Nr. 137. Dienstag, den VT. Juni 1890. 7. Iayrg. jon en. Z. !er- )gs eue ir. m. ,l- bil- ger ite <24 e seil, 773 Hrgan fitr die Interessen der Arbeiter. scheint r rx. m Das„Berliner Volksblatt" Sonn- und Festtagen bis 9 Uhr Vonmltags geöffnet. -- Fernsprecher: Amt VI. Ur. 4106.»* MedeiKkion: VeukhptvÄtze S.— Expedition: VeuthsteMe 3. Herr Schäffle. II. .98 T. 331 llt en* ter INN, d ■ert un» a :te.! lstcr 5114 str.> Ifen. lt., ren- bero ttso abl. nein xi er ike, ton. 1873 II. tjf d »«J erpl. , Nachdem sowohl der Sozialismus als der Demo- «ttismiis in der Sozialdemokratie von Herrn Schäffle vrschriftsgemäß abgethan sind, wird das Ergebniß zu- �»iiuengefaßl:„Nicht weil der Sozialdemokratismus ein verlegenes Gesellschaftssystem vertritt, welchem das Be- lchende und Werdende in der Diskussion nicht Stand zu MIten vermöchte, ist derselbe gemeingefährlich, vielmehr arnm ist er es, weil er wissenschaftlich unhaltbar und pkaktisch undurchführbar lediglich die radikalste Negation Ues Bestehenden und der Grundgesetze geschichtlichen ■Werdens darstellt und dennoch mit jenem Fana- 's mus der Sekten, welcher der Widerlegung aus- .�'cht, als Volksaberglauben sich a u s- leitet und dasProletariat für denradi- .a l e n Umsturz gewinnt, sammelt und ° r g a n i s i r t. Das und nichts anderes macht die Ge- �ingeftihrlichkeit der Sozialdemokratie aus." Allerdings, fährt Herr Schäffle weiter fort, werde es ton Sozialismus und Demokratismus nie gelingen, alles llinzuwerfen, was er nach seiner Kritik und Theorie sofort ,»nd vollständig umstürzen müßte. Aber er vermöge den- durch zeitweiligen Sieg in den großen Städten unge- Mre Verwüstung anzurichten, die Massen für lange zu Wittern, den Staat nach innen und außen in Verwirrung � bringen, dem auswärtigen Feinde bewußt oder unbe- Ht Hilfe zu bieten, die schädlichste„Klassenverbitterung r die nationale Industrie"(!) für lange Zeit zu tragen, allgemeine und persönliche Sicherheit und Freiheit ,W) seine Agitationsweise zu gefährden, die öffentliche n�erliche!) Sicherheit und Ordnung zu stören, die ."ff'on des Staatsoberhauptes auch ohne Attentats- �Zungen der Führer zu bedrohen, die anderen Parteien »rch Terrorismus lahm zu legen. Alles dieses, was er Wgen könne, fast bringen müsse und theilweise schon spracht habe, umschließe eine geschichtlich beispiellose Ge- !% für die Gesittung und zwar zum Schaden nicht blos Besitzenden, sondern in der sofortigen Nachwirkung es Umsturzes auch und hauptsächlich für das als„Volk" "sgegebene Jndustrieproletariat. g, In einem besonderen Kapitel, welches„Gegen die r l ä n g e r u n g des Sozialistengesetzes" �'schrieben ist, bringt Herr Schäffle nicht wesentlich neue n'chtspunkte. Das Sozialistengesetz habe zivar die Gefahr ver- "»ndert, welche in der Möglichkeit von Umsturzversuchen ™» Zweck der Verwirklichung des„Massenbeglückungs- Whnes" liege. Zleuillekon. wir vubolin.l [59 »»Inut Glück der Damen." . RomanvonEmileZola. Worisirte llebersetzung von Armin Schwarz. h�Ue sich lange aufgelehnt gegen diese Leidenschaft, dies-,,,''»ar er entrüstet über sich selbst und wollte sich von ,�>i»,!ch?v»ch>nüthigen Zauber befreien. Was besaß sie 4» so an sich zu fesseln? Hatte er sie nicht fast »>; gesehen, war sie nicht sozusagen ans Mitleid anfgenonimen worden? Wenn es sich e»L„;„„S 4»i>(>r berrlichcn Geschöpfe ge- . ei'le unschemvare»iuuu�..., ftlicht r?.,nc| iener Hammelgesichter, von denen man nicht m», ben,, i?nnte"'cht einmal von besonderer Intelligenz » Berfv/f*s'unertc sich, wie ungeschickt sie sich zu Beginn ci„ oftri,n zeigte. Aber nach jeder Zornesanwandlung �flige<>_ Nuckfall der Leidenschaft bei ihm ein, wie eine j�Qs c? f'lvcht sein Götzenbild beleidigt zu haben. Alles, j» giebt an einer Frau, hatte sie mitgebracht.- vchflmi Heiterkeit, die Einfachheit und von ihrer 4, strömte ein Zauber von der durchdringenden �..2 snidit konnte an ihr nicht mit Wer sich der widerlich gewordenen Wühlerei er- innere, welche um die Zeit der Attentate Hödels und Nobilings geherrscht habe, werde gestehen müssen, daß das Sozialistengesetz das Umsturztreiben auf das wirksamste beseitigt habe. Der Terrorismus und jene Art Pro paganda, welche die Unfreiheit und die Unsicherheit aller NichtProletarier durch Freiheitsmißbrauch der sozia demokratischen Hetzer bedeutete, hätten sofort ein Ende ge habt oder seien in die engsten Schranken verwiesen worden. Aber das Grundübel, der sozialdemokratische Be glückungsglauben, sei durch das Ausnahmegesetz nicht ver- mindert, sondern vielmehr vermehrt worden; es habe die Uebel gesteigert, weil es die Sozialdemokratie, Führer und Anhängerschaft einig erhalten, den ersteren den Glorien schein des Martyriums und ihren Ideen den Schein unwiderlegbarer Wahrheit und überlegener Zweckmäßigkeit verschafft habe zc. Einige Mittel dieser Ausnahmegesetzgebung, die Kon- zessionsentziehung gegen Gastwirthe, Buchdrucker und Buch Händler hätten gar nichts genützt, sondern blos geschader Ebenfalls� die Kampfmaßregel, die Verschärfung des Preß und Vereinsrechtes durch Einräumung weitgehender Be fugnisse an die Polizei, die Ausweisung in Fällen des kleinen Belagerungszustandes. - Zur Beseitigung der Sozialdemokratie gehöre die Aufhebung der sozialen Mißstände und der Lücken im Gemeinrecht durch positivste Sozial« und Verfassungs Politik. In der Verstärkung des gemeinen Rechtes findet Herr Schäffle die Mittel zur unmittelbaren Be känrpfung der Sozialdemokratie. Er findet diese„Gemeinrechtslücken" sowohl in der Straftjustiz, als in der Polizei- und Militärverwaltung. Das Strafrecht besitzt zwar gegen Umsturz bereits große Schärfe.„Nach den vor Erlassung des Sozialisten� gesetzes gemachten Ersahrungen, besteht das sozialdemo kratische Umstnrztreiben in der Handhabung von drei Mitteln: in der Störung gegnerischer Versammlungen, im ausregenden Betrieb der Kolportage, der öffentlichen Aufzüge und Anschläge, endlich in der Aufreizung durch die Presse und durch die Reden in Vereinen. Man wird also auch zugeben müssen, daß Beschränkungen in allen drei Richtungen, wenn sie den rechten Gebrauch der Frei heitsrechte nicht beeinträchtigen in gemein- rechtlicher Form durchaus annehmbar wären! Gewiß, durchaus annehmbar für alle, welche sich über den Ablauf des Sozialistengesetzes nicht zu trösten ver- mögen. Herr Schäffle sagt zwar, daß solche Ausschrei tungen in allen drei Richtungen nicht blos von der Sozial- Jmniergrün-Augen, ihre Wangen, ihr Kinn mit dem Grub- chen, während auch ihr reiches blondes Haar zu leuchten schien in einer königlichen und siegreichen Schönheit. Er gestand ein, daß er besiegt sei, sie war ebenso intelligent wie schön und ihre Intelligenz kam von dem Besten ihres Wesens. Während die anderen Verkänferinnen, die in seinem Hause waren, nur eine oberflächliche Erziehung hatten, jenen Firniß, der sich bei den deklassirten Mädchen bald wieder abstreift, bewahrte sie, ohne eine falsche Eleganz zu zeigen, die Anmnth und Frische ihres Ursprungs. Die vernünftigsten und praktischesten kommerziellen Ideen entstanden unter dieser schmalen Stirn, deren reine Linien den festen Willen und den Ordnungssinn vcrriethcn. Aber warum weigerte sie sich mit einer solchen Hart- näckigkcit? Zwanzigmal schon hatte er sie angefleht und jedesmal seine Ancrbietnngcn vergrößert, ihr Geld, sehr viel Geld anbietend. Dann hatte er sich gesagt, daß sie vielleicht ehrgeizig und er hatte ihr versprochen, sie zur Vorsteherin zu ernennen, sobald eine Abtheilung frei würde und sie rcfnsirte dennoch. Es war für ihn eine Verblüffung, ein Kampf, in welchem sein Verlangen sich zur Wnth steigerte. Ein solches Abenteuer schien un- möglich, dieses Kind muß endlich nachgeben, denn er hatte die Besonnenheit einer Frau stets ime eine relative Sache betrachtet. Er sah kein anderes Ziel mehr vor sich, Alles verschwand in diesem Verlangen, sie endlich bei sich zu haben, sie aus seine Kniee zu setzen, sie zu küssen und bei dieser Vision hämmerte das Blut in seinen Adern, er war verstört und zitternd in seiner Ohnmacht. In dieser schnierzlichen Gcmüthssnmmung flössen von nun ab seine Tage dahin. Das Bild Denisens erhob sich am Morgen mit ihm vom Lager, in der Nacht batte er von demokratie gegen das Bürgerthum, sondern von Agitatoren aller Parteien begangen werden können, aber wir wissen, aus was für Parteien sich die Richter zusammensetzen, welche über den„rechten Gebrauch der Freiheitsrechte" zu urtheilen haben und ebenfalls wissen wir, von wem sich die Polizei leute niedriger und höherer Stellung für ange- stellt und besoldet halten.— „Allein nicht im Bereiche gemeinrechtlicher Strafjustiz liegt die Hauptaufgabe", läßt sich Herr Schäffle weiter vernehmen.„Die direkte Bekämpfung der sozialdemo- kratffchen Umsturzbestrebungen wird weit mehr Aufgabe der gemeinrechtlichen Polizei- und Militärverwaltung sein: zuverlässige und starke Sicherheitspolizei in den großen Städten, zuverlässige und starke, möglichst aus der Land- bevölkerung gestellte Garnisonen und— gegen Putsche im Kriegsfall— ebensolche Landsturmformationen im Um- kreise der großen Städte; hinreichend starke Bedeckung und sichernde Ortswahl für die Arsenale, Waffen und Munitionsdepots gegen Ueberrunipelung, desgleichen für Parlamentsmitglieder und Parlamentssitze, für Staats« schuldbücher, für Staatskassen, für Großbankvorräthe in den großen Städten, Ueberwachuug, Einschränkung und nöthigenfalls Verbot des privaten Waffen- und Munitions- besitzes." Man sieht, Herr Schäffle hält keineswegs hinter dem Berge mit seinen Mitteln zur unmittelbaren Be- kämpfung der Sozialdemokratie durch Verstärkung des „gemeinen Rechtes". Das 6. Kapitel, die Hälfte der ganzen Arbeit um- fassend, enthält die Vorschläge für die mittelbare Bekäinpfung der Sozialdemokratie auf gemeinrechtlichemBoden durch„positive" Sozialpolitik und durch„positive" Ver« f a s s u n g s p o l i t i k. Es betreffen diese Vorschläge erstens die Organisation allgemeiner Arbeiter- und Arbeitgebervertretung durch un- beengtes Gewährcnlassen der fachvereinlichen Bewegung, durch Einführung von Arbeiterausschüfsen von Seiten des Staats auf seinen Werken. Eine solche Organisation sei von beiden Klassen den Arbeitern und den Arbeitgebern in der dreifachen Abstufung der Geschäfts- und Jndustriereviere, der Staats- und Nationalverbände in Vertretungen für vertragsmäßige Erledigung des Kampfes um die Arbeitsbedingungen und für Wah- rung aller übrigen gemeinsamen Interessen selbst zu voll- ziehen, Reich, Staat und Gemeinde könnten solche positive Politik nicht machen. Diese Vertretungen, meint Schäffle, werden die Säulen des sozialen Friedens zwischen beiden Klassen wer- den. Aber aus eben diesem Grunde wolle der Sozial- ihr geträumt, sie folgte ihm an sein Arbeitspult, wo er die Wechsel und die Aufträge von 9— 10 Uhr Morgens unterschrieb, eine Arbeit, die er mechanisch erledigte, wobei er sie immer an seiner Seite fühlte und ihr ruhiges Nein zu hören glaubte. Um 10 Uhr folgte dann die Berathung, ein wahrhafter Ministerrath, die Vereinigung von 12 Jnter- essirten, welcher er präsidircu mußte; mau besprach E ragen der internen Ordnung, man prüfte die Käufe, man cllte die Auslagen fest. Und sie war immer da, er hörte ihre sanfte Stimme mitten unter den Ziffern, in den kom- plizirtesten finanziellen Verhältnissen sah er ihr mildes Lächeln— und nach der Berathung begleitete sie ihn. Sie machte mit ihm die tägliche Inspektion durch die Abthci- lungcn, kehrte mit ihm Nachmittags in das Direktions- büreau zurück und stand neben seinem Fauteuil von 2—4 Uhr, während er eine Menge Leute empfing, alle Fabrikanten von Frankreich, Großiuimstriclle, Bankiers, Erfinder. Ein unnuter- drochcnes Kommen und Gehen von Reichthum und Intelligenz, ein ivahnsinniger Tanz von Millionen, rapide Unternehmungen, in welchen die größten Geschäfte des Pariser Marktes abgethan wurden. Und wenn er diese kolossalen Geschäfte erledigt hatte, tauchte immer wieder sofort die Frage in ihm auf: wozu ihm das riesige Vermögen sollte, da sie nicht einwilligte? Endlich, wenn es 5 Uhr schlug, mußte er den Courier nnterzeichnen, die mechanische Arbeit begann wieder, während welcher sie sich gebieterisch hinter ihm ausrichtete, ihn in ihren Besitz nahm, um ihn während der einsamen fieberhaften Stunden der Nacht ganz für sich allein zu be- sitzen. Und am anderen Tage begann dieser Tag von neuem, der schwebende Schatten eines Kindes genügte, um ihn in mitten der ungeheuren Arbeit, die er täglich verrichtete, mit Angst und Beklemmuno zu erfüllen. i demokratismus nichts davon wissen, ihm entspreche nur die unterschiedslose,(nicht gewerkvereinliche) jedenfalls zentralisirende Zusammenfassung des ganzen Proletariats zum Haß gegen das Kapital; nicht die Gliederung zum friedlichen Kampf mit dem Kapital, nur die Sammlung einer einzigen großen, alle gelernte und bis auf weiteres auch olle ungelernte Arbeit umschließende Umsturzpartei. Der Sozialdemokratisinus klage mit Unrecht die gewerk- vereinliche Sammlung des Arbeiterstandes als neue Aristokratie an, als Störung der einheitlichen Aktion des Proletariats, als Hemmung der Gerechtigkeit gegen die gemeine ungelernte Arbeit, als vereinigte kapitalistisch-arbeiterliche Organisation grnppenweiser Aus- beutung der Produktionszweige durcheinander. Man kann gegen Schäffle einwenden, daß die Erfahrungen, die man mit diesen Gewerkoereinen in Eng- land zc. gemacht hat, nicht von der Art sind, sie in gleicher Weise auch für Deutschland herbeizuwünschen. Diese Herren Gewerkvereinler haben von jeher auch ruhig zu- gesehen, wenn andere Theile der arbeitenden Klassen, deren gewerkvereinliche Organisation schwer oder unmöglich war, entweder den Kamps um bessere Arbeitsbedingungen nicht aufnehmen konnten oder im aufgenommenem Kampf elend unterliegen mußten. Diese Gewerkvereine Englands sind thatsächlich eine neue Arbeiteraristokratie, eine„gruppenweise kapitalistisch-arbeiterliche Organisation der Ausbeutung einzelner Produktionszweige," ein Hemmniß der allgemeinen Aktion zur Besserstellung und Befreiung des Proletariats. 10. Sitzung der Ardeiterschtttz- Kommisfton. Montag, den 16. Juni. Bei Beginn der Sitzung sind nur 15 Mitglieder anwesend. Die Bcrathung wird sortgesetzt bei§ 135, Abs. 2 und 4. Absatz 2 lautet: „Die Besckäftigung von Kindern unter 14 Jahren darf die Dauer von 6 Slnnoen täglich nicht überschreiten." Hierzu liegen keine Anträge vor. Der Absatz 4 lautet: „Durch Beschluß des Bnndesraths kann für bestinunte Fabri- kationszweige gestattet werden, Kinder über 13 Jahren, welche nicht mehr zum Besuch der Volksschule verpflichtet sind, in der- selben Weise wie junge Leute zwischen 14 und 16 Jahren zu be- schäitigen, sofern der Arbeitgeber das Zeugniß eines von der höheren Verwaltungsbehörde ermächtigten Arztes beibringt, daß die körperliche Entmickelung die beabsichtigte Beschäftigung ohne Gefahr für die Gesundheit zuläßt." Die Sozialdemokraten be- antragen, diesen Absatz zu streichen. Dr. Hirsch be- antragt, den AMatz durch folgende Fassung zu ersehen: „Jugendliche Arbeiter unter 16 Jahren dürfen in Fabriken nur oan» sesch�ngt werden, wenn durch ärztliches Zeugniß be- scheinigt ist, daß dieseloen zu der speziellen Beschäftigung taug- lich sind." Hitze will anstatt„Kinder" gesetzt wissen- Kna- den. Für diese könne er ein Bedürsniß in einzelnen Fabrik«- tionsziveigen zugeben, für Mädchen dagegen nicht. D i e tz begründet den Antrag auj Streichung des Abs. 4; mit Annahme dieses Absatzes würde das Prinzip des Kinder- schutzes vollständig durchlöchert. Was von Hitze betreffs der Mädchen gesagt wurde, treffe auch auf die Knaben zu. Nach dem, was in der Sonnabendsitzung gesagt worden, halte er es für ganz unmöglich, daß dieser'Absatz, der die AuLbeutnngS- sreiheit wieder erweitere, von der Kominisston angenommen wer- den könne. S osg a r Dr. Hartmann findet den Abs. 4„sehr bedenk- lich", hauptsächlich allerdings wegen der 5tonkurrenz, die den sächs. Fabrikanten durch Bayern erwachsen würde, wo die Schulzeit schon mit dem 13. Jahre beendet ist. Krause findet die Be- stimmuug ganz unannehmbar. Negiernngerath Königs und bayerischer Bundesrathsbe- vollmächrigter L a n d m a n n befürworten die Regierungsvorlage, wobei letzterer mittheilt, daß die fragliche Bestimmung von Bayern nicht beantragt sei, sondern dem Bundesrath von der preußischen Regierung entgegengebracht sei. Die Bestim- mung habe übrigens eine besondere Bedeutung für das Hand- werk. Die Kleinbetriebe verlegten sich mehr und mehr auf den Motorenbetrieb und sie würden nach Ablehnung der Abtheilung 4 keinen Lehrling bekommen, der nicht das 14. Jahr vollendet habe. v. Stumm beantragt, die Bestimmung z zulassen, wenn dem betreffenden jugendlichen Arbeiter nur noch 3 Monate auf die Vollendung des 14. Jahres fehlen. Möller plädirt für die Regierungsvorlage, eventuell unter Annahme des Antrages Stumm. Dr. Hirsch zieht seinen Antrag zurück. An der weiteren Debatte bctheiligen sich v. H u e n e, v. Stumm, v. P f e t t e n (der an Stelle des Dr. S t ä h r- Würzburg in die Kommission eingetreten ist/, Holtmann, W L l l in e r, Geh. Rath Loh- mann, welcher bestreitet, daß kein Bedürsniß für die Ein- führuna deS Absatz 4 vorhanden sei; es lägen allerdings zahl- reicht Klagen von Industriellen und von Eltern, deren Kinder vor den. 14. Jahre keine Beschäftigung fänden, vor. Mit dem Antrag Stumm könnte er sich einverstanden erklären, wenn der- selbe noch einen Schritt weiter ginge und sagen würde: 13Vs Jahre. Dr. Böttchrr hält die Regierungsfassung„im Interesse der Kinder", die sonst„aus der Straße liegen würden", für eine „abfolute Rothwendigkeit"! Er stellt den Antrag, der von Reg.- Rath Lohmann angeregi worden, v. Kleist-Retzow ist für Streichung. Dr. Hirsch freut sich, einmal mit Kleist-Retzow übercinsti minen zu können. Das Kind gehöre bis zum 14. Jahre rii die Schule, und nicht in die Fabrik. Rcg-Rath Königs erklärt, die Regierungen legten den größten Werth auf die Sln nähme der Bestimmung, denn sie gehöre zu denjenigen Maß- regein, durcy welche ein...bessere Zucht" der Jugend herbeigeführt »veroen soll. Be, der Abstimmung wird der Abs. 2 einstimmig angc- uomiiien; der Antrag Hitze in Abs. 4 statt Kinder zu setzen „Knaben" wird gleichfalls angenommen, ebenso das Amendement Sluinn,, darauf aber der ganze Absatz 4 abgelehnt. Zu Abs. 3, welcher lautet:„Junge Leute zwischen 14 und 16 Jahren dürfen in Fabriken nicht länger als 10 Stunden tä fluch beschäftigt werben", wird von Bebel und Gen. beantragt, denselben zu streichen(da er bei Annahme der Einführung der rOstündigen Arbeitszeit überhaupt überflüssig wird), von Dr. Hirsch, statt 16 zu setzen das 18. Jahr. Dieser Antrag ncat sich mit dem von den Sozialdemolraten zu§ 136 gestellten Antrag. Hirsch erklärt sich entschieden für die Ausdehnung des Schutzes bis zum 18. Jahre, da der Arbeiter in diesem Atter noch nicht vollkrättig entwickelt sei, und ja auch die Aushebung zun. Militär nur bis zum 20. Jahre hcrabgreije. Auch ii. England erstrecke sich der Schutz für die jugendlichen Ar- beiter thatsächlich bis zum 18. Jahre. D»e tz begründet den sozialdemokratischen Antrag— wie oben in Paranibese erwähne—; die prinzipielle Debatte üoer deü Normaiarbeitstag für alle Arbeiter werde bei§ 136 erfolgen. v. Stumm erklärt sich natürlich gegen den Antrag Hirsch. Ter Antrag Hirsch wird mit allen gegen 5 Stimmen ab- gelehnt und darauf der Abs. 3 in der Regieriingsfassnng angenommen, evenso der ganze � 16 lohne den Abs. 4). Der v olksparteiliche Fabrikant H ähnle stimmte nicht für den Antrag Hirsch! Zu tz 186 beantragen Bebel und Genossen, die Arbeitszeit für jugendliche Arbeiter statt von t/26 bis Vx9 zu verlegen auf gzbis 8 Uhr, ferner statt 16 und 18 Jahre zu setzen. Infolge der Abstimmung über Abs. 8 des§ 135 sind diese Anträge hin- fällig geworden und werden deshalb zurückgezogen. Möllc.» regt an, daß in solchen'-Betrieben, wo die IVa- stündige Mittagspause eingeführt ist, die Frühstücks- und Vesper- pause auf eine Viertelstunde reduzirl werden können. Vom Regierungsrath L o h m a n n wird darauf hingewiesen. daß in einem späteren Paragraphen ohnehin zugestanden wird, dir Pausen anderweitig zu regeln. Ein weiterer'Antrag Bebel u. Gen., hinter„Festtagen" einzuschalten.„des Nachts", sowie hinter„Arbeiter" hinzuzufügen „und junge Leute unter 18 Jahren" wird abgelehnt, dann der ganze tz 136 angenommen. Bebel it. Gen. beantragen ferner, in einem besonderen § 136« den Normalarbeiistag für alle Arbeiter, tonform dem bekannten Antrag in ihrem'Arbeiterschutz-Entivurf zu slatuiren, Zunächst also einen zehnstündigen gesetzlichen Arbeitstag. Kor- reserent Hitze erklärt sich p r i n z i p i e l l für den gesetzlichen Normalarbeitstag, hält aber den Sprung auf 10 Stunden für zu groß und meint, es sei zunächst einmal die Wirkung deS elf- ständigen Arbeitstages für Frauen, welcher gleichbedeutend sei mit einem Normalarbeitstag für die ganze Textilindustrie, abzu- warten. Die Debatte wird hier abgebrochen und die nächste Sitzung auf Morgen Vormittag 10 Uhr anberaumt. die Un- ,.. �. Nebrigens glaubt man in Fran'' reich alles Ernstes, Fürst Bismarck wolle sich srciivilliS exitircn(von wegen des Arnim-Paragraphen) und in Frann reich seinen Wohnsitz nehmen. Man denkt schon daran, � könne um dieses seltsamen Flüchtlings willen zu diplow� tischen Verwickelungen mit Teutschland kommen. Nun, das wäre allerdings nicht zu befürchten. Wenn der Kanzler a. auswandern wollte, würde ihm das Niemand verwehren, und ob er im„wilden" Frankreich seinen Gefühlen Luß macht oder im zahmen Friedrichsruh— das ist vollkommen „Wurst", um in des Fürsten eigener Sprache zu reden. Spaßig ist es aber, daß solche Gerüchte möglich geworden. Sie ixansit gloria rnundi! Der Kundesrath geht, wie die„Voss. Ztg." hört, mit W Plane um, mit der am 1. Dezember d. I. adzuhaltendeii�Voll-' * et in Zählung eine Gewerbestatistik zu verbinden, dt/ etwa der Bern Zählung vom Jahre 1882 entsprechen würde. Die Nesultate die Berufszählung wurden erst 1886 veröffentlicht. Auf Grund die Gewerpestatistik, deren Abschluß naturgemäß erst in drei> vier Jahren zu erwarten wäre, sollen dann nach den Avstch»» des Handelsiilinisters von Berlepsch Spezialuntersuchungen reu anstaliet werden, die sich auf Arbeiierverhältnisse erstrecken. M» erinnert sich, daß ursprünglich in diesem Zusammeuhaug diw von einer Arbeiterstatistik die Rede war— Alle»ev artigen Ausgaben, deren Wichtigkeit jetzt kaum noch von irgtsj einer Seite bestritten werden dürste, würden rascher und zwe»� mäßiger gelöst werden, wenn eine besondere Behörde, ein Reicks arbeilsamt, wie der sozialdemokratische Entwurf eines Arbcim chutz-Gesetzes es vorschlägt, auch zu diesem Zwecke vorhande» wäre. Das neue Ncichstagsgeba«»de kann nach einer klärmig, welche am Sonnabend die Regierung in der ReichsMA/' Baukommission hat abgeben lassen, erst gegen Ende 1894 st1'1" Aber besonders während seiner täglichen Inspektion der Maschine fühlte er seinen Jammer. Eine solche Ricsen- maschme aufgebaut zu haben, über eine solche kleine Welt von Leuten zu herrschen und dabei laugsaut vor Schmerz zu vergehen, weil ein unbedeutendes kleines Mädchen nicht will!... Er verachtete sich, er schleppte das Fieber und die Schmach mit sich umher. An manchen Tagen ekelte es ihn vor seiner Macht; an anderen Tagen wollte er sein Reich noch ausdehnen... Es sollte so groß und mächtig werden, daß sie vielleicht in Furcht und Bewunderung sich von selbst ihm ergeben werde. Unten im Souterrain blieb er vor allem bei der Rutsche stehen, sie befand sich noch immer in der Rue Neuve- Saint-Augustin, aber man hatte sie erweitern müssen, sie hatte jetzt die Breite eines Flusses, in welchem die unauf- hörliche Fluth der Waaren mit dem lauten Geräusch der Hochwässer dahinrollte; es war, als ob die ganze Welt hier landen ivollte, unendliche Reihen von Lastträgern, die von allen Bahnhöfen kanten, ein ununterbrochenes Ab- laden, ein Strom von Kisten und Ballen, die unter dem Erdboden verschwanden, wie verschlungen von dem uncrsätt- lichen Hanse. Er betrachtete diesen Strom, der in sein Haus stürzte, er dachte, daß er einer der Herren deS vsseutlichen Vermögens sei, daß er das Schicksal der französischen Industrie in Händen habe und dennoch nicht die Macht besitze, sich den Kuß einer seiner Verkäuferinnen zu kaufen. Dann begab er sich in die Uebernahms-Abthei- lung, welche zu dieser Zeit das Souterrain längs der Rue Mousigny einnahm. Hier standen 20 Tische in dem matten Lichte der Fensterlvcher. Eine ganze Bevölkerung von Kommis drängte sich hier, um die Kiste» zu leeren, die Waaren zu prüfen und in bekaunteu Ziffern zu markiren. Kaum eingetreten, ward er von den Abthcilinlgs-Vorständen befragt, er mußte da eine Schwierigkeit lösen, dort eine Ordre bestätigen. Dieser Keller füllte sich mit dem zarten Glanz des Satins, mit der Weiße der Leinen, es >var ein Ueberströinen von Waaren, wo Pelziverk mit Spitzen, Pariser Artikel niit orientalischen Teppichen sich mengten. Mit langsamen Schritten ging er durch die in politisch o Nedevstoltk. Gerücht- über Winisterlirisen sind ans Anlaß der Vorgänge in der Militärkommission in der Presse im Um- lauf. Die Stellung des K r i e a s m i n i st e r s sott er- schüttert sein, weil er durch Eiithüllung der militärischen Zukunftspläne mehr Offenheit als Diplomatie an den Tag gelegt und der„Demokratie" Waffer auf die Mühle ge-'j liefert habe. So brachte das ossizielle Parteiorgan der konservativen Fraktion erst kürzlich einen Artikel, der den Kriegsminister wegen seiner Offenheit, welche die Stel- lung der reichstreuen Elemente zu der Militärvorlage unnöthig erschwert habe, derb abkanzelte. Die„Magd. Ztg." regellosen Haufen durcheinander geworfenen Reichthümer. Waren sie einmal hinaufgeschasst, so schimmerten sie in den Auslagen und entfesselten einen Galopp des Geldes in den Abtheilungen dieses Hauses; in dem wüthenden Windzüge, welcher durch das Haus fegte, verschwanden sie ebenso rasch wieder, wie sie hmaufgeschafft worden waren. Er aber dachte daran, daß er dem jungen Mädchen Seiden, Sammte angeboten habe. Alles, was sie selbst nehmen möchte, niit vollen Händen aus diesen ungeheueren Schätzen, und daß sie mit einem kurzen Nicken ihres blonden Köpfchens abgelehnt habe. Nun begab er sich an das andere Ende der Keller lokalitäten, um auch aus den Versandtdienst einen Blick zu werfen. Lange Korridore, mit Gas beleuchtet, zogen sich dabin, rechts und links lagen die Reserve-Abtheilungeii durch Ladenthüren.verschlossen, gleich unterirdischen Gcschäftsläden ein ganzes Handelsviertel, Pfaidlereien, Was chehandlungen, Spielivaaren schlummerten da im Schatten. Weiterhin be- fand sich einer der 3 Riesenöfen, welche das HauS heizten; noch weiterhin bewachte ein Posten von Fcucrlöschmännern den Hauptzähler, der in einem Bchältniß von Erz einge- schloffen war. Auf den Packtischen der Versandt-Abtheilung gab es schon eine ganze Fülle von Pacceten, Kartons und Schachteln, welche unaufhörlich in Körben aus den Magazins herabstiegen und Campion, der Chef dieses Dienstes, berichtete ihm über den Verlauf der Arbeit, wäh- rend die 20 Männer, die unter seinen Befehlen standen, die Packete in die verschiedenen Behältnisse eintheilten, ivelche die Namen der verschiedenen Stadtviertel von Paris trugen und dann von den Burschen auf die Wagen geladen wurden, welche droben längs des Troittoirs in langer Zeile hielten. Mourets Augen aber trübten sich bei diesem Schauspiel, dieser kolossale Versandt hatte für ihn keine Bedeutung mehr, er dachte nur an eine Reise, er wollte fort in ferne Länder, Alles verlassen, wenn sie noch weiter ihr eigensiltniges Nein sprechen sollte. Nun ging er wieder hinauf, immer sprechend, sich immer ausregend, ohne aber Zerstremmg zu finden. Im zweiten Stock besichtigte er den Expeditionsdienst und suchte plötzlich versichert demgegenüber, daß die Gerüchte„in Bezug W den Kriegsminister" jeder Begründung entbehren Tagig� erklärt die„Münch. Allg. Ztg.", daß die Meldung, Stellung des Reichsschatzsekretärs sei erschüttert, nicht oM innere Glaubwürdigkeit sei. Herr v. Maltzahn sagte be- tanntlich, daß schon der Militärvorlage und der AnfvM- ruugen wegen, die sie an den Reichssäckcl stellten, die E-' treidczölle nicht beseitigt werden könnten. Vielleicht war da- auch zu viel Offenheit für die Aera der Sozialreform. Die Kismarck'schen Interviews haben im Ausland einen für den Reichskanzler a. D. womöglich noch ungünstigeren Eindruck gemacht, als im Inland. Und auf da- Ausland sollst doch offenbar gewirkt werden. Sowohl di- englische als die französische Presse spricht von diesen Aas- lassungen mit an Verachtung streifender Geringschätzung uaa fragt sich, wann Fürst Bismarck denn eigentlich die Wahr- ''■— ei als mit gesprochen habe, ob als Kanzler im Dienst Kanzler a. D. Denn der Eine von Beiden muß vahrheit gejagt haben. au- gestellt weroen. 3m« Staatsstreich und Uerfassnugsbruch fordert Anlaß der letzten Andeutungen Windthorst'S in der Militärkoi» uiission die brave„Kölnische Zeitung" auf. Die Staalsinäaa dürften nicht vor dem organisirten Unverstand des allgeinei«? and gleichen Wahlrechts kapituliren und das Deutsche Reich den Reichstag ruiniren lassen. Man müsse deshalb, ivenn° Reichstag die Militnrvorlage ablehne, voraussetzen, daß° Staatslenker die Mtttel und Wege der Abwehr zu finden uniß«' denn wo ein Wille sei. da finde sich auch ein Weg.— Bei('Z. Auflösung des Reichstages, so jammert das nationallibedi „iytanff. Journ.",„würde die radikale Opposition mit der dop#'' Verstärkung wiederlehren. Was das für unsere Partei beSeuZ' brauchen wir nicht erst auszusprechen.— Daher die Wünsc» „Köln. Ztg." über die Militärvorlage läßt sich.-' Die Abstiinmung uver v>r a/imunsunua-.">p- l-Tittt' chreivt die„Freist Ztg.", gegenwärtig schon ziemlich klar wst. ehen bis aus die ZeiurumSpartn und die Polen. Da zwei sind, so kommen 395 Abgeordnete in Frage. A' ,, nt, daß die 10 Elsässer, welche keiner Fraktion cA - 1 QQ7 n r> hör date vakant st man annimmt, hören, ebenso wie bei der Militärvorlage 1887, an der mung nicht theilnehmen, so bleiben 385 Abgeordnete übrig."A absolute Mehrheit beträgt also 193 Stimmen. Geschlossen 0'» die Vorlage werden stimmen 64 Freisinnige, 10 Volkspartei. Deutschhannoveraiier, 35 Sozialdemokraten und 8 Wilde, pir. inen 123. Geschlossen für die Militärvorlage werden fiWjL 71 Konservative, 19 Freikonservative, 41 Nationalliberale, 5"L tisemiten und 3 Wilde, zusammen 139. Den Ausschlag geben»Z 107 Mitglieder des Zentrums(einschließlich eines Wilden)" 16 Polen. Würden die 16 Polen der Opposition zuzuzählen 1° so würde Sti»»ue>igleichheit vorhanden sein derart, daß die% lagt angenommen oder abgelehnt wird, je nachdem in der o' trumspariei die Zahl der Zustimmenden oder Abtehitt"5 größer ist. fl( Gin Meistbuch über Samoa ist dem Reichstage am abend zugegangen.. Dasselbe erstreckt sich auf den Zeitraum Streit mit dieser Abtheilung, deren regelmäßige Funktion selbst geregelt hatte. Dieser Dienst nahm von Tag zu immer größere Bedeutung an, es waren jetzt 200 Beai» daselbst angestellt; die Einen öffneten, lasen und klassifiZll die aus der Provinz und aus dem Auslände eingetroffen Briefe, während die Anderen die bestellten Waaren in eig£- Fächer schafften. Die Zahl der Briefe nahm dermaßen zu,% man sie nicht mehr zählte; man wog sie nur und es kamen manchemTage hundertPfnnd Briefe. Er gingin fieberhafter� regung durch die drei Säle des Expcditionsdienstcs befragte den Chef, Levasseur, über das Gewicht der K�., spondcnz. Achtzig Pfund, lautete die Antwort, neunzig Psnnd, am Montag hundert Pfund.' stieg immer höher, er hätte entzückt sein sollen. Allein mehr er seine Macht sich ausbreiten sah, desto tiefer einps�. er die Schmach seiner Ohnmacht. Ganz Europa sandte seine Bestellungen; er brauchte einen eigenen Postwagen, seine Korrespondenz abzuholen— sie aber sagte bebarrlü?' Nein! ... � PUg nun zur Hauptkaffe, wo vier Kassirer die riesigen eisernen Kassenschränke hüteten, durch welche im H flossenen Jahre achtundachtzig Millionen ihren Weg geuoinn.. hatten. Er warf auch einen Blick in das Bureau für•- Prüfung der Fakturen, welches 25 der geschicktesten KonM Nachdem er auch noch eine Minute im Verrechnung Büreau geweilt, wo 39 Jünglinge, zumeist Anfänger, g{ Verschleißhefte prüfen, kehrte er zur Hauptkaffe zurück.... war gereizt beim Anblick dieser Riesenschränke; die-Z' lofigkeit dieser Geldmassen machte ihn schier wahnsim., Sic sagte: nein, immer nein! Sein Personal hätte reicht, eine kleine Stadt zu bevölkern; er hatte* � Kommis, 1000 andere Angestellte verschiedener Gatt>uüP darunter 40 Inspektoren und 70 Kassirer; die Küchen beschäftigten zweinnddreißig Menschen; es waren zehn Zj- esteflte da, welche für die Publizität zu sorgen hatten, Z undertuiid fünfzig livrirte Ladenbnrsche, viermidzffM� feuettuehrleutc. In den Ställen und Remisen, die M. j, ftue Mousigny untergebracht waren, standen hunder !, bis zum 22. April 1890. Die veröffentlichten ötlben einen Beitrag zur Geschichte der Samoakonferenz ,..Ze»dwelche neue Gesichtspunkte werden jedoch durch das Weiß- n3; Segeden. Auch über die weitereu Vorgänge auf Sainoa e.J. Abschluß der Koincrenz und über die Durchführung der «onserenzbeschlüsse euthäit das Weißbuch bereits bekannte akten- inußige Angaben. Hlntrr den deutschen Nolanialfchwnvmer» kann man deutlich eine Wafserrichtung und eineLandrichtung unter- • die beide das Geheimniß zur baldigen Erschließung ..A dhnter Schätze in Ostasrika zu besitzen glauben. Ten Einen A,„ r®au. e'ner Eisenbahn von der deutschen Küste bis zu den kJ;,neniee".nicht schnell genug von statten; die Andern dagegen oi,f$en möglichst ungesäumte Einfiihrung von Dampsschiffen '.den schiffbaren Flüssen des deutscheu Gebiets, sowie auf den k->sn.z Seen, da nur auf diese Weife eine Beherrschung des Ver- Ju benken sei. Den letzteren Weg empfiehlt ein pensionirter ../"an zur See, Namens Stenzel, neuerdings in der„Nat.-Ztg." ». kinem„großen und viel verheißenden Ziele" führend. Denn handele es sich bei den großen Binnenseen um Niemandsland um Z bem Muthigen gehöre die Welt. Herr Stenzel ist zwar in vorsichtiger als sein Landkamerad, Herr Liebert, v" 1° fern er nicht ohne weiteres die„Garantie" für en gewinnbringenden Erfolg seiner Fürsprache übernimmt; , geht aber nicht mit geringerem Eifer ins Zeug im ra von der afrikanischen Tropenwelt berauschte Major Generalstabe, denn er spricht dem ostafrikanischen Kolonial- nahezu die Zukunft ab, wenn nicht in Kurzem schon die eutsche Flagge auf den Finthen des mächtigen Viktoria-Nyanza- wehe. Unsere Schiffsbauwerfte, meint er, würden es sich nrm«---*--------- e...--- r. »chn� ��ßis« fkcWmbe Dampfe, herzustellen; die Neichs-Pöstdampfer würden sie bann, in Theile '"'""t, an Ort und Stelle bringen können und bei promptem I\"�cu und Stelle orgehen könnte noch vor Jahresschluß die deutsche Flagge an jöord leicht bewaffneter Flußdampfer weit im Innern des dunklen «kontinents den Eingeborenen das Schutzverhältniß kund thun uud„an Stelle der jetzigen Karawanenstraßen den Handels- und Personenverkehr vermitteln." Auf wessen Gefahr der deutsche Dampferbetrieb auf afrikanischen Flüssen und Seen unterhalten werden soll, wird nicht gesagt; es wird nur, wie gewöhnlich, auf das vorbildliche Beispiel Englands verwiesen, welches letztere sich me Wasserwege überall nutzbar zu machen suche. In England denkt inteß Niemand daran, derartige Unternehmungen aus öfjent- nchen Mitieln zu bestreiten; sie bleiben dort lediglich den Privat- " chaften überlassen. Aas sächsische Ministerium hat dem Redakteur des .Wähler", Hern, H e i n i s ch, die Selbstbeschäftigung und die Selbstverköstigung gestattet. Es freut uns dies umsomehr, als hie KLrperkonstitutiou Hcinisch's eine solche ist, daß sechs Monate Eejänguißkost und Gefängnißarbeit voraussichtlich eine dauernde Schädigung der Gesundheit tewirkt hätten. Der Fall Heinisch ist aber für die Volksvertretung eine neue Mahnung, die Frage des Strafvollzuges nicht versumpfen zu lassen, und eine anständige Behandlung der politischen Gefangenen gesetzlich zu sichern. Tie anständige Behandlung darf nicht Sache des Ermessens, der„milden Praxis" sein. Nicht Gnade, son dern Recht! Daß der Zoldat in der Kaserne so viel Fleisch zu essen bekommt, wie er mag, bestreitet in einer Znschrist an die„Freis. Ztg."«in Dreijährig-Gedi enter aus Schleswig-Holstein dem General Vogel von Falclenstein ganz entschieden. Niemand von seinen Kamerade» hätte etwas davon gemerkt, daß Fleisch mehr verabreicht werde, als die Instruktion vorschreibe. Auch habe man noch niemand gesehen, der durch Kommißbrot fett geworden sei.„Ich habe mit Vergnügen bei Gelegenheit der Relerveüvungen wahrgenommen, daß die meisten Reservisten, betreffs ihrer körperlichen Beschaffenheit, viel wohler aussahen, wie früher, während der aktiven Dienstzeit. Uebrigens findet man selten einen Mann in der Kompagnie, der es vorzieht, drei Jahre zu dienen, wenn er mit zwei Jahren entlassen werden kann. Jeder sehnt sich darnach, seine frühere Thättgkeit fort zusetzen. Der Natnbnrnil'che Kennt macht mit seinen Entscheidungen Schute. In der„Norod. Volksst." lesen wir:„Von einer Polizei- behörde des Bezirks Hildeeheim ist im Einverftändniß niit dem Verein gegen Bettelei im Hinblick auf die unter den gewerblichen Arbeitern vorgekommenen Arbeitseinstellungen Veranlassung ge- no Minen, an Angehörige des betreffenden Gewerbes keine Ver- pflegungskarten für die Verpflegungssiation des betreffenden Ortes ausgeben zu lassen, da die erfolgte Arbeitseinstellung zu der An- Nahnie berechtige, daß die Betreffenden mehr verdienten, als sie bedürften und daher von armen Reisenden nicht die Rede sein könne, die Verpslegungsstationen es aber nicht als ihre Aufgabe anzusehen hätte», durch ihre Unterstützungen einen begonnenen Lohnkampf zu verlängern. Wie wir hören, sind auch von anderen Polizeibehörde» bereits ähnliche Maßnahmen für den Fall einer kt'va eintretenden Arbeitseinstellung in's Auge gefaßt."— Tie Gesetzesauelegung des Hamburgischen Senators hat, beiläufig bemerkt, nicht einmal den Beifall der„Köln. Ztg." gesunden. Selbst dieses Unternehmerorgan urtheilt:„Solche gezwungene, dem gemeinen Rechtsbewußtsein unverständliche Auslegungen rufen in den untern Schichten der Bevölkerung ein Gefühl der Erbitterung und des Unmuths hervor, sie tragen dazu bei, das Vertrauen auf die Objektivität der Verwaltung und Recht- sprechung zu erschüttern und sollten deshalb unterlassen werden. Es ist uns nicht zweifelhaft, daß, wenn die von dem Hamburger Senat gegebene Auslegung des§ 361 Z. 5 zur gerichtlichen Entscheidung gelangte, jeder Gerichtshof dieselbe mißbilligen würde, und es dürfte deshalb unseres Erachtens aller Anlaß vorhanden sei», von der Anwendung derselben abzusehen und es auf eine gerichtliche Entscheidung überhaupt nicht ankommen zu lassen. Mit solchen Gesetzesauslcgnngen kann man gegen die Ausstands- bewegnng doch keinen Erfolg erringen." Drr Ausschuß kaufmännischer Körperschaften in München hat eine Petition an de» Reichstag gerichtet,„daß in Zukunft im ganzen Deutschen Reiche alle Sonntage vollständige Ruhetage für den Handelsstand sein sollen, wie bisher der Oster- und Pfingstsonntag und das Wcihnachtsfest. Das Drnlimal Moses Mendelssohn'« wird inorgen in Dessau, der Vaterstadt desselben, enthüllt werden. Moses Mendels- söhn ist keine unwichtige Person in der Geschichte. Seine Be- deutung ist, kurz ausgedrückt, die, daß er zum ersten Male seine Stammesgenossen in Deutschland bewegen wollte und zum Theil Wilbich bewog, an den Knlturbestrebungen des Volkes, unter dem Lebensmittel; alles das würde vermieden werden, ivenn die Grenze polnischerseits geöffnet wäre. Früher war der Eingangs- zoll pro Schwein, ob klein oder groß, 6 M., die Fleischer waren damit zufrieden und lieferten billiges Schweinefleisch. Die Schweine wurden vom Thierarzt an der Grenze betreffs Gesundheit untersucht, kranke Schweine mit Klauenseuche, die überall herrscht, wurden innerhalb 3 Tagen geschlachtet. Jetzt hin- gegen muß man Eingangszoll für geschlachtete Schweine pro Pfund 10 Pf. zahlen. Dies macht die Theuerung. So zahlte z. B.«in Fleischer vorige Woche für 3 Schweine, die früher 18 M. Zoll gekostet hätten— 57 M. Zoll; dieselben wogen 570 Pfd.; also jetzt 39 M. m e h r. Der Eisenbahnminister ge- währte eine halbe Fracht für Vieh und es wurde von der Re- aierung in Oppeln ein Schivarzvieh-Markt eröffnet. Das erste Mal erschienen zirka 120 Käufer, beziehentlich Fleischer, um ihren Bedarf zu decken. Zu ihrem Erstaunen waren nur einige wenige Schweine zum Kauf ausgestellt. Die jetzt eingeführten Schweine aus Steinbruch oder Budapest sind sehr fett, für Wurstinacher absolut nicht brauchbar, und es wird solches Fleisch und Fett vom Publikum nicht gern gekaust, da das Fett einen bitteren Ge- schmack habe. Fleisch haben die Schweine dieser Art 20 bis 23 Psund. Rindvieh wurde in früheren Jahren gegen den jetzt seit Jahren gar nicht. üblichen Zoll aus Polen, zugelassen, l... �, Wir Deutsche können ohne Polen hier nicht leben und Polen ohne uns nicht. Würden Schiveine und Rindvieh ivieder zuge- ------'---- � »V w»» u v« VV|4 V I i» VW"WiltV. lllliVL VClil/ �/----------------- V•v.vvvw QVV V- sie �lebten. An theil zu nehmen. Es gab vor Mendelssohn ein Seßen altenZoll, dann hätten wir keine Theuerung und i,•• i«_ ci oi.....' v t• i i-. J-'_ tllmr Irt ol kSkfvotrÄ CT\„..IL Vfi 1- j. 2.____ r._ ndvierzig prächtige Pferde und ziveiundsechzig Wagen jeder Diese Gespanne, von schwarzgekleideten Kutschern rL.*' Urteil ununterbrochen das in Gold und Purpilr ißlv» Firmenschild des„Glücks der Damen" durch ganz -ms. m.'0Öar außerhalb der Bannmeile, in den Vororten c-.Paris begegnete man ihnen, wie sie die Reklame ihres yj'™ immer iveiter und weiter verbreiteten. Er lufT. f'e am liebsten durch ganz Frankreich zirkuliren ei- r L Qi'c'U er besichtigte seine Pferde nicht mehr, für die ,,'a»it schwärinte; was nützte ihm die Eroberung der Welt, '" sie„nein", immer„nein" sagte? i.? erschien jetzt nur mehr aus Gewohnheit am Pulte �entralkassiers Lhomme, um die Einnahme des Tiges �. Diahren; sie machte selten weu ger als hunderttausend c'/s ans; an Tagen großer Ansrerkinfe stieg sie auf inTr. 000 Fvaufg. Diese Riesenziffern klangen aber nicht fip m'e Posannenstöße in seinen Ohren; er bedauerte, Geld"���"'U �en'' n h�pte und verachtete jetzt das mi. a®'? Seiden Monrets sollten noch größer werden. Er �eifersüchtig. Eines Tages, vor der üblichen Bcrathnng Jeineni Kabinet, hatte Bonrdoncle die Kühnheit, ihm ZU geben, daß die Kleine in der Konfektions-Abthei- 8 l'ch über ihn luftig mache. Wie so? fragte er bleich. Run ja, sie hat Liebhaber im Hause selbst. -Rouret lächelte gezwungen und sagte: km» Ich denke nicht mehr an sie, mein Lieber; Sie ""en ganz frgj sprechen; wer sind denn ihre Liebhaber? p.-7 Man versichert, es iväre Hutin und außerdem ei � Nimis aus der Spitzen-Abtheilnng, Deloche, Nicht'"� Ich behaupte es nicht, denn wm» ��hen, allein es scheint richtig zu sein, spncht davon. (Fortsetzung folgt.) ein dieser große ich habe sie denn Jeder- jüdisches Volksthnm im deutsche» Lande; jetzt begann dieses Volks- lhum sich aufzulösen, die Inden wurden Deutsche. Mendels söhn war auch der persönliche Freund Lesstng's und ist das Vorbild zu der Gestalt Nathan's des Weisen gewesen. Aber die deutsche Literatur verdankt ihm, wenngleich wiederum nur indirekt, mehr. OhneMendelSsohn hätte es keinen Heine gegeben. Mendelssohn gab zuerst den kräftigen Anstoß dazu, daß die deutschen Inden sich den nationalen und allgemeinen Vesirebungcn anschlössen, nachdem sse bis dahin verknöchert und im öden Talinudisnins besangen gewesen waren. Aus dem Jndenthum sind seitdem zahlreiche Männer hervorgegangen, welche als Dichter und Denker glänzten oder durch diese und jene gemeinnützige Thätigkeit hervorragten. Vor allem waren der wissenschaftliche Begründer des Sozialienins und der Organisator der Sozialdemokratie in Deutschland Juden. Wollie man nach antisemitischer Manier dem Inden oder gar dc»l Jildeiithllm anss Konto schreiben, was vielmehr dem Menschen gebührt, so würde durch diese Männer sich die Wagschaale sehr zu Gunsten der Inden senken. Geschichtlich genommen steht an der Spitze aller dieser Männer Moses Mendelssohn. Selbstver- stündlich war er in leinen Ideen seiner Zeit unterworfen und für die Gesetze der menschlichen Entivickelung fehlte ihm wohl über- Haupt der Blick. Aber adgeseben von seiner schon gekennzeich- neten Bedeuiung diente Menlcl söhn auch dadurch dem Fort- schritt, daß er dem Begriff des Voilslhums eine wesentlich engere Be- deutung anwies. Den Juden wird es durch die ganze Geschichte ihres Stammes erleichtert, sich eine internationale Auffassung anzu- eignen. International zu empfinden, ist in den Augen Vieler ireilich ein Mangel oder gar ein Verbrechen. Kein Wort der Sprache wird so oft völlig sinnlos angewandt wie heutzutage das Wort„Vaterlandsliebe" mit seinem Adjektiv„national". Ter Eine plappert es gedankenlos nach, im Munde des Andern ist es heuchlerische Phrase. Ein fremder Stamm imißte uns darin helfen, einen Begriff vom„Nationalen" los zu werden, bei welchem als Gegensatz der Nation" das„Volk" er- scheint Und so lange die kleine Minderheit der„Nationalen" das Bolk noch beherrscht, so lange bleibt freilich der internationale Jude geächtet. Die Wissenschast, die Demokratie, der Sozialis- mus sind weit über Moses Mendelssohn hinanSgeschritten. Die Geister, welche in unserer Zeit zum letzten Mal die Herrsche der Widersacher stützen und niitausüben, sind hinter ihm zurü geblieben. Dom Altkordloh«. Daß das System des Akkordlohnes für die Arbeiter im Allgemeinen nichts weniger als von Nutzen ist, haben zivnr vielfache Beobachtungen schon längst gelehrt Gleichwohl giebt es aber der Arbeiter, selbst unter den intelli- genieren und organisirten, die schwere Menge, welche nicht davon lassen wollen, da sie zum Mindesten für ihre eigene werthe Person einen Vortheil im Akkordlohn erblicken. Die Unternehmer ziehen sich diesen Umstand selbstredend zu Nutze und halten um so fester an diesem System. Von ihrem Jnteressestandpunkte aus haben sie vollkoinmen Recht. Ei» vortrefflicheres Mittel, als eben mit der Aussicht auf den sich entsprechend seinem Ar- beitsquantnm gleichsam von selbst steigernden Lohneinkommen den Arbeiter zur höchstmögliche» Ausnutzung seiner Arbeitskraft, zu Ueberstundenarbeit». s. w. anzureizeii, und gleichzeitig durch die, infolge der ungleichartigen Geschicklichkeit und Veraiilagung in körperlicher und geistiger Beziehung, eutstehende große Ungleich- lieit Unter den Löhne» der elnzelnen Arbeiter letztere zu gegen- seitiger Mißgunst und Anfeindung aufzustacheln, giebts schwerlich. Die Unternehmer treffen da also zwei Fliegen ans einen Schlag: einerseits die Ausnützung der»ienschlichen Arbeitskraft bis aufs äußerste Maß, also größere Rentabilität der Arbeit für sie; andererseits die Rivalität unter den Arbeitern selbst, welche das Solidaritätsgefühl unter den Arbeitern und die Erkenntniß ihrer Interessen nicht oder nur schwer auskommen läßt, also Erschiverung des Kampfes der Arbeiterklasse zur Verbesserung ihrer Lage unter dem Lohnsystem. Dieses Moment übersehen die Arbeiter viel zu sehr. Auch die besser gestellten unter ihnen befinden sich beim Akkordlohn meist»ur scheinbar besser, als sie es beim Tagelohn wären. Denn der Akkordlohn und die dadurch hervorgerufene Mehr leistnng des Arbeiters— dessen schlechtem Willen und Unfleiß es zugeschrieben wird, wenn er bei normaler Anstrengung nicht viel produzirt, als infolge der Anreizung durch den Akkord- nicht so viel Streiks. Der Arbeiter erhält jetzt mehr Lohn, muß aber infolge der Theuerung auch viel mehr ausgeben. Voriges Jahr kostete die Butter im Monat Juni 70 Pf. pro Pfund, jetzt 1,10 M., Rindfleisch voriges Jahr 25—30 Pf., jetzt pro Pfund 60 Pf. Vorstehender Brief, der die Wirkungen der Viehzölle zeigt, ist an einen Lieichstagsabgeordneten gerichtet, mit der Bitte, den Inhalt im Reichstag bekannt zu machen. Wir glauben, daß der Zweck durch die Veröffentlichung in der Presse viel besser erreicht ivird. Red. d.„B. V." Kasse rode. Vom 1. Juli erscheint für die Wahlkreise Halberstadt-Aschersleben-Werniaerode und Kalbe-Aschersleben ein neues Arbeiterblatt unter dem Namen„Sonntagszeitung"; dasselbe wird von dem Schriftsetzer Karl Berg-Hasserode redigirt. Kiel, 13. Juni. Heber einen neuen Marinebetrugssall wird den„Alton. Nachr." von hier geschrieben:„Vor einigen Tagen erregte hier die Verhaftung eines Marinelieferanten, eines Fabri- kanten berechtigtes Aufsehen. Dasselbe hat sich gesteigert, nachdem nunmehr auch ein Kausmann verhaftet und ins Gerichtsgefängniß übergeführt ist. Wie wir hören, ivird letzterer angeblich des An- kaufs veruntreuter Waaren somit der Hehlerei beschuldigt. Die vor einiger Zeit stattgehabten außerordentlichen Revisionen in Sachen der bekannten Marinebestechungsaffaire sollen auch zur Entdeckung der vorstehend erwähnten vermuthlichen Unterschla- gungen ec. geführt haben." Grotzbritannile«. London, 12. Juni. Der General- Postmeister Raikes hätte durch sein willkürliches Vorgehen beinahe einen A u s st a n d unter den Londoner Postbeamten provozirt. Am 16. Mai versammelten sich etliche 2000 Postbeamte aus dem Clerkenwell Green, um den fünfzigsten Jahrestag der Einführung der Penny-Post zu feiern. Damit handelten sie natürlich dem Ukas dK Herrn Raikes zuwider, welcher den Postbeamten nur unter gewissen Bedingungen und unter Zuziehung aintlicher Stenographen erlaubt, Versammlungen abzuhalten. Von den 2000 Zlnviderhandelnden sonderte Herr Raikes 100 Mann aus, und verlangte, sie sollten Abbitte thun und daS Versprechen ab- legen, in Zukunft keine Meetings mehr zu besuchen. Bis auf den letzten Mann weigerten sich die Angestellten, das verlangte Versprechen zu geben. Sie sind daher gestern wegen„Insubordination" schwer bestraft worden. Die älteren Männer, von denen einige 20 bis 30 Jahre im Dienst gestanden haben, wur- den ihrer Vorrechte verlustig erklärt und büßen von ihrem Wochenlohn 5 sh. ein. Mehrere jüngere Angestellte wurden mit 3 bis 6 Taglöhnen Buße bestraft und eine größere Zahl vom Dienste ganz susspendirt, bis sie schriftlich Abbitte thun. Diese Maßregelung wurde plötzlich vollzogen. Den Angestellten wurden ihre Strafen von den Postmeistern in Anwesenheit des Personals niitgetheilt, aber statt Bestürziliig hervorzurufen, verursachte dieser willkürliche Schritt des Ministers eine gewaltige Ausregung. Die Bestrasten wurden von den übrigen Postbeamlen mit Beifall be- grüßt; man weigerte sich, die Arbeit der Suspendirten zu über- nehmen; die Vorgesetzten verloren jede Kontrole über ihre Unter- aebenen und hätten nicht die Leiter der Union der Postbeamten Ruhe geboten, so wäre ein allgemeiner Ausstand ausgebrochen. Eine weitere Folge dieser Maßregelung war, daß die wenigen Postbeamten, weleye bisher der Union ferngestanden, sich derselben einmüthig angeschlossen haben. Frankreich. Paris, 14. Juni. Deputirtenkaminer. Couturier inter- pellirte die Regierung wegen des Ausstandes der Gasarbeiter in Lyon und warf der Behörde vor, daß sie in dem Ausstande artet ergriffen habe, indem sie die streikenden Arbeiter durch oldalen ersetzte. Der Minister Constans erwiderte, man habe doch Vorsorge für die Beleuchtung tteffen müssen, der Präfekt habe dazu Soldaten verwandt; im übrigen empfahl der Minister die früheren Arbeiter dem Wohlwollen der Gasgesellschast. Hierauf wurde die einfache Tagesordnung mit 404 gegen 43 Stimmen an- genommen. Paris, 14. Juni. Den Abendblätter» zufolge hätte die Re- jo viel proouzirl, cus uisoige oer anreizung Durch Den Akkord- nfnmnm\ rr.2" �auc oie me- Kräfte— dient ja in der Regel nur dazu, die Lohnansätze her- unter zu drücken. So kommt es eben, daß unter der Herrschast des Akkordlohnes der Arbeiter schließlich bei größerer Kraft- leistnng nicht mehr und vielleicht gar noch weniger verdient, als vorher bei geringerer Kraftleistting. Diese Thatsache wurde in neuester Zeit auch'von unpartei- ischer, amtlicher Seite zugestanden. Es ist der großherzoglich badische Fabrikinspektor, Herr Wörrishofer, der in seinem letzte» Amtsberichte bei Besprechung der Verhältnisse in der badischen Zigarrenindustrie das System des Akkordlohns entschieden ver- urtheilt. Nachdem er die verschiedenen Akkordpreise, wie sie in dieser Industrie sich stellen, niitgetheilt und zum Schluß darauf hinge- wiesen, daß die Sonirerinnen meist einen sehr guten Verdienst haben, und ihre Arbeit sich mitunter so leicht ge- stalte, daß sie nähezn das Doppelte eines fleißigen Zigarren- niachers— dessen Verdienst im besten Fall aus 2,50 M. täglich steigt— verdienen, sagt er weiter in seine»! Bericht: „Natürlich wird dann schleunigst der Akkordpreis herunter- gesetzt, da hier wie überall sonst nur beabsichtigt ist, die Arbeiter durch die Akkordkorm gerade um so viel mehr verdienen zu lassen, daß sie dieselbe dem Tagelohn vorziehen. Es ist aber nicht beab- sichtigt, den Arbeiter»m so viel mehr verdieneii zu lassen, als er mehr leistet, als ein Tagelöhner. Es werden daher, was beson- ders auch von der Herstellung der Zigarren gilt, die Akkordpreise nicht nach den HerslellungSkosten der Arbeit in Tagelohn normirt und eS fließt der größeste Theil des aus dieser Arbeitsform er- wachsenden Vortheils nicht den Arbeitern, sondern dem isirbeit- geber, oder vielmehr wegen der vorhandenen großen Konktirrenz uuter den Prodiizenten, den Zwischenhändlern, hanplsächlich aber dem Publikum zu." Also jedenfalls nicht die Arbeiter sind's, welche den Prosit haben vom Akkordlohn! Arbeiter merkt's Euch! i Die Wirkungen de« SchmeinekoU». Aus Ober- ch l e s i e» wird uns geschrieben: In allen Gegenden klagt man über die hohen Preise der , dieselbe sowohl der schiedsgerichtlichen Entscheidung über die streitige» Gebiets theile zwischen französisch Guyana und Brasilien, als auch der Aushebung des Ausgangszelles auf Kautschuk, sowie der Regelung der Fremdenfrage zugestimmt habe. Präsident Earnot würde deshalb demnächst auch den brasilianischen Ge- sandten Jtajuba in offizieller Audienz empfangen. Paris, 16. Juni. Gegen dreißig Anarchisten beider Geschlechter überfielen, wie die Abendblätter melden, gestern die Redaktion der sozialistischen„Egalite", welche über das Verhalten der Anarchisten in einer Versammlung, welche die Anarchisten durch Lärm gestört hatten, einen abfälligen Be- richt gebracht hatte, verwüsteten die Räume vollständig und schlugen zwei anwesende Mitarbeiter, Odin und Leparia, halb tobt.— Nähere Berichte bleiben abzuwarten. Die Voruntersuchung gegen die Russen ist in eine neue Phase getreten; ein Angeklagter versichert, er habe die Ueberzeuauug gewonnen, daß ein von ihm näher bezeichneter Lockspitzel provokatorisch gewirkt habe; letzterer ist bisher von der Polizei nicht behelligt. Italien. Juni. Deputirtenkainmer. Bei der Berathung i griff der Deputirte Arco den Ministerpräsi- heftig an, der trotz zweimaliger Aeiiderung der 14. Rom, des Kriegsb deuten Crispi... auswärtigen Politik und sünfmaliger Aeiiderung des Finanzpro- grammes ans dem Posten verblieben sei. Man sei durch das Verschulden der Kannner dahin gelangt, eine neue, durch die Ver- fassuug nicht vorgesehene Einrichtiing zu schaffen, die darauf hinausliefe, viele Gewalten in der Hand des ersten, unabsetzbaren Ministers zu vereinigen und so eine Art von Kanzler-Statthalter- schast zu lreiren. Prophet. Die Räuber. Theater. Dienstag, den 17. Juni. Gprrnhans. Der Schauspielhaus. Die Berliner Theater. Kean. Deutsches Theater. Die Journa- listen. Fried-rich-Wilheliustüdt. Theater. Der arme Jonathan. MaUnrr- Theater. Mamsell Ni- tauche. Viktoria-Theater. Stanley in Afrika. Ostend-Theater. Der Trompeter von Säkkingen. KellealUanre- Theater. Der Nautilus. Kroll« Theater. Die weiße Dame. Kaufmann' o Nariötö. Große Spe- zialitäten-Vorstellung. Englischer Garten. Direktion: C. Andreas, Alexanderstraße 27 c. Austreten d. Liedersängerin Frl. Steinow. Austreten des Gesangshumoristen Herrn Jonas. Auftreten des Komikers, Mimikers und Stimmen-Jnntators Herrn Gödicke. Austreten der Geschwister Herzog. Austreten des musikalischen vh Klown Mr. de Dolis. leget- KtllWmeilt Buggenliagen am Moritzplatz. Täglich: Grosses Garten Concert« Direktion A. Röd,»ann. Dienstag und Freitag: Walzer-Abend. Entrec Vochent3os lo pig., Sonn- nnd Festtags 25 Pfg. Bei ungünstiger Witterung in den untere» Restaurationsräumen. Großer Frühstücks- und Mittagstisch. Spezial-Ausschank von Patzenhofer Export-Bier, Seidel 15 Pr. Die oberen Säle bleiben bis auf Weiteres wegen Renovirun�geschlossen. 641 18. Variätä-Theater. (Hasenhaide) QeiTmaunstr. 18— Nene Strasse Im herrlichen Garte»: tozttt, Theckr- il»!» Spezalitiitell- Vsritellllilg. Im Saale: B ALL. Anfang 4 Uhr. Entree 20 Pf. Kinder frei! Zu Privatfestlichkeiten halte mein Etablissement empfohlen. Vassage 1 Tr. 0 Uhr M. b. 10 Uhr Ad Kaiser.Pamorama. Hervorrag. Sehenswürdigk. d. Residenz. 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Tagesordnung: 1. Vortrag des Hrn. Willi. Werner. 2. Diskussion. 3. Aufnahme neuer Mitglieder. 4. Verschiedenes.— Zur Deckung der Unkosten Tellersammlung. Gäste, Damen und Herren, haben Zutritt.[1054 Um recht zahlreiche Betheiligung ersucht Oer Vorstand. Grosse Versammlung"MW des Fachvereins zur Wahrung der Interessen aller in der Wirkerbranche beschäftigten Arbeiterinnen am Dienstag, den 17. Juni, Abend« 8V2 Uhr, in Metzner'o Gesellschafts-Sälen, Landobrrgrrstraste. Tagesordnung: 1958 1. Vortrag des Herrn Panl Litfin über:„Die Stellung der Frau zur Industrie". 2. Disk»"ion. 3. Wahl einer 2. Vorsitzenden. 4. Verschiedenes. oerren haben als Gäpe Zutritt. Zur Deckung der Unkosten findet Tellersamm- ung statt. Um zahlreiches Erscheinen ersucht Der Vorstand. Ach chutlch VersMinlW aller in d. Gold- n. Silderwaarendranche beschäftigten Arbeiter am Donnerstag, den 19. Juni, Abends 8 Uhr, bei Joel, Andreasstraße Nr. 21. Tagesordnung: Arbeiterlöhne und UnternehmergewinA Ref.: Reichstags-Abg. Aug. Dreesbach. 2. Diskussion. 3. Stellungnahme zur Streik-Kontrol-Kommission. Verschiedenes.[1955] Der Einberufer. Sämmtliche in der Branche beschäftigten Graveure und Ziseleure sind besonders eingeladen. Zur Deckung der Unkosten findet Tellersammlung statt. Große öffentliche Versammlung der gewerbl. Hilfsarbeiter Herl. u. Umgegd. am Mittwoch, den 18. Juni, Abend« SVa Uhr, im„Victoria-Park", Frankfurter Allee Ur. 7A. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Hrn. Angnst Günther über:„Arbeiterschuhgesetze". 2. Diskussion. 3. Verschiedenes.— Es ist Pflicht eines jeden Hilfsarbeiters, in dieser Versammlung zu erscheinen.[1944] Der Ginderufer. Große Versammlung der Freien Vereinigung der Damenmäntel-Schneider und Arbeiterinnen der Bekleidungs-Industrie Berlins am Mittwoch Abds. 8V2 Uhr, in Gratweil's Bierhallen, Kommandantenstr. 77/79. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Hrn. Reichstags-Abg. Mollcenbnhr. 2. Diskussion. 3. Ab- rechnung vom Stiftungsfest. 4. Statutenberathung. 5. Wahlen. 6. Verschiedenes und Fragekasten.— Die Mitglieder werden ersucht, sämmtlich anwesend zu sein. Gäste willkommen. Aufnahme neuer Mitglieder.[1949 Größe össentliche VoWersmiillW für Rixdorf und Umgegend am Dienstag, de» 17. Juni er., Abend« SVa Uhr, im Saale de« Herrn Aorta, Aergstraße 120. Tagesordnung: I. Die Agitation unserer heutigen Zeit. Referent: Herr Wilh. Werner. !. Diskussion. 3. Bericht der Kominission behufs Gründung eines Arbeiter- Vor- bildungsvereins nnd Statutenberathung. 4. Wahl eines provisorischen standes. 5. Verschiedenes. Oer Einberufer. NB. Wegen der wichtigen Tagesordnung wird um recht zahlreichen Besuch gebeten.[1942 Achtung! Bildhauer! In der Werkstatt von Ziemann, Ulirnerstr. 50, find zwischen Gehilfen und Prinzipal Differenzen ausgebrochen. Zuzug ist fernzuhalten.[1947 y&V"" liipc'« ntf rrwsr* empfiehlt die Groß-Destillation von Lettan& Keil, SoffT an der Rosenthalerstraße. Geschäftsschluß Abends 8 Uhr. Sonntags 1 Uhr! Schneider" Bedarfsartikel empfiehlt billigst(Muster gratis und franko) Dn,l Pinna,. Wilbelmslrasso 114 KUU, r lepei,(g.ö, Puttkamerstr.) Sonntags von 10 Uhr ab geschlossen. Arbeiter-Bildlingsverein Weißeilsee# llmgegeni». Dienstag, 17. Juni, Abends 8V2 Uhr, in Dewein's GescllschaftshauS, Königs-Chauffee: Versammlung. Tages-Ordnung: Vortrag des Herrn Karl Neumann. Diskusston. Verschiedenes. 1045 Vereinsangelegenheiten. Gäste willkommen. Dessentliche Versaliliillllllg der Steinsetzer, Rammer «nd Hernfsgrnosten zu Berlin am Dienstag, 17. Juni, Abends SVa Uhr, im Lokale des Herrn Relitz, Bergstr. 12. Tages-Ordnung: 1. Vortrag über die Nothwendigkeit einer gewerkschaftlichen Organisation. Referent: Stadtv. F. Zubeil., 2. Diskussion. 1057 3. Verschiedenes. Neue Mitglieder werden ausge- nommen. Der Einberufer: F. ITimoyer. Verbsnß deutscher Mechliniker und urrwandter Hrrufsyrnolfen. Zahlstelle Berlin. Mittwoch, 18. Juni, Abends 8V2 Uhr, im Louisenstädt. Klubhaus, Annenstr. 16, Versammlung. Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn Brinkmann über: Ein deutsches Lebensbild. 2. Diskussion. 1950 3. Verschiedenes. 4. Fragekasten. Aufnahme neuer Mitglieder. Gäste willkommen. Um zahlreichen Besuch und pünktliches Erscheinen bittet Der Dorstnnd. Das gr. Lager Berlins > Andrrasstr. LS. Allg. Arbeiterinnen- Verein sämmtlicher Berufszweige Kerlin« und Umgegend. Filiale I(Moabit). B Mittwoch. 18. Juni, Abends SVa Uhr, im Saale des Herrn Jlges, Wilsnackerstr. 63: Große Versammlung. Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn Stadtverordneten Milars. 2. Aufnahme neuer Mitglieder. 3. Diskussion. 3. Verschiedenes. 1948 Herren und Damen, als Gäste, haben Zutritt. Zur Deckung der Unkosten findet eine Tellersammlung statt. Um recht zahlreiches Erscheinen ersucht Die Sevollmüchtigte. Das Gruppenbild der SojiMemokriltlslßell Fröktiöll von 1890 Größe 00,5+ 52,8«tmtr. befindet sich im Druck und gelangt baldigst zur Ausgabe. Dies den vielen Fragestellern zur Aufklärung. 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Nachdem der Niederlassungsvertrag zwischen dem che und der schweizerischen Eidgenossenschast in dritter .'"9 ahne Debatte angenonimen worden, setzt das Haus die n- � �thnng des Gesetzentwurfs, betreffend die Gewerbe- am 1* 1 e fort und zwar in der durch die Bcschlußunfähigkeit vorigen Sonnabend unterbrochenen Abstimmung über§ 1. fit Tie fakultative Errichtung von Gewerbcgerichten war gegen rirfvt Antrag der Sozialdemokraten auf obligatorische Er cylnng beschlvtzen worden. Heute wird der Antrag Harmening "genoinmen, wonach den Ortsstatuten die Genehmigung nur dann »„/lagt werden darf, wenn dessen Bestinunungen mit den Ge- > l>en in Widerspruch stehen. Mit dieser Aendcrung wird§ 1 ""genommen. �..Zum§ 2, nach welchem nur die gewerblichen Arbeiter, auf eiche der Titel VII der Gewerbeordnung Anwendung findet, i]u Gesetze unterstehen solle», beantragen die Sozialdemokraten M�r und Genossen) auch die Handlungsgehilsen und Handlungs B eyrlinge dem Gesetze zu unterstellen. . Abg. Heine(Soz.): Wir wollen den Unifang dieses Gesetzes Mfe», als es nach der Kommissionsvorlage geschieht. Zu en arbeitenden Klassen gehören zweifellos auch die Gehilfen und Lehrlinge des Kafmannspandes. Es ist zweifelhaft, ob unter den ��vwartigen Umständen noch eine weitere Ausdehnung dieses Gesetzes angemessen wäre; es würden sonst auch die landwirth- lchastlichen Arbeiter dabei ins Auge zu fassen sein. Zu bedenke» wäre vielleicht, ob nicht auch die Gärtnergehilfen diesem Gesetze i» unterstellen sind. s�..Nbg. Achermann: Mit dem kaufmännischen Personal be- lchastlgt sich die Gewerbeordnung nicht. Da sich nun die gegen- "artige Vorlage an die Gewerbeordnung anlehnt, so können wir "Uch oje Handelsgehilfen und Lehrlinge nicht dem Gewerbegerichte Unterstellen. Für den Kaufmannsstand exiftiren bereits die vandlsgerichte. Das Handelsrecht hat einen ganz anderen Cha- Sj'ter und hat sich historisch ganz anders entwlckelt, wie das wewerbegericht. Wenn man den Handelsstand unter dies Gesetz elnbegreisen will, dann muß nian auch dafür sorgen, daß unter den Beisitzern Handlungsherren und Handlungsgehilfen vorhanden lind; denn die anderen Gewerbetreibenden verstehen von den 'ausmänitischen Verhältnissen nichts. Der Antrag Heine wird gegen die Stimmen der Sozialdemo- »raten abgelehnt,§ 2 unverändert nach den Beschlüssen der Koui- Mission angenommen. § 3 regelt die Zuständigkeit" der Gewerbegerichte Letztere sollen zuständig sein für Streitigkeiten über den Antritt, Me Fortsetzung oder die Auslösung des'Arbeitsverhältnisses, Uder Leistungen und Entschädigungsansprüche ans deinseluen, Uber Berechnung der Kranke»verstcheruugs-Beiträge und über An- Wiche, welche auf Grund der Ucbentahine einer gemeinsamen Arbeit "vn Arbeitern desselben Arbeitgebers gegen einander erhoben werden. Auch ausbedungene Konventionalstrafen solle» der Ent- Icheidimg der Gewerbegerichte unterliegen. . Die Abgg. v. Cmui und Uleijev(Berlin) beantragen, dem 9 8 folgenden Absatz hinzuzufügen: N„Streitigkeiten über eine Konventionalstrafe, welche für den M bedungen ist, daß der Arbeiter nach Beendigung des Arbeits- /khältnisses ein solches bei anderen Arbeitgebern eingeht oder eigenes Geschäft errichtet, gehören nicht zur Zuständigleit der Gewerbegerichte." . Abg. v. Cum;: Die Konventionalstrasen, welche sich auf pn Konkurrenzkampf zwischen den Arbeitgebern unter einander .eziehen, unter dieses Gesetz zu subsumiren, würde mit der Jdce , ä Gesetzes und auch mit ZwcckuüißigkeitSgründen im Wider- IPtuch stehen. Konventionalstrafen dieser Art werden erst wirksam Asch Beendigung des Arbeitsverhältnisses. Es handelt sich dabei überhaupt um sehr seine und schwierige Rechtsfragen, deren Ent- Icheidung rolle Unparteilichkeit erfordert. Aus diesen Gründen A'hören sie nicht vor ein Gericht von Interessenten, sondern vor die berufenen wissenschaftlichen Gerichte. Im ÜW4 bwicbp''I'*'----., hier/.»'.u,t Kompetenz der Gewerbegerichte gehören, Handell es sich Etelle W'ÄS um sehr hohe Summen, die in die Tausende gehen. '"iird» svan dafür die Zuständigkeit der Gewerbegerichte fest, so eiitm»,.» Garantie, welche Kollegialgerichtc geben, den Parteien Neia-äT M1* Ebenso würde das sttechtsmiltel der Revision beim setzt»'cht anzubringen sein, weil die Revision voraus- ist"P vlis letzte Urtheil von einem Ober-Landesgeric (i*» L nl0 ter Kompetenz der Gewerbegerichte das Ländge- pfekl°„ Bcrufsinstanz bilden würde. Alls diesen Gründen ein- n,'vlr die Annahme unseres Antrages. 9l»trn/ c§'omm'llor Geh. Rath Kostmann giebt anHeim, den staun ü t011 Guny anzunehmen, womit der beilehende Rechtszu- 8(ri*fT' erhalten bleibe. Nach der Judikatur des Reichs- ich,, sollen Streitigkeiten dieser besonderen Art zur sich"s der ordentlichen Gerichte gehören. Es handle UUnn.Vicht um Dinge, welche besonderer Bcschleuni- su»,,... vedurjten. Da außerdem oft recht hohe Streit- streit'f! W Betracht kämen, so sei es nicht zweckmäßig, den schränken" Parteien die Wohlthat mehrerer Instanzen zu be- ßS'vird mit dein Antrag v. Cum) angenommen. geh«, /ch 8 3a sollen zur Zuständigkeit der Geiverbegerichte auch Perln,. Streitigkeiten zwischen Gewerbetreibenden und solchen Ans-.,/"' welche außerhalb der Arbeitsstätten für die erster«» mit 8 e% gewerblicher Erzeugnisse beschäftigt sind(Haus- Halb ,5 t r e i b e n d e), aber nur, wenn sie die Rohstoffe und leiiin/. rte geliefert erhalten; ans die Streitigkeiten Ter- soll tzV welche sich Rohstoffe und Halbfabrikale selbst beschaffen, können Zuständigkeit durch Orlsstatiit ausgedehnt werden Wek?7 Sozialdemokraten(Auer und Genossen) beantragen, diese �er ttz. Zeichneten Streitigkeiten auch unbedingt der Zuständigkeit benns/'uerbegerichte zu unterstellen, mährend Ebert!) und Genossen 8ewi. aus die Hausgewerbetreibenden überhaupt oder für Klassen derselben die Zuständigkeit des Gewerbegerichts Zentro�uen �durch das Statut oder durch Anordnung der Landes- -.. welche der großen Mehrheit der Strcitobjckle, . v* f*._ f.''.___ t.*»» S« f f" 4. /«I* zs-�ryoroe. j'�st lüfedpf �k.): Die Hausgewerbetreibenden, welche z?, Ihrer A, ,,-,-2" beschäftige», haben eigentlich zwei Seelen rÜ"ehmp,'.-;,le uachdem sie sich als Arbeitgeber oder als Ar- „.stästatut und es ist daher mit Recht die Frage dem m /e wabtu ab sie als Arbeitnehmer oder als Arbeit- el bis find. Viele Hausindustrielle beschäftige» mit- öu hundert Arbeitern und sind thatsächlich selbst Groß- industrielle oder mindestens Fabrikanten, und es ist mir nicht er findlich, warum die Sozialdemokraten ihre menschliche Nächsten liebe auf diese Fabrikanten ausdehnen. Diese Herren haben es auch nicht nöthig, die Wohlthatcn dieses Gesetzes zn genießen Es handelt sich bei ihren Streitigkeiten mit ihren Austraggebern auch um andere Objekte, als sonst zwischen Arbeitgebern iind Arbeitnehmerii. Bei der Unterstellung dieser Streitigkeiten unter die Geiverbegerichte wären auch nur zwei Instanzen,' im ordent liehen Gerichtsverfahren dagegen drei vorhanden. Die Kommissions fassung ist auch korrekter als der Antrag Ebertu, zumal in§] beschlossen ist, daß die Aufsichtsbehörde nicht aus Zwcckmäßigkeits gründen die Genehmigung eines Ortsstatuls versage» darf. Die Komlnissionsfassung schlägt zwischen den beiden Anträgen den richtigen Mittelweg ein.(Beifall rechts.) Abg. Dreevbach(Soz.): Die Konimissionsfassung wird zu Schwierigkeiten Anlaß geben. Diese Hausindunriellen sind keine selbstftändigcn Fabrikanten, weil sie" für bestimmte Gewerbe treibende industrielle Produkte fertigstellen; sie sind also nur Ar beiter. Nach der Koinmissionsfassung würden auch ganz kleine Hansindustriclle von diesem Gesetze ausgeschlossen sein. Der Antrag Ederty ist ebenfalls nicht genügend. Daß die Hausind»- striellcn zwei Seelen i» ihrer Brust haben, ist nicht richtig, und das Gesetz selbst überläßt ja dem Ortsstatut die Entscheidung der Frage, ob sie bei den Wahlen als'Arbeitgeber oder Arbeitnehmer zu betrachten seien. Tie Streitigkeiten zwischen ihnen und ihren Austraggeberm sind rein geiverblicher Natur. Schließen wir sie also vom Gesetz aus, so gilt dasselte nur für einen Bruchtheil der Arbeiter. Daß wir unsere Fürsorge auch aus diese Fabrikanten, wie der Vorredner sagte, ausdehne». ist kein Widerspruch; denn wir betrachten die Leute nicht als Fabrikanten, und ferner ist nirgends in einem sozialdemokratischen Programm der Satz aufgestellt, daß wir ausschließlich für Arbeiter sorgen wolle»; wir streben auch nach einer Besserstellung der sammten Bevölkerung. Abg. Gbrrty(dfr.): Die Fassung des§ 3a durch die Kommission. so sehr deren Bemühe», die Hausindustrie in das Gesetz hineinzuziehen, auch anzuerkennen ist, giebt doch durch die Art der Definition zur Bemängelung Anlaß. Solche Definitionen haben zum Gegenstand die Festlegung von Thatsachc»; das be- ivegliche Leben spottet aber jeder Festlegung und läßt sich nicht in eine derartige gesetzliche Definition einspannen. Deshalb ivollen wir die Sache dem Statut oder den Aiiordnnngen der Landes- Zentralbehörde überlassen. Der Theorie von dem mangelnden guten Willen oder dem mangelnden Verständniß der Geineinden muß ich entgegentreten. Die Gemeinde» haben ja auch das Interesse, soviel als möglich Streitigkeiten der Kompetenz der ordent- lichen Gerichte zu überweisen. Vundesbevollmächtigter Geh. Rath Aal; mann: ES liegt kein Interesse vor, die Hausindustrie schlechthin unter das Gesetz zu stellen, wenn das Gesetz nur die Möglichkeit giebt, daß jeder Zweig derselben durch das Ortsstatut unter das Gesetz gestellt werden kann. Man wird den Gemeinden vertrauen dürfe», daß sie das Rechte treffe», ob ein Zweig der Hausindustrie sich für das Gewerbegericht eignet oder nicht. Der Begriff des Haus- gewcrdes ist ein fließender, und im einzelnen Fall mag es Zweifel- hast sein, ob eine bestimmte Art des BetriebeZ unter den Begriff „Hausindustrie" fällt oder nicht. Wenn nun die Hausindustrie im Allgemeinen unter das Gesetz fällt, so wird die Zuständigkeit des Gewerbegerichts im einzelnen Falle ziveifelhast bleiben, und dieselben Streitigkeiten würde» bald von den ordentlichen, bald von den Gewerbegerichte» entschieden werden, je nachdem diese oder jene angerufen werden imd sich für zuständig erklären. Ich bitte Sie, den Antrag Ebcrty anzunehmen. Abg. Jlotsch(Z.): Am sympathischsten ist mir der Antrag Auer. Wer wünschen auch, daß überall die Hausgewerbe treibenden in den Rahmen dieses Gesetzes fallen. Der Einwand des'Abg. Treesbnch aber, daß durch die Ortsstatuten Mißbrauch getrieben werden könne, dadurch, daß unter Umständen es in das Eriiiessen des Ortsstatuls gestellt sei, ob gewisse Streitigkeiten unter dieses Gesetz fallen ober nicht, ist unberechtigt, denn die- jenigen Hansgewerbetreibeildcn, welche nach§ 3a ohne Weiteres ur Zuständigkeit der Gewerbegerichte gehöre», können durch kein Ortsstatut von der Zuständigkeit der Gewerbegerichte ausge- chlossen werden. Abg. Miguel(»all.): Vom Standpunkt der Kürze empsiehlt ich nicht der Antrag Ebcrty. sondern der Antrag Auer. Der Antrag Eberty ist aber, sofern er nicht obligatorisch das Hans- gewerbe den Geiverbegerichten nnterstellen will, für uns unan- „ehmbar. Tie Schwierigleiten dieser ganzen Frage würden sich dadurch beseitigen lassen, wenn man von der Charakterisirung einer bestiininten Person als HanSgewerbeireibenden absähe nnd die Kompeteiizbestiniiming lediglich nach der objektiven Beschaffenheit deS Streitgegenstandes normirte. Eine»nd dieselbe Person er- cheint einem Dritten gegenüber bald als Arbeiter, bald als Arbeitgeber. Wir haben Tausende von Schuhmachern, die als Meister eingetrageii sind, die auch theilweise für Kunden arbeiten, auch dann und wanil Gesellen habe», saber den größten Theil des Jahres für einen anderen größere» Arbeitgeber oder für einen Schuhfabrikauten arbeiten. Es würde sehr peinlich be- rühre», wenn durch Ortsstatut Personen, die sich selbst für Ar- beilgcbcr halten, nun plötzlich für Arbeitnehmer erklärt würden. Anders wäre es, wenn sie nach der Beschaffenheit des Streit- gegenständes einmal als Arbeitgeber»»d ein anderes Mal als Arbeitnehmer sich dem Gerichte unterwerfen. Ich werde zu- stimmen nnd behalte mir formulirten Antrag einzu- , lachst für den Kominissionsantrag vor, bis zur dritten Lesung einen bringen. Abg. v. Cum;(»atlib.): Für uns Rheinländer wäre der Antrag Eberty ein wahres llnglück. Er ruinirt uns das, was bei uns seil langer Zeil in vorirefflicher Weise geregelt ist. In den Rheinlanden und im Elsaß erstreckt sich die Zliftändigkeit der Geiverbegerichte auch auf das Hausgewerbe. Ich habe außer- ordentlich bedauert, daß der Bundeskommissar nur auf die Berliner Verhältnisse exemplisizirt hat»nd die wichlige Seiden- und Sammeliildustrie i» der Gegend von Krefeld und die ebenso , vichtige bergische Stahl- nnd Eisenindustrie mit keinem Worte crivähnt hat. Unsere rheinische» Institutionen haben sich ganz vortrefflich bewahrt, imd ich hoffe, daß man in Ziikunst auch auf den Rhein Rücksicht nehmen wird. DaS Ortsslatut haben Sie »Iis durch den unglückliche» Beschluß zu§ 1 recht gründlich verleidet;>--ie haben»»s den Weg, ein niizweckmaßiges Ortssiatilt von Aussichtswegen zu beseitige», abgeschnitten. Ich bitte Sie, den Kompromißantrag der Kommission anzunehmen. Geheimrath Fohmanu: Ich bedanre sehr, den Unwillen des geehrten Borredners dadurch erregt zu haben, daß ich die Rhein- provinz bei dieser Gelegenheit nicht erivähnt habe. Ich habe übrigens den Antrag Eberly um deswillen empfohlen, weil er nicht blos die Berliner, Nürnberger und die rheinischen Verhältnisse berücksichtigte, sondern die des ganzen Reichs. Die Fassung der Kommission dagegen berücksichtigt nur die Verhältnisse der Rheinprovinz. Durch den Antrag Eberty würden die Gewerbe- gerichte cm Rhein nicht ruinirt werden. Ich glaube vielmehr, daß sie, ivenn sie nach diese», Gesetze unigeivandelt werde», in ihren Organen Weisheit genug besitzen werden, um das Hausgewerbe wiederum unter die Gewerbegerichte zu stellen. Abg. Gberty: Ich habe an Berlin bei Einbringung des Abänderungsantrages gar nicht. gedacht. Ich möchte ein für alle Mal feststellen, daß der zufällige Umstand, daß ich die Ehre habe, der Stadt Berlin und ihrer Verwaltung zuzugehören, gar nichts daran ändert, daß ich Abgeordneter des Kreises Waldenburg in Schlesien und Vertreter der ganzen Nation bin, wie jeder andere Abgeordnete. Die Definition der Konnnission mag für die rheinische mid sonstige Industrie passen, für die anderen("egen- den paßt sie nicht. Fch bin auf ineinen Antrag gekommen durch eine Deiikschrist der Handelskammer in Sonnenberg, welche sich vergeblich bemüht, eine Präzisirung dessen, was Hausindnstrie ist, z» finden. Wenn man das nicht zn präzisiren vermag, so ist es besser, es dem Ortsslatut zu überlassen, welches jeder Zeit abge- ändert werden kanu. Die Lakalverwaltung ivird mindestens ebenso gut ihre Schuldigkeit thun, wie die obere Verwaltuiigs- behörde und iveiß in diesen lokalen Fragen noch besser Bescheid. Ich bin begierig, wie der Abgeordnete Miguel seinen Antrag formuliren wird. Bis auf Weiteres bitte ich meinen Antrag, der das geringere Uebel ist, anzunehmen. Die Anträge Auer und Eberty werden abgelehnt und§ 8a nach der Kommission angenommen. Nach§ 4 kann die sachliche Zuständigkeit der Gewerbe- gerichte aus bestimmte Arten von Gewerbe- oder Fabrikbetrieben iind die örtliche auf bestimmte Theile des Genieindebezirks be- schränkt werden. Im letzteren Falle sollten die betheiligten Orts- behörden zuvor gehört iverden. Abg. v. Pfetten(Z.) beantragt, dafür zn setzen:„Die be- theiligten Ortsbehörden sind zuvor zn hören" und begründet diesen Antrag damit, daß den Ortsbehörden ein Recht gegeben werden müsse, gehört zu, Verden. Nachdem Geheimrath Hoffmaun für die Ablehnung dieses Antrages eingetreten ist, der materiell keine Aeiiderniig und redak- tionell keine Verbesserung enthalte, wird§ 4 mit dem Antrag v. Pfette» angenommen. Die§§ 5 und C werden ohne Debatte angenommen. § 7 bestimmt, daß das Gewerbegericht aus einem Vor- sitzenden, mindesieus einem Stellvertreter desselben und mindestens vier Beisitzern bestehen svll. Die Äbgg. Auer nnd Genossen beantragen, mindestens acht Beisitzer festzusetzen. Abg. Heine(Soz.) begründet diesen Antrag damit, daß der Möglichkeit vorgebeugt werden müßte, daß mehrere oder alle Bei- sitzer am Erscheinen verhindert seien. Ohne weitere Debatte wird der Antrag Auer abgelehnt, der § 7 unverändert angenoinmen. § 8 besagt, daß Mitglied eines Gewerbegerichts werden darf, wer das 30. Lebensjahr vollendet hat, im Jahre vorher keine Arinenuilterstützung empfangen oder eine empfangene zurückerstattet hat, und seit mindestens zwei Jahren im Bezirke des Gerichts wohnt oder bestätigt ist. Bon dem Recht der Wahl zum Mit-> glieve eines Gewerbegcrichts soll ausgcschloffen sein, wer nicht Schöffe werden darf. Abg. Aucr nnd Genossen beantragen, die Altersgrenze miß das 25. Lebensjahr festzusetzen und die Worte bezüglich der Armen- Unterstützung zu streichen. Abg.(ßbrrtq beantragt gleichfalls das 25. Lebensjahr als Altersgrenze. Adg. Cl'crly: Mein Antrag hat eine Erweiterung der Zahl der Personen zur Folge, die zu Mitgliedern des Schiedsgerichts berufen werden können. Mit diesem Antrage besinden wir uns auf dem Boden der thatsäcklichen Verhältnisse; denn die bereits durch Ortsslatut errichteten Geiverbegerichte in Hamburg, Leipzig, Frankfurt a. M. uud anderen Orten haben bereits die Alters- grenze des 25. Jahres eingeführt, was sich ohne jeden Nachtheil bewährt hat. Tie Bestimmung des Entwurss bedeutet eine» Rück- schritt, imd die Arbeiter, von deren Vertrauen doch das Gesetz ge- tragen werden soll, würden dieselbe als eine Verschlechterung des jetzigen ZustandeS ansehen müssen. Der Hinweis auf die Alters- renze von 30 Jahren für die Schöffen ist nicht maßgebend, denn die -chöffen habe» viel weitergehende Befugnisse und größere mora- tische Verantwortung. Abg. Drce-.>l>a>ff(SM): Wo bisher die Wählbarkeit unter 25 Jahren zugelassen istäNaben die Schiedsgerichte keine Ursache zur Klage gegeben. In Frankfurt sind die betheiligten Kreise 'ehr zufrieden. Weiin man die größere Lebenserfahrung für das 30. Lebensjahr geltend macht, so könnte man mit demselben Rechte auch das 40. Lebensjahr als Altersgrenze festsetzen. Gar zu junge Leute wird man übrigens nicht nehmen. Man muß den Arbeitern das Vertrauen entgegenbringen, daß sie wissen,>vaZ sie zu thun haben. Wenn man alle tüchtige» Leute unter 30 Jahre ausschließt, so wird es um so schwerer werden. die geeigneten Personen für die Schiedsgerichte zu siiideu. Bei den Kriegsgerichten ivird jeder Lieutenanr, der mir 19—20 Jahre alt ist, als Richter nicht bloß in Streitigkeiten über ein paar Mark, sondern als Richter über Leben und Tod zugelassen. Die Forderung eines zweijährigen Aufenthalts am Ort beschränkt ebenfalls den Kreis der zu dem Amt Befähigten; 50 pCt. alles: Arbeiter wohnen nicht zwei Jahre an demselben Orte, und zwar nicht aus Lust am Wander», sondern weil die geschästlieben Verhältnisse sie dazu zwinge». Ein Aufenthalt von einem Jahre genügt vollständig, um die Kenutiliß der gewerblichen Verhält- nisse am Ort zu erlangen. Die Armenunrersiiitzung wünschen wir deshalb herausgelassen, weil in der Bestimmung, welche aus die Wählbarkeit zum Schöffen Bezug nimmt, dieselbe bereits mit- enthalteii ist. Abg. porsch(Z.): Daß die Bestimmungen dieses Para» graphen nicht von Mißtrauen gegen die arbeitende Bevölkerung diktirt sind, geht schon daraus hervor, daß auch die Arbeitgeber davon nicht ausgeschlossen sind. An die Befähigung der Beisitzer. ivclche durch direkte niid geheime Wahl geivahlt werden, werden besondere Anforderungen nicht gestellt. Sie fnnktioniren außer- dem in Slreirigleiten über Beträge bis zu 100 M. als Instanz. gegen die eS keine Berufimg giebt; es muß also durch das Alter eine gewisse Garantie für die Qualisikation geschaffen werden. Die Ziffer von 30 Jahren ist nicht willkürlich herausgegriffen. Für die Zulassung znm Schöffen, zum Handelsrichter, zur Mitgliedschaft in kirchlichen Verwaltuilgsorganen wird dasselbe Alter verlangt. Daß in einigen Ortsstatuten gegenwärtig ein geringe- reS Alter gefordert wird, kann nicht ausschlaggebend sein, um dasselbe für das ganze Reich zu generalisiren. Wir müssen vor- sichtig sein, wenn ivir wollen, daß die Schiedsgerichte in der nöthiaen Achtung stehen. Staatssekretär uau Hotticher: In der Festsetzung der Altersgrenze auf 30 Jahre liegt nicht eine Verschlechterung deS bestehenden ZustandeS, sondern eine Verbesserung für alle die- jeuigen Ortsstatuten, wo die Altersgrenze bisher geringer gewesen ist. In allen analogeii Vorschriften unserer Gesetzgebung ist diese Allersgrenze dnrchgesührt; und es laa deshalb nichts näher, als sie auch hier alizunehnieil. Wer die Altersgrenze anders bemessen will, muß den Beweis führen, daß mit dieser Altersgrenze in diesem Gesetze und bei diesen, Verfahren nicht auszukommen ist Dieser Beiveis ist von keiner Seite angetreten. Wenn auf di« Gewerbegerichte in einzelnen größeren Orten exemplisizirl wird. so wache ich darauf mifmerksam, daß jetzt zum ersten Male du ganze Zusammensetzung dieser Gerichte ex professo erörtert nul festgelegt wird. Daß die Würde eines solchen Gerichtshofes größer und niehr gewahrt sein wird, wenn das Kollegium ans erfahrenen Personen besteht, kann doch nicht bestritten werden, ebenso wenig, daß, wer nur ein Jahr seinen Wohnsitz Orte gehabt hat, die gewerblichen Verhältnisse des- mu selben nicht" so überschaut wie" Ter, der länger ain Platze ist. Daß es nicht wünschenswerth ist, Leute, die Armenunter- stühung empfangen, in die Schiedsgerichte aufzunehmen, kann keine»! begründeten Zweifel unterworfen werden. Älbg. Arkrrmann(dk.): Da es gegen die Gewcrbegerichte keinen Instanzenweg giebt, sind erfahrene Männer in denselben erforderlich. Das SO. Lebensjahr allein wird natürlich für die Wahl nicht maßgebend sein, man wird auch die Erfahrung und Intelligenz des Mannes mit in Betracht ziehen. Bei zivei- jährigem Aufenthalt am Orte werden natürlich die örtlichen Vcr- haltiiisfe auch besser gekannt werden als in einem Jahre. Der Hinweis auf die Wählbarkeit zum Schöffen schließt die Arme»- Unterstützung nicht ein. Deshalb war es nolhwendig, über die Armenunterstützung in dem Paragraphen eine besondere Bestim- mung zu treffen. 'Abg. Griilrnbrnger(Soz.): Wenn sich die Arbeitgeber die Altersgrenze von SO Jahren gefallen lassen, so mögen sie das mit sich abmachen. Die Arbeiter haben nicht daS spießbürgerliche Naturell, um steh eine derartige Zurücksetzung bieten zu lassen. Gerade in dem Orte, wo Schiedsgerichte schon bestehen, fühlt nian das Reaktionäre dieser Bestimmungen um so mehr. Es giebt Schiedsgerichte, wo nicht einmal das 25. Lebensjahr verlangt wiro. sondern wo schon das Li. genügt. In Nürnberg besteht seit 10 oder 16 Jahren ein Schiedsgericht, in welchem die Leute schon mit dem 25. Lebensjahre zugelasien werden, Wähler sind sie sogar schon, sobald sie überhaupt Gesellen sind. Nach dem Alter wiro also hier garnicht gefragt. Diesem Gerichte ist von einem politischen Gegner erst neulich ein ganz vorzügliches Zeugniß ausgestellt worden. Sie«xeinplifiziren auf die Schöffe»; unter den Amtsrichtern, beziehungsweise unter den Assessoren, welche Amtsrichter vertreten, befindet sich eine ganze Anzahl, die jünger als 30 Jahre sind und gleichwohl als Vorsitzende in Schönen- gerichten suugiren. Mit LS Jahren ist man ja auch befähigt, in den Reichstag gewählt zu werden. Für die Wahl in die kircy- lichen Organe, sagt man, ist das 30. Jahr auch nöthig. Wir leben im Jahre 1S90 und scheeren uns wenig mn das, was eine preußische Verordnung von 1840 verordnet. Wenn Sie für diese Altersgrenze auf die Urtheils- fähigkeit verweisen, so frage ich, warum setzen Sie dann nicht auch ein Alter fest, jenseits dessen man nicht mehr wählbar ist. Es giebt Leute, die in, Atter sehr kindlich zu werden anfangen (Heiterkeit), deren Verstandskräfte dann abwärts gehen. Ich würde, wem, gar kein andeicr Grund gegen das 30. Lebensjahr vorhanden wäre, schon desivegen dagegen stimmen, weil der Abg. Astermann dafür ist. Man stlrchtet, daß bei einjährigem Aufenl- halt am Orte die fluktuirende Bevölkerung bei den Wahlen zu dem Schiedsgerichte den Ausschlag geben würde. Die Lohn- und Arbeitsverhältnisse sind aber in den allermeisten Gegenden die gleichen. Bei dem Schiedsgerichte in Nürnberg ist nur die Ve- fcheinigung des Arbeitgebers, daß der zu Wählende bei ihm i» Arbeit steht, notbwendig. Von dem Aussall der Abstimmung über diesen Paragraphen machen wir unsere Abstimmung über das ganze Gesetz abhängig. Abg. Wiquel: Allerdings haben in dem Frankfurter Ge- Werbeschiedsgericht auch Arbeiter unter 30 Jahren das aktive und passive Wahlrecht und sungiren zum vollen Vertrauen der Arbeiter und Arbeitgeber(hört, hört' bei den Sozialdemokraten), sie wählen aber in der Regel trotzdem ältere und erfahrene Männer.(Wider- spruch bei den Sozialoemokraten.) Es liegt auch im eigenen Interesse der Arbeiter, solche erfahrene Mänuer zu wählen, denn es ist keine Frage, daß die Autorität theiliveise auch vom Alter ad- hängt. Außerdem können Bestimmungen für Frankfurt, Nürnberg und andere Städte, aber nicht für die übrigen und kleineren Städte passen. Die ganze Frage ist für und wider zu sehr aufgebauscht ivorden. Ich würde für 25 Jahre stimmen, aber auch in der Altersgrenze von 30 Jahren keine Verschlechterung erblicken, weil ich überzeugt bin, daß die Arbeiter thatsäch- lich ältere erfahrene Männer in die Schiedsgerichte schicken wer- den. Tagegen lege ich persönlich sehr erhebliches Gewicht auf die Beibehaltung der Bestimmung, betreffs des zweijährigen Aufenthalts. Ohne Kenniniß der örtlichen und persönlichen Verhältnisse wird der Gewerberichter nicht die nöthige Autorität haben.(Zuruf bei den Sozialdemokraten.) Er kann doch einmal gewählt werden. Diese Autorität ist besonders erforderlich bei den Sühnevcrsuchen. Bei häufigem Orts- ivechsel kann das geeignete Richtermaterial nicht gewonneii wer- den. Was die Armenunterstützungen betrifft, so glaube ich, daß nur diejenigen Arbeiter von dem Wahlrecht ausgeschlossen werden sollen, welche dauernd wirthschastlich unselbststündig sind und aus öffentlichen Mitteln unterstützt werden, wahrend diejenigen, die durch unverschuldete Unglücksfälle zeit>veilig auf Unterstützung an- gewiesen sind, allerdings zur Ueberntzhine des RichteramtS ge- eignet sind. Abg. Heine(Sozialdem.): Tie meisten Arbeiter erreichen garnicht das Lebensalter von SO Jahren, das durchschnittliche höchste Lebensalter in vielen Gewerbezweigen beträgt SO bis 34 Jahre. Dies gilt insbesondere von den Hutmachern, Zigarreuarbeitern, Tischlern, Schneidern und von der Spiegel- industrie. Der Ausschluß von Personen, welche Armenunter- stützungen erhalten habe», ist bedenklich; es giebt so vielfache Fälle, ivo tüchtige Arbeiter Arinenunterstütznugen empfangen, so z. B. Schulgelderlaß, Unterbringung kranker oder idiotischer Kinder»n staatlichen Anstalten u. f. w. Deshalb sollte man es den Arbeitern überlassen, iven sie zu ihrem Vertrauensmann wählen wollen. Abg. Aiöftcke: Ich halte die Altersgrenze von 25 Jahren für annehmbar. Bei den Schiedsgerichten für die Unfallversiche- rung ist jeder volljährige Arbeiter wählbar, ohne daß sich irgend ein Mißstand herausgestellt hätte. Tie Festsetzung der Alters- grenze von 30 Jahren würde in der That eine große Unzu- friedenheit unter den Arbeitern erregen, und das sollte man ver- meiden. Uni 4% Uhr wird die weitere Berathung bis D i e n st a g 1 Uhr vertagt. Korrespondenzen. pari», den 11. Juni 1800. Während sich das offizielle und kapitalistische Frankreich zu der Razzia gegen die russischen Revo- lutionäre beglückwünscht und dieselbe als Pfand der russisch- fraiizösischen Allianz freudig begrüßt, beginnt sich derbreiten Schich- ten des arbeitenden Frankreichs eine tiefe und ungeheuchelte Ent- rüstung über die begangene Verletzung des Asylrechts zu be- mächtigen. Unter dein Einstuß der französischen Sozialisten kommt eine Protestbeivegung in Gang, welche sich schon in ihrer ersten Aeußerung als kräftig und von der Sympathie des Publikums getragen erivies, und die, wenn unterhalten und planmäßig organi- sirt, stattliche Wogen zu schlagen verspricht. Die Sozialisten Marxistischer Richtung hatten mit den Blanquiste» zusammen letzten Montag im Saale der Eremitage ein Protestmeeting organisirt, das über alles Erwarten zahlreich be- sucht war. Schon vor der festgesetzten Zeit war das gewählte Lokal bis auf das kleinste Plätzchen vom Publikum besetzt, das sich zum bei weitem größten Theile aus Arbeitern, darunter viele Frauen, zusamiiunensetzte. Der Andrang der Menge war so stark, daß die vorhandenen Sitzplätze nicht ausreichten. Mehr als die Hälfte des herbeigeströmten Publikums war Kopf an Kopf in den Scitengnngen, am Eingange, ja bis aus die zum Saale führende Treppe zusammengeballt. Zahlreiche Gruppen von Später- kommenden mußten vor dem Lokale umkehren, da es schlechtem dings unmöglich war, sich einen Eingang zu bahnen. Die Versamnilung, deren Vorsitzender der sozialistische Depu- tirte Ferro«! war, nahm in ihrer ersten Hälfte einen glänzenden Verlauf und kulminirte in einer ebenso formell vollendelen als inhaltlich tiefen Rede von Gnesde. Der erste Redner, Lefrangais, führte aus, daß das Prinzip der Republik zu einem Protest gegen die Regierung herausfordere, welche durch die Verhaftung von politischen Flüchtlingen, durch die Beschlagnahme von Dokumenten bei Personen, die in keiner Weise gegen die Landesgesetze verstoßen, ein wahres Attentat gegen das Prinzip und die Tradition der Republik begangen habe. Die Bourgeoisie sei jetzt tiefer gesunken, als unter der Monarchie Ludwig Philipp's und dem Bas-Enipire, welche beide politische Flüchtlinge respektirten, ja unterstützten. Die von Ruß- land gekaufte Presse jubele zwar darüber, daß sich die Regierung der französischen Republik endlich durch Maßregelung der rufst- scheu Revolutionäre des Vertrauens der zaristische» Autokratie würdig gemacht habe. Ueberzeugte Republikaner müßten jedoch erklären, daß die Haltung des Gouvernements sowohl der Republik wie der Achtung der Nation unwürdig sei. Ein boulangistischer Abgesandter versuchte, ans den Angriffen gegen die aktuelle Regierung Kapital zu schlagen. Indem er sich mit den Protestalioneu askoziirte, wollte er die Aktien der verkrachten Schwindelsirma Boulanger n. Cie. steigen machen, hatte jedoch durchaus kein Glück. Höhnische Zivischenruse, Zischen, Ailfforderungeli zu schweigen, unterbrachen ihn bei jedem Wort. Die Versammlung drückte in ilnzweideutiger Weise aus, daß sie, wenn sie gegen die Haltung der Regierung protestire, doch dies von einem durchaus verschiedenen Standpunkte, als die politischen Jndustnerittcr vom Schlage der Laguerre und Konsorten thun werden. Vaillant gab dieser Ailffaffuiig des Publikums in seiner Rede mit einfachen klaren Worten Ausdruck n»d erntete dafür stürmischen Beifall. Vaillant protestirt als Sozialist gegen die Haltiing der Regierung, weil diese da- durch das Asyrecht verletzt hat, das einer Republik doppelt heilig sein muß. Gewiß, alle Sozialisten, alle Arbeiter sind einstimmig darin, gegen den Uebergriff der französischen Regierung zu pro- testiren. Aber ebenso einstimmig sind sie auch, jede Genieiiischaft in der Protestation mit Leuten zlirückzuwcisen, wie die Boulan- gisten, die, wenn am Ruder, den schneidigen Constans an Reaktion und Geivaltinaßregcln weit übertreffen wurden. Die Protestation der Boulnngislen gegen die Liebedienerei dcs Gouvernements vor dein Zaren sei eitel Heuchelei. Die mit russischem Gelbe stipendiirte boulangistische Presse und Agitation pries die Allianz der Republik mit oem zaristischen Despotismus als Alpha und Omega aller politischen Weisheit und konnte sich in der widerlichsten Bciveihräucherang des Despoten nicht genug thun. Unter Constans habe uian russische Revolutionäre ver- haftet, unter Boulnnger's Herrscheut würde man dieselben direkt an Rußland ausgeliefert haben. Mehr noch, unter ihm würde unfehlbar die geringe Beivegungssreiheit vernichtet worden fei», welche die französischen Sozialisten unter der dritten Republik genießen. Es würde ihnen unmöglich sein, in einer üffentlicheii Versammlung gegen die Regierung zu protestire», wie sie es heute thun und wie sie es gegen alle Reaktionen thun werden, welche das wahre französische Banner, das rothe Banner beflecken. Die französischen Sozialisten haben in Versammlungen durch ihre Vertreter in der Kammer und im Stadtrathe gegen die Maß- regeln der 3iegier»ng anläßlich der Maimanisestation protestirt. Sie haben jetzt doppelt die Pflicht gegen die Verhaftungen russischer Revolutionäre und die Beschlagnahme der tiorrespon- denz zu protestireu, derni diese selbst hatten nicht die Möglichkeit und das Recht ihre Stimme zum Protest zu erheben. Daß die französische Regierung, obgleich republikanisch, dem Zar in die Hände arbeitete, liegt in der Natur der Verhältnisse begründet. Heutzutage sind alle Regierungen unvermeidlich kapi- talistisch. Deshalb werden auch alle Regierungen, mögen sie opportunistisch, radikal oder bonlangistisch sein, in ein und der- selben Weise solidarisch mit der schlimmsten Reaktion vorgehen, sobald es sich um Sozialisten handelt. Der reaktionären Soli- darität des Gouvernements gegenüber ist die Solidarität aller Sozialisten Nothwendigkeit und Pflicht. Die Sozialisten müssen andererseits auch gegen den Chauvinismus protestireu, der zur Beschönigung reaktionärer Maßregeln angerufen wird. Der Chauvinismus hat nie den wahren Interessen einer Nation, sondern nur denen perfider Persönlichkeiten gedient, welche im Trüben fischten. Die Nationen sind eben durchaus nicht mit den Regierungen identisch, wie man glauben machen möchte. Ter russische Despotismus ist verabscheuenswerth, das russische Volk verdient dagegen alle Sympathien. Den russischen Autokratismus brandmarken, sich weigern, ihm zu Diensten zu sein, heißt gerade Anspruch auf die Sympathien des russischen Volks erwerben. Guesde riß darauf die Versammlung durch eine der glän- zendsteu oratorischen Leistungen hin, welche man in den letzten Jahren von ihm, ja in französischen Versammlungen überhaupt gehört hat. Äbiveckseliid schneidend ironisch, leidenschaftlich bis an die Grenze des Uebermaßes begeistert, kalt höhnisch, gefühl- voll bewegt, einen treffenden Vergleich auf den andren setzend, verstand er es sozusagen alle Sailen ertönen zu lasse». Seine Diebe, deren erster Theil ein Protest gegen die Haltung der sran- zösischcn Regierung und eine kurze Eharakteripik der russischen und polnischen Revolutionäre, deren zweiter Theil ein Protest gegen die unnatürliche Kombination der russisch-französischen Allianz war, hielt das gestimmte Publikum, sogar die krakehllüsternen anarchistischen Elemente wie unter einem Bann und niachte einen tiefen Eindruck, der sich in douneriiden Applaus äußerte. Mein Vorredner Lesraiigais, sagte GueSde, hat mit Recht auf den Unterschied in der Haltung der Bourgeoisie politischen Flüchtlingen gegenüber unter der Julimonarchie und unter der dritten Bourgeoisrepublik hingewiesen. Die Bourgeoisie, welche noch in der Morgenröthe ihrer politischen Herrschast stand, zahlte unter der Julimonarchie den polnischen Emigranten, den Opjern des Zarismus Pensionen aus, sie unterstützte auch politische Flüchtlinge anderer Nationalitäten. Die im Vollbesitz ihrer Macht und Herrschaft befindliche Bourgeoisie von heute schwärmt leidenschaftlich für den halbasiatischcn Despoten, sie erschöpft sich in Bemühungen, durch reaktionäre Handlangerdienste seine Dank- barkeit zu verdienen, um seine Gunst zu buhlen. Diese Thatsache charakterisirt in drastischer Weise den hochgradigen politischen und moralischen Verfall, bei dem die Bourgeoisie angekommen ist. In blindem Koiiservativisimis wüthet sie gegen die Prinzipien, unter deren Anrufung sie einst in den Kampf für ihre Eiiiaiizipation gezogen. Wer noch vor zwanzig Jahren die bloße Möglichkeit eines derartigen bergabgehenden Entwickelungsganges behauptet hätte, wäre unfehlbar als Verläumder ftigmatisirt worden. Heut steht die nackte Thatsache in ihrer ganzen Häßlichkeit vor den Augen des Volkes. Die platte Unterwürfigkeit der Bourgeoisregiernng dem Despotismus gegenüber ist ein Symptom der allgemeinen reaktionären Strömung, der alle Klaffenregierungen verfallen. Als Thatsache und als Symptom ist es hochbedeutsam. Und i» der ossiziellen Welt erhebt sich keine Stimme, welche dagegen protestirt, daß eine republikanische Regierung einer autokratischen die Schleppe trägt. Paris, die französische Presse sind vom russischen Golde beherrscht. Die Zeitungen, nut wenigen Ansnahmen, billigen entweder schiveigend die Haltung der Regierung, oder sie beweihräuchern sie, daß sie den Muth hatte, Verfolgte und Frauen zu verhaften oder aber, sie hetzten sie zu weiteren und schärferen Maßregeln auf. Vielen Zeitungs- artikeln ist ivie eine Fabrikmarke, nein wie das Brandmal des Henkers das Gepräge der dritten russischen Abtheilung, der politischen Polizei ausgedrückt. Das russische Gold ist in Stroinen geflossen und hat Preßkosaken geworben, um Stimmung zu machen, wie das russische Gold auch in Strömen in Boulanger's Kasse geflossen ist, damit ein Bürgerkrieg die dem Despoten verhaßte Republik zerfleische und eine neue, größere Reaktion empor- wuchere. Ueber Paris dominirt aktuell die russische Bottzei, Logo ist nicht mehr Polizeipräfekt, an seine Stelle ist � und ans Petersburg eingetroffene Chef der dritten Abtheilniig getreten.'. Er ist es, der der hiesigen Polizei Ordre« ertheilt, er ist. anck, welcher in Wirklichkeit die Uniersuchnng führt. Diechtz links sind die Verhasttu'"'''1'' regnet, welche sich zu �cyuldcn haben wm.uw.~ noch heute in Hast, obgleich sich bei ihnen nicht die germSst. ".......'"*'• ml die kleinste berühmte Drehba Explosionsslosse, ja nicht einmal die vorgefunden, die sich schon jetzt als harmloses Spielzen hat. Aber Mendelsohn stand seit mehr als 10 Jahren Spielzeug entpupp ans einiw mit rungen„Der Klassenkampf" und„Das Morgenroch". Er mue» getroffen werden als Sozialift, zumal auch als internatioiiaur Sozialist. f Während die deutschen Sozialdemokraten den, Janiszewski in den Reichstag schicken ivollten, schicke» die sra>� zösischen Diepublikaner polnische Sozialisten nach Mazas. 0" Oesterreich haben sich die Sozialinen GalizienS mit Genosst Adler solidarisirt, an dem Kongresse der österreichischen Geuoslt» cheilgenominen., ,. Das gleiche gilt den russischen Sozialisten und Revoluno närea gegenüber, welche unter AuLnahmsverhältuissen käinpst«- die ihresgleichen nicht haben. Ein riesiger bureankratischer Apparat zwei Millionen Soldaten, ein wahres Heer von Polizei hemw jede ihrer Bewegungen. Weder Versauimlnngs- noch Dtedefreihn erlaubt ihnen, für ihre Ideen zu kämpfen, die man für iliimer z» tnebeln meint... Die französische Bourgeoisie verhielt sich in ihrer Jugendzti anders gegenüber politischen Flüchtlingen. Sie gewährte ihnen O>'' flucht und Schutz. Heut giebt sie sich dagegen zum Gendarm des Zare»- jener Verkörperung aller mittelalterlichen, asiatischen Despotie heu Welcher Sturz! Als Feigenblatt ihrer Reaktion muß die russisch' französische Allianz herhalten, von der die kurzsichtigsten a-C Politiker wähnen, daß sie die Freiheit und die Republik rette» könne. Die Allianz mit Diußland, so flöten sie, solle Frankreich davor schützen, von Deutschland erdrückt zu iverden, ja sie sau helfen, Revanche für 1370/71 zu nehmen und Teutschland zu er drücken. Diese Auffassung erinnert an die Fabel Lafontaine'?, welcher das mit dem Hirsch im Streit liegende Pferd den Men'! scheu aufs ordert, sein Räcyer zu sein. Der Mensch willigt«>» unter der Bedingung, das Pferd zu besteigen. Er schwingt stch auf dessen Rücken und besiegt den Hirsch, aber er hat auch niue. deß den Stall bauen lassen, zieht' deni Pferde die Zügel strast an, zähmt es und macht es zu einen! Hauslhiere. Die französisch russische Allianz wird zu dem gleichen Resultate führen. We» Deutschland von Rußland erdrückt worden ist, so wird Ffaß' reich an die Reihe kommen und das gleiche Schicksal ersahreu. Rußla» hat stets darnach gestrebt, die asiatische Despotie über Euro?» zu tragen. Die zu diesem Zwecke beobachtete Taktik hat darl» bestanden, die westeuropäischen Nationen aufeinander zu heht� sie unter sich zerfleischen zu machen, um sie zu beherrschen, uw auf den Trünimern ihrer Freiheit die asiatische Barbarei zu**, richten. Mit Rücksicht auf diese zivilisationsfeiudliche Teil®5"' des Zarismus muß die russisch-französische Allianz nicht blos eine Dunstmacherei, sondern geradezu als ein Verbrechen bezeich� werde». Sie bahnt einem neuen Einfall der asiattschen Baroaw den Weg, die sich wie eine Lawine über Europa ergießen, unstu im Lause der Jahrhunderte errungene Zivilisation, unser ringes durch schwere Kämpfe erkauftes Maß von Freiheit st lange vernichten würde. Der zu einer besseren Zukunft führen» Entwickelungsgang hat keinen unversöhnlicheren Feind, als®n rassischen Despotismus. Geradezu unbegreiflich erscheint es,®" Republikaner von einem Bündniß mit ihm sprechen tömstij Zwischen der Republik und dem russischen Autokratismns g>c° es nichts Gemeinsames, kann und darf es nichts Gemeiasain� geben. Republik und Autokratie bastren auf diametral eiitgigA' gesetzten Prinzipien. Eine Allianz zwischen beiden beginn: einer Entehrung des republikanischen Prinzips, sie muß uufehl� mit der Vernichtung Frankreichs, der potitischeu Freiheit cii®� Zwischen Republikanern, und seien sie zehnmal formalistis«' bürgerliche Republikaner, und Dlußlaiid, wo Frauen zu Tode ist peitscht werden, darf keinerlei Gemeinschaft bestehen. Die Proteftatioii, welche sich aus der Mitte der arbeiten®� Bevölkerung gegen den nicht etwa russensreundlichen, sonds? zareuliebedienerischen Akt der französischen Regierung erhebt, i»� dazu beitragen, für immer die Brücke zwischen der Republik u" der Despotie abzubrechen. Eine Republik darf nicht die Li)"* zaristischer Schranzen, sie darf nicht die Uniform der brich' Polizeiabtheilung von Petersburg tragen. Der Protest gegen®'' Regierung gilt nicht nur einer reaktionären Maßregel, er gilt"n allein der russisch-französischen Allianz, die verhindert wer®� muß zum Besten Frankreichs, der Republik und der sozialen Wickelung. Noch nie war hier in einer öffentlichen Versamnilung Götze der russisch-französischen Allianz in so markiger Weise** gegriffen worden, und daß dies unter rauschendem Beifall 8' schehen, ist als Symptom für die Gesinnung der französisch, Volksmassen hoch bedeutsam. Wie unangenehm eine so� Sprache gerade jetzt kommt, erhellt ans dem Umstände, daß hiesigen Blätter in dem Bericht über die Versammlung gera» den zweiten und bedeutenderen Theil der Guesde'schen DU® absolut todtschweigen. Währeud sie mehr oder weniger aussuh) lich die Auslassungen über die polnischen uuo russisch� Sozialisten wiedergeoen, erwähnen sie des Protestes gegen®' Allianz mit keinem Wort. Noch tiefer ist ihr Schweigen% den Beifall, den dieser Protest erntete. Der Grund daiür lieg auf der Hand.. Ueber die nach Guesde's Rede verlesene Resolution koi»" nicht sofort abgestimmt werden. Gegen 30„Anarchisten", uiw denen sich offenbar viele Zweifranksjungen befanden, erho®) systematischen Lärm und suchten das Meeting in eine anarchist»�, Propagandaversammluiig ausarten zu machen. Die Redner,®' sich von ihrer Seite folgten, gaben die gewöbnlichen Salbaderen der anarchistischen Theorien und die üblichen Verleumdungen V® Beschimpfnngcn aller Andersdenkenden, zumal der SozialijN zum Besten. Da es augenscheinlich, daß die Herren Orore e halten, das Meeting unter Tumult auseinanderzusprengen, ei'fl," sich das Publikum mit mehr oder weniger Geduld in das®®|I Geschick, die in dem belaunteu, der Polizei.so theureu dynamitßt gehaltenen Phrasen über stch ergehen zu lassen. Es war nur c» Stimme vorhanden, um zu konflatiren, daß die Dietter der reo. lutiouären Phrase und Herrn Andrieux's— wenn auch nicht bewußt— bezahlte Arbeit leisteten, welche nur der russisch�. Botschaft zur Freude gereiche» tonnte. Die Entrüstung über>n Gebahren war allgemein. Zum Schluß gelang es doch»®�' über die Tagesordnung abzusttmmen. Sie lautet: „In Erwägung, daß unter dem Vorivand Komplots das Asylrecht, welches die Pflicht der Republik in schlimmer Weise polnischen und russischen Flüchtlingen gel über verletzt worden ist, denen nicht die geringste lleberW- der Gesetze des Landes vorgeworfen werden kann, das sie" Zuflucht gewählt;. In Erwägung, daß diese Verhaftungen von Geächteten" Frauen, diese Haussuchungen und diese Beschlagnahme von 3 meuten folglich nur zum Dttitzen, wenn nicht auf Befehl e»„ ausländischen Regierung erfolgt sind, welche gleichzeitig*! J Drohung für die Zivilisation und das größte Hinderaiß für sozialistische Entwickelung ist;_„i In Erwägung, daß in dem sie derart auf Kosten des russffijj Volks und der Gegeinvart und Zukunft der westeuropä>s",j' Ordnung; den Zarismus wachte», unsere sogenannten repu®. kanischen Regierenden das republikanische Frankreich entehrt die Humanität beleidigt habe»; protestireu die am 0. Juni' Z im Saale der Eremitage versammelten Bürger und Biiraerinm| 1 welche überzeugt sind, daß die zu Gunsten und als Preis der Uen Razzia angerufene russische Allianz ein Trug ist und einen Selbstmord Frankreichs und der Ltepublik bilden wird, protesliren diese Bürger und Bürgerinnen gegen die von Constans befohlenen Verhaftungen; geben sie der Entrüstung des Volks eine bürgerliche Republik preis, welche sich zur Polizei der asiatischsten aller Despotien her- Liebt und gemeinsame Sache mit ihr macht; und nachdem sie den Ausdruck ihrer Sympathien den Frauen und Männern übermittelt haben, welche leider, indem sie das russische Reich mit der französischen Republik vertauschten, nur 'hren Kerker gewechselt haben, fordern sie die Arbeiter von ganz Frankreich auf, de» Venirtheilungen und Ausweisungen, welche 'm Anzug sind, entgegen zu wirken. stoßenden Uinsassungsmauer je zwei der aus Winkeleisen zu sammengenieteten„Binder"(dreieckige, den Querschnitt des Daches darstellende Eisenträger) a>ifgelegt und befestigt und diese Binder unter einander durch eiserne Streben ec. verbunden worden, als die Arbeiter— etwa 40 an der Zahl— um 12 Uhr Mittags die Arbeitsstätte verließen, um zu Tisch zu gehen. Wenige Minuten später gab es einen weithin vernehmbaren Krach— die ganze Eisenkonstruktion, sowie die sie tragenden Säulen waren in sich zusammengestürzt. Die schweren gußeisernen Säulen hatten zum Tyeil das ihnen als Fundament dienende Mauerwerk aus dein Erdreich mit herausgerissen und das sonstige Fuw diruugsmauerwerk in ihrer Nachbarschaft zerstört' die Binder waren vielsach beschädigt und die leichteren Eisentheile, wie Streben, Zugslangen u. s. w., wie UoltQleS. Au» dem christlichen Geschäft des Zerr» Kttugelluule. H°rr Bolle beschäftigt in seiner„Musteranstalt" u. A. auch eine Kolonne Maurer, die ihm einen Neubau ausführen müssen. Natürlich ging Herr» Bolle die Sache nicht schnell genug, er beauftragte seinen Ingenieur, Polier«. s. w. die Maurer zur größtmöglichsten Eile anzuspornen. So geschah es auch am chonnerslag der vergangenen Woche. Man konnte die Maurer nicht schnell genug auf die Rüstung bringen, die Folge der über gropcn Eile nicht in der gehörigen Weise abgesteift war. Der Maurer Eonrad, Krautstraße v wohnhast, machte auf diese Uebel stände aufmerksam, er wurde aber trotzdem angewiesen, die Rüstung zu betreten. Als er kaum das Gerüst erstiegen hatte, brache» die Bretter und C. stürzte von der Rüstung herab und verstauchte sich bei dieser Gelegenheit den Fuß. Er setzte seinen Polier von dem Unfall in Kenntniß und blieb trotz desselben noch während des ganzen Tages auf seiner Arbeitsstelle. Ilm nächsten Morgen verfchliim werte sich der Fuß jedoch so, daß C. ärztliche Hilfe i» Anspruch nehmen und zwei Tage das Bett hüte» mußte.— Ills er am Montag in das Etablissement des Herrn Bolle zurückkehrte, um seinen rückständigen Lohn zu holen und eventuell nach einer leichten Arbeit zu fragen, wurde ihm zu seinem Erstaunen von dem Polier bedeutet, daß er wahrscheinlich entlassen werden würde, er solle nur zu dem Ingenieur gehen. Hier wurde ihm rn der That der Bescheid zu Theil, daß er entlassen sei. Der Ingenieur zahlte Herrn C. seinen Lohn aus, verbot sich alle weiteren Redensarten und Herr C. hatte das Etablissement des Herrn Bolle zu verlassen. Allerdings steht über dem Pferdestall des Meiereibesitzers das Bibelworr:„Ter Gerechte erbarmt sich seines Viehes; das Herz der Gottlosen aber ist unbarmherzig." JlcUlamc gemacht wird. Bekanntlich liefert der „Berliner Lokal- Anzeiger" einen sogen. Arbeitsmarkt(Stellen- Nachweis), wie es pomphaft an allen Säulen zu lesen ist, welcher jeden Nachmittag 4 Uhr gratis in der Hauptexpedition vertheilt wird. Damit die Sache einen wohlthätigen resp. gewichtigen Anstrich erhält, wurde am Montag Nachmittag vor der Haupt- expedition in der Zimmerstraße eine größere Menschenmenge künstlich zusammengebracht, d. h. die ca. 50 Setzer des Blattes tiüschte» sich unter die Gestalten, welche dort um diese Zeit zusammenzukommen pflegen, und wurden mit diesen zusammen, zum Zweck einer wahrscheinlich demnächst zu benützenden Reklame, in verschiedenen Gruppen, welche von dein Kompagnon des Be- sitzers, Herrn Dr. Sandstein, nieisterhaft arrangirt worden, in verschiedenen Aufnahmen von dem schräg gegenüber liegenden Haufe Nr. 59 aus photographirt. Auf solche Art und Weise wird seitens des betreffenden Verlegers die„Unentbehrlichkeit" des „Weltblattes" der Berliner Arbeiter- und Geschäftswelt vor Augen gebracht. Man sieht also von Neuem, wie's gemacht wird. do» Kerliner Eiuwoljnermrtdeamt danern die Mißstände fort. Das Publikum, das nur mit Schrecken an das alte Amt am Molkenmarkt zurück denkt, ist arg enttäuscht über die„zeitgemäßen Verbesserungen" in dem neuen Polizeipalast am Alexanderplatz. Zunächst ist die Lage des für das Auskünfte Bureau bestimmten Zimmers Nr. 359 drei Treppen hoch unglück lich gewählt. Sodann aber sind die Größe dieses Zimmers und die darin ihres Amtes waltenden Beamten in so fern vollständig unzureichend, als eine einfache Adresse kaum in l'/a bis 2 Stunden heraus zu bekommen ist. Eine Information, in welcher Form man fragen soll, und an wen man sich zu wenden habe, eristirt nicht, ebenso wenig wie eine geordnete Abfertigung je nach der Zeit des Erscheinens! Der neu Hinzukommende ist lediglich auf den Rath Erfahrener aus dem wartenden Publikum und auf die Energie seiner Ellenbogen angewiesen. Was auf dem Fragczettel alles angegeben werden muß, z. B. hauptsächlich der Geburtsort und-Tag des Gesuchten, ist nirgend angegeben, und doch ist ein Versehen dabei mit einer Verlängerung der Wartezeit um mehrere Stunden verbunden. W« nun gar zwei Adressen erfahren will, darf diese nicht aus einmal abgeben, sondern eine nach Erledi- gung der andern, lind muß so voraussichtlich vier Stunden warte». Und wie ist das Wartezimmer beschaffen? Es ist niedrig «nd schlecht ventilirt, für ca. 50—60 Stehplätze berechnet, während oft viele Wartende die Flure und Treppenaufgänge be- setzt halten. Und dabei keine Bank, kein Stuhl darin, kein Nagel an den man den Hut hängen könnte— und wehe dein, der ihn etwa, durch Unwirthlichkeit und Ueberfüllung des Zimmers ver- führt, aufbehält! �..._ . Di- Abnahm- de» Fischrrichthmtt- der Cb-rsprr- bildet nach der„Thierbörse" schon seit längerer Zeit den Gegen- stand der Klage der Fischer. Tie Negulirung dos Stromes wurde dünne Drähte verbogen. Im Augenblick des ZusammensturzeZ befand sich, wie wir hören, einer der Arbeiter innerhalb des Gebäudes und zwar in unmittelbarer Nähe der zusammenbrechenden Eisenkonstruktion. es war dies ein Schlosser, der nochmals umgerehrt war, um— die vergessene Pfeife zu holen. Er kann von Glück sagen, daß er nicht unter den herabfallenden Eisentheilen begraben und von ihnen zerschmettert wurde. Als Ursache des Zusammenbruch dürste ungenügende Befestigung der Binder auf den Auflagern des Mauerwerks angesehen werden, den Anstoß zum Falle hat unzweiselhast der heftig wehende Wind gegeben; denn die Säulen rc sind nach der Windrichtung z« gefallen. Die detreffenden Monti rungsarbeilen sind der hiesigen Bauanslalt für Eiseukonftruklion ic. von Wm. Kleefisch übertragen, deren Arbeiter gestern bereits mit der Wiederanfrichtung der eingestürzten Säulen beschäftigt waren Anr Eceplvsrvn in Spnnda» erfährt die„Post" noch einige Einzelheiten, welche die bisherigen Berichte hiesiger Blätter nach verschiedenen Richtungen hin nicht ganz genau erscheinen lassen. Die neue Pulverfabrik, in welcher das rauchlose Pulver hergestellt wird, bildet mit ihrem Zubehör einen Theil der milltärfiskalischen Anlagen, die eine große Strecke des linken Havelufers bedecken. Nördlich grenzt an das Terrain der neuen Fabrik der sogenannte Salzhof, eine Filiale der Fabrik für Salpeter und Schwefelsäure in Griesheim a. M. Diese Filiale arbeitet ebenfalls für den Militärfiskus. Nach Süden schließ sich die alte Pulverfabrik an, deren Betrieb fast ganz eingestellt worden ist; dann folgt die Gewehr- und Munitionsfabrik und weiterhin die Zitadelle. Gegenüber auf dem Eiswerder, einer »sek in der Havel, befindet sich das Feueriverkslaboratorium. !ie neue Fabrik mit den zugehörigen Baulichkeiten verschiedener Art ist auf dem Terrain des früheren Rittergutes„Haselhorst" errichtet. Die Gebäude sind ganz neu, großentheils erst im vergangenen Jahre aufgeführt. Die Tcockenhäuser sind selbstverständlich ihrem Charakter entsprechend und mit Berücksichtigung der Explosionsgefahr gebaut. Festes, schweres Material ist so viel als möglich vermieden• nur die Fniidainente bestehen aus Ziegelmauern, die Wände dagegen aus Holzbalken, zwischen welchen Platten aus Gips mit Kuhhaaren und Häcksel nach dem System Monnier bezw. Mack eingenagelt sind. Die lichte Höhe beträgt etiva 3 Meter, dann ein aus technischen Gründen nothwendiger Boden und über dem gleichfalls zirka Meter hohe» Bodenraum ei» leichtes Dach. Die Trocknung der den Häusern liegende» Schießbaumwolle erfolgt durch warme trockene Luft, welche unten eingeführt wird. Die abgekühlte feuchte Lust wird oben durch große Exhaustoren abgesaugt. Telethermometer zeige» die Temperatur der Trockenhäuser im Maschinenhause an, von welchem aus die Regulirung der Temperatur bewerkstelligt wird. Jedes Trockenhaus ist von dem anderen durch einen breiten, noch über die Hohe der Häuser 'agenden Erdwall getrennt. Auf der Unglücks- sagen in einer Reihe vier Trockenhäuser, welche fünf Erdwälle einfaßten beziehungsweise von einander absonderten. Den Schmalseiten gegenüber erhoben sich gleichfalls lange Erdwälle(je einer auf beiden Seiten), an die sich wiederum Trockenhäuser bezw. Arbeitsräume anschlössen An dem einen der äußeren von den fünf genannten Wällen be fand sich nach außen hin ein kleiner Anbau, in dem zur Zeit der Katastrophe mehrere Personen verweilten. In de» beiden Trockenhäusern, welche zwischen diesem fünften und dem vierten bezw. dritten Walle lagen, befanden sich, wie oben gesagt, zum Trocknen auf Hürden ausgebreitet, ca. 60 Ctr. Schießbaumwolle die übrigen Häuser enthielten nur geringe Mengen. Die Explosion ist wahrscheinlich von dem äußersten zwischen dein fünften und vierten Walle gelegenen Trockenhause ausgegangen und hat das nächstfolgende mit forlgerissen. Die Wirkung hat sich gemäß der Bauart und der Einfassung durch die Erdwälle vornehmlich nach oben hin geäußert. Di» Fundamente sind fast ganz erhalten, die Oberbauten dagegen vollständig weg- gefegt. Die Wälle sind mit Balkenstücken, die pfeilartig in die Luft gepflogen und wieder herabgefallen sind, form- lich gespickt. Von umhergeschleuderten schweren Steinen kann dagegen keine Rede sein, da, wie bereits erwähnt, die Fundamente erhalten blieben und die Wände gar lein festes Steinmaterial erhielten. Die Gypsplatten sind vielmehr in Staub zerflogen, der die ganze Umgebung weiß gefärbt hat. Die gute Wirkung der ErdwäUe zeigt sich darin, daß Spreng- stücke kaum über 100 Meter von der Unglücksstelle weggeflogen sind. Was auf weitere Entfernungen Schaden augerichtet hat, ist nicht umherfliegendes Baumaterial, sondern der ungeheure Luftdruck, der sich insbesondere zwischen dem fünften und einem der oben erwähnten langen Wälle hindurch wellenförmig nach Westend- Charlottenburg- Berlin zu fortwälzte. Tie Wirkung dieses wellenförmigen Druckes zeigt sich charakteristisch an dem Anbau des fünften Walles. Die Lustwclle hat sich über den Wall auf das Dach gewälzt und dieses am Walle entlang hinab gedrückt, so daß es von der erhalten gebliebenen Frontwand schräg herunterhing. Von einer Verschüttung der in diesem Räume be- findlichen Arbeiter kann man kaum reden, da ihnen unter dem schräg herabhängenden Dache ein ziemlich großer freier Platz blieb, zumal die Seitenwände nach auswärts herausgedrückt waren. Ein in der Oeffnung zwischen den oben genannten beiden Wällen im Hauptzuge des Luftdruckes stehender Handwagen wurde wie ein Kartenblatt umgedreht. Daß an den benachbarten Gebäuden fast fäinmtliche Fenster- scheiben eingedrückt wurden, ist bereits mitgethcilt worden. Auch die gußeisernen Fenstereinfassungen wurden zum Theil ivie die Glasscheiben zersplittert. Ueber die Wirkungen auf größere Entfernungen ist ebenfalls schon berichtet. Tie Uhr am Wasserthurm ziemlich an der Havel blieb auf 12 Uhr 40 Min., die am Feuer- iverkslaboratorium auf dem Eiswerder auf 12 Uhr 45 Minuten stehen. Merkwürdiger Weise hat man beide Uhren noch nach- träglich schlagen hören. Was die Verletzungen betrifft, so be- stätigt sich, daß alle glücklicher Weise nur leichter Natur sind. genüber der genannten der Rangirgeleise der To'5' r"'~------- �.------ Q* 9roß� erst von drei Seiten durch Umfassungsmauern be- tief' s, Tiauwerk ist etwa 80 Meter lang und 60 Meter ..J' drei große Thore werden den Wagen bequeme Ein- des Ausfahrt gestatten. Die noch fehlende vierte Seite mf, Gebäudes wird eine Mauer aus Fachwerk abschließen. „Jlül oben hin soll die Werkstatt durch ein dreigliedriges Dach Ii* Eisenkonstruktion abgedeckt werden; für die neben einander .„ Landen drei Dächer, deren äußerste sich auf die Umfasfnnas- fbi lctn Dützen, sind drei Säulenreihen vorgesehen, welche in Ab- ruht utm Zirka 12 Metern angeordnet sind. In der Längs- chlung mißt die Entfernung von Säule zu Säule etwa 8 Meter. tZ>ur das nach Osten zu belegene Dach bestimmten acht Säulen, Jren jede zirka 6 Meter hoch ist waren in den letzten Tagen »— f... n' diesem und dem stark beschädigten zweiten Trockenhause saß, kam <—:r. c-r.•>- davon. Ter Abtheilnngschef enrrnc-Major Gerhards, erschien als bald auf der Unglücksstelle. Derselbe war auf den im Kriegs lninisterium vernommenen Knall hin sofort nach Spandau geeilt, ohne erst eine Anzeige abzuivarten. Zukunft und G-gcnniart. Dieser Tage hielt vor einer Gartemvirthschaft eine hochelegante Kalesche, der Besitzer war ausgestiegen, der Kutscher saß hinten auf dem Bock, in der einen Hand die Zügel, in der anderen ein Buch, in welchem er mit größter Aufmerksamkeit las. Die Lektüre mußte ihn sehr intcr- essiren. Welches Buch mochte es wohl sein? Genuß ein Kol- portage-Ronian? Doch der Titel war nicht zu sehen. Da kommt der Herr aus dem Garten— offenbar ein Kommerzienrnth. Ter Kutscher klappt das Buch zu und wir lesen auf dem Titelblatt: Ein Rückblick aus dem Jahre Zweitausend". Ä j�e zirka 6 Nieter hocy ip, um..............„ dn,ne.� Semanerten, mit starke» Granilplatten abgedeckten Fun- 1 Also B e l l a n... .... n.... W.4 ÄfSUÄ neunzehnten Jahr- Mbehor sitzen osselenker der die bürgerliche Gesellschaft am Ende de Hunderts— die Herren Kommerzienräthe nebst noch in der Kutsche, auf dem Bock aber sitzt als Sozialismus.— G-fchicht- eine« Ch-vingrs. Jetzt, wo die Hundstage nahen, gehen unter anderen merkwürdigen Geschichten solche von verlorenen und wiedergefundenen Eheringen durch die Presse. Wir wollen diesen Geschichten eine neue anfügen, die sich mit den anderen sehr ivohl vergleichen kailii und obendrein den Vorzug hat wahr zu sein. Während des Internationalen Arbeiterkongrefses verlor einer der deutschen Delegirten in Paris seinen Ehering. Die Droschke, in der er vor Entdeckung des Verlnstes gefahren, wurde genau durchsucht, das Kougreßlokal desgleichen— alles umsonst, und auch die Pariser Polizei, welche in Kenntniß gesetzt ward, konnte den fehlenden Ring nicht herbeischaffen. Der Dele- girte reiste nach Deutschland zurück ohne seinen Ring, den er für immer verloren hielt. Monate vergingen, dreiviertel Jahre und mehr. Anfangs Mai d. I. fuhr der ehemalige Kongreßdelegirte nach Berlin zum Reichstag. Er hatte liebenswürdige Gesellschaft, einen konservativen Kollegen, mit dem er sich lebhaft unterhielt. Im Laufe des Gesprächs erhebt er sich,— man war schon in der Nähe von Berlin— um ein Buch in den Koffer zu stecken. Als er sich setzen will, sieht er auf seinem Sitz etwas Glänzendes. Es ist ein Ring. Er denkt, es ist der neue Ring, welchen er trägt, und der sich vom Finger abgestreift habe. Nein, der neue Ring ist richtig am Finger,— es ist ei» anderer llting.„Sie haben Ihren Ring verloren", sagt der Kollege, welcher den gläu- zenden Gegenstand bemerkt. Der ehemalige Kongreßdelegirte hebt den gefundenen Ring auf, und wer beschreibt sein Erstaunen— — es ist der in Paris verlorene Ehering. Er ist einen Moment ganz verdutzt, dann blitzt ihm aber die natürliche Lösung des Wunders durch den Kopf: er hat zur Reise nach Berlin einen Rock angezogen, den er seit dem Tag, wie er den Ring in Paris verlor, nicht getragen hatte. In einer Tasche, vielleicht auch Falle dieses Nockes war der Ring, der sich offenbar vom Finger abgestreift hatte, hängen geblieben, und gerade mm, nach Verlauf von drei Viertel Jahren war er, wahrscheinlich durch Herausziehen des Taschentuchs,— zum Vorschein gekommen. Zwei Reichstags- abgeordnete können die Richtigkeit dieser Ringgeschichte bezeugm; und Neichslagsabgeordnete lügen bekanntlich nicht.— D-r tolle Ritt-ine» Ulnlinstnnigr» erregte am Freitag Abend zwischen 7 bis 9 Uhr in de» Straßen unserer Nachbar- residenz Potsdam großes Aussehen. Seit einigen Monaten zeigte der im besten Mannesalter stehende Ziegeleibesitzer Gustav Fr. in Werder a. H. Spuren von Geistesgestörtheit, welche sich mit der Zeit so steigerten, daß seine Angehörigen beschlossen, den sonst mit allen Glücksgütern gesegneten, bedauernswerthen Mann nach der Maison de saute in Schöneberg zu bringen. Am Freitag sollte dies ans- geführt werden. Der Kranke scheint davon Wind bekommen zu haben, denn plötzlich war et aus dem Hause verschwunden, um gleich darauf, auf einem Pferde sitzend, wieder zu erscheinen. Zuerst ritt Fr. auf seinem Acker kreuz und quer, wandte sich bann aber, als er sah, daß man ihn wieder ins Haus locken wollte, zu schleunigster Flucht. Inzwischen hatte der Brauerei- besitzer Bauer in Werder sei» Pserb gesattelt und folgte nun dem wie mit der Windsbraut dahinjagenden Fr. Uever Baum- gartenbrück, Caputh und Templin ging die wilde Jago bis nach Potsdam, woselbst Fr. in der Leipzigerstraße beinahe mehrere Kinder überritten hätte. Mit schweißtriefenden Rossen langten beide Reiter in Potsdam an, da» Pferd des Fr. hatte bei dem Ritt drei Hufeisen verloren, ebenso einen Steigbügel, trotzdem hielt sich der Kranke, welcher einen Hut mit langer Reiherseder Eng und wild um sich blickte, 'est im Sattel. In den Straßen der Altstadt wurde nun eitens des Herrn Bauer die Verfolgung fortgesetzt, sooald aber Fr. seines Verfolgers ansichtig wurde, gab er seinem Pferde die Sporen und entrann ihm. Natürlich sammelte sich durch dieses Hin- und Herreiten eine Menge Mensche»_ an, welcbe anfänglich glaubten, man habe es mit einem Pferdedieb zu thnn. Endlich gelang es in der Schwerdt- segerfiraße dem zufällig des Weges kommenden Ziegeleioesiyer Lüdicke das Pferd des Fr. auszuhallen. Fr. wurde nun zu- nächst nach der Kempinsky'schen Weinstube gebracht, wo er durch seine erregten Manipulationen auf dem Balkon noch längere Zeit große Menschenaufläufe veranlaßte. Inzwischen hatte man den dirigirenden Arzt deS städtischen Krankenhauses Dr. La Pierre, sowie den Dr. Ziegler kommen lassen, welchen es gelang, den Fr. iinter Assistenz von drei Krankenwärtern per Droschke nach dem städtischen Krankenhanse zu befördern. Eine mitgebrachte Zwangs- jacke erwies sich als unnöthig. Später trafen im Krankenhause der Bürgermeister ans Werder, sowie Angehörige des Kranken ein, welche noch in der Nacht die Ueverführung desselben nach Schöne- berg veranlaßte». ' Am Kountng Dach mittag um 4 Uhr sprang ein 24jähri- ges Mädchen aus Levensübervrnß an der Köpenicter Brücke in ve» Luisenstädtischen Schiffsahrtskanal. Ilm diese Zeit ist in der dortigen Gegend ein reger Verkehr von Sonntagsausflüglern, welche die 5töpenicker Straße entlang nach den Treptower An- lagen passiren, es ist deshalb erklärlich, daß bald eine große Menschenmenge die Unglücksstätte umstand. Unter den Zu- schauern befand sich der Unterossizier Schröder von der II. Kompagnie des Garde-Pionier-BataiUons, welcher sich nach Entlebi- gung einiger Kleidungsstücke der grojzen Mühe, die Lebensmüde zu retten, unterzog. Dieses gelang demselven zur Freude aller llmstehenden. Die Lebensmüde wurde unter Assistenz eines Schutzmannes und anderer, nachdem Wiederbelebungsversuche von Erfolg gekrönt waren, nach dem uaheliegeiiden Hause Engeluser 2 zum weiteren Transport befördert. Dalizribericht. In der Stacht zum 14. d. M. wurde eine Frau in ihrer Wohnung in der Hagelsbergersiraße erhängt vor- gefunden. Die Leiche ivurde nach dem Scyauhause geschafft.— Am 14. d. M. Stachmittags war ein 4jähriger Knabe von der im vierten Stockwerk des Hauses Andreasslraße Nr. 4 belegenen elterlichen Wohnung auf das vor dem Fenster angebrachte Blumenbrett geklettert und stürzte von da ans den Hof hinab. Schwer verlegt, aber noch lebend, wurde er in die elterliche Wohnung gebracht.— Abends wurden ein Reisender und dessen Geliebte in ihrer gemenischastliche» Wohnung am Weinbergswege mit Schußwunden im Kopse todt im Bette liegend aufgefunden, augenscheinlich hat Ersrerer erst seine Geliebte und dann sich selbst erschossen. Beide Leichen wurden nach dem Schauhause geschafft.— Am 14. d. M. fanden Etralsunderstr. 2 ein Dachstuhlvrand, und in der Eruneivaldstr. 16 und Goebenstr. 9 kleinere Feuer statt. — Am 15. d. M. wurde auf dem Kloset des Schlesischen Bahn- Hofes die Leiche eines 3— 4 Tage alten Kindes, in Stücke zer- hauen, anfgefunden.— An demselben Tage Vormittags war eine Frau in ihrer Wohnung in der Rügenerslraße mit ihrem Ehe- man» in Streit und Schlägerei geralhen und brachte diesem dabei mittelst eines Taschenmessers lebensgefährliche Verletzungen der Lunge und am Kops bei, so daß er»ach Anlegung eines Roth- Verbandes nach dem Lazarns-Krankenhause gebracht werden mußte. Die Frau ist verhastet.— Nachmittags sprang ein Mädchen in selbstmörderischer Absicht in den Louisenstädtischen Kanal, wurde edoch, ohne Schaden genommen zu haben, wieder herausgezogen und nach ihrer Wohnung gebracht. A vlt eiteovetoeAN n S. fcatTS beäVanltenenAÜflcigen'der'an- i von der Zeit, wo es"keine'Ko.nmerzienräthi mehr�giebt" Das'ist zur siebenten jeder der sechs hat der Lon- De» streikende» Hamburger Arbeiter»» doner„Sozialdemokrat" 1000 M. überwiesen. Hamburg, den 14. Juni. Die biederen Schlächter- I n n u n g s m e i st e r haben sich den, Anscheine nach doch etwas verrechnet, als sie glaubten, ihre Gesellen»vürden schon vor dem Sttrnrnnzeln ihrer gestrengen Meister in ein Mauseloch kriechen, Die Schlächtergesellen haben eine alle Anerkennung verdienende Entschlossenheit und Einigkeit gezeigt und mancher Meister mag schon jetzt innerlich bedauern, von seinen Gesellen den Austritt aus dem Verein verlangt zu haben. Originell sind die Mittel, welche die Meister anwenden, ohne Gesellen ihre Kundschaft einigermaßen zu befriedigen. So setzt der Inhaber eines der größeren Geschäfte sechs Droschkenkutscher in Nahrung, welche den Tag über„seine Leute" zu der Kundschaft fahren müssen. In den Droschken sitzen natürlich keine Schlächtergcselleu, sondern Frau, Töchter und Dienst- mädchcn des Meisters, welche den Kunden das bestellte Fleisch bringen. Ob sie sich dabei der üblichen Mulden bediene», wissen wir nicht. Andere verschicken nachfolgendes Zirkular (welches jedenfallsDdie Innung en gros hat herstellen lassen, da die Unterschrift handschriftlich beizufügen ist) an ihre Kunden: «P- P- Zu meinem Bedauern habe ich Ihnen ergebenst mitzu- theilen, daß auch die Schlächtergesellen die ansteckende Mode des Streikens mitmachen wolle». Mehrere Gesellen haben bereits im Laufe der Woche die Arbeit niedergelegt, die meinigen mit dem heutigen Tage. Ersuche Sie deshalb höflichst, in diesen Tagen Ihren Bedarf gefälligst holen zu lassen, bis ich, wenn keine Einigung mit den jetzigen Gesellen zu erzielen ist, für Ersatz ge- sorgt haben werde. Hochachtend.. Die im Zirkular erwähnte Einigung wäre doch sehr leicht zu erzielen: Die Meister brauchen blos ihre Eingriffe in das Selbstbeslimmungsrecht der Gesellen zu unterlassen! Leipzig. In der am 13. Juni in Leipzig einberufenen all- gemeinen Metallarbeiter- Versammlung wurde Bericht über den Verlauf des vom 26. bis 31. Mai in Weimar abgehaltenen Metall- arbeiter-Kongresses erstattet. Die Versammlung erklärte sich nnt allen Kongreßbeschlüssen einverstanden und beschloß die Verbreitung eines Flugblattes, um das Publikum über den Hamburger Aus- stand j aufzuklären. Hieran schloß sich ein kurzer Bericht über den zu gleicher Zeit mit dein allgemeinen Kongreß der Metall- arbeiter in Weimar abgehaltenen Schlosserkongreß, welcher von 33 Delcgirten aus 45 Orten besucht war und auf welchem nur beschlossen wurde, eine allgemeine Metallarbeiter-Union anzu- streben. In Köln wurde am 12. Juni eine Dachdecker- und Bau- klempner- Versammlung abgehalten. Unlängst war in einer der größeren Werkstelle die Arbeit eingestellt worden. Die Gesellen einer anderen großen Werkstelle haben nunmehr die Arbeit auch niedergelegt. Man beschloß, daß die Lohnkoinmission mit den feiernden Gesellen zu dem betreffenden Meister gehen und ihm ein Schriftstück zur Unterschrift vorlegen solle, worin derselbe sich verpflichtet, die Gesellen säiymllich wieder einzustellen und nur a» selbst übernommenen Bauten arbeiten zu lassen. Wenn die Unter- schrift nicht erfolgt, so will man weiter feiern. In der erfteren Werkstelle will man die Arbeit nicht eher wieder aufnehmen, bis die betreffenden Gesellen wieder eingestellt sind. In Lyon ist ein umfassender Streik der Gasarbeiter aus- gebrochen. Er wurde durch die Entlassung eines Heizers hervor- geru,e». Während die Arbeiter zunächst nur die Wieveranstellung dieses Arbeiters verlangten, bestehen sie jetzt auch auf einer Lohn- erhöhung, sodaß Arbeiter aus St. Etienne aufgeboten werden mußten. Auch sollten Soldaten zur Aushilfe heroeigerufen wer- den. Die Direktion der Gesellschaft hat inzwischen mit aller Bestimmtheit erklärt, daß sie aus die Forderungen der Arbeiter keineswegs eingehen will, da sie sich von diesen in einer durch- aus inneren Angelegenheit keine Vorschriften ertheilen lassen will. Sozinlo Xlf&cfjirftf. Achtnng, Drechsler(Perlmuttarbeiter). Dienstag, den 17. d. M. findet eine öffentliche Versammlung der Perlmutt- arbeiter statt, in welcher der Nutzen der Vereinigung der Drechsler Deutschlands für die Perlmuttarveiter Berlins untersucht werden soll. Da die Letzteren der Vereinigung als Filiale angehören, kann resp. soll die einberufene Vcrsainmlung doch wohl nur dazu dienen, dem persönlichen Egoismus zu schmeicheln, um dadurch dann einen Lokalvcrein der Perlmuttarbeiter Berlins ins Leben zu rufen. Sollte das zu Stande gebracht werden, so würde das einen Rückschritt in der Arbeiterbewegung bedeuten gegenüber dem energischen Vorgehen der Fabrikanten und Arbeitgeber. Es dürfte doch ivohl genügen, nur auf die Vorgänge in Hamburg hinzuweisen, auf die neu ins Leben getreteneu Ringe der an der Schuh- und Stiefelfabrikation betheiligten Interessenten, auf den neu erstandenen Verband aller in der Holzbranche thäti- gen Fabrikanten, sowie speziell auf das Vorgehen des Herrn Obermeister Meier(Drechsler), welcher den Versuch macht, alle in dem DrechSlergewerbe vorhandenen Jnteressirten, gleichviel welcher Branche angehörend, zu einem Verbände über Deutschland zu einigen, um so den unberechtigten Forderungen der Gesellen mit mehr Nachdruck entgegentreten zu können. Ferner wiro der Vorwurf gegen die Vereinigung erhoben, daß dieselbe bis jetzt noch nichts für die hiesigen Perlmuttarbeiter gethan habe, jedoch schon von denselben Beiträge in Empfang genommen. Es zeigt dies von wenig Verstündniß. Glauben denn Einige, daß sie dann, wenn sie heute dem Verein beitreten, derselbe dann gleich sagen werde, dies genügt, nun arbeiten wir die ganze Produkiion um und machen unsere neuen Mitglieder morgen zu wohlhabenden Aktionären? Möge denn auch die stattfindende Versammlung nur dazu dienen, Klarheit zu schaffen aber nicht, um die Kraft des Widerstandes der Arbeiter zu untergraben. Ferner hat sich das Gerücht ver- breitet, als dürsten in der Versammlung nur Perlmuttarbciter sprechen, ich glaube aber doch wir Arbeiter haben keine Ursache der Meinung eines Berussgenossen unser Ohr zu verschließen. F. A. Rautenberg, Prinzesstnnenslr. 22. A» die Arbeiter Dentschlnndo. Kameraden, Arbeiter! Schon seit dem 6. Mai definden wir uns im Streik und noch ist nicht abzusehen, wann derselbe beendet sein wird. Jetzt ver- langen die Arbeitgeber nicht nur, daß wir zu den allen Be- dingungcn arbeiten sollen, sondern auch Austritt aus dem Fach- verein und Einbehaltung von 10 pCt. des Arbeitslohnes. Wer sich diesen Bedingungen nicht bis zum 11. d. M. unterworfen hat, soll in diesem Baujahre bei den Mitgliedern des Arbeit- gebervundeS keine Arbeit mehr erhalten. Wir sind nun nicht ge- willt, diese Bedingungen anzunehmen und kein Arbeiter wird uns dies auch zumuthen, sondern wir wollen bis zur Erfüllung unse- rer Forderung ausharren., An Euch, Kameraden aller Orts, richten wir nun die Bitte, uns in unserem gerechten Kampfe zu unterstützen, indem Ihr Euer Solidaritätsgesichl, das Ihr so oft bewiesen habt, auch an uns beweist und uns dadurch zum Siege verhelft. Man versucht, Arbeitskräfte von auswärts hierher zu locken, indem das Gerücht ausgesprengt wird, der Streik sei de- endet. Kameraden, laßt Euch»ich? beihören und haltet den Zu- zug fern! Gleichzeitig bitten wir um Nachricht, wo Kollegen anderweit Beschäftigung finden können, denn die Zahl der Strei- kenden ist sehr groß. Die Streikkommission der Kalk- und Stein- träger Steltins. I. A.: Albert Berger. Alle Briefe und Sendungen sind zu richten an G. Feilke, Stettin, Fort Preußen 25. Alle arbeitersreundlichen Blätter werden um Abdruck gebeten. An die Tabaliarbeitrr und Arbeiterinnen de« König- reich« Sachsen Bezugnehmend auf den§ 24 des sächsischen Vereinsgesetzes ist es unS unmöglich, Zahlstellen des in B r e m e n domizilirten Unter st ützungsvercins deutscher Tabakarbeiter zu gründen. Da aber statistisch nachgewiesen wird, daß in Sachsen nach Schlesien innerhalb unserer Branche die Löhne am niedrigsten sind, so fühlt sich die in einer öffent- lichen Tabakarbeiter- und Arbeiterinnen-Bersammlung gewählte Kommission, welche beauftragt wurde, für Sachsen einen Kongreß einzuberusen. verpflichtet, mit den Vorarbeiten zu beginnen. Als weiterer Faktor für diesen Schritt kommt die Aktion der Fabrikanten in Betracht. Diese gehen mit der Er- Weiterung und Befestigung ihrer Vereinigung, indem sie Ausrufe und Broschüren an alle Arbeitgeber versenden, vor,.»>» durch dieselbe das klassenbewußte Auftreten unsererseits gegen- übertreten zu können oder auch dieses Bestreben gänzlich zu zerstören. Aus diesen Gründen ist zu ersehen, daß es eine unbedingte Nothwendigkeir ist, die bestehende Organisation mehr zu erwei- tern, um dadurch dem Bestteben der Fabrikanten einen festen Damm entgegen zu setzen. Wir wissen wohl, daß ein Kongreß allein nicht im Stande ist, Fragen der schwierigsten Art zu lösen, hoffen aber, daß er dazu beitragen wird, die Zweifel und Verwirrungen aufzuheben, die durch das sächsische Vereinsgesetz entstanden sind. Wir richten daher den Appell an die Tabakarbeiter aller Ortschaften, sich mit lebhaftem Interesse dem Kongreß anzu- schließen. Es ist nothwendig, daß aller Orts öffentliche Versammlungen mit der Tagesordnung„Stellungnahme zum Kongreß der Tabak- arbeiter und Arbeiterinnen des Königreich Sachsen", abgehalten werden. Sollte es in einzelnen Orten an Rednern fehlen, so ist die Kommission bereit, diese zu besorgen, auch wird dieselbe, so weit es in ihren Kräften liegt, wo es an Geld fehlen sollte, hilfreich zur Seite stehen. Wir müssen aber aus die Opferwilligkeit im Allgemeinen rechnen. In Anbetracht der Sachlage haben wir Dresden als Ort für den Kongreß gewählt. Die Tagesordnung und Zeit des Kongresses geben wir später bekannt. Also vorwärts, es ruft die Pflicht. Dresden, inr Juni 1890. Die Kommission. Wilhelm Herrmann. Robert Meyer. Gustav Lepehne. Gustav Hanschke. Carl Krafzig. Anfragen u. f. ,w. sind an G. Lepehne, Hechtstr. 11. II zu richten. Alle im Königreich Sachsen gelesenen arbeiterfteundlichen Blätter werden um Abdruck gebeten. VevlÄmmlmrgcn. Der Fachverein der Gas-, Wasser-, Heisungorohr- leger und Berussgenossen hielt am Sonntag, den 8. Juni, seine regelmäßige Mitgliederversammlung in Fcuerstein's Salon, Alte "akobstr. 75, ab. Die Tagesordnung lautete: 1. Vortrag des icrrn C. Pirch, über„5koalitionsrecht". 2. Diskussion. 3. Ausnahme. 4. Wahl eines Revisors. 5. Verschiedenes und Frage- kästen. Zu Punkt 1 reserirte Herr Pirch über„Koalitionsrecht". Derselbe erläuterte und erklärte zunächst den§ 152 der Gewerbeordnung, welcher den Arbeitern das Recht zugesteht, sich zu ver- einigen zur Erringung besserer Lebensbedingungen, und wie die Antworten sind, wenn der Arbeiter auf sein ihm gesetzmäßig zu- stehendes Recht Anspruch erhebt. Das Koalitionsrecht bestehe wohl für denArbeiter nur ans dem Papier, denn§ 153 mache dasselbe vollständig illusorisch. Das Koalitionsrecht besteht heute nur noch für den Unternehmer, datz sähe man an den Unternehmeverbänden; trotz- dem dieselben gegen§ 153 verstoßen, hat sich bis zur Stunde noch kein Staatsanwalt gefunden, diesen Herren ihr Hand- werk zu legen. Nachdem Redner noch die verschiedenen Mani- pulationen, wie schwarze Liste», Vermerkungen auf den Arbeits- scheinen u. s. w. der Unternehmer gegen ihnen mißliebige Per- onen geschildert, kam Redner auch aus die Maßregelungen der Fabrikanten gegen Arbeiter, welche gewerkschaftlichen Organi- ationen angehören, zu sprechen. Höchp sonderbar und ungerecht ei es, daß inan diesetwegen maßregelt, denn dem Arbeiter sei es bis jetzt noch nie in den Sinn gekommen das Gleiche zu thun, oder vielleicht zu streiken, weil der Unternehmer einem Verein an- zehört oder konservativ gewählt hat. An verschiedenen Beispielen ührte Redner an, wie sich die Kapitalisten an das kehren, was linst von höchster Stelle proklamirt worden; auch erinnerte der- elbe an den großen Bergarbeiterstreik vorigen Jahres. Nachdem Referent noch einen Vergleich der Paragraphen der Gewerbe- ordnnngs-Novelle der Regierungsvorlage und denen der Arbcitervertreter deö Reichstages angestellt, verlangt derselbe die Gleichberechtigung der Arbeiter in allen Theilen. Der Vorsitzende dankte dem Redner fiir seinen Vortrag. Eine Diskussion fand nicht tatt. Der dritte Punkt: Aufnahme neuer Mitglieder, fand während einer längeren Pause statt. Punkt 4: Wahl eines dritten Revisors. Gewählt wurde Kollege Gustav Reglin. Zum 5. Punkt: Ver- chicdenes erhielt Herr Geffroy das Wort. Derselbe knüpfte an )as Referat an, schilderte das Vorgehen des Hamburger Unter- nehmerthums gegen ihre Arbeiter und ersucht die Mitglieder ein- zutreten für Letzlere, sie zu unterstützen durch Geldmittel, damit diese den Sieg erringen. Ferner wurde ein Antrag angenommen, daß die arbeitenden Kollegen des Fachvereins eine Extrastcuer zahlen sollen, je»ach ihren Kräften, damit die, durch den Streik arbeitslos Gewordene» oder Gemaßregelten über Wasser gehalten , verden können. Nach Erledigung des Fragekastens machte der Vorsitzende auf die am 22. Juni stattfindende Fachvercins-Ver- sammlung aufmerksam und schloß hierauf die Versammlung um " Uhr Nachnnttags. Eine össentliche Uersammlnng der Schraubrn-Lason- dreher Dertino tagte am Dienstag, den 10. d. M., in Deig- müller's Salon, Alte Jakobstr. 48a, mit folgender Tagesordnung: 1. Vortrag über Arbeiterschutzgesetze. 2. Bericht des Delegirten vom Kongreß zu Weimar. 8. Diskussion. 4. Verschiedenes. Das Bureau bildeten die Kollegen Stabernack, Thate und Klope. Punkt 1 mußte zurückgestellt worden, da der lllescrent nicht er- schienen war. Zum 2. Punkt stattete Kollege Hirsch Bericht vom Bielallarbeiter-Kongreß zu Weimar ab, und verlas zum Schluß sämintliche Resolutionen, welche dort angenommen wurden; dieselben fanden bei allen anwesenden Kollegen volle Zu- stimmuug und wird in Zukunft darnach gehandelt werden. Sodann kani Kollege Hirsch noch auf die Aussperrung der Hain- burger Metallarbeiier zu sprechen, und warnte die Anwesenden nach dort zu reisen, denn bei dieser Aussperrung muß es sich zeigen, was stärker sei, Kapital oder Arbeit. Äln Ver Diskussion betheiligten sich die Kollegen Stabernack und Gützow, welche den Bericht noch ergänzten resp. erweiterten. Unter Verschiedenes wurde vom Kollegen Gützow die Frage angeregt, wie wir uns in Zukunft zu den Kollegen stellen, welche ihre Unterschrist den Fabrikanten geben mußte», keinem Fachvcrein»lehr anzugehören? Doch wurde von einer Diskussion dieser Frage der vorgerückten Zeit wegen abgesehen. Sodann schloß der Vorfitzende die Ver- sammlung mit einem Hoch auf die internationale Arbeiter- bewegung. Eine gut besuchte Dersninmlnng de« Dereina der Sattlee und Fachgenosseu tagte am Sonnabend, den 7. Juni, in Deigmüller's Salon, Alte Jakobstr. 43a. Die Tagesordnung lautete: 1. Vortrag des Herrn Lütgenau über Antisemitismus. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Ter Vorsitzende ertheilte nach Verlesung des Protokolls Herrn Lütgenau das Wort. Redner schilderte ausführlich den Ursprung des Antisemitismus, wo derselbe besonders vorherrschend, welche Kategorien im Volke ihm angehören. Seine Ziele sind die Be- kämpfung des jüdischen Kapitals und die Vesserstellung des Kleingewerbes, auf dem allein soll Teutschlands Heil beruhen. Der Redner weist auf die Bestrebungen der modernen Arbeiter- bewegung hin, welche nicht das jüdische Kapital, sondern das Kapiial überhaupt bekämpfe, gemäß den Marx'schen Theorien, welche der große Agitator Lassalle anerkannt hatte. An der Diskussion betheiligten sich einige Kollegen, die im Sinne des Herrn Referenten sprachen. Zu 3. Verschiedenes, stellten mehrere Kollegen Fragen an Herrn Lütgenau, welche nach Wunsch erledigt wurden. Ferner wurde von der Lohnkommission der Brauer bekannt gemacht, daß, nachdem vier Brauereien bereits kapitulirt, die Forderungen bewilligt haben, unter fernerer Wahrung der Solidarität, nur von diesem Bier Gebrauch gemacht werden kann. Der Vorsitzende machte die den 21. Juni stattfindende Versammlung bekannt mit dem Vortroz Herrn Kenziorä,„das sozialistische Element in der National- Oekonomie." Schluß 123/4 Uhr. Am Montag» de» 9. Juni, hielt der Fach- verein der Metallsch leiser und Berufsgenossea in Gründel's Rcstaurent, Dresdenerstr. 116, seine erste Versammlung mit der Tagesordnung ab: Stellung zur Fachorganisation. Da der Referent nicht erschienen war, übernahm Herr Gründet den Vortrag, welchen er nach einer einhalbstündigen Rede mit der Mahnung schloß, daß sich alle Metallarbeiter Berlins der nun be- stehenden Organisation anschließen müßten. In der darauf folge den Diskussion kritisirte Kollege Niemetschek scharf das Alters- und Jnvalidengesetz, indem er hervorhob, daß es doch nur einige unter den Arbeitern giebt, welche das Alter von 70 Jahren erreichen, und dann mit 83' 3 Ps. exi stiren zu sollen, wäre geradezu unmöglich. Weiter sprachen die Kollegen Schwarz und Peter, welch' letzterer erwähnt, da? es wohl nothwendig wäre, einen Arbeitsnachweis zu gründen, um den arbeitslosen Kollegen Gelegenheit zu geben, nicht mehr den Tag über herumzulaufen, und den Meistern Gelegenheit zu geben, jeder Zeit tüchtige Gesellen zu bekomme». Da die Zen vorgerückt war, beschloß man, dieses auf die nächste Tage-- ordnung zu setzen, worauf der Vorsitzende die Versammlung nnt einem Hoch auf das Gedeihen des Fachvereins um 11'/e Uhr schloß. Der Derei» zur Wahrung der Interesse» der Lachirrr Serlin« und Wngcgend hielt am Moittag, den 9. Juni, bei Zemter's, Münzstraße 11, seine Mitglieder- Versammlung mit der Tagesordnung ab: 1. Vortrag: Die Ursachen der Verbrechen. Re- ferent Fr. Behrendt. 2. Diskussion. 8. Ausnahme neuer Mitglieder. 4. Verschiedenes.— Der Referent erledigte sich seiner Ach- gäbe in sehr zufriedenstellender Weise, worauf ihm der Vorsitzende den Dank der Versammlung aussprach. In der Diskussion sprachen im Sinne des Referenten die Kollegen Schüßler und Jungermann. Unter Verschiedenem wurde Kollege Neubauer in die Arbeitsnachweis-Kommission gewählt, da Kollege Wegner das Amt niedergelegt hat. va»»»r»in i?«riin»r Kiib!,.,»»r. Am Dienstag, den 17. Juni, Abends 9% Uhr, im Lou>senstadIii-heN Äludhauk, Zlnnenstrasts ic: BidUolh-laben». S-schäsilicheS. Verschiedene«. Da« Erscheine» aller Mitglieder tsi sehr "'°Srnes-tdcr S>'»d(Mitgliedschaft Berlin) Restaur. Weick, Aleranderstr. s>, MbC£Bo,tntirmokrotirch»* S»r«-»nd JlUsmtlrbtub„Frei>,»»". Sitzung jeden Tonneriiag, Abends s Uhr, im Restaurant Schneider, Adalbertstraste s. iSästc, durch Mitglieder eingeführt, hciben Zutritt. Allgemeiner MetaUarheiter-Uerein Gerling»nd Hlmgegend. Die Bibliothek des Allgemeinen Meiallardeiter-Vereins bcstndel sich im Süden. Restaur. Schmidt, Rillerstrasti m, und im Norden bei Schayer, Brunnenstrabe 10. Die Ausgabe der Bücher erfolgt jeden Montag und Donnerstag, Abends von 8-9% Uhr..... � � UerciniguuB der yrechaler Beutschiaud«. Kerl,» 4 lUarden) hau am Dienstag, den 17. Juni, Abend« 8 Uhr, im Lolale de« Herrn Snadi, Brunnenstr. 38, eine Aerjammlung ab. Tagesordnnng::. Was lehren uns die neuesien Nniernehmer-Verbünde? Referent Herr Pirch. 2. Distujiion. 3. Abrechnung vom Maskenball, i. Besprechung über den Zweck der 2lgi- lalionsmarken. s. Berschiedenes und Jragekaslen. Ter wichtigen Tagesord- nung wegen ist das Erscheinen eines Jeden ist erwünscht. ««sang-. Turn- und grl-Uigc»1-rrine am Dienstag. Eesangverein „Nulenberg" Abends SV Uhr im Restaurant Quaiidt, Slialauerstraße 43.— Eesangverein„Alpenglühen" Abends 9 Uhr in» Restaurant Hildedrandt, Prinzen- jiraste 97.— Schaser'scher„Gesangverein der Elfer" Abend« 9 Uhr bei Wo» und Krüger, Slalitzerslr. 129, Gesang.— Männergesangverein„Garrenlaube Abends 9 Uhr im Resiaranr Firk, Koltbuserstraste 22.— Gesangverein Bouvardia"(Männcrchor) Abends Zs Uhr im Restaurant„Deulonia", Bei forlerstraste 13.— Männeraesangverein„Sieinnelke" Abend« 9 Uhr im Reslaü rank Schulz, Sieilinersirabe 39-37.— Gesangverein„Harmonie" Abends 8 Uhr in NeuIam'S Bierhau«, Große Frankfurterstr. 49.— Mcinnergesang- verein„Echo Ii" AbendS 9 Uhr im Restaura»! Drillhose, Rosenihalerstr. II—>2. — Gesangverein„Sängerhain" Abends 9 Uhr im iltestaurani Kaiser-Franz- Grenadierplatz?.— Gesangverein„Bruderherz" Nebungssiunde Abends von 9%— 11% Uhr. Ausnahme neuer Atitglieder.— Gesangverein„Hoffnung Moabit" Abend« 8% Uhr WilSnackerslr. 93 im Refiauranl Jlges.— Männergesangverein„Hilaritas" Abends 8 Uhr im Restaurant W. Gleist, Prinzen- Allee 39.— Gesangverein„Felicilas" AbendS 9 Uhr im Restaura, il Nebelin, Lanaesir. 108.— Männergesangverein„Olympia" Abends 9 Uhr nn Reslauranl Geith, Prinzens'.r. los.— Gesangverein„Licderlust" Abends 9 Uhr im Nestau- ranl Lehmann, Naunynftr. 4».— Männergesangverein„Aceordia" Abds. 9 Uhr bei Weick, Aleranderstr. 31.— Gesaugvereiii„Ludwig-scher Männerchor" Abend« 9 Uhr Lindenstr. los bei Poppe, Nebungssiunde. Gäste sind willlommen.— Männergesangverein„Licdesjreiheii" Abend« s% Uhr Uli Restauraiil Henke, Biumenfir. 38.—„Deutsche Liedertafel, Dirigent R. Mafchinsty Abends 9 Uhr Uebuiigsstunde im Reslaurant Saeger, Grüner Weg 29.— Männergesangverein„«Ute Linde" Abends 8%— io% Uhr im Restaurant Johns, Mariannen- slraste 19.— Gesangverein„Bteiblreu", Uebungsstunde Müllerstraste 7 bei Pohl.— Zitherllub„Amphion" Abends 9 Uhr in Triebeis Restaurant, Hoher Sltelnweg 13.— Turnverein„Froh und Frei"(iNänneradlheilung) 'Abends 8% Uhr, Bergsir. 57.— Berliner Turngenosteuschast(Fünfte Männer- abtheilung) Abends 8 Uhr in der slädlifchen Turnhalle, Wasserlhorstr. 31.— Turnverein„Hasrnhaide"(Männerablheilung Abends 8 Uhr, Diesfenbach- ft raste 90—91.— Verein eheinaliger Schüler der 37. Gemeindeschuie Abends 9 Uhr im Restauranl»inner, Köpnickerjir. 98.— Arendt'scher Sienographen- vereni„Apollobund" AbendS 8j; Uhr Brunnenstr. 129».— Arendl'scher Eleno- graphenverein Abends 8% Uhr im Restaurant„Zum eisernen Kreuz", Lindenuraste 71.— Deutscher Berein Arendi-scher Srenographen Abends 9% Uhr in Randel's Resianranl Brunnensir. 129».— Verein„Roe" Abends 8% Uhr im Restaurant Eltze, Alexandrinenstr. 99.— Unterhallnngsverein„Harmonie" Abends 8 Uhr, Eifenbahnftr. 80B, im Restauranl von Liebs.— Vergnügungs- verein„Mollig" Abends 9 Uhr im Restaurant Reinickc, Gipsstraste 3, jeden Dienstag nach dem i. und 15.— githerklnb„Amphion" Abends 9 Uhr im „Münchener Hof" Spandauerskr. N— 12.— Rauchklub„Zum Wränget" Abend« 8 Uhr bei Herschled, Adalbertstr. 4.— Rauchklnb„Porloriko", Abend« 9 Uhr. Manieusf-liiraste i>9 bei Grewiing.— Rauchklub„Deutsche Flagge" Abend« 8 Uhr im Restaurant Handler, Wrangelsir. n.— Rauchklub„FriedrichShaln" Abends 9 Uhr im Restaurant Kipping, LandSbergerstr. im».— Rauchklub „Lustige Brüder" Abends 8% Uhr bei Groihe, Fürstenbergersir. 2.— Ber- gnügnngsvcrein„Fröhlichkeil", Grüner Weg 29. Große WesellschaslSsiunde, verbunden mit Borlrägen. Gäste willkommen. Eniree frei.— Tambour- verein„Sedan" S tzung Abends 8% Uhr Grüner Weg 9—10.— Tambourverein „Einigkeit macht statt", gegründel 1389 UebnngSstunde Abends 9 Uhr im Reslaurant Hahn, Elsasserstr. 37.— Musik- Dilleltantenverein„Animo". Abends%9— u Uhr, bei Trncks, Reichendergersir. 83. Ausnahme neuer Miiglieder.—„Vergnügungsverein Schwarz- Weist- Roth" jeden Dienstag Abend 9 Uhr bei Feuerstein, Alle Jakobstraste. Gäsle willkommen.— SozuN- demokrallscher Lese- und Tiskulir-Verein„H-rwegh". Abends 3 Uhr im Lokale des Herrn Olto Linke, Forslerstraste 43. VevmilAzkos. Sprolla«, 16. Juni. Ter Bober ist bereits um 3 Meter gestiegen und hat die Boberniederung überflnthet. Das Waffer steigt noch immer. Drag, 16. Jnni. Ans Reichenberg, Kratzau, Tanmvald, Friedland, Trautenau, Jungbunzlau, Pardubitz sowie dem Ab- hange des Riesengebirgcs wird Hochwasser gemeldet; in einzelnen Städten>stnd Theile von Straßen überschiveinmt und die verur- sachten Schäden groß. Das Waffer soll noch im Steigen sein. Madrid, 16. Juni. Infolge des Auftretens cholelerartigcr Erkrankungen in Pnebla de Rngat hat das Ministerium den Gesundheitsrath berufen, um die dagegen nothwendigen Maß- regeln zu ergreifen. Die Aerzte versichern, daß die Krankheit nicht epidemisch, sondern endemisch sei. Dalcnria, 16. Juni. Nach amtlichen Berichten sind in Puebla de Rngat gestern neun weitere choleraverdächtige Er- kranknngen vorgekommen, von denen vier einen tödtlichen Ans- gang hatten. Die Behörden von Pnebla de gtugat und Montichelvo haben telegraphisch ärztliche Hilfe und Arzneimittel verlangt. Bon Albaida wird der unter gleichen Symptomen erfolgte Tod einer daselbst ans Puebla de Rngat eingetroffenen Person gemeldet. Ter Zivil-Goiiverneur von Valencia erkrankte gestern unter beunruhigenden Anzeichen, erholte sich aber später wieder. Gin Kameruner Sozialdemosirat. I» der„Köln. Ztg." berichtet ein Herr Hugo Zöller über die Verhältnisse in Kamerun und macht dabei folgende Mitlheilung: Ter schöne Manga Bell, der in England erzogene Cohn des bekannten Häuptlings Bell, hat wegen nmfangreicher Zänkereien des Landes verwiesen wer- den müssen, und ein kleiner Negerjnngling, Namens Alfred Bell, den Herr v. Soden, damit er das Tischlerhandwcrk erlerne, nach Bremen gesandt(zur Zeit befindet er sich in Berlin), ist dort unter die Sozialdemokraten gegangen. Er soll allerlei Brandbriefe an seine Verwandten in Kamerun gerichtet haben. Die Herren Stildeuten schreiben bekanntlich an ihre Äerwandten auch häufig„allerlei Brandbriese"; daß sie deshalb aber„unter die Sozialdemokraten gegangen" wären, haben wir noch nie gehört. Verantivortlicker Redaktenr: Gurt ßaahc in Berlin. Druck und Verlag von Mar Fading in Berlin SW., Beuthstraße 2. Nr. IM. Dienstag, den 17. Juni 1890. 7. Jahrg. Gevickks-Iritung. ..... �ne für Kleinkanfleute recht beherzenswerthe Entschei- °"ng fällte kürzlich die 3. Strafkammer des Landgerichts I. Ter "Kaufmann Maaß übernahm im Marz vorigen Jahres eine m °kr Dragonerstraße belegene Materialienhandlung. Die Mittel Zum Kaufe hatte er durch Borg von seiner Mutter und einem Schwager erhalten. Infolge schlechten Geschäftsganges sah Maaß 'A bereits im Dezember gezwungen, seinen Angehörigen die Mit- theilung zu machen, daß er zahlungsunfähig sei. Nachdem die von den Verwandten gewährte kurze Frist verstrichen '»ar und Maaß doch nicht seine Verhältnisse bessern konnte, wurde zur Zwangsvollstreckung geschritten. Dieselbe gab einen Ertrag von 900 M. Mit dieser Summe konnten die Ansprüche der Mutter theilweise gedeckt werden, während der Schwager und die übrigen Gläubiger vollständig unbefriedigt bliebe». Nun stellte es sich auch heraus, daß Maaß es unterlassen hatte. Buch zu fuhren. Ebenso hatte er es verabsäumt, bei Uedernahme des Ge- lchäfts eine Eröffnungsbilanz zu ziehen. Da das Handelsgesetz ausdrücklich vorschreibt, daß jeder Kaufmann dies zu thun habe, Wmrde gegen Maaß die Anklage wegen Uebertretung I.ener Vorschriften erhoben. Zu seiner Vertheidigung sagte r. Angeklagt« aus, es hätte ihm fern gelegen, einen Betrug ausüben zu wollen. Er hatte gehofft, seine Einnahmen wurden sich erhöhen, deshalb habe er seinen Gläubigern sucht zu rechter Zeit Mittheilung von dem schlechten Stande seiner Verinögeneverhältnisse gemacht. Auf die Frage des Vorsitzenden, warum Maaß eine Buchführung über- Haupt nicht eingerichtet habe, erwiderte der Angeklagte, daß er stch nicht als Kau, mann, sondern als Trödler oder Höker b trachtete und sich daher nicht für verpflichtet hielt. Buch zu fü' Tie 2g Gläbiger, denen er gegen 2000 M. schulde, habe ei�ffanz gut im Kopfe vehalten können. Ferner erklärt Maaß, daß e? wohl gelernter Kaufmann sei, doch leider gleich vielen anderen Kommis niemals Gelegenheit gehabt habe, sich mit der Buch- sührung zu befassen. In die bedrängte Lage will Maaß Haupt- sächlich dadurch gekommen sein, daß mehrere seiner Gläubiger chn zuerst veranlaßten, viel zu kaufen, indem sie ihm ernen Unbeschränkten Kredit anboten später jedoch ihm aar Nichts mehr borgen wollten und seinen geschäftlichen Ruf sogar noch durch ungünstige Auskünfte schädigten. Ter vereidigte kaufmännische Sachverständige gab sein Gutachten dahin ab, daß vre von Maaß geführte Handlung als ein kaufmännisches Ge- schäft zubetrachten sei, und der Angeklagte unbedingt eine Er- offnungsbilanz anfertigen und Bücher führen mußte. Dieser An- stcht trat der Vertheidiger entgegen. Er führte aus, der Angeklagte sei, wenn nicht als Höcker oder Trödler, so doch höchsten als Minderkaufmann zu betrachten; denn der Jahresumsatz seines Geschäfts habe nicht die Höhe von 10 000 M. erreicht. Schließlich ersucht der Vertheidiger, den Angeklagten nicht mit einer Woche, wie der Staatsanwalt bean- tragte, sondern nur mit einem Tage Gefängniß zu bestrafen. Der Gerichtshof setzte die Strafe unter Berücksichtigung der bisherigen Unbcscholtenheit des Angeklagten und der thatsächlich vorliegen- den mildernden Unistände auf 8 Tage fest. Selbstredend hat der Verurtheilte auch die Kosten des Verfahrens zu tragen. Gin» Hanseiaenthümerin, welche einer tm Hofe Wasche trocknenden Mietherin die W a s ch l e i n e durchschnitten hatte, stand heute vor dein Schöffengericht unter der Anklage der Sachbeschädigung. Der Sachverhalt wurde von der Angc- klagten als richtig eingeräumt, sie erhob aber den Einwand, daß sie von der betreffenden Mietherin unausgesetzt mit Chikanen aller Art verfolgt werde und sie deshalb im vorliegenden Falle gezwungen gewesen sei, sich Selbsthilfe zu verschaffen. Der Staats- anwalt hielt diese Art der Selbsthilfe für ganz unzulässig und beantragte die Bestrafung der Angeklagten. Der Gerichtshof er- kannte jedoch nach dem Antrage deS Vertheidigers Rechtsanwalt Dr. Günsburg auf Freisprechung, da der Hauseigenthümerin unter bcn obwaltenden Umständen das Bewußtsein der Rechtswidrig- teil gefehlt habe. Mieder stank» gestern ein jugendliche» lstpfer grast- städtischer Uerfnhrnng in der Person des 16jährigen Lauf- burschen August Fritz Fölling vor der 2. Strafkammer hiesigen Landgerichts I. Ter Angeklagte ist bis vor Kurzem die Freude seiner Eltern gewesen. Er zeigte sich stets anständig, fleißig und liebevoll, namentlich gegen seine Mutler, welche in letzter Zeit tnit steigernder Besorgniß eine völlige Veränderung in dem Wesen des Sohnes wahrnahm. Man konnte sich dieselbe nicht erklären und doch hatte sie einen triftigen Grund: der junge Mensch war nämlich in die Hände einer Dirne gefallen, welche mit»hm ein „Liebesverhältnip" anknüpfte und ihn schließlich auch zum Ver- drecher machte. Der Angeklagte war seil etwa zwei Jahren als Lausbursche in der Dresdener Bank beschäftigt und hatte sich die Zufriedenheit seiner Chefs in besonderem Maße erworben. In der Nacht zum 3. April er. war in der Dresdener Bank ein Einbruchsdiebstahl verübt worden, welcher nur einem Angestellten der Bank zur Last gelegt werden konnte. Kein Mensch dachte daran, daß der Angeklagte der Thäter sein konnte, vielmehr lenkte sich der Verdacht auf einen anderen Bediensteten, welcher infolge dessen manche kummervolle Stnnde durchzumachen hatte. Thatsächlich hatte jedoch der Angeklagte das Verbrechen nach einem sorgfältig erwogenen Plane begangen, um mit seiner „Braut", welche er„Clara Stein" nannte, in die weite Welt hinansdampfen zu können. Am 2. April Abends gegen 8 Uhr, als gerade die letzten Beamten der Dresdener Bank die Geschäftsräume verließen, begab sich der Angeklagte- in die Expedition, wo sich in dein Pulte des Hiffs arbeiters, Feldivebel Thomas, die sogenannte Portokasse befand. Einem Hilfsarbeiter, welcher Wache hchte und»hn fragte, was er so spät noch iik der Expedition zu suchen hatte, tauschte er dadurch, daß er ein telephonisches Gesprach singirte. Man achtete deshalb nicht weiter auf ihn und derselbe konnte ungestört Mit ehwrn BSck, � v«� Thomas, dann eine in. Pulte siehende verschloffene Kastette und ■i» gegangen. Mit thranenden Zeit völlig mittellos hierher zurück. "i Hamburg außerordentlich schlecht MW« verwerflicher als der Verdacht der Thäterschaft sich nothwendig auf den völlig unbescholtenen und durch Unglücksfälle in seiner Familie niedergedrückten Hilfsarbeiter, der an jenem Abende die Wache hatte, richten mußte und der letztere auch bereits aus dem Geschäft entlassen werden sollte. Der Staatsanwalt beantragte deshalb 6 Monate Gefängniß. Rechtsanwalt Dr. S e l l o empfahl in beredten Worten den Angeklagten der Milde des Ge- richtshofes und führte aus, daß der junge Mensch eins der vielen bedauernswerthen Opfer der großstädtischen Verführung sei, da er in die Hände einer jener abscheulichen Megären gefallen sei, die schon so manches junge Menschenleben auf dem Gewissen haben. Der Gerichts- hos folgte diesen Ausführungen und minderte die Strafe auf vier Monate Gefängniß herab, zunial der anwesende Vater ver- sprach, daß er den verlorenen Sohn nicht verstoßen, sondern durch strenge Zucht dafür sorgen werde, ihn auf den rechten Weg wieder zurückzusühren. Die Anlllage gegen den de» Raubmordes beschuldigten Schneider« Klaust» ist nun doch spruchreif geworden und wiro schon in der am Montag unter dem Vorsitze des Land- gerichtsdirektors Grünhagen beginnenden Schwurgerichts- Periode am Landgericht Berlin II zur Verhandlung kommen. Der Termin ist auf den 21, d. M. angesetzt und die Verhandlung wird im großen Schwurgerichtssaale stattfinden. Klausin wird durch den Rechtsanwalt Dr. Fr. Friedmann vertheidigt werden. Vevsaintttlutttten. Eine öjfeutliche Uepsainutlttng für sammtliche Maurer »nd Zlucher Kerlin» und Dlmgegend war für den 12. d. M. Abends nach dem Saale der Brauerei Fricdrichshain einberufen worden. Dieselbe fand unter Leitung der Herren K e r st a n, Dietrich und S ch i g o l s k i statt. Die Versammlung nahm in erster Linie Stellung zur Wahl der Streik-Kontrolkommission und delegirte in dieselbe, nachdem He'-r Wi lsch ke die Bedeutung und Zwecke der Kommission erläutert hatte, von den Maurern erren Wernau und Witsch ke, von deu Putzern Herrn Gähne.— Nachdem gelangte der zweite Punkt der Tagesord- nung: Die Lage des Ha ni burger Streiks" zur Be- sprechung und nahm hierzu als erster Redner das Wort Herr Bl e y e r-Hamburg. Ausgehend von dem Grundgedanken, daß nur durch eine Verkürzung der Arbeitszeit der Mißwirth- schast der heutigen kapitalistischen Produktionsweise, welche immer niehr Arbeiter auf's Pflaster wirft und den Zuzug brotloser Ar- beiter zum Baugewerbe immer mehr steigert, vorgebeugt werden kann, haben die Maurer Hamburgs, gleich den Diaurern Berlins im vorigen Jahre, die Verkiirzung der täglichen Arbeitszeit von 10 auf 9 Stunden gefordert und Hand in Hand hiermit" eine Lohnerhöhung aus 65 Pf. pr. Stunde, ein Lohnsatz, wie er den Hamburger Verhältnissen durchaus angemessen ist. Wie dieser einfache Lohnkampf zu einem Klassenkampfe ausgeartet, ist schon wiederholt dargelegt worden, ebenso die Schwierigkeiten, welche den Hamburger Maurern seitens der dortigen Unternehmer und Behörden bereitet werden. Dessen- ungeachtet begegnete Redner sehr bestimmt der etwa vorgefaßten Meinung, daß der Streik irgendwie als verloren zu betrachten sei. Mehr oder minder sei eZ, wie Redner darlegte, dem Unter- nehmerthum sowohl in Berlin, wie auch in größeren Provinzial- städten gelungen, eine künstliche Arbeitslosigkeit hervorzurufen, wodurch es ermöglicht wurde, daß den streikenden Maurern Samburgs eine bedeutende Konkurrenz erwachsen ist. Der ituationsbericht ist bereits in der Vormittagsversammlung der „Arbeitslosen" gegeben worden,. woraus ersichtlich, daß es den Hamburger Maurern heiliger Ernst sei. An die Berliner Kol- lcgenschaft richtete Redner im Namen der Streikenden die drin- gcnde Bitte, Alles aufzubieten, um den ferneren Zuzug nach Hamburg fernzuhalten, denselben den späteren Dank der Ham- burger Maurer versichernd.(Bravo!) Herr B a a k e r (Hamburg) gab im Anschlüsse hieran einen kurzen geschichtlichen Ruckblick auf die gewerkschaftliche Bewegung auf Grund des § 152 der R.-G.-O., welcher den Arbeitern als Waffe gegen das Äusbeutungssystem des Kapitals in die Hand gegeben worden sei. Trotz aller Drangsalirungen der Arbeiterorganisationen hätte die Maurer Deutschlands doch verstanden, sich den§ 152 der R.-G.- O. zu Nutze zu machen. Heute gelte es seitens des Unternehmerthums, die Unterdrückung sämmtlicher Arbeiterorgani- sationen. Redner gab sich der Hoffnung hin, daß nach der Zeit des Maulkorbgesetzes(ein Ausdruck, der von dem überwachenden Beamten gerügt wurde) eine freiere Zeit kommen werde, wo sich die Arbeiter mit ihren Gegnern offen aussprechen können. Des Weiteren wies Redner darauf hin, daß ein Streik nicht das Ergebniß einer Gewerkschastsorganisation, sondern das unerläßliche Produkt des heutigen wirthschaftlichen Nieder- ganges sei.— Auf die Organisation der Hamburger Maurer eingehend, sprach er derselben die Krone der deutschen Arbeiterschaft zu. Wenn es den Berliner Maurern nicht gelungen sei, eine gleiche starke Organisation zu schaffen, so fühlte er den Schmerz derselben hierfür mit. Der starken Organisation war es dennoch nicht möglich, den Streik zu inhibiren, sie mußte den hingeworfenen Fehdehandschuh der Hamburger Unternehmer, welche einen Druck ans die gesammten Arbeiter-Organisationen ausüben wollen, aufnehmen und den eingegangenen Kampf unter Einsetzung von Gut und Blut siegreich zu Ende zu führen suchen. Die Berliner Maurer müßten zu der Erkenntniß kommen, daß der Sieg der Hamburger Maurer auch der Ihrige sei und demzufolge Alles daran setzen, diesen Sieg mit erringen zu helfen.(Beifall). Der dritte Redner aus Hamburg, Herr S t a n i n g, verbreitete sich über das Koalitions- recht der Arbeiter, darlegend, wie sich alle Mächte vereinigen, um den Arbeitern die gesetzliche Ausübung des Koalitionsrcchts zu er- schweren, wenn nicht ganz unmöglich zu machen, so daß von einer Koalitionsfreiheit kaum noch die Rede sein könne. Im Weiteren nahm Redner Gelegenheit, das systematische Lügengewebe der „Vaugewerks-Ztg." zu entlarven, der Meinung Ausdruck gebend, daß dieses Blatt in erster Linie verdient hätte, verboten zu wer- de». Auch er war der Ansicht, daß es sich im vorliegenden Falle wesentlich um die Vernichtung der ganzen Arbeiterorganisationen handle und hielt es für die Pflicht Aller, die beste Organisation der Bauhandwerker Deutschlands nicht zu Grunde gehen zu lassen. Nicht für Geld hätten die Kollegen zu sorgen, nur für Fern- Haltung des Zuzuges. Im Anschlüsse hieran beleuchtete Herr Scheel in längeren Ausführungen die Situation und trat mit Wärme auch für eine materielle Unterstützung der Hamburger Kol- legen ein. Ueber seine Erlebnisse auf dem hiesigen Lehrter Bahnhose gab Herr K e r st a n recht erbauliche Dinge zum besten, die in der Versammlung berechtigte Entrüstung hervorriefen. Auch dieser Redner kam zu der Schlußsolgerung, daß der Hamburger Streik kein Geiverkschastskampf, sondern ein politischer Klassenkampf sei und daß es die heiligste Pflicht aller Berliner Kollegen sei, für die Hamburger Gewerksgenossen in jeder Beziehung einzutreten. Auch Herr Dietrich(Putzer) war der Ueberzeugung, daß das Schicksal Hamburgs entscheidend sei für das Geschick der Maurer- bewegung Deutschlands und daß die Berliner Maurer eine Schuld abzutragen und auch finanziell sür die Hamburger Streikenden einzutreten hätten. Von diesen wurde auch besonders betont, daß nicht nur von Hamburg, sondern von allen Städten, wo die Kollegen im Streik liegen, der Zuzug fern zu halten sei. Nach- dein noch Herr D ä h n e gesprochen, gelangte folgende Resolution zur einstimmigen Annahme: '„Die Versammlung der Maurer Verlins wolle be- schließen, über das Verhalten der Polizeibehörde gegenüber den iin Lohnkainpfe stehenden Maurern Hamburgs und das Verhalten der Berliner Polizei gegenüber den Reisenden vom Lehrter Bahnhofe den Minister des Innern zu interpelliren, ob ein derartiges Vorgehen und Verhalten der Polizeibeamten von ihm angeordnet oder gebilligt ivird. Das heutige Büreau der Versainmlung soll durch die sozialdemokratische Fraktion die Interpellation im Reichstage einbringen lassen." Am Dienstag Abend kommender Woche findet in Angelegen- heit des Hamburger Streiks eine große öffentliche Bauhandwerker- Versammlung statt. Indem sich die Berliner Maurer mit den Streikenden Ham- burgs solidarisch erklärten, schloß die Versammlung mit einem dreifachen Hoch auf den Sieg der Hamburger Kollegen. Die Klempner hielten am 11. d. M. eine große öffentliche Versammlung in Feuerstein's Salon ab. Auf der Tagesordnung stand: 1. Bericht der Delegirten vom Kongreß zu Weimar. 2. Die Aussperrung der Schlosser Hamburgs. 8. Stellungnahme zur�Zentral-Streik-Kontrolkommisston, event. Wahl der Delegirten. 4. Diskussion. 6 Verschiedenes.— Zuin ersten Punkt erstatteten die Kollegen Weber und Selchow einen hochinteressanten, aus- führlichcn Bericht vom Kongreß, welcher von der Versammlung mit großem Beifall aufgenommen wurde. Unter anderen verlas Kollege Weber sämmtliche Resolutionen und Anträge, die vom Kongreß angcnonimen ivorden sind und ersucht die Kollegen, da das Protokoll vom Kongreß in allernächster Zeit in Druck erscheint, recht eingehend davon Kenntniß zu nehmen. Darauf wurde folgende Resolution einstinnnig angenommon: Die heute in Feuerstein's Salon tagende öffentliche Klempner- Versammlung spricht den Delegirten Weber und Selchow, welche auf dem Metallarbeiter-Kongreß zu Weimar die Sache der beut- scheu, insbesondere der Berliner Klempner vertraten, ihren auf- richtigsten Dank aus, und beschließt, da nur eine gute Organi- sation uns nützen kann, Mann für Mann dem bestehenden Verein der Klempner Berlins und Umgegend beizutreten. Ferner be- schließt die Versammlung, nach den auf dem Metallarbeiter- Kongreß gefaßten Beschlüssen zu handeln und zu agitiren. Zum 2. Punkt der Tagesordnung, die Aussperrung der Schlosser famburgs betreffend, sprachen die Kollegen Selchow und öhler und Herr Wilschke, worauf folgende Resolution angenommen wurde:„Die Versammlung erachtet den Ausschluß der Hamburger Schlosser und Werftarbeiter, weil die- selben von ihm» Recht Gebrauch machend, sich einer gesetzlich erlaubten Vereinigung zur Erreichung günstiger Lohn und Arbeits- bedingungen angeschlossen haben und sich nunmehr weigern, auf Verlangen der Fabrikanten ohne Weiteres aus der Organisation auszutreten, für eine widerrechtliche Vergewaltigung der Arbeiter resp. eine neue Form der Sklaverei und es sei daher beschlossen, die Hamburger Kollegen mit allen möglichen Mitteln zu unterstützen und zwar durch: a. Ausbringung von Mitteln zur Organisiruna eines thatkräftigen Widerstandes. b. Fernhaltung jeden Zuzuges, c. Möglichste Vermeidung von Streiks in allen übrigen Städten Deutschlands während der Daner des Ausstandes rn Hainburg. Zum 8. Punkt sprach Kollege Köhler über Zweck und Nutzen einer Streik- Kontrol- kommission, worauf die Kollegen Köhler, Weber und Selchow dazu gewählt wurden. Zu Verschiedenem wurden von den Kollegen Rob. Schulz und Bräuer die Zirkulare, die von den Stettin« Fabrikanten an alle Arbeitgeber im Klempnergewerbe in ganz Deutschland geschickt worden sind, auf die schärffte Art gerügt und sprachen die Redner ihre Verwunderung aus, daß sich noch kein Staatsanwalt gefunden hat, der gegen diese sauberen t erren und ihr Machwerk vorgehe. Kollege Wagner ersucht die ollegen, sich reger an den Versammlungen zu betheiligen.— Darauf schloß der Vorsitzende, Kollege Köhler, mit einen» drei- maligen Hoch auf die internationale Arbeiterbewegung die Ver- sammlung. ... Eine groffe öffentliche Reusammlung sämmtlicher E»n jeher Kerlin« tagte am Donnerstag Abend unter dem Bor- sitz der Herren Bitter, Schöneberg und Hilbert in Feuerstein's Saal. Die Tagesordnung lautete:„Wie stellen sich die Einsetzer zu unserer Lohnfrage?" Diskussion. Verschiedenes. Vor einigen Jahrzehnten würde>nan auch im direkten Berufskreis der heutigen Einsetzer, unter den Tischlern, vergeblich nach der Be- deutung dieser Bezeichnung gefragt haben.„Einsetzer" ist ein Spezial- gewerbe der Tischlerei, das unter wesentlich anderen Bedingungen ar- beitet als diese. Das Referat über den ersten Punkt der Tagesordnung erstattete in klarer lind wohldurchdachter Weise Herr Bussin. Er führte aus, daß unter den bisher nur selten die Oesfentlichkeit beschäftigenden Einsetzern der be» denselben bestehende Lohntarif, obgleich man denselben keineswegs als vollkommen bezeichnen könne, im Allgemeinen doch innegehalten werde. Dagegen seien gleich von Hause aus die Arbeitsbedingungen nicht einge-- halten worden und dies sei lediglich und ausschließlich Schuld der Einsetzer selber, nicht aber deren Arbeitgeber oder der Bau- Herren. Die Nägel, die obendrein jüngst ganz erheblich im Preise gestegen, müßten noch immer von den Gesellen ge- liefert werden und dies sei ein schwer empfundener Druck, der auf den Einsetzern laste und von dein die- selben sich befreien müßten. Heute wolle, kühn gemacht durch die Nachgiebigkeit der Gesellen, der Meister gar nichts mehr liefern, getreu dem gang und gäben Sprichwort:„Reichst Du mir den kleinen Finger, nehm' ich die ganze Hand!" Und dies sei wesentlich auch zum Schaden des Bauherrn, zum Nachtheil der Güte des Baues überhaupt, indem oft die Roth die Kollegen zwinge, geringwerthigeres Material zu verwenden, als nothwendig. Redner empsiehlt, sich noch einmal in diesem Sinne mit Flugblättern an die Meister zu wenden und wenn dies nicht sruchH, an die Oesfentlichkeit zu appelliren.— Herr Schmidt will außer den Nägeln auch das Edelholz vom Meister geliefert und alle die nicht direkt zum Einsetzen ge- hörenden Arbeiten von demselben bezahlt wissen. Er beklagt unter der Zustimmung der Versammlung bitter den allenthalben zu Tage tretenden Jndifferentisnius der Kollegen, den,»angelnden Much, iQre gerechten Forderungen offen dem Arbeitgeber geaelX- über zu vertreten. Die alten Baiitischlermeister sorgten für ae- nugendes und gutes Material, doch„alte Meisterherrlichkeit, wo- hu» bist du geschwunden 1" Die heutigen Epigonen derselben leisteten sich etwas im Schimpfen und Zöpfetragen, womit sie sich ZU entschädigen glaubten für das Hungerleiden, zu welchem sie das Kapital verurtheilt. Die folgenden Herren Redner brachten noch die mangelnden Schutzvorrichtungen auf Bauten zur Sprache. Es wurden am Ende, um all' die beregten Mißstände im Gewerbe abzuschaffen', zu der bereits bestehenden Dreierkommission die Herren Kollegen Knippel und Marhatzky gewühlt und darauf m,t einem Hoch auf die Bewegung die animirte Versanim- lung geschloffen. n Der Uerein der Wäschrzuschtteider und verw. Berufs- genossen hielt seine Mitgliederversammlung am Montag, den v. Juni, im Lokale des Herrn Seefcldt, Grenadierstraße 83, mit folgender Tagesordnung ab: 1. Bortrag des Herrn Dr. Bruno Wille über:„Die Kommunistengemeinde Jkaria". 2. Diskussion. 3. Die Maßregelung des Kollegen Möhring. 4. Unser am b. Juli stattfindendes Stiftungsfest. 5. Verschiedenes und Fragekasten. Der Vortrag fand reichen Beifall. Zum 3. Punkt theilte der Vorsitzende der Versammlung die stattgesundene Entlassung des Kollegen Möhring mit und ersuchte die Mitglieder, ihre Ansicht kundzugeben, da, wie allgemein angenommen wird, Herr Möhring infolge der Plätterinnen-Bcwegnng entlassen worden ist. Hierzu sprach zunächst Kollege Koopmann; derselbe führte an, daß die Unterstütznngssrage zunächst selbstverständlich ist. Da sein Chef erklärt hat, daß Kollege Möhring in der Wäschebranche keine Stellung mehr erhalten wurde, so sind wir doppelt ver- pflichtet, dem Fabrikanten zu zeigen, wie wir übcrzeugungstreue Kollegen unterstützen. Der diesen Ausführungen gezollte Beifall zeigte, daß die große Mehrzahl der Anivesendeil sich mit denselben einverstanden erklärte. Herr Möhring selbst stellte der Vcr- sammung anheiin und gab die Ansicht kund, daß trotzdem die Kon- junktur in der Branche nach Pfingsten eine laue zu nennen ist, die Firma Sohn u. Samuel doch nicht zu Recht kommen würde, wenn auch der erste Zuschneider und ein Lehrling die Arbeit nicht mit niederlegen, drei seiner Kollegen sind gern bereit, sich mit ihm solidarisch zu erklären, während einer nicht gewillt ist, seine Stellung auszugeben. Im Uebrigen vertritt er die Ansicht des Kollegen Kopmann. Die Herren Feische u. Kohn sind anderer Ansicht und meinen, daß Herr Möhrung in der Bewegung der Plätterinnen als Agitator, nicht als Gemaßregelter für unsere Vereinigung gelten kann. Für Unterstützung sprachen sich noch ans die Herren Weniger, Schmolke und andere, sowie zum Schluß Herr Graf- hold aus. Hieraus wurde mit großer Majorität angenommen, den Kollegen Möhring pro Woche mit 26 M. zu unterstützen. Worauf Herr Möhring erklärte, dahin zu streben, so bald wie möglich wieder in Stellung zu kommen. Hierauf folgte die Billct- ausgäbe.. Zu Verschiedenes bemerkte noch Kollege Andersen, daß die Firma Bukofzer ihm für den Himinelsahrtstag den Lohn zur Hälfte abgezogen habe, und daß, da er sich dies nicht gefallen ließ, seine Kündigung erfolgte. Sodann machte Herr Möhring bekannt, daß in den nächsten Tagen eine üfseutliche Versamm- lang stattfinden wird, zur Stellungnahme zur Wahl einer Streik- Kontrsl-Koinmission. Näheres hierüber siehe iin„Berliner Volksblatt». Neu sazZaldemolu'iüische Mahlverei» im fünfte» Heeliner Reichotagswahlnvels hielt am 10. Juni eine Versammlung bei Seefetdt, Grcnadicrstr. 33, ab, welche sich eines sehr guten Besuches zu erfreuen hatte. Auf der Tagesordnung stand als 1. Punkt:„Die Arbciterschutz-Eesetzgebung und die Parteien», Referent: Herr Albert Auerbach. Der Vortragende führte den Versammelten drastisch vor Augen, wie alle bürger- lichen Parteien plötzlich mit wahrer Wulh beflissen seien, in „Sozialresorm" zu machen, wie eine Partei die andere an „Arbeiterfreundlichkcit" zu überbieten suche. Diese„Freundlich- keit» zeige sich aber wieder eklatant darin, daß die Majorität des Reichstages für die Militärvorlagen wohl Zeit genug übrig habe, um diese, bevor der Reichstag in die Ferien geht, zu Ende zu 'ühren, was aber beim Arbeiterschutz-Gesetzentwurf nicht der Fall ein wird. Der Referent unterzieht nunmehr in längeren Aus- ührungen den Entwurf der Regierung einer Kritik und zeigt, in wie reichem Maße diese Vorlage mit reaktionären Forde- rangen bedacht sei, die das feudale Herz eines Kleist- Retzow und Stumm mit wahrer Wollust erfüllen müßten. Wie dieser Entwurf darauf bedacht sei, die junge Arbeiterschaft unter völlige Bevormundung zu stellen, sie in eine Zwangsjacke zu stecken, in der ihnen jede Lust zu politischer Bcthäiigung ver- gehen soll. Das ginge ganz deutlich aus denjenigen Paragraphen des Entwurfs hervor, welche davon sprechen, daß die Herren Fabrikanten ihre jugendlichen Arbeiter auch außerhalb der Fabrik- räume beaufsichtigen können, ferner daß die Lohnauszahlung nicht an den jugendlichen Arbeiter erfolgen brauche, der sich den Lohn durch harte Arbeit verdient, sondern daß der Fabrikherr berech- tigt sei, diesen an die Eltern rcsp. Vornuinder auszuzahle». Redner verweilte längere Zeit bei diesen Bestimmungen und führt dabei aus, daß durch diese Klauseln dem jugendlichen Arbeiter jeder freie Wille genommen werden solle, und baß so jede Sehn- sucht nach irgend einer politischen oder gewerkschaftlichen Be- lhätigung im Keime erstickt werden solle, hier offenbar- sich die große„Arbciterfreundlichkeit» in ihrer ganzen Glorie.— Noch übertroffen aber würden diese Bestimmungen durch das, was für den„Kontraktbruch» der Arbeiter in Aussicht genommen werde, hier würde verlangt, daß die Arbeitnehmer ihren etwa beabsichtigten Streik zur Verbesserung ihrer jämmerlichen Lage drei oder vier Wochen vorher dein Fabrikanten anzeigten. Was das heiße, wird wohl jeder wissen, das damit das letzt- Siecht des Arbeiters sich bessere oder wenigstens erträglichere Lebensbe- dingungen zu erkämpfen, zu Grabe getragen wird und jeder Streik von vornherein illusorisch gemacht ivird, muß auch dem blödesten klar sein. Ter lliegierungsentwurf verlange, daß die Kontraktbrüchigen zu bestrafen seien, und zwar diejenigen, die sich„gewohnheitsmäßig" zu solch abscheulicher That hergeben, nicht unter einem Jahre Gefängnip!!!! Was alles als„gewohnheitsmäßig" zu betrachten sei, das est ja bekanntlich ein weit desinirbarer Begriff. Der Ausblick auf die eventuell mehrjährige Gefängnißstrafe aber wird gewiß manchen wackeren Genoßen abhal- ten, thatkräftig etwas für seine Mitarbeiter zu thun und wird ihn von einer umfassenden Agitation unter diesen zurückschrecken lassen, das sei der Zweck und Endziel des Ganzen, die Arbeiterbewegung soll erstickt und lahm gelegt wer- den damit es„ruhig" im lieben Vatcrlande würde. Redner kommt nun auf die Beschlüsse der rheinischen Handelskammer zu sprechen: den Herren, die das Wort führten, gehe der Regierungs- entwurf. wo er die Lage der Arbeiter wirklich ein bischen verbessern, volle, noch zu weit und modeln und wiegeln sie auf allen Enden ab. Sie klagen in beredten Worten über die zu große Rücksichtnahme gegenüber diesen'Arbeitern und sehen schon ihren Geldbeutel in Gefahr; den Bestimmungen aber, die im Regie- rungsentwurf sprechen von„Beaufsichtigung der Arbeiter ourch den Fabrikherrn außerhalb der Fabrik»,„durch Auszahlung des Lohnes an Vormünder oder Eltern" und endlich den Bestiin- munaen über den Kontraktbruch stimmen sie in, Chorus d'VlA%| den Kontraktbruch nicht etwa zu milde berechnet sei. Durch all dieses— so sagt Redner— soll endlich wieder uu wirthschaft- lichen Leben Stühe eintreten, die Herren vergäßen aber, dap sie ja Ruhe und Frieden haben könnten, sie brauchten nur den Arbeiter- schutz-Gcsetzcntwurs der sozialdemokratischen Fraktion annehmen, dieser- biete die Hand zum Frieden. Referent bchpricht ,m weiteren Verlauf auch diesen Entwurf und kommt dann zu den. Verhalte» der einzelneii Parteien im Reichstage im Besonderen, in kernigen Strichen zeichnete er die ganze Hohlheit der ftelstnmgen Parte. und zeigt sie in ihrer ganzen Erbärinluhkelt, er bespricht die un- MS WSWSSWWtfB St'■= aurf) bei dieser werde es hell und beginne es schon zu tagen, das hätten die letzten Wahlen deutlich chcwiesen; Rediier verweilt schließlich noch einige Zeit bei den konservativei, Junkern und Schlotbaronen. Der'Arbeiterschntzgesetz-Entwurs unserer Porte»— als eine Bermittelungs-Station, welche wir passiren mufsen um zu dem Ende zu gelange», das wir im Geiileskampfe, nn unablässigen Mühen erringen wollen und erriiigen iverden. Was wir ersire ben, das ist der freie, sozialistische Volksstaat und der wird des Kampfes werth sein.— Sturmischer Beifall lohnte dem Redner für dessen Ausführungen. Zu Punkt 2:„Diskussion, sprachen die Herren Baader, Neumann. U»ter„Verschiedenes» sprachen mehrere Genossen, u. A. Herr Sperver, der der Versammlung die Ursachen des Schriftsetzerstreiks des„Berliner Lokalanzeigers" und das Verhalten des Herrn Scherl klar machte. Die Versammlung nahm nun folgende eingelaufenen Resolutionen einstimmig an: „Die Versammlung des sozialdemokratischen Wahlvcreins für den fünften Berliner Wahlkreis erklärt sich mit den Ausführungen des Referenten einverstanden und fordert im Anschluß daran die sozialistische Fraktion auf, dem Reichstage einen Gesetzentwurf vor- zulegen, ivelcher die Bestimmnugen der Gesindeordnung aushebt und die Arbeiterschutz-Gesetzgebung auch ans diese, sowie die länd- lichen und forstivirthschaftlichen Arbeiter ausdehnt. Ferner:„Infolge der großen Gehässigkeit, welche der„Verl. Lokalanzeiger» in letzter Zeit wiederholt den'Arbeitern gegenüber — zuletzt noch bei dem Formerstreik— ausgeübt hat, beschließt die Versamnilung des sozialdemokratischen Wahlvereins des fünften Berliner Reichstagswahlkreises bei den Berliner Arbeitern dahin il ivirken, dieses edle Organ nicht durch Abonnements zu unter- stützen. Nach Erledigung des Fragekastens schloß der Vorsitzende die Versammlung. Der Fachverein der Lederarbeiter hielt am 10. d. M. im Vcreinslokal eine gut besuchte Versammlung ab, welche sich hauptsächlich mit inneren Angelegenheiten beschäftigte. Es wurden die statistischen Fragebogen eingehend behandelt und beralb� wie solche von der Kommission vorlagen. Zwei Ersatzwahl» zur Neuner-Kommission, sowie Wahl zweier Delegirten zur Streu Kontrolkommission fanden statt. Den Greizer Webern Wsi Weberinnen wurden 20 M. überwiesen. Der Vorsitzende w* noch auf die öffentliche Versammlung hin, welche am MittnÄ den 18. d. Mts., in Renz' Salon, Naunynstr. 27, stattfinde-' Referent ist Herr Reichstagsabgeordneter Ullrich aus Offenbaeh- Der wichtigen Tagesordnung wegen ist es Pflicht eines F"1 Lederarbeiters, zu erscheinen. «große N«r|-oinntl»ng dro SoiloldeinoUraiischtn Mohlorrein« ß' den 1. jirri. R«ich»tog«-M»hlkrei» am Sonnabend, den 21. Junt>»>»' in den lÄratwctl schsn Bieryallsn, Kominandantenstr. 77— 7g. TagcSordn»»» und Noferent ivird noch näher bekannt gemacht. Sonnlag, den 22. si™!1: FamUien-AnSfluz nach Johannisthal. Treffpunkt daselbst Nachmittags» u« im Restautani Sensileben. Tie Mitglieder werden ersucht, sich an beides ttv rege zu betheiligen. dev KedÄkkion. Bei Anfragen bltten wir die AbonnemeniS-Quitiung beizufügen. Briestich« Antwort wird nicht ertheiit. W., stud. phil. Wenn Sie durchaus dichten müssen, st können wir Sie nicht daran hindern. Aber daß Sie gerade un-, die wir Ihnen nie etivas zu Leide gethan haben, andichten, finde» wir hart. 1. Ziehlillg der 3. fllnsie 182. Kouißl. Prell ß. Lotterie. Ziebuna voi» i«. Juni isso BoruilltagS. IU'.t die in ii« über] 55 SJurt sind den dettiiiendeii Nummer» >U Piueiitdre deigifilgi. (Chile Gewähr.) 1-2 51 257 CO SOS 535 643 55 Ol 703 1152 359 680 909 2025 157 17 213:a 70 318 56 450 i-O 54.3 45 632 52 704 825 8S 987 97»027 70 132 223 00 306 12001 89 536 750 850 4002 7 311 68 42.3 558 089 751 833 929 4L 87 5196 291 605 70 i 52 SSI 07 928 0093 220 311 97 406 23 91 692 738 900 7009 82 284«0S1 20 i 338 49 91 105 45 568 768 622 41 78 92 901(»010 77 140 389 406 604 76 9U 05 1(»332 99 405 83 91 572 648 721 817 1 1044 79 96 147 93 204 314 429 45 5:0 709 53[300! 91 891 975 Iii 100.30 59 250 76 390 557 88 649 720 76 831 ,80 951 77 I 3037 84 120 41 300 95 728 98 804 9 1(190 308 69 96 417 33 047 79 80 743 607 1 5043 133 43 81 96 279 365 443 604 27 90 792 900 81 1016.3 83 284 304 37 62 76 623 711 9.82 1 7073 173 77 84 427 655 813 943 91 1*000 130 224(200) 320 12001 33 578 062 1»010[300] 221 34 308 46 484 080 723 12001 39 977 80085 112 SO 80 65 212 352 439 57.3 645 59 748 872 83 940[200] 21121 02 255 489 092 821 23 32 2 2037 129 364 425 500 811 13001 23095 131 43 71 357 520 50 70 633 15001.30 44 927 2-1048 63 121 52 238 74 320 502 02 010 788 914 83 2 5045 94 97 122 71 78 428 58 60 542 747 52 57 78 2V0l,8 166 92 99 312 7.81200] 499 61 419 So 039 700 838 4 6 66 2 7177 296 301 411 17 45 632 68 716 840.86 12001 921 12001 34[200! 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Druck und Verlag von PU» Dading in Berlin SW.. Beuthstraße 2.