Nr. 133. Do»«erstag, de« IS. Juni 1890. 7. Jahrg. Hrgan für die Inieressen der Arbeiter. erscheint«n Das..Berliner Volksblatt" U»t »r Insertion sgebühr beträgt für die S gespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pf., für Vereins- und VerfaimnlungS« Anzeigen 20 Pf. Inserate meiden bis 4 Uhr Nachmittags in der Expedition, Berlin SW., Beutbltrabe 3, sowie von allen Annoncen-Bureaur, ohne Erhöhung des Preises, angenommen. Beutyilraize 3, lowie von................---.-v- o r.v™' r-ir:""" Die Expedition ist an Wochentagen bis 1 Uhr Mittaas und von 3—7 Uhr Nachmittags, Sonn- und Festtagen bis 0 Uhr Vormittags geöffnet. -» Fernsprecher: Amt VI.|lr. 4106,«-•*- an Medakkion: S.— Expedition: VeukMrntze 3. Die Aleroi der»reuen Steuer»». Wer in den letzten Monaten sich in Illusionen be- � hat, der wird heute gründlich davon kurirt sein. %.Man athmete auf, als der Druck des Bismarck'schen �gierungssystems von dem deutschen Volke wich. Aber un Stelle dieses Drucks tritt nuil ein anderer, der nich Weniger bedenklich erscheint; es ist die ungeheure Steige- "Ng der Militärlasi. Noch niemals ist mitten im Frieden .�Militarismus in so kolossaler Figur vor das putsche Volk getreten, noch niemals sind seine Anforde ungen so stark gewesen. Man muß erschrecken, weni. ?�il das ganze„Bouquet" der Neuforderungen beisammen Msi und der friedliche Bürger und Steuerzahler, der Handwerksmann und der Arbeiter müssen sich nachdenklich llagen, ob denn im Staate auch noch andere Zwecke und chele erreichbar sind, wenn die geplanten Neuorganisationen '«n Heerwesen durchgeführt sein werden. Die ganze Ar- einer großen Nation wird, wenn es so kommt, daraus Gerichtet sein müssen, die Mittel für die Kriegsrüstungen "aszubringen, für einen Apparat, wie ihn die Welt bis in Misere Tage noch niemals gesehen. ... Da sagt uns denn der Schatzsekretär, daß zunächst jährlich sechszig Millionen neu aufgebracht werden faßten, ohne die Zukunftspläne des Kriegsministers. M neue Ausgaben müsse auch Deckung geschaffen wer- e», heißt es" dann weiter, und es wird eine A e r a �uer Steuern angekündigt. Der Reichstag wird S? der nächsten Session vollauf damit zu thun haben. � Herr Schatzsekretär weiß selbst noch nicht genau, wie Jch Steuern aussehen werden; er ist dankbar für jede Megung und hofft wohl, daß gefällige Finanzpolitiker M behilflich sind, neue Objekte ausfindig zu machen. Wenn " der Sommerhitze die neuen Steuerprojekte ausgebrütet .�rden sollen, dann möge mau die Herren Finanzräthe in eine geeignete Sommerfrische schicken; die Hitze �cht leicht phantastisch und bringt bekanntlich auch die ata Morgan a hervor. Die Frage, ob man sich ,5 der„Deckung" für Anleihe oder Steuer ent- «leiden soll, wird salomonisch dahin gelöst, daß man zu pdm Mitteln greift; doppelt genäht hält besser.„Wir Mwen es noch vertragen," sagt Herr von Maitzahn. schN, das werden wir ja sehen. Die Steuerschraube hat "�e natürlichen Schranken. Wenn die Bevölkerung un- �mögend ist, zu zahlen, so werden der R ü ck gang J s Konsums und die vermehrte Thätigkcit des ku t o rs dies anzeigen. Wir kommen vielleicht ein- '"l dahin, daß die Erhebungskosten für irgend eine Steuer so groß und die Erträgnisse so klein sind, daß es sich nicht mehr lohnt, dieselbe zu erheben. Wenn die Zündholzsteuer sehr hoch wird, kehren die Menschen vielleicht zur Einfachheit des Alterthums zurück und erzeugen den Brand durch rasches Aneinanderreiben von zwei Hölzern. Mit dem Brenn- spiegel geht es auch, aber den würde man gleich mit einer Steuer belegen. Erleichterungen giebt es nicht. Lasset alle Hoffnung fahren, sagt Herr v. M a l tz a h n; die Korn- z ö l l e können nicht aufgehoben werden. Alledem gegenüber hat der General Vogel von Falcken stein die Lage, vielleicht wider seinen Willen, mit einem einzigen Strich außerordentlich scharf gezeichnet. Er sagt, der Soldat befände sich in der Kaserne wohler als„in der Misere draußen". Man muß die ganze Bedeutung dieses Wortes zu würdigen wissen. Ohne Zweifel haben wir unter den Rekruten und Soldaten eine Menge, denen das Kasernenleben und die militärische Disziplin gar nicht behagen. Die Massenflucht in's Ausland vor der Konskription, die hohe Ziffer der Selbstmorde bei den Soldaten und noch manches Andere beweisen das. Aber der General hat in hohem Grade recht; wir haben ganze Landstriche in Deutschland, wo die drei Jahre Soldatenleben den Glanzpunkt im Leben der Bevölkerung bilden. Man nehme die ostpreußischen, die posenscheN, die pommerschen, die sächsischen Tage- löhner an, die schon als Kinder zu schweren Arbeiten herangezogen werden. Sie haben noch nie in einem de- guemen Hause gewohnt, noch nie eine erträgliche Kost, noch nie eine gute Kleidung gehabt. Das Alles bringt für sie die Kaserne und nach ihren Begriffen sind sie dort herrenmäßig versorgt; sie werden sogar in die nach ihren Begriffen prächtige Uniform gesteckt. Die Unteroffiziere sinb manchmal grob, aber auch nicht gröber als die Gutsinspektoren. In der That giebt es Hunderttausende in Deutschland, welche die Sache so auffassen, im Norden und im Süden. Aber das beweist denn doch Alles nur, welche ab- schreckende Höhe das Volkselend in unserem Lande erreicht hat. Wir begreifen, daß ein General keine andere „Sozialreform" vorschlagen will, als eine Heeres- Vermehrung. Aber ein Staatsmann sollte einem Volke, das so arm ist, daß ihm die Kaserne als ein Ort des Wohllebens und der Behaglichkeit erscheinen muß, nicht neue Lasten auferlegen wollen. In der That kann gegen neue Steuern kein wirksameres Argu- ment beigebracht werden, als das erwähnte Wort des Generals Vogel von Falckenstein. Um all das zu bewilligen, was jetzt verlangt wird, gehört ein B e w i l l i g u n g s e i f e r her, der bedeutend größer ist, als der, den die Herren Kartellbrüder seinerzeit an den Tag gelegt haben. Will der neue Reichs- tag in die Fußstapfen der Kartellbrüder treten? Wir glauben kaum; man müßte denn aus dem 20. Februar gar nichts gelernt haben. Blicken wir in die Zukunft hinaus, so sehen mir auf der einen Seite den Militarismus, der unersättlich seine neue Ansprüche geltend macht, und auf der andern Seite ein verarmendes Volk, das mehr leisten soll, als ihm seine Mittel erlauben. Das wird harte und schwierige Konflikte geben, denn wenn auch diesmal die Neuforderungen erreicht werden, so scheint uns doch, daß nunmehr auch bei den„zahmen" Parteien die Erkenntniß aufzudämmern beginnt, daß man nunmehr an der Grenze des Möglichen angekommen ist. Und als Trost für alledas haben wir eine schwäch- liche„Sozialreform"— wir haben sie noch nicht einmal, denn wer weiß, was aus dem Arbeiterschutz werden wird. Er verschwindet aus dem Gesicht, wo sich der Militarismus so breit vor uns aufpflanzt. Diese Dinge können wir nicht mehr ertragen, denn wir stärken uns nicht, wir schwächen uns. Die Symptome der Erschöpfung treten zu Tage. Wenn es so fort geht, werden die Aerzte eines schönen Tages rathlos am Bette des Kranken sitzen. kiachd ««rboten.j Feuilleton. [55 »Zum Giiick der Datttett." Roman von Emile Zola. u orisirte Nebersetzung von Armin Schwarz. le halben Stunde stand sie da unbeweglich und te>i in,"n hervorzubringen; die Damen und der Baron 'tclifHii'�übergehen sie betrachtet; jetzt drangen einzelne Qttrij-r6?* Konversation, bis zu ihren Ohren, inmitten z Billigkeit, welche alle Welt ihr gegenüber an den [ig war dieser liebenswürdige Lnxns der Salons blick. eirne grausame Verletzung sie aber rührte sich nicht. >yjil bemerkte sie durch die halb offene Thür Monrct. sich■"■e Anwesenheit vielleicht doch errathen, dachte � C'uc Verkäuferinnen? fragte der Baron �°liret unterdrückte mit Mühe seine tiefe Verwirrung. N>,!g hne Zweifel, sagte er mit zitternder Stimme, aber P nicht welche? te»pSvff die kleine Blonde von der Konfcktions-Abtheilnng, ex."'blich Madame March; jene, welche die Stelle zweiten Vorsteherin bekleidet, wie ich glaube. . S�arictte schaute ihm fest ins Gesicht. nd„[a9te er einfach. Cr fnvrtrfi im,, noii ich er[ 9le er einfach. de,, lchach nun von den Festen, welche am Abend der"9 von Preußen zu Ehren gegeben wurden. �aro» kam in malitiöser Weise wieder auf die Fräulein der großen Magazine zu sprechen. Er that als wollte er sich über den Gegenstand informircn, er stellte allerlei Fragen: woher koinmen sie im Älllgemeincn? Haben sie wirklich so üble Sitten, wie man sich erzählte? Eine ganze Diskussion entspann sich über den Gegenstand. — Wirtlich, fragte er wiederholt, Sie halten sie für tugendhaft? Monret verthcidigtc ihre Tugend mit einer Ueberzengung, über welche Vallagnosc lachen mußte. Nun trat Bonthemont dazwischen, um seinen Chef zu retten. Mein Gott, sagte er, man findet Hilter ihnen tugendhafte und man findet auch solche, die es nicht sind. Ncbrigens hebt sich das Niveau ihrer Moralität immer mehr. Ehemals bekam man nur Diejenigen, welche im Leben Schiffbruch gelitten; arme Frauenzimiucr ohne bestimmte Veschäftignng gingen als Verkäuferinnen in die Modemagazine, während jetzt bessere Familien der Rne de Sövres ihre Töchter für den„Bon mar che" erziehen. Alles in Allem können diese Mädchen ehrbar bleiben, wenn sie wollen; denn sie sind nicht genöthigt, für Nahrung und Untcrknnft zu sorgen, wie die armen Arbeiterinnen, die auf dem Pariser Straßcnpflaster herumgehen. Das Schlimmste ist die Unbe- stimmtheit ihrer Stellung, eine Stellung zwischen Arbeiterin und Dame. Durch ihre Berührung mit der Welt gewinnen sie Geschmack an dem Lnxns, ohne die Bildung und die Mittel für das bessere Leben. Daher stammt ihr Elend, daher stammt ihr Laster. — Ich kenne keine nnausstehlicheren Geschöpfe, bemerkte Mme. de Boves; man hat zuweilen Lust, sie zu ohrfeigen. — Es sind unglückliche Personen, schloß Henriette; käuflich wie ihre Maaren. Monret fand die Kraft'z» lächeln. Der Baron beobachtete Sitzung der Ardeiterschutz- Kommisston. Mittwoch, den 11. Juni. Die Berathung wird fortgesetzt bei tz 113. Möller beantragt, dem Absatz 2 dieses Paragraphen anzufügen:„(Zeugnisse) dürfen jedoch geheime Merkmale nicht enthalten." Dr. H i r s ch wendet sich, konform dem(gestern wörtlich mitgetheilten) sozialdemokrati- schen Antrag, gegen die von Unternehmerverbänden:c. ausgegebenen Arbeitsbücher und-Scheine, welche thatsächlich den Cha- rakter der vom Gesetz für erwachsene Arbeiter nicht gestatteten Slrbeitsbüchcr annehmen, in ihrer Wirkung aber noch s ch l i m- m er sind und sehr viel zur Erbitterung beitragen. Er unterstütze daher den Antrag, solche Verbandsbücher:c. ganz zu v e r- bieten. Der Antrag Bebel und Genossen wird hierauf in seinem ersten Theile mit 13 gegen 5 Stimmen a n g e n o m m e n (dafür: Sozialdemokraten, Freisinnige, Zentrum und Dr. Kropatscheck). Der zweite Theil jedoch mit 10 gegen 8 Stimmen abgelehnt. Der Antrag Möller ist durch Annahme des sozialdemokratischen überflüssig geworden. Der§ 113 lautet nunmehr: „Beim Abgange können die Arbeiter ein Zeugniß über die Art und Dauer ihrer Beschnstiguug fordern. Dieses Zeugniß ist a u f B e r l a n g e n der Arbeiter auch auf ihre Führung und ihre Leistungen auszudehnen. ihn und schien entzückt darüber, daß er sich zu beherrschen wußte. Er suchte dem Gespräch eine andere Wendung zu geben, indem er der Feste erwähnte, die zu Ehren dcS Königs von Preußen vorbereitet wurden und welche allen Geschäfts- zweigen zugute kommen sollten. Henriette schwieg; sie schwankte zwischen dem Wunsche, Denise noch länger draußen warten zu lassen und der Furcht, daß Monret, der nun verständigt war, fortgehen könnte. Sie erhob sich denn von ihrem Fanteuil und sagte: — Sic erlauben wohl? — Wie denn nicht? rief Mme. Marty; ich werde Sie inzwischen in Ihren Hansfraneupflichten vertreten. — Sie bleiben wohl noch eine Weile? sagte Henriette zum Baron Hartmann geivendet. — Ja, erwiderte der Baron; ich habe mit Herrn Monret zu sprechen. Wir wollen Ihren kleinen Salon in Beschlag nehmen. Sie ging hinaus, während der Baron Monrct weg- führte und die Damen den Herren Bonthemont und Vallag- nosc überließ. Sie vertieften sich in ein leises Gespräch, in einer Fensternische des benachbarten Salons stehend. Es handelte sich nm ei..... .....-..... gn ncymcil, eun etr milC Ivl0NiigNi) bis zur Rne de la Michodicre ilnd von der Rne Nenve- Saint-Angustin bis ziir Rne du Dir-Decembre. In diesem nngeheucren Komplex gab es noch in der letztgenannten Straße einen großen Baugrnnd, den er noch nicht besaß und dieses genügte, nm ihm seinen Triumph zu verderben; er ward von dem Bedürfniß gemartert, seine Eroberung zn vervollständigen, an dieser Stelle gleich einer Jede Kennzeichnung der Zeugnisse, welche bewirken soll, daß der Inhaber in seinem Fortkommen behindert werde, ist ver- boten. Ist der Arbeiter minderjährig, so kann das Zeug- niß von dem Vater oder Vormund gefordert werden. Diese können verlangen, daß das Zeugniß nicht an den Minderjährigen, sondern an sie ausgehändigt werde. Mit Genehmigung der Gemeindebehörde kann auch gegen den Willen des Vaters oder Vormunds die Aushändigung unmittelbar an den Arbeiter erfolgen." Der§ 114, nach welchem Zeugnisse auf Antrag des Arbeiters kosten- und stempelfrei zu beglaubigen sind, wird ohne Diskussion angenommen. tierauf wird die Berathung über die Paragraphen, welche Trucksystem betreffen, einstweilen ausgesetzt und zu § 120(Fortbildungsschulen) übergegangen. Bebel und Genossen wollen dem Paragraphen einen Absah einfügen, welcher bestimmt, daß die Unterrichtsstunden, soweit sie auf Werktage fallen, nicht außerhalb der üblichen Arbeitszeit statt- finden dürfen.— Bebel wendet sich gegen eine von dem Kor- referenten Hitze gethane Aeußerung, nach der die Herren vom Zentrum wünschen, daß den Fortbildungsschulen ein kon- fession eller Charakter(!) gegeben werde. Bei Begrün- dung des sozialdemokratischen Antrages schildert Bebel nament- lich die geradezu grauenhaften Zustände für die Lehrlinge im Vückergewerbe; auch in der Kolonialbranche der kaufmännischen Gewerbe bestünden ähnliche Mißstände und der Fortbildungs- Unterricht könne deshalb nicht auch noch außerhalb der ohnehin viel zu langen Arbeitszeit verlegt werden. Schon bestehende Schuleinrichtungen bewiesen, daß die Möglichkeit zur Er- füllung seines Antrages vorhanden ist. Dr. K r o p a t s ch e ck findet, daß der Umstand, daß die Fortbildungsschulen noch zur Ergänzung des Elementarunterrichts nöthig sind, ein großes testimonium paupei-tatis für die deutsche Volks- schule sei und ist der Ansicht, daß die Fortbildungs- schulen eigentlich nur den Charakter von Fachschulen haben sollten. Den Antrag Bebel und Gen. findet er in der Hauptsache berechtigt. K l e i st- R e y o w will, daß da, wo I n n u n g s- Fort- bildungsschulen bestehen, die Schulpflichtigen diese zu besuchen haben und nicht die von den KommunalbehLrden eingerichteten. Dr. Hirsch empfiehlt den Antrag Bebel und Gen. An der weiteren Debatte betheiligen sich Dr. Lieber, Dr. Krause, Möller, Bebel. Minister v. Berlepsch findet den Antrag Bebel iin Allge- meinen richtig, hat aber einige praktische Bedenken dagegen. Was die Zustände im Bäckergewerbe betrifft, so lägen sie aller- Vings größtentheils so, wie sie von Bebel geschilvert wurden. Er werde versuchen, eine bessere Regelung der- selben herbeizuführen. Damit, daß der Unterricht Sonn- tag Vormittag während des Gottesdienstes nicht statt- finden dürfe, könne er sich einverstanden erklären. Im übrigen empfiehlt er die Annahme der Regierungsvorlage. Um 12 Uhr Vertagung auf Morgen Vormittag 10 tenden Meister unter ihren wohlwollenden Schutz nahmen, dagegen die Gesellen von den Bahnhöfen vertrieben. Die hiesigen Maurer hätten es übrigens wohl verdient, nicht allein von ihren Kollegen im übrigen Deutschland, sondern auch von sämintlichen Arbeitern unterstützt zu werden; haben sie doch seit 1832 allein für auswärtige Lohnbewegungen Aber 100 000 M. gesteuert! Ob ihnen das jetzt dankbar ver- gölten werden wird, ist abzuwarten; man sollte es hoffen! Schwer und hartnäckig wird die Fortführung des Kampfes ein, denn die hiesige Kapitalistenklasse hat sich verschworen, der gewerkschaftlichen Bewegung hier am Platze den Todesstoß zu versetzen. Gelingen wird ihr das freilich nicht, wenn auch hier und da eine Arbeitergruppe vorübergehend gezwungen sein sollte, zum Rückzüge zu blasen. Die Ewerführer haben ihren Streik als aussichtslos und für beendet erklären müssen, da die hiesige Kaufmannschaft lieber alle Verluste an Zeit und Geld ertrug als den Bansen(Schuteneigen- thüniern) zu einem Vergleich mit ihren Arbeitern zu rathen. Außerdem gelang es, eine genügende Zahl einigermaßen wasser- kundiger Leute von auswärts durch große Versprechungen hierher zu locken. Es sollen nach Beendigung des Streiks noch ca. 900 Ewerführer ohne Beschäftigung geblieben sein; auch ist noch eine große Anzahl Werstarbeiter nach dem ersten Mai ohne Arbeit. Die übrigen Gewerke Hamburgs thun ihr Mögliches, um die Geinaßregelten zu unterstützen, da aber die Baugewerke feiern, fließen natürlich die Beiträge nicht so, wie zu anderen Zeiten. Die Ewerführer, welche wieder in Arbeit treten, werden ögar gezwungen, folgende Verpflichtung zu unterschreiben: „Hierdurch erkläre ich auf mein Ehrenwort, daß ich aus dem Berein der Fluß- und Stromschiffer, sowie der Seefahrer Deutschlands, Lokalverein Hamburg, ausgetreten bin und daß ich keiner Vereinigung, welche meinen freien Willen be- einträchtigt, angehöre, noch in einen solchen, weß Namens er auch sein möge, eintreten werde. Auch verpflichte ich mich, mit den übrigen neu eingestellten Leuten in ruhiger Gemeinschaft zu arbeiten." Mit tiefstem Groll im Herzen muß sich Mancher fügen. Aber es geschieht mit demselben Gefühl, mit denen etwa ein schutzloser Reisender einem Briganten, der ihm die Pistole auf die Brust setzt, sein Geld hingiebt. Auf die Länge der Zeit ist ein solcher Zwang, durch welchen die Unternehmer ihren Arbeitern ihr Ver- einsrecht rauben, nicht aufrecht zu erhalten. Der Streikkassirer der Ewerführer befindet sich noch immer in Untersuchungshaft. Das gleiche Schicksal theilt der Kassirer der Maler, deren Streik beendigt erklärt ist. Die Räumlichkeiten des hiesigen Untersuchungsgefängnisses sollen überfüllt sein, da wie verlautet zum Theil wegen Tbeilnahme am Steinstraßenkrawall, zum Theil wegen angeblicher Vergehen gegen§ 153 der Gewerbeordnung sich über 140 Personen in Hast befinden. Norrefpottdrttzcn. Hamburg, 10. Juni. Geflissentlich wird von den Kreisen der sogenannten Arbeitgeber aus, oder von ihnen nahe stehenden Preßorganen die Nachricht in Deutschland verbreitet, daß„die Streikbewegung in Hambiirg ihrem Ende entgegen gehe" und daß „mit den Maurern auch die übrigen dem Baugewerke verwandten Berufsgenossenschaften zum großen Theil die Arbeit wieder auf- genommen haben." Man will mit dieser durchaus unwah- ren und falschen Nachricht ja nur bezwecken, Uneinigkeit besonders in die Kreise der deutschen Maurer zu tragen und viele von diesen bewegen nach Hamburg zu kommen, um die Bau- Unternehmer aus ihrer peinlichen Verlegenheit zu helfen. Der Stand des Maurerstreiks ist bis jetzt noch ein sehr guter. Seit der Proklamirung des(partiellen) Streiks haben über 3000 Maurer Hamburg verlassen, darunter sogar eine Anzahl Verheiratheter. Um die Hamburger Maurer in ihrer Lohnbewegung zu schädigen, haben die Jnnungsmeister in Altona, Wandsbeck u. s. w. ihre Arbeiter sogar ausgesperrt, damit diese ihre Kameraden in Harn- bürg mcht unterstützen sollten; doch ist diese Maß- regel zum Theil schon wieder rückgängig gemacht. Aich manchen Bauten in Hamburg sind die Forderungen der Arbeiter bewilligt worden, so daß man hier und da arbeiten sieht. Es fehlt ja leider auch hier, wie überall, nicht an Streik- brechern. Leute die aus krassem Egoismus ihre Kameraden im Stiche lassen, ebenso ist auch etwas Zuzug hierher erfolgt, beson- ders aus Oberschlesien. Aber diese wenigen ArteitSkräste fallen der Allgemeinheck gegenüber gar nicht ins Gewicht, zumal die auswärtigen hierher geschleppten Arbeiter weniger leistungsfähig sind, als die hiesigen, mit der ortsgebräuchlichen Arbeitsgewohn- heit vertrauten Lehrlinge. Es soll sogar auf Bauten, wo Schlesier beschäftigt werden, vorkommen,. daß diese, die Gesellen, zu den Lehrlingen„Sie" sagen, wogegen letztere die fremden Gesellen verächtlich mit„Du" anreden. Es hat auch bis jetzt nicht viel geholfen, daß die Polizeiorgane sich tapser auf die Seile des Unternehmerthums stellen und die an den Bahnhöfen wachehal- Apotheose eine monumentale Fasade zu errichten. So lange die Ehrenpforte sich in der Rue Nenve-Saint-Angustin befand, in dieser dunkeln Straße des alten Paris, blieb sein Werk ein unvollständiges, es fehlt ihm die Logik; er wollte es dem neuen Paris zeigen, auf einer jener modernen Straßen, wo im hellen Sonnen- schein die Menge vorüberströmte. Schon sah er sich diese Menge beherrschen, seine Macht ihr aufzuzivingen, wie das riesige Handelspalais, das er errichtet hatte; er wollte auf die Stadt einen größeren Schatten werfen, als das alte Lonvre. Allein, bisher stieß er gegen den Eigensinn des Cröäib immobilier, welcher an seiner ursprünglichen Idee festhielt, hier dem Grand-Hotel eine Konkurrenz zu errichten. Die Baupläne waren fertig, man erwartete nur die Eröffnung der Rue du Dix-Döcembre, um mit den Arbeiten zu beginnen. Endlich hatte nach einer äußersten Anstrengung Mouret den Baron Hartmann fast überredet. — Nun denn, begann dieser, wir hatten gestern eine Verwaltungsraths-Sitzung und ich bin gekommen, um Sie zu benachrichtigen, weil ich dachte, daß ich Sie hier treffen würde. Nun denn, die Leute leisten noch immer Wider- stand. — DaS ist wirklich unvernünftig, sagte Mouret mit einer ungeduldigen Geberde. Was wenden sie denn ein? — Mein Gott, sie sagen das Nämliche, was ich sage. Die Fayade wäre nichts als eine neue Verzierung und man würde nur große Summen auf eine einfache Reklame ver- wenden. — Eine Reklame, eine Reklame, rief Mouret, aber diese Reklame wird in Stein gehauen sein und wird alle Anderen begraben. Diese Reklame wird dazu dienen, unsere Geschäfte zu verzehnfachen, in zwei Jahren werden wir das Geld hereinbringen. Was liegt daran, daß das Terrain verloren ist, wie sie sich ausdrücken, wenn dieses Terrain uns unge- heuere Zinsen trägt? Sie sollen die Menge sehen, die uns zuströmt, wenn die Kundschaften nicht mehr genöthigt sein werden, sich in der engen Rue Neuve-St.-Augustin zu pressen, sondern freien Zutritt haben werden auf der breiten Nolikisthe Mevevstchk. Die nächste Kitzttng der Militärgejefi-Kommisston findet heute— Tonnerstag— Vormittag von 10 Uhr an statt. Freunde der Vorlage hoffen, daß die Kommission nur noch ei Sitzungen zu halten habe, und also noch diese Woche mit Arbeiten fertig sein werde. Das ist indeß nicht sehr wahr- cheinlich, da über verschiedene Punkte noch um so ausführlicher zu sprechen sein wird, als verschiedene Parteien das Bedürfniß haben, ihre Gewissensskrupel zu beschwichtigen. Auch den militär- frommsten Abgeordneten wird ihr Votum diesmal nicht ganz leicht, weil sie wissen, daß die Masse der Wähler— auch derjenigen, die bisher konservativ gestimmt haben— von der Militärvorlage durchaus nicht erbaut, und durch den Zukunftsplan des Kriegs Ministers aufs Acußerste„erschreckt" sind. Wenn die jetzige Vorlage auch voraussichtlich die Majorität erlangen wird, so kann doch kein Zweifel bestehen, daß wir uns dem Punkt nähern, wo weitere Nachgiebigkeit nicht mehr möglich ist und wo einem Konflikt ins Auge geblickt werden muß. An die Möglichkeit eines Konflikts dachte auch der neue Reichskanzler, als er in der letzten Kommissionssitzung die etivas naive Bitte aussprach, ihn jetzt keine Schwierigkeiten zu bereiten, und zu warten, bis die Regierung mit den weiteren großen For- derungen— man munkelt von 500 Millionen Mark, die im Herbst gebraucht werden sollen— vor den Reichstag treten werde. Gewiß ist, daß der Reichstag noch im Laufe dieses Jahres vor die Entscheidung gestellt wird: entweder in eine riesige Vermehrung der Militärausgaben zu willigen und Deutsch land finanziell zu ruiniren, oder mit dem Militarismus zu brechen und den Kampf mit den Vertretern desselben, d. h. mit der Regierung, aufzunehmen. Vor diesen: Dilemma kann die Volksvertretung sich durch keinen Kompromiß rette». Und es ist nöthig, daß das Volk sich bei Zeiten auf den Konflikt vor bereitet. Zitit dem evnitgeni'ch-fiozirtlrn Kongreß und K-schlüssen ist die„Köln. Ztg." in hohem Maße i#' frieden. Dieses Hauptorgan der Großbourgeoisie ist gegc� wärtig so nervös, daß sie in den harmlosen und venvonc- nen Reden der geistlichen Theilnehmer jenes Kongresses üb? den Arbeiterschutz eine Gefahr sieht, obwohl sich doch viertel der„Predigten", die dort gehalten worden, im sm der evangelischen„Hirtenbriefe" mit der„Bekämpfung Sozialdemokratie" befaßten. Aber da diese BckämpW davon ausgeht, einige der schreiendsten Uebelstände d» herrschenden Wirthschaftsweise zuzugeben und Kritik an zu üben, paßt sie der„Köln. Ztg.", die schlechterdings alle- für vortrefflich erklärt haben will, nicht in den Kfam und sie erinnert die„Kirche" folgendermaßen an ihre W gäbe: „Geistliche, welche nicht im Stande sind, den Irrlehren re- Sozialismus Widerstand zu leisten, sollten es lieber vermeide»- in sozialistischen Angelegenheiten öffentlich hervorzutreten Ui Lehren zu verbreiten, welche geeignet sind, die Gesellschaft ihrer Grundauffassung vom Staat und seinem Verhältnis Z der Volkswirchschaft zu erschüttern. Wir müssen wiederhol gestehen, daß wir diese Berirrung mit um so größerem dauern beobachtet haben, je höher wir von der evangelisäp Kirche als einer jener idealen Mächte denken, welche de» Beruf haben, die Grundlagen unserer Kultur und Gesittung Z sichern." Das ist wenigstens deutlich. Hoffentlich bezeichnet man es nun nicht mehr als sozialdemokratische Verleumdung, wenn gesagt wird, die Bourgeoisie betrachte Kirche un Religion nur als ein Mittel, die unterdrückte Masse Zaume zu halten. Sit«, Schutze der Kaalitionafreih-it hat, wie unsere Leser wissen, die französische Kammer einen Gesetzcspara' graphen angenommen, welcher die Entlassung von Arbeiter» wegen ihrer Mitgliedschaft an einer Organisation, sowie sonstige Hinderung der Arbeiter an der Ausübung wf' Koalitionsrecht» unter Strafe stellt. Wir waren gleich � gierig zu hören, was die deutschen Unternehmerorgane sage» würden, welche den ganz ähnlichen Paragraphen im W. demokratischen Arbeiterschutz-Gesetzentwurf als unerhört hm' stellten. Die„Nordd. Allg. Ztg." hat zuerst die Sprach' gefunden. Sie trägt uns allerdings nicht eigene Gedanke« vor, sondern läßt den Pariser Mitarbeiter der WieM „Neuen Freien Presse", einen starren Manchestermann, reden- Dieser beklagt das neue Gesetz im Interesse der Unternehmer und führt, um seinen Ausführungen wenigstens den ScheM .,„ as G verletzt hat, damit den Anspruch auf den Schutz des Gesetz " m<-<-"<•<■>--ix.„ Diese Krim Straße, wo sechs Wagen bequem werden nebeneinander fahren können. — Ohne Ziveifel, sagte der Baron lachend. Allein Sie sind ein Poet in Ihrem Genre, ich wiederhole es Ihnen; die Herren meinen, es wäre gefährlich, wenn Sie Ihre Ge- schäfre noch weiter ausdehnen würden. Sie wollen für Sie vorsichtig und klug sein. — Wie, vorsichtig? ich begreife nicht. Sprechen denn nicht die Zahlen, beweisen sie nicht eine fortwährende St"'- gernng unseres Verkaufes? Zuerst habe ich mit ein Kapital von 600 000 Franks jährlich 2 Millionen Geschäfte gemacht, das Kapital wurde viermal umgesetzt. Später hat es sich auf 4 Millionen vergrößert, ist zehnmal umgesetzt worden und hat demnach 40 Millionen Geschäfte ergeben. Endlich nach den successiven Vergrößerungen habe ich in der letzten Inventur konstatirt, daß der Geschäftsverkehr einen Betrag von 80 Millionen erreicht hat; und das Kapital, welches keineswegs vermehrt wurde, denn es betrügt nur 6 Millionen, ist demnach zwölfmal umgesetzt worden. — Ich weiß, ich weiß, bemerkte der Baron, aber Sie dürfen doch nicht hoffen, in diesem Verhältniß noch höher zu steigen. — Warum denn nicht? sagte Mouret naiv. Ich sehe nicht ein, warum wir still halten sollten? Das Kapital kann fünfzehn Mal umgesetzt werden. Ich habe das seit langer Zeit vorausgesagt; in gewissen Abthcilungen kann es sogar zwanzig Mal und dreißig Mal umgesetzt werden... und später werden wir schon ein Mittel finden, um es noch mehrmals umzusetzen. — Sie wollen also endlich das Geld von ganz Paris anstrinken, wie man ein Glas Wasser austrinkt? — Ohne Zweifel; gehört Paris nicht den Frauen und gehören die Frauen nicht uns? Der Baron legte ihm beide Hände auf die Schnlterck betrachtete ihn mit einer feierlichen Miene und sagte: — Sie sind ein kluger Junge, ich liebe Sie, man kann Ihnen nicht widerstehen. Wir wollen die Idee ernstlich erwägen und ich hoffe, durchzudringen. Bisher haben einer thatsächlichen Unterlage zu geben, einzelne Fälle als ob, wer einmal das®C1J Ausschreitungen Streikender an- verliere. schließt: Die„Nordd. Allg. Ztg."-„ bietet für uns insofern Interesse, als sie zeigt, wohin wa> geräth, sobald man bei sozialresormatorischen Maßnahw'» den Gesichtspunkt der Gleichberechtigung beider Theile»n die Gleichwcrthigkeit aller Interessen aus dem Auge liert." Wohin man geräth, darüber hat der Kritiker nidr zu berichten gewußt; eine Argumentation, welche an eins" Schwall von Redensarten den Schluß knüpft:„Man P also, wohin man geräth u. s. w.", ist einfach GeschO Sie kann den Werth des Gesetzes nicht herabsetzen, und n> diesem Gesetze stimmt der sozialdemokratische Entiv»? oivohl im Prinzip, wie auch in Strafgattung und Stt»l maß überein. Der Uiff in der dentschfreißnitigen Fraltkio»*L glücklich noch einmal verkleistert worden. Die Verls»'? Organe des Deutschfreistnns bringen folgende offiziöse RPr „Das Zentralkomitee der deutschsreistnnigen Partei$» beschlossen: Die Mitglieder de? Dreizehner-Ausschusses zu ersp'., eine anderiveite Konstituirung vorzunehmen und M unter Voraussetzung der Wiederwahl Virchows und bergers zum Vorsitzenden, beziehungsweise Stelloertck' desselben und der Wiederwahl der bisherigen sieben glieder des engeren Ausschusses die Wahl Richters P, Borsitzenden desselben und Schräders zum SleUvertck' desselben herbeizuführen. ,, Der Vorsitzende und der Stellvertreter desselben''' Dreizehn«:- und Siebener-Ausschuß sind jeweilig P® den betreffenden Ausschuß zu berufen. Sie führen in® Sitzungen der betreffenden Ausschüsse abwechselnd il Vorsitz." , Damit hat der berühmte Froschmäusekrieg sein Ö'"« reiches Ende gefunden. Vermittelt wurde der Friedcnsschs»' durch Herrn Bambino-Baumbach, der seinen zahllosen diensten damit ein neues zugelegt hat. Der deutschr. sinnigen Fraktion wird von keiner Seite die AnerkennU»» wir alle Ursache, mit Jhiien zufrieden zu sein. Die D denden versetzen die Börse in Erstaunen. Ich Sie haben Recht, es wird besser sein, noch mehr in Ihrer Maschine anzulegen, als es in einem Konkurs Hotel zu riskiren.„ Mourets Aufregung legte sich, er dankte dem � aber ohne seinen üblichen Enthusiasmus und dieser sah, Mouret nach der Thür des benachbarten Zimmers bl> �»4. � f � ,4 4. K r. � 44.4.%% 4.4 4 44 ,4 f\ 1 4 ,4 4 444-4 4 4 44 ,4 4 rt Ol* HL ek< abermals erfaßt von jener geheimen Angst, die er zu bergen suchte. Mittlerweile war Ballagnosc näher ltt-. men, da er merkte, daß sie nicht mehr von Geschus sprechen. Er stand in ihrer Nahe und hörte wie der. mit seiner galanten Miene des ehemaligen Lebeinau« Mouret zuflüsterte: — Mir scheint, sie rächen sich jetzt. — Wer denn? fragte Mouret verlegen..... — Nun, die Frauen. Sie sind es müde gewor® I Jhuen anzugehören und nun gehören Sie ihnen an,>» Lieber. Es ist eine gerechte Vergeltung. ,* Er scherzte und erwies sich wohlunterrichtet über» gerauschvollen Liebeshändel des jungen Mannes. Die. schichte von dem Hotel, welches Mouret der kleinen EH/�J getauft hatte, die enormen Summen, die er mit den, iu Cabineta particuliera aufgelesenen Frauenzimmern verpr»»„ versetzten den Baron in Heiterkeit und waren in seinen-b'y gewissermaßen eine Entschuldigung für die Thorhciten, er selbst ehemals begangen hatte., — Ich weiß wirklich nicht, stammelte Mouret. verleb � — Lassen Sie gut sein, sagte der Baron, die W? haben immer das letzte Wort. Ich dachte mir auch-%\ unmöglich, er prahlt nur, er ist nicht gar so stark und NUN U ®ic auch bei diesem Punkte angelangt. Wenn Sie voU, Frau Alles herausziehen, wenn Sie sie völlig ausbeuten-..� erwischt Sie sie schließlich dennoch und murkst Sie ab. H ,,,? Sie sich! Das Weib wird Ihnen schließlich mehr Bl® Geld aussaugen, als Sie den Weibern ausgesogen Hab' (Fortsetzung folgt.) JMüßt werden können, daß sie mit verhältnißnicißig ge «Jigem Aufwände sich unsterblich lächerlich zu machen vor (""Iben bat. hat. toiTifU"? allgemeine Michlrrcht ist in Gefahr, wenn die 'Wr" Neufordernngen abgelehnt werden, meldet die und sie weiß von folgenden Vorgängen.Hinte -en Kulissen" zu berichten: �oyerg des Reichstages flüstert man sich allerlei n®tnge zu. Es sollen allerlei Leute umher- ottK Regierungsvertreter, aber Personen, welche man bis vnlt.«r'ffcimdc der Regierung angesehen hat, und gehcimniß der �"�utungen machen. Wenn die Militärvorlage nicht ir »niirx. r � wie es die Regierung verlange, angenommen Attks-r'0 lonnten seltsame Dinge sich ereignen.— Etwa eine W°>"ng des Reichstags?- Rein, so sagt man, die bewrljSl weiß, daß bei der gegenwärtig im Volke reichenden Stimmung eine Auflösung ihr nur noch mehr ...-�uige und noch mehr Sozialdemokraten in den Reichs- »n?«, JJorÖen würde.— Aber was kann denn sonst Lhl,'-~ Das ist es ja grade, was die Sache eutungsvoll macht, erwidern jene geheininißvoll. Das ®c?We Wahlrecht ist dann in Gefahr.— Aber das all g meine Wahlrecht ist doch durch Gesetz und Reichsverfassung > Ngelegt Eine Aufhebung des allgemeinen Wahlrechts würde da ? j ein Gewaltakt, ein Staatsstreich, die Revolu I" von oben sein.— Wenn man es so nennen will, viel 'cht, erwidern jene achselzuckend.— Es soll Leute geben, welche .die Regierungen seien ebenso berechtigt, durch freie � g."le Reichsverfassung wieder aufzuheben .'e sie dieselbe gegeben haben.— Das wäre ann allerdings eine Rechtsphilosophie, deren letzte aolgernng die Anerkennung des Rechts der Re- Elution, und zwar auch derjenigen von unten, wäre." Die hsi's-m- Ztg." fürchtet, daß diese versteckten Drohungen doch ihre -Wirkung ausüben werden und setzt mit vollem Recht hinzu: ..bester gar keine Volksvertretung als eine solche, die nicht wagt, Wer gewissenhaften Ueberzeugung zu folgen, weil sie alsdann für yre eigene Existenz fürchtet. Was sind denn Rechte werth, von venen man sich nicht mehr getraut, nach selbstständigem Ermessen gebrauch zu machen. In der That würde alsdann der Deutsche �«chstag nur eine Geldbewilligungsmaschine sein, dazu be- ("mint, dem Absolutismus die Verantwortlichkeit vor dem Volk abzunehmen." i, Au» der Zentrumsfraktion berichtet die„Kreuzzeihi dre Sitzung bis HVe Uhr Abends gedauert hat und die ?atten sehr lebhaft waren. Dr. Windthorst machte die Eröffnung, ,"P die verbündeten Regierungen, falls die Militärvorlage abge- fchnt werden sollte, auf alle Fälle zur Auflösung des Reichstags (chreiten würden. Man glaubt, daß ein erheblicher Theil der Fraktion die Militärvorlage ablehnen wird.— Wenn der übrig bleibende Theil genügt, um die Majorität für die Vorlage her- »Uftellen, wird das Zentrum sich diesen Luxus gewiß leisten . Abänderung der Militär»Ktrafprosestordnung wsahrt der„Hamb. Korresp.", die auswärtigen Mitglieder der Kommission seien wieder von Berlin abgereist, nachdem die Be- kathungen vorläufig abgebrochen sind. Es habe sich bei den Be- vathunaen nur um die Verständigung über die hauptsächlichsten Grundlagen einer deutschen Militär-Strafprozeßordnung gehan- belt, und diese Verständigung sei in befriedigender Weise erzielt. Das altpreußische System des geheimen schriftlichen Verfahrens solle beseitigt und durch das der Zivil-Prozeßordnung angepaßte System des mündlichen Verfahrens ersetzt werden. Auch die Aburtheilung militärischer Vergehen und Verbrechen durch acl hoc eingesetzte Gerichte komme in Wegfall. Die künftigen Militär- geeichte sollen aber nicht nach dem Vorbilde der Geschworenen- gerichte, sondern nach Analogie der Schöffengerichte gebildet werden. Auf Grund jener Beschlüsse soll zunächst der Entwurf einer Militär-Strafprozeßordnung ausgearbeitet werden, zu dessen Turchberathung die Kommission in diesem Herbst in Berlin zusammentreten wird. uL l'ch""t dem Auftreten des Reichskanzlers Capri' letzten Sitzung dieser Kommission beschäftigt, folgendermaßenl «Herr v. Bennigsen fand die Situation, die ihm gestern noch .beunruhigend dunkel gewesen war, nach der Rede des Reichs- !°nzlers„geklärt", nach einer Rede, die in verbindlichster Form °en Inhalt gehabt hatte: Diesmal muß alles bewilligt, darf »der nichts gefordert werden. Die„Klärung", die der Fuhrer der Mionalliberalen begrüßt, stammt nicht aus den Worten des «letchskanzlers, sondern aus der Erkenntniß, daß es geboten sei, »ui Bedingungen, die versagt werden, zu verzichten. Wicht etwa, die,e Bedingungen über das Maß des Stothwendigen gingen. --- Mit diesem Wörtchen„Aber" weiß Herr v. Ben- in?•">ahre Kunststücke aufzuführen.„Die Einführung der zwei- laugen Dienstzeit ist eine populäre Maßregel, aber sie bedingt fuyrelange Erwägungen. Die Finanzlage fängt an, ungünstig zu �wden, aber nicht so, daß die Vorlage abgelehnt werden müsse. ,rlf.Frage der Deckung ist sehr schwierig, aber ihre Erledigung d° erhalb einiger Jahre möglich." Das ist das Aber, von k'" Walter Scott sagt, es sei ein kriechendes Ding, das einem J." Vecher wegreißt gerade ivenn man ihn an die Lippen setzen nsi"- Und dieses Abers Folge ist das Friedenstistende Wenn, bei M"ugsen lautet es: Wenn Kompensationen nicht zu erreichen (."d, so bewilligt man ohne sie. Nach der Seite Bennigsens kann epw v. Caprivi zufrieden sein, der Kompensationsnebel ist ver- s bgen und es herrscht wieoer die klare Bewilligungssonne."— welche Verwunderung wird die Haltung der National- .viralen in dieser Frage nirgends hervorgerufen haben. Es ist wmer dasselbe unwürdige Spiel bei ihnen. w P"6 Abgeordnetenhaus erledigte am Dienstag eine Reihe n Petitionen meist lokalen Inhalts. �..JDie(Zuittunaostener. Man konnte darauf gespannt sein, eiche Mittel der Reichsregierung die Finanzgenies in Vorschlag ft�vgen würden, um die ungeheuren Ausgaben für die neue Ver- I.,"ung des stehenden Heeres zu bestreiten. Ter schmerzlichste �cheil kommt bei solchen Gelegeuheiken immer hinterher; nach- »eni der Phrasenschwall der patriotischen Redner im Parlament g�bergerauscht, erscheinen die trübseligen Erwägungen der ~ Die Atmosphäre ist geschwängert mit allerlei Projekten. taucht denn auch eine aus früherer Zeit her be- '"t° Erscheinung auf— die Öuittungssteuer. Es Heiich d�" beabsichtige seitens der Regierung diese Steuer °>n Reichstage vorzuschlagen. Von Quittungen über Summen ab""'ehr als zwanzig Mark sollen zehn Pfennige an den Staat k gegeben werden, d. h. der Großvater Staat theilt sich hier mit Inf,' Austrägern kaufmännischer Geschäfte u. s. w. in die Be- "chnung, jüeiche heim Bezahlen der Rechnungen abgegeben zu auf Quittungen verzichten und wird so den Ertrag der Steller möglichst gering machen. Unverhältnißmäßig groß werden dagegen jdie Unzuträglich keiten und Belästigungen sein, die eine solche Steuer für das stimmt« Publikum mit sich bringt. Die Kontrole ist nicht leicht und nicht so einfach; es wird also, um einen altherge brachten Ausdruck anzuwenden, eine starke„Steuerschnüffelei — man verzeihe das Wort!— in Anwendung gebracht werden müssen. Für die Hinterziehung eines Stenerbetrages von 10 Pf kann man keine hohe Strafe ansetzen; die Lust zur Hinterziehung der Quittungssteuer wird also ohne Zweifel sehr groß sein Daraus werden eine Menge von Bagatell-Prozessen entstehen. die gewiß nicht dazu beitragen werden, die Steuer populärer zu machen; dagegen werden sie vielleicht Stoff zu guten Lustspielen liefern. Und wie soll die Steuer ausgeführt und erhoben werden Wird bei dem Arbeiter, dem Kommis, dem Beamten, der über mehr als 20 M. am Ende der Woche quittirt, wenn er vom Arbeitgeber, Vorgesetzten oder irgend einer Kasse seinen Lohn oder Gehalt erhebt, auch eine solche Steuer erhoben? Das wären ja nur 5 M. 20 Pf. pro Jahr, wird die„Kreuzztg." sagen. Aller dings ist es„nur" ein kleiner Betrag und einen noch unver krachten Rittergutsbesitzer würde es auch nicht wehe thun. Aber dem Arbeiter und allen Denen, die geringe Einnahmen haben, thut es weh. Die Konservativen haben dieser Art von Besteuerung schon früher ihre Sympathie zugewendet und thun es auch jetzt wieder. Vielleicht glauben die Herren, die Börse werde durch diese Steuer ganz besonders getroffen. Das glauben wir nicht. Die Börse wird sich leicht darüber hinwegsetzen; am lästigsten wird die Steuer selbst sowohl als die damit verbundene Umständlichkeit dem kleinen Geschäftsmann und dem Arbeiter sein, wie es bei der indirekten Besteuerung ja gewöhnlich geht. Und wenn dem Geschäftsinann die Slusgabe wehe thut, so schlägt er sie wieder auf den Waarenpreis; das Publikum mag dann die Last wiederum auf seine breiten Schultern nehmen. In Fangendreer tagte eine Bergarbeitersammlung, die zu dem Zivecke einberufen war, um dem ebemaligen Bergmann Schröder Gelegenheit zu geben, über den internationalen Berg- arbeiterkongreß zu Jolimont berichten zu können. Die Versamm- lung war gut besucht und nahm einen ungestörten Verlauf. Die Ausführungen Schröders wurden von dem größten Theil der An weseuden beifällig aufgenommen. Aachen. Vom Bauernverein. Die Generalversammlung des Rheinischen Banernvereins beschloß, den Landtag um Ablehnung des Schulpflichtgesetzes zu ersuchen und faßte, nach einem Vor trage des Reichstagsabgeordneten von Grand-Ry, einstimmig folgende. Resolution:„In Erwägung, daß der Bauernstand, ins- besondere der mittlere und kleinere, der Bortheile der großen Fortschritte auf dem Gebiete der Landwirthschaft nur durch ge nossenschaftliche Vereinigung in genügendem Maße theilhaft wer den kann; in Erwägung ferner, daß das Wohl und Wehe des Bauernstandes und des Grundbesitzes in hervorragender Weise von der Gesetzgebung beeinflußt wird, daß dies aber in unserem Jahrhundert unter dem überwiegenden Einflüsse kapitalistischer Anschauungen mit der Natur des Grundbesitzes im Widerspruch steht und die gedrückte Lage und unverhältnißmäßig große und unbillige Belastung des Bauernstandes vorzugsweise verschuldet. in Erwägung schließlich, daß die verschiedenen produktiven Be- rufsstände je nach ihren verschiedenen Berhältnissen besondere gesetzliche Bestimmungen beanspruchen, welche diesen Verhältnissen entsprechend Rechnung tragen: beschließt die Generalversammlung die Bildung einer Kommission zur Prüfung der Frage, welche ge- nossenschaftliche Organisation und feiner Natur entsprechend auf christlicher Grundlage beruhende genossenschastliche Korporation der christliche Bauernstand zu erstreben habe, und wie dies ge- 'chehen könne." Merkivürdig mischt sich hier Wahres mit Falschem bunt durcheinander! �it�Der Achtstnudenavbeitotag i» Anstralie». Zur selben Zeit, als sich in diesem Jahre die Arbeiter in Europa und Amerika darauf vorbereiteten, zu Gunsten des Acht stund en t ages die großen Kundgebungen am 1. und 4. Mai z« veranstalten, feierten in Victoria und Neu- ü d w a l e s, den beiden südöstlichsten Staaten von Australien, die Arbeiter am 21. April bereits den J a hr es- tag der staatlichen Einführung des acht 't ü n d i g e n At a x i m a l a r b e i t s t a g e s. Nach den großen Lohnkämpfen, welche die Arbeiterorganisationen von Sydney und Melbourne in den Jahren 1886 bis 1888 durchgeführt hatten, wurde in den parlamentarischen Körper- 'chaften der beiden genannten Staaten von arbeiterfreuud- liehen Abgeordneten der Antrag gestellt, den von den Ar- beitern geforderten Achtstundentag gesetzlich zu sanktioniren. Dieser Antrag wurde am 21. April 1889 angenommen. ivorauf die Arbeiter mit großen Siegesdemonstrationen er- widerten. Sie stellten daraus auch die Forderung, den Rein volkswirthschaftlich läßt sich eine solche Steuer f1!,tD0'l®IDlriwa;"i"'u; genommen.. e>n Vorrn�?' begründen; sie belastet nicht da, wo zugleich irgend l'Wafiirf r gewahrt ist. Denn ivenn Jemand seine Rechnungen Sqys';.'0'I1 das kein Grund für de» Staat, dabei gleich seine tischen und einen Tribut von zehn Neichspsemiigen zu »ieC,• Ganz anders wäre die Sache, wenn der Staat die Ein- st'Ner Forderungen besorgte. Aber wo er das mit Hilfe beka»„„suchte thut, da läßt er sich besonders dafür bezahlen und 0n ni.w""9""rd man dies in's Auge fassen müssen. Denn �Aaen(Lun Publikum selbstverständlich so viel als möglich der 'uittu» Abgabe stch zu entziehen suchen. Man wird Theil- gen ausstellen; man wird überhaupt, so viel es angeht, 21. April alljährlich als Arbeiterfeiertag festlich begehen zn können, und das Parlament hieß auch dies gut. — Es geht uns von einem in Melbourne lebenden Deutschen eine längere Schilderung über diese Vorgänge zu, aus welcher wir einige Einzelheiten über diesen Arbeitcrfeiertag entnehmen. In Melbourne veranstalteten die Arbeiter einen Umzug durch die Stadt, an welchem etiva sechzig Vereine mit ihren Bannern Theil nahmen. Sie trugen auch unzählige Transpareute mit Ausschriften, welche die Beden- tuug des Tages und die Forderungen der Arbeiter kundgaben; die Zahl der Theilnehmer und Theilnehmerinnen betrug nach geringen Schätzungen niehr als 30 000. Am Nachmittag wurde im großen Saale der Arbeiterbörse, der Trades-Hall, - /�. r/«■#1* Y Y i!•* j I. welchem der Deputirte Unter stürmischem Bei- ein Festbankct abgehalten, auf T r c n iv i t h die Hauptrede hielt. all aller Anwesenden feierte dieser den 21. April als den ersten Marksteiii in der Siegesbahn des Emanzipations- kampfcs der Arbeiterschaft Australiens. Denn wenn auch der Achtstundentag bewilligt sei, so gäbe es doch noch eine große Zahl von weiteren Aufgaben, die zu Gunsten der arbeitenden Klassen gelöst werden müßten. Der Redner childerte dann das schwere Risiko, welches die ungeordnete Produktion den Arbeitern in Australien auferlege, da infolge ocr schrankenlosen Konkurrenz viele Fabriken gezwungen eien, zivcimal im Jahre mehrere Monate die Arbeiten ein- zustellen. Wenn deshalb auch der Lohn im Allgemeinen ein hoher sei, der besonders den Arbeitern im Auslande so ver- lockend erscheine, so müsse doch der Arbeiter einen Theil des JahreS ohne Veschäftignng hinbringen, wodurch ihm jede gesicherte Existenz unmöglich gemacht werde. Bald werde man daher einsehen, daß auch der Miuimallohn und der Maximalarbeitstag nicht genügen könnten, um die Arbeiter- frage zu lösen, sondern daß hierzu eine völlig durchgreifende Umwandlung der Produktion erforderlich sei.— In Sydney wurde der Ärbeitersciertag in ähnlicher Weise begangen. Großbritenn»!«». London, 10. Juni. Oberhaus. Im Laufe der De- hatte über den Bericht der Schiveißsyslem-Komitees erklärte Lord Ramsay, England habe allen Grund, mit den Ergebnissen der Berliner Konferenz zufrieden zu sein. Es sei befriedigend zu sin- den, daß England durch seine Fabrik- und Werkslättengesetze in der Sorge um die Arbeiter Führer der zivilisirten Welt gewesen sei. Wenn England versuchen würde, die Arbeitszeit der Atänner, Frauen und Kinder noch mehr zu beschränken, so dürste es un° beimißt den Handel von den englischen Ufern treiben. In der Einstellnng der frühzeitigen Ehen und in der besseren Erziehung seien die Mittel zur Hilfe zu suchen. Durch heroische Mittel iverde das Loos der Arbeiter nicht gebessert. Falls das Parka- ment durch Ausdehnung der bestehenden Gesetze das Loos der Arbeiter bessern könne, so werden dieselben nicht lange darauf zu warten haben.— Der edle Lord hätte dieses thörichte Geschwätz ruhig für sich behalten solle». Kelgien. Brüssel, 10. Juni. Bei den heutigen Ersahwahlen zur Deputirtenkammer verloren die Liberalen ihren einzigen Sitz in Gent. Die gesammte klerikale Liste in Gent wurde im ersten Wahlgange nnt einer Majorität von 500 Stimmen wiedergewählt. In Berviers verloren die Klerikalen einen Sitz. In Soignies, Tonrnai und Lüttich wurden die Liberalen, in Alost, Audenaerde, Waremme und Hasselt die Klerikalen wiedergewählt. In Möns wurde die Liste der Liberalen mit einer Mehrheit von 700 Stimmen wiedergewählt. In Charleroi siegten ebenfalls die Liberalen und verloren die Katholiken zwei Sitze. Im Ganzen haben die Liberalen drei Sitze gewonnen und einen verloren. In Thuin sind zwei Stichwahlen zwischen Katholiken und Liberalen nöthig. Brüssel, 9. Juni. Zum ersten Male haben hier die Wahlen zu den 1687 eingerichteten Gewerberäthen statt- gefunden und haben zu einem durchschlagenden Siege der sozialdemokratischen Partei geführt. Gegen 10 000 Arbeiter waren gestern berufen, ihre Delegirten zu den Gewerberäthen(Conseils de l'Industrie et du Travail) zu ernennen, die Unternehmer, etwa 3000 an der Zahl, werden heute zur Wahl schreiten. Den Kandidaten der sozialistischen Arbeiter- partci standen die Kandidaten gegenüber, welche der hier von dem hohen Adel und dem Klerus in's Leben gerufene katholische Ar- beiterverein aufgestellt hatte. Die klerikalen Arbeiterkandidalen gewannen nur im Webeaewerbe. Hier kandidirten sie aber allein, überall in den 87 Wahlbureaux der einzelnen Gewerke, wo ein Wahlkampf stattfand, siegten die sozialistischen Kandidaten mit überwältigender Mehrheit. Dieses Ergebmß beweist, daß die Brüsseler Arbeiterpartei vortrefflich organisirt und in feste Gruppen vereinigt ist. Die Tyatsache, daß zu diesem Ziele gestern 10 000 zu diesen Wahlen berechtigte Arbeiter Brüssels sich geeinigt hatten, bedeutet für die Arbeiterpartei einen großen Er- "olg und einen wichtigen Forffchritt. Vorlattrenksviststes. Die Deichstngs-Kommlsstott zur Borberathung des Ge- etzeutivurss über die Gewerbegerichte hat den Bericht über ihre Verhandlungen und Beschlüsse veröffentlicht, und man erhält da- durch jetzt authentischen Aufschluß über die Abänderungen, welche sie an dem Entwurje vorgenommen hat. Zunächst ist der Kreis der Personen, auf welche sich die An- Wendung des künftigen Gesetzes erstrecken soll, erweitert worden. Nicht blos die gewerblichen Arbeiter sollen darunter fallen, auch die Betriebsbeamten, Werkmeister und mit höheren technischen Dienstleistungen betraute Angestellte, deren Jahresarbeitsverdienst an Lohn oder Gehalt ziveitausend Mark nicht übersteigt. So» dann ist die Zuständigkeit der Gewerbegerichte erweitert worden. Sie sollen einerseits lediglich zur Schlichtung von gewerblichen Streitigkeiten errichtet werden, andererseits aber auch nicht blos siir solche zwischen Arbeitern und den Unternehmern, andern ebenso für Streitigkeiten unter den Arbeitern des« elben„Arbeitgebers". Und zwar sollen sie in letzterer Be» ziehung zuständig sein für Streitigkeiten über die An- sprüche, welche auf Grund der Uebernahme einer gemeinsamen Arbeit von Arbeitern desselben„Arbeitgebers" gegen einander erhoben werden. In den bereits im Bundesrathsentwurse den Gewerbegerichten übertragenen Zuständigkeiten soll ferner noch eine solche für Streitigkeiten über eine in Beziehung auf das Arbeitsverhältniß bedungene Konventionalstrafe treten. Während die ursprüngliche Vorlage die Streitigkeiten der Meister der Hausindustrie mit ihren Arbeitgebern nur fakultativ den Gewerbe» gerichten unterstellte, hat die Kommisston diese Unterstellung obligatorisch gemacht. An den Bestimmungen über die Zu» sammensetzung der Gewerbegerichte hat die Kommission nichts, an denen über die Bedingungen der Wählbarkeit zu Beisitzern(leider) nur wenig geändert. So ist in letzterer Beziehung die Alters- grenze beim 30. Jahre belassen, nur die Bedingung des Nicht- empfanges von Armenunterstützung ist etivas verändert. In dem ursprünglichen Entivnrfe war bestimmt, daß Niemand wählbar sein sollte, der in den letzten drei Jahren Armenunter» stlltzung empfangen hätte. Nunmehr ist dieser Zeitraum ans das der Wahl vorhergehende Jahr beschränkt, und selbst wenn Jemand innerhalb dieses Jahres Unterstützungen empfangen hat, soll er doch wählbar sein, wenn er dieselben nur zurückerstattet hat. Die Bestimmung über den Beisitzerwahlmodus dagegen ist im Prinzip geändert worden. Die Vorlage der Regie- rungen überließ die Feststellung desselben dem Statut der Ge- werberichte; die Kommission hat beschlossen, im Gesetze festzulegen, daß die Wahl eine unmittelbare und geheime sein solle. Eine wenn auch nicht prinzipielle Veränderung hat die Kommission mit s.. m—rj..;:, fit,- v;. � �.».... der Vorschrift über der Wahl der Vorfitzenden der Gewerbegerichte durch die höheren Verwaltungsbehörden vor- genommen. Dies war der Punkt, an welchem die GewerbegerichtS- -.r,™ r Der Reichstag wollte damals billigen und die Regierungen ver» I, jetzt hatten die letzteren sowohl in den Motiven zur Vorlage wie in der ersten Lesung im Plenum des Reichstags erklären lassen, daß sie an diesem Rechte festhalten müßten. Die Kommission hat den Standpunkt der Regierungen im Prinzip anerkannt und nur die Einschaltung beschlossen, daß das Bestätigungsrecht für diejenigen Staats- oder Gemeinde- beamten ruht, welche ihr Amt kraft staatlicher Ernennung oder Bestätigung verwalten und so lange sie dies Amt bekleiden. Die Beschwerde gegen die Entscheidungen des Gewerbeaerichts sollte nach dem Entwürfe der Regierungen an die höhere Äerwaltungs- bchörde gerichtet werden, die Kommission hat als Beschwerde- instanz das Landgericht geivählt, in dessen Bezirk das Gewerbe- gericht seinen Sitz hat. Der Abschnitt über die Einigungsämter ist fast ganz dem ursprünglichen Entivnrfe entsprechend beibe- halten ivorden. Dagegen ist die Ausnahmebestimmung, welche der Entwurf für verschiedene Staatsbetriebe vorgesehen hatte, insoweit gestrichen worden, als auch die Streitigkeiten der Vorstände der Reichs- und Staatsdruckereien, der staatlichen Münzanstalten und der Betriebe der Staats- eisenbahn-Verwaltungen mit den in diesen Betrieben beschäftigten Arbeitern unter das Gesetz fallen und nunmehr nur noch die Bestimmungen des letzteren keine Anwendung finden sollen auf Gehilfen und Lehrlinge in Apotheken und Handelsgeschäften so- wie auf Arbeiter, welche in den unter der Militär- oder Marine- Verwaltung stehenden Betriebsanlagen beschästtgt find. Ein voll- ständig neuer Abschnitt ist, wie wir schon gestern mittheilten, dem Entwürfe über Gutachten und Anträge der Gewerbegerichte eingefügt. Danach ist das Gewerbegericht verpflichtet, ans An- suchen der Staatsbehörde oder des Vorstandes des Kommunal- Verbandes Gutachten über gewerbliche Fragen abzugeben, und kann hierzu Ausschüsse zur Vorprüfung derselben einsetzen. Des- gleichen ist das Geiverbegericht berechtigt, in gewerblichen Fragen, ivelche die seiner Gerichtsbarkeit unterstehenden Betriebe berühren, Anträge an Behörden und an Vertretungen von Kommunalver- bänden zu richten. Als Termin des Jnkrasttretens des Gesetzes, der im ursprünglichen Entwürfe offen gelassen war, ist durch die Kommission der 1. April 1891 in Aussicht genommen. Theater. Donnerstag, den 12. I u n i. Gpernliaus. Die Jahreszeiten. KchitnsvirlhiUls. Natalie. Fesstng- Theater. Die Ehre. Friedrich-Milhelmstadt. Theater. Der arme Jonathan. Wallner- Theater. Mamsell Ni- touche. Kihtoria-Theater. Stanley in Afrika. Kerliner Theater. Kean. Deutsches Theater.„Mein Leopold". Ostend-Theater. Marie, die Tochter des Regiments. FeUrallianre- Theater. Der Nau- tilus. Kroil'o Theater.„Maurer und Schlosser." Kanfmaun'» Uariötö. Große Spe- zialitäten-Vorstellung.: Englischer Karten. Direktion: C. Andress, Alexander- strape 27 c. Auftreten d. Liedersängerin Frl. Stelnow. Auftreten des Gesangshumoristen Herrn Jonas. Auftreten des Komikers, Mimikers und Stinmien-Jmitators Herrn Gödioke. Auftreten der Geschwister Herzog. Austreten des musikalischen Neger- Klown Mr. de Volks. Uto&lifeiRCllt Buggenhagen am Moritzpiatz. Täglich; Grosses Garten-Concert. Direktion A. Alödmann. Dienstag und Freitag: Walzer-Abend. Entree- Woolieiit"iis 10 pfa-. Sonn- und Festtags 25 Pfg. Bei ungünstiger Witterung in den unteren IiestaurationSräumen. Großer Frühstücks- und Mittagstisch. Spezial-Ausschank von Patzenhofer Export-Bier, Seidel 15 Ps. Die oberen Säle bleiben bis auf Weiteres wegen Nenovirung geschlossen. •<341 F. Müller. Varietä-Theater. (Hasenhaide) Herrmanustr. 13— Neue Strasse 18. Sonntag, den 8. Juni 1890. o n n t a g, den 8. Juni 18 Im herrliche» Garten: Konzert, Thenter- nnd Speznlitüten- Vorstellung. Im Saale: BALL. Anfang 4 Uhr. Entree 20 Pf. Kinder frei! Zu Privatfestlichkeiten halte mein Etablissement empfohlen. Passage 1 Tr. 9 Uhr M. b. 10 Uhr Ab. Kaiser# Panorama. Hervorrag. SehenSwürdigk. d. Residenz. In die/er TS® Woche: Zum ersten Male: Vierte Reise durch die Pyrenäen. Neu! Zum e r st e n Male: Hochinteressant: Siam. Eine Reise 20 Pf., Kind nur 10 Pf. Abonnement 1 M. Wannsee. 6af© ASsesi. im Größtes Lokal, höchst romantisch i belegen, Nähe Wald und am Wasser des Flensburger Löwen, empfiehlt Vereinen seine großen Säle, Kegel bahnen, Kähne und Volksbelustigungen aller Art zur gefälligen Benutzung. Küche, Keller gut, solide Preise. 1071 R. Bloch. Allen Genossen, Freunden und Bekannten zur Nachricht, daß ich das[1789 Restanrnnt Weinstr. 22, früher W. Hawgk, übernommen habe und hoffe ich, das Vertrauen Aller serner zu genießen. Für gute Sprisr» n»d Getränke ist auf das Gewissenhafteste gesorgt. 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Uebel, Naunnnßr. 21 Killet«, Kerre» 50 pfg., Dame» 25 pfg., sind bei dem Kassir« Otto Klein, Rittersir. 15; Gustav Wölfl, Neinickendorferstr. 14a; bei samml- lichen Vorstandsmitgliedern, sowie auf den Zahlstellen des Vereins zu haben. 1835s Oer Vorstand. Kreit VereinigW der 8slvailistM und Berufsgenossen. 1s30 Mitgliederversammlung Donnerstag, den 12. Juni, Abends SVs am Donnerstag, den 12. Juni, Abends BVs Uhr, in„Feuerstein s Salon", Alte Jakobstrasse Nr. 75. Tagesordnung wird in der Versammlung bekannt gemacht. Der Vorstand. Complet in 15 Lieferungen a 20 Ff. Uliedeuoerkänfern Rabatt. larafayHuyaiosaS1 I WWW Das 1. Heft der zweiten Auflage ist soeben erschienen und durch unsere Expedition, Beuthstr. 3, zu beziehen. Schriffgiesser-Versammlnng am Donnerstag, den 12. Juni, Vorm. 10 Uhr, in Gratmeil's Kierhallen, Bininnndnnhi#.n41 Tagesordnung: 1. Bericht der Kommission. 2. Verschiedenes. 1823]_ Die Kommission.___ Berliner Kranken- und Begräbniss-Kasse für Frauen und Mädchen.(E. H. No. 97.) Montag, den 23. Juni 1890, in Beyer's Lokal, Neue Grünstr. 14: General-Versammlung. Tagesordnung; 1. Statutenänderung. 1826 2. Kassenangelegcnheiten. Um zahlreiches Erscheinen ersucht Der Vorstand. Unserm lieben Genossen, dem Puh� Frih Graeh(Bürger Nr. 1000) zu seinem Wiegenfeste die herzlichst� Glückwünsche. Seine Freunde und W- n offen: W. Wiese. P. Abromeit. Georg Schramm. Ferd. Kleinerl. Herrn. Jul. Hanisch. 1835 Meine von vielen Vereinen und Kor- porationen als streng reell anerkannte Kranzbinderei und Klnmenhandlnng befindet sich nach wie vor M SWilttprniie 39, Ecke Wienerstraßc. Zu d. vier Lorbeern. 2. Geschäft: Markthallo VII, Dresdener- IST' � 233' J. Döltz. Verein d. Klempner Kerlins«. limgeg. Sonnabend, den 14. Juni 1890, Grosses Sommer-Fest in der feinen Hasenhaide. Konzert und Atiftrfcteu siinimtiiclicr Spezialitäten. Billets ä 25 Pf. sind bei folgenden Mitgliedern zu haben: A. Bischof, Königstr. 43; Schwengler, Mulackstr. 11; Giesow, Zossenerstr. 35; GrabowsUy, Seidelstr. 13; Sohiessor, Koblankstr. 11; Fröhner, Spandauerstraße 42; Klobo, Landsberger Allee 138; Bredel, Neinickendorserstraße 18b; Selchow, Schleier- macherftr. 10. Die Kasseehiiche ist von 4 Uhr an geöffnet. Nach dem Konzert Tan;hrän>chen. Nachzahlung 50 Pf. für Herren. Der U e b e r s ch u ß wird verwandt zur Gründung eines Unterstützungsfonds f. hilfsbedürftige Mitglieder und bitten Freunde und Genosse», uns in diesem Unternehmen zu unterstützen. NB. In der Zigarren- Handlung gegenüber der„Aenen Welt" sind ebenfalls Billets zu haben. [1800] Das Komitee. ♦» MW EW 1. Mmnt pm Wtechiin, Stolpes Mein direkt an der vtordbahn, in un- mittelbarer Nähe des Waldes belegenes Zießlinriint zum Fichtenhkin, mit neu erbautem grossen Saal, Bühne, Piauino, Kegelb'hn it. dergl., empfehle an» Freitag, dr» 13. Iuui, Abends 8V2 phr, in W n n d t' s Katon, Köpnickrrrstrajze 100. Tages-Ordnung: Der Streik der Haniburger Bauhandwerker u. die Koalition der Unter- nehmer. Referent: Reichstagsabgeordneter Förster. 1825 2. Diskussion. Zur Deckung der Unkosten findet Tellersammlung statt.— Um zahlreiches Erscheinen wird gebeten. Der Einbernfer: H. Ortland, Steglitzerstr. 58. ich den geehrten Vereinen zu Ausflügen. Ausschank-HAK von:„zunnchcner Kranhans". stür gute Speisen und G e- tränke ist bestens gesorgt.[1834 M. Jssiiig, Wwirth. Haltestelle Stolpe an der Nordbahn. Eine parthie fehBerhafie >Teppiche!o in Sophagrösse ü 5,6, 8 u. 10 M. MB in Salongrösse a 12, 15, 20-50 H.« 88 Wttth laä Soplte! S ßardinen"ÄiS M ä 10, 12, 15-40 Mark. B 500 Muster stets vorräthig. r Gardinen- u. Teppichfabri>t° Emil Lefövre, Berlin S., Granienstr. 158. Jlluskr. Musterbücher franko. Das gr. Lager Berlins > Andreasstr. 2S. Einsetzen! Grosse öffentliclie Versammlung sämmtlicher Einsetzer Berlins am Donnerstag, den 12. Juni, Abends 8 Uhr, bei Feuerstein, Alte Jakobstr. 75. Tages-Ordnung: 1 Wie stellen sich die Einsetzer zu unserer Lohnsrage? 2. Diskussion. 1832 3. Verschiedenes. Der Referent wird in der Versammlung bekannt gemacht. Zahlreiches Erscheinen ist nothwendig. Der Einbrrnfrr: Fr. Topp. SöMmckMer iallnercin für Teltw-WMeMrg. 1» br, 40, 0�" Große Versauunluug. Tages-Ordnung: 1. Die neue Militärvorlage im Deutschen Retchstage. Referent wird»n der Versammlung bekannt gemacht. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes._. Um recht zahlreichen Besuch bittet_ Der Po» stand. 1827 Wotliche Steiiniiel- Beismiiiluiiß am Donnerstag, den 12. Juni, Abends 8 Uhr, in der Ahrens' schen Kranerei, Moabit. Tages-Ordnung:.... 1. Vortrag des Herrn Pens über:„Pflicht und Recht der öf, entlichen 8 S Um zahlreiches Erscheinen ersucht_ gier Ernbr» nfrr. A. Goldschmidt, Spandauerbrücke 6, am hiesigen Platze bekanntlich Grösste Auswahl. Carantirt sicher drennrnde EQT T a d a ll e."WB Streng reelle Bedienung» billigste Preise! 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Stadt- fianaL'1!!15 Schmidt(Sachsen) schivcbcndcn Berfahren ivcgen tati �� brnchs beziehungsweise in einer Privatklagesache, Mge � �rfürwortung durch den Abgeordneten Singer aus rrsteu Berathung steht der Antrag Auer und Genossen sichern?hme eines Gesetzentwurfs zur Ergänzung des Unfallver- �rungsgesetzes. der rei Artikeln wird vorgeschlagen: I. daß auch im Falle IWA re-,•®u,,9 das Heilverfahrens vor Ablauf der 13. Woche der re des Unfalls von dieser Zeit an für die Dauer im cy�arbäimstihigfeit einer Rente gewährt werden soll; 2. daß »int»' Tvdtung eines Versicherten, der sich bereits im Ge- nilr ��'/r Unsallrcnte befand, die Rente der Hinterbliebenen nicht kW«? dein Arbeitsverdienst, sondern nach der Sumine des wer?» Arbeitsverdienstes und der bezogenen Rente berechnet ihr»» or �' b. daß den Betriebsunternehmcrn und ei,,.„..Angestellten untersagt werden soll, durch lieber- der In..aber miitels Arbeitsordnung die Anweilduug K...."drstiinmungen dieses Gesetzes zum Nachtheil der u, i'chertcn ganz oder theiliveise auszuschließen oder sie in der u,,., a.ahnie und Ausübung eines ihnen in Gemäßheit dieses Ge- tm? übertragenen Ehrenamtes zu beschränken; daß die Ucber- ew 8 dieser Vorschrijt mindestens mir Geldstrasc bis zu 300 M. jenin Hast bestrast werben soll. Die gleiche Strafe soll die- »o»? �atriebsunternehmer und Angestellten treffen, welche die den o-r1*11 öu leistende» Beiträge für die Unfallversicherung von Mne» ganz oder theilweise in Slbrechnung bringen. M Abg. GriUrnberger(Soz.): Ich habe mir einmal die Eni- tJst.9 der rechten Seite und der Nationalliberalen zugezogen, tzlnk- behauptete, das Unfallgesetz habe fiir die arbeitenden Sinrl? �e'neit wesentlichen Bortheil. Ich bin aber von dieser »llcht noch heute nicht kurirt. Allerdings sind manche Verhält- gegenüber dem früheren Znstande unter dem Haftpflichtgesctz » oezsert worden. Aber bei den Entschädigungen kommen die Ar- {"'fj nicht zu dem, was sie erhalten müßten, besonders da, wo d?> ni ,lllr u,n eine theilweise Eriverbsunfähigkeit handelt und �erufsgenossenschaften oder deni Schiedsgericht dieBemessung der �»te überlasse» bleibt. Allerdingshat in manchen Fällen das Reichs- Mßcherungsamt hierin Wandet geschaffen. Unser Antrag will die ?»gendsten Beschwerden beseitigen. Die dreizchnwöchige Karenz- M vor Eintritt der Unfallreute ist überhaupt ungerechtfertigt. Heilung eines Verletzten kann schon früher eintreten, und >' hört die Unterstützung durch die Krankenkasse auf, so daß zwischen dieser Unterstützung tind dem Eintritt der Unfall- älle ei» Bakum» eintritt, der Arbeiter gewissermaßen in der M hängt und von Siiemandcm Unterstützung erhält. Fälle wser Art sind bereits mehrfach vorgekommen, die Unterstützung >>« der Armenkasse während eines solchen Vakuums ist kein Ersatz, ii!,..ehr wnß die Unfallrente gezahlt werden, sobald die Kranken- �terstützung aufhört. Viele Vorstandsmitglieder von Berufs- ??°ssenschnsten haben die Berechtigung dieses Antrages zu- Wanden und ich hoffe, daß auch die Liegierung keinen Wider- �»d entgegensetzen wird. Da die Fälle ziemlich häufig sind, "»»en wir nicht bis zu einer gänzlichen Umarbeitung des Unfall- 3cherungsgcsetzes, die allerdings erfolgen muß, warten. Wir Jf» deshalb, unserem Antrage, wenn möglich, ohne Koni- Jb'vnsberathung zuzustinimen, da die Sache einfach genug liegt. sj dveite Theil unseres Antrages ist durch eine Entscheidung lm;. ichsversicherungsamtes aus dein vorigen Frühjahr veran- Ein verunglüctter Arbeiter erhielt eine Rente von 30 pCt., !>) 1 aber nebenbei noch in der Lage, 300— 400 Bt. zu verdienen. -'eineni abermaligen Unglück wurde er gctödtet, lind bei der Lflitzung der Rente der Hinterbliebenen wurde bloß der letztere (sjurend reduzirte Verdienst in Zlusatz gebracht; vorher halte J Mann aber vielleicht über 1000 M. Verdienst. Stach dieser ÖJPieUcn Entscheidung des Reichs-Versicherungsamtes muß auch Q � bessernde Hand angelegt werden. Es darf nicht nur der NC biinimale Arbeitslohn bei der Bemessung der Rente für die « verbliebenen zu Grunde gelegt werden, sondern es mup die .,,7 aus dem ersten Unfall milberechnet werden. Sollte» Sie — �—— i. �—. o r..« t..tst+■ f l* �an>� �h, ben Ausweg, daß oerzenige �...... et SBiit*'e'UC111 ersten Unfall gehabt hat, bei der Berechnung -"Wen- und Waisenrente zu Gnuide gelegt wird. Irgend "-■-*- ssr--- ., selbst.......„. Mlei, r. nilf Grund des Unfallversicherungsgesetzes zu »Ten di-r ben Arbeitern vom Lohn abgezogen haben. W»0en f,Jf. Verletzung des Gesetzes müssen wir Strafbesliin- ;f.[.'en' welche die Herren belehren, daß es nicht an- Jä»bci-IiL ni'r"'ehts dir nichts das Gesetz zu übertrete» und tbmlei, V"?.belasteten Arbeitern auch noch.diese Last aufzu- ' s baben sich auch die Bctricbsuntcrnchmer in manchen "----- OY)�rf4>i nntt; hf �chtiiim' Scheinverträge mit Werkführern, durch Maschinen- »!?'»nß dergleichen ihrer Beitragspflicht entzogen. Auch ßl�ren gr. /.hindert werden. In den meisten Fällen sind wir mit ,% E,,,..» Ten über Arbeitcrvcrhältiiisse nicht auf sehr freund- j"wie,, n>?JJ'?m"nien im Reichstage gestoßen. In diefeui Falle »i.�itrach/"e spezifischen Uiiteriiehmerinteressen nicht so sehr ». ehr iil, 15 bei unseren frühereu Anträgen, es handelt sich „JeHe» Korrekturen des Unfallversichcruiigsgesetzes, durch int wird beschädigt, verde», wohl aber dem'Arbeiter ge- h.ybeffeii',i~ Jönntn Sie vom Standpunkt Ihrer Unternehmer- lerez Zs,,."»! ci» Loch zi.rückftcckeil und sich auf den Boden H», Sta?J'rages stellen. i» � Uiif, fr?.r Köttecher: Darüber, meine Herren, daß a' habe>,? �llcherlings-Gesetzgebuiig einer Korrektür bedürftig »j'eifel ob�u� bei frühere» Berathungen niemals ei» ein im Ar Ahf;l:cn lassen; die verbündeten Regierungen gehen auch LAufe bi-fif diejenigen Mängel und Fehler, welche sich siin. �gest-ift �"Wendung unserer Uusallversicherungs-Gesetzgebung iey"icht m,.?6"' einer solchen Korrektur zu unlerzieheii. Es lu.'fe» Au»» diejenigen Punkte, welche in dem Antrage der ».."diln». rund Genossen hevorgehoben sind, bei der An- die bei der An wie ich zugebe» »ii»'wg. An'c.AnlaK st-brterungen und auch zu Klagen, ivie ia) zugeor.. »inj e, ln � gegeben haben; es giebt auch noch einzelne andere '-"e.s»e>i ii,n„ jU der Ueberzengung gckonuuen ist, daß — fnmn/ik was das Ver- kh'A Unfall,'. 7'l."mn Zu der Ueberzeugung gcr >tfi Arxna.'''"'"""gen des Gesetzes anlangt, sehr ivoyr um-t s4>k», rechts opr? hagelt werbe» kann. Wen» in dieser Beziehung das.!?ehen ist, so wollen Sie das dem J'-—"♦■>•>>">-n- überhaupt mit der Durchführung ' �ejetzgebuiig»och nicht zu demjenigen Ziele was das Ber- als auch was die sehr wohl einer vor- gedrnngen sind, das wir uns gesteckt haben. Es giebt noch Kreise in der Bevölkcriiiig, die ebenso wie die von unseren bereits erlassenen Unsallversichermigs- Gesetzen erfaßten Arbeiter einer Nnsallgefahr unterliegen, und für die der Meinung der ver- bnndete» Regierniigen nach ebenso gesorgt werden muß, wie für die Arbeiter, welche der Industrie, der Laildivirthschaft, dem See- fahrergewerbe angehören. Ich erinnere in dieser Beziehung bei- spielsweise an das Handwerk, ich erinnere an die Fischer, ich er- innere an das Handelsgewerbe, uiid so giebt es»och eine Reihe von Berufskreisen, auf welche die Unfallvcrsicherungs-Gesetzgebnng demnächst ausgedehnt werden muß. Ich hoffe, daß schon in der nächsten Session dem Reichstage ein solches Gesetz, welches die llnfallversicheruug auf alle ihre bedürftigen Kreise ausgedehnt, vorgelegt werden kann. Wenn nun jetzt die Herren Abgeordneten Auer und Genossen einige Punkte aus denjenigen herausgreifen, bei denen die bestehende Gesetzgebung einer Abänderung bedarf, so sind sie damit, wie ich bereits hervorgehoben habe, keineswegs erschöpfend gewesen, und ich zweifle gar nicht, daß wenn dieser Antrag, sei es einer kommissarischen Berathung oder einer Berathung im Plenum, unterzogen werden ivird, sich bei dieser Gelegen- heit auch andere Wünsche geltend machen werde», die anderen Punkte des Unfallvcrsichcrungs-Gesetzes betreffen, bei wel- che» man eine Abänderung bewerkstelligen kann. Ich möchte nun glaube», daß es gcrathen wäre, diese voraussichtlich doch mir kurze Session nicht mit dieser Aufgabe zu belasten, weil ich kaum mich der Hoffnung hingeben kann, daß, wenn die Materie in Einzelberathung genommen wird, noch im Laufe dieser Session etwas dabei herauskommt, und ich nehme weiter an, daß, wenn die Regierungen, die, wie gesagt, schon die Vorbereitungen für eine Siovclie znni Unfallversicherungs-Gesetz getroffen habe», die Ataterie ex professo in Angriff nehmen, daß dann etwas zur Berathung des Hauses Geeigneteres herauskommen wird, als dieser nicht vollständig alle Desidcricn umfassende Antrag ist. Meine Herren, der Herr Vorredner hat Ihnen ausgeführt, daß die Punkte, die er hier ausgeführt, ihm ganz besonders dringend der Erledigung und Korrektur bedürftig zu sein scheinen. Ich er- laube mir in aller Bescheidenheit anderer Meinung zu sein. Diese Fälle sind in der That nicht so dringend, und ich bin auch nicht sicher, ob, wenn wir die beiden ersten'Anträge, Artikel 1 und Artikel 2,— auf den Artikel 3 lege ich weniger Werth, der ist theilweise schon durch die be- stehende Gesetzgebung erledigt, und zum anderen Theil habe ich dagegen keine wesentlichen Bedenken zu erheben,— aber, sage ich, wenn wir auch nur Artikel 1 und 2 in Berathung nehmen, so ist es mir sehr fraglich, ob diese Berathung dazu führen wird, die Sache so zu regeln, wie die Herren Antragsteller in Aussicht genommen haben. Meine Herren, Sie werden mir gestatten, daß ich mit einigen Worten diese meine Behauptung begründe. Der Artikel 1 hat die sehr wohlwollende Absicht, den Arbeiter, welcher infolge eines Unfalles zunächst der Krankenfürsorge anheimgc- fallen ist, davor zu schützen, daß ein Vakuum in der öffentliche» Fürsorge eintritt, daß er also von dem Augenblick ab, wo er aus der Krankenfiirsorge herausfällt bis zu beut Zeitpunkte, mit welchem er in die Un allfürsorge eintritt, ohne Rente bleibt. Der Gedanke ist an sich gewiß sehr lobenswcrth und gut, allein, w.eine Herren, bei einer korrekten Slnwendung unserer Kranken- kassen-Gesetzgebuiig können die Fälle, in denen ein solches Vakuum eintritt, gar nicht sehr zahlreich sein. Denn, meine Herren, der Herr Vorredner scheint mir von der Ansicht anszu- gehen, daß mit der Beendigung der Nothwendigkeit der ärztlichen Behandlung auch die Verpflichtung der Krankenkasse aufhört, für die vernnglückten'Arbeiter zu sorgen. Das ist keineswegs der Fall.(Zwischenruf.)— Wenn das in der Praxis so gehandhabt wird, so ist das nicht korrekt. Denn es steht ansdräcklich im§ 6 des Krankenkassengcsetzes, daß als Krankenunterstützung zu gewähren ist: im Falle der Erwerbsunfähigkeit, vom dritten Tage nach dem Tage der Erkrankung ab für jeden'Arbeitstag ein Krankengeld in Höhe der Hälfte des ortsüblichen Tagelohns ge- wöhnlicher Tageärbciter. Es ist also ausdrücklich die„Erwerbs- Unfähigkeit" als dasjenige Kriterium hingestellt, dem gegenüber die Fürsorge der Krankenkassen einzutreten hat. Es ist auch ausdrücklich in dem Konimissionsbericht, der damals über das Kranken- kasscngesctz erstattet worden ist, anerkannt als die übereinstimmende Auffassung der Kommission,„daß die Krankenunterstützung für die gesetzliche. Zeitdmier auch dann fortzugewährcn ist, wenn vor Ablauf derselben die ärztliche Behandlung des Erkrankten wegen eingetretener Rekonvaleszenz oder wegen UnHeilbarkeit des Leidens aufgehört hat, vorausgesetzt, daß die Erwerbsunfähig- kcit fortdauert und als eine Folge der 5kraukheit anzusehen ist". Also in denjenigen Fälle», in welchen zuerst für den verunglückten Arbeiter Krankensürsorge hat eintreten müssen, sind die Krankenkasse» verpflichtet, auch nach Aufhören der ärztlichen Behandlung dem Manne die Krankenunterstützung zu gewähren bis zu dem Moment, wo die Unfallfürsorge eintritt, vorausgesetzt, daß eine Erwerbsunfähigkeit vorliegt und daß diese Erwerbs- Unfähigkeit Folge des Unfalls ist. Meine Herren, ich gebe nun bereitwillig zu, daß bei der Feststellnng der Erwerbsunfähigkeit die Krankenkassen berechtigt sind, von anderen Gesichtspunkten auszugchen, als wie sie maßgebend find für die Feststellnng der Erwerbsunfähigkeit bei der Unfallversicherlmg. Die Krankentasseil werden zu prüfen haben, ob die allgemeine Erwerbsunfähigkeit des erkranklcn oder verunglückten Arbeiters wieder hergestellt ist. Und ist diese allgemeine Erwerbskähigkeit wieder hergestellt, so sind sie berechtigt, die Krankensürsorge einzustellen. Bei: der Unfallfürsorge muß aber auch gefragt werden: in welchem Grade ist durch den Unfall eine theilweise Eriverbsunfähigkeit herbei- geführt? Und da muß also auch solche theiliveise Erwerbs- ünsähigkeit schon zum Ausgangspunkt für die Festsetzung einer Rente genommen werde», während das Vorhandensein einer»Nr noch theilweise» Eriverbsfähigkoit den Kranlenkassen unter Umständen den Anlaß geben kann, die Fürsorge einzustellen. Allein, meine Herren, diese Fälle werden außerordentlich selten vorkommen, und man wird in der Siegel einer Krankenkasse sehr wohl ausinnen können, daß sie die Fürsorge fortsetze bis zu dem Moment, wo die Unfallfürsorge eintritt. Ich kann also auch aus den ver- einzelten Klagen, die über die Behandlung dieser Frage in der Praxis hervorgetreten sind, keinen so dringenden Anlaß ableite», uin sofort mit einer Korrektur des Gesetzes vorzugehen. Auch dieser Punkt wird demnächst, wie ich glaube, im Zusammenhang mit den übrigen Nevisionspunkten zweckmäßig seine Erledigung finden. Nu», meine Herren, komme ich zu dem Artikel 2 des Antrags Auer. Da ist das Tesideriuiu aufgestellt, daß im Falle der Tödtnug eines Versicherten, der bereits im Besitz einer Rente sich befindet, die den Hinterbliebenen zu geivahrende Rente nicht bemessen werden soll ausschließlich nach dem Verdienst, den der versicherte Arbeiter, nachdem er ans dem ersten Unfall eine Rente empfangen hat, noch zu eriverbeu im Stande ist, sondern daß bei der Bemessung der den Hinterbliebenen zu gewährenden Rente auch die Rente selbst noch in Ansatz gebracht werden soll, welche der Versicherte auf Grund eines früheren Unfalls empfängt. Ter Herr Vorredner hat schon selbst an einen Einwand erinnert, der diesem Desidcrium enigegengehalten werden könnte, und das ist der, daß nicht abzusehen ist, weshalb mau bloß die Unfallrente, die der nunmehr getödtete Arbeiter bei Lebzeiten bezogen hat, bei der Bemessung der Rente für die Hinterbliebenen zu Grunde legen soll und weshalb man nicht ebensogut auch andere Renten, andere Einnahmen, die dem Manne außerhalb dieses Verdienstes zugeflossen sind, ebenso bei der Vemessung der Rente für die Hinterbliebenen zu Grunde legen soll. Allein, das ist nicht die Häuptsache, weshalb ich Sie bitten möchte, jetzt von der Berathung auch dieses Punktes Ab- stand zu nehmen. Die Hauptsache ist vielmehr, daß die Regulirung dieser Frage im Sinne des Herrn Au trag stellers noch ganz besondere Schwierigkeit hat. Sie werden das gleich ermessen, wenn ich Ihnen folgenden Fall konstruire: Ein Ar- beiter ist bei einer Berussgenossenschaft— also ich will sagen, der Holzbearbeitungs- Berufsgenossenschaft— verunglückt und bezieht dort eine Rente für theilweise Erwerbs- Unfähigkeit, der Manu ist also noch theilweise erwerbsfähig ge- blieben, er übernimmt Arbeit in einer anderen Berufsgenossen- schuft und hat hier das Unglück, daß er wieder einen Unfall er- leidet und getödtet ivird. Da ist es ganz richtig, daß nach unserer Unfallversicherungs-Gesetzgebnng die Rente, die den Hinterbliebenen zu gewähren ist, ohne Rücksicht auf die frühere Rente lediglich be- messen wird nach dem Arbeitsverdienst, den der Mau» in einem Betriebe der neuen Berufsgeiiossenschaft erwirbt. Diese Berufs- genoffenschast würde auch gar nicht in der Lage sein, dem Manne eine höhere Rente zu zahle». Denn warum? Wenn eine Stents von der Berufsgenosienschaft zu decken ist, so wird das Soll bekannt- (ich aufgebracht nach Maßgabe des Arbeitsverdienstes des Verletzten oder anderer in der Berufsgenossenschast thätigen Ar- beiter; also für die erhöhte Rente, die Sie den Hinterbliebenen zuweisen wollen, ist in der Bernssgenossenschaft gar keine Deckung vorhanden, und auf die ältere Berussgeuoisenschast zurückzugehen, das werden Sie um desivillen nicht rechtfertigen können, weit diese ältere Berufsgenossenschaft schon nach Maßgabe der Schwere des Un- falls und nach Maßgabe der Verminderung der Erwerbsfähigkeit, die damals bei dem ersten Unfälle eingetreten war, belastet ist. Also Sie würden hier diesen Satz, den Sie aufstellen, gar nicht ins Leben einführen können, ohne daß Sie gleichzeitig die Frage beantworten: woher soll die Deckung für diese vermehrte Rente genommen werden? Meine Herren, Sie sehen aus meinen Dar- legungen, daß ich keineswegs geneigt bin, irgend etwas, was zur Linderung der Lage der'Arbeiter gereichen kann, und was billig und gerecht ist, abzuschneiden und zurückzuweisen. Aber so ein- fach liegen die Dinge nicht. Ich möchte Ihnen deshalb empfehlen: warten Sie ruhig ab, bis wir mit unserer Novelle kommen; da werden alle diese Fragen einer sachgemäßen und eingehenden Prüfung unterzogen werden, und wir werden dann hoffentlich in Uebereinstimmuug mit Ihnen zu dem Ziele kommen, welches der Absicht der Unfallversicherung entspricht, nämlich dazu, die Für- sorge für den verunglückten Arbeiter möglichst ausgiebig zu ge- stalten.(Bravo!) Abg. Hencpel(dk): Meine Freunde und ich stehen den Be- strebungen dos Antrages mit Sympathie und Interesse gegenüber, wir halten es auch für angezeigt, in den von dem Vorredner an- geführten Fällen etwas zu ihun, und ivürdeu sogar noch weiter gehen bezüglich des ersten Antrages dahin, daß als Arbeitsverdienst für die Bemessung der Rente für die Hinterbliebenen nicht der letzte Verdienst des Arbeiters, sondern sein altes Einkommen vor dem ersten Unfall zu Grunde gelegt wird. Es giebt aber noch andere verbesserungsbedürftige Punkte in dem Unfallversicherungs-' Gesetz, und wir meinen daher, daß es zur Zeit noch verfrüht ist, Aendernngen vorzunehmen, iveil nicht genügende Erfahrungen vorliegen. Wir ivollen deshalb nicht schon jetzt einige Punkte heraus greisen, sondern bei einer allgemeinen Revision des Ge- fetz es die Sache erledigen.(Beifall rechts.) Abg. Röstckc: Ter Abg. Grillenberger behauptet, daß die Arbeiter in dem Unfallversicheruugsgesetz wesentliche Vortheile für sich nicht erkennen können. Ich stehe auch in der Industrie, habe Verkehr mit'Arbeitern, bin Mitglied des Reichs-Versicherungs- amts und habe die vollkommen entgegengesetzte Erfahrung gemacht, daß die Arbeiter die Wohlthaten des Gesetzes vollkommen anerkennen und keine anderen Wünsche haben.(Widerspruch bei den Sozial- demokraten.) Ter erste Antrag kann allerdings eine Lücke aus- füllen. Es ivird thatsächlich in den Krankenkassen anders ver- fahren, als es der Minister auf Grund des Gesetzes hingestellt hat. Man hat seiner Zeit nicht beachtet, daß das Heilverfahren schon vor Ablauf der dreizehn Wochen beendigt sein kann. Die vielfach vorkommenden Verletzungen an den Augen heilen z. B. schnell, ziehen aber immerhin eine theilweise Erwerbsunfähigkeit in den ersten dreizehn Wochen nach sich, für welche weder die Krankenkasse, noch die BerufSgenoffcnschaft eintritt. Diese Lücke muß die Gesetzgebung ausfüllen. Dafür muß aber den Bcrnfsgenossen- schaften ein Einfluß auf das Heilversahren innerhalb der ersten 13 Wochen gewährt werden, zumal sie auch viel besser für ge- eignete Spezialärzte sorgen können, als die Krankenkasse», von deren Zlerzten man bei dem geringen Honorar und der großen Beschäftigung keine ausreichende Fürsorge für den Verletzten bean- spruchen kann. Bei entsprechender Behandlung würden viele schwere Verletzungen in kürzerer Zeit geheilt werben. Und es ist doch noch eine größere Ausgabe, die Schäden gänzlich zu heilen, als den Verletzten auf die Rente zu verweisen. Auch dem zweiten Antrage stehe ich sympathisch gegenüber. Das Gesetz hat sicherlich die Hinterbliebene» des getödteten Arbeiters nicht schlechter stellen ivollen, ivenn er infolge eines zweiten Un- falls getödtet ivird, als wenn er beim ersten Mal um's Leben kommt. Diese Fälle iverden indessen nicht so häufig sein. Die Rente aus dem ersten Unfall darf aber nur insoweit' mit heran- gezogen werden, als sie nicht zusammen mit dem letzten Arbeits- verdienst den sriiheren Verdienst des Verletzten überschreitet. Sodann hat der Minister auf die Frage hingewiesen, wer zur Zahlung verpflichtet sein soll. Ich meine, daß sehr wohl auch die frühere Berufsgenossenschaft im Verhältniß zu der früher gewährten Rente mit herangezogen werden kann. Mit den Strafbestimmungen könnte man auch nur die Herren nachgewiesen hätten, stattgefunden hätten.(Abg. Singer: richte des bayerischen Favrikinspektors,, der Auszahlung des Lohnes eine Abrechnung darüber und' über die Abzüge von Bettägen für das Unfallversicherungs-Gesetz beigegeben wurde. Es scheint danach nur ein Jrrthum vorzuliegen, sonst könnte doch ein Fabrikinspektor über eine solche Gesetzesverleyung nicht einfach zur Tagesordnung übergehen. Die'Abhaltung der Ar- beiler von der Ausübung der Ehrenämter auf Grund des Unfallversicherungs-Gesetzes muß entschieden verhindert ivcrde», ivenn ich auch nur wenige allerdings sehr bedauerliche Fälle habe erfahren können. Die Uebereinkunst zwischen Arbeitgebern und Arbeitern über Umgehung von Gesetzesbeslimmungen wird sich nicht gut vermeiden lasse», wen» z.B. die Arbeit dringend und der Arbeiter unentbehrlich ist. Stehe ich so den Anträgen im Allgemeinen sympathisch gegenüber, so fragt es sich doch, ob wir die Sache schon jetzt zum Austrag bringen sollen. Der Minister hat mit Recht auf andere verbesserungsbedürftige Punkte hingewiesen. Bei dem landwirthschaftlichen Unsallversicherungs-Gesetz ist z. B. eine Aendcrnng dahin nothwendig, daß die kleinen landwirthschaftlichen Betriebe nicht mehr als Nedenbctriebe der Industrie gelten, weit jetzt oft schwierig ist, welche Berufsgenossenschast beim Unfall in einem solchen Betriebe die Entschädigung zu zahlen hat. Ferner wünscht man, daß die Rente so lange ruht, als der Verletzte seinen einverstanden sein, wenn daß solche Uebertretungen In Bayern.) In dem Be- ist nur erwähnt, daß bei vollen früheren Arbeitsverdienst wieder erzielen kann, wie es bei leichten Verletzungen leicht möglich ist. Da erscheint die Rente als unangemessene Zugabe gegenüber den Arbeitern, die keine solche haben. Die weitere Ausdehnung des Unfallversicherungs- Gesetzes ließe sich leicht durch eine Abänderung des§ 1 erzielen, in welchem eine ganz willkürliche Bestimmung über den Begriff eines versicherungspflichtigen Betriebes dahin getroffen ist, daß ein solcher nur derjenige sei, der mit einem Motor, mit elemem tarer Kraft oder wenigstens mit 10 Arbeitern arbeitet. Infolge der vielen Angriffe aus die Berufsgenossenschaften fürchten diese eine Acndernng der Organisation. Mag aber diese damals richtig oder falsch gewesen sein: heute hält die überwiegende Mehrzahl der Berussgenossenschaften an dieser Art der Selbst- Verwaltung fest. Daß Versuche vorgekominen sind, daß Betriebs- Unternehmer sich ihrer Pflicht entzogen, indem sie Werkineister an ihre Stelle setzten, bestreite ich nicht. Aber das Neichs-Vcr- sicherungsamt ist solchen immer mit Energie entgegengetreten. Die Weitcrberathung des Antrages im Plenum würde sich nicht empfehlen. Ich beantrage deshalb die Ueberweisung an eine Kommission von 14 Mitgliedern. Abg. Goldschmidt(dfr.): Es muß anerkannt werden, daß das Unfallgesetz manches Elend gemildert, manche Thränen ge- trocknet hat. Doch weist das Gesetz manche Lücke auf, welche ge- schloffen werden muß. Ich bin mit dem Staatssekretär darin ein- verstanden, daß die Punkte 2 und 3 vertagt werden können bis zur Erledigung der Geiverbenovelle. Der Punkt 1 aber ist sehr dringlich; wir können ihm um so mehr zustimmen, als wir uns schon bei Erlaß des Unfallgesetzes in dem gleichen Sinne ausge- sprochen haben. Bei der Revision des Gesetzes muß auch der § 65 geändert werden, welcher bestimmt, daß, wenn sich die Ver- Hältnisse ändern, welche bei der Bemessung der Unfallrente niaß- gebend war, auch über die Rente eine andere Festsetzung statt- finden kann. Nach diesem Paragraphen ist manchem armen In- validen, der nur aus moralischen Gründen eine ganz leichte Ar- beit übernahm, oder von seinem Arbeitgeber aus Gutherzigkeit mit einer leichten Beschästigung beauftragt wurde, die Rente von der Berufsgenossenschaft gekürzt worden. Abg. Hitze(Zentrum) beschränkt sich auf die Erklärung, daß das Zentrum für die Kommissionsberathung stimmen wird. In der Kommission werde seine Partei Stellung zu dem Antrage und zu den sonst geäußerten Wünschen nehmen. Abg. v. Stumm(Rp.) fürchtet, daß durch diesen Antrag viel dringendere Wünsche zurückgedrängt werden können. Ob ein Arbeiter die Rente ein paar Wochen früher oder später erhalte, sei nicht so schlimm, als daß Millionen von Arbeitern überhaupt noch keine Rente bekommen. Z. B. fallen unter das Gesetz nur die Bauschlosser, die anderen Schlosser aber nicht. Auf dem Lande seien aber Bauschlosser und andere Schlosser ein und dieselben Personen, hier sei gar keine Grenze zu ziehen. Man möge lieber mit anderen Aenderungen warten, bis auch die übrigen Betriebe dem llnfallgesetz unterstellt seien. Abg. Goldschmidt bedauert, für die Kommissionsberathung mit Rücksicht auf die Geschäftslage nicht stimmen zu können, er werde jedoch in zweiter Lesung eine Resolution beantragen, welche die im Artikel 1 enthaltenen Gedanken zum Ausdruck bringe. Damit schließt die Diskussion. Das Schlußwort erhält Abg. Singer: Es sei sehr erfreu- lich, daß die meisten Redner, auch der Staatssekretär, sich dem Antrage günstig gegenübergestellt haben, aber seine Liebe scheine nur eine platonische zu sein. Denn wenn er dem Antrage eine Berechtigung zuerkennt, so muhte er sich dafür aussprechen, daß noch vor der allgemeinen Revision diesen Beschwerden ein Ende gemacht werde. Die Arbeiter sind durchaus nicht mit dem Un- sall-Versicherungsgesetz zufrieden, namentlich nicht mit der Höhe der Renten. Unser Antrag will die Beschiverden beseitigen, die am schwersten empfunden werden. Wenn man meint, daß das Reichs-Versicherungsamt solche Fälle verhindern könnte, die wir unter Strafe stellen wollen, so hätte doch dasselbe schon längst auf Grund der Berichte der Fabrikinspektoren seiner Meinung Geltung verschaffen können. Der Fall Christ beweist doch, daß Fälle vorkommen, in welchen die Unternehmer Arbeiter von der Ausübung von Ehrenämtern abhalten. Vom Ministertisch aus läßt sich leicht auf eine allge- meine Revision hinweisen. Aber die Leute, die in der Zwischen- zeit aus Grund mangelhafter und fehlerhafter Bestimmungen in rhrcr Rente zurückgesetzt werden und weoer von der Krankenkasse noch von der Unfallversicherung irgend eine Unterstützung be- kommen, haben nicht den ruhigen Gleichmnth, dem Herr von Boetticher Ausdruck gegeben hat. Sie können nicht solange warten wie die verbündeten Regierungen; der Herr Staatssekretär warnte, diesen kurzen Reichstag nicht noch mit diesem Antrage zu bepacken. Diesen Grundsatz hätte die lltegiernng selbst beherzigen sollen, als sie den neuen Nachtragsetat mit einer Erhöhung der Offiziers- Gehälter bepackte. Die Berweisung des Antrages in die Kom- Mission bedeutet nichts als ein anständiges Begräbniß. Die Sache würde dann doch nicht früher zu Stande kommen, als wenn die von dem Staatssekretär in Aussicht gestellte Novelle im Herbst vorgelegt wird. Unter dieser Voraussetzung habe ich mich mit meinen Freunden verständigt, den Antrag für jetzt zurückzuziehen. Damit ist dieser Gegenstand erledigt. Darauf wendet sich das Haus zur Berathiing des Antrags Brömel:„Die verbüudeten Regierungen zu ersuchen, in der nächste» Session einen Gesetzentwurf vorzulegen, welcher die schließ- liche Entscheidung der in Zollsachen austauchenden Rechtsfragen dein Rechtswege oder dein verwaltungsgerichtlichen Verfahren überweist." Abg. Kt'vrnrl(dfrs.) befürwortet seinen Antrag unter Hin- weis auf die bezüglichen früheren Verhandlungen des Hauses. Schon seit Jahren bestehen über die praktische Handhabung des Zolltarifs eine Reihe wohlbegründeter Beschwerden, deren Besei- tlgung sein Antrag anstrebe, ohne die Kompetenz des Bundesraths zu beeinträchtigen. Nicht für alle Zollstreitsachen fordere er den Rechtsweg, sondern nur für die schließliche Entscheidung der Rechts- fragen. Er hoffe, daß der Bundesrath seine frühere ablehnende Haltung in dieser Sache aufgeben möge. Jedenfalls halte er es sur geboten, daß der Reichstag aufs Neue sei» Votum abgebe. Abg. Kurch(dkons.) würde dem Antrag Broemel zu- stimmen, wenn er überzeugt werde, daß die vorkommenden Härten wirksam durch denselben beseitigt würden. Seine Freunde seien jedoch dieser Meinung nicht. Tie geforderte Erschließung des Rechtsweges würde eine Verfassungsänderung erfordern. Der Ueberweisung an das verwaltnngsgerichtliche Verfahren stehe die Thatsache entgegen, daß dieses Verfahren nicht in allen deutschen Staaten(z. B. im Königreich Sachsen) existire. Nachdem der Abg. Dr. Witte(dfreis.) die Annahme des Antrages dringend empfohlen, wird ein Vertagungsantrag angenommen. �, Nächste Sitzung: Donnerstag 1 Uhr; Tagesordnung: Fort- setzung der Berathung des Antrages Broemel, Nachlragsetat, Strafgesetz-Novelle, deutsch-schweizerischer Niederlassungsverlrag. Schluß nach 3 Uhr. VokAles. Arbeitet schnst nud Zlrofitwuth. Bekanntlich hat der Abgeordnete Bamberger entsprechend seinem Manchester- lichen Standpunkt vor kurzem in einer Reichstagsrede die P r o f i t w n t h als etwas Ideales, Weltbewegendes mit den Worten des alten Römer als n u r i sacra f a rn e s", den„heiligen Hunger nach Gold" verherrlicht. Für die Unternehmer ist dies auch gewiß etwas sehr Heiliges, für die Arbeiter aber um so Verderblicheres, dies beweist recht deutlich wieder einmal die soeben Reichstage vorgelegten Jahresberichte der kötkig- lich preußischen Geiverberäthe für 1889. Es sind in denselben werthvolle Eingeständnisse aufgezeichnet, daß den Unternehmern der Arbeiterschntz nur dann beliebt, wenn sie nicht etwa infolge desselben weniger verdienen, daß sie sogar bereit sind, Schutzmaßregeln einzuführen, wenn sie dabei Geld verdienen— daß sie dagegen so lange es nur irgend angeht, sich um die Gesundheit ihrer Arbeiter durchaus nicht kümmern, wenn dem heiligen Hunger nach Gold dadurch Hindernisse bereitet werden! Zur Illustration mögen folgende amtliche Mittheilungen dienen! S. G5 des Berichts meldet der Gewerberath für Frank- furt a. O. und Potsdam: Die Bemühungen zur allgemeinen Einführung der Entstäubung der Lungen fanden seitens einiger Industrieller aus d e m Grunde wenig Entgegenkommen, weil der Staub eine Erhöhung des Gewichts der sor- tirten Lumpen beziehungsweise der her- ge st eilten Pappen und somit auch eine Er- höhung des Preises herbeiführt!" Daß dabei aber die Arbeiter vergiftet werden, ist den Herren Nebensache— die Profitwuth regiert die Welt. S. 209 des Berichts meldet der Gewerberath von Minden und Münster: „Aus den Ziegeleien ist oftmals in ungenügender Weise für die Unter k u n s t der Arbeiter gesorgt. Ab- gesehen von der Unreinlichkeit der Wohn- und Schlasräume sind die Räume sehr niedrig und zu klein. Ich fand Schlaf- räume von unter 2 Meter Höhe und einen: Luftraum von weniger als 5 Kubikmeter für die Person." Fünf Kubikmeter anstatt zwanzig, die mindestens gefordert werden müssen! Aber freilich— Wohnraum kostet den Unternehmern Geld, schädigt den Profit— darum kann ja der Proletarier mit dem Viertel zufrieden sein, wenn nur die Unternehmerrente nicht geschmälert wird! Seite 255 des Berichts meldet der Gewerberath von Köln und Koblenz: „Bei der Revision von Tuchfabriken, Spinnereien und Webereien ergab sich mehrfach die Nothwendigkeit, eine bessere Lüftung der Fabrikräume zu verlangen. Em ganz unerträglicher Staub herrschte in der Lunipeureiniguug und Sortirerei einer K u n st w o l l e- Fabrik, dessen Entfernung dringend geboten erschien. Der gleiche Uebclsiand zeigte sich in Papier- f a b r i k e n an Lumpenschneidern. Es wurde vor- geschlagen, die Lumpcuschneider m ö g l i ch st ein- zukapseln und an kräftig wirkende Sauger anzuschließen, so daß aus den Schneidemaschinen und Gehäusen kein Staub austreten kann." Wie schonend der Herr Gewerberath mit den armen Unternehmern zu Werke geht! Zwar muß er eingestehen, der Staub ist unerträglich, aber noch unerträglicher scheint es zu sein, von dem Unternehmer unbedingt zu ver- langen, daß er die Gesundheit seiner Arbeiter nicht ruiuirt, denn es wird vom Gewcrberath dem Unternehmer nur vor- geschlagen, Ventilation einzurichten und— Geld auszugeben zum Schutz seiner Arbeiter— und wenn der Unter- nehmer ein frommer Mann ist, der an der Heiligkeit deS Goldhungers nicht rütteln will, nun dann bleibt es eben beim Alten, der Arbeiter schluckt Staub— und der Unternehmer Gold! Derselbe Gewerberath meldet S. 265: „In einer B ein-Knopsfabrik ist eine Anlage zum Absaugen der Spähne und des Staubes, welche die Ar- beiter in Hohen: Maße belästigen, a u s R ü ck s i ch t a u f d i e erwachsenden Kosten bis jetzt nicht zur Ausführung gelangt. Da aber derartige Einrichtungen in den Knopf- und Kammfabriken des hiesigen Bezirkes im Interesse der Gesundheit der Arbeiter durchaus nothwendig sind, so ist deren Herstellung, auf die schon seit längerer Zeit hin- gewirkt' worden ist, wohl nur eine Frage der Z- i t." Natürlich— längere Zeit hat es gedauert, einige Zeit wird es noch dauern— die Arbeiterlunge kann ja noch weiter„in hohem Grade belästigt werden", wenn nur der Geldbeutel des Unternehmers nicht belästigt wird! Derlei erbauliche Mittheilungen finden sich noch mehrere im Bericht. Bei den Debatten über das Arbeiterschutzgesetz werden dieselben der größeren Oessentlichkeit nicht vorbehalten bleiben. Deutlich zeigt sich aber wieder, daß die Menschenliebe der Unternehmer nicht von ihrem guten Herzen abhängig gemacht werden darf, sondern von gesetzlichen Vorschriften, die es hindern, daß der„Goldhunger" nebenbei auch Menschen- leben verschlingt! Die Ken-egnng»ntev den Arbeitern in den staatliche» Ei i'cnbnljuwerl! stakte» hat bekanntlich zu einem Kon- greß geführt, der am 26. und 27. Mai in Magdeburg getagt hat. Es waren von 6 Städten Delegirte erschienen. Ueber die dort gefaßten Beschlüsse, die im Wesentlichen darin gipfeln, Vereine staatlicher Eisenbahnarbeiter zu gründen und Auflösung der jetzigen Pensionskasse zu verlangen, sollte am vorigen Sonnabend, den 7. Juni, in einer Versammlung im Böhmischen Brauhause den Eisenbahnarbeitern Bericht erstattet werden. Von den Auf- sichtsbeamten wurden die Arbeiter jedoch gewarnt, die Versamm- lung zu besuchen. In den Werkstätten der königlichen O st b a h n war folgende Bekanntmachung angeschlagen worden: „Auf heute Abend ist von sozialdemokratischer Seite zum Böhmischen Brauhanse eine Versammlung einberufen worden, in welcher über den Kongreß in Magdeburg be- richtet werden soll. Ter Kongreß verfolgt ordnungsfeindliche Bestrebungen, welche von der königlichen Eisenbahnverwaltung nicht ge- duldet werden können. Unter Hinweis auf meine letzte Ansprache mache ich nochmals aufmerksam, daß diejenigen. welche an solchen Bestrebungen Theil nehmen, zur weiteren Beschäftigung bei der Eisenbahnverwaltung nicht geeignet sind und warne Jeden, sich durch den Besuch dieser Ver- sammlungen dem Verdacht auszusetzen, daß er die Sozial demokratie unterstützt. Berlin, 7. Juni 1890. Der Maschineninspektor. A. Rostemeyer. Aehnliche Verbote resp. Warnungen befanden sich auch in den anderen Eisenbahnwerkstätten. Trotz derselben waren viele Arbeiter zu der beregten Versammlung erschienen, in welcher ein „Ausscbun" gewählt wurde, der die Beschlüsse des Kongresses durchführen soll. Von den Theilnehmern sind indeß bereits 16 auMerfchiedenen Werkstätten entlassen worden und cbensaMiel mußten schon vorher infolge der bezüglichen Agitation dieMbeit ausgeben, sodaß die Gesammtzahl der mit Entlastung rasten bis jetzt 32 betrügt. Dies Ausstrllnngon von wilden Völkerkchafie» nehmen kein Ende. Kaum haben uns die Krieger vom Wakamba-Stamm verlassen, so sind auch schon Witu-Neger in die kaum von jenen verlassenen Zelte im Ausstellungspark Hasenhaide eingezogen, und gleichzeitig produziren sich noch beiin Stadtbahnhof Vellevue uiisR Freunde, die Somalis. Ta sitzen denn die hochzivilisirten Kommerzienräthe und sehen von der erhabenen Warle europäischen Kultur kopfschüttelnd den Spielen der Wilden rn die außer dem Schnaps noch nicht das Geringste von% Segnungen der großkapitalistischen Zivilisation in sich auiP nominen habe», und die geschniegelten Herren Gardelieutenan» finden die Produktionen zuin Theil ganz„schneidig" und' pariren sich schon auf einige Witzchen, die sie morjp beim Exerziren über die dummen Polacken waP» '-- LJAM---— ± � �—■-----. /%-«_ wollen, welche nicht einmal den Somali- Negern Waffer reichen. Die Wilden ihrerseits sollen besonder!» Geschmack an den großen und kleinen Berliner Weißen finde»/ auch an den ziveibeinigen kleinen Weißen weiblichen Geschseap' bei denen sie bekanntlich auch Gegenliebe finden. Man erinnen vet venen ne oerannincy aucy isegeiauve-, lich ja wohl noch an gewisse Vorfälle aus der Charlottenburger Flora, wo Damen aus den„feinsten" Kreisen sich von einer rnch gerade feinen Leidenschaft zu den kraftstrotzenden Wilden M rechen ließen und sie entführten und... na, die Geschichte'! beinahe ebenso dunkel, wie die Hautfarbe der Wilden. Es W sich ja auch am Ende nicht leugnen, daß häufig ein solcher m- kräftiger Sohn der Wildniß große Vorzüge vor der ausgeiiiergelu» --------- NKWon" ßipfsfTMmft hat— ai» Herrenwelt' unserer„höheren" Gesellschaft Ende kann nian es da den Damen nicht gar rann man ev vw ueu.cumvn»nv�« � �. übel nehmen, wenn sie sich auch einmal nach Abwechselung ftv"' „Anständig" sind solche Sachen freilich nicht— dafür hört u> aber auch nur in den seltensten Fällen von derartigen"U' schreitungen, und für unsere bürgerliche Moral ist ja alles erln»> was nicht herauskoninit.. Was sich die Wilden wohl von den Leuten denken tW:'' vor denen sie sich hier produziren müssen? Vielleicht mache» 1' wenn sie unter sich sind, manchmal recht bittere Witze über» Publikum. So ganz wild sind die Wilden, welche wir hier i sehen bekommen, ja auch nicht mehr, und es soll unter° Schwarzen und Braunen schon recht„helle" Jungens geben. Wst. erst das Innere Afrikas etwas zugänglicher sein wird, wer we ob dann nicht schwarze Hagenbecks nach Europa komme- um hier Trupps anzuwerben, die sich. Schwarzen in Afrika produziren sollen? Solche, Sch°'. stellungen von Weißen müßten doch recht interessant für die.»g sein, denn vermöge unserer hohen kkultur könnte ein Jmprsi»' unter uns ganz gute„Nummern" herausfinden, welche bei° Negern Sensation erregen würden. Wir wollen für hem", einige wenige Vorschlüge machen. Z. B. würde sich solge»° Programm doch recht gut ausnehmen: Ausstellung auf dem Palmenplatze. Soeben eingetroffen: 50 Deutsche unter Führung des Klimbim. Heut und die folgenden Tage:„ 1. Der Kommerzienrath. Im Hintergrunde sieht M» eine Anzahl weißer Sklaven arbeiten. Der KommerzieM».� verzehrt zum Frühstück drei Dutzend Allstern und»» Chainpagner dazu. Später tritt ein Arzt auf und» orvnet dem Kommerzienrath, der sich infolge des Aergs über seine mit Streik drohenden Arbeiter krank fühlst. tL Marienbader Kur. Wenn diese erledigt ist, früh stückt Kommer, ienratb abermals Austern und Champagner. (Es wird gebeten, den Kommerzienrath nicht durch über seine Orden zu reizen.). 2. Der Gardelientenant. Er besteht aus eM. Korsett, Watte, blauem Blut und einem durchgezog� Scheitel. Spricht durch die Nase. 3. Der Nationalliberale. Das Publikum wird% gefordert, Behauptungen aufzustellen; der Nationallibe� ivird alle Behauptungen beweisen. 4. Der Hofprediger. Große Produktion der vorW lichen Liebe. Sammlung für die Stadtmission. Ferner: Echte Berliner Giganten, Korpsstudenten, Ts,, semiten, Volksschullehrer(es wird gewarnt, diese anzuknabbe» Modedamen, Mitglieder des Männerbundes zur BekämpfunS Unsittlichkeir. Zu zahlreichem Besuche ladet ein Klimbim, Direktor. 4 Zlrasttisches Ehristonkhum. Das Bolle'sche Milchgel � als ein Mnsteriiistitllt bekannt. Eine neue Blüthe aus: p istalt wird jetzt der„AUg. Fahr-Ztg." gemeldet, welch. � eignet ist, eine drastische Illustration zum prattischen©iPW thuin zu bilden. Herr Bolle besitzt nämlich, so berichtet eu> � währsmann der„Allg. Fahr-Ztg.", in der Nähe Berlins ew..,ßi auf dem auch Spargel gevaut wird. Gleich anderen MM, Dingen müssen nun die Milchkutscher den Spargel verhE� Wer sich weigert, dies zu thun, der wird bestraft; wer � Absatz für den Spargel findet, wird ebenfalls bestraft, de» � wird seitens der Direktion angenommen, daß sich der betresi�, Kutscher nicht genug Mühe gegeben habe, den Spargel z» � kaufen. Zurückgenommen wirb indessen kein Spargel, den(0 g die Kutscher behalten, nachdem sie ihn natürlich vorher vcz. haben. Tie Glücklichen sind also in der Lage, in Sparg �� schwelgen, indessen sich andere minder Bevorzugte mit KarlHst und Häring begnügen müssen!— O praktisches Christenthu' Raubanfnll auf«ine« Pferdcbahnschaffner.©w„jf unglaublicher Frechheit ausge ührter Raubanfall ist an» gangenen Sonnabend an einein Schaffner der Pferdebay» � Rosenthaler Thor— Moabit verübt worden. Der Moritz befand sich Sonnabend gegen 11 Uhr Abends am-«p Rückfahrt von Moabit in der Nähe des Städtischen Kra. Hauses, als plötzlich zivei Männer auf den Hinterperron|p„Jeck von denen der eine einen Fahrschein für 10 Pfennige, der a> einen solchen für 15 Pfennige forderte. Ta inzivische» mehrere Personen(Damen) den Wagen bestiegen, so ersuch)" Schaffner die auf der Plattform stehen gebliebenen M» � welche mit der Zahlung zögerten, den Betrag für die Biuc � leisten. Statt aller Antwort erhielt M. jedoch von einci» Burschen einen Faustschlag ins Gesicht und nun entspa»» � zwischen den Dreien ein heftiger Kampf ans dem Perron, Kutscher konnte, da die Pferde noch sehr unruhig, seinen nicht verlassen, das Publikum im Wagen, meistens Damen, 1 yje aus Furcht oem Bedrängten keine Hilfe. Plötzlich faßw.stii Strolche nach der Geldtasche des Schaffners und suchte». diese zu entreißen, was ihnen jedoch glücklicherweise nicht 0 5f( Als auf die lauten Hilseruse des M. mehrere Personen Straße aus hinzueilten, faßten die Räuber in die Eeto hinein und ergriffen, jeder eine Hand voll Geldes herausre» � die Flucht. Einige Groschen, welche die Räuber zu hatten fallen lassen, fand der Schaffner später auf deni M � wieder, doch fehlten dem Beamte», nachdem er sofort Kw, gemacht, 4 M. 50 Pf. seiner Einnahme. Ferner vermißt°.�7,i treffende Schaffner einen preußischen Thaler vom JaR? welchen derselbe an der Uhrkelte als Berloque trug.. � g.nä minalpolizei hofft, daß die Räuber, von denen bisher fehlt, vielleicht bei Verausgabung dieses alten Geldstückes eu werden könnten. s Ungttickvfnll. Der Fraiser Paul Mielke, Lotttlmstw�- wohnhaft, ist in der Fabrik von Ludwig Löwe, Hollmannlw.» ,„>! beschäftigt. Derselbe gerieth gestern Nachmittag gegen 2 � der linken Hand in die Fraisevorrichtung. Die Hand w»1 den Fraisern ersaßt und wurden drei Finger derselben ze: ausist Außerdem wurde die Hand ebenfalls in sehr gesahrüch„�7 l>ie verletzt. Mielke besaß in» entscheidenden Augenblick»"j tf Geistesgegenwart, die Bank anzuhalten und die Ha>w'»ih? freien. Er wurde in die Klinik Neuenburgerstraße 14 Der Verunglückte dürste für die Fraiserei für immer u» bar sein..j. st1; ,, zlnkrr dem Dam«« ,,Marn«r's Saf« C«v«"* eirnget Zeit eine braune Flüssigkeit in flachen Flaschen BOO Gramm Inhalt gegen Stierenleiden und MagenbeM angepriesen und für den Preis von 4 M. verkauft..®l3e veranlaßte chemische Untersuchung und die Angaben eine» i I Avothekers, welcher daS Mittel führt, haben ergeben, daß das tt!n! Wesentlichen aus amerikanischem Wintergrün herge- Mmk hä? � ba� l>ie S"In�e büchstens einen Werth von zwei Äebamme Auguste|Uill|eliinJ« Aon-s Kajelau, tini S Schwedesky. Gobenstr. G Hierselbst, ist durch rechMrar «BW Erkenntniß des Bezirks-Ausschusses in Berlin vom 1. April die ihr für Preiißen ertheilte Erlaubniß zur Ausübung des Uammen-Gewerbes entzogen worden.— Die ec. Haselau rst ?er als Hebamme in Preußen nicht mehr anzusehen. im» �tt Friedrichshageu wird die Zahl der Gastwirthe. welch- 7,re Lokale zu keiner Versammlung geben, noch weniger Ar- �'"blätter auslegen wollen täglich kleiner. Innerhalb 14 Tagen ???.?« wieder zwei Herren nachgegeben, es sind dies W. Carius, jUi'thelmsgarten und' Ww. 5töstcl. Es haben noch nicht bewill'' "'«�Saathefcher: F. Lerche, W. Lerche und W. Tabbert, Hirj. Inr-l' Die Restaurateure: Hohiiiann, Fritze, Kursis, Rakow, «aiesky. Auskunft ertheilt jederzeit gern die Lokalkomnnssloii. . polizeibericht. Slm 10. d. Atts. Vormittags fiel die �lahrige unverehelichte König in ihrer Mohming, in der Tilsiter- nraße Nr. 2, beim Besteigen des Hängebodens von der Leiter und einen Schädelbruch, an dessen Folgen sie nach kurzer Zeit «"starb.— Mittags wurde der Hausdiener Kuhn auf dem �eeuzungspunkte der Behren- und Friedrichsstraß- von einer �rmchke überfahren und so bedeutend am Kopfe und linken Arm «wietzt, daß er nach der Charitee gebracht werden mußte.— Nach- mittags versuchte ein junges Mädchen in der elterlichen Wohnung {.v i* Falckensteinstraße sich mittelst Atropins zu vergiften, wurde Iwoch nach Anwendung von Gegenmitteln außer Gefahr gebracht. "T In der Nacht zum 11. d. M. sprang ein Soldat am Süd-User Ts dem Beamtenhause der Hamburger Bahn in den Spandauer �chistfahrts-Kanal und ertrank.— Am 10. d. M. und in der "«st zum 11. d. M. fanden an zwei Stellen kleinere Feuer statt. . Die Arbeiter der Listeufabrik von Sch. beschlossen an «nem Sonnabend im März dieses Jahres die Arbeit einzustellen, a ihr Einkommen verhältnißmäßig ziemlich beträchtlich gekürzt werden sollte. Am darauffolgenden Montag fand sich in der stabrik nur ein Mann ein. Slm Nachmittag dieses Tages be- »aben sich die Arbeiter T o r f st e ch e r und Heyne nach den Werkstätten, um die dort zurückgelassenen Werkzeuge zu holen. »le beiden Männer waren empört, einen Kollegen zu finden. welcher sich an der von allen übrigen Arbeitern als noth- wendig betrachteten Arbeitsenthaltung nicht betheiligen wollte. zunächst versuchten Torfstecher und Heyne ihren Kollegen zu «kr Ueberzeugung zu bringen, daß nur durch gemeinsames Handeln n« für den Arbeiter günstiges Resultat zu erzielen sei. Allem ihre Worte waren vergeblich. Der„Nichtstreiker" ent- schuldigte sein Verhalten mit der Erklärung, daß er seine Frau «ud Kinder nicht hungern lassen könne. Obgleich die beiden am «treik betheiligten Arbeiter hierauf entgegneten, kein Streikender «rauche zu hungern, da für Nothfälle gesorgt sei, gelang es ihnen Jwch nicht, den Kollegen umzustimmen. Wie es nun bei solchen Gelegenheiten oft ergeht, kam es von ernstgemeinten Worten zu Schimpfereien und schließlich zu Thätlichkeite». Auf erfolgte An- �'«ge hatten sich nun am Mittwoch T. und H. vor der 4. Straskammer des Landgerichts 1 zu verantworten. Die Verhandlung, welche drei Stunden währte, rrgab den geschilderten Sachverhalt. Die Angeklagten glaubten wchl gehandelt zu haben, da sie nur ihre Interessen wahrnahmen. Ter Vertheidiger schloß sich dieser Anficht an und gab dem Ge- richlshof zu bedenken, daß die Erregung der Angeklagten beim Erblicken des einzig arbeitenden Kollegen eine nicht geringe ge- Wesen sein kann und ersuchte schließlich, eine möglichst geringe Strafe zu beschließen. Der Staatsanwalt beantragte gegen H. Ane vier- und gegen T. eine dreimonatliche Gefängnißstrale. Das Richterkolleglum schloß sich den Ausführungen des Staats- «nwalts an und verurtheilte beide Angeklagte zu drei Monaten «ejängniß und in die Kosten des Verfahrens. Ein auch in Herlin wohlbellanntcr Hochstapler stand, Wie wir aus dortigen Blättern ersehen, in der Person des Buch- Halters V y l e aus Hamilton in Schottland vor der Straskammer °w Landgerichts zu Landsberg. Derselbe war s. Z. vom Land- Bericht zu Berlin zu 3 Jahren Gesängniß verurtheilt worden, welche er im Jahre 1887 in Landsberg verbüßt hatte. Vyle, Welcher des Deutschen, Englischen, Französischen und Russischen Ukommen wuchtig ist, wurde nach verbüßter Strafe in das Ge- 'chäst eines Maurermeisters zu Landsberg genommen, er täuschte «ow das in ihn gesetzte Vertrauen, indem er seinem Arbeitgeber w'ler falschen Vorspiegelungen eine größere Geldsumme «blockte. Gleichzeitig gelang es ihm, völlig � werthlose '«Hecks aus Bankhäusern, in welchen er früher thätig gewesen, «« den Mann zu bringen. Mit den erschwindelten Geldern Verschwand Vyle und blieb bis zum Jahre 1889 verschollen. Im Dezember v. I. tauchte er in Berlin wieder auf und wurde hier �rhaftet. Der gewandte Mensch suchte sein Verhalten ganz harmlos zu erklären. Er hehauptete, daß seine Fannstenveryalt- «G, wie er sie in Berlin vorgesunden, ihm alle Ueberlegung ge- ""bt hätten. Seine Frau sei mit ihrem Liebhaber durchgebrannt, fr sei ihr nach Paris, London, Newyork nachgereist und habe sie « letzterer Stadt in äußerst dürstigen Verhältnissen vorge.undcn. ms Äi«®» Der Angeklagte Das Urtheil lautete auf 3 Monate Gesängniß, wovon 2 Monate und 14 Tage durch die erlittene Untersuchungshast für verbüßt erachtet wurden. ML SoziKls Mekrevstrkzk. Uom sozialdmolivatischen Wahlvrrein in Cassel er- halten wir folgendes Schreiben: Veranlaßt durch die gegen wältigen Vorgänge in Hamburg, sehen wir uns veranlaßt, unsere ganze Kraft auf die Durchführung der gewerkschaftlichen Bewe- gung dortselbst zu richteii und alle eingehenden Unterstützungen nach dort zu senden, weshalb wir alle Genossen bitten, nach hier keinerlei Sammellisten zu senden, indem wir hier nach einem an- deren Modus verfahren werden. Sollten trotzdem noch Listen ge- sandt werden, so bleiben dieselben unberücksichtigt. Mit Gruß I. A.: H. Huhn, Schlosser, Müllcrgasse 28 II. NB. Alle arbeiter freundlichen Blätter werden um Abdruck gebeten. Aufruf au dir Kchlasfer und Plafchineubauarbeiter Kerlino! Kollegen, wie Ihr wißt, stellten die Eisenindustriellen Hamburgs an ihre Arbeiter die Forderung, ans ihrer Organi- sätion auszutreten, andernfalls sie aus der Arbeit entlassen wür- den. Durch die aui den allgemeinen Metallarbeiter-Kongreß zu Weimar gefaßten Beschlüsse, die Sache der Hamburger Kollegen zu einer gemeinsamen zu machen, dieselben nach Kräften materiell zu unterstützen, sowie daß während der Dauer der Aus- sperrung nirgends eine Arbeitseinstellung erfolgen darf, um unsere ganzen Kräfte den Hamburger Kollegen zuwenden zu können, wurden die Fabrikanten wahrscheinlich veranlaßt, diese Maß- regelungen nicht direkt eintreten zu lassen. Die Herren Fabrikanten fangen es jetzt anders an, um die �Arbeiter zu ver- gewaltigen und sie zur Aufgabe des ihnen gesetzlich zustehenden Koalitionsrechtes zu zwingen, sie erklären ihnen ganz einfach, daß sie wegen Mangel an Arbeit entlassen wären. Kommen dieselben nun nach dem Arbeitsnachweis der Eisenindustriellen, so lautet die erste Frage: gehören Sie einem Verein an? welche natürlich mit ja beantwortet wird; worauf dann die Erklärung erfolgt, daß fiir sie keine Arbeit vorhanden wäre. Auf diese Weise sind ca. 400 unserer Hamburger Kollegen auf die Straße gesetzt. Kollegen! da nun die Mehrzahl der Hamburger Gewerk- schaften im Lohnkampfe liegt, von dort also wenig auf Unterstützung zu rechnen ist, muß es unsere erste Pflicht sein, die Solidarität mit den Hamburgern zu be- thätigen, indem wir dieselben nach Kräften unterstützen, sowie den Zuzug nach dort fern halten. Kollegen! An Euch liegt es, ob die Hamburger Kollegen in diesem Kampfe unterliegen oder siegen: gelingt es den dortigen Fabrikanten damit durchzudringen, so ist die Organisation ans Jahre hinaus vernichtet, denn durch den Erfolg ermuthigt, werden auch die hiesigen Fabrikanten mit dieser Forderung herantreten, um unsere Organisation, welche ihnen ein Dorn im Auge ist, zu sprengen. Vor Allem warnen wir die Kollegen, den nach hier gesandten Agenten, welche unter den glänzendsten Versprechungen Arbeitskräfte nach dort anzu- werben suchen, kein Gehör zu schenken, vielmehr müssen wir alle bestrebt sein, die uns noch fernstehenden Kollegen über den wahren Sachverhalt aufzuklären, damit auch dieses versuchte Mittel der Fabrikanten erfolglos bleibt. Darum nochmals, Kollegen, zeigt Euer Solidaritätsgefühl, indem wir so schnell wie möglich nmte- rielle Hilfe schaffen, und lassen wir uns nicht wieder den Vor- wurf machen, daß gerade Berliner Kollegen es sind, welche durch Zuzug die auswärtigen Lohnkämpfe, wie es in Bremen der Fall war, illusorisch machen. Der Vorstand des Fachvereins für Schlosser und Maschinenbauarbeiter Berlins und Umgegend. Carl Unverfährt, Naunynstr. 28. An alle Arbeiter! Genossen! Seit 7 Wochen befinden wir uns im Streik. An der Hartnäckigkeit der Arbeitgeber, die uns in jeder Weise unseres Koalitionsrechtes verlustig zu machen uchen, ist bisher alles gescheitert,>vas zu einein Vergleich führen konnte. Es sind wohl allen noch die schönen Reverse erinnerlich, welche wir unterschreiben sollten, um uns sozusagen direkt als Leibeigene der Herren hinzustellen. Wir sollten aus dem Verein cheide» und dies durch Unterschrift dokumentiren. Als Antwort zarauf ließen sich die hiesigen Kollegen sämmllich in den Verein aufnehmen. Bis jetzt haben wir noch keinen Abtrünnigen zu ver- zeichnen. Wir sind bisher von unseren eigenen Kollegen im Lande in großartiger Weise unterstützt ivorden, auch von einigen anderen Gewcrken, so daß es uns möglich war, den Kampf bis hierher glücklich zu führen.— Genossen, nachdem wir in diesem Jahre o viele unglücklich für die Arbeiterschaft verlaufene Streiks ge- jabt haben, halten wir es für unsere Pflicht auszuharren im Kampf bis zum letzten Mann und Groschen. Indem wir nun an Euch herantreten mit der Bitte, uns in jeder Weise zu unter- stützen, hoffen wir, gestützt auf das Euch innewohnende Solida- ritätsgcsühl, auf thatkrästiges Eingreifen Eurerseits. Wir können gestützt auf die m den 7 Woche» gesammelten Erfahrungen, sowie unsere straffe Organisation getrost hier die Versicherung abgeben, daß die von dem Kapital so oft ver- potteten„Arbeitergroschen* in diesem Falle nicht verloren sein werden. Mit kameradschaftlichen Gruß: Die streikenden Berliner Kupferschmiede. Alle Sendungen sind zu richten an C. Ladner, Weinstr. 11.— Alle arbeitcrsreundlichen Blätter werden um Aufnahme dieser Zeilen gebeten. Dovsammltttttteu. Die Zimmerleut« Hrrlins und Umgegend hattenZ sich am Dienstag Abend zahlreich in Heydrichs Festsälen, Beuthstr. 22, versammelt, um Stellung zu dem Streik der Hamburger und Stettiner Kollegen zu nehmen. Zur Leitung der Verhandlungen wurde der Gesellenansschuß berufen. Der Vorsitzende, Herr Wolter, bemerkte, daß von gewissen Agenten in der legten Zeit eine lebhafte Thätigkeit zu dem Zweck entwickelt werde, zimmerleute und Maurer für Hamburg anzuiverben. Auf den» Bureau der Berliner Bundesmeister, Wilhelmstraße 82, würden ebenfalls Leute unter den im„Berliner Volksblatt" bereits ge- nannten Bedingungen engagirt, dann nach dem Lehrter Bahnhof gebracht und nach Hamburg erpedirt, um dort Streikbrecher zu '.verde«. Herr Ortland beleuchtete in längeren Ausführungen die Sachlage und hob hervor, daß es sich in Hamburg nicht nur uin einen Lohnkampf, sondern um eine Prinzipiensrage handle; der Kampf sei zu einem Klassenkamps geivorden. Hamburg habe stets an der Spitze der Arbeiterbewegung gestanden und deshalb richte die 5tapitalmacht ihr Augenmerk gerade auf diese Stadt; man wolle eben die dortigen Arbeiterorganisationen zerstören. Das müsse verhindert werden durch thatkräftige Unterstützung aller Arbeiter. Die Streikenden seien nicht gewillt, von ihren gerechten Forde- rungen abzulassen und würden den ihnen gewissermaßen auf- gedrungenen Kampf konsequent durchführen.— Herr Schräder aus Hamburg schilderte in sachlicher Weise die Entstehung und den Verlauf der Arbeitseinstellung, welche eigentlich auf das Re- sultat der Reichstagswahlen in Hamburg zurückzuführen sei, ob- gleich man von Seiten des Bundes der Baumeister die Maifeier zum Vorwand genommen habe. Ungefähr 1200 Kollegen seien ivegen dieser Feier plötzlich entlassen worden und angesichts dieser Thatsache hätten die Hamburger Zimmerleute sich zu einem all- gemeinen Vorgehen entschließen müssen; ein anderer Ausweg sei nicht möglich gewesen. Man habe nun neunstündige Arbeitszeit und 63 Pf. Stundenlohn gefordert, was von dem Meisterbund rundweg abgelehnt worden sei. Daraufhin sei der Generalstreik erfolgt. Die Sache habe bisher einen günstigen Verlauf genommen; man habe zwar Polen und Böhmen angeworben, denen Kontrakte auf Antiverpen lautend vorgelegt und die dann nach tamburg geschafft wurden und sogar auch in Berlin hätten sich treikbrecher gesunden, aber es sei doch nur ein schwacher Ersatz ttotz aller Anstrengung gef»>nden worden, so daß begründete Aussicht auf den Sieg vorhanden sei, wenn es gelinge, den Zu« zug weiter fern zu halten. Dies sei eben die schwerste Aufgabe. Die Streikenden hätten keine Gelegenheit, die Ankommenden durch kameradschaftlichen Rath von der Arbeit abzuhalten; sobald sie sich in dieser Absicht auf den Bahnhöfen zeigten, würden sie verhaftet, photographirt und dem Verbrecheralbum einverleibt. Die Mehrzahl der Streikenden habe Hamburg verlassen, aber über achthundert Familienväter hätten nicht abreisen können. Hätten die Zimmerleute es nur mit der Meisterschaft zu thun gehabt, wäre der Streik längst beigelegt worden, es stehe aber die ganze Kapitalmacht hinter den Bauunternehmern. Wer bewilligen wollte, erhalte weder Steine noch Holz und so zwinge man einen Theil der Arbeitgeber förmlich, den Frieden zu meiden. Redner ermahnt schließlich die Berliner Kameraden, Zwist und fader bei Seite zu lassen und Schulter an Schulter in den amps gegen den Druck des Kapitals einzutreten.— Herr B r i n g m a n n aus Magdeburg ergänzte die Ausführungen des Vorredners. Der Kampf werde vielfach von den Arbeitern nicht verstanden. Der Arbeiter schöpfe aus der Lohnquelle und der Lohn solle festgestellt werden durch einen freien Arbeitsvertrag. Ein solcher Vertrag sei aber nicht vorhanden, sonderu an seiner Stelle die Diktatur des Arbeitgebers. Nicht nur handle es sich hier um die Hamburger Kameraden, sondern um die gesanimten Zimmerleute Deutschlands und schließlich um die gesammte Arbeiterschaft. Der Sieg der Streikenden habe deshalb eine höhere Bedeutung, er werde zu einem Siege des Proletariats über die verbündete Kapitalmacht.— An der weiteren Besprechung betheiligten sich die Kameraden Stehr, Geffrois, Pag st, Schmidt, Wolter, Pesch-- mann und Hugo Lehmann, welche sich sämnitlich für energisches Vorgehen in der Angelegenheit und ausreichende Unterstützung der Hamburger Kameraden aussprachen. Jetzt sei es an der Zeit, ihnen zu vergelten, was sie für andere Städte geleistet hätten. Inzwischen war folgende Resolution ringe- laufen: In Erwägung des Kampfes, der sich in Hamburg zwischen Zimmerern und Unternehmer» abspielt, koinmt die heutige öffentliche Versammlung der Zimmerleute Berlins und Umgegend zu der Ueberzeugung, daß derselbe nicht blos ein Lohn-, sondern ein Klassenkamps ist, der von Seiten der Kapitalmacht provozirt wurde, offenbar um die an sich schon winzigen Rechte der Arbeiter ganz illusorisch zu machen. Daher erklären sich die Zimmer- leute Berlins und Umgegend mit den Hainburger Kameraden solidarisch und es verspricht die heutige Versaminlung mit allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln zun» Siege derselben beizutragen und hauptsächlich für möglichst hohe Unterstützung einzutreten; sie fordert alle Arbeiter Deutschlands auf, das Gleiche zu thun. Diese Resolution wurde einstimmig angenommen. Ferner wurde das Bureau beauftragt, eine Volksversammlung einzu- berufen, welche sich iveiter mit den Hamburger Streiks beschäf- tigen soll. Hierauf ging man zum zweiten Punkt der Tages- ordnung, dem Streit der Stettiner Kollegen, über. Nach Darlegung der Sache wurde auch diesen die möglichste Unter- tützung zugesagt, ebenso den Mannheimer Zimmerern, die ich auch iin Ausstand befinden. Zum Schluß kam wieder die leidige Angelegenheit I ä ck e l zur Svrache, von dem eine ge- druckte Abrechnung vorlag, nach welcher nur ein Bestand von 101 M. verbleibt, während Herr Lehmann behauptet, daß größere Unterschlagungen von ihm verübt worden sind. Nach längerer Diskussion wurde beschlossen, die Sache der Staatsanwaltschaft zu übergeben, damit endlich Klarheit in die Abrechnung komme. Die Former hielten am 9. d. M. eine öffentliche Versamm- lung bei Deigmüller, Alte Jakobstraße, unter Vorsitz des Kollegen Müller ab, uin sich über den Kongreß in Weimar Bericht er- tatten zu lassen. Kollege Körsten gab denselben und führte in urzen Zügen oie Erwägungen an, die den Kongreß zur Annahme 'olgender Resolutionen führten: „1. Der Kongreß beschließt: Angriffsstreiks seitens der Ar- beiter müssen erst nach Untersuchung durch den Vertrauensmann und nach geheimer Abstimmung vom Vertrauensmann genehmigt werden. 2. Abwehrflreiks bedürfen einer geheimen Abstiinmung der am Orte befindlichen Kollegen, wenn möglich mit Hinzuziehung des Verttauensmannes. 3. Bei Einzelmaßregelung müssen die Betheiligten den Rath des Vertrauensmannes einholen." „Der Kongreß beschließt: In Zukunft nicht mehr auf Listen zur Aufbringung der Kosten für die Agiwtion und den Streiks zu amineln, sondern den Kollegen zu empfehlen, zur Vereinfachung ?er Sammlung das Markensystem einzuisühren. Die Form für die Sammlungen bei Streiks hat der Vertrauensmann zu be- stimmen. Bei Nichtbefolgung dieser Beschlüsse sind die Streiks nicht untcrstützungsberechtigt." „In Erwägung: Da es bei der gegenwärtigen Bewegung der Former Deutschlands nothwendig ist, eine Uebersicht der Lohn- und Arbeitsverhältnisse zu erlangen, eine diesbezügliche Statistik anzulegen. Der Kongreß beauftragt den V-erttauensmann, Frage- bogen anfertigen zu lassen und zu versenden." „Der ikoagreß beschließt: Die Regelung der Wanderunter- tützung bleibt den Kollegen an den einzelnen Orten überlassen. In Betreff der Unterstützung bei Streiks und Maßregelungen de- chließt der Kongreß:„Von den sich im Ausstand befindlichen Orten ist ein genauer Bericht an den Vertrouensmann zu senden. In dem Bericht muß: 1. die Zahl der Ausständigen, 2. die Zahl der Verheiratheten und Ledngen, 3. die Kinderzahl und 4. die Summe, die zur Auszahlung, den örtlichen Verhält- nissen entsprechend, wöchentlich nbthig sein werde, angegeben werden." Redner streift in seinen weiteren Ausführungen die Streik- b-wegung der Hamburger Schlosser. Man könne diese nicht pekuniär uiiterstützen, da man hier selbst das Geld sehr nöthig zur Unterstütznng der ausgesperrten und gemaßregelten Kollegen brauche. Redner schließt mit der Aufforderung, nicht den Muth infen zu lassen. Gerade die Niederlage, die man erlitten, müsse u immer größerem Eifer anspornen.(Beifall.) Die Ver- amnilnng verpflichtet sich hierauf in einer einstimmig angenommenen Resolution, die auf dem Kongreß zu Weimar gefaßten Beschlüsse in allen Punkten auszuführen. Die Versammlung besprach dann weiter die Lage der Ausgesperrten. Es sind deren noch gegen 100. Die Fabrikanten beginne,, zetzt, die mißliche Lage der Former zu benutzen, indem ie von den Kollegen den Auslritt aus dem Fachverein fordern und jede Sammlung in den Werkstätten verbieten. Die Kollegen unterschreiben wohl mit schwerem Herzen den vorgelegten Revers; aber— sie bleiben doch im Verein, da sie wissen, daß ohne Vereinigung nichts zu erreichen ist. Herr Stobsack glaubt, daß die Gemaßregelten bald wieder Arbelt finden werden, da die Aufträge beginnen, sich zu häufen. Herr Tausche! sieht in der Niederlage doch den Vortheil, daß die Bewegung jetzt geläutert t von Elementen, die man vorher nicht kannte. Unter„Ver- chiedenes" iverden die Vertrauensleute aufgefordert, die Fach- veremsbucher den Kollegen zu übermitteln, da das Buch als Legi- tlination be» den Geldauszahlungen dient. Die Wahl von Mit- gliedern zur Zentral-Streittommission wurde bis zur nächsten Versammlung verschoben. Gin- anS-vord-ntlich- Witgliedcrv-rsnminlnng der gvttttt D�k'Ulijuug der Maurer Kerlin» und Umgegend tagte am 10. d. M. de, zahlreicher Bethciligung in der Königs- Jj' i�ankfurterstr. l17. Dieselbe nahm in erster Linie den üblichen monatlichen Revisionsbericht aus dem Munde der Rem, oren Herrn Heinze, Metzle und Silberschmid' emgegeii, welche die Uebereinstimmung der Kasse mit Bücher: und Belägen bekundeten, hörte sodann einen Vortrag deS Herrn Dr. Bruno Will» über„die Kommumstengemeinde Jkaria" und trat sodann ohne weitere Diskussion in die Berathung des dritten Punktes der Tagesordnung ein, welcher lautete:„G r ü n- dung eines Agitation s- und Unterst ützungs- foiibs". Dieselbe Zlugelegenheit hatte die Freie Vereinigung bereits in der letzten ordentlichen Mitgliederversammlung be- schästigt. Der damals von Herrn Wernau vorgelegte Antrag wurde nach eingehender Berathung an den Vorstand zur noch maligen Berathung bezro. Umünderung zurückverwiesen mit der Maßgabe, in der nächsten Versammlung eine dementsprechenve neue Vorlage zu machen. Dieselbe lautet wie folgt: „Die Versammlung beschließt: Cs wird ein Agitations- und Unterstützungssond gegründet, zu welchem jedes Mitglied des Vereins 20 Pf. per Monat zu entrichten hat. Die Quittung erfolgt gleich den Monatsveiträgcn mittelst Qnittungsmarke. Dieser Fonds findet Verwendung a) zur Agitation und zwar betreffs Ausbreitung des Ver- eins durch Ausrufe, Flugblätter ec. b) bei Kranrheits- und Unglücksfällen: Ein Mitglied, welches in diesen Fällen Unter- stlltzung beansprucht, hat dieses dem Vorsitzenden min- bestens 2 Tage vor einer ordentlichen Mitgliederver- sammlung anzuzeigen und sind nur ordentliche Mit- gliederversannnlungen kompetent, die Höhe der zu ge- währenden Unterstützungen zn bestimmen. c) bei Arbeitslosigkeit: Wenn ein Mitglied 3 Wochen hintereinander ar- bcitslos ist, erhält es eine Unterstützung, welche jedoch die Summe von 10 Mark nicht übersteigen und nur dreimal in einem Jahre gewährt werden darf. Ein Mitglied, welches die Unterstützung bei Arbeitslosigkeit erhalten will, hat sich täglich innerhalb der Geschäftsstunden im Verkehrslokale, Restaurant Knhlmey, Neue Friedrich- und Rosen- straßen-Ecke, zn melden. Ferner beschließt die Versammlung:„Sämmtliche bei Ver- gnügnngen erzielten Ueberschüsse sind diesem Fonds zuzuführen, zedoch sind diese Gelder vom Liassirer gesondert zu buchen." Dieser Antrag fand in der Versammlung wenig Anklang, am allerwenigsten die geplante Unterstützung bei Arbeitslosigkeit. Viele Redner sprachen sich direkt gegen die Vorlage aus, selbst der Berichterstatter des Vorstandes, Herr Silberschmidt, stand nicht gänzlich ans dem Boden der Vorlage. Herr Wernau begründete seine Vorlage, wie Herr B n ch h o l z meiirte, in edealer Weise, doch gelang es ihm nicht, die Mehrheit der An- wesenden für seine Ueberzeugung zn gewinnen und wurde dem- zufolge die Vorlage mit großer Stimmenmehrheit abgelehnt.— 41 neue Mitglieder traten der Freien Vereinigung bei. Mit einem dringenden Appell an die Mitglieder, unentwegt für die s so nothwendige Verkürzung der Arbeitszeit einzutreten, schloß der ' Vorsitzende, Herr Wernau, die Versammlung. (Große öffentl. Uertammlung der Tolmiwrlieiter»»d Ardriterinne» VcrUns unt> Umgegend am Tomieesiag, den 13. Sunt, Abends 8 Uhr, im Königstadl-Nasmo, Holzmarktstr. 72. (Große öfftiitiirij» Uerson»nI»»a niler Z.iltiirer Berlins und Umgegend am Sonnabend, den M. Juni, Abends 3% Uhr, in Scheffer's Salon, Jnselstr. 10. Geifentiichr Steimuch-ZIerfnmmllina am Donnerstag, den 12. Juni, Abends 8 Uhr, in der Ahrens'schen Braueret, Moabit. (Große liftentiiche UersnmnlUing snmmtlichee iilourrr»»d pulier Berlins uud Umgegend am Donnerstag, den 12. Juni, AbendS 8% Uhr, in der AMenbraneret, früher Lips. Alioenieiiie kiranllen-»,,i> Sterbellnire der Itleinilarbeiter Uhr, in Jordan'S Salon, Neue Srünstr. 28: Versammlung. Außerordentliche ßZeiiernluersainniIung der Modelltischler i?erli»s und Umgegend am Montag, den 13. Juni, Abends 8 Uhr, im Restaurant „Wsdding", Aliillerstr. 178. Große öffentliche Uertniumlung sämmtlicher arbeitslosen Maurer, Puher und Zimmerer am Donnerstag, den 12. Juni, Vormitiags lo nhr, im Saale der„Berl. Bockbrauerei", Am Tempelhofer Berg. Kvant,,»- und tlegrödnißknffe de» herein» siimmtlichtr Kernfa- klaffe,!, Verwaltungssielle Berlin i. Sonnabend, den 14. d. Mts., AbendS 8 Uhr, Blumsnstr. 7S im Restaurant Wollschläger, Versammlung. Tages- Ordnung. Kassenbericht. VorslandSprotololle. Mittheilungen. Geschäftliches. Uersninmlnuk! der Freie» Uerrinigung der Jnuodiriier am Freitag, den 13. Juni, Abends 8% Uhr, in Jordan'S Salon, Neue Griinsir. 28, 1 Tr. Tagesordnung: i. Mittheilung. 2. Vortrag des Herrn Stadtv. Heindorf über „Tie nisiemalische Lüge der Kuliurentwickelung mit besonderer Bsrnclsichtigung der Arbeiterbewegung". 3. Diskussion. 4. Aufnahme neuer Mitglieder und Verschiedenes. Gesnug-, Tur»-»»d gesellige yereiut am Donner Nag. Männer- gesaugvercin„Lälitia" Abends 9 Uhr in Belttn's Rcsiaurant, Vetcrancnstr. 19. — Gesangverein„Brehelschluß" Abends 8� Uhr im Restaura»! Mündt, Köp- nitkersiraße loa.— Männergesangverein„Nordstern" Abends 9 Uhr im Restaurant Pohl, Müllerstr. 7.— Echäfer'fcher„Gesangverein der Elfer" Abends 9 Uhr bei Wolf u. Krüger, Skaliizerstr. 120, Gesang.— Gesangverein „Blülhenkranz" Abends n Uhr im Restaurant Brandenbnrgstr. oo.— Männergesangverein„Alexander" Abends 9 Uhr im Restaurant Rose, Straußberzer- slinfie Ii.— Männergesangverein„Firmitas" bei Ktnner, Kopnichcrstr. 38.— Gesangverein„Snngerlust", Abends 9 Uhr, im Restaurant Landsbcrgerstr. 80.— wesangv ein„Männerchor Sl. Urban"'Abends 9 Uhr Annenstr. 9.— Gesangverein„Deutsche Liedertafel" Abends 9 Uhr Köpnirlerstr. loo.— Gesangverein Norddeutsche Schleife" Abends von 9 bis 11 Uhr, Michaclltrchftr. 89.— Männergesangverein„Sangesfreunde" AbendS 9 bis u Uhr, Frankfurter Bier- Hallen sKriiger), Große Franlfnrtcrftr. 102.—„Brunonia" Abends 9 Nhr Uebungsstunde bei Lehmann, Sllcxandrinenstr. 82.— Turnverein„Hnscnhnide" lLehrlingSablheilung) Abends 8 Uhr Diestenbachftr. oo— Ol.— Berliner Turn- genossenschafl"(7. Lehrlingsabthcilung) Abends 8 Uhr in der städtischen Turn- Halle, Brtherstr. 17— IS;— desgl. s. Männerabiheilung Abends 8 Uhr in der städtischen Turnhalle, Gnbenerftr. 3i.— Lübeck'fcher Turnverein(Männer Abiheiluilg) Abends 8 Uhr Elisabethstr. 57-58.— Allgeuieiiisr ArendZM Stenographenverein, Abiheilung„Lonifenstadt", Abends 8« Uhr Rettauiant Preust, Oranienstraße 51.- Arends'fcher Si-iiograph-nv-«» „Phalanx" Abends slf Uhr im Restaurant„Jnm Buckower Garten", Buckowm siraße 9.— Deutscher Verein ArendS'scher Slenogravhen Abends 9 Uhr'» Heidl's Rcstaiiranr, Koppenstr. 75, Unterricht und Uebnng.— Berliner graphen-Verein(Syfiem Arends) Abends 9 Uhr im btefiaurani FriedtlV siraße 203.— Stolze'scher Stenographenverein„Nord-Berlin" Abends s Schl-gelstr. 44.— Verein der„Naturfreunde" Abends o Uhr im Restant» Wicnerstr. 33.- Verein der Unriihstädl-r Abends SX Uhr im„So"1; siadt-Kasinv", Holzmarktstr. 72.- Verein ehemaliger F.'W. ReNschlag'sA» Schüler am I. lind 3. Donnerstag jeden Monats im Gase Schüler, Land-. b-rg-rstr. 78 Abends s Uhr.- Nanchllnb„Kernspihe" Abends 8% Nhr Restauranl Böhl, Nüdersdorferstr. 8.— Verein ehem. Schuler der 23. bü- meindeschnle Abends% Uhr. Große Fraulfurterstr. 47 bei Marlini.- 9% llnh„Arcona" Abends 9 Uhr bei Ziplinsli, Reichenbergerstr. 71.- Ruu#'' „Tezimalivaage" ülbends 9 Uhr im Restauranl Lock, Keanissir. 48.— Rauchklo- „Vorrvärls" Zlbends 9 Uhr beim Herrn Temvel. R-itanrant..stum Slinb Breslauerstr. 27. Lricnlalischcr Nanchllnb" ....... 9�, UanlSstr. 43.— Nauchw Tempel, Restaurant„Zum Mnbo ----------............................. Mab" Abends 9 Uhr im Reilaur. Wwch'M Oranienstraße 8.— Nanchllnb„Krumme Piepe" ZU c ids 9 Uhr �üiißClü. 8. 70 W yv O« 4L&44L4, l l 44 V /rOi L 44 1 1 i II i V 4 V ßf 4, �44 V 4 W'%%%/ 4,—-- Heindorf.— Nanchllnb„Gollegia" Abends 9 Uhr bei Thiemermanii, Skaliherilr.°- — Slalllnb„Rückwärts" jeden Donnerstag Abend 8 Uhr im Reltaur. Pbderi, Pallifadcnslr. 47.— Privai-Theaiergesellschafr„Adlerschwinge" Sihnng>>" Eartenstr. 14 bei Träger.— Musilvercin„Vorwärts" Ueb-ang Abends von 8% bis io% Uhr, Auneuflr. 14 pari. Neue Mitglieder, welche schon blast- *'-----— o;— vit«« Cfcrt v?r»e»ffn" SiDcnÖ» 9»' N"f"al>m°.usU°- Sihnng Fidelilas Jnvalidenstr. 139. Gäste willlommen. ..»• w..-X I.....-_._—__-er �—...„ I' o*.» i mV«,:„f Miigl'ieder.-"Arbeitergesängveretn„Hoffnung" Friedrich-Zberg bei Rensch- Franlfurler Chaussee� und Torsslraßen-Ecks. Uebungsstunde. Ausna. neuer Milglieder.— Rauch klub Wallstr. s bei Gimpel. „Wald-Knaster" AbendS von 9 bis u w Bei Ansragen bitten wir die Aboune»ieiils-O.uittnug b-izufügeu. AuNvort wird nicht crtheilt. Briests Ancheit. Die Ausdrücke enthalte» schwere Veleidiguugen; eint Bestrafung ist zweifellos. I. Frank. 1. In Leipzig und Basel, Nationalökonoiwe. 2. Weltanschauung. Äochmeisterstr. 100. Wir wissen es nicht. Lv. W. Sie wollen offenbar ein Testament errichten. Dazu müssen' Sie persönlich vor dem Amtsgericht erscheinen und eiü- ----.--- ret——;n:— cn— sei-..— �1 ProtOlOtl diktiieN weder Ihre letzwillige Verfügung........... eine dieselbe enthaltendes, von Ihnen eigenhändig unter- schriebenes und im Kouvert verschlossenes Schriftstück überreichen- Einen Stempclbogen brauchen Sie nicht. Nerrenkonfektion. Näherinnen, die von einem Fabn- kanten außerhalb der Geschäftsräume bei sich zu Hanse nl- beiten, gelten nicht als Gewerbegehilfinnen, brauchen nicht zur Krankenkasse angemeldet zn werden und haben Kündig»''? nur zn beanspruchen, falls dies ausdrücklich ausgemacht oder sie fest engagirt sind. PR0SPEOTUS, Convrrtirnng oder M-Ksahlmig der Eg'wtischr» Sproc. vrivilegirten Staats-Anlrih- n. Rmkzahlnnö der Cgimt, scheu ck �ror. Staats Anleihe von 1888. lEsnissnon von Nom. Lstr. 29,400,000 ° privileglrle Staats-Anleihe Egyptisohe 3 2 0 Nachdem Seine ««■%%% tSSm W sich mmm dl- d-, SVnttoc. Ml-.«- nicht... d-m 15. S.II 1905... ffii.Iöf.ng b-!»«-». eben, von welchem Zeitpunkt "'" soweit dieselbe« Mark 226,95 fnr je Lsti\ 100 Nom. 5 proc. privilegirte Anleihe. ------m»-» tät%%%%«# sßt 5.r.«Ä nannten Firmen eingereicht Werden. men emgereieyl weroen. schi.«,.ch— i3-«•«-»-> 1800 m London bei den Herren N. M. Rothschild& Sons, I in Frankfurt a. M. bei dem Bankhause M. A. von Rothschild& Söhn«» in Paris in Berlin 11 11 11 11 de Rothschild Friires, dem Bankhause S. Bleichröder, der Direction der Disconto-Gescilschaft, in Amsterdam ,, Herrn A. Gans!, in Consiantinopcl ,,) gg�que Dmpörialc Ottomane. 9, 43 41 1' Uli CC4I43II 414:1 UI4.44 4.ll4U-UC�4;il3»Uimail, I in oairo ,,) rh.ll' In Berlin und Frankfurt a. M. haben die Inhaber von 5 proz. privilegirten Obligationen, ivelche die Rückzahlung derselben verlangen, dies unter nachstehenden Bedindilttgen mizumcifl Mit den Anmeldungen müssen die öproc. privilegirten Obligationen nebst Coupons über die laufenden Zinsen, von einen arithmetisch geordneten Nummerverzeichniß begleitet, eingerei/� oder ein Betrag von Lstrl. 10 für je Lstrl. 100 Nominal in baar oder privilegirten Obligationen als Caution hinterlegt werden; diese Caution verfällt, wenn die angemeldeten Obligationen»>( zur Rückzahlung eingeliefert werden, sobald die Aufforderung hierzu ergeht. Die eingereichten Obligationen werden, mit einem Abstempelungs-Vermerk versehen, dem Einreicher zurückgegeben. Der EinlösungStcrmin für die zur Rückzahlung angemeldeten 5 proz. privilegirten Obligationen, mit welchem gleichzeitig der Zinslaus endigt, wird durch die Bankhäuser, welche o SVe proc. Anleihe übernommen haben, bekannt gemacht werden. Derselbe wird nicht vor dem 15. Juli 1890 anberaumt werden. Der nicht zu Conversionszwecken verwendete Theil der 3'/a proc. privilegirten Egyptischen Anleihe wird am Freitag, den 13. Juni 8890 zur Zeichnuttg gegen baar aufgelegt, und zwar in London und Paris unter den an diesen Plätzen bekannt zn gebenden Modalitäten, ferner in Berlin bei dem Bankhause S. Bleichrödcr ,, der Direction der Disconto-Gescilschaft in Frankfurt a. M. bei dem Bankhausc M. A. Rothschild& Söhne unter nachstehenden Bedingungen:.. Die Snbscription erfolgt in den üblichen Geschäftsstunden auf Grund des diesem Prospccte beigcgebenen Anineldeformillars, das von den Subseriptionsstellen kostenfrei zu beziehen'r Der Snbscriptionspreis ist auf 91 Procent, das Lstr.-> zum Course von 20,40 Ntark gerechnet, festgesetzt und wie folgt zahlbar Lstr. 10.—.—.---- Mark 204.—. bei der Zeichnung) 40.—.—.=„ sie.—.„„ Zuthcilung( für je 100 Lstr. Nominal 41.—.—.—• 886.40. am 15. Juli 1890) Beim Handel der zusammen Lstr. 01. = Mark 1856.40. �....«r.�.- HP pp,ff,„„v pvfprpp,,«iptt hi» a,.tr,pil„nr. monütei nl8 die ZlnmeldU' Ebenso Fällen, Zutheilnng beträgt, wird die erste Einzahlung auf die zweite in Aurechuung gebracht bezw. zurückgegeben... «wstao wSXHtfrm«w dl-»WM. WWW«»' ....•—. ,., 3»|4,"..——, S— l— 4-——-— 4\ � A-f 4 t C i-l\ f" 444/44*�1444 >,«5 w-lch- fsäta mit s--lsch.m N-lchO-wp.I f,i„.®,t d-n SM.«>-««-» Die von.....„,. -Jnterimsscheine getauscht werden, welche von diesen Stellen ausgegeben sind. Die Jnterimsscheiue werden mit einem Coupon fnr das Vierteljahr vom 15. Juli bis 15. Oktober 1890 versehen sein, während die desinitiven Obliqationen als ersten Coupon de"' jcnigen für das Halbjahr vom 15. Oktober 1800 bis 15. April 1891 tragen werden. Anmeldungen ans bestimmte Abschnitte der 3l/2 proz. privilegirten Anleihe können nur insoiveit berücksichtigt werden, als dies nach dem Ermessen der Zsichnunasstellen mit den Jnt� essen der anderen Zeichner verträglich ist. Aerkin und FrnnKf'nrt a. Ht., im Juni 1890. S. Bleichröder. Direction der Disconto-Gesellschaft. M. A. von Rothschild& Söhne. Verantwortlicher Redakteur: Curt KaaKr in Berlin. Druck und Verlag von Mar Kading in Berlin SW., Beuthstraße 2. 1