Nr. 14?. üomlabeud, den 38. I««i 1890. y. Jahrs- Hrgan für die Iniereffen der Arbeiter. Das„Berliner Voltsblatt" Mchmit täglich Morgens augcr nach Sonn- und Festtagen. AbonnementSpreis für Berlin frei w s Haus vierteljährlich 3.30 Mark, monatlich 1,10 Mark, wöchentlich 28 Pf. Einzelne Nummer ü Pf sonntags- Nummer mit dem..Sonntags-Blatt" 10 Pf. Postabonneinent 3.30 Mark pro Quartal.' (Eingetragen in der PostzeitungSpreiSliste für 1890 unter Nr. 892, V. Nachtrag.) .--r;x s., für Teutschland und Ocsterreich-Ungarn 6 Mark pr» Monat. !lnter Ärrukkant'» täglich durch die Expedition, 3 Mark, für das übrige Ausland ... � Jnsertionsgebühr betragt mr die 5 gespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pf., für Vereins- und VersammlungS- Anzeigen 20 Pf. Inserate werden b.s 4 Uhr Nachmittags in der Expedition, Berlin SW., Beuthstraße 3, sowie von allen Annoncen-Bureaur. ohne Erhöhung des Preises, angenommen. Die Expedltion ist an Wochentagen bis 1 Uhr Mittags und von 3—7 Uhr Nachmittags, an Sonn- und Festtagen bis s Uhr Vormittags geöffnet. -*•-• Fernsprecher: Amt VI. Zlr. 4106.,- Nedakkion: VeuthflvaHe S.— Ezepedikion: VeukMvritze 3. Für das lll. Yuartal eröffnen wir ein neues Abonnement auf das „Kerliner UollwblatL� nebst dem wöchentlich erscheinenden Sonntagsblatt. Der Abonneulrntopreis betragt frei in» fjaua für das ganze Vierteljahr it Mark 30 Pf., monatlich 1 Mark 10 Pf.. wöchentlich 38 Pf. Bestellungen werden von sämmtlichen Zeitungsspediteuren, sowie von der Expedition unseres Blattes, Beuthsir. 3, entgegen- genommen. Wir müssen nachdrücklich darauf veriveisen, daß es endlich an der Zeit ist. daß die Arbeiter Berlins sich von der gegnerischen Preise emanzipiren. Zn den Gegnern gehören auch die sogen. unparteiischen oder potttisch-farblosen Blätter. Sie gerade gehen nur darauf aus. die große Masse in der Univissenheit zu erhalten, um sie desto ungestörter ausnützen zu können. Ein aufgeklärter Arbeiter liest nur die Arbeiterpresse! . Für außerhalb nehmen s ä in m t l i ch e Postanstalten Be- Hungen für das Vierteljahr gegen Zahlung von 3 Mark i-" Vf. an. Redaktion und Expedition des „Kerliner Kolksblatt". Zum Kapitel der Soldoten-Mijzhnndlnngen. Als der Abg. Bebel in der Reichstags-Sitzung vom 25. d, M. das Kapitel der Soldaten-Mißhandlungcn be- rührte und dabei auf die ungewöhnlich große Zahl der Selbst- morde hinwies, die allmonatlich in der Armee vorfielen, war der Kriegsmjnister Herr v. Vcrdy rasch mit der Antwort bei der Hand, daß solche Anklagen unberechtigt seien. Ihm zufolge machte sich der genannte Abgeordnete nur zum Mundstück der Unzufriedenen und der Nichtsnutzigen in der Armee, die stets über ungerechte BeHand lung klagten und nicht anerkennen wollten, daß die Offiziere das beste, wohlwollendste Herz für die Soldaten besäßen. Leider ist die Thatsachc, daß in der Zeit vom I. November 1887 bis zum 31. Oktober 1888, also im Laufe eines Jahres, unter 1318 Gestorbenen in der Armee, niit Ausschluß der beiden bayrischen Armeekorps, 211 durch Selbstmord endeten, eine schauerlich sprechende Thatsachc gegen die Auffassung des Kricgsministcrs. Denn nach diesen Zahlen ergiebt sich, daß auf je 100 Gestorbene in der Armee durchschnittlich Slachdrulk verbolen.) Feuilleton. (09 „Zum Gluck der Domen/' Roman von Emile Zola. Antorisirte Uebersetznng von Armin Schwarz. Tie vier Faaaden zogen sich jetzt längs der vier Straßen hin, ohne jede Nnterbrcchniig in ihrer ganzen herrlichen Jsolirtheit. Das„alte Elbens" auf der an- deren Seite des Trottoirs war geschlossen, seitdem Baudu in ein Asyl für Greise eingetreten war- das Hans war vermauert wie eine Gruft hinter seinen Fensterläden, die nie mehr ausgehoben wurden; allmälig wurden diese Fensterläden durch die Fiaker mit Koth bis hinauf eingespritzt, dann mit Plakaten überklebt, welche gleich sani die letzte Schotte Erde auf den alten Handel warfen; und in der Mitte dieser tobten Vorderwaud, über diesem Auswurf des Pariser Straßcnkothes, breitete sich wie eine Siegesfahne ein großes, gelbes Plakat ans. welches in zwei Fuß hohen Lettern den Ausverkauf des„Glücks der Damen" ankündigte. Es war, als ob der Koloß, nachdem er allmälig herangewachsen, von Scham und Widerwillen gegen das dunkle Stadtviertel ergriffen, wo er bescheiden angefangen, um es später todtzuniachcn, diesem Stadtviertel mit den engen, schmutzigen Gassen, jetzt den Rücken kehren und sein Empor- köinmlings-Antlitz dem geräuschvollen und sonnenhellen 2 heile des neuen Paris zuwenden würde. Seit dem Morgen hatte die Menge immer mehr zngc- nommen. Noch kein Magazin hatte die Stadt durch einen solchen Aufwand der Oeffentlichkeit in Aufregung versetzt. 15,4 Selbstmörder kamen, ein Verhältniß so ungünstiger Art, das, würde es auch nur annä Herd in gleichem Maßstabe unter der Zivilbevölkerung vorhanden sein, einen Zustand der höchsten Aufregung erzeugen würde. Auch sprechen ferner gegen den Kriegsminister die zahl- reichen Mittheilungen über Soldaten- Mißhandlungen, die fast in jeder Woche in der Presse veröffentlicht werden. Zum Ueberstuß ist auch die kriegsministerielle Auf- fassung durch den kaiserlichen Erlaß widerlegt, der vor wenigen Monaten veröffentlicht wurde, und in welchem den Vorgesetzten humane Behandlung ihrer Untergebenen zur Pflicht gemacht wurde. Es gehört daher eine ziemliche Ungenirtheit dazu, so, wie es der Kriegsminister gethan, alle diese Klagen und An- schuldigungen über Soldaten-Mißhandlung als unberechtigt zurückzuweisen und sie auf das Konto von Unzufriedenheit und Nichtsnutzigkeit zu schieben. Mittlerweile ist uns nun eine Broschüre vor Augen gekommen, die sich mit dem gleichen Thema beschäftigt, und in welcher Thatsacheu veröffentlicht werden, die auch dem unverbesserlichsten Optimisten beweisen, daß gar manches faul ist im Staate Dänemark und das Uebel der Soldaten- »lißhandluilgeu in einem Umfange bestehl, daß offizielles Eingreifen zur Pflicht wird. Die Broschüre ist betitelt:„Vier Wochen Vize-Wacht- Meister", Auszüge aus meinem Tagebuche, von Curt Abel.*) Der Verfasser schildert seine Erlebnisse und zwar auf Grund von Tagebnchnotizen, die er als Vize-Wachtmcister im Herbst 1889 während einer achtwöcheutlichen Uebung bei einem Trainbataillon in Straßbnrg gemacht hat. Der Ver- fasser ist, wie nicht erst versichert zu werden braucht, kein Sozial dcmokrat, er kann also nicht zu den Leuten gerechnet werden, die nach Herrn von Verdy sich zum Mundstück der Unzu- friedeneu und Nichtsnutzigen machen. Der Verfasser erklärt sogar, daß er die Broschüre veröffentlicht habe, um die Sozial- demokratie zu bekämpfen, weil er gerade die Art, wie ein Theil der Soldaten von einem Theil der Vorgesetzten be- und mißhandelt werde, für nur dazu angethau halte, die Soldaten der Sozialdemokratie in die Arnie zu treiben. Wer die Broschüre liest, wird auch erkennen, daß, abge- sehen von seinen Versicherungen, der Verfasser vom Wesen der Sozialdemokratie keine Ahnung hat. Es ist einzig das Mcuschlichkcits- und Gerechtigkeitsgefühl, das ihm die Feder •) Verlag von Adolf Hein, Berlin. Das„Gluck der Damen" gab jetzt jährlich nahezu 000 000 Franks in Aufrufen, Anuonzen, Plakaten ans; viermalhnnderttansend Preiskataloge wurden jährlich ver- Sudet; um hunderttausend Franks Stoffe wurden aus inster verschnitten. Und künftig war diese Faaade, vorder die Menge sich drängte, eine lebende Reklame, mit ihrem buntscheckigen, vergoldeten Bazaren-Luxus, seinen breiten Anslagefcnstern, seinen zahlreichen gemalten, gravirtcn und geschnitzten Firmenschildern, von den Marmortafcln des Erd- gcschosses bis zn den bogcuartig gewölbten Schildern ans Blech über den Dächern, die das Gold ihrer Fähnlein entrollten und wo der Name des Hauses in grell sarbenen Buchstaben, die sich vom Blau des Himmels abhoben, zn lesen war. Um die Einweihung zn feiern, hatte mau auch noch Tro- phäen. Fahnen angebracht; alle Stockwerke waren bedeckt mit Bannern und Standarten, welche die Wappen der Städte Frankreichs zeigten; ganz oben stattcrten die auf Masten aufgehißten Flaggen der fremden Staaten. Unten blendeten die ausgestellten Weißwaaren das Auge. Nichts als weiß; links eine vollständige Brantausstattnng nnd ein Berg von Bctttüchern; rechts Vorhänge, zn einer Kapelle arrangirt und ganze Pyramiden von Taschentüchern, und zwischen den vor der Thüle ausgehängten Maaren,— Kalikot-, Monsseline-Stückcn, die sich wie breite Schnee- lagen herabsenkten— standen zwei aus Karton sabri- zirte lebensgroße Figuren— eine Braut nnd eine zum Ball geschmückte Dame— bekleidet niit wirklichen Stoffen, Seiden, Spitzen und lächelten mit ihren bemalte Gesichtern. - Was die Neugierde der da?.„Glück der Damen" umgebenden Menge noch mehr aufstachelte, das war cine Kata- strophe, von welcher noch ganz Paris sprach, der Brand der in die Hand drückt, um Zustände zu beschreiben, die für unser Volk nnd für unser Zeitalter nicht passen, und nach seiner Meinung einen großen Theil der Schuld tragen, daß die Sozialdemokratie so stark und mächtig geworden ist. Welcher Art die Thatsachen sind, die den Verfasser zur Abfassung seiner Broschüre bestimmten, ergiebt sich aus der wörtlichen Wiedergabe einiger Stellen, die sich auf Seite 9 und 10 seiner Schrift finden. Da heißt es: „Die Leute unserer Kompagnie werden auf das Un- würdigste behandelt. Sie werden den ganzen Tag in der entehrendsten Weise geschimpft und— geschlagen. Und allen voran schlägt und schimpft der Rittmeister.... Die Unteroffiziere schimpfen ein wenig nnd schlagen ein wenig, aber daran ist man ja bald gewöhnt. Doch das ist die Ruhe vor dem Gewitter. Und plötzlich bricht das Unwetter- los. Die Szene, die sich nun abspielt, ist gewöhnlich mit Variationen etwa folgende: Der Blitz erscheint in Gestalt des Rittmeisters und der Donner erfolgt sogleich. „Himmelkrenzdonnerwctter, Sergeant, sehen Sie denn nicht, daß der Kerl auf dem dritten Pferde"... Ohne auszu- sprechen, stürzt der Rittmeister auf den bezeichneten Mann los und packt ihn: Kerl, verfluchtes Vieh, willst Du mal Deine Aasknochen zurücknehmen!" Und nun schlägt es ein. Der Rittmeister zieht den Mann am Bein mit der einen Hand und mit der Faust der andern Hand schlägt er aus ihn los:„Schweinehund, verfluchter Hundelümmel, willst Du Dein verdammtes Gesäß vorschieben. Du Hundehund! Sich doch mal' her, Kerl. Sehen Sie, so sollen Sie Deine Beine auseinandernehmen, Aas, so sollst Du's thuu nnd den Bauch zurück, Du ehrloser Lump! Du bist ja ein feiger Schurke! Und wie das Aas die Hand hat! Abrunden sollst Du Deine verfluchte Klaue, Spitzbube! Und jetzt hat das Vieh— sehen Sie doch mal Sergeant, wie das Vieh jetzt wieder die Schenkel hat. Hund, verfluchter, kannst Du Dir's denn gar nicht merken. Du Ochse! Sehen Sie doch mal. Du Schwein, Du sollst Deine Aasknochen auseinandernehmen, Luder! Nein, es ist zum Verrücktwerden an dieseni Viehzeug." So spricht ein Rittmeister zu seinen Soldaten, ein Manu, der ein Muster von Ehrgefühl und Bildung sein soll. Der Verfasser beschreibt nun weiter, wie dieser Ritt- merster, während er die gröbsten Schimpfworte den Mann- schaften ins Angesicht schreit, sie knufft, pufft und zwickt, daß die Mißhandelten oft laut aufschreien und zu weinen anfangen. Das ist aber dann ein neuer Anlaß für den „vier Jahreszeiten", jenes großen Magazins, welches Bouthemont in der Nähe der Oper vor kaum drei Wochen eröffnet hatte. Die Zeitungen brachten eine Fülle von Details: wie das Feuer durch eine Gasexplosion zur Nacht- zeit entstanden war, wie die entsetzten Ladenmädchen im Hemde flüchteten, wie Bouthemont deren fünf in Helden- müthiger Weise auf seinen Schultern aus oem Brande ge- tragen. Der enorme Schaden war übrigens versichert; das Publikum zuckte die Achselu nnd sagte, die Reklame sei süperb gewesen. Aber im Augenblicke wandte das Jntereffe sich dem„Glück der Damen" zu. Diesem Mouret gelang Alles! Paris begrüßte seinen Glücksstern; es war, als würde alle Welt sich bemühen, ihm die Konkurrenz ans dem Wege zn räumen; man berechnete, wie viel er in dieser Saison ge- winnen werde, man schätzte den breiten Menschenstrom ab, der sich durch seine Thüren wälzte und den Rivalen zwingen werde, sein Hans zn schließen. Er war einen Augenblick beunruhigt durch den Gedanken, daß diese Madame Desforgcs gegen ihn war, der er gewissermaßen sein Vermögen verdankte. Auch der finanzielle Dilet- tautismus des Baron Hartmaun, der das Kapital in zwei Konkurrenz- Unternehmungen anlegte, verdroß ihn. Haupt- sächlich aber ärgerte ihn, daß ihm" eine geniale Idee Bouthe- monts entgangen war; dieser war nämlich auf den Einsall gekommen, sein Magazin durch den Pfarrer- von Madeleme, umgeben von der Kuratgeistlichkeit, einweihen zu lassen; es wax eine ganz merkwürdige Zeremonie; eine Prozession von rciden-Abthcilung nach der Handschuh-Abtheilung: das heiligste mitte» unter Korsets und Frauenbeinkleidern. Alldies verhinderte freilich nicht, daß das Etablissement ab- brannte, aber es war als Reklame mehr wcrth, als um eine Million Anuonzen. Volkserzieher in der Rittmeisteruniform, seinem Zorne weiter die Zügel schießen zu lassen. Unsere Pferde haben es viel besser als unsere Soldaten, ruft der Verfasser aus! und wer seine Schilderungen liest, muß ihm Recht geben. Nicht viel besser wie seine Soldaten behandelt der hier in Frage kommende Rittmeister seine Unteroffiziere und Sergeanten, und bei diesen finden wieder seine pädagogischen Erziehungskünste nicht selten eifrige Nachahmung, wofür eine Reihe von Belegen augeführt werden. Aehnliche Beobachtungen wie in seinem Bataillon, wenn auch weniger schwerer Art, hat der Verfasser auch in andern Truppentheilen geinacht. Das Ergebniß, das wir ziehen, ist, daß die Behandlung der Mannschaften in der Armee durch ihre Vorgesetzten, vielfach trauriger Natur ist, und mit die Erklärung liefert, warum so viele Selbstmorde vorfallen. Statt daß der Kriegs- minister Beschwerden, die in der Volksvertretung laut wer- den, von oben herab behandelt und als Uebertreibungen darzustellen sucht, thäte er besser, durch strenge Untersuchung feststellen zu lassen, wie die Zustände beschaffen sind, und auf ausreichende Mittel zu sinnen, welche die Gründe zu Be- schwerden beseitigen. Nachdem einmal die Angelegenheit der Behandlung der Soldaten auf die Tagesordnung der öffentlichen Erörterung gekommen ist, wird sie auch nicht mehr von derselben ver- schwinden, bis Heilung der Schäden eingetreten ist. Die Opfer, die dem Volke durch den Militarismus zu- gemuthet werden, steigen mit jedem Jahre, die Zahl der- jenigcn, die dienen müssen, wird stetig größer, da darf das Vo.k auch wohl verlangen, daß seine Söhne in der Uniform in einer Weise behandelt werden, die den Kultnransprüchcn unseres Jahrhunderts entspricht und so ist, wie sie künftigen Staatsbürgern gebührt. Vovvespcmdettjen. Kambnrg, 26. Juni. Wie ein Alpruck liegt es auf dem yeweeblichen Leben unserer Stadt und deren nächster Umgebung; denn noch dauert der Ausstand der Maurer fort, und ein Ende ist bei dem anscheinend unbeugsamen Sinne der maßgebenden Kreise bis jetzt nicht abzusehen. Mit dem Darniederliegen des Baugewerbes leiden nicht nur auch zugleich Zimnierer und Maurerarbeit-leute, sondern Dachdecker, Klempner, Gas- und Wa.jerrohrleger(hier„Mechaniker" genannt), Maler, Tapezirer, Bautischler undAnschlägeru.s.w., alle, alle leiden und dieLieseranten, Kaufleute und Favrikaisten von allen zum Baufache gehörenden Materialien seuizen nach dem Ende des„Maurerstreiks". Schneider und Schuhmacher, Detnillisten und Wirthe, selbst Händler von Luxusartikeln klagen. Es findet sich aber keine rettende Hand, die allgemeine Kalamität durch Anbahnung eines Au> gleiches zu be- seiligen und die hadernden Parteien zu versöhnen. Der Stand des Maurerausstandes ist nach einen» in der Fachvereinsversanlnr- lung vom 24. d. M. erstatteten Berichte folgender: Tie Zahl der Streikenden ist auf 1036 henmterge- kommen; daoon sind verheirathet S64, ledig 72; zu den neuen Bedingungen arbeiten SvS, zu den alten 1UOO. An Zuzug ist gekommen in der letzten Woche 398, wovon 52 wie. er abgereist sind; von den Streikenden sind al gereist 23. Behufs Unterstützung haben sich gemeldet 713, davon 243 Frauen mit einer Kinderzahl von 1L37. In derselben Versammlung wurde auch, trotz einiger zur Nachgiebigkeit ermahnenden Stimmen, besct, lassen„auszu- harren, da man dieses den abgereisten Kollegen schulde; der Streik habe erst 7 Wochen gedauert, während er 1373 volle 14 Wochen währte." Der Stand des Streiks ist trotz des theiliveisen Zuzuges hierher immer noch nicht schlecht, da über ö(X) Maurer zu den neuen Bedingungen arbeiten, welche ihre feiernden Kollegen mit unterstützen. Es wird natürlich von den„JnnungSherren" kein Mittel unversucht gelassen, um eine Nachgiebigkeit ihrerseits zu vermeiden. Sie versuchen z. B. den Meistern, welche zu den Bedingungen des neunstündigen Tages arbeiten lassen, die Zufuhr von Baumaterialien avznschneibeu, auch ist ja der famose„N rbeitgeber-Berbaud von Hamburg- Altona" mit angeblich l�/e Millionen Mark Garantiefonds ge- gründet worden, um den kleinen Meistern,„welche es nicht mel>r aushalten können", durch Vorschüsse zu unterstützen. Wie mancher Jetzt schlug es 3 Uhr Nachmittag auf der riesigen Uhr, welche die Pforte überragte. Ueber hunderttaasend Käuse- rinneu drängten sich um diese Zeit in den Gallerien und Hallen. Draußen stand Wagen an Wagen, von einem Ende der Rue im Dix-Decembre bis zum andern. Wenn Lücken in der Reihe entstanden, füllten sie sich sogleich wie- der aus. Vor einem Anslagfenster stand Frau v. Boves mit ihrer Tochter Blanche in Bewunderung versunken. — Schau Mama, diese Leinwandkostiune zu neunzehn Franks 75! In viereckigen Schachteln lagen die Kostüme zusammen- gefaltet, so daß man nur die roth und blau gestickten Gar- niturcn sah; m einer Ecke jeoer Schachtel war eine Dame abgebildet, welche das betreffende Kostüm trug, so daß man es im G mzen veurtheilen konnte. — Es ist ja nicht mehr Werth, sagte Mine. Gnibc-l, geringschätzig. Diese Fetzen zerfließen einem unter der Hand! S-i»rm Herr v. Boves, von der Gicht geplagt, an einen Fanteuit" gefesselt war, waren �die Damen intime Freundinnen geworden; die Gattin ließ sich die Maitresse gefallen; es war ihr noch lieber, wenn die Sache in ihren» Hause stattfand, denn sie gewann dabei einiges Taschengeld, das er sich stehlen ließ, da er selbst ans ihre Nachsicht an- gewiesen war. — Scan, so gehen wir hinein, sagte Mme. Gnibal. Sehen wir uns die Ausstellung an... Hat Ihnen Ihr Schwiegelsohn nicht hier Rendezvous gegeben V — Ja, sagte Blanche statt ihrer Mutter. Paul wird uns, ans dem Ministcrinm kommend, um 4 Uhr im Lesesaal abholen. �„ Sie waren seit einem Monat verheirathet. Vallagnosc hatte einen dreiwöchentlichen Urlaub erhalten, den sie im Süden verbracht hatten; seit einer Woche war er wieder auf seinem Posten. Die junge Frau hatte bereits die Fülle ihrer Mutter, das Fleisch ansgedimsen und wie verdickt durch die Ehe., m.. — Da ist Mme. Desforges! ms die Grastn, auf ein Koupee zeigend, das eben hielt. kleine Krauter, der stolz ob der Kollegenschaft seiner reichen Kon- kurrenten ist, mag sich jetzt eine Schuldenlast aufladen, die ihn später seines Lebens nicht froh werden läßt oder ihn zwingt, wieder in die Reihen der Arbeiter hinabzusteigen. Wie froh würde er dann wohl sein, einen neunstündigen Arbeitstag zu haben! An der Spitze des Arbeitgeber-Millionen-Klubs stehen die Herren Carl Lavy, Ed. Jsaaksohn, Dr. Gürseseld, C. I. E. Hertz und der durchgefallene Reichstagskandidat der National liberalen Wilh. Rumv. Alles Leute, welche sich eine Ehre dar- ans machen, gelegentlich in Friedrichsruhe zu antichambriren. Das hiesige Fachorgan„Der Werftarbeiter" verösfent- licht eine ganze Reihe von Fällen, in welchen Ewerführer während ihres Ausnanves in total unschuldiger Weise verhaftet nach dem Stadthause geführt und dort mit einer Nummer auf der Brust photographirt wurden. Einer wurde zum Beispiel nach der BezirkSwache bestellt und als er sich am andern Morgen, nichts Böses ahnend, dort einstellte, um zu erfragen, was man wünsche, wurde er verhaftet und an ihm gleichfalls die photographische Polizeiprozedur vollzogen. Ein ehrlicher Mann muß dieses Vorgehen der Polizei an seiner Person als eine tiefe Erniedrigung empfinden, da wie allbekannt bisher nur gemeingefährliche Verbrecher so behandelt wurden. Ter Polizeiorgane wegen bedarf es gar keiner„Bedrohung" und „Nöthigung", sondern eine ruhige freundschaftliche Unterhaltung eines Streikenden mit einem arbeitenden Kollegen ist in ihren Augen schon ein Vergehen gegen den famosen tz 153 der Gewerbeordnung. Ans diesem Grunde haben die Bauhandwerksgesellen auch ihre Posten von den hiesigen Bahnhöfen zurück gezogen, weil zeder, der sich dort nur von ihnen sehen ließ, Geiahr lief verhaftet zu werden und erst dann mit Gewißheit eine anständige Behandlung erwarten durfte, wenn er schließlich dem Untersuchungsrichter, vorgeführt und entlassen wurde. Noch eine neue Polizeipraxis hat sich hier herausgebildet in- sofern, als man Leuten, welche vorübergehend oder auch dauernd ihr betreffendes Gewerbe nicht mehr ausüben(infolge von Maß- regelungeu seitens der Unternehmer) einfach verbietet, dem betreffenden Fachverein anzugehören. ' Wenn unter diesen Verhältnissen die Arbeiter bei den Aus- sverrungen und Streiks den kürzeren ziehen, so brauchen sie sich einer solchen Niederlage durchaus nicht zu schämen. Die gewerk- schaftliche Organisation der Arbeiter muß bei uns in Deutschland noch aus einen viel umfassenderen Standpunkt gelangen, damit die verschiedenen Gewerke nicht so wenig machtgebieteud dastehen, wie größtentheils gegenwärtig, wo sie in lauter Einzelkumvjen ihre Macht zersplittern und daher der Erfolg in den meisten stillen ein zweifelhafter ist. Freilich gehört zu einer gediegenen Sewerkscha tsbewegung ein größeres Maß politischer Freiheir, als gegenwärtig in unserem„gesegneten" Deutschland ge- jj, 24. Juni. Um die so stark abgenutzten Einwände vom Ruin'' der vaterländischen Industrie, von Konkurreuzuufähig- keit, Unmöglichkeit des Exports, weiterer Beschränkung der per- sönli-nen Freiheit und wie alle die bekannten betrügerischen Flausen heißen, mit denen man dem immer weiteren Fortschreiten der Zehnstundenbewegung von kapitalistischer Seite entgegenzutreten sich bemüht, so recht treffend zu charakterisiren, reproouzirt die„Arbeiterstiinme" eine klassische Leistung der „Neuen Glarner Zeitung", ein schweizerisches Kapitalistenblatt ä la„Kölnische Zeitung", welche dieselve im Oktober 1377, einige Tage vor der Volksabstimmung über das schweizerische Fabrikgesctz, welche am 21. Oktober des ge- nannten Jahres stattfand, zur Irreführung des Volkes verübte. Der Artikel, der jetzt in der Thar sehr zeitgemäß ist, lautet: „Das Gesetz ist verwerflich, weil es den Normalarbeits- tag von 11 Stunden festsetzt, wodurch der Grundsatz der persönlichen Freiheit verletzt und die Konkurrenzfähigkeit verschiedener Industriezweige schwer beeinträchtigt, ja viel- leicht vernichtet ivird... „Oder'wollt Ihr, daß der freie Schweizer des Ursprung- lichsten aller Rechte, des Rechts, nach seinem Beliebcil über seine Arbeitskraft zu verfügen, beraubt werde? „Wollt Ihr, daß voii Gesetzes, regen zwei Klassen von Schweizervnrgern geschaffen werden, von denen die eine ihre'Arbeitskraft nach Gutdünken verwenden darf, die andere nur eine bestimmte Anzahl von Stunden ge- zwungen werden soll? „Jetzt will ,nan eine kleine Minderheit, die Fabrik- arbeiter, bevogtigen. Aver man wird hier nicht stehen bleiben. Der Staat kann mir gleichem, ja vielleicht mit besserem Recht die Hausindustrie, die Landwirthschast ze. maßregeln, indem er die tägliche Arbeitszeit für Seiden- iveberinnen, für Glätterinnen, für Nähteriunen, für Tag- löhncr, für Knechte und Mägde vorschreibt. „TaS Gesetz ist verwerflich, weil dessen Vestimmimgen über die Haftpflicht der Fabrikanten viel zu weitgehend sind und zu den größten Ungerechtigkeiten führen»lüßte». „Wer hat das Gesetz gebracht? Es ist im Kreise der Jnternatioiiate» und Sozi listen entstanden. „Das Wahrzeichen einer guten Republik ist der — Unglaublich! sagte Mme. Guibal. Nach Allem, was geschehen ist!... Es war richtig Henriette. Sie bemerkte die Damen, näherte sich ihnen mit heiterer Miene und verbarg ihren Unmnth unter der geheuchelten Licoenswürdigkeit der Dame von Welt. — Mein Gott, ja, ich habe mir die Sache auch be- sichtigen wollen. Das ist doch besser, als sich erzählen lassen, rief sie.... Oh, wir sind ans gutem Fuße mit Herrn Mouret, obgleich man sagt, daß er wütheud sei, seit- dem ich bei dem Konkurrenzhanse interessirt bin. Was mich betrifft, so kann ich ihm nur eine Sache nicht vergessen, daß er nämlich diese Heirath betrieben hat. Sie wissen, die Heirath dieses Laoenbnrsche» Josef mit meiner Protögöe Fräulein von Fontenailles. — Wie, hat diese Heirath stattgefunden? fragte Frau von Boves; abscheulich! — Ja, meine Liebe, und das hat er nur gethan, um nns den Fuß auf den Nacken zu setzen. Ich kenne ihn, er hat damit sagen wollen, daß unsere wohlerzogenen Töchter zu nichts Anderem taugen, als Ladenbnrschen zu Heirathen. Sie ereiferte sich immer mehr. Alle vier standen ans dem Trottoir, hin- und hergedrängt von der Menge. All- mälig wurden sie durch den Strom mitgerissen; sie brauchten sich demselben nur zu überlassen und wurden unbewußt durch die Thür hiueingetrageit, ivobei sie etivas lauter kon- servirten, um einander besser zu verstehen. Sie erkundigten sich nach Madame Marty und man erzählte, daß der arme Herr Marty, infolge von heftigen häuslichen Szenen, Wahnstnnsanfälle habe; er glaube, die Schätze der Erde mit vollen Händen zu schöpfen, in den Goldminen zn graben, ganze Karren mit Diamanten und Edelsteinen zn be- laden. — Ter arme brave Mann! sagte Madame Gnibal; er, der immer so bescheiden und dcmüthig auftrat!..... Und die Frau? — Sie rninirt jetzt einen Onkel, erwiderte Henriette, einen alten braven Mann, der sich, nachdem er Wittwer ge- Mangel jener Polizeigesetze, wie sie in monarchischen Staaten in Hülle und Fülle vorhanden sind. Bei uns sollen Sitte und Brauch ersetzen, was man anderswo durch Ge- setze erzwingen will. „Mitbürger! Der Erlaß eines solchen FabrikgesetzeZ klingt wie Hohn auf die dermalige Nothlage unserer I»- dustrie. „Darum Ihr Alle, die Ihr am 21. Oktober zur Urne berufen, legt Zeugniß ab, daß Ihr vom alten guten Geist der Freiheit, von der Freude am freien Schaffen und Er- werben beseelt seid!" So tönte es in der gesummten kapitalistischen Presse, in den Hunderten, dem Fabrikantenthum zur Verfügung stehenden Vlättern; allein der gesunde Sinn des Volkes ließ sich durch alle Betrügereien und Schwindeleien nicht bethören, sondern nahm das Gesetz an. Mit 181 264 gegen 17 635 Stimmen wurde vor dreizehn Jahren das Fabrikgesetz vom schweize- rischen Volke sankttonirt. Die schweizerische Industrie hat sich seitdem in ungeahnter Weise entwickelt und das„nationale Vermögen der Kapitalisten" um hunderte von Millionen vermehrt. Die Kapitalisten kennen aber keine Reform. Trotzdem das Volk die Neberzeugung gewonnen, daß man es damals betrügen wollte, entblödet man sich auf jener Seite nicht, heute, wo es gilt, vom 11- zum 16stündigen Arbeitstage überzugehen, dieselben Versuche zu machen. Hoffentlich mit dein gleichen Resultate wie 1877. Der schweizerische Grütliverein hat an die Bundesversamm- lung eine Petition eingereicht um Revision des Artikels 11 des Fabrikgesetzes, im Sinne der Reduktion des Normalarbeits- lages von 11 aus 16 Stunden. In Zürich, O e r l i k o n und W i n t e r t h r stehen gegen- wärtig 4666 Metallarbeiter mit ihren Fabrikanten in Unterhandlung wegen Einführung der 16stündtgen an Stelle der jetzt llstündigen Arbeitszeit. Zuin Nachfolger des verstorbenen, so tresslich bewährten Fabrinkiiispeltors Nüsperli, wird der Adjunkt des schweizerischen Älrbeitersekretariats, Herr M o r f kandidirte, der früher ebenfalls, wie Nüsperli, den Mechanikerberus ausübte. VolikiMe Lteberstrftk. Der Aeichstag. Nachdem die Annahme der Militär- Vorlage in entscheidender Abstimmung erfolgt ist, hat für den Reichstag die Zeit der Ferienstimmung begonnen. Die Gedanken sind außerhalb des Hanfes und gehen entweder nach Hanse oder ans die Reise. Der Reichstag wird ver- tagt— das steht nun fest— und die Vertagung schon vor dem offiziell festgesetzten 8. Juli, ist das sehnlichste Bestreben der großen Mehrheit. Gegen diese Ferienstimmung ist nicht anzukämpfen. Kein Redner, und wäre er der lnngen- kräftigste, brächte es noch fertig, eine längere Rede zu halten. Nur möglichst rasch zu Ende! Das ist der allbeherrschende Wunsch. Unter solchen Umständen mußte die sozialdemokratische Fraktion sich darauf beschränken, zur drillen Lesung des Gesetzes über die Gewerbegerichte, welche heute in jedem Falle— und sei es mit Hilfe einer Abendsitzung— erledigt werden soll, nur die allernothwendigsten Anträge zu stellen. Daß die Fraktion sich entschlossen hat, im Fall der Ab- lehnung dieser Anträge gegen das Gesetz zu stimmen, wird in Arveiterkreiseii nur allgemeine Billigung finden. Es gilt als gewiß, daß, bei dem raschen Tempo, welches die Berathungen jetzt angenommen haben, die Ver- tagung des Reichstags sich schon am Donnerstag, spätestens Freitag wird ermöglichen lassen. Das Inkrafttvrtr» des Alters- und Inoalidenver- stchernngs-Gesetzrs. An dem anfänglich genannten Termin, 1. Innnar 1891, für die Einführung der Alters- und In- validitätsversicherung soll die Regierung neueren Nachrichten zu- folge festzuhalten entschlossen sein. Bekanntlich war vor einiger Zeit als Zeitpunkt der Einführung der 1. Juli 1861 genannt ivorden. Die Vorbereittingen in den einzelnen Bundesstaaten sollen aber bereits soweit gediehen sein, daß ihr Abschluß bis Mitte November sicher zu erwarten ist. In seiner Abschiedsrede von den Franüfnrter Kiadt- verordneten bezeichnete Miguel es als seine Ausgabe, eine ge- rechtere, den heutigen Verhältnissen und den verschiedenen sozialen Zustände» entsprechende Vertheilung der Staatslasten dnrchzu- führe» und das pmißische Finanzwesen auf dieser Basis in Ein- klang mit den heutigen Verhältnissen zu bringen. Er wisse nicht, ob ihm dies gelingen werde, er habe aber den redlichsten Willen. — Au schönen Worten und Versprechungen hat es bei einem Nationalliveralen niemals gefehlt. ivorden, zn ihr zurückgezogen hat.... Sie muß übrigens hier sein, wir werden sie sehen. Doch jetzt unterbrachen die Damen, von der Neberrasch- nng gebannt, ihr Gespräch. Vor ihren Augen breiteten sich die Magazine aus, die größten Magazine der Welt, wie es in den Reklamen hieß. Die Zentralhalle ging von einem Ende bis zum andern, d. h. von der Line du Dix-Decembre bis zur Rue Nenve Saint-Angusti», während rechts und links gleich den Seitenschiffen einer Kirche die Gallcrie Monsigny und die Galleric Michodiere gleichfalls ohne jede Nnterbrechimg längs der beiden Straßen sich hinzogen. Da und dort gab es Kreuziuege in den Hallen, inmitten des eisernen Gebälkes, der schwebenden Brücken und Wendeltreppen. Die innere Anordnung war jetzt eine nm- gekehrte; die billigen Artikel befanden sich ans der Rne Dix-Decembre, die Seide in der Mitte, die Handschnhabthei- lnng in der Hatte Saint-Augnstin, die Abtheilung für Bett- ausstattnngen befand sich noch immer in der Höhe, aber von dem einen Ende nach dem andern verlegt. Die Zahl der Abtheiluugen betrag 50, darunter mehrere neue, welche an diesem Tage eröffnet wurden; andere, welche in der Praxis sich bereits bewährt hatten, mußten verdoppelt werden, um den Verkauf zu erleichtern; angesichts dieser unaufhörlichen Anschlvellnng der Geschäfte mußte auch das Personal fort- während vergrößert werden. Es zählte jetzt in der neuen Saison 3045 Angestellte. Was die Blicke der Damen hauptsächlich fesselte, das war das zauberhafte Schauspiel der Weihtvaareu- Ausstellung. Rings uin sie her befand sich vor Allem das Vestibül, eine Halle mit hellen Spiegelscheiben und Mosaiken, wo die Ans- stellnng von wohlfeilen Artikeln die gefräßige Menge an sich zog. Dahinter versenkten sich in blendender Weiße die Gale- rien, eine ganze schneeige Landschaft, eine Anhäufung von Gletschern ini hellen Licht der Sonne. Man traf hier die nämlichen Wcißivaareil wieder an, ivie draußen in den Auslagen, aber belebt, kolossal, gleichsam flammend von einem Ende dieses ungeheuren Schiffes bis zum anderen. (Fortsetzung folgt.) jä „2üm Ermüchiiglmg Seiner Atajestär oes v» Unterzeichnete dem Reichstage den Antrag, zur Vertagung des Reichstags vom S. Juli ct. bis znm IS. November er. die Zustimmung zu ertheilen, zur verfassungsmäßigen Veschlußnahme vorzulegen. Ter Reichskanzler. von Cnprivi." In Reichstagskreisen hofft man, der„Nat.-Ztg." zufolge, weil* vor dem S. Juli mit der Erledigung der vorliegenden dringlichen Angelegenheiten fertig zu werden.— ES wird be- nötigt, daß der Bundesrath bei der zweiten Lesung des die Er- höhnng der Beamtengehäller betreffenden Nachtragsetats von der Wiederholung der in der Kommission abgelehnte» Forderungen absehen will. Die Zustimmung des Reichstages ist nach Art. 23 der Ver- fasfung zu einer Vertagung, welche länger als 30 Tage dauern soll, erfordertlich. Tie Vertagung hat im Gegensatz zum Schluß der Session und der späteren Eröffnung einer neuen die Wirkung, daß die Arbeiten später an dem Punkte,>vo unterbrochen worden, weiter geführt werden können. Das>>. gegenwärtig besonders betreffs der Gewerbeordnungs-Novelle von Belang. Filmnzratst Je» Ire, der Generalbevollmächtigte der Krupp- schen Werke, soll, so schre.bt die„Lib. dorr.", au Stelle Maybachs das Ministerium der öffentlichen Arbeiten übernehmen. Die Großindustriellen würden damit natürlich sehr zufrieden sein. Der Rü-titriit dro polizeidireUtvr» Krüger wird jetzt auch anderweit bestätigt. Man schreibt dem„B. Fremdeublatt" aus Hamburg:„Wie von einer der Familie des Fürsten Bis- marck nahestehenden Persönlichkeit versichert wird, darf der Rücktritt des Polizeidirektors Geh. RatheS Krüger vom Berliner Polizeipräsidium nunmehr als zweifellos zum 1. Oktober c. bevor- stehend gelten. Herr Krüger, der ei» Gehalt von ll(XX) M. bezieht, wird mit einer Peusio> von 3000 M. in den Rnhestand versetzt werden und seinen ferneren Ausenthalt wahrscheinlich in ? Hamburg nehmen. Wie verlautet, wäre sein Rücktritt kein ab- olut freiwilliger und vielmehr als eine Rückwirkung anderer, früher Erfolgter Demissionen zu betrachten. Geh. Ralh Krüger genj�rfrüher daS volle Vertrauen des Grasen Herbert Bismarck." -chöne Seelen haben sich noch immer gefunden. Hi« Krankentlassrn sind einem Theil der deutschen Nerzte ein Dorn im Auge, weil sie vermöge ihrer Organisation mit Erfolg .gegen die o t außerordentlich hohen Honorarforderungen der Aerzte /eingetreten sind. Diese Feindseligkeit hat sich schon mehrfach offen /gezeigt, so auch jetzt wieder auf dem in München tagenden deutschen Aerztetag. Derselbe nahm bezüglich des Krankenkassen- .Gesetzes folgende Resolutionen an:„I) Ter Aerztetag betont neuerdings die großen Gefahren(für wen?), ivelche die Kranken- lassen- Gesetzgebung, namentlich durch die bevorstehende Aus- dehnung auf die Familienversicherung in sich birgt, falls nicht ein befriedigendes Einvernehmen zwischen den Kasfenvorständen und der Aerztevertretung eintritt. Er verkennt nicht, daß auf dem letzteren Wege an manchen Orten ein beiderseits zufriedenstellendes Verhältniß entstanden ist, während anderswo die bisherige Ent- Wickelung der Krankenkassen- Gesetzgebung vielfach zu der erheblichsten moralischen und materiellen Schädigung des AerztestandeZ geführt hat. 2) Ein unumgängliches Mittel zur Abwehr dieser Gefahr ist die Uebertragung der Disziplinargewalt an staatlich anerkannt« Vertretungen(Aerzte kammern-c.) durch ein Reichs- oder Landesgesetz. 3) Ein wel- J*1** Verbesserungsmittel ist, daß ein Vertreter der Aerzte offiziell dem Kassenvorstande mindestens als berathendes Mitglied mit Stimmderechtigung in ärztlichen und hngienischen Fragen ange- höre. 4) So lange ein generelles Kurpsuschereiverbot nicht aus ui'lprvnjcn, ist die Einführung in oas jtraiiieiuniieiiucup, vup Kurpfuscher nicht zur Behandlung in den Krankenkassen zugelassen Imd, eine dringende, selbstverständliche Forderung." Gegen -) und 4) stimmten einige Mitglieder vom Slandpunkte der Frei- heit. Ein Redner deutele an, daß im Reichstage«ine dem Ein- schreiten gegen Kurpfuscher geneiglere Stimmung als früher sei. In der Tlskusfion ivurde die Koordinirung der Aerzte mit den Kassenvorständen und der WeiterbUdung des Kassengeseyes als vöthig betont. Letzteres dürfe bei der Krankenbehandlung und Krankengeldergeivährung nicht stehen bleiben, sondern müste eine hygienische Verbesserung bei den Arbeitern anstreben. Dazu sei eine andere Mitwirkung der Kassenärzte nöthig, als sie jetzt, nach rein gewerblichen Gesichtspunkten festgesetzt sei. Räch tiefen Beschlüssen z» urtheilen, sollte man meinen, das Krankenkasseugesetz sei nicht für die Arbeiter, sondern für die Aerzte geschaffen. Wenn es„an nianche» Orten" möglich war, ein„beiderseits zusriedeustelleudes Verhältnis," im Rahmen des Gefeges zu schaffe», so kann letzterem doch nicht die Schuld bei- gelegt iverden, wenn dasselbe an anderen Orten nicht gelang. Tharsächlich liegt die Ursache auch an dem theilweise recht leind- seligen Verhallen der Aerzte, denen es wohl payen kann, daß ihnen die Kassen die Bezahlung für die ärmeren Patienten, von denen sie sonst überhaupt in vielen Fallen keinen Pfennig be- kommen würden, garautireu, die aber trotz der größeren Sicher- so geringen Theil von ihren sonstige» Forde- *J-4\ ridvfi'IrtohonPii tll äißTr nti'.gen ablapen woue»»nv iuy»» v»»,... �.... biinue zusammeugelha» haben, die ihre Thätigleit direkt gegen die Krankenkassen ricylen. An nianche» Orten pnd dadurch wirklich unleidliche Zustände geschaffen. Tie kasseufeindlichen Aerzte suchen ihren den Kassen die,. enden Kollegen in-jeder Beziehung ein Bein zu stellen, und um diese» noch beijer zu könne», will mau, wie in b!r. 2 der Resolution aurgedrückt ist, Aerztevertretuugen mit Tis- ziplinargewalt schaffen, um die widerhaarigen Kollegen, die den Kuustregelii sixirt und die Verunzierung de? Körper?, die Verunstaltung des Menschenantlitzes dez. den Mord aus Rauflust in ein System zu bringen bemüht ist. Ana der Pfal, wird gemeldet, daß auf der Grube Sankt Ingbert mehr als Ivo Bergleuten gekündigt worden ist, weil die Vermiildernng der Bestellungen eine Herab- sctznng der Förderung nöthig mache; aus Spandau' wird niitgetheilt, daß einer größeren Anzahl von Arbeitern, etwa 800, welche in der dortigen Pulverfabrik beschäftigt sind, ihre Entlassung deshalb angekündigt worden ist, weil wegen der stattgehabten Erplosion der Trockenschuppen Mangel an Räumen zum Trocknen des Pulvers bestehe. Wenn augenblicklich der Fabrik- und Bergwerksbetrieb ein flotter wäre, so hätte die Entlassung von 400 Arbeitern Sir Deutschland kaum eine Bedeutung, aber nach den ans en Haupt- Bergwerks- und Industriegebieten Deutschlands eingehenden Berichten finden in vielen Werken Feierschichten und Kündigungen statt. Obgleich sich dieser Vorgang geräuschlos vollzieht, so ist er deshalb nicht minder bedenklich, denn mit der Zunahme der Arbeitslosen vermindert sich auch die Möglichkeit, Arbeit zu bekommen. Bis jetzt steht der Theil der Gesellschaft, welcher sich in unserem Staate für den allein maßgebenden hält, diesem Znstande völlig kühl gegenüber, er ivird wie eine Natur- nothwendigkeit angesehen, welche man höchstens mit Bedauern betrachtet, sonst aber ohne jeden Versuch der Abhilfe gehen läßt, wie es eben geht, falls man nicht etwa die Arbeits- kolonien, welche man neuerdings eingerichtet hat, als solchen ansehen ivill. Diese Passivität wird sich, wenn nicht alle Anzeichen trügen, aber nicht niehr allzu lange aufrecht erhalten lassen, und daß es etwas in den Köpfen der„Gesellschaft" zn dam- mern beginnt, ersieht man aus den kleinen Mittelchen, mit welchen man Abhilfe zu schaffen sucht. Man scheint noch die naive Anschauung zu haben, daß ein knurrender Magen durch Beten und frommen Zuspruch in einen gesättigten sich verwandeln lasse, darum wird jetzt die Geistlichkeit anfgc- fordert, niit allen ihren Machtmitteln gegen die Sozialdemo- kratie zu Felde zu ziehen. Schade nur, daß die geistlichen Waffen stumpf geworden und verrostet sind. Jtaliritischr Knlio. An dem Boue derWolsrathshanserValin, beiMünchen, welchcrjetzt begonnen, sind mehrere 100 Arbeiter beschäf- tigt. Dies sind größtentheils keine einheimischen Arbeitskräfte, sondern Italiener, welche den Unternehmern bedeutend billiger komme». Sie können mich billiger arbeiten, denn sie essen Polenta, trinken Wasser und Schnaps und machen auch sonst weiter keine An- spräche. Ter einheimische Arbeiter muß Steuern zahlen, kann von Polenta nicht leben und deshalb auch dem profitwüthigen Kapitale nicht so billig arbeiten. Kommend« Woche wird der Bau der Bahn auch außerhalb Thalkirchen, woselbst die Bahn dieJsarhöhe hmansteigt, begonnen werden. Uathenou», 24. Juni. Eine ebenso einfache wie sinnreiche Einrichtung haben die Rathenower Ziegeleibesitzer getroffen, um einander Arbeiter, die sich der im Mai hier im Gange befind lichen Lohnbewegung angeschlossen hatten, zu kennzeichnen. Sie geben nämlich den aus dem Dienst tretenden Arbeitern an Stelle der üblichen Entlassungsscheine aus weißer Farbe solche aus grauer Farbe. Nicht jeder Arbeiter achtet auf diesen Umstand und ist sehr verwundert, wenn er bei seiner Umfrage NPch Arbeit überall achselzuckend abgewiesen wird. Diese Einrichtung wurde durch eine Gerichtsverhandlung bekannt; ein Arbeiter war wegen Veleidignng lind Haussriedensbruch verklagt, der von seinem fll vf*/M---- Insel besondere Privilegien gesichert habe. Die Regierung habe auch Grund zu glauben, daß die Interessen der Bewohner von Helgoland durch die eintretende Verändernng in keiner Weise Schaden leiden werden. In Bezug auf die Befestigung der Insel könnten keine Bedingungen gestellt werden, da England offenbar Teutschland jedwede Beschlüsse über die Vertheidiguug seiner Küste überlassen müsse, lieber Maßregeln zum Schutze der Interessen der englischen Fischerei werde mit Deutschlano verhandelt. Von der Lokalsteuerbill hat die Regieruug alle die Schenken belreffendeil Paragraphen der Vorlage falle» gelassen. London, 27. Juni. In Bury St. Edmunds(Grafschaft Suffvlk) fand gestern Abend ein erheblicher Militärkrawall statt. Soldaten griffen die Bürger an, um Rache zu nehmen für die von Bürgern am Dienstag Abend auf sie verübten Angrisse. Zahlreiche Fensterscheiben wurden dabei zertrümmert und mehrere Personen verletzt, ehe es einer starken Truppenabttzeilung gelaug, die Straßen mit gefälltem Bajomiet zu räumen. Frankreich. Paris, 23. Juni. Deputirtenkammer. Der Boulangist Boudeau beantragt, daß die Gerichtsbehörden für den bei dem Prozeß Vorras(unschuldig verurtheilt) vorgekommenen Jrrthnnl verantwortlich gemacht würden. Der Justizminister FalliöreS setzt den thatsächlichen Hergang in dem gegen Borras geführten Prozesse auseinander und erklärt, er werde sich darum bemühen, daß eine Revision des Prozesses stattfinde. Man dürfe aber keine Anklagen gegen die Gerichtsbehörden erheben, die nur ihre Schul- digkeit gethau hätten. Die Jury sei es gewesen, die die Verur- theilung von Borras ausgesprochen habe. Die Kammer beschloß den Ueocrgang zur einfachen Tagesordnung. Paris, 27. Juni. Die Verhandlung gegen die Russen ist neuerdings auf nächsten Dienstag festgesetzt. Die Anklage ivcgen Verschwörung und Anschlags mußte Mangels ansreicheuder Be- weise fallen gelassen werden, was zur Freilassung von Dembski und Dtendelssohn, die mit der Sprengstoff-Herstellung nichts zu thun hatten, führte. Italien. R o m, 23. Juni. Die Direltion des dem Miuisierium de? Innern unterstehenden Gesundheitsamtes bezeichnet die auSwärts verbreiteten Gerüchte von verdächtigen Krankheitsfällen, die in Neapel, Messina und Venedig vorgekommen sein sollen, als voll- ständig unbegründet mit dem Hinzufügen, daß die Gesundheit?- Verhältnisse in den obengedachten Städten und in ganz Italien durchaus befriedigende seien. Rom, 27. Juni. Die Eigenthümer der Schweselgrnbcn in Favara sagten den streikenden Arbeitern in Gegenwart de» Bürgermeisters und des königlichen ProknratorS eine Lohnerhöhung zu, worauf die Arbeiter sich bereit erllürten, die Arbeit heute wieder aufzunehmen. Amerika. lieber die V o r g ll n g e in San Salvador liegen in der englischen Presse jetzt vollständigere und verständlichere Depeschen vor, als die erste Reutcrmeldung es gewesen. Wir lesen dort: Der Präsident von San Salvador. General Franciseo Menendez, starb am Sonntag plötzlich, während er bei einem Festmahl saß. Die Todesnachricht verursachte eine Meuterei unter den Truppen, da mehrere Generäle ihre Ansprüche ans den Präsidentenposten geltend zu machen begannen. Schließlich kam es in der Kaserne zu einem Kampfe, während dessen General Marcia und mehrere Ossiziere getödtet wurden. General Czeta übernahm eine zeit- weilige militärische Diktatur. Seitdem herrscht wieder völlige Ruhe und es wurde ein neues Ministerium gebildet. Gerüchr- weise verlautet, Präsident Menendez sei keines natürlichen Todes gestorben, sondern bei dem Banket vergiftet worden. Er hatte viel» Feinde. früheren Arbeitgeber für den ihm dargereichten grauen Zettel energisch einen weißen verlangte. Er wurde nur zu IS M. Gelobupe verurtheilt, weil der Ziegeleipächter nach dein Urtheil kein Recht hatte, den Arbeiter durch Ausstellung eines von den gebräuchlichen abweichenden Zettels gewissermaßen zu zeichnen und das Verlangen des Arbeiters nach einen, ordnungsmäßigen Entlassungsschein durchaus begründet war. g>»u>'l>»»'g, 26. Juni. Das Landgericht verurthellte, wie die „Frkf. Ztg." meldet, den Sozialdemokraten Pulian. welcher in Glückstavt und auch hier in die Wählerlisten eingetragen worden war und auf Grund dieser Eintragungen im Februar zum Reichs- tage doppelt gewählt hatte, zu vier Monaten Gefängniß und zweijährigem Ehrverlust. Pulian wurde sofort verhastet. Drei in, Mai verurtheilte(„reichstreue") Doppelwähler waren damals mit je 5 Tagen Gefängniß bestraft worden. »»» A._______ tT--**--*-•» pavlamcnfai'irrf;« S. Nie Netitionskommisst a» begann ihre gestrigen Bera- thiingen Vormittags VslOUfjr mit der Behandlung einer Petition, welche eine WmwfU«ww v .'- U-----'"»» w»-vt-yiiu Vtuiiu VIIICV VtliUüil- welche eine Novelle zum Patentgesetz will und von einiaen Fabrikanten unterzeichnet ist. Als Negicrungskommissar Leb. Ni-o...»" hundert Fe...............>1».-N'S vtegicrnngsiomnuffar ist Herr Geh. Regierungvrath Mermuth zur Berathung hinzu- gezogen. Referent Herr Münch erläutert den Inhalt der Petition, welche eine Entlastung des Patentamts neben einer besseren Sicherung der Patente ec. anstrebt. Der Ztegierungskommissar versucht einen Vorwurf gegen die Regierung, ivelcher aus dem Wortlaut des Petitums zu entnehmen ist, zu entkräften. Die Novelle, ivelche eine Äendernng des Patent- gesetzes bedingt und bereits publizirt ist, finde Anklang in weiten uvv,I,ll industriellen Kreisen, besonders in Rheinland, Westfalen und -verboten auf Grund'd�s S-zialistengrsebes hat der»»derorts. Redner bezweifelt daß eine sachliche l�örtemna in DüssAdorser Iiegienmnspräsident(i. Ä. Steilberg) den Unter- der heutigen Sitzung vorthe.Ihaft für die Entwickeli.ng der An- M u maSverein d« Buchbinder zu Düsseldorf.- Ter Düsseldorfer gelegenheit ft'. zumal da sich die Peteuten bezüglich einiger !..»•' �' if«v—.-—'-"- Punkte ihrer Petition in einem Widerspruch bewegen. Referent Abg. Münch konsiatirt, daß in einem Punkte der Regicrungskoimnissar ein Ziigeständniß der Petition gemacht habe. Die Pateute nehmen bei uns ab, während sie in anderen Staaten zunehmen, weil man bei uns dem Worte Erfindungen eine zu enge Aegrenziing gegeben habe. Korreferent und Referent sind in einigen Punkten der Petition pi f for STTJottmnrt»»vtS x«« �:------ 0,1 zu küiniem r. Aufschrift:..Kousieruatiuer Knng»>«' Uitge» frizlichlirit" brnigt die neueste Nummer dör Wochenschrift„Der Volksivart" eine» Artikel, dessen Jnhalr weiteren Kreise» ziigäng- lieh gemacht zu werden verdient. Die königliche„Leipz. Ztg." hat �...... P-t SflAWnno/ trnm 17. b. A nämlich in ihrer„wissenschaftlichen" Beilage vom 17. Juni eine Rezension veröffentlicht über ein Buch, das den Titel führ!! „Ofsizielicr Paukkomment eiufchl. des Säbel- und Pigoleie komiueiits für die deutschen Universitäten". In dieser Rezension, die von einem Oberlehrer Tr. Oerlei, einer Stütze der Leipziger Konservativen, herrührt, heißt es u. A.:„Ich bin nicht im Mindesien gegen die Mensur und iveiß recht ivohl, daß geivisse, feierliche uno feststehende Formen geioahrt werden müssen: aber diese Form ist zum Theil zu einer bedeiilurgS- und wirkungslosen Spielerei geivoroeu worlspiel ziviscyen t � teiischeu»niß lächerlich kommeiit sollte eigentlich.... die eigentliche studentische Wasse lind sollte genügen, die studentische Ehre usteser herzustellen". Tie köuigl.„Leipz. Ztg." erklärt sich also offeukuiidig für daS Duell und macht sich dadurch einer Gesetzesverhöhnuiig schuldig, die um so dreister ist, als das Blatt, wie der„Bollsivart" mit Recht bemerkt, sonst nicht laut genug zu klage» vermag über die Ungesetzlichleiten und Rohheiten der „untere» Klaffen". Wenn es gestaltet ist. ein den Gesetzen in .-------. das Frage- und Ant den Cekiindaiiten ii»d dem llupar- wirken. Ein Säbel- und Pi,!olen- unnöthig sein;_ der Schläger ist die studentische nssen". Wenn es geuaiiet ist, ein den Gesetzen... hohnsprechendes Lehrbuch für Gesetzesverächter, wie es Die xmeuenten find, herauszugeben, und wenn es andererseits die amtliche„Leipz. Ztg." für nochwendig erachtet, dieses Buch zustimmend zu rezei, streu, so ist durchaus kein Grund ersichtlich, warum nicht mit demselben Siechte ein„Lehrbuch für Tasche»- diebe" herausgegeben iverde» dürste. In einem Lande, wo ein au einem Stock befestigtes schwarz-weiß-rothes Taschentuch als »ine rothe Fahne ertlärt und alS„Tragen republikanischer Abzeichen" mit Gefängniß bestrast worden jalls nicht schweigen, wenn ein Buch einer empfehlenden Nenzension Begehung»iuer verbotenen Handlung sei, dürfte man jeden- amtliches Blatt ein würdigt, das die bei zu beobachtenden stützunaSverei» der Buckbinder zu Düsseldorf.— Ter Düsseldorfer Siegierangspräsidcnt i. B. scheint nach dem Rtihme gestrebt zu haben, das letzte sozialistengesetzliche Verbot eines geiverkschastlichen Vereins zu erlaf>eu. Gestevreich-Uttgarn. Brünn, 26. Juni. Bei den heute in den Landgemeinden stattgehabten 31 Landtagswahlen behaupteten die Deutsche» die von ihnen innegehabten 8 Eitze, die AUczechen haben von ihren bisher innegehadten 23 Sitze» 6 an die Jungezechen-Bauer»- partei abgegeben...... Vrosivrttattttlrn. London, 26. Jiitii. Oberhans. Auf Anfrage wird vom Vertreter der Regierung erklärt, daß den aus spanischen Häfen kommenden Schissen gegenüber eine Quarantäne nicht be absichtigt sei. Wohl aber seien die Zollbeamten angewiesen, in ähnlicher Weise wie in, Jahre 1885 zu verfahren, sich bei der Annäherung von Schiffen über den Gesundheitszustand an deren Bord zu unterrichten und, wenn nöthig, Vorsichtsmaßregeln zu tressen. U n t c l b a»?. Unterstaatssckretär Fergusson erwidert auf an ihn gerichtete Anfragen: der englische Konsul in Snlouicki habe berichtet, daß aus Kossowa eingetroffene Eisenbahnbeamte von der angeolichen Niederniachimg von Christen durch Arnauten, ivelche jüngst stattgehabt haben soll, nichts gehört hätte», der eng- lische Gesandte in Belgrad habe von Bedrückungen Milrheilung gemacht, welche die Christen seitens der Albanesen in der Nach- barschajt der serbischen Grenze zu erleiden hätten, von Gerüchten über Geivaltthate» und Mordthalen aber nichts erwähnt. Ter englische Konsul in Canea habe eine ihm von Christen übersandte Denk- schrist zurückgeschickt, weil dieselbe von den Bittstellern bereit? auch dem Bali überreicht gewesen sei. Ter Konsul habe es für ungehörig gehalten, sich darnach auch noch in die Angelegenheit einznmismen, auch sei kein Grund zu der Annahme Vorhände», daß der Bali die Borstellliiigeii der Bittsteller nicht borücksichligen werde. Unterhaus. Unterstac>t>?sc?rctär Fergnsson erklärt auf eine Anfrage, die Besitzungen des Sultans von Sansilinr seien mit Ans« nähme des Küsteustreiseus, der der deulsch-ostafriknnischcn Gesell- schast verpachtet sei, in das englische Protektorat eiubegrijsen. Jene Küsie liege südlich des Punkte», wo die englische und die deutsche Interessensphäre zusaimueuträsen und sei nicht in das englische Protektorat eiageschlossen. Tie Insel Masi.i, die in der Nähe dieser Küste liege, werde wahrscheinlich nicht in das englische Protektorat eingeschlossen werde», wenn Deutschland mit dem Sultan von Sansibar die Eiuschließung derselben in das an Deutschland abzutretende Gebiet vereinbare. Ter erste Lord deS Schatzes Smith erklarte, die Abmachung über die A b t r e t n n g von Helgoland an den deutschen Kaiser könne nicht von einer Volksabstimmung abhängig gemacht werden, der Besitz der Insel sei von England ohne Zustimmiing der Bevölkerung erworben niid die englische Retzieriliig habe der Bevölkerung von Helgoland gegenüber ihre Pflicht gethau, indem sie allen jetzt lebenden Bewohnern der ......,........... ,i..».» r>i>.gi!n-paiiiien oer Peiirion getheilter Meinung und der Regierungskommissar konstatirt, daß die Petition überhaupt nicht deutlich abgefaßt sei. Darum bezweifelt er noch einmal, ob es gerathen sei, die Petitiön ein- gehend in der Kommission zu berat'hen, bevor nicht alle Gutachten klar gesichtet sind. Ter Referent hebt aus der Petition einige Punkte hervor, die er der Regierung zur Berücksichtigung empfiehlt. Und da der RegiernngSkommissar die Erklärung abgiebt, daß jedenfalls bald die Novelle dem Reichstage vorgelegt, will der Steferent auf seinen Antrag, die Dringlichkeit der PclUion zu erklären, verzichten. 'Abg. Hnltzsch wünscht, daß nicht so viel Rücksicht auf die Petition genommen werde, die an Unklarheit leide und deren Haupturheber ihm bekannt sei ans einer Affäre, die sich anläßlich des Baues deS Dresdener Wasserwerkes abgespielt habe. Redner will unter motivirter Tagesordnung über die Petition hinweg- gehen. Ter stellvertretende Vorsitzende Glieezinsli will, daß die Sache bis zum Herbst vertagt wird. Ter Referent weist die Ausführungen deS Abg. Hultzsch, welche persönlicher Natur waren, entschieden zurück. Tie Kommission beschließl im Sinne des Antrage» des Vor- sitzenden, Vertagung der endgiUigen Beschlußsassnug üder die Petition. Die Petition Neumann nud Gen.— Pensions-Erhöhnng betreffend— wird der Budgetkommission überwiesen. Eine weitere Petition Ellermeier— Jnvalideii-Benesizien— wird als ungeeignet zur Erörterung im Plemim erklärt. Zu unserem Bericht über die letzte Sitzung wollen wir noch bemerke», daß der'Abg. Dr. Schädler, ivelcher den'Antrag aus Heranziehung eines Reg.-Konimissars zur Berathnng der Petition, welche eine gesetzmäßige'Abgrenzung der Reichstags-Wahltreise ivill, zu den Fürsprechern der Petition zählte. Zur zweiten jjrrnthuug der. Kachtrugoeti'.ts über die 1 fl l � Ä P V s' � � .....„ j.......»<■-• wiiliear- Pensionsgesetzes, de» Reichsbeamten-Gesetze» und der Reichs-Reliktcngesetze zu unterbreiten, wonach den peiisionirte» Beamten und Militär- Personen, sowie den zn Reliktenbezüge« berechtigte« Hinterbliebene» von Beamten und Pensionäre» leine eutsprechende Penjioirsziiläge resp. eine Zulage zum Wittwengelde uns Waisengelde nach Ver- bältniii Ytrr! Theater. Sonnabend, den 28. Juni. Opmiljime. Der Freischütz. Kchauspieltzauo. Die Piccolomini. Wallenstein's Lager. berliner Theater. Die Räuber. Deutsches Theater. Faust's Tod. Friedrich-Milhelmltiidt. Theater. Der arme Jonathan. WaUner- Theater. Mamsell Ni- touche. Uihtaria-Theater. Stanley in Afrika. Gstrnd- Theater. Heinrich Heine. Vorher: 1733 Thlr. LLVe Sgr. Kellealliance- Theater. Der Nau- tilns. Kroll's Theater. Der Waffenschmied. Kaufmaun'» Dari�tö. Große Epe- zialitäten-Vorstellung._ Englischer Garten. Direktion: C> Andress, Alexander- straße 27 c. Auftreten d. Liedersängerin Frl. Stsinov. Auftreten des Gesangshumoristen Herrn •Jonas. Auftreten des Komikers, Mimikers und Stimmen-Jmitators Herrn Gödicke. Auftreten der Geschwister Herzog. Auftreten des musikalischen Neger- Klown Mr. de Holls. MWmnt Buggenhagen am Moriizpiatz. Täglich: Grosses Garten-ConcOrt. Direktion A. Uödinan». Dienstag und Freitag: Walzer-Adend. Wochentags 10 Pfg., IjIIUCC gönn- und Festtags 25 Plg. Bei ungünstiger Witterung in den unteren Restaurationsränmen. Großer Frühstücks- und Mittagstisch. 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Sonnadeuä, den 28. Juni, Abends 8 Uhr, in Fenerstein's Salon, Alte Jakobstr. 75(oberer Sacil). Tagesordnung und Referent wird in der Versammlung bekannt gemacht. 2199 Gio Komitrission. Vereill gelverbl. Silssarbeiter siir Zohauuisthal u. llülgegeu!). Sonnabend, den S8. Inni, Abends 7 Uhr: MW" Ifensammgung im Lokale des Herrn Lndivig in Johannisthal. 2183 Tagesordnung: I. Vortrag des Hrn. dl. Baginski über:„Kapital und Arbeit". 2. Dis- kussion. 3. Verschiedenes. Gäste ivillkommen.— Die Mitglieder werden ersucht, in dieser Versammlung recht zahlreich zu erscheinen. Her Vorstand. Fadju. i). in BuPiudercien u. vem. Bttriebeu beslhiist. Arbeiter. Sonnabend, den 28. Juni, Abends 8Ve Uhr, Annenstr. 16; Uerelns- Versammlung.-WZ Tages-Ordnung: 1. Die augenblickliche Lage der Gewerkschafts-Bewegung. Ref.: Hr. Apel. 2. Abrechnung von der Matinee. 3. Verschiedenes und Fragekasten. Aufnahme neuer Mitglieder. Um das Erscheinen aller 5i'ollegen ersucht vor Vorstand. Eintrittskarte» sowie Plakate zu dem Sommortos« in der „Neuen Welt" sind in der Versammlung zu haben. 2198 des Fttlifverems d. Former n. Zernfsgen. am Aontag, den 30. dnni, Abends 3 Uhr, in �OlrttaBi's Saicn, Neue Grünftraße 28. Tages-Ordnung: 1, Beschlußfassung über Auflösung des jetzt bestehenden Vereins bezw. Neugründung eines„Fachvereins der Former". 2. Verschiedenes. 2193 Als Legitimation ist das Qnittungsbnch mitzubringen. Alles Weitere wird in der Versammlung bekannt gemacht. Es ist Pflicht eines Irden, zu erscheinen. Her Vorstand. Miung! Maurer! Aktien-Brallttei Lntbr'lWm". Am 28. Juni er.. Nachmittags 6 Uhr: £ Großes Konzert und Vortrage. Ul Billets sind an der Kasse zu Häven. 2184 MJT Das Kränzchen ist polizeilicherseits nicht gestattet worden. Die vorgekauften Billets behalte», mit Ermäßigung, zum obigen Konzert ihre Giltigkeit. Achtnng! Möhelpolirer! Die liohndilterenzen der Polirer der Nähmaschinen-Fabrik von Gebr. Uothmann, Neue Hochstr., sind noch nicht beigelegt. Zuzug ist streng fernzuhalten. Hontag Abend 8 Uhr. im Lokale Andreasstr. 26: 2175 Werkstatt-Delegirten-yersammüiing. Jede Werkstatt muß durch einen Telegirten vertrete» sein resp. einen Vertreter schicken. Kollegen, vergeht nicht die Beisteuer(25 P�g. pro Woche) zum Streikfonds. Heute Abend werden in den Zahlstellen bei Lehe, Zehde- nickerstr. 2; bei llenke, Blumenstr. 38; und bei Mond, Oranienstratze 197(am Heinrichspl.), Beiträge zum Streikfonds entgegengenommen. I. A.: Ii. Veber. Fachverein der Tischler(für den Osten). Sonnabend, den I8. Juni er., Abends Uhr, in„Jloel's Salon", Andreasstraße Nr. 21: Gross® Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Herrn Pens über:„Die kavitalistische und sozialistische Moral". 2. Diskussion. 3. Werkstattangelegenheiten und Verschiedenes. Kollegen als Gäste willkommen. Neue Mitglieder werden in der Versammlung aufgenommen. _ Der Bcwoilmäclitigte. 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Unserm Freund und Genossen Mar Estrtich zu seinem heutigen Wiegenfeste ein drei- mal donnerndes Hoch. 2131 Die Benoffe» K. U. K. G. G. M. K. Maurer der Freien Vereinigung Berlins. Ich setze sämmtliche Kollegen, welche Aufnahme-Listen führen, in Kenntniß, dem Maurer Tkeodor Höflich keinen Beitritt zu gestatten. Näheres in der Versammlung. 2195 W. Laue, Birkenstr. 24. her Tischler u. anherer Werb- licher Arbeiter. (Cing. Kiit'skasse zn Hamburg.) Filiale Berlin v. Sonntag, 29. Jnni, Vorm. lOVe Uhr, bei Hermerschmidt, Ferlebergerstr. 28, Mitgltthtt-VttMMllg. Tages-Ordnung: Verschiedene Kassenangelegenheiten. Um zahlreiches Erscheinen ersucht 2194 Die Grtsverwaltuno Krilnkeil- v. VegriibnibkM her Ball-v.ZllbrikarbeiterBerii!ls. ektoren hingewiesen werden, worin das Statut des Frank- surter Gewerbegerichts als Musterstatut hingestellt ist. In diesem Statut sind viel weitergehende freiheitliche Bestimmungen cm- halten, als sie zetzt von der sozialdemokratische» Partei verlangt werden. Insbesondere wird in Bezug aus die Altersgrenze und das Frauenstimmrecht weit über diese Antrage hinausgegangen. Auch die Regicrungsvorlags von 1S7S bestimmte für das aktive Wahlrecht nur die Volljährigkeit. Alexander der Große stand mit 26 Jahren auf dem Gipsel>eines Ruhmes, Napoleon I. hatte mit 25 Jahren seinen ersten großen italienischen Feldzug hinler sich. Mancher bleibt ein Esel sein Leben lang. Wir haben unsere Psticht gethan. Thun Sie die Ihrige, indem Sie unsere Anträge annehmen.(Beifall bei den Sozmlcemokraten.) Damit schließt die Generaldiskussion. In der Spezialdiskussion über§ 1 beantragt Abg. Acker man», den in ziveiter Lesung beschlossenen Zusatz, wonach die Ge- nehmigung des Ortsstatuts nur versagt werden darf, wenn dessen Bestimmungen mit den Gesetzen m Widerspruch stehen, zu streichen. Abg. Kahn beantragt, hinzu zu fügen, daß die Versagung der Bestätigung mit Gründen versehen sein muß. Arg. Achrrmnn»(dk.): Wir haben es hier nicht blos zu thun mit größeren Gemeinden, niit Stadtgenieinden, sondern auch mit kleinen ländlichen Gemeinden. Da muß ich doch sagen, daß ich nicht die volle Zuversicht besitze, daß diese Geineinden bei »hren Ortsstntuten stets das richtige treffen. Ten Organen einer tlemen ländlichen Gemeinde wird es schwer sein, ei» Ortsstatut anlzusteUen, gegen dcssen Inhalt nichts einzuwenden ist. Schon mshalb muß die höhere Verwaltungsbehörde das Recht habe» Michzichelje», iu ergänzen und zu verbessern, was die tieine Gemelnbe nicht fertig georacht hat. Sie haben die Rechtssiege den Geiverbegcr>chten übertragen, welche im Name» des Landesfürste» Recht sprechen. Um so mehr müssen die Regierungsbehörden einen bestinunenden Einfluß haben auf die Gestaltung der Statuten. Dem Antrage des Abg. Hahn kann ich mich nur anschließen. Einhandelt sich nur darum, daß unzwectmäßige statutarische Bestimmungen vermieden werden und nicht darum, daß die Genehmigung aus politischen Gründen ver sagt wird. Abg. Psrsch beantragt, daß wenn ein Gewerbegericht für mehrere Genieinden errichtet werden soll, welche unter verschie- denen Berivallungsbehörden stehen, für die Genehmigung die BcrwallungSoehörde in dem Bezirk zuständig sein soll, in welchem das zu errichtende Gcwerbegericht seinen Sitz haben soll. Es sollen durch diese Bestimmung tkollisionen vermieden werden. Abg. Ebrrttz(dfr.): Neues ist heute für den Antrag Acker mann nicht vorgebracht worden. Für uns handelt es sich darum, ob der Reichstag in der Thal ein Mißtrauen gegen die Selbst- verwallungskörper zum Ausdruck bringen will oder nicht. Nicht blos die sreifiunige Partei, sondern auch andere Parteien legen Gewicht auf die Selbstständigkeit der Selbstverwaltung. Diese Parteien werden ihr Ansehen und ihre Macht nur schwächen, »venu sie dieses Minimum von freier Selbstbestimmung, was dieses Gesetz den Komnmnen noch läßt, noch weiter zu be- schränken. Ich bitte Sie daher driiigend, de» Antrag Ackermann abzulehnen. Staat sekretär v. Kökticher: Ein Mißtrauen gegen die Gemelndcb. Hörden liegt nicht darin, wenn man für geiviffe Fälle den koniinl.n llen Aufsichtsbehörden eineftontrole darüber gestatten will, ob c.n? Anoronniig in einem Statut zweckmäßig ist oder nicht. Eine Ronlrole nach der Richtung, ob die Festsetzunge» mit dem Gesctz in Widerspruch stehen, kann nns iiicbt genügen, ob- wohl wir zu den Gemeindeverivaltinigen volles Verrranen haben. Ter Abg. Ackermann hat mit vollem Recht auf die Verhältnisse der kleine» Gemeinden hingeivieseii. Da der Abg. Eberty nach ueueii Gr.nlde» lüstern ist, so will ich ,»>r darauf hinweise», daß Sie die Möglichkeit zugelasseii haben, daß aus Antrag der Jnteressenle» gegen den Willen der Gemeindebehördeil ein Geirerbe- Schiedsgericht durch Anordiuiiig der Landes- Zentral- dehöroen eingeruistel werden kann. Wenn nun die kleinen Gemein den entgegen den Wünschen der in ihnen domizilireiiden Arbetigeber und Arbeiter sich iveigern, gewerbliche Schiedsgerichte zu errichten, die LandeS-Zentralbehörden aber die Errichtung an- ordnen, so ist es wohl möglich, daß diese dem ganzen Unternehme» sehr abgeneigleii Gemeinden das Statut so einrichten, daß es, obgleich eS mit den Gesetzen nicht ii» absolutem Widerspruch steht, ganz unzweckmäßig und unbrauchbar ist. Es ist also durchaus uoiluveiidig. eine höhere Kontrvle aus Zweckmäßigkeitsrücksichten eiiilrelei! zu lasse». Mißbraucht die Behörde ihre Be�ugniß, dann giebl es»och Jnstanztn, und in diese» muß doch die gesunde Ber- nunft zur Geltung kommen. Es handelt sich hier»ick t um eine tomnmnale Angelegenheit in den, Sinne, daß die Errichtung von gen erblichen Schiedsgerichten nur ei» Zweig der Rommuiinlver- lDaUuna weite, foutetu um die Negeiung der Rechtvpsle�e für ein bestimmres RechtSgebiet, bei der_ ein gewisser (Stiifluß der Berivaltnngsbehorde auf die Gestaltung dieser Rechlspflege geivahrlcisiel werden niup. Ich wurde es be- dauern, ivenn die freisinnige Partei aus diesem Grunde Ber- anlassung nehmen würde, gegen das Gesetz zn siiinnien. Tie Regierung kann aber deshalb nicht von ihren,«tandpunkt abgehen Ich b tte, den Antrag Ackermann anzunehmen uno ebenso de» Antrag Hahn. Ich halte es durchaus für geboten. daß jede Geheiinuißkräinerei vermieden werde, daß vielmehr die Gründe, welche zn einer Bersaaung der Genehmigung gefuhrt ■ emt. der Kritik unterzogen werden.(Bev haden, bekannt uiid fall rechts.) Abg. Kahn: Ich hoffe, daß mein Antrag die Zuflimmung iu dem Antrage Ackermann erleichtern wird, dessen Annahme ich gleichfalls dringend empfehle. Herr Eberty behauptet mit U» recht, daß es keinen Punkt gebe, der nicht schon im Gesetz aus reichend geregelt sei. Nach 8 4 des Gesetzes kann die sachliche Zu� ständigkeit der Gerichte ans gewisse Gewerbe und Betriebe, die örtliche ans bestimintc Theile der Gemeinde beschränkt werde» die Abgrenzung der Ziiständigkeit soll nach§ 5 durch das Statut geregelt werden. Diese Entscheidnng kann man nicht der Gemeinde Behörde jedes beliebigen Torsos überlassen, die beim besten Willen vielfach die Uebersicht nicht hat, welche diese Aufgabe er fordert. Würden vor Errichtiing des Schiedsgerichts die be thciligten Jiiteressenkreise im Widerspruch mit dem§ 1 nicht ge hört worden sein, so würde die Aufsichtsbehörde gleichwohl die Bestätigung nicht versagen können, wenn das Statut sonst de» Gesetzen nicht widerspricht. Auch Unklarheiten würden nicht beanstandet werden können. Ter Grund, daß die in Berlin ge- machten Erfahrungen die Ausnahme der fraglichen Bestimmung nothivcndig machen, ist tun so iveniger dlirchschlagend, als für Berlin ein Ansnahinezustaiid besteht. Nur in Berlin ist die Be Hörde, welche die Bestätignngssrage entscheidet, keine Selbst- verioaltniigsbehörde, überall sonst entscheiden die Bezirksausschüsse, so daß also nicht, wie hier gesagt worden, die Bestätigung von einem Regierungsassessor oder Regierungsrath abhängt. Abg. iliiitrUn(Zentr.): Auch ich bestreite die Behauptung des Abgeoroneten Eberty, daß die Streichling der Bestiniinung die Aulonomie der Gemeinden beschränken würde. Es handelt sich thatsächlich nicht um Gemeindeangelegenheiten, sondern um Staatsgerichte. Ich empfehle die Streichung der Bestimmung namentlich auch aus dem Umstände, daß nach den Gesetzen jede kleine Gemeinde ihr Statut selbst machen kann, daß benachbarte Gemeinden ganz verschiedene Statuten würden erlassen können, woraus für die den Gerichte» unterstellten Interessenten die größten Unzuträglichkeiten erwachsen könnten. Ich will zur Ver anschaulichnng nur auf die Möglichkeit hinweisen, daß für die eng mit einander verwachsenen Städte Elberfeld und Barmen zwei solche von einander völlig abweichende Statuten erlassen werden könnten. Abg. Karmeumg(dfr.): Ich hätte erwartet, daß, nachdem von der äußersten Linken Ihnen die Bitte vorgelegt war, wenig- stens im§ 1 die Beschlüsse der zweiten Lesung beizubehalten, um jenen Herren die Annahme des Gesetzes nicht unmöglich zn machen, man von rechts den Antrag auf Streichung nicht ein- bringen würde. Alles, was an sogenannten neue» Gründen vor- gebracht ist, schlägt nicht durch, es sind sämmtlich Scheingründe. Es ist geltend gemacht worden, daß es unter Umständen ge fährlich werden könnte, diesen Satz stehen zu lassen, und zn meiner Verwunderung hat man auf kleine Gemeinden, ja selbst auf Dörfer exemplifizirt. Mit dieser Gefahr würde doch nur zu rechnen sein, wenn die Einrichtung der Gewervegerichte obliga- torisch gemacht würde. Kanin irgend ein Dorf wird sich bewogen fühlen, ans seinein Kopfe heraus an der Hand dieses Gesetzes ein solches Statut zn machen; diese ErfindimgSgabe traue ich einem Dorfoberhaupte nicht zu. Man wird sich andere Statuten zum Muster nehmen, iind die Regierung wird niemals in die Lage kommen, nnzweckmäßige Bestimmungen aus demselben zn ent- fernen. Ein Herr von der Rechten hat mir gesagt, diese Bestim- iiiung könne unter Umständen sehr böse wirken, denn danach habe die Üiegiecu.�g nicht einmal die Möglichkeit, reaktionäre Besiim- mnngen zu entfernen. Das klang mir sebr wunderbar. Es ist das ja GlaubenLsache; ich habe die Meinung, daß die Regierung, selbst wenn mein Antrag wieder siele, solche Be- stinimungen ans dem Statut nicht entfernen wird. Können Sie mir den entgezengefetzten Glauben beibringen, dann freilich brauchen wir solche Znsatzanträge nicht. Sehr viel ist serner von der Autonomie der Gemeinden die Rede gewesen. Ich will von iiieinem Standpiinkle aus nicht, daß die Regierung in das Statut Bestimmungen hiueinbriiigen kann, welche zn Ungunsten der Arbeitnehmer sind. Es wird gesagt, die Regierung verstehe am besten die Interessen der Arbeitgeber und Arbeit- nehnier zn wahren. Ich gebe das zu, soivcit es die Arbeitgeber betrifft; die Interessen der Arbeitnehmer werden vielleicht erst sehr viel später von den Landesbehörden gewahrt iverden, vor- lausig habe ich dieses Bertrauen nicht. Geiviß sind die Gewerbe- geeichte staatiiche Gerichte, aber es ist heut zu Tage eben jeder Eingriff der Regierung in die Justiz ausgeschlossen und muß aus» geschlossen bleiben. Gerade aus diesem Gesichtspunlte ergiebt sich die Nnihwendigkeit meines Antrages. Sollte wirklich ein Statut neue Zuständigkeiten einführen, so würde Das, sofern es mit den Gesetzen nicht in Einklang ist, zu ändern sein. Aber es ist mir für die Nothwendigkeit aus Ziveckmäßigkeitsgründen die Bestä- tignng zu versagen, kein Beispiel bisher beigebracht worden, und ich vermag mir ebenso wenig ein solches auszudenken. Ob die VerivaltungSbehördeii für die Versagung der Bestätigung noch Gründe geben sollen, ist mir vollständig gleichgültig. Wir würden in dieser Beziehimg vielleicht Ueberraschnngen erleben; ein weitergehendes Interesse ist damit schwerlich verbunden. Ten Antrag Porsch kann ich»iemerseits unterstützen. Die Diskussion wird geschlossen. Der Antrag Hahn wird mit großer Majorität angenom- men, ebenso wird, entsprechend dem Antrag Ackermann, der in ziveiter Lesimg aiigenoinnicne Antrag Harmening wieder ge- » vi che», indem heute mit den Sozialdeinokraten, der Volks- partei und den Freisinnigen nur etwa zehn Mitglieder des Zen- trums stiinmen. Der'Antrag Porsch wird gleichfalls angenolinnen und mit diesen Aeiiderungen der§ 1. Nach§ 8 soll für die Beisitzer die Vollendung des dreißigsten Lebensjahres und ziveijähriger Älnsenthalt im Bezirk des Ge- werbegerichts Vorbedingung der Wählbarkeit sein. Die Sozial- demokraien beantragen das 25. Jahr und einjährigen Aus- enthalt. Abg. Kirsch(dfr.): Bei der Geschäftslage des Hanses werde ich mich trotz der Wichtigkeit des Gegenstandes einer lakonischen Kürze befleißige».(Zustimmung.) DaS Arbeiterleben ver- länsl ganz anders als das der übrigen Klaffen. Der Arbeiter tritt viel früher in das praktische Leben und in die Selbstständig- keit ein. Er hat im Alter von 25 bis 30 Jahren eine Familie gegründet, ist Familienvater und seit lange gewohnt, über seinen Beruf nachzudenken. Ein länger als einjähriger Aufenthalt zur Erreichung des passiven Wahlrechts ist nicht er orderlich. In dieser Zeit kann ein Arbeiter die örtlichen Verhältnisse genügend kennen lernen. Haben wir doch vor knrzeiii hier mit vieler Auf- merksamkeit gehört, wie Major Liebert nach sünfwöchigem Aufent- halt in Afrika sich nicht nur über die Verhältnisse eines Orts. sondern eines großen Gebiets ein Urtheil gebildet hatte. Lassen Sie einmal die Aengstlichkeit fallen und geben Sie herzhast den Wünschen der Arbeiter nach. Abg. K Niger: Wenn die Arbeiter sich von der Reise eine? Beisitzerlanbidaten nicht überzeugt habe», können sie ja einen anderen wühlen. In der Regel iverden za auch ältere Leute als 25jährige zu Beisitzern berufen werde», aber den jüngeren darf man nicht verwehren, in das Amt einzutreten. Daß nur die Arbeiter in diesem Alter reis sind, bestreite ich allerdings; denn viel stingere Ossiziere haben eine verantwortliche Stellung über Untergebene, mit denen sie, wie wir kürzlich gehört haben, Dinge vornehmen können, die allgemein verurtbcilr iverden. Es fällt Niemandem ein, einen Fürsten im Alter von 25 Jahren für unreif zur Ne- gierung zu erklären. Der Widerspruch gegen unseren Antrag entspringt nur dem Mißtranen gegen die Arbeiter. Man will die Besserung nicht in dem Maße eintreten lassen, wie es noth- wendig ist. Wenn Sie einen zweijährigen Anfenthalt zur Be- dingung machen, schließen Sie einen großen Theil derer, die zu dem Amte berufen sind, davon ans. Der Arbeiter hat ja nicht allein die Möglichkeit, über seinen Aufenthalt zu bestimmen. Durch die nordamerikauische Silberbill ist z. B. in Sachsen die Befürchtung aufgetaucht, daß ein großer Theil der Industrie, wenn die Mc Kinley Bill angenommen wird, in ihrer Existenz gestört wird. Dann muß ein großer Theil der dortigen Arbeiter auswandern. Es liegt also außerhalb des Willens der Arbeiter, zivei Jahre an einem Orte zn sein. Bon der Annahme dieser Anträge müssen wir unsere Zustimmung zu dem ganzen Gesetz abhängig machen. Abg. Dorsch(Z.): Unsere Gründe aus der zweiten Lesung will ich nicht iviederholen, bestreite aber dem Abg. Singer, daß wir uns von einem Mißtrauen gegen die Arbeiter leiten lassen. (Rufe bei den Sozialdemokraten: Nur!) Nur das Mißtrauen gegen den Menschen hat uns geleitet.(Lebhafter Widerspruch bei den Sozialdemokraten; Glocke des Präsidenten.) Die Bestimmung gilt für die Llrbeitgeber in gleichem Maße wie für die Arbeiter. Bon dem Mißtrauen gegen die Menschen an sich müssen ivir uns hier teilen lassen, wo wir Gerichte schaffen, die an Stelle der ordentlichen Recht sprechen sollen. Wir verwehren ja den Leuten, an die ordentlichen Gerichte zn gehen, und müssen deshalb mög- lichste Garantieen für die Rechtsprechung geben. Wir weisen die Insinuation des Abg. Singer auf's Entschiedenste zurück. Der Antrag der Sozialdemokraten wird abgelehnt,§ 8 unver- ändert angenommen. Znin ß 12 beantragen die Sozialdemokraten, das Wahlrecht nicht erst mit dem 25., sondern schon mit dem 2l. Lebensjahre be- ginnen zu lassen und es auch den weiblichen Arbeitern zuzn- gestehen. Abg. Auer(Soz.): Wenn es sich nicht um das Mißtrauen gegen die Arbeiter, sondern nur um das Mißtrauen gegen den Men- schen handelt, dann hat das Zentrum jetzt die Möglichkeit, das zn beweisen, indem es hier für unseren Antrag stimmt. Das Mißtrauen gegen den Menschen an sich muß doch in irgend welchen Thalsachen begründet sein. Wenn der Reichstag bei den Schiedsgerichten des Uufallversicherungs- Gesetzes, wenn die Re- gierung in ihrer Borlage über die Gewerbeaerichte von 1873, und wenn schließlich alle städtischen und Kommunalbehörden überall das 21. Lebensjahr als genügend für das aktive Wahl- recht erachten, wo ist dann Anlaß zn einem Mißtrauen gegenüber dem Menschen? Die vorhandenen Schieosgerichte haben sich bis- her ausgezeichnet bewährt. Wenn es nur das Mißtrauen gegen die Schwächen deS Menschen in seine» Allgemeinheit ist, könnten Sie ruhig für unseren Antrag stimmen. Stimmen Sie trotzdem en, so ist das der beste Beweis, daß Sie nicht nur das Mißtrauen gegen den Menschen, sondern gegen den inngen Arbeiter leitet.(Lebhafter Widerspruch rechts.) Bisher ist noch leine einzige Klage laut geworden, daß da, wo das aktive Wahlrecht mit dem 21. Jahre eintritt, die Beisitzer nicht voll ihre Pflicht gethan hätten; auch in Nürnberg fungiren die Ge- werbegerichte mit ihren sozialdemokratischen Abgeordneten aus- gezeichnet. Ans die Anfforderung vom Bunvesrathstisch, ivir ollen beweisen, warum wir den Frauen das Stemmrecht geben wollen antworte ich einfach: wenn wir die Frauen in die Fabrik stellen und sie zivingen, sich den Arbeitsbedingungen unterzuordnen; wenn Mütter oder Wittiven für ihre Familien auskommen müssen, so ist damit der Beiveis erbracht. Es ist einfach Philisterei, wenn Sie den Frauen das Stimmrecht nehmen.(Lebhafter Widerspruch rechts und im Zentrum.) Ob die Frauen von ihrem Wahlrecht Gebranch machen wollen, ist ihre Sache. In der Zukunft ivird den Frauen auch das politische Stimmrecht gegeben werden müssen. Die Unternehmer, die sich gegen dieses Recht der Frauen sträuben, haben eine besondere Vorliebe für die Ausnutzung der Frauen- arbeit. Unter dem Einslnp des früheren Kollegen Miquel hat das Frankfurter Statut den Frauen das Stimmrecht eingeräumt. Folgen Sie den Bahnen des Herren Miquel; ist er auch früher etmnal Kommunist gewesen, heute ist er es nicht mehr. Ich wünsche nur, daß Ihre eigenen Frauen lesen, was heute hier verhandelt ivird.(Große Heiterkeit.) Abg. Kachen»(Zentrum) bestreitet, daß irgend welches Miß- trauen gegen die Arbeiter maßgebend gewesen sei; bei der Aus- wähl der Beisitzer müßte man vorsichtig sein, um eine sachliche Recktsprechnng zn sichern. Aber beim aktiven Wahlrecht sei die Sache nicht so bedenklich; er werde deshalb für das Ll. Lebens- jähr stimmen. Abg. Eberty(dfr.) empfiehlt ebenfalls die Annahme des 21. Lebensjahres und die Verleihung des Stimmrechts an die Frauen. In den Orts-Krankenkassen seien 826(XX) Frauen Mit- glieder und diese vom Wahlrecht auszuschließen, würde eine Un- gerechtigkeit sein. Abg. v. Cnny(natl.): Bei den Krankenkassen handelt es sich um ivirthschastliche Dinge, hier handelt es sich um die Jurisdiktion. Abg. Kirsch(dfr.): Die Vorlage von 1878 schlug das 21. Lebensjahr als Grenze für das Wahlrecht vor, ist unsere Arbeiter- 'chaft seitdem schlechter geivorden? Es scheint, als wenn man für >aS in Fortfall kommende Sozialistengesetz neue Schranken aus- zurichten beabsichtigt.(Heiterkeit.) Staatssekretär n. Kötticher: Die Gegner der Vorlage leisten in der Konstruktion von Gründen alles Mögliche. Jetzt kommt der Abg. Hirsch und sagt, es komme ihm so vor, als ob bei den Vorschlägen der verbündeten Regierungen die Tendenz vorge- wallet habe, für das am 36. September ablaufende Sozialistengesetz in diesem Gesetz einen Ersatz zn schaffen.(Heiterkeit rechtS.) Sie sehen aus der Heiterkeit, die im Hause entsteht(oho! links), daß dieser Grundsatz in einer kühnen Phantasie entsprungen ist. Wir haben an daS Sozialistengesetz absolut nicht gedacht, als wir diese Borlage gebaut haben, sondern nur an die Frage: Was ist zweckmäßig und vernünftig? Gegenüber der Vorlage von 1878 ist diese Vorlage nicht eine Verschlechterung, sondern eine Ver- bessernng, indem wir das 25. Levensjahr angenommen haben. Die Vorbilder, auf welche man Bezug nimint, gehören nicht der Gesetzgebung an, sondern sie sind hergenommen von OrtSslatuten von einzelnen Städten. (Zuruf bei den Sozialdemokraten: Praxis!) Die Herren kommen mit dem Vorbild der Schiedsgerichte für Unfallsachen. Dieses Wahlreglement, welches die Berechtigung zur Theilnahme zur Wahl i» den Schiedsgerichten vom 21. Jahre ad staluirte. ist nicht vom Gesetzgeber, sondern vom Reichs-Versicherungsamle er- lassen worden.(Zurufe bei den Sozialdemokraten.) Es steht im Gesetz drin; nun gut. dann sage ich einfach: daß es sich bei diesen Unfall-Schiedsgerichte» um den Ausbau eines The" unserer sozialwirthschaftlichen Gesetzgebung handelt, hier aber die Konuiösitimi i»hip2 � Theiles um die Kompösition eines Gerichtshofes, welcher Recht zn sprechen hat im Namen der staatliche» Autorität. Die Theilnahme an der Bildung der gewerblichen Schiedsgerichte ist ein politische? Recht, und für die Abgrenzung der politischen Rechte haben wir bereits in der Versassullg ein Vorbild, ivelches für nns maßgebend ist. Das politische Wahlrecht beginnt nach der Bermffllna uifl dem vollendeten 25. Lebensjahre, und dasselbe Lebensjahr haben wir hier bei diesem Gesetz zum Ausgangspunkt genommen. Was die Wahlberechtigung der Frauen anlangt, so ist ja heute diese Frage nur oberflächlich gestreift worden. Ich kann den Herren mittheilen, daß mir eine ganze Reihe von Zustimmungserklärungen zugekommen ist, auch aus Kreisen von Arbeiterinnen(lebhafte Zwischenrufe bei den Sozialdemokraten), die sich dafür bedanken, daß man sie in diesen Strudel hinein- ziehen will. Ich bitte Sie also, lassen Sie es bei den Beschlüssen zweiter Lesung.(Beifall rechts.) Die Diskussion wird geschlossen. Persönlich bemerkt Abg. Airsrfj: Wenn die Heiterkeit eine Widerlegung meiner Ansichten sein soll, so giebt es keinen Redner in diesem Hause, auch den Staatssekretär einbegriffen, der nicht auf gleiche Weise schon lächerlich gemacht worden ist. Die Anträge der Sozialdemokraten werden abgelehnt und§ 12 unverändert angenommen. Nach Z IL kann ein Mitglied des Gewerbegerichtes, welches sich einer groben Verletzung semer Amtspflicht schuldig gemacht hat, seines Amtes durch das Landgericht entsetzt werden. Abg. Kauffmann(dfr.) hält die Fassung„grobe Ver- letzung der Amtspflicht" für bedenklich, weil sie leicht mißbraucht werden könnte zu Maßregeln politischer Natur. Redner beantragt, hinzuzufügen, daß die Verletzung der Amtspflicht be- gangen sein muß durch eine strafbare Handlung. Abg. Ktadthagrn(Soz.): Wir sind für Streichung dieser ganzen Bestimmung. Der Begriff:„grobe Aintsverletzung" ist ein so kautschrikartiger, daß er das gerechte Mißtrauen der Arbeiter egen einen solchen Paragraphen hervorrufen muß. Von den bis- erigen Ortsstatuten enthält mit einer einzigen Ausnahme keines eine derartige Vorschrift. Nachdem Sie durch diese Vorlage ohne- hin den Gemeinden das Recht genommen haben, ihre Statuten so zu formuliren, wie es ihnen paßt, wollen Sie eine Bestimmung beschließen, welche gegen die Selbstständigkeit des Charakters der Arbeiter gemünzt ist. Die Rechtsamvaltsordnung enthält eine ähnliche Bestimmung. Wir haben vier Bände Entscheidungen seitens des Ehrengerichtshofes, welche als Analogreen sehr interessant sind. Da ist z. B. ein Anwalt angeklagt worden, weil er den Präsidenten des Gerichtshofs nicht ge- grüßt hat. Das � Ehrengericht hat ihn allerdings frei- gesprochen. Könnte nicht auch ein Arbeiter angeklagt werden, weil er den Vorsitzenden oder irgend ein Regierungsmitglied nicht ge- grüßt hat? Andere Fälle beziehen sich auf Beleidigungen. Viel- tejcht kann der geringer gebildete Arbeiter mit seiner kernigen Sprache den Vorsitzenden beleidigen und dann wie ein Dieb auf die Tlnklagebank gczerrt werden. Ueberhaupt ist ein Mißtrauen gegen� die Staatsanwälte sehr berechtigt. Alle Arbeiter sind politisch ziemlich mißliebig, und es ist anzunehmen, daß gegen sie der Staatsanwalt in erster Linie vorgehen wird. Was ist grobe Verletzung gegen die Amtspflicht? Wo diese vorliegt, tritt schon das Strafgesetzbuch ein. Man will aber hier gar nicht solche Fälle treffen, sondern den Arbeiter als solchen. Diese Bestimmung ist direkt von dem allerschärfsten und unberechtigsten Mißtrauen gegen den Gerechtigkeitssinn und die Vernunft der Arbeiter. Ich habe zu den Arbeitern das Zutrauen, daß sie gerechter sein wer- den als andere Richter, ja vielleicht zu gerecht gegen die übrigen Arbeiter. Wenn Sie aber einmal einen solche» Paragraphen auf- recht erhalten wollen, so unterwerfen Sie den Arbeiter wenigstens nicht dem hochpeinlichen Verfahren der Staatsanwälte; dann möge man wenigstens das Plenum des Gewerbegerichts entschei- den lassen. Der Staatsauwalt ist eine französische Einrichtung, die von den Konservativen festgehalten wird, vielleicht weil es eine französische Einrichtung ist.(Der Präsident ruft den Redner zur Sache.) Der Staatsanwalt ist so recht ein Produkt im sozialen Kampfe der Besitzenden gegen die Besitzlosen. Der Staatsanwalt muß gegen besseres Wissen eine Anklage erheben auf Antrag der höheren Verwaltungs-Behörde; er hat das Pri- vilegium. Etwas zu thun, was sonst als eine Verleumdung er- achtet werden müßte. Dies Institut entstand im Kampfe für den Absolutismus, der mit einem Bischen konstitutionellem und kar« teUfreundlichem Flitter verbrämt ist. Der Staatsanwalt wird viel leichter einschreiten gegen Arbeiter als gegen Arbeitgeber. Ich will dem einzelnen Gtaatsamvalt keinen Vorwurf machen. Er muß so handeln, wie er es thut. Es ist vorgekommen, daß ein Staatsanwalt eine Anklage nicht erhoben hat, wenn ein Arbeitgeber einen Arbeiter geduzt hat, wohl aber dann, wenn der umgekehrte Fall vorlag. Ein Staatsanwalt hat einer Denunziation Folge gegeben und Anklage erhoben gegen Arbeiter, wenn sie nichtstreikende Arbeiter angegriffen haben; er hat es unterlassen, wenn nichtstreikende Arbeiter die Streikenden ange- griffen haben. Präsident v. Levcffow: Ich muß Sie bitten, die Staats- anwaltschaft nicht in dieser Weise zu beschimpfen, daß sie ihr Amt in parteiischer Weise verwaltet habe. Ich kann das einer Behörde gegenüber nicht zulassen.(Beifall rechts.) Abg. Htndthagen(jortsahrend): Ich habe selbst hervor- gehoben, baß die Staatsanwälte dazu durch ihr Amt ge- zwungen sind. Präsident v, Zevrffom: Ich bleibe bei meiner Repri» mande. Abg. Ktadtiiage»(fortfahrend): Die Arbeiter werden ver- folgt bei Verrusserklürunge», gegen die schwarzen Listen der Ar- beitgeber schreitet kein Staatsauwalt ein. Ich befürchte, daß man gegen die Arbeiter aus politischen Gründen vorgehen wird. Tie Arbeiter sind der Willkür der Etaatscncwallschast preisgegeben. Ich möchte von der Regierung wissen, ob ein Ar- beiter auch verhaftet werden darf wegen Verletzung der Amts- Pflicht. In Hamburg hat man streikende Arbeiter mis die Polizei berufen und dort behandelt wie geuieine Verbrecher. Ich sehe nicht ein, warum nicht auch ein Beisitzer aus einem ähnlichen Grunde wegen grober Amtsverletzung verhaftet werden könnte. (Anhaltende große Unruhe rechts.) Der Staatsanwalt hat die Ansicht, daß der Arbeiter stets ein Bewußtsein dessen hat, was er thnt, der Arbeilgeber aber nicht; verletzt also ein Arbeiter seine Amtspflicht, so wird er unter Anklage gestellt werden, der Arbeitgeber aber nicht. Es liegen Verfügungen zu Dutzenden vor von Staatsanivaltcn, wo es zweifellos war, wo der Arbeitgeber eine objektiv strafbare Handlung begangen hat, wo aber der Staatsanwalt der Meinung war, ein gebildeter Arbeitgeber könne unmöglich den Grad von Bewußtsein haben, den der Arbeiter stets haben müsse, wenn gegen ihn vorgegangen wird. Die Be- ruftmg bei den Landgeriasteu könnte nichts nütze»; das Land- gericht kann keine Disziplinarstrafe gegen den Staatsanwalt in Antrag bringen, ja nicht einmal gegen gesetzwidrige Vorgänge irgend welche Jtemedilr schaffen. Außerdem sind die Landgerichte leider so reaktionär gestaltet, daß von ihnen doch nichts zu er- warten ist. Ich bitte Sie, lehnen Sie diesen Para- ijraphen ab ober zeigen Sie durch die entgegengesetzte Ab- timinung, daß Sie eine Fülle des Mißtrauens von Furcht haben vor dem Gerechtigkeitssinn, vor dem Amtssinn und vor dem Ehrlichkeitssinn der Arbeiter, die wir nicht verstehen können. ß 16 wird unter Ablehnung des Antrages Kauffmann an- genommen. Nach 8 25a sollen Rechtsanwälte und Konsulenten als Prozeß- bevollmächtigte oder Beistände vor den Geweroegeuchten nicht zugelassen wcroen. Abg. pfeittn beantragt, daß ausnahmsweise der Vorsitzende Rechtsanwälte zulassen kann wenn die Verhältnisse rechtskundigen Beistand der Parteien erforderlich machen. Abg. Kuchem will die ausnahmsweise Zulassung von An- wälten oem Gewcrbegericht überlassen, ivenn der Streitgegenstand rechtskundigen Beistand der Parteien erforderlich macht. Per- sonen. welche ohne Bergütung die Vertretung vor dem Geweroe- gericht geschäftsmäßig übernehmen, können vom Gewerbegerichl als Prozeßbevollmächtigte oder Beistände zurückgewiesen werde». Abg.©(nun(natlib.): Ich bitte, beide Anträge abzulehnen. da überwiegende Gründe gegen die Zulassung der Rechtsanwälle überhaupt sprechen. Es soll doch eine Veschleuuigung des Ver- fahrens durchgeführt werden. Die Entscheidung über die Zu- lassung dem Vorsitzenden zu überlassen, ist sehr mißlich, es würde der eine mehr, der andere weniger Schwierigkeilen bei der Zu- lassung machen, es würde somit auf diesem Gebiete eine gewisse Willkür platzgreifen. Auch ist es für den Anwaltstand nicht sehr zuträglich, von einer solchen Zulassung abzuhängen; es könnten leicht dadurch Kollegen sich verletzt fühlen. Zudem wird ja der Vorsitzende meistens selbst ein Rechtsgelehrter sein. Der Abg. Bachem macht nun gar noch weitere Unterscheidungen, indem er neben den gewerbsmäßigen noch solche Personen aufführt, die ohne Vergütung geschäftsmäßig die Vertretung vor Ge- richt ivahrnehmen. Das scheint mir auch nicht besonders zweck- mäßig. Abg. GrilZenl»et'gkV(Soz.): Ich kann mich in der Haupt- fache dem Vorredner anschließen. Leider haben ja gerade die Juristen des Hauses durch ihre Spitzfindigkeiten dazu beige- tragen, die reaktionärsten Bestinlmnngen in diesem Gesetze durchzudrücken. Mit Freuden haben wir es deshalb be- grüßt, daß wenigstens hier die Anwälte ausgeschieden werden, sollten. Nun will man sie aber durch eine Hliiterthür wieder einführen. Herr Bachem hat sich während der ganzen Vera- thung ganz besondere Mühe gegeben, aus dem Gesetz Alles ans- zumerzen, was für die Arbeiter günstig war. Alles insbesondere, was von uns beantragt wurde; er beantragt auch hier wieder, daß Personen, welche ohne Vergütung geschäftsmäßig die Arbeiter vor dem Geiverbegerichte vertreten, davon ausgeschlossen werden können. Wir wissen recht wohl, gegen wem sich diese Bestim- niung richten soll. Bei den bestehenden Gewerbegerichten müssen Minderjährige durch einen Fachgenossen vertreten sein; da sind denn oft Vorstände von Fachveremen zu dieser Vertretung auf- gefordert worden. In arbeiterfeindlichen Kreisen ist vielfach da- von die Rede gewesen, daß, wenn man derartige Leute nicht extra ausschließe, diese so häufig erscheinen würde», daß sie sich eine gewisse Routine aneignen und den Gerichten dadurch mehr zu schassen machen würden als gewissen Herren recht ist. Ich bin fest überzeugt, daß hiermit gerade ein neuer Schlag gegen die Au- gehörigen von Arbeiterorganisationen geführt werden soll. Ich möchte Sie dringend bitten, lehnen Sie die Anträge ab, damit die gegen die Gestaltung des Gesetzes bei den Arbeitern herrschende Erbitterung(Unruhe und Widerspruch rechts) nicht noch mehr gesteigert, verde. Abg, Aachen«: Ich provozire auf das Zeugniß der eigenen Parteigenossen des Abg. Grillen cerger, ob ich nicht ohne jedes Mißtrauen, mit vollendetem Wohlivollen, in der besten Absicht, Gutes zu schaffen, an der Arbeit mitgewirkt habe. Mein Antrag ist eine Folge der vielfachen Bedenken, welche ich gegen de» völligen Ausschluß der Rechtsauwalte vernommen habe. Alle Diejenigen, welche für Geld Rechtsgeschäfte wahrnehmen, alle Rechts- anwalte und Rechtskonsulenten will anch ich völlig ausschließen. Die nicht gewerksmäßig solche Geschäfte Wahrnehmenden sollen also zugelassen werde».?tun kann es ja vorkommen, daß der- artige Leute durch ihr Geschästsgebahreu eben so sehr die Ge- schösse aushalten, wie es bei den Amtegerichten der Fall ist. An Aiitglieder der Fachvereine habe ich nicht entfernt gedacht, ich kann es nur anerkennen, wenn sich in den Fachvereinen Leute finden, die ohne Vergütung für minderjährige oder minder in- telligente'Arbeiter thätig sind.(Zivischenruf des Abg. G r i l l e n- berger: Die schmeißen Sie ja hinaus!) Die schmeiße ich nicht hinaus; ich bin ganz damit einverstanden. Das Gericht soll ja über die Zulassung entschelden, da spricht ja der Arbeiterbeisitzer inil, der Arbeitgeber beherrscht doch nicht allein das Terrain. Ich bitte Sie, meinen Antrag und den des Herrn v. Psetten an- zunehmen. Abg. Gberty(dfr.) giebt der Kommissionsfassung den Vorzug vor den Anträgen Bachem und v. Psetten. Man könne nicht Alles iin Gesetz vorsehen, wohl aber leicht Schaden durch das Gesetz anrichten. Abg. v. pfetten(Z.): Mein Antrag will ja nur eine Ausnahmebestimmung treffen. Bei schwierigen Sachen wie bei der Interpretation von Verträgen, bei einer schwierigen Beweis- führung oder in dem Falle, wo eine rechtskundige Partei einer rechts- unkundigen gegenüc ersteht, ist es wünschenswerth, dem Vorsitzenden das Recht einzuräumen, darüber zu entscheiden, ob der Fall die Zu- lassiing von Rechtsanwälten angezeigt erscheinen läßt. Wird diese Ausnahmebestimmung abgelehnt, so kann man den 8 25a. über- Haupt nicht in das Gesetz ausnehmen. Unter Ablehnung der Antrüge Bachem und v. Psetten wird der 8 25a unverändert angenommen, ebenso ohne»vesentliche Debatte die 8s 26—63. Nach 8 63a sollen die Gewerbcgerichte verpflichtet sein, Gut- achten ans Ansuchen der Staatsbehörden abzugeben; zur Vor- Prüfung können sie Ausschüsse ans ihrer Mitte biloen. Abg. E b e r t n beantragt, daß die Ausschüsse nicht blos zur Vorbereitung der Gutachten gebildet werden können, sondern daß sie auch die Gutachten sofort abgeben können, damit nicht erst das Plenum des Geivcrbcgerichts, welches in großen Städten sehr um- sangrcich sein könne, in Bewegung gesetzt werden müsse. Ter Antrag tvird angenommen. Zinn 8 6»(Ausschluß der Militär- und Marineverwaltung) erklärt Abg. Kirsch» daß die Freisinnigen diesem Ausschluß nach wie vor wiedersprecheu, aber tvegen der Aussichtslosigkeit auf die Einbringung von Anträgen verzichten. Stach 8 12 soll die Zuständigkeit der I n n u n g s- S ch i e d s- g«richte durch die Zuständigkeit eines Gewervegerichts nicht ausgeschlossen werden. Abg.Ä u er beantragt, diesen Paragraphen ganz zu streichen. Denselben Antrag stellt der Abg. E b e r t y, welcher>ür den Fall der Ablehnung die Jnnungsgerichtsbarkeit auf die Streitigkeiten der Arbeitgeber mit ihren Lehrlingen beschränken, die Zuständig- keit deS Jniuings-Schiedsgerichts durch Erhebung der«läge vor dem Eewerbegencht ausgeschlossen wissen will. Die Berufung gegen die Entscheidungen der JiinnngS-Schiedsgerichte soll an das Geiveröegericht und, wo ein solches nicht bejtehl, an die ortent- lichen Gerichte gehen. Falls dies abgelehnt werden sollte, also falls die Jnnungs-Schiedsgerichte in vollem Umfange bestehen bleiben, soll die Berufung eben,alls an das Gewerbegericht bezw. an die ordentlichen Gerichte gehen. Abg. Cbrrty; Mein Antrag ist nicht von Antipathie gegen die Innungen eingegeben und geht anch nicht vom Standpunkte einer einzelnen Partei ans, souoern allein vom Standpunkte der Zweckmäßigkeit und von Rücksichten ans das Wohl der bekheiltgten Arbeiter. Herr Miquel hat nach seinen reichen Erfahrungen mit Recht die jetzige Bestim- tnnng der Vorlage als ein Privilegium odiomim der Innungen bezeichnet, das andererseits die gröpte Unzufriedenheit in weiten gewerblichen Kreisen hervorrmen müsse und das drittens die ganze Institution der Geweroegerichte desorganisirt. Wenn Sie wünsche», daß dieses Gesetz mithilft, den großen Riß zwischen Arbeitern und Arbeitgebern zu überbrücken, dann können Sie nichts Besseres� thun, als eine einheUliche Kompetenz des Gerichtshofes zu schaffei/ Die Absicht der Schonung der Jnnnngsgercccsse— dieselben sind im Reichstage stets nur mit ganz geringer Majorität angenommen worden— muß federleicht wiegen gegeiuiver den schädlichen Wirkungen, welche diese Bestimmungen hervorr isen müsse». Eine ungeheure Verwirrung Über die jedesmalige Konipetenz eines In- nnngs- oder des Geiverbegerichts müßte die nothwendige Konsequenz sein. Jedem, der eine Klage in Geweröesachen anbringt, muß es unvers chränkt bleibe», sie beim ordentlichen Gerichte anzubringen. Für Denjenigen, der gezivunge» ist, vor den Innungen Recqt zu nehmen, ist die Entscheidung nur eine vorläufige. Ob eine sofortige oder nur eine vorläufige Entscheidung erfolgt, hängt rein von dem Zufall ab, ob die Klage an ein Jnnungsgericht oder an ein Ge- iverbegericht kommt Die Entscheidung der Jnnungsgerichte unter- liegt der Nachprüfung durch den ordentlichen Richter; wo das der Fall ist, dauert der Prozeß nicht Wochen, sondern Monate. Ich empfehle deshalb aus das Dringendste, wenigstens der Partei die Möglichkeit zu lassen, diejeniqe Gerichtsbarkeit anzugeben, die ihr rasch Recht schafft und weit mehr Garantien giebt. EZ wird Niemand dann im Zweifel sein, welche Instanz er anrufen soll. Es ist ja bekannt, wie die Zusammensetzung des Jnnungsgerichts zu Stande kommt. Fast alle Versammlungen der Gesellen zur Wahl für dieselben ivaren in Berlin vergeblich, und es bedurfte erst des Eingreifens der Regierung, um eine Wahl zu Stande z>> bringen. Schon bei den Wahlen zum Jnnungs-Schiedsgericht wird die Nechsgleichheit der Parteien außer Acht gelassen. Die Einführung der Berufung vom Jnnungsgericht an das Ge- werbegericht will Denen, die gezwungen sind, an das Jnnungs- gericht zu gehen, wenigstens die Möglichkeit geben, nachdem dieses gesprochen, zu schneller endgiltiger Entscheidung zu kommen. Durch Annahme meines Antrages werden Sie weiten Kreisen die Wahl lassen, an welches Gericht sie gehen wollen. Sie werden die Innungen in ihrer Prärogative nach keiner Rich- tung hin schädige» und werden für die Einheitlichkeit der Juris- diktion, deren Bedeutung viel zu wenig geschätzt wird, sorgen. Fassen Sie keine Beschlüsse, von denen man nachher sagt, der Reichstag hat zivar einen Gesetzentwurf über die Gewerbe- gerichte gemacht, derselbe ist aber nichts als eine Begünstigung der Innungen. Abg. Kuchem hält es für falsch, die erst vor wenig Jahren eingerichteten Jnmmgs-Schiedsgerichte jetzt schon wieder zu be- seitigen, man müsse ihnen Zeit lasse», sich erst zu bewähren, er bitte deshalb, bei den Beschlüssen zweiter Lesung stehen zU bleiben. Abg. zUrhner(Zentr.): Die Innungen haben allerdings bis- her nicht desonderen Erfolg gehabt; sie sind nicht im Stande gewesen, den Verfall des Handwerks aufzuhalten. Ich bin deshalb nicht ein so begeisterter Anhänger des 8 12. Wenn ich nichtsdestoweniger denselben aufrecht zu erhalten bitte, so geschieht es, weil die Rechtsprechung in den Innungen konzentrirt bleiben muß, wenn sie überhaupt lebensfähig sein soll. In kleineren Städten hängen die Gesellen mit Lust und Liebe an den In- nungen.(Widerspruch links.) Herr Eberty scheint nur aus seinen Erfahrungen in Berlin zu schließen. Eine gewisse Kraft muß in dem 8 12 doch enthalten sein, wenn gerade diejenigen Parteien, die keine Freunde der Innungen sind, dagegen eintreten. Die Beschlüsse zweiter Lesung sind wohl nicht so schwer ausführbar, wie Herr Eberty es darstellt, sonst würde wohl in der Kom- Mission und im Plenum die Mehrheit sich nicht dafür ausge- sprochen haben. Abg.(YriUenbergrv: Dieses Gesetz enthält eine solche An- zahl sonderbarer Bestimmungen, daß sie nicht etwa blos von den Arbeitern nicht werden begriffen»verden. Der Abg. Eberty hat bereits ans die Zerfahrenheit ,n der Rechtsprechung hingewiesen, welche durch diese Bestimmungen hervorgerufen werde. Es wird nicht blos die Einheitlichkeit des gewerblichen Rechtswesens über- Haupt gestört, eS wird auch einfach von der Laune einer ver- schwindenden Minorität von Jnnuugsbrüdern abhängen, ob man überhaupt eine Rechtsprechung ans gewerblichem Gebiet haben wird. Es kann jeden Tag die Zuständigkeit der Schiedsrichter wechseln. Die verbündeten Regierungen können unmöglich dieses Gesetz mit diesem Paragraph annehmen, weil diese Bestimmungerl absolut undurchführbar sind. Unser»Antrag ist ja aussichtstos. Es war ein wahres Gaudium zu sehen, wie Konservative, Zentrum und vor allen Dingen die gewerdefreiheitlichen Manchestler oder staatssozialistischen Freihändler und Schutzzöllner, die National- liberalen, Hand in Hand und kaltlächelnd unsere Anträge nieder- stimmten. Diese neue Kartellmehrheit bot einen reizenden Anblick. Wir wollen sehen, od es die Nationalliberalen fertig bringen, auch für diesen Paragraphen zu stimmen. Der Abg. Mehner giebt zwar nicht viel auf diesen Paragraphen, um so vorsichtiger müssen ,vir sein. Mit einer solchen Bestimmung«st das Gesetz für die Arbeiter werthlos. 8 72 wird unter Ablehnung aller Anträge nach den Be« schlüssen zweiter Lesung anbequemen. Nach 8 72a. sollen die bestehenden Gewerüegerichte(in Rhein« land und in Elsaß-Lothringen) von dem Gesetz unbertthrr wrr.'en, wenn sie sich in Bezug aus ihre Zusammensetzung ic. den Bor» schriften dieses Gesetzes beantragen. Abg. P o r s ch beantragt, den 8 72a dahin zu fassen, daß bis bestehenden Geiverbegerichte zum I.April 1862 aufgehoben werden sollen, wenn sie sich nicht den Bestimmungen dieses Gesetzes in Bezug auf die Zusammensetzung(gleiche Zahl der Beisitzer aus beiden Klassen) gefügt haben. Abg. v. Cniiii schließt sich diesem Antrage an, beantragt aber seinerseits, nin alle Zweifel auszuschließen, hinzuzufügen, daß bei Anpassung an die Vorschriften des Gesegcs die Zu« ständigkeit dieser Gewerbegerichte in vollem Umfange ausrecht er« halten werden soll. Der Antrag Tntzauer, wonach die Geweroc- gerichte sich auch den Bestimmungen über den Vorsitzenden, daß derselbe weder Arbeiter noch Slrveitgeöer sein soll, unterwerfen sollen, ist feiner Meinung noch Gizweckmäßig, denn gerade die Vorschrift, daß ein Slrbeitgeber Vorsitzender sein soll, wird von den rheinischen Geweroegerlchten als ein großer Vorzug be« trachtet. 'Abg. Tusianrr(Soz.): Wenn man hier ein Gesetz im Interesse der'Arbeiter erlassen will, muß matt doch den Wünschen der Arbeiter selbst Rechnung tragen. Es ist aber gegen den Wunsch der Arveiter, daß in dem Geiverbegerichte die Arbeitgeber den Vorsitz führen können, wie es nach dem Antrage v. Erniy der Fall sein wird. Mein Antrag bezweckt das Gegentheil, daß die rheinischen Gewerberichte sich den Bestimmungen dieses Gesetzes anch in dieser Beziehung anschließen sollen. 8 72 a wird unter Ablehnung deS Antrages Tutzancr in der Fassung der Anträge von Cuny-Porsch angenommen; desgl. ohne Debatte die letzten 88 73—76. Damit ist die dritte Berathnng des Gesetzentwurfs erledigt; die Gesammlabstimmung wird ausgesetzt, da Abg. Meyer- Berlin gegen die sofortige'Abstimmung Widerspruch erhebt. Schluß �Va Uhr. Nächste Sitzung Sonnabend 11 Uhr.(Be- rathung über den Antrug wegen Vertagung des Reichstages; dritte Lesung der Mtlitäroorlage; Aostimmung über die Vorlage wegen der Gewervegenchte; erste Berathnng des dritten Nach- tragsetats und zweite Berathnng des zweiten Nachtrag-etats.) Zu der gestrigen Abstimmung über die Militärvorlage im Reichstag tragen wir nach, daß der Abgeordnete Prinz zu Sch oenaich-Carolath für dieselbe und für sämnitliche vier Punkte der Resolnlion Windthorss gestimmt hat, anch für jährliche Feststelliing der Präsenzziffer. In diese»' Punkt hat er sich der vernetnenden Abstimmung der RationaUloeralen nicht angeschlossen, yr?ol««les. für lifdalitiot« der„Kerl. Koll«« Trii-nne" ver- öffeuUicht an der Spitze ihrer hsürigen Stummer lolgenöe Erklärung Eine in voriger Woche stattgesnndene Berliner Volksversammlung hat in der Presse vielfach zu Bemerkungen geführt, die uns die Fe.cstelluna folgender Punkte wünschenswerth erscheinen lassen: 1. Die Redaktion der„Volks-Tribüne" hat den Berliner Brauereiboykott von Anbeginn an bedauert und daher leine dahin- gehenden Aufrufe veröffentlicht. 2. Die Redaktion hat von der Existenz eines Brauerei- dwektors Arendt erst durch die Berichte über die legte Bersamm« lung erfahren. . 6. Jeoer halbwegs unterrichtete Genosse weiß, daß ein etwa aussanchender Plan, die„Volks-Tribüne" in ein Tageblatt umzuwandeln, an dem Widerstände des Herrn Schippet scheitern oder diesen zum sofortigen Rücktritt veranlassen würde. 4. Der Lokatkonunission steht keinerlei Einwirkung auf die„Berliner Volks-Tribüne" zu. B. Zwischen Herrn Werner und Herrn Schippet besteht schon seit langem keinerlei politische Fühlung mehr, und die Neber? gäbe des VcrlcigeZ und Druckes dieses Blattes an Herrn W. ist gegen den Willen des Herrn Schippe! nach Monatetangen Aus einandersetzungen erfolgt. Die Leser werden danach das Gefühl des Ekels und der Ver- «c�turg nachempfinden können, mit dem uns die Vorgänge der letzten Zeit erfüllen muhten. »Und der zirgru, tv regnet fcgliche» Tag" so klingt es vom Lande, so klingt es aus der Stadt vom„Fels bis Bu Meer" giebt Regen die Signatur des Tages. Ltiederge- lagen im wahrsten Sinne des Wortes erscheinen die Menschen alle. Tjx Landleute betlagen das vollständige Verregnen der ersten Heuernte, beklagen, daß das Frühgeinüs« nur Kraut treibt; Kartoffeln werden wässerig und bleibe» klein, der Roggen fängt an sich zu legen und wird verfaulen. Kaum, daß Hascr und Gerste sich aufrecht erhalten. Wenn noch etwas vom Felde zu holen ist, verhindert es die Nnpasstrbarkeit der Wege, welche der wochenlange Stegen verschuldet. Dazu kommt der Land- räthe Erlaß, die den Gemeinden zufallende Instandsetzung der Landwege unverzüglich zu bewirken und erhöht die Berzweislung. Leider kann die dringende Nothivendigkeit nicht bestritten werden. Die Sommerfrischler kommen kaum aus dem Bau. Höchstens die liebe Jugend weiß sich den Regen zunutze zu machen; sie tritt in Pfützen und Tümpeln„Wassersport" jeglicher Art und baut Kanäle von dem einen zum anderen Regentümpel, wirst auch wohl lange Dämme auf. Die Frösche scheinen das Quaken voll- ständig verlernt zu haben. In Wald und Busch die Vöglein schweigen, höchstens Freund Spatz und Schwalbe lassen sich hören. Tie Cominerfepe in den Vergnügungslokalen erleben eine Ver- schiebung nach der anderen. Gummischuhe, Regenmäntel und Regenschirme sind gesuchteste Artikel. Auch die Kolporteure, die sonss um diese Zeit über die„infame Lesefaulheit" klagen, machen Geschäfte. Shm hat es gar noch am gestrigen Siebenschläfer ge- regnet, also ist die Hoffnung auf gutes Wetter gänzlich dahin.— Stur Much! Es wird besser— von Amerika kommen günstigste Wetter..a �richten. Ein kchwrrer Unglnckofnll hat sich gestern nm 4 Uhr in dem Hanse Wraugehirape H zugetragen. Ter dort beim Putzen einer Fagade beschäftigte Dachdecker Ernst Hi ecke, 20 Jahr alt, woäle no.h eine'schadhasse Stelle»achpuhen. Beim An- lehnen an die Sicherheitslalt« brach dieselbe und der Unglückliche stürzte ans der S. Etage in den Hof, wo er schwer verletzt liegen b.eo. Da Hilfe schnell zur Stelle war, wurde der Ver.iuglüate na h dem nahen Bethanien gedracht. Die anqenblickliche Kpemrng des OaUs'kchen Thorrs hat eine nicht uncrhcoliche Zahl von Mipheliigkeiten ss.r oas Fuhrwesen im Gefolge. Ramentlich haben die Droschken- k tscher unter dieser Maßnahme zu leiden; weil Warnungstafeln nicht in gehöriger Entfernung vom Hallesschcn Thore ausgestellt sind, paff.rt es inst immer, daß die Droschtenkutfcher bis vor das Thor fahren, um umkehren zu könne». Daß hierdurch Unannehmlichkeiten mit den Fahrgäste» entstehen, ist wohl ohne weiteres ertlärlich. Viellebss tragen diese Zeilen dazu bei, diesem Uevcl- stände durch Anbringung von Warnnngstaieln in gehöriger Ent- feranng vom Halle'fchen Thorr abu. heben. polisribericht. Am 20. d. M. Bormittags wurde ein Mann in seiner Wohnung in der Brandenburgstraße erhängt vorgefunden. — Räch mittags fiel ans de», Sien bau Greifswalderstr. 47 der Maurer Albrecht, anscheinend infolge eigener Unvorsichtigkeit, aus einer Höhe von etwa 0 Metern vom Gerüst in den Hof herab «nd erlitt so schwere innere Verletzungen, daü er mittelst Kranken- Wagens nach tcu, Kraukenhause am Friedrichehain gevracht wer- de» mußte.— Ebenso fiel zu derselbe» Zeit der Dachdecker Hiecke von den, an der Hinterfront des Hauses Wrangelstr. 8 angebrachten Hängegerüst aus einer Höhe vo» etwa 8 Meiern auf den Hof her,� ,„>d erlitt hierbei einen Bruch deS rechten Oberschenkels und regten Armes. Hiecke wurde nach dein Kranke.ihause Belhanien gebracht.— Am 26. d. M. fanden an 4 verschiedenen Stellen kleinere Brände statt. CYppitfiks-Zeikttug. Nor der vierten Ztrafliannuer des Landgerichts l hatte sich der Tischler Paul Licsche zu verantworte», weil derselve»achrenb der letzten Skcichstags- Stichwahl Flugblätler sozialistischen Inhalts verbreitet hatte, wobei er von einem Kriminalbeamten verhaftet wnroe. Der Angeklagte gab zu, der- gleichen Drnckschrissen verthcilt zu habe», erklärte aber, daü es ihm vollständig unbekannt sei, daß er irgend eine llebertreinng des Gesetzes begangen habe; denn daS Gesetz gestalte ja, daß w.hreud einer Wahlperiode Trnckschrisseu ohne besondere Gc- ne»ingung der Polizeibehörde verbreitet werden können. L. be- merkte ferner, daß er ans der Bertheiluna der Flugblätter lein Ge verde gemacht habe, sont er» nur die �Jnterei.en seiner Partei vaholgt habe. Ter Bertheidiger schloß sich de» Auslüh- r ingen seines Klienten an und wieS ans einige ähnliche Fälle hin, welche das Sleichsgericht noch zu entscheiden hat. Der Staats- aiuvalt hielt die Anklage vollständig a.(recht, da durch Btiniiierial- erlaß be,ii»iult worven iss, daß auch während der Wahlzeit die Veccheilling sozialistischer Trm.schriste» ohne Eeiiehniigiliig der Behörde firafoar sci. Schließlllt) deai>tr>.gt» der Slanlsanwall eine Gesängnißstrase von vier Wochen iwcc de» Augeklagten zu verhänge». Ter Gerichtshof nahm inildernde UuislniiS» al-e ver- handeii au und verurtheilte L. zu einer Gelouraie von lü Pt. Ißiue Thnt dr» Utalinfinn» hat eine Anklage wegen fahrlässiger Tödtung gezeitigt, welche gestern die Kran- kenwärterin Friederike G n st o w s l i vor die Etrafkammer hie- sigen Landgerichts II führte. In der Jlnison de Santo in Echöiic�crz befand sich seit Januar er. der I>r. med. Böhl, welcher einen Selbstmordversuch verübt halte, indem er sich mit an Verblutung und die Schuld an seinem Tode wird nun der Augeklaaten zugeschoben. Letztere bestritt, sich einer Pslichtver- letzung schuldig gemacht zu haben, da sie erst, nachdem ihr wieder- holtes Klopfen in der Küche nicht gehört worden war, das Zimmer verlassen habe, um sich den Kaffee zu holen. Der Gerichtshof erachtete gerade das Verlassen des Zimmers für die Fahrlässigkeit, glaubte aber mit dem Bertheidiger, Dr. Wolff daß in diesem Falle die denkbar größten SAildcrungsgründe vor- liegen und verurtheilte die Angeklagte deshalb nur zu 1 Tage Gefängniß. D,r Kapitalist, wi« er im Küche steht. Als eine empörende Rohheit bezeichnete gestern der Vorsitzende der Berufuugsstrafkamuler die Handlungsweise des Tischlermeisters Friedrich Z r e m e r, welcher sich eine Anklage wegen groben Unfugs zugezogen hatte und dieserhalb von der ersten Instanz zu e i n e r Woche Haft verurtheilt worden war. Ter Che- mann der Arbeitersrau Konrad war ini September vorigen Jahres in der Charitee von dort aus beerdigt werden. Der'Angeklagte hatte den Sarg geliefert und die Wittw» 5konrad hatte versprochen, den Betrag dafür mit 42 SA. ö0 Pf. kurz vor der Beerdigung zu bezahlen. Im Begriffe zum Tischler zu gehen. bekam Frau Konrad Abhaltung, sie verschob daher den Gang bis nach der Beerdigung. Der'An- geklagte begab sich daher mit einem Gehilsen nach c>er Charitee. Ter Letztere begab sich mit der Stechnuug in die Kapelle, wo das kleine Gefolge den Sarg umstand, er näherte sich der Wiltwe und erinnerte sie an ihre Schuld. In diesem Augenblicke betrat der Prediger die Kapelle, die Wittive flüsterte dem Gehilfen zu, sie habe das Geld bei sich, er möge nur bis nach der Beerdigung sich gedulden. Der Gehilfe entfernte sich auch und erstattete seinem draußen harrenden Meister Bescheid. Tie Einsegnung der Leiche war beendet, der kleine Leichenzug setzte sich in Beivegung. In dem ersten Wagen saßen der Prediger und die trauernde Wittive. Da wurden die Bemühungen des Ersteren, der weinenden Frau Trost und Much einzusprechen, jäh unterbrochen. Der Angeklagte öffnete den Wagens«, lag und über- reichte der Frau Konrad die Qnittiing für den Sarg mit den Worte»:„Na? Wie ist c? mit der Bezahlung?" Schnell holte die Frau ihr Portemonnaie heraus und schüttete den bereits ab- gezählten Inhalt den, Mahner in die Hand, der dann den Schlag wieder zumachte. Die kleine Szene war nur von einzelnen Bor- übergehende» bemerkt worden, der Prediger gab der Frau gegen- über aber unverhohlen seiner Entrüstung über das Gelmhren des Mannes Ausdruck und veranlaßt?, daß er angezeigt wurde. Ter Angeklagte bat in zivciter Instanz flehentlich, man möge die Haststrase in eine Geldstrafe»»»vandeln; er habe nicht mit llcberlegung gehandelt und nickt gewußt, daß der Prediger mit im Wagen geseffen. Slur mit Rücksicht ans die bisherige Unbe- scholtenheit deS Angeklagten kam der Gerichtshof der Bitte nach und änderte das erste Nrtheil in eine Geldstrafe von 20 M. um. Die Auffeffr» erregende Angelegcnlieit des Zopf. nbschnridei»» im städtischen Arnnkrnhanfe imLrirdrichs- Hain beschäftigte gester» in eingehender Verhandlung die sechne Berufnngskammer des Landgerichts l. Ter'Angeklagte, Leichen- diener Gustav Lehmann, Hatto gegen daS auf e i n« W o ch e Haft lautende erste Eikenntniß Berufung eingelegt hatte. Als Hauptbelastm. gszengin trat wiederum die Wittive Künzel' auf, welche eine Darstellung des Sachverhalts gab, die genau derjenigen entsprach, die sie in erster Instanz gegeben. Am 17. Dezember vor I. habe sie ihre schwerkranke tdjuhrige Tochter nach dem Krankenhause gebracht. Zwei Tage darauf erhielt sie die Todesnachricht und am Morgen des 20. Dezember sei sie nach dem Krankenhause gegangen, uni ihr todtes Kind zu sehen. Die Bureaubeauiten hatten sie nach einem Gebänd« gewicse», in welchen» sich oben die Cezirsäle unten die Todten- räume befinden. Auf dem 5torridor habe sie den Angeklagten getroffen und ihm ihren Wunsch vorgetragen. Lehmann habe auch versprochen, sie zur Leiche ihrer Tochter zu zu sühren, er sei aber. immer ab und zu gegangen und habe Geschäfte vorgeschützt. Nachdem sie vier Stunden auf dem kalten Korridor gewartet, habe sie sich endlich unverrichteter Sache entfernen muffen, da Lehmann zu letzt höchst grob geworden sei. Am Nachmittage desselben Tages haoe sie sich dann ivieocr mit einem Fuhrwerk eingestellt, nm die Leicke zu holen. Stach längerem Warten habe sie Zutritt zu der Leichenhalle erhalten, wo ihre Tochter in dem Sarge aufgebahrt lag. Sie warf sich schmerzerfüllt über die Leiche und bemerkte bei näherer Besichtigung, daß man der Todten die prädssigen blonden Zöpjt abgeschnitten halte. Im ersten Augenblick habe sie vor Schmerz nichts anderes sagen können, als:„Mein armes Kind, nicht einmal die Haare haben sie Dir gelassen!" auch habe Lehmann ans Schließung deS Sarges gedrängt, mit dem sie sid) dann entfernt habe. Bor der Beerdigung ans dem Kirchhofe habe sie den Sarg noch einmal öffnen lauen und sie und eine Nadcharin hätten sich nochmals überzeugt, daß die Zöpfe abgeschnitten»varcn. Am Tage nach der Beerdi- gn»g ging die Zeugin nach dem Krankenhause. Ter Arzt, der ihre Tochter behandelt hatte, erklärte, es sei kein Grmid vorhandeil gewesen, derselve» das Haar zu kurzen nud ebenso behauvlcte die Pflegerin, daß die Verstorbene ihr volles Haar behalten hatte. Ter Frau Künzet»vuroe gerathen, ihre Beschwerde im Bureau Protokoll zu geben. Während dies seitens des Bureau- Arbeitszeit ausgesprochen, da die gegenwärtige Krisis noch»ich. so schlimm sei und hoffentlich auch nicht von langer Dauer sei» iverde. In einer in de» leissen Tage» in Meernne abgehab tenen Versammlung der Apprcturarbeiter konnte den Versammelten mitgetheilt iverden, daß das seiner Zeit an die Prinzipale er. gangene Ersuchen um Aufbesserung der Löhne doch von Erfolg geiv'esen ist. Die Mindestlöhne sind von 15 ans 10 SJi. u. s. w. erhöht ivorden. Auch»vollen die Gesd)ästsinhaber bemüht sein, daß die Sonntagsarbeit thunlichst umgangen»vird und in Fällen, in denen sich Ueberftunden nöthig machen, solche mit je SS Pf. zu bezahlen. Sozial» Aeborlidszk. einen» Revolver zwei Kugeln durch die Br.ssl sagte. Die öegle»- ....... daß d»e»! selige """ heil tendeii Umslände ließen leine» Zweifel darüber, daß tie u. seiig -rhat, welche übrigens dauernde Stachthcile(ür die G<-s»iu hei des Selbstmörders nicht hinterlassen hat, in einem AusaU vo Geiftesuinnachtniig begangen»var, und man brachte de» Patienten »ii die Malson de SantJ. Demselben wurde eine beson �" cm Sorgfalt ge.vioiuel und den Warrern uno Wärterimlen immer wieder eingeschärss, ans den Kranken aufs Genaueste aufzupasfen. Ties geschah auch am 7. M.wz, als die Angeklagte die Wache über- uahm; der die AussUffl führende Arzt Dr. Jastrowitz legte auch ihr aus Herz, leine Minute cen Kraulen nu beaufsichtigt zu laffe». Der Tie»,l bei dein Patienten war ein sehr schwerer, de»» die Wärterin mußte Tag und Stacht an» Bette des Kranken weilen, ohne das Zimn er»»r«i-imal verlassen zu där.eu. Tie Stacht »var außerorbenlich gut verlaufen und am 8. März war der Zu- stand des Kr nkea augenscheinlich ein vorzüglicher, denn derselbe schevsse sogar mit seiner Wärterin uiiS zeigte leine Spur vo» Stusregung. Trotzdem wurde der'An- geklagte» dnrck, die der Aufliievf'amkeit Juspektorin nochmals eingeschärft, ».» der Aufmerksamreil nicht nachzulassen, da Kraute dieser Art die gröpte» Schauspieler seien und ihre Umgebung oft ge,.ug Uber ihre» wirklichen Zustand zu täuschen verstehe.,. Als die Mittag,. zeit herauknul, merkte die Angeklagte, welche bis dahin die Angeklagte daß es ihr phtzfisch nnniug- ............... »och keinen Bissen zu sich geiivinme»,........ Uch sein würde, ihren Dienst»veiter zu versehen, ohne eii.e Stärkung sich z„ verschaffen und als sie ihren Kranken so voll- sie es. aus dem Krai.kenziminer ständig ruhig liegen sah,»vagte sie es,>•-*-....... «n d,e dicht daiwoen liegende Küche zu huschen und sich rasch eine -. mn<■,, nndi kann» drei Minute», zurück- Tasse Kaffee zu holen. Als f>e uach kaum kehrte, bot sich ihr ein entsetzlicher Slnblick dar: ihr fxhat nur verstellt hatte, Pfiegedesohlener, welcher sich in der Tyat»u» yane die kurze Zeit benutzt, um aus dein Bett zu springen. Scheibe fernes Ziinmcrse..slerS zu zertrümmern uno mit einem '''—- xss,er Hai:v»»nd eine Vene am eine Glasscherben sich die Pulsader emer V.• verstarb er Halse aufzuschneiden. Trotz so.orliger a z I. orsieher» Weber geschah, miahitte derselbe die Frau, sie möge ! iv Sache energisch verfolgen, der Tiretlion liege daran, de» V.wc acht gegen Lehmann, der schon in eiueni früheren gleichen d alle veschuldigt war, auf seine Wahrheit ooer Unwahrheit zu präsen. W»hre»d der Protokollirung betrat noch ein zneiter Beamter den Nanu,, der seinem Kollegen über die Sd'ulter blickle. Als dieser sah, um was es sich handelte, stieß er die Worte aus „Haha, Lehmann,, bieder Haar« abgefchmlteii, daß der seine schändlichen Thateu nicht lassen kann!"— Trotz des e crgische» Leug. enS des'Angeklagten hatte der erste Sttcktei se.Uea aus Gr..u0 des votstehonten Belauungsmaterials für .verfuhrt erachtet. Lehiiiann blieb auch im gestrigen Ter>:ü..e dabei, daß er li>ssd)uldig sei. Tie Zeugin mufft ,id) geirrt haben, er fei überzeugt, daß ein« Erhumiruug öer Leicke ergeben würde, daß die Zöpfe noch unter dein Kopie und Rücken der Leiche liege». Sei» Bertheidiger, Siech tsauivalt Bieber, stellte de»'A.ttrag aus Wiederausgrabuug der Leiche, außerdem stellte berfetbe aber noch viele Antrüge, um zu beweisen, daß außer de», Angellaglei» noch viele Personen Zutritt zum Leicheuleuer hatte» uno die T Haler sei» könuten, casi die von Leichen abgeschuittenen Haare gar keinen Werth hätte», daß der Aageklagle sieoenzeh» Jahre hindurch seines Amtes treu und zur Zufriedenheit seiner Vor- gesetzten geivaltet u. s.»v. Ter Gerichtshof lehnte alle diese Bei.eisaniräge als unerheblich ab. Tie Thatsache, daß c er Ver- storöeuen uubefugter Weise die Zöpfe abgeschuitlen worden seien, sei unbestritten, aoer eine andere Frage sei, ob dem Angeklagte» bewie worden sei, daß er als Th.tter, Austisler, Theiluehi»« oder ehil e bei der Straslhat beiheiligt sei. Ties halte der Ge- richlshof nicht für«riviesen nud aas viesem Gruuie müsse das erste Urtheil ausgehooe» und der Älugeklagte sreigesprochea werden. Äv'beiteplretveNUttN. Kei dru» Zenkralvorstande des Vcrbaudes der Stickerei- Industrie in Sachsen ist, dem„Ehemn. Tgbl." zufolge, von der Berivaltungsitclle Schneeberg des Zeutralneroaudrs der Dringlich- kritSautrag eingebracht worden, in Stüclsichl auf die gegenwärtige Geschästsstaue in der Stickerci-Jndustrie die Arbeitszeit zu verkürzen. Die Vcrivaltungsstelle Planen dagegen hat sid) in einer am 25. d.M. abgehaltenen zahlreich besuchten Hauptbersammluiig mit über.viegeuder Stiuuneninehrheit gegen eine Verkürzung der Dirjrnigen Kerliner Dtnurrr, welche am Donnerstag, den 5. Juni, Zeuge des von Herrn Kerstan in Nr. 131 dieses VlatteS gesichilderten Vorfalles waren, wie am genannten Tage auf dem Lehrter Bahnhof ein Hamburger Maurermeister die für Hamburg angeworbenen Maurergesellen zu Gewaltthätigleiten gegen die„Aufiviegler" aufforderte, werden gebeten, ihre Stamm und Adressen in der Redaktion des„Berliner Volksblattes" ab- zugeben. Acht»»gl Dletallarbritcr! Kollegen! Die am 7. Mai in derüffenillchcn SRctallarbeiter-Versaininlung.Branerei Friedrichs- Hain, gewählte Koinmission zur Eutgegenuahme freiwilliger Bei- träge zur Beschickung deS Allgemeine» Deutsche» Metatlarbeiter- Kongresses zu Weimar, macht hierdurch nochmals bekannt, daß zu diesem Zwecke Bous zu 10 Pf. ausgegeben iverden. .Kollegen! Wiederholt haben ivir Euch ans diese Bons auf- merksam gemacht, haben Euch vor Slnge» geführt, daß, als unsere Telegirten abreisten, das Geld noch nicht zusammen war, und wir das Fehlende leihen mußte», den» sonst hätten dieselbe» den Kongreß nicht besuche» können. Wiederholt haben wir Euch aus- inerlsain gemacht, daß wir unseren Verpfliditungen, die wir eiugegangeu sind, sehr bald»achkommen müssen und Ihr End) recht rege au den Sammlungen bcthciligen sollt, jedoch scheint es, als iveun dieser Mahnruf an Euch spurlos vorübergegangen ist. 4 Wochen sind unsere Delegirten bereits vom Kongreß schon iviedcr hier, und immer noch ist die betreffende Summe nicht zu- sammen. Kollegen laßt diese Mahnung nun nidss wieder spurlos an(Such vorübergehen, sondern betheiligt Euch reger an den Sammlungen, oder wollt Ihr, daß, wen» der Termin herange- kommen ist, die Kommission das Fehlende aus ihrer.Tasche zahlen soll? das werdet Ihr doch unbedingt mdss wollen, und iöuut es auch schlechterdings nicht glauben. Also Kollegen frisch ans Werk, thue jeder seine Schuldigkeit und beweiset mehr Opsermuth und Solidarität als bisher. BouS zu 10 Pf. sind zu haben bei den Kollegen St. Uuger, Kesselstr. 20, Wolfs, Steiuickcndorferstr. 14a, V. Kurgast, Antonstr. 0, A. Schiesel, Moabit, Wilsnackcrftr. 11, Otto Klei», Ritterstr. 15 und bei unterzeichneter Kommission zu haben.'Auch werden daselbst sonstige freiwillige Beiträge ent- gegengenommeu. Die Koinmisfum: Paul Hetz, Köpiiickerpr. 151, v. 4 Tr., Franz Hasselbad), Kottbuser Da>nin 30 und 37, v. 3 Tr., Richard Beyer, Grüner Weg Sir. 121, Hof 4 Tr. r. Achtung! Maurer, Zimmerer und sonstige Bauarbeiter! Der Streik in Hamburg dauert unverändert fort und wird auf beide» Seiten mit der größten Hartnäckigkeit gckämpsi, das ver- einigle Kapital bietet alles auf, den gerechten Streit der ausge- sperrten Hamburger Bauhandwerker illusorisch zu machen. Dieses geht schon daraus hervor, daß man sich von Seiten der Ham- Imrger Baiimaterialieuhändlcr verpflichtet, denjenigen Mauern, welche die Forderungen der Gesellen bewilligt haben, keine M ite- rialien zu liefern. Ferner steht die ausführende Gewalt in Hamburg, wie bekannt, vollständig aus Seite der arbeiigebcndeu Klaffen, denn laut Bericht sind sd)oi> über 100 Zimmerer(ohne sonstige Bauarbeiter,»vorüber uns äugen- blicklid) Nachricht fehlt) wegen Bedrohung inhaftirt, wohingegen das Unternehmerthum frei schalten und walten darf, indem die- selben mit ihren'Agenten auf den Bahnhösen ihr Univcsen treiben, indem sie den niigewsrcene» Leuten vorspiegeln, die Hamburger arbeiten alle schon und der Streik ist beendet. Umsomehr ist es unsere Pflicht, die Kollegen allerorts noch- malS daraus aujmerlsain zu machen, derartigen Vorspiegelungen kein Gehör zu schenken und den Zuzug nach Hamburg wie bis- her ffreug fernzuhalten. Ebenso erinnern wir an die Versauunlungsbeschlüsse vom 17. Juni, wonach sich jeder in Berlin arbeilende Bau-Hand- iverker(und sonstiger Interessent) verpflichtet, wöchentlich inin- destens 50 Pf. für die streikenden Hainburger Bau-Handwcrler bcizu.euer». I. 91. der Maurer und Zimmerer Berlins und Umgegend: H. SchigolSki, H. Ortlano, Weißenburgerstraße 08. Steglitzerftraße 58. Adssuug, Schuh lund/er} Da in der Fabrik von Fürsten- heim, Steue Frieorichfiraß« 37, die Ballschuharbeiter die'Arbeit medergelegr, weil ihnen ein Lohnabzug gemacht werden sollte, so ersuchen ivir die Kollegen, uns iu unserem berechtigten Kampfe zu unterstützen, tnbem'Niemand dort in Arbeit tritt. Ter Fabri- k.int hat süiNintliche Fabritanten aufgefordert, die Streikenden nicht in'Arbeit zu stellen.'Also kein Zuzug in jene Fabrik, dann ist unser Sieg sicher! Tie Kollegen der Fürstenhciin'fchen Fabrik. chachvrrei» für Schlossrr«»»d Waschiur«tt»au-Art>rite? jtrrliiio und Duigegend. Da in der Versanimlnng vorn 10. d. M. der Beschluß gefaßt wurde, die Vereinsoersanunlnng während der Dauer von 4 Wochen ausfallen zu lassen, mache» wir die Mitglieder darauf ansmerksam, daß zur Entgegen nähme der Beiträge die Kasstrer von Otts bis 10 Uhr in den'Arbeits- nachweisen des Bereins für den Süden Tresdenerstr. 116 bei GriOldel, für den Slorden 9l»klamerstr. 40 bei Nürnberg anwesend find. Steue Mitglieder werden daselbst aufgenommen. Vers&mmluuison. A» die Dtiigliedrr de« Lachoereino der Tischler. In der am 25. Juni abgehaltene» außerordentlichen General- Versammlung des Vereins ivnroe eine Resolution dahingehend aiigenoiiunen, die Mitglieder in fännntlichen Werkstellen aufzu- fordern, ein in der Werkstatt arbeitendes SNitglied damit zn ve- trauen, für sänuntliche in der Werkstatt arbeitenden Mitglieder allwöchentlich resp. alle 14 Tage die Beiträge ans den Vereins- Zahlstellen zu entrichten, und gleichzeitig diesen Vertrauensmann zu verpflidzte», die in der Werkstatt arbeitende» KoUcgen zum Besuch aller V crcinL vers ammliuigcn anzuhalten, um dadurch die im letzten Jahr.en geivonnenen Mitglieder als thätige Vereins- kollegcn zn erhalten. Ter unterzeichnete Vorstand erwartet nun, daß obiger Beschluß in s»mtlicheu Werkstellen, wo Vereinsmitglieder ardciteu, zur strulen Durchfährung gelangt und somit eine größere Thäiigkeit an de» Werkstellen im Sinne deZ Vereins entfaltet wird.— Die Mitglieder werden»od) besonders darauf hingewiesen, da mit dein heutigen Tage das zweite Quartal zu Ende geht, ihre rückständigen Beiträge zn entrichten, umsomehr, da in letzter Zeit größere Summen an streikende'Arbeiter vom Verein gezahlt wiirden. Tie Zahlstellen bestnden sich in sollende» Letalen: 1. Friedrichsbergerstr.!'5 bei Schmidt, 2. Slalitzerstr. 107 bei Kunstinaiin, 3. Belleallinnceplatz 0 bei Hilscher, 4. Zionskirch- platz 11 bei Hohn, 5. Schleiermacher- und Gneisenaustr.-Ecke bei Scheuer,(». Bülowstr. 52 bei Böhland, 7. Dresdenerstraße 110, 8. Lübecker- und Thnrmftr.-Ecke bei Jahnke, 9. Langestr. 70 bei Heindorf, 10. Rirdorf, Bergstr. 7 bei Duschet, 11. Fennstr. 4a bei üriiaerf 12. Görlitzer- und Soraucrstr.-Ecke 13. Weißenst'� Volker- und Charlottenstr.-Ecke bei Kleb?, 14. Belforterstraße und Ecke Prenzlauer Allee, IS. Gesundbrunnen, Grünthalerstr. LS bei Preuß. Eine von nu�efiilir 400 ZIers'oneir besuchte öffentliche Versammlung aller in der Gold- und S i l b c r w a a r e n- Branche beschäftigten Arbeiter tagte am 19. Juni in JoLI's Restaurant, Andreasstr. 21. Auf der Tagesordnung stand: I.„Arbeitslöhne und Unter- nehinergewinn." Referent: Reichstagsabgeordneter Aug. Dreesbach. 2. Diskussion. 3. Stellungnahme zur Streik-Kontrolkommission. 4. Verschiedenes. Ins Bureau wurden gewühlt die Herren Holtkamp, Damm und Heynemann. Da Herr Dreesbach am Er- scheinen verhindert war, so hatte Herr Bär aus Gera das Referat:„Die Ursachen und Folgen der modernen Streik- bewcgnngen", beweitwilligst übernommen und führte ungefähr Folgendes aus: Das Thema sei ein höchst wichtiges und der Zeit vollständig angemessen. In allen Ländern, wo von einer modernen Arbeiter- bewegung die Rede sein könne, sind jetzt Arbeitseinstellungen an der Tagesordnung, ivelche die Erhöhung der Arbeitslöhne zum Zweck haben. Vor allen Dingen müsse man sich die Frage vor- legen, ob diesen Arbeitseinstellungen eine Berechtigung zuzu- sprechen sei. Diese Frage sei unbedingt mit ja zn beantworten, denn für den Arbeiter sei eine Lohnfrage eine Existenzsrage und sei eine Erhöhung des Lohnes mit einer Verbesserung der allgemeinen Lage des Arbeiters gleichbedeutend. Zu Zeiten des Zunftwesens sei freilich noch nichts von einer Lohnbewegung zu spüren ge- wesen. Das sei daher gekommen, weil jeder Geselle Aussicht hatte, einst Meister zu werden und weil er dann auch keine höheren Löhne zahlen konnte und wollte, so sei eine derartige Bewegung nicht in Fluh gekommen. Später habe sich aber der Weltmarkt entwickelt und man habe die Maschine erfunden, wo- durch die Arbeitslöhne bedeutend hcrabgegangen seien. Auch die Branchen, in welchen die Maschine wenig oder gar keine Auf- nähme gefunden, haben den Einfluß derselben durch Herabsetzung der Arbeitslöhne erfahren. An ein Meisterwcrden könne heute ein Arbeiter nicht niehr denken, einzelne Ausnahmen kämen ja vor, aber diese bestätigen nur die Regel. Das ungesunde unserer heutigen Produktionsweise besiehe darin, daß der Arbeiter nicht für sch arbeitet, sondern für den Kapitalisten, welchen der Haupt- antheil am erzielten Gewinn zufalle. So habe Friedrich Engels erklärt, daß dreiviertel Thcile des gesammten in der Produktion erzeugten Mehrwerthes Unternehmergewinn seien. Wenn diese Angaben richtig sind, so sei die wirthschaft- liche Lage der Arveiter doch eine sehr ungesunde. Man spreche ja viel von Gegenleistungen, welche von Seiten des Fabrikanten den Arbeitern für den ihm vorenthaltenen Lohn zu Theil würden, aber davon sei absolut nichts zu sehen, denn derselbe hält sich seine Werkführer und Buchhalter und hat oftmals gar nichts mit seinen Arbeitern zu thun. Alles, was auf der Erde«xistire, sei durch Arbeit entstanden, außer den Roh- Produkten, welche uns d,e Erde liefere. Aber auf die Erde könne von rechtswegen keiner Anspruch inachen, denn sie sei Allgemein- gut. Redner schildert im Weiteren den Uebergang des Grund und Bodens, welcher früher in Deutschland und anderen Ländern Allgemeingut der einzelnen Völkerstämme war, in Privathände und beweist, daß die Worte Franklin's:„Handel ist Prellerei!" ihre Berechtigung habe», denn wenn ein Kaufmann einen Gegen- stand für 3 M. kaust und ihn wieder für 4 M. verkauft, so habe er dadurch keinen Mehrwerth an den betreffenden Gegenstand erzeugt, sondern lediglich nur einen Profit erzielt. Durch diese Manipulationen seien das Kapital und die Millionäre entstanden. Redner kommt sodann auf die Schädlichkeit der langen Arbeits- zeit zu sprechen und führt als Beispiel England an, wo vor langer Zeit die Arbeiter durch Maßregeln der Regierung zu einer recht laugen Arbeitszeit gezivungen wurden. Die Folgen davon waren, daß der Gesnndheit-zustand des arbeitenden Volkes em immer schlechterer wurde, bis englische Aerzte sich gc- uöthigt sahen durch Petitionen an die Regierung die'Abschaffung dieser Unsitte zu verlangen. 25 Jahre darauf wurde von den Aerzten konstatirt, daß der Gesundheitszustand verarbeitenden Klaffe ein weit besserer geworden war. In Teutschland werde in einzelnen Gegenden heute noch 18 Stunden gearveitet und daß dies für den Körper in» höchsten Grade schädlich ist, müsse doch ein jeder einsehen. Das einzige Mittel gegen eine derartige Aus- dcutung sei eine starke und feste Organisation, durch welche den Fabrikanten eine Verkürzung der Llroeitszeil abgezivungen»Verden Uluß, denn von selbst»vird er dieselbe nicht beivilligen. Wenn es auch einzelne humane Fabrikanten gebe,»velche die Lage des Ar- beiters geri» ctivas verbessern»nöchten, so ist ihnen dieS doch «mmöglich, weil sie dann der Konkurrenz unterliegen»vürden und zu Grunde gingen. In» Weiteren kommt Redner auf das eigent- liche Wesen der Streiks zu sprechen lind führt als Hauptbedingung, bei der siegreichen Durchführung einer Arbeits- Einstellung eine starke und kräftige Organisation an. Als Beispiel rönne England dienen,»vo durch den Einfluß der Gewerkschaften, »rotzdem dasselbe in maschineller und technischer Hinsicht den anderen Staaten bedeutend vor ist, die Lage und der Verdienst des Arbeiters nicht so weit herabgesunken sei,»vie bei uns. In Deutschland habe man ja jegt auch Geiverkvereine, aber diese ständen noch auf sehr schivachen Füßen, so daß ostinals eine Streiköeivegung unglücklich verläuft. Als zweite Bedingung sei Geld zu betracczten, denn eine Arbeitseinstellung sei mit einem Kriege zn vergleichen, in welche»» derjenige, der nicht über ge- äugende Mitteln verfügt, unterliegen muß. Die Einnahmen des Arbeiters verringern sich jetzt durch Herabsetzen der Löhne iinmer- »»ehr,»vo hingegen die Ausgaben deffelven durch Preissieigeruiig der Lebensmittel und der Wohnungsmiethe immer mehr zu neh- men und wenn die Arbeiter diesen Dingen gleichgiltig zusehen, so komme es noch so»veit, daß kein Mitglied eincr Organisation Bei- träge entrichten kannunddieselbezu Grundegehen niüsse. Durch Gesetz sei den Arbeitern zur Erzielung etwa gestellter For. crungc» der Streik gewährleistet, aber in neuerer Zeit habe man die Arbeits- Einstellungen ohne vorhergegangene Kündigung als Kontraktbrnch bestraft und die geiverbsmäßige Aufforderung dazu sogar mit hohen Gefängnisstrafen belegt. Dies mache in vielen Fallen eine» Streik illus»risch,»veil dadurch oftmals eine gnnstige!?onju»klur, »vas mit eine H tuptbe. inguug bei der glücklichen Durchführung einer Lohnbewegung ist, vorübergehe und der Fabrikant seine Maß- regeln dagegen treffen könne. Ter Arbeiter sei bei Streiks unbedingt auf Sauimlungen angewiesen, denn von Ersparnissen könne er nicht ulehrere Wochen mit Familie existiren und würden dieselben von der Behörde uutcrsagt,»vie es beim letzten Weber- streik in Gera war, so müsse die Beivcgung»»»günstig verlausen. Die Arbeiterschaft müsse einsehen,»velche kolossale Macht sie bildet, sie muß sich organisiren und verbinden und»nit allen ihr zu Ge- böte stehenden Mitteln ihre Forderungen, sei es Erhöhung des Lohnes oder sei es Verkürzung der Arbeitszeit, durchzusetzen suchen und sie dürfen sich da nicht durch einige unglüctlicl» ver laufe»»« Streiks abschrecken lassen. Zum Schluß führt Redner an, daß Niemand denken solle, mit einer Verkürzung der Arbeitszeit oder mit einer Lohnerhöhung sei alles erreicht. Je mehr die Arbeitszeit verkürzt wird, um so»nehr würden die Maschinen verbessert, so daß die Arbeiter immer und immer»vieder kämpfen niüssen, bis sie endlich das große Ziel erreicht haben, Umgestaltung der kapitalistischen Produktionsiveise in eine genoffenschastliclie. Reicher Beifall lohnte den Referenten für seine IVsstündigen trefflichen Ausführungen. In der Diskussion wurde folgende Resolution eingebracht: Die heute am 19. Juni in Joel's Salon tagende öffentliche Versammlung aller in der Gold- und Silber- waarenbranche beschäftigten Arbeiter erklären sich mit dein Referenten einverstanden und verpflichten sich, da nur durch eine gute Organisation eine Besserstellung der Arbeiter zu erringen ist. Mann für Mann dem Verband der deutschen Gold- und Silberarbeiter und verivandtcn Berufsgenossen beizutreten. Zu dieser Resolution erklärten sich die Herren Faber, Adain und Henning zustimmend und machten den Anwesenden zur Pflicht, für den Anschluß aller Kollegen an den Verband zu »virken. Zu Punkt 3 werden, nachdem Herr Faber den Zweck einer Streik-Kontrolkommission in längeren Ausffihrungen der Versamnilung klargelegt hat, dazu die Herren Faber, Brückner und Almendinger gewählt. Unter Verschiedenem beleuchten in längeren Ausführungen die Herren Vlüinchei» und Zack den Werth der Lokalorganisation im Gegensatz zur Zentralorganisation und erklären sich gegen die Zugehörigkeit der Graveur-Organisation zu denen der Goldschmiede, sie stellen beim etivaigen Lohnkampfe die Bereitwilligkeit in Be- treff des Verhaltens und Unterstützung in Aussicht. Nachdem noch »nehrere Redner zu dieser Sache gesprochen, betonte der Vorsitzende, daß diese Sache»vohl genügend erschöpft sei,»vas einen Sturm des Univillens von Seiten der anivesenden Mitglieder der Gra- vcnrvereinigung und eine Geschäftsordnungs-Debatte Hervorries, »vorauf auf Antrag die Erledigung dieser Angelegenheit mit großer Majorität konstatirt wurde,»vorauf ungefähr 8 Herren der an- »vesenden Graveure nach Aufforderung den Saal verließen. Hierauf schließt der Vorsitzende die Versainmlung um 12 Uhr Nachts. Eine Llfe»»tlich»Uersam,nl,ing der Zimmerleute Der- litt« und Umargcnd tagte an» Donnerstag Abend unter Leitung des Gesellenausschusses in May's Lokal, Beuthstraße 22. Auf der Tagesordnung standen folgende Punkte: 1. Stellungnahme zur Streik-Kontrolkommission. 2. Revisorenwahl. 3. Verschiedenes. lieber den Werth einer Streik-Kontrolkoinmission waren die Mei- nungen sehr getheilt. Herr L e h in a n n stellte den Antrag, keine Delegirten in diese Kominission zu entsenden. Mit zwei Stimmen Mehrheit entschied sich indeß die Versammlung für die Beschickung durch zivei Kameraden und ivurden hierzu die Herren Schmidt und O r t l a n d gewählt. Hierauf ging man zur Revisorenwahl über. Es handelt sich hierbei um Prüfung der Abrechnung, die der Kesellenausschuß demnächst den Ziinnierern»lnterbreiten»vill. Die Rechnungslegung soll sich erstrecken aus die Zeit der Thätig- keit des Ausschusses. Die Wahl siel auf die Herren Z i p k e und Fenske. Unter„Verschiedenes" sprach sich Herr Ortland über den gegenivärtigen Stand des Hamburger Streiks ans. Eine »vesentliche Veränderung der Sachlage habe nicht stattgefunden; die Erbitterung sei»»nter den Kameraden so groß, daß von einem Nachgeben nicht die Rede sein könne. Auch die Zimmer- leute, ivelche die Arbeit bereits aufgenommen hatten, härten sich den Streikenden»vieder angeschlossen.(Beifall.) Verschiedene Meister möchten gerne die gestellten Bedingungen erfüllen, aber sie könnten dies nicht,»veil der Druck des Großkapitals ein zu großer sei. Redner schilderte ferner in ausführlicher Weise das bekannte Verhalten der Behörden den Streikenden gegenüber und hob hervor, daß man sogar eine Köchin verhaftet habe, weil sie den Arbeitern„ K»» ß h ä n d e" zu dein Ziveck zugeivorfen haben sollte, sie von der Arbeit abzuhalten. Ans allen Himmels- gegenden schleppe nian Leute herbei, doch sei es den Herren trotz alledein nicht gelungen, genügenden Ersatz zu finden. Die Arbeit habe sich bereits derartig angehäuft, daß es nicht mehr lange so »veiter gehen könne. Auf die Unterstützungsfrage übergehend, bc- »»erkle Redner, daß in diesem Punkte mehr»vie bisher geschehen müsse. Man habe erst 1812,90 M. senden können und es sei daher dringend nolhivendig, nicht nur den Zuzug nach Hainburg abzuhalten, sondern auch dahin zu»virken, daß den Beschlüssen der öffentlichen Versanunlungen hinsichtlich der zu leistenden frei- »villigen Beiträge zur Unterstützung nachgekominen werde. In diese»»» Sinne sprachen sich auch alle nachfolgenden Redner aus. Nach einigen geschäftlichen Mittheilungen lvurde die Versa»»»»» lung geschlossen. Die Dnvqnrtfnffbodenleger versammelten sich ain Don- nerstag bei Feuerstein unter Vorsitz der Herren Heß, Tabber und T s ch i r n e r, um Beschluß über die Sperre bei der Firma Meyer LewisPass an erStab- undParquetfabrik) zu fassen. Herr S ch n» i tz legte klar, warum die Sperre über die Fabrik verhängt worden sei. Vor kurzem sei eine Lohnkoninlission geivahlt»vorden»nit der Aufgabe, die Berliner Fabriken zu über- »vachen und event. energisch gegen Lohndrückereien vorzugehen. Bei der Firina Leivi habe sie in Thätigkeit treten müssen. Tort habe der Lagerverivalter, ein alter Kollege Namens Kohfeldt, eine Lohnrcduzirung mit dem Bemerken angekündigt, daß Jeder, dem das nicht passe, nicht für den Preis zu arbeiten brauche und aus hören könne. Infolge des en hätten die dort arbeitenden Kollege» die Arbeit niedergelegt»n»d die Lohnkoinmission habe, geiviß mit vollem Recht, über die Werkstatt die Sperre verhängt. Man »volle versuchen, eine Einigung zu erzielen, die sicher zu erivarten sei, da nach der Meinung des Redners der Inhaber der Firina nichts von dem Lohnabzug»veiß und denselben auch nicht billigen würde. Herr Leivi lasse seine Arbeiter gern ctivas verdiene». Bis die Angelegenheit geregelt sei, dürfe Niemand dort Arbeit nehmen. In der Diskussion»vurde diesen Ausführungen von allen Seiten bei- gepflichtet und betont, daß Meyer Leivi jetzt eine Weltsirma sei, allerdings zuin Theil durch die Arbeiter, die die Firina stets cnipfohlen. Würde hier eine Lohnrednktion durchgehen, dann »vürden alle übrigen Firmen bald nachfolgen. Die Diskussion stellte»veiter dem Ehef ein sehr gutes Zeugnis» aus, verurlhcilte dagegen das Verhallen des Herrn Kohfeldt. Wäre der Chef ai>- »vesend in Berlin, dann»väre die Reduktion nie eingetreten, die einem Lohnausfall von 5 bis L Mark gleichkommt. Man dürfe an dem Lohntaris, der schon seit zehn Jahren besteht, nicht rütteln lassen. Es»vurde schließlich beschlossen, nicht eher bei Meyer L e ,v y Sl r b e i l zu n e h in e n, bis die Lohnkomniission Bericht über die Beilegung der Streitigkeiten erstattet hat. Im»veiteren Verlauf der Verhandlungen kam ein Streitsall bei der Firina Perrino zur Sprache. Auch dort sollen Abzüge stattgefunden haben. Die Angelegenheit»vurde schließlich der Lohnkommisilon -nberiviesen, die auch noch aus die Zustünde bei L e i b e u. E» e. und Löffel aufmerksam gemacht wurde. Es wurde der Wunsch ausgesprochen, das Material dein Vorsitzenden der Kommission, Herrn Schmitz, Kottbuser Damm 5, zu übersenden. Die Kom- Mission wurde beauftragt, zu untersuchen, ob ein Kollege Mellenthin Preisdrisikerei getrieben habe. In diesem Falle wollen die Kollegen nicht mit ihm arbeiten. Die Lohnkomlnisnon wurde durch Kollegen Stilinaczeck ergänzt, der einstimmig geivahlt »vurde. Die Frei» Vereinigung der Hausdiener Kerlin» hielt am 13. Juni eine Versammlung in Jordan's Salon, Neue Grun- straße 28, ab. In dieser Versammlung hielt Herr Stadlverord- neter Heindorf einen überaus lehrreichen Vortrag über:„Die systematische Lüge in der Kulturentivickelung mit besonderer Be- rücksichtigung der Arbeiterbeivegung. Der Vortrag»vurde mit rauschendem Beifall aufgenoinmen. Von einer Diskussion wurde Abstand genomiue!» und zum nächsten Punkt der Tagesordnung übergegangen. Hierauf wurden einige Schreiben verlesen, so das der Rohrleger und Berussgenossen, der Greizer Weber und Weberinnen und der streikenden Brauergehilfen. Eine rege Debatte schloß sich an die Ausführungen der Greizer Genossen an, worin die Unterstützung der Betreffenden befürwortet wurde. Leider waren aber keine Sainmellisten eingegangen, und da das Vermögen der Vereinigung nur 4—6 M. beträgt, konnte eine Unter- stützung, wie sie die Greizer Genossen erwarten, nicht sofort ge- geben werden, zumal die Mitglieder unserer Bereinigung im Le- z ihlen der Beiträge so nachlässig sind, daß die Kasse oft kaum die nöthigen Auslagen decken kann. Alsdann theilte Kollege Bartellt mit, daß die 8 Sammellisten mit einem Betrage von 21,75 Mark an die Kartonarbeiter abgeliefert find,»vofür derselbe in» Namen der Kartonarbeiter deren Dank dbstattete. Hierauf wurde eine sehr lebhafte Debatte von Seiten des Vorstandes er- öffnet, da die Kollegen sich so»venig an den Versa»» in- lungen betheiligen. Dieses rühre davon her, daß die Vorstands- Mitglieder der bestehenden Unterstützungs- Vereinigungen sich sehr neutral halten und soinit direkt unserer Vereinigung ent- gegenarbeiten, weil die Mitglieder der Vereine sich ja iinmer nach ihren Führern richten und nachdem sie die Freie Vereinigung haben gründen Helsen, kehren sie ihr jetzt den Rücken, obgleich e» der rechte Ort sei, wo die Schäden in unseren» Beruf an die Oeffentlichkeit gezogen werden. Einige Kollegen,»velche zufällig anivesend»varen, suchten zivar dieVorivürfe zurück zu»veisen, konnten jedoch nicht den Beiveis für das Gegentheil liefern. Die Debatte, ivelche hierüber gepflogen wurde, zeigt ganz deutlich, daß es unserer Freien Vereinigung ebenso ergeht,»vie de»» Freien Vereinigungen und den Geiverkschasten, wo dieselben stets von den Jnnungei» bekämpft»verden. Hierauf entspann sich noch eine Debatte mit dein Kollegen Albold, welche damit endete, daß derselbe sein Mitgliedsbuch dem Vorstand so zu sagen an den Kopf warf und gleich den Saal verließ._ Derselbe hatte auch schon kurze Zeit vorher seine Zeitung„Einigkeit" abbestellt, weil ihm der Inhalt desselben nicht zusagt(vielleicht bekommt ihm der„Berliner Lokal-Anzeiger" oder ein ähnliches Wurschtblatt besser)»vie ein Arbeiterbtatt. Mit einein dreimchen Hoch auf das Blühen und Gedeihen der Vereinigung»vurde die Versammlung geschlossen. 0>r«lj» N»llr«oc»ramn>lung in Neinilkendorf am Montag, den so. d., Abendz« Uhr,»IN Reilaurant Lüdllle, Alnendistr.». Zur o«a. Heachtun»! Sonnabend, den Z». Juni er., s. Stiftungsfest de« SesangoereinS Lorbeerkranz im ElablisfeinenlS lllystmn, LandSd-rgec Allee 39— li, verbunden mit großem Sarten-Konzert und Ball, zum Besten deS arbeitsunfähigen Webers Hrn. Pillenroth. BllletS zu 20 Pf. sind bei sämmt- itchen Mtigtieder» und in den»nit Plakaten belegten Handlungen zu baden; an der Kasse SS Psg. Die Kasseetuche ist geössnet. Abend»»o Uhr Kinder- fackeizug. Kachoerein der Tischler Perlin* und zl'ngegend. Weißensee. Sonn- abend, den 23. Juni, Abends» Uhr, in Dewein'S Salon, KomgS-Chaussee: »Versammlung. Aiigr>«r>»er deutscher Sattlerverein. Mitgliedschaft Berlin. Sonn- abend, den 23. Juni, Abends Uhr, bei Reyer, Alle Jakobstr.«3: Ber- ' zier« in der in der Kchästesabriliation beschäftigten Arbeite- rinne». Sonnabend, den 23. Juni, Abend» Uhr, bei Leonhardt, Wall- straße 29, lversammlung. Daa»»<>rdm>na: I.«orrtoa.». DiSlusston. 3. Ber- scht-dene» lind Fragekaiten. Herren als Eälle haben Zutritt. N»rgn>>gung»-ß>rre>>» tjrouce. Sonnabend, den 23. Juni»390, Abends 9 Uhr: Sißung iin»stellaurant Brückner, Lolhrtngerftr.»7. Die Mitglieder »Verden gebeten, zahlreich zu erscheinen. Schuhmacher. Monlaq, den 39. Juni, Abend! 3 Uhr, stild!» eine Ver- sannnlung der Mitglieder ix» Vereins d-uischer Schuhmacher in Schisser'S Lokal, Jnselslr. i» stall. Tagesordnung:>. Konsttlutrung der Filiale resp. Vorstandsivahl. 2. Aufnahme neuer Mitglieder. 3. Berschridene». Kes«-»»d Niokutirlriud �«nrrbach. Au» Eo»>»ahend, den 23. Juni, Abend» 9 Uhr, in» Lokal« deS Herrn Schröder, Rctchendergerstraße 2«. väsle «ingeiührl, haben Zutrill. Zahlreicher Besuch erwünscht. Lese- und Niok»tirkl«»»>„lilorgenroth". Stßung am Montag, den so. Juni, Abend» s Uhr, bei Scholz. Liedenivalderstr. 20. Säste, durch Mitglieder eingeführt, haben Zutritt.(Lleichzctrtg Annahmestelle für gelesene Ar- beiterdlälter. zierriu»ur Wahrung der Interessen der Dtlavierardeiter und ver- wandten BcrufSgenoste». weusralversanunlung am Sonnabend, den 28. d.M., Abend» 8 Uhr, in Deigmiiller'» Salon, Alle Jakodslr. t»a. «roß» Nersau»»l»ng des Allgein. Arbeilerinn-Uveretn» sämmtl. Be- rufSzioeige Berlins und Unigegend(Ftliale 3, Rirdors) a>n Sonnavend, den 23. Juni, Abends sfz»thr, in Hoffmann'S Lolai, Bergstr. ISS. Arbrit»nachwei»bur»au der Graveure und Ziseleur», Dresdener- straße«3, s';— 10 Uhr. Gthilche Geseätchast. Sonntag, den 29. Juni, Abend» ss( Uhr, Bei- forterstraße»5, i» Schneider'» Salon, Vortrag de» Schristneller» Herrn Wilh. Bvtsche: Mose! oder Darwt», eine Schulfrage. Nachher gesellige Unterhaltung und Tanz. Gäste, Dainen und Herren,»vtlltomme. Sischlerverein. Versammlung am Sonnabend, den 23. Juni, Abend» 9 Uhr, Kotlbilsersir.5.— Theater- und AergnügungZoereinS„Garttas" Abend» 8 Uhr im Loutsenstädltschen Bierhause, Admiralstr. 33.—»Theater- und Ber- gnügungSgefellschafl„Tren?"i!lbciids Uyr inBobcrt'S Ballsnlon, Weinstr.>». — Prtvat-Theatergesellschaft Schneeglöckchen", Abend»» Uhr in Veitin» Bierhau» Beleranenslr. 19.— Gcselligteitskiub„Lustig" Abends 9'; Uhr im Restaurant Weichelt, Taubenstr. i'>.— Verein der Tanbensreunde Abends 3'; Uhr im Restaurant Hillmau», Mantcusstlstr. 08.— Dänischer Verct»„Freya" Abend» 9 Uhr im R.siauranl Poppe, Lindenstr.»no.— Verein der Württembergcr Abend» 8'; Uhr bei Vaihtngcr, Torotheenstr. 8».— Verein«Hein. Schüler der 8». Eemeindeschule Abend» 9 Uhr iin Restaurant, Koppenstr. i>s.— Verein «Hein. M. ff. Luther scher Schüler, Abends 9!j Uhr, im Restaurant Bormann, vhmgasse 2.— Rauchllub„Pmstor cc" Abends 9 Uhr bis 1 1 Uhr Köpnicker- snaße»37 bei Schulz.— lltauchtlub„Qualm"'Abends 3 Uhr iin Re»ia»ra»t Tainm, Schönhauser Allee 23.— VergnügungSveretn„Lustige IS" Abend» 9 Uhr im Restaurant Albrscht, Annenstraße 9.— Tambourverein„Sedan" Sitzung Abend! 9 Uhr, Grüner Weg 9—»v, Aufnahme neuer Mitglieder.— Tainbourvercin„Herz Innig", Abend» s»ihr, Sitzung im Restaurant Straß- hurgerstraße 0, Dirigent»nd Vorsitzender Fritz Lauganl.— Tambourverein „Gintgtetl macht start", gegründet iss«, Dirigent zur Zeit H. Käuitiiig, Aus- »abine neuer Mitglieder Abends 9»ihr im Restaurant Hahn, Elsasserftr. 87. — Tambourverein„Felsenfest", Sitzung s'z Uhr, Weißenbu gerstraße S4, Dirigent und Vorsitzender: R. Friese. Aufnahme neuer Mitglieder.— Ver- gnügungsverein„Lustige Seelen", Abends 9 Uhr im Restaurant Schuster, Orantenstraße s.— BergnügungSveretn„HoSpicia",»leine Augustraße I», Abends 9 Uhr. Große öffentliche Versammlung der Putzer Verlitts\i ll«g. am Montag, den 30. Juni, Kachm. 6 Zlhr, im Konzerthaus Sanssouci, Kottbuserftr. 4a. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Stadtv. Hrn. Neiuäorl über:„Unsere hentige»virthschast- liche Lage. 2. Abrechnung des'Generalfonds und Neinvahl der Vertrauens- »nanner. 3. Verschiedenes.— Z»r Deckung der Unkosten finoet Tellersaininlung statt. Ter Einberufer: L. Livkort, Skalitzerstr. 54,». HL Sämmtliche Kollegen,»velche noch Marken zn»» Vertrieb haben, werden hiermit nusgesordert, dieselben spätestens bis Montag, den 30. d. M.. an die Vertrauensmänner abzuliefern. 2165 Verantwortlicher Redakteur:«nrt Laak- in Berlin. Druck und Verlag von Ma» Sading in Berlin SW., Beuthstraße 2. 2. Beilage zum Berliner Boltsblatt. Nr. 147. Sonnaticiid, de» 38. Imii 1890. 7. Jahrg. Wie es in eiurr Konrgeois-!!cp»dlik anssirift. Ein deutsch- amerikanisches Blatt, der„La Salle County Herold" bringl nachstehenden interessanten Aussatz,„Rückblick, Einblick und Ausblick" betitelt, welcher die Zustände in den Ver- einigten Staaten von Nordamerika grell beleuchtet: „Ter Ausländer ist ein Fremder. Die wirklichen Fremden find aber nicht die Armen und Unterdrückten aller Völker, welche unser Versprechen auf Schutz und Freiheit annehmen und ans Seier Wahl Amerikaner werden. Die wirklichen Fremden in merika sind jene Eingeborenen, welche an den Brüsten der Frei- hei! gesäugt, mit allen Schätzen der Freiheit ausgestattet, ihr Land um wenige Silberlinge verrathen und in unseren Gerichten, Gesetzgebungen und Märkten die Rolle von Judas und Benedikt Arnold spielen. Diese Eingeborenen sind die wirklichen Auslän- der, denn sie entfremden sich unseren Institutionen aus freier Wahl, während die Einwanderer aus Wahl zu Bürgern werden. Weil sie an die Freiheit glauben und sie lieben, sind sie die wahren Bürger. Unsere Judasse benutzen de» Ranien„Ameri- kaner" als Handelsmarke, um damit Geschäfte zu machen. Sie sind die einzigen Fremden, welche die Republik zu fürchten hat. Das Weltgewissen nnißte sich entsetzen über die Skandale, welche in den letzten Jahren die Politik, die Finanzen, die Rechtspflege, den Handel entehrt haben. Sticht gesetzlosen Aus- ländern, sondern gesetzlosen Amerikanern verdanken wir den Schwindel der Pacificbahnen, den Erieschwindel und alle die anderen Nnnimern dieser abscheulichen Liste. Der Zentralgedanke in dem Glauben unserer Väter war, daß eine freie Republik alle die Unterdrückten, Armen und Unwissenden, welche ein Asyl bei ihr suchen, in sich aufnehmen und sich assimilircn können müsse. Wenn unsere Republik diese Fähigkeit nicht mehr desitzt, dann ist's die Republik Washington's nicht mehr. Ein Land, in welchem der kleine Boykotter, der Zettel ver- theilende Arbeiter in's Gefängniß wandert, während die großen Boykotter, welche ganze Industriezweige unterdrücken, an der Spitze der Regierung stehen, Ein Land, in welchem die Kohlengrnber von Illinois und Pcnnsylvanien nicht ftohlen graben dürfen und wegen Mangels an Korn abmagern, während Bauern ihr Korn abbrennen, um sich warm zu erhalten, Ein Land, in welchem die öffentlichen Verkehrswege Privateigenthum für Privatgewinn und öffentlichen Raub sind, Ein Land, das 25U000 Millionären gehört, in welchem mehr wie ein König ein Einkommen von Hunderten von Dollars für jede Tag- und Nachtstunde hat, wahrend die Bauern von Kansas nur 15 Bushel Getreide erhalten, das sie mit jahrelanger Mühe ziehen, Ein Land, bei welchem das Volk nur das Recht hat, bei den Wahlen gekreuzigt zu werden zwischen zwei Spitzbuben, die nicht gekreuztgi werden, Ein Land, in welchem auch nur ein Amt gekauft wird und Käufer und Verkäufer straflos bleiben, Ein Land, in welchem das Recht der freien Rede durch den Lutea a�ui.|.Mp.ht»n ilüiUeu ei»«« ipoUji««««ffliiiivt wird, Ein Land, in welchem sich das Volk Industrieller Piraterei ergiebt, weil die Piraten gestohlene Waarcn billig verkaufen, Ein Land, in welchem sich sieben Eisenbahn-Eesellschaften durch Betrug und Geivalt in den Besitz sänuntlichcr Harikohlen- Ländereien setze» dürfen und wo einmal im Monat ein halbes Dutzend Leute zusainmenkoinmen, um zu bestimmen, wie viel Kohlen für MOOOOiX) Menschen gegraben werden, und wie viel diese dafür an die Kohlenbarone zahlen,-- Das ist nicht die Republik Washington's! An diese glaubt das Volk von Amerika und diese sucht der Ettrop..er. Diese wird man zurückerobern von den Plntvkraten, welche sie stehlen, wie Diebe in der Nacht. Man wird die alte znrünbekonmien und eine neue dazu. In dem, was Lowell so schön nennt:„Dem Engelherzen Aller, im Menschenherzen," keimt ein neues Gefühl empor, ein neues Verständniß für bisher u»ge- fühltes Unrecht, voin Bruder dem Bruder zugefügt; eine neue Wipenschaft, welche dieses Unrecht für gesellschafiliche Schäden erklärt, welche durch gesellschaftliche Bestrebungen gehoben werden können; ein neues Gewisse», welches sagt, da diese Schäden geheilt werden können, müssen sie geheilt werden. Es macht sich daS Bewußtsein einer neuen sozialen Kraft bemerkbar, welche Vieles für das Gemeinwohl thun kann, was bisher»ur für das Privatwohl geschah. Mit bösem Willen gegen Niemanden, mit Lieve für Alle, schickt das vereinigte Volk, das keinen Widerstand kennt und immer nach Höherem strebt, sich an, die Schuld an die Mensch- heit abzutragen» welche hundertjährige Wohlfahrt ihin auferlegt. Es wiro dem neue» Mitgefühl, den» neuen Patriotismus Am- druck geben, in einem Gemeuuvesen, das werth ist ein Kind Washington's zn sei». � AIS die amerikanische Miliz bei K>p s Landung vor den englischen Truppen die Flncht ergriff, rief Washington fchnierzvoll aus:„Sind das die Männer, mit denen ich Amerika vertheidlgen soll?" Und die Götter antworteten ihm:„Ja, aber Du sollst sie erst zu Männern machen".— Wenn er heule sein Boll, das er so sehr geliebt hat, sehen könnte, wie es hartherzig an den von neuen Unterdrücker» verelendeten Klaffen mit verschlungenen Arme» vorbeigeht, während der alte Feind im neuen Kleide die Republik zerstört, er würde wieder rufen:.Sind diese die Männer, nnt denen ich Atnenka vertheidlgen jod k Und von Millionen Kehlen würde es zur Antwort erschallen: „Ja, wir werden Slinerika verthewige». Das Deiner Liebe»lid Opferivilligkeit wird uns führe». Das«ivige Feuer Vulmles. A» bltftr g teile ist gestern eines kleinen Stadt m a u c r von Berlin gedacht worden, das verkauft wurde und es ist eineiii alte» Grundsätze gemäß ein Ab- " Aber wenn man es recht Stückes der auf Abbruch ettmuf 4 ivuiut S»«iv v«- schiedswort nicht vorenthalten worden. Aber wenn man r« icu;- bedenkt: ein freundliches Erinnern haben die beiden Stadt- mauern in Berlin, die innere im Zuge der Neuen Friedrichstraße und Wallstraße, die äußere, die sich von Thor zn Thor zog, nicht verdient. Denn noch heutigen Tags haben ivir einerseits materiell ganz erheblich unter den Opfern zu leiden, ivelchc uns die Um- „„jj j„„och bedeutenderem wallung der inneren Stadt brachie im»... B -iffape hat die zweite Mauer die ganze Gestaltung Berlins beeinflußt. «u0 bis alte Festungsmauer reichte, so weit haben die Straßen «erUns noch heute den Eharakter von Gaffen, wie sie auch den - w-titer war allerdings eine Roth- uvu, v«»» w....... ov,-..»,. mar aueromg»■"*")- Namen vielfach trugen. Jene Mau«, ihrer Nachbarm wendigkeit. In der Zeit, m der ,ede......—• in Ur,ehde lag und wo Ucberfall vo � bie zu gewärtigen Bürger und vorhmiden jem,�-� 3jjnueK war, mußte eine Befestigung na. vuoeic v»- ihr Gut zn schützen. Wie w j«Ver» 1 d innerhalb ihres Ge- die Grenze der AnsdehnimgSfahigreir � so«»g und bietes gestalteten sich die Gassen, Hol« schmal als möglich. Noch in dem vergangenen Jahrzehnt hat die Stadt schwere Opfer bringen müssen, die sich ans Millionen beziffern, um jene Straßen zu erweitern und die betreffenden Ar- beiten sind noch nicht vollendet. Bon schlimmerem Einfluß auf die bauliche Gestaltung Berlins aber war die zweite Mauer, sie trägt die Schuld daran, daß Berlin in dem Beginn dieses Jahrhunderts sich statt in die Weite in die Höhe ausbreitete. Der Berliner liebt so sehr wie irgend einer' das Wohnen in höchstens zweistöckigen Hänsern, die von Gärten umgeben werden. In den wenigsten Straßen, die uns noch theilweise in ihrer Ursprünglichkeil erhalten sind, in der südlichen Wilhelmstraße, der Jägerstraße u. s. w. kann man es deutlich sehen. Daß die Kommuni- kationen, die Mauer und die Thorstraßen sich wie ein häßlicher Gürtel zwischen das über die Thore hinausstrebende und das innerhalb der Thore liegende Berlin schoben, hätte man noch ver- schmerzt. Aber die Thorsperre und die Unannehmlichkeiten der Zoll- revision, die jedeni Passanten gegenüber in das Belieben der Zollbeamten an den Thoren gestellt waren, die Gefahr, der man ausgesetzt war, daß der Beamte mit seinem langen Spieß in jedes Gepäckstück hineinfuhr, verleideten das Hinausziehen und verminderten damit die Baulust der Unternehmer. So wuchs Berlin in die Höhe, aus den einstöckigen Häusern wurden vier- und fünfstöckige und die enorme Preissteigerung des Grundes innerhalb der Mauern beeinflußte auch den Werth des außerhalb derselben liegenden Terrains, als nach 1866 und 1870 der uuge- heure Zustrom die Baude, in denen Berlin gehalten war. sprengte. So haben die Mauern in der That hauptsächlich n. verschuldet, daß unsere Wohnungsfrage so im Argen lieaßekmd daß man mit Anspannung aller Kräfte wieder gut zu/machcn sucht, was jene verschuldet. Wären die Mauern»ichtle,«.»tcher die ges»»8h«>«lich»ii Einrichilingen»nd Maß. nahmen der Verivaltnngsbehörbcn betrifft Und von dem Dr Pisior verfaßt ist. Darnach sind in den drei Jahren von 1886 bis Ende 1880 auf Veranlassung des Berliner Polizei-Präsidiums im Ganzen 128 verschiedene Geheinnnittel untersucht worden, die theils für die angegebenen Zwecke ganz untauglich, unter Umständen vielfach schädlich, in einem Falle sogar direkl gefährlich wirken konnten. Im Jahre 1886 wurden 47, im Jahre 1888 noch 80, im Jahre 1880 aber nur 10 Geheinnnittel untersucht. Tieselben waren sämmtlich öffentlich angepriesen und nieist von ihren Vcrfertigcrn und Erfindern hergestellt und verkauft. Vielfach waren die Mittel von nur geringer Wirkung für den angegebenen Zweck, wurden dann aber noch für einen ganz unberechtigt hohen Preis verkauft. Das billigste dieser Geheimmittel ist ein als„Ncrvensalz" angepriesene Mischung, von geringer nervenstärkender Wirkung, dessen Bestandthcile in jeder'Apotheke für 30 Pf. zn haben sind, das aber von dein Erfinder für 1 M. verkauft wurde. Dieser Geheininiittelhändler hat sich mit dem bescheidensten Verdienst de- gilligt. Unter den anderen befinden sich einige, die für ihre Mittel, deren Werth auf 40 bis 50 Pf. nach den für die Apotheke» vor- geschriebenen Preisen zu berechnen ist. bis zn 5 M. und darüber »ehmc». Am einträglichsten muß, nach deni Unterschiede zwischen dem ermittelten Werth und dem geforderten Preise zn urtheilen, der Verdienst an solchen Geheiinmilteln gewesen sein, die gegen unheilbar oder schiver zu heilende Krankheiten angepriesen wurden. Gehrimmittel gegen Epilepsie, Trunksucht, ßlervenlähmung, Schivindsucht u. s. w. sind zu den theuersten Preisen verkauft. 'Allerdings scheint es, als ob sich die GeheirnmittclsabrikaiUen Konkurrenz gemacht hätten, denn unter ziemlich gleichlautenden Bezeichnungen werden von verschiedenen Erfindern verschiedene Geheimmillel gegen die gleiche Krankheit zu erheblich verschiedenen Preisen offcrirl. Tie verhältnißmäßig geringe Zahl der im Jahre 1860 untersuchte» Geheimmittel wird als etil Beweis dafür betrachtet, daß die polizeilichen Untersuchungen und Veröfscnt- lichungen über Geheiimmttel den Handel mit solchen erheblich vermindert haben. Gin iibernuo trauriger Nngliiiirofall, dem vier Arbeiter zum Opfer gefallen sind, hat sich iu der Hoppe'schen Maschinen- mbrik, Gartenstraß« 0, ereignet. Hier halten vier Maschinen- arbeiter am Mittivoch Abend einen zirka 200 Zentner schweren Eisenguß ans der Schmelzpsanne in die dazu bestimmte Form ab- fließen zn lassen; behufs Nachgießen wurde die Pfanne mit den, geschmolzenen Eisenrest zum Schluß geschwenkt. Dabei flnthete dieser Eisenrest mit solcher Gewalt i» die Form, daß dieselbe sich bis zum Trichter füllte und die überfließende Masse des ge- schmolzcnen Eisens sich über den mit Kies bestreuten Fußboden ergoß, die Füße der vier an der Pfanne manipulireuden Leute überströmend und dieselben total verbrennend,»och che sich die Aermsten der Gefahr zu entziehen vermochten. Aerztliche Hilfe wurde ans die schnellinöglichslc Weise zur Stelle geschafft und nachdem man den gräßlich Verstümmelten Nothoerbändc angelegt, erfolgte die Ucberführung derselben nach einem Krankenhause. Gin Ginln-uch in die TUohnnng eines Polizisten fand in den letzten Tagen in der Müllerstraße 156 statt. Dort wohnt der Polizeiwachtmeister Jolly. Derselbe ist nicht in Berlin an- ivcsend, sondern nach Friedrichsruh zum Fürsten von Bismarck abkominaiidirt. Auch seine Familie befindet sich dort, so daß die hiesige Wohnung mit allem Inventar unbenutzt steht und nur einer Anfwartejran der Auftrag gegeben ist, für tägliche Lüftung zu sorgen. Als Letztere, so berichtet die„Post", vorgestern Morgen die Wohnung betrat, fand sie, daß ein Einbruch stattgefunden hatte und zwar nicht gewaltsam, sondern mittelst Nachschlüssels, denn die Thür war ordnungsmäßig verschlossen.'Aber in den Zimmern sah es wüst aus. Alle Kleider waren herausgeworfen und durchwühlt; dem Diebe kam es wahrscheinlich nur auf Geld und Geldeswcrth an. Wie viel cntivender worden ist, ist nicht seslzustellen, bis der Wachtmeister Jolly selbst darüber Auskunft giebt, der sofort benachrichtigt wurde. Fest aber steht nach Aus- ..__ Zwei jugendstädtischen Erziehungs- Anstalt in sage der Aufwartefrau, daß ein silberner Thierkopf von einem Ständer fehlt. Nervrrcher n»s der Griiehnttgs-Anstalt. liche Verbrecher, Zöglinge der städtischen Erziehung Rummelsbura, mußten vorgestern gefesselt nach dem Unter- suchungs-Gefängniß Moabit transportirt werde». Die beiden 14 resp. 15 Jahre alten Knaben K. und R. hatten Mitte dieses Mo- uats die Gelegenheit wahrgenommen, in die Wohnung eines ihrer Lehrer einzudringen, die Kommode zn erbrechen, ans welcher sie eine größere Summe stahlen, Ersparnisse des betreffenden Er- ziehers; auch eine Taschenuhr haben die Burschen entwendet. Es gelang den beiden, mit den gestohlene» Gegenständen zu entkom- men. Borgestern sind sie von einem Gendarmen auf der Land- straße abgefaßt und nach der städtischen Erziehungs-Anstalt zn- rückgebracht worden. Auf dem Hofe derselben aber ergriff, nach- dem sich der Sichcrheits-Benmte entfernt, der ältere der beiden Knaben ein daselbst liegendes Beil und drohte, wenn man ihn be- strafen wolle. Jeden todtzuschlagen. Der wüthend um sich Schla- gcnde konnte erst dadurch überwältigt iverden, daß man mit langen Stangen das Beil ans den Händen des Verbrechers schlug; dann wurde der kleine Wütherich sanimt seinem Kainerade» nach Moabit Mrführt. Soziale Melstevfirhk. Münchr», 25. Juni 1390. Bericht vom 6. deutschen Töpfer- kongreß. Herr I. Ludwig als Einberufet des Kongresses eröffnet denselben um 8�/4 Uhr. Er begrüßt im Namen der Münchener Kollegen den anwesenden Generalausschuß, sowie sämmtliche Telegirte der Töpfer Deutschlands an der Stätte ihres Schaffens. Er hob hervor, daß die Früchte ihrer Arbeit der Gewerkschaft der Töpfer und der gesammten Arbeiterschaft zn Gute kommen möchten, daß ferner die Aerhandlungen des Kongresses den »och fernstehenden Münchencr Kolletzen die Uebcrzcugnng bei- bringen mögen, daß nur ein geschlossenes brüderliches Zusammen- halten aller Arbeitsbrüder ihnen selbst, sowie der ganze» Mensch- heit zum Wohle gereichen könne. Als provisorischer Vorsitzender des Kongresses wurde der Vor- sitzende des Ausschusses, Herr F. Kaulich(Halle), als Bei- sitzer Thieine(Berlin) und Günther(Velten) gewählt. Nachdem eine Mandatsprüfungskommission von drei Mitgliedern, sowie eine aus 5 Personen bestehende Geschäftsordnungskommission gewählt, wurde der Kongreß auf unbestimmte Zeit vertagt, bis die beiden Kommissionen ihre'Arbeiten erledigt hatten. Um 10l/4 Uhr wurde die Sitzung eröffnet und erstattete Herr Kawel (Wiesbaden) im?tamen der Mandatsprüfungskommission Bericht, sämmtliche Mandate wurden für richtig befunden. Es sind 87 Orte durch 51 Delegirte vertreten. Gegen die Berichterstattung wurde kein Einspruch erhoben. Es wurden zunächst verschiedene Beglückwünschnngsadressen, welche eingelaufen waren, vom Vorsitzenden zur Kenntniß des Kongresses gebracht. Bei der nunmehr erfolgenden Vureauivahl verzichtete Herr Kaulich darauf, in das Bureau geivädlt zu werden. Daraus wurde zur Wahl geschritten, ivelche durch geheime Abstinimung vorgenommen wurde. Als I. Vorsitzender wurde Herr Thieme-Berlin, als 2. Vorsitzender Herr Eichler-Drezden und die Herren Günther-Vclten und Colbo-Charlottenburg als Schrift- führet gewählt. Herr Thieme dankt im Namen der Bureaumitglieder für das Vertrauen, bespricht dann mit warmen kurzen Worten die Ver- Hältnisse der deutschen Töpfer, berührt den Verband der Arbeit- gebet und Ofen-Fabrikante», erwähnt die Aufgabe dcS Kongresses, um Mittel und Wege zu finden zur Hebung unserer sozialen Lage; erinnert der Vorgänge seit dem 5. Kongreß i* Breslau unter den deutsche» Töpfern im Gegensatz zn den Anfbiettlngen der Unternehmer und Vertreter des Kapitals. Ferner spricht er den Wunsch aus, daß sich jeder Delegirte streng und sachlich an der Tagesordnung halten möge, um dadurch dem Bureau die Lcittmg der Geschäfte zu erleichtern. Darauf wird die Tagesordnung verlesen, welche lautet: I. Rechenschaftsbericht des Generalausschusses. Referenten der Vorsitzende des GeueralauSschusses Herr Kaulich und der Kassirer Herr Plorin. 2. Die Agitation. Referent Herr Heinke-Hamburg. 3. Organfrage. Referent Herr Thieme-Berlin. 4. Die Lohnbewegung und die Nothwendigkeit der Ver- kürzung der Arbeitszeil. Referent Herr Hennig-Breslan. 5. Wahl des Generalausschusses, der Vertrauensmänner, und Festsetzung deS Zcitpunkkes des nächsten Kongresses. 6. Anträge, Vorschläge, Wünsche ober Beschwerden der ein- einen Orte. Hierauf erhielt Herr Kanlich zur Berichterstattung über die Thätigkeit des Generalausschusses und die Vorkommnisse in der Töpferbewegung seit dem letzten Kongreß das Wort. Der Bericht ivar äußerst sachlich gehalten. Die in demselben angeführten Thatsachen lieferten den überzeugenden Beweis der segensreichen und, unsichtigen Thätigkeit des GeneralausschusseS und der Vertrauensleute. Um 12 Uhr wurde die erste Sitzung vertagt und um 2 Uhr die zweite Sitzung eröffnet, in welcher Herr Kanlich seinen Be- richt fortsetzte, welcher die zweite Sitzung bis Abends 6 Uhr in Anspruch nahm. 'Allgemeines Interesse bieten die harten Kämpfe, die die noch »«h»« r.t«----- �.... Hältnisse im Tüpfcrgcwerbe. Der sehr umfangreiche und intercssanto Rechenschaitsbericht wird im Druck erscheinen und ist auch den Arbeitern anderer Branchen zu empfehlen. Das Ergebniß der Statistik wird»m nächsten Bericht folgen. Nachdem Herr Kaulich feinen Bericht beendet, verlas der Kassirer des Generalausschusses, Herr Plorin, die Abrechnung, welche iu der Einnahme gegenüber der vorjährigen zum General- sonds ein Mehr von 14 245,50 M. aufwies. Wir lassen hier die summarische Abrechnung folgen: Die Einnahmen des letzte» Jahres betrugen 13 080,04 Mark. Ausgabe betrug für Agitation 1332,62 M., Unterstützung 13 516,82 Mark, Drucksachen 1250 M., Porto 551,65 M., für Versäumnisse 1503,83 M., für Kassenrevision 10,20 M., Zeitilngsabonnement 35,50 M., für literarische Arbeiten 40 M., Rechtsschutz 282,50 M., Schreibmaterialien nnd Blireainitensilie» 109,43 M., Verwaltungs- losten 39,7 M., für Gratifikationen 200 M., für Bnreaumiethe, Bibliothek, Broschttrenverfand nnd andere Ausgaben 286,70 M. GesammtauSgabe 19 262,27 M., mithin Baarbestand 727,67 M. Die Richtigkeit der Abrechnung, welche von den Generalrevisoren nnd den Vertrauensleuten geprüft ivurde, wurde von diesen be- stätigt und besonders die uneigennützige sowie sparsame Vermal- tung von letzteren hervorgehoben. Gegen vorstehenden Kassen- bcricht ivurde von keiner Seite Einspruch erhoben und dem Kassirer einstimmig Entlastung ertheilt. Hieraus Schluß des ersten Ver- Handlungstages 7Vs Uhr Abends. oDcvjmmuUmjjeu. Dir Freie D«rri»ig«»a der Kartonarbriter Kerttnv hielt an« Dienstag, den 24. Juni, bei Henke, Vlumenstr. 38, ihre Generalversammlung, welche sich zu emer recht regen gestaltete, ab.■ Obgleich es die Herren Fabrikanten speziell darauf abgesehen haben, die Vereinigung durch allerhand Machinationen zu sprengen, obgleich der Streik nach hartem Kampfe verloren ging und man glaubte, auf lange Zeit hinaus die alte Organisation lahm gelegt zu haben, so zeigte diese Versammlung recht deutlich, daß es auch nur eine kurze Zeit erforderte, um den alten Geist wieder wach zu rufen, von welchem die Vereinigung vor Beginn des Kampfes beseelt war. Der Geist, welcher die Versammlung belebte, zeigte, wie wenig alle diese Machinationen gewirkt haben, welche die Herren Fabrikanten durch halbjährige Aushungerung, durch gegenseitige Konventionalstrafen, durch sogenannte Arbeitsatteste, welche den betreffenden Arbeitern jede Hoffnung auf Arbeit rauben sollte, und andere mehr, in's Werk gesetzt hatten. Der erste Punkt der Tagesordnung wurde, weil die Vor- standswahl zur nächsten Versammlung einstimmig angenommen wurde, erledigt. Zum zweiten Punkt Verschiedenes und Frage- kästen wurden verschiedene Angelegenheiten unter sehr reger De- batte erledigt, unter Anderm fand Ergänzungsivahl des Vergnü- gungskomitees statt, weil einige Mitglieder krankheitshalber an ihrer Thätigkeit verhindert sind. Weiter machte der Vorsitzende Herr Tanlin bekannt, daß am 12. Juli er. das erste Stiftungsfest der Freien Vereinigung der Kartonarbciter stattfindet, wozu Billets bei folgenden Kollegen in Empfang zu nehmen sind: Dahlmann, Markusstr. 2ö bei Leichnitz; Syderer, Scharrnstr. 4; Bartsch, Schillingstr. 3; Siegfried, Frankfurter Allee 18a; Rudolph, Waldemarstr. 52; Prehin, Metzerstr. 15; Trews. Reit Roßstr. 3..... Da weiter nichts vorlag, schloß der Vorsitzende die imposant» Versammlung um 11 Uhr. VriefKslken der Nedsktion. Bei Antragen bitten wir die Abonnemenls-Quillung beizufügen. Antworl wird nicht errheil«. Brieflich« fr f.j._ hamistoplatr. Wilana. Abonnement bis ultimo Mai bezahlt. Das wissen wir nicht. "nfra, ntter». Wiederholen Sie Ihre Anfrage. Sch.. Mnstleer. Ihre Verse verrathen Talent, doch sind sie noch nicht druckreif. M. H. Das ist verboten. C. M. Das wissen wir nicht. Durch die Grpedition» Keuthstr. 3, zu beziehen: DiO Darwin'SChe Theoriß. Von Dr. Eduard Aveling. Broschirt M. 1,50. Geb. M. 2,—, Karl Marx* Oekonomische Lehren. Gemeinverständlich dargestellt und erläutert von Aar! Kautsky, Broschirt M. 1,50. Geb. M. 2,-. Weltschöpfung nud Weltuntergang. Die Entwickelung von Himmel und Erde vom Standpunkt der Naturwissenschaften dargestellt von Oswald Köhler. Broschirt M. 2,—. Gebunden M. 2,50. Die ländliche Arbeiterfrage. 2. Auflage. Nach dem Russischen des Kablukow. Brosch. M. 1,-. Geb. M. 2,-. Thomas More und seine Utopie. Mit ein» historischen Einleitung von Karl Kautsky. Broschirt M. 2,—. Ge- bunden M. 2,50. Charles Fourier, sein Leben und seine Theorien. Von August Bebel. Brosch. M. 2,—. Geb. M. 2,50. Das moderne Elend und die moderne Ueber- VÖlkemng. Zur Erkenntniß unserer sozialen Entwickelung. Von Ida» Schippel. Brosch. M. 1,50. Geb. M. 2,—. Die französische Revolution. Von wnheim Bios. Gebunden in Prachtband h Exemplar M. 5,50. Broschirt in Heften 5. 20 Pf. Dazu Einbanddecken a M. 1. Die Geschichte der Erde. Von r. Bommen. Gebunden in Prachtband ä Exemplar M. 5,90. Broschirt in 22 Hesten a 20 Pf. Dazu Einbanddecken a M. 1. Eerliner Arbeiter-Bibliothek. Von«->» schippei. Serie I. Heft 1: Ein sozialistischer Roman.(Ein Rückblick. Von Bellamy). Heft 2: Der Nutzen der Gewerkschaften. Von Max Schippel. Heft 3: Die Arbeiterinnen- und Frauenfrage der Gegenwart. Von Clara Zetkin(Paris). Heft 4: Der So- zialismns in Frankreich seit der Pariser Kommune. Von Osfip Zetkin-Paris-J-- Heft 5: Charakterköpse aus der französischen Arbeiterbewegung. Von Ossip Zetkin-Paris j. Heft C:. Die Hausindustrie in Deutschland. Von Paul Kampffmeyer-Gcnf. Heft 7: Junker«nd Bauer. Von Paul KamptfmeveriGenf. Heft 8: Die-wirthschastlichen Umivälzungen und die Entwicke- lung der Sozialdemokratie. Von Max Schippel. Heft 9: Die Marx'sche Werththeorie. Von Paul Fischcr-London. Heft 10: Die Sozialdemokratie und der Deutsche Reichstag. Heft II: Die soziale Frage aus dem Lande, I und II. Von Paul Kampfs- meyer-Geuf und*,*• Heft 12: Die Arbeiterschutz-Gesetzgebung. Voil Paul Ernst-Berli». Serie II. Heft 1: Der Mythus von der Begründung des Deutschen Reiches. Von HanS Müller- Rostock. Heft 2: Die antisemitische Bewegung. Von Gerhard Krause.— Preis pro Heft 15 lind 20 Pf. Einbanddecken zu Serie I. a. 30 Pf. Serie 1, geb. M. 2,50. Die Arbeiterinnen-Bewegung Berlins. VonA. Berger. a H cjt 30 Pf. Ferdinand Lassalle, eine Gedeukschrift zu seinem 25jährigcn Todestag. Von Ida» Kegel, a 50 Pf. Gesetz der Alters- u. Invaliditäts-Versicherung. Von A. Bebel und P. Singer. Preis cartonnirt M. 0,50. 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