Nr. 146. Freitag, den 27. Juni 1890. 7. Jahrg. Hrgan für die der Arbeiter. ............ Das„Berliner Volksblatt» tnglichMorgenS° Uli er nach Sonn- lind Festlagen. Abonnementspreis für Berlin frei ionnün? �tchahrlich 3 30 Mark, monatlich 1,10 Mark, wöchentlich 28 Pf. Einzelne Nummer S Pf sonntags-Nnmmcr mtt dem-Sonntags-Blatt" 10 Pf. Postabo,.nc.ncnt 3�0 Mark pro Quartal lE,»getragen m der PostzeitungSpreiSliste für 1890 nnter Nr. 892, V. Nachtraa) Kren,ban>. tag, ch durch die Expedition, für Deutschland und Ocsterre.ch-Unaarn L Mark, für das übrige Ausland 3 Mark pro Monat. Jnsertionsgebühr beträgt für die Sgefpaltcne Petitzeile oder deren Raiim 40 Pf., für Vereins- iiiid VersammlungS- Anzeigen 20 Pf. Inserate werden bis 4 Uhr Nachmittags in der Expedition, Berlin SW., Beuthitrabe 3, sowie von allen Annoncen-Burcaur, ohne Erhöhung des Preises, angenommen. Die Expedition ist an Wochentagen bis 1 Uhr Mittaas und von 3—7 Uhr Nachmittags, an Sonn- und Festtagen bis 9 Uhr Vormittags geöffnet. *» Lernfprecher: Amt VI. Ur. 4106.»» VeimKkimr: Weukhstratzo S.— Expvdikion: BvnklistrMv 3« Für das M. Ynnrtal eröffnen wir ein neues Abonnement auf das „Kerliner UoUwblatt" uebst dem wöchentlich erscheinenden Sonntagoblatt. Der Abonnementspreia beträgt frel ins Haus für das ganze Viertel, ahr tt Mark 30 pf.. monatlich 1 Mark 10 VT-, wöchentlich L8 Vf. Bei Selbstabholung aus der Expedition, Beuthstraße 3, HSr 1 Mark pro Monat."MZ Bestellungen werden von sämmtlichen. Zcitungsspediteuren, sowie von der Expedition unseres Blattes, Bcuthstr. 3, entgegen- genommen. Wir müssen nachdrücklich darauf verweisen, daß es endlich an der Zeit ist, dag die Arbeiter Berlilis sich von der gcgnenscheu Presse emanzipiren. Zu den Gegnern gehören auch die sogen. unparteiischen oder pontisch-fardlosen Blätter. Sie gerade gehen nur daran, aus, die grope Masse in der Unwissenheit zu erhalten, um sie desto ungestörter ausplündern zu können. Ein aufgeklärter Arbeiter lieft nur die Arbeiterpresse; Für außerhalb nehmen sämmtliche Postanstalten Be- an»Ä™ das Vierteljahr gegen Zahlung von 3 Mark Vf. an. Ifcbaltiton nttd Grpedttiott des „Kerliner Kolksvlatt". Ein DeitvÄg%xtm MQpikel Bekanntlich wiederholen sich seit den: Bestehen des Instituts der deutschen Fabrikinspektoren oder Geiverberäthe bei jedesnialigem Erscheinen ihrer Thätigkeits- berichte die Klagen über die Einseitigkeit dieser Beamten, welche sie sich dadurch zn Schulden kommen lassen, daß sie stets und unter allen Umständen ans Seite der Unter- nehmer stehen, bei diesen immer nur Gutes zu fiilden und äu loben wissen, dagegen aus Seite der Arbeiter alles lritistren und nie bei ihnen einen Lichtpunkt finden können. sticht selten werden den deutschen Zlufsichtsbeaniten die Berichte der österreichischen Fabrikinspektion als Muster vorgehalten, was auch bis zu einem gewissen Grade von ben schweizerischen Fabrikinspektoren gesagt werden kann, wenn schon dabei nicht verhehlt werden soll, daß auch letztere sich noch bessern dürfen, namentlich bei Ausübung ver Inspektion selbst. druck verboleu. Feuillekon. [C3 »»Zum Glttck der Damen." Roman von Emile Zola. ilutorisirtc Uebersetzimg von Armin Schwarz. Dann kam der Tod der Tante. Diese wiederholten ssrrophen drückten das arme Mädchen zn Boden. Monrct i sich ihr abermals zur Verfügimg gestellt und erklärt, kr Alles bewilligen wolle, was sie für ihren Oheim und übrigen Verwandten wolle. Eines Morgens hatte sie �cr eine solche Niiterredniig mit ihm, weil sie vernommen l' daß Bonrras auf das Straßenpstastcr geworfen de, und daß Band,, im Begriffe sei, den Laden zn egen. Dann ging sie nach dcm� Dcjenncr ans, der Hoffnung, wenigstens Diesen Trost � zu Zeil. Bonrras stand in der Rue de la Micha- ' auf dem Straßcnpflaster, seinem Hause gegenüber, welchem man ihn Tags vorher hinausgejagt hatte. war das ein hübscher Streich, von den Advokaten wets ersonnen: Da Monrct mehrere Schulden des Alten l'ch gekauft hatte, war es ihm ein Leichtes, den ''plnihändler in den Konkurs zu treiben und in dem vlgsverkaiife den Pachtvertrag„m 500 Franks an sich ""iPen, der eigensinnige Alte mußte nun für 500 Franks Cben, was er nicht für 100 000 Franks hatte hergeben en Der Architekt, der mit seinen Demolirern erschien, l?en Polizeikommissär holen müssen, um ihn hinaus- MC'i. Die Waaren wurden verkauft, die Zimmer ge- Den tüchtigsten Fabrikinspektor, den die Schweiz be- sessen, Herrn N ü s p e r l i, hat sie leider vor einigen Wochen" durch den Tod verloren. Nüsperli war Mechaniker gewesen, ging als solcher in die Fremde, schloß sich der Arbeiterbewegung an und saß 18L4 auf dem internationalen 5kongreß zu London neben Karl Marx und Eccarms im Komitee. Nach der Schweiz zurückgekehrt, assoziirte er sich in: Kanton Neuenbürg mit einem Maschinenfabri- kanten, welches Verhältniß er jedoch löste, als 1878 durch das Fabrikgesetz die Fabrikinspektion eingeführt und er als Beamter für dieses Institut engagirt wurde. Nüsperli war hierfür mit seinen praktischen Kenntnissen als Mechaniker, mit seinen Erfahrungen in der Arbeiterbewe- gnng und seiner nicht unbedeutenden allgemeinen Bildung wie geschaffen, Fabrikmspektor wäre er aber trotz jener empfehlenden Eigenschaften und Vorzüge in Deutschland schmerlich geworden. In seiner amtlichen Thätigkeit verstand er es, sich das Vertrauen aller Betheiligten, der Unternehmer sowohl wie das der Arbeiter, zu er- werben. Großen Werth legte Nüsperli darauf. Alles zu be- seitigen, was die Stellung des Arbeiters gegenüber dem Unternehmer zu einer unwürdigen zu gestalten vermochte. Eine Arbeitsordnung, wie die des Königs Stumm, die die Arbeiter zu Helote» degradirt, wäre für Nüsperli ein Attentat aus die Meuschenivürde der Arbeiter gewesen und er würde im Rahmen seiner Machtbefugnisse Alles aufge- boten haben, um dem für freie Männer unerträglichen Zustand ein baldig-S Ende zu bereiten. In seinem In- spektionsbericht äußert er sich über die Fabrikordnungen folgendermaßen:„Wenn dein Inspektor dadurch schon viel Mühe verursacht wird, so ergiebt sich daraus doch der Vortheil, daß die Fabrikordnungen nach sorgfältiger Prüfung und Korrektur dann selten mehr Anlaß zu Meimmgsverschiedenheiten und Zwistigkeiten zwischen Ar- beitgebern und ihren Angestellten geben. Die Fabrik- ordiillligen können den Bedürfnissen der Industrie sowohl als auch den Vorschriften der Gesetze besser angepaßt, allfällig vorkommende unpraktische und unnütze Bestim- mungen weggelassen und beleidigende oder das Ehrgefühl des Arbeiters verletzende Härten, durch welche das gute Einvernehmen und das gegenseitige Vertrauen zwischen Unternehmer und Arbeiter gestört wird, beseitigt werden." Nüsperli war oft in der Lage, in neuen Entwürfen zu Fabrikordnniigen folgende, immer wiederkehrende Be- stimmung zu streichen: „Jeder Arbeiter hat die Pflicht, seinem Meister An- zeige zn machen, wenn dieser von einem Mitarbeiter hinter- gaiigen und geschädigt wird. Bei Unterlassung dieser räumt, er aber blieb hartnäckig in dem Winkel, wo er seine Schlafstätte hatte und ans welchen man ihn ans Mitleid nicht verjagen ivolltc. Die Arbeiter gingen daran, ihm das Dach über dem Kopfe einzureißen. Man riß die mit Schim- incl überzogenen Ziegel heraus, die Plafonds stürzten ein, die Mauer,» krachten, er aber blieb da unter den alte»», nackten Btanern, inmitten dieser Trümmer. Als die Polizei erschien, ging er endlich seines Weges. Aber am folgenden Morgen erschien er wieder ans dem Trottoir gegenüber, nachdem er die Nacht in einem benachbarten Hotel Garui zugebracht hatte. — Herr Bourra», sagte Tcnise in sanftem Tone. Er hörte es nicht, seine flammenden Augen schienen die Arbeiter verzehren zu wollen, deren Spitzhacken sich in die Fassade der alten Baracke versenkten. Durch das offene Fenster sah man jetzt das Innere, diese elenden Zimmer, diese schivarze Treppe, ivohin die Sonne seit 200 Jahren nicht eindringen konnte. — Ach, Sie sind es, sagte er endlich, als er sie erkannte. Sie arbeiten rasch, die Diebe, nicht wahr? Sie wagte nicht zn sprechen, im Innersten bewegt durch den tranrigen Anblick dieses alten Hanses; sie selbst konnte die Blicke nicht abiveuden von diesen schimmeligen Steinen, die hinabgcworfcn wurden. Ganz oben, in einem Winkel des Zimmerchens, welches sie einst beivohnt hatte, sah sie noch»n schivarze» misichcren Buchstaben das Wort„Ernestine", das mit der Flamme einer Kerze dahin geschriebeil worden war und sie erinnerte sich der traurigen Tage ihrer Noth, die sie hier verbracht hatte. Tie Arbeiter,»lni mit eiucu» Schlage eine Mauer niederzureißen, waren ans die Idee gekommen, die Hacke unten anzusetzen, und die Malier wankte. Anzeige können Bußen bis zur Höhe eines halben Tage» lohnes oder sofortige Entlassung ohne Kündigung eintreten. Mit sofortiger Entlassung oder Ordnungsbuße bis zur Hälfte eines Tagesverdienstes wird bestraft wer eine Zuwiderhandlung seiner Mitarbeiter gegen die Fabrik- ordnung dem Arbeitgeber nicht anzeigt." Es kommt sogar vor, daß solche Vorschriften noch von dem Nachsatz begleitet werden, daß der Anzeiger auf eine Belohnung rechnen könne und sein Name geheim gehalten werde.— Also Spitzelzüchterei in aller Form! Mit derartigen Zumuthungm an die Arbeiterschaft zeigt das Uuternehmcrthunl,»vie entsetzlich wenig s i t t- lichen Gehalt es besitzt, und wie es gewissenlos genug ist, auch die Arbeiterklasse zu demoralisiren und damit zu korrunlpiren. Ucber die vielen und noch stets sich vermehrenden Unfälle der Arbeiter in den industriellen Betriebsan- lagen ging die auf langjährige Erfahrung Nüsperli's ge- stützte Ansicht dahin, daß eine sehr große Anzahl derselben herbeigeführt wird durch die übertriebenen Altforderungen der Unternehmer an die Arbeitsleistung der Ar- beiter, wodurch eine rasche oft fieberhafte Thätigkeit veranlaßt wird; auch wirke dabei die Stückarbeit, Haupt- sächlich infolge der Reduktion der Arbeitslöhne, mit. Energisch trat Nüsperli in diesem Punktedem oft den Arbeitern gemachten Vorwurf entgegen, daß sie absichtlich Verletzungen herbeiführen, um sich dadurch materielle Vortheile zu verschaffen. Er sagt:„Es ist inir kein Fall bekannt geworden, in welchem eme absichtliche Verletzung auch nicht einmal annähernd hätte nachgewiesen werden können." Nüsperli war entschiedener Gegner der Stückarbeit, wie der Nachtarbeit, worin er schwere Nach- theile für die Gesundheit der Arbeiter und des Familien- lebens erblickte. Er trat im klebrigen für die Ver- k ü r z u n g der Arbeitszeit ein. Er konstatirt bezüglich der Ueberzeitbewillignngeii, daß fast immer die gleichen Etablissemente Neberzeit nöthig haben, während die weitaus größte Zahl der Fabriken ohne solche aus- kommen kann.„Eine größere Anzahl von E t a b l i s s c m e n t e n hat die N o r m a l a r b e i t s- zeit auf 10 Stunden r e d u z i r t. Dieser Ver- such ist naincntlich auch in einer der bedeutendsten Uhren- sabriken gemacht worden, wobei es sich ergeben hat, daß das Etablissement dennoch ganz wohl mit allen anderen Fabriken konknrriren kann und fortfährt, zu blühen und zu gedeihen." Mit großer Sachkenntniß beleuchtete Nüsperli die A r b e i t s r ä u m e und deckte er die verschiedensten Mängel auf, an denen dieselben leiden, und zeigte er, wie — Wenn sie Euch nur sänimtlich begraben würde! rief Bourras mit wüthender Stimme. Man vernahm ein fürchterliches Krachen, die entsetzten Arbeiter stoben nach allen Richtungen auseinander. Die Mauer stürzte nieder und riß in ihrem Falle fast die ganze Baracke mit. Als die Staubwolke sich verzogen hatte, sah mau kaum mehr eine Planke aufrechtstchen. — Mein Gott! schrie der Greis, als ob der Streich ihm durch alle Glieder gefahren wäre. Bestürzt stand er da, niemals hätte er geglaubt, daß eS so rasch ein Ende nehmen würde. — Herr Bourras, ivicderholte Deuise, indem sie den Alten auf die Seite zu führen suchte; Sie wissen, daß man Sie nicht verlassen wird. Es wird für Ihre Bedürfnisse gesorgt werden. Er richtete sich auf. — Ich habe keine Bedürfnisse.... Sie werden von jenen Leuten geschickt, nicht wahr? Nun wohl, sagen Sie Ihnen, das; der Vater Bourras noch arbeiten rann und daß er Arbeit finden wird, wo er will. Wahrhaftig, es wäre gar zu bequem, den Leuten, die man erwürgt hat, hinterher Gnaden zu erweisen. — Ich bitte Sie, nehmen Sie doch an, flehte sie weiter. Thrni Sle mir nicht diesen Kummer an. Aber er schüttelte sein Löwcnhaupt. — Neil», nein, es ist ans, gute Nacht, leben Sie glück- lich. Sie sind jung, verhindern Sie nicht die Alten zu gehen und ihre Ideen mit sich zn nehmen. Er warf einen letzten Blick ans den Schutthaufen, dann schlich er mühsam fort. Sie blickte ihm eine Weile nach, ai. der Ecke des Gaillonplatzcs bog er ein und verschwand. Denise stand einen Augenblick da, dann trat sie bei leicht und billig dieselben in vielen Fällen behoben werden können. Kritisch wandte er sich gegen die Baumeister und Architekten, die nun endlich auch damit beginnen, vor dem Entwerfen der Pläne sich nach den von dem Fabrik- gesetz gestellten Anforderungen zu erkundigen und die be- stehenden Vorschriften von vorneherein mehr zu berück- sichtigen, als es früher der Fall war. Indessen wird immer noch viel gefehlt, besonders in Beziehung auf Ventilationseinrichtungen. Nüsperli bemerkte sehr treffend, „der Baumeister sollte sich weit mehr mit dem Studium der Hygiene befassen, als es bisher im Allgemeinen ge- schehen ist". Er macht den Baumeistern den Vorwurf, daß gar manchem von ihnen noch die Kenntniß über die Wichtigkeit einer richtigen und zugfreien Ventilation gebricht, sowie über die Bedeutung einer reinen Athmungs- luft für die Gesundheit des arbeitenden Menschen. In dem Fabrikinspektor Nüsperli verlor die schweizerische Arbeiterschaft einen treuen, für sie sehr wirk- samen Freund. Für die meisten Fabrikiuspektoren kann Nüsperli als Ideal gelten und wir möchten ihnen be- sonders das Studium seiner immer interessanten In- spektionsberichte empfehlen, sie können daraus lernen, ge- recht zu sein. Zur NatnrgeschilZfte der OrdnungsparteLen. L e i p z i g, 24. Juni. Einige Tage vor der Wahl 1887 lies das Komitee der „Ordnuugspartei in Leipzig Stadt und Land an alle Ecken ein Plakat anschlagen, welches die Ucberschrisr trug: „Die Sozialdemokratie, die Partei der L"ge". Nach Eni- larvung des Kriegsschwindels bei der b7cr Wahl ist es unnöthig, daß sich unsere Partei gegen jenes Machwerk vertheidigt, heule wollen wir aber aktenmüßig nachweisen, daß die sogenannte „Ordnungspartei" die Partei der Lüge und der Berlauindung ist. Bei der Wahl am 21. Februar Ibdv gab die Orbuuugs�arlei folgendes Flugblatt heraus: „An ihren Früchten sollt Ihr sie erkennen! Wahler! Durch alle sozialdemokratischen Reden geht jetzt gewöhnlich ein Zug der Mäßigung. Tie Redner stellen sich als ruhige Re- sormer dar, welche nur friedlich ihr Ziel emichen wollen— das ist nichts wie Maske, darauf berechnet, den ruhigen Staats- bürger, den Arbeiter, den Handwerker, den Beamten, welcher mit irgend einer Einrichtung des Staates unzufrieden ist, zu ködern und seine Stimme zu fangen. Der wahre Charakter der Sozialdemokratie entpuppt sich aber oft genug, dann bricht mit elementarer Gewalt der Haß gegen das Bestehende hervor, dann zeigt sich der anarchistifche Zug in seiner ganzen Abscheulichkeit. Zwei Worte, die jeder Mensch, dessen Gefühl noch nicht abgestumpft ist, heilig hält, können die Sozialdemokraten zur blinden Wulh reizen: Vaterland und Gottesfurcht. Die Liebe zur Heimath, zu Vater und Mutter muß ausge- rottet werden, wenn die Sozialdemokratie blühen;— die Ver- ehrung Gottes muß lächerlich gemacht werden, wenn die Sozial- demokratie Früchte tragen soll. Und sie trägt Fruchte, an ihnen könnt Ihr sie erkennen! Als es bei der letzten Versammlung in Lindenau unserem bisherigen bewährten Reichstagsabgeordneten Dr. Götz endlich, trotz des Geschmes und dem Gejohle der Sozialdemokraten, ge- lungen war, zum Wort zu komineu, da streike die Sozialdemo- kratie ihr L a m m f e l l ab und war ganz wieder der Wolf von früher. Als Dr. Gütz das Wort„Vaterland" aussprach, begleitete die Sozialdemokratie dasselbe mit Geschrei und Johlen, und die Behauptung des Redner?, daß sie den Glauben an Gott ver- loren hätten, bewiesen sie durch den darauf entstehenden wüsten Skandal, durch den Zuruf, daß man 1890 an einen Gott nicht ? staube! Vaterlandslos sind sie schon lange, daß sie auch gottlos ind, das haben sie damit bestätigt. Dieser Zuruf steht der sozialdemokratischen Partei wie ein Brandmal an der Stirne geschrieben, unverlöschlich, und er wird ihr einst zum Verderben gereichen. Wenn solche Reden öffentlich fallen, dann ist es freilich kein Wunder, wenn die Familienbande gelöst werden, wenn selbst der Verlust des eigenen Fleisches und Blutes, das Brechen eines Kinderauges, das Verstummen eines lackenden Kindes, das der Stolz und die Freude des Vaters sein soll, diesen nicht zurückhält von Rohheiten. Paßt es nicht trefflich zu der sozialdemokra- ihrem Onkel ein. Der Tuchhündlcr war allein in seiner dunklen Boutik„Zum alten Elbens". Die Haushälterin kam nur am Morgen und am Abend, um ihm seine fru- galen Mahlzeiten zu bereiten und ihm bei Schließung der Fensterläden behilflich zu sein. Er verbrachte da ganze Tage in seiner Einsamkeit, ohne daß ihn Jemand störte, und wenn doch hier und da eine Kundschaft kam, war er so be- troffen, daß er die verlangten Waareil kaum zu finden ver- mochte. — Geht es Ihnen besser, Onkel? fragte Denise. — Ja, ja, sehr gut, ich danke Dir, erwiderte er, seinen ewigen Marsch von der Kasse nach einem dunklen Winkel des Ladens fortsetzend. — Haben Sic das Getöse gehört? fragte sie, das Haus ist zu Boden gestürzt. — Ach ja, murmelte er erstaunt. Es muß das Haus gewesen sein. Ich fühlte den Boden erzittern... Als ich heute Morgens die Arbeiter auf dem Dache sah, schloß ich meine Thür. Und er machte eine Geberde, als ob er sagen würde, daß diese Dinge ihn nicht intercssiren. Jedesmal, wenn er zum Kassenpult zurückkehrte, be- trachtete er das leere Bäukchen, dieses mit abgenütztem Sammt überzogene Bänkchen, wo seine Frau und seine Tochter so lange gesessen. Dann, wenn sein ewiger Marsch ihn wieder zu dem dunklen Winkel führte, betrachtete er die Fächer, in welchen einige Stücke Tuch ruhig schimmelten. Es war ein verwittwetes Haus; Diejenigen, die er geliebt, waren fort, sein Geschäft fiel einem schmählichen Ende anheim, er allein ging noch aufrecht mit seinem todten Herzen und seinem ge- brochenen Stolz inmitten dieser Katastrophen. Endlich wagte Denise den Gegenstand zu berühren, der sie herbeigeführt hatte. — Sie können so nicht länger bleiben, mein Oheim. Sie müssen einen Entschluß fassen, Ohne in seinem Gange inue zu halten, erwiderte er: — Ohne Zweifel, aber was soll ich anfangen? Ich habe versucht, auszuverkaufen, aber es ist Niemand gekommen... Mein Gott, eines Morgens werde ich die Boutik schließen und werde gehen. tischen Forderung, daß die Kinder. den Eltern weggenommen werden sollen, um vom Staate erzogen zu werden, wenn einer der lautesten Schreier festgenommen werden muß, und dieser Mann, der es in der Versammlung im Johlen und Brüllen Allen voran gethan hat, nachher demüthig bittet, entlassen zu werden, weil er in einer Stunde sein Kind begraben müsse! Wahrlich, niemals ist die Frivolität der So- zialdemokratie so nackt in die Erscheinung getreten, wie in diesem Falle, noch nie hat man so klar die zersetzende Thätig- keit derselben erkannt:— der Vater mit wüstem Geschrei in der Ve-rsammlung, sein Kind zu Hause auf der Bahre! Welchem Vater, welcher Mutter schaudert es nicht bei diesem Gedanken; und das ist erst der Anfang, das soll ja immer so sein, das soll ja dereinst allgemeine Sitte werden, daß das eigene Fleisch und Blut nichts mehr den Eltern gilt. Die Freude des Vaters an dem strahlenden und fragenden Auge ver Kleinen, die herzliche Liebe der Mutter zu dem von ihr mit Schmerzen ge- borenen Kleinod, sie muß nach sozialdemokratischen Begriffen aus- gerottet werden— wie das angeführte Beispiel des Baters in Lindenau zeigt. Bebel und Liebknecht haben oft genug die be- liebige Auslösung der Ehe als die Nothwendigkeit und Folge des sozialdemokratischen Programms hingestellt. Ihre Lehre trägt Früchte, wie man sieht. Wer von Euch Ihr deutschen Männer hat den Muth, diese Anschauung zu vertheidigen, wer von Euch deutsche Frauen, und Mädchen möchte eine solche Ordnung der Dinge: keine Ehe, ein Zusammen- und Auseinanderlau en alle Tage??? Das Gefühl des Baters, das Gefühl der Mutter muß ausgerottet werden, damit eine kleine Gesellschaft ihren Gelüsten nachgehen kann! Weit ist es-im Jahre 1890 mit der Sozialdemokratie gekommen. Kein Wunder, daß der Sozialdemokrat nicht an Gott glaubt, so lange es ihm wohl geht. Geht es ihm schlecht, ja dann ist das vielleicht etwas anderes. Merkt bei der Sozialdemokratie immer auf ihr Endziel! Die Forderungen, welche den Arbeiter schicken, werden von anderen Parteien auch befürwortet, gerade für sie ist der Mann einge- treten, welcher bisher unser Abgeordneter war, Dr. Götz! Ordnung und Zucht muß herrschen. Anstand und Sitte muß geachtet werden, die soziale Entwickelung kann nur allniälig ge- schehen; zu Gunsten der Arbeiter müssen noch viele Gesetze er- lassen werden. Dafür lritt Dr. Götz, der viel angefeindete und angegei crte Kandidat mit ehrlichem Mannesmuth ein— die Sozialdemokraten aber sind gegen das Kranken-Versicherungsgesetz. gegen das UnfaN-Versickeruugsgesetz, gegen das Alters- und In- validengesctz. Wer vertritt nun die Interessen der Arbeiter? wer den Anstand und die gute Sitte? Einzig und allein: Dr. msfl. Ferdinand Götz-Lindenau. Diesen wählt am 20. Februar 1890!" Dies das Flugblatt. Herausgegeben lst dasselbe von dem„Ordnungs-Wahl- k o in i t e e". Folgende Herrn bildeten das Komitee der Ordnungspartei: Oekvnoinierath V o l l s a ck, Groß-Zschocher. Professor Dr. Howard, Leipzig-Gohlis. Miihlenbesitzer Schmidt, Groß-Zschocher. Bruno S p a r i g, Leipzig-Reudnitz. Gutsbesitzer O e h in i ch e n, Probsthaida. Wie man fleht, spielte das Ordnungs-Wablkomitee den Mann mit dem Kinde ans der Bahre gegen die Sozialdemokratie als Haupttrumpf aus und durch diesen sogenannten„Raben- vater", der in der gesammten Ordnmigspresse ausmarschirte, suchte das Ordnungs-Wahlkomitee die sozialdemokratische Partei in den. Augen der Bürger herabzuwürdigen. Die Redakteure des „Leipziger Tageblatts" und der amtlichen und„anständigen" „Leipziger Zeitung", Herr Heinrich U h s e und Herr Dr. Häbernick haben insbesondere ihr Rebliches gethan. um das abschreckende Bild des„sozialistischen Nabenvaters" It hren Zeitungen der Masse der Wähler vorzuführen. Sie habM die Mähr an hervorragender Stelle in ihren Zeitungen in die WAt hinausposaunt. Die Sozialdemokratie hat stets, wo ihr ein Jrrthum ckdcr eine Unrichtigkeit nachgewiesen wurde, dies pflichtgemäß richtig gestellt. Run, jetzt wollen wir die Stichprobe machen und sehen, ob obige Herren gleichfalls dieser Tradition huldigen und ob sie, wenn ihnen eine Umvahrheit nachgewiesen wird, dieselbe in ihren Zeitungen berichtigen. Wohlan: in einer Schöffengerichtsverhandlung, welche am 1. Mai hier in Leipzig stattfand, hat der Mann, von welchem die bekannte„Rabenvater- Geschichte" erzählt wird— also der augebliche„Rabenvater" in eigener Person— ans die Frage des Vorsitzenden, ob er Sozialdemokrat sei, mit Entrüstung erklärt: „Zlein, ttiemals war ich Sozialdemokrat!" Der Mann hat also nie der Sozialdemokratie angehört und doch haben die obengenannten Herren die Sozialdemokratie für tiefen Mann verantwortlich gemacht, sie haben diesen Mann der Welt vorgestellt, was er entschieden nicht war, und die oben genannten Mitglieder der„Ordnungspartei" und der„Partei der Sie wußte, daß ein Bankerott nicht mehr zu befürchten war. Die Gläubiger hatten es vorgezogen, angesichts eines solchen Eigensinnes sich untereinander zu verständigen. Wenn Alles bezahlt war, konnte der Onkel ganz einfach auf die Straße hinaus gehen. — Aber was iverden Sie hernach thun? murmelte sie, um einen Ucbergang zu dem Anerbieten zu finden, welches sie nicht zu formnlire» wagte. — Ich weiß es nicht, sagte er, man wird mich irgendwo von der Straße auflesen. — Hören Sie mich an, mein Oheim, sagte Denise end- lich verlegen.' Es wäre für Sie eine Jnspektorstelle da. — Wo beim? fragte Bandn. — Mein Gott, da drüben bei uns, G000 Franks und keine anstrengende Arbeit. Er blieb plötzlich vor ihr stehen, aber anstatt sich zu erzürnen, wie sie befürchtet hatte, war er erblaßt unter der schmerzlichen Erregung, in der herben Resignation seines Herzens. — Da drüben, da drüben, stammelte er wiederholt. Du willst, daß ich da drüben eintreten soll? Denise selbst war tief bewegt. Wieder sah sie den langen Kamps der beiden Bontikcn, wieder nahm sie Theil an dem Leichenzug ihrer Kousine Genevieve und ihrer Tante Baudu, sie sah das„Alte Elbens" zu Boden gestürzt, erwürgt durch das„Glück der Damen". Und der Gedanke, daß ihr Onkel nun da drüben mit der iveißen Kravatte ans- und ab- spazieren soll, preßte ihr das Herz zusammen. — Ist dies möglich, Denise, meine Tochter? sagte er einfach, indem er seine zitternden Arme kreuzte._ — Nein, nein, mein Oheim, rief sie in einer Auf- wallung ihres gütigen und gerechten Wesens. Es wäre schlimm, verzeihen Sie mir, ich bitte Sie. Er nahm seinen Marsch durch dieses leere, einer Gruft ähnliche Hans wieder auf und als sie ihn verließ, ging er in feinem stummen verzweifelten Schmerze noch immer Denjse verbrachte abermals eine schlaflose Nacht. Sie hatte ihre Ohnmacht eingesehen, selbst für die Ihrigen konnte sie keinen Trost schaffen. Sie mußte der unbezwrnglichen Wahrheit" haben demnach eine Unwahrheit in der Masse des Volkes verbreitet. Jetzt, nachdem der Fall aufgeklärt und die Wahrheit an das Tageslicht gekommen, sind die genannten Herren verpflichtet» falls die einfachen Gebote des Anstandes für sie gelten, die von ihnen behauptete und verbreitete Unwahrheit im „Leipziger Tageblatt" und in der„Leipziger Zeitung" zu wider- rufen. Bis jetzt haben wir vergebens auf den Widerruf gewartet, Leisten sie ihn nicht und geben sie keine befriedigende Erklä- rung bezüglich dieses Falles ab, so weiß jeder Mensch, was er von diesen Herren zu halten hat. Sämmtliche Zeitungen, welche die„Rabenvaternotiz in'ihre« Zeitungen öffentlich ausgestellt haben, sind gleichfalls verpflichtet, diese verläumderische Umvahrheit zu berichtigen. Erfüllen sie diese Ehrenpflicht nicht, so empfehlen wir den Arbeitern, dies den Herren bei jeder Gelegenheit unter die Rase zu reiben. Der„Rabenvater" war kein Sozialdemokrat, es war im Gegentheil ein Parteigenosse der reichstreuen Kartellbrüder. NolikiMo Aebeufichk. Kraftproben. Es giebt Kraftproben und Kraftproben, — je nach dem Standpunkt, von welchem aus man die Sache betrachtet. Herr Windthor st hat diesmal— anläßlich der Militärvorlage— eine„Kraftprobe" nicht vornehmen wollen— erst im Winter oder nächsten Jahre glaubt er stark genug zusein. „Morgen, morgen, nur nicht heute, Sprechen immer träge Leute!" Das heißt Leute, die keine L u st haben, etwas zu thun. Und das ist in dieser Frage der Fall mit Herrn Windt- Horst. Herr Windthorst hat keine Kraftprobe machen wollen. Dafür hat aber der Reichskanzler, oder sagen wir: die Reichs-Regierung diesmal eine Kraftprobe gemacht. Und sie ist g e l u n g e n. Die Regierung zählte darauf, daß der„Thurm" des Zentrums nicht fest stehen werde— sie be- rechnete die gegenseitigen Kräfte und— wagte die„Kraftprobe". Und siehe da, die Rechnung hat gestimmt. DaS Zentrum ging unter das kaudmifche Joch, die Militärvorlage hat die Majorität erlangt: der Reichstag hat abermals eine Gelegenheit versäumt, sich die der Volksvertretung gebührende Machtstellung zu erkämpfen, die Regierung hat einen neuen Sieg über das Parlament davongetragen. Kurz, die„Kraftprobe" ist zum NachtheildesReichstags ausge- fallen, und die deiitjche Volksvertretung befindet sich jetzt der Reichsrcgiernng und dem Militarismus gegenüber in einer un- günstigeren Lage als vorher; die gegenseitige« Machtverhältnisse haben sich zu U n g u n st e n des Reichs- tags verschoben, und bei der n ä ch sie n Kraftprobe, die dem Reichstag— mag die Majorität �wollen oder nicht— durch die Logik der Thatsachen wird aufgezwungen werden, muß die Volksvertretung, um zu siegen, eine weit größere Kraft aufwenden, als jetzt nöthig ge- wese» wäre. Und das verdanken wir dem Zentrum. Freilich,.-« i n Gutes hat der feige Verrath, den das hat. Es hat sich f e l b e r d i e M a s k e s s e n. Und das deutsche Volk wird, durch die g gewitzigt, in Zukunft der B a u e r nfä n g e r ei entrums nicht mehr so leicht zum Opfer fallen. Drtfl Herr Rliqnrl auch einmal rechck.jVn'ornttonär" ge- sonnen war, geht aus einer Rede Haffelmann's, die derselbe in» Jahre 1878 bei Berathung des Sozialistengesetzes(zweite Lesung) gehalten hat, hervor. Hasselmann sprach über die Auflösung dcs „Allgemeinen deutschen Arbeitervereins" und beleuchtete dann die „auch gefährliche Agitation" des Nationalvereins, de» man aber unangetastet lasse. Hasselmann sagte damals wörtlich folgendes: „Ich könnte Ihnen Mittheilm gen zur Genüge vorführen, aus denen Sie ermessen könnte», welche Absichten und Ansichten gegen bestimmte Gesellschastsklassen sich änßerten— hier war besonders die Klasse der sogenannten„Junker" ins Auge gefaßt— und sich" innerhalb des Nationalvercins hinter den Kau- lissen in derselben Art breit gemacht haben, wie man sie heute als staatsgcfährlich hinstellt. Zwei hervorragende Redner und Führer dieser Partei führten einmal ein Gespräch, welches ich mit angehört habe. Es war damals, als ich meinen ersten politischen Ausflug als 19jühriger Student machte, aus der Generalversammlung des Rattonalvereins im Jahre 1864. Der eine derselben Ivar unser Kollege Bürgers; er hatte eine fulminante Rede gehalten, und als er den Saal vor- ließ, hörte ich zufällig, wie einer seiner Freunde ihm auf die Schulter klopfte und sagte:„das war zu scharf gesprochen, s» Arbeit beiwohnen, welche das Leben verrichtete, das ans todten Körpern unaufhörlich neues Leben schafft. Sie wehrte sich nicht länger, sie akzeptirte dieses Gesetz des Kampfes, aber ihre Franensecle war von unendlichem Mitleid und vo« Zärtlichkeit erfüllt bei dem Gedanken an die leidende Mensch" heit. Seit Jahren gehörte sie selbst zu dem Zahnwerke der Maschine. Hatte nicht auch sie dabei gelitten, war nicht auch sie gepeinigt, verhöhnt, verjagt worden? Monret hatte diese ungeheure Maschine erfunden, um die Welt zu zet- malmen. Diese Maschine, deren brutale Funktion sie mit Entrüstung erfüllte; er hatte das ganze Stadtviertel mit Ruinen besäet, die Einen geplündert, die Anderen getödtet. Und sie liebte ihn dennoch, gerade um der Größe seines Werkes willen. Sie liebte ihn noch mehr bei jedem Aus- bruch seiner Macht, trotz der Thränen, trotz des Elends, welche sie im Gefolge hatte. Sechstes Kapitel. Die Rue du Dix-Decembre, ganz neu mit ihren kreideweißen Häusern und den letzten Gerüsten einiger verspäteten Neubauten breitete sich in einer klaren Februarsonne aus,; eine Fluth von Wagen verkehrte frei inmitten dieser breiten, lichten Bresche, welche in den feuchten Schatten des alten Saint" Roche-Stadtviertels geschlagen worden war; und es gab zwischen der Rne de la Michodiere und der Rue de Choiseut ein Gedränge, fast einen Aufruhr einer Menge, welche durch die seit einem Monat betriebenen Reklamen aufgestachelt worden war; man drängte sich, die Nase in die Luft gestreckt, vor der monumentalen Faoade des„Glücks der Damen- welche diesen Montag bei Gelegenheit der großen Weiß' waarcn-Ansstellung, eröffnet werden sollte. Es war ein wcittäusiger Komplex von polychromer Architektin;, hervorgehoben durch die Farbe des Goldes, da» Gewühl und den Glanz des im Innern betriebenen Ha"' dels verkündend, die Augen der Passanten aus sich ziehend, wie eine riesenhafte Auslage, welche in den lebhaftesten Farben glänzt. Im Erdgeschoß war die Dekoration,»M der Wirkung der den Auslagen aufgehäuften Stoffe nick zu schaden, eine einfache: ein Sockel von nieer" grünem Marmor, die Ecksäulen und die Pfeiler waren wt* p— sU?m r sprechen, wenn es gilt, in Berlin auf- der Straße oas Bolk aufzufordern, daß es den Junkern die Köpfe einschlägt." �r Herr, der dies sprach, war der Herr Miquel. Ich hatte da- Wals schon republikanische Ansichten, ich war schon Sozialist, iiiid ich habe mir diese Aeußerung sofort in mein Taschenbuch notirt; rwch heute ist die Szene nicht aus meinem Gedächtniß ent- schwunden. Das ist nur ein Beispiel von vielen, wie damals agltirt wurde, und ich glaube, daß jene Art der Agitation schon eine sehr prononzirte zu nennen ist. Aber, wie gesagt, trotzdem ließ man den Nationalverein bestehen; man wußte ja, die Herren waren nicht gefährlich, aber den allgemeinen deutschen Arbeiter- verein hat man seinerzeit vernichtet." Freistrur uon Hnene wird von den nationalliberalen Kor- respondenten als Nachfolger des Schatzsekretärs von Maltzahn genannt. In militärischen Dingen hat Frhr. v. Huene sich aller- wngs in der letzten Zeit noch ministerieller als die Minister bewiesen, sodaß er sicherlich dem Kriegsminister noch weit weniger Schwierigkeiten als Schatzsekretär machen würde, als Freiherr v. Maltzahn. Wie das„Deutsche Tageblatt" niittheilt, haben wirklich mit Frhrn. v. Huene Besprechungen stattgefunden, indeß sei die ander- weitige Regelung dieser Frage bis zum Herbst vertagt worden. — Darnach scheint also Herr Miquel Freiherrn von Huene be- anstandet zu haben. Ein nationalliberaler Minister für neue Steuern und noch ein ebensolcher klerikaler dazu, daS brächte in der That allzu viel Segen auf einmal für täe Staatskassen und Reichskassen aestellte, sondern eine nur auf Grund eines gesetzlich genau be- stimmten, faktischen Zustandes zulässige Verfügung als rechts- widrig angegriffen wurde. Die Prüfung der Frage, ob eine widrig angegriffen wurde. Die Prüfung der. Verwaltungsbehörde in den ihrem freien Ermessen unterstellten i. ific /afiU'tiijo A:»fstrbu»g de» Zseptilielifonds verlangt t Ztg." von Herrn Miquel als Beweis, daß er etwas >5?r bedeute, als ei» Minister für neue Steuern. Sie schreibt: »u ue die Fortdauer des Reptilienfonds, d. h. der Verwendung oer Einkünfte aus dem sequestrirten Vermögen der hannoverschen ironigssamilie zu politischen und sonstigen öffentlichen Zwecken pt gerade der preußische Finanzminister in erster Reihe verant- wortlich. Die fetzige Verwendung steht in drastischem Widerspruch zu den Vorschriften des Gesetzes, welche nur eine Verwendung gestatten„zur Abwehr feindlicher Unternchniungen des Königs Georg und seiner Agenten." Daß von Nnternehinungen im «lnne dieser Bestimmung schon seit langer Zeit nicht mehr die utede sein kann, hat Herr von Bennigsen im Abgcordnetenhause Ichon vor J'hren ausdrücklich anerkanut. Herr Miquel kennt die hannoverschen Verhältnisse. Er bedarf also von keiner Seite in diesen Fragen noch einer Information. Herr Hobrecht hat ein- Mal als Finanzminister einen schüchternen Anlauf genommen, dem Mißbrauch des Reptilienfonds zu steuern. Will Herr Miquel nn konservativen Ministerium etwas mehr bedeuten, als Herr Hobrecht, so mache er hier kurzen Prozeß und verlange als Staats- und Finanzminister im Minislerrath die sofortige Einstellung aller Zahlungen, die noch geleistet werden auf Grund der Vollmacht »zur Abwehr feindlicher Unternehmungen des Königs Georg und seiner Agenten." Schölte Aussichten eröffnet den Hamburger Arbeitervereinen ein Entscheid des Hanseatisetien Ober- Landesgerichts. Der Vor- lsdende eines dortigen Arbeitervereins meldete, wie das„Hamb. Gcho" mittheilt, eine Versammlung an, erhielt aber von der •Polizei den Bescheid, daß die Versammlung nicht gestattet werde. «fj 1Pcncn ihm aber für die Vorbereitungen H,'M M. Kosten eulstandeu, welche er von der Polizei wiedererstattet haben ivolltc, 55 bwselbe unberechtigter Weise die Versammlung untersagt habe. •pas Landgericht wies die Klage ab, ebenso das Ober-Landes- gerichr, letzteres unter der folgenden Begründung:„Daß der -poiiz�lbehörde durch die revidirte Verordnung vom 30. Juni 1851 pruwt 0''h beigelegt ist, wenn sie es für nöthig erachtet, die hVer« o9°l>n Versammlungen eines Vereins zu untersagen, «w'■o.'uede oder dessen Thütigkeit mit den Gesetzen des Staates, >.n>. � ber gesellschaftlichen Ordnung in Widerspruch stehen, „im»!nn I,e wegen dringender Gefahr für die öffentliche Ord- r""9 ober Sicherheit es fiir nöthig erachtet, auch die Versamm- ng niies Vereins, welcher die Berathung öffentlicher An- guegenheiten zum Zwecke hat, zu uiilersagen. ergiebt sich 15. 0Us den§§ 1, 2 und 10 des genannten Gesetzes. Daß es sich hei der vom Kläger angemeldeten Versammlung um eine Versammlung der letzgedachten Art gehandelt hat, ergiebt der Umstand, daß er, wie die Klage vorträgt, die Versammlung aus Grund des 8 des genannten Gesetzes anzumelden sich veranlaßt gesehen hat. Wenn die Beklagte die vom Kläger angemeldete Bersammlung auf Grund des Gesetzes— wie die von der Ve- klagten überreichte Verfügung ergiebt, ohne Angabe eines Grundes " untersagt hat, so hat sie die allgemeinen Grenzen ihrer Zu- ständigkeit nicht überschritten. Ob die Untersuchung im vor- liegenden Falle im Interesse der öffentlichen Ordnung oder Sicher- heil in Wirklichkeit geboten oder vielleicht völlig unnöthiz war — die Zweckmäßigkeitsfrage nachzuprüfen ist weder Ausgabe noch Recht der Gerichte. Durch die Worte des Gesetzes:„wenn die Polizeibehöroe es für nöthig erachtet", ist auf das Deutlichste z» erkennen gegeben, daß, wie es nach der Natur der Sache nicht anders sein tan», die Gestattung oder Untersagung der fraglichen Versammlungen in das Ermessen der Polizeibehörde verstellt wird. Hierdurch gerade unterscheidet sich der vorliegende Fall wesentlich von dem vom 5kläger angezogenen Falle, bei welchem nicht eine in das freie Ermessen der Verwaltungsbehörde ----------- 0„..,».vv...«tu cyitm freien tprmessen unterstellten Entscheidungen im einzelnen Falle zweckmäßig oder zweckwidrig verfügt hat, steht allein der vorgesetzten Verwaltungsbehörde zu. Im vorliegenden Falle, wo weder das Gericht in der Lage oder befugt ist, die von der Polizeibehörde innerhalb ihrer allgemeinen Zuständigkeit für angemessen erachtete Verfügung nachzuprüfen, noch auch nur von der der Polizeibehörde vorgesetzten Verwal- tnngsbehörde die Verfügung als unangemessen aufgehoben worden ist, kann von"r-f-rf.----- die Beklagte irg Rechtswidrigkeil—...— Ans yeipr, vemertt das „Hamb. Echo" mit Recht, so viel: Wenn es der Polizeibehörde beliebt, kann sie jede Versammlung verbieten; Beschwerde kann man mir beim Senat erheben, der nach längerer Zeit Bescheid crtheilt, nach bisherigen Erfahrungen meistens ablehnenden. Die Polizei für Kosten hastbar zu machen, geht nicht. Also wird sie in dieser Hinsicht thun, was sie will. den jetzt vorliegen- 'üon abgesetzt mor- m.—..Bv>»ouuk an. Bewilligt worden sind im Ganzen 12 886 065 M., nämlich für Subaltern beamte (Servisklasse V) 4 355 906 M., für etatSmaßige untere Beamte 5 103 723 M., für diätarische Beamte und Unterbeamte 2 536 657 M., und zu Stellenzulagen 540 000 Mark. In zwei Resolutionen werden die Regierungen ersucht, a) das Verhältniß der etatSmäßigcn Stellen zu den diätarisch beschäftigen Beamten allgemein einer Prüfung zu unterziehen und vorhandenen Miß- Verhältnissen, nöthigenfalls durch Vermehrung der etatsmäßigen Stellen, abzuhelfen, K) Erwägungen dahin eintreten zu lassen, ob nicht eine allgemeine Einführung der Dienstaltersstusen für die Besoldungen der etatsmäßigen Beamten sich empfiehlt. Gegen die So»ialdrmokratie soll in Mellenbura-Strelitz die gesaumite Klerisei aufgeboten werden. Allen Geistlichen ist die Aufgabe gestellt worden, sich darüber zu äußern:„Welches sind nach Ihren Erfahrungen die Mißstände, durch welche die Arbeiterbevölkerung dem Einfluß des geistlichen Amtes entzogen und den Einwirkungen der Sozialdemokratie zugänglich gemacht ivird, und was kann von Seilen der Kirche geschehen, um die Beseitigung solcher Mißstände herbeizuführen?" Gin l>eachtrn»,uertstrs Eingeständnis macht der national- liberale„Hannov. Courier" in einer Noliz, betreffend das Jn- validitäts-' und Alters-BersicherungSgesetz und die Korrcktions- anstalten. Unsere Leser wissen, wie Blätter dieser Richtung bis- lang in der Regel über„Landstreicher" gcurtheilt haben als über „arbeitsscheue Subjekte". Genanntes Blatt schreibt: „Glelchwie auf die Verringerung der Kosten der öffentlichen Armenpflege, so wird das Gesetz über die Jnvaliditäts- und Allersversichenmg nach einer Reihe von Jahren ans diejenige der Korrektionsanstallen von wesentlichem Einfluß sein. Hat schon seit einer Reihe von Jahren mit Hilfe der ArbeUerkolonieen und Natnral-Verpflegungsstationen, gleichviel, ob letztere von den Kreise» und anderen kommunalen Verbändln, oder von Vereinet» gegen Hausbetlclei unterhalten werden, die Zahl der Korrigenden wesentlich abgenommen, und ist erfreulicherweise namentlich der Zuwachs an jüngeren Korrigenden so beschränkt worden, daß in den Jahresberichten u»serer proomzialständischen Verwaltung über'Abnahme des Arbeitsveroienstes der Korrigenden wegen Abnahme der Arbeitskrast der meistens in vor- gerückrem Lebensalter befindlichen, wiederholt rückfälligen Korrigenden geklagt wird, so wird in der Folge namentlich das Abschieben der alteren Gewerbsgehilfen und sonstigen Arbeiter vor Ablauf des zweiten AufelithaltSjahres seitens der kleineren Geineinden zur Verhinderung des Erwerbes des Unterstützungs- ivohitsitzes aufhören oder wesentlich eingeschränkt werden, wenn die Belheiligten der Gemeinde nachweisen, daß ihnen ein Anspruch auf Invaliden- oder aus Altersrente zusteht, deren Betrag den- jeniqen der öffentlichen Arnienuiiterstützinig in der Regel über- steigl. Grade dieses Abschieben fördert aber das Landstrcichcn und Bettel». Gar mancher Handwerksgeselle und sonstige Arbeiter gelangt gegenwärtig schon in jüngeren Jahren lediglich oder wesentlich wegen beschränkter Erwerbs Unfähigkeit, keinesivegs wegen Arbeitsunlust in das Werk eine mit 66 Dekegirten vertreten. Es gießt in der Hauptstadt und in den Provinzen 390 sozialdemokratische Vereine mit 45 000 Mitgliedern. Diese Vereine sind in sechs„Agitations- distrikte" eingetheilt, von welchen jeder seinen eigenen„Agitations- fonds" besitzt Man hat über das Verhältniß der Sozialdemo- traten zu den anderen politischen Parteien, über eine neue Partei- organisation, über die Abschaffung des Erbrechts und über die Arbeit der Kinder in den Fabriken verhandelt. Hinsichtlich der letzten Frage sprach die Versammluiig sich dafür aus, daß es ver-' boten sein soll, Kinder unter 14 Jahren in den Fabriken arbeiten zu lassen. Ein Vorschlag, die 7 ausgeschloffenen„revolutionären" Mitglieder wieder auszunehmen, wurde von der Tagesordnung gestrichen und ein anderer Vorschlag, nach welchem„AgitationS- schulen" errichtet werden sollten, wurde nach einer langen Be-• rathung verworfen. Schließlich wurde bestimmt, daß jedes Mit- glied in den Städten 25 Oere(20 Pf.) lind auf dem Laude 15 Oere zum„Agitationsfonds" beitragen soll. GroßbHtrtttttZett. London, 26. Jnni. Ein neubegrändetes„Komitee zur Hilfeleistung an unterdrückte Nationen" hielt Hierselbst gestern Abend ein Meeting ab, um gegen die Verhaftung der russischen Revolutionäre in PariS Einspruch zu erheben. Es wurde u. A. gesagt, daß die ganze Verschwörung von einem russischen bezahlten 'Agenten ausgesonnen worden sei, um des Briefwechsels gewisser russischer Flüchtlinge habhast zu werden. Die Versammelten faßten einmüthig eine Resolution des Inhalts, daß das Ver- fahren der französischen Regierung in dieser Sache zu brand- marken sei. Frankreich. Paris, 25. Juni. Der Untersuchungsrichter hat soeben eine Verfügung erlassen, die nicht zu Gunstc» der russischen Nihi- listen lautet: Dembsli, Mendelssohn, Orlow und sieben andere 'Angeklagte werden dem Zuchtpolizeigericht übergeben. Kelgie». Man schreibt aus Brüssel: Während die Zensuswähler und bürgerlichen Kreise unter Verkennung der � Verhältnisse sich nicht nur der sozialistischen Bewegung, sondern auch der Ertheiluna des Wahlrechts an die breiten Kreise der Nation entschieden feindlich zeigen, bricht eine neue, ernste Arbeiter- beivegung zur Erkämpfung dieses Rechtes a», welche die schon vorhandenen inneren Wirren noch wesentlich erschwert. Hatte schon Anseele dieser Tage in Berviers lliiter dem Jubel der'Ar- beiter das allgemeine Stimmrecht gefordert, so war vorgestern Abend die Stadt Gent der Schauplatz einer noch bedeutsameren Kundgebung für dasselbe Recht. Mehr als 4000 Arbeiter und 'Arbeiterinnen marschirten in den Straßen.„Jetzt sind wir Sklave», durch das allgei»eii>e Stimmrecht werden wir Männer!"„Wer gut»st zum Soldaten, ist auch gut zum Wähler!"„Wer durch das Geld Wühler ist, ist auch für Geld verkäuflich!"■— so lauteten die Plakate im Zuge. Da die Arbeitermasse sich weigerte, zur bestimmten Zeit auseinander zu gehen, hieben die Gendarmen mit den Säbeln ein und trieben die Massen auseinander. Das ist nur ein Vorspiel für das am 10.'August in Brüssel geplante Auftreten der ge- sammten sozialistischen Partei Belgiens, Schon seit Monaten wird gearbeitet; allsonntäglich wiro für die Reise nach Brüssel Propaganda gemacht; schon seit Monaten sparen alle Henne- i gauschen Arbeiter für diese Reise und die sozialistischen > kooperativen Genossenschasten stellen die Mittel bereit, um so viele Arbeiter als möglich nach Brüssel zu schaffen. Ein Straßenauf- zug, wie ihn der Zahl nach Belgien noch nicht erlebt hat, wird die belgische Hauptstadt durchziehen und die Arbeitcrmassen wollen auf diesem friedlichen und gesetzlichen Wege die Einführung des allgemeinen Stimmrechtes fordern. Auch die radikalen und die sozialistischen Vereine des Landes haben Straßenaufzuge zugesagt. belgischen ,eit- .. �......— die die Theilnahme am i„ w wwe �»yanntsrage zwischen etwa 3000 Arbeitern der dortigen Schwefel- «Ii-—>.----- Ms' � U M' schwarzem Marino? verkleidet, dessen strenge Gruudfarb� durch vergoldete Kartouchen gehoben wurde; der Rest be' stand sast gänzlich ans Spiegelscheiben, welche die Tiefen der Gallerien und der Hallen gleichsam dem vollen Tageslichte der Straße eröffneten. Allein, in dem Maße, als die Stock- werke höyer stiegen, belebten sie sich mit hellen, mehr schiin- mernden Tönen. Der Fries des Erdgeschosses entwickelte Mosaiken, eine Guirlande von rothen und blauen Blumen, unnnterßrochen durch Marmorplatten, in welche die Namen von Handelsartikeln in einer unendlich langen Zeile, welche den ganzen Hänserkoloß nmgab, cingravirt waren. Dann kam der ans Emailziegeln hergestellte Sockel des ersten Stockwerkes, welcher abermals breite Spiegelfenster trug bis hinauf zum Fries, welcher ivicdcr aus vergoldeten Wappenschildern gebildet war, geschmückt mit den Wappen aller Städte Frankreichs und von ver- schiedeiien Motiven ans Terracotta, deren Email die frische Blniiicnp rächt des Sockels wiederholte. Ganz oben endlich entwickelte sich die das Hauptgesims gleich einem Blütheu- schmuck der ganzen Fagade. Tic Mosaiken und die Faiiencen erschienen wieder in wärmeren Farbentönen, das Zinn der ........... s. vergoldet, die ttv*V V« �__________ Dachrinnen war zierlich zilgeschnitten und Akrotcre zeigten eine ganze Menge von Statuen/ die großen >iudiistricstädte Frankreichs darstellend, ivelche ihre feinen Sil- hnette» vom klaren Himmel abhoben. Die neugierige Menge erstaunte hauptsächlich über die Mittelpsorte; diese war groß wie der Are de Triomphc und gleichfalls mit einem meichlhum an Mosaiken, Fayencen, Terrakotta geschmückt, uberragt von einer allegorischen Gruppe in leuchtendem Gold, eine Frau darstellend, die durch eine ganze Schaar von tleliici, Amoretten bekleidet und geküßt wird. Von zwei Uhr ab mußte schon ein ganzes Piquct von Polizisten einschreiten, um den Verkehr durch die kolossale Menge aufrecht zu erhalten. Das Palais war fertig, der D�npel für die Geldverschivendungssilchr der Mode war er- Achtet; er beherrschte und bedeckte gleichsam ein ganzes «tadtviertel mit seinem Schaden, die Wunde, die ihm durch oas Niederreißen des Hauses des alten Bourras geschlagen, �or seither so gut vernarbt, daß man vergebens die Stelle gesucht hätte, wo diese alte Baracke gestanden.(Forts, folgt.) Schicksal bewahrt haben würde, und eine große Zahl der älteren Leute, hinsichtlich deren jetzt schon bei der schöffen- gerichtlichen Aburtheilnng es zweifelhaft erscheint, ob sie nicht richtiger im Landarmenhans«, als im Werkhanse Aufnahme finden, wird in Zliknnft durch die Invaliden- oder Alters- rente vor beide» Anstalten bewahrt sein, mithin die Zahl nicht nur der.Koirigende», sondern auch der LandaruienhäuSler ab- llehmen." Abgesehen davon, daß diese AuSfüyrimgen dazu dienen sollen, ein Lob aus das Jnvaliditäts- und'Allersver/ichernngs-Gesetz zu begründen, sind sie deshalb beachtcnswerth, iveil sie das Ein- geständitiß einer Wahrheit enthalten, welche bislang von der „ordnungsliebenden" Presse verschwiegen, ignorirl oder gar an- gefochten worden ist, der Wahrheit luimlich, daß die Gemeinde- bchörde durch das System des„Abschiebens" die Land- streich er« und den Bettel gefördert haben, und daß bei Weitem nicht alle Landstreicher, Bettler nnd Korrigenden„arbeitsscheue Subjekte" sind. Dieses Eingeständiiiß veroieiit gemerkt zu werden. Aus Süddeutschland, 24. Juni. In daS Gebiet des un- sreiwilligm Humors gehört entschieden folgender Prolest gegen das dentsch-englische Kolonialabkommen, welcher ans Kolonial- kreisen der guten Stadt Caliv an den'Abgeordneten des 7. Wahl- kreises, Frhrn. W. v. Gültlingc», nach Berlin abgesandt wurde mit der Bitte, denselben den dem deulscheu Reichstag übergebe» zu wollen: „Gegen den dnitsch-englischen Vertrag, welcher für Tausei, de noii denlsch-oslasrikanischeii Quadratuieilen englische Sympathien zu verhandeln sucht protestiren Dr. med. Eberhard Müller und Gen., Mitglieder deS Deutschen Kolonialvereins in Caliv, wohl wissend, dap 6 Wochen nach Waterloo England gegen die angc- strengtesten Benlühungen des prenß. Königs und des Kronprinzen »oii Würlteinverg Elsaß den Franzosen übergab." Der koloniale Koinlueutar zu diesem Protest aber lautet:„Tie Einsender dieser Erllärung können nicht hoffen, daß dieselbe von Einfluß sei» werde anf den merkwürdigen Vertrag, den Teutschland, derzeit im Besitz von 1/500 der Erde, abschließt mit England, das schon vorher t/6 aller fünf Kontinente besitzt und den» jetzt noch 30 000 deutsche CUmdralineilcn übergeben werden, aber sie wollen nicht stumm daS dulden, was sie nicht—«- appelliren an das Gewisse......, Es ist sicher sehr achtens, verth von den p. x. Müller nnd Gen., schreibt hierzu der Stuttgarter„Beobachter", daß sie nicht stumm etwas dulden wollen, was sie nicht ändern können, und ,vir bitten sie dringend, sich diese schönen Gefühle auch ferner zu i>«, vahren. Daß sie aaer ihren Nsichot.igS-Abgeordiietcn in die Verlegenheit bringen, diesen originellen Protest gegen den„merk- würdige» Vertrag" dem Reichstag übergeben zu sollen, das ist ivieder sehr wenig hübsch und etwas unvorsichtig; denn eS wird einer großen Geschicklichkeit bedürfen, um sich gut aus dieser Affaire zu ziehe», und nichts berechtigte die Einsender zn der verletzenden Meinung, daß Herr v. Gnlrlinge» dazu der geeignete Mai», sei... Wie wird dem Deutschen Reichstag jetzt das „Gewisse»" schlagen! Däne mark. o p e N h a g e N, de» 23. Jnni. Vor einigen Tagen ist hier der vierte s o z i a l d e in o k r a t i s che Kongreß eröffnet worden. Ter erste wurde 1876, der ziveite im solgenden Jahre und der dritte im Sommer 1688 gehalten. Nur die Tele- girten des„sozialdemokratischen Verbandes" nehmen an den gegenwärtige» Verhandluiigen Theil. Im Kongresse sind 34 Ver- Italien. lieber neue A r b e i t e r u n r u h e n in Italien liegt fok- gende augettscheinlich stark zu Ungunsten der Arbeiter gefärbte Depesche des„W. T. B." vor:„Rom, 2«. Juni. Wie aus Favara(Provinz Girgenti) gemeldet wird, kam es dort am Johannistage zwischen etwa 3000 Arbeitern der dortigen Schwefel- grübe, welche weaen der ilnbrnv-,»->"->»■-- t ________ y•»»'»v _____________,„ei Polizei zu einem Handgemenge, bei welchem drei Gendarmen und ein Unterlieulenam verwundet wurden. Die streikenden'Arbeiter steckten das Gebäude des Bürgerklubs in Brand; etwa fünfzig Männer und Frauen wurden verhaftet."— Es ist sehr auffällig, daß die Depesche die Ursache des Haiidgemenges zwischen Polizei und Arbeitern nicht nennt, und ebenso bedenklich ist es, daß die Zahl der Verwundeten oder gar Gctövteten auf Seiten der Arbeiter nicht genannt ivird. Der gesammte G e m e i n d e a u s s ch u ß von Rom hat mit alleiniger'Ausnahme von Menott, Garibaldi demissionirt. In der Sitzung kam es zu äußerst turbulenten Szenen, dje das „B. T." schildert:„Nachdem der Bürgermeister unter dem Aus- druck der Entrüstung über das von der Regierung gegen die Würde Roms unteriiomniene Attentat die Demission des Ge- meindeausschuffes angekündigt hatte, sprachen niehrere Redner, darunter auch der Exminister Grimaldi, aus das Heftigste gegen die Regierung,. welche die Hauptstadt vergewaltigen nnd erniedrigen wolle. Die einzige Autioort der Stadt- Vertretung auf diese Beschränkung ihrer Autonomie könne nur ein Rücktritt in Masse sein. Diesen Worten folgte � Sroßcr Beifall. Darauf erhebt sich Menotti Garibaldi, dessen nntreten für die Regierung einen wahren Orkan deS Unwillens entfesselt. Garibaldi, der stürmisch ausgepsiff'en wurde, wollte sich bebend vor Wuth aus das Publikum stürzen, wurde aber noch niit Mühe und Roth zurückgehalten. Gleichzeitig entstand unter Theilnahme mehrerer Gomelnderäthe in dem Saale eine fürchtcr- liche Balgerei, die noch gewürzt wurde durch witdes Kampf- geschrei und gegenseitige Beschiutpfungen der beide,» Parteien. In diesem Augenblicke wirst Vasallo, der Direktor des Blattes„Don Chisciotte", einem Redakteur des„Kapitan Fra- cassa" ein Tintenfan an b-n 0-, i.....' H........, iarvalieur oes„Kapitan Fra- ein Tintenfaß an den Kopf, was Letzterer damit erividcrt, daß er in wilder Wuth dem Gegner ebenfalls alle Tintenfässer iind Sandbüchsen ins Gesicht schlendert, deren er habhaft werden kann. Vasallo wird blutend und mit Tinte übergössen hinaus» geführt, während im Saale die ganze Hölle los ist. Tinteusässer und Sessel fliegen durch die Lust, und ein anderer Redakteur des ..... B..,,.. cmiuj uis«Ufr, und ein anderer Redakteur des ........... �-v. vw.*.wii|u;uiuo, verzetl IM Besitz �Don ChiSeiotte". prügelt sich Mit dem Herzog Serinoeta Kerum, der Eroe, abschließt mit England, das Ichon vorher ,vobei es tüchtige Kopiyiebe setzt. Jetzt dringt die Gendarmerie st Kontinente besitzt und dem jetzt noch 30 000 deutsche Troulpetengeschmett« in den Saal; aber der Bürgermeister .eben werden, aber sie wollen mclst stumm kouiplimentirt sie nicht eben höflich wieder hinaus und die Sitzung nicht ändern können, sie wollen wenigstens tam, endlich bei allseitig abgekühlter Temperatur gegen Mitter- vissen des deutschen Reichstags. nacht zu Ende gehe». Das Resnttat war, wie bereits gesagt, die r achtensivertb von den v." Müller und Demisston des gesammten Gemeiiideraths, so daß die Hauptstadt daß ge nicht Italiens ohne Ätunizipalveetretniig ist. Das Kapitvl war übrigens können, und den ganzen Abend hindurch von Geudamene und Militär zernirt gewesen. Pnßlltnd. Die Londoner„Aflg. E." meldet:„Es soll sich bestätigen. daß im G a t s ch i n a- P a l a st direkt unter den vom Zaren' be- wohnten Gemächern eine Mine entdeckt worden sei. Es heißt, in amtlichen Kreisen herrsche ein»vahrer Schrecken infolge der Jnforinalion,. daß eine'Anzahl Nihilisten, die bislang im Aus- laude eine Zuflucht gesucht haben, in der Hauptstadt anwesend sei. In Warschau wurden jüngst anläßlich einiger Verhaftungen Schriftstücke konfiszirt, aus deneu erhellt, daß der nihilistische Vollzugsausschuß sich wieder gebildet hat und daß der Nihil is- »mS in Rußland wie im Auslände weit verzweigt sei. Es solle» sogar einige Palastveamten verhaftet worden sei». An allen Grenzen wird die strengste Wachsamkeit geübt."— Wie nia» dem „Daily Ehrouicle" aus Petersburg tekegraphirt, erklärt die Peters- burger Polizei jetzt die Verhaftung von Nihilisten in Paris sur eine— Erfindung. Theater. Freitag, den 27. Juni. Gpernlinus. Lohengrin. Kchnuspielhans. Die Qmtzow's. Berliner Theater. Gräfin Lea. Deutsches Theater. Der Kompagnon. Friedrich-MUHelinftüdt. Theater. Der arme Jonathan. Mallner- Theater. Mamsell Ni- touche. Niktoria-Theater. Stanley in Afrika. Ästend- Theater. Heinrich Heine. Vorher: 1733 Thlr. 22V2 Sgr. Kelleallianre- Theater. Der Nau- tilus. OroU's Theater. Die Favoritin. Aanfmann's Dariötö. Große Spe- zialitäten-Vorstellung. Lllglisedsr Krartko. Direktion: v. Anckrvsv, Alexander- strahe 27 o. Auftreten d. Liedersängerin Frl. Lisino v. Auftreten des Gesangshumoristen Herrn •lollSL. Auftreten des Komikers, Mimikers und Stimmen-Jmitators Herrn KoSicKo. Auftreten der Geschwister Herzog. Auftreten des musikalischen Sieger- Klown Mr. de Dells. EtMlMllt Buggenliagen am KoritrplatZa Täglich: Grosses Garten-Coneert. Direktion A. Uödiuan». Dienstag und Freitag: Valzer-lidend. Veolieotsgs 10?lg., -Lmll cc Seim- und Pesttags 25 Pfg. Bei ungünstiger Witterung in den unteren iliestaurationsräumen. Großer Frühstücks- und Mittagstisch. Spezial-Ausschank von Patzenhofer Export-Bier, Seidel 15 Pf. Die oberen Säle bleiben bis auf Weiteres wegen Renovirung geschlossen. «11 F. RlUllcr. Passage 1 Tr. 9 Uhr M. b. 10 Uhr Ad Kaiser-Panorama. Hervorrag. Sehenswürdigk. d. Residenz. Eine Wanderung durch Dom. Eine bequeme Z'.heinreise. Eine Reise 2t) Pf., Kind nur 10 Pf. Abonnement 1 M. Nheikliiildislhtr TNncl, I gen.:„Die ftdrlr Uagellriste", Berlin U., Elsasserstraße 73, gegenüber der Bergstraße. Im Lokal photo graphisches Atelier zur Benutzung.— Jeder Gast, auch wenn derselbe nur für 10 Pfennige verzehrt, wird gratis phchiwliiiit ( und erhält sein Bild sofort als Gratispräsent. Höchst scherzhaft! H. Schnitze(mit'n Ii). Äinzige Keller-Dhotographie der Welt. 1910 Allen Freunden und Genossen empfehle mein 1802 > u. Bckisch-Vitt-LM. Gustav i�unze, 19. Kürassierstrasse 19. 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Auspolstern von Sophas und Ma- trotzen wird prompt und billigst besorgt Ein tüchtiger Gesanglehrcr, welcher w Ewnd- MW>>°w.<>- stunde abzuhalten, kann sich melden Prinzen-Allee 39 bei Gleiße(Restaur.) Generalversammlung kl Btrdiiä pc WchntW der Interessen der Mrierttdeiter und verwandten Srrufogcnosse» am Sonnabend, den 23. d., Abds. 8 Uhr, in Deigmüller's Salon, Alte Jakobstr. 48a. Tages-Ordnung: 1. Beschlußfassung über die Abänderung des Arbeitsnachweises. 2. Erfatzivahl des Vorstandes und der Rechtsschutz-Kommission. 3. Vercinsangelegenheiten und Verschiedenes. Neue Mitglieder'werden in der Versammlung aufgenommen. Mitgliedsbuch lcgitimirt. Es ist Pflicht eines jeden Veceinskollegen, in dieser Versamm- lung zu erscheinen. 21L6 Drr Dorstand. Große öffentliche Versammlung aller lliAusesllsnsg'Berlias am Freitsg, den 27. Juni, Abends 9 Uhr, in„Feuersteiu's Salon", Alte Jakobstraße 75. Tages-Ordnung: 1. Der Werth der V5ewerkj'chafto-Ko»»gresse. Refer.: Tb. Glocke. 2. Endgiltige Beschließung über die eventuelle Beschickung des Kongresses in Hannover. 3. Die Veruntreuungen in unserem Berufe, deren Ursachen und Wirkungen. Ref.: Aug. Kuhntke. 4. Verschiedenes. 2157 Um recht zahlreiches Erscheinen bittet 0. Vlemer, Jüdenhof 7, 1. Oa�osse| des Ällgem. Arkeiteriunenvereins sämmtl. Beruf szweige Berlins und Umgegend(Filiale III, Rixdorf) am Sonnabend, den 23. d., Abds. 8V2 Uhr, in Holfniann's Lokal, Bergstr. 133. Tagesordnung: 1. Vortrag des Stadtv. Herrn Hclndorl. 2. Diskussion. 3. Aufnahme neuer Mitglieder. 4. Verschiedenes. Herren und Damen als Gäste haben Zutritt. Zur Deckung der Unkosten findet Tellersammlung statt. Nach der Versammlung gemüthliches Beisammensein.— Um recht zahlreiches Erscheinen bittet Die Bevollmächtigte: Fr. Eritschke, Göthestr. 3. Cr. öjsentl. StemeBersamlW am Freitag, den 27. Juni, Abends 9 Uhr, in Domack's Salon. JoHannisstr. 20. Tages-Ordnung: 1. Abrechnung vom Bunzlauer und Wiesbadener Streik. 2. Abrechnung vom 1. Mai. 3. Verschiedenes. 2140 Es wird gebeten, sämmtliche Quittungen mitzubringen. Der Einberufer: A. Hempel, Müllerstr. 3, III. Montag, den 30. d. M., Abds. 8 Uhr, im Restaurant Litdlcke, Amendestr. Große Volksversammlung. T.-O.: 1. Vortrag des Reichstags- Abg. Herr P. Tutzauer über:„Die Errichtung von Gewerbegerichten und die Stellung des Reichstags zur Regie- rungsvorlage". 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. 2103 Zur Deckung der Unkosten Entree nach Berlin. Um zahlreichen Besuch bittet Der Einberuser: Ad. Thal. Große öffentliche Versammlung per Berlins h. Mg. am Montag, de» 30. Juni, Uachm. 5 Zthr, im Konzerthaus Taussouci, Kottbuserstr. 4a. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Stadtv. Hrn. Uewdork über:„Unsere heutige wirthschaft- liche Lage. 2. Abrechnung deS'Generalfouds und Neuwahl der Vertrauens- münner. 3. Verschiedenes.— Zur Deckung der Unkosten findet Tellersammlung statt. Ter Einberufer: H. Sickert, Skalitzcrstr. 54a. NB. Sämmtliche Kollegen, welche noch Marken zum Vertrieb haben, werden hiermit aufgefordert, dieselben spätestens bis Montag, den 30. d. M., an die Vertrauensmänner abzuliefern. 2165 Haiiuryer Maurerl Alle in Berlin arbeitenden Hamburger Maurer werden dringend ersucht, am Sonntag, den 29. Juni, Vormittags 10 Uhr, Puttkamerstr. 13(Schutzes Restaurant), zu er- scheinen. Alle Berliner Maurer werden gebeten, selbiges den Hamburger Maurern zu unterbreiten. 2iss F. Limmer. A. Sachse. Hamburoer Zimmerer, welche hier in Berlin arbeiten, werden dringend ersucht, Sonntag, den 29. Juni, Vormittags 10 Uhr, Bergstr. 60 (Hilgenfeld's Restaurant), zu erscheinen. Alle Berliner Zimmerer werden gebeten, selbiges den Hamburger Zim- merern zu unterbreiten. 2101 H. Ortland. HßwHB'S-S'r'Bis-Brreiiim empfiehlt Vereinsstempel, Quittungsstempel b(ivätUi G. aiaacaaEaBj Medaillonstempel mit Lassalle, Bebel, Lieb- � 9, Krunnrnstrasie 9, knecht u. a. m. zu ermaß. Preis. Monogramm- Schablonen, Thürschilder, Gravirung von Inschriften. Entwürfe gratis sofort. Wieder vorräthig: PROTOKOLL des Altemimckk MeiterkMgrW zu V Qvis. abgehalten vom 14. bis 30. Znli 1889« Deutsche Uebersetzung. Mit einem Vorwort von Äfilkelm Liebknecht. 140 Seiten. Preis broschirt 50 Pfennige. Zu beziehen durch unsere Expedition, Beuthstraße 3. Wirdrrverkäufer erhalten Rabatt. Complet in 15 Lieferungen ä 20 PI. W iederverkaufern Rabatt. Zur gesi. Keachtimg! Sonnalionck, den 28. Juni er., II. Stiftungsfest des Gesangvereins Lorbeerkranz im Etablissement Giysiuur, Landsberger Allee 39/41, verbunden mit großem Garten-Konsert und Ball, zum Besten des arbeitsunfähigen Webers Hrn. Pllken- roth.— Billets ä 20 Pfg. sind bei sämmtlichen Mitgliedern und in den mit Plakaten belegten Handlungen zu haben; an der Kasse 25 Pfg. 2144 Die Kaffeeküche ist geöffnet. Abends 10 Uhr Kinderfackelzug. Alle Freunde und Gönner ladet freundlichst ein Las Pest-Komitee, Fachvercin der Tischler _ Borlins und Omgogcnd. Weisseisee.ü Sonnabend, 28. Juni, Abends 8 Uhr, in Dewein's Salon, Kömijs-Chaussee: Versammlung. Tagesordnung: 1. Der Werth einer gewerkschaftlichen Organisation unter den heutigen Zeit- Verhältnissen. Referent: Th. Nlockte. 2. Ernennung eines Bevollniächtigten und eines Schriftführers für Weißensee. 3. Verschiedenes und Fragekastcn. Gäste haben Zutritt.— Neue Mitglieder werden ausgenommen. 2164 Der Vorstand. Allgemeiner deutscher Sattlervcrein. MitgUedscliaft Berlin. Sonnabend, 23. Juni, Abends SVs Uhr, bei Beyer, Alte Jakcbstrasse 83: Versammlung. Tagesordnung: I. Gewerkschaftliches. 2. Verschiedenes. 3. Fragckasten. 2173 Der Vorstand. Wtöhel, Spiegel und Polsterwaaren. Ganze Ausstattungen empfiehlt Moritz ßläser.? 107, Rcichenbergerskr. 137. Reste v.Zl/e— 5 Meter spottbillig.| Emil Iiefßvre, Granienstr. 158. Proben franko! 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Mit andern Ausgaben, die von verschiedenen Seiten in den Handel kommen, hat der Unterzeichnete nichts gemein. Hochachtungsvoll .1. II. W. Dietz in Stultsrart, 1 Killige Mohnungen mit Kloset u.Wasserl., 50—72 Thlr., sofort oder 1. Oktober, Rirborf, Rrinx Handsertzstr. 50. 2102 I Freundl. Schlafstelle mit fep. Eing. Leipziger Platz 14, H. r. 3 Tr. b. Hamnlczir. Schläfst, f. M. Britzerstr. 36, v. 2 Tr. r. Junger Genosse sucht einen Theilhaber zum niobl. Zimmer(9 M.) Qranien- straße 187, v. 3 Tr. b. Reibe. 2072 Arheitsiiliirtt. Tüchtige zZair» Stuliiateure zum Ziehen und Ansetzen sofort gesucht. P. Henseler, ZZrrodrn. 2156] Güterbahnhofstr. 10. Tüchtige Arbeiterinnen a. d. Hause aus Knarensachen verlangt Martin, Wrenerstr. 17, pari. 2133 S übern. Ad. Hoppe, Charloltenstr. 84, W- Vcrantivortlicher Sicdakteur: Curt Kaakr in Berlin. Druck und Verlag von Mar Kading in Berlin SVi„ Beuthstraße 2. Hier«« zwei Heitagr»' Nr. 146. Freitag, de» M. Juni 1890. 7. Jahrg. PovlomeniteCrccIdife. Deutscher Zirichstag. 27. Sitzung vom 26. I u n i, 12 U h r. An» Tische des Vundesraths: v. C a p r i v i, v. M a l tz a h», t\Boetticher,vonVerdy, von Stephan und Kom- vussarien. Die zweite Berathung des LI der Militärvorlage wird fortgesetzt. Abg. ZJayrr(Volkspartei): Die Lage des Reichs zwingt uns zur Sparsamkeit und deshalb werden wir, ivie gegen die oft- ainkanischen Millionen, so auch gegen diese Vorlage stimmen, wenn uns nicht Erleichterungen gewahrt werden. Die thatsäch- lich angebotenen Erleichterungen sind nicht genügend, sie stellen vielmehr nur ein Danaergeschenk dar, hinter dem sich iveitere «rschwerm gen verberge». So billig geben wir unsere Zustiin- Wang nicht her, dadurch würden wir uns den ganzen Markt verderben. Auch die Frage der Nothwendigkeit der Vorlage wich ich trotz aller Darlegungen in der Koimnission und iin Plenum verneinen. Bei dem Streit darüber, ob in der Koni- wission die Nothwendigkeit an sich allseitig anerkannt ist, hat llch gestern herausgeftellt, dast die vermuthete Einheitlichkeit darüber in der frommission nicht vorhanden gewesen ist. Tie Regierung verlangt von uns den Beweis, dap die Vortage nicht»olhwcndig sei, bisher ist aber die Beweislast noch tinmer der Regierung zugefallen. Ter Beweis, den der Kriegs- winister an unserer Stelle gegen die Vorlage erbringen wollte, war allerdings nicht genügend. Tie Regierung scheint� anzunehmen, wenn sie uns nur von dem Fortschreiten der Rüstungen '» anderen Ländern in dem Mas-e, wie sie behauptet, überzeugt har, so sei damit auch die Nothwendigkeit der Vorlage sür uns bewiesen. Wenn auch die in der Kommission gegebenen Zahlen und die Rüstungen anderer Länder unantastbar sind, so beweist das noch nicht, daß es sich sür uns empfiehlt, die Vorlage anzu- uehmen. Die Regierung behauptet, daß sie auch Rücksicht auf die Finanzlage und die allgenieine Wohlfahrt des Reiches nehme und deshalb nicht mehr gefordert habe. Air meinen auch, daß die Rüstungen anderer Länder allein nicht waßgebend sind, sondern auch die finanzielle Lage beriicisicht'.gt Werve» muß. So viel Mühe die Militärverwaltung sich auch zu Gunsten der Vorlage gegeben hat, so hat der Kriegsminister und fei» Generalstab sich, wenn die Vorlage angenommen wird, diesen Sieg nicht allein zuzuschreiben. Tie Annahme der Vorlage wird viel weniger durch die Vorlegungen der Militärverwaltung, als durch politische Erwägungen herbeigeführt, welche mit der Vor- selbst nichts zu thun haben.(Sehr richtig! links�)-bcr «chatzsekretär tröstet uns mit dem allgemeinen Monient: So arm Yt das Deutsche Reich doch nicht, daß es die lS Millionen jähr- »ch und die 40 Millionen einmalige Ausgaben nicht beivilllgen konnte. Ans die einzelnen Millionen kommt es allerdings nicht ""'wohl aber auf die Addirung der Millionen, und die addirten Milnonen werden schließlich über unsere Kräfte hinausgehen. Man verweist uns auf die Finanzkrast der Einzelstaatcn und ans die Einnahmen aus de» Gelreidezölleu. Wenn aber oie Getreidezölle infolge der Erntcvcrhältuisfe einmal geringere Annahmen tiefe»».»nässe» die«Nrreil schärfer heran- gezogen und neue Steuern geschassen werden. Ich glaubte Ins- her immer, daß die Konserrativen vom landwirthschasilichen Ctandpunkle aus sür die Gctreidezölle als Schuhzölle eintreten, weil die Landivirlhschaft diesen Schutz nicht entbehren könnte. Wenn sie aber jetzt diese Zölle auch dann, wenn dieser Schutz Vicht mehr nöthig wäre, ausrecht erhalten wollen, so stellen sie fich auf einen schlimmen Standpunkt. Wehe dem Staate, der in seiner finanziellen Lage schon so weit gekominen ist, daß er Steuern bei- beHallen zu müssen glaubt, welche nur dann erhebliche Erträgnisse abwerfen, wenn es dem Lande schlecht geht, und wenn bereits durch natürliche Verhältnisse eine Vcrtheuenmg des Brotes herbeigeführt ist.(Sehr richtig! links.) Wer die Vorlage bewilligt, wllp auch neue Steuern bewilligen, und nicht blos im Reich, son> der» auch in den Einzelstaaren. Die Neberiveisungen an die Einzelstaaten haben zwar jetzt eine unerhörte Höhe erreicht, und es herrscht in den Einzelstaaten augenblicklich ei» scheinbarer Wohlstand, wenn aber die Einzelstaaten nicht äußerst vorsichtig sind und Ausgaben in der Hoffnung ans Stabilität der hohen Ueberiveisungen mache», köiinen sie später in eine schlinime Lage kommen,!denn wer weiß, wie hoch die Ueberweisungen sich künstig stellen? Tann sind die Einzelstaaten zu neuen Stenern gezwungen. Tie Finanzminister der Einzel- ftaaten, welche dann für die Mehrsordernngen auszukoininen haben, kann man nur als das traurige Opfer dieser Politik bc- Zeichnen. Es ist behauptet, daß die Zukunfsplüne de- Kriegs Ministers, die der Reichskanzler nur persönlich kennt, nur de-- halb eine Beunrnhigliiig hervorrufen konnte», weil uninlttetbar »ach den Kommiffionsverhandliliigen die Ferien eintraten und die Presse sich inzwischen in maßloser Weise dieier neuen Zuknuflspläne bemächtigt hat. Aber diese Pläne erivecten selbß »ach den gestrige» Ausführungen des KricgsmiiiiltcrsVennruhlgnng, ü»d es in ein schlimmer Trost, wenn man sagt, daß die Vortage Mit den Zukiinftsplänen nichts zu thun habe. Wir� können doch nicht den Kopf in den Sand steclen, sondern nniffcn der Regimnig die Ehre anthn», daß wir, wenn sie uns sür dfe Zukunft etwas M Ansfichl stellt, Erwägungen daran knnpsen Tieie Vortage in ber~"V',U;l—.......... (£m,, die Znknujtspläne. Ter Kriegkministcr hat große li-fi c\ dIC lurScharnhorst'scheJdeen; aber von einer Diirchführiing > t ee» kann bei der fetzigen Organisation nicht die Rede sei». cT� Vt man denn, daß Scharnhorst beabsichtigt habe, durch seine Vnrl'' Finanzlage übermäßig zu erschiveren? Daß bei der ..A5e, betreffend die Beamtenvesoldnngserhöhungcii, von mili- .Richer Seite sofort der Versuch gemacht worden ist, die Offizier- ä,? t 311 erhöhen, stimmt wohl Siiemanden günstiger für die Nah des Militärgesetzes; und wenn auch die Koinmission K» einstimniig abgelehnt hat, auch nur i» die Bcralhng dieser « roernng einzugehen, so steht doch fest, daß die Militärvcr- v''Uun0 für geboten erachtet hat, auch diese Gelegenheit nicht n, vergehen zu lassen, etwas für das Heer herauszuschlagen. � a° zeigt, daß ter Biilitärstaat bei uns mehr und mehr bei jedem k. wü zum Durchbruch kommt, und fehlte nock ein Beiveis dafür, e>.Wben ih» die Aeußerungen des Herrn Generals Vogel von !oe, stei" erbracht. Herr Bebel hat den General niißverstanden, »iiifrfr r �'uiahm, daß der Letztere das Kaserncnleben überhanvt in'nWeßlich der Behandlung der gemeinen Soldaten als das Leben keit Ferienkolonie geschildert hätte; der General hat die Aehnlich- nur darin gesunden, daß in beiden eine überreichliche stattfinde, ivelche auf den Ernährnngs c>,. üur vurcu> vMverpfleguiig auf„ einen so günstigen, daß er iustän»' xD!"".—»............. zu der«»Dunstigsten Einfluß habe,.......---------, �klan, ,» Rchauung gekommen ist, daß die Erhaltung und Fort- sonder,,? unserer Masse wesentlich von dem nicht bloß zwei-, teil linfs,!ll�r'9en Aufenthalt in der Kaserne abhänge(Heiter- der.mng ja„„n wirklich Landestheile geben, in denen 'n de» Ldrungszustand ein so armseliger ist, daß die Ernährung alz eine{ r'"r Einzelne als eine ausnahmsweise glückliche, Wirkend- für ganzes Leben, nicht bloß in der Erinnerung nach- jit, ilat'�scheint. Giebt es solche Landestheile, dann � die Rechte und das Zentrum, ob wir verantworten könnten, der dortigen Bevölkerung, deren Ernährung so über alle Maßen armselig ist, die nothwendigen Lebensmittel zu vertheuern, schon jetzt das Dogma aufzustellen, daß an Verbilligung des Brotes durch Herabsetzung der Getreidezölle nicht denken ist. Aber welches Recht hatte der Herr General, gencralisiren? In Süddcutschland und wohl im größten Theil des Deutschen Reiches ist es ficher nicht so schlimm mit dem Wohlstand der Bevölkerung bestellt. So arm sind da äußers Wenige, daß sie ihrer ArmutH nicht auch noch das abringen kön nen, was nothwcndig ist, um den Söhnen in die Kaserne ge sendet zu werden, damit sie von der Eintönigkeit des übermäßigen Flcischgennsses sich einigermaßen erholen können.(Große Heiter keit.) Was die verlangte Drucklegung der beide» Konnnissions reden des Herrn Generals anbelangt, �so scheint da doch eine Ver wechselung vorgegangen zu sein. Tie erste Rede, von der man fast gar nicht mehr spricht, ist gedruckt worden, die zweite, die einen furchtbaren Erfolg gehabt hat, von der man noch in späte- ren Jahren reden wird, kommt bloß im Wege der mündlichen Ueberlieferung zur Verbreitung, und da wollte ich sür diese letz tere auch meine» bescheidenen Theil dazu bcilragen.(Heiterkeit.) Wir haben uns der Vorlage gegenüber durchaus nicht rein negativ verhalten; wir waren bereit, auf sie einzugehen, aber gegen eine Gegenleistung, die wir nur in sehr bescheidenem Maße verlangt haben. Tie Frage der einjährigen Bewilligiing ist schon ausreichend erörtert ivordcn. Wenn in der That das Septennat die Bedeutniig hat, daß auf 7 Jahre ini Wege der Vereinbarung die Friedenspräseuzstärke festgestellt worden ist, dann ist eine Vorlage, welche eine Erhöhung dieser Präsenz bezweckt, an rnid sür fich die Negation dieses Septennats. Was würde die Ver- waltung sage», wenn»vir innerhalb des Septennats nut einem Vorschlage aus Herabmiudcrung der Friedenspräsenzstnrke kämen? Man würde uns, wenn auch nicht gerade direkt, des Verfassungs- braches beschuldigen. Mit der Forderung der einjährigen Be- willigung verlangen wir nur, daß auch von der anderen Seite anerkannt wird, daß der bestehende Rechtszustand thatsächlich bereits dnrebbrochen ist. Nun heißt eS, man wolle die parla- mentarische Macht erweitern, man wolle es auf eine parlamen- tarische Kraftprobe ankommen lassen. Seit 14 Jahren befinden wir uns ausschließlich in der Defensive. Von Jahr zu Jahr sind wir weiter vom konstitutionellen Machtstandpuukt zurückgedrängt worden. Das Wort von der parlamentarischen Kraftprobe ist ent- weder eine Reminiszenz aus früherer Zeit oder ein bitterer Scherz mit den Thatsacheu. Sehen so die Parlamente aus, nut denen man Kraftproben gegen die Rcgicrnng unternehmen kann?(Große Heiterkeit.) Die zweite Gegenleistung, die Forderung der zwei- jährigen Dienstzeit, hat wenigstens einen politischen Beigeschmack nicht mehr, und volkswirlhschastlich steht hier'Anschauung gegen Anschauung. Ich bin nicht in der Lage zn behaupten, ob das einzige von den 240 militärische» Gutachten, welches sich für die zweijährige Dienstzeit aussprach, auch das einzig sachverständige gewesen ist. Gewiß sind anch die übrigen Verfasser Sachvcr- ständige im Sinne von ihrem Standpnnkte aus gewesen. Auf unserer Seite aber stehen alle die Hunderttausende, welche das dritte Jahr gedient haben und welche das dritte Jahr als sür die Ausbildung überflüssig erklären. Das Institut der Einjährig- Freiwilligen beweist, daß man auch in kurzer Dienstzeit zu hoher Ausbildung gelange» kann. Ein kaiserlicher Erlaß vom 20. März bringt zum Ausdruck, daß die gesteigerte Bildung unseres Volkes ermögliche, diejenigen Kreise iveiter zn ziehen, ans welchen der Ersatz sür das Ossizierkorps zu wählen sei. Sollte diese gesteigerte Bildung an der angegebenen Stelle Hall machen? Sollte sie auch nicht den übrigen Klassen die Möglichkeit geben, eine raschere Ausbildung zu erreichen, als es ungebildeten Rekruten gegenüber möglich ist? Selbst nach Herrn v. Bennigsen ist die Herabsetzung der Präsenzzcit eine der populärsten Maßregeln im ganzen Deutschen Reich; Herr Windthorst hat betont, daß mit elementarer Gewalt das Verlangen des Volkes dahin dränge. Tie Zehntausende von Petitionen, welche z. B. allein aus Württem- berg ohne jede Agitation bei uns eingelaufen sind, müssen uns davon überzeugen, daß diese Herabsetzung vom ganzen Volke ge wünscht wird. Auch der Herr Reichskanzler hat sich nur„zur Zeit" gegen die gesetzliche Einsühruug erklärt; ich entnehme daraus, daß selbst die oberste Verwaltung den Gedanken nicht von sich weisen kann. Der Zeitpunkt, wo diese Forderung des Volkes ins Leben tritt, wird meiner Meinung nach nicht mehr so fern sein. Ich befürchte nur und will das jetzt schon aussprechen, thcuer wird es sein, wenn sie einmal durchgeführt werden soll. (Sehr richtig und Heiterkeit rechts.) Wenn ich die 6000 Mann, die jetzt mehr beurlaubt werden sollen, mit den Kosten der Vor- läge vergleiche, dann kann ich mir ungefähr vorstellen, was die Herren verlange» werden, wenn die Maßregel allge- m.ein durchgeführt werden soll. Aber das Verlangen ist trotzdem berechtigt, und über den Kostenpunkt werden wir uns dann mit den Herren auseinanderzusetzen haben. Was die Windthorst'schen Resolutionen betrifft, so bilden sie für die Annahme der Vorlage ein genügendes Aequivalent nicht; im Gegentheil, wenn wir durch Veriverfung der Resolutionen auch die Borlage zu Fall bringen könnten, würde ich mich keinen Augenblick besinnen. Das ist aber nicht möglich. Ich ,var von Ansang an geneigt, für diese Re- solntionen dennoch zu stimmen, bin aber durch die gestrigen'Ans- fühnlngin des Herrn v. Huene schwankend geworden. Wenn man andere Leute beivegen will, einer Resolution zuzustimmen, welche die zweijährige Dienstzeit verlangt, dann ist es übel angebracht, die Borzüge der dreijährigen zn betonen. Wenn man verlangt, daß einer folchen Resolution seitens der Verwaltung Beachtung geschenkt werden soll, darf man nicht so sehr durchblicken lassen, daß man eigentlich etwas ganz Anderes haben möchte, daß man diese Resolution nur mit halbem Herzen annimmt. In meiner schivankenden Haltung aber � hat mich dann wieder Herr Bebel gestärkt; es scheint mir jetzt doch besser, die Resolutionen nicht unter den Tisch fallen zu lassen. Etivas groß- artig nieinte Herr Bebel, es verstehe sich von selbst, daß'diese Resolutionen nicht migciioinmen werden könnten: Herr Liebknecht hat in der Konimission dafür gesprochen und gestimmt. Ich meine, es wäre in unser aller Interesse gelegen, wenn auch die Sozialdemokraten den Resolutionen zustimmten. Wenn ich der Resolution I zustimme, so will ich damit gesagt haben, daß ich auf dem Boden unserer gegenwärtigen Mililärorganisation eine weitere Erhöhung jetzt und in Zukunft nicht haben will; ich will mich damit nicht darüber ausgesprochen haben, wie ich mich ver- halten werde, wenn die Präsenzzeit herabgesetzt und dadurch eine 'tärkere Einziehung von Rekruten uothwendig wird. Die Re- olntionen sind fast zn bescheiden gehalten, im Styl der Aufrufe in, Jnsoratcntheil der Tagesblätter, welche mit der sausten Bitte schließen, auch die kleinste Gabe wird dankbar angenommen.(Heiterkeit.) Es handelt sich nicht blos um uns, sonder» auch um die, die hinter uns stehen. Herr von Huene hat uns vorgeworfen, daß wir nur Muth ans anderer Leute Kosten haben. Ich meine, er und eine Freunde werden ein erhebliches Maß von Muth nothwcndig haben bei ihrer Abstimmung. Wir lehnen die Vorlage gerade deshalb ab, weil wir sie nicht auf Kosten der Wähler durchgeführt wissen wollen. Die Resolutionen haben einen gewissen Eindruck auf die verbündeten Regierungen nicht verfehlt. Man hat die Thatsache nicht unbeachtet gelaffen, daß ein Theil der nationalliberalen Presse die Annahme der Vorlage an Kompen- sationen geknüpft hat. Man hat wieder allerlei von Auflösung und Verfassungsänderung gesprochen. Die verbündeten Regie- rnngen werden sich nicht verhehlen, daß das Mittel der Auf- lösung, wenn hänsig gebraucht, an moralischer und materieller Bedeutung verliert. Schwindet das Vertrauen in unsere konstitutionellen Zustände, so haben die verbündeten Re- gierungen mindestens ebenso viel zu verlieren, wie die Bevölkerung selbst. Die verbündeten Regierungen verdanken ihre Existenz und ihre Bedeutung der Reichsverfassung. Rütteln sie selbst an diesem Schutz und Hort ihres Be- standes, so haben sie es sich selbst zuzuschreiben, wenn sie wider- standsunfähig werden nach Oben wie nach Unten.(Zustimmung links.) Aber wenn wir jetzt auS Angst die Vorlage annehmen, was dann? Unsere Kraft wurzelt ausschließlich in dem Ver- trauen der Bevölkerung, die uns hierher geschickt hat; und wenn wir dieses Vertrauen nicht rechtfertigen, so sind wir noch wider- standsunfähiger, als es jetzt die Nationalliberalen sind. Diese sind von Jahr zu Jahr widerstandsunfähiger geworden, und sie werden sich von dem Schlage, der sie gelroffen, ihr lebelang nicht mehr erholen. Ter Abg. Windthorst hat die Partei der„Frank- fnrter Zeitung" auch zu Denjenigen gerechnet, welche auf den Nachlaß des Zentrunis bereits ein Auge geworfen haben. Wir können nichts mehr wünschen, als daß das Zentrum durch eine energische, geschickte und geschlossene Opposition sich das Vertrauen seiner Wähler und damit seine Wider- standsfahigkeit erhalte und gerade ich als ein alter Kriegs- kamerad und langjähriger Nachbar des Zentrums habe den berechtigten Wunsch, daß der erste Schritt, den das Zentrun, heute machen wird, es nicht binden möge für die Zu- kunft, daß seine Widerstandsfähigkeit trotz dieses Schrittes erhallen bleibe. Man hat uns davon gesprochen, daß sich über unsere Differenzen hier das Ausland freute. Ja mit Hussah und Halloh wird diese Militärvorlage nicht angenommen, wie es 1867 der Fall war. Die Franzosen haben sich bei ihrer letzten Militär- vorläge auch Zeit genommen. Eine sachliche Prüfung auch vom Standpunkte der Bolksintercssen wird auf das Ausland einen besseren Eindruck machen, als wenn wir ohne weiteres Neberlegen die Vorlage annehmen. Wir dürfen nicht blos aus die einseitigen Anschauungen der Militärtechniker hören, sondern umssen auch auf den Wohlstand des Volkes blicken. Ich meine, daß man dem Volke und uns nicht verübeln kann, wenn wir nach gründlicher Ueberlegung zu der Ueberzeugung komnien, daß es jetzt endlich einmal Zeit ist, Einhalt zu thun, einem System, dessen konsequente Durchführung dazu führen müßte, daß, je widerstandsfähiger wir durch eine Vermehrung unserer Mannschaften nach außen hin zu sein scheinen, desto widerstandsunfähiger wir im Inner» dadurch werden, daß gerade dieses System an de» eigentlichen Wurzeln der Kraft unserer Widerstandsfähigkeit rüttelt.(Beifall links.) Abg. v, Krnnigje»(nl.): Der Vorredner hat den National- liberalen vorgeworfen, daß sie durch ihr Verhalten so weit in der Zahl geschwächt worden feie», daß sie sich schwerlich wieder erholen würden. Das hat ein Mitglied einer Partei gethan, welche früher durch ein Mitglied oder gar nicht hier vertreten war. (Heiterkeit, sehr gut!) Die Volkspartei hat am Wenigsten Ursache, uns einen solchen Vorwurf zn machen. Weiter hat der Vorredner anerkannt, daß die Konzessionen des Reichskanzlers in Bezug auf die Entlassung der Königsurlauber zwar keineswegs ohne Werth, aber nicht ausreichend seien, um die Vorlage anzunehmen. So billig gäbe er seine Zustinunung nicht her, dadurch würde man sich den ganzen Markt verderben. Das sind gewiß treffliche praktische Grundsätze des Korn- oder Viehhandels(Heiterkeit, oho! links), aber ich hoffe doch, daß der deuschc Reichstag bei der Beurtheilung der Fragen, welche mit der Formation unserer Armee und der Einziehung und Ausbildung der Rekruten zusammenhängen, diese von anderen Gebieten her- genommene Methode sich nicht aneignen wird. Bis zum Schluß der ersten Lesung habe ich den Eindruck gehabt, daß die Vorlage, abgesehen vielleicht von Stimmen der Sozialdemokraten und ein- ................. Sozialdemokraten—.— zelner sehr weit links stehender Abgeordneten, von der sehr großen Mehrheit des Hanfes ohne erhebliche Schwierigkeiten würde an- genommen werden. Auch der Abg. Wickert hat bei der ersten Lesung, wo er mehr oder weniger schwerwiegende Bedenken gegen die Vorlage entwickelte, sich sehr wohl gehütet, grundsätzlich die Vorlage abzulehnen; er hat vielmehr sein und seiner Freunde Votum sich für die weiteren Stadien der Bcrhandlungen vorbe- halten. Diese anscheinend günstige Lage hat sich später wesentlich verschoben, und ich kann nicht unterlassen hervorzuheben, daß diese Verschlechterung in der Hauptsache erfolgt ist, nachdem in der Kommission so weitgehende, unbestimmte Pläne über die ige Einrichtung unseres Militärwesens und die Heranziehung Wehrpflichtigen in Aussicht genommen wurden. Die Pläne haben in Deutschland eine zweifellos bedeutende Unruhe und Be- sorgniß hervorgerufen, zumal man, wie der Kriegsminister sehr richtig hervorhob, mit unbestimmten Faktoren gerechnet hat. Hütte es sich um einen bestimmten umfassenden Plan gehandelt, in welchem die Heranziehung aller oder der meisten waffenfähigen Mannschaften zur regelmäßigen Ausbildung enthalten war, so würde das an und für sich auf einen so grundsätzlichen Wider- spruch noch gar nicht gestoßen sein. Aber gerade der Mangel an Andentungen fester Grundzüge, und vor Allem, was die Ans- sührbarkeit des Gedankens allein ermöglicht, an Ausgleichungen, die vor allen Dingen in einer wesentlichen Abkürzung der Dienst- zeit, nach meiner Meinung in der Aushebung der dreijährigen Dienstzeit gelegen sein niuß, hat die Unruhe noch wesentlich ge- stärkt. Ich muß nun sagen, daß in unerhörter Weise diese vagen, unbestimmten Nachrichten im Parteiinteresse ausgebeutet worden sind(sehr richtig! bei den Nationvlliberalen und rechts; Lachen links) von Personen, die doch den Zusammenhang der Dinge nicht kannten. Wenn davon gesprochen ist, daß die Friedens- präsenz künftig mehr als eine Million betragen würde und daß nach diesem angekündigten Plane eine zwei-, drei- und mehrfache Erhöhung sämmtlichcr direkten und indirekten Steuern im Reiche und den Einzelstaaten nöthig sein würden, so konnte das doch von Politikern nicht ernst genommen werden; für die Massen lag allerdings ein sehr gefährliches und erregendes Moment in solchen Zahlen. Man mußte sich doch sagen, daß die Durchführung der allgemeinen Wehrpflicht eine ganz außer- ordentliche Abkürzung der Dienstzeit voraussetzt. Es war natür- lich nicht möglich, das mit auszunehmen in die Publizistik; denn sonst wäre der Nutzeffekt ein ganz anderer gewesen. Die Vertreter anderer Parteien, auch der Freisinnigen, haben nach und nach eine ungünstigere Stellung zu dieser Borlage eingenommen. Zu- nächst wurde in der Kounnission verlangt, daß schon in dieses Gesetz die einjährige Bewilligung anstatt des Septennats auf- zenom>»e» werde, und die zweijährige Dienstzeit sür das nächst- olgende Jahr. Wir haben den Eindruck gewonnen, daß seitens der Vertreter der freisinnigen Partei im Reichstage und auch in der Presse man in dem Augenblick weiter von der Vorlage abrückte, als das Zentrum der Borlage näher rückte; ob das irgend einen psychologischen Zusainmcnhang hat, ivill ich in diesem Augenblick nicht näher untersuchen. (Heiterkeit.) Nun hat der Abg. Richter den Abg. Windthorst sehr angegriffen und gewissermaßen verspottet wegen seiner Haltung; und doch hat die sreistnnige Partei ursprünglich der Vorlage durch miZ nicht prinzipiell ablehnend gegenübergestanden. Sie hat später zwei Bedingungen au die Annahme der Vorlage geknüpft, obgleich der Reichskanzler erklärt hat, daß dieselben von den ver- Kündeten Regierungen abgelehnt würden. Diese Bedingungen waren gleichbedeutend mit der Ablehnung der Vorlage. Von dem Abg. Rickert möchte ich nicht bestimnit behaupten, daß er die Vorlage auch dann ablehnen würde, wenn seine Vorschläge ab- gelehnt würden. Was aber den Abg. Richter anbetrifft, so muß ich sagen, daß die letzten Satze seiner Rede nicht anders zu ver- stehen sind, als daß er seinerseits die Vorlage auch dann ab- lehnt, wenn beide Anträge Bnmbergcr angenommen werden. Er hat gesagt: für das Militär ist genug geschehen, von der Roth- weudigkett dieser Vorlage habe ich mich"nicht überzeugen können; bis hierher und nicht weiter; würde diese Borlage angenommen, so würde für unsere inneren politischen Zustände mehr Unheil erwachsen als unsere Heerkrast gewönne. Das ist nicht anders zu verstehen, als daß von ihm die Vorlage auch abgelehnt wird, wenn beide Anträge angenommen werden.(Widerspruch des Abg. Richter.) Es ist mir sehr angenehm, wenn Sie das jetzt nicht so verstanden wissen wollen. Das wäre der Standpunkt, welchen die Sozialdemokraten zu dieser Vorlage einnehmen. Wie dem auch sei, das Zentrum erscheint den Freisinnigen gegenüber doch in einem außerordentlich vortheilhafteren Licht.(Lachen links, Zustimmung rechts.) Ich weiß ja wohl, daß meine Freunde und auch die Parteien rechtS au| vielen sehr wichtigen Gebieten große Meinungsverschiedenheiten mit dem Zentrum haben, Vteinnngs- Verschiedenheiten, welche zum Theil prinzipiell, vielleicht auch sachlich und praktisch recht schwer zu lösen sind. Das hat aber doch offenbar nicht gehindert, daß wir in den früheren Reichstagen und auch in diesem Reichstage große Mei- nungSgegensätze ausgeglichen haben, und daß nicht erfüllte Forderungen des Zentrums auf wichtigen anderen Ge- bieten es nicht gehindert haben, über große bedeutende Fragen mit anderen Parteien sich zu verständigen und mit diesen und den veroündecen Regierungen zu einem Abschluß zu koinmen. (Zuruf des Abg. Meper-Berlin: Es ist kartellfähig!) Wenn von Seilen der Teutsch>reisinnigcn, wie dieser Znruf es wieder be- weist, das beklagt wird oder versucht wird, wie es in der Presse vielfach geschieht, das Zentrum zu verspotten, so kann das uns hier im Ha.ffe wirklich wenig rühren. Wenn jetzt die Zentrums- fraktion eine so bedeutungsvolle und einflußreiche Stellung im Reichstage einnimmt, von ivelcher es ja einen angemessene», wirk- sa.nen Gebrau. y»nacht und auch gewiß immer machen»vird, aber einen Gebrauch in der Art und innerhalb der Grenzen,»velche eine Verst aidigung mit den verbündeten Regierungen und den übrigen Parteien nicht ausschließt, so ist das eine Thatsache, wclcpe allerdings sehr viel verlorene Liebesiimhe auf Seiten der deutsch, reisinnigen Partei einschließt.(Heiterkeit) Denn die Zentrums, rakuon hat diese so einflußreiche Stellung wie im Reichstage nicht zuin geringsten Theile der euer- gischen Unterstützung der freisinnigen Partei zu danken. Der Abg. Rickert»vill zunächst wissen, wodurch die Mehr-Aus- gaben gedeckt werden sollen. Ich bestreite, daß die jetzige Finanz- tage neue Reichspeuern schon jetzt erfordert. Die L0 Millionen, »velche nach den Darlegungen des Schaysekretärs vorn nächste» ooer zweitnächsten Jahre ad mehr erforderlich sind in Folge dieser Vorlage, der Kolonialpolilik, der Allers- und Invaliden-Versicherung» der Ausbesserung der Beamtenbesoldungen— wenn die letztere Vorlage»n der Kominissioi»sfai,ung angenommen wird, verringert sich jene Sunune sogar noch un» sieben Millionen—, »verde» durch die jetzigen Reichssteuern noch ge eckt, und zivar durch den künftigen Fortfall des Ausfalls an Zuckersteuer im Be- trage von 20 Muliouen und durch 40 Millionen Mehr- Ueber- Weisungen vom Reich an die Einzelstaaten. Die Veränderungen in den nächsten Jahren werden»ms später beschäftigen. Mit diesen 60 Millionen ist in der Presse ein recht grober Unfug ge- trieben»vorden(Lachen links), sie ivurden umnittelbar umgesetzt »n 60 Millionen neuer Stenern und diese wieder in neue Reichssteuern auf die nothwendigsten Lebens- »Nittel. Das dient nicht zur Aufklärung und Belehrung des Publikums, zu welchem Zweck doch die Zeitungen da sind. (Sehr gut! rechts.) Es bringt nur Verwirrung und falsche Bor- stellimgen hervor. Herr Riclert meint ferner, die Belastung in Deutschland auf den Kops der Bevölkerung sei schon so groß, daß man sie nicht»veiter steigern könne, und er hat zum Vergleich die Belastung in England und Frankreich herangezoge»», aver selbst anerkannl, daß ein solcher Vergleich außerordentlich schwierig sei, »veil es sich bei ui»s nicht nur um die Belastung im Reich, son- dern auch in den Einzel,»aaten handle und in England und Frank- reich auch noch Kommunalabgaven hinzukämen. Aus folgendem geht aber mit Rothlvendigkeit hervor, daß die Belastung in Frank- reich und England»vesemlich höher sein muß als bei uns. Tie Ausgaben für Heer und Marine sind in England»ind Frankreich viel höher als bei u»»s, dazu haben beide Länder keinen Staats- Eisenbahnbesitz, die Domänen in England sind ganz unbedeutend gegenüber den deutschen, diejenigen in Frankreich sind viel ge- ringer an Werth und Einkün,ten als die unserigen. Dazu kommt schließlich die Erschöpfung der Finanzen in Frankreich durch den unglückklichen Krieg und die Kriegsentschädigung an n»s, smvie durch die Phhlloxera. Die Anleihen in unseren Einzelstaaten, und wahrscheinlich in hohem Maße auch die Reicheschnld, werden durch unsere Domainen und Staatseisenbahne» gedeckt. Die Schuld in England beträgt zehn Mal und in Frankreich zivei- undzivanzig Mal so viel wie bei uns. Danach muß also die Be- lastung für den Kopf in Frankreich»»nd England viel höher sein, als in Dmtschland. Darum ist aber Teutschland doch nicht so reich, daß die Regierung mit„ngemessenen Forderungen an unS herantreten dürfte; die größte Sparsamkeit liegt im Interesse der Militärverwaltung selbst, denn diese»uuß nicht nur auf die Durch- setzung dieser Vorlage, sondern auch auf den guten Willen der Volksvertretung in allen künftigen Jahren bei»» ge>vöh»Iichen Budget Werth legen. Um uns auf der Höhe zu halten, wird es noch erheblicher, zwar nicht absolut nothwendiger, aber für die weitere Durchbildung unserer militärischen Verhältnisse nützlicher und werthvoller Ausgaben bedürfe»». In dieser Beziehung sind die Erklärlingen des Reichskanzlers und die Resolution 3 sehr erwünscht. Diese Vorlage ist nothivendig durch die Rüstungen Ruß- lands und Frankreichs seit 1887. I» Rußland ist scitven» die Friedenspräsenzstärle um 43 000 Mann, die fährliche Aushebung um 20 000 Mann erhöht; in Frankreich ist»nsolge des Militär- gesetzes vom März 1880,»velches viel»veiter geht, als»vir 1887 desien Wirkungen voraussahen, gleichfalls eine bedeutende Er- höhung der Wehrkraft eingetreten. Selbst nach Annahme dieser Vorlage»vird die Friedenspräsenz bei uns immerhin noch 7000 Mann»veniger betragen einschließlich der Einjährig-Freiivilligen, als in Frankreich, und dieses weniger wird sich, nachdem die volle Wirkung des französischen Wehrgesetzes eingetreten ist, noch airs das Doppelte und darüber hinaus erhöhen. Die Aushebung der Wehrfähigen beträgt in Frankreich nach diese»» Gesetz 220 000 Mairn, bei Beibehaltung der dreijährigen Dienstzeit, welche nur für etiva ein Drittel, für 64 000 Mann, auf ein Jahr beschränkt »st. Bei einer Mobilmachung»vürde Frankreich um 400 000, »nindestens aber um 300 000 Man», stärker sein als wir, und nach 24 Jahren,»venn das französische Wehrgesetz ganz dltrchge- führt ist, sogar um 775 000. Daß»vir uns so stark»»»achen sollten, daß»vir Frankreich und Rußland znsanimen gewachsen seien, das zu verlangen, ist Niemand so thöricht geivesen. Aber unsere Regierung, unser Volk und auch unsere Bundesgenossen können verlangen, daß Teutschland mit einer Bevölkerung von SO Millionen, also 10 Millionen mehr als in Frankreich, jedem unserer Nachbarn in» Osten und Weste» einzeln»nilitürisch vollständig ebenbürtig ist. Besonders bezüglich der Artillerie hat sich unser Verhältmß z»l Frankreich seit 1887 zu unseren Ungunsten verschoben»»»d daher ist diese Forderung das Nothwendigste, um das Mißverhältniß auszugleichen. WaS sonst noch an den» Verhältniß fehlt, müssen»vir durch größere Tüchtig- keit unserer Artillerie anssnllen. Seit 1887 beträgt die Ver- mehruug der Batterien in Deutschland znsanimen 34, und wenn »vir die 70 Batterien dieser Vorlage bewilligen, bleiben wir hinter Frankreich noch immer um 46 Batterien und 127 Batterien Be- spannung zurück,»vas wir durch größere Intensität unserer militärischen Einrichtungen ausgleichen müssen. Der Abg. Bebel meint, die Italiener würden doch einen erheblichen Theil der französischen Armee in Schach halten, und die russische Armee sei gegen Oesterreich engagirt. Allerdings wird die italienische Armee die sranzösische zum Theil lahm legen, aber »nindestens muß ein ebenso großer Theil unserer Truppen im Osten gegen Rußland aufgestellt bleiben. Ich gebe den» Abg. Bebel anHeim, eine kleine Exkursion über die russische Grenze zu niachen.(Zuruf des Abg. Singer: Sie lassen ihn nicht»vieder heraus!) Dann schlage ich ihm vor, inkognito zu reisen, damit er davor beivahrt bleibt, daß seine Reise eine Fortsetzung nach Sibirien erfährt— dort»vird er im Westen Rußlands eine nn- geheuere Erhöhung russischer Truppen finden, und zivar befinden sich diese Truppen nahezu auf mobilem Fuße. Zudcin hat das russische Eisenbahnstistem vom Innern„ach dem Westen eine Ausdehnung geivonnen,— leider zum großen Theil u»»tcr Zu- hilfenahme deutschen Geldes(Unruhe links), von»velcher man sich früher keine Vorstellung machte. Also wird ein Koalitionskrieg mit Rußland und Frankreich inimerhin ein sehr ernster Kampf sein, und wir müssen die äußersten Anstrengungen inachen und die beste Ausrüstung haben. Womit bat man angesichts solcher Lage den Widerspruch gegen oie Vorlage begründet? Man»vill die Vorlage von Bedingungen zi»n» Theil konstitutioneller, zum Theil militärisch-organisatorischer Natur abhängig machen. Ich kann mir allerdings denken, daß man i», Lause der Zeit zu der einjährigen Bcivilligung an Stelle des Septennats kon»i»en wird. Aber wenn man sie in diesem Augenblick als Bedingung stellt, so begreife ich nicht,»vie die freisinnige Partei sie verantivorten kann. Denn mit dieser fällt das ganze Gesetz. Im Jahre 1837 lag nur der Antrag Stauffen- berg auf dreijährige Beivilligrmg vor; jetzt,»vo man innerhalb des Septennats»»»r noch für 3 Jahre und 6 Monate die Präienz- stärke vermehren»vill, haben die Freisinnigen mit einein Male die Noth»vendigkeit der einjährigen Bcivilligung eingesehen. Bei der letzten Beivilligung des Septennats sagte"der Abg. Richter: die einjährige Beivilligung sei das Nichtigste und Normale, aber den konstitutionellen Rücksichten werde hauptsächlich gedient,»venu die Festsetzung nicht über drei Jahre hinaus- geht.(Hört! hört!) Jetzt auf ein Mal aber»vill Herr Nichter das Gesetz ohne die einjährige Beivilligung ablehnen, »venn auch die Nachbarländer noch so sehr rüsten.(Widerspruch links.) Sie haben doch die einjährige Bewilligung selbst in das Gesetz eingeschriebe» und wollen es nur mit"dieser annehmen. Die zweijährige Dienstzeit in das Gesetz aufzunehmen, scheint mir absolut unzulässig, aus dem formellen Grunde, weil es etivas Ungewöhnliches in, eine Verfassungsänderung in ein Spezialgesetz hinein zu bringen, und dai»n hauptsächlich, weil tiekgreiiende organisatorische Einrichtungen der Armee von dein Reichstage nicht in Veroindung gebracht werden können mit der Forderung einer Mehraushebung von 6000 Rekruten. Diese Verantivortcmg kann der Reichstag nicht übernehme»» lind tragen. Wer von uns vermag iin Augenblick die»nit der Einführung der ziveijährigen Dienstzeit nothivendig verbundenen organisatorischen Aenderungen zu übersehen und zu erivägen? Und selbst wen»» die Regier»»ng den Vorschlag annähme und in den folgenden Sessionen die Vor- lagen brächte, uin die durchgreifenden Aenderungen in der Organisation ins Leben zu rufen, wer giebt die Garantie, daß über diese wichtigen Einzelheiten ein Einverständniß zivischen Regie- rung und Reichstag herbeigeführt wird? Nach allen Erfahrungen ist es sehr wahrscheinlich, daß eine derartige Verstä,»digung auf die größten Schivierigkeiten fließe. Wenn irgend etivas geeignet »väre, einen Konflikt auf militärischem Gebiele vorzubereiten, so »väre es dies, daß man die z>veijährige Dienstzeit in das Gesetz aufnimmt und alles weitere,»vas dazu nothivendig ist, in der Schivebe läßt. Eine derartige tiefgreifende Aenderung in der »»»ilitärischen Organisation kann n»ir aus der sachverständigen Initiative der Regierung hervorgehen. Ganz besonders bedenklich ist es, die Aenderung in dieser Zeit vorzunehmen, wo infolge der neuen Präzisionsivaffe, des rauchlosen Pulvers, der dainit ver- bundenen Aenderung der Regleinents für die Ausbildung u. s.»v. viel Zeit und Kraft verbra. cht wird. Wer von uns wagt es z» sagen,»vie viel Zeit diese Umwandlung erfordern»vird? Wer die Verfassungsänderung in das Gesetz aufnimmt, setzt sich leicht über alle diese Bedenken hiniveg. Etivas Anderes ist es aber, wenn»vir gegenüber dem Anivachse» der Lasten im Reichs tind der Abkürzung der Dienstzeit in Frankreich, auch für Deutschland eine'Abkürzung anrcgen. Das ist die Absicht der Resolution Windthorst,»»nd ich halte sie für dtirchniis dankenslverth und sie behält ihre Bedeutung, auch wem» der llieichstag dem Wunsche nicht unmittelbar die Aus- führung folge» lassen kann. In Deutschland ist die Herabsetzung der Dienstzeit unerhört populär.(Widerspruch rechts.) Es sind Blenschen genug, die gedient haben ui»d die Verhältnisse kennen. Nicht blos in den Kreisen der großen Volksniasse, sondern auch »veit in die mittleren und höheren Klassen hinein, hält man die ziveijährige Dienstzeit für eine»vesentliche Erleichterung. Man »viirde in Deutschland sehr erfreut sein,»venu die Militärver- »valtung von ihrem technischen Standpunkt aus nach den pein- lichsten Erivägungen sich überzeugen könnte, daß die Eillsiihrung der z»veijahrigen Dienstzeit»nöglich ist und schließlich»nehr Vortheil als Nachtheil im Gefolge haben»vird. Wir sind den Vertretern der Militärverivaltung außerordentlich dankbar für die jederzeit »»»»s gegebenen technischen und adininistrativen Nachiveisungen, aber einen derartigen volksivirthschaftlichen Exkurs,»vie wir ihn seitens eines Vertreters der Militärverivaltung in der Kvui»»ifsion gehört haben, möchte ich anheimgeben, künstig mit einer gewissen Vorsicht vorzunehmen.(Heiterkeit.) Das Unheil, das dainil angerichtet wird, ist zieinlich groß. Man hat viel- leicht Zustände aus diesem oder jenem Landestheil verallgemeinert, aber daß man es im Zlllgeuieinen in Teutschland als ein Glück und eine Verbesserung der ganzen me»>schlichen Konstitution an- sehen sollte,»venn man ein Jahr lä»»ger in der Kaserne bleibt, diese Ueberze»:gil»g»vird man in der großen Masse unseres Volkes nicht erivecten.(Rufe rechts: Leider!) Die verbiindeten Regie- runge» erklären diese Vorlage im Interesse der bessere» Aus- bildung nnsereis Wehrkraft sür nothivendig und durch die Fort- schritte i» den Nachbarilaaten»vährend der letzten Jahre ver- anlaßt. Wir haben zu aller Zeit anerkannt, daß unsere Militär- verivalt»lng mit der größte»» Sachkenntuiß, den» größten Eifer und voller Hingebung bemüht ist, alle Fortschritte, die ans dem Gebiete des Militärivcscus in anderen Ländern gemacht sind, zu verfolge»», um auch bei»»»s mindestens gleichen Schritt zu halten,»vomöglich den Einrichtungen anderer Länder überlegen z» sein. Wir haben diese Ueberzengring auch in dem vorliegenden Falle. Mit der Vorlage»vird zahlenmäßig noch nicht einnial erreicht, daß wir dem stärksten Nachbar, Frankreich, vollständig geivachsen sind. Aber gerade unsere vorzügliche Militärverivaltung und nnsere intensiv gut ausgegattete Militäreinrichlung läßt es uns als genügend er- scheinen, daß wir den Zahlen»venigslecis so nahe gerückt sind und damit glauben, eine vollkommen gleichmäßige Armee jeden» der beiden Nachbarn gegenüber zu besitzen. Daß»vir eine so voll- konunen gleichwerrhige Armee Frankreich gegenüber haben,»st eine Forderung, welche nicht blos die verbündeten Regierungen mit Recht an den Reichstag gestellt haben, sondern welche auch die Ratio»» von der Regierung verlangen muß.(Sehr richtig! rechts, bei den Nationallüeralen und im Zentrum.) I», dieser Hinsicht könnte unserer Sinti on das Beispiel anderer Länder»vohl angeführt»Verden,»vo es»viederholt vorgekommen ist, daß die Volks- Vertretung der Militärverwaltung Größeres bewilligt hat, als diese selbst gefordert hat. Auf unserer Wehrkraft beruht nicht blos die Sicherheit»»»serer Existenz, sondern auch die Möglichkeit der Darier und der Vertiefung des Bündnisses n>,t anderen Mächten(sehr richtig!) und ich hoffe, daß der Tag niemals kommen»vird in Deutschland, wo wir den Fremden, den Freunden und den Feinden das Schauspiel geben, daß wir»vegen der inneren polr- tischen Zerrissenheit nicht mehr in» Stande sind, unsere Wehrkraft allf der Höhe zu halten und uns darüber mit dem Reichstag zu einigen.(Lebhafter Beifall.) Abg. Aiirxe(dfr.): Es ist nicht richtig, daß wir in der Koni- Mission unsere'Stellung in Rücksicht auf das Zcntruin geändert haben. Die Veränderung der Haltung des Zentrums ist mehr unserer Haltung zuzuschreiben, als umgekehrt. Herr v. Bennigsen hat gegen unsere Presse schivere Anklagen erhoben, daß sie die Zukunftspläne, die der Kriegsminister entivickelt hat, in einer ganz uuerhörten Weise aufgebauscht hat und eine ganz falsche Auffassung darüber im Volke habe erzeugen wollen, um dasselbe auf das Tiefgehendste zu beunruhigen. Wir haben»»»r auf Grund der militärischen Organisation, wie sie heute besteht und nach den Erklärungen der Regierung festgehalten»verde»» muß, die endschließlichen Ziele zu entwickeln versucht und sind dabei allerdings auf ungeheuerliche Zahlen ge- koinmen. Wenn wir Unrecht gehabt hätten, so wäre ja nichts auf Seite der Regierung und der nationalliberalen Partei leichter ge- wesen, als darzuthun, daß wir uns irren, wenn»vir auf Grund der bestehenden Organisation rechneten, während diese aufgegeben werden solle; nichts derart von Seiten der verbündeten Regie- rungen ist geschehen, sondern es ist im Gegentheil gesagt worde»», linter allen Umständen halten»vir an der bestehenden Organi- sation fest. Wir sind also nicht Schuld daran,»venn die Zahlen etivas groß sind. Auch in Bezug auf die Fiuanzpläne»neinte Herr v. Bennigsen, seien Dinge in»inserer Prege vorgebracht »vorden, die nur als grober Unfug bezeichnet»verde» könnten. Ge- statten Sie, daß ich Sie blos drei Jahre zurückführe. Was ist da bei den Wahlen von der dainaligen Kartellpresse zur Begründung des Septennats erfunden worden!(Sehr gut! links.) Wenn die Ausführungen unserer Presse mit„grober Unfug" bezeichiict werden, dann möchte ich für jenes Treiben einen neuen Begriff in das Strafgesetzbuch eingefügt wissen, den des allergröbsten Nn- fugs.(Sehr gut! links.) Herr v. Bennigsen»vies darauf hin, daß wir 1887 nichts von der änjähigen Bewilligung gesprochen hätten. Die Verhältnisse haben sich aber von da ab bis heilte immer weiter verschoben. Die Zahlen, welche wir jetzt als Frie- denspräsenz haben, sind viel größer geworden und beivegen sich auch heute noch in der Tendenz des stetigen Fortschreitens. Je größer die Zahlen werden, desto mehr müssen wir verlangen, daß die Beivilligung eine jährliche»vird. Herr von Bennigsen hat selbst zugegeben, daß die prinzipielle Forderung der ziveijährigen Dienstzeit eine ungeheuer populäre und für die Regierung günstig»virkende sei. Es handelt sich also nur darum, daß»vir ihm eine zu kurze Frist bis zur Einführung derselben gesetzt haben. Ich werde zeigen, daß die Einführung der ziveijährigen Dienstzeit bis zum Jahre 1892 sehr»vohl möglich ist, indessen»vürde sich über den Zeitpunkt der Einführung mit uns ja reden lassen, wenn»nan uns gezeigt hätte, daß»nan ernstlich auf dieselbe einzugehen bereit ist. D»e Forderung ziveijähriger Dienstzeit ist für uns kein Handelsobjekt; »vir haben sie gestellt, weil»v.ir»n der gegenlvärligen Vorlage den ersten Schritt zu einer weiteren Ausdehnung der Heeres- organisation erblicken, die wir nicht tibersehen können, u»»d der gegenüber wir eine Garantie verlangen müssen, daß wir in ab- sehbarer Zeit die Erleichterung, die das Volk haben will, er- langen. Wir sind damit die Vertreter eines Gedankens, der in den weitesten Schichten des Volkes imnier mehr hervorrritt, und dem die Regierung einmal»vird nachgeben niüssen. Die Herren v. Huene uiid v. Manteuffel haben uns gute Lehren gegeben, wie »vir das Vertrauen unserer Wähler uns erhalten möchten. Wir sind für diese Rathschläge sehr dankbar; wir werden aber unsere Geschäfte beiin Volk selbst besorgen, und wir haben das um so leichter,»venn in der konser- vativen Partei so fortgefahren wird,»vre es gerade bei dieser Vorlage der Fall ist. Es ist hier»viederholt ausgesprochen wor- den, daß»vir mit unseren Anträgen ei»e Kraftprobe machen wollten. Es könnte scheinen, als oö dicS von der freisinnigen Partei gesagt worden»väre. Es ist dies weder hier noch in der Kommission geschehen; das, was als Kraftprobe angerechnet »vorden ist, ist von einem Mitglieds der kcmservativen Partei in der Kommission gebraucht»vorden. Die angmhrte»» Zahlen über das Plus der Bespannung bei der sranzö cschen Artillerie sind richtig. Wenn»nan aber die Dinge rich&g beurtheilenZ will, muß man neben den vorhandenen Bespann»lngen die in der Mobilmachung einzuziehenden in Betracht ziehen. Diese Zahlen kann ich nun nicht angeben,»veil sie aus Mitlheilungen entnommen sind, die geheim zu halten sind. Aber die Rechnungen, die ich ausgestellt habe, führen mich zu dem Schluß, daß bei einem sehr großen Tcheil französischer Batterien das prozentuale Verhältniß, wie»el Pferde einzu- ziehen sind, um die Batterie kriegskomplet zu macyen, ein un- günstigeres ist, als bei einem großen Theile unserer Batterien. Blos auf die Mehrzahl der Bespannung Werth zu legen, ist bei einer Wtobilinachungsaufrechnung nicht angängig. Den 1. Oktober 1802 haben wir als Termin für die Einführung der ziveijährigen Dienstzeit eingesetzt, weil ein bestimmter Tag doch eingesetzt werden mußte. Darüber, daß die ziveijährige Dienstzeit überhaupt ein- geführt werden könnte, ist ein Zweifel auch nicht von Seite»» der Heeresverwaltung geäußert»vorden.(Widerspruch.) Im Prinzip nicht. Der Reichskanzler hat nur gesagt, daß sie„zur Zeil" nicht eingeführt»verde» könne. Wir halten den geganivärtigen Zeit- punkt nicht für so ungünstig, wie von der Heeresverivalruiig dargestellt wird. Man stellt der ziveijährigen Die»»st- zeit drei Gründe entgegen: daß die Gesechtsansvildung eine bessere sein müsse, z»veitens, daß die Zeit da sein niüsse, uin den Soldaten besser zur Disziplin zu erziehen, die Anforderungen an den Muth und die Nervenstärke würden in einem künftigen Kriege so groß sein, daß man das dritte Jahr nicht entbehren könne, und drittens mache die taktische Umbildung das dritte Jahr unentbehrlich. Die Schießausbildung mit den» neuen Ge- »vehr ist schon beute eine solche, daß der Mann nach einem Jahr als gut ausgebildeter Schütze zu betrachten ist; das ist nicht blos meine persönliche Auschauung, sondern geht auch aus der Schieß- Vorschrift sür die Infanterie,»velche für das neue Geivehr ein- geführt ist, hervor. Danach gehören der zweiten Schießklasse— sie»msaßt die Soldaten, die an» Ende des ziveiten Dienstjahres stehen— die ausgebildeten guten Schützen an, der dritten Klasse die vollkoiiunen sicheren Schützen. Wir müssen also nach der Schießvorschrift für uns in An- spruch nehmen, daß Tie, die die ziveite Schießklasse durchge- macht, als gut ausgebildete Schützen zu betrachten sind. Die Auf- faffung, daß das dritte Jahr für die Ausbildung nicht noth- »veicdig ist, habe ich übrigens seit 187S in Wort und Schrift ver- treten, als ich noch aktiver Offizier»var. Die Schießausbildung erfordert jetzt noch»veniger Zeit als früher, weil das Gewehr außerordentlich verbessert ist. Ein französischer Offizier, dem eine Hohe Autorität in diesen Fragen beigelegt»vird, hat sich in den» „Militärivochenblntt" in diese»» Sinne ausgesprochen. Was die Erziehilng zur Disziplin betrifft, die Nothivendigkeit, die Nerven für das Gefecht stark zu machen, so meine ich, daß»liisere Ner- ven im Jahre 1871 stärker sein mußten, als in eine»»» Kriege der Zukunft nöthig sein»mrd. Denn damals sind wir ciuein weit überlegeneren Geivehr gegenüber geivesen. Das Zünd- nadelgeivehr stand dem Chassepotgelvehr gegenüber. Haben nun die Nerven einem überlegenen Ge»vehr gegenüber ausgereicht, so werden sie einer gleich'.verthigen Waffe gegenüber in Zuknnst erst recht ausreichen.(Sehr gut! links.) Auch diese Auffassung kann ich mit»»ilitärischen Autoritäten, die noch heute in der Armee gelten, belegen. Ich verweise im Besonderen auf den Artikelsei,»es aktiven Geiierallieutenants in dem militärische»' Wochenblatt. In demselben wird übrigens unter andern ans eine gerechtere Behandlung des Soldaten als für die Disziplin al» erforderlich und nothivendig bezeichnet. Der Abg. Bebel ha' gestern die Behandlung der Soldaten als eine unnieuschliche hin' gestellt. Der Kricgsminister hat dies mit vollem Recht zurück- geiviesen. Es sind aber thatsäcklich noch Verbältniile vorhanden, die beim besten Willen der Militärverwaltung trotz aller Kabinetsordres seit 1820 es erschweren, daß in der großen Masse der Soldaten eine freiwillige Disziplin hergestellt wird. Ohne die freiwillige Disziplin, ohne die freudige Unterordnung ist aber nichts zu machen. Wenn die Disziplin noch stärker werden soll, wie sie es schon heute ist— Gott sei Tank ist sie es in vollem Maße—, dann sollte die Hecresver- waltung nachsehen, ob es nicht möglich ist, noch niehr darauf hinzuwirken, daß der Soldat zur Erringung der Disziplin milder angefaßt und gerechter behandelt wird, als es heute schon der Fall ist. Fritz Hoehne in seinen„Untersuchungen über die Taktik" weist darauf hin. daß der Offizier nicht durch mechanische, son- dern durch inoralische, intellektuelle Mittel auf die Erhöhung der Disziplin des Soldaten einwirken müsse. Die Tendenz der Taktik seit 30 Jahren zielt auf eine Vereinfachung der Formen hin. Nach meiner Meinung und nach der Meinung mehrerer Militär- taktiker ist es gar nicht möglich, die Formen noch mehr zu vereinfachen. Ter gemeine Mann in der Front hat jetzt nur die einfachsten Formen auszuführen, das Ucbrige ist Sache der Leitung und Führung, und etwaige Ver- änderungen werden sich nur auf diese beziehen. Es ist also nicht einzusehen, warum wir nicht schon jetzt die zwei- jährige Dienstzeit einführen sollten. Nehmen Sie unseren Antrag an und zeigen Sie damit den ernsten Willen, einer berechtigten Forderung des Volkes nackzukommen.(Aeisall links.) Kriegsminister v.-Un-iM): Ich kann fem Herrn Vorredner wohl»üt)t auf alle die Gebiete folge», welche er in militärischer Beziehung berührt hat,»in zu feinem Schlußresultat zu gelangen. In Beziehung aus die Schießausbildung möchte ich nur das Eine bemerken: übersehen wir nicht, daß die genügenden, guten und besten Schützen, diese drei Klassen, sich nicht mit den Jahrgängen deaen. Denn um ein guter Schütze zu werde», muß man zuerst eine gewisse Schieß-Ausbildung durchgemacht habe», man kann es auch im 3. Jahr erst werden. Was die Ueberlegenhcit des franz. Gewehrs 1870 betrifft, so nmß ich bemerken: Unter Feuergesecht ist eben Verschiedenes zusammen zu fassen. Sie wissen, daß das sranzösi- sche Gewehr dem unseren damals überlegen war; Sie wissen aber auch, daß diese Ueberlegcnheit weit ausgeglichen worden ist durch die lola ale Ueberlegenheit unserer Arlillerie. Dann haben wir die Vorlesung gehört über den Werth, den wir aus moralische und intellektuelle Ausbildung legen. Das ist etwas, was, ich denke, wir nicht blos alle wissen, sondern— da frage ich den Herrn Abgeordneten auch aus seiner eigenen Dienstzeit—, auch geübt haben, er doch wohl auch? Wir sind doch also auf dem Wege und treiben dies fortwährend. Wenn er endlich sagte in Bezug aus das Gefecht, alles strebt auf die Tendenz der Form, das einzige, was dem gemeinen Mann von Werth ist, ist die Form, — ja, meine Herren, ich weiß nicht, was diese in intellektueller Beziehung für das Gefecht eben bewirken soll. Das Gefecht er- fordert ja nicht blos die Form, sondern im höchsten Maße eine moralische und intellektuelle Einwirkung und Ausbildung des einzelnen Mannes. Abg. Graf Mirbach verzichtet zu Gunsten des Abg. v. Kar- dorff aufs Wort. ..Abg. v. Kardorff(Ncichsp.): Daß im ganzen Lande die zweijährige Dienstzeit populär ist, gebe ich zu. Das Land hat aber darunter verstanden nicht blos eine Entlastung der Dienst- Pflicht, sondern auch eine finanzielle Entlastung, eine Vcrnundc- rang um>/z. Das wird aber in Wirklichkeit nicht der Fall sein, sondern wegen der dann erforderlichen Mehreinstellung gerade umgekehrt eine Mehrbelastung. Zudem bedeutet die zweijährige Dienstzeit eine Verschlechterung der Qualität der Armee, von der man nicht die Annahme einer nothwendigc» Heeresvermeh- rung abhängig macheu darf. Von der Siothwendigkeit der Vorlage überzeugt sind aber doch auch die Freunde zweijährigen Dienstzeit, sonst hätten sie nicht die be- die große Mehrheit, ferner die Wildliberalen Thoinsen, Wisser und Langerseldt. Mit„Nein" stimmen die Sozialdemokraten, die Volkspartei. die Freisinnigen, einige Welsen und vom Zentrum 1 Vadenser (Hug) und 20 bayerische Abgeordnete: Aichbichler, Biel, BurletN, Fischer, Habcrland, 5iirchami»er, Lehner, Leonhard, Mayer-Lands- Hut, Orterer, Pczold, Reichert-Baycr», Schaedler, Schaettgen, Ctoehr, Wagner, Weber, Wenzel und Witzlsperger. Der freisinnige Antrag wegen Einführung der zwei- jährigen Dien st zeit wird darauf mit20b gegen 134 Stimmen abgelehnt. Die Minderheit setzt sich ebenso wie vorher zusammen, nur stimmen die wildliberalen Abgeordneten Langerseld, Thomsen und Wisser, ferner der Badenser Marbe(Zentrum) für den Antrag. Von den Resolutionen wird die erste(Verwahrung gegen die Zukunftspläne) gegen die Stimmender Sozialdemokraten und der Teutfchkonservaliven, die zweite(einjährige Beivilligung) gegen die Stimmen der Sozialdemokraten, der Nationalliberalen, der Reichspartei und der Dentfchkonservativen mit 170 gegen 104 Stimmen, die dritte(Verlängerung der Rekrutenvakanz jc.) gegen die Stimmen der Sozialdemokraten und Deutschkonserva- tiven, die vierte(ziveijährige Dienstzeit) gegen die Stimmen der Sozialdemokraten, der Reichspartei und der Dcutschkonservativen angenommen. Die ßs 2—4 gelangten ohne Debatte zur Annahme. Damit ist die zweite Bcrathuug der Militärvorlage er- ledigt. Schluß ö'/r Uhr. Nächste Sitzung Freitag II Uhr.(Dritte Lesung der Vorlage, betreffend die Gewerbegerichte.) der min* Äustiuimung aussprechen dürfen. Anfangs deutete ja iVfo, n' Nictert in der Kommission an, daß viele seiner Freunde IchtiN»ei eulgegeiilouiinendcn ttsttfamiieen für die Vortage imnmrn würden. Jetzt hat sich das mit cincin Male geändert. Augenscheinlich hat der Zwist in der freisinnigen Partei auf die Stimmung eingeivirkt. Vorher waren einzelne Herren so muthig Herrn Richter gegenüber eine abiveichende Meinung zu haben. das ist jetzt mit einem Male vorbei. Tie Hinweise auf die Lebeusmittelvcrthcucrung erinnern an das im alten Rom ge- bräuchliche Verfahreil, dem Volke pansm und Circenscs zu geben. uni feine Ausmerkfamkeit abzulenken. Man will billige Lebens- mittel, mag auch die Landwirthschast zu Grunde gehen. Tie Arbeiter sollen hohen Lohn und reichliche Muße er- halten, um die großstädtischen Genüsse zu kosten. Es ist hier das System der Piepmeierci(Lachen) angewandt, indem man unsere Verhältnisse als möglichst schlecht hinzustellen versucht. In Bezug auf die indirekte Besteuerung haben wir jedoch nur das von den Freisinnigen so gelobte englische Prinzip befolgt, das auch eine Hohe Besteuerung von Spiritus und Tabak zur Folge gehabt hat. Ter staatsmännisch» Stand- Punkt des Herrn Windthorst ist viel berechtigter als der der Gegner. Er stimmt im Bewußtsein der Nothivendigkeit für die Vorlage, obwohl er ihre Nnpopularität kennt. Ebenso muß ich die Haltung der Polen als eine wirklich vornehine bezeichnen. (Beifall rechts.) Ich beneide die Herren vom Tentschsreinnu um das Gef hl nicht, das sie gegenüber einer solchen Haltung empsinden müssen.(Lebhafte Zustiniinuiig rechts. Lachen links; Abg. Richter: das beruht auf Gegenseitigkeit.) Für die Resolntiviien I bis 111 werden wir stimmen, nicht aber ftir die Resolution IV, welche die ziveijährige Dienstzeit fordert. Ich hoffe auf Annahme der Vorlage im Interesse der Einheit, Freiheit Vaterlandes. Hierauf wird die Debatte geschlossen. In einer persönlichen Bemerrung weist Abg. Ulrftrrt den Vorivurf zurück, daß er früher irgend einmal die Vorlage als annehmbar be-e chnet habe. Er habe seinen ablehnenden Stand Punkt von Au.ang an geltend gemacht. Abg. v. Kaudorff: Es ist überall der Eindruck verbreitet gewesen, daß bei Amiahme der Anträge die Freisinnigen geneigt sein würden, die Vorlage anznnehnie». Zur Geschäftsordnung konstatirt Abg. vo» Liebmiiniiit (Antisemit), daß ihm, wie bei der ersten Lesung, so auch jetzt das Wvit abgeschnitten sei. Abg. yftvntv(Antisemit) erklärt Namens seiner Freunde, sie für die Vorlage und für die Resolution Windthorst, auch für diejenige, betreffend würden. VorlnrnettkaviMies. Die Uertagnirg de« Rcichotago wird, der„Freist Ztg." zufolge, formell am 9. Juli begiunen und bis zum 25. November dauern. Doch ist es nicht ausgeschlossen, daß die Sitzungen des Reichstages schon am 4. oder ö. Juli ihr Ende erreichen und der Reichstag bis zum 9. Juli, also bis zum Anfangstermin der Vertagung, welche durch Kabinetsordre ausgesprochen werden wird, sich selbst vertagt. Die nennte Kommission des Reichstags für die Vor-Be- rathung der Stove. ic zum Strafgesetzbuch(§§ 276, 317, 818, 300 Str. 4, 364 und 867 Str. 5) berieth in ihrer Donnerstags-Sitzung unter Theilnahme mehrerer Kiomnussarien der verbündeten Regierungen unter Aussetzung der General-Disknssion zunächst über dm Artikel 1 der Regierungsvorlage, welcher dem Z 276 des Strafgesetzbuchs folgende Fassung geben lvill:„Gleiche Strafe trifft Denjenigen, ivelcher wissentlich schon einmal verwendete Post- oder Telegraphenwerthzeichen nach gänzlicher oder theil- weiser Entfernung des Entiverthungszeicheus zur Frankirnng be- nutzt. Neben dieser Strafe ist die etiva wegen Entziehung der Post- oder Telegraphen- Gebühren begründete Strafe verwirkt." ptach eingehender Diskussion, an welcher sich vorzugsweise die Abgg. Tr. Horwitz, Hahn, Rintelen und die Negiernngs- Kom- miyare betheiligt hatten, wurde Artikel 1 in Fassung der Vorlage mit allen gegen drei Stimmen angenommen. Die Beralhnng ivird am Freitag fortgesetzt. Erfahrung gemacht, daß der Magistrat sie zur letzten Sitzung vor den Ferien mit wichtigen Vorlagen überhäufe. Es sei kaum mög- lich bei der Fülle des Materials die vorliegenden Gegenstände gehörig zu besprechen. Da die wiederholt seitens der Ver- sammlung ausgesprochenen Wünsche um Abänderung auf den Magistrat keinen Einfluß auszuüben scheine, so bleibe nichts anderes übrig, als sich selbst durch die vorgeschlagene Art Ab- Hilfe zu schassen. Stadtrath Blankenstein erwidert, daß dadurch nicht der Magistrat, sondern die städtischen Angelegenheiten zu leiden haben würden. Bei der Menge der zu errichtenden Neubauten und bei dem jetzt herrschenden Mangel an tüchtigen Baubeflisseilen würde der Magistrat nicht in der Lage sein, die Vorlagen schneller aus- zuarbeiten. Stadtv. Wieck stimmt dem Stadtv. Singer in manchen Punkten bei, glaubt aber doch im Interesse der Ge- meinde von der vorgeschlagenen Maßregel Abstand nehmen zu sollen. Der Autrag Singer wird abgelehnt. Es werden die Projekte für die Neubauten der Markt- hallen auf dem Zl r m i n i u s p l a tz, dem Marheineke- p l a tz und ans dem Gesundbrunnen genehmigt. Ebenso stimmt die Versammlung der Erbauung einer höheren Bürger- schule und einer Gemeindc-Doppelschule auf dem ehemaligen Friedhofsterrain in der F r i e d e n st r a ß e zu. Angenommen wird auch die Skizze zum E rw ei t e rn n g s- bau der Zentral- Markthalle, sowie das Projekt zum Neubau einer Leichenhalle nebst Kapelle auf dem Zentral- Friedhof bei Fried richsfelde. In Bezug ans die Skizze zum Neubau eines Ver- waltun gsgebäudes und eines B e a m t e n w o h n- Hauses jc. auf dem Grundstücke des städt. Krankenhauses zu Moabit beschließt dieVersammlmig ans den Antrag der Stadtv. Spinola und Sachs II zunächst das Gutachten der Deputation für öffentliche Gesundheitspflege einzuholen. Die Vorlage, betr. die Hcrlellung eines W a sse r stu rz e s im Viktoriapark und die Vergrößerung des Park- t e r r a i n s wird ans den Antrag des Stadtv. Singer bis zur ziveiten Sitzimg nach den Ferien vertagt. Zu der Vorlage betr. die Erwerbung des von dem Grund- tücke Alexanderstr. Sl/S2 zur Verbreiterung der Prenz- l a n e r st r a ß e erforderlichen Terrains stellt der Stadtv. Vogt- Herr den Antrag, dieselbe einem Ausschüsse zu überweisen. Der Antrag gelangt zur Annahme. Für eine auf dem Terrain des ehemaligen städtischen Kirchhofs an der Friedenstraße anzn- legende neue Straße werden die Baufluchtlinien nach dem An- trage des Magistrats festgesetzt. Eine Vorlage betr. die Abtretung von Straßenland zum Reichstagsufcr geht an einen Ausschuß. Mit der Einsetzung einer gemischten Deputation zur Vor- bcrathuug der Antrage der Reuen Berliner Pferdeetsenbahn- Gesellschaft bezüglich der Anlage einer Pferdebahn nach der Irrenanstalt bei Lichtenberg erklärt sich die Versanimlung einverstanden. Schluß der Sitzung 7Vi Uhr. und Stärke des daß sie' für die Vorlage und für die Resolution .......' i— x die zweijährige Dienstzeit, stimme» Referent Graf Ktolbcvg: Mein persönlicher Eindruck war, .....«ju— ♦ fiiv Pix Vorlage ftimincii wollte.(ZuSache des Refereiiteu!) Redner die Kommission die Finanzlage daß sie ans den jrt haben, die die Ariiiee nicht inchr den daß Herr Rickert zuerst für ruf: Das ist doch nicht fuhrt dann aus, daß nicht so schwarz angesehen habe ivie Herr Rickert, daß sie aus snihlcn, welche die Stcgieruugsvertreter aufgeführt haben, «eberzengirng gewoiliieli haben, daß die Armee nicht mehr Ausorderu ngen entspreche, ivelche mit Rücksicht ans die Verhält- Nisse in Frankreich imd Rußland gestellt werden müßten. 1" darüber ans, daß Redner die Polen der spricht besonders s°U'° F»ude der Lage er- ainav ftivtMiam-omi:» be- aÜ Bewohner einer Grenzproviuz Vorlage zuiiliiinieil; kannt, was bei ihnen flreiflich ist . Abg. ziiisirrt Protest irt dagegen, daß der Referent seine per- sonlichen Eindrücke zur Sprache bringt; daran habe das Haus Lar kein Interesse. freisinnige Antrag, betr. die jährliche Beivilligung des Militüretats wird gegen die Stiimue» der Sozialdemolrateil, und der Freisinnige» abge- namentlicher Avstiminung betr. die j ....... WW_____|| die Stimmen ucr VolkSpartei, der" Welsen und >ehnt.§ i wird darauf in na m......., 'n't 211 gegen 128 Stimmen angenommen, Ter Abstim- wungenthält sich Abg. v. Hake(Welse).., � m.Mit„Ja" stimmen geschlossen die Deutschkonservativen, die Reichspartei, die Polen und die Nationalliberalen, vom Zentrum aßtumummlcs. Ztndtvcuoudnrten-Drusammlnng. Sitzung vom D o n n e r st a g, d e n 26. I u n i. Der Stadtverordueten-Vorsteher, Stadtv. Dr. Stryck, er- öffnet die Sitzung um öVa Uhr. Der Ausschuß für die Reguli« rung der Stromstraße hat an die Versammlung ein Schreiben gerichtet, in welchem über die Ablehnung der Vorlage in voriger Sitzung Klage geführt und der Vorwurf erhoben wird, daß die Interessen der Stromstraße nicht genügend gewürdigt wor- den sind. Wahrend der Ferien wird die Versammlung in folgender Weise vertreten sein: Vom 1. bis 15. Juli durch den Stadtv. Serbert, vom 15. Juli bis 1. August durch Stadtv. Sieb- mann, vom 1. bis 15. August durch Stadtv. Dr. Langer- Hans und vom 15. August bis zum 1. September durch den Vorsteher Tr. Stryck. Tie Tagesordnung beginnt mit der Berichterstattung des Stadtv. Eßmann über die Vorlage, betr. die Entwürfe und Kostenanschläge für die Errichtung der ersten Hälfte einer neuen Wassergewinnungs- Station am Müggelsee und einer Vertheilnngsstation bei Lichtenberg. Tie Kosten für die Gewinnungsstation sind auf 14 593 000, die der Vertheilungsstation auf 4 639 000 Mark veranschlagt worden. Der Ausschuß empstehlt, die Entwürfe und Kostenanschläge zu genehmigen und die noch erforderliche Summe aus Auleiheniittetn zu beivilligen.— Die Versammlung stimmt dein Antrage des Ausschusses ohne Debatte zu. Es folgt die Berichterstattung über die Vorlage betr. die Freilegung oes früheren Tattersali-Gruudstücks Georgenstraße 13 zu einem öffeulichen Platze. Stadtv.?.'! e y e r I empsiehlt Namens des Nusschlisses fol- gend« Beschlußfassung: 1. Die Versammlung ist damit einverstanden, daß das Grund- stück Georgenslrape 13 zu einem öffenttichen Platze frei- gelegt wirv für den Fall und unter der Bedingung, daß die umliegenden Grundbesitzer zu den Erwerbskoslen einen Beitrag von mindestens 150 060 M. zahle», im Uebrigen aber die Eriverbskosten von dem königl. Fiskus und der Stadtgemeinde je zur Hälfte getragen werden, von der letzteren jedoch nur bis znin Höchstbetrage von 400 000 Mark. 2. Die Versammlung ermächtigt den Magistrat zum Abschluss der gemäß Str. 1 dieses Beschlusses zu führenden Verhaniz lungen und zu errichtenden Vertrüge und stellt ans den Ueberschüssen des Rechnungsjahres 1889/90 die ersorder- liehen Mittel bis zum Höchstbetrage von 400 000 M. zur Verfügung. Bevüp die Berathung eröffnet wird, verliest Stadtrath Voigt ein Schreiben des königt. Eiseiibahn-Tircktoriiims, welches heute beim Magistrat eingegangen ist. Es wird in dem Schreiben hervorgehoben, daß der Magistrat nicht in dem llnifange auf die Beisiencr zum Projekte seitens des Eiseubahnsiskus zu rechnen habe, wie es nach den Zeitimgsberichten mitgetheilt worden sei. Wenn die Verhandlnngen nicht zu einem Abschlüsse gelangen sollten, so habe die Stadtverivaltnug die Ver- antwortung zu tragen. Stadtv. M e y e r I. erllärt, daß das verlesene Schreiben keinen Einfluß auf die Bestimmungen der Versammlung aus- üben könne. Stadtv. Spinola stellt den Antrag, die Versammlung möge dem Magistrate zu gedachtem Zwecke die Siim»>e von 400 000 M. ohne irgend welche Beschränkungen zur Verfügung siellen. Wenn der Fiskus eiueu gleichen Beitrag leiste, wie die Stadt, so sei es Sache und liege es im Interesse der Anwohner, den Rest auf- zubringen. Stadtrath V o i g t unterstützt den Autrag des Vorredner?, worauf derselbe von der Versammlung zum Beschluß erhoben wird. Die Vorlagen 9 bis 14 betreffen Nenbc»-Projekte für Markthallen, Schulen je. zu denen die Versammli.ng die erforderlichen Mittel beivilligen soll. Stadtv. Singer beantragt, sämmtliche Vorlagm von der Tagesordnung abzusetzen. Die Versammlung habe wiederholt die (föeuitfife-jBciluttg. Cr liebte eine Drinzessin, der kleine Handluugslehrling E., welcher gestern vor der VI. Strafkammer hiesige» Land- gerichts I stand— wenigstens sah er die beiden Mägdelein, welche so häufig vor dem Laden seines Prinzipals vorbeimar- schulen, für veritable Prinzessinnen an und er blieb bei diesem Glauben mit einer Naivetat, welche das alte Wort, daß es keine Kinder mehr giebt, völlig zu Schanden macht. E. ist ein für sein Alter schon zieinlich in die Höhe geschossener Junge, der in einem Matertalwaarengeschüft die Handlung erlernte. Seine Auf- merksamkeit wurde seit emiger Zeit erheblich von den blauen und weißen Tüten auf dem Ladentische ab- gelenkt, und seine Blicke schweiften auf die Straße hinaus, wo zwei holde Jungfrauen häufig genug vor dem Laden auf und ab proinenirtcn und manchen sonnigen Blick in den Laden warfen. Und diese Blicke singen gar gierig die beiden Jüpglinge ans, welche dort hinter dem Laventisch standen, denn nicht nur das Herz des kleinen E., sondern auch das seines Lehr- kollegeit sing Feuer, sobald die beiden Backfische vorübergingen. „Weißt Du auch, wer die beiden Damen sind?" fragte eines Tage? der gewitztere Kollege des Angeklagten und als dieser die Frage mit hörbarem Seuizer verneinte, da erzählt der andere »itt frohlockender Miene, daß der Vater der jungen Mädchen ein Fürst und Oberst vom Gardc-Dragoner-Regiment v. R. und die beiden jungen Damen wirkliche Prinzessinnen seien. Dem kleinen Kerl wurde grün und gelb vor den Augen. Er hatte bis jetzt eigentlich nur verwunschene Prin- zessinnen aus den Grimm'schen Märchen kennen ge- ternt und nun sollte er einer wirklichen Prinzessin die Huldigungen seines jugendlichen Herzen» darbringen dürfen. Er fand e» außerordentlich begreiflich, daß man, wie ihm sein Kollege klar machte, solchen erlauchten Damen gegenüber höflich und galant sein müsse und er zermarterte sich sein Gehira damit, wie er zu den Mitteln gelungen könnte, um seinem Ideal aus fürstlichem Geblüte etwas Schönes zu schenken. Endlich hatte er das Mittel gefunden: Sein Prinzipal hatte eine Aiiunhmeftelle für Sparkassen-Einlagen; in dem Geschäft lagen ziemlich sorglos einige Sparkassenbücher umher, welche nach erfolgter Abstempelung der Abholung seitens der Eigenthümer harrten. Eins derselben sollte ihm den Schlüssel zu dem Herzen der Prinzessin liefern! Er nahm dasselbe, hob darauf 70 Marl ad und be- gann nun„ glänzende" Einkäufe zu machen. Ten beiden Prinzessinnen hatte er je ein Ringlein für 50 Pfg. zuge- dacht, dem Herrn Fürst-Bater, welcher nach der Mittheilung des Lehrkollegen deinnächil auf Manöver ziehen mußte, war ein Medaillon für 1,50 M. bestimint, vor Allem aber sollten Näsche- reien und Leckereien den beiden Mädchen andeuten, daß die beste Absicht vorwalte, ihnen das Leben zu versüßen. Doch was sind Entwürfe, was sind Pläne! Dein jungen Kaufmann ging es, ivie so vielen anderen Personen: Just im schönsten Moment war der Traum auch zu End'! Die Aneignung deS Sparkassenbuches war sehr bald bemerkt worden und der Staatsanwalt zögerte nicht lange mit der Anklage. Das Schössengertcht hatte seiner Zeit den kleinen Missethatcr zu vier Woche n Gesänguiß verurtheilt, der Vormund aber die Berufung eingelegt. In der gestrigen Verhandlung vor der 6. Straskammer machte der Aertheidiger Rechtsanwalt G e s ch k e als einen triftigen Grund zur Milderung der Strafe besonders gel- iend, daß ein junger Mensch, welcher ernsthast glauben konnte, daß die beiden Mädchen Prinzessinnen und der Vater ein Fürst sei, denn doch noch ans einer so kindlich naiven Entivickelungs- stufe stehen müsse, daß er mehr Mitleid als Strafe verdiene.— Ter Gerichtshof war derselben Meinung und er ließ deshalb den Knaben mit einem V e r>v e i s e davonkoninten, nachdem derselbe dein Präsidenten, Laubgerichtsdirektor H n m b e r t, hoch und heilig versprochen, solche Dummheiten in seinem ganzen Leben nicht wieder machen zu wollen. P r ä s.: Weißt Du denn nun, ,vas der„Herr Fürst" wirklich ist?— A n g e k l.(seuszend): Nein!— Präs.: Ein Hutmacher!— Diese Eröffnung war völlig niederschmetternd für den romantischen Angeklagten. Der DcsiiUnteur Nerv Kcumnun Linlir, Sebastianstraße Nr. 63, ersucht uns um die Mittheilung, daß er mit der in einer Gerichtsverhandlung in Nr. 144 erwähnte» Person gleichen Namens keineswegs identisch ist. Nrbeikerbomegung. Die Aambnrger Kanmatet-ialienhändler machen, wie die„Magd. Ztg." unterm LS. d. Mts. nieldet, bekannt, dafc sie während der Streiks an diejenigen Baugeschäfte, welche die jetzigen Forderungen der Gesellen bewilligt haben, kein Bau- Material irgend.welcher Art liesern werden. Diese Maßnahme erfolgt, nm die Bestrebungen der„Baugewerks-Jnnung Vanhnlte" und beZ Bundes der Maurer- und Zimmerineister, sowie der- zeitigen Baugeschäftsfirmen, welche sich dem Vorgehen der beiden vorgenannten Vereinigungen angeschlossen haben oder noch an- schließen werde», so viel als möglich zu unterstützen. Do» der Saar schreibt die„Frkf. Ztg." unterm LS. Juni: Als im vorigen Jahre die großen Ausstandsbewegungen auf den Kohlengruben unseres Bezirks ausbrachen, waren es vor allen die Werkstätten- und Maschincnarbeitcr, welche sich am Streik nicht betheiligten. Zlnch als dann von den Arbeitern zur Wahrung ihrer Interessen der Rechtsschutzverein gegründet wurde, hielten sich die genannten Arbeiter demselben fern. Allmälig sind dieselben jedoch zu der Einsicht gekoininen, daß auch für sie ein fester Zu- sammenschluß res?. Anschluß an ihre Kaineraden von Vorthcil sei. In einer Versaminlung zu Dudivciler wurden daher die vom Rechtsschntzverein am 4. Mai in Völklingen aufgestellten und in Petitionen an die Saarbrllcker Direktion, das Ober-Bcrgamt und das Abgeorductenhans niedergelegten Beschlüsse einstimmig an- genonunen und ebenso einstinimig beschlossen, daß das gesammte Maschinen- und Werkstättenpcrsonal in den bergmännischen Rechts- schutzverein eintreten solle, wenn der Vorstand desselben 2 Mit- glieder aus jener Arbeiterkategorie in sich aufnehmen wolle. Dieser Vorschlag kam am IS. d. in der Versammlung der Ver- trauensmänner zu Bildstock zur Verhandlung. Ter Entschluß der genannten Arbeiter, dem Rechtsschntzverein beizutreten, wurde zwar sreudig begrüßt, zugleich aber beschlossen, erst dann einen oder zwei Arbeiter in den Vorstand auszunehmen,.wenn zwei Drittel der dazu gehörigen Arbeiter ihren Anschlup an den Rechtsschutz- verein vollzogen hätten. SoztQle Meveostchk. Achtung k Noch ist ein Theil der gemaßregclten Schrauben- dreher arbeitslos. Wir ersuchen deShalu nochmals, die ausstehenden Listen— ob gezeichnet oder nicht— abzuliefern. Die Ablieserungsstelle befindet sich Alte Jakobstr.(39, im Restaurant Lenz, während des ganzen Tages. Besonders ersuchen wir Herrn Becker, Naunynstr. 4L, Hof I, an seine Verpflichtungen zu denken. Die Kommission. I. Ä.: H. Hirsch, Reu-Wcißensee, Sedan- straße 35a. ArbritseinsteUnng. In der Fbbrik von Adolf Lippmann haben gestern Morgen t! Mann die Arbeit niedergelegt. Grund hierfür bildeten Streitigkeiten mit dem Prinzipal, der im Gegen- satz zu dem Meister glaubte, daß die Arbeiter zu wenig leisteten. Da durch Annonzen in der„Volks-Zeitung" bereits andere Ar- beiter gesucht wurden, wollten sich die Arbeiter nicht auf das Trockene setzen lassen, sondern legten letztere lieber vorher die Ar- beit nieder. Zuzug ist fern zu halten. lUiv ci'ljitltrn folgendes Schreibe»: In Nr. 50 des „Gasthauses", Organ des deutschen Gastwirthverbandes, vom 22. Juni 1890 befindet sich ein Artikel, betitelt„Der Linksab- marsch in der Berliner Kellnerschasl". Es ist nicht unsere Ab- ficht, allen darin enthaltenen Angriffen und Ausführungen des genannten Blattes entgegen zu treten, die in dem zu Anfang des Artikels angeführten Thatsachcn find der Wahrheit entsprechend und die Ausführungen darüber als gerechtfertigt anzuerkennen, denn nur die Herzbcrg'sche Art und Weise, für seine Kollegen einzutreten, ist es gewesen, die eine feste Organisation der Gastwirths- Gehilfen leider verhindert hat; doch sind einige darin ange ührte Punkte sowie der Ton de? Artikels dazu angelhan, vor die Oefsentlichkcit gezogen und näher diskutirt zu werden. Aus der ganzen Tendenz des Artikels geht hervor, daß darin von Seiten der Arbeitgever versucht.Unrd, die Trinkgcldfrage in den Vordergrund zu schieben, als fis dies „Einen Pserde-Eisenbahn arbeiten täglich 3Vs bis 4 Stunden. Sind sie nicht zu beneiden gegen uns? Sie erhalten kräftiges, gesundes und regelmäßiges Futter. Wir dagegen erhalten Kaffeeaufguß von den schon einmal gebrauchien Bohnen, Frühstück ini günstigsten Falle Schmalzstulle», natürlich unbelegt, Mittags meistens dw Ueberreste des Mittagstisches und Abends wieder die Abfälle vom Abendgeschäft, in den meisten Fällen erst nach Schluß des Geschäfts, nach II und 12 Uhr oder zu einer Zeit, wo man so viel zu thun hat, daß an Essen überhaupt nicht zu denken ist. Dafür haben wir das Recht, wenn uns das nicht gefällt, dem Prinzipal zu kündigen und nach drei Tagen abgehen zu dürfen. Der Prinzipal dagegen hat das Recht ohne zeden Grund seinen Angestellten sofort zu entlassen. Derartige darauf bezügliche Schriftstücke, die mit diversen andern noch interessanteren Klauseln geschmückt sind, müssen in der Regel bei Antritt der Stellung unterschrieben und auf richterliche Entscheidung verzichtet werden. Hieran schließt sich das Gehalt mit monatlich 10 bis 20 M., welches als ein noch günstiges zu bezeichnen ist. In vielen Geschästen giebt es, nach Abzug aller Unkosten gar kein Gehalt, Man muß noch zubczahlen und es als eine besondere Gnade betrachten, wenn man überhaupt darin arbeiten darf. Daß diese nicht zu bestreitenden, wohl auch allgemein bekannten Thatsachen, die von der sonst so großen und starken Organisation der Gast- wirthe bis jetzt in keiner Weise berücksichtigt worden sind, noth- wendig zu einem selbstständigen vereinten Vorgehen der Gehilsen führen mußte, liegt wohl auf der Hand. Es ist nur zu bedauern, daß dies nicht schon früher geschehen ist. Trotz aller dieser hier angeführten, für die Betreffenden wohl recht beschämenden Thatsachen wird uns in dem Artikel die Ehre an- gethan, mit dem Juristenstand verglichen zu werden. Wir sind nicht hochmüthig, wir verzichten auf die Ehre, denn es ist doch aosurd, uns mit einer Klasse vergleichen zu wollen, die mit dem nöthi- gen Kapital ausgerüstet, ihrem Studium obliegt und während dieser Zeit ihr Hauptaugenmerk auf die Unterstützung der Gast- wirthschaft gerichtet hält. Sie säen nichts, sie ernten nichts n. s. w., wir dagegen müssen von frühester Jugend körperlich und geistig arbeilen, um uns unser tägliches Brot zu verdienen, das, wie wohl Jeder einsehen wird, hart genug bemessen ist, denn wer heute nicht arbeitet, hat morgen nichts zu essen. Ja, es giebt wohl unter 100 Gastwirthsgehilfen immer erst einen — hauptsächlich unter den Restaurations-Kellnern— die wirklich im Stande sind, eine Familie selbstständig zu ernähren; in den meisten Fällen muß die Frau noch mitarbeiten. Das „Gasthaus" stellt sich auf den neutralen Boden eines Fachblattes und giebt vor, keine Politik zu treiben, nun ist es etwa nicht Po- litik, wenn man die berechtigten und schon längst in Fachkreisen bekannten Wünsche der Gehilfen prinzipiell todt schweigt, wenn man sich einseitig auf den Standpunkt der Arbeitgeber stellt, wie dies bis jetzt geschehen ist? Unserer Ansicht nach muß ein Fachblatt die Interessen der Arbeitgeber sowohl als auch der Arbeitnehmer wenigstens vermittelnd vertreten. Oder kann man uns das Gegentheil beweisen? Dann wollen auch ivir anerkennen, daß wir uns geirrt haben. Auch wir stellen uns dem vorangeschickten Beispiele folgend auf neutralen Boden. Wir wollen nicht Hetzen und nicht agitiren, wir wür- den ja sonst in Gefahr kommen, keine Arbeit zu erhalten (wie uns der Artikel androht). Wir sagen hier nur unsere Mei- nung und glauben damit im Sinne der meisten unserer Kollegen zu handeln, frei und offen, und überlassen es dem Publikum, sich ein Urtheil darüber zu bilden, ob unsere Forderungen be- rechtigte sind oder nicht? > m. sch» Linksabniarsch" herbei zu führen bestrebt wären. Weit gefehlt; Ihr Herren! Was wir wollen ist nicht eine zahlen- mäßige Forderung, mit Verzichtleistung auf das Trinkgeld, davon später! Wir wollen vor allen Dingen eine menschenwürdige Be- Handlung von Seiten des Prinzipals, das heißt, wir wollen eine Abkürzung der jetzt bestehenden 1(3— 18stnndigen ja noch längeren Arbeitszeit, einen zeitweiligen Ruhetag und als Ausgleich für die da- durch entstehenden'Ausfälle eine Erhöhung des GehaltS resp. Festsetzung eines Minimalloynes und Verabreichung von guten gesunden und kräftigen Speisen während der Arbeitszeit resp. eine ent- sprechende Entschädigung dafür. In Summa eine so gerecht- fertigte und rein menschliche Forderung, wie sie in dem Arbeiter- Schutzgesetz jedem, auch den» geringsten'Arbeiter, zuerkannt»vird, nur nicht den Gastwirthsgehilfen; von denen ist leider nicht die Rede darin und doch repräfentirt dieser Stand einen großen Theil der Bevölkerung. In Berlin allein sind 26—27 000 Kellner, ohne die nicht unter diesen ominösen Namen Gemeldeten, vertreten. Es ist also»vohl an der Zeit, durch gemeinsames Vorgehen da- hin zu wirken, daß auch»ms der Schutz des Gewerbegesetzcs zu Theil wird, denn auch»vir sind Mitglieder der Gesellschaft und glauben deshalb, daß unsere gerecht, erligten Wünsche an zuslün- diger Stelle Gehör finden»verden. Unser Stand ist ja leiocr so gedrückt, man möchte sagen verachtet hauptsächlich in Berlin und Umgegend, daß viele sich schämen, demselben anzugehören und lieber jede» anderen Titel nur sich nicht Kellner nennen hören. Hätten die vielen Gastwirths, Restauratenr- und Schankwirthsvereine, Innungen und Verbände in ihren Ver- sammlungen, Sitzungen und Gafiwirthstagen sich nur ein klein Wenig nin die hier in Rede stehenden und ihnen so nahe liegen- de» Fragen gekümmert, und die soziale Lage ihrer Angestellten -u verbessern getrachtet, es»väre Ihnen erspart geblieben, sich auf eine so demüthigende'Art dem öffentlichen Urtheil jedes rechtlich denkenden Menschen auszusetzen. Es mag ja eiinge wenige unter den Unternehmern geben, die uns»vohl»vollen, wir wissen diese sehr»vohl zn schätzen. Tie große Mehrheit sucht ihre Gehilfen so vicl wie möglich »noralisch und physisch auszunützen»»nd dieselben nur als ein nothivendiges Geräth zu betrachten, das,»venn es abgenützt. in die Rumpelkammer kommt. Die Pferde der Berliner man alle Errungenschaften der Technik im Laufe der Jahrhunderte auf allen Gebieten der Produktion sowohl als der Beförderung einfach vernichten. Redner kritisirt darauf die Jnnungsforderunger. Die Jnnungsbrüder drohen, wenn man ihre Forderungen nicht be- »villige, abzuschwenken. Wohin? Die freisinnige Gesetzgebung be- käinpsen sie, die Sozialdemokraten sind in ihren Augen Um- stürzler. Wollen sich die Jnnungshelden dein— Anarchisnuis in die Arme»verfen?! Es giebt eben kein Rückwärts mehr, und »venn es auch der Mächtigste»vollte, es giebt in der wirthschaft- l chen Entivickelung nur noch ein Borivärts. Und dies müsse endlich naturnothivendig zur Uiiuvandlung der Pro- duktionsweise führen.— Dem Vortrage folgte lebhafter Beifall.— Trotz mehrfacher Aufforderung dazu melden sich von den zahlreich im dicht gefüllten Saale Ainvesenden nur z»vei Jniiungsmeister zum Wort. Der erste betont, daß nur der Umstand, sich einen Lehrling halten zu dürfen, ihn in das Jnnungslagcr getrieben, von dem er sich nichts verspreche. Und so wie er seien ungezählte Tanscnde von Jnnuilgsmeistern gesonnen. Der andere Jnnungs- Vertreter betont, daß mehr als jeder andere Handiomcr IViTcmuuhmctcu. ©in» auhevordri.tliih reich besucht» grohe öffentliche Schncider-Nersninnllnng tagte am Dienstag Abend in Grat- »vcils Bierhallei» unter dem Vorsitz der Herren Pfeiffer, Gebauer und H o f f m a n n. Die Tagesordnung lautete: „Herr Schneidern»eif»er Faßhauer auf dem deutschen Jnnungstag und daS Handiverk im vierzehnten Jahrhundert und jetzt; die Ge- schästspraxis der Firma H o f f m a n n, S ch ö»» d u b e, Braun und vieler Anderer dein Arbeiter gegenüber; Diskussion." Den ersten "»mkt der Tagesordnung behandelte i» einleitendem Vortragezunüchst err Tätero>v. Er führte u. A. aus, daß es an der Zeit sei, nachdem man die Forder>»ngen des Handiverks so lebhaft be- tont und immer und immer»vieoer hervorgehoben, daß für dasselbe noch immer nichts gethan worden sei, daß einii»al den Jnmings meistern von den in erster Linie dazu Berechtigten die Antivort er- theilt»verde. Wohin»vir denBlick»venden, finden ivir Verändernngen auf allen Seiten. Eine Ruine aber aus»»ralter Zeit, die allein übrig geblieben, ,vo ringsum Alles stürzte, ist die Innung. Und fast komisch ist das»»»iitelalterliche Gewand der Beivohner der- selben anzuschauen, ihr Bestreben, den morschen Ba»», von dem ein Stein nach dein andern abbröckelt, nachdem längst schon die letzte ihrer Säulen gefallen, zusainmenzuflicken, dies Bestreden ist einfach tragikoi»nsch. Redner gab n>»n ein eingehendes, lichtoolles Bilv der Entstehung der Innungen»»»d ihres Wirke>ls vom 13. Jahrhunderte an bis in unsere Tage. Auf den vergangenen Jnnungstag eingehend, führte Redner zunächst das Schreiben deS Handelsministers von Berlepsch an den Innung� tag an. Es heißt in demselben: Er sei überzeugt, daß, wenn die Jnnungstags-Verhandlungen frei von Gehässigkeit mit Sach lichkeit und friedfertig geführt würden, dann recht wohl etivas Ersprießliches bei tenselben herauskommen könnte. Das sei eben deS Pudels Kern. Diese Eigenschaften habe in der Welt Niemand»veniger als die Innungen von früher bis heute. Wenn man aber beispiclsiveise zu Jemandein sagt:„Stehle nicht!" so seht»nan verblüint einfach bei ihm die Neigung zu dieser Thätigkeit voraus. Was ist im Weiteren so Einschneiven- des für die Arbeiter gethan, vorbei»? Tie Versicherung? gesctze haben doch emfach die Tendenz, Kommune und Staat zu entlasten und der Arbeiterschaft Bedrückungen aufzuerlegen. Nicht die Gesetzgebung sondern die ökonomischcn Gesetze haben das Handiverk»uitergeye» lassen. Uin dies aber zu begreifen, müsse».an»»»ehr Verständniß der ökonomischeu Lage Häven, als den Herren von der Innung und speziell ihrem Wort- jührer Faßhaucr eigen zu sein pflege. Unrecht sei schließlich der Innung hochmüthige Bersichernng, sie sei stets die treueste Stütze von Thron und Altar geivcsen. Die von Grund und von Haus aus selbstsüchtigen Jnnungsbrüder hätten ehemals »vedcr Thron noch'Altar geschont,»venn»rgend es ihren Bortheil gegolten habe. Wolle man aber die Innungen heben, müsse das In die Schneider—„Jndensklaven" seien. Ihm belehrt Herr T ä t e r o ,v. Folgende Resolution ward darnach einst» in- mig angenoinmen: „Tie in Grativeil's Bierhallen am 24. Juni lLS0 tagende, überaus reich besuchte große öffeuliiche SchneidervcEuinmlung erklärt sich mit de»» A»!s- führungen des Herrn Referenten in allen Punkten voll und ganz einverstanden. Sie erklärt die von dem Jnnungs- tage Mlfgestellten Forderungen für uninöglich und kultur- widrig, da dieselben nicht in» Stande sind, das Handiverk zu Heven, sondern nur uoch mehr degeneriren. Die Ber- sammlung sieht vielmehr eine Besserung der Lage des Handiverks, soivie der Handwerker und Arbeiter>»ur in der Uiiiwandlung der kapitalistischen in eine genossenschaftliche Produktionsweise. Tie Versammelten versprechen, allgemein freien Organisationen beizutreten, um Auftlärung in die große Masse zu bringen. Entgegen- gesetzt der Anpcht der Jnnungsbrüder erklart die Versannn- lung nur einen Volksvertreter in den Reichstag zu wählen." J»n dritten Punkt der Tagesordnung kritisirt Herr Pfeiffer Vorgehen einiger Firinen ihren Arbeitern gegenüber. der auch hellte noch im Keller befindlichen Werkstelle von Hermann H o f f m a n n herrschten immer noch ganz abnorine Hitzegrade. Diese Wcrkstelle sei noch immer kein Heiin, in dem 10 Stunden pro Tag gearbeitet werden könne, ohne der Arbei- tenden Gesundheit zu schädigen. Zuin Wohnen sei dieser Raum zu gesundheitsividrig, dann müsse derselbe dies aber auch z»lm Arbeiten sein.— Bei Leopold u. Schwarz sei neuerlich wie- verum der sainoseBrauch eingeführt worden, den Schneidern von dem sauer verdienten Wochenlohi» 10 pEt. für„Benutzung der Werk- stelle" in Abziig zu bringen. Doch sei dieser Ansturm von den Arbeitern er, olgreich zurückgeschlagen worden. Es»nüßten aber auch die Hausarbeiter mit den Platzarbeitern Hand in and gehen, wenn etwas erreicht werden sollte. Unternehmer ch ö n d u b e, früher Pfeiffer' s politischer Parteigenosse, jetzt Hos- liejerant, maßregele Leute, die in den Versaminlunge» das Wort nehmen.— Firma Braun, Leipzigerstraßc 107, bekairut durch Zahlung der niedrigsten Schnndprelse, sucht die Arbeiter sich kontrakttich zu binden. Um einen derselben sich zu erhalten, habe er demselben nach und nach 160 M. Vorschuß gegeben. Als diese Summe nicht allsosort abgezahlt worden, seien dem Schuldner alle Sachen abgepfändet nnd versteigert worden. 145 M. sei der Erlös geivesen. Um der immer noch fehlenden 15 M. willen habe»nan den» Verarmten den Offenbarungseio auferlegt. Da derselbe ver- weigert worden, habe man denselben„festgesetzt".(Lebhafte Pfnirilfe.)— Die Firma L e v y breche dea Gesellen massenhaft den Kontrakt.— Bei Horn sei in der Psingstwoche für Meister, GeseNe und Lehrling, die Arbeitszeit für den Grflcren 20 Stunden, für die Andere»,— 21 Stunden lang geivesen. Dies seien schreiende Mißstände, die man verpflichtet sei, in die weitesten Kreise zu ver- breiten.— Nachdem noch die Herren Wiese mann, Fasorke »ind H e r n» a n s k y die Anssichrungen des Referenten ergänzt, schloß die Versammlung mit einen» brausenden dreifachen Hoch auf die Schneiderschaft Berlins. 3«ntvol-SvonU»»lmir» der Uwurer u. s. m.«rundsteia zur einig« fett. Zahlstelle«harloNenburg. Sonnrag, den 2S. Juni, Vormittag» to Uhr, im»astenlolat B.Smarctshühe- Er. Mltgtiederversammtnng. Lr-ireligios- v-uirindr. Rosenthalerstr. SS. Sonntag, den 2g. Juni, VonmttaaS 10 Uhr: Bortrag de» Herrn Dr. Boltel über:„Lehren mit nicht» PostlweS?" Gäste sehr lollltomme». Nächster Vortrag erst am 10. August. Ref. Tr. Wille. »Irdrntliche lititgliederversammlnng de» verbände» Dentscher Kiirfihnee(Filiale Verl!») am Sonnabend, den 2S.(Juni, Abends 8X Uhr, det Seefeldt, Grenadlerstr. az(Veremslotal). Tagesordnung: i. Wahl des Vorstandes. 2. Die Bedeutung des ArdeNsnachweises. a. DiStussion.«. Wahl der lilrbeilsnachwe�s-jtommckfion. 6. Gewertfchaflllche Angelegenheiten. Ausnahme neuer Vlltglieder stndet vor der Versammlung statt. Verbrettung ist Ehrensache. ?ia»- und gewerbliche Kitf»arbrit»r PIrdarfo und Zimgegen». e öffentliche Versammlung am Sonntag, Vormittag» 10X Uhr, Im Lofate des Herrn Niestgf, Bergstrabe 12». Tagesordnung: l. Zweck und Ziele der Oraanisallon. Lieserenl ReichSlagS-AbgeordnelerlHerr Schmidt. 2. Disfusston. s. Verschiedene». zjamburg. Zimmerer, welche hier tn Berlin arbeiten, werden dringen» ersucht, Sonntag, den 2g. Inn»,«ormtttags»0 Uhr, Bergstr. so, tn Httgenseld'» Restaurant zu erscheinen. Berliner Zimmerer werden gebeten, selbige» den Hamburgern zu»nterbretten. Grotz» öffentliche Htriniurii-Nrrsammlnno am Freitag, den 27. Junt, AbendS» Uhr, tn Domack's Salon, Johannisstr. 20. Nlännergepaugveeriu„Kruefelder" Stetndrucker und Lithographen. Am Sonnabend, den 2a. Juni, tn Wetmann'» VoitSgarten(Gesundbrunnen): t. Etistungssest. Depefrften. (Dlolffo Telegrnplien-Kureau.) Madrid, 26. Juni. Die letzten telegrapstischen Nach- richten aus Valencia lrnttcn befriedigend. Weder tn Pnebla de Nugat noch in Moutichelvo haben gestern Erkrankungen statt- gesunden. In Genoves kam eine Erkrankung, in Gandia kamen zwei Erkrankungen mit zwei Todessällen vor. Vvrefünficn der Kednlrkion. F. S. 11. I. 1864. 2. 1867. 3. Auf dem Grützmacher. A. ÄÄ. Wir können Ihnen keine Ausknnst geben. H. Sch. Fried eichst». Nein. äil. K. Zu mündlicher Ansknnft sind wir bereit. NaMer-liteLMjjverLni„SewefeSder»" Steindruckei* und Litliographcn. Am Sonnabend, den 28. Juni, in Weiinaun's Volksgarten (Gesundbrunenn): plp L Stiftungsfest.-MZ (ßtoTita Docnl- nnd Instrumental-©onrert unter Leitung der Herren Thenev«. Langer. Auftreten berühmter Spezialitäten. Crosse Fackci-Polonaise, wozu jedes Kind eine Stocklaterne gratis erhält.— Die Kaffeeltiiche ist von Ä Uhr an geöffnet. Anfang 5 Uhr. Entree 30 Pf. An der Kasse 40 Ps. Der Reinertrag fällt der Wittwe des Verstorbenen Kollegen A. B a st i a n zil. Billets sind zu haben bei: Ad. Neumann, Brnnttenstr. 101, 2 Tr., P. Gent, Kottbuser Damm 6, 3 Tr., und in den mit Plakaten belegten Handlungen. 2152 Üudeigsii UeinlhaBHit Uhrmacher 94 Lindeustrasse 94 neben der Markthalle empsiehlt Silkerne Rcmontoirs für Damen u. Herren in großer Auswahl von 20 Mk. an. Reichhaltiges Lager goldener Damen» und Herren-Uhren zu reellen festen Preisen. Regulateure mit Schlagwerk in den neuesten Mnslern von 25 Mk. an. Varantie für jede ZIhr auf die ganze Dauer dersellien. Reparaturen i morde,»?it reellen Preisen berechnet. Echten 700 iillser Ksril [k Fl. excl. 75 Pf. Bnl. MraMSmiiitl 90 Ps. 3«86(rIifl»(«t,ta,,,,SS7r,lau S!«ttchst,�'S'V�u« Kopc'» ntr" einpsiehlt die Groß-Destillation von Lettau& Keil, SoST an der Nosenthalerstraße. Geschästsschluß Abends 8 Uhr. Berantivortlicher Liedakteur: Eurt Kaak« in Berlin. Druck und Verlag von Mar Kading in Berlin SW., Leuthftraße 2. 2» Beilage Nr. 146. Freitag, den 27. Juni 1890. 7. Jahrg. „ Im kjii, blick auf das 4�0 jährige Kuteuberg-Jubi- lau», dürfte auch der ersten Berliner Buchdrucker zu gedenken sein. Ter erste derselben war Hans Weiß, welcher bereis zu Wittenberg in den Jahren 1525—1589 einige Bücher gedruckt hatte. Er war, wie aus dem von Kurfürst Joachim II. ihm de dato Kölln an der Spree, Dienstag nach Jubilate 1540 verliehe- «en Privilegium hervorgeht, auf des Kurfürsten„gnediges erfor- dern und begehren" mit seiner Druckerei„anhero" gekommen. Weiß wurde durch das Privilegium in der Art geschützt, daß Lcachdrucker seiner Bücher 59 Gulden Strafe zahlen mußten, von welchen die eine Hälfte an ihn selbst und die andere an die Ge- richtshalter eines zeden Ortes, da die„übertrelter" befunden, zu entrichten war. Eins der ersten Werke, welche zu Berlin ge- druckt wurden, war die iin Jahre 1549 veröffentlichte neue Kirchenordnung, mit deren Abfassung Joachim II. den späteren Generalsuperintendent Stratner uild den Tom- probst Buchholzer, unter Ober- Aufsicht des Bischofs Matthias von Brandenburg nach Vcrhandlnngen mit Melanch- thon und Luther beauftragt hatte. So fällt die erste Leistung der Vuchdruckerkunst in Berlin mit der Einführung der Resor- niation in der Mark Brandenburg zusammen. Jener erste Drucker Hans Weiß druckte auch für Agrikola mehrere Bücher und soll aus diesen» Grunde den berühmten Theologen veranlaßt haben, in» Jahre 1549 aus Eislcben nach Berlin zu ziehen. Aach Weiß Tode wurde Thurneysser der Drucker Berlins. Seine Lebens- schicksale sind schon zur Genüge geschildert worden. Als der Nachfolger des berühmten Mannes kann wohl Georg Runge ans Damm gelten, der im Jahre 1L2I ein ausschließliches Buchdrncker- privilegium für Berlin und Kölln und freie Wohnung im Grauen Kloster erhielt. Dieser Runge ist auch,»vie Emil Dominik im Bär, Jahrgang 1831, nachgewiesen hat, der erste Berliner Zeitungsdrucker und Zeitungsverleger ge>ves«n, die betreffende Zeitung, deren Schristleiter Christoph und Veit Frischmann waren, erschien im Jahre 1919 und trug als Kopf die i druckten„Relation Aller Fürnemmen waren, erschien im Jayre mv nno»mg m» vn Aufschrift:„Zeitung auß Deutschlandt. Welschlandt, Frankreich, Böhmen. Äunaarn. Riederlandt und andern Orten ivöchentlich m Jahre 16 Aunge im Buchhändl> vrucrlen„bteiation Aller Fürnemmen im» gri-r»- y... Histoneit", von welcher sich der fast vollständige Jahrgang 1699 »n der Bibliothek zu Heidelberg befindet, und mit dem von Ege- —---~°...„ yl) s„, „Qgnuni Böhmen, Hungarn, ptiederlanoi uns anoern«jiwu jufömmen getragen, im Jahre 1619". Es gehört demnach dieses Berliner Blatt von Runge im Verein mit der schon vor 1699 v-n dem Straßburger Buchhändler Joh. Carolus ivöchentlich ge- ornckten„Relation Aller Füruemmeii und gedenk ivürdige» � ö» Heidelberg befindet, und mit dem von Buchhändler und Drucker zu Frankfurt a. M, gegründeten„Frankfurter Journal" zu den nachiveis- Geltungen Deutschlands. Die Entivickelung der Buch- "lab,-- sich in Berlin ziemlich schnell. Schon im lianb»» waren, wie Nicolai niitthcilt, 14 Druckereien hier vor- fol-b» u.r,'?..?elchen zivei nur hebräische Bücher druckten. Eine uebr.,,f,s,» b-sak die in der Svandauer Straße fnMi« t r"0" welchen zivei nur hcormfcye-oucyrr ui»««... nab- � Buchdruckerei besaß die in der Svandauer Strc toJ,;,?1". yofwtol gelegene jüdische Freischule. Jetzt arbeile» weniger wie 496 Buchdruckereien. v'ddefttitjj am Kuachrnl'u» he« meufchtichen herum im»vetten'Kreffe ziehe!»" EinkluK,- Üch langsam vollzieht und anscheinend durch de» ringer-, Friedenstraße, die köniaaruii-v n»ÄÜ?� LotH- ."'.fe Kulturv.rbälck.iiki b-dinat wird, erörtert W. Pfitz-"""d G,tsch.ncr- und Skaljtzer- »er m einer an-non,!rer»iicy»ng................. große Zehe des menschlichen Körpers sind,»vie Jedermann»veiß, Zweigliedrig, alle übrigen Finger und Zehen dagegen dreigliedrig oder wurden bisher gewöhnlich dafür gehalten. Pfitzner unter- suchte eine größere Anzahl menschlicher Fußskelette und fand, daß die kleine Zehe nicht selten zivcigliedrig ist,»vobei sich denn deutlich erkennen läßt, daß das Mittel- und Endglied durch ein enges Jncinanderivachsen verschmolzen ist, jedoch so, daß sich die Grenzen der beiden Glieder noch deutlich unterscheiden lassen. Pfitzner berechnet aus seinen zahlreichen Beobachtungen, daß 36 pCt. aller Skelette diese bemerkensiverthe Erscheinuiig zeigen, so daß also etiva jeder dritte Mensch ziveigliedrige kleine Zehen haben würde; in der Regel sind die kleinen Zehen an beiden Füßen ziveigliedrig. Bei Frauen»vird die Erscheinung öfter beobachtet als bei Männern. Man denkt naturgemäß zuerst an Cchuhdruck und ähnliche in den Bekleidungsverhältnissen liegende Ilinstände,»velche diese Verivachsung der ursprünglich getrennten Zehcnglieder veranlaßt hat; hiergegen fpricht indeß, daß bei Kindern von der Geburt bis zum siebente» Lebensjahre die Verivachsung ebenso oft»vie bei erivachsenen Personen vorkommt und ferner, daß die Leichen,»velche an die Anatomie eingeliefert worden und an denen die Beobachtung gemacht»vurde, nicht ans den Gesellschaftskreisen herrühren, die besonders enge Schlihe tragen. Aus allen diesen Umständen schließt Pfitzner, daß die kleine Zehe des Menschen jenes Stadium durchinacht,»velches die Physiologen als„Rückbildung der Gliedinaßen" bezeichnen. Diese Rückbildung findet statt, ohne daß nian eine mechanisch»virkcude �■■ v?---->--- t'-'-•• uuw Ni;«.uut)C4"- straße. Und als dritter Gürtel, allerdings»n der Zeit, die keine Einschließung mehr nöthig hat, sielt t sich dann der Thetl der vor zivei Jahrzehnte» projeklirten, aber bisher nicht fertig ge- »vordene» Ringstraße dar. von der eii» Theil die Gneisenau-, Port-, Büloivliraße u. s.>v. sind. Von der ersten Mauer Berlins fiel das letzte Stück vor jetzt fünf Jahren, als die Kaiser- Wtlhelnistraße durchgebrochen»vuroe und in das Gassengeivirr Bresche legte, das sich innerhalb der Neue» Fricdrichsiraße hinzog. Nur der„Kalandshof" ist von jener Zeit geblieben, ein ehe- maligcs Kloster, an den sich die Erinnerung wüster Orgie» knüpft, und der sich in der uninittelbarsten Stahe jener Gasse mit dem verrufenen Viamen befand, die bis in die jüngste Zeit hinein be- stehen konnte, ehe sie fortgefegt»vard. Tie ziveite Mauer siel theiliveise in» Jahre lb68. Aber die beiden Mauer»», die aus Berlins grauesrer Vorzeit und die aus jiingerer Vergangenheit unterscheiden sich doch wesentlich von einander. Die erste »var»vohl geeignet, bei guter Vcrtheidigung einen» An- stürm eine Zeit hindurch Stand zu halten, sie»vnr stark und fest gefugt. Die ziveite kau, mehr aiif eine Spielerei hinaus, sie sollte»vohl hauptsächlich die Steuerkontrole an den Thoren möglich mache»». Denn bei einigermaßen gutem Willen konnte ein geivandter Mann sie überklettern, und als sie die ersten Anzeichen von Altersschwäche gab, ärgerten die Berliner Jungen die Schutzleute dadurch, daß sie Löcher in sie schlugen und durch dieselben an der innerhalb der Mauer befindlichen .Kommunikation" in die außerhalb derselben laufenden„Thor- str»ßen" krochen, sobald sie für«ine Ungezogenheit gefaßt»verde»» follten. Noch in» Jahre 1879 bestand übrigens das letzte Ueber- bleibsel der Klingelbahn, auf der damals sranzösische Gefangene transportirt wurden und auch von ihr ist noch ein letztes, nur Nachts befahrenes Stück Geleise in der Gitschinerstraße als Zufahrt für die Gasanstalten. Von der innersten Seite mit der stark be- festigten Mauer bis zu dein heutigen Berlin, das ganze Dörfer i»nd Orte in seinen Fangarinen herbeizerrt zu seiner Vergrößerung— welch' wunderbare,»inmer von Neuem»n Erstaunen setzende Eni» »vickelung! Ztnrch dir intmev grösirrr A»«vl>»'eiitlng de?„glatt«»» Pflaster»" in perlin ergeben sich n,it Slothivendiakeit einige Reformen des FuhrivesenS, auf welche von fachmännischer Seite in bcachtensiverther Darlegung hingeiviesen»vird. Die Droschken- kntscher sind, so wird versichert, erprobte Fahrer. Wagen und Pferde stehen beständig unter Koutrole der Behörde»»»»d lässig ist kein Kutscher, denn er»veiß, daß ein vcrurtheilendcs Erkeiintniß des Gerichts seine Existenz vernichten kann. Die Frage ist also gerechtfertigt. Steht in Berlin die Kunst des Wagenbaues auf der Höhe der Anforderungen, die eine Weltstadt»n Bezug auf sofortiges sicheres Hemmen an das Fuhriverk stellen muß? Die Antwort ist: Nein! Es klingt wie kleinstädtischer Spott,»venn man liest„obivohl der 5kntscher die Pferde zurückhielt, rollten die Räder doch über Brust und Arme des unglücklichen Kindes." Als ob die Pferde, die auf glatter Bahn, auf nassen» Holze oder Asphalt sich selber kaum halten könne»», im Augenblicke der Gefahr im Stande»vären, den Wage» zum Stehen zu bringen. Neben den» Mangel guter Hemmvorrichtungen sind die sinnlose» Scheuklappen der Pferde für manches Unheil verai»t>vortlich. Im öffentlichen Fahrdienst ist die Vmvendtlilg blinder Pferde polizeilich verboten, dennoch blendet man das tlllge schöne Auge des Pferdes durch die Scheuleder so, daß das ?I>jor nur einen schmalen Streifen der Fahrbahn sehen kam». Es stallt den Knaben erst, wenn er unter den Hufen liegt. Ohne die LeHtblende weicht das Pferd den» Hinderniß freiwillig ans oder sprikgt darüber hiniveg. Fori also mit den Scheuklappen und kräftiges Hemmzeug an die Räder, dann»vird man nicht mehr erzählen können, daß in Berlin in einem Monat mehr Glieder durch Wagen gebrochen werden, als auf allen deutschen Eisenbahnen im Laufe des ganzen Jahres. Die Berliner Omnibusse haben bereits seit lange eine Hemmungsvorrichtung und ebenso ist die Zuläsfigkeit der Scheuklappen-Abschaffung glänzend beiviesen, da weder die Thiers der Berliner Pferde- Eisenbahn, noch die der Berliner Fenerivehr Scheuklappen tragen. An» am Tkirnstag in der Provinz nirdrrgraanar»« Nciuitter hat in Gadsdorf Entsetzliches vollbracht. Wie nach- träglich berichtet wird, befand sich daselbst»vährend dieses Ge- »vitters der Büdner Goltsried Mehlis mit seinen vier immündigen Kindern auf dem Felde bei der Arbeit. Die Frau desselben»var an» Morgen nach Zossen gefahren, um Einkäufe zu machen. Als dieselbe Abends hemikehrte und ihren Mann mit den Kindern noch nicht zu Hause traf, beunruhigte sie sich weiter nicht über das Fortbleiben der Ihrigen, sondern schickte sich an. Abendbrot zu machen. Da kam eine Nachbarin»»nd erzählte, wie daS Ge- »visier gehaust hat. Sofort befiel Frau Mehlis eine unheimliche Angst um ihren Mann»md ihre Kinder,»veshalb sie sich mit mehreren anderen Dorfbewohnern„ach dem Felde aufmachte,»>m ihren Mann}»» suchen. Bald fand man ihn, aber todt am Boden sitzen. In seinem Schooße schlummerte»vohlbehalten das jüngst» Kuäblein. Daneben lag»vimmernd das ziveitjüngste Kind,»vel- ches vom Blitz nur stark verbrannt»var, nild in einiger Ent- fernung schliefen, ebenfalls vvln Blitz erschlagen, die zivei anderen Knaben,»»» nicht, nieder zu erwachen. Das ist das Kerlinrr Lrb«»»,»vir es»uriut ni»d lacht! Dieser Refrain kommt einem»»nvillkürlich in den Sinn,»venn man Morgens zeitig die Straßen Berlins durchivandert. Vom großen Geräusch des Tages ist nicht viel zu sehen. Die Häuser stehen verschlossen da»nid mir die Vorboten des Lebens»md Treibens sind ans den Beinen gleichsam dieses einleitend. Da sieht man im gestreckten Trabe die Milchfnhrivcrke nach den Bahnhöfen fahre»,»»in den Erivachendci» sofort frische Milch und Sahne, je nach dem Geldbeutel des Empfangenden verabreichen zu können. Aus der Peripherie eilen die Fuhrwerke der Grün- kramhändler nach den mehr»»ach dem Zentrum hin gelegenen Markthallen, nn» von den dort eingetroffenen Bauern, Gärtnern und Großhändlern den Bedarf des Tages ein- zukaufen. Es herrscht hier ein reges Leben und Treiben, das es für den Augenblick vergessen läßt, daß erst die vierte Stunde nach Mitternacht begonnen. Hier und dort sieht man die Zeitnngs- fralien nach den Expeditionen eilen, deren einige bereits kurz nach drei Uhr Morgens geöffnet sind,»im auch für die geistige Speise deS erivackienden Pnblikuins zu sorgen. Aber auch Liebe und Leidenschast, Reichthum und Elend giebt in den Morgenstunden sich geivisscrmaßen RendezvonS. Man sieht Droschken mit Paaren. die auf den» Balle sich gefunden, nach Hause fahrend die Straße»» kreuzen, ganze Gesellschaften auch zu Fuß in lebhaftem Geplauder nchdrnck verbot«»». Ein Soutttag-Uachmittag. Riva am Gardasee, Mitte Juni. Ich bin allein. Alle sind fort, sich zu erlnstigen, sich zerstreuen. Grabesstille herrscht im Hause. Ich rücke einen Tisch ans den Balkon, denn es»vill niir scheine», ß die Schatten in der Tiefe des Zimniers dunkel genug ld zum Hintergründe für ein Schemen. Leicht könnte in ncn das blasse, junge Weib austanchen, das sie iin Vor- '" in de,» stillen, ivinzigen Friede schenden Stille beginnt es, sich zu regen. Tie Olivenbemmc unten schütteln sachte ihre Ziveige uild kühl weht es mich an. Das Gaisblatt am Balkongeländer rauscht und seine röthlichcn Blüthen schivankcn im Windhauche. Unter mir »vird ein Fenster geöffnet, ich schaue hinab. Aha, der schivarze Lockcnkopf ist es, der auf Nnminer 9 wohnt. Wie tief die grauen Augen sind, die unter diesem Gelockc in die Welt schauen und— in welche Welt lassen sie schauen! Ist es schlummernde oder gebändigte Leidenschaft, die in ihnen znivcilen auflacht? Schon gestern mußte ich niich dies fragen, da der hübsche Inhaber dieses.Kopfes ...... wv------.-i— Mtr ... oas inaiK, inngr'„.'mWi» Fried- gegenüber Hühner-Fricassäe verzehrte und dabei grollend ce von hier hinaustrugen zu dn» stillen,'vuizigen �».» schmachtend in die Weite sah. Ein Pole ist er, zer- auf den ernst»md erbarme, � � n � interessant, wie seme gm.ze Nation. Aber er»st -> � MM»'" keineswegs ein gediegener Mensch. Em Man»», der unt so vielen Kollis reist, ist niemals gediegen. Er beginnt jetzt zu summen. Natürlich erwarte ich eines der träumerischen auf den ernst NIIV rrvcumri.» v.v �v.a........ Ich, kenne gar genau die Geschichte der Armen, und hat die Geschwätzigkeit, die sie mir erzählte. Eines darin , essen— das ich später selbst ergrübclte. Als ich eiinnal»vährcnd eines tüchtigen Regens,,............. er dem geschlossenen Felister stand und in die Gegend Lieder seines Volkes iind natlirlick, us sah, las ich den Namen„Paul" auf emer der singt eine Ztz-alzergAc.,,it il! d /in- n �'"ttänscht. Er ""h w.(„nj, o, J a M vi ffe iicii Text ciben. Wie ein Thränciischailer stoß der Regen darüber hin Tie kranke Frau hatte den Namen dort hinciiigeritzt es war der des von ihr geschiedenen Gatten. i Sie war nicht nur an der Krankheit gestorbei», die der tor»nit lateinischein Namen nanitte— das ivnßte ich > aus einer anderen Quelle. In der Schreibtischladc e ich beim Einräumen meiner Papiere einen zerkaiittteii wieder glatt gestrichenen Zettel gefnildcn und darauf Worte:„Lieber, lieber Paul." Weiter war sie nicht limnei», als zu diesein licbkosendcii Gedanken, dem sie leicht nur deshalb nichts hinzufügen wollte,»veil es hätte Vorivurf sein»iiiissen. Wie ein Siegel lag unter diesen Worten eine Thranen- Lange denke ich der Todten. In der um mich herr- itiii) er singt noch dazu falsch. Ich rücke lebhaft mit dein Stuhl und der Sänger schiveigt. Bald daraus tritt er aus dein Hanse. So zierlich ist er mir gestern nicht vorgckom- »»eil und da er einem der vor dein Thore promenirenden Stubenmädchen zulächelt, sehe ich eine Reihe kariöser Zähne. Vielleicht sind st schuld, daß er das Fricassee scheinbar so erdabgcivandt gegessen. Ein Herr tänzelt ans ihn zu:„Grüß Dich! PZohcr? Wohin? Zu »u, serer Truppe? Köstlich! Du»vir hier tanzen? Na, die armen Weiber!"— Arm in Arin gehen sie miteinander »veiter. Also Tänzer ist er! Nun, es»nuß auch solche geben! — Ueber den See zieht es schivarz herauf.— Wird es ein Sturm? Habe»» seine Vorboten, die Stille und die Schivüle, mich so grämlich gemacht? Aber, ich bin es ja gar nicht, int muß ich lachen, sehe ich aus das Pärchen unter meinem Fenster. Wie unvermählt sind da noch die Baucrninanicren mit dem städtischen Putz. Sic ist eine der Hausmägde, welche heute vergeblich die Dürftigkeit ihres Haarwuchses unter einem Hute z»i bergen sucht. Sie hat weiß- zwirnene Handschuhe auf die derben Hände gestülpt und hält krampfhaft das große, im„Zips" gelegte Taschentuch nniklannnert,»vährcnd die zweite Hand konvulsivische Beivegungcn mit dem Fächer macht. Alles umsonst! Eine Köchin»vird niemals eine Lady. Arme Nationaltracht, die sich schon überall vom städtischen Kleide, das fast immer eine Jahreszahl trägt, schindeil lassen niitß! Jetzt sehe ich, wie grob-häßlich die sonst nur dralle Nina ist. Ihr Begleiter paßt ilnr zu gut zu ihr. Sein ganzes Aeußere ist eine große Lächerlichkeit. Seine Mistgabel- gewohnten Hände schienen mir nie so umfangreich zu sein, als heute, da sie ein lächcrlich-dümies Spazierstockchcn lächer- lich diiinm gebranchen. Die Zwei verschwiilden im Hause. Auf der Straße wn- es lebendig. Leute eilen von allen Seiten her, um noch rechtzeitig heimzukomineii. Die Kellner drüben nehmen daS Tischzeug von den Tischen, die im Freien stehen, und ein altes Mütterchen stellt einen Myrtheiistock in die Gosse, danil schließt sie sorglich das Fenster. Richtig kommt ein prächtiges Wetter über die Alpen her. Der Monte Baldo, der an dem östlichen User des Gardasee's sich hinzieht, wird von den Düilstcn verschleiert, die, ans dein heißen Boden steigend, sich iin kühlen Lust- hauche verdichten. Bläulicher scheinen die fernen Wälder und dunkler die weite Wasserfläche. Mit Windeseile ziehe,» die Wolkenhcere heran. Noch einige Augenblicke lang leuchten die hellen Häuser weiter unten in der Bucht aus dem glänzciiden Lorbcrgrün, dam» strecken sich auch zivischcn ihnen und die Sonne die Wolkenkoulissen nieder. Schon»st ringsum der Kranz der Berge von tieshängendem Geivötk beschattet, das bald auf ihren Gipfeln lagert. Eine blei» ihre respektiven Wohustätten aufsuchen. Die Wiener Cafss, diese Einrichtungen der Weltstadt, sie leeren sich allmälig. Eine bunte Gesellschaft ist es, die diesen entströmt. Nachtschwärmer, die anderweitig ihrem Bedürfnisse, ihrem Kater eiu Paroli zu bieten, nicht nachkommen können, gewisse Damen der Halbwelt mit ihren Beschützern, die nach der Nacht Last und Mühen ein wenig Stärkung sich geleistet, wobei nicht selten des Guten zu viel gethan worden und vereinzelt Bergnügungsreisende aus der Provinz, die Berliner Lokalstudien getrieben haben. Kleine Trupps junger Leute ziehen durch die Straßen, ihren Affen so viel wie möglich balanzirend, da und dort von den Hütern der Ordnung bei zu tollem Treiben angehalten. Aber auch das Elend, nicht nur das glänzende sondern auch das nackte ist niemals besser zu sehen als gerade jetzt. In den etivag_ zurückgebauten Thorwegen trifft man nur zu häufig Schlafende, die keine bleibende Stätte jahraus, jahrein haben, diese Parias der menschlichen Gesellschaft; Laster und Leidenschaft, sowie das Elend haben ihnen ihren unver- rennbaren Stempel aufgedrückt. Beim Beginn der fünften Stunde ändert sich das Bild. Die ersten größeren Trupps der Arbeits- dienen beginnen auszuschwärmen. Bäckerjungen, Milch- und Frühstücksträgcr gehen von Haus zu Haus, die ersten Bau- und Fabrikarbeiter, die weit nach den Arbeitsstätten zu lausen haben, gehen im Eilschritt ihren Arbeitsstätten zu. In der sechsten Stunde folgt dann das Gros der Arbeiter; die Weltstadt ist er- ivacht und in ihrem bunten Getriebe verlieren sich zum größten Theil diese scharf umgrenzten Linien. Wie mühselig einzrlne Arbeiter der Wilitür-Merlt- staitrn infolge der Wohnungsnoth in Spandau ihr Brot ver- dienen müssen, dafür wollen'wir hier nur ein Beispiel anführen. Ein Arbeiter des Feuerwcrks-Laboratoriums, der in Charlotten- bürg in der WilmerSdorferstraße wohnt, ist in derjenigen Sektion des Instituts beschäftigt, in welcher die doppelte Tagesschicht, von Morgens 4 bis 1 Uhr und von Mittags 1 Uhr bis 1» Uhr Abends eingeführt ist. In der Woche, in welcher er in der Morgenschicht arbeitet, ist er genöthigt, den Weg von seiner Wohnung nach Spandau, etwa IVs Meilen, zu Fuß zurückzu- legen; er muß seine Behausung zu diesen» Ziveck schon Nachts IVe Uhr verlassen. Das Fahrbillet kann er in einer solchen Woche nur für die Rückfahrt benutzen, denn vor 4 Uhr lviorgens geht bekanntlich noch kein Eisenbahnzug zivischen Charlottenmirg und Spandau. Der Mann hat sich bisher vergeblich bemüht, in Spandau eme Wohnung zu finden; und so,»vie diesen», geht es sehr vielen. Ißin Kinbruchsdiebstahl verbunden mit Brand- stiftung ist in der gegenwärtig unbewachten Wohnung des Ba-.ikier Grafs in der Burgstraße verübt»vorden. Als der Portier des Hauses am Morgen den Hof betrat, fiel es ihm auf, daß unter dein Küchenfester der©.'scheu Wohnung die Hoflciter staild. Er schöpfte sofort Verdacht, daß ein Einbruch verübt»vorden ist und begab sich daher in die G.'sche Wohnung,»vo er feinen Verdacht bestätigt fand. In der von der Küche nach der Wohnung führenden Thür»var die Fültuug herausgeschnitten und an der Erde lagen kleine Stucken Holz, welche übereinander- gelegt und in Brand gesteckt»varen, so daß der untere Theil der Thür angekohlt ist. Die sofort von den» Vorfall in Kenntniß_ gesetzte Kriminalpolizei stellte zunächst fest, »velche Gegenstände gestohlen»vorden sind, un» alsoann die nöthlgen Erinitteliiugen nach den Thätern einzuleiten, die auch bereits gestern zi» der Verhaftung der bei G. früher thätigen Arnme Louise Preuße geführt hat, da bei ihr ein Theil der ge- jtohlenen Sachen vorgesunden»vurde. Die P. hat den Diebstahl mit einem Komplizen ausgeführt, und um den Verdacht eines Einbruchs zu beseitige»», das Feuer angelegt,»velches jedoch nicht ziim Ausbruch kam. Die Verhastete zog sich sodann ein neues schwarzseldenes Kleid der Frau G. an und entfernte sich mit einen» großen Packet gestohlener Gegenstände, ohne von dem Revwrwächter, der sie ans den» Hause kommen sah, angehalten zu werden. Nach dem Komplizen der P. wird noch gefahndet. � Ein ittternntioniiler riochllapler, der auch in Berlin eine Gastrolle gegeben hat, ist dieser Tage in Como verhastet morden. Derselbe hatte seit Jahren den ganzen Kontinent durchstreift u»>d »n den verschiedenen Städten Einbrüche und Diebstähle verübt. Sein Name ist Antonio Camporini. In Berlin hat der aus Mailand strniimende Verbrecher 30 000 M. gestohlen; es war»hm gelungen,»nit seinen Genossen rechtzeitig zu entkommen. Von der deutschen, österreichischen, schiveizerischcn und französischen Polizei sind gege»» ihn Steckbriefe erlassen. In Como»vurde er bei einen» Silberdiebstahl abgefaßt. Nun»vird er den betheiligten Behörden der Reihe nach behufs Bestrafung misgeliefert werden. In Berlin hatte Cainporini sich unter anderein Namen aufge- halten. polizribericht. Am 22. d. M. stürzte ein Arbeiter, als er sich nach seiner im Keller des Hauses Holzmarktstr. 37 belegenen Wohnung begeben ivollle, verniuthlich in der Trunkenheit, die Treppe hinab und erlitt hierbei eine so sch»vere Gehirnerschütterung, daß er bald darauf in» Krankenhause am Friedrichshaii»,»vohin er gebracht»vorden war, verstarb.— A»n 25. d. M. Nachmittags fiel ebenso im Hause Klosterstr. 30 ein Mann im trunkenen Zu- stände die Treppe hinunter und erlit thierbei so schwere innere Ver- letzungen, daß er mittelst Krankeiiivagens nach der Charitee ge- bracht»verde» mußte. farbene Regemvand senkt sich iiieder, sie ist scharf adgc- schnitten an beiden Seite»», ui»d wo ihre Wasser in den See gehe»», hat er sein Vlan»ind seinen Glanz verloren und sieht ruhig und trübe aus. Ncberall sonst aber tanzen auf seinen zrickenden Wellen»veiße SchailNlstreifen,»nid die wenigen Parken, welche noch draußen sind, beeilen sich, an das Land zu kommen. Blan-gelbe Blitze zucken durch die Wolken ui»d ferner Donner»vird hörbar. Grollend ai»tivorten ihm die Berge. Jetzt»vird es plötzlich fmster über»nir ui»d kalt u>»d luftbeivegt. Das Wetter»st da. Die Straßen sl»>d leer, die Fenster und Thore geschlossen und ringsum herrscht Stille. Wenn die Nat»lr so laut spricht, verftmnmen die Menschen. Nichts Lebendes ist zu sehen, nichts Lebendes, als die Natur selbst, die grollt und»veint. Der Tag der Ruhe ist ein Tag grauscnden»md doch segen- bringenden Schaffens für sie geworden. Nicht ei»dcn»vill das Toben da draußen. Längst ist der Myrtheitstock dort»inten sortgcschivcmnit, denn schon geht ein kräftiger, d. h. ein tcidenschaftlicher Regen nieder. Und das ist gut, denn drüben an der Berglehne leuchtet plötzlich ein breiter, rother Schein auf, der»m fallende»» Regen bald wieder schivächer»vird. Was der Blitz ver- brache»», das»nacht der Regen wieder gut. Bor»nir herrscht unruhige Däminernng, hiiltcr mir ist es fast Nacht. Univillkürlich trete ich näher an das Fenster. Unter den rmnenden Wassern lese ich wieder das Wort, das die Sehnsucht hineingeritzt. Habe ich geseufzt? That es die Ai»dere?..... Auguste G r o n e r. Soziolr litstrerpiökzk. 3m« Manrerstveik in HniubnrK. Acht Wochen liegen die Hamburger Maurer bereits in einem Streik,»vclcher durch die ungeheuerlichen Maßregelungen des' Unternehmerthums, besonders der Jnnungsmeister, aniäßlich der Maifeier(es»vnrden 3000 Maurer auf's Pflaster gesetzt) inszenirt»vurde. Der Kamp' ist fchiver. Eine große Anzahl von Kollegen sind hinter Schloß »md Riegel gesetzt, obgleich sie»veiter nichts verbrochen haben, als von den» ihnen gesetzlich geivührleisteten Koalitionsrecht Gebrauch zu mache»»,»nn zugereiste indifferente Kollegen von der Sachlage zu informiren und zu überzeugen. Aber jede Annäherung an einen solchen von den Unternehmern herbeigeschleppten Maurer»vird init sofortiger Verhaftung geahndet. Ja, es ist vorgekommen, daß selbst zugereiste Maurer, die zllsällig sich begegneten, verhaftet wurden,»veil man vermuthete, der Eine»volle den''Anderen zur Ab- reise bewegen ic. Die Bauten sind vielfach mit Polizei besetzt i»nd von den Bahnhöfen»verde» die Kollegen unter Schimpf- »vorteil, wie Flegel, Faullenzer»». s. w. von den Polizeimann- schasten veriviesen. Ein Fingerzeig dieses oder jenes Unter- nehmers genügt zur sofortigen Verhaftilng. Die Unternehmer dagegen haben den größten Spielrauin und genießen die Für- sorge der Behörden in: größten Maße. Sie haben volle Freiheit auf den Bahnhöfen und dürfen sich sogar Mißhandlungen an Streikenden erlaube»», ohne daß es bisher bekannt geivorden»väre, daß einer von diesen Herren dafür»n's Gefäugniß wandern müsse. Es hält also unter solchen Verhältnissen schwer, den zugereisten Kollegen beizukornmen und sie zur Abreise zu bc- ivege», trotzdein Geldmittel genügend vorhanden find. Tie Bahn- Höfe sind mit Polizei besetzt, die Schlafstellen und Bauplätze ebenfalls, also»vas da thun? Die Hamburger Kollegen haben in ihrem ruhigen nild be- sonnenen Borgehen sich durch nichts beirren lassen. Alle stehen »vie zu Anfang fest zusaininci» und die Gegner»verde»», mögen auch noch so harte Mittel angeivendet»verden, sie von dieser Bahn nicht verdrängen. Sch»ver ist der Kampf, Kollegen! Mit den» Unternehinerthiim i>n Baufache wären»vir längst fertig, d. h. sie lägen längst nute», wenn nicht die Großkapitalistei», wie Kallfleute und Industrielle, sich so eng verbunden und große Sniiimcn fiir die Herren In- nllngsmeister hergegeben hätlen. Wir»verde» aber auch diesem Kartellseind Widerstand leisten und hierzu richte ich besonders diese Mahnung an die Kollegen, welche sich schon»vochenlang außerhalb ausgehalten haben,»im so den Sieg erringen zu helfen. Kollegen außerhalb, die Ihr die Heiiustätte verlassen habt, harret noch eine Zeit lang aus! Mach» die größtinögliche Pro- paganda allerorts, uin neuen Zuzug zu verhindern. Eintausend Mann sind es erst,»velche hier im Ganzen arbeiten; diese können uns den Sieg nicht illusorisch mache»», da sie meistentheils den hiesigen Anforderungen nicht geivachsen sind. Also thnt,»vas in Euren Kräfte»» steht und harret aus! Mit kollegialischen» Gruß A. Daininann, Maurer. Hamburg, den 25. Juni 1890. NoriTmmnlmrge«. Mne Generalurrsammlung der Diminerer von!!irdorf, Arifi und Zlmgrgend fand ain 15. Juni statt. Aus der Tages- ordnung stand: I. Bericht über den Handiverkerstand. 2. Lohn- frage. 3. Verschiedenes. Zum 1. Punkt der Tagesordnung hielt Herr Ortland einen Vortrag über die Beschlüsse des Handiverker- tages. Zum 2. Punkt„Lohnsrage" legt Herr Ortland die Roth? »vendigkeit klar, daß ein Jeder dahin»virken»nässe, die Sonn- tags- und Ucberftuudenarbeit gänzlich aus der Welt zu schaffen, damit znii» Theil die auf der Strafe liegenden Kameraden Be- schäftigung erhalten. Dann»vies Redner auf den gerechtfertigten Streik der Zimincrer in Hainburg hi». Man müsse dieseibcn unterstützen, denn»vei»»» die Hamburger Kameraden siege»», dann erringen auch»vir»vieder Achtung bei den Meistern. In dieser Sache sprachen noch die Kameraden Preissing, Peter, Schäfer. Die beiden letzteren lobten sehr die gute alte Zeit, wo die Zunft noch Geltung hatte und sich nicht jeder Schulter oder Schneider Zimmerer nennen durfte. Kamerad Geffrois betonte deingegcitüber, daß die jetzigen Berhältitisse bedeutend besser seien. Der Arbeiter sei jetzt ein freierer Mann. Früher»var der Zun- merer vom Meister abhängig, und»venn er dem Herrn Meister nicht mehr gefiel, entließ er denselben ganz einfach, ohne daß er »vieder bei einem anderen»veiter arbeiten durfte. Darauf wurde folgender Antrag angenommen:„Die heutige Generalversaminlilng der Zimmerer von Ripdorf, Britz und Umgegend beschließt, mit allen zu Gebote stehenden Mitteln die Hainbnrger Kaineraden zu unter- stützen. Kamerad Preissma thcilt mit, daß die Hamburger Zimmerer für eine» billigeren Lohn in Berlin arbeiten als'die hiesigen; das»väre nicht lobensiverth. Herr Ortland versprach, in dieser 'Angelegenheit Abhilfe zu schaffen. Zun» Punkt„Verschiedenes" be- schloß man, daß nicht mehr»vie bisher die Verfaininlung alle 14 Tage stattfinden soll, sondern alle Monat. Die entstehenden Kosten könnten zu einen» besseren Zweck venvendet werden. Die Bekanntmachung soll nicht»nehr durch Plakate, sondern in»„Ber- liner Volksblatt" oder den»„Ziminerer" geschehen. Eine öst'enttiche Uerfammiung der Lohsrrbrr und Leder'zni.'ichtee Berlins fand an» Mittivoch Abend unter dem Vorsitz des Herrn K r a»v c z a ck iin Lokale des Herrn Haas?, Große Frankfurterflr. 117, statt. Auf der Tagesordnung stand als erster Punkt ein Vortrag des Rcichstagsabgeordneten Schumacher; derselbe»var aber an» Erscheinen verhindert und man ging deshalb zunächst dazu über, Stellung z»lr Streik- Kontrolkonünission zu nehmen. Nach längerer Diskussion wurden die Herren Brendel und Busse in die 5ko»»iiiisston geivählt. Hierauf reserirte Herr Busse über den Elmshörner Streik. Kollege Kopas habe von dort ans mitgetheilt, daß der Streik aufgehoben»vorden sei; bei den großen Ar- beitseinstellnngen an anderen Orten habe nian auf entsprechende»naterielle Hilfe nicht rechnen können und so sei»nan, nach elfivüchentlichem Ausharren,»»nter- legen. Das Ende des Streiks sei auch der Grund des Nichter- scheinens des.Kollegen Kopas zur heutigen Versammlung. Vor acht Tagen habe derselbe noch fest auf den Sieg gerechnet, allein die»nangelnde materielle Hilfe habe die Hoffnung zu Schanden gemacht. Von Berlin aus habe man z»var 800 M. zur Unter- stntznng gesandt, doch hätte die Summe»veit größer sein können, »venn sich alle Kollegen rege an den Sainmlungen be- theiligt hätten. Ein kräftigeres Zusaninienhalien sei also erforderlich, andernfalls laufe man Gefahr, die bisderigei» Errungenschaften»vieder zu verlieren.(Beifall.) Herr Madel schilderte der Versammlung die gegei»»värtlge Lage der streikenden Kupferschmiede. 80 Streikende hätten Berlin ver- lassen»»nd es sei auch gelungen, den Zuzug fern zu halten; die Sachlage sei»nithin keine ungünstige. Bisher hätten die Kupfer- schmiede der Unterstützung durch andere Gewerkschaften nicht be- dürft, aber nach zehn»vvchei»tlicher Dauer der Arbeitseinstellung sei jetzt diese Unterstützung nothwenbig geivorden. Die Versamm- lnug nahm schließlich einen Antrag an. nach»velchen» den strci- lendei» Kupserschmieden rege Unterstützung zu Theil»verde» soll. Eine öffentlich» Uerfnmmlung der Ua'golde»', Urr- goldcvinnrn und Bcrussgcnossen halte an» Mittivoch Adcnd Scheffer's Salon mit etwa 200 Personen, darunter etiva die Hälfte den»»veiblichen Geschlecht angehörig, gefüllt. Die Tages- ordnung lautete: I. Arbeiterschuy- Gesetz. Referent; Stadtv. Zuteil. 2. Richtigstelluug der Fragebogen. 3. Streikange- legcnheit. 4. Verfchiedenes.— Den Vorsitz bildeten die Kollegen N'i ebergall, S ch u m n» e und FrieS. Da der Referent des Abends, ai»dcr»veit abgehalten, nicht erschienen»var, ging man nach erfolgter Regelung der Fragebogenangelegenheit zur Abrechnung des partiellen Streiks speziell in Bezug auf die Firma Methlmv i». Ko. über. Die'Abrechnung gab Herr Kassirer W i l s k»). Jnsgesammt stellt sich die Ausgabe aus 6248 Mark. Bilanz: Einnahme 6417 Mark 15 Pf., Ausgabt 6243 Mark, Bestand 2159 Mark 15 Pf.— Nachdem die Herren Revisoren Albrecht»ind Link die Abrechnung als»nit großer Geivissenhaftigkeit geführt und in allen Punkten stimmend an- gegebei», verließ man diesen Punkt der Tagesordnung. Zu„Ver- sch'iedenes" koiuint zunächst der schwierige Punkt der,»vie nuumehr bestimmt nachgeiviesen, nicht allein iin Rayon Berlins, sondern »veit darüber hinaus»n Bezug a»lf die Bergalder kursirendcn schivarzen Listen zur Sprache. So produzirt der Borsitzeiide ein solches Schriftstück ans Haniburg, in dein vor einem Arbeiter als »vegen„Beschmuhung des Lokals, flegelhaftes Benehmen»mb Aufhetzung" ans dem Arbeitsverhältniß entlassen, ge- warnt»vird. Redner führt»nit Recht das Schändliche einer solchen Brandmarknng an, die dein Betroffenen zun» Ru»n gereichen muß und, außerhalb des Rahmens der Gesetze stehend, der mittelalterlichen Behme gleiche. Wozu»vende man die Gesetze nicht ai», die doch genug Handhaben dazu böten,»venn man etivas gegen de»» Arbeiter habe? Mit Recht dürfe»nan einein kriminell Borbestraften sein ehemaliges Vergehen nicht vorwerfen. Hier aber müsse Jemand einen oft harmlosen Jugendstreich als Makel zeitlebens mit sich herumtragen»»nd werde dafür mit dem Fluch der Erwerbslosigkeit, dem Schlimmsten,»vas de» allein auf seine Kraft angewiesenen Arbeiter geschehen könne, bestraft. Entlassenen Strafgefangenen reiche man die hilfsbereite Hand. Und dies sei sch ön.'Tem freien, ninkellosen Arbeiter versperre man die Thürei». Was Einer gestern gethan, könne ihmvon ernsten»»nd huinanen Leuten heute nicht mehr vorgmiorfen»verden. Es ward noch von verschiedenen Rednern die Hoffnung ansges prochen, fis»verde sich Grund finden lassen, gegen diese schmntzigeHandlungsiveise einen Staatsanwalt zu finden. Man»vill sich bemühen, von säinintlichen vier Städten, in denen bisher nachiveislich schlvarze Lisiei« geführt»verden, Originallisten derselben zu bekoinmen, um die Angelegenheit bei der endgiltigen Erledigung der Frage des Arbeiter- Schutzgesetzes im Reichstage zur Sprache zn bringen.— Es»verde au, Ende noch so»veit kommen, daß jeder eine Geiverkschaftsversannnlung Besuchende ai»f die schwarze Liste koinii»e.— Herr Leinert be- dauert in, Anschluß an diese Debatte, daß so außerordentlich wenig Bergolver in den sozialdemokratischen Wahlvereinen zu finden seien.— Da aus der Agitationskommission zivei Mitglieder ausgetreten, sollen dieselben der vorgerückten Zeit»vegen»»» kommender Bersannillung d»lrch Nemvahl ergänzt»verde».— Herr Schi»»» n» e bringt den Antrag ein, die üver die Firma Meth- low ii. Co. noch immer verhängte Sperre, als die Allgemeinheit der Geiverkschaft schädigend endlich aufzuheben. Die betreffende Werkstatt sei vollgepfropft von Elementen, die nicht im Stande seien, eine gnte Arbeil zn machen. In Anbetracht des Umstandes, oaß ivirklich leistungsfähige Kollegen sich»n kleinen Werkstätten herumdrücken, oftmals ein anderes Geiverbe ergreifen muffen, sei die Aufhebung der Sperre ein Akt der Klugheit.— Die Herren W i eser o w und Wilsky wenden sich scharf gegen diesen An- trag. Sie können den Nachtheil der Sperre für die Vergolder nicht erkennen. Bon den Gemaßregelten»verde doch Niemand in die betreffende Werkstatt gelangen. Mit großer Mehrheit»vurde darauf der Antrag abgelehnt und darnach die Versainmlung ge- 'chlossen. Ei«» öffentlich» N»rs>»m»tlung der in Buchbindereien und verwandle» Betrieben beschäftigten Arbeiter fand am 23. Jun» in» Lokal des Herrn Joel,'Andreasstraße, statt. Ans der Tages- ordnung stand: 1. Vortrag über Arbeiterschutzgesetze. 2. Stellung- nähme zur Streik-Kontrolkommisflon. 3. BerschicdeneS. Da die Refe- renten zu den beiden ersten Punkten der Tagesordnung, Reichstags- Abgeordneter Molkenbuhr und Blichdrucker Werner, nicht er- chienen»varen, nahm Herr Wach das Wort und versuchte in kurzer Ausführung den Zweck und Nutze» einer Zentral-Slreik- Kontrollominission klarzulegen. An der»veiteren Dkskusston be- theiligten sich die Herren Feldmann, Greifsenberg, Marwitz und Schulz. Ein Antrag, zwei Buchbinder in die Kommission zu wählen, wurde angenommen. Geivählt wurden die Herren Jost und Grobe. llnter Verschiedenen» wurde ein Antrag angenonunen, das Bureau der Versammlung zu bcaustragcn. eine öffentliche Versamm- lung der in Buchbindereien und verwandten Betrieben be- schädigten Arbeiter und Arbeiterinnen einz,»berufen, in ivelcher Arbeiterinnen in die Streik- Kontrolkommission geivählt»verde» sollen. Ferner»vurde noch auf das am 26. Juli i»» der„Neuen Welt" stattfindende Sommerfcst des Fachvereins aufmerksam gemacht und dabei beton», daß die Kollegen das von Herrn Suter zum sogenannten„Guten Mon- tag" arrangirte Vergnügen bei Keller'S, Hasenhaide, nicht besuchen ollen. Schluß der Versammlung IlVe Uhr. Ein» ZUitatied»r»>»rjm»>«lu»g des Verbandes der vereinigten Dachdecker Deutschlands, Filiale Berlin Süd, fand am Sonntag, den 22. Juni, im Lokale des Herrn Roll, Adalvertstraße 21,»nit der Tagesordnung statt: i. Vortrag des Kollegen Rackivitz. 2. Wie stellen sich die Ver- bandLmitglieder zu dem Antrag Köln a. Rh. 3. Aufnahme von Mitgliedern. 4. Verschiedenes. Da Kollege Rackivitz nicht erschienen war, so»vurde zum ziveiten Punkt der Tages- ordnung übergegangen; hierzu nahm Kollege Mehrlein das Wort. Er führte aus, daß Kollege Ohren von seinen» Ardeitgeber gemäß- regelt»vorden ist. Die Köllner Kollegen erklärten sich mit Ohren öttdarisch, und legten sämmtlich die Arbeit nieder. Nun beschloffen die Ardeitgeber von Köln einige Wochen die Arbeit ruhen zu lassen und die 5iölner Dachdecker wurden mithin ausgesperrt. Da sich die ikölner Dachdecker nun in einem'Ausstand befinden, ö ist es Pflicht aller Dachdecker, die Kölner Kollegen zu»inter- stützen, damit die Machinationen der Arbeitgeber scheitern an der geschlossenen Macht der Dachdecker, die ihnen gegenübersteht. CS sprachen sich noch mehrere Redner im Sinne des.Kollegen Mehrlei» a»is. Zu Verschiedenen» kritisirle Kollege Mehrlein die neuen Krankenkassenbücher,»velche ein Blatt enlhalte», auf »velches der Ein- und Austritt geschrieben»vird. Das Krauken- buch der Ortskasse ist mithin zum'Arbeitsbuch geivorden. Es ist Pflicht aller Kollegen, energisch gegen solche ueoergrisse Front zu machen, denn solcye sind es»hatsächlich, da der zehn»« Kollege nicht »veiß,»vie die Bücher beschaffen sind, dadurch, daß alle aus der Orts- lasse austreten und de» Hilsskasse beitreten. Es wurde noch der An- trag gestellt, daß die Filialen Süd und Oft ihre Versammlungen zusammen abhalten. Derselbe»vurde aber vom Aorntzendeu der nächsten Filialversammlung für den Osten überwiesen. Da»veiter nichts vorlag, erfolgte der Schluß ui» 12�/« Uhr. Vvirfkctlke» dev Modnkkion. Bei ttnsragen bitten wir die NbonnementZ-Quittuiig beiznsügen. Brieslich» Aniworl wird rnchl erlyitli. fj.£. 100, Ihre Mutter möge antworten, daß die ge- erbten 22 Bt. zum Ankaufe eines'Andenkens verwendet sind. fj. i»« K»tiig. Sie behalten bis zum I. Ollober die Ver- »igniig über die Wohnung und brauchen auch den Schlüssel nicht vorher abzugeben. Ob Sie dem Wirlhe Reparaturen gestatten müssen, hängt von den» Jnhatte Ihres 5kontrakles ab, den Sie darauihin prüfen inögen. 05. S. 15. Klage», Sie beim Charloltenburger Gewcrbc- gericht den Lohnrest von 8 M. ein, ohne in der Klage zn eriväh- iien, iveshalb Ihnen der Abzug gemacht»vorden ist. Unter den von Ihnen mitgetheilten, durch Zeugen»vohl auch eriveisbaren Umständen können Sie znii» Ersätze des verschwundenen Oelsteiues nicht gezivungei»»verde». K. ii-, Fried cnltr. Zahlen Sie den» Kutscher die 15 M. gegen Rückgabe des Kautionsscheines. Eventuell, wenn er den Schein auf Verlangen nicht herausgiebt, verklagen Sie ihn unter Erbieten zur Zahlung der 15 M. Zw»« Wettend». 1. 1864. 2. 1864. V-randvortlicker Redakteur: Eurt Mai«» in Berlin. Druck und Verlan von War Lading in Berlin SW., Benthstraße 2.