■ftfc tdä Sonntag, den SS. Inni 1890. 7. Jahrg. Hrgan für die Inierefsen der Arbeiter. erscheint«„riA sro...Berliner Vo lksblatt" "WWWMW !k»trr __, Fernsprecher: Amt VI. Ur. 4106.«» MedaKkion: Vvukhflrntze S.— Exprdikion: Veukhflvaße 3. Artgen auf. TafÄzeu zu'. . Das deutsch-englische Abkommen betreffs der afrika- eschen Interessensphären beider Länder ist unseren Lesern �eits seinem Inhalte nach bekannt geworden. Es thut "?tf), dem neuesten Jubelrausche unserer Kolonial-Chauvi- Nssten über den Triumph der deutschen Diplomatie kühl b>s ans Herz hinan gegenüberzutreten und die Dinge ein Wal wie sie sind zu betrachten. Vor allem drängt sich bei dieser Vertheilung des •ffrikanischen Gebiets der Gedanke auf, daß diejenigen, bsnen das mir nichts dir nichts zwischen zwei europäischen Staaten vertheilte Land gehört, daß die Eingeborenen gar nicht danach gefragt worden sind, ob sie denn mit oieser gewaltsamen Annexion auch zufrieden seien. Die christliche Zivilisation hat die vorherrschende Eigenthüm "chkeit, sobald sie in„wilde Länder" kommt, ohne auch »ur den Schein eines Rechtstitels dieselben zu besetzen. ganz als ob sie herrenlos, als ob sie Niemandes Eigen- chum seien. Diese Methode der rechtswidrigen Usurpation s- auch die„Frankfurter Zeitung" spricht treffend von dem usurpatorischen und gemalt thätigen Charakter der Kolonialpolitü — hat in seinem Wesen sich nicht geändert seit den Zeiten, l�a die spanischen und portugiesischen Abenteurer, die Cortez, we Pizarro, die Vasco de Gania, ihre Beutezüge unter- »vmmen, das Land besetzt, die Eingeborenen unterworfen »»d zu Sklaven gemacht haben. Wenn heute irgend ein wagehalsiger Lieutenant oder verbummelter Philosoph mit itnem afrikanischen Häuptling einen Abtretungsvertrag gegen Lieferung von so und so viel Pfund Schießpulver Wid so und so viel Gallonen Kartoffelschnaps schließt, ® ist diese Abmachung nur ein frommer Betrug. Der Häuptling hat kein Recht, das Stammeseigenthum abzu- »eten, und thatsächlich ist es die blanke Gewalt der Faust %m, welche die„abgetretenen" Bezirke festhält. England und Deutschland haben über große Länder- »riche, welche ihnen nicht gehören, gerade so verfügt, als wenn sie die Eigenthümer wären. Nehmen wir z. B. das Sultanat von Sansibar! England hat sich von Deutsch- wnd das Protektorat über das Jnselreich, das Handels- politisch wichtigste afrikanische Gebiet im indischen Ozean, Zusprechen lassen, d. h. es hat mit Einwilligung des Deutschen Reiches Sansibar annektirt. Denn„Protektorat", Schutzherrschaft, ist die bekannte verschämte Ausdrucksform für die gar nicht verschämte Thätigkeit des In den Sack Reckens. Wir sehen wieder einmal, wie die_ bisherigen Vertreter der Legitimität ererbte Rechte für nichts achten Und Throne umstürzen wie Kinderstühlchen. 1l Ii v kaiin � ja gleichgiltig sein, ob der Sultan von Sansibar .remllekmi. »»chdvua Dtrboten.) [64 „ZUM Glurk der Damen." Nonian von Emile Zola. Autorisirte tlebersetznug von A r m in Schwarz. Eine dunkle Kühle schien von dem Plafond herabzu- ö'kßen, es vergingen oft ganze Stunden, oi)ne d aß e Kundschaft die Stille störte und die Waaren, bw oft wochcn- |»U8 nicht berührt wurden, begaimen sich nnt Schuume z —�Was giebt es denn? fragte Denisc lebhaft. Ist �onevicve in Gefahr?. . Madame Baudu antwortete nicht sogleich, ihre. g lullten sich mit Thränen, dann stammelte)ic:,, _- Ich weiß nicht. Man sagt nur nichts. Ach,- ich �aube, es ist Alles aus., nTa mm souverän oder ein Schattenkönig ist, aber wir möchten darauf hinweisen, daß das Wesen der Monarchie von denen am ärgsten getroffen wird, die die Pflicht hätten, es auf's thatkräftigste zu schirmen. Es kann gar nicht oft und entschieden genug aus diesen krassen Widerspruch zwischen Worten und Thaten der bürgerlichen Gesellschaft hingewiesen werden, welcher in unserem Falle darin besteht, daß die bürgerliche Moral das kleinste Eigenthumsvergehen mit schmählichstem Makel behaftet und durch ihre Dienerin, die Justiz, hart strafen läßt, während der Besitzergreifung fremden Landes im großen Stil nicht nur nicht geahndet, sondern als„Kultur- that ersten Ranges" gefeiert wird. Wir meinen, wenn einmal Kulturthaten vollbracht werden sotten, so ist genug und übergenug daheim in deutschen Landen zu thun, wo die wichtigsten Fragen, welche die Jetztzeit bewegen der Lösung harren. Weshalb in die Ferne schweifen und in Ost- und Westafrika kolonisiren, solange in Deutsch land ein reiches Maß innerer Kolonisation der Durch führung bedarf? Und anstatt dem fadenscheinigen „Humanitätsideal" der afrikanischen„Sklavenbefreiung" nachzulaufen, möge man doch offen eingestehen, daß ohne Hörigkeit der Eingeborenen die dort allein zu betreibende Plautagenwirthschast nicht existenzfähig ist. Man möge sich ferner erinnern, daß das kapitalistische Lohnsystem da beim Zustände geschaffen hat, die der Kultur Hohn sprechen Ehe nian den Afrikanern„niit Flinte und Bibel" best springt, soll man das„europäische Elend" durch Brot, Freiheit und Bildung aus der Welt schaffen. Nicht nur daß wir kein Recht auf Afrika haben, wir haben die Pflicht, die Hände davon zu lassen und die Millionen des Kolonialetats für die arbeiten den Klassen in Deutschland zu verwenden. Die deutschen Steuerzahler, die unter der Last der Abgaben in Forin von Lebensmittelzöllen u. s. w., die kleinen Leute, die von der Hand in den Mund leben, haben nicht das geringste Interesse an den tropischen „Errungenschaften", für welche sich stellenhungrige Aventuriers, schneidige Lieutenants und die an dem Handel von und nach Afrika interessirten Kapitalistengruppen, die Rheder, die Großkaufleute, die Schnappsbrenner, Pulver Produzenten, Kalikofabrikanten, Projektenmacher und ideo- logische Bourgeois begeistern können. Man meine nur nicht, daß die Abgrenzung im schwarzen Erdtheil der Eroberungslust der Peters und Genossen eine Schranke setze. Im Gegentheil, jetzt wird der Tanz erst recht losgehen, jetzt werden die Forde- r u n g e u f ü r K o l o n i a l z w e ck e wie ein Wolken brach niedergehen, für Schiffe und Kanonen, für Be- mute, Soldaten, Gewehre und andere Erfordernisse eines letzte Hilfsquelle zu suchen, hatte er sich entschlossen, die alte Realität in der Rite de la Michodiere, in welcher der alte Finet, sein Vorfahre, das Haus gegründet hatte, zu hypotheziren; doch es war alles unnütz, der Zusammenbrach war nur mehr eine Frage der nächsten Zeit. — Der Vater i|t oben, fuhr Madame Baudu, mit ge- brochener Stimme fort. Wir lösen einander alle zwei Stunden ab, es niuß ja doch Jemand hier sein... — Ich will hinaus gehen, Tante, sagte Denise, die angesichts dieser Verzweiflung ihr Herz sich zusammenpressen 'tthlte. — Ja, gehe hinauf, geh' rasch hinauf, meine Tochter. Sie erwartet Dich, sie hat die ganze Nacht nach Dir gefragt. Sie hat Dir etwas zu sagen. Gerade in dem Augenblick kam Baudu herunter. Die Galle hatte sein Gesicht grün gefärbt. Die Angen ivaren nur mehr zwei blutrothe Flecke. Er kam mit leisen Schritten herab und flüsterte, als ob man ihn von oben hören könnte; - Sie schläft. Er sank in einen Sessel, dann murmelte er, zu Denise gewendet: — Du wirst sie sogleich sehen... Wenn sie schläft, cheint es uns, als ob sie geheilt wäre. Es herrschte wieder Stillschweigen. Vater und Mutter äßen einander gegenüber und betrachteten sich stumm. Dann begann er wieder laut seine Klagen, ohne Jemanden ztt nennen, ohne sich an eine bestimmte Person zu wenden. — Ich würde es nicht geglaubt haben und hätte man meinen Kopf unter das Beil gelegt... Er war der Letzte, ich hatte ihn erzogen, wie meinen Sohn. Wenn Einer gekonnnen wäre, um mir zu sagen:„Sie wer- regelrechten Kolonialreichs mit regelrechten Kolonialkriegen und Kolonialkrakehlen. Dann wird die Diplomatie aus dem Schürzen und Aufknoten von Verwickelungen gar nicht mehr herauskommen. Niemals mehr als jetzt ist es das oberste Gebot jedes wahren Volksvertreters, ein energisches Halt zu rufen und für Kolonialzwecke, mögen sie heißen wie sie wollen, keinen r o t h e n Heller zu bewilligen. Nicht genug, daß der Militarismus uns erdrückt, soll jetzt auch Schweiß und Blut des deutschen Volkes, die in den Steuer- groschen stecken, nach Afrika exportirt werden. Schade um jeden der wackeren Bursche, die als Matrose», als Marinesoldaten draußen unter der glühenden Sonne Afrikas vom Fieber gepackt werden; auf das Konto der Kolonialpolitik jeder Tropfen Blnt, den Deutsche draußen für das Phantom einer Kolonialherrschaft verspritzen, auf das Kerbholz der Kolonial-Chauvinisten komme jedes Leben, das in Afrika geopfert wird zu Ehren von Pulver und Fusel, Elfenbein und Kakao! Die Propaganda der kolonialpolitischen That wird jetzt recht intensiv in Angriff genommen werden, nun das ganze Küstengebiet vom Sultanat Sansibar auf Deutsch- land übergeht, nun der Marsch ins Innere bis an die Grenze des Kongostaats— den Fourier spielt ja bereits Emin Pascha— ungestört vor sich gehen kann. Jetzt werden die nulitärischen Expeditionen, die eine Million nach der anderen verschlingen, sich schnell folgen, die Reichsfinanzen werden ein immer größeres Budget für den schwarzen Erdtheil aufweisen. Vorstöße nach dem Süden bis zur Grenze am Rowuma und Nyassasee sind nur eine Frage der Zeit. Thu' Geld in Deinen Beutel, deutscher Michel, damit Du die Zeche für den Kolonialrausch be- zahlen kannst! Aber wir haben ja Helgoland, das öde 0,01 Quadratmeilen große Fischernest und Seebad, eingetauscht, und alle Deutschen werden sich deß freuen. England ist froh, daß es dieses Jnselchen, das ihm einen hohen Gouver- neursgehalt kostete und nichts einbrachte, endlich los ist. Daß die Helgoländer nicht gefragt werden, ob sie überhaupt an Deutschland„angegliedert" sein wollen mit seinen Zöllen und Militärlasten, das wundert uns nicht. Sansibar und Helgoland, das ist gehüpft wie gesprungen. Doch unsere„Patrioten" freuen sich des Spielzeuges, und es ist wenigstens kein Unglück, dieser Landerwerb. Ein nationales Unglück aber ist die Kolonial- chwännerei. Unsere Partei kann mit Stolz sich darauf berufen, daß sie nie und nimmer ihr Vorschub geleistet hat. Für solche Zwecke giebt es immerdar nur ein kräftiges, volksfreundliches: Nein! den Dir auch diesen nehmen. Du wirst ihn durchgehen 'che»," so würde ich geantwortet haben:„Giebt es denn keinen guten Gott mehr?" Und er ist richtig durchgegangen. Ach, der Unglückliche, er verstand sich so gut auf den wirk- lichen Handel, er hatte alle meine Ideen! Und für wen? 'ür eine Dirne, für eine jener Modellpuppen, die in deit Fenstern der Bordelle sitzen. Wahrhaftig, es ist um den Verstand zu verlieren, Er schüttelte den Kopf, seine stieren Augen waren zn Bode» gesenkt, er schaute auf die feuchten Quadersteine, welche durch ganze Generationen von Kundschaften abgenützt worden ivaren. — Wenn Ihr es wissen ivollt, fuhr er dann mit noch leiserer Stimme sort, so muß ich Euch sagen: es giebt Augenblicke, wo ich mich für alles Unglück am meisten au- klage. Ja, es ist meine Schuld, wenn unsere arme Tochter da oben verzehrt wird. Ich hätte sie längst verheirathen sollen, ohne meinem dummen Stolz nachzugeben und meinem Eigensinn, der mich verhinderte, ihnen das Hans in eineni minder blühenden Zustande zu übergeben. Jetzt würde sie Denjenigen haben, den sie liebt und vielleicht würde ihre Jugend jenes Wunder zu Stande bringen, welches ich nicht verivirklichen konnte... Aber ich bin ein alter Narr, ich habe nichts verstanden, ich glaubte nicht, daß man wegen solcher Dinge krank werden könnte... Wahrhaftig, es war ein außerordentlicher Bursche... Eine seltene Begabung zum Verkauf, die höchste Ülechtlichkeit, eine Einfachheit der Sitten, Ordnungssinn in allen Stücken, kurz, mein Schüler. Er erhob den Kopf und vertheidigte noch immer seine Ideen in diesem Kommis, der ihn betrogen hatte. Denise konnte nicht anhören, wie er sich so beschuldigte und sie 14. Sitzimg der Arbriterschntz- Sonnabend, den 21. Juni. Die Berathung wird fortgesetzt bei§ 138a, welcher bestimmt, daß bei außergewöhnlicher Häufung der Arbeit die polizeiliche Erlaubuiß zu Ueberstunden für Arbeiterinnen über 16 Jahren auf die Dauer von 14 Tagen erthcilt werden kann. Die tag- liehe Arbeitszeit soll dann 13 Stunden täglich nicht überschreiten, auch darf die Erlaubniß einem Unternehmer nicht für mehr als 40 Tage in einem Kalenderjahr ertheilt werden. W ö l l m e r beantragt, die Arbeitszeit in solchen Fällen nicht auf 13, sondern auf 12 Stunden festzusetzen. Möller(natl., Großunternehmer) beantragt, statt 40 Tage 60 zu setzen. Ferner will er den Berufs- genossenschaften, die im Rahmen dieses Gesetzes gar nichts zu thun haben, die Vefugniß ertheilen, bei Beschwerden von Unter- nehnrern gegen behördliche Entscheidungen ihren„Senf" mit dran zu geben, indem sie„vor der Entscheidung zu hören" seien, was übrigens nicht einmal von Herrn von Stumm gutge- heißen wird. Dagegen erwärmt dieser Herr sich sehr für die Ausdehnung der Erlaubniß auf 60 Tage. C? ö m 4 rt a ovri»�+ Industrie müsse doch einigermaßen Rechnung getragen werden, dazu seien aber die 40 Tage ausreichend..Klemm(Sachsen) erklärt sich im Interesse der Dresdener und Berliner Konditorei- und Delikatessenindustrie für die 60 Tage. Hitze will für ver- heirathete Frauen eine Ueberstunde weniger haben. Dr. Hirsch unterstützt den Antrag Wöllmer und als Eventualantrag den Vorschlag Hitze's. Bebel giebt dem Regierungsvertreter ohne Weiteres zu, daß der gegenwärtige Entwurf bedeutend weiter geht, als der seinerzeitige Reichstagsbeschluß; letzteres lag ja allerdings wesent- lich an dem damaligen Widerstand der verbündeten Regierungen gegen jeden Arbciterschutz. Die Verhältnisse hätten sich nach dieser Richtung inzwischen gebessert, auch im Publikum seien die Anschauungen günstiger für den Arbeiterschutz und das Ver- langen der Arbeiterwelt selbst intensiver geworden. Für den Paragraphen könnte er theilweise stimmen, wenn die Arbeitszeit für Arbeiterinnen an und für sich eine kürzere geworden wäre. Da man aber den elf- stündigen Arbeitstag angenommen, so könne er nicht auch noch für die diversen Ausnahmen stimmen. Die strikte Einhaltung einer möglichst konstanten Arbeitszeit werde auch regulären d auf die Saisongeschäfte einwirken. Eine„Eintheilung" der Ueberstundenzeit, wie sie in einem neuen Antrag Abg. Hitze will, wonach es den Fabrikanten gestattet sein soll, während ge- wisser Zeiten beliebig Ueberarbeit machen zu lassen, diese dann aber in der stilleren Geschäftszeit am Arbeitstag zu kürzen, hält Bebel für absolut schädlich, dieselbe würde zur Lohndrückerei führen. Er werde mit seinen Freunden zwar für alle Er- leichterungen zu dem Paragraphen, sodann aber gegen den ganzen Paragraphen stimmen. Dr. B ö t t ch e r wendet sich namentlich gegen den Anttag Hitze resp. Hirsch. Durch Annahme derselben würden die ver- heiratheten Frauen gänzlich aus den Fabriken ausgeschlossen «erden. Dr. Gutfleisch wendet sich gleich Bebel gegen die söge- nannte Ausgleichung der Ueberstunden mit der normalen Arbeits- zeit; dieses Vorgehen sei, abgesehen von allen anderen Schäden, gänzlich unkonttolirbar. Referent Schmidt bringt eine Anzahl Petitionen von Fabrikantenverbänden zum Vortrag, welche selbst- redend alle die Ausdehnung der Ausnahmebestimmungen verlangen. Er spricht sich serner gegen die differentielle Vehand- lung- der verheiratheten und unverheiratheten Frauen aus und befürchtet, daß dadurch einer nnkontrolirbaren Hausarbeit Vor- schub geleistet werde. Korreferent Hitze vertheidigt seine An- träge. Bei der Abstimmung wird der Antrag Wöllmer, 12 statt 18 Stunden zu setzen, mit 12 gegen 11 Stimmen angenommen. Absatz 2 gelangt unverändert zur Annahme. Absatz 3 wird mit dem Zusatzantrage Hitze angenommen, daß auch die in diesem Absatz vorgesehenen Ausnahmen nur auf 40 Tage genehmigt werden dürfen. Hierauf wird der ganze Paragraph mit allen Stimmen gegen die der Sozialdemokraten und des Abg. Klemm- Ludwigshafen angenommen. Nächste Sitzung: Montag Vormittag 10 Uhr. politirrfie Xtelteittrfjl. Die Zache der in Pari» verhafteten Knsfen und Voten hat offiziell eine Wendung genommen, welche einen Theil der russischen Kolonie durchaus nicht überrascht. Schon von Anfang der Affaire an ward nämlich von verschiedenen, durchaus glaubwürdigen Seiten behauptet, daß ein agent provocateur der russischen, vielleicht der internationalen sagte ihm Alles, fortgerissen von ihrer Bewegung, als sie ihn so unterthäntg sah, in Thränen gebadet, ihn, der hier ehemals als absoluter Gebieter geschaltet hatte. — Bertheidigen Sie ihn nicht, niein Onkel, ich bitte Sie. Er hat Gcueviöwe niemals geliebt und wenn Sie die Heirath beschleunigt hätten, so wäre er schon früher durchge- gangen. Ich selbst habe mit ihm gesprochen. Er wußte ganz gut, daß meines arme Base seinethalben leidet und wie Sie sehen, hat ihn das nicht gehindert, durch- zugehen... Fragen Sie nur die Tante. Ohne den Mund zu öffnen, bestätigte Madame Baudu diese Worte durch ein Kopsnicken. Der Tuchhändler erbleichte noch mehr, während seine Thränen so reichlich flössen, daß er nichts mehr sah. End- lich stammelte er: — Es scheint im Blut zu liegen. Auch sein Vater ist vergangeneu Sommer infolge seines ausschweifenden Lebens- wanoels gestorben. Und mechanisch blickte er in allen dunkeln Winkeln herum, dann von den leeren Pulten auf die vollen Fächer und schließlich auf seine Frau, die noch immer aufrecht vor dem Kässcnpulte saß, in der vergeblichen Erwartung der ver- schwundcuen Kundschaft. — Ach, es ist aus, sagte er, sie haben uns unseren Handel getödtet und nun hat uns eine ihrer Dirnen auch unser Kind getödtet. Keiner von Beiden sprach mehr. Und inmitten der düsteren Traurigkeit dieser alten sterbenden Boutique hörte man plötzlich dumpfe Schläge, die irgendwo im Hause ge- führt wurden; es war Gcnevieve, welche erwacht war und nun niit einem Stock, den man bei ihr gelassen, pochte. — Gehen wir hinauf, sagte Baudu, sich plötzlich erhebend, trachte zu lachen, sie braucht nichts zu wissen... Als sie oben angekommen, die Thür öffneten, hörten sie eine schwache Stimme rufen. — O, ich will nicht allein sein, lasset mich nicht allein, ich fürchte mich, wenn ich allein bin. Daun, als sie Deinsen bemerkte, beruhigte sich Genevieve, ein freudiges Lächeln umspielte ihre bleichen Lippen. — Bist Du da? sagte sie; wie sehnsüchtig habe ich seit Polizei, der moralische Urheber des Projektes gewesen, Ber- suche mit der Fabrikation von Sprengstoffen anzustellen, und daß er auch die finanziellen Mittel zu den Versuchen ge- liefert habe. Da jedoch nur schwerwiegende Verdachts- Momente, keine Beweise vorlagen, hielt man es für ge- rathen, diese Vermuthungen geheini zu halten, schon in der Erwartung, vielleicht bestimmtere Beweise aufsinden zu können. Während noch die Gründe für und gegen die Schuld der verdächtigen Persönlichkeit erwogen wurden, haben nun letzten Sonnabend jene Verhafteten, bei denen die Polizei zur Fabrikation von Explosiven dienende Cheniikalien, respektive Matallhülsen ge- fnnden, e i n st i m m i g vor dem Untersuchungsrichter er- klärt, daß sie ihrer festen Ueberzeugnng nach Opfer eines agent provocateurs geworden seien. Dieselbe Erklärung ist übrigens auch durch Millerand, den Vertheidiger der Ange- klagte», in das„XIX. Si&cle" geworfen worden und von dort aus in die übrige Presse übergegangen. Die als agent provocateur verdächtige Persönlichkeit ist ein gewisser Landesin, ein Mann mittlerer Jahre, der sich selbst dagegen verwahrte, Revolutionär zu sein und sich für einen einfachen russischen Liberalen erklärte, der jedoch mit den Revolutionären sympathisire, die terroristische Taktik für nöthig halte, dazu finanziell Mittel liefern und eventuell andere Dienste leisten wolle. Er war vorgeblich sehr reich, auf alle Fälle stets hochelegant nach der neuesten Mode ge- kleidet und bewohnte das aristokratische Viertel in der Nähe des Triumphbogens(Avenue de Friedland). Wie nun allgemein behauptet wird, soll Landesin die Geld- mittel zur Beschaffung aller Substanzen für Herstellung von Explosiven gegeben haben. Ferner heißt es, daß er alle diese Arbeiten und Versuche mit größtem Interesse verfolgte und betrieb. Fast täglich soll er Besuche bei denjenigen Verhafteten gemacht haben, welche sich mit derartigen Studien und Manipulationen befaßten. Seine häufigen Be- suche sollen" der Pförtnerin des Hauses— besonders wegen der Eleganz der Kleidung des Besuchers, die von der Dürf- tigkeit der aufgesuchten Kameraden bedeutend abstach— aufgefallen sein, so daß dieselbe sehr verwundert war, daß mit den übrigen bei ihren Miethern verkehrenden Personen nicht auch der„elegante Herr" verhaftet worden. Als hochverdächtig erscheint allerdings das Moment, daß die bis in die geringste Kleinigkeit so gut unterrichtete Polizei, welche sofort überall dort Explosivingredienzien und Metallkapseln zu finden wußte, wo es solche gab, von Lan- desin's Rolle keine Kenntniß gehabt habe, so daß alle bc- theiligten Personen(und viele unbetheiligte dazu) verhaftet worden, während der einzige Landesin unbehelligt blieb. Allerdings wird von den Vertheidigern von dessen Un- schuld versichert, derselbe habe sich verzweifelt als solidarisch mit der Aktion mancher Verhafteten den Gerichten stellen wollen und habe sich nur durch Zureden hiervon abbringen lassen. Aber von anderer Seite wird behauptet, daß dies die reine Komödie war, bestimmt, die erdrückenden Beweise gegen seine polizeiliche Rolle zu beseitigen. Weiter wird erzählt, daß die mit chemischen Manipulatio- nen beschäftigten Personen mehrere Tage vor der Verhaftung glaubten, beobachtet und verfolgt zu werden, und daß sie aus Fortsetzung der Experimente verzichten, alle kompromittirenden Stoffe vernichten und fortwerfen wollten. Landesin soll sich jedoch dieser Absicht widersetzt, dieselbe als eine Feigheit be- zeichnet, oen Argwohn eingeschläfert haben. Wie ve lautet, hätte auch Landesin am Abend vor der VerHaft darauf bestanden, die verschiedenen chemischen SubsiMzen zu mischen, um durch deren Verbindung das ExplosiafPan- clastit) herzustellen. Die an der Arbeit besiudlicjfm Personen sollen jedoch seinen Vorschlag als absolut Wahnsinnig verworfen haben. Nach einer anderen Lesart hättfder Mann auch aufgefordert, die Metallhülsen zu füllen. Wenn alle diese Gerüchte zutreffen, so bilden dieselben in ihrer Gesammtheit allerdings einen fast erdrückenden moralischen, ja materiellen Beweis, daß Landesin ein agent provocateur gewesen. Was besonders in dem Glauben bestärkt, ist der Umstand, daß der Untersuchungsrichter die betreffende Persönlichkeit trotz der kollektiven Erklärung aller belasteten Verhafteten nicht verhaften ließ, so daß Landesin nun verduftet ist. Es hat wohl auch feinen bedeutungsvollen Hintergrund, daß der Polizeipräfekt die Parole ausgegeben haben soll, kein großes Aufheben von der Sache zu machen, daß in der Presse offenbar der Vorfall zu ersticken gesucht wird. gestern Dich erwartet, ich glaubte schon, daß auch Du mich verlassen hättest. Es war ein Jammer. Das Zimmer des Mädchens ging auf den Hof, es war ein kleines Zimmer, das nur ein bleiches Licht empfing. Anfangs hatten die Eltern ihr krankes Kind in ihr eigenes Zimmer gebettet, das aus die Straße ging. Allein der Anblick des„Glücks der Damen" da gegenüber peinigte die Kranke und sie mußten sie in ihr Zimmer zurücktragen. Hier lag sie nun so schmächtig und schwach unter ihren Betttüchern, daß man kaum mehr die Form und Existenz eines menschlichen Körpers wahrnehmen konnte. Ihre mageren Arme, von dem hitzigen Fieber der Phthysis verzehrt, machten eine Bewegung des angstvollen Suchens, während ihre schönen schwarzen Haare noch dichter geworden zu sein und ihr bekümmertes mageres Gesicht zu verzehren schienen, auf welchem die letzte Entartung einer alten Familie erstarb, welche hier im Schatten, in diesem Keller des alten Pariser Handels gelebt hatte. Denise betrachtete sie, das Herz von Mitleid erfüllt. Sie sprach kein Wort, aus Furcht, daß ihr die Thränen aus den Augen stürzen würden, endlich murmelte sie: — Ich bin sogleich gekommen; ach, wenn ich Dir helfen könnte! Was wünschest Du von mir? Willst Du, daß ich bleibe? . Genevieve, deren Hände fortfuhren, in den Falten ihrer Decke suchend herumzui'rren, blickte unverwandt auf sie und erwiderte dann mit kurzem Athem: — Nein, ich danke, ich brauche nichts, ich wollte Dich blos umarmen. Und Thränen schwellten ihre Augenlider. Denise neigte sich gerührt hinab, küßte sie auf die fieberheißen Wangen. Die Kranke hatte ihre Arme um chren Nacken geworfen und preßte sie an sich und behielt sie in einer verzweifelten Umarmung bei sich. Dann irrten ihre Blicke auf den Vater hinüber. — Willst Du, daß ich hier bleibe? wiederholte Demse. Vielleicht wünschest Du, daß ich Dir etwas mache? — Nein, nein. Die Blicke Genevieve's wandten sich hartnäckig gegen ihren Vater, der in einem stummen Schmerz verzehrt, mit Allerdings find die angeführten Umstände schwerwiegciüe Verdachtsgründc, die noch im Laufe des Prozesses bewiest� werden müssen. Jedoch gewinnen sie dadurch an Wahrscheinlichkeit» daß Milleraud, der Vertheidiger der Verhasictr», die Sache in die Presse gebracht hat.. Indem man den agent provocateur konstatirt, 9Ul1 man auch implizite-die Manipulation von Sprengstoffen P revolutionären Zwecken zu. Die Anklage wird aber dann nicht mehr auf einfaches Hallen von verbotenen Spreng' Materialien lauten, sondern wird mit Rücksicht auf den eventuellen Zweck erschwert. Milleraud müßte nun als schf schwacher und unkluger Vertheidiger erscheinen, wenn er der Anklage schwereren Hintergrund und Waffen lieferte, ohne zugleich die Beweise in den Händen zu haben, wodurch t: dem richterlichen Gebäude die Spitze abbrechen kann.,, Ucbrigens deckt sich das Auftauchen eines vermuthliap Lockspitzels mit einer Behauptung der russischen Zeitung „Novosti", welche von Anfang an meinte, die Affaire sei von Leuten eingefädelt, welche ihr Geld verdienen wollten. (Nach einer weiteren Meldung sind einige der verhaf' teten Russen aus der Untersuchungshaft entlassen worden! Zu der Verhaftung der Pusten in Pari« erfährt Berliner Korrespondent der Miinchener„N. Nachrichten/ oa« ihr„Schritte der Berliner politischen Polizei' vorangegangen seien. Klarheit wird über die Griinde dazu en die gerichtliche Verhandlung gegen die Nihilisten geben.., Kino durch dir Prrste laufende Tloti? über den fojJal demokratischen Parteitag in Stendal hatten wir am Freijog aufgenommen. Die Meldung war in wichtigen Punkten nnr# tig; wir geben deshalb einem Betheiligten das Wort zur Richtigstellung:., „Zunächst ist es unrichtig, daß der Parteitag ausgelost st' Aufgelöst wurde allerdings und zwar eine am Nachmittag i demselben Lokale, wo der Parteitag zusammengetreten war, stich gehabte Volksversammlung. Und zwar kam das folgende�, maßen: Als ein Redner tadelte, daß die anwesenden Redakteur i einiger sozialistensresserischen Provinzialblätter den Ausführunge> des Referenten nicht entgegenzutreten sich gemüßigt sähen, lstich' her aber über die Sozialdemokratie in der Presse Hersielen, schwt) der Polizeikommissar R. auf und unterbrach den Redner mit de Worten:„Wenn Sie mit den persönlichen Angriffen fortfahre� iverde ich die Versammlung auflösen." Als er darauf auffnench gemacht wurde, daß er zu solchen Eingriffen kein Recht hnm« verbat er sich„solche Rohheiten"... Als später in einer Resolution gegen das Versahren Polizeikommissars proteftirt werden sollte, erfolgte die Auflösung der Volksversammlung mit der wahrhaft klassischen Mottviruus „Jetzt habe ich genug gelitten"., Natürlich ist gegen eine solche offenkundige Vergewalüguue des Versammlungsrechtes nicht nur Beschwerde erhoben, sondtt der Beamte wird sich auch wegen Mipbrauchs der Amtsge>v>' Nicht wahr, sie leben zusammen?, k Ueberrascht von diesen Fragen mußte Denise stammco die Wahrheit bekennen, alle Gerüchte, welche im MagaZ im Umlauf waren. Klara war des Burschen längst übe drüssig und hatte ihm ihre Schüre geschlossen und Colomv verfolgte sie untröstlich überall und trachtete von Zk" Zeit eine Begegnung mit ihr zu erlangen, er benahm st mit der Unterwürfigkeit eines geprügelten Hundes. Ast erzählte übrigens, daß er im Begriff stehe im Louvre ei zutreten.<. — Wenn Du ihn so sehr liebst, so kann er ja n® zurückkommen, fuhr Denise fort, um die Kranke nnt diep letzten Hoffnung einzuschläfern. Du mußt rasch(stpii werden, er wird seinen Fehler erkennen und wird Heirathen.» Genevieve unterbrach sie. In der stummen Leidensch">' welche sie aufrecht hielt, hatte sie ihrer Base zugehört.®0W verfiel sie alsbald wieder in stumpfes Brüten. — Nein, laß' gut sein, ich weiß wohl, daß Alles vorb ist... Ich sage nichts, weil ich Papa weinen höre" weil ich Mama nicht noch mehr krank machen will. Av. ich fühle, daß es aus ist mit mir und wenn ich Dich"stN Nacht rufen ließ, so geschah es aus Furcht, N, ich noch vor Anbruch des Tages gehen könnte... M" j Gott, wenn ich daran denke, daß auch er nicht glücklich 1 J Denise wollte ihr die Todesgedanken ausreden I meinte, ihr Zustand sei keineswegs so besorgnißerregend,' aber schnitt ihr kurz das Wort ab, indem sie plötzlich'' j der keuschen Bewegung einer Jungfrau, die angesichts N, Todes nichts zu verbergen hat, die Decke zurückwarf. � bläßt bis zum Bauch, flüsterte sie nun:_ h,! — Schau mich doch an; nicht wahr, es ist zu En" (Fortsetzung folgt.) von 24—23 Pf., und nach Abzug einer letzteren zu 3 Pf. ist N ein Nest von 21—25 Pf. verfügbar. Dafür kann dem planne nach dem Knochenabfall äußersten Falles 00 Gramm öwfd) in gekochtem Znstande verabreicht werden, bei Zugabe von Suppeneinlage oder Gemüsen jedoch höchstens 70 bis 75 Gr., |Ot)m der siebente bis achte Theil eines Pfundes, wobei alle auch v�niger genießbaren Fetttheile mit in den Kauf genommen werde» Müssen,_ soweit dieselben nicht zur Bereitung der Abendsuppe Zurückgestellt werden, was aber wiederuni eine weitere Gewichts- unnderung zur Folge hat. Die Knochenabfälle werden in diinne «cheiben zersägt und dann die in denselben noch enthaltenen Fett- oestände durch hochgradige Siedehitze ebenfalls für die Abendsuppe gewonnen. Appetitlich sieht sich dieser Fettextrakt gerade nicht an. . Welcher Maßstab mag wohl dem Herrn Vogel v. Falcken- stem bei seiner in der Militärkommifsion abgegebenen Erklärung vorgeschwebt haben? Hat derselbe ivohl ein einziges Mal aus- ftfcheßlich Soldatenkost genossen? Etwas besser sieht sich die Sache bei Gewährung der großen Viktualienportion an, welche aber nur ausnahmsweise und bei großen Anstrengungen bei den Herbstübungen in Kantonnementslagern oder in Biivaks verab- reicht wird. Dieselbe besteht aus: 250 Gr. Fleisch(roh) oder loO Gr. Speck, an Zuthaten entweder 125 Gr. Reis, Graupe oder Grütze oder 250 Gr. Hülsenfrüchte oder 1500 Gr. Kartoffeln und 25 Gr. Salz und 15' Gr. Kasse(gebrannt). Wenn Konserven geliefert werden, so beträgt die Fleischportion 160 Gr.(roh) und bie Gemüseportion 112,5 Gr., neben welcher letzteren noch 750 Gr. Kartoffeln, aber nur 10 Gr. Salz geliefert iverden. . So das bairische Blatt, das offenbar so„begriffstützig" ist, Vicht einsehen zu können, daß deutsche Soldaten bei dieser Kost Vach dem geschmackvollen Ausdruck des Generals Bogel v. Falcken- stein„bis zum Platzen" gefüttert werden können. Liir militärische Zmecke betragen die einmaligen Aus- gaben in dem neuen Nachtragsetat 5 280 500 M. für das Jahr 1890/91. Davon kommen rund 42 000 000 auf militärische Zwecke, darunter für die Artillerie 16 000 000, für neue Gewehre 10 000 000, für die großen Reserveübungen 12 000 000, für Garnisonsbauten i» Elsaß-Lothringen 5 000 000 M., für die strategischen Eisen- bahnen 10 805 000.— Der Betrag von 12 Millionen Mark zu Uebungen für Reservisten mit der neuen Waffe ist ein ganz außerordentlich hoher, wenn man erwägt, daß die Unterhaltskosten für einen Uebungstag für den Gemeinen sich auf wenig mehr als eine Mark belausen. Es gewinnt danach den Anschein, als ob voch in der Zeit bis zum 1. April nächsten Jahres 700 000 Mann Reservisten bis zu einer 14tägigen Hebung herangezogen werden sollen. Auch darin liegt eine starke Belastung des Volkes, welche hinzukommt zu der dauernden Erhöhung der Friedenspräsenz- stärke, wie solche durch die Militärvorlage beabsichtigt wird. Es gewinnt überhaupt den Anschein, als ob die Reservisten künftig weit stärker als bisher zu Uebungen herangezogen werden sollen. Das Gesetz berechtigt bekanntlich eine Heranziehung zu zwei Uebungen bis zur Dauer von je 8 Wochen. Die Uebungsmann- schaffen der Reserve und Landwehr werden in die gesetzlich fest- gestellte Friedenspräsenzstärke nicht eingerechnet. Der Direktor im statistischen Amt des Reiches hat zwei Hilfsarbeiter, welche sich als Verfasser eines Artikels in der „Volkszeitung" zur Frage der Gehaltsverbesserung bekannt hatten (die Angelegenheit ist vom Genossen Singer im Reichstag zur Sprache gebracht worden), sofort entlassen.- Dieses Vorgehen wwd im Reichstage gebührende Würdigung finden. vsi'tt Trllmounment. Biedere Schweizer Patrioten wollen Tell, der sog enh asten Verkörperung trotzigen Freihcitssinnes und Mannesmuthes, dem Aufständischen gegen Bedrückung und dem ÄÄ« a%%%%%% 1: 9% begangen hätte und zu uns geflüchtet wäre, z tmfellos ausgeliefert oder zum mindesten ausgewiesen würde. - brauch t ja nicht einmal so viel; es genügt, wenn sremde �relheuskcunpser cmch nur vermuthlich daran denken, ihr Land von seinen Tyrannei! zu befreien, daß wir sie voll Slbscheu und unter Mißhandlungen fortjagen. Es ist darum das Betreiben der Errichtung eines großartigen Telldenkmals von Seiten Derer, die mit unserer politischen Polizei einverstanden sind und welche schon jede„Ausreizung" zu politischer Gewaltthat auch am eigenen Bürger strenge bestrafen wollen, die abscheulichste Heuchelei oder mindestens eine ganze gedankenlose konventionelle Lüge." Die Schweizer Arbeiter werden sich von einer Demonstration fernhalten, die auf das heutige politische Verhalten der Schweiz paßt, wie eine Faust aufs Auge. Ein etatsmäßiger Kramter als vrtsarmer ist nach dem vierten Hefte der„Entscheidungen des Bundesamtes für das Heimathivesen" ein Landbrieflräger, welcher bei einem jährlichen Gesamniteinkommen von 660 Mark seine Ehefrau und sieven Kinder im Alter von Ve bis 12 Jahren zu ernähren hatte. Er wird von dem Armenverband mit wöchentlich 1 Mark unterstützt. Die„Deutsche Beamtenzeitung" bemerkt zu dieser Mittheilung: «Wir kennen die näheren Umstände, welche diesen Mann in die Lage eines Almosenempfängers gebracht haben, zivar nicht, und wollen daher über denselben den Stab nicht brechen. So viel steht jedoch fest, daß solcher Fall zur Hebung des Beamtenstandes nicht beiträgt. Nicht nur die höheren und mittleren, sondern auch die unteren Beamten haben Rücksicht auf ihren Stand zu nehmen." Wenn eine neunköpfige Familie von 660 Mark leben soll, so darf man sich nicht wundern, wenn die„Rücksicht auf den Stand" vor dem Hunger zurücktritt. Und da will die„Beamten- zeitung" noch nicht die näheren Umstände kennen, welche den Mann >N die Lage eines Alniosenempfängers gebracht haben. Die immer weiter«m sich greifende Avise macht sich, so schreibt man der„Wiener Arbeiterztg." aus Deutfchland, auch im Steinkohlen-Bergvau geltend. Kaum spüren die Unternehmer, daß die Nachfrage nach Kohlen einigermaßen nachlaßt, fo setzen sie auch den Arbeitern den Fuß in den Nacken und beginnen die Arbeitszeit zu verlängern. Nimmt die Kohlenproduktion weiteren Rückgang, nicht lange und alle Errungenschaften, welche die Arbeiter im letzten Jahre erlangten, sind ihnen wieder geraubt, ihre Ausbeutung wird toller denn je zuvor. r.A r.rr.n WWSKKMW ####5 auch schon einmal Termin gewesen. Genosse Weise, welcher den Schlag erhalten hat, ist drei Wochen arbeitsunfähig gewesen, jetzt ist er aber fort und kann ich Ihnen leider das Nähere nicht mittheilen, er hat die Sache hier der Staatsamvaltschaft übergeben, diese aber hat es an das Amtsgericht nach Vieselbach abgegeben. Der Vizebürgermeister Haase ist aber derjenige, welcher aufstand und mit dem Rufe auf uns zukam:„Schlagt die Hunde todt und schmeißt sie'raus." Hierauf stürmte er die Rednertribüne, wobei ihm der überwachende Beamte auswich. Ich wollte den Vize- bürgermeister nicht auf die Rednertribüne herauf lassen, da schlug er mit beiden Fäusten wie ein wildes Thier um sich, wobei ich einen Schlag vors linke Ohr bekam, daß ich acht Tage nicht ar- beiten konnte vor Ohrensausen. Ich war ziemlich vier Wochen in ärzlicher Behandlung und habe mir ein Zeugniß darüber aus- stellen lasten, welches ich mit abgegeben habe, als ich Strafnntrag bei der Staatsanwalffchast gegen den Vizebürgermeister stellte, auch habe ich heute noch Schmerzen in dem Ohr und höre immer noch nicht so gut wie früher; trotzdem ich den Strafantrag schon Mitte März gestellt habe, habe ich bis jetzt noch gar keine Nach- richt darüber, wie's mit der Klage steht. Der überwachende Beamte soll eine Strafstelle im Thüringer Walde bekommen haben. Max Kärger. Dort,»und, 20. Juni. Zu dem im August in Halle statt- findenden deutschen Bergarbeiterkongreß find bereits zahlreiche Delegirte angemeldet. Das Zustandekommen eines Allgemeinen Bergarbciterverbandes erscheint gesichert. Mai»,, 20 Jum. Die bekannte Binger Rede des sozial demokratischen Reichstagsabgeordneten Jost wird in den nächsten Tagen Gegenstand einer schöffengerichtlichen Verhandlung fein. Diese Rede, welche bekanntlich nach erlogenenen Zeitungsberichten eine Verherrlichung der Franzosen sein sollte, wurde zur Zeit der Wahl zu Agitationszwecken verwendet, indem in der Offizin des „Mainzer Journal" ein Flugblatt erschien, in welchem diese an- gebliche Rede von Jöst wiedergegeben war. In der Wiedergabe dieser Rede erblickte nun Jöst eine Beleidigung seiner Person und hat gegen den Drucker des Flugblattes eine Beleidigungsklage anhängig gemacht. Der Rechtsanwalt des Begklagten, Herr Dr. Kuhn, hat eine große Anzahl Zeugen geladen, darunter auck, den Verfasser des kürzlich vollendeten Buches:„Die Geschichte des Sozialismus in Deutschland", Herr Dr. Eugen in Speier. Durch letzteren soll nachgewiesen werden, daß die von Jöst ge- haltene Rede genau der Tendenz der deutschen Sozialdemokratie entspreche. Ans Sachsen, 19. Juni, lieber die Einkommensverhält- nisse der erwerbsfähigen Bevölkerung Sachsens berichtet das neueste statistische Handbuch, daß nicht weniger als 42 pCt. ein Einkommen haben von 500 M. und darunter. Ein Jahresein- kommen von 8000 M. und darüber haben nur 4 bis 5 pCt. zu verzeichnen, während andererseits 78 pCt. aller Erwerbsfähigen nur über ein Einkommen bis zu 950 M. verfügen. In Württemberg rüsten sich die Wähler an einzelnen Orten zum Abfall vom Zentrum. Katholisch wollen die Leute bleiben, aber politisch Demokraten sein. Es bröckelt mit Zentrums- thurm! Endlich beginnt man einzusehen, daß die Fuchsschläue Windthorsts in politischen, militärischen und Finanzfragen nichts nutzt, die Geldbeutel der Wähler zu schützen und vor gewaltigen Schröpfungen zu bewahren. Großbritannien. London, 20. Juni. Unterhaus. Der Staatssekretär des Innern flstatthews zeigt an, daß Sir Edward P r a d f o r d an Stelle Monro's zum Polizeichef ernannt worden sei.— Der Erste Lord des Schatzes Smith erklärt, die Regierung werde am Montag die Niedersetzung eines Ausschusses beantragen zur Untersuchung der geeignetsten Mittel, die Berathung der theil- weise bereits erwogenen Vorlagen in der nächsten Session desselben Parlaments fortzusetzen. Frankreich. Paris«, 19. Juni. Der Ausschuß der Arbeitergesetze sprach sich gestern für Ausnahme des Geseyvorschlags von Mesureur bezüglich der Einsetzung eines Oberarbeitsraths aus. Dieser Rath soll vom Handelsministerium abhängen, 15 Abgeordnete, 15 Senatoren und 60 von den Arbeitersachvereinen gewählte Mitglieder umfassen. Der Rath soll sich wenigstens einmal jährlich ver- sannneln, seine Mitglieder werden für 3 Jahre gewählt, ein Drittel der 90 Mitglieder wird alljährlich �erneuert. Der Abge- ordnete Dron wurde heute zum Berichterstatter der Gesetze hin- sichtlich der Arbeit Erwachsener ernannt. Italien. Rom, 20. Juni. Senat. Bei der Berathung des Budgets des Auswärtigen sprachen sich die Senatoren Pierantoni und Alfieri dafür aus, daß sich Italien die Förderung der Einrich- tnng eines internationalen Schiedsgerichts angelegen sein lasse. Der Ministerpräsident Crispi erividerte. Niemand wünsche mehr als die Regierung; daß der Friede in Europa erhalten bleibe. Man dürfe sich äoer nicht Täuschungen hingeben über die Ver- Hältnisse der Mächte zu einander. Die stets wachsenden Rüstun- gen und die ziemlich offenkundigen Thatsachen bewiesen, daß der Friede», dessen wir uns seit zivanzig Jahren erfreuen, von einem Augenblick zum andern gestört iverden kann. Dies vermindere aber nicht die Pflicht Italiens, Alles zur Aufrechterhaltung des Friedens zu thun. Von allen Mächten würde der Vorschlag eines Schiedsgerichts wahrscheinlich nicht angenommen werden. Das dürfe aber Italien nicht in seiner heiligen Mission entmuthigen. Die Handlungen Italiens zeigten klar seine Absichten, aber von dem Wunsche bis zu Thaten sei noch ein weiter Schritt. Es hieße die öffentliche Meinung täuschen, wenn man glauben machen wollte, daß Europa ein internationales Schiedsgericht als Mittel zur Begleichung aller Differenzen annehmen könne. Dem Senator Rossi gegenüber erinnerte der Ministerpräsident daran, daß er jüngst die Frage deS Protektorats über die Katholiken im Orient auseinandergesetzt habe. Italien habe stets daran festgehalten, daß keine fremde Macht ein Protektorat über italienische Bürger, seien sie Privatleute oder Mitglieder religiöser Oroensgefell- schaffe», ausüben könne. In letzter Zeit sei ein harter Kampf zwischen Franziskanern und Jesuiten entbrannt, welche letztere ..„glücklicher Weise nicht allein den Vatikan beherrschte», sondern aucy eine große'Ausdehnung gewonnen haben. Tie Regierung habe demgegenüber ihre Laienschulen erricytet, welche zu hoher Blüthe gelangt seien.(Lebhafter Beifall.) Spanie». Madrid, 21. Juni. Die Konsuln in Malaga telegraphiren übereinsliniinend mit dem Maire, daß die dortigen Fiebererkran- kungeu nicht gelbes Fieber, sondern typhös seien. Valencia, 21. Juni. Aus Puebla de Nugat und Monti- chelvo werden einige neue Cholerasälle gemeldet. In Monti- chelvo verlies von zwei Fällen einer tödtlicy. Die Munizipalität von Valencia hat ein Hospital vor der Stadt errichtet. Mordprofeff Klansin. Vor dem Schwurgericht des hiesigen Landgerichts II begannen gestern unter großer Theilnahme des Publikums die VerHand- lungen gegen den Schneidergescllen Friedrich Klausin. welcher beschuldigt ist, am 14. September 1889 zu Friedrichsberg den scheußlichen Doppelmord an der eheverlassenen H e n- riette Vaneß und deren 75jährigen Mutter, Wittwe Wil- h e l m i n e K e l l m a n n, begangen zu haben. Den Vorsitz im Gerichtshofe führt Landgerichtsdirektor G r ü n h a g e», die Anklage vertritt Erster Staatsanwalt Müller, als Vertheidiger stehen dem Angeklagten die R.-A. Dr. I v e r s und Dr. Fr. F r r e d m a n n zur Seite. Der Thatbestand ist, in allgemeinen Umrissen, folgender: Im zweiten Stock des Hauses Frankfurter Allee 168 wohnte seit dem 1. Oktober 1888 die eheverlassene Henriette Vaneß mit ihrer Mutter, ihrem 9jährigen Sohn und dem auf der Abdeckerei beschäftigt gewesenen Schlächter Werner, mit dem sie es hielt, nachdem ihr Mann sie kurz nach ihrer Verheirathung verlassen hatte. Die Wohnung bestand aus einem einfcnstrigen Zimmer, in welchem die Großmutter mit dem Knaben schlief, einem zwei- fenstrigen Zimmer, in welchem die Vaneß und Werner und einer Küche, in welcher zuletzt der Angeklagte schlief, der sich den übrigen Personen noch zugesellt hätte. Derselbe kannte die Vaneß und' deren nach Amerika ausgewanderten Bruder von Nordenburg her, wo er die Schneiderei erlernt hat; er war schon im April 1889 vorübergehend zu Frau Vaneß gekommen, dann auf ganz kurze Zeit nach Dortmund auf Arbeit gegangen und am 18. Mai 1889 nach Berlin zurückkehrt. Vom 1. Juli ab wohnte er dann wieder bei der Frau Vaneß.— Die nächsten und theilweise Wand an Wand wohnenden Nachbarsleute der Frau Vaneß waren die Maurer Thamm'schen und die Telephon- arbeiter Schubert'schen Eheleute. Am Sonnabend, 14. September, gegen 6Va Uhr, hörte Frau Schubert von ihrer Wohnung aus plötzlich ein mehrmaliges Auf- schreien bezw. langgezogenes Stöhnen in der Vaneß'schen Küche; darauf folgte ein mehrmaliges Hacken, als wenn Jemand mit einem Beile Fleisch auf einem Klotz gehackt, wie sie das öfter in der Vaneß'schen Wohnung gehört hatte. Dann glaubte sie wieder ein Röcheln zu vernehmen. Da Frau Vaneß einen Fleisch- Handel betrieb, war ihr das Hacken nicht weiter auffällig, dagegen wurde sie durch das schnarchende Geräusch etwas beunruhigt. Sie glaubte schließlich, daß Frau Vaneß am Ende von einem Krämpfe befallen worden sei, und als sie hörte, daß gerade in diesem Augenblick der Junge Fritz Vaneß, welcher auf dem Hofe gespielt hatte, vergeblich die Klingel an der Thür der mütter- lichen Wohnung zog, sagte ihm Frau Schubert, daß seine Mutter mehrmals aufgeschrien habe und er doch einmal bei Thamm's klingeln solle. Dies that auch der Junge, besann sich aber wieder und ging nochmals auf den Hof hinab, um zu spielen. Herr Thännn sowohl als auch dessen Frau, welche die Schwester des Schlächtergesellen Werner ist, hatten dieselben Wahrnehmungen gemacht, wie Frau Schubert, beunruhigten sich jedoch nicht weiter darüber. Sie hatten etwa 10 Minuten nach dem Hacken gehört, wie Jemand die Vaneß'sche Küchenthür zuschloß und mit knarrenden Stiefeln über den Korridor ging und die Korridorthür zuwarf, sie hatten schon öfter Jemand, der zur Vaneß'schen Familie gehören mußte, mit knarrenden Stiefeln über den Korridor gehen hören. Als dann Frau Schubert der Nach- barin ihre Wahrnehmungen mittheilte, horchten beide Frauen noch- mals und hörten deutlich das Schnarchen und sie benachrichtigten dann auch noch die imHause anwesende Stieftochter des Hauswirthes, Frl. Martha G ö bel. Alle Personen sind darin einig, daß es etwa 6Vs oder 68/4 Uhr war. Der Schlächter Werner ivar gewöhnlich bis Abends 6 Uhr auf der fiskalischen Abdeckerei in der Müller- straße beschäftigt. An jenem Sonnabend war schon etwas früher Feierabend gemacht worden und er kam etwa 7V4 Uhr nach Hause. Er klingelte und als ihm nicht geöffnet wurde, ging er wieder die Treppe hinunter und traf auf dem Flur den Fritz Vaneß, welcher ihm auf seine Frage, wo die Mutter sei, ant- ivortete:„Mit Onkel(dem Angeklagten) nach der Bahn." Der Angeklagte hatte nämlich die Absicht, seine Frau und seine Kinder aus seinem früheren Wohnort Biberstein nach Friedrichsberg nach- kommen zu lassen und hatte zu diesem Zweck bereits ein Zimmer in der Frankfurter Allee 175, welches er am 15. September beziehen wollte, gemiethet.— Nach der erhaltenen Auskunft be- suchte Werner mit dem Jungen einige Lokale und kehrte gegen 8/4IO Uhr wieder nach seiner Wohnung zurück. Auf sein Klingeln wurde wieder nicht geöffnet und als ihm Frau Schubert ihre Wahrnehmungen mitgetheilt hatte, ließ er die Thür zur Küche durch einen Schlosser öffnen und da bot sich ihm dann ein enr- setzlicher Anblick dar.„ In der Küche lag Frau Vaneß in einer großen Blutrache aus dem Gesicht liegend, mit zertrümmertem und zerhackten Schädel. Sie war bekleidet mit Hemd, Unterröcken, Jacke, Halstuch und Strümpfen. In der einsenstrigen Stube lag die Großmutter quer in ihrem Bett, mit fast ganz durchschnittenem Halse, mir dem Kopf an der Wand, oen linken Fuß außerhalb des Bettes. In dem zweifenstrigen Zimmer fand sich besonderes nicht vor, doch saß„Fips", der Hund der Frau Vaneß, ganz verschüchtert unter dem Bett, während er sonst den heimkehrenden Werner freudig begrüßte. In der Küche lag ein kleines Küchenbeil, in der kleinen Stube ein. großes Schlächterbeil und ein dem Werver gehöriges Schlachtmesser. Alle Instrumente waren blutig.' Die Ersparnisse der Frau Vaneß ini Betrage von 480 bis 450 M. waren verschwunden, ebenso fehlte an dem Schlüsselbund der Frau V. der Schlüssel zur Küchenthür. Der Anblick der Küche ließ daraus schließen, daß ein Kampf stattgefunden hatte. Als Thäter dieses scheußlichen Doppelmordes bezeichnet dig Anklagebehörde den'Angeklagten Klansin aus Grund der ver- schiedensten, sehr schwer wiegenden Verdachtsmomente. Er hat sich kurz vor der That mit den beiden Frauen allein in der Woh- nung befunden, wo ihm Frau Vaneß noch Vouletten zur Reise gebraten haben soll, er Hab dem Jungen gerade an jenem Abend die Erlaubniß ausgewirkt, auf dem Hofe zu spielen, hat über sein Veriveilen in der kritischen Zeit widerspruchsvolle und unglaub- würdige Angaben gemacht, kann sich über das bei ihm vor- gefundene Geld nicht ausweisen und hat unwahre Angaben über die in seinen Kleidern vorgefundenen Blutflecke gemacht. Der Angeklagte ist am Abend des 14. September mit dem Zuge, welcher um 9 Uhr 21 Min. von der Friedrichstraße und um 9 Uhr 42 Min. vom Schlesischen Bahnhof abgeht und am andern'Abend um 8 Uhr 37 Min. in Skandau eintrifft, abge- fahren. Von Schneidemühl aus hat er seiner Ehefrau seine An- kunft telegraphisch angezeigt, die Frau hat ihn bei seiner Ankunft in Skandau abgeholt und ist mit ihm nach Bieberstein gegangen. Dort ist er dann verhaftet und nach Berlin zurück transporttrt worden und sitzt nun bereits l> Monate in Untersuchungsbaft. Der große Schwurgerichtssaal, in welchem die Verhandlung stattfindet, ist schon lange vor 9 Uhr dicht umlagert und obgleich die Anzahl der verausgabten Eintrittskarten eine sehr große ist, entspricht sie doch noch lange nicht dem Ansturm der Einlaß Begehrenden. Nicht nur der Zuhörerraum ist dicht besetzt, sondern auch in den Logen ist kein Platz frei. Klausin, welcher die blaue Kleidung der Untersuchungs- gefangenen trägt, ist ein hagerer, blonder Mann mit blassem, glatten Gesicht und einem dünnen Schnurrbürtchen. Er begrüßt seine Vertheidiger, indem er ihnen die Hand reicht und stiert dann Düner vor sich hin. Nachdem der Gerichtshof im Saale erschienen, richtet der Vorsitzende, Landgerichtsdirektor Grün Hägen, etwa folgende Worte an die Geschworenen: Wir sind, heute zum letzten Male in dieser Schivurgerichtsperiode in d.esem Saale versammelt, nachdem wir acht Anklagesachen durch Urtheilsspruch erledigt haben. Das Resultat kann ich als ein zusriedenstellendeS nicht bezeichnen. Wenn ich von den drei Divergenzen absehe, daß die Herren Geschworenen die wegen Kindesmordcs, Brandstiftung und Meineides Angeklagte— nicht in Uebereinstiuimung mit den Er- gebmffen der Beweisaufnahme— freigesprochen haben, ist doch das Verdikt, wonach eine der vorsätzlichen Brandstiftung gestän- dige Angeklagte freigesprochen werden mußte, als das öffentliche Rcchtsbovußtsein schädigend zu bezeichnen. Es liegt fern von »nr, Ihnen daraus einen Vorwurf machen zu wollen. Sie trifft die Schuld nicht. Im Namen des Gerichtshofes danke ich den Herren Geschworenen für ihre Mühewaltung und entlasse die nicht ausgelvosten Herren! Bei der voraussichtlich längeren Dauer der Verhandlung wer- den zwei Ersatzgeschworene bestellt. (Fortsetzung in der 1. Beilage.) I Theater. Sonntag, den 22. Juni. vpernliaus. Aida. ..?onlag: Die Geier-Wally. Kerlincr Tlieatcr. Der Probepfeil. Montag: Kernt. Deutsches Theater. Der Richter von Zalamea. Montag: Der Widerfpänstigen Zähmung. Friedrich-Milhelmstädt. Theater. Der arme Jonathan. Montag: Dieselbe Vorstellung. Mailner- Theater. Mamsell Ni- touche. Montag: Dieselbe Vorstellung. Kiktoria-Theater. Stanley in Afrika. Montag: Dieselbe Vorstellung. Gstend- Theater. Der Fall Cle menceau. . Montag: Dieselbe Vorstellung. KelleaUiane«- Theater. Der Nau- tilus. Montag: Dieselbe Vorstellung. KroU's Theater. Silvana. Montag: Die weiße Dame. Kaufmann'» Variete. Große Spe- zialitäten-Vorstelluitg. Englischer Barten. Direktion: C. Andress, Alexanderstraße 27 c. Auftreten d. Liedersängerin Frl. Steinow. Austreten deL Gesangshumoristen Herrn Jonae. Auftreten des Komikers, Mimikers und Stiinmen-Jmitators Herrn Gödicke. Auftreten der Geschwister Herzog. Austreten des musikalischen Reger- Klown Mr. de Bolls. EtMjMllt Buggenhagen am hloriizpEatz. Täglich: Grosses Gapien>Coiicert. Direktion A. Uödmann. Dienstag und Freitag: Walzer-Abend. Wochentags lO Pfg., IjIIU cL Sonn- und Festtags 25 Pfg. Bei ungünstiger Witterung in den unteren Nestattrationsräumen. Großer Frühstücks- und Mittagstisch. Spezial-Ausschauk' von Patzenhoser Export-Bier, Seidel 15 Pf. Die oberen Säle bleiben bis auf Weiteres wegen Nenovirung geschlossen. 641 F. Müller. Vassage 1 Tr. 9 Uhr M. b. 10 Uhr Ab. Kaiser-Panorama. Hervorrag. Sehenswürdigk. d. Residenz. Eine Manderuug durch Vom. Eine bequeme Kheinreife. Eine Reise 20 Pf., Sthib mir 10 Pf. Abonnement 1 M. — II......... WOH Victoria-Park. nBBS Blücherstr. 31. Gneisenanstrasse. 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Die Z a h l st e l l e n befinden sich bei Vieok, Restaurateur, Birkenstraße 24. Gleinert,„ Fenn- und Müllerstraßen-Ecke. Gnadt,„> Brunncnstraße 33. Behnfeld,„ Schönhauser Allee 40. Preuss,„ Grünthalerstraße 66. 20j3 Die Beiträge werden jeden Sonntag von 10— 12 Uhr entgegengenommen. Mitglieder werden in den Zahlstellen ausgenommen. Der Vorstand. W?" Versammlung des Verbandes deutscher Zimmerleute am Airnstag, de» L4. In»i. Abend» 8Ve Zlhr, im„Victoria-Salon", Zferlrbergerstraße|U*. 13. Tagesordnung: 1. Vortrag des Hrn. Peus über:„Kapitalistische und sozialistische Moral. 2. Verschiedenes und Fragekasten. Wir ersuchen alle Zimmerleute, Mann für Mann zu erscheinen. 2070] Der Verstand._ Grosse öjstlitlilhe BolksoersmmlNji im Seeschiösschen zu Dt.-Wilmersdorf(Herr Krause) am Dienstag, den 24. Juni, Abends pünktlich 8 Uhr. Tagesordnung: 1. Uortrag de» Zleichstagv-Abgeordnete» Herrn A. I. Seifert. (Thema wird in der Versamml. bekannt gemacht.) 2. Diskussion. 3. Verschieden�- Um recht zahlreiches Erscheinen bittet Der Einberufer.[2099 Freie We�eifsigaarag der1 Büauper, Berlins und Umgegend. Dienstag, den 24. Juni, Abends 8 Uhr, im Lokale Süd-Ost, Waldemarstr. 75 5 Versammlung. Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn W. Werner über: Dil Freiheit des Lohnarbeiters. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Mitglieder werden aufgenommen. Die Mitglieder werden ersucht, ihre Beiträge bis Juni wegen der am 6. Juli stattfindenden Quartals-Abrechnung entrichten zu wollen. Ferner bitten mir, die Lrageboor» so schnell wie möglich auoiufülle»««» einsenden j« wollen.[2106] Oer Vorstand. Große öffentliche Versammlung fäiniiitliijcc Arbeiter mii) Arbeiterinm ber WW-Braich im großen Saale der Brauerei Friedrichshain(früher Lips) vor dem Königsthor am Montag, den 23. Juni I89C, Abends 8 Uhr. Tages-Ordnung: 1. Das Koalitionsrecht der Arbeiter und die Fabrikanten-Vereinigun?» Referent: Stadtv. Otto Heindorf. 2. Diskussion. 3. Wie stellen stch d>e Näherinnen der Branche zur Gründung eines Vereins, event. Wahl einer Statutenberathungs-Konnnission? 4. Wahl von Delegirten zur Streik-Konttob Kommission. 5. Verschiedenes. Um recht zahlreichen Besuch wird gebeten. 2081 Slhristgießer-VersllmmlNg am Montag, den 23. Juni, Abends 8 Uhr, bei Deigmüller, Alte Jakobstr. 48a. Tagesordnung: 1. Bericht der Kommission. 2. Verschiedene?. 2082 Die Kommisston. Grosser Sommerwaclhtsball am Sonnabend, den 38. Juni, in der Aktienbrauerei Lriedrichoh«"*« — am Königs-Thor— sur die Mglitber kt 6cntr«I'taifeiifflfe der Maurer, Steinbauer u. s. m. 2001 Im Garten Konzert und Vorträge. Dillets ä 50 Jlf. sind beim Vorstände, in den Zahlstellen und in den mit Plakaten belegten Handlungen zu haben. Das Comite. Achtung Wöbelpo lirer! dauert unverändert fort. Haltet den Zuzug unbedingt fern. Ausführlicher Bericht. erfolgt morgen, S&T Montag, Abrndo S zihr.-HSZ s» der ossrntUchen Versammlung aller Rlöbeipolirer in Haase's, früher Wöhrmann'» Dallsalon, Grosse Frankfnrterltrasse 117. Polirer se>° alle am Platze.[2088] I. 91.: Robert Woben_ Knaben-Anzüge von 2—16 Jahre. Wegen vorgerückter Saison verkaufe jeden Anzug 10 pEt. billiger wie bisher. K. Lorenz, Sclmcider-Meistcr, Andreasstraße 63. Reelle Stoffe, gute Arbeit, neueste Muster. 1901 Seife für Händler! Weiße Wachs- k 221/4 M. per Etr. Oranienburger- 18%--. Transparent- I8V4-., Eschweger(marin.)- 13V:--. liefert inkl., frachtfrei Berlin. Zus. nicht unter 3 Etr. gegen Nachnahme. Seifenfabrik Grimma i. S. IMT Ii e st a n r a» t ganz besonderer Umstände halber billig i]1- 1 Pu etfvaöe" Georgen- Kirchstrasse 14. 208G Gediegener Auswahl, billige Preise uller in, Handel befindlichen Sorten 1120 empfiehlt bestens HL W. BruuueOaije 141 Jede Ihr 8,50 unter Garantie des Gut- und Rick! V. gehens. Kl. Reparaturen entsp. b' � Lager aller Arten Uhren, Gold- Silberwaaren._ C. Wunsch, Verantwortlicher Redakteur: Cnrt Knake in Berlin. Druck und Verlag von Mar Kading in Berlin SW„ Venthstraße 2, Hicr.-u zwei zteilas«"' . Beilage Nr. 143, Soimtag, den 33. Juni 1890. •?. Jahrg. PoflomcnfsDcvirfife. DeNtlcher Ueichstag. 23. Sitzung vom LI. Juni, IL Uhr. Am Tische des Bundcsraths: v. Boetticher und Koia ""iforien. Auf der Tagesordnung steht die zweite Verathung des Gesetz I J�urss, betreffend die Gewerbegerichte. Die Berathung Mt bei dem Abschnitt U: Verfahren, und zwar beim§ 26, Richer ebenso wie die folgenden Einzelvestimmungen über das -verfahren enthaltenden.§§ 27 bis 35 ohne Debatte angenom wen wird. § 85a handelt von dem Einspruch gegen das Versäumniß urtheil. Nach der Vorlage sollten darauf dieselben Vorschriften Anwendung finden, wie auf das Vcrsäumnißurtheil selbst, wenn e>e eine oder beide Parteien nicht erscheinen. Tie Kommission reanttagt jedoch, daß das Gericht unter Berücksichtigung der bis- benge» Verhandlungen urtheilen oder auf Antrag der erschienenen Mttei weitere Verhandlungen anberaumen kann. Diese Urtheile lallen ebenfalls als Versäumnißurtheile gelten, d. h. einen lediglich lormellen Charakter haben. Die Abgeordneten Porsch und Genossen beantragen, an stelle des letzten Satzes einen neuen§ 85b einzufügen, nach welchem die Urlheile über denEinspruch gegen das Versäumnißurtheil Jjttt in dem Falle als Versäumnijiurtheile gelten sollen, wenn die r>cht erschienene Partei durch Naturereignisse oder andere unab- wendbare Zufälle am Erscheinen verhindert war und dies inner- halb der Einspruchsfrist glaubhaft macht. Geheimrath Hoffmai«« erklärt diesen Vorschlag für einen �•Mittelweg zwischen der Vorlage und dem Kommissionsantrage, annehmbar sei, wenn er auch die Regierungsvorlage für besser halte. Nach diesem Antrage«verden darauf die§§ 35 a und 35b angenommen. Nach§ 37 sollen die Bestimniungen, nach welchen die Be- ttdigung von Zeugen in geivissen Fällen unzulässig ist, auch für a>e Gewerbegerichte gelten. .. Abg. v. Ktrombrlk will auch die Bestimniungen gelten wfsen, nach welchen in gewissen Füllen das Zeugniß verweigert werden kann. ,. Antrag, den Geheimrath Hosfiuann für überflüssig halt, wird abgelehnt und§ 37 unverändert angenommen, ebenso d>e§§ 38—47 über die Vereidigung, die Ausnahme der Proto- 'olle, die Verkündigung der Urtheile u. s. w.Z Nach§ 48 kann in dem ersten, auf die Klage angesetzten Ter Mine die Zuziehung der Beisitzer unterbleiben. Das Statut soll, nach einem von der Kommission gemachten Zusatz, bestimmen tonnen, daß die Zuziehung der Beisitzer in diesem Termine stets in unterbleiben hat. Tie Abgg. Auer und Genossen beantrage»,§ 43 ganz zu ftreichen. Abg. Stadthage«(Soz.): Ziveck dieses Gesetzes ist, Ge- Werbegerichte zu schassen, welche aus Sachverständigen bestehen, Mnv mi welche sich deshalb die Arbeiter mit Vertrauen wenden lonnen. Der§ 48 der Ksommissionsvorlaae ändert das, indem N sagt, daß im ersten Termin auch ohne die sachverständigen Bei- sitzer durch den Vorsitzenden entschieden werden kann. Der Vor- sitzende wird in der Regel ein Jurist sein, der nicht aus eigener Fachkunde und gesundem Menschenverstände, sondern nach iuristischer Konsequenz und Logik entscheidet. Ein Arund, weshalb dies geschehen soll, sindet sich im "vmmissionsbericht nicht, wie er sich denn überhaupt �zeichnet durch eine gewisse Fülle von mangelndent Material. Wenn der Vorsitzende im ersten Terinin ausreichen M, wozu machen Sie denn überhaupt die Geivcrbegerichte? Der Arbeiter kann einem solchen Gericht kein Bertrauen entgegen- "ringen. Man sagt, es solle schon im ersten Termine so schnell M möglich ein Vergleich herbeigeführt werden. Nun kann es [cht leicht vorkommen, daß der Vorsitzende dem Arbeiter sagt: Aiinni Du lieber die drei Mark, und wenn Du das nicht thusi, 1° findet in 14 Tagen oder gar 2 Monaten abermals ein Termin siail. und Du bekoninist gar nichts. Dadurch stellt sich der vor- sitzende Richter ein testimonium paupcrtatis schlimmster Art aus. Was würde man sagen, wenn das bei anderen Gewerben siattfände..renn z. B. der Arzt sagte: Ich weist nicht, ob die Krankheit im Herzen oder in der Lunge fitzt, elmgen wir uns über ein Beinleiden. Dieser Grund zum Ver- % frcr-ij-Ä m? ä».~ wtb dieselbe zu streichen sein. werb ###*## % mmmäzz werden können.. Dazu_ eignet e Z jiov ■ stimmen, und deshalb werden wir auch hier für die Regierungsvorlage stimmen. Abg. Stadihagr»(Soz.): Es werden allerdings viele Ver- gleiche geschlossen, aber ails meiner Erfahrung weiß ich, daß die Arbeiter darüber nicht immer befriedigt sind: sie wissen manchmal garnicht recht, daß sie einen Vergleich geschlossen und sich aller Rechte begeben haben. Das liegt darin, daß die Vorsitzenden oft nicht so zu verhandeln verstehen, wie es nöthig wäre. Wenn darin ein Mißbrauch der Amtsgewalt liegt, daß die Amtsrichter die Parteien zur Versöhnung zu bewegen suchen, so trifft dieser Vorwurf den ganzen Richterstand; denn alle Amtsrichter machen dies so. Es muß dem Arbeiter Mißtrauen erwecken, wenn er sich nach diesen. Paragraphen sagen muß: Du kannst zn einem Vergleich gezwungen werde». Ich bitte daher den ganzen Para- graphcu oder event. wenigstens den Zusatz der Kommission zu streichen. § 48 wird darauf unter Streichung des von der Kommission beschlossenen Zusatzes angenommen. Zum§ 49, nach welchem gegen die Entscheidungen der Gewerbegerichte dieselben Rechtsmittel zulässig sind wie bei amts- gerichtlichen Streitigkeiten(also Berufung an das Landgericht, in dessen Bezirk das Gcwerbegericht seinen Sitz hat), hat die Kom- Mission einen Zusah beantragt, daß die Berufung nur dann zu- lässig sein soll, wenn der Werth des Streitgegenstandes den Betrag von 190 Mk. übersteigt. Abg. v. Htm..», will diesen Zusatz streichen. Abg. Klemm(Sachsen) beantragt, statt„Werth des Streitgegenstandes den Betrag von" zu sehen„Gegenstand der Berusungsbeschwerde den Werth von". Abg. KU..«.»(Sachsen): Die Frage der Berufung in ge- werbcgerichtlichen Sachen ist nicht theoretisch, philosophisch, son- dern nach der Erfahrung zu entscheiden; die in der Kommission vorgetragenen Erfahrungen der bisherigen Gewerbegerichte habe» aber die Mehrheit dahin geführt, die Berufung nur bei Abgaben über 100 M. zuzulassen. Der Ausdruck„Werth des Streitgcgen- standes" läßt zweifelhaft, ob die Streitsumme oder nur die appellable Summe gemeint ist. Mein Antrag will hier Klarheit schaffen. Geh. Rath Hoffman.«: Die Regierung hat den Beschluß der Kommission dahin aufgefaßt, daß für die Berufung der Ge- lammtwerth der ersten Instanz und nicht der Werth der später erhobenen Beschwerde entscheiden soll. Uebcrwiegende Zweck- Mäßigkeitsgründe sprechen dafür, daß, wenn die Berufung über- Haupt an eine Summe geknüpft wird, dies eine Summe in dein eben erwähnten Sinne ist. Die Gerichte und Parteien müssen alsbald übersehen könne», ob später eine Appellation stattfindet oder nicht. Abg. v, ütn.l.m: Ich bin für die Zulassung der Berufung Der Arbeiter hat kein Interesse daran, ein eudgiltiges Urtheil und sofortige Vollstreckung bei den. Gewerbegcricht zu erlangen; er wird»ach der zweiten Instanz noch vollkommen in der Lage sein, das, was ihm zugesprochen wird, sich von dem Arbeitgeber zu verschaffen. Der Arbeitgeber hingegen wird später unter Um- ständen nicht zn seinem Recht mehr kommen können. Der Aus- schuft der Berufung, sagt man, führt zur Erleichterung der Ver- gleiche; die Stn.istik der Gewerbegerichte beweist aber das Gegentheil. Die Zulassung der Berufung wird nicht eine Menge von Berufungen hervorrufen, sondern dahin wirken, daß die Rechtsprechung korrekter, jedenfalls ein- heitlicher wird. ES wäre sehr bedenklich, die Interessen- Vertretungen endgiltig entscheiden zu lasse», weil dem Einzelnen nicht freisteht, sich unter die Schiedsgerichte zn begeben, wie es bei anderen Schiedsgerichten der Fall ist. Die Erfahrung bei den rheinischen Gerichten, deren Vorsitzende von den Handels- kaminern nach Anhörung der Regierungspräsidenten ernannt wer- den, können für uns nicht entscheidenb sein, um so weniger als ie nur in großen Städten funktioniren, Ivo leichter qnalisizirte Beisitzer sich finden, und sie durch ihr langjähriges Bestehe» ein hohes Ansehen sich erworben haben. Die Gewerbegerichte nach diesem Gesetze sollen ja aber in jeden, beliebigen Orte durch OrtS- 'tatut eingeführt werden können. Im Jahre 1878 waren alle Arbeiter dafür, daß ihnen die Berufung nicht verschränkt werde. Seitdem hat im Allgemeinen die Idee der Berufung erhebliche Fortschritte gemacht. Auch bezüglich der Entscheidungen der Strafkammern neigt die öffentliche Meinung immer mehr der Wiedereinführung der Berufung zu, nicht blos die Juristen. Die Schiedsgerichte bei Unfällen sind a ebenso zusan.mengesetzt, wie die Gewerbe- Schieds- gerichte; ein Jurist ist Vorsitzender, und ein Arbeiter und ein 'Arbeitgeber sind die Beisitzer. Häusig wird gegen die Entschei- düngen der Unfall- Schiedsgerichte Rekurs eingelegt; wenn Sie diesen Rekurs streichen, so würden Sie die allergrößte Unzu- riedenheit unter den Arbeitern erzeugen, und ich bin erstaunt, daß gerade von Seiten der Sozialdemokraten, die die Interessen der Arbeiter in erster Linie vertreten oder zu vertreten wenigstens behaupten, die völlige Beseitigung der Berufung beantragt wird. Die Sozialdemokraten haben selbst seiner Zeit in ihrer Novelle z.r Gewerbeordnung die Berufung an die Arbeitskamn.ern ge- .ordert. Wenn die Theorie der Sozialdemokraten richtig wäre, daß der Vorfitzende des Gewerbegerichts, als von der Stadtver- tretung gewählt, ein Vertreter der Kapitalisten sein wird, s" würde dieser ja mit dem'Arbeiter zusammen jedes Mal die Majorität in dem Ge.verbegericht bilvcu. Man macht gegen die Berufung die Kosten dieses Verfahrens geltend. Einem Vorschlage,'die Berufung an die Landgerichte mit ge- .verblichen Beisitzern einzuführen, würde ich meinerseits ehr gern zugestimmt haben. Ich sehe in der Wieder- Herstellung der Berufung einen erheblichen Thcil des Jlrbeiterschutzes, erheblicher als manche Paragraphen der Ge- wcrbenovelle sind, über die wir in der Gewerbekommission tage- lang diskutiren. Mancher Theil des Slrbciterschutzes ist wirkungs- los, wenn wir nicht dafür sorgen, daß dem Arbeiter in den ge- werblichen Streitigkeiten Gerechtigkeit widerfährt. Wenn mein Antrag auch heute keine Aussicht auf Annahme hat, so habe ich doch die Hoffnung, daß Sie nach Jahren ihn aufnehme» werden. Abg. Singer(Soz.): Die Ausführungen des Herrn v. Stumm stimmen überein mit dem heutigen Artikel der„Norddeutschen Allgemeinen Zeitung", in.velcher mir zum Vorwurf gemacht wird, daß ich die Gewerbegerichte zum Tummelplatz sozial- demokratischer Agitation machen wolle. Herr v. Stumm scheint ein stiller Mitarbeiter des„St. Sl." zn sein. Ich habe nur gesagt und daran halte ich fest, daß es allerdings im Interesse der Sozialdemokratie liegt, daß Mitglieder der sozialdemokratischen Partei in den Schiedsgerichten sitzen, weil dadurch eine gerechte, sachgemäße und vernünftige Urtheilsfällung ga- rantirt wird. Daß das Vorhandensein von Sozialdemo- kraten in den Schiedsgerichten diese nicht zum Tun.melplatz so- zialdemokratischer Tendenzen macht, wird nur Herr Miquel be- tätigen in Bezug auf das Gewerbeschicdsgericht in Frankfurt an. Main, das seiner überwiegenden Mehrzahl nach aus Sozial- demokraten besteht. Die Einführung der Berufung gegen die Ur- theile der Gewerbegerichte halten wir für bedenklich. Der Hin- weis auf die Berufung bei den Unsallerkenntnissen ist nicht zutreffend. Was die Berufung bei dem Reichsversicherungsan.t so werthvoll macht, ist die Möglichkeit, gleichartige präjudizielle Ent- scheidungen für dieses Gebiet zu bekommen. Dies fällt bei der Berufung an die Amtsgerichte vollkommen fort. Fächjuristen haben von diesen gewerblichen Verhältnissen nicht die ge- nügende Kenntniß und sie verschleppen nur die Sache. Die vorläufige Vollstreckbarkeit der Urtheile garantirt auch nicht, daß der Kläger zu dem Rechte kommt, was er er- streiten will, denn es steht ja immer noch die Berufung offen. Allenfalls würde durch einen Senat beini Gewerbe- gericht die Sache nachzuprüfen sein. Daß die Berufung nur bei Streitobjekten über 100 M. zulässig sein soll, kann ich als eine Verbesserung nicht anerkennen. Wenn man überhaupt die Bern- sung für zulässig hält, dann hat das kleine Objekt dieselbe Be- rechtigung wie das größere. Die Berufung an die Landgerichte ist vollends bedenklich. Dort herrscht der'Anwaltszwang, und die Sache würde für die Parteien sehr kostspielig werden. Eine Erweiterung des Arn.enrechts widerspräche dem Geiste dieses Ge- setzes und unserere'Auffassung von der Gleichberechtigung der unbemittelten mit den bemittelten Bürgern, ganz abgesehen von der politische» Benachtheiligung. Gelehrte Gerichte mit juristischen Finessen führen viel weniger zu guten Entscheidungen, wie die sachlichen Entscheidungen der Gewerbegerichte. Der Vergleich mit den Arbeitska.nmern ist nicht zutreffend. Denn die Arbeitskammern sollen aus Sachverständigen zusamn.engesetzt werden, Tie ge- wöhnlichen Gerichte sind es nicht. Abg. v. Cnny: Ich bitte Sie um Aufnahme der Kom- n.issionsvorlage, welche einen Mittelweg darstellt. Die Berufung wird zulässig sein bei den größeren Streitgegenständen, bei wel- che» sich auch eher verwickelte Rechtsfragen zeigen werden. Die Entscheidung der Landgerichte, welche auf Grund solcher Be- rufungen erfolgen wird, wird dann auch ein Präzedenz bilden für die weiteren Entscheidungen der Gewerbegerichte. Bei Objekten unter 100 M. würden die Gewerbegerichte aus- reiche». Darauf wird die weitere Berathung vertagt. Präsident v. Fevrfiow theilt mit, daß die Interpellation Thonisen zurück- gezogen ist. Schluß 3 Uhr. Nächste Sitzung Montag 1 Uhr.(Fortsetzung der zweiten Berathung der Vorlage über die Gewervege- richte; Nachtragsetat für Ostasrika, Wahlprüfungen.) Ztavlamenfoririftes. Die Kudgetkommisston trat Sonnabend, Vormittag 10 Uhr, zu ihrer zweiten Sitzung zusammen. Nachdem die Beschlüsse der Subkommission mitgetheilt worden, erklärte Abg. Baum dach, daß es ihm nothwendig geschienen habe, bei Klasse 13 einen Strich zu machen und nur eine Ausnahme zn Gunsten der Postbeamten der 10. Klasse zu machen. Daß dabei allerdings gegen die eine oder andere Beamtenklasse eine Un- gcrechtigkeit begangen werde, daß es aber Sache der Regierung seist im nächsten Etat diesen für den Moment unvermeidlichen Nachtheil auszugleichen. Abg.L i e b k n c ch t spricht sich in ähnlichen« Sinne auL uno bemerkt, darin sei aber keine Ungerechttg- keit zu erblicken, daß die unteren Beamten'Aufbesserung erhielten, die mittleren jedoch nicht— durch Gehaltsaufbesserung der unteren Beamten werde im Gegentheil eine Ungerechtigkeit aus der Welt geschafft, denn jeder Beamte und Arbeiter, der noth- wendige Arbeit verrichte, sei in gleichen, Maaß eines anständigen Lohnes werth; die sogenannten unteren Beamten hätten min- deslens ebenso viel und ebenso verantwortliche Arbeit in die mittleren und oberen, und genau dasselbe Recht auf guten Gehalt. Tie Klassen 1, 2, 3, 4, 5 und 6 der Tarifklaffe V(von durchschnittlich 2000 bis 4500) werden hieraus theils einstimmig theils init großer Stimmenmehrheit abgelehnt. Eine längere Debatte entspann sich bei Klaffe 7(durchschnittlich 3200 Mark), indem von verschiedenen Seiten für die Vor- steher von Postämtern 2. Klasse(jetzt zwischen 1650 und 8000 M. Gehalt) eingetreten wird.'Auch'Abg. Singer plädirt in diesem Sinn. Schließlich einigt man sich dahin, einen Antrag des Zentrumsmannes Sperling gemäß, der einstimmig angenommen wird, das Gehalt der Postmeister so zu erhöhen, daß sie den Postsekretären(mit dem erhöhten Gehalt) gleich gestellt sind (durchschnittlich 225 M. für jeden). Alle anderen Posten werden abgelehnt. Klasse 3 und Klasse 9 werden ohne Debatte abgelehnt. Bei Klasse 10 werden dem Antrag der Subkommission gemäß alle Posten abgelehnt mit Ausnahme des Postens für Bureau- und Rechnungsbeainte zweiter Klasse beim Reichs- Postamt, für welche die verlangte Erhöhung einstimmig bewilligt wird. Klasse 11 wird ohne Debatte abgelehnt. Bei Klasse 12(enthaltend Beamte mit jetzige», Durchschnitts- gchalt von 2400 M.) wird vom Abg. H a m mache>- geltend gemacht, daß dies? Beaintenkategoric sehr wohl eine Anfbesseruna verdiente. Abg. Singer schließt sich dem an. Die ganze Klasse w,rd aber mit einer Diajorität von 12 gegen 9 Stimmen verworfen. Klassen 13—16 werden hierauf dem Antrag der Subkom- »nsslon gemäß, nach einer kurzen Debatte über die Zahlmeister (Klasse 15)— Die durch den mormonistischei, Lapsus eines Re- glerungsvertreters, der für„vielfach verheirathete Beamte" eine Lanze bricht, einiger», aßen erheitert wird— einstimmig ange- »omme». TeS Weiteren werden ohne Debatte einstimmig angenommen. alle weiteren Klassen(17 bis 23). Tie Kommission tritt dann die Prüfung der verlangten Gehaliserhöhungen für Reichs- Ensenbahnbeamte ein. Abg. Richter führt aus, daß die Reichs-Eisenbahnbeamten im allgemeinen besser gestellt find, als die preußischen Eisenbahn- becunten. Klasse A und B(durchschnittlich 4300-4450 M.) werden abgelehnt. Ts- Sitzung wird 12-/4 Uhr aufgehoben. Nächste Sitzung Montag 10 Uhr Vormittag. UolrQles. Dlir ruh alte» folgendes Schreiben: Nachdem(n Be- jiig auf unsere Forderungen eine Einigung mit den Arbeitgebern erzielt worden ist, erklärt die Lohnkonimission der Brauergesellen von Berlin und Uingegend den Ausstand für beendet. Die Lohn- komiuission der Branergesellen von Berlin und Uingegend.— Im Anschluß hieran geht uns von der Lokalkommission Folgen- des zu: Laut Beschluß der Volksversammlung vom 19. Juni 1890, im. Saale der Brauerei Friedrichshain, erklärt die Lokalkom- Mission den Bierstreik und den Boykott für beendet. Im Auf- trage der Lokalkommission; Werner. Heindorf. Jnsinger. Wieder ist ri>» t>»pferev Ktveitrr, der während der Jahre der Verfosgung unserer Partei unentwegt dein Banner für Wahr- heit und D(ed;t folgte, aus dein Leben geschieden. Der Schlosser (Siidl Franke ist seinem langjährigen Leiden erlegen. Der ver- storbcne Genosse wird heute Nachmittag auf dem freireligiösen Friedhof bestattet. Genosse Franke kandidirte im Jahre 1884 im fünften Wahlkreise. Er wird in den Kreisen seiner zahlreichen Freunde für alle Zeiten ein ehrenhaftes Älndenken hinterlassen. ■polizeitiruicht. Am 20. d. M. Vormittags wurde die be rcits stark in Verwesung übergegangene Leiche eines unbekannten, etwa 30 Jahre alten, anscheinend dein Arbeiterstande angehören. den Mannes im Landwehr-Kanal angeschwemmt und nach dem Schauhause geschafft.— Nachmittags siel die Gl Jahre alte Almosenempfängerin Leue auf dem Promenadenwege vor dem Grundstück Skalitzerstr. Nr. 79—33 zur Erde und zog sich hierbei über dem linken Auge eine so bedeutende Verletzung zu, daß sie nach Anlegung eines Nothverbandes nach ihrer Wohnung ge- bracht werden mußte.— Abends wurde eine Frau in ihrer Woh- nung in der Stralauerstraße erhängt aufgefunden.— Jim 20. d. M. fand Winterseldstr. 33 ein unbedeutendes Feuer statt. Mordpuozeff Klaustn. (Fortsetzung ans dein Hauptblatt.) Unter den 47 Zeugen und Sachverständigen befindet sich auch die Frau des Anaetlagtcn, welche beim Anblick desselben in so krampfhaftes Schluchzen ausbricht, daß sie aus dem Saale ge- führt werden muß. Sämintliche Zeugen ermahnt der Vorsitzende eindringlichst, in diesem Falle, wo es sich um Leben oder Tod eines Menschen handelt, nur die lautere Wahrheit zu sagen. Der Angeklagte giebt auf Befragen zu, daß er Friedrich mit Vorname« heißt. Er ist zu Groß-Szemblonen am 15. November 1857 geboren, evangelisch, Soldat gewesen im 2. Garde- Ulanenregiinent, Landmehrmann ersten Aufgebots. Sein Wohnsitz war früher Bieberstein. Er ist im Jahre 1877 zu Gerdauen 'vegen Diebstahls zu 14 Tagen Gefängniß, 1885 zu Nordenburg wegen Hehlerei und wiederholten Diebstahls zu IJahr G Monaten Gefängnis; und in; Jahre 1886 wegen Hehlerei zu 3 Mona- ten Gefängnis; verurthcilt worden. P r ä s.: Bekennen Sie sich im Sinne der Anklage für schul- dig?— A n g e k l.: Nein, meine Herren.— Präs.: Erzählen S;e uns mal kurz Ihren Lebensgang. Ihr Vater, welcher kleiner Besitzer war, lebt nicht mehr?— A n g e k l.: Nein, meine Mutter ist nur noch am Leben.— Präs.: Außer Ihnen sind.noch 6 Geschwister am Leben?— A n g e k l.: Ja wohl.— Präs.: Nun erzählen Sie kurz weiter.— A n g e k.: Ich bin bis zum 14. Jahre in die Schule gegangen, habe in Nordenvurg beim Prediger Hesse Religionsunterricht genossen und bin nach meiner Einsegnung bei einem Schneider in die Lehre gekommen. Dann bin ich auf die Wanderschaft gegangen, habe 1879—82 bei dem Militär gestanden und mich rm Oktober 1883 verheirathet.— Präs.: Sie haben zwei Kinder im Alter von vier und zwei Jahren?— A n g e k l.: Ja wohl.— Präs.: Haben Sie noch irgend welche Erbschaft oder dergleichen zu erwarten?— A n g e k l.: Ich nicht, aber meine Frau.— Präs.: Richtig. Ihre Frau hatte noch 300 M. von ihrem Bruder zu erwarten und die letzte Rate ist ihr au; 1. Oktober, also bald nach den; Morde ausgezahlt wor- den. Haben Sie in Bieberstein immer Beschäftigung gehabt?— A n g e k l.: Nein, die Konkurrenz war zu groß.— Präs.: Das ist denn auch der Grund gewesen, warum Sie Ihren Heimathsort verließen?— A n g e k l.: Ja wohl. Ich wollte wo anders hin, um;nehr zu verdienen.— Präs.: Sie verließen deshalb im April v. I. Ihre Familie und fuhren über Berlin nach Dort- mund. Schon bei dieser Gelegenheit haben Sie hier auf dem Bahnhose Frau Vaneß gesprochen. Wie kam dies?— A n g e k l.: Ich kannte Frau Vaneß aus meiner Heimath und sie war auf dem Bahnhofe, weil gleichzeitig mit mir ihr Bruder, welcher nach Amerika auswanderte, ankam.— Präs.: Von Berlin gingen Sie nach Dortmund. Wo arbeiteten Sie da?— A n g e k l.: In der Ritterbrauerei.— Präs.: Sie sind nicht einer der tüch- ligstcn Arbeiter gewesen, haben nur von; 2.— 11. Mai in Dortmund ausgehalten und sind am 13. Mai wieder nach Berlin zurückgekehrt. Haben Sie denn Geld zur Reise gehabt?— A n g e k l.: Ich habe ineine Uhr siir 9 M. versetzt.— Präs.: Als Sie in Berlin ankamen, haben Sie dann noch Ihren Ueber- zieher und Hose für 7 M. versetzt und sind dann kurze Zeit zur Frau Vaneß gezogen. Wie sind Sie dazu gekommen?— A n- geklagter: Der Bruder der Frau Vaneß hatte mir gesagt, daß, falls es mir mal schlecht ginge, ich ruhig zu seiner Schwester ziehen könnte.— Präs.: Als Sie von der Frau Vaneß fort- und zu dem Herrn Setzkorn hinzogen, hatten Sie keine Mittel mehr. Was hatten Sie an Sctzkorn zn zahlen?— A u g e k l.: Wöchentlich 8 M. für Schlafstelle und Be- köstigung. Setzkor;; soll Sie haben ziehen lassen, weil er sie für falsch hielt. An; 1. Juli zogen Sie dann wieder zur Frau Vaneß. Was hatten Sie da zn bezahlen?— A n g e k l.: Monatlich 5 M. und außerdem Kost.— Präs.: Sie behaupten, daß Sie einen Theil Ihrer Schulden bei Frau Vaneß abgearbeitet haben?— Angerl.: Ja wohl, ich Hab« für, den Bräutigam der Frau Vaneß, den Werner, gearbeitet und auch für andere Leute.— Präs.: 5tönne;;Sie uns diese Leute nicht nennen?— A n g e k l. Nein.— Präs.: Nun lassen Sie uns mal durchgehen, was Sie: hier verdient haben. Sie arbeiteten in der Zeit von; 18. bis 31. Mai in der Bahnmeisterei 60 Gesundbrunnen, dann erst wieder vom 2. Juni bis 8. Juli als Ausfahrer bei den Norddeutschen Eiswerken in Nummelsburg, vom 8.— 15. Juli habe» Sie Nichts gethan, vom 17. Juli bis 81. August waren Sie beim Steinsetz- meister Leopold beschäftigt und vom 31. August bis 14. September haben Sie nicht gearbeitet. Alles in Allem haben Sie in dieser Zeit 234,08 M. verdient.— 81 n gell.: Das kann stimmen, ich habe aber auch noch zu Haufe gearbeitet und Geld ver- dient.— Präs.: Nun ist Ihnen nachzuweisen, daß Sie an Ihre Frau geschickt haben und an Abzahlung für Ihre Nähmaschine 84 Mark 60 Pf. verausgabt haben, ferner 40 Mark als Kostgeld an Sctzkorn, für die Auslösung Ihrer Sachen 7 M. Das ergiebt schon eine Summe von 131 M. 60 Pf. Ferner haben Sie sich ein Paar Stiesel für 6 M. gekauft, waren an Frau Vaneß für 8 Monate schuldig, und wenn man nun denkt, daß Sie in der ganzen Zeit auch ausgegangen sind, Bier und Schnaps getrunken haben werden, so ergiebt sich für Jedermann, das; Sie am 14. September kein Geld übrig gehabt haben können. SIn g ekl.: Ich habe mir das Geld, welches bei mir vorgefunden worden ist, gespart.— Präs.: Sie haben über die Höhe Ihrer Ersparnisse dreimal verschiedene'Angaben gemacht. Was behaupten Sie jetzt, daß Sie sich erspart haben?— A n g e k l.: 141 M.— Präs.: Als Sie Ihren Heimathsort verließen, hatten Sie da die Absicht, sich überhaupt von Ihrer Frau zu trennen?— A n g e k l.: Nein, ich wollte blos bis zum Herbst allein bleiben und dann meine Frau herholen. Ich hatte schon eine Wohnung gemiethet. — Präs.: Diese Wohnung lag in der Nähe der Vaneß'schen Wohnung. Sie sagten schon, daß Sie Frau Vaneß von Jugend auf kannten. Kannten Sie auch den Mann der Vaneß?— A n g c k l.: Nein, ich weiß nur, daß er Musikus war.— Präs.: In welchem Verhältnisse stand denn Werner zu Frau Vaneß? — A n g e k l.: Er stand als Mann vor ihr.— Präs.: Sie wollen sagen, daß die Beiden wie Mann und Frau lebten. Wollte Frau Vaneß nicht den Werner heiratheten?— 8l n g e k l.: Sie hatte öfter davon gesprochen, daß sie sich von ihren; Manne, der sie gleich nach der Hochzeit verlassen hatte, erst scheiden lassen könne, wenn seine Abwesenheit 10 Jahre dauerte.— Präs.: Wir werden Ihnen nun Zeugen vorführen, welche bekunden, daß Sie bemüht waren, sich Geld zur Reise nach Bieberstein zu ver- schaffen. Sie haben einem Zeugen gesagt, sie hätten noch kein Geld, um Ihre Frau zu holen, Sie sollen Frau Vaneß direkt um Geld gebeten haben, ebenso eine andere Zeugin— und das Alles trotz Ihrer Ersparnisse von 141 M.?— Der Angeklagte bestreitet diese 8lngaben.— Präs.: Sie haben einer Zeugin gegenüber am Tage vor dem Morde auch erzählt, daß ein Mann bei der Frau Vaneß gewesen. Sie haben sogar erzählt, das; es ein Mann mit schwarzem Bart war.— 8l n g e k l.: Das ist auch richtig. Der Mann war zum Besuch.— Präs.: War denn Frau Vaneß mit diesem Manne bekannt?— Angekl.: Hoffentlich.— Präs.: Was heißt das? — Angekl.: Na, er ließ Bier kommen und ist schon öfter da- gewesen.— Präs.: Sie haben auch einmal behauptet, daß Frau Vaneß, wenn Sie von demselben sprach, ihn als„ihren Mann" bezeichnete. Angekl.: Nein, sie hat nur manchmal von ihm gesagt:„Mein Oller".— Präs.: Sie behaupten, Sie hätten dem Mann Hosen anmessen müssen. Sie kannten aber seinen Namen mcht?- Angekl.: Nein, er wollte seinen Namen nicht nennen und ich habe deshalb den Namen Haas« in das Notizbuch eingetragen.— Präs.: Sie sollen am Tage des Mordes zu der Frau Kopschak, welche in demselben Hause wohnt, eine höchst auffällige Bemerkung gemacht haben, Sie haben gesagt:„Wenn ich heute fort sein werde, wird oben noch etwas passiren, da werde» Sie noch etwas hören".— Angekl.: Das mag ich wohl gesagt haben, aber ich habe damit gemeint, daß die Nach- bar» über den Besuch des fremden Mannes sprechen würden.— Präs.: Warum haben Sie sich am 13. noch 20 Mark geborgt, da Sie doch noch Ihrer Behauptung Ersparnisse hatten?— Angekl.: Ich fürchtete, das Geld werde nicht reichen, um meine Bedürfnisse zu Hause zn decken.— Präs.: Sie hatten doch im Ganzen 141 Mark, gleich 47 Thalern.— Angekl.: Ja, Thaler wollte ich zur Reise gebrauchen und 40 Thaler mit nach Hause bringen.— Präsident: Warum haben Sie denn Niemanden etwas von den Ersparnissen erzählt?— Angekl.: Ich fürchtete, man würde mich überreden, dann bester zu leben.— Präs.: Am Sonntage haben Sie der Frau Kopschak gesagt, Sie wollten ein Retourbi'llet nach Bieberstein lösen?— Angekl.: Ja, aber ich habe es nicht ge- than, weil ich auf dem Bahnhofe erfuhr, daß es keins gebe.— Präs.: Von welchen; Bahnhose sind Sie abgefahren?— 'Angekl.: Vom nächsten, dem Schlesischen.— Präs.: Am Sonnabende haben Sie mit der Frau Vaneß und ihrie aber angeblich»ich; gefunden und haben sich dann zu der Frau Kuß- schak begeben?— Angekl.: Jawohl, dort habe ich eine Flasche Bier getrunken und habe mir 3 Zigarren gekauft.— Präs.. Wie lange waren Sie bei Frau K.?— A n g k l.' Eine halbe Stunde.— Präs.: Es wirb Ihnen nachgewiesen werden, daß Sie sich höchstens 3 Minuten aufgehalten haben. Sie sind dann auf die Pferdebahn gestiegen, nach der Fruchtstraße ge- fahren und wollen von dort zu Fuß nach dem Bahnhof Friedrich- straße gegangen sein. Warum sind Sie nach der Friedrichstraße gegangen, wo Sie es doch nach dem Schlesischen Bahnhof so nahe hatten?— A n g e k l.: Ich hatte geglaubt, daß der Zug von der Friedrichstraße weniger'Aufenthalt hat, als vom Schlesischen Bahnhof, und habe erst später gehört, daß es derselbe Zug ist.— Präs.: Sie wollen sich, als Sie d;e Pferdebahn verließen, einen Mann genommen haben, welcher Ihnen den Koffer trug?— Angekl.: Ja wohl, ich habe dem Manne dafür 1 M. bezahlt. — Präs.:'Also die Mehrausgabe� von 10 Pf. für die Pferde- bahn haben Sie gescheut, aber die Mark siir den Truger ist Ihnen nicht zu viel gewefen.— Angekl. sazweigr.— Präs. Warum haben Sie denn den angeblichen Namen dieses Manff� --......—■ �•- rt-_ ff• 4/2* allte aber nicht, und sagte ihm, da>F ich wiederkomme und ihm danfl 10 sorgfältig in Ihr Buch eingetragen?— A n gekll: Mann hatte mich gebeten, ihm eine Zigarre zu geben; ich erDir,»»»»v iiiyvv»,»-»»p»v»/. v, v......-...../ eine Zigarre geben werde.— Präs.: Ich halte Ihnen nun v-- «w.r... o___ rv.....«Ts.,»rf«r Srtii— rtrtm U"' daß eine Zeugin, Frau Dressel, behauptet, daß Sie noch Ve? Uhr mit Frau Vaneß am offenen Fenster gestanden __ �- � w—._. �.<■ n,»» e- ivn_____/ ,i, haben. '• Vtyv«(114, � Villi-Vllllvp VI»»"» V-||• v,• y------- — Angekl.: Das ist nicht wahr.— Präs.: Wenn ich Ihnen nun sage:„8Le;;n die Richter der Frau Dressel glauben, dann sind Sie der Mörder!"— was würden Sie dazu sage»:" Angekl.: Nein, Herr Präsident, ich bin der Mörder nicht.- Präs.: Wir werden Ihnen ferner nachweisen, daß Sie eril lange nach 6 Uhr 35 Min., wo die Laternen schon gerannst Zeit angesteckt waren, im Obstkeller erschienen sind, da? Sie bei Knpschak erst Punkt 7 einngetreten sind,»'f können, wenn das 8llles stimmt, das Haus der Frchf Vaneß erst 3 Minuten vor 7 Uhr verlassen haben.— Auge kl' Dazu kam; ich gar nichts sagen.— Präs.: Warum sind üst denn überhaupt so eilig nach dem Bahnhofe gegangen? � hätten doch über 2 Stunden auf dem Abgang des Zuges warte» müssen?— Angekl.: Ich wußte ja nicht Bescheid und wollt: den Zug nicht verpassen.— Präs.: Auf die Frau Kupicha: haben Sie einen sehr erregten und unstäten Eindruck gemacht uno Ihr Portemonnaie soll mit Geld dick vollgespickt gewesen sein. � Angekl.: Das ist nicht wahr, ich hatte nur 21 Ml. darin.— Präs.: Was haben Sie zu der Tochter der Frau K. gesagt-" Angekl.: Ich habe ihr gesagt, daß Herrenbesuch oben sei. 7s Präs.: Welchen'Anzug hatten Sie an, als Sie bei der Frau ff. erschienen?— Angekl.: Es war der graue.— Präs.: S;»» S>e in demselben Anzug auch ins Gefängniß eingeliefert wor- ven?— Angekl.: Jawohl.— Präs.: Haben Sie uiema!» Frau Vaneß nach ihren Ersparnissen gefragt?— Auge k>.: Nur einmal, als Frau Vaneß Möbel kaufte.—Präs.: Sie sollet einmal einer Zeugin gegenüber geäußert haben:„Die Thürs» stehen auf, Großmutter hörr schwer, hier kann mal etwas paffst ren!"— Angekl.: Ich habe dabei blos an die Herrenbesuch- gedacht.— Präs.: Sie sollen dann einmal gesehen haben, wff Frau Vaneß ein Goldstück wechselte und dabei einer Zeug'» gegenüber gesagt haben:„Wir wollen Sie mal todtschlagen!" ff" Der Präsident macht den;'Angeklagten noch eine ganze Reihe vo.> Vorhaltungen. So soll Frau Vaneß schon in;'August darübe; geklagt haben, daß sie öfter Geld vermisse, am 12. September% Frau V. gesagt haben, daß ihr Klaus;;; noch 3 Wochen Kostgewl und 1 Monat Miethe schulde; eine Zeugin soll der Frau V. Vorwuri? darüber gemacht haben, daß sie einen so verworfenen Menschen b-' sich beherberge und darauf soll die Frau gesagt haben:„So rech» traue ich ihm auch nicht mehr, er hat keinen Verdienst und dabei muß ich ihm noch Kost und Logis geben!"— Ans diese u»b zahlreiche andere Vorhaltungen antwortet der Angeklagte fast dasselbe:„Das kann ich nicht sagen!"— Der Präsident steuf fest, daß bei dem 8l;;geklagten be; seiner Verhaftung in Bieber- stein ursprünglich eine Summe von 137 M. vorgefunden worden sei und rechnet dem gegenüber die Summe von 25 M. hinzu Ujw die angeblichen Ausgaben des Angeklagten ab und es ergiebt stw- daß das Fazit ungefähr stimmt, wenn der Llngeklagte auf ber ganzen Reise nichts ausgegeben. Präs.: Wissen Sie aus welchen Stücken das geraubte(S«'» bestanden haben soll?— Angekl.: Siein.— Präs.: Es fst1' 6 Fünsmarkstücke und 13 einzelne Mark gewesen, oas übng- war Gold. Sie haben dem Untersuchungsrichter gesagt, Est hätten weiter kein Geld als das Ihnen abgenommene, es sin» bei einer zweiten Haussuchung aber noch 240 M. in Gold gff funden worden, wo stammt dies Geld her?— Angekl.: Dahabe ich gesunden.— Preis.: Diese Angabe ist wenig wahr- scheinlich, es ist weder in Berlin noch in den übrigen Orten, w» Sie gewesen sind, von einem derartigen Verlust etwas bekatiw geworden.— Präs.: Jetzt sagen Sie mal, woher stammen dst Bluffpuren, die auf Ihrer Hose, Weste und Ihren; Hemd gesund� worden sind?— Angekl.: Ich nehme än, daß es Blut iff welches an mich gekommen ist, wenn ich Werner beim Wnrstmachrn geholfen habe.— Präs.: Sie sollen mit dem Wurstmachen auch nichts zu thun gehabt, sondern nur beim speilen geholfen habeiu 8luch sagen die Sachverständigen, daß die Flecke nicht von Thier' blut, sondern von Menschenblut herrühren. Was sagen S» dazu?— Angekl.: Herr Präsident, ich weiß wirklich;»#' was ich dazu sagen soll. Ich habe auch häufig an Nasenbluten gelitten, wahrscheinlich rührt es dann davon her.— Präs- Es ist merkwürdig, daß keiner der Zeugen je etwas davon ge- sehen hat. Slllerdings sollen Sie im Gefängnisse einmal Nasen- bluten gehabt haben, es wird uns aber einer Ihrer Mitgefangenen sagen, daß Sie damals vorher außerordentlich stark geschnaiw» haben, so das; es den Eindruck eines künstlich erzeugten Nasen- blutens gemacht hat. Ihre Wäscherin weiß auch nichts davon- daß Sie an Nasenbluten gelitten haben.— SIngekl.: Es m aber doch der Fall gewesen.— Präs.: Sehen Sie mal dn- Hemd an, das dort liegt, haben Sie das auf der Reise ange- habt?— Angekl.: Nein, ich habe es Sonnabend vorher au?- gezogen.— Präs.: Wenn Ihnen nun aber nachgewiesen wird- das; Sie das Hemd auf der Reise angehabt, was sagen Sie dann- — 81 n g e k l.: Ich bleibe dabei, daß ich es nicht getragen hau»' — Präs.: Wie war Frau Vaneß gekleidet, als Sie sie ver- ließen?— 8ln g ek l.: Sie trug einen braunen Rock und eine braune Jacke.— Vors.: Wie'standen Sie sich mit der Frn» Baues;?—'Angekl.: Im ganzen gut, es war eine nette un? bescheidene Frau.— Präs.: Wie lange pflegten sie des Tags Z» arbeiten?— Angekl.: Bis zum Dunkelwerden.— Prä f-,; Wann pflegte Werner von der 8lbdeckerei nach Hause zn kommen• — A;; g e k l.: Genau kann ich es nicht sagen, manchmal, wen» er Nachtdienst hatte, ging er erst des Abends fort.— Prä ff' Wenn Frau Vaneß Herrenbesuch empsiug, blieben Sie dann der Stube?— Angekl.: Nein.— Präs.: Meinen Sie denn- daß etwas Unerlaubtes passirt ist?—'Angekl.: Herr Pra< sident, das kann ich nicht wissen, die Thür wurde zugemacht. � Präsi: Sie haben früher immer gesagt, daß Frau Vauep ei»? ehrbare Frau war und jetzt behaupten Sie, sie habe die Herren bei sich behalten, wenn Werner Nachtschicht hatte, wie reimt sicl' das zusammen?— Angekl.: schweigt.—Präs.: 8llle Zeuge" behaupten, Frau Vaneß sei eine ehrbare Frau gewesen und v»" den Herrenbesuchen hat Niemand ei.oas geseyen.— Prüf-" Weshalb haben Sie Stiemanden etwas von dem gefundenen Gel�s gesagt, oder Ihre Sch äden damit bezahlt?—'Angekl.: I? wollte mich doch als Finder nicht verrathen und fürchtete, da? man mir das Geld abnehmen würde.— Hiermit ist das IN' ouisitorium mit dem Angetlaglen geschlossen und es beginnt dst Zeugenvernehmung. Frau Schubert, die Nachbarin der ermordeten Fra» Vaneß, welche über den Leumund derselben und deren Multt* Nachtheiliges nicht erfahren, erklärt, das; es zwischen 6 n"» 6V4 Uhr gewesen, als sie die dumpfen Schläge und das Schreie" in der Vaneß'schen Wohnung gehört habe. Als sie durch dst darauf folgenden Schnarchtöne geängstigt, zur Frau Thamm, der Korridornachbarin der Frau Vaneß hinüberging, hat sie dst Korridorthür weit aufgelassen; während sie dann in der Stube der Frau Thamm erforschte, welche Wahrnehmungen diese ge' macht, ist es ihr gewesen, als ob Jemand an der Vancp'sche» Kächenthür klinkte. Sie glaubte, daß es der Sohn Friy war, al» sie aber die Thür öffnete und fragte:„Fritz bist Du da?" ff„ sich Niemand gemeldet. Die Zeug;;; schildert Klausin nach ihre" Wahrnehmungen als einen guten Menschen. _ Auch Frau Thann;; giebt die Zeit, wo sie das verdäclst� schlagen und Schreien gehört, auf GV- Uhr an. Kurz nachher>" es ihr gewesen, als ob ein Mensch mit Knarrstiefeln die Vane&'s"), Wohnung verließ. Sie hat schon öfter das Geräusch solcher K»� tüefel m ihrer Nähe gehört. Sie weiß nichts davon, daß F?,, Vaneß Unigang mit Männern gehabt hat.— Rechtsan«"'. Dr. Friedmann geht mit dieser Zeugin nochmals eingeh«', die Zettverhältnisse durch und stellt fest, daß nach 6 Uhr 5, Zeugin sich erst zu Tisch gesetzt, daß das Essen eine gute Vier� fhmbe gedauert hat und dann erst das Ausschreien gehört ivordcn stt. Er glaubt daraus den Schluß ziehen zu können, daß es kurz dor halb 7 Uhr war. Der Schlächter Werner, ein unbestrafter Mann, ist 188o mit Frau Vaneß zusammengezogen und hat mit ihr vollftänoig Zusammen gewirthschaftet. Er hat ihr seinen ganzen Verdienst begeben, sie that das Geld in einen weißleinenen Beutel und steckte diesen gewöhnlich in das Spiegclspind. Zur Zeit des Mordes müssen die Ersparnisse 220 bis 240 M. betrageil haben. Drei Wochen vorher hat er selbst das Geld nachgezählt. Dasselbe be iand aus 6 Fünfmarkstücken. 80 Thalerstücken, J2 Zweimarkstücken, das übrige in Gold. Unter dem letzteren besand sich ein Zehnmarkstück mit de», Bilde Kaiser Wilhelm 11., doch ist ein solches unter dem, dem Angeklagten abgenoinmenen Aelde nicht vorgefunden worden. Der Zeuge erzählt eme ver- dachtige Geschichte vom 19. August. An jenem Tage Abends hat Frau Vaneß ihm sein Leibgericht— grüne Bohnen— gekocht und sowohl er, wie Frau Vaneß hätten tüchtig zugelangt, wahrend Klausin die Speise nicht anrührte, sondern unter der Angabe, daß er heftige Zahnschmerzen habe, auf dem Sopha saß und zusah. Er selbst habe bald nach dem Genüsse der Bohnen hestiges Erbrechen bekommen, ebenso Frau Vaneß. und als die Großmutter am nächsten Tage von den Bohnen aß, ist es ihr ebenso gegangen. Ter Zeuge will später erfahren haben, daß Klausin um dieselbe Zeit Arsenik und Schwein- furter Gr.ui gekauft habe. Am Freitag Abend— dem Abend uor dein Morde— hat Zeuge bei seiner Nachhausekuuft die Frau B. etwas angeheitert vorgefunden, dieselbe hat ihm aber nichts davon erzählt, daß ein Herr dageivesen sei; diese Thatsache hat der Zeuge erst nach dem Morden von dem kleine Jungen er- fahren. Von anderen Herrenbesuchen hat der Junge aber nichts melden können, der Zeuge selbst hat Frau V. für eine anständige Frau gehalten, welche er heirathen wollte. Den wirklichen Ehe- mann derselben hat er nicht kennen gelernt, Frau V. hat ihn nur als einen Mann mit blondem Schnurrbart geschildert und gesagt, daß derselbe sich als Musiker in der Welt uinhertreibe. An dem Angeklagten hat der Zeuge schon 14 Tage lang knarrende Stiefel bemerkt; derselbe habe ihm nie beim Wurstmachen sondern nur beim Speilern geholfen, wobei man sich keine Blut stecke mache. Klempner Gräbener gehört zu denjenigen Personen, die zuerst den Schauplatz der Mordthat betraten. Seine Wahr- nehmungen decken sich mit den Bekundungen der Vorzeugen. Die Vernehmung des 10jährigen Fritz Vaneß, des Sohnes der ermordeten Frau Vaneß nimmt längere Zeit in An- sprach. Er ist ein aufgeweckter Junge, der klare und präzise Antworten giebt. Ani Abende vor der Mordthat sei ein unbe- kannter Mann von mittelgroßer Statur, schwarzem Haupthaar und etwas hellerem Schnurrvart gekommen, der etwa eine Stunde bei der Mutter geblieben sei. Von den Besuchen anderer Männer will der Zeuge nichts wissen, möglich sei es aber, daß ein zweiter Herr bei seiner Mutter war, während er auf dem Hose spielte. Als Klausin am Sonnabend Nachmittag auf den Hos gekommen sei, habe derselbe graue Hosen und Weste, sowie Pantoffeln angehabt. Daß der An- geklagte jemals Nasenbluten gehabt, hat der Zeuge nicht gesehen. Als er vom Hofe nach oben gegangen sei, habe auf sein Klingeln niemand geöffnet und er habe deshalb geglaubt, daß seine Mutter den Onkel Klausin zur Bahn bringe, wie im Laufe des Nach- mittags verabredet worden.— Der Präsident macht den Knaben darauf aufmerksam, daß seine jetzige Aussage von der früheren abweiche. Früher habe er gesagt, daß seine Mutter ihm verboten bCIU tao«« V*411 CYl* f..-L M Herren zu solches Verbot Werner gegenüber von den Besuchen fremder erzählen und heute erkläre er, daß ei» K#### firf) eines früheren Besuches nicht erinnern kann. Von Wichtigkeit ist die Auesage einer Frau Dreßler, welche tm Hause wohnt, das der Wohnung der Frau Vaneß gegenüber liegt. Sie sei an, Abende des 14. September nicht wohl aewesen und habe müßig am Fenster gesessen. Nach sechs Uhr habe sie erst Frau Vaneß und fünf Minuten vor halb sieben Uhr den Angeklagten am Fenster gesehen. Es sei gerade Sonnenuntergang gewesen und bei den« letzten hellen Scheu, hate sie den Angeklagten so deutlich gesehen, daß sie sich in seiner Person nicht irren könne.— Frau Kiesel, die Besitzerin des Obstkellers, ist sich auch klar darüber, daß der Angeklagte nach 6V2 Uhr bei ihr gewesen. Stach ihrer Aussage ist er auch nur auf 3 Minuten von ihr fortgewesen, ehe er wieder zurückgekehrt und seiuen Koffer holte; er kann also nicht, wie er behauptct, über eine Viertelsrunde bei der Frau Kupschak gewesen sein.— Frau K u p sch a k, die Inhaberin des Schaickgeschäfts im Vaneß'schen Hause besinnt sich, daß Klausin am Freitag, dem Tage vor dein Morde, sie gebeten habe, ihr 3 M. zu leihen, falls sein Reiscgstd nicht ausreichen sollte. Sie habe ihm dann noch 6 M. nmg; eben, weil Klausin versprochen hatte, auf seiner Rück- reise ihre Mutter mit nach Berlin zu bringen. An jenem Freitag habe ihr Klausin auch einige Schuloen bezahlt und sich dann zu Frau Vaneß begeben, um Schulden zu bezahlen. Die- muß denn auch geschehen sein» denn Frau Vaneß hat aus Freude darüber 3 Flaschen Bier in ihre Wohnung holen lassen. Als der Knabe Fritz das Bier holte, hat er gesagt, es sei ein fremder Herr da und Klausin, welcher bald darauf herunter kam, hat dies be- stäligt. Er nannte den freniden Mann Haase und sagte, er hätte ihm ein Paar Hosen anmessen müssen. Er hatte davei auch ge- sagt:„Passen Sic auf, da oben passirt noch'mal etwas!" Ain Tage des Mordes ist der Angeklagte um 7 Uhr bei ihr gewesen. er sagte, es sei ein Herr oben und war auffallend rasch. Aus den weiteren Aussagen dieser Zeugin ist hervor zu Heven, da Klaust» dieselbe'mal gefragt hat, ob sie nicht auch glaube, da Fra» Vai.rß Geld ha je. Letztere hat ihr mehrmals gesagt, daß ste de», Angeklagten nicht über den Weg traue. Der Arbeiter A b r a m ist der Freund, den Angeklagter auf dem Friedrichsberger Wochenmarkt gesucht haben iv,ll. Er hat Mal mit dem Angeklagten zusaminen gewohnt und schildert ,hn als„sehr fromm". Er sei zwischen 0 und 6'/, Uhr auf dem Wochenmarkte gewesen, hat aber um diese Zeit den Angeklagten nicht dort gefunden. Fra» S e tz k 0 r n, die frühere Wirthin des Angeklagten, weiß, daß derselbe einmal Nasenbluten hatte und sein Tasche.ituch ans- ge.vaschen hat. Nach der Behauptung dieser Zeugin hat Klaupn. der bekanntlich von dem oben ermähnten Bohneugencht nichts genossen hat. ihr eines Tages erzählt, daß er Bohnen gegen en und davon Erbrechen bekommen habe. Zeugin Evers bekundet u. A., daß sie am Vormittage des Mordstages Frau Vaneß gesvrochc» und dieselbe etwav aufgeregt gefunden habe. Nach dem Grunde gefragt, habe dieselbe geiagl: ■—-----«.i—"<�pr Aiigellagtc habe fie dawi �nn war hier.'_ (Fortsetzung folgt.) Detstfornmltmuett. Hakiigoabgrordiirtcr Singrr vor seiuen Mähtrrn. leine Völkerwanderung wälzte sich ani 20. ds. chsberger Allee entang nach dem„ E l„ s i u ni", hem Lokale für diesen Abend»ine öffentltche Volks- «mlung einberufen ivorden war mit der Tagesordnung: ufgaben des Deutschen Reichstages und seine Thätigkei t." Referent: Neichstagsabgeordueter P. Singer. Schon vor 8 Uhr war das Lokal polizeilich abgesperrt, nachdem jedoch durch Entfernung von Tische» und Stühlen soweit als möglich Raum geschafft worden war, wurden später noch einmal die Thore geöffnet und nun ergoß sich lawinenhast ein Menscheilstrom in das Versammlungslokal, den großen Saal bis auf das kleinste Plätzchen überflnthend. Kein Apfel konnte that- sächlich zur Erde— ausgenonuncii den Mittelgang, der mit inathematischer Genauigkeit abgegrenzt blieb. Kurz vor 9 Uhr erschien Abgeordneter Singer; stürmische Ovationen begrüßten und geleiteten ihn auf seinen Platz und wurde ihm bald darauf vom Vorsitzenden Herrn Scholz das Wort ertheilt zu seinem Vortrage, der beiläusig gesagt, 2Ve Stunden dauerte. Abg. Singer gab zunächst seinem Herzensbedürfniß dadurch Ausdruck, daß er denen, die ihn mit ihrein Vertrauen wiederum beehrt und in den Reichstag wiederum entsendet haben(und er nahm an, daß viele, wenn nicht die meisten der Amvesenden seine Wähler seien), seinen herzlichsten Dank auszusprechen. Es sei das erste Mal, daß ihm seit Zusammentritt des Reichstages Gelegenheit werde, zu seinen Wählern in einer öffentlichen Volks- Versammlung zu sprechen, doch sei er bisher hieran verhindert ivorden nicht durch Unlust oder bösen Wille», sondern lediglich durch Mangel an Zeit infolge der übergroßen Arbeitslast, welche ihm die parlamentarische Thätigkeit aufhalse. Im übrigen sei er über jeden Zweifel erhaben, daß er eben so fest und treu, wie seine Wähler zu ihm, er zu seinen Wählern stehe und es nicht nöthig sei, das gegenseitige Vertrauen immer wieder zu erneuern. Zu seinem eigentlichen Vortrage tibergehend, bemerkte Abg. Singer: Der 20. Februar d. I. habe bewiesen, daß trotz aller Verhetzungen und Machinationen die bisherigen wahren Vertreter des Volkes, der Sozialdemokratie, nicht zu verdrängen sind, daß sich die Stimme des Volkes doch »»it Macht Geltung zu verschaffen wisse und zum Ausdruck zu bringen verstehe. Durch die Zoll- und Steuerpolitik des vorigen Reichstages seien die Interessen des Volkes auf's Tiefste verletzt ivorden, das Volk müßte sich ausrafsen, um andere Zustände zu schaffen. So erfreulich die am 20. Februar erzielten Erfolge für die Sozialdemokratie auch seien, so unrichtig würde es doch sein, sich de», Glanben hinzugeben, daß nun genug gethan, erreicht worden sei, daß man sich ausruhen könne auf den erkämpften Erfolgen. Nach wie vor müsse„Vorwärts" die Parole lauten, bis das große vorgesteckte Ziel erreicht ist. Wohl Viele sahen mit eifriger Hoffnung auf den Zusmiimentritt dieses Reichstages, wohl Mancher glaubte, daß nun eine bessere Zeit für das Volk anbrechen werde, doch alle diese sind in ihren Erwartungen arg getäuscht worden. Wir, die Sozialdemokraten, haben uns ja allerdings n,e dem Glauben zugeneigt, daß mit dem Wechsel der Person auch ein Wechsel des Systems eintreten werde. Während man ferner glaubte, daß die neue Session des Reichs- tageö hauptsächlich die Sozialreform und die Arbeiterschuhgesetz- gevung beschäftigen werde, so haben doch schon etliche Wochen genügt, um zu zeigen, daß dem nicht so ist. Mitten in die Wahl- bewegilng hinein erschienen bekanntermaßri, die kaiserlichen Erlasse. Die Gegner versuchten nun, der Sozialdemokratie den Wind aus den Segeln zu nehinen, doch waren gerade die kaiserlichen Erlasse Veranlassung für das Volk, erst recht Sozialdemokraten in den Reichstag zu entsenden, damit diese darüber wachen, daß die guten Gedanken, die unzweifelhaft in den Erlassen zum Ausdruck gebracht würde», auch ausgeführt beziehungswelse deren Ausfüh- rung durch die Reaktion nicht verhindert werde, durch die Renk- tion, welche der 20. Febniar zwar erschüttert, aber nicht vom Erdboden iveggesegt habe. Sozialreform und Arbeiterschutz be- schäftigen zwar auch den Reichstag, mehr jedoch die Militär- vorläge, welche dem Volke neue ungeheure Lasten auferlegt, dem Volke, das durch die bisherige Zoll- und Steuerpolitik fast bis zu», wirthschaftlichen Zusammenbruche erschöpft ist. Leider hat die Militärvorlage Aussicht auf Annahme. Das Zentrum hat die Entscheidung in der Hand und alle vor der Wahl abgegebenen schönen Versprechungen verblassen und sinlen in ihr Nichts zurück vor der Stellung, welche das Zentrum der Militärvorlage gegen- über«innimmt. Der Militarismus muß schließlich zum sinan- ziellen und wirthschaftlichen Zusammenbruch führen. Der gegen wärtige Zustand des bewaffneten Friedens ist unhaltbar,% muß Abhilfe geschafft werden und kann dies nur geschehen durch allgemeine, auf internationale Verträge dasirende Abrüstung.(Beifall.) Wir hören zwar alle' Parteien seufzen und klagen über die großen Lasten des Militarismus. Doch keine besitzt den Mannesmuth, die Sache des Volkes in energischer Weise zu vertreten und keinen Mann und keinen Groschen zu bewilligen, das Volk wehr- und steuerfähig zu er- halten, um etwaige Angriffe zurückweisen zu können. Diesen Standpunkt vertritt mir rem und allein die sozialdemokratische Partei, welche dein heutigen Militarismus durchaus abhold ist und für die Schaffung einer Volkswehr, eines Milizwesens eintritt durch Ausbildung aller wehrfähigen Männer, zu welcher wohl noch eine kürzere, als selbst eine einjährige Dienstzeit ausreichend erscheint, und eine zweckentsprechende Jugenderziehung(Lebhafte Zustimmung). Die Konservativen und Nationalliberalen marschiren tedingungslos, wie vorher mit Bismarck, jetzt mit Caprivi (Bravo). Sie thun alles, was die Regierung will, oder besser gesagt, was diese befiehlt. Der Deiitschsreisinn nimmt ebenfalls nicht die Position ein, die der Reichstag Überhaupt einnehmen sollte. Das Zentrum hat eine ganz eigenthümliche Position ein- genommen. Es wird für die Militärvorlage eintreten und die neuen großen Lasten— natürlich unter Seufzen und Klagen— über- nehmen, doch wird es mit der Versicherung der unabweisbaren Nothwcndigkeit keinen Hund im Lande niehr vom Ofen zu locken vermögen.(Bravo!) Die Sozialdemokratie hat am 20. Februar bewiesen, daß sie es versteht, auch an den festen Burgen des Zentrums, von denen die schwarzen Fahnen herabwehen, zu rütteln; am 20. Februar hat unsere Vorhut vor deren Thoren gestanden, bei der nächsten Wahl werden unsere Truppen in die- selben einziehen.(Stürmischer Beifall.) Das Zentrum sucht dem Volke Sand in die Augen zu streuen durch seine Resolutionen; unser« Aufgabe wird es fein, diesen Sand als das zu behandeln, was er iff, als— Flugsand, und dem Zentrum das vekannto Mäntelchen abzureißen.(Bravo!) Die Fraktion hat einstimmig beschlossen, diesen Resolutionen nicht zuzustimmen(großer Beifall), weil sie thcils völlig gegenstands- und aussichtslos, theils den Prin- zipien der Sozialdemokratie widersprechend sind, auch die Annahme ver Militärvorlage nicht von der Annahme dieser Resolutionen abhangig ist. Der BundeSrath wird sicher der Ansicht sein: be- schließ: nur immer Resolutionen, wenn ihr nur bewilligt.(Leb- hafte Zustimmiing.) Neben der Militärvorlage beschäftigt den Reichstag auch her- vorragend die Kolonialpolitik. Neuerdings herrscht Heller Jubel über den ersten Erfolg der Politik des neuen Kanzlers, über die „Abtretung" Helgolands. Wir stehen diesem Erfolge sehr kühl gegenüber niio und der Meinung, daß die Helgoländer keinen übermäßig beneidenswerthei, Tauscy machen.(Große Heiterkeit.) Ich kam, mich nicht begeistern für diese Abtretung Helgolands, welche vor sich gegangen ist, ohne daß die Helgoländer irgendwie gefragt worden sind. Am Ende des 19. Jahrhunderts sollten derartige„Abtretungen" doch überwunden sein! Diese„Frage" scheint in enger Verbindung mit der Kolonialpolitik zu stehen. England hat für Helgoland ein großes afrikanisches Gebiet er- halten. Dies ist eigentlich das beste an der ganzen Sache, denn Deutschland wird dadurch in etwas entlastet. Es scheint nicht ausgeschlossen, daß das Deutsche Reich zum Erben der deutsch- ostafrikanischen Gesellschaft— natürlich gegen angemessene Ent- 'chävigungeii— aus ersehen ist und daß Deutsch-Ostafrika Reichs- vlonie wird. Man sagt, daß man Kolonien brauche, um die „überschüssigen" Volkskraste dorthin abzuleiten,— vielleicht braucht man sie auch, um mißliebige Personen dorthin abzuschieben, viel- leicht benöthigt man ein deutsches Cayenne!(Zustimmung.) Durch die„Erwerbung" Helgolands werden dem deutschen Volke nur neue erhebliche Lasten erwachsen, da die Insel voraussichtlich für Marinekriegszivecke ausgenutzt werden wird. Deutschland ist aber durchaus ungeeignet zu einer Seemacht ersten Ranges und kann unmöglich mit den großen Seemächten in Konkurrenz treten. Ter hinkende Bote wird bald nachkommen. Heute herrscht heller Jubel über die neue Erwerbung,— morgen wird es sich darum handeln, diese mit Zwanzigmarkstücken zu- pflastern, damit Deutschland auch auf dem Meere eine Machtstellung erlange. Wir wollen Deutschland durchaus nicht wehrlos machen, sind aber der Meinung, daß seine Kulturausgabe auf einem ganz anderen Gebiete liegs und dieselbe zu suchen habe in der Verbesserung der Lage des arbeitenden Volkes. Wenn Deutschland den Ehrgeiz hat, an der Spitze der Zivilisation zu marschiren, so soll es diese Fahne entrollen, dann wird es sich eine ehrfurchtgebietende Stellung erringen und alle Völker werden ihm jubelnd zujauchzen!(Rauschender Beifall.) Eine weitere Vorlage, die den Reichstag beschäftigt, betrifft die Erhöhung der Beamtengehälter. Da nun Deutschland einmal ein Militärstaat ist, so steht die Erhöhung der Gehälter der Osfi- ziere und Aerzte des Landheeres und der Marine natür- lich im Vordergründe. Wir sind entschlossen, diese abzu- lehnen, und der Meinung, daß hierzu keine'Veranlassung vorliegt. Erst unlängst hat der Kaiser sich gegen den Luxus der Offiziere gewandt, also kam, die Nothlage doch unmöglich so groß sein. Zudem rekrutiren sich die Offiziere aus Kreisen, denen durch die bestehende Zoll- und Steuerpolitik Millionen zufließen, welche aufgebracht werden müssen von der breiten Masse des Volkes, die kaum in der Lage ist, sich den nothwendigen Lebensunterhalt zu erwerben. Darum iveroen wir diesem Theile der Vorlage ein glattes rundes„Nein" entgegen- setzen!(Beifall.) Das Gleiche wird geschehen betreffs derjenigen Beamten, deren Gehälter keineswegs als„unauskömmlich" be- zeichnet werden können. Die Hauptsache ist die Aufbesserung der Gehälter der kleinen und mittleren Beamten, deren Dienst zudem weit größere Anstrengungen erfordert, die bis zu 14 Stunden täglich arbeiten müssen, während die höheren Beamten einen sechsstündigen Normalarbeitstag haben,(große Zustimiming), hinter welchen der von den Arbeitern geforderte achtstündige— — so viel verschrieene— Arbeitstag noch weit zurückbleibt. (Bravo!) Auch mit der Vorlage der Geiverbe-Schiedsgerichte hat sich der Reichstag besaßt. Die Klassenlage der Arbeiter kann durch derartige Palliatiomittelchei, in keiner Weise geändert, d. h. ver- bessert werden in erforderlicher Weise, ebenso wenig durch die bereits bestehende„Sozialreiorni". Nur durch die Umwandlung der kapitalistischen Produktionsweise in eine genossenschaftliche kann die Lage der Arbeiter sich zu einer befriedigenden gestalten. Doch sind wir bereit, alles, was von der heutigen herrschenden Gesellschaft zu Gunsten der Arbeiter zu erreichen ist, anzunehmen als Abschlagszahlung. Denn ein Sieg ist nur zu erringen mit einer Arbeiterklasse, die noch nicht durch Hunger und Elend dezimirt und degenerirt und noch nicht so tief gesunken ist, daß sie alles willen- und theilnahmslos über sich ergehen läßt(Bravo!), in stumpfer Gleichgiltigkett vegetirt. Aus diesem Grunde nehmen wir alle Reformen, Erleichterungen und Gesetze an, sofern sie das Mindestniaß unserer Ansprüche er- süllen. Anderenfalls lehnen wir sie ab und wird diese Ablehnung von den Arbeitern wohl richtig verstanden und gewürdigt werden. Ans diesem Grunde könne» wir der Vorlage in ihrer jetzigen Gestalt unsere Zustimmung nicht geben. Ties Gesetz ist keine Sozialresorm, dies Gesetz wird keine Ver- söhnung der Gesellschaftsklasse», sondern nur noch eine größere Verbitterung hervorrufen, da es auch nicht eine Spur von Gleich- berechtigung der arbeitenden Klassen enthält. Jeder denrungS- fähige Arbeiter wird der sozialdemokratischen Partei Dank wissen, daß ste ihn, was an ihren, Theile ist, vor diesem Gesetze bewahrt hat.(Große Zustimmung.)— Redner legt in eingehendster Weise die verschiedenen Bestimmungen der Gesetzesvorlage uno die da- bringen werde. Mit unserem Entwürfe eines Arbeiterschutzgesetze«.� haben wir den Weg gezeigt, wie auch auf dem Boden der Heu- tigen Gesellschaftsordnung den arbeitenden Klassen in wirksamer Weise geholfen werden kann. Anstatt diesen Entwurf anzu- nehmen, verstehen sich die herrschenden Klassen nur zu unerheb- lichen Konzessionen. Auch von diesem Reichstag in seiner noch bestehenden Zusammensetzung ist nichts zu erwarten. Durch die Ergebnisse auch dieser Reichstagssession sind wir von der Werthlosigkeit des Parlamentarisnuis noch mehr über- zeugt worden. Unsere parlamentarische Thätigkeit ist im Wescnt- lichen eine agitatorische, ein Mittel, um Ausklärung in die Massen zu bringen, da die Tribüne des Parlamentes die einzige Stelle ist, von der man frei zum Volke reden kann. Auch dient unsere Anwesenheit im Reichstage dazu, noch Schlimmeres zu verhüten. Viel Positives können wir nicht leisten, da das Ver- hältniß der Zahl unserer Parteigenossen zu der unserer Gegner im Parlamente e,n zu ungünstiges ist. Wir find vielmehr auf den Weg der Kritik angewiesen, durch welche es uns ermöglicht wird, der falschen Ardeiterfreundlichkeit die Maske abzureißen, unsere Grunosätze im Volke zu befestigen, wozu jeder Genosse im Lande mitzuhelfen verpflichtet ist. Drei yochbedeutungsvolle Tage sind in diesem Jahre zu ver- zeichnen, drei erhabene Mcrksteine in der Geschichte der Arbeiter- bewegung. Der erste ist der 20. Februar, welcher bewiesen, daß und wie wir im Vormarsch begriffen sind, daß nichts den Sieges- lauf der Sozialdemokratie aufzuhalten vermag. Der zweite ist der I.Mai, welcher auch in Deutschland in einer Weise gefeiert wor- den ist, daß die Parteigenossen stolz darauf sein können. Aller- dings mußte mit den augenblicklichen Verhältnissen gerechnet werden und thöricht wäre es gewesen, wären noch mehr, als thatsächlich geschehen, Existenzen aufs Spiel gesetzt und Arbeiter aufs Straßenpflaster geworfen worden, was an dem Sinne der Feier durchaus nichts geändert hätte. Im Geiste, im Denken, Fühlen und Wünschen waren die Arbeiter der ganzen Welt an diesem Tage doch eins und haben manifestirt für die Verkürzung der Arbeitszeit. Der dritte Merktag und Merkstem steht uns noch bevor. Es ist der 30. September. An diesem Tage wird jenes Gesetz, das uns 18 Jahre beherrscht, sang- und klanglos in oen Orkus hinabsinken. Die Geschichte dieses Gesetzes bildet eine fortlaufende Reihe sozialdemokratischer Siege. Der 20. Februar ist das beste Zeugnis! von der„erziehlichm, Wirkung" des Sozialistengesetzes.(Stürmisches Bravo.) Man hat endlich einsehen gelernt, daß sich Ideen nicht mit polizeilichen Machtmitteln todtschlagen lassen; daß Ideen, für welche wahrlich nicht die Schlechtesten Gut und Blut, Freiheit und Vaterland ge- opfert haben, sich nicht unterdrücken lassen, auch wem, hinter jedem Sozialdemokraten ein Polizist stände.(Stürmischer Beifall.) Viele der Ausgewiesenen werden zurückkehren— viele auch nicht— aus fremden Landen, über den Ozean und werden von uns cinpfangen werden als Brüder und anfgenommei, mit offenen Armen und der Ehre, welche sie verdienen. Gemeinrechtliche Verhältnisse werden auch für uns wieder zurückkehren; doch diese Umge- staltung wird uns erhöhte Pflichten auferlegen. Wenn auch Pult- kamer augenblicklich nicht mehr herrscht, er kann doch zurückkehren. Die Ausgabe der sozialdemokratischen Partei wird es sein, darüber zu wachen, daß gewisse Wünsche nicht in Erfüllung gehen, daß keine Kanonen aufgefahren werden. Das Ende der Herr- schaft des Svzialistengesehes wird ein erneutes Ausblühen und Gedeihen der sozialdemokratischen Partei in, Gefolge haben, die Hoffnungen auf Spaltungen werden elend zu Grunde gehen. Die sozialdemokrntische Partei bleibt, was sie gemcscii ivar, während und nach dem Sozialistengesetz. Die Fuhne bleibt dieselbe, die Fahne der Liebe, der Menschlichkeit, unter der sich ihre Anhänger schaaren, um Verhältnisse zu schaffen, unter denen es sich lohnt, Mensch zu sein, nicht nur für Millionäre. so.chern auch für Arbeiter!(Brausender, nicht enden wollender. sich uuminer wieder erneuernder Beifall.) Vo» einer Diskussion wurde auf Antrag deZ Herrn Engler Abstand genommen und einmüthig folgende Resolution beschlossen: „Die am 20. Juni im Elysium abgehaltene große öffent- "che Volksversammlung erklärt sich mit den Ausführungen des Referenten, Herrn Reichstagsabgeordneten Paul Singer, voll und ganz einverstanden, sowie, daß nur durch die Sozialdemokratie die Rechte und Freiheiten des Volkes geschützt und erweitert werden können. Für das entschiedene Vorgehen gegen die immer neuen Militärforderungen wird der sozialdemo- kratischen Fraktion des Reichstages volle Anerkennung ausgesprochen und beschlossen, dieses Vorgehen energisch zu unterstützen." Mit einem dreifachen Hoch auf die internationale Sozialdemokratie schloß der Vorsitzende die imposante Volksversammlung, welche im Anschlüsse chieran dem Abgeordneten Paul Singer be- geisterte Ovationen darbrachte. 8, ffätt 2« bei fflotjmonn, eme Versammlung ab. Tagesordnung: i. Vortrag des Herrn «KBrawr».TMa«ms«» »nd S.gräl>,.iI!K»ssr riir Frauen und Mädchen o/ Montag, den 23. Hunt, Abends% Uhr, Esncraloersanimlung tn fflcwer S Lokal, Neue Grünstr. u. Tagesordnung! i. Siattttenberalhung. 2. Kassenaug- eacnh-N-n. Um zahlreiches Erscheine» wird ersucht. uÄ-«8a 2i' Abends 8% Uhr, in DeigmullcrS Salon, Alte Jakob- «vole iissrntiich, mmiung ü« jiiiriibinbt,»üb®cnii3,cito[Iin «ndreas�si 23' 1S00' ail,eni>ä 9 u',r' 1,1 L°eI'S EescllschaslSsalen, Nrrrinigiina der Drechsler Deutschland». lOrtSverwaltung 1.) Ver- samuilung am Montag, den 23. Juni, Abends 8 Uhr, in Sahm'S Klubhaus, Annenstrahs is. Tagesordnung: i. Geschäftliches, s. Vortrag des Herrn Tr. Bruno Wille, über: Kommunisiengemeind: Jkaria. 3. DiSkusilon. t. Verschiedenes. Entgegennahins von Beiträgen, sowie Ausgabe der Fachzeitung jeden Sonnabend, Abends von 8%— io Uhr, im Restaurant Pähold, Reichen- bergsrstr. ic und DrcSdenerstr. Iis bei Gründet. itU- u»d Disstutirlilnl»„Vlargrurath". Sitzung am Montag, den 23. Juni, Abends 8 Uhr, bei Scholz, Licbenwalderflr. 20. Tagesordnung: 1. Vorlesnug. 2. TiStnssio». 3. Verschiedenes und Fragelasten. Gäste durch Mitglieder eingeführt haben Zutritt. Die Mitglieder werden gebeten recht zahlreich zu erscheinen. Nrr«i»ig»ng der Drechsler Deutschlands, Grtsverwaltung 1, Montag, den 23. Juni, Abends 8 Uhr, in Sahm'S Klubhaus, Annenstraße IS: Versamnilung. e-thi che«esellschast. Sonntag, den 22. Hunt, Abends 8% Uhr, in Schneider's Salon, Belforterstr. 16, Vortrag des Herrn Tr. Bruno Wille über: ,.DeS Bösen ArbeitSlheilung." Nachher gesellige Unterhaltung und Tanz. Gäste, Tamen und Herren, willlomnien. Lese- und Dioliutirlilub„Zukunft" in Cäpeiiiäi. Jeden Dienstag, Abends 8% Uhr, Sitzung im Lokale des Herrn Schmidt, Grünauerstraße. Gäste durch Mitglieder eingeführt haben Zutritt. ,A iljtung, üchiiridrr Kertin». Große öffentliche Schneiderversammlung am Dienstag, den 24. Juni, AbcndS Uhr, in Sratwsil'S Bierhallen. Kom- Mandantenstraße 77—7». Tagesordnung: i. Die Harlekinaden des Schneider- meisterS Faßhauer aus Köln, aus dem deutschen JnnungStag und das deutsche Handwerk im 14. Jahrhundert und jetzt. Dieser Gegenstand dürste sür Meister und Gesellen genügend Veranlassung sein, recht zahlreich zu erscheinen. Außer- dem ist Punkt 2, die Geschäftspraktiken der Firmen Hermann Hoffmaun, Frtedrichstraße 60; Schöndubc, Charlottenstr. 60; Baum, Leipzigerstr. 107 und viele Andere zur Besprechung gestellt werden. Sowohl Werkstatt als Haus- arbeiter der betreffenden Geschäfte sind dringend aufgefordert, recht zahlreich zu erscheinen. Die Siebener Kommission. Dergniianngsverein„Sron«l". Sonnlag, den 22. Juni, Landpartie nach Belitzhof, Wannsee. Abfahrt Lothringerstr. 67, Früh 0% Uhr. Theil- nehmer werden gebeten pünktlich zu erscheinen. «rolle üsscntliche ziersammliing der Ardeiter»»d Arbeiterinne» der Schäftebranche am Montag, den 2S.Ju»i, Abends s'i Uhr, in Silieffer'S Salon, Jnselstr. 10. Tagesordnung: 1. Wirihschaftlicher Vortrag. Referent: Ein sozialdcmokr-altsch-r NcichLIagSabgeordnet-r. 2. Wie stellen wir uns zur Berliner Zentral-Stretk-Konlrolkommisston. Referent: R. BaginSki. 3. Ver- schiedeneS. Verein zur Klahrung der Interessen der Schuhmacher. Versamm- lung am Montag, Abends 8% Uhr, im Lokal Weddingpark, Müllerstrab- 178. Tagesordnung: Vortrag des Herrn M. BaginSlt. Die Kollegen werden ersucht ihre Beiträge zu entrichten. Achtung! Ardeiter! Arbeiterinnen! Bei der Firma Trapp uai Münch ist wegen Lohndisserenzen ein Streik ausgebrochen; wir ersuche» au» den Zuzug nach der dortigen Fabrik strengstens fern zu halten. Zur«r fprcchung dieser Angelegenhett"" M im oberen Saale von � lung der Glaeee- und„v-„>>„, jlnterstntiungsuerein der Schneider. Montag, de» 30. Juni: Kroße» Sonnnerfest verbunden mit Konzert, Theater»nd Ball findet in Puhlmann» Salon, Schönhauser Allee 148 statt. Billets sind zu haben für 30 und 60 PH bei Rühle, Landwehrstr. 6—0, vorn 3 Tr: Gortsch, Reue Xönigstr. 23, Hol Quergeb..... Verein der«inieder Tischler. Sonntag, den 22. Juni, Vormittag» io% Uhr, im VereinSIokale Neue Friedrichstr. 44: Mitgliederversammlung- Tagesordnung: i. Ueber den Arbeitsnachweis, s. Verschiedenes. 3. Fragt- lasten. Gesang-, Turn- und gesellige Vereine ete. am Montag: Gesang- verein„Sängerlust" Abends» Uhr im Restaurant Landsberegstraße 80.— Liedertafel der Maler und verwandlen BerufSgenosscn, Restaurant Berg, Kaiser- Franz-Grenadicr-Platz Nr. 7. Aufnahme stimmbegabler Kollegen.— Mänaer- gesangveretn„Weiße Rose" Abends» Uhr im Restaurant Kleine Gerichts- ftraße 10.— Männsrgcfangveretn„Eintracht I" Abends 9 Uhr Köpnicker- ftrabe 08 im Rcstaurani.— Gesangverein„Echo 1872" Abend» Uhr Oran>en- ftraße 190.—„Deutsche Liedertafel" Abends» Uhr, Oranienstraße i»o. T VergnügungSveretn„gick-Zaik" AbendS 9 Uhr in Mowe'S SesellfchaslShauS, Fichtcftraße 29.— Verein„Lustig" AbendS» Uhr bei Thamm, Schönhauler Allee 28.— Verein„Rattbor" AbendS 8% Uhr im Königstadt-Kafino, Holz- marktstr. 72.— Abends'scher Stenographenverein„Apollobund" AbendS 8% Uhr Thurmstrabe 31(Moabit).— Wissenschaftlicher Verein für Roller'sche Eteno- graphte AbendS 8% Uhr im Münchener BrüuhauS, Neue Friedrichstr. I, U-tter- rirfitS' unS ttöTAuo-iitSf+ifrtSf»_ fftrtitrftffitf» 4 IT kSllfrtt'S Pnfrt f . Uhr bei Kloth, DreSdencrstr. io.— Zitherklub„Waldrose" AbendS%» Uhr- Uebungsstunde bei Schneider, Albertstr. 8, Dirigent: Wegener. Ausnahme neuer Mitglieder. Gälte willkommen.— Bandonion- und Jnstruininlalveretn „Melodia" MonlagS von 9 bis 11 Uhr AbendS, Retchenbergerslrabi 16.— „Vergnügungsvercin FrcundeStreue" Abends 8% Uhr im gtestauran Prcutz, Prinzenstr. 97. Gäste willkommen.— Rauchklub„Goldene Quaste„ Abends 9 Uhr, Restauration Barntmstr. 21. Gäste willkommen. Vvrefknlkett dev Nedaltkion. T. 300. Nein. Akasia. Uns ist von Ihrer Angelegenheit nichts bekannt. MW" Verspätet, Allgrur. Kraukeit- und Kterbekasse der dentschr»-DrechsUr und Lernfsgenosten(E. H. 8G). Verwaltungsstelle Berlin A. Den Mitgliedern hiermit zur Nachricht, daß unser Kollege, der Drechsler Gustav ScBionfeEidieB*, | am 14. Juni in Ober-Lichtenau an der Lungenschwindsucht verstorben ist. Die Beerdigung erfolgte ebenfalls dort. 2066 I. 31.: Der Bevollmächtigte: F. Rauch. Grtskrnnkenkasfe der Ctsjnrmnnnchev, Tabakspinner «nd Ci'zarrensortirer in Krrlin. III. Aachtrag zum Statut. Art. I. Der§ 24 des Statuts erhält folgende neue Fassung: Die wöchent- lichen Beiträge betragen: 1) für erwachsene Kassenmitglieder 45 Ps. 2) für Mitglieder unter 16 Jahren und für Lehr- linge 21 Pf. Art. II. Dieser Nachtrag tritt am 1. Juli 1890 in Kraft.[2067 Der Vorstand. Heinrich Frank. Sebastian Groebel. Fachv. der Tischler. Korgeu, Montag, Abends 83/4 Uhr, in Jopdan's SaDon, Neue Grünstraße 28: 2103 Montag, den 23. Juni, Abds. 8V2 Uhr, Oranienstrasso 180: Versammlung. Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn Paul Litlin. 2. Vcreins-Angelcgenheiten(Ausgabe der statistischen Fragebogen). 3. Verschiedenes. 2092 Aufnahme neuer Mitglieder. Gäste willkommen. Zu zahlreichem Besuch ladet ein Der Vorstand. Eibische Gesellschaft. Sonntag, den 22. Juni, Abends S'/a Uhr, in Schneider's Salon, Bel- sorterstr. 15, Vortrag deS Herrn Dr. Bruno Wille über:„Des Bösen Ar- beitstheilnng." Nachher gesellige Unter- Haltung und Tanz. Gäste(Damen und Herren) willkommen._ 5048 Allen Freunden und Genossen die traurige Mitthcilung, daß mein Mann, der Nähmaschinen- Händler Emil Franke im Alter von 46 Jahren am 20. Juni, Morgens um 7Vs Uhr, nach schweren Leiden sanft ent- schlafen ist. 2076 Die Beerdigung findet am Sonntag, Nachmittag 5 Uhr, von der Leichenhalle der Freireligiösen Gemeinde, Pappcl-Allee, stalt. Um stilles Beileid bitten die trällernden Hinterbliebenen. Emma Franke und Tochter. Sozialdemokratischer Wahlverein für den V. Berliner Reichstags-Wahlkreis. Am Freitag, den 20. d. Mts., starb nach langem Leiden unser Genosse und Vereinsmitgliod, Herr Emil Franke. Seine langjährige Thätigkeit in der Partei sichert ihm ein ehrendes 3lndenken in den Herzen der Bcr- liner Genossen. 2101 Die Beerdigung findet am Sonn- tag, Nachmittags 5 Uhr, von der Leichenhalle des Freireligiösen Friedhofes aus statt. Zu zahlreicher Vctheiligung ladet ein Der Vorstand. Versammlung der Piidiih'' «nd Kerufogenostr» am Montag, den 23. d. M., 3lbeiids 8 Uhr, bei Fenske, Landsbergerstraße 37. Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn Franz Berndt: Die Bedeutung der Gesäiignißarbeit. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Billets zur Landpartie am 20. Juli werden ausgegeben. Um zahlreiches Erscheinen bittet 2104_ Der Vorstand. Gr. öffentl. Versammlung der in der Arbeiter am Dienstag, 24. Juni, Abends 8 Uhr, in Scheiier's Salon, Insel-Strasse 10. Tages-Ordnnng: Vortrag des Herrn Stadtv. Gtto Klein üoer: Die' wirthschastliche Lage der Arbeiter. Diskttssion. Berschledenes. 2071 Der Einberufer. ihre Töchter zu Schneiderinnen »(Methode Kuhn) aus- bilden lassen wollen, empfiehlt sich das Lltelier von J. P. Müller, Zimmerstr. 58, III rechts. Ausbild, theoretisch u. praktisch.[1828 W-lilA ' llTlhtm Mbl Kreuzbergstr. 9, ür 1 od. 2 Herren billig " erg. 3 Tr. b. Kubicl. Meine von vielen Vereinen und Kor- porationcn als streng reell anerkannte Kranzbiuderei und Kluttrenhandlnug befindcr sich nach wie vor 39 TkllHerßrllße 39, Ecke Wienerstraße. Zu d. vier Lorbcern. 2. Geschäft: Markthalle VII, Dresdener- Si.M 233. J_])öltz_ IraniMsiierei und Blumenhandlung Jel�e�er1, SkarnzmÄ. in der Ecke vei der Manteuffelstraße, liefert Guirlanden Meter von 15 Pf., Toppelbügel-Lorbeerlränze von 50 Pf. an. 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Mts. ist von Pritzwalker- bis Rathenowerstraße eine mit schwarzer Hornkette versehene goldene Damennlzr oerloren worden. Finder, oder wer denselben nachweist, erhält hohe Belohnung beim Portier, Friedrichstr. 239.[203- Ge nossen 147 Allen Freunden empfehle mein Weiß-«Iii) BimWec-LM. Ein Saal zu Versainmlitngen und 2 Vereinszimmer stehen zur Verfügung. Hermann Wuttke, Fpiedrictisbergcrstp. 20, part. (Nicht zu verwechseln mit Karl Wuttke, Weberstr. 10.) ___ C ö p e n i dl.__ Den Genossen von Cöpenick und Um« gegend zur Nachricht, daß ich eine Kolportage- Buchhandlung und Ioitnng« Spedition eröffnet habe und empfehle mich zur Besorgung des„Berliner Volksblatt' und„Berliner Volks- Tribüne" und onstiger Arbciterliteratur. 2010 Albert Kauert, Undowerstr. 3._ Empfehle mein Lokal zum Arbeitsnachweis und für Zahlstellen. Zimmer mit Pianino fiir Vereine. 832 Arthur Ziemer, Cuvrnstr. 16. Allen Freunden, Bekannten und Ge- nossen empfehle mein 779 Weil;- nnd Sairisdz Sier- Lokal. C. 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Der dabei am meisten intercssirte Apother H e l l iv i g, Lindcnstr. 74, welcher mit seinen Bitten uin Zurücknähme bis zum Throne vorgedrungen war, verkaufte im Oktober 1889 seine Apotheke nach zweijährigem Besitz mit rund 40 000 M. baarein Verdienst. Mit Rücksicht auf die schnelle Zunahme der Bevölkerungsziffer erscheint eine Vermehrung der Zahl der Apotheken ohne weitere Begründung gerechtfertigt, denn noch immer ent- fallen auf eine Apotheke 18—14 000 Einwohner in Berlin. Die Bestimmung, daß neu konzessionirte Apotheken innerhalb 10 Jahren seit Errichtung ohne ministerielle Zustimmung nicht verkauft werden dürfen, hat in Berlin wiederholt Anwendung ge- funden und im Jahre 1888 bei zwei Todesfällen unverheiratheter Konzessionäre sehr weitgehende Folgen gehabt. Da in beiden Fällen auch keine direkten Erben vorhanden waren, entschied der Minister dahin, daß die beiden Apotheken zu denjeigen gehörten, betreffs welcher eine qualifizirte Person mit dem Rechte zur Nachfolge nicht präsentirt werden dürfe; im übrigen aber müsse es im Interesse der Erben und etwaigen Gläubiger für angezeigt erachtet werden, daß die neuen Konzessionen nicht ohne weitere Ein- schränkung, sondern nur unter der Bedingung ertheilt wurden, daß die neuen Konzessionäre sich verpflichten, die vorhandene Apotheken-Einrichtung mit dem gesammten Inventar und Vorräthen nach einer vom Polszeipräsidiuni genehmigten Taxe zu übernehmen. Im Jahre 1888 verstarb ein Apothekenbesitzer, welcher die Apotheke vier Wochen vor seinem Tode eröffnet hatte, mit Hinterlassung einer kinderlosen Wittwe. In diesem Falle wurde der letzteren bis zur etwaigen Wiederverheirathung gestattet, die Apotheke ver- walten zu lassen. Die abgehaltenen ordentlichen Revisionen machten in. 6 Füllen Nachrcvisionen und zwar vier Mal auf Kosten der Besitzer und in 2 Füllen außerdem hohe Ordnungs- strafen erforderlich. Mit Rücksicht darauf, daß einzelne Apotheker Verände- rungen der Räume auf eigene Hand vornehmen, wurde bereits 1866 bestimmt, daß für Apotheken Umbauten neben der baupolizeilichen auch die medizinalpolizeiliche Genehmigung noth- wendig sei. Diese Bestimmung wurde infolge eines Einzelfalles ,m Jahre 1889 noch besonders verschärft. Der Vertrieb von G e h e i m mi t te l n findet in einzelnen Apotheken nach wie vor statt, soviel auch von Apotheker-Verein dagegen gekämpft wird. Die Kranken- Haus-Dispeniir-Anstalten, neun an der Zahl, wurden sämmt- uch muuergiltig verwaltet. Auch die homöopathischen Hausapotheken, deren zwölf in Berlin vorhanden sind, gaben bei den stattgehabten Revisioneu.�_zu erheblichen Aus- stellungen keinen Anlaß. Die Echloßapotheke und die Charitee- apotheke sind dem Revisionszwange durch die Polizeibehörde nicht unterworfen, werden vielmehr von den Verwaltungsbehörden, denen sie unterstehen, kontrolirt. In, Jahre 1886 fanden für elf, im Jahre 1887 für vierzehn Und 1888 für sieben Apotheken Besitzwechsel statt und zwar zu Preisen von 270 000 bis 925 000 Mark ausschließlich des Grundstücks; eine Apotheke wurde ohne Gruiidstück für 125 000 Mark verkauft. Sieben Apotheken wechselten in, Laufe von drei Jahren ihren Besitzer zwei Mal. Wir erhalten folgende« Zchreilun: Vielleicht gelingt es Ihnen, durch Veröffentlichung des Folgenden in Ihrem Blatte einem Hartbedrängten aus Unanehmlichkeiten zu helfen, in welche ich durch mangelhafte Geschäftsführung zweier Krankenhäuser und der Berliner Armendirektion gekommen bin. Am 13. Mai d. I. war ich gezwungen, meine Wirthschafterin und meine Kinder, Margarethe und Lucie, in die königliche Charitee zu schicken einer leichten Hautkrankheit wegen. Als dieselben nach vier Tagen, also am 16. Mai, wieder entlaffen wurden, bezahlte ich gleich bei Entlassung die Kur- und Verpflegungskosten für alle 8 Personen zusammen mit 17 M., worüber ich die Quittung besitze. Am 20. Mai d. I. errranite meine Tochter Margarethe an Diphtb rie. Vom Arzt wurde mir dringend gerathen, das Kind ins Krankenhaus zu schaffen. Das Kind starb nach eintägigem Aufenthalt im städtischen Moabites Krankenhause. mich keineswegs geschmeichelt, daß mir die Beamten der Armen- direktion das Haus einlaufen, denn es trägt aus keinen Fall da- zu bei, das Ansehen eines steuerzahlcnden Berliner Bürgers zu heben. Man kommt fast zu der Annahme, daß solche Geschäfts- führung nicht im wachen Zustande vollzogen wird, denn abgc- sehen davon, das Alles bezahlt ist, sind nun auch noch sämmtliche Forderungen falsch. Erstens war mein Wirthschafterin 4 Tage in der Charitee. Man verlangt von der Mutter Bezahlung auf vorläufig 3 Wochen. Zweitens betragen die Kur- und Berpfle- gungskosten für meine Tochter Margarethe 1,25 Mark. Man verlangt von nur 1 M. 75 Pf. Drittens steht in der Liquidation für meine beiden Töchter für je 4 Tage ü 1 M. 75 Pf., macht zusanimen 10 M.? Bei mir und nach Adam Riese macht dies 14 M. Solche haarsträubenden Sachen sind durchgesehen und beglaubigt durch Namensunterschrist eines höheren Beamten. Als ich im Bürcau der Charitee mit meinen Quittungen in der Hand um Aufklärung bat über die Belästigung durch die Armendirektion, wurde mir von dem Beamten gesagt, daß dies sehr häufig vor- kommt, daß sie schon ganze Stöße von solchen Akten dazuliegen haben. Die Armendirektion glaubt von mir 18 M. 76 Pf. einzuziehen. Was diese 18 M. 75 Pf. nun schon kosten— bestimmt das Dreifache. Gerade die Armendirektion sollte doch mit dem schönen Gelde etwas sparsamer umgehen und es lieber den Hilfsbedürftigen zukommen lassen. Denn bei nur schwacher Aufmerksamkeit wäre ein bedeutendes Geld zu ersparen, mit welchem so viele Thränen so Mancher gestillt werden könnte. Arthur Vöttger, Berlin NW., Bandelstr. 39. 1« dem gemeldete»„Keiruge per Telephon", bei welchem einem Jndustrieritter die Summe von 15 000 M. in die Hänve gefallen ist, erfährt das„Verl. Tagebl.", daß inzwischen der Buchhalter der geschädigten Banksirma Jarislowski u. Cie., An der Schleuse 5 a, Namens Walter Schiele, verhaftet worden ist, weil er im dringenden Verdachte steht, Helfershelfer des Telephonschwindlers zu sein. Der angeblich von dem Bank- und Kommissionsgeschäft S. Bielski(dies ist der volle Name), Burg- grafenstraße 16, W., erbetene Borschuß von 15 000 M. wäre nämlich nicht gezahlt worden, wenn der Buchhalter das tele phonisch übermittelte Gesuch um Vorstreckung dieses Betrages nicht auffallend warm empfohlen hätte. Zudem hat Schiele weder die Unterschrist des Herrn Vielski unter der Quittung. wie es seine Pflicht gewesen, mit früheren Unterschriften des selben verglichen, noch hat er diesem— dem ihm gewordenen Auftrage gemäß— einige Stunden später an der Börse das Vorgefallene mitgetheilt.— Das Signalement des Schwindlers. der den Betrug verübt, ist inzwischen ergänzt bezw. berichtigt worden. Danach ist der junge Mensch etwa 21 Jahre alt, schlank und ca. 1,65 bis 1,70(also mittel-) groß; er trug dunkles, grau- braunes Jacket, schwarzblaue, weißgestreifte Beinkleider englischer Fagon, einen schmalen, herabhängenden Shlips von stahlblauer Farbe(sog. Regatta-Fagon) und spitze englische Stiefel. Das längliche Gesicht war ziemlich gebräunt und das dunkelblonde Haar kurz geschnitten; der kleine Schnurrbart tragende Mensch sprach den Berliner Dialekt und machte den Eindruck eines ge bildeten Mannes, etwa eines Handlungsreisenden.— Zur weiteren Aufklärung der Sache dürfte vielleicht der Umstand dienen. daß der Gauner eine gefsillte Zigarrenkiste, in gelbbraunes Stroh papier ei»g«schlagc», bei sich trug. Diese Kiste übergab er gegen cA'".'——,, -Öei Empfangnahme des TodtenscheineS bezahlte ich die Kur- und Verpflegungskosten mit 1,25 M., worüber ich die Quittung eben- falls besitze. Am 21. Mar bekomme ich von der Armendirektion eine Zuschickung, in welcher mir mitgetheilt wird, daß die bei wir ,n Diensten stehende:c. Wirthschafterin 4 Tage in der Charitee war. Die Kur- und Verpfleg» ngskosten sind Vorschuß- weise aus Kommunalmitteln bezahlt und rverden in einiger Zeit von mir eingezogen werden. Ich glaubte an ein Versehen und ließ die Sache ruhen. Am 27. Mai bekomme ich von der Armen- drrektion wredcr eine Zuschickung, in welcher mir mitgetheilt wird, daß ineine Tochter Margarethe einen Tag im Moabiter Krankenhause war, wofür i M. 75 Pf. ans Kommunalmitteln verauslagt sind, welche in einiger Zeit von mir Angezogen werden sollen. Am 5. Juni kommt mir wieder ein Beamter der Armendirektion ins Haus und giebt nieiner Wirth- schafterin ein offenes Formular an mich zur Ausfüllung, welches obenauf die Worte trägt:„Stadtsergeant der 195. Armenkommission hat das vollständige Nationale der Lithograph Arthur Böttger'schen Eheleute schleunigst zu ermitteln." Uuter- schrieben von einigen höheren Beamten. Jetzt fing die Sache an, mir langweilig zu werden. Am 10. Juni bekommt meine Wirth- schafterin von ihrer Mutter aus einem kleinen Thüringer Dorfe einen Brief, in welchem die alte 70jährige Frau voller Angst anfragt, was ihrer Tochter in Berlin passirt ist. Sie schreibt, sie wäre in ihrem Dorfe zum Gemeindevorsteher bcschieden worden, von welchem ihr in Gegenwart des Kantors mit gewichtiger Miene ein Schreiben der Berliner Armendireklion vorgelesen ivnrde, nach . y. y-_____ welchem ihre Tochter bereits drei Wochen in der königlichen Charitee liegt. Sie möchte immer anfangen die Kur- und Ver- fnegungskoften mit 1 M. 75 Pf. pro Tag bezahlen. Die Mutter lehnte dies Ansinnen mit dem Bemerken ab, sie wolle erst von ihrer Tochter Bescheid einholen. Dieses wurde zu Protokoll ge- «onimen und von den anwesenden drei Personen unterschrieben. Am 12. Juni bekomme ich von der Armendirektion wieder eine Zuschickung, mit beiliegender Liquidation, in welcher mir mitge- 'heilt wird, daß meine beiden Töchter Margarethe und Lucie vom bis 16. Mai in der Charitee waren, die Kur- und Ver- pslegungskosten aus Kommunalmitteln verauslagt sind und d« Vermeidung der Klage binnen vierzehn Tagen von mir "»gezahlt sein müssen. Was nun aus dieser Geschichte noch werden wird, soll mich wundern. Wahrscheinlich kommen noch "n-ge Termine, welchen ich meine Zeit werde opfern muffen und welche mir auch pekuniären,»fügen. Auch fühle ich Schaden zufügen. 9 Uhr Vormittags dem cngagirten Dienstmann Nr. 832, der während Jener telephonirte, vor dem Börsenrestaurant an sich nehmen mußte. Vermuthlich ist die Kiste Zigarren kurz zuvor in einem Geschäfte der Schloßplatzgegend von dem Schwindler gekauft worden. Nach ausgeführtem Betrüge bestieg der Mensch einen Waggon der Pferdebahnlinie Alexanderplatz-Nollendorfplatz und fuhr mit demselben von bannen. Der Kege» der Km»ftmgsinsta», zeigte sich wiederum in einer Verhandlung, welche gestern vor der 6. Strafkammer des Landgerichts I stattfand. Auf der Anklagebank befand sich ein junges Mädchen, welches von, Schöffengerichte wegen Diebstahls zu 8 Tagen Gefängniß verurtheilt worden war. Die Angeklagte bethenerte unter Thränen ihre Unschuld. Sie arbeitete in einein Konfektionsgeschäft. Eines Sonnabends wurde in ihrer Arbeits- st, che der Wochenlohn ausgezahlt. Die Angeklagte steckte den ihrigen in die Tasche, ihre Kollegin wickelte das Geld in Papier und legte es auf den Slrbeitstisch. Die letztere begab sich ins nebenan belegene Ankleidezimmer, die Angeklagte folgte ihr gleich. Nachdem sie sich angezogen. entfernten sie sich durch eine andere Thür. Auf dem Korridor fiel es der Begleiterin der Angeklagten ein, daß sie ihren Lohn auf dem Tische hatte liegen lassen, sie eilte zurück, um es zu holen. Das Geld aber war und blieb verschwunden. Die Angeklagte wurde sofort beschuldigt, den Diebstahl begangen zu haben und trotz ihres Leugnens aus der Stelle entlassen. Nach der Behaup- tiina der Zeugin konnte eine andere Person den Arbeitsraum während der wenigen Augenblicke, wo sie ihn verlassen hatte, nicht betteten haben. Gegen die Angeklagte sprach ferner der Um- stand, daß sie bei der Beschuldigung äußerst bestürzt ge- worden sei und daß ihre Mutter sich erboten hatte, der Bestohlenen den Schaden zu ersetzen, fallsvon derErstattung einerAnzeigeAbstand genommen würde. Der Vertheidiger, R.-A. Leopold Meyer bestritt vor der zweiten Instanz, daß diese Thatsachen einen Rück- schlich auf das Schuldbewußtsein der Angeklagten zuließen. Auch ein unschuldiger Mensch würde durch den Vorivur des Diebstahls bestürzt und befangen werden. Ebensowenig könne das Auer- bieten der Mutter zu Ungunsten der Angeklagten ausgelegt werden, die letztere stamme ans einer unbescholtenen Familie und es sei immerhin hart und gefährlich, unter Anklage gestellt zu werden. Schließlich stellte der Vertheidiger noch unter Beweis, daß die Angellagte sich sofort bei der erhobenen Beschuldigung erboten habe, sich einer Durchsuchung zu unterwerfen, man war aber nicht darauf eingegangen. Die Strafkammer hielt die Ver- dachtsmomente nicht chr ausreichend, hob das Urtheil des Schöffen- gerichts auf und erkannte auf Freisprechung. Eine mrlfniüthigr Geschichte spielte sich gestern vor dem Forum der ersten Straikannncr des Landgerichts I ab und er- regte das Mitgefühl des Gerichtshofes und der Zuhörer. Da stand vor dem Richtertische ein aus der Untersuchungshaft vorge- sührtes 14 Jahre altes Mädchen, welches noch vollständig den Eindruck eines Kindes machte und unter Thränenströmen erzählte, ivie sie zu der Anklage wegen Diebstahls gekoinmen ist. Die Kleine nannte sich Anna Marie H a t t i g und war eben erst aus der Provinz nach Berlin gekommen. Schon in früher Jugend hat sie ihre Eltern, welche in Halle wohnten, verloren und im Alter von 7 Jahren wurde sie nach Königsberg ver- chlagen, wo sie einen Pflegevater erhielt, der sich weniger des Besitzes an irdischen Gütern, als eines großen Kinderreichthums rühmen konnte. Nicht weniger als zwölf Kinder hatte er täglich um sich versammelt und die kleine Pflegetochter war die Dreizehnte. Bis zu ihrer Einsegnung verblieb das Mädchen m dem Hause des Pflegevaters, dann mußte sie hinaus in die werte Welt. Ein kleines Köfferchen, welches einige Kleidungs- stücke und 8 M. baares Geld enthielt, bildeten das Besttzthum des Mädchens, mit welchem sie sich auf die Bahn setzte, um nach Berlin zu dampfen und sich hier einen Gesindedienft zu suchen. Vom Bahnhofe aus bestieg sie hier einen Omnibus, u»i nach der Jägerstraße zu fahren, unterwegs aber machte sie die Bekanntschast einer Frau, ivelche Mitgefühl mit deni so unbeholfenen, unschuldig drein schauenden Mädchen hatte und dasselbe mit in ihre Wohnung nahm, um sie demnächst in Marthashof unter- zubringen. Dies geschah auch, nach acht Tagen erschien jedoch das Mädchen mit ihrem Köfferchen wieder bei ihrer Wohl- thäterin und bat abermals um Aufnahme, da ihr in Marthashof die Arbeit zu schwer falle. Die Kleine wurde auch wieder auf- genommen, nach einiger Zeit bemerkte sie jedoch zu ihrer Betrüb- niß, daß aus ihremKoffer4M.verschwundenwaren, ohne daß sich fest- stellen ließ, wo das Geld geblieben. Sie hatte den unberechtigten Verdacht, daß ihre Wohlthäterin das Geld genommen, und als eine Frau, welcher sie ihr Leid klagte, diesen Verdacht verstärkte, benutzte sie einen unbewachten Augenblick, um sich aus dem Eigen- thum ihrer Wirthin einen Hut und eine Brochs anzueignen. Mit thrnnenden Augen versicherte sie, daß sie sich nur für ihren Verlust habe schadlos halten wollen. Der Staatsanwalt beantragte 14 Tage Gefängniß, der Gerichtshof erkannte aber auf Frei- sprechung, weil er dem Mädchen glaubte, daß dasselbe nicht stehlen wollte, sondern nur beabsichtigte, sich ein Pfandobjekt zu sichern.— Der kleine Roman des unerfahrenen Mädchens hatte das Interesse des Gerichtshofes dermaßen erregt, daß man zu Gunsten der Angeklagten im Kollegium eine kleine Kollekte ver- anstaltete, zu welcher auch aus dem Zuhörerraum beigesteuert wurde. Der Vorsitzende Landgerichtsdirektor Schmidt sorgte auch dafür, daß das Mädchen"unter sicherer Obhut direkt nach Marthashof geleitet und der dortigen Fürsorge empfohlen wurde. Ein Gpser der leidige» Driiunnationswutst stand vorgestern in der Person des Prokuristen Thomas vor der 111. Strafkammer des Landgerichts 1. Es war zur Zeit der Wahl, am 16. Januar er., als die Wogen der politischen Debatte auch in den» Tapetengeschäft, in welchem der Angeklagte als Prokurist angestellt ist, außerordentlich hoch gingen, und in den Frühstücks- pausen wurde gewöhnlich„der Staat gerettet". Am 16. Januar kam es zwischen dem Lehrling Paul Grube und dem Angeklagten zu einem Gespräch über die Wahlen. Letzterer sprach die Ansicht aus, daß die Konservativen durch die Wahlen an die Wand ge- drückt würden. Der Lehrling Paul Grube fühlte sich hierdurch, wie er vorgestern dem Gerichtshofe verrieth, in seinen konservativen Anschauungen verletzt und opponirte. Als darauf sein Gegner die Bemerkung machte, daß er keinem Offizier aus dem Wege gehe, da diese Herren doch nur von dem Gelde der Steuerzahler leben, erklärte ihm der Herr Lehrling Paul Grube, daß er von Lffent- lichen Dingen doch sehr wenig verstehe, da er sonst wissen müsse, daß die Offiziere lediglich der Kaiser aus seinen eigenen Mitteln unterhalte. Dieser Weisheit widersprach nun aber der Angeklagte, und in der Hitze des Gefechts gebrauchte er mit Be- zug auf die Person des Kaisers einen Ausdruck, der im Allge- meinen nicht schwer ins Gewicht fällt. Herr Paul Grube trug den Aerger über diese Aeußerung ziemlich lange mit sich herum(!), denn erst am 3. Februar war sein Herz so voll, daß er zum> Staatsanwalt lief und gegen den Prokuristen Thomas die An- zeige wegen Majestätsbeleidigung erstattete. Die nächste Folge davon war, daß der Lehrling aus seiner Stelle entlassen wurde, da sein Chef erklärte, daß er Denunzianten in seinem Geschäft nicht dulde. Der Angeklagte bestritt, die qu. Aeußeruna nut Bezug auf die Person des Kaisers gethan zu haben mid behauptete, daß dieselbe auf die Offiziere gemünzt gewesen sei. Da aber ein Ohrenzeuge die Angabe des Denunziaiiten bestätigte, so beantragte der Staatsaiiivalt gegen den Angeklagten 6 Monate Gefängniß. Der Gerichtshof war jedoch mit dem Rechtsanwalt Wronker der Meiniing, daß die rnkrimiuirte burschikose Rede- wendung nicht auf eine Niedrigkeit der Gesinnung, sondern viel- mehr auf eine Unbedachtsamkeit beim Sprechen zurück zu führe», sei, und ermäßigte deshalb die Strafe auf zwei Monat« Festungshaft. VeriÄmmlungen. Die Freie Dereiniguttg der Bauarbeiter Kerttua hielt am Sonntag, den 15. Juni, Vorm. 11 Uhr, in Scheffer's Salon, Jnselstr. 10, ihre erste Mitgliederversammlung mit folgen- der Tagesordnung ab: 1. Wahl des gesammten Vorstandes. 2. Vereinsangelegenheiten und Berschiedenes. Aus der Wahl gingen folgende Kollegen hervor: Ernst Gutsch als erster und Friedrich Marasas als zweiter Vorsitzender, Oskar Sprenger als erster und Hermann Grimm als zweiter Kassirer, Karl Deredder als erster und Karl Kandale als zweiter Schriftführer, Gustav Dralle, Hermann Vetter und Heinrich Wustrow als Revisoren. Die Fachkommission wurde aus folgenden neun Kollegen gewählt: Louis Steinberg, Louis Kohlstädt, Hermann Kerger, Hermann Berfelde, Wilhelm Schwarz, Ernst Wittig, Ernst Memaß, Wilhelm Wernau und August Rauhut. Außerdem wurden noch drei Kollegen für den Norden zum Festkomitee nachgewählt und zwar Louis Steinberg, Karl Bandekow und Gustav Berger. Hiermit war der erste Punkt der Tagesordnung erledigt und wurde zu Vereins- angelegenheiten geschritten. Von dem Vorsitzenden 5tollege Gutsch wurde ein Unterstützungsgesuch der streikenden Weber und Weberinnen zu Greiz verlesen, welches ihm bereits am 4. d. Mts. zuge- stellt worden ist aber nicht friiher berücksichtigt werden konnte, weil dem Vorstande die Machtbefugnisse über derartige Sache» zu niedrig bemessen sind, somit mußte es der Mitgliederversannn- lung vorgelegt werden, von welcher es nach kurzer Debatte mit 30 M. erledigt wurde. Zu Verschiedenes wurde vom Kollegen P. Schröder den Mitgliedern mitgetheilt, daß von jetzt ab die Liedertafel jeden Montag Abend Gr. Hamburgerstr. 4, ihre Uebungsstunde abhält und forderte um rege Betheiligung auf, weil sie jetzt nur 12 Mitglieder zählt. Hierauf wurde von Kollege Wernau der Antrag gestellt, die Liedertafel aufzuheben oder ihr die Unterstützung von Vereinswegen zu entziehen, weil sie der Vereinigung durchaus nicht nutzbringend ist und die Gelder zu etwas Besserem verwandt werden könnten. Nachdem sich noch ein paar Redner für und gegen ausgesprochen hatten, wurde von Kollege Rennthaler der Antrag gestellt, die Liedertafel bis zu unserm Stiftungsfeste, welches am 19. Juli stattfindet, bestehen zu lassen, dann soll sie zeigen, ob sie sähig ist noch weiter zu stmgiren. Von Kollege Noack wurde angeführt, daß er sein Bedauern dariiber aussprechen müsse, daß die Betheiligung au dem Fach- organ„Der Arbeiter" nicht mehr Fortschritte macht, eS wäre doch die Pflicht eines jeden Kollegen dahin zu wirken, um das Organ mehr zu verbreiten. Zum Schluß wurde noch von Kollege Wernau der streikenden Kollegen Hamburgs u. s. w. mit warme» Worten gedacht und das Thun und Treiben der Polizei im Dienste des Kapitals einer scharfen Kritik unterzogen, weil gerade dadurch den, Arbeiter die Wege, welche ihm auf Grund des KoalitionS- rechtes offen stehe», durch solche Machinationen gesperrt werden und für den Arbeiter so gut wie gar kein Gesetz besteht, welches ihm erlaubt, Schritte zu thun, um seine traurige Lage zu ver- bessern. Hierauf folgte Schluß der Versammlung. Hamburger Maurerl dS Alle aus Hamburg hier arbeiteuden Maurer werden dringend gebeten, heute, Sonntag, yorm. 90 Uhr, Puttkamerstr. 93(Restaur. Schulz), zu erscheinen. Alle Berliner Kollegen werden dringend gebeten, den Hamburgern dies mitzutheilen. Sid, Baker. OenepaSveraasrömlung der Freien Vereinigung der Kartonarbeiter am Dienstag, i»en Ä4. Juni rr., Abend« 8 Uhr, bei Henke, Klumenstrasze Ur. 38. Tagesordnung: I. Wahl des gesainmten Vorstandes. 2. Verschiedenes und Fragekasten. Mitglieder werden ersucht, ihre Beiträge zu entrichten. [2074 Die Um zahlreiches Erscheinen bittet Der Norstaud. DeuWzer Schneider-Uerband iFiliüle Btrlinj. Dampler-Parüe nach Woltersdorfer SohBeuse am Montag» den LZ. Juni d. J. 2072 Abfahrt Morgens 7 Uhr vom Restaurant Migei, Stralauerstraße 57. Billets ä 1,50 M. sind zu haben im Zigarrenladeu, Grenadierstraße 7, sowie bei H. Elteste, Restaurant, Stralauerstr. 58, und soweit der Vorrath reicht, auch Montag früh auf dem Schiffe. Um zahlreiche Betheiligung aller Kollegen und Freunde des Vereins bittet Das Komitee. Große öffentliche Versammlung siimmtl. in Wn Glatze- v. KartoilMer-Fabrikev beschastigter Arbeiter u. Arbeiteriilaea Berliks a. lliilgegeaij am Montag, den 23. Juni a. c., Abends 8 Uhr, in Feuerstein s Salon, Alte Jakobstr. 75. Referent und Tagesordnung werden in der Versammlung bekannt gemacht.[2080] Der Einberufen. MooSeBie&ape, 1 An Dresden befinden strij die Kollegen in der Lohnbewegung. Zuzug ist unbedingt fernzuhalten. 1032 StelleaverUittelvng bes Gaavereias Verl. Vilbhaaer. l&GMwMg I Grosse öffentliche Versammlung sämmti. in d. Marmorbranche beschäftigten Arbeiter Berl. u. Umgeg. am Dienstag, d. 24. d., Abds. SVs Uhr, in Deigmiiiier's Laien, Alte Jakobstr. 4Sa. Tagesordnung:[2038 1, Ruhen einer Zentralisation. 2. Stellungnahme zur Streik-Kontrol- Kommission. Referent:" F. Zubei l. 3.'Diskussion. 4. VerschitdeiW. Pflicht eines Jeden ist es, in dieser Versammlung zu erscheinen. Der Einbernfer. WM" AcMwmg 2 Karton- Arbeiter und-Arbeiterinnen. Sammel-Listcn z. Unterstubung der Gpfer der Fabrikanten» Knmanität sind in Empfang zu nehmen, ebenso auch abzuliefern zu jeder Tageszeit bei Henke, Kiumenstr. 38. Thut Eure Schuldigkeit, eS sind meistens Verheirathete, die�zu unterstützen sind. 2043]_ Die Kommission. Große iWtliche Versamlnllg der Knchbinder n. verw. Kernfsgenojsen am Montag, den L3. Juni, Abend« 9 Uhr, in JoSI's Gescllsciiafts-Säien, Andreasstralze 21. Tagesordnung: 1. Die Arbeiterschutz-Gesetzgebung. Refer.: Reichstags-Abg. Moikenbnhr. 2. Diskussion. 3. Stellungnahme zur Zentral-Streik-Kontrolkoinmission. 4. Dis- kussion. 6. Verschiedenes.— Zur Deckung der Unkosten findet Tellcrsaminluug statt.]2045] Der Einberufer: Kohihardt. Achtung I Klavierarbeiter! Sommerfest des Vereias zur Wahrmig ber Zateresseil der Klaoierarbeittt und uerwandter Kernfogenossen Neue W e 8 1, HasenhaicBe, Montag, den 23. Juni, bestehend aus Konzert, Spezialitäten- V oi'stellg., Kinderbelnstigimgcn, Feuerwerk. Tanz in sämmtlichen Sälen. Die Kaffeeküche ist von 2 Uhr an geöffnet. Billets ä 30 Pf. sind zu haben bei den Kollegen Voglsang, Wiener- straße 44; R. Schmidt, Stralauer Platz 23, Hof 1 Tr.; Rrediger, Dieffenbachstr. 59; H. Nagel, Wienerstr. 25, Hof 3 Tr.; S p a r f e l d, Sorauerstr. 27; Paul, Adalbertstr. 64, sowie bei sämmtlichen Vorstandsmitgliedern, im Arbeitsnachweis bei Win her, Ranuynstr. 73 und in allen mit Plakaten belegten Handlungen. 1651 Kronengarn l°o' ist das beste Uähgarn für Kand- u. Maschinen» Uaherei, hat in allen Nummern garantirt volles Man st, ist haltbarer als jedes andere Garn, näht in- folge seiner Geschmeidigkeit auf jedem Maschinensystem gleich gut. 890 Schutzmarke. Schwarzes Kronengarn, verändert feine Farbe«,e. Weiße« Kronengarn Man achte auf die nebenstehende Kchntzmarke \WV Zu allen soliiitil Geschlistea her Braache Willi. Möbel auf Theilzahlung Lothriagerjtr. 73. Hugo Lewent. 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