ff- MB. etil, sein et' escs die des erl- g°l- Hcn aus lus- ung Ar. 141. Sonnabend, bett 31. I,mi 1890. v. Mm- Hrgan für die Zniereffen der Arbeiter. er- uni, ung Iber Di- cg?. uns UNI und gen B-- ung lsil- 'rs !N le I» cs ch. i, •f- d. d t. r, z. !r )t t» rt I 1. 1 d is. >iS ol- >er ne zu er, Z rit er er- zu ?» er' ie es i« !N erscheint««r;* sm. So-1"Berliner Volksblatt» -�WRNVDW Bcnlhltrabe 3, sowie von allen Annoncen-Bureanx, ohne Erhöhung des Preises, angenommen. Die Expedition ist an Wochentagen bis 1 Ithr Mittags und von 3 7 Uhr Sinchnultag,, an Sonn- und Festtagen bis 9 Uhr Vormittags geöffnet. -» Fernsprecher: Amt VI. Ur. 4106. MedAltkion: VeukhZkvÄtze 3.— Expvdikion: BoukMroiße 3. Die Mr. Kmley-KiU und die deutscheu Arbeiter. Seit einiger Zeit lärmen die deutschen Unternehmer, welche nach den Vereinigten Staaten von Nordamerika haaren ausführen, mit allem Eifer bedrohter kapitalistischer Interessenten gegen die bevorstehende Durchführung eines Gesetzes, das den nordamerikanischen Zolltarif noch schütz- i ö l l n e r i s ch e r als bisher zu machen unternimmt. Es dies die sogenannte Mc. Kinley-Bill, die dem deutschen �kportgeschäft'in der That Steine in den Weg wirft und wit Chikanen und Schwierigkeiten der verschiedensten Art ausgestattet ist. An einem konkreten Beispiel erfahren unsere deutschen �industriellen, was die Verschärfung des Schutz- Zollsystems bedeutet. Die Aankees haben nicht den geringsten Anlaß, sich um die Schmerzen der deutschen Exporteure zu kümmern. Ihr Vortheil, d. h. soweit sie Unternehmer sind, wird durch die Mc. Kinley-Bill ver- mehrt, und über ihren eigenen Juteressenkreis hinaus brauchen sie nicht zu sehen. Je mehr der ausländische Wettbewerb von den Küsten der Union ferngehalten wird, um so üppiger blüht der Weizen des transatlantischen �zabrikantenthums, das seine Monopolstellung zur Aus- beutung der produktiven Massen in der Heimath beniitzt, denen es hohe Preise für die heimischen Erzeugnisse diktirt, und das ferner beginnt, der alten Welt auch auf gewerb- lichem Gebiete Konkurrenz zu machen, indem es ein ameri- Manisches Jndustrieprodukt nach dem anderen„drüben" ein- Zuführen versucht. Die deutschen Exporteure benehmen sich dieser Sach- ?ge gegenüber wie kleine Kinder, sie zetern darüber, daß Wen das überseeische Absatzgebiet jetzt vollends versperrt berde, und wie sie das in der weiland Bismarckischen mnderschule für Politik und andere Siebensachen so gelernt Mben, wollen sie einen„ E n t r ü st u n g s st u r m" 'u der deutschen Presse, im deutschen Volke J�egen. Protestadressen werden entworfen, die Organisationen der industriellen Bourgeoisie weimern gber die harte Unbill, die dem holden Ausfuhr- bände! widerfahre, und eine Petition wird vorbereitet, die bsi den gesetzgebenden Faktoren in Washington, die eben diese Mc Kinley-Bill poussiren, die Schändlichkeit dieser % schwarz in schwarz malen soll, die deutsche Reichs- Regierung wird um ihre Vermittelung angebettelt, kurz, die prositsüchtige Kapitalistenklasfe ist aus Rand und Band grrathen und— handelt mit einer rührender Kopflosigkeit. Denn wenn die Herren auch nur eine Minute ruhiger Ueberlegunq hätten, so würden sie des schönen Spruches rmgedenk sein:„Wie Du mir, so ich Dir!" Treibst Du Feuittekon. ruck verbolen.I [C3 »Attm Ginlk der Damen." Roman von Emile Zola. �lutorisirte Nebcrsetznng von Armin Schwarz. -äritnugen beschäftigen sich mit dem Ereignisse und Vourdoncle, den alle diese Neuerungen erbitterten, (La» r>or dieser enormen Retlame das Haupt beugen. n,-jr wurde ein Spielsaal für die Kommis ein- End?,' wo sie Billard, Trictrac und Schach spielen konnten. ll»d n wurden Nbcndknrse eingeführt, in welchen Deutsch H,,,,). Englisch, Geographie und Arithmetik vorgetragen Qu. en- Eine Bibliothek von 10 000 Bänden wurde zum Hn„f? b"' Kommis gegründet. Es gab einen Arzt im eine,.oT"uentgeltlich ordinirte; es gab Bäder, Büffets, bfc.'.urisirsalon. Das ganze Leben war beisammen.- man bi- Lte n'cht auszugehen. Alles war im Hause: das Studium, -tierkoitignirg, die Unterkunft, die Bekleidung. nun bildete sich eine neue Strömung in der öffent- Will' isi'nng zu Gunsten Deinsens. Während der über- Wbv®OKtbo«cIe seinen Getreuen in Verzweiflung wieder- selbst% p er vieles darum gegeben haben würde, wenn er gl�j v Ne Mouret ins Bett hätte legen können, wurde zu- bafi-t ��8 Zugestanden, daß sie nicht nachgegeben habe, Wn T* Zumacht eben von der Weigerung herstainme. endsirf Augenblicke an ward sie populär. Da war "9 Eine, die dem Patron den Fuß auf den Nacken die Schutzzöllnerei bis zum Gipfel, so übertruniphe ich Dich mit noch viel mehr Schutz-, Trutz-, Kamps- und Retorsionszoll. Man hat, so sagen wir, seit 1879 die Schutzzöllnerei unter die politischen Glaubensartikel jedes reichstreuen Bürgers aufgenommen und jeden Gegner des Protektionismus als Vaterlandsfeind gebrandmarkt! Hat nicht das deutsche Uuternehmerthum in anmuthigem Tausch- geschäft sich landwirthschaftliche und Jndustriezölle ge- geben, ist nicht aus des deutschen Michels Haut ein Riemen nach dem anderen geschnitten wor- den zu Nutz und Frommen der Agrarier und der Schlottjunker? Haben nicht die Großgrundbesitzer so gut wie die Eisenbarone, die Schnapsbrenner wie die Baum- wollweber, die Zuckersieder wie die Httttenbesitzer ihr Schäfchen geschoren in der ruhmreichen Aera der Schutz- zölle, ist nicht der Untergang der deutschen Gewerbe und der deutschen Landwirthschaft als die nächste Folge der Aufhebung der Schutzzölle von den Tintenkulis schütz- zöllnerischer Profitwuth prophezeit worden? Und diese Herren, die sich auf Kosten der Kvn- sumenten, auf Kosten des werkthätigen Volkes ein Jahr- zehnt lang die Taschen gefüllt haben, diese eifrigsten aller Schutzzöllner haben die eiserne Stirn, gegen die Mc Kinley-Bill auch nur ein Sterbenswörtchen zu sagen. Was Tu nicht willst, das itiail Dix� thu', das füg' auch! keinem Andern zu! Die Nordamerikaner brauchen die deutschen Fabrikanten blos auf die chinesische Mauer, mit welcher„höheren" Staatsweisheit das Deutsche Reich um- wallt hat, hinzuweisen, und beschämeiides Schweigen muß folgen. Wir haben, kann Uncle Sam freundlich lächelnd sagen, nur Euch, das Volk der Denker und der Dichter, nachgeahmt, wir haben bei Euch, den Züchtern des Schutz- Zollsystems, als fleißige Schüler gelernt, und nun, da wir ein ausgezeichnetes Fleißzeugniß dafür von Euch erwarten, möchtet Ihr uns am liebsten die Ruthe geben, wenn Ihr könntet. In der That, wir wundern uns darüber, daß noch kein in seinen heiligsten Geldsackgefühlen gekränkter Vour- geois mit dem Brustton Treitschke'scher Begeisterung die Äbsendung etlicher deutscher Kriegsschiffe nach New-Dork, so ein Bischen Flottendemonstration zu Gunsten der beut- sehen Exporteure, gefordert hat. Freilich die Aankees sind keine Sansibariten oder Massai-Neger, sondern haben Haare auf den Zähnen und lassen sich nichts gefallen. Sie erklären einfach, daß eine fremde Macht bei ihnen „nix to seggen" hat.... Eine Unverfrorenheit sonder Gleichen, gegen welche an dieser Stelle der a l l e r e n t s ch i e d e n st e E i n s p r u ch erhoben werden muß, ist es aber, daß die deutschen Exporteure die von ihnen beschäftigten Arbei- ter zun» Unterschreiben von Petitionen gegen die Mc Kinley-Bill mit mehr oder minder sanftem Zwang„veranlassen". Natürlich sind es wieder einmal die Sächser, welche den Vogel abschießen, natürlich sind es sächsische Kapitalisten der Textilbranche, welche den Reigen eröffnet haben. Sachsen ist der Vorort der Kartellbrüderschast, die klassische Heimath der Polizeiwillkür, der Maßregelungen gegen die Arbeiterbewegung, Sachsens Bourgeoisie ist thatsächlich eine große reaktionäre Masse gegenüber dem klassenbewußten Proletariat. Keine Gemeinheit, die nicht dort wider die Vorkämpfer der Arbeitersache ausgeheckt, keine Verläumdung, die hier nicht kolportirt, kein Gewalt- streich und keine Hinterlist, die in Sachsen nicht gegen die Arbeiterschaft zur Anwendung gebracht würden. Nichts ist so perfid, das nicht der sächsischen Kapitalistenklasse als willkommene Waffe gegen uns diente! Krieg bis auf's Messer, ist ihre Losung, und jeder Wahlkampf zur Ge- meindevertretung, zum Landtag, zum Reichstag zeitigt neue Blüthen großbürgerlicher Gehässigkeit. Sachsen ist das Land des höchst entwickelten Jndustrialismus; das erklärt die auf die Spitze getriebenen Gegensätze zwischen Reich und Arm, hier herrscht die Lohudrückerei, hier wuchert üppig das soziale Elend, hier florirt die Kinderarbeit in der Großindustrie und in der Hausindustrie. Und diese selben Bourgeois, welche jeden Streik der Arbeiter mit blinder Wuth bekämpfen, die jede selbst- ständige Regung der Proletarier unterdrücken, die vor Wuth außer sich gerathen, wenn Unterschristen für den Arbeiterschutz, für den Achtstundentag, für alle» das, was den arbeitenden Klaffen frommt, gesammelt werden, diese selben Bourgeois, die in der sächsischen Kammer jede Ar- beiterpetition, die im Interesse der Kultur, der Freiheit, der Menschlichkeit gehalten ist, in den Papierkorb werfen, sie gehen jetzt mit den Petitionsbogen bei den Arbeitern herum und fechten sich Unterschriften gegen ein Gesetz zu- sammen, das der deutschen Bourgeoisie in die Quere kommt. Mit dieser Bourgeoisie giebt es keine Gemein- schaft. Mit welchen Mitteln die abhängigen Ar« beiter zum Unterschreiben gedrängt werden, ist allbekannt; die Geschichte des famosen Ottopfennigs ist ja noch in Aller Erinnerung, um Jedem klar zu zeigen, wie's ge- macht wird. Aber, so donnert irgend ein Jndustriellen-Reptil, wenn die deutsche Exportindustrie lahmgelegt-wird, dann werden zahlreiche Arbeitergruppen durch Arbeitslosigkeit, Pro- duktionseinschränkung u. f. w. in Mitleidenschaft gezogen. Gemach, mein verehrlicher Bruder Reptilius! Derartige Vorgänge zeigen den Widersinn der deutschen Schutzzöllnerei und tragen dazu bei, in die Schutzzollmauer endlich Bresche zu legen. Das setzte, die alle Anderen rächte und ihm auch andere Dinge als bloße Versprechungen zu entreißen wußte. Zu den größten Freuden Tenisens in ihrer neuen günstigen Lage gehörte die, daß sie Paulinen nützlich sein konnte. Diese war schwanger und sie lebte in fortwährender Angst, denn zwei Verkäuferinnen mußten binnen 14 Tagen im siebenten Monate ihrer Schwangerschaft das Haus ver- lassen. Die Direktion duldete solche Ereignisse incht. Die Mutterschaft wurde als unbequem und unschicklich betrachtet; im strengsten Falle gestattete man die Ehe, Kinder aber waren entschieden verboten. Allerdings hatte Paulinc ihren Gatten im Hause angestellt, allein sie war dennoch be- nnrnhigt, denn in der Abtheilnng war sie unmöglich geworden; um die voraussichtliche Entlassung so lange als möglich hinauszuschieben schnürte sie sich zum Ersticken. Eine der beiden entlassenen Verkäuferinnen hatte vor einigen Tagen ein todtcs Kind geboren, was nur eine Folge dessen war, daß auch sie sich dermaßen die Taille zusammengepreßt hatte; sie war so schwer erkrankt, daß man selbst an ihrem Aufkommen zweifelte. Bonrdoncle beincrkte, daß Paulinens Teint bleifarbene Flecke bekomme und daß ihr Gang immer schwerfälliger wird. Eines Morgens war er eben zugegen, als in der Abtheilung für Brautausstattungen ein Laden- bursche, der ein Packet forttrug, sie von ungefähr so hart anstieß, daß sie mit beiden Händen nach ihrem Bauche griff, indem sie einen Schrei ausstieß. Er führte sie sogleich fort, unterwarf sie einer Beichte und stellte in der Berathung der Interessenten den Antrag aus ihre Entlassung unter dem Vorwande, daß sie Landluft brauche; das Gerücht von ihrer Schwangerschaft würde sich; rasch verbreiten, sagte er, und es würde auf das Publikum sehr uu- günstig einwirken, wenn auch sie eine frühzeitige Niederkunft hätte, wie es einer anderen Verkäuferin in der Abtheilnng für Kindeswäschc im vorigen Jahre passirt war. Mouret, der in der Berathung nicht anwesend war, konnte seine Meinung erst am Abend abgeben. Allein Denise hatte Zeit sich inS Mittel zu legen und er schnitt Bourdoncle das Wort ab unter Hinweis aus die Interessen des Hauses. Ein solches Vorgehen, sagte er, würde alle Mütter, alle jungen Wvch- ncrinncn der Kundschaft verletzen. Es wurde feierlich be- schloffen, daß jede verehelichte Berkäuscrin, wenn sie schwanger würde, bei einer speziellen Hebamme untergebracht werden solle, sobald ihre Anwesenheit im Magazin anstands- halber unmöglich würde. Als Denise am folgenden Tag in das Krankenzimmer hinaufging, um Pauline zu besuchen, welche infolge des er- haltenen Stoßes sich zu Bett begeben hatte müssen, küßte diese das Mädchen auf beide Wangen. — Wie gütig Sie sind. Ohne Sie hätte man mich hinausgeworfen. Beunruhigen Sie sich nicht; der Arzt sagt mir, es werde nichts zu bedeuten haben. Bange, der sich einen Augenblick aus seiner Abtheilung entfernt hatte, war ebenfalls da; er stand aus der andern Seite des Bettes, auch er stammelte einige Dankesworte für Denise, die er jetzt wie ein höheres Wesen mit äußerstem Respekte behandelte. — Hah, meinte er, wenn es jetzt noch Einer wagen sollte, ein schmutziges Wort über Sie laut warben zu lassen, wie würde ich ihm den Kops einschlagen! I Doch Pauliue sandte ihn mit einem Achselzucken in seine Abtheilnng zurück. 1 würde eine Steigerung der Ausfuhrziffer bedeuten. Wenn mit einer Verschlechterung der Lebenshaltung der Arbeiter z, B. in Sachsen gedroht wird, so schreckt uns das nicht. Schlechter als jetzt, wo die Lebens- mittel künstlich vertheuert sind, wo Jndustriezölle herrschen, und jeder Arbeiterschutz fehlt, kann es nicht mehr werden. Der Schaden der Mc Kinley-Bill wird mehr als ausae- glichen, wenn man die Kornzölle aufhebt. Hier ist der Hebel anzusetzen. Und noch eins! Der Lärm ist größer, als die Wichtigkeit der Sache verdient. Gewiß, einige Schwierig- leiten mehr hat der deutsche Exporteur zu überwinden, wenn das neue Gesetz in Kraft tritt. Aber sein Absatz- gebiet kann er sich erhalten. Die Wuth richtet sich ja auch in erster Reihe gegen die schärferen Kontrol- bestimnmngen. Die deutschen Exporteure vor allem sind, wie u. a. die deutschen Konsulatsberichte ausweisen, die unreellsten der Welt, sie liefern schöne Muster, schlechtere Waare in mangelhafter Verpackung, sie treiben durch Unterfakturirung der Waaren, d. h. durch zu niedrige Waarenpreisangaben für Verzollungszwecke, Mogeleien, wie aus amtlichen Mit- theilungen ersichtlich ist. Daß die Uankees ihnen jetzt mehr auf den Kram passen, das ist ein Hauptquell der neuen Leiden. Was aber kümmert dieser grobe Unfug das deutsche Proletariat? VolttiMv«ebevstiftt. Die bedingte NreurtheUnng wird anscheinend nicht zur Einführung in Deutschland gelangen, auch nicht ver- suchsweise durch ein zeitlich beschränktes Gesetz. Bekanntlich besteht das Wesen der bedingten Verurtheilung, welche in Belgien, England und im Staate Massachusetts seit einigen Jahren eingeführt ist, darin, daß einem zum ersten Male Berurtheilten die Strafe erlassen wird, wenn er binnen einer bestimmten, vom Richter bezeichneten Frist eine zweite Ver- urtheilung wegen einer Strafthat verwandter Gattung nicht erleidet.*) Ob die bedingte Verurtheilung nur bei Ver- gehen und Verbrechen jugendlicher Personen, ob sie für alle oder nur für bestimmte Vergehen in Anwendung kommen soll, diese Fragen sind dabei gesondert zu be- antworten. Das preußische Justizministerium hatte nun die Oberlandesgerichts-Prösidenten und Oberstaatsanwälte sämmtlicher(dreizehn) Oberlandesgerichts-Bezirke zu gutacht- lichen Aeußerungen über die bedingte Verurtheilung, unter Vorlegung bestimmter Fragen, veranlaßt. Von den dreizehn Gutachten verwarfen zwölf die Neuerung vollständig, das dreizehnte hält ihre Einführung„zur Zeit" noch nicht für möglich. Da das Reichsjnstizamt sich wohl in demselben Sinne entscheiden wird, so dürfte dieselbe für Deutschland einstweilen aussichtslos geworden sein. Es ist dies immerhin bedauerlich. Wir werden und dürfen zwar nicht müde werden, auf die sozialen Verhältnisse als die Hauptursache der Verbrechen und als das Gebiet, auf welchem das Verbrechen bekämpft werden muß, mit allem Nachdruck zu verweisen. Wir legen deshalb einer Einrichtung wie der bedingten Verurtheilung nur eine mäßige Bedeutung bei. Aber wir befürworten sie schon wegen der schlechten Folgen der kurzen Freiheitsstrafen. Die erste Gefängnißstrase schädigt die Ehre des Berurtheilten als eigenes, persönliches Ehrgefühl und als Werthschätzung seitens der Menschen. Es ist also das Bemühen nicht zu verwerfen, die erste Gefängnißstrase demjenigen zu er- sparen, von welchem anzunehmen ist, daß er dauernd vor dem Gefängniß bewahrt bleiben kann. Die zwölf Gutachter haben darauf nun eine sehr merkwürdige Entgegnung. Sie sagen: Seid ihr gegen die kurzen Gefängnißstrafen, nun, so wollen wir einfach statt der kurzen lange Strafen verhangen. Die Anhänger der be- *) Dem Berurtheilten ist also Gelegenheit gegeben, durch ein ordentliches Verhalten nach der ersten Strafthat vor dem Ge- fängnist bewahrt zu bleiben. Stach Ablauf der vom Richter be- stimmten Frist gilt er als unbestraft, wenn er nicht eine zweite Verurtheilung erfahren hat; ist letzteres aber geschehen, so hat er zugleich mit der zweiten auch die erste Strafe zu verbüßen. — Geh, geh, mein lieber Mann, Du redest lauter Dummheiten, laß' uns allein. Das Krankenzimmer war eine lange helle Stube mit zwölf Betten, die init reinlichen weißen Vorhängen versehen waren. Hier wurden die Kommis gepflegt, die im Hause wohnten, wenn ihnen eine Krankheit zustieß und sie nicht zu ihren Familien zurückkehren wollten. An diesem Tage be- fand sich Pauline allein hier, in der Nähe eines der großen Fenster, welche auf die Rue Neuve Saint- Augustin gingen. — Er thut also Alles, was Sie wollen. Wie grausam ist es doch von Ihnen, ihn so zu quälen. Erklären Sie mir die Sache, da wir schon davon sprechen, hassen Sie ihn denn? Sie hatte eine der Hände Denisens ergriffeit, die neben ihrem Bett saß. Das Mädchen, von eitler plötzlichen Erregung ergriffen, ließ angesichts dieser direkten und unerivarteten Frage das Geheimniß ihres Herzens entschlüpfen. Sie ver- barg das hochgeröthete Gesicht in den Polster und flüsterte: — Ich liebe ihn. Pantine war verblüfft. — Wie, Sie lieben ihn? Dann ist es doch sehr ein- fach: Sagen Sie„ja"._ Tenise aber sagte„nein", indem sie energisch den Kops schüttelte. Sie sagte„nein" gerade, weil sie ihn liebte, ohne aber die Sache näher zu erklären. Das war gewiß lächer- lich, aber sie war einmal so und konnte sich nicht anders machen. Die Ueberraschung ihrer Freundin stieg immer höher. Endlich fragte sie: — Sie handeln also nur so, um seine Frau zu werden? Das Mädchen richtete sich plötzlich auf. Sie war ganz verstört:,, — Wie, um seine Frau zu werden? Ich schwöre �hnen, daß ich nie daran gedacht habe. Nein, niemals ist eine solche Berechnung in meinem Kopfe ausgetaucht und Sie wissen, daß ich nicht lüge. — Nun, meine Liebe, sagte Pauline sanft, wenn Sie wirklich die Idee hätten, sich Heirathen zu lassen, so könnten Sie sich nicht anders benehmen, als wie Sie es thun. Tie Sache muß ja ein Ende nehmen und da giebt es kein dingten Verurtheilung wollen aber doch durch die Vermei- dung der kleinen, kurzen Strafe, auch die ihr gewöhnlich folgende größere, längere Strafe vermeiden. Ferner meinen sie, der Erlaß der Strafe werde dem Berurtheilten doch nichts nützen, denn das Volk sehe nicht auf die Thatsache der Strafverbüßnng, sondern auf die der Verurtheilung. Das ist nicht- ganz richtig, denn das Volk sagt: „Ter hat im Gefängniß gesessen"; im übrigen beweist es nichts, denn die Verurtheilung gilt nach Ablauf der vom Richter gestellten Frist als nicht geschehen, es handelt sich keineswegs blos um den Erlaß der Strafvcrbüßung. ES wird dann noch das kleinliche Bedenken angeführt, daß der bediügt Verurtheilte, wenn er von neuem gefrevelt habe, mit doppelter List seine That zu verheimlichen, ja über seine Personalien zu täuschen suchen werde. Alles in Allem: die bedingte Verurtheilung ist eine Milderung im Stxafwcsen und die herrschende Strömung will nichts von einer Milderung, sondern nur etwas von Strafver- schärfungen wissen. Die �uittungskarten des Invaliditätagefehes. Der Bundesrath hat für die im Jnvalidilätsgesetz vorgesehenen Quittungskarten ein Formular herstellen lasten. Dasselbe ist auf einem aus Zellulose bestehenden, mit Eisenoxyd und Bleichromat gelb gefärbten Stoff von 3 pCt. mittlerer Dehnung und 2 pCt. Aschegehalt herzustellen. Das Formular enthält auf der Innen- Ate Platz zum Einkleben von je einer Marke für 52 Kalenderwochen und Platz für die summarische Aufrechnung der Beitrüge des Jahres, sowie der Bescheinigungen über die Dauer der Krank- Heiken und militärischen Dien leistungen. Aus der Außenseite ind außer den Personalien des Arbeitnehmers die§§ 108, 146 und 151 des Gesetzes abgedruckt. Gleichzeitig hat der Bundes- rath den Beschluß gefaßt, daß von besonderer Herstellung der Zu- satzmarken des Reicyes abgesehen und statt dessen für jede Ver- icherungsanstalt eine Toppelmarke herge iellt werde, welche die Zusatzmarke mit einer Marke der Lohnklasse 2 verbindet. Gin historischer Niichhlistr. Als in England daS Groß- kapital zu Anfang unseres Jahrhunderts seine Ausbeutungssuchtel in einer brutalen Meise zu handhaben begann, wandten sich 'chließlich die Arbeiter an das Parlament, das denn in der That von 1802 bis 1883 fünf Arbeitsakle erließ, die indeß in der Praxis kaum durchgeführt wurden. Das Gesetz von 1833 erklärt, daß der Arbeitstag um VeG Uhr Morgens beginnen und VaO Uhr Avends endigen solle. Innerhalb dieser Zeit dursten Kinder zwischen 13 und 18 Jahren 12 Stunden täglich beschäftigt werde», Kinder von 9 bis 13 Jahren dursten täglich 8 Stunden lang abgerackert werden. Durch das Gesetz vom 10. September 1844 wurde für die Arbeiterinnen über 18 Jahren die lagliche Arbeitszeit auf 12 Stunden festgesetzt; die Arbeitszeit von Kindern unter 13 Jahren wurde aus GVs und unter gewissen Bedingungen auf 7 Stunden täglich reduzirt. Durch das Gesetz vom 7. Juni 1847 wurde der Arbeitstag für junge Personen(von 13 bis 18 Jahren) und aller Arbeiterinnen aus 11 Stunden und am 1. Mai 1848 au, 10 Stunden beschränkt und die Nachtarbeit für Arbeiterinnen ver- boten. Durch das Gesetz vom 5. August 1850 wurde der Arbeitstag für zunge Personen und Frauenzimmer in den 5 Wochentagen von 10 auf lOVa Stunden erhöht, für den Sonnabend aus 7V2 Stunden reduzirt. Unter letzteres Gesetz wurden in den ■olgenden Jahren 1860, 1861 und 1864 eine Reihe von Gewerben gestellt, die bis dahin schrankenlos betrie. en werden konnten. In der Folge wurde das Gesetz auch auf die Gewerbe und bis zu einem gewissen Grade ans die Hausindustrie ausgedehnt. Durch das Gesetz vom 27. Mai 1878 ist endlich die ganze Gesetzesarbeit vereinsacht und kodifizirt worden. In der Schweiz wurde durch das Bnndesgesetz vom 28. März 1877 der elsstündige Normal-(Maximal-) Arveitstag, das Ver- bot der Sonntagsarbeit(wie in England) und die Bestimmung eingeführt, daß Kinder unter 14 Jahren nicht in Fabriken arbeiten dürfen. In Oesterreich besteht seit dem II. Juni 1885 der elsstündige Normalarbeitstag für Fabriken, das Verbot der Sonntags- arbeit und die achtstündige Tagesarbeit für Kinder von zwölf Jahren an. Die oben erwähnten englischen Arbeitsstatuten aus dem 14., 15. und 16. Jahrhundert bestanden in ziemlich gleicher Fassung in damaliger Zeit auch in Frankreich und den Niederlanden. In neuerer Zeit datirt die französische Arbeiterschntz-Gesetzgebung von 1841 an. In diesem Jahre wurde durch Fabrikgesetz die tägliche Ar- beitszeit für Kinder von 8 bis 12 Jahren auf 8 Stunden und für die von 12 bis 16 Jahren auf 12 Stunden pro Tag festgesetzt. Das Gesetz von 1848, das den 12 stündigen Arbeitstag für Fabrik und Werkstatt festsetzte, blieb wie jenes auf dem Papier. Durch Gesetz von 1874 wird für gewisse Industriezweige die Arbeit von Kindern unter 12 Jahren und für Kinder unter 10 Jahren überhaupt verboten. Der Arbeitstag der Kinder von 10 bis 12 Jahren anderes Mittel als die Heirath, da Sie das Andere nicht wollen. Hören Sie: alle Welt denkt so wie ich, man ist überzeugt, daß Sie ihm den Brotkorb mir deshalb so hoch hängen, mn ihn zum Herrn Maire zu führen. Mein Gott, wie drollig sind Sie! Und sie mußte Deinsen trösten, welche abermals schluch- zend das Haupt auf das Kissen sinken ließ, indem sie wie verholte, daß sie schließlich fortgehen werde müssen, da man ununterbrochen ihr Geschichten andichte, die ihr niemals in den Sinn kamen. Es ist gewiß: ivenn ein Mann eine Frau liebt, so muß er sie heirathen. Sie aber verlangte nichts, berechnete nichts, sie verlangte nur, daß man sie ruhig leben lasse mit ihren Sorgen und Freuden, wie jeden andern Mensche». Zur nämlichen Zeit ging Mouret wieder einmal durch die Magazme. Um seinen Kummer zu betäuben, wollte er wieder einmal die Bauten besichtigen. Monate waren ver- flössen, die Fa?adc stand jetzt fertig da mit ihren monu- mentalen Linien hinter einer Bretterverkleidung, welche sie dem Publikum entzog. Ein ganzes Heer von Dekorateuren war am Werke: Marmorirer, Fayencearbeiter, Mosaik- arbeiter; man vergoldete die Zentralgruppe oberhalb der Pforte, während man auf dem Acrotöre bereits die Picdestale anbrachte, auf welchen die Statuen sämmtlicher Industriestädte Frankreichs aufgestellt werden sollten. Die Rue du Dix-Döcembre, welche seit kurzer Zeit eröffnet war, war vom Morgen bis zum Abend von einer Menge Neugieriger erfüllt, die nichts sahen, sich jedoch für die Wunder interessirten, die man von dieser Fagade erzählte, deren Eröffnung ganz Paris in Aufregung versetzen sollte. Und auf diesem, von fieberhafter Arbeit erfüllten Bauplatz, mitten unter diesen Künstlern, welche die Verwirklichung des Traumes vollendeten, den die Maurer begonnen hatten, empfand Mouret bitterer als überall die Eitelkeit seines Vergnügens. Der Gedanke an Denise hatte ihm plötz- lich die Brust zugeschnürt, dieser Gedanke, der ihn fortwährend verzehrte, wie die Flamme eines unhcil- baren Leidens. Diese Fagade, die endlich stand, schien ihm klein, gleich einer jener Sandmauern, welche die Knaben zum Spiel erbauen und man hätte sie meilenweit verlängern ist mit 6 Stunden, der der jungen Personen von 12 bis 16 JalM mit 12 Stunden bestimmt._, In Deutschland, das nach der kapitalistischen Presse größte Sozialreform aufweist, sind nur Kinder von 12 bis 14 Jahre" und„junge Leute" von 14 bis 16 Jahren geschützt. Für erster beträgt die tägliche Arbeitszeit 6 Stunden, für letztere 1"' wenn sie schulpflichtig sind, ebenfalls 6. Für die Kindel unter IL Jahren ist die Arbeit in den Fabriken überhaupt ver- boten. In den Vereinigten Staaten ist die Fabrik-Gesetzgebung# kanntlich noch immer Staatensache und die Gesetze sind sehr ver- schieden. Beschränkung der Arbeitszeit für erwachsene männliche Arbeiter giebt es blos im Dienste der Union und einigen Staate" und Städten. Für den Schutz der Frauen und Kinder ist den letzten Jahren manches geschehen. Massachusetts steht � obenan. Die meisten Staaten im Norden gehen jedoch rw weiter als Deutschland und im Süden besteht noch fast gar kew' Beschränkung der Arbeitszeit. Da» Zentrum. Im„Münchener Fremdenblatt", Organ der bayerischen Zentrumspartei, theilt ein bayerisch� Zentrnmsabgeordneter(vermuthlich Orterer) mit, wahrscheinlich stimme das ganze Zentrum für die Militärvorlage, wenn v» Regierung bindende Erklärungen auf Verlängerung der Rekruten- vakanz und Vermehrung der Dispositionsbeurlaubungen abgalt Urber Streik« schreibt die„Oesterreichische Arbeiterzeitung'� „Es ist einleuchtend, daß ein siegreicher Streik nur von größere" Arbeiterschichten, d. h. wenigstens von solchen, die eine ganze oder nahezu die ganze Branche umfassen, geführt werden kann- Eine Arbeitseinstellung, von einer einzelnen Werkstätte oder Fabrn, mit einem oder einigen Dutzend Arbeitern begonnen, wenn»# etwa die Ehre derselben auf dein Spiele steht, ist einfach leicht- sinnig. Selbst oft. nicht immer, in dem Falle leichtsinnig, wen" man damit einer angekündigten oder eingetretenen Lohnreduktio» vorbeugen will. Denn auch in diesem Falle sollte zuerst gr- trachtet werden, die Gesamnitheit zu gewinnen, ein allgemeine- Vorgehen zu versuchen und die übrigen Umstände zu überlegen- Vor diesen leichtsinnigen Ausstünden zu warnen, ist Pflicht des Sozialdemokraten.; Fast immer bei kleineren Unternehmungen ist da- Resultat ein klägliches. Der kleine Fabrikant arbeitet- nicht mit jenen großartigen technischen Hilfsmittel!» wie der große und deshalb niit weit geringeren: Profit wie letzterer. Ost produzirt er nur, damit einfach sein Kapital erneuert werde. Tritt nun ein Streik ein, ist er gezwungen, für einige Zeit zuz"' sperren, so ist dies oft sein Ruin. Die größeren Unlernehm� schnappen ihm die Arbeit weg, ohne daß sie, eben wegen ihrer Maschinen und sonstigen prallischeren Produktion, mehr Arbeiter auszunehmen gezwungen sind; die Streikenden sind dann in dre industrielle Reservearmee dauernd oder doch für lange Zeit hl"- ausgestoßen. Der einzelne Unternehiner ist aber andererseits auch leichter in die Lage gesetzt, Ersatz zu finden für seine paar Arbeiter au ein ganzer Industriezweig. Sind keine Ersatzmänner am Platze, so ist es bei dem heutigen, sich stets verbilligenden Verkehrswese" nicht schwer, solche von außen herbeizuziehen. Ist es doch selbst bei mächtigen, ganze Produktionszweige umfasscuden Ausstände" nicht selten mit Erfolg von den Fabrikanten versucht worden, die Streikenden durch auswärtige, billigere Arbeitskräfte zu ersetze"- Um wie viel leichter geht dies bei dem Ausstände eines Dutz«"' des von Arbeitern?, Solche unorganisirte, unvorbereitete, meist noch gedankenlos geleitete Arbeilseinstellungen schlagen immer zum Schaden de» vetrestenden Arbeiter aus. Ohne Organisation und oh"! Mittel Krieg zu führen ist Wahnsinn, der sich allerdings oft Massen, die den Klassenkampf noch nicht begriffen, erklären laß" Manche unvorbereiteten Mas>enausstände lassen sich freilich not' verhindern; sie ergreifen spontan nicht Einzelne, sondern die ganze Masse. Durch ihre moralische Wucht erringen sie rnaiOT* mal selbst geringe Erfolge. Gehen sie jedoch aüaT gänzlich verloren, so ist die Folge eine Organisation, deren Mangel vorher eben allgemein vermißt wurde. Leichtsinn sind aber diese kleine" Einzelge�echte ohne Nutzen und Zweck, bei denen die betreffende" Arbeiter verbluten, welche keine Organisation verursachen, sonder" eine solche hemmen, weil die Indifferenten i» dem betreffende" Fache muthlos gemacht worden sind. Wir haben es für unsere Pflicht gehalten, hier einmal einz"- greisen, soweit es in unserer Möglichkeit liegt. Die klastenbewußte, organisirte, sozialdemokratisch gesinnte Arbeiterschaft hat noch imine" bewiesen, daß sie jeden Streik, wenn er einmal ausgebrochen'st- ohne viel Rederei thatkräftigst unterstützt, daß sie auch trachtet, trotz allerEinwände, selbst vomZaungebrocheneArccitseiufielluiigen eine»' möglichst günftigen Ende zuzustihreu, nur um die demoralisirende Wirkung, die ein solcher Streik, der mit einer Niederlage endet, nach sich zieht, zu verhindern. Dieselbe Arbeiterschaft muß n"" aber entschieden das Slreikfieber zu lindern suchen, weil dieses P in ihrer Thätigkeit vielfach hemmt und stört. Wir haben ja noch wichtigeres zu vollbringen." So das österreichische Arbeiterorgan, dessen Aussührunge" auch für Deutschland vollkomnien zulreffend sind. Das Streik- sieber hat uns viel geschadet und es ist Hohe Zeit, daß die Ar- und bis zu den Wolken erhöhen können, sie hätte die Leere seines Herzens nicht ausgefüllt, welche das hartnäckige„Nein eines Kinoes daselbst verursachte. Als Mouret in sein Kabinet zurückkehrt� erstickte er schier durch die zurückgehaltenen Thränen. Was wollte str denn? Er wagte es nicht mehr, ihr Geld anzubieten und in dem Widerstreben des jungen Wittwers tauchte zum erste» Male unklar der Gedanke an eine Heirath aus. Das Gefüh' seiner Machtlosigkeit erpreßte ihm endlich heiße Zähren, er ivar unglücklich. FünftesKapitel. An einem Novemberinorgen, als Denise eben ihre erste" Aufträge in der Abtheilnng ausgab, kam die Magd der Baudus, um ihr zu melden, daß Fräulein Genevieve eine sehr schlechte Nacht verbracht habe und daß sie ihre Base sogleich sehen wolle. In letzter Zeit ward das Mädche" von Tag zu Tag schwächer und vor zwei Tagen mußte sie sich ins Bett legen. Was Geneviöve den Rest gab, war das plötzliche Verschivinden Colombans. Anfangs hatte er sich be- gnügt, öfters die Nacht über auszubleiben, dann war er inmter mehr der gehorsame Hund Klaras geworden und endlich er- hielt Baudu an einem Montag Morgens einen Brief vo» ihm, in welchem er von ihm einfach Abschied nahm und zwar in so gesuchten Worten, als trüge er sich mit Selbst- mordgedanken. Vielleicht hätte man bei genauer Unter- snchung unter dieser Leidenschast auch die schlaue Berechnung )cnes Burschen gefunden, der entzückt war, auf eine ihm ver- hängnißvoll scheinende Ehe verzichten zu können; das Ge- schüft des Tuchhändlers war in einem ebenso trostlosen Zu' stände wie seine Tochter. Er nahm die Gelegenheit wähl- durch einen tollen Streich zu brechen. Dabei hielt ihn noch Jedermann für ein Opfer seiner Liebe. Als Denise im„Alten Elbens" ankam, war Madan� Baudu allein. Unbeweglich saß sie hinter dem KassenpulU mit ihrem bleichen, blutlosen Gesichte und hütete die Stilu und Leere der Butik. Es war kein Kommis da, die M"8- staubte die Fächer ab, und man beschäftigte sich schon w» dem Gedanken, die Magd durch eine Bedienerin r ersetzen. (Fortsetzung folgt.) Seiter selbst Front machen gegen leichtsinnige Streiks. Man bar', nicht vergessen, daß die gegenwärtige Geschäftslage keine günstige, ?er Unternehmer also dem Arbeiter gegenüber bei Konflikten ent- chieden im Vortheil ist und daß jeder verunglückte Streik die Macht der Unternehmer nur noch vermehrt. Schwelgende Arbeiter. Dieser von Zeit zu Zeit in der Vonrgeoispresse sehr beliebte Artikel taucht zur Abwechselung wieder einmal im„Liegnitzer Tageblatt" auf. Dasselbe ließ sich kurzlich aus Beuthen schreiben:„Vor einigen Tagen kam in ein hiesiges Geschäft eine Anzahl junger Arbeiter, die Kaviar zu haben wünschten. Auf die Frage des Verkäufers, ob zu 7, 9 oder 11 Mark, forderten dieselben, als wenn es sich von selbst»erstände, solchen zu 11 Mark. Hierzu kauften sie noch 2 Pfund Lachs und außerdem noch Sardinen, so daß sie einige 20 Marl Zu zahlen hatten, worauf sie vergnügt von bannen zogen Augenscheinlich wußten die Arbeiter, die irgendwo einmal etwas von Kaviar gehört hatten, nicht, was sie mit demselben anfangen sollten, denn kaum nach einer Viertelstunde kam einer von den jungen Arbeitern wieder in beng Laden und ■ fragte sehr naiv:„Sagen Sie mal, wie wird denn der Kaviar eigentlich gekocht V" Ein Parteigenosse hat über diese Räubergeschichte Erkundigungen eingezogen und kann mittheilen, daß selbstredend Alles die reine, nackte Wahrheit ist. Es ist uoch sehr gnädig von dem Kapitalistenblatt, daß es sich mit dem Kaviar begnügt hat. Das nächste Mal könnte man die Geschichte etwa in folgender Weise kompletiren:„Aus dem betreffenden Laden zogen die Arbeiter weiter und kauften in einer Weinhandlung nicht weniger als 25 Flaschen prima Bordeaux und 20 Flaschen Champagner(R öderer, carte blanche). Diese ließen sie in die reizende Villa„Stillvergnügt" senden, die einer von ihnen sich jüngst hat bauen lassen, und dort führten sie mit einigen hübschen Fabrikantentöchtern, die sie unter der Drohung, sonst zu streiken, willfährig gemacht, eine Orgie auf, wie sie nur ein über- sätttgter Geschmack ersinnen kann. Und das alles auf Kosten der armen schlesischen Fabrikbesitzer, die bei 12— Isstündiger Arbeits zeit mit einem Reinertrag von höchstens 12 Mark die Woche für lieb nehmen müssen. Es ist schändlich!"— Wem da nicht ein Pflichtschuldiges Gruseln überläuft, dem ist nicht zu helfen! Zun» Schadrnersnff ist in Frankfurt a. M. ein Polizei kommissar auf Klage eines Wirths verurtheilt worden, weil er nach Auflösung einer Versammlung einen Theil der Versamm lung verhindert hatte, in einer anderen Wirthschaft sich nieder zulassen. Uom Gberrhein, 18. Juni. Es ist der Stadt Mülhausen im Elsaß das Heil geworden, daß der berühmte Polizeiinspektor Wohlaemuth, wenn auch nicht in früheren Amt und Würden, ihr als Mitbürger erhalten bleibt. Seine Stellung ist nicht minder einflußreich, er wurde zum Konkursverwalter der Stadt Mül- Hausen ernannt. Wie versichert wird, galt sein erster Besuch welch' ein Zufall,— einem Sozialdemokraten, mit denen Herr Wohlqemuth bekanntlich so schlimme Erfahrungen gemacht hat. Meeranr, 18. Juni. Eine stark besuchte Volksversammlung in welcher der Reichstagsabgeordnete A. Schmidt sprach, erklärte 'einstimmig, daß die Kinlep-Tarifoill nichts anderes als eine Folge der deutsaien SchutzzoU-Geseygebung se», mit der auf allen C bieten gebrochen werden müsse. GeBerrsich-Uitgrtvn. Trieft, 19. Juni. Die Seebehörde hat angeordnet, daß die Provenienzen aus sämmtlichen spanischen Häfen vom 16. d. M. ab ärztlicher Untersuchung unterliegen. Großbrititnnirtr. London, 17. Juni. In Barnsley fand gestern die größte Kundgebung von Bergarbeitern statt, die in Äorkshire zemals abgehalten wurde. CO 000 Menschen, begleitet von 70 Musikkapellen, hielten einen Umzug durch die Stadt. Dte Parlamentsmitglieder Carl Compton und Mr. Pickard hielten Ansprachen an die riesige Versammlung und es wurden einstimmig Beschlüsse gefaßt zu Gunsten der Ein- bringung einer Vorlage im Unterhanse für einen achtstün- digen Arbeitstag, sowie gegen verschiedene Bestimmungen des Arbeitgeber- Hastpflicht�esetzes. Das Verhalten der britischen Delegirten in der in Jolimont abgehaltenen Kon fereuz wurde gebilligt. London, 19. Juni. Oberhaus. Lord Salisbury er- klärt, die Regierung habe, bevor sie die Abtretung Helgolands beschlossen, die Ansicht maßgebender militärischer Rathgeber, nicht aber die Ansicht der Bevölkerung Helgolands eingeholt; ein Plebiszit gehöre nicht zu den Traditionen Englands. Er habe guten Grund, zu glauben, daß, wenn die Bewohner Helgolands früher gegen eine Vereinigung mit Deutschland gewesen seien, der Grund davon hauptsächlich in der Furcht vor der Konskription bestanden habe. Die Regierung habe stipulirt, daß von den zur Zeit der Abtretung der Insel lebenden Bewohnern Helgolands Keiner der obligatorischen Heeres- oder Flottendienstpflicht unter- warfen sein solle. Die llnterhandlungeu mit Deutschland seien meist mündlich geführt worden, der aus das Abkommen be- zügliche Schriftivechsel sei nicht umfangreich.— Der Deputirte Buchanan richtete an den ersten Lord des Schatzes, Smith, die Anfrage, ob, falls die die Abtretung Helgo- lands betreffende Bill vom Parlamente abgelehnt werde, auch die übrigen Bestimmungen des deutsch- englischen Abkommens hinfällig würden. Smith erwiderte, feiner Ansicht nach könne, wenn ein wichttger Theil des Abkommens nicht ratiflzirl werde, auch der Rest des Abkommens nicht aufreckst erhalten Er gebe diese Erklärung indeß ohne Ermächtigung der übrigen Kabinetsmitglieder ab; Fragen doch billiger Weise nicht ohne vorherige werden. Unterhaus. In Beantwortung mehrerer Anfragen er- klärte Unterstaatssekretär Fergusson, in das englische Prolektorat über Sansibar sei das gesaMmte Gebiet des Sultans von Sansibar mit alleiniger Ausnahme des der Deutsch- Ostasrikanischen Gesellschaft verpachteten Küslenstreifens einbegriffen. In dem deutschen Protektorat über das Damaraland, das England schon vor einiger.Zeit anerkannt habe, sei durch das jetzige mit Deutschland getroffene Ab- kommen keinerlei Veränderung eingetreten.__ Das deutsch-englische Abkommen bezwecke hauptsächlich die Feststellung der respek- tiven Einflußsphären überall da, wo eine solche bisher nicht stattgefunden habe.— Der erste Lord des Schatzes Smith erklärte, wegen der Abtretung der Insel Helgoland werde, sobald das Abkommen mit Deutschland zum definitiven Abschluß gelangt sei, eine Vorlage beim Parlament eingebracht werden. Eine Besesti- gung Helgolands sei von einer militärischen Autorität oder von einer Kommission niemals befürwortet worden. Ein Gutachten der Flottenbehörden über den strategischen Werth von Helgoland dem Hause vorzulegen, werde von der Negierung nicht beab- �%r erste Artikel der Lokalsteuer-Bill wurde mit 228 gegen 224 Stimmen angenommen. Die geringe Viehrheit, mit welcher die Annahme erfolgte, erklärt sich aus dem Fehlen zahl- reicher Konservativer, welche die Abstimmung erst spater erwartet hatten. P aris, 19."Ä"« 6«>»«»,„> CÄlÄ tnk,, freigelassen werden. werden. seitens dieser Art sollten Ankündigung gestellt heitsrathes in Madrid, welche in letzterem Orte angekommen ist. hat erklärt, daß es sich um Cholera handle, dieselbe sei aber lokalisirt. Amerika. Philadelphia, den 8. Juni. Irgend ein Spaßvogel muß in Deutschland, so schreibt das„PH. Sonntagsjourn." die Meinung verbreitet haben, der„fromme Hofenmacher" und Generalpostmeister Wanamaker sei eigentlich ein Deutscher Namens Wannenmacher und dabei ein Menschenfreund aus dem ff, der danach brenne, seine ungeheuren Reichthümer an allerlei Bitt- steller in Deutschland zu vertheilen. Schon seit mehreren Monaten wird er mit Bettelbriefen aus Deutschland überschwemmt. Und er ist nicht der stolz vornehme Menschenfreund, der solche Briefe stillschweigend dem Nichts übergiebt. Sondern ihm, der wegen seiner Sonntags- und Wasser-Muckerei und wegen der Betrieb- samkeit, womit er seine amtliche Stellung zugleich für seinen riesigen Röcke- und Hosenhandel ausbeutet, schon so oft von der deutsch-amerikanischcn Presse verspottet worden ist, macht es ein besonderes Vergnügen, jetzt die Bettelbriefe aus Deutschland an die große Glocke zu hängen. Da ist z.B. ein Mann in Leipzig, der, von Wanamaker's Waffer fimpelci nichts ahnend, am Kopfe seines Briefes sich als„Spezerei- Händler und Verkäufer von Burgunderweinen" bezeichnet. Er schrieb an Wanamaker Folgendes: Als schwerbedrängter, tiefver- schuldeter Familienvater stehe er an dem Rande eines Bankerottes und bitte daher um ein Darlehen von 5000 M., die er nach fünf Jahren ehrlich mit Zinsen zurückzuzahlen verspreche. Als keine Antwort kam, wiederholte der Mann seine Bitte noch dringlicher in einem Kabeltelegramm. Ein Frauchen in einer anderen deutschen Stadt ist beschei- den er und bittet den guten, frommen, reichen Herrn in Washington um 500 M. zur Anschaffung einer neuen Nähmaschine und zur Tilgung einiger kleinen Schulden. Zahlreich sind die Bittgesuche von Geistlichen, wenn auch nicht für ihre eigene Person. Ein Dorfpsarrer im Erzgebirge, der gehört hat, daß Wanamaker jeden Sonntag nach Philabelphia eilt, um der lieben Schuljugend Sonntagsschule zu halten, bittet um ein Geschenk von 2000 M., um seinen Konfirmanden neue Kleider und Schuhe für die Eommnnion anzuschaffen. Ein anderer„Bruder in Christo" bittet um eine neue Orgel, da die alte kurz nach Beendigung des dreißigjährigen Krieges verfertigt worden sei und nunmehr nur noch die quiekende» Töne eines alten Leierlastens von sich gebe. Diese und andere Pfarrherren, die wenigstens nur für Andere betteln, versprechen Alle dem edlen freigebigen Manne Gottes zu Washington den dankoaren Chorgesang und des Himmels reichsten Segen, wenn er seine milde Hand austhue. Aber die milde Hand im Generalpostamte zu Washington blieo und bleibt verschlossen. Zum Schlüsse sei noch eine der frechsten Privatbetteleien an- geführt. Eine adelige Dame in Schlesien bat Herrn Wanamaker um— 30 000 M., damit das verschuldete Rittergut ihres Mannes wieder zu einem wünschenswerlhen sichere» Besitzthum gemacht werden könne. Ihr Mann fügt sie hinzu, dürse nichts von diesem ihrem Schreiben erfahren, da er eine solche Bitte nicht gutheißen würde; sie aber mache sich verbindlich, das Darlehen in zehn Jahren zurückzubezahlen. Spttttiett. .Valencia, 19. Juni. Heute sind in Pueble de Nugat mir zwei Todesfälle vorgekommen und zwei verdächtige Erkrankungen in dem Flecken Beningnanim. Eine Kommission des Gesund- In der Kudgetkommission, welche Freitag Vormittag 11 Uhr zusammentrat, giebt ein kouscrvalives Mitglied in einem und dreier oder vier Kollegen Namen zu Protokoll, daß er gestern irrthümlich gegen eine— natürlich militä- rische— Position gestinnnt habe. Die Erklärung hat den rein platonischen Charakter einer Gewiffens-(und Loyalitäts-) Sälvirung, sintemalen der betreffende Posten auch durch die Stimmen der Konservativen(die ganz vereinzelt gewesen wären) nicht hätte gerettet werden«innen. Das Militär ist auch heute noch in der Konimission vertreten— freilich nicht so stark wie gestern. Es kommen nur noch ein paar Posten vor, die das Militär intercssiren, jedoch insgesauimt hoffnungslos sind. Indeß ein guter Soldat muß auch aus einem verlorenen Posten ausharren. Da die Resolution des Reichstags vom 24. Januar d. I. die Grundlage der Kommissionsbcschlüsse bilden wird, so sei dieselbe hier mitgethcilt. Sie lautete dahin: „Die verbündeten Regierungen zu ersuchen: I. Dem Reichstag spätestens in der nächsten Session einen Nachtrags-Etat vorzulegen, durch welchen bereits für das Etatsjahr 1890/91 eine angemessene einmalige Erhöhung der Bezüge der unteren und mittleren Beaniten herbeigeführt wird; 2. demgemäß eine dauernde Aufbesserung der Bezüge der weiteren und mittleren Beamten vom Etatsjahr 1891—92 ab zur Durchführung zu bringen." Nachdem gestern alle Forderungen für Militärs und höhere Beaniten entweder einstimmig oder mit überwälti- »ender Majorität verworfen worden sind, beginnt man heute mit der Tarifklasse V, welche in ihren 23 Klassen die Be- aniten von 1100 bis 5000 M. Gehalt umfaßt. Der Referent Stroinbcck beantragt, die Klassen 1 bis 16(1700 bis 5000 M. Gehalt) einer Subkoinmisston zu überweisen. Mit Abrechnung der gestern gestrichenen Posten, im Betrag von 6 Millionen rund, würden, wenn von neuem alle Posten ohne Abstrich bewilligt würden, 14 Millionen übrig bleiben. Der Reichstag hatte bei seinem Beschluß vom 24. Januar er. nur eine Erhöhung im Gcsammtbetrag von 6 Millionen im'Auge, also weniger als die Hälfte. Dazu kommt, daß, wenn allen Beamten der noch übrigen höheren Tarifklassen die von der Regierung geforderten Erhöhung bewilligen würde, der Konsequenz halber weitere Er- höhungen sich nothwendig machen würden, welche die Gesammtsumnie auf 20 Millionen brächten. Trotzdem plädirt ein finanzieller Re�ierungsvertreter sehr warm für die Bewilligung aller Posten— was seines Amtes war, und motivirte dies u. a. durch das gestern auch von Herrn Stephan ins Feld geführte Argument, daß man die Beamten, wenn man sie nicht gut und ausreichend bezahle, unzufrieden mache und ihnen die Arbeitsfrcudigkeit nehme. Es versteht sich, daß dieses Argument nur für die höheren Beamten gilt, daß aber ein niederer Beamter und ein Arbeiter mit seinem Gehalt oder Lohn, auch wenn es ein Hungcrgehalt oder Hungerlohn ist, zur Zufriedenheit ver- Singer wünscht, daß noch die Klasse 12(2400 bis! 3000 M.) der Subkoinmisston überwiesen werde. Er zieht aber einen betreffenden Antrag zurück, weil über Klasse 12 ja doch in der Kommission diskntirt werden könne. Es wird eine Subkommission von fünf Mitgliedern gewählt. Bor die Subkommission werden die Klassen 9—16 ver- wiesen. Die Subkommission besteht aus den Abgeordneten Strom-- beck, Banmbach, Hahn, Siegle, Liebknecht, nebst dem Bor- sitzenden Huene. Sie hat ihre nächste Sitzung Freitag Abend 7V: Uhr. Die Kommission setzt Sonnabend Vormittag 10 Uhr, ihre Berathungen fort. Die Mahlprüfungskommissio» bat die Giltigkeit der Wahlen im L and kr eise Königsberg und im Wahlkreise Bomst-Meserih beanstandet und den Reichskanzler dabei ersucht, eine Untersuchung über behauptete Gesetzwidrigkeiten in je einem Abstimmungsbezirk(Oeffnung der Stimmzettel durch den Wahlvorsteher u. s. w.) zu veranlassen. SoztQle MoSrevIxÄzk. „,, WWW staatsgesährlicher Unzufriedenheit verwandelten. Die Regierung sucht das elastisch» Wort„mittlere Beamten" in der Reichstagsresolution möglichst weit aus- zurecken, so daß es die Beamten bis zu 5000 M. Gehalt umfaßt. Die Kommission hat jedoch keine Neigung, der Resolution vom 24. Januar einen solchen Gummi-Charakter zu geben. Richter beantragt, die Klassen 1—12 sofort zu streichen und bloß die Klassen 13—16(1700 bis 3500 M.) der Subkommission zu überweisen. Iimmerlcute Kerlius und Umgegend! Arbeitsgenossen? Als wir im vorigen Jahre den Kampf um besseren Lohn und Arbeitsbedingungen aufnahmen, geschah es von unserer Seite mit dem Bewußtzein, daß unsere wirthschaftlichen Verhältnisse unbe- dingt einer Aufbesserung bedürftigt waren; es war unmöglich mit den Brosamen, welche uns von Seiten unserer Arbeitgeber für unsere schwere und anstrengende Arbeit gereicht wurden, unserer Verpflichtung der Familie und dem Staate gegenüber nach- zukommen. Ihr wißt, welche Opfer uns die Erreichung der so gerechten und geringen Forverung neunstündige Arbeitszeit und 60 Pf. Stundenlohn gelostet hat. Kameraden! Wir brauchen Euch nicht daran zu erinnern, daß wir während des Owöchentlichen Streiks alles was wir uns bei einer günstigen Arbeitsperiode mühsam angeschafft haben, nach dein Leihamt haben tragen müssen und manchen Tag trotzdem noch hungrig mußten zu Bette gehen und viele von uns haben noch unter diesen Folgen zu leiden. Wir geben zu, daß Ihr durch den Mißbrauch, welchen der Leiter der vorjährigen Bewegung mit Eurem Vertrauen getrieben hat abgeschreckt seid, doch wir geben Euch zu bedenken, ob die chlechte That eines einzelnen Veranlassung geben kann, die mit o schweren Opfern erzielte Verbesserung unserer Lage illusorisch zu machen. Kameraden seht um Euch und wenn Ihr nicht vollständig dem leidigen der Arbeiterbewegung so schädlichen Jndifferentismus verfallen seid, so werdet Ihr anerkennen müssen, daß es so nicht weiter gehen kann, die'Arbeitslosigkeit nimmt immer mehr und mehr zu. Wer zahlt noch 60 Pf. Stundenlohn? Wer läßt nur 9 Stunden arbeiten? Es sind nur noch einige reelle Arbeitsgeber, bei den Anderen wird 10—13 Stunden gearbeitet und der Lohn chwankt zwischen 60 und 55 Pf. pro Stunde, wenn es so weiter geht und dies wird es, wenn wir den» kein Einhalt gebieten, so sinkt der Lohn bis zum Schlüsse des Jahres auf 40 Pf. pro Stunde herab. Kameraden! Wir haben uns die Frage vorzulegen, was haben wir zu thun, um den fortwährenden Rückgang unserer Existenzmittel, d. h. des Lohnes und der Arbeitslosigkeit entgegenzutreten und hier giebt es nur eine Antwort: „organisirt Euch," schließt Euch den hier bestehenden Organisationen an, damit wir, wenn nicht in diesem so doch im nächsten Jahre wieder als eine geschlossene, geeinigte Masse den Ausbeutungen unserer Arbeitgeber entgegentreten können. Sehet hin nach Hamburg, dort habt Ihr ein krasses Beispiel, wie die 'Arbeitgeber, verbunden mit der Kapitalmacht» die Organisation unserer dortigen Arbeitsgenossen mit allen ihr zu Gebote stehen- den Mitteln zerstören wollen, wie die Unternehmer unseren Kameraden als eine geschlossene Klaffe entgegentreten; es ist dort nicht mehr ein Kampf um Lohnerhöhung und Verkürzung der Arbeitszeit, nein, die dortigen Arbeitgeber, verbunden mit den Jnnnngshelden ganz Deutschlands und hinter diese die Macht des Kapitals, haben die Losung ausgegeben: Nieder mit dem politi- scheu Recht der Arbeiter, nieder mit dem Koalitionsrecht, mit einem Wort, der wirthschaftliche Kampf, welcher unseren Brüdern dort aufgezwungen wurde, ist von Seiten der Kapitalisten zu einem Klassenkampf erhoben worden; die Bismarckanbeter wollen Rache nehmen wegen des 20. Februar, dessen Ausfall sie nicht verschmerzen können; es ist die blinde Wuth des Bourgeois, welche in dem dortigen Kampf zum Austrag kommt, man will uns wieder hinab drucken, wir sollen nur die Pflicht haben, zu arbeiten, aber nicht das Recht, mit zu bestimmen über unser eigenes Dasein; darum der Vernichtnngskamps des Kapitals gegen unsere Organisatton. Kameraden! Uns wirds nicht besser gehen wie unsere Ham- bürgen Genossen, wenn wir nicht zeitig daran denseu, uns fest zu organisiren, es wird auch hier nicht allein die HeiMsstzung des Lohnes und die Erhöhung der Arbeitszeit von unseren Unternehmern verlangt werden, sondern man wird uns auch unsere politischen und menschlichen Rechte antasten, darum wachet auf und ver- einigt Euch, so wie es bisher gegangen ist, darf's und kann's nicht weiter geben, wir sind jetzt zum Spott und Hohn einer jeden anderen Gewerkschaft geworden, wir die sonst als die Pioniere an der Spitze der Arbeiterbewegung marschirten, sind ein Spielball in den Händen unserer Arbeitgeber geworden, wir stehen denselben vollständig kraft- und machtlos gegenüber. Kameraden! Ob all ob jung. Eure Pflicht ist es, beizutragen, daß wir Zimmerer Berlins wieder den Ehrenplatz in der modernen Arbeiterbewegung einnehmen, der uns gebührt und dies geschieht nur dadurch, daß wir uns organisiren. Zum Schluß legen wir Euch nochmals ans Herz, bedenkt Euch, bedenkt Eure Familie, bedenkt die Zukunft und wenn noch ein Funke Ehrgefühl in Euch schlummert, so ist es Eure Pflicht einer Organisation beizutreten und zwar derjenigen, welche nicht nur die materielle Aufbesserung seiner Mitglieder erstrebt, sondern auch dahin wirkt, daß das Klassenbewußtsein seiner Mitglieder gehoben wird, in der Ueberzengung, daß ein zielbewußter, die Ziele der mooernen Arbeiterbewegung kennender Arbeiter fähig ist, auf jedem Gebiet des heutigen Lebens den Sieg davon zu tragen, während diejenigen, welche nur die materielle Aufbesserung er- streben, ebenso schädlich für die Arbeiterbewegung als die Ver- gnügungsvereine, Ranch-, Kegel-, Skat-, Athleten-Klubs, Theater- vereine und dergl., sagt Euch los von diesen Hemmnissen der Arbeiterbewegung und schließt Euch der Freien Vereinigung der Zimnierleute Berlins an. Wir laden Euch hiermit gleichzeitig, ob Mitglied oder nicht, zu unserer Versammlung am Sonntag, den 22. Juni, Vormittags lOVe Uhr in Orschcl's Salon, Sebastianstraße 39, ein. Die Tagesordnung lautet: 1. Die wirthschaftliche Lage der Arbeiter und das Koalitionsrecht. Referent: August Brinkmann(Magdeburg). Der Name des Referenten und die Tagesordnung birgt Euch dafür, daß Euch etwas Gediegenes geboten wird; darum fehle Keiner am Sonntag in der Versammlung, ein Jeder ist will- kommen hört und dann entscheidet, ob mit uns oder gegen uns. Der Vorstand. I. A.: Hugo Lehmann, Stettinerstr. 9.— Um die weiteste Verbreitung dieser Versammlungseinladung wird gebeten. Theater. Sonnabend, den 21. Juni. Gpernl/aus. Othello. Schnnsvirlhans. Der Sturm. Berliner Theater. Othello. Deutsches Theater. Der Unter- staatssekretär. Friedrich-Wilhelmltädt. Theater. Der arme Jonathan. Mailner- Theater. Mamsell Ni- touche. Viktoria-Theater. Stanley in Afrika. Ostend-Theater. Kabale und Liebe. LeUealiiaure- Theater. Der Nau- tilus. KroU'v Theater. Lucia v. Lammer- moor. Kaufmann'« Uariöts. Große Spe- zialitäten-Vorstelluna._ Englischer Garten. Direktion: C. Andress, Alexanderstraße 27 c. Auftreten d. Liedersängerin Frl. Stoinow. Austreten des Gesangshumoristen Herrn Jonas. Auftreten des Komikers, Mimikers und Stimmen-Imitators Herrn Gödicko. Auftreten der Geschwister Herzog. Austreten des musikalischen Neger- Klown Mr. de Volks. (Mifcilteiit Buggenhagen am Moritzplatz. Täglich: Grosses Garten-Concert. Direktion A. Nödman». Dienstag und Freitag: Walzer-Abend. Fiifi«wo Wochentags 10?kg., AjIIU Cc sonn. und Festtags 25 Pfg. Bei ungünstiger Witterung in den unteren Restaurationsräumen. Großer Frühstücks- und Mittagstisch. Spczial-Ausschank von Pahcuhoser Export-Bier, Seidel 15 Ps. Die oberen Säle bleiben ins auf Weiteres wegen Lienovirung geschlossen. 641 F. Rldller. Variötä-Theater. (Hasenhaide) Hormannstr. 18— Neue Strasse 18. Im herrliche» Garten: Mzert, Theckr-\\ü SMlMell- VsrßMllg. Im Saale: BALL. Anfang 4 Uhr. Entre» 20 Pf. Kinder frei! Zu Privatfestlichkeiten halte mein Etablissement empfohlen. Passage 1 Tr. 9 Uhr M. b. 10 Uhr Ab. Kaiser«Panorama. Hervorrag. Sehenswürdigk. d. Residenz. Zur Erinnerung an den Sterbetag: Potsdam und Traucriua Kaiser Friedrichs. Eine bequem» Rheinreise. Eine Reise 20 Pf., Kind nur 10 Ps. Abonnement 1 M. UMlMer VMgllrtcn. Ich erlaube mir hiermit ergebenst anzuzeigen, daß am Sonntag, den 22. d., bei mir ein Gänse-, Aal- u. Schinken- Ausschieden(Kegelbahn) stattfindet, wozu ich alle Freunde rmd Genossen ergebenst einlade. 2026 A. Senftleben. JohaHnisühai. Ludwig s Salon. Größter und schönster Saal Johannis thals, ferner große Kaffeeküche, Aus- schank, Kegelbahn, Schaukel, direkt im Walde gelegen. Dem geehrten Ausflüge machenden Publikum bestens empfohlen. 554] Achtungsvoll C. Ludwig. Wendors! Anzler's Ruh! Sonnabend, den 21. ds. Mts., großes Konzert n. SouliuernallBbull. Anfang 7 Uhr. Hierzu ladet freundlichst ein 2013 Ehmke, Restaurateur. Empfehle allen Freunden und Be- kannten meine DestilWatioM; Weiji- n. Vairisß-Kier-LM. Vereinszintiner für Arbeitsnachweis und Zahlstelle steht zur Verfügung. Wrangelstr. 84. 1804 RjcinlinhiftSec Iiinncl, gen.: ,,Iic fidrlo Uagrlkistr", Berlin N., Elsasserstraße 73, gegenüber der Bergstraße. Im Lokal photographischrs Atelier zur Benutzung.— Jeder Gast, auch wenn derselbe nur fur 10 Pfennige verzehrt, wird gratis rtotoprtirt und erhält sein Bild sofort als Gratispräsent. Höchst scherzhaft! n. Schnitze(mit'n tz). Unserm Freund E. M. zu seinem heut. Wiegenfeste ein 3 Mal donnerndes Hoch, daß die gr. Weißen Kuddel u. Mnddel tanzen v. Charlottenburg l. b. Theodor. Marie Krämer Hermann Zappel Verlobte. Berlin, den 20. Juni 1890.[2038 Concerthaus Sanssouci. Kottbuser-Strasse 4a. Somtakend, den 21. Juni: Grosser Sommernachtshall. Arrangirt v om ätoStM„Amu",| wozu alle Freunde und Genossen ein- geladen werden. Der Vorstand. ReßlUlraut H. Stramm, 123. Riüersir. 823, verbunden mit Fremdenlogis. Herberge und Arbeitsnachweis oes Ver- eins der Klempner. Empfehle meinen allbekannten vor- stiglichmi Frühstück-, Mitlag- und Abendtisch. Sonstige Speisen und Getränke in bekannter Güte. Zwei Zimmer, passend zu Z a h l st e l l e n und Arbeitsnachweis stehen zur Verfügung._ 1071 Wklltion und Rchumt M. Berndt, A. Kowald Nachf. Oranien- u. Alexandrinonslr.-Eoke. empfiehlt seinen vorzüglichen Frühstück-, Mittag- und Abendtisch in allbekannter Güte.„Berliner Volksblatt",„Volkszeitung",„Volks- Tribüne:c. liegen ans. 1088 Empfehle allen Genossen mein Weiß- u. Bllirisch-Bier-Loklll. 2 Vereinszimmer stehen z. Verfügung und Arbeiterblätter liegen aus. F. Gleincrt, Oestr eicher I Wann's Euch g'müthli unterholten wöllt's, so kommt's in die'Kürassier- Straßen auf Nr. 15a. in die Ungarische Restauration. Die höchsten Weaner Tanz wer'n aufgeführt._[725 Echten 7°° AoHlichr Korn Sä Fl. ozcl. 75 Pf. Berl. ktlrÄt-Rmmtl 90 Ps. §im6«t(aft, b"1 SF'Sto8"" (C rtdtt it i* ZU Partien empfehlenswerth, uuninu a Fl. v. 1 M. an. f empfiehlt die Groß-Destillation von Lettau& Keil, SoST an der Rosenthalerstraße. Geschästsschluß Abends 8 Uhr. Sonntags 1 Uhr! A Allen Genossen empfiehlt sein Lager von Filz- null Seidelihüteil nur mit Kontrolmarken. O. PeEwogt, 1 FrobtHßr.\l, Ae mmlt Allen Freunden und Genossen zur gefülligen Nachricht, daß ich mit dem 1, Juli eine ZeitHiigs-ZpeliitioH errichten will und bitte mein Unter- nehmen gütigst unterstützen zu wollen. ; M. Noack, Liliisitjerßr. 35, Kos im Keller. am hiesigen Platze bekanntlich Grösote Auswahl. Garantirt sicher brennende Tabake. läSSffl Streng reelle Bedienung, billigste Preise! Sämmtliche im Handel befindlichen Rohtabake sind am 1653 Lager. A. Golschmidt, Spandauerbr. 6, am Hacke'schen Markt. s Albert Auerbach, Berlin S., Kottlmser Damm 7, nahe der Kottbuler Krücke. Schilz- Hill) Stiesel-Lager für Herren, Damen und Kinder. Reelle Kedienung, Feste Preise. A. Manthey, Linienstraße 245, 1740 nahe der Neuen Königstr. GeseUaft für Verbreitung m VolMllW. Sonntag, den 22. Inni er.: Großer Familienausflug nach Neu-Treptow. Treffpunkt bis spätestens 3 Uhr Nachm. in Lanf's Restaurant. Am Montag, den 21. Juli er. findet zur Feier des 1. Stiftungsfeste» des Vereins ein MF"©omm erfest verbunden mit Varten-Kontert und Kommeruachtsball unter Mitwirkung des Gesanguereins„Freya" statt. Billets ä 20 Pf. find bei folgenden Mitgliedern zu haben: W. Eicks, Sorauerstr. 4; Alb. Fricke, Adalbertstr. 53, Hof 4 Tr.: Roh. Sündermann, Prinzenstr. 110; Fräulein Schönberg, Lübbenerstr. 3; Aug. Riowe, Adalbertstraste 94, 4 Tr., bei Günther; Emil Schade, Rüdersdorferstr. 64; Fräulein Raabs, Königsbergerstr. 6, Hof 3 Tr. 2059 Der Uorstand. Allgemeiner Metallarbeiter-Verein Berlins nud Umgegend. Sonnabend, den 21. Juni 1890, Abend» 8 Uhr, tm Saale des ,,Central-Schntzrnhausrs"(Tegeler Chaussee): Grassse Ve�ssimmlung. Tages-Ordnung: I. Der Kongreß in Weimar und seine Bedeutung. Referent: A. Gerisch. 2. Diskussion. 3. Aufnahme neuer Mitglieder. 2030 4. Verschiedenes und Fragen. Der Porstand. I. A.: C. Scheuer.. NB. Kollegen, da wir in Tegel keinen Saal zu einer Versammlung be- kommen, so scheut nicht ben_ Weg und erscheint Mann für Mann in�dieser !, der Versammlung, der wichtigen Tagesordnung wegen. D. D. Facbverein der Holz- n. Breiterträger Berlins. Sonntag, den 22. Juni, Vormittags 10 Uhr, Wasserihorstr. 60 bei Krieger a V e r s a m m l u n g. wr Thema 1. Vortrag. gemacht. 2. Verschiedenes und Vereinsangelegenheiten. Im Interesse der wichtigen Tagesordnung sucht, alle zu erscheinen. Tages-Ordnung: und Referent wird in der Versammlung bekannt werden die Mitglieder er- Der Dorstand. Verein ber Klempner Berlins mii) llingegenlj. Montag, den 23. Juni, Abends 8 Uhr, in Karta'v Salon, Uirdorf, Sergstrahe 120: Groye WerMmmlung. Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn Türk. Thema: Ursachen und Wirkungen der französischen Revolution. 2. Diskussion. 3. Aufnahme neuer Mitglieder. 4. Verschiedenes und Fragekasten. Um recht zahlreiches 2041 Erscheinen ersucht Der Vorstand. Karton- Arbeiter und-Arbeiterinnen. Sammel-Listen?. Unterstützung der(Opfer der Fabrikanten- Snmanität sind in Empfang zu nehmen, ebenso auch abzuliefern zu jeder Tageszeit� bei Henke, Slumenstr. 38. Thut Eure Schuldigkeit, es sind meistens Verheirathete, die zu unterstützen sind. 2043] Die Kommission. «g der Kttchdinder n. verw. Kernfsgenossen am Montag, den 23. Juni, Abends 9 Uhu, in Joel s Gesellschafts-Sälen, Andreasstrahe 21. Tagesordnung: 1. Die Arbeiterschntz-Gesetzgebung. Refer.: Reichstags-Abg. Molkonbuhr. 2. Diskussion. 3. Stellungnahme zur Zentral-Streik-Kontrolkommission. 4. Dis- knssion. 5. Verschiedenes.— Zur Deckung der Unkosten findet Tellersammlung statt.]2045] Der Einberufet: Kohlhardt. Vekmitiiichiiig für Sieiimicheii. Laut Beschluß der letzten öffentlichen Versammlung vom 12. d. Mts. in Ahrens Brauerei hat jeder in Berlin arbeitende Steinmetz eine freiwillige Unterstützung für die streikenden Bauhandwerkcr von 50 Pf., so lange wie der Streik dauert, zu bezahlen. Die Gelder werden Sonntags von 10 bis 12 Uhr entgegengenommen. Der Vertrauensmann A. Hempel, Mullerstr. 3, 3 Tr. Vereinignng der Drechsler Deutschlands. Ortsverwaltung I. Montag, 23. Juni, Abends 8 Uhr, in Sahni's Klubhaus, Annenstr. 16: Versammlung. Tagesordnung: I. Geschäftliches. 2. Vortrag des Herrn Dr. B. Wille über: Die KommunistengemeindeJkaria. 3. Diskussion. 2057 4. Verschiedenes und Fragekasten. Zahlreiches und pünktliches Er» scheinen erwünscht. -- wr�Ay�r�JMJB DMankenkasse d.KorbinW. Durch Erlaß des Oberpräsidenten der Provinz Brandenburg ist die Abände- rung des§ 28 des Statuts von Amtswegen vollzogen worden. Die monatlichen Beiträge betragen: 1. für erwachsene männliche Kassenmitglieder, ausschließlich der Lehrlinge, 1,20 M.. 2. Für erwachsene weibliche Kassenmitgliedcr 0,75 M. 3. Für männliche Kassenmitgliedtt unter 16 Jahren und für Lehr- linge 0,65 M. 4. Für weibliche Kassenmitglieder unter 16 Jahren 0,50 M. Diese Abänderungen treten mit dem 1. Juli d. I. in Kraft. 2052 Oer Vorstand. Scptl- Wler-Versiiml. für Friedrichsherg, Rummelsburg und Umgegend am Sonntag, den 22. Juni, Vor- mittags lOtz's Uhr, in der Gräflich Reischach'schen Brauerei in Stralau. Tagesordnung: 1. Vortrag über die Organisations» frage und die Achtstundenbewegung. Referent Herr Max Pietsch. 2. Dis- knssion. 8.' Verschiedenes. 2054 Um zahlreiches Erscheinen der Kollegen ersucht Der Einberufer. Freie Vereinigung der Damen- mäntelsclmeider n. Arbeiterinnen der Bekleidungsindustrie Berlins. Sonntag, den 22. Juni: Fnsspartie im Grunewald. Abfahrt vom„Potsdamer Bahnhof" Vs8 Uhr früh.— Für Nachzügler bis 10 Uhr in Schmargendorf im„Waldkater" und von 2—4 Uhr„Alte Fischer- Hütte". Vereinsmitglicder und Gäste werden dazu freundlichst eingeladen. 2108] Der Vorstand. fyiKjuemn her Feileuhmier. Mitglieder- Versammlung Sonntag, den 22. Juni, Vormittags 11 Uhr, im Lokal des Herrn Uleihncr, Gartenstr. 162. 2060 Der Vorstand. VereiingW her IrePler Ieiitsihlkiihs. Grtovcrwaituttg 1—7. Sonntag, den 22. Juni, Ausflug mit Familie nach Schmargendorf(Kaiser Friedrich-Garten.) Abfahrt vom An- Halter Bahnhof?!achm. 1 Uhr 25 Min. Alle Kollegen sind herzlich will- kommen.[2067_ R. Lutz. Ethische Gesellschaft. Sonntag, den 22. Juni, Abends SVa Uhr, in Schneider's Salon, Bcl- forterstr. 15, Vortrag des Herrn Dr. Bruno Wille über:„Des Bösen Ar- beitsthcilung." Nachher gesellige Unter- Haltung und Tanz. Gäste(Damen nud Herren) willkommen. 5048 Gegründet 1863. LOUIS BORDAN, Gegründet 1863. 42 Oranienstrasse 42, Ecke Oranienplatz. Wegen Wim meiner Geschnstsriiiime eröffnete ich im sien 2. Juni dL J., einen um mein großes Lager von EWogEe-g Leareen« und s&i*en bedeutend zu verkleinern und werde ich ganz erstaunlich billig verkaufen! Schluss des Ausverkaufs am 30. Juni er. Die enorm heruntergesetzten Altsverkaufspreise stehen auf der Nückseite der Etiquettes neben den früheren Preisen mit Klauen Ziffern vermerkt, so das; sich Jeder von dem Preisunterschied zwischen früher und jetzt überzeugen kann._ An Sonn- und Feiertagen bleibt mein Geschäft von 10 Uhr an geschlossen. Verantwortlicher Redakteur: Curt KaaKr in Berlin. Druck und Verlag von Mar Knbing in Berlin 8W„ Beuthstraße 2. Sier;« zwei Keitage». 1 MM Kr. 141, Sonnalirnd, de» 31. In»i 1890, 7. Iichrx. Deirlttmenksleeriitzke. Deutscher Urichotag. 22. S i tz u n g von, 20. I u n i, 1 U h r. Am Tische des Bundesraths: v. Boetticher, und Koni "»Isarlen. .... Auf der Tagesordnung steht die Forlsetzung der ziveiten Be Atzung des G.E., betreffend die G e iv er b e g e ri ch t e. Tie Debatte über den§ 72 und den dritten Absatz des§ 12 «r'.'.fortgesetzt. Danach sollen die Innungen und die Jnnungs- Schiedsgerichte zuständig bleiben für die Streitigkeiten zwischen urdeitgebern einerseits und ihren Lehrlingen und Arbeitern an- ererseits, und durch diese Zuständigkeit soll die Zuständigkeit wes bestehenden oder eines zu errichtenden Gewerbegerichts aus «schlössen bleiben. Tie Sozialdemokraten(Auer und Genossen) beantragen, die l°i>timmungen über die Jnungs- Schiedsgerichte zu streichen und urch die Zuständigkeit der Innungen und der Jnnungs-Schieds' gerichte auszuschließen. g Abg. Eberty beantragt, aus§ 72 die Bestimmung, daß die viu>tandigkeit der Jnnungsschiedsgerichte unberührt bleiben soll, S Reichen, so daß in demselben nur die Aufrechterhaltung .�r Kompetenz der Innungen für die Streitigkeiten aus dem Lehr- uigsverhältniß ausgesprochen wird. Im Fall der Ablehnung r>e>es Antrages will der Antragsteller die Berufung von den OMlungen und Innung�-Schiedsgerichten an die Gewerbegerichte, und nur da, wo solche nicht bestehen, an das ordentliche Gericht Anfuhren. Abg. glieifj(Zentr.): Ich bin erstaunt gewesen darüber, wie 'Nknig zureichend und stichhaltig die Gründe ivaren, welche gestern on der Linken gegen die Jnnungs-Schiedsgerichte vorgetragen forden sind. Nach meiner Meinung ist nur das Jnnungs Schiedsgericht allein berufen, die zur Kompetenz der Gewcroe suchte gehörigen Sachen richtig zu beurtheilen. Das springt schon t>n die Augen, wenn nian ein geiverbliches Schiedsgericht in seiner usamniensetzung nach dieser Vorlage mit einem Jnnungs- chiedsgericht vergleicht. In dem letzteren werden unter ullen Umständen sachverständige Männer sitzen. Daß die Herren Eberty und Genossen und die noch weiter Sitzenden jemals den Jnnungs- Bestrebungen Sym pathiecn entgegen gebracht hätten, muß ich' bestreiten � ist die bekannte Geschichte, daß man bei derartigen Gelegenheiten von Sympathieen spricht, sie aber nie in der That ts!" setzt. Herr Eberty will zwar den Jnnungs-Schicdsgerichten die Streitigkeiten mit den Lehrlingen überlasse», hat aber gleichwohl beantragt, den ganzen Paragraphen zu streichen und für die dritte Lesung eine Korrektur versprochen. Ich habe unwillkürlich die Furcht, es könnte das bei der dritten Lesung ganz vergessen werden.(Zwischenruf des Abg. Eberty: Ter Antrag ist schon da!) Wenn die Jnnungs-Schiedsgerichte auf der Linken mit dem größte» Uebelwollen behandelt werden, so ist mir das erklärlich, denn die Bestrebungen der Innungen decken sich mit den Bestrebungen jener Herren dort nicht. Wenn die Arbeiter Zu den Jnnungsmeistern kein Vertrauen haben, so sind die Ar- kiter selber daran Schuld. Das beruht jetzt auf Gegenseitig- t«it; auch die Meisler haben kein besonderes Vertrauen iu den Bestrebungen der Arbeiter, weil diese da- Mit längst ans dem Nahmen der Billigkeit heraus- getreten sind. Alle berechtigten Anforderungen des Arbeiter- ßandes werden bei den Jnnungsmeistern ebenso gut wie anderswo Gehör finden, ja es ist sogar mit den Jnnungsmeistern viel leichter )u verkehren und zu verhandeln. In einem Schiedsgericht, das ei den geiverblichen Streitigkeiten, die in jüngster Zeil einen sehr Großen Umfang angenommen haben, angerufen wird, müssen, wenn jchs zu fällende Urlheil objektiv und richtig ausfallen soll, Leute Heu, die die geiverblichen Verhältnisse klar übersehen, nicht junge ■Renschen, die kaum hinter den Ohren trocken geivorden sind. Deshalb freue ich mich, daß das dreißigste Jahr als Altergrenze busrecht erhalten werden soll. In Hamburg ist es vorgekommen, °aß d,e Arveiter unter der Firma, ihr Loos zu verbeffern, dem einzelnen Meister zur Pflicht inachen wollten, auf Ehrenivort zu erklären, er werde nicht mehr Jnnnngsmitglied sein. Tie söge- bannten Lohnkommissionen haben sich nicht entblödet, den seß- hasten, seldstüäiidigeli Gewerbetreibenden die Forderung vorzulegen, während der Mittags- und Frühstückspausen ihre eigene» Werk- Mitten nicht zu betreten. Das sind doch ganz horrende, unerfüll- «are Forderungen. Daß die Meister in der jungflcn Zeit verschwiegen haben, daß sie Jnnungsmeister sind, ist kein Wunder. Ten Grund dafür hat Herr Tntzauer uns gestern nicht gesagt. Ist Ihnen denn nickt bekannt, daß über eine Reihe voll Geschäften die Sperre verhängt wurde, daß dadurch zahlreiche Existenzen»nd S''»ze Fuuilien von Geiverbetreil enden vermchtet worden sind? Aus übertriebene Forderungen werden die Meister nicht eingehen. Die Zeit, daß nur die Arveiter allein zu diktiren haben, ist noch nicht gekommen, und ich glaube, sie kommt auch nicht. Wie, Meun nun einmal das Kapital zu streiken anfinge? Schon machen ßch in manchen Großstädten Anzeichen bemerkbar, daß die Bau- inst sich vermindert, und stockt das Baugeschäft, dann werden eine große Anzahl dnmit zusammenhängender Branchen in schwere Mitlei. enschast gezogen. Mit unglaublicher Frivolität hat man Streiks inszenirt; es ist konstatirt worden, daß die Miinchcncr Töpfer streikten, die innerhalb vier Tagen 45 M. zu verdienen tn der Lage waren und dabei noch zwei Tage blau machten. (Unruhe links.) Wir habe» es ja gesehen, wie beim Müuchener Zinnnerslreik die Leute von Heyer» und Schürer» in die Patsche hineingeführt worden sind. Der Abschluß war, daß der Hetzer schließ- "ch hinausgeschmissen worden ist, nachdem die Genasführten ihn vorher tüchtig durchgebläut hatten.(Große Heiterkeit.) Alle Bestrebungen, die in friedlichen Bahnen einlenten ivolle», Schieds- gerichte, Erhöhung des Lohnes, Mitwirkuilg bei der Krauken-, Unfall- und Altersversichermig, das alles sind mir sympalhifche Dinge. Aber ivenn man doch liever den Hetzern draußen, die Agitationsreisen machen auf Koste» der Arbeiter, den Rath geben wollte, nicht zu reisen, sondern bei der Arbeit zu bleiben und den Arbeitern nicht das Geld aus de» Taschen zu nehmen. �st es doch konstatirt, daß in Hainburg im Fachverein der Zimmerleute die zureisenden Gesellen ivöchentlich 12 M. in die Streilkafie Zahlen müssen, und zwar 8 Wochen lang, später etwa» weniger. Wenn dies noch aufgebracht werden kann, so»st gewiß Roth Und Elend in diesen Kreisen nicht so gräf!. Ich kenne selbstständige Handwerker, die finanziell viel schlimmer daran sind, als die Arbeiter. Herr Meyer(Berlin) hat gestern eine sehr brillante Rede gehalten nach seiner fZmZ W: UWWSWW 1; Schiedsgericht zu sitzen. Ich finde auch in dem§ 72 eine neue Berechtigung der Innungen nicht. Es wird vielmehr nur aus gesprochen, daß sie die Pflicht haben, diese Obliegenheiten auch mit zu erfüllen. Ich einpsehle die Annahme der Kommissions beschlüsse.(Beifall im Zentrum.) Abg. Eberty: Wenn dieses Gesetz den Zweck haben soll, die Innungen zu kräftigen, so hätten die verbündeten Regierungen es gar nicht eingebracht. Dieses Gesetz soll ein Glied sein indem Aufbau unserer Sozialreform, das den Frieden zwischen Arbeit gebern und Arbeitern befördert, aber nicht ein Mittel zur Kräftigung einer verschwindenden Minderheit von Gewerbe- treibenden. Nicht durch eigene Kraft können sich die Innungen am Leben erhalten, sondern nur durch gesetzgeberische Maßregeln Die Innungen haben den Gegensatz zwischen Arbeitgebern»nd Arbeitern wesentlich verschärst. Ich sprecke nicht von Berlin. sondern von den anderen Theilen unseres Vaterlandes. Es auf die Autorität des Jnnungstages verwiesen worden. Ich habe den Verhandlungen desselben beigewohnt und möchte hinweisen auf die Aeußerungen des Hauptredners dieser Versammlung. Herr Faßhauer führte aus: Fürst Bismarck habe eigentlich nichts gethan und dabei ist beinahe in jedem Jahre eine neue Ausgabe der Gewerbeordnung nothwcudig geworden wegen der stets vermehrten Privilegien der Innungen; wenn nicht endlich der Befähigungsnachweis käme, dann könnten die Innungen nicht zu sammengehalten werden. Was haben die Innungen geleistet? In Berlin wird keine einzige Fachschule von den Innungen aus eigener Kraft unterhalten, die Ausgaben für dieselben werden nicht zum zehnten Theil von den Innungen bestritten, das Uebrige bezahlt die Stadt Berlin. Deshalb sollte man nicht Jeden, der etwas Sachliches gegen die Innungen sagt, als deren Feind bezeichnen. Wenn die Jnnungs- Schiedsgerichte aufrecht erhalten werden, dann wird ein umfassender Legitimationszwang eingeführt werden müssen; die Kosten und die Arbeiten dafür werden den Gemeinden aufgebürdet. Hier sollen nun zwei Kompetenzen geschaffen werden, die ganz verschiedentlich gestaltet sind, die eine, die Gewerbegerichte, soll endgiltige Entscheidungen treffen, die andere, die Jnnungs- Schiedsgerichte, nur vorläufige, denn gegen die Entscheidung dieser ist der Weg der Klage bei den ordentlichen Gerichten freigestellt. Ein so widersinniges, ungeheuer- liches vlebeneinanderlaufen zweier Jurisdiktionen habe ich in der Gesetzgebung nicht gesehen. Die Absicht ist, die Gewerbegerichte durch die Jnnungs-SchiedSgerichte wo möglich auszusaugen. Nun haben aber alle Betheiligten den größten Widerwillen, bei einem Gericht Recht zu nehmen, dessen Entscheidung nur eine vorläufige ist. Ich kann nur an das gesetzgeberische Gewissen des Reichstages appelliren, ob hier nicht ein Zustand geschaffen wird. der einen Rattenkönig von Hader und Streit über das Gegen theil von dem bewirkt, was"dieses Gesetz beabsichtigt. Wir über nehmen auf unserer Seite für solche gesetzliche Besiimmungen keinerlei Verantivortuiig. Wir beantragen grilndsätzlich die Streichung des§ 72, eventuell schlagen wir Ihnen vor, die Ge seilen der Jurisdiktion der Jnnungs-Schiedsgerichte zu entziehen. Wir kommen Ihnen insofern entgegen, als wir die Lehrlinge der Jurisdiktion der Jnnungs-Schiedsgerichte unterwerfen wollen. Entschließen Sie sich nicht, unseren Antrag anzunehmen, so bleibt als ultima ratio nur übrig, daß Sie wenigstens die Gewerbe gerichte als VerusungSinslanz für die unvollkommenen und n» richtigen Entscheidungen der Jnnungs-Schiedsgerichte etabliren Wo leine Gewerbegerichte exiftiren, ivürde nntürlicheriveise die Berufung auf den gewöhnlichen Rechtsweg offen stehen. Ich glaube, die Zukunft wird lehren, daß unsere Partei hier etwas Richtiges gethan hat.(Beifall links.) Abg. v. Cuny(ntl).: Ich stehe dieser Frage völlig»übe angen �gegenüber ohne Animosität weder für noch gegen die Innungen. Ich würde mich freuen, wenn sich die Innungen als solche entwickeln, aber ein Umstand wiegt für mich sehr schwer. Tie Gewcrbegerichtsbarkeit nach diesem Gesetz ermöglicht es, für alle Sachen bis 100 M. eine schnelle und endgiltige Eulscheidung zu erlangen, aber die Entscheidungen der Jnnungsgerichte kann zeder Theil illusorisch machen, indem er die Sache vor das Amts aericht bringt. Die Gewerbegerichte entsprechen demnach niehr den Interessen der Sachen und Personen. Ich stimme deshalb für den Antrag Auer, der den Grundsatz aufstellt, daß, sobald ein Ge- werbe-Gericht errichtet ist, die Zuständigkeit des Jnnungs-Schieds- erichts ausgeschlossen wird. Das ist aber meine persönliche Kellung, durch welche ich die Mitglieder meiner Fraktion nicht engagire. Vor Allem müssen wir einen klaren, bestimmten Rechts- zustand schaffen, und den schaffen wir durch die Kommissions- fafsung nicht. Dadurch entständen zwei Zuständigkeiten neben einander für Personen derselben sozialen und wirthschast- lichen Stellung und für Sachen derselben Art. Es würde ein sortivShrendes Schwanken eintreten, je nachdem de: Geselle heute bei einem Junuugsmeisler und morgen bei einem nicht zu einer Innung gehörenden Meister arbeitet. Die Abgg. v. Massow, v. Heereman und Morbach beantragen den Schluß der Diskussion. Abg. Meyer(Berlin): Dieser Paragraph ist der wichtigste des ganzen Gesetzes, lieber diesen lemerkeusiverthen Schluß- antrag beantrage ich die namentliche Abstimmung. Der Antrag auf namentliche Abstimmung wird genügend unterstützt. An der Abstimmung betheiligen sich 236 Mitglieder, von denen 112 mit Ja, 124 mit Nein stimmen. Der Schluß- antrag ist also abgelehnt. Gegen denselben stimmen die Sozialdemokraten, Aolkspartei, Freisinnigen, Nationalliberale» und Polen. Abg. Auer(Soz.): ES handelt sich bei diesem Paragraphen nicht,»vie der'Abg. Bichl meint, um die Uebcruahme einer P icht seitens der Innungen, sondern, wie in dem Konimissions- bericht ausdrücklich gesagt ist, um eine besondere Stützung der Innungen. Die Hauptsache ist also nicht das Gewerbe- aericht, sondern eine Kräftigung der Innungen. Die Innungen haben sich aber bisher keineswegs so bewährt, um ihnen neue Stützen zu geben; und nach ihrer bisherigen Thätig- keit sind sie durchaus mcht geeignet, den Zweck der Vorlage, den Frieden zwischen'Arbeitern und Unternehmern zu fördern, zu erfüllen. Gerade die Innungen lehnen es prinzipiell und konsequent ab, mit den Gesellen über diese oder jene auf den Arbeitsvertrag bezüglichen Fragen zu verhandeln. Die Jnnungsmeister wollen die Herren und nichts als die Herren sein.(Beifall bei den Sozialdemokraten.) Die Innungen sind nichts als ein vielköpfiger König Stumm.(Erneuter Beffall bei den Sozialdemokraten.) Es gilt bei den Innungen schon als eine unberechtigte'Anmaßung der Arbeiter, wenn sie von ihrem Koalitionsrecht Gebrauch machen. Von Lohnkommissionen, Fachvereinen oder sonstigen Ver- tretungen der Arbeiter wollen die Innungen nichts wissen. Nur der Jnnungsausschuß ist es, mit dem sie verhandeln wollen; wie der aber zusammengesetzt ist, wissen wir. ES t auch offenkundig, daß gerade bei den Arbeitern ein starker Widerwille gegen den Jnnungsausschuß besteht. Den Mitgliedern des Jnnungsausschnsses haben nur die Meister 'elber zur Mitgliedschaft verholfen; die Arbeiter selbst haben sich fast überall geweigert, die Wahlen zu den Jnnungs- ausschüssen vorzunehmen. Der Abg. Biehl sprach von dem Miß- trauen gegen die Arbeiter. Die Art und Weise, wie er hier auf- getreten ist, zeigt, daß er ebenfalls von Mißtrauen angekränkelt ist, und kein Mensch könnte glauben, daß er als Schiedsrichter die reine Unparteilichkeit sein ivird.— Daß die streikenden Tischler in Hamburg den Meistern die Bedingung gestellt, aus dem Jnnungsverband auszutreten, ist richtig. Dafür aber, daß die Gesellen auch von den Meistern die ehremvörtliche Verpflichtung verlangt hätten, während der Mittagszeit die Arbeitsräume nicht zu betteten, ist niemals ein Beweis erbracht worden. Durch die erste Forderung schon hat sich aber der Hamburger Senat veranlaßt gesehen, das Versammlungs- und Vereinigimgsrecht der Tischler aufzuheben. Wo aber die Arbeiter von den Unter- nehmern gezwungen werden, auS Fachvereinen auszutreten, da hält sich niemals Jemand darüber auf. Der'Anlaß zum Arbeiterausstand in Hamburg ist es gerade gewesen, daß man verlangt hat, die Arbeiter sollten aus den Fachvereincn hin- ausgehen. Den Schlächtern haben die Meister jetzt die gleiche Bedingung gestellt; die Unternehmer können eben machen, was sie wollen; das sind die Stützen des Staate?. Wenn aber die Ar- beiter sich znsammenthun und ähnliche Forderungen stellen, da findet sich sofort die Polizei ein, um sie zu bändigen.(Beifall bei den Sozialdemokraten.) Der Chef der Hamburger Polizei, Hach- mann, der übrigens nichts weniger als arbeitersreunolich ist, was vielleicht damit zusammenhängt, daß er ein alter Nationalliberaler ist(Heiterkeit), kam übrigens infolge des Aufsehens, das die Aus- lösung des Tischlervereins in Hamburg machte, zu der Ansicht, daß die Polizei doch zu einseitig vorgegangen sei, und stellte einen Vergleich zwischen den Unternehmern und den Tischlern in dem Ausstande her. Auch die Bedingung, daß die Meister keiner Innung angehören sollen, haben die Gesellen fallen lassen. Gleichwohl haben die Meister die übrigen eingegangenen Ver- pflichtungen nicht gehalten, und so waren die Arbeiter wiederum zum Streik gezwungen. Dies über den Arbeiterstreik in Hain- bürg. Der Abg. Biehl hat von den bisherigen Beisitzern in den Schiedsgerichten als von jungen Leuten gesprochen, die hinter den Ohren noch nicht trocken seien; sind Herrn Biehl solche nicht- trockene Jungens bekannt?(Heiterkeit.) Wo sind in Schieds- gerichte» bis jetzt so junge Leute hineingewählt worden? Es hat fa eine Zeit gegeben, wo Herr Biehl auch jünger»var, als er heute ist(Heilerkeit); ob er damals trocken war hinter den Ohren. weiß ich nicht(erneute Heiterkeit); dainals war er allerdings noch liberal. Der Abg. Biehl hat dann die Möglichkeit berührt, daß das Kapital auswandern könnte. Diese Aeußernng ist bereits so auf den Hund gekommen, daß sie letzthin sogar in Friedrichsruh gebraucht worden ist.(Heiterkeit.) Wenn es nach uns gegangen märe, wäre in diesem Jahre nicht ein einziger Streik zum Aus- bruch gekommen. Soviel Einsicht in die Geschäftslage haben wir, daß wir zu Zeiten, wo wir den Unternehmern keinen größeren Gefallen thun könnten, als sie zur Einschränkung der Produktion zu zwingen, keinen Streik veranlassen. Wenn trotz unseres Abrathens vielfach Streiks eingetreten sind, so hat dies darin seinen Grund, daß man den Arbeitern mit allen Mitteln die Vereinigung erschwert und, sobald sie sich zusannnenthun, die Koalitionen zerstört. Dadurch werden immer neue, weniger be- kannte junge Leute an die Spitze gedrängt, welche unbesonnene Streiks in Szene setze», von denen man gleich vom ersten Tage ab sagen kann, sie werden und müssen in das Wasser fallen. Herr Biehl hat den Hafnerslrcik in München als frivol bezeichnet. Es ist richtig, daß diese Töpfer einen verhälrnitzmäßig guten Lohn verdienen, der zwischen 5— 71/2 M. täglich wechselt. Das Töpfer- gewerbe aber als Baugewerbe ist ein Saisongcfchäft, und die an- scheinend hohen Löhne während der Saison müssen auf die 52 Wochen des Jahres vertheilt werden. Bei Akkordarbeit kann es allerdings ein Töpfer sogar bis zu 60 M. wöchentlich bringen; jeder Arbeitgeber ist eben nicht so schlau, wie der Kollege Biehl, der sich allerdings wohl hütet, daß seine Arbeiter zu viel verdienen.(Heiterkeit.) Das sind aber Auinchmen. Nun wird gesagt, daß lie Töpfer zwei Tage m der Woche blau machen. Die Töpfer sind deswegen häufig genöthigt, auszusetzen, weil es an Arbeitsinatcrial fehlt und sie von den übrigen Handwerkern, Tischlern, Putzern u. s. w. ab- hängig sind. Dadurch kommen mehr blaue Tage heraus, als den Arbeitern selbst genehm ist. Wer übrigens in München verttags- widrig blau macht, wird nach bayerischem Gesetz von der Polizei arretirt. Wenn die Blauen Herrn Viehl zu viel sind, mag er sich also an die Münchener Polizei wenden. Alle diese Dinge müssen um deswillen hier ausführlicher erörtert werden, weil ihnen auf dem Haudwerkcrtage, wo sie in die Welt hinausge- schrieen werden, nicht widersprochen werden kann. An dem �immerstreik in München ist meine Partei absolut unschuldig. laß er so vollständig verunglückt ist, dafür ist eine der Ursachen gerade, daß von unserer Seite gar kein Einfluß auf diese Ar- beiter möglich war. Wenn es nach mir gegangci» wäre, so hätten die Zimmerer das erste ihnen gemachte Gebot angenoimnen. Aber sie hofften auf das große Goldfchiff, das auS dem Norden kommen sollte.(Heiterkeit.) Die Leute hatten sich eben in eine Täuschung hineingclebt und standen außerdem unter mangelhafter Führung. Wer so viel angeklagt hat, wie Herr Biehl, muß auch gute Rathschläge geben. Er räth, die Heyer möchten zu Hause bleiben und nicht aus Kosten der Arveiter herumreisen. Wenn er den Rath nur den eigenen Leuten aus der Jnnuugsagitation geben wollte! Wir habe» es doch wenigstens zu etwas gebracht (Heiterkeit); die Innungen haben nichts aufzuweisen als den Bettelsack, mit dem sie bei den Regierungen herumgehen. (Heiterkeit.) Gestatten Sie nun, daß ich zu dein Gegenstanv der Tagesordnung zurückkehre.(Heiterkeit.) Der Kommissionsantrag würde dem Arbeiter in Wirklichkeit daS Wahlrecht nehmen und die Möglichkeit, die Beisitzer sich auszusuchen. In dem Moment, wo ein Geselle bei einem Jnnungsmcißcr nicht mehr arbeitet, ivürde er seine Befähigung, als Beisitzer bei den Jnnungs- Schiedsgerichten zu fuugiren, verlieren. Es haben also nicht die Jnnnngsgesellen es in der Hand, sich die Beisitzer zu nählsn, die sie für geeignet halten, sondern die Innung- Meister haben dar- über zu entscheiden, wen sie als'Arbeiter beschäftigen wollen oder nicht(Zustim-nuug bei den Sozialdemokraten), und es ist 100 gegen i zu weiten, daß sie jeden ihnen unangenehmen Beisitzer ans dem Lohnverhältnisse entlassen.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Tritt ein Unternehmer in eine Innung ein, so verlieren damit seine Arbeiter das Recht, zu den gewerblichen Schieds- geeichten zugelassen zu werden oder noch länger darin zu sein. Dieser Zustand ist doch himmelschreiend. Sie sind im Begriff, die Möglichkeit, daß die Arbeiter die Beisitzer selber wählen, ab- hängig zu machen von dem gute» Witten der Unternehmer. Dafür bedanken wir uns, und wenn der Paragraph in dieser Form angenommen ivürde, so würde meine Partei Mann für Mann, wie ich glaube, gegen die Vorlage stimmen.(Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Miguel: Die Kommission erweitert im Gegensatz zu der Regierungsvorlage die Rechte der Innungen, indem sie den Vorbehalt der Rechte der Innungen in Bezug ans die Entschei- dung der Streitigkeiten zwischen Meistern und Gesellen auch aus- dehnt auf die Steitigkeiten der Meister mit ihren Lehrlingen. frW* es sich, vertragen sich die Rechte und Privilegien der Innungen, wie sie in der Gewerbeordnung vor der Exiftenz der gewerblichen Schiedsgerichte festgelegt sind, mit diesen neuen gewerblichen Schiedsgerichten? Ich stehe nicht an, zu sagen, daß diejenigen Herren, welche diese Frage beiahen, den Innungen einen sehr schlechten Dienst er- weisen. Auch die Handwerker, nicht blos; die Arbeiter, auf die Herr Auer hingewiesen hat, verlieren jeden Einfluß auf die Zusammensetzung der gewerblichen Schiedsgerichte nach der Vorlage. Das Großgewerbe kümmert sich sehr wenig uni die Wahlen. Das Bestehen zweier Kompetenzen nebeneinander muß zum Nach. theile der Arbeiter ausschlagen. Ich bin eventuell für den Antrag Eberty, daß man die Streitigkeiten zwischen Meistern und Lehr- lingen den Jnnungs-Schiedsgerichten überläßt, daß man dagegen die Streitigkeiten zwischen Gesellen und Meistern dem Gewerbe- Schiedsgericht übertragt. Ich sehe aber doch davon ab, weil die Kompetenz der Gerichte der Innungen in den Entscheidungen zwischen Meistern und Lehrlingen keine definitive ist. Wir, die wir gleiches Recht für Alle wollen, erblicken hierin den größten Schaden für den Gewerbestand selber. Ebenso gefährlich ist es. wenn auch die Gesellen bei den Jnnungsgerichten schließ- lich auf den Weg der ordentlichen Gerichte venviesen werden. Einmal liegt schon eine kolossale Verzögerung in einem solchen doppelten Versahren. Die Arbeiter haben viel mehr Interesse an einer schnellen Entscheidung ihrer Streitig- keilen, als an einer übermäßig gründlichen und skrupulösen Be- Handlung derselben. Werden nun dazu noch die Arbeiter je nach den verschiedenen Gerichten differentiell behandelt, so muß das die größte Unzufriedenheit erregen. Ich bin gegen jede derartige unorganische Gesetzgebung, ich bin daher prinzipaliter für die Streichung des Kommissionsbeschlusses, eventuell für den Antrag Eberty und im äußersten Falle für die Regierungsvorlage, ob- gleich auch diese nicht auf die Dauer wird bestehen können, denn dw Jnnungsgenosseu werden selber das Bedürfniß fühlen, in dieser Beziehung zu klareren und geordnetereii Verhältnissen zu ge- langen.(Beifall bei den Nationalliberalen.) Abg. Meyeu(Berlin): Der Abg. Biehl hat zum Theil das streng sachliche Gebiet verlassen und sich an die Personen seiner Gegner gewendet, unter Anderem auch an die meinige, und dann hat er hier bei der namentlichen Abstimmung für den Schluß ge- stimmt. So etwas bekommt nur ein Jnnungsmeister fertig. (Heiterkeit.) Er hat das Recht zu sprechen, der andere das, zu schweigen und nicht zu antworten. Seine persönlichen An- zapfnngen verdienen wohl zum Theil die Bezeichnung, deren sich Herr v. Puttkamer bedient hat; sie haben etwas Grobkörniges. Er hat von meiner komischen Seite gesprochen. Ich will mich mit der Abwehr begnügen: Herr Biehl hat auch seine joviale Seite und ich vcrmuthe, chter als er selber es weiß.(Heilerkeit.) Dann hat Herr Biehl sich weiter mit der Frage beschäftigt, in welcher Weise der Ernährungsprozeß sich in meiner Person voll- zieht, und er hat daraus, daß ich gestern diese Jnnungsgerichte als eine Art von Kindermehl bezeichnet habe, Anlaß genommen, zu sagen, wenn ich keine kräftigeren Sachen zu mir genommen hätte, als solche, welche hier der Innung geboten werden, es schlecht mit mir aussähe. Ich habe mich stets bestrebt, bei meiner Ernährung schlechte Surrogate zu vermeiden.(Heiterkeit.) Aber ich habe auch die humane Gesinnung, um Anderen das gleichfalls zu gönnen. Und darum möchte ich die Innung beschützen vor Nahrungsniitteln, welche der eifrigste Vertreter derselben selbst als durchaus unzureichende bezeichnet hat. Ich war gestern gar nicht der An- ficht, daß Kindermehl etwas Vorzügliches sei; man giebt es schwachen Kindern, und darum bildete ich mir ein, es sollte hier den Innungen gegeben werden; denn sie sind zum großen Theil durch ihre eigene Schuld schwächlich. Wir sind Freunde der Sreien Innungen, das ergiebt sich einfach aus dem Vereins- und Versammlungsrecht, verlangen aber, daß sie auch nützliche Zwecke verfolgen. Ich finde, daß die Innungen recht wenig leisten. Die Berliner Väckerinnung hat in ihrem Etat für 1889 für Jnnungs- zwecke 8G64 M. ausgeworfen. Das scheint eine sehr beträchtliche Summe. Für Gehälter sind aber 6380 M. und für persönliche Remunerationen 1500 M. ausgeworfen. Da kann für Ausgaben auf dem Gebiete des Fachschulwesens und des Herbergswesens:c. nicht viel übrig bleiben. Dabei sind die Zustände bei der Bäcker- innung nicht die schlechtesten. Die Böttcher haben allerdings für Gehälter nur 495 Mark ausgesetzt, aber für eigentliche Jnnungszwecke haben sie noch erheblich weniger ausgesetzt, näinlich keinen einzigen Pfennig.(Große Heiterkeit.) Bei dieser Diät können die Innungen nicht zu Kräften kommen. (Heiterkeit.) Die Innungen haben gilt und wohlthätig geivirkt, so lange es keine allgemeinen gewerblichen Schiedsgerichte gab. Sie waren ein Surrogat und immer noch eine gute Sache, voraus- gesetzt, daß es dort zu einer gütlichen Einigung kam. Man darf aber ein Surrogat nicht festhalten, wenn man nunmehr die echte Sache hat. Es ist festgestellt worden, daß die Anzahl derjenigen Streitsachen, bei denen es auf technische Kenntnisse des bestimmten Handwerks ankommt, eine verschwindend geringe ist. Es ist gar nichts Erschreckliches, zu sagen, daß über die Angelegenheit eines Schneiders ein Fleischer und ein Schlosser abnrtheilen. Denn nur in den seltensten Ausnahmefällen sind vei diesen Streitsachen die Kenntnisse eines Schneiders wirklich erforderlich; es genügt, daß der Betreffende genau weiß, wie einein'Arbeiter und Arbeitgeber zu Muthe ist. Jeder von uns gestellte'Antrag, das Gesetz zu ver- bessern, ist vom RegierungStische mit der größten Entfchiedenheit und in einzelnen Fällen mit Erbitterung bekämpft werden. Hier enthält der Beschluß der Koinmission eine sehr tiesgreifende Abänderung der Regierungsvorlage, und die Regierung zieht es vor, eine wohlwollende Neutralität zu beobachten. Wenn ich vorher zu einem etwas gewaltsamen Mittel gegriffen habe, um «inen voreiligen Schluß der Diskussion zu verhindern, so hat mich in erster Linie eine zarte Rücksicht gegen die Regierung geleitet (Heiterkeit); ich wünschte nicht, daß ihr das Wort abgeschnitten würde.(Oh! rechts.) Ich möchte nun sehen, ob sie von der ihr dargeboteilen Gelegenheit auch noch Gebrauch macht.(Beifall links.) Abg. Kiehl: Daß Schwierigkeiten entstehen, bestreite ich, denn wir haben dieselben Verhältnisse schon fetzt. Wir haben Jnnungs-Schiedsgerichte und daneben in verschiedenen Städten auf Gruiid der Gciverbeordnung errichtete Geiverbegerichte, ohne daß eine Kollision bisher vorgekomnien ist. Der Abg. Auer hat zugegeben, daß in Hamburg den Jnnungsmeistern das Ehrenwort abverlangt worden ist, nicht mehr zu einer Innung zu gehören. Er hat auch zugeben müssen, was ich über den Zimmererstreik in München gesagt habe, und wenn der Abg. Auer nicht erfahren konnte, daß eine Slreikkoiiimission der Arbeiter den Meistern dikliren wollte, sie dürften während der Mittags- und Frühstückspause nicht in die Wcrkstätte kommen, so hat er sich in Hainburg schlecht uingesehen.(Ruf bei den Sozialdemokraten: Namen»enuen!) Fragen Sie doch nach in Hamburg!(Große Unruhe bei den Sozialdcmo- kraten. Rufe: Aktenstücke!) Das steht in den Akten natürlich nicht drin.(Wiederholte große Unruhe bei den Sozialdemokraten; Glocke des Präsidenten.) Herr Auer hat dann mit Entrüstung behauptet, die Jnnungsmeister ivollten mit den Streikkommissionen nicht unterhandeln. Die Meister unterhandeln allerdings nicht mit solchen Streikkommissioneu, die aus sozinldeinokratischen Füh- rern bestehen, die gar nicht zu dem betreffenden Gewerbe gehören. Mit Slreitkoinmissionen aus dem Gewerbe selbst haben die Meister immer verhandelt.(Nicht wahr! bei den Sozialdemokraten; Zu- stimuning rechts und im Zentrum.) Herr Auer behauptete e»d- lich, ich bezahlte in meinem Geschälte nicht zu viel. Ich konstatire, daß in einer sozialistischen Versammlung ein Sozial- demokrnt konstatirt hat, daß ich der beste Bezahler in München bin.(Beifall im Zentrum.) Abg. v. Kieifl Zlctzoii»(dk.): Ich will Sie nicht weiter mit dein Streik in Hamburg unterhalten, sondern bei der Sache bleiben, auf die der Abg. Auer erst im letzten Theil seiner Rede zurückkam. Ter Sozialdeniokratie paßt die Hebung und Ordnung des Handiverks natürlich nicht.(Lachen bei den Sozialdemo- kraten.) Und darnach müssen die Redner von Links beurtheilt werden. Unser Handwerkerstand ist durch das Eindringen der Industrie geschädigt, wie der Reichstag in seiner Majorität selbst anerkannt hat. Der Handiverlerstand besteht aus lauter ärmeren Personen, im Gegensatz zu den großen Jndustrieunternehmern und großen Grundbesitzern. Diese Schädigungen des Handwerks können ivir nur dadurch bekämpfen, daß wir die korporativen Verbände des Handwerks, die Innungen, kräftigen. DaS ist von solcher Bedeutung, wie irgend etwas ini Deutschen Reich. Wir müssen den Mittelstand wiederherstellen, in welchem die Unter- nehmer aus eigentlichen Arbeitern hervorgehen. Am 20. Januar hat der Kaiser bei der Rede, mit welcher er den Reichstag schloß, seiner Freude darüber Ausdruck gegeben, daß der Reichstag dem Handwerkerstand Hilfe geleistet habe durch die Gesetz- gebung. Da können wir doch nicht 5 Monate hinterher von ganz entgegengesetzten Prinzipien ausgehen. Es handelt sich hier nicht um ein neu einzuführendes Privilegium, sondern um die Erhaltung eines bestehenden Rechts. An der Berufung braucht man sich nicht zu stoßen, denn in den meisten Fällen wird sie nicht stattfinden, da es sich um ganz einfache Sachen handelt. Die Schnelligkeit und Leichtigkeit des Verfahrens wird durch die Berufung nicht verhindert werden. Es kommen aber immerhin Sachen vor, in welchen schwierige Rechtsfragen zu entscheiden sind, und da ist die Berufung nothwendig und für die betroffenen Personen von höchster Bedeutung.(Beifall rechts.) Geh. Ober-Regierungsrath Lohman«: Der Abg. Meyer hat behauptet, die Vertreter der Regierung hätten zu den An- trägen von der linken Seite eine kühle und oft sogar erbitterte Stellung eingenommen, während sie gegenüber den Anträgen von der anderen Seite eine wohlwollende Zurückhaltung beobachtet hätten. Ich muß das bezüglich der Kommissionsverhand- lungen in Abrede stellen; von einem Freunde des Abg. Meyer haben wir sogar einen ausdrücklichen Dank entgegenzunehmen ge- habt, daß wir uns so wohlwollend und entgegenkommend in der Frage über die Bestätigung des Vorsitzenden verhalten hätten. Wenn wir uns sonst zu den Anträgen passiv verhalten haben, so hat das einen guten Grund. In der Kommission vertraten wir die Vorlage der Regierung und haben den Kommissions- antrag bekämpft. Als er aber beschlossen war, haben>vir das Unsrige gethan, um ihm eine Fassung zu geben, die den Absichten der Antragsteller entsprach. Wir haben von vornherein den Standpunkt der Regierung vertreten, bei dieser Gelegenheit die Frage des Verhältnisses der Innungen überhaupt nicht aiiszu- scheioen und es bei dem bestehenden Rechte zu lassen. Nach der Gewerbeordnung sind die Innungen verpflichtet, Streitigkeiten zwischen Meistern und Lehrlingen an Stelle der Gemeindebe- Hörden zu entscheiden. Also nur da, wo die Gemeindeaehörde über diese Streitigkeiten eine Entscheidung hat, hat die Innung ihrerseits zu eiitscheiben. Wo die Gemeindebehörde keineEnlscheidung hat, hat sie auch tie Jnnuiig nicht; und das ist überall der Fall, wo gewerbliche Schiedsgerichte auf Grund der Gewerbe- ordnung errichtet sind. Tie Regierungsvorlage wollte diesen Zu- stand ausrecht erhalten, und die Folge wäre gewesen, daß die In- nungen da, wo ein Gewerbegerichl aus Grund des vorliegenden Gesetzes entstanden wäre, die Entscheidung über Streitigkeiten eines Lehrlings und Meisters nicht mehr gehabt hätten. Was das Verhältuiß zwischen Meistern und Gesellen betrifft, so bc- stimmt die Geiverbeordnung. daß es den Innungen nicht zusteht, solche Schiedsgerichte zu errichten, welche Streitigkeiten zwischen Meistern und Gesellen an Stelle der sonst zuständigen Behörden zu entscheide» haben. Wenn im jetzigen Gesetze nichts gesagt iväre, so könnten auch künftig die Innungen da, wo gewerbliche Gerichte auf Grund des neuen Gesetzes errichtet werden, durch ihre Jnnungs-Schiedsgerichte über diese Streitigkeiten entscheiden lassen. Nachdem aber die Aenderung vorgeschlagen war, mußten wir nns sagen, daß es allerdings mehr angezeigt sei, die Entschei- düngen über Streitigkeiten zwiscqen'Meistern und Lehrlingen den Innungen zu belassen, als über diejenigen zwischen Meistern und Gesellen. Das ist dieselbe Rückficht, die im Antrag Eberty genommen ist. Diese Umstände veranlaßten uns, unsere» Anfangs erhobenen Widerspruch gegen den in der Kommission gestellten Antrag auszugeben und bei der Redaktion derselben be- hiflich zu sein. Gegen die Anträge von der linken Seite die in der Komniisston angenommen worden, halten wir rechts dasselbe Verhalten beobachtet. Abg. Miqnet(natl.): Ich kann nur bezeugen, daß die Re- gierungskomniissare sich auch solchen Anträgen gegenüber ent- gegenkommend verhalten haben, die wesentlich von der Regierungsvorlage abweiche». Der Abg. v. Kleist vectheidigt sonft eine Ansicht stets mit guten Gründen und der größten Beredt- amksit. Wenn heute feine Gründe sehr schwach waren, so bin ch überzeugt, daß das nur in der Sache selbst liegt.(Heilerkeit.) Es handelt sich nicht um Aufrechterhaltung des bestehenden Rechts der Innung, wie der Kommissar des Bundesraths eben ausgeführt hat, sonder» um die Erweiterung der Zuständigkeit der Innung bezüglich der Verhältnisie zwischen den Meistern und Lehrlingen. Herr von Kleist lhut so, als ob wir kein Interesse für das Wohlergehen des kleineren Gewerbes und Handwerkerstandes und kein richtiges Ver- ständniß für die Bedeutung des korporativen Zusaminenschlusses des Handwerks und für die berufxgeuo�eiischastliche Entwickelung hätte». Ich habe längst sür diesen berufsgenossenschaftlichen Zu- sammenschluß gewirkt, ehe die Innungen irgend ivelche Pri- vilegien hatten. Ich habe die Erfahrung gemacht, daß, wenn nur Kraft und Einsicht im Handwerkerstand und Opferfreudigkeit für den Beruf vorhanden ist, solche Privilegien nicht nöthig find. (Sehr richtig! bei den Nationalliberalen.) Die Frage ist allein die, sind die Bestimmungen der Kommission im wahren Interesse des Handwerks und der Jnnu»gsbe>vegung? Und ivenn Sie diese Frage bejahen, dann stelle ich die andere Frage, sind sie be- rechtigt, dein ganzen Inhalt der Vorlage gegenüber? Die Vor- läge steht aus der Basis der vollen Gleichberechtigung von Meistern und Gehilfe», von Arbeitgebern und Arbeitnehmern bei den Wahlen zu den Gerichten. Der Grad von Abhängigkeit aber, der naturgemäß in dem Verhältuiß von Arbeitern und Arbeit- gebern liegt, dauert in viel stärkerem Grade in den Jnnungsgerichten fort, als in den modernen Gewerve-Schiedsgerichteu.(Sehr richtig! links.) Das ist das, was den Keim de» Mißtrauens gegeu die Objektivität der Gerichte auf's Neue und in stärkerer Weise als wie vorher in die Arbeiterkreise hineinträgt. Dies will ich vermeiden. Wie ich den Innungen die Vertretung ihrer gewerb- lichen Interessen gönne, so thue ich es auch den Arbeiter» gegenüber. Nichts ist bedenklicher, als heute, wo man die Stellung der Arbeiter anerkennt, wo man begreift, daß die soziale Frage keines- ivegs bloß eine Magensrage, sondern eine Ehrensrage ist, diesen Standpunkt zu verkennen und eine Bestinimung zu treffen, die mehr Nachtheil als Vortheil bringt.(Beifall links.) Abg. Kacket(Antis.): Ich bin gegen jede Beschränkung der Jnnungsbe,ugnissc, also auch für die Zuständigkeit der Jnnungs- Schiedsgerichte. Die Innungen würden sonst in der öffentlichen Meinung und in ihrer ganzen Verfassung aus das Empfind- lichste geschädigt werden. Daß es bei den Innungen in mancher Beziehung besser werden kann, ist nicht zu verkennen, die Handwerkerbewegung hat bisher noch zu viel von der Hilfe des Staates erwartet; wenn sie sich erst mehr ans ihre eigene Kraft stützt, wird sie noch besser vorivärts kommen. Wir sind erst dann in» Stande, uns gegen die Umsturz- bestrebungen zu schützen, wenn wir den Mittelstand er- halten. Die Sozialdemokratie bekämpft nicht bloß die Innungen, sondern auch den Bauernverein, die antisemitische Bewegung und alle übrigen auf die Erhaltung des Mittelstandes gerichteten Be- strebungen. Ihr Ziel ist die Pulverisirung und die Bereinigung der Macht in ivenigen Händen. Mit ivenigen glauben sie dann leichter fertig zu werden. Die Sozialdemokraten nehmen sogar Geld von der Börse sür ihre Wahlen.(Unruhe bei den Sozial- demokraten.) Das ist von Ihren eigenen Augeordneten zugegeben worden. Sie nehmen Geld aus Gründergeivinn. Sie wollen erst den Mittelstand ruiniren, dann hoffen sie auch das Kapital vernichten zu können. Dahin hat sich erst jüngst die „Volkstribüne" ausgesprochen. Mit der Annahme des§ 72 thun wir ein gutes Werk, nicht nur im Interesse der Innungen, sonder» auch des Handwerkerstandes und des Staates. Damit bekäinvie» wir am wirksamsten die Bestrebungen der Sozialdemokratie,(«ei- fa'i Abg. Kebel(Soz.): Der Abgeordnete Bockel hat eine Reihe von Anklagen gegen uns gerichtet, die ich als Lügen bezeichne» '"�Präsident o. Leuedaw: Ich muß den Ausdruck„Lüge" nn! Bezug auf einen Abgeordneten entschieden verweisen und rufe oen Abg/Bebel zur Ordnuna. � Abg. Kettet(fortfahrend): Wenn Sie den Satz mich haue» vollende» lassen, so... Präsident o. Levekow: Es war nichts weiter abzuivarte� Abg. Kebct(fortfahrend): Behauptungen oder lügenyai Behauplungen, wollte ich sagen, die in der Presse als solche c � schienen sind, wobei ich allerdings von der Voraussetzung au-' gehe, daß der Abg. Böckel sie als Wahrheit ansehen zu müsse» glaubt...,. Präsident v. Levechow: Wenn das auszusprechen nurkliq Ihre Absicht war, so liegt die Sache anders., Abg. Krbcl(fortfahrend): Das war wirklich meine Absicyu Ich bin nicht gewillt, ein Mitglied in der Weise zu beleidige- Es sind ja dieselben Anklagen, die seit geraumer Zeit in w Presse gegen uns erhoben worden sind, und zu denen wir ve unschuldigen Anlaß(Lachen rechts) insofern gegeben haben, a wir in den Quittungsnachweisen, die wir regelmäßig verogen- lichen, sehr namhafte Summen unter der Bezeichnung„Grundes gewinne von norddeutschen Banqniers" aufgeführt haben,-of» ivar mir vollständig beivußt, was diese Bemerkung für eine FVQ haben würde. Die Herren Antisemiten sind auf den Letm g»' gangen(Lachen rechts) und haben angenommen, daß es sich Beträge von der Börse und insbesondere von Juden an der Bo-I handelte. So bedeutend Ihnen diese Summen erscheinen möge» — es handelt sich in dem einen Falle um 25 000 M. und»i 20 000 im andern—, Pfennig für Pfennig sind es Arbeiter beitrüge. Dafür bürge ich niit n, einem Ehrenwort. Sie st»» von Arbeitern aufgebracht und zwar von Arbeitern einer Stabs. Das weiß meine ganze Fraktion.(Zustimmung bei oe» Sozialdemokraten.) Nur weil wir sehen ivollten, was eine solche Bezeichnung von Sammlungen auf gewisse Kreife f» eine Wirkung ausübt(Lachen rechts), haben wir sie gewählt,-r» ganzen, Ihnen so erstaunenerweckenben Beiträge gehen me un uirgeiivs von Leuten aus, die direkt oder indirekt mit der Börf« zu thun haben, alle Beiträge gehören dem allerengsten Partei- kreise an. Die Sumliien sind mehr oder weniger die Folgen von Sammlungen, welche Parteigenossen in ihren Kreisen vorgenom- men habe». Damit glaube ich, die Verdächtigung, als staube dl Sozialdemokratie im Dienste der Börse, zuräagewiesen zu haben- Es ist doch unziveifelhaft, daß, wenn die Sozialdemokratie ans Ruder käme, es Niemand schlechter hätte, als die Börse.(Rust rechts: Na, na!) Daß unsere ganze Agitation darauf aufgeoam ist, der Kapitalmacht ein Ziel zu setzen. Wir sind fest überzeugt, daß, was Sie immer aus dem Boden der Innungen gethan haben und thun mögen, nicht im allergeringsten im Staube ist, den Untergang des kleinen Handwerks auch nur um einen Tag aus zuhalten. Und gerade, weil wir diese Ueberzeugung haben, ve- kämpfen wir diese Bestrebungen als ans Täuschung des kleinen Handwerks ausgehend. Wir suchen den kleinen Handwerkern kla. zu machen, daß das, waS ihre sog. Freunde auf dem Boden der Jnnungsbewegung zu erlangen suchen, ein Schlag ins Wafser rfu Thatsächlich ist auch in den langen Jahren materiell kein Vor- theil dabei für das Handwerk heraus gekommen. Die Erkenntn,? von der Unfruchtbarkeit dieser Bestrebungen macht sich auch in Handwerkerkreisen immer mehr bemerkbar. Wer glaubt, daß mau im 19. Jahrhundert mit irgend welchen Mitteln Zustände de» Handwerks, wie sie im dreizehnten und fünfzehnten Jahrhunderl bestanden haben, herbeiführen zu können, hat von dem wirtliche« Stande der Dinge und von der Entwickelung der Dinge,»ich« die geringste Ahnung. Ein zweiter Grund, der uns bestimmt, den Innungen scharf zu Leibe zu gehen, ist der, daß die Innungen mehr als jede andere kapitalistische Organisation die aus- gesprochensten Feinde der Arveiter und der selbstständigen Ar- beiterbeftrebungeu sind.(Beifall links.) Diese Erfahrung haben wir wenigstens bisher gemacht. Wenn im Allgemeinen jetzt ein keineswegs friedfertiges Verhältniß zwischen Ar- deitern und Unternehmern besteht, fo ist es innerhalb der Innungen das denkbar unfriedfertigfte.(Zupini- mllng linkS). Weil eben der Jnnungsmeister snhlt, daß er gegenüber der Macht des Großkapitals ivehrlos ist, wendet er die ganze Schale seines Zornes, der Unzlisricdenheit und der Er- bitterung gegen die Arbeiter und sucht ans deren Arbeitskraft möglichst viel herauszuschinden. Sie werden mit der Kommissions- fassllng nichts weiter erreichen, als daß Sie die Loge des kleinen Handwerkerstandes, soweit er in den Innungen vereinigt ist, ver- schlechter». Tie Arbeiter sehnen sich auch gar nicht danach, bei einem kleinen Meister zu arbeiten, sondern streben lieber, in eine gut bezahlte Fabrikstälte zu kominen, weil dort eine geregelte Ordnung, Arbeitsweise und günstigere Lebensbedingungen vor- Händen find. Je unerträglicher Sie das Verhältniß zwischen den Jnnungsmeistern und Arbeitern schaffen, um so mehr ziehen sich die Letzteren von dem Handwerk zurück. Der Abg. Biehl, der selbst Jnnungsmeister ist und mitten im praktischen Leben steht, wird mir bestätigen müssen, daß, wenn auf irgend einem Gebiete, es dem kleinen Unternehmer schwer fällt, ordentliche Ar- beiter zu finden. Wenn Sie mit Ihren Jnnungs- Bestre- bungen unS schaden und dem Handwerk nützen zu können glauben, so täuschen Sie sich nach beiden Seiten. Wie wir heute bereits einen sehr namhaften Theil der kleinen Handwerker in unseren Reihen zählen, so wird die Ueberzeugung von der vollständigen Unhaltbarkeit der Stellung des kleinen Handwerks und der voll- ständigen Nutzlosigkeit der Gesetzgebung, sie zu stützen, das Hand- werk immer mehr aus unsere Seite treiben. Nur die Rücksicht aus Ihre bisherige Stellung zum kleinen Handwerk be limnit Sie, an dem§ 72 festznhalten, der im Grunde auch nach Ihrer Mei- ming einen unhaltbaren Zustand herbeiführt. Sie werben viel- mehr nur die Sozialdemokratie, die Sie Haffen und fürchten (Rufe rechts: Garnicht!) und auch fürchten(wiederholter Wider- spruch rechts) und auch fürchten— denken Sie an das Sozialifien- gesetz!— durch solche Maßregeln statt zu schwächen, nur stärken. (Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Käckel; Dafür, daß die Sozialdemokratie der Börse nicht zu Leibe geht, erinnere ich Sie an die Pariser Kommune, die vor Rothschild Halt gemacht hat.(Beifall rechts.) Was wollen Sie, wenn die ganze bestehende Ordnung zu Grunde ginge, an ihre Stelle setzen? Geben Sie uns doch ein deutliches klares Bild von Ihren sozialistischen Plänen.(Beifall rechts.) Sie sagen, die Innung habe nichts erreicht. Was habe» Sie er- reicht? Dann bezeichnen Sie die Innungen als Feinde der Ar- beiter. Wenn die Sozialdemokraten fortwährend gegen die In- nungen agitiren, so ergreifen ihrerseits die Innungen nur die Nothivehr. Die Anfälle der Sozialdemokratie find sür uns erst recht ein Sporn, sie zu bekämpfen. Herr Bebel meint, wir fürchten die Sozialdemokratie. Kommen Sie»ur hin, wo noch ein besserer Bauernstand und Haildiverker-.and ist, da sürchtet man Sie nicht, da ist man bereit, den Kampf gegen Sie aufzu- nehmen. Die Diskussion wird geschlossen. In der Absiiminung über§ 12 wird gegen die Stimmen der Konservativen der Antrag Porsch angenommen, daß die Wahlberechtigung schon nach einjährigem Anfeiithalt eintreten soll; der Antrag, daß auch die weiblichen Arbeiter wahlberechtigt sein sotten, wird in namentlicher Abstimmung gegen die Stimmen der Sozialdemokraten, Volkspartei, der Freisinnigen mit Ausnahme der Atgg. Koch, Uhlcndorff und Witte und derAntiseiniten mitAusnahme v. Lievermann's abgelehnt, und zwar mit 157 gegen 79 Stimmen. Der Antrag, das Atter der Wahlsähigkeit auf das vollendete 21. Lebensj ihr herabzusetzen, wird gegen die Stimmen der Sozial- demokraten, der Volkspartei und der Freisinnio-n ab-'elebnt Mit der Aenderung Porsch gelangt der§ 12 im Ganzen zur Annahme. Die Anträge Eberty zu§ 72 werden mit 122 gegen 114 Stimmen abgelehnt.§ 72 darauf unverändert angenommen. Schluß 53/4 Uhr. Nächste Sitzung Sonnabend 12 Uhr. (Fortsetzung der Berathung der Vorlage iiber die Gewerbegerichte- Interpellation T Hornsen über die Viehausfuhr nach England dritte Berathung des Nachtragsetats für Ostafrika.) Die petitionaKommWo" berieth in der gestriigen Vormittag 9 Uhr begonnenen Sitzung eine Reihe von Petl- tionen. Den Reigen eröffnet eine solche aus Schiepzig b. Lübben, welche die Freizügigkeit beschränkt haben will, um die Folgen der„Sachsengängerei" von den vom Strom der Einwanderung betroffenen Provinzen oder einzelnen Orten abzuwenden Die Petition erfuhr eine längere Erörterung, da Herr v. Hellmann sich für dieselbe erwärmt und sie zur Erörterung im Plenum bringen möchte. Durch die Aus- Wanderung entstünden für die betroffenen östlichen Provinzen schwere Nachtheile. Die höheren Löhne, welche in andern Provinzen gezahlt würden, könnten in den öst- liehen Provinzen nicht gezahlt werden. Die Ausgewander- tcn machten aber ihren Heimathsorten noch schwere Kosten. In der Ferne verdürben oder stürben viele, und die Gc- nieinde habe dadurch Unkosten. Die jungen Männer ver- rohten und verwilderten, und die Mädchen kämen vielfach in andere Umständen zurück. Andere Redner wem den sich gegen die Ausführungen des Herrn v. Hellmann und die Kommission beschließt, die Petition als ungeeignet zur Erörterung im Plenum zu erachten. Die berührte Gesetzesmaterie sei zu wichtig, als daß sie durch eine ungenügend begründete Petition einer Erörte- rung oder Revision unterzogen werde. Der zugezogene Regierungskommissar Herr Geb. Regie- rungsrath v. W ö d t k c ist mit dieser Behandlung der Peti- tion einverstanden. Aus der langen Reihe der meist Unterstützungsgesuche zc. enthaltenden Petitionen heben wir nur noch einige hervor. Der fortschrittliche Bczirksverein des 6. Berliner Reichs tagswahlkreises petitionirt um Abgrenzung der Wahlkreise, welche dem Gesetz entspricht. Der Uebelstand, daß Berlin heute nur 6 Abgeordnete statt 15 hat, gicbt Anlaß zur Unzufriedenheit der Petenten. An der lebhaften Debatte betheiligen sich die Herren Graf Matuschka, v. Jagow, v. Hcllmann, v. Normann einerseits, welche diese Petition nicht für wichtig genug halten, sie der Erörterung im Plenum zu unterwerfen, während andrerseits sich die Herren Knörke, Dr. Gutfleisch, Geyer, Stephan, Münch gegen die beabsichtigte Behandlung der Petition wenden. Graf Matuschka meinte, wir wissen schon lange, daß die Wahlkreis-Eintheilnng dem Gesetz nicht mehr ent- spricht; dazu ist kein Anstoß von außen nothwendig, um sich dessen bewußt zu werden. Die Abgg. Geyer und Knörke wendeten sich leb- Haft gegen die Ausfichrungcu des Vorredners. Abg. Geyer erklärte, es sei leider sehr schlimm, wenn s man schon lange solche ungesetzliche Zustände kenne und sich nicht dagegen wende. Man werde dann leicht der Pflicht- Vergessenheit geziehen werden können. Wenn man jetzt nicht ans dw Sache eingehe und abwarte, bis etwa weite Volks- kreise drängender an den Reichstag kommen, stütze man keineswegs die Würde des Hauses. Er, Redner, stimme mit dem Abg. Knörke überein. Die Schwierigkeiten seien keine so großen, daß nicht eine Regelung eintreten könne. Aller- dings sei ein Faktor aus dem aktiven politischen Lebenaus- geschieden, der solcher Regelung den heftigsten Widerstand entgegenstellte(Bismarck), darin habe der Abg. Knörke iiiecht. Dann habe man aber auch jetzt eine fünfjährige Legislaturperiode, und wenn dem Reichstage kein Unfall zu- stoße, würden die Abgeordneten, welche sich jetzt damit befassen müßten, der Eutwickelung dieser Angelegenheit leicht folgen und sie zum Abschluß bringen können. Auf Antrag des Abg. Dr. Schädler wird die Petition zurückgestellt und deren spätere Berathung unter Zuziehung eines Regieruugskommissars in Aussicht genommen. Die Petition des ehemaligen Schutzmanns Oehmichcn in Leipzig, die auf die Leipziger Polizeizustände zu jeuer Zeit, als Petent sich noch im Dienst befand� kein günstiges Licht wirft, wird abgewiesen, da der Reichstag nicht kom- pete.it ist, über dieselbe zu befind«», vielmehr der sächsische Landtag zuständig sei. Schluß der Sitzung gegen 12 Uhr. Sibnng der Knbkommissio». Freitag, Abends S Uhr. Die Subkommission hat von Klasse 9 an bis 17 zu berathen. Es wird ausgeführt, daß die Resolution des Reichstags Ursprung- lich nur für die unteren Beamten bestimmt war, und daß nur mit Rüclsicht auf die preußische Thronrede, welche auch für die mittleren Beamten Gehaltserhöhung in Allsucht stellte, die mittleren Beamten in die Resolution aufgenommen wurden. Alles ist einig, daß von Klasse 17 an Alles bewilligt wird, und von Klasse 1 bis Klasse 5 Alles verweigert; die Kommission ist aber blos über die Klassen zivlsche>, 9 und 16 zweiselhast und hat sie deshalb in die Eubkomnnspon ver- ' Die Stimmung ist, nicht über Klasse 18 hinauszugehen. Man beginnt mit Klasse 13. Die Gehaltserhöhung der Post- und Telegraphensekretäre wird einstimmig beschlossen. Der Rest wird ebenfalls einstimmig beivilligt. Klasse 14 ebenfalls bewilligt. Klasse 15 handelt von den Zahlmeistern. Es werden Elnwen- ÄÄr- ÄÄ'sJ«"®' wird Klasse 16 bewilligt. Alles einstimmig. Da auch Alles für Klasse 17 bis Klasse 23(Ende), so ist IS—LS erledigt. Nur 0—12 fraglich. nie�r�(asse�u'(190'0--3G00, durchschnittlich 2750) mit Mehrheit "�Klasse 10(2100—3600, durchschnittlich 2850) mit Mehrheit abgelehnt, mit Ausnahme von Str. 17(Vuttau- und RechnmO- � Bemerlr fei hier, daß die angegebene» Gehaliejiffern die g e- SWWMZM Dies wird verneinend beantwortet. Die Frage entsteht nun, ob es unter solchen Umständen möglich ist, überhaupt zu bewilligen. Die Subkommission kann hier aber nichts be- schließen. Es wird der Kommission mitgetheilt werden, An die Wahlpriifungskommissto» sind die Akten von 77 Wahlkreisen gelangt. Davan sind 22 geprüft, eine hiervon, v. B e t h m a n n- H o l l w e g ist für ungiltig, die übrigen 21 sind für giltig erklärt worden. Zu prüfen sind noch 55 Wahlen Geprüft sind die Wühlen: Beckmann, 3 Münster, v. B e t h mann-Hollweg, 5 Potsdam, Graf v. d. Decken 7 Hannover, Graf v. Dönhoff-Finkenstein,4 Königs bera, Haberland, 4 Niederbayern, Hacke, 2 Hannover, v. Henk, 2 Stettin, K a u f f ni a n n, 5 Wiesbaden, Seemann, 11 Württemberg, Frhr. v. Minnigerode, 13 Hannover, Pause, 7 Merseburg, Raeitbel, 1 Oberfranken, Ras k o w s k i, 9 Königsberg, v. Reden, 9 Hannover, S a m m Hammer, 1 Sachsen- Weimar, Schmidt-Elberfeld. 1 Düsseldorf, Schneider, 7 Arnsberg, Graf v. d. Schulen- burg-Hehlen, 11 Hannover, v. Sperber, 4 Gumbinnen, U h l e n d o r f f, Sippe, Frhr. v. U n r u h e- B o m st, 3 Posen, Dr. V i r n i ch, 4 Köln. LoktQleS. Der gesellige LejrlUub ,, der Zeitgeister" hatte, wie uns nachträglich berichtet wird, vor einiger Zeit in seinem Vereins- lokal, Zehdenickerstr. 22, eine Sitzung abgehalten. Während der Sitzung erschien plötzlich der Revier-Sientenant des dortigen Reviers in Begleitung von 7 uniformirten Schutzleuten und einem Kriminalbeamten, und forderte von dein Vorsitzenden die Geneh- migung zu dieser Versammlung. Der Vorsitzende, Herr Maurer Wille, erwiderte, daß er die Bescheinigung augenblicklich nicht bei sich führe, daß er jedoch bereit sei, dieselbe in kürzester Zeit herbei- zuschaffen. Der Polizeilieutenant forderte die Anwesenden auf, sich bereit zu halten, da er ihre Ueberführung nach dem Polizei- revier anordnen müsse. Dem Vorsitzenden wurde auf sein An- suchen, sich nach Hause begeben zu dürfen, um die Bescheinigung herbeizuschaffen, dieses nicht gestattet, die Mitglieder des Klubs wurden vielmehr angewiesen, unter dem Thorwege Aufstellung zu nehmen, woselbst sie in zwei Glieder— allerdings nicht ohne ge- wisse Schwierigkeiten— rangirt und unter Begleitung der an- wesenden Schutzleute nach dem Polizeirevier eskortirt wuv den. Die Vereinsbibliothek wurde von den Polizei- beamten mitgeführt. Auf der Polizeiwache wurden die Namen der Sistirten festgestellt und dieselben dann paarweise entlassen. Dem Vorsitzenden wurde aufgetragen, am folgenden Morgen mit der Versammlungsbescheinigung auf dem Revier zu erscheinen. Dieser Auftrag wurde natürlich ausgeführt, bei welcher Gelegenheit der Sieutenant bemerkte, daß der Bescheid des Polizeipräsidiums über die Anmeldung des Vereins, die der Vorsitzende nur besaß, keine Genehmigung zu einer Versammlung darstelle. Auf den Einwurf des Vorsitzenden, daß ein geselliger Klub, der von der Polizei genehmigt sei, Ver- sanimlungen nicht anzumelden brauche, bemerkte der Polizei- lieutenant, daß der Klub aber Polittk treibe. Der Vorsitzende entgegnete, daß sich der Klub mit allen öffentlichen Tagesfragen beschäftigt. Hierauf hatte der Reviervorstand nichts zu erwidern, und ist dem Vorstand ein weiterer Bescheid von Seiten des Polizeipräsidiums in dieser Angelegenheit bisher nicht zugegangen. Eine falschr Karonrstr, eine gefährliche Hochstaplerin, welche insbesondere die Gasthöfe unsicher macht, wird von Wien aus signalisirt: An einem Abend des vorigen Monats fuhr eine elegante, stattliche Dame im beiläufigen Alter von 35 Jahren bei einem Hotel der inneren Stadt vor. Den Fiaker ließ sie von dem Portier bezahlen und den Reisekoffer in jenes Zemmer des ersten Stockwerkes expediren, welches ihr auf Verlangen einge- räumt wurde. Die fremde Dame trug sich im Meldezettel als Baronesse Amalie v. Becke ein, erzählte dem Hotelier, daß sie die Tochter eines Obersten aus Innsbruck sei, und ihren Bräutigam, einen Hauptmann in Wien, erwarte. Die Baronesse klagte bald über das Malheur, von dem sie betroffen worden sei und durch das sie in nicht ge- ringe Verlegenheit gerieth. Papa, der Herr Baron, habe nämlich die letzte Gelbsendung, wie sie vermuthen mußte, nach Berlin adressirt und leider sei dieselbe erst nach ihrer Abreise dort eingelangt. Die Reklamation erfordere Zeit und Baronesse Becke flehe bis zur Erledigung derselben ohne Geld da. Der bc- treffenve Hotelier empfand Mitleid mit dem Schicksal seiner Passagierin und erbot sich in charmanter Weise, der Dame eine Summe vorzustrecken, welche dankbar angenommen wurde. Ter Zahlkellner wollte seinem Herrn in der Galanterie nicht nach tehen und räumte der Baronesse unbedingten Kredit auf Speisen und Getränke ein. Diese Konzession war nicht zu unterschätze», denn die Dame war gewohnt, gut zu speisen, und ihre Zechschuld machte im Verlaufe mehrerer Tage ein ganz beträchtliches Sümmchen aus. A» einem schönen Morgen war die Fremde verschwunden. Dieser Tage eiitdeckte die Polizeibehörde den Aufenthalt der Baronesse. Sie halte sich inzn/iscyeN unter dem Namen Amalie Neubauer in einem anderen Hotel einlogirt und dort dasselbe Mannöver ausgeführt. Die Hochstaplerin heißt mit ihrem wahren Namen Amalie Beck, ist zu Baden-Baden geboren, verheirathet und lebt von ihrem Manne getrennt. Wiener Hoteliers und deren Personal wurden von ihr, soviel bisher erhoben werden konnte, um mehr als 2000 Gulden ge- Mdigt, und auch in anderen Städten dürfte sie starke An- zapfungen bei den Gastwirthen verübt haben. Für einige Zeit wird die falsche Baronesse zwar unschädlich gemacht, über kurz oder lang dürfte sie wieder auftauchen und das alte Treiben mir neuen Kräften wieder aufnehmen, weshalb auf dasselbe hiermit warnend aufmerksam gemacht sei. A» einem Shüt-pfosteu erhängt hat sich am jüngsten Mittwoch früh im benachbarten Friedrichshagen ein Dienst- mädchen Helene Schur. Das Mädchen war von seiner Herrschaft beschuldigt worden, einen Ring gestohlen zu haben und hat sich dies so zu Herzen genommen, daß es seinem Seben ein gewaltsames Ende bereitete. Dolizeil-rricht. Am 19. d. M. Nachmittags wurde eine unbekannte, etwa 70 Jahre alte Frau vor dem Hause Ehanssee- traße Nr. 109 beim Ueberschreiten des Fahrdammes von einer Droschke überfahren und an beiden Beinen so bedeutend verletzt, daß sie nach der Chciritce gebracht werden mußte.— Abends siel der 5lutscher Oehlke vor dem Hause Görlitzer Ufer Nr. 38—40 von dem von ihm geführten, mit Steinen beladenen Wagen herab, wurde überfahren und auf der Stelle getödtet. Die Seiche wurde »ach dem Schauhause geschafft.— In der Nacht zum 20. d. M. fiel ein Mann vor dem Hause Urbanstraße Nr. 12 in der Trunkenheit zur Erde und zog sich hierbei über dem linken Auge eine so bedeutende Verletzung zu, daß er, nachdem ihm von einem Heilgehilfen ein Nothvervand angelegt worden war, mittelst Droschke nach der Charitee gebracht iverden mußte.— Am 19. d. M. fanden an drei verschiedenen Stellen kleinere Feuer statt. Verf«»tttnluttgen. Eine öffentliche Uolksverfammlnng tagte am 19. d.M. unter Vorsitz des Herrn S i t s i n im Saale der Aktien- brauerei Friedrichshain. Zur Verhandlung stand:„Das Ver- halten des„Berliner Volksblatt" gegenüber der Berliner Sokalkom Mission." Der Besuch der Versammlung war nicht den gehegteil Erwartungen und der Größe des Saales entsprechend. Unter den Anwesenden befanden sich die Abgeordneten Bebel, Singer u. A., die Redakteure Cronheim, Vaake, sowie einige Vrauerei-Jnteressentcn. Vor Eintritt in die Verhandlungen stellte Herr Kurtzbach den Antrag, den oben genannten Punkt von der Tagesordnung abzu- setzen, indem er der Meinung war, daß das Vorgehen einzeln« Personen gegen das„Berliner Volksblatt" in einer öffentlichen Volksversauimlung nicht berechtigt fei, eine derartige A Gelegenheit vielmehr in einer anderen Weise zum Austrag zu dringen sei. Namens der Sokalkomiiüssion sprach dem Herr Werner ent- gegen, um der Sokalkommission nicht die Gelegenheit zu nehmen, über ihre Thätigkeit und den derselben entgegen- stehenden Schwierigkeiten Bericht zu erstatten. Diesem Ansinnen wurde unter Ablehnung des Antrages Kurtzbach Folge gegeben und Herr Werner nahm nunmehr das Wort zu seinem Referate. Eingangs desselben betonte derselbe ausdrücklich, daß es sich in dem vorliegenden Falle nur um den Brauerstreik bezw. um den Boykott der Brauereien handle, nicht aber um andere, das„Berliner Volksblatt" betreffende Angelegenheiten oder„Fragen". Ueber diese zu Gericht zu sitzen, halte er den Parteitag für berufen und ersuchte Redner, in der folgenden Dis- kussion dies beherzigen zu wollen. In seinen Ausführungen über die Thätigkeit der Sokalkonliinssion äußerte sich Redner dahin, daß man ja allerdings über den Boykott verschiedener Meinung sein könne, doch gab er zu bedenken, daß gerade der Boykott es gewesen, welcher das„Berliner Volksblatt" auf die Höhe gebracht habe, auf der es sich heute befinde. Als der Boykott zur Abwehr der Saalspei re zurAnwendung gelangte, seien entschiedene Erfolge erzielt worden, indem z- m großen Aerger ihrer Hintermänner die Wirthe gezwungen wurden, ihre Säle den Arbeitern zu Versammlungs- zwecken zu überlassen. Nach Erledigung der Saalfrage kam der Brauerstreik, welcher die Berliner Arbeiterschaft in Mitleiden- schnft zog, indem diese den streikenden Branergesellen die erbetene Hilfe nicht versagten und zu deren Gunsten die Brauereien boykottirten, welche die Branergesellen- Forderungen nicht be- willigten.(Eine Ausnahme machte bekanntlich das Munchener Brauhaus.) Die Vxauereien bildeten nunmehr einen Ring und boykotteten ihrerseits die Wirthe durch Beschluß einer Resolution, nach welcher jedem Wirthe, der von einer boykottirten Brauerei abspringen würde, jedwede Bierlieserung entzogen werden sollte. Dies war zugleich ein Schachzug gegen die Arbeiter und lag die Gefahr nahe, daß die Saalabtreiberei von Neuem beginnen werde. Dadurch kam die Sokalfrage wieder in Frage und die Sokal- kommission sei vollberechtigter Weise in diese Angelegenheit hin- eingezogen worden. Zur Abwehr sei s. Z. über 32 Brauereien der Boykott verhängt worden und dieser Beschluß hätte respektirt werden müssen, insbesondere vom„Berliner Volksblatt". Dies sei nicht geschehen, das demokratische Prinzip sei verletzt worden. Ein Jeder habe das Recht der freien Meinungsäußerung und auch den Redakteuren des„B. V." müsse und solle dieses Recht zugestanden werden; in erster Sinie hätten sie sich aber den Be- schlüssen von Volksversammlungen zu fügen und denselben nicht hinderlich in den Weg zu treten, wie es geschehen sei. Die Ber- lincr Arbeiter seien denkungsfähig und ließen sich das Recht nicht nehmen, selbst„Autoritäten" zu kritisiren, auch auf die Gefahr hin,„hinausgeworfen zu werden". Ganz entschieden verwahrte Redner die Sokalkommission gegen die verlautbarte Verdächtigung, daß dieselbe irgend ivelche Vortheile von der Direktion des Münchener Brauhauses gehabt habe. Herr Direktor Ahrend habe mit der Moabiter Brauerei schon früher ein Abkommen getroffen gehabt, nach welchem er zur Abnahme einer Quantität Bier dieser Brauerei verpflichtet war. Der Sokalkoinmissioi» sei es gelmigen, diese Abnahme zu verzögern, auch sei das Bier nach auswärts gegangen. Die im„B. V." erschienene offene Anfrage des Herrn Zubeit sei daher als ein Angriff auf die Sokalkommission zu be- trachten, berechnet, die Biersrage beziv. den Boycott illusorisch zu machen. Die Sokalkommission habe sich alle Mühe gegeben, den Brauerstreik beizulegen. Der Bierring sei allerdings durchbrochen worden, doch bestehe die Resolution der vereinigten Brauereien noch, welche der Berliner Arbeiterschaft höchst gefährlich- werden könne. Durch den erstell Boykott seien die Sokalbesitzer bewogen worden, ihre Säle den Arbeitern zu Bersammlungen unentgeltlich zu überlassen. Jeyt verlange der Oekvnom der Tivoli- Brauerei bereits wieder den Konsum von mehreren Tonnen Bier oder eine entsprechende Bezahlung. Würde die Brauerei nach Aufhebung des jetzigen Boykotts auf's neue boykottirt, o hätte diese sämmtliche Brauereien hinter sich und die Genossen des zweiten Wahlkreises ein wichtiges Versammlungs- lokal verloren. Sodann sei im„Berliner Volksblatt" eine Er- kläriing der Branergesellen erschienen, dahingehend, daß diese aus dem Grunde die Arbeit nicht eingestellt haben, weil sie mit ihren Arbeitsbedingungen durchaus zufrieden seien. Die Redaktion des „Berliner Volksblatts" behaupte, durch die Veröffentlichung dieses Schriftstückes habe sie nur ein neues Beispiel dafür anführen wollen, in welcher Weise ein Druck seitens der Arbeitgeber auf ihre Arbeiter ausgeübt iverde. Er habe aber etivas anderes hierin gesunden. Er betrachte auch dies als einen indirekten Hieb auf die Sokalkommission, zu dem Zwecke, die Biersrage illusorisch zu machen. Dadurch habe aber die Redaktion des„Berliner Volksblatts" beziv. Herr Redakteur Cronheim, gegen den Beschluß der Joöl'schen Volksversammlung gehandelt. Ein Redakteur eines ozialdemokratischen Blattes habe aber die Pflicht, unter fnntenansetzung seiner persönlichen Ansichten sich den Beschlüssen einer Volksversainmlung zu fügen und denselben nicht entgegenznarbeiten. Die Sohnkommission der Brauergesellen sei derselben Meinung gewesen. Die Tags'.darauf geforderte Aus- nähme einer Erwiderung sei vom Herrn Redakteur Cronheim ab- gelehnt worden linter Berufung auf ein dem Herrn Brauerei- birektor Finke(Tivoli) gegebenes Versprechen, für die Dauer von zwei Tagen Waffenstillstand eintreten zu lassen und während dieser Zeit nichts auf den Vrauerstreik Bezügliches aufzunehmen. Dies könne unmöglich angehen und sei zum mindesten nicht richtig gewesen. Habe Herr Brauereidirektor Finke im„Berliner Volksblatt" zu bestimmen oder wer? Herr Finke wäre einfach an die Sokalkommission zu verweisen geivesen. Wie solle diese 'onst in die Sage versetzt werden, den ihr gewordenen Auftrag ur Durchführung zu bringen. Der Redaktton des„Berliner llolksblatt" sei ein großer Theil der Schuld an dem Scheitern des Boykotts zuzuschreiben. Beides sei sehr bedauerlich. Er hätte es lieber gesehen, wenn die vereinigten Arbeiter hätten zeigen können, daß sie stärker sind als das vereinigte Ka- pital. Dies wäre von heilsamen Wirkungen für die Folge ge- wesen. So bat er die Versammlung, die Sokalkommisyoii ihres Amtes zu enthebe», den Boyeott über die Brauereien aufzuhebeii und dafür Sorge zu tragen, daß derartige Vorkonm, nisse, wie geschehen, seitens der Stedaltion des„Berliner Volksblatt" in Zu- kllnft nicht wieder vorkommen. Der nächste Redner war Herr Iiedakteur Vaake. Derselbe bemerkte zunächst, daß er an Stelle des Herrn Redakteur Cronheim, welcher kein Volks- oder Versannnluiigsrediier sei, die Bertheidigung der Redaktion über- nehine. Seine persönliche Stellung sei gegen den Boycott geivesen, indem er der Meinung war, daß die Brangesellen ihren Sohnkampf mit denselben Mitteln, wie andere Arbeiter hätten zum Austrag bringen müssen, d. h. durch Organisation:c. Er hielt es für un- angebracht, der Brauergosellen wegen die ganzen Parteigenossen in Bewegung zu setzen und mit Kanonen auf Spatzen zu schießen. Der Boykott hätte nicht zur Anwendung kommen dürfen, einer Hand voll Seute wegen, die keineswegs auf dem Boden der modernen Arbeiterbewegung standen, deren Forderungen zum Theil durchaus unsozialbemokratische waren. Die Kanonen würeu anderivürts nothwendiger gewesen. Der Boykott trage mit die Schuld, daß bedeutungsvolle Streiks aus mangelnder Unter- liitzung verloren gegangen seien. Die Versammlungen seien durch- weg schwach besucht geivesen und doch seien gerade diese am bc- rufensten, auf die Arbeiter einzilwirkeii und für die Streikenden u wirleii. Der Boykott sei unpopulär gewesen, die große Masse labe sich nicht für denselben erwärmen können und doch Bier getrunken. Aus diesem Grunde sei der Boykott nicht durchführbar gewesen. Die Redaktton hielt es daher für eine Parteipflicht, eine Angelegenheit, ein Unternehmen möglichst bald zu Ende führen zu Helsen, das für die Arbeiter keinen rühm- lichen Ausgang zu nehmen versprach. Deshalb habe Herr Cronheim dem Herrn Direktor Fink« das ihm so lehr zur Last ge.efltc Versprechen gegeben, einen zweitägigen Waffenstillstand eintreten zu lassen, da ihm versichert wurde, dag Verhandlungen zwischen den Brauergesellen und den vereinigten Brauereien . schweben, welche es sehr wohl möglich machen konnten, daß der Streik in dieser Zeit beigelegt wurde. Die Deutung, welche Herr Werner der Veröffentlichung der Erklärung der Happolt'schen Brauergesellen beilege, sei eine nicht zutreffende. Der Redaktion habe lediglich die Absicht inne gewohnt, wieder einmal zu iteigen,„wie es gemacht wird." Zudem sei jedes Mißver- ltändniß durch den darauf solgenden Artikel im„Verl. Volksbl." ausgeschloffen. Ueberdies habe Herr Werner zweimal in der Lokalkommission beantragt, den Boykott aufzuheben, da er undurchführbar sei. Nicht durch die Redaktion des„Berliner Volksbl." sei der Boykott ins Wasser gefallen, sondern durch die Berliner Arbeiterschaft. Die Lokalkommission habe eine Nieder- läge erlitten und schiebe nun die Redaktion des„B. V." als «sundenbock vor. Was den Direktor Ahrends betreffe, so habe dieser lediglich seinen oder seiner Brauerei Vortheil gesucht. Der- selbe war zudem durch alte Verträge verpflichtet, boykottirtes Bier zil übernehmen. Somit wurde er nicht nur sein eigenes Bier los, sondern hals auch noch einer anderen Brauerei. Dieses Doppelspiel sei mcht sehr anniuthend. Die Redaktion habe durch- aus nicht im Interesse einer Person(Direktor Finke) gehandelt. sondern nur im Jutereffe der Partei. Die Redaktion habe ebenso- wohl, wie die Lokalkommission Pflichten zu erfüllen, doch sei er die Frage. wer von beiden ihre Pflichten besser erfüllt habe. Herr K u r tz b a ch vertrat den Standpunkt dcS Borredners, erzielte aber mit seinen Ausführungen eine derartige Unruhe, daß er es vorzog, schließlich abzutreten. Herr Wildberger erklärte, nicht aus dem Standpunkte zu stehen, wie Herr Werner. Dieser hatte nicht anders handeln können im Falle, daß er Redakteur geivesen wäre. Alles hätte darauf hingedrängt, den Boykott so Ichnell als möglich zu beenden, deshalb fei das von Herrn Cron- yeim dem Herrn Finke abgegebene Versprechen voll berechtigt geivesen. Er bestritt der Loknlkommission das Recht, derartige interne Verhältnisse in einer Volksversammlung zum Austrag zu bringen. Man dürfe nicht jede Kleinigkeit an die große Glocke hängen und untergeordnete Fragen aufbauschen, wie geschehen. Mit dem erfolglosen Ausgange des Boykotts habe das Verhalten ' der Redaktion gar nichts zu thnn. Das„Verl. Volksbl." habe seine Schuldigkeit gethan und demokratisch gehandelt. Das Vorgehen der Lokalkommission sei aber nicht Demokratie, sondern Anarchie, ein Zerstören der Parteidisziplin. Der Redaktion könne höchstens der Vorwurf gemacht werden, daß sie nicht schon 14 Tage früher > Stellung gegen den Boykott genommen habe.— Stadtverordneter H e i n d o r s hielt die Vertheidigung des Herrn Vaake fiir eine sehr schwächliche. Ihm sei es noch nicht vorgekommen, daß durch derartige Machinationen eine Lohnbewegung illusorisch gemacht werden solle. Für den Boykott sei weniger der Streik der Brauergesellen maßgebend gewesen, als die von den vereinigten Brauereien beschlossene Resolution, d. h. die Frage, ob die Ar- beiter warten sollten, bis ihnen die Säle gesperrt werden oder ob sie gegen den Ring der Brauereien vorgehen sollten, um sich die Säle zu erhalten? Wenn die Lokalkommission unterstützt worden wäre, so würde es sehr wohl möglich gewesen sein, den Bierring zu Pfingsten zu sprengen. Da aber selbst in der Arbeiterpresse dagegen gearbeitet worden sei, so könne man sich fiPlich nicht wundern, wenn dies nicht geschah. Die Lokal- Kommission habe nicht persönliche Interessen, sondern nur die Interessen der Arbeiterschaft wahrgenommen. Möge der Boykott auch eine schlechte Waffe sein, so habe dem„Berliner Volksblatt" es doch gefallen, als durch den Boykott der„Budiker" ihm eine große Abonnentenzahl zugeführt worden sei. Dieser Kampf gegen das Kapital brauchte nicht erfolglos aufgegeben zu werde».— Die Rednerliste wies nachdem noch 21 eingezeichnete Redner auf!— Nachdem des weiteren noch die Herren W i l f ch k e, Engler, Hilde brandt, Roge und F l a t o w gesprochen, nahm, lebhaft begrüßt. Reichstagsabgeordneter Bebel das Wort. Derselbe schickte voraus, daß er nicht als„Autorität" spreche, gegen welche sich Herr Werner in so scharfer Weise gewandt habe. Er habe, ebensowenig Andere, jemals verlangt, daß seine Worte, als einer„Autorität", mehr Beachtung finden sollen, als diejenigen jedwedes anderen Parteigenossen. Wer die rothen Plakate in allen Straßen gesehen und die Tages- ordnung gelesen habe, der müsse zu der Meinung gekommen sein, daß etivas ganz besonderes vorliege. Ihm sei es so ergangen, doch seien seine Erwartungen arg enttäuscht worden. Seine Be- Ziehungen zum„B. V." seien bekannt. Er halte die Volksver- sammlung als die letzte Instanz, an welche erst zu appelliren sei, nachdem alles Andere vergeblich versucht worden sei. So sei es bisher in der Partei Brauch gewesen, so müsse es auch serner bleiben, solle die Partei nicht Schaden leiden. Er warnte, sich auf einen Weg leiten zu lassen, der nur zu Spaltungen, zu Skandalen znni Gaudium der Gegner führen könne. Ein derartiges Vorgehen, wie die Lokalkommisfion es in Szene gesetzt habe, wäre gerechtfertigt gewesen, ivenn die Redaktion sich gegen cäe Parteiprinzipien vergangen, einen Parteiverrath begangen Hütte. Niemand sei unfehlbar, doch Fehler wären zu begleichen. Wie würde es aussehen in Deutschland, wenn Klagen gegen Redaktionen überall in dieser Weise zum Austrag gebracht würden? Tie Veröffentlichung der Erklärung der Happold'schen Brauergesellen könne nur den von der Redaktion befürworteten Zweck gehabt haben. Nur iver voreingenommen sei, könne einen anderen Zweck herausdeuteln. Daß diese Voreingenommenheil bei der Lokal- kommission bereits einen hohen Grad erreicht habe, beweise deren Vorgehen. Der Redaktion habe nichts serner gelegen, als den Brauerstreik diskreditiren zu wollen. Ebenso liege der Fall Finke. An und für sich habe Cronheim nicht unrecht gehandelt, höchstens darin, daß er aus Grund des Versprechens die Ausnahme einer Erklärung seitens der Braucrgesellen verweigert habe. Doch sei dies kein Grund, ihn anzuklagen, wie geschehen. Wer einen Funken von Gerechtigkeitsgefühl in sich trage— und ein solches setze er bei Allen voraus— der könne ihm keine Schuld beimessen an dem Mißlingen des Boykotts. Die Lokal- Kommission hätte bedenken sollen, daß sie selber verdächtigt wor- den sei und hätte nicht in denselben Fehler verfallen sollen. Der Direktor des Münchener Brauhauses sei derselbe, wie ver- lautet, der s. Z. den verflossenen St a d t v e rv r flyato. Hörki veranlaßt hat, in der Stadtverordneten-Äersälffmkung den AutWg.�suf Bestemumg- ber echteu-Bkere steilen; derselbe soll sich auch jetzt erboten haben, ein Kapital herzugeben, um die„Volkstribüne" als Konkurrenz-Organ des„Berliner Volksblatt" in eine lagnch fschmi""�? Pi'itlliin umzuwandeln. Es sei nicht gerechtferttZTTtti ß o scharfer Weise in"lM'Orffentkichkeit vorzugehen. Die Sache wäre geregelt worden, hätte man sich an die rechte Schmiede ge- wandt. Wenn Hr. Hildebrandt die Redaktion verdächtige, kapila- listischeJntereffenwahrgenommen zuhaben.sowürde er(Redner) der erste sein, der für die Entfernung der betr. Redakteure Sorge trüge, sofern dies ans Wahrheit beruhen würde. Aber verdächtigen, ohne auch beweisen zu können, müsse nothgedrungen zu Zerwürfnissen nnd Spaltungen in der Partei führe». In den Brauerstreik sei er nicht eingeiveiht und habe erst Abends Näheres darüber erfahren. Er sei zwar auch Leser des„Berliner Volksblatt", doch fehle es ihm an Zeit, es stets gänzlich durchzulesen. Er gebe aber zu bedenken, daß der Streik eine zweischneidige Waffe sei und halte es für Pflicht, vor einem leichtsinnig aggressiven Streik zu warnen, da eine Niederlage demorälisirend wirke.— Anders sei es bei einem defensiven Streik, den die Ehre der Arbeiter gebiete und wenn man selbst darüber zu Grunde ginge.— In elfterer Hinsicht sei unstreitig viel gesündigt worden. Die Er- splg e jr-sbrrKw?— hättm. Jüe Arbeiter berauscht. Mtt- einem wahren Fanatismus hätte man sich m Arveiißeiitstellungen gestürzt. Man glaubte Alles zu vermögen— es war dies ein Jrrthum. Aehnlich, wie mit den Streiks verhalte es sich mit den Boykotts. Bei den Lokalsperren war ein Boykott am Platze und stand auch ein Sieg zu erwarten, da man nur Einzelne zu bekämpfen hatte und nicht alle zugleich. Daher der damalige Erfolg. Anders sei es jetzt. Man sei glücklich dahin gelangt, eine Volksversammluna den Fetischdienst so weit zu treiben, daß ei als das Averheiligstc betrachtet werde, mag. verkehrte Beschlüsse fassen. Wenn Redakteure sich"absöktlO kiach diesevrz» rkchMp'yätten, dann wären die armen Redakteure zu bedauern. Bon dem Augenblicke an, wo der Beschluß gefaßt worden sei, 32 Brauereien zu boykottiren, habe er gewußt, daß er ins Wasser fallen müsse, da die Arbeiter nicht einzelne Gegner, sondern eine ganze Koterie von Interessenten gegen sich habe. Wer in ein Speisehaus zu gehen gezwungen sei, muß auch Bier trinken oder die Speisen theurer bc- zahlen, denn am Essen wird bekanntlich nichts verdient. Die ökonomische Lage der Arbeiter sei eine derartige, daß ein 'olcher Boycott nicht durchzuführen sei. Ein derartiger Krieg könne überhaupt nur unternoinmen werden, wenn die Gewißheit vorhanden sei, daß die Massen pariren und den gefaßten Beschluß auch durchführen. Wenn diese Voraussetzung nicht zutreffe, dann ei ein derartiges Beginnen eine große Dummheit. Im vor- liegenden Falle seien die„Führer" sehr schlechte Führer gewesen, auf deren Geheiß die Masse den Beschluß des Boycotts gefaßt habe. Jetzt, ivo sie in der Tinte sitzen, solle das„B. V." den Sündenvock abgeben. Wenn gegen eine ganze Koterie von Interessenten zu Felde gezogen werde, so müsse man es natürlich finden, daß sie sich wehren und starr- köpsig werden. Tie Führer glaubten, daß, wenn sie etwas beschließen, daß dann sofort die ganze Bourgeoisie zu Kreuze kriechen werde.— Gefehlt! Wenn wir schießen, dann müssen wir es uns gefallen.!yssen«.. h.aß aus uns geschossen jyird. Es sei eine große Kurzsichtigkelt, zu glauben, daß die Bedrohten nicht mit aller Macht um ihre Existenz kämpfen werden. Der Boycott sei gefalle», die Arbeiter hätten eine Niederlage erlitten. Man möge nicht beschließen, den Boycott noch weiter aufrecht zu erhalten, sondern dafür sorgen, daß man sobald nicht wieder eine derartige Ohrfeige erhalte.(Beifall).— Herr Werner verwahrt hieraus persönlich die, Lokalkommission gegen den Verdacht, daß ihr der Direktor Ahrendt das Anerbieten eines Kapitals die„Volks-Tribüne" betreffend, gemacht habe. Wäre dieses geschehen, so hätte die Kommission jenen Herrn 'elbstverständlich gebührend die Wege gewiesen. Herr Börner greift sodann das„Berliner Volksblatt" deswegen an, daß es Prospekte von Aktien-Gesellschasten, Brauereien u. s. w. veröffentliche, was wiederum eine Replik Bebel's zur Folge hatte. Herr Zubeil polemisirt gegen die Lokalkommisfion und peziell gegen das Gebahren des Herrn Brauereidirektor Ahrend, )er sich noch vor ganz kurzer Zeit in einer Brauereibesitzerver- ämnilnng gegen den Verdacht, daß er Sozialdemokrat sei, ganz energisch verivahrte. Er erklärte daselbst, däst sr" mrl den Be- schlüssen der BräÄereibesitzer synipathisire, allein er habe bereits bindende Erklärunzen abgegeben, die ihn daran b.nde.w an den Bereinigungen der Braucreibcsttzer thellzunehmei> Er erklärte ausdrücklich, daß er vielleicht der konservativste i» Brauereibesitzer-Versammlung sei.— Herr Zubeil prolesture d_ gegen, daß man für einen derartigen Nnternehmer Propaganda S Ungeheures Aussehen erregte folgende Erklärung des Herrn Schayer� habe ihm tu sein-«» Grschäftslollale uov Zenge» ausdrücklich rrl-Iari, dn>? rr stch erboten habe, zur Griindnng eines Konlmrrru- blattes gegen das ,,K«rli»er Uollisblatt'' die&aar- mittet in Höhe von 20 bis 30 000 Iii. herzugrbe». Dem Herrn Brauereidirektor, der in der �ersmnmlung anwesend war, um vielleicht dort noch im letzten Augeuback Trüben zu fischen und sein sinkendes Schifflein in den Hafen z steuern, muß bei dieser Enthüllung gerade nicht sehr m- genehm zu Muth gewesen sein. Als er � im__ Beg> � der Versammlung bei den Aeußerungen eines Genoffen„ch_ schäftssozialist" und„bestellte Arbeit" ausrufen ließ ui'd diefe Ausrufe durch beifälliges Gemurmel uiiterstützte, glaubte er woy kaum, daß seine Geschäftskniffe so kläglich scheitern würden■oA' Uebrigen hatte sich der Herr in eine förinliche Wiedehopf.-' Atmosphäre von Moschus und Patchonli gehüllt, weil im wahrscheinlich das natürliche Parfüm des Proletariats widc- lich ist. Er verschwand auch wie eine ivandelnde Won aus dem Saal. Die Redaktion.)— Nach einen, Schlup- wort des Herrn Werner gelangte folgender Antrag zns Annahme:„Die Versainmllmg beschließt, daß die Re- daktion des.. Berliner Volksblatt" in Zukmift die Beschlüsse von Volksversammlungen"Nlliigsslich zu achten hat. Desgleichen der Antrag, den Boykott aufl�äky eb e n. Wie sodann bekannt gegeben wurde, sind die Forderungen der Brauergesellen nunmehr durchgängig bewilligt, der Stren somit zu Ende,— Ter Vorsitzende sprach den Wunsch aus, daß die gehabte Ailseinandersetzung keine Uneinigkeit verur- sachen möge und schloß die Versammlung um IVe Uhr Nachts mit einem dreifachen Hoch auf die sozialdemokratische Partei, da� brallsend, jubelnd von der Menge ailsgenommen, hinaustonte in die stille Nacht. U»t»rftüi«»,g»vrrei» d»r Maurer S«rlin«. h-ut-, grober Somm-r' nachiSball in Weiniann'S VoilSgarlen, Gesundbrunnen. BNIelS pro Pcrso.i 36 �ZepelUger xef-Mub der„Zeitgristrr" jeden Sonnabend im Verein»- lokal, Sirabburgerstr. 40. Gäste willkommen. f Allo-m-iner WrtuUarb.it.rv-r.i» S-ri»n« und Ztmoeg-nd. Am Sonuabeud, den 21. Juni, sinder in Renz Salon, Naunvnstr. 27,«in Tanz kränzchen statt, wozu ergcbenst eingeladen wird. Biller» sind benn Kassir ONo Klein, Rilterstr. 15, Gustav Wolfs, Reinilkendorserstr. ua, in den gayt- stellen sowie bei sämmtltchen Vorslandsmilgiiedern zu haben. Achtung: Große öfsenlliche Versammlung sammiucher auf En-nbahn-n beschäsligler Arbeiter Berlins und Umgegend lWerlstaiien-, Boden-, Slrecl-n- Arbeitsr, Koppler, Hilfsbremser w.) am Sonnabend, de» 21. Juni isso. Abend» » Uhr, bei Joel lsr. Kellerl AndreaSstr. 21. Grurralvrrsammlung drr g lag, den 22. Juni CT., Bormiltag» � Soiiaidemokratischer Mahioer.in fiir den rrstr« Serttner NAch«' tago-zvahllirri». Sonnabend, den 21. Juni, Abends 8 Uhr, in Gral weil-s Vier hallen, Kommandanrensir. 77-70: Große Versammlung. «tyipch. GrfeUschast. Sonnlag. den 22. Juni, AbendS»X Uhr,«eyor er- straße 15, in Schneiders Salon. Tagesordnung: Vortrag des Herrn Dr. Bruno Wille! Des Bösen Arbetlstheilung. Nachher gesellige Uttlerhallung nnd Tanz. Gäste, Damen und Herren, willkommen! fachverrin drr in Kuchbiudereien und verwandle» Detriebcn beschop tigten Arbeiter. Sonnabend, den 2l. Juni er., Abends X9 Uhr, Berernsver- sammlung, Annenslr. 10. Tagesordnung: 1. Die neuesten ilulernehmerver. bände und ihre Folgen für die Arbeiter. Reserenl Herr Pirch. 2. Lerschiedene» und Fragckasten._,... N»r«i»igung der Zirrchsler•pruil'chlatiSs.(NrtSverwalinNll i 7.) Sonnlag, den 22. Juni: Ausflug nach Schrnargendors(»aiser Friedrichsgarten). Abfahrt vom Anhalter Bahnhof i Uhr 26 Minulen. Gnies Wettet ist bestellt« it erriit der Kattier nnd Fachgenossen. Sonnabend, den 21, Jum Abends 8% Uhr, bei Deigmüller, Alt- Jakobftr. 4Sa: Versammlung. Lachorrri» der Allliiuinrbritrr. Sonnabend, den 21. Juni d. J e Großer Sommernachtsball in der UnionSbranerei, Hascnhaide. Freunde und Genossen sind herzlich willkommen. BilleiS, Herren 60 Pf., Damen 30 Pf.« find in allen mit Plakaten belegten Handlungen, bei den Borsrandsmitgliedern und am Abend im Earlen-Busset zu haben. Lachoerein drr Rohrleger. Sonntag, den 22. Juni, vormittags li Uhr, in Feuerstein'S Salon, Alle Jakobstr. 75, Versammlung. Former nnd Kerusooenossen am Sonn- S io Uhr, im Lokale„Grsleller", Ghaussee- Dettesrhelt. (Wolfffs Tetearaplion-Kttre-ni.) Hamburg, 20. Juni. Die Polizeibehörde stellte gestern der Lohnkommission der Ewerführer die während des Streikes be- schlagnahmten Gelder und Bücher zurück. Von den während des Streikes Verhafteten wurde heute der Ewerführer Tiinman ent- lassen; in Hast befinden sich noch 16 Personen. Vviefknlken der KodsilttUnu Bei Anfragen bitten wir die Abonnem-nIs-Quittung beizufügen. BrieNich« Anlworl wird nicht erlhetlt. HZ. K. Uuppiurrstr. Wir ersuchen Sie, bei uns vorzu- sprechen. Hennigsdorf. Er hat das aktive und passive Wahlrecht. Guben 100. Wir können Ihnen keine Auskunft gedeii. Untermann 1800. Wenden Sie sich an den Amtsrichter Dr. Bsringuier, W, Alvenslebenstr. 10, 2 Tr. Zwei Mettende. Eigener Regierungsbezirk. Die Beerdigung des Reutiers, früheren Brauereibesitzers Fröedröch Ernst IHSüSig, findet am Somttag, den 22. d.» Mittags 12 llhr, von der Leichenhalle des St. Petri-Kirch- Hofes, Friedenstraße 83, statt. Zm Nimen der#WtWm: 1 Die Testaments-Nollstrecker. Empfehle allen Genossen meine Mserei, Stiegel- uiiii Mer- eimiMUng. Verkauf von Bilder» bewährter Volks- männer. Besonders enipsehlenswertb Sinnsprüche. Neu: Bebel u. Liebknecht, Pendant 67: 51 ern hoch. Bestellungen nach auswärts brieflich. 1050 Karl Scholz, Wraugelstraße 32, Eingang vom Flur Meinen neu eröffneten Barbier- und Haarschneidesaion, verbunden mit Zigarrenhandel, empfehle allen Genossen Eharlottenburgs und Umgegend. Uni Zusprilch bittet A.Stolpe, Charloltenburg, Straße 30. 2012(Ecke der Potsdamerslraße.) 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Die Partie der Graveure und Ziseleure findet der ungünstigen Witterung wegen nicht statt. Arbeits- Nachweis Dresdenerstr. 43 von 8V2 bis 10 Uhr. 2051 Genossen arbeitet Sopha's und Matratzen auf, auch auf Theilzahlnug, R. Franzke, Tapezierer, 1991 Nannynstr. 25. Ein Cigarrengeschäft ist zu verkaufen. Näheres Wasserihorstr. 20. 2012 Uiilimaschinrn aller Systeme auf Theilzahlung, hochelegant, sünfjährige Garantie, gebt, Singer-Maschinen von 10 M., dreijährige Garantie, liefert Nähmaschinensabrik Solinsstr. 49.[2053 Möbl. Schlafstelle für 2 H. a. Partei- genossen Mariannenstr. 23, v. l Tr., vei Moschinsky. 2050 Möbl. Schlafstelle m. sep. Eing. für Herren, Preis 7,50 M., Skalitzerstr. 44, vorn 4 Tr. rechts. 2049 Frndl. Schlafstelle z. v. Louisenuser 39, a. d. Ritterstr.,H. 2 Tr. b. Tschernig.[2055 Frdl. Schläfst, f. H. p. 1. Juli z. v. Schinkestr. 2, 3 Tr. r. b. Nlvczyk. Utittagstifich m. Bier 30 Pfennige. E. Vöiclter's Vierhaus, Falkensteinstr. 11. 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Die sozialen Magen— heißt eK, wenngleich sie zunächst und an sich in der ihrer Besprechung und Erörterung nicht nothwendig politische ZU sein brauchen, nehmen diesen Charakter sofort an, wenn sie unt dem Staat in praktische Beziehung treten, namentlich wenn ZU ihrer Lösung Mittel und Wege zur Geltung gebracht werden lolleii, welche eine Aenderung der bestehenden Einrichtungen des Staates und hierunter auch der geltenden Staatsgesetze zur Vor- uussetzung oder zur Wirkung haben. Allerdings hat die heutige Gesellschaft die verschiedensten Erfahrungen gemacht, wie diese Interpretation den Vereinigungen der Unternehmer und Kapita- uiten gegenüber den Arbeitern und deren Organisationen zur Geltung gebracht wird. Während die Unternehmerverbünde sich mit den Fragen der hohen Politik beschästigen können, und durch Petitionen und Resolutionen mit dem Staat in unmittel- bare praktische Vethätigung treten, hat noch Niemand gehört, daß diese Unternehmerverbände dem§ 8 des Vereinsgesetzes jemals zum Opfer gefallen sind. Ist doch unsere neue Jnnungs-Gesetz- tzebung lediglich dem Druck zu verdanken, welchen das Unter- uehmerthuni den gesetzgebenden Körperschaften gegenüber ange- wendet hat. Aber wenn Zwei dasselbe thun, so ist es noch lange nicht dasselbe. Wir lesen in der„N. M. Ztg.": Landsberg a. W., 17. Juni. Das Schöffengericht hatte sich heute mit dem Sozialdemokraten Koch und Ge- nassen, welche von der Reichstagswahl her bekannt ge- worden sind, zu beschästigen. Die Schuhmachergesellen Otto Koch, Swierski, Nötzel, Salenke, Siebert und Krüger I, die Schuhmachermeister Behrendt und Zimmer, sowie der Schuhmachergeselle Krüger U waren des Vergehens gegen das Vereinsgesetz von 1350 beschuldigt. Die Stra,that sollte darin bestanden haben, daß sie hier einen Ortsverein der Schuhmacher (Zahlstelle) gegründet, welcher verbotswidrig mit anderen Vereinigungen in Verbindung stand und sich mit der Er- örterung sozialpolitischer Fragen beschäftigte. Sie wurden für schuldig befunden und vernrtheilt: Koch zu drei Wochen Ge>ängniß, Swierski, Nötzel und Siebert zu je einer Woche Gesängniß, Krüger I und Behrend zu je 20 M. Geldbuße, Salenke, Zimmer und Krüger II zu je 15. M. Geldbuße. Gleichzeitig erkannte auch das Gericht auf endgiltige Schließung der Zahlstelle, die bereits von der Polizeiverwaltung vorläufig angeordnet worden war. Kommt man hierbei nicht ganz von selbst auf den Gedanken, daß, wenn Zwei dasselbe thun, daß es noch lange nicht dasselbe ist? Aber man nennt das heutzutage„Gleichheit vor dem Gesetz." schließen, und seine Verpflichtungen aus diesem Vertrage beziehen sich lediglich auf diesen Unternehmer. Könnte die in Rede stehende„Verpflichtung" der Gesellen, sich von dem vertrag- schließenden Unternehmer an beliebige dritte Personen„abtreten" zu lassen, rechtsverbindlich sein, so wäre damit dem Unfug eines förmlichen Mcnschenschachers unter Verletzung der persü Freiheit, einer neuen Art von Hörigkeitsverhältniß Thür und Thor geöffnet. Ebensowenig kann die den Gesellen auferlegte„Verpflichtung", keinem Fachverein beizutreten, also sich der Zlusübung eines staats- bürgerlichen Rechtes zu begeben, rechtsverbindlich sein. Es ist das eine widerrechtliche Nöthigung zu der Unterlassung einer gesetzlich zulässigen Handlung; unter Androhung bestimmter Nachtheile sollen die Gesellen bewogen werden, von ihrem Koalitionsrecht keinen Gebrauch zu machen. Wir meinen, die Staatsanwaltschaft hätte alle Ursacke, mit diesem Unfug und seinen Urhebern sich einmal zu beschäftigen. Mögen die Kollegen allerorts den Wcrbekünsten der Unter- nehmer mit allen gesetzlichen Mitteln energisch entgegentreten. Achtung, Maurer- und Zimmergesellen! Die„Innung und der Arbeitgeberbund für Maurer- und Zimmergeschäfte" zu Stettin machen bekannt, daß auf Grund ihres einstimmigen Be- schlusses dort ein Meldeamt für arbeitsuchende Maurer- und Zimmergesellen eingerichtet worden ist und daß daselbst nur solchen Gesellen Arbeit nachgewiesen wird, welche 1. nachweisen können, daß sie das Gewerbe erlernt, 2. einen ordnungsmäßigen Ent- lassungSschein von der letzten Arbeitsstätte vorzeigen, 3. nicht aus einer Stadt oder Ortschaft kommen, wo gestreikt wird. Diese Bekanntmachung wird„gewürzt" durch folgende Bemerkung: „Dieses Unternehmen, welches zwar noch im Entstehen begriffen, zur Zeit aber schon einen nicht unwesentlichen Einfluß auf die Bekämpfung der Streikgelüste durchblicken läßt, ver- dient in allen Fachkreisen unterstützt und nachgeahmt zu werden. Um nun aber auch wirksam diese Einrichtung durchzuführen, wäre es wünschenswerth, daß alle Arbeitgeber der Maurer- und Zimmergeschäste Entlassungsscheine wieder einführen. Um ferner solche Gesellen, die durch sozialistische Bestrebungen und auf- reizende Reden Unfrieden gestiftet und Streik hervorgerufen, end- lich einmal unschädlich machen zu können, ersuchen wir sämmtliche Kollegen, die Namen derartiger Gesellen nach hier zu berichten, wie wir ebenfalls bereitwilligst hierüber Auskunft geben werden, falls solche gewünscht wird." Wir stellen diesem Verfolgungs- und Unterdrückungsunsug die Aufforderung entgegen: Möge kein Maurer- und Zimmer- geselle das Stettiner Meldeamt in Anspruch nehmen. Jeder arbeitsuchende Geselle hat dasselbe zu meiden, oder, was noch richtiger ist: kein arbeitsuchender Geselle reise nach Stettin! Dann werden die dortigen Kollegen mit„Innung und Arbeitgeber- bund" und deren„Meldeamt" schon fertig werden! Soziesle Auf dem Ardeiterfang. Aus Breslau wird uns berichtet, aß dort der Zimmermeister Kertscher aus Hamburg(Hamm, ouiseuweg 145, p.) und der Maurermeister Heinia ans Rostock me lebhafte Tyätigkeit entwickeln, um Maurer- und Zimmer- esellen zur Uebernahme von Arbeit in Hamburg und in Mecklen- nrg zu veranlassen. Sie erließen in der„Breslauer Morgen- ntung" und dem„Breslauer General- Anzeiger" folgende stiserate: „Tüchtige Maurer- und Zimniergesellen werden zum so- ortigen Antritt bei 60 Pf. Stundenlohn und dauernder Beschäfti- .ung nach Hamburg gesucht. Reisekosten werden vergütet. Zu iclden am Donnerstag oder Freitag dieser Woche in der Brauerei on August Scholtz, Breslau, Schweidnitzerstr. 30. Der Baumeister." „Tüchtige Maurer- und Zimmergesellen, welche Lust haben, a Mecklenburg Arbeit zu nehmen, finden dauernde Beschäftigung is in den Winter hinein. Reisegeld wird vergütet. Näheres m Hotel„Goldener Baum", Oderstr., zwischen 11 und 1 Uhr leute den 11. Juni." Den Leuten, die sich meldeten, wurde seitens des Herrn kertscher folgendes Schriftstück zur Unterzeichnung vorgelegt': „Ich Endesunterzeichneter verpflichte mich, bei den Herren Zauunternehmern H. Kertscher u. Gerdtz, oder nach deren Auf- labe bei einem von ihnen zu benennenden Meister in Hamburg ofort in Arbeit zu treten zu einen: Lohn von 60 Pf. pro Arbeits- tunde bei zehnstündiger'Arbeitszeit. „Auch verpflichte ich mich, bei den genannten Herren event. >ei dem von diesen zu benennenden Meister als ordentlicher und üchtiger Geselle mindestens auf die Dauer von.... Ronaten zu arbeiten. „Tagegen sind oben genannte Herren verpflichtet, für mich >ie Reisekosten nach Hamburg zu bezahlen. „Sollte ich früher, als eoen vereinbart, aus der Arbeit treten, o habe ich die Reisekosten und Spesen zurück zu vergüten. „Es ist mir bekannt, daß die Hamburger Fachgenossen sich m Streit befinden, und verpflichte ich mich, in Hamburg keinem ifachverein beizutreten. „Dieser Kontrakt wird gestempelt und hat vollständige Giltig- !eit vor Gericht. Bar den...ten Juni 1830." Der von dem Herrn Heinig-Rostock den Arbeitern zur Unter- 'chrift vorgelegte Vertrag hat folgenden Wortlaut: „Wir unterzeichneten Maurer- und Zimmergesellen trete nit dem heutigen Tage bei den Maurermeistern Heinig& Crlcha rus Rostock in Arbeit und verpflichten uns, mindestens 4sMis Wochen in Arbeit zu bleiben, ehe wir freiwillig das lls�üms- -erhältniß lösen, weil sonst die Meister berechtigt sein sollen, das lon ihnen vorher bezahlte Reisegeld in Abzug zu bringen. Wir Meister verpflichten uns hingegen, die Gesellen so lange in Arbeit lu behalten, bis strenge Kälte die Arbeit von selbst verbietet, vorausgesetzt, daß auch jeder der Gesellen seine Schuldig- ieit thut und sich nichts zu Schulden kommen läßt; ferner verpflichten sich die Meister, den Gesellen einen Lohn von l2 Pf. pro Stunde bei zehnstündiger Arbeitszeit zu zahlen- Die Gesellen erklären sich damit einverstanden, daß obige Meister die Gesellen auch an andere Unternehmer abtrete» konnen und bleiben alsdann auch obige Abmachungen von Bestand.. Es erscheint uns sehr zweifelhaft, ob die in diesen sogc- liannten„Arbeitsverträgen" den Gesellen auferlegte Verpflichtuiig, unter Verzicht auf ihr Kündigungsrechtsich an einen Unbekannten "'llen Unternehmer zur Arbeitsleistung�„abtreten zu lasten, t>erlo»»ttnlungen. zahlreich befnchte Versammlung d i Dienstag, den 17. Juni, Abends 8 Uhr, Eine iiicherst Hntmacher tagte am Schneider's Salon, Belsorterstraße. isürhalten verstößt eine guten Sitten und das bestehende"Arbeitsrecht. unserem «r ,- �.Sitten und das oeitci)'-'»----........., ün 'öNfl, Arbeit auch einer solchen Person zu leisten, die dem Ge- -n zur Zeit des Vertragsabschlusses garnicht bekannt sein kaiin, lre unzulässig sein. Der Arbeiter kann inimer nur mit einein lmmten, ,hm bekannten Unternehmer den Arbeitsvertrag ab- iN Als die Versammlung voin Einberufer, Kollegen Ä. Schmidt, eröffnet war, stellte Kollege Augustin den Antrag, die Versammlung auf 20 Minuten zu ver- tagen, welches der überwachende Beamte jedoch nicht duldete, weshalb die Versammlung unter Vorsitz des Kollegen Völkel in die Tagesordnung eintrat, welche lautete: 1. Gewerkschaftliches. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes.— Zu Punkt 1 hatte Kollege Augustin das Referat übernommen. Derselbe führt in höchst ausführlich und sachlicher Weise die Ursachen des in der Fabrik von L. Rössel ausgebrochenen Streiks an und beleuchtete hierauf Bezug nehmend den Werth und Nutzen einer festen Organisation, welcher viele der jetzt Streikenden noch nicht angehören. Er forderte deshalb alle noch nicht dem Unter- stützungsverein deutscher Hutmacher angehörenden Kollegen drin- gcnd auf, demselben unverzüglich beizutreten und ermahnt zum Schluß des mit Beifall aufgenommenen Referats, daß Alle treu zusammen halten sollen und nicht eher anzufangen, bis alle Kol- legen zu den alten Bedingungen wieder in die Fabrik eingestellt sind. In demselben Sinne sprechen die Herren Müller, Schmidt und Stepputat. Kollege Völkel geißelt in scharfen Worten das schroffe Verhalten des Fabrikanten und beleuchtete die Fabrikordnung desselben, nach welcher dem Fabrikanten das Recht zusteht, sofort jeden Arbeiter zu entlassen, dieser aber dein Fabri- kanten gegenüber an eine vierzehntägige Kündigung gebunden ist. Redner fordert die Arbeiter auf, einmal bei der Behörde anzu- fragen, ob solche Maßnahmen gesetzlich zulässig sind, und fordert nochmals Alle säumigen Kollegen auf, dem Verein beizutreten.— Kollege Keinpe macht auf den Dispositionsfonds aufmerksam und bittet, recht rege für denselben zu agitiren, da derselbe jetzt sehr in'Anspruch genommen wird.— Folgende Resolution gelangte zur einstiminigen Annahme:„Die heutige Versammlung erklärt sich niit den Kollegen der Firma Rössel einverstanden und hofft, daß dieselben nicht eher zur Arbeit zurück- kehren, bis die Forderungen voll und ganz bewilligt sind; gleich zeitig versprechen die anwesenden Kollegen für sämmtlich Feiernden solidarisch einzutreten und dort keine Arbeit zu nehmen. Hierauf stellt Kollege Völkel den Antrag, das Bureau der Ver- sainnilung zu beauftragen, beim Polizei-Präsidium Beschwerde darüber zu führen, daß der überwachende Beamte die Vertagung der Versammlung nicht gestattet hat. Der Antrag wird ein- stimmi�angenommen. Die Versammlung wird hierauf mit eineM�vreifachen Hoch aus das Gelingen der guten Sache ge- fen. Eine sroste ö'strntliche Uerfammluiig sämmtlicher Kerliner KiirfchnrraefrUe», selbstständigrr pelzarbriter', Zurichter und Miitzenmachrr tagte am 16. Juni, Abends 81/2 Uhr im Schützenhause, Linienstraße 6/6. Die Tagesordnung war folgende: 1. Wie ist die Ortsverwaltung des Zentralver- bandes deutscher Kürschner einzurichten? 2. Diskussion. 8. Aufnahme neuer Mitglieder zum Zentralverband deutscher Kürschner. 4. Gewerkschaftliche Angelegenheiten. 5. Verschiedenes. Den Vorsitz führte Kollege Wedemeycr. Zum ersten Punkt reserirte derselbe Kollege in ausftihrlichcr Weise und legte die Mißstände, die unter den Kürschnern herrschen, in klaren Worten dar. Ferner führte Redner an, daß mittelst einer Organisation, wie sie der Kongreß der deutschen Kürschner zu Hamburg angestrebt habe, viele Mißstände zu beseitigen sind, es fragt sich nur, ob diese, von den Selbst- ständigen geplante Filiale zu erreichen ist. Wenn man der Sache auf den Grund gehe, müsse man zu der Ueberzeugung kommen, daß das Werk eine Art Zersplitterung zeigt, wenn die Selbstständigen der Pelz- und die der Mützenbranche je eine eigene Filiale errichten wollen. Man solle hier dem Bei- spiel der Gesellen folgen und eine Gesammtzahlstelle für Selbstständige errichten. Ferner sei für die Organisation ein Arbeitsnachweis von nicht unterschätzender Bedeutung, ein jeder Arbeiter, solle man meinen, müßte es sich selbst sagen, wenn man die Arbeitskraft zum Selbstangebot degradirt, dieselbe an Werth bedeutend verliert. Schließlich er- wartet der Referent von den Selbstständigen, daß sie die Gesellen unterstützen werden, um mit vereinten Kräften wieder einen Ar- beitsnachweis ins Leben rufen zu können. Diesbezüglich lief eine Resolution ein, welche vom Vorsitzenden sogleich zur Abstimmung gebracht und von der Versammlung einstimmig angenommen wurde. Die heute im Schützenhaus tagende öffentliche Versamm- lung der Berliner Kllrschnergesellen und Selbstständigen, erklärt sich mit den Ausführungen des Referenten einverstanden, verpflichtet sich, den zu errichtenden Arbeitsnachweis nach Kräften zu unterstützen; in fernerer Erwägung, daß auch ein freies An- gebot der Arbeitskraft(Umschau halten) die kollegialischen Jnter- essen nicht fördert, beschließt die Versammlung, nur Arbeit durch den Arbeitsnachweis anzunehmen. Herr Lewin als nächster tziedner spricht sich für eine gemein- ame Zahlstelle aus, weiter betont Lewin, daß der Klub„Friedens- stern" in den Verband nicht aufgenommen werden dürfe, entweder mit dem Klub„Selbstständig" gemeinsam, oder garnicht. Auch wünscht Lewin, daß die Gesellen von solchen Selbstständigen, die iin Blatt inseriren, keine'Arbeit annehmen möchten. Rauch ist der Meinung, daß die Selbstständigen der Pelzbranche sich ebenfalls dem Verband anschließen werden. Wedemeyer hebt die Unterstützung der reisenden Kollegen hervor und bemerkt, daß mir im Stande sind, letztere besser zu unterstützen, als dies die Jnnungsmeister thun, Thomsen macht den Vorschlag, betreffs Ar- beitsnachweis, drei Sonnabende an den Säulen bekannt zu machen. Lewin ist dafür, ein Rundschreiben zu erlassen. Dobronz ist der Ansicht, daß in der Versammlung gleich drei Kollegen gewählt werden, die den Nachweis sofort in die Hand nehmen. Zum zweiten Punkt konstatirte Kollege Wedemeyer, daß sich in der letzten öffent- lichen Versammlung 40 Kollegen in den Verband haben aufnehmen lassen und daß der Fachverein ungefähr 80 Kollegen stark in corpore dem Verband beitritt. Hierauf wird die Versammlung um 15 Minuten vertagt, in welcher Zeit neue Mitglieder aufge- nommen werden. Nach Schluß der Pause macht der Vorsitzende bekannt, daß sich 27 Kollegen einschreiben ließen. Kollege Dobronz bringt seine Sammelbogen in Erwähnung und die Erfolge vom vorigen Jahre. Wedemeyer spricht sich ebenfalls für die Sammel- bogen aus und erivähnt in weiterem die Fabrik der Firma West- mann, liest den von der benannten Firma erhaltenen Brief vor, in welchem zugestanden wurde, daß thatsächlich Abzüge gemacht sind. Rauch bemerkt, daß Stein wohl im In- teresse der Fabrik handeln müsse, aber entschieden dürfe er nicht gegen die Arbeiter in dieser Weise auftreten. Hier- aus brachte Redner noch ausführliche Details über die Vorgänge in der Westmann'schen Fabrik und war im übrigen der Mei- nung, daß Stein unbedingt in den Verband nicht aufgenommen werden darf. Herr Stein, welcher darauf das Wort erhielt, wollte mit seinem bekannten Redefluß alle bis dahin gegen ihn gebrachten Ausführungen widerlegen. Kollege Wutzow schilderte jedoch der Versammlung die Vorgänge in ausführlicher Weise und bemerkte schließlich, daß thatsächlich und zwar in drei Fällen Abzüge gemacht worden sind. Es entspann sich hierauf eine überaus lange und lebhafte Debatte und»vurde, um die Versamm- lung nicht allzu lange auszudehnen, auf Antrag, jedein Redner nur fünf Minuten Redezeit gestattet. Wedemeyer führt an, daß von Seiten Stein Maßregelungen gegen die Gesellen ausgeübt worden sind und betont, daß die Aus- ührungen im„Berliner Volksblatt" auf Wahrheit beruhten, zu- dem hat Herr Landsberger die Abzüge selbst zugestanden. Kollege Dittmann schildert die Zustände unter den Zurichtern als noch schlinimere. Etwas spät erschienen die Vertreter der Pelzbranche, es wurde noch einmal über den ersten Punkt debattirt und dieser- halb die Versammlung in die Länge gezogen. Herr B'aicher be- merkt, daß die Pelzarbeiter für sich eine Zahlstelle haben. Berger meint, daß es wohl kein harmonisches Ganze ab- geben könnte, wenn Mützen- uud Pelzarbeiter zusammen mar- schiren würden. Warneck äußert sich dahin, daß sie sich im engern Kreise, unter sich organistren wollen und betont, daß das Fachblatt ein gutes Mittel dazu sei. Herr Berger be- merkt noch, daß die Pelzkürschner von den Mützenmachern stets etwas im Hintergrunde gestellt worden sind, sie wollen sich jetzt jedoch kräftigen, mn hernach als eine kompakte Masse mit uns zu gehen. Schließlich ersucht Berger den Schriftführer, daß er für 1389 keine Verantivortung mehr für das Organ„Der Kürschner" hatte, im Protokoll mit zu veröffentlichen. Blümke ist schließlich dafür, daß jede Branche, Gesellen und Selbstständige, Mamsells und Zurichter für sich einzeln marschiren. Hieraus wurde auf Antrag die Versammlung um 1 Uhr geschlossen. Die streikende»» Kupferschmiede hielten am Sonnabend, den 14. d. Mts., eine zahlreich besuchte Versammlung unter Lei- tung der Kollegen Madel, Korbowicz und Fritz ab. Ueber die Lage des Streiks reserirte der Vorsitzende. Derselbe führte aus, daß sich die Lage wenig verändert habe; die Arbeitgeber haben sich in der am 18. d. Mts. stattgefundenen Versamnilnng auf einen immer schrofferen Standpunkt gestellt, indem auf einen Vorschlag des Meisters Otto, mit den Arbeitnehmern Verhand- langen anzuknüpfen, der Großfabrikant Heckmann geäußert habe, sobald eine ähnliche Ansicht nochmals laut werde, er sofort den Saal verlassen würde. Allerdings seien wir ja an Krastausdrücke des letzteren Herrn gewöhnt. Wenn nun auch der erstere Revers, betr. das Ausscheiden aus unserer Organisation, so gut wie zu- rückgezogen sei, so bleibe doch immer noch der zweite bestehen, wonach wir die Arbeit bedingungslos wieder aufnehmen und wir an Sammlungen behufs Unterstützung von Streiks nie theilnehmen sollen. Es bleibe uns also nichts weiter übrig, als auszuharren. Dank der Opferfreudigkeit unserer auswärtigen Kollegen, habe es an Unterstützungen bisher nicht gemangelt. Es sei nun aber nöthig, da binnen zwei Wochen die Unterstützung seitens unsers Ver- eins stattltengemüß aufhört, dafür Ersatz zu schaffen und komme uns das Anerbieten eines Kollegen, 4000 Mark zur Verfügung zu stellen, sehr gelegen, vorbehaltlich der Zustimmung der Versammlung. Es eiitspann sich hierüber eine lange aniniirte Diskussion, in der besonders hervorgehoben wurde, daß wir seitens der Arbeitgeber auf kein Entgegenkommen zu rechnen haben und der Streik noch eine geraume Zeit dauern werde und wir somit das Anerbieten des betreffenden Kollegen akzeptiren könnten. Folgender Antrag:„Die heutige Versammlung beschließt, die Lohnkommisston zu ermächtigen, Gelder aufzunehmen und ver- pflichtet sich gleichzeitig, dieselben nach Beendigung des Streiks durch laufende Beitrüge zu decken"— wird einstimmig angenommen. Ein fernerer Antrag: Die Lohnkommission wird beauftragt, zu versuchen, mit den Berliner Meistern verhandeln zu können, wird mit allen gegen zwei Stimmen angenommen. Der Annahme dieses Antrages ging eine rege Diskussion vorauf, in- dem einige Kollegen der Meinung waren, da wir vor Beginn des Streiks die Verhandlungen abgebrochen haben, wir auch die Pflicht haben, dieselben wieder aufzunehmen, allerdings nicht mit dem Arbeitgeberverband, dem Verein der Kupferschmiedereien Deutschlands, sondern nur mit unseren Berliner Meistern. Der Lohnkommission wird es überlassen, auf welchem Wege die Ver- Handlungen anzubahnen sind. Auch wurde der Hoffnung Aus- druck gegeben, da steh der Streik schon bis in die neunte Woche hingezogen habe, andere Gewerkschaften uns ebenfalls Unterstützung zukommen lassen werden. Unter Verschiedenes wird zunächst dem Schriftführer der letzten Versammlung eine Rüge ertheut, indem er den Versanimlungsbericht nicht ausführ- lid) genug behandelt habe. Ferner wird ein Antrag Knaler an- genominen: Wer sich weigert, den Anordnungen der Kontrol- Kommission Folge zu geben, hat 25 Pf. in die Streikkasse zu Zahlen. Nach Annahme einer Resolution, die Forderungen auf- recht zu erhalten und den Anordnungen der Arbeitgeber uns nicht zu fügen, wird die Versammlung geschlossen. Eine öffentliche Uersantminng der Schriftgiefier tagte am Donnerstag Vormittag in Deigmnller's Saal, die Lage des Streiks zu besprechen. Aus dem Sitnationsbericht ist zu ent- nehmen, daß sich die Lage seit der am 12. d. M. stattgefundenen öffentlichen Versammlung nicht wesentlich verändert hat. Noch kriimnien und winden sich die Arbeitgeber unter den an sie ge- stellten Forderungen. Halb mochten sie darauf eingehen, halb fürchten sie sich wie vor dem Feuer vor jedem Zngeständniß und, wie des Oefteren in der überaus reichbesuchten Versammlung betont und hervorgehoben werden konnte, es beginnt auf dieser Seite die ganze Angelegenheit bald komisch zu werden. Während dem kann der Geist der im Ausstande Befmdlichen als ein außer- ordentlich guter bezeichnet werden. Höchst seltene Aus- nahmen sind es, wenn, wie vorgekoinmen, ein blutjunger Mann erst die Gemaßregelten-Unterstühung nimmt, sich 36 M. Neiseunterstützung zahlen läßt, sonst überall Unterstützung nahm, um am Ende als Streikbrecher wieder nach Berlin zurück- zukehren, weil er sich in der Welt nicht fortfindet. Solch Gebühren wurde Mit Recht als eine Schmach bezeichnet. Es ward von allen Rednern betont, daß entgegen den offen und nnverhüllt zu Tage tretenden Versuchen der Prinzipale, die Gehilfen in die Enge zu treiben, es auf Seite der letzteren gegenwärtig gerade weit mehr als jemals heißen müsse, festzustehen und nicht zu wanken. Entweder die Prinzipale bewilligten nunmehr den mit der Lohnkommission vereinbarten Tarif, oder sie bewilligten den- selben nicht. Kein Drehen und Deuteln mehr. Die Gehilsen- schaft, die so wie so nichts erübrige, könne weit eher als dw Prinzipale die Sache recht gut noch eine geraume Weile mit ansehen, zumal derselben die Unterstützung der Kollegenschaft ganz Deutschlands und nicht in letzter Linie auch jene der gesammten Buchdruckerschaft zur Seite stünde. In Bezug auf die Frage der Verkürzung der Arbeitszeit, in welcher Richtung die gegenwärtige Bewegung bis- her noch keine Erfolge zeitigen konnte, ward betont, daß man in dieser Beziehung nüt den Buchdruckern gemeinsam vorgehe. Folgende Resolution ward einstimmig angenommen: „Die Versaminlung erklärt sich mit dem' Vorgehen der Kommission einverstanden und erklärt, von dem nunmehr vereinbarten Tarif nicht mehr herunterzugehen." Efnr gut besuchte Uerlammlnng der Filiale Kiedorf de« Allgemeiuen Arbeiterinnenvrrein» sämmtlicher Berufs- zweige Berlins und Umgegend tagte am Sonnabend, den 14. Juni, in H offmann' s Salon, Bergstraße 138. Auf der Tagesordnung stand: 1. Vortrag des Herrn Wilhelm Werner. 2. Diskussion. 8. Aufnahme neuer Mitglieder. 4. Verschiedenes. Der Referent Herr Wilhelm Werner behandelte in eingehender Weise die Frauen- frage. Der Redner zeigte, wie die heutige privatkapitalistische Produktionsweise die Frau immer mehr in die Produktion hinein- zieht, wie. dadurch ihre Stellung in der Familie eine mehr und mehr veränderte geworden ist, wie trotzdem die Pflichten der Frau gegenüber der Gesellschaft immer größere werden. Jedoch in keiner Weise ist der Staat und die Gesetzgebung gewillt, die bis- her rechtlose Stellung der Frau umzuändern, und ihr die poli- tische Gleichberechtigung mit den Männern zuzugestehen. Pflicht aller arbeitenden Frauen sei es, sich zu organisiren. Da zedoch die Gesetzgebung den Frauen die Diskussion öffentlicher Fragen nicht gestattet, so sei sie verpflichtet, zunächst in den Lohnkampf einzutreten, und in den gegründeten Organisationen die großen Massen über ihre Stellung in der Gesellschaft aufzuklären. Nach längerer Diskussion, in welcher besonders Herr Fritz Krüger die heutige Erziehung der Jugend geißelte, gelangte fol- gende Resolution einstimmig zur Annahme:„Die heulige Versaüiinlung erklärt sich mit den Ausführungen des Referenten, so wie der folgenden Redner einverstanden und verpflichtet sich voll und ganz, für den Verein einzutreten und Sorge zu tragen, daß der Verein in seiner Stärke an Mit- gliederzahl gewinnt, um dadurch gegen die Kapitalisten Front zu machen, so wie sie es wagen, gegen die Arbeiterinnenvereine Front zu machen." Zu Verschiedenem wurde bekannt gemacht, daß am 26. d. M. eine außerordentliche Generalversammlung bei Schesfer, Insel- Üraßc 10, stattfindet und am 29. d. M. Versanimlung und nachher gemüthliches Beisammensein bei Hoffmann, Rixdorf, Bergslr. 183. Ferner wurde auf das am Sonnabend, den 21. d. M. stattfindende Sommervergnügen der Filiale Moabit hingewiesen. Der Verband der deutschen Gold- und Kilberarbeiter (Zahlstelle Berlin) hielt am 10. Juni in Feuersteins Restaurant, Alte Jakobstr. 75, eine Mitgliederversammlung mit folgender Tagesordnung ab. Punkt 1: Vortrag des Herrn Dr. Bruno Wille. Punkt 2.: Diskussion. Punkt 8: Verschiedenes. Der Referent, Herr Dr. Wille, war am Erscheinen verhindert und hatte Herr Jnl. Türk die Güte, für denselben einzutreten und über das Thema„Der Achtstundentag" zu sprechen. In seinen Aus- kührnngen schilderte der Referent die Entwickelung der Pro- duktionsweiseu, vom Zunftwesen des Mittelalters an, wo durch Gesetze einem Jeden das Quantum der anzufertigenden Arbeiten und die Zahl der Gehilfen und Lehrlinge genau vorgeschrieben war. Er weist an der Hand einiger kleiner Statistiken nach, daß mit der Entwickelung der Produktionsweisen die Konzentration des Kapitals einerseits und die Verarmung und Vermehrung des Proletariats anderseits Schritt gehalten hat. Im Weiteren führt Referent aus, daß durch diese Erscheinungen eine Verkürzung der 'Arbeitszeit unbedingt nothwendig geworden und nur im In- teresse des arbeitenden Volkes liegt. Jedoch sei der Achtstundentag nur als eine Etappe, ein Ausruhepunkt für das große Ziel, welches wir uns gesteckt haben, Umwandlung der kapitalistischen Produktions- weise in eine genossenschaftliche, zu betrachten. Reicher Beifall lohnte den Referenten für seine trefflichen Ausführungen. In der Dis- kussion macht der Vorsitzende das Ergebniß der statistischen Frage- bogen bekannt. Daraus geht hervor, daß die Lage der Berliner Gold- und Silberarbeiter nichts weniger als glänzend ist. Sodann wird einstimmig beschlossen, das Mitglied Hund ans dem Verein auszustoßen. Hierauf kommt die Maßregelung des Vorsitzenden zur Sprache und erklärt derselbe, anderweitige Beschäftigung er- halten zu haben und eine Unterstützung nicht mehr zu bedürfen. Es wird jedoch beschlossen, die Sammlung der freiwilligen Bei- träge fortzusetzen, um durchreisende Kollegen unterstützen zu können. Es wird noch bekannt gemacht, daß am 31. August im Konzert- haus Sanssouci ein Sommerfest stattfindet und daß die Bibliothek eröffnet ist. Bücher können entgegengenommen werden im Restaurant Grün, Elisabethstr. 29, Mittwochs von L— 10 Uhr Abends, fällt die Vereinsversammlung auf diesen Tag, so findet die Ausgabe den Tag vorher statt. Hierauf Schluß der Ver- sammlung. Der Fachverrin der Derliner Stucliatenre hielt am Montag, den 16. Juni, in Zeinter's Lokal, Münzstr. 11, seine Versammlung ab mit folgender Tagesordnung: I.Vorlesung. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes und Fragekasten. Nachdem der Vorsitzende dieselbe bekannt gegeben, ist beantragt worden, „Arbeitsnachweis" mit aufzunehmen. Der Antrag wurde ange- nonimen. Nach Verlesung des Protokolls wurden wiederum 10 Kollegen als Mitglieder aufgenommen, so daß der Verein im steten Wachsen begriffen ist. Es wird den Mitgliedern dringend ans Herz gelegt, für unseren Verein kräftig zu agitiren und die noch Fernstehenden heranziehen zu suchen. Nunmehr wird zur Vor- lesung des Vortrages von Herrn A. v. Suchorcinski, gehalten in einer Bildhauer- Versanimlung zu Dresden, geschritten. Kollege Marker entledigt sich derselben in der verständlichsten Weise, und wird die Vorlesung von den Anwesenden mit großem Beifall aufgenommen. An der Diskussion betheiligten sich mehrere Redner, und wurde sehr bedauert, daß so ein überaus sinnreicher und interessanter Vortrag von vielen nicht mit ange- hört worden sei. Kollege Schmiedel hat auf Anregung es über- nommen, 100 oder 200 Exemplare von diesem Vortrage zu be- schaffen, um so den Kollegen Gelegenheit zu geben, von demselben Kenntniß zu nehmen. Ferner wird die 2. Serie der Ar- beiterbibliothek von Max Schippe! empfohlen, da die- selbe auch für den weniger Begabten verständlich wäre. lieber den Arbeitsnachweis entspinnt sich eine längere Debatte. Kollege Leue'''''' die Arbeit den neuen übermitteln versprach. Zu seiner Rechtfertigung giebt'Leüe an, daß die bei ihm gerade anwesenden Kollegen auf Befragen der Prinzipale mitgehen, er aber nicht vermittelt. Hierauf wurde den'Arbeitsnachweis- KommissionSmitglicdcrn der Vorwurf ge- macht, daß sie sich so wenig bei Marzahn sehen ließen, im um- gekehrten Falle würden sie die Mißstände, wie die Sache Ulm, leicht beseitigen können, den Arbeitsnachweis- Inhaber könne durchaus keine Schuld treffen. Ferner wird allgemein sehr ge- tadelt, daß die Kollegen von außerhalb sich nicht bemüßigt sehen, von unserem'Arbeitsnachweis Gebrauch zu machen, und nian solle deshalb mehr für denselben agitiren. Betreffs der Mißstände beabsichtigt die Konmiission, sich über dieselben zu>»' formiren und dieses dem Vorstande zu unterbreiten resp. m vn nächsten Versanimlung Bericht zu erstatten. Zum Piwlt Verschiedenes wird der Antrag eingebracht, den„Hamburger Maurer» und Ziminerleuten" eine Uirtcrstützung aus der Vereinskaffe z» Theil werden zn lassen. Es wurde nun der Vorstand ermächtrgl. die Sache zu prüfen, und die Unterstützung nach Ermessen, aber nicht unter 60 Mark zu gewähren. Die Angelegenheit Grüneberg kontra Hauer wurde dem Vorstande überwiesen/ Am Dienstag, den 10. d. W. fand eine öffentliche, gutbesuchte Töpferversammlung r'" Deutschen Volkstheater, Schönhauser Allee 156, Abends 7 Uhr, statt. Die Tagesordnung lautete: 1. Vortrag. 2. Stellung- nähme der Töpfer Berlins zur Wahl der Streik-Kontrolkomnnsiion. 3. Gewerkschaftliches.— Zum ersten Punkt der Tagesordming hielt Herr Pirch einen mit großem Beifall aufgenommenen Vortrag über:„Was lehren uns die großen Unternehmerkoalitionen der Sftcujcit?" Die Diskussion ergab zwei Resolutionen, welche einstimmig angenommen wurden:,... 1. Die heutige im Volkstheater stattfindende öffentliche Versamnilung der Töpfer Berlins und Umgegend erklärt siM mit den Ausführungen des Referenten einverstanden uno beschließt, mit aller Energie gegen das Vorgehen oes Unternehmerthums Front zu machen, um so von dem wenigen Recht, welches die Arbeiter noch besitzen, Gebrauch zu machen., 2. Die am 10. Juni im Deutschen Volkstheater tagende öffentliche Töpferversainmlung erkennt die gemeinschädlichen Bestrebungen der Unternehmerverbände an, da durch die Gesetzgebung denselben nicht wirksam genüge entgegenge- treten wird, sondern nur durch Gegenorganisationen der Arbeiter unwirksam gemacht werden kann, beschließt die Versanimlung, in Massen dem hier bestehenden gewerl- schaftlichen Verein der Töpfer beizutreten. Zu Punkt 2 der Tagesordnung gab die Versammlung ihren Willen durch Annahme folgender Resolution kund:»Die heute, am 10. Juni, tagende öffentliche Versanimlung der Töpfer Berlin» und Umgegend beschließt: 1. Da durch das planlose Vorgehen einzeliier Gewerkschasten es immer schwieriger wird, die Streiks mit den nöthige» Geldmitteln zu unterstützen, die Wahl einer Streik-Kontrol- Kommission unbedingt nothwendig ist, wählt die Versamm- lung hierzu zwei Kollegen. 2. Die Versammlung wünscht, die beiden gewählten Kollegen mögen dafür agitiren, daß die Stren- Konttol- Kommission wie solgt möge znsammengesetzr werden: die Bauarbeiter einen, Metallarbeiter einen, Textilarbeiter einen, kaufmännische Angestellte einen, Leder- arbeiter einen, Holzarbeiter, Bekleidungsindustrie, Papier- arbeiter, gewerbliche Hilfsarbeiter und alle Branchen, welche zur Hausindustrie gehören, wählen auch je einen Vertreter in die Kommission. Es wurden die Kollegen A. Krause und G. Krämer von der Versammlung als Delegirte gewählt. Zum dritten Punkt der Tagesordnung legte der Vertrauensmann Rechenschaft über die Einnahmen und Ausgaben der freiwilligen Steuer zum Generalfonds, die Revisoren bestätigten die Richtigkeit desselven und wurde dem Vertrauensmann Decharge ertheilt.., Darauf wurde noch beschlossen, die achtstündige Arbettsze» folgendermaßen einzutheilen. Anfang der Arbeit früh 71/2 Uhr, 8V2 bis 9 Uhr Frühstückspause, von 12 bis 1 Uhr Miltagspawe, um 5 Uhr ist der Arbeitstag beendet. Alle Kollegen wurden noch dringend ermahnt, die Beschlüsse, welche gesaßt, zu halten und wurde die Versanimlung darauf um lU/2 Uhr geschlossen. Achtung Dirdorfer Stenerzahlru. Da in der Gemeindevertretung beschlossen werde» soll, ob Hierselbst eine höhere Lehr-, anstalt erbaut werden soll, werden alle Steuerzahler resp. Eins I ivohner ersucht, am Montag, den 23. Juni, Abends S'/e Uhr, bei Hoffmann, Bergstr. 133, zu erscheine», um Stellung dazu zu nehmen, da am Mittwoch, 18. Juni, Nachmittag eine Versamm- lung bei Borta stattfand, in der die Arbeiter nicht erscheinen konnten und außer dem Genossen Krüger, welcher nur 5 Minuten sprechen durste, Riemand von Arbeitern anwesend war, so ist e» doppelte Pflicht, am Montag zu erscheinen und Protest gegen die Borlage einzulegen, die Geineindevertreter sind eingeladen. Paul Steinmar, Rixdorf, Bergstr. 19. Volksgarten in Wilmersdori, mitten im Dorf gelegen, Berlineretrasse 40. Großer schattiger Garten mit 3 KegMhm. Praclitvollor grosser parquettlrter Tanz-Saal. Jedeil Sonntag: Frei-Concert und Grosser Ball Familien- Kaffee- Knche, Ansspannnng, grosie Thrater- Kühne etc. Empfehle mein Lokal den Arbeiter-Vereinen für Sommedeste, Landpartien, Bälle etc. angelegentlichst. II ff. Weissbier!S Nächste Stadtbahnstation: Schmargen- dorf(10 Minuten). Verbindung vom Spittelmarkt bis Golzstrassc mit Omnibus, oder von der Zwölf-Apostelkirche mit Dampfbabn nach Wilmersdorf. Geneigten Zuspruch erwartend, zeichne 364 F. 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