't :ve:a 5 IClW1 ri4: W' itaci -nix c W ,8r auch' -llud K V.65. D!VH. : US: »an ilafeß ,# «tuet !»sch> ayuu Ul>> M IS«. Freitag, de« 13. Juni 1890. 7. Jahrg. Hrgan für die Jnierefsen der Arbeiter. ein« Das„Berliner Volksblatt" Meint täglich Morgens außer nach Sonn, und Festtagen. Abo.lnemenlspreis für Berlin frei MHtme vierteljährlich 3,30 Mark, monatlich 1,10 Mark, wöchentlich 28 Pf. Einzelne Nummer S Pf. �»nntags-Nummer n,it dem„Sonntags-Blatt" 10 Pf. Postabonnement 3,30 Mark pro Quartal. i,.(Eingetragen in der Postzcitungspreisliste für 1890 unter Nr. 892, V. Nachtrag.) W»Kr Krruzl>li»d, täglich durch die Expedition, für.Deutichland, und Oesterreich-Ungarn täglich 2 Mark, für das übrige AiiSland 3 Mark pro Monat. Jnsertionsgebühr beträgt für die 5 gespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pf., für Vereins- und VerfammlungS« Anzeigen 20 Pf. Inserate werden bis 4 Uhr Nachmittags in der Expedition, Berlin SW., Benthstraße 3, sowie von allen Annoncen-Bureaur, ohne Erhöhung des Preises, angenommen. Die Expedition ist an Wochentagen bis 1 Uhr Mittags und von 3—7 Uhr Nachmittags, an Sonn- und Festtagen bis 9 Uhr Vormittags geöffnet. -a--• Fernsprecher: Amt VI. Ztr. 4106.,# Vedakkion: WeukhPkvÄtze S.— Expedikion: VoukhZkvcrtze 3. LcrzinlftnktMMxos sus UtnasiKn. Bekanntlich haben die österreichischen und die .Mrischen Arbeiter je eine über das ganze Land ver- Leitete Krankenkasse, die beide wohl die größten In- Wüte dieser Art in Europa sein dürsten. Wenn wir M unterrichtet sind, zählt die ungarische„Allgemeine �beiter-Kranken- und Jnvalidenkasse", die ihren Sitz in Mdapest hat, an die 200 000 Mitglieder. Eine solche .beutende Arbeiter-Krankenkasse ladet den Sozialpolitiker wohl wie den geistig regsamen Arzt geradezu� ein, die gebotene Gelegenheit zu benutzen und eine systematische Untersuchung über die Arten der Krankheiten, über die Wl und das Verhältniß der Todesfälle und deren Ur- lachen, über das Lebensalter der verstorbenen Mitglieder m über den Autheil der hauptsächlichsten Berufe an �sen Erscheinungen zc. vorzunehmen. Es fand sich denn W) in der Persönlichkeit des Chefarztes der Kasse, Josef Gr ün Hut, der Mann, der die schwierige, ober dankbare Aufgabe übernahm, und sein Bericht über *i( gepflogene Untersuchung bietet nach unserer Auffassung ober die Grenzen Ungarns hinaus für Alle Interesse, die >ch mit sozialen Dingen beschäftigen. � Nach längeren hier univesentlichen Bemerkungen sagt Lr. Grünhut über seine Untersuchung: Uebergehend auf w Statistik der„Allg. Arbeiter-Kranken- und Invaliden- Josse" in Budapest werden wir, abweichend von den bisherigen Arbeiten, keine Statistik aus Spitälern oder 00s Sterbefällen zusammengetragen, liefern, sondern eine Statistik einer Arbeiterfamile, wie sie sich während to* Jahren in Erkrankungs- und Sterbefällen verhält. Ar glauben damit den Ausspruch N e i s e n s,„daß �Leiter mit schweren und harten Arbeiten beschäftigt, aber 5 wohlgeordneten Verhältnissen lebend, eine geringere Erblichkeit und längere Lebensdauer aufweisen, als die �sanimtbevölkerung", auch statistisch nachweisen zu können. . Die Statistik wurde aus den 12 ersten und 6 letzten Jahrgängen mit 400 000 Mitgliedern zusammengestellt; ooßerdem von einem Jahrgange das Verhältniß der Ar- deitssähigen zu den Arbeitsunfähigen. In allen 3 Zu- lonnnenstellungen wurde dasselbe Verhältniß gefunden. Wir bemerken, daß die Aufnahmen in die Kasse vom K bis 50. Lebensjahre und nur selten bis zum 00. Jahre Wehen, und zwar nach womöglich genauer ärztlicher Untersuchung. , Das durchschnittliche Lebensalter der Mitglieder be- 39,32 Jahre. Von den Gesamuitmitgliedern er- wanken 28,7 pCt. Die durchschnittliche Kraukheitsdauer „remllewu. "Ubvuct ottboten. (66 „Inm Glnü: der Damen." N o n: a n von Emile Zola. Antorisirte Uebersetzung von Armin Schwarz. ,, Er lachte noch mehr und Vallagnosc, der in seiner Nähe stand, genoß das Vergnügen mit, ohne aber ein Wort zu st>gen. _- Mein Gott, i„an muß Alles erproben sagte Monret Üblich, indem er selber that als ob er sich belustigen wurde. �azn ist denn das Geld, wenn man es nicht auvgiebt.- mmm beträgt 15,51 Tage. Von den Gesammterkrankungen sterben 4,5 pCt. Von der Gesammtzahl der Mitglieder sterben 1,3 pCt. Von den ärztliche Hilfe aufsuchenden Erkrankten vertheilen sich 75 pCt. auf arbeitsfähige und 25 pCt. auf arbeitsunfähige Mitglieder. Bei A r b e i t s f ä h i gleit sind von den Erkrankungen Magen- und Darmkrankheiten., 20,6 pCt. Verletzungen....... 8,2„ Rheumatismus 8,0„ Lungenkatarrh....... 9,9„ Bei Arbeitsunfähigkeit: Magen- und Darmkrankheiten. 16,86 pCt. Verletzungen........ 16,78„ Lungenkatarrh....... 16,40„ Rheumatismus....... 11,58„ Die Erkrankungen der Arbeitsfähigen auf einzelne Berufszweige vertheilt: Magen- Verletzung. u. Darm- Lungen- Rheuma. krankheiten. katarrh. pCt. pCt. pCt. pCt. Schmiede und Gießer. 27.57 15,11 13,72 11,11 Schlosser und Metallarbeiter..... 26,05 12,44 12,00 9,00 Taqcarbeiter.... 21,32 13,45 17,04 12,30 Tischler u. Holzarbeiter 22.62 13,77 15,22 13,48 Miihlenarbciter... 15,11 15,04 26,93 10,03 'Arbeiterinnen.... 4,93 24,80 14,09 11,40 Frauen, die häuslich beschäftigt.... 3.78 22,14 15,28 12,80 Verschied. Beschäftigung 12,82 17,55 17,00 13,00 Die größte Anzahl der Magen- und Darmerkrankungen kommt bei den Frauen vor. Eine Erklärung hierfür wäre, daß ein Arbeiter mehr verdient als eine Arbeiterin, sich daher besser nähren kann und weiter ist es allbekannt, daß der Mann, der Ernährer der Fanülie, täglich sein Fleisch haben muß(?), für Weib und Kind langen die Mittel nicht, die bekommen nur Sonntags Fleisch. Bei den Professionisten nehmen die Verletzungen den ersten Platz ein, den zweiten die Magen- und Darmkrank- heiten. Bei Mühlarbeitern nimmt Lungenkatarrh den ersten Platz ein, welches seine Erklärung haben mag, daß wir es hier nicht mit Müllern, sondern mit invaliden Ar- beitern, die, nachdem sie für die verschiedenen Berufs- zweige untauglich, noch als letztes Asyl die Mühle auf- suchen und bis sie dort Aufnahme finden, vielfachen Ent- behrungen ausgesetzt, daher mangelhaft ernährt sind und bald durch den Mühlstanb arbeitsunfähig werden. Man findet auch immer Magen- und Darmkatarrh neben Lungen- katarrh. Die Tuberkulose zeigt auffallend keinen besonderen Prozentunterschied bei den verschiedenen Berufszweigen, ja sogar bei den Mühlarbeitern, bei denen die Tuberkulose über die Geschichte mit dieser Denise, die er im Vorzimmer getroffen hatte. — Oh, was das Leiden betrifft, so ist das nicht meine Spezialität, sagte Moüret prahlerisch. Es ist doch genug, wenn ich bezahle. Der Baron betrachtete ihn eine Weile stillschweigend. Ohne seine diskrete Anspielung weiter verfolgen zu wollen, fügte er leise hinzu: — Macheu Sie sich nicht schlechter als Sie sind. Sie werden bei der Affaire noch andere Dinge als ihr Geld— Ja Sie werden Ihr Fleisch dabei lassen, mein Lieber. Nicht ivahr, Herr von Vallagnosc, das kommt? — Man sagt es, Herr Baron, erwiderte Vallagnosc einfach. Gerade in diesem Augenblick wurde die Thür geöffnet. Monret, welcher eben antworten wollte, fuhr überrascht empor; alle drei Herren wandten sich um. Es war Madame Desforges, die mit heiterer Miene den Kopf hereinsteckte und in dringendem Tone rief: — Herr Monret, Herr Monret! Verzeihen Sie, meine Herren, daß ich Ihnen Herrn Monret auf euren Augenblick entführe._ Da er mir einen abscheulichen Mantel verkauft hat, so ist doch das Wenigste, daß er mir seine Meinung darüber sage. Dieses Mädchen ist eine Närrin ohne eine Idee. Kommen Sie, ich erwarte Sie! Er zögerte, denn er sah die Szene voraus, die da kommen sollte. Allein er mußte gehorchen. Der Baron sagte ihm mit seiner väterlichen und zugleich spöttischen Miene. — Gehen Sie, mein Lieber, Madame bedarf Ihrer. _ Monret folgte ihr denn. Die Thür fiel wieder ins Schloß und er glaubte ein höhnisches Lachen von Vallagnosc zu hören. Ucberdies war er mit seinem Witz zu Ende. durch vegetabilischen Staub entstehen soll, zeigt sich die größte Erkrankungshäufigkeit. Mühlarbeiter........», 3,85 pCt. Gießer und Schmiede....... 1,49„ Schlosser und Metallarbeiter,,., 2,54„ Bergarbeiter........,. 2,30„ Tischler und Holzarbeiter,..... 2,69„ Arbeiterinnen.......... 2,25„ Frauen init häuslicher Beschäftigung,, 2,60„ Verschiedene Beschäftigung..... 2,98„ Von den Sterbesällen wollen wir zuerst die Gesammt- mitgliederzahl in Bezug auf die einzelnen Krankheiten in Betracht ziehen. Von gesunden Arbeitern sterben an, Gehirn- und Riickenmarksleiden von 10 000 9 Herzkrankheiten„„ 5 Lungenkatarrh.„ 9 Lungenschwindsucht„„ 62 Lungenentzündung„„ 16 Magen- und Darmkrankheiten„„ 10 Verletzungen„„ 5 Nierenkrankheiten„„ 3 Frauen an Frauenkrankheiten„„ 11 Frauen an Altersschwäche„„ 2 Geisteskrankheiten„„ 0,5 Alkoholismus„„ 0,7 Selbstmord„„ 4,0 Den höchsten Prozentsatz in Sterbefällen liefert die Lungenschwindsucht; von je 100 erkrankten Mitgliedern sterben 1,79 pEt. und von den Gesammtmitgliedern sterben an Lungenschwindsucht: Miihlenarbciter 0,6 pCt. Gießer und Schmiede..... 0,33„ Schlosser und Metallarbeiter«, 0,51„ Tagarbeiter........ 0,0„ Tischler und Holzarbeiter,.. 0,53„ Frauen.......... 0,37„ Verschiedene Beschäftigung..« 0,55„ Die allgemeine Annahme, daß der Beruf die Mehr- erkranknngen und Mehrsterblichkeit verursacht, muß als nicht erwiesen betrachtet werden. In einem eingehenden Referate an den bayerischen Ober-Medizinalansschuß ist in jüngster Zeit Professor Z i e m k e n in München, bezüglich der Prophylaxe(Ver- hütung) der Tuberkulose nebst anderen zu folgenden Schluß- f ätzen gelangt: 1. Reichliche Ernährung mit gemischter Kost, beson- ders reichliche Fettzufuhr. 2. Reichlicher Genuß frischer Lust. 3. Gesilnde trockene Wohnung. 4. Maßnahmen, um Ansteckungen zu verhindern. Nachdem nun in der Erkrankungsstatistik die Magen- und Darmkrankheiten, in der Sterbestatistik die Lungen- schwindsucht das Hauptkontingent stellen und wir uns be- strebt haben, nachzuweisen, daß der Beruf nur in zweiter Seitdem Henriette den Salon verlassen hatte und er wußte, daß Denise sich in der Gewalt dieser eifersüchtigen Frau be- finde, beinächtigte sich seiner eine immer steigende Angst. Eine nervöse Marter, die ihn zwang, fortwährend die Ohren zu spitzen, als ob er jeden Augenblick ein Schluchzen vernehmen sollte. Was konnte dieses Weib erfinden, um sie zu quälen? und seine ganze Liebe, diese Liebe, die ihn noch immer über- raschle, flog dem Mädchen zu gleichsam als Stütze und Trost. Niemals hatte er so geliebt, mit diesem mächtigen Reiz des Leides. Seine Liebschaften eines Gcschäftsmamics, Henriette selbst, so sein, so hübsch sie auch war, so stolz ihr Besitz ihn machte, war nichts als ein angenehmer Zeitvertreib, zuweilen ein Kalkül. Jetzt aber pochte sein Herz beklommen, sein ganzes Leben war von dieser Liebe eingenommen, er fand keinen Schlaf mehr, einsam in seinem großen Bett. Denise hatte ihn unaufhörlich in ihrer Gewalt. Selbst in diesem Augenblick gab es für ihn nichts als sie und er dachte, daß er Henriette folgen müsse, um nöthigcnfalls Denise zu ver- theidigen. Sie durchschritten das Schlafzimmer, das still und leer war. Dann stieß Madame Desforges eine Thür auf und ging in ihr Kabinet, wohin Monret ihr folgte. Es war ein geräumiges Zimmer, ganz mit rothcr Seide tapczirt; ein Toilcttetisch und ein großer dreitheiliger Schrein mit breiten Spiegelthüren bildete die Einrichtung. Da diese Fenster auf den Hos gingen, war es in diesem Räume schon dunkel. Man hatte deshalb zwei Gasflammen angezündet. Als Monret eintrat, fand er Denise aufrecht mitten im Zinuner unter dem hellen Gaslichte. Sie war sehr bleich, mit einer bescheidenen Jacke von schwarzem Kacheinir und einem Hütchen bekleidet. Auf dem linken Arm hielt sie den Mantel, welchen Madame Desforges im„Gluck der Damen" Linie in Betracht gezogen werden kann, müssen wir in er st er Linie die ungenügende Ve- s ch a f f u n g d e r M i t t e l, die zur Erhaltung des Lehens eines Arbeiters nothwendig sind— guteKost, entsprecheudeWohnnng und frische Luft— als Hauptursache der Mehrerkrankung und M e h r st e r b l l ch k e i t der Arbeiter h i n st e l l e n. Seitdem es gewiß geworden, daß die Tuberkulose und fast die meisten Krankheiten durch Bakterien entstehen, werden auch von den Aerzten die Ursachen der Krank- heiten nicht mehr im Berufe, sondern in den hygienischen Verhältnissen gesucht. Der Vorwurf, der die Medizin seit Jahrtausenden traf, keine Mittel zur Verlängerung des Lebens und zur Erhaltung der Gesundheit der Menschen gefunden zu haben, kann sie heute nicht mehr in dem Maße treffen, seitdem sie nicht nur lehrt, Krankheiten heilen, sondern auch, Krankheiten verhüten. Die Be- schaffung der Mittel, dein zu entsprechen, fällt nicht in das Gebiet unseres(ärztlichen) Wirkungskreises. Außerdem giebt es noch gewichtige und in vieler Hinsicht verschiedenartige Faktoren, die auf die Erhaltung des Lebens und der Gesundheit von Einfluß sind, so die Verhältnisse, in denen ein Mensch geboren, erzogen und in die er mit oder ohne Zufall geräth, Verhältnisse, die den Menschen in Bahnen treiben, die ihn zum Leben oder zum Verderben führen. 8. Sitzung der Arveiterschutz- Kommifstou. Donnerstag, den 12. I u n i. Die Diskussion stvird fortgesetzt über§ 120(Fortbildungsschulen). W ö l l m e r will den Fortbildungsschul-Unterricht auch für den Sonntag Vormittag zulassen. Die Lehrkräfte seien vielfach nicht anders zu erhalten. Der Redner ist für Zlufrechterhaltung der Regierungsvorlage mit dein Zusatzantrag Bebel und Gen. Dr. Lieber stellt den Antrag: Am Sonntag Vormittag darf der Unterricht nicht crtheilt werden; dem schliefet sich ein Antrag von Dr. Korpatschek an. Kleist-Retzow will die vom Staate anerkannten Jnnungs-, Fach- und Fortbildungsschulen den Gemeindcschulen gleichgesleUt wissen. Frhr. v. Stumm will überhaupt den obligatorischen Besuch der Fortbildungsschulen beseitigen. Dr. Korpatschek bemäkelt die Volksschulen, die ihrer Aufgabe nicht gewachsen seien. Die Fortbildungsschulen hätten nicht den Beruf, die Schüler in den Elementarfächern zu unterrichte». Event, sei auch er für den Stumm'schen An- trag; der obligatorische Besuch der Schule sei auch ihm nicht synipathisch. Seinen Antrag ändert er dahin, daß am Sonntag Vormittag vor und während des Gottesdienstes der Unterricht nicht zulässig sei. v. K l e i st glaubt nicht, daß auf den Fortbildungsschulen materialistischer Unterricht ertheilt werde; sollte dies dennoch ge- schehen,„so möge der Teufel zene pflichtvergessenen Lehrer holen". G. O.-R.-R. L o h m a n n hält die Annahme der Antrage (mit Ausnahme des Antrags v. Kleist) für verhängnifevoll. Aber auch den Antrag Kleist kann er nicht empfehlen. Wenn beschlossen werden sollte, daß der Unterricht außerhalb der üblichen Arbeits- zeit liegen müsse, auch am Sonntag nicht stattfinden dürfe, so würde das den Fortbildungsschulen den Todesstoß versetzen. Für eine solche Unterrichtszeit seien Lehrkräfte gar nicht oder doch nur sehr schwer zu bekommen. Seit längerer Zeit würde der Unter- richt während des Gottesdienstes nicht mehr zugelassen.— Was den Kleist'schen Antrag deträfe, so sei es sehr bedenklich, die In- nungs- ec. Schulen in Konkurrenz mit de» Gemeinde-Fortbildnngs- schulen zu bringen. Der obligatorische Unterricht nmsse bleiben. v. Puttkanrer ist gegen jeden organisatorischen Eingriff der Gesetzgebung in die bestehenden Verhältnisse. Er bittet alle Amendements abzulehnen. Cegielski kann für den Antrag Lieber-Bebel stimmen; gegen den obligetorischen Unterricht müsse er sich ganz energisch wenden. Sollte jedoch der Abs. 3 angenommen werden, so bitte er einen Zusatz-Antrag von ihm anzunehmen, daß der Unter- richt in den polnischen Landestheilen in polnischer Sprache er- theilt werde. Dr. Hirsch will den obligatorischen Unterricht ausrecht er- halten. Was den Materialismus beträfe, so sei das Entgegen- gesetzte der Fall. Diejenigen Lehrer, die die schwere Ausgabe des gekauft hatte. Als sie den jungen Mann eintreten sah, bebte sie unmerklich zusammen. — Ich will, daß Herr Mouret selbst urtheile, sagte Henriette, helfen Sie mir, Fräulein. Devise mußte näher treten und ihr den Mantel um- legen. Sie hatte schon bei einer früheren Probe Stecknadeln in die Schultern befestigt, welche nicht paßten. Henriette wandte sich nnt und betrachtete sich vor den Spiegelthüren des Schreines. — Ist es möglich? sprechen Sie ganz offen. — Er ist nicht gelungen, Madame, in der That, sagte Mouret, um die Sache kurz abzuthun. Aber die Sache ist ja ganz einfach; das Fräulein wird Ihnen das Maß nehmen und wir werden Ihnen einen andern Mantel machen. — Nein, ich will diesen, ich brauche ihn sogleich, sagte sie lebhaft, aber er preßt mir die Brust zusammen, während er am Halse zu weit ist. Dann fügte sie mit ihrer trockenen Stimme hinzu: — Wenn Sie mich anschauen, Fräulein, damit wird die Sache nicht besser. Suchen Sie, finden Sie etwas, es ist ja Ihre Alisgabe. Ohne den Mltnd zu öffnen begann Denise wieder mit den Stecknadeln zu nianipuliren. Das dauerte lange, sie mußte von einer Schulter zur andern gehen, sie mußte sich einnial sogar bücken, fast niederknien, um den Mantel nach vorne zu ziehen. Mittleriveile zeigte Madame Desforges, sich ihr überlassend, das strenge Gesicht einer Herrin, die schivcr zu befriedigen ist. Glücklich bei dem Gedanken, daß sie dieses Mädchen zu den Diensten einer Magd erniedrigen konnte, gab sie ihr kurze, gemessene Befehle, wobei sie das von einem nervösen Zittern gefolterte Gesicht Mourets betrachtete. — Daher geben Sie eine Stecknadel, nicht dort, hier neben dem Aermel; verstehen Sie denn nicht? und nehmen Sie sich in Acht, Sie werden mich stechen. Monret hatte schon zwei Mal vergebens versucht, dazwischen zu treten, um dieser Szene ein Ende zu nrnchen. Sein Herz pochte heftig, denn er fühlte seine Liebe ge- demüthrgt und angesichts des geduldigen Stillschweigens, Unterrichts übernehmen, seien nicht Materialisten, sondern Idealisten. Bebel stimmt Dr. Kropatschc? zu; die Volksschule erfülle in der That nicht ihren Zweck, das läge aber daran, daß die Volksschule vielfach nnt zuviel Religionsstunden belastet sei. Die Moral würde durch die Religion nicht gehoben, was man am Besten an Rußland sehen könne. Das russische Volk- sei sehr religiös, moralisch stehe es dagegen auf einer niedrigen Sstufe.— Was die Stunden des Unterrichts beträfe, so müsse er divbei bleiben, diese Stunden in die übliche tägliche Arbeitszeit za legen. von S tum in entgegnet Bebel/ daß seineu historischen Kenntnissen nach jekoes Volk nach deni Verlust seiner Religion auch seine Moral uikd schließlich seine Existenz verloren habe.— Wenn die Fortbildu»gsschulen ohne Tadel seien, so würden nicht so viele Verbesserunxsanträge hier vorliegen. Es sei daher besser, die Regelung des»äligatorischen Unterrichts den Landesgesetz- gedungen zu überlassen. Bei der Abstim omng wird der Antrag Kropatschek in. seinem ersten Theil abge'nchnt, der zweite Theil:„An Werktagen ist der Unterricht m die sonstige Arbeitszeit der jnngeu Leute zu legen", wird dagegen angenomnien. Der Antrag Bebel und Genossen wird dadurch hinfällig. Die Anträge v. Kleist und Cegielski werden abgelehnt. Der§ 120 in der Regierungsvorlage mit dem Zusatzantrag Kropatscheks wird hierauf angenomnien. Die Diskussion wird eröffnet über§ 126(Lehrlingsverhältnisse). Hierzu liefst ein Antrag von Bebel und Genossen vor, der dem Paragraphen hinzufügen will: „Zu häuslichen Dienstleistungen, sowie zu Arbeiten, die mit dem Beruf nicht in direkter Beziehung stehen, ist der Lehrling nicht verpflichtet. Die tüfzliche Arbeitszeit deS Lehrlings darf 10 Stunden, ausschließlich der Pausen, nicht überschreiten." Ferner von Dr. Hirsch: „Er hat für die Erhaltung der Gesundheit des Lehrlings Sorge zu tragen, insbesondere durch eine geregelte, nicht übermäßige Arbeitszeit und durch Beschaffung geeigneter Arbeits- und Schlafräume." ' Bebel kann sich mit dem Antrag Hirsch nicht befreunden. Er halte eine präzise Fassung nothwendig. Was den sozialdcmo- kratischen Antrag beträfe, so verweise er darauf, daß Lehrlinge vielfach zu häuslichen Arbeiten verwendet würden und die Stelle der Dienstboten zu vertreten hätten. Eine gute Ausbildung der Lehrlinge sei unter solchen Verhältnissen nicht zu erwarten. Auch die Arbeitszeit der Lehrlinge müsse eingeschränkt werden. Was den jugendlichen Arbeitern in Fabriken recht sei, müsse den Lehr- lingen im Handwerk' billig sein.' Die Einrichtungen und Lage der HandwerkersWerkstätten sei in sehr vielen Fällen höchst be- denklicher Natur, ein Schutz der Lehrlinge daher geboten. Dr. Hirsch meint, sein Antrag sei geradeso allgemein ge- halten, wie der betreffende Paragraph der Regierungsvorlage. Das könne auch gar nicht anders sein. Jedenfalls sei sein Antrag eine gute Waffe gegen Ausbeutung w. der Lehrlinge. Er wünsche bezüglich der Bestimmung der Arbeitszeit keinen rapiden, sondern einen allmäligen Fortschritt. Besserung sei nothwendig, denn aus schleckt behandelten, unzufriedenen Lehrlingen würden fast immer Sozialdemokraten. G. O.-R.-R. L o h m a n n hält den Antrag Hirsch für zwecklos. — Der Antrag Bebel wolle es verbieten, Lehrlinge für häus- liehe Dienstleistungen zu verwenden. In großen Städten möge das vielleicht zulässig sein, nicht aber in kleinen Städten und ans dem platten Lande, wo die Lehrlinge fast immer eine bessere Ausbildung erhielten. v. Puttkamer wendet sich gegen Bebel. Er glaube gerne, daß in großen Städten die Lehrlinge ausgebeutet werden. In den kleinen Städten gehöre der Lehrling zur Familie und es sei verhängnifevoll, hier dem Handwerlsineister Beschränkungen aufzuerlegen. Die Diskussion wird abgebrochen und bis auf Sonnabend Morgens 10 Uhr vertagt. 5>olikiMie IkebcvlilHt. In der hrutigcn Sitzung der Militärkommisston wurde der entscheidende Z 2 in all seinen Theilen mit 20 gegen die 8 S t im m e n der Sozialdemokraten, der Deutsch- freisinnigen und des Volksparteilers Paper angenommen In Bezug auf die vorliegenden Anträge und Resolutionen, namentlich den Antrag Rickert auf einjährige Budget- bewillig ung, fand eine ziemlich lebhafte Debatte statt. Das Zentrum, das, wie nun feststeht, in seiner Mehrheit unter allen Umständen für die Vorlage stimmen wird, hat nachstehende R e- solntion eingebracht: Dr. Windthorst. Die Kommission wolle beschließen: welches Denise bewahrte, steigerte sich nur noch seine Liebe. Als Madame Desforges sah, daß sie sich nicht verrathen werden, suchte sie nach einem anderen Äuskunftsmittel; sie lächelte Mouret zu, um ihn als ihren Geliebten bloßzustellen. Da die Stecknadeln ausgegangen waren, sagte sie ihm: — Schauen Sie, mein Freund, in dem Elfenbeinkästchen auf der Toilette. Ist es leer, wirklich? Seien Sie so liebens- würdig, suchen Sie auf dem Kamin des Schlafzimmers, Sie wissen ja: in der Ecke beim Spiegel. Uno sie behandelte ihn als einen Mann, der sich in ihrem Schlafzimmer gut auskennt, der da weiß, wo Kämnie und Bürsten zu finden seien. Als er ihr Steck- nadeln gebracht hatte, nahm sie eine nach der andern, nöthigke ihn neben ihr zu bleiben, schaute ihn an und sprach leise mit ihm, als ob Denise gar nicht zugegen gewesen wäre. — Ich bin doch nicht bucklig, geben Sie Ihre Hand her, betasten Sie meine Schultern, bin ich denn so unschön gebaut? Denise hatte langsam aufgeblickt, sie war noch bleicher als früher und sie begann nun von neuem stillschweigeud die Stecknadeln zu befestigen. Mouret sah nichts als ihr weiches blondes Haar und ihren zarten Nacken; aber an dem Beben, welches dieses Haar bewegte, glaubte er das Unbehagen und die Scham, welche ihr Gesicht röthete, zu crrathen. Sie wird ihn jetzt noch mehr zurückstoßen, sagte er sich, sie wird ihn zu dieser Frau schicken, welche ihr Bev hältmß zu ihm vor Fremden nicht verleugnet. Und seine Fäuste ballten sich krampfhaft, er fühlte nicht übel Lust, Henriette zu prügeln. Wie sollte er sie schweigen machen? Wie sollte er Deinsen sagen, daß er sie anbete, daß sie aNein jetzt für ihn eristire, daß er alle seine früheren Liebschaften ihr aufzuopfern bereit sei? Eine gewöhnliche Dirne würde sich die zweideutigen Vertraulichkeiten dieser Bourgoise nicht gestattet haben. — Es ist überflüssig, daß Sie sich so erÄsern, Ma- dame, sagte er endlich. Ich finde ja selbst, daß der Mantel verdorben ist. — Das ist alles was ich thun kann, Madame, bemerkte Denise ihrerseits sich erhebend. Die Erwartung auszusprechen, daß die verbim�te? gierungen Abstand nehmen werden von der von Plänen, durch welche die Heranziehung aller w fähigen Mannschaften zum aktiven Dienst durchs�' werden soll, indem dadurch dein Deutschen Reiche unerschwingliche Kosten erwachsen müßten. Die Erwartung auszusprechen, daß die verbündeten�� gierungen in eine etwaige weitere Vorlage bchuss � änderung des Gesetzes über die Friedenspräscnzstarle Heeres unter Aufhebung der Fristbestimmung des W nats das Etatsjahr als Bewilligungsfrist aufnehmen■ den, während der Reichstag es sich vorbehält, auch. sonstiger sich ergebender geeigneter Gelegenheit die. sührung dieser Aeuderung der Frist zur Geltung t bringen. Die verbündeten Regierungen zu ersuchen, eine bald? Herabminderung der thatsächlichen Präsenzzeit.bei aktiven Armee, sei es durch Verlängerung der Reltu Vakanz, sei es durch Vermehrung der Disposition»' «rlaubungen eintreten zu lassen. Die verbündeten Regierungen zu ersuchen, die EinfÄ rung der gesetzlichen zweijährigen Dienstzeit für die tf" truppen in ernstliche Erwägung zu ziehen. Berlin, den 12. Juni 1890. Während die Deutschsreisinnigen und der Vertreter der Partei ihre Zustimmung zu der Vorlage unter der dingung erklärten, daß der Antrag Rickert und die„Kompensaü� der zweijährigen Dienstzeit angenommen werde, gab L i e b k n e? K Namens der Sozialdemokraten die Erklärung ab, daß er ni? seinen Kollegen in der Kommission zwar für den Antrag Riä und, trotz deren bedenklicher Fassung, auch für die WindthMl scheu Resolutionen, jedoch unter allen Umständen gegen die et gierungsvorlagen stimmen werde; und daß die Sozialdemekff/ mit ihrem rein negirenden Standpunkt die Jntereh des Volks am besten vertrete und überzeugt sei, auch die Mas des Volkes hinter sich zu haben. Das Gespenst des Konfliktes, sogar eines S t a a � st r e i ch e s ging in der Kommission um, ohne indcß einen sondeM erschreckenden Eindruck zu machen— lange nicht so erschreckt als der famose Zukunftsplan des Kriegsnzinisters. Herr Windthorst meinte, die Zeit sei jetzt nicht günstig einen Konflikt,— wenn man den Hebel ansetzen wolle, wuß man auch eine„feste Unterlage" haben, was Liebknw zu der Bemerkung veranlaßte, daß die Gegner der VorM die denkbar festeste„Unterlage" für den Hebel der Oppoft hätten, nämlich das deutsche Volk, und daß der Reiches wenn er den Kampf mit dem Militarismus aufnehme, � einem„Appell an das Volk" Alles zu gewinnen habe Die nächste Sitzung, in welcher die endgiltigen Abstimmung stattfinden werden, wurde auf Wunsch des Zentrums, delr bayrische Mitglieder sich noch„mit ihren Wählern zu g ständigen wünschen", bis zum Montag Abend(7 W' vertagt. Wie schon gesagt, an der Annahme der RegierungsvoM ist nicht mehr zu zweifeln. Wenn auch die deutschsreisinN') Partei, nach Richter's Ankündigung, im Fall der Verwerfung� „Kompensationen" geschlossen gegen die Vorlage stinug werde, so) reichen die Stimmen, welche das Zentrum auch g Fall der Verwerfung der Kompensationen u»' Resolutionen für die Vorlage stellen wird, doch aus, � dieselbe durchzudringen. „Aber im Herb st" will das Zentrum den Kampf ag nehmen. Nun— leichter ist der Kampf dann sicherlich ng geivorden, und wer einmal„ausgekniffen" ist, sieht beianntlff mit wachsender Angst der Entscheidung entgegen und sucht l1' möglichst hinauszuschieben. Zum Glück liegt es nicht in der Macht des Herrn Win� Horst, den„K o n f l i k t" weg zu eskamotiren. Einmal m u er ausgefochten werden. Und w i r sagen: I e e her,) besser! Wenn die Grgane de« Freisinn» so thun, als ff die Partei, nachdem die Verkleisterung des Ristes am tag gelungen, nunmehr wieder völlig eins, so ist das eub Sie war mit ihrer Kraft zu Ende. In ihrem Leiden hatte sie sich schon zweimal mit den Stecknadeln in de» Finger gestochen. War er mit im Komplot, hatte er sie ko>N' inen, lassen, um sich für ihren Refus zu rächen, indem er# die anderen Frauen zeigte, die ihn liebten. Dieser Gedam' machte sie erstarren. Niemals bedurfte sie so sehr des Muthe-' wie in diesem Augenblicke, selbst nicht in den fürchtet lichcn Stunden, da ihr das tägliche Brot mangelte. Gff demüthigt zu werden, das war nichts; aber ihn schier den Armen einer Anderen zu sehen, während sie selbst noch anwesend ist!..... Henriette betrachtete sich vor dem Spiegel, dann brach sie von Neuem in harte Worte aus. — Das ist ein Scherz von Ihnen, niein Fräulein, sk steht noch schlechter als früher. Schauen Sie, wie er nw die Brust zusammenpreßt, ich sehe aus, wie eine Amme. Zum Aeußersten getrieben, ließ nun Denise ein unaN' genehmes Wort entschlüpfen. — Madame sind eben etwas stark, wir können v Madame nicht weniger stark machen, als Sie sind. — Stark, stark, wiederholte Henriette erbleichend; stff werden Sie gar unverschämt, Fräulein! Und sie betrachteten einander bleich und bebend. Voü da ab hörte der Unterschied zivischen Dame und Ladeff mädchen aus. Sie waren nur Weiber, einander gleich ihrer Rivalität. Die Eine hatte sich den Mantel heftig votf Leibe gerissen, um ihn auf einen Sessel zu werfen, ivähreno die Andere die Stecknadeln, die ihr noch in der Hand blieben, auf einen Toilettetisch hinwarf. — Was mich wundert, fuhr Henriette fort, das ist daß Herr Monret eine solche Unverschämtheit duldet; ich dachte, mein Herr, daß Sie strenger sind mit Ihr«» Personal. Denise hatte ihre Ruhe und Fassung wiedergesunden! sie erwiderte in sanftem Tone:_ — Wenn Herr Mouret mich im Dienst behält, so w schieht es, weil er mir nichts vorzuwerfen hat. Ich bin bereit, Ihnen meine Entschuldigungen vorzubringen, wen» er es wünscht. (Fortsetzung folgt.) e-»> N Jomifd;. Der persönliche Zwist ist beigelegt, und d tohtk* rDet�en sich in Zukunft nicht mehr direkt öffentlich �chden; was aber für die Slusgleichung der sachlichen gewonnen wäre, ist nicht einzusehen. Herr Wickert Staatsmann und Herr Richter bleibt Lppositions- L Herr Hänel wird auch fortan die Regierung loben hnfln Herr Richter sie angegriffen hat. Unseres Dafür yaltens iväre es für die politisch festen Elemente des Frei bhU entschieden ein Gewinn gewesen, wenn sie die Wer- moimg mit den Staatsmännern, den Strebern, die immer hui mit b(:n Nationalliberalen Liebesblicke tauschen, gelöst Mlen; ihre Aktion wäre dann freier, ungehinderter, sie jetzt gelähmt ist. Doch die Sache geht uns an. Einig sind die Freisinnigen jedenfalls aus wirth iMftlichem Gebiet. Hier stehen beide, politisch verschieden »anzirte Gruppen auf dem Standpunkt des starren Man- �rthums. Eegentlich sprechen sich die Herren Virchow oder pcgmibt ja einmal für etwas Arbeiterschutz aus. Das dient ann ftr eine Zeit lang als vollgiltiger Beweis, daß die Partei arbeiterfrcundlich sei; aber weiter hat es keine Wirkung "ud, weil man dies weiß, stimmt es auch die intimsten frei Imnigen Freunde des Kapitals nicht im mindesten böse. v Ja» Abgeordnetenhaus berieth gestern in dritter Lesung -�".Gesetzentwurf über Rentengüter. Abg. v. Kardorff vermißte kL. Vorlage eine Regelung der hypothekarischen, sowie der J�aiualen Verhältnisse, der Bau-, Schul-, Kirchenlasten und �gleichen und kam schließlich auf sein Lieblingsthema, die Ajiederherstelluug der Silberwährung als des einzige» Heilmittels gegen die Roth der Landwirthschaft, worauf später Abg. v. Eynern ??�erle. Abg. Enneccerus beantragte und befürwortete, die Un- ?,,�barkeit der Rente auf ein Zehntel zu beschränken. Ihm pflichtete Humann(Zentrum) bei. Indessen wurde der Antrag ab- » lehnt und die Vorlage nach den Beschlüssen zweiter Lesung angenommen. Der Gesetzentwurf geht somit noch einmal an das Herrenhaus. Hierauf beschäftigte sich das Haus mit Petitionen m Kreitag Nachmittag soll der Landtag geschlossen werden. i Der Aufforderung, neue Steuerprofekte zu erfinden und erschöpften Produktionskraft der Regierung in dieser Richtung fU Hilfe zu kommen, beeilt sich die„Post" nachzukommen. Sie 9 an®* ihrerseits vor, einen Zuschlag zur Zuckerslcuer von 1 bis ~ ftavt auf den Zentner, eine Verdoppelung der Börsensteuer und »es Lotterie empels. . Au» juristischen Zireisen erhält der Leipziger„Wähler" w>gen de Zuschrlft betreffend Urtheile nach Ablauf des Sozialisten- Metzes.„In Erwiderung Ihrer Notiz vom 5. Juni betreffend ,. e Frage ob wegen einer noch unter der Herrschaft des Sozia- «ffengesetzes begangenen Kontravention nach dem 30. September "»erurtheilung eintreten kann, gestatten Sie mir die folgenden Be- merkungen, mit denen ich mich übrigens auf die Kontroverse bez. jjer Anwendbarkeit des§ 2- des R.-St.-G.-B. beschränken werde. Nur nebenbei sei bemerkt, daß die Ausführungen des Volksblatt- Korrespondenten, soweit sie zwischen Berufung und Revision gegen in erster Instanz bereits vor dem SO. September ergangenes «trafurtheil unterscheiden, juristisch durchaus korrekt sind. Jndeß, um den Fall festzulegen: hier soll es sich nur darum handeln, Oaß nach dem So. September noch auf Grund des Sozialisten- Metzes eine Anklage erhoben wird, was ich persönlich übrigens durchaus nicht glaube. Es mich zunächst zugegeben werden, daß d>e Logik:„Es handelt sich hier nicht um ein milderes, son- dern um ein überhaupt nicht vorhandenes Gesetz" für den Laien eine sehr bestrickende ist. Ja. es ist sogar richtig, daß der Volksblatt- Korrespondent sich juristisch ungenau ausdrückt, wenn er sagt:„Ter§ 2 Abs. 2 findet(d. h. also unmittelbar, direkt) auf diesen Fall Anwendung." Wohl aber gelangen wir — und zwar zweifellos!— zur Anwendung des§ 2 Abs. 2 ans dem Wege der Analogie.(Die Analogie ist dasjenige juristische Verfahren, kraft dessen man in einer rechtlichen Bestimmung(hier der Abs. 2 des§ 2J die Konsequenz eines allgeineinen Prinzips sieht, folgcweise auch das Prinzip shier: in dubiis lenius— in Zweifelhaftem Falle das mildere—] als vom Gesetzgeber sanktio- iiirt betrachtet, die weiteren Konsequenzen aus diesem Prinzip lhier das Aufhören des Gesetzes überhaupt, nicht blos die Milde- Jung] zieht und endlich schließt, daß kein Grund vorhanden sei, die eine Konsequenz anders zu behandeln als die andere.) Durch �tbs. 1 des§ 2 ist nun zwar die Anwendung der Analogie für Oas deutsche Strafrecht ausgeschlossen ivorde», aber, wohlgemerlt, Mir soweit die Strafbarkeit einer Handlung in Betracht kommt. vier aber handelt eS sich um das Gegentheil, nur die per ana- jogiam zu findende Nichtstrafbarkeit einer Handlung. Danach wnnen in den letzten Tagen der Herrschaft des Ausnahmegesetzes begangene Verstöße gegen dasselbe aus keinen Fall zur gerichtlichen •uhndiuig kommen, sofern die Verhandlung nach dem 8u. Sep- «mber pattfindet. Ein Richter, der dennoch eine Verartheilung aussprechen sollte, würde einen so bedenklichen Mangel an straf- Rechtliche», Verstündniß zeigen, daß ich ihn heutzutage, wo doch die Aichterftellen noch nicht ausschließlich in den Händen alter Korps- studenlen sind, gar nicht für möglich halte. Zu Krzug auf den Grhaltouerbest'erttngspla» ist, wie me„Freis. Ztg." annimmt, allgemein im Reichstag unter allen Parteien die Ansicht vorherrschend, daß Gründe der Gerechtigkeit Und der finanziellen Interessen der Steuerzahler es absolut ver- bieten, über denjenigen Rahmen hinauszugehen, welcher bei den �ehaltsverbesserungen in Preußen durch den dort soeben zu «lande gekommenen Nachtragsetat festgelegt ist. Hiernach würde von vornherein die Gehaltsverbesserung wesentlich auf die Unter- beamten zu beschränken sein und für alle höheren Beamten, für be» größten Theil der Subalternbeamten sowie auch ff.r sämmt- "che Offiziere abzulehnen sein. . Der frrilroufmxitiue Abgeordnete Tr. Otto Arendt bekämpft im„Deutsch. Wochenbl." mit Entschiedenheit die Erhöhung der Offiziersgehälter. Diese Forderung fei ein schwer wieder auszugleichender Mißgriff, da er die Be- focgniß erwecke, daß die Militärverivalwng sich nicht auf das Aothwendigste beschränke:„Gerade von diesem Gesichtspunkte aus, so fährt Dr.'Arendt fort, erweist sich dieser Vorschlag als An politischer Fehler. Wenn jetzt der Reichstag mUitärische Forderungen ablehnen würde, und eine Auslösung erfolgt, so fürchten wir, daß gerade umgekehrt wie 1887 eme gewaltige Strömung gegen den Militarismus die Opposition verstärkt zu- vücksührt. Tann aber vergegenwärtige man sich die politische �esaiiinitlage. Die Regierung wird in» Reichstage bestürmt, die Veamtengehälter zu erhöhen. Sie widerstrebt, erklärt sich aber endlich bereit, in Preußen und im Reich gleichmäßig vorzugehen. In Preußen werden 18 Millionen Mark zu diese», Zwecke zur Verfügung gestellt, eine größere Summe ist im Hniblick auf die Anforderungen des Reichs nicht aufzubringen. Diese I« Mil- klonen Mark reichen nur zu einer Aufbeherung der Unter- beamten aus. Die Subalternbeamten können nicht mehr berücksichtigt werden und die oberen Beamten gehen so S»t wie leer aus. In Anbetracht der Finanzlage n.ü.sen im preußischen Landtag alle weitergehenden Wunsche unterdruckt werden, die Beamtenschaft im Laude tröstet sich nut dem Bewußt- fein, daß die Staatsfinanzen weitere Aufwendungen voiMufig S1SÄ5-»«'Äb'Sä 6Äiiii.rj?.£ unterliegt für uns keinem Zweifel, daß die Forderung der Regie rung für die Offiziere im Reichstage mit erdrückender Mehrheit abgelehnt wird. Gerade weil dies vorauszusehen, ist es schwer verständlich, warum die Regierung diese Forderung stellte. Es wird dadurch jede Neubcivilligung für den Offizierstand auch in Zukunft erschwert." Die Dermiitbnng, daß die Absperrung der Grenze gegen die Schweine- Einfuhr einen gewaltigen Schmuggel zur Folge haben werde, weil er sich der Kontrole entzieht, dem heimischen Viehstande gefährlicher ist als die kontrolirte Einfuhr, hat sich vollauf bewahrheitet. Der Regierungspräsident Dr. v. Bitter in Oppeln sieht sich„zur Unterdrückung des Schweineschmuggels" veranlaßt, die für die Ortschaften Kreuzburg, Rosenberg, Lublinitz, Kattowitz und Rattbor bereits früher eingeführte Anlegung von Kontrolregistern, welche die Zahl der vorhandenen Schweine nach c\rr±___ m.rnr jr.j.»' � �"— Angeklagte mitten im Streikrevier wohnend, die Aufregung der Gemüther in damaliger Zeit gekannt habe, und durch die Ver- öffentlichung eines solchen Artikels das Publikum nicht habe noch mehr beunruhigen dürfen. Der Angeklagte bestritt die Berech- tigung der Anklage; der Artikel sei ein wahrheitsgetreues Referat über die Bochunier Delegirtenversammlung und habe nach keiner Seite hin beunruhigend gewirkt. Nach einer Entscheidung des Reichsgerichts sei der sogenannte grobe Unfugsparagraph in Bezug auf die Presse nur dann anwendbar, sosern es sich um er- fundene Nachrichten sensationellen Gepräges handle, die geeignet seien, Tumult und Bestürzung im Publikum hervorzurufen. Er beantrage seine vollständige Freisprechung. Nach etwa einhalb- stündiger Berathung verkündete der Vorsitzende des Gerichtshofes, dem Antrage des Angeklagten entsprechend, die Freisprechung. Die Kosten des Verfahrens seien der Staatskasse auferlegt, auch fc.». m"" Äi_«L----- t. /t«•-ir-— des Ursprungsortes und die Abgänge unter Bezeichnung des Ortes, wohin dieselben erfolgt sind, nebst den Daten der Veränderungen nachweisen müssen— auch auf eine Reihe von Orffchaften in den Kreisen Rybnik und Pleß auszudehnen. Die Verordnung soll mit dem 20. Juni in Kraft treten. Ob sie in demselben Maße wirk- sam sein wird, als sie lästig ist, muß nach den bisherigen Er sahrungen bezweifelt werden. 81 000 Der, tum trete, 1100 Tobte, 500 Krüppel. Wo fand diese Schlacht statt? Wir leben ja, geschützt von seien die aufgestellten'Grundsätze des Oberlandesgerichts maß- gebend gewesen. Der Gerichtshof habe nicht die Ueberzeugung zewinnen können, daß die in dem Arttkel gemachten Angaben rivol erfunden oder unrichtig seien, und subjekttv der Angeklagte ich der Univahrheit der gemachten Mittheilungen bewußt gewesen. — Damit ist die Sache abgethan. GroßbrHfttttrie«. ..,....— London, 10. Juni. Inder gestrigen Sitzung des Unter- Millionen Soldaten, im tiefsten Frieden! Das schweizerische Hauses informirte der Sprecher den Abgeordneten John Morley, statistische Bureau ist es, welches diese aufreizende Nachricht ver- daß sein den Weg zur Einzelberathung der irischen Güter- breitet, denn es schreibt, daß vom 1. April 1888 bis 31. März 13LS ankaufsvorlage versperrendes Amendement unregelmäßig im Ganzen 21 121 Unfälle amtlich zur Anzeige gelangt sind, sei, weil es den Ausschuß des Hauses ermächtige, eine Frage zu welche Personen im Alter von inehr als 14 Jahren betrafen und erörtern, ivelche im Laufe der Einzelberathung erörtert werden den Tod oder eine Erwerbsunfähigkeit von mehr als sechs Tagen könnte. Das Amendement wäre demnach überflüssig.(Morley's herbeiführten. Von diesen 21 121 Unfällen sind 1089 solche mit Antrag ging nämlich dahin, der Ausschuß deS Hauses möge Für- tödtlichem Ausgange; 511 Unfälle hatten bleibende Erwerbsun- sorge treffen für die Bildung gewählter Behörden in jeder Graf- fähigkeit und 19 521 blos vorübergehende Erwerbsunfähigkeit zur schaft Irlands, denen in allen Transaktionen, betreffend die Folge. Die Zahl der zur Kenntmß des Bureau's gelangten Un---------- r>— v*-"*—"" fälle ist ohne Zweifel beträchtlich hinter der Zahl der wirklich vor- gekommenen zurückgeblieben. Das sind die Todten und Ver- wundeten auf dem Schlachtfelde der Industrie! Ein Manstrrprozeff ist in Sicht. Seitens des Ersten Staatsanwalts in Altona»st gegen Paul Weinheber, Buchdrucker Bernhard Berard zu Hamburg und 49 Genossen, theilweise in Hamburg, theilweise in Altona und anderen schleswig-holsteini- schen Orten wohnhaft, Anklage erhoben worden. Dieselbe bezieht |,ch auf ein am 9. Februar d. I. verbreitetes Wahlflugblatt und grüiidet sich auf§J 181, 41, 47 und 73 des Strafgesetzbuches, g§ 20 und 21 des Preßgesetzes und§ 28 und den Schlußsatz des Sozialistengesetzes. Der Cffirurgie-Zlrofeffor Dr. Krün» in Tübiuge« etzt zum Tröste aller derjenigen, welche die Aussicht haben, im nächsten Kriege todt oder zu Krüppeln geschossen zu werden, in einer soeben erschienenen Schrift über die„Geschoßwirkung der neuen Kleinkalibergewehre" auseinander, daß die Einführung dieser Gewehre recht hübsch zu den„Humanitären Bestrebungen" der Gegenwart passe und gelangt am Schlüsse zu folgender Pro- phezeihuna:„Die künftigen Kriege werden vielleicht(!) in der- selben Zeit zahlreichere, aber jedenfalls viel häufiger reine glatte Schußwunden bringen mit geringerer Weite des�Schußkanals; _____________________ tzie llebertragung von Land in Gemäßheit der Güterankaufsvorlage ein Veto zustehen solle.) Dem Eintritt in die Einzelberathung der irischen Güterankaufsvorlage stehen nunmehr leine Hinder- nifse entgegen, aber die Regierung will, wie der erste Lord des Schatzamtes. Smith, erklärte, erst die Einzelberathung der Schank- steuervorlaae erledigen. Demnächst beantragte Dillon die Berta- guiig des Hauses, um, wie er sagte, gegen das gewaltsame und verfassungswidrige Verhalten der Polizei anläßlich der Unter- drückung der jüngst dem Verbot der Behörden zum Trotz abgehaltenen Bolksversammlungen in Tipperary und Eashel zu protestiren. Der Antragsteller schilderte die Vor- gäiige bei diesen Versammlungen, wobei er bemerkte, daß die unter die Polizei geworfenen„Bomben", von denen die„Times" in ihrem Berichte sprach, weiter nichts als kleine, unschuldige Raketen waren, die von einigen muthwillia.m Buben aus die Polizei geschleudert wurden und nicht den »iindesten Schaden anrichteten. Der Obersekretär für Irland, Balfour, vertheidigte das Verhalten der Polizei in einer von Dillon und anderen irischen Abgeordneten häufig unterbrochenen Rede. Die Poliiei hätte von ihren Knütteln erst Gebrauch ge- macht, nachdem sie vom Volke gereizt und angegriffen worden. Die Arischen Abgeordneten, und nicht die Behörden, wären für ._., r.~.. die Ruhestörungen, welche sich bei der Gelegenheit ereigneten, ver- der Heilungsverlauf w,rd sich gunstiger gestalten, Verstümmelung anttvortlich. Gladstone verlangte eine parlamentarische Unter- und Verkruppelung w,rd häufiger vermieden werden. Das neue| suchung der—-•--—-' Kleinkalibergewehr ist nicht blos die beste, sondern auch die humanste Waffe, um die Schrecken deö Krieges zu mildern."— Na, das muß ja ein wahrer Genuß sein, meint das„Vaterland", von einem so kleinen, netten Kügelchen ein„reines" und„glattes" Loch in den Leib zu kriegen! Drber die Eesundheitsuerhnltniff'e aus Kaiser-Wilhelms land veröffentlicht das neueste Heft der„Nachrichten über Kaiser- Wilhelmsland und den Bismarck-Archipel" interessante Zusammen� stellungen. Am umfangreichsten sind die Nachrichten über den Gesundheitszustand der Beamten und Arbeiter in der Hauptstation Finschhasen für das Jahr 1889. Im Durchschnitt waren 64 Angestellte der Koiupaguie in Finschhasen anwesend. Vom 1. Januar ins 81. März 1880 befiel das Malaria- oder Klimafieber 98 weiße Patienten und erforderte 569 Behandlungstage. Auf den Monat kamen im Durchschnitt 81 Malaria-Patienten mit 189 Krankentagen. Ziveimal innerhalb eines Monats erkrankten im Laufe der Berichtzeit 27 Personen, dreimal 7 Personen. Der Prozentsatz der Malaria- Kraukentage unter den Angestellten der Kompagnie schwankte im Laufe der 3 Monate zwischen 5,6 Prozent(Anfang Januar) und 16,7(Mitte Januar); der Durchschnitt beträgt 11,6 Prozent. In dem halben Jahre vom l. April bis 30 Sep- tember wurden 117 Weiße mit 444 Tagen am Klimafieber behandelt. Bedeutendes Anwachsen der Fieberkurve fällt auf gegen Ende Mai, Ende Juli, Ende August und Ende September; demnach tritt mit einer gewissen Regelmäßigkeit ein Steigen des Fiebers an» Ende des Monats ein. Nur der Monat Juni macht eine Ausnahme; hierbleibt die Höhe gegen Ende des Monats ziemlich gleich. In diese> W> W>..................„„pV. Zeit fällt eine Tysenterie-Periode; an 7 Tagen kamen in der- Stande sein werden, Güter in neusundländischen Häfen zu landen, selben verdäcbtige Diarrhöen zur Behandlung, an 3 Tagen traten weil die Bevölkerung dieser Provinzen sich weigert, Zölle zu zahlen, Dysenteriefälle ans. Im Monat Juni tritt demnach die Dysenterie infolge der Weigerung Großbritanniens, französische Fischer aus vicariirend für Malaria ein. Die Steigerung des Fiebers am neusundländischen Gewässern auszuschließen. Der Handel ist Ende jeden Monats fällt mit der Zeit des Neumonds zusammen, mithin gelähmt und Schisse kehren nach Kanada zurück, da sie 'Auffallend ist ferner, daß die Gipfel der Fieberperioden mit stär- ihre Ladung nicht zu löschen vermochten. keren Regenperioden zusammenfallen; so Ende Mai, Ende Juli, Ende August. In dein Vierteljahr vom 1. Oktober bis 81. Dezember 1889 kamen von weißen Angestellten der Kompagnie im Durchschnitt auf den Monat 17 Fieberkranke mit 86 Kranken» tagen. Der Prozentsatz der Erkrankungen schwankt zwischen 12,4 und 2,5 pCt. und beträgt durchschnittlich 6,5 pCt. Während des übrigen Jahres schwankten die Zahlen zwischen 4,0 pCt.(Ansang September) und 23 pCt.(Anfang'April). In einem Fall war die Häufigkeit der Malaria-Erkrankungen, die an sich keine 'chiveren Symptome zeigten, derart, daß eine Versetzung angezeigt chien. Zu erwähnen ist noch, daß die erste Erkrankung der Neunngekonimenen sich häufig durch einen ziemlich schweren, ungewöhnlich lang anhaltenden Anfall und langsame Erholung gegenüber späteren Erkrankungen ailszeiebnet. suchung der von Dillon erhobenen ernsten Anklagen, Nachdem sich noch William O'Brien(in einer sehr heftigen Rede), der Generalaiiwalt fitr Irland und Parneli an der ziemlich langen und erregten Debatte betheiligt, wurde schließlich Dillons Antrag auf Vertagung des HauseS mit 281 gegen 220 Stimmen verworfen. Hierauf trat das Haus in die Einzelberathung der irischen Guterankaufsvorlage, die indeß unverzüglich bis nächsten Montag vertagt wurde. Z-lgie«. In Belgien ist es bei beiden herrschenden Parteien Brauch, alle frei werdenden richterlichen Stellen unter ausschließ- sicher Berücksichtigung der politischen Gesinnung der Berechttgten zu besetzen. Eine liberale Regierung ernennt liberale, eine katho- tische Regierung klerikale Richter. So ergiebt heute eine Statistik die erbauliche Thaffache, daß das jetzige Ministerium Beernaert in den beiden„frommen" flandrischen Provinzen seit 1885 die 225 freigewordenen Richterstellen an 201 Klerikale und 24 Liberal« verliehen hat und daß in allen flandrischen Gerichtshösen die Klerikalen die Mehrheit bilden. Das wird natürlich seitens der Liberalen, sobald sie zur Macht kommen, gründlichst umgestaltet werden. Und da wundert man sich noch, daß die Achtung vo» der Unparteilichkeit der Justiz im Lande Schiffbruch leidet I Amerika. In Neufundland scheinen sich die Zustände ernster zu gestalten. Allen zwischen kanadischen Häsen und Neufundland verkehrenden Dampfern wurde bekannt gegeben, daß sie außer Arlreitsvlronrsgttng. Anch die Gemrinde Gffstei« bei Morm« hat ihren Kinderstreik gehabt. In Rheinhessen wird ebenso wie in der Magdeburger Börde die Zuckerrübe kultivirt. Zum Pflanzen der Rübe verwendet man»» der Regel Schulkinder von 11 bis 14 Jahren. Der Arbeitslohn der Kinder wurde seither mit 60 Pfennigen per Tag berechnet, wozu noch ein Frühstück um 10 Uhr Vornitttags und ein Vesperbrot um 4 Uhr Nachmittags verabreicht wurden. Den Kleinen erschien der Lohn zu niedrig, weshalb sie die Arbeit einstellten. Der Dringlichkeit wegen sahen Arnsberg. 7. Juni. Vor der hiesigen Strafkammer wurde sich die Grundbesitzer gezivungen, den Lohn an diese zu bewilligen, beute verhandelt gegen den Redakteur der Tremonia, Herrn H. worauf die Arbeit wieoer au, genommen wurde. "lnnavedder. wegen" eines Artikels der Nr. 119 der Tremonia Auf der Prafektur in Cti-une fand in Gegenwart des vom vorigen Jahre, welcher unter der Ueberschrfft„Krieg bis Präfelien eine Znsainmentunst zwischen den Dir�toren der Kohlen. «itf's Messer" die bekannte Rede des Streikführers Weber-Bochum gruben und Delegirten der Arbeiter statt. D»e Ausständigen in abfälliaer Weise behandelte. Dieser Arttkel war, wie wir der faßten ihre Wünsche in folgende 7 Punkte zusammen: 1. Acht- Tremonia entnehmen, seiner Zeit mit vier anderen Artikeln der stundentag; 2. Lohn von 6 bis 8 Franks täglich; 3. Verwaltung Tremonia aus der Zeit des vorjährigen Bergarbeiterstreiks unter einer Hilsskasse durch ein Komitee, dessen Glieder ,u-me. Anklage gestellt auf Grund des§860 Nr. 11 des St.-G.-B.(grober Dritteln von den Arbeitern Komitee, dessen gewählt werden; �ffizierstandes selbst nicht gefördert, sondern geschädigt. Es wegen der 2 vom Schöffengericht sprechung aus, erkannte aber wegen des in erster Instanz frei ausgegangenen Artikels„Krieg bis aufö Messer" auf 160 M. Geldstrafe. Das Oberlandesgericht in Hamm erachtete dieses Urtheil als subjekttv und objektiv unbegründet und verwies die Sache nach Arnsberg, wo sie denn heute endlich ihre Erledigung fand und zwar mit der vollständigen Freisprechung mich des letzten der sogenannten Streikartikel. Die Akten dieser Prozesie sind überaus lehrreich. Welche Summe von Belästtguiigen für den Angeklagten und die Gerichte, welche Kosten haben sie ver- »rsacht, und nun dieses Ende! Von der Berufungskammer in Dortmund wurde in dem Arttkel„Krieg bis aufs Messer" Haupt- sächlich darin der Thatbestand des groben Unfugs erblickt, daß die aufregende Ueberschrift in fetter Schrift gesetzt war, daß der erste Theil des Artikels das Publikum angeblich aiifregte, während der zweite Theil, welcher die Rede Weber's als unmoralisch be- handelte, von dem flüchtigen Leser nicht genügend beachtet werde. In der heutigen Verhandlung erklärte der Staatsanwalt, er wolle nach der Sachlage dem Gerichtshof die Enifcheiduiig auheim- Glieder zu zwei 4. tägliche Geld- 5. kostenfreie Be- w„.------ fß— o.—-—(.-.»"•• f... j.v.v. f. keine Entlaffnng im Berufuiigskammer sprach Fall voi» Arbeitseinstellung. Die Direktoren erwiderten hierauf, verurtheilten Artikel die Frei- 1 daß sie es vorzögen, lieber auf den Betrieb zu verzichten, als der- artige Bedingungen anzunehmen. __________~ v.. w». ♦»vwivvvu yciuuyii nierven z freu Rvfrnfrkion» Sei Anfragen bitten wir die AbonncmentZ-Quittung beizufügen. Briefliche ..„. Aniwort wird nicht erlhetli. Andt, Ackerstr. 1000 Millionen. Hert Rechtsanwalt Stadthagen wohnt Landsberger- jlt&pG beS. lieber, Fifcherffof. 1874 1 Million, jetzt IVa Millionen. iV Zur mündlichen Auskunft sind wir bereit. 1«: K-. l. In. 2. Ja. Salm. Meißeufee. Das XV. K. C. Iserlohn. _______..... Ihre Karte ist unserem Rechtsanwalt __________________ vu» WW.U1U.VÜI üic csi»c,cyeiouiia cmyeim- 1 übergeben worden, der sich, wenn er sich der Sache annehmen geben, eventuell beantrage er eine Geldstrafe von 60 M.. da der 1 will, mit Ihnen in Verbindung setzen wird. Theater. Freitag, den 13. Juni. Gpernhan». Orpheus und Eurydike. Kchauspirlhaus. Die Quitzow's. Lrssing- Theater. Der Fall Cle- mencemi. Friedrich MilhelmKädt. Theater. Der arme Jonathan. MaUner- Theater. Mamsell Ni- touche. NiKtoria-Theater. Stanley in Afrika. berliner Theater. Doktor Wespe. Dentsche« Theater. Der Pfarrer von Kirchfeld. Gstend-Theater. Marie, die Tochter des Regiments. Keileallianec- Theater. Der Nau- tilus. KroU's Theater. Das Nachtlager von Granada. Kanfmann'o Uariötö. Große Epe- zialitäten-Vorstellung. Englischer Garten. Direktion: C. Andrcss, Alexanderstraße 27 c. Auftreten d. Liedersängerin Frl. Steinow. Austreten des Gesangshumoristen Herrn . Jonas. Auftreten des Komikers, Mimikers und Stimmen-Jmitators Herrn Gödickc. Auftreten der Geschnnster Herzog. Austreten des musikalischen Klown Mr. de Volts. Neger- Mliffetlteiit Buggenliagen am Moritzplatz. Täglich: Grosses Gai>ten>Conoept. Direktion A. Nödmanir. Dienstag und Freitag: Walzer-Abend. F.ütrPP Wochentags 10 Pfg., UUll Lu gönn- und Festtags 25 Pfg. Bei ungünstiger Witterung in den unteren Ztestaurationsräumen. 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In der Zigarren- Handlung gegenüber der„Ueuen Melt" sind ebenfalls Billets zu haben.[1800] Das Komitee. 725 Fachverein der Tischler. Heute, Freitag, den 13. Juni, Abends 8% Uhr, in Jordan's Salon, Neue Grünstr. 28: ¥oB*sta&idls-Siizuii£|a UM" Montag, den 16. Juni, t« der Uenen Melt, Hasenhaide 36c: X. Stiftyngsfest, Konzert, Ball, Austreten des gesammten Knnstlerpersonals. Abends grosses Feuerwerk. Das Konzert beginnt um 3 Uhr Nachmittags. Die Kafreeküchc ist uon 4 Uhr ab geöffnet. Billets hierzu sind auf den Zahlstellen des Vereins, sowie bei folgenden erren zu haben: Fest, Stallschreiberstr. 43a; Millarg, Lehrterstr. 22 II; Apelt, ebastianstr. 27/28; Lende, Wienerstr. 37 II; Schmidt, Fürbringerstr. 25, Hof I, bei Wiedeholz; Schade, Rüdersdorferstr. 64; Glocke, Lausitzerstr. 52 III; Wiedemanu, Wendenstr. 2, IV; Dahlgrün, Adalbertstr. 96, Quergeb. IV, bei Bomba; Haberland, Reichenbergerstr. 161 II; Mieke, Adalbertstr. 9 IV; Monien, Kreuzbergstr. 9, Quergeb. III. Die Zahlstellen befinden sich in folgenden Lokalen: 1. Friedrichs- bergerstr. 25 bei Schmidt, 2. SkaUtzerstr. 107 bei Knnstmann, 3. BeUoalliance- platz 6 bei Hilscher, 4. Zionskirchplatz 11 bei Hohn, 5. Schleiermacher- n. Gneisenaustr.-Ecke bei Scheuer, 6. Bülowstr. 52 bei Böbland, 7. Dresdener- Strasse 116, 8. Lübecker- und Thnrmsir.-Ecke bei Jahnke, 9. Langestr. 70 bei Heindorf, 10. Rixdorf, Bergstr. 7 bei Duschek, 11. Fennstrasse 4a bei Krüger, 12. Görlitzer- u. Sorauerslr.-Ecko, 13. Weissensee, Völker- u. Charlottenstr.- Ecke bei Klebs, 14. Belforterstrasse und Ecke Prenzlauer Allee, 15. Gesundbrunnen, Grünthalerstrasse 66 bei Preuss. Der porstand. Wepsammioang des Vereins zur Wahrung der Interessen der Klavier- Arbeiter und verwandten Berufsgenossen am Konnabend, den 14. Inni 1890, Abends SVa Uhr, in Drigmnller's Salon, Alte Iakobstr. 48a. Tagesordnung: I. Vortrag des Hrn. Paul Litfin über:„Kapitalistenringe und Arbeiter- 'ganisationen'. 2. Werkstatt-Angelegenheiten. Hierzu sind die Kollegen von als 4 Co. cinaelade». 3. Vcreinsangelegenheiten. Abä -»W— Nachweises. 4. Verschiedenes. Die säumigen Kollegen�wcrden auf§6 al. 1 auf- nksam ge merksam gemacht. [1851] Abänderung des Arbeits- werden auf§6 al' Der Vinberufer. Fachverein der Metallardeiter in Gas-, Wasser- und Dampf-Armaturen. Sonnabend, den 14. Juni 1890, Abends SVe Uhr, im Lokale des Herrn Zemter, MUnzstr. II: Mitglieder-Nerjammlnng Tages-Ordnung: 1. Bericht der Delegirten über den Metallarbeiter-Kongreß zu Weimar. 2. Diskussion. 3. Die Aussperrung der Schlosser und Maschinenbauer Hamburgs. 4. Ausgabe der Billets zu dem am 19. Juli er. in Kauimann's Variöte stattfindenden VII. Stiftungsfestes. 5. Verschiedenes.[1850 NB. Zu dieser Versammlung sind sämmtliche Kollegen unserer Branche >en. Gä' eingeladen. Gäste willkommen. Der Vorstand. , Weissensee. St. MI* St.WiBj.TÄTÄl'" Zumwohlth. Zweck. 1 n f? ii am Freitag, den 13. Inn», Abends 8Vs Uhr, in Uinndt's Salon» Köpnickerstraße 100. Tages-Ordnung: 1. Der Streik der Hamburger Bauhandwerker u. die Koalition der um"' nehmer. Referent: Reichstagsabgeordneter Forster. � Zur Deckung der Unkosten findet Tellersammlung statt.— Um zahlreiche Erscheinen wird gebeten.„„.. Der Ginbernfer: B. Ortland, Steglcherstr. 58._ Freie VerckigUg l Maurer . Berlins uneS Umgegend. Sonntag, den 15. Juni, Vormittags 10 /« Uhr] 2 Hea*ssimsviiastrageBis Die 1. bei Rennefarth, Dennewitzstr. 13; die 2. bei Jlges, Wilsnackerstraße 63. Die Tagesordnung»vird in den Versammlungen bekannt gemacht. Den Moabiter Kollegen zur Mittheilung, daß daS„Verl. Volksbl." bei Herrn Jlges ausliegt.— Mitglieder werden in diesen Versammlungen auf- genommen.[1861] Drr Vorstand Reste v.3V2—5Meterspottbillig. |EmU Lefövre, Granienstr. 158. j Proben franko I [1606g ao|t«ta(V»ÄSde; am hiesigen Platze bekanntlich Grössle Auswahl. Garantirt sicher brennende M/ST" Tabake. Streng reelle Bedienung, billigste Preise! Sämmtliche im Handel befindlichen Rohtabake sind am 1653 Lager. A. Qoldschmidt, Spandauerbr. 6, am Hacke'schen Markt. Empfehle mein Bierlokal sowie Arbeiter- Lesezimmer; sämmtliche Ge- werkschasts-Organe liegen aus. Emil Böhl, 854 Frankfurter Allee 74. Freie Vereinigung d. Kauarlleiter Berlins. Mitglieder-Versammlmg am Sonntag, den 15. Inn» rr., Vormittags 11 Uhr» in ,, Schtffcv'« Salon", Infilstrajzr Ur. 10. Tagesordnung: 1. Wahl des gesammten Vorstandes und der Fachkommission. 2. Vereinsangelcgcnhciten. Neue Mitglieder werden ausgenommen.[1849 Der Wichtigkeit der Tagesordnung»vegen ist das Erscheinen sämmtlicher Mitglieder nothwendig. Der Vorstand. Fchverein her Mttmor- v. tzriUlitürlieiter Verl. n. UNgegetli!. Sonntag, den 15. Juni, Uornt. lOVa Uhr, in DsiymUllbr's Salon, Alte Jakobsirasse 48 ai DW" MitgUeder-Uersamtttlmrg. Tages-Ordnung: 1. Abrechnung vom Stiftungsfest. 2. Vorstandswahl. 3. Verschiedenes. Um recht zahlreiches und pünktliches Erscheinen ersucht 1847]"" Der Vorstand. Hfy»-,-- r- empfiehlt Vereinsstempel, Quittungsstempel m UläM(E aSBHiKaaBHBjj Medaillonstempel mit Lassalle, Bebel, Lieb- 9. Krunnenstrasic 0, knecht u. a. in. zu crmäß. Preis. Monogramm- Schablonen, Thürschilder, Gravirnng von Inschriften. Entwürfe gratis sofort -V Complet in 15 Lieferungen a 20 Ff. Uk iedernrrkäufern Rabatt. Ai sMD Das 1. Heft der zweiten Auflage ist soeben erschienen und durch unsere Expedition, Beuthstr. 3, zu beziehen. BigBmasaeema Ächtung Allen Freunden und Gei Nachricht, daß das Kränzchen des„Rauchklub Angra Pequena" am Sonnabend, den 14. Juni 1890, im Salon des Herrn Fenoke, Lands- bergsrstraße 37, Abends 8 Uhr, stattfindet. 1810 Alle Freunde und Gönner sind hierzu freundlichst eingeladen. Der Vorstand. TischBer-Verein. Sonnabend, 14. Juni, Abends 9 Uhr, Kottbnferstrahe 4a: Ausserordentliche Generalvers ammlung. Tagesordnung: „Nähere Beschließung über die am 20. Juli nach Hankel's Ablage statt- findende Bahnpartie." Nur Mitglieder haben Zutritt.— Das Quittungsbuch legitiinirt. 1846 Der Vorstand. Allgemeiner Deutscher Sattlerverein. (Mitgliedschaft Kerlin). Sonnabend, den 14. d., Abds. 9l/2 Uhr, in Eeyer'a Salon, Alte Jakobstraße 83: Versammlung. Tagesordnung: I. Besprechung über die am 22. Juni stattsindende Landpartie nach Wannsee (Cafe Alfen). Ausgabe der Programme. 2. Verschiedenes und Fragekasten. 1855] Der Vorstand. _____ KgSSBESffiaBßaHBgSSK Große bssentl. Versammlung der äiWWckf Kerlins am Sonnabend, 14. Juni, Abds. 6 Uhr, bei Feind, Ulrinstraße 11. 1848 Das Sfreik-Comitö. Freunden u. Genossen empfehle nicin Karckosfel- und Heringo-Veschnft Otto Bock, Ralhenowerstr. 44. Unserm lieben Vater und Schwieger» vater, dem Arbeiter Herrn E h r. H», ck e r t, zn seinem diesjährigen Wiegenfeste ein dreimal donnerndes Lebehoch, da» mit das ganze Winzer'sche Haus wackelt. Na, Väterchen, sei man gemüthlich und laß' man wat los. 1853 Statt besonderer Meldung zur Nach» richt, daß mein Sohn, der Metallschleiset Hugo Hildebrandt, der so plötzlich gervaltsam aus dem Lebe? abgerufen wrirde, heute Freitag, Nach- mittag um 4 Uhr, von der Leichenhalle der St. Andreasgemeinde in Wilhelms» berg, zur letzten Ruhe bestattet wird. 1844 Zerlin, den 18. Juni 1890. Ad. Hildebrandt. Ich habe mich hier als praktischer Arzt und Frauenarzt niedergelassen und wohne Kni'fnrftenstrnße 1, Ecke der Dennewitzstraße. Dr. med. Albert Lewy. Sprechstunden: Vorm. 8 bis 10 Uhr, Nachm. 4 bis 5 Uhr.— Unentgeltliche Sprechstunde für arme kranke Frauen ~'—6 IT---- Nachm. 5—6 Uhr. 1846. enossen 1862 Allen Freunden und empfehle mein ; n. Bamsch-Vier-LM. Gustav Kunze, 19 Kürassierstrasse 19. und Genossen em- 1829 Allen Freunden psehle ich mein Weiss- und Bairiscli-Bier-Lokal. Hermann Klitzke, Meinmristrrstr. 6- Aufruf an Sänger! 1854 Ein alter kleinerer Gesang-Verein (tüch. Dirig.) sucht behuss Vergrößerung noch Btitglieder. Tenöre erwünscht. Adressen unter A. B. 100 Postamt 16. El Achtung für Töpfer! 53 Ein hiesiger Töpfermeister will sein Geschäft, niit bedeutender Kundschaft, billig abtreten wegen Zurruhesetzung. Erkundigung bei Gustav Kanow, Stallschreiberstr. 10. 1857 Cignrrrn und Taboste von 1709 August Hiiitzc, Panksiraßc 14 a. Rippentabak Pfd. 30 Pf. Soeben erschien: Berliner Arbeiter-Bibliothek. Herausgegeben von Max Schipp el. S-ric II. Arft 3: Zur Naturgeschichte der antiselllitislheil Beroepg in Deutschland. Von Gerhard Krause. Preis broschirt 15 Pf. Wiederverkäufer erhalten Rabatt. Zu beziehen durch unsere Ex- pedition, Beuthstraße 3. Spiegel • Polstcrwaareu-Jj Gr. Lager, bill. Preise, j Emil Heyu, Brunnenstraße 28, Hof parterre. Theilzahlung nach Uebereinkunst. eigener Fabrik. ftiiöetiMp.�rÄ' Verantwortlicher Redakteur: Cu»rt jöaalrc in Berlin. Druck und Verlag von»Kur Sabina in Berlin SVV„ Beuthstraße 2. Freudl. Schlafstelle für einen Herrn ist sofort zu vermiethen(monatl. 7 M.) bei Herm. Krieg, Weißenburgerstr. 30, am Wörtherplatz. 1852 Tüchtige Gesellen auf bessere Kasten- arbeit verl. Ruppinerstr. 3a. 1859 Hier»«» zwei Krilagen. 1. Vellage zum Nr. 134. Freitag, de» 13. I«»i 1890. ?. Jahrg. VsrlÄinonksbeviitzke. Deutscher Deichotag. 15. S i tz u n g vom 12. Juni, IVs U h r. schau 063 �'"desraths: v. Boet ticher, v. Mar- . Die Berathuug über den vom Abg. Brömel eingebrachten Metzentivurf, betr. die schliebliche Entscheidung von Rechts- « g e n in Z o l l s a ch e n auf dem Rechtswege oder im ver- °ammgsgerichllichen Verfahren wird fortgesetzt. _ Abg. Gotdschmidt: Ich kann Ihnen auch nur die An- «ahme des'Antrages Brömel empfehlen. Bereits in früheren fahren ist über die ungerechtfertigte Verzollung der Fapboden- Mle Klage geführt worden und trotz der freundlichen Antwort Schatzsekretärs ist bis jetzt von Seiten der verbündeten Re- «imingen keine Entscheidung getroffen. Die betr. Petitionen aus Aschdcutschland und Berlin sind auf einstimmigen Beschluß des Muses den Regierungen zur Berücksichtigung überwiesen worden. Ma Petenten wünschten nur, daß die Faßbodenzölle gleich be- handelt werden sollten mit den Faßdauben nach den Absichten des Gesetzes. Vor IVe Jahren hat das Haus einen Beschluß und noch heute ist keine Entscheidung getroffen # mich annehmen, daß der Bundesrath so außerordentlich viel T den großen politischen Aufgaben zu thun hat, daß es ihm unmöglich ist, sich init diesen Dingen zu befassen.(Der Präsident M et den Redner auf einzelne Fälle nicht einzugehen, um die Mbatte nicht zu verlängern.) Diese Fälle und ein anderer Fall, °er mir heute n>itgetheilt worden ist, zeigen eben, daß eine schnei- >°re Erledigung der Zollstreitsachcn, als dies jetzt geschieht, er- wünscht ist. Zu den Schäden, ivelche der Importeur erleidet, «ommt noch hinzu, daß es eine Ewigkeit dauert, ehe seine Be- Wwerde zur Erledigung kommt. Bevor die Sache auf dem Witionsiuege durch den Reichstag erledigt wird, dauert es auch Mindestens iVe Jahre. Wir haben deshalb allen Grund, den Aundesrath zu bitten, diese Entscheidungen über Zivistigkeiten in Ävllangelegenheiten anderen Behörden zu übertragen. . Abg. Kammacher: Auch nach der Uebcrzeugung meiner »reunde liegt ein dringendes Bedürfniß vor, den Antrag «roemcl anzunehmen. Die nationalliberale Partei hat früher weitergehenden Anträgen, als der vorliegende ist, ihre Zu- mmmung gegeben. Auch die Erfahrungen der letzten Jahre Unterstützen den vorliegenden Antrag durchaus.(Sehr richtig! Mks.) Wir müssen hier darüber Beschwerde führen, daß viele fast zum Himmel schreiende Beschwerden über die Art der Zoll- Erhebung, die hier als berechtigt anerkannt ivorde» sind, bis jetzt Uoch zu keinem Resultat geführt haben.(Sehr wahr! links.) r - Abg. iimtete»(Z.): Ich kann mich diesen Ausführungen Uur aus vollem Herzen anschließen. Gerade in Bezug aus Rechts- fragen hat sich die jetzige Art der Erledigung von Streitsachen als vollständig unzweckmäßig erwiesen. Mir ist aus eigener Praxis ein Fall bekannt, in dem der Vater statt des Sohnes, der Mc Firma führte, für den Zoll in Anspruch genommen wurde. Abg. Schumacher(Soz.) unterstützt den Antrag durch eine Erfahrung, die er als Lederhändler in Solingen gemacht hat. Wallroßleder, das zur Politur von Messerwaaren gebraucht wird, Muß aus England importirt werden, weil das in Deutschland gegerbte nicht zu brauchen ist, und zahlt einen Zoll von 18 M. pro 100 Kilogramm. Plötzlich wurden 36 M., der Zoll für Sohlleder aufgelegt, und auf eine Beschwerde hat die Zollbehörde iit Barmen geantwortet, sie sei von Köln aus angeiviesen wor- b°n, den doppelten Zoll, wie für Sohlleder, zu erheoen, weil an- genommen wurde, daß aus dein Wallroßleder minderwerthiges Sohlleder hergestellt werde. Obivohl die Unmöglichkeit dieser Wrmendung aus dem Umstände nachgeiviesen wurde, daß das Malische Wallroßleder 100, 125, ja 150 pCt. theuerer ist als das dche Sohlleder, hatte es doch bei dem höheren Zollsatz sein Be- wenden. In seinem Schlußwort kommt der Abg. Krormcl ailf den gestrigen Einwand deS Abg. Kurtz gegen den Antrag zurück, daß �erwaltungsgenchte nicht in allen deutschen Staaten bestehen. Es ist mir das, sagt der Redner, sehr wohl bekannt, aber mein Antrag läßt sowohl den Weg der ordentlichen Gerichte wie den des Berivaltungs- Gerichtsverfahrens offen, und ich habe hervorgehoben, daß im allgemeinen der erstere Weg im Anschluß an den Vorgang bei dem Reichs- Stempelficuer- Gesetz vorzuziehen ist. Wie dringlich diese Sache ist, ergicbt sich schon daraus, daß die Dortmunder„Union" schon seit Jahren wiederholt sich bei uns darüber beschwert hat, daß entgegen der Garantie des Gesetzes der Import von Roheisen aus dem Aus- lande verzollt worden ist und daß trotz unserer Empfehlung der Wunsch des Petenten bis jetzt unberücksichtigt geblieben ist. Es ist mir ganz unbegreiflich, und es eutsprichl durchaus nicht ver Würde des Hauses, daß eine hier trotz der verschiedenen Zu- samiuensctzung des Reichstages beinahe einstimmig als berechtigt anerkannte Beschwerde niemals Abstellung gesunden hat. Ich gehe noch weiter als der Abg. Hammacher, iaz finde e-> im hoch- sten Grade bedauerlich, wenn bei Debatten über einen solchen Antrag, in welchem die Mehrheit des Hauses niit vollem Aach- druck einen Wunsch ausgesprochen hat, von Seiten der ver- bihideteu Regierungen nicht die geringste Theilnahme gezeigt wird.(Zustimmung links.) Es wird dem Hause nichts anderes übrig bleiben, als wenigstens seine Pflicht zu thun da- durch, daß mein Antrag mit großer Mehrheit angenommen wird.(Beifall links.)_..... Ter Antrag Broemel wird gegen die Stimmen der Zeutsch- Konservativen und der Reichspartei angenommen.. Hierauf wird die ziveite Berathung des Gesetzentwurf.v be- treffend die Feststellung eines Siachtrages zum Reichshaushaltsetat %%%% m.- aus dein ersichtlich wäre, ob und wie wert die m Asrlka bestehen ÄchM��mwpmckt W ßüiste" wEsür dkm,- m bitten, daß man seitens der Regierung den Missionären inehr ent- gegenkommt. Wenn man ihnen auch keine Hindernisse in den Weg legt, so ist doch bis zu ihrer Förderung noch ein weiter Schritt. Zu bedauern ist vor Allem, daß man den katholischen Missionären im Vaterlande keine Pflanzstätten erlaubt, ivie man B. auch eine Äliederlassung der Väter vom Heiligen Herzen in Münster nicht gestattet hat. Unsere Krieger in Afrika werden sich wundern, daß man die Männer, die ihnen in Afrika so treu zur Seite gestanden haben, im Vaterlande so engherzig behandelt. Möge sich der Herr Staatssekretär des Auswärtigen doch auch einmal in Preußen umsehen und solche Engherzigkeit entfernen. Wenn wir so große Pläne haben, dürfen wir nicht so kleine und vage Anschauungen zeigen. Der Dust aus den alten Streitigkeiten muß verschwinden, wenn wir Kultur ver- breiten wollen. Herr Wißmann, der sich auf der Rückreise be- findet, wird meine Worte gewiß bestätigen. Selbstverständlich sollen auch die evangelischen Missionen gefördert werden, und wir wollen gern auch dazu unsere Hand biete». Wir werden bei weiteren Schritten in der Richtung dieser Vorlage vorsichtig sein inüssen. Deutschlands Stärke beruht im Landheer, und wenn die Gegenwart eine so starke Armee erfordert, so müssen wir die Ausgaben auf allen anderen Gebieten äußerst beschränken. Wir haben nicht das Material an Menschen und Geld, um uns 'lotten wie England und Frankreich zu schaffen. Unsere lotte ist gegründet zur Vertheidigung der Küsten, nicht zur Offensive und wir werden uns künftig überlegen müssen, ob wir nicht in der Vergangenheit mit Siebenmeilenstieseln so vorgegangen sind, wie wir es nicht auf die Dauer aushalten können. Die gegenwärtige Vorlage aber können wir, wie ich glaube, mit ruhigem Gewissen bewilligen. (Beifall.) Abg. Dr. v. Frege(kons.): In den Verhandlungen der Kommission haben wir die Uebcrzeugung gewonnen, daß die Re- gierung jede einzelne Forderung deS Majors Wißmann genau prüft, und wir daher keinen Grnnd zu Mißtrauen haben. Zudem soll uns ja auch ein festes Programm küustig vorgelegt werde». Ich freue mich, daß unsere Thätigkeit in Afrika sich bewährt hat und recht erhebliche Erfolge auf dem Gebiete der Zurückdrängung des Sklavenhandels und dem der Mission erreicht sind. Wir wollen in demselben Sinne weiter arbeiten und besonders einträchtig die evangelische Mission neben den katholischen Missionaren pflegen. Der Aufstand ist in bewundernswerther Weise niedergeschlagen worden. Um so mehr wundert es mich, daß der Abg. Goldschmidt, der früher für die Kolonialvorlagen gestimmt hat, mit einem Male eine Frontverändcrung vorgenommen hat. Sollte das etwa mit der ersehnten Einigkeit innerhalb der deutschfreisinnigen Fraktion zusammenhängen, und sollte etwa Herr Goldschmidt seine kolo- malen Kenntnisse den Fraktionsintercssen untergeordnet haben? Wir können nicht mehr aus Ostasrika zurück, wir müssen uns an der Kultivirung Afrikas bctheiligen. Soll denn etwa der Deutsche zu spät konnnen, wenn der dunkle Erdtheil bereits unter den anderen Nationen getheilt ist? Afrika ist das einzige noch zu besetzende Land der Erde und wird in Zukunft für uns eine Quelle des ReichthumS und von entscheidender Bedeutung sein. Ter Deutsche hat schon in früheren Jahren eine bedeutende Be- fähigung für überseeische Unternehmungen entwickelt, und ich denke, daß die oftasrikanische Gesellschaft sich als ebenso leistungs- fähig erivcisen wird, wie die engtische Gesellschaft. Noch darf man ja von Afrika keine Vortheile erwarten, sondern muß erst die künftige Entwickelung abwarten. Das englische Parlament steht hier ganz anders, und dort z. B. würde auch eine Aeußerung wie die des Abg. Dohrn nicht verstanden weroen, welcher die Regie- rung aufforderte, endlich mit ivciteren Gebietserwerbunge» aufzu- hören. Die klimatischen Verhältnisse in Afrika sind durchaus günstig, wie uns Herr Major Liebert nachgewiesen hat. Für vessen Entsendung können wir der Regierung nur dankbar sein. Allervings dürfen wir uns nicht verhehlen, daß unsere koloniale Thätigkeit Geld kosten wird. Umsomehr ist es wunderbar, wenn in diesem Slugcnblick Angriffe auf die Getrcidezölle gemacht wer- den, welche im Falle des Gelingens die ReichLfinanzen erheblich schädigen mürben. Wollen die Herren von der linken Seite sinanzielle Reformen, warum sorgen sie denn nicht für eine fach- gemäße Einkommensteuer, wie wir sie z. B. in Sachsen haben? Wenn wir jetzt kolonialpolitische Aufgaben erfüllen können, so verdanken ivir das der voin Fürsten Bismarck inaugurirten Zoll- und Wirthschaftspolitik. Diese herbeigeführt zu haben, zählt mit zu den größten Verdiensten des großen Staatsmannes.(Lachen links.) Herr Bambergcr bemängelte, daß Reporter nach Afrika nicht zugelassen würden. Da stimme ich mit ihm überein, ich wünschte alle unnützen Reporter nach Afrika oder dahin, wo der Pfeffer wächst.(Ruf links: Das glaube ich!) ßtbg. Dohr»(dfr.): Was das Klima in Ostasrika anlangt, so ist allerdings richtig, daß das gelbe Fieber dort nur auSnahms- ivcise vorkommt, aber desto häufiger sind die verschiedenen Arten des Sumpfsiebers. Wenn ich gesagt habe, es komme nicht sowohl auf die Zahlen der Aus- und Einfuhr in Afrika an, sondern auf das, was dabei verdient wird, so dürste doch das der Herr Vor- rcdner nicht bemängeln, der ja auch stets auf den Verdienst der Landwirthschast bedacht ist. Die Millionen des Börsenkapitals wird Herr von Frege durch keine noch so patriotischen Appelle zn kolonialen Unternehmungen locken, so lange kein Vertrauen zu denselben vorhanden ist. Sollte sich das ändern, sollten wirkliche wirthschaftliche Erfolge in Afrika erzielt werden, so werde ich der Erste sein, der patcr pcccavi sagt. Abg. Dr. Kiimnmchcr(natl.): Wenn man auch mit Engels- zungen redete, würde man nicht Kolonialscinde zu Kolonial- freunde machen. Die Herren irren aber, wenn sie sagen, daß keine allgemeinen Sympathien für die Kolonialpolitik vorhanden seien. Die Unterstützung der deutschen Kolonialpolitik ist keine spezifisch nationalliberale Parteisache, nein, Mitglieder aller Par- teien sind dafür eingetreten, und nur von Partcileidenschaft be- cinflußt haben viele sich der Kolonialpolitik feindselig gegenüber gestellt. Herrn Bamberger will ich allerdings von diesen letzteren ausnehmen; daß aber allgemeine große Sympathien für koloniale Unternehmungen herrschen, haben die Wahlen in Würzburg, in Bremen u. a. m. bewiesen. Wenn die Hansestädte früher sich den kolonialen Unternehinungen gegenüber kühler verhielten, so lag das daran, daß man von der anfänglichen Kolonialpolitik sich nichts versprach und lediglich von ganz unabhängigen Handelsgesell- scharten wirkliche wirchschaftlichc Vortheile erwartete. Diese 'Anschauung hat sich aber in günstiger Weise geändert, und heute steht man dort durchaus auf dem Standpunkt der Kolonialpolitik der Regierung. Welches Interesse das deutsche Volk für überseeische Unternehulungen hat, hat auch die Samoafrage gezeigt. Es besteht eben das Gefühl einer gewissen elementaren Stärke, das Bedürfniß einer gewisse» Volkskraft, zu deren Bethätigung eS auch des Ausblickes und der Thätigkeit in überseeischen Ländern bedarf. Gerade die kapital- und wirth- schastlich kräftigen Elemente haben die Verpflichtung, ihre Hilfs- mittel in den Dienst derjenigen Aufgaben zu stellen, die geeignet sind, den Staat zu kräftigen. Ich will nicht verkennen, daß die gewaltige Persönlichkeit des Fürsten Bismarck auf die Hergäbe von Geldmitteln seitens mancher Banken mit eingewirkt hat. Aber ich habe doch nicht eine so niedrige Meinung von den be- treffenden Personen, um mit Herrn Bamberoer die Gcldzeichnunaen derselben lediglich aus servilen oder gar niedrigen Anschauungen herzuleiten. Z. B. von dem verstorbenen Geheimen Koinmerzienrath Adalbert Delbrück wird das kein ehrlicher Mann behaupten. Wie die Verhältnisse der Ostafrikanischen Gesellschaft liegen, weiß ich nicht; ich habe mit ihr nichts zu thun. Ich weiß aber, daß an den Opfern, die gebracht sind, um die großen wirthschaftliche» Aufgaben in Ostafrika zu lösen, sich Personen betheiligt haben, die durchaus vertrauenerweckend sind, und bei denen allerdings die von Herrn Baniberger verspottete Begeisterung vorhanden war. Ohne solche Begeisterung wäre aber überh aupt ein gemeinnütziges Unternehmen nie entstanden; auch die Eisenbahnbauten wären ohne eine solche unterblieben. Man muthet der ostafrikanischen Gesellschaft bei iveitem zu viel zu, wenn man ihr nun alle Aufgaben in Ost- afrika allein übertragen will. Es werden doch gerade zur Besei- tigung des Sklavenhandels große Anfwendungen gemacht, bcson- dere Stationen angelegt, deren spätere Unterhaltung man doch unmöglich von der Gesellschaft verlangen darf. Auch bei den Engländern verlangt man nicht von den Privaten die Bestreitung der Kosten für den Kolonialbesitz. Die englischen Kolonien, welche seit Eintreten Deutschlands in die kolonialen Unternehmungen erworben sind, sind sämmtlich ebenfalls Kronkolonien, keine Charter- kolonien. Freilich handelt es sich auch nicht um reine Durch- ührung der Kronkolonien, eben so wenig wie bei uns, und eine olche würde auch ich nicht wünschen. Die Erfahrungen müssen uns lehren, die zweckmäßigste Form zu finden. Ich besorge aber nicht, daß die ostafrikanische Gesellschaft in der im nächsten Jahre kommenden Vorlage zu einer Reichskolonie werde umgewandelt werden. Wohl aber glaube ich, daß die Gesellschaft zu den Kosten besonders für Bekämpfung des Sklavenhandels wird beitragen müssen. Ich hoffe dann ivieder auf die Unterstützung des Zen- trums. Ich erkenne dankbar die Loyalität an, mit ivelcher Herr Windthorst in Konsequenz seiner früheren Beschlüsse für die heutige Vorlage eingetreten ist. Die Regierung wird hoffentlich seine Unterstützung auch weiter finden, wenn sie in vorsichtiger aber entschiedener Weise die ivirthschaftliche und kulturelle Mission Deutschlands in Afrika zu erfüllen bestrebt ist. Wir können mit unseren bisherigen Erfolgen zusrieden sein, und ich kann es nicht billigen, wenn Herr Dr. Bambcrger geringschätzig von den Leistungen des Majors Wißmann im Gegensatz zu denen der Marine gesprochen hat. Flotte und Armee haben in gleicher Weise ihre Schuldigkeit gethan und wir können auf beide stolz sein. Abg. Wisser(wildlibcral): Ich werde für die Vorlage stimmen ohne mich aber dadiirch für die Zukunft zu präjudiziren. Zwar kann ich an die in Aussicht gestellten Vortheile der afrikanischen Kolonialpolitik nicht recht glauben, halte aber die Aus- führungen des Abg. Dr. Hammacher für durchschlagend. Wir sollten aber über den Kolonialplänen nicht innere politische Auf- gaben, namentlich auf sozial- und agrarpolitischem Gebiete ver- gessen. Abg. Hnnßmaim(Volksp.): Ich muß den von Herrn Frege gegenüber den Gegnern der Vorlage angewandten Ausdruck „ÜÄangel an Nationalbeivußtscin" entschieden ztlrückiveisen. Ich verstehe nicht, wie man einem um das Reich so verdienten Mann wie Herrn Bambcrger mit solchen Vorwürfen kommen kann, die wir ja freilich aus denr Arsenal des Kartells gewöhnt sind. Ich bestreite weiter Herrn Frege das richtige Urtheil darüber, wie in Württemberg die Kolonialpolitik aufgenommen wird. Seine Quelle dort ist ei» Mann, der eine Pulverfabrik hat, und von dein ich daher auch verstehe, iveshalb er so für ostafrikanische Unternehmungen eintritt.(Heiterkeit).— Wenn mir in Gefahr schweben, von Amerika überflügelt zu werden, so liegt das nur in dein ungesunden Militarismus der europäischen Staaten, von deni Amerika frei ist, und wenn nian weiter darauf hinweist, daß Amerika im Begriff ist, eine extreme Schutzzollpolitik einzuführen, so kann ich nur bedauern, daß Deutschland ihm ein so schlechtes Beispiel dazu gegeben hat.(Sehr richtig! links.) Ich kann den Ausführungen des Herrn Frege nicht das zugestehen, ivas seine Freunde von der Diebe des Herrn Bamberger anerkennen mußten, daß sie eine„geistreiche" Unterhaltung gewesen.(Heiterkeit.) Herrn Windthorst erwidere ich, daß ich zwar auch die Verbrei- tung der abendländischen Kultur wünsche, daß ich auch Deutsch- land nicht ausgeschlossen wissen will von den Bestrebungen an- derer Nationen zur Verbreitung der abendländischen Kultur, daß ich aber den gegenwärtigen Zeitpunkt für solche Aktionen für den richtigen halte. Die Regierung kann ja bei Abgrenzung der Interessensphären den Gesichtspunkt berücksichtigen, daß es nicht unbedingt nothivendig ist, daß wir schon in dem gegen- wärtigen Jahrzehnt die Ausgaben unternehmen, die außerordent- liche Summen in Anspruch nehmen werden. Ich kann nicht planlos große Summen bewilligen, zumal der Hinweis auf die 200 000 M. für die Expedition ins Innere zeigt, daß die Regie- rung sich nicht auf die Küsten beschränken, sondern aus Gebiete übergehen will, die zehnmal so lang sind, wie unsere Nordseeküste. Demgegenüber können wir unsere Verantwortung dem Volke gegenüber nicht mit allgemeinen gemüthsvollen Ideen decke».— Die Berufung auf weite Kreise des Volkes sollte man lieber unterlassen. Auch bei dein Kiilturkampf berief man sich auf das Gefühl großer Massen; das sollte gerade den Herren vom Zentrum auch hier eine Warnung sein. Herr Windthorst wird in fünf Jahren vielleicht sage», daß der Standpunkt unserer Partei konsequenter gewesen ist als der seinige. Wir werden dann aber sagen: tna culpa, tua culpa, tua maxima culpa!(Große Heiterkeit.) Abg. Wcyri'-Halle(dsr.): Wir leben in einer Zeit, wo Jeder ein Volks, virth sein will, weil Jeder für sich einen Zoll, eine Zunft oder eine Kolonie haben will. Es gab eine Zeit, in der man die Volksivirthschaft für ein Arkanuut hielt, welches nur den Gelehrten zustände. Damals war man darüber einig, daß sich die!kolo»ialpolitik nicht für Deutschland eigne und auch ein Nationalökonom, wie Roscher, hat diese Meinung vertreten. Die private Thätigkeit hat die Hanseaten groß gemacht, sie schufen unsere deutsche Handelsflotte und brachten Wohlstand in die Hei- mach. Bei dieser Thätigkeit hätte man es belassen sollen. Das Großkapital, nicht die Diegiermig schafft große Unternehmungen wenn es glückt, dann heißt der Kapitalist Wohlthäter, ivenn nicht, so spricht man vom Gründungsschivindel und untersucht die Kousession.(Heiterkeit.) Ich will nicht, daß„elementare" d. h. unverständige Kräfte, sondern sachverständige Männer sich mit derartigen Kolonialsachen befassen. Nicht allein mit Flinte und Bibel wird man Afrika der Kultur gewinnen. Der größte Kolonisator ist der Handel, ihm muß man die freie Bethätigung lassen und ihn nicht gewaltsam ablenken, wie es jetzt geschieht. Abg.(boldschmidt(dsr.) verwahrt sich gegen die Unter- stellung, daß er sich bei seiner Stellungnahme von anderen als rein sachlichen Motiven leiten lasse; er müsse bei seiner gestern begründeten Stellung verharren. In persönlicher Bemerkung wendet sich Abg. Baniberger gegen einige Bemerkungen des Abg. v. Frege, dessen Ausführungen er als eine antisemitische Hetzrede bezeichnet. Abg. v. Frego weist dies zurück. Er habe konfessionelle Gegensätze nicht in die Debatte hineintragen wollen; von„christ- lichen" Kaufleuten habe er gesprochen, weil ihm jüdische nicht be- kannt seien.(Lachen links.) Referent der Budgetkommission, Graf von Sebr-Zördren- Ifof, tritt in einem Schlußworte nochmals für die Annahme der Vorlage ein. Der Nachtragsetat wird in allen Theilen bewilligt. (Gegen die Kolonialforderungen stimmen mit den Sozialdemo- traten und Freisinnigen auch einige Zentrnmsmitglieder.) Die Berathung der Strafgesetznovelle und des deutsch- schweizerischen Niederlassungsvertrages vertagt das Haus auf Freitag 1 Uhr.(Schluß 5 Uhr.) VQvlQmentQvtfches. J?« Wnhlprüfuugo-Komini/'sioi» erklärte in ihrer gestrigen Sitzung die Wahlen der Abgeordneten Graf Tön- Hoff-Friedmchstein(4, Königsberg), Freiherr von Unruhe- lbomst(3. Posen). Dr. Pirnicb(4. Köln)..fSoberlntid (3. Posen), Dr. Virnich(4. Köln), Haberland (4. Nieder-Bayern), Schmidt-Elberfeld(1. Düsseldorf), Rechtsanwalt Hacke(2. Hannover), Beckmann(3. Münster) für giltig. Zu einer lebhaften Debatte führte ein Fall, wo der Wahl- vorstand einen Wähler, der nicht zum Wahlbezirk gehörte, aus dem Wahllokal auswies. Diese Entscheidung wurde in dem betreffenden Falle zwar von dem Wahlkommissar als unzutreffend gerügt, der Wahlvorstand blieb aber auf seiner Auffassung bestehen. In der Kommission fand die Auf- sassnng, daß nur Wähler, welche dem Wahl kreise— nicht blos Wahlbezirk— angehören, ein Recht haben, im Wahllokale anwesend zu sein, eine sehr lebhafte Vertretung. Demgegenüber wurde auf die Bestimmung des Wahl- gesetzes verwiesen, wo von einer Beschränkung der Oeffentlichkeit nur aus Wähler keine Rede sei. Zu einer Abstimmung über diese Frage, welche für die Giltigcrklä- rnng einzelner Wahlen von entscheidender Wichtigkeit sein wird, kam es für dieses Mal noch nicht. Nächste Sitzung der Kommission findet heute, Vormittags 10 Uhr, statt. Da« zweite Detitionvuerzrichnist ist im Reichstage er- schienen. Verschiedene Petenten befürworten die Einschränkung des Hausirgewerbes, Aufhebung des Jmpfgesetzes bez. Abschaffung des Impfzwangs, den Erlaß einer Patent-NoveUe, den Erlaß eines Zusatzes zum Unterstützungswohnsitz-Gesetz dahin, daß die Versorgung u. s. w. der beim Bau des Nordostsee-Kanals verarmenden Arbeiter vom Reiche übernommen werde, Sicherftellung des Koalitionsrechts der Arveiter. Zur Vorlage, betreffend die Gewerbegerichte, haben mehrere Handelskammern, der Verein für die berguaulichen Interessen im Oberbergamts-Bczirk Dortmund und der Zentralvorstand des bergischen Vereins für Gemeinwohl zu Elberfeld Abänderungsvorschläge eingesendet. Zum Arbeiter- schutzgesetze sind sehr viele Petitionen eingegangen. Die Aeltesten der Kaufmannschasl zu Magvevurg beantragen Neujahrsfest unter den Festen mit 4Lstündiger Ruhe zu streiken, Zulassigkeit der Jnventurarbeiten an Sonntagen, genaue Instruktion an die Auf- sichtsbeamten bezüglich der Arveitsränme, Verlängerung der Frist der ausnahinsiveisen längeren Beschäftigung von Ardeiterinnen aus 50 Tage jährlich. Die Verbände der Glas- und Leinen- industriellen wünschen wie der Zentralveroand deutscher Industrieller Aenderung bezüglich Auszahlung des Lohnes an Atinderjährige, gegen die Aeußerung der Miuderjährigen über die Arbeitsordnung, bezüglich der Mittagspause der ein Hauswesen besorgenden Arbeilerinne», betreffend die längere Beschäs- tigung von Arbeiterinnen an 60 Tagen jährlich, Kontraklvruch, Arveiisordnung. Mehrere sozialdemokratische Versammlungen erklären sich für die Beschlüsse des Pariser Arbeiterkougrcsses und Einführung des achtstündigen Arbeitstages. Eine Versammlung von Handlungsgehilfen und Gehilfinnen in Berlin bittet um Arbeitszeit im Handelsgeiverbe an Sonn- und Festtagen nicht länger als 5 Stunden, und zwar nicht vor 7 Uhr Mvrgens beginnend und nicht über 12 Uhr Mittags dauernd, sowie Fest- sestung einer vierivöchentlichen Kündigungefrist und 14tägigen Gehaltszahlung. Ter Verband deutscher Handlungsgehilfen zu Köln ersucht zu bestimmen, daß im Handelsgeiverbe die Arbeit während des Sonntags ruhe oder die 5 Stunden Arbeitszeit hintereinander zn leisten seien, daß die Vorschriften über die Aus- bilduug der Lehrlinge und Feststellung der Arbeitszeit für die jugendtichen und weiblichen Personen auf Lehrlinge und Ge- hilffnnen im Handelsgeiverbe ausgedehnt werden. Ter Buch- handlungs- Geyilfenveroand zu Leipzig bittet um vollständige Sonntagsruhe für die Biichhandlungs- Gehilfen und Lehrlinge, ausnahmsiveise Gestattniig einer So.iiitagsarbeit von nicht über drei Stunden, Beschränkung der Sonntag-arbeit in den Zeitung?- Erpeditionen auf zivei Stunden. Der Berdand deutscher Bäcler- Jiiiiuugen„Germania" zu Berlin bittet, daß die Feinbäckerei an Sonn- und Festtagen unbeschränkt betrieben werde. Leipziger Marktheljer ersuchen um Ausdehnung aus das kaufmännische Hitss- personal. Die Ausschußmitglieder der Bergleute des Saar- Reviers zu Bölklingon überreichen einen Vorschlag über Arbeits- bedingungen, Arbeltszeit zur Einführung auf den fiskalischen Gruben. Der gemeiumitzige Verein an der Saar zu Beckingen bittet um Auszahlung des verdienten Lohnes an minderjährige Arbeiter. Mm'vefpaudeujeu. Dem Uorlt, SO. Mai. Der frühere Pastor Pcntecost hier, über den ich schon mehrere Male geschrieben und dessen Reden früher häufig im Auszuge in der„Bolkszeitung" gebracht wurden, hat sich jetzt vollständig in den Anarchismus verrannt; und, wie man dies wiederholt auch bei anderen Vertretern desselben be- merkt hat, ist er derart für denselben voreingenommen, daß er es gar nicht für der Mühe wcrth hält, sich über andere Richtungen auf dem sozialpolitischen Felde zu informiren und seine Kenntuiß über dieselbe nur auf dem Wege des„Hörensagens" bezieht, und dazu noch aus angenscheinlich sehr fragwürdiger Quelle. Im letzten Hefte seines Blattes„Twentieth Eentury"(Zwanzigstes Jahrhundert) druckt er eine von ihm gehaltene Rede ab, in welcher es heißt:„Ich hatte Gelegenheit, mit vielen Sozialisten zu sprechen, welche mir zugaben, daß Sozialis- mus— was man im gewöhnlichen Leben Staats- Sozialismus nennt— die soziale Frage nicht lösen könnte; sie geben zu, daß es überhaupt keine Lösung dieser schivierigcn Frage giebt, bis jedes Jndividium» von der Herrschaft aller anderen In- dividuen der Majoritäten befreit sein wird. Wohlverstanden, ich habe mit vielen Sozialisten gesprochen, welche unumwunden zu- geben mußten, daß ihr Plan Ungerechtigkeit und Unrecht enthalt, gegenüber Wenigen zn Gunsten von Vielen. Aber sie befür- worten Sozialismus, weil sie es für praktisch halten, weil es etwas ist, welches erreichbar erscheint. Viele Personen glauben, daß es leichter»st, etwas zu erreichen, das unrecht, als etwas, das recht ist." Es ist unerklärlich, wie ein Mann, gleich Pentecost, der sich mit einem wahren Feuereifer gegen die„verderbte Gesellschaft" ins Zeug geworfen und jeden Sonntag seiner„Gemeinde" scharfsinnig und drastisch die bestehenden Uebelständc schildert, nicht auf den Ge- danken kommt, auch einmal nachzuforschen, welches die speziellen Ursachen dieser Uebelstände sind, und welche Nüttel und Wege von den verschiedenen Seiten schon zu ihrer Beseitigung in Vor- schlag gebracht wurden. Tie„Sozialisten", welche Pentecost Obiges erzählt haben sollen, scheinen große Aehnlichkeit mit Fall- staff's„Steifleinenen" zu haben. Es ist im übrigen keine Manier, sich über etwas, das man kritisiren will, lediglich durch die Aus- sagen vermeintlicher Anhänger der betreffenden Richtung zu stützen; auf diese Weife manoveriren wohl kleinliche Demagoge», die persönliche Zwecke verfolgen und denen daher alle Mittel recht sind. Statt also diesen oder jenen über seine Meinung be- züglich des Sozialismus zu befragen, hätte Pentecost besser ge- than, die sozialistische Literatur zu studire», die auch in eng- lischer Sprache reichlich vorhanden ist. Es scheint indessen bei allen den Amerikanern aus den„gebildeten" Kreisen, welche die Ungerechtigkeit und Berderblichkeit der heutigen gesellschafi lichen Zustände erkannt, Maxime zn sein, das zu ignoriren(ajjd vielleicht besser gesagt, den Anschein zu geben, als wenn-ffe es ignorirten), was von Nichtamerikanern über die Zustände und die Mittel zu ihrer Aenderung gesagt worden ist. Dieselbe Er- scheinung haben wir ja auch bei Henry George und Bellamy bcobachrcn können. Vielleicht geschieht dies mit Rücksicht auf die ihnen be- kannte Abneigung der Amerikaner gegen alles Ausländische!— Wie ich im vorigen Briefe mittheilte, haben die hiesigen Sektionen der sozialdemokratischen Arbeiterpartei beschloffen, selbstständig in die Herbstwahlen einzutreten, und zwar wurde dieser Beschluß so schnell gefaßt(sonst ist es Gebrauch, daß solche Angelegenheiten erst in den einzelnen Branchen der Sektionen besprochen werden), weil man Wind davon hatte, daß in der Zentral-Labor-Union seitens der bekannten Macher ebenfalls der Plan bestehe, in„unabhängige" politische Aktion zu treten. Dies ist in der letzten Sitzung denn auch geschehen und der Antrag wurde mit großer Majorität an» genominen. Die Delegaten der fortgeschrittenen Geiverkschaften sahen sich die Geschichte ruhig an; keiner von ihnen sagte ein Wort. Sie kennen ja ihre Pappenheimer. Ein etwas unschuldig angehauchter Delegat erklärte sich gegen das Projekt, weil man damit nur Stimmen fortwerfe, welche man zur Unterstützung derjenigen Partei verwenden könne, die am meisten für die Ar- bciter gcthan. Ein anderer meinte, es müßte durchaus„ehrlich" vorgegangen und alle Parteien bei Seite gelassen werden, selbst die sozial. Arbeiterpartei! Daß der Ekel vor solchem heuchlerischen Gesindel veranlaßt hat, daß bald nach der Wiedervereinigung von den Dele- gaten der fortgeschrittenen Organisationen immer mehrZ den Sitzungen fernblieben, ist nicht zu verwundern! Es sind übrigens, nebenbei bemerkt, auch mit manchen „Größen" in den letztgenannten gewerkschaftlichen Organi- sationen schlechte Erfahrungen gemacht worden; es muß wohl ein Boodle- Bazillus existiren! Die seiner Zeit von der „Progressive Labor Party" aufgestellten Gewerkschaftsführer Finkelstone(alias Finkelstein), Barbier und Morrison, Teppich- webcr, haben später von der republikanischen Partei Aemtchen erhalten, und es zweifelt heute wohl Niemand mehr daran, daß sie damals Schacher getrieben.— Fritzsche hat in der„Cincinnatier Zeitung" den Entwurf eines Arbeiterschutzgesetzes veröffentlicht. Er ist der Meinung, daß die amerikanischen Arbeiter auf dem bisherigen Wege den achtstündigen Arbeitstag nicht erringen werden, oder, wenn sie ihn theilweise erringen, nicht aufrecht erhalten können; Beweis dafür sei, daß sie nicht einmal die Ausführung der Gesetzes- bestimniungen zum Schutze der Kinder u. s. w. erzwingen konn- ten. Man wisse, da die amerikanischen Arbeiter heule noch nicht veranlagt sind, nach fernliegenden Idealen zu streben, ihnen eiwas Greifbares bieten, um sie von ihrem abergläubischen Hoffen auf Verbesserung ihrer Lage durch die zur Zeit „regierungsfähigen" Parteien loszureißen suchen. Wenn sie sehen, daß die Ausbeuter Alles, was ihre Sonderintereffen schädigt, mittelst des goldenen Schlüssels zu den„Herzen" der Gesetzgeber oerhindern können, so würden sie um so früher zur Erkenntniß kommen, daß sie auf politische Selbsthilfe angewiesen sind, daß alle anderen Parteien ihnen gegenüber eine reaktionäre Masse bilden, und so das wahre Klassenintercsse bei ihnen erwacht. Zum Schluß heißt es:„Wenn man die Rechte der Arbeiter, und das sind die allgemeinen Menschenrechte, immerfort nur stückweise, so eines nach dem andern erkämpfen wollte, dann könnten die Jüngsten unter uns so alt werden wie Methusalem's Esel, ohne einen Vortheil zu erlangen, viel weniger noch ihr Ziel zu erreichen. Fassen wir darum alle diese Forderungen, welche die Arbeiter innerhalb der kapitalistischen Jndustrie-Periode zur Anbahnung einer friedlichen Umgestaltung derselben zu stellen haben, in die Forderung eines Arbeiterschutz-Gesetzes zusammen." atfemulmnalev. Ztadiveeordnetrn-Uersammlung. Sitzung vom D o n n e r st a g, den 12. Juni. Der Stadtverordneten-Vorsteher, Stadtv. Dr. Stryck, eröffnet die Sitzung um SV» Uhr mit einer Reihe geschäftlicher Mittheilungtn. Nach Eintritt in die Tagesordnung werden einige Natura- lisations-, Pensiomrungs- und Anstellungsgesuche geschästs- ordnnngsmäßig erledigt. Der Petitionsausschuß empfiehlt die Erledigung einer Reihe Petitionen durch Uevergang zur Tages- ordnung. Darunter befindet sich auch die Petition der Freien Vereinigung der Maurer und Fachgenossen Berlins, betreffend die Ausführung st ä d t i s ch e r B a u t e n mit Umgehung von Unternehmern und ohne Submission von Arbeitern oder Arbeitsgruppen unter Leitung städtischer Baubeamten, Be- zahlung dieser Arbeiten nach vereinbarten festen Preisen und Nor- mirung des Arbeitstages auf 9 Stunden. Der 1. Vorsitzende des Vereins der Freien Vereinigung der Maurer Berlins und Umgegend überreicht in dessen Austrage der Bersammlung eine Petition, enthaltend ein Gesuch der Maurer: die städtische» Behörden mögen beschließen und anordnen: a) Die Ausführungen bei städtischen Bauten werden fernerhin, mit Umgehung von Unternehmern und ohne Submission, von Ardeitern oder Arbeitsgruppen unmittelbar unter der Leitung von städtischen Bauveamten ausgeführt. d) Die Bezahlung dieser Arbeiten erfolgt nach festen, mit den Llrbeiter-Körperschasten aus Grund eines Mindestlohnes vereinbarten Preisen. c) Es wird für die Ausführung der Arbeit ein neunstündiger Arbeitstag als Regel angenommen und eingehalten. Dxr Eingabe ist ein Truckexemplar der Petition beigefügt, in welcher in umfassender Weise die Gründe für diese Anträge entwickelt sind und in ersterer wird mitgetheilt, daß die Petition schon im Mai v. I. dem Magistrat mit der Bitte übergeben worden sei. Schritte in der bezeichneten Richtung zu thun, daß derselbe aber unterm 23. Juni 1889 geantwortet habe. er sei nicht in der Lage, nach den in der Petition ausge- sprocbenen Grundsätzen vcriahren zu können, da er bei dem außerordentlichen Umfange seiner Bauthätigkeit außer Stande sei, die Maurer und die daneben erforderlichen Arbeitsleute direkt anzustellen. Die Petition ist demzufolge von den Antragstellern in der Hoffnung auf Berücksichtigung und mit der Bitte wohlwollender Erwägung der Versammlung übersandt worden. Wie schon gesagt„erledigte" der Petitionsausschuß die An- gelegenheit durch Uebergang zur Tagesordnung. Auch dem von einer Seite gemachten Vorschlag, in der von den Petenten ange- gebenen Richtung doch bei einem Bau den Versuch zu machen und, je nach dem Ausfalle desselben, die Sache dann aufzugeben oder im Bewährungsfalle weiter zu verfolgen, vermeinte der Aus. schuß nicht beitreten zu können. Die Stadtv. Singer und Genoffen beantragen die„Be- richterstattling" über diese Petition. Diesem Verlangen wird in der nächsten Sitzung nachgekommen. Die Skizzen zum Bau einer höheren Bürgerschule auf dem Grundstück Bellc-Alliancestr. 80 und einer Gemeinde-Doppel- schule in der verlängerten Göbenstraße werden mit den vom Aus- schuß vorgeschlagenen Umänderungen genehmigt. Der Großen Berliner Pferdeeisenbahn, Aktiengesellschaft, wird die Ä�lehmigung zur Legung von Geleisen in der--r-. lottenstr«e und Einrichtung einer Haltestelle vor dem de IjZme ertheilt. sie Vorlage, betr. die Errichtung einer Heimstätte für S£; sende Wöchnerinnen auf dem städtischen Gute Blanke»' s e l d e giebt dem Stadtv. Zubeil Veranlassung, zunächst sein Einverständw? mnt dem segensreichen Zweck auszusprechen, dem die Vorlage K Mienen bestimmt ist. Der Redner bittet jedoch, um eine UiM srcchtigkeit zu beseitigen, die folgende Stelle aus dem Organisation-' entwarf der Heimstätte zu streichen:„Vorzugsweise sollen sola)' Mütter berücksichtigtwerden, die ihr Kind mit in die Heimstätte briNAi» und im Stande sind, dasselbe selbst zu nähren. Tm' Bestimmung bedeute eine Zurücksetzung derjenigen Mütter, die ff)5 Kind nicht selbst nähren könnten. Stadtrath Marggraf erwidert, es handelte sich hie» ul? eine ganz neue Einrichtung, deren praktische Durchführung ss» versucht und die nicht komplizirt werden dürfe. Die künstW Ernährung der Säuglinge könne in einer solchen Anstalt u# wie gewöhnlich geschehen, sondern nur mittelst sterilisirter(keu»' freier) Milch. Die Besorgung solcher Milch würde die Verwaltung erschweren. In dem Entwurf sei auch nur von der„vorzugsweise» Berücksichtigung der nährenden Mütter die Rede; besondere Fälle könnten also berücksichtigt werden._,, Stadtv. Singer: Ich hätte gewünscht, der Herr Stadt- rath wäre in der Begründung der fraglichen Bestimmung etwa» eingehender gewesen. Denn aus dem Umstände, daß die Bck' waltung durch den Wegfall der Einschränkung erschwert wiro, kann nicht hergeleitet werden, einen solchen Passus im Entwurst stehen zu lassen. Er schließt Personen eines Mangels wegen au»' der nicht in ihrem Verschulden liegt. Auch im Jntereffe der Kinder müssen die Mütter berücksichtigt werden, die ihr Kino nicht selber zu nähren im Stande sind. Wenn durch die Vorlage einem weit verbreiteten Uebelstände abgeholfen werden so»- dann»st es einer Stadt wie Berlin nur angemessen, alle Schwierig' leiten, die sich entgegenstellen, zu überwinden. Ter Auffassung des Herrn Stadtraths, daß das Wort„vorzugsweise" einen gc wissen Schutz gewähre, kann ich mich nicht anschließen. Es werde» sich sofort so überaus viele Personen finden, welche die Heimstatff aussuchen wollen, daß die Bequemlichkeitsrückstchten der Vermal' tmig sich bei der Auswahl der Fälle sehr bald zeigen werden- Stimmen Sie dem Antrage Zubeil bei. Nach weiterer kurzer Debatte wird der Antrag Zubeil ab< gelehnt und die Magistratsvorlage unverändert genehmigt.. Die Skizze zum Neubau einer Volksbadeanstalt aus dem Grundstuck Stralauer Platz 28, wird genehmigt. Die Vorlage, betreffend die Festsetzung eines Gebühren« t a r i s s für die durch die städtischen Desinfektions-Anstalten bewirkte Desinfektion von Wohnräumen und beweglichen Sachen wird mit einer kleinen Abänderung genehmigt. Von Zahlung der Gebühren ist befreit, wer sich zu diesem Zweck von dem Be- zirksvorsteher oder von dem Vorsteher derjenigen Armenkommission» in deren Bezirk er wohnt, ein Attest aussteuen läßt und dasselbe an die Desinsektions-Älnstalt einschickt. Das Attest kann nach er- folglcr Desinfektion eingesandt werden. Die Ausstellung des Attestes findet statt, wenn der Betreffende eine Wohnung im Miethswerthe bis zu 800 M. innehat, oder zu der untersten Stufe der Klassensteucr veranlagt ist, oder wen» sich nach Prüfung der Verhältnisse ergiebt, daß er infolge vo» Unglücksfällen(Krankheiten, Steroefällen und dergl.) nichl in der Lage ist, Gebühren zu bezahlen. Dieselbe Besreiung von Zahlung der Gebühren hat auch für die Desinfektion von Effekten Anwendung zu finden. Die Befreiung von Zahlung der Gevühren hat nicht de» Charakter einer Armen-Unterstützung aus össent- lichen Mitteln. Einige Rechnungen werden dem Ausschuß für Rechnung?« fachen überiviesen. Schluß 7 Uhr. Es folgt eine nicht öffentliche Sitzung. Utflmles. ,.D»e«nrthschaftliche Derspelttive derigrgenwiii'tigen Laljubemegunsj" behandelt Dr.�T. B ö d i ke r in einenl Aussatze, welcher im letzten Hefte der Delbrück'schen„Preu- ßischen Jahrbücher" veröffenrllcht ist; ursprünglich ist es ein in der Berliner Staatswissenschaftlichen Gesellschaft ge- haltener Vortrag. Der Verfasser„beweist", daß es dem Arbeiter schon jetzt recht gut geht; als leidenschaftliche» Arvciterfreund aber macht er alsdann noch Vorschläge, wie die Lage des Arbeiters sogar noch glänzender gestaltet werden können. Für das.Erstere stützt er sich auf die Stenerstatistik; nach dieses hätten sich die Einkommen zwischen 1050 und 1500 Mark stark vermehrt, das heiße, es seien viele Arbeiter in die untere Schicht des Mittelstandes cmporgerückt. Das würden die betreffenden Arbeiter gern hören, wenn es nur wahr wäre. Aber man kann aus den Steuern nicht viel beweisen. Sie steigen sehr oft, nicht weil das Einkommen wächst, sondern weil man die Schraube schärfer anzieht; so sind z. B. viele Berliner Maurer und Zimmerer, welche im vorigen Jahre in der ersten odc» zweiten Stufe steuerten, in die dritte oder vierte hinaufge- setzt worden, ihr Verdienst aber ist nicht größer geworden. Alißerdcm sind, wie der Verfasser an anderer Stelle selbst zugiebt, die Lebensbedürfnisse vielfach theurer geworden, es ist also zwar der Geldlohn, aber nicht der Reallohn gestiegen. Endlich unterläßt es Bödiker anzugeben, ob denn die Zahl der weniger als 1050 M. betragenden Einkommen nicht in noch viel größerem Prozentsatz zugenoinmen hat. Nachdem er sich so in einer längst als unzulässig erkannten Art ans die Stenerstatistik berufen hat, fügt er ohne den Schatten eines Beiveises die Behauptung hinzu, daß i>ie Löhne sich seit 1850 verdoppelt, stellenweise verdreifacht hätten. Wenn das wahr märe, hätte es der Berufung ans die Steuer- statistik nicht bedurft. Wir besitzen zivar in Deutschland leider keine Statistik der Löhne, aber wir iviffen, daß die Löhne sich vielfach gleichgeblieben sind, wenigstens hinsichtlich der Kaufkraft des als Lohn empfangenen Geloes; wir wissen auch recht viel von Arbeitsstockungen, von einer Zunahme der Arbeitslosigkeit zu berichten. Was schlägt der Ber- fasser aber nun vor, um die Lage der Arbeiter künftig zu heben? Er meint, ein höherer Lohn helfe nichts, denn„durch die Steigerung des Eeldlohnes wird kein Scheffel Kar- toffel und kein Liter Bier mehr zur Ver« sügung gestellt". Ferner werde eine Verkürzung der Arbeitszeit zu technischen Verbesserungen und damit zu einer Verdrängung der Arbeiter durch Maschinen führen; deshalb sei die Agitation,„welche eine Verminderung der Produktion an sich will", eine„bedauerliche Thorheit". Eine Ver- minderuug der Produktion will die Achtstundentag- beivcgung weder herbeiführen, noch wird sie diese Wirkung haben. Die Produktion wird theils durch die Einstellung von Arbeitslosen, theils durch Verbesserung der Technik zum mindesten auf ihrem Stande erhalten werden.„Jetzt schon ist man mit dein, was aus dei» Einzelnen an Glücksgüter und Genußmitteln entfällt, nicht zufrieden; was soll erst werden, wenn diese Güter in noch geringerer Zahl hervor- gebracht werden?" Kurz, das Ziel müsse sein, die Güter zu vermehren und zu verbilligen. Nein es werden nicht rveuiger Euter hervorgebracht werden; aber die Verbilligung der Güter Mft dein konsumirendcn Arbeiter nicht, wenn er als produzirender Arbeiter nicht in einer besseren, ja noch in einer schlechteren M'ge sein wird, als jetzt. Er wird in der Produktion ein rmmer unwichtigerer Faktor und kann die billigeren Güter noch weniger kaufen, als jetzt die theneren. Man kann da- her dem Arbeiter nicht als Konsumenten helfen; man kann chm nur als Produzenten helfen. Daß auf den einzelnen Arbeiter zu wenig Glücksgütcr und Genußmittel entfallen, lst m dem Sinne, wie es der Verfasser meint, nämlich rechnerisch, nicht einmal richtig und wird bei einer allge- meinen Anwendung der Mittel der Technik noch viel weniger richtig sein, als jetzt. Aber thalfächlich entfällt auf den Arbeiter recht wenig. Jedoch oas kommt daher, weil Produktionsmittel und Produkt nicht ihm, sondern dem Kapitalisten gehören. Der Ncr bemerkt, es sind lauter bekannte Jrrthümer, welche Vödiker vorträgt; er staunt vielleicht, welche sozialökono- wischen Unrichtigkeiten und Trugschlüsse die ersten und an- gesehensten„wissenschaftlichen" Zeitschriften der Bourgeoisie "och immer verbreiten. Aber die Bourgeoisie wäre nicht me Bourgeoisie, wenn sie sich von diesen Jrrthümern los- wste. Diese Jrrthümer theoretisch und praktisch zu wider- Wen, ist allem Sache der unbefangenen sozialökonomischen Wissenschaft und des sich mit ihr immer mehr erfüllenden Proletariates. Wir rrhalte« folgende« Schreiben: Geehrte Redaktion! -och höre soeiien, daß während meiner kurzen Abwesenheit von Berlin einige Zeitungen, darunter das„Kl. Journ.», Notizen ge- oracht haben, nach welche» ich, der einen Versionzu, olge mit der Schuh- Macher-Slreikkasse nach Amerika durchgebrannt fem soll.— Nach emci- anderen soll ich mich durch mein agitatorisches Auftreten in der sozialdemokratischen Partei unmöglich gemacht haben. Daß Beides vollständig gelogen ist, werden die Schuhmacher-Lohnkom- Mission nnd die Berliner Genossen genau so gut wissen, wie ich. ■ine Ursachen meiner Abwesenheit waren rein persönlicher Natur, welche weder mit der Streikkasse, noch mit politischen Angelegen- hellen das Geringste zu thun hatten.— Ich hoffe, daß diese Zeilen genügen werden, dem Notizenunfug ein Ende zu machen und erivarte ich, daß diejenigen Zeitungen, welche die oben be- Zeichneten Gerüchte in Umlauf setzten, auch Vorstehendes bringen werden. Achtungsvoll M. Baginski. _ In Frirdrichofrlde singt ein Restaurateur in den dortigen Blättern das folgende ergreifende Klagelied: Sehr trübe Erfahrungen hat der Restaurateur M. machen Müssen, weil er sich etwas mehr in die sozialdemokratische Be- wegung eingelassen hat, als die Parität zuläßt, welche ein Gast- wirlh allen Ständen angebeihen lassen mutz. Nachdem sich die Sozialdemokraten durch die von ihnen verhängte Sperre aus so Manchem hiesigen Lokale selbst verbannt hatten, frcqnentirten sie besonders das M.'sche Restaurant, und der Wirth hatte allerdings keine Ursache, die Leute unaufmerksamer zu behandeln als andere Gäste, so lange dieselben sich gleich den anderen Gästen bewegten. Aber die neuen Kunden wollten das Lokal als alleinige Domains beyerrschen. Herr M., der auf eine musterhafte militärische und bürgerliche Vergangenheit zurückblicken darf, vermochte in dem allen einzig die Sicherung einer Geschäftsbemegung zu sehen, welche in seinem Berufe nicht von der Hand zu weisen wäre. Er dachte nicht entfernt daran, daß seinem Lokal allgeinach der Steinpel eines lediglich sozialdemokratischen Bierlokals auf- gedrückt werden könnte. Doch bald mußten ihm die Augen aufgehen, da es nämlich im„Volksblatt" dafür erklärt wurde und die Leute zur Bildung eines Kartenklub schritten, den sie statuteninäßig begründeten und bei der Polizei ohne seine Ge- nehmigung anmeldeten. War bisher der Verlehr bei Herrn M. dadurch in einen unverfänglichen Schein gestellt worden, daß Man dort eine Zahlsteile einer ireien Krankenkasse eröffnet hatte, so mußten die nachfolgenden Publikationen ein anderes eigen- thümliches Licht aus denselben werfen. Die Folge war, daß bis zur Stunde das M.ffche Lokal unter schärfste polizeiliche Beobach- tung gestellt und dem Wirth der Aoend um eine Stunde gekürzt wuroe Vorstellungen seinerseits deswegen hatten begreiflicher- weise kein Resultat. Weil er aber ein derartiges Vorgehen ohne seine Genehmigung sich verbat, so geschah es ihm, dap»hm ge- sperrt wuroe. Der ganze Verkehr wandte sich von dem Manne, der wider Willen in eine Bewegung gezogen war, von dem er Nachträglich nur die bitlerfleu Nachtheile hat. Da sage einer. ob das ehreniverth genannt werden kann. Vielleicht kann dem Mann geHolsen werden? Eine Ä-fchwerdefchrift ist seitens der Berliner Fischer- innuna an das Polizeivräsidium und an den Magiürat der Stadt Berlin gegen die Direktion der städtischen Kannlisattonsverwal- tung abgegangen, worin letztere beschuldigt wird, das Aus!. erben oller Fische auf der Uuterspree, also von Berlin bis Tiesiverder «■ s. 10., veranlaßt und so den Berliner Fischern einen Schaden von Tausenden Mark zugefügt zu haben. Die städtische Kanali- sationsverwaltung liep nämlich in der Nacht vorn Lll Zum 24. Mai d. I. die Nothauslänfe, und zwar voi» 23. Mai Abends e Uhr ab bis zum 24. Mai Nachmittags v Uhr in d,e Ober- wie Unterspree laufen und verursachte durch das plötzliche, so lnahe»- haste Verunreinigen der Spree den Tod der gesairnnten 8�)�, Brut u. s. w. Der eigentliche entstandene Schaden, der den h'estgen STt&K WDkSBEASS angekommen war, ergriff er die Flucht und rannte, verfolgt von» Schuhmann Freitag, in einen Keller des Neubaues. Hier soll er nun seinen Holzpantoffel ausgezogen und sich dem Schutzmann widersetzt haben. Dieser aber machte nun von seiner Waffe Ge- brauch und stieß dieselbe dem Weihe mit großer!iraft auf der linken Seite in den Unterleib, so daß sofort die Eingeweide her- vortraten und der Mann, auf den Tod verletzt, bald nach dem städtischen Krankenhanse gebracht werden mußte. Am Dieustag Uarmittag gegen 10 Uhr bemerkten mehrere Passanten der Spandauer-Charlotenburger Chaussee in der Nähe des Schlosses Ruhwald eine junge, elegant gekleidete Dame, welche, anscheinend sehr erregt, plötzlich nach einer Baumgruppe abbog. Gleich darauf ertönte ein scharfer Knall. Beim Nachforschen fand man die junge Dame mit durchschossener Brust tobt auf dem Rasen liegen. In dem neben ihr liegenden Revolver fanden sich noch fünf scharfe Patronen vor. Ueber die Herkunft der fügend- lichcn Selbstmörderin konnte Bestimmtes nicht festgestellt werden. Dieselbe dürfte kaum das achtzehnte Jahr überschritten haben. Sollte es bei uns nicht ähnlickt fein? Von einem auswärtigen Abonnenten gehen uns folgende Mittheilungen zu: Die Wiener Uhrmacherei befindet sich nach einer Mittheilung in der„Oester. Gewerbe-Zeitung" in einer traurigen Lage, Haupt- sächlich aus dem Grunde, weil sie in der in den letzten Jahr- zehnten immer ärger anwachsenden Schwindelepoche weit mehr als jeder andere Erwerbszweig von dem mit Lug und Trug arbeitenden gewerblichen Piraienthume heimgesucht worden ist. Es ist dies keine zufällige Erscheinung, sondern die natürliche Folge des bedauerlichen Ümstandes, daß selbst der gebildelte und erfahrungsreiche Laie keine Kontrole über die Arbeiten einer Uhr auszuüben vermag und daher leicht zum Opfer eines gewissenlosen, aber zungengewandten Schwindlers werden kann. Nur zu oft ist der wirklich tüchtige und gewissenhafte Uhrmacher, wahrscheinlich infolge der beständig alle Aufmerksamkeit und Ruhe erfordernden Arbeitsweise, in sich gekehrt und wortkarg; er setzt seine ganze Hoffnung in die Erhaltung der Kundschaft und begnügt sich oft mit einer kümmerlichen Entlohnung einer zeitraubenden und ge- wissenhaften Arbeit, nur um nicht viele Worte machen zu müssen. Der mit kaum nennenswerlhen oder gar keinen Fachkenntnrffen ausgerüstete Pfuscher und Uhrenhändler dagegen hat stets nur den momentanen Raub im Auge, seine Stärke und seine Arbeits- kraft ist sein gesundes Mundwerk, er spricht viel und leistet nicht mehr, als gerade nothwcndig ist, um zu ei em möglichst tiefen Griff in die Tasche seines Opfers zu gelangen— was Wunder, daß ein solcher Ehrenmann auch meistens den materiellen Erfolg auf seiner Seite hat. Diese Art Geschäftsleute hat sich bisher vorwiegend nur auf den Nhrenverkauf geworfen, der wenig lukrativen Besorgung von Arbeiten wendete sie sich wenigstens im Großen und Ganzen wegen der damit verbundenen Plackereien nicht mit besonoerem Eiser zu. Nun scheint aoer auch der Reparatnrzweig, in welchem die Preise seit langer Zeit bereits ohnedies so gebrückt sind, daß ein gewissen- hafter Arbeiter darin kaum mehr eine nothdürftige Existenz findet, demselben traurigen Schicksale verfallen zu sollen, in welchem sich das Verlan, Lgeschäft schon lange befindet. Wie es beim Verkaufe seit vielen Jahren kaum mehr möglich ist, ein besseres Fabrikat an den Mann zu bringen, wie in Oesterreich der ekelhafteste Schund die Oberhand gewonnen hat, so daß in der Schweiz sprichwörtlich die schlechtesten Schwindeluhren mit dem Namen„Oesterreichische Waare" bezeichnet werden, ebenso wird nun von gewissenlosen Svcknlanlen darauf hingearbeitet, daß bessere Arbeit zur Unmöglichkeit wird und nochdürstiges Putschen an Stelle sorgfältiger, gewissenhafter Arbeit tritt. Und dahin wird es kommen, wenn der immer größere Ausdehnung gewinnende 90 Kreuzer-Reparaturen-Rummel noch eine geraume Zeit anhält(90 Kr.--- 1,50 M.). Wenn man einen solchen 90 Kreuzer-Herrn ins Kreuzfeuer nimnit und ihn zwingt, Farbe zu bekennen, d. h. sich darüber auszusprechen, ob er glaubt, baß man um den Einheitspreis von 90 Kreuzern Uhren halb- wegs anständig repariren und davei nur den alleretendeften Leoensunlerhalt finden kann, so rückt so ein Meister Billig bald verlegen und kleinlaut, bald auch mit pfiffiger Miene regelmäßig mit der famosen Erwiderung an:„Ich will die Leute mit der Ankündigung des billigen Preises ja nur in mein Geschäft locken; sind sie einnial da, so rede ich ihnen schon ganz andere Preise ein. Für 90 Kreuzer mache ich ja nur des Scheines wegen ganz kleine Abhilfen, die andere Uhrmacher sich gewöhnlich gar nicht bezahlen lasten, thatsächlich lasse ich mir also mehr bezahlen, als jeder Andere." Daß aber diese schäbige Methode die Eriverbs- Verhältnisse der Uhrmacher heute schon lurchtvar bedrückt, weil ein groper Theil der durch die 90-Kreuzer-Jnssrate irregeleiteten Kundschaften keinen Preis mehr für eine Reparatur bewilligen will, um den man etne gute Arbeit noch anSflthren kann, und daß also der ganze Rnmmel einen ollmäligen Ueoergang zur all- gemeinen PfufckMrei zur Folge haben mup, weil nach und nach immer mehr Uhrmacher gezwungen werden, sich auch auf billige Preise und die dadurch bedungene Arbeitsmethode zu verlegen; das können oder vielmehr— woaen die Herren mit der uo-Kreuzer- Moral nicht begrei,en. Polizeibericht. Am 11. d. M. Nachmittags wurde ein Mann beim Ueberschreiren des FahrdammeS an der Ecke der Königs- und Klosterstraße von einem Rollwagen überfahren und am linken Fuß so bedeutend verletzt, daß er nach dem Kranken- Hanse am Frieorichshain gebracht werden mußte.— Ebenso wurde zu derselben Zeit der Arbeiter Herlith, als er am ehemaligen Königsthor den Fahrdamm der Friedensstraße überschritt, von einem Rollwagen überfahren und hierbei an der Brust, den Armen nnd Beinen sä schwer verletzt, daß er bereits auf dem Wege nach dem Krankenhause am Frieorichshain, wohin er gebracht werden sollte, verstarb.— Am 12. d. M. Morgens sprang ein Dienst- mädchen in selbstmörderischer Absicht von der Admiralbrücke in den Landwehrkanal, wuroe jedoch, ohne Schaden genommen zu haben, von vorübergehenden Personen herausgezogen und nach der Wache des 47. Polizeireviers gebracht. Gevickks Äeiknng. Ipas ,,SerIi»er polltoblatt" vom 30. Juli v. I. enthielt eine Mittheilung an die deutschen Schuhmacher, daß bei dem hiesigen Schuhmachermeister Machill, Brunnenstr. 116b, welcher eine Arbeitszeit von 6 Uhr Morgens bis 8 Uhr Abends und dann noch Sonntagsarbeit festgesetzt habe, ein Streik der Kollegen ausgebrochen, und daß die Arbeitssperre über die Werkstätte des M. verhängt worden sei. M. strengte hierauf gegen den Redakteur deS„Berliner Volksblatt", Cronheim, die Privatklage an, worauf letzterer in erster Instanz auch zu 100 M. Strafe verurtheilt, in zweiter Instanz aber freigesprochen wurde, indem der Berufsrichter in den obigen Mittheilungen um so weniger, als sie der Wahrheit entsprachen, einen Angriff auf die Ehre des M. zu finden ver- mochte. M. legte hiergegen Revision ein, der sich— ein sehr eltener und hier überhaupt noch nicht vorgekommener Fall— diesmal auch die Staatsanwaltschaft aus Gründen des allge- meinen öffentlichen Interesses anschloß, worauf aber das Kammer- gericht in Rücksicht auf die unanfechtbare Feststell ng des Vorder- richters auf Zurückweisung der Revision des M. und ebenso wegen verspäteter Annieldung aus Zurückweisung der Anschlußrevision der Staatsanwaltschaft erkannte. . In einer Arbeiterversammlung hatte Jemand erne Briefkasten-Frage gestellt tn Bezug auf das Verhalten des Einzelnen gegenüber jenen Lokalbesitzern, welche ihre Lokale den Arbeitern verivehren. Vorn Vorstandstische wurde seitens des Vorsitzenden, Arbeiter M i e l e n z, diese Frage dahin beantwortet, daß„ jeder an st ändige Mensch solche Lokale ver- meiden solle, bei welchen manbefürchten müsse, hinausgeworfen zu werden!" Der Amtsvorsteher von Adlershof, in dessen Amtsbereich dieser geschilderte Vorgang sich zugetragen, hatte dem Mielenz daraufhin wegen groben Unfugs ein Strafmandat in Höhe von 15 Mark zugehen lassen. Das Köpenicker Schöffengericht aber er- kannte auf Freisprechung. Der Amtsanwalt dagegen ver- focht die Anschauung des Amtsvorstehers, daß die Aeußerung des Mtelenz offenbar einer Aufforderung zum Boykott ähnlich sähe und, weil in öffentlicher Versammlung geschehen, als grober Unfug zu ahnden sei. In der Berufungsinstanz vor der Strafkammer oes Landgerichts II bestritt Rechtsanwalt Heine, daß weder der Boykott beabsichtigt, noch grober Unfug verübt worden sei, son- der» daß vieltnehr der Angeklagte lediglich in berechtigter Form einen ziveifelnden Frager belehrt habe. Der Staatsanwalt bean- tragte den BerusungSrechtfertigungsgründen gemäß 4 Wochen Haft gegen Mielenz. Die Strafkammer indessen erkannte aus Freisprechung unter Verwerfung der Berufung des Amts- anwalts. Arbeiterbetvesung. In Stettin fand am 10. Juni, wie die„Ostsee-Ztg." berichtet. eine Versammlung von in der Schneiderbranche beschäftigten Arbeitern und Arbeiterinnen statt. Es wurde der Ansicht Aus- druck gegeben: Es gehöre eine straffe Organisation, sowohl unter den männlichen wie weidlichen in der Schneiderei beschäftigten Arbeitern dazu, um einen Streik mit Erfolg durchsühren zu können; zu diesem Zweck wurden die Versammelten ausgefordert, sich zu organisiren und dem„Schneider-Verband" bezw. dem „Verein der Nähterintten" beizutreten, um eventuell im nächsten Frühjahr soweit gerüstet zu sein, um an einen Streik denken zu können. Kamburg. Zum Kapitel der schwarzen Li st en Den Ewerführerbaasen ist vom Verband der Eisenindustrtcllen eine Liste, auf welcher 15 Schiffszimmerer als Streikende ver- zeichnet sind, zugesandt worden. Auf der Liste ist genau der Name, der Wohnort(meistens wohnen die Bezeichneten auf Wik- Helmsburg und Neuhof), sowie die letzte Arbeitsstelle, die Werft von Wiechhorst auf dem Kleinen Grasbrook, angegeben. Uns wundert nur ein's dabei. Das ist die Begriffsverwechselung, die bei dem Verband der Eisenindustriellen chronisch zu werden scheint. Die obengenannten Schiffsziinmerer werden auf der Liste(jals Streikende bezeichnet, während sie zur Strafe für die Feier des 1. Mai seitens deS Herrn Wiechhorst ausgesperrt wurden. Zwischen einer Aussperrung seitens der Arbeitgeber und einem erklärten Streik seitens der Arbeiter ist nach unserer Auffassung doch ein großer Unterschied. Der Zweck der Zusendung ist leicht ersichtlich. Da die hiesigen Schiffszimmerer mit den Hafenverhältnissen sehr vertraut sind, so mnthmaßt der Verband der Eisenindustriellen, daß die Ausgesperrten, um Brot für ihre Familien zu schaffen, sich dem Etversührerbetriebe zuwenden. Um ihnen dies avzu- schneiden, ist die Liste an die Baasen versandt. Seitens der Letz- teren ist gleichfalls eine Liste angefertigt worden, auf der zirla 160 Ewersührer-Tagelöhner verzeichnet sind. In erster Linie stau« riren darauf die Mitglieder des Vorstandes und der Lohn« kommission. Kurioser Weise finden sich auch Namen von Leute» darunter, die sich während des Streiks gar nicht hervorgelhan haben. Wahrschetnlich hat noch dieser oder jener Baas so ein Extra- Racheäktchen aus früherer Zeit zur Ausführung gebracht. Die Herren leisten wirklich in dem Aussäen von Un-nfriedenheit das denkbar Mögliche. Daß die Herren ihre Interessen wahren. verdenkt ihnen Niemand. Aber jetzt, nachdem der Kampf um die verschiedenen Interessen entschieden und der eine Theil der kämpfen- den Parteien unterlegen ist, sollten sie doch nicht den Samen für zukünftige Nnzuträglichkeiten säen. An Magbebupg wurde am 10. Juni eine öffentliche Maler« und Anstreicher-Versammlnug gehalten, welche folgenden Beschluß faßte: Die heule im Platz'schen Vereinshause tagende öffentliche Maler-, Lackirer- und Anstreicher-Versammlung beschließt, den Streik zu vertagen; sobald jedoch günstige Verhältnisse eintreten, soll derselbe wieder eröffnet werden. Bel dem ziveiten Punkt der Tagesordnung wurde folgender Antrag ebenfalls angenommen: Die Versammlung beschließt, ein Bureau zu bilden, wo selbst- stündig Maler-Arbeitcn entgegengenommen werden. Die sich daran betheiligenden Gehilsen finden sich Mittwoch Vor- mittag in Klaue's Restaurant zur Berathung weiterer Schritte ein. Hierbei wurde bestimmt, daß das Biirean einen Leiter und einen Stellvertreter zu wählen habe, die außerhalb der Vertrauens« männer stehen. Weiter wurde beschlossen, dem Publikum durch Anzeigen von dem Bestehen des Bt.reaus Kenntnis) zu geben und die Verhältnisse desselben, wie die Preise für Malerarbeiten zu veröffentlichen. Das Vüreau soll wieder aufgehoben werden, wenn nachträglich noch eine Einigung mit den Meistern erfolgt, weshalb die Vertrauensmänner bestehen bleiben. Die Kchuhmachrr in Deninarltt(Schlesien) haben den Beschluß geiaßt, von den Unternehmern eine 2Sprozentige Lohn- erhöyung zu fordern und die Erklärung abgegeben, bei Sticht- bewilligung ihrer Forderung in 14 Tageil den Ausstand zu beginnen. Sozinlo Lteverstttzk. ArbeitsrinstrUung. In der Hutfabrik vonNoessel, Brun- nenstraße 123, ist. vorgestern ein Streik ausgebrochen. Vier Pressern wurden am Sonnabend, ohne daß ihnen vorher eine Mitlheilung gemacht wurde, Lohnabzüge bei einer Sorte Hüte in Höhe von 5 Psennig pro Dutzend gemacht. Am Montag wurde ihnen eröffnet, daß der Unternehmer für diese Form nicht mehr zahlen könne. Die vier Presser legten infolge dessen die Arbeit nieder. Die Organisation der Hutmacher berief die männlichen Arbeiter dieser Fabrik zu einer vertraulichen Besprechung nach der Herberge, Weinstr. 11. Das Resultat dieser Besprechung war, daß ein Schriftstück ausgearbeitet wurde, welches be- sagte, daß die vier Presser zu den alten Bedingungen bis Sonnabend wieder einzustellen seien; im anderen Falle würde das Personal kündigen, so daß am 25. die Arbeit niedergelegt würde. Herr Noessel junior berief seine Arbeiter zu- samiuen und legte ihnen die Frage vor, ob alle Arbeiter an- wesend seien, die das Schriftstück unterzeichnet hätten. AIS die Frage bejaht wurde, fragte Herr Noessel weiter, ob Jemand seine Unterschrift zurückziehen wollte. Als dieses entschieden verneint wurde, entließ Herr Noessel seine sämmtlichen Arbeiter unter Be- zugnahme auf einen Paragraphen seiner Fabrikordnung, von dem er annimmt, daß ihm derselbe das Recht hierzu giebt, sofort. Die Arbeiter der Hutbranche werden auch in diesem Falle ihr Solidaritätsgefühl zeigen. Zuzug ist strengstens fern zu halten. Achtung! Arbeiter des Süden nnd Westen Berlins. Gelesene Arbeiterblätter zur besseren Agitation in den Provinzen werden in folgenden Sammelstellen entgegengenommen: Otto Klein, Ritterstr. 15 im Laden, C. Retzerau, Heini- und Bergmann- straßen-Ecke im Restaurant Ammer; Paul Sucker, Fichtesir. 26, W. Werner, Bülowstraße 64, P. Schröder, Kreuzbergstraße 15. Diejenigen Genossen der Provinzen, welche Arbeiterblätter zur Vertheilung in ihren Kreisen zugesandt haben wollen, mögen ihre Adressen an Herrn Otto Klein, Zigarrenh...i0ler, Berlin L., Ritter- strahe 15, abgeben. Die Kommffpon: I. A.: Otto Klein, Ritter- strafte 15. VersÄmmlunsen. Gin» öst'entliche Uersammlung d»r Rohrieger nnd K«»«fsg»noss»n fand am Mittwoch Abend in Feuerstcin's Lokal, Alte Jakobstr. 75, statt. Auf der Tagesordnung stand als erster Punkt ein Vortrag des Reichstagsabgeordneten Msetzger (Hamburg). Der Referent war aber dringender Berathung halber am Erscheinen verhindert und man schritt deshalb zur Erledigung des zweiten Punktes: Berichterstattung über den allgemeinen Metallarbeitcrkongrest zu Weimar. Hierzu erhielt Herr R e ck n e r, der die Rohrleger nnd Berufsgenossen auf dem Köngrep vertreten hat, das Wort. Redner konnte sich angesichts der umfangreichen Verhandlungen nur darauf beschränken, die wichtigsten Punkte aus denselben wiederzugeben; die Einzelheiten werde das ausführliche Kongreß- Protokoll enthalte, welches dem- nächst in Druck gegeben werden solle. Als bemerkenswerth hob er hervor, daß die Former laut Bericht in den letzten acht- zehn Monaten 179 OOO Mark zur Unterstützung für streikende oder ausgesperrte Kollegen verausgabt haben; von dieser großen Summe hätten die Berliner Former 32 OOO Mark aufgebracht. Die Mehrheit des Kongresses sei mit der Schaffung einer große» Zentralisation im Prinzip einverstanden gewesen, habe aber aus praktischen Gründen von der Errichtung einer„Deutschen Metall- arbeiter-Union" Abstand genommen, weil eine derartige Vereini- gnng angesichts des Mangels einer einheitlichen Vereins-Gesctz- gebnng nicht zu Stande gebracht werden könne. Der Kongreß habe für jede einzelne Branche Vertrauensleute gewählt, welche mit Durchführung der Beschlüsse betraut sind; da dieselben aber der Hilfskräste bedürfen, sei beschlossen, noch Vertrauensleute für einzelne Bezirke zu wählen. Ferner habe man sich dafür erklärt, in Orten, in denen die weibliche Arbeitskraft in der Metallindustrie umfang- reich zur Verwendung gelange, Metallarbeiterinnen-Vereine ins Leben zu rufen. Den ausgesperrten Hamburger Kollegen sei aus- reichende Unterstützung zugesichert worden. Eine Resolution, nach welcher die sozialdemokratische Fraktion des Reichstages aufgc- fordert� wird, für volle Koalitionsfreiheit und eine einheitliche Vereinsgesetzgebung einzutreten, habe einstimmig Annahme ge- funden. Bezug aus den Arbeitsnachweis sei man zu der An- ficht gekommen, daß den Arbeitern die Leitung überall verbleiben müsse, doch könne den Arbeitgebern, wo es angänglich sei, eine bestimmte Mitwirkung eingeräumt werden, da sich derartige Einrichtungen als rortheilhaft er- wiesen hätten.— Zur Diskussion sprachen die Herren Fischer, Becker, Karpen kiel und Linke. Am Schluß derselben wurde ein Antrag angenommen, in welchem Herrn Reckner für seine Thätigkeit auf dein Kongreß volle Anerkennung ausgedrückt wurde. Räch längerer Besprechung des Gegenstandes wurden die Herren Becker und K a r p e n k i e l in die Streik- Kontrolkom- Mission gewühlt. Zum Schluß beschäftigte die Versammlung sich mit einer Resolution, durch welche die Anwesenden aufgefordert wurden, den„Verl. Lokal-Änzeiger" abzubestellen, nicht in dem- selben zu inseriren und auch nicht bei den Leuten zu kaufen, welche Annoncen in dem Blatte erlassen. Als Grund für diese Maß- regel wurde auf das Verhalten des Herrn Scherl seinen Setzern gegenüber hingeiviesen. Der Resolution wurde einhellig zuge- nimmt. Mit entern dreifachen Hoch auf die moderne Arbeiter- dewegung schloß die Versammlung. Eine LftstutUch» Uorsninmtung der Dachdecker Ker- lino tagte am 9. d. M. im Lokale Alte Jakob�raße 75 mit fol- gender Tagesw.dnuug: 1. Vortrag des Herrn Stadtverordneten Heindorf über Getverbeschicdsgcrichte. 2. Stellungnahme zur Zentral-Strc.ik-Konlrolkommission. L. Verschiedenes. Vorsitzender war Herr Rackwitz. Da der Herr Referent nicht erschienen war, so wurde erst zum zweiten Punkt der Tagesordnung geschritten. Die Herren Mehrlein und Rackwitz legten den Zweck und die Ziele der Zentral-Streik-Kontrolkoinmission klar. Es wurde dann beschlossen, 2 Mann zu wähle». Gewählt wurden Mehrlein nnd Delahoye. Unter„Verschiedenes" wurde dann der Streik der Kölner Dachdecker behandelt. Herr Rackwitz legte es de» Theil- nehmern der Versammlung recht" warm ans Herz, die Kollege» in Köln recht stark und auf dem schleunigsten Wege zu unter- stütze». Es wurden dann wegen dieser Angelegenheit drei Zahlstellen errichtet, und auch bekannt gemacht, daß bei Kollege Mehrlein Sammellisten zu haben sind. Die Zahlstellen befinden sich für den Süden bei Herrn Gönitz, Waldein.irstr. 23, Hof I. bei Krauste, für den Norden bei Herrn Kaufmann, Fehrbellinerstr. 31, vorn IV., für den Osten bei Herrn Mehrlein, Falckensteinstr. 9, vorn IV. Dann sprach Herr Mehr- lein»och über den dritten deutschen Jnnungstag, welcher vor Kurzein in Berlin tagte. Die Zlusführiingen wurden mit großen! Beifall aufgenommen. Da der Herr Referent nun erschiene» war, so wurde ihm das Wort zu seinem Vortrage ertheilt. Redner erging sich dann in demselben über den Ziveck und die Ziele der Gewerbegerichte, und erniahute zum Schluß noch einmal zu recht reger Betheiligung an der Organisation. Der Vortrag wurde niit großem Beifall aufgenommen. Nachdem Herr Nackwitz dann noch eniige Worte in Betreff des Verbandes an die Ver- sammlung gerichtet hatte, wurde die Versamnilung geschlossen. Urr Zsachverei« drv Schlolsr» und Maschinrnban- Arbeiter Aeriino und Umgegend hielt am 2. Juni, in Nehlitz Salon, Bergstr. 12, eine Mitgliederversanimlung mit folgender Tagesordnung ab: 1. Vortrag des Herrn Pens über kapitalistische und sozialistische Moral. 2. Diskussion. 3. Auf- nahine neuer Mitglieder und Entrichtung der Beiträge. 4. Verschiedenes und Fragekastcn. Zuin 1. Punkt erhielt Herr Peus das Wort zu seinem Vortrag. Derselbe erledigte sich dessen unter großem Beifall der Versammlung. In der Diskussion sprachen mehrere Redner iin Sinne des Referenten. Zur Aufnahme Niel- deten sich mehrere Kollegen. Bei Verschiedenem wurde bekannt gemacht, daß der Ring der hiesigen Brauereien einen Riß er- halten hat, indem schon verschiedene Brauereien die Forderungen der Brauergesellen bewilligt haben. Ferner ivurde bekaniit gemacht, daß der Zuzug nach Hainburg streng fern zu halten ist, da die Unternehmer Hamburgs den Versuch machen wollen, die Organisation der Arbeiter aus- zulösen; würde dasselbe gelingen, so würde man in verschiedenen Orten dasselbe thun; darum ist es Pflicht eines jeden Kollegen, die Arbeiter thatkräftig zu unterstützen. Nach Erledigung des Fragekastens erfolgte der Schluß.— Der Arbeitsnachweis für Schlosser und Maschinenbau- Arbeiter befindet sich im Süden Dresdenerstr. 116 bei Gründet, im Norden Anklamerstr. 49 bei Nürnberg, und ist geöffnet Abends von 8— 10 Uhr, Sonntags Vormittags von 10—12 Uhr... Eine Mitgliederverjammlnug der Freie» Vereinigung der Seifensieder und Berussgenossen Berlins und Umgegend tagte am Sonnabend, den 7. Juni, in Scheffer's Saal, Jnselstraße 10. Auf der Tagesordnung stand: 1. Vortrag des Herrn Pirch über:„Das Recht auf Arbeit." 2. Diskusston. 3. Vereinsangelegenheiten und Verschiedenes. Ter sehr interessante Vortrag wurde mit großem Beifall ausgenommen. An der Tis- kussion betheiligten sich mehrere Redner. Hierauf richtete der Vorsibende den Appell an die Versammlung, nur unsere Arbeiterpresse"„Berliner Volksblatt" und„Berliner Volks-Tribune" zu lesen nnd nicht mehr die bekannten Schund- und Schmutzblatter zu beachten. Dann schloß der Vorsitzende die Versammlung m,t einen, Hoch auf die internationale Arbeiterbewegung. Ei»» öff»nttiche Schuh,»achrb-Urrsaininln, ig tagte am 9 d M. in den Bürgersälen, Dresdenerstraße 96. Tagesordnung: 1 Stellungnahme zur Streik-Kontrolkominisston. 2. Diskusston. 3. Wahl von Revisoren zur Prüfung der Abrechnung vom verflossenen Streik. 4. Verschiedenes.� Zum 1. Punkt reserirte Herr R. Baginski. Redner schildert ,n längerer klarer Ausfuhrung die empfindlichen Mißstände unserer heutigen Produktlonswelse und die Ausbeutung der Arbeiterklasse. Sowohl von Seiten der Arbeiter als auch von Seiten des Kapitals werden stets neue Kampfnsittel erfunden, um den Gegner zu bewältigen. Als ein solches sei auch die Streik-Kontrolkoninsisl>oil zu betrachten, die ins Leben gerufen werden soll, um eine gegenseitige Regelung der Streiks in Berlin herbeizuführen. Redner erklärte sich zwar nicht in allen Punkten mit dem Projekt einverstanden, doch könnte die Kommission in gewisser Hinsicht für die Arbeiterschaft Berlins recht segensreich wirken. In der sehr lebhaften Tis- kussion sprachen sich einige Redner direkt gegen die Streik-Kontrolkonimission aus, die Mehrzahl aber unter gewissen Bedingungen dafür und wurden schließlich, nach einem dahingehenden Antrage drei Dclegirte(Kollegen Fischer, Fleischer und Niederauer) geivählt, mit dem Auftrag, nur dann für die Errichtung einer Streik-Kontrolkomiiiission einzutreten, wenn die- selbe nicht die Befugniß erhält, Streiks überhaupt zu verbieten, ferner, wenn dieselbe nicht mit dem Einführen weiterer Kontrol- marken vorgehen soll, sondern sich hauptsächlich mit der Regu- lirung der Forderungen der Streiks auf dem Boden der modernen Arbeiterbeivegung zu befassen, und sonstige hervortretende Miß- stände zu beseitigen hat. Z» Punkt 3 gab Kollege Süßmeier einen kurzen Rückblick über den verflossenen Streik und wurden dann die Kollegen Krasnick, Menzel und Kuchenbäcker zur Prü- fung der Abrechnung gewählt. Zu Punkt Verschiedenes führte Kollege Fischer an, daß eine Notiz durch verschiedene s— e Blätter(„Berk. Morgenzeitung" und„Märk. Volkszeitung") ge- gangen sei, nach welcher die Kollegen M. Baginski und Klinger Sommerreisen angetreten hätten und sich nun von den Groschen der Arbeiter mästeten. Redner erklärte diese Behauptung unter stürmischem Beifall der Versammlung für eine ganz gemeine Lüge. Wenn solche Blätter doch mehr von den Herrn schreiben würden, welche sich thalsächlich von den Thalern und Schweiß- tropfen der Arbeiter mästen. Nach einer Mittheilnng des Kol- legen Fleischer, daß nächsten Montag eine öffentliche Schuhmacher- Versamnilung stattfinde, zur Gründung einer Zahlstelle des Ver- eins deutscher Schuhmacher, entspann sich eine längere, theilweise sehr erregte Debatte über Lokal- oder Zcntral-Organisation und wurden alle Kollegen aufgefordert, sich an dieser"Versamnilung, welche bei Feuerstein, Alte Jakobstraße, stattfindet, recht zahlreich zu betheiligeti. Eine groffs öffentliche Uerfammlnng der Graveure nnd Ciselrnre tagte am Dienstag, den 10. d. M., bei Fenzke, Landsbergerstraße 37, unter Vorsitz der Kollegen Zack, Tieke, Woyewotka mit folgender Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn W. Werner über„Kapital und'Arbeit". 2. Diskussion. 3. Stellungnahme zur Streik-Kontrolkommission. 4. Ist es zweckmässig, in diesem Jahre einen Kongreß der Graveure und Eiseleure statt- finden zu lassen? 5. Verschiedenes. Da Herr Werner noch nicht erschienen war, wurde zu Punkt 3 übergegangen; nur Kollege Rone, welcher sich über die eigentliche Bedeutung des Punktes nicht klar schien, sprach dagegen, während die Kollegen Janzcek, Blümke, Gutlmann und Zack energisch für die Betheiligung an der Streik-Kontrolkommission eintraten und wurden zu dieser Kommission die Kollegen Zack und Woyewotka gewählt.— Punkt 4 besprach Kollege Zack in eingehender Weise, indem er betonte, daß über diesen Punkt die Kollegen verschiedener Städte Deutschlands schon diskutirt hätten und nur auf das Vorgehen der Berliner Kollegenschaft warteten. Nach kurzer Debatte wurde ein vom Kollegen Woyewotka gestellter Antrag, diesen Punkt bis zur nächsten öffentlichen Versamnilung zu ver- tagen, um daß siai dann ein Jeder recht klar über den eigent- lichen Zweck eines solchen Kongresses sei, einstimmig angenommen. — Nun übernahm Herr Werner, welcher inzwischen erschienen, sein Referat, beleuchtete in demselben die Entwickelung des Kapi- lals und schilderte in treffender Weise die dadurch entstandenen, heutigen ivirthschaftlichen Verhältnisse. Redner erntete für seinen einstiindigen Vortrag reichen Beifall und wurde nach kurzer Diskussion, in welcher sich alle Redner im Sinne des Referenten aussprachen, folgende Resolution:„Die heute am 10. Juni 1890 bei Fenzke, Landsbergerstraße 37, stattfindende öffentliche Ver- sammlung der Graveure und Eiseleure erkennt die'Ausführungen des Referenten als durchaus richtig an, und verpflichten sich alle Anivesenden, um der Macht des Kapitals kräftigen Widerstand entgegensetzen zu können, durch Beitritt zur freien Vereinigung dahin energisch zu wirken, ihre jetzige Lebensstellung zu verbessern", einstimmig angenommen. Nach dem Schlußwort des Referenten theilte zu Verschiedenem der Vorsitzende das Ausscheiden des Kollegen Guttmann aus der Agitationskommission mit und wurde an Stelle dessen Kollege Micha» gewählt.— Mit einem begeistert aufgenommenen Hoch auf die allgemeine Arbeiterbewegung schloß der Vorsitzende die gut besuchte Versammlung. Ein» Versammlung»rbeitolaser Maurer, Putzer und Zimmerer mar für gestern, den 12. d. M., Vormittags nach dem großen Saale der Berliner Bock-Brauerei(Teinpelhojer Berg) von dein Maurer Herrn WilhelmKerslan einberufen worden zur Klarlegung der Lage des Hamburger Streiks. Die Versamm- lung tagte unter Vorsitz der Herren K er st an, Ortland iind S ch i g e l s k i, während Herr S t a u i n g(Hamburg) rese- rirte. Derselbe legte die bereits bekannten Ursachen des Streiks klar und bezeichnete die Lage des Streiks als eine günstige. Der allerdings bedeutende Zuzug nach Hamburg falle nicht so sehr ins Gewicht, da von den 5525 Mitgliedern des Fachvereins der Maurer 4000 bereits abgereist und sümmtliche Mitglieder fest cnt- schlössen sind, den Kamps bis zum Aeußersten durchzuführen. Auch ständen den Streikenden Hilfsmittel zu Gebote, an die die In- nungsmeister ivohl nicht geoacht hätten. Auch rechneten die Streikenden auf die Unterstützung nicht nur der Arbeiter Deutschlands, son- der» der ganzen zivilisirten Welt. Ohne Berlin dafür verantwortlich machen zu wollen, konstatirte Referent doch, daß der Zuzug von Berlin besonders stark sei. Es sei dies nicht gerade angenehm und richtete Referent demzufolge Namens der Hamburger Kollegen an die Berliner arbeitslosen Kollegen die Bitte, nicht nach Hain- bürg zu machen. Würde es den Jnnungsineistern gelmgen, mit Hilfe des Kapitals die Hamburger Arbeiter- Organisalionen zu sprengen, welche bisher für die besten galten, so seien die ge- sammlen Arbeiter-Organisationeil Deutschlands in Gefahr, so gingen die Arbeiter Deutschlands einer sehr trüben Zukunft entgegen. Im weiteren Verlaufe seiues Vortrages schilderte Redner die Drangsalirungen der Arbeiter, wie sich alle herrschenden Ge- ivalteu vereinigt hätten, um iden Arbeitern als Revanche für den 20. Februar d. I. eine Schlappe beizubringen. Der Kamp, sei noch lange nicht zu Ende und würde vielleicht im nächsten Jahre forlgesetzt werden müssen, doch ztveiselte Reoner nicht an dem endlichen Siege der Hamburger Bauarbeiterschast. Der Hamburger Streik habe nicht lediglich ein lokales Interesse, sondern sei ein Theil des großen Kampfes zwischen Kapital und Arbeit, und ersuchte Referent nochmals die Berliner arbeitslosen Kollegen, nicht zum Streikbrecher zu iverdeu. Der Korreferent, Herr Meier(Hainburg), schloß sich im Wesentlichen den Dar- legungen seines Vorredners an und beleuchtete insbesondere noch die Nothwendigkeit der Verkürzung der Arbeitszeit und die Be- rechtigung der gestellten Forderungen der Hamburger Bauhand- werter, neunstündige Arbeitszeit und 60 Pf. Stundenlohn. Redner zeigte ferner, daß in Hamburg, wie auch in Berlin, die Arbeit künstlich zurückgehalten werde und mit Tausenden von Arbeiterecistenzen ein frivoles Spiel getrieben werde. Man suche nach Möglichkeit frenide Arbeitskräfte nach Hamburg zu im- portiren, doch müsse dieses Vorhaben kräftigst hintertrieben werden. Bisher betrage der Zuzug nur 500 Mann. In späterer Zeit würden die Hambiirger Kollegen sich dankbar zu erweisen wissen. Darum müsse die Parole für alle Arbeitslosen lauten: Nicht nach Hamburg! Herr Ortland ermahnte seinerseits ebenfalls, dem Drucke des Kapitals einen Damm entgegenzusetzen und dies könne in erster Linie geschehen durch Fernhaltung des Zuzuges nach Hamburg und in weiterer Linie durch allgemeinere Verkürzung der Arbeitszeit. Des Weiteren nahm auch noch Herr Banker(Hamburg) das Wort, welcher sich hauptsächlich über die gewerkschaftliche Bewegung verbreitete. Herr Kerstan führte seinerseits lebhaste Klage darüber, daß auf dem Lehrter Bahnhose die Berliner Polizei Niemanden zulasse, der nicht als Maurer nach Hamburg, volle. Auch in Hamburg würden alle Machtmittel in Anwendung gebracht. Dort würden sogar harmlose Arbeiter für das Verbrecheralbum konterfeit. Auch er erkannte es als jedes Arbeiters Pflicht, ben Hamburger Klassenkampf durchführen zu helfen._ Jwf1 müsse darin mitwirken, Ausklärung zu verschaffen ganz Deutschland darüber, daß die Forderungen her Hamburger Maurer noch keineswegs bewilligt snch- wie in lügnerischer Weise in auswärtigen Blättern verbreitet werde. Seitens der Hamburger Kollegen wurde auch ganz ent- schieden der Behauptung entgegengetreten, daß die Hamburger Maurer hier in Berlin unter dem ortsüblichen Tagelohn arbeiten und wurde dies auf ein ausgesprengtes Gerücht der Innung-- meister zurückgeführt. Nach weiteren Verhandlungen gelangte soll gende Resolution einstimmig zur Annahme: „In Erwägung des Kampfes, der sich in Hamburg zwischen den Maurern, Zimmerern einerseits und dem Unternehmerthuin andererseits abspielt, beschließt die heutige Versammlung, sich"ch den Hamburger Kollegen solidarisch zu erklären und verspricht, mit allen ihr zu Gebole stehenden Mitteln zum Siege der Arbeiter beizutragen und hauptsächlich für möglichste Unterstützung der Hamburger Kollegen durch Abhaltung des Zuzuges einzutieten. Zum Schlüsse ivurde die allgemeine Lage erörtert. Mit einem dreifachen Hoch auf den Sieg der Hamburger Bauarbeiter schwp die Versammlung. De» Fackvevri» der Putzer hielt am Sonntag, den«. d. Mts., in den Bürgersälen, Dresdenerstr. 96, seine regelmäßige Mitgliederversammlung ab. Das geräumige Lokal war bis ztn" letzten Platz angefüllt. Aus der Tagesordnung stand: Berathung über§ 6 des Vereinsstatuts, welcher über den zu gewährenden Rechtsschutz der Mitgliedschaft gegenüber handelt. Hierzu war der Anwalt des Vereins, Herr Freudenthal, geladen, welcher einen belehrenden Vortrag hielt. Redner erntete hierfür den reichsten Beifall. In der daraus folgenden Diskussion sprachen sich noch folgende Kollegen im Sinne des Referenten aus: Buch- holz, Dähne, Kröbel und als Berichterstatter der Statuten- revifions-Kouimission, Kollege Diedrich. Vom Kellegen E. Siina- nowsky war folgende Resolution der Versammlung unterbreitet worden: „Die heutige in den Bürgersälen Dresdnerstr. 96 tagende Mitgliederversammlung des Fachvereins der Putzer Berlins uno Umgegend erklärt sich mit dem neuverbesserten Paragraph 6, sowie mit den Ausführungen des Referenten voll und ganz einver- standen, da nur aus solchen Gründen sich etwas gutes für das Wohl der Mitglieder des Vereins erzielen läßt." Dieselbe wurde, sowie auch der neue Paragraph 6 einstimmig angenommen. Noch* dem ein Unterstützungsgesuch eines kranken Kollegen auf 30 Mark bewilligt lvar, kam ein Fall zur Sprache, wo ein Mitglied de- Vereins gemaßregelt worden, weil es nicht 10 Stunden arbeiten wollte. Es war auf dem Bau des Herrn Maurer»ieisters Garbe bei dem Putzmeister Jobke. Nachdem noch einigt interne Angelegenheiten des Vereins geregelt waren, wurde noch seitens des Kollegen H. Neumann aufmerksani gemacht, daß infolge der Annonze der Bundcsmeister an den Säulen in der vergangenen Woche 48 Maurer nach Hainburg gereist sind. Es sind später noch 40 Mann nachgereist. Das sei sehr verwerflich, da doch die Hamburger Maurer im Streik liegen; es würden auch Putzer verlangt, jedoch warne er jeden Kollegen, trotzdem in Hamburg die Arbeit besser bezahlt würde als hier am Ort, sich nicht verleiten zu lassen, als Streikbrecher aufzutreten. Zum Schluß wurden den Greizer Webern 150 M> aus der Vercinskasse bewilligt. Gin» öffentlich» V»rla>»»tln>ig der Tischler»n* Klavierarbriter fand am 9. d. M. im Böhmischen Brauhaus statt. Auf der Tagesordnung stand die Wahl von Mitglieoern zur Zentral- Streik- Kontrolkommission. Das einleitende Referat hatte Herr Rod. Schmidt übernommen, der in kurzen Worten aus die Beoeutung dieser Kommission hinwies und die Nothwendig- keit betonte, daß auch die Tischler und Klavierarbeiter ihre Ver- treter hierfür zu wählen haben. Nach längerer Diskussion wurde» zn Mitgliedern der Zentral-Streik-Kontrolkommission geivählt die Kollegen Rod. Schmidt, R. Millarg und B. Bruns. SaAjvtrtin btv Aii»ii»ari>»it«r. Montag, den io. d. MU., Abends 8)J N»r, Versammlung, Oramenstrcche i«o. Vortrag de» Herrn Röhlte über Voltsernaiirung und Voilsetnlommen. Ersatzwahl eines Revisors.— Da- Sommersest findet Eonnabend, den m. Juni, in der UnionS-Blaueret, Hase»' Haide, statt. Zahlstellen find Adalbertstr.«. Restaurant Herschleb, Sonnabends und Montags von Uhr, Rttterslraße 21, Montags von 7—« Uhr tn> Restaurant Judisch. Allg. Kranken- und pterbekatsc der UetaUarbeiter(E. H. zo, Hain- burgi und Zentral-Kranten- und Sterbetasfe der Metallarbeiter(E. H.»e- Hamburg)„Vulkan", Ftltale Berlin«, Sonntag, den io. d. Mrs., Vormittag» lois Uhr, Gartenstr. loa bei Meißner, außerordentliche Mitgliederversammlung- Tagesordnung: i. itafienbericht. s. Wahl der gesammten Orrsverwallung- 9. Verschiedenes „Univrrsnin", Lese- und TiSkutirklub, heule, Freitag, den 13. Juni cr„ Abends 8 Uhr, im Restaurant Böhland, Bulowstr. 52: Besprechung der Mitglieder. Verschiedenes. Um recht rege Theilnahme wird ersucht. Nrrri» der Klempner jhierli»»»Ild zlmgegend. Sonnabend, den lt. Juni er.: Großes Sommersest in der„Reuen Weit", Hasenhaide. Konzert und Auftreten säniintlicher Spezialttätc». öffentliche z>oll>«verlamml«ng am Freitag, den 13. Juni, Abends 8% Uhr, ia Mundt's Salon, Kopnickerstr. ioo, Allgrlnriner ZtletaUarlieitcr-Nrrein Merlin»«nd Zlingearnd. Ai» Sonnabend, den 21. Junt 1830: Seiiiüthllchcs Tanzkränzchen ln Renz' Salon, Jnh. A. Uebel, Rauiiynstr. 27. berliner Kranke»- und Kcgräbnihkals» für Krane» nnd ZUtidch»" (ffi. H. 97). Am Montag, den 23, Juni 1890, in Beyer'« Lokal, Reue Grün- straße u: Generalversammlung. Jrdeiter-tSesangverei«„Nord". Am Sonntag, den 15. Junt, Herren- Parite nach Frtrdrichshagen. Trefipuntl Bahnhof Aleranderplatz präzise % Uhr. Um zahlreiche« Erscheinen der Mitglieder wird gebeten. N>»sik-Diletta„t»n-Ne?e>n„Bloch,". Alle Freitage Ucbung Strauß- bergerstraße 3. A» die Kellner Kerls»«! Am Freitag, den 13. Junt er.. Nachts 12 Uhr: Große offeutlichs Versammlung der GasiwirlhSgehiife» tm Saale 5tausmaiiN* Variete, Köiilgstraße 32. TageSordmmg: 1. Zweck und Ziele der moderne» allgemeinen Arbeiterbewegniig und die WastwlrlhSgehilsen. Resereni: Stadt- verordneter Vogtherr. 2. MiUheilungeu über die Verhandlungen des deutschen GastwirihStage« t» Braunschwetg. 3. Frei- Besprechung. Im Jttleressc der Sache wird um recht zahlreichen Besuch geboten. Saiialden, akratischer Kesr- und Kioiintirklnb„xalfalle". tllni Freitag, den 13. Juni, Abend« 8); Uhr, Adalbertstr. 8 bei Schneider: Sitzung- Da« Erscheinen der Mitglieder ist nolhwendig. Gäste haben ZutrNl. Allgemeine Kranke»-»nd Sterüekalf» der-tlrtallarbeiter»n* Zentral- Krank«»- und Ktrrbekafsr der vlctallardriter„pnikan' (E. H. 29 und 89 Hamburg) Ziliaie 1.«IN Sonnabend, den II. Juni, Abend« präzise 8% Uhr, in Habel'« Brauerei. Bergmannstr. 5—7. Tagesordnung- i. Vortrag des Herr» Dr. Pack über„Krankheiten". 2. Neuwahl der»e- sammle» OrtSverwaltung. Zahlreiche Beiheiligung erwünscht. Literarisches. V-lstsbibliottzek des menschlichen Wissens, heraus- gegeben und verlegt von Krnno Geiser, Breslan, Liitzow- Itraße 16. Auch zu beziehen durch R. Schnabel in D r e s d e n (Zwlngerstr. d). Erscheint in Wochenhesten zu 10 Pf.— Die soeben zur Ausgabe gelangteu Hefte 129 und 130 enthalten: Ge-chichte der besitzlosen Klassen, bearbeitet von Bruno Geiser(Fortsetzung). Zu beziehen durch alle Buchhandlungen und Kolporteure. Deifesrho«. lMolffo Trlegraphrn-Kurrau.) Rein scheid. Donnerstag, 12. Juni. Der Ausstand der Feilenhauer erstreckt sich auf den ganzen Stadt- und Landkreis t-ennep. Der Verein der Feilenhauer, welcher 1000 Mitglieder im o 700 Gehilfen zählt, hat dem Fabrikanten-Verein den Vertrag, welcher im Jahre 1887 gemeinsam zum Zwecke der Lohnfest- iteltung geschlossen worden war, gekündigt. Der Feilenhaner-Ver- »m verlangt eine Lohnerhöhung von 26 pCt.. welche der F"- brikanten-Verein abgelehnt hat. b's 6000 setzen ihre Arbeit fort. Verantwortlicher Redakteur: Curt Kaalr» in Berlin. Druck und Verlag von Ma» Fading in Berlin SW., Beuthstraße 2. 2 Nr. 134. Der 1. Mai tu Ktasilieu. BIfth®ra*n® t. Paulo. Brasilien, erscheinende deutsl �.-�».�irmania" enthält in seiner Nummer vom 7. J HaAb*■ vtttwt**»»»», Leitartikel, der jedenfalls von besserer �T�eiterberoegung zeugt, als wir sie in zahb Freitag, den 13. Juni 1890. 7. Jahrg. Zochen- fai d. II. Zerständnisi >» zeugt, uiv lun,|it in»»�»»lchen deutsih- uinvlschei, Zeitungen gesunden haben: p,..Ter I. Mai 1890. Ein höchst bedeutsamer Tag in den Jahrbüchern der Geschichte der Zukunft liegt hinter uns. ein Tag. an welchem in ausdrucksvoller Weise seitens des arbeitenden -volles aller zivilisirten Nationen eine Manifestation stattgefunden welche den internationalen Charakter der vornehmsten Be- %ung unserer Zeit klar und deutlich betonte. Kein chauvi- llsttischer Hauch einseitigen Natioualitätenbewuhtseins durfte bei .?u> zum Durchbruch kommen, die Arbeiter aller Länder fanden llch solidarisch in ihren Interessen. Es war eine Demonstration inedlichen Charakters in dem großartigen Kampfe um die Errin- �ng einer unabhängigeren wirthschastlichen und ökonomischen �?ge jener Klasse, welche uns nnt den Erzeugnissen versieht, die aar zur Lebensfristung und zu den Genüssen des Lebens noth- wendig machen. Diese Bestrebungen sind ja nicht neu. Seitdem der Arbeiter Uber die Ursache'seiner Lebenslage belehrt wurde, die in verschiedenen Stadien wirthschaftlicher und ökono- "llcher Entwicklung bald zu einer Nothlage herabsank, wahrend auf der andern Seite anwachsender Reichthum den aus- ßedchnlesten Luxus schuf, seitdem er selbst über die leitenden Trieb- lodern in dem Gange der heutigen Produktionsweise nachdachte. Hot er der Gesetzgebung einen neuen Charakter ausgedrückt, welchen wir in früheren Eeschichtspcrioden vergeblich suchen. tiwar hat es zu allen Zeiten Klassen des Volkes gegeben, welchen ausschließlich vas Recht auf Arbeit zufiel, ohne daß ihnen auch me Genüsse des Lebens in gleicher Weise zu Thcil wurden; zwar Hot man manche Vorschläge gemacht, dem Elend und der Noth KU steuern, aber alle versuchten Mittel erwiesen sich als unzu- tanglich, oder aber die beabsichtigte Wohlthat schlug in das Gc- ßoniheil um,— wie beispielsweise die Gründung von Konsum- dereinen oder Betriebsgenossenschaften in unseren Tagen als ein Heilmittel sozialer Schäden nichl erscheint, sondern wie in Eng- tand ebenfalls zur Anhäufung des Kapitals und Ausreibung des "leinhändlers und Kleingcwerblcrs führen muß. Die Verbesserung der technischen Hilfsmittel führt zur Bc- schäitigungslosigkeit vieler Menschen der Gegenwart, der Fort schritt ans diesem Gebiete läßt für noch weitere Glieder der weuschlichen Gesellschaft unter den, Fortbcstand der heutigen Ar diitsverhältnisse und Erzeugungsart das gleiche Laos erwarten. Die Vorbeugung gegen diese Misören der Gegenwart und Zukunft ist deshalb eine Lebensfrage des Arbciterstandes aller Länder geworden. In mehr oder weniger genügendem Maße haben sich die Ar- beiter in den Ländern, w welchen sie sich in Vereinigungen ge- fanden haben, durch Selbsthilfe oder durch Heranziehung des Ctaatcs beziv. des Unternehmers gegen Krankheit und Invalidität geschützt oder suchen diesen Schutz zu erreichen. Eine Hauptaufgabe der Gegenwart finden sie in dem Verlangen nach materieller Besserung, höherer Auslohnnng und Be- schränkung der Arbeitszeit. Ter Arbeiter fühlt sich heute, nach dem er zum Bewußtsein erwacht ist, ebenfalls als Mensch, welcher Dichten gegen seine Familie und gegen sich selbst hat. Die Auf- Besserung des Lohnes soll ihm eine menschllchere Lebenshaltung, der Gewinn an freier Zeit zur Befriedigung seiner geistigen Be dürfnisse dienen. Eine Grenze für diese Arbeitszeit wird kaum zu ziehen >oin. sie hängt von der Entwicklung der heutigen Produktions- weise ab und wird sich mit steigender Bevölkerungszahl fwiner mehr verringern müssen, will man anders zahllosen Glic- dern der Gesellschaft das Recht auf Arbeit nicht absprechen. ., Diese beiden Fragen in der Gegenwart erhoben, haben für Ose Kapitalisten so sehr Beunruhigendes nicht, indem die Sta- "stikcn nachweisen, daß nicht jene Betriebe mit hoher Arbeitszeit swd geringen Löhnen am meisten produktiv sind, sondern, wie in Nordamerika, diejenigen Betriebe, welche hohen Lohn und kurze Arbeitszeit eingeführt haben. Diese Erscheinung mag allerdings nur bis zu einer gewissen Dreine zutreffend bleiben, nämlich so lange, als der durch Ruhe Oes Körpers gewonnene JntcnsifizismuS ein Gegengewicht gegen °rn Ausfall einiger Arbeitsstunden bildet, aber die Befürchtung knies Umschlags bei weiterer Herabminderung der Thätigkeits- jwller kann doch nicht als Grund dienen, nicht bis zu dieser Frenze herabzusteigen und der gestellten Forderung sich zu ver- ichließen. Der im vorigen Jahre in PariS versammelte Kongreß der Arbeitervertrcter aller Länder hat diese Grenze vorerst tn Olner Arbeitszeit von S Stunden gefunden, nachdem bereits tm Lahre 1806 ein allgemeiner Arbeiterkongreß in Baltimore und �solcher in Genf diese Forderung als eines der Erheischnisse jener Zum Zwecke der Einführung dieser achtstündigen Arheit-zeit wurde an die Arbeiter aller Länoer appellirt, ihrem dahingehen- Wunsche an, ersten Mai 1890 durch eine Feier Ausdruck zu Leben. Dan.»s. ,e/e S"« nun durch Niederlegung der Arbeit an diesem %"l anderer Weise von Statten ging, bleibt nur eine ritsiache, welche der Forderung einen niehr oder weniger bleibt Nachdruck verlieh. Die Hauptfrage wird nur die ' ob dieselbe in einer solch allgeincincu Weise bekunde i». che, daß die Einführung � nl. des die t achtstündigen Arbeitstages als ...... darf. Und diese Hwfl der weitesten Arbeiterkreise gelten Le.st unbedingt zu beiahen. Hab»» Ländern mit ausgedehnten maschinellen Betrieben ti,,".■?, Arbeitermassen in erdrückender Zahl dieses Alpha ab»,= la'nen Arbeiterschutz-Gcsetzgcbung betont und zwar in Und icchohmsweiseso ruhiger und friedlicher Weise, daß, voil Paris kein«». abgesehen, aus keiner anderen Stadt und liea»,. Nachrichten über Verstöße gegen die Ordnung vor- A,,.. Allerdings ist dieses musterhafte Verhalten ein Dorn im "buchen Reaktionärs, welcher so gerne bei Erzeugung dieses wen'oy entfalteten Gedankens ein Kukuksei unterlegt haben würde, -• 1 Erfahrung auf diesem Gebiete das Volk nicht ge- witziä,.°'0 �fayrung auz v.r,-........... I dlin'�r gemacht hätte. Dies- friedliche Taktik muß die Aüerkc'n- Oller a?.« wahren Menschenfreunde, das Entzücken des Arbeiters sticht verstumme'" � Unken muß vor solchen That- Sd-��Mm wird ein Markstein in der Geschichte und ein wo dor m /"I die Menschheit sein, zu jene», Ziele zu gelangen, % fj, Arbeitet nicht mehr ein einseitiger Sklave oder Maschin- Zw,» f; v" über diese unabhängig erhoben hat. Vis zu jenem schuft?."?"och viele Steine zum Aufbau einer besseren Gesell- �oißin. nung einzufügen, aber dieselben werden von den rührigen, wob.f'I"ud wohldisziplinirten„Händen" herzugetraaen werden, Nbr»2a ohne Ausnahme, selbst die heutigen Staatsleiter, wj». eichungen leisten müssen, denn die Entivickelung vermag Macht der Erde aufzuhalten. Uebrr riirr eigentliiiuiUchc Hautkrankheit, welche sich bei den mit denaturirteiu Spiritus arbeitenden Berufs- arten(Tischler, Möbelpolirer, Drechsler:e.) findet, bringt die neueste Nummer der„Deutschen Medizm. Wochenschrift" einen Artikel von Dr. A. Blaschko in Berlin, dem wir Folgeudes ent- nehmen: Das Ekzem— so ist die wissenschaftliche Bezeichnung für diese flcchtcnartige Hautkrankheit— erstreckt sich in der Regel auf Finger- und Handrücken, manchmal auch auf die Vorderarme. Bei den Arbeitern, welche zu dieser Erkrankung neigen— und deren Zahl ist eine ziemlich beträchtliche, wein, auch der Prozent- sah sich nicht genau schätzen läßt— besteht das Ezem nicht stets in gleicher Ausdehnung und Intensität. Entweder ist es zeit- weise gänzlich verschwunden, oder es finden sich am Stücken der Hände und Finger einzelne kleine schuppende und leicht juckende Flecke. Von Zeit zu Zeit— jährlich ein oder mehrere Male— tritt hierzu eine heftig juckende Flechte, der Hände, Unter- und Oberarme, oft auch des Gesichts, welche je nach dem Verhalten des Kranken binnen 2—3 Wochen abheilt oder sich zu einer Mo- nate überdauernden Erkrankung ausbildet, die an einer Stelle heilt, um an einer anderen wieder neu aufzutreten, an einer dritten Stelle von Beginn an außerordentliche Hartnäckigkeit zeigt und was bei langem Bestände nicht selten— zur Bildung von Ekzcmflccken auf dem übrigen Körper, sogar auf unbedeckten, weder mit dem Spiritus noch mit dessen Dämpfen in Berührung kommenden Stelleu z. B. den Unterschenkeln, Veranlassung giebt; gelegentlich beobachtet man auch noch schwerere Erlrankungs- sonnen. Eine für alle Fülle gemeinsame Veranlassung zum Austreten oder Wiedernustreten der Erkrankung ist nicht ausfindig zu machen; sehr häufig zeigt sich dieselbe bei», Eintritt rauher Witte- runa, ein anderes Mal gerade während des Sommers nach starker Schweißsekretion. Ost geben die Arbeiter gleichzeitig auf- getretene Verdauungsbeschwerden an, von denen ein Zusammen- bang mit dem Ekzem jedoch nicht sicher zu behaupten ist. Die Patienten gehörten den verschiedensten Altersstufen an und waren zum Theil recht gesunde und kräftige Männer; über Hustenreiz und namentlich Angenbeschwerden klagten die meisten, leichtere Luftröhrenkatarrhe wurden mehrfach konstatirt. Von sehrwesent- licher Bedeutung ist die mehr oder minder ergiebige Ventilation der Arbeit- räume; in gut ventilirten Werkstätten können selbst 10 1 Spiritus(— 50 g Pyridin), ein Quantum, das z. B. in einer größeren hiesige» Möbelfavrik unter 18 Polirern in zwei fünsseiistrigen Ziuunern täglich zur Verarbeitung und zun, größten Tbeil auch zur Verdunstung gelangt, weniger Schaden an- richten, als ein geringeres Quantum in niangelhast ventilirten Räumen. Als ursächliches Moment kommt vor allein die eigentliche Politur, eine Lösung von Schellack in denaturirtem 88 bis 9S prozeutigem Spiritus in Betracht. Weder Schellack noch Spiritus sind für die Haut gänzlich indifferente Stoffe, zumal bei andauerndem Kontakt, wie ihn dw Polieren bedingt. Namentlich ist der ziemlich hoch- gradige Alkohol zweifellos von schädlichem Einfluß auf die Haut, ja sogar doppelt schädlich, insofern er der Epiderrms zugleich Wasser und Fett entzieht und diese dadurch trocken, spröde und rissig macht. Bei den meisten Ardeitern gewöhnt sich indeß die Haut allmälig an das Uedel, um nur bei diesem oder jenem ge- legentlich aufzuspringen oder in einen echten Eutzündungszilstand zu gerathen. Auch der Schellack ist, wie die meisten Harze, ein iUeizmittel für die Haut; daß derselbe aber bei dem Zustande kommen des Ekzems keine wesentliche Rolle spielt, zeigt das Vor- kommen der Erkrankung bei Arbeitern anderer Berufe, welche mit bloßein deualurirten wpiritus arbeilen.(Metallarbeiter, Ver- golder w.) Es sind denn nun auch vor der Einführung des Denatu- rirungSverfahrens— d. h. vor 1879— Erkrankungen der Möbelpolirer an Handekzenien nicht unbekannt gewesen; aber es waren doch immer vereinzelte Fälle, während nach der übereinstimmenden Aussage der älteren in dem Fache beschäftigten Arbeiter die Zahl der Erkrankungen jetzt wesentlich zugenommen hat. Nun haben jedoch die Denaturirnngsmittel im Laufe dieser Jahre an Art und Menge mehrfach gewechselt: Anfangs— bis etwa zum Jahre 1881— wurde dem Spiritus ein Zusatz von 10 bis 20 pCt. Methylalkohol(Holzgeist) gegeben, welcher aber ganz allgemein bei den Arbeitern hochgradige 5i'onjunktivitiden erzeugte und deshalb im Laufe der folgenden Jahre— bis 1887 — auf 5 pCt. herabgesetzt wurde; diese Modifikation schien am wenigüen schädlich gewesen zu sein. In» Oktober 1887 wurde aus stellertechnischen Gründen der Methylalkohol durch ein Ge- misch von Pyridinbasen in Höhe von 5—10 pCt. ersetzt. Seit Januar 1888 ist der Pyridinzusatz erheblich herabgemindert, und als„allgemeines Tenaturirungsinittel" ein Zusatz von 2 pCt. Holzgeisr und Vi pCt. Pyridin eingeführt worden. Gleichzeitig ivird unter geivissen Bedingungen einzelnen Gewerbetreibendeil gestattet, die Denaturirung für den eigenen Bedarf mit ö pCt. Methylalkohol, ferner zur Politur, die zum Handelsbetrieb be- stimmt ist, mit Terpentin vorzunehmen. Die Denaturirung mit Terpentinöl, welche in Sachsen und Süddeutschland vielfach geübt wird, ist in Berlin erst ganz neuer- dings vereinzelt eingeführt. Die Berechtigung zur Denaturirung mit öprozenligem Holzgeist ist nach Aufdeckung einer Reihe von Unregelmästigteiten vielen Berliner Gewerbetreibenden entzogen worden, so daß für die Stadt Berlin im Jahre 1889 fast aus. schließlich das allgemeine Denaturirnngsverfahren in Betracht kommt. Nun ist von beiden DenaturirungZmitteln, Methylalkohol und Pyridin, das erstcre, welches in seiner Wirkung ans die Hautsich dein gewöhnlichen Aethylalkohol ziemlich ähnlich verhält/bei den geringen in Frage kommenden Mengen(2—5 pCt.) wohl als an- wesentlich zu betrachten; mit Bezug auf das Pyridin dagegen lieh sich dies ohne weiteres nicht annehmen. Versuche und Beobachtungen, welche zur Entscheidung dieser Frage von Herrn Dr. A. Blaschko angestellt wurden, führten diesen zu der Anschauung, daß für die Katarrhe des Auges und der Nespirationsorgane das Pyridin zweifellos den 5krankheits- erreger reprüscntire, während für die Ekzeme, eine gleichzeitige schädliche Wirkung des Spiritus selbst und des Schellack nicht mit Sicherheit auszuschließen ist. Charakteristisch ist übrigens auch folgender Versuch: Zwei an der Poliklinik des Dr. Blaschko thätige Aerzte übernahmen es, sich auf den Oberarm eine mit Pyridin getränkte Wattekompresse zu appliziren, welche daselbst unter lustdichtem Guminipapierverschluß mit einer Mullbinde sixirt wurde. Nach einer Viertelstunde ließ das anfangs ziemlich heftige Brennen nach; eine weitere Fortsetzung des Versuchs jedoch erwies sich in beiden Fällen als unausführbar, da der geradezu ekeler- regende Gestank des Pyridins ein Verweilen der Herreni„menschlich erGesellschaft unmöa- lichzu machendrohte. Auch von den übrigen Aerzten des GewerkS-Krankenvereins sind, wenn auch nur vereinzelt, Angaben gemacht worden, welche eine schädigende Wirkung des denatnrirten Spiritus außer allem Zweifel stellen. Vor allem gilt dies für die Betheiligung der Ailgen, über welche mehrfach berichtet wird. So bemerkt einer der Augenärzte der Kasse, daß er in der letzten Zeit wiederholt(von Januar bis April 1889 allein 5) Möbelpolirer an hartnäckigen Formen von Bindehautkatarrhen behandelt hat, und daß man in der Verdunstung des denawrirten Spiritus, insbesondere des Pyridin, den Grund für das Ent- stehen, sowie für die schwere Heilbarkeit der an sich leichteren Er- krankungssormen zu suchen habe. Hautaffektionen sind ebenfalls häufig beobachtet worden; gelegentlich auch Erkrankungen der Verdauungs- und Athmungsorgane. Jnsgesammt betrachtet, erscheint das Pyridin für den mensch- lichen Organisnius, wenn auch nicht in hohem Grade gefährlich, so doch auch nicht ganz so harmlos, wie die Mitglieder der von der Regierung zur Prüfimg dieser Frage eingesetzten Kommission in einer neueren Publikation, welche die Vorzüge des neuen Denaturirnngsverfahrens auseinandersetzt, anzunehinen geneigt sind. Zu den fünf Bedingungen, welche daselbst als erforoerlich für ein gutes Denaturirimgsmittel aufgestellt werden, und welche darin bestehen, daß dasselbe 1. den Spiritus unbrauchbar zu Genußzivecken machen muß, 2. wesentlich billiger als der gewährte Steuererlaß, 3. schwer abscheidbar, 4. leicht nachweisbar sein muß und 5. die Verwendung des Spiritus zu technischen Zwecken nicht beeinträchtigen darf, müßte als sechste, oder als eigentlich erste und sehr wesentliche Bedingung ihre absolute Unschädlichkeit für den menschlichen Organismus hinzukommen, da doch wohl kein finanzpolitisches Interesse so wichtig sein kann, daß es eine noch so geringe Gesundheitsschädigung breiter Bevölkerungsschichten aufwöge. Daß das bisherige Denaturirnngsverfahren. dessen weitere Vervollkommnung die genannte Kommission selbst als wünschenswerth anerkannt, nach dieser Richtung hin nicht ein- ivandsfrei ist, geht wohl aus der obigen Darstellung hervor. Es wäre daher mit großer Freude zu begrüßen, wenn es den Che- mikern gelänge, ern Verfahren ausfindig zu machen, welches nicht allein allen technischen, sondern auch allen sanitären Anforde- rungen in vollem Maße genügte, oder wenn man den Denatu- rirungsprozeß gänzlich umginge und den zu gewerblichen Zwecken benutzten Spiritus„unter Kontrole der Verwendung" steuerfrei ließe." Etwas iibrr Zchlairgrngift. Angesichts der neuerdings wieder vorgekommenen Verwundungen von Menschen durch den Biß giftiger Schlangen gewinnen die von dem Pariser Physiologen Professor Kaufmann vor einiger Zeit über Schlangengist äuge- stellten eingehenden Untersuchungen an aktuellem Interesse. In einer an die„Revue scientifique" gerichteten Zuschrift gieot Pro- fcssor Kaufinann genauere Auskunft über das von ihm vorge- schlagene Verfahren zur Behandlung der durch giftige Schlaugen verursachten Bißwunden. Man muh demnach so bald wie mög- lich nach Empfang des Bisses das betreffende Körperglied ober- halb der verletzten Stelle unterbinden, entweder mit dem Taschen- tuch oder mit einer anderen Binde. Hieraus spritzt man genau an den Stellen, wo die Giftzähne eingedrungen sind, mit Hilse einer Morphiumspritze zwei bis drei Tropfen einer Lösung von 1 Theil übermangansaurem Kali(oder Chromsäure) inloOTHeilen Wasser in die Wunde ein. Es ist nöthig, daß die eingespritzte Flüssigkeit genau bis zu derselben Stelle dringt, wie das Gist; man muß also die Einspritzung mehr oder weniger tief machen, je nach der Größe der Schlange, ivelche gebissen hat. Hieraiis inacht man in einer geringen Entfernung um die verletzte Stelle herum noch drei bis vier ähnliche Einspritzungen. Wenn man in dieser Weise fortfährt, so kann man sicher sein, das Gift zu erreichen und ain Orte zu zerstören. Wenn iin Augenblick der Behandlung die Anschwellung schon eine gewisse Größe erreicht hat, so muß man die Einspritzung an verschiedenen Punkten der Geschwulst ausführen. Ist dies geschehen, so drückt man die Stelle leickt nüt der Hand, um die eingespritzte Flüssigkeit zu ver- theilen und ihre Vermischung mit dem Gift zu erleichtern. Darauf macht man einige Einschnitte mit der Spitze eines Messers oder Federmessers und drückt die Geschwulst wiederholt mit der Hand, um den Ausfluß der aus der Wunde tretenden Flüssigkeit zu er- leichter». Alsdann wäscht man die Oberfläche mit der Lösung von übermangansauren, Kali oder Chromsäure und legt einen kleinen mit solcher Lösung getränkten Lappen auf. Fährt die Anschwellung nach einiger Zeit fort zu wachsen, so muß man in die angeschwollenen Theile neue Einspritzungen machen und das Austreten der Flüssigkeit durch Einschnitte be- fördern. Bei dieser Behandlung bewahren die Gewebe ihre Lebensfähigkeit; die Haut nimmt eine rothe, niemals schwarze Färbung an und eingedrungene Mikroben werden zerstört, da die erwähnten Lösungen sowohl als Gegengifte, wie als Antiseptika wirken. Neben der örtlichen Behandlung der Wunde ist es ratfo- sam, eine allgemeine Behandlung einhergehen zu lassen. Diese besteht in dem innerlichen Gebrauch alkoholischer Flüssigkeiten, welchen man zwei bis drei Tropfen Ammoniak zugesetzt hat. Der 'Alkohol und das Ammoniak befördern in schmacher Menge die Thätigkeit des Nervensystems, erhöhen den Blutdruck und regen die Herzthätigkeit an. Sie müssen wiederholt in kleinen Mengen genossen werven, so daß der Kranke in beständiger Erregung er- halten wird. Das häufig empfohlene Heilungsverfahren, den Kranken betrunken zu machen, erklärt Professor Kaufinann für mangelhaft, da die abstumpfende Wirkung des in großen Mengen genossenen Alkohols die ähnliche Wirkung des Giftes verstärke. Der Alkohol, in großer Menge genommen, lähmt das Nerven- system, erzeugt eine Erniedrigung des Pulsaderdruckes und setzt die Herzthätigkeit herab— alles Wirkungen, vor denen der Kranke möglichst bewahrt werden muß. Zlnter de» Zlrine» Fi vairf schlaugen, Pharaoschlangen und Hinterlader ivird ein Spielzeug in den Verkehr gebracht, dessen Verwendung gesundheitsgefährlich ist. Die Füllung der zur Verbrennung kommenden Patronen enthält giftiges Quecksilber- hodanid, dessen Dämpfe auch sehr schädlich auf die Gesundheit wirken. Das Publikum wird vor der Verwendung dieser Spielerei, namentlich für Kinder und in Kinderzimmern ernstlich gewarnt; die Verkäufer werden vom Polizeipräsidenten daraus hingewiesen, daß der Verkauf dieses Spielzeuges strafbar ist. Das Feilhaltr» und der Verkauf de» gistige» und arsrnikhaltigrn Fltegeupapieva ist nach einer polizeilichen Bekanntmachung nur den Apothekern und den zum Handel ,nit Giften berechtigten Kaufleuten und Gewerbetreibenden und auch diesen nur unter den beim Giftverkauf vorgeschriebenen Vorsichts- maßregeln gestattet. Einbruch. In der Nacht vom Donnerstag zum Freitag wurde m der an der Ecke der Hermann- und Jägerstraße in Rixdors belegenen Bude des Herrn Walter, eines im Industrie- betrieb invalide gewordenen Genosse», ein äußerst frecher Ein- brück verübt. Nachdem die Diebe die durch ein festes Schloß versicherte Thür gesprengt hatten, raubten dieselben einige hundert Zigarren und andere Verkaufsartikel. Wahrscheinlich bei der Lhat gestört, blieben andere Gegenstände von den Dieben mibe- rührt. Die polizeilichen Recherchen sind im Gange und dürfte es gelingen, der Verbrecher habhaft zu werden. Es wäre dringend zu wünschen, daß die Genossen beim Besuch der Rixdorfer Kirch- Höfe den von diesem Verlust schwer getroffenen Besitzer nach streiften unterstützten. Dem»'echtseitigett Gingreise» der Feuerwehr ist es zu danken, daß ein am Dienstag Abend gleich nach S Uhr in der Fabrik für Lederwaarcn von DeliuS u. Zühlke, Dresdenerstr. 35, ausgekommenes Feuer noch bewältigt werden konnte, bevor es eine gefahrdrohende Gestaltung für die aus den verschiedensten Fabrikbctrieben bestehende Umgebung angenommen hatte. Der in der ergriffenen Arbeitsstätte angerichtete Schaden ist trotzdem nicht unbeträchtlich, doch sind das Lager sowie die Komtoirräuine, welche von denl Brandherde nur durch eine Bretterwand abge- schlössen waren, die ebenfalls schon Feuer gefangen hatte, unver sehrt erhalten worden. Eine Uevsammlnng der streikende» Kupferschmiede Kerlin» tagte am Sonnabend, den 7. Juni, Abends k'/e Uhr, in Feind's Salon, Weinstr. l 1, mit folgender Tagesordnung: I. Bericht über den Stand des Streiks. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes.— DaS Bürsau bildeten die Kollegen Madel, Korbo- und Caffardelli. �Ziaii 1. Punkt der Tagesordnung verlas der Vorsitzende zunächst folgende Firmen, welche unsere Forde- rungen bewilligt haben: Alisch u. Ko., Langenickel, Wegerich, Frohnert, Nielsen, Pflaum n. Gerlach, Knipp, August Quicl Sühne, Oppermann und Maaß. Redner führt fort, daß bis jetzt. nach siebenwöchentlicher Dauer des Streiks, eine ivesentliche Zlende- rung leider noch nicht eingetreten ist. Es handelt sich jetzt nicht allein um eine Lohnerhöhung, sondern um die Existenz unseres Vereins und fordert Redner die Anwesenden auf, die Zumuthung der Fabrikanten, die Reverse zu unterschreiben, damit zu beant- Worten, daß wir bis zum letzten Mann aushalten, um zu siegen. �n der sehr lebhasten Diskussion äußert Kollege Laupc, daß wir durchaus keinen Grund haben, muthlos zu werden. Er sei seit ca. 14 Tagen unterwegs, um sich Arbeit zu verschaffen und habe dabei Gelegenheit gehabt, wahrzunehmen, mit welcher Begeisterung die auswärtigen Kollegen für die Bewegung der Berliner Kupfer- schmiede eintreten. Redner fährt fort, daß sehr viel Arbeit in den Provinzen ist, dieselbe aber durch die Fabrikanten nieder- gedrückt wird, um uns die pekuniären Unterstützungen abzu- schneiden. Dies wird jedoch den Herren nicht gelingen. Mit seltener Einmüthigkeit treten die auswärtigen Kollegen für unsere Forderungen ein und muß mit deren Hilfe uns der Sieg werden. Es wäre eine Schmach für die Berliner Kupferschmiede, wenn auch nur Einer die Reverse unterschreiben würde, die darauf hinzielen, unö zu Sklaven zu machen. Beinahe Dreiviertel der gesammten deutschen Kupfcrschmiedegesellen gehören dem Verein an und dieselben sind bereit, ihre Organisation zu vertheidigen und ihr Koalitionsrecht zu wahren, bis zum letzten Mann. Zum Schluß fordert Redner die Anivcsenden aus, fest zusammen zu halten und lieber mit Ehren zu unterliegen, als in Schmach und Schande weiter zu leben. Mehrere Redner schließen sich diesen Ausführungen an und fordern die Anwesenden ans, Berlin zu verlassen oder zu anderer Beschäftigung überzugehen, um die Streikkasse so viel als möglich zu entlasten. Ein Antrag, mit den Meistern Verhandlungen anzubahnen zur Beilegung des Streiks, wurde zurückgezogen, weil die Lohn- kommffsion der Berliner Meister in den Verein der Kupfer- schmiedcreicn Deutschlands ausgegangen ist, mit welcher Vereint- gung wir absolut nichts zu verhandeln haben. Nach Erledigung des dritten Punktes, Verschiedenes, verlaß der Vorsitzende folgende Resolution:„Die heute in Feind's Salon tagende öffentliche Versammlung der Kupferschmiede Berlins und Umgegend be- schließt. Mann flir Mann auszuhalten, bis die Meister uns die Hand zu Verhandlungen bieten, denn nur durch sestes Zusammen- halten können wir die Durchführung unserer Forderungen ermog- liehen." Diese Resolution wurde mit allen gegen zwei Stimmen angenommen. i Der Nerri» gewerblicher Kiifoarbriter Kerlina und Umgegend hielt am Sonntag, den 8. Juni, Vormittags 11 Uhr, eine Mitgliederversammlung im Königstadt-Kasino, Holzmarkt- straße 72, mit der Tagesordnung ab: 1. Vortrag des Herrn P. Litfin. 2. Kassenbericht. 3. Verschiedenes. Da die Vcrsamm- lnng äußerst schwach besucht war und auch der Referent noch nicht erschienen war, stellte Kollege Günther den Antrag, die Versammlung auf 80 Minuten zu vertagen, wogegen jedoch der überwachende Beamte mit dein Beinerken protcstirte, daß man wohl eine Verhandlung, aber nicht die Versammlung vertagen dürfe. Da inzwischen der Referent erschienen war, trat die Versammlung in die Tagesordnung ein und erhielt Herr Litfin das Wort zu seinem Vortrage. Ist die Gewerkschaftsbewegung von der politischen zu trennen? Redner beantwortete die Frage mit Nein, indem er anführte, daß es durch die Macht der Gcwerk- schaftsorganisationen möglich sei, ans die gesetzgebenden Körper- schasten einzmvirken. Die Arbeiter müssen sich in ihren Gewerk- schaftsversa.nmlungen durch die Diskussion mit den öffentlichen Angelegenheiten beschäftigen. Zum Schluß bedauert Redner noch den Kastengeist, der vielfach noch bei den sogenannten qualifi- zirten Arbeitern den Hilfsarbeitern gegenüber zu Tage tritt. Hierauf verlas der Kassirer Kollege Vogel den Kassenbericht, der von dem Revisor, Kollege Brandt, für richtig erklärt wurde. In- folgedessen wurde dem Kassirer Dccharge ertheilt. Beiin dritten Punkt der Tagesordnung,„Verschiedenes", theilte der Kollege Günther mit, daß Protokolle vom zweiten Bauarbeiter-Kongreß in Hannover beim Vorsitzenden Schmidt, Wienerstraße Nr. 10 zu haben sind. Die Wahl der Arbeitsnachweis-Kommission mußte wegen zu schwachen Besuchs der Versammlung unterbleiben. Hier- aus Schluß der Versammlung um 12V» Uhr. Gi»e öffentliche Ueesamnrlnug der Zchloffer und Maschine nban-Arbeiter fand am 5. d. M.unter Leitung der Kollegen Miethe, Teßnow und Röder im„Königstadt- Kasino" statt, um zunächst den Bericht der Delegirten vom Metallarbeiter- Kongreß zu Weimar anzuhören, mit dessen schon zur Genüge be- kannten Beschlüssen man sich allseitig einverstanden erklärte, und in dessen Sinne man weiter zu wirken versprach, lieber den Schlosserkongreß war wenig zu berichten, da selbiger nach An- hörung des Berichts deS Vertrauensmanns Junge und einigen persönlichen unwesentlichen Debatten auf einen diesbezüglichen Antrag geschloffen wurde. Dein früheren Vcrtranensinann Junge in Hainburg sprachen die Delegirten nach persönlicher lieber- zeugung ihre volle Achtung auS. Zum 2. Punkt der TageSord nu,>g, die Aussperrung der Schlosser Hamburgs, fand nach kurzer Debatte die von« Kongreß vorgeschlagene, ebenfalls scho» wiederholt gebrachte Resolution Annahme.— Unter Verschiedenes fanden nach einigen persönlichen Auseinander- setzungeu, folgende Anträge Annahme: Diejenigen Geschäfte zu berücksichtigen, die ihre Geschäfte Sonntags schließen; das Bier der noch nicht bewilligt habenden Brauereien nicht zu trinken die Genmßregelten voin 1. Mai nach Kräften zu uiiterstützen und das Bureau zu beauftragen, binnen 14 Tagen eine Versammlung einzuberufen mit der Tagesordnung: Wahl eines Vertrauens- mannes der Schlosser und Maschinenbau-Arvciter für Berlin und Umgegend, und Stellungnahme zur Streik-Kontrolkommission. Nachdem noch ein Unterstützungsgesuch der Greizer Weber vcr- lesen war, nahm man noch von einem Schreiben der Brauer- Lohnkommission Notiz, worin dieselben für bisherige Unterstützung ihren Dank aussprachen und um fernere Unterstützung baten. Alsdann schloß der Vorsitzende die Versammlung mit der Mahnung für rege Agitation zur nächsten öffentlichen Ver- sammlnng._.._ Eine aufferordentliche General- Uevsarnrnlung des Uereinv der Modelltischler Berlins und Umgegend tagte an, 0. Juni»n Restaurant„Wedding", um folgende Tagesordnung zu erledigen: 1. Bericht der Kommission über die in voriger Versammlung angenommene Resolution, betreffs'Auflösung des Vereins. 2. Ergänzungswahl des Vorstandes. 3. Vereinsangelegenheiten und Fragekasten. Zu Punkt I berichtet Kollege Abraham über die von deinselben eingezogenen Erkundigungen und treten in der hierauf folgenden Diskussion die Kollegen Hoff- mann, Kleina», Abraham, Voß, Grieshammer, Gillkötter, Kols- dorf und Otto für die Auflösung des Vereins und zum Beitritt in den Fachvercin der Tischler ein. Kollege Pietsch ist für den Bei- tritt zum Fachverein, will aber den Verein der Modelltischler be- stehen lassen, wenigstens noch bis zum Oktober. Kollege Gleinert wünscht ebenfalls die Auflösung bis zum Oktober zu verschieben, weil dann wahrscheinlich andere Organisationen in der Arbeiterbewegung geschaffen werden, gegen die Auflösung sprechen die Kollegen Reiß und Leisring, hierauf entspinnt sich eine Debatte darüber, ob die Auflösung sofort geschehe» kann oder ob noch eine Ver- sammlnng stattzufinden hat; die Abstimmung ergab 21 für sofort, 24 für nächste Versammlung und 4 gegen die Auflösung. Hier- auf wird die nächste Versammlung für Montag den IG. Juni, Abends 8 Uhr, im Restaurant„Wedding", Müllerstraße 178, mit der Tagesordnung:„Auflösung der, Urreiuo" anberaumt. Punkt 2 der Tagesordnung fällt hiernach von selbst. Punkt 3 fördert nichts Neues zu Tage und wird die Versammlung um 11 Uhr 30 Minuten geschlossen. NB. Tie Aufnahme im Fach- verein geschieht in nächster Versammlung, Mitgliedsbuch ist hierzu erforderlich. Der Allgeureine Arbeiteriimenverein sämiutlicher Kerufs zweige Kerlins nnd Umgegend, Filiale Osten, hielt am 0. d. M., in Seeger's Salon, Grüner Weg 29, eine von Damen und Herren gut besuchte Versammlung ab. Auf der Tages- ordnung stand als erster Punkt: Vortrag des Herrn F. Zubcil über: Sind die Frauen berechtigt, sich zu organisiren? 2. Tis- kussion. 3. Aufnahme neuer Mitglieder. 4. Verschiedenes. Da der Herr Referent noch nicht erschienen war, ging man zum 4. Punkt der Tagesordnung über. Frau Gubela schilderte sie traurige Lage der Greizer Weberinnen, nnd daß ihnen ihre so bescheidenen Forderungen, die Arbeitszeit von 12 auf 10 Stunden herab zu setzen, nicht bewilligt wurden. Sie legte eö der Versammlung ans Herz, dieselben in ihrem Streik nach Kräften zu unterstützen. Alsdann erschien der Herr Refc- rent nnd nun konnte zum ersten Punkt der Tagesordnung ge- gangen werden. Herr Zubeil sprach in klarer deutlicher Weise über die Organisationsfrage der Frau, daß ein alleiniges Vor- gehen der Männer durchaus nicht inehr zweckmäßig ist, da doch die Frauenarbeit als keine oberflächliche mehr betrachtet werden kann, und daß es hauptsächlich Pflicht der Männer ist, die Frauen zn dieser Organisation mit heran zu ziehen und nicht noch womöglich hinter diesen zurück bleiben, wie es der Kartonarbeiterstreik leider bewiesen hat. Da waren es die Männer, welche den Streik illusorisch machten, sie müssen gemeinsani vorgehen in diesem Kampf, der wohl als ein harter bezeichnet werden kann. Der Herr Referent wies serner auf die traurigen Zustände in den Fabriken hin, wie dort oft Frauen und Kinder ausgebeutet werden. Es ist durchaus nothwendig, daß Institutionen geschaffen würden, die es ermög- lichen, dap der Mensch mit dem Menschen leben kann. Zum Schluß schilderte Herr Zubcil die Lage der Steinklopfer, zu welcher Arbeit sogar Kinder im zartesten Alter verwandt werden. Herr Hofrath Ackermann hat sich hierüber in einer durchaus nicht humanen Weise ausgesprochen. Derselbe meint nämlich, wenn Kinder von frühestem Alter zn dergleichen Beschäftigungen angehalten wür- den, so würden ihre Hände so gelenkig und gestählt, daß ihnen im späteren Alter überhaupt keine Arbeit mehr schwer werden kann. Redner meint, daß, wenn diese Kinder erwachsen sind, wohl eher anzunehmen sei, daß ihre Glieder steif nnd entkräftet sind. Herr Ackermann möchte doch seine gute Meinung erst an einen Kindern erproben, dann wird er sicherlich eine andere Meinung bekommen. Es wurde noch bekannt gegeben, daß am 10. d. M. Jnselstr. 10 bei Schaffe: eine außerordentliche Ver- ammlung stattfindet und daß am 21. d. M. von der Filiale 1 (Moabit) in Arendt's Brauerei, Thnrmstraße, ein Sommerfest ver- anstaltet ist und am 10. August im Hofbräu-Park, Frankfurter Alice ebenfalls ein Sommervergnügen stattfindet. Zum Schluß wurde eine Tellersammlung für die Greitzer Weber veranstaltet. Schluß der Versammlung 11V2 Nhr. Eine öffentliche MetnUarkeiter- Uersammluttg fand am Dienstag, den 10. Juni, im Restaurant„Wedding" unter Leitung deS Herrn Karl Gutheit statt mit folgender Tages- ordnung: 1. Berichterstattung vom Weimarer Kongreß. Re- "muten: O. Klein und R. Unger. 2. Diskussion. 3. Wahl einer Streik-Kontrolkommission. 4. Wahl einer Revisionskommission zur Abrechnung der Gelder zum Kongreß. 5. Verschiedenes.— Kollege Klein gab einen knapp gehaltenen sachlichen Bericht über das Wirken des Kongresses und die daselbst gefaßten Beschlüsse und speziell über die Thätigkeit der von den Metallarbeitern ent- sandten Delegirten. Er verlas die dort einstimmig angenomme- nen Resolutionen, welche, wie er vorausschickte, den meisten Kollegen schon aus den Zeitungen bekannt sind, und forderte die Ver- sammlnng auf, ebensalls denselben zuzustimmen, dann aber sich auch streng an dieselben zn halten und nicht, wie es so oft geschehen ist, sie stillschweigend zu umgehen. Er wies darei hauptsächlich auf den Beschluß der Metallarbeiter hin, die am 1. Mai Genmßregelten mit allen Kräften zu unterstützen, dessen Ausführung aber viel zu wünschen übrig lasse, da die Gelder so spärlich einlaufen, wie nie zuvor. Man müsse dabei zu einer sehr geringen Meinung über den Tagesverdienst der Metallarbeiter kommen, da doch der größte Theil das Versprechen ablegte, die Kollegen zu unterstützen. Jedem einzelnen müsse doch einleuchten, wie dringend nothwendig es ist, den Fabrikantenringen gegenüber sich eng zusammenzuschließen und nur wenn die Metallarbeiter sich aus ihrer Lethargie auf- raffen, kann ihrem gänzlichen Niedergänge vorgebeugt werden. Kollege Unger rügte in scharfen Worten den Jndifserentismus der Metallarbeiter, welche es noch dahin bringen wer den, daß sie auf die Stufe der Weber und noch unter sie hinabgedrängt werden. Es ist kaum glaublich, wie wenig man die Sammellisten in Anspruch nimmt nnd wie feig sich diejenigen benehmen, die am 1. Mai arbeiteten, trotzdem sie in Versammlungen die Hand hochgehoben hatten. Alan traut sich nicht einnial mehr eine Versammlung zu besuchen, wie es die heutige zeigt, angesichts der wichtigen Tagesordnung, und wie es die gestrige bewies, die in der Andreasstraße 21 bei Joel stattfinden sollte, aber wegen Mangels an Betheiligung nicht tagte. Angesichts solcher Thatsachen muß man sich sagen, daß der Sieg vom 20. Februar, der hier im Norden durch 42 000 Stimmen besiegelt wurde, hinfällig werden muß. Wenn diese Zustände sich nicht ändern, so wird die Gewerkschaftsbewegung der Metall- arbeiter total versumpfen. Kollege Gerisch berichtete über die Thätigkeit der Delegirten der Metallarbeiter auf dem Schlosser Kongreß. Er rechtfertigt die Abstimmung über den Schlußpassus der Resolution, welcher besagte, der allgemeine Kongreß möge eine allgemeine Metallarbeiter-Union anbahnen. Es wäre nicht mög- lich gewesen, in der Geschästsordnungsöebatte, welche infolge der großen Betheilignng auf 2 Redner beschränkt wurde, einzugreifen und eine getrennte Abstimmung herbeizuführen; so hätten auch die Berliner Delegirten für die Resolution gestimmt, deren übrige Fassung vollständig unseren Wünschen entsprach. Die Wahl des Herrn Breder, Nürnberg, anstatt des Herrn Junge, Hamburg, zum Vertrauensmann der Schlosser, habe hauptsächlich aus dem Grunde stattgefunden, weil es sehr wichtig ist, daß die Vertrauensnüinner der allgemeinen Metallarbeiter und der Schlosser in möglichster Nähe tei einander wohnen, welches den Gang der Geschäfte be- deutend erleichtert und beschleunigt. Auf dem allge- meinen Kongreß ist ferner beschlossen worden, für die einzelnen Provinzen eigene Vertrauensmänner zn wählen wir werden daher wohl auch in die Lage kommen, für die Provinz Brandenburg Jemand zu wählen. Es ist darum Pflicht der Kollegen, dieser Sache ein lebhaftes Interesse zu widmen, sowie auch serner die übrigen Beschlüsse des Kongresses stets hochzu halten; dann wird der Kongreß, dessen Bedeutung nicht zn unter- schätzen ist, für die allgemeine Sache von großem Nutzen sein Hierauf wurde einstimmig ein Autrag angenommen, welcher sagte, daß sich die Metallarbeiter Berlins mit sämmtlichen schlüssen des Kongresses vollständig einverstanden erkläreu. y dann schritt die Versammlung zur Wahl einer Streik-Kon» kommission nnd gingen aus derselben die Kollegen Kurz-- Gerisch und Rogatt hervor. Zur Revision der zum Km>g aufgebrachten und noch aufzubringenden Gelder wurden die» legen Seidel, Lenzncr und Herrn. Klein gewählt. Zu Versch denem gab Kollege Unger mehrere Beispiele au, mit mW Personen wir noch zu kämpfen habe». Besonders hervorzuye. verdient, daß ein Dreher aus seiner Heimath Elbing nach dem l-js' Arbeitskräfte requirirt hat, um die von seinen Kollegen verlaffen Plätze zn besetzen. Derselbe habe zur Zeit noch 0 Personen sich in Schlafstelle. Ferner theilte Kollege Unger mit, W Geldern zum Kongreß aus dem Norden erst 8 M. zugegaug eien, das übrige habe der Süden aufgebracht, trotzdem seien � Unkosten erst zum kleinsten Theil gedeckt, es wäre daher wünsche-' werth, daß die Kollegen sich eines regeren Sammclns befle>ß>S« möchten. Trotzdem es ja nicht zu verkennen sei, daß das i» mf' Fabriken jetzt herrschende Verbot des Geldsammelns einen schwer � Rückschlag darauf ausgeübt habe, doch würde bei einigem gui Willen ein bei weitem günstigeres Resultat zu erzielen stun. Kollege Klein macht darauf aufmerksam, daß im nächsten Alon die Neuwahl des Vorstandes des Allgemeinen Metallarbeite- Vereins stattfindet und ersucht die Kollegen, in der Genera Versammlung recht zahlreich zu erscheinen. Kollege Gutheu£- mahnt zu zahlreicherer Betheiligung an Versammlungen und S regerer Unterstützung der Ecmaßregelten und schloß hierauf 0 Versammlung um 11 Uhr. «aistr'schZ wuce— vciniiyuevem„HJauicueuiEi kiucuu» o uyi im... im. y,. AlexcmdrUicnsir. 15.—„Liedecwfel der Malcr mw verwandter Berus-�noil Abend! s l">r im Reslaurant Kleine, Vrandenburgftr. so.— Buchvmo Mämierchor Abends 8* Uhr bei Feuerstein, All- Yalobsslr. 75.- SeJansW�S „Flöter'schcS Doppelquartett" Abends g Uhr im Nestanranl Musehold, van� bergerstr.— Gesangverein„Fortschritt' Abends 9 Uhr im Rcsiama Blumensir.»u.— Gesangverein„Echo 1872" Abends 9 Uhr Oranienstrape„ Neue Nlilglicder werden aufgenominen.— Gesangverein„Ossian Ave 9 Uhr, Dresdenerstr. 85 bei Guslavus.— Huppert'sche Sänger-Lereimg „Harmonie" Abends 9 Ubr bei Niest, Webcrsir. 17.- Gesangverein„Sans- ha in" Abends 9 Uhr Adälbertstr. 21.— Liedertafel deS FachvereinS der _ � .lS1, — Gesangverein'„Lorbcertrauz" 8% Uhr Nestauränt Weinstr. 11.— Arbett» Gesangverein„Nord" UebungSstunde Abends 8� Uhr Im Restaurant Gn Brunnenslr. 88. Stimnlbcgablc auch passive Mitglieder werden aufgenom». - Gesangverein„Cvllegia" Abends von 9-li Nhr bei Schuster, Oraniensn. — Boigt'scher Dilettauren-Orcheslerverein, Uebungsstunde von 11'' Abends im Louisenslädttfchen Klubhaus, Slnnenstr. is, i Tr.— Turngcnossenschast(5. Mänucrabtheilung) Abcuds 8'.' Nhr in der l'iwUi«, Turnhalle, Wasscrthorstr. si.— Turnverein„Hascnhaide" sMänneravtheuu» Ab. 8 Uhr Tiefsenbachstr. oo— oi.— Turnverein„Froh u. Frei"(MänMfd;- Ab. 8 Uhr D!-stcnl>aa,slr.°o— 91.— Turnverein„isroy u. irrer Abend« 8% Uhr B-rgstraste 59.- Wissenschaftlicher Verein für Roller�. Stenographie AbendL 8£ richt und UebungSstunde. Abtheilung„AorivärtS". Aveiios c.s mjc im uieimuiBBi«vu, plag Ii.— ArcndS'fcher Stenozraphsnverein„Apollobnnd" Abends s Nhi � lliefiaurant Scydcistr. 89.— Verein ehemaliger Dr. Doebbelinscher Schuler Avev g Uhr im Kestaur. Krebs.Fricdrichstr. 20s.— Znherverein„Alpenveilchen' Avcn. 8% Uhr im Restaurant„Wahlstatt" Bellealllancestr. 89.— Ölau�Uub Abend- 9 Uhr im Hohenzollerngarten Stealiyerstr. 27. t- Rauchtlub na- ""endä 8,* Uhr im Reslaurant Skaliverstr. 147,.— Rauchttub„0« Abends% Uhr im Restaurant W. Späth Weinstr. 28.-««ett««,, Lassa?! blatt" Abends ssf Uhr im Res Zwang" Abends 9% Uhr im Restauranr W. Epaiy-weiniir. 2».— maliger Schüler der 22. Gemeindeschule Abends 9 Uhr im Restaurant Schtf Siegtitzerstraste 18.— Sozlaldemolratlscher Lese- und Dislutirllub� Abend- 8% Uhr Adalbcrtstraste können eingestlhrt werden.— l Vorwärts Abends Uhr in Poland's Lolal, riaungnur.«9, e-iijuii». können durch Mltglieder emgesühri werden.— Männcrchor der„Bern � Mechaniker" Abends 9 Uhr im Restaurant Krüger, Franzstr. 8.— Ver ehemaliger Schüler der 23. Gemeindeschule Abends ch Uhr Ikönigstadt-Kai'. Holzmarllslr. 72. Aufnahme neuer Mitglieder. Gäste willkommen.— Leser „Karl Marx" Abends von 9— li Uhr bei Schönseld, Mariendorserstr... „Mnslerzetchner-Berband Deutschlands" Abends 8% Uhr. Zum SchuUv1 öandSbergerstr. 73. WevmipSzkes. Duo Geheimniß der Zigeii»erumfika«te». ungarischen National-Musici spielen bekanntlich Alles auswent- und werden fast nur deshalb viel und mächtig angestaunt. U» die Sache ist doch so ungeheuer einfach. Allerdings zeichnet 0 Pußtengeiger ein besonders starkes Gedächtniß aus; die ÄehaWj tung aber, daß sie ein jedes Stück von einmaligem Hören spielen können, ist ein Märchen. Die Zigeuner studiren ebenfw- nur aus den Noten, freilich ohne sie zu kennen; auf Umwegs Davon hat vielleicht selbst das Stammpublikum, die Bewohn� schaft Ungarns, nur zum geringsten Theile Kenntniß. Es ü aber so. Bei einem ländlichen Majalis in Salgotarjan, nngarn, sah ich, so wird der„Franks. Ztg." geschrieben, in � Gruppe der Zigeuuermusiker einen blonden jungen Mann.% artige„weiße Raben" sind eigentlich keine große Seltenhel Ter in Budapest sehr beliebte zunge Berkes, der legitime So? eines üineuner- Klassikers" ist estensalls ein Blondkops NV 5 " M0,n) viivuivi� vm), vup vi,.vivivviyi.11.1 in-„vvviw* jv v.wc(nuttaute- siedelnd, niemals absammeln ging und überdies von den andejs. mit einer fast verdächtigen Hochachtung behandelt wurde. einer Pause redete ich den Blonden an, und es erwies sich, V'* er in der That kein Zigeuner sei, ja nicht einmal recht Ungarns konnte. Er ivar irgendwo aus Mähren gebürtig, und O Zigeuner titnlirten ihn respektvoll„Kannester ur"(Herr Kapeu' meister). Und das war er ihnen in der That. Ich erfuhr,% er für sie die Streichstimnicil aller populär gewordenen MUI> gesetztes Vorspielen einbläute, worauf dann so lans Gesammtprobeu gehalten wurden, bis Alles klapp' Dafür bekam der„Kapellmeister" ans dem Erwerb® ,, „Banda" seine besonders hohe Tantieme und lebte übe' Haupt herrlich und in Freuden bei dem Volke Pharm'' Dieser„Kapellmeister" war natürlich eine verkommene mustkalll� Existenz, jedoch ein absolvirter und diplomirter Konseroatoristp kurz zuvor noch dem Verbände des Mozarteums in Salzburg. a gehörend. Ich empfand es gar eigenthümlich, wie ich bei dies kernmagliarisch-tolleu Waldunterhaltung seitwärts mit dem„Kap--„ meister" promenirte und mit ihm von Beethoven, Haydn">, Mendelssohn, von Symphonien, Oratorien und KammerMM sprach. Er wußte ausgezeichnet Bescheid, denn er war, wie 3. sagt, ein qualifizirter Musiker. Mein Kapellmeister sagte mir,°. er bei sämmtlichen existireudcn Zigeunerchören seinesgleichen ya Nur inachen die meisten Kapellen, besonders die berühmtere welche ins Ausland reisen, aus ihrem musikalisch gebildeten v.'' strukteur ein Geheinmiß und er nimmt an ihren öffentlichen+ duktionen nicht Theil. Auasaff in China. Der apostolische Vicar von Knastgib theilt die folgende» Einzelheiten über das Auftreten dieser Tu*% baren Krankheit iu China mit:„In der Provinz Kuangtong' Fokian ist der Aussatz sehr verbreitet. Es giebt kaum eine�r. dritter Größe, welche nicht ihr eigenes Dorf für Aussätzige Die Lager der Aussätzigen liegen meist dicht neben den, punkten des Handels, damit die Kranken milde Gaben von reichen Kaufleuten erbitten können, was das chinesische Gesetz laubt. Auch der Kaiser giebt jährlich eine Summe für die», sätzige», die Vcrtheilung ist mit gewissen abergläubischen Riten banden. Merkwürdig ist, daß sich der GesundheitSzustani', diesen Niederlassnugen allmülig bessert, so daß in einigen vm die Krankheit völlig verschwindet. Wir haben zwei Au-I.j Dörfer, welche bis ans Pater Ricci zurück zu führen sind. T hat 420 Ehristen, unter den nur zwei jetzt am Aussatz Die chinesischen Aerzte studiren die Seuche stark. Einig* Haupte», sie heilen zn können, falls sie noch nicht zu weit v°"e schritten ist. Ich kenne eine» Chinesen, welcher allem Am* ß« nach völlig wieder hergestellt ist. Die Kur war in seinein allerdings seltsam. Er mußte sich in einen frischgeschlach.p Stier hineinlegen und im Leibe des Thieres eine Zeit lang weilen." w/ Verantwortlicher Redakteur: Eurt Kanste in Berlin. Druck und Verlag von Mar Kading in Berlin SW., Beuthstraße 2.