Itr. 145. Donnerstag, iren 36. Juni 1890, 9. Jahrg. Hrgan für die Interessen der Arbeiter. ersckie!.,..- r r. cm®a.ä..Berliner Volksblatt" ff Nnten �"Setragey in der PostzeituiigSpreiSlistc für I8S0 unter Nr' V Nacktraa� Krenkband mg. ch durch die Expedition, für Teutsch�nd und O ,«-Ut,aaru S zilarl!. für das übrige Ausland 3 Mark pro Monat. 8 Jnsertionsgebühr. tmr beträgt für die S gespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pf., für Vereins- und VersanimlunaS« Anzeigen 20 Pf. Inserate werden bis 4 Uhr Nachmittags in der Expedition, Berlin Siv., Beuthltraße 3, sowie von allen Annoncen-Bnreaur, ohne Erhöhung des Preises, angenommen. Die Erpedition ist an Wochentagen bis 1 Uhr Mittaas und von 3—7 Uhr Nachmittag?, an Sonn- und Festtagen bis 9 Uhr VoiinittagS geöffnet. -• Fernsprecher: Amt VI. Ur. 4106.»» ZledAkkion: WeukMvMv 3.— Expedikitm: BvukMvMe S. Herr Miquel. Dem neuen Finanzminister fehlt es wahrlich nicht an Weihrauch-auf allen Seiten werden die Rauchfässer ge Ichwenkt. Wir stehen dieser Erscheinung sehr kühl gegen über, denn die Finanzlage des Reiches ist nicht erbaulich, leine Schuldenlast wird durch die Kosten des bewaffneten O'riedens in raschem Tempo gesteigert und Herr Miquel wird so wenig als ein Anderer finanzielle Wunder thun sonnen, wenn er auch an sich bedeutender und befähigter 'It, als sein Vorgänger. Er ist glücklicher gewesen als sein Rivale, Herr ?.o n B e n n i g s e n, der nun trauernd auf seinem kuru- uschen Sessel im Reichstage geblieben ist und zuweilen ichnsiichtig»ach den Sitzen dee Minister und der Bundes rathe emporschaut. Der arnie Herr von Bennigsen! Ei Ä. l10ch«schmiegsame r" gewesen, als sein Freund -chiquel, was gewifi nicht wenig heißen will, und dennoch 1"* Seufzer nicht erhört worden. Vielleicht findet »rofi m den Dichterworten: „Aus meinen Thränen sprießen Biel blühende Blumen hervor Und meine Seufzer werden . Ein Nachtigcillenchor"— enn ein fafch poetischer Stoffwechsel wirklich möglich ist Die nationalliberale Partei als solche stinimt Jubel- Hymnen an. Ein Mitglied der Partei in der Regierung, oas schwellt jede Sireberbrust von Neuem und der jüngste imttonalliberale Assessor will platzen von Hochgefühlen, oenn nun kann auch er Minister werden. Die Herrchen sollen nur das warnende Beispiel des Herrn v. Bennigsen klcht aus den Augen verlieren. Im klebrigen kann die Freude der bei den letzten Wahlen so sehr abgetakelteü Partei sich sehr leicht in Trauer verwandeln.'Denn diese Partei ist ja nicht zum «ordern. und Widerstehen, sondern nur zum Gehorchen und Unterwerfen da, und was die Partei draußen im Parlament thut, das wird auch ihr Parteigenosse in der Pegicrung selber thun. Nach dem Eintritt des Herrn -Riquel bleibt die Regierung genau so konservativ wie Zuvor. Dazu kommt, daß dem neuen Finanzminister die schwierige Aufgabe erwächst, Deckung für die neuen Heeres- ausgaben zu suchen. Wir wissen nicht, wo er sie her- uehmen will; wenn er aber neue Belastungen bringt, so wird das Odium derselben an ihm und somit an der ganzen nationalliberalen Partei hängen bleiben. Im Nebrigen trauen wir ihm schon zu, daß er Ideen hat; er wird nicht, wie Herr von M a l tz a h n, die Volksvertreter anflehen, ihm bei der Aufsuchung neuer Eteuerquellen behilflich zu sein. Vielleicht verdankt Herr -Jeuillekcm. Nachdruck verboten.! [C7 «Zttttt Giiick der Dante»." Roman von E m i l e Z o l a. Antorisirte Ucbcrsetznng von Armin Schwarz. P"o sie kehrte wieder zur Thür zurück, allein, Denise ihr in den Weg. Sie hatte ein dninpfes Gemurmel loinincn, das sich ans der Straße näherte uiid errieth, u man mit der Tragbahre komme. Sic mußte nun eud- � sprechen, obgleich sie keine Trostworte fand. . Bcilnruhigcn Sie sich nicht, es ist keine nnmittelbarc chhr; ja, ich habe Herrn Robinean gesehen, es ist ihm �."Ngliick widerfahrcii.... Man bringt ihn schon, beull- Sie sich nicht, ich bitte Sie. 'eik sunge Frau hörte sie an, bleich und ohne zn bc- iak> Die Straße hatte sich mit Menscheu gefüllt, die j,'. �'"tscher, ivelche anhalten mußten, fluchten, die Träger >. cs-,„w Bahre vor der Thür des Ladens ab, um die bei- �hurflügel zu öffnen. n c" ,9? W ein Unfall geschehen, sagte Denise, indein sie m»�ustmordversuch verheinilichen ivolltc. Er war ans ittc �'r lind ist unter die Räder eines Oiiniibils gc- Hei» stnd ihm blos die Füße verletzt, man sucht nach -..�rzte, beuurilhigen Sic sich nicht. Übe r �'.ttcru erschütterte Madame Robinean am ganzen kr,/.'ie Illeß zwei, drei inartiklilirte Schreie hervor, dann it ,1-, wortlos vor der Bahre nieder, deren Hülle sie '"erndeu Händen zllrückschtiig. Die Männer, welche Miquel diesem Anflehen sein Portefeuille. Aber die „Ideen" des Herrn Miquel werden eben auch nur ein weiterer Anspruch an den Geldbeutel des Steuerzahlers sein, und das thut nicht wohl, mag nun der Urheber Miquel oder anderswie heißen. Herr Miquel huldigte, wie bekannt, früher einmal sozialdemokratischen oder gar k o m m u- n i st i s ch e n Anschauungen, und zwar zu einer Zeit, da ihm der Kampf um's Dasein nicht so leicht war, wie heute. Er spricht nicht gerne davon.-- Man muß sich freilich sehr ändern, wenn man aus einem Sozialisten zum königlich preußischen Minister werden will; Herr Miquel ist indeß nicht der Erste, der eine solche Umwandlung seines inneren Menschen fertig gebracht hat. Lothar- Buch e r ist einen ähnlichen Weg gewandelt, wenn er es auch nicht bis zum Minister gebracht hat. Die Vergangenheit des Herrn Miquel scheint bewirkt zu haben, daß man ihm zuschreibt, er werde in der Steuer- frage neue Bahnen betreten. Man glaubt vielfach, er werde mit einer kräftigen Einkommensteuer vorgehen. Das halten wir schon für möglich; wenn wir aber die allgemeinen Zustände und die Traditionen der Regie rung in Betracht ziehen, so können wir nicht erwarten daß ein solches Vorgehen des Herrn Miguel, wenn es da zu kommen sollte, volksivirthschaftlich genommen der Nation und der Masse des Volkes zum Vortheil gereichen wird, denn an eine Entlastung können wir nicht glauben; dazu ist Herr Miquel»ine zu gefällige Natur und er wird nicht lange innere Qualen empfinden, wenn er untersuchen soll, wo die Interessen des Fiskus aufhören und die Jnter essen des Steuerzahlers beginnen. Wenn eine Reichs-Einkommenstener— und wie oft ist von einer solchen schon die Rede gewesen!— von Vortheil sein soll, so muß sie die indirekte Be- st e u e r un g ausschließe n. Denn darauf beruhte ja immer die alte demokratische Forderung der progressiven Einkommensteuer, daß sie den Wegfall aller Belastung der Lebensmittel und namentlich solcher bezwecktes die der Masse der Bevölkerung unentbehrlich sind. Aber was wird heute geschehen? Wenn man heute zn einer Einkommensteuer schreitet, so wird es nicht geschehen, um die Leute mit kleinen Einkommen zn entlasten und die indirekte Besteuerung zu verringern oder zu beseitigen. Es wird sich einfach darum handeln, neue Mittel zu be- schaffen, weil die aus den indirekten Steuern fließenden Summen nicht mehr ausreichen. So wird freilich die alte demokratische. Weisheit zu nichte; der Fiskus erfüllt den Wunsch nach direkter Besteuerung und behält die indirekte ruhig bei. Auf diese Weise schlägt er zwei die Bahre getragen hatten, warteten nilii vor dem Hause ilm sie ziirückziitrageli, weun man endlich einen Arzt gc-' i'.'.ndcn haben würde. Mau wagte es nicht, Robinean zu r-ühreii, der das Beivilßtscin ivieder- cr-langt battc und dessen Leiden bei der geringsten Berührmig fürchterliche sein mußten Als er seine Frau sah, raiiiicii zwei schwere Thränen übcr seine Wangen. Sic hatte ihn umarmt und weiiite nun indem sie ihn mit starren Blicken betrachtete. Um die Neugierigen abznivehren, die sich in immer größeres Menge vor dem Laden ansammelten, und da sie überdier es unschicklich fand, daß in diesem Angeiiblicke das Magazin offen bleibe, hatte Deniie die Idee, die eiserne Roll- thür hcrabzulasscu. Schwer und dumpf siel der Vorhang herab, wie nach dem fünften Akt eines Dramas, und als sie znrückkehrte und die innere GlaSthür zilgeinncht hatte, fand sie noch immer Madame Robinean, ihren Gatten in ihre Arme schließend, die traurige Szene von einem matten Licht beleuchtet, ivelchcs durch zwei kleine ruilde Löcher hereinfiel die in die Rollthnr geschnitten waren." — O, mein theurer, mein guter Mann, stöhnte Madame Robinean. Sie fand nichts, als diese Worte; er aber gestand nun reuevoll seine traurige Absicht, angesichts dieser vor ihm kiiieenden unglücklichen Fran mit dem schweren Mutterleib de» sie gegen die Tragbahre preßte. — Verzeih' mir, ich war wahnsiiniig..... 9[(§ der Advokat mir in Gegenwart Ganjeaiis erklärte, daß"morgen die Siegel angelegt werden sollen, war mir, als ob Flammen vor meinen Augen tanzten und als ob die Wände brennen würden. Und da, in erinnerte ich mich an gar nichts mehr ich ging die Rn» de la Michodiöre hinab, sch glaubte, daß die Leute im„Gluck der Damen" sich über mich lustig Fliegen mit einer Klappe und die Staatsbürger haben einfach mehr zu zahlen, als bisher. Herr Miquel wird indessen, wenn er ivirklich diesen Weg einschlagen sollte, die Bourgeoisie vorsichtig anfassen. In dieser Beziehung hat er jedenfalls einen feinen Instinkt und weiß sehr wohl, daß man oie Leute mit den großen Einkommen, die Börsenbarone, die Rentiers, die Groß- industriellen, die Hausbesitzer und andere soziale Schichten, leicht in Harnisch bringen kann, wenn man ihr Einkommen schmälert. Herr Miquel wird diese„Säulen der Ordnung" mit Schonung behandeln, dessen sind wir gewiß. Er ist ja der Mann, der es mit Nie- manden verderben will, und mit der Bour- geoisie will er es gewiß zuletzt verderben. Wenn er sich nicht entschließt, die großen Einkommen tüchtig zu besteuern, so wird seine Steuer nichts einbringen und ivenn er die mittleren und kleineren Einkommen entlastet, so wird er einen Sturm des Unwillens er- regen. Man sieht, daß es heute gar nicht so augenehm ist, Finanzmiillster zu sein und vor der Aufgabe zu stehen, des Fiskus gähnenden Schlund mit Gold zn füllen. Nun, Herr Miquel kann ja auch andere„Ideen" haben. Kommt aber auch er auf die Besteuerung der Quitt iin gen und der Zündhölzchen zurück, dann wird er keinen großen Ruhm ernten. Wir gehen der allgemeinen Verarmung entgegen und nur durch Verringerung der Militärlast kann im Augen- blick Abhilfe geschaffen werden. Wenn aber die national- liberale Partei mit Freuden die Mehrforderungen bewilligt, wo sollen da Erleichterungen dem ihr gleichgesinnten Minister im Sinne liegen? Wir sollen aber mehr zahlen, gleichviel wie der Finanzminister heißt! Der neue preuszische Finanzurinister dürfte wohl nicht lange Finanzmiuister bleiben. Herr Miquel hält sich— und mit Recht— zu Höhcrem berufen. Als langjährigeZ Mitglied des Kommunistcnbundcs— ein Umstand, der seltsamer Weise in allen Biographien des neuesten Ministers vergessen ist— hat er sich eine vollständige Kenntniß des wissenschaftlichen Sozialismus angeeignet, dessen gliche nder Ailhäilger er war. Er ist der einzige Mann in der Regie- rung, welcher sich über das Wesen der Sozialreform(ohne Gcuisfüßchen) klar ist, und ivir irren uns sicher nicht, wenn wir annehmen, daß Herr Miquel, nachdem er sein Talent zur Erfiiidliiig neuer Steuern bethätigt hat, sich in einer aiidcrcii Stellung der Aufgabe widmen wird,„das Programm machten, dieses verdammte Haus schien über mich einzustürzen. Und dann, als der Omnibus eine Wendung machte, da dachte ich an Lhommc und seinen verstümmelten Arm und warf mich ililter die Räder. Entsetzt über dieses Geständniß sank Madame Robinean allmälig ans den Fußboden zurück. Großer Gott! er hatte sterben wollen. Sie ergriff die Hand Denisens, die sich vom tiefsten Mitleid ergrisfeil über' diese Jammerszeue geneigt hatte. Der Verwundete, durch die Aufregung erschöpft, hatte abermals das Bcivußtscin verloren und der Arzt wollte noch immer nicht kommen. — Beunruhigen Sie sich nicht, wiederholte Denise niechaiüsch, wobei auch sie die Thränen nicht zurückdrängen koiliite. Madame Robinean, ans der Erde sitzend, das Gesicht an die Tragbahre gelehnt, in welcher ihr Mann lag, erleichterte mm ihr Herz. — Ach, wenn ich Ihnen nun erzählen wollte.... Meinethalben wollte er sterben; er sagte mir fortwährend: ich habe Dich bestohlen, das Geld gehörte Dir. Und inderRacht träumte er von diesen scchszigtauscnd Franks. Er erwachte, in Schioeiß gebadet, und beschuldigte sich, ein ungeschickter, nnfähiger Mensch zu sein und wenn man ein tüchtiger Kauf- mann sei, dürfe man nicht das Geld Anderer riskiren, sagte er sich fortwährend, Sie wissen ja, daß er immer nervös und aufgeregt war. Schließlich hatte er Visionen, die mich entsetzten; er sah mich auf der Straße in Lumpen gehüllt, bettelnd, mich, die er so sehr liebte, die er reich und glücklich zu sehen wünschte. Dann wandte sie sich wieder zn ihm und als sie sah, daß er die Augen wieder geöffnet hatte, fuhr sie mit bebender Stimme fort: derkaiserlichenErlasse�zuverivirklichenunddieSozialdemokratie durch eine die Arbeitermassen befriedigende„Sozialreform" zu bekämpfen und zu vernichten. Das kann uns nur Recht sein, wir werden seit einem Vierteljahrhundert fortwährend „vernichtet" und das Vernichtetwerden ist uns so gut be- kommen, daß wir die Fortsetzung- nur wünschen können. Und der Kampf mit einem Mann, der unsere Partei kennt, ist immerhin interessanter und angenehmer, als der Kampf mit Leuten, die von dem ABC des wissenschaftlichen Sozia- lismus keinen Begriff haben. Vorläufig machen wir aufmerksam auf das was sich vorbereitet; wir werden Gelegenheit haben, weiter davon zu reden. Mit Herr« Miqnel, dem neuen Finanzminister, wird von den Parteien ein eigenthnmliches Fangballspiel getrieben. Während die Nationalliberalen das vollste Recht haben, ihn den ihrigen zu nennen, versuchen die nächsten Nachbaren der Nationalliberalen nach rechts und links, ihn näher zu sich heran zu ziehen. Die freikonservative„Post" erklärt: Er ist ein Mann nach unserem Herzen und wird die konservativen Erwartungen erfüllen; und die„Vossische Zeitimg" sagt: Er ist ein Liberaler und wird den Haß oer Konservativen gegen ihn voll rechtfertigen. Anders wieder die Entschiedenen links und rechts. Diese werfen ihn so weit von sich, wie nur möglich. Die Konservativen wollen mit einein„Liberalen", eiiien„Börseninann", eineti „Nationalisten", wie Miguel, nichts zu thnn haben. Nach den Linksfreisinnigen ist Herr Miguel von einem Konservativen gar nicht zu unterscheiden. So schillert Herr Miguel in allen Farben. Aber man sieht aus diesem Hin- und Her- werfen auch wieder, wie charakterlos die bürgerlichen Parteien sind. In jeder von ihnen sitzen Leute, die mit ihren eigenen Freunden weniger gemein haben als mit der oder jenen anderen Partei, und deshalb nentralisiren sich auch die beiden Parteihälften so häusig gegenseitig. An der Kiirfe ist, wie die„Berliner Bürsenzeituni richtet, die Ernennung des Herrn Miguel entschieden pathisch aufgenommen worden, weil die Börse Herrn Miguel alten Tagen(Diskonto-Gesellschaft) persönlich und genau kennt? Dem verflossenen Finanzminister v. Kcholz widmet die „Frkp Ztg." einen Nachruf, indem es zum Schluß heißt: „Wie in seinem eigentlichen Wirken war Herr v. Scholz auch in anderen Beziehungen wenig glücklich. In seinem parlamen- tarischen Austreten hatte er sich offenbar den Fürsten Bismarck zum Muster genommen, aber die Nachahmung brachte keine Aehn- lichkeit hervor. Seine Schroffheit imponirte nach keiner Seite hin, man machte sich vielmehr lustig über die Schneidigkeit, in der sich dieser„jüngste Lieutenant"— zu dieser militärischen Würde>var er als Fünsundfünfzigjähriger noch gelangt— gefiel und mit derer es schließlich dahin brachte, daß auch die sonst so ministerielle Rechte sich nicht scheute, an ihm ihre kritische Kraft zu erproben. So war er zuletzt ohne jede Fühlung mir den Parlamenten und dazu mag auch die Art, wie er für seine Vertretung in der Presse gesorgt hatte, viel beigetragen haben. Er hatte sich in ein enges Verhältniß mit einem schon anoeriveitig für die Geltendmachung gewisser industrieller Kreise gedungenen Publizisten(Schwein- bürg!) untergeordneter Art eingelassen, der die Intimität mit dem Minister in einer Weise auszunützen wußte, die von allen Parteien als anstößig im höchsten Grade empfunden und ge- tadelt wurde. Man hatte sich unter Bismarck in Bezug aus offiziösen Unfug an starke Dinge geivöhnt, aber das Treiben des Ofsiziosus, als dessen Freund Herr v. Scholz sich bekannte, ging auch den abgehärtetsten Geistern zu weit und ivar auch, namentlich in der Etablirung eines förmlichen Marktes für Gesetzentwürfe und sonstige amtliche Aktenstücke, eine Neuerung, die allen preußi- scheu Traditionen Hohn sprach. „Sympathien werden nach alledem Herrn v. Scholz nicht in den Ruhestand begleiten. Man ivird dein Fleiß und Talent, die er als Ministerialrath bewiese» hat, die Anerkennung nicht ver- sagen, man wird auch gerne zugestehen, daß er im Finanzlvesen erfahren war und nicht mit der unschuldigen Unwissenheit eines Hobrecht sich an die Leitung dieses schwierigen Ressorts gewagt hat, seine Ministerlaufbahn aber wird keinen Vertheidiger, geschweige denn einen Lobredner finden; es kennzeichnet sie eine Reihe verunglückter Experimente, die eine geschickte Hand nicht verrathen. Auf den Minister v. Scholz läßt sich der Spruch an- wenden, mit dem Langbein die Fabel von einem mißlungenen Aufsteigen in höheren Beruf schließt: „Man kann ein guter Karrenschieber Und doch ein schlechter Fuhrmann sein." Den Uagel abgeschossen in dem Geschwätz der gegnerischen Blätter über die Streitigkeiten und den Zerfall der Sozialdemo- kratie hat sicherlich Herr Pindter. Er befaßt sich in einem langen Leitartikel mit der„beginnenden Zweitheilung" und findet heraus, daß zwischen Bebel und Liebknecht die„tiefsten Meinungs- Verschiedenheiten" bestehen, die sich„nicht blos auf taktische son- — Ach, mein Theure,r warum hast Du dies gethan? Hälft Du mich für so schlecht? es ist nur ganz gleichgiltig, daß ivir ruinirt sind. Wenn wir nur zusammen leben, so sind wir schon glücklich; laß sie alles nehmen, gehen wir irgend wohin, wo Du nicht mehr von ihnen reden hören wirst; Du wirst arbeiten, und es wird Alles gut werden. Sie lehnte ihre Stirne an die bleiche Wange ihres platten und sie verharrten nun Beide im Stillschweigen. Denise, welche jeden Augenblick durch das kleine Fenster, welches aus dem Vestibüle des Hauses ging, hinausschaute rief endlich: — Der Arzt ist da. Der Arzt war ein junger Mann mit lebhaften Augen, er erklärte, er wolle den Verwundeten besichtigen, bevor man ihn zu Bette bringt. Es war blos das linke Bein gebrochen, oberhalb des Knöchels. Es war ein einfacher Bruch, keinerlei Komplikation zu befürchten. In dem Augenblick, als man sich anschickte, die Tragbahre in das Zimmer zu bringen, erschien Gaujcan, um über die Erfolglosigkeit eines letzten Schrittes zu berichten, den er unternommen hatte: die Ver- hängung des Konkurses war unausweichlich geworden. — Was ist denn geschehen? murmelte er. Denise verständigte ihn kurz. Er stand verlegen da. Robinean sagte ihm mit schwacher Stimme: — Ich zürne Ihnen nicht, aber Sie tragen ein wenig Schuld daran. — Mein Gott, man brauchte festere Schultern dazu, als die unserigen; Sie wissen, daß es mir nicht besser geht, als Ihnen. Man hob die Tragbahre empor, der Verwundete fand noch die Kraft zu sagen: — Ach nein, auch festere Schultern wären gebeugt worden. Ich begreife, daß die alten Eigensinnigen, Bourras und Baudu dabei die Knochen lassen, aber wir, die wir jung sind, und unS dem Zng der Dinge anschlössen... Nein, Gaujean, es ist das Ende der Welt gekommen. Man trug ihn hinweg. In einer'Aufwallung, in welche sich fast ein Schimmer von Freude mengte darüber, daß sie nun endlich der Geschäfte los sei,umarmte MadameRobineau der» grundlegende Fragen" erstrecken. Und zwar ist, man höre und staune, Liebknecht für das Majoritäts-, Bebel hingegen fiir das Autorftätsprinzip. Wer es nicht glaubt, kann in dem Leit- artikel der„Nordd. Allg. Ztg." vom Mittwoch den tiefsinnigen Nachweis finden._ Für uns genügt es, den Unsinn mitzutheilen, der allen Bethciligten ein Lächeln abnöthigen und sie in der Ueberzeugung bestärken wird, daß Pindter seit dem Sturze seines Gönners unheilbaren Schaden an Leib und Seele genommen hat. Endlich ein Ueichstagsmandat fnv Kismnrch in Sicht. Durch Miquel's Erhöhung zum Finanzminister ist der Kaisers- lautener Wahlkreis frei geworden. Die nationalliberale Partei des Kreises soll nun, wie der„Pfälzer Volksbote" meldet, beab- sichtigen, an den Fürsten Bismarck die Anfrage zu richten, ob er eine Reichstagskandidatur für Kaiserslautern- Kirchheimbolanden annehmen wolle.— Der Mann wird wahrscheinlich mit beiden Händen zugreifen. Hat doch sein Leiborgan, die.„Hamb. Nachr.", täglich gejammert, daß weder die Oberbarniiner noch die Prenzlau- Angermünder„Reichstreuen" von einer Kandidatur Bismarck etwas wissen»vollen. Allerdings ist der Kaiserslautener Wahl- kreis durchaus nicht ein sicherer Besitz der Nationalliberalen. Herr Miqusl ist nur mit wenigen Stimmen Mehrheit und unter Anwendung von Mitteln gewählt worden, die vermuthlich zur Kassirung der Wahl geführt hätten. Die Demitherei des Zentrums an seinem Programm und an seinen Wählern findet mit Recht die allgemeinste Ver- nrtheilung— selbst die sröinmsten Schafe der katholischen Heerde schütteln die Köpfe und schimpfen weidlich ans die„Ochsengrafen" und Junker des Zentrums, welche die braven bayerischen und rhcinisch-westfälischen Abgeordneten zum Umsall„verführt" haben. Und mit Recht ist man mit einer Haltung unzufrieden, die das gerade Gcgeutheil von dem ist, was die Herren vom Zentrum und ihre Programme vor den Wahlen versprochen hatten, umso- mehr, als das Zentrum auch nicht den Schatten eines vernünftigen Grundes für seinen Umsall vorzubringen weiß. In recht aufdringlicher Weise scheint, der„Frs. Ztg." zufolge, aus dem fiskalischen Grnbcniverk Dillenberg für das Bismarckdenkinal gesammelt zu werden. Am 10. Juni erschien der Grnbenflciger bei den Bergleuten und erklärte denselben, am 18. hätte ein Jeder seinen Lohn selbst in Empfang zu nehmen; es handle sich nämlich darum, daß ein jeder Bergmann einen Beitrag zu einem Bismarckdenkmal zu geben beziehungsweise zn zeichnen habe. Der geringste Beitrag sei IS beziehungsweise 10 Pf., so hätte der Herr Obersteiger erklärt. Die Leute haben auch ihr Geld in Empfang genommen und theiliveise ihr erstem von.dem karg verdienten Lohne zu Ehren eines Millio- närtz�abgezmackt. Ezftkxzcn wie qrdrncht. Das„Schw. Wochenbl." schreibt: Wie erfinderisch unsere„nationale»»" Feuilletonisten sind, wenn es gilt das Andenken der hervorragendsten Kämpfer der großen französischen Revolution zu verunglimpfen, dafür ein kleines Beispiel. In der in sog.„nationalem" Geiste redigirten Zeit- schrift„Buch für Alle"(herausgegeben von der Deutschen Ver- lagsaesellschaft Union), Jahrgang 1889, Heft 9, findet sich unter der Rubrik„Mannigfaltiges" folgende Notiz über den Revolu- tiousmann Danton:„Schreckliche Galanterie.— Danton, der Blutmann von 1793, war sehr galant gegen die Damen, und that sich etwas zu gut daraus. Als er einst mit einer Dame auf dem Boulevard du Teinple spazieren ging, beiminderte dieselbe«n Haus, das ihr ungemein gefiel.„Möchten Sie dieses Haus besitzen?" fragte Danton mit verbindlichcin Lächeln.„Allerdings!"„Nun, Sie sollen es haben!"— Am selben Tage noch wurde der Besitzer jenes Hauses als„Feind der Republik" verhastet, am nächsten verurlheilt, am dritten guillotiinrt, und am vierten führte der galante Danton die neue Besitzerin in das schöne Haus am Boulevard du Teinple mit dem verbindlichsten Lächeln auf seinen Lippen ein." Kein französischer Schriftsteller, gleichviel welcher politischen Partei er angehören mag, wurde sich so weit erniedrigen, sein Erzählungstaleut durch Erfindung einer derartigen Anekdote zn mißbrauchen. Ist es da zn verwundern, wenn jetzt noch viele Leute sich die unsinnigsten Vorstellungen über jene große Beivc- gung mache», wenn ihnen derartige Rinaldini- Geschichten als geschichtliche Wahrheit ausgetischt werden? Llassenverbrcitnng„gnicv" Schriften. Ein Dr. Fränkel, früher der liberalen Partei angehörig, der schon seit 12 bis 14 Jahren eine Existenz sucht und sich den besitzenden Kreisen durch Bekämpfung der Sozialdemokratie empfahl(er war auch in ver- schiedenen Orten Sachsens längere Zeil„thätig"), hat jetzt den, schon von uns charaklerisirtcn Verein niit obigem Zwecke >r. ndet". Er hat auch den Kolportagehändlern in einer ch'üre und in ihrer eigenen Generalversammlung seinen pnnkt klar gemacht. Dieselben sind aber keineswegs gcwi den reaktionären Kohl der„Massenverbreitung" aiizutzeißcu/s'issend, daß das deutsche Volk von der Lektüre der„Stillen i« Lande" (augenblicklich machen sie freilich einen Mordspcktakel) durchaus nichts wissen will. Darum schlägt ein Kolportagebuchhändler dem Verein derselben folgende Resolution gegen den Verein der Massen- verbleiter vor: Ein Verein, dessen erste That eine niedrige Schmähschrift war,— dessen Vertreter es unter nichtigen Aus- flüchten ablehnt, den Inhalt der Schmähschrift ösfentlich zn wider- rufen— der in seinen Statuten Sätze enthält, die ihn als einen Denisen. Und da Gaujean sich mit dem Mädchen entfernte, erklärte er ihr uuterwegs, daß der arme Teufel Robineml Recht habe, es sei unsinnig gegen das„Glück der Damen" ankämpfen zu wollen. Auch er sei verloren, wenn er nicht vom„Glück der Damen" wieder in Gnaden aufgenommen wird. Er hatte schon Tags vorher bei Hutin im Geheimen eitlen Schritt gemacht, der eben nach Lyon abgereist sei. Aber er zweifelte an dem Erfolg und suchte nun Denisen, deren Einfluß ihm ohne Zweifel bekannt war, für sich zu gnvinnen. — Meiner Treu, wiederholte er, um so schlimmer für die Fabrikation. Man würde sich ja über mich nur lustig machen, wenn ich mich aufreibe in dem Kampfe für die Interessen Anderer, während die Fabrikanten da unten ein- ander an Billigkeit ihrer Erzenguisse zu überbieten suchen. Mein Gott, es ist, wie Sie ehemals sagten: Die Fabri- kation hat nur dem Fortschritt zu folgen, durch eine bessere Organisation und durch ein neues Verfahren. Alles wird sich regeln; die Hauptsache ist, daß das Publikum zu- frieden sei. Denise erwiderte lächelnd: — Sagen Sie Alldies Herrn Mouret, Ihr Besuch wird ihn nur freuen. Er ist nicht der Mann, um Ihnen einen Groll zn bewahren, wenn Sie ihm nur einen Bortheil um eine Centime bieten. Im Monat Januar starb Madame Baudu an einem hellen Sonntag Nachmittag. Schon feit 14 Tagen konnte sie nicht in die Boutike hinabgehen, welche jetzt eine Be- dienerin hütete. Sie saß in der Mitte ihres Bettes, von allen Seiten durch Kissen gestützt. Nur die Augen lebten noch in ihrem bleichen Gesichte und diese Augen waren un- ablässig auf das„Glück der Damen" gegenüber gerichtet. Baudu, der selbst unter diesem Bann litt, wollte manchmal die Vorhänge herablassen. Allein sie bat ihn, es nicht zn thnn, sie wollte in eigensinniger Weise, bis zn ihrem letzten Athemzng dieses Schauspiel sehen. Das Ungeheuer hatte ihr Alles genommen, ihr Haus, ihr Kind und sie selbst starb Zug für Zug»nit dem alten Elbens. Als sie fühlte, daß ihr Ende herannahe, bat sie ihren Gatten, die beiden Fenster zn öffnen. Es war ein mildes tort für angehende Polizeispione und eine Lehrschule für ekles enunzianteuthum erscheinen lassen,— der nicht daran denn. tüchtige Schriftsteller der Gegenwart für die breiten Volksmafiea zu gewinnen, sondern dieselben mit nichtskostenden Zlntiquitäien zu füttern sucht, steht nicht auf demjenigen sittlichen Niveau welches ihn berechtige» könnte, als Reformator des für das Von bestimmten Lesestoffes auszutreten. Wir lehnen es daher ein für allemal ab, mit dem„Verein zur Massenverbreitung von Schrift len" in geschäftliche Verbindung zu treten. Und wenn wir die- beharrlich einhalten, dann wird der Weimarer Verein in seinem eigenen Fette schmoren, bis es alle ist.— Der Mann hat ent- schieden recht. Mit de,« Untepi»eh>»rerverbi«»d von Kninbiirg- Alto»« scheint es trotz der anderthalb Millionen Mark Garantie- fonds nicht zum allerbesten zu stehen. In verschiedenen Ham- burger Blättern findet sich gleichlautend folgende Notiz:„Da infolge Veröffentlichimg über die Gründung des Arbeitgeberver- bandes Hamburg-Altona und über die Sammlung eines Garantie- fonds zur Unterstützung kleinerer Gewerbetreibender viele Per- sonen an betreffender Stelle um Geivährung von Vorschüssen auf Grund dieses Fonds ersucht haben, so wollen wir, einem an uns gerichteten Ersuchen Folge gebend, darauf aufmerksam machen, daß Vorschüsse aus dem erwähnten Fonds nur an Mitglieder der dem Verein angehörigen Vereinigungen gegeben werden können.' Infolge des Meberansstandes in Gera wurden, wie uns von dort geschrieben Ivird, 51 Personen bestraft, und zwar: 1. Wegen unerlaubten Sanimelns von Geldbeiträgen zum Unterstntznngsfonds der ausgesperrten Weber: 14 Personen zu je 5 M. Strafe und 30 Pf. Kosten....... 74,20 M. 8 Personen zu je 10 M. Strafe und 50 Pf. Kosten....... 84,00„ 1 Person wegen Sanimelns ans dein Lande(Betteln) 1 Woche Hast 7 Tage 2. Wegen Unfugs, verübt durch Stehen- bleiuen auf der Straße: 2 Personen zu je 3 M. Strafe und 30 Pf. Kosten....... 6,60„ 1 Person zn 0 Mark Strafe und 30 Pf. Kosten....... 6,30„ 3 Personen zu je 15 M. Strafe oder je 14 Tagen Gefängniß. 48,30„ 1 Person zu 6 Tagen Gefängniß. 6„ 8. Wegen Ueberrretung deS ß 153 der Ge- werveordnung:. 6 Personen zu je 14 Tagen Gefängniß 84„ 1 Person hiervon wegen Angabe eines falschen Namens noch 15 M. Strafe oder 1 Woche Gefängniß 15,00„ 1 Person zu 4 Wochen Gefängnis 23„ 1 Person zu 5 Wochen Gefängniß 35„ 4. Wegen unerlaubten Sanimelns von Geldbeiträge» in den Fabriken zum Begräbniß der Frau Körner: 13 Personen zu je 5 M. Strafe und 30 Pf. Kosten....... 68,90„ 160 Tage 303,30 M. Fast sämmtlichc Bestraften haben auf richterliche Entscheidung angetragen. Sochum, 23. Juni. Der ehemalige Vorsitzende des Zentral- Stteik-Komitee Hierselbst, der Bergmann Johann Weber, der in der letzten Zeit immer mehr in den Hintergrund gedrängt, macht wieder von sich.reden. Bekanntlich sucite derselbe den alten Verband der Bergleute auf jede denkbare Weise zu schädigen und die Führer mit allen Mitteln zu verdächtigen; er war auch einer der ufrigsten Agitatoren für den neuen Verband, wahrscheinlich hoffend, er werde an die Spitze desselben gewählt werden. Nun vicses nicht geschehen, scheint er ein Feind des neuen christlich- sozialen Bergarbeirer-Verbandes geivoroen zu sein. Er erläßt »äinlich in den Zeitungen folgende Erklärung:„Im Interesse der Bergmannssache halte ich es nach reiflicher Ueberlegung für meine heiligste Pflicht, trotz der Anzapfung von allen Seiten, meine Kameraden dennoch zn«rmaynen, dem alten Verbände beizu- treten,.moeil ich darin das Heil der ganzen Bergmannschaft er- bliftq�Mit herzlichem Glückaus! Johann Weber."— Der alte and wird diesem Burschen natürlich auch die Thüre weisen. Elberfeld, 24. Jnni. Die„Freie Presse" schreibt: Wie bekannt, erhielten die Verurtheilten im Eiffclthurm-Geheimbnnds- prozeß ihre Ziistellung, wonach sie ihre„Strafe" antreten müssen. Folgende Genossen haben gestern, nachdem sie Abschied von Weib und Kind, von Freunden und Parteigenoffen genominen hatten, diesen Gang angelreten: Ullenbaum, Bertram, Hahn, Bleibtreu, Schneider, Elberfeld; Tracht, Bubenzer, Barmen; Bongartz, Sonnborn; Kaiser, Neviges. Etwa 150 Parteigenossen gaben ihnen das Geleite. In einer Withschaft in der Nähe des Arrcsthauses wurde Halt gemacht und hier vereinigten sich sämmt« liche Genossen noch einmal fröhlich beim Glase Bier. Doch einmal mußte Ernst gemachtiverde», soroerte doch der Staatsanwalt, forderte doch das„Recht", seine Opfer. Sämmtliche Genassen, die Vernrtheil- ten in der Rütte, bildeten einen Kreis und ernst und feierlich Wetter, die Sonne vergoldete in breiten Streifen das„Glück der Damen", während das Zimmer in dem alten Hause der Baudn's im kühlen Schatten lag. Madame Baudu starrte auf diese Vision eines Siegesmonumentes hinüber, mit seinen hellen Spiegelscheiben, hinter welchen ein Strom von Millio- neu sich wälzte. Ihre Augen erstarben langsam, die Finster- niß senkte sich auf dieselben HSrab und als sie im Tode er- loschen, blieben sie weit offen stehen, immer aus dieses Schau- spiel da drüben gerichtet. Und wieder sah man den Klein- Handel des Stadtviertels in dem Leichenzuge. Man sah die Brüder Vanpouille, noch bleich von ihren letzten Wechsel- Zahlungen iin Dezember, welche sie nur mit den äußersten Anstrengungen ausbringen konnten, ohne Hoffnung, sie noch einmal auszubringen. Bedore stützte sich auf einen Stock. Er war von solchen Sorgen geplagt, daß man ein Verschlechterung seines Magenleidens befürchtete. Dcligiüere hatte einen Schlaganfall erlitten, Picot und Rivoire gingen still mit zu Boden gesenkten Blicken als abgethane Menschen einher und man wagte nicht nach den Verschwundenen zu fragen, nach Quinctte und Madcmoiselle Tatin und nach dem unglücklichen Robinean, der auf seinem Siechbette lag. Man interessirte sich hauptsächlich für die in letzter Zeit von der Pest heimgesuchten Kaufleute, wie der Parfumenr Grognet, die Modistin Madame Chadcuil, der Blumen- Händler Lacassague, der Schuhmacher Rand, alle diese stan- den noch aufrecht, aber sie zitterten bereits, hinweggefegt zu werden. Hinter dem Leichenwagen schritt Baudu einher mit dem nämlichen schiverfälligen gemessenen Gang, mit welchem er seine Tochter hinansgeleitct hatte, während man hinter dem ersten Leichenwagen die funkelnden Augen Bourras, unter den weißen Borsten seiner Augenbrauen sehen konnte. Denise war in letzter Zeit sehr bekümmert, gebrochen von Angst und Mühsal. Sie hatte Pepe in das Kollegium geben müssen und Jean Machte ihr viel Schererei; er ivar dermaßen verliebt in die Nichte des Pastetenbäckers, daß er seine Schivester gebeten hatte, für ihn um sie zn werben. (Fortsetzung folgt.) ertonte das Lied: tcs, die Veruri ngniß" zurückh....... Ovk»'"u und das Gefüngniß ofsiiei......... i,.;'?, rhrn Ueberzeugung aufzunehmen unter einein dreiinaligen kgeljterten„Hoch" auf die Sozialdemokratie, welches an den «z�ern der Bastille von Elberfeld sein Echo fand, hielten die li� en ihren Einzug in das Haus, in welchem sie ihre .-Erzeugung mit mehr oder weniger längeren Freiheitsstrafen Upen sollen. Llls das Thor sich hinter ihnen geschlossen und sie on der Außenwelt vollständig abschnitt, standen die draußen �?rttnden einen Moment ruhig da, nach einem nochmaligen --voch auf die internationale Sozialdemokratie" traten sie oann ruhig und nachdenklich den Heimweg an. In der -Nahe des Gefängnisses waren mehrere Polizeibeamte nalionirt, dieselben verhielten sich jedoch, zu ihrer Ehre sei's ge- Ggr, völlig passiv. Die Arbeiter und Arbeiterinnen der nächst- gelegenen Fabriken strömten alle ans Thor und an die Fenster; ~r Und nberzeugr, daß sie mit den Verurthcilten sympathisiren. Aerurtheilten durften das Bewußtsein mitnehme», daß sie mchl vergessen sind, daß für ihre Angehörigen gesorgt und ihnen vA ihrer Wiederkunft ein freudiger und begeisterter Empfang zu -i-heil wird. In Elberfeld wie in Barmen hat sich ein Komitee gebildet, das sich zur Aufgabe gestellt hat, die Roth der Familien �er im Gefäugniß befindlichen Märtyrer der Ueberzeugung zu un der». Es ist Ehrenpflicht jedes Einzelnen, der Mannesmut und Ucbcrzeugun nicht der öfsentli Amerika. I Rio de Janeiro, 24. Juni. Die neue Verfassnng wird der am IS. November zusammentretenden konstituirenden Ver samnilung zur Genehniigung unterbreitet werden. N e w- A>, r k, LS. Juni. Nach Meldungen aus St. Louis handelt es sich bei den Nachrichten von angeblichen Unruhen in Mexiko lediglich um das Auftreten einzelner Räuberbanden� welche Plünderungszüge unternehmen. Namentlich wurde am 20. d. M. ein Eisenbahnzug von Räubern überfallen. Die den Zug bewachenden Soldaten gaben Feuer, tödteten mehrere Räuber und nahmen den Anführer fest, welcher alsbald erschossen wurde. p'Qvlmnentooischos. Drv Reichotagonl'grordnrte Graf Kernstarff, Vertreter de? IS. hannoverschen Wahlkreises, hannoverscher Landrath a. D.. geboren 1Si)3, seit 1876 Mitglied des Reichstages(Zentrum), gestorben. 'st Faun achtet, dafür einzutreten, daß .—........ chen Armenpflege anheimfallen. Drradr», 22. Juni. Der Redakteur Sommer von hier erscheinenden„Sächs. Arbciterztg." wurde vor einigen/Wochen ®oi» hiesigen Schöffengericht wegen groben Unfiigs zu� Wochen Wt vernrtheilt, weil er in einem Berichte über ekne andere vorausgegangene Schüssengerichtssihung, in welcher er ebenfalls ms Zingeklagter fungirte, die Namen der Schöffen und deren «tand und Wohnung angegeben hatte. Einer Kritik hatte Sommer lenes frühere Urlheil in keiner Weise unterzogen. Dennoch er- blickte der Gerichtshof in dieser Angabe der genauen Adresse m>en S3oykollversucy, den er mit jener hohen Haftstrafe ahnden zu müssen glaubte. Die von Seiten des Berurtheilten eingelegte Berufung wurde vor einigen Tagen vom Landgericht ver- ivorsen. Getterreich-U»glrn». Wien, 25. Juni. Der Minister des Innern hat unmittelbar nach dem Austreten der Cholera sämmtliche Landesbehörden be- auflragt, sanitäre lokale Maßregeln zu ergreifen. Es wird ferner beavstchtigt, das Verbot der Ein- und Durchfuhr von Hafer» und dergleichen aus cholerave.d.ichtigcn Ländern, darunter auch aus der asiatischen Türkei, zu erneuern. SH'oßbritrttttthm. London, 24. Juni.(Unterhaus.) Der erste Lord des Schayes Smith erklärte auf eine Anfrage, daß die E.ilseadung eines Kommissars nach Helgoland, um die Ansicht der dortigen Einwohner anläßlich der Abtretung an Deutschland zu erfahren, unnöthig sei, da die Regierung deren Gesinnung kenne. Im Oberhaufe erklärte der Premierminister Lord Salis- vury, der Ausdruck!„Protektorat über das Sultanat Saufibar", in feiner Depesche vom 14. Juni er. bedeute das Protektorat über das Gebiet, das unter der Regierung des Sultans von Sansibar oder�unter dessen Suzeränität stehe. Eine Definition jenes Gc- b-etes sei schwer, aber, allgemein gesprochen, umfasse dasselbe die ■vjnfeln und einen bedeutenden Theil des Festlandes. U n t e r h a u s. Ter Unterstaatssekretär des Auswärtigen Fergusson, erklärte, die Regierung wolle gegenwärtig keine allgc- > aussprechen, ob andere Nationen auf Grund ,'n!�egü»üigimgS- Klansci die Befreiung von den Transit- Jsienießen, die das enplisch-deutscbe Abkommen betreffend »JV-« Deutschland und England gewährt. Bezüglich� Sainoas ... iltrgusson, der Vertag sei den eingehenden Berichten zu- III Kraft, die Steuern und Abgaben wurde» erhoben. Die tserichtshöse und die Landkommisfion seien noch nicht konstituirt, auch der Präsident des Munizipalraths von Apia sei noch nicht ernannt. Die Handln n gZ-Gehilsen der Londoner City hielten, nachdem die Polizei ihr Meeting auf dem Börsenplatz verboten, eine Versammlung im Finsbury-Jnstitute ab und be- schloffen dort die Bildung einer Union zur Aufbesserung der Gc- hälter, Abkürzung der Arbeitszeit und Erzwingung besserer Be- Handlung. Ausländer und in den Kontors beschäftigte Damen werden zur Mitgliedschaft zugelassen. London, 24. Juni. Des neuen Polizeichefs Sir E. Brad- ford erste Amtshandlung war, den Schutzleuten das Abhalten von Versammlungen zur Besprechung ihrer Beschwerden zu ver- bieten. In einigen Polizeistationen, wo gerade solche Versamm- lungen abgehalten wurden, ward dem Befehle ihrer Vorgesetzten, auseinanderzugehen. geradezu Widerstand geleistet. In einer Station in Borough wurden zwei widerspenstige Schutzleute sns- pendirt» aber ihre.Kameraden weigerten sich, den Nachtdienst an- zutreten, falls die Suspensionen nicht rückgängig gemacht würden was schließlich geschah. Frankreich. Paris, 24. Juni. Depntirtenkammer. Minister Ribot glaubt, daß eine Besprechung der Sansibnrfräge eine Unzuträglich- kcit sein würde, so lange die Verhandlungeu noch schwebten. Fall? die Kammer es indeß wünsche, sei er bereit auf die sofortige Besprechung der von Briffon eingebrachte» Interpellation einzugehen. Bnffon erklärt, im Hinblick aus die Auslassungen des Ministers ziehe er seine Interpellation zurück. Für die durch die Feuersbrunst auf Martinique Beschädigten wurde eine Unterstützung von 266 600 Fr. bewilligt. Der Senat bat die Interpellation CheSnelong über die Vorgänge in der Kommune Wieg, wo Laieii-Schulen eingerichtet wurden, aus nächsten Donnerstag festgesetzt. Tie D eputirtenkammcr berieth die Stenern für die Fabrikation von Wein aus Rosinen. Die Berathung soll am nächsten Donnerstag fortgesetzt werden. Die A n g e l e g e n h e i t der R n s s c n soll noch nicht am Freitag sondern erst in der nächsten Woche zur Verhandlung kommen. Schweix. Bern, 24. Juni. Infolge der Zustimmung des Stände- rathcs zu dem bezüglichen Beschluß des Nalionalrathes wird die Bundesversammlung am 22. September zur Fortsetzung der fetzigen Session zusammentreten.— Der Ständerath hat den Be- richt des Bundesrates über die Berliner Nrbeiter>chntz-5to!iserenz Nut Danr enrgcgengenvmmcii und demselben für das Uebcrlassen der Initiative in dieser Angelegenheit au Deutschland semc Anerkennung ausgesprochen. Spttttie». Madrid, 2t. Juni Nach Meldungen aus Valencia haben und in der Umgegend die Eho!ern-E'i.'!rnnknngen nachge- �Madrid, 25. Juni. In Montichelvo sowie in Gandia, wo in den letzten Tagen 4 Cholera-Erkrankmigen vorkamen, ist seit den letzten telegraphischeu Nachrichten je ein neuer Tode�all, dagegen keiner in Puebla de Nugat zu konstallren. In den übrigen Theilen von Spanien ist der Gesundheitsznstand ein be- �'ÄiS 25. Juni. Das amtliche Blatt veröffentlicht ein Dekret, nach welchem die Provenienzen aus dem Hasen von Gandia, sowie aus Valencia und Tenia in �"L�An sind� als...«nh hemaenicift flu vehanokin|inD. TÄKMe s. Ans Atting de? Nolkaversammlung vb»» 30. d. M. hatte sich fast die gesaminte gegnerische Presse veranlaßt gefühlt, von tiesgeheuden Spaltungen innerhalb der sozialdemokratischen Partei zu faseln. Für unsere Gegner ist das bei dem Mangel- an anderweitigen Stoffen ein so beliebtes Thema, daß wir bisher stets derartigen Ausführungen mit heiterer Ruhe gefolgt sind. Was wir thatsächlich auf jene Anzapfungen zu erwidern hatten, haben wir in unserer Dienstagsnummer bereits klargelegt; es erübrigt uns jetzt nur noch, einige persönliche Gehässigkeiten, die — wie geivöhnlich— von freisinniger Seite auf. uns losgelassen werden, in das richtige Licht zu stellen. In der Sonntagsmiinmer veröffentliche die„Verl. Ztg." folgendes Entrefilet: Ueber die Volksversammlung am 20. d.M., in welcher Bebel sich scharf gegen den über' die Brauereien verhängien Boykott, sowie gegen die unberechtigten Streiks am sprach, sind, Ivie uns mitgetheilt wird, alle Berichte bedauerlicher Weise unvollüändig gewesen. Nachträglich erfahren wir insbesondere noch, daß Herr Werner dem Abg. Bebel aus- führlich lind scharf, unter dem Beifall der Mehrheit der Versammlung erwiderte,»nd daß Bebel, der sich zum dritten Male zum Worte gemeldet hatte, nach der Werner scheu Rede darauf verzichtete. Erregt war man nawent- lich darüber, daß Herr Bebel vor der Versammlung erklärt habe, in derselben werde eine„Autorität" — thatsächlich er selbst— sprechen. Ganz unzutreffend ist es ferner, die Ausyebnug des Boykotts als eine Folge der Rede Bebel's zu bezeichnen. Sie war viel. mehr von der Lokalkommissio» selbst beantragt worden und würde sicher mit ziemlicher Einstimmigkeit ausgesprochen worden sein, wenn nicht gerade Bebel sich über die Ver- hänguiig des Boykotts mißbilligend ausgesprochen und so- mit seiner Aufhebung eine andere Bedeutung beigelegt hätte, als die Mehrheit der Versammlung. Nachträglich wird sogar das Ergebniß der Abstimmung angeziveifelt, nur von wenigen Seiten wird noch jetzt die Aufrechthaltung des Boykotts befürwortet, was natürlich praktisch ohne jede Bedeutung ist. Die Versammlung illustrirte wieder einmal deutlich, daß zivischen der gemäßigteren Mehrheit der Rcichdtagssraktion einerseits'" Wenn sich die Leser der„Berliner Zeitung" ein so fahrlässige-. Benehmen gefallen lassen, so ist es ihre Sache; uns kain el hauptsächlich darauf an, zu zeigen, wie perfide die bürgerlich. Presse vorgeht, wenn es sich darum handelt, der sozialdemokrati- schen Partei Schwierigkeiten zu bereiten. Achtung! Arbeite? de» Kiiden»nd Mesten Kerlin» Gelesene Arbeiterblätter zur besseren Agitation in den Provinzen werden in folgenden Sammelstellen entgegengenommen: Otto Klein, Ritterstr. 15 im Laden; C. Retzerau, Heim- und Bergstraßen-Ecke, im Restaurant Ammer; Paul Sucker, Fichtestr. 26; Wilhelm Werner, Bülowstr. 64; P. Schröder, Kreuzbergstr. IS. Diejenigen Genossen der Provinzen, welche Arbeiterblätter straße 15. Arbriterfreundlichbeit. Der Schloffer Hermann Kam- math, Naunynstr. 2 wohnhaft, fragte am Montag, den 23. d.M., in der Fabrik von Ludwig Löwe in der Hollmanustraße um Ar- beit an. Herr K. wurde dem Fabrikarzt vorgeführt, der ihn für vollkommen arbeitsfähig und gesund erklärte. Als Herr K. nun im Bureau der Fabrik in die Krankenkasse aufgenommen werden sollte und daher sein Alter angeben mußte, wurde ihm dort plötz- lich gesagt, daß er zu alt sei.(Herr K. ist beiläufig gesagt, 53 Jahre alt und macht einen durchaus rüstigen Eindruck.) Man sagte ihm im Bureau, daß er doch noch einmal niit dem Jnspek- lor Rücksprache nehmen sollte. Dieser Herr erwiderte jedoch, daß sich an der Sache nichts mehr ändern ließe,„das rühre vom 1. Mai her." Bor dem l. Mai hatte man dort immer noch ältere Leute in Arbeit gestellt.— Es ist das eine treffliche Illustration zu der Arbesterfreundlichkeit gewisser Aktiengesell- schaften. Kon Kerrn Dnuid Grone, lionlyl. Dofliefevant, Friedrichstr. 24 erhalten wir folgendes Schreiben: Unter Bezugnahme auf§ 11 ersuche ich Sie die in Ihrer Notiz voin gestrigen Tage unter dem Schlagwort ,, Maßregelung" erschienenen Unrichtigkeiten zu widerrufen. Es ist nicht wahr, daß am Sonnabend, den 21. er. meine Arbeiter mit der Bitte um eine Lohnerhöhung an mich herangetreten sind, sondern haben sich ca. 36 Hilfsarbeiter bereits am 15. Juni mit einem schriftlichen Ersuchen um Lohnerhöhung an mich gewandt, welchen, auch so weit es die Verhältnisse erlaubten»nd die Betreffenden nach ihren Leistungen es verdienten, entsprochen wurde. Es ist nicht wahr, daß von den ca. 30 Arbeitern, welche das Schriftstück unter- zeichneten, 5 plötzlich entlassen worden sind, sondern sind, wie dies bei einem größeren Fabrikbetricb, in dem ca. 200 Menschen beschäftigt werben, unvermeidlich ist, am letzten Sonnabend- Zahltag zwei Entlassungen aus anderen Gründen nothwendig ge- worden, worunter speziell einer der Unterzeichneten des Schrift- stücks war, der gerade für eine Lohnerhöhung seine Person be- treffend ausersehen war. Hochachtungsvoll David Grove. 5«? N?o?esi Kl au sin ist vor einigen Tagen zu Ende ge- führt, nachdem über drei Vierteljahre seit dem Friedrichsberger Doppelmorde vergangen sind. Die Untersuchung hatte sich sehr in die Länge gezogen, obgleich man alles Material, welches am Sonnabend den Geschworenen vorgelegt wurde, gleich in der ersten Zeit zusammen hatte. Die begleitenden Umstände des Doppel- mordes wiesen von Anfang an auf Klausin als den Thäter hin, und dessen Ergreifung ging ohne ivestere Schwierigkeiten von Statten, da Klausin gar keinen Versuch gemacht hatte, sich vor den Behörden zu verbergen. Wer den Bericht über die Gerichts- .....'"-■'. v—-..s/cir llteichstagssraktion einerseits und einem großen Theile der Öerliner�rteigeno�i andererseits eine starke Spannung den Urthei�uch der Gcsch woUen vefieyi. lauf der--------- ,s tn----------.—- besteht. Auf diese Reporterauslassung zwungen, nehmen.„. Verlin, den 24. Inn, 1800, In der heutigen Nummer Ihrer Zeitung bringen Sie Angaben über den Verlauf der Volksversammlung am V____ ,r___ zuwimmen; nach v« lauf der Beweiserhebung konnte der Wahrspruch nicht anders wurde die„Verl. Ztg." ge- laute», und bei dem Stande unserer Gesetzgebung war es dann kolaende Abfertiauna"des Abgeordneten Bebel aufzu- ganz selbstverständlich, daß gegen«laust» das Todesurtheil gefällt soigenoe Avierligung ves �ogivionc.e.. u-.» mutzte. Es ist also alles in bester Ordnung, und wer es nicht liebt, sich mit Gedanken und Zweifeln herum. zu quälen, hat gar keinen Anlaß, sich weiter über die nunmehr abgethane Sache z"U beunruhigen. Gleichwohl hat der Vorgang etwas sehr Peinliches. Wohl scheint, wie schon bemerkt, der OA � cyn V.'Z r-------»Uli»« '(T'S öl'• 1. � unjid)tia be�ßicfriieit iiuijj.'pviiltlmes. xuotu frhpmt-»�4« rx � nicht wahr, dap ich mich zum dritten Male I Beweis für die Thäterschaft Klau?»'« �on �kmerN, der tc und«nchVr Rede do« /.„nies hat dennoch.aber ......_____ zum Wort gemeldet hatte und nach der Rede des Herrn Werner auf das Wort verzichtete. Ich habe vielmehr, weil von einer Anzahl Parteigenossen durch Privatgespräche in Anspruch genommen, von den Werner'schen AuSsührungen keinen Satz verstanden. Ich habe erst später von meinen Frennden gehört, in welcher Weise Herr Werner das Privilegium des Schlußworts benutzt haben soll, um meine Ausführungen zu entstellen und bedauerte nunmehr lebhast, ihm nicht zugehört und entgegnet zu haben. Ilmvahr ist ferner, daß ich vor der Versammlung er- klärt hätte, es würde eine„Autorität" sprechen. Ist eine solche Behauptung in der Versammlung verbreitet worde — was ich nicht weiß— so war sie eine elende Erfindung und der Zweck derselben liegt klar auf der Hand.>' 1'*"''' ut:t �lmier|et � �......., Ich werde mir Mühe gebe», den oder die Verbreiter"uchbem er die Mordthnte» vollbracht, nach allgemeinem Er- ser elenden Ersindung aussindia zn macknw im* fi» I meyen der erste Gednvk. w f..'">>—--- bührend zu kennzeichnen. als«"v/llS1® 01,3 Valencia und �enm m...c______.... verdächtig zu betrachten und demgemäß zu behandeln sind. 25. Juni. Nach eineiit veröffentlichten amtlichen 'jüt die Gesammtzahl aller bisher in der Provinz berW1!0,.""�ouimeiien choleraartigen Krankheitsfälle 196, von "men Iis iodllich verliefen. es hat dennoch etwas geradezu Beängstigendes, einen Menschen zum Tode vernrtheilt zu sehen, welcher selbst seine Schuld noch nicht eingestanden hat. Hier und da spielt im Leben der Zufall eine Rolle, ivie in den phantastischsten Romanen, und man kann die Möglichkeit nicht ganz von ver Hand weisen, daß eine nn- schuldige Person nur durch eine wunderbare Verkettung der Um- stände eines Verbrechens überführt erscheint. Und wenn man suchen will, findet man wohl auch in dem Material des Prozesses Klausin Einzelheiten, ivelche in das Gesammtbild, das die Schuld des Angeklagten ergiebt, nicht hineinpassen. Klausin hat sich nicht so benommen, wie man es gemeinhin von einem Mörder erwartet. Aus dem Mordbefunde ergab sich— und das muß Klausin selbst geivußt haben— von vornherein der stärkste Verdacht, daß Klausin der Thäter sei. Für diesen mußte affo, > nachdem er die Mordthaten vollbracht, nach allgemeinem Er- v-u»"t 1 messen der erste Gedanke der sein, sich durch schleunige Flucht den dieser elenden Ersindung aussindig zu machen und sie ge- Behörden zu entziehen. Klausin aber hat überraschender Weise bührend zu kennzeichnen. diesen Gedanken nicht gehabt oder doch nicht ausgeführt, sondern er begab sich nach seinem Heimathsort, wo natürlich seine An- ivesenheit sofort bekannt werden mußte. Man dürfte in der Kriminalgeschichte nicht viele Beispiele baben, daß ein Raubmörder so auf jeden Versuch verzichtet hat, die Früchte seines Verbrechens zu genießen, sich vielmehr so willenlos stupide in die Hände der Polizei lieferte. Bei seiner Verhaftung war das Benehmen Klausm's ein derartiges, daß der Amtsvor- sicher Klapper von Arklitten entschieden den Eindruck der Unschuld Klausin's hatte. Unheimlich räthselhaft ist ferner die Aussage des Zeugen Pernasch, welchem ein unbe- kannter Mann sagte:„Der Schneider ist gänzlich unschuldig, verlassen Sie sich daraus, ich weiß es. Der Mann mit dem schwarzen Bart und Anzug ist es gewesen." Die Persönlichkeit, welche in einem Privatgcspräch dieses Zeugniß abgelegt hat, ist nicht ermittelt worden, und gewiß kann man angesichts des an- scheinend erdrückenden Schuldbeiveises sagen, daß es sich wahr- scheinlich nur um eine ganz werthlose Meinungsäußerung irgend eines beliebigen Menschen handle. Nimmt man aber dazu das oben dargelegt psychologische Rüthsel, welches Klausin als Mörder uns aufgiebt, und nimmt man dazu die widerspruchsvollen Zeugenaussagen darüber, ob die ermordete Frau Baneß öfters Männerdesuche empfangen hat oder nicht, so wird man dpch sagen inüssen, daß das Bild, ivelches man von dem Falle Klausin erhält, nicht in allen Linien ein einheitliches ist. Und nun ist er zum Tode vernrtheilt! Das heißt nichts Ge- ringeres, als daß, wenn das Urtheil vollstreckt wird, und wenn sich, was allerdings im höchsten Grade unwahrscheinlich, aber doch immerhin nickst ganz unwbglich ist, später da-Z Urtheil als unrichtig herausstellen sollte, es nickst mehr möglich sein wird, eine Korrektur vorzunehmen. Die Möglichkeit falscher Urtheilö- sprüche ist neben vielen anderen ein schwerwiegender Grund gegen die Todesstrafe. Wir wollen uns hier nicht in recbts- »bilnsnus'iM,»---- Hochachtungsvoll A. Bebel. Auf diese Weise in die Enge getrieben, wußte das freisinnige Organ nichts weiter anzuftihren, als daß es im Anschluß an die Erklärung des Herrn Bebel folgendes schreibt: „Was die von Herrn Bebel bestrittene Aeiißernng, es würde eine„Älutorirät" sprechen, anlangt, so wurde sie, als auf der Redaktion des„Berk. Volksblatt" gefallen, allgemein in der Versammlung kolportirt," Zunächst muß die Redaltion des„Berliner Volksblatt" die Kolportagemittheil,„igen der„Berliner Zeitung" ebenfalls als das bezeichnen, was sie thatsächlich sind: als elende Erfin düngen. Es konnte nach Lage der Sache keinem Mitglied? der Redaktion einfallen, eine ähnliche Aeußerung zu thnn, weil cS nicht feststand, ob Herr Bebel wirklich zu der Versammlung eingeladen war, obwohl derartige Gerüchte verbreitet waren Die ossizielle Einladung zum Besuch der Versammlung an die Mitglieder der Redaklion erfolgte auch erst im letzten Augenblick — und zivar am Donnerstag Abend gegen 6 Uhr. Wir sind in der Lage, diesen Thatbestand durch Zeugen feststellen zu lassen. Auch wir werden uns Mühe geben, den Erfinder jener Nachricht anSsindig zu machen, und bitten jeden Parteigenossen dringend uns hierbei behilflich zu sein. Im Uebrigen aber wollen wir nicht verhehlen, daß wir über die Art und Weise, wie„in einer Versammlung kolportirte Grüchte" von einer Zeitung als. feststehende Thatsachcn weiter verbreitet iverden, im höchsten Grade erstaunt stnd. Es kann ein derartiges Benehmen allerdings weniger Verwunderung erregen, wenn man bedenkt, daß bisweilen in die Zcitungsredaktionen Leute hineingerathen, denen von Natur die Unterscheidungsgabe für Wahres und Falsches, für Wahrheit und Lüge abgeht. So lange man die Leser eines Blattes nur als willkcfliimenes Aus- beutungsobjekt betrachtet, kommt es natürlich nicht darauf an, ob man ihnen die abgeschmacktesten Lügen für baare Münze vorsetzt. ....... luDucu uns hier nicht in rechts philosophische Untersuchungen darüber einlassen, ob der Gesell- schast überhaupt das Recht zuzuerkennen ist, einen Verbrecher wie --------*""""— � SfJLÄ.5» tödten, wir wollen auch nicht auf die Theorie des Verbrechens im allgemeinen eingehen» auf die in- dividuelle Verantivortlichkeit der Verbrecher und auf das Maß von Schuld, welches unsere mangelhast organisirte Gesell- schast selbst an den in ihr vorkommenden Verbrechen trifft— alle diese Fragen stnd unseren Lesern nicht fremd— aber es ist gnt, in jedem einzelnen Falle darauf hinzuweisen, welche erdrückende Verantwortung auf den Staat bei jedem von feinen Richtern ausgesprochenen Todesurtheile fällt. Die Gründe, welche gegen die Todesstrafe geltend gemacht werden, hat noch niemand widerlegt, wohl aber sind die Gründe, welche man noch für die Todesstrafe vorbringt, durch die Thatsachen als hinfällig erwiesen. Das Beispiel Italiens, wo schon seit zwölf Jahren kein Todesurtheil mehr vollstreckt worden ist, und wo durch das neue vor zwei Jahren eingeführte Strafgesetzbuch die Todesstrafe auch gesetzlich abgeschafft worden ist, zeigt die Unhallbarkeit der Behauptung, daß sie Todesstrafe als Repressivmittel gegen das Verbrechen des Mordes in Betracht komme. Wir hoffen, daß auch der Mordprozeß Klausin der Agitation gegen die Todesstrafe neue Anhänger zuführen wird. Wir wollen hier nicht weiter auf den gegenwärtig in Frankreich die öffent- liche Memung erregenden Fall Corras exemplisiziren, wo ein Unschuldiger zum Tode verurtheilt worden und nur durch die Begnadigung dem Fallbeil entgangen ist— ein so unerhört leichtsinniges Verfahren der richterlichen Behörden gehört glück- licherweise zu den Seltenheiten— sondern wir wollen uns nur an das uns Zunächstliegende halten. Höchst seltsam war es da am Sonnabend, daß der Staatsanwalt im Mordprozesse Klausin sich ausdrücklich gegen den Satz wandte, wonach es besser sei, daß zehn Schuldige ihrer Strafe entgingen, als daß ein Unschuldiger verurtheilt würde. Wir sind überzeugt, daß dieser Sah, wenn er auch manchem strengen Juristen nicht gefällt, dennoch dem Rechts- bewußtsein des Volkes entspricht. Sollte es nicht, wenn von amtlicher Seite eine solche Anschauung ausgesprochen wird, um so dringender nothwendig sein, durch die Abschaffung der Todes- strafe die Möglichkeit eines für alle Zeiten unkvrngirbaren Falsch- urtheils zu beseitlgen? ■JtoUzoibericht. Am 24. d. Mts. Vormittags wurde auf der Schleusen-Jnsel, in der Nähe der Stadtbahn, ein unbekannter, etwa 45 Jahre alter Mann erhängt aufgefunden. Die Leiche wurde nach dem Schauhause geschafft.— Zu derselben Zen sprang vor dem Haufe Leipzigerstraße 72 ein Mann von einem in der Fahrt befindlichen Pferdebahnwagen, gerieth hierbei mit dem Fuß unter den Wagen und erlitt eine so bedeutende Quetschung, daß er mittelst Droschke nach der Charitee gebracht werden mußte.— Mittags stürzte auf dem Neubau Kastanien-Allee 3» der Zimmermann Haase infolge eigener Unvorsichtigkeit aus dem 5. Stock auf den Hof hinab und verstarb auf der Stelle.— Zu derselben Zeit wurde iin Spreekanal, an der Schleuse, die bereits in Verwesung übergegangene Leiche eines neugeborenen Kinde- angeschwemmt. Beide Leichen wurden nach dem Schauhause ge-, schafft. Ttyeater. Donnerstag, den 26. Juni. vpornhau«. Don Juan. Schauspielhaus. Wilhelm Tell. Berliner Theater. Der Probepfeil. Deutsches Theater. Faust. I. Theil. Friedrich-Mi lhelmstädt. Theater. Der arme Jonathan. MaUner• Theater. Mamsell Ni touche. NiKtoria-Theater. StanleyiinAfrika. Vstend- Theater. Heinrich Heine. Vorher: 1763 Thlr. 22 Vs Sgr. Oellealtiaure• Theater. Der Nautilus. Kroll'« Theater. Undine. Kanfmai«»'» Uariete. Große Spe- zialitäten-Vorstellung. Englischer Garten. Direktion: C. Andress, Alexander- straße 27 c. Auftreten d. Liedersängerin Frl. Lteinov. Auftreten des Gesangshumoristen Herrn �0IUL. Aifftreten des Komikers, Mimikers und Stiinmen-JmitatorS Herrn Gödicke. Auftreten der Geschwister Homg. Austreten des musikalischen Neger- Klown Mr. äs Volks. Etllblisseilteilt Buggenhcigen am Moritzplatz. Täglich: Grosses Gartesa-Concert. Direktion A. Uädulau». Dienstag und Freitag: Valror-�benä. Wochentags 10 Pfg., tX soun. und Festtags 25 Pfg. Bei ungünstiger Witterung in den unteren- Restaurationsräumen. Großer Frühstücks- und Mittagstisch. Spezial-Ausschank von Patzenhofer Export-Bier, Seidel 15 Pf. Die oberen Säle bleiben bis auf Weiteres wegen Renovirung geschlossen. 641 F. Müller. Vari6t6-Theater. (Hasenhaide) Horrmannstr. 18— Neue Strasse 18. Sonntag, den 29. JunijlSOt): Konzert, Hekter,Spezilllitlltel!- VorUnni; nni» Voll. Durchweg neues-Programm. Anfang des Konzerts 4 Uhr.— Der Vorstellung 6 Uhr.— Entree 20 Pf. Montag, den 30. Juni 1390: Der PoWon m Michberg. Gr. Posse mit Gesang in 3 Akten und 6 Bildern. Anfang des Konzerts 6 Uhr.— Der Vor- stellung 8 Uhr.— Entree 20 Pf. Passage 1 Tr. 9 Uhr M. b. 10 Uhr Ab. Kaiser»Pa«orama. Hervorrag. Sehenswürdigk. d. Residenz. 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Donnerstag, den 36, Juni er., Abends 8 bei Jordan, Reue Grüustr. Ä8: Große beschließende Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Unsere gegenwärtige Lage. Referent: Herr A. Gerisch. 2. Diekussion. 3. Beschlußfassung über ein im August abzuhaltendes Sommer- und ein im Dezember abzuhaltendes Stiftungsfest. 4. Antrag betreffs Ausschließung einiger Mitglieder. 5. Verschiedenes und Fragekasten. Die Kollegen werden dringend ersucht, recht zahlreich zu erscheinen. 2125 Der Uorstand. Große öffentliche Versammlung . Zimmerer M n. llNW. Donnerstag, den 86. Juni, Abends 8V» Uhr,__ in Bflay's Salon, Beuthstr. 22. ages- Ordnung: 1. Stellungnahme zur Zentral-Streik-Kontrolkommission. "2. Revisorenwahl. S. Verschiedenes. Es ist Pflicht eines jeden Zimmerers, zn erscheinen. zer Gesellen-Aus sch« ff. 2136 Gr. ößeiltl. SteiiiUeß-VerslliVllNß am Preitag, den 27. Juni, Abends 8 Uhr, in Donmck's Salon, Johannisstr. 20. Tages-Ordnung: 2140 ages 1. Abrechnung vom Bunzlaner und Wiesbadener Streik. 2. Abrechnung vom 1. Mai. 3. Verschiedenes. Es wird gebeten, sämmtliche Quittungen mitzubringen. Der Einberuferf: A. Hempel, Steinmetz, Müllerstr. 3, 111. Männer-Gesangverein„S©stefeldeHfi Steindrucker und Lithographen. Am Sonnabend, dm 28. Juni, in Weimann's Volksgarten (Gesundbrunnen): ZW"' i. Stift&siigsfest. �3. Groffe» Uoral» und Iusteumental- Esucert unter Leitung der Herren Shrucr u. Langrr. Auftreten berühmter Spezialitäten. Brosse Fackel-Polonaise, wozu jedes Kind eine Stocklaterne gratis erhält,— Die Kafferhüche ist uou S Uhr an gröffuet. Anfang 5 Uhr. Entree 30 Pf. An der Kasse 40 Pf. Der Reinertrag fällt der Wittwe des Verstorbenen Kollegen A. Bastian zu. Billets sind zu haben bei: Ad. Neumann, Brunnenstr. 101, 2 Tr., P. Gent, Kottbuser Dmnni 6, 3 Tr., Mab'-*■•' und in den mit Plakaten belegten Handlungen. 2152 IeMer Tchlieiiier-VerbMli Filiale Derlin. Heute, Donnerstag, de» 26. Juni d. I., AbendS SVe Uhr: MgWcr-VttsailmlW i.Gratweil'sBierhallen, Kommandanten- straße 77/79. Tages- Ordnung: 1. Vortrag des Sladtv. Herrn Zubcil über Gewerbe-Schiedsgerichte. 2. Dis- kussion. 3. Aufnahme neuer Mitglieder und Bezahlung von Beiträgen. 4. Ver- schiedeneS. Gäste haben Zutritt. Um zahlreiches Erscheinen aller Kollegen bittet 2157 Die Lohalverwaltung. Tischlrrwrrhstatt, 3 Bänke, Rauni zu 6 Bänken, billige Miethe, billig zu. verkauf. Fehrbellinerftr. 97, H. i. Keiler. Utittagstisch in. Bier 50 Pfennige. E. Tölokar's Bierhaus, Falkensteinsir.il. Central-Kranken-Kasse der Maurer u. s. w. Grundstein zur Einigkeit. Zahlstelle Charlottenburg. Sonntag, 20. Juni, Vorm. 10 Uhr, im Kassenlokal Dismaräishöhe: Gr. Mitglieder-VersaiilüllüN. Auf der Tagesordnung Vorstands- wähl und mehreres. 2119 Daß die Versammlungen in dem jetzigen Kassenlokal recht zahlreich be- sucht werden, erwartet vor Vorstand. Roh-Talmh'TS." Größte Auswahl, billigste Preise. 667 6. Elkhnysen, Ulii»»str. 10. Sophabrmge-Restr. SVs— 15 Meter, unterm Kostenpreis. Fabritlager Zimnserstrasse 86, H. prt. 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Manzei für dessen Mitwirkung unser» herzlichsten Dank. 2150}._ Di» Famiii» Kilian. � welche ihre Töchter zn tüchtig. Schneiderinnen (Methode Kuhn) aus- bilden lassen«vollen, empsiehlt sich das Atelier von J. P» Mllller, Zimmerst». 53, III rechts. Ausbild, theoretisch u. praktisch. s1823 Elterl!,! Empfehle allen Genoffen mein Weiss- ti. Bairisch-Bier-Lokai« 2 Vereinszimmer mit Piano sind zu vergebe»«. Um Zuspruch bittet 1986 A. Flick, Kotzrnstraffe 40 pari._ Ein Zigarrengeschäft zu zu verkaufen. Näheres Wasserthorstr. 20. 1220 Ein junger Arzt im S.-O. gewährt geeigneten Leuten vom 1. August ab, gegen Uebernahine der Bedienung, fr»«» Mahnung(Stube, große Küche nebst Zubehör). Offerte» unter A. S. in der Expedition d. Bl.___ Ein Parteigenosse, der nach Ainerika ausivandert, will seine Wirthschaft, »velche fast neu ist, verkaufen. Zu er- fragen Exped. d. Bl. u. A. A. 60.[2154 Ein Herr sucht sep. Schlafstelle mög- lichsi allein. Adressen R. 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Tie Bcrathung des Gesetzentivurfs über die Friedens- arc n ä fl ö r f e wird fortgesetzt. J1-' w***• jP'rfs'"(Welse) erklärt, seine Freunde nehmen s°lbe Liebe zum Baterlande für sich in Anspruch, wie Nver Zlndere im Hanse. Bei dem Durchlesen der Motive der Kf n96 �a-e er.*a,un f"1'611 Augen getraut, als er aus die Ue OCstofieii sei, daß man 1887 nicht habe vorhersehen können, vle schon jetzt wieder eine Vermehrung der Truppen werde noth- wendig werden. Darin liege die beste Rechtfertigung für Die- vWtgeii, ivelche schon damals dem Septennat entgegen waren. d' gegenwärtig eine Gefahr für das Reich vorliege, werde in oen Motiven der Vorlage nirgend behauptet, seine Freunde onnten deshalb der Vorlage nicht beistimmen. Die Militär- venvaltung müsse das Erforderliche im Nahmen des Septennats trrrr-'c�c" fuc�cn- Bedürfe es einer Vermehrung der «rlillorie, so müsse anderweit gespart werden. Es müsse voch endlich einmal Halt gemacht werden; geschehe das �"chl, so werde gerade das eintreten, was man durch die rivigen Rüstungen vermeiden wolle, und zwar eintreten in Folge oer Verzweiflung der Massen. Endlich einmal müsse auch mit oenl System gebrochen werden: Macht gebi vor Recht. Wieder- neriteilen müsse man das 1866 gebrochene Völkerrecht, dann werde cni. allgemeine Vertrauen wieder zurückkehren. Die stete Steige- rung der Militärlasten könne das nicht bewirken, deshalb lehnten er und seine Freunde die Vorlage ab. .. Abg. v. Kuene(Zentr.) will nur auf einige Angriffe gegen � Zentrum antworten. Ter Herr Reichskanzler habe den Aus- s»unerschwingliche Lasten" bemängelt, weil das Ausland araus schließen könne, daß schon jetzt Teutschland am Ende lemer Leistungsfähigkeit angekommen sei. Er seinerseits glaube agegen nicht, daß das Ausland aus jenem Ausdruck einen solchen Umdruck gewinnen könne. Der Reichskanzler habe deshalb keinen �>uap gehabt, sich so abfällig über die Resolution zk äußern. rf.. Pct Herr Reichskanzler gegen die zweite Resolution teiiyahrige Präsenzfeststellung) erklärt habe, sei wohl weniger d,e Resolution, als gegen den freisinnigen Slntrag genctitet geweseu. Daß die Erklärung so kurz ablehnend gelautet, Windthorst verschuldet, der ja eine knappe hi» o V.Erklärung vom Reichskanzler erbeten habe. Für hn«rf. 91 S Kanzlers in Bezug auf vermehrte Beurlaubungen t»? ,em Reichskanzler. Es wäre übrigens eine Beleidigung mekx-tm, w wollte man annehmen, derselbe habe die ver- svrock,-., m�'ngen lediglich für den nächsten. Herbst ver feien n-l*(l�ter irre, wenn derselbe gemeint, die Beurlaubungen -»��"lär. Richter wisse jedenfalls nicht, in welchem Usangß Beurlaubungen von de» Betreffenden gewünscht Ivürden. .� Konzession des Reichskanzlers sei daher in ber That eine sehr wirthschaftljche. Auch er würde die Einführung der zweijährigen Dienstzeit als ein sehr erfreuliches Resultat ansehen. Dieselbe stenieße aber doch eine größere Popularität, als sie verdiene. Für eine längere Dienstzeit spreche das Interesse der �Disziplin, und nicht blos das Interesse der Ausbildung zum Soldaten. Auch würde die zweijährige Dienstzeit zweifellos nicht geringe Kosten �erstrsachen, denn es bedürfe alsdann einer größere» Anzahl von -Offizieren und Unteroffizieren. So rasch, wie der freisinnige Antrag es verlange,"bis März 1892, seien auch die er- forderlichen Umgestaltungen zu demselben Zweck nicht zu ermöglichen. Endlich aber sei es formell unrichtig, aus dem Wege eines Amendements zu einem solchen Gesetze Verfassungsänderungen herbeizuführen. Mit denselben Recht könnte wan ja auch auf demselven Wege versuchen, das allgemeine Stimmrecht abzuschaffen. Sei das eine würdige Art, formell eine Verfassungsänderung zu bewirken? Richter habe gestern dem Abg. Windthorst nachgesagt, derselbe habe mit der Angst operirt. Fa, dieser MutH Richtcr'S auf anderer Leute Kosten sei billig. Windthorst und seine Freunde seien sich nur der Nothivendigkcit bewußt, unser Heer so auszurüsten, daß es dem Feinde gewachsen sei. Es sei nur zu bedauern, daß gerade bei einer solchen Vor- wge ein gewisser Kampf zwischen Reichstag und Regierungen in Szene gesetzt werde. Man sollte sich hier nur die Frage vorlegen, ob die Vorlage nothwendig sei; und sei sie nothwendig, dann solle man doch auch einig sein. Reichskanzler v. Caprivi erwidert dem Vorredner in Bezug auf die Wendung der Resolution„unerschwingliche Lasten" or hätte sich gestern vielleicht anders ausdrücken sollen; er stehe hier.als Vertreter der verbündeten Regierungen und vertrete u>cht irgendwelche persönliche Zukunftspläne, sondern nur die Vorschläge der Regierungen. In Bezug auf die Beurlaubungen � nicht blos im nächsten Herbste— habe ihn der Vorredner Achtig aufgefaßt. Staatssekretär v. ZUa lbah» wendet sich hauptsächlich gegen die inianziellen Bedenken Äickert's, bestreitet, daß der deutsche Steuer- Zahler der Zölle halber höher belastet sei, als der englische, und weist darauf hin, daß von dem von ihm als möglich hingestellten Neuen Cteucrzuwachs um 60 Millionen Mark doch ein sehr großer Theil auf die Jnvaliditäts- und Altersversorgung entfalle. Aver- gerade diese komme doch den untersten Steuerzahlern zu Gute. Mit der Deckung der Ausgaben der Zukunft werde man sich ja ober ohnehin später zu beschäftigen haben, wenn eine entsprechende Ahrlage au das Haus gelange. ES werde sich ja auch erst zeigen Wusse», in wie weit die versassungsmüßig bereits zu Gebote stehen- ben Einnahmequellen erschöpft seien. Er denke hier auch an die Zuslersteuer. Die Abschaffung der Aussuhrprännen auf Zucker halte llllch er für ein erstrebenöwerthes Ziel. Je nach den Erschei- wingen, die der 1. August bringen werde, werde man hierüber feine Entschließungen zu treffen haben.,., Abg. iJvlirl(So;.): Es war nur rnteressant, dap der Schatzsekretär, nachdem er in der Militärkommisfion die Ge- lreidezölle gewissermaßen als einen eisernen Emnahinepostcn bezeichnet hat. nicht daran denkt, die ZuckcrpAnmen, die einer kleinen Minorität reicher Leute alljährlich Millionen in die Wasche schiebt, zu beseitigen, ebenso wenig wie d,e Steuer- bifftren, Prämien ans der Brauntweinstcucr �an �die Großbrenner. •■nß er aber wohl an neue Steuern denkt, die in der Hauptsache 'winer wieder aus die niederen Klasse» fallen. Diese B'-geftänd- N'ffe möchte ich festnageln.'"....... d°s Abg. v. Huene will ich---------. Jw aber doch auf mich den Eindruck gemacht, �•-— � tmi Ten militärtechnischen Ausführungen als Laie nicht folgen. Seme Rede wie letp«-e-.„. als ob weit mehr Ziitn n,?""9 kcks Freiherr uno.... als Abgeordneter op'wdrucs gekommen ist.(Zustinumiilg links.) Er hat niehr s-inununn die Resolutionen seiner Partei gesprochen.(Zu- Dient«, kinks.) Er ,agte. daß die Enisuhrung der zweiiährigen Wilitl.VT. ganz besondere Ungleichheit in den verschiedenen llchen Kategorien herbeiführen würde. Herr v. Huene muß als Militär wissen, daß diese Ungleichheit trotz der dreijährigen Dienstzeit schon jetzt in hohem Maße vorhanden ist.(Sehr richtig! links.) Ich erinnere nur an das Institut der Ersatz- reserve und der Einjährigfreiwilligen. Infolge des Systems der Dispositionsurlauber besteht schon jetzt die ziveijährige Dienstzeit bei einem erheblichen Theile der Fußtruppen. Es brauchte im Wesentlichen nur gesetzlich festgelegt zu werden, was jetzt schon besteht. Interessanter waren mir die Ausführungen Windthorst's, der in seiner Parteistellung kaum wieder zu erkennen war. Er hat gesprochen wie ein Mann, der zur Kartellpartei gehört, der mit allen Mitteln der Angstmachern nns in dem Volke vor Augen stellen will, daß, wenn wir diese Forderung nicht bewilligen, das deutsche Vaterland der Gefahr ausgesetzt sei, dem ersten feindlichen Ansturm zu erliegen. Es lag in seinen Worten, daß, wer dieser Vorlage nicht zustimmte, sich einer Art des Vatcrlandsverraths schuldig machte.(Sehr richtig! rechts.) Das war derselbe Ton wie 1887. Das kommt davon, wenn man, wie er und seine Partei, aus dem besten Wege ist, Regie-. rungspartei saus plirass zu werden.(Murren im Zentrum.) Im Wahlkampf ist das Zentrum genau wie die Linke für eine Aerinindermtg der militärischen Lasten eingetreten. Diesem'Auf- treten hat es wesentlich seine Wahlerfolge und die Unterstützung zu danken, die es bei den Stichwahlen von der Linken erhalte» hat.(Sehe wahr! links.) Heitte, wo es die ausschlaggebende Partei in diesem Hause ist, hat es sein Versprechen vollständig vergessen.(Lebhafter Widerspruch im Zentrum, Zustimmung links.) Ich sage, Sie haben es vergessen, milder kann ich mich nicht ausdrücken. Sie werden mir doch zugeben, daß, selbst wenn diese Vorlage in allen ihren Theilen abgelehnt wird, doch gar nicht daran zu denken ist. daß Deutschland wehr- los, der Bestand des dentschen Vaterlandes in Frage gestellt tst. Angesichts der nnaeheuren Bewilligungen der letzten Jahre wäre das eine starke Behauptung, Windthorst hat sich denn auch in dem Gefühl, daß seine Begründung einen erheblichen Theil der Wähler des Zentrums nicht befriedigen wird, um einige Beruht- gung über die Zustimmung zu schaffen, sich für eine allgemeine militärische Abrüstung ausgesprochen. So sehr ich nun mich selbst mit diesem Gegenstande besaßt habe, so bin ich doch bis heute noch nicht dahin gekommen, anzuerkennen, daß dieser Gedanke ausführbar ist. Ein solcher Antrag hat einmal nach Maßgabe der Stimmung der maßgebenden Kreise keine Aussicht aus An- nähme, und vor allem hat ein etwaiger Beschluß keine Garantie der Ausführung. Im Ernstfalle wird man eben an die Stelle der offenen die geheimen Rüstungen setzen. Die gegenwärtige Situation ist eine Wirkung der Ereignisse von 1870/71. Mit der Annexion von Elsaß-Lothringen mußte es jedem politisch Gebildeten zweifel- los sein, daß Frankreichs und Rußlands Interessen solidarisch seien und dazu führen mußten, sich gegen Deutschland zu stellen. Als 1870 Liebknecht und ich und 1871 ich allein etwas Aehnliches aussprachen, wurden wir ausgelacht. Heute kann ich mit Genug thuung konstatiren, daß diese Voraussage sich verwirklicht hat- Kein einziger Mensch in Teutschland mit gesunden Sinnen wird die Richtigkeit dieser Auffassung bestreiten.(Oho! rechts.) Ich gebe dem Referenten zu, daß Deutschlnnd keine Eroberungen machen will, daß in den höchsten Kreisen oder sonst die-Absicht nicht besteht, Deutschland in einen Krieg irgend welcher Art zu stürzen. Das hängt aber nicht von unserem Willen ab. In weiten Kreisen Frankreichs besteht nach wie vor der Gedanke, man mag das ja vernrthcilen oder auch bedauern, die Thatsache steht aber fest, Elsaß-Lothringen wieder zu erobern. Dieser Um stand aber war es in erster Linie, der Rußland bewogen hat, sich Frankreich zu nähern. Rußland hat von je her danach gestrebt, sich in die Verhältnisse Teutschlands zu mischen und eine Zersplitterung ausrecht zu erhalten. Diese Art, im Trüben zu fischen und Teutschlaitd zu schwächen, wurde durch das Jahr 1870 zerstört. ES hat nach wie vor die Absicht bestanden, die Herrschaft nicht nur über das Schwarze und Mittelländische Meer, sondern auch über die Ostsee, infolge dessen über die Oslseeprovinzen, zu bekommen. Der Verfasser der Broschüre„videant consules", der unzweiselhaft den höchsten militärischen Kreisen angehört, und die politischen Beziehungen Deutschlands genau kennt, hat direkt erklärt: Rußland ist ein Feind, gegen den wir unsere ganze Macht zu richten haben. Mit Recht hat demgegenüber der Reichskanzler darauf hingewiesen daß wir nicht daran denken können, die russischen Ostseprovinzen zurückzuerobern. Mit Rußland und Frankreich können wir allein unmöglich fertig werden, wenn wir auch den letzten Alaun und letzten" Groschen ausböten. Der Dreibund Deutschland, Oesterreich und Italien ist zu Stande gekommen in der Erkenntniß der Soli- darität der Interessen. Kommen wir aber mit unseren Bundes- genossen gegen Frankreich und Rußland in Krieg, so würde die Türkei und Rumänien nicht müßig bleiben. glußland müßte sich aus einen Defensivkrieg beschränken, Frankreich müßte seine Grenzen nach Savoyen und Bel- gien decken, und Englands Slentralität würde sicherlich nicht Frankreich und Rußland zu Gute kommen. Ter Abg. Windthorst hat vergeblich von dem Reichskanzler eine bestimmt ablehnende Antwort hinsichtlich weiterer Pläne der Regierung begehrt. Tie Regierung denkt nicht daran, von diese» Plänen abzugehen. Der Plan, daß jeder waffenfähige Alaun auch ausgebildet iverde, ist uns durchaus nicht unsympathisch; diesen Standpunkt haben wir stets vertreten. Aber gegen die'Ausführung des Planes haben ivir so erhebliche Bedenken, daß wir uns auch gegen diesen selbst erklären müssen. Ans dem Boden der thatsächlich bestehenden 'Militärorganisation und nanientltch der Militärpflicht von drei Jahren den Plan zu verwirklichen, ist eine Utopie. Die Berwirk- lichung ist selbst bei zweijähriger Dienstzeit nicht möglich. Die Söhne unserer besitzenden Klassen absolviren ihre militärische Bildung in einem Jahre. Dieses Privilegium der Gebildeten ist nach unseren hentigen wirthschastlichen Verhältnissen ein Privi- legium des Besitzes.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Wenn nun unseren besitzenden Klassen, die durch ihre Vertretung die Gesetzgebnitg in der Hand haben, nicht dieses Privilegium ein- geräumt wäre, nie und nimmer würde von ihnen die Zustimmung zu der dreijährigen Dienstzeit erlangt worden sein.(Beifall bei den Sozialoemolrateu.) Sinn sagt man im Volke mit Recht: wenn es möglich ist, die Söhne der besitzenden Klaffen, die im Durchschnitt nicht mehr Jntelügenz besitzen, in einem Jahre so weit cuiSzubilden, daß sie nicht vlos den Gemeinen absolviren, andern auch Unterosfiziere, Feldwebel und sogar Offiziere abgeben, so kann doch kein Zweifel bestehen, daß ein Jahr mich für die Ausbildung der Söhne der übrigen Bürger ausreicht. Tie ganze Art unserer heutigen militärischen Ausbildung entspricht dem eigentlichen Zweck der Ausbildung für den Kriegsfall nicht. Der Verfasser der Broschüre„Vidsimb consules" übt daran eine solche Kritik, daß ich mich nur wundere, daß sie unverfolgt bleibt. Würde etwas Aehnliches aus unseren Reihen geschehen, so würde sicher eine Verfolgung wegen Beleidigung der Armee eintreten. Jährlich findet hier im Mai eine große Parade statt; nicht blos wochen-, sondern monatelang müssen die Mannschaften von früh Morgens bis Abends spat aus dem Exerzirplatz sich für die Parade vorbereiten, um vor den Augen des höchsten Kriegsherrn bestehen zu können. Wenn mit solchen Einrichtungen endlich einmal ge- brochen würde, wenn die wahre Ausgabe der militärischen Ver- waltung verwirklicht würde, die Mannschaften einzig und allein für den Krieg auszubilden, dann würde ein Jahr reichlich ge- nügen, um Das, was wir für die Vertheidigung brauchen, zu er- reichen. Wenn, wie es in der Regel geschieht, im Frühjahr ein Krieg ausbricht, so hat ein Drittel der Mannschaften nur sechs Monate, ein anderes Drittel nur 18 Monate, und nur der Rest 2—3 Jahre gedient. Die ersten beiden Drittel thun aber nicht weniger ihre Schuldigkeit, als die Dreijährigen. Die Sachsen hatten 1866 nur ein Dienstjahr, und doch wird Jedermann der sächsischen Armee das Zeugniß ausstellen, daß sie sich an der Seite der Oesterreicher mit großer Bravour und Tüchtigkeit ge- schlagen. In den mnerikanischen Küinpfen waren die hervor- ragendsten Helden Leute, die vorher niemals einen militärischen Griff gethan. Die geschulte Armee Napoleons III. war 1870 in sechs Wochen niedergeschmettert, während der ztisaminengelmtfene Hause der Republik uns sechs Monate zu schaffen machte. Der Abgeordnete von Manteuffel selbst hat zugegeben, daß die Infanterie der Loirearmce, die eben erst zusammen- getrommelt war, ihre Widerstandsfähigkeit bewiesen habe, nur die Artillerie habe nicht? getaugt. Das wird Jeder zugeben, daß die Artillerie einer längeren Vorbildung bedarf. Der Krieg vom September 1870 bis zur Uebergabe von Paris wurde von zwei Männern ins Leben gerufen und geführt, die keinen Tag vorher Soldat gewesen waren, von dem Advokaten Gambetta und dem Jngeniettr Freyeinet. Man sollte hier in Deutschland einmal die Zumitthung stellen, daß an Stelle eines altgedienten Soldaten ein Zivilist Krtegsmittister würde, das würde ein schönes Geschrei geben.(Heiterkeit.) Wenn wir jeden tvaffen- fähigen Mann militärisch ausbilden, müssen wir auch insbesondere dafür sorgen, daß jeder einzelne freudig dem Rufe folgt. Das können wir leider heute nicht sagen trotz der wunderbaren Er- klärung des Generals Vogel von Falckettstetn, wonach die Kaserne ein Ort ist, wo die Soldaten sich an Kommißbrot satt essen können und Fleisch nach Belieben bekommen.(Heiterkeit bei den Sozialdemokraten.) Man begreift darnach gar nicht, warum alljährlich so zahlreiche Personen vor Gericht gezogen werden, weil sie sich ihrer Militärpflicht entzogen, und warum Alles auf- geboten wird, um nur vom Militärdienst frei zu bleiben, woher die große Zahl der Selbstmorde in der Armee kommt.(Unruhe rechts.) In der Armee ist der Prozentsatz der Selbstmorde er- heblich höher als in der Zivilbevölkerung. Zwischen 12 und 20 Prozent sämmtlicher Gestorbener in der Armee fällt auf die Selbstmorde. Wen» Aehnliches in der Zivilbevölkerung vorkäme! (Ruf rechts t Ist nicht zu vergleichen!) Wenn Se. Majestät in etnem Erlaß jüngst aufforderte, den Truppen eine anständige Be- Handlung zu Theil«erden zu lassen, und wenn andererseits in den Blättern Fälle haarsträubender Behandlung zu lesen sind, so können Sie sich leicht die Gründe zusammenstellen, woher die Selbstmorde kommen. Im 3. Garde-Grenadierregiment Königin Elisabeth bekam vor Kurzem ein Soldat beim Exerzieren etne geschwollene Hand. ES wurden Bäder verordnet, der Zustand ward nicht besser. Darauf ließ der Unteroffizier im Zimmer einen.Kessel ausstellen und zwang den Soldaten, die Hand in das beständig im Kochen erhaltene Waffer zu stecken, so daß am Ende der Prozedur das Fleisch in Fetzen von den Fingern fiel. Ter Unterosfizier drohte, mit dem Knüppel zuzuschlagen, wenn der Soldat die Hand aus dem Wasser zöge. Die Sache kam vor» Militärgericht; der Soldat wurde mit einer Pension von 9 Mark monatlich als Invalide entlassen, und der Unterofstzier mit drei Monaten Festung bestraft. Der Soldat wurde mindestens mit 8 Jahren bestraft worden sein, ivenn er sich etiva zur Nothwehr gesetzt hätte. Der Soldat wird eben nicht als Mensch behandelt, und das ist der Grund, daß die Freudigkeit beim Militärdienst in den Massen immer mehr schwindet. Die Wehr tragen zu dürfen, war im Mittelalter das Vorrecht eines freien Mannes, heute sucht man sich vom Militär- dienst nach Möglichkeit zu drücken, weil von Freiheit nirgends mehr die Spur zu finden ist. Auch hier muß endlich Wandel geschaffen werden. Bezüglich der finanziellen Belastung weise ich darauf hin, daß in Bezug auf die Uniformirung ein Luxus ge- trieben wird, der alljährlich große Summen verschling!, während hier sehr bedeutende Ersparnisse gemacht werden könnten. Die weittragenden Feuerwaffen und das rauchlose Pulver werden es nothwendig machen, daß die helle Farbe an der Uniform im Kriegsfall so schnell als möglich beseitigt wird. Deshalb sollte man auf diesem Gebiete schon jetzt resormatorisch vorgehen. Hierzu eine Anleihe zu bewilligen, wäre ich gern bereit, weil es in Wahrheit eine produktive Anlage im eminenten Sinne des Wortes wäre. Der Schahsekrelär hat die für das nächste Jahr nothwendigen Mehrausgaben auf 60 Millionen berechnet; nach meiner Rech- mmg werden sie erheblich größer sein, obgleich die Kommission die Gehaltsaufbesserungen von 20 auf 12 Millionen ermäßigt hat. Der Schatzsekretär hat die bedeutenden Mehrausgaben für die Pensionen und den Zinsansatz für die neuen Anlethen nicht genügend berücksichtigt; außerdem werden alle in den letzten Jahren geschaffenen Institutionen der Vermehrung und Er- gänzuug bedürfen. Dem gegenüber betont auch der heutige Schatzsekretär, daß die Dinge nicht so gefährlich seien, weil der abgeschlossene Etat einen Ueberschuß von 73 Millionen über die Voranschläge ergebe. Das mag zunächst einmal ausreichen, um die Mehrausgaben zu decken. Der Ertrag aus den Zöllen wird aber doch nicht fortwährend der gleiche sein. Eine einzige gute Ernte in Deutschland würde mit Nothwendigkeit ein ganz be- deutendes Loch in diese Einnahmequelle machen. Bei Einführung der Zölle wurde nicht bloß von Seiten v. Bennigsen's sondern auch von der rechten Seite der Getreidezoll als Schuhzoll und nicht als Finanzzoll bezeichnet, der im Falle einer un- günstigen Ernte und bedeutenden Verthetternng des Getreide» nicht aufrecht zu erhalten wäre. Heute aber erklärt Herr v. Maltzahn, daß die Getreidezölle als eiserner Einnahmeposten im Kriegs- bndgel zu siguriren hätten. Noch mehr! Als im vorigen Herbst unser'Antrag auf Abschaffung der Getreidezölle diskutirt wurde, war es Herr v. Bennigsen, der sich deswegen dagegen erklärte, weil angesichts der Künvigung der Handelsverträge im Jahre 1892 es nothwendig sei, daß man Kompensationen in der Hand habe, und daß die.Getreidezölle als solche Kompensation in Betracht kämen. Herr v. Bennigsen kann sich nunmehr nach einem neuen Kompensattottsobjekle umsehen. Mag das Getreide noch so theuer sein, die Zölle müssen bleiben, damit wir die nöthigen Etnnahtne- quellen für das Militär haben. Das wird im Volke einen bitteren Eindruck machen. Die besitzenden Klassen haben das Einjährig- sretwilligen-Jnstitut, und wenn neue Offizierstellen geschaffen wer- den, so sind eS die Söhne der Grundbesitzer und Bourgeoisie, die in dieselben einrücken. Das Volk aber muß die Blutsteuer weiter aufbringen. Daß ein solcher Zustand mit Nothwendigkeit die größte Erbitterung ttnd Unzufriedenheit in den Massen er- wecken muß, versteht sich von selbst. Man müßte sonst an dem Maß von Bildung und Gefühl zweifeln, das in unserem Volke doch vorhanden ist. Daß wir nach den Ansführungen, die ich gemacht habe, nicht dazu kommen können, für die vollständig nichts- sagenden Resolittionen Windthorst's zu stimmen, ist einfack) selbst- verständlich. Die Resolutionen verpflichten die Regiernngen in keiner Weise; es bleibt ihnen vollständig frei, zu thun, was ihnen gut dünkt. Andererseits sollen sie ein Mäntelchen abgeben, um dahinter den Rückzug zu decken, den Windthorst dieser Vorlage gegenüber angetreten hat. Dazu Handlangerdienste zu leisten, ge- wissermaßen Koulisse»schieber abzugeben, fällt uns absolut nicht ein. Für die Resolution, die sich auf die Zukunstspläne be- zieht, können wir schon deswegen nicht stimmen, weil wir den Plan im Prinzip durchaus billigen, nur nicht die Art der Ausführung. Was die Resolution über die ein- jahrige Bewilligung der Heresstnrke betrifft, so kann ja Windthorst eigentlich nichts Besseres thun, wenn es ihm damit ernst ist, als für den Antrag Bambergcr stimmen. Der Abg. Windthorst hat auf den Konflikt hingewiesen, wenn aber eine Volksvertretung sich vor einem Konflikt scheut, dann wird sie nie zu ihren, Rechte kommen.(Sehr richtig! links.) Daß die Militärverwaltung, wenn sie auf die einjährige Bewilligung als Kompensationsobjekt eingeht, sogar noch ein gutes Geschäft macht, ist meine volle Ueberzeugung; denn gegen eine solche 5ionzession würden viele Mitglieder des Hauses ihrer- seits mit größeren Konzessionen der Regierung entgegenkommen. In Fraiikreich, England, Italien und-anderen größeren Staaten findet die jährliche Bewilligung statt, ohne daß die Regierung mit der Majorität des Parlaments jemals in Konflikt gekommen ist. Daß in diesem Reichstag leider keine Majorität zu finden sein wird, die ernsthaft den fortgesetzten militärischen Forderungen entgegentritt, ist meine Ueberzeugung, daß auch die Resolution 3 unsere Zustimmung nicht finden kann, versteht sich von selbst, denn es steht ja ganz im Belieben der Militärverwaltung, wie fie diese Resolution handhabt. Die 6003 Dispositions-Urlauber sind kein genügendes Aequivalent. Was dieselben bedeuten, hat der Abg. Richter gestern trotz des Majors Gaede richtig ausgeführt. Wenn man im Interesse des Volkes von der Roth- wendigkeit einer Veränderung überzeugt ist, wie es die Abgg. Windthorst und seine Freunde sagen, dann muß man selbstver- ständlich auch die Form wählen, welche am schnellsten zum Ziele führt, also incht eine Resolution, sondern einen bestimmten An- trag. Wenn nach der Resolution 4 die Regierung ersucht wer- den soll, die Einführung der zweijährigen Dienstzeit„in ernste Erwägung" zu nehmen, so hat das nach den Erklärungen vom Bundesrathstisch über diese Frage ganz und gar keine Bedeu- tung mehr. Dagegen ist nur ein festes, entschiedenes Nein des Reichstages die richtige Antwort. Deshalb find wir gegen die Vorlage.(Beifall links.) Kriegsminister v. Uerdy du Uevnois: Ich will zunächst an das anknüpfen, was der Herr Vorredner in Bezug auf die Arinee gesagt hat: nämlich, daß der Soldat nicht als Mensch betrachtet wird. Es wirst ein eigenthümliches Licht auf die Ver- Hältnisse, daß im Reichstage ein solches Urthcil über unsere Armee gefällt wird.(Sehr richtig! rechts.) Fiir mich ist es der Beweis, daß die Vertreter der sozialdemokra- tischen Partei, die in breiten Schichten des Volkes Füh- lung haben, in der Armee keine Fühlung haben. Was Sie dort habe», das ist, was unter einer Masse von einer halben Million immer vorhanden ist: die Unzufriedenen, Nichtsnutzigen(Unruhe links). Diejenigen, welchen auch Unrecht geschehen ist, was im Lause der Dinge in einer so großen Organisation natürlich ist, daß nicht immer nach Recht und Sitte verfahren wird, daS ist Ihre Domäne.(Beifall rechts.) Wer die Armee kennt, wird wissen, daß der Osfizier wahrhastig ein Herz für seine Soldaten hat, und auch der Soldat weiß, daß der Offizier ein Herz für seine Beschwerden hat und für ihn sorgt. Es ist behauptet worden, die Zahl der Selbstmorde habe sich in bedenklicher Weise erhöht. Ich bitte doch, bei so schwerwiegenden Anschuldigungen mit richtigen Zahlen zu rechnen. Nach einer mir vorliegenden Liste von 1681 bis 1389 betrug die Zahl der Selbstmorde im Jahre 1881 0,71 im Jahre 1839 V.Sll pro Mille. Eine ähnliche Liste können wir in Bezug auf die Todesfälle in der Armee aus- machen. Infolge der Umsicht unserer Aerzte, der vorzüg- lichen Einrichtungen und nicht zum Mindesten auch in- folge der Fürsorge der Offiziere sind die Todesfälle rn ilnserer Armee immer weiter heruntergegangen, so daß wir in dieser Beziehung die erste Stelle unter allen'Armeen einnehmen. Den von Herrn Bebel erwähnten Fall aus dem Regiment Eli- sabeth kenne ich in seinen Einzelheiten nicht. Sie sehen aber: das Gesetz ist da, es greift ein.(Ruf bei den Sozialdemokraten: Zu milde Strafe!) Darüber können wir uns in diesem Augen- blicke nicht zun» Richter machen, dazu müßten wir die alten- mäßige Darstellung des Falles kennen. Nun ist ferner wieder Elsaß-Lothringen erwähnt und die Meinung ausgesprochen worden, seine Rückgabe an Frankreich würde neue Rüstungen unnöthig machen. Meine Herren, Elsaß-Lothringen war in früheren Jahr- Hunderten stets das Ausfallthor Frankreichs gegen Deutschland und würde es auch künftig sein. Die Bevölkerung aber würde ihr Kontingent zum französischen Heere stellen, und wir würden unsere Hecresstärke infolgedessen noch mehr erhöhen müssen.(Sehr richtig!) Nun ist auch wieder die Idee einer Milizarmee aus- getaucht. Man hat auf den amerikanischen Krieg exemplisizirt. Wenn aber einer der kriegführenden Staaten nur den fünften oder sechsten Theil seiner Heeresmassen als reguläres Heer be- pissen hätte, so würde jener Krieg schneller beendet woroen sein und ohne die ungeheueren Opfer an Geld und an Menschenleben, die er in der That erfordert hat. Was die Uniformirung anbe- langt, so haben wir uns init dieser Frage sehr ernst beschäftigt. Ob aber die Neuuniformirung billiger werden wird, ist sehr die Frage. Da ich einmal das Wort habe, will ich auch noch auf einige Punkte näher eingehen. Alle Argumente, die gegen die Vorlage vorgebracht worden sind, stützen sich darauf, daß wir die Nothwendigkeit unserer Forderungen nicht nachgewiesen hätten. Das ist ein Satz, die Begründung dafür ist man uns schuldig geblieben. Die Ziffer, die wir über die Stärke der sranzösischen Armee gegebe» haben, wird beanstandet, die zweite Ziffer über das Wachsen der Armee infolge der neuen Organisation ist uns schließlich in der Kommission zugegeben woroen. Die Fran- zoscn sind 300000 bis 400 000 Mann stärker, als wir. Gewiß legen wir noch andere Faktoren als die bloße Truppenzahl in die Wagschale, aber Sie dürfen uns nicht zu- muthen, ganz dahinter zurückzubleiben.(Sehr richtig.) Sonnen wir uns nicht zu sehr an den: alten Kriegsruhm, vergessen wir nicht, daß wir im Felde mit einer bedeutenden Uebermacht zu kämpfen haben, wir haben es mit einem stärkeren Gegner, als früher, zu thun. Die Sache ist ernst, unendlich ernst! Was wir fordern, ist das Minimum dessen, was nöthig ist. Herr Richter hat gesagt, über die 300 000—400 000 Mann fehlen uns die Be- läge. Ueber die Zahl unserer eigenen Truppen können wir bis zum Landsturnie genaue Kontrole üben; bei den Franzosen fehlt uns diese Einsicht.'Aber einen Anhalt für unsere Vorlage geben die französischen Verhältnisse, soweit sie uns bekannt waren. Wir waren gezwungen, Ziffern zu geben und unsere Forderungen zu sormuliren. Gewiß haben dieselben zunächst im Lande erschrectt, denn man war der Ueberzeugung, daß wir mit unseren Rüstungen fertig wären. Wir waren aber auch nicht wenig über das französische Wehrgesetz befremdet. Wir haben Ihnen unsere daraus hervorgehenden Erwägungen»sit- getheilt und Ihnen osfen die Lage geschildert. Wenn wir das thaten, so hatten wir die Ueberzeugung, daß wir bei weiterer Verschiebung der Forderungen nicht Mittel und Wege finden würden, aus der Lage herauszukommen. Ich hatte in der Kam- Mission die Aeußerung gethan, daß wir unS vielleicht auf die allgemeine Wehrpflicht nach den Scharnhorst'schen Vorschlägen würden zurückziehen müssen. Inmitten der Diskussion kamen dann 14 Tage, die zu der lebhaftesten Agitation im Lande benutzt wurden. Uns war eS nicht möglich, in gleicher Weise zu ant- worten, denn in der Polemik wäre man bald an einen Punkt ge- komme», für den man das Beweismaterial nicht verösientlichen konnte. Damals war also die Bewegung natürlich, aber gleich am ersten Tage des Wiederzusammentrittes der Kommission konnte ich miltheilen. daß wir die Konseqnenzen aus meiner Erklärung nur so weil ziehen würden, als es sich um eine Verschiebung der Machtverhältnisse handeln würde, daß aber die voll« Ausnutzung der Wehrkraft ans ein Msnschenalter hinaus nicht erforderlich fem würde. Ich will noch bemerken, daß die Grundlage für die Vorlage das französische Wehrgesetz gewesen ist. welches m der französischen Kammer mit einer Mehrheit von 200 Stimmen an- genommen wurde.(Hört, hört!) Allerdings hat diese Grundlage einige Aenderungön bei uns erfahren. Das französische Gesetz zieht in rigorosester Weise Alles zur Ausbildung heran, während das unsere ans einer humanen Basis beruht. Was die Zukunfts- plane anbetrifft, so bitte ich Sic, da Sie ja bei jedem einzelnen Schritte mit herangezogen werden würden, etwas zur Beruhigung über diese Pläne beizutragen. Keinesfalls sind Sie durch An- nähme dieser Vorlage weiter gebunden, wenn wirklich noch neue Vorlagen kommen sollten. Ich komme nun zu dem Gebiete dtaft Kompensationen. Jedenfalls wird jeder einzelne der mehr zu«p lassenden 6000 Dispositionsurlauber diese Entlassung cus�px- leichterung empfinden. Sie verlangen die zweijährige DieMzeit und werben dafür in die Wagschale den Wirnüp des Volks, mit Sicherheit zu wisse», daß der EiizMle in zwei Jahren entlassen wird. Wir werfen in yfk andere Wagschale die Thatsache, daß wir, da die PräsenMirke nicht vermindert werden kann, bei zweijähriger Dienstzeit 25.000 Mann jährlich mehr einziehen müßten, welche jetzt nicht zu dienen brauchen, ferner die Erhöhung der Kosten, die immerhin eine neue Belastung bilden würden. Weiter werfen wir in die Wagschale, was wir durch das Studium der Geschichte und durch eigene Erfahrung kennen gelernt haben, und wir komnien zu dem Re- sulrat, daß u»sere Wagschale schwerer ist, als die Ihre, daß wir zur Zeit die zweijährige Dienstzeit nicht einführen können. Wir sind stets mit dem Gedanken beschäftigt,>vie eine Entlastung möglich sei. Erst vor vier Jahren ist an sämmtliche Korps- und Regiments-Komniandeure eine Anfrage wegen Einführung der zweijährigen Dienstzeit gestellt worden. Ueber 240 Berichte sind uns zugegangen und darunter hat. sich nur einer jiir die Möglichkeit einer zweijährigen Dienstzeit aus- gesprochen.(Hört, hört! rechts.) Ich bitte, doch den Werth des Urtheils dieser Männer nicht zu unterschätzen, die ihre Leute im Felde geführt und de» Nutzen der Ausbildung in der Praxis kennen gelernt haben.(Sehr richtig! rechts.) Was nun die Bemerkungen über die französische Artillerie betrifft, so liegt ja hier gar nicht der Schwerpunkt der Vorlage, vielmehr darin, daß wir eine größere Anzahl Leute ausbildea müssen. Mein Herr 'Amtsvorgänger hat auch nicht erklärt, daß für die Zeit oe-> Septennats keine Veränderung im Heere statcfinden würde, viel- mehr nur, daß man dies wünsche, daß aber andere Ansichten nicht ausgeschlossen seien. Wir sind jetzt der Ansicht, daß wir das Heer verstärken müssen. Wir Häven heute 30 106 Mann Feld-Artillerie, die Franzosen über 60 000. Ebenso sind ihre Be- spannungen bedeutend zahlreicher, als die nnseren. Ich beschränke mich darauf, nochmals die Nothwendigkeit der Vorlage zu be- tonen. Wie ich dies den Gegnern derselben einlenchteno machen soll, weiß ich freilich nicht. In der Kommission ist die Ansicht ausgesprochen worden, bei dieser so wichtigen Vorlage handle es sich um eine Kraftprobe. Hier stehen größere Zwecke auf dem Spiele.(Sehr richtig!)— Daß Wünsche und An- sichten bei dieser Vorlage ausgesprochen worden, ist ja natürlich. Darum aber bitte ich, vie Vorlage nicht zu einem Handelsartikel zu machen.(Lebhafter Beifall.) Abg. Frhr. v. Maniruftrl(dkons.): Herr Bebel hat be- hauptel, unsere Infanterie habe sich mir ganz jungen, sehr tüch- ligen französischen Miliztruppen geschlagen und diese hätten sich bewährt. Das ist nicht der Fall. Gerade wo wir den jungen Truppen gegenüber gestanden haben, hatten diese die Ueberzahl; sie wurden trotzdem besiegt und hatten außerdem kolossale Ver- luste, iveil sie die Strapazen nicht ertragen konnten. Ueberhaupt war die ganze Organisation des sranzösischen Heeres damals nur möglich, weil sie sich um einen Stamm von allen Truppen herum kryslallisiren konnten. DaS einzige Moment, das mir in Herrn Bebels Rede sympathisch war, war, daß er die allgemeine Ab- rnftung für unmöglich ansieht. Im Uebrigen liefen seine Darlegungen darauf hinaus, daß er sagte: Frank- reich ist nicht unser Gegner, sondern Rußland— und deshalb brauchen wir keine Verstärkimg. Wir sollten unser Elsaß-Lothringen zurückgebe». Ich möchte daraus be- merken, daß wir längst einen Krieg hätten, wenn wir nicht im Besitze von Elsaß-Lothringen wären. Die Franzosen würden im Bestreben, ihre Gloire wieder herzustelle», auch ohne den Verlust Elsaß-Lothringens den Krieg mit uns angefangen haben.(Sehr richtig! rechts.) Was die Vorlage anlangt, so sind wir der An- ficht, daß das Minimum dessen darin verlangt ist, was wir zu unserer Wehrfähigkeit dringend bedürfen. Wenn der Herr Ab- geordnete Rickert uns Konservative für eine unberechtigte preußische Eigenthümlichkeit ansieht, so hat er doch zu unserem Tröste gesagt, es sei dies seine Ansicht, wodurch allerdings der Werth der'Aeuße- rnng sehr erheblich eingeschränkt wird.(Heiterkeit.) Auch Herr Gras von Moltko besitzt die unberechtigte Eigenthümlichkeit, kon- servativ zu sein(Heiterkeit); ebenso haben wir verschiedene Süddeutsche unter uns, und wenn die Herren Freisinnigen weiter gegen die Kornzölle agitiren, werden wir bald wohl noch mehr Bayern in unfern Reihen aufnehmen können. Je mehr nian die Landwirthschast zurückdrängt, um so weniger Prozent der Wehr- fähigen kann sie produziren. Ich glaube nicht, daß wir durch eine Reichseinkommensteuer die Schutzzölle entbehrlich machen können, viel mehr scheint mir eine Börsensteuer dazu geeignet. (Sehr gut! rechts.) Lei seinem Exempel von der größeren Be- lastung des deutschen Steuerzahlers gegenüber dem französischen hat Herr Rickert die französischen Schutzzölle ganz außer Rech- nung gelassen, und das würde die Zahl ganz anders gestalte». (Sehr richtig! rechts). Die vorauslichtliche Mehrbelastung um 60 Millionen Mark hat nur zum geringsten Theil mit den Militär- forderungen zu thun. Viel mehr wirken darauf die Erhöhung der Beamtengehälter und andere Faktoren ein. Was die Koinpen- sationen anvelangt, so sind die Dispositions-Benrlaiibnngen nicht so geringwertlsig, wie sie dargestellt werden. Trotz der Ausführung des Abg. Richter, daß diese Beurlaubungen gerade die verhatte dreijährige Dienstzeit unterstützte», hat Herr Rickert erklärt, seine Partei werde für die Resolution Windthorst stimmen, in der die Vermehrung der Königsurlauber gefordert wird. Das ist ein Widerspruch. Wir Häven schließlich nicht die Empfindung, als ob diese Vorlage eine Berechtigung dazu bietet, eine Ver- kürzung der Dienstzeit eintreten zu lassen. Die Wehrhastigkeit des gieichs bedingt diese Vorlage, und deshalb bitten wir um deren unveränderte Annahme.(Lebhafter Beifall rechts.) Abg. v. Kc>u»lrrowoili(Pole): Nachdem uns von antori- tativcr Stelle wiederholt die Vorlage gerechtfertigt worden ist. trat an uns die Ausgabe heran, die Frage geuan zu erwägen. Wir sind in den östlichen Provinzen finanziell nicht glänzend gestellt und in politischer und religiöser Beziehung oft georückt. Trotzdem werden wir fär die Borlage eintreten.(Lebhafter Beifall im Zentrum und rechts.) Wir wollen nicht die Schädi- gnng des Reiches.(Bravo! rechts.) Wir sind oft verlemndet worden, auch von der osfiziöseu Presse; deshalb wollen mir aber doch uns nicht abhalten lassen, unsere Pflicht zu thun. Wir sind immer in unserer geschichtlichen Enrivickcl.ng für Thron und Altar eingetreten.(Bravo!) Wir hoffen von Seiner Majestät dem Kaiser, daß er auch dafür seine schirmende Hand üder dem bedrängten Bolke halten«verde. Wir werden im Interesse derBe- rnhignng des Volkes die Resolutionen unterstützen. Wenn wir auch nie daS Schlachtfeld gescheut haben, so glauben wir doch keines- wegs uns ablehnend gegen die Ideen einer Friedenstonserenz verhalten zu dürfen. Ich schließe mit dein Hinivcis ans das Wort des Herrn Reichskanzlers, daß man die Vorlage möglichst einmüthig annehmen möge. Da wollen auch wir unser bescheidenes Scherstein dazu beitragen.(Beifall.) Wenn u»sere Absichten nicht verstanden«Verden,«md sich kein Einverstäiidniß zioischen der Regierung und den Polen erzielen läßt, so ist das nicht unsere Schuld.(Lebhafter Beifall in» Zentrum und bei den Polen.) Abg. Kebel bestreitet in persönlicher Bemerkung dein Kriegs- minister, daß er die Abtretung von Elsaß-Lothringen verlangt habe. Seine Angaben über die Selbstinorde in der Armee u. s.>v. habe er aus Zeitungen und offiziellen Quellen geschöpft. Wenn der Kriegsminister gesagt habe, er, Redner, habe in dieser Be- ziehung Verbindung«nit nichts«uitzigen und unzufriedenen Elementen gehabt, so fehle, ihm, um diese Beschuldigung zurückzuiveisen, der parlamentarische Ausdruck. Iii» O'si Uhr wird die weitere Berathung auf Donners-- tag, �42 Uhr, vertagt. Der sonatdeinollvatikche Stadtverordnete Ewald Engen Uogtherr stand gestern unter der Anklage der Gottes- lästerung, der Verächtlichmachung einer Einrichtung der christlichen Kirche, soivie einer Beschiinpfung der Bibel vor den Schranken der ersten Strafkaminer des Berliner Landgerichts ll. Da vor Beginn der Verhandlung ans den Antrag des Staatsamvalts Schultz gegen den voin'Angeklagten erhobenen Widerspruch die Oesfentlichkeit ausgeschlossen«vurde, weil die guten Sitten durch Verletzung des religiösen Gefühls gefährdet werden könnten, müssen«vir uns auf Mittheilung des in öffentlicher Sitzung ge- fällten Urtheils soivie der dafür geltend gemachten Gründe be- schränken. Der Angeklagte,«velcher sich selbst vertheidigte,«vurde »nr wegen Verachtlichinachung der christlichen Kirche verurtheilt, »nd zivar zu 3 Tagen Gefängniß, von der Anklage der Gottes- lästerung und Beschimpfung der Bibel aber freigesprochen. Die demselben zur Last gelegten drei Strafthaten sollen in eine«» von ihm am 16. März d. I. im Bartha'schen Lokal z» Nixdorf ge- haltenen Vortrag begangen sein. Tie betreffende Versammlung war von einem Herrn Stein», ar zum Ziveck der Gründung einer freireligiösen Gemeinde einberufen«vorden. In dein, so puclizirte der Vorsitzende, Landgerichtsdirektor Gartz, «vas der Angeklagte über die Allgegemvärtigkeit und Allwissenheit Gottes gesagt, könne etivas Beschiinpfendes nicht gefunden werden, ebensoivenig in den Ausführungen über den bestrafenden und be- lohnenden Gott. Denn der Angeklagte habe hervorgehoben, daß die Gotlesvorstellung eine verschiedene sei und daß Gott menschliche Eigenschaften zugeschrieben«vürden. Dagegen müsse in den fer- neren Aeußerungen des Angeklagten über die Taufe und Ehe eine Verächtlichmachung der chri.ilichen Kirche gefunden werden. Uin diese zu erreichen, habe er.die einzelnen Einrichtungen kritisiren müssen. Wenn gesagt ist, daß die Taufe nur zu dem Zwecke ge- schehe, dainit die Kirche aus die Täuflinge ihre Hand legen könne, uin sie in ihre Geivalt zu bekommen, so sei ein Ziveck vorgeschützt, den die heutige Handlung der Taufe adsolut nicht habe. Ten gleichen Charakter habe die Behauptung, daß die eingesegnete Ehe nicht glücklicher«naeye, als die standesamtliche. Der Angeklagte hade dadurch bei seinen Zuhörern eine Verachtung der christlichen Kirche hervorrufen«vollen. Die Aeußerung aber, daß die Bibel „llmvahrheiten" enthalte, sei noch keine Herab>vürdigung. Dem Gendarmen Gericke, der im Termin den'Ausdruck„Lügen" be- kündet, kann nicht geglaubt werden,«veil sein Bericht anders lautet. Der Staatsanivalt hatte Freisprechung von der Anklage de« Gotteslästerung und Verächtlich>nachui«g der christlichen Kirche,—■ dagegen drei Tage Gefängniß«vegen Bibelbeschimpsnng beanrragt! — Gegen das Urtheil ist beim Reichsgericht lltevrsion beantragt. zintrr der Anklage dro Ketrngr» stand gestern vor der 6. Strafkammer des Landgerichts I. ein Beainter, Namens W a s k e. Derselbe«vohnte früher in Frankfurt a. O. und hatte ans einem dortigen Geschäft Waaren entnommen, ohne dieselben bisher bezahlt zu haben. Als W. nach Berlin versetzt wurde, reiste ihin der Inhaber jenes Geschäftes nach, u», 75 M., welche er noch zu fordern halte, eiuzutreiben. Die Bemühungen des Kaufinanns«varen jedoch vergeblich; denn W. bedeutete ihin, daß er ailgenblicklich nicht in der Lage sei, seinen Verpflichtungen nachzukommen. Der Gläubiger«vollte aber nicht länger warren und stellte gegen W. einen Strafantrag wegen Betrugs. Ter Kaufmann, welcher in der Verhandlung nicht aiuvesend war, hatte erklärt, daß er dem Schuldner nur deshalb Kredit ge- ivährt habe,«veil dieser ihin versprochen hatte, in kürzester Zeit die Rechnung z» begleichen, da er in seiner Eigenschaft als Beamter ja an jede«» ersten Tage eines Monats seinen Lohn erhalte. Der Beschuldigte führte dagegen aus, daß er völlig unschuldig sei. In einer Fraliksurter Zeitung habe er ein Inserat gelesen, welches besagte, daß jenes Geschäft gegen Abschlagszahlung Waaren ver« kaufe und nur dllrch diesen Inhalt der Annonze fand er sich ver- aiilakt, bei den« Kläger seine» Bedarf zu entnehmen. W. be- merkle ferner, daß es ihin«vie allen anderen kleinen Beamte» und Arbeitern unter den gegenivärtig herrschenden Verhältnissen voll- ständig unmöglich sei, ohne Schulden zu machen, die Lebens- bedärinisse seiner Angehörigen zu befriedigen. Der Angeklagte «veist noch darauf hin, daß er sich bis letzt nichts habe zu Schulden kommen lassen, obgleich er nicht«veuiger als 13 Kinder zu er- nähren gehabt habe und betheuerte, daß auch in diese«» Falle die Absicht, eine betrügerische Handlung begehen zu wollen, ihm vollständig fer» gelegen hat. Der Staatsanwalt hielt die Schuld des W. für eriviesen«md beantragte Bestrafung. Nach längerer Berathung beschloß der Gerichtshof die Sache «wchinals zu vertagen, um deil Angeklagten Gelegenheit zu gebe», eine Nummer der„Frankfilrter Zeitung" heroeizuschaffen, in wel- cher eine Llnnonze enthalten sei, die ankündigt, haß die Waaren aus Abschlag von jene«» Geschäft entnoinmen«verde» könnten. Zu dem neue» Termin soll auch der Kläger ausgefordert werden, persönlich zu erscheinen. Am Schluß der Verhandlung gab der Gerichtshof dem'Angeklagte» de» Rath, die Forderungen seiner Gläudiger so weit«vie möglich zu begleichen. Mege» Vertriebes unzüchtiger Ottder stand gestern der Kaufmann Ernst Günther vor der ersten Straskannner des Land- gerichts I. Der Ailgeklagte hat das unlautere Geschäft in einer Weise betrieben, die Staatsanivalt und Gerichtshof für besonders erschwerend hielte««. Er suchte nämlich die kaufmännische» Büreaus zu einer Zeit aus, in«velcher er a f die Abwesenheit der Chefs rechnen durste. Er erkundigte sich zunächst nach dein- selben und richtete irgend eine gleichgiltige Ansrage an ih>«,«ven» er amvesend»var. Andernfalls holte er aber ein Packet unzüch- tiger Bilder hervor, die er den jungen Leuten vorlegte und an- pries. Er soll einen ziemlich lebhaften Umsatz erzielt habe». Ter Staatsanivalt beantragte eine Gefängnißstrafe von sechs Wochen- Rur mit Rücksicht aus die bisherige Unbescholtenheit deZ Angeklagten beließ es der Gerichtshof bei einer Geldstrafe von 50 Mark. (ßi>» mehr als dreister Ketrug führte gestern de» Schuh- macher Julius M i n d e vor die 93. Abtheilung des Schöffen- gerichts. Der Angeklagte hatte für den Hof-Schuhmacher Tromski eine Arbeit angefertigt, wofür er 3,50 M. erhalten sollte. Bei der Ablieferung halten Velde kein kleines Geld, weshalb Tromski dein Angeklagten erst 3 M. einhändigt« und ihn bat, die übrigen 50 Pf. bei nächster Gelegenheit zu holen. Als sich diese Gelegenheit bot, wiederholte sich der Fall, aber, um«nit de»« Angeklagten vollständig glatt zu koniinen, gab Tromski ihm ei» Fünfmarkstück mit dem Ersnchen, der Angeklagte möge aus seine Kosten ein Glas Bier trinken, um be« dieser Gelegenheit das Geldstück wechseln zu können. Der Angeklagte ging«nit de«» Fünfmarkstück und kain nicht wieder. Nach einiger Zeit fragte Troinski bei dem Anzeklagteu an, ob dieser sich mit ihn« eine» Scherz hade erlauben«vollen. Zu seiner Empörung leugnete der Angeklagte, daß er überhaupt niehr als 50 Pf. erhalten habe- Hierbei blieb er auch im Termine, trotzdem der Zeuge eidlich de» Inhalt der Anklage bestätigte. Der Staatsanivalt beantragt� bel der Frechheit, mit der der Betrug ausgeführt worden«var- eine Gesängnißstrase von 1 Woche, der Gerichtshof erkannte a»> 30 M. Geldstrafe. Eine«,«r,rlle Ka»dl»«gomeise beim E!rschäft«v<>l" lrmr)' hat dem Bäckermeister Johannes Kolbe«vey ei«r Anklage wegen Urkundenfälschung und Diebstahls zugezoge»- «velche gestern vor der ersten Strafkammer des Landgerichts* gegen»hn verhandelt wurde. Ain 7. Februar d. I. ver-kaufte der �»geklagte seine in der Linienstrajze belegene Bäckerei für den Kaufpreis von 1800 M. an den Bäckermeister Retzlaff. An diesem �age wurde der Kaufpreis bezahlt und dem Ver- taufet das vorher gemeinschastlich aufgenommene In- ventar-Verzeichniß übergeben. Zwei Tage darauf über- £at)m der Käu> er das Geschäft. Bei dieser Gelegenheit bat der Angeklagte sich noch einmal für wenige'Augen- ducke das Inventar- Berzeichniß aus, welches bietzlaff ihm auch einhändigte. Der Angeklagte ging mit demselben in du Aebenstube, kehrte gleich wieder zurück und übergab dem Käufer das zusammeugefaltete Papier, welches dieser ohne es zu prüfen, wieder in die Tasche steckte. Wenige Tage darauf entdeckte der Käufer, daß eine Teigtheilinaschine, die er mit übernommen hatte, mcht mehr vorhanden war. Er erfuhr, daß der'Angeklagte die- selbe mitgenommen hatte. Bei Durchsicht der Liste entdeckte Aehlaff dann, daß die erwähnte Ntaschine nachträglich durch strichen war. Der Angeklagte mußte dies gethan haben, als er ßch mit der Liste in der Nebenstube befaud. Im Bcrhandlungs termine wurde derselbe auch überführt. Der Gerichtshof erblickte >n dem nachträglichen Streichen in der Liste eine Urkunden- fälschuug, in der Mitnahme der Maschine einen Diebstahl und belegte den Angeklagten für beide Strasthaten mit einer Ge- sammtstrase von zwei Monaten Gefängniß. Drr lebte der ZUohilraner. Die zweite Strafkammer am Landgericht II hatte sich am Mittwoch zum letzten Male mit einer Anklage wegen Kugelsuchens zu beschästigen. Die Berhand- lung bildete gewissermaßen das Leichenbegängnis eines verbotenen Ge.. cri.es, das dem genannten Landgerichte außerordentlich viel zu schassen gemacht hat. So lange der Tegeler Schießplatz als solcher eristirt har, hat es Leute gegeben, die gleich den Hyänen der Schlachtfelder mitten im dichtesten Kugelregen, unter flürzen- den Baumstämmen und umher purzelnden Aeften aus dem Schießplätze umhrrschivirrten, um die verschossene Munition auszulesen und zu verkaufen. Tie Jagd ging freilich nur ans Blei und Messing, daS schwere, doch werthlose Eisen blieb liegen. Mit einer eminenten Fertigkeit, um die sie mancier Feuerwerker beneiden durfte, schlugen die professionirten Kugelsucher von den nichtlrepirten Granaten die Bleimäntel und Messingzünder los, ohne Furcht vor der stets drohenden Explo- sioingefahr. Mancher von ihnen hat seine gesunden Gliedmaßen auf dem Schießplatze eingebüßt, z. B. verlor eine Frau dabei ein Bein, aber als sie geheilt war, ging sie mit der Krücke auf die Kugclsuche, umgeben von einer ganzen Bande von Gewerbegenossen, denen sie mit der Krücke, gleichwie der Feldherr mit dem Marschallsstabe, die Steilen wies, wo Beute zu machen war. Ebenso wurde dem berüchtigten Kugelsucher Emanuel Müller von einer krepirenden Granate ein Arm weg. gerissen, das hinderte ihn aber nicht, nach wie vor dem Mi nitionsdiebstahie obzuliegen. Wie einträglich dieses Geschäft zu Zeilen war, geht daraus hervor, daß der ebenerivähnte Enianuel Müller auf dein Kummeraborser Schießplätze mit einem Ein- spänner ergriffen wurde, der zum Erbrechen mit Blei- und Messingtheilen der Geschosse beladen war. Emanuel Müller war auch derfenige, der vor etwa acht Jahren mit Hilfe mehrerer Komplizien ein neun Zentner schweres Bronze Kanonenrohr von» Tegeler Schießplatz stahl. Einer der Komplizien hatte den Plan vorher verrathen und als Zeit der That 2 Uhr Nacht angegeben. Mehrere Kriminalschuhleute rückten hinaus, verbanden sich mit den Gensdarmen und legten sich auf die Lauer. Da es aber noch viel zu früh war und eine fürchterliche Kälte herrschte, zogen es die Beamten vor, in einem nahe» Lokale ein Glas Gcogk zu trinken. Dabei kam eine Partie Billard zu Stande, aber während die Beamten spielten, wurde das Kanone». rohr aus eiuen Wagen geladen und zu einem Berliner Schlosser. meister gebracht, ivo es zersägt werden sollte. Nachdem man aber v« Stunden gesägt hatte und mit einem Schnitte erst bis zur des Rohres gelangt war, eine Fortsetzung der Arbeit aber ohne Gefahr der Eiitdectii»„ uvmogUcy schien, g>»n man selbst zur Polizei und zeigi« die Sache an. Neun Moimre Gefäugniß hat es damals darauf gegeben. Eine der berüchtigten Kugel. sucherfamilien war die Biuder'sche aus Reinickeudors. l" Mutter und vier Söhne lagen unuttterbrochen auf Schießplätze. Der Vater ist jetzt todt, die Mutter kann Altersschiväche nicht mehr mit, aber die Söhne waren fleißig bei der'Arbeit. Jetzt sind sie und alle anderen Kugelsuchcr brotlos geworden. Oede und still liegt der Tegeler Schießplatz, die Schiepschule ist nach Jüterbogk verlegt und mir das 1. und Garde- Artillerimgimeiit hat jetzt noch eine kleine sechstägige Schießüblliig draußen abgehalten, aber dabei sind die Kugelsucher nicht thätig geivesc», weil nichts zu holen war, den» die Sol- daten suchten selbst die Munition niit Sorgfalt auf. Es war ein Zufall, daß gerade ein Sprößling der berüchtigten Binder'schen Familie, der Äjährigc Paul Binder, wegen Kugelsuchens zu allerletzt auf die'Anklagevauk kam. Derselbe ist„erst" 23 Mal vorbestraft. Cr hätte freilich nicht die Ehre gehabt, der„Letzte" zu sein, wenn nicht besondere Umstäude mitgespielt hätten. Gegen ihn und den Arbeitet Held stand schon vor mehreren Woche» Termin au, uiid beide waren rechtzeitig erschienen. Nun hatte aber die Polizei, welche d»e Angeklagten schon lange wegen der Berbüßung früherer Strafen suchte, jedoch nicht finden konnte— von dem Teriniue Kenntniß erhalte». Ter Kiininalschutzinai»» Otto hatte den'Ans- trag erhalten, falls die Gesuchten zum Teriniue kämen, nach der Aerhandlmig die Verhaftung vorzunehmen.'Als er sich ans dem Korridor des Gerichtes dlicien ließ, hieß es„Otto kommt!" und Pauk Binder ging sofort an ihn heran und sagte:„Sie, morgen gehe ich nach Rmuiuolöburg I"— Der Schutzmann wollte sich nicht merken lassen, warum er gekommen sei und meiute: „Wag geht denn das mich an, wenn Sie»ach„Nuinmelsburg" gehen!" Doch Binder ließ sich nicht verblüffe», er rief:„Guten Morgen! Herr Otto 1" und fort war er. Es inustte damals gegen Held allein verhandelt werden, doch hat sich Binder am andern !öage in„Rtiuimelsberg" freiwillig gebellt, von bort wurde er gestern durch eine» Trnußporleur vorgeführt. So kam es, daß er„der letzte Kugelsucher" ans der Zluklagebauk vor dein Land- gericht U war und weil er der Letzte und obendrein geständig war, kam er mit 10 Tagen Gefängniß davon. Soziale LteberslKrk. A« alle Bauarbeiter Kerlina k Kameraden, Euch allen ist bekannt, daß sich die Bauarbeiter Hamburgs, Altonas, Stettins und WansbekS im Ausstand befinden. Die Mittel zur Hilter stützung derselben find bis jetzt leider spärlich eingelaufen. Ii solgedessen sehen wir uns veranlaßt. Euch ernstlich zur Pflicht Euren darbenden, für Ihr heiliges Recht kämpfenden Käme- raden gegenüber zu ermahnen. Bedenkt, daß, wenn es den auswärtigen Uiitcrnehnierverbänden gelingt, die dortigen Organi- sationen der Bauarbeiter zu sprengen, man es m kurzer Zeit auch hier versuchen wird. Also Kamerade», beweist Euer SolidaritätSgefühl. Der Sieg der auswärtigen Kameraden ist auch der unsrige. Sammelliften sind bei sämnit- lichen Vertrauensmännern zu haben, und zivar für den Osten und Südosten: O. Rennthaler, Falkensteiiistr. II; Grimm, Wrangelstr. 82; Koppen, Wasserthorstr. 75: Strelow, Wrangel- straße 124; Mahlow, Pücklerstr. 13; Kandale, Andreasstr. 71, Für den Westen und Südivesten: R. Klinge, Bahnstr. 15 (Schöneberg); Engelhardt, Arndtstr. 5, H.; Ernst Meiiiaß, Kulm- straße 3; Paul Meiiiaß, Gr. Görschenslr. 24, Für den Norden. Harms, Schönhauser Allee 136; Berfelde, Liuicnstr. 223; mann, Ererzicrstr, 4a; Liskow, Birkenstr. 21(Moabit); Lüderitz, Schönholzerstr. 14; W. Wernau, Swinemünderstr. 47. I. A. Gaßmann. An snmrntliche Mnlrr» Anstreicher und Kernfo genostenk Kollegen, Freunde und Berufsgenosse»! Nachdem der Lohnkampf unserer Brüder in Hamburg fast 3 Wochen getobt hat und noch nicyt endgiltig entschieden ist, sahen sich unsere Kollegen veranlaßt, durch unvorhergesehelie Umstände den Streik vorläufig beizulegen. Der Kämpf ift durch das brutale Vorgehen seitens der dortigen Jnnungehelben leichtsinnig vom Zaune ge. krochen und der Gehilfciischajt aufgedrungen worden und, Kol. legen, die Hamburger Gehilsenschaft kounle nicht anders, als den Kämpf ausnehmen, sollte ihre Ehre slecklos bleiben. Seitens UN- serer Kollege» wurde der Kampf jetzt mit aller Energie geführt. Trotz iviederholter Verhandlungen mit den Arbeitgebern ivaren es stets die Fnnungshelden, welche die Verhandlunge» kurzweg ablehnte». Ltachdeiii der Kampf bereits ö Wochen gelobt uno der Sieg sich aus die Seite unserer Kollegen zu neigen schien, versuchten die Herren von der Junung durch Agenten und ihre Helfer in andere» Städten Arbeitskräfte für Hamburg anjiiwerbe», was ihnen auch gelang. Und zu unserer schände sei es gesagt, auch Berlin hat mehrere Trupps von solchen Streikbrechern gesandt. Freilich haben diese Elemente üble Er- sahrungen gemacht und haben znin größte» Theil Hamburg wieder verlassen müssen. Nun, Kollege», das neueste Ansinnen der Jiinuiigsnieister an die Gehilfen ist dieses, daß unsere Hamburger Brüder einen RcvcrS unterschreiben sollen, ivonach sie sich ver- pflichten, aus der Bereinigung der deutschen Maleric, auszutreten. Falls sie diesen Revers nicht unterschreiben, erhalten sie keine Beschästigniig. Da nun augenblicklich die Geschäftslage eine flaue in Hamburg ist und eine große Anzahl Kollegen ohne Beschäftigung ist, so köniite das schmachvolle'An. sinnen dieser Jnmuigshelden, gelänge es, fremde Ar. beiter hinüber zu ziehen, sehr leicht wahr werde» Darum, Kollegen, appellire» wir nochmals an Euer Soli- daritätsgesühl, betrachten wir den Hamburger Kampf als unseren eigenen und mache» wir dieses Ansinnen der Jnuungs- Helden dadurch zu Schanden, daß wir jeglichen Zuzug nach Hamburg fernhalten. Ebenso ist der Zlizug nach Gera, Mühlhausen i. Th., Magde. bürg und Kiel streng sernzuhallen. Bor allen Dingen warnen wir die Kollegen, nicht ans die Annonzengeschichte von Haasen stein». Bogler, Mosse u. s. w. hereinzufallen, überall stecken die Jiinungsbruder hinter. Nochmals, Kollege», haltet den Zuzug nach obengenaunte» Orten fern. Mit kollegialem Gruß Tie Ber. liuer Koi»»iis|ion. I. A.: Gustav Link.— Sämmtliche Arbeiter. blätter werden um Abdruck des Obigen gebeten. Achtung! SchtostVr im«» Zttnlchinenl'nner Boykotts? O nein, als- Arbeiterfreund!!! Das„Vokkswohl" schreibt:„Unter den großen Arbeitgebern, die zugleich große Arbeiterfreunde sind, ist in den letzten Jahren Herr C. Bolle, Besitzer der Meierei in Moabit bei Berlin, rühm- l i ch st bekannt geworden. Er stellt mcht nur seinen Leuten die günstigsten Arbeitsbedingungen, sondern sorgt für sie, besonders für die bekannten„Klingeljungen" auch außerhalb der Arbeitszeit in wahrhaft väterlicher Weise." Aus einem Briefe selbigen Bolle's theilt nun das„Volksivvhl" folgende Bollheiten mit: „Nachdem es mir(Bolle) vergönnt worden ist, über de- deutendere Kapitalien zu verfügen, bin ich immer bestrebt gewesen, meinen Leuten einen angemesseiien, möglichst hohen Lohn zu gewähren und ihre Arbeitszeit mög- lichst zu verkürzen. Ich habe daher auch bisher von irgend welcher sozialdemokratischen Bewegung unter meinen Leuten nichts bemerkt. Im Prinzip bin ich aber Gegner der Festsetzung eines Nor- mal- Arbeitstages und eines Normal-Lohnsatzes. Selbstverständlich würde ich auch jede sozialdemokra» tische Bewegung unter meinen Leuten zn unterdrücken suchen und zwar mit allen mir zu Gebote stehenden Mitteln, weil ich die sozialdemokratischen Lehren für Irrlehren halte." Bolle hat's gesagt, Irrlehren sind's, „seine" Leute dürfen nicht mucken, er„unterdrückt" jede Bewe- gung, Fabrikgesehe sind nichts, Bolle hat's gesagt. Klingling- liiigling. Wer könnte widersprechen? Bimbam, Bambim, Kling- lingling I Für nnsere Freund» in Vera wird es nicht ohne Jnter- esse sein, zu erfahren, daß die Geraer Jute-Spinnerei und Weberei in Triebes glänzende Geschäfte macht. „Romen's Journal für Textil-Jndustrie"(Ausgabe A Nr. C vom 25. März 1830, S. 45) schreibt darüber:„Der Aufsichtsrath hat in seiner stattgehabten Sitzung, in welcher der Abschluß für 1333 zur Vorlage gelangte, beschlossen, auf der Generalversammlung, »ach wieder vollzogener namhafter Rückstellung, die Vertheilung einer Dividende von 10 pCt. auf die Aktien lättora B und 10 pCt. für die Aktien Littera A(also gleich hoch wie im Vor- jähre) vorzuschlagen. Der Geschäftsgang im neuen Jahre wurde als ein guter bezeichnet." Und die ain 17. April stattgehabte Ceneralversannnlung hat diesen angenehmen Vor- schlügen freudig zilgestimmt. Mein Liebchen, was willst Du noch mehr? Die Angsburarr Konrgeoi«, die sich auf die Plusmacherei aus dem ff verstehen und in den Textilsabriken Weiber und Kinder nach Herzenslust ausnützen, durch Einsührung der besten Maschinen zahlreiche Arbeitskräfte außer Brot setzen und dadurch an ihrem Theil für die industrielle Reservearmee, die„Vaga- blinden" Rekruten liefern, haben dem„Zuge der einen„Verein für freiwillige Armenpflege und für iiMnmn" W— �..2..e... eit" folgend ....... VM............ Wanderuuter- siützung" gegründet. Damit aber der ausgehungerte, durch Eick- behrungen und Strapazen herabgekommene Arbeitslose die Bettel- suppe nicht umsonst bekommt, muß seit dem 25.'April 1336 der Wanderer eine bestimmte Arbeitsleistung verrichte». Die bürger- liche Heuchelei bringt es mit sich, daß im Interesse des Geldsacks der Proletarier arbeitslos wird, dafür von den Geldsackmoralisten auch noch bestrast wird. Die Zahl der„Vagabunden", die seit 1886 die'Augsburger Humaiiitätshelden in Anspruch nahmen, hat sich deshalb vermindert, und darob großer Jubel! Als ob der Wan- derer weniger würden,>veil ihrer weniger sich der Strafanstalts- ordming des„Vereins" unterwerfen! Denselben suchten auf im Jahre: 1335...... 16 534. 1386...... 12512 1837...... 8893 1888...... 8751, 1839...... 8068 7 ES ist erfreulich, daß die Proletarier auf diese„Wohlthaten" mehr und mehr verzichten. Wenn die Gewerkschaften gut orga- nisirt sind, könne diese Wanderunterstützung reichen, ive»N ein gutes Fabrikgesetz eingef/chrt ist, und die Zahl der Arbeitslosen vermindere. Die Losung heißt: Arbeiterschntz und Wanderer. " flV.upr' Wie Euch bekannt ist, versucht die Hal»vurger Unternehmerschaft � � w.' planmäßig eine Organisation nach der ander» zu sprengen. Man«oalltioiiBreihekt! Fmlii iinr«eht jetzt an die Zerstörung der Metallarbeiter-V-reiingiliigcn, in-... Nichtigkeit der Z-chnlfe- Detiifftlf- Vriindnngrn laun vor ist onenkundlg. Im Jahre 18?3 gab es nach dem„Jahresbericht" der Anwaltschaft der Genossenschaflen noch 46 Bau gen offen- s ch a f t e». im Jahre 1887 nur noch 35. Das Großkapital, das dem man unter deniDeckmaiirel der augenblickliche» Geschäftslosigkeit »ach nud nach sich der organisirten Arbeiter zu entledigeii sucht. Kollegen! Jeder von Euch wird sich die unabsehbaren Folgen vcrgegenivärligen können, wenn es dem Uiitcrnehiuerthum gelingt, die Hamburger Vereinigungen zu vernichten. Es ist daher Eure dringende Pflicht, die Kollegen nach besten Kräften zn uillerstützen. Bor'Allem: Haltet den Zuzug fern! Sorgt dafür, daß die Hamburger Kollegen nicht wieder Ursache haben zu sagen: Es ivaren hauptsächlich Berliner, die il»s den Kamps erschivert haben. Aber auch materielle Unterstlitzuug ist dringeud »othwendig. Bedenket,»ufere Kollege» in Hamburg, wäre» stets, die ersten, hatten stets eine offene Hand. Hier haben wir Gelegenheit Gleiches mit Gleichem zn vergelte». '.llnr dadurch kann es u»S gelingen, dein Borgehen des Hai».,- �,,„- �-—...... bnrger UuteruehmerthumS die Spitze zu bieten und ans seinen's*™ se. freuen, zn den famosen„Arbeitern Herd zn beschränken. Ich ersuche alle Kollegen, bis zur iveitereu beiten�wolleii, gchöttu�! � Regelung in der uächsten öffentlichen Bersaininlilng, Samiiiel „.............. noch 35! Das Großkapital, das die Häuserspekulaiion mit Rassinement betreibt, geht über die kleinbürgerlichen Utopistereien brutal zur Tagesordnung über. Zn siimiutiichr» preußischen Gefängnisse«» waren im ahre 1887/38 nicht iveniger als 575 805 Personen. Auch ein tück Sozialgeschichte l Ii» De»ltschla»d belief sich die Zahl der von eigenem Vermögen, Renten und Pensionen ohne eigene Thätigkeit Lebenden im Jahre 1882 auf 810 458 Selbstständige „ut 782 667 Angehörigen und Dienstboten. Herr H e r r f u r t h ' I giebt uns vielleicht Anokunst darüber, ob diese Zinsgenießlinge, Rentiers und Pensionäre, die, ohne einen Finger zu rühren, sich '>-............*|'■" die nicht ar» Klvl«eiferl»e»veuu«0 Friviia. Einer am 2l. Juni tagenden Bersammliiii« � Leivz.ge�Schmiede wurde die Abrechnung des Berlraiiensiiiaiuis SMfn.Zrfmib« auf die Zeit seit de». 1. September 21. Juiii tagenden Aersammlnug der _______ i die'Abrechnung des~*....." Ober den Unterstützil»g«fouds aus die Zeit seit..... 1889 vorgelegt. Tie Regelung der Lohnbeivegung und Berival- tuiig des Uulerstiitzuiigssouds wurde zivei Personen übertrage», diesen eine feste Enlschäbigilng von vornherein bewilligt>i»d außerdem beschlossen, sie im Falle der Maßregelung mit 13 Nt. lrücheiitlich zu unterstützen. Weiter«vurde die Förderung des großen Hamburger Alisslandes durch Geld und Fernhalte» des Zuzugs beschlossen.— Die Böttcher Leipzigs gründeten am fdl. Juni einen Berein„Einigkeit" der Böltchergeselleu von .�'pzig und Umgegend und beschlossen die Bonlahme statistischer Erhebungen über die dortigen Lohn- lilid Arbeiteverhältuiffe durch BertheUung von Fragebogen, sowie die Unterstützung der streikenden Hamburger Böltchergeselleu. J"uni. In di W ein Streik ausgebrochen .. r»'»----.....,,,, vryeduiigen über die dortigen Lohn- und Ardeiteverhältniffe durch Heilung pou Fragebogen, soivie Hamburger Böltchergeselleu. 0 Lübeck«, 25. Juni. In der Tyiiamitsubrik in Krümmel bei Laueiiburg«st»in St"!! ausaebrochen. Ebenso haben in der Layerdors-Zemeiitsabrik Arbeit eingestellt I» Krnuttfchmrig find »«orbinachergehilfen nun auch,.......„, lijeicn«, weil ihnen von den Meislern nicht die geforderte Lohn- Erhöhung bewilligt ist. bei Itzehoe die' Fahrer und Packer die der„Magdeb. Ztg." znfolge die in die Lohnbewegill-g! i».... listen zur Unterstützung der ausgesperrten Schlosser und Maschinenbauer Hamburgs zu entnehmen. Im Süden bei W. Gründet, Dresdeiierstr. 116. Im'Norden bei Stüenberg, Aiiklamerstraße 43, und in« Westen beim Vertrauensmann der Schlosser und Ntaschinenbauer Berlins und Umgegend R. Petzold, WÜhelinstr. 15. An die Kchulfinacher Deutschlando! Aus Frankfurt a. M. geht uns solgeudts zn: Nacydem»tt Franksnrt a. At. der Streik zn Gunsten der Kollegen entschieden ist, aber durch die nun ein- getretene naturgemäße Geschästslrisis Lohnabzüge und Maß regelnngen vorkouline», ersuchen«vir alle zureifende» Kollegen, sich au»»scren Arbeitsnachiveis im Gasthaus zum Mohren-Kopf h. d. Lämmchen Nr. 10 zu»venden,>vo ihnen nähere Auskunft ertheilt«vird. Die Wcrkstatt-Ueverivachnugskominisfio».— Alle arbeitersreundlichen Blätter werden u», Abdruck gebeten. Je ärmer«ine Familie ist, ei» um so größerer Theil ihrer Einuahmei««vird für die Ernährung aufgebraucht. Las- p e y r e s stellte z. B. für Hamburg folgendes fest: es betrug der Aufivand siw Ernährung in Familien mit einem Jahres- einkoinmei« von 000 M. 402 M.— 07.0 pCt. 330„ 630„--- 66,7. 1440„ 316„:= 56,7_ 8300„ 1200„= 40,0_ 4501„ 1560„= 34,2„ 11400„ 3120„--- Ä1.7„ Ter- durch seine Gewissenhaftigkeit sich auSzeichneude Wirth- schastshistoriker S ch n a p p er- Ar n d t saud aus Grund einer lltciye von ihm angestellten Erhebungen, daß eine Familie mit 385 M. Einkonnueu 71 pEt., eine Familie mit 1812 M. 65 pCt.» ein städtischer Kaufmann mit 5000 M. 80 pCt., ein Kausman» mit 20 000 M. Einkoinmen 20 pCt. davon für Nahrungsausgaben verivendete. Die nngnnstigen Wirluuge» dieser Erscheinung treten zu Tage in der tiefen Lebenshaltung der arbeitenden Klaffen, die thatsüchlich von der Hand in den Miind leben und ihren kärgliche» Lohn zum größeren Theil für des Lebens gemeine Nothdurst verausgaben müssen. Wie„vorthcil- Haft" die Lebeiisniittclzölle sind, die dem kleine,, Mann die noth- wendigsten Bedürfnisse noch künstlich vertheuern, kann man jetzt recht deutlich erkennen. Fernere Genüsse, Besriediziing höherer Kultiirbedürfnisse, bessere Wohnung, Kleidung, Lektüre, Er- holung, sie werden alle so gut«vie unmöglich für den Prole- tarier. Zlufere Leser wird es interessiren z» erfahren, daß das „B o l k« iv o h l", das Organ des Victor Böhmert, den Klingel- volle über den grüne» Klee lobt. Als Kapitalisten, der sich auf's Geldmachen versteht, als Opfer des so«vohloerdienten Do«« de«« deutsche»» Ziegelstreicher» sagt der Fabrik- lnspeltorenbericht:„Im Frühjahr beginiien sie kräftig irnd im Herbst sind sie wahre Schattengestalten." Härteste Arbeit, nnzu- längliche Nahrung und Huiidehiitlen als Wohnung. daS ist so das Bild,«vie es dem sachlichen Beobachter eytgegentritt, der z. B. die Lippe'schen Z i e g e l a r b e i t e r, diese«nter- nalioiialen Wandervögel, die von Thüringen bis Moskau ziehe», sich betrachtet hat. I„» Deutsche«» Deich gab es 1861 etwa 4000 gewerbliche Betriebe mit über 50 Arbeitern, 1875: 7800, 1887: 9974 mit 1613 217 Personen, von welchen 870 553 auf die Betriebe mit über 200 Personen entfielen. Bis 1830 ist die Zahl der Groß- betriebe gewiß auf 12 000 angeivachse». Armes Kleinhaildiverk armes Zwergkapital, deine Quacksalber mögen dich nach dein Rezept des Schulze von Delitzsch oder nach den Heilsivahrheiten der Ziliistapostcl mißhandeln» du bist verloren. Der deutsche Eabai»verb»'a»ich sank von 1,85 Kilogramm pro Kopf in den Jahren 1871—1380 aus 1,48 Kilograum« im Zeitrail»« 1881—1888, ein Beweis dafür, daß die breite Masse aus einen Gcuußartikcl nach dem anderen verzichten muß, um nur vegeliren zu köiinen. Dir KchmeOev KeideuzmU'»«»'«» zählte iin Jahre 1887:65, 1889 nur noch 57 Betriebe, dagegen stieg die Zahl der Zwirn- spindein für Trams und Organzin von 52 002 auf 60 037, für Nähseide von 23 180 auf 23 588, ein Beweis, daß die Abnahme der Etablissements begleitet«vurde von einer Verdichtung der Produktionsmittel, einer Zunähme des Großkapitals. Charakteristisch ist es nun, daß die Zahl der in Fabrik»» deschastiglen Ar- beiter von 5765 i», Jahre 1887 aus 5286 fiel, während diejenige der Arbeiter in der H a>i s i n d u st r i e von 2283 im Jahre 1887 auf 2610 im Jahre 1883 stieg. Die schiveizerischen Seivenzwirn- macher suchen sich, soweit es angeht; dem Zwange der Fabrikgesetzgevliiig«nil ihrer scharfen Kontrole und ihrem elf- stündigen Normalarbeitstage z» eutzjehen und dafür dl» un- kontrolirte und schlechter bezahlte Hetyiarbeit auszubeuten, ein Vorgang ähnlich«vie«vir«n Deutschland ihn jetzt in der Zigarrenfabrikation seit Erlaß der bekannten bnndes- räthiichen Verordnung erleben. Die Aiisdehnnng der Arbeiter- schutz-Gesetzgebnng aus die Hausindustrie ist ein Gebot der Roth- «vendigkeit. I>« de» Kellerchölfl�» von Lille,»vo eine der bedauern?- werthesten Schichten des sranzöfischen Jndustrieproletariats haust, starben nach den Angaben eines sachkundigen Arztes von 2! 000 »eugeborenen Kinder» 20 700, d. h. 08,5 pCt. vor Erreichung des Alters von 5 Jahre». Der Jagd luv«, s, dieser edle Sport der Junker und anderen Edelsten und Besten" kostet dem Volke ein Heidengeld. In England wurde amtlich festgestellt, daß der Werth der St a h r u n g s m i t t e l, die durch das geschonte Wild jährlich den Menschen entzogen werden, auf 100 Mill. Mark zu stehen kommen; dazu tritt noch der große Kostenaufwand, der mit der Handhabung der Jagdgesetze verknüpft ist. Ein Hase braucht täglich mindestens ein halbes Pfund Mutter und er wählt dazu im Früh- jähr nur die zarten, jungen Gemüse- und Getreide- pflänzchen. Im Laufe eines Jahres verzehrt er also beinahe zwei Zentner Futter und richtet dadurch einen Schaden von mindestens fünfzehn Mark an. Das thut aber nichts; wenn nur die Feudalbarone ihr„edles Waid- werk" treiben dürfen, mag den Leuten ihre saure Arbeit zu nichte gemacht, mag das Volk geschädigt werden. Die Jagdgesetze mit ihrer mittelalterlichen Härre strafen den, welcher das Wild ab- schießt, das ihm die Saaten zerstört, im Verhältnis härter, als den, welcher einem Menschen todtschlägt. I» den Nereinigken Htaatrn genügen, Dank den Fort- schritten der Maschinentechnik und der gestiegenen Intensität der Arbeit, heute 600 Arbeiter, um dasselbe Quantum von landwirth- schastlichen Werkzeugen hervorbringen, für das vor 15— 20 Jahren 2145 Arbeiter beschäftigt wurden. In den Zeiten der Hand- weberei förderte ein erwachsener Mann in einer Woche 42 bis 48 Iards von gewöhnlichem Shirting; heute bringt der Maschrnenweber wöchentlich laOV Pards fertig. Da« Da»mwollsa»lrtt-Gel, das Jahrhunderte lang als lästiger Abfall behandelt wurde, beginnt mehr und mehr ein wichtiges, zu den verschiedensten Jndustriezwecken benütztes Produkt zu werden. In der Seifenfabrikation, für Wollspinnereien und Tuchfabriken, als Brennöl, zur Verpackung von Sardinen u. s. w. und hauptsächlich als Speiseöl, besonders in seiner Verarbeitung zu„S ch m a l z" spielt es eine täglich bedeutender werdende Rolle. Ursprünglich war Schmalz ein aus Speck und anderen Fettablagerungen des Schweines ausgelassenes reines Fett. Heute, wo die Surrogate den Verbrauch behcrr- scheu, dürfte reines Schmalz wohl kaum noch in den Handel kommen. Die Amerikaner haben, wie die Vernehmungen von der New-P orker Trust-Untersuchungskomnilssion ergeben haben, mit großer Vituosität schon viele Jahre das Baumwollsamenöl dem Schweinefett zugesetzt und die Konsu- menten, welche reines Produkt zu kaufen glaubten, ganz erheblich angeschwindelt. Jetzt wird die Mischung offen betrieben, und nianche Firmen rühmen sich, daß sie überhaupt kein Schweinefett mehr zur Herstellung von Schmalz verwenden! 75 pEt. der Ge- fammtschmälzproduktion der Vereinigten Staaten sind Fettgemische mit dem Baumwollsamenöl; die Ausfuhr an Schmalz betrug 1SS7 146 146 700 Kilogramm. Es ist gegen den Gebrauch dieses, einen bedeutenden Nährwerth enthaltenden Oels nichts einzu- wenden, wenn das Kunstprodukt als solches gekennzeichnet wird, und der Arbeiter nicht den Preis für Schweineschmalz da zahlt, wo er blos Fett mit Baumwollensamenöl gemischt erhält. So lange die Lebenshaltung des werkthätigen Volks nicht auf eine höhere Stufe gehoben wird, muß es zu Surrogaten greisen, aber diese sollen als solche kenntlich und billiger sein, als das bessere Naturerzeugniß. Es ist bekannt, daß die Baumwoll- samenöl-Verarbeitung Nordamerikas von einem Fabrikantenbund, einem Trust, monopolisirt wird, welche die Produktion beherrscht und den Markt kontrolirt. Ein Fachmann, R. Grimschaw, ist übrigens der Ansicht, daß das Oel auf dem besten Wege sei, sich zu einem Hanptprodukt der Baumwollpflanze empor zu schwingen. VersammUmsim. ©in« Uersammlnug de« der Klempner'Krr- litt« und Mmgrgend tagte äm 23. Juni in Bartha's Salon, Rixdorf, Bergstr. 120. Die Tagesordnung lautete: 1. Vortrag des Herrn Türk über die französische Nebolution. 2. Diskussion. 3. Aufnahme neuer Mitglieder. 4. Verschiedenes und Fragekasten. Nachdem das Protokoll der letzten Versammlung verlesen war, wesches unverändert angenommen wurde, ertheilte der Vorsitzende dem Referenten zu seinem Vortrag das Wort. Redner erntete für seinen lehrreichen Vortrage sturmischen Beifall. Im zweiten Punkt der Tagesordnung sprachen die Kollegen Selchow, und Schmidt im gleichen Sinne des Referenten. Daraus wurde die Versammlung zur Aufnahme neuer Mitglieder auf zehn Minuten vertagt. Der Vorsitzende fordert die Rixdorfer Kollegen auf. deni Verein beizutreten und führte ihnen vor Augen, daß nur eine starke Organisation unsere traurigen Verhältnisse günstig ge- stalten kann. Beim vierten Punkt:„Verschiedenes", verlas der Vorsitzende einen Brief des Kollegen Gustav Schulz aus Afrika, welcher mit dem Satze schloß:„Kollegen, laßt Euch nicht nach Deutsch-Westafrika gelüsten, denn die Verhältnisse sind nicht dieselben, wie sie in Deutschland von den Kolonialschwärmern geschildert werden. Auch seid Ihr hier keine freie Menschen mehr." Dann beantragte Kollege Prasse die Gründung einer Zahlstelle in Rixdorf, worauf Kollege Behrend als Hilsskassirer für Rixdorf gewählt wurde, welcher in Kummer's Lokal, Berlinerstraße, Sonnabends Abends und Sonntags Vormittags Beiträge entgegennimmt. Darauf wurde den streikenden Zimmerern in Hamburg und den streiken- den Kollegen in Mannheim je 30 M. bewilligt. Nachdem sich Niemand mehr zum Wort gemeldet hatte, schloß der Vorsitzende um HVa Uhr die Versammlung. Am Montag drn T3. d. M. tagte im Hoffmann'schen Lokal zu Rixdorf, Bergstraße 133, eine von der freien Gemeinde von Rixdorf und Britz einberufene öffentliche Versammlung, welche Stellung zu dem von der Gemeindevertretung projektirte» Bau einer höheren Lehranstalt nehmen sollte. Die Versamm- lang war so zahlreich besucht, daß es an Platz mangelte.— Ter Vorsitzende, Herr Steimnar, eröffnete dieselbe um'Mi Uhr mit einem Referat über die am selben Tage stattgesundene Sitzung der Gemeinde-Vertrctung, in welcher beschlossen wurde, in Rix- darf ein Gymnasium zu erbauen. Nachdem derselbe sowie Herr Fritz Krüger die Mißstände in unserem Orte, als zum Beispiel mangelhafte Beleuchtung, unzureichende- Kommunal- Schulräume, Zahlen von 50 Pf. Schuldgeld pro Kind und Monat, niedrige Lehrergehälter, Fehlen einer Volks-Badeanstalt u. s. w. kritisirl hatten, wurde ein von Herrn Dichte gestellter Antrag, dahin gehend, eine Kommission von 7 Personen zu wählen, welche durch geeignete Mittel beim Kultusminister Protest erheben sollen, an- genommen. FolgendeNesolntionen wurden einstimmig angenommen: 1. Die heutige Versammlung beschließt, daß a) dafür zu sorgen ist, daß die Gemeindevertretung eine Besserung in den Verhält- nissen der Gemeindeschule schafft; b) im Allgemeinen nicht gegen die Erbauung einer höheren Bürgerschule sind, aber ganz entschieden gegen die Erbauung eines Gymnasiums protestiren.— 2. Die heutige Versammlung erkennt die Zwecke und Ziele der freien Gemeinde Hierselbst an und verspricht mit allen gesetzlichen Mitteln dafür einzutreten, daß die Kinder der heutigen Religion entzogen wer- den und in der praktischen auf Grund der heutigen Wissenschast gelehrten Religionsanschauungen erzogen werden. Alte Mittwoch nach dem ersten im Monat findet eine Mitgliederversammlung statt. Schluß 12l/2 Uhr. ©in« Ucrsammlnng drr Dr«chsl«r Drntfchlauds. (D«tst>«ru>rtttnng I, fand am Montag, den 23. Juni, Annen- straße 16 statt. Die Tagesordnung lautete: 1. Geschäftliches. 2. Vortrag des Herrn Dr. B. Wille über: Die Kommunisten- gemeinde Jkaria. 3. Diskussion. 4 Verschiedenes und Frage- kästen. Unter Geschäftlichem wurde die Abrechnung vom Masken- ball vorgelesen. Einnahme 55 M., Ausgabe 67,80 M. bleibt ein Defizit von 12 M. Zu Punkt 2, Vortrag des Herrn Dr. Bruno Wille, führte Referent den Vortrag zur größten Zufriedenheit der Anwesenden aus. Zur Diskussion sprach Herr Mattutat und erntete ebenfalls reichen Beifall. Unter Verschiedenem wurden die Kollegen ersucht, sich mehr an den Mitglieder-Versammlungen zu betheiligen und mit dem Bezahlen der Beitrüge reger zu sein, weil viele Kollegen die Veitrüge schon Monate lang schulden. Die nächste Versammlung findet Montag, den 14. Juli statt. Am Verantwortlicher Redakteur: 13. Juli findet eine Partie nach Friedrichshagen statt. Das Nähere wird noch bekannt gemacht werden. «r-s» öffentliche Steinmeh-Pertznumlnng am Freitag, den n. Juni, Abends s Uhr, in Domack'S Salon, �Zohannisstr. 20. Lrei« Uereinignng der Gawanilenre und Verufsgenossen. Donnerstag, den es. Juni, Abends s Uhr, in Feuerstein'» Salon, Alte Jatobstraste 75: lLeneralversammlung. Achtung! zUalrr, Anstreicher und verwandte Berufsgenosten. Don- nerstag, den-0. Juni, Ab-ndS 8X Uhr, bei Feuerstein, Alte Jatobstr. 75(oberer Saal). Eroße öffentliche Versammlung. Zur gest. Beachtung: Sonnabend, den es. Juni er., 5. Stiftungsfest des Sefangvcr. Lorbeertran, im Elabliffement Elyfium, Landsberger Allee 39—41. Rauchstlnb„veutocher Michel", tagt jeden Dienstag, Abends 9 Uhr, bei Wutite, Friedrich sbcrgerstr. 20. 4'rrir Uerrtuigung der Maurer Kerlin» und Umgegend. Donnerstag, den 20. Juni, Abends s Uhr, i» Lehmann'S Lolal, Echwedterstr. 2t, V-rfamin- lung. Tagesordnung: 1. Vortrag d-S Herrn Link, über die politische und wirlhschaftliche Lage. 2. Disrufston. s. Bekanntgabe über das N-sultat der eingegangenen Fragebogen. 4. Verschiedenes. Mitglieder werden aufge- »omnien. Sämmtlichc Maurer und Putzer sind eingeladen. Krauste»- u»d KegräduiKstass« des Uerrina lViimutlicher Keruf«. Iilastrn. Verwaltungsstelle Berlin I. Sonnabend, den 23. Juni, Abends s Uhr, Blmnenstr. 73, bei Wollschläger. «rdst» öffentlich« Kerfanimiung sämmllicher Ziimnerleule Berlins und Umgegend, am Donnerstag, den 2s. Juni, Abends 3f( Uhr, tn May'S Salon, Beuthstr. 22. AUs-i»ei»«r Art-eiteriunenverei» ja mm!I icher K»rufa,m»ig» Ker- tili» und Umgegend. Donnerstag, den 23. Juni, Abends äff Uhr, tn Tcheffer'S Salon, Jnfelstr. io: Außerordentliche Generalversammlung. «effrutlich« Kerfaiumluug der Parquelbodenleger Berlins und Um- gegend am Donnerstag, den 23, Juni, AbendS s Uhr, in„Feuerstein'S Lokal", Alte Jatobstr. 75. zierein der Kananfchtägcr K-rlin« und Umgegend. Sonntag, den 29. Juni, Vormitlags 10 Uhr, Generalversammlung bei Ceeseldt, Grenadier- straße 33. Quiltungsbuch legitlmirt. vroz« öffentlich« zierfammluug der Freie» Vereinigung der Bau- und und gewerblicher Hilfsarbeiter RirdorfS und Umgegend. Tagesordnung: 1. Zweck und Ziele der Organisation. Referent: ReichSlagSabgeordncter Herr Schmidt. 2. Diskusston. 3. Verschiedenes. Kausdiener. Freitag den 27. Juni, Abends 2 Uhr, findet bei Feuer- stein, Sllte Jatobstr. 75, 1 Tr., eine öffentliche Bersaminlung statt. Tage?- ordnung: 1. Vortrag. Der Werlh der Vewertschaslstougrefse. Nsferent: Th. Glocke. 2. Endgiltige Veschlußsassung über die eocnt. Beschickung des Kongresses in Hannover. 3. Tie Veruntreuungen tn unserem Beruf-, deren Ursachen und Folgen. Referent: Ang. Kuhntte.«.Verschiedenes. Kollegen! Erlahmt nicht, leistet diefem Rufs Folge, dann wird es niöglich fei», unter Mithilfe aller verständigen, es mit der Sache ernstmeinenden Kollegen die Zu- stände, wie solche heute in unserem Berufsleben sowohl wie in unserem Ver- sammlungSwcsen herrschen, ein Ende zu machen, aber auch nur dann, wenn alle Mann an, Platze sind. Also auf! am Freitag zu Feuerstein! Großer Ko»uu«rnacht»baU am Sonnabend, den 23. Juni, in dir Aktien- Braueret FriedrichShain, am KöulgS-Thor, für die Mitglieder der Zentral- Kranteickasse der Maurer, Steinhauer II. f. w. Im Garten Konzert und Vor- träge. BilletS für 50 Pf. find beim Vorstand-, tn den Zahlstellen und tn den mit Plakaten belegten Handlungen zu haben. Gesang-, Sur»- und n-sellig«»«reine am Donnerstag. Männer- gesangverein„Lätitta" AbendS 9 Uhr in Vettin'S Restaurant, Veteranenftr. 19. — Gssangverem„Bretzelfchluß" Abends 8Z Uhr im Reslanraur Mündt, Köp- nickerstraßs 100.— Männergefaugverein„Nordstern" Abends 9 Uhr im Restaurant Pohl, Müllerftr. 7.— Schäscr'scher„Gesangverein der Elfer" AbendS 9 Uhr bei Wolf». Krüger, Stalitzerstr. 120, Gesang.— Gesangverein „Blülhenkranz" Abends 9 Uhr lm Restaurant Brandenburastr. 00.— Männer- acsangverein„Alexander" Abends 9 Uhr im Rsstauraiu Rose. Straußberger- straße 3.— Männergesangv-retii„FirmilaS" bei Rinner, Kopnlckerstr. 68.— Gesangverein„Sängerlust", Abends 9 Uhr, im Restaurant LandSbergerstr. 30.— Gesangverein„Männerchor St. Urban" Abends 9 Uhr Annenftr. 9.— Gesang- verein„Deutsche Liedertafel" AbendS 9 Uhr Köpnickerstr. 100.— Gesangverein „Norddeutsche Schleife" Abends von 9 bis II Uhr, Michaeltirchslr. 39.— Atännergesangveretn„SangeSfreundc" AbendS 9 bis 11 Uhr, Frankfurter Bier- hallen(Krüger), Große Franlfurterstr. 102.—„Brunvnia" Abends 9 Uhr UebungSslunde bei Lehmann, Alexandrinenstr. 32.— Turnverein„Hasenhaide" (LehrNngsabtlieilung) AbendS 3 Uhr Dicffenbachflr. 60—61.—„Perliner Turn- genosfenschaft"(7. LehrltngSabtheilima) AbendS s Uhr in der städlifche» Turn- Halle, Britzerstr. 17—13:— desgl. e. Männerablhellung AbendS 8 Uhr in der stndtischen Turnhalle, Gubenerstr. 51.— Lübeck'scher Turnverein(Männer- Abtheilung) Abends 3 Uhr Elisabethstr. 57—53.— Allgemeiner ArendS'scher Stenographenverein, Abtheilung„Louifenstadt", Abends 6'; Uhr im Restaurant Preuß, Oranienstraße 51.— ArendS'scher Stenographenverein „Phalanx" AbendS 3Z Uhr im Restanrant„Zum Buckower Garten", Buckower- straße 9.— Deutscher Verein ArendS'scher Stenographen AbendS 9 Uhr in Heidt's Restaurant. KoppeuNr. 75, Unterricht und Uebuug.— Berliner Steno- graphen-Verein(System SlrendS) AbendS» Uhr im Restauranr Friedrich- straße 20s.— Stolze'scher Elenographenvercin„Rord-Verlin" Llbeuds 9 Uhr, Schlsgelstr.««.— Verein der„Naturfreunde" Abends 9 Uhr im Restaurant Wieuerstr. 35.— Verein der Unruhstädler Abends sx Uhr im„König- stadt-Sastno", Holzmarttstr. 72.— Verein ehemaliger F. W. Rettschlag'scher Schüler am 1. und 3. Tonnerstag jeden Monats im Gase Schiller, Lands- bergerstr. 73 Abends 3 Uhr.— Ranchtlub„Kernspiye" Abends«■( Uhr im Restaurant Böhl, RüderSdorferstr. s.— Verein ehem. Schüler der 23. Ge- memdeschule'Abends ojj Uhr, Große Franksurterstr.«7 bei Martini.— Rauch- tluh„Rrcona" Abends»Uhr bei ZivUnSti, R-ichenb-rgerstr. 71.— Ranchtlub „Dezimalwaage" Abends 9 Uhr im Restaurant Lock, Krautsstr.«3.— Nauchllub „Vorwärts" Abends 9 Uhr beim Herrn Tempel. Restaurant„Zum Amoos", Breslauerstr. 27. Orientalischer Nauchtlub" AbendS 9 Uhr im Neslaur. Wi-cherl, Oranienstraße 3.— Ranchtlub„Krumme Piepe" Abends 9 Uhr Langestr. 70 bei Heindorf.— Nauchklnb„Eollegia"NbendS 9Uhr bei Thiemermann, Stalitzerstr. 65. — SkaUlub„Rückwärts" jede» Donnerstag Abend 3 Uhr im Zlsstaur. Boderke, Pallisadenstr.»7.— Privat-Theatergeselischast„Zldlerfchwinae" Sitzung 0% Uhr Gartenstr. 1« bei Träger.— Musttverein„Vorwärts" Uebung AbendS von se bi« it,!j Uhr, Slnnenstr. 14 park. Neue Milglteder, welche schon blasen tonne», finde» Ausnahme.— BergnügungSveretn„Fartnelly" SlbcudS osj Uhr Sitzung Fidelltas Jnvalidcnstr. 13s. Gäste willkommen. Ausnahme neuer Mitglieder.— Arbettergesangvercin„Hoffnung" FrtedrichSberg bei Reusch, Frankfurter Ehanssee- und Dorfftratzen-Ecke. UebungSstunde. Aufnahme neuer Mitglieder.— Nauchllub„Wald-Knaster" Abends von 9 bis It Uhr Wallstr. 3 bei Gimpel. ««saug-, Tur»- und gesellige zier«!»« am Freitag. Kaiser'scher Männergesangvereln Abends 9 Uhr im Restaurant Tamm, Schönhauser Allee 28.— Gesaugverein„Pausebeutel" Abends 3 Uhr im Restaurant Hensel, Alexandrinenstr. 15.—„Lcedertasel der Maler und verwandler Berussgenofsen" Abends 9 Uhr im Restaurant Kleine, Brandenburgftr. 00.— Buchbinder- Männerchor AbendS 8lj Uhr bei Feuerstein, Alte JatobSstr. 76.— Gesangverein „Flöter'sches Doppelquartelt" Abend« 9 Uhr im Restanrant Muschold, Lands- bergerstr. si.— Gesangverein„Fortschritt" Abends 9 Uhr tm Restaurant Blumensir.«0.— Gesangverein„Echo IS72" Abends 9 Uhr Oranienstraße 36. Reue Mitglieder werden ausgenommen.— Gesangverein„Osstan" Abends 9 Uhr, Dresdenersir. 35 bei EustavuS.— Huppert'sche Sänger-Bereinigung „Harmonie" Abends 9 Uhr bei Niest, Websrstr. 17.— Gesangvereiii„Säuger- Hain" Abends 9 Uhr Ndalbertstr. 21.— Liedertafel des Fachvereins der Stein- träger Berlins Abends 3 Uhr Große Hamburgersir.« UebungSstunde.— Ge- saugverein„Ohnesorge" AbendS 9 Uhr, Restaurant Reger, Alle Jatobstr. 33. — Eesangverciu„Widerhall" Abends 9 Uhr bei Herr» Boge, Köpnickerstr. 191. — Gesangverein„Lorbeertranz" 8� Uhr R-slauranr Wetnstr. 11.— Arbeiter- Gesangverein„Nord" UebungSstunde Abends 8,V Uhr im Restaurant Gnadt, Brunnen ftr. 38. Sttmiubegabte auch passive Mitglieder werden ausgenommen. — Gesangverein„Eollegia" Abends von 9— II Uhr bei Schuster, Orantenstr. 3. — Boigt'scher Dileltanten-Orchesterverein, UebungSslunde von sx— u Uhr AbendS im Louisenstädlischen Klubhaus, Annenftr. is, 1 Tr.— Berliner Turugenossenschafl(5. Männerabthe lung) AbendS S.Z' Uhr in der städtischen Turnhalle, Wnsserihorstr. si.— Turnverein„Hassnhaide"(Männerabtheilung) Ab. 3 Uhr Tieffenbachstr. 69— si.— Turnverein„Froh 11. Frei"(Mämierabth.) AbendS 8j( Uhr Bergstraße 69.— Wissenschastucher Verein für Noller'sche Stenographic Abends 8j( Uhr im Restaurant Ziethen, Dorotheeuslr. 31. Unter- richl und UebungSstunde.— Slllgemeuier ArendS'scher Stenographenverein, Abtheilung„Vorwärts". Abends Uhr tm Restaurant Koll, Mariannen- play Ii.— ArendS'scher Stenographenverein„Apolloduud" Abends 3 Ubr im Restaurant Seydelstr. 39.— Bercm ehemaliger Dr. Doebdelinscher Schüler Abends 9 Uhr im Restaur. KrsbS,Friedrichstr.203.— Z!th-rvsrem„AlprnveUchen" Abends Uhr im Restaurant„Wahlstart" Bellealltaucesir. 39.— Rauchllud„Weueud" Abends 9 Uhr im Hohe.izollerugarteu Steglchersir. 27.— Rauchtlud„Weichsel- blau" Aöends 3h Uhr im Restaurant Stalitzerstr. 147».— Rauchllud„Ohne Zwang" AbendS sl, Uhr int Restaurant W. Späth Weinstr. 28.— Verein ehe- maliaer Schüler der 22. Geineindeschule Abends 9 Uhr im Restaurant Schröder Sieglitzerstraße 13.— SoziatbemotraUscher Lese- und TGlmirtlub Lassalle Abends»Ij Uhr Adalberistraße 3 bei Schneider. Gäste durch Mitglieder könneu ciugeführt werden.— Sozmldemotiatischer Lese- und DiSlmirllub Vorwärts AbendS sr Uhr i» Poland'S Lolal, Siaunynstr. 33. Sitzung. Gäste können durch'Mitglieder eingesührr werden.— Mäunerchor der„Berlincr Mechaniter" Abends 9 Uhr im Restaurant Krüger,. Franzslr. 3.— Verein ehemaliger Schüler der 23. Gcmeindeschule Abends o'j Uhr Königstadt-Kasluo, Holzmarttstr. 72. Anfi'.ahme neuer Mitglieder. Gäste willtonnnen.— L-sellud „Karl Marx" Abends vo» 9— 11 Uhr.bei Schöuseld, Mariendorserslr. 10. „AInsterzeichner-Berbaild Deutschlands" AbendS i'A Uhr. Zum Schultheiß LandSbergerstr 73. Özu'vrfji'oal. Die Redaktion stellt die Benutzung de? SprechsaalS, soweit Raum dafür abzugeben ist, dem Publikum zur Besprechung von Angelezenheiten allgemeinen Interesses zur Verfügung: sie verivahrt sich aber gleichzeitig dagegen, mit dem Inhalt desselben tdentistztrt zu werden. Ms Erwiderung auf die Ausführungen des Herrn Böttcher (Sceschlößchen, Reinickeutorf), im Sprechsaal in Nr. 135 diene Fotgendes: Am 1. Mai sprach sich Herr B. sehr indignirt über die unverschämte Förderung der Brauergehilsen aus. Als ich demselben sagte, daß es infolge der Erklärungen der Brauerei- besitzer zum Aierstreik kommen wird, entfernte sich Herr B. lachend. In»'Anschluß hieran erklärte uns der damalige Büffetier, daß sie davon nicht berührt würden, indem sie ihr Bier von keiner der unterzeichneten Brauereien bezögen, sonvern daß sie dieses von außerhalb bekommen. Da wir nun keine Veranlassung hatten, dieses zu bezweifeln, sv machte die Gesellschaft„Zukunst"— diese ist unter dem Verein, von welchem Herr B. spricht, zu ver- stehen— dies in der Einladung zum Frühkonzert bekannt. Zu unserem Cnrt Laake in Berlin. Druck und Verlag von War Kadina größten Erstaunen mußten wir sehen, daß am ersten Feiertag Bier von der Norddeutschen Brauerei abgeladen wurde. Ich wandte mich sofort in Zeugengegenwart an den Büffetier im Garten mit der Frage, was sie für Bier verzapfen, und erhielt zur Antwort: Münchener Versandbier. Gleich darauf kam Herr B. und erklärte, daß er Norddeutsches Bier habe und sich über- Haupt keine Vorschriften machen lasse. Dieses der wahre Sach- verhalt in Bezug auf das Vier. Wenn H. V. nun weiter sagt, daß der Verein, also die Gesell- schaft„Zukunft" stillschweigend von ihm weggeblieben ist, so»st dieses eine Unwahrheit oder H. B. hat ein sehr schlechtes Ge- dächtniß. Am 3. Pfingstfeiertag Abend ging ich mit mehreren Genoffen zu Herrn B., um denselben noch einmal zu ersuchen, das„Berliner Volksblatt" auszulegen. Wir hatten im Lause zweier Monate zu wiederholten Malen Herrn B. darum ersucht, stets sagte er:„Ich habe das„Berliner Volksblatt", es liegt in meiner Wohnung". Dieses war aber nur eine leere Ausrede, denn am 3. Feiertag gab er dieses zu und versprach darauf zu abonniren. Gleicher Zeit machte ich ihm bekannt, also in Gegenwart von drei Zeugen, daß die Gesellschaft„Zukunft' fernerhin bei H. Lüdecke, Amendestraße 1, tagen würde; ebenso wurde Herrn B. gesagt, daß auch die Versammlungen der Bau- und geiverblichen Hilfsarbeiter, und die der Metallarbeiter daselbst stattfinden würden, und zwar aus dem Grunde, weil eine Bau- arbeiter-Versammlung stattgefunden hatte, die schwach besucht war, und Herr B. sich geäußert hatte:„Mit einer derartigen Ver- sammlung dürfe man ihn» so bald nicht wieder kommen. Wie man unter diesen Umständen sagen kann, der Verein ist stillschweigend weggeblieben, ist mir unbegreiflich. Wenn nun Herr B., wie er in einer anderen Erwidernng sagt, sich dadurch beleidigt fühlt, daß ein Gast gesagt hat, er ivill ihn durch seinen Besuch unterstützen, so weiß man nicht, was man dazu sagen soll; wir alle haben uns dieses gesagt und haben in jeder Weise Propaganda fiir das Seeschlößchen gemacht, um den Mann zu unterstützen, und es liegt für denselben weder etwas Entehrendes noch Vefchimp'endes darin; tausende von Geschäftsleuten appel- liren an das Publikum um eine derartige Unterstützung.� Ferner sagt Herr B., in seinem Lokal bleibt er Herr und hält Getränke wie er es für gut befindet. Dieses Recht will ihn auch Niemand streitig machen, aber jeder Geschäftsmann trägt im eigenen Interesse den Wünschen seiner Kunden Rechnung. Herr B. scheint aber der Meinung zu sein, daß seine Gäste seinetwegen da sind, und nicht er der Gäste wegen; Herr B. hat immer durchblicken! lassen, daß er nur mit Widerivillen mit den Arbeitern rechnet.. Infolge dieser Ausführungen des Herrn B. sind ein großer Theil' Genossen gewillt, nicht mehr bei B! zu verkehren, bis derselbe den Wünschen seiner Gäste mehr Rechnung trägt. Otto Knauf, Aialer, Seestr. 10, Reinickendorf. Vevurifchkes. pari«, 25. Jlmi. In St. Jean nahe bei Brest brach vorgestern die von einem Schiffe nach dem Landungsplatze führende Brücke unter dem Gewicht der von dem Schiffe kommenden Reisenden zusammen. Gegen 50 Personen fielen in das Meer. Die Zahl der Ertrunkenen ist noch nicht festgestellt. Bis gestern Vornuttag sind 7 Leichen aufgefunden worden. Die Taucher setzen ihre Be- mühungen fort. Urw-Nork, 23. Juni. Eine Depesche des Konsuls der Ver- einigten Staaten auf Martinique meldet, die Hälfte der Haupt- stadt Fort de France sei durch eine Feuersbrunst zerstört, etwa 5000 Personen seien obdachlos. Der Konsul Zerläßt einen Ausruf zur Hilfeleistung. VfiefTlQskvn Vev Llodnlktion. Bit Ansragen bitten wir die AbonneinrntS-Quittung beizufügen. Brieflich« Antwort wird nicht ertbetlt. W. M. Rngcnrrstr. 1. Ist Provinz für sich. 2. Der letzte Stich zählt 10. K. M., Maldemarstraße. Kann ohne Angabe der nähe- ren Umstände nicht beantwortet werden. ©. f|. Der Verkauf eines Geschäfts oder von Wirthschasts- gegenständen an Verwandte kann von den dadurch geschädigten Gläubigern des Verkäufers angefochten werden, gleichviel, welche Form Sie für den Kaufvertrag wählen, wenn nicht etwa der Käufer nachweist, daß ihm Ihre Absicht, die Gläubiger zu schä- digen, nicht bekannt war. Solcher Nachweis ist aber schwer zu führen. C. H., CIiarlott«nburg. Die mündliche Aufhebung des schriftlichen Kontraktes ist nicht rechtsgiltig; Sie können daher trotz jener mündlichen Besprechung bis zum 1. April wohnen bleiben. Es entspricht aber nicht Jedermanns Geschmack, sein Wort zu brechen und sich auf formales Recht zu berufen. Dl. V* Arbeiter, welche dem Arbeitgeber nachweisen, daß sie Mitglieder einer dem§ 75 des Krankenversicherungs-Gesehe» entsprechenden freien Hilfskasse sind, brauchen nicht zur Orts- krankenkasse angemeldet zu werden. Dl. K. Ä. Wenn Jemand in einem Zivilprozeß einen Termin versäumt, und ein Versäumnißurtheil gegen ihn ergeht, so muß er die hierdurch entstandenen Kosten auch dann tragen, wenn er Einspruch einlegt und den Prozeß gewinnt. Dlr. 67 Alier Abonnent. Wenn der Eingang zu Ihrem Laden durch den Schaukasten behindert wird, so können Sie aus dessen Wegnahme klagen. C. 4j. 110, Die Herrschaft ist verpflichtet, das Lohn bis zum 1. Juli zu zahlen, auch wenn das Dienstmädchen sich beim Dienst eine Krankheit zligezogen und Wochen lang im Kranken- haus gelegen hat. R. K. W«b«rstr. Uns sind zwar die Statuten der ge- nannten Hilsskasse nicht bekannt. Offenbar geben dieselben aber dem Vorstand das Recht, ein mit seinen Beiträgen rückständige-- Mitglied auszuschließen, und verpflichten das ausgeschlossene Rtit- glied, trotzdem die rückständigen Beiträge nachzuzahlen.'. Atattz Haus. Derjenige, welcher für ein Reilkaufgeld Hypothek bestellt, haftet, wenn diese Hypothek bei der Subhastation ganz oder theilweise ausfällt, für diesen Ausfall persönlich mit seinem ganzen sonstigen Vermögen. K. 100. Der Trauring ist in der Zivil-Prozeßordnung nicht als ein von der Pfändung ausgeschlossener Gegenstand bezeichnet. Der Gerichtsvollzieher ist daher verpflichtet, einen Trauring pfänden, wenn derselbe voraussichtlich einen die Pfändungs- un» Taxalorenkosten übersteigenden Erlös bringt. Rauchltlnb„Ualeska". Sie müssen Steuern zahlen. ..®• in L. 1. Das Naturalisationsgesuch ist an das Po- nzeipräsidiuin zu richten. 2. Der noch in wehrpflichtigem Alter stehende lltaturalisirte muß Soldat werden. 3. Die einmal er- folgte Naturalisation kann niemals von der Behörde rückgängig gemacht werden. _ Kch». 14, In Berlin herrscht nicht Gütergemeinschaft unter Eheleuten. Daher haftet der eine Ehegatte nicht für die voreh«- lichen Schulden des anderen. V.?. Wen» die Tafel mit der die Kündigung ausschließen- oen Inschrift von Ihnen bemerkt worden ist, und Sie, ohm Widerspruch zu erheben, weitergearbeitet haben, so können keine Kündigung verlangen und würden uiit Ihrer Enlschädigung«- klage abgewiesen werden. ©. 06. Die Haststrase ist weder verjährt noch erlassen. E" scheint uns aber, als hätten Sie sich verhört. Es wird die Stral wohl dahin gegangen sein: 6 M. Geldstrafe, eventuell, d. h. im Unveriiiögensfall, 2 Tage Haft, so daß nach Zahlung der slrase überhaupt die Haststrase nicht mehr besteht.. so theue• � rcc�llcn 8enQU' aber das Blatt war ft"*C n Berlin SW., Beuthstraße 2 2. Beilage zum Berliner Nr. 143. Donnerstag, den 36. Inn» 1896. 7. Jahrg. RorvsMond-enzen. Nolrsles. „ I tjcrt tn�n int SSJcftßtt itnb S�öXbujsj'tou unt Als im Dezember 1888, also vor S verschärften Revisionen der Droguenaeschäste begonnen. iedervereiinguag der Arbetterorgamsatw-> ��d fruber der'B-;irkSphysikus allein die ZMn vornahm ...... �dftin fast nX ?5�encht°te.um-Meint Jeht, neben dem .., New-UorK, 13. Zirka IV» Jahren, die________ J[«n New-Aorks stattfand(nachdem früher wegen der in der alten �gmnsation, der Zentral-Labor-Union, herrschenden„Boodle"- s��dschaft die fortschrittlichen Gewerkschaften ausgetreten waren und die Zentral-Labor-Föderation gegründet hatten), gab ich dem «edenken Ausdruck, ob jener Schritt ein praktischer und es nicht u�ster gewesen wäre, die Wiedervereinigung noch nicht vorzu- nehmen. Für die Arbeitersache wäre es gleich gewesen, ob die veiden Gruppen neben einander oder in einem Zentralkörper ver- k'Ncgt handelten, wenn nur auf beiden Seiten der gute Wille vorhanden war; bei der Verschmelzung lag aber die Gefahr nahe, va« das nur scheinbar in den Hintergrund getretene Boodle- Element sich wieder breit machte. So ist es auch gekommen und zwar sehr schnell . Schon nach einigen Monaten hatte sich die alte Wirthschast wieder eingebürgert; die politischen„Heeler"(die Mittelspersonen zwischen den beiden„großen" Parteien und denjenigen »Arbeiterführern", welche der einen oder andern(oder beiden) der>elben als politische Drahtzieher dienen), sowie Trabanten der einzelnen Unternehmer, mit denen die Arbeiter sich in Differenzen defanden, trieben sich ganz ungenirt in den Vorräumen des Ver- sammlungslokals umher und hielten„Flüsterkonferenzen" mit den betreffenden ab. Beschlüsse im Arbeiterinteresse wurden wohl gefaßt, aber die Ausführung wurde von denjenigen Organi- sa'?°nen. welche die anrüchigen Elemente in den Zentralverdand schickten, entweder absichtlich versäumt, oder direkt dagegen gearbeitet. Besonders war dies der Fall in Bezug auf den boykott gegen den„Brauer-Pool", bezüglich dessen es so gut als stcher war, daß einige Haupthähne in der Zentral-Labour-Union sur denselben gegen„anständige Bezahlung" thätig waren. Diese �Llrthschaft hatte zur nächsten Folge, daß sich immer mehr De- legalen der fortschrittlichen Gewerkschaften von den Sitzungen fernhielten oder resignirten, und die neugewählten es nach kurzer Zeit ebenso machten. So schleppte sich die Geschichte anderthalb bahre hm, bis m der letzten Sitzung ein nochmaliger„Krach" . Ursache war folgendes: Nach der Vereinigung war ein Unter- luchungskoniitee eingesetzt worden, welches Beschuldigungen gegen verschiedene Delegirlen wegen Boodelei zu prüfen resp. Material ?a?f"bn beschaffen sollte. Dessen Thätigkeit war aber vurch den vosen Willen einiger seiner Mitglieder lahmgelegt worden, so daß eine Siesnltate erzielt wurden. Nun nahm die„Volks-Zeitung" vre Sache in die Hand, und durch eine» ihrer Reporter wurde beweismaterial gegen einen gewissen Archibald beschafft, der für demokratischen Partei geleisteten Boodledieuste von der- tetben.2000 Dollars erhalten haben sollte. Ein von der C.-L.-U. °�aufytn eingesetztes Spezialkomitee konnte in Bezug auf die ge- i«vs �''iiime kein Beweismaterial erhalten, da das Wahlkomitee inih.a"» Aschen Partei keinen Einblick in die Bücher gestattete, >. nur konstatirt werden, daß A. SO Dollars für «Lwf!ren Staate Neiv-Aork erhalten. Nun wurde eine große beani!.. i Komödie gegen die„Volks- Zeitung" inszemrt und Jim,/»-®.' Vertreter derselben mehr zu den Verhandlunge» iL-,'0'!™, welcher Antrag mit einer Stimme Majorität(.-tii ««gen 42) auch angenommen wurde. Dieser Beschluß wurde leitens der fortschrittlichen Delegaten mit einem donnerndem Hoch auf genanntes Blatt beantwortet. Gleich darmff wurde ein weiterer„Trick" gespielt, indem ein Antrag eingebracht wurde, daß die Mitglieder der in der C.-L.-U. vertrelenen Gewerkschasten, welche in unler Boykott stehenden Gest! ästen arbeiten, sofort an den Streik beordert werden sollten. Trotz des motivirten Pro- testes des Delegaten der Brauarbeiter-Union— welcher darauf himvies, daß ein solcher Streik unter den obwaltenden Umständen die reine Narrheit sei und nur den Ruin der betr. Union zur «folge haben könnte,— wurde auch dieser Antrag mit derselben Stimmenzahl gegen 34 angenommen, da sich schon eine Anzahi fortschrittlicher Delegaten entfernt hatten. Es ist selbstverständlich, daß der Streik nicht angeordnet wird. Auf nächsten Sonntag ist dagegen eine Zusammenkunst von Delegaten aller fortgeschrittenen Orgailisatioiieu einberufen, und deren Resultat wird sehr wahrscheinlich die Gründung einer Zentral-Organisation derjenigen Gewerkschasten sein, welche von sozialistischem Geiste getragen werden. Es wäre dies eine voll- ständige Umkehr in der Taktik, wie sie bisher in der hiesigen Arbeiter- Bewegung angewendet wurde, und, wenn konseq ent durchgeführt, ist ste auch die einzige, welcke dem ewige» Tret- Mühlengange ein Ende bereitete und die Möglichkeit böte, Bresche � in die korrupten Zustände zu schießen, wie sie in denjenigen Ar beiter-Organisationen herrschen, deren Mitglieder sich im be schränktesten Gewerlschaitsgeleife bewegen, im Uebrigen aber noch gedankenlos hinler den tapitattstischen Parteien herlaufe». Ein amerikanisches Arbeiterblatt bringt über diese Frage einen Artikel, dessen Wiedergabe hier am Platze ist. Es schreibt:„Das große Hinderniß der gewerkschaftlichen Beivegung dieses Landes 'st der Zwiespalt zwischen der fortgeschrittenen und reaktionären Richtung. Dieser Zwiespalt ist die Ursache vieler mißglückter Kämpfe, zertrümmerter Organisationen imd verlorener Errungen- schaften. Die Beivegung wird erst in dasStadinmstetigerErfolgeund normale» WachSthums treten, ivenn dieser Zwiespalt beseitigt und Einheitlichkeit hergestellt lst. Einheitlichkeit kann aber nur basireu auf richtiger Erkenntniß der ökonomische» und politischen Gesetze, und diese richtige Erkenntniß ist der Sozialismus. Um die Bc- --- � Ainfcoifftrft llt limfj'.ßlt. Mllß säße vorschrtftsmäßig... Physikus noch der Apotheker eines öffentlichen Krankeninstituts und hilft die Verkaufsräume mit peinlichster Genauigkeit unter- suchen. Zille Schübe und Kästen werden geöffnet und ihr Inhalt ivird auf die neue Verordnung vom 27. Januar d. I. geprüft Werden für den Einzelverkauf bestimmte Droguen und Chemi- kalien vorgefunden, deren Verkauf im Großen dem Drogisten nur gestattet ist, so wird der Droguist in Strafe genommen. Der Ausfall dieser neuen Untersuchungen soll indessen im Ganzen sehr günstig verlaufen. Da» Schlusistapitr! zum �»rsiauer Spuk stand noch aus. Zwar die Verurtyeilung des stark Wolter war, nachdem die Ge- richte unablässig mit der Angelegenheit sich zu beschäftigen gehabt, rechtskräftig geworden. Ader die Mutter des berühmt gewordenen Bauernjungen hatte sich um Begnadigung au den Kaiser gewendet. Der Entscheid ist nun erfolgt. Und es ist nur billig, wenn wir dem Champion des Verurtheilten, Herrn Dr. Egbert Müller, das Wort zum Epilog dieser Tragikomödie lassen. Herr Dr. Müller 'chreibt der„Nat.-Ztg.": „In Anknüpfung an mein Schreiben vom SO. vor. Mts., in Nr. 290 Ihrer geschätzten Zeitung, kann ich Ihnen heute die Mit- theilung machen, daß das Jmmediat der Mutter des Karl Wolter vom 24. April an den Kaiser um Gnadenerlaß für Ihren Sohn, von den zur Eröffnung des Gesuches beauftragten höheren und höchsten Justizbehörden nicht ist bei Sr. Majestät befürwortet worden.„Es muß daher bei der rechtslräflig erkannien Strafe ein Bewenden behalten." Ganz geiviß hat hohe Staatsweisheu hier gehandelt, und ihr Thun und Lassen muß ganz gewiß fem hohe StaatsweiSheit; und damit ist die Resauer Sache- der„vaterländische Spuk", wie ich wegen der be> Tausenden in unserem Volke hervorgerufenen Folgen die denkwürdigen Resauer Vorgänge im November 1833 durchaus nennen muß— staat- licherseirs ganz gewiß auf das Beste zeilgemäß erledigt. Es wird Regung, auch die gewerkschaftliche, einheitlich zu machen. svan sie sozialistisch mache». So ist die Einheit in Tentschland, 'n Frankreich, in Belgien hergestellt worden'-■<- f:-<- llegenivärlig in England.' In Newyork muß dazu vielleicht derselbe Weg eingeschlagen werden, den BurnS und die englischen Sozialisten einschlugen. Dier wie dort sind die Führer der konservativen Gewerkschasten 'Heils nnfähig, theils unwillig, den»encn Geist rennen zu lernen. Unsere englischen Genossen c.„.. mzmlistische Gewerkschaftsbewegung und ziehen den konservativen rühren, mehr und mehr den Boden unter den Füßen weg. in der Central- Labor- kaum etwas anderes Führern' mehr und mehr Nach letzten Vorgängen Union bleibt in New-iork wohl........, übrig. Ein Bruch scheint uiivermeldlich und wir Eutwickelung für lu> Interesse einer gesunden Unf»»-, m-. �nn'n"e die korrupten und reaktionären Elemente keit ,, v*'virthschaften. bis sie»»ler dem Gewicht ihrer Unfähig- Wenn- untc<: dem Schlamin ihrer Korruption begraben werden. auf r Inzwischen die englischen Llrbeitennassen, soweit möglich, der''Usch er Basis orgmnsirt und reorganisirt werden und an wird f m eine eindrucksvolle sozialistische Stimmenzahl erzielt !».....''0'st die Basis geschaffen für eine gesunde und einheitliche Ai-iig. -'»1 in lLlt"i!H1.,Öe sind vorhanden und die Möglichkeit liegt vor, �endi, d'estgen Bewegung die, wir möchten sagen Burns'sche weiter wenn nur die sozialistisch gesinnten Ar- .. Festigkeit und Zuversicht die Sache in die Hand nehmen wollen." aber die Zeit kommen, da die allgemeine öffentliche Meinung auf dem Standpunkte steht, in Karl Wolter den Träger des Marty- riums zu sehen, das ja nach der unbegreiflich erhabenen Weltlenkung für den Eintritt besserer Erkenntniß unter uns Menschen die ewige Losung ist. Hat doch bereits endlich ein großer koin- peteiiter Gelehrter, dessen Ruhm und Ansehen weit über Deutsch- land hinausgeht, die Thalsache der Medstilnität ans Grund er- langtcr Experimente anerkannt! Karl Wolter ist schicksalsvoll ver- urtheilt, so daß nicht Andere»ach ihm wieder verurihcilt wer- den: das mag mit dem Veivußtsein seiner Unschuld als höheres moralisches Bewußtsein ihm bleiben. Berlin, den 24. Juni 1399. Egbert Müller." Die in Dorli» l'chon früher deabachkete Sch,ch,„jrknniz der« riepl>oi!lrit«i:grn für ltzebände bei Gewitter, die buche-- viel, ach bezweifelt wurde, hat itch bei den letzten großen Un wettern in der Nähe von Berlin, ganz besonders in Spandau. 'vievernm crwiescu. In Spandau hat nach verschiedenen Meldungen der Blitz in ber Nacht zum 13. Juni etiva 20 Mal eingeschlagen, ohne irgend ein Gebäude zu beschädigen. ES de stättgt das die auf Bcovachiungen des Lleichsvostamts bernbend« Thalsache, daß gleich von Ansang der Einiiidrimg der Telepgon- leilnngen an lang« Jahre hindurch Beschädigungen der Ge- bände durch Blitz nicht wahrgenommen morsen und. Damit ist nickt ausgeschlosten, dau unter Nmständen solche mit Telephon versehene Gebäude doch getroffen werden können, wenn die Adlettung eine unvollkommene ist oder andere Umstände im Innern des Haufe-- der Einwirkung der Telephondrähte ent- gegenioirten. ZInr noch«enige Utoffien,»nd wir befinde« uns in einer Zeit, wo der Hanssrau überall Pilze zum Kaufe augedoten werden. Der große Verbrauch von eßbaren Pilzen heutzutage finden wohl seinen Grund in den nahrhaften Beslanotheilen, ivelwe«n den meinen Pilzen vorbanden sind. Die m-schiedensteu Stoffe wirken dabei mit, die Nahrkrast und den Geschmack zu erhöhen. Die Pilze enthalten vielfach eine nahrhaste Snvstanz, Ktmoin genannt, dann Pilzsäure, Schwainmzncier, Giiveißstoffe und 3—3 pEl. Stickstoff. Beim Einkauf von Pilzen— und dieses sollte stets eine gewissenhast zu beobachtende Regel bleibe» — Halle man alle diejenigen Pilze für schädlich, welche heim Durchschneiden rasch die Farbe ändern, einen weißen milchähn- lichen Saft ausfließen lasten, niiangenehm riechen, wiedrig swmecken oder zu greltt Farben, schwarz, dlutroth-wer blaugriin haben. Zur größere» Sicherheit wasche man die Pilze in warmem Salzwasier ad iind gieße auch die nnsgeloclffe Brühe»ort. Bei näherer Betrachtung der eßbaren Pilze sällc uns zunächst die schon seil Jahrlailsendeii als Leckerbissen bekannte Trüffel ins Auge. Sie bildet tuglige Knollen, die faustgroß werde» können. Schivärztich aussehend, zeigt das Fleisch im Innern eine gelblich weiße Farbe. Die Trüffel wächst l'/e Fuß tief in Wäldern unke- der E-rde und wir» zu Folge ihres eigenihümlichen Geruches in der gteifezeit besonders mir T»üffe'l»iiide» aufgesucht. Betrüger versuchen osr den giftigen Hartbovist an Stelle der Trüffel in den Handel zu dringen. Durch de» weißen Rand der abge- schnitte»?» Scheiden und durch die nicht marmorirte Mitte der- selben ist indessen dieser giftige Pilz leicht zu erkennen. Als ei» beliebter Speiseschwamm i» Gärten, Laubholzioäldern und ans Wiesen vorkommend, ist ferner die Speisemorchel bekannt. Dieselbe hat einen braungelben bis schwärzlich braunen Hut, der mit nnrcaelniäßig zusammenlaiifenden Stippen versehen ist. Hut und Stiel sind im Innern hohl und von weißlicher Farbe. W die Speisemorchel vorzüglich im Laubholz« gedeiht, so kommt Steinmorchel hauptsächlich im Siadelholzrcvicr vor, wird fleißig von der armen Bevölkerung gefainmelt und zeichujl h mit ihrem braunen oder schwarzbraunen Hute und den förmigen Rippen vortheilhaft von den übrigen eßbaren Pilzen aus. Der beliebteste und gemeinste Speiseschwamm, der trnpp- weise ans Aeckeru und Angern sich zeigt, künstlich sogar auf Mistbeeten gezogen wird, ist der Champignon. Der Hut desselben ist »veiß, gelblich oder bräunlich: die Lamellen zeigen eine weiße, päter rosenrothe Färbung. Der feste, nicht hohle Stiel ist stets imt weißem Hautringe umgeben. In unseren Nadelwälder» kommt hänsig der als Speiseschivamm sehr geschätzte Reizker vor, der mit seine», trichterförmigen, ziegcl- oder orangerothen Hute (nicht zu verwechseln mit de», giftigen rothen Fliegenpilz!) eine angenehme Abwechselung in den oft öden Beständen bewirkt Einen nicht minder«rsrenliche» Anblick gewähren der pomme- ranzengelbe Psefferling und der orangegelbe Eierpilz, die gesellig Laub- und Nadelwälder überziehen. Zlls den letzten, aber auch zugleich den»vichtigsten unter den Speiseschwämmen. ist der Stein- Pilz anzuführen, der roh und gemocht gegessen werden kann und auch in Scheiben geschnitten getrocknet in den Handel kommt Dieser Pilz, der in der Jugend weißlich, später braun aussteht dessen Stiel am Grunde sich knollig erweitert, überzieht den Wald- boden oft weithin Die Verlegung der elektrischen Lritnnge« in Derlin, für welche seit Ende vorigen Jahres statt der früheren Kabel in einer neuen und eigenartigen Weise dünne Kupferschienen zur Verwendung kommen, erfolgt durchweg auf festen, in versckieoe- ner Höhe nebeneinander geordneten Lagern. Diese Lager vefin- den sich in Zementkanälen aus Moniermasse, die nach einer im „Gesundheits-Jngenieur" mitgetheilte Zeichnung, ein Mindestmaß von 39 Zentimeter in der Höhe und 20 Zentimeter in der Breite zeigen. Die Wandstärke dieser Kanäle ist zwar gering, doch er- hält sie durch das nach dem System Monier eingelegte Drahtge- rippe eine ausreichende Festigkeit. Die Kanäle werden in Stücken von anderthalb Meter Länge hergestellt, welche stumpf an einander gestoßen sind, wobei zur Bedeckung der Fugen quadratische Ueberschieber(ebenfalls aus Zement) im Gebrauche sind. Unter gewöhnlichen Verhältnissen»verde»» von einer Arbeitcrkolonne täglich etwa ISO laufende Meter zur Verlegung gebracht, wäh- rend die Einbringung der Kupferschienen derart vor sich geht, daß bei dem Dreileitersystem 120 Meter, bei dem Sechsleiter- system rund 00 Meter und bei dem Neunleitersystem 40 bis b0 Meter montirt, zugedeckt und verfüllt werden. Soziktlo Iteberfllkzk. Achtung! Arbeiter J„Angesichts der neuerdings ans ver- chiedenen deutschen Glashütten entstandenen MißHelligkeiten zwischen den Arbeitgebern und den Arbeitnehmern, hervorgerufen durch offenkundige sozialdemokratische Bestrebungen der betreffen- den Fachvereine, sind auch wir trotz unseres Wohlwollens gegen- über jedem einzelnen Arbeiter gezwungen, gegen den von uns etther geduldeten Fachverein Stellung zu nehmen. Wir geben daher unseren Arbeitern der Glashütte bekannt, daß wir dem Fachverein angehörige Mitglieder auf unserer Hütte nicht weiter beschäftigen werden, und fordern sämmtiiche Glasmacher ans, bei der heutigen Lohnzahlung unserem Kasstrer je nach ihrer Stellung zum Fachverein schriftlich zu erklären, entweder, daß sie dem Fachvcrein überhaupt nicht angehören und bei Vermeidung sofortiger Entlassung auch später nicht beitreten werden, oder daß sie aus dem Fachverein, dem sie seither ange- hört haben, austreten und bei Vermeidung sofortiger Entlanung auch später nicht wieder beitreten werden. Diejenigen unserer Ardeiter, welche die adgeaebene nachstehende Erklärung verweigern, werden von uns noch heute ihren Utägiaen Kündigungsschein bezw. so weit längere Kündigungsfristen und bestimmt« Termine bei manchen bestehen, an dem nächsten Kündigungstermin ihre Kündigung erhallen, soweit sie nicht bereits bei der Lohnzahlung auf einem bereit gehaltenen Formular ihrerseits die Kündigung aussprechen." Die Direktion der Charlottenburger Glashütten-Werke. Gulde». W. Otte. Mit vorstehender Bekanntmachung wurden heute Mittag die Glasmacher der Charlottenburger G l a S h ü t t e ii- W e r k e überrascht. Da wir nun nicht gewillt sind, uns als unmündige Kinder bebandeln zu lasten und die ganze Organisation, die wir mit vieler Mühe geschaffen haben, uns mit einem Schlagt nehmen zu lassen, so haben heute ca. 40 Mann ihre Kündigung entgegen genommen in der Voraussetzung, im Fall die Direktion dupelben von der Arbeit aussperrt, daß die Charlotlenburger-Berliner, überhaupt sämmt- liche Arbeiter sich mit uns soiidarisch erklären und uns in diesem Priiizipienkainps, wo es sich doch um das einzige Recht, welches wir Arbeiter noch besitzen, handelt, unterstütze». Arbeiter! Genossen! Stehet uns zur Seite. dann werden wir siegen, und unser Sieg ist der Eure. Wir werden stets treu au. Eurer Seite stehen, darum laßt uns jetzt nicht im Stich. Ter Vorstand des Fachve'eius der Glasarbeiter Charlottenburgs. Im Austrage: O. Wolff. Aufruf an die Schlosser und Maschinrn l> anarbeiter Kerlin» u. Umg. Kollegen, Ihr alle wißt, welche traurigen Ver- hältnisse und Mißstände in unserm Gewert herrschen. Um die- selben»n beseitigen ist es an der Zeit, bap wir uns noch fester und geschlostener organisiren. Um nun die festere und geschlossenere Organisation herbeiznsühren, hat die Werkstatt-Kontrolkomnussion in ihrer letzten Sitzung beschlossen, daß die Kollegen in jeder Werkstatt, wo iveni'ger als 2ö Kollegen deschüfrigt sind, einen, in Werkstätten.Fabriken, ,vo niehr als 20 Kollegen arbeiten, mehrere Delegirle zu wählen. Kollegen, wir fordern Euch hiermit auf, die Wahl der Werkstatt-Delegirlen so schnell als möglich auszu- führen und werden die gewählten Kollegen ersucht, im Interesse der guten Sache ihre Adresse» so schnell als möglich an den Vor- sitzenden der Werkstatl-Kontrolkommisston. Karl Schubert, Fried- richstr. 33, Hos 8 Tr., gelange» zu lassen. Kollegen, ferner bitten wir Euch, den Zuzug nach Hamburg fernzuhalten, da sich unsere Kollege» dort im Streik befinden. Zeigen wir den Kapitalisten, daß auch wir einen Ring, d. h. nicht eine» schriftlichen, sondern einen aus Stahl und Eisen, einen sogenannten Arbeiterring geschlossen haben, den kein Kapitalist im Stande ist zu sprengen.' Also ans! organisirt Euch, und tretet den» Fachverein der Schlosser und Maschmendaiiarbriter bei, seid Euch als zieldeioußte Arbeiter Eurer»lacht bewußt und werft den Schleier, der Euch bisher noch bedeckt hat, von Euch. Mit kollegialiHem Gruß: Karl Schubert, Friedrichstr. 33, Hof 3 Tr. VersmnntUmgen. 3««uferst tm-bulrntr» Kiene» llnevi—-------- kam Versammlung, die Un der Nacht es in einer ,........... v,...... vom Dienstag ans Mittwoch den großen Saal des„Grand Hotel Alexander- platz" bis auf den letzten Platz füllte. Zur Leitting der Ver- Handlungen wurde Herr Thomas gewählt. Herr Herzberg stellte die Frage, ob zu einer Versammlung der Gastivirths- gehilsen auch andere Gewerbetreibende Zutritt haben sollten. (Große Unruhe. Rufe: Nein! Ja! Hinaus!) Der Vorsitzende fordert zur Ruhe mit der Bemerkung auf, daß er die Stören- friede eventuell an die srische Lust befördern lasten werde. Stadt- verordneter Gastwirth H e i n d o r f: Es ist deinokratisch, daß zu einer öffentlichen Versammlung Jeder Zutritt hat, der die Ver- Handlungen nicht stören will.(Ruf: Unsinn! Großer Tumult. Der Lokalbesther tritt aufs Podium und fordert zur Ruhe ans, andernfalls werde er von seinem Hausrecht Gebrauch machen.) Herr Günther tritt für die Ansicht Heindori's ein z im Saale ~ ipfovPTff*Urttta6ih<»Amri> irr �'*)tfelt I|.abe .WWW..................... Heindorf aushalten, aber Klempner, Schuster und Schneider abe» hier nichts zu suchen.(Minutenlang anhaltender lunuilt.) Ein Redner stellt den Antrag, Herrn Herzberg hinaus- zuweise».(Erneuter Tumult). Eine ordnungsmäßige Abstim- uuMig ist in dem„Trubel" nicht möglich. Reichstags- abgeordneter Förster aus Hamburg, welcher an Stells seines eingeladenen Kollegen Molkenbuhr erschienen war, erhielt nunmehr das Wort zu einem längeren Vortrage, in welchem er hervorhob, daß ihn» der gegenwärtige Standpunkt der Gastwirths- gehilfen begreiflich sei, weil dieselben nicht einmal soviel Zeit hätten, sich mit ihrer eigenen Lage»u beschäftigen. Man streite sich um die Frage, ob die Gastivirthsgehilfen-Beweaung eine Ge- fösgschast der Sozialdemokratie werden solle oder nicht. Es wäre doch sonderbar, wenn die Gastwirthsgehilfen die Sozialdemokraten als Verbrecher betrachten wollten, soweit gehe ja selbst die Regierung nicht, wenn dieser auch die Ansichten der Sozialdemo- kraten nicht gefallen. Wenn Sie glauben, nicht nöthig zu haben, sich auf den Äoden der allgemeinen Arbeiterbewegung zu stellen, wenn Sie glauben, daß Ihre Interessen n»it denen Ihrer Arbeit- geber gleich sind, iveshaib haben sich diese denn nicht bereit er- klärt, die Uebelstünde in Ihrer Branche zu beseitigen? Ich nehme gar keinen Anstand, zu erklären, daß Sie rn Ihrer Stellung weit übler daran sind, als viele andere Arbeiter und daß Sie das größte Interesse daran haben, mit der allgemeinen Arbeiterbewegung zu marschiren. Die Voreingenommenheil, welche man gegen die Sozialdemokratie hegt, ist eine ganz unberechtigte. Glauben Sie, wenn diese ein Interesse daran hätten, die Leute zu verhetzen, daß dann anderthalb Millionen unserer Mitbürger ihre Stimme dieser Partei geben würden? Es ist dies doch ein Beweis, daß unsere Idee nicht von verrückten Köpfen ansgeklügelt ist, sondern in unseren ökonomischen und politischen Verhältniflen wurzelt. Wir haben eine sehr ideale neue Weltanschauung und betrachten die heutigen wirthschaftlichen Verhältnisse als eine Etappe in der Kulturentwictelung der Menschheit. Sie müssen sich nothwendigerweise vereinigen, und wenn Sie das thun, werden Sie sofort inerten, daß man Ihnen von Seiten der Arbeitgeber hindernd in den Weg tritt. Sie sehen das jetzt schon aus der Zeitung in Ihrem Gewerbe, in der man es Ihnen sehr übel nimmt, daß Sie wagen, selbstständig zu werden. In einer Beziehung hat das Blatt freilich Recht.- Die Kellnerschast sollte ihre Forderimgen formuliren! Soweit sind Sie aber offenbar noch garnicht gekommey, denn dazu gehört eine gute Vereinigung. Redtier schlop niit de» Worten: Setzen Sie sich mit der gesammten Arbeiterschaft nicht in Widerspruch, Sie ivürden sich daun ausschließen von Leuten, zu denen Sie selbst gehören.(Stürmischer Beifall. Tie Versammlung stimmt in ein dreifaches Hoch aus den Redner ein.) Vorsitzender: Es ist fol- gende Resolution eingelaufen:„Die heutige öffentliche Ver- sammlung der Eastwirrhcgehilsen erklärt sich mit dem Referenten einverstanden, die Anwesende» werden sich der moderne» Arbeiter- bewegung anschließen." Wer für diese Resolntion ist, möge sich erheben.(Die Mehrheit erhebt sich.) Vorsitzender: Es ist noch folgende Resolution eingelaufen:„Die heutige Versammlung er- klart sich mit dem Reserentcu einverstanden, peht aber von einem Anschluß an die moderne Arbeiterbewegung ab." Herr Herzberg rügt, daß del Vorsitzende die zweite Resolution nichl vor der Ab- slimmung verlesen habe.(Großer Lärm.) Ter Lokalvesitzer kommt wieder auf das Podium und erklärt: Meine Herren, lange genug habe ich den Skandal geduldet, länger dulde ich ihn nicht mehr! Ein Kellner tritt vor und steUt wieder den Antrag, Herrn Herz- berg aus dem Saal zu weisen, weil derselbe de» Interessen der Kollegeuschaft entgegen handle.(Ungeheurer Lärni, die Gimte des Vorsitzende» druigt nicht mehr durch.) Herr Herzberg ruft der erregten Versammlung zu: Sie können mich dreist hinaus- graulen; diese Leute könne» uns nicht glücklich machen; sie rufen mich doch noch wieder! Ter wachsende Tumult übertäubt die Worte des Vorsitzenden, welcher die Versammlung für geschlossen erklärt. In«iuer öffrutliche» Versammlung der Hauodiener Kerlin«, welche am Dienstag Abend in Feuersteiu's Lokal, Alle Zakobstr. 73,. staltsand, hielt Rcichötags-Abgevrdueter F ö r st e r einen Vortrag über: Die verschiedene» Formen der Organisation. Gestatten Sie mir, so begann Liedner, daß ich dem Gegenstand unserer Tagesordnung einige allgemeine Bemerkungen voraus- schicke. Zur Zeit des Mittetalters sehen wir schon, daß sich die Menschen in gewissen Formen bewegen, den sogen. Zunfhorinen. Später trat aus dem gewerbliche» Gebiet die frese Konkurrenz ein und es entstand eine vollständige Organisationslofigkeit, das laissez faire, laissez aller kam zur Geltung. Tie Freiheit wurde nicht in der Gemeinschast gesucht und was die Menschen verband, war nichts als Willkür. Weil das verkannt war, entivicielten sich Zustände, wie wir sie heute vor Augen habe». Tie moderne Kon- kurr-enz bewirkt die Zersplitterung alles Bestehenden; Theile und herrsche! Das ist ihre Devise. Das Theile» gelrngl dem Kapitalis- muö, weil die Arbeiter sich gegenseitig als Konkurrenten betrachten; ein ungeheurer Theil von ihnen ist ständig ohne Beschäftigung und das Angebot der Beschäftigungslosen äußert sich auf die Lage der Beschäftigte». Der Arbeilgeber sagt sich einfach: ich kann Leute genug bekommen! und setzt dem Forderungen stellen- den Arbeiter einfach den Stuhl vor die Thür. Würde nmn diesen Zustand sich bis zu seinen äußersten Konsequenzen ent- wickeln lassen, würde er zur völligen Barbarei führen.'Ans der einen Seite führt dieser Znstand zu übermäßigem Reichthnm und zur Erschlaffung, auf der anderen zur Masfenarmuth. Tie große Masse des Volkes, alle Erwerbethatigen, welche von der Arbeit leben, haben das größte Interesse daran, daß dieser Zustand nicht ausrecht erhalle» bleibe, und dies Interesse berechtigt uns zu der Hoffnung auf bessere Zustünde. Tie heutige kapitalistische Ent- wickelnng stellt nur eine Etappe dar in der Entwiclelung unserer ökonomischen Verhältnisse. Sie ist aber nicht die letzte Etappe, sondern die Aienschheit hat eine kulturgeschichtliche Mission zu vollziehen; das ist ihre Aufgabe. Diese Mission vollziehen zu helfen, ist namentlich Ausgabe der aufgeklärten Arbeiter geworden. In Anbetracht dieser hohen Ausgabe müssen sie von allen lleinliche» Nörgeleien absehen, die Vereinigungen von heute sind nicht dazu da, Spielerei zu treibe», sondern die vorgczeichnete ernste Ausgabe zu lösen. Es handelt sich um die Emanzipation des ganzen arbeitenden Volkes, und wenn eine große Masse in Bewegung gesetzt werden soll, so muß eine Fori» dafür vorhanden sein, und diese Form nennt man Organisation. Es laßt sich nicht leugnen, dag wie die früheren, so auch die jetzigen Organisationen eine Reihe von Mängel besitzen; aber wenn in dem Kamps um bessere Lebensbedingungen die Arbeiter vielfach unterlege» sind, so war dies nicht immer aus eine mangelhaste Organisation zurückzuführen. AlS Bismarck noch Reichskanzler war, quälte» sich die Arbeitgeber weniger um die Vereinigungen, weil sie wußten, daß von dieser Seite aus Vieles für sich gemacht werde.(Stürmischer Beifall.) Heute wissen sie nicht mehr so recht, woran sie sind, und so sehen wir, wie sie sich fest zusaunnenschließen. Dies Beispiel muß von unserer Seite Nachahmung finden, damit wir uns mit ihnen messen können. Es findet nun, �wie sie wissen, in Hannover ein Kongreß aller nichtgewerblichen Arbeiter Deutsch- lands statt, auf welchem die Frage zur Erörterung gelangt: Wie organisiren wir uns? Nun haben wir Vereinsgeseye, welche noch aus den 30 er Jahren stammen, also aus einer sehr reaktiv- nären Zeit und bei der heutigen Zusammensetzung des Reichs- tags will ich ihnen nicht rathen, den Ruf nach freieren zu er- heben, wir würden dabei sicher ein schlechtes Geschäft machen. (Lebhafter Beifall.) Diese Gesetze sind bestimmend gewesen für die vorhandenen Organisationen der Arbeiter. Ich halte die Zentralisation aller Arbeiter für die beste und nothwendigsle Form; da aber nach dieser Seite hin die Arbeiter ans Hinder- nisse stoßen— die ktnternehnicr srejlich nicht— so werden sie in erster Reihe sich mit ihren Berussgenossen im ganzen Lande verständigen müssen, und da es dem Arbeitgeber ganz gleich ist, von wo er seine Hilfskräfte herbekommt, werden sie vielleicht manchmal den Wirkungskreis noch weiter anszu- dehnen haben. Selbst bei einer derartig gut ausgebauten Orga- nisation werden sie noch nicht in einen Lohnkamps eintreten können. Die beste Disziplin würde belanglos sein, wenn nicht eine günstige Konjunktur vorhanden wäre. Tann erst ivären sie im Stande. Etwas für sich zu erringen. Gute Gcschästskoiijunk- turen zu schaffen, sind wir außer Stande, aber was sich einstellt. Verantwortlicher Redakteur: ,venn schlechte Konjunkturen eintreten, Lohnreduktionen nämlich, können sie durch eine gute Organisation abwehren. Es hilft aber noch nicht, daß Schulz so denkt und Müller weiß nichts davon, es fehlt eben der gemeinschaftliche Ausdruck, daß sie so denken und dieser Ausdruck, das ist ihre Veriinigung!(Lebhafter Bei- fall.) Behalten sie stets das hohe Ziel im Auge, das sie sich gesteckt haben, reihen sie sich als ein ibürdiges Glied der großen Organisation aller Arbeiter an und zeigen sich als Träger einer großen Idee!(Stürmischer Beifall.) Von einer Diskussion über den Vortrag wurde auf Antrag des Herrn W i e m e r Abstand genommen. Herr B e n d i x stellte den Antrag, den zweiten Punkt der Tagesordnung:„Der Kongreß in Hannover" abzusetzen, da eine öffentliche Versammlung bereits beschlossen habe, den Kongreß nicht zu beschicken. Herr K u h n t k e sprach sich gegen diesen Antrag aus und sprach warm für die Beschickung des Kongresses ein. Die weitere Diskussion über diesen Gegenstand nah», einen unerquicklichen Charakter an und als Herr Pinzer dem Kollegen Grauert persönliche Vorwürfe machte, entstand eine Erregung, welche dem überwachenden Polizei- beamten Veranlassung gab, die Versammlung wegen„Tumult" aufzulösen. Eine öffentliche Uerfammlung der Mölielpolirer fand am Montag Abend im Lokale des Herrn Haase, Große Frank- ftirterstr. 117 statt. Zur Leitung der Verhandlungen wurden die Herren Reuter, Schulze und F ä h s e gewählt. Aus einen bezüglichen'Antrag ivurde beschlossen, zunächst die Ab- rechnuug vom Streik vorzunehmen. Hierzu erhielt Herr L i n d n e r das Wort, welcher die einzelnen Posten der Einnahme und Aus- gäbe anführte und konstatirte, daß die Gesammteinnahme 4LI4,L1 M., die Gesammtausgabe 3 879,53 M. betragen habe, so daß noch ei» Bestand von 335,06 in Baar und Marken ver- blieben sei. Diese Abrechnung kann indeß nur als eine provi- sorische gelte», weil noch 79 Listen ausstehen, sie ist von den Verbandsrevisoren Hasch, Südner und Weitzenecker als richtig anerkannt worden; zur Nachprüfung wurden die Herren Ran, Gräber und Franke gewühlt. Ein Antrag, sofort in den vierten Punkt der Tagesordnung:„Die Arbeitseinstellung in der Fabrik von Gedr. Nothmann", einzutreten, ivurde angenommen. Herr Weber schilderte in einem längeren Vortrage die Ursachen dieses Streiks und wies nach, daß derselbe trotz aller entgegenstehenden Behauptungen der betreffenden Arbeitgeber voll- ständig gerechtfertigt sei. Es könne doch nicht die Frucht des kaum beendeten Lohnkampfes sein, jetzt schon verloren gehen zu lassen, was man schwer errungen habe. Da ungeachtet aller Mühe eine Einigung nicht erzielt werden konnte, müsse es jetzt Haupt- aufgäbe aller Kollege» sein, dahin zu wirken, daß kein Möbel- polirer dort in Arbeit trete, bevor die Sache geregelt sei:— In der folgenden Diskussion berichtete Herr Lederhausen, welcher vom Verband zu einer Verhandlung mit den Herren Nothmann delegirt war, daß von Seiten der Fabrikanten bei dieser Gelegenheit gesagt worden sei, augenblicklich brauche man keine Polirer und wenn man welche gebrauche, würden die Streikende» ebenso gut sein, wie andere, nur werde man ihnen von der Fabrik ans die Bedingungen stellen.— Nachdem noch mehrere Redner über die Angelegenheit gesprochen hatten, wurde folgende Resolution einstimmig angenommen: Tie heutige öffentliche Versammlung der Möbel- polirer erklärt die Arbeitseinstellung der Kollegen bei der Firma„Gebrüder Nothmann" für völlig gerechtfertigt; alle Möbelpolirer verpflichten sich, so lange die Tisserenzen nicht beigelegt sind, die Streikenden in jeder Weise und durch rege Beisteuer zum Streikfonds fortlaufend zu unterstützen." Ans eine entsprechende Anregung wurde beschlossen, den ersten Punkt der Tagesordnung:„Rückblicke ans unsere Lohnbeivegnng", in einer späteren Versammlung zu besprechen. Eine rege Tis- kussiou entspann fich über die Frage, was man gegen die Kollegen unternehmen solle, welche die Listen bezw. die aus denselben ver- zeichneten Betrüge noch nicht abgeliefert habe». Das Ergebniß dieser Debatte war die Annahme eiftts Antrags, die Listeninbiidbr noch einmal schriftlich zur Ablieferung aufzufordern und alsdann entweder aus gerichtlichen» Wege gegen sie vorzngeheit oder ihre Namen im„Berliner VolkSblaU" zu veröffentlichen. Mit einem Hoch auf die Arbeiterbeivegung schloß die Versammlung. Gi»r Zferfamtitlnng de» Urreiu» zur Währung der Interessen aller in der Wirkerbranche beschäftigten Arbeiterinnen tagte am Dienstag, den 17. d. M., Abends 8V2 Uhr, in Metzner's Etablissement, Lands bergerstraße 37. Ans der Tagesordnung stand: I. Vortrag deS Herrn Paul Litsin über die Stellung der Frau in der Industrie. 3. DiStufsion. 3. Wahl einer ziveiten Vorsitzenden. 4. Verschiedenes. Der Referent ent- ledigte sich seines Vortrages in eingehender Weise. Er hob her- vor, daß die Frau schon in allen Zeiten eine untergeordnete Stellung einnahm, erst durch die technischen Neuerungen und Einführung des Tampses trat sie mehr in das öffentliche Leben, denn wo es in der Industrie nur irgend möglich ivar, wurde die Frauenarbeit eingeführt, nicht etiva iveil diese geschickter in ihren Leistungen war, sondern weil sie billiger prodnzirt. Demnach ivird die Münnerarbeit bald gänzlich aus der Industrie ver- schwinden, in England ist die weibliche Arbeitskrast um IVo Million mehr vorhanden als männliche, trotzdem ist die Frau so unterdrückt, daß sie nicht iin Stande ist, ihre Interessen zu wahren, weil sie im öffentlichen Leben kein Necht hat. Die Ar- beiterin steh! heute schlechter da als s. Z. der Sklave, denn der Sklavenhändler halle wenigstens Sorg« zu tragen, die phusischen Kräfte seines Werkzeuges zu erhalten, um seinen Nutzen daraus zu ziehen. Tarnach fragt der Kapitalist heute aber nicht, denn es stehen ja Tausende vor de» Thiire». Die Arbeiter find in der Lage diesem Druck abzuhelfen; wenn sie nur zusammen halte», muß der Kapitalist ihre Forderungen akzeptiren. Die herrschende Klasse sucht Mittel aller Art, um diesen Vereinigungen entgegen zu treten; so werden sogar den Kindern in den Bewahranstalten Briefe mitgegeben, um auf den Vater zu wirken. Die Löhne der Arbeiterinnen werden immer geringer, die Zahl der Arbeits- losen innner großer, so daß viele genölhigt sind, zu den niedrigsten Mitteln zu greifen, um ihren Hunger zu stillen, daher ist es Pflicht einer jeden Arbeiterin dahin zu wirken, daß diesen Ver- Hältnissen abgeholfen wird. Lebhaften Beifall erntete der Referent für seine Aussühruuge». Von einer Tisknssioii ivurde Abstand aenommen. In Pnntt 3 wurde Fräulcin Lina Müller als zweite Vorsitzende gewählt. In Verschiedenes sprachen mehrere Herren über den Anssland in der Firma Lehr und Sohn, daß sich dort mehrere Streikbrecher fände», die den Streik illusorisch machten. Tann wurde die BersamiRlung mit einem Hoch aus die allge- iileine Arbeiterbeweguitg geschloffen. Vin« Nlitgtiedrr-Hrrfammlnng dro Fachvereiu» der Taprtirer Krrliu» fand am 17. Juni bei Feuerstein. Alte Jakobstr. 73, statt. Ans der Tagesordnung stand: 1. Vortrag des Herrn Türk über: Frauenbesreiung. 2. Veremsatigelegeuheiten. Zun, ersten Punkt erhielt Herr Türk zu dem ausgezeichneten Vortrage das Wort. Terselde wurde mit großem Beifall auf- aenommen. Unter Vereinsangelegenheiten wurde ein Antrag vom Kollegen Klatt zur Debatte gestellt, sich mit den Hamburger«au- handiverkeril solidarisch zu erklären und ihnen 30 M. aus der Aereinskasse zu bewilligen. Es sprachen sich sämmtliche Redner voll und ganz für denselben anS, mit dem Bemerken, daß, sobald genügend Geld in der Kasse ist. noch eine solche Rate zu schicken sei. Ter Antrag wurde einstimmig angenommen. Ein Kollege (Franzke) warnt die Anwesenden vor eine», gewissen Wraben, der schon 3 Jahre sich hier aufhalten soll und nur den Kollegen zur Last fällt; er klappert die Werkstellen ab und jedesmal führt er neue Schwindeleien auf, so daß die Kollegen sich ihin gegenüber initteidig erweise»... �_ Et«» Ucrsammlung*»» F«chv»r»i»« d»r Bürsten- und pinsrlmachrr Berlins und Umurgend tagte am Sonntag, den 22. d. Mts.. in, Saale des Herrn Feuerstein mit folgender Tagesordnung: Vortrag des Herrn Türk über die Lage der ländlichen Arbeiter. Diskussion. Verschiedenes, und Auf- «urt Kaak» in Berlin. Druck und Verlag von War Bading nähme neuer Mitglieder. Der Referent erledigte seine Aufgabe mit Geschick, wobei derselbe anführte, daß der kleinbäuerliche Besitz»n den Besitz der großen Güter übergeht. Die Diskussion bewegt sich im Sinne des Referenten. Kollege Mejer berichtet eine Werkstatt- angelegenheit und wird von der Versammlung über diese Werk- stelle die Sperre verhängt, doch wird von der Ausführung vor- läufig noch Abstand genommen, da die für diese Branche gewählte Lohnkoutmission benannte Angelegenheit erst mit dem Herrn Arbeitgeber selbst besprechen und dein Vorstand Bericht erstatten soll. Kollege Siegmund stellt den Antrag, aus der Vereinskaste für die Hamburger Zimmerer 13 M. zu bewilligen; der Kassirer Liildemann stellt den Antrag, den Webern in Greiz ebenfalls 13 M. zu bewilligen; da sich jedoch die Rohrleger Berlins auch an uns um Unterstützung geivandt haben und unsere Kassenverhältnisse»ur gering sind, so wurden die ersten beiden Anträge zurückgezogen, und von der Berfauimlung für die vorbenannten Gewerkschaften zusammen 30 Mark bewilligt, so daß also jede dieser Gewerkschaften 10 Mark erhält. Ein Antrag zur Einberufung einer öffentlichen Versammlnng, in betreff unseres Arbeitsnachweises, wird dahin beantwortet, daß am 7. Juli er. besagte Versanunlung stattfindet und diese Angelegenheit gleich mit auf die Tagesordnung geseht werden soll. Einer Landpartie am 31. August d. I., zu Ehren Ferdinand Lassalle's, wird von der Versa», uilung zugestimmt. Darauf Schluß um Wt Uhr mit einem Hoch auf die internationale Arbeiterbewegung. Große öffentliche Glaj'erversammlnng. An, Sonnabend, den 21. Juni, tagte in Feuerstein's Restaurant, Alte Jakobstraße, eine öffentliche Versammlung der Glasergesellen Berlins und Umgegend mit der Tagesordnung: 1. Zweck und Nutzen der gewerkschaftlichen Organisation, Referent Herr Wilschke. 2. Diskussion. 3. Wie stellen sich die Berliner Glasergesellen zur Zentral-Streikkommissiou, event. Wahl eines Delegirten. 4. Ber- schiedenes.— Ter Referent, Herr Wilschke, führte aus, daß bei den heutigen Verhältnissen wohl Jeder das Äedürsniß fühle, sich einem Ganzen anzuschließe». Jeder müsse zu der Einsicht ge- laugen, daß ein Einzelner„ichtS schaffen könne, nur eine kom- pakte Masse könne zu», Ziel gelangen. Der Arbeiter sei bei der heutigen Klaffenlage zur Erringung besserer Lohnverhältnisse ge- zwungen, ausklarende Vorträge uiil anzuhören, und diirste über diesen Punkt Engherzigkeit bei einem Arbeiter nicht vor- kommen. Das Unternehmerthiun stütze sich auf die schwache Seite der Arbeiter, und gerade heute wo die Maschinen»mnier mehr Raum gewonnen, reiche die Muskelkraft eines Arbeiters nicht aus, um seine Existenz nur einigermaßen angenehu» zu gestalten. Diese» U ebelstand nun abzuhelfen, gebe es nur das Eine, sich Mann für Mann der Organisation anzuschließen, und auch für d,e Kleiumeifter die ja nmer der Schmuhkonkurrenz sehr zu leiden haben, sei es nur von Vortheil ein Gleiches zu thun. Hieraus wurde folgende Resolution einstimmig angenommen: „Die heute am 21. Juli bei Feuerstein tagende Versammlung wolle beschließen, daß alle anwesende Kollegen mit aller Krajl dahin wirken, die große Anzahl der indisserenten Kollege,, zu bewegen, sich der Glasergesellschast Berlins und Umgegend auzu- schließen. Der Uerbaud deutscher Mrchkuikrr und verwandten Verussgenoffen hielt am 19. Juni eine Mitgliederversammlung ab. In derselben hielt Herr Brinkmann eine Borlesung, betitelt: „Ein deutsches Lebensbild aus den Jahren 1330— 60." Diese Vorlesung führte allen Anwesenden so recht klar vor Augen, wie chwer es einem biederen Schneidergesellen in der alten, guten Fünft und Zopfzeit, durch alle möglichen und unmöglichen Ge- letzeSparagraphe» gemacht ivurde, eine bleibende Stätte und ein gesittetes Familienleben begründen zu können, um endlich �doch dem Zunstwesei, zu unterliegen und gebrochen an Leib und Seele elendiglich zu verenden. Kollege Schöiiemann macht sodann darauf aufmerksam, daß alle diejenige» Kollegen, welche gezwungen sind, die Arbeit nieder zu legen, sich sofort an die Streikkommission und den Arbeitsnachweis zu wenden hätte», da es„ux dann»töglsch wäre, eine Unterstützung zu zahlen. Ferner ivurde betann, gemacht, daß tn der nächsten Orts-Kommlisionssitzung darüber Beschluß gefaßt werden wird, wie die Kontrole, ob Jemand vom Arbeitsnachweis kommt oder nicht, beschaffen sein soll. Von verschtedener Seite wurde eS dann der Redaklion der„Deutschen Mechnniker-Zeiwng" übel vermerk,, daß sie in so freigebiger Weise die Erzeugnisse der Fabrik von Mix und Genest hervorhebt, noch dazu, da die Ge- Hilfen gezwungen waren, obige Firma zu sperren, man hatte erwartet, daß daS Organ der Mcchanikergehilfen zuerst den Verdienst der Gehilfen berücksichtigt und dann die wenn auch noch so glänzenden Erzeugnisse. Urvei« der Modelltischler Berlins und Umgegend. Eine außerordentliche Generalversammlung tagte am Montag, den 16. Juni, im Restaurant„Wedding". Auf der Tages- ordnung stand: 1. Auflösung des Vereins. 2. Verschiedenes. Da schon in einer früher stattgefundeneu Versammlung die Ursache der Auflösung klar gelegt und detaillirt war, war die Diskussion ziemlich kurz. Sämmtliche Redner traten für die Auslösung ein und ergab die Abstimmung 36 sür, 2 gegen die Auflösung.— Folgende Resolutionen wurden einsttiiimig angenommen: 1. Tie Versammlung beschließt: Nach Erledigung aller Verbindlichkeiten geht das vorhandene Bereinsvermögen, sowie sämmtliche Utensilien in den vorläufigen Besitz des Fach- Vereins der Tischler über; wird dasselbe innerhalb zwei Jahren, von, Tage der Auflösung an gerechnet, nickt von einem neu ge- gründeten Modelltischlerverein, welcher mindestens 100 Mitglieder zählen muß, reklamirt, so verbleibt dasselbe dem Fachverein der Tischler als dauerndes Eigenthum. 2. Sämmtliche Mitglieder- Haben ihre Beiträge bis Ende Juni an den Kassirer W. Röde abzuliefern. 3. Tie Versammlung beschließt. Mann für Mann dem Fachverein der Tischler beizutrete». In einer Pause von zehn Minuten ließ sich der größte Theil der Anwesenden als Mitglieder in den Fachverein der Tischler aufnehmen. Nie Uxreinigung der» Drechsler Deutschlands, OrtS- verwaltung Berlin IV hielt am Dienstag, den 17. Juni ihre regelmäßige Mitgliederversammlung mit folgender Tagesordnung ad. 1. Was lehren uns die Unternehmerverbände? 2. Diskussion. 3. Abrechnung vom Maskenball. 4. Besprechung über den Zweck der Agitationsmarkeu. 3. Verschiedenes und Fragekasten. Zum ersten Punkt der Tagesordnung hielt Kollege Pirch einen beifällig ausgenommenen Vortrag. An der Diskussion be- thciligten sich die Kollegen Pindrix und Freithaler, welche sich beide i», Sinne des Referenten aussprachen. Punkt 3. Der Ueberschnß vom Maskenball beträgt 13,65 M., welcher dem Kassirer übergebe» wurde. Zu», vierten Punkt der Tagesord- nung nahm die Versammlung eine Resolution an, welche besagte, daß sich die Versauiinlung ,n,t der Verwendung des zu sammeln- den Geldes zu Agitationsreisen einverstanden erklärt. Nächste Versammlung 13. Juli. Die Fachzeitung ist jeden ersten Sonn- abend ,m Monat bei Blankenburg, Stralsunderstr. abzuholen. Veicflmpton vrv Novakkion. 0«, Anfragen bitte» wir die AbonnementS-QuiNung deilufügen. Brieflich, AnNvort wird»ich, eicheil!. |U. Sch. 1. Die Tauf- und Entbindungskosten, welche ge- wöhnllch aus 60 M. angenoiimien werden, verjähren in 2 Jahren seit der Entbindung. 2. Erst von, zurückgelegten 4. Lebensjahre kt an ist der uneheliche Vater berechtigt, die Herausgabe deffelben zu verlangen; wird die Herausgabe ohne vorherige An- ordnung des Vorniundschaftsgerichts verweigert, so braucht der ckater für die Zukunft nicht mehr Alimente zu zahlen. 3. Welche Grunde die Verweigerung der Alimente rechtsenigen, hat das Ge- k?cl.?tmefiCn- Wird nachgewiesen, daß die Pflege, Ernährung ibt Ziehung des Kindes dem» Vater gefährdet wäre, so braucht .etzteres»ich, herausgegeben zu werden. _ Frateruitch Krüff»». Fr. 40 empfangen und abgeliefert._ n Berlin SW., Peuthstraße L.