jk. 181. Dieustag, den 10. Inn! 1890. 7. Jahrg. Hrgan für die Interessen der Arbeiter. scheint ti-osi» mi..»Berliner Volksblatt» Mmmmm Sonn- und Festtagen biö 9 Uhr VormUtags geöffnet. -, Fernsprecher: Amt vi. Zlr. 4106.--*»- Nedsktion: VeukhÜrstze S.— Expvdikion: VeukhPtvÄße 3. Iknliens großer SkssksmÄnrr. ..Herr C r i s p i ist bekanntlich der gute Freund des '""en Bismarck. Die beiden Staatsmänner haben All seitig angestaunt und wenn sie in der ländlichen s° ii- t)on Friedrichsruh mit einander zusammenkamen, ,r Wen es, als ob sie Hort die Welt mit einander zu Ifoil?""' Ulv uu|ie uun vie*ü«ii uut cmuuv» zu L:1' hätten. Herr Crispi ging jedenfalls immer sehr .Medigt nach Rom zurück; sein Freund hatte ihn offen- , er,niuthtgt in seinen Bestrebungen, die Opposition zu jlu 8en" und möglichst rücksichtslos zu sein. Das 1Jteye' welches bekanntlich das A und das O der Bis- Kuschen Staatskunst bildet, war für den ehemaligen Nbaldianer Crispi das Anziehendste: er brachte es zur "fttusität darin. x.Der Sturz Bismarck's wird auch den Sturz klspj's nach sich ziehen. Wir sagen das nicht, weil J etwa an Ahnungen oder Weissagungen glauben. Aber � Moralischen Wirkungen, die sich an den unfreiwilligen .stritt des„eisernen Kanzlers" knüpfen, sind ungeheuer �.ihre Wellenschläge erreichen auch den Boden, auf dem italienische Kanzler sich befindet. Zwar in dem letzten Kampfe init der parlamentarischen lsposition Italiens hat Crispi noch einmal einen senden Sieg errungen. Aber es ist ein Pyrrhus- ij!!' Deim er war nur möglich in dem gegen- Längen Parlanient, das durch Herrn Crispi und Lp die Jntriguen und Machinationen seiner Helfers- entnervt und korrumpirt worden ist. Von den Hz Mchen Volksvertretern haben sich eine Menge die ÄiIt gebunden, einmal durch die Verknüpfung ihres jw�pats mit lokalen Interessen. Sie wagen keine selbst- tejf{5« Abstimmung und ihre Feigheit und Erbärmlich- 'st es, die dem Ministerium Crispi seine parlamen- "chen Siege ermöglicht. %. Das italienische Volk denkt ganz anders als die » �heit dieses Parlaments. Das haben die einzelnen len der letzten Zeit deutlich genug gezeigt. o.. Die Italiener haben in diesem Jahrhundert eine lange a'» der Käinpfe und der Katastrophen durchgemacht; die auf hundert Schlachtfeldern verblutet ist, hat nur für die Einheit, sondern für die feä'.yeti Italiens gekänrpft. Das that auch Herr W!.. Juriift f.rft.Xn.. mfiiuipu„„x ihre Kinder hinter sich MUWLSZ Brutale Verfolgungen der Opposition und namentlich der Sozialisten sind ein Merkmal der Crispi'schen Regie- rungen. Die Polizeiwirthschaft, die er eingeführt hat, er- innert an das S b i r r e n t h u m in Neapel. Nicht einmal die geringste Kritik kann der große Staatsmann vertragen und die Ausweisungen ausländischer Korrespon denten haben gezeigt, daß er feine„Nerven" hat. Zu mehreren tausend Strafantragsforiuularen hat er es aller dings nicht gebracht. Zu gleicher Zeit trieb ihn der G r o ß m a ch t s- kitzel, es Anderen gleichzuthun, denen er aber nich gleichkomnien konnte. Ausgaben für Heer und Flotte wurden gemacht, die Italien schier erdrücken mußten. Und doch befinden sich die italienischen Finanzen in traurigem Zustand, was bei den wirthschaftlichen Verhältnissen des Landes auch gar nicht anders sein kann.„Nach b e rühmten Mustern" hatte Crispi auch unaufhörliche Häkeleien mit den Franzosen; er hielt sich für groß genug, um„kalte Wasserstrahlen" nach Paris zu senden. Und doch mußte er wissen, daß zwischen dem italienischen und dem französischen Volke keineswegs ein Rassenhaß oder eine„E r b f e i n d s ch a f t" besteht. Sein Uebermuth ging manchmal so weit, daß der Friede gefährdet erschien, denn die Crispi'sche Politik verbarg nur sehr schwach ihre Absichten auf gewisse Grenzgebiete der Schweiz und Frankreichs. Das Äerhältniß von Italien zu Frankreich kann mit dem Deutschlands zu Frankreich nicht verglichen werden; darum hatte Herr Crispi für seine Politik gegen Frankreich zwar den Beifall der„Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" und ihrer Nachbeter; sonst aber sah man wohl ein, daß er die Franzosen ganz unnöthig zu reizen und zu stacheln be- müht war. Dabei befand und befindet sich die Bevölkerung, bei wachsenden Auflagen, im elendesten Zustande zum größten Theile. Das Loos der Arbeiter ist ein überaus trauriges und ist es kein Wunder, daß sie in Massen ihr Vaterland verlassen, weil sie an jedem anderen Orte es besser zu haben glauben, als dort. An ihrer unglaublich niedrigen Lebenshaltung kann man sehen, wie es ihnen daheim geht. Herr Crispi ist ein Mann von„großen" Ideen; er suchte sich dagegen durch— A u s w a n- derungsverbote zu Helsen. Man kennt aus häufigen Schilderungen die jammervollen Zustände in der R o m a g n a; namentlich die Lage des Land- Proletariats ist grauenerregend. Aber das hat Herrn Crispi nicht bewegen können, dem Volke Erleichterungen, Schutz gegen Ausbeutung und Aehnliches zu verschaffen, nicht einmal andeutungsweise hat er sich darauf einge- lassen. Von sozialpolitischen Reformbestrebungen hat er sich Augenblick, gestatten Sie, daß ich mich zurückziehe, ich kann ja jetzt nichts mehr leisten wegen meinem kranken Beine, und da ich bei meinem Oheim zu Mittag essen werde... Alle Welt war erstaunt. Wie, sie hatte nicht nachge- geben? Madame Aurelie zögerte; sie schien aus dem Punkte zu sein, ihr zu verbieten, daß sie sich entferne, lvührend Klara mit geringschätziger Miene die Achseln zuckte, als hätte sie sagen wollen: Lasset gut sein! Die Sache ist ja sehr einfach; er wollte von ihr nichts wissen. Pauline be- fand sich mit Deloche eben in der Abtheilung für Kinder- wüsche, als sie diese Abwickelung erfuhr. Die plätzliche teende des jungen Mannes versetzte sie in heftige.! Zorn. as wird ihm wenig nützen, meinte sie. Ist er vielleicht gar glücklich darüber, daß ihre Freundin dumm genug war, ihr Glück zu verscherzen? Mittlerweile stieg Denise langsam hinab, sich immer an daS Treppengeländer stützend. Als sie am Fuße der kleinen Treppe zur Linken an- langte, stieß sie ans eine Gruppe Kommis, die noch immer ihren Spott trieben. Sie hörte ihren Namen nennen und begriff, daß man noch immer von ihrem Abenteuer sprach. Man hatte ihre Anwesenheit nicht bemerkt. — Habt Ihr schon solche Umstände gesehen? rief Eavrier. Sie ist ja lasterhaft durch und durch. Ich kenne emanden, de» sie mit Gewalt haben wollte!... Und er schaute auf Hutin, der in seiner Würde eines zweiten Kommis sich auf vier Schritt Entfernung hielt und in die Gespräche nicht einmengte.'Aber er war so geschmeichelt von den neidischen Mienen, der Anderen, daß er zu murmeln geruhte: — Ja, sie hat mir viel Verdruß gemacht! Denise. im Herzen getroffen, stützte sich an das Trepven- sorgfältig ferne gehalten. Um so brutaler ist er sogleich mit Polizei- und Militärgewalt eingeschritten, wo er den ge- ringsten Anlaß vorhanden glaubte. Man erinnert sich, wie jüngst auf streikende Arbeiterinnen geschossen worden ist und mehrere getödtet worden sind. Die verzweifelten Frauen und Mädchen hatten allerdings das Militär, wenn man den Berichten Glauben schenken darf, gereizt; aber in welckem anderen Lande als vielleicht höchstens in Ruß- land oder Belgien würde nian auf die armen wehrlosen Arbeiterinnen scharf geschossen haben? Unter dieseit Umständen darf man die Festigkeit der Stellung Crispi's nicht nach einer korrumpirten Parla- mentsmajorität beurtheilen. Das Volk ist ohne Zweifel erbittert; es wählt nach einander Abgeordnete, die der Regierung unangenehm sind, es demonstrirt bei jeder Gelegenheit gegen dieselbe und die demokratische, sowie die sozialistische Bewegung sind in raschem Wachs- thum begriffen. Die nächsten allgemeinen Wahlen bringen eine ändere Zusammensetzung des Parlaments und damit auch den Sturz des Herrn Crispi; daran zweifeln wir nicht. Italien, dies so schöne aber so unglückliche Land, dessen Kräfte von Mißregierungen und despotischem System aller Art durch Jahrhunderte aufgesogen worden sind, braucht eine weise und niilde Regierung, um gesünder zu werden, nicht aber eine Regierung des Großmachtskitzels und der Brutalität. Herr Crispi kann feinem Vaterlande keinen größeren Dienst erweisen, als indem er sich gleich seinem be- rühmterew Freunde auf ein einsames Tuskulum zurück- zieht. Wir gönnen es ihm so behaglich als möglich— wenn er nur geht. Wenn er dann gleichfalls„nach be- rühmten Mustern" mit pikanten Enthüllungen und ilaudereien aufwarten will, so wird das eine angenehme mgabe sein. 3. Sitzung der Ardeiterschutz- Kommisston. 9. Juni. Der§ 105g:„Das Verbot der Beschäftigung von Arbeitern an Sonn- und Fesitagen kann durch kaiserl. Verordnung mit Zu- stimmung des Bundesraths auf andere Gewerbe ausgedehnt wer- den. Auf die von dein Verbote zuzulassenden Ausnahmen finden die Bestimiitilngen der§§ 105c— 105t' entsprechende Anwendung" wird nach kurzer Debatte, an der sich Hirsch, Schmidt, v. Stumm, Möller, Grillenberger, Böttcher, Kropatscheck, Geheimrath Lo hmann und v. P u t t- k a m e r betheiligen, aiigenomnien und zwar mit dem Zusatzantrag Bebel und Genossen:„Diese Verordnungen sind dem Reichstage bei seinem nächsten Zusammentritt zur Keniitnißnahme geländer. Jetzt schien man sie bemerkt zn haben; die Kommis gingen lachend auseinander... Er hatte Recht; sie machte sich jetzt Vorwürfe über ihr unbesonnenes Benehmen von ehemals. Aber wie feig war er, wie verachtete sie ihn jetzt! .. Eine große Verwirrung bemächtigte sich ihrer: war nicht seltsam, daß sie soeben die Kraft gefunden, einen angebeteten Mann zilrückzuiveisen, während sie ehemals vor diesem elenden Burschen, dessen Liebe sie nur geträumt, sich so schwach erwiesen hatte? Sie schritt rasch durch die Halle. Während ein Jn- pektor die Thür öffnete, die seit dem Morgen geschlossen war, blickte sie instinktmäßig auf. Sie sah Monret; er stand noch immer auf der Höhe der Treppe, welche die Gallerie beherrschte._ Doch hatte er der Inventur vergessen er sah nicht mehr sein Reich, diese von Schätzen strotzenden Magazine. Alles ivar verschwunden: die geräuschvollen Triumphe des gestrigen, das ungeheure Vermögen des morgigen Tages. Mit verzweifelte» Blicken folgte er Denisen und als sie die Thüre hinter sich hatte, gab es nichts mehr für ihn; das Magazin verfinsterte sich in seinen Augen. Drittes Kapitel. Bouthemont traf an diesem Tage als Erster bei Mme. Desforges zum Thee ein. Sie war noch allein in ihrem großen Salon und empfing ihn, als er eintrat, mit der Frage: — Nun denn? — Nun denn, erividerte der junge Mann, als ich ihm sagte, daß ich jedenfalls kommen werde, um Ihnen guten Jag zu sagen, versprach er mir in aller Form, ebenfalls zu erscheinen. nutzutheilen. In der Diskussion betonte Geh.-N. L o h m a n n, entgegen den nenlichen Aeußernngen des Handelsministers, daß die Ltegelung der Sonntagsruhe fiir die im Gast- und Schank- ge, verde und im Verkehrsdienst beschäftigten Arbeiter durch ein besonderes Gef eh regeln sei, da der Verordnung?- weg dazu nicht ausreiche» dürste. Ausserdem erklärte er, daß die ganzen Schutzvestimmungen dieses Gesetzes auf die l a n d w i r t h- s ch a f t l i ch e n Betriebe, auch die inil Maschinenbetrieb, keine Anwendung finden sollen, sondern nur auf die industriellen N e b e n betriebe der Landwirthschaft. Grillenberger er- klärt, daß seine Partei, entweder an geeigneter Stelle' in dem vorliegenden Gesetz oder durch Sondergesetz, iie Ausdehnung der Schutzbestimmungen auf s ä m m t l i ch e landwirthschastliche Lohn- arbeitet beantragen werde. Der Z 105 h handelt davon, den Landes-Zentralbehörden die Befugniß vorzubehalten, für einzelne Festtage, welche nicht auf einen �Sonntag fallen, Abweichungen von den Vorschriften des§ 103 b Abs. 1 zu gestatten. Die drei großen Feiertage und das Himmelfahris- und Neujahrsfest werden davon nicht be- troffen. Auch sollen weitergehende landesgesetzliche Ve- schränkungen der Arbeit an Sonn- und Feiertagen den Bestim- mungen der§§ 105a bis 105g nicht entgegenstehe». Der Para, graph wird in der Fassung der Regierungsvorlage angenommen, nachdem er namentlich durch das bayerische Bundesraths- Mitglied, Oberregierungsrath Landmann, eine ausführliche Begründung gefunden. Mit Erledigung dieser Paragraphen ist die erste Berathung des Abschnitts über die Sonntagsarbeit beendigt. Nächste Sitzung morgen Vormittag 10 Uhr. Rovrespondenjen. Ktsckholm, den 7. Juni.„Die Revolution in M a t m 5", welche drei Tage lang das Königreich Schweden im Zustande fieberhafter Erregung gehalten hatte, ist schon jetzt wieder beendet; zur allgemeinen Beruhigung trug gestern die Eni- deckung bei, daß die„große Gefahr", in der das Land schwebte, hauptsächlich in dem„Druckfehler" eines amtliche» Telegramms bestanden hatte, welches meldete, daß eine Volksmenge von 80 000 Menschen das Rathhaus von Malwö stürmen wolle, während die Zahl nur 8000 heißen sollte.— Wie ein Blick auf die Karte lehrt, ist Malmg die südlichste bedeutendere Stadt Schwedens und liegt direkt Kopenhagen gegenüber. Bei dem regen Handelsverkehr beider Städte untereinander ist es ganz natürlich, daß sich von der dänischen Hauptstadt aus auch der Einfluß der Arbeiterbewegung und der Sozialdemokratie in Malmö bemerkbar machte. Und da gerade in diesem Frühjahr in Kopen- Hägen die Lohnbewegung eine sehr nachhaltige ist, so mochte» wohl auch in Malmö, welches beiläufig 45 000 Einwohner zählt, die Unternehmer schon längst mit emem gewissen Grauen dem Ausbruch des ersten Streiks entgegengesehen haben. So nur läßt sich die Erbitterung erklären, welche sofort am Montag Platz griff, als die größere Zahl der Bauhandwerker die Arbeit niederlegte. Man that dies, da die Forderung einer theils neun-, theils zehnstündigen Arbeitszeit und eines Stundenlohns von 23 Oere(32 Pfennige) abgelehnt worden war. Die Zahl der Streikenden, welche sich aus Maurern, Zimmerleuten und Bautischlern zusammensetzten, mochte fich am Montag Mittag auf 400 belaufen. Die Meister nahmen aber sofort eine sehr schroffe Stellung den Arbeitern gegenüber ein; viele, bei denen noch gar nicht gestreikt wurde, entließen ohne weiteres ihre Arbeiter und wollten sie nicht eher wieder be- ginnen lassen, bis der Streik überhaupt beendet sei. Diese Maß- reael rief auf Seiten der Arbeiter aber nur die gleiche Ent- schtießung hervor, so daß sich auch am Nachmittag in vielen Werkstätten die Tischler, Schlosser. Drechsler und andere mit den Streikenden und Ausgesperrten solidarisch erklärten und ebenfalls die Arbeit einstellten. Am Dienstag Morgen mochte die Zahl der Feiernden wohl bereits auf 1600 gestiegen sein. Der Bürger- m eistet der Stadt zeigte sich aber von vorn herein der Situation nicht geivachsen. Er stimmte den Unternehmern darin zu, daß die Streikbewegung nur durch die„von außerhalb" her- beigestrvmten sozialdemokratischen Agitatoren künstlich ins Leben gerufen sei; vielleicht auch dachten die Herren daran, daß es eine ganz willkommene Gelegenheit set, Malmö», zu einer Garnison st adt zu machen, während bisher �ioch Militär in derselben lag. Infolge dessen wurden Arbeiter-Deputattonen sowohl am RathhauS, als von den Unternehmern ohne weiteres zurückgewiesen nur dringende Telegramme an die Regierung mit der Bitte um militärischen Schutz abgesandt. Allerdings machte sich unter den Arbeitern infolge der ablehnenden Haltung der Meister laute Entrüstung bemerkbar. Die Zahl der Menschen- menge in den Straßen wurde immer größer, und als gar der Bürgermeister an den Straßenecken große Plakate anbringen ließ, auf denen die Strafbesttmmungen gegen Aufruhr zu lesen waren, wurden die Zettel sofort wieder abgerissen und theilweise auch die mit dem Ankleben beauftragten Polizeibeamten verhöhnt.— Da endlich Abends halb neun Uhr kam die„lang ersehnte" kein die auch und — Sie haben ihm zu verstehen gegeben, daß ich heute auf den Baron zähle? — Ohne Zweifel; dies schien ihn zu bestimmen. Sie sprachen von Mouret. Dieser hatte im verflossenen Jahre eine plötzliche Neigung zu Bouthemont gefaßt, in dem Grade, daß er ihn zu seinen Vergnügungen zuzog. Er führte ihn sogar bei Henriette ein, froh darüber, daß er Je- manden bei der Hand hatte, welcher einige Heiter- keit in das Verhältniß brachte, dessen er schon überdrüssig war. So war der erste Kommis der Seiden-Abtheilting allmälig der Vertraute des Patrons und der schönen Wittwe geworden; er besorgte ihre kleinen Aufträge, sprach mu dem Einen von dem Andern und versöbnte sie zuweilen, wenn ein kleiner Zwist vorfiel. In ihren Eifersuchtsanwandlungen überließ sich Henriette einer Intimität, welche ihn überraschte; sie ließ alle Vorsichtsmaß- regeln der Dame von Welt außer Acht und vernachlässigte selbst den äußeren Schein. Sie sagte in heftigem Tone: — Sie hätten ihn mitbringen sollen, damit ich sicher sei. — Ich kamt nichts dafür, wenn er mir seit einiger Zeit immer entschlüpft... Und doch ist er mtr wohlge- smnt; ohne ihn würde es mir schlimm ergehen. In der That war seit der letzten Inventur seine Siel- lung int„Glück der Damen" bedroht. Vergebens bertes er sich auf die regnerische Saison; man hielt ihm tmmer wieder den großen Vorrath an Fantasieseide vor. Und da Hutin diesen Umstand ausbeutete und im Stillen bei den Chefs gegen ihn arbeitete, fühlte er den Boden unter sich wanken. Mouret hatte ihn verurtheilt, denn ihm war dieser Zeuge lästig, der ihn behinderte, sein Verhältntß abzu- brechen; auch war er dteser Familiartatät überdrüssig, die ihm keinen Vortheil brachte. Aber seiner gewohnten Takt tk getreu, schob er Bourdoncle vor; Bourdoncle und dte an- deren Jutcressirten forderten in jeder Berathung die Ent- lafsung Bouthemoitts, während er— wie er behauptete— feinen Freund trotz vielfacher Verdrießlichkeiten vertheidtgte. Ich werde warten, sagte Henriette. Das Mädchen wtrd ' militärische Hilfe in Gestalt von 200 Husaren, welche, von Lnndskrona kommend, mit lautem Trompetenschall in die Stadt einrückten. Die Volksmenge machte den Ankommenden ruhig Platz, welche bis zum Marktplatz zogen und darauf im Hofe des Polizeiamtcs Ausstellung nahmen. Hierdurch nun haste die Polizeimannfchast des Herrn Bürgermeisters so viel Math erhalten, u»t aus ihrer bisher beobachteten Defensive zur Offensive überzugehen. In mehreren Abtheilungen rückte die Polizei aus und suchte eine Anzahl der Manifestanten zu verhaften. Mit schwerer Mühe gelang es ihr, etwa ein halbes Dutzend zu ergreifen und nach dem Amtshause abzuliefern; aber immer drohender wälzte sich die Menge des Volkes heran und verlangte laut die Herausgabe der V?rhafteten. Dies aber war der Älugenblick, wo der Bürgermeister sein Aints- Haus„als in Gefahr schwebend" erachtete und deshalb— es war bereits in der zehnten Stunde— den Anführer der Husaren er- suchte, einen Angriff gegen das Volk zu unter- nehmen. Die Reiterei stürzte sich nun mit der blanken Waffe unter die auf dem Marktplatz versammelte Menge, unter welcher sich außer den Streikenden natürlich auch viele Neugierige, Frauen und Kinder befanden. Die nun folgenden Szenen blieben im Dunkel der Nacht gehüllt, da die Laternen sehr bald erloschen. Die Verwundungen waren zahllos, doch hatte im All gemeinen das Bravourstück mir geringen Erfolg. Mehrere Pferde stürzten, und pbsnso wurden einige Polizeibeamte nicht unerheblich verwundet. Ein Kommissar soll sogar niedergeritten sein, derselbe wurde noch in der Nacht ins Hospital gebracht. Erst gegen Morgen wurde die Stadt ruhig, und nachdem am Vormittag auch noch zwei Batterien reitender Artillerie einge- troffen waren, konnte„die Volksbewegung als niedergeworfen" angesehen werden. Am Mittwoch waren denn auch die Polizei- Mannschaften, Husaren und Kanonen die Einzigen, welche auf der Straße zu sehen waren.— Nach diesem„Erfolge" ließ sich nun endlich der Herr Bürgermeister darauf ein, mit den Arbeiter- kommissionen und den Unternehmern zu unterhandeln. Die Meister hielten unter Beisein des Landhauptmanns Berathungeu ab, und die Arbeitervertreter durften steh im Rathhause darüber Bescheid holen. Aber trotz aller Ermahnungen zur Nachgiebig- keit hatten die Meister am Freitag Abend die Forderungen der Arbeiter noch nicht angenommen. Wenn daher auch die Schlosser und Holzarbeiter am Donnerstag und Freitag zum größeren Theil wieder an die Arbeit gingen, so dauert doch der Streik der Bauhandwerker bis jetzt noch an.— Was nun endlich die Vetheiligung der sozialdemokratischen Parteiführer bei der ganzen Bewegung anbetrifft, so suchten diese allerdings die Leitung derselben in ihre Hand zu bekommen, um vor Allem die Planlosigkeit zu vermeiden. Leider gelang ihnen dies nicht, sonst würde es wohl auch nicht zu den turbulenten Szenen ge- kommen sein. Das Parteiorgan„Arbetet" scheute sich deshalb auch keineswegs, die Arbeiter dringlichst zur Unterlassung jeder Ruhestörung aufzufordern und besonders den beabsichtigten all- gemeinen Streik aller Ge werke als schädlich zurück- zuweisen. Voraussichtlich gelingt es nun auch, die Lohnbewegung in geordneter Weise weiter durchzusiihre».— Tie Zahl der ver- hafteten Arbeiter beträgt zur Zeit 41, die Zahl der ernstlich Ver- mundeten wird behördlicherseits auf 07 angegeben. Einige Truppen- kontigente sollen nunmehr dauernd in Malmö stationirt werden. Volikisrhe Uebevpitvk. In der Montngssitzung der MiUtarkommifston trat der neue Reichskanzler als derm ex maclüna aus. Der dens ex macliina— der aus der Theatermaschine hervorsteigende Gott— war bei den alten Römern und Griechen bekanntlich nur dann näthig, wenn die Sache so verfahren war, daß sie von innen heraus, organisch nicht wieder in Ordnung gebracht werden konnte. Und gründlich verfahren ist der Karren der neuen Militärvorlage. Das Zukunftsbild, welches der Kriegsminister in der Kommission gemalt hat, läßt sich von der Militärvorlage nicht trennen, und mag noch so dringlich gemahnt werden, das Zukunftsbild als etwas nicht Borhattdenes zu betrachten— das ist einfach unmöglich und ein Abgeordneter, der für die Borlage stimmen wollte, ohne sich um die Folgen seines Votums zu bekümmern, würde sich entschieden einer Pflichtvergessenheit schuldig machen. Die Erklärungen des Reichskanzlers verfehlten auch vollständig ihre Wirkung— außer auf solche Koinmissiotts- Mitglieder, die, wie z. B. Bennigsen nur einen halbwegs plausiblen Grund oder Vorwand zum Ja sagen zu haben wünschen. Das Zentrum, in dessen'Händen die Entscheidung liegt, schwankt noch— die Gegner der Vorlage scheinen noch in der Majorität— über die Stellungnahme wird man sich aber erst in der Fraktionssitzung, die Montag Abend stattfindet, schlüssig machen— oder auch nicht. Herr Windthorst er- um 6 Uhr hier sein. Ich muß sie hier zusammenführen und ihnen ihr Geheimniß entlocken. Und sie kam auf ihren überlegten Plan zurück; sie wiederholte in ihrer fieberhaften Ungeduld, daß sie Madame Aurelie gebeten habe, ihr Denise zu schicken, damit sie einen Mantel besichtige, der ihr nicht passe. Hat sie einmal das Mädchen m ihrem Zimmer, so wird sie schon ein Mittel finden, Mouret zu rufen und dann wird sie handeln. Bouthemont, der ihr gegenüber saß, betrachtete sie mit seinen schönen lachenden Augen, welchen er einen ernsten Ausdruck zu geben suchte. Dieser gemüthliche Gevatter mit dem rabenschwarzen-Barte, dieser heitere Lebemann, dessen heißes Gascognerblut sein Gesicht röthete, dachte sich, daß die Frauen der guten Gesellschaft, wenn sie sich geheit lassen dürfen, keineswegs Muster von Tugenden sind. Gewiß: die Maitressen seiner Freunde, gewöhnliche Ladenmädchen, wür- den sich nicht vertraulicher benehmen können. — Was kann Ihnen das schaden? wagte er endlich zu fragen, da ich Ihnen schwöre, daß unter ihnen nichts vorgefallen ist. — Doch, doch, schrie sie, er liebt sie. Ueber die Anderen mache ich mich lustig, das sind nur bloße Begegnungen, vorübergehende Tageslaunen. Sie sprach von Klara mit Geringschätzung, man hatte ihr erzählt, daß Mouret nach dem Refus Deinsens wieder zu dieser großen Rothen mit dem Pferdekopfe zurückgekehrt sei, ohne Zweifel aus Berechnung, denn er behielt sie in der Abtheilung, überhäufte sie mit Geschenken, offenbar um die Sache auffällig zu tnachen. Ueberdies führte er seit drei Monaten ein furchtbar ausschweifendes Leben und gab das Geld mit einer Verschwendung aus, die schon sprichwörtlich geworden; einer Choristin hat er ein Hotel gekauft, zioei oder drei gewöhnliche Dirnen zugleich saugen ihn aus, indem sie einander an kostspieligen und blöden Kaprizen überbieten. — Und das alles ist die Schuld dieser Kreatur, wieder- holte Henriette. Ich sehe ja, daß er sich mit Anderen ruinirt, weil sie ihn abweist...— Was kümmert mich übrigens sein Geld? Ich wollte, er wäre arm. Sie wissen, klärte ausdrücklich, daß er sich bis zur dritten LesM � Hand freihalten müsse. Tie Generaldebatte wurde geschlossen, nachdem L 1 8, fnccht im Namen seiner Fraktion noch die Erklärnn?• gegeben hatte, daß die Verhandlungen der Kommission, entfernt, die Sozialdemokratie in ihrer verneinenden tung zu erschüttern, sie darin nur bestärkt habe. jl prinzipiell uegirenden Haltung, welche die SozialdemoOi der Vorlage wie dem ganzen Militarismus gegenüber' nehme, könne er— Redner— sich auf die Frage der>, pensationen" wie aus andere Nebeufragen nicht eirnaii' Im Plenum werde oie Fraktion noch Gelegenheit ha' zum Lande zu reden., Die nächste Kommissionssitzung wird am Mittwoch i finden.., in Die Detailbcrathung durfte noch mehrere Sttztmgt Anspruch nehmen. Thatsache ist, daß die Chanzen der b Iaj(e mit jedem Tag ungünstiger werden. - In» Frag» dr« strafrechtlichen Zustandrs nach®l'l Hebung des Sozialistengesetzes bringt die„MagD" 0... einen instruktiven Artikel, den wir im Auszuge mitzutyeilen � unterlassen wolle». Das Blatt sagt über diese nicht allzu«ni " WV3 BPSS*.«wm*"sS man zu dem Schluß gelangen, es genüge für die Bestrafung„ Handlung, wenn sie vor ihrer Begehung unter ein Stwsg gestellt war; allein diese einfache Bedingung genügt nicht,. Strafgesetz, unter welches die Handlung fällt, muß nicht nur ihrer Begehung bestanden haben, sondern es muß auch 5» � Zeit bestehen, in welcher das dieselbe rügende Urtheil ergeht,.. dies von Binding in seinem Handbuch des Strafrechtes(I. rvt;ae sehr richtig hervorgehoben wird. Dieser allgemein rim» Rechtssatz erleidet jedoch bei der praktischen Anivend einige Modifikationen, insofern nämlich ein bislang bestand Strafgesetz einfach abgelöst, d. h. durch eine anderwet�. gesetzliche Regelung ersetzt oder aufgehoben wird, ohne � � ein Ersatz dieser Art eintritt; in dem letzteren Falle kwin. Aufhebung des Gesetzes entweder mit rückwirkender Kraft c gesiattet sein, so daß die vor der Anshebnng entstandenen« rechte zur Strafverfolgung keinen Anlaß mehr geben oder« der Aufhebui'g fehlt die rückwirkende Kraft; ob dies oder ft vom Gesetzgeber gewollt ist, haben die Gerichte ans Grund Auslegung des gesetzgeberischen Willens festzustellen, welcher Aufhebung ausspricht. Da aber die Aushebung des Soziaw geseyes nicht durch ein neues Gesetz, sonoern einfach durch.} Nichtverlängerung des bisherigen geltenden Gesetzes erfolgt,' bietet die Interpretation keine Handhabe, um zu einer rtcht'S Lösung zu kommen. Unter diesen Umständen muß aus dte. neralregel zurückgegriffen werden, wonach der Richter Erlaß eines Urtheils das zu dieser Zeit geltende Gesetz anL wenden hat. Da nun nach dem 1. Oktober das Sozialistenge! nicht mehr in Kraft ist, so hat wegen aller aus Grund deisti, strafbaren Handlungen, welche nach dem gedachten Tage ztit urtbeilung gelangen, Freisprechung einzuireten; daß ie8'(,„ strafrechtliche Verfolgung, soweit sie noch nicht bis zu dem s*t eines Urtheils gediehen ist, zu unterbleiben hat, bedarf ntch'. ausdrücklichen Hervorhebung. ES ist nun möglich, daß vor s 1. Oktober auf Grund des Sozialistengesetzes«ine Verurthet» � ausgesprochen, gegen diese aber die Berufung eingelegt welche nach dem 1. Oktober zur Verhandlung kommt, uno fragt sich, was die Strafkammer alsdann zu thun hat? Daß Anwendung des Soziltlislengcsetzes nicht als Berufs� grund geltend gemacht werden kann, unterliegt kein Ztveifel, denn das Schöffengericht, tvelches vor dem 1. erkannte, mußte dieses Gesetz anwenden und hat demgemäß kommen richtig erkannt; wäre aber die Berufung aus i anderen Grunde eingelegt und die Strafkammer der Ansicht,, diese gerechtfertigt ist, so Hütte Freisprechung zu erfolgen,>v!»,„ Strafkammer aus den Fall dann das Recht anzuwenden 5%, wird, wie es zu dem Zeitpunkte besteht, indem sie über die rufung erkennt. Ist gegen eine Verurtheilung eines Landgev� die Revision eingelegt worden, so wäre, falls diese seitens Reichsgerichts für begründet erachtet wird, die Sache zurcickzu� weisen; das aber nunmehr mit der Sache betraute Gericht®*«, auf Freisprechung zu erkennen haben, weil die gesetzliche Botf, setzung für die Strafbarkeit der Handlung, ein geltendes 6(1- nicht mehr vorhanden ist"... „Anders verhält es sich mit den bereits rechtskräftig urtheilten Sachen, deren Strafe vor dem 1. Oktober erfolgt,- noch nicht zum Vollzug gelangt ist; es liegt auf der Hand,°- diese Strafen durch die Nichtverlängerung des Soziaustengei«» eine Berührung nicht erleiden können, sondern ebenso voustst� werden, als wenn dieses Gesetz noch Geltung hätte; die rech kräftige Erledigung hat die Strafletstuug des Verbrechers eo giltig festgestellt und zeglicher Einwirkung der Aenderung des IL setzgeverischen Willens entzogen. Damit wollen wir natürlich der Gesetzgebung die Möglichkeit oder Befugniß bestreiten,�»- stimmen, daß auch die aus Grund des aufgehobenen wie sehr ich ihn liebe, Sie, der Sie sein Freund gl ertst' st. den sind. Sie hielt beklommen inne und war nahe daran, Thränen auszubrechen. In einer Bewegung der SeW Vergessenheit reichte sie ihm beide Hände. Es sei' wiederholte sie: sie bete Mouret an wegen seiner wegen seiner Triumphe; niemals habe ein Mann so v" ständig von ihr Besitz genommen; bei dem Gedanken, ihß L verlieren, glaubt sie ihre Todtenglocke zu hören. Uno> fragte sich, wie sie diese unendliche Liebe ersetzen sollte. — Ach,'ch werde mich rächen, ich werde mich räcP wenn er sich übel benimmt., Bouthemont hielt noch immer ihre Hände in v seinen. Sie war noch immer schön. Allein, sie für ihn eine gsnante Maitreffe, dachte er sich; er% dieses Genre nicht. Indessen wolle er die Sache sich% legen, es lohnt sich vielleicht die Verdrießlichkeiten c" solchen Verhältnisses mit in den Kauf zu nehmen. — Warum etabliren Sie sich nicht? fragte sie ihn p� lich, indem sie sich losmachte. Er saß erstaunt da. Dann nach einer Weile widerte er: — Dazu bedarf es beträchtlicher Kapitalien. vorigen Jahre hatte ich allerdings den Plan. Ich bin zeugt, daß sich in Paris noch immer eine Kundschaft für' oder zwei große Magazine findet. Es handelt sich nur dar». das Stadtviertel geschickt zu wählen. Der hon marchö das linke Seineufer, oer Louvre den Mittelpunkt der St»' Wir im„Glück der Damen" haben die reichen westchM Stadtviertel. Es bleibt noch der Norden, wo man®„ Magazin auf der Place Glicht) Konkurrenz machen kv», und ich habe einen prachtvollen Posten hinter der entdeckt.... — Nun denn? Er lachte laut auf.«f, — Denken Sie sich, sagte er, daß ich so dumm Sache meinem Vater zu erwähnen. Ja, ich war naiv(ff' ihn zu überreden, daß er für eine solche Unterneh'» in Tonlonse Aktionäre suchen möge. (Fortsetzung folgt.) rechtskräftig �. Men, e» ein" sches erkannten Strafen nicht nicht vollstreckt wer- wir sind im Gegentheil der Ansicht, daß Widerspruch ist, Strafen ans Grund eines Ge- - vollziehen zu lassen, das man aufgehoben hat, % man den strafbaren Charakter der in ihm enthaltenen ß geregelten Handlungen nicht mehr anerkennt! , i Hot bei der Erörterung dieser Frage auch auf den «weiten Absatz des§ 2 Bezug genommen, welcher lautet: „Bei Verschiedenheit der Gesetze von der Zeit der be- gangenen Handlung bis zu deren Aburtheilung ist das. mildeste Gesey anzuwenden." s.,.. Diese Bestimmung kommt aber hierbei gar nicht in tzztigung, weil der Gesetzgeber unter dieser Vorschrift ninfsolche Gesetzeswechsels hat subsumiren wollen, in denen zwar asllstaß der Bestrafliiig eineAenderung erfahren hat, diese selbst ftK««.'vtstLuinuy �«iiucvuny t*.|uyvv*r-'»�1 i ? er"nch wie vor festgehalten worden ist. Aus den voranstehen m Bemerkungen wird aber ersichtlich geworden sein, daß es fiel Vier Um»«T..«»._r j.;.-_____ �ec Um etwas wesentlich Verschiedenes"handelt Koma« Zrllatnif's„Looking Backward"—„ Auablick aus dem Jahre 2000"— hat in Amerika bekannt ein lich tch einen wunderbaren Erfolg ge! oikerungsklassen eine wahre Revo! chabt und in weiten Be- �fterungsklassen eine wahre Revolution der Geister erregt. Mitte Btai waren von diesem sozialistischen Zukunfts- toman 332 000 Exemplare verkauft. Die Zahl der An- �uger des„Nationalismus", wie man, um das böse Wort «Sozialismus" zu vermeiden, die neue und allerdings geniale Darstellung alter, wenn auch junger und jugendkrästiger genannt hat, belauft sich aus mindestens eine halbe Anllion erklärter Anhänger unter den Anglo-Amerikanerit, "T denn die Deutschen Amerika's haben es natürlich nicht Uothig, den Sozialismus sich erst durch einen Aankee-Ad- "okaten vermitteln zu lassen— und obendrein in ver- wässerter Gestalt. Die„Nationalisten" haben aber auch schon Praktische Versuche zur Verwirklichung ihres «Systenis" gemacht, und in verschiedenen Staaten von Amerika„Kolonien" angelegt, in welchen möglichst ßenau nach dem Bellamy'schen Rezept gelebt wird, jwer werden soll. Die eine der Kolonien— die Nehalem- �alony im Staate Oregon— umfaßt 4000 Acker Land, dw für 3000 Dollars angekauft wurden und jetzt— nach knijähriger Arbeit— schon einen Werth von 150 000 Dollars darstellen sollen? in derselben leben 24 Männer und sechs ckrauen mit zusammen 35 Kindern. Seit den Zeiten O w e n' s und C a b e t' s sind in Amerika viele solcher Versuche gemacht worden, und sie sind sammtlich mißlungen, weil eine tiefgreifende Veränderung der Wirthschaftsweise sich nicht im Kleinen durchführen läßt, und weil die bürgerliche Welt, sobald ste sich der Wüste- Ucien bemächtigt, in denen die Kolonien angelegt zu werden Pflegen, die„Kolonien" rasch aufsaugt oder„annektirt".— llnd genau das nämliche Schicksal werden die Bellamy'schen Kolonien erleiden. Der Znndesratst hielt am 7. d. M. unter dem Vorsitz des �>jez,rästbe,iten des Staatsministeriums, Staatssekretärs des In- Uern Dr. v. Bölticher, eine Plenarsitzung ab. In derselben wurde "km Entwurf eines Gesetzes belreffend die Feststellung eines Pveiten Nachttages zum Reichshaushalts-Etat für daS Etatsjahr 1890/91, und dem am 31. Mai d. I. zu Bern mit der Schweiz vereinbarten Niederlassungsverttag die Zustimmung ertheilt. Die Versammlung erllärre sich ferner damit einverstanden, o»ß auf Grund der aus der dritten Berner Konferenz hervorgegangenen Entwürfe im Namen des Reiches ein Vertrag über den internationalen Eisenbahnsrachtverkehr mit »en üvrigen ans der Konserenz vertreten gewesenen Regierungen vorbehaltlich der Ratifikation abgeschlossen werde. Die Eingabe des Empfangsausschusses für das zehnte Deutsche Bundessa)ießen zu Berlin überwies der Bundesrath dem Herrn Reichskanzler mit dem Ersuchen, behufs zollfreier Abfertigung von klaffen und Munition der Theilnehmer an dem Schießen mrt den °etheiligten Landesregierungen in Vernehmen zu treten. Endlich wurde über die Wierervesetzung erledigter Stellen bei Disziplinar- 'ammern Beschluß gesaßt., �. Da» Abgevrdnrtenlfn«» berieth am Sonnabend m dritter Lesung die Sperrgeldervorlage. Die Redner des Zentrums er- 'iärten, für die Vorlage in der gegemvärligen Form nicht stim- wen zu können. Im Anschluß hieran gaben die Redner der kon- letzmnven und nationalliberalen Parteien die Erklärung ab, daß wftimehr auch ihre Jraitionen die Vorlage ablehnen w> rden. Dementsprechend wurde die Vorlage gegen die Stimmen der Frei- •mnigen und des wildkonservativen Abg. v. Meyer(Arnswalde), °er gleichfalls seine entschiedene Mißbilligung Über die von den �Nellparteien beobachtete Taktik aussprach, abgelehnt. In der Diskussion wurde nochmals die Stellungnahme des Papstes und der Bischöfe zur Borlage erörtert. Abg. Dr. Windthorst stellte krnent in Abrede, daß die Kurie ihr Einverständniß ausgesprochen habe, und deutete an, daß diese Mittheilung lediglich dem auch im Vatikan vorhandenen Spitzelthnm seine Entstehung verdanke. Kultusminister von Goßler hielt seine Behauptung, «aß der Papst sich zustimmend zur Vorlage geäußert habe au,- sechl und erklärte, auch die Quelle, durch ivelche diese zuftiinmende Enlärung übermittelt sei, für eine durchaus lautere. Abg. Stöcker wiederholte seine scharfen Ausfälle gegen das Zentrum, m die er Zur Abwechselung auch wieder einmal antisemitische Hetzereien verflocht. Er wurde jedoch diesmal durch die konservative Partei selbst desavouirt. für welche Abg. v. Raüchhaupt erklärte, daß Herr Slöcker nur für sich persönlich aesprochen habe.— Montag nadet die zweite Berathung der Renteugütervorlage statt. . Das Ichw-nerisch- Afylrrch». Die„Neue Badische Landes- ieitung» bespricht den§ 10 des schweizerischen Bundesgesetzes, detrestend die Auslieferung an das Ausland, so wie er vom Aundesrath entworfen ist. Namentlich weist das Blatt daraus hl", daß man gar nicht erst nach Rußland zu gehen brauche, son- den, das Schlechte auch noch viel näher finden könne. Zum Ber- ständnisse der Ausführungen setzen wir den betteffenden Para- Lvaphen noch einmal hierher. Er lautet:.. „„Wegen politischer Vergehen und Verbrechen wird d,e Aus- lleferunq nicht bewilligt. Die Alislieserung wird indes,-n be- willigt, wenngleich der Thäter einen politischen Beweggrund oder Zwea vorschützt, sobald die Handlung, um deretwillen die Aus- lfeferung verlangt wird, vorwiegend den Charakter eines Lsin einen �erbremens oder Vergehens hat. Das Bundesgericht enifcheide «n einzelnen Falle üder die Natur der strafbaren Handlung auf ®titnb des Th itbestandes. Wenn die Auslieferung bewilligt wird, so stellt der Bundesrath dem darnin ersuchenden Staate die Be- �ngung, daß der Auszuliefernde wegen seines polltlschen Beweg- tzrundes oder Ziveckes nicht strenger behandelt werden dürfe. ÄA'Ä'ÄÄ», A™ »» alten. Allein nicht nur Baden stand damals auf der Höhe der Situation. Die Kriegsgerichte des Winhischgrätz haben Robert Blum und Messenhauser die gemeinsten Beweggründe unterge- schoben und jeder Theilnehmer an der Berliner Revolution war von vornherein ein„Mörder". So siebtes in Wirklichkeit mit der neuesten schweizer Jni- tiative aufknie einfach nichts anderes bedeutet, als die Auf- hebuMSves schweizer Asylrechts. treills und Armenpfiege. Die Hamburger„Reform" reibt:„Senator v. Melle soll die Armenpfleger angewiesen haben, Streikenden keine Unterstütz, ing mehr angedeihen zu lassen und der Polizei Anzeige erstatten, sobald Familien durch die Ar- beitseinstellung ihres Ernährers in Roth gerathen, damit gegen denselben gerichtlich eingeschritten werden kann.— Es soll dies auf Grund des§ 361 Nr. 5 des Reichsstrafgesetzbuchcs geschehen, welcher besagt:„Wer sich ic. dem Müßigang dergestalt hingiebt, daß er in einen Zustand geräth, in welchem zu seinen, Unterhalte oder zum Unterhalte derjenigen, zu deren Er- nährung er verpflichtet ist, durch die Vernnttelnng der Behörde fremde Hilfe in Anspruch genommen werden muß, wird mit Haft bestraft." Tie Anwendung dieser Bestimmung aus Stteikende, wenn infolge des Streiks deren Familien in Roth gerathen und deshalb um Annenunterstützung einkonimen, ist unzulässig; weil zum Thatbestand des§ 361 Nr. 5 die bloße Thatsache der Vernack- lässigung der Angehörigen nicht ausreicht, sondern es muß die durch Müßiggang herbeigefühtte Unfähigkeit der Ernährung der Angehörigen festiestellt sein, was bei einem Streik nicht möglich ist." Soweit das genannte Blatt, dessen juristische Schluß- folgerungen wohl richtig sind. Das„Hamburger Echo" hebt aber mit Recht hervor, daß ein anderer Punkt in dem schlauen Erlaß des Hamburger Senators nock> wichtiger wäre:„Selbst die ent- schiedensten Gegner der Arbeiterbewegung, so sagt es, werden zu- geben, daß die Hamburger Arbeiter wiflen, welche Ziele sie ver- folgen und daß hier Stteiks nicht von einer iiiiaufgeklärten Masse durchgeführt werden, sondern von wohlorganisirten Gewerkschaften. Jeder denkende Arbeiter weiß aber nur zu gut, daß durch gewerk- schaftliche Kämpfe errungene Vortheile ihm nicht lange bleiben werden, daß solche Kämpfe überhaupt sehr selten für ihn erfolg- reich sein iverden, wenn er keine politischen Rechte besitzt, wenn in den gesetzgebenden Körperschaften keine Leute sind, welche seine Interessen vertreten. Sinn ist aber das wichtigste politische Recht des Aroeiters sein Wahlrecht zum Reichstag(ein Wahlrecht zur „Volks"-vertretung in unserer plutokratischen Musterrepublik besitzt er ja nicht) und dieses Wahlrecht würde er ver- lieren, wenn er Armenunterstützung bekäme. Wir können nicht glauben, baß wirtlich Streikende Armenunterstützung in Anspruch genommen haben oder nehmen werden; also erscheint uns die Anweisung des Herrn Senators mindestens sehr überäüssig. Wenn die Notiz nicht in die Presse janzirt ist, um die streikenden Arbeiter als Almosenempsänger in der öffentlichen Meinung herabzusetzen, wenn wirklich Armen- Unterstützung von Streikenden oder deren Familien in Anspruch genommen wurde— was wir, wir wiederholen es, absolut nicht glauben können— so kann man der angeblichen Anweisung auch noch eine andere Seite abgewinnen: man kann sie als ein neues Mittel auffassen, die Streikenden einzuschüchtern, resp. zu be- strafen. Ha tstrafe wegen Vernachlässigung der Familie, das wäre allerdings daS Neueste, was auf dem Gebiete der Be- kämpfung von Streikenden geleistet worden wäre. Die letzten Jahre, seitdem der famose Puttkamer'sche Stteikerlaß erschienen ist, haben allerdings so Manches auf diesem Gebiete gezeitigt, was dem einfachen Menschenverstände nicht recht einleuchten will. Speziell hier in Hamburg ist man an sehr Vieles gewöbnt und weiß, welcher Gunst sich die Streikenden von Seiten der Behörden zu erfreuen haben; die Ewersührer, die Maler können ein Lied- chen davon singen, um neue Beispiele aus den letzten Wochen anzilführen. Daß aber ein Senalor eine derartige, erstens höchst überflüssige und zweitens viel böses Blut erzeiigende Amveisung an die Ärmenpfleger erläßt, können wir vorläufig noch nicht glauben."— Die Nachricht ist inzwischen bestätigt worden. Wegen Kanvfricdenv Irnichs ist gegen den bekannten Dr. Riibt in Heidelberg die Untersuchung eingeleitet worden. Der Hansfriedensbrnch soll darin bestehen, daß der Dr. Rüdt in Lörrach dem Antisemiten Lieberniaiin von Sonnenberg die Suppe gehörig versalzen hat Liebermann hatte eine Volksversammlung einberufen, in der auch Dr. Rüdt erschien, und es durchsetzte, daß der Vorsitz durch Abstimmung auf einen Gegner des Anti- seniitismus übertragen wurde. Als sich Liebermann diesem reget- rechten und gesetzlichen Vorgange nicht fügen ivollte, emstand ein allgemeiner Lärm, infolge denen der die Versammlung über- wachende Amtmann Beck dieselbe auslöste. Liebermann behauptet nun, das Bersammliingslokal gemiethet und auf Grund dessen das Recht gehabt zu habe», die Lörracher Bevölkerung gegen die Juden aufzuhetzen.— Aehnlich wie Liebern, ann v. Sonnenberg in Lörrach erging es Dr. Böckel zu Reichelsheim im Odenwald. Bockel wagte es garnicht, in der von ihm einberuienen Versammlung das Wort zu ergreifen. Anivcsende Mitglieder der Demo- ttatie(Gloichanf-Mannheim) und Sozialdemokratie(Häusler- und IRüller-Darmstadt) ergriffen die Gelegenheit, um die Versammlung über das Verächtliche der Antisemilenbeivegung aufzuklären. Sämmtliche Redner fanden lebhaften Beifall. Nicht weniger als sieben Gendarmen waren zum Schutze der Antisemiten erschienen. Der Schutz der Antisemiten machte es wahrscheinlich auch nöthig, Gleichauf und Häusler zu verhaften. Doch die hochwohlweise Polizei mochte doch ahnen, einen Mißgriff begangen zu haben, denn sie gab nach eintt Viertelstunde die Verhafteren frei. Geistliche WahlberinfluN'nng. Ein Pfarrer in See- feldern(Baden) wurde vom Schöffengericht in Ueberlingen be- sttast wegen Vergehens gegen§ 16 c des Gesetzes vom 19. Februar 1874. Der betreffende Paragraph lautet:„Geistliche, welche aus Anlaß öffentlicher Wahlen ihre kirchliche Autorität anwenden, um auf die Wahlberechtigten in einer besiimmten Parteirichtung ein- z,„virken, werden an Geld von 60 bis 600 M. bestraft." Dem Pfarrer war zur Last gelegt, daß er im Beichtstuhl seine Beicht- kinder ennahnt, resp. ihnen besohlen habe, nicht liberal zu wählen. Als einer der Zeugen geantwortet er wähle nach seinem freien Willen, habe der Pfarrer gedroht, er werde ihn nicht ab- solviren. Das Gericht verurtheille den Angeklagten zu 200 M. Geldstrafe. Die Kelastnng der minder mohlliabenden Volks- klaffen scheint den Nationalliberalen in Westfalen trotz der Ge- ttcidezölle und der Theuerung der Lebensmittel noch nicht hoch genug zu sein. In Hörde haben die Stadtverordneten mit 9 gegen 7 Stimmen die Einführung einer städtischen Biersteuer be- schloffen und wollen dieselben noch bei der Aufsichtsbehörde ge- horsomst anfragen, ob der Einführung einer Schlachtsteuer etwas im Wege stehe. Die Antwort hätten sich die Herren schon ans dem Gesetz entnehmen können, daß die neue Ein- führung einer Scdlachtsteuer nicht gestattet ist. In der Stadt- verordneten Versammlung zu Hörde bilden die Beamten des Horder Aergwcrlvereins und die von diesem abhängigen Leute die Mehrheit. Hamburg, 7. Juni. Die vier reichstreuen Doppelwähler standen heut vor Gericht. Drei derselben, wovon einer nierkivürdiger- weise den Namen Bismarl führt, sind zu je fünf Tagen Haft verurtheilt worden. Chemnib, 6. Juni. Eine für das sächsische Vereinsleben wichtige Entscheidung hat das OberlandeSgericht als Revisions- instanz gefällt. Der Vorsitzende des hiesigen Fachvereins der Metallarbeiter wurde besttaft, weil er es verweigerte, der Polizei ein Verzeichniß der Mitglieder einzureichen. Das Oberlandes- gericht entschied nun in der Sache: das sächsische Vereinsgesetz be- stimmt zwar nicht ausdrücklich, daß der Polizeibehörde das Mit- gliederverzeichniß solcher Vereine eingereicht, verde,, soll, die eine Einwirkung auf öffentliche Angelegenheiten bezwecken, doch das Gesetz verpflichtet den Vorstand eines solchen Vereins, der Orts- Polizeibehörde alle auf den Verein bezüglichen Auskünste ans Ver- langen zu ertheüen. Unter den Begriff einer solchen Auskunst fällt auch die Nachforschung nach den Personen der Mitglieder derartiger Vereine. Bisher war man auch in juristischen Kreisen vielfach der Ansicht, daß die Ortspolizeibohörde nicht berechtigt sei, derartige Mitglieds; rverzeichmsse zu fordern. Ans dem Knarrenier, 5. Juni. Wie die Unternehmer unseres Bezirks init wenigen Ausnahmen fast alle die Selbst- ständigkeit des Arbeiters zu unterdrücken suchen, illusttirt nichts besser als die Bekaniitmachung des allmächtigen Generaldirektors der Burbacher Hütte. Die Lorbeeren des Herrn v.Stumm rauben ihm den Schlaf, und so hat er, der kleine Stumm in der Westen- tasche, einen Ukas erlassen, wonach jeder Arbeiter, der sich den, Rechtsschutzoereine anschließt, seineEntlassung erhalten soll; denn er hat die Verpflichtung, sich unter den Fittigen des Herrn Di- rektors so wohl zu fühlen, als dieser es gestatten will; ein Wohlsein darüber hinaus ist von Uebel. Geffentliche Ginladung. Die am 7. Juni im Wobusa- schen Saale zu Cottbus in öffentlicher sozialdemokratischer Volks- Versammlung gewählte unterzeichnete Kommission, welche beauf- tragt ist, am 22. Juni d. I. in Cottbus einen sozialdemokratischen Parteitag für den Regierungsbezirk Frankfurt a. O. einzuberufen, fordert die Parteigenossen hiermit auf, sich an demselben recht zahlreich zu betheiligen. Bedingung für die Theilnehmer ist, daß dieselben das sozialdemokratische Programm anerkennen. Die Tagesordnung tautet: 1. Die politische Bewegung. 2. Die Geiverkschaftsbewegung. 3. Die Arbeiterpresse im Regie- rungsbezirk Frankfurt a. O.— Spezielle Anträge der Parteitags- Besucher. Die Verhandlungen finden im Konzerthaus Wobusa, Roß- sttaße Nr. 28, Vormittags 11—2 Uhr, und von 3 Uhr bis später statt. Erkennungszeichen auf dem Bahnhofe: weißes Taschentuch in der linken Hand. Anfragen sind zu richten an Rud. Schie- menz, Sandow 167. Cottbus, den 8. Juni 1890. Die Kommission zur Einberufung des sozialdemokratischen Parteitages ini Regierungsbezirk Frankfurt a. O. Rud. Schiemenz. Hermann Martin. Carl Lewandowsky. Gottl. Kölbet Paul Kunert. Wilhelm Nelson. Gustav Dotterwieß. Arno Rummet Max Bagenz. GeKerreich-Uttgarn. Prag, 3. Junt Der Ardeiteragitator Franz Jaek wurde heute wegen VerUreitung verbotener Druckschristen verhaftet und dem Strafgerichte übergeben. Frankreich. Im Pariser Gemeinderath zählte der neugewählt« Präsident desselben, Emile Richard(Autonoinift), die Arbeiten auf, welche der neuen Versammlung obliegen werden: Reform des Armenwesens, Vervollständigung der Primär- und Mittelschulen, Ausbildung der Gewerbeschulen, städtische Bauten� behufs Er- Weiterung alter Volksviertel und Herstellung gesunder Woh- nungen u. s. w. Um das alles ans Ziel fuhren zu können, müsse der Gemeinderath in seiner Verwaltung ungebunden, ganz und gar setvstständig sein, und sich der Freiheiten erfreuen, welche bis- her zum Schaden von Paris seinen Vertretern allzu karg be- messen waren. Belgien. Nachdem bereits der Kongreß der Bergarbeiter und Mutualisten in Belgien stattgefunden hatte, tagte am 1. d. M. der Kongreß der Hüttenarbeiter in Mecheln. Diese Ver- einigung hielt ihren 5. Kongreß ab; 22 Delegirte hatten sich ein- gesunden, welche die Hüttenarbeiter-Gesellfchasten der hervor- ragendsten Städte Belgiens vertraten. Als Repräsentant des Exekntiv-Komitees flgurirte der Bürger Pierron. Nach Prüfung der Mandate schritt man zur Bildung des Ausschusses der Ver- sanimlung. Der Präsident verlas die Tagesordnung und der Settetär und Kassirer erstatteten ihre Berichte. Paragraph 2 der Tagesordnung, welcher besagt,„daß jede verbündete Vereinigung, welche aus dem Arbeilerverdande austritt, den Fonds ihrer Stt-.ik- kasse bis zu dem Augenblicke des erfolgten Ansttittes auszahlen müsse," ivurde einstimmig angenommen. Viel diskntirt wurtte über ß S der Tagesordnung, der die Frage auswirft, ob solche Hand-' werker-Vereine in den Schoß der belgischen Arbeiterpartei aufge- nommen werden müssen, die einer Vereinigung ihrer elgeneii Gewerbe-Genossenschaft nicht angehören. Man einigte sich aüf den Vorschlag des Bürgers Pierron, der dahin lautete:„die vereinigte nationale Hüttenarbeiter-Aersammlung legt dem Generalrath der 'Arbeiterpartei den dringenden Wunsch vor, die gekennzeichneten Haiidwerkervereine auszuschließen, und auf die Tagesordnung des nächaen nationalen Kongresses der Arbeiterpartei den Beschluft zu setzen, daß alle mit der Arbeiterpartei verschwisterten Vereine gleichzeitig einer Vereinigung ihrer Gewerks-Genossenschaft ange- hören müssen." Eine lange Besprechung erforderte auch die Frage der Bildung von Vereinen. Die Delegirten bestimmten, daß Mee- tings in denjenigen Zentren der Hüttenarbeiter-Bevölkerung ahge- halten werden müßten, wo Vereine noch nicht existirten, und ejn monatlicher Beitrag pro Mitglied vorwegzunehmen sei, um eine Kasse zu gründen, bestimmt, die Kosten der Meetings zu tragen. Wegen Regelung der Lohnzahlung beschloß man, eineVetition an das Parlament zu richten, welche die Forderung der gesetzlichen Regelung einer 14tägigen Löhnung in baarem Gelbe enthalten sollte. Zum Schluß kam man überein, daß die verbündeten Vereine für ihre Verbrüderung mit der Arbeiterpartei halbjährlich pro Mitglied dem Exekutivkomitee 0 Cts. zu zahlen hätten, auch wurde vom Kongrep der monatliche Beitrag eines jeden Mitgliedes von 25 Cts. für die Vereins-Streitkasse aufrecht erhallen. Der nächste Kongreß soll zu Eharleroi tagen. Zu Möns, soivie in allen Berggewerkschaften Belgiens finden zu Gunsten der Kandidatur' Tejuifseaux Versammlungen statt; solche iverden auch noch in den .iächsten Wocken tagen. Die sozialistische Propaganda für das allgemeine Stimmrecht hat in dem Falle Defuisfeaux große Er- folge erzielt, 12 000 Stimmen sind bereits für das Volksvotum abgegeben woroen. Die Kosten dieser Wahlagitation werden von den sozialistischen Gesellschaften des Landes gedeckt. In der Pro- vinz Hennegau ist eine Vereinigung der Steinbrecher im Ent- stehen begriffen; sie wird von der Arbeiterpartei in Brüssel organisirt. Diese Vereinigung soll die Steinbrecher der Gegenden von Soignes, Ecaussimies, Feloy, Arquennes und Quenart um- fassen, ebenso diejenigen von Biesmes und Messet der Provinz Namur, sowie die der Provinz Lüttich. Avl,eitcrl>o»vegu»tg.> I» Hamburg hielt der Zcntralvercin deutscher Vöttche (Ortsverwallung Haniburg) am Freitag eine zahlreich besucht Versammlung ab, in welcher die Arbeitseinstellung resp. der Stau der'Aussperrung der ISO Küpcr bei 6 verschiedenen Arbeitgeber; zur Sprache gebracht wurde. Es wurde, wie wir dem„Hamb. Corr/ entnehmen, bemerkt, daß es sich um die Einführung des Minimal wochenlohnes von 27 M. bei einer zehnstündigen Arbeitszei handele, was bei sämmtlichen Küpermeiliern und Inhabern vv' Küpereibetrieben schon seit geramner Zeit anerkannt ivorden se Die Diskussion spitzte sich hauptsächlich auf die Frage zu, ob ma die kleinen partiellen Stteiks aufrecht erhalten und zum Sieg führen könne. Es wurde eine Resolution angenommen, wonac die Arbeitseinstellung fortbestehen und das von den Unternehmer; in Vorschlag gebrachte Arbeitsnachiveisungsbureau in der Font wie die Prinzipale es wünschen, nicht anerkannt werden soll. Wien, 9. Juni. Da die Meister die wichtigste Lohnsords rung der Schneidergehilsen zurückgewiesen haben, beschloß die Gl hilfenschaft ihre Forderungen neuerlich zu erheben oder in de Ausstand einzutreten. i Theater. Dienstag, den 10. Juni. Gl>rrnhaus. Die Walküre. Schaujpirlstans. Der Bibliothekar. Deutsches Theater. Der Unterftaats- sekretär. fierliner Theater. Der Kriegsplan. esstng- Theater. Die Ehre. Friedrich-Milhelmstädt. Theater. Der arme Jonathan. Maltner- Theater. Mamsell Ni- touche. Nihtorla-Theater. Stanley in Afrika. Gsteud-Theater. Kabale und Liebe. Krlleallianre- Theater. Der Nau- tilus. KroU's Theater. Orpheus. Kanfmaun'o Darietö. Große Spe- zialitäten-Vorstellung. Englischer Garten. Direktion: C. Andreas, Alexanderstraße 27 c. Austreten d. Liedersängerin Frl. Steina*. Austreten des Gesangshamoristen Herrn Jonas. Auftreten des Komikers, Mimikers und • Stimmen-Imitators Herrn Gödicke. Auftreten der Geschwister Herzog. Auftreten des musikalischen Neger- Klown Mr. de Volks. AMlssment Buggenliagen am Moritzplatz. Täglich: Grosses Garten-Concert. Direktion A. Rödman». Dienstag und Freitag: Walzer-Abend. Fnfrao Wochentags 10 Pfg., IbllllcL sonn- nud Festtags 25 Pfg. Bei ungünstiger Witterung in den untere:: Restaurationsräumen. Großer Frühstücks- und Mittagstisch. Spezial-Ausschank von Patzenhofer Export-Bicr, Seidel 15 Pf. Die oberen Säle bleiben bis auf Weiteres wegen Renovirung geschlossen. 641 F. Müller. Varietö-Theater. (Hasenhaide) Hemnannstr. 18— Nene Strasse 18. Sonntag, den 8. Juni 1890. Im hrrrlichen Garten: Konzert, Thenter- Spezalitiiten- Vorstellung. Im Saale: BALL. Pf. Anfang 4 Uhr. Entree 20 Kinder frei! Zu Privatsestlichkeiten halte mein Etablissement empfohlen. Unserm Freunde und Genossen A 1 b e r t U t e» 1787 zum heutigen Geburtstage die besten Glückwünsche. Ob das aus Weißensee kommt. Unserm Genossen, dem hübschen Albrrt. gen. Rieß, zu seinem heutigen Namenstage ein donnerndes Hoch' Albert, brauchst nischt zu merken.' Die Genosse» des sog. Umsturz aus Weißensee. Unserm Proppenbruder Karl Mahlow 1790 seinem heutigen Geburtstage ein donnerndes Hoch. Proppenvereln Wedding. 1786 Unserm Kegelbrudcr R. Hartman» m seinem heuttgen Wi e g en feste die zesten Glückwünsche. Die Kegelbrüder. Unserm Freund, dem Büglermeister M i 1 h e 1 m S r m m 1 e r um heutigen Geburtstage ein drei- äches Hoch, daß die ganze Werkstelle wackelt und die Westen alle Polka tanzen. Die dnrsügen Brüder in der Koppenstr. Danksagung. Für die vielen, so überaus reichen Beweise liebevollster Theilnahme, die uns bei der Bestattung unseres innig- geliebten Mannes und Vaters Alexander Franz zu Theil geworden sind, besonders dem Herrn Pastor Kriiger und dem Gesang- verein„Frisch auf", sowie allen lieben Freunden und Bekannten des Dahin- geschiedenen sprechen wir unfern innigsten Dank aus. 1778 Angnste Franz, geb. Oswald und Tochter. mm PttlMttttarbeiter! a Erl, Die Kollege» Der Firma ErlemahnTn Bergodorf b. Hamburg liegen im Streik. Es sind nun von der Firma Grassnick Hierselbst, Wasserthorstrasse, Metallschloß-Fabrik, Versuche gemacht worden, Ersatz für dort zu schaffen. 1783 Große ijjfcntl. Versailmlung sämmtlicher BCnopfaröseitei* Berlins Passage 1 Tr. 9 Uhr M. b. 10 Uhr Ab. Kaiser-Panorama. Hervorrag. Sehenswürdigk. d. Residenz. In mar dieser TSHB Woche: Zum erste u Male; Vierte Reise durch die Pyrenäen. Neu!«um ersten Male: Hochinteressant: Slam. Eine Reise 20 Pf., Kind nur 10 Pf. Abonnement 1 M. Meyer s Lexikon, IV. Aufl.. suche zu kaufen. Off. postlagernd Postamt 17. U. Z. 1760 am Dienstag, 10. Juni, Abends SVa Uhr, bei Bolzmann, Andreasstr. 26. Tagesordnung: 1. Die Bedeutung des Achtstunden- tages. Referent: Stadtverord. Fritz Z u b e i l. 2. Wie stellen sich die Knopfarbeiter Berlins zur Wahl von zwei Vertretern zur Streik-Kontrol-Kommission? 3. Verschiedenes. 1796 Das Erscheinen aller Knopfarbeiter, der wichtigen Tagesordnung wegen, er- wünscht. Der Einberufer: Fritz Metz wskrilkkenkoße der Drelhsler. Die Stelle eine»»weiten Knreau- beamten ist zum 1. Juli ct. mit 90 M. monatlich zu besetzen. werbet, welche schon Gewünscht Be- im Kassenwesen beschäftigt waren j Mitglieder bevor- jUgt. Selbstgeschriebene Bewerbungen 'ind bis 16. b. M. an den Vorsitzenden _ Drininger, Waldemarstr. 31, einzusenden. 1803 Nannyn- strasso 27 F. Renz' Ball-Salon Naunyn- Strasse 27 Jnh.: Albert Uebel. SSLMSL-M'-« acyrungsvoll Albert Uebel. icTS Allen Genossen, Freunden und Bekannten zur Nachricht, daß ich das nygg Stfnrut ffitinftr. U, friln W. Haugk, übernommen habe und hoffe ich, das Vertrauen Aller ferner zu genießen. Für oute Sprisei» und......■—— j« p.<■ ftnWÄÄ Achtungsvoll EVIax Pietsch. Pommersche Hypotheken-Actien-Bank. Pffhw, Taubenstt. 21, und den anderen bekannten Zahlstellen zur Auszahlung Pommersshe Hypotheken-Actien-Bank. 1791 F. Romeick. Schnitz. empfiehlt Vereinsstempel, Quittungsstempel s WS« E Medaillonstempel mit Lassalle, Bebel, Lieb- �* v � i"— cor» �. 9, Krnnnonstritße 1), knecht u. a. m. zu ermaß. Preis. Monogramm� Schablonen, Thürschilder, Gravirung von Inschriften. Entwürfe gratis sofort Achtung! Achtung. Die am£3. Mai tr. in Habel s Brauerei, Bergmannstraße 5/7, abgehaltene jjjs'tNWe Melttt-KttsaillllllW mit der Tagesordnung: „Beriohterstattnag über die Differenzen zwischen den Setzern und dem„Berl. Lukal- Anzeiger" nahm nach Anhörung derselben folgende Resolution an, welche wir hiermit nochmals in Erinnerung bringen: „Die Versammlung spricht ihre Mißbilligung über das Verhalten des Herrn Scherl zu seinen Setzern aus und verpflichtet sich, so lange der Ausstand dauert, sich mäßlichst des Jnserirens im„Berliner Lokal Anzeiger" zu enthalte n." Gleichzeitig bitten wir darum, daß die Geschäfte, welche im„Berliner Lokal-Anzeiger"»nseriren, thunlichst zu meiden sind. 1798 Die ausstehenden Setzer. SoziMmkr. Wchlvertin s. il. 3. Berl. RelGtags-Wchlkreis. Geffentliche Versammlung am Dienstag, den 10. Juni er., Abends 8 Uhr, im Lokale des Herrn Seefeld, Grenadierstrasse 33. Tagesordnung: 1. Vortrag:„Die Arbeitorschntz-Gesoizgebung und die Parteien". Ref.: Herr A l b. Auerbach. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes und Fragekasten. Die Mitglieder werden ersucht, recht zahlreich zu erscheinen. Gäste sind willkommen. Der Vorstand 1794 Fachverein der Federarbeiter. Dienstag, den 10. Inn! er., Abend» SVs|lhr, Granirnstrnsie 180: Vereins-Versammlung. Tagesordnung: 1781 1. Vortrag. Referent wird in der Versammlung bekannt gemacht. 2. Vereinsangelegenheiten: Stattstische Fragebogen; Wahl der Mitglieder zur Lohnkommission; Verschiedenes; Aufnahme neuer Mitglieder. Gäste willkommen. Donnerstag, den 12. Juni, Oranienstr. 180: Vertrauensmänner- Versammlung. Mittwoch, den 13. Juni, in Benz' Salon, Naunynstr. 27: Oeffentl, Versamml. Ref.: Herr Reichslags-Abg. C. Ulrich a. Offenbach. der Grosse öffentliche Versammlung BCIempnev* Berlins und Umgegend K'?5. am Mittwoch, den 11. Juni tr., Abend» 8 in„Feuerstein s Salon", Alte Jakobstraße Tages-Ordnung: 1. Bericht der Telegirten vom Kongreß zu Weimar. 2. Die Aussperrung der Schlosser Hamburgs. 3. Stellungnahme zur Zentral-Stteik-Konttolkommission, event. Wahl der Delegirten. 4. Diskussion. 5. Verschiedenes. Der wichtigen Tagesordnung halber ist es nothwendig. Mann für Mann zu erscheinen.[1795] Oer Einberufer. Wntliche StelWtji-BersllWlllilg am Donnerstag, den 12. Juni, Abends 8 Uhr, in der Ahrens'schen Krauerei, Moabit. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Herrn Pens über:„Pflicht und Recht der öffentlichen Bethätigung. 2. Wie stellen sich die Berliner Steinmetzen zur Wahl der Zenttal Stteik-Kontrolkommission event. Wahl derselben. 8. Verschiedenes. Um zahlreiches Erscheinen ersucht Der Ginbtrnftr. 1799 Große öffentliche Versammlung der Rohrleger, Helfer und Berufsgenossen Berlins und Umgegend am Mittwoch, den 11. Inni 1800, Abend« 8 Uhr, in Fenerstein» Salon, Alte Jakobstraße 75. Tagesordnung: I. Vortrag des Herrn Reichstagsabgeordneten W. Metzger. 2. Bericht vom Weimarer Kongreß. 3. Wie stellen wir uns zur Streik-Kontrolkommission. 4. Verschiedenes. Die Agitattons-Kommission. 1793 Große öffentliche Versammlung der Mechaniker u. verw. Berlissgen. Verl. u. llmgegeild am Mittwoch, dt» 11. Juni» Abtnd» 8 Uhr, in May's Ftstsiiltn,(früher Aegdrich), Ktnthstr. SS, 1 Er. Tagesordnung: 1. Endgiltige Berichterstattung des Streikausschusses. 2. Diskussion und Beschlußfassung. 3. Verschiedenes. Es ist Pflicht eines jeden Kollegen, in dieser Versammlung zu erscheinen. Die Dtrsammlung wird pünktlich tr öffnet. Ter Einberufet: M. Schönemann, Kottbuser Damm 19. 1801 Fachverein der Tischler(Kerlin Uord). Mittwoch, den 11. Jnnl, Abends 8 Uhr, in Lehmann'» Salon, Schwedteratr. 24: Versammlung, m Tages-Ordnung: 1. Vortrag.(Referent wird in der Versammlung bekannt gemacht.) 2. Diskusiion. 1792 3. Werkstellen-Verhältnisse.(Die Kollegen der Werkstatt von Reibsch, Zehdenickerstr. 5 und die Kollegen, welche Gartenstr. 81 bei Schmidt arbeiten, sind hierm t eingeladen). 4. Verschiedenes. Der KtvoUmächtigtt. Verein d. Klempner Herlins n. Umgeg. Sonnabend, den 14. Juni 1890, Grosses Sommer-Fest in der„ßSeuen Welt", Hasenhaide. Konzert und Auftreten sämmtlicher Spezialitäten. Billcts ä 85 Df. sind bei folgenden Mitgliedern zu haben: A. Bischof, Königstr. 43; Schwengler, Mulackstr. 11; Giesow, Zossenerstr. 35; Grabowsky, Scidelstr. 13; Sohiesser, Koblankftr. 11; Fröhner, Spandauerstraße 42; Klobe, Landsberger Allee 136; Bredel, Reinickendorferstraße 18b; Selchow, Schleier- macherstr. 10. Die Kassttkücht ist von 4 Uhr an geöffnet. Nach dem Konzert Tanzkränzchtn. Nachzahlung 50 Pf. für Herren. Der Ueberschuß wird verivandt zur Gründung eines Unterstützungsfonds f. hilfsbedürftige Mitglieder und bitten Freunde und Genossen, uns in diesem Unternehmen zu unterstützen. NB. In der Zigarren- Handlung gegenüber der„Ututn Wtlt" sind ebenfalls BilletS zu haben.[1800] Das Komitee. Freunden und Bekannten, sowie meiner werthen Nachbarschaft empfehle bei Bedarf meine 162 Cigarren Geschäfte Eig. Fabrikate. Berk. z. EngroS-Preisen. 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Dr. Harmening, von Im» Ä? and v. Stausfenberg, der letztere ist jedoch für die heu- .Atzung entschuldigt. Dem Abg. Dr. Barth, der im Hause billigt*'*' ein nachgesuchter Urlaub für drei Wochen be- Borlagen sind eingegangen eine Sammlung von Akten- der«' �Nasrika betreffend, der Nachtragsetat, der die Erhöhung der»�amtengehälter enthält und den Niederlassungsvertrag mit cesUr �iz, dessen Einbringung deii Abg. Baumbach seine Jnter- Zurückzuziehen veranlagt. >r.. arauf geht das Hans zur zweiten Berathung des Nach- �.Sbetats für 1890/91 über. Die Kommission beantragt, luven in allen seinen Theilen unverändert zu genehmigen. toiii Vur Instandsetzung des Dienstgebäudes des Reichskanzlers �aventarienstücke in dessen Wohnung werden 40 000 M. .�"'chterftcitter Graf Kehr bemerkt, daß in der Kommission »ii(L Mittheilungen darüber gemacht seien, wie sich jD,,r„''i'Iueii diese Sunnnen zusammensetzen. Es seien der on' Tapezircr-, Schlosserarbeiten-e., sowie eine Erneuerung J,■Nobilien nothwendig. Seit 1878 sei nichts für die Her- .u">gdes Palais geschehen. Die Komniisston habe die Forde- »othwendig anerkannt. Die Position wird bewilligt. Iiim s? Maßregeln zur Unterdrückung des Sklavenhandels und in�Echutze der deutschen Interessen in Oslasrika fordert der °Magsetat 4Va Millionen Mark. jz, �ichtersiatter Graf gthr: In der Kommission ist prinzipiell »n s.-'6 neue Bewilligung nicht gesprochen worden. Man nahm »>in> � h>ese Frage im Plenum erledigt wird. In der Kom- 8-,. wurden Nachweisungen darüber vorgelegt, wie sich die L, gesorderte Summe im Einzelnen vertheilt, und daß diese in dz- forderten Höhe auch nothwendig ist. Daß sie wesentlich s'!, l>t als im vorigen Jahre, hat darin seinen Grund, daß die �isen Schutztruppe�von 1100 auf 1700 erhöht und Mziere auch das Personal der vermehrt worden ist. In infolge Osstziere und Unter- der Kommission wurden L�feite« der Regierung auf verschiedene Anfragen Erklärungen i'»bec abgegeben, wie die Verhältnisse zwischen dem Reichs- .»Unissar Wißmann, dem Generalkonsul und dem Flottenbefehls- »j«er geregelt sind und wie die obersie Führung eingerichtet ist. u wurde ferner mitgetheilt, daß mit der Ostafrikanischen Gesell- ilpt Verhandlungen über die künftige Gestaltung der ostasrikani- p Kolonie eingeleitet seien, und daß auch mit England Ver- Mlungen über die Abgrenzung der Interessensphären schweben. (»lere Aufgabe sei nunmehr, mit den Eingeborenen freundschast- ' Verhältnisse anzuknüpfen, Stationen im Innern anzulegen . die Entwickelung der Kolonie zu fördern. Ter Bericht- netter berührt ferner die Frage, ob die Ostafrikanische Gesell- rfl in Zukunft die von dem Reiche ausgewendeten Kosten er- Jjch solle. Die Regierung habe in Aussicht gestellt, daß in £ nächsten Session eine Vorlage über die zukünftige Zu�ng zwischen der Ostafrikanischen Gesellschaft und dem 2% vorgelegt werden könnte. Die Kommission sei nach C-w zu dem Beschlüsse gekommen, die Annahme der Vorlage .Hause zu empfehlen. (Soldschmidt(dfr.): Gestatten Sie nur eine kurze 'w�ung. Ich bin kein Gegner der bisherige» Kolomalpolitik sCWie ja im Gegensatz zum größten Theil meiner politischen b-s"de für die früheren Forderungen gestimmt. Ich habe auch J gegenwärtigen Vorlage anfangs nicht unfreundlich gegenüber- "ben. aber die Verhandlungen in der ersten Berathung, vor w W die Ausführungen des Herrn Reichskanzlers haben deutlich Mnen lassen, daß die Grenzen, welche in den früheren Vor- im l gezogen waren, weit überschritten sind, und daß wir ohne �.bestimmtes sicheres Ziel vor Augen in Unternehmungen hin- if» Sl'' deren Kosten und Ende wir nicht absehen können. In C Borlagen von 1888 und 1889 handelte es sich lediglich deutsche Bürger, feÄ* °!'°nen die ein Siecht auf den Schutz und ihr Eigenthum vor Gewalt- zu schützen und im Verein mit anderen an jenem Küstensaum die Sklavenausfuhr zu be- sSa®?* und damit den fluchwürdigen Menschen sang nach ii glichkeit zu verhindern. Damals gab man sich der Hoffnung SjÄÄM lti,* herzustellen, heute muß der Herr Reichskanzler uns damtt gWrää bi,"Wräge abwerfen werden, während Herr v. Kardorff aller- äar.2'% Ä« z�nung auf Reinerträge theilte und wenn demgemäß die m WW'MWMW bin oju.f-'v rn Ostasrila aus den Schuh ä. schen Eigenthums beschränkt. �4 ük.'ssö kolonialer Bestrebungen, wenn solche 'ftebe ter Bevölkerung hervorgehen Uve ein aus dem eigenen OGM> theils der Kultur erschließt, ich bin zu der Ueberzeugung ge- kommen, die heutige Vorlage ablehnen zu müssen.(Beifall links.) Abg. Dohr»»: DieAeußerung des Reichskanzlers, daß es nicht möglich wäre, hier in Deutschland eine Gesellschaft nach englischem Vorbilde wirken zu lassen, weil der Deutsche nun einmal die Eigenthümlichkeit habe, lieber sein Geld in den zweifel- haftesten Papieren ausländischer Staaten, als in Deutsch- land anzulegen, ist doch nur in beschränktem Um- sauge zutreffend. Wir sehen es ja, daß das Staats- kapital gar kein Bedenken getragen hat, in Neu- Guinea so zu wirthschaften, wie es die Engländer thun. Es fragt sich nur, welches Kapital überhaupt mobil gemacht werden kann. Das kleine Kapital mobil zu machen, wie es Dr. Peters vorschlug, habe ich als verderblich bekämpft. Wir brauchen nur nach Frankreich zu gehen, um mit Grauen zu gewahren, was für Verwüstungen das Panamaprojekt in diesem Augenblick gerade bei den kleinen Leuten angerichtet hat, wie die kleinen Leute, die von der Reute zu leben gezwungen sind, durch den Krach bei dem Panamaunternehmen ins Unglück gestürzt sind. Der Reichskanzler befindet sich im Widerspruch mit den An- regungen, welche aus dem preußischen Handelsministerium gegeben sind. Es ist mir persönlich erst im vorigen Jahren eine An- regung aus dem Handelsministerium zugegangen, in welcher auf die Nothwendigkeit aufmerksam gemacht wird, für dauernde 5iapital- anlagen in südamerikanischen Staaten zu sorgen, nicht bloß in Chile, selbst in Paraguay. Bei uns in den Seestädten ist man schon seit Jahrzehnten daran gewöhnt, sein Geld in über- seeischen Unternehmungen anzulegen. Ich brauche nur an West- asrika zu erinnern. Ostafrika erfreut sich einer großen Reihe von hochanaesehenen und vornehmen Protektoren, welche aber aus dieser Stellung nicht herausgehen und nicht die Opfer bringen wollen, welche nöthig sind, um dieses Unternehmen richtig fort- führen zu können. Wenn Sie nicht selbst das Vertrauen haben, daß Sie Ihre Kapitalien rentabel anlegen können, so ist es un- billig, von anderen Leuten zu verlangen, daß sie mehr Vertrauen zu Ihren Unternehmungen haben als Sie selbst.(Sehr richtig! links.) Sehr lehrreich ist in dieser Beziehung der neueste Bericht der Ostasrikanischen Gesellschaft für 1889. Die Bilanz ist natür- licher Weise eine recht trübe. Das wird offen zugestanden. Der Staatssekretär von Marschall hat darauf hingewiesen, mit Rapidität der Handel in Ostasrika Die Einfuhr sei in einem Jahre 2 994 000 M. und in ähnlicher Weise in die Höhe geschnellt. Dieses„in die charakteristisch. Es hat eben die Ausfuhr welcher kolossalen gestiegen wäre. von 889 000 auf auch die Aussuhr Höhe geschnellt" ist während des Aufstandes des Buschiri gestockt, und das Quantum von Elfenbein, welches an die Küste gekommen ist, ist mit eineni Male exportirt worden, anstatt daß sich die Ausfuhr auf zwei Jahre vertheilte. Es ist begreiflich, daß das Elfenbein nicht durch die Karavanen transportirt werden konnte, wenn das Land in hellem Ausruhr war. Wahrscheinlich wird die Aus- und Ein- fuhr schon in der nächsten Zeit in ein regelmäßiges Fahrwasser kommen. Uebrigens kommt es bei der Ein- und Ausfuhr nicht so sehr auf das gesammte umgesetzte Quantum, als auf den Verdienst an. Nach dem Bericht der Gesellschaft gehen die Gc- schäste nicht sehr brillant. 2 400 000 M. sind allein nothwendig zur Befestigung des Besitzes, denn durch die aufständische Be- wegung ist Alles, was dort geschaffen, mit einem Schlage vernichtet worden. Ein Satz des Berichtes ist vollständig berechtigt, nämlich der, daß nur durch eine Hebung der allgemeinen Landeskultur ein durchschlagender Einfluß auf die Ein- geborenen gewonnen, und diese der Zivilisation entgegen- geführt werden können. Soll das aber geschehen, dann ist es nothwendig, endlich einmal aufzuhören mit der sortdauernden Vergrößerung des Gebietes, und sich zu kon- zentriren. Das ist auch der einzige Weg, um mit Erfolg die Sklaverei, resp. den Sklavenhandel in Ostafrika zu bekämpfen. Mit Feuer und Schwert kommen wir hier nicht vorwärts. Im Uebrigen scheint mir die Gesellschaft nicht diejenige Aufgabe ge- löst zu haben, für die so viel Reklame gemacht worden ist. Ihren bisherigen Leistungen gegenüber erscheint mir die Aufwendung, welche von Seiten des Reiches gefordert wird, eine ganz enorme und in keiner Weise zu rechtfertigende. Der Reichskanzler hat sich darüber beklagt, daß es so schwer sei, hier in Deutschland die erfahrenen Männer zu finden, welche im Stande seien, die Kolo- nialsachen draußen zweckmäßig zu verwalten und einzurichten. Das ist bis zu einem gewissen Grade richtig; solche Kräfte kosten eben Geld, und man darf es nicht so machen, wie die deutsche Plantagengesellschaft, die bei ihrem neuesten Versuche, Tabak zu pflanzen, sich Kräfte aus Schwedt und Bierraden hat kommen lassen, nachdem sie sich höchst zweifelhafte Existenzen aus dem berühmten Tabaksdistrikt Sumatra hatte kommen lassen. Ein abschließendes Urtheil über die Verhältnisse in Ostafrika zu gewinnen, ist schwer möglich. Dem Major Liebert freilich ist es schon nach fünfwöchigem Aufenthalt in Ostafrika gelungen, ein„ganz objektives Urtheil" zu gewinnen. Wie aber diese Objektivität beschaffen ist, geht aus seinem Urtheil über Dr. Fischer hervor, welcher als Arzt und Gelehrter fast ein Jahrzehnt in Ostasrika zugebracht und aus diesen Erfahrungen heraus sich über das Klima ausgesprochen hat. Major Liebert bezeichnete Fischer's Ausspruch, daß, wo Wasser im Lande sei, das Land ungesund sei, und wo es heiß, es unfruchtbar sei, als nnqualifizirbar. Cr fügte hinzu, daß, wo Waffer in Afrika sei, das Land durchaus nicht ungesund sei, sondern eine überwältigende Fülle von Vegetation hervorbringe. Nun hat aber Fischer nicht allein so über Ostafrika geschrieben. Auch andere Fachmänner wie Thompson stimmen mit ihm darüber überein. Major Liebert ging sogar soweit, zusagen, daß er auf Grund seiner fünfwöchigen Erfahrungen die Garantie übernehmen könne, daß jedes Kapilal, das in Ostafrika angelegt werde, eine gute Rente erzielen werde. Nach dem stenographischen Berichte scheint es dem geehrten Herrn bange geworden zu sein um die Garantieen, denn aus dem stenographischen Berichte ist die Garantie verschwunden.(Hört, hört!) Das be- weist, wie schwer es ist, einen erfahrenen Mann zu finden, um diese Dinge richtig; u beurtheilen. Wenn es möglich ist, regierungsseitig so zu plaidiren, so geht daraus hervor, wie wenig richtige Informationen die Regierung selbst über diesen Gegenstand har. In der Bndgetkommission ist uns gesagt worden, daß bei der Ankunft des Major Wißmann über die definitive Regelung dieser Dinge in Ostafrika beschlossen wer- den könnte. Das wäre auch der geeignete Moment, über diese Vorlage zu reden. Aus Grund aller dieser unklaren Verhältnisse halte ich es nicht für zweckmäßig, dieser Vorlage zuzustimmen, zumal da diese Forderungen nicht eine einmalige, sondern wahr- scheinlich eine öfter wiederkehrende sein wird. Ich bitte Sie, diese Vorlage abzulehnen.(Beifall links.) Abg. Graf Rlirbach(dk.): Wenn man wünscht, daß nicht das Reich selbst kolonial etwas unternehme, sondern Alles den Kolonialgesellschasten überlassen soll, dann muß man nicht andererseits die Oft afrikanische Gesellschaft in der Weise, wie z. B. Abg. Bamberger dies hier an, 26. Januar 1889 ge- lhan, diskreditiren.(Sehr richtig! rechts.) Der Abg. Dohr,, hat den handelspolitisch richtigen Satz entwickelt, daß die Durchfuhr leide, ivo ein Aufstand stattfinde; ich finde aber nicht, daß er da- mit einen Gegensatz zu den Ausführungen des Staatsfekretärs konstruirt hat. Dann hat er den Gewinn der Ostasrikanischen Gc- sellschaft bemängelt. Daß die Gesellschaft während der Zeit eines Ausstandes, den sie niederzuwerfen gar nicht die Macht hatte, leinen Gewinn gemacht hat, ist natürlich. Was den weiteren Tadel des Abg. Dohrn betrifft, so wird mir Jeder, der EtivaS vom Grundbesitz versteht, zugeben, daß, ivenn man, ab- gesehen vom Waldbesitz, Inventar und Gebäude ivegnimmt, nichts übrig bleibt; wenn die Pflanzungen zerstört werden, so bleibt natürlich nichts übrig. Der Abg. Dohrn hat dann ausgeführt, daß die Ostafrikanische Plantagen- Gesellschaft zweifelhafte Per- sonen zum Tabaksbau herangezogen hat; er hat nicht gesagt, unerfahrene Personen. Ich hoffe, daß er keinen Anstand nehmen wird, den betreffenden Personen Genugthuung zu gewähren. Die Ostasrikanische Plantagen- Gesellschaft soll nach dem Abgeordneten Dohrn Plantenre aus Schwedt und Vier- raden bezogen haben. Wahrscheinlich hat er einen Berichterstatter aus Bernau vor sich gehabt.(Heiterkeit.) Die Planteure sind aus Sumatra bezogen. Dann ist ausgeführt, daß das Klima in Ostafrika ein ungesundes sei; es ist ein Tropenklima und nicht alle vertragen es. Nach den offiziellen Weißbüchern ist der Ge- sundheitszustand unserer Truppen und Offiziere ein recht be- friedigender. Herr Peters, der sich seinerseits in Afrika stets wohlvefundcn, hat mir genaue Details über das Klima gegeben, und danach findet sich dort nicht blas Tropenklima, sondern auch gemäßigtes. Das Tropenklima niag auf Deutsche aus dem Norden eine geistige Depression ausüben; aber auch unser Klima ruft nicht gerade immer Elastizität hervor.(Sehr gut! rechts.) Und die Forderung von 4Va Millionen ist einfach eine Konsequenz der vom vorigen Reichstage mit großer Majorität gefaßten Be- schlüsse betr. die Unterdrückung des Sklavenhandels. Sie könnten heute wit Ausnahme derjenigen, die auch damals schon in prin- zipieller Opposition standen, Ihre Zustimniung nur versagen, bezw. einschränken, wenn die Grundlagen, auf denen die verbündeten Regierungen damals die Vorlage aufbauten und ihre Erklärung abgaben, sich nachträglich als falsch herausstellten; wenn ferner die Mission Wißmann's im wesentlichen erledigt oder aussichtslos wäre, oder wenn von irgend einer Seite ein bestimmter Weg angegeben werden könnte, auf welchen! unter Anwendung von wenigen Mitteln dieses Ziel zu erreichen wäre. Alle Voraussetzungen und Erklärungen der Regierung haben sich aber als durchaus zutreffend erwiesen. Das Maß des Wohlwollens und Vertrauens in unsere Kolonialpolitik und deren Resultate ist auf konservativer Seite ein durchaus verschiedenes; trotzdem haben wir uns entschloffen, die Vorlage anzunehmen. Ich persönlich würde bei der gegenwärtigen politischen Lage Deutschlands, und wenn ich lediglich als Landwirth in den östlichen Provinzen, wo die Lnndwirlhschaft schwer um ihre Existenz ringt, urtheilte, wünschen, die Kolonialpolitik wäre oder würde noch um wenige Jahre verschoben, unter der Boraussetzung, daß es nach Jahren noch möglich wäre, ein großes kolo- niales Gebiet zu erwerben. Nach allen meinen Jnsor- niationen wäre das nicht möglich, und deshalb ist das Verdienst Peters' ein unsterbliches, das auch von den Gegnern anerkannt worden ist, allerdings erst, nachdem er todt gesagt war.(Heiter- keit.) Ich habe anfangs skeptisch der Kolonialpolitik gegenüber- gestanden; als ich aber sah, daß sie weite Kreise erfaßte, habe ich mich delehrt und bin zu anderem Resultate gekommen. Ick) glaube allerdings nicht, daß jedes Geld, das dort angelegt wird, schnell und sicher hohe Rente gewährt; aber genügend gut ver- waltete Mittel werden in nicht ferner Zukunft eine Rente und dann eine recht uennenswerthe Rente bringen. Ich bin aller- dings bei der Ostafrikanischeii Gesellschaft mit 250 Mark betheiligt, ich habe aber durchaus nicht die Besorguiß, als Ver- waltungsrath hier denunzirt zu werden. Fürst Bismarck hat im Januar 1889 die Nothwendigkeit einer Aktion gegenüber den arabischen Sklavenhändlern betont, weil die Ostasrikanische Gesellschaft dem Aufstände nicht gewachsen wäre. Deutschland habe die'Aufgabe der Zivilisirung und Christianisiruug Ost- afrikas ebenso wie England und Frankreich; wäre die Ostasrika- Nische Gesellschaft nicht in diesem Sinne thütig gewesen, so würde es niemals zu einem Zusammenstoß mit Sklavenhändlern gekommen sein; es sei auch ein hervorragendes Verdienst der Ostasrikanischen Gesellschaft, daß sie die Küpe in den Pachtbesitz Deutschlands gebracht habe; sonst hätte Deutschland seine Mission im Sinne der Niederdrückung des Sklavenhandels und der Kulti- virung nicht ausüben können. Auch die Ausführungen des Fürsten Bismarck in wirthschastlicher Hinsicht haben sich vollständig zu- treffend bewährt. Die Mißerfolge im Plantagenbau sind auf die tlnersahrenheit in diesen, Gebiete zurückzuführen. Es ist nicht zu zweifeln, daß es demnächst lohnend sein wird. Nach unseren Informationen sind die Motive der Vorlage begründet und korrekt und wir haben keinen Anlaß, die Forderung der verbündeten Re- gierungen abzulehnen. Wir sind allerdings nicht in der Lage. die Maßnahmen Wißmann's im Einzelnen zu kontroliren, aber so weit ich dazu in der Lage gewesen bin, mir davon Kenntniß zu verschaffen, herrscht nur volle Anerkennung seines richtigen, schneidigen, j>i»thvolleu Vorgehens(Beifall rechts) ganz im Sinne der ihnen anvertrauten Miftion unter Wahrung der Ehre Deutsch- lands. Stellt man sich aus den Standpunkt, die ganze Verwaltung der Ostafrikanischen Gesellschaft zu überlassen, so wird eS darauf ankommen, entschieden und mit großer Energie die Pazisizirung b,s in das fernste Gebiet durchzufuhren. Dann aber werden wir bedeutende Mittel sehr rasch anftvenden müssen. Nur nach der völligen Pazifizirung Ostasrikas könnten wir einen Vertrag mit der Ostasrikanischen Gesellschaft abschließe». Sonst würden wir das Risiko lausen, daß nach einem Jahre oder ein paar Monaten der alte Zustand der Rebellion ivieder eintritt. Deshalb bitte ich, die Oftafrikanische Gesellschaft nicht zu diskreditiren, wie bis- her geschehen. Wir sind der Ansicht, daß ,vir das einmal Be- gonnene im Sinne der Mission Deutschlands als großer christ- licher Nation, die es in der Kongoakle übernommen hat, an der Zivilisirung und Christianisirung Afrikas zu arbeiten, nicht auf- geben sollen; ivir würden dies auch wirthschastlich für einen schweren Fehler halten. Der vorige Reichstag hat die Vorlage für Ostasrika mit großer Majorität angenommrn, ich spreche die Hoffnung aus, daß auch von diesem Reichstag die Forderung mit großer Aiajorität angenommen wird.(Beifall rechts.) Abg. Kaulimann(Volkspartei): Wir haben uns an der ersten Berathung der Vorlage zun, Theil auch deshalb nicht de- theiligt, weil wir eine stärkere Begründung dieser Mehrforderung von der Regierung, und weil»vir namentlich von ihr ein Pro- gramin erivarteten, welches die für eine so weit ausschauende Sache uns nothwendig erscheinenden Garantieen enthielt. Solches Programm haben wir leider von der Regierung nicht erhalten.- Was die Regierung als ihre Stellung in dieser Sache bezeichnet, ist außerordentlich nebelhaft und verschivominen. Der Vorredner verwies uns auf das Programm des früheren Reichskanzlers; da- gegen weise ich daraus hin, daß»vir doch jetzt einer veränderten Situation, einer anderen Person iind auch anderen Grundsätzen gegenüberstehen. Herr v. Eavrivi hat sich außer Stande erklärt, uns ein Programm überhaupt zu gebe». Trotzdem hat er uns mitgetheilt: wir niüssen eben vorwärts gehen. Es soll also in Afrika vorwärts geschritten werde», ohne daß wir er- fahren, in welcher Richtung, nach welchem Ziel. Die Opposition wollte hauptsächlich erfahren, welchem Ziel bie Regierung zustrebe, dem der Privat-GesMchasten oder dem der Kron-Kolomem Einerseits hat nun Herr von Cnprivi gesagt, er spreche auch heute die bestimmte Hoffnung aus, dahin zu kommen, daß das Reich nicht mehr mit Geld engagirt sein werde. An einer anderen Stelle aber komnit die uberr schende Wendung, daß wir, um auf die Dauer der Sklaverei entgegen- treten zu können, durchaus eine Organisation brauchen, die wenig- stens in einigen Beziehungen dem nahe kommt, was man in Europa einen«wlaat nennt. Ein derartiges Programm wird man doch nicht glauben durch die Ostafrih'nische Gesellschaft ausführen lassen zu können. Ist es damit wirklich ernst, so wird es die Aufgabe_ des Reiches sein, diesen annähernden ostafrikanischen Staat mitzubegründen. Ein weiteres bedeutendes Bedenken lag für mich auch in dem Ausspruch des Reichskanzlers, die Thätigkeit in Ostasrika könnte nur mit der Flinte nnd mit der Bibel bewerkstelligt werden, und es würden noch Jahre der Diktatur und des Krieges vor uns sein. Anderseits pries Major Liebert, daß die Aufgabe Emin Paschas als die eines friedlichen Führers zu betrachten sei. Also auch hier sehen wir nicht im Mindesten eine zuverlässige Grenze, nicht einmal Klarheit innerhalb der Regierung selbst. Der Zweck der ganzen Kolonialbewegung ist ein dreifacher, und alle drei Zwecke lausen fortwährend durcheinander. Ursprünglich war der Anziehungspunkt dieser Kolonialpolitik für weile Kreise der Glaube an die Möglichkeit, sich Auswanderungsgebiete zu verschaffen. (Sehr richtig! links.) Man war gewiß berechtigt, zu wünschen, daß Deutschland den großen Strom seiner jährlichen überseeischen Auswanderung in Gebiete lenken könnte, die in einem gewissen inneren nationalen Zusammenhang mit unserem Baterlano stehen. Heute sind wir davon zurückgekommen. Auch von der Regierung selbst wird nicht mehr an der Behauptung festgehalten, da» Ostasrika für Mitteleuropäer ein geeignetes Auswanderungsgebiet ist. In dieser Beziehung sind auch wirklich die von Dr. Dohrn angeführten Autoritäten in phrer Bedeutung höher anzuschlagen als die Erfahr, ngen eines fünfwöchigen Auseickhalls. Graf Mirbach beseitigt diese bedeutsame Frage mit dem Scherzwort von der intellektuellen Depression, die{ich theilweise auch bei uns geltend mache. Vielleicht hat er dabei auf die Depression an- gespielt, die der Reichskanzler als einen großen Auswand von Mangel an Sachkenutniß in kolonialen Dingen bezeichnete.(Sehr gut! links.) Muß von der Auswanderung abgesehen werden, so tritt der Handel immer und immer wieder in den Vordergrund der Kolonialfrage. Aber auch hier scheint es, daß wir nnt Aus- nähme der Durchfuhrwaare des Elfenbeins irgend welche Maaren dort bis jetzt nicht pndeu können, und daß es sich um Maaren- Verbindung nur ,nfo crn handelt, als wir erst Kolonieen, die diese Maaren hervorbringen sollen, in diesen Tropengegenden anlegen sollen. Run hat aber der Reichskanzler selbst ausgeführt, daß,«ohne die Eingeborenen zu einem gewifsen Grade von sitt- licher und intellektueller Bildung zu bringen, auf die Dauer ein schwunghafter Handel mit ihnen eine gangbare Industrie an Orr und Stelle, selbst eine gut getriebene Lanbwirthschaft kaum möglich sein würde". Mit diesem Punkte, dem Punkte der Kultur und Gesittung, komme ich auf den dritten Punkt, die Sklavereifrage. Gewiß ist es ganz berechttgt und nolhwendig, daß mit allen Mitteln geistiger und moralisazer Ar- beit, welche eine Bevölkerung heben könne», erst auf diese Distrikte eiugeivirkt werden muß, bevor wir daran denken können, dieser Frage auch nur näher zu treten. Damit, daß an einigen Stellen äußerlich der Sklavenhandel oder eine Sklavenjagd verhindert wird, legen wir dieser großen Erscheinung von Unkultur in Afrika in keiner Weise die Axt an die Wurzel. Und das ist für mich entscheidend.� Auch ich will Teutschland nicht für alle Zeiten von der Aufgabe ausschließen, die eigene abendländische Kultt r auf diese untultivirte Bevölkerung zu übertragen. Aber das muß eine gemeinsame Ausgabe sämmtticher europäischen Staaten nach einem großen Programm sein, nicht daß wie jetzt stückweise an allen Orten mit unzulänglichen Mitteln angefangen wird. Mollen wir dieser Frage auf den Leib gehen, so können wir sicher nicht mit vier Millionen anfangen. Wir würden uns darauf gesaßt machen müssen, eine Reihe von Jahren große Aufwendungen für diesen Zweck zu machen. Es handelt sich nicht, wie der Abg. von Bennigsen neulich behauptet hat, um einige wenige Millionen für jetzt und für die weiteren Jahre; es handelt sich um eine außer- ordentlich starke Jnanspruainahme öfsentlicher Mittel; und diesen Punkt macht die Regierung nicht so klar oder trägt ihn so klar nicht vor, als es nolhwenoig ist, um die ganze Bedeutung dieser Frage zu übersehen. Sind ffber so große Auswendungen noth- wendig, um überhaupt etwas zu erreichen, so ist unserer Meinung nach für Deutschland der Zeitpunkt nicht gekommen, um für über- seeische Unternehmungen solche, vielleicht Hunderte von Millionen kostende Aufgaben zu erfüllen. Auf solche Kosten würden wir aber vielleicht im Jahre 1900 zurück zu schauen haben, wenn wir jetzt den ersten Schritt ins Innere antreten. Es ist nicht niög- lich, dem deutschen Nationalwohlstand diese Summen zu ent- ziehen, ohne andere, ebenso wichttge, oder noch viel wichtigere Kultnrzwecke auf unserem heimischen Boden gleichzeitig zu ver- nachlässigen. Wenn in unserer Militärkommijsion vorgestern der Zustand, welchen der Soldat, wenn er nach Hause kommt, dort antrifft, als'eine Misere bezeichnet ist, so daß er es viel besser in der Kaserne habe, wo er wenigstens noch genug zu essen habe und rothe, dicke Backen bekomme, dann ist die wirthschaftliche und sinanzielle Lage in Deutschland im Großen nnd Ganzen wie auch in den einzelnen Haushaltungen nicht so, daß wir nicht in dieser Weise öfsentliche Mittel verwenden können. Und Kultur in andere Welttheile können wir erst dann tragen, wenn wir den Gipset der Unkultur überwunden haben, den die Kriegsbereitschaft in Europa für mich enthält. So lange wir jährlich hunderte von Millionen aufwenden müssen, um uns gegen unsere» nächsten Nachbarn zu vertheidigen, können wir keine„gemeinsame europäische Aktion" mit Erfolg und Nachdruck in Afrika führen. Nun sagt man, wir seien cnga- girt, die Ehre unseres Landes erfordere das. Wäre das der Fall, so würde auch meine Partei die Konsequenz dieses Gebotes ziehen. Aber wir sind nicht engagirt. Wir haben die Mittel bewilligt, um den Auffiand nicderzmverfen, und jetzt hören wir, daß die Pazifizirungsarbeit unmittelbar vor ihrem Abschluß steht. Die Ausgabe ist also gelöst, wofür wir uns engagirt hatten, und jetzt stehen wir vor der ganz neuen Aufgabe, ob wir iveiter von der Küste hinweg in die EroberuugSpoliiik zur Unterwerfung jenes ganz ungeheuren Gebietes hineingehen sollen. Davor können und müssen wir warne», gerade um nicht die Ehre Deutschlands zu engagiren und uns Verwickelungen auszusetzen, die wir heute gar nicht übersehen können. Wir sprechen immer so sehr empfind- iich, wenn es sich um einen Ehrenpunkt unserer eigenen Nation handelt. Vielleicht können wir uns objektiver machen, wenn wir auf eine andere Nation hinsehen. Italien hat die gleichen Bahnen beschritten und zum Theil die gleichen Fehler gemacht wie wir. Wenn nun heute das italienische Parlament zur Erkeiiittniß käme: diese Politik ist zu weitschichtig und entfremdet uns den einhei- mischen Ausgaben, deshalb wollen wir diese Politik als Grobe- rungspolitik nicht fortsetzen, sondern sie ernstlich in die Formen privater Unternehmungen unter staatlichem Schutz überleiten, könnte daiiii ein Mensch behaupten, daß das der italienischen Ehre zu nahe getreten wäre? Im Gegentheil, ich glaube, wir würden vor diesem Beschlüsse der Italiener Respekt haben, weil er den Beweis einer gesunden Vernunft in sich tragen würde. Wir sollten auch bei uns den Muth haben auszusprechen: die Ehre Teutschlands wird nicht engagirt, wenn wir jetzt von diesen Dingen zurücktreten, sondern im Gegentheil, wir schützen sie vor künsiigen Verwickelungen. Wir können auch»och hinzu- fügen, daß wir Italien um das weniger bündnißkräftig betrachten, ivas an finanziellen und militärischen Kräften aus dem Mutter- lande hinauszieht. Auch die sozialen Schäden, die in Jlalien offen liegen, würden mehr die wünschenswerthe Berücksichtigung erfahren können, und Italien wäre, ivenn es in seinem Innern die großen sozialen Schäden beheben würde, viel stärker, als wen» es seine öffentlichen Mittel in überseeische Unternehmungen zersplittert. Es ist darauf hingewiesen worden, daß große Kreise von dem Gedanken an diese Kolonialpolitik erfaßt seien, daß, wie der Reichskanzler sagte, das nationale Empsinden diese Politik verlangt. Wir in Süddentschland sind nicht in der Lage, unsere Verantwortung hinter einer Berufung auf das Empsinden der Bevölkerung zu decken. Dort trägt die Majorität der Ve- völkerung das richtige Empfinden in sich, daß das eine ver- kehrte Politik ist. Seit den Erklärungen, welche die Bevöl- kerung am 20. Februar abgegeben hat, kann man sich auch nicht einmal mit Recht darauf berufen, daß die See städte in Wirklichkeit hinter dieser Politik stehen. Bei uns sind es einige kümmerliche Nationalvereine nationalliberaler Schöpfiulg, die weniger aus innerem Drang als ans dem Bedürfniß, für das nationale Programm einen neuen Gesichtspunkt zu finden, ge- schaffen worden sind. In den Kreisen, die ich kenne— sie sind allerdings nicht so hoch wie die, in denen Graf Mirbach sich erkundigt hat—, wird die Kolonialpolitik nicht gebilligt. Gerade von dem Anschluß an das Empfinden unserer Bevölkerung, das sich mehr und mehr dahin ausspricht: wir wollen nicht in die ostafrikanische Lotterie setzen, weil wir wissen, daß sie keinen großen Gewinn enthält, kommen wir zu der Ablehnung dieser Vorlage. Wir wollen nicht die Verantwortung an einer Politik mitttagen, die außerordentliche Lasten über unser Deutschland heraufbringen wird und außerordentlich geringen Gewinn.(Bei- fall links.) Staatssekretär des Auswärtigen Amts, Freiherr Marschall u. Hi berstri«: Ter Herr Vorredner hat im Beginn seiner Ausführung die Stellung der verbündeten Regierungen zur Kolonialpolitik eine„nebelhafte und verschwommene" genannt und diese Behauptung darauf begründet, daß wir bis jetzt kein bestimmtes Programm über die zukünftige Führung unserer Kolonialpolitik vorgelegt haben. Der Vornnirf wiegt, öffentlich ausgesprochen, so schwer, daß ich mit einigen Worten darauf er- widern muß. Es ist ein eigenthümliches Zusammentteffen, daß den verbündeten Regierungen der Vorwurf gemacht wird, eine nebethajte, verschwommene Kolonialpolitik zu führen, gerade in einem Augenblick, wo anderivärts eine sehr rege Agitation im Gange ist, die nicht müde wird, einer uns besreimdelen Nation tagtäglich vorzureden, daß eigentlich nur die deutsche Kolonial- Politik eine zielbewußte, energische und klare sei(sehr richtig! rechts: hört, hört!), und daß, wer diese Kolonialpolitik nicht nachahme, sicherlich ins Hintertreffen komme. Diese Gegenüber- steuung wird genügen, um zu zeigen, daß es doch jedenfalls um die 5Monialpolitik Teutschlands nicht so schlimm steht, wie der Herr Vorredner meinte. Wer zurückblickt auf das, was an der ostafrikanischen Küste vor 5/4 Jahre» war, und wer ins Auge fast, was dort heute ist und daran unbefangen seine Schlußsolge- rungen knüpft, der wird den Vorwurf des geehrten Herrn Vor- redners einfach nicht verstehen.(O doch! link»; nein! rechts.) Meine Herren, es waren ganz konkrete Ziele, die wir uns in dein Gesetz vom Februar vorigen Jahres gesteckt hatten. Die Art und Weise, wie in diesen 6/4 Jahren diese Ziele theilweise erreicht, theilweise deren Erreichung angebahnt worden ist, hat nicht nur die allgemeine Anerkennung im Jnlande, nein, sie hat die Be- ivunderung des ganzen Auslandes erregt(na! na! links), und ich glaube, wir haben allen Anlaß, darauf stolz zu sein.(Lachen bei den Sozialt emokraten.) Ich bedauere, daß Sie darüber lachen; ich konsialire einfach eine Thaffache. Wenn nun die verbündeten Regierungen, nachdem wir so weit gekommen sind, eine kurze Spanne Zeit verlangen, um nach allen Richtungen hin sich klar zu werden über die Art und Weise, wie die bisherigen Erfolge ttuktifizirt werden sollen, wenn sie dabei den Wunsch hegen, keine Quelle der Information unbeachtet zu lassen, und womöglich alle Eventualitäten übersehen, so verdienen sie darum keinen Vor- ivurs. Sie werden vielmehr daraus entnehmen, daß die ver- kündeten Regierungen nach wie vor entschlossen sind, sich nur an demjenigen Wege festzulegen, von dem aus sie im Voraus nach reisticher Ueberlegung nnd Uebersehung aller Eventualitäten sicher sind, daß er zum gewünschten Ziele führt. Daß dabei nicht nur bie allgemeinen Interessen, sondern auch speziell die Interessen der Finanzen nach allen Richtungen hin gewahrt werden: diese Zusicherung kann ich von vorn herein geben. Ich bitte also die ierreii, noch kurze Zeit zuzuwarten. Wir werden voraussichtlich in der näcyften Ses�ou in der Lage sein, Ihnen ein Programm vorzulegen, und ich hoffe, daß dann der Vorwurf nicht mehr er- hoben iverden wird, de» wir soeben von dem Herrn Vorredner gehört haben. Das muß ich allerdings zugeben, daß die Herren Gegner der Kolonialpolitik und speziell dieser Vorlage uns in Einem über sind. Sie haben nämlich bereits ein Programm für Osta>rila, sie wollen zwar nicht sofort Alles von dort heraus- ziehen, aber sie wünschen, wie der Herr Abgeordnete Dr. Bam- u erger das neulich dargelegt hat, eine Liquidation anzubahnen, 0 daß wir an einem Tage Alles, was wir dort haben, die Flinten, Kanonen, die ganzen Schutziruppen der Ostasrikanischen Gesellschaft überweisen und sagen: nun ich zu, wie Du damit fortkommst. Meine Herren, das ist ein Programm, und ich gebe zu, ein sehr einfaches; ich habe aber die feste Ueberzeuguug, daß, wenn wir dieses Programm durch- ühren, wir dann einen Weg gehen, der sicher zu dem Resultat üyrt, welches auch von diefem Herrn nicht gewünscht wird, nämlich dazu, daß wir an einem schone» Tage vor der Alter- native stehen, entweder die ganze Arbeit von vorne anzufangen, oder auf Alles zu verzichten, was wir mit großen Opfern an Gut und Blut erreicht haben. Das wäre ein Programm, für welches die verbündeten Regierungen auch ans finanziellen Gründen nicht einzutreten vermögen.(Bravo! rechts.) Abg. Kambrrger(dsr.): Ich kann den Grasen Mirbach nicht von der Sünde freisprechen, daß er die Veranlasfiing ist, wenn ich heute spreche. Es war sonst nicht mein Wunsch, zu 'prechen, denn die heutige Verhandlung ist lediglich eine Fort- etziing der Generaldebatte, es sind dieselben Gründe für und wider, wir wissen eigentlich noch sehr wenig von der Sache. Als der Antrag auf Koinmissionsberathung gestellt wurde, hatte ich nicht die Hoffnng, daß wir dadurch klüger werden würden. Es war nur gewisser- maßen eine Ehrenbezeugung gegen die Sache, daß wir dieselbe noch in eineKommisston schickten, wie überhaupt die Kommisstonen nur eine Anstandssorm sind, um eine Vorlage anständig zu be- graben oder anständig zum Leben zu führen. Ohne Kommispons- Berathungen würden ivir gerade so weit kommen wie heute. Wir können hier nur ein Schauri abhatten, um uns über die Sache zu unterhalten, ohne eine Belehrung über die Rentabilität der Kolonieen und über die Gründe, warum wir hier Millionen aus- geben, zu erhalten. Ich ivill aber den wiederholte» Vorivurf, daß durch abfällige Aeußerungen über koloniale Unternehmungen, der Kredit der 5!olonial- Gesellschaften �untergraben würde, in das richtige Licht stellen. Gesellschaflen oder Personen von notorischem Renommö, z. B. der preußischen Seehandwng, der Reichsbank, der Diskouto-Gesellschaft in Berlin oder dem Hause Rothschild, könnte eine solche abfällige Kritik im ReiaMlag nicht um einen Pfennig schaden. Ein guter Kredit beruht auf ganz anderen Gründen als, Reklame und wird nur geschädigt, wenn er zeigt, daß er nicht so hoch taxirt zu werden verdiente Wenn hier für eine Kolonial-Gesellschajl d« Säckel der Steuerzahler, also der Kredit des Reichs in Anspruch genommen wird, müssen ivir als Vertreter der Steuerzahler ihre Kreditwürdigkeit untersuchen. Sie soll ja, wenn auch erst nach Generationen, dem Reich die Koste» wieder erstatte». Wenn die Ostasrikauische Gesellschaft gut wäre, würde ihr mein leichtfertiges frivoles Uebelreden, wenn ich dessen fähig wäre, nicht im Ge- ringsten schaden. Das würde sie durch anoere Redner nnd That- fachen widerlegen können. Die Auffassung, als ob hier aus Silber Gold gemacht werden könnte, ist vollständig ohne Kenntuiü kauf- männischer Verhältnisje ausgesprochen. Wenn Graf Mirbach wüßte, warum man Kredit giebt, so würde er wisfen. daß Par- lameutsreden damit nicht viel zu thun haben. Tie Leute, die ihr Geld hineinstecken, thun Anderes, als meine Reden nachzulesen. und wissen genau, wohin sie ihr Geld geben sollen. Auch Reden von Regierungskommiffaren gehen dabei bankerott, dessen bin ich ganz r Herr Reichskanzler sagte: Ja, sü� schlechtesten ausländischen Papiere hat das deutsche Publikum' �...... r............ cr.i„ P ♦vmrnßn sicher.(Heiterkeit.) Ter r y t«• I �' f f___ Geld, als für Kolonialunternchmungen. Was würden,, Herren sagen, wenn eine Gesellschaft von Bankiers ein llt-ü über die Einführung des rauchlosen Pulvers in unserer Aw aussprechen würde'{ Wie dies den Militärs und Techm« allein zusteht, so können über die Frage, ob man sein Gew koloniale Unternehmungen oder in Staatspapieren anderer ran anlegen solle, die Herren Militärs, Landwirthe, Kultursreun-- und kolonialbegeisterte Menschen viel weniger entscheiden, als« Leute, die jahraus jahrein mit sicherer Sachkenutniß ihr/? anlegen. Der Standpunkt, als ob Edelsinn, Großherzig»' Wagemuth einen berechtigten Antheil an solchen Unternehmmig! haben könnte, ist auch ganz falsch, wenn man ihn nicht m dem Verständniß des Unternehmers und der Berechnung° Gewinnes verbindet. Durch die Presse geht das Wort{ wuth", das das Schlimmste sein soll, was einen Menschen»' treiben kann. Setzen Sie an Stelle dieses Wortes �Gewi suchen" und dann frage ich: wo wäre heute Handel, Gen: er und Industrie ohne diese Prosittvuth? Ueberall ist die% sacra fames die Triebfeder, die den Menschen vorwärts fttev, läßt. Wer sein Vermögen vermindert, schädigt auch das Nation vermögen, von dem jenes ein intcgrirender Bestandtheil ist! vier Millionen können besser in Deutschland als Ostasrika o wendet werden. Das ist der großejJrrthum der kolonialen Schw? merei, daß man meint, man müßte Land besitzen und«w' rungspolitik treiben, wenn man gute Geschäfte machen wo- Tie Hanseaten haben ohne Kolonieen sehr gute überseeische®. schäfle gemacht. Ich habe schon früher gesagt, wenn wir uni Flinten und Kanonen in Ostafrika ließen und einfach?sra- gehen, würden wir ein viel besseres Geschäft machen, als we> wir diese Politik fortsetzen. Was die Ostairikanische Geseusa!. für Mittel hat, steht in keinem Verhültniß zu dem, was das aufwendet. Der kleinste Theil der Millionen, die für die*4, afrikanische Gesellschaft gegeben sind, ist gegeben in nung auf Prosit. Kaiser Wilhelm I. hat eine halbe hergegeben, weil man seine Sympathie für die Sache gewow»" CttrtAtiaftriAfcon hnhtrt tÜC.' L �Million lvonne» hatte. Die Finanzgrößen haben Gesellschaft auch nur ihre 30 000 M. **• rr* r##___ w____»x___ xt... -,------ abgestrichen, um dem. kanzler einen Gefallen damit zu thun; mit seinem Zorn versch° zu bleiben, wäre auch schon 30 000 M. werth.(Heiterkeit.)* Reichskanzler, dachten sie, würde sie das Geld ein andermal fw wieder verdienen lassen. Wenn die großen Kaufleute mehr)» und wenn der Graf Mirbach statt 250 M. 100 000 M. für iw» nialzwecke hergäben, würde ich mehr Respekt und Zuttauen s die Kolonialpolitik haben; denn vom Grasen Mirbach nehme■ an, daß er sein Vermögen nur gut anlegt. Ter Lieichskanz hat gesagt, die Kolonialpolitik sei nicht blos Sache des Kall"' sondern der Empfindung. Diese Empfindung sei im deuh� „,»<» fflS Polle vorhanden. Der Abg. Haußmann meinte, in land sei diese Empfindung nicht vorhanden, sie müsse Norden sein. Nun wird mir die Sache noch zweife Bicher habe ich immer gemeint, sie wäre cm Säten.(Hc—(rt links.) Die Schmähbriefe, die ich von Kolonialschwärm„ erhalten. MM- � man in ans sind fast nur aus Cüddeutschland, wähÄ ... Norddeutschland, in den Hansestädten kühl ,. Herz hinan ist. Aber gesetzt, diese Empfindung w wirklich so verbreitet, wie der verehrte jetzige Reichskanzler r ausgesetzt hat, würde das ein wirklicher Grund sein, aus eiäßi schwer wiegende Politik einzugehen. Es giebt keine bost', Gegensätze als Emfindungen und Politik. Ter Reichskanzlei', selbst vor der Gefühlspolittk gewarnt, und Gefühl und Einpsuw" sind in der Hauptsache Synonyma. Es giebt gute und sch�Ü Empfindungen. Der Streit zwischen den KolonialbegeiR„ und den Kolonialzweiflern ist der, daß wir sagen, sie folgen ew, falschen Empfindung. Der Reichskanzler und Herr von sen haben gesagt, in jenen Finedeustzeiten, nachdem Wik großen Kriege geschlagen, suchte der deutsche Geist einen, stand für seinen Unternehmungsstnn, und da mußte ihm � I Eroberungsgebiet von Afrika geboten werden. Ich taxirt, J> Deutschen höher, als daß ich ihnen ein solches minderiverth'L Motiv unterlege. 1887 und schon früher vor dem Eeptei»»� streit war in Frankreich die Idee verbreitet, daß, wenn Fürst �-j marck in diesem Wahlkampse unterläge, er, um Ableitung seiner Politik zu machen, einen Krieg mit Frankreich ansang würde. Man wünschte deshalb, daß die Liberalen gcfch�L würden. Ich habe immer geantwortet, ihr irrt euch in... Deutschen. Die Deutschen brauchen ein solches Derivativ n* um sich, wie etwa die Franzosen es gethan haben, in einen ' at gesagt, wie wäre denn das zu verivickeln. Man....------ Reich geworden, wenn nicht dieser Gemüthsstuinn, der sich ,3# bei Heller und Pfennig ausrechnen läßt, seit etwa einem Jahrhundert in Deutschland geweht hätte. Der Abg. BennW,, hat mich an meine eigene Vergangenheit erinnert. Ich l%ij Begeisterung, wo sie hingehört und Rechnung, wo sie hinge''.z Diese Verquickung von Begeisterung und Recymmg, die sett» � Jahren auf dem deutschen Volke geruht hat, ist für uns ,, hängnißvoll geworden. Woher ist denn diese ganze Kott" ü Politik gekommen, wenn nicht seit dem Augenblick, als man o ein künstliches Handels- und Produktivsystem, nämlich durch � Schutzzollpolitik, die Quelle einer freien Thätigkeit verstopfte' � suchte man nach Derivativen(Zustimmung links), nach einer lenkung. Wenn der Abg. v. Bennigsen mir eine väterliche Mah» � zukommen ließ, daß es nicht schön gewesen wäre, daß ich de» A � Wißmann und seine Leute nicht auch anerkannt hätte, so erw', ich ihm zunächst, daß ich fest überzeugt war, er würde da ausgezeichnet besorgen, daß ich daneben nur ein armer "Üf'~;en und Brennen gesagt habe, Habs. gesagt. Dieser Art der Kriegfthr� bedienen sich den Wilden gegenüber auch andere Staaten. habe das gemißbilligt und gesagt, es sei genug geschehen. w Ovation hätte ich nicht zunächst an den Major WißmanW. sehr ich ihn als den richtigen Mann an der richtigen Sell« erkenne, sondern an die deutsche Marine zu richten gehabt. Flotte hat die Pazifizirung von Ostafrika herbeigeführt. fLu sind dagegen die kleinen Gefechte gegen die mit Feuersteingowf?�! bewaffnelen Araber, in denen 2 bis 3 Sudanesen und 1 oeun � Unterossizier gefallen sind! Die Eroberung von Kilwa ist D � die Flotte bewerkstelligt. Diese hat mit großen Kanonen � Orte zilsammengeschossen und die Araber sind ausgelnM z (Heiterkeit.) Tie Bemannung der Flotte ist nicht iveniger Gefahren ausgesetzt, als die Leute, die_ Lande kämpfen. Ihnen erwächst ein viel schli»'?�.! Feind in dem Fieber. Der Major Wißmann hat 1*� :>eit gesagt, daß ich mich durch eine besondere Zo0h*L feit auszeichnete. Nun scheint er, nachdem er ansangs einiger Echneidigkeit vorgegangen ist, schließlich zu dem Et». � "iß gekommen zu sein, daß doch eine Zaghaftigkeit nameut»� der �Auseinandersetzung mit den Arabern sehr am Platze ist?%,i er ist mit dem zweiten Gegner Bana Herl viel glimpflicher gegangen. Der Hinweis aus England scheint mir nicht stich» ji zu sein. Wenn Stanley und Andere einen großen Rada� Gunsten der englischen Kolonialschwärmer machen, so ist Mode. Gehen die Engländer vor, so berusen wir uns gehen wir vor, so berusen sich die Engländer auf uns. U-- ist selbst Stanleys Kritik über die englische Kolonialpoliln' so ermuntenid, wie man denkt. Nun wollen die Engianser Süden herauf bis nach Sudan nnd dann womöglich»achEflA�! ein Territorium gewinnen, welches sie beeinslussen wollen- � deutschen Kolonialbegeisterten haben die Idee gejapt, voin wy von der sansibarischeii Küste aus nach dem Westen die Kongogrenz» zu drängen. Bei diesem ß* J an streit müssen sich die Problem wird sich schwer Linien einmal schneiden;% lösen lasse». Ich möchte meine nende Stimme dagegen erheben, auf diesem Gebiete einen zu beginnen, der so perniziös mit dem Landheer bereits befff.<• ist. Es ist schon Unglück genug, daß wir uns jetzt immer J- rechnen müssen, wieviel Mann nnd Pferde Rußland und v W. wehr haben wie wir, und uuigekehrt. In diesem uner- iVWliglichen Kampfe, an dieser Last hat Europa genug geseufzt no gekeucht. Hüten wir uns, dap wir diesen Streit auch in links■)imfa&karen Kolonialunternehmungen hineintragen.(Beifall j.. Abg. Scipio(natl.): Als Mitglied des Verwaltungsrathes aeün?l!?�ilanischen Gesellschaft sei'' �"---- den mir einige kurze Bemerkungen Maltet. Die Deutsch-Ostasrikanische Gesellschaft ist unter dem Mutze des Kaiser Wilhelm begründet mit der Aufgabe, die Ge- p'5°v>t°frikas wirthschaftlich aufzuschließen. Daß sie für diesen � wcht in einem halben Jahre die richtigen Leute heran- «>°yen und herausbilden kann, ist für Jeden selbstverständlich der ,2 Schwierigkeiten kennt, welche eine neue Verwaltung schon nerhalb Europas verursacht. Ich glaube, daß theiliveise Wenigstens diese Aufgabe gut gelöst ist, denn die Beaniten, welche e?.,°en.Tie>,sl des Reichekon, missars übernommen sind, von der �afrikanischen Gesellschaft, haben sich glänzend bewährt. Daß »'.Gesellschaft bei dem Aufstande keine glänzende Geschäfts wachen konnte, ist ebenso selbuverständlich. Die Ostasrikanische Gesellschaft ist in schwierige Verhältnisse gerathen und thi.t «ues, was ihr möglich ist, um a.s denselben hinaus- -uwinmen. Der Abg. Dohr,, hat darauf hingewiesen, daß die Hauptmasse der Ausfuhr aus Elfenbein besteht. Nun giebt es ?°er andere Produkte, z. B. Kautschuk und Kopra, welche in nelgendein Maße aus Ostafrika in den letzten Jahren exportirt worden sind. Es ist auch gar nicht ivünschenswerth, daß die «ussuhr an Elfenbein zunimmt, denn die Elfenbeingewinnung ist wil eme Veranlassung zu diesen Sklavenjagoen gewesen. Wenn » Abg. Haußmann darauf hinwies, man möge doch die europäischen' Staaten veranlassen, in gemeinschaftlicher Aktion die KuUunrung Zhrikas zu betreiben, so erinnere ich daran, daß schon KU vielen Jahren Portugal, England und Frankreich sich dieser Aufgabe unterziehen und daß es für uns Deutsche eine Ehrenpflicht Mu uns dieser Aufgabe ebenfalls nicht zu entziehen. Die Behaup- Ng. daß die Kolonialpolitik erst eine Folge der Schutzzollpolitik '»?' ist ungerechtfertigt; denn England treibt schon seit vielen Jahren afrikanische Kolonialpolitik, obgleich es bekanntlich Freihandelssystem huldigt. Es kommt darauf an, in Afrika -in neues Arbeitsfeld zu schaffen; nicht neue Kolonieen wollen wir hier gründen und eine Privatgesellschast unterstützen, sondern " Unternehmen, was wir im Interesse der Zivilisation de- sonnen Häven, weiterzuführen. In diesem Bestreben ist sich die Mehrzahl des deutschen Volkes einig. Das geht schon daraus hervor, daß der Deutsche Kolonialvcrein, der durch ganz Deutsch- tanb verbreitet ist, 18 bis 19 000 Mitglieder zählt. Ich bitte dem Antrag der Kommission zuzustimmen. Sie werden da- vurch her deutschen Nation einen großen Dienst erweisen.(Bei- lall bei den Nationalliverale».) Nach 4V2 Uhr wird die weitere Berathung bis Dienstag Uhr vertagt. Vorher wird die Nemvahl des Präsidiums statt- lwden und die Interpellation Richter wegen der Paßmaßregeln an der jranzöpschen Grenze verlesen werden. V«rln»ttenkclvislhes. Dem Reichstage ist der deutsch-sehweizeriscke Niederlassungs- Ertrug nach erfolgter Zustimmung des Bundesraths zur ver- lasfungsniäßigen Beschlußfassung zugegangen. h.rtagung des Reichstage». Die„Magd. Ztg." erfährt iUverlässig, oaß regierungsseitig als Gegenstände, deren Erledigung vor der Vertagung des Reichstages erfolgt sein muß, bezeichnet werden: die Militärgesetznovelle, sämmtliche Nachtragsetats und alles, was bezüglich der Kolonialpolitik theils bereits vorgelegt, -Heils noch zu erwarten sei. In der Militärkommission schätzte am Sonnabend Abend Cchaysekretär Frhr. v. M a l tz a h n die Steigerung der Ausgaben »es Reiches aus den vorliegenden Nachtragselats und den Zinsen der neuen Anleihe von 1891/92 ab und weiter aus s e ch s z i g Atillionen Mark jährlich, ungerechnet die noch unbeuannten Dahlen aus den Heeresptänen der Zukunft. Deshalb könne von Uner Herabsetzung der Kornzölle auch schon aus stnanziellen "runden nicht die Rede sein. Die Höhe der Summe weise gleich- idtig auf eine A ermehrung der Steuern im Reiche und in den Anzelstaaten hin, beispielsweise in Preußen durch Erhöhung der �»kouiinensteuer. Ter Vergleich mit modernen Staaten lasse noch vielfach Stcuererhöhungen zulaspg erscheinen. Die nächfie Session wtroe hinreichend mit Steuervorlagcn beschädigt werden, das wachst nicht aus dem Boden. Wer die Militärvorlage roaojji mtyi uu» v» ?a»immt, muß auch für die Deckung sorgen. Er sei auch denkbar für die Namhaftmachung einer Steuer aus Streich- Wzer und Quittungen.— Redner erklärt sich gegen eine Kon- fOrtmmg der 4prozentigen Reichsmileihe. Tie neue Anleihe für Mkegische Bahnen werde den Betrag von 20 Millionen nicht uderichreiren.— Abg. W i n d t h o r st bezeichnet dieses Bild als schmerzliches. Er wisse die in Aussicht gestellten Steuern nwlft Zu beschauen. Ihm vergehe da der Much, mitzusprechen. Die �siegsverwaltung muffe angesichts des düsteren Bltoes sparen.— Abg. Rictert ist erschreckt über die eröffneten Aussichten und beantragt, die Rede Malynhn's drucken zu lassen. Er könne nichts bea-tuigen, ohne die daraus gefolgerten neuen Steueim zu kennen. �b denn der Kriegsminister gar nicht zu Kompensationen gerührt werde?.— Abg. Bayer bewundert den Fatalismus Malpahii S. ?'e Beunruhigung n erde jetzt im Lande noch mehr wachfen. phnc mindestens einer festen Zusicherung der zweijährigen Dienst- ze>t sd die Borlage nicht annehmvar.—©encral Boge l v o n ■ würden die militärischen Forderungen kein Ende nehmen. Diese Auffassung sei ganz unbegründet und er betone ausdrücklich, daß er nur dem Plane beigetreten sei, welchen er bereits vorgefunden und den sein großer Vorgänger bereits gebilligt hatte. Die Frage der Flüssigmachung der Mittel werde von den verbündeten Re- giernngen erörtert und auch gelöst werden. Den Antrag Rickert wurde die Regierung ablehnen müssen, er gebe eventuell anhdm, bezügliche Wünsche in Form einer Resolution zu kleiden. Man werde zugeben müssen, daß die Situation durch den Abgang des Fürsten Bismarck eine schwierige geworden sei, aber indem man mit der Thatsache rechne, müsse man auch zugeben, daß sie früher oder später doch einmal eintreten mußte. Er bitte, die Vorlage lediglich an und für sich zu betrachten und zunächst anzunehmen, ohne durch irgend welche späteren Pläne sich beeinflussen zu lassen. Abg. v. Bennigsen erkennt an, durch die Ausführungen des Herrn Reichskanzlers von der unbedingten Nothwendigkelt der Vorlage überzeugt zu sein. Von bedeutenden Kompensationen könne zu- nächst nicht die Rede sein. Er gebe sich aber der Hoffnung hin, daß die Militärverwaltung in dem Augenblick, wo sie sich von der Möglichkeit überzeugt habe, die zweijährige Dienstzeit ohne Gefährdung der Sicherheit des Reiches einzuführen, selbst dazu die Initiative ergreifen werde. Das würde eine der populärsten Maßnahmen sein. Auch er wünsche, daß die Militär- Verwaltung die möglichste Sparsamkeit walten lasse, doch unter den gegenwärtigen Umständen sehe er sich gezwungen für die Vorlage zu stimmen und diese Erklärung gebe er zugleich im Namen seiner politischen Freunde ab. Abg. Müller- Marien- werder(Reichsp.) stimmt dein Vorredner darin bei, daß über die Nothwendigkeit der Vorlage kein Zweifel mehr bestehe. Doch die zweijährige Dienstzeit halte er nicht für empfehlens- werth. Kriegsminister von Verdy: Die Jrrthümer hätten nicht die Ausdehnung gewonnen, wenn nicht vierzehn Tage Ferien gewesen wären. Das sei zweifellos, daß wir eine Ver- slärkung brauchen. Wir würden zwar dann auch noch hinter Frankreich zurückbleiben, aber bei unserer guten Aus- bildung glauben wir zunächst auskommen zu könneu. Abgeord- neter Rickert: Er sei zwar Laie auf dem Gebiet der aus- wältigen Politik, aber das könne er dreist behaupten, im Volke bringe man heute der Regierung mehr Vertrauen entgegen als früher dem Fürsten Bismarck. Der Kanzlerwechsel sei\m Volke freudig begrüßt worden. Das Vertrauen zuin gegenwärtigen Kanzler sei vorhanden, weil derselbe bestrebt sei, es sich zu ver- schaffen und zu erhallen. Der von ihm gestellte Antrag sei her- vorgegangen aus der Ueberzeugung von der Nothwendigkeit deiidoen. Das Septennat sei bereits durchlöchert. Man möge nur Vertrauen zur Volksvertretung haben, das Nothwendige werde stets bewilligt iverden. Die Kompensation der zweijährigen Dienstzeit halte er für unbedingt nothwendig und de- oaure, daß die Konservativen und Nationalliberalen, welche zum Theil wenigstens auf demselben Standpunkt stehen, die Forde- ruiig nicht nachdrücklicher unterstützen. Was die Finai-zfrage be- treffe, so stehe fest, daß die Regierung beabsichtige, dem Reichstage im Herbst eine Vorlage zu machen. Er wünsche aber heute zu wissen, auf welche Weise die Deckung beschafft werden solle. Abg. Hinze hält daran fest, daß die zwdjährige Dienstzeit sehr wohl durchführbar sei, ohne unsere Wehrkraft zu gesähr- den. Abg. Dr. Windthorst findet durch die Ausfüh- rungen des Herrn Reichskanzlers die Situation in erfreulicher Weise geklärt. Er wolle aber noch kein bestimmtes Votum ab- geben, sich vielmehr mit seinen politischen Freunden die definitive Entscheidung bis zur dritten Lesung vorbehalten. Die Frage der jährlichen Bewilligung werde seine Partei stets im Auge be- halten, und die zweijährige Dienstzeit würde im Volke immer wieder gefordert werden. Abg. Liebknecht führt aus, daß der Gang der Verhandlungen die sozialdemokralisafe Partd nur ver- anlaffcn könne, auf ihrem ablehnenden Standpunkt zu verharren. Abg. Richter ist der Meinung, daß der Austritt des Fürsten Bismarck eine unbedingte Nothwendigkeit war. An eine Wieder- kehr des früheren Kanzlers sei nicht zu denken. Herr v. C a p r i v i fordert Rücksichtnahme auf die schwierige Stellung, in der er sich befinde und wolle später die Frage der jährlichen Bewilligungen und andere Kompensationen„kaiiipsesfrendig" er- örlern. Das vermöge ihn nicht geraoe hoffnungsvoll zu stimmen. Er sei übrigens der Meinung, daß, wenn man in Friedrichsruh etwas weniger in auswärtiger Politik machen wollte, dies unserer Friedenssicherheit nur föcccrlich wäre. Neue Steuer» könne er nicht bewilligen. Die sozialdemokratischen Wahlresultate seien lediglich ein Ausdruck des großen Unbehagens über die militä- rischeu Forderungen. Die Generaldebatte wird darauf geschlossen und die Auoeraumuiig der nächsten Sitzung, zum Beginn der Spezialdiskussion, dem Vorsitzenden Herrn v. Kardorss anheim gegeoen. Dofrerles. Die Krauer der Kappoldt'sche« Kranerei haben folgeuoes Schriftstück unterzeichnet: Die unterzeichneten Brauergesellen der F. Happoldt'schen Brauerei, hier, Hasenhaide 82/88, erklären hierdurch, daß sie in- folge des Entgegenkommens des Besitzers, welcher alle ihre Forde- rungen erfüllt Hut, nicht gestreikt Häven, sondern zufriedengestellt sind und ununterbrochen iveiter arbeiten. Wir sind niit der einzigen Forderung, welche die Lohn- kommission noch erhebt, die Errichtung eines Arbeitsnachweises, nicht einverstanden, trotzdem unser Arbeitgeber dafür ist, und wollen wir gar keine solche Einrichtung, die gegen unsere Jnter- essen ist. Ties bezeugen ,vir der Wahrheit gemäß. Berlin, den 8. Juni 1890. Sämmtliche Brauergesellen der F. Happoldt'schen Brauerei. (Folgen die Namen.) Alte Kartoffeln. Obgleich jetzt die Natur schon mancherlei frische Gemüse und Früchte hervorbringt, so hat unsere Be- köfligung zur Zeit doch unter dem Uebelstand zu leiden, daß die 5iarto|iel, welche bei der Ernährung des Menschen eine so wichttge Rolle spielt, nicht nur Einbuße an ihrem Nahrungswerth erlitten, sonder» auch einen großen Theil ihres Wohlgeschmacks verloren hat. Frische genießbare Kartoffeln giebt es aber erst im künftigen Monat und die Maltakartoffel ist für den gewöhnlichen Tisch doch zu kostspielig, denn der Zentner davon kostet mindefiens 15 M., wahrend man einheimische alte Kartoffeln für 2 M. kaust. Unter solchen Uniständen wird es mancher Hansfrau angenehm sein, zu erfahren, daß es ein Mittel giebt, den alten skartosseln, wenn auch nicht den früheren Wohl- geschmack wieder zu geven, so doch ihnen wenigstens den üblen Beigeschmack zu benehmen. Man wäscht nämlich die geschälten Kartoffeln ganz rein, übergießt sie, anstatt wie gewöhnlich mit kaltem, jetzt mit kochendem Wasser, setzt sie aufs Feuer und läßt sie nur aufivalle», dann gießt man das Wasser rein ab, übergießt sie abermals mit kochendem Wasser, setzt sie aufs Feuer und kocht sie wie gewöhnlich. Zur Empfehlung dieses Verfahrens wird geiviß der Umstand beitragen, daß es keine weiteren Kosten, son- dern nur ein wenig Mühe verursacht. Einen Schutvektor sollte, wie kürzlich aus Wien berichtet wurde, eine Krankenwärterin entführt haben, um ihn meuchlings zu heiraten. In Spandau vermuthete man sofort, daß der vor- malige Rektor der dortigen Bürgerschule, Dr. Frohue, der Un- glückliche sei, der in seinen alten Tagen noch von einem so tragischen Geschick ereilt worden sei. Nach dem„Anz. f. d. Havel!." hat sich diese Annahme bestätigt. F. hat in einem»ach Spandau gerichteten Briefe den Vorgang in der Hauptsache zugegeben. Er verwahrt sich jedoch gegen die Zumuthung, daß er die Absicht hatte, die Wärterin, welche das tkrankenhaus mit ihn» zugleich verlassen habe, zu Heirathen und verwdst dabei auf sein vorge- schrittenes Alter; er sei jetzt 69 Jahr alt. Er wohne jetzt in Währing bei Wien, getreinit von der Wärterin, welche ihm aus dem Krankenhause gefolgt sei, um ihn außerhalb desselben besser zu pflegen. In den 15 Jahren, während welcher er als Rektor die Spandauer Bürgerschule leitete, machte er durch seine Ab« soiiderlichkeiten oft von sich reden. Er galt stets für einen Jung- gesellen und mied jeden Verkehr. Sobald Volkszählungen oder amtliche Personenstands- Aufnahmen stattfanden, war der alte Herr„ortsabwesend". Dieses auffällige Verhalten fand erst im vorigen Jahre seine Erklärung. Als er nämlich infolge eines Schlaganfallcs schwer erkrankte und in da? städtische Krankenhaus ausgenommen wurde, mußte er genaue Auskunst über seine Person geben, und da erklärte er nothgedrunacn zu Protokoll, daß er verheirathet sei und seine Frau in Wien wohne. Letztere ist übrigens seit mehreren Monaten verstorben. Vor ungefähr einem halben Jahre ließ er sich penstoniren, und da er anscheinend sehr leidend war, so bat er einen städtischen Beamten, ihn in das Augusta- Hospital nach Berlin zu bringen. Diese Anstalt verließ der Patient jedoch nach wenigen Tagen heimlich und siedelte nach Wien über. Unter seinen Effekten, die er in Spandau in seiner Junggesellenwohnung sämmtlich zurückgelassen hatte, fano sich seltsamerweise auch ein Maskenanzug vor. Das Messer! Ein 21jähriger, bei seiner Mutter in der Andreasstraße wohnender Metallschleifer und ein 2Sjähriger Schlossergeselle, welcher verheirathet und Vater dreier Kinder ist, hatten im vorigen Jahre mit mehreren Bekannten eine Landpartie unternommen, bei welcher die Beiden in einen Streit gerathen waren, der zwar durch Zwischentreteu anderer Personen beigelegt wurde, jedoch herrschte feit dieser Zeit zimschen dem Metall- schleifer und dem Schlosser bittere Feindschaft. Vorgestern Nach- mittag gegen 5 Uhr betrat letzterer das Keller-Rejtauranl von Nietsch, Naunynftraße 77, in welchem sich bereits sein Gegner seit längerer Zeit aushielt. Kaum hatte der Schlosser das Lokal betreten, als es zwischen den beiden Gegnern auch schon zu einen» Wortgefecht kam, welches sich schließlich derartig zuspitzte, daß der Wirth, Herr N., sich veranlaßt sah, den Störenfried zum Verlassen des Lokals aufzufordern und, als dieser sich dessen wei- gerte, gewaltsam aus dem Lokal zu entfernen. Im Verlaufe des mm entstandenen Handgemenges zog der Wüthende plötzlich ein dolcharttges Taschenmesser und brachte dem Wirth mehrere glücklicher Weise ganz unerhebliche Stichwunden iin Ge- ficht bei. Kurze Zeit darnach, gegen 3/46 Uhr, verließ auch der Metallschleiser das Restaurant, war jedoch nur wenige Schritte in der Richtung nach der Manteuffelstraße gegangen, als sich der Schlosser ihm zugesellte. Die Folge war, daß sich der Zank zwischen Beiden alsbald erneute. Wie von zahlreichen Passanten gehört worden, hatte der Schlosser im Verlause des Streites mehrmals gedroht, den jungen schwächlichen Metallschleiser nieder- zustechen, und ebenso wurde gesehen, wie er sein Dolchmesser abermals hervorzog und mit demselben in der Luft umhersuchtelte. Plötzlich jedoch trat der Unhold vor dem Hause Naunynstr. 86 einen Schritt zurück, versetzte seinem Gegner einen Stoß, daß dieser zu Boden fiel und sodann stieß der Unmensch den im Augenblick Wehrlosen das Messer derartig in den Hals, daß die scharfe Klinge die Schlagader durchschnitt und so den augenblicklichen Tod des Getroffenen herbeiführte. An der Ecke der Manteuffel- und Naunynftraße wurde der die Flucht ergreifende Thäter von einem Schutzmann und zwei Soldaten geslellt, nach heftiger Gegenwehr überwältigt und nach dem 49. Polizeirevier gebracht, von wo aus derselbe noch in der Nacht gesefselt nach dem Polizeipräsidium überführt wurde. Der Mörder ist ivegen Körperverletzung schon mehrfach vorbestraft. Die Ldche des Erstochenen wurde zunächst nach dem Krankenhause Bethanien geschafft, wo der durch innere Verblutung herbeigeführte Tod des jungen Mannes konstatirt wurde. Ein zweiter Fall, bei welchem das Messer eine Rolle spielte, wird vom gestrigen Vormittag gemeldet. Hiernach kamen in der Destillation von Meyer, Eharlottensttaße, ein Fensterpuyer und ein anderer Gast in Streit, Verlaufs dessen der Putzer sein Messer zog und dem Gegner einen Stich in den Kops versetzte. Der Gestorbene wurde zur Sanitätswache gebracht, der Messerheld da« gegen der Polizeiwache zugeführt. Gin unternehmend»» Kttrschche» ist der zwölfjährig» Sohn des in der Alexanderstraße wohnenden Kaufmanns M. Der Knabe hatte schon seit längerer Zeit in Folge der Lektüre von Jndianer-Geschichten einen Hang zum Abenteuererleben ge- zeigt, und beabsichtigte, nach Amerika auszuivmidern. Um die nöthigen Geldmittel zu erlangen, benutzte er, wie die„Genn." berichtet, vor acht Tagen die Abwesenheit seiner Eltern, das Pult des Vaters zu erbrechen und der in demselben befindlichen Kassette eine Summe von 180 Mark zu entnehmen. Nachdem er sich noch dnen Revolver zu verschaffen gewußt, fuhr er nach Stettin. Dort angelangt, trieb sich der Knabe, da er es nicht wagte, Unterkunft zu suche», in den Straßen umher, schlief in dep Nächten aus den Feldern und wurde am Freitag krank auf der Greissivalder Chaussee aufgefunden und von dem telegraphisch verständigten Vater nach Verlin zurückgeholt. Uermisit wird seit dem 81. Mai d. I. der Hausdienci Albert Proy, wohnhast Skalitzerstraße 1, von 2 Treppen; er war' bd der Finna Flugbald, Prinzessinnenstraße, in Stellung. Der- selbe hat Fran und Kind in den dedrängtesten Verhältnissen zu- rückgelaffen. Ein Grund, weshalb derselbe ausgeblieben ist, ist nicht vorhanden. Protz war ein guter Anhänger der Arveiter- fache. Wir bitten darum, wer eine Nachricht über seinen Ver- bleib geben kann, dieselbe an die Frau des Vermißten ober an unsere Expedition gelangen zu lasse,,. Der dreisähriae Sohn des in der Kochsttaße wohnenden Vankbuchhalters R. spielte am Freitag mit einem großen Hunde, der sich sonst stets durch Gutmüthigkeit ausgezeichnet hatte. Diesmal aber gerieth derselbe plötzlich in Wuch, sprang Imirrend auf das Kind ein, und noch ehe Hilfe zur Stelle war, hatte er den rechten Arm desselben derartig zerfleischt, daß der Knochen blosgelegt und theiliveise stark verletzt war. Auf der Gbersprre ist gestern durch Kentern eines Schiffes ein junges Menschenleben vernichtet worden. Um 4 Uhr früh trat die kleine„Lim", ein neuerdings mit Bleikiel ausgestattetes Kielboot, von Stralau eine Lustsahrl an, deren Ziel die Müggel sein sollte. An Bord befand sich nur der Eigner, der 22jährige Galvaniseur Reinke, Oppelnerftraße 57, und ein Freund von ihm, ein Postbeamter. Man hatte kurz nach 6 Uhr Hirschgarten erreicht, als plötzlich ein unerwarteter Schwerg einsetzte und das Boot im Nu zum Kentern brachte. Da der schwere Bleikiel das Boot in die Tiefe drückte, war in wenigen Sekunden von der Jacht überhaupt nichts mehr zu scheu. Da R. ein guter Schwim- mer war, überließ er den einzigen Rettungsring seinem Freunde, dem des Schwimmens völlig unkundigen Postbeamten, der in seiner Todesangst mörderlich zu schreien anfing. Hierdurch wur- den trotz der frühen Stunde Leute angelockt, welche denn auch mit einem Kahn zu Hilfe eilten, und den noch am Ringe hängenden Postbeamten, der der Ohnmacht nahe war, retteten, während R, leider inzwischen bereits, wahrscheinlich in Folge eines Schlag- anfalles, in den Wellen versunken war. Das gekenterte Boot wurde Nachmittags ans Land geschafft, die Leiche aber ist bisher noch nicht gefunden. _ Am Sonntag Morgen gegen 9 Uhr fiel auf dem Lausttzcr Platz plötzlich ein Mann ohnmächtig nieder. Hilfs- bereite Passanten brachten den Aermsten in den Flur des Haufes Skalitzerstraße 44, wo sich herausstellte, daß der Betreffende that- sächlich vor Hunger und Entkräfttiiig zusammengebrochen war. Aus den Papieren des Verunglückten ging hervor, daß er bis zum 20. März in einem Krankenhaus zu Genthin verpflegt war; vom 25. März bis zum 3. Mai befand er sich im Krankenhause 'U Potsdam. � Seit �der Zeit war er obdachlos umhergeirrt, und den» des ....nvmupt iwriir Uli, cm«uvctm, uti»yni von Anfang an beigestanden hatte, veranstaltete eine kleine Samm- lung, die den Kranken vor augenblicklichem Mangel schützte. Am folgenden Tage wurde in der Pianosabrik von Schmidt, Oranien- straße 154, noch eine Sammlung veranstaltet, die es dem armen Menschen ermögtichte, zu seinen Eltern nach Stettin zn reisen. Polizribericht. Am 7. d. M. Morgens stürzte sich eine sfrcm anscheinend in einem Anfalle von Schwermuth aus dem Fenster ihrer im 4. Stock des HauseS Louisen-Ufer Nr. 43 belegenen Wohnung auf den Hof hinab und verstarb auf der Stelle. — Abends wurde ein Arbeiter vor dem Haufe Sralitzerstraßc Nr. 09, anscheinend innerlich verletzt, bewußtlos auf den Pferde- bahnschicnen liegend ausgefunden und nach dem Krankenhause Bethanien gebracht.— Zu derselben Zeit wurde der Stallinann Max de Barth beim Einfahren eines Arbeitswagens in den Thornveg des Grundstücks Anklamerslraße Nr. 53 von demselben gegen die Wand gedrückt und erlitt dabei so bedeutende innere Berletzungen, daß er nach dem St. Hedwigs- Krankcnhause , gebracht werden mußte.— In der Nacht zum 8. d. M. wurde in den Anlagen des Belle- Alliance- Platzes ein etwa 93 Jahre alter Mann mit einer Schußwunde in der rechten Schläfe todt aufgefunden und nach dem Schauhause geschafft.— Am 8. d. M. Nachmittags erschoß sich der Militärpostcn vor dem neuen Pack- hossgebände, Alt-Moabit 143.— Zu derselben Zeit brachte vor dem Hause Naunynstr. 81 der Schlosser Dcmsli dem Metall- schleiser Hildebrandt infolge eines Streites mittelst eines Taschen- messers einen Stich iit den Hals bei, so daß Hildebrandt an der erlittenen Verletzung bereits auf dem Wege nach dem Kranken- hause Bethanien verstarb. Demski wurde verhaftet.— Im Laufe des Tages fanden Alexanderstr. 8 A, Köpenickerstr. 33 A und Stephanstr. 13 kleinere Feuer statt. Geviichrts-OBeikrmg. Posen, 9. Juni. Unter Vorsitz des Landgerichtsdirektors Hausleutner begann heute vor der hiesigen Slraskammcr ein Sozialistenprozcß. Angellagtsind Steinmetz Anielewöki und Schlosser- geselle Liczbinski. Die Angellagtcn sind beschuldigt, Anreizung zu Gewalthatigkeiten und Majesiätsbeleidigung durch Verbreitung verbotener Druckschriften verübt zu haben und wegen Geheim- bündelei. itbtv die Streikbewegung in Hamburg bringt die rliner„Volkszeitung" in ihrer Nummer 131 vom Sonntag, den 3. Juni, eine Mittheilung, welche durchaus unrichtig ist und zu einer Entgegnung herausfordert. Es heißt darin, daß mit den Maurern die übrigen mit dem Baugewerke verwandten Berufs- genossen(schaften?) zum großen Theile die Arbeit wieder aufge- nommen haben. Das ist unwahr! Außer einigen hundert Streikbrechern— worunter bedauernswerther Weise viele Ber- liner Maurer sein solle»— stehen die noch in Hamburg an- wesenden Bauhandwerker(Maurer und Zinnnerer), nur Familien- väter, noch unentwegt fest, haben auch, da sie bisher noch mit ans- reichenden Mitteln versehen waren, noch gar keine Ursache gehabt, ihre Sache verloren zu geben, trotz der zugereisten Streik- brecher. Demgemäß ist es auch nicht wahr, daß auf den meisten Bauten in Altona und in den Vororten Hamburgs wieder ge- arbeitet wird, wie ich mich am Sonnabend, den 7. d. M., noch durch eigenen Augenschein überzeugt habe. Wahr dagegen ist die Mittheilung der„Volks-Zeitung", daß eine Anzahl der Unter- nehmer die neunstündige Arbeitszeit mit 65 Pf. Stundenlohn bewilligt haben, und daß bei diesen gearbeitet. Entschieden unwahr aber ist, daß die Familien am Streik betheiligter Bau- Handwerker oder sonstiger streikender Arbeiter die Hilfe der Armen- lasse in Anspruch" genommen habensollen. Diese Annahme basirt lediglich, wie kaum anders anzunehmen ist, auf die, meiner Ueberzeugnng gemäß völlig unbegründete Aufforderung des Vor- stehers des Armenwesens in Hamburg, Senator v. Melle, wo- nach die Armenpfleger aufgefordert werden„genaue Unter- fuchungen über den Grund der Arbeitslosigkeit anzustellen und wenn es zulässig ist, aufGrund des§ 365 des Straf-Gesetz-Buches— Ernährungsun- fä'.)igkeit durch eigene Schuld— gegen die Schuldigen vorzugehen." Kein Hamburger, und wahrscheinlich auch Senator v. Melle nicht glaube, daß die Familien Streikender bisher die Hilfe der Armenpfleger in Anspruch genommen haben, dagegen nimmt wohl, wenn auch nicht jeder, so doch die meisten Hamburger an, daß diese Aufforderung des Senators v. Melle an die Armen- pfleger, die Streikenden in der öffentlichen Meinung herabzusetzen, durchaus geeignet ist. Ob eine solche Herabsetzung beabsichtigt war, überlasse ich dem Urtheil der Leser dieses Blattes. Hochachtungsvoll W. Metzger, Mitglied des Reichstages. pvoffttitz, 9. Juni. Der Ausstand der Weber dauert unge- schwächt fort. Die Fabrikanten lehnten die Forderungen der Feiernden ab und sind blas geneigt, eine Ibprozentige Lohnanf- besserung zu bewilligen. Sämmtliche Färbereien und Bleichereien bepnden sich außer Betrieb. Meverstchk. Achtung Klempner und Metalldrücker J In der Werkstatt von Schröder und Schulz, Waldemarstr. 40a, haben die Kollegen die Arbeit eingestellt. Der Zuzug ist fernzuhalten. Der Vorstand des Allgemeinen Metallarbeitervereins Berlins und Umgegend. I. A.: Joseph Hartmann. Achtung Tischler! Die Kollegen der Werkstatt der Gebr. Glatzer, Bliicherstr. 35, haben wegen Lohndifferenzen die Arbeit niedergelegt. Die Unternehmer haben städtische Arbeiten auf Submission übernommen, bei welchen doch wohl ein anständiger Lohn gezahlt werden könnte. An alle Maurer Kerlins! Kollegen, der Streik der Hamburger Kollegen wird immer heftiger, das Unternehmerthum bietet alles auf, um Leute nach Hamburg zu locken, man scheut die gröbsten Unwahrheiten nicht bei der Anwerbung der Leute. Die Agenten schwatzen den Berlinern vor, es wären 3000 Hamburger hier und deshalb müßten die Berliner nach Hamburg reisen. Das ist eine Lüge. Hat nun ein Agent einen Haufe» Leute angeworben, so geht es ans Unterschreiben. Es wird den Leuten folgendes originelle Schriftstück vorgelegt: Da in Hamburg ein Maurer- und Zimmererstreik aus- gebrochen ist, so fühlt sich der Bund der Bau-, Maurer- und Zimmermersier veranlaßt, Gesellen nach dort hinzu- schicken und verpflichten sich Unterzeichnete, die Arbeit bei bei einein Stundenlohn von 60 Pf. und zehnstündiger Arbeitszeit dort aufzunehmen. Bedingungen: Reisegeld wird verg-'tigt; es iverden aber einem jeden dort in den ersten vier Wochen 10 pEt. von seinem Lohn abgezogen, nach vierwöchentlich» Arbeitszeit wnden die 10 pEt. ausbezahlt. Wer gegen die Jnnnngsdisziplin ver- stößt, wird mit sofortiger Entlassung bestraft und wird das Reisegeld von seinem Verdienst abgezogen. Ist nun der Todlenschein unterschrieben, so heißt es, um die und die Uhr geht es vom Lehrter Bahnhof ab, dort finden sich denn um die angegebene Zeit Meister und Agenten ein, und wenn es der eine oder andere unserer Kollegen wagt, den Bahnhof zu betreten, ohne irgend ein Wort zu verlieren, um sich nur mal die Streikbrecher anzusehen, so ist die Polizei bei der Hand und macht von ihrem Eiufchreitungsrecht Gebrauch. Ich war am Donnerstag früh Augen- und Ohrenzenge auf dem Lehrter Bahnhof, als einer unserer Berliner Kollegen von einem Schutzmann aus dem Bahnhof entfernt wurde, ich habe gesehen, wie der Maurermeister Baer aus Hamburg seine Angeworbenen zu Gewaltthätigkciten aufforderte, er sagte wörtlich:„Wenn Euch nochmal solch Aufwiegler in die Quere kommt, so haut ihm ins Gesicht, daß er stürzt, uns kann nichts passiren, wir haben ja Polizei genug hier." Ein Berliner Maurer, Schipolskp, der am Sonnabend früh mit zwei Kollegen nach Spandau fahren wollte, um sich dort nach Arbeit umzusehe», wurde, als er schon den Wagen betreten hatte, aus Veranlassung des Agenten Bühring, Seilerstr. 26, Hamburg, durch einen Schutzmann zurWache sistirt. Wenn nun wirklich ein Trupp hin- gebracht ist, so ist es wirklich noch nicht so leicht, dort zu arbeite», denn es kamen am Freitag 2 Mann zurück und erklärten, daß sie jeden Einzelnen warnen wollten, nach Hamburg zu fahren, denn es ist dort nicht so leicht; die Arbeiterschaft ist sich dort sehr einig, selbst Frauen und Kinder legen sich dort für die Streikenden ins Zeug. Kollegen, bedenkt wie oft Ihr gelobt habt. Euch mit allen Arbeitern solidarisch zu erklären. Es wird daher nochmals dringend gebeten, allen Zuzug nach Hamburg fernzuhalten. Mit kollegialischem Gruß Wilh. Kerstan, Lübbenerstr. 9. Verpammluuttvtt. Eine Mitgliederversammlung des Fachvereins der Tapezirer Berlins tagte am 3. Juni bei Feuerstein, Alte Jakobstr. 75. Auf der Tagesordnung stand: 1. Vortrag des Herrn Dr. Bruno Wille über:„Ter Kampf um das Dasein in der Volkswirthschaft." 2. Diskussion. 3. Vereinsangelegenheiten und Frngekastcn. Der hochinteressante Vortrag wurde mit sehr großein Beifall aufgenommen. An der Diskussion betheiligten»ch die Kollegen Freiwald, Grassel und Hamann. Dann wurde zuerst die Ztzahl eines Mitgliedes der WerlsreUen-Kontrolkoinmission v genommen; dieses Amt anzunehmen, erklärte sich Kollege Dckßler bereit. Außerdem wurden noch drei Thürkontroleure>gmvählt, damit man weiß, wer in den Versammmttmgen ist, denn es ist kürzlich vorgekominen, daß ein Reporter der„Staatsbürger- Zeitung" anivesend war, der'sich solche Punkte aus deni Bersammlungsakt heraussucht, die für den 'Arbeiter keinen Werth haben, die aber dem Philister herzlich will- kommen sind. Es wurden die Kollegen Leopold, Röster und Richter gewählt. Dann wurde in Bezug auf das Sommersest, welches am 19. Juli in der„Neuen Well", Hasenhaide, stattfindet, ein Komitee gewählt. Ein Nachspiel des 1. Mai kam dann»och zur Erörterung. Es handelte sich um die Ilnterftützung eines Gemaßregelten, derselbe hatte sich aber bis Pfingsten noch nicht an den Vorstand gewendet(das war in der vorhergegangenen Versammlung beschlosten); er hat infolge dessen bis dahin noch keine Ilnterftützung erhalten trotzdem eine einnialigellnterstützungvon 25 M. festgesetzt war. Einige Briefe von dem Kollegen, haben nun einen Meinungsanstausch erfordert. Die Versammlung beschloß, dem Kollegen 25 M. zu schicken. «„»»»rrin Kcrllnrr KUSchliiur. Ollen flog, den 10. Juni, keine Dihung. Tafür Telegirlen- Versammlung Abends 8% Uhr, im hauifeustädt. Irlubhaue, Anneuflr.>s. Di«« bllolhel in geitffiiet. Der HSerwailer Slätzer i» anwesend. Das Erscheinen aller Telegirten ist nalhiuendu. vrrlaniinlniig d»o zirrband» drnrscher Ziinmerieut«, Lokalverband Schvnebcrg und Umr-egend, heule, Dienstag, in der Schlostbrauerei. Neue Mil- Bliebet werden aufiienoironcn. Maler! Magliederversammlung am Tonnerstag, den 12. Juni, Abends s�Ubr, Brunnenstr. 88. TageSo. dnung: l. Filialaugelegenhell. 2. Die neuesten Uuleri.ehmerverbiinde und ihr« Fairen sür d>e ArbeN-r. s. BerschiedeneS und Fragekasten. Pflicht eines jeden Kollege» ist es, in dieser««rsammlung»u er- Icheinen. Eäsie willkommen. Nrohr«stentlich« zirrsamnilnna fümmtlicher Ziininrrleuie Kerl!»». Am Dienslaa, den 10. Juni, Abends 8% Uhr, in Heydrlch's F«,lstile», Beuih- slrabe 22. Tagesordnung: 1. Welche Bedingungen iverden den in Berlin für Hainburg angeivorbenen Zimniergesslle» in dein ls.'ichäfisaini der Innung der Bau-, Maurer- und Jimmermeilier, Wilhelmftr.»2, gestellt? 2. In welcher Lage befinden stch die streikenden Dtcitiner Kameraden? 3. Verschiedenes. Wegen der Wichtigkeit der Tagesordnung ist es Pflicht eine« jeden Zimmerers, unbedingt zu erscheinen. «roste ostentliche Versammlung sämmllicher Sluckaleure Berlius und Umgegend am Dienstag, den 10. Juni, Abends präzis« 7% Uhr, im Lokale des Herrn Zeuilcr, Münzslr. 11. Kerl, and deutscher Gold-»nd Silderarbeite?»nd vermandter Ke- rutvgenostrn(Zahlstelle Berlin). Dienstag, den 9. Juni, Abends 8 tihr, bei Feuerfieiu, Alte Jakobsir. 76,(unterer Saal): Mitgllederverlammlung. Allgrmelner Arbeiterin»««- Zirrein sammtlichrr Kerussziorigr Krriin««nd jlingegrnd,(Filiale I, Moabit.) Sonnabend, den 21. Juni: Eiroster Sommernachtsball, verbunden mit Konzert/ Kinderbelunigungen und Kafleekochen, im Saale der Stltieubrauerei vormals Ähren«, Thnrmsirabe 20 1 Arilin iifl?«raueure und Ziseleure. Ceffe»iliri)e Versammluna am Dienstag, den 10. Jnni, Abend« N% Uhr, bei Fenske, Landsbergerflraste 87. Alles Nähere heute der Säulenanschiag. «roste Krrsnmi»tli»B aller partonarbeiterinnrn«nd Arbeiter am Dienstag, den 10. Juni er., Abends 8 Uhr, in Renz' Salon Raunyn- strafle 27. «roste» Sommersest de« perein« ,»r Nkahrung der Knterelsen der Alauierarbriter und verrvandier BerusSgenosse», Neue Welt, Hasrnbaide, Montag, den 28. Juni, bestehend aus Konzert, Spezialitaten- Vorstellung, Kinderbelustigungen, Feuerwerk, Tanz in säniintlichen Sälen. ziersamminnB srimmiiicher Schrauben-, Lxeondrehrr und Kerns»- aenosten am Dienstag Abend 8 Uhr, in Deigmüller's Salon, Alte Jakob- straste 49a, Tagcsordnnng: Vortrag über?irbeitersri)uBgesetz. Bertri)! des Dclcairten vom Konarefl zu Weimar, Verschiedenes. «roste ötsrnttichr persaminin»B der Nohrleaer, jjeiser»nd Kerns«- genossen Berlins und Umgegend am Alittwoch, den II. Juni I8so, Slbends 8 Uhr, in Feuerstein's Eaion, Alte Jakobstrahe 76. Taqes-Ordnung: 1. Vortrag des Herrn ReichStagS-Abgeordneien W. Mehaer. 2. Bericht vom Weimarer Kongreß, s. Wie stellen wir uns zur Streik-Kontroikommiiston.«. Verschiedenes? Arijtimg! Storiiarbriter!?lm Dienstag, de» 10. Jnni,©roste öfsentliche «ersannnlnng bei©ründel, Dresdenerstr. iio, Abends präzise 7% Uhr. Tages- Ordrnnrg: 1. Die Bedeutung der Kapitalistenringe für die Arbeiter. Referent Herr Paul Litfin. 2, Die Vorth«»- unserer stattgehabten Lohnbewegung, Referent Herr Slrohincier. 8. Verschiede»««. Zahlreiches und pünktliches Erscheinen ist nothwendig. Lachverein für Schlosser und Masriiinenbauarbeiter Krrii»» und zlingegend. Dienstag, de» 10. Juni, AbeiidS 8% Uhr, im Königfiadt- Kasino, Hoizmarktstr. 72. Besriiliestende Versamnilung. Das Arbeitonachioeisburea« de» verbände« der Pergoidrr und voldleistrnarbeiier und Berufsgenossen(Filiale Berlin) bestndel sich Schilling- straste sog und stndet die Ndresssiiausaabe für Mitglieder und Nichlmitglieder unentglich statt, und zwar von sehr ab den ganzen Tag bis 9 Uhr Abends. Die Mitglieder find verpstichtel, nur den Arbcitsnariiweis zu benutzen, ©roste ösfenlliche Versammluna der lflöpfrr Krrii»» und ilinBegend am Dienstag, den 10, Jini! 1800, Abends 7 Uhr, im Deutschen Volls-Theaier, Schönhauser Allee Nr. 168. Kr»t scher Schneide»-perband.(Filiale Berlin.) Dienstag, den 10. Juni, Abds. 8% Uhr, Mirglieder-Versaininlung in©raiiveil'S Bierhallen, Konnnandanlen- straste 77—79. Achtung Metallarbeiterl©roste össenilUhe Meiallarbeiter-Versanimlung säminllicher Branchen. Für de» Norden: Dienstag, den 10. Juni er., Abends e'i Uhr, im Weddingpark, Mllllerstr. 178. Oesfeutliche versammglimo der pris- und Mühe»- Arbeiterinnen, am Miilwori), den Ii. Juni, Abends 9 Uhr, im Lokale des Herrn Zemter, Munz- siraste 11. Vortrag des Fräulein Baader über Arbeiter-Krankheiren und Ber- kürzung der Zlrbeilszeil. Diskussion, Aufnahme neuer Mitglieder, Verschiedenes, Eüsle, Herren und Dninen habe» Zutritt, Die©esellen und Arbeiterinnen der Westinannsriien Jabril sind hierzu eingeladen. Zari|aerein der Lederarbeiter. Dienstag, den 10. Juni, Abends sslUhr, Orantenstr. i»o. Vereinsversammlung. Tages-Ord,: Vortrag, iReserent wird in Nersannnlung belannt gemacht,) Vereinsallgelegenheiten, Slalifltsrii-r Frage- bogen, Wahl der Mitglieder zur Lohnkonnni, ston. Verschiedenes. Aufnahme neuer Atttglieder,©äste willkommen. DonnerNag, 12. Juni, Verlrauensmänner- Versaminluug, Oranienstr. 180, Miltwoih, den 18. Juni, öffentliche Versamnilung in Renz'« Salon, Nauntznstr. 27, Referent Herr ReichstagSab- geordneter E. Ullrich aus Ofsenbach. Mnfik-Perein Edelmeisj. Marianuenstr. 40, Restaurant Liewald. Aufnahme neuer Mitglieder. 13. Juli Dampferpartie nach Seeschlöstchen, Billets 1,26 Mf, bei den Mitgliedern. Gesang-. Turn- und geselliae perein« am D i e II st a g.©esangverein „©utciiberg" Abends»X Uhr im Restaurant Quaiidt, SvaiauerKraste 43.— (»esangverein„Zllpengliiheii" Ztbends 9 Uhr im Restaurant Hildebrandl, Prinze»- slraste 07,— Schäser'scher„©esangverein der Elfer" Abends 9 Uhr bei Wolf »nd Krüger, Slaiitzersir, 120,©esaug.— Männergefangverein„Gartenlaube" Slbends 9 Uhr im Restarant Firk, Kottbuserstraste 22.—©esangverein l(Maiinerchors AbendS 8% Uhr im Nefiaurant.Teutonia'/»» fortuflrast» lo.— Mannergesanzverein„Steinnelke" Abends 9 Uhr im!#% lant Schulz, Stettilierstraste 60-57.-©esa», verein„Harmonie" 8 Uhr„> Reukam's Bierhaus,©roste Frantfurterstr. 49.— Männerg-l>>n.. verein„Echo Ii;' Abends 9 Uhr im Nefiaurant. Drillhose, Rosentholersir. U—•; —©efangverein„Sängcrhain" Abends 9 Uhr im Resiauranl kaiser-FraiM Grenndierp.ay 7.— besang verein„Bruderherz" Uebu7tgsstunde AbeiiVS v aosangv-rein„Hilaritas" Abende 8 Uhr im Restaurant W.©loisi, Pck"�' Slllce 89.-©esangverein.Felicitas" Abends u Uhr im Restaurant Sleteii". tongeiic 108.— Liännergesangveroin„Olninpia" Ave nds 9 Uhr iil!»ttflaüw! Serlh Prinzen Nr, 100.-©efaiigvere!»„Liederlnst" Abend» 9 Ilm' �äuutznstr. 44.— Männergesangverein„Accordia� Abds. 9 u� o?la r'5r- 3I-©esangverein„Ludwig'scher!l>lä»>ierchor"Ab.'»� 9 Uhr vindeiiilr. los bei Poppe, Uebiingsstunde.©äste sind ivillloiume». Mannergeiangverein„LiedeSfreiheil" Stb-ndZ 8',' Uhr Im Restaurant 0% Blumen,>>. 38.—„Deutsche Liedertafel, Dirigent Ist. Mafchinsln Abends»Mr Uebung�itunde im Restaurant Eaeger,(grüner S&ca 2u.— Münnergesau� Devcin°,S(itc ä liide" Äbcubs" 8S:— i of lU)r Im R.ftau äm Johns. straste 19.-©esangvereii....... Pohl.— Zithertlub„Ain Hoher Steinweg>6.— T Abends 8\ Uhr, Bergstr. 57 abtheililna) Abends 8 Uhr in der städtischen Durngaue, wnncrwv.,..- Ob-..?*..- 7 1 v.11/ fttl«Kr O/K.iiXA Q 13 3' v) kC 1 1 v'l. Vyllv, � j,.; Hoher Steinweg iü.— Turnverein„Froh und Frei"(Maunerablh � � � *————-—-—\.... O-., i■; A* I iunioercni„g-ro, unv Niel 0».»"...... Abends 8sj Uhr, Bergstr. 67.— Berliner Turi>ge»osjr»sri)afl(Fünfte_ abtheiliiiia) Abends 8 Uhr in der städtischen Turnhalle, Wasserthorsir. 01. Turnverein„Hasenhaide"(Männeradlhriiung Slbends 8 Uhr, T.esseava", straste eo- oi.— Verein ehemaliger Schüler der 87.©e»iei!idtsri>»!e Aben 9 Uhr im Restaurant Kinner, Köpniclersir,«8.— Arendt' scher SienograpA oerein.Apollobund" Abends 8j Uhr Brunnenstr. 1*3».— Arendt'schcr Sten» graphenverein Abends 8% Uhr im Restaurant„Zum eisernen Kreuz", n raste 71.— Deutscher Berein Arendt'scher Slenographe» Abends 8„ Uhr Randel'S Restauranr Brunnenstr. 129«.— Verein„Roe" Abends 8'l»0'.', SSS-----*■-»—--■■ o.—.ftrtflllOeU- Uhr srangel' 8 Uhr im Nes.äurant Händler, Wrangelstr. II.— Ranchtiub„Friedricho�a� Dienstag»ach den,>. und 16.— Z.thertlub.Amphiv»" Abends' „Münchener Ho?" Tpandanersir. Ii— 12.— Ranchtiub„Zum Wrang. I» 8 Uhr bei Herschleb, Adatbertstr. 4.- Rauchtlub„Portoriko", Adends�i � Manteufselsiraste 119 bei©rewling.— Ranchtiub„Deulsche a«UüU»ia«uevein„IrvylichleU",(Srüner Weg Li». Große GesellschastSstunde, verbunden mit Bortrcigen..(Käsie willkommen. Eutree frei.— Tambonr- 1,Sei?l,''®cba,lle Huna Abends y',' Uhr Grüner Weg s-io.- Tamb0tlrve?e.n „(girngNit macht stark", gegründet isss UebungSstunds Abends s Uhr W meslnuront Hahn Eifafferfgr. 67.- Mustl- Tiiiet-antenve.e.»„Animo- Uhr. bei Trulks, Reichenbergern,. 83. Aufnahme neu.r Ritglieder.-„Verg»»g»»gsvere!n Schwarz- Weist-Molh" jrten Dienst� ?b-> l>- Uhr bei Feutrstein. Alle Jalodsiraste,©aste w ulommen.- demolralischcr Li!«-»nd Tiskulir- Berein„Herivegh", Abends 8 Uhr im Lotäie des Herrn Cito Linke, Forstersiraste 45. Sttvochscicil. DigMedaktion stellt die Benutzung des SprechsaaiS, soweit Raum dafür a i sEben ist, dem Publikin» zur Besprechung vo» Angelegenheiten aiigenie gnterefses zur Berstigung: sie verwahrt sirii aber gleichzeitig dagegen, M» Inhalt desfeibe» identisizirt zu iverden. O f s e n e A n t iv o r t,. Veranlaßt durch die Anfrage des Genossen Zubcil m Sonntagsnummcr, ivelche, wenn vom demokratischen Standpufl» aus betrachtet, als nicht richtig anerkannt werben kann, da dt öffentliche Araeiterverfammlung am Freitag, den 23. Mai, dt Berliner Lokalkommisfion die Regelung des Bierscreites in d>° Hand gab und die Handlungsweise derselben als gerechtfertigt anerkannte. Jeder Parteigenosse war also von Augenblicke an, als die Versanimlnng den BesaM saßle, verpflichtet, hinter der Berliner Lokalkommisfion i- stehen und in diesem Kampfe ihr behilslich zu sein dadurch,� das, wenn ihm Unregelmäßigkeiten, ganz gleichgiltig, ob begründet oder unbegriindele, bekannt würden, dieselben zur Untersnchufm an die Kommission zu überweisen. Was thut nun Geaoil' Zubeil aber mit dieser offenen Anfrage? Er, wir wollen uiitersnchen, ob bewußt oder u» beimißt, wir nehmeu das Letztere an, behindert dadurch die Kommission an der Ausführung des ro- den Arbeitern derselben ertheilten Austrages, iveil er das Alißtraue- unter die Arbeiterschaft mit dieser Ansrage schleudert. Wußte de»» Genosse Zubeil keine Adresse eines Mitgliedes der 2o;rt'! kommission? Konnte er diesen Vorfall nicht privatim mittheilech damit derselbe untersucht würde? Wir glauben, dieses war dck richtigere Weg, um die Sache nicht zu schädigen. Doch die urtheilung überlassen wir den Berliner Arbeitern. Um auf die Fragen selbst einzugehen, erklären mir ad 1. Ja wohl, es ist der Berliner Lokalkommission schon la»g' bekannt, und zwar wurde derselben vom Tirektor Arndt diese- selbst, ohne Aufforderung von demselben initgetheilt, daß da- Mllnchener Brauhaus schon seit Jahren einen Kontrakt mit dck Moabiter Aktien-Brauerci abgeschlossen hat, bindend zitLieserllw und Abnahme eines Quantums von 1400 Tonnen pro Jah�' Dieser Kontrakt war auch in diesem Jahre, bevor der Streik au-' brach, abgeschlossen. Ans Befragen von Seiten der Kommissson wurde die bü»d>g° Erklärung auf Ehrenivort vom Direktor des Münchener Braus Hauses abgegeben, daß er von Moabiter Bier nid)" für Berliner Konsuuienten abgeben, verde, und der Ko»>' Mission jederzeit das Recht der Durchsicht der BiidP gestattet und auch jeden von derselben ernannten gerichtliches Bücherrevisor dieselben zur Verfügimg stellt, um daraus den v{' weis ziehen zu können, daß kein Moaoiter Bier, welches vo»> Münchener Brauhaus bezogen, hier in Berlin ansgeschänkt zum Verkauf kommt, das! also den Berliner'Arbeitern wedee direkt noch indirekt borkottirtes Bier vorgesetzt wird, Ferner erklärte derselbe der Kommission gegenüber, daß � von dem abgeschlossenen Kontrakt allerdings nicht znrüa' treten kann, iveil er sich verpflichtet habe. Älver wolle in diesem Jahre den Licserungolermin hinaus' schieben, ihn dadurch auf die Moabiter Brauerei zur B?' imlligmig der Brauergeselleii-Forderung einen Druck auszuübeist Es ist also bis zum spätesten Terinln mit der Lieferung � Moabiter Bieres gewartet worden. Erst nachdem die Filiale� des Münchener Brauhauses in Kottbus und Rathenoiv ei»tü größeren Bedarf erforderten, wurde das Moabitcr Bier nach dock gesandt. Dieses der genaue Sachverhalt, welcher nach genauck Prüfung von Seiten der Lokalkoittinission durch Vergleich der Fracht' bliese mit dem von der Moabiter Brauerei bis dato auf Rechinmö des Münchener Brauhauses gelieferten BiercS genau festgestellt% Ferner wurde in dieser Sache Herrn Hcindors von Seiten ds- Direktors der Moabiter Brauerei bereitivilligsl Anskuust ertheiU, welche der angegebenen Sachlage vollständig und genau em' sprach. Wenn nun ad 2 andere Vorkommnisse ins Auge gesaßt si»o, welche besagen, daß das Moabiter Bier unter falscher Flagsff wieder von außerhalb zurückcxpeoirt wird, so stehen der Lok-"' kommission, wie oben angeführt, die Bücher jederzeit wieder zur Vor' fügiing und verpflichtet sich der Tirektor Ahrens in jedem Io.l>- Ivo das Moabiter als Brauhaus-Bier in Berlin verlaust u1'10' für jede Tonne eine Siliiune von 300 M. Konventionalnrase 311 zahlen. Wir als Koinmisfionsmitglieder haben noch nicht Gelegen' heit gehabt, an der Ehrenhaftigkeit des Direktor Arndt zu zroeis'"1 und auch in diesem Falle nicht, da wir alle bis dato vo» dew' selben behaupteten und angebenen Thatsachen nach genaue' Untersuchung so befunden haben, ime er dieselben bc'' hauptet hat. Ein Fall, welcher uns gelicrn vock Genossen Zubeil mitgetheilt wurde, welcher einen Biet' Verleger in der Köpnickerslraße betraf, hat sich»act, sofortig� genauer Prüsimg der Konmiission als hinsällig erwiese», oa b» Aussagen der vom Genossen Zubeil angegebenen Zeugen sich al- unwahr eriviesen haben. Der Verleger hat seit 14 Tagt" Münchener Bier bezogen und zwar wurde selbiges stets o*"' Münchener Brauhaus, nicht wie behauptet von der Moabits Brauerei, geliefert. Wir übergeben dieses zur Beurlheilunß der Berliner Arbeiterschaft mit dem Beuierkeu, daß die Lokal' kommission jederzeit bereit ist, alle den Genossen zu Ohren toi»' inende Fälle zu untersuchen. Wir hoffen, daß die Genossen>»' alle Fälle mittheilen, sei es mündlich oder schriftlich, um»ich' wenn das öffentlich und unvermuthet geschieht, indirekt sür Interessen des Kapitals einzutrcte». W. Werner. A. Jnsinger. Otto Heindorf. Rod. Nürnberg. Verantwortlicher Redakteur: Eurt Kaakr in Berlin. Druck und Verlag von Mar jjadiug in Berlin 8W., Beuthstraße 2. 2. Beilage zum Berliner Nr. 131. y. Jahrg. Die„gebildete Klasse" und das aUgemeine Wahlrecht. i. Seit dem 20. Februar, an welchen, Taae daZ allgemeine «uywecht bewiesen hat, daß es keine hagere Rosinante ist, die ch von den goldenen Sporen des Kapitals beliebig tummeln ' wie es im Jahre 1887 den Anschein hatte, sondern als feu- uger Bucephal die reaktionäre Masse des Kartells in den Sand Moorfen hat, ist die Kartellpresse geschäftig, gegen das allgemeine «Wahlrecht Stimmung zu machen und eine Rückwärtsrevidirung »er Verfassung vorzubereiten. Am wildesten geberdet sich die cheimfche Kartellschwester, die„Kölnische Zeitung", bei welcher *»ng>t der liberale Spiritus zum Teufel gegangen ist und deren ganzer Liberalismus nur noch in tnlwrmmpferischen Phrasen «igen den llltramontanismus besteht. Namentlich seitdem es Mßt, daß das Sozialistengesetz auf dem Sterbebett liegt, worüber °.>e reaktionäre Vettel nicht minder als der gestürzte Vater des Sozialistengesetzes selbst wüthend ist, will sie dein allgemeinen -Wahlrecht an den Kragen. Wiederholt und so erst neuerdings wieder heult sie:„Unser Staatsleben ist der dauernden Einrich- wng eines Wahlsystems ausgesetzt, welches die Bildung vergewal- «gt und die Entscheidung in den Willen roher und unwissender Masten verlegt." der Zeit, diesen Angreisern den frechen m, Es ist daher Mund zu stopfen. an zu popseii. . Der logische Schluß der Kölnerin setzt sich aus folgenden vre» Sätzen zusammen. Obersatz: Die Bourgeoisie ist die ge- °Udete Klasse, das Proletariat ist eine rohe und unwissende Masse. Untersatz: Die Gebildeten haben für das Gemeinwohl mehr ferner, daß das Maß der Bildung für den politischen Tagesfragen ausschlag- Untersatz: Die Gebildeten haben für das Geme Verständniß und guten Willen als die Ungebildeten. Schlußsatz: Folglich muß der Bourgeoisie auf die Gesetz- filbtt9 0röPetcr Einfluß gegeben werden, als den Unge- Es ist nicht zu leugnen, daß die beiden Prämissen(Vorder- lohe) eine weit verbreitete Meinung ausdrücken und auch von vielen behauptet werden, welche daraus dem allgemeinen Wahl- kecht keinen Strick drehen wollen. Wir wollen nun im Folgenden zeigen, daß die beiden Prä- wissen grundfalsch, daß sie ganz und gar in das Gebiet des politischen Aberglaubens gehören. Wir bestreiten der Bourgeoisie wit allem Nachdruck das Recht, sich als die gebildete Klasse aufzu- spielen und behaupten im Gegentheil, daß das sozialistisch geschulte Proletariat ihr an Bildung vielfach wert über- legen ist. .. Und wir bestreiten die Stellungnahme zu gebend ist. , Mit dem Wort Bildung bezeichnet man die höhere Aus- bildung und Vervollkommnung des Denkens, Fühlens und Wollens, oder des Wissens, des Geschmacks und des sittlichen Charakters, wodurch das menschliche Leben veredelt, die Glückseligkeit gc- steigert wird. Auf dies Letztere kommt es selbstredend ganz bc- sonders an. Zunächst also das Wissen. Wenn der Höhepunkt der Intelligenz damit erklommen wäre, daß man einen Brief grammatisch und stilistisch korrekt abfassen wnn, daß man mehrere Sprachen geläufig spricht, daß man weiß, wie rnensa(Tisch) in den sechs Fällen abgewandelt wird, daß wan die Daten im Kopf hat, an welchen der und jener König den Thron bestiegen, die und jene Völkerprügelei, vulgo Schlacht, sich auf der Weltbühne abgespielt hat, daß man weiß, daß Pythagoros eine» mathematischen Lehrsatz entdeckt dessen Beweis man einst mühsam eingetrichtert,. längst wieder vergessen hat:c.-c.— dann allerdings "»übte der Bourgeoisie die Palnie der Wissensbildung zuerlaiint In Wahrheit aber sind alle diese Ding- nur von formaler Bedeutung, es sind bloße Hilfsmittel der Bildung. Wir schätzen de keinesivegs gering, wenn und sofern sie dazu verwerthet wercen, die eigentliche Bildung zu fördern. Es ist eine schone Sache um damastenes Tafelzeug, Geschirr von echtem Porzellan, silbernes Aestect und krysiallene Römer; wenn aber die,e kostbaren Gefape nur schlechten Fusel oder gepanschten Weinhäiidlerwein enthalten Und in dem kostbaren Geschirr magere Wassersuppen und schlecht zubereitete Abfälle servirt werden, so zieht Jeoermann gute Braten in zinnernen Tellern und feurigen Wein ,n geivvhnlichen °�TaS"echte Bildungswesen besieht einmal in einer gesunden, vernünftigen, der Philosophie und Naturwissenschaft enlsprechenden llßiltanschauung, welche sich frei gemacht von dem überlieferten Aber- glauben und die allgemeinen Gesetze des Seins und Werdens»n stch faßt, welche das Verständniß der allu.glichen Erscheinungen erschließen. Es besteht ferner im Erlassen des Ganges der Kulturgefchichte und im Verständniß der zeitbeiregenden Fragen, Faktoren und dächte. Es besteht lveiter in jeuer Selbsterkenntmß, vermöge welcher der Mensch sich frei macht von der Herrschaft oer schlim- wen Affekte und niederen Triebe und gegen die Schlage und den Temperaturwechsel des sogenaniiten S..,icksnls gestahlt wird. Es besteht endlich auch in eintr richtig geschickten �wckmethode. die den Geist vor den Fallstricken des Jrrthums möglichst bewahrt. Von solchem echten Bildungsivisse-, hat aber die vielgepriesene Bildung der Bonrgeoi.e sehr, sehr we.ng a.stzuweisen. und zwar BH Pol in der Erscheinuiigen Flucht". Daher die wahrhast be- schränkten Aorstellilngen, welche nicht blos Parlamentarier nnd Zeitungsschreiber, sondern selbst berühmte Universitätslichter nnd Minister von den Theorieen eines Marx:e., wie von den Zielen und Bestrebungen der Sozialdemokratie haben. Seht ilch aber einmal unter den Arbeitern um, die längere Zeit der sozialistischen Bewegnng angehört haben; hört sie in einer Versammluiig im- vorbereitet über die großen Zeitfragen sprechen, wie klar viele von ihnen jene großartigen, höchst fruchtbaren Ideen erfaßt haben und zu reprodilziren fähig sind. Wahrhaftig haarsträubend ist ferner die Leichtfertigkeit und Oberflächlichkeit, womit man in„gebildeten" Kreisen über die wichtigsten Dinge sich ei» festes Urtheil bildet; wie leichtfertig man i?oi» Theil auf das Ganze schließt oder die Kenntniß von Thatsachen anS den verdächtigsten Quellen schöpft und die folgen- schwersten, praktischen Konsequenzen daraus zieht, von welchen das Wohl und Wehe von Tausenden abhängt. Jede Parlaments- sitzung, jede große lliid kleine Zeitung liefert dafür Belege in Hülle und Fülle. Ein Minister spricht das große Wort gelassen aus, die Sozialdemokratie rekrutire sich hautsächlich aus Arbeiter», welche nicht ger. arbeiten, wähend Jeder, der die sozialistischen Arbeiter kennt, wohl weiß, daß sie den fleißigsten und geschicktesten Theil der Arbeiterschaft repräsentiren. Selbst die gelehrten Werke, und nicht blos die eines Sybel und Treitschke, wimmeln von solchen leichtfertigen und oberflächlichen Behauptungen, welche als Grundsteine für ganze Systeme ver- werthet werden: selbst die Notabilitäten der Wissenschast— die Naturwissenschaften ausgenommen— lassen jene logische und korrekte Schulung des Urtheils vermissen, die unseren sozialistisch gebildeten Proletariern in Saft und Blut übergegangen ist. Die Wissensbildung der Bourgeoisie ist größtentheils Talmi- Bildung, an echter Bildung steht sie weit hinter dem sozialistischen Proletariat zurück, das möge sich die bildungsprotzige„Kölnerin" hinter die Ohren schreiben. Es ist dies auch sehr leicht erklärlich. Die Arbeitervereine, wie solche die sozialistssche Bewegung unter verschiedenen Namen in's Leben gerufen hat, haben den Wissenstrieb in der Arbeiter- weit mächtig erregt und zwar nicht etwa durch Vorspiegelungen utopischer Illusionen, wie die Gegner glauben, sondern da durch, daß dem Geiste eine gesunde, kräftige Kost in leicht verdaulicher Zubereitung dargeboten wiro. Wahr- heit und Vernunft üben einen mächtigen Zauber auf den Geist eines jeden Menschen und keine Theorie ist so sublim, daß sie nicht gemeinverständlich dargestellt werden könnte. So sind die Arbeitervereine wahre Hochschulen echter Bildung für die Arbeiter geworden. Der Wissenstrieb unserer Arbeiter zeigt sich wahrhast be- wundernswerth in den Opfern die sie demselben bringen. Um eine Zeitung, eine Broschüre zu lesen, einen Vortrag zu hören, opfert der Arbeiter bereitwillig seinen Obolus, den er sich von seinem so überaus kargen Verdienst abdarbt. In der Bourgeoisie dagegen scheut man für materielle Vergnügungen, Schmuck, Toiletten, kostspielige Reisen:c. keine Ausgaben, während man für Lektüre— und was für Lektüre!— auf's Filzigste knausert (man frage nur Autoren und Buchhändler), nnd allenfalls sich ein paar Salonwerke anschafft, Bilderbücher für große Kinder oder Tapezierliteratur, wie sie O. Blumenthal genannt hat, um in den Augen der Besucher sich ein Bildungsrelies zu geben. „Hamb. Echo" GsriStks-IeUunrd Sind die GetsIirnnlienUassen berechtigt ein»in freien Hiifsbnlfe angetzöriges Mitglied«on der Auf- nähme in die erstere nuvzufchlieffrn? Diese theoretisch immerhin interessante Frage findet in der„Krankenkasse" eine eingehende Besprechung, in welcher dargelegt wird, daß, während es nach Inkrafttreten des Krankenkaffengesetzes und auch noch einige Jahre darauf bei sehr vielen Ortskrankenkafsen Usus war, möglichst alle Arbeiter des betreffenden Ortes oder Bezirkes in die Ortskassen zu ziehen nnd alle Mittel angewendet wurden, um dieses zu erreichen(ein beliebtes Mittel ivar namentlich die Un- giltigkeitserklärung der Statuten von freien Hilfskassen), man scbon seit einiger Zeit den entgegengese.sten rStandpunkl einge- nommen hat. Man will Niemanden in die Ortskaffen aufnehmen, der schon Mitglied eüier freien Hilsskasse ist. Der Aufzunehmende muß vielmehr erst eine Bescheinigung von dem betr. Vorstande der freien Hilfskasse erbringen, daß er aus derselben nnsgetreten ist. Wenignens we.de dies in Dresden so gehandhabt, was übrigens nicht weiter wundern kann,- da Sachsen ja seine besonderen Eigenthnmlicbkeiten hat. Es soll hier nicht näher untersucht oder erörtert werden, aus welchen: Grunde dieser veränderte Standpunkt eingenommen worden ist, sondern es soll nur ans die obige Rechst frage eingegangen werden nnd diese glaubt die „Krankenkasse" mit Siein beantworten zu müssen, da das Gesetz selbst die Toppelversicherung zugelassen habe. Es heißt im§ 28 des Kranken-Versicherungsgesctzes:„Kaffenmitglieder, welche gleichzeitig anderweitig gegen lirankheit versichert sind, ist die statnten- mäßige Unterstützung insoweit zu kürzen u. s. w." Man darf sich also doppelt versichern, nur kann das Krankengeld bis zum durchschnittliche» Tagelohn gekürzt werden, wenn es den letzteren übersteigt. Durch die Rechtsprechung hat diese Frage allerdings auch schon eine sehr verschiedene Beantwortung gefunden Während die Einen die streitige Frage deshalb bejahen, weil nach § 19 Abf. 8 beitrittsberechtigt nur solche Personen sind, welche nicht versicherungspflichtig sind und die Voraus- setzung aus die bei ireien Hilfskassen versicherten Per- sonen nicht zutrifft, verneinen sie die Anderen mit der Begründung(nach§ 20) der Zulässigkcit der Doppelversicherung. In letzterem Sinne hat sich auch das köuigl. Landgericht zu Halberstadt in einem Urtheil vom 19. Februar 1889 ausgesprochen. In den Gründen dazu heißt es: „... Wenn auch da? Kvankenversicherungsgesctz nicht aus- d r ü ck l i ch ausspricht, daß eine Doppclversicherung zulässig sei, so geht diese Zulässigkcit doch unbedingt daraus hervor, daß es den Fall der Toppelversicherung im§ 26 Abs. 3 vorgesehen und hierfür Bestimmungen getroffen hat. Ist eine Doppelversichernng aber gesetzlich zulässig, so kann sie auch durch das Statut nicht ausgeschlossen werden, da dieses keine Bestimmung enthalten darf, die den gesetzlichen Bestimmungen zuwiderlaufen.(§ 26 Abs. 8 des K.-B.-G.) Das Statut für die(klagende) Ortskrankenkasse ent- hält auch in der That keine, eine Doppelversichernng verbietende Bestimmung, sondern ordnet im§ 16 vielmehr an, daß im Falle einer solchen das Krankengeld soweit gekürzt werden soll, daß es zusammen mit der aus der anderweiten Versicherung bezogenen Krnnkennnterstützung den vollen Betrag des durchschnittlichen tag- lichen Arbeitsverdienstes des versicherte» Mitgliedes nicht übersteigt. Wenn es somit einem begründeten Zweifel nicht unterliegen kann, daß eine Doppelversicherung an sich zulässig ist, so könnte es sich nur noch fragen, ob sie es nur in der Weise sei, wie Beklagte be- hauptet, daß man erst Mitglied einer Ortskaffe werden müsse und dann erst noch«ine anderweite Versicherung eingehen dürfe. Hie�jr bietet aber das Gesetz nicht den geringsten Anhalt und ebensowenig das Statut. Am allerwenigsten können die von der Beklagtei�angezogenen Paragraphen hierfür geltend gemacht wer- den. Es ist allerdings richtig, daß Kläger nicht zu den im§ 19 Absatz 8 des K.-V.-G. genannten Personen gehört.(Es handelt sich hier um Personen, die zwar in den im§ l des K.-V.-G. aufgeführten Geschäftszweigen und Betriebsarten beschäftigt werden, dem Versichernngszivango aber gleichwohl nicht unterliegen, weil sie zum Beispiel ohne Gehalt oder Lohn beschäftigt werden oder z» den in:§ 3 Reichs-, Staats- und Komnmnalbeamtei: gehören, oder weil sie als Betriebsbeamte einen höheren Lohn oder Gehalt als 6% Mark täglicy beziehen.) Allein hieraus folgt keineswegs, daß nicht auch die Hersone::. die zwar an sich versicherungspflichtig sind, aber als Mitglieder einer eingeschriebenen oder ans Grund landesrechtlicher Vor- schriften errichteten Hilfskasse von der Eintrittspflicht zur Orts- kasse entbunden sind, ein Recht zum Beitritt zur Ortskrankenkasse haben. Das Veitrittsrecht dieser Personen folgt aber aus der allgemeinen eine Doppelversichernng für zulässig erklärenden Be- stimmung des§ 26 Abs. 3 des K.-V.-G. Ebenso liegen die Verhältnisse des§ 26 Abs. 4 Ziff. 5 des K.-V.-G. Nach dieser Bestimmung soll das Ortskrankenkassen- Statut bestimmen dürfen, daß auch andere, als die in den§§ 1—3 genannten Personen als Mitglieder der Ortskranrenkasse aufge- nommen werden können. Hieraus folgt ebensowenig, daß nicht auch an sich versicherungspflichtige Mitglieder einer Hilfskasse der Ortskrankenkasse beitreten dürfen. Hätte der Gesetzgeber die Znlässigkeit einer Doppelversicherung von der vorausgegangenen Mitgliedschaft bei einer Orts- krankenkasse abhängig machen-vollen, so würde er dies, man darf es wenigstens annehmen, auch direkt ausgesprochen haben. Eine gegentheilige Aenßerung wird man sogar im§ 75 des K.-V.-G. er. licken dürfen. Dieser Paragraph bestimmt, daß für die Mit- glieder der genannten H:lfskassen weder die Gemeindekranken- Versicherung, noch die Verpflichtung, einer nach Maßgabe der Vorschriften dieses Gesetzes errichteten Krankenkasse beizutreten, eintritt. Wenn aber nur die Verpflichtung zum Beitritt verneint wird, so liegt hierin implicite für die Mitglieder der Hilsskassen die Berechtigung zun: Beitritt zu den Ortskrankenkassen. Es mußte daher, wie geschehen, die Berufung zurückgewiesen werden." Es ist also auch durch landesgerichtliches Urtheil festgestellt, daß die Ortskrankenkaffen den Mitgliedern freier Hilfskassen den Beitritt nicht verweigern vürfen, wenn er aus irgend einem Grunde ge- wünscht werden sollte, was ja nicht allzu häufig vorkommen dürste. Die Vorstände der freien Hilfskassen, so folgert die „Krankenkasse" weiter, sind dadurch aber auch von einer ganz unnöthigen Arbeit entbunden, von der Ausstellung eines Aus- trittsreverses, der ja überhaupt von keiner großen Bedeutung bei der ganzen Frage war; denn es stand ja dem Belrefsenden frei, nachdem er Mitglied der Ortskrankenkasse geworden war, auch wieder in eine freie Hilsskasse einzutreten. Aber alle diese Manipulationen werden durch das vorstehende Urtheil hin- fällig. Gin Kampf der Nückstompaguie mit einem Hauswirthe, welcher am 29. März er. in dem Hause Görlitzersttape 56 aus- gefochten wurde, hat einen so traurigen Ausgang gehabt, daß sich heute das Schwurgericht am Landgericht I damit zu bc- schäftigen hatte. Vor demselben hatte sich der Tischler Karl Friednch Gendert auf die Anklage der Körperverletzung mit todtlichem Ausgange zu verantworten. In dem tause des Schloffermeisters Hellnsig, Görlitzerstraße 53, hatte der chlächter Heil emen Ladenverschlag im Hausflur inne. Derselbe hatte bis Ende März seine Miethe bezahlt, doch lief sein Kontrakt noch bis 1. Oktober und Heil wünschte gern, aus Pein letzteren entlassen zu werden. Der Hauswirth Hellmig lvcigerte ihn: dies und da er fürchtete, daß Heil heimlich rücwn könnte, so hatte er ein besonderes Augenmerk aus die Hausthür, welche er unter Verschluß hielt. Schon an: 28. März kam es wegen Herausgabe des Hanoschliissels zu einer heftigen Szene. Es war Abends, als Heil offenbar schon die Absicht hatte, zu rücken, denn es war schon ein Fuhrwerk vorgefahren und etwa zehn Mann, unter denen sich der Angeklagte befand. standen den: Heil zur Verfügung. An jenem Abend versuchte eil mit Hilfe eines Schloffers, den von Hellmig unter besonderem erschluß gehaltenen Laden gewaltsam zu öffnen, und da Herr Hellmig und sein bei ihm wohnender e4jähr:ger Vater, welcher sich gleichfalls um die Hausverwaltung bekümmerte, hindernd dazwischen trat, sammelte sich in Folge des Lärmes vor der Hansthür ein gewalttger Volkshaufe, welcher erst auseinander getrieben werden konnte, als die Schutzleute von der blanken Waffe Gebrauch machten. Als dann die beiden Hell- mig's in ihre Wohnung zurückkehren wollten, schlug der Angc- klagte dem alten Hellnsig die Lampe aus der Hand, so daß Vater und Sohn es für gcrathen hielten, so schnell als möglich in ihre Wohnung einzutrecen. Hellmig jun. behauptet sogar, unter leb- ha,tein Widerspruch des Angeklagten, daß er in der Hand des letzteren ein Messer blitzen gesehen habe. Das Rücken sollte nun sss der Frühe des 81. März vor sich gehen. In der Nacht zun: 31. März schlief der Angeklagte bei Heil und gegen 6 Uhr Morgens snhr, 30 Schritte von den: Hause enssernt, ein Möbelwagen vor. In der Wohnung des Keil entwickelte Irch ein außerordentlich regeS Leben, denn etwa zehn Manner trugen die Möbel mit großer Geschwindigkeit auf die Straße hinaus. Dieses Treiben blieb den Hellmig's nicht ver- borgen und dieselben begaben sich in die Wohnung des Heil, um eine wettere Ausräumung derselben zu verhindern. Hellnsig seu. kam gerade hinzu, als zwei Männer ein Sopha die Treppe bin- unter tragen wollten. Er untersagte dies, erhielt aber plötzlich von den: in der Nähe stehenden Angeklagten mit einem Stuhl e:::en heftigen Schlag über den Kopf, so daß er seinen Sohn zur Hilfe rufen mußte. Als derselbe herbeikam, erhielt er von einen: der Helfer beim„Rücken" einen heftigen Faustschlaq in die Zähne. so daß er Mit einem Schrubber, den er in der Handchatte, zu seiner Vertheidigung::m sich schlug; er hat dabei'unglücklicher Weise einen Unschuldigen, den Möbelhändler I. Jahn, welcher die von ihm s. Z. gekauften Möbel des Heil angeblich wieder zurück ge- kaust hatte, getroffen nnd sich damit selbst noch eine Anklage wegen Korpcrrerletzmig zugezogen. Der schwer verletzte alte Hell- mig mußte vom Kampfplätze in seine Wohnung gebracht werden; er hatte eine wse Wunde iin klopfe und verstarb schon zivei Tage darauf, ohne die Be,i»ming wieder erlangt zu habe».— DerAii- geklagte versicherte, daß er nicht die Absicht gehabt habe, den alten Hellmig niederzuschlagen, er will vielmehr nur Herrn Hellmig haben zwingen wollen, ihn bei dem Sopha vorbei zu lassen. Der eingeklagte ist aber ein Mensch, der schon einmal wegen einer hinterlisiigen Körperverletzung eines Menschen mit 3 Monaten Gefängniß vorbestraft worden ist und sein HauptentlastungSzeuge, der„Arbeiter" Herzog, ist ein schon mit 18 Monaten Gefängniß vorbestrafter Zuhälter lüderlicher Dirnen, welcher bei dem Rücken ein Hauptmacher gewesen und bei der Gewaltscene den Hellmig entgegengeriifen hatte:„Zurück, oder wir brauchen Gewalt!" Die Aussagen eines solchen Zeugen konnten den?lngeklagtcn natürlich wenig entlasten und der Schlächtermeister Hermann Heil beklagte sich darüber, daß der alte Hellmig ihm den Schlüssel femeS Geschäfts weggenommen und nicht wieder herausgegeben habe. Er habe den Angeklagten ursprünglich nur als Zeugen für die Verweigerung des Schlüssels mitgenommen und als auch dies keinen Erfolg hatte, habe er dem Wirth gleich gesagt, daß er am nächsten Tage ziehen würde. Bei den klaren und präzisen Aussagen der Belastungszeugen wurde seitens des Angeklagten selbst auf die Vernehmung der Entlastungszeugen verzichtet. Der Stuhl, der bei der traurigen Angelegenheit eine so verhängniß- volle Rolle gespielt, lag neben, die beiden abgebrochenen Füße desselben lagen auf dem Zeugentische. Die medizinischen Sach- verständigen hielten es für zweifellos, daß der Tod des alten Hellmig infolge des Schlages mit dem Stuhl eingetreten war, bei der Obduktion des Verstorbenen zeigte sich, daß dessen Schädel eine drei Zentimeter lange Wunde erhalten und daß em kolossaler Bluterguß ins Gehirn stattgefunden hatte, welcher den Tod zur Folge haben niußte.— Staatsanwalt Dr. Benedix konnte angesichts des Ergebnisses der Beweisaufnahme seine Ausführungen auf ein geringes Maß beschränken. In Anbetracht der schweren be- gleitenden Umstände hielt der Staatsanwalt es nicht für ange- zeigt, dem Angeklagten mildernde Unistände zu bewilligen, der- selbe müsse für seine rohe That die ganze schwere des Gesetzes fühlen und hoffentlich wurden die Geschworenen dieser Ansicht auch bei Abgabe ihres Spruches beitreten. Der Vertheidiger, Rechtsanwalt Dr. Cello, suchte dem Angeklagten dennoch mildernde Umstände zu erwirken. Die Geschworenen sprachen dem Angeklagten nach kurzer Berathung die Zubilligung mildernder Umstände ab, worauf der Staatsanwalt gegen denselben eine Zuchthausstrafe von fünf Jahren und fünfjährigen Ehrverlust beantragte. Der Gerichtshof erkannte auf v'i e r Jahre Zuchthaus. aber springt hier wieder einmal die Nothwendigkeit einer solchen Sozialpolitik in's Auge, die für die freigesetzten Heimarbeiter in der Großindustrie oder in anderen Erwerbszweigen Unterkunft schafft. Liest man allerdings des berühmten HygienikerS Hirt erschütternde, zahlenmäßige Darstellung von der physischen Ent- artung der schlesischen Weber, so muß man mit ihm zweifeln, ob die- selben überhaupt»och existenzfähig sind, oder, was wahrscheinlicher ist, nach und nach aussterben werden. Sind doch diese unglück- lichen Menschen körperlich und geistig bereits so herunter- gekommen, daß sie nicht mehr die Kraft und Begabung besitzen, 'ich einer anderen Beschäftigung zuzuwenden, wüthet doch unter ihnen der Hungertyphus, die Schwindsucht und eine geradezu grauenhafte Kindersterblichkeit. Das ist auch ein Stückchen Kultur am Ausgange des neunzehnten Jahrhunderts. I» Preußen kostete, wie die offiziöse„Statistische Korresp." mittheilt, das Kilogramm An die Mechanisier und Kernfsgenojfen Kerlino nnd zlmgcgend. Kollegen! In mehreren öffentlichen Versamm- lungen habt Ihr einstimmig beschlossen, durch wöchentliche Bei- träge von mindestens 50 Pf. Euch an den Sammlungen zum Generalfonds zu betheiligen; leider bleibt der Erfolg hinter den Erwartungen zurück. Allerlei nichtige Ausreden werden an- gewandt gegen die Vertrauensmänner beim Einsammeln der Gelder. Wir appelliren an Euer Rechtlichkeitsgefühl, einmal ge- faßten Beschlüssen treu zu bleiben, damit denjenigen Kollegen, welche in den Kampf eintreten für Erreichung besserer Arbeits- bedingungen, eine annähernd ausreichende materielle Hilfe zu Theil werden kann. Kollegen! Immer näher und näher rückt der Tag heran, an welchem wir uns die Konsequenzen unserer Bewegung ziehen müssen. Mitte dieses Monats wollen wir zeigen, daß wir voll und ganz auf dem Boden nnserer Forderungen stehen und nur in solchen Werkstätten arbeiten, wo unser in gemeinschaftlicher Sitzung angenommener Tarif anerkannt worden ist. Am 16. Juni resp. dem Anfangstage der Arbeitswoche, in welcher der 16. Juni fällt, wollen wir einmüthig dieArbeitniederlegenin denjenigen Werkstätten, in welchen unsere Forderungen nicht anerkannt worden. Die Kraft unserer ganzen Bewegung, sie konzentrirt sich mehr auf diesen Tag. Am 16. Juni wollen wir zeigen, daß wir voll und ganz auf dem Boden der modernen Arbeiterbewegung stehe», daß wir einmal gefaßte Beschlüsse auch zu halten verstehen. Euch aber, Kollegen, die Ihr weiter arbeilet in denjenigen Werkstätten, in welchen unsere Forderungen bewilligt sind. Euch rufen wir zu Gedenket der'Arbeitsbrüder, welche durch Euren Beschluß die Ar- beit niederlegen werden, unterstützt sie, soweit es in Euren Kräften steht. Dann wird, dann muß der Sieg in kurzer Zeit unser werden. Die Folgen der Berliner Bewegung werden auch in anderen Städten ihr Gutes zeitigen für uns. Wir werden nach Erreichung des Zieles, hier in Berlin unsere volle Kraft einsetzen, daß auch im übrigen Deutschland die Verhältnisse unserer Branche sich bessern und denjenigen von Berlin gleichkommen. Kollegen! Nie wird man uns den Vorwurf machen können, daß wir in frivoler Weise einen Streik inszenirt haben, daß wir einer friedlichen Lösung nicht geneigt gewesen wären; alles haben wir versucht, ehe wir zu diesem letzten Schritt gelangten. Mittwoch, den 11. Juni er., Abends 8 Uhr, findet in Btay's Festsälen(fr. Heydrichs), Eingang Beuthstr. 22 I, eine öffentliche Versammlung statt mit der Tagesordnung: Endgiltige Berichterstattung des Streikausschusses.— Diskussion und Beschluß- fassung.— Verschiedenes. Die Wichtigkeit der letzten Versamm- lung vor Eintritt in die eigentliche Bewegung brauchen wir Euch nicht mehr auseinander zu setzen. Ihr alle werdet empfinden, daß Ihr an diesem Tage auf dem Platze Mann für Mann er- scheinen müßt, um zu hören, welche von den Arbeitgebern de- willigt haben und welche nicht, und dann Euer Volum abzu- geben. Kollegen! Erkennt der Worte Macht:„Vereint sind wir Alles, vereinzelt Nichts." Dann sei unsere Losung: Durch Kampf zum Sieg! Hoch die Arbeit! Hoch die Solidarität! Die Streik- tomnnssion. Achtung Schlosser und Ma fchinensianarsieiter! Kollegen! Wie Ihr wißt, fand in der Pfing'twoche der Allgemeine Metall- arbeiter-Kongreß zu Weimar statt. Von den Schlossern und Maschinenbauarbeitern Berlins wurden 2 Delegirte dorthin ent- sendet, welche in der öffentlichen Versammlung vom 6. v. Mts. gewählt wurden. Zur Einsammlung der Gelder für die Dele- girten wurde eine Kommission von 4 Mann gewählt, welche zu diesem Zwecke Bons a 10 Pf. und Sammellisten ausgab. Kollegen! Da der Kongreß längst vorüber, die Gelder aber bis jetzt sehr spärlich eingelaufen sind, fordern wir Euch auf, die Sammlungen nach Kräften fortzusetzen. Bons und Listen sind bei folgenden Kollegen zu haben: Joh. Teßmar, Skalitzerstr. 123, Hof 3 Tr. Strupp, Wilhelmstr. 122 bei Schuhmacher Werner; Stube, Zions- kirchstr. 55; Bratsch, Straße 7b Nr. 15. Achtung! perlmnttarbeiter, Knopf,»rbeiter und Drechsler! Seit zirka vier Wochen befinden sich die Arbeiter per Erleinann'schen Manschettknopf-Fabrik in Bergedorf beiHam- bürg im Streik. Die Ardeiter dieser Fabrik wurden aufgefordert, aus der Vereinigung der Drechsler Deutschlands auszutreten, widrigenfalls sie nach 14 Tagen entlassen seien. Die Arbeiter deS Herrn Erleinann hatten aber keine Lust, ihre Vereinigung aufzugeben, sondern sahen die Forderung dieses Herrn als einen ungerechten Eingriff in ihr freies Koalitionsrecht an und legten die Arbeit nieder. Herr Erlemann hat bis jetzt aber immer noch nicht von seiner Forderung abgelassen, sondern bemüht sich jetzt, 'Arbeiter ans Berlin heranzuziehen, so ist z. B. ein Herr Graßnick bemüht, Arbeiter, welche der Vereinigung nicht angehören, bei Versprechung von 24 M. Lohn zu bewegen, nach Bergedorf zu reisen. Die streikenden Arbeiter der Erleinann'schen Fabrik rich- teil nun an alle Arbeiter die Bitte, sie in ihrem Kampf, der ja nur ein Kampf um ihr freies Koalitionsrecht ist, zu unterstützen, nichts auf die Versprechungen gewissenloser Agenten zu geben und nicht nach Bergedorf zu reisen und sich da als Streikbrecher ge- brauchen zu lassen. I. A.: C. Dost, Adalbertstraße 94. Aie Kandarbeit in der Textilindustrie ist verloren. Dem Zentralblatt für die Textil-Jndustrie" wird geschrieben:„Der Handweberei im schlesischen Gebirge steht abev jirnts ein erheblicher Verlust an Austrägen dauernd in Ausslchr. Tie beiden dem Schlesischen Bankverein gehörigen Etablissements in Grünberg, die alte Schlesische Tuchfabrik und die Woll- Wäscherei, sind in den Besitz der Firma R. Wolff u. Co. über- gegangen, und wird die bisher im schlesischen Gebirge durch Handweber ausgeführten Arbeiten jetzt in der eigenen m e ch a- nischen Weberei ausführen, welche sie in dem Grüneberger Etablissement eingerichtet hat." Der Untergang auch dieser Hans- industrie ist besiegelt. Wer das grauenvolle Elend der schlesischen Weberbauden, in welchem Hunger, Krankheit, Ueberarbeit, Schmutz um die Herrschaft streiten, auch nur von Hörensagen kennt, wird die rasche Auflösung der veraltete» Betriebsweise nicht bedauern. Wohl Schweine- @4 1,15 1,16 1,40 Eßbutter M. 2,13 2,14 2,27 Weizen Roggen Rindfleisch M. M. M. 1887 1,68 1,19 1,13 1888 1,86 1,59 1,13 1889 1,85 1,68 1,22 Zahlen beweisen! Die LebenSmittelvertheuerer mögen lügen und trügen wie sie wollen, die Thatsachen widerlegen sie schlagend. Fort mit den indirekten Steuern auf nothwendige Lebensmittel! Von den Kindern der bndifche» Zigarrenarbeiter, deren schlechte Ernährung, niedrige Lebenshaltung und lieber- arbeit der badische Fabrikinspektor sestgestellt hat, sterben im ersten Lebensjahre bis zu 43 vom Hundert, während die durchschnitt- liehe Kindersterblichkeit im Großherzogthum überhaupt gegen 31,7 Prozent beträgt. In der Kernfsgenossenschakt der chemischen Industrie betrug die Zahl der entschädigungspflichtigen Unfälle 1886: 423 1887: 461 1888: 486 1889: 503 Die Zahl der Unfälle hat also stetig zugenommen, und zwar ist dies nicht blas aus der Zunahme der Betriebe und der be- 'chäftigten Arbeiter zu erklären. Denn im Jahre 1886 kamen auf 1000 Arbeiter 54, im Jahre 1889 dagegen 58 entschädigungspflichtige Unfälle, die letzteren haben also in höherem Maße sich vermehrt, als die Zahl der beschäftigten Ar- beiter. Es ist demnach die Gefährlichkeit des Betriebes, infolge karkerer Anwendung von Maschinerie und gesteigerter Ausnützung der Arbeitskräste ohne Rücksicht aus deren Risiko gewachsen. Dafür zählt die chemische Industrie zu denjenigen deutschen Groß- gewerben, welche die meisten Unternehmerverbände aufweist— — fast jedes chemische Produkt ist kartellirt— und welche die höchsten Dividenden abwirft. Der kürzlich erschienene englische Kergwerks- In- spektarenbericht für 1889 theilt mit, daß in den Bergwerken in 1889 625 229 Personen gegen 592 656 im Jahre 1888 be- chästigt worden sind. Aber die Zahl der Unfälle ist imBer- hältniß erheblicher gewachsen als die Zahl der angewendeten Grubenleute. Im Jahre 1888 zählte man 885, im Jahre 1889 aber 912 Unfälle, aus welchen 1888: 960, 1889: 1128 Todesfälle resultirten. Während im Jahre 1888 auf 1000 beschäftigte Arbeiter 1,66 Unfälle kamen, hob sich diese betrübende Ziffer im letztverflossenen Jahre auf 1,36. Wenn wir nach dem Verhältniß der Verluste von Men- schenleben zit der Menge der geförderten Kohlen fragen, so ergiebt sich, daß im Jahre 1888 auf 205 698 Tonnen geförderte Kohlen ein Menschenleben in Verlust ging während im Jähre 1889 bereits auf 178 227 Tonnen„schwarzer Diamanten" ein getödteter Arbeiter kommt. In allen Gruben des Vereinigten Königreichs traf im Jahre 1888 auf je 688 Arbeiter ein Verunglückter, in 1889 traf bereits auf je 538 ein Ver- unglückter. Der Betrieb wird, je tiefer die Schächte werden, immer gefährlicher, und die Zeche zahlt mit seiner. Haut der Arbeiter. Herr Schmidt sprach über diese Frage in demselben Sinne, ist er der Meinung, daß es genügend wäre, wenn in den g nannten Zeitungen protestirt würde. Ter erste Antrag>viro genommen. Die Ausarbeitung des Protestes wird der Bertrauensm�''- . f.- r-------- e �. /ta--- V � CDöXrtoVlI tlflCÖ' „ iausnuücuuuy vvy»v»vv-------------- Komnusiion überwiesen. Es wurde von beiden Rednern noch den, von dem Kongreß der Bau- und Hilfsarbeiter zum 3* oignn erhobenen„Arbeiter" aufmerksam gemacht, da der! unsere Interessen und Fragen am besten behandeln würde, H»' •elfaeii kolporrirt Kollege Noack, Lausitzerstr. 35, Hof im - Ein Brief der Vrauergesellen gelangt zur Verlesung, UV Mtnvrtrifrfr.» VtrtfovfHifcinrn ftsshnnft nurd. mit der Bitte Verscrnrnrlungen. Eine«ssentliche Versammlung der gewerblichen Kilfsnrbciter Nerlins und Zlmgrgrnd tagte am 4. Juni er. Abends in Renz's Salon, Nannynstr. 27, unter Vorsitz des Herrn Günter mit der Tagesordnung: I. Die Wichtigkeit der Wahl einer Slceik-Kontrolkommission. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Zum ersten Punkt referirte Herr Wilhelm Werner. Redner legte eingehend die heutige Produktionsweise und die Mängel der heu- tigen Arbeiterbewegung klar, und führte aus, daß man durch die vielen erfolglosen Streiks auf den Gedanken gekommen ist, eine Streik-Kontrolkommission aus Angehörigen aller Branchen zu bilden, damit eine Regelung der Streiks stattfinden könnte. Redner führte weiter aus, daß durch die vielen Streiks verschie- dener Gewerkschaften zu derselben Zeit an das Solidaritätsgesühl der Arbeiter zu große Ansprüche gestellt werden, die der Einzelne nicht befriedigen kann. Er denkt sich die Regelung der Streiks in der Weise, daß nicht wie jetzt jede Gewerkschaft für sich vorgeht, sondern daß die Streik-Kontrolkommission zu entscheiden habe, welche Branche vorzugehen habe, damit die an- deren Gelegenheit haben, dieselbe thatkräftig zu unterstützen, denn es würde dann, wenn jeder Arbeiter nur eine Wenigkeit steuert, soviel Geld zusammen kommen, daß der Streik siegreich durch- geführt werden könnte. Redner war ferner der Meinung, daß diese Kommission möglicherweise auf ganz Deutschland auszu- dehnen sei. In der Diskussion sprach Herr Borchmann im Sinne des Referenten, wies speziell darauf hin, daß die Arbeiter nicht nur auf die Produktion einzuwirken suchen, sondern auch auf die Konsumtion. Er führte aus, daß sie hier in den Händen hätten, die gerechten Forderungen der Arbeiter durchzusetzen, wobei er auf die Kontrolmarke der Hutmacher und auf den Ärauerstreik hinwies. In demselben Sinne sprachen die Herren Günther, Schmidt und Krüger. Nur tritt letzterer der Meinung des Reserenten entgegen, daß die Streik- Kontrolkommisston aus ganz Deutschland auszudehnen sei. Redner nieint, man falle damit wieder in den alten Fehler der Zentrali- sation nnd daß diese Konimission nur auf dem Lokalen etwas leisten würde. Als Mitglieder der Streik-Kontrolkommission werden gewählt die Kollegen Schmidt, Günther und Brand. Die Frage: Wie stellen sich die gewerblichen Hilfsarbeiter zu dem nächstens stattfindenden Kongreß der nichtgewerblichen Arbeiter in Hannover? verursachte eine längere Debatte. Herr Fritz Krüger kritisirte das Verfahren des Einberufers Herrn Lohr- berg und führte aus, daß Redner und Willi Schmidt als Delegirte der Berliner Hilfsarbeiter auf dem im April d. I. tagenden Kongreß der Bau- und Hilfsarbeiter gegen die Verschmelzung der beiden Kategorien waren, dieselbe wurde aber von der Majorität beschlossen, sie haben sich dem Beschlüsse gefügt und halten denselben jetzt vollständig aufrecht. Redner führte weiter aus, daß, wenn der von Lohrberg einberufene Kongreß zu Stande kommt und dort Beschlüsse gefaßt weiden, dieselben von großem Schaden für uns sein könnten, insofern, daß die Beschlüsse dieses Kon- gresses uns über den Kopf wachsen und wir dann die Spaltung im eigenen Lager hätten. Redner ist der Meinung, daß man einen energischen Protest einlegen müsse, um den Kongreß möglicherweise zu inhibiren. Er weist ferner auf den im nächsten Frühjahr stattfindenden Kongreß der Bau- und Hilfsarbeiter hin, auf dem das Weitere geregelt werden soll. Redner beantragt, Flugblätter drucken zu lassen, in denen gegen den Kongreß der nichtgewerblichen Arberter in Sannover protestirt wird nnd dieselben in den interessirten tädten zu verbreiten; ferner denselben Protest im„Berk. Volks blatt",„Volks-Tribüne" und im„Arbeiter" zu veröffentlichen mit Ar- aus d-" "S,* ür die moralische Unterstützung gedankt wird, mit der weitere Unterstützung. Eine Resolution: Nur Hüte beiter-Kontrollmarken zu kaufen; ferner kein Bier Brauereien zu trinken, die noch nicht bewilligt haben, werden»' genommen. Der Verband deutscher Mechaniker und Berufsgenoffen, Zahlstelle Berlin, hielt am 5. d. M. 'ammlung ab, die vom Vorsitzenden um 9V« Uhr eröffnet wi»• Zu Punkt 1 der Tagesordnung erhielt Kollege Vorreitet. Wort zu einer Verlesung über Darwinismus. Nach einer fO von 10 Minuten sprachen zum zweiten Punkt„Diskussion Kollegen Pinn und Vorreiter über obiges Thema. Zum drin Punkt„Verschiedenes" liest Kollege Bäcker einen Brief der Loy� kommission der Brauergesellen vor des Inhalts, daß durch° Boykott der Arbeiter 4 Brauereien die Forderungen der EesiU' bewilligt haben, und die Arbeiter ersucht werden, nur Bier» dem Münchener Brauhaus, Nationalbranerei, Gräflich Reisch™. Brauerei und Berliner Volksbrnuerei zu trinken. Der Vorsiu_ macht ferner bekannt, daß die Beittittsliste zur freien Volksvuo ausliegt, auf welcher sich auch viele Kollegen einzeichnen.- Kollegen Pinn uno Schönemann machen auf die nächste o liche Mechanikerversammlung besonders aufmerksam, da in® selben Beschluß gefaßt werden soll über das Verhalten zu oe jenigen Werkstätten, welche die Forderungen der Gehilfen niq bewilligen. Darauf Schluß der Versammlung um lO8/* Uhr. Eine öffentliche Versammlung der Stellmach,. Herlins und Umgegend tagte am Sonnabend, den 7. b. A'-' Fenske's Salon, Landsbergerstr. 37. Die Tagesordnung laum 1. Vortrag des Herrn W. Werner über die internationale" beiterschutz-Gesetzgebung. 2. Diskussion. 3. Gewerkschaft"�> 4. Verschiedenes. In das Büreau wurden die Kollegen@mge Habermann und Höhne gewählt. Hierauf erhielt Herr Wem das Wort zu seinem Vortrag. Redner schildert zunächst traurige Lage der Arbeiter, und hob hesonders die Maschine v vor, daß viele Arbeiter noch der Ansicht seien, wenn sie die-vi«* schine zerstören, würden sie ihre Lage verbessern. Tie Neuzeit vpf uns etwas besseres gelehrt. Daß man nur eine gesetzlich geregE. Normalarbeitszeit anstreben soll aus internationalem Wege, dam den Arbeitern die Maschine auch zu gute komme, und nicht» dem Kapitale. Der Vortrag erzielte den lebhaften Beisau Anwesenden und sprach der Vorsitzende dem Referen den Dank der Versammlung aus. Von der DiskufP wurde auf Antrag des Kollegen Geelhar Abstand genonum. Hierauf gelangte folgende Resofution gegen 5 Stimmen zur � nähme:„Die heute in Fenske's Salon tagende öffentliche-ä.. sammlung der Stellmacher Berlins erklärt sich mit den Au*. rungen des Referenten voll und ganz einverstanden. In»n tracht, daß nur durch die Verkürzung der Arbeitszeit eine A«, besserung der bedrängten Lage erfolgen kann, erklären sich säa> liche Anwesende bereit, dem Verein der deutschen Stellmacher zur nächsten Mitgliederversammlung beizutreten und mit au Kräften für denselben zu agitiren." Zum Schluß wurden J die traurigen Nachklänge vom I. Mai erörtert nnd von»'■ Seiten bedauert, daß die Vereinigung der Stellmacher Deuh lands so traurig dastände, daß sie nicht einmal ihre gemaßr« ten Kollegen unterstützen konnte. Hierauf wurden noch die ff legen Singert, Siecke! und Höhne zur Zentral-Streikkonimin�, gewählt. Eine Resolution, welche besagte, kein Bier aus P'* botzkottirten Brauerei zu trinken, wurde angenommen.<5# wurde noch an das am 14. Juni stattfindende Sommerseft innert und um recht rege Betheiligung gebeten. Eine öffentliche Versammlung der Köttcher Kerl tagte am Dienstag, den 3. Juni, in Heise's Salon, Lichtende straße. Der Einberufer, Kollege Nenmann, eröffnete die o».» suchte Versammlung gegen 9 Uhr. In das Bureau wurden Kollegen Nenmann, Ausenacker und Hilbert gewählt. Die Tfllr ordnung lautete: 1. Äortrag über Arbeilerschutz-Gesetzgeb�b 2. Wahl von Vertrauensmännern zur Streik-Kontrolkommistff. der Berliner Arbeiter und Verschiedenes. Zum ersten Punkt Off Tagesordnung referirte der Buchdrucker Wilhelm Werner s" IVe stündiger fesselnder Rede, indem er dem Thema eutsprecheOff die Materie von Grund aus klarlegte. Zum zweiten Punkt, Tagesordnung legte Kollege Nenmann die Nothwendigkeit ew Organisation der Streiks dar, welche der Referent Wilh�A sjrtjaniicuion oei uuv, iu\;iu}c vet oicictciii � Werner durch verschiedene Beweise erklärte. So sei der Forw» streik trotz ihrer Musterorganisation gescheitert, da die Fonds j schöpft und verschiedene andere Gewerkschaften selbst'- Ausstand begriffen waren. Der beste Wille war Verbindung der Eisenindustriellen gegenüber machtlos.-, ""-----'" Streikunterneh'"� Mittel gegen das Mißlingen eines sei die Erwägung und Aufbringung der Kosten des letzteren. Zentralstreik-Kontrolkommission würd der Macht der Unternehme Verbände ein Paroli bieten. Kollege Neumann betonte unfeff eigenen Erlebnisse, und den Kasseler Streik, während Kol Pfarre aus Hamburg in längeren Ausführungen die Zustände dortigen Böttchergewerbe schilderte.__,c, ge« Nachdem einstimmig beschlossen war, sich durch die W»?' � dem vielversprechenden Unternehmen zu betzenw�, ii» Delegirten an wurde zur Wahl geschritten, von den 6 vorgeschlagenen wurden gewählt Robert Neumann und Schmidt, Unter Verschiedenes rügte Kollege Schmidt die Saumseligkeit im Bezahlen. Grade jetzt�sei es an uns, durch eilff� Unteritühnng der Hamburger Kollegen zu zeigen, daß wir" immer die Alten sind, obgleich unsere auswärtigen Kollegen u»! Streik nicht nach Gebühr und Nothwendigkeit unterstützt Habel � Eine Versammlung des Vereins zur Mahrnng*„ Interessen der Kerliner Dachdecker tagte am Sonntag/ l. Juni, Vormittags, bei Schlüter, Markusstr. 10, unter Von des Herrn Jbold. Zunächst wurde Herr Jbold als 1. Borsitzen s wiedergewählt. Dann wurde der Kassenbericht vom 1. � vom Kassirer W. Kretschmer verlesen und für richtig erklärt.' Weiter wurde ein Vergnügungskomilee, aus den Herren Delah" Lange und Hänimerling bestehend, gewählt,„.z Wir erhalten folgende..Berichtigung": Durch„ im Wahlvereiii des 6. Berliner Reichstagswahlkreises eingefn«� neue Maulkorbaesetz ist es mir nicht möglich gewesen, wich rechtfertigen. Nach dem Bericht hat es den Anschein, als ov � im ersten Wahlgange für den Freisinnigen agitirt Hätte. 0,, Richtigstellung thcile hierdurch mit, daß ich nur laut Frako� beschluß gehandelt habe, das heißt, im zweiten Wahlgange,% bei der Stichwahl, für den Freisinnigen eingetreten bin, und erst dann, nachdem ich gesehen habe, daß der Antisemit Dr.®aS)it durch verschiedene Wahlveeinflussungen bereits gesiegt hatte. ist es zwar gleich, wer in der Stadwertretung ist, ob Freisiii � oder Konservative, jedoch ein Bachler, der uns, die Sozialoe � kratie, in solch schmutziger Weise bereits angegriffen hat, ist nff, Ansicht nicht würdig Stadtverordneter zu sein. Den Fehler, den ich da begangen habe ist der, daß ich selbststa � vorgegangen bin, jedoch muß ich bemerken, daß ich mich erst mittag 4 Uhr zu diesem Schritte entschlossen habe nnd da mehr Zeit war, eine Einwilligung zu holen; also von Vst ,, kann keine Siede sein, nnd werde ich weiter im sozialdeniokraOI� Sinne agitiren. Achtungsvoll Adolf Adler. Keriä,tign"g . In den Vereinsbericht der Plätterinnen ngeschlichen: Als 2. Kafsirerin wurde sich ein Fehler etngei.____.. Schulz und als Revisoren die Damen Frl. Hamann, Dorn Heidler gewählt. Verantwortlicher Redakteur: Cm-t Kaake in Berlin. Druck und Verlag von Mar Kadi«,» in Berlin 8W,. Beuthstraße 2.