ 152 der Gewerbe-Ordnung gewährleisteten Koalitionsfreiheit. Unterstützt uns! Die Saat, die ihr dadurch sät, wird einst Früchte tragen. Laßt uns nicht sinken! Hoch die Organisation! Hoch die Solidarität! Das Streikkomitee. I. A.: H e i n r. S ch w e i z e r. Geldsendungen sind zu richte» an E r» st B e n d t f e l d t, Anfragen an H e i u r. Schweizer. Lederstr. 3. Alle Parteiblätter und Gewerkschaftsorgane werden um Abdruck gebeten. Die Leipziger Schriftgiestergehilfen beschlossen, wie uns geschrieben wird, eine vom Verein Leipziger Buchdrucker- und Schriftgießergehilfe» getrennte Lokal-Organisation z» gründe», um ihre speziellen Fachinteressen besser wahrnehmen zn können. Der erste Kougrest der Feldarbeitcr Ungarns ist am Sonntag in B u d a p e st zusammengetreten. Der Wiener„Arbeiter- zeitung" wird darüber berichtet: Als im vorigen Jahre gelegentlich der MillenniumSansstellung auch das„Volk" nach Budapest dirigirt wurde, um den schnnlustigen Besuchern die echten, unverfälschten, von Zufriedenheit strotzenden Bauern zu zeigen, sah man ganz andere Dorfbewohner als heute auf dem ersten Kongreß der Feldarbeiter. Dort die festlich geschmückten Laudleule, die zum allgeineinen Gaudium in den putzige» Bauernhänschen im„Dors" der Ausstellung bald eine Bauernhochzeit, bald wieder eine Kindtanfe oder ei» Kirchweihfest ausführen mußten, um de» fremden und einheimischen Spießern die volle Zufriedenheit des Landvolkes zu beweisen. Hier Bauern, schwer arbeilende Feldnrbeiter, wie sie wirklich aussehen. Sie verhalte» sich zu jene», wie die Wahrheit zur Lüge. Nach 8 Uhr versanimelten sich die aus 50 Gemeinden er- schienenen 80 Delegirten, lauter urwüchsige Bauern, im Saale des Molnar'schen Gasthauses in der Lnstiggasse. Dem außergewöhn- lichen Ereigniß entsprechend war anch die Polizei mit einem un- gewöhnlichen Aufgebot von Detektivs am Platz erschienen. Nach Konstituirung des Bureaus eröffnete Genosse Johann Riga ans Szabadka(Thecesiopel) den auf drei Tage anberaumten Kongreß. Der erste Punkt der Tagesordnung befaßte sich mit dem Situationsbericht der landwirlhschastlichen Arbeiter in Ungarn. Mehr als zwanzig Redner schilderten in ergreifender und packender Weise mit schlichten Worten das namenlose Elend, das- gegenwärtig unter den Bauern Ungarns herrscht. Angesichts dieser wahrhaften Darstellungen verblassen selbst die Äerichte des Pater Stojalowski über die Lage der galizischen Land- bevölkeruna. Der Feldarbeiter in Ungarn wird nach allen Regeln der rasfinirtesten Ausbeutungsknnst vom Großgrundbesitzer, vom Pächter und von deren Beamten ausgesogen und betrogen, von den behördliche» Organen brutalisirt und geknechtet ivie nur ein Muschik in Rußland. Der Delegirte von T e m e r i n(in der Bacska, dem gesegnetsten Theil Ungarns) berichtete, daß er und sein Helfer bei der Arbeit während der dreiwöchigen Erntezeit nur drei Meterzentner Weizen(im Werth« von 18 fl) verdiene» konnten. Ein anderer Delegirte schilderte i» den düstersten Farben die Lage der Feldarbeiter längs der Donau; er selbst hat im verflossenen Jahre bei angestrengter Arbeit nur 81 fl. 67 Kr. verdient. Die Arbeitszeit vertheilte sich aus acht Monate des Jahres, während vier Monaten giebt eS. zumeist keinen Erwerb. Er fragt, ob man mit einer solch geringen Summe eine Familie erhalte» könne? Die Nahrung besteht zumeist in Kukuruz- brot und Erdäpfeln.„Wie kann ein Land, das»ns sonst nichts bietet, verlange», daß wir es im Nothsall mit Gut und Blut verlheidigen sollen?" Ei» anderer Delegirter beklagte sich über die erbitternde Rechtlosigkeit und über die ungerechte» Stenern, von denen die Wegstener wohl die ungerechteste ist; sie wird unerbittlich ein- getrieben, trotzdem der weitaus größte Theil der Landbevölkerung weder Wage» noch Zug- oder anderes Vieh besitzt, für die die Fahrstraßen benölhigt werden. Ein Delegirter aus der Theiß- gegcnd referirte in serbischer, zwei aus dem Banal berichteten in deutscher Sprache. Alle schilderte» dasselbe traurige Bild. ES ist vielleicht nicht überflüssig, zu erwähnen, daß die Kongreßmitglieder in brüderlicher Eintracht den fremdsprachigen Genossen zuhören; ohne ihn zu verstehen, fühlen sie, daß er unter demselben Joch zu leiden hat. So viel kann schon jetzt konstatirt werden, daß dieser Kongreß einen weit hinausragenden Markstein in der ungarischen Arbeiter- bewegnng bilden wird. Ungarn ist vorwiegend noch ein Agrikultur- staat, und deshalb kann die sozialdemokratische Bewegung unter den Jndustrie-Arbeitern allein nicht von so großer Tragweite sein wie in den westliche» Länder». Die Gasarbciter der städtischen GaS-Anstalt in A a r h u s sollten sich kontraktlich verpflichten, dem Fachverein nicht beizutreten beziehentlich aus ihm auszutreten. Die 65 in betracht kommenden Arbeiter sind entschlossen, die Unterzeichnung zu ver- weigern und dürfte es so wahrscheinlich zu einer Aussperrung kommen. Tic Kopcnhagcuer Kouditorgchilfcn haben ans Veranlassung des Bäckereiarbeiter-Verbandes eine» Fachverein gegründet. Die Bäckerei-Arbeiter vermochten sich durch ihre gut« Organisation be- reits viel bessere Arbeitsbedingungen zu verschaffen, als die Konditor- gehilfen haben. Aus Schweden. Die Orgelarbeiter in Stockholm haben einen Fachverein gegründet. In diesem Gewerbe sind in der schwedischen Hauptstadt etwa 60 Arbeiter beschäftigt.— Die Kachelofe narbeiter in Norrköping beabsichtigen zn streiken, weil sich die Meister weigern,«inen vom Fachverein aus- gearbeiteten Lohntarif anzuerkennen.— Der Bautischler- Fachverein i» Stockholm hat sich der sozialdenwkratischen Partei angeschlossen.— Der schwedische Gruben- arbeite r- Verband hielt in C h r i st i a n st a d t seinen z w e i t e n K o n g r e ß ab. Die Mitgliederzahl des Verbandes hat sich im letzten Jahr mehr als verdoppelt. Auf dem Kongreß wurden eine Reihe organisatorischer Beschlüsse gesaßt und der Verband er- heblich leistungsfähiger gemacht. Unkcrnrhnrcv-Vevbiindo. Die dem Deutschen Znckersyndikat beigetretenen 151 Roh- Zuckerfabriken produziren nur 900 000 Zentner Rohzucker, noch nicht 25 pCt. der deutschen Produktion. Das genügt nicht, um dem Syn- dikat den erstrebten Einfluß auf die Preisbildung zu verschaffen; von feiten der Gründer wurde seinerzeit selbst angegeben, daß das Syndikat lebensfähig sei. wenn es 50 pCt. der deutschen Rohzucker- Produktion umfasse. Bis jetzt hat es aber nur die Hälfte dessen in sein Bereich zu ziehen vermocht. Beigetrete» sind ihm vorwiegend kleine, irrationell arbeitende Betriebe. Gegen tOOO Riibciibaucr Böhmens beschlossen in einer Versammlung zu Prag am 2. Februar eine scharfe Resolution gegen die Riibcnkartcllc der Zuckerfabriken, die als unmoralisch gesetzlich zn untersagen seien unter strengen Strafen. Der Rübenpreis sei ans grund des jährlichen Znckcr-Durchschnittspreises zn bestimmen nnd die Landwirthschaft solle aller Begünstigungen theilhaftig werden, die der Staat der Zuckerindustrie einräumt. Die Regierung möge, falls sich die Verhältnisse nicht bessern, die österreichische Zuckerproduktion monopolisiren, unter Umständen im Wege der Expropriation. Deputationen der Rübenbauer werden diese Wünsche dem Statthalter nnd den Ministern unterbreiten. Dem Egcluer Branukohlen-Syndikat, das am 20. November 1886 in Magdeburg gegründet wurde, dort feine Verkaufsstelle hat und dem bisher nur die Braunkohlenwerke der Egelner Mulde nnd zwar sämmtlich angehörte», sind am 30. Januar in einer Versammlung z» Magdeburg bis auf ein Werk alle Braun- kohlenwerke der Oscherslebener-Völpker- Helmstedter Mulden beigetrete». Das Syndikat führt nun den Namen: „Grosses Syndikat fiir Nohkohlcnvcrkanf". Es umfaßt nun 13 Werke. Mit dem noch fehlenden Werke schweben Verhandlungen, um anch dieses zum Beilritt zu veranlassen. Von Aktien-Gesell- schasten gehören dem Syndikat an: die Brannschweigischen Kohlen- bergwerke in Helmstedt, das konsolidirle Braunkohlen-Bergwerk Marie bei Atzendors, die Harbker Kohlenwerke und das Braunkohlen- Bergwerk Caroline bei Offleben. Das Syndikat der vereinigten Grobblech- Walzwerke Deutschlands hat sich am 2. Februar in Berlin konstitnirt. Ein- stimmig wurde die sofortige Erhöhung der Preise beschlossen, und zwar für Schweißeisen um 2>/s Mark, für Flußeisen um 5 Mark pro Tonne(20 Zentner)._ Soziales. Tic Stadtverordneten Ulms in Württemberg beriethen in- solu« der bekannte» Anregung des Ministeriums über die Frage der Errichtung eines städtischen Arbeitersekretariats be- ziehentlich Volksbnreaus, waren jedoch der Meinung, daß in Ulm ein Bedürfniß nicht vorhanden sei. Die Verhältnisse lägen in dieser Beziehung in Süddenlschland wesentlich anders als in Nord- denlschland. Infolge der freiwilligen Gerichtsbarkeit seien in allen den- jenigen süddeutschen Städten, für welche die Errichtung eines Arbeiter- sekretarials i» Frage kommen könnte, eine geeignete Anzahl Reffort- beamter vorhanden, die Auskunft geben könnten über die ein- schlägige» Fragen auf dem Gebiete des Rechts und der modernen Gesetzgebung. Es sollen deshalb die städtischen Beamten angewiesen werden, den, Publikum über alle in ihr Fach einschlagenden Fragen bereitwilligst und freundlichst Auskunft zu erlheilen, dem Publikum wird dies i» geeigneter Weise bekannt gegeben werden. Nach einem Bericht des„Schiv. B." bemerkte Oberbürgermeister Wagner noch. ein Bedürfniß für weitere Einrichtungen neben der Auskunstser- theilnng seitens der städtischen Ziessortdeamten liege nicht vor. Da- gegen werde die Stadt, ivenn z. B. von einer Arbeitervereinigung ein solches Institut ins Leben gerufen würde, ihm allen Vorschub angedeihen lassen. Ter Evangelisch- soziale Arbeiterverein in Hamburg hat einstimmig seine A n f l ö s u n g beschlossen. Trübselig berichtet der „Hamburgische Correspondent" darüber: Dem vor fünf Jahren ge- gründeten Verein gelang es nicht, eine größere Anzahl Handarbeiter als Mitglieder zn gewinnen. Außerdem wurde durch Meinnngs- Verschiedenheiten wiederholt Wechsel im Borstande hervorgerufen. Namentlich lhat auch die Nanmann'sche sozialpolitische Strömung der Sympathie, die man in verschiedenen Kreise» für das Unter- nehmen hegte, entschieden Abbruch. Auch das frühere Vcreinsorgan „Hamb. Volksblatt" wurde nicht glücklich geleitet. Schließlich blieb nichts übrig, als die Auslösung. Vevfa tnmUtnjgVit. Ter Arbeiter-Vertreter-Bcreiu hielt am Dienstag bei Bnsk« in der Grenadierstraße seine Monatsversammlung ab. Auf der Tagesordnung stand die Forlsetzung des Berichis aus den„Glücklichen Nachrichten." A. Dähne behandelte mehrere interessante Revisions- entscheidnngen des Reichs-Bersichcrungsamls in Jnvaliditäts- und Allersversicherungssache». Hervorheben wollen wir aus der mit- getheilten größeren Reihe nur zwei Entscheidungen. Das Reichs- Bersichernngsanck hat entschieden, daß einer Versicherten die im Ausland zugebrachte Zeck einer Krankheit voll anzurechnen sei. Dies aber nur deshalb, weil sie bis zu ihrer Erkrankung dauernd im Inland lhälig gewesen ist nnd anch nach eingetretener Besserung sofort die Arbeil im Inland wieder ausgenommen hat. Hätte sie vor oder»ach der Krankheit im Ausland gearbeitet, dann wäre der Anspruch zurückgewiesen worden, weil Arbeit im Auslände die Ver- sicherungspflichl»» Deutschen Reich nicht begründet.— In einem andern Fall beantragte ein Ehemann, ihm nnd seinen Kindern die Hälfte der für seine verstorbene Frau verwendeten Beiträge zn er- sehe». Der Anspruch wurde zurückgewiesen, da gesetzlich nur der Wittwe eines verstorbenen Versicherte»,»''ck aber»mgekchrt ein Anspruch auf Rückerstattung zusteht. Der Vortragende und ebenso die Versammlung sand hier eine Lücke des Ge- setzes. da ja der Mann eventuell ein gänzlich hilfloser Krüppel und ebenso hilfsbedürftig sein könne, wie eine Wittwe. Dieser Fall soll in der vom Verein geplanten Petition berücksichtigt werden. Ueber diese Petitionsangelegenhcit berichtete der Vorsitzende Simanowski. Es hat sich eine Kommission des Vereins mit der dem Reichstag vorliegenden Novelle zum Nnsallversicherungs- Gesetz beschäftigt und eine neue Petition ausgearbeitet. Da die Mittel des Vereins erschöpft sind, sollen die Kosten für de» Druck durch eine Extrasteuer der Mitglieder oder Erhöhung der Monats- beitrüge aufgebracht werden. Mehrere Redner aus der Versammlung machten jedoch darauf aufmerksam, daß es durchaus unbillig ist, den Mitgliedern neben den Opfern an Zeit und Arbeit anch noch die Kosten aufzubürden, da diese Petitionen tc. durchaus nicht sowohl im Interesse der Mitglieder, als in dem der Gesammtheit der Versicherten liegen. Dähne schlägt vor, sich mit der Bitte um Bei- träge für diesen Zweck an die Gewerkschaften zn wenden und theilt mit, daß seine eigene Gewerkschaft 60 M. hierzu überwiesen habe. Die Versammlung beschließt denn auch demgemäß. Die Mit- alieder sollen in ihren verschiedenen Gewerkschaften, bei den Kranken- lassen:c. Anträge auf Beihilfe zu dem obigen, im Gesammtintereffe der Versicherten liegenden Zweck stellen.— Wenn das neugefaßte Jnvaliditäts- nnd Altersversicherungs-Gesetz von den Berathnngc» in, Bundesrath zurück ist, soll hierzu ebenfalls in einer Petition Stellung genommen werden. Ter Wahlverein für den vierten RcichStagS-Wahlkrcis (Osten) hielt am Dienstag bei Rieft eine gut besuchte Versammlung ab, wo Genosse Peus einen beifällig anfgenommcnen Vortrag hicli über das Thema: Arbeit, Bildung und Besitz. Der Redner setzte unter Hinweis ans Beispiele ans dem praktischen Leben eingehend auseinander, daß der Gegensatz zwischen den Gebildeten, die ihre Arbeitskraft verkaufen müssen, und den Arbeitern im engeren Sinne in dem Maße schwinde, als die Proletarisirnng der ersteren fort- schreite. Wir könnten deshalb unsere Propaganda nicht auf die Handarbeiter beschränken, sondern müßten uns bemühen, anch die Schichten der geistigen Arbeiter in unfern Kreis zn ziehen. Nach dieser Richtung könne die national-sozial« Bewegung von Erfolg sein, wenn sie bestrebt sei, in den uns»och nicht zugänglichen Volkskreisen soziale Erkenntniß zu verbreiten und dadurch unserer Propaganda vorzuarbeiten. Die Arbeiter im engeren Sinne wären das Fundament, auf dem das Gebäude der Znkunftsgesellschaft er- richtet werden solle, an dessen Vollendung aber auch die Gebildeten mitzuarbeiten hätten. Wenn einmal Arbeit und Bildung zusammengehen, dann sei der Kapitalismus verloren. Eine Diskussion fand nicht statt. Eine öffentliche Bersaminlniig der Maurer tagte am Dienstag bei überfülllein Lokale von Cohn in der Benthstraße. Das sonderbare Verlangen der Polizeibeamten, daß niemand im Saale st e h e n dürfe, wurde von Silberschmidt unter Hinweis auf das Vereinsgesetz zurückgewiesen, worauf sich auch der Herr wohl oder übel zufrieden geben mußte. S i l b e r s ch m i d t erstattete im Namen der Lohnkommission Bericht über die Lohn- bezw. Streikbewegung im Jahre 1396. Während der Zeit haben 60 Versammlungen statt- gefunden und sind taufende von Flugblättern und Handzetteln ver- theilt worden. Gegen 31 Personen wurden 2l Anklagen wegen Ver- letzung des Z 153 der Gewerbe-Ordnnng, 13 Anklagen wegen Bedrohung mit einem Verbrechen erhoben, wofür insgesammt über 6 Monate Gefängniß, sowie einige Hundert Mark Geldstrafe verhängt und 24 Strafmandate erlassen wurden. Trotz alledem hatte die Be- wegmig einen Erfolg anfzuweisen. wie er in früheren Jahren nicht erreicht wurde. Voraussichtlich werden anch im kommenden Jahre unter ähnlichen Umständen die gleichen Erfolge erzielt werden können. Der von Richter erstattete Kassenbericht ergiebt eine Gesannnteinnahme von 73 357,53 M, von der allein durch Beitrag- sammeln 43 222,60 M.. durch Richter 18 940,25 M.. von anderen Gewerkschaften 4683 M. aufgebracht wurden. Die Ge- sammtausgabe bis zum 2. Januar 1397, unter welcher allein 6000 M. für die Hamburger Hafenarbeiier augegeben sind, betrug 52 992,42 M., so daß ein B? st a n d von 20 365,11 M. verbleibt. Von diesem Bestand sind 19 765,00 M. ans der Bank angelegt, während die Restsninme von 600,11 M. sich in den Händen des Kassirers befindet. Nachdem die Revisoren die Richtigkeit der Abrechnung bekundet, entspinnt sich eine von Beyer sdors angeregte, längere nnd lebhafte Diskussion, in welcher die Abrechnung vielfach bemängelt und betont wurde, daß viele Listen verloren gegangen und unter- schlage» worden seien. Richter und die Revisoren verwahren sich gegen die gemachten Vorwürfe und weisen nach. daß die vor- gelegten Quittungen im vorigen Jahre vor dem 2. Juni ver- rechnet waren; auch seien die angeblich verlorenen Listen und Marken dementsprechend verrechnet. Die Vorwürfe wurden nun- mehr, nachdem die Kommission gerechtfertigt, gegen eine Anzahl säumiger Beitragsammler erhoben. Auf Beschluß der Versammlung wurde diesen aufgegeben, die fehlende» Beträge zu zahlen. Hierauf wurde dem Kassirer Richter Entlastung ertheilt. F r i t s ch ersuchte, die verlorenen oder liegen gelassenen Arbeits- und Invaliden« karten jc. im Bureau, G r e n a d i e r st r 33, abzuholen. Ein Antrag Frenze!, den im vorigen Jahre zwischen beiden Richtungen ver- einbarten Vertrag dahin abzuändern, daß in jeder zu wählenden allgemeinen öffentlichen Maurerversammlung bestimmt wird, welche Richtung den Obmann bezw. den Kassirer zu entsenden hat, gelangte nach längerer Diskussion zur Annahme. Die „Zentralen" sollen den Obmann, die„Lokalen" den Kassirer vorschlagen. Auf grund dieses Vertrages, wonach in die Lohn- kommission je drei Mitglieder von einer Richtung gewählt werden, wurden nunmehr Silberschmidt einstimmig. Panscr, Fritsch. Kater, Richter nnd H e r f o r t h gegen mehr oder weniger Stimmen zu Mitgliedern der Lohnkommission für 1897 ernannt. Zu Revisoren wurden W r o m und M a t u l l gewählt. Ein Antrag: Jedem Mitglied der Kommission mit Ausnahme bei Generalstreils pro Tag 6 M. zn gewähren. wurde nach zweimaliger, unter großer Erregung vorgenommener?lbstimniung alS abgelehnt erklärt, dagegen ein anderer, welcher besagt, daß jedes Mitglied der Lohnkonimission den ortsüblichen Mindestlohn erhält, mit geringer Mehrheit angenonimen. Kater legte hierauf sein Amt nieder. Knöpchen beantragte, den Hamburger Hasen- arbeilern auch fernerhin pro Woche 1000 M. zu beivifligen. Nach- dem sich mehrere Redner dagegen erklärt hatten, da bereits 3000 M. gezahlt seien, wurde der Antrag bei vieler Stimmenthaltung an» genommen; desgleichen ein Antrag, den streikenden Schnharbeitern in Weißenfels 1000 M. zn überweisen. Nachdem die Wahl der Beitragssammler vollzogen, wurde bekannt gegeben, daß in nächster Woche abermals eine große öffentliche Versammlung stattfindet. Ac>»»it,r.KUd»na«sch»l». Toimerslag Abend» Uhr bKloJfUhr: S üb oft- schule, Waldemarftr. i«: viebe-Uebung(Tie wlchtiasie» lechnische»«rundsähe für bie Bunft beä öffentlichen Reben» Lehre vom«üfdau eine» Vortrage«). Herr Heil» ich Schul,.— Norbschule, Brunneuflr. 2«:«Leschtchte»«kale»b«r stnb zu richte» a» Friedrich Bortui», Manteusfeisir. 49, v 2 Tr. Piiii» de» acsrttige»;X> t>eit-r»»r»i»e Perli»«»»d Klnigegend. Alle Znschriste», be» Bund betreffeub, sinb zu richte» a» P. Gent, S. Tresbener- straße eo, 2. Hof. Arbeiter- Zia»ch«rd»»d gerlin*»»b tlmyege»». Aenberung«» im verei»«laie»ber stob zu richten a» Hermann Braunschwetg, Tresbener- straße>07/6. Jentralnerein der Kureanaugestellten Hentschiand». Heute, abends S!s Uhr, bei Babiel. Rosenthalerstr. 57, Vortrag bes Kollegen Zaddach: Der Nutzen der Berussvereine. I»epe»el»ei>«tiehe nni Schlasae der I.Beilage. Verantwortlicher Nedakteur: August Jacobcy in Terlin. Für den Fuscratcutlicil vcrautwortlich: Th. Elorte in Berlin. Tnick und Verlag von Mar Babing in Berlin. Hirrzn I Beilage u. Nntcrhaltnngsblatt. Nr. 29. 14, mm. KeilM des„NöMllrts" Kerlim WlksdlR N.MW.4.MM1897. Die �AfenAvbvikev�Vemegung. Aus Hamburg wurde uns am Miitivoch berichtet: In die feste Mauer der Ewers üh rer war in voriger Woche leider eine wenn auch kleine Bresche geschlagen, indem sechs Mann von ihnen ab- trünnig geworden waren. Nach zweitägiger Arbeit legten fünf von ihnen die Arbeit wieder nieder. Am Dienstag war eine ganze Anzahl Binnenschifser hier angekommen, die Ewerführerdienste ver- richten sollten. Es gelang, die Leute abzufassen und, nachdem sie Klarheit über die hiesige Lage erlangt hatten, reisten sie fast ohne Ausnahme wieder in ihre Heimath zurück. Seitens der staatlichen Desinfektionsanstalten wurden in diesen Tagen die M a s s e n q n a r t i e r e der „Arbeitswilligen" bei der Poggenmühle gereinigt. Geradezu unglaubliche Zustände hat man dabei gefunden. Das sind die Massenlogis, die nach den täglichen Berichten der Hamburger Rhederpresse betreffs der Reinlichkeit geradezu musterhaft sein sollten. Wie mag es erst auf den Hotelschiffen im Hafen ausgesehen haben und noch aussehen, wo in den engen niedrige» Räumen, die schlecht gelüftet werden können, die„Arbeitswilligen" Schulter an Schulter bei einander lagen. Und solche Zustände bei der von Tag zu Tag drohender werdenden Pestgefahr. Dienstag Nachmittag»ahm eine öffentliche Versammlung der Gast- und Schankwirthe von Hamburg und Umgegend Stellung zum Streik. Sänimtliche Redner stellten sich aus seilen der Streikenden. Man versicherte, die Streikenden in jeder Beziehung energisch unterstützen zu wollen. Dem Zentralausschuß der Gast- wirthsvereine von Hamburg wurde die Angelegenheit einiger Arbeiter zur energischen Verfolgung überwiesen, die von den Hell- bring'schen Spritwerken in Wandsbeck und den Höper'sche» Sprit- werken in Hamburg deshalb entlassen sind, weil sie die Verrichtung von Streikbrecherdieusten verweigerten. Heute werden wieder zwei große F r a u e» v e r s a m in l n n g e n abgehalten. « �» Bei der Berliner GewerkschaftSkommissio» ginge» für die streikende» Hamburger Hafenarbeiter folgende Beiträge ein: Fräserei Wagner u. Dünnebeil mit Budiler, S. Rai« io,ss. Arbeiter ber Berliner Modcllsabrtt,«. Rate 5,—. Schlesischs Slalpinle, Ztegliy 6,—. Echlesischer Etat, Schtfsbauerdamm 3,20. Steinarbeiler von Warthau t» Schlesien, 5. Rate so,—. Tischleret Cortots, s. Rate 6,70. Sewerlschaftekartell Fürth in Bayern durch Z. 200,—. Lederarbeiter in Mühlburg in Baden 20,04. Aus dem König- reich Stumm, s. Rate 18,78. Wahllreit Prenzlau- Angermünde durch R.®. 47,22. Ein rother Student 10,—. I. G. und W. H., Reinilkendors West 6,05. A ffi.®. 20,80. Die tormer in Jnowrazlaw 20,—. ffi. 0., Wallner> Theaterstraße. 0. Rat- g,—. . Schmidt, Königsberg in Ostpreußen 5.—. Weißense-, durch D., Aeburtaas- seier, amerikanische Auliion 4,80. R. F., Much jux. 3,—. Lederfabrik EM und Slrasser, Serberet, Bterprozente, 7. Rate 12,00. R. Hösler, Rixdorf z.00. Mühlhausen in Thüringen durch Aeugl., 0. Rate 42,02. Fürftenwalder Genossen,». Rate 30,—. Meyer's Lederzurichter. Prinzen-Allee, 4. Rate 10,20. Königliche Muster- ivertftatt au« dem Reiche Thtelen's 10,30. Berliner Tischler in Bredow bei Stettin, 2. Rate I2,so. Tischlerei Müller Söhne in Tegel 7,—. Eoldberg in Schlesien, 8. Rate, von den Tabatarbettern»,28. Bon den Korbmachern in Themar an der Werra 8,80. Blacehandschuhmacher NeubaldenSleoen, 2. Rate 12,— Pößneck, Sachsen- Meiningen,». Rate(darunter Ty., Flanellfabrit 12,—, durch Kirchner 1,10, Ertrag der Bolksversammlungs-Kolletie 12.—> 27.71. Cigarren- sabrit Tieg, Jnvalidenstraße, 0. Rate»,—. Stockfabril Filz, Werner u. Co., 4. Rate 3,0». Liste«710, Maschinenbau L. Löwe, Hollmannsiraße 02,40. Tischlerei Sieinbock. s-werbehos(außer sieben), 4. Rate 0,40.>jw-i Kollegen von B. E. W.. Spandau 2,—. Bon zu Hause 2,-. Tischlerei Siebert u. Aschenbach, Hornstraße 5,20. Tischleret Sawatzti, Belle- Alltancestraße, 8. Rate 0,00. Holzbearbeitung«- sabrit Schulz u. Zerban. Belle- Alliancestraße, S.Rate«,00. Anilinfabrik Treptow, 7. Rate 20.00. Pianofabrit von Jaschinsty io,2S. Tischlerei Daniel, Köpnicker- straße 17« 8,06. Tischleret Bringet mit Budiler, 8. Rare«,go. Rothe Buchbinder, Srüustrabe 12,85. Kontobuchsabrit von Weber, Lindenstraße, 0. Rate 0,20. Liste 0494, Schraubensabrtk von Reiche, Britzerstraße(mit Ausnahme des Wasser- pantschers E. M.) 12,00. Liften 1208 und 1207, Richard Meyer, Buchbinder 4,70. Fraiferet I. Ntelsch,«rautstr. 4/8, 0,00. Für die Einsicht in die Tanzkarte einer schönen aus dem Ballsesi de«„Berein« Berliner Presse" 2,0s. Arbeiter der Gießerei Salinger 18,80. Mitarbeiter einer Photographischen Anstalt im Westen 0,80. Schraubendreher aus der Krautslraße 4. Rate 7,30. Bautischlerei von Zieh-, Schinl-ftraße, mit Stnsetzer 7,lo. Heinrich, Köpenick, 1,00. Judt«, Böttchermeister in Köpenick, I,—. Einige Mitglieder de« Turnv-r-tn« Fichte, 3. Plännerabtheilung 4. Rate 7,20. Buchdruckerei Otto v. Hollen 8. Rate 24,—. Personal der Buchdruckeret und Buchbinderei R. Masse S. Rate»0,10. Tischlerei Zelder u. Plate«(darunter Pusel 1,—) 7. Rate 24,05. Maschinenfabrik Spanholz u. Wrede 7. Rate 21,48. Amerikanische Auktion einer Pfeffergurle, Müller- slraße 10/11, 2,00. Sebr. Sörtke u. Söhne, Bau Rixdorf, Ringbahnslrabe,»,80. Rauchklub Dornröschen, Maskenball, 0,70. Lützowsiraße? durch Gleinert»,18. Wagenbauer au« Südost d. I. Suchland 80,—. Listen d. Erbe 8731, 0207, 0282, 0298, 0280, 0204, 0471, 8472, 4107, 8727, 3«»8, 8780. 8728, 840», 8720,«280, 0284, 728. 5482, 8483, 8782, 0400(darunter Graveure bei R. A.>4,40, Puhertolonne Ließ, Bau Marburgerstr. 3, 7,—, A. Sch. 02,82): 180,18. Personal der Album- fabrik von Btlö, Inhaber Schmidt, 0,88. Listen durch Retzerau, Rirdorf, 2124, 2127, 2128, 2137, 2103, 2170, 2173, 2173, 2191, 2193, 2209, 2210,»198(darunter Thiergarten d. S. F. 7,46, Metalldreher und Gürtler Psennigwerth, Kurfürsten- straße 3l/»2,«,80, durch Frtcke 0,80, Tischlerei Richter, Köpnickerstr. 3): 78,20. Ueberschuß von der Matinee in Rixdorf. Btkloita-Säle, Gesangverein Grüne Eiche, I. Rate 218,—. Liste 007» Erdmann. Friedrichsberg, Gürtelslraße, 0,30. Liste«20» Telegraphenbauanstalt Lorenz, Prtnzesstnnenstraße, 83,88. Personal der Urania, Taubenstraße,». Rate 28,—. Tischlerei Richter, Blumenstraße, 0. Rate 12,00. Lampensadrtk Sch. S.«. Rate 12,68. Michaeli« 8,—. Broncewaaren- sabrik Humperl, Stallschreiderstraße, 7,08. Johanne« G. 8. Rate 38,28. Tischleret von Gerd«. Charlottenstraße. 7. Rate 4,70. Bier Aeuglcin 3. Rate 0,28 Arbeiter von Pintsch, Andreasstraße, 43,—. GeburtStagSseter bei Peukert mit Budiker, Köpnickerstraße, 3,76. Buchdruckeret Otto Elsner 7. Rate 22,70. Tischlerei Jungnickel 2,48. Liste 0881 Zimmerplatz Krause 4,—. Liste»309 Bach- inann 3,28. Lifte 084» Hasche, Zimmerer, 7,8» Liste 038». ein Saal von Mix u. Genest 10,80. Listen 0380,»384,»383,«381, Maschinen- fabrik von Kapler 41,18. Buchdrucker von Rosenbaum und Hart, 8. Rate 7,20. Arbeiter von Arlt u. Flicke 8. Rate 10,28. Slocksabrtk von Noa, DreSdenerstraße, 7. Rate 10,—. Zimmerer von Södel, Bau Spittelmarkt, 2. Rate 13,30. Schlosseret O. Nachtigall 4. Rate 0,80. Listen d. Jacob 8109, 6843, 2207, 2208, 4320, 883», 5544, 0048, 8547, 8897, 6206,«207,»208.«200, 0210,«218,«21»(darunter Klaviatur- sabrtk schwohl« u. Comp. 12,80,«laviaturfabrik Bohn u. Comp, mit 4 Aus- nahmen) 129,08. Gürtler und Dreher von Calm u. Bender, Siischineisiraße, «. Rate 10,88. Buchdruckeret Retnh. Strauß 8. Rate 11,40. Setzer der Buch- druckerei R. Boll«. Rate 5,80. Berein Süd-Ost der Bügler, Stcpper, Zuschneider Berlins 4,—. Liste 8824 b. Simon(darunter drei Trauerllöße) 7,08. Bilder- rahmenfabrir Brückner Nachstg., Rtllerftraße,«. Rate 4,28. Buchdrucker von Bahlke 2,-. Fraiferet«ehloss, Reichenbergerstiaße, 8. Rate 4,—. Gesangverein „Freie Liederlasel"«eburtslagsseter, amerikanische Auktion 3,08. M. S. H. 7. Rate 3,18. Liste»373 Mechanische Werkstatt H. Thiele, Prtnzenstraße, 23,20. „Raunynstr. 08" 9,—. Melallschraubensabitk Beutel u. Hund 16,—. Liste 8870 Bildhauerw-rkstalt Dochan 4,90. Metallschraubenfadrik Stärke, Blumenstraße, 14,80. Tischleret Pusitzkt u. Wolf s. Rate 4,—. Rotte von Siemen« u. HalSke 4. Rate 12,48. Bölling u. Hirsch, Gr. Franksurterstraße 8,40. Tischleret Zippernicht, Slalitzerstraße, 2. Rate 8,15. Tischleret Süß, Palltsadenstrabe, 7. Rate s.i». Bautischlerei Fromholz, Pankow, s. Rate 6,40. Pianofabrtk Krause untere Werkstatt 2.—. 8 Mann R. Frister, Lindenstraße, 4,—. Freie Bereinigung der Militär- inützenarbetter BmiuS 4. Rate 60,—. Roihacker. Ackersir. 48, 3,28. Schmiersinken von Siemen« u. Halzte 0. Rate 14,30. Korbmacher Wilhelmstraßi 8. Rate 3,50. Oestentliche Bersammlung der Kürschner 80,—. Tischleret Saucrwein, Bellealliancestraße, 4. Rate 8,80. Strandbarsch D. H, Markgrafenftraße, 8. Rate 36,—. Meiallarbetter Golafch, Lindenstraße, 7. Rate 8,30. Bletfteg 3. Rare 8,80. L.sie 0884 d. Börner 7,30. Liste 088» Klee 3,08. Liste 8857 Lusche 0,70. Tischler u. Poltrer von C. Prächtel, Krausenstraße, 7. Rate 12,—. Liste«879 Zimmermann Köpnickerstr. 198, 8,86. Tischler u. Bachulken, Langest!. 32, 2,80. Personal Schrift- gießeret Emil Gurich 8. Rate 32,70. Tischleret Otto, Franseckistraße, 8. Rate«,»o. Bronzewaarensabrik von Webisch 13,—. Listen sio» und 0110, Lindemann 11,80. Tapezirerwerkftatt Wtlhelmstr. 88 2,80. Listen durch E Ernst. 5004,»«2«, 5611, 4000, 4003, 408», 402», 4092, 4091, 2778, 8014, 8024, 272», 0002(darunter Simon u. Co., Haidestraße 20,00, Eisengießerei Schöning 1«, TreibriemensabcU in Tegel»,—, Eisengießerei Schöning 16,26, aus der Seeftraße 10,0«, Fischer 8,70, A E. G. 40,10, Eisengießerei Hummel 14,10) 172,15. 4 Kranke, die nicht zur Matinee kommen konnten, Rixdorf(Schenck) 2,20. Gesammelt von der Freien Bereinigung der Treulosen 8,—. Btllardqueuefavrik Emil Hein, Weißenlee, zum Kaiser Wilhelm- Denkmal»,—. 2 Rothe von Hauschild in Stralau, 3. Rate 2,—. Zeniralverein deutscher Former, Zahlstelle Berlin, durch Hortig auf Listen 3»24, 8010, 499«, 0012, 499», 8013, 0017, 001», 0230,«240,«241,»247,«280.»251 18»,—. Tischlerei E«pig, Britzerstraße, List-«111, 8,—. Tischleret Metzer, Tre»denerftr. 2 15 75. Bon einigen Gürtlern au« der Schmidtstraße 3,00. Liste 8908. Tischleret Marlgras u. Tau d. ivlai 0,30. Gotthilf i'taucke, 3. Rate 80,88. Untere Auer-Säle bei Pintsch l«,lo. Bautischlerei Hegelmann, Haienhaide 11», 7. Rate 7,38. Möbel- fabrik Gebr. Ehrlich, Krautstr. 48, 3 Tr.. mit Kutscher,». Rate 0,—. GedurtSlag«- seier beim lchlestschen August, Teltowerstraße 1,80. Fratserei A.»ose u. Sohn, 8 Rate 4 30. Liste 5743, A. Loße«,08. Malerwerkstati von Aultch«,—. Tischlerei Seifert, WtlmerSdors, s,—. Echrägschnittmacher, Britzerftr. 2 4,60. Tischlerei Ander«,»önigsbergerstraße, 4. Rate 5,—. Liste«402, Möbelfabrik von Maust I"23. Helmwerkstait Wunderlich Aachs. 12,00. Bildhauer von Reich u. Christ (außer dem Antt-Terrorist) 3,70. List- 8898, Pianofabrik«ütschow 8,25. Listen 0400 und«490, Tischlerei F. A. Treu- 13,00. Fratserei Köhn, Retchenberaerstraße, 2. Rate 4,—. Bureauangestellten, Listen d. Schulz 4480, 4481, 4443 26,98. Liste 8847, Arbeiter der Fabrik Stobwasser 20,00. Berichtigung: Hohenstetn-Ernstthal, Betrag 10,20 ist am 2». Januar bereit« qutltirt. Weitere Beiträge nimmt das Berliner Gewerkschliftsbnrean (N. M i l l a r g, Berlin 8., Annenstr. 16, vorn part.) in der Zeit von il—I Nhr vormittags und 6—8 Uhr abends entgegen. Momtnunales. J« der hente abgehaltenen anherordentlichen Sihnng des Magistratskollcaiums lag demselben das Projekt des Geh. Bau- raths Dr. Hobrecht zur Kanalisirung des Radialsysteins XI zur Ge- nchmignng vor. Das Radialsystem XI wird begrenzt von den Ort- schaften Pankow, Neu-Weißensee und Lichtenberg. Das Projekt wurde vom Kollegium unverändert genehmigt. Die Stadt- verordneten-Versammlnng wird demnächst durch eine Vorlage des Magistrats ersucht werden, ihre Zustimmung zur Inangriffnahme dieser Anlage, durch deren Ausführung einem früheren Antrage der Stadtverordneten-Versammlung entsprochen wird, zu ertheile». Zunächst sollen diejenigen Straßen erworben werden, welche zur Anlage der Ausführnngskanäle für die Abwässer erforderlich werden. Als erste Baurale, welche vorläufig ans der Kanalisations- anleihe gedeckt werden soll, wird die Summe von 3 300 000 M. gefordert. Ter Ausschnff der Stadtverordneten-Versammlung zur Vorberathung des Antrages der Stadtv. Schwalbe und Genossen, betreffend die Einrichtung öffentlicher Uhren, hat in seiner am Dienstag Abend unter dem Vorsitz des Sladlv. Reiß und in An- Wesenheit des Stadlraths Voigt, sowie des Direktors der könig- liche» Sternwarte, Geh. Reg.-Raths Professors Dr. Förster, letzterer als Sachverständiger, einstimmig beschlossen, der Versamm- lrnig folgende Beschlußfassung zu empfehlen: Die Versammlung er- sucht den Magistrat, in Gemäßheit des Beschlusses vom 21. Mai vorigen Jahres, ihr noch vor der diesjährigen Etatsberalhiliig eine Vorlage über die Einrichtung öffentlicher— zentral- regulirter— Uhren in den äußeren Etadttheile» zugehen zn lassen._ Uokales. Personcnkultus. Die arbeiterfeindlichen Blätter können immer noch nicht die eindrucksvolle Prolestresolution gegen die Hundertjahr- seier verwinden, die vor 14 Tagen von unseren Parteigenossen in der Stadtverordneten- Sitzung eingebracht worden ist. Die Bismärckischen„Neuesten Nachrichten" bekritteln jetzt die darin ent- haltene Stelle vom Personenkultns und geben zu unserer Ver- nichlung folgende Geschichte zum besten:«Im vorigen Jahre erzählte eine Dame, Frau v. C., in einer Gesellschaft mit Ent- setzen, was ihr tags vorher in einein Schlächlerladen passirt sei. Während sie dort zum Einkauf verweilte, redete sie ein sauberes hübsches Kind an, das zu einer einfachen Arbeiterfrau gehörte. Sie wollte dem Kinde etwas für Zuckerwerk geben, frng aber zufällig vorher, ob es auch beten könne? Das Kind bejahte und sagte dann aus Aufforderung der Dame seinen Spruch aus. Dieser lautete: „Ich bin noch klein, Mein Herz ist rein, Soll niemand drin wohnen, Als L a s s a l l e aNein!" Die Dame wandte sich natürlich entsetzt ab und mit dem Zuckerwerk war's vorüber. Vielleicht äußert sich Herr Dr. Zadel doch einmal bei der weiteren Berathung der Kaiserieier voni 22. März, ob er das elwa auch für„Personenkultus" hält oder nicht? Wenn wir nicht irren, vertreibt die sozialdemokratische Partei jährlich hunderttausende Porträts von Lassalle und Lieder ihm zu Ehren unter den Arbeitern. Ist das kein Perkonenkullus?" Vermuthlich wird unser Parteigenosse, Stadtv. Dr. Zadel antworten, daß er an dieser Geschichte— vorausgesetzt, daß sie keine freie Er- findung ist— es gleichermaßen geschmacklos findet, ob ein kleines Kind mit Politik oder in der geschilderten Weise mit Religion auf- gepäppelt wird. Das möge die Dame mit der Znckerdtitenreligion sich merken. Und was im übrigen den Personenkullus betrifft, so würden die Arbeiter die bourgeoisen Herrschaften ungestört in der Verehrung Wilhelms des Großen sich versenken lassen, wenn für diese kostspielige Verehrung nicht auch ihre, der Arbeiter Steuergroschen in Anspruch genommen würden. Von den Kiuder-Volkskiicheu war es eine Zeit lang stiller geworden, nachdem ihrem Begründer und Leiter, dem„Volks- ernährer" Herrn iUbraham, von gewissen der städtischen Verwaltung nahe stehenden Kreisen zu verstehen gegeben worden war, daß er mit seinen allzu lauten Rufen nach Hilfe unliebsames Aufsehen errege. Im vorigen Winter versuchte man daher zunächst, sich nach der Decke zu strecken. Man forderte nicht mehr soviel Geld, als für die bedürftigen Kinder gebraucht wurde, sondern man zog den Kreis der Bedürftigen nur so weit, als es die infolge„maßvollerer" Agitation spärlicher fließenden Geldmittel erlaubten. In diesem Winter scheint aber das Geld selbst ans diese Art nicht mehr zu- reiche» zu wollen. Der Berein veröffentlicht soeben einen Aufruf, der wieder ganz den alten, ans seinen ersten Veröffentlichungen sattsam bekannten„Schwung" athmet und so beweglich, wie Our je zuvor, um Hilfe bittet. Um zu zeigen, wie groß die Roth ist, wird sogar ein Auszug ans den Recherchebüchern mitgetheilt, der mehrere Fälle von furchtbarstem Elend anführt.(Wir haben bereits früher nach einem in der letzten Generalversammlung erstatteten Bericht einen solchen Auszug gebracht.) Die ganze Hilflosigkeit der bürgerlichen Wohlthäterei spricht aus jeder Zeile dieses Aufrufes. Es wird Zeit, daß dir Gemeinde endlich selber in die Hand nimmt, was sie bisher der Privatthätigkeit mehr oder minder zweifelhafter „Volksfrennde" überlassen hat. Gegen die Notizen iiber niedrige Gehälter von Hand- lungsgchilfinnen, die von Zeit zu Zeit in der Presse wieder- kehren, eifern die„Mittheilungen für weibliche Angestellte", das Organ des hiesigen„Hilfsvereins für weibliche Angestellte", der es noch mit der„Harmonie" zwischen Prinzipal und Personal hält. Diese Notizen seien häufig übertrieben und trügen, von wirth- schasllichen und sozialen Ursachen abgesehen, mit dazu bei, daß das Einkommen der Handlungsgehilfinnen im Durchschnitt niedriger sei, als das ihrer männlichen Kollegen. Manche Handlnngs- Häuser kämen— man höre und staune!— erst durch solche Zeitungsnotizen darauf, so unwürdig niedrige Gehälter anzubieten. Es wird sodann ein seinerzeit gleichfalls in der Tages- presse besprochener Fall angeführt, wo eine sprachlich gebildete Ver- käuserin für 30 M. pro Monat gesucht wurde, aber Hinlerher von einem Konkurrenten für Iö0 M. engagirt wurde. Daraus gehe her- vor, daß für tüchtiges Personal auskömmliche Gehälter gezahlt würden. Jenes schamlose Augebot von 30 M. sei wahrscheinlich nur eine Ausnahme. Zum Schluß werde» die Handlnngs. aehilfinnen, welche„gute Verkäuferinnen sind und zwei Fremd- sprachen in Wort und Schrift beherrschen", auf den ge- nannten Verein hingewiesen; er werde„ihnen gute Stellungen verschaffen und sie vor schamlosen Angeboten bewahren." Hier werden die Leserinnen des Vereinsblültchens in Gedanken hinzu. sägen:„— vorausgesetzt, daß augenblicklich gute Stellungen srei sind." Wenn das nämlich nicht der Fall ist, so müssen sie, trotz ihrer Zugehörigkeit zum Verein, nchmen. was sie kriegen, eventuell auch eine Stellung für 30 M. Und daß selbst tüchtige Handlnngs- gehilfiniicn, der Noth gehorchend, aus solche Angebote eingehen, wisse» die Herren Chefs selbstverständlich nicht erst aus den Zeitungen. Für die grösite Behörde der Reichshauptstadt wird irrigerweise immer das Polizeipräsidium mit seinen 0000 Beamten aus- gegeben, wiewohl der„Wasserkopf Berlin" eine weit größere besitzt, die ihm obendrein weit näher steht, als die Herren vom Alexander- platz. Das ist die Berliner Gemeindebehörde, welche in den beiden Ralhhäusern, in den geniietheten Bureauräumen, in den Schulen, Markthallen und den verschiedenen(Gas-, Wasser-, Kranken-, Irren- u. s. w.) Anstalten weit über 10 000 Personen beschäftigt. Nicht uninteressant ist es, daß darunter auch das weibliche Geschlecht mit der stattlichen Zahl von 1436 Köpfen vertreten ist, meist Wärterinnen der Kranken-, Irren- und Bade-Anstalten» Wasch- und Kochfranen, Fleischbeschauerinnen zc. Nicht minder groß ist der Be- amtenapparat der kgl. Eisenbahndirektion Berlin, welcher unter Be- rücksichtigung der aus der Strecke Beschäftigten jetzt insgesamrnt 23 336 Personen umfaßt. Eine beträchtliche Hausse in Pferdebahn-Aktien ist zu ver- zeichnen. Grund: Man rechnet bestimmt darauf, daß die Gesell- schaft in ihrem Streite mit der Stadt glänzend siegen werde, was nach den bis jetzt vorliegenden Anzeichen auch kaum»och zu be» zweifeln ist. Die„Große Berliner" ist nun ja einmal nach der An- schaumig mancher maßgebenden Interessenten fast so eine Art heilige Majestät, vor deren Willen sich das Lnmpenvolk von Publikum auf jeden Fall beugen muß. Der Aufruf gegen die neue Polizeiverordnung über die Sonntagsruhe, die von dem Komitee an alle Berliner offenen Ge- schäfte und Gastwirthschaften versandt worden ist, hat der„Boss. Ztg." zufolge einigen Geschäftsleuten bereits einen polizeilichen Strafbefehl eingebracht. Diese hatten die beiden Plakate, mit dem Aufruf und der Aufforderung, die beschlossene Petition zn unter- schreiben, nicht innerhalb, sondern außerhalb ihrer Schaufenster an- gebracht und damit gegen eine Polizeiverordnnng verstoßen, wonach Grundstücksbesitzer und Miether an ihren Grundstücken oder Mieths- räumen nur solche Anzeigen aushängen oder anschlagen dürfen, die lediglich ihr eigenes Interesse betreffen. In der Angelegenheit deS Herr« Guischard, deS Vor- sitzenden vom Ortsverein der Gemeindebeamten, von dem wir gestern bekanntlich eine Zuschrift veröffentlichten, hat sich das„Berliner Tageblatt" beim Oberbürgermeister Herrn Zelle erkundigt. Dieser hat dem Vertreter des genannten Blattes die Akten über die be- treffende Angelegenheit vorgelegt, aus denen sich ergiebt, daß Herrn Guischard am 22. Dezember seine Diäten ans vier Wochen— wie dies üblich sei— angewiesen worden sind, so daß er während der Dauer seiner Krankheit in vollem Genuß seiner Bezüge war. Nach Beendigniig dieser vier Wochen wandte sich Herr Guischard mit einem erneuten Unterstützungsgesuche an den Magistrat und erhielt von neuem eine Summe von 160 M. ausgezahlt.— Um beide Theile zu Worte kommen zu lassen, nehmen wir auch von dieser Mittheilung Notiz. Sie danken. Sänimtliche Berliner Wäschefabrikanten der Kollektivausstellung haben, wie der„Konfektionär" mitthellt, die „Ehrenvolle Anerkennung", die ihnen als Aussteller der Berliner Gewerbe-Ausstellung zugesandt wurde, zurückgewiesen mit dem Be- merken, dah zur Zeit der Einladung zur Ausstellung ihnen aus- drücklich mitgetheilt wurde, daß die KoUektivansstcller bei der Ver- theiliing von Staatsmedaillen nicht ausgeschlossen sei» sollten. Ob es überhaupt noch Leute in Berlin giebt, die mit der 1396 er Ans- stellung zufrieden sind? In peinlicher Ungewißheit befinden sich zur Zeit etwa 80 bis 100 in Berlin ansässige Ausländer, fast durchweg russische Unter- thanen. Ihre AufeiUhaltserlaubniß ist mit 31. Dezember 1896 ab- gelaufen und auf ihre rechtzeitig eingereichten Erneueriiiigsgesuche ist bis jetzt keinerlei Antwort erfolgt. Von der Polizei sind sie während des abgelanfene» Monats nicht behelligt worden, sie müssen aber dessenungeachtet täglich ihrer Ausweisung gewärtig sein. Im Zeichen des Verkehrs. Das königliche Polizeipräsidium theilt mit: Aus Anlaß der am 4. d. M. im Lustgarte» stctttfindenden militärischen Feier wird der Lustgarten nach Bedarf für den gesammten Verkehr gesperrt werde». Vor einiger Zeit tauchte die wundersame Mähr auf, daß unter Herrn v. Windheim weniger gesperrt werden sollte als unter dem verstorbenen v. Richthofcn. Wir sagten damals, daß die Person des Polizeipräsidenten von Herzen unschuldig an derartigen verkehrsstörenden Mvißnahmen sei. Der Betrieb aus der mit unterirdischer Stromzuführung ver- sehenen Strecke der elektrischen Straßenbahn Dönhoffplatz— Ritter- straße ruht jetzt schon seit zehn Tagen. Alle Versuche, den Betrieb wieder aufzunehmen, sind gescheitert. An einigen Tagen verkehren hin und wieder Akknmulatorwagen auf der Strecke, aber auch diese fahren jetzt nur noch bis zur Ecke der Ritter- und Lindenstraße. Zorbau, der älteste konfekt." mittheilt, Ein»euer Kommerzienrath. Herr Hugo Chef der Firma Heinrich Jordan, ist, wie der„ zum Kommerzienrath ernannt worden. Tie Sauitätswache der Gewerbe- Ausstellung ist mit dem 1. d. Mls. aufgehoben worden, weil die Kosten der Verwaltung gegen die Zahl der zur Behandlung kommenden Unglücksfälle zu bedeutend sind. Ans dem Ansstellnngsgelände haben Diebe nor dem Gebäude eines im Vergnügungspark stehenden Restaurants, welches nacht? von einem Privativächter bewacht wurde, am Tage jedoch ohne Aufsicht war, nach und nach sänimtliche an dem Bau befindliche Eisentheile, Bleiröhren, Messingstangen w. aus dem Erdboden rcsp. aus dem Bau herausgerissen. Nachdem so alles, was nur z» erreichen, gestohlen war, haben die Diebe nunmehr auch die drei großen Kochherde der Küche auseinander genommen und die ge- sammten Eisenplatten derselben entführt, wiewohl am Tage ein Himd aus dem Grundstück gehalten wurde. Die Berichtigung deS Verlegers Paul Kittel, die Unter- suchung gegen den Buchhändler Finking betreffend, wird in einer Zuschrift an uns durch den Schriftsteller Heinrich Hacke wie folgt korrigirt: Es ist unwahr, daß ich im Herbst 1395 von Paul Kittel plötzlich entlasse» worden bin. Kittel blieb mir 2000 M. Gehalt schuldig und ließ mir ans meine Mahnbriefe endlich am 22. Oktober 1395 durch den Rechtsanwalt Flatow wörtlich schreiben: „Nachdem Sie z. Z. selbst Verleger geworden sind, auch schon während dieses Sommers im Interesse Ihres Verlages thätig waren, hat Herr Kittel als selbstverständlich angesehen, daß Sie die vertraglichen Be- ziehungen, welche früher bestanden, als gelöst betrachten."— Eine zweite bewußte Unwahrheit ist die Kittel'sche Behauptung, ich hätte alsdann in dem Finking'schen Verlage ein Engagement angenommen. Ich bin nie von Finking engagirt worden und habe mit diesem Ver- läge nichts zu schaffen. Des wetteren stellt Herr Heinrich Hacke als unwahr hin, daß er gegen Kittel eine Denunziation eingereicht habe, und knüpft hieran die Bemerkung, daß nunmehr jedermann die von Herrn Kittel ans- gestellten Behauptungen auf ihre Wahrheit hin prüfen könne. Das Programm des Apollo-Thcatcrs glänzt i» diesem Monat durch eine geradezu erdrückende Fülle und Vielseitigkeit. Was überhaupt auf deni Gebiete der Spezialitäten-Theater bis jetzt dagewesen, ist hier vereint und zwar durch eine meist musterhaft zu neunende Auswahl. Als Neger-Excentric entlockt Mr. Jones einer zur Geige umgearbeiteten Zigarrenkiste melodische Töne, im akro- batischen Fache glänzen Miß Etharda, die überdies noch nach an- strengenden Krastleistunge» aus der Violine prächtig zn spielen ver- steht, ferner die Rellinos, die zwei Nandreaux, Mr. Roberts, Herr Spadoni, sowie die drei Damen Rellino durch vielseitige Künste; vorzügliche Jodler sind Georg und Gusti Edler. Als„lebendes Bild" zeichnet sich ,la belle Devemois" in der plastischen Dar- stellung künstlerischer Meisterwerke ans, und im komischen Fache wirken die Franzosen Durand-Balazzi namentlich durch die realistische Darstellung eines Pariser Bänkelsängerpärchens. Ferner ist noch zn nennen die spanische Tänzerin Carmencita, die„fünj Lorrison", die entschieden anmuthiger sind als ihre ähnlich benamsten Vorbilder. und endlich der Kinelograph, dessen neue Serie lebender Photo- graphie» gleichfalls den Zuschauer fesselt. Gin Dachstuhlbrand brach am Dienstag Nachmittag in dem Hause Jonasstr. 5 am Arminiusplatz ans. Ein großer Theil von Telephoudrähten, welche auf dem Hause augebracht waren, wurde beschädigt. , 3®15c,t Verletzungen erlegen sind drei Personen, die in den letzten Togen verunglückten. Im Kranke. chause Ain Friedrichshain pnrb der Dachdeckermeister Franz Hähne, der beim Schneesegen vom Dache des Andreas- Realgymnasiums in der Langestraße fiel. und sich schwere Wunden am Kopse und Arm- und Beinbrüche zuzog. In der Charitee verschieden die Stickerin Amanda Marquardt, die sich in der Kommaudantenstr. 13 mit Kohlenoxydgas vergiftete und die Frau des Kunststopfers Fast aus der Kurstraße, die mls dem Fenster ihrer im ersten Slock gelegenen Wohnung aus den Hof hinabfiel. Ei» Edelster«nd Bester. Ein Steckbrief ist von der hiesigen Pouz« hinter dem Grafen Ernst August von der Decke», dem Sprossen eines alten hannoverschen Geschlechtes und früheren Lieutenant in der sächsischen Armee, erlassen worden. Der des Betruges Angeklagte ist der älteste Sohn des Grafen von der Decken- Rnigelheii» und Erbe des Titels und der Ringelheim'schen Güter. Der Fall hat in Hannover großes Aufsehen erregt. Eine große Verkehrsstockung entstand gestern, Mittwoch Mittag um 12 Uhr, durch den Zusammenstoß eines Müllwagens mit einem Pferdebahnwagen am Kottbuser Damm. Dort standen auf beiden Seite» des Fahrdammes von der Brücke bis zur Böckh- straße Arbeitswagen, die mit Schnee beladen wurden. Anderes Fuhrwerk hatte infolge dessen sehr wenig Platz und mußte sich auf den Geleisen der Pferdebahn bewegen. Hinter dem Pferdebahn- wagen 402 der Linie Pappelallee-Rixdorf her fuhr gegen 12 Uhr ei» Müllwagen von Dittner aus Rixdorf und stieß mit ihm heftig zusammen, als der Pferdebahnwage» wegen eines Fuhrwerks, das seinen Weg kreuzte, plötzlich halten mußte. Die Deichsel drang durch das Schutzblech und hakte sich so fest, daß es einer Arbeit von einer Viertelstunde bedurfte, um die Wagen auseinander zu bringen. Solange war der Verkehr vollständig gesperrt. Am Fahrstuhl schwer verungliickt ist der 16 Jahre alte Schlosserlehrling Fritz Sieske aus der Grenzstraße 2. Der junge Mann' war am Dienstag Nachmittag um 2>/« Uhr mit einem Monteur zusammen in der Maschinenfabrik von Froitzheim und Rudert in der Neuen Königstraße 11 beim Schmieren des Fahr- stuhls thätig. Als man mit diesem aufwärts fuhr, steckte er den Kopf hinaus und gerieth damit zwischen den Fahrstuhl und die Führung. Obwohl man den Aufzug rasch zum Halten brachte, war Sieske doch bereits schwer verletzt, als man ihn aus seiner Lage befreite; er hatte einen Bruch des Ober- und Unterkiefers und Quetschungen der Weichtheile am Hinterkopfe erlitten. Man brachte den Skru» glückte» mit einem Krankenwagen in eine Anstalt. A»iS einem Fcnsterschrank heraus verhaftet worden ist der Musik- und Sprachlehrer Karl Krause aus der Krautstr. 43 d. Krause ist vor mehreren Jahren schon wegen Kurpfuscherei mit einigen Monaten Gesäugniß bestraft worden, man konnte ihn aber niemals fassen, um ihn zur Verbüßung in eine Anstalt zu bringen. Jedesmal, ivenn man seiner habhaft zu werden dachte, fand man das Nest schließlich doch wieder leer, immer war der Vogel wieder aus- gepflogen. Auch Nachforschungen in seiner Wohnung blieben ohne Erfolg, bis endlich ihn ein Kriminalbeamter dort im Fenfterschrank entdeckte. Krause ist bereits nach Plötzensee gebracht. Von der Staatsanwaltschaft beschlagnahmt worden ist die Leiche des 53 Jahre alten Arbeiters Karl Tantow aus der Georgen- kirchstr. 37 a, der am Dienstag früh von seiner Frau im Bette todt aufgefimden wurde. Mit Blausäure tödtete sich Dienstag Nachmittag gegen 1 Uhr in der Hobe'sche» Apotheke in der Dresdenerstr. 31, wo er beschäftigt war, der 18 jährige Apothekerlehrling Alfred Lipschütz. der Sohn des Kaufmanns Lipschütz aus der Herberistr. 2 in Schöneberg. Im St«»erhause ist vorgestern, Dienstag, Bormittag gegen 11 Uhr der 48 Jahre alte Maschinenmeister Adolf Häbringer aus der Brunneristraße 141 plötzlich gestorben. Der Mann brach aus dem Flur des dritten Stockwerks im fiskalischen Gebäude Hinter dem Gießhairs Nr. 1 plötzlich zusammen und verschied, bevor man ihm ärztliche Hilfe angedeihen lassen konnte. AnS den Nachbarorte». Zu Charlottenburg soll demnächst eine ortspolizeiliche Verord- nung in krajt treten, welche das Anbringen der„stillen Portiers" in den Häusern obligatorisch macht. Auf diesen soll dann Polizei- und Stadtbezirk, Ort des nächsten Feuermelders, der Post ec.:c. neben dem Verzeichniß der Miether des Haufes angebracht werden. Erwogen wird gleichfalls, ob nicht mit dem Nanien des betreffenden Hausbesitzers noch andere Notizen verbunden werden sollen, z. B. ob das Grundstück antichretisch verpfändet ist, unter Zwangs- Verwaltung oder anderer Administration steht ec. Durch solche Publikationen könnte mancher Wohnungsuchende vor Nachtheilen geschützt werden. Der Biirgervereiu tu Tchöneberg hat in seiner letzten Sitzung mit großer Majorität den folgenden Beschluß gefaßt:„Der Bürger- verein in Schöneberg hält nach wie vor an der Erstrebung des Stadtrechtes als unumgänglich nothwendig für das weitere Gedeihe» der Gemeinde fest und beaustragt seinen Vorstand, bei jeder sich bietenden Gelegenheit in diesem Sinne zu wirken." Mit leider nur zn gutem Erfolge treiben gegenwärtig die Vogelfänger ihr Gewerbe. Weitab von betretenen Strahen legen sie ihre Schlingen, Leimruthen und Schlagnetze auf den Schnee, wo sich um das Lockfutter bald die hungernden Vögel ansammeln. Manchmal verrätb die einsame Fußspur im Schnee dem Spaziergänger oder Beamten die Richtung, wo die Fanggeräthe stehen, und gewöhnlich lassen die ängstlich zappelnden oder flatternden Thiere dann die Stelle erkennen. Zu fasten sind diese Patrone schwer und noch schwerer zu überführe». Die Beamten beschränken sich denn auch meist darauf, die Fangeinrichtungen so zu zerstöre», daß sie nicht mehr gebraucht iverden können. Ein Gemeindediener aus ehlendorf fand bei einem Gange nach Schmargendorf auf freiem elde an fünf verschiedenen Plätzen solche Fanggeräthe aufgestellt. Die Einführung der Glühlicht-Belenchtung in den Straßen hat auch wieder den— Spitzbuben ein neues„Arbeitsfeld" eröffnet. Es sind die Straßenlaternen in den mittels Glühlicht beleuchteten Vororten, besonders im Westen von Berlin. Seit der Einführung dieser Beleuchtungsart find in Echönebera, Friedenau k. bereits eine ganze Anzahl Glühkörper von den Straßenlaternen verschwunden, ohne daß die Spitzbuben bei dem Diebstahl bemerkt worden find. Ueber de« Delegirtentag der Äzvipklichen Vereine Deutschlands, dessen Beschlüffe in gestriger Nummer des„Vorwärts" nach den Angaben des Wolff'schen BureauS regtstrirt worden sind, wird uns aus Bochum geschrieben: Der Delegirtentag, der am Montag zusammentrat, war besucht von etwa 100 Delegirten, Ehrenmitgliedern(Kaufleuten und Geist- lichen) und Vertreteru der Bergbehörde. Von auswärt? waren Delegirte auS dem Sulzthal(1), aus dem Sieger» und Sauerland(7), aus Oberschlesten(2) und auS Niederschlesien(3) erschienen, alleS Angehörig» christlicher Vereine, nur die Nieder- fchlesier sind.Reichstreue". Die Verhandlungen wurden eingeleitet durch ei» Referat über den B e r g m a n n s s ch u tz, worin die bekannte» bergmännischen Klagen über die Unfälle, niedriges Gedinge, schlechte Revision-e. zu tage traten. Berghauptmann Täglrchsbeknahmdie Bergbehörde in Schutz. Pfarrer Weber sekundirte ihm. Die oberschlesischen Delegirten klagten über die Privatgruben, ohne allerdings dabei zu sagen, daß die Besitzer derselben die Zentrumsleuchten Ballest rem k. sind. Beschlossen wurde eine Resolution, worin bessere Wetterführung, Anstellung und Ablegung der Zechenbeamten unter Mitwirkung der Bergbehörde gefordert wird. Ueber Frauenarbeit auf den Gruben referirte Schmidt- N.- Hermsdorf(N.- Schlesien), der den Unternehmern ein Loblied sang und behauptete, die uiederschlesischen Bergleute seien Freunde der Frauenarbeit. Er fand aber keine Gegenliebe; eine Resolution gegen die Frauenarbeit wurde angenommen. Bei dem Referat über die Sonntagsruhe auf de» Gruben wurde festgestellt, daß die Unternehmer den Sonntag nicht heiligen. Täglichsbek sprang den Unternehmern bei, aber mit wenig Er- folg. Man votirte für strenge Durchführung der Sonntagsruhe. Für Einrichtung von Arbeiterausschüssen sprachen eine Menge Redner. Ein oberschlestscher klagte wieder über die Ballcstrem und Matuschka, natürlich ohne in Gegenwart ihres Freundes Hitze den Namen der frommen Grubenbesitzer zu nennen. Vikar Braus- Borbek will durch die ArbeiterauLschüsse die Harmonie zwischen Unternehmer und Arbeiter fördern. Schmidt- N.-Schlesien behauptet, bei ihm zu Hanse hätten die Arbeiter in den Ausschüssen das Recht, frei ihre Meinung zu sagen. Niemand würde gedrückt. Eine Resolution zu gunsten der Arbeiterausschüsse fand einstimmige Annahme. Dann trat Schluß der ersten Sitzung ein. In der zweiten Sitzung referirte Brust über die Lohnfrage. Es müsse aufhören, daß der Lohn nach Angebot und Nachfrage geregelt werde. Der Ertrag der Arbeit gebühre nicht blos de» Unternehmern, sondern zum theil auch den Arbeitern. Eine Bergarbeiterfamilie mittlerer Art im Ober-Bergamtsbezirk Dortmund bedürfe bei ganz m ä ß i g e n A n s p r ü ch e n 1 1 36 M a r k pro Jahr. Der durchschnittliche Lohn betrage aber 848 Mark, der Höchstlohn 1114 M. pro Jahr. Also selbst der Höchst- lohn reichte nicht zur Unterhaltung der Familie aus. geschweige, daß es den Arbeiter» möglich sei, sich ein kleines Eigenthum zu erwerben. ES sei richtig, seit 1895 seien die Löhne im Ober-Bergamtsbezirk Dortmund um einige Pfennige gestiegen. Allein die Löhne entsprachen auch nicht im Entferntesten den nothwendigen Lebensbedürfnissen. Die Dividenden der Bergwerks- Aktien seien dagegen ganz unendlich gestiegen. Gemischte Aus- schüsse von Arbeitgebern und Arbeitern müßten»ach Gerechtigkeit und Billigkeit die Lohnfrage regeln. Brust beantragt hieraus die bereits gestern im„Vorwärts" wörtlich veröffentlichte Resolution. Bergarbeiter Enzian- Bödefeld(S a u e r l a n d) theilte mit, daß in seiner Heimath die jungen Leute, die vom 13. Lebensjahre an ins Bergwerk gehen, kaum älter als 35 Jahre werden. Diese jungen Leute verdienen vielfach 50 Pf. biß 1 M. pro Schicht, d. h. pro Tag.(Rufe: Pfin!) Diese traurigen Verhältniffe haben es bewirkt, daß«in Land- rath vor einiger Zeit feststellte: die Bergarbeiter des Sauerlandes können schon seit langer Zeit nicht mehr zum Militärdienst herangezogen werden. Bergarbeiter R ö d e r> Niederscheiden(Siegerland) theilte mit, daß die Löhne in seiner Heimath ebenfalls sehr traurige sind. Bergarbeiter K r o l i k- Tarnowitz: In O b e r s ch l e s i e» seien die Löhne der Bergarbeiter wohl die s ch l e ch t e st e n in ganz Deutschland. Die Arbeiter in den oberschlesischen Blei- bergwerken verdienen durchschnittlich 1,80 M. pro Tag. Wenn die Arbeiter höhere Löhn« verlangen, dann werde ihnen gesagt: sie möchten,>v e n n e s i h n e» nicht passe, nur die Arbeit niederlegen, es ständen genügend Arbeiter zur Verfügung. In Oberschlesien überwiege das Angebot stets die Nachfrage. Deshalb seien die Frauen geuöthigt, in den Bergwerken mitznarbeiten, wenn die Familien sich einigermaßen satt essen >v o l l t e n. E ck(Jmmenkeppel(S ü l z» h a l): In seiner Heimath komme es vor, daß Arbeiter nach Abzug des Pulvergeldes und der Gefälle 15—20 M. monatlich verdienen.(Rufe: Pfui!) Bergarbeiter G r i e b n e r(Niederdelphen, S i e g e r l a n d). In seiner Heimath reichen ebenfalls die Löhne der Bergarbeiter zum nothdürftigsten Leben kaum aus. AlteBergarbeiter finden auf keiner Zeche Arbeit.(Rufe: Pfui l) Es gebe in seiner Heimalh alte, aber noch sehr rüstige, thatkrästige Leute, die alle drei Feldzüge mitgemacht haben, diese erhalten aber grundsätzlich auf keiner Zeche Arbeit. Sache der Bergbehörde wäre es, in dieser Beziehung Wandel zu schaffen. Bergarbeiter Schneider(Hostermarck): Das Eisen sei um das Doppelte und Dreifache im Preise gestiegen, die Löhne der Eisen- arbeiter seien aber bisher dieselben geblieben. B r n st"(Altenesscn): Die„Rhein.-Westfäl. Ztg." habe nach- gerechnet, daß die Löhne im Oberbergamlsbezirk Dortmund seit 1395 sehr gestiegen seien. ES seien nur dabei die vielen Ueberschichten verschwiegen worden. Er(Brust) habe dies dem Oderbergamt an- gezeigt und dies habe ihn aufgefordert, zahlenmäßig den Nachweis zu erbringen, bei welchen Zechen die Ueberschichten nicht angegeben seien. Er sei dieser Aufforderung sofort nachgekommen. Er habe allerdings noch keine Antwort vom Oberbergamt, er glaube aber demselben den Beweis der Wahrheit geführt zu haben. � Die Resolution Brust's wurde hierauf einstimmig an- genommen. Pfarrer Weber beantragte die Ernennung einer Kommission „zur Prüfung der Frage, ob angesichts der Vereinsgesctz- febung der verschiedenen deutschen Staate» ein engerer Zu- ammenschluß sämmtlicher christlicher deutscher Bergarbeiter auf der Grundlage unserer Prinzipien herbeizuführen ist". Diese Resolution wurde angenommen, ebenso folgende, die von K r o l i k(Tarnowitz) gestellt war:„Die königliche Staatsregierung dringend zu bitten, im Hinblick auf eine gedeihliche Entwickeluug und einen Zusammenschluß der auf christlicher Grundlage sich auf- bauenden berechtigten Bergarbeiter-Organisationen, den ß 8 des preußischen Vereinsgesetzcs baldigst abzuändern." In Beziehung auf die Verkürzung der Arbeitszeit beschloß man einstimmig auf Antrag des Bergarbeiters Müller- Huttrop:„Der Delegirtentag christlicher Bergarbeiter-Vereine Deutsch- landS erklärt sich 1. für die gesetzliche Festlegung einer Maximal- schicht-Dauer und hält die achtstündigen Schichten, einschließlich Ein- und Ausfahrt, für das erstrebenswerthe Ziel. 2. Für be- sonders schwierige, gesundheitsschädliche und gefährliche Arbeit, zum Beispiel Schachthauerarbeit, Arbeit in hoher T.mperatur, muß die Arbeitszeit noch mehr eingeschränkt werden aus 7 resp. 6 Stunden und zwar ist diese Einschränkung der Arbeitszeit nach unserer Ansicht auch für den Augenblick durchführbar."(Ledhafter Beifall.) Die Debatte über das KnappschaftSkassenwesen endete mit der einstimmigen Annahme folgenden Beschlusses: „Der Delegirtentag christlicher Bergarbeilervereine Deutsch- landS erklärt sich für die Abänderung der Knappfchaftsstatuten dahingehend, daß 1. die Aerztewnhl eine freiere wird; 2. die Erhöhung des Krankengeldes auf zwei Drittel des Lohnes vom Beginn der fünften Woche der Krankheit ab gerechnet, erfolge, 3. die Jnvalidenpension den Bedürfnissen der Arbeiter und deren Leistungen zur Kaste entsprechend normirt werde, und daß dort, wo die Reichs-Jnvalidenrente auf die Knappschaftspension verrechnet wird, die letztere sich entsprechend erhöht. 4. Wir verlangen die Einrichtung von Schiedsgerichten zwecks Abstellung der Klagen der Mitglieder über Jnvalidisirung u. f. w. und 5. eine mehr der Gerechtigkeit entsprechende Selbst- ständigkeit der Arbeiter bei der Verwaltung." Damit war die Tagesordnung des Kongresses erschöpft. Auf 15 Minuten erhielt dann noch das Wort Pfarrer Naumann auS Frankfurt. Er forderte unter großem Beifall zur Bereinigung der beiden Verbände auf! Kein Geistlicher trat gegen Naumann auf. Nur Brust, der keine Einigkeit will, wagte einige lendenlahme Entgegnungen. Hierauf wurde der Delegirtentag geschlossen._ Dev„Sozwlipk" und die Volizri. Wegen Aufreizung zum Klassenhaß und Beleidigung des Kriminalkommissars Bösel standen gestern der ehemalige ver- antwortliche Redakteur der Anarchistenblätter„Sozialist und„Armer Conrad" Tischlergeselle Gustav Friedrich und Schriftsteller Gustav Landauer vor der I. Strafkammer hiesigen Landgerichts l. Den Vorsitz führt Landgerichts-Direklor Rieck, die Anklage ver- tritt Staatsanwalt K a n tz o w, die Verthcidigung führen die Rechts- anwälte Steinschneider und Dr. H e r z f e l d t. Als literarische Sachverständige sind die Chefredakteure Vollrath und G roddeck geladen, als kaufmännischer Sachverständiger Bücherrevisor H e n n i g e r. Die Angeklagten werden beschuldigt, durch drei selb- ständige Handlungen mittels der in Nr. 40 des„Sozialist" und 6 und 10 des„Armen Conrad" durch den Artikel„Wie der Kriminal- kommissarins Bösel bei der Spitzelzucht ertappt wurde", Herrn Bösel ferner durch den Artikel„Die Autorität und die Begnadigung eines Todtschläaers" die Exekutivbeamten der Polizei beleidigt und durch den Artikel„Woran fehlt es?" verschiedene Bevölkerungsklassen znm Kampf gegen einander angereizt zu haben. Was die perjöulichen Verhältnisse der Angeklagten betrifft, so stellt der Vorsitzende fest, daß Landauer zweimal nndzwar mit 2 und 9MonatcnGefä»guiß vorbestraft ist. Friedrich giebt an, daß er die Kommunalschule besucht und sich dann selbst weitergebildet habe. Namentlich habe er acht Bände von Schlosser's Weltgeschichte gelesen und stenographiren gelernt. Er bekennt sich zum„Anarchismus" und setzt auf Befragen des Vorsitzenden auseinander, wie er sich die Verwirk- lichung der anarchistischen Gesellschaft denkt, die dahin gingen, die Ungleichheiten und Ungerechtigkeiten dieser Welt zn beseitigen, die Menschen selbst durch Bildung zu größerer Freiheit und höherem Idealismus zu erheben und die per- sönliche Freiheit des einzelnen nicht durch eine Autorität beengen zu lassen. Sln Erreichung dieser Ziele durch Gewalt habe er nicht gedacht. Er behauptet, daß er. damit das Blatt„Der Sozialist" nicht eingehen müsse, in die Bresche gesprungen sei und das Blatt als Eigenthnnier und Verleger übernommen habe. Ueber weitere Einzelheiten bezüglich der inneren Verhältnisse des„Sozialist" ver- weigert er eine Älnssage. Die Redaktionsgeschäfte habe er selbst besorgt, obwohl er als'Tischlergeselle noch bei Oberhollhaus in der Wilhelmstraße beschäftigt war. Er sei viermal in der Woche nachmittags in der Redaktion erschienen und habe das ein- gegangene Material durchgesehen und gesichlet. Dabei habe ihm sein Redakteur Landauer geHolsen, der namentlich die philosophische» Artikel durcharbeitete; die auf die Bewegung selbst und die ökonomischen Verhältnisse bezüglichen Artikel habe er selbst durchgesehen und umgearbeitet. Die Kassensührung sei dem Expedienten Spohr überlassen worden. Landauer habe weder über den Inhalt der Zeitung, noch über die Buchführung k. ein selbständiges Berfügungsrecht gehabt. Gewinn auS dem Verlage habe er nicht gehabt. Die in den Büchern figurirenden Posten für Re- dakteure seien zurückgelegt worden, um bei eventuellen Preßprozessen Verlheidiger damit zu bezahlen. Ueber die Mitarbeiter und die'Art, wie Laudauer bezahlt wurde, verweigere er die Aussage. Im No- vember habe er die Redaktion niedergelegt, weil er seine alte Arbeitsstelle verlor und ihm in der neuen Stelle keine Zeit zur Erfüllung seiner Redaklionspflichten blieb. An seine Stelle sei die jetzige Redakteurin Frl. Bareis getreten. Er selbst gehöre jetzt dem Vorstände einer Konsumgenossenschaft in der Kottbuser- straße an.— Der zweite Angeklagte hat in Heidelberg, Straß- bürg und Berlin Philologie studirt. Er ist gleichfalls, wie der Gerichts- Berichterstalter zu melden weiß, Anarchist und steht auf einer Art vermittelndem Standpunkt zwischen Kollektivismus und Kommunismus, er will das Privateigenthum so wenig wie möglich aufrechterhalten. An Gewalt denke er auch nicht, sondern an fort- gesetzler Ausklärung, an Zerstörung veralteter Ideen und Neu- schaffnng von Organisationen, wie die von dem Mitangeklagten er- wähnte Konsumgenossenschaft. Er bestreitet entschieden, seinerseits für den Inhalt des„Sozialist" strafrechtlich verantwortlich zu sein. Was den„Armen Conrad" betrifft, so erklärt der Angeklagte Landauer, daß er bei diesem nur verschwindend wenig mitgearbeitet habe. Von den unter Aullage gestellten Artikeln behandelt der in Nr. 40 des„Sozialist" erschienene die Schicksale des Anarchisten Theodor M a ch n e r in Steltin, Kopenhagen und Berlin. Es wird erzählt, daß dieser überall, wohin er ging, von deutschen Polizisten verfolgt worden sei. Als Machner aus Kopenhagen wieder nach Stettin spedirt worden sei, habe Kriminalkommissar Bösel ein Gespräch mit ihm gehabt und ihn» angeboten, ihm aus London Korrespondenzen über die Mitglieder der „Propaganda der That" zu liesern. Es seien dabei allerlei Drohungen gefalle» und um möglichst bald ans der Haft herauszukommen, sei Machner scheinbar auf diesen Borschlag eingegangen, habe einen Bericht für Bösel geschrieben, dafür 10 Mark erhalten, freie Reise nach Berlin zugesichert bekommen und sei dann sehr bald freigelassen worden und nach Berlin gedampft. Hier sei er in der Landsberger Allee mit Bösel zusammengetroffen und habe mit ihm eine längere Unterredung gehabt, in welcher Herr Bösel immer betonte, daß es vor allem darauf ankomme, den „Sozialist" todt und Landauer mir Spohr unschädlich zn machen. Auch ein ganzer Feldzugsplan sei verabredet worden. Danach sollte Landauer ganz unbehelligt, er aber demonstrativ von Geheimpolizisten beobachtet, in Berlin herumgehen, so thnn, als ob er Arbeit suchte, thalsächlich aber Parteigenossen aufsuche», aus ihnen allerlei Neuigkeiten herausholen und Herrn Bösel Bericht erstatten. Machner sollte dann am nächsten Tage mit Bösel in der Fischkosthalle der Gewerbe- Ausstellung zu- sammen treffen und dort Geld zur Reis« nach London erhallen. Machner habe aber seine Parteigenossen von allem unterrichtet und man habe gemeinschaftlich einen Plan gefaßt, um den Kriminalkommissarius Bösel hineinzulege». Man habe gemein- schaftlich einen ganz unglaublichen„Bericht" an Bösel zu- sammengestellt. den Machner an Bösel abzusende» hatte und de» letzterer trotz alledem für echt gehalten habe. Verabredeter- maßen habe sich dann Machner zur festgesetzten Stunde i» der Fischkosthalle eingefunden und sei dort von Bösel sehr er- freut begrüßt worden. Letzterer sei aber sehr erstaunt ge- wefen, als ihm drei in der unmittelbaren Nähe siehende Männer als„Herr Landauer, Herr Spohr und HerrWeidner" vorgestellt wurden. Letztere hätten sich durch Maskerade unkenntlich gemacht und so sei es ihnen gelungen, Herrn Bösel beim Spitzelsang zu erwischen. Die Theilnehmer dieses Scherzes hätten sich in ihrer Maskerade pholo- graphiren lassen und ein Bild Herrn Bösel zum ewigen Gedächlniß verehrt: letzterer habe, als er sich entlarvt sah, sich schleunigst seitwärts in die Büsche geschlagen.— Beide Angellagte bestreiten, den Artikel verfaßt zu haben, verweigern aber dieNennung des Verfassers. Landauer giebt zu, die betreffende Photographie dem Kriminalkommissar Bösel zugeschickt und folgende Widmung drausgeschrieben zn haben:„Herrn KriminaltommiffarinS Bösel zur freundliche» Erinnerung an den schönen Abend in der Gewerbe-AuSstellung, 1. Oktober 1896, Gustav Landauer, Wilhelm Spohr, Weidner." Der Artikel„Autorität" in Nr. 6 deS„Armen Conrad" behandelt die Mißhandlung eines Gefangenen durch den Schutz- mann Lorenz in Stettin und dessen Begnadigung. In dieser Besprechung wird eine Beleidigung der Beamten der Exekutiv- Polizei gefunden.— Der Artikel in Nr. 10 des„Armen Conrad", der die Aufreizung zum Klaffenhaß enthalte» soll, bespricht n. a. den Fall v. B r ü f e w i tz und einen Vorfall in Karlsruhe, bei welchem ein Zahlmeister bei einem Konflikt mit Zivilisten den Säbel anwenden wollte und von Arbeitern durchgeprügelt worden fei.— Landauer behauptet, daß er mit diesen Artikeln nichts zu thuu habe.— Strafanträge sind vom Polizei-Präsidente» und von dem Minister des Innern gestellt worden.— Der als Zeuge vernommene Kriminalkommissarius Bösel ist der Ansicht, daß mehrere vom Angeklagten an den Tischler Weiß gerichtete Briefe, in denen die Reu» gründung des„Sozialist" behandelt wurde, darauf hindeuten, daß Landauer der eigentliche geistige Leiter und die Seele des Blattes sei. Der Angeklagte bestreitet dieS. Zeuge Bösel Bmift sich auch darauf, daß in der Behausung des Angeklagten Landauer Briefe vorgefunden seien, die an die Redaktion des �Sozwlist" gerichtet waren. Daraus gehe auch hervor, daß Laudauer der eigentliche Redakteur war. Landauer behauptet, daß diese Zu- seudungen deshalb von ihm mit nach Hause genommen worden seien, weil er sie für unbrauchbar hielt. Andere Skripturen, die auf seine maß- gebende Leitung des„Sozialist" hindeuten sollen, suchte Landauer so zu erklären, daß ihm diese Briefe durch Spohr überwiesen worden seien, weil sie ihn persönlich betreffende Stellen enthielten.— Rechts- anivalt Steinschneider wünscht vom Zeugen Bösel Auskiiiist darüber, ob der sachliche Inhalt des Artikels in Nr. 40 des„Sozialist" den Thatsachen eutjpreche.- Zeuge Bösel, nach den Einzel- beiten des Artikels befragt, giebt zu, mit Machner über etwaige Dieiistleistiingen für die Polizei verhandelt zu haben, bestreitet aber, ihm anderenfalls mit längerer Haft gedroht zu haben. Er giebt zu, daß Machner über die ihm gegebenen 10 Mark »lnler falschem Namen(Kirchheim) quittirt und ihm gerathe» habe, sich in London unter die Mitglieder der Propaganda d e r T h a t zu mischen, er habe ihm auch freie Fahrt nach London und ei» gewisses festes Gehalt versprochen. Er habe mit Machner sich stundenlang über anarchistische Verhältnisse unterhalten, und es sei auch richtig, daß er dem Machner einen Brief geschrieben, der mit der Anrede:„Lieber Freund!" beginnt. Mit Ent- schicdenheit müsse er bestreiten, dem Machner geratheu zu haben, über seine Erlebnisse de», Landauer einen Artikel zu schreiben und darin die Stettiner Polizei scharf anzugreifen. Auch Befragen des Rechtsanwalts Herzfeld giebt Zeuge Bösel zu. den im„Sozialist" abgedruckten„Bericht" des Machner er- halten zu haben, bestreitet aber. Machner gesagt zu haben: es komme vor allem darauf an, de»„Sozialist" tobt zu machen. Landauer hebt hervor, daß Herr Bösel erklärt habe, er habe Machner davor gewarnt, in die Londoner„Arbeiter-Zeitung" cinzulrete», weil dies ei» Organ der„Propaganda der That" sei. Er glaube aber, daß dies nicht richtig sei, daß er vielmehr den Machner davor gewarnt habe, weil der a» der„Arbeiter-Ztg." thälige Conrad Fröhlich im Verdacht stehe, Agent einer Polizei zu sein. Zeuge Bösel bleibt dabei, daß er den Machner vor allen Provokatlonen gewarnt habe.— Landauer fragt, ob ihm ein Mann namens „Kirchheim" bekannt sei?— Zeuge Bösel: Die Frage gehe dahin, ihm Anstiftung zu einer Urkundenfälschung vorzuwerfen, wie ähn- liches im Prozesse Leckert-Lützow zur Sprache gekomme». Davon könne gar keine Rede sein.— Rechtsamvalt H e r z s e l d stellt fest, daß auch»ach Landaucr's Verhaftung sowohl der„Sozialist" als auch der„Arme Konrad" ununterbrochen erschienen seien.— Nach Vernehmung mehrerer Kriminalbeamten über Einzelheiten der Haussuchungen bekundet der Tischler Richard Weiß, daß Landauer seiner Zeit aus Bregen, nach Berlin übergesiedelt sei. um den„Sozialist" zu übernehmen. Er sei auch eine zeit- lang Verleger gewesen, habe dies aber ausgegeben, als seine GenossenschaftSideen heftige Opposition unter den Gesinnuugs- genossen hervorriefen.— Bücherrevisor Henninger hat aus den Geschäftsbüchern nicht entnehme» können, wer Mitarbeiter der beiden Blätter war. Sachverständiger Chefredakteur Voll- r a t h erklärt, daß er»ach den Ergebnissen der Beweis- aufnähme nicht die Ueberzeugung erhalten habe, daß Landauer die Rolle des eiibgiltig bestimmenden Chefredakteurs innegehabt, sondern giebt die Möglichkeit zu, daß bei de» primitiven Verhältnissen, die im„Sozialist" herrsche», die Dinge sich so abgespielt haben können, wie die Angeklagten be- hanpten und daß der Angeklagte Friedrich wirklich die Tbäligkeit eines verantwortliche» Redakteurs geübt hat. Dies giebt auch Chefredakteur Groddeck zu. Nach Schluß der Beweisaufnahme führt Staats- anwalt K a n z o w aus: Die Anarchisten verherrlichen häufig genug Attentäter. Deshalb müssen es sich Anarchisten auch gefallen lassen, daß man mit alle», Nachdruck gegen sie vorgeht. Der Staatsanwalt führt ferner aus, daß Spitzel bei Verschwörungen uöthig seien. Der Slngeklagte Friedrich fei sicher nicht der wirkliche Redakteur gewesen. Landauer habe ohne Zweifel den meisten Einfluß aus die Zeitungen gehabt. Der Staatsanwalt beantragt gegen Friedrich 0 Monate, gegen Landauer ein Jahr Gesängniß (unter Anrechnung von 1 Monat Untersuchungshaft), Einziehung der betr. Nummern und Publikationsbefugniß.— Rechtsanwalt Steinschneider bestreitet, daß der Bösel- Artikel eine Beleidigung enthalte. Ter Artikel drücke lediglich eine be- rechtigte Schadenfreude darüber auS, daß Herr Bösel sich von Machner habe dupiren lassen. Dem letzten Artikel„Autorität" fehle jede Bezugnahme auf de» speziell preußischen Polizeibeamten. Der letzte Artikel bezwecke nicht, die Bevölkerungsklassen zum Klassenhaß aufzureizen, wie denn der jetzige Anarchismus überhaupt nicht die Gewaltthäligkeit zum Endziel habe.— Rechtsanwalt Herzfeld führt auS, daß als der einzige juristisck verantwortliche Redakteur der Angeklagte Friedrich zu gelten habe, Laudauer aber nicht daneben verantwortlich gemacht werden könne. Der Bösel-Artikel enthalte nur eine heitere Ironie gegen- über dein schwerwiegenden Unterfangen des Kriminalkomniissars, einen Berräther zu dingen, um Freiheit und Ehre von Personen zu vernichten. Wenn in dem Artikel„Autorität" eine Beleidigung der preußischen Exekutivbeamten herausgefunden werden sollte, so wäre dafür eine ganz geringe Strafe am Platze. Der Gerichtshof spricht um 93/* Uhr abends das Urtheil dahin, daß in dem ersten Artikel Beleidigungen des Kommissars Bösel, in dem zweiten Beleidigungen der preußischen Exekutivpolizei zu finden seien, eine Anreizung zum Klassenhaß in dem letzten Artikel aber nicht vorliege. Als Thäter hat der Gerichtshof den An- geklagten Friedrich angesehen, eine Milthäterschaft des Angeklagte» Landauer aber nicht für erwiesen erachtet, wenn der Verdacht auch außerordentlich dringend und die Verhaftung deshalb berechtigt gewesen sei. Das Verhalten des Kommissars Bösel sei vielleicht nicht ganz geschickt, aber keineswegs verächtlich gewesen. Der An- geklagte Friedrich ist zu vier Monaten G e f ä n g n i ß ver- urtheilt worden._ -Bcilmta* Wegen Beleidigung durch die Presse wurde der Redakteur des„Vorwärts" August Jacobey am 21. November 1896 vom Landgericht Berlin l zu einer Gcfängnißstrafe von sechs Wochen verurlhcilt, von der weitergehenden Anklage in zwei weitereu Fällen freigesprochen. Jnkriminirt war ein Artikel in Nr. 193 des„Bor- wärts" vom 19. März 1896, worin das Schicksal der auf Antrag der B r e s l a u e r Staatsanwaltschnst koufiszirlen, in Hamburg gedrnckleii Festschrist zum 18. März besprochen wurde, die später wieder freigegeben wurde. Der Artikel schloß mit einer Kritik der gegen die Sozialdemokratie geübten Taktik. Der Angeklagte führte in der Verhandlung a», der Artikel richte seine Spitze gar nicht gegen die Breslauer Staatsanwaltschaft, sondern gegen die gegnerische Presse, insbesondere die„Schlesische Zeitung". Das Gericht erachtete dies jedoch für ausgeschlossen, da sich kein Hinweis auf die Presse finde; außerdem beweise schon der„höhnische Ton" gegen die Staatsanwaltschaft, daß die Spitze sich gegen diese Behörde richte. Die Revision des Angeklagten gegen das Urtheil rügte Widersprüche in den Gründen. Der Reichsanwalt erklärte die Beschwerde für begründet bezüglich des Dolus des An- geklagten; es hätte Absicht oder Bewußtsein des Angeklagten, daß der Staatsanwalt beleidigt werden sollte, festgestellt werden müssen. Indem das Gericht die Schuld des Angeklagten feststellt in Hinsicht auf das. was andere Leser cvent. dazu sagten, denkt es an ß LI des Preßgesetzes; hinsichtlich des § 20 Kl der Vorsatz nicht überall nachgewiesen. Das Reichs- gericht hob das Urtheil auf und verwies die Sache an die Vorinktanz zurück.§ L0 des Preßgesetzes ist verletzt; der Angeklagte wird nicht als Verfasser, sondern als verantwortlicher Redakteur bestrast. Hierzu fehlt aber die Feststellung� daß An- geklaoier sich bewußt war, daß die Beleidigung dem Staats- anwalt gelte. Mit dem Vorwurfe, die Prüfung je. unterlassen zu haben, war dem Angeklagten nur Fahrlässigkeit(§ 21 P.-G.) vorgeworfen. Zu beachten ist übrigens auch, daß eine Veröffent- lichung nach{5 200 Sl.-G.-V. nur a u s A n t r a g zulässig ist. Davon erwähnt das Urtheil gar nichts. Mit fünf Tage» Gefäugniss ist ein früherer Beamter der Gewerbe-Attsstellung bestrast worden, der einen Zimmermann miß- handelt hatte, als dieser versuchte, mit brennender Zigc.rre die Jndustriehalle zu betreten. Ter Polizeipräsident hatte Herrn Maurice bom Belle- Alliance-Thcatcr die nachgesuchte Erlaubniß zum Betriebe des Gewerbes als Schauspiel-Uniernehmer versagt. Die Verfügung war auf den s 32 der Reichs-Gewerbe-Ordming gestützt worden, wonach die Erlaubniß zu versagen ist,„wenn die Behörde auf grund von Thatsachen die Ueberzeugung gewinnt, daß der Nachsuchende die zu dem beabsichtigten Gewerbebetriebe erforderliche Zuverlässigkeit, ins- besondere in sittlicher, artistischer und finanzieller Hinsicht nicht be- sitzt." Die auf Aushebung dieser Verfügung gerichtete Klage hat nunmehr der Bezirksansschuß zurückgo'viese». Tic Rechtsprechung bezüglich der Kuppelei und Aiistiftung dazu neigt immer mehr einer schärferen Auffassung zu. Bekannt sind die Fälle, in denen Eltern, die nach Laudessitte den Verkehr ihrer Tochter mit dem Verlobten in ihrem Hanse duldeten, zu Zuchthans- strafe vernrtheilt wurden. Neuerdings war sogar von einem Gerichtshofe ei» altes Scheuerweiblein, das gemiethet war, in einem Bordell die Bette» zu machen, wegen Beihilfe zur Kuppelei be- straft worden, ein Urtheil, das allerdings vom Reichsgericht kassirt wurde. Nicht ganz so weit ging dnS Landgericht Berlin I., in- dem es am 4. Dezember 1896 den Kellner Paul Gärtner wegen Beihilfe zur Kuppelei zu einer Kesäugnißstrase verurtheilte. Eine Frau, die mehrere Zimmer an Proslituirle vermiethtet hatte, war im höchsten Grade morphiumsiichtia; um nun in dem ost wieder- kehrenden Zustande absoluter Hilflosigkeit jemand in der Wohnung zu haben, vermiethete sie ein Zimmer anden Angeklagten, der eine Schlaf- stelle suchte. Das Gericht erblickte nun«in Vorschubleislen darin, daß Gärtner sich versteckie, wenn„Herren" kamen, um sie nicht zu vertreiben. Gegen den Antrag des ReichSanwaltS, der die Unhalt- barkcit des Urtheils auf dieser Grundlage erklärte, verwarf das Reichsgericht die Revision, da ohne Rechtsirrthum festgestellt sei, daß eingeklagter der Hauptthäteün durch sei» Gesammtverhalten wesentlich Hilfe geleistet habe. Tie Vcrhandlnng gegen de« Farmer Robert Thomas Knecbs aus Wakefield im Staate Nebraska, der nun schon vierzehn Monate in Untersuchungshaft sitzt, wurde gestern vor der 4. Straf- kammer hiesigen Landgerichts I wieder aufgenommen. Den Vorsitz führt Landgerichtsdirektor Denso, die Anklage vertritt Staats- nnwall Kleine, die Vertheidignug führen die Rechtsanwälte Dr. Schneider und Dr. S e l l o. Der Angeklagte ist infolge der langen Untersuchungshaft außerordentlich gealtert und macht den Eindruck eines i» den Sechzigern stehenden Mannes, während er erst S6 Jahre alt ist. Als Sachverständige sind zur Stelle: Sekretär Drogoli», Photograph Anschütz, Präsident des Neuen Berliner Trabrenn- Vereins v. Kuhlmann, Major v. Schönbeck, Prof. Eggeliug, Dr. zur. Beermanu und Theodor Tschöpe. Da der Angeklagte nur Englisch spricht, kann er nur durch Veiiiiiltelttiig des Dolmetschers Loubier vernommen werden. Die Verhandlungeii finden im kleinen Schwurgerichtssaal statt, dessen Zuhörerraum überwiegend von Sportsleulen besetzt ist. Der Prozeß hat bekanntlich schon ein ganzes Vermögen verschlungen. Die vierten Strafkammer hatte den Angeklagten seinerzeit wegen Betruges zu 9 Monaten Gesängniß vernrtheilt. Der Angeklagie hat mit einer braunen Traberstute, als deren Eigen- thümer er sich bezeichnet hotte, an den Trabrennen zu Weißcnsee am 26. und 27. März 1894 und zu Hamburg-Mühlenkamp am 15. und 16. April 1894 theilgenommen. Er soll sich des wiederholten Be- truges dadurch schuldig gemacht haben, daß er bei der Sliimeldung seines Pferdes angegeben hatte, dieses heiße„Nellie Kneebs", sei im Jahre 1886 geboren, habe in Amerika noch an keine»» Neiiiieu lheilgeuommen und dort noch keinen Rekord erzielt, während das Pferd die gleichfalls dem Angeklagten gehörige Traberstute„Bethel" gewesen sein soll, die als hervorragendes Rennpferd bekannt ist, im Jahre 1385 geboren, schon früh in Rennen gelaufen ist und schon feit dem Jahre 1393 einen Rekord von 1: 16i/e, d. h. eine siegreiche Rennletstiing von 1 Minute 16-/4 Sekunden ans die englische Meile zu verzeichnen hatte. Der Angeklagte hatte dagegen behauptet, daß es sich keineswegs um dasselbe Pferd handele, die„Bethel" vielmehr in Amerika sei, das sie nie verlassen habe. Der Gerichtshof war zur Ueberzeilguiig von der Schuld des Angeklagten auf grund der Ergebnisse der Beiveisaufnahiiie gekommen. Der Angeklagte wurde vernrtheilt und die„Nellie Kneebs" mit Beschlag belegt. Ob- wohl die Haslentlassung des Angeklagten gegen Bürgschaft abgelehnt wurde, beschritt derselbe den Rechtsweg der Revision und das Reichs- gericht hov das erste Urlheil auf, indem es eine Ergänzung der Beweisoufnahme für nothwendig erachtete. Inzwischen ist nun auch Herr Professor Eggeliug von der Thierärztlichen Hochschule nach Amerika gesahren und hat als Sachverständiger das dort befindliche Pferd besichtigt, welches nach der Behauptung des ZIngeklagten die„Bethel" sein soll. Sein Gutachten wird auf die Entscheidung des Gerichtshofes einen wesentlichen Ein» fluß ausüben. Die gestrige Vernehmung des Angeklagten und der ersten Zeugen, vor allem des Herrn Prince-Smith, ergab dasselbe Bild, wie die erste Verhandlung. Die fortgesetzt nothwendige Uebertragung der einzelnen Phasen der Verhandlung und das wiederHolle Eingreifen der Verlheidiger bringen es mit sich, daß die Verhandlung nur langsam vorwärts rückt. Es sind zu ihrer Be- wältignng 3—4 Tage angesetzt. WitteeungSlibersicht vom Z. Februar 1807. Wetter-Prognose fite Donnerstag, de» 4. Februar litzv?. Zeitweise aufklärend, vorwiegend trübe mit geringen Nieder- schlügen und mäßigen nordwestlichen Winde»; Temperatur wenig verändert. Berliner W e t t e r b u r e a u. Briefkasten der Redaktion. Wir bUle». bei jeder«»Irafl»-In« EHIftr« izwct Buchfladen oder«tne gahl) aningebe», unler der die Anlworl«rlhetlt werde» soll.« Die juristische Sprechstnildc findet Montags, DidilstagS, Freitags und Sonnabends, abndcs von 7—8 Uhr siatti Eine Wette. Nixdvrf zählte am 1. Dezember 1895 59 945 Sin- wohner. P., Mulackstraste. Nach genaueren Informationen können wir mit- theilcn, das, Vabat seine angebliche Parteizugehörigkeit zu Schwindeleien der verschiedeiisien Art benützt. Auf diese Weise sind Sie nun ebenfalls durch B a b a t um 10 M. geprellt worden. Depesftzen und lehke NuchviiHkvu. Hamburg, 3. Februar.(W. T. B.) In einer Bersammluiig des Seeiiianiisvereins wurde iiiitgethcilt, daß das Gewerlschastskiutell dem Beitritt des Vereins wahrscheinlich zustimmen werde. Im Mai werde ein Kongreß aller Hafeuarbeilcr und Seeleute Deutsch- lands statlfiiide», dabei werde auch zur Entscheidung komme», ob ein Zentral-Seemanns-Vcrbaud gegründet werden soll. Ferner wurde beschlossen, daß an Bord jedes Schiffes ein Obmann unter den Seeleuten erwählt werde, bis die neue Seemaiiiis-Orduung, deren Berathnng im deutschen Reichstage bevorsteht, in krast tritt. Die Gewerbe-Ordming sei schon fünf Mal revidirt, während die Seemannsordnuiig seit 24 Jahren nnvirändert bestehe. Mehrere Anfragen wegen Slelliing des Vereins zum Ausstand blieben»»- beantwortet, da der Ausstand nicht zu den Augelegeiihciteu des Vereins gehöre. Lübeck, 3. Februar.(W. T. B.) Eine Anzahl von Fischerbooten aus Travemünde ist in der Ostsee vom Eis eingeschlossen. Da die Lage sehr kritisch ist, haben die Fischer Noihsignale auf- gezogen. Ein Eisbrecher ist zur Hilfeleistung in See gegangen. Köln, 3. Februar.(W. T. B.) Infolge der starken Schnee- schmelze steige» alle Nebenflüsse des Rheins und führen diesem ge- waltige Wasserinasseu zu. Bei Koblenz steigt der Rhein stündlich «in 6 Zentimeter. Die Mosel hat die niedrigeren Stadttheile von Trier bereits unter Wasser gefetzt und schwillt immer weiter an. Köln. 3. Februar, abends.(W. T. B.) Der Rhein steigt hier stündlich um 9 Zeuliiueter. Frankfurt a. M., 3. Februar.(B. H.) Die„Franks. Zig." meldet aus Mannheim: Das Neckarvorland ist überfluthcl. Der Neckar ist seit heute früh um 2,50 Meter, der Rhein um 1,10 Meier gestiegen. Aus Basel meldet dasselbe Blatt, daß Regen und Föhn in der Schweiz anhalten. Die Flüsse steigen rapid, der Rhein ist um 2 Meter gestiegen. Paris, 3. Februar.(W. T. B.) Die Seine und zahlreiche andere Flüsse sind erheblich aiigeivachseu. Man befürchtet Ver- heeruugen. Rom, 3. Februar.(W. T. B.) Die Studenten von Rom ver- hielten sich heute ruhig. Die Uuivcrsilät ist geschlossen. Die Studenten hielte» eine Bersammluiig ab, um ihre Solidarität mit den bestraften Genossen zu erkläre», beschlossen aber, den gesetzlichen Boden nicht zu verlassen und öffentliche Kuiidgebuiigeu hinfort zu unterlassen. In Palermo kam eS seitens der Studenten zu lärmenden Auf- tritt«»; der Rektor befahl die Schließung der Universität. Rom, 3. Februar.(B. H.) Die noch in diesem Monat in Venedig lagende internationale Sanitäts-Konferenz wird den Be- schluß fassen, alle aus Indien komnieiiden Schiffe im Suezkaual zu desinfiziren und unter Quarantäne zu stellen. Schiffe mit Krauken oder mit infizirten Maaren sollen zurückgewiesen werden. Wenn England diesem Beschlüsse nicht zustimmen sollte, wird der euro- päische Boykott aller englischen von Indien kommenden Schiffe crsolgen. Barcelona, 3. Februar.(W. T. B.) In einer Parsümerie- sabiik fand heute früh eine Kcsselexplosion statt. Der Maschinist und zwei'Arbeiter wurden getödtet, ein Arbeiter verwundet. London, 3. Februar.(W. T. B.) Das Unterhaus nahm mit 223 gegen 157 Stimmen die zweite Lesung des von Begg ein- gebrachten Antrages betreffend die Ausdehnung des parlamentarischcn Wahlrechts aus Frauen au. Konstantinoprl, 3. Februar.(B. H.) Die Konstituiriing der Gendariiierie auf Kreta ist mit ernsten Schwierigkeilen verknüpft. Mit Ausnahme der Moiitenegrincr und einiger Offiziere haben alle übrigen Angeworbenen abgesagt unter dem Vorwande, die Be- soldimg sei zu gering, es werde keine Pension gezahlt und dje Aus- nähme in die Gendarmerie erfolge nur auf drei Jahr«. R um anerkannt gut b, Literslasche Mk. 1,10, 1,60, 8,10 bei Entnahme von 5 Flaschen i, Flasche 10 Pf. billiger. Glühwein Fruchtsäfte Ungarwein Fruchtweine Extraet ganz vorzüglich, Himbeer-Saft. medizinischen, b Liter Mk. 1,80, B Liter Mt. 5,50, Kirsch-Saft. beste Qualität. 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April. 20786 Für den Inhalt der Inserate ubernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei _ Verantwortung. M Herker. Donnerstag, den 4. Februar. Opernhaus. Rienzi, der letzte der Tribunen. Schauspielhaus. Die Zeisige. Deutsches. John Gabriel Borkinan. Schiller. Ein Volksfeind. Berliner. Kaiser Heinrich. Lessiug. Die Wiederkehr. Westen. Die wilde Jagd. Neues. Marcelle. Restdenz. Die Frauenjäger. lluter den Linden. Die Fleder- inaus. Pierrot als Rekrut. Zentral. Eine wilde Sache. Friedrich-Wilhelmstädtisches. Manfred. Thalia. Frau Lieutenant. Zllexandcrplat». Eine pikante Ehe. Ostend. Der Walzerkönig. Parodie. Genovefa. Bolls. Von Stufe zu Stufe. Passage-Panoptikum. Traumbilder. Spezialitäten. 'Apollo. Spezialitäten. Tauben-Strasse Uldllld,]Vo. 48-49. Naturkundliche Ausstellung täglich geöffnet von 10 Uhr vorm. ab. Eintritt 60 Pf. Wissenschaftl. Theaterabends 8Uhr �sppktMap�sJuvalidenstr. 57/62 � I(l II IU Uli l Lehrter Stadtbahnhof. Täglich von 7r/z Uhr abends ab 50 Pf. Im Theater- Saale täglich 8 Uhr abends Borträge, mit Experi- menten u. gr. Lichtbildern ausgestattet. Näheres die Tagcsanschläge. Passage- Panopticum. Affen- Thkliter und Zirkus. Vorstellun gen um 5 und 7 Uhr. Me-Alliante- Theater Nolks-Vorstellttiig unter Regie von 4ulins Türk Sonntag, den 7. Februar, nachmittags 3 Uhr: Zum ersten Male: Das Käthlhm Vit.Keildrattit. Von Heinrich von Kleist. Käthchen: Wilhelma Wagner. Wetter v. Strahl: Heinrich Frey. Rheingras v. Stein: Rich. Jürgas, Theobald Wilh. Rusf. Eintrittskarten a, 60 Pf. find in den bekannten Zahlstellen zu haben (Wallncr-Theater). Donnerstag, abends 8 Uhr: Ein Volksfeind. Freitag, abends 8 Uhr: Der Millionenbaner. Central-Theater. ?llte Jakobstr. 30. Dir. Rich. Schultz Tonnerstag, den-t. Februar er 4! mll Tbomas a. G. mt- Letzte Woche, Benefiz für Georg Kaiser. Zum 126. Male: Eine wilde Sache. Morgen: Eine wilde Sache. Anfang>/-« Uhr. In Vorbereitung: Ein stdelcr Abend. Thalia-Theater. (vormals Adolph Ernst-Theater) „Frau Lieutenant." Vaudeville in drei Akten von Paul Ferrier und Antony Mars. Deutsch von Hermann Hirschel. Musik von G. Serpette und B. Roger. Morgen und folgende Tage:„Frau Lieutenant." Sonntag, nachm. 3 Uhr: Trilbh. Ostend-Theater. Gr. Frankfurterstr. 132. Dir. C. Weist Donnerstag, Freitag: Walzerkönig. Ansang 8 Uhr. Sonnabend, 2. Volksvorstellung zu kleinen Preisen: Die Stunde der Versuchung.— Sonntag nachmittags 3 Uhr(Halbe Preise): Der deutsche Michel.— Montag, 3. Volksvor- stellung zu kleinen Preisen: Schivere niither. zriedrilsj Wilhelmst. Theater. Zweites G a st sp i e ldcS Fräulein Frieda Lanius vonr Deutschen Volks- iheater in Wien und des Herrn Viktor bintschera vom Hofburgtheatcr in Wien zum zweiten Male: Manfred. Tranerspiel in 5 Akten von Moritz von Gutmann. Freitag: Gastspiel des Frl. Frieda Lanius vom Deutschen Volkötheater in Wien und des Herrn Viktor Kutschers vom Hofburgtheatcr iit Wien.„Manfred". Anfang 8 Uhr. Sonntag nachm. 4 Uhr: Dorf und Stadt. Schauspiel in 5 Akten von Charlotte Birch-Pfeiffcr. Billets ohne Vorbcstellgebühr an der Theaterkasse; außerdem im In- validendank, Unter den Linden 24, bei Paul Romeick, Leipzigerstraße 6, und Julius Lengenfeld, Markgrafenstr. 50. AteWsmlllh-Thellter. Kleine Preise. Heute und die folgenden Tage: Eine pikante Ehe. Berliner Posse mit Gesang und Tanz in 4 Akten von Eugen Prudens.— Anfang 8 Uhr.— Sämmtliche aus- gegebenen Bons, auch die zu anderen Stücken ausgegeben sind, behalten ihre Giltigkcit. Sonntag, nachniittags 4 Uhr: Aschenbrödel. Original- Zauber- Märchen mit Gesang und Tanz in 6 Bildern von Heinrich Boltcn-Bäckers. Billets sind schon 3 Tage vorher, ohne Vorbestellgebühr, an der Theaterkasse zu haben. Vormittag>/z11— Uhr. Abends von Uhr an. Beilinel' Possen-Theater Mttnzstrasse 17. (Eingang Königsgrabcn.) Direktion: Joseph Aschinger und Leouhardy Haskel. Der Glülklichmacher. Montag, den 8. Februar zum ivv. und letzten Mal: Der KumpenbaN. DM- Billets sind schon heute an der Kasse zu haben.-Mß In Vorbereitung: IMe Ballhans-Anna. Ansang der Vorstellung 7 Uhr. Kasseneröffnung 5 Uhr. Entree SO Pfennige. Castan's Panopticam. is, Pygmäen die kleinsten Menschen der Welt! Damcn-Wettschwimmen. Uerestchagin-Ausstellung | Napoleon I. in Rnssland 1812 1 | Altes Eeiclistags-GeMude| 4 Eclpzlgcrstr. 4 Geöön. v. 11 vorm. b. 9 Uhr ab.| Entree 50 Pf. ConGortlia Variete-Theater Brnnncnstr. 154. Täglich: Grosse Theater- und Spezialltiitcn-Vorstcllnng. Das beste Prograuiin d. Nordens. 11. a. Geschw.(5 a r r e, brillante Doppel- Jongleure. Mira Borrmann, die fesche Soubr. Otto Buddel, gestillt nach wie vor. Neu eiustudirt: Bouibc» und Granate». P o s s e. Anfang Wochentags 7'/., Uhr. Sonntags 6 Uhr.' Umtausch- Billets haben Giltigkcit. Kolks- Theater! ;ii Reichenbergerstr. 3i. Pferdebahnstation KottbuscrThor.| Donnerstag, den i. Februar, abends 8 U h r: Zum zweiten Male in glänzender> Ansstatwng: Voll Stilse zu Ttllse. Lebensbild mit Gesang von Dr. Hugo Müller. Musik von R. Bial, die neuen Kouplets und Gesangsnummcrn v. R. Brodeck, komponirt von R. Thiele. Regie: August Reiff. Preise der Plaste: Prosc.- Loge 3 M. Parguctloge 2 391., Parq.-Fallt., Mittelrang-Faut. und 1. Rang-Fauteuil 1,50 M., Mittelrang und 1. Rang 1 M. Tribüne 75 Pf. Entrce 50 Pf. �Wllo-'I'keAtkr. VoWlliliglltllesProgrilllllll. Auftrete» der berühmt, spanischen Tänzerin Csi'nHkiHCiKsi sowie des engl. Schönhcits-QnintcttS ii�The 5 Lorrison,�! genannt: Das Empire itnintett «IllelogrSpll„euer stUeressanb Bilder-Serie. SOT' Ferner: IS Debnts."VS assencröffnung 6»/z Uhr. Ans. TVjtlljr. Kaufmann's Varie� Kencs Programm!!! Der kleinste Circus der Welt. Neu! Wasser-Pantonlimc. D.Entfüyrg. a. d. Drachenschlucht. � Hr. Patty Antipode, Eorch-Trnppe, Kose und Jules, B'lack nnd White, Geschw. Emiion, Geschw. Gorelly, Edi Blnm und SS Elite-Nummern. l-Wpe-Lsslspiel Parodie-Theater Oranienftr. 52. Leben Abend 8 Uhr die Novität: Genovefa. 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(Erregt jedesmal die g r ö ß t e S e n- s a t i 0»!) Höchster Triumph der heutigen Eircnskunst! Naturgetreue Hörnerschlitteufahrt im Niesen- gcbirge. Im Reiche des Geister- fursten. Zauberisches Ballet. Freitag, den 5. Februar 1897, Abends 71/2 Uhr: Aus der Mappe eines Riesengebirgs- Phantasten. Circus Busch IlSuhEihol' JJörse. Donnerstag, den 4. Februar, AbcndS 7'/2 Uhr: Grande Soiree equestre Das Tagesgespräch von Berlin: Nach Sibirien. Feenhafte Ausstattung. Noch in keinen« ander» Circus gelvagte _ equestr. Effekte._ AM- Original-Ideen. Außerdem: Ein hippolog. Monstre- Tablcau, dress. und vorgeführt vom Direktor Busch. 4 Fuchshengste als Thurmspringer, Original-Dreffur des Dir. Busch. Petronius, ruff. Hengst ger. v. Mine. Maria Tore. Äufrr. des Schulreiters Herrn Salamonski. Pierrots- Abenteuer. Der Gigerl- Klown Mr. Alf. Daniels. Spezia- litäten I. Ranges. Vorzügl. Klowns. Morgen: Nach Sibirien. Kenierthaus Sanssouci, Kottbuser Strasse 4a. Heute, sowie jeden Donnerstag und Sonntag: Stettiliei' Sänger (Meysel, Pietro. Britto». Steidl. Krone, Röhl und Schräder). Zum Schluß: Uitke'g Zlhelülenstreillie. Euseinble von Meysel. Anfang präz. 8 Uhr. Entree 36 Pf. Borverlauf 40 Pf.(siehe Plakate). Freitag: Biktorin-Brauerei. Feen-Palast, f, Direktion Winkler& Fi-ilbel. Das neue Sensations- Februar-"AU Riesen-Programu». SO Kunst. Spezialitäten. Nur noch einige Tage: Zirk,«s Sarrasani.-ME Am 4. Februar: Zum 1. Male: Eine tolle IVaeht. Hauptrollen: Rich. W i n k l e r und Wilhelm F r ö b e l. Ansang 71/2 Uhr, Sonntags 6 Uhr. Entree 30 Pf. Rcservirt 50 Pf. Schippanowsky's Deutsche Konterthallen Spandnner Brücke 3. Kene Ausstattung! !!|ni KrühlingsglauN! Täglich populäre Konzerte der gesammt. Kapellen, u. A. der 25 Mann starken Bersaglieri- Truppe. Theater-Abtheilung: Auftreten von Humoristen, Komiker»:c. Täglich Anstich von Bovk- Bier ans der Berliner Bock- Brauerei. Jul. Wernau'5 Festsäle,, Schwedterstr. 23 84. 3 Bereiuszinimer, gut eingerichtet, von 80—150 Personen fassend, 2 ver- deckte Kegelbahnen noch einige Tage in der Woche zu vergeben. 1033L» Tclephon-Amt MI, Nr. 2440. Bierverlag in. Speisewirthschaft jof. zu verk. Lausitzer-Platz 16. j 30 90b Verein lier Berliner Buchdrucker und Schriftgiesser. Die Uertranensleate und Offiziaskasfirer werden ersucht, zur Orientirnng über den Zweck der außerordentlichen Vereinsversammlung Ijeitf e, DonnerstetS. von 10 Uhr morgens bis spätestens abends 8 Uhr, Flugblätter für die Mitglieder auf der Verwaltung, Ritterstr. 88, abholen zu lassen. 35/5_ Der Gauvorstand. Achtung! Achtung! Nadler, Siebmacher, Drahtweber, Spinner est Sonnahend, den 6. Februar, abends 8 Ehr: Große öffentliche Versammlung T in Bnske's Salon, Grenadierstr. 33 Tagesordnung: 1. Vortrag des Kollegen Rüther. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Pflicht der Kollegen ist, in dieser Versammlung zahlreich zu erscheinen. Nach Schluß der Versammlung: Geselliges Beisammensein mit Tanz. 3083b Der Vertrauensmann der Drahtarbeiter. Beutsch. Metallarbeiter-Verband (Verwaltung Berlin). Am Sonnabend, den 6. Februar 4897, in der Mbrddeutsehen Brauerei, Chauffcestraste 38: iener Masken-Kall. DM- Billets 30 Pfennig. anntcn Vertrauensleuten zu haben. s 114/18 Großer Mi Anfang 8 Ehr.'TpR Billets sind bei den bckan Zentral-Verwlij der Mitorni, PsefferkiWer uni) verw Am Sonnabend, den ti. Februar 1897, bei Grandel, Brunnenstraste 188: 5. Stiftungs-Fest. Konzert.— Gesang.— Um 10 NHr Festrede, geh vom Gen. G. Wagn« DD?" Theater und Tanz. Zur Aufführung gelangt: Spar- Agnes, oder: Freie Eiebe. Verschiedene Uebcrraschnngen.— Ansang 8 Uhr. Billets ä 25 Pf. werden ausgegeben bei den Kollegen Haase, Schulzen- dorferstraßc 3a, I., und Weistenstei», Wallstr. 14 im Laden._ 51/1 ftciitnng! Kolberger Salon acwng! Kolbcrgerstrasse S3. Sonnabend, den 6. Februar 1897: Großer Wiener Maskenball arrangirt vom Gefangvereltt„Uordwacht� 65/19 (Mitglied des Arbeiter-Sängerbundes). Anfang S'/z Ehr. Ende??? Der Borstand. Alcazar Vari�t6 und Spezlalltüten- Theater I. Banges. Dresdenerstr. 58/53(City-Passage) Annenstr. 43/43. Sensationelles, neues Programm. Unter anderem: Die unerreichten, grostartigen äMT" Kunstschützen Brothers tllcwers. Bobin & Berat. Barnum& Beilay. MW" Grostes Konzert eines vollbcs. Orchesters unt. pers. Leit. des Kapellmeisters Martin Stein. Die Freikarten behalten Giltigkeit. Ankmin- Wochentags 8 Uhr. /illsang. Sonntags 6 Uhr. Entrec 39 Pf. Die Direktion. Betts Koeppen Heinrich Boccatius Verlobte. 3088b Orchester-Chor„Vorwärts" zu Bixdorf. VereinSlokal: Hermanustraße 49 („Vittoria-Säle.") Jeden Donnerstag: 3082b UekinigssUiulte abends 9 Uhr. Gäste willkommen. Das hierorts verbreitete Gerücht, obiger Verein hätte versucht, den Dirigenten des Vereins Musikfreunde für sich zu gewinnen, erklären wir für böswillige Erfindung. Der Vorstand: W. Münzer. Mit. Bredowstr. 11. Heute, Donnerstag: Großes Schlachtefest! Von früh 9 Ehr ab: Wellneisch und Kesselwnrst, wozu Freunde nnd Bekannte ergebcnst einladet Heinrich Meser, Gastwirth, Bredowstr. 11. IUI IM Uli UM Willi II III...... II—«™—*«3 Der Ausstost unseres diesjährigen ISocBf- Bieres beginnt Sonnabend, den 6. Febrnar. Brauerei Pichelsdorf. Gefärbt t A. Pergande's Dampf-Färberei für 3,00 bis 3 Mark in allen Farben Damenkleider, Neberzirher, Röcke, im ganzen oder getrennt, Möbelstoff, a Pfd. 1 M., Bett- und Tischdecken, a Stück i.!j5 M., Steppdecken, st Stück Mark. Chemisch gereinigt Damenkleider für 2,50—3 M., Herren-Anzüge, gereinigt u. gebügelt, 2,50 M Berlin Gegründet I87S. Gegründet 1875. Fabrik: Holzmarkt-Straße 21 Hauptgeschäft: Waldemar- Straße 32 vis-k-vis dem Garten von Bethanien. Bitte genau auf meine Firma zu achten, weil sich in der Straße eine Annahmestelle befindet, die nicht zu meinem Geschäft gehört. 951Ö* Filialen: Görlitzerstr. 41; Reinickend orferstr. 80.; Alt-Moabit 36. Rummelsburg, Thünächmidtstr. 21. FriedrichShagen, Wilhelmstr. 52. Potsdam, Nauenerstr. 18. Strausberg, Wriezenerstr. 24. Küstrin, Zorndorfcrstr.-62. Müncheberg, bei Herrn Kaufmann Klcwe. Kalkbcrgc Rüdersdorf(Grund), bei Herrn Kaufmann Schulz. Tchulzenshöhe, bei Herrn Kaufmann Adolf Müller.— Für Berlin Abholung u. Zustellung kostenftei. Illinoll Välino 9 M Schmerzlos. Zahnziehen 1 M. Plomb. 1,50 M. IMIllüll. Z.C1IIIIC 6 Iii, Xhoilz. Zahnarzt Wolf, Leipzigerstr. 22. Spr.9-6. Zentralverein der Nildlisuer. Hierdurch geben wir bekannt, daß unser Mitglied, der Holzbildhauer BUx Behrendt im Alter von 42 Jahren an der Lungenschwindsucht verstorben ist. Die Beerdigung findet Freitag, nachm. 2Vz Uhr, vom Trauerhause, Rirdorf, Mühlenstr. 5, auf dem Rix- dorfer Gemeinde-Friedhofc statt. Um rege Betheiligung ersucht 21/2 Ber Torstand. Achtung! Achtung! Maurer! Todes- Anzeige. Den Mitgliedern des Vereins zur Wahrung der Interessen der Maurer Berlins und Umgegend die traurige Mittheilung, daß das Mitglied Fritz Tschöpe am 2. Februar 1897 nachts 1 Uhr an der Proletarierkrankheit gestorben ist. Die Beerdigung findet am Freitag, den 5. Februar, nachnnttags 3 Uhr, vom Augusta- Hospital in der Scharnhorslstraße aus statt. Um rege Betheiligung der Kollegen ersucht 129/9 _ Der Vorstand. Allen Freunden und Bekannten zur Nachricht, daß mein lieber Mann, unser guter Vater, Hermann Faber. nach langen schweren Leiden sanft entschlafen ist. Die Beerdigung findet am Freitag 4 Uhr von der Leichen- halle Moabit nach dein Elisabeth- Kirchhof statt. 3092b Die trauernde Wittive nebst sieben unmündigen Kindern. Emilie Faber geb. Haspel. Danksagung. Sage allen Verwandten, Bekannten, Freunden und Kollegen für die herz- liche Theilnahme und die reiche Blumenspende beim Begräbniß meines lieben Mannes meinen herzlichen Dank. Frau Frieda Schmidt 3087b nebst Kindern. Den Herrn Karl Kafube, Rammler- straße lfl, erkläre ich für ehrlich. Tietke. Möbel-Verkauf Köpnickerstr. 154, Hof part. und 1 Treppe im Fabrikgebäude, wo- selbst auch eigene Tapezierwerkstatt. Daselbst bietet sich passendste Gelegen- heit, geschmackvolle nnd solide Möbel zu erstaunlich billigen Preisen zu er- werben. Wir machen keine kostspielige Reklame, sind daher in der Lage, besser und billiger zu liefern als unsere Konlurrenz. Ganze Einrich- tungen, mit Stube u. Küche beginnend, garantirt echt Nußbaum, 300 M. Ge- kaufte Möbel können nach Wunsch kostenfrei lagern. Geöffnet von 8—8, Sonntags von 7—10 und 12—2 Uhr. Lieferung franko. Nr 36 Mark feinste Anzüge nach Maaß. Für 30 M. ff. Sominer-Paletot nach Maaß. Für 8—12 M. feinste Hosen nach Maaß. 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