Kr. 138. Mittwoch, beii 11. Juni 1890. 7. Jahrg. Hrgan für die Interessen der Arbeiter. «WsäSMWWWMA Kntrr ��"�Sprelsliste für 1890 unter Nr. 892, V. Nrr«zi,attd. wglich durch die Expedition, für Deutschland und das übrige Ausland 3 Mark pro Monat. . täglich 2 Mark, für Nachtrag.) Oesterreich-Ungarn Jnsertionsgebuhr beträgt für die Sgespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pf., für Vereins- und Versainmlnngs- Anzeiaen 20 Pf. Inserate werden bis 4 Uhr Nachmittags in der Expedition, Berlin Sw., Beuthstrabe 3, sowie von allen Annoncen-Bureaur, ohne Erhöhung des Preises, angenommen. Die Expedition ist an Wochentagen bis 1 Uhr Mittags und von 3—7 Uhr Nachmittags, an Sonn- und Festtagen bis 9 Uhr Vormittags -4»-• Fernsprecher: Amt VI. Ztr.' Nedsrkkion: VeukMrÄtze S.— Expedition: Veuthstentze 3» . Revr ConstKtts, Gesell Mzofksretkev. M Die Leser unseres Blattes sind durch ausführliche Miser� Berichte über die neueste Heldenthat des französi- Ministers des Innern unterrichtet. Sie wissen, daß JJ- mster des Innern, um dem zarischen Despotismus zu sein und als Paladin des Bürgerthums sich .'..�uhm zu bedecken, eine Anzahl Russen und Polen , shaften ließ. Die Reptilienpresse und die sensations- J �en Journale beeilten sich, wie das so Brauch bei » Organen der„anständigen Leute", im Dienste der �saktion ihrem Publikum eine Schauer-, Räuber-, Dyna- tifܰ lm� Verschwörungsgeschichte nach der anderen aufzu- JMn und sie das Gruseln vor dem rothen Gespenst zu Die Leichtgläubigkeit und der hervorragende Mangel » Muth, welche die Bourgeoisie auszeichnen, machten Mbe wieder einmal zu den gelehrigsten Schülern; sie ||n9en— mit innigstem Behagen sahen es die psiffigen �ogelsteller an der Seine und an der Newa— sofort als Hle Gimpel auf den Leim und begrüßten Herrn Constans, >»en der widerlichsten und geistlosesten Protzen, der je ein . �»Nzösisches Ministerportefeuille besessen, als„Vater des | �lerlaiides", als Retter der in ihren Grundfesten be- , 09ten bürgerlichen Gesellschaft. Das ist derselbe Minister, sich solch eine unsterbliche Blamage am 1. Mai dieses �Mres geholt hat, als er die friedfertigste und kultur- Mündlichste proletarische Demonstration, die man sich Mken kann, die für den Achtstundentag, mit »n Massenaufgebot von Polizisten, Kanonieren, �»gonern und Fußvolk zu beantworten für U fand. Die Arbeiter thaten dem edlen Mann, der den �nbel hauen, die Flinte schießen lassen wollte, natürlich den Gefallen, sich zu Gunsten des Geldsacks pro Ojiren und niedermetzeln zu lassen. ß. Um so eifriger ergriff jetzt der Bürgerminister die �legenheit, zwei Fliegen mit einem Schlage zu treffen, »erseits das Lob der für ihre Rente zitternden Philister ,»Zuernten und seine Unentbehrlichkeit zu beweisen, auf anderen Seite sich vor„Väterchen" platt auf den .,?»ch zu werfen, ihm den Staub von den Stiefeln zu tolN/ das Asylrecht der Republik und die mit Gut und tut des Volkes erkauften freiheitlichen Einrichtungen schäm- zu prostituiren. jv.. Herr Constans und seine Spießgesellen von der .�olizeipräfektur wußten von vornherein, daß sie eine lchofle Komödie aufführten, über deren Possenhaftigkeit fch aber nur die satte Tugend der Großbürger täuschen Feuilletott. vua nivboteii.) [54 »Anm Glttck der Danten." Roman von Emile Zola. �»torisirte Nebersetzung von Armin Schwarz. Ip Und er schilderte ihr ausgeräumt den Zorn des guten st;»»oZ, der über die großen Pariser Bazars im Dunkel dj. or kleinen Provinz wüthete. Der alte Bouthemont, den Sieid 00? Franks, die sein Sohn jährlich verdiente, vor orfticken ließen, hatte ihm geantwortet: daß er sein »stirb 11110 � foincr Freunde lieber den Spitälern schenken Oo, als daß er auch nur mit einer Centime zu diesen fc-rflnzinen beitragen sollte, welche nichts Anderes seien, als Landhäuser des Handels. Uebrigcns brauchte >en, schlog per junge Mann. — klebrigens brauchte man Millionen zu diejem Unter- aehnn"- |U)iutj uci iuiiyi; a/iuu«. (v— Und lucnn nian sie fände? sagte ganz einfach Madame "arges. w Er schaute sie an, plötzlich ernst geworden. War das eine Redensart einer eifersüchtigen Frau. fragte er sich. Hinz!" �'bm nicht Zeit, sie zu befragen, sondern fugte jn. Kurz, Sie wissen, wie sehr ich mich für Sie interessire. » werden über die Sache noch sprechen. . Ct f» r>f L.i. /c—* A - iiotl vw CULpK nvu, /rt'«'1.1 draußen geläutet. Sie erhob sich und er %„kl j ,s" rincr instinktiven Regung den Sessel zu- '»cr'dk 0 Urfahr liefen, von Jemandem überrascht zn den. konnte und voraussichtlich auch täuschen wollte, sie waren sich klar darüber, daß schließlich der kreißende Berg ein lächerliches Mäuslein gebären, daß die frech aufgebauschte Beschuldigung sich als unbegründet erweisen und der Monstreprozeß in ein Bagatell-Verfahren ausmünden würde. Aber Constans müßte nicht Polizeiminister, und was für ein Polizeiminister sein, um sich durch derartige Bedenken aufhalten zu lassen. Sein zärtliches Gewissen wird durch solche Kleinigkeiten nicht berührt, und ist der erstrebte Zweck erreicht, so kümmert er sich nicht darum, ob die angewendeten Mittel besonders reinlich und zweifelsohne gewesen. Zuerst Massenverhastungen, bald darauf Freilassungen. Zuerst die erlogensten Nachrichten von Höllenmaschinen, gefüllten Bomben, Sprengstoff- Magazinen, Dynamit- Laboratorien, kurz, ein wahrer Höllenbreughel schauer- (icher Morithaten. Dann stellt sich heraus, daß die un- schuldigsten Droguen, daß Arzneimittel, wie das während der Jnfluenza-Seuche so viel gebrauchte Antipyrin, daß Retorten und Gläser, wie sie jeder Chemiker benutzt, von der Polizei beschlagnahmt worden sind, daß sie mit glühen- dem Eiser Apparate, deren dicke Staubkruste jeden Ver- dacht einer Benutzung verscheuchen mußte, fortschleppte, um eben Lärm zu machen und den Spießbürgern Sand in die Augen zu streuen. Leute, die gar nicht politisch thätig gewesen sind, wurden verhaftet, Personen, die sich gar nicht kennen, gemeinsamen Unternehmungen angeklagt, polnische Sozialisten, deren Bewegung zu der groß- russischen gar keine Beziehungen hat, mit den Anhängern der alten Narodnaja Wolja-Partei(Partei des Volks- willens) über einen Kamm geschoren. Schon jetzt dürfte feststehen, daß im aller s ch l i m m st e n Falle eine Anklage wegen unerlaubten Besitzes von Sprengstoffen— auch Frankreich hat sein Dynamitgesetz— gegen einige der Gemaßregelten her- auskommt; ob eine Verurt Heilung, das steht aber auf einem anderen Blatte. Man darf nicht vergessen, daß das L o ck s p i tz e l t h u m auch in Frankreich eine hervorragende Rolle in der bürgerlichen Staatsmoral spielt. Wir erinnern an die Aufsehen erregenden Ent- hüllungen des früheren Pariser Polizeipräfekten A n d r i e u x, der jetzt in der Deputirtenkammer sitzt. Derselbe erzählte mit einer geradezu naiven Frechheit, daß er als Polizeipräfekt durch seine Agenten künstlich anarchistische Krawalle habe hervorrufen lassen, ein anarchistisches Blatt— nicht die„Freiheit", Herr v. Pütt- kamer!— mit Geld unterstützt undLouise Michel und mehrere Andere mit diabolischer Schlauheit in einen Prozeß ver- wickelt habe. Man wird also gut thun, auch diesmal die Der eintretende Diener meldete: — Herr Mouret, Herr von Vallagnosc. Henriette konnte eine Geberde des Zornes nicht unter- drücken. Warum kam er nicht allein? Er hatte seinen Freund sicher nicht nur deshalb mitgebracht, weil er ein We-ü-tete mit ihr fürchtete. Sie empfing indessen die beiden Herren lächelnd und reichte beiden die Hand. — Wie selten sind Sie jetzt bei mir. Das gilt auch Ihnen, Herr von Vallagnosc. Sic'war in Verzweiflung darüber, daß sie immer stärker wurde. Sie schnürte sich in engen Toiletten von schwarzer Seide ein, um ihr zunehmendes Embonpoint zu verbergen. Nur ihr hübscher Kops mit den dunklen Haaren behielt seine liebenswürdige Feinheit. Mouret sagte mit zärtlichem Blick und in vertraulichem Tone: — Es ist unnöthig, daß ich niich nach Ihrem Wohl- befinden erkundige, Sie sind frisch wie eine Rose. — Oh, ich befinde mich recht gut, sagte sie. Uebrigcns hätte ich sterben können und Sie hätten nichts davon gewußt. Nun betrachtete sie ihn. Sie fand ihn nervös und matt, die Augen eingefallen, den Teint bleigrau. — Ich kann Ihnen das Kompliment nicht erwidern, sagte sie, denn Sie sehen keineswegs gut aus- — Das macht die viele Arbeit, bemerkte Vallagnosc. Mouret machte eine unbestimmte Gebcrde, ohne zu prechen. Er hatte jetzt Vontheinont bemerkt und grüßte ihn init einem freundschaftlichen Kopfnicken. In den Zeiten größerer Intimität holte er selbst ihn aus der Abtheilung und führte ihn mit sich zn Henriette. Allein die Zeiten hatten sich verändert, er sagte ihn» halblaut: Augen offen zu halten, da das System Constans das System Andrieux zur nothwendigen Voraussetzung hat. Die Thatsache, daß der Minister der französischen Republik als Bedienter des russischen Absolutismus ge- handelt hat— er kann sich für diese Lakaienrolle auf „berühmte Muster" in anderen Ländern berufen—, diese Thatsache läßt sich nicht aus der Welt schaffen. Es lag der russischen Regierung daran, die russisch-polnische Kolonie von politisch Anrüchigen, von Flüchtlingen, von Ver- dächtigen einzuschüchtern und Einblick in die Beziehungen derselben zu ihrer Heimath zu gewinnen. Deshalb die Beschlagnahme aller Briefschaften! Wenn der Constans erklären läßt, daß diese Briefe nicht an Rußland ausgeliefert würden, so ist das, wie der ganze Mensch, eine elende Heuchelei. Wozu Urkunden ausliefern, wenn man sie sorgfältig photographiren läßt und die Photographien den zarischen Schergen in die Hände spielt! Es läßt sich nur ahnen, welches furchtbare Unheil über Hunderte und Aberhunderte ehrlicher, frei- heitsliebender Männer und Frauen durch diesen sauberen Streich gebracht wird. Wehe denen, die im Machtbereich der russischen Polizei sind. Der Tod am Galgen ist wünschenswerther, als die teuflische Qual der sibirischen Bergwerke. Durch die ganze zivilisirte Welt ging ein Schrei der Entrüstung, als der edle Amerikaner K e n n a n die Gräuel der sibirischen Gefängnisse, das Martyrium der Verbannten in den Goldgruben von Kara enthüllte. Herr Constans macht sich zum Mitschuldigen, zum Helfershelfer der russischen Mißwirthschaft. Selbst- verständlich ist es, daß die Pariser Verhafteten den Boden Rußlands für immer meiden müssen, wenn sie nicht in der Peter- Paulsveste oder in Transbaikalien zu Grunde gehen wollen. Selbstverständlich ist es, daß Herr Eon- stans die auf ihren Broterwerb Angewiesenen, Studenten oder Handwerker, auf's ärgste geschädigt, ja zum Theil ruinirt hat. Aber was macht das? Um sein Haupt weht die Gloriole der Staatsretterei, und das Zarenthum, der tödtliche Feind der Kultur und der Freiheit, giebt dem ministeriellen Jhring- Mahlow sicherlich die„eklatanteste Genugthuung". 6. Sitzung der Ardeiterschutz- Kommisston. Dienstag, 10. Juni. Vorsitzender Graf B a l I e st r e m ermahnt die Mitglieder der Kommission zu ermöglichster Abkürzung der Debatten, damit wo möglich vor der in Aussicht stehenden Vertagung wenigstens die erste Lesung fertig werde. — Sie sind heute zeitlich fort. Man hatte Ihr Fort- gehen in der Abtheilung bemerkt und ist wüthcnd über Sie. Er sprach von Bonrdoncle und den übrigen Jnteressirten als ob er nicht der Herr gewesen wäre. — Wirklich? murmelte Bouthemont beunruhigt. — Ja, ja, ich habe mit Ihnen zu reden. Warten Sie auf mich, wir werden miteinander fortgehen. Henriette hatte, sich mittlerweile gesetzt und hörte Vallagnosc an, der ihr die Visite der Bkadame de Bovcs ankündigte. Aber sie ließ Mouret nicht ans den Augen. Dieser war jetzt stumm geworden, betrachtete verlegen die Möbel und schien am Plafond etwas zu suchen. Dann, als sie sich lachend beklagte, daß sie nur mehr Herren bei ihrem Thce ficht, vergaß er sich so weit, daß er ausrief: — Ich hoffte den Baron Hartmann bei Ihnen zu finden. Henriette erbleichte. Sie wußte ohne Zweifel, daß er zn ihr nur kam, um den Baron zn treffen, aber was nöthigte ihn, die Gleichgiltigkeit ihr so ins Gesicht zu schlendern? In diesem Augenblick ward die Thür geöffnet und der Diener erschien ans der Schwelle. Sic befragte ihn mit einem Blick; er trat näher und flüsterte ihr zu: — Es ist wegen des Mantels. Madame haben mir bc- sohlen, Sic zn benachrichtigen, das Fräulein ist da. Doch Henriette sprach jetzt laut, so daß man sie hören mußte. Ihre ganze Eifersucht rächte sich in folgenden mit geringschätziger Trockenheit hervorgestoßenen Worten: — Sie soll warten. — Sollen wir sie in das Kabinet von Madame führen? — Nein, sie soll im Vorzimmer bleibe» Zu§ IOC, welcher bestimmt, daß Gewerbetreibenden, denen die bürgerlichen Ehrenrechte aberkannt sind, Lehrlinge nicht ans- bilden und Arbeiter unter 13 Jahren nicht anleiten dürfen, liegt ein sozialdemokratischer Antrag vor, die Altersgrenze solcher Ar- beiter auf 16 Jahre herabzusetzen. Grillen berger begründet denselben»lit dem Hinweis, daß eine große Härte darin liege, Leuten, die einmal mit den Strafgesetzen in Konflikt gekommen, den Erwerb dadurch zu erschwere», daß sie sogar nicht einmal G ese llen beschästigen sollen, wenn dieselben nicht 13 Jahre alt sind. Man solle doch hier mehr Humanität walten lassen. Dr. Hirsch vertheidigt die Regierungsvorlage, Geh. Rath Loh mann glaubt, daß von einem Verbot der Veschäfti- g u n g jugendlicher Arbeiter für die betr. Unternehmer nicht gesprochen werden könne, da ja auch in dein seit- herigen Paragraph nur von„Anleitung" die Rede sei, wodurch die Beschäftigung an sich nicht ausgeschlossen sei. (Diese Interpretation ist sehr vankenswerth, denn in der Praxis wurde bisher fast durchweg so verfahren, wie Grillenberger an- geführt.) Der sozialdemokratische Antrag wird abgelehnt und der Paragraph in der alten Fassung der Gewerbeordnung bei- behalten. Mit§ 107 beginnen die prinzipiellen Erörterungen über das System der Arbeitsbücher. Bebel u. Gen. beantragen:„Alle gesetzlichen Bestimmungen zur Führung von Arbeitsbüchern sind aufgehoben;" ferner:„Gewerbeunternehmern, Innungen, Unter- nehinerverbänden und-Vereinigungen ist die Ausstellung von Arbeitsbüchern oder Arbeitsscheinen für die von ihnen beschäf- tigten Arbeiter untersagt." Im Falle der Annahme dieses Para- graphen wären die tzß 108 bis einschließlich 112 zu streichen. Die Freisinnigen beantragen einige redaktionelle Aenderungen und für den Fall der Ablehnung des sozialdemokratischen Antrages die Herabsehung der Altersgrenze für Arbeiter, welche zur Füh- rung von Arbeltsbüchern verpflichtet sind, auf 18 Jahre. In ausführlicher, sachlicher Weise begründet Abg. D i e tz den sozialdemokratischen Antrag. Die Arbeitsbücher hätten bisher nicht das Mindeste genützt, in allen Fällen aber seien sie eine Bedrückung der Ardeiter und deshalb sei es das Beste, einen radikalen Schritt zu thun und sie gänzlich abzuschaffen. Zur Begründung des zweiten Theils des Antrages produzirt Red- ner eine Anzahl von Jnnungsverbänden ausgegebene Privat-Ar- beitsbücher, durch deren Besnmmungen der Arbeiter einfach recht- los gemacht wird, sowie Originale der berüchtigten Arbeitsscheine, die Grillenberger schon im Plenum erwähnte. Solches Vorgehen der Unternehmer sei viel schlimmer als das Sozialistengesetz und es könne dieser grobe Unfug, durch den die Arbeiter ge- peinigt und aufs höchste erbittert werden, nur durch die Gesetz- gebung beseitigt werden. Abg. W ö l l m e r erklärt sich gleichfalls gegen die Arbeitsbücher und bedauert, daß der Gesetzentwurf in diesem Abschnitt die Materie des Abeitsschutzes verläßt und Bestimmungen ein- führen will, die das Gute, was das Gesetz bieten wolle, erheblich beeinträchtigen müßten. Freiherr v. Stumm ist gegen alle Verbesserungsanträge und thut sich noch etwas darauf zu Gute, daß er es war, der im Jahre 1873 die Einführung der Arbeitsbücher angeregt hat. Da- gegen findet selbst er das Vorgehen des Metallinduuriellen-Ver- bandes gegen die Arbeiter zu weitgehend, obwohl er es mit allerlei Vorwürfen gegen dre Arbeiter zu rechtfertigen versucht.— Auch H ä h n l e findet, daß die Arbeitsbücher gar nichts %* 4# A*««•*« � CYIT CJK————---- � �: x— Schuld treffe für die Mißstände, die auf diesem Gebiete vorhanden sind. Die besitzenden Klassen und die Arbeiter hätten gemeinsam die Aufgabe, die seit langen Jahren aufgehäuften Sünden wieder gut zu inachen. Er bittet um unveränderte An- nähme der Regierungsvorlage. Möller(Dortmund) plädirt gleichfalls für die Regierungs- vorläge und beschuldigt die Körtling'schen Arbeiter in Hannover, sowie die Braunschweiger und Hamburger Metallarbeiter, sie hätten durch Boykotts und unberechtigte Sperren das jetzige Vor- gehen der Metallindustricllen verschuldet. Dem tritt in längeren Auseinandersetzungen Grillen- b e r g e r sehr scharf entgegen und giebt derselbe eine genaue Dar- stellung des wirklichen Sachverhalts. Redner wendet sich auch gegen S t»l m m und bemerkt dem Handelsminister gegenüber, daß man den Arbeiterverbändeu nur genügende Bewegungsfreiheit geben, dann würden die vom Minister erwähnten Unzuträglichkeiten bald gebessert werden; Arbeitsbücher aber würden nichts dazu beitragen. Die vorliegende Frage und die Frage des Koalitionsrechts feien solche, von deren richtiger Erledigung die Sozialdemokraten chre Zustimmung zu dem ganzen Gesetz, das sie, wenn irgend möglich, annehnien möchten, eventuell abhängig machen würden. S t ö tz e l giebt eine längere Darstellung der Verhältnisse im Kohlenrevier und glaubt, daß dort Arbeitsbücher für jugendliche Arbeiter nicht zu entbehren seien. Bebel und Genossen ziehen den 2. Theil ihres Antrages zurück, um ihn bei§ 113 anzubringen. Die nach dreistündiger Debatte erfolgte Abstimmung ergiebt die Ablehnung des sozialdemokratischen Antrages auf gänzliche Abschaffung der Arbeitsbücher mit 18 gegen 9 Stimmen(Sozialdemokraten und Freisinn), ferner die Ablehnung des freisinnigen Antrages auf Herabsetzung der Altersgrenze auf 18 Jahre mit 16 gegen 11(Sozialdemokraten, Freisinnige und die Abgg. Stötzel und Cegielski). Hierauf wird der Paragraph in der Regierungs- fassung angenommen mit einem vom Abg. Stumm beantragten Zusatz:„Zuständig ist die Gemeindebehörde des im§ 108 bezeichneten Ortes". Die§§ 108, 109, 110 und III werden ohne Debatte ge- nehmigt. Zu§ 112 beantragt Müller das Verbot von„geheimen Zeichen" in den Arbeitsbüchern. Dem wird dadurch Rechnung getragen, daß es in dem Paragraph statt unzulässige„Ein- tragungen oder Vermerke" künftig heißen soll:„unzulässige Merk- male, Eintragungen oder Vermerke." Bei§ 113 entspinnt sich wiederum eine lebhafte Diskussion wegen der auf Verabredung der Unternehmer gekennzeichneten Zeugnisse. Die Sozialdemokraten beantragen, dem Paragraph folgenden Zusatz zu geben:„Jede Kennzeichnung der Zeugnisse, welche bewirken soll, daß der Arbeiter in seinem Fortkommen behindert werde, ist verboten. Als eine Kennzeichnung der Zeug- nisse im Sinne dieses Paragraphen ist auch die von Innungen, Unternehmeroerbänden und Vereinigungen ausgehende Ausstellung von Arbeitsbüchern und Arbeilsscheinen für die von ihnen be- schäftigten Arbeiter zu betrachten. Bebel begründet den Antrag. S t u m m bekämpft, Hirsch befürwortet den Antrag Bebel u. Gen., Grillenberger wendet sich gegen Stumm. An der weiteren Debatte hetheiligten sich von Huene, Krop atscheck, von Klei ft-Retzow, Bebel. Da inzwischen die Stunde des Beginnes der Plenarsitzung herangekommen, wird die Diskussion abgebrochen. Nächste Sitzung morgen Vormittag 10 Uhr. er damit bei der konservativ-unionistischen Mehrheit lebhafte« Anklang, und der Antrag des radikalen Abgeordneten Pickersglu, dle Tagesordnung zu unterbrechen und- in eine Döbattk über die Angelegenheit einzutreten, wurde mit gegen 121 Stimmen abgelehnt, was beiläufig««' eine sehr saue Betheiligung Seitens der liberalen Parlamentarier deutet. Verschiedene der Herren mochten fi«! augenscheinlich nicht zu stark in der Sache engagiren, sie saßen. wie Cunninghame Graham treffend bemerkte, gleich Wachsfigmf« da, als ihr eigener Parteigänger Childers, Mitglied für Ost- Edinburgh, in beweglichen Worten nachwies, daß durch W' Auslegungen, wie die des Herrn Matthews, das Recht auf olstnb liche Aufzüge vollständig aufgehoben werden könne. Verschiedene Herren fühlten sich schon als Regierungspartei von morgen, uno wer weiß, was dann passirt? 1 In der Bevölkerung nahm man die Sache jedoch anders auf! und von allen Seiten liefen Proteste ein gegen die Beeintrachw gung des Versammlungsrechts.'Andererseits unterließ die radikale !?nd. Temperenzpresse nicht, dem Publikum in drastischer We-se durcy Zahlen zu veranschaulichen, welche Unsummen die Em- chadigung der Schankwirthe nach der Regierungsvorlage er- ordern würde, eine Reihe der populärsten Redner waren angekündigr, darunter auch bekannte Arbeiterführer, wie John Burns, Tom Mann und B. Tillot— kurz, eine ganze Reihe von Vorbe- dingungen eines glänzenden Erfolges waren gegeben. Das Meeting war denn auch recht gut besucht, aber es konnte sich doch"«M entfernt mit den, Achtstunden-Meeting vom 4. Mai messen. Trotz zehnfach so großer Reklame in der Presse war es von im Ganzen etwa 50000 Personen besucht. Das ist unter gewöhnlichen Um- ständen schon eine ganz nette Anzahl, aber was will es sagen gegen die Hunderttausende, die sich am 4. Mai an derselben Stelle Ilm die Plattform 6 schaarten. Die noch frische Erinnerung� an -T'rtn dsn Eintiruck des beutiaes Meetings viele Unternehmer Mit den Arbeitsscheinen zc. treiben, schaffe ein förmliches Steckbriefsystem. Allerdings kann er dabei nicht um- hin, der Meinung Ausdruck zu geben, daß die Arbeiter öfters durch ungerechtsertigte Boykotts die Unternehmermaßregeln provoziren.— Ein Antrag v. Kleist-Retzow's aus Schluß der Diskussion wird abgelehnt. Bebel polemisirt lebhaft gegen die Regierungsvorlage, da für eine Ausdehnung der Bestimmungen über die Arbeits- bücher gar kein Bedürsniß vorliege. Die Großindustriellen namentlich hätten gar keine Ursache und zum Theil auch keine Neigung, solchen Bestrebungen zuzustimmen. Die Schlimmsten auf diesem Gebiete seien die 5«leinindustriellen und Jnnungs- brüder, die da glaubten, mit solchen Mittelchen ihre„Autorität" zu stärken. Die Herren vom Zentrum hätten gelegentlich des großen Bergarbeiter- Streiks gegenüber den Abkehrscheinen eine ganz andere Stellung eingenommen.— Das Gleichheitsgefühl in der Arbeiterwelt sei ein so mächtiges geworden, daß sie sich die immer wieder in anderer Form verstichte Bevormundung einfach nicht mehr gefallen lassen will. Der sozialdemokratische Antrag bezivecke in seinem zweiten Theile nicht die Abschaffung von Zeugnissen(§ 113), sondern wolle nur die auf Verabredung von Unternehmcrverbänden zur Kennzeichnung der Arbeiter ein- geführten Bücher und Scheine treffe». Minister v. Berlepsch meint, durch den Autrag Bebel u. Gen. würde den Arbeitgebern verboten werden, Zeugnisse über- Haupt auszustellen. Im Uebrigen wolle die Regierung durch die vorgeschlagenen Aenderungen nur die elterliche Gewalt gegenüber den jugendlichen Arbeitern stärken. Insofern habe Bebel Recht, daß der heutigen Gesellschaft eine wesentliche Und als der Diener hinausgegangen war, setzte sie ruhig das Gespräch mit Vallagnosc fort. Mouret, der in seine Schlaffheit znrückgesunken war, hörte mit einem Ohr zu, ohne Recht zu begreifen. Boutheniont, den das Abenteuer interessirte, sann darüber nach. Jetzt ward die Thür wieder geöffnet und zwei Damen traten ein. — Denken Sie sich, sagte Madame Marty, als ich den Wagen verließ, sah ich eben Atadame de Boves unter den Arkaden. — Ja, erklärte diese, das Wetter ist schön und da mein Arzt mir empfohlen hat, heute auszugehen.... Man begrüßte einander herzlich, dann fragte die Gräsin Madame Desforgcs: — Sie nehmen eine neue Kammerfrau? Nein, erwiderte Henriette erstaunt. — Warum denn? — Ich habe im Vorzimmer ein junges Mädchen ge- > sehen. Henriette unterbrach sie lachend. — Nicht wahr, alle diese Lademnädchen sehen aus wie Kammerfrauen? Ja, es ist ein Fräulein, ivelches gekommen ist, um einen Mantel zur Reparatur abzuholen. Mouret, von einem unbestimmten Verdacht ergriffen, blickte sie an. Sie fuhr mit erkünstelter Heiterkeit in ihrem Gespräch fort und erzählte, daß sie beim„Glück der Damen" letzten Sonntag einen Mantel gelauft habe. — Wie, rief Madame Marty, lassen Sie denn nicht mehr bei der Sauveur arbeiten? — Ja, meine Liebe, allein ich wollte eine Probe machen. Ich habe einmal einen Reisemantel gekauft und war damit ziemlich zufrieden..... Diesmal aber ist der Kauf nicht gelungen. Sie mögen sagen, was Sie wollen, in den Magazinen bekommt nian nichts Rechtes. Oh, ich genire mich nicht, ich spreche vor Herrn Mouret ganz offen. Es wird Ihnen niemals gelingen, ewe distingnirte Frau anständig zn kleiden. Mouret fand es unter seiner Würde, sein Haus zu ver- theidigen. Boutheniont mußte für das„Glück der Damen" — Wenn alle vornehmen Damen, die bei uns ihre Toiletten Woia'efprmtmrjeu. London, den 7. Juni 1890. Der Himmel und die Regie- rung haben ihr Möglichstes ansgeboten, das heutige Protest- Meeting gegen die Entschädigung der Schankwirthe zu einem Er- folg zu gestalten. Das Wetter war so günstig, wie man es sich nur wünschen kann, nachdem es die ganze Woche geregner, und unter anderen das Derby-Rennen, das halb London nach Epsom hinauslockt, gründlich verregnet ivar, hellte sich der Himmel gestern wieder aus und heute lachte die Sonne so warm und freundlich vom Himmel herunter, daß es ein wahres Vergnügen war, nach dem Hyde-Park zu pilgern. Und die Regierung ihrer- seits hatte den Veranstaltern des Meetings den Gefallen gethan, durch Herrn Monro, den Londoner Polizeichef, entgegen aller bisherigen Praxis in einseitigster Weise vorzuschreiben, welchen Weg der Zug zum Hyde-Park zu nehmen habe, bezw. den Aufmarsch durch die großen Verkehrsstraßen zu verbieten. Vor- ivand: die Rücksicht auf das Publikum, das diese Straßen benutzt. Nun wacht der Engländer, und das mit Recht, sehr eifersüchtig über sein Versammlungsrecht; es erhob sich daher, als die Ver- fügungen des Herrn Monro bekannt wurden, ein großer Sturm in der Presse und in den Vereinen, und von liberaler Seite wurde der Minister Matthews im Parlament über das Verhalten seiner Untergebenen interpellirt. Er versteckte sich hinter aller- Hand Ausflüchten, meinte, die Demonstrationen hätten in den letzten Jahren in so großem Maße zugenommen, daß sie in eine Belästigung des Publikums ausarteten u. a. m. Natürlich fand nehmen, auf einem Platz beisammen wären, so ivären Sie, Ma- dame, sehr erstaunt über unsere Kundschaft... Bestellen Sie bei uns eine Toilette nach Maß und Sie werden genau so gut bedient sein, ivie von der Sauveur, aber nur halb so theuer. Und weil sie uin die Hälfte billiger ist, finden Sie sie weniger gut. — Also der Mantel paßt Ihnen nicht? fragte Madame de Boves wieder. Ich erkenne jetzt das Fräulein. Es ist einigeruiaßen dunkel in Ihrem Vorzimmer. — Ja, fügte Madame Marty hinzu. Ich wußte nicht gleich, wo ich diese Person gesehen habe. Nun denn, meine Liebe, geniren Sie sich nicht vor uns. Henriette machte eine geringschätzige Gebcrde und sagte — Sogleich, sogleich, es drängt ja nicht. DaS Gespräch über die Toilette- Artikel der großen Magazine dauerte fort. Dann sprach Madame de Boves von ihrem Gatten, welcher, wie sie sagte, soeben zu einer Jnspektionstour nach Saint-Lö abgereist sei. Madame Desforges fügte hinzu, daß Madame Guibal durch die Krankheit einer Tante plötzlich nach der Franche Comtee abzureisen gczivungeu gewesen sei. Sie zählten heute auch auf Madame Bourdelais nicht, welche zum Schluß des Monats sich immer mit einer Arbeiterin einge schlössen, um die Wäsche ihrer Kinder auszubessern. In zwischen schien Madame Marty von einer geheimen Unruhe gequält zu sein. Die Stellung ihre» Gatten im Lycee Bona- parte schien gefährdet zu sein wegen der Lektionen, die der arme Mensch in verschiedenen anrüchigen Instituten gab, wo die Diplome für Geld zu haben waren; er machte eben Geld, wie er konnte, um der sinnlosenVcrschwendungssucht seiner Frau Genüge leisten zu können, und diese, als sie ihn eines Abends weinen sah ans Furcht entlassen zu werden, kam auf den Gedanken, ihre Freundin Henriette zu ersuchen. daß sie sich bei einem hohen Beamten des Unterrichts Ministeriums ins Mittel legen möge, um den armeil Mann zu retten. Henriette machte ihr eine beruhigende Zusage, übrigens sollte Herr Marty selber kommen, um sein Schicksal zu erfahren und seinen Dank abzustatten. — Sie sehen angegriffen aus, Herr Mouret, bemerkte Madame de Boves. von .enen glänzenden Tag schwächte den Eindruck des heutiges! ganz erheblich ab. Am stärksten war der Andrang um Plattform 7, die der Londoner Munizipalreform-Liga besetzt mar. Ms P' ätzender fungirte hier das radikale Parlaments- Mitgn' Professor Stuart, der Verfasser des radikalen Londo Programms, auf dem auch der Achtstundentag figu.rw. Rednern seien Atherley Jones, der Sohn des Ehartisten Ern> Jones, und John Burns erwähnt. Auch Cunninghame Gray kaß auf dieser Plattform, sprach aber nicht. Unweit dieser Pi orm befand sich die des liberalen Frauenvereins, von der yer ü. A. Frau Guillaume-Schack sprach. Auch hier hatte stch t■ nach Tausenden zählende Zuhörerschaft eingefunden. Aber, gesagt, im Ganzen konnte sich das Meeting nicht entfernt mit 0 des 4. Mai messen. Meine neuliche Meldung, daß im Londoner Tradrs-Caun� Herr Shipton durch einen Sozialisten ersetzt sei, war leider ve srüht. Die Versammlung, von der ich schrieb, war nur eine vo läufige, zur freien Besprechung der Wahl einberufene, von der°, Anhänger Shipton's ferngeblieben waren. Die entscheidende Iva/ fand erst vorgestern statt. Zu dieser waren nicht nur die Anhang Shipton's vollzählig erschienen, sondern hatten auch tüchtig v» gearbeitet. Ein geradezu meisterhafter Koup war es, daß wst dem Tage, an dem die Wahl stattstnden sollte, Parnell, der Geg«' kandidat Shipton's die Mittheilung erhielt, daß seine eigene J ein Verein der Möbelschreiner, an seiner Stelle einen ander Delegirten in den Trades-Council gewählt habe. Damit w nämlich, nach den Statuten des Trades-Counail, zugleich. Wählbarkeit Parnells zum Sekretär vernichtet, er mußte p Kandidatur aufgeben. Es entstand infolge dessen eine Verwirr»"!!' die noch vermehrt wurde, als der Aorsitzende Drummond ei» Redner, der gegen Shipton sprach, das Wort entzog. In der � bitterung kam es beinahe zu einer Prügelei, viele Delegirte ließen wüthend den Saal, und nur ein Theil von ihnen keyr zurück. Als die Ruhe hergestellt war, wurde dem erivälp. Redner das Wort zur Beendigung seines Angriffs gegen Shttj wodurch dieser zum Schluß sich in ebenso langf„ zum«scytup Zlcy in eoeiyo wjjj ede vertheidigen durfte. Er versicherte de- und wehinüthig, er durchaus ein Anhänger einer gesunden Fortentwickelung i0.! Gewerkschastswesens sei, daß er selbst geHolsen habe, ungeles« Arbeiter zu organisiren, und das Ende vom Liede war, daß. mit 61 gegen 46 Stimmen wiedergewählt wurde. Er hat»'L von Neuem die Maschinerie in der Hand, aber den neuen EW wird er darum doch nicht niederdrücken.. Vielleicht ist es übrigens gut, daß es so gekommen ist. ob Parnell grade der geeignete Mann für den wichtigen Paff?. gewesen wäre, scheint mir ziemlich zweifelhaft. Er ist ein way. meinender, aber ziemlich unentschlossener Mensch, und g� Entschlossenheit ist in einer solchen Stellung vor allen Di»ß geboten.. Der Sieg des konservativen Elements im Trades-Council vielleicht der Organisation zu Gute kommen, die im Anschluß an 'Achtslunden-Temonstration jetzt gegründet werden soll. DasKow»?' das die Statuten ausarbeiten sollte, hat seine Arbeiten bere»-' beendet und den Entwurf zur Diskussion an die Vereine»n Sektionen verschickt mit dem Ersuchen, zu einer auf den 21. 1«? anberauinten Versammlung, in der über die Konstituirung giltig entschieden werden soll, Delegirte mit den entsprechend? Vollmachten zu senden. Tie neue Organisation soll den T>" Das ist von der Arbeit, wiederholte Vallagnosc seinem ironischen Phlegma. Mouret erhob sich lebhaft, als hätte er sich geschämt, st? so zu vergessen. Er nahm seinen Platz im Kreise der Da>>� ivieoer ein und fand seine ganze Liebenswürdigkeit wieder- Ihn beschäftigten jetzt die Wintermode-Artikel, er sprach vo» emer großen Lieferung von Spitzen, und Madame de Bove befragte ihn über den Preis der Alenyonspitzen, sie tvtt vielleicht welche kaufen. Sie war jetzt in ihren Geldver legenheiten so weit, daß sie sich die zwei Franks für eine» Wagen versagen mußte und kehrte jedesmal krank hc% wenn sie die Auslagen angestaunt hatte. In einen Manie gehüllt, der schon zivei Jahre alt war, probirte sie in Gedanken auf ihren königlichen Schultern alle kostbaren Stosp welche sie sah. Dann hatte sie das Gefühl, als würde ma» sie ihr vom Leibe reißen, wenn sie aus ihren Träumereir wieder erivachte tind sich mit ihren alten»»» gebesserten Kleidern sah, ohne die Hoffnung, jemals ust Leidenschaft befriedigen zu können. — Herr Baron Hartmann, meldete der Diener. Henriette beobachtete mit Interesse Mouret, der dem Baron entgegen eilte. Letzterer grüßte die Damen und R- trachtete dann den jungen Mann mit jener Finesse, welch zuweilen sein breites Elsässer Gesicht erhellte., — Immer Toilette, immer Toilette, flüsterte eI lächelnd. Dann fügte er als Vertrauter des Hauses hinzu: — Ein reizendes junges Mädchen befindet sich im V»«' zimmer. Wer ist sie? — O, Niemand, erwiderte Madame Desforges böswilu� ein Ladenmädchen, welches draußen wartet. Die Thür war offen geblieben, der Diener brachte d»» Thee. Und so oft er ging und kam, sah man durch die 3? öffnete Thür einen dunklen Winkel des Vorzimmers G' durch ein Fenster mit matten Scheiben erhellt. Hier" Dunkel«stand geduldig und unbeweglich ein dunkler Schattet Es war Denise; wohl war eine mit Leder überzogene B? da, allein ein gewiffer Stolz hielt sie von dieser Bank Z» rück. Sie fühlte den ihr zugefügten Schimpf. (Fortsetzung folgt.) i rCn.»G e s e tz l i ch e A ch t st u n d e n- und Jnternatio- ''aie Arbeitsliga"(The Legal Eight Hours and Internatio- wi Labour Leagiie), sich als Zweck setzen, durch Agitation, Organi- ul1?!} und politische Aktion für die Durchführung des gesetzliche» >u)tltu»dentages wie der übrigen Resolutionen des internationalen Kongresses von Paris, sowie für die Bildung einer von den alten poulgchen Parteien unterschiedenen Arbeiterpartei zu wirken. Als Lrgan der Liga soll der„People's Preß" dienen. Aus verschiedenen Arbeitervereinen 2c. meistens des East-Ends M sich in neuerer Zeit eine Organisation gebildet, welche den tUlel führt:„Internationale Arbeitsliga und Föderation." Es uywirrt einem ordentlich der Kopf bei den vielen Ligas und Moderationen. Zum Glück ist Hoffnung vorhanden, daß auch der °?ssnvähnte Verband sich der Älchtstunden-Liga anschließt, so daß wirklich eine imponirende Organisation zu Stande kommt, die unerläßliche Vorbedingung einer ernsthasten Arbeiterpartei. Volikisthe Melrevstchk. (Bin grober Unfug der allerschlimmsten Sorte besteht darin, °aß die Wahlproteste, welche bei dem Reichstag eingehen, zur Verwendung außer dem Haus von Mitgliedern abgeschrieben, den Behörden der Wahlkreise, aus welchen die Proteste gekommen sind, Zugestellt— und daß auf Grund der durch solche Indiskretionen erlangten Kenntnisse Versuche zur Einschüchterung der in den Protesten genannten Zeugen gemacht werden. Wir begnügen uns heute, diese skandalöse Praxis, die demnächst im Reichstag zur Sprache kommen wird, hiermit angenagelt zu haben und wollen für heute blos bemerken, daß keiner der sn Wahlprotesten genannten Zeugen wegen seiner rm Wahlprotest veröffentlichen Aussagen verfolgt werden kann. Man lasse sich also nicht einschüchtern, ziehe aber jeden derartigen Versuch zur Beschränkung des Wahlprotest-Rechts, welches eine Bürgschaft des freien Wahlrechts ist, unnachsichtlich an die Oeffentlichkeit. Verrohung der Sitten. Die„Kmizzeitung" entrüstet j'ch wieder einmal über die Verrohung der Sitten der Ar- veiter. Sie läßt sich aus Hagen folgende geistreiche Kor- �ospondenz schreiben: »Im rheinisch-westfälischen Jndustriebezirke läßt die allge- meine Sicherheit sehr zu wünschen übrig, tleberall hört man laute Klagen über die Verrohung der Sitten u. s. w. Ein Menschenleben wird für nichts geachtet und schändliche Mord- thaten, Sittlichkeitsverbrechen, schwere Einbrüche u. s. w. sind wieder so recht an der Tagesordnung. Wir gehen wohl nicht fehl, wenn wir als Ursache dieser Verwilderung der arbeiten- den Bevölkerung einmal das Umsichgreijen der Sozialdemo- kratie, bez. der Gottlosigkeit, und ferner die besseren„Lohnver- Hältnisse" hinstellen. In den siebziger Jahren, als die Arbeiter viel verdienten, waren sie auch auf den» Wege der Moral in starken Defekt gekommen und heute geben sie dasselbe Bild. Kann man sich wundern, wenn in der Morgen Hierselbst be- ginnenden Schwurgerichtsperiode von sechs Fällen vier Sittlich- teitsverbrechen, ein Meineid und ein Todtschlag vorliegen? Wohin werden wir gelangen, wenn da nicht bald Mittel und Wege gefunden werden, die dem bösen Treiben Einhalt ge- bieten?! Erst vorgefrern wurde in Overhausen am hellen Tage ein friedlicher Arbeiter in einer Arena vor den Augen zahl- reicher Zuschauer von drei Arbeitern überfallen und in gräß- licher Weise niedergestochen. Die Feder sträubt sich, um all die Schandthaten, die täglich verübt werden, niederzuschreiben." Woran nicht alles die Sozialdemokratie Schuld sein soll. Nächstens macht man uns vielleicht für die Wirbel- stürme, die alljährlich regelmäßig den Stillen Ocean heim- suchen, verantwortlich. Was würden die Hüter der Kreuz- zeitungsmoral sagen, wenn man wegen der Unsittlichkeit und der Verrohung in Westfalen das Christenthum vcrantwort- Uch machen würde, das dort seit Jahrhunderten, ja selbst Noch heute die einflußreichste geistige Macht ist. Uns fällt das natürlich nicht im entferntesten ein, wir wissen nur zu gut, daß die von der„Kreuzzeitung" gerügten traurigen Er- scheinungen lediglich eine Folge der ökonomischen Verhält- Nisse sind. Dir uereinigten Fealltiouen der deutschsreisiunigen Partei, welche auf Wunsch des Abg. Dr. Virchow durch den Vor- sitzenden des Zentralkomitees, Frei Herrn v. Stauffenberg, zu- lammenberufen waren, versammelten sich am Montag um JLa Uhr in einem Zimmer des Reichstagsgebäudes. Es handelte sich bekanntlich um die Beschwerde der Abgg. Richter und Virchow darüber, daß die Wahl zum Vorsitzenden des engeren(Siebener) Ausschusses durch den Dreizehner-Ausschuß vorgenommen war; daß Ergebniß dieser Wahl war, daß mit 6 gegen 6 Slimmen an Stelle des Herrn Richter der Abg. Schräder zum Vorfitzenden er- üannt wurde. Zu der heutigen Sitzung waren von den 64 deutsch- sreistnnigen Reichstagsmitgliedern 60 erschienen. Es fehlten die Herren Berling, Dr. Siemes, Gutfleisch und Krause. Außerdem waren 12 Mitglieder des preußischen Landtages(außer den Doppelmandataren), im Ganzen also 72 Herren erschienen. Die Sitzung wurde durch Freiherrn von Stauffenberg durch eine längere Rede eröffnet, in welcher er nach' Darlegung des That- bestandes, welcher die Einberufung der Versammlung veranlaßt, ohne selbst irgendwie Partei zu nehmen, Unter Hervorhebung der großen Aufgaben, welche für Vater- land und Freiheit zu erfüllen seien, zur Einigkeit und Ver- sohulichkeit mahnte. Abg. Dr. Virchow setzte darauf auseinander, welche Motive ihn geleitet, als er den Antrag zur Einberufung der heutigen Versammlung gestellt. Wenn auch nicht mit Absicht, so doch thatsächlich, sei statutenwidrig vorgegangen, denn die Wahl des Vorsitzenden eines Kollegiums müsse unter allen Umstanden von diesem Kollegium selbst vorgenommen werden. Es sprachen sodann die Herren Dr. Bamberger und Dr. Baumbach, welche ebenfalls bestrebt waren, sich rein sachlich zu halten, worauf Abg. Eugen Richter zu einer längeren Rede das Wort nahm, auf welchen sein Gegenkandidat Schräder folgte. Für den ersteren trat sodann Dr. Hermes ein, während Dr. Häncl die Giltigkelt der Wahl Schräders verfocht. Ueber den Inhalt der einzelnen Reden haben sich, wie wir hören, die Theilnehmer der Versamm- wng zur GeÄMnhaltung verpflichtet. Die Auseinandersetzungen kamen ni&Mum Abschluß, vielmehr sollen sie am Dienstag Abend fortges�ii�verden. wni Urdaktcnr drs Leipziger„Mähler", Heinisch, von der Gefängnißdirektion in Zwickau die Selbstbe- köstigung versagt worden, und die Sache schwebt jetzt vor dem Ministerium des Innern in Dresden, bei welchem kerne sonderliche Geneigtheit zur Erfüllung des Verlangeiw vor- ausgesetzt werden kann. Mittlerweile hat Heimsch alle Härten der Gefängnißordnung über sich ergchen zu lassen: er muß Gefängnißarbeit verrichten, die gewöhnliche Ge- wesentliches Moment bildet. Der Reichstag wird dafür zu sorgen haben, daß die Frage des Strafvollzugs nicht m das Stadium der Versumpfung gcräth. Der Abgeordnete Friedrich von Wedeli-Malchow, welcher noch am Montag Nachmittag bis zum Schlüsse der Sitzung an den Verhandlungen des Reichstages theilnahm, ist plötzlich nach einem opulenten Diner an einem Schlagfluß verstorben. Er war Vorsitzender des deutschen Landwirthschaftsraths seit 1872, preußischer Landtagsabgeordn eter seit 1866 und im Reichstag Vertreter des 4. Potsdamer Wahlkreises(Prenzlau-Angermünde) von 1871—73 und auf's Neue seit dem Jahre 1877. Der Ver- storbene zählte zur konservativen Partei. Mnßrcgelnng. Wegen Agitirens für den sozialdemokrati- schen Reichstagskandidaten ist der Lehrer Sch. zu K., Kreis Stade, aus dem Dienst entlassen worden. Sch. kam erst einige Jahre vom Seminar und hatte die zweite Prüfung noch nicht abgelegt. Hninbnpg. Hiesige Großkaufleute beabsichtigen dem Fürsten Bismarck ein Haus zu verehren, damit er die Wintersaison in Hamburg verlebe. Die Hamburger haben doch ein fühlendes Herz und einen zarten Sin». Elberfeld. 0. Juni. Die Elberfelder„Freie Presse" schreibt: Die Bismarckmanie der Kartellbrüder treibt immer wunderlichere Blüthen. Nachdem die„Mittelparteien" des gut- katholischen Düsseldorf jüngst ein großes Album dem„Herkules des Jahrhunderts" zum ewigen Nachschlagen dargebracht haben, räuspern sich die Kartellbrüder in dem gutsozialdemvkratischen Wupperthal, um in ihrer Art dem großen Kanzler ihre Huldi- gung darzubringen. Für ganz Deutschland ist ja gesorgt, da soll dem„Schöpfer des Reiches" ein„Nationaldenkmal" errichtet werden, welches das Germaniadenkmal auf dem Niederwald zum mindesten in den Schatten stellt; aber wie die Düsseldorfer, so wollen die Elberfeldec ihre Dankbarkeit noch im Besonderen do- kumentiren. Neben der Bisinarckmanie ist die Denkmalmanie ein hervorstehender Zug unserer Zeit, und da verfielen denn unsere Wupperthaler Bismarckverehrer auf den Gedanken, auf den Bergen unserer prachtvollen Um- gebung, nach Norden, Süden, Osten und Westen, Bismarckthürme zu errichten. Die Elberfelderin macht in fortgesetzten„Einge- sandtartikeln" für dieses großartige Projekt Propaganda. Die Thürme sollen nach Art der Anssichtsthürme hergestellt werden, und welche wunderbare Perspektive wird uns da nicht eröffnet! Als Fundament dieser Thürme könnte man die Kulturkampf- gesetze, das Sozialistengesetz zc. benutzen, das wäre wenigstens solid und würde den Stürmen der Jahrhunderte trotzen. Die Krönung der Thürme müßte die Riesenstatue Bismarcks dar- stellen und jeden Besteiger die Möglichkeit gegeben werden, durch die eigenen Augen des größten Staatsmannes aller Jahrhunderte die herrliche Fügung des mächtigen Staatenbaues zu bewundern, auch zugleich die solide Grundlage des ureigens von ihm und für ihn selbst geschaffenen Kanzlerposten. Crrfrlb, 6. Juni. Mit dem 1. Juli erscheint hier für die Kreise Erefeld, M.-Gladbach und Kempen ein Arbeiterblatt, die „Niederrheinische Volkstribüne". Wie gehässig uns unsere Gegner, speziell„die Schwarzen" bekämpfen, ist des öfteren dar- gethan worden. Eine ihrer Hauptleistungen ist die, daß man uns seit einigen Monaten die Versammlungen unmöglich gemacht hat; selbst unser Volksverein kann für seine Mitgliederversamm- lungen kein Lokal bekommen. Letzterem Uebelstand wird nun allerdings in kurzer Zeit abgeholfen werden. Unter diesen Um- ständen bleibt uns kern anderes Mittel zur Abwehr und Agitation übrig, als eine eigene Zeitung zu gründen, um hierdurch an die öffentliche Meinung appelliren zu können. Die hiesige ultra- montane„Volkszeitung", der die neue Zeitung höchst ungelegen kommt, machte schon vor einiger Zeit die alberne Bemerkung, dem Blatte, welches von einem Seidenweber geleitet werde, seien schon 200 Abonnenten sicher, und hiermit das Unternehmen gesichert." Ersteres trifft nicht zu und wegen der Abonnenten- zahl wolle sich das Blatt keine Sorge machen. Wir werden noch recht oft mit diesem„frummben" Blatte, welches durch einen ehe- maligon Jesciiten geleitet wird, zu kämpfen haben. Also frisch auf zum fröhlichen Kampfe! In Aachen haben der„Köln. Ztg." zufolge Haussuchungen nach anarchistischen Schriften stattgefunden. Mehrere Ver- hastungen sollen vorgenommen sein. Großbvita»ttie«. London, 10. Juni. In der gestrigen Sitzung des Unter- Hauses erklärte der Unterstaatssekretär Fergusson, die Regierung habe keine Mittheilung über irgend welche deutschen Expeditionen nördlich des Gebiets oder hinter dem Gebiete, welches der süd- afrikanischen Gesellschaft gehöre. Die in den Jahren 1886 und 1887 eingegangenen Verpflichtungen, welche von den Deutschen stets geachtet worden seien und ferner geachtet werden würden, beträfen Gebiete, in denen die englischen und deutschen ostafrika- nischen Gesellschaften interessirt seien. Zwischen den betreffenden Regierungen ser vereinbart worden, daß während der Unterhand- lungen der status quo so weit möglich hinsichtlich der in Frage stehenden Gebiete aufrecht erhalten werde. Frankreich. In F r a n k r e i ch ist jetzt ein Fall vorgekommen, der auch dort die Frage der Entschädiungfür unschuldigVer- urtheilte in Fluß bringt. Ein Mann Namens Borras ist wegen Betheiligung an einem Mord zum Tode verurtheilt und dann zu lebenslänglichem Zuchthaus begnadigt worden. Nachdem er drei Jahre lang gesessen, stellt es sich heraus, daß er unschul- dig ist. Das französische Gesetz kennt für diesen Fall nicht einmal eine bürgerliche Rehabilitirung, und so hat der Präsident der Re- publik den Unschuldigen„begnadigt"; er wurde vor die Thür des Gefängnisses gesetzt, nachdem ihm der Prozeß, die Haft und die Suche nach Beweisen seiner Unschuld sein Vermögen zerstört hat, anderer Nachtheile nicht zu gedenken. Einmüthig verlangt zetzt die Presse eine Aenderung dieser Zustände, und bereits ist in der Kammer ein Gesetz-Entwurf angekündigt, der die biirger- liche Ehrenrettung und materielle Entschädigung unschuldig Verurtheilter vorsieht. Aber der Fall hat noch eine größere Tragweite: er kehrt seine Spitze gegen die Todes- ftrafe selbst. Wie leicht hätte der Verurtheilte die ihm zuerkannte Strafe erleiden müssen! Denn in Frankreich besteht nicht blos die Todesstrafe zu Recht, sondern sie wird auch auf Grund juristi- scher Traditionen ziemlich leicht vollzogen. Die Gefahr, daß ei» unschuldig Verurtheilter hingerichtet wurde, lag also ziemlich nahe. Es wäre allerdings nicht das erste Mal gewesen, wie die von den Blättern veröffentlichte Liste der französischen Justiz- morde aus dem laufenden Jahrhundert beweist. Wenn die ange- regte Agitation ihr Ziel erreichen will, so muß sie also die Aa- schaffung der Todesstrafe verlangen. Mit Recht sagt Vacguerie in,„Rappel":„Es nützt nichts, wenn die Justiz erklärt, sie sei nicht unfehlbar. Sie ist in der That nicht unfehlbar, der Fall Borras, nach so vielen anderen Fällen, schreit es zun, Himmel. Aber eine solche Justiz wagt es, zum Tode zu verurtheilen? Eine Justiz, die nicht unfehlbar ist, hat nicht das Recht, eine Strafe auszuspreche», die nicht mehr gut zu machen ist. Man hat nicht das Recht, Einen, den Kopf abzuschneiden, wenn man nicht, für den Fall, daß man sich irrte, ein Mittel hat, ihm den Kopf wie- der aufzusetzen." Hoffentlich kommt die Republik bald zu einem Zustande, der ihrem Wesen mehr Ehre macht als der bis- herige.@' Paris, 7. Juni. Der Minister des Innern Eonstans hat ein Gesetz über die Altersversorgung der Arbeiter ausgearbeitet, welches er dem Finanzminister Rouvier demnächst vorlegen wird. Hiernach sollen etwa 3 Millionen Arbeiter an der Versorgung theilnehmen. Nach dreißigjähriger Arbeit soll die Altersrente bei einen, jährlichen Beitrage von 35 Frks. zwischen 240 und 360 Franks betragen. Die Durchführung des neuen Gesetzes wird für den Anfang eine jährliche Ausgabe von 2Va Millionen Franks beanspruchen. Paris, 10. Juni. Gestern Abend fand, einem Telegramm des„B. T." zufolge, unter Betheiligung des Deputirten Ferroul und des Stadtraths Vaillant ein großes Protestmeeting der Marxisten gegen die Verhaftung der russischen Nihilisten statt. Guesde will diese Entrüstungmeetings auf die Provinz ausdehnen. Guesde ergriff gestern das Wort und begann folgendermaßen: „Die französische Presse protestirt nirgends gegen die Verhaftung der russischen Revolutionäre, denn in Paris herrscht augenblicklich das russische Gold. Wenn man uns vor zwanzig Jahren gesagt hätte:„Die Republik verhaftet fremde Geächtete"; dann hätten wir geantwortet:„Ihr verleumdet die Republik!" Aber nicht nur russisches Gold herrscht in Paris, sondern auch die russische Polizei. Kaum hatten die Verhaftungen stattgefunden, so kam hier auch schon ein Mitglied der dritten Abtheilung, Oberst Popoff, an. Seitdem leitet nicht mehr der Polizeipräfekt, sondern Popoff die Operationen." Guesde protestirte dann heftig gegen die russische Allianz, die, selbst wenn mit ihrer Hilfe Deutschland besiegt wäre, die asiatische Barbarei über den Westen Europas bringen werde. Schließlich ward eine Tagesordnung angenommen, in welcher die Verletzung des Asylrechts durch die französische Regierung getadelt und den russischen Verhafteten der Ausdruck der Sympathie übermittelt wird. Vavlntnenkaripcktes. Die Dlahlprüfungs-Kommisston, welche gestern ihre erste Sitzung nach dem Wiederzusammentritt des Reichstags abhielt, erklärte die Wahlen der Abgeordneten Kaufmann(Wiesbaden) deutschfreisinnig, Freiherr von Minnigerode(13. Hannover) Welse, Raeithel(Hof) deutschfreisinnig, Schneider(7. Arnsberg) national- liberal für giltig. Von den einzelnen Wahlen führte besonders die des Abgeord- neten Raeithel, der nur mit einer Majorität von 88 Stimmen gewählt ist, zu einer sehr eingehenden Debatte. Im Wahlbezirk Schönwalde,(des Kreises Hof soll nämlich nach einer von dem Förster Oskar Müller aus Sophienreuth erstatteten Anzeige die Oeffentlichkeit der Wahlverhandlung dadurch ausgeschlossen worden sein, daß im Laufe des Nachmittags 5—8 Minuten die Thür zudem Wahllokal verschlossen blieb. DieseMaßnahmedesWahlvorstandes, vorausgesetzt, daß die Behauptung des Förster Müller sich als richtig erweist— wurde zwar nicht als so erheblich erachtet, daß davon eventuell die Giltigkeit der Wahl abhängig zu machen sei, wohl aber soll der Reichskanzler ersucht werden, eine Untersuchung des Falles zu veranlassen und dem Reichstag über das Ergebniß derselben seiner Zeit Mittheil, mg zukommen zu lassen. Gelegentlich der Prüfung der Wahl des Abgeordneten Schneider(Arnsberg) wurde konstatirt, daß der Wahlkommissar, in direktem Widerspruch mit d»w Bestimmung des Artikels 13 des Reichswahlgesetzes, wonach über die Giltigkeit der Wahlzettel, mit Vorbehalt der Prüfung des Reichstags, allein der Vorstand des Wahlbezirkes zu entscheiden hat,„ngiltig erklärte Stinnnzettel für giltig erklärte und so eine ihm nicht zustehende Korrektur des Wahlergebnisses vornahn,. Auf das endgiltige Wahlresultat hat diese unzulässige Maßnahme des Herrn Wahlkommissar allerdings keinen Einfluß gehabt, aber die Kommission glaubte doch, den den Fall speziell hervorheben zu sollen, um der Regierung Anlaß zu geben, dafür zu sorgen, daß der betreffende Beamte über den Umfang seiner Pflichten und Aufgaben eines Besseren belehrt werde.— Nächste Sitzung Donnerstag. Die Abgg. Auer und Gen. haben die Einstellung des gegen den Abg. Stadthagen wegen Beleidigung und wegen Haus- friedensbruchs anhängigen StrafvePahrens, sowie das gegen den Abg. Schmidt(Sachsen) wegen Beleidigung anhängigen Privat- klageverfahrens beantragt. J!er Kericht der Reichstags-KKmmission zur Vorberathung esetzentwurfs bereffend die Gewacbegerichte»st zur Vertheilung gelangt. Ein neuer vierter Abschnitt ist auf Antrag Miquel ein- geffigt worden als§ 63 a:„Das G ewerbegericht ift verpflichtet, auf Ansuchen von Staatsbehörden olziw des Vorstandes des Kom- munalverbandes, für welchen dasselbe errichtet ist, Gutachten über gewerbliche Fragen abzugeben, und kß.nn zu diesem Behuse Aus- fchüsse aus seiner Mitte zur Vorprüfung derselbe» bilden. Diese Ausschüsse müssen, sofern es sich um F ragen handelt, welche die Interessen beider Theile berühren, zu gleichen Theilen aus Arbeit- gebern und Arbeitern zusammengesetzt stein. Das Nähere bestimmt das Ortsstatut. In gleicher We,se ij: das Gewerbegericht berechtigt, in gewerblichen Frage», welch« die seiner Ger,chtsbarkeit unterstehenden Bettiebe berühren, Anträge an Behörden und an Vertretungen von Kommunalverbänden zu richten." In der Debatte wurde bemerkt, eine Thätigkeit der Gewerbe» aerichte nach dieser Richtung sei um so erwünschter, wo Gewerbe- kainmern fehlten. In Ländern aber,« o Gewerbekammern mit derselben Aufgabe beständen, könne trcPde», eine derartige Be- stimmung Bedenken nicht erregen, eine idompetenzstreittgkeit könne nicht eintreten. Vom allgemeinen Standpunkt sei erwünscht, daß in gewerblichen Fragen unparteiische Gwtachtcn abgegeben wür- den, namentlich bei den heuttgen vielfachen sozialen Schwierig- leiten. Bedenken gegen eine solche ZJätigkeit der Gewerbegerichte seien nicht zu erheben. Zur flledründung des letzten Satzes wurde angeführt, daß das vorgeschlagene Recht die Er- gänzung der Pflicht zur Antwortertheilunxi sei, und die Gewerbe- geeichte noch mehr die Funktionen von Gewerbekammern ausüben könnten. StrSvikerUenreauna. In Leipzig fand am 7. Juni eiv.e Versammlung der Schmiede statt, in welcher über den Verlans des zu Pfingsten in Halle a. S. abgehaltenen deutschen Schmied Stages berichtet wurde. Es waren dort 42 Vertreter aus 37 Orten anwesend. Die Lage der Gewerkschaft wurde allgemein als eine teuurige, am günstigsten in Hamburg, am ungünstigsten in Breslau dargestellt. Bei Ge- Währung von Kost und Wohnung beträgt t«er Wochenlohn in den östlichen und westlichen Provinzen 3—6 2)1. bei 11— 13stündiger täglicher Arbeitszeit, ohne Kost und Wohmtng der Stundenlohn für Schirrineister 28—35 Pf., für Stockgesellen 23—26 Pf. Der Kongreß riech als geeignetstes Mittel zur Hebung dieser Verhält- nisse die Gründung einer zentralen Organisaüion der Gesellenschaft über ganz Deutschland an. Die Versammlung trat den Kongreß- beschlnsse» bei. Dir Maler in Magdeburg haben der„Franks. Ztg." zu- folge beschlossen, nochmals mit den Meistern, in Unterhandlung zu treten. Es soll den Meistern anheim gegeben werden, eine Kommission zu wühlen, die mit den Vertrauensmännern der Ge- Hilfen verhandeln könne. Im Falle die Meister auf diesen Vor- schlag nicht eingehen, soll die Gründung eines Bureaus in Aus- ficht genommen werden, das sich mit der Annahme und Vergebung von Malerarbeiten beschäftigt. Die Unternehmer haben jedoch diesen Vorschlag abgelehnt. DrnckfitzUrbrrichtignng. In der Notiz: Ueber die Streikbewegung in Hamburg, die uns von Herrn W. Metzger zu- gegangen war, sind einige Druckfehler stehen geblieben. 'Auf Zeile 24/25 muß es heißen: Die Annahme basirt... auf der.... unbegründeten Auffassung; auf Zeile 34 ist nicht: glaube sondern„glaubt" zu lesen und aus Zeile 35 soll es heißen:„dagegen nehmen wohL" Theater. Mittwoch, den II. Juni. Vpernhaus. Ein Maskenball. Schaujpirlhituo. Die Geier-Wally, Lrssing- Theater. Der Fall Cle- meneeau. Friedrich-IMUHelmltädt. Theater. Der arme Jonathan. Wailner- Theater. Mamsell Ni- tonche. Viktoria-Theater. Stanley inAfrika. Berliner Theater. Dr. Wespe. Deutsches Theater. Der Nichter von Zalamea. Ostend-Theater. Marie, die Tochter des Regiments. Kellrallianre- Theater. Der Nau- tilus. Kroll's Theater. La Traviata. Kanfmaun's Unristö. Große Spe- zialitäten-Vorstellnng. Hasenhaide Ansstellungs-Park. 1811] 16 Eingeborcno ans dem Kltni-Lando. Vorstellung und Produktion von Nachm. 4—9 Uhr Abds. stündTch. Englischer Karten. Direktion: C. Andreas, Alexanderstraß e 27 c. Auftreten d. Liedcrsnngerin Frl. Steinow. Auftreten des Gesangshuchotisten Herrn Jonas. Auftreten des Konukers, Mimikcrs und Stimmen-Jmitators Herrn Gikiicke. Austreten der Geschwister Herzog. Austreten des musikalischen Kloivn Mr. de Volks. Neger- EtMemut Bii< iggenliagen am Moritzplatz. Täglich: Grosses Gartcn-Con:ert. Direktion A. Vödinana. Dienstag und Freitag: Walze, r- Abend. FilltlW» Wochentags 10 Flg., Ijlllicc gönn* und Festtaiis 25 Pfg. Be, ungünstiger Witterung in den unteren lliestaurationsrännien. Großer Frühstücks, und Mittagstisch. Spezial-Ansschank von Pwzenhoser Export-Bier, Seidel Vi Ps. Die oberen Säle bleiben bis auf Weiteres wegen Nenoviruna geschlossen. «41 F. Müller. Pastage 1 Tr. 9 Nhr M. K 10 Nhr Älb Kaiser-Panorsima. Hervorrag. Sehenswürdigk. d. Residenz. In SÜW dieser"SB® Woche: Zum e r st e n Male: iljtierte Reise durch die Pyresiäen. Neu! st um erstem Male: Hochinteressant: /Liam. Eine Reise 20 Pf., Kind nur 10 Pf. Älbomienient 1 M. Jede Ahr 9,90 M ark unter Garantie des Gr t- und Richtig- gehens. Kl. stieparaturen entsp. billig. 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Matrosen, Arabern je. Große öffentliche Versammlung siimmtl. Maurer n Nutzer Berlins und Umgegend am Donnerstag, den 12. Jnni, Abends S'/e Uhr, Friedrichshain, früher Lips. in der Aktienbrauerei Tages-Ordnnng: I. Die Vorlage der neuen Gewerbeordnung. Alb. Schmidt. 2. Stellungnahme zn der beabsichtigten Zentral-Streik-� kommission. 3. Die Lage des Hamburger Streiks. 4. Verschiedenes. Eine recht rege Betheiligung erwartet Der Einbem Referent: Reichstags-Abg. ontrol- [1815 Einb erufer. Gr. öffentl. Versammlung der Tabckckiter und Arbeiterinuen Berlins und Umgegend am Donnerstag, den 12. Jnni, Abends 8 Uhr, im Königstadt-Kasino, Holzmarktstraße Nr. 72. Tagesordnung: 1. Die Beschlüsse und Verhandlungen der letzten Generalversammlung des U.-V. D. Tabakarb. in Verden. Ref.: L. Dochand u. H.Werner. 2. Beschlüsse der letzten Delegirten-Versammlung. 3. Wie stellen sich die Tabakarbeiter zur Gründung einer Lokal-Fach- Organisation? 4. Stellungnahme zur Zentral- Streik- Kontrolkommission event. Wahl von drei Delegirten. 5. Verschiedenes.[1812 Wegen der Wichtigkeit und Vielseitigkeit der Tagesordnung wird gebeten, zu dieser Versammlung recht zahlreich und pünktlich zu erscheinen; es wird präzise angefangen. Oer Einberufer. Ach chiiWe Versummlnug aller Lackirer BerL u. Umgeg. am Sonnabend, den 14. Juni, Abds. S'/a Uhr, in Scheffer's Salon, Jnselstr. 10. Tagesordnung: Beratlmng des von der Kommission ausgearbeiteten Lohntarife. Diskussion und Verschiedenes. KoUegr«,«rfcheint Alle Plann für Plann. 1810] Die Lohnkommission. Wntlch- Versllmmlnng am Donnerstag, den 12. Juni, Abends 8 Uhr, in der Ahrens' schen Kranereiz Moabit. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Herrn Pens über:„Pflicht und Recht der öffentlichen ethätigung. 2. Wie stellen sich die Berliner Steinmetzen zur Wahl der Zentral� Streik-Kontrolkommission event. Wahl derselben. 3. Verschiedenes. Um zahlreiches Erscheinen ersucht Der Cinberufer. 1799 Achmdeiltl. WlmlmsllWl. der Modelltischler Kerlins n. Umgegend am Montag, den 16. Jnni, Abends 8 Uhr, im Restaurant„Uedding", Müllerstr. 178. Tages-Ordnung: Auflösung des Vereins. Jede» Mitglied ist verpflichtet, zu erfcheiue». 1809 Große öffentliche Versammlung silmtlicher arbeltSlosell Mmirer, Pchr md Zimmerer am Donnerstag, de» 13. Jnni, Dormittags 10 Uhr, im Kaale der„Berl. Bock-Brauerei", Am Tempelhofer Kerg. Tagesordnung: 1816 1. Die Lage des Hamburger Streiks.(Referent kommt von Hamburg). 2. Diskussion. 3. Verschiedene?. Dao Erscheinen aller Arbeitolofe» ist dringend nothmrndig. Oer Einberufer. Große Versammlung. Tages-Ordnnng: 1, Vortrag des Reichstagsnbgcordneten Wilhelm Liebknecht über: Die Aufgaben des neuen Reichstages.— 2. Diskussion.— 3. Verschiedenes und Fragekasten.— Gäste willkommen.— Aufnahme neuer Mitglieder.— Um zahlreichen Besuch ladet ein Der Dorstand. Verein znr Wahrung der Interessen her Wollarbeiterinnen. Donnerstag, 12. Jnni, Abenvs 8Va Uhr, in Jordan's Salon, Nene Grünstr. 28: Mersammlung. T a gcsordnung: 1. Vortrag. Referent: Stadtverordneter O. Heindorf. 2, Diskussion. 1802 3. Aufnahme neuer Mitglieder. 4. Verschiedenes. Herren und Damen als Gäste haben Zutritt.— Zur Deckung der Un- kosten findet Tellersammlung statt. Der Dorstand. « e GNWe Mlg-MMMW Heute, Mittwoch, den II. Jnni, Abends 8Ve Uhr. im Lokale Königsdonk, Gr. Franksnrterstr. 117* Tagesordnung:...... 1. Wie stellen sich die Arbeiter Kerlins zum große» Weber- streik in Greiz. Referent: Stadtv. Otto Heindorf. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Alle Gewerkschaften werden hierz» ringelade». 1318] Der Einberufer: 01. Kurfze. Complet in 15 Lieferungen ä 20 Ff. Wiederoerkäufern Rabatt. W Das l. Heft der zweiten Auflage ist soeben erschienest und durch unsere Expedition, Beuthstr. 3, zu beziehen.� Und in so kimer Ztib' l getrocknef... »mWi-KImMW i! Ja das ist Sutep'sche Fussbotfen- Glasur-Lack-Farbe und kostet nur 75 Pf. das Pfund. W trocknet in 4— 5 Stunden hart und glänzeng, macht das Ueberlackieren überflüssig. 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Gnbela, Forsterstt. 57, 1 Tr.[1808 [180 Unser Budiker Gnaor Er hat den meisten Draht, Wiro er heute knickrig sein, Wird er nächstens Fettschnute sc»«. Die gratulii-enden Kegolbrüder Bahn Tischler- Verein« Den Mitgliedern zur Nachricht, daß das Mitglied l805 Heinrich Godemann am 8. Juni 1890 gestorben ist. Beerdigung findet am Mittwoch, dea 11. Juni, Nachmittags 6 Uhr von der Leichenhalle des neuen Jakobi-Kirchhol� ans statt. Der Dorstand. enoffen zur Itah-tung i Allen Freunden und Genos Nachricht, daß das Kränzchen des„Ranchklnb Angra Pequena" am Sonnabend» den 14. Inn» 1800, im Salon des Herrn Fenske, Lands' bergerstraße 67, Abends 8 Uhr' stattfindet. W" Alle Freunde und Gönner sind hierzu freundlichst eingeladen. _ Der Vorstands Andreasstr. 83 Im Tuchgeschäft Prinzeustr. 53, gegenüber der Turnhalle: Herren- und Knaben* Anzüge, Paletots, sowie Damenkleider etc. Auf Wunsch anch gegen Theltzahlungen. 1764| Platinabfälle, wie Draht ans Glu� lampenu. kauft Berg vite.Dragonerstr.-!'. 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Levehow eröffnet die Sitzung mit folgenden nw-: öch habe dein Hause eine erschütternde Mittheilung zu Men. Der Abg. v. Wedell-Malchow, welcher gestern unserer tz»ng noch in alter Frische und Rüstigkeit bis zum Schlüsse .gewohnt hat und kurz noch vor dein Ende derselben init mir % Rücksprache hatte, ist gestern Nachmittag 7'/a Uhr plötzlich »norben. Mit inir war der Dahingegangene seit langer Zeit «Meundet, und eine große Zahl von Mitglieder» stand dein 'ebenswürdigen srischen, allgemein hochgeachteten Kollegen, einem satter Senioren, einem der Hervorragendsten unter uns, be- Widers nahe. Sein Andenken ivird unter uns fortleben. Zu (iS desselben wollen Sie sich von Ihren Plätzen erheben. geschieht.) m Vorlage ist der Antrag, betreffend die Errichtung eines 'lationaldenkmals für Kai s e r W i lh elm 1. einge- »Hilgen. Auf Antrag des Abg. W i n d t h o r st ivird das bisherige nur r dir ersten vier Wochen geivählte Präsidium für die Dauer Session wiedergewählt, und zivar der Abg. v. L e v e tz o w q Präsidenten, und die Abgg. Graf Ballestrem und . au in b a ch zum ersten, beziehungsweise zweiten Vizepräsi- «ehine' sämmtlich mit Worten des Dankes die Wahl an- feicht1 folgt die Interpellation des Abgeordneten Den Herrn Reichskanzler erlaube ich mir zu fragen: Wie denkt der Herr Reichskanzler über die Fortdauer der in den letzten Jahren für E l s a ß- L o t h r i n g e n erlasse- nen besonderen Bestimmungen in Betreff der P a ß p s l i ch t und der Aufenthaltsbeschränkungen? . Auf die Frage des Präsidenten, ob und wenn der Reichs- anzler gewillt sei, die Interpellation zu beantworten, erklärt Reichskanzler v. Caprivi: Sofort. ®ov?Ut �bründung der Interpellation erhält darauf das g.. Abg. Richter: Der neue Herr Reichskanzler erklärte im 'idgeordnetenhause seine Bereitwilligkeit, bisher zurückgehnl- .che Wünsche und Gedanken von neuem zu prüfen, und °>ese Aeußerung wurde allseitig mit Beifall ausgenommen. Es chche falsch, alle schwebenden Fragen noch in dieser Sommer- mfivn zu erörtern, aber es schien meinen Freunden angezeigt, Misse Fragen, die ans den letzten Regierungsjahren des Fürsten Wmarck herrühren und in weiteren Kreise», in der öffentlichen Meinung wenig gerechtfertigt erschienen sind, erneut zur parla- ?ttitarischen Erörterung zu stellen. Deshalb stellten wir die Interpellation über den schweizerischen Niederlassnngsvertrag n»d freuen uns, daß diese Interpellation, bevor sie zur VerHand- "Mg gekommen ist, durch die Vorlage eines neuen Vertrags er- Migt ist, der von dem Streitfall, der zur Kündigung Veranlassung ?ad, absieht. Eine Zeit lang schien es, als ob auch die vor- ichende Interpellation vor ihrer Verhandlung erledigt werden chirde durch die Anfhebnng der Paßpflicht und der Aufcnt- chltsbeschränknngen, die für das Elsaß 1388 eingeführt pb. Deshalb und weil verlautete, daß im Schooße „ch Regierung Erörterungen darüber schivebcn, hielten rf die Interpellation längere Zeit zurück. Es heißt ja, in Bezug ans die praktische Handhabung der Paßpflicht Öffentliche Erleichterungen eingetreten seien. Dies ist wohl sür üch ef-injofnon 8T)ti heninn bebt aber nicht die allgemeinen np' Einzelnen eine Milderung, hebt a"A>theile der Paßpflicht und der Aufenthaltbeschränknngen auf. elsässischen Landesausschuß ist vor wenigen Wochen der An- ch auf Aufhebung der Paßpflicht nach sehr kurzer Diskussion Hltinmiig angenominen worden, auch von den Mitgliedern, die frisch deutschfreundlicher Gesinnung sind. Die Regierung wßerte sich im elsässischen Landesausschuß nicht, und das erklärte Mn naturgemäß daraus, daß Erörterungen innerhalb der Regie- ?"ig in dieser Richtung schweben. Wir haben in der Fassung ,*x Interpellation vermieden, irgend eine Schärfe in die Auge- chfnheit hineinzutragen und die Interpellation in der denkbar Wachsten Form gesaßt. Als der Abg. Petri für Straßburg in if* vorigen Session klar und erschöpfend die Sache besprach, er- Mit xr dix formal ablehnende Antwort von der Regie- „'ch. daß die Älngelegenhcit vor den elsässischen Landes- LZchuß gehöre. Ich hoffe nicht, daß eine solche sormale Einrede ni�vial wieder gemacht wird, weil, wenn notorisch der sruhere Mlchskanzler zu diesen Maßregeln angerathen hat, und wenn ,'!ch die elsässiche Regierung zunächst die Verantwortung dafür ».cht, sw doch einen integrirenden Theil der Reichspoll lik darstellt. Materiell wird nicht bloS das Elsaß betroffen, sondern auch das Wische Reichsgebiet und besonders das Finanzinteresse der Reichs- .Anbahnen, welche jetzt mit einem Drittel der planmäßigen Zuge zusamuienges chrnmpften Fremdenverkehr zwischen Teutschland »�.Frankreich bewältigen können. Jetzt, wo alle Staaten Ber- chrserleichternngen einsühren, wirken diese Erschwernngeu des 5/Aehrs, die Stothwendigkeit der Beschaffung eines Vlsmns auf ,'ii Paß, der damit verbundene Aufenthalt, al.e diese Weitlausig- „iteu und Verdrießlichkeiten überaus nachtheilig auf die betrosse- chn Routen. In den Kurorten der deutschen Vogesen herrscht vme erschreckend� Leere. Besonders wirken die Beschränkungen aus J" Unmittelbaren Nachbarverkehr zwischeil Elsaß und Frankreich, aus ,7«verivandtscha>tlicheu. frel.ndscha,tlichcn, persönlichen und geschalt- uchen Beziehungen aller Art. Uec er die Entstehungsgrunde dieser Map- suchen wollte, vom Pr.fekten in Nancy die Erlaubmp dazu "'cht erlangen konnte und an der Grenze abgewiesen wuroe. D.e xAorddeulsche« beklagte infolgedessen sich über die sranzösifche Be- Mt>e. welche antwortete, der Deutsche sei zurnckgewlesen, iveil er 14 als Gewerbetreibender niederlassen wollte und die gesetzlich m Lästige zu unterdrücken. Nach dem Eindruck der Verhandlungen des elsässischen Laiidesausschusses wirkt das Fortbestehen dieser Maßnahmen mehr agitatorisch ungünstig für Deutschland als die Agitatoren persönlich wirken könnten, insofern es Verstinimimg gegen die deutschen Behörden erweckt. Nach elsässischen Blättern sollen es die Behörden als ein besonderes Aergerniß empfinden, daß junge Leute, die durch Option oder Auswanderung sich dem Militärdienst entzogen haben, srank und frei nach dem Elsaß zurnckkommen und gegen- über ihren Altersgenossen paradiren, die der Militärpflicht unter- worfen sind. Ich habe für ein solches Aergerniß volles Ver- ständniß, aber wenn sich dieses Bedenken auf eine so beschränkte Zahl von Personen bezieht, kann inan doch geeignete Maßnahmen ohne allgemeine Beschränruiigen treffen. Ich hoffe, daß der Reichs- kanzler dieser Frage sein Studium zuwenden wird und daß es ihm gefallen möge, die Aufhebung der Paßpflicht und der Aufent- haltsveschränkungen noch weiter in Erwägung zu ziehen. Ich habe diese Interpellation nicht gestellt auS irgend einer Freundlichkeit gegen Frankreich etwa, sondern in deutsch- nationalem Interesse, iveil wir alles entfernen müssen, ivas der Erreichung des Ziels entgegensteht, daß wir jene altdeutschen Lande, die uns Jahrhunderte lang entsremdet waren, nicht mir äußerlich, sondern auch innerlich immer enger wieder mit Deutsch- laud verbinde». Reichskanzler v. Caprivi: Was den Wunsch des Herrn Abgeordneten Richter angeht, ich möchte mich mit dieser Frage eingehend beschäftigen, so bin ich demselben zuvorgekommen. Seit meinem Eintritt in's Amt hat diese Frage mich beschäftigt. Ich sehe davon ab, die formale Vorlage hier zu stellen, ob der Gegen- stand hierher oder nach Straßburg i. E. gehört. Ich kann es um so leichter, als ich mich in Bezug auf die Behandlung der Frage in vollkonimener Uebereinstiinmung mit dem Herrn Statt- Halter von Elsaß-Lothringen befinde. Nachdem in den siebenziger und im Anfang der achtziger Jahre eine Reihe von Hochverrathsprvzcffen gegen Spione bei deutschen Gerichten geführt worden waren, hat es sich zur Evidenz herausgestellt, daß die Reichslande von einem Netz von Spione» nnigeben waren, das trotz einiger glücklicher Griffe nnd einiger erfolgreich geführter Prozesse zu vernichten nicht gelang. Die Zahl der Franzosen, die sich in Elsaß-Lothringen aushielteN, wuchs fortwährend. Bon etwa 15 Tausend im Jahre 188t wuchs sie auf 19 Tausend im Jahre 1888, und darunter war eine überraschend starke Zahl von solchen Personen, die, sei es als beurlaubt, noch aktiv der französischen Armee angehörten oder der Territorialarmee, oder sonst in einem Verbände zur französischen Armee gestanden hatten. Neben dieser militärischen Ueberivachung der Reichslande durch Personen, die dem Staate unseres westlichen Nachbarn angehörten, ging eine andere Agitation, die ja in Ihrer aller Gednchtniß noch lebhast genug vorhanden sein wird. Ich darf nur an die Patriotenliga er- innern. Gestützt ans diese Thatsachcn, über die eingehendes Material vorliegt, ivurde die Reichsregierung vor die Frage ge- stellt: Kann das im militärischen Interesse so weiter gehen oder leidet die Sicherheit der Reichslande unter diesem Znstande? Die Frage wurde von den kompetentesten militärischen Stellen bejaht: das Rcichsland litt unter diesem Znstande, es mußte» Maßnahmen dagegen ergriffen werden. Der Reichskanzler trat in Verbindung mit der nichtbetheiligten Regierung, mit der Re- giernng in Elsaß-Lothringen. Man verhandelte hin und her, und keineswegs leichtsinnig ist der Entschluß gefaßt worden, die Paßpflicht in Elsaß-Lothringen einzuführen. All' die Bedenken, die mit oer Zeit erhoben worden sind, sind schon damals zur Sprache gekommen. Trotzdem aber faßte mau de» Entschluß, den Paßzwang ein- zuführe». Es waren nicht diese Motive allein, die dahin führte», sondern es big noch ein anderes vor: ein Motiv, von dem es inir auffällt, daß der Herr Abgeordnete Richter es nicht genannt hat. Ich wurde vielleicht mit Rücksicht auf meine Stellung es nicht ganz so scharf fornililirt haben, wie sein Parteigenosse Herr v. Stauffenberg es in einer Sitzung imJahre 1889 ausgesprochen hat: „DiePaßverordnimg hat den Zwect gehabt, den wir Alle mit einander billigen, und zwar im höchsten Grade; dieBande mitFrankreich soweit wie möglich allfzuhebeii nnd die Germanisirnng von Elsaß- Lothringen zu beschleunigen". Es war eine Thatsache, daß, ob- wohl wir 17 Jahre die Freude hatten, die Reichslande wieder deutsche nennen zu können, die deutsche Gesinnung keinen Schritt vorwärts zu gehen schien. Mau stand vor der Frage: Was kann geschehen,»m den Reichslanden das Teutschiverden zu er- leichtern? Ich glaube, in der Beziehuiig können die verbündeten Regieruugeii lind speziell die Regierung von Elsaß-Lothringen ein gutes Gewissen haben; an mildem und ivohbvoüendeui Entgegen- kommeii hat es nicht gefehlt.(Sehr richtig! rechts.) Das Mittel hatte nicht gesrnchtei; inan mußte sich nach an- deren umsehe», und eS blieb nur übrig, den Grenzgraben, der Elsaß-Lothringe» von Frankreich trennt, zu vertiefen, wenn man den Elsaß-Lothriiigern das Bewußtsein geben wollte, daß diese Grenze eine definitive sei. Aus diesen Umständen ist die Paßverordnung entstanden. Sie wurde am 22. Mai 1838 erlassen. Am Tage darauf erging eine Verordnung über die Aufenthaltserlailbniß in Elsaß- Lothringen von derselben Stelle, vom Statthalter aus. Was die letztere Verordnung angeht, so ist sie nur etwa 11 Monate in Kraft geivesen nnd dann ausgehoben worden. Man hatte die Frage nufgeworsen: Sind diese beiden Verordiuingen, die über den Paßzivang und die über den Aufenthalt, mit dem Frank- furter Frieden vereinbar oder wird eine Verpflichtnng, die wir in diesem Frieden gegen Frankreich eingegangen sind, durch eine der beiden Verordnungen verletzt? Mein Herr Amtsvorgänger forderte das Reichsjusttzamt zu einem Gutachten ans, und das Gutachten fiel dahin aus, daß durch die Verordnung über die Paß- pfticht eine Verletzung des Art. 11 des Frankfurter Vertrags nicht stattsiiide. Der Art. 1 1 sichert der französischen Nation dem deutsche» Reiche gegenüber die Rechte der Meistbegünstigten zu. Anders fiel das Gutachten des Reichsjastizamtes in Bezug auf die zweite Verordnung aus. Es wurde darin ausgeführt, man könne ja behaupte», daß die ganze Klausel von den Meistbegünstigten in diesen, wie in früheren Friedensverträgen sich auf Handel nnd Wandel bezogen hätte, nicht aber auf solche Akte des bürgerlichen Lebens, die Polizcivorschristen unterstellt sind, die der Gesetz- gebung des anderen Staates unterliegen. Indessen, um unter allen Umständen nicht den Schein ans die deutsche Regierung zu laden, als sei sie geneigt, illoyal gegen Frankreich zu handeln, wurde die Aushebung der zweite» Verordnung, also der über den Aufenthalt, beschlossen. Wenn auch jetzt noch in Bezug ans den Aufenthalt, abgesehen von der Verordnung über den Paßzwang, hier»nd da polizeilich eingeschritten wird, so geschieht das in dem Nahmen desjenigen guten Rechtes, das jeder Staat für sich in Anspruch nehmen muß, wenn die öffentliche Ruhe und Ordnung durch das Zuziehen Fremder gefährdet zu werden scheint. Es wird der Franzose nicht anders behandelt, als jeder andere Fremde; nur tritt ersterer massenhaster ein nnd giebt hier und da der Polizei eben mehr Anlaß zu Bedenken, er könnte schädliche Dinge treiben, als das von anderen Nationen geschieht. Wenn ich hiermit glaube, die Frage des Herrn Abg. Richter über die Ailfenthaltsverordnung erledigt zu haben, so bleibt mir noch übrig, auf die Paßverordming näher einzugehen. Es war nun, Ivas diese Verordnung angeht, nothwendig, eine Reihe von polizeilichen Ausführuiigsbestimmungen zu geben. Diese Aus- führungSbestimmungen sind lokal verschieden erlassen worden. Ich kenne sie gar nicht alle; es mag sein, daß hier und da auch ein- mal eine zu harte, eine zu weitgehende getroffen worden ist, aber im Ganzen glaube ich anuehmeii.zu dürfen, daß die Polizeibehörden korrekt in Ausführung des Paßgesetzes gehandelt haben. Nun sind die Klagen, die der Abg. Richter zur Sprache bringt, ja in ungleich schärferer Weise schon anderwärts und in der Presse zu Tage gekommen. Also es lag nahe, als ich in das Amt trat, die Frage ausziiiverfeil: kann die Paßverordnung auf- gehoben werden, oder nicht? und was mich angeht, so ist mein Rath dahin gegangen, sie nicht aufzuheben. Eine völlige Auf- Hebung dieser Verordnung halte ich zur Zeit für unmöglich. Der Herr Abg. Richter sagt: Man braucht nicht präventiv einzu- schreiten, man kann abwarten nnd dann einschreiten. Wir wür- den aber da genau die alten Zustände wiederbekommen, die ivir gehabt haben, wir kommen faktisch weiter— und das hat der Erfolg bewiesen— durch das jetzige Verfahren, indem wir den Eintritt in das Reichsgebiet denjenigen Leuten, von denen wir Gefahren besorgen, von Haus aus abschneiden. Der Herr Abgeordnete hat selbst den Punkt berührt, der nach meiner An- schailiing der wesentlichste ist und der uns noch ans lange an der vollständigen Aufhebung der Paßverordnung hindern wird, das ist der Aufenthalt aller derjenigen Personen in Elsaß-Lothringen, die mit der französischen Armee in einer oder der anderen Ver- bindung stehen. Es liegt ja doch ganz auf der Hand, daß daS Deutsche Reich nicht französische Offiziere in solchen Jagdgründen ihrer Passion nachgehen lassen kann, von denen wir in erwaigen künftige» Kriegen die Möglichkeit nicht ausgeschlossen sehen, daß sie zum Schlachtfeld iverden können; wir können doch nicht dul- den, daß Mitglieder der französischen Armee sich in großer Zahl da einmiethen, wo sie etwa Beobachtungen machen können, die dem Deutscheli Reiche schädlich sein können, wir würden das ebensowenig wie von den Franzosen von irgend einem Mitglied irgend einer Nation dulden, und die Franzosen handeln ganz genau ebenso gegen uns, sie können auch gar nicht an- bers; das ist eine Pflicht der Selbsterhaltnng, oie jeder Staat sich schuldig ist. Wir haben iiiis nicht eiiimal gewundert; es ist, soviel ich iveiß, nicht ein einziger Schritt geschehen gegen das sranzösifche Spionagegesetz, das gegen viele Deutsche viel schärfer eingeschritten ist, als wir gegen die Franzose». Nun kommt dazu die ganze Klasse der Optanten nnd Derjenigen, die ihre Staats- angchörigkeit anfgegebe» haben, ohne eine andere zu erwerben. Sagen Sie doch einmal selbst, was treten in einem kleinen Dorfe für Verhältnisse ein, wenn der Eine ausgehoben wird und die Anderen daneben stehen und ihn auslachen: Warum hast Du nicht optirt? Wir leben so gut hier wie Du, wir haben dieselben Vortheile, das Deutsche Reich schützt uns, seine Gesetze kommen uns zu Gute, wir leisten aber gar nichts. Ich halte es sür absolut unmöglich, von Maßregeln abzustehen, die diese Zustände hindern. Nun ist das Paßgesetz ein- mal da; dasselbe wirkt gut in dieser Beziehung, es kann aber seine Wirkung überhaupt erst ganz äußern, wenn es längere Zeit in llebnng geblieben ist. Denn ivenn— ich beziehe mich auf die Worte des Herrn Abgeordneten von Stauffen- bcrg— das Gesetz den Zweck hat, die Elsaß-Lothringer mehr zu Deutschen zu machen, also sie an andere Verhältnisse zu ge- wöhnen, sie innerlich uns näher zu bringen durch die Gewohn- heit, so kann ich nichts erreichen, wemi ich in kurzer Zeit das Ge- setz aushebe. Denn das wird mir der Herr Abgeordnete zugeben, wer Menschen durch Geivohnheit zu etwas bringen will,— ich möchte da ans die zwei- und dreijährige Dienstzeit exemplifiziren —(Heiterkeit rechts), der kann das nur durch eine längere Gewohn- heit, nicht durch eine kurze.(Heiterkeit rechts.) Sind ivir also nicht in der Lage, die Verordnung aufzuheben, so ist es uns doch nicht entgangen, daß sie eine Menge von Schroffheiten zur Folge gehabt hat nnd noch haben kann, die unnütz waren. Es ist also von Seiten der ausübenden Behörden mit einer milderen Praxis verfahren worden und wird weiter mit einer milderen Praxis verfahren werden. Wie weit diese Milde gehen kann, das wird wesentlich davon abhängen, wie sich die Meistbethei- ligten, nämlich die Elsaß-Lothringer, dieser Milde gegenüber stellen. Werden die Verhältnisse in Elsaß- Lothringen so, daß wir nach- lassen können, so iverden wir in demselben Maße nachlassen. Wir werden aber die Verordnung nicht aufheben. Uebrigens erscheint cS mir doch fraglich, ob durch diese Interpellation und durch solche Erörterungen dieser Verhältnisse denjenigen Leuten, deren Interessen Sie im Auge haben, genützt ivird, ob nicht geradezu das Gegentheil davon hervorgerufen ivird.(Sehr richtig! rechts.) Denn ivenn der Elsaß- Lothringer immer denkt: Vielleicht bringt Herr Richter doch einmal wieder eine Interpellation ein, vielleicht kommt er einmal durch, dann gewöhnt er sich eben schwer ein, dann behält er den Glauben, daß.sein Heil oder wenigstens das letzte Ziel desselben jenseits der Grenze zu suchen sei»nd nicht hier bei uns.(Sehr richtig! rechts.) Ich möchte mir noch eine Bemerkung auch mit Rücksicht auf die Zllknnst gestatten. Diese Interpellation hat Saiten jenseits der Grenze Deutsch- lands berührt. Ich habe mich bemüht, vorsichtig zu sein, weil ich das Bestreben habe, nichts zu sagen, was den Staat jenseits unserer Grenze irgend unangenehm berühren könnte. Wir haben m der letzten Zeil manches erfreuliche Zeichen von einer Besse- rnng der gegenseitigen Beziehungen wahrgenommen; und es sollte mir unendlich leid thnn, ivenn darin ein Rückschritt ge- macht würde. Aber ich glaube, für keinen Staat sind die internationalen Beziehungen so difstziler Natur wie für Tentchland, nnd in keinem Staate ist die Anforderung, diese Beziehungen rücksichtsvoll schonend zu behandeln, sowohl in der Presse wie in öffentlichen Versammlungen, so stark ivie sür uns. lind wenn in Zukunft in irgend einer Partei, welche es auch sei, der Wunsch vorliegen sollte. Interpellationen einzubringen und Fragen zu stellen, welche die äußere Politik berühre», so würde ich dankbar sein, wenn ich vorher gefragt würde, ob ich mich darüber äußern kann, ob die Frage unsere Beziehungen stören kann oder nicht. Wäre ich von einem Mitglieds der Fort- schrittspartei vor 14 Tagen im Vertrauen gefragt worden: kann das geschehen? so würbe ich in ganz wenigen Worten, glaube ich, in der Lage geivesen sein, den Herrn zu überzeugen, daß es besser gewesen wäre, die Interpellation nicht zu stellen. Ist sie einmal gestellt, so kann mich die Regierung nicht zurück, sie über- läßt dann die Verantwortung Denjonige», die sie gestellt haben. (Bravo! rechts.) Ans Antrag des Abg. Gnerber tritt das Haus in eine Be- sprechung der Interpellation ein. Abg. Guorbor(Elf.): Ich danke zunächst dein Herr» Reichs- kanzler für die ruhige und würdevolle Antwort, die er auf die Interpellation ertheilt hat. Andererseits theile ich seine Ansicht nicht, daß die Interpellation geschadet habe. Die Sperre über die Reichslande ist eine Kalamität, die das Land seit Jahren auf- regt und wahrhast unglücklich macht. Die Sperre hat die Ger- mcmisirung von Elsaß-Lvthrinaen nickt befördert, sondern um viele Jahre hinausgedrängt! Man hat dadurch nicht den Grenzgraben Zwilchen Deutschland und Frankreich vertieft, wohl aber dem Herzen des Volkes eine tiefe Wunde geschlagen. Dieser Baßzwang ist eigentlich eine Grenzsperre und nur wenige Stcrvliche können durch den Schlagbaum kommen, der zivischen beiden Ländern errichtet ist. Man wollte durch diese Mauer den Geist der An- Hänglichkeil der Elsässer an Deutschland stärken und den französischen Geist mildern, es ist aber nichts erreicht worden als eine Verhetzung des Volkes und Zorn und Ingrimm über eine Be- Handlung, die man nicht für möglich gehalten hat. Im Auslande hat über diese Maßregel nur Schadenfreude geherrscht. Auch die Beamten haben keine Freude an dieser Maßregel, es ist ihnen ihre Wirksamkeit außerordentlich erschwert worden. Im ganzen Lande und seiner Vertretung herrscht allgemein eine große Miß- stimmung. Viele Familien sind aus dein Elsaß nach Frankreich gewandert. Wenn nun, wie der Reichskanzler bemerkte, einige von den aiisgewanderten jungen Leuten bei ihrer Rückkehr nach Elsaß-Lothringen sich übermüthig betragen habe», warum hat man nicht gegen sie das Ausweisungsrecht angewandt? Gegen einige junge Burschen, die etil freches Maul haben oder Andere necken, braucht man doch nicht die Sperre oder den Paßzivang. Viele Familien sind durch den Paßzwang in ihren innersten Gefühlen tief verletzt worden. Es wuroe der Vater vom Sohn, die Tochter von der Mutter getrennt gehalren. Wie viele Thränen sind vergossen, wie viele Jammcrszene» haben sich abgespielt, nicht bloß an der Grenze, sondern auch vielfach im Lande! Frankreich wollte man schädigen, und man hat uns geschädigt. Ich bin erstaunt gewesen, daß der Reichskanzler sagte, daß Elsaß-Lothringen einst das Schlachsteld werden könnte, daß französische Offiziere die Pläne von Elsaß-Lothringen nach Frank- reich bringen könnten. Wer ein Spion ist, weiß auch ohne Paß durchzukommen. Er braucht mir den Umweg über Basel und Belgien zu machen. Wer so offen die Straße geht, ist nicht ge- fährlich. Nur möchte ich wissen, ob nicht ganz Deutschland, Italien und Frankreich durchspionirt wird. Dieses Uebel haftet allen Nalionen der Neuzeit an, und nur Diejenigen sind schuldig, die sich errappen lassen.(Sehr gut!) Mit dem Paßzwang oder der Grenzsperre hält man dieses Geschmeiß nicht ab. Woher threibt sich denn die ganze Sperre? Aus der Zeit des Regimes es Generals Boulanger und der Barracken auf den Vogesen. Nun, beides ist beseitigt; warum jetzt noch die Sperre? Es läßt sich kaum vor der Humanität rechtfertigen, ein Land für das zu strafen, was in einem Augenblick politischer Erregung geschehen ist. Zur Beseitigung notorisch schädlicher Elemente genügt, tvie gesagt, das Ausweisungsrecht. Es wiro kein Friede werden, als bis der Paßzwang aufgehoben ist. Nun hat der Reichskanzler gesagt, man werde gnädig verfahren und reichlich Pässe gewähren. Dadurch ivird die Unsicherheit nicht beseitigt, wenn nicht das Recht gilt, sondern die Gunst. Der Paßzwang hat den Charakter eines Ausnahmegesetzes. Lille Ausnahmegesetze erreichen das Gegentheil von dem, was sie ivollen. Die Sozialdemokraten sind die beftorganisirte Partei und das Zentrum die stärkste. Darum kann ich nur meine Bitte wiederholen, daß der Paßzwang endlich beseitigt werde.(Beifall bei den Elsaß- Lothringern.) Abg. Ki-fssot(R.-P., im Elsaß gewählt): Ich danke dem Herrn Reichskanzler für die Zusicherung, daß in Zukunft eine mildere Praxis in der Ausübung der Paßmaßregel eingeführt werden soll, ich danke aber auch dem Herrn Kollegen, der die Interpellation eingeoracht und für das Wohlwollen, daß er meinem engeren Vaterlande entgegengebracht hat. Wer Elsaß- Lothringen lieb hat, muß wünschen, daß diese Maßregel in Zu- kunst nicht bestehen kann. Die wirthschaftliche Schäoigung des Landes läßt sia) zahlenmäßig au dem lltückgang des Verkehrs nachweisen. Das Deutschthum hat durch diese Maßregel auch keine Fortschritte gemacht. Durch zügellose Propaganda hätte nicht erreicht werden können, was die Paßmaßregel bewirkt hat. Eine mildere Praxis kann nicht durch eine Llenoerung in der An- Wendung der Verordnung, sondern nur durch Aenderung der Verordnung selbst erfolgen. Es kann nur von Schaden sein, wenn ein Beamter auf diese Weise, ein anderer auf eine andere verfährt. Lille persönliche Willkür muß so viel wie möglich be- feitigt werde». Hosten wir, daß die verbündeten Regierungen zur Einsicht gelangen werden, daß die Strafe— denn eine solche ist es—, die auf uns lastet, bald von uns abgewälzt wird. Es ist gesagt rvorden, daß Hochverrathsprozesse den Grund dazu gc- gebe» haben. Die sind in Elsaß-Lothringen nicht mehr vorge- kommen als in anderen Landcstheilen. Die Geschichte Elsaß- Lothringens beweist, daß es die Liebe zu seiner Religion und die Achtung vor dem Gesetze stets hochgehalten hat, ist ein gutes gesundes, konservatives Volk, das in sich selbst das beste Mittel tragt gegen alle Wühlereien von außen. Der Assimilationsprozeß ,vird um so kürzer sein, je besser es die neue Herrschaft verstehen wiro, die lokalen Eigenthümlichkeiten zu schonen, einen gesunden sozialen Ausbau zu sörvern und gute wirthschaftliche Zujiände zu schaffen. Durch die Paßmaßregel ist daS Deutschthuin nur um etliche Jahre zurück- geworfen worden. Alle gesunde Eiitwickelung ist geschwunden, die größte Atrophie des östentlichen Lebens herrscht im Lande. Die Aushebung der Paßmaßregeln liegt deshalb ebenso sehr im Interesse Dentfchlands wie in dem Elsaß-Lothrrngens. Das Reichs- land darf nicht wie eine Art Militürgrenze behandelt werden, das nur zur Sicherung der Reichsgrenze annektirt ist und bei dem man keine Rücksicht auf die Einwohner zu nehmen hat. Bei der Beurtheilung der reichslündischeu Zustände und bei den Anfor- derungen an dieLeistnngen der Elsaß-Lothringer muß man Geduld haben. Lassen Sie uns unsere Eigenthümlichkeiten, geben Sie uns Zusriedeuheit in sozialer und wirthschastlicher Hinsicht, das ist die beste Art der Germanisirung. Abg. Kicket(Soz., gewählt in Mülhausen i. E.): Die Paß- maßreget hat sämmtliche Geschäftskreise geschädigt und nachtheilig auf das ganze Volt eingewirkt; auf diesem Wege können Sie nicht weiter. Sie müssen den Paßzivaug ausgeben,>venn Sie nicht das Land und das Volk ruiniren wollen, Sie erreichen damit auch nicht, was Sie erreichen wollen. Sie machen mit dem Paßzwang das Volk nur unzufrieden und Helsen damit blos unserem Werke, indem Sie das Volk zu Sozialdemokraten machen.(Heiterkeit.) Beim großen Arbeitcrslreik haben sich 20 000 Arbeiter auf der Straße befunden, ohne daß die Polizei im Geringsten veranlaßt gewesen wäre, einzuschreiten. Wenn das Volk so friedliebend rst, rvozu solche Polizeimaßregeln in Elsaß-Lothringen? Sie können mit Krieg und Schwertern Länoer gewinnen. aber die Herzen des Volkes gewinnen Sie so nicht.(Beifall Äbg. Dellea(Elf.): Ich bin es meinen Wählern schuldig, den Erklärungen der Vorredner gegen die Paßmaßregeln voll- ständig heizustinlnien, umsomehr, da die Folgen des Psßzwanges in Metz und Lothringen noch fühlbarer sind als im Elsaß. Der Gebrauch der deutschen Sprache hat sich seit einigen Jahren mehr verbreitet, aber die Gemüther sind der Gerinanistrung keineswegs näher getreten. Daran ist zum guten Theile der Paßzwang schuld. So denken nicht blos die Einheimischen, sondern� auch die Altdeutschen selbst. Die Paßnmßrcgeln müssen zuerst ge mildert und dann abgeschafft werden.,,.. Abg. Richter(ds.): Der llteichekanzler hat gemeint, daß es zweckmäßig sei, wenn man eine Interpellation beabsichtige, die sich auf auswärtige Angelegenheiten beziehe, sich vorher durch Rücksprache bei ihm zu gewisser», ob diese öffentliche Er örternng angemessen ist. Ich tann mir Fälle denken, ,n denen ein solches Verfahren durchaus angezeigt erscheint, aber ich kann den Satz in der Allgemeinheit nicht gelten lassen, und nicht m Bezug auf den vorliegende!» Fall. Es giebt wenig Fälle parla- mentarischer Erörterung, in denen nicht auch ein Berhältmp zu», Ausland in Frage kommt. Das ,,t z. B. be» allen zollpolit, scheu Erörlernnge,,, bei allen Handelsverträgen, vor allen» auch bei allen Militärsragen der Fall. Die Regierung selbst hat be» der Militärvorlage kein Bedenken getragen, die Begründung speziell aus französische Militärverhältnisse zu stützen und hat damit den Anfang gemacht, diese Verhältnisse parlamentarisch zur Erörterung zu ziehen Wenn der Satz des Reichskanzlers richtig wäre, so würde ein sehr großer Theil unserer parlamentarischen Erörte- rungen uns der Oeffentlichkeit überhaupt ausscheiden. Wir könnten dann keinen Titel der auswärtigen Etats diskutiren. Nun könnte man ja sagen, hier handelt es sich um eine Interpellation. In meinen Augen ist eine Interpellation gar nicht ein solcher feier- licher staatspolitischer Akr. DieForm der Interpellation ist allerdings mehr und mehr außer Gebrauch gekommen. Ich bedauere das, und auch die Regierung hat Ursache, es zu bedauern, weil sie eine Form der parlamentarischen Erörterung ist, die beiderseits unverbindlich und zwangslos ist und die deshalb der Verstnndi- gnng mehr vorzuarbeiten geeignet ist, als es ans anderem Wege der Fall ist. Im vorliegenden Falle ist die Sache übrigens im elsaß-lothringische» Landesausschuß verhandelt worden, obgleich dort die Gefahr ungünstiger Berührung ausländischer Verhält- niffe viel größer ist, und von nationalliberaler Seite ist bei der Etatsberathung in der letzten Session von dein Abg. Petri die Frage in viel schärferer Weise zur Erörterung gestellt worden als heute von nur. Der Verlauf der heutigen Verhandlung hat auch gezeigt, daß es sich hier vorwiegend um wirthschaftliche und polizeiliche Einrichtungen im Innern und weniger um die Beziehungen zum Auslände handelt. Dann meinte der Reichskanzler, es wäre für die Wirkung dieser Einrichtung schädlich, wenn man sie hier erörtert; die Elsässer würden sich dann noch schwerer daran ge- wöhnen. Es giebt Dinge, an die man sich überhaupt nicht ge- wöhnen kann. Die Paßmaßregel gehört zu den Einrichtungen, die in' unsere»» Jahrhundert überivmiden sind und im Wider- sprnch stehen mit allen modernen Einrichtungen, die sich memals einbürgern werden und in der Gesetzgebung nur als vorüber- gehende Maßnahmen angesehen werden können. Ich habe an der Germanisirung Elsaß-Lothringens dasselbe Interesse wie die Re- giernng. Das sind aber nicht die Mittel zur Germanisirung, sondern ihr entgcgenznwirken, ebenso wiednsSozialistengesetz, das die Sozialdemokraten zu unterdrücken erlassen war, eine agitatorische Kraft zu Gunsten der Sozialdemokraten geübt hat. Auch bei dem Sozialistengesetz hat man hier bis in die letzte Zeit gesagt, man müsse nur nicht so oft über die Aufhebung sprechen, dnmit die Sozialdemokraten nicht immer von Neuem Math bekominen, daß es fallen werde, und man hat deshalb vorgeschlagen, es dauernd zu machen. Darin ist bei der Regierung eine vollständige Aen- derung in den Ansichten eingetrelen; man hat erkannt, daß es kein tangliches Mittel zum Zwecke ist. Für die Zwecke der Germani- sirung sind die Polizeimaßregeln auch kein taugliches Mittel, und deshalb gebe ich die Hoffnung nicht auf, daß bei der Regierung ähnlich ivie bei dem Sozialistengesetz andere Ansichten über die hört»st!— Tie einzige Brauerei, welche von vornherein unsere Ford, rungen voll und ganz bewilligt hat, ist das Münchener Brauhm und Herr Braumeister Zerbe, der einzige, der sofort die Kolleg-. ohne unterschied ivieder beschäftigte. Dieser einzigen Brauer, ist es aber nicht möglich, uns vielen, die wir auf solche 3% um unsere Arbeit kamen, zu beschäftigen.— Es sollte daher d'» Publikum uns hierin unterstützen. Hochachtungsvollst und ergebenst Max Kampfhenkel, Brauer,- Brminensiraße 115a, vorn ff.» In der Iturnutn' 253 der„Uol'jischen Zeitung' st! et« Bericht über die Maisttzung des Vereins zur Belöroelff,'' des Gewerbefleißes erschienen. Dieser Bericht ist beachtensivff� iveil die Mitglieder des Vereines zum Theile dem hohen BeaM» thume und außer diesem fast durchgängig der Großindustrie 3� gehören. Die Ansichten, welche in diesem Vereine ausgesproc? nnd die Beschlüsse, welche gefaßt werden, sind deshalb von uffL zu ilnterschätzenbcr Bedeutung für die gesetzgeberischen Akte ff, Regierung und die Verwaltungsmaßregeln des Handelsministeriuw' aus gewerblichem Gebiete. Tie Versammlung, welche unter dem Vorsitze des Unterstgaff ...... ärs Magdeburg tagte, wendete sich, nachdem Gehend Bergrath Dr. W e d d i n g üver die hohe Bedeutnng des Man»ff mann'schen Verfahrens für die gesammte Eisenindusirie gesproff. hatte, der Berathung sozialer Fragen, insbesondere der üehrl»»0* trage zu. Der Geheime Rath Blenck, welcher Namens® vom Vereine eingesetzten Kommission referirte, schloß seinen ffff. trag mit Thesen und Rodensarlei», die so allgemein bekannt P, und aus jeder christlich-sozialen oder sonstigen, das Seelenheil® Arbeiter fördern sollenden Versammlung bis zum Ueberoruffe ff gesprochen worden sind, daß mau beinahe Anstand, möchte, über dieselben noch ein Wort zu verliere». Neben ff.. Klage über die verfrühte wirthschastliche Unabhängig-® der gewerblichen Jugend, welche der Gefahr der wahrlosung ausgesetzt sei nnd zu einem eben so 0 fährlichen wie ungesunden Vestandtheil des Volkes zu'ver® drohe, schlug er die gewöhnlich angepriesenen Heilmittel als Fffff und FortbUviingsschulwesen, Aerbefferung der Fabrik- und Wff' stattlehre und Maßnahmen zur befferen Bildung, Erziehung P, Jnzuchlhaltung der heranwachsenden Arbeiterjugend vor. E> verstanden kann man mit den von dem Referenlen anempsohleff'� Einrichtungen wohl sein, aber die Wirksamkeit derselben»ff". ivesentlich von ihrer Ausführung abhängen, die, wie der Refer® kaum anders erivartet, in die Hand der Großfabrikanten oder' den von ihnen abhängigen Behörde» und Korporationen 0«'®® werden wird. Bei dem besiehenden Gegensatze zwischen Boff geoisie und Arbeiterschaft läßt sich die Ausführung eben>>ff- anders als einseitig und zum Vortheile des Fabrikantenthu» erwarte». Sonderbar genug nimmt sich die Klage des Reserenl® über die verfrühte wirthschastliche Unabhängigkeit der gewerblich®, Jugend und deren daraus hervorgeheudeu Verivahrlosung ffst In Betreff der letzten Behauptung, sofern sie sich auf die mffff. tische Führung der Arbeiterjugend bezieht, kann man sich ffffst milder ausdrücken, als das inan sie unrichtig nennt; verglich-- aber mit der jeunesse doree(der goldenen Jugend) steht!»( ff! einem viel höheren sittlichen Standpunkte als jene, welche' Kneipen, Duelliren, im Veranstalten von speichelleckerisch®, Hnldigiingsszene» ihren Beruf zu erfüllen glaubt. An elff Kurzsichtigkeit scheinen die Herren der Kommission'ff. deren Referent auch zu leiden, denn Beide sehen wohl die A>' kung, ohne deren Ursache zu erkennen. Das Gefühl der Abhff glzkeit der Kinder von Bater und Mutter kanii nur so l�ffg beftehen bleiben, wie die Kinder für ihre Existenz nickt selber j sorgru brauche»; mit dem Momente jedoch, in welchem der jff'0 Mensch zur Erhaltung seines Lebens auf sich selbst angeiffff? wird, hört auch die Pflicht der Abhängigkeit auf, welche keff. ff falls das Band der verwandtschaftlichen Freundschaft zu braucht. Wer sind denn aber die Schuldigen, welche die lliff, hängigkeit der Kinder von den Eltern hervorrufen und söroff!! Doch wohl kein Linderer, als die Fabrikanten selbst. B'ffff Arbeitskraft ist ihr A und O, ob der Einzelne, od die Fabff., darüber zu Grunde geht, kümmert sie nicht, die Frau muß ff ff, Fabrik, das Kind muß hinein; wirklich ein verteufelter Muth 0 hört dazu, um von Verivahrlosung der Arbeiterjugend zu sprech® und nicht in Scham zu vergehen über die eigene Schuld. An dieses hier besprochene Referat schloß sich ein "nb Großgewerbe, in welche,» etwa 2 Millionen Arbeiter thätig Wen und gerade den bedenklichsien Theil der Arbeiter ausmachten. Als Aufgabe, welche er den Ausschüssen zu- gewiesen wissen will, bezeichnet er die Mitwirkung fei der Lehrlingsprüfung, Nnterstütznng der Fabrikbesitzer 'n der Handhabung des Unfallgcsetzes, sachgemäße Untersuchung °on Wünschen und Beschwerden der Arbeiter, Begutachtung der �rbeiterordnungen, Theilnahme an der Verwaltung der Kantinen, Konsumvereine und Aufstellung der Hausordnung für Mieths- Wohnungen von Arbeitern. Herr Oechelhäuser befindet sich m oemselben Jrrthum, wie die anderen Arbeitgeber, er nieint, iml oem Scheine einer Mitwirkung sei dem Arbeiter gedient; der verlangt völlige Gleichberechtigung mit dem Fabrikbesitzer in allen «rbeiterangelegenheiten, mit bloßen Begutachtungen ist ihm nicht gedient, außerdem soll die für den Arbeiter wichtigste Frage, die �ohnregulirung selbst von der Begutachtung ausgeschlossen und deren Regulirung dem Fabrikherren allein vorbehalten bleiben. fi« von Oechelhäuser den Ausschüssen zugedachte Mitwirkung Aufstellung der Hallsordnung für Miethsivohnungen für °>e Arbeiter ist gänzlich unannehmbar, weil mit der Errichtung und Vermiethung von Miethsivohnnngen seitens der Fabrikbesitzer der größeste Mißbrauch dadurch getrieben wird, daß zwei Duige w't einander verquickt worden sind, die nichts mit einander zu 'hun haben. Unsere klimatische und sonstige bürgerliche Ver- ymtnlsse bringen es mit sich, daß der Familie eine Woh- "'wg während eines längeren Zeitraumes gesichert sei «"v daß zwischen der Kündigung und dem Zlblaufe des Micthsver- '�ages eine hinreichend lange Zeit liege, um eine andere Wohnung zu oeschaffen. Ganz anders verhält es sich mit dem Arbeitsvertrage, °er sehr wohl derartig abgeschlosten sein kann, und es in vielen Fällen auch ist, daß das Arbeitsverhältniß sofort gelöst werden kann. Mcistentheils oder wohl immer ist die Dauer des Mieths- Vertrages an die des Arbeitsverhältnisses gebunden, und da dem Arbeiter bei einer etwaigen Entlassung ans der Arbeit des Woh- nuiig vermiethenden Arbeitgebers eine andere Wohnung nicht sofort zur Hand ist, so ist der Arbeiter gänzlich in die Macht des Fabrikherrn gegeben. Ein solcher Zustand ist ein Hohn auf das Freizügigkeitsgesetz. Statt mitzuhelfen an der Befestigung dieses Aerhältnisses, muß dahin gestrebt iverden von den Arbeitern, daß °urch ein Gesetz eine Vermischung zivischen Arbeitsvertrag und Aiiethsv ertrag verboten wird. An der Debatte über diesen Oechelhäuser'schen Vortrag be Heiligten sich viele der anwesenden Fabrikanten, aber nicht ein Einziger konnte sich dazu ausschwingen, die Gleichberechtigung Zwischen Fabrikherrn und Arbeiter anzilerkenncn, Beweises genug, baß für's Erste eine gedeihliche und zusriedenstellende Einigung beider Theile noch nicht zu hoffen ist, und daß der Arbeiterschast Nichts, veiter übrig bleibt, als auf dein Kampsplatze unentwegt lür ihr gutes Recht auszuharren. „Verfahren?»r Herstellung lliinstlicher Augen." Diese merkwürdige Bezeichnung konnte man vor einiger Zeit in bem amtlichen Patentverzeichniß des Reichs-Patentamts sinke», und zwar war eine Wiesbadener Firma(H. Ad. Müller Söhne) ein Patent auf dieses Verfahren ertheilt worden. Allerdings er- ~>ebt steh bei genauerer Betrachtung der neuen Erfindung, daß es ich bei derselben um keine Verbesserung oder Wiederherstellung es Sehvermögens handelt. Aber inunerhin läßt das patentirte Aerfahren eine Vervollkommnung und Verfeinerung unserer Glas- sobrikation und Glasbearbeitung erkennen, die eine nähere Be- achtung verdient. Bei der ganz oberflächlichen Beobachtung eines eingesetzten künstlichen Auges wird man den recht unangenehm wirkenden Eindruck habe», daß das natürliche Augenlid des Menschen zu dem eingesetzten künstlichen Angapfel in einem auffälligen Miß- Verhältnisse steht, namentlich sticht die künstlich nachgemachte Hornhaut des Auges gegen das natürliche Augenlid deswegen so bedeutend ab, iveil bei dem Verlust des natür- lichen Auges gewöhnlich auch das Augenlid in Mitleidenschaft gezogen ist, und diese Beschädigung des Augenlides tritt dem künstlichen Augäpfel doppelt auffällig hervor. Aber auch im Innern des künstlichen Auges selbst macht sich ein Ausdruck der Starrheit oft unangenehm bemerkbar. Das neue Verfahren besteht nun darin, den natürlichen Uebergang und Unterschied von der Bindehaut zur Hornhaut nachzuahmen, dessen Fehlen diesen Aus- druck der Starrheit verursacht. Zur Erläuterung dieses Ver- fahrens dürfte eine Schilderung der HerftellungSweise des künstliches Auges angebracht sein: Von einer Glasröhre, welche die Farbe der Bindehaut des herzustellenden künstlichen Auges besitzt, wird an der Stichflamme ein Stück abgeschmolzen, daß es an beiden Enden in dünne Röhrchen ausläuft, welche die Handhaben bilden. Unter fortwährendem Drehen in der Flamme wird das Aöhrenstück erweicht und zur Kugel geformt. Auf diese Kugel werden die Farben der Regenbogenhaut(oder was wir schlecht- weg die Augenfarbe nennen) ausgetragen und die Form und Farbe der Pupille nachgeahmt. Die so gefertigte Regenbogenhaut erhält einen Ueberzug aus Krystallglas, welches die Hornhaut darstellt und zugleich deren vordere Auswölbung. die sogenannte Augenkammer enthält. Dann werden die rothen Blutäderchen im Weißen des Auges nachgebildet und der sogenannten Kugel durch Blasen und Ausdrücken die erforderliche Forin gegeben. Es wird dann der entbehrliche Hintere Theil der Kugel abge- schmolzen und das nur mit Hand and Mund lediglich»ach Augen- maß gearbeitete Ersatzauge ist fertig. Es hängt begreiflicheriveise dabei viel von der Geschicklichkeit des Künstlers ab, ob das Eriatzauge uaturwahr. elegant und zweckmäßig oder plump und roh aus- fällt. Bisher«schien nun bei allen Fabrikanten der Uebergang von der Hornhaut in die Bindehaut scharf abgegrenzt, wodurch die künstlichen Augen immer einen starren, auffälllgen.lusdruck »hielten. ES kam dies dadurch, daß bisher die künstlich fertig- gestellte Regenbogenhaut mit Kryslallakas gemeinsam vermischt und in der Flamme Verblasen wurde. Wenn dies incht sorgfaltig geschieht oder wenn das Krystall von härterer Befchancnheit ist als der übrige Theil des künstliche» Auges, so entsteht eine �uw A X— j jr i■-•........... V S» f. v.% H«i%.11 � � naturlichen Auge entspricht. Bei letzteren cr,chel»t im st.gend- * dieser Hinweis hoffentlich willkommen se>n. ,, annahm; vorhanden sein Iu Attlagru und Vstauznugeu sah es Sonntag Morgen in und um Berlin traurig aus. Kräftige abgebrochene Aeue, dichtbelaubte frische Zweige nebst Massen grüner Blätter und Blüthen schönster Form und edelster Art waren vom Sturm rauh herabgerissen und bedeckten den Boden. Das Lied der Vögel war vcrstumnlt, keine Honig sammelnde Biene, kein glänzender Käfer noch bunter Schmetterling tummelte sich im Bluinenkelche, nur vereinzelte Spaziergänger schritten hastig, zugeknöpft und abge- kühlt bis ans Herz hinan an den»>it Laub, Blüthen und Zwei- gen beschütteten Ruhebänken vorüber, die Spiel- und Tummel- platze der Jugend blieben leer, im Obstgarten lagen die jungen Früchte: Aepsel, Birnen, Kirschen, Pflaumen und theilweise auch Nüsse umher, in den Straßen und im Freien trieben Hüte und Mützen, an Häusern krachten Thüren und Fenster, der Kutscher auf dem Bocke wickelte die wärmende Decke fest um seinen Lelb und schloß den Wagen für den Fahrgast, der Milchspediteur von außerhalb hatte die Wintermütze über die Ohren gestülpt und den dicken Winterrock angelegt— Alles in Allem, das Bild eines rauhen Novembertages. A» der Weriwdorfrr Schleuse, auf der der Reichs- Hauptstadt zunächst gelegenen Strecke des Oder-Spreekanals, ist gegenwärtig probeweise ein Seilbetrieb eigener Art eingerichtet worden. Es ist dies der erste Versuch der Art in ganz Deutsch- land, in Folge dessen er das lebhasteste Interesse aller technischen Kreise in Anspruch nimmt. Der Scilbetrieb erstreckt sich vorläufig auf eine 5 Kilometer lange Strecke, und zwar von der Schleuse aus auswärts. Auf dieser Strecke liegt ein Seil ohne Ende, wel- ches von der am rechten Ufer der Wernsdorser Schleuse aufge- stellten Dampfmaschine bewegt wird. In diesem Seil sind in ge- wissen Abständen„Schlösser" angebracht, in die der Schiffer nur ein Treiteltau einzuschlagen braucht, um den Anschluß seines Kahnes zu bewirken; ebenso leicht geht das Auslösen, in Folge dessen der Schiffer in der Lage ist, an jeder Stelle der Wasser- straße das An- und Abhängen des Kahnes ausführen zu können. Bisher hat sich die Einrichtung nach dem Gutachten des Vauraths Mohr bewährt. Man hofft von einer Station aus eine bis 20 Kilometer lange Strecke betreiben zu können. Augenblicklich geht man damit uiii, ein genau ausgearbeitetes Projekt eines solchen Be- tnebes für den Landwehrkanal zu gewinnen. Gin eigenartiger Geisteskranker befindet sich seit einiger Zeit auf der Kommunalabtheilung der Dr. Edel'schen Privatirrenanstalt zu Charlottenburg. Es ist dies der ca. fünf- undzwanzigjährige Kausmau» Eberhard Birk. B., welcher vor mehreren Jahren als Handlungskommis in ein größeres Berliner Kolonialwaarengeschäft eintrat und daselbst längere Zeit thätig war, erhielt eines Tages von seinem Prinzipal den Austrag, eine größere Summe ausstehender Forderungen einzukassiren. Er führte diese Aufträge auch aus, behielt aber das Geld für sich, um, wie er meinte, einmal eine Vergnügungstour nach Potsdam zu machen. Als das Geld verjubelt war und er in der„Klemme" saß, kam er per pedes zurück und stellte sich selber dem Gericht zur Bestrafung. Es würbe ihm nun von demselben für seine Extravaganz eine sechsmonatliche Gesängnißstrafe zuerkannt, die er auch zum Theil verbüßte, mit dem Rest derselben aber insofern nicht einverstanden war, als er anfing, den wilden Mann zu spielen. Er verweigerte zunächst die Arbeit, indem er vorgab, als„Graf Wilhelm v. Württemberg" dies nicht nölhig zu haben und verlangte dann mit aller Entschiedenheit seine Frei- heit Als ihm diese naturlich verweigert wurde und er trotz ver- schieden« Arreststrafen von seiner fixen Idee nicht abzubringen war, wurde er zunächst zur Beobachtung seines Geisteszustandes auf die Jsolirstatiou des Lazareths gebracht. Hier benahm sich B. aber höchst ungebührlich, indem er anfing, alles zu demoliren und unreinlich zu werden. Nach zirka sechswöchentlicher Beob- achtung wurde er auf Grund ärztlichen Attestes zur weiteren Veranlassung der Jrrenstation. der Neuen Chantee überwiesen. Wenn sich nun B. im Gefängnisse renitent betragen, so war er hier wie umgewandelt, indem er zu keinerlei Störung Veranlassung gab und sich sogar an häuslichen Arbeiten betheiligte. Da aber seine„g r ä s l i ch e" Idee immer mehr Wurzel faßte und er anfing, über Millionen und Milliarden zu verfügen, so mußte schließlich nach einem dreimonat- lichen Aufenthalt die Uebersührung des B. als unheil- bar geisteskrank und gemeingefährlich nach der Dalldorf« Irrenanstalt erfolgen. Durch seine Vertrauen eriveckende Per sönlichkeit gelang es ihm nun, sich in der Anstalt sobald wie möglich beliebt zu machen und da Patient im Schreibfache be- wandert war, wurde er auf Requisition des Oberarztes im Büreau als Schreiber beschäftigt. Aber da der Drang nach Freiheit bald in ihm rege wurde, so setzte er sich mit seiner Mutter, die ihn häusig besuchte, in Betreff seiner Entlassung in Verbindung, die denn auch unter ärztlicher Zustimmung erfolgte. Kaum einige Tage draußen, da stiegen schon Zlbenteuergedanken in ihm aus, cr wollte, wie er damals selbst sagte,„glänzen"und ein Herr- liches Leben führen. In welcher Weise cr nun seine„Abenteuer" ausführte,«hellt aus folgendem: Zunächst ließ sich B. bei einem in dcr Leipzigerstraße wohnenden Lithographen Visitenkarten mit der Aufschrift„ W i l h e l m G r a f v o n W ü r t t e m b e r g" an- icrnge» und auf Grund dieser Karten und seiner respektablen Figur vollführte er die schneidigste» und schwierigsten Sachen. Er miethete von einem in der Ehausseestraüe wohnenden Fuhr- Herrn eine Equipage auf unbestimmte Zeit, die ihm auf Grund seiner vorgezeigte»„Karte" selbstverständlich sofort zur Ber- fügung gestellt wurde. In dieser fuhr er nun nach allen größere» Geschäften, wie Mohr u. Speier, Spinn u. Mencke, Jacob Landau, Conrad Felsing ec. um größere Einkäufe zu besorgen. Im ersten Geschäft bestellte er mehrere„Uniformen", im zweiten eine elegante Zimmereinrichtung, im dritten gerirte er verschicdene Wechsel und im vierten kaufte er eine goldene Sowoneluhr. Zu allen diesen Manipulationen wirkte seine „Karte" und sein respektables Exterieur in der Weise, daß die Aufträge, natürlich immer auf Kredit stets prompt effektuirt wur- den. Um der Sache außerdem einen möglichst glaubwürdigen Anstrich zu geben, hatte er zur Vorsorge ,n der Voß- straße natürlich eine Wohnung gemiethet, in der denn im Laufe der Zeit immer eins nach dein andern abgeladen wurde, kurz der Herr„Graf" führte eine Zeit lang wirklich ein Leben voller Wonne, er war„Stammgast" bei Bauer, bei Kranzler:c. und fehlte selten in den besten Theatern. Diese noblen Passionen sollten ad« bald ein jähes Ende erlebe», denn als der Herr„Graf" eines schönen Tages wieder vor einein Geschäft in der Friedrichstraße vorsuhr, um in demselben Gvldwaarenelukäufe zu machen, und er seine„Karte" präsen- tirte, trat mit einem Male ein Herr auf ihn zu, dcr den Herrn „Grafen" mit den verhängnißvollen Worten anredete:„Sie sind ivohl so freundlich Herr Birk und folgen m i r." Der Herr Graf war natürlich über diese edle Dreistigkeit des Unbekannten wie versteinert und um den Zudringlicheu zu züchtigen, forderte er denselben zum Duell heraus, indem er ihm die Karte zeigte. Der fremde Herr schien sich aber ans keine„Paukerei" einlassen zu wollen, sondern er holte ganz einfach einen Schutzmann, der den Herrn Grasen verhaftete und nach dem Molkenmarlt transportirte. Da man ab« wegen des geisteskranken Zustandes des B. von einer Be- sirafung absehen mußte, wurde er wieder der Dalldorf« Anstalt übenviesen. Stach einiger Zeit waren aber die Abenteuergelüste wieder in ihm rege geworden und« versuchte, nachdem er eines schönen TageS das Weite gesucht hatte, ab«mals sein Glück, dies- mal als„Prinz Ludwig von Baden". Fortuna schien ihm auch diesmal wieder hold zu sein, denn überall reussirte er in der ausgiebigsten Art und Weise, bis ihn endlich in Potsdam sein Geschick ereilte. Er hatte nämlich eines Abends in Berlin eine Droschke erster Klasse gemiethet und war nach Potsdam ge- fahren, um, wie er dem Kutscher bedeutete,„seine Aufwartung" bei Hofe zu macheu. Ter Kutscher mußte abcr bald zu seinem Leidivescn«fahren, daß er gründlich reingefallen war, denn dcr Prinz hatte das Wiederkommen vergessen. Dcr Kutscher theiltc dies seinen dortigen Kollegen mit und ain anderen Morgen, als der Prinz eben im Begriff war, eine Droschke zu besteigen, ereilte ihn sein Geschick und der„Prinz" ivurde schauderhaft ver- hauen und dann nach der Polizeiwache beordert. Da er nun einsah, daß ihm sein Pseudonym nichts mehr nützen könne, gab er sich zu erkennen, und B. wurde wieder nach Dalldorf geschickt. Nach zirka dreiwöchentlichem Aufenthalt wurde er dann dcr Charlottenburger Filiale überwiesen, in der er sich noch befindet, und er auch wahrscheinlich keine Gelegenheit mehr haben wird, noch einmal seine„ G r a f e n w ü r d e", die er zwar in der Anstalt behält, vor der Oeffentlichkeit glänzen zu lassen. Wie Herr Professor Mendel in seiner letzten Vorlesung seinen Zu- Hörern mittheilte, ist der Patient einer der eigenartigsten Geistes- kranke», die jemals auf dem Gebiete der Psychologie behandelt worden sind. Die neulich verhafteten Einbrecher Wagner und Komplizen hatten, wie der Kriminalpolizei schon vor der Fest- nähme bekannt war, noch eine Reihe weiterer Einbruchsdiebstähle geplant und vorbereitet. Wenn es angängig gewesen wäre, diese Pläne in das Stadium des Versuchs trete»: zu lassen, statt die Verbrecher sofort beim ersten Mal in flagranti festzunehmen, so wären dieselben vermuthlich diesmal auf Lebenszeit für die Gesellschaft unschädlich gemacht worden. Wagner hatte, um die Lokalverhältnisse eines von ihm mit Einbruch bedachten Hauses unausfällig auskundschaften zu können, mit einer in dem Hause wohnenden Wittwe eine Liebschaft angesponnen und segelte an- scheinend bereits gerade auf den Hafen der Ehe los. Da er- hielt die Wittwe den Besuch dcr Kriminalpolizei, welche sich nach dem Grunde der Besuche des W. erkundigte. Die Wittwe, eine durchaus rechtschaffene und noch sehr ansehnkiche Frau, beant- wartete die Frage wahrheitsgemäß und war auf's höchste er- schrecken, als sie hörte, daß ihr„Bräutigam" einer der gesähr- lichsten Einbrecher Berlins sei. Der Verbrecher hatte die Wittwe sogar zu seiner in einem Krankenhause liegenden angeblichen Mutter geführt, und diese drang in die Frau, sie möge ihren Sohn doch glücklich machen, sie, die Mutter, wünsche sehnlich, ihn verheirathet zu sehen, ehe sie stürbe. Möglicherweise hat W. die Frau auch wirklich Heirathen wollen. Der Fürsorge der Kriminalpolizei dankt diese es nun, daß ihr das wenigstens er- spart worden ist. Die Kindeoinördm« Marie liefet aus Mariendarf, welche das Heno'sche Kind geraubt hat, befindet sich bekanntlich in Untersuchungshaft. In dieser Angelegenheit ivurde der Vor- stehet von Tempelhof, Dr. Greve, zun: ärztlichen Sachverständigen ernannt. Derselbe hat in seinem ersten Termin vor dem Land- gerichtsrath Friedberg in Alt-Atoabit bekundet, daß er die u. s. w. Neke im Jahre 1680 drei Monate lang au schwerer Gehirnentzündung behandelt hat. Die damals 12jährige Neke ivar im Hause des Mühlenbesitzers Partenheimer in Mariendors von einer etwa sechsstufigen Treppe gefallen und bewußtlos nach Hause ge- tragen worden. Die drei Monate dauernde Geihirnentzündung mußte auf diesen Fall zurückgeführt werden. Seit dieser Krankheit war die Neke ,n ihrer geistigen und auch körperlichen Entwicklung zurückgeblieben, wie auch von anderen darüber vernommenen Zeugen, namentlich Herrn Prediger Richter-Mariendorf, bekundet worden ist. Der Schädel dcr ec. Neke ist, ivie es auch dem Laien bei ober- flächlicher Beobachtung auffällt, flachköpstg. Im Jahre 1883 ist das Mädchen au ein« kürzeren, rückfälligen Gehirnentzündung von Dr. Greve behandelt worden. Die Kindesmörderin und Kindesräuberin Neke wird von Dr. Greve in Tempelhof aus hereditären und er- wordenen Gründen für geisteskrank gehalten, wenngleich eine ausgesprochen klare Form einer Geisteskrankheit noch nicht vor- handen ist. Die Neke wird dah« der Gefangenenstation der Eharitee überwiesen werden. Selbstmord eines Wachtpostens. Als am Sonntag Nachmittag nach 1 Uhr die Ablösung zu dem am neuen Packhose in Alt-Moabit stehenden Posten kam, erschien d«selbe nicht, wie es die Vorschrift erfordert, mit angefaßtem Gewehre vor seinem Schilderhause. Man fand den Soldaten, Namens Schmidt, von der 4. Kompagnie des Alexander-Regiments, einen Korbmacher, aus Schleswig-Holstein stammend, todt hinter dem Schilderhause in sitzender Stellung und das Geivehr vor sich liegend. Man nimmt an, daß Schmidt das Geivehr mit dem Lause gegen die Brust gehalten und den Hahn mit dem Fuße losgedrückt hat. Die Brust nx>r durchbohrt, die Kugel war durch das Schilderhaus ge- drungen, hatte ihren Lauf noch über das Wasser genommen und war in ein am Kronprinzenufer liegendes Haus im vierten Stock in ein zufälLig offen stehendes Fenster gegangen und an der Wand abprallend zur Erde gefallen. Dotizeflbericht. In der Nacht zum 8. d. M. hatte ein 21jähriges Mädchen in der elterlichen Wohnung in dcr Neuen Königstraße versehentlich anstatt Rhabarbertropsen Opium einge- nomnien und verstarb bereits am folgenden Tage an den Folgen einer Herzlähmung.— Am 9. d. M. Morgens wurde auf dein Grundstück Li»icnstr. 133 in einem Müllbehälter die bereits stark in Verwesung übergegangene Leiche eines neugeborenen Kindes aufgefunden.— An demselben Tage Vormittags verstarb in einem Eisenbahnwagan zwischen Bahnhof Fricdrichsstraße und Alexan- derplatz ein Rsisender plötzlich am Herzschlage. Die Leiche wurde nach dem Schaiegalise geschafft.— Nachmittags wurde vor dem tause Wallner-sTheaterstr. 1 ein djähriger Knabe von einer rauerkutsche überfahren und am Kopfe so bedeutend»«letzt, daß er nach dem Krankenhause am Friedrichshain gebracht werden mußte.— Zu derselben Zeit gingen in der Danzigerstraße die vor einen ,»it Lehm geladenen Wagen gespannten Pferde plötzlich durch. Hierbei fiel der auf dem Wagen sitzende Kutscher herab, wurde überfahren und am rechten Oberschenkel so schwer verletzt, daß seil« Uebersührung nach dem Krankenhause am Friedrichshain erforderlich wurde.— Um dieselbe Zeit gerieth vor dem Hause P«lebergerstr. 31 ein dreijähriges Mädchen unter das Hinterrad eincis vorbeikommenden Wagens, wurde überfahren und erlitt so schiv«e Verletzungen am Kopfe, daß es nach dem Krankenhause in Moabit gebracht werden mußte.— Abends ge- riechen vor dem H«use Alte Schönhauserslraße 20 der Arbeiter Lüdtke und dcr fellner Parka in Streit, wobei erster« durch einen Stoß auf den Straßendamm geworfen und mit der rechten Hand unter die Rät«« eines gerade vorüberfahrenden Omnibus gerieth und ihm ein Finger völlig zermalmt wurde. Lüdtke ivurde mittelst Droschke nach dem St. Hedwigs-Krankenhause gebracht.— Am 9. d. M. fände a Alte Schönhauserstr 29 und Alexander- straße 25 und am Ist. d. M. Morgens Königsstraße 38 kleinere Brände statt. Ein kleines Seit>enstulk zu den Geheimnisse» der stbuo Oberamtmann H. und ihren Zaubernächten schien die Anklage wegen Kuppelei zu enthalten, welche gestern vor der 4. Straf- kämm« hiesigen Landgerichts 1. gegen die verwittwete Frau Guts- besitz« Elise L ü tz o w yeb. Jungmuch verhandelt wurde. Die Angeklagte bewohnte ein feines Quartier in der Litneburger Straße und an ihrem Schilde prangte lange Zeit der Raine „v. Lützow"; sie wurde vo n den Hausbewohnern nicht anders als „gnädige Frau" titnlirt, bis plötzlich der adelige Nmne von dein Schild der Wohnuiigsthür verschwand und man sich in die Ohren tuschelte, daß man es nur mit ein«„Talmi- Gräfin" zu_ thun hatte. Ein Dienstmädchen hatte der Polizei höchst uitereffaiite Andeutungen darüber gemacht, daß»n den Ziiiiiuern der„gnädigen Frau" ein höchst fideles Leben sich entfalte und die �lachforschuiigen nach dieser Richtung hin scheinen diese Behauptungen bestätigt zu haben. Das Mäd- che» ivar aus irgend einein(.tzrunde mit der Frau in Konflikt ge- rächen mid die„G..udige"«ruß eine sehr hitziges Temperament habe».»ach den Behauptungen des Dienstmädchens ist sie denisttben im Verlaufe des Z wistes an den Htts gesprungen und hat ihr mit de», Damnen ti« Kehle dermalen zugedrückt, daß dem Mädchen grün und gelb vor den Augen wurde und ein» länger» Heiserkeit die Ft'lge war/ Die ftlnllage gegen Frau Lützow lautete deshalb nicht blas auf Kuppelei, sou eru auch auf Körperverletzung. Der Acrthcidiger, Rechtsanwalt Dr. Fried- wann, hatte ursprünglich dein Gerichtshofe die Absicht kund gethan, zu Gunsten seiner Klientin eine ganze Reihe von Ossi- zieren und einen Prinzen von Altenburg vorgeladen. Er hat aber davon Abstand genominen und so waren gestern nur ein Pre- wierliciltenant a. D. v. Kotze und eine Sängerin, Frl. Groch- waldt, welche bei der Angeklagten gewohnt, zur Stelle.— Die Verhandlung, welche unter Ausschluß der Oeffentlichkeit geführt wurde, hatte das Erstebniß, daß Frau L. wegen Kuppelei und Körperverletzung zu 6 Wochen und 3 Tagen Gefängniß verur- theilt wurde. Außerdem hat sie nach einem Antrage des Rechts- anivnlts Stadt Hagen an das Dienstmädchen eine Buße in Höhe von 20 M. zu zahlen. Cin von des Gedaiikettv Hl äste stark angekränkelter Jüngling ist der schon mehrfach ermähnte jugendliche Durchgänger Julius Rl o f es in an», welcher gestern aus der Untersuchungs- hast der 4. Strafkammer am Landgericht I. vorgeführt wurde. Der erst 15 Jahre alte Angeklagte, welcher weinend die Anklage- dank betrat, ist derselbe, welcher am 5. Mai er. seinem Prinzipal, dem Kaufmann Si ahn mit einer Summe von 2500 Mark durchgebrannt ist. Der kleine Mosesmann, welcher erst seit Januar in dem Kahn'schen Geschäft als Lehrling thätig ivar, erhielt ain 5. Mai den Auftrag, 2500 Mark zu kas- siren, er erfüllte den Auftrag auch, statt seiner erschien aber am Tage darauf ein Brief bei Herrn Kahn, der etwa folgenden Inhalt hatte:„Ans Gründen, die ich nicht sagen kann und darf, bin ich gezwungen, meinen, jungen Leben ein Ende zu »nachen. Zu diesem Behuse kaufte ich mir einen Revolver, wobei ich eine Kleinigkeit von dem nur anvertrauten Gelbe angreifen wußte. Ich bitbe Sie um Verzeihung wegen dieses Verfahrens. Wenn Sie diesen Brief erhalten, weile ich nicht mehr unter den Sterblichen; ich fahre nacl, Halensee und werde dort aus dein Leben scheiden. Ihr Geld werden Sie in meinem rechten Stiefel vorfinden. Mit zitternder Hand und thrühnendem Auge schrieb ich Ihnen diese Zeilen und/ bitte Sie, meinen Eltern davon in schonender Weise Mittheilung zu machen. Nochmals herzlich grüßend Ihr ungücklicher Julius Mosesmann." Die Auf- regung in der Familie Mofesmann war natürlich eine große. Man suchte den Wald in der Nähe von Halensee ab, fand von dem Selbstmörder aber keine Spur. Daß derselbe irgend eine Dummheit begange», war ganz klar, denn in seinem jungen Kopfe sah es höchst sonderbar und romantisch aus. Dafür zeugten einige Gedichte, welche er kurz vor seinem Verschwinden mit eigener Hand und eigenem Kopfe hergestellt und die man in einer Tasche eines Rockes vorfand. Dasselbe lautet:„Nur in Ruhm will ich einst prangen— Nach großer Ehre geize ich— Kommt, o Götter, stillet mei» Verlangen— Schicket Pegasus über mich — Apollo, Apollo, ich rufe Dich— Apollo, bitte, erhöre mich!" Wo der junge Mensch geblieben, sollte sich sehr bald er- geben. Aus Rotterdam traf nämlich bei seinen» Vater eine Summe von 500 Mk. ein, die dieser unverzüglich an die Firma Ad. Cahn abführte. Gleichfalls aus Rotterdam schilderte der kleine Aus- reißer„sciiiem lieben Busenfreund Alfred" in einem längeren Schreibebriefe seine Abenteuer. Danach hatte er in der Thal die Absicht gehabt, sich das Leben zu nehmen— angeblich iveil die Furcht in ihm lebendig geworden war, sein Vater wolle ihn ver- stoßen.„Ich kaufte mir", so schreibt er an seinen lieben Alfred,! „für 16,50 Mk. einen Revolver und fuhr nach Halensee. Dort ,m Walde wollte ich aus dem Leben scheiden. Ich lud den Revoker und setzte ihn an die Stirn, hatte aber nicht den Muth, zuyidrücken. Verzweifelt setzte ich ab und stierte in die Welt, die mir gleichgiltig geworden. Da bat ich dem lieben iGott, er möchte mir ein Zeichen schicken, aus ivelchem ich ersehen könnte, ob ich leben oder sterben sollte. In demselben Augen- blicke flog ein Schwärm wilder Enten in die blaue Lust hoch, ich betrachtete dies als ein Zeichen des Himmels und ließ den Revolver sinken. Was nun thnn? Nach Hause konnte ich nicht mehr, daß verbot mir meine Ehre, nach dem Geschäft konnte ich auch nicht, denn nach dem Vorgefallenen durfte ich inich bei Herrn Ccchn nicht mehr blicken lassen und so bin ich denn geflohen." Und der kleine Mofesmann hat sich anscheinend diese roman- tische Geschichte nicht gänzlich aus den Fingern gesogen. Er .hat sich wirklich einen Revolver gekauft und ist nach Halensee gefahren, ,vo er durch seinen Augurenblick nach den Enten davon abgehalten ivurde, die Mordwaffe gegen sich selbst zu gebrauchen. Von Halensee ist er zunächst nach dem Zoologischen Garten ge- gangcn und ist von da per Eisenbahn nach Hannover gedampft, >vo er unter dem falschen Namen„Kuttner" eine Nacht logirte. Von Hannover fuhr er nach Holland weiter, um von bort auf einem amerikanischen Dampfer nach der neuen Welt zu gelangen. <5s schien auch alles gut zu gehen, er hatte den Fahrschein bereits in der Tasche, als er aver den Dampfer vetrat klopfte ihm Jemand ge- müthlich auf die Schulter und begrüßte ihn mit den Worten:„Na, Mofesmann, wie geht's?" Es war ein Geheimpolizist, welcher die Spuren des Ausreißers gefunden hatte. Der Letztere war ganz sprachlos und in einem Anfall von Verzweiflung stürzte er sich über Bord in das Wasser, um nun seinen Tod in den kühlen Finthen zu suchen. Er wurde aber wieder heraufgezogen und ani 14. Mai mit seinem Eintreffen im Moabiter Untersuchungs- gefängniß war der Roman des kleinen Mosesmann zu Ende.— Unter Thräuen versicherte der kleine Kerl auch gestern, daß er die feste Absicht gehabt habe, sich zu erschießen nnd daß in seinem rechten Stiesel sicher das Cahn'sche Geld gefunden worden wäre, wenn ihn nicht die verhängnißvollen Wildenten auf andere Gedanken gebracht hätte. Sein Nertheidiger Dr. Friedmans bat den Gerichtshof das ganze Abenteuer des Angeklagten als Dummejungenftreich aufzufassen. Ter Gerichtshof konnte sich hierzu jedoch nicht ver- stehen, war vielmehr der Meinung, daß der Angeklagte die Er- kenntniß von der Strafbarkeit seiner Handlungsweise vollkommen besessen und verurtheilte ihn deshalb zu sechs Monaten Ge- f ä n g n i ß. Pose»», TO. Juni. Die Anarchisten Aw elewski und Liczbinski sind wegen Majestätsbeleidigiing und Aufreizung zum 5cla�e»haß zu einjährigem, beziehungsweise sechsmonatlichem Gefängniß ver- urtheilt worden. Norddeutschen Holz- Berufsgenossenschaft zusammensetzen wol- len, als Hauptzweck die Herstellung von schwarzen Listen. Es wird aber jedenfalls nicht lange dauern, bis man auch hier an die Zerstörung der gewerkschaftlichen Organisationen der Arbeiter geht. Noch einmal richten wir den dringenden Appell an die Ar- beiterpresse, von der Lage in Haniburg Notiz zu nehmen. Bisher ist dies leider noch nicht genügend geschehen und so erwachsen deshalb den Hamburger Arbeitern große Schwierigkeiten. Aller Zuzug ist von Hamburg streng fern zu halten! Die Gewerk- schaften anderer"Städte mögen in diesem Sinne wirken, daß nicht immer und immer wieder den Hamburgern für Zurückbefördernng der Zugereisten, welche sogar vielfach aus Berlin und anderen großen Städten kommen, große Ausgaben erwachsen. Die Hamburger Unternehmerschaft versucht planmäßig, eine Gewerk- fchaft nach der anderen zu sprengen. Also ist auch für solche Branchen, die augenblicklich noch nicht direkt in Mitleiden- schast gezogen sind, der Zuzug zu vermeiden, da allem Anschein nach auch diese noch an die Reihe kommen werden. Augenblicklich befinden sich hier im Ausstand— von kleineren Korporationen ganz abgesehen— die Maurer, die Zimmerer, alle auf Bauten beschäftigten Arbeitsleute, die Küper, die Gypser, die Marmorarbeiter, die Gasarbeiter, die Personale verschiedener Fabriken u. s. w. Außerdem ist die Zahl von Gemaßregelten ans Gewerken, deren Streik bereits beendigt ist, ungeheuer; wir führen hier nur die Ewerführer, die Werftarbeiter und die Maler an. Den Metallarbeitern stehen allem Anscheine nach sehr schwere Kämpfe bevor, ebenso den Schlächtern. Um dem geschlossen und planmäßig vorgehenden Unter- nehmerthum, welchem die Hilfe der Kapitalmacht und anderer Faktoren in ausgiebigster Weise Spitze bieten zu können, ist es deutschen und ausländischen Haniburger Brüdern zur Hilfe zur Seite steht, erfolgreich die dringend nothwendig, daß die Arbeiter ihren bedrängten konunen. Noch nie haben die amburger gefehlt, wenn es galt, kämpfende Arbeiter zu unterstützen. Sie haben vollen Anspruch darauf, daß man jetzt auch ihnen Hilfe leistet, sowohl durch Fernhaltung des Zuzuges als durch pekuniäre Unterstützung. Wenn es dem Unternehmerthum gelingen würde, die auf- blühenden Hamburger Gewerkschaften zu vernichten, so wäre dies ein Schlag für die gesammte Arbeiterschaft, dessen traurige Folgen sich überall bemerkbar machen würden. Wir richten deshalb noch einmal das dringende Ersuchen an die Arbeiter- presse, die Lage der Hamburger Arbeiter bekannt zu machen, nnd an alle auswärtige»» Arbeiterorganisationen, die kämpfenden Hamburger durch Abhaltung des Zuzugs nnd auch pekuniär zu unterstützen! Wir hoffen, daß dieser Appell nicht fruchtlos vorübergeht. Eine Nrrsammtnng der Leipziger Miillergehitfen tagte dort ain 7. Juni. Aus dem erstatteten Bericht über den Verlauf des deutschen Müllerkongreffes in Halle a. S. ist zu er- wähnen, daß der Kongreß eine Kommission gewählt hat, welche sich an der Anfang Juli in Hamburg stattfindenden Besprechung der deutschen Mühlenbesitzer detheiligen und namentlich für Ein- führung der 12stündige» Arbeitszeil eintreten soll. Weiter ist auf dem Kongreß die Gründung einer eigenen Krankenkasse für den egen 30dO Mitglieder zählenden Deutschen Müllerverband be- lossen worden. Hambnrg, den 9. Juni. N-ene Arbeitgeber Koalition. Das„Hamb. Echo" schreibt: Bor uns liegt ein als„vertraulich" bezeichnetes Statut eines Verbandes der Holz- industriellen von Hainburg,'Altona, Wandsbeck und Umgegend, dessen Zweck„gemeinsame Abhilfe gegen unberechtigte Forderungen ihrer Arbeiter" ist. In§§ 2 und 8 werden die Geschäftsordnung, Beitragspflicht und die Zusannnensetzuug des Vorstandes geregelt. Darauf bestimmt§ 4:„Mitglieder des Verbandes dürfen Arbeiter nur gegen Vorzeigung eines Entlassung- scheines einstellen." Noch besser geht dir Tendenz des Verbandes ans§ 6 hervor, in welchem es l�eißt:„Kein Mitglied darf die wegen Streiks entlassenen oder ausgeschiedenen Ar- beiter eines anderen Mitgliedes in Arbeit nehmen; die Namen dieser Arbeiter sind doin Vorstände sofort aufzugebe». (Schwarze Listen!) Ist ein solcher Arbeiter irrthüinlich von einem Mitgliede angestellt, so ist derselbe sofort zu entlassen, resp. zu kündigen; auch soll der Arbeitgeber, bei dem gestreikt»vird, gehalten sein, von denjenigen Arbi'ilgebern, welche Mitglieder des Verbandes sind, keinen Arbeiter»i iizustelle», der diesen Fabriken bis 14 Tage vor'Ausbruch eines Streiks angehört hat, wenn die betreffenden Arbeitgeber dazu nicht die ausdrückliche schriftliche Genehmigung geben." Den Schluß des Statuts bildet die Be- stimmung über den Austritt aus dem Verband, welcher nur an> 31. Dezember jeden Jahres nach vorhergegangener sechsmonat- licher Kündigung gestattet ist.— Wie man sieht, hat der Ver- band, dessen Mitglieder sich aus den Angehörige i der koinmen. der Werkstatt-Kontrolkonunission oder im Arbeitsnafr weis anzuzeigen, weil dadurch vieles auf gütlichein Wege geregell iverden kann. Kranl.»,,.«ni» gcji-KüinUiirtir- des yrntn» sämmtticher S?-r»l> Kl■>"*», j>eriv>»It»»g«stcllc 5(lUoabit). Eonntaz,..... Ii W» im Restaurant Blolsdorf, Rath-now-rstr. 70:~" Versammlung. Tagesordnung: Wahl der Kc Statutenberalhung. ort.<0',Tc"*!ube Ktei»meb-z>rrst»in»l»ng am Tonnerstag, den l!. Jum, Abends S Uhr, in der Ahrsns'schen Brauerei, Moabit._, Sachverei» der Tischler(gerün llord). Am Mittwoch, den II. IUI", Abends s Uhr, in Lehmann'» Salon, Schwcdiersir. 2i: Versammlung. Wrtchc uUriitlichr Nersninmlnxo der Rohrleger, cheifer nnd chsnse' »»Nossen Kerl»,»»»d Ilmgraend am Milliooch, den Ii. Juni, Abende 8 Uhr, in Feuerstein's Salon. Alte Jatobstrabe 75... Wro(ie öffentliche persa»»»!«»» der Zilechaxiker und Vitt».% .....- am Mittwoch, den Ii. Juni, AbendS rufagenoffe» Kerlin»»nd Umvegend i.............„ 8 Uhr, in May's jyestsülen(früher Heydrichs, Beuthstr. 22, i Tr., zierein der Klempner Berti»»»nd zinigroend. Am Sonnabend,? I». Juni 1890: Großes Sommerfest in der„Neuen Well", Hascnhaid- Konzert nnd Auftreten sämmtlicher Spezialitäten.. sZrost« öffentliche Nersaininlniig der Klempner Berlin»«»bsi!" gegend am Mittwoch, den II. Juni, Abends 8 Uhr, in Feuerstein's Saior- Alle Jakobslr.'5. Koiialdemoffratischer Lese-»nd Sialintir-KIud..Norwärt« 0° jeden Mittwoch, Abends 8% Uhr, seine Sihung im Lolale Nohn, Naunynflr.«" ab. Gäste, Herren und Tamen, haben Zutritt., Tie Redaktion stellt die Benutzung des Sprechsaals, soweit Raum dasür abZN' * m Publikum zur Besprechung von Allgelegenheiten allgememe IntereneS zur Verfügung; sie verivahrt sich aber gleichzeitig dagegen, milder Inhalt desselben identifizirt zu werden. Infolge der vom Vorstand des Allgemeinen Metallarbeitcr- Breills fortgesetzten Angriffe auf andere Branchen in seinen Ver- sammlungen sieht sich Unterzeichneter veranlaßt, Folgendes der Oeffemlichkeit zu übergeben. Es ist unwahr, daß die Schleper die Unterstütznng ihrer Kollegen nach dem Befchlusse der Ver- saminlung bei Lips am 7. Mai erst in eigene Hände genommc» haben, denn bevor dieser Beschluß gefapt war, resp. bevor der Metallarbeiter-Verein daran gedacht hat, sämmtliche Metallarbeiter zu übernehmen, waren die Schleifer bereits sch"'' fo weit, daß sie die Unterstützung selbst regeln mußte», denn aus den Vorstand des Allgemeinen Metallarbeiter-Vereins war nicht zu rechnen, derselbe hat schon vorher seine Mitglieder, welche sich ra» streik befanden, nicht unterstützt(Mix u. Genest), indem der Kassirer einfach die Liste derselben nach dem Arbeitsnach' �— Gewerkschaften die mit unterstützen mußten- Soztetle UeXrevptözk. Alle»» in Derlin hier aNivesenden in der Wirkerbranche beschäftigten Arbeiterinnen zur dringenden Kenntniß, daß Hierselbst, Wallstr. 67, bei der Firma Laer u. Sohn am 31. Mai zwei Arbeiter wegen ihrer gewerkschaftlichen Thätigkeit gemaßregelt worden sind. Sämmt- liche Kollegen erklärten sich mit den Gemaßregelten solidarisch und legten die Arbeit nieder. Die Firma gedenkt nun die Aus- ständigen durch»veibliche Arbeitskräfte zu ersetzen. Wir ersuchen nun dringend alle Stickerinnen, keine Arbeit bei Laer u. Sohn zu nehmen. Nur dadurch können»vir den Männern zum Siege verhelfen. Wir bitten deshalb nochmals, die Fabrik zu meiden, denn der Sieg der Männer muß auch der unsere sein. Der Vorstand des Fachvereins der Berliner Wirkerinnen. Art>eitorii»strU»»ug. Am Sonnabend, den 7. d. M., er- täubten sich die Zimmerleute des Rathszimmermeisters Krause, Lützowstr. 64/65, auf dem Bau des 10. deutschen Bimdesschießen an Vorbenannten mit folgenden Forderungen»heranzutreten: 1. einen Stundenlohn von 60 Pf. serncr die Stunde von 6 bis 7 Uhr Abends fallen zu lassen, eventuell mit 50 pCt. Aufschlag zu entlohnen. Dieses schlug der Meister rundweg ab»nid stellte an uns die Forderung, am Sonntag, den 8. d. M. zu arbeiten, welche Forderung in seinem Beisein mit allen gegen eine Stimme abgelehnt wurde.— Als nun am Montag, den 9. d. M. früh, vom Polier im Auftrage des Meisters den Kameraden bekannt gegeben»vurde, daß wir uns laut Meisterbeschluß einer 11 stündigen Arbeitszeit, ohne jede Exlraznlage zu unterwerfen Hütten, oder wen dies nicht paßte, könne ja thun und lassen»vaS er wolle! So legten 35 Mann einmüthig die Arbeit nieder.— Wir appellircn nun an Euer Solidaritäts- gefühl, Ihr Zimmerer Berlins und Umgegend, dem Bauplatz so lange fern zu bleiben, bis unsere gewiß billige Forderung zum Durchbruch gelangt sind. Außerdem machen wir daraus aufmerksam, daß überhaupt die Sonntagsarbcit gesetzlich verboten ist. Also nochmals Ihr Zimmerer, beweist Euer Solidaritäts- gefühl dadurch, daß ihr den Bauplatz des Ziminerineisler Krause meidet. Im Auftrag von 35 Unterschriften Carl Schöning, Slromstr. 43 KW. Achtung, Lachirer! Kollegen,»velche noch im Besitz von SamineUistei! sind, haben dieselben sofort an Franz Müller, Schönleinstraße 22, v. IV., oder in der ösfentlichen Bersammlnng am Sonnabend abzuliesern. Achtn»»g, Kreizer Meberstreilr! In Greiz wurde in öffentlicher Versaumilüng einstiniiing beschloj.en, den Streik fort- zusetzen, trotzdem ein kleiner Theil, dem von Seiten der Fabri- kanten kein Zugeständniß gemacht würde, wegen ma gelndcr Unterstützung einfahren mußte. Schnelle Hille thut daher doppelt noth. An alle Geiverstschaften KerUn»! Wie Ihr alle wißt, liegen die Weber in Greiz schon vier Wochen im Streik. Einige Fabrikanten haben schon kapitnlirt, die anderen müssen folgen, wenn die streikenden Arbeiter nur noch einige Tage ans- hatten. Die Roth ist groß, wenn man bedenkt, da» die Arbeiter schon seit Wochen sich mir von Kartoffeln nähren. Unterstützungen laufen fast gar nicht ein. Wenn dieselbe nur noch einige Tage aushalten, so ist der Sieg ihrer. Dieselben appelliren jetzt an das Solidaritätsgesnhl der Berliner Arveiter, es findet zu diesem Zweck am Mittwoch Abend in» Lokale„Königsbank", Große Franksnrtersir. 117, eine Volksversammlung statt. Referent Otto Heiudors. Sämmtliche Gewerkschaften sind hierzu eingeladen. DeiZÄttttttlttilgcil. Lachperem der Tischler für den Südosten hielt ani Donnerstag, den 5. Mai, in Schmidt's Salon, Waldemarsir. 75, eine Versammlung ab. Herr Dr. Bruno Wille, welcher über die kommunistische Gemeinde Jkaria sprechen sollte, ist nicht er- schienen,»vas sehr»maiigeiiebm für die enttäuschten Kollegen»vnr nnd viele wieder das Versamnilnngslokal verließen.— Darauf sprachen sich einige Kollegen für die Einführung des Delegirten- stjstems ans, was eine lebhafte Debatte hervorrief nnd die Frage der Generalverfammlnng zur endgiltigen Entscheidung empfohlen. Kollege Wiedemann forderte auf, um alle eventuellen Streckig- leiten,»velche in den Werkstätten»vegen Lohnrebuzirung vor- »»»muii-t 6,—- suumuij, VorinitlagS 11 Wu Außeiordentlichs MNiilie»»- Wahl der Kommifsions-Milglieder für die SprecklÄnl. weis schickte, so daß andere glieder des Metallarbeitervereins mu uiueiuutju, Ferner hat der Verein überhaupt kein Recht, die an die Cchlem gezahlte einmalige Unterstützung zurück zufordern, denn es ß» das Alles Mitglieder des Vereins, bei Löwe von 71 zirka 63 vi» heute noch. Ferner hat der Vorstand des Allg. Metallarbewr- Vereins selbst mit die Schuld an den Aussperrungen und NW regelnngen,»velche in diesem Umfange entstanden sind, in dem er seine Mitglieder aufforderte, ihr Wort zu brechen; hätte der- selbe die entgegengesetzte Praxis angewandt, und die Mitglieder, sowie sämmtliche andere Metallarbeiter auf gefordert, ihren Beschluß hoch zu halten, so wären Arbeit-� einstellungen, wie bei den Schleifern von Löwe, in der M«' schinenfabrik von Kappler, in der Telegraphenbauanstalt vo» Mix»nd Genest, in fast allen Fabriken vorgekommen, und die Fabrikanten konnten sich nicht so lange über Wasser Haltenz da- mit diejenigen, welche ihr Wort gehalten, auf der Straße liegen, es»vären dann nur Maßregelungen von einzelnen Personen vor- gekommen,»md diese hätten dann voll und ganz unterstütz' iverden können. Jedenfalls wäre auch dann der Ring der Eisenindustriellen 6e' sprengt worden, da dieser Beschluß betreffend das rothe Plakat»m mit 2 Stimmen Majorität gefaßt worden ist, und einzeln� Fabrikanten, welche ihren Ruin vor Augen sahen, hatten vorhtt schon gegen diesen Beschluß protestirt. Es bleibt also nun iW klärlich, wie der Vorstand eines Vereins,»velcher die Interesse der Arbeiter vertreten soll, der selbst für die Annahme der Res»' lution in den Versammlungen eingetreten ist, nach einigen Tagcm nachdem der Wind aus einer anderen Richtung wehte, seine ßW? glieder auffordern konnte, ihren Beschluß umzuwersen. Es>!' das der gröbste Fehler, der jemals in der Arbeiter- bewegung gemacht»verven konnte. Ein Arbeiter, welcher fest ruhig sein Ziel verfolgt, wird nie nnd nimmer sich überreden lassen, seinen Beschluß nicht auszuführen; denn keine Macht dm Erde ist im Stande, die Beschlüsse, welche die Arbeiter gefaß' haben, illusorisch zu»nachen, wenn der Arbeiter sie durchfuhren will. Es kann nur der Einzelne zu Grunde gehen, die Allgemein' heit aber muß den Sieg davon Engen. Nun, die ausgesperrten resp. gemaßregelten Metallarbeiter könne» heute dem Vorstand des Allgemeinen Metallarbeiter-Vereins ihren Dank abstatten, weil sie ans den» Pflaster liegen. Es ist dies ein Beweis, daß der Jndifferentismus, den man beseitigen»vill, von dem Vorstand eines Vereins großgezogen wird. Oskar Schwarz, Falkensteinstr. 9, I. DeKsesilhett. OUnltrs Tolegraplirn-Kiirrau.) Zt. Ctirmir, 10. Jimi. Von 15 000 Bergleuten haben sich bis heute nur öiXX) dem streik angeschlossen. Lijo»», 10. Juni. Um dem seit gestern»vährenden Aus- stände der Gasarvciter zu begegnen, sind heute Arbeiter von au!- wärts berufen worden. Einstweilen wirb die Arbeit in den Gaswerken durch die Stadtwache und Soldaten geleistet. Sviofsrnflon dvv Aetmlitirnr. Bei Anfragen bitten wir die AbonnemenlS-Quitinng beizufügen. Briefliche Aniworl wird nicht erlheilt. Wttskau. Wenn der betreffende Reisende dispositionsfähiz ist, so können Sie denselben wegen Abnahme und Bezahlung de» ihm verkauften Gegen,»andes verklagen. Ztr. 55. Lj. Zt. Wenn Sie eine Schlafstelle auf eineu Monat oder ohne Angabe der Miethsdauer»niethen, so niülfeu Sie für mindeßens einen Monat das Schlafgelo zahlen. L. 4, Sie können von Ihrem Prinzipal Ersay des Jhueu infolge der VcAetznng entgangenen Lohnes verlangen. f K. Zch. Gstbatznljof 8. Wir können Ihnen das Blatt nicht besorgen. ©.§. i. Sie brauchen erst nach Ablauf des sechsmvnatlickjen Zieles zu bezahlen. 2. Eine Entschädiguug für die durch Wahrnehmung eines gerichtlichen Termins Jh»eu verursachte Versaumniß wird Ihnen als Prozeßparle» nicht zu- gesprochen. 3. Landsvergerstr. 62. H- V* Geben Sie die Sachen vor Begleichung Ihrer Forderuns nicht heraus; wenn dieselben etwa 20 M. über Ihre ForderuuS hinaus»verth sind, so beantragen Sie bei Gericht Vestellimg eine» Pflegers zur Vertretung der Erben und verklagen Sie denselbm wegen Ihrer Forderung durch Zahlnngsbefehl, welch letzteren S« dann in die retinirten Sachen vollstrecken lassen. M. 1000. Eine Forderung für die einem Wiederverkaufs gelieferte» Wanren verlischt in S i Jahren. , A. 05., Zkojenevstraste. Ihre Anfrage läßt unklar, ob e» Testament vorhanden ist ober nicht. Keine- falls können Sie ohU' triftigen Eiiterbiingsgrund ganz erblos gemacht werden.& näherer mündlicher Auskunft sind wir bereit. G. V- 5. 1) Es ist an sich natürlich kein EntlassungsgrUU" 'venu der Arbeiter, weil er zum Arzt gehen muß, zu spät koim.'', 2) Die versäumte Zeit kann abgezogen werden. 3) Wenn$u, biguug ausgeschlossen ist, so bedeutet vas, daß ohne Angabe eW Grundes der Arbeiter jederzeit die Arbeit niederlegen, der älvW1 geber jederzeit den Arbeiter entlassen darf. Veranlwortlicher Redakteur: Eurt Zaasic in Berlin. Druck und Verlag von Ular Fading in Berlin LW.. Beuthstraße 2. Nr. 132. Mittwoch, den 11. Juni 1890. "?♦ Jadrg. Die„gebildete Klaffe" und das allgemeine Wahlrecht. ii. Wie steht eZ nun mit der GeschmackSbildimg der Bourgeoisie? schonen wir in die Theater, welche Stücke es sind, die volle Mser machen. Fragen wir die Leihbibliotheken, welche Erzeug- des Biicherniarkts am meisten entlehnt werden. Werfen wir nnen Blick in die illustrirten Zeitungen, deren Text an Gehalt in wk®ra�e gesunken ist, als sich die graphischen Künste gehoben und die Jllustrationstcchnik vervollkommnet haben, so daß deren Uterarischcr Theil sich selten über das Siiveau der Kaffecschwester- uleratiir erhebt. Werfen wir einen Blick auf die Toiletten der «alons und Promenaden, welcher Ungeschinack sich da als Schön- SM Zeigt, auf die kostbaren Ziinniereinrichtnngc», in welchen das behagliche von dem Prunkhaftcn verdrängt wurde. Wie sehr die verschiedenen Künste unter der Herrschaft des Kapitalismus auf den Hund gekommen sind, darüber sind schon manchem Künstler und Kunstschreiber die Augen aufgc- gangen, ohne daß sie es ändern können. Denn die Kunst liegt in den Banden des Mamnion, der sie mit ehernen Armen»in- uammert, wie in der Mythologie Pluto die Tochter Demcters, Proserpina. .»Nicht die Zeit hat die Kunst in Verfall gebracht(schreibt Alberti in der„Gesellschaft"), sie von den Gletscherhöhcn der fragil und den Meerestiefen der Leidenschaft unter die niedlichen -Terrakotten und bronzenen Nippes des Salons getrieben. Nein, was die Kunst gefälscht und verstümmelt hat, das seid ihr, die U®JIschast,.die herrschende Klasse, deren Grundsähen, Art, Methode nch Andere unterordnen müssen; es ist das Werk der Bourgeoisie. J?'® hat die Kunst zur.... gemacht, zur Dienerin ihres Luxus- Bedürfnisses, ihren Kitzel zu befriedigen, ihre denkträge Schaulüst; *9* ist sie gerade gut genug, die Fliegen der Langeweile abzu- wedeln." Nun aber die Charakterbildung, die Moral, die ist doch ganz gewiß in der kapitalkräftigen Bourgeoisie weit mehr zu Hause als k- t dm sozialistischen Proletariat und sie berechtigt ohne Zweifel me Kölncrin zu dem Verlangen, das Proletariat von der Klinke ber Gesetzgebung zurückzuweisen! ...ö gewiß, die Moral steht in der Bourgeoisie in der Herr- Kchsten Maibtüthe. Wie zimperlich ist doch der Industrielle, der Handelsherr, der Bärsenmann, daß seine 5konkurre»ten ja nicht ourch ihn empfindlich geschädigt oder gar ruinirt werden; wie lehr beherzigt man im Konkurrenzkampf den Spruch:„Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst!" Wie zärtlich besorgt sind die Arbeitgeber für das materielle, geistige und sittliche Wohl ihrer Arbeiter und Arbeiterinnen. Es»st rührend, man wird tief ruft der alte Attinghauscn seinein Neffen Nudenz zu und das gleiche Wort sei auch der Kölnerin und den Tausenden ihres Gelichters zugerufen: Lernt diese Proletarier kennen! Nicht das sogenannte Lumpenproletariat meinen wir, welches der Arbeiterbewegung noch gänzlich fern steht, sondern die zum Klassenbewußtsein erivachten Kerntruppen der Sozialdemokratie. Während die Bourgoisie, welche ehemals einem verkommenen Adel gegenüber die gebildete Klasse war, von der Zauberruthe der Circe Kapitalismus in— nun sagen wir in das verivandelt ivurde, was sie heute ist, seitdem sie ihren Idealen entsagt, und von der unterdrückten Klasse zur Untcrdrückerin sich auf- oder vielmehr hiinlntergeschwunge» hat— hat dagegen der Sozialismus, das großartigste, durchaus realistische Ideal der Geschichte, in seinen Jüngern den edlen Funken erweckt, dein Dichtcrivort gemäß: „Es wächst der Mensch mit seinen höheren Zwecken", und sie in Bezug auf das, waS man wahre Bildung nennt, über de» Troß der Kommerzienräthe, Bankdirektoren u. s. f., ebenso emporgehoben, wie einst die bürgerliche Freiheitsbewegung der bürgerlichen Republikaner über die Herzoge, Grasen und Kraut- jnnker. In einem Bildungszweig allerdings ist die Bourgeoisie dem Proletariat bedeutend„über", das wollen wir unverhohlen zu- aeben. In Bezug auf das gesellschaftliche Zeremoniell— die Knixe und sonstigen Faxen, welche man vom Tanzmeister erlernt, die Phrasen, die bei aeivifsen Anlässen gewechselt werden, und dergleichen, hierin müssen ivir der von der Kölnerin publizistisch vertretenen Klasse unstreitig die Palme zuerkennen, und wenn die Kölnerin auf diese Art Bildung ihre Wahlrechts-Nmsturzgelüste gründet, so müssen wir lmser Haupt in Deinuth beugen und über- ivältigt verstummen. „Hamburger Echo". Gevichks Jeikung. aus- Ver- I griffen von dem Uebermaß an Menschenfreundlichkeit, welche in der Fixirung der Löhne, der Arbeitszeit»c. zu Tage tritt. Der edelste Wetteifer ist unter ihnen entbrannt. Jeder will es dem Andern an Verbesserung des Looses der Arbeiter zuvor thun, Jeder den Andern an werkthätig christlicher Liebe überragen. Was fragt der idealistische deutsche Arbeitgeber nach Profit? Ihm ist das erhebende Bewußtsein für seine Arbeiter väterlich �sdtgt zu haben, der schönste Lohn, der beste„Entbehrungs Und das Familienleben der Bourgeoisie, wie moralisch, wie rein und fleckenlos es zu sein pflegt! Ein Ehebruch kommt höchstens in zehn Jahren einmal vor und findet in der guten Gesellschaft nur Verachtung und Abscheu. Kein Wunder, denn man heirathet einander ja nur nach Neigung, oder zum mindesten nach sorgfältiger gegenseitiger Prüfung der Charaktere; die Mit- gift, die Stellung spielen nur eine ganz»intergeordnete, nebensächliche Rolle. Wehe dem Rouö, der sich in die gute Gesellschaft einzudrängen wagt, er mag noch so reich, noch so vornehm, noch so angesehen sein, mit Verachtung wird ihm die Thüre gewiesen, bannt er die keusche Atmosphäre nicht durch seinen unmoralischen Lebenswandel verpeste! Sodanil die Wahrheit i nd Wahrhaftigkeit! Wie sehr verafr scheut man Lüge und Heuchelei im Gesellschaftsleben, Flunkerei Und schwindehaste Reklame im Geschäftslebcn. Einen Zwiespalt Zwischen Worten und Gesinmlngeii kennt man kaum, ein ent- puppter Lügner und Schwindler wird wie ein Aussätziger aus- gestoßen, ein Gesinnungslump und Streber wie die Pest ge- mieden. Dem Servilisinus, der würdelosen Knechtsseligkeit be- gegnet man mit unverhohlener Geringschätzung und Verachtung, ""gegen werden Diejenigen hochgeschätzt und hochgeehrt, welche mit freiem Manncsmuth ihre religiöse oder politische Ueberzen- gung. sie sei welche sie wolle, offen bekennen und mannhaft für s>e eintreten. .r Und die Mäßigkeit erst. O ihr ungebildeten Proletarier, die chr manchmal ein Glas Bier»lehr hinter die Binde gießet, als me Erhaltung eures Leichnanis gebieterisch fordert. Die„ge mldete Klasse" nehmet euch zum Muster und Vorbild. Ich rathc Aich, vor Allem zu euren Altersgenosscii aufzublicken, zu den Stu- beuten auf den Universitäten. An ihnen könnt ihr lernen w,e üch ein junger Mann betragen muß, um einst ein nützlicher Staatsbürger zu werden. Sehet doch,»vie sich diese künftigen «äulen der kapitalistischen Weltordnung von jeder Völlerei fern- halten, wie eingezogen, sparsam und mäßig sie leben. Und gar brst ihren Fleiß müßt ihr beobachten. Wie, ihr verlanget Ver- luriung der Arbeltszeit, einen Achtstundentag sogar j? Pfui. schämt euch und sehet, wie emsig diese Studenten von Morgens ms Abends und tief in die Nacht hinein ihren Studien obliegen, '"'e gewissenhaft sie ihre Kollegien besuchen, wie tief pe es be- bauern, wenn sie cinnial genöthigt sind, ein Kolleg zu schwänzen und wie sie das später inil verdoppeltem Eifer nachholen. m>nd moralischer Vortrefflichleit zu überschätzen, D!enfch'!.7."'ns�".M.. I. wir sind alle dab f.? J' Bourgeois wie Proletarier. So viel aber ist sicher, Wis,v.M'?Z>allst»sche Bewegung, wie sie eine treffliche Schule der llöuiig ist, so auch eine ausgezeichnete Schule der Ge- die Pr" t Charakterbildung und wenn die kapitalistische Presse Mo,'mn2' Wt, auf das Proletariat herunterzuseheii und es in Mir M�r Hinsicht als Bildungskanaille geringzuschätzen, so sagen bild->»„ AM-,".im vollsten Brustton der Ueberzcugung: Tie ge- Vrnm-"lasse ist nicht die Bourgeoisie, sondern das sozialistische Oeis»....H'er ist noch wahrer Idealismus, opferfreudige Be- M»«. M Hingebung an ideale Ziele, Gesinnungstüchrigkeit, di-S k- M �Überzeugung. Diestern des Sozialistengesetzes hat ' dächten wir, auf's glänzendste beiviesen. z,l».?�Niiß ist es die materielle Lage der Arbeiter, welche sie sclinl bewegt, sich um das Banner des Sozialismus zu »lehr1-. 3e länger sie aber der Bewegung angehöre», desto Snk- erhebt sich die Bctheiligung daran in die ideale dn,n ks, desto„lehr wird sie sozusagen destillirt. Wissen sefj, m M Nkanner recht gut, daß die letzten Ziele der sozialifti- h., � Bewegung nicht zu ihren Lebzeiten sich verwirklichen werden, (bei. de für eine Sache kämpfen, deren Früchte erst die späteren �eneratioueil pflücken, verde». Lern dieses Volk der Hirten kennen, Knabe 1 Schweres Kranksein in der«charitee ist kein reichend entschuldigter Grund für das Ausbleiben im handlungstermin, wenn es nicht amtlich bescheinigt ist. Diese» auffallenden Nechissah stellte gestern die 95. Abtheilung des Berliner Schöffengerichts i» der Strafsache gegen den Dachdecker Karl H e r m a n n und Genossen auf. Gegen die vier Angeklagten sind amlsrichterliche Strasbefchle ergangen, nach welchen der Haupt- angeklagte wegen groben Unfugs zu acht, die drei übrigen An- geklagten wegen derselben Uebertretung zu je sechs Tagen H a s t verurtheilt worden sind. Alle vier Angeklagte haben gegen die ihnen zugegangenen Strasbefehle Einspruch erhoben; zu dem daraufhin anberaumten Termine waren aber nur drei Angeklagte erschienen, die vierte, eine unverehelichte Marie Hamann, fehlte. Bezüglich ihrer war eine ununterschriebene Mittheilung eingegangen, laut der sie sich schwer erkrankt in der Charitee befindet. Als zwischen Vor sitzendem und dein Amtsamvalt erörtert wurde, bei welchem Postamt dieses Schreiben aufgegeben worden sei, meldete sich die im Zuhvrerraum befindliche Wirthin der Angeklagten als die Schrei- berin und bestätigte die in dem Brief enthaltene Angabe mit dem tinzufüge», daß die Angeklagte derartig krank sei, daß sie zum chreiben unfähig war. Der Amtsanwalt beantragte, da das Ausbleiben der Angeklagten mangels amtlicher Bescheinigung nicht entschuldigt sei, Verwerfung des Einspruchs, auf welche der Gerichtshof aus dem oben angeführten Grunde auch erkannte. Erwähnen wollen wir noch, daß die Haftstrafe gegen die gleich betheiligten Angeklagten um zwei Tage ermaßigt worden ist. Ein grast artig er Stellenvermitielunga- Schwindel nahm gestern fast die ganze Sitzung der III. Strafkammer des Landgerichts I in Anspruch. Es ivurde dem Gericht ein Mann vorgejührt, der über Jahr und Tag in Untersuchungshast ge- seffen hat. Seine Strafthaten sind bereits im Jahre 188« de- gangen. Der Angeklagte war der ehemalige königliche Förster Emanuel Wilcke, der wegen verschiedener Pflichtwidrigkeiten seines Amtes enthoben worden ist. Nach dieser Zeit hat er ein bewegtes Leben geführt, er war Amtsdiener, Privatförster und Handlungsbcflissener, bis er schließlich in den» Dorfe Linden bei Brieg in Schlesien sich niederließ und von hieraus seine Netze auswarf nach denjenigen Gutsbesitzern, welche Dienstboten suchten. Der Angeklagte veröffentlichte in allen land wirthschaftliche» Zeitungen des Deutschen Reiches Anzeigen, wo nach er 5U<) Dienstboten beiderlei Geschlechts zur Verfügung hatte. Aus den entierntesten Gegenden liefen Anfragen und Bestellungen ein. Zunächst sandte der Angeklagte darauf seinen„Geschästs- Prospekt" ein, ein Druckvogen, der seiner Ausstattung und seinem Inhalte nach eine außerordentliche Leistungsfähigkeit versprach. Am Stopfe des Prospektes befand sich eine Aufführung der viel- umfassenden Thätigkeit des Geschäftsinhabers, darnach besorgte er Hypotheken und Tarlehne für Gutsbesitzer, vermittelte Hei- rathen und besorgte Dienstboten für alle laudwirthschaftlichen Arbeiten, für Ziegeleien und Fabriken, auch hatte er ganze Tage- löhnersamilien für größere Güter unterzubringen. Er verlangte zunächst für Uebersendung des Prospektes eine Mark, dann für jede Person im Voraus das Reisegeld, je nach der Entfernung und schließlich einen Lohnvorschuß von 5—10 Sst. Da der Prospekt mit dem Namen und dem Titel eines„königl. Försters a. D." unter- zeichnet>var, so geivannen die Reflektanten Vertrauen und sandten je»ach der Anzahl der bestellten Dienstboten die ver langten Vorschüsse ei». Nur in einzelnen Fällen hat der Älnge- klagte einen Austraggeber, der einen oder zwei Dienstboten haben wollte, befriedigt, zumeist traf nach längeren. Drängen auf dem entfernten Gute ein polnisches iveibliches Wesen ein, das nicht einmal deutsch konnte und von der Arbeit, zu der sie gedungen war, keine Ahnung hatte. ES entstanden noch obendrein Unkosten, um dei» Dienstbotei» ivieder los zu iverde». Es gelangten gestern nicht weniger als 33 Fälle zur Verhandlung, in welchen die Auftraggeber auss Schnödeste getäuscht und zum Theil um recht erhebliche Summen betrogen worden waren. Ter Staats- anwalt beantragte gegen den'Angeklagten eine Gesammtstrafe von 1 Jahr 3 Monate G e f ä n g n i ß und 1 Jahr Ehr- v e r l u st. Das Nrlheil lautete auf 1 Jahr Gefä ngn iß und einjährigen Ehrverlust, jedoch wurden dem Ange- klagten, der bereits 13 Monate in Untersuchungshaft sitzt, hierfür 10 Monate abgerechnet. Der ehemalioe Krrichts-Aktnar Heinrich Zkangbrck, hat sich nach seinem Ausscheiden aus der amtlichen Stellung in Berlin als Rechtsanwalt niedergelassen. Er ist bei dieser Thätigkeit bereits mehrfach mit deni Straf-Gesehbuch in Kon- flitt gerathen. Auf einer falschen Nechtsauffassiing seinerseits sollte auch, wie er ,ve»igste»s behauptete die Handlung zurückzuführen sein, die ihn gestern unter der Anklage der ver- suchten Erpressung vor die erste Straskamnier des Landgerichts I brachte. Ter Portier H. war von dem Schuhmacher K. ivegen Beleidigung verklagt worden. Er wandte sich an den Angeklagien i mit dein Auftrage, ihm die Stlagebeantwortung aufzusetzen. Nach- I dem dies geschehen, fand K. sich veranlaßt, die Klage gegen H. zurückzuziehen. Langbeck will nun der Ansicht gewesen sein, daß in solche» Fällen der Kläger auch die dem Gegner bereits erwach- senen Kosten erstatten muß. Er schrieb daher im Namen seines Klienten, des Portiers H. an K., daß derselbe innerhalb 24 Stunden die für die Klagebcantivortiing zu zahlenden 5 M. an ihn abzuführen habe. Hieran knüpfte sich die Drohung, daß im Weigerungsfälle die Ehefrau des K. wegen eines Kohlendiebstahls angezeigt werden ivürde. Der so Bedrohte war vernünftig genug, dies Schreiben der Staatsanwaltschaft einzureichen. Der Gerichtshof glaubte dem Angeklagten nicht, daß er als gewesener langjähriger Gerichts- aktnar sich in einem Rechtsirrthum befunden habe, er habe viel- mehr sich oder seinem Klienten einen rechtswidrigen Vermögens- vortheil verschassen wollen. Durch die hinzugefügte Drohung kennzeichne sich seine Handlung als eine versuchte Erpressung, für welche auf eine vierzehntägige Gesäiignißstrase erkannt wor- den sei. Don rminrntrr Wichtigkeit für das politische Lebe», namentlich zu den Zeiten der Wahlen, ist eine Ent- scheidung, welche die l. Strafkammer des Landgerichts zu Schneide mühl, als Beschlußinstanz getroffen hat. In einem Dorfe in» Wahlkreise Colmar-Czarnikau wolle» eine Anzahl Wähler bemerkt haben, wie der Wahlvorsteher nicht nur die von ihnen, sondern auch die von Anderen abgegebenen Stimm- zettel erst gezeichnet hat, bevor er sie in die Wahlurne warf. Der eine von diesen Wähler» trat wieder an den Wahltisch und ver- langte vom Wahlvorsteher den abgegebenen«nd noch nicht in die Urne geworfenen Zettel zurück. Derselbe weigerte sich, diesen An- forderungen zu entsprechen, worauf der betreffende Wähler den Versuch machte, die Wahlurne fortzllnehmeii, damit der Vorsteher seinen Wahlzettel nicht sollte hinein werfe» können. Drei andere Wähler unterstützten das Verlangen des be- treffenden Mitwählers. Der nun an alle Vier seitens des Wahl- Vorstehers ergangenen Aufforderung, sofort das Wahllokal zu ver- lassen, leisteten dieselben unter der Behauptung, da sie, da der Wahlakt öffentlich sei, berechtigt sind, im Wahllokal zu ver- bleiben, keine Folge und wurden gewaltsam daraus entfernt. Der Staatsanwalt zu Schneidemühl erhob gegen die vier Wähler Anklage wegen gemeinschaftlichen Hausfriedens- b r u ch s, gegen den ersten auch wegen groben Unfugs, und die Strafkammer hat unter Bejahung der wichtigen Rechts- frage, daß trotz der Oeffentlichkeit des Wahlakts der Vorsteher die Wähler, welche ihre Stimmen bereits abgegeben, hinausweisen dürfe, das Hauptverfahren eröffnet und die Entscheidung vor das Schöffengericht zu Filehne verwiesen. Ueber den Ausgang werden ivir seiner Zeit berichten. Soziolo Tteberstchk. Aus Leipzig, den 9. Juni, schreibt man uns: Die Mit- thcilung über die Petition der Hamburger Bäcker an den Reichs- tag veranlaßt mich dem„Volksblatt" eine Schilderung der Zu- stände einzusenden, unter welchen ein Bäckerlehrling hier im be- rühmten Pleißen-Athen sein jämmerliches Dasein verbringt. Biel« Bäcker, und die Lehrlinge haben sofort dabei zu sein, fangen schon Abends II Uhr an zu backen und dies geht ohne Unterbrechung fort bis in die Nachmittagsstunden. Ist Brot zu fahren, so dauerts bis 5 und 0 Uhr. Dann haben die Lehrlinge 3 mal wöchentlich Abends von 6—8 Uhr Fortbildungsschule, also zu einer Zeit, wo sie kaum eingeschlafen sind. Trifft die Schule mit dem Vrotfahren zusammen, so können sie vorher gar nicht schlafen, also nach ISstündiger Arbeit sollen die in der E»t- Wickelung stehenden juiigen Leute sich hinsetzen und lernen, die den Schlaf viel nöthiger haben als Erwachsene. Kein Sklaven- Halter wird seinen Leuten so etwas zumuthen, einfach weil sie ihm Geld kosten. Schläft dann so ein junger Mensch in der Schule ein, was doch sehr natürlich ist, soistderHerrLehreroftsorücksichtslos,denselben eine Stunde nachsitzen zu lassen, so daß derselbe erst um neun Uhr nach Hause kommt. Von 9— ValO Uhr ist„Anschlagen" in der Bäckerei, darnach kann sich der Lehrling, also von'MO Uhr bis II oder 12 Uhr schlafen legen, er hat also sage und schreibe einnndeinhalb bis zwei Stunden Schlaf inner- halb 24 Stunden und in einem Alter, wo er wächst und mannbar wird, also den Schlaf doppelt nöthig hat. Dann kommt noch hinzu, daß es im Bäckergewerbe weder Sonntage noch Feiertage giebt; sich irgend- wie zu erholen oder fortzubilden, ist aus diesen Gründen ein Ding der Unmöglichkeit. Will ein Geselle oder Lehrling eine kurze Zeit wegbleiben, so muß er auf seine Kosten Aushilfe be- schaffen. Ich glaube, so etivas giebts in keinem anderen Ge- werbe. Die Bäcker sind schlechter daran als ein Thier, dem' selben koimnt wenigstens seine Lage nicht zum Bewußtsein. Daß die Lehrlinge der Bäcker durch die Fortbildungsschule um den so kostbaren Schlaf gebracht werden, ist mehr wie hart, und auch ganz zwecklos, da von einer Aufmerksamkeit gar keine Rede sein kann. Die Schule müßte für die Bäcker entweder fort- fallen oder auf eine andere Zeit verlegt werden.(Aber wohin denn! Hier giebts nur ein Mittel gründliche Verkürzung der Arbeitszeit. D. Red.). Rohe Behandlung beim Wecken in der Nacht, von Seiten des Meisters oder der Geselle», z.B. Schläge, Begießen mit kaltem Wasser:c. gehört zu den Alltäglichkeiten. Es ist doch klar, daß ein junger Mensch nach nur zwei Stunden Schlaf nicht gleich munter wird. Warum nicht auch hier die Fabrikinspektoren Abhilfe schaffen können, ist mir unbe- greiflich; die Lehrlinge in der Fabrik haben es golden dagegen. Es haben mir verschiedene Meister erklärt, daß es ganz gut ginge, an Sonn- und Feiertagen die Backstube früh 0 Uhr zu chließen, es müßten es aber alle thun, und das könne nur von Seiten der Regierung erzwungen werden. Daß die Meister so etwas selbst durchführten, dazu sind sie viel zu selbstsüchtig und chwachköpftg, auch zu sehr mit dem Gewohnheitsschleildrian ver- wachsen. Was Sonntags gebraucht wird, kann auch schon Sonn- abend Abends bestellt werden. Es wird hohe Zeit, daß die gesetzgebenden Faktoren aus diesem Gebiete Abhilfe schaffen. VerlÄmttllittrgen. D«v erst» Kongreß der in preußische» Staais-Eisen- dahn- Werkstätten und Betrieben beschäftigten Arbeiter fand am 26. und 27. Mai in Magdeburg statt. Trotz der kurzen Zeit, seitdem die Eisenbahnarbciter-Bewegung hervorgerufen wurde, und trotz des von den meisten Werkstättenvorständen entgegengesetzten Widerstandes hat die Energie der Eisenbahnarbciter sich dadurch nicht beeinflussen lassen, den Kongreß durch Delegirte zu beschicken. Die Eröffnung des Kongresses fand am 26. Mai, Nachmittags ü Uhr, statt. Ter Einberufer, Herr Kohlmann- Magdeburg, begrüßt zunächst die Delegirten und theilt denselben die Tages- ordnung mit, worauf die Versammlung die Wahl einer Mandats- Prüfungskommission vornahm. Gewählt wurden: Schüßler-Berlin, Weber-Magdeburg, Winter-Hamburg. Danach vertagte sich die Versammlung auf kurze Zeit. Nach Wiederaufnahme der Ver- Handlungen erstattete die Mandats-Prüsungskommission Bericht. Aus demselben geht hervor, daß 6 Städte durch 12 Delegirte vertreten sind und zwar Berlin 4 Delegirte, Hamburg 8, Magdeburg 2, Halle i, Harburg 1, Dortmund 1." Außerdem waren mehrere Delegirte aus verschiedenen großen Städten angemeldet, welche aber, um nicht existenzlos zu werden, dem Kongreß fern- blieben, sich aber durch Vereinbarung mit ihren Kollegen schrist- lich verpflichteten, die Kongreßbeschlüssc anzuerkennen. Hieraus fand die Bureauwnhl statt. Es gingen aus der Wahl hervor: Kohlmann-Magdeburg, erster Vorsitzender, Glie- necke-Hamburg, zweiter Vorsitzender, Röseler-Berlin, Schrift- führer. Hierauf wurde in die Tagesordnung eingetreten. Der erste Punkt„Die allgemeine Lage unseres Ge- werbes" wies ein überaus trauriges Verhältniß nach, indem die Löhne sich pro Tag auf 2 M., 2,10 und erst nach mehr- jähriger Beschäftigung 2,50 im höchsten Fall 2,80 belaufen. Punkt 2 und 3 wurden laut Antrag zusammen verhandelt, Punkt 2, wodurch können wir bessere Lohn- resp. Arbeitsbcdin- gungen erzielen, Punkt 3 die Nothwendigkeit der Organisation. (§ 152 der Gewerbeordnung.) Die Nothwendigkeit der Organi- sation wurde von den Delegirten Berlin, Magde- bürg, Hamburg und Halle anerkannt.(Dornbach-Har- bürg sprach sich gegen die Organisation aus und wären die Gründe in den voraussichtlichen Blaßregelungen zu finden. Eine von Weber-Magdeburg eingebrachte Resolution wurde mit allen gegen eine Stimme(Wolff-Dortmund) angenommen. Reso- lution: Der erste Kongreß der Eiseubahnarbeilcr Deutschlands zu Magdeburg, in der Buckaucr Bierhalle tagend, beschließt: Da nach den von allen Delegirten aufgeführten Situationsberichten die Lage eine überaus traurige ist, alles Ringen nach Besser- stellung durch Maßregelungen von Kollegen, welche Versammlungen oder Vereinigungen arrangiren wollen, bisher vergebens war, erkennt der Kongreß nach reiflicher Berathung, daß nur dem Gesainmtiibcl durch eine gute Organisation abgeholfen werden kann. Daher be- austragt der Kongreß jeden Delegirten in seinem Heimathsorte zunächst einen Eisenbahnarbeiter-Vorein zu gründe», die Ver- einigungen bleiben lokale. Um aber geistig ein einheitliches Großcs und Ganzes darzustellen, beschließt der Kongreß, ein Ar- beiterblatt allen Eiscubahnarbeitern zu empfehlen, welches deren spezielle Interessen vertritt. Hierauf wurden die Verhandlungen un» 7 Uhr Abends bis am 27] Morgens 9 Uhr vertagt. 2. Verhandlungs-Tag. Anfang 9 Uhr. Die Präsenzliste ergab das Fehlendes Delegirten Wolff(Tortmund). Punkt 4 Auflösung der Pensionskasse. Es gipfelten die Ausführungen sämmtlicher De- legirten darin, daß der hohe Beitrag beim Lohnabzug schwer empfunden wird und bei einer etwaigen Pensionirung, welche nach zehnjähriger Karenzzeit stattfindet, den Mitgliedern nicht genügende Existenz bietet. Jni weiteren ist es nur ein Privat- unternehmen, welches keine gesetzliche Garantie leiste. Hierzu wurde von den Berliner Delegirten folgende Resolution einge- bracht und einstimmig angenommen: Resolution: Der erste Kongreß preußischer Staatseisenbahn-Arbeiter, der in Magde- bürg(Buckauer Bierhalle) tagt, beschließt: In Anbetracht der von allen Delegirten ausgeführten Berichte über die Pensions- kasse, den Königl. Minister der öffentlichen Arbeiten auf dem Petitionswege zn ersuchen, die Auflösung der Pensionskasse nach § 38 zu bewirken. Der Antrag Punkt 5, Auszahlung des Lohnes in jeder Woche, und Punkt 6, Bildung von Arbeiterausschüssen, zusammen zu verhandeln, wurde angenommen. Die Diskussion hierzu ergab eine einheitliche Meinung, daß durch die lang aus- gedehnten Zahlungsperioden, welche erst nach 14 Arbeitstagen erfolgen, sür neu ansaugende Arbeiter sogar erst nach 21 Arbeits- tagen, eine Schädigung ersichtlich ist. Hierzu wurde eine von den Berlinern Delegirten eingekrachte lliesolution einstimmig an- genommen. R e s o I u t i'o n: Der erste Kongreß preußischer Staats- Eisenbahnarbeiter beschließt: In Erwägung der bestehenden Lohnverhältnisse ist es den Eisenbahnarbeitern unmöglich, in den lange ausgedehnten Zahluugsperioden des Lohnes seiner Familie die nothivendigslen Lebensmittel zuzuführen;.ferner, daß dadurch die Arbeiter dem sogenannten Borgsystem in die Hände fallen und dieselben für minderwerthige Wäare höhere Preise zahlen müssen und somit schwer geschädigt werden, dem Eisenbahn- minister diese lllesolution zu unterbreiten und denselben zu er- suchen, dcmenlsprechend Abhilfe zu schaffen, indem die Lohn- zahlungen der Eisenbahnarbciter alle 8 Tage stattfinden. Betreffs der Arbeiterausschüsse wurde folgende Resolution von den Berliner Delegirten eingebracht und einstimmig angc- nommen. Resolution: In Erwägung, daß durch Gründung von Arbeiterausschüssen der Frieden zwischen Arbeitgeber uno Arbeitnehmer meyr erhalten bleibt, indem Streiks und unlieb- same Lohndifferenzen möglichst beseitigt werden können, und da- durch auch die vielen Opfer auf beiden Seiten vermieden wer- den, beschließt der erste Staatseisenbahn-iZlrbciterkongreß, den hohen Reichstag zu ersuchen, dahin zu wir- len, daß Arbeiterausschüssc auf Grund der von den Ar- beiterabgeordneten eingebrachten Anträge, betreffend Abänderung der Gewerbeordnung, gegründet werden und dieselben gesetzlich einzuführen. Punkt 7, Abschaffung der Akkordarbeit, rief eine längere Diskussion hervor. Es betyeiligten sich daran Kohlmann, Weber(Magdeburg), Schüßler(Berlin), Glicn.cke, Winter(Ham- bürg), Köhler(Halle), und wurde den durch die. Akkordarbeit hervorgebracl.ten Schäden demenlsprechcnd in einer von den Berliner Delegirten eingebrachten Rcsolulion Ausdruck gegeben. R e s o l u t i o ii: Ter erste Kongreß preußischer Staatseisenbahn- Arbeiter beschließt, den hohen'Reichstag folgende Resolution zu unterbreiten: In Erwägung, daß die Akkordarbeit die körperliche Kraft deö Arbeiters volltzändig ruinirt und selbst der staatliche Arbeitgeber dadurch geschädigt wird, indem durch dieses Akkord- system die allgemeine P. uscharbeit gefördert, der'Arbeiter demoralisirt uno Uneinigkeit unter denselben hervorgebracht wird, seruerhin wird dadurch ein Kolonnensystem erzielt, welches zu großen Unzuträglichkeiten führt; in weiterer Erwägung, daß durch die niedrigen Akkordpreise den Arbeitern nicht die Zeit bleibt, etwaigen angebrachten Schutzvorrichtungen genügende Aiifmerkstmikeit zuzuführen und auf Grund dessen mehrfache Un- fäll? hervorgerufen werden, ist der Kongreß davon überzeugt, daß durch einen den Verhältnissen entsprechenden auskömmlichen Lohn, welchen man den Arbeitern gewährt, eine kultursördernde Pro- duktionsweise und eine kräftige Arbeiterschaft herangebildet wird, ersucht der Kongreß den hohen Reichstag, die Akkordarbeit zn be- seitigen und dieses gesetzlich einzuführen. Punkt 8„Abschaffung des Kolonnensysiems" wurde beantragt abzusetzen und wurde dieser Antrag gegen die Stimnien Schüßler und Röseler(Berlin) angenommen., s Hiernach beantragte der Delegirte Weber(Magdeburg) eine tinslundiae Mittagspause und wurde demselben zugestimmt. Wiedereröffnung 2 Uhr 10 Minuten. Zu Punkt 9„Verschie- denes" wurde vom Delegirten Köhler(Halle) eine lliesolution cm- gebracht. Dieselbe lautet: Resolution: In Erwägung, daß in den königlichen Bahnbetrieben vielfach Maß- regelnngen stattgefunden haben, daß Arbeiter entlassen wurden, welche bis zu 10 Jahr und länger darin beschäftigt waren, indem dieselben nur für Besserstellung der materiellen Lage sämmtlicher Eisenbahnarbeiter eintraten, welches durch das Koalitionsrecht(§ 152 der Gewerbeordnung) gewährleistet ist, be- schließt der Kongreß, den Minister für öffentliche Arbeiten zu er- suchen, die stattgefundenen Maßregelungen zurückzunehmen und die davon Betroffenen wieder in Arbeit zu stellen. Vorstehende Resolution wurde einstimmig angenommen. Ein Antrag, dahin- gehend, einen Ausschuß einzusetzen, der in Berlin seinen Sitz haben soll, um die Agitation durch ganz Deutschland zu betreiben, eventuell Lohndifferenzen resp. etwaige Arbeitseinstellungen zu regeln hat, fand einstimmige Annahme. Ferner wurde beantragt, eine Broschüre mit ausgearbeiteter Statistik über Eisenbahnarbeiter- Verhältnisse erscheinen zu lassen; ebenso wurde beantragt, aus- führliche Protokolle über die Kongreßverhaudlungen drucken zu lassen; ein weiterer Antrag, mit der Redaktion der„Metall- Arbeüer-Jeitung" Rücksprache zu nehmen, um eventuelle spezielle Berichterstattung innerhalb der Eisenbahnarbeiter-Bewegung auf- zunehmen, fanden allgemeine Zustimmung. Ilm Schluß der Ver- Handlungen angelangt, befürwortete der Vorsitzende Kohlmann in begeisterter Weise, die Delegirten mögen treu und fest zur Ar- beitersache halten und die bereits beschrittene Bahn weiter zn verfolgen. Mit einem dreifachen Hoch auf die gesammte Eisen- bahnarbeiterschaft Deutschlands, worin alle Delegirte einmüthig einstimmten, schloß der Vorsitzende Kohlmann-Magdeburg um 6 Uhr Abends die Verhandlungen. Wroffe Schnridrrvevsnmml«»g drr Freien Urreini- gnng der Schneider Kerlino ain Montag Abend bei May, Beuthstraße. Die interessante Tagesordnung:„Die Regierungs- vorläge zur Gewerbeordnung", Referent Herr Reichstagsabgeord- neter August Drees bach-Mannheim, hatte lange schon vor Beginn der Tagesordnung den umfangreichen Saal mit Fach- genossen dicht gefüllt. Referent entledigte sich seiner Aufgabe in meisterhafter Weise. Er führte im wesentlichen Folgendes aus: Seil Jahren schon sei es namentlich Wunsch der Arbeitnehmer, an Stelle der zumeist noch immer in Gewerbestreitigkeiten zu- ständigen ordentlichen Gerichte eigene Gewerbe-Schiedsgerichte gesetzt zu sehen. Die Berechtigung, ein solches Gericht zu erhal- len, sei schon seit dem Jahre 1869 in§ 120 der Gewerbeordnung gegeben, in dem es heiße, daß ans Wunsch der Betheiligten an Stelle des gewöhnlichen ein eigenes Schiedsgericht treten könne. Von diesem Gesetz ist denn auch thatsächlich in verschiedenen Städten Deutschlands schon Gebrauch gemacht worden. Trotz- dem habe sich im'Allgemeinen das Gcwerbc-SchiedSgericht noch immer nicht de» Eingang errungen, den man wohl habe er- warten können. Schuld daran seien nicht die Arbeiter, sondern sowohl die Kommunal-, als Staatsbehörden. Eigenthümlich müsse es berühren, wenn die Staatsregierung ihre Weigerung damit motivire,„daß die Gemeindebehörden sich unschlüssig über die Form des Schiedsgerichts und über die Frage, wo dasselbe an- gebracht und wo nicht, gewesen". Es liege einfach an der Staatsbehörde, daß es auch in Berlin noch immer an einem der- artigen Gerichte fehle. Diesem Uebelstand soll ein Ende gemacht werden und man hofft, daß ans Grund der zu besprechenden Vor- löge, wenn dieselbe Gesetzeskraft erlangt haben wird, die Errichtung der Gewerbe- Schiedsgerichte in weit größcrem Maße vor sich gehen werde als dies bisher der Fall gewesen. Doch anch der gegenwärtig vorliegende Entwurf lasse so große Mängel erkennen, daß es noch fraglich sei, ob derselbe die Zustimmung der Reichstagsabgeordneten der Arbeiterpartei finden werde. Denn was an reaktionären Bestimmungen jeinals noch gefehlt, sei in diesem Entwurf enthalten. Referent legte darauf in eingehender Weise, oftmals von stürmischem Beifall der Versammelten unterbrochen, die Hauptgrundzüge der 75 Para- graphen des Entwurfs dar, welcher am 9. Juni in den beiden Lesungen der Kommission, zu welcher bekanntlich neben dem Herrn Referenten auch Herr Tutzauer gehört, durchbcrathe» worden. Wenn man erwartet habe, daß nach den Erfahrungen der letzten 20 Jahre wenigstens dafür gesorgt worden wäre, daß Schieds- gerichte nicht erst dann errichtet würden, wenn es den Akagistratsherren beliebe, sondern daß ein gewisser Zwang, eine obligatorische Einführung stattfinden ivürde, so habe auch darin der Entwurf die Hoffenden bitter enttäuscht.„Können" und„kann" sei das Bezeichnende in dem Entivurfe. Nirgends ein bestimmtes„Muß". Trotz aller angeivandten Mühe der sozialdemokratischen Mitglieder der Berathungskommission Drees- bach und Tutzauer wurden dieselben von der Mehrheit über- stimmt und namentlich die Vertreter des Zentrums seien in alle» reaktionären Bestimmungen der'Regierung im Schnelllauf e»t- gegcngekoinmen. Doch iverde der beiresfende Antrag von neuem bei den Berathungen im Plenum gestellt werden. Auch die Hausiudustriellen sollen auf Bemühe» der Arbeitervertreter in dem Gesetz mit inbegriffen fein. In Bezug auf die kansmännischen Eingestellten habe man dies nicht zu er- reichen vermocht. Die einschneidenstc Bestiminuug sei in- dessen, daß zum Amt eines Beisitzers die Erreichung des dreißigsten Lebensjahres erforderlich sei. Zur Wahl sei die Erreichung des 25. Jahres genügend. Dies und die Bestimmung, daß ein Wahlberechtigter 2 Jahre lang an dem Orte der Wahl ununterbrochen aufhältlich gcivesen, seien die cinschneidensien Bestimmungen des Entwurfes, an denen gar leicht die ganze Annahme desselben scheitern könne. Denn welctzcr jüngere Arbeiter wechsele heul zu Tage nicht oft seinen Wohnsitz, der Noty gehorchend, nicht dem eigenen Triebe? Auch die Bestimmung, daß wahlberechtigt nur sein könne, wer in den letzten drei Jahren vor der Wahl Armenunterftütznngj nicht empfangen, sei nicht z» billige». Manch' braver Arbeiter könne gar leicht in die Lage kommen, ohne Schuld Aru>enunterstiitzn»g empsangen zu müffen. Die Wahl der zur Hälfte aus'Ar- vettern, zur andern aus Arbeitgeber» bestehenden Beisitzer ist, wiederum Dank der Bestrebungen der Arbeiter- Vertreter, unmittelbar und geheim. Die Beisitzer könne» von 1 bis zu 6 Jahren gewählt werden. Wiederwahl ist zulässig. In der Bestimmung, daß die Wahl der Vorsitzenden und deren Stellvertreter der Genehmigung der höheren Verivaltungs-Bchör- den bedürfe, habe man ebenfalls einen unberechtigten Eingriff in das Selbstbeslimmungsrecht erblickt. Den» von der Unparteilich- keit derartig höherer Behörden habe man ans Grund ausreichen- der Erfahrungen leine hohe Ateinung. Entschädigung sür das Amt ivird an'Arbeiter und'Arbeitgeber gezahlt und ist die Zurückweisung derselben unstatthaft. Daß man in Deutschland ans dem Wege der Frauenenianzipatio» noch recht weit zurück sei, zeigt die Annahme der Bestimmung über de»'Ausschluß der unter ganz denselben Bedingungen wie die Männer arbeiten- den weibliche» Arbeiter von dem aktiven sowohlals passiven Wahlrecht. In Frankfurt a. M. haben dieselben schon das nllive und in Leipzig auch das passive Wahlrecht. Tie Arbeiter im Unterrock beschämten oft die Arbeiter in der Hose durch Ziclbewnßtsei» und energisches Austreten. Bei dem Versahren vor Gericht sollen alle Rechts- und Linksanwälte ansgcschloffen sein. Sonst ivürde in der Regel der Arbeitgeber mit, der mit den juristischen Psifsen und Kniffe», die zum Verderb des RechisbcivußtseinS so lief in das Gerichtsversahrcn eingerissen seien, nicht vertraute Arbeiter ohne Anwalt an Gerichtsstätte erscheinen. Die Be- rufung ist nur nach Beträge» über 100 M. zulässig. Bis dahin entscheidet kompetent das Schiedsgericht. Und dies sei wichtig. Wenige Arbeiter mir seien in der Lage, Monate lang zu warten und einen langen ansregenden Prozeß zu führen. Bon der Thätig- keit des Schiedsgerichts als Einignngsamt bei Streiks habe man sich in Regieruiigskreisen große Hoffnungen gemacht. Laut dem Regierungsentwurf sollen die angeführten Bedingungen keine An- ivendung finde» ans Streitigletten in der Reichsdruckerei, den Münze», den Militär- und Mariue-Anlagen, sowie den bei den Staalseisenbahnen beschäftigten Personen. Die Vertreter der Arbeiter haben dagegen lebhast protestirt und betont, entweder das Gesetz sei wohlthätig und dann müßten seine Vortheile alle» Arbeiter» zu Gute kommen, oder es taugt nichts. Dann habe man sich nicht so lange mit demselben aufzuhalten brauchen. In dieser gegenwärtigen Form sei indessen das ganze Gesetz ein Messti ohne Stiel, dem die Klinge fehle, ein Topf ohne Henkel, der durch' löchert_ sei. Wolle man laut den kaiserlichen Erlasse» Wolle man laut den sozialreformatorisch thätig sein, dürfe man nicht. gehen, sonsch würde bei den Arbeitern anstatt� Vertraue» zurüd' berechtigtes Mißtrauen Platz greifen. Werde es den Sozlalvem- kraten gelingen, die zweijährige Aufenthaltsdauer aus dem Gck l herauszubringen und das Älter der Wählenden vom 25.»»l 21. Lebensjahr zurückzuschrauben, würden die Arbetterverti für das, wenn auch noch mangelhafte, doch einen Fortschritt o- stellende Gesetz stimmen. Gelingt dies nicht, dann gebiete immer die Ehre, dagegen zu stimmen und wenn dann trotzoe das Gesetz auch angenommen werde, solle dies doch nicht m Hilfe der Arbeiter geschehen sein!—(Reicher Beifall.) Die Schriftgiesier hielten am 6. Juni eine Versammiu g ab, um den Bericht der Kommission über den Stand ihMC' bewegung entgegenzunehmen. Aus demselben geht hervor, daß Situation unverändert ist. Die Prinzipale wollen noch"um nicht mit der von den Gehilfen beauftragten Kommisston ve- handeln. Sie gehören zu zener Kategorie, die auch vo Deutschen Buchdruckerverein in Nummer 23 der Zeitschrist? Deutschlands Buchdrucker bekämpft wird, wo daraus hiugewiefe wird, was für Zustände geschaffen werden von denienigen PH- zipalen, die von Festsetzung von Lohn- und ArbeitsbedingungH nichts wissen wollen und ihr Heil in einer Entlohnung nach■o- lieben jedes Einzelnen ersehen. Solche Zustände könne nur g»- heißen, der da handelt nach dem Grundsatz„Nach uns die«uno- fluth". Ehrenpflicht der Gehilfen sei es, hiergegen anzukainpien. Die Berliner Schriftgießer, welche in diesen Kampf eingetteten sind, werden von allen auswärtigen Kollegen unterstützt, von überall her kommen Zustimmungsadressen. An allen Orten wei über die Grenzen Deutschlands hinaus sind regelmäßige Sammlungen eingeführt und bereits über 1000 M. eingegangen. Aue� sieht jetzt ans Berlin, halten wir aus bis auf den letzten Mann- Jnzivischen zeigen die Herren Prinzipale, wie sie zur Hebung des Gewerbes beizutragen verstehen, indem Mädchen und Arbeu.- leute von der Straße hereingeholt und an der Maschine»angH lernt" werden; die Streikenden sehen dem ruhig zu, denn?> wissen, welche Schivierigkeiten der gelernte Arbeiter zu überwinden hat, um taugliche Arbeit zu liefern. Wenn nun die Lstttw# in Gesellschaft der vereinzelt stehen gebliebenen Stümper now Andere anlernen, so hat es weiter keinen Zweck, als daß oe Prinzipal sein Geld zum Fenster hinauswirft. Je mehr Arbettv- leute eingestellt iverden, desto größer ist der Verlust, denn oie Leute verlangen ihr Geld und liefern ungenügende Arbeit., Sobald dem Prinzipal der Verlust groß genug erscheint, wiro er ganz von selbst mit diesem System brechen, dabei kann H konlinen, daß der Faktor, wie schon in früheren Fällen geschehe»- als der Schuldige an dem Mißlingen, mit hinausgeworfen n»1"»* Unsere Faktors sind zum Thcil gar nicht im Stande, dura? Arbeiten sich zu ernähren, ihre Unfähigkeit hat sie veranlaßt, stH eine Position zn verschaffen, ivo es nicht auf Keuntniß, sondern darauf ankommt, als Antreiber möglichst brutal guszutreten. Vis jetzt habe inan gegen die Faktors viel zn große Rückficy genominen und ruhig mit angesehen, wie durch vei- kehrte Anordnungen in Folge der Unkenntniß der Faklorr riesige Summen verloren gingen, in Zukunft werde man solcye Vorkom, nnisse ans Tageslicht ziehen, die neueste verkehrte Anoro nuug ist das Anlernen von fremden Arbeitskräften. Jeder Gehilfe weiß, daß eine lange Zeit erforderlich ist, ehe der Lernende im Stande ist zn wissen, ob die Arbeit zu gebrauchen ist oder nicht. Was man den jungen Gehilfen nach vierjähriger Lehrzei» nicht anzuvertrauen wagt, will man jetzt mit ans der Straße aup gelesene Menschen vollbringen. Ein solches Beginnen ist der beße Beweis für die Unwissenheit der in denGießereien Zurückgebliebene»- Dieselben haben bereits ihre Unfähigkeit durch eine Verleumdung zu verdecken gesucht, indem sie behaupten, die Maschinen seien verstellt und verbogen, so daß sie nichts Brauchbares liesern könnte»-- Der Priuzipalsring hat sich verpflichtet, den Rvrnialtaris nicht zur Einführung kommen zu lassen, dieser Ring, welcher trotz aller Abmachungen nicht im Stande ist zu verhindern, daß ein« Firma der andern die Arbeiten um einige Tausend Mark billig� weggeschnappt, wird auch ebensowenig gegen die Einführung de- Normaltarifs ausrichten. In der vorigen Nummer der Zeitschrist fu» Deutschlands Buchdrucker findet sich ein Artikel über den Stteu der Berliner Schristgleßer, worin gesagt wird, der Normaltaris sei wegen der Verkürzung der'Arbeitszeit unannehmbar, die Ver' kürzung der Arbeitszeit beträgt für Berlin 15—30 Minute». Ferner wird in dem Artikel behauptet, die Hamburger GeHilst» hätten den Normaltarif als zu hoch abgelehnt, tbat' sächlich weist der vtormaltarif aber niedrigere Positione» aus, wodurch sich die Hamburger verschlechtern würden» deshalb wollen dieselbe» ihren besseren Tarif beide' halten. Dann folgt eine Lohnliste, der man»»? den ersten Blick ansieht, daß dieselbe nur Mache ist, es sind»ur die günstigsten Woche», bei dem Einen soviel, bei dem Ander» soviel herausgezogen worden, auch sind diese Löhne nicht bei ne»' stündiger Arbeitszeit erreicht, denn die Nachscierabendarbeit wa» in Berlin in Permanenz erklärt. Die Kommission hat zur Richtigstellung ein Flugblatt>» 5000 Exemplaren drucken lauen, welches an alle taristreue» Druckereien zur Versendung gelangt. Alle Mittel werden in AN» wendung gebracht werden; ze länger sich der Streik hinzieht, V1" so schärfere Waffen werden genommen. Die Re:»' hold'fche Gießerei hat ihre Arbeiten in der Berger'sckst» Gießerei in Leipzig herstellen lassen und infolge desto» ist über letztere Gießerei der partielle Streik verhängt. Die Gf Hilfen kämpfen für eine gerechte Sache und wo sie überall dst Zusage der Unterstützung erhalten, wird sich's zeige», ob die Macht des Kapitals im Stande ist, ein von so vielen Seiten ab- gerecht anerkanntes Bestreben der Gehilfen, mit den Prinzipale» uns einheitlicher Grundlage ihre Arbeitsbedingungen zu reget»- zu verhindern. Die Einigkeit der Kollegen iverde den Sieg HHs beiführen. Eine Resolution, dahin lautend: an den bis st-st gefaßten Beschlüssen festzuhalten, wird einstimmig aiigenomiue»- Der Versammlung wird die Mittheilung, daß auf die Einreichung des Statuts der Vereinigung der Schriftgießer Deutschlands der Bescheid gekommen sei, daß diese Vereinigung sowie das Statu- genau iv ie der U.- V. D. V. einzurichten sei. Es wäre also c>» fc i r.«*.«Y£- W-.---*1.- f'*.-w m#-•-O Y1 t rtl* eine andere Weise einrichten inüssen, vielleicht durch BU�mg ein � Agitationskomitees, welches die Zentralleitung der Schul ö Teutschlands zu führen habe. nu' Hieraus wiro die Unterstützungssrage der /Urdetterinnc � geregt. Zu Ansang des Streiks habe die Abncht bestände»,-.j,, zn unterstützen, wenn sie sofort aufhörten, leider seien die H-. arbeiter nicht darauf eingegangen, und jetzt, nachdem sie iiiehr zu thun haben, kommen sie oder werden uns vielmey den Prinzipalen zugeschickt, damit wir d'esen ihnen seh t bequem werdenden Ballast abnehmen. Die Versammlung die Unterstützung ab........�nlicb Ten jungen Kollegen wird aufgegeben, so viel wie" abzureisen, um den Ort zu entlasten, auswärts sehe st'»», s.' � lauft derselben bereits entgegen, um durch»inndliche Beriet), unserer Bewegung möglichst aussührlich unterrichtet zn Ii»- H � 3. Punkt: Wie stelle« wir uns. zur ZenW�tteiHo»* Kommission? wird angeführt, daß dieselbe dazu eingeseyt g, soll, um die Lohnbewegung der verschiedenen Gewerbe zu' und Streiks, welche von vornherein aussichtslos, erscheine- � vermeiden. Es sollen durch dieselbe die Verhältnisse flepr»! c; die in der Lohnbewegung eintretende Geiverkschaft von st jj? sammten Arbeiterschast unterstützt werde». Als Telegirter tlljt Kommission wird Th. Grob gewählt, �n einem Schlußivo der Vorsitzende die Anwesenden auf, an die euistiNi» ö faßten Beschlüsse festzuhalten. Mit einem Hoch aus den � unserer gerechten Sache schließt die Versammlung. Verantwortlicher Redakteur:«nrt gnalit in Berlin. Druck und Verlag von Ma» Kadina in Berlin 8W.. Bentb'traße 2.