Ar. las Sonnabrud, de« 14. I»«i 18}M>. � Jahrg. Hrgan für die Iniereffen der Arbeiter. Das..Berliner Volksblatt" Meint täglich Morgens außer nach Sonn- und Festtagen. Abonnementspreis für Berlin frei Zs Haus vierteljährlich 3,30 Mark, monatlich 1,10 Mark, wöchentlich 28 Pf. Einzelne Nummer 5 Pf. sonntags-Nummer mit dein„Sonntags-Blatt" 10 Pf. Postabonnement 3�0 Mark pro Quartal. v.(Eingetragen, in der Postzeitungspreisliste für 1890 unter Nr. 892, V. Nachtrag) «»trr Kreuzband, täglich durch die Expedition, für Deutlchland und Oesterreich-Ungarn Ä Mark, für daS übrige Ausland 3 Marli pro Monat. _ Jnsertionsgebühr beträgt für die 5 gespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pf., für Vereins- und Versa>n»ilungS- Anzeigen 20 Pf. Inserate werden bis 4 Uhr Nachmittags in der Expedition, Berlin Sw,, Beuthstratze 3, sowie von allen Annoncen-Bureaux, ohne Erhöhung des Preises, angenommen. Die Expedition ist an Wochentagen bis 1 Uhr Mittags und von 3—7 Uhr Nachmittags, a» Sonn- und Festtagen bis S Uhr Vormittags geöffnet. » Fernsprecher: Amt VI. Ztr. 4106.,-•*- Nodakkion: VeukMvtttze S.— Expedition: Veuthsteotze 3. Revv lllittötluiiit t« der Klemme. Die ultramoiitane Diplomatie, d. h. die Methode A'mer auf zwei Achseln zu tragen und sich vor jeder Men Stellungnahme zu drücken, geht in die Brüche. Die -vtilitärforderungen sind der Fels, an dem das ultramon- Schiff ein ganz gehöriges Leck bekommen wird, ein an dem es sehr leicht zu Grunde gehen kann. ., Herr Windthorst und seine Getreuen sind in Verlegen- Wt, wie sie sich aus der Patsche herauswinden werden, in welche sie die abermaligen Militärforderungen der Regie- N-ng mit dem schönen Plan neuer, ins Unendliche gehen- °et Forderungen für Militärzwecke im Hintergrunde, �bracht hat. Bewilligen möchten sie, wenigstens konservativ- aristokratische Flügel des Zentrums, zu Welchem auch Herr Windthorst trotz aller diplomatischen Kätzchen innerlich gehört. Dem gegenüber steht aber der "inwkratisch angehauchte kleinbürgerliche Theil der Partei Und die Masse der Wählerschaft, die immer noch naiv Seiuig ist, an die Oppositionsstellung des Zentrums zu ülauben und die entschieden� Meinung hat, daß es mit Bewilligungen für Militärforderungen genug sei. _ Aus diesem Dilemma herauszukommen, das ist die Auf- Abe, über welche sich der alte Fuchs Windthorst jetzt den htops zerbricht. Der Mittel, deren er sich bedient, sind �rschiedene. Während er ganz aus eigener Initiative seinen Freunden und in der Militärrommission das �sspenst der Auflösung des Reichsrags und noch schlimmeres" in Aussicht stellt, wenn die Forderungen Ht bewilligt werden, sucht er durch Resolutionen, die besagen und deren Annahme durch den Reichstag Regierung zu nichts verpflichtet, vor den Naiven im , �dc den Glauben zu erwecken, als hätten diese Neso- Klonen etwas zu bedeuten, als bildeten sie den Weg zur �fserung und nöthiglen die Regierung einzuhalten. % Das Ganze ist ein höchst oberflächliches, der größten , sslegenheit erwachsenes Gaukelspiel und die Opposition lo„ sich zehnmal besinnen, ehe sie diesen nichtssagenden to' z e y n m u i üc|iuiic»i, ty* vi*]™ Solutionen Windthorst's ihre Zustimmung giebt und Dianen und �en, dann sogar die Zustimmung der gesamniten wäre er aus einer großen Verlegenheit �fettet, und er hätte einmal wieder auf Kosten der Klar- W der Sache einen Sieg erfochten, wie kaum zuvor.� s> Die Aufgabe, namentlich der Linken, muß unseres Achtens sein, dieses Doppelspiel Windthorst vor der FcnMekcw. 'vua sttbofen.)-- [37 »,Inm Glück der Damen." Ronran von Emile Zola. �ntoristrte Uebcrsetzung von Armin Schwarz. mm mm ,,-»« m>" Sinb' un6 "»■ 8»«' bl>«< St«""" Wählerschaft zu enthüllen und zu zerpflücken und darauf zu dringen, daß eine klare, unzweideutige Lage geschaffen wird, welche die Wählerschaft vollkommen überblicken kann Kommt es dann zu einer Auflösung, mit welcher bis jetzt nicht die Regierung, sondern merkwürdiger Weise Herr Windthorst drohte, nun gut, dann weiß die Wählerschaft genau, woran sie ist, die Böcke sind von den Schafen ge- sondert und die Neuwahl wird keine Vermehrung der Schafe in den Reichsstall bringen, darüber sind wir be- ruhigt. Herr Windthorst begnügte sich aber nicht mit der Auflösung des Reichstags zu drohen, er stellte noch „Schlimmeres" in Aussicht. Den Kommentar dazu lieferte der Kriegsminister, welcher an der Hand der Verfassung glaubte nachweisen zu können, daß gegebenen Falles der Kaiser befugt sei, auf eigne Faust die Präsenzziffer der Armee zu bestimmen. Wir brauchen uns nicht in juristische Abhandlungen zu vertiefen, um zu beweisen, daß diese Auffassung eine grundfalsche ist. Sie wird durch die 24 jährige Praxis im Norddeutschen Bunde und im Reiche widerlegt. Lägen die Dinge so, daß der Kaiser so einfach über die Präsenzziffer bestimmen könnte, wie jetzt Herr von Verdy dem Fürsten Bismarck nachahmend dar- zustellen beliebt, die Kämpfe um die verschiedenen Septennate hätten gar keinen Sinn gehabt. Die Vorschläge, welche die Regierungen auf diesem Gebiete dem Reichstag stets machten, sprechen gegen die kriegsministerielle Auffassung. Will man sich aber von Oben in Gegensatz zu den An- schauungen fast des gesammten Reichstags und inWiderspruch mit der ungeheuren Volksmehrheit setzen, nun so thue man es, man wird sehen, wohin man kommt. Glaubt man, das deutsche Volk werde sich in ähn- licher Weise behandeln lassen, wie in der Konfliktszeit der sechziger Jahre das preußische, man dürfte sich irren. Die Zeiten sind mittlerweile ganz andere geworden. Die politische Bildung und Einsicht der Massen hat in diesem Zeitraum gewaltige Fortschritte gemacht; außerdem besteht nicht, um mit Fürst Bismarck zu reden,„ein verrottetes Wahlsystem", wie das Dreiklassenwahlsystem in Preußen, sondern es regiert das allgemeine Stimmrecht, das ein ganz anderer Macht- faktor ist. Kurz, wir glauben nicht, daß man ernsthaft an Hand- lungen denkt, wie Herr Windthorst sie ausmalt und Herr von Verdy sie als theoretisch zulässig andeutet. Die Zeiten sind für immer vorbei, in welchen man dauernd gegen den ausgesprochenen Volkswillen zu regieren vermochte. Mantel mit, Madame wird sich anderwärts einen andern kaufen; und weinen Sie nicht, ich bitte Sie, Sie wissen wohl, wie hoch ich Sie schätze. Er begleitete sie bis zur Thüre, die er hinter ihr schloß. Sie hatte kein Wort gesprochen, aber eine rosige Flamme war ihr in die Wangen gesttegen, während abermals Thränen in ihre Augen traten, welche aber Thränen der Freude waren. Henriette, die schier erstickte, hatte ihr Taschentuch ge- zogen, das sie krampfhaft an ihre Lippen preßte. Das war ein Umstoß aller ihrer Berechnungen, sie selbst war in die Grube gefallen, die sie gegraben hatte. Sie war verzweifelt darüber, daß sie von ihrer Eisersucht gepeinigt, die Dinge so weit getrieben hatte. Für ein solches Geschöpf verlassen zu werden, von ihr verachtet zu werden! Ihr Stolz litt noch mehr als ihre Liebe. — Also dieses Mädchen lieben Sie? stammelte sie müh- sam, als sie allein waren. Mourct antwortete nicht sogleich. Er ging mit lang- sinnen Schritten im Zimmer ans und ab, wie versunken in seine heftige Erregung. Endlich blieb er stehen und saate jchr höflich, zugleich sehr kühl:" — Ja, Madame. Henriette sank in einen Sessel und indem sie das Taschen- tuch zwischen ihren fieberhaft zitternden Fingern zerknüllte, sagte sie ein um das andere Mal: — Mein Gott, wie unglücklich bin ich! Er betrachtete sie einige Sekunden stumm, dann entfernte er sich ruhig. Sie blieb allein und weinte lange in der Stille ihres Zimmers, die unruhigen Augen aus die Steck- nadeln gerichtet, welche auf dem Toilcttetisch und dem Parket ausgestreut waren. Novrespmrdenzen. Zürich, 11. Juni. Kaum daß vor zwei Jahren eine um- fassende und zum Theil ganz beträchtliche Zollerhöhuna stattgefunden hat, ist nun abernials eine solche im Anzüge, wobei einige landwirthschaftlichen Vereinigungen die treibenden Elemente zu sein scheinen. Für eine Reihe landwirthschaftlicher Produkte, die zur Ernährung dienen, wie Butter, Mehl, Schlachtvieh ic., sollen die Zölle um das Doppelte, ja bei einzelnen Artikeln sogar um das Vierfache des jetzigen Ansatzes erhöht werden. Wie die Dinge liegen, haben die Landwirthe ziemliche Aussicht, ihren Wunschzettel verivirklicht zu sehen. Sollte diese Zollerhöhung nun in der That beschlossen wer- den, so bedeutete dies eine Vertheuerung des Lebensunterhaltes, die bei einzelnen Artikeln wohl bis zu 20 pCt. ihrer jetzigen Preise ansteigen würden. Unter diesen Umständen sollte man glauben, müßte sich wenigstens die ganze organisirte Arbeiter- schaft erheben und in öffentlichen Versammlungen, mit Flug- blättern u. s. w. energisch dagegen protestircn. Statt dessen wird die drohende Gefahr gar nicht beachtet. Die Arbciterblätter, die sich bereits dagegen erklärt, werden zu wenig gelesen und die andere Presse, deren Parteien die Bauern bei den Wahlen und Abstimmungen nöthig haben, besprechen die Angelegenheit entweder gar nicht oder nur in oberflächlicher und reservirtcr Form. Nimmt man dazu den mit so vielen bedenklichen Klauseln abgeschlossenen Niederlassungsvertrag und die reaktionären Be- stimmungen über zukünftige Auslieferungen und den Anarchisten- artikel, so kann man sagen: Die Zustände in der Schweiz sangen nachgerade an, ungemüthlich zu werden. Dagegen will das Bischen Sozialresorm, das man immer plant und das so ungemein langsam im Schneckentempo sich be- wegt, wenig beruhigen. Zur Einführung der Kranken- und Un- sallversicherung hat der Nationalrath die Abänderung der Bun- desverfassung beschlossen; dieser Beschluß hat erst noch den Stände- rath und dann die Volksabstimmung zu passiren. Bis dahin dürfte noch eine geraume Zeit verstreichen und bis dann das Gesetz selbst die verschiedenen Phasen durchlaufen, um endlich in Kraft zu treten, da dürsten wir uns wohl der Mitte dieses Jahr- zehnts nähern. Viel früher oder womöglich gar noch später, ist auch eine Abänderung des Fabrikgesetzes im Sinne der Reduktion der Arbeitszeit, seiner Ausdehnung auf das Gewerbe und sonstiger Verbcsserungen kaum zu erwarten. Erfreulicher Weise schreitet indeß die von den Arbeitern selbst eingeleitete Zehnstundenbewegung vorwärts. Eine ganze Reihe von Berufen, so die Tapezirer, die Gypscr, die Maler, die Spengler, die Glaser und eine Anzahl Fabriken, haben an den verschiedenen Orten die 10 stündige Arbeitszeit ein- geführt. Augenblicklich sind die Metallarbeiter daran, von der 11- zur 10 stündigen Arbeitszeit überzugehen. In der Ge Werbekommission des deutschen Reichstages wurde kürzlich behauptet, daß in der Schweiz die Bestimmung des Fabrikgcsehes, es sei am Vorabend vor einem Sonn- oder Feiertag um 3Va Uhr die Arbeit zu beenden, blos auf dem Papier stünde, der Abgeordnete, der dieses behauptete, war„König" Stumm. Entweder hat Herr Stumm noch nie etwas über die Ausführung des schweizerischen Fabrikgesetzes ver- nommen, oder er sagte bewußt die Unwahrheit. Wir können konstatiren, daß vielleicht keine andere Bestimmung des Fabrik- gesetzes von den Fabrikanten so exakt eingehalten wird, wie ge- rade diejenige betreffs des Feierabends an Sonnabenden oder an Als Mouret in den kleinen Salon zurückkehrte, fand er niemanden als Vallagnosc, denn der Baron war zu den Damen zurückgekehrt. Da er noch in höchster Aufregung war, setzte er sich auf ein Kanapee im Hintergrunde des Zimmers und sein Freund, als er ihn so bleich sab, stellte sich barmherzig vor ihn, um ihn den neugierigen Blicken zu verbergen. So betrachteten sie einander eine Weile, ohne ein Wort anszutanschen. Dann fragte Vallagnosc, welchen die Verlegenheit Mourcts innerlich erheiterte, mit seiner spöttischen Stimme: — Amüsirst Du Dich immer gut? Mouret schien die ganze Frage nicht sogleich zu ver- stehen. Allein, als er sich ihrer früheren Gespräche über die Leere und unnütze Pein des Lebens erinnerte, antwortete er ihm: — Gewiß, ich habe niemals so viel gelebt. Ja, mein Alter, Du mußt Dich nickt über mich belustigen, die kürzesten Stunden des Lebens sind diejenigen, in welchen man vor Leiden zu sterben glaubt. � Er dämpfte die Stimme und fuhr dann in etwas heiterem Tone fort, indem er seine Thränen kaum zu unterdrücken vermochte: — Ja, Du weißt Alles, nicht wahr? Sie sind jetzt ge- komnien, alle Beide, um mir das Herz zu spalten. Aber auch das ist noch wonnevoll, fast ebenso wonnevoll wie ihre Liebkosungen. Ich bin gebrochen, ich kann nicht weiter, aber das thut nichts. Du kannst Dir nicht denken, wie sehr ich das Leben liebe. O, ich werde dieses Kind schließlich den- noch besitzen, welches sich weigert. Vallagnosc begnügte sich zu sagen: — Und dann? — Und dann, dann werde ich sie haben. Ist das nicht SWatumben vor den Festtngen. Wir konstatiren damit eine von �iiemanden in der ganzen Schweiz angezweifelte Thatsache, und wer anderes behauptet, der lugt und wäre es selbst ein König Stumm!' VolttiMe Ttelrovstchk. ilitss KanNilrtogespeitst gehört, gleich den übrigen politischen Gespenstern(„Rothes Gespenst" und Kriegs- gespenst) zu dem ständigen Inventar unserer moderneit deutschen Regierungsknnst.(S. a. Leitartikel.) Es pflegt sich stets dann einzustellen, wenn irgend eine Partei, welche vorher große Oppositions worte gemacht hat, auf dem Punkte steht,„tl m z u s a l l e n." Als im Jahre 1884 die Fortschrittspartei sich zur Verlängerung des Sozialisten- gcsetzes entschloß, tauchte plötzlich der„Konflikt" auf, und führte zu den bekannten Abkommandirnngcn. Und als 1837 die Fortschrittspartei das Recht der jährlichen Bewilligung durch den Reichstag preisgab, wurde der Verrath ebenfalls durch das Konfliktsgespenst verdeckt. Und jetzt, wo das Konfliktsgespenst wie- deritm timgeht, handelt es sich abermals um einen Verrath — nur daß es diesmal das Zentrum ist, welches seinen „Umfall" maskiren will— und nicht die Fortschrittspartei. Herr Windthorst muß der Regierung die neue Militär- vorläge als Zahlung für ein vorläufig noch in Dunkel ge- hülltes Aeanivalcnt durchbringen, und da seine' Getreuen zum Theil bockbeinig sind, so muß der„Konflikt" herhalten. Es ist dies ein geradezu Unverschämter Humbug. Wenn es je einen Zeitpunkt gegeben hat, in welchem der Reichstag dein Militarismus gegenüber eine günstige Position hatte, so ist es die gegemvärtige. Die Masse des Volks ist durch den cnthülltcil Znkunftsplan des Krieasministers erschreckt und die Regierung ist noch nicht konsohdirt. Sie wäre deshalb, im Falle eines negativen Votums, gar nicht in der Lage, zu einer Auflösung zu schreiten, denn ihre Niederlage bei den Rachwahlen wäre sicher. Trotzdem behauptet Herr Windthorst, der die ganz genau weiß, im Herbst werde die Position des Reichstages eine bessere sein als jetzt— während umgekehrt, wie der neue Reichskanzler es ja mit daukenswerther Offenherzigkeit gesagt hat, die Regierung dann in einer weit günstigeren Lage wäre. Indem Herr Windthorst die thatsächlichen Verhältnisse so aus den Kopf stellt und dafür sorgt, daß der geeignetste Moment der Aktion verpaßt wird, erzeigt er der Regierung einen Dienst von außerordentlicher Wichtigkeit, und der Wichtigkeit des Dienstes wird der Lohn entsprechen. Und das darf nicht vergessen werden: wie der Dienst auf Kosten des deutscheu Volkes geleistet wird, so wird der Lohn aus der Tasche des Volkes bezahlt werden. Die rechtlichen Anstände, welche durch das Erlöschen des Sozialistengesetzes in Bezug auf solche Vergehen gegen daS Sozialistengesetz geschaffen werden, die bis zum 1. Oktober d. I. noch nicht rechtskräftig abgeurtheilt sind, geben in juristischen Kreisen zu lebhaften Erörterungen Anlaß, und je länger die Er- örtorungen dauern, desto weiter gehen die Meinungen ansein- ander, desto größer wird die UnNarheit. Es hat dies seinen Grund in der eigenthümlichen Natur des Sozialistengesetzes, das, als Ausnahmegesetz den ganzen Nechtszustand gestört und in Ver- wirrung gebracht hat. Fest steht, daß das Rechtsgefühl des Volkes ans das Schwerste verletzt würde, wenn nicht nur erst nach dem 30. September, sondern schon jetzt— Verurthcilungen auf Grund eines Gcsetzes erfolgten, das selber verurtheilt ist und als gemeinschüdlich aufgegeben werden mußte. Wie der Stantsminister von Sötticher in der Reichs- taasfitzung vom Mittwoch erklärte, werden gegenwärtig an den zuständigen Stellen Gesetzentwürfe ausgearbeitet, welche die Aus- dehnung der Unfallversicherung auf das Handwerk und das See- sischereigewerbe bezwecken. Die„B. Pol. Nachr." bemerken dazu: „Unsere bisherige gewerbliche Unfallversicherung ist zum aller- größten Theile berufsgenossenschastlich organistrt, die Unternehmer sind in Verbänden vereinigt, welche die Entschädigungs- last für die innerhalb ihres Bcrufszweigcs vorgekommenen Be- triebsunfälle tragen. Diese Organisation wird sich, wenigstens für einen Theil der neu unter die Unfallversicherung ein- zubeziehenden Gewerbekreise nicht durchführen lassen. So giebt es beispielsweise unter den Seefischcrn nicht die leistungsfähigen Unternehmer, wie in anderen Berusszweigen, und diese bilden doch die Voraussetzung für die Errichtung einer Berufs- genossenschaft." genug? Du hältst Dich für sehr stark, weil Du nicht leiden und nicht dumm sein willst. Du bist aber nur der Narr Anderer, nichts weiter; strebe nach Einer und trachte sie endlich zu erlangen, das wird Dir in einer Minute Vergeltung briiiacn für alle Leiden. Allein Vallagnosc ging in seinem Pessimismus bis zum Aenßersten. Wozu nützt es zu arbeiten, sagte er, nachdem das Geld nicht Alles bietet? Er würde die Boutique zu- gesperrt und sich unthätig auf den Rücken gelegt haben, an dem Tage, wo er erkannt haben würde, daß alle Mil- lioncn nicht hinreichen, um die begehrte Frau zu erkaufen. Mouret wurde ernst, als er ihn so reden hörte, dann brach er heftig los, denn er glaubte an die Allmacht seines Willens. — Ich will sie und werde sie besitzen! das ist doch sehr einfach; und wenn sie mir entkommt, so sollst Du die Maschine bewundern, die ich bauen werde, um mich zu kuriren. Du verstehst diese Sprache nicht, mein Alter. Sonst würdest Du wissen, daß die Handlung schon den Lohn in sich trägt. Handeln, schaffen, die Thatsachen bekämpfen und sie besiegen oder von ihnen besiegt zu werden: Dies umsaßt alle Freude, alle Kraft des Menschen. — Es ist nichts als eine Art sich zu betäuben, mur- melte der andere. — Nun deim, ich will mich betäuben, ich will lieber in Leidenschaft vergehen als in langer Weile. Und nun lachten alle Beide. Das Thema erinnerte sie an ihre alten Diskussionen ini Kollegium. Vallagnosc erging sich wieder einmal in Phrasen über die Nichtigkeit des Lebens. In drei Jahren hatte man seine Bezüge im Ministerium um 000 Franks erhöht, er hatte jetzt 3000 Franks, kaum genug, um anständige Zigarren zu rauchen; es lohne nicht der Mühe, weiter zu leben und wenn er sich keine Kugel durch den Kopf jagt, so thut er es nur aus Bequemlichkeit nicht. Und als Mouret ihm sein Heirathsprojekt mit Fräulein de BoveS erwähnte, sagte er, daß trotz des zähen Lebens der Tante die Angelegenheit demnächst abgeschlossen werden Der Unternehmevi'chntz, nach welchem die„Köln. Ztg." und verwandte Blätter fortwährend jammern, scheint in Hamburg bereits völlig verwirklicht zn sein. Die Ham- burger Polizei strebt mit Erfolg nach dem Ruhme, ganz im Dienst des Uuternehmerthums aufzugehen und jede Gelegen- hcit zn benutzen, um sich in die Lohnkämpfe zu Gunsten des wirthschaftlich stärkeren Theils einzumischen. So hat sie kürzlich wieder folgende Bekanntmachung erlassen: „Bekanntmachung. Da es neuerdings wiederholt vorgekommen ist, daß Ar- beitswillige vergewaltigt und zur Arbeitseinstellung oder zum widerwilligen Festhalten an der Arbeitseinstellung gezwungen worden sind, wird hierdurch vor ähnlichen Gesetzwidrigkeiten dringend gewarnt und ersucht, in dieser Beziehung vorkommende Ausschreitungen unverzüglich und ausnahmlos zur Anzeige zu bringen. Zugleich werden die betreffenden Arbeiterkreise wiederholt darauf aufmerksam gemacht, daß die Polizeiwachen und Patrouillen angewiesen worden sind, gegen. etwaige Störungen und Belästigungen in der Arbeit jeder Zeit Schutz zu gc- währen. Hamburg, 11. Juni 1690. Die Polizeibehörde." Die deutschen Arbeiter werden_ es sich zur Ehrenpflicht machen, ihren Hamburger Brüdern in dem schwcreu Kampfe, den ihre Organisationen gegenwärtig zu bestehen haben und der ihnen von allen Seiten erschwert wird, nach Kräften zu helfen, Der Knndearath hielt am 12. d. M. unter dem Vorsitz des Vizepräsidenten des Staatsministeriums, Staatssekretärs des Innern Dr. v. Bötticher eine Plenarsitzung ab. Zur Vorlegung gelangte eine weitere Saminlung von Aktenstücken über Ostafrika, sowie ein Antrag Sachsens, betreffend den Aufruf und die Ein- ziehung der Fünfhundertmarknoten des Leipziger Kassenvcreins in Leipzig. Dem Entivurf eines elsaß-lotbringischen Zlusführungs- gesetzes zu dem Reichsgesetze über den Schutz von Vögeln wurde nach den Beschlüssen des Landesausschnsscs die Zustimmung er- theilt; ebenso dem Entwürfe eines elsaß-lothringischen Gesetzes über die öffentlichen Genoffenschaften zum Zweck- der Anlage von Feldwegen, sowie von Bewässerungen und Entwässerungen. Ferner wurde beschloffen, die von der betreffenden ständigen Kommission ausgearbeitete dritte Ausgabe eines Arzneibuches für das Deutsche Reich vom 1. Januar 1801 in Geltung zu setzen. Dem Antrag eines Knappschastsvereins auf Zulassung zur selbstständigcn Durch- führung der Jnvaliditäls- und Altersversicherung wurde die Zu- stimmung nicht ertheilt. „ErTaff" de» Kosialistenaeseüe». Es kann keinem Zweckel unterliegen, daß auf gewisser Seite, zn der wir die gegen- wärtige Roichsregierung nicht ohne weiteres rechnen wollen, der Plan besteht, das Sozialistengesetz nur dem Namen nach aukzu- geben, und die Praxis des Sozialistengesetzes nach Möglichkeit fortzusetzen. Die Auslassungen gewisser Organe deS Großkapitalismus verbunden mit dem Handeln und Austreten vieler Bchör- den, erheben es über jeglichen Zweifel, daß die Absicht vorhanden ist, durch eine Koalition der Arbeitgeber von ganz Deutsch- land und durch strengste Anwendung der Straf- und Polizei- gesctze gegen die Arbeiter die Aufhebung des Sozialistcngcseyes zu einer illusorischen Maßregel zu machen. Wir haben gesehen, wie z. B. die„Leiziger Zeitung" schmunzelnd die Vortheile aus- einandersetzte, welche das sächsische Vereinsgesetz den Feinden des Versammlungs- und Koalitionsrechtes bietet. Wir lesen jeden Tag von schwarzen Listen, von Unteruehiner-Boykotts, von Arbeiter- Maßregelungen und von drakonischen Strafen in Fällen, wo Ar- beiter in der Vertheidignug ihrer Rechte einmal gegen das Gesetz verstoßen haben— während noch kein Arbeitgeber um einer schwarzen List oder um eines sonstigen Boykotts Willen auf die Anklagebank gekommen ist. Das sind schlimme Zeichen und, wie schon angedeutet, in diesen Geschehnissen und Unterlassungen ist Methode, und von Organen des Großkapitalismus wird offen ausgesprochen, daß es sich darum handle, Ersatz für das Sozialisten- gesetz z» schaffe». Kurz die Herren Großkapitalistcn und die sonstigen Feinde der Arbeiter„richten sich auf die sozialistengeseylose Zeit ein", indem sie mit Hilfe unserer reaktionären Straf-»nd Poli�eigesctze ein Echreckenssystem zu organisiren.und durch festes Aneinander- schließen der Arbeitgeber jede Arbeiterkoalition in der Geburt zu ersticken suchen. Mit andern Worten: in veränderter Form soll das Sozia- listengesetz ausrecht erhalten werden. Es wäre ein gefährlicher Jrrthum, wenn die Machthaber des Tages dics»Wl Plan zustimmten und an sein Gelingen glaub- ten. Die Arbeiter, welche fast zwölf Jahre lang siegreich gegen das Sozialistengesetz angekämpft und es schließlich sammt seinen Urhebern zu Fall gebracht haben, würden den Kampf gegen ein großkapitalistisches Schreckcnsrcgimcnt mit verdoppelter Energie aufnehmen. Mit der Aussicht auf„sozialen Frieden" wäre es aber gründlich vorbei, der Klassenhaß würde mächtig geschürt und das gewaltsam heraufbeschworene Mißtrauen der Arbeiter wäre das Grab der Sozialreform. Da« Abgeordneteithano hielt am Donnerstag seine letzte Sitzung in dieser Session ab, in welcher zunächst das Notariats- gesetz in der vom Herrenhaus redaktionell abgeänderten Form würde; er glaube es weuigstcns, denn die Eltern hätten ihre Zustimmung gegeben, das Mädchen aber thäte, als ob es keinen eigenen Willen hätte. Warum sollte der Mensch sich auch anstrengen, fügte er hinzu, da die Dinge niemals eine solche Wendung nehmen, wie man es wünsche? Und er führte seinen künftigen Schwiegervater als Beispiel an, welcher in Madame Guibal eine nachgiebige gefällige Blondine, die Kaprize einer Stunde zu finden hoffte, und welche ihn nun mit Peitschenhieben lenkte, wie man ein altes Roß lenkt, dessen letzte Kräfte man ausnützt. Während man ihn auf einer Inspektionsreise nach Saint-Lü begriffen glaubte, saß er mit ihr in einem kleinen Landhause zu Versailles. — Er ist glücklicher als Du, sagte Mouret, sich er- hebend. — O gewiß, erklärte Vallagnosc. Es scheint überhaupt, daß nur das Schlechte amüsant sei. Mouret hatte sich wieder gefaßt und er dachte daran, zn verduften, aber er wollte nicht, daß seine Entfernung einer Flucht ähnlich sehe. Er kehrte mit seinem Freunde unter fortwährenden Scherzen in den Salon zurück, wo man noch immer beim Tbee war. Baron Hartmann fragte ihn, ob der Mantel endlick passe und Mouret, ohne jede Ver- legenheit, erwiderte, daß er daraus verzichte, Madame Tcsforges zu überzeugen. Alle Welt war erstaunt. Wäh- rend Madame Marty sich beeilte, ihm Thee einzugießen, beschuldigte Madame de BoveS die Magazine, daß sie immer zu enge Kleider machen. Endlich konnte er sich neben Bouthemont setzen, der sich nicht von der Stelle gerührt hatte. Ohne viele Umstände erklärte er dieseni, daß die Äe- rathnng der Jnteressirtcn beschlossen hätte, auf seine ferneren Dienste zu verzichten. Er that dabei als ob er über diesen Beschluß in Verzweiflung wäre._ Er sei über die Sache der- maßen erzürnt gewesen, daß er wie außer sich den Berathungs- saal verlassen habe; aber was könne er thun? er könne mit oen Interessenten wegen einer Personalsrage nicht brechen. angenommen, und eine Reihe von Wahlprüfnngen und PetiKe� erledigt wurden. Die Wahl des Abg. von Selle(4. Marien' iverder) wurde entsprechend dem Kommissionsantrage beanstandet Von den Petitionen wurde eine Petition der Handelskammer>" Koblenz um Befreiung der Krankenkassen von der Stempelsteuer für empfangene Geschenke der Regierung als Material, tins Petition von Gymnasiallehrern um Ausdehnung des Reluleu' gesetzes auf die städtischen Gymnasiallehrer zur BerückstchtizuuZ und eine Petition um Erlaß eines Dotationsgesetzes für Vou»' schullehrer zur Erwägung überwiesen. Daraus gab der PrchidfW die übliche Geschäftsübersicht und erfolgten die üblichen Danke-' reden.— Freitag Nachmittag 3 Uhr hat die gemeinsame Echllw sitzung beider Häuser des Landtages im Abgeordnetenhaus stutt- gesunden. bis zum Herbst vertagt werden wird., In de?-Untersuchung»(«che gegen den früheren Lanvck< direktor Dr. Wehr ist nunmehr auch über den ehemaligen Rmfl' gutsbesitzer Holtz die Untersuchungshaft verhängt worden. Tsf letztere ist der„Danziger Zeitung" zufolg« in das dortige Gcnch»' gefängniß eingeliefert worden. NtittWeidu. Unseren Lesern wird noch die„grobe Unfugs �schichte" mit den„rothen Fähnchen", die einige Arbeiter aü siesjährigen Wahltage auf ihren Webstuhl gesteckt hatten, bekams sein; sie endeten mit Verurtheilung der Angeklagten. Es handci.e sich dabei nicht um Fähnchen, sondern um fingerlange Arbeits� zettel. Jetzt hat das Oberlandcsgericht die Beschuldigten losteü' los freigesprochen. Auch die Untersuchung der Farbe jener kleine» Fähnchen ergab, daß diese nicht„roth". sondern„orange waren. Wiesbaden, 7. Juni. Vor zwei Jahren ging die Noltz durch die Blätter, daß sechs Fachvereine in Wiesbaden votizem'- bis auf Weiteres von dem Herrn Polizeidirektor von Ryeinbabe» geschlossen seien. Die Schließung wird jetzt ein Nachspiel> einem Prozeß haben. Es sind 27 Mann angeklagt, die theiliveil die Anklageschrift schon zugestellt erhalten haben, theilweise no» nicht. Die Anklage umfaßt 80 resp. 84 Seiten und angerlag sind 4 Schriftsetzer, 6 Glaser, 4 Schreiner, 2 Schuhinaasts' ö Schneider und 7 Maurer. In der Anklage werden die Verein als politische hingestellt, welche öffentliche Angelegenheiten in ihre» Versammlungen behandelt haben, ohne der Polizeibehörde da»»» Anzeige zu machen. Staßfurt. Bei Gelegenheit einer öffentlichen sozialdew»� kratischen Wahlversammlung wurde aus der Mitte der Äersamfl, lung der Ruf ausgestoßen: Hoch lebe die Sozialdemokratck' in welchen Ruf die Anwesenden dreimal einstimmten. Ter Bergmann Häußler sollte nun derjenige gewesen sfl� welcher dieses Hoch ausgebracht. Hierdurch sollte er grobe» Unfug verübt haben, insbesondere deshalb, weil sich dadurch beiden überwachenden Polizeibeamten mit Recht belästigt füh"» mußten. Der Gesetzübertreter wurde vom Schöffengericht Staßfurt F 4 Wochen Hast verurtheilt. Auf eingelegte Berufung hat nun das Magdb. Landgew den Angeklagten am 10. d. M. freigesprochen. Das Gericht nimmt an. daß durch den Ruf„Hoch lebe b» Sozialdemokratie" an sich nicht grober Unfug verübt werden köw»; weil die sozialdemokratische Partei die durch diesen Ruf gefe>� werde nicht eine anarchistische Partei sei, und nur das der letzteren als grober Unfug wegen der hierin liegenden. ketznng der öffentlichen Interessen zu bezeichnen sein(also boeft;) Das Gericht ist ferner mit Rücksicht auf die konkrete Sachlage Njl Ansicht, daß eine Verletzung der öffentlichen Ordnung darin ml zu finden sei, daß der Ruf in Gegenwart der beiden Polirl beamten erhoben sei. Kant, 10. Juni. Das tägliche Leben in der Strafanstalt V ta scinldert Pfarrer Lanaborst. der cvaiiaelische-©ristliche*1 Hz»»»»»»,-xJ i»»»-c,-s�vwi»»» V. Vechta schildert Pfarrer Langhorst, der evangelische©ristlich» (IT»» �? 4« t\\% T VTQ«» t«-.'-* � /t*»" � � a öt Cr»• Fl Anstalt, in den„Kirch l. Beiträgen" folgendorweise: Von eist?# freien Willen ist keine Rede mehr und das geht auch nicht onbstk an seine Stelle tritt die unerbittliche Hausordnung, es heißt»st noch: du niußt. Im Sommer wird»m 5 Uhr, im Winter»? öVr Uhr Morgens aufgestanden, dann das Bett gemacht, sst» Bettstelle aufgeklappt, die Zelle und Kleider gereinigt, Fenfi»! geöffnet, die Leute haben sich zu waschen und zu kämmen. Dangen« hat noch eine Stunde Licht und um SV» Uhr geht? i Bett. Sonntags wird nicht gearbeitet, sonst verläuft der-est, wie immer, nur der Gottesdienst, etwaige Schularbeit, Br>'- schreiben(jeden Monat ein- oder zweimal) und Lektüre, zu st? er des Sonnabends ein Buch erhält, bringen Abwechselung."» nnn die Nacht, die oft so lange Nacht! Still ist es im Haust! nachdem die Ausseher fortgegangen sind und dann Nachliva« der zu Bouthemont hörte ihm bleichen Angesichts zu und tnußi ihm für sein Wohlwollen noch danken — Das muß ein schrecklicher iwum«»..... � Madame Marty, Henriette will ihn ja gar nicht mehr m legen. N.'* gj In der That begann daS lange Ausbleiben der Harn frau alle Welt zu deuuruhegen; jetzt erschien endlich 1 dame Dessorges. — Verzichte» auch Sie; rief Madame de Boves heiterem Tone. — Wie so denn?-i — Ja, Herr Mouret hat erklärt, er verzichte darml daß der Mantel Ihnen jemals passen werde. Henriette zeigte sich sehr erstaunt. — Herr Mouret hat gescherzt, der Mantel wird � trefflich passen. ,,i Sie schien sehr ruhig und lächelnd. Ohne Zum, hatte sie ihre Augen gewaschen, denn sie waren frisch, zeigst' nicht die geringste Röthe; während ihr ganzes Wesen% und blutete, fand sie noch Kraft, ihr Leiden unter der M'Vst, der Anmuth der wohlerzogenen Dame zu verheimlichen. bot mit ihrem gewohnten Lächeln Vallagnosc Sandwichs* Nur der Baron, der sie sehr gut kannte, beinest. das leise Beben ihrer Lippe und das dunkle F'stst ihrer Augen, das sie nicht löschen hatte können. Er errn' die ganze Szene.«i — Mein Gott, Jeder nach seinem Geschmack, i%( Frau von Boves, indem auch sie einen Sandwich nahm, kenne Frauen, die nicht einnial einen Meter Band a»st. wärts als im Louvre kaufen würden. Andere wieder schweb aus den Bon Mai-che; es ist Tcmpcramentssache. — Der Bon Marche ist Provinz-Geschmack, murMstA Madame Marty, im Louvre aber ist das Gedränge zu 6C> (Fortsetzung folgt.) »hren Dienst angetreten hat, und diese Stille ist unheimlich, un- heimlicher ols der Tag mit seinem Geräusch für den, der hinter risernm Stangen und mit doppeltem Verschluß an der Thür ein- sam für sich allein ist zc.— Dieses Leben müssen nach obigen Ausführungen nun auch politische Verbrecher und wegen Preß- Ergehen Jnhaftirte führen. Ob es am Ende des 19. Jahr- Hunderts dem Stande der Humanität entspricht, keinen Unter- Uied zwischen entehrenden und nicht entehrenden Vergehen beim Strafvollzug zu machen, ist ja neulich im Reichstage erörtert worden, und wir wollen hoffen, daß in nicht allzuferncr Zeit das Strafgesetzbuch in angedeuteter Form reformirt wird. Aber nne Aendcrung des Strasvollzuges ist durchaus nothwendig. Ausgewirsenrr Uichtgrutteinan. Der in dem letzten Munchener Geheimbundprozesse zur traurigen Be— ruhmtheit getaugte.erste Richtgentlemen" auf dem Zeugenstand, Heinrich Fürst, wurde aus Augsburg ausgewiesen. Bekanntlich verbüßte Fürst wegen Vergehens gegen die Sittlichkeit eine IVsjährige Zuchthausstrafe. Gleich nach seiner Freilassung fand sich Fürst wieder in Augsburg ein. Allein seine damaligen Verehrer und Polizei wollten von dem s., Ehrenmanne" nichts wissen und verwiesen ihm am Sonnabend die Stadt. � Urber die Urrtzältniste de» Tagagebieta wird der »Kölnischen Zeitung" aus Klein-Popo von Herrn I. K. Viktor den 15. Februar geschrieben. In dem Berichte finden sich nach- stehende bemerkensiverthe Ergüsse über Branntwein- und Sklavenhandel: .»Da ich selbst weder Sklaven- noch Branntweinhändler bin, so mag es mir gestattet sein, über diese beiden wunden Punkte uuch einige Worte zu sagen. Die Behauptung des Abg. Richter, daß das Togogebiet ein Schlupfwinkel für den Schmuggel und Sklavenhandel sei, ist ebenso irrig, als wenn der Ge- hnme Legationsrath Krauel bestreitet, daß Sklaven Mi deutschen Schutzgebiet verkauft werden. Die Wahr- heit liegt in der Mitte. Ebensowohl wie in der Englischen Goldküsten-Kolonie und in den französischen Kolonien taglich Sklaven gekauft und verkaust werden, ebenso werden sie in der deutschen Kolonie gekauft und verkauft. Die Karawanen kommen aus den Eklavenmärkten aus dem Innern, welche nicht Nn deutschen Gebiet liegen, besonders von Salaga, und bringen häusig Sklaven mit. Der einzige Unterschied ist der, daß im englischen Gebiet, wo der Sklavenhandel amtlich verboten ist, weistens nur Kinder und größere Mädchen, hier aber auch größere Lungen und Männer verlaust werden(also mehr wie im eng- tischen Gebiet!); auch sind die Sklaven in der Goldküsten-Kolome 40 M. im Durchschnitt theurer. Ich mißbillige den Sklavenhandel und die Sklaverei durchaus und ich glaube, daß die Re- Sicrung mit der Zeit dagegen einschreiten wird und einschreiten wuß. wie sie jetzt schon Sklavenjagden in ihrem Gebiet ahndet. Was die andere Frage betrifft, so stößt man hier an der Küste allerwärts auf Widerspruch, wenn man behauptet, daß der Branntweinhandel der Verderb der Neger sei. In der That be- kommt man hier Betrunkene nur selten zu Gesicht. Die Faktoreien liegen ganz außerhalb der Stadt und ern Europäer wird fast nie des Abends oder Nachts in daS Negerdorf kommen. Ebensowenig aber kommt ein betrunkener Schwarzer zu einem Europäer, da rrsehr gut weiß, daß er hinausgeworfen wer- den würde. So liegt es auch wohl in den Verhältnissen— hier jedenfalls und in Kamerun wahrscheinlich auch— daß der kaiserliche Kommissar berichtet hat, daß von Mißständen infolge der Einfuhr von Branntwein und Spirituosen nichts bekannt feu Sebbe, der Sitz des Kommissars von Togo, liegt, durch zwei Ajpe der Lagune gelrennt, etwa dreiviertel Stunde von Klein-PonMnd zugleich etwa eine halbe Stunde von jeder größeren affschaft entfernt. Die Leute, welche sich in Sebbe akufhalten, sind Angestellte der Regierung, Soldaten Js Arbeiter, Diener jc., unter denen ein übermäßiger Branntwein- genuß selten vorkommt, weil der Betroffene weiß, daß er alsbald entlassen würde. Daß der Kommissar außer der ganzen Verwaltung, den Reisen, den Berichten nach >hause und aller übrigen Arveit nicht noch die Zeit findet, sich eingehend mit dieser Frage zu beschäftigen, liegt auf der Hand, zumal ihm die Beobachtung in der Nähe nicht möglich ist. Nach weiner eigenen Beobachtung aber ist der Schnaps für Afrikas overderben bringend, daß ich selbst von der Einfuhr aller Spirituosen absehe. Ich habe es selbst erlebt, daß zwei unserer ersten schwarzen Angestellten im Trunk verkamen und starben; zwei Handlungs�e- Hilfen mußten in meiner Faktorei wegen häusiger Trunkenheit im Dienst entlassen werden. Als ich von einer ungefähr ein Jahr dauernden Reise in Europa zurückkehrte, konnte ich niehr als die Hälfte meiner Arbeiter, welche inzwischen durch Krujungcn ersetzt waren, nicht wieder nehmen, weil sie zu sehr tranken, und zetzt Nach ii/ä Jahren habe ich nur noch einen von den alten Leuten, obgleich ich es an eindringlichen und häufigen Warnungen nicht habe fehlen lassen. Tie Häuptlinge und einsichtigeren Eingebore- Neu geben auch ganz unumwunden zu, daß durch den Brannt- wein die Leu» hier sehr verschlechtert seien gegen früher, und der größte hiesige eingeborene Händler hat mir und anderen verschie- driulich versichert, daß er gern den Branntwemhandel aufgeben würde, wenn er nur erst etwas reicher sei. Ich.lasse es natürlich dahingestellt, ob jemals eine Zeit kommen wird, daß KM SVSÄt« s Nicht besser gefunden." Wir haben den, nichts hinzuzufugen. MWM«« unter eiü' WW««« «W&r«'1» >t. EtiöNNL,-v»...... p.r bi/rpY SKcxrua mfabrik soeben ein großariig längerer Zeit statt- rprärK sabrik, der entlassen worden, ya» züe Angelegenheit Paris, 12. Jnni. Deputirtenkammer. Der. Boulangist Boudeau befragt die Regierung über die Maßregeln, welche sie den Behörden gegenüber ergriffen habe, die Borras verurtheilt und seine Rehabilitirung verhindert hätten. Die in eine Jnter- pellation umgewandelte Frage wird ans Antrag des Deputirten Thevenest auf 14 Tage zurückgestellt, da der Justizminister behufs Information einen Ausschub begehrt. Eine Jnter- pellation des Deputirten Delafosse über die Lage der Fran- zosen in Tunis wird aus Antrag Ribots gleichfalls vertagt. Lacretelle bringt den Antrag ein. Borras eine Pension von 6000 Frks. zu gewähren. Der Antrag wird an die Strafprozeß- Kommission verwiesen, die zur Berathung des Antrags, betr. die Entschädigung unschuldig Berurtheilter bereits eingesetzt ist. Hierauf trat die KaNimer in die Tagesordnung ein. Ter Minister des Innern hat ein Gesetz über die Alters- Versorgung der Arbeiter ausgearbeitet, dessen wichtigste Bestim- munden hier folgen. Der Staat sichert jedem Franzosen, dessen Jahreseinkommen von seiner Arbeit weniger als 8000 Frks. beträgt, von seinem 55. Lebensjahre an eine Leibrente von min- bestens 240 und höchstens 360 Frks. jährlich zu, wenn er von seinem 25. Lebensjahre angefangen jährlich nnndestens 20 und höchstens 88 Frks. an die Staatskasse bezahlt. Der Staat legt dem eingezahlten Betrage ein Drittel zu und erhält so nach den Berechnungen des Herrn Constans das Kapital, das zur Bestreitung der Leibrente genügt. Wie 600 Frks., die der Versicherte bezahlt, nebst dem Drittel, 200 Frks., das der Staat zulegt, also 800 Frks. und die dreißigjährigen Zinsen und Zinseszinsen dieser 800 Frks. genügen sollen, um ein Kapital zu bilden, aus dem man dem Versicherten vom 55. Lebensjahre bis zu seinem Tode, das heißt durchschnittlich nach den üblichen Sterblichkeitstabcllen gegen fünf- zehn Jahre lang, jährlich 240 Fr. bezahlen kann, ist allerdings nicht recht verstänvlich, wenn man nicht etwa annehmen will, daß der Staat au; eine Sterblichkeit zwischen dem 25. und 55. Lebensjahre rechnet, wie die französische Statistik sie thatsächlich nicht zeigt. Wenn der Versicherte seine Jahresbeiträge, nachdem er angefangen hat, nicht weiter bezahlen kann, so verliert er darum die Versicherung nicht. Es genügt, daß er später, zu irgend einer Zeit vor vollendetem 55. Jahre, die rückständigen Jahresbeiträge auf einmal oder in mehreren Theilzahlungen erlegt. Das Wesent- liche ist, daß er dreißig Jahresbeiträge bezahle. Auch jenen Per- sonen, die sich bei den bestehenden Renten-Versicherungskassen eine Leibrente von höchstens 360 Franks gesichert haben, kommt der Staat zu Hilfe, indem er ein Drittel der Versicherungsgebühr für die Leibrente oder ein Viertel zuzahlt, wenn es sich um eine ge- mischte Versicherung mit Leibrente und Kapital für die hinter- bleibende Wittwe und Kinder handelt. Nach diesem Gesetzentwurfe soll auch ein solcher über die Unfallversicherung eingebracht wer- den, der ganz dem deutschen Vorbild angepaßt ist. Rußland. Petersburg, 13. Juni. Ein heute veröffentlichtes Gesetz ändert die Vorschriften betreffend die Arbeit der Minderjährigen und Frauen in Fabriken im Sinne eines erweiterten Schutzes dieser Arbeiterkategorien ab und dehnt diese Vorschriften, sowie diejenigen betreffend die Schulpflicht minderjähriger Arbeiter auf die Handwerksftuben aus. VerlÄttttnlungeu. Eine öffentliche Uerfammlnng der Tabakarbeiter und-Ardeiterinnen Aerlinv und Unigegend tagte am Donnerstag Abend im Königstadt-Kasino, Holznmrktstr. 72. Auf der Tagesordnung stand als erster Punkt: Berichterstattung über die Beschlüsse der Generalversammlung des Unterstützungsvereins deutscher Tabakarbeiter und-Arbeilerinnen. Hierüber reserirten die Herren Dechand und Werner. Aus dem sehr ausführ- lichen Bericht ist besonders hervorzuheben, daß die letzten umfang- reichen Streiks große Summen verschlungen haben, so daß man sich zur Ausschreibung einer Extrasteucr für Vcreinsmitglieder genöthigt sah. Die Folge war, daß die Mitgliederzahl zusammen- schmolz und die Generalversammlung mußte sich auf Grund dieser Thatsache mit der Frage beschäftigen, wie dem Uebelstande am besten begegnet werden könne. Es wurde deshalb auf der General- Versammlung vorgeschlagen, die Urabstimmungen zu beseitigen, weil diese den planlosen Streiks wesentlich Vorschub geleistet hätten. Zu einer solchen Veränderung der Grundlage des Vereins habe man sich jedoch nicht entschließen können, doch habe man, um zu einem Ausweg zu gelangen, die Bestimmung angenommen, daß Mitglieder, welche beabsichtigen, die Arbeit einzustellen, dies dem Vorstand und„Ausschuß" vier Wochen vorher anzeigen müssen. Der Ausschuß hat zu entscheiden, ob und wann der Streik be- ginnen soll. Arbeitseinstellungen, welche ohne Einwilligung des AnsschnsseS begonnen werden, dürfen nicht zur Vereinssache ge- macht werden und ist in diesen Fällen eine Urabstimmung unzulässig. Der Ausschuß soll, wenn er den Mitgliedern eine Unterstützung bewilligt hat, die Forderungen nur insoweit geneh- migen, als sie den Verhältnissen entsprechen, resp. durch die Ver- wirklichung derselben thatsächlich ein Nutzen für die Tabakarbeiter geschaffen wird. Es wurde ferner anerkannt, daß ein solida- risches Vorgehen mit dem Verein deutscher Zigarrensortirer im beiderseitigen Interesse liege, diesbezügliche Anträge wurden daher angenommen. Im Uebrigen sprach die Generalversammlung den Wunsch aus, daß die Vereinsleitungen beiderBereine eine Basis finden möchten, welche den Beitritt sämmtlicher Sortirer zum Tabalar- beiter-Verein ennögliche. Weiter sei bestimmt worden, dir Karenz- zeit von 13 auf 26 Wochen zu erhöhen und die Beittäge von 20, 16 und 10 Pf. festzusetzen. Eine Resolution, die Akkordarbeit niöglicbst zu beseitigen und dafür Wochenlöhne anzustreben, habe allgemeine Zustimmung gefunden. Alle freiwillig gesammelten Gelder sollen an den Ausschuß, dessen Vorsitzender Reichstags- abgeordneter Meister- Hannover ist, abgesandt werden, damit eine geregelte Vertheilnng derselben erfolgen kann. Solange noch ein Defizit vorhanden ist, sollen Lohnstreiks nicht bewilligt wer- den; zur Deckung des vorhandenen Defizits wird die Exlrasteuer noch bis Ablmis dieses Quartals beibehalten. Den Mitglied- schaften soll gestattet sein, Arbeitsnachweise zu gründen, doch sind die bezüglichen Statuten dem Ausschuß vorzulegen. Aus der Generalversammlung waren 47 Delcgirte anwesend; der bisherige Vorstand wurde wiedergewählt.— Hiermit war der erste Punkt der Tagesordnung erledigt. Es solgte nun die Verichterstattung über die Beschlüsse der Delegirten nus den Berliner Fabriken. Herr Reul erklärte, daß die Drle- Sirtri« hrschlossrn hätte», den Koqkatt, welche» ww» nun »«»fchiedonen VZrnnden«!>er eine Zlrihe von berliner Firmen trerljiinot habe, auf) u heben, weit derselbe gegen» standvloo geworden fei. Es sei zweckentsprechender, ivenn man die zuverlässigen Elemente wieder in die gesperrten Fabriken einziehen lasse, da diese stets ans Seiten der aufgeklärten Kollegen stehen ivnrden. Einen moralischen Sieg hätten die Arbeiter zweifellos davongetragen; das frühere Abhängigkeitsverhältniß in manchen Werkstätte» sei zerstört worden und es habe sich ein besserer Zustaad herausgebildet. Von den Gemaßregelten seien noch vier oder fünf zu unterstützen. Angesichts der Sachlage habe man den Vorschlag gemacht, die sreiwilligen Beittäge ans 20 Pf. resp. 10 Pf. zu reduziren.— Die Versammlung war mit den Beschlüssen einverstanden. Eine lebhafte Dis- knssion entspann sich nun über die Frage, ob in Berlin eine lokale Vereinigung zu schaffen sei. Herr Otto ttat entschieden dafür ein. Von Seiten der Behörde habe man in Berlin die Errichtung einer Zahlstelle für den Unter- slühungsverein verhindert, ivcil derselbe eine Versicherungsgesell- schaft sei. Die Sache schwebe zur Zeit noch beim Verwalwngs- gericht. Es sei auch noch nicht abzusehen, wann und ob die- selbe ihre Erledigung finden werde. Dieser Zustand könne aber nickt länger aufrecht erhalten werden, wenn den Kollegen und Kolleginnen nicht ein großer Schaden erwachsen solle. Die be- stehende Kommission sei nur ein loser Zusammenhang empfehle sich daher die Schaffung einer festen Organisalic und es # III| Organisalion, was unbeschadet der vorhandenen Zentralisation geschehen könne. Die Mitglieder des Lokalvereins hätten die Pflicht, oer letzteren eben- falls anzugehören. Falls später in Berlin eine Zahlstelle möglich sei, hätten die Kollegen es ja immer in der Hand, die lokale Ver- einigung aufzugeben. Nachdem verschiedene Redner für und gegen den Vorschlag gesprochen hatten, wurde mit großer Mehrheit der Antrag angenommen, eine Fachorganisation in Berlin zu schaffen und beschlossen, fünf Personen zu wählen, welche die Vor- arbeiten erledigen sollen. Gewählt wurden die Herren: Otto, Mothes, Börner, Butry und Reul. In die Berliner Stteik-Kontrolkommission wurden ferner die Herren Witzki und Börner gewählt. Ein Anttag, die der Lohnüberwachungs- Kommission zu übermittelnden sreiwilligen Beiträge auf 20 Pf. für männliche und 10 Pf. für weibliche Kollegen festzusetzen, wurde ebenfalls angenommen. Zmn Schluß gelangte eine Resolution zur Besprechung, ivelche sich gegen den Berliner„Lokal-Anzeiger" richtete. Dieselbe fordert ans, dieses Blatt nicht mehr zu abon- niren, auch nicht in demselben zu inseriren und bei den Geschäfts- leuten nicht mehr zu kaufen, welche varin Anzeigen erlassen. Be- gründet wurde die Aufforderung mit dem Verhalten des Eigen- thüniers seinen Arbeitern gegenüber. Die Resolution gelangte einstimmig zur Annahme. Cine außerordentliche Generalversauttulung de« Fachurreiu» der Tischler tagte am 7. d. M. bei Joiil, An- dreasstr. 21, mit folgender Tagesordnung: 1. Statutenabände- rung. 2. Beschlußfassung über die Erhebung einer Extrasteuer für streikende Kollegen. 3. Verstärkung der Werkstatt- Kontrol- kommisflon.— Zum 1. Punkt bemerkt der Vorsitzende einleitend, daß die heute vorliegende vom Gesammtvorstande beantragte Abänderung des Statuts vorgenommen werden soll, einmal um den Mitgliedern die größtmöglichsten Vortheile zu gewähren, soweit sie eben von einer Organisation im Rahmen der gegenwärtigen Gesetzgebung gewährt werden können; zweitens gilt es, die Entwickelung des Vereins zu einer fortschreitenden zu gestalten und das Statut in Einklang zu bringen mit neuen, speziell den Arbeiter betreffenden gesetzlichen Bestimmungen sowie mit der gewerkschaftlichen Entwicklung über- Haupt. Das Statut wird also»ine wesentliche Erweiterung in Betreff des Rechtschutzes erfahren. Redner verliest nun die vorgeschlagenen Abänderungen und stellt sie zur Diskussion. In derselben werden nur finanzielle Bedenken geäußert, denen gegenüber jedoch ausgeführt wird, daß, wenn die Mitglieder nur einigermaßen ihrer Ueberzeugung und dem Verein treu bleiben, der letztere wohl im Stanoe ist, diese Ausgaben, die voraussichtlick keine großen sein werden, zu be- streiten.— Nachdem man die verschiedenen Punkte einzeln dis- kutirt, gelangen dieselben zur Annahme in folgender Fassung: § 1, A b s a iz 6, zwischen Arbeitnehmer und eventuell einzu- schalten:„und in Streitfragen, ivelche auf Grund des Kranken-, Unfall-, Invaliden- und Altersversicherungs» Gesetzes entstehen." §3, Ab sah 2 erhält folgende Fassung:„Mitglieder schon be- stehender Tischlervereine, welche ähnliche Zwecke verfolgen» oder solcher Vereine, die sich zu Gunsten des Fachvereins auflösen, sind von Zahlung des Eintrittsgeldes oefreit und tteten sofort in sümmliche Rechte der Mitglieder em, wenn sie genannten Vereinen seit mindestens 8 Monaten angehören oder angehört haben." § 3, Absatz 3 hinzuzufügen:„Zu Unterstützungen bei Streik? oder Maßreglungen kann von jeder Generalversammlung die Erhebung einer Extrasteuer beschlossen iverden, wem» mindestens zwei Drittel der anwesende» Mitglieder einen» solchen Beschluß zustimmen; ebenso kann die Aufhebung der Extrasteuer von einer Generalversammlung beschlossen werden, wenn zwei Drittel der anwesenden Mitglieder dem zustimmen. § 8, Abs. 1 zu streichen und dafür folgende Fassung zu geben: „Der Verein gewährt seinen Mitgliedern kostenfreien Rechtsschutz in gewerblichen Streitigkeiten zwischen Arbeit- geber und Arbeitnehmer, die ans Grund der Gewerbeord- nung, des Kranken-, Unfall-, Jnvaliditäts- und Altersver- sicherungsgesetzes angestrengt werden. Es folgen noch eine Reihe kleinerer und redaktioneller Aende- rungen, oeren Anführung hier unterlassen bleibt bis auf diejenige, welche die Bibliothek betrifft, diese lautet:§ 1 der Bibliothekordnung: Die Bibliothek befindet sich im Bürenu des Arbeitsnach- weises. Die Ausgabe der Bücher findet in den Büreaustunde» und außerdem Freitag Abend bis SVs Uhr durch den Arbeits- vermittler statt. Beim 2. Punkt, die Extrasteuer betreffend, entspinnt sich eine längere Debatte, in welcher unter anderem hervorgehoben wird, daß gerade Berlin in der Unterstützung auswärtig streikender Kollegen in diesem Jahre wenig geleistet habe. Auf die von der Streikkommission ausgegebenen Listen werde sehr ivenig gezeich- net. Ueberhaupt werde das Listensyftem als schädlich dezeichnet, nebst anderen Unzuträglichkeiten berge es auch die, daß dadurch gewöbnlich Diejenigen zu immer neuen Opfern herangezogen»ver- den, die ohnehin immer in den vordersten Reihen stehen. Die Erhebung einer obligatorischen Ertrasteuer würde alle gleichmäßig belasten, und jeder könnte das Zeichnen auf Listen mir der Motivirung ablehnen, daß er bereits eine Steuer zur Unterstützung streikender Kollegen zahle. Darf man auck nicht hoffen, die Sammellisten aus der Welt zu schaffen, so ist doch dies ein erster ernster Schritt dazu, den andere Gewerk- fchaften hoffentlich bald nachmachen werden. Es wird eine Extta- sleuer beschlossen und zwar im Betrage von wöchentlich 5 Pf.— Der Vorsitzende ladet noch zu zahlreicher Betheiligung an dem am 16. Juni in der„Neuen Welt" stattfindenden l6jährigei» Stiftungsfest ein. Die Verstärkung der Werkstatt-Konttolkommisston mußte der vorgerückten Zeit wegen vertagt werden. Au» Sonutag, den 8. Juni, fand in Rixdorf, Berliner- straße 186 bei Kummer, eine Versammlung der Bau- und gewerv- lichen Hilfsarbeiter statt. Dieselbe war leider schwach besucht, was auf den großen Jndiffereutismus der Arbeiter zurückzuführen ist. Das Büreau wurde gebildet von den Herren Ernst Müller, erster Vorptzeudcr, O-kar Böttcher, zweiter Vorsitzender, Paul Steinmar, Schriftführer. Zum ersten Punkt der Tagesordnung, Zweck und Ziele der Organisation, sprach Herr Linke, Maler aus Berlin. In der daraus folgenden Dtskussion sprachen die Herren. Steinmar, Hagendors, Eckert u. s. w. und wurden folgende Resolutionen: 1. Die heutige öffentliche Versammluug der Bau- und gewerblichen Hilfsarbeiter Rixdorfs erklärt sich mit dem Referenten, sowie den anderen Rednern einverstanden und verspricht, mit allen gesetzlichen Mitteln für die Besserung ihrer Lage einzuivirken und in den obigen Verein zahlreich einzutreren. 2. Die streikenden Brauer dadurch zu unterstützen, daß das Trinke» von Bayerischem Bier bis zum Sieg derselben unterbleibt, was auch in der Versammlung geschah, einstimmig angenommen. Nach einigen kleinen Sachen im„Verschiedenen" ivnrde die Versammlung vom Vorsitzenden mit der Mahnung, das Gehörte zu beherzigen und für die Organisation einzutreten, geschlossen. x»-«lrrligiSs»««nrindr. Rosenthalerstr.»s.-Sonntag, den w. Juni. »kSWirngd« AUg«mrIn«r yutnUovlieittr-JI«v,iii i/trHit« und Zlmseaend.«m Somiabend, den si. Juni 1890: E«inüthl> Theater. Hamlet. Dentlchea Theater. Der Sohn der Wildniß. Friedrich-Mithelinstädt. Theater. Der arme Jonathan. Mattner» Theater. Mamsell Ni- touche. Uiktoria-Theater. Stanley in Afrika. Gstend-Theater. Don Carlos. Kelleattianre- Theater. Der Nau- tilus. Krott's Theater. Die Entführung aus dem Serail. Kaufmann'« Uaristö. Große Spe- zialitäten-Vorstellung. Englischer Garten. Direktion: C. Andreas, Alexanderstraße 27 c. Auftreten d. Lieders ängerin Frl. Lteiuo v. Austreten des Gesangshumoristen Herrn Jonas. Auftreten des Komikers, Mimikers und Stimmen-Jniitators Herrn Gödicke. Auftreten der Geschwister Herzog Auftreten des musikalischen Klown Mr. de Volks. Sieget- Etablissement Buggenhagen am Moritzplatz. Täglich: Grosses Garten-Concer*. Direktion A. ULdmann. Dienstag und Freitag: Walzer-Abend. Fnfrpp Wochentags 10 Flg., ILUliet; Sonn. und Festtags L�Fkg. Bei ungünstiger Witterung in den unteren Ilestanrationsrüumen. Großer Frühstücks- und Mittagstisch. Spczial-Ansschank von Patzenhofer Export-Bier, Seidel 15 Pf. Die oberen Säle bleiben bis auf Weiteres wegen Sienovirung geschlossen. 641 F. Müller. Vari6t6-Theater. (Hasenhaide) Herrmaunstr. 18— Hone Strasse 18. Sonntag, den 8. Juni 1890. Im herrlichen Garte«: Konzert, Theater Im Kaale: BALL. Anfang 4 Uhr. Entree 20 Pf. Kinder frei! Zu Privatfestlichkeiten halte mein Etablissement empfohlen. Passage 1 Tr. 9 Uhr M. b. 10 Uhr Ab Kaiser-Panorama. Hervorrag. Sehenswürdigk. d. Residenz. In»MF- dieser-KBffi Woche: Zum eisten Male: Vierte Reise durch die Pyrenäen. Neu! Aum ersten Male: Hochinteressant: Siam. 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Ulirderverltiiufern Pabatt. Große Versammlung hes Allgenleinen ArSeiterinnen-VereinS sninintl. Bernsszweige für Rixdorf und Umgegend am Sonnabend, den 14. d., Abds.8 Uhr, in Hoffmaun's Salon, Rixdorf, Vergstr. 133. Tages-Ordnung: 1. Die Nothwendigkeit der gewerkschaftlichen Organisation der Arbeite- rinnen. Referent: W. Werner(Verlin). 2. Diskussion. 3. Aufnahme neuer Mitglieder. 4. Verschiedenes und Fragekasten.[18'" Herren als Gaste haben Zutritt. Die Bevollmächtigte. Außerordentliche Generalversammlung des Vereins zur Hebung der materiellen und geistigen Lage der Arbeiter Schönebergs am Montag, den 16. Juni er., Abends 8 Uhr. BW in der Schloos-Brauerei zu Kchöneberg."WM Tagesordnung: I. Wahl eines aktiven Vorstandes. 2. Aufnahme neuer Mitglieder, 3. Vertheilung der Mitgliedsbücher. 4. Fragekasten. Der provisorische Vor st and: 1888] I. 31.: Bachholz, Grunewaldstraße Nr. 123. SojiMmkr. Wchlmein s. ii. 2. Verl. ReichstG-Wahlkreis. Die Zahlstellen befinden sich bei:[1872 Böhland, Restaurant, Bulowstr. 52; Scheues«, Restaur., Gneis enau- u. Schleiermacherftr.-Ecke; WHschke, Cigarren-Geschäft, Junkerstraße 1; Schmidt, Restaurant, Dieffeubachstraße 34. Die Beiträge werden jeden Sonnabend von 8V2 bis 10 Uhr entgegengenommen; alle Genossen mögen dieselben pünktlichst entrichten. Mitglieder werden in den Zahlstellen aufgenommen. Der Uorstand. 1. Hest der zweiten Auflage ist soeben erschienen durch unsere Expedition, Beuthstr. 3, zu beziehen. Soeben erschien: Berliner Arbeiter-Bibliothek. Herausgegeben von Max Schippel. S-rie II. Soft S: Zur Naturgeschichte der nntisenntislhen Bemegnng in Deutschland. Von Gerhard Krause. Preis broschirt 15 Pf. Wiederverkäufer erhalten Rabatt. Zu beziehen durch unsere Ex- pedition, Beuthstraße 3. Soeben erschien M mhre Zlltöb ür. 801. Zu beziehen Beuthstraße 3. durch die Expedition am hiesigen Platze bekanntlich Gröoste Auswahl. 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Stempehl. Zentrnl-Krankcn-n.SterbekO der Tischler n. a. gmerblicher Arbeiter h. Hnmbnrgj Filiale Herlin O. Mitglieder- V ersamml. am Montag, den 16. Juni, Abends 8V» Uhr, im Uirtoria-Saal, Perle bergcrstraße 13. Tagesordnung: 1. Neuwahl der Ortsverwaltungs Beamten. 2. Verschiedene Kassenange- legcnheiten. Mitgliedsbuch legitimirt. Um zahlreiches Erscheinen ersucht 1843]_ Die Ortsvenyaltnng. Spiegel nnd » Polstenvaaren-J eigener Gr. Lager, bill. Preise.! Fabrik. Emil Heyn, Brunneustraße 23, Hof parterre. Theilzahlung nach Uebereinkunft. Allen Freunden und Genossen, sowie meiner werthen Nachbarschaft empfehle mein Cigarren- und Tabakgeschäft, und mache darauf aufmerk- sani, daß mein Geschäft an Sonn- und Festtagen von 2 Uhr Nachmittags geschlossen ist. Sammelstelle gelesener Arbeiterblätter. 411 Franz Moffke, Borsigstr. 10a. Berliner Kranken- und Begräbniss-Kasse für Frauen und Mädchen.(E. H. No. 97.) Montag, den 33. Juni 1890: Cmral-VttsiMinlW in KegersLokal, UrueGrüustr.14 Tagesordnung: 1. Stututeiiberathung. 1826 2. Kassen-Angelegenheiten. Um zahlreiches Erscheinen ersuchen Priedr. Freudenreich, Otto Koppen, Vorsitzender. Kassirer. Äcrbllllii btlitschtt Korbulchtt Filiale Krrlin. Montag, den IG. Junis Versammlung. 1. Vortrag des Stadtverord. Frifi Z u b e i l über: Wie stellen sich die Arbeiter der Hausindustrie gegenüber' 2. Diskussion. 8. Wahl eines Schriftführers und eines Beisitzers. 4. Verschiedenes. 186) ZeM-KiNkes- u.SterhM her Iii# ll. s. w. (E. H. Hamburg) Nrrn'altnng Kerlin E. Sonntag, den 15. Juni, Vormittag» lOVa Uhr, im Wedding-Park, Müller' straße Nr. 178: Mitglieder- V ersamml. Tages-Ordnung: 1. Feststellung der Entschädigung f»1 die Verwaltungsmitglieder. 2. Wahl der gesammten Verwaltung- Beitragsammler, Aerzle und Heu' aehilfen. 8. Verschiedenes. Nach dieser Versammlung findet eine Versammlung der Zuschußkasse mit der' selben Tagesordnung um IV: Uhr Nach mittags statt.. Den Mitgliedern von Reinickendorl' Tegel und Dalldorf zur Kenntniß, da? vom 1. Juli ds. Js. ab die Filiale er richtet ist und die Beiträge werden'? Lokal des Herrn Emil Kirsch in R«' nickendorf, Residenzstr. 20, jeden Sonn abend von 8—9 Uhr Abends entgegen genommen. Die Krankmeldung und Aufnah>n nimmt der Bevollmächtigte 0. Knam' Seestr. 10, an; der Kassirer C. Bno wohnt Residenzstr. 106, v. 1 Tr. I. A. der Verwaltung 1881] F. Gloinert. Arbelter-GtsavM'till ,Nsr� Sonntag, dr» 15. Juni: Herren- Partie nach Friedrichshag4'' Treffpunkt: Bahnhof Alexandcrpla präzise G'/z Uhr.— Um zahlreiches � scheinen der Mitglieder bittet 1876 Der Dorstand OestrescheirS Wann's Euch g'müthli unterhol� wöllt's, so kommt's in die Kürasl'st Straßen auf Nr. 15a in die Gngarisc?. Restauration. Die höchsten Wea'?- Tanz wer'n aufgeführt. sll r a b im I a fei i Gb - I k lel & °er Je i»e g «es kch Verantwortlicher Redakteur: Gurt Kaal» in Berlin. Druck und Verlag von Ma» Kading in Berlin S\V., Beuthstraße 2. Sier-u»wei �«ilaa-»' Ur. 135. Sonnabettd, den 14. Juni 1890. Jahrg. Die europäische Zage. fiaff.n'of"--''11 bct»Neuen Zeit" jüngst veröffentlichten Meister- tJml,{"fffch über die„auswärtige Politik des russischen Zaren- fch'icpt Friedrich Engels mit folgendem Ausblick: l«»»» Mutige europäische Lage wird beherrscht von drei That- 2) Ti 1? �cr Annexion von Elsaß-Lothringen an Deutschland. 3% a\!n rranfl des zarischen Rußlands nach Konstantinopel. w allen Ländern immer heißer entbrennenden Kamps üt-lÜn" Proletariat und Bourgeoisie, dessen Thermonleter die all m Aufschwung begriffene sozialistische Bewegung ist. in x- ersten beiden bedingen die heutige Eruppirung Europas rei�.�' üroße Heerlager. Die deuffche Annexion macht Frank- ..I ium Bundesgenossen von Rußland gegen Deutschland, die fynr Prdrohuug Konstantinopcls macht Oesterreich, selbst fz. zu Bundesgenossen Deutschlands. Beide Lager rüsten .'"s" Entscheidungskampf, für einen Krieg, wie die Welt ' rrmen gesehen, wo zehn bis fünfzehn Millionen Kämpfer llm.v- v in Waffen gegenüber stehen werden. Nur zwei biiri �aben bis heute den Ausbruch dieses furcht- fj.11 Krieges verhindert: erstens der unerhört rasche Fort- biiri r Waffentechnik, der jedes neu erfundene Gewehrniodell xj, A. neue Erfindungen überflügelt, ehe es nur bei einer Armee t werden kann und zweitens die absolute Unberechen- hj'c der Chancen, die tolle Ungewißheit, wer aus diesem Riesen- 'pfe schließlich als Sieger hervorgehen wird.' Diese ganze Gefahr eines Weltkriege? verschwindet an dem 51 f.*» wo eine Wendung der Dinge in Rußland dem russischen erlaubt, durch die traditionelle Eroberungspolitik seines einen dicken Strich zu machen und sich mit seinen eigenen, ti». Aeußerste gefährdeten inneren Lebensintercssen zu beschäf- ««'.statt mit Weltherrschafts-Phantasien. ... An diesem Tage verliert Deutschland alle die Bundes- In v gegen Frankreich, welche die russische Bedrohung ihm d>e Arme getrieben hat. Weder Oesterreich noch Italien �ben dann noch das geringste Interesse, Vismarck's Kastanien') 1"= dem Feuer eines europäischen Brandes zu holen. Das putsche Reich fällt zurück in die isolirte Stellung. Dann wird Nch die gegenseitige Annäherung des um seine Freiheit ringenden Rußlands und des republikanischen Frankreichs der Lage beider Lander ebenso entsprechend wie der europäischen Gcsammtlage �gefährlich sein und dann wird Bismarck oder wer ihm nach- l«gt, sich dreimal besinnen, ehe er einen Krieg mit Frankreich vom iiaune bricht, wo weder Rußland gegen Oesterreich, noch Oester- ?«ch gegen Rußland ihm die Flanke deckt, Zwo beide sich über !?de ihm zugefügte Niederlage freuen würden, und wo es fraglich m. ob es mit den Franzosen allein fertig wird. Dann wären die Sympathien auf Seiten Frankreichs und dieses im schlimmsten Fall vor ferneren Gebietsverlusten sicher. Statt also auf Krieg '�zusteuern, würde das Deutsche Reich wahrscheinlich die Jsoli �Mig bald so unerträglich finden, daß es einen aufrichtigen Aus Bstich mit Frankreich suchte und dann wäre die furchtbare Kriegs- gffahr beseitigt; Europa könnte abrüsten und Deutschland Hütte den'Allen an» Meisten gewonnen. Oesterreich verliert an diesem Tag seine einzige historische Existenzberechtigung, die einer Barriere gegen den russischen Vor- marsch auf Konsta tinopcl. Wird der Bosporus nicht mehr von Rußland her bedroht, so verliert Europa jede? Interesse am Be- »and dieses bunt zusammengewürfelte» Völkerkomplexes. Ebenso Mchgiltig wird dann die ganze orientalische Frage, der Fort- „Band der türkischen Herrschaft in slavischen, griechischen und aibanefischen Gegenden und der Streit uin den Besitz des Ein- �Mgs zum schwarzen Meer, den dann Niemand mehr gegen Awopa monopolisircn kann. Magyaren, Serben, Bulgaren, , Mauten, Griechen und Türken werden dann endlich in die Lage Alien, ohne Einmischung fremder Gewalt ihren gegenseitigen .Aeitpunll zu erledigen, ihre einzelnen nationalen Gebiete unter -Ander abz grenzen, ihre inneren Angelegenheiten nach eigenem �Messen zu ordnen. Es zeigt sich mit einem Schlag, daß das °Mße Hinderniß der Autonomie und freien Gruppirung der Völker ii»y■■"----"....... v dem ägäischcn , das die vor- seiner Weltherr: Das sind die Punkte, krast deren der Westen Europas über- Haupt und namentlich die westeuropäische Arbeiterpartei interessirt ist am Siege der russischen revolutionären Partei und am Sturz des zarischen Absolutismus. Europa gleitet wie auf einer schiefen Ebene mit wachsender Geschwindigkeit abwärts dem Abgrund eines Weltkrieges von bisher unerhörter Ausdehnung und Heftig- keit entgegen. Nur eins kann hier Halt gebieten: Ein Systeni- Wechsel in Rußland. Daß er binnen wenigen Jahren kommen muß, daran kann kein Zweifel sein. Möge er noch rechtzeitig kommen, ehe das sonst unvermeidliche geschieht. pcuflamcnksberiilite. Drutscher Urichstag. 16. Sitzung vom 13. Juni, 1 U h r. Am Tische des Bundesraths: v. Boetticher, v. Oehl- schläger, v. Marschall. Zur ersten Berathung steht zunächst eine Novelle zum Straf- kbttrfl- betreffend die nnssentliebe DVmtkinm frbrm mmnnT-ner- ftteht i--I—,..— N0 isj,' dem französischen revolutionären Volk noch weit mehr der '0 mit dem Despoten, dem Knebler Polens und Rußlands. �.Allein Krieg an der Seite des Zaren wäre es Frankreich ver- W' lm Fall einer Niederlage sein großes, einzig wirksames zj�Ungsmittel............ vien,,,- ,, anzuwenden, das Heilmittel von 1796, die Auf- »är» su Ö'ct Volkskräste, durch den Schrecken und die revolutio- ■äot fAt?0®a"�a'm Feindesland— in diesem Fall würde der Seiten rl-l.chif bcn Feinden Frankreichs sich vereinigen, da die �itdcn,' bedeutend anders geworden sind und der Zar Mau, il"i'N'n Rußland den Terrorismus ans eigener An- .'- 0 kennen gelernt hat. Die Allianz mit dem Zaren ist Mfo VB"Ii.116" gelernt hat. Die Allianz mit dem Zaren der L«"? Stärkung Frankreichs, im Gegentheil: im Moment fest Ochsten Gefahr hält sie sein Schwert in der Scheide Vtaieii■°ber in Rußland an der Stelle des mächtigen e!ne russische Stationalversammlung, dann ist die lW.Vi, des neubefrcitcn Rußlands mit der französischen sie eine selbstverständliche und naturgemäße, dann fördert dann st.�°lutionäre Bewegung in Frankreich, statt sie zu hemmen, euratvK--.. c'n Gewinn für das um seine Emanzipation kämpfende elJAch- Proletariat. Also auch Frankreich gewinnt durch den � der zarischen Allgewalt. Ajgs.Damit schwinden alle Vorwände für die wahnsinnigen den© 0cn'. die ganz Europa in ein Heerlager verwandeln und deiitfi* S5, lflst nl® eine Erlösung erscheinen lassen. Sogar der den.�.Reichstag müßte dann bald den unaufhörlich wachsen- st»ei, fordmiilgen für Kriegszwecke einen Damm entgegen- stärkt Tage, wo die Zarenherrschaft fällt, diese letzte »epung der gesammt-europäischen Reaktion— an dem baSS l�ht einmal ein anderer Wind in ganz Europa. V.u. stttn die reationären Regierungen sehr genau' Denn Trotz aller cw veauuiimtii oltUiuu..öv..„ "cfe» uut dem Zaren wegen Konstantinopel können Augen- »eh.. kommen, wo|ie ihm Konstantinopel, Bosporus, Tarda- " Und Alles,""—'•"»"'""nt in den Scbooß % % '»etb, wenn er was er sonst noch sie nur gegen verlangt, in den Schoost die Revolution schützt. selbst in die Hände -' 1 /v---'—%)()(% et n. n Tage daher, wo diese Hauptfestung selvit in oie P -clbd"lion übergeht, ist es'aus mit dem letzten Funken »«ton, �dräuen und Sicherheit bei den reaktionären Regierungen '"«rd». sind dann allein auf sich selbst angewiesen und *»Äten V Diahren, welchen Unterschied das macht. Vielleicht die z A>»' Stande, ihre Armeen eiumarschiren zu lassen, um 8eschi�°r,täl des Zaren herzustellen— welche Ironie der Welt- fyliey Die Arbeit ist unmittelbar vor Bismarcks Rücktritt ge- e°in worden. Die Red. gesetzbnch, betreffend die wissentliche Benutzung schon einmal ver- wendeter Post- und Tclcgraphenwerihzeichen nach gänzlicher oder Ihcilweiser Entfernung des Entwerthungszeichcns zur Frankirung neben der Strafe für die wegen der Entziehung der Gebühren begründete Strafe(§ 276); betreffend die vorsätzliche oder fahr- lässige Beschädigung einer Telegraphenanlage(§§ 317 und 318); betreffend die Einschaltung eines§ 318a zum Schutz der Rohr- postanlagcn; betreffend eine veränderte Fassung der Strafbestim- mungen für Anfertigung von Werthzeichcn ohne Auftrag einer Behörde und die Veräußerung oder Feilhaltung entwerthcter Werthzeichen(§§ 360 und 364); endlich eine Einschaltung i»§ 367, betreffend die-Nichtbefolgung der Verordnungen der Post bei Versendung oder Beförderung von leicht entzündlichen oder ätzenden Gegenständen. Abg. Klemm(kons.) hält die Vorlage für begründet, da sie eine Lücke im Strafgesetz ausfülle, insofern Straf bestimmungcn gegen mißbräuchliche Benutzungen von Post- und Telegraphenwerthzeichcn, sowie gegen Beschädigungen von Tele graphenanlagen oder Gefährdung des Betriebes noch fehlen. Eine Detailbcrathung des Entwurfs aber sc» im Plenum nicht möglich Er beantrage daher die Ueberweisung der Vorlage an eine Kom- Mission von 14 Mitgliedern. Die Kommission werde sich nament- lich mit der Festsetzung der Strafgrcnze zu beschästigen haben, das Strafminimum sei zu hoch gegriffen. Abg. Gröber(Ztr.) hält es für bedenklich, das Strafgesetz abzuändern, sobald nicht dringende Gründe dazu vorlägen. Ob das hier der Fall sei, könne fraglich sein. Z. B. sei die Be- schädigung von Telegraphenanlagen schon durch den Paragraphen. betreffend die Sachbeschädigung, getroffen. Auch andere Fälle würden z. B. unter polizeiliche Strasvorschristen fallen. Er könne daher ein weitgehendes Bedürfniß für neue Strafbestimmungeu entsprechend dem Entwurf nicht anerkennen. Die Fälle fahrlässiger Sachbeschädigung, die n. a. von der Novelle mit Strafe bedroht würden, seien nicht sehr häusig, und er sei überhaupt kein Freund von Bestrafung fahrlässiger Delikte, wenn es sich nicht um Leib und Lebe» handele. Auch könne er in der Ab bildung von Briefmarken leine große Gefahr erblicken, denn ein mal würden meist nur alte, seltene Marken abgebildet, dann aber seien auch die Abbildungen von den Originalen leicht zu unter- scheiden. Mit einer Kommisfionsberathung fei er einverstanden, habe aber nichts dagegen, wenn in derselben die Vorlage begraben würde. Abg. Dr. Karmist(dfr.): Ich bin anderer Ansicht als die Vorredner und meine, daß Komplikationen im Post- und Tele graphenvcrkehr sehr wohl die Einführung neuer Strafbestim mungen erfordern. Das jetzige Gesetzbuch reicht nicht für alle Fälle aus. Ich bin sogar der Meinung, daß es möglich wäre, ohne Kommisfionsberathung die Novelle anzunehmen, habe aber in einem untergeordneten Punkte ein Bedenken. Ich empfehle daher gleichfalls kommissarische Berathung, gebe aber anHeim, den Antrag nicht einer besonderen Kommission, sondern der Kom- Mission zu überweisen, welche sich mit dem Antrage Rintelen betreffend das Zustellungsvcrsahren beschäftigt. Geheimrath Tr. Dambach: Wenn kein Bedürfniß vorläge, würden wir mit keiner Strafgesetznovelle gekommen sein. Aber es hat sich das absolute Bedürfniß für eine solche Novelle im praktischen Post- und Tclegraphcndicnst herausgestellt, schon um deutscherseits internationalen Verpflichtungen nachzukommen. Wir sind darauf bereits von anderen Staaten aufmerksam gemacht worden. Bei der Novelle von 1876 konnten wir die heutigen Vorschlüge noch nicht bringen, da damals noch kein Reichsgericht bestand, durch dessen Judikatur der Entwurf zum Theil veranlaßt worden ist. Im Strafgesetzbuch wird fahrlässige Sachbeschädigung nicht bestrast, nun kommen aber derartige Fälle alle Tage vor, z. B. läßt ein Kutscher in höchster Fahrlässigkeit seinen Wagen gegen die Tclegraphenstange fahren; der Mann ist bis jetzt nicht zu bestrafen. Auch für die anderen Fälle, die durch die Novelle gc- troffen werden sollen, liegt ein unabweisbares Bedürfniß vor. Die Borlage wird hierauf entsprechend dem Antrag Horwitz an die Kommission für die Vorberathung des Antrags Rintelen überwiesen. Es folgt die erste Berathung des neuen N i e d e r l a s- u n g s v e r t r a g e s z w i s ch e n dem Reich und der ch w e i z e r i s ch e n Eidgenossenschaft. Abg. Kaumbach(dsrs.): Die Erneuerung des NiedcrlassungS- Vertrages mit der Schweiz entspricht durchaus den Wünschen der sreisinnigen Partei, zunial, nachdem im vorigen Jahre in- olge der Affäre Wohlgemuth eine gewisse Verstimmung zwischen Deutschland und der Schweiz stattgefunden hatte. Wenn auch vom Vertreter des Auswärtigen Amtes diese Verstim- mung seinerzeit geleugnet worden ist, so scheint es mir zu den Eigenschaften eines guten Diplomaten zu gehören, daß er ein 'chlechtes Gedächtnis! hat. Thatsache ist, daß man über die Aus- legung des Artikel 2 des Vertrages, der von der Beibringung gewisser Urkunden und Zeugnisse behufs Niederlassung in der Schweiz handelte, in Zwiespalt war. Die Ausfassung dieses Paragraphen ging in Deutschland dahin, daß die Schweiz vor der Niederlassung die betreffenden Zeugnisse zu fordern habe, während man andererseits meinte, daß die Urkunden nur auf Erfordern beizubringen wären. Ich gebe zu, daß die neue Fassung des Vertrages klarer ist. Ich begrüße den neuen Ver- trag aber auch aus idealen Gründen: Man mag die stattgehabte Arbeiterkonferenz beurtheilen, wie man will, sie hat eine inter- nationale Einigung über allgemeine Fragen der Humanität herbei- geführt und es ist erfreulich, daß die Initiative zu diesen Be- schlüssen vom Oberhaupte des Reiches ausgegangen ist und das Reich die Führung bei der Konferenz übernommen hat. Aber die Priorität gebührt in diesen Fragen der Eidgenossenschaft und es ist erfreulich, daß dieselbe ihrer Loyalität auch durch den vor- liegenden freundlichen Vertrag bewiesen hat nach einer so unfreund- lichen Episode. Abg. Hahn(dk.): Mit dem Herrn Vorredner stimme ich insofern übercin, als auch ich zugleich im Namen meiner Freunde beantrage, den» Vertrage die verfassungsmäßige Zustimmung zu ertheilen. Nur glauben wir, daß es sich empfohlen haben würde, weniger rettospektive Betrachtungen anzustellen, zunial wir von einer Verstimmung zivischen Deutschland und der Schweiz nicht so überzeugt sind, wie der Herr Vorredner. Haben wir doch von den Verttelern der Regierung die bündigsten Erklärungen dar- über erhalten, daß eine solche Verstimmung nicht bestand. Wir freue» uns aber, daß auch der Schein einer solchen Verstimmung durch den Abschluß des neuen Vertrages hinweggenommen ist. Wir geben deni Vertrag gern unsere Zustimmung und freuen uns über die neue Bethätigung der sreundnachbarlichen Gesinnungen zwischen der Schweiz und Deutschland.(Beifall rechts.) Abg. Singer(Soz.): Wenn ich auch verstehe, daß dem Abg. Hahn daran liegt, auszusprechen, daß eine Verstimmung' zwischen der Schweiz und Deutschland nicht existirt hat, so glaube ich, daß er mit dieser Auffassung doch ziemlich allein steht. Ich nehme nicht an, daß er die Noten, die zwischen der Schweiz und Deutschland gewechselt sind, nicht gelesen hat, ich glaube aber, daß er beim genauen Durchlesen der Noten kaum zu seiner Er- klärung hätte kommen können, denn deutlicher, wie ans diesen Noten hervorgeht, daß eö sich um eine recht ernstliche Verstim- mung gehandelt hat, kann wohl kaum aus einem anderen Akten- stück produzirt werden. Es hat ja auch gar keinen Zweck, diese Verstimmung verheimlichen zu wollen; das bedauerliche ist nur, daß Deutschland die Veranlassung zu dem Konflikt gegeben hat. Wir begrüßen mit dem Vorredner die Vorlage dieses Vertrages ilild werden demselben zustimmen. Durch diesen Vertrag ist der Schweizer Eidgenossenschast diejenige Sühne gegeben, die ihr von Ilechtsivcgen gebührte wegen der versuchten Vergewaltigung von Seiten des frühereu Rcichskanzlers aus diesem Gebiete zu dem Zwecke, eine bestimmte politische Partei zu schädigen. Der frühere Reichskanzler hat in den mit der Schweiz gewechselten Noten klar ausgesprochen, daß er durch die Kündigung des Nieder- lassungsvertrageS sich die Bundesgenoffcnschast der Schweiz im Kanipie gegen die Sozialdemokratie haben erwerben wollen. Und wir verhandeln hier über weltkundige Thatsache», wenn wir diese Behauptung aufstellen. Die offiziöse und halbosfiziöse Presse ist ja über das wilde Land, die Schweiz, zu jener Zeit herge- fallen und hat es so dargestellt, als ob die Schweiz den Ver- schwörern aller Länder ein Asyl gewähre und als ob sie selbst ein großes Nest von Verschwörern sei. Man hat dabei merk- würdigerweise vergessen, daß die Hauptverschwörer von Berlin aus bezahlt worden sind.(Beifall bei den Sozialdemokraten.) Wir haben ja jetzt die Freude, den Vertreter des früheren Systems unter uns als Mitglied zu sehen.(Heiter- keit.) Am 27. Januar 1887 hat der damalige Minister des Innern, Herr v. Puttkamer, uusere Behaupttnig, daß er sich der agents provocateurs bediene, UIN in der Schweiz Dinge anzustiften, die nachher Veranlassung zu Maßregeln gegen die deutsche Sozialdemokratie geben sollten, als vollständige Erfin- dung, als Verdächtigung seiner Stellung und aller Polizcibehör- den im Deutschen Reiche bezeichnet. Er verlangte, daß man seinen Worten als denen eines ehrlichen Mannes Glauben schenke, und meinte, er würde in die Erde sinken müssen(Heiterkeit bei den Sozialdemokraten), ivenn er auf diesem Gebiet kein reines Geivissen hätte. Tie Erde hat sich vor Herrn v. Puttkamer nicht aufgcthan, denn er hatte ein reines Gewissen, im Gegentheil, der Segen deL Himmels ist über ihn gekommeil in Gestalt einer Dompfründe.(Große Unruhe rechts.) Ich erinnere gegenüber den Ausführungen des Herr» v. Puttkamer nur daran, daß Herr Wohlgemuth schrieb:„Wühlen Sie nur tüchtig drauf los." (Beifall links.) Es ist selbstverständlich, daß wir gelegent- lich der Berathung dieser Vorlage die Ursache, aus der sie nothwendig geworden ist, mit einigen Worten beleuchten. Die Würdigung des Vertrages war eine Strafe dafür, daß die Schweizer Eidgenossenschaft sich nicht zum Schergen der deutschen Polizei hergeben wollte. Wenn Herr Hahn meinte, daß die Verhandlungen mit der Schweiz dieselbe nach emer bestimmten Richtung willfähriger gemacht habe, so sage ich: Böse Beispiele verderben gute Sitten, und es ist bedauerlich, daß man in der Schweiz jetzt anfängt, einen anderen Begriff vom Asylrecht zu be- kommen, als bisher dort Sitte gewesen ist. Die Kündigung des Vertrages mußte mit einer Niederlage des damaligen Systems endigen, und wir sind berufen, unter diese Niederlage heute das offizielle Siegel zu drücken.(Beifall links.) Wir sind den, Reichs- kanzler dankbar, daß er in offener, ehrlicher Weise die Sache wieder gut gemacht hat und von der Auffassung zurückgekoinmen ist, als ob die Deutschen in der Schiveiz und die Schweizer Eid- aenossenschaft andererseits dafür gestraft iverden müßten, daß die Schweiz über das Asylrecht humanere Anschauungen hatte als Fürst Bismarck. Ich habe den lebhaften Wunsch, daß die jetzige Re- gierung den Reichstag nicht mehr in die Lage bringen möge, die Ausführungen zu machen, die daZ System Bismarck unter Assistenz des Herrn v. Puttkamer uns aufgezwungen hat. Wir haben keine Freude daran, die deutschen Verhältnisse in irgend einer Weise zu diskreditiren. Meine Partei war es aber, die seitens des Systems Bismarck mit Mitteln behandelt»vorden ist, die in einen Kampf gegen politische Parteien nicht angewendet werden dürfen. Wir haben als politische Partei uns niemals der Dinge schuldig gemacht, deren ivir seitens der früheren Regierung angeklagt wor- den find. Die Mittel, mit denen wir unsere Ziele verfolgen, sind reinerer Natur als diejenigen, die gegen meine Partei seit langen Jahren angewendet werden; und wenn wir jetzt in eini- gcr Zeit dahin gelange>l iverden, jenes unheilvolle Ausnahme- gesetz nicht mehr in der Gesetzgebung des Deutschen Reiches zu ivisscn, so ist das in allererster Linie unserer Thätigkeit zu danken. Ich schließe mit dem Wunsche, daß die Genehmigung des Ver- trags den Groll, der mit Recht in der Schweizer Eldgenossen- schaft gegenüber Deutschland Platz gegriffen hatte, beseitigen möge, und ich werde mich lebhast freuen, wenn du Be Ziehungen zwischen der Schweiz und Deutschland zu der alten Freundlichkeit zurückkehren, die sie gehabt haben, ehe die Affäre Wohlgemuth zu der Störung des freundlichen Einvernehmens die Veranlassung gegeben hat.(Beifall links.) Staatssekretär des Auswärtigen Amts, Freiherr Marschall v. Kirbrrstrin: Es kann nicht meine Aufgabe sein, auf die retrospektiven Betrachtungen des Herrn Vorredners des Näheren einzugehen. Bei den Verhandlungen, die wir mit der Schweiz geführt haben, ist mit keinem Worte mehr zurückgekommen wor- den auf die sogenannte Wohlgemuth-Affäre.(Zuruf links.) Die Sache ist ein für alle Mal abgethan, und ich kann es nicht für nützlich erachten, daß diese Angelegenheit hier fort und fort zur Diskussion gestellt lvird. Ich habe das Wort lediglich ergriffen, um einer Behauptung des Herrn Vorredners mit aller Ent- chiedenheit entgegenzutreten, nämlich der, daß die deutsche auswärttge Politik in dem vorigen Jahre die Absicht gehabt habe:„eine Vergewaltigung der Schweiz, um bestimmte politische Partei zu schädigen". Ich muß aller Entschiedenheit das Auswärtige Amt des Deutschen Reichs in Schutz nehmen gegen den Vorwurf, daß es diese Tendenz bei der damaligen Aktion verfolgt habe. Es hat sich. im vorigen Jahre um nichts anderes gehandelt, als um einen Meinungsaustausch mit der Schweiz, wobei unsererseits die Schweiz auf die Gefahren aufmerksam gemacht wurde, die aus den sozialdemokratischen Umtrieben auf ihrem Gebiet für uns drohen, und das Resultat dieses Meinungsaustausches war das, �aß die Schweiz sich nach>vie vor e»tschlosse!l gezeigt hat, Be- sirebitügeu auf ihrem Gebiete nicht zu dulden, die sowohl die eigene Sicherheit, ivic die Liuhe und Ordnung in den benach- karten Staaten gefährden. Durch diese Haltung der beiden Rc- gierungen können sich nur diejenigen beschwert fühlen, die ein Interesse daran haben, daß jene Umtriebe in der Schweiz fort- dauern. Die Schweiz hat niemals ein solches Interesse bekundet, ich habe also nicht nöthig, dein Herrn Zlbg. Singer auf den Vor- wurf der Vergewaltigung der Schweiz etwas üseiteres zu erwidern.(Bravo!) iilbg. von Zluttlramro(dk.): Ich möchte den Abg. Singer buken, zeden Versuch zu unterlassen, mich zu Aeußerungen über meine frühere Amtsführung zn provoziren. Ich erkenne keinerlei Verpflichtung für mich an, auf Dinge zurückzukommen, die in ' meiner Amtsführung gelegen haben. Ich habe die Geschäfte so gut oder so schlecht, wie ich es vermocht habe, geführt, und oft genug Veranlassung gehabt, in dem Hause sie zu vcrtheidigen. Jch würde es nicht einmal für konftitutionell halten, auf frühere ministerielle Akte zurückzukommen.(Beifall recbts.) Alle die Re- kriniinationen deS Abg. Singer sind in ihrer'thatsächlichen Un- Haltbarkeit von mir miederholt zurückgewiesen morden, und ich kann die Herren, die früher nicht in den Reichstag waren, nur bitten, die Verhandlungen deS Hauses nachträglich zu r""- gleichen; sie werden sinben, daß die vom Abg. Singer mit ch großem Aplomb vorgebrachte Behauptung, ich hätte mich der ,»genta provocateurs bedient, irrig ist. Gs sind lügenhaste Be- 'richte, die dem Abg. Singer zugetragen sind und die für mich nicht in Betracht kommen können. Wenn der Abg. Singer sogar den Fall Wohlgeniuth auf mein!konto schreibt, so hat er über das Altaß hinaus gegriffen. Ich war zur Zeit nicht mehr Minister und Wohlgeniuth kein preußischer Beamter.(Heiterkeit rechts.) Den Falk Wohlgeniuth auf niein Konto schreiben kann nur eine übertriebene Phantasie, die ich allerdings dem Abg. Singer auf diesem Gebiet zutraue. Ich bin der Legte, der die Aktion dieses vielgenannten Mannes für eine korrekte hält. Er hat offenbar, wenn ich richtig insormirt bin, sich einer großen Ungeschicklichkeit den Schweizer Verhältnissen gegenüber schuldig gemacht, und ech wäre sehr wünschenswerth gewesen, wenn die von dein Abg. Singer heute mit so großer Eenuglhuung zitirte Aeußerung dieses Herrn dein Schweizer Agenten gegenüber nicht geschehen wäre. Denn ich muß zugeben, day bei einer nicht wohl- wollenden Aiislegung dieser Aeußerung(Lachen bei den Sozial- demokraten) man ans die Idee kommen könnte, daß der Herr in nicht erlaubter Weise hat provoziren wollen. Andererseits nehme ich keinen Zlnstand, zu erklären, daß ich diejenige Behandlung, welche ihm von den schweizer Kantonalbehörden, nicht von der Zentralstelle zutheil geworden ist, für noch weniger korrekt halte. In, internationalen Berkehr pflegt man doch zivischen gleichbe- rechtigten Staaten, da, Ivo es sich um einen Mißgriff eines Beamten auf den, Stachbargebiete handelt, sich darauf zu beschränken, den Fall zur Anzeige der vorge- setzten Behörde zu bringen und von ihr mit der nöthigen Energie, welche die nationale Würde erfordert, Abhilfe zu fordern. Die Schweizer Kantonalbehörden hätten nicht übel daran gelhan, wenn sie in diesem Fall ähnlich verfahren wären. Das ist aber nicht geschehen, sondern man hat diesen Mann, wie jetzt ganz notorisch feststeht, sozialdemokratischerseits in eine Falle gelockt, man hat ihn dazu bewogen, über die Grenze zu gehen, ist dann über ihn hergefallen und hat ihn verhastet. Tie deutsche Regie- rung wäre einem schweizerischen Beamten gegenüber auf deutschem Territorium nicht so verfahren, sondern sie hätte den Beamten ausgewiesen und ihre Beschwerde bei der Nachbarbehörde ange- bracht.(Sehr gut! rechts.) Ter Abg. Singer hat die im vorigen Jahre erfolgte Kündigung des Nieverlassungsvertrages mit der Schweiz als eine Vergewaltigung dieser befreundeten Nachbar- nation hingestellt und weiter erklart, diese Kündigung sei erfolgt, weil die Schweiz Bedenken getragen hat, sich zum Schergen der deutschen Politik zu machen.(Abg. Singer: Polizei!)— oder auch Polizei. Tie Handlungen der deutschen Polizei werden von den deutschen Regierungen mit ihrer Soli- darität vertreten. Nun liegt es mir fern, was mir ja sehr leicht sein würde, hier auf eine ausführliche Auseinandersetzung darüber einzugehen, welchen Einfluß die jahrelangen Verhand- lungen über diese Fragen, die mit dem Asylrecht und mit seiner mißbräuchlicheu Auslegung zusammenhängen, auf die Schweiz ge- habt haben. Das würde vielleicht an gewissen Stellen nicht angenehm empsunden werden. Ich konstatire also nur, daß die Schweiz bisher, wie ich glaube, in Verkennung des europäischen wie ihres eigenen Interesses sich auf eine ganz radikale Auf- fassnng des Asylrechts gestützt hat. Die letzten Ereignisse und die darüber geführten Verhandlungen haben sie doch ganz entschieden zu einer anderen Auffassung georacht. Die Schweiz hat nicht um- hin gekonnt, anzuerkennen, daß durch die Zcttelungen derjenigen sozialdemokratischen und anarchistischen Elemente, welchen sie ein Asylrecht gewährt hat, nicht nur ihre Beziehungen zu den benach- karten und befreundeten Staaten auf die Daner getrübt werden mußten, fondern auch die Sicherheit der Schweiz selast und die euro- pische Sicherheit. Ich will hier nur beiläufig erwähnen, daß der dem Abg. Singer sehr nahestehende schweizerische Beamte, der sozialdemokratischerseits hier in den Vordergrund gezogen wurde, von der ihm vorgesetzten Behörde in aller Form desaoouirt ist. Es ist der Schweiz doch zum Bewußtsein gekommen, daß es nöthig wäre, die manchmal sehr zarten Beziehungen der inter- nationalen Polizei anderen Organen anzuvertrauen als das bis- her der Fall gewesen ist. Die Schweiz hat es für nöthig gehalten, »ckn Zentralwegen die ganze politische Polizei aus den Händen der Zentralbehörden zu nehmen und sie einem BundeZanwalt, einer Zentralstelle zu übertragen. Täuscht mich nicht Alles, so ist in diesem Augenblick denn doch eine sehr erhebliche Hinneigung zu der deutschen Auffassung zu erblicken. Die Schiveiz hat sich davon überzeugt, daß eine ganze Anzahl von in ihrem Gebiet sich aushaltenden sozialdemokratischen Elementen doch auch ihre Sicherheit gefährdet und hat sie ausgewiesen.(Lachen bei den Sozialdemokraten.) Etwa nicht?(Ruf bei den Sozialdemokraten: Ehrenberg!) Sie hat ferner die Redaktion des„Sozialdemokrat" veranlaßt, ihren Sitz zn verlegen, nach England. Wie aber der Abg. Singer diesen Vertrag als eine Niederlage der deutschen auswärtigen Politik bezeichnen konnte, ist mir völlig unklar. Min- bestens liegt doch in dem Vertrage eine vom Standpunkt der völli- gen Gleichberechtigung aus getroffene freundschaftliche Ueberein- kunst über die Bedingungen, unter welchen die Stiederlassunaen in der Schweiz und Deutschland künftig stattfinden dürfen. Ich finde nirgends auch nur eine Spur davon, daß die deutsche Regierung zu irgend welcher Konzession der Schweiz gegenüber sich herbeigelassen, die man ihr abgerungen hat. Im Gegentheil, ich finde z. B. in dem Art. 2 eine erhebliche Verbesserung gegen den früheren Art. 2. Er verstärkt die Stellung der deutschen Regie- rung zu diesen Fragen wesentlich. Der alte Art. 2 enthielt leine Bestimmung darüber, wie weit der Kreis derjenigen deutschen Reichsangehürigen gezogen werden sollte, welche unter Bei- bringung der betreffenden Papiere einen Anspruch auf Nieder- lassung in der Schweiz haben sollten. Jetzt ffi ausdrücklich durch den Art. 2 festgestellt, daß alle diejenigen Personen, welche von der deutschen Gesandtschast mit einem Zeugniß über den guten Leumund versehen sind, und die deutsche. Reichsanaehörigkeit haben, das Recht der Niederlassung in der Schweiz haben. Damit ist selbstverständlich der Schweiz nicht das Recht entzogen, auch ohne die Beibringung solcher Legitimations- papiere eine Niederlassung zu gestatten. Aber es ist andererseits doch im Artikel 2 der Anspruch auf Niederlassung au sehr viel konkreterere und mehr Zulässigkeit wie bisher gewährende Ve- dingpngen geknüpft. Früher bedurste es nur eines HeimathS- scherns und des Attestes der Ortsbehörde über die deutsche Reichs- angehörigkeit und den guten Leumund. Ich will den deutschen Ortsbehörden nichts Uebles nachsagen. Aber es kann nicht be- stritten werden, daß aus bloßer Geschäftsunerfahrendeit sehr oft Jrrthümer untergelaufen sind, die bei einer so hoch stehenden Be- Hörde, wie der deutschen Gesandtschaft kaum vorkommen werden. (Sehr richtig! rechts.) Ich hätte übrigens gewünscht, daß bei der Tiskutirung eines Vertrages, der doch ein Freundschaftsvertrag ist, in den Räumen dieses Hauses auch nur dem Ge- fühle Ausdruck gegeben würde, welches unsere Nation beseelen muß, wenn wir mit der befreundeten Schweiz unsere Beziehungen festleaeu. Die Ausführungen de? Abg. Singer gehören nicht in d ese Kategorie(sehr wahr! recht?,) denn er hat der eigenen Regierung den unerhörten Vorwurf ge- macht, daß sie versucht hätte, ihren Stachbar zu vergewaltigen, und daß sie eine Niederlage erlitten hätte.(Abg. Dinger: Die frühere Regierung!) Ich weiß nicht, wie der jetzige Herr Reichskanzler dieses Kompliment auffassen wird, wenn aber daran der Versuch geknüpft worden ist, ihn der doch in dieser Frage mit seinem Vorgänger solidarisch ist, für die Sozialdemo- kratie zu kaptiviren, indem man ihm eine Verbeugung macht, so wird er wohl, wenn ich ihn richtig schätze, dies als seiner Würde widersprechend zurückweisen.(Zustimmung rechts.) Ich verwahre unsere Nation entschieden dagegen, daß sie in die Lage kommen könne, bei der Regelung so einfacher, durch die frenndnachbarlichen und internationalen Beziehungen geregelten Verhältnisse eine Niederlage erlitten zu haben.(Beifall rechts.) Abg. v. zilllrqnardjen(»all.): In diese Diskussion will ich mich nicht einmischen; meine Freunde und ich wünschen, daß durch diesen Vertrag eine neue Grundlage geschaffen werde für ein Einverständniß zwischen der Schweiz und dein Deutschen Reiche. Der vorliegende Vertrag hat vor dein früheren viele Vor- züge, auch in dem Punkte des Art. 2, wie die Abgg. Hahn und Baunibach ihn erläutert haben. Verwahren muß ich mich aber gegen die Anffassung des Herrn Vaumbach, daß eine rechtsgiltige Kündigung der Zustimmung aller bei der Vereinbarung milwir- senden Faktoren zur Voraussetzung hätte. Heber die Doktorsrage können ivir uns mündlich unterhalten. Praktische Gestalt hat sie jedenfalls noch nicht gewonnen.(Beifall bei den National- liberalen.) Abg. Lieber(Z.): Auch ich will mich auf die Kontroverse zwischen der äußersten Linken und Rechten nicht einlassen. Wir begrüßen den gegenwärtigen Vertrag, so wie er liegt, freudig und werden demselben zustimmen.(Beifall im Zentrum.) Damit schließt die erste Berathuug. In der zweiten werden die einzelnen Bestimmungen des Vertrages und das Schluß- Protokoll ohne Diskussion genehmigt. Es folgen Wahlprüfungen. Bezüglich der Wahl des Abg. Seemann(11. Württemberg) beantragt die Kommission zwar die Giltigkeit, aber in Be- zug auf eine Behauptung des Protestes eine Erhebung durch ge- richtlicheS Verfahre». Abg. Müller(Marienwerder) hält die Forderung eines ge- richtlichen Verfahrens für falsch; er empfiehlt vielmehr, die Wahl- akten den betreffenden Behörden zu überweisen, welche das Weitere verfügen werden. Der Antrag Müller wird gegen die Stimmen der Deutsch- konservativen und der Reichspartei abgelehnt, der Antrag der Wahlprüfungskommisston angenommen. Bezüglich der Wahl des Abg. Pause wird ebenfalls die Giltigkeit beantragt. Abg. Keine(Soz.) macht darauf aufmerksam, daß in dem Protest mehrstich behauptet wird, daß Sozialdemokraten aus dem Wahllokal verwiesen worden sind; die Wahlprüfungskommission habe sich mit dieser Frage schon beschäfttgt, sei aber noch nicht zur Entscheidung darüber gekommen. Die Wahl wird für giltig erklärt, ebenso die Wahl des ?lbg. v. Sperber, in Bezug auf welche auch eine nähere Erhebung bezüglich einer Protestbehauptung beschlossen« wird, nachdem ein'Antrag deS Abg. Miiller-Marienwerder, die Wahlakten der preußischen Regierung zur weiteren Veranlassung zu überweisen, abgelehnt mar. Tie Wahl des Abg. Kauffmann wird ebenfalls für giltig erklärt. Schluß 4V2 Uhr. Nächste Sißung Sonnabend 2 Uhr. (Zweite Berathung der Vorlage, betreffend die Gewerbe- gerichte.) LoltQlos. Der„Lokal-Anzeiger" und die Serliner Arbeiter. Die ausstehenden Setzer des„Lokal-Anzeigers" haben vor einigen Tagen an die Arbeiter das Ersuchen gerichtet, weder im„Lokal- Anzeiger" zu inseriren, noch bei Geschäftsleuten zn kaufen, welche in dein genannten Blatte inseriren. Beides hat inzwischen auch eine, allerdings nur schwach besuchte, Aroeiterversaur.nlttng beschlossen. Unseres Erachtens ist der zweite Theil dieses Be- schlusscs zu verwerfen. Um zu wissen, welche Geschäftsleute im „Lokal-Anzeiger" inseriren, muß man dieses Blatt lesen. Daß dies geschehen, wird von den Beschlußsassern ohne Zweifel weder gewünscht, noch vorausgesetzt. Tann aber haben sie den Be- schlich gedankenlos gefaßt. Es reicht vollkommen aus, wenn von den'Arbeitern weder im„Lokal-Anzeiger" inserirt, noch auf den- selben abonnirt wird. Letzteres haben die Beschlußfasser wohl als selbstverständlich vorausgesetzt. Leider aber verhält es sich thatsächlich noch anders. Auch bezüglich der Gründe zn diesem„Boykott" bedarf es einer Bemerkung. Derselbe rechtfertigt sich nicht aus der Ab- ficht, einige wenige Slnsständige zu unterstützen, zu diesem Zwecke kann unmöglich ein Boykott mit weitreichenden Wirkungen ohne weiteres beschlossen werden, sondern nur aus Geist und Inhalt — wenn man nicht vorzieht, zu sagen: Geist- und Jnhaltlosigkeit — des„Lokal-Anzeigers". Daß kein Arbeiter dieses Blatt lesen oder irgendwie unterstützen sollte, darüber bedarf es wohl keiner weiteren Worte. In den Gerichtssälen des Landgerichts i. arbeiteten bis- her die Berichterstatter unter sehr erschwerenden Umständen. Sie hatten keinen eigenen Platz, sondern mußten sich, im Zuhörerraum sitzend, ihre Notizen auf den Knieen machen. Auf direkte Anord- mtiig des Herrn Präsidenten Angern, an den sie eine öffentliche Beschwerde' richteten, sind nun seit gestern in allen Straskammer- sülen Arbeitstische für die Vertreter der Presse ausgestellt. Indem letztere, so wtro uns geschrieben, für diese Gunst aus vollem Herzen danken, können sie jetzt mit der fröhlichen Hoffnung an ihre 'Arbeit gehen:„Die Welt wird schöner mit jedem Tag— man weiß nicht, was noch kommen mag!" Ans die gestrige Erklärung des Herrn M. Kaginski ersucht uns das„Kl. Journ." um die Mittheiluna, daß sich in der Nr. 153 des genannten Blattes nur folgende Notiz befunden habe: �tnsaewandert. Die Leiter des letzten Berliner Schuh- machsMeiks,"J. Klinger und M. Baginski, zwei sehr jugendliche jlMmer, haben ihr Domizil in Berlin ausgegeben und sind nach der„freien" Schiveiz abgedampft." Aus Kpnndnu wird vom gestrigen Tage gemellzet: Heute Aachmittag 12% Uhr fand in einem Trockengebäude in der neuen Pulverfabrik, in welchem 23 Faß Pulver lagerten, eine Explosion statt. Das Trockengebäude wurde votlstäudig verwüstet, eine größere Anzahl anderer Gebäude wurde stark beschädigt. In Dielen Häusern wurden die Fenster zertrümmert. Von den Ar- Keitern haben mehrere durch herumstiegende Trümmer und Dplitter leichte Verletzungen davongetragen. % Zu der Pulver-Explosion in Spandau gehen uns auf Grund der an Ort und Stelle angestellten Recherchen folgende ausführliche und durchaus zuverlässige Mittheilungen zu: Die neue Pulverfabrik, welche außerhalb der Festunasmauer an der Havel anstoßend etwa 1000 Meter von der Bctfo Chaussee entfernt liegt, besteht aus den Fabrikgebäuden, den«> serve-Pulverlägern und den Trockenschuppen, welch' letztere-- an der Zahl— etwa 150 Meter je von einander entfernt und w zwischen denen sich stets noch der Sicherheit halber ein ErW in Höhe der Schuppen befinden. Die Trockenschnppen, ww durchweg eine Länge von zirka 40 Metern haben und 20 y breit und 3 Meter hoch sind, sind aus Fachwerk, dreiviertelzolliz- Balken hergestellt und besitzen massive Wände, während dieDwi aus gelheerier Pappe gefertigt sind. Heute Mittag 5 Acuiu' vor%1 Uhr, die 1500 Arbeiter der Pulverfabrik waren I°> sämmtlich, des ungünstigen Wetters wegen, ihr Mittaasbrod t zehrend in den Kleioerschuppen, erfolgte plötzlich eine nicht- Sekunden anhaltende Detonation; die in einem der Trenn schuppen befindliche Schießbaumwolle hatte, vermuthlich dum Selbstentzündung infolge einer entstandenen Reibung oder du.- zu große Hitze in dem Schuppen, sich entzündet und trotz t oben geschilderten Vorsichtsmaßregeln, hatte sich die El'pW, drei Ltachbarschuppen mitgetheilt, deren Inhalt ebenfalls explodiw Durch die ungeheure Gewalt des Luftdruckes war ctnet sp Kleiderschuppen, in dem sich etwa 180 Personen befanden, in PI zusammengebrochen und hatte die sämmtlichen Arbeiter unter F begraben. Zwei der Trockenschuppen waren gänzlich vom IZZ boden verschwunden, die Steine auf Entfernungen von hnndf' Metern herumgeschlendert, die dicken Balken total zersplittert größere bis 1 Zentner schwere Stücke 15 Meter hoch emporgcschm. dert, während von den beiden anderen Schuppen nur die Bedachung� ausgerissen und die Seitenwände zum Theil zertrümmert It"■ Die 4 Gebäude hielten zusammen 110 Zentner SchießbauinwAtz Nachdem sich die Arbeiter von dem ersten Schreck erholt, mo# sich dieselben daran, die unter dem Kleiderschuppen begrabene aus ihrer entsetzlichen Lage zu befreien und nach ViftiiNditz Arbeit waren bereits die 130 Mann aus den Trümmern hera»- geholt, von den glücklicherweise nur 15 Personen— so weit e jetzt festzustellen war— Verletzungen davongetragen hamiu ferner wurden noch drei Männer verletzt in den Gängen am!) sunden, so daß insgesamint 18 Personen zu Schaden gekoninm sind, von welchen 7 schwere, aber nicht lebensge) ährliche A' letzungen erlitten. In der etwa 5 Minuten entfernt gelegene Patronenfabrik wurden 16 Mädchen infolge des Schreckens mächtig und drei von Krämpfen befallen, eben sielen in Spandau mehrere Straßenpaffanten beious. los zu Boden. In der alten Pulverfabrik„Eiswerder welche 1/4 Stunde von der Unglücksstelle entfernt liegt, cnlßat eine Panik, die Arbeiter, welche sich dort in den Fabrikrämim befanden, drängten den Ausgängen zu, rissen die schwache«»� Boden und eilten über dieselben fort, doch haben hier nur dt Personen, soweit uns bekannt, unerheblichere Verletzungen erulie' In der netten Pulverfabrik, der Patronensabrik und Eistoetd« sind fast sämmtliche Fenster zertrümmert und in Eiswerber stüV der Stuck von den Decken und Wänden. Spandau selbst hat de» geringsten Schaden erlitten, da dort nur eine völlige SaM lensterscheibe im Wertste von 650 M. zertrümmert ist, dagesn lind in Westend und Charlottendurg, Saatwinkel zahltet� Schaufenster und Fenster in Wohngeväuden zersprungen das Palmenhaus in der Charlottenburger Flora 9' stark durch den Luftdruck gelitten und die dichten Rauch' Staubwolken, weiche in der Nähe der Pulverfabrik alles schieb färbten und ans Entfernungen von 3 Meilen ivahrgenontSff wurden, drangen in Charlottenburg in die Wohnungen ein. U»« in den nördlichen und nordwestlichen Stadigegenden Betu� wurde der durch die Explosion entstandene Luftdruck wahrö nommen, in der„Technischen Hochschule" in der Jnvalider.stt� wurden Fenster und Thüren ausgerissen und in Wannsee, Friede»� Wilmersdorf wurde ein starkes Zittern der Wände wahrgenomw?' — Tie Telegraphen- und Telephondrähte nach Spandau waren?! den ersten Stunden nach dein Unfall von den Behörden derart in Anspruch genommen, daß eine Privatperson dorthin gar[et'/ Anschluß erhielt. Die Zi ge nach Spandau waren in den SM Mittagsstunden stark besetzt und brachten viele Tausend Nengicv nach dem Festungsort, jedoch war durch ein starkes SDiiliP' aufgebot jede Annäherung an die Fabrik verhindert. Dir Geistesninnachtung eines Amtsrichters hat in benachbarten Städtchen Alt-Landsberg die Bevölkerung in# regnng versetzt. Es handelt sich um den Amtsrichter Su>midt, cf sich durch seine Berufsthätigkeit sowohl, wie durch sein bescheiden und zuvorkommendes Wesen bei den Bürgern allgemeine Liebe � worden hat. Vor zwei Jahren war er bereits aus Alt-Lanbsim in geheiinnißvotier Weise verschwunden; er irrte damals geiff, krank in Berlin umher und wurde nach einer Anstalt gebra� wo er indeß schon nach einigen Monaten wieder Heilung sa>>' Eine weitere Kur setzte ihn in den Stand, seinen Beruf t', Neuem aufzunehmen, und er hat seitdem in Alt- Landsberg Grundbuchrichter gewirkt. Leider ist jetzt das alte Leiden it>' verschärftem Maße hervorgetreten, daß seine Kollegen undFretM die Nothwendigkeit einer psychiatrischen Behandlung ertann� Seit 14 Tagen hat er die richrerlichen Geschäfte niederlegt müssen. Die Fortschaffung des bevauernSwerchen Kranken"" sich tndeß weder in Güte, noch durch Zwangsmittel betverkstellig Schließlich blieb-nichts weiter übrig, als den Vater des A»'? richters, Herrn Bürgermeister Schmiot in D., telegraphisch zurufen. Diesem gelang es sofort, den Kranken zu beschivickstiSm Der Patient ist inzwischen einem Krankenhause übergeven.-ff. traurige Leiden des betiänsig unverheiratheren Amtsrichters w>' auf einen Sturz zurückgeführt, der ihn einst als Knaben bctrojr hatte. m Von Urnen, dir am Mrge strichen: Wir lesen' „Anz. f. d. Haveil.": Die verstoße»? Frau eines Berk»' Droschkensuhrherrn ist angeblich die etwa 40 Jahre alte Perse welche vor einigen Tagen in einem Zustande unbeschretbli? � Verwahrlosung in der Siadthaide vorgefunden wurde. Die Pom.. ivnßte schon seit längerer Zeit, daß sich in der Forst obdach' ff Personen aushalten; dieselben verstanden es aber stets, sich® Nachforschungen, welche wiederholt angestellt wurden, zu entzted• indem sie bei der Annäherung der Stcherheitsbeamten in benooi barte Wälder flüchteten. K rzlich erhielt die Polizei aber o einem Uiibekannten die Mittheilung, daß an einer bestimm'. Stelle in der Haide eine Frauensperson liege, welche völlig 9'! los und dem Hnngertode nahe sei. Ein Beamter machte sich L und durchsuchte die bezeichnete Gegend. Plötzlich vernahm er»ic"r liche Laute, welche von einem Gehlisch herzukommen schie"?' Er trat näher, und mit einein Mal flog ein dichter Schuft' Fliegen und anderer Insekten ans. Auf dem Erdboden sah°, Beamte einen menschlichen Körper, der in Lumpen gehüllt und fast bewegungslos dalag. Bei näherer Betrachtung bot l; ein schauderhaster Anblick dar. Hände und Füße des Weu. sowie auch das Gesicht waren über und über mit Würinfft, Fliegen und anderem Gethier bedeckt; das Ungeziefer hatte H im Fleische buchstäblich festgesetzt. Die Unglückliche schien das geringste Unbehagen bei der Nachbarschaft der ekelhaften b.f seklen zn empfinden; wenigstens äußerte sie auf Befragen, daß' davon nichts verspüre; sie machte auch nicht die geringsten strengungen, sich des Ungeziefers zu erivehren. Nur klagte sie Hunger; sie erzählte, daß sie zu einer Truppe von mehreren#-% dachlosen gehörte, welche in der Forst sich umhertrieben; sie L von denseioen in letzter Zeit verlaffen worden, und man hatte' zuweilen etwas Schnaps und Brot gebracht; größtentheils hf' sie aber von den frischen Schößlingen der Tannen und'' Kräutern gelebt. Das Aussehen der Unglücklichen ließ diese gaben als glaubwürdig erscheinen; ob auch ihre Behauptuniu daß sie die Frau eines Fuhrherrn aus dem Norden Berlins j, aus Wahrheit beruhen, steht noch dahin. Tie bedauernsivM« Frauensperson wurde mittelst Wagen nach dem Krankenh"" transportirt. M Wegen bedeukender Unter fchlagnnge»—% j Zeitungen geben die Summe auf 8000 bis 0000 M. an, in All. uchkeit ist sie jedoch viel größer— wurde der Poftassistent A. m Storkow in Dresden verhastet. A., welcher das Posta»'» I; 5(1 E m 1° vi�'waltete, machte schon in früherer Zeit häufig Besuche ■J Berlin und verkehrte hier sehr viel in einem Lokale niit •winenbedienmig. An Geld mangelte es ihm niemals, er machte 0 reichliche Ausgaben, daß man annehmen muß, daß er schon «mals nicht lediglich aus seiner Privatkasse, sondern daneben °uch aus der der Kaiserlichen Post geschöpft hat. Neuerdings Mte sich A. wiederum in einem Schanklokale mit einer Kellnerin �rundet, der gegenüber er sich sehr freigebig crivies. Champagner mar bei ihm an der Tagcsord- M.. Ter'Abwechselung halber schlug er vor, eine ge- �emschastliche Vergnügungsreise in die sächsische Schweiz zn Machen. A. stattete seine Freundin für die Reise aus, und nach- �M noch das nöthige Reisegeld aus der Postkasse entnommen mar, dampfte man ab. Ter naive Durchgänger besaß die Harm- :°Meit, zunächst direkt nach Dresden zn fahren, wo die Herrlich- »tl alsbald im Polizeigemahrsam ein jämmerliches Ende fand. Mädchen scheint nicht geivnßt oder auch nur geglaubt zu haben, daß ihr Verehrer seine reichlich fließenden Mittel auf 'mehrliche Weise erwarb. Kürzlich traf ein sehr vergnügter Brief °n der Wirthin ein, worin die Beurlaubte miltheille, daß sie mit >hrem Freunde wohlbehalten in Dresden angekomlnen sei. r. ,> Erhöhung der„Ärtnudungsgrbiihr" im zahnärzt- Uchcn Institut. Bei Eröffnung der Klinik des königlichen zahn- urztlichen Instituts, Torolhceusrr. 41, wurde die Taxe für„schmerz- mses Ausziehen von Zähnen mittelst Betäubung durch Lachgas" °Uf 1 M. festgesetzt. Es ergab sich jedoch bald, daß dieser gerrnge «atz fast jeden Besucher der Klinik veranlaßte, sich betäuben zu mjsen. Infolgedessen beantragte der Direktor beim Minister die Erhöhung der Taxe. Es ist dem Direktor seitdem anheimgestellt, Me Taxe für eine Betäubung zwischen zwei und sechs Mark varuren zu lassen; er erhöhte hiernach die BetäubungS- Gebühr vorläufig auf 3 M. Aber auch dieser Preis hat eS nicht vsr- »wcht, die Zahl der betreffenden„Patienten" zu verringern. Ra- »fintlich in der letzten Woche ivarcn unter 6 Patienten immer 5, ®le„schmerzlos" ihrer Zähne entledigt sein ivolllen. In Anbe- 'sacht dieser Aorkonminisse und der darauf entstehenden ungewöhn- nchen Älrbeitsüberlastung, durch welche die Abfertigung der mstigcn ktinischen Patienten allzu sehr verzögert wird, will der fLirektor Professor Busch schon in der nächsten Zeit von seiner Ermächtigung Gebrauch inachen und den Preis für eine Betäu- °ung auf 4 oder 5 M. erhöhen. . Äaffinirtv Gauner sind die beiden gewandt auftretende» jjnbuidueit, welche seit einigen Tagen die Kaufleute im Zentruni »er Stadt als Opfer ihrer betrügerischen Manipulationen stch «usersehen haben. Zu Ende der vorigen Woche bereits ging bei »er hiesigen Kriminalbehörde die Meldung ein, daß in einem �Leißwaarengeschäst in der!iö»igflraße ein Betrug nach Art des »eruchtigten Verbrechers„Malrosen-Albert" ausgeuihrt wurde, in- dem von Seiten eines sich als Käufer gcrirenden Individuums em größeres Geldstück in Zahlung gegeben und nach Einstreichung des Restbetrages dieses selbst von dem Gauner eingestrichen wird. Diese Betrügereien mehren sich in den letzten Tagen; es scheint darum geboten, die Art und Weise, wie dieselben ansge>ührt wor- den, durch Mitlheilung eines Falles, von welchem wir in Kennt- »iß gesetzt worden und der gleichsam als typisch gelten kann, hier näher zu beleuchten. In ein in den Köiugs-Kolonnaden be- endliches Zigarrengeschäft, m welchen, ein ganz junges Mädchen als Verkäuferin fungirte, trat kürzlich gegen Abend ein junger Mann und verlangle Zigarren. Diesem Verlangen kam die Ver- käuferin nach, der„Käufer" ersuchte jedoch um— thenercre, gleichviel welchen Preises". Nachdem er hin und her ge- wählt hatte, legte er ein 20-Markstiick auf den Tisch, das ihm jedoch nicht gewechselt werden konnte. Darauf- hin brachte er ein lO-Markslück hervor und nachdem er für 20 Pfennige eingekauft hatte, wurde ihm der Betrag von 8 M. 80 Pf. herausgegeben. In diesem Augcnllicke trat ein zweiter junger Mann in den Laden, der die verschiedentlichsten Zigarettensorten zu sehen wünschte. Dieses Manöver hatte nur den Zweck, die Aufmerksamkeit der Verkäuferiu von dem ersten Betrüger abzulenken— und leider ist es auch geglückt. Dann den günstigen Augenblick benutzend, steckte der Schwindler mit dem ihm von der Verkäuferin herausgezahlte» Betrage auch sein Goldstück wieder ein, worauf er verschwand. Ihm schloß sich alsbald sein Komplize an, und als wenige Augenblicke später die Verkäuferin aus die Straße trat, waren die Gauner verschwunden. Das Signalement der Betrüger, die sicherlich ihre betrügerischen Manipulationen weiter fortsetzen werden, wird uns wie folgt angegeben: Der Jüngere der beiden Betrüger ist 20 bis 22 Jahre all, hat blondes Haar und kleinen gleichfarbigen Schnurroart. Der Andere zählt ca. 25 Jahre und hat einen großen Schnurr- W von blonder Farbe. Die Kriminalbchörde ist von den aus- Disührten betrügerischen Manipulationen sofort unterrichtet worden und fahndet eifrigst auf die geriebenen Ganner.— In ledern Falle Vorsicht! � Polizeibericht. Am 12. d. M. Vormittags wurde ein Mann in seiner Wohnung in der Tiecksirape und Nachmittags zweiter in seiner Wohnung in der Holzmarltstraße erhängt �vrgesunoen.— Mittags gerieth die 10 jährige Johanna KoMver, als sie mit der 2 jahrigen Emma Jonas ans dein Arm vor dem Hause Grüner Weg 45 den Straßendainni überschritt, infolge eigener blnvorsichligkeit unter eine» vorüberkommcnden Ommvus Uno wurde überfahren..Sie erlitt eine bedenlende Verletzung am Köpfe, während das Kind einen Bruch des rechten Oberschenkels davontrug. Nach Anlegung eines Nothvcrbandes wurden Beide »ach dem Krankenhanse am Friedrichs-Hain gelwacht.— Nach- Wittags wurde die 00 jährige'Almosenempfaiigeri» Mehls auf dem Flur des Hauses Andreasstr. 24, als sie sich m ihre dort de- Kgene Wohnung begeben wollte, vom Schlage getrossen und ver- saK werden mußte. G-eeichks-Ieikung. m stelle unter Beweis, daß die Schutzleute mit Vorliebe Grund zu Anzeigen suchten und daß bei einer früheren Gelegenheit eil, solcher gesagt habe:„Wir sind noch jung im Dienste und müssen uns erst unsere Sporen verdienen." Da sich durch die Beweis- aufnähme ergab, daß der Beamte sich im vorliegenden Falle völlig korrekt benommen hatte, so lehnte der Gerichtshof alle iveiteren Anträge ab, hielt den Beschuldigten sowohl der Be- leidigung wie der Uebertretung für überführt und erkannte wegen des Vergehens ans dreißig, wegen der Uebertretung ans drei Mark. Ein Schtchmatm wegen versuchter Eupressung ange- lilagt. Schon von seiner Militärzeit her war der Schutzmann M. infolge seiner Verpflichtung zur Zahlung von Alimenten in Geldverlegenheit geraihen, aus der ihm ein Herr Laube gegen Zahlung überaus hoher Zinsen befreite. Die Prolongationen der Schuld zogen sich bis in die Zeit hin, wo M. bei der Schutz- manuschast eintrat, und da ist es demselben unter großen Eni- behrungen möglich geworden, seinem Gläubiger das vorgeschossene Kapital zu bezahlen. Schuldig war er nur einen geringen Zins- betrag geblieben. Als er wegen desselben von Laube jeinen groben, sogar beleidigenden Brief erhielt, war die Geduld des M. zu Ende. Jetzt verlangte er unter der Drohung, im anderen Falle wegen Wuchers Anzeige zu erstatten, von seinem Gläubiger nicht nur den Er- laß der noch rückständigen, sondern die Heranszahlung der zu viel gezahlten Zinsen. Laube kam der Wncheranzeige zuvor, indem er den angezogenen Brief an die Staatsanwaltschaft sandte. Diese erhob Anklage wegen versuchter Erpressung, welche gestern vor der vierten Straskaminer des Berliner Landgerichts I zur Verhandlung gelangte. Ter Staatsanwalt beantragte auch die Verurtheilung des Angeklagten zu vierzehn Tagen Gesängniß, indem er als erwiesen erachtete, daß M. als Polizeibcmnter die Erfordernisse des Wucherparagraphcn gekannt hat und daher die Nichtberechtigung seiner Forderung tennen müßte. Ter Gerichtshof folgte aber den Ausführungen des Rechtsanwalts Freuden- thal, daß gerade in den Kreisen der kleinen Beamten schon die abnormen Zinsenforderungeo als Wucher angesehen werden, daß der Angeklagte sich daher zur Rückforderung der zu viel gezahlten Zinsen für berechtigt erachten konnte. Ans diesem Grunde er- folgte Freisprechung desselben. Ma» einem harmlojen Maiiderer im Kastanienwäldchen begegnen kann, zeigt folgende Geschichte. Der Handschuhmacher G r o ß h e i m lustivandelte eines'Abends im Kastanienwäldchen und machte dort die Bekanntschast eines harmlos ausschauenden jungen Menschen, welcher ihn schließlich aufforderte, in einem Hotel garni in der Dorotheenstraße, in welchem derselbe wohnte, noch ein Glas Bier zusammen zn trinken. Das Anerbieten wurde angenommen, Großheim bemerkte jedoch zu seinem Verdruß, das ihnen auf Schritt und Tritt ein junger Mensch folge, dessen Gc- bahren ihm verdächtig vorkam. Er blieb deshalb stehen, drehte sich um und drückte seinem Begleiter aus, daß ihm der Mensch unheimlich zu werden beginne. Auch der Begleiter, welcher sich später als der Hausdiener Kienitz entpuppt hat, drehte sich um und fragte den Verfolger, was er denn eigentlich wolle. Thalsächlich wußte er aber ganz genau, was dessen Begehr war, denn Beide kannten sich sehr gut und hatten offenbar ein kleines Erpressersiückchen mit ein- ander verabredet. Der unheimliche Mensch, welcher den Beiden wie ihr Schatten gefolgt war, nahm»cimlich eine sehr finstere Miene an und erklärte, daß er sie verhasten lassen würbe, da er sie bei einem Bergehen gegen die Sittlichkeit beobachtet habe. Trotzdem das Gewissen der Beiden vollständig rein war, heuchelte Kienitz doch plötzlich eine geivaltige Angst, erklärte seinem Be- gleiter, daß dieser fürcherliche Mensch sie in vielen Wer- druß und Kummer hincinlügen könne und knöpfte schließ- lich seine Uhr los, welche er dem Fremden als Lösegeld überließ. Großhcim, ein noch junger Mann bekam, als er dies sah, auch eine solche Angst, daß auch er der Aufforderung, ein Gleiches zu thun, nachkam und nicht nur baares Geld, sondern seine Uhr hingab. Trübselig begleitete er seinen unbekannten Bekannten bis nach dem Hotel in der Dorolheenstraße und erst am nächsten Morgen war er sich dar- über klar, daß er am Ende einem abgekarteten Spiel zweier ab- gefeiinten Betrüger zum Opfer ge>aUen sein könnte. Die Polizei, welche am nächsten Morgen dem Kienitz einen Besuch in dem Hotel abstattete, bestätigie dies durchaus, denn sie stellte fest, daß Kienitz und der fürchterliche Mensch aus dem Kastanienwäldchen— ein Kellner Namens Siebert— sehr gut mit einander bekannt waren. Letzterer hatte von dem Einschreiten der Polizei Wind bekommen und die Uhr schleunigst de», Zigarrenarbeiler Boden sack, der in demselven Hotel logirte, zugestellt. Alle drei Personen befanden sich nun gestern auf der Anklagebank: Kienitz und Siebcrt wegen Bodensack wegen Begünstigung.— Der Gerichtshof hielt den Thatbestand der Anklage für voll erwiesen und da er die Ange- klagten nach ihrem Austreten flir äußerst gemeingefährliche Nienschen erachtete, so verurtheilte er Kienitz zu 8 Monaten, Siebert zu 4 Monaten Gesängniß und sprach auch über Jeden 1 Jahr Ehrverlust aus. a n d i richtet, afl' den 12. Juni. Der denkwürdige Erlaß me»pfleg er, der sich gegen die Streikenden solgenden Wortlaut: Auszug aus dem Protokoll des Armen-Köllegiums. Hamburg, den 8. Mai 1880. Der Herr Präses iveist auf die Nothwondigkeit hin, angesichts der überhandnehinenden Streikbewegung unter der Ardeiterbevölkerung die Organe der Allgemeinen Armen-Anstalt mit Anweisung zu versehen, Gesuche um Unterstützung von einzelstehenden streikenden Personen un- bedingt und ausnahmslos z rückzmveisen und, wo die lluterpützmig von schuldlosen Familieuniitgliedern sich ver- nothivendige, gegen das Familienhaupt nach Strenge des Gesetzes vorzugetzen. Er beantrage daher, beschließen zu wollen, daß die Herren Vorsteher zu ersuchen seien, ihre Herren P..eger anzuweisen: a) Gesuche um Unterstützung alleinstehender streiken- der Personen unbedingt und ansnahmslos zurück- zuweisen; b) in Fällen, wo die Unterstützung von Familienange- hörigen der Streikenden nach Sachlage nicht zu um- gehen sei, davon unverzüglich den, Hauptbureau Mit- theilnng zn machen, welches die Akten der Polizeibehörde zum Einschreiten nach Maßgabe des§ 36 1, 5, des Reichs-Strasgesetzbuches zuzustellen habe» wird. Das Liolleglum beschließl dem Antrage entsprechend. Ausfertigung an sämmtliche Herren Bezirksvorsleher in einer der Zahl der Pfleger in den einzelnen Bezirken entsprechenden Anzahl und an Herrn Senator Schemmann, als Präses der St. Pauli Armenanstalt und der vorortlichen Arufenverbände. Wie man sieht, bemerkt das„Hamb. Echo" dazu, deckt sich der Erlaß mit der von uns veröpeutlichten Notiz völlkoimnen. Wenn wir ihn trotzdem noch im Wortlaut verössenllichen, so geschieht es, um eine für die Zeitgeschichte wichtige und interessante Urkunde bekannt zn machen. Wie wir schon ausgeführt haben, hallen wir den Erlaß für überslüssig, da wir nicht glauben, daß thatsächlich Streikende Arinenunterftntzung in Anspruch nehmen. Dagegen halten� wir ihn für wohlgecianct, die Streikenven in der öffentlichen Meiunng herabzusetzen. Unsere srühere Kritik dieses Erlasses halten wir vollständig aufrecht. Kildstockr(Kreis Saarbrücken), 13. Juni. Der bergmännische Rechlsschutzverein hat den Bau von zwei Vereinshäuscrn be- schloffen, in denen künftig die Versaminlnngen aller im Saar-� gebiet bestehendon Arbcitcrvereinigungen stattsinden sollen. Ter erste Bau, der am hiesigen Orte errichtet wird, wird scl.on in den nächsten Tagen in Angriff genommen. Die Leitung ist dem Maurerpolier Roll aus St. Johann, dem Begründer und Vor- sitzenden des Allgemeinen Arbeiter-Rechtsschutzvereins, übertragen worden. Die Vereinsuiitglieder werden abwechselnd an den Bau mit Hand anlegen. SoZi�le Mebwvfirht. Achtung Metallavbeitev! Kollegen! Die am 7. Mai in der öffentlichen Metallnrbciter-Versainmlung, Brauerei Friedrichshain, gewählte.Kommission zur Entgegennahme sreiimlliger Bei- trüge zur Beschickung des Allgemeinen Metallarbeiter-Kongresses zu Weimar, macht hierdurch nochmals belannt, daß zu diesem Zweck Bons zu 10 Pf. ausgegeben werden.— Kollegen! Da die Gelder bis jetzt erst sehr spärlich eingelaufen sind, waren wir gezwungen, das Fehlende zu leihen, denn ivie Ihr wohl wissen werdet, begann der Kongreß schon an, ersten Psingstfeiertag Abends; jetzt sind die Delcgirten 14 Tage schon wiedcr'hier, haben in Versammlungen Bericht erstattet, und noch immer ist die nöthige Summe nicht zusammen; es ist nun Pflicht eines jeden Metall- arbeiterS, sich recht rege an den Sammlungen zu betheiligen, da- mit wir in der Lage sind, unseren uns hierdurch erwachsenen Ver- pflichtungen sobald wie möglich nachkommen zn können. Bons sind bei den Kollegen Wolfs, Reinickendorscrstr. 14a, V. Kurgast, Antonstr. 0, A. Schiesel, Moabit, Wilsnackerstr. 11, Otto Klein, Rittcrstr. 15 und bei unterzeichneter Kommission zn haben. Auch werden daselbst sonstige freiwillige Beiträge entgegengenommen. Die Kommission: Paul Hetz, Köpnickerstr. 161, v. 4 Tr., Franz Hasselbach, Kottbuser Dainm 36 und 37, v. 3 Tr., Richard Beyer, Grüner Weg Nr. 121, Hof 4 Tr. r. DerlÄttttnluttgen. El«« öffentliche Uersammlung fammtlichee fzaus- dirnre Berlins fand am 21. Juni bei Jordan, Nene Grlln- straße 28, statt. Tagesordnung: 1. Der Kongreß aller lüchic gewerbliche» Hilfsarbeiter zu Hannover. Referent Stadlverord- neter Fritz Zubeil. 2. Verlesen der eingegangenen Schreiben ans Hannover. 3. Endgiltige Bcschlußfassting über Beschicken dieses Kongresses. 4. Verschiedenes. In das Büreau wurden gewählt die Kollegen: Vendix, Dopatka, Mohnke. Da der Referent verhindert war zu erscheinen, wurde zn Punkt 2 der Tagesordnung geschritten und wurden die eingelaufenen Schreiben verlesen, woraus sich ergab, daß der Kongreß bis zum 28. Juni vertagt ist und daß zum Beschicken des Kongresses von 4 Delegirtcn auf die Dauer von 4 Tagen die Summe von ea. 160 M. nöthig sind. Zu Punkt 8 sprachen sich die Kollegen Lamprecht, Prill, Pinzer und Runge dahin ans; den diechührigen Kongreß zn Hannover nicht zu beschicken, mit dem Geldsammeln fortzufahren, da- mit zn dem nächstjährigen stattfindenden Kongreß d,e doppelte Zahl Delcgirten uns vertreten können. Die Kollegen Herrinann, UlheS, Keßler und Kuhnke sind für Beschicken, weil eS doch möglich sei, daß auf diesem Kongreß was Gutes zu schassen sei. Kölicae Wiemer ist fürs'Abwarten und regt an, ob es nicht besser wäre, Vertrauensleute zn wählen, welche die Sache in die Hand nehmen, derselbe geißelte scharf die Gleichgiltigkeit und Versiinipstheit bei den Kollegen, was bei dem Sammeln so recht zu sehen sei, da röniite man, anstatt Geld, sehr oft Grobheiten bekommen. Kollege Herrmann stellt den Antrag, die heutige Versainoilung wolle be- schließen, den Beschluß der vorigen Versammlung ausrecht zn er- halten bis zur nächsten öffentlichen Versammlung und die Geld- saminlung fortzusetzen. Der Antrag wurde angenommen. Zu Punkt 4 war folgende Resolution eingegangen: In Erwägung, daß die in kaufmännischen Geschäften angestellten Hausdiener weder eine geregelte Arbeitszeit, noch eine Sonntagsruhe, noch eine besttmmte Küiidigmlgssrist und dadurch ihren Arbeitsgebern rechtlos gegenüberstehen, sowie einer willkürlichen Entlassung ausgesetzt suis, beschließt die heutige Versamm- hing, die sozialdemokratischen Abgeordneten des Deutschen Reichs- tages zu ersuchen, den von Ihnen eingebrachten Arbeiter- schutz-Gesetzei'.twnrf dahin zu erweitern, daß für oben angeführte Kategorie von Arbeitern der Arbeitstag höchstens 10 Stunden beträgt, die Beschäftigung an Sonntagen gänzlich zn verbieten sei. Als Norm für die Kündigung, wie bei gewerblichen Ar- heitern, auf 14 Tagen festzusetzen. De? Kollege HerruntMl ist für Abstimmung und dieselbe in nächster Versaiimilnng nochmals einzn- bringen. Kollege Langrecht ist gegen Abstimnunig, weil die Versammlung zu schwach besucht sei, er bittet dieselbe zur nächsten Versammlung ans die Tagesordnung zn setzen. Kollege Dopatka stellt den Antrag, die Resolution bis zur nächsten Versammlung zurück zu stellen und dann als besonderen Punkt auf die Tages- ordnung zu setzen. Der Antrag wird angenommen. Darauf er- mahnt Kollege Vendix die Kollegen, recht rege für die Sache zn agiliren und sich an die Liftensammlungen recht fleißig zu be- tyeiligen, worauf die Versammlung mit einen, Hoch auf die Ar- beitervewegung von dem Vorsitzenden geschlossen wurde, Eine öffentliche Volltovevsaminlung sämmtlicher Berliner' ErwerZischaften tagte am Mittwoch, den ll. Juni im Lokale Königsbank, Große Franksurterstraße 117 mit folgender Tagesordnung: 1. Wie stellen sich die Arbeiter Berlins zum großen Weberstreik in Greiz. Referent Stadtv. Otto Hcindors. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Zum erste» Punkt der Tages- ordnung erhielt Herr Heindorf das Wort. Derselbe führt etwa folgendes an: Als die Geraer Weber zum Streik veranlaßt waren durch Aufstellung einer Fabritördnung von Seiten der Fabri- kanten, erklärten sich die Greizer Weber mit erstercn foli- darisch und legten die Arbeit ebenfalls nieder; die- selben hielten bei sehr geringer Unterstützung, welche ans Brot und Kartoffeln bestand, acht Woche» aus, da ihnen aber auch diese Unterstützung nicht meyr so weit gewährt werden konnte, um wenigstens den Hunger zu stillen, so mußten sie nin Dienstag, den 10. Juni, die Arveit bei den Fabrikanten wieder aufnehmen; allerdings nicht alle, denn nicht weniger als 500 Weber sind gemaßregelt worden, indem sie keine Arbeit wieder bekommen. Diese sind nun dem Hungertode geweiht, wenn sie nicht unter- stützt werde». Redner ermahnt nun die Berliner Arbeiter, auch ihre Schuldigkeit zu thun und ein Scherslein dazu be zuiragen, denn wenn eS nicht gelungen sei, den Grcizer Webern zum Siege zu verHelsen, so sei es aber Pflicht eines zielbeivußten'Arbeiters, die Eemaßregelten zu unterstützen. Hierauf gelangten folgende Liesolutionen zur'Annahme: 1. Die heute in Königsbank tagende Volksversammlung verpflichtet sich, für die gemaßregelten Weber in Greiz(500 an der Zahl) durch Unter- siützung von Geldbeiträgen ihr Möglichfles zu thun, damit nicht die Opfer der heutigen kapitalistischen Prodnktionsweiso verhungern müssen, und forvern die Berliner Gewerkschaften auf, dazu beizu- tragen. 2. Die heutige Versammlung beauftragt daS Agitations- komitee der Textilarbeiter Deutschlands die Sache in die Hand zu nehmen. Hierauf war ein Brief von der Lohnkommission der Brauergesellen eingeaangen, in welchem der'Wunsch ausgesprochen wird, nur Bier von den Brauereien zu trinken, welche die Forde- rungcn der Gesellen bewilligt haben und zwar Müiichener Brauhaus, National-Branerei, Gräfl. Reischach'sche und Volksbranerei. Diesen Wunsch macht die Versaininlung einstimmig zum Beschluß. Eine folgende Resolution wurde ebenfalls einstimmig angenommen: Jniolge der arbeiterfeindlichen Haltung des„Loknl-Anzeiger" (Forinersireik, soivie Setzerstreik im„Lokal-Älnzeiger" selbst) be- schließt die heute in„Königsbank" tagende öffentliche Versamm- lung, in alle» Arbeiterkreisen dahin zu wirken, daß sowohl sämmt- liche Abonnements abbestellt, auch das Jnscriren in demselben zu unterbleiben hat, und tn solchen Geschähen, welche fortgesetzt Hierauf Schluß der Ver- in demselben inseriren. nichts zu kaufen sammlung. Eine große öffentliche Uerj'ammlnng der Feilenlianer Perlino fand am Ticustag, den L. d. M., bei Meißner. Garten- slraßc 1G2, statt. Nachdem die Kollegen Brach, Schneider und Seegcr ins Bureau gewählt wurden, machte der Vorsitzende fol- gende Tagesordnung bekannt: 1. Bericht des Delegirten vom Älllgemeinen Metallarbeiter-Kongreß zu Weimar. 2. Wie stellen wir uns zur Streik- Kontrolkominissio», event. Wahl eines Tele- girten. 3. Zur Lage unseres Streiks. 4. Verschiedenes. Zum Punkt 1 stattete Kollege Kutzia Bericht ab. Nachdem mehrere Kollegen in der Diskussion das Wort über den Bericht ergriffen hatten, forderten mehrere Kollegen nochmals die unorganisirten Kollegen auf, sich doch nun endlich der Eesammtheit anzuschließen. Es wurde dann folgende Nesolution vom Allge- meinen Metallarbeiter- Kongreß zu Weimar verlesen:„Tie Versammlung erachtet den Ausschluß der Hamburger Schlosser und der Werstarbeiter, weil dieselben von ihrem Recht als Staatsbürger Gebrauch machend, sich einer gesetzlich erlaubten Vereinigung zur Erreichung günstigerer Lohn- und Arbeitsbedin- gungen angeschlossen haben und sich nunmehr weigern, auf Ver- langen der Fabrikanten ohne Weiteres aus der Organisation auszutreten, für eine widerrechtliche Vergewaltigung der Arbeiter resp. eine neue Form der Sklaverei und es sei deshalb beschlossen, die Hamburger Kollegen mit allen möglichen Mitteln zu unter- stützen und zwar durch: a) Ausbringung von Mitteln zur Orga- msirung eines thatkräftigen Widerstandes; b) Fernhaltung jeden Zuzuges; c) möglichste Vermeidung von Streiks in allen übrigen Städten Deutschlands während der Dauer des Ausstandes in Hamburg. Diese Resolution wird sämintlichen Versammlungen, die in dieser Angelegenheit stattfinden, zur Annahme emviohlen. Weimar, den 30. Mai 1880." In der sehr erregten Diskussion über diesen Punkt wurde dann folgende Resolution einstimmig angenommen:„Die Versammlung erklärt sich mit den Ausführungen des Delegirten einverstanden und beschließt, um dem ungerechtfertigten Vorgehen der Unter- nehmer den Arbeitern gegenüber die Spitze abzubrechen, ihren Dank den Delegirten des Kongresses dadurch abzustatten, daß die Beschlüsse desselben mit allen gesetzlich gewährleisteten Mitteln zur Ausführung gebracht werden und ein Jeder nach seinen Kräften dafür eintritt. Außerdem verpflichtet sich ein Jeder, sosern er noch keiner Organisation angehört, dein Fachverein bei- zutreten. Zum zweiten Punkt wurde nach kurzer Debatte Kollege A. Kutzia als Delegirter zur Streik- K'ontrolkommission gewählt. Zum dritten Punkt stattete Zder Vertrauensmann Bericht über unsere auswärtigen Streiks. Da ist zuerst der Streik in Leipzig als beendet anzusehen; die Kollegen haben zwar nicht ihre sämintlichen Forderungen zur Durchführung zu bringen vermocht, weil eben zu viel abtrünnig geworden. Es isi deshalb die Sperre über Leipzig verhängt. In Breslau ist der Streik eben- falls beendet und auch zu gleicher Zeit die Sperre verhängt worden. In Offcnbach ist kein Erfolg zu verzeichnen und ist deshalb auch die Sperre verhängt worden. In Ludwigshafen dauert der Streik unverändert fort. Die Kollegen halten fest au ihren Forderungen, sie streiken jetzt 12 Wochen; es ist also Pflicht eines jeden recht- denkenden Kollegen, die Kollegen in Ludwigshafen thatkräftig zu unterstützen, damit sie schnell und sicher den Sieg davon tragen. In Altona sind 3 Kollegen gemaßregelt wegen der Feier des 1. Mai. Es sind diese drei Werkstätten schon publizirt und auch die Sperre verhängt worden. In Sangershausen sind ebenfalls 8 Mann gemaßregelt wegen der Feier des 1. Mai. Es wurden dann noch verschiedene Artikel aus dem Orgau der deutschen Feilen-Jndustriellen,„Die Feile", verlesen. Unter„Verschiedenes" brachte Kollege A. Degler den Artrag ein, die wöchentlichen Bei- träge von 70 auf 30 Pfennig zu reduzircn, was einstimmig ange- nommen wurde. Zum Schluß wurde folgende Resolution einstimmig ange- nommen: „Die heute ain 3. Juni bei Meißner tagende Verfamm- lung der Feilcnhauer Berlins und Unigegend beschließt: l. In Anbetracht, da die Fabrikanten resp. Meiner einen eigenen Arbeitsnachweis eingerichtet haben, denselben nicht zu benutzen, indem die Gesellen darin nur eine Machina- tion zur Schädigung ihrer Interessen erblicken; 2. verpflichten sich sämmtliche Fcileuhauergesellcn Berlins und Umgegend, nur den Arbeitsnachweis des Fachvereins der Feilenhauer zu benutzen." Die Filiale III(0)i) der deutschen Maler, Lackirer, Anstreicher und verwandten Berufsgenossen hielt ihre Vereins- Versammlung am 3. Juni bei Henke, Blumenstraße 38, ab. Auf der Tagesordnung stand: 1. Vortrag des Kollegen Wilhelm Schweitzer. 2. Filialangelegenheit. 3. Verschiedenes.— Zunächst wurde der 2. Punkt der Tagesordnnng erledigt. Ter Vorsitzende berichtet der Filiale über die Antwort auf die Beschwerde vom Ausschuß. Nachdem sich mehrere Redner über das Schreiben geäußert hatten, war die Versammlung mit demselben einver- standen. In Betreff unseres Stiftungsfestes regte der Vorsitzende an, ein Aergnügungskomitee zu wählen, da der Vorstand das nicht allein besorgen kann. Es wurden drei Mann zur Beihilfe des Vorstandes gewählt, die Kollegen E. Krüger, W. EllwerS und Fr. Recke. Das Beschwerde-Kommissionsmitglied der Filiale Ost verliest sodann noch den Arbeitsnachweis-Bericht. Es wurden so- dann mehrere Anträtze angenommen: 1. Den Vorstand der Filiale Ost zu beauftragen, eine kombinirte Versammlung einzuberufen, um Stellung zur Fachschule zu nehmen. 2. Der Schriftführer soll die Berichte in einer Sitzung verlesen und dann erst der Zeitung zusenden. Hierauf sprach der Rcserent über: „Humanismus und Renaissancezeit". Redner erntete reichen Bei- fall für seinen gediegenen und guten Vortrag. Zum 3. Punkt „Verschiedenes" verliest der Vorsitzende einen Brief vom Ver- bandsvorsitzenden in Betreffs Streikunterstützung. Es wurden 10 M. aus der Filialkassc bewilligt. Es wurde noch bekannt ge- macht, daß am 4. Juli eine öffentliche Versammlung stattfindet. Dann schloß der Vorsitzende die Versammlung. Elite öffentliche Versammlung der Kartonarbeiter »nd Arbeiterinnen fand am Dienstag, den 10. Juni, in Renz' Ballsalon, Naunpnftraße, statt, um zu der für Berlin geplanten Streik-Kontrolkommission Stellung zu nehmen, beziv. Delegirte in dieselbe zu wählen. Der Referent, Kollege Trews, wies in längeren Ausführungen die Ursachen nach, welche zu dem Projekt einer zu gründenden Kontrolkommission für die in Berlin statt- findenden Streiks geführt haben. Die letzten Bedingungen zu diesem Projekt seien die überall austretenden Unternehmerrarteile gewesen. Wo diese in Aktion getreten, habe man gesehen, daß die Bestrebungen der Arbeiter nach materieller und dadurch bc- dingter geistiger Besserstellung verloren gegangen seien. Es sei darum nöthig, daß die Arbeiter ihre Taktik hierbei in etwas ändern, und hauptsächlich der Zer- splitterung ihrer Kräfte durch viele auf einem Mal auftretende Streiks vorbeugen. Hierzu biete die Kontrolkommission das beste Mittel, und empfehle es sich, zwei Delegirte, einen Arbeiter und eine Arbeiterin, in die Kommission zu wählen. An der Dis- kussion bctheiligten sich die Herren Greiffenberg, Wach und Feld- mann. Es wurde darauf hingetviesen, daß die eventuell zu Wählenden darauf zu achten haben, daß die Kommission die Freiheit der einzelnen Gewerke nicht zu sehr beschneide. Hierauf wurde ein Antrag, einen Kartonarbeiter und eine Karton- arbeiterin in die Kommission zu wühlen, angenommen. Die Wahl fiel auf den Kollegen Dretvs und auf die Kollegin Holls. Unter Verschiedenem wurde ein Antrag, das in diesem'Jahre statt- findende Bundesschießen nicht zu besuchen, abgelehnt. Schluß 11 Uhr. Eine öffentliche Versammlung der Fizschuharbritrr und Berussgenossen Berlins und Umgegend fand am Montag, den 9. Juni, in Zemter's Lokal, Münzsir. 11, statt. In das Bureau wurden die Kollegen Opitz, Dörr und Dieckmann gewählt. Auf der Tagesordnung stand: 1. Vortrag über Arbeiter- Schutzgesetze. Rcserent Herr Dr. Lütgennu. 2. Dickussion. 3. Stellung- nähme zur Streik- Kontrolkounnission. 4. Verschiedenes. Da der Referent noch nicht erschienen war, wurde zum dritten Punkt der Tagesordnung geschritten. Es sprachen sich mehrere Kollegen für die Kommission aus, namentlich Kollege Kohler; derselbe hoo hervor, daß dadurch die unnützen Streiks vermieden werden könnten. Anderer Meinung war Kollege Schilke; derselbe führte aus, daß heute Abend nicht zur Wahl geschritten werten kann, weil die Versammlung zu schwach besucht ist. Es wurden aber doch die Kollegen Opitz und Valerius gewählt. Nachdem der Referent erschienen war, hielt derselbe seinen Vortrag zur größten Zufriedenheit. Zu Verschiedenem rügte der fiassircr die Kollege» wegen säumiger Beitragszahlung. Folgende Resolution wurde vom Kollegen Strauß eingebrachr: Die heutige öffentliche Ver- sammlung der Filzschuharbeiter und Berussgeuossen Berlins und Umgegend wolle eine Petition an den Deutschen Reichstag richten um Aufhebung der Gefüngnißnrbeit. Die Resolution wurde auch angenommen. Mit einein dreifachen Hoch auf die internationale Arbeiterbeivegung schloß der Vorsitzende um 12V« die Versammlung. Kreie N«rri»is>c»g der Maurer B-rlinS und Umgegend. Sonntag, den l». Juni, ÄormUlagS it% Uhr: 2 Bcrsanunlnngen. Sie I. bei Älennesarth, DennewUsttr. IS; die 2. bei ZlgcS, WUSnaSerstr. es. zirrein inr zvahrung»rr Intrrrssrn drr Klavierarbriter und ver- wandten AerufSgenostcn. Aerlainnilung am Sonnabend, den 14. Juni 1802, Abends 8% Uhr, in Dsigmüllers Salon, Alte Jatobstr. 48a. Die GllitrrarsrUl'chaft Berlin« und Umgegend hält vom Juli ab ihre regelmähigou Versammlungen am Dienstag nach dem 1. und nach dein 15. in Wralwcivs Vierhallen, Kommandantcnjlr. 77—70 ab. Die nächste Versammlung sinder am Montag, den ic. Juni, daselbst statt. Laaiurrei» drr Tischler. Montagst den 10. Juni, tn der Neuen Welt, Hasenhaide 30 c: 10. EtistungSfest, Honzert, Ball, Austreten de« gesanmiten itunstlerperfonalS. Abend« arostes Feuerwerk. Das Konzert beginnt um s Uhr Nachmittag«. Die Kafseclüche ist von 4 Uhr ab geöffnet. ethische EesrUschntt. Sonnlag, den lö. Juni, Abends 8 Uhr, tn Schneiders Salon, Belforterftraste 10, Vortrag des Hcrin Schriftstellers W. Voclschc: Die Weltanschauung Darwin«. Nachher gesellige UnterhaUung und Danz. Gäste, Damen und Herren, willkommen. Disktission, Kasstrerwahl w. NerNniigunpoverein„konstdentia". Sonnabend, Abends 9% Uhr, Sitzung im Sieftaurant Zur guten Quelle, Landsbcrgerstr 60. Vorsitzender Adolf Borde, Thaerstr. 0. Fachverei» der Taprstrcr Berlins und Umgegend. Dienstag, den 17, Juni, Abends 0% Uhr, Mtlgltederoersammlung bei Feuerstein, Alle Jalob- siraste 75. Vortrag des Herrn Jul. Türk: Fraucnbefreiung. Dtstusfion. Ver- einoangelegenheit. Fragekasten. Um zahlreiches Erscheinen wird gebeten. Gäste willkommen. Aufnahme neuer Mitglieder. Fachver-in stimintlichcr«TO 4s 0 iibcn rbritnn goinasch inen bifttjaf- tigfe» Arbeiter. Mitgliederverftumnlung am 10. ds. Mis., LandSberger- straste 37, bei F-nske. Tagesordnung: Vortrag, DiSlusfion, Verschiedenes und Fragcfaslen. Um zahlreiches Erscheinen ersucht der Vorstand. Gclfentliche£lrrs»n>,»Iutig der slagelschiniedr. M anlag, den 10. Juni, Abends 8 Uhr, bei Heise. Ltchtenbergersir. 21. Tagesordnung: 1. Dte Wichttg- teit einer Strett-Kontrollommifsion. DtSlussion, event. Wahl eines Delegirten. 2. Stretf-Unlerstüynngssond. 8. Verschiedenes chrope iiifeutliche persantmlung der Schlosser und Maschinenbau- Arbeiter. Montag, den 10. d. Bits., Abends 8% Uhr, in Habels Brauerei, Asrqmannstr. 6—7. Tagesordnung: 1. Vortrag über die ArbcUerfchutz-Gesetze. 2. Wabl eines Vertrauensmannes für Berlin. 3. Wahl der Slreil-Konlrol- tommtssionSmitglieder. i. Wahl einer NevistonStoinmisflon betr. Abrechnung voni.stongreb. 6. Verschiedenes.(Siehe auch Inserat am Sonnlag.) Um zahlreichen Besuch blnei die Kommission. j'achvcrrin drr Ulrtallarbritrr in Gas-, Masser-»nd Dampf- armatnrrn, Am Sonnabend, den 14. Juni, Abends 8% Uhr, im Lotale des Herrn Zemter, Miinzstr. 11: Milgltcderversainmlung. Tagesordnung: 1. Be- richl der Delegirten über den Mctallarbeiterfongres! zu Weimar. 2. Dislusston. s. Die Aussperrung der Schlosser und Maschinenbauer Hamburg«. 4. Aus- gäbe der Billets zu dem am 10. Juli in ttaufmannS Bariele stallfindenden 7. Stiftungsfeste. 6. Verschiedenes.— Zu dieser Versammlung sind sämmt- Uche tcollegen unserer Branche eingeladen. Gäste willlommen. Zlrrrinigung drr Drrchvler Drntschlnnds, Iahlfirlt» 6 Krrlin. Am Sonnlag, de» 16. Juni, Vormittags 10 Uhr, Münzstrabe 11 bei Zemter: Ver- sammlung. Tagesordnung: 1. Besprechung über Fremdenunlerstützung. 2. Wahl einer Lohnlommtfsion. 3. Berschtedenes. Auljrrordentiich« Krnrrnlvrrsamnlluug drr Ziranbrngrld-Zufchuß- und Drgräbnisiliassr drr Kcrlinrr Knopfarbritrr am Sonnabend, den n. Juni, Abends s Uhr, im Nestanranr Bolzmann, AndrcaSslr. 20. TageS- oidnung: 1. Bericht der Slatulen-Berathungslominisfton. 2. Verschiedenes. Es wird gebeten, recht zahlreich zu erscheinen. Achtung! Allen Freunden und Genossen zur Nachricht, das) das Kränzchen deS„Rauchllub Nngra Peguena, am Sonnabend, den 14. Juni 1800, im Salon des Herrn Fenske, Landsbergerstraste 37, Abends 8 Uhr, staltfindei. Alle Freunde und Gönner find hierzu freundlichst eingeladen. Tischlrr-Drrrin. Ain Sonnabend, den 14. Juni, Abends 8 Uhr, Rott- buserstraße 4a: Außerordemliche Generalversammlung. Allarmeiner Deutscher Kattlrrurrri»(Mitgliedschaft Berlin)... Sonnabend, den 14. Juni, Abends% Uhr, i» Neher's Salon, Alle straste 83: Versammlung..„ Grolfr öffrntlichr Nrrsamuiliittg der Kupferschmiede Kerlin» Sonnabend, den 14. Juni, Abends 0 Uhr. bei Feind, Weinstr. 11. Freie Uerrinignng drr Kanarbritrr Drriino. Am Sonntag, is. Juni er.. Boruiillags 11 Uhr, in Schesser's Salon, Jnselstr.io: MUg»e« Versammlung. Fachverein der Marmor- und Granitnrbeiter Berlins und UMM Am Sonntag, den 15. Juni, Vormittags 10% Uhr, in Detgmüller s c,a Alle Jalobstr. 48a: Mitgliederversammlung.. Drrein drr Klempner Kerl in»«nd Anigeaend. Am SonnabiM, 14. Juni 1800: Grobes Svnnnerfest in der„Neuen Well", Hasentia Konzert und Auftreten säinmtl. Spezialitäten._ Derband der Möbelpolirrr Orrlin»»nd Umgegend. Am Mo den 10. Juni, Abends 8 Uhr, bei Bolzmann, Andreasstrabe 28: Mitgur Versammlung. Tagesordnung: 1. Wie find unsere Errungenschaften«°a,, halte»? 2. Waht von Werkstattdeleglrten oder Vertrauensleuten. 8. An> vom Vergnügungskomitee. 4. Berschiedenes. Fese-»nd Dislrntirlilnd Fenerbach. Heute, Sonnabend, den s„ Abends 8% Uhr, im Lokale des Herrn Schröder, Neichenbergerstr. 24:@t jj"» Zahlreiches und pünltliches Erschetnen erwünscht. Gäste, eingeführt,«02' Zutritt.«„i Urrband der poriellanmalcr n»d Kernfsgrnossen'Derlino... Montag, den 10. Juni, Abends 8� Uhr, bei Feuerstein, Alte Jakobstratze Versammlung. Tagesordnung: 1. Geschäftliches. 2. Die deulfche Arve beweguna und die Eewerlveretne. Referent: Herr W. Schweiger. 3. Disiun 4. Verschiedenes. Gesang-, Tnrn- nnd gesellige Derein» am Sonnabend:®e|an� verein„Harmonia" Abends 8 Uhr im Restaurant, Alte Jatobstr. 3.. Aiännergesangverein„Treue" Abends 0 Uhr im Nestailranl Andreasstmße Mäinicrgesangverein„Eralo" Abends 0� Uhr bei Schläwicke, Kleine Kurst- — Männergefangverein„Senesel er", Restaurant Zemrer, Miinzstr. n, 2., UebungSstnnde, Aufnahme neuer Mitglieder.— Gesangverein„Hormon Abends 9 Uhr im Restaurant Lehmann, Kursürstensir. 31. Gesangunnde� � slraste 57—68. Turnverein„Wedding", Pankslr. 0, Männer-AbiheUung van 8: a MS in Uhr Aden»? ins" AbenZ Ühr Sophienstr. isß— Theater- und Bergiiügungsv-rrins„TarUas"Aben 10% Uhr Abends; desgl. 1. LehrlingSabtheilung von 8 bis 10 uije ~ vxg„Berliner Handwerkervereins Aben�, Arends'sche Stenozraphenklaffe Sophienstr. 13.— Theater-___ 8'UH im Loutsenstädtischen Vierhause, Admiralftr. IC luv ,, V/44 1 i io4v fllarj 38.- Theater- und«- gnügungsaesellschafi„Treue" AbendS Uhr tn Bobert'S Ballsalon, Wemstr. j — Privat- Theatergesellschast„Schneeglöclchsn", Abends 0 Uhr in Vetlins V:eih. Veleranenstr. 10.— Geselligleirstlub„Lustig" Abends»sl Uhr im Rauaura. We.chelt, Taubenstr. Restaurant HUlmann, 9 Uhr im Restaurant Poppe,«nioenstr.-vo.— ve-«""it"::;"; Abends Sil Uhr bei Vaihinger, Torotheenstr. 84.— Verein ehem. Schüler» 81, Gemeindeschule AbendS» Uhr im Restaurant, Koppenstr. 68.- ehem. 2)1. C. Luther'scher Schüler AbendS 0% Uhr im Sieslaurant Vorina, Ohmgasse 2.— Rauchllub„Portortco" Abends 0 Uhr bis 11 Uhr Kopnta, strabo 167 bei Schnlz.— Ranchklub„Quatm" Sibends 8 Uhr im Restaura Tamm, Schönhauser»Allee 28.— V-rgnugungSv-reiii„Lnsttge 13" Ssb.nM O»» im Restaurant Slibrechr, Slnnenstr. 0.— Tamoourvereist„Eedan" Sitzung Aden 9 Uhr, Grüner Weg 0—10, Aufnahme neuer Mitglieder.— Tambouivea� „Herz Innig", Abends 8 Uhr, Sitzung im Restaurant Strabburgerstrab- Dirigent und Vorsitzender Fritz Laugant.— Tambourverein„Einigkeit inj*« ilari", gegrünvei 1880, Dirigent zur Zeit H. Kämtilia, Aufnahme n- j Mitglieder Abends 0 Uhr im Restaurant Hahn, Elsajserstr. 67.— Tanlvo Verein„Felsenfest", Sitzung 8% Uhr, Weibenburgerstr. 64, Dirigent und Po sitzender: 81. Friese. Ausnahme neuer Mitglieder.— B-rgnügiMgSvereln ,,LUst>>, Seelen" Llbends 0 Uhr in! Restaurant Schuster, Orante»str.8.— Bergnugunb, verein Hvspicta Kleine Augustrabe 14 Abends 9 Uhr. Literarisches. ei» er- Unsere Leser seien hiermit aufmerksam gemacht auf Prachtwerk, das im Verlage von I. H. Schmer in Verlin schien und bereits in 15 000 Exemplaren abgesetzt wurde. Weil der Reinertrag dieses Werkes ohne jeglichen Abzug bei» Institut der deutscheu Ferienkolonien zu gute kommt, so ist e- eines jeden Pflicht, durch Ankauf des Werkes diese» menscht". freundlichen Zweck zu unterstützen. Es handelt sich um d»- Prachtwerk: In Lust und Sonne. Künstler und Selbstschriste'jj Album. 100 Folioseiten auf Kupserdruckpapier. Elegant gebuude» mit Rothschnitt 8 M.. mit Goldschnitt 8.50 M. Kaum e>» zweites Werk dürfte bisher dem deutscheu Volke dargeboten worden sein, das so sehr berechtigt wäre, das Interesse unserer gaiizc" Nation in Anspruch zu nehmen. Wer bei irgend einer Gelegenheit das Album„Ju Luft und Sonne" als Geschenk verwenvck der wird zwiefacheFreude erregen:— einmal auf Seiten de- Empfängers und dann bei den arulen Kindern, welchen der Reinertrag des Albums zu gute kommt., Jede gute Buchhanolung ist in der Lage, ein Exemplar d» Buches zur Ansicht vorzulegen und feste Bestellungen umgehe»' auszuführen. Die Redaktion stellt die Benutzuna des Sprechsaals, soweit Raum dafür abjj' geben ist, dem Publikum zur Besprechung von Angelegenheiten allgemein-' Jnlecesses zur Verfügung; sie verwahrt sich aber gleichzeitig dagegen, mit vo> Jnhall desselben identiftzirl zu werden. Die Erklärungen des Herrn Becker beachte ich gar nicht meh»- sie lassen mich vollständig gleichgiltig; jedoch will ich zu meine* Rechtfertigung anführen, daß ich niemals in einer Zeitu»? bekannt gemacht habe, ich führe Biere von auswärtigen Brauereien, auch ist eine solche Bekanntmachung nie mit meinem Wisse» oder Witten geschehen. Wenn ein Verein solche Bekaiuw machungen erläßt, ohne mich vorher davon in Kenntmß zu setze», so ist dies nicht meine Schuld. Der betreffende Verein hat auch mein Lokal verlassen, oh»' mir bis jetzt eine Nachricht davon zu geben, hat vielmehr»»' eine Notiz in Ihrem Blatte einrücken lassen. Zum Schluß bemerke ich noch, daß in meinem Lokale noG Arbeiter verkehren, auch vorkommenden Falls Versammlung'" abgehalten werden. Hochachtungsvoll H. Böttcher(„Seeschlößchen"). VviefltÄlTen drv Medolkkion. Bei Anfragen bilteu wir die AbounemenIS-Qnittung beizufügen. Aniworl wird ntchl erlheilr. Briefli�' F. S., Zchuiidtstr. 10. Ein Mittel gegen Sonnensprosse" wissen wir nicht., JU. M. 1. Die Petrikirche. 2. Das genaue Maß ist nicht bekannt. Former und Genossen! Hiermit mache ich bekannt, daß ich wegen der Mai-Feicr und der darauf folgenden Maßregelungen ein MMeiiWr. 32 eröffnet habe. Arbeiterblätter liegen aus; auch ist ein Vereinszimmer zu vergebe». Hochachtungsvolt s Otto Otlddort) Former. Vaeteigeuoffen und Leennde lade ich zur gemüthlichen Worgen- spräche ein. Müncliener Bier u. Hülse« bein-Weisse wird bei mir ansge- schänkt. Für gutes Frühitiich ist ge- sorgt. Achtungsvoll Franz Gleiuert, 1882 Schankwirth, Miill-rstr. 174. Ecke Fennstr. B£ Achtung für Töpfer! 13 Ein hiesiger Töpferrneisler will sein Geschäft, mit bedeutender Kundschaft, billig abtreten wegen Zurruhesetzung. Erkundigung bei Gustav Kanow, Stalt- schreiberftr. 10. 1857 Weiss- niid Bairisch-Bier-Lokal. 1 „Berliner Volksblatt" liegt aus. Die Herren Badegäste nach Stralau bitte um gütige Berücksichtigung meines Lokals. G. Völklein, Mühlenstr. 59a, 1887 Rurninelsburger Platz. Allen Genossen empfehle mein[571 Wch- nni) BairiWitt-Lljklll. Emil Koepnick, Schillingstr. 30 a, Ecke Magazinstraße. Himbeersaft, E dick m. feinst. Zucker eingekocht Liter 1,50 Rothkieill, Portittiv, Flasche IM Iciiiplfjer Ullgameilt, iditranf incl. Flasche 75 Pfennige. Super, SMftJoiiiitierftiijfniK Franz Beyer, Prinzessinnenstr. 15 Freunden u. Genossen empfehle mein Kartoffel» und Heriusv-Grschäft. Otto Bock, Rathenowerstr. 44. Echten 700 i Fl. excl. 75 Pf. Bai. GckÄe-Kumml DO Ps. Z»Btrlilii>tiir/°"°V?7� 3%�"" (Cnrt'trtC äu Partien ernpfehlenswerth, UlipiU a Fl. v. 1 M. an. empfiehlt die Groß-Destillation von Lettan& Keil, ST»,"" an der Roseuthalerstraße. Eeschästsschluß Sibends S Uhr. Sonntags 1 Uhr! Hut-Fabrik Kliicherftrasse 11, Wilhelm Böhm. Sämmtliche Hüte mit Kontrol- marken« Große Auswahl bei bil- ligsten, festen Preisen. Großes Lager in Sonnen- u. Regenschirmen. 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Wägern verdächtigen kann, veröffentlicht über die drei uch der sogenannten Dynainitaffäre verhafteten Russinnen ,,'��genden Notizen. Da dieselben aus der autorisirtesten Quelle «h rin' die Sensatlonspresse in den abenteuerlichsten insr j �theiten auf Rechnung der Verhasteten das Menschen- ogtlche geleistet, so sind die einfachen,ungeschii>inkten biographischen �°"zen mehr als Alles geeignet, die Physiognomien der drei su ihrem wahren Lichte zu zeigen. so �"»�äulein Justina Fedorowa, schreibt der„Temps", ist jetzt c 3ahre alt, sie ist zu Odessa geboren. Im Alter von 15 Jahren l"9 sie unter folgenden Umständen an, Antheil am politischen Zu nehmen: »• ihrer Verwandten war nebst seinen Freunden wegen ner politischen Affäre verhaftet worden. Da das junge Mädchen den liİÜSenm beständig Nahrungsmittel, Wäsche und Bucherbrachte, so ihre Verhaftung nicht lange auf sich warten. Man hatte ihr M Votaus die Gefahr vorgestellt, der sie sich aussetzte, jedoch r**? Erfolg. Ihre Haft dauerte acht Monate, nach deren Ver k>. V freigelassen ward, da sie infolge der im Gefängni' Tischenden Unreinlichkeit erkrankt war. Man erlaubte ihr, in t),,..Pjiterliche Haus zurück zu kehren, doch blieb sie polizeilicher jWUcht unterstellt. Kaum war sie nach einigen Monaten wieder �"gestellt, als sie aus Odessa verschwand. Erst nach 2 Jahren TOQtö sie in Taganrog entdeckt. «. Die Polizei entdeckte damals in dieser Stadt eine geheime Druckerei und verhaftete sämmtliche in ihr arbeitenden Personen. ihnen befand sich Fräulein Sigida, welche 1889 zu Kara °en Knutenhieben erlegen ist, und Fräulein Fedorowa. Letztere oenuhte einen Augenblick die Unaufmerksamkeit seitens der sie umringenden Gendarmen, sprang im Moment der Verhafttmg °urch das Fenster und entfloh. Sie blieb einen Tag und eine Nacht lang in der Stadt verborgen, allein als ife am folgenden Tage per Eisenbahn abreisen wollte, ward sie von den Gendarmen erkannt. Man bemächtigte sich •orer und transportirte sie nach der Petcr-Paul-Festung zu St. Petersburg, wo sie zwei Jahre in Haft blieb. Der Gerichtshof uerurtheilte sie zum Tode, allein diese Strafe ward in acht Jahre «Wangsarbeit in den Karaminen umgewandelt. Während sie sich zu Schiff aus der Reise nach ihrem Bestimmungsort befand, ge lang es ihr tn Tumen, wo das die Gefangenen führende Schiff Milche Jett anlegte, zum zweiten Male zu entfliehen. Sie war ww Kilometer von Petersburg entfernt. Es glückte ihr, un Jntdeckt durch Rußland zu kommen, und, obgleich sie nur ihre Muttersprache kannte, lain sie bis Paris, wo sie vergeblich Be- fchäftigung suchte. Von der Nutzlosigkeit ihrer Bemühungen er- wüdet, ging sie nach Zürich, wo sie jedoch nur kurze Zeit ver- blieb. Sie kehrte nach Paris zurück, wo sie das Holz- schneiden erlernte und darin große Fortschritte mächte. (Ihr Lehrherr hat auf die behördlicherseits eingezogenen Erkundigungen in günstigster Weise über die Befähigung, den Fleiß und die Charaktereigenschaften des Frl. Fedorowa ausge- lagt. Anmerk. d. Uebers.) Da jedoch ihre Gesundheit sehr er- Aüttert war, Nethen ihr die Aerzte, behufs Herstellung in die Schweiz zu gehen. Während sie noch zögerte, ob sie dem Rache wlgen sollte, ward sie verhaftet. Da die Voruntersuchung ergeben, daß sie der Affäre durchaus ferngestanden, ist sie vor etlichen Tagen in Freiheit gesetzt worden." Soweit der„Temps" über Frl. Fedorowa. Seinen Angaben 'ann noch hinzugefügt werden, daß, wie bereits an anderer Stelle dntgetheilt, Frl. Fedorowa seit ihren, Ausenthalt im Auslande �>»en chättgen Antheil an der russischen revolutionären Bewegung Mm. Und dies weder aus Kampfesmüdigkeit, noch aus Ent- Mschung über die verfolgten Ideale, sondern in der Erkenntniß, daß sie ihrer Natur und Entwickelung nach nur in praktischer Arbeit in und mit einer Organisation ihre Pflicht llMiz erfüllen könne. � Diese Auffassung deutet schon einen der hervorstechendsten Marakterzüge des jungen Mädchens, an: seine große Bescheiden- tzeit, die übrigens mit einer ebenso stark entwickelten Pflichttreue Gepaart ist, welche sich in keiner Lage ihres Lebens je verleugnet hflt. Daß sich Frl. Fedorowa durch ungewöhnliche Energie aus- Zeichnet, erhellt aus den zweimaligen Fluchtversuchen, ganz be- Ivnders aber aus ihrem Entkommen vom Gefangenentransport ?ud ihre sich daranknüpfende gefahrenreiche Reise durch Ruß- 'and. Wenn auf Jemand, so paßt auf Frl. Fedorowa der Ver- Gleich, durch den Stepniak die Jessa Helsmann charakterisirt: 2?e. schlichte Feldblume, deren Reiz in der Einfachheit und Be> Icheidenhelt beruht. �. ,, Uebrigens reden die biographischen Notizen des„Temps in Mer trockenen Thatsächlichkeit ganze Bände gegen den russischen Despotismus und der Verfahren, deren er sich bedlent. ., Ein junges Mädchen, richtiger ein halbes Kind, wird wegen ,is furchtbar staatsgefährlichen Verbrechens, polttffchen Ge- fangenen Speisen, Wüsche und Bücher zu bringen, ms Gefangniß Geworfen und darin festgehalten, bis die darin herrschende Un- �lnlicykeit— theilweise infolge der Nachlässigkeit, zum größten jjjheile aber auch ♦ der Korruption, welche die für Unterhalt der Gefängnisse bestimmten Gelder in die Taschen ungetreuer Be- °">ten fließen läßt— in ernster Weise ihre Gesundheit bedroht. Glfitfnik f?*""uter namenlosen Gefahren und Entbehrunaen Mibet»"'lkoinmt, da heftet eine hohe kaiserliche Polizei ihre ohne 11 s°>ne Fersen und laßt es bei der ersten besten Gelegenheit �and--.�""- denunziren, um es der Maßregelung der Behörden des libeo���szugebeii.indem es eineZuflucht gefunden.— Kommentare �rln. Bromberg und Frau Reinstein schreibt der -l»e..�l- Bromberg hat einen durchaus anderen Charakter. darf f„n!Q1'hren Freunde» und Landsleuten Glauben schenken Ann'»sl° hat sie sich weder in Rußland noch sonstwo mit politischen einer lGeuhelten befaßt. Sie ist 21 Jahre alt und entstammt dient israelitische» Familie von Krementscheck(Gouverne- Puttawa). Sie hat in einem Gymnasium glanzende Studien gemacht, für welche ihr die goldene Medaille— eine ziemlich selten gewährte Auszeichnung— zuerkannt wurde. Sie war sehr arbeit- sam und unterstützte ihre Familie, indem sie Stunden gab. Sie kam nach Paris, als in Rußland die medizinischen Vorlesungen für Frauen geschlossen wurden. Sie beschäftigte sich hier gleich- zeitig mit dem Studium des Französischen und ihrer Vorbereitung für das Externat an den Spitälern. Jrrthümlicher Weise ist von verschiedenen Zeitungen behauptet worden, daß Fräulein Bromberg im Moment ihrer Verhaftung iin Be- griff stand, nach Rußland abzureisen. Sie war vielmehr entschlossen, die Ferien in Paris zu verleben, Ivo sie während der Zeit eine Zeichnenschule zu besuchen beabsichtigte." „Was Frau Reinstein anbetrifft, so verbirgt dieselbe nicht ihre liberalen Ideen. Sie ist jetzt 24 Jahre alt und entstammt einer ehemals sehr reichen Familie rnssischer Gutsbesitzer. Ihren Vater, dem Oberst Mohilef waren nochmals recht wichtige Posten angeboten worden, allein seines vorgeschrittenen Alters und seiner g flechten Gesundheit wegen hatte er dieselben ausgeschlagen. Ein nkel der Frau Reinstein zählte zu jenen Russen, welche von den Kriegen gegen Napoleon I eine große Hinneigung zu den Ideen von 1789 mit heimgebracht hatten und die in ihrem Vaterlande liberale Reformen einführen ivollten, aber hieran von dem Kaiser Nikolaus gehindert wurden. Die Ideen des Onkels finden sich noch ausgesprochener bei Frau Reinstein wieder. Nachdem diese ihre ersten Studien in einem Gymnasium beendet hatte, ging sie nach Zürich, dann nach Bern, wo sie in diesem Monat das Endexamen als Doktorin der Medizin bestehen sollte. Die Dissertation, welche sie zu diesem Ziveck verfaßte, sollte auf Kosten der Universität Bern im Druck erscheinen, eine Vergünstigung, welche die Universität nur Studien gewährt, denen sie einen hohen Werth zuerkennt." Wie stimmen zu diesen streng thatsächlichen Notizen die Charakteristiken der Sensationspresse? Geheimniß der russischen Botschaft 1 Sozisle Ltebersiichk. Aufruf an alle Klafergefcllr» Kerlins und Zlm- gegrnd! Kollegen! Wider Erwarten weigern sich die Meister in Frankfurt a. M., die gerechten Forderungen unserer Kollegen zu bewilligen. Ja, es hat den Anschein, als ob namentlich die verheiratheten Kollegen gemaßregelt werden sollen. Die Mehr- zahl unserer Kollegen ist aber verheirathet. Was dieselben für einem Elend entgegengehen, wenn sich ihre Kraft als zu schwach erweist, das weiß ein Jeder von uns. An Much, ihre gerechten Forderungen hoch zu halten, fehlt es den Frankfurter Kollegen nicht, wohl aber au Geld. Deshalb, Kollegen, appelliren wir an Euer Solidaritätsgefühl und bitten Euch, daß jeder sein Scherflein nach Kräften dazu beisteuert. Beweist, daß Ihr endlich ans dem Schlafe erivacht seid, in welchem die Berliner Glasergesellen bis jetzt gelegen haben. Der unterzeichnete Vorstand der Glaser- gesellschaft Verlins und Umgegend nimmt am Sonnabend, den 14. Juni, Abends, Unterstützungsgelder für die Frankfurter Kollegen auf der Glaserherberge, Ritterstraße 123 bei Stramm, entgegen. Im Auftrage: W. Hüneke, I. Kassirer, Blücher- 'traße 32. Achtung. Maurerstreik in Rostock i. M. ausgebrochen. Wir ersuchen die Maurer, Putzer, Fliesenleger w. den Zuzug fernzuhalten. Briefe und Sendungen sind zu richten an Aug. Berger, Beguinenbcrg 10, Maurerherberge, Rostock l. M. VevtÄ»tnnl«ngerr. An der Abgeordneter tiiebluircht vor feinen Makler». der äußersten Weichbildgrenze des nordwestlichen Berlins, in am Ausgange der Straße„Alt-Moabit" belegenen„Volks- brauerei" fand vorgestern Abend eine sozialdemokratische Volks- Versammlung statt, in der eine Rede des Abg. Liebknecht über die gegenwärtige Lage angekündigt war. Trotz des strömenden Regens war der große Saal schon lange vor Beginn der Ver- ammlung derartig überfüllt, daß, obwohl die Tische und Stühle aus dem Saale entfernt waren, viele Hunderte keinen Einlaß mehr fanden. Abg. Liebknecht, mit stürmischem Beifall und Hoch- rufen begrüßt, dankte zunächst für das ihm am 20. Februar entgegengebrachte Vertrauen und entschuldigte sich, daß er seit der letzten Wahlkampagne noch nicht vor seinen Wählern erschienen 'ei. Der Redner wies alsdann auf die Bedeutung des 20. Februar iin, an dem die deutsche Sozialdemokratie den Beweis geliefert abe, daß sie eine mächtige politische Partei sei, mit der gerechnet werden müsse. Die Gegner behaupten allerdings, so etwa fuhr Liebknecht fort, die sozialdemokratischen Wähler kennen zumeist nicht die Endziele der Sozialdemokratie. Ich bestreite das ganz entschieden. Wenn auch nicht jeder sozialdemokratische Arbeiter „das Kapital" von Karl Marx gelesen hat, so weiß er doch durch das Lesen der Arbeiterblätter, daß alle Werthe nur durch Arbeit geschaffen werden und daß es ein ungesunder Zustand ist, daß derjenige, der zufällig über Kapitalien verfügt und in der Lage ist, sich die Arbeitsmittel anzuschaffen, auch den Ertrag aller Arbeiten genießen kann, ohne selbst nur im geringsten zu arbeiten. Jeder sozialdemokratische Arbeiter weiß, daß die Sozialdemokratie auf die Vernichtung dieser Zustände hinarbeitet und daß, ehe diese Zustände nicht beseitigt sind, eine wirkliche soziale Reform unmöglich ist. Daß die gegenwärtigen Zustände unhaltbar sind, beginnt man bereits in den Kreisen der Regierung einzusehen. Die Bourgeoisie hat die kaiserlichen Erlasse als ein Wahlmanöver, als einen Schlag ins Gesicht der Sozialdemokratie bezeichnet. Abgesehen davon, daß dies eine indirekte Majestätsbeleidigung Tt, so behaupte ich: die kaiserlichen Erlasse waren kein Wahl- manover, sondern ein Schlag ins Geficht dem Manchestcrthum und ihrem Hauptvertreter dem Fürsten Bismarck.(Stürmischer Beifall.) Als ich im vergangenen Sommer vom internationalen Arbeiterkongreß aus Paris kam und über die auf dem Kongreß gefaßten Beschlüsse Bericht erstatten wollte, da wurden alle diese Versammlungen verboten, jedenfalls weil man der Meinung ivar, daß die Kongreßbeschlüsse an Hochverrath streifen. Einige Mo- nate darauf wurde in den kaiserlichen Erlassen das, was auf dem internationalen Arbeiterkongreß zu Paris beschlossen worden ist, wenn auch nicht in vollem Umfange, so doch zum Theil für richtig anerkannt und die Nothwendigkeit, eine internationale Arbeiterschutz- Gesetzgebung herbeizuführen, den Regierungen zur Pflicht gemacht. Damit hat nicht die Sozialdemokratie, sondern das Großkapital einen Schlag ins Gesicht erhalten. Die Sozial- demokratie hat im Gcgentheil einen großen Triumph gefeiert und es ist nunmehr ihre Pflicht, dafür zu sorgen, daß das, was in den kaiserlichen Erlassen versprochen, auch erfüllt wird.(Lebhafter Beifall.) Wir akzeptiren Alles, was geeignet ,. die Lage der Arbeiter zu verbessen,, damit geben wir aber unsere Forderungen nicht aus. Die Gegner glaubten: es, verde durch die kaiserlichen Erlasse innerhalb der sozialdemokratischen Partei eine Spaltung eintreten. Allein die sozialdemokratische Partei hat einen Polarstern, der dafür sorgt, daß sie ihre Kurs- richtung nicht verliert, das ist das sozialdemokratische Programm. Die sozialdemokratische Partei, die vor 27 Jahren im Sturm ge- boren ist, steuert muthig und unentwegt auf ihr Ziel los, ohne ihren Polarstern auch nur im Geringsten aus dein Auge zu ver- lieren. Wer auf dem Wege schwach wird, der wird bei Seite ge- schoben, und wer seine Person nicht der Sache unterordnet, der fliegt einfach hinaus. Eifersüchteleien und Personenkultus kennt die sozialdemokratische Partei nicht. Jeder Genosse hat sich in den Dienst der Partei zu stellen. Einer ist genau so viel wie der Andere. Vollständige Kameradschaft, Einer für Alle, Alle für Einen. In der Theorie herrsche vollständige Freiheit. Jeder Genosse hat das Recht der freien Forschung, wir sind Jedem dankbar, wenn er uns neue Gedanken bringt. Allein bezüglich der Disziplin hat jeder Genosse sich dem Ganzen unterzuordnen. Thut er das nicht, so ist keine Spaltung einge- treten, sondern derjenige, der seine Person nicht der Sache unter- ordnen will, fliegt einfach hinaus. Der Kampf für die Arbeiter- schutzaesetze stellt sich immer mehr als ein Feldzug gegen das Großkapital dar. Die Regierung beginnt auch bereits Kon- Zessionen zu machen. Man geht damit um, sowohl das Wahl- recht, als auch das Koalitionsrecht zu beschränken. Wir sind selbstvernändlich nicht gewillt, die zwei heiligsten Rechte des Ar- beiters irgendwie beschränken zu lassen und sind überzeugt, daß in diesem Kampfe unsere Wähler hinter uns stehen werden. reies Koalitionsrecht ist die beste Sozialreform. Ohne oalitionsrecht ist der Arbeiter Sklave des Kapitals. Das Koalitionsrecht hat auf wirthschaftlichem Gebiete dieselbe Be- deutung wie das Wahlrecht auf politischem Gebiet. Sollte es gelingen, dem Arbeiter seine beiden heiligsten Rechte zu nehinen, dann würde Deutschland in die Reihe der barbarischen Nationen gehören, wo schließlich nur noch die Gewalt entscheidet.(Stürmischer Beifall.) Daß eine friedliche- Entwicklung möglich ist, wenn die Arbeiter unbeschränktes Koalitionsrecht besitzen, haben die Vorgänge bei dem Streik der Dockarbeiter in London be- wiesen. In England, Amerika u. s. w. werden die Arbeiter wohl ebenfalls ausgebeutet, aber der Kapitalist erblickt in seinem Ar- beiter nicht, wie in Deutschland, einen willenlosen Sklaven, sondern einen gleichbei echtigten Menschen.(Stürmischer Beifall.) Der- artige Zustände müssen auch m Deutschland Platz greifen. Der Kapitalist sollte seine Arbeiter nicht blas als gleichberechtigte Menschen behandeln, sondern ihnen noch obendrein dankbar sein, daß er von ihnen ernährt wird. Die Herren sollten bedenken, daß ihr Kapital keinerlei Werthe schafft. Vernünftige Kapitalisten, die etwas von Nationalökonomie verstehen, wissen das auch. ES ist ihnen bekannt, daß ivir in unseren eigenen Reihen Kapitalisten haben. Wenn ich in der glücklichen oder unglücklichen Lage wäre, eine Fabrik zu besitzen, dann könnte ich auch nichts weiter thun, als die Arbeiter als gleichberechttgte Menschen zu behandeln und ihnen alle möglichen Erleichterungen zu gewähren. Unser Kampf richtet sich auch nicht gegen den einzelnen Kapitalisten, sondern gegen das kapitalistische System.(Stürmischer Beifall.) Der Redner erörterte hierauf die Bedeutung des internationalen Arbeitcrkongresses zu Paris. Es habe in Paris ein Arbeiter- Parlament getagt, wie es die Welt noch niemals gesehen. Während die verschiedenen Nationen sich gegenseitig befehden, seien die Ar- beiter der ganzen Erde, soweit es moderne Gesellschaft giebt, in Paris zusammengekommen, und haben einen Weltsriedensbund gestiftet, der seinen ersten Ausdruck am 1. Mai gefunden habe. Der Redner bemerkte im Weiteren, daß die Militärvorlage im Reichstage jedenfalls angenommen werden wird. Die Sozial- demokralen, die im Interesse der Sicherung des Friedens die Ab- 'chaffung aller stehenden Heere und die Einführung des Miliz- ystems fordern, werden selbstverständlich gegen die Vorlage stimmen, selbst wenn die Regierung Konzessionen bezüglich der Abkürzung der Dienstzeit, für die auch die Sozialdemokraten 'timmen werden, machen sollte. Der Redner schloß mit etwa olgenden Worten: Das Sozialistengesetz wird nun in den Sumpf zurückkehen, aus dem es gekommen ist. Ich halte dasselbe bereits für gefallen und werde auch nach der Vertagung desReichstages in Berlin bleiben undzu Ihrer Verfügung stehen.(Beifall.) Daß wir jemals unser Ziel aus dem Auge verlieren, ist unmöglich. Die Sozialdemo- iratie kommt zu keiner Regierung, die Regierung kann höchstens zur Sozialdemokratte kommen. Ich wiederhole: wir nehmen alles, was wir erreichen können, wir werden jedoch nicht eher ruhen, bis wir unser Ziel erreicht haben. Und da der Mensch niemals zufrieden ist, so ist es möglich, daß wir uns auch damit noch nicht begnügen, sondern noch weitere Forderungen stellen. Neue Zeiten gebären neue Ideen. So wollen wir denn muthig und unentwegt auf unser Ziel lossteuern. Will man ein friedliches Entgegen- kommen, so soll es uns lieb sein. Will man aber den Kampf, nun gut, dann werden wir kämpfen.(Stürmischer, lang an- haltender Beifall.)— Auf eine schriftliche Anfrage bemerkte noch Liebknecht, daß der Berichterstatter des„Petit Journal", den er nur wenige Äugenblicke im Foyer des Reichstages gesprochen, keine Aeußerungen falsch wiedergegeben und daß dieselben in der deutschen Presse noch mehr entstellt worden seien. Er habe gesagt, daß die deutschen Sozialdemokraten keine Revolutionsmacher, d. h. keine Anarchisten seien. Die kaiserlichen Erlasse bedeuten ein Älnerkennt- niß der sozialdemokratischen Forderungen. Allein keine Regierung, und wäre ihre Macht auch noch so groß und ihr Wille der beste von der Welt, ist im Staude die sozialdemokrattschen Forderungen zu verwirklichen. Allerdings wird die Regierung, wenn sie die in den kaiserlichen Erlassen enthaltenen Versprechungen erfüllen will, immer mehr nach links gedrängt werden. Allein die fozialdemo- krattschen Forderungen zu verivirklichen, dazu fehlt der Regierung, und wäre ihre Macht noch so groß, ebenso die Fähigkeit, wie den Monarchen, die vor hundert Jahren sich bemühten, die bürgerliche Gesellschaft ins Leben zu rufen. Die alte Gesellschaft ist einmal im Absterben begriffen, die kaiserlichen Erlasse können bei dev neuen sozialistischen Gesellschaftsform höchstens Geburtshilfe leisten. Die Emanzipation der Arbeiterklasse kann aber nur durch die Arbeiterklasse selbst geschehen.(Stürmischer, laug anhaltender Beifall.)— Es wurde hierauf zur Unterstützung derjenigen Arbeiter aufgefordert, die, da sie am 1. Mai gefeiert, keine Arbeit mehr erhalten können. Mit einem dreifachen Hoch auf die inter- nationale Sozialdemokratie und Liebknecht wurde die Versammluna geschlossen. Eine öffentliche Uerfamuilnng der Mechaniker und verwandte,» Kernfagrnojfe» wurde an, 11. d. M. in May's Festsälen, Beuthstr. 22, abgehalten. Das Bureau bildeten die Herren Pinn, Schön emann und Becker und lautete der erste Punkt der Tagesordnung:„E n d g i l t i g e B e r i ch t° r- stattung des S trei k aus s chuss es", namens dessen Herr Schön em ann referirte. Die Ortskommission hatte an die Arbeitgeber ein Anschreiben gerichtet, mit dem Ersuchen, die event. Bewilligung der revidirten Forderungen der Gesellen schrift- lich in ihre(der Ortskommission) Hände gelangen zu lassen. Als Termin, an welchem die Forderungen in Kraft trete» sollen, ist bekanntlich der 16. d. M. bezw. der erste Tag der Arbeitswoche, m welche der 16. fällt, festgesetzt worden. Ohne Vorbehalt be- wltllgt haben bis jeht 62 bezw. 63 Firmen, davon der größte Theil, bis auf wenige Ausnahmen, schriftlich. Herr Schon emann konstatirte ferner, daß die Streikkommission voll und ganz ihre Schuldigkeit gethan habe. Jetzt beginne dio Arbeit hauptsächlich für die Gehilsen als solche, indem st» voll und ganz für die gestellten Forderungen eintreten und vom 16. d. M. ab nur in solchen Werkstätten arbeiten müßten, welche die Forderungen bewilligt haben. Redner schloß mit den Worten: Die Kommission hat ihre Schuldigkeit gelha», nun thun Sie die Ihrige!— Wie in der Versammlung festgestellt wurde, sind bei den Firmen, welche die Forderungen bewilligt haben, ungefähr 600 Gehilfen beschäftigt. Dies Resultat wurde als ein günstiges bezeichnet. Wenn auch ca. 1500 Mechanikergehilfen in Berlin jind, so ist doch ein sehr großer Theil derselben in Fabriken be- fchäftigt, die hier gar nicht in Betracht kommen, wie Frister und Roßmann ec., wo es sich lediglich um rein mechanische Werk- stätten handelt. Herr Drittel witz zollte auch den Arbeiten und Erfolgen der Streikkommission vollen Beifall und ermahnte seinerseits ebenfalls die Kollegen, hinter Streikkommission und den Forderungen zu stehen auf diejenigen Arbeitgeber, welche die Forderungen nicht bewilligt haben, den erforderlichen Druck auszuüben. Sch önemann machte noch besonders darauf aufmerksam, der und noch Herr daß der Arbeitsnachweis, eine Förderung, um welche in anderen Ge- werkschaften ein heftiger Kampf entbrannt ist bezw. noch ent- brennen wird, sich vollständig in den Händen der Gehilfen be- findet und diese Forderung verhältnißmäßig sehr leicht erreicht worden wäre. Auch haben sich die Arbeitgeber, welche die Forderungen der Gehilfen bewilligt haben, bereit erklärt, solche Gehilfen, welche behufs Durchführung der Forderungen die Arbeit einstellen, vorzugsweise in Arbeit zu stellen. Auch wurde besonders hervorgehoben, daß jede Aufforderung eines Arbeit- gebers zur Ueberstundenarbeit einen Lohnzuschlag gemäß den gestellten Forderungen zur Folge habe. Das Hauptbestreben müsse es natürlich sein, die Ueberstunden- und Sonntagsarbeit nach Mög- lichkeit zu beseitigen. Diejenigen Werkstätten, welche nicht bewilligt haben, zerfallen allgemein in zwei Kategorien und zwar in etwa 8 große Fabriken und etwa 49 kleinere Werkstätten, unter diesen viele, welche mit der Arbeiterbewegung bisher keiner- lei Fühlung genommen haben. Leider sei den großen Fabriken, wie Ludwig Löwe, Frister u. Roßmann k. zur Zeit in keiner Weise beizukommen. Die dort beschäftigten Mechaniker seien in der Minorität und würden dieselben nur geschädigt werden, eben- so auch die Organisation, würden sich diese der Lohnbewegung anschließen. Anders stehe es in der Fabrik von Siemens, wo die Mechaniker noch mit 36 Pf. Stundenlohn abgespeist werden. Da die„Simensianer" bisher noch keine Veranlassung genommen haben, eine Versammlung einzuberufen und auch ihrerseits Forde- rungen zu stellen, so beabsichtigt die Streikkommission, demnächst eine'Versammlung der„Simensianer", der„Aristokraten der Mechaniker" einzuberufen, jedoch wird, wie versichert wurde, dafür gesorgt werden, daß nicht, wie seiner Zeit bei Buggenhagen, die Knüppelgarde in Aktion trete. Be- schältigt sind bei Siemens(Stadtgeschäft) ungefähr 300 Gehilfen, tn den übrigen Fabriken zusammen etwa ISO Gehilfen. Im Laufe der weiteren Diskussion wurde besonders darauf hingewiesen, daß ein Stillstand in der Bewegung nunmehr unmöglich eintreten könne, sollten nicht die bisher erzielten Erfolge aufs Spiel gesetzt und auf die Erringung weiterer Erfolge Verzicht geleistet werden und daß besonders der Arbeitsnachweis in Anspruch zu nehmen seu Zur einstimmigen Annahme gelangte folgender Antrag: Stelle den Antrag, den in der vorigen Versammlung gefaßten Beschluß hochzuhalten und daß alle Vertrauensmänner Listen auf- stellen mit den Namen derjenigen Kollegen, welche vom 16. d. M. ab die Arbeit einzustellen gedenken. Diese Listen sind der Streik- Kommission zu übergeben, von der das Weitere sicherlich zur Zu- friedenheit aller Kollegen geregelt werden wird." Der in der vorigen Versammlung gefaßte Beschluß lautet: „Die am 21. Mai im Böhmischen Brauhause versammelten Mechaniker und Berufsgenossen Berlins und Umgegend verpflichten sich, von der Geschäftswoche an, in welche der 16. Juni fällt, nur in den Werkstätten zu arbeiten, wo die Forderungen der Gehilfen in der von der Lokal- kommission vorgeschlagenen Form eingeführt sind, insbe- sondere auch den von den Prinzipalen anerkannten Arbeits- Nachweis in Anspruch zu nehmen. Des Weiteren vcr- pflichten sich die Versammelten, die dadurch event. arbeits- los werdenden Kollegen nach besten Kräften zu unterstützen und ohne Ausnahme einen wöchentlichen Beitrag von 50 Pf. pro Mann zum Streikfonds zu leisten." Ferner wurde beschlossen, diejenigen Firmen, welche die For- derungen bis zum 16. d. Mts. bewilligt haben, durch Flugblätter zur Kenntniß der Gehilfenschaft' zu bringen, Auch wurde die Nothwendigkeit einer festen Organisation hervorgehoben und der Beitritt zum Verbände deutscher Mechaniker und verwandten Be- rufsgenossen dringend empfohlen, sowohl um die erzielten Errungen- schaften festhalten, als auch um neue Forderungen durchbringen zu können, da der Minimalverdienst von 21 M.pr. Woche in keiner Weise zureichend sei. Hiermit war der 2. Punkt der Tagesordnung erledigt und die Versammlung ging zum Punkte„Verschiedenes" über. Nachdem von verschiedenen Seiten der dringende Appell an die Kollegenschaft gerichtet worden war, fest zusammenzustehen und nicht zu wanken und muthvoll und geschlossen vorwärts zu schreiten auf dem eingeschlagenen Wege, sowie die Sammlungen zum Gencralfonds mit freudigem Eifer zu betreiben, um die eventuell Streikenden unterstützen zu können, wurde die Ver- sammlung mit einem dreffachen Hoch auf das Gelingen der Lohnbewegung und auf die internationale Arbeiterbewegung ge- schloffen. Potizeiiich aufgelöst wurde am Mittwoch Abend eine Ver- sammlung der Möbeltransport-Arbeiter, die in Feuersteins Lokal, Alte Jakobstraße, tagen wollte, um u. Ül. auch die in diesem Ge- werbe noch ihrer Lösung harrende Trinkgelderfrage zu besprechen. Die Auflösung erfolgte, weil man vergessen hatte, dem über- wachenden Beamten vor Eröffnung der Versammlung die Polizei- liche Anmeldung zu überreichen. Uersammlnug der Drechsler Deutschlands. Die Orts- Verwaltung Berlin I hielt am Montag, den 9. Juni, ihre Mit- glieder-Vcrsammlung Annenstr. 16 ab. Die Tagesordnung lautete: 1. Geschäftliches. 2. Vortrag des Herrn Bölsche über„Entstehung der Erde". 3. Diskussion. 4. Verschiedenes und Fragekaste». Unter„Geschäftliches" wurde einem kranken Kollegen, dessen Familie sich in Roth befindet, 5 Mark bewilligt. Dann hielt Herr Bölsche seinen Vortrag zur größten Zufriedenheit der* wesenden. Die Kollegen wurden ersucht, sich reger an den. gliederversammlungen zu betheiligen. Die Betheiligung ist 1»' eine schwache; es hat den Anschein, als wenn die Drechsler vn Erwachen des Frühlings schlafen gegangen sind. Außeid» wurden die Kollegen ersucht, reger für den Streiksond- S sammeln. Es wurde ein Antrag gestellt und auch angenonim-- die Versammlungen jeden 2. Montag im Monat fallen zu lafst». Die nächste Versammlung findet noch Montag, den 23. Juni, wurmt einem Vortrag statt. Die Stuckatenre Kerlins und Umgegend fanden l? am Dienstag, den 10. Juni, in einer öffentlichen, recht zahlrei� besuchten Versammlung zusammen. Nach einem mit ßWr Beifall aufgenommenen Vortrag des Kollegen Hugo Grüpbergz „Ueber die Nothwendigkeit einer Zentral-Streik-Kontrolkommrsuon und der Wahl von Delegirten entspann sich eine sehr leohap Debatte. Darauf wurde folgende Resolution einstimnug a'' genommen: Die heute in Zemter's Salon, Münzstr. 11, tagene öffentliche Versammlung der Stuckateure Berlins und Umgege» stellt sich voll und ganz auf den Boden des Referats und erkenn die Nothwendigkeit einer Wahl von Delegirten zur Zenlrn: Streik-Kontrolkommission dringend an. Daraufhin wurden zw Delegirte gewählt. Die Wahl von Delegirten zum zwene deutschen Stuckateurkongreß wurde vertagt bis zu der m o* nächsten Woche stattfindenden Versammlung.. Reinickendorf. Am Sonntag, den 8. d. Mts., fand w Restaurant Lüdicke zu Reinickendorf, Amendestraße 1, eine sammlung der Bau- und gewerblichen Hilfsarbeiter unter dem Vorsitz des Herrn Thal statt. Da bei Eröffnung der Ver> sammlung der Referent, Herr Fr. Zubeil, noch nicht erschieiie« war, so trat die Versammlung, in der Hoffnung, daß derfeu» noch erscheinen würde, was indeß leider nicht der Fall war,> Punkt 3 der Tagesordnung, Gründung eines Fachvereins oe Bau- und gewerblichen Hilfsarbeiter, ein. Zunächst erstaNei Herr Thal, als Mitglied der Kommisston, welche zur Ausarbeitung des Vereinsstatutes gewählt worden, Bericht über o> Thätigkeit der Kommission.. Hieran schloß sich eine längere D>-" kussion, an welcher sich die Herren Gaßmann, Bollmam- Wimmich, Dülfert und Schäfer betheiligten. Die Statuten wur- den einstimmig angenommen und ein provisorischer Vorstano, bestehend aus vier Personen(Thal, 1. Vorsitzender, Witte, 2. Vcu sitzender, Stoll, Kassirer, und Duchateau, Schriftführer) gewayw ptzender, Stoll, icaliirer, unv �ua>aieau, e-cyrirnnyrer� i~ Zu Punkt 1 der Tagesordnung referirte Herr Walenthin m W n eingehender Weise in einem, IV« Stunde dauernden, oft Beifall unterbrochenen Vortrag über das Thema:„Zweck Ziele einer Organisation." An der Diskussion betheiligter außer den oben Genannten noch die Herren Duchateau Schäfer. Nachdem noch der Antrag, kein Bier aus einer boyttu tirten iRrnnprei ju trinken, anaenoinmen und tum Abonneintu sich UN» tirten Brauerei zu trinken, angenommen und zum Abonneii auf die Arbeiterblätter, besonders auf das Organ der Bau- u« gewerblichen Hilfsarbeiter,„Der Arbeiter", aufgefordert, schw der Vorsitzende mit einem Hoch auf den Verein die Versammlung- pmrnt venwü er sie Q kiNomi ?tanb: ZolidaritiitM Arbeiter! 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