Hrgan für die Interessen der Arbeiter. Das..Berliner Volksblatt" ersibeint täglich Morgens auver nach Sonn- und Festtagen. Abonnementspreis für Berlin frei in's HauS vierteljährlich 3,30 Mark, monatlich 1,10 Mark, wöchentlich 28 Pf. Einzelne Nummer 5 Pf. Sonntags-Nummer mit dem„Sonntags-Blatt" 10 Pf. Postabonnement 3,30 Mark pro Quartal. (Eingelragen in der PostzeitungSpreisliste für 1800 unter Nr. 892, V. Nachtrag.) Unter Kreuzband, täglich durch die Expedition, für Deutschland und Oester-reich-Ungarn 8 Mark, für das übrige Ausland 3 Mark pro Monat. I n s e r t i o n s g e b ü h r beträgt für die 5 gespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pf., für Verein?- und VersammlungS- Anzeigen 20 Pf. Inserate werden bis 4 Uhr Nachmittags in der Expedition, Berlin SW., Beuthftrahe 3, sowie von allen Annoncen-Bnreaux, ohne Erhöhung des Preises, angenommen. Die Expedition ist an Wochentagen bis 1 Uhr Mittags und von 3—7 Uhr Nachmittag?, an Sonn- und Festtagen bis 9 Uhr Vormittags geöffnet. ♦, Fernsprecher: Amt VI. Ur. 4100.»•* MedAkkwn: BeukMrMe 2.— Expvdikwm: BeukhflvMe 3. MoilMeiMiMW. Für das in. Quartal eröffnen wir ein neues Abonnement auf das „Herliuer UoUtsblatt" Nebst dem wöchentlich erscheinenden Sonntags blatt. Der Abonnemrntspreis beträgt frei ins Hans für das ganze Vierteljahr 3 Mark 33 Pf., monatlich t Mark 13 Pf., wöchentlich 8-j Pf. Bestellungen werden von sämmtlichen Zeitnngsspediteuren, sowie von der Expedition unseres Blattes, Beulhftr. 3, entgegen- genommen. Wir müssen nachdrücklich darauf verweisen, daß es endlich an der Zeit ist, daß die Arbeiter Berlins sich von der gegnerischen Presse emanzipiren. Zu den Gegnern gehören auch die sogen. unparteiischen oder poutisch-farblosen Blätter. Sie gerade gehen uur darauf aus, die große Masse in der Unwissenheit zu erhalten, Um sie desto ungestörter ausnützen zu können. Ein aufgeklärter Arbeiter liest nur die Arbeiterpresse i Für außerhalb nehmen sämmtliche Postanstalten Be- nellnngen für das Vierteljahr gegen Zahlung von 3 Mark "l) Pf. an. Redaktion und des „Keritner Die Die vor kurzem erschienenen Berichte der preußischen Fabrtk-Aussichtsbeamten bieten Veranlassung zur Kritik der Fabrikinspektion im allgemeinen und der preußischen im be- sonderen. Die Fabrikinspcktion, führt unser österreichischer Partei- genösse Dr. Victor Adler an?, hat überall drei vielfach ineinander übergehende, aber doch deutlich getrcnffte Auf- gaben zu erfüllen. Ihre erste und wichkigste Aufgabe ist, die allgemeine Durchführung der Gcwerbcgcsctzgebung, soweit sie den Schutz der Arbeiter betrifft, herbeizuführen und zu überwachen,- die zweite ist, eine Weiterbildung eben dieser Ecsetzgebnug durch Studium der einschlägigen Verhältnisse vorzubereiten und zu ermöglichen, und dritten? hat sie ihre Vertrauensstellung den Arbeitern und Industriellen gegen- über dazu zu gebrauchen, um im einzelnen Mißstände zu be- geben, die noch nicht Gegenstand der Gesetzgebung waren oder ihrer Natur nach derselben nicht zugänglich sind. Jede dieser drei Aufgaben stellt an die Einrichtung de? Amtes und an die Persönlichkeit des einzelnen Inspektors ganz bestimmte Ansprüche, und von dem Maße, in dem sie erfüllt find, wird der Werth der Jnspektionsthätigkeit ab- hängen. l verboten.) Feuilleton. (70 „Zum Gluck der Duiuen." Roman von E ni i l e Z o l a. utoristrte Uebersetzung von Armin Schwär z. Vichts als Weiß; alle weißen Artikel jeder Ablheilung, Kersch, veuduiig von Weißem, ein weißes Gestirn, dessen anfangs blendete, so daß man die Details nicht unter- en konnte. Bald aber gcivöhnteu die Augen sich daran,' dehnte die Gallcrie Monsigny sich aus mit ihren weißen ni von Leinwand und Kaliko, mit ihren weißen Felsen Letttüchern, Servietten und Taschentüchern, während l�ie Gallcrie Michodicre von der Psaidlcrei, den Wirk- V?ollwaaren okkupirt, ganz iveiße Gebäude von Elsen- "äpfen ausstellte, eine große Dekoration, aufgebaut ans u Strümpfen, ein ganzer Saal mit weißem Molleton ■leP. Am meisten aber leuchtete diese Helle in der 'sllgallerie, wo die Abtheilungeil für Bänder und Tücher, schuhe und Seide untergebracht waren. Die Pulte ver- nden unter der Weiße der Seiden und Bänder, der schuhe und der Tücher. Rings um die eisernen Säulen I'ch ein Gewoge von weißer Monsseline, da und dort weiße Foulards festgehalten. Die Treppen waren mit " Draperien belegt, Draperien von Piket und Basin sich abwechselnd längs der Rampen hin und umgaben llen bis hinauf in den zweiten Stock; und diese Hoch- Was verlangt nun die erste und wichtigste Aufgabe der Inspektion, die Durchführung des Fabrikgesetzes von den Aufsichtsbeamten? Das Maß des Ernstes, mit dem ein Fabrikgesetz gemeint ist, liegt nur allein in der Gleich- Mäßigkeit seiner Anwendung. Denn findet die Einführung sozialer Schntzmaßrcgeln ein freilich nur zu oft übertriebenes Hinderniß schon in der Verschiedenheit ihres Grades in den einzelnen Staaten, ist die Unmöglichkeit„der Konkurrenz mit dem Auslande" das am häufigsten und am erfolgreichsten angewendete Argument, das die Unternehmer als Klasse vorbringen, so ist die lückenlose und gleich- mäßige Durchführung im eigenem Staatsgebiete nicht nur eine Forderung der Gerechtigkeit gegen die zu Schützenden, nicht nur die nothwendige Voraussetzung des Erfolges, sondern auch zugleich die einzige Bedingung, unter der das wirthschaftliche Leben diese Maßregeln ertragen kann. Die Nothwendigkeit des„gleichen Rechts für alle" nimmt hier eine ganz besondere bestimmte Gestalt an. Wird es dein einen Unternehmer offen gelassen, das Gesetz zu umgehen, ja auch nur sich eine bequemere Ausfassung des- selben zu Stutze zu machen, so erdrückt seine Konkurrenz ein- fach den gewissenhafteren oder unter strengerer Aufsicht stehende» Fabritaiiten. Oder aber der wahrscheinlichere Fall tritt ein, der Letztere in dem Dilemma zwischen großem materiellem Schaden und der nach Ansicht der Unternehmer in keiner Weise das soziale Ansehen mindernden Gesetze?- Verletzung, sieht sich gezwungen, das Zweite und Angenehmere zu wählen, und die kleine Lücke macht das Gesetz auf der ganzen Linie illusorisch.— Ist also eine jede sozialpolitische Maßregel um so er- träglicher für das Wirthschaftsleben, je größer das Gebiet ist, in dem sie zur Slmvendung kommt, ist sie allein wirk- scun, wenn sie gleichmäßig zur Anwendung kommt, so muß das Anfsichtsorgan für ihre Durchführung vor allen» ein- h e i t l i ch fnnktioniren. Die»vichtigste Forderung für jedes Fabrikii»spektorat ist deshalb seine Zentralisation. Ein Beamten- körper einheitlich geleitet, von gleichen Gesichtspunkten aus- gehend, ist allein in der Lage, dieser Aufgabe gerecht zu werde»». JcdeS Gesetz,»venu es auch noch so präzis, so ailsführlich »vie das englische ist, läßt einen Spielraum für seine Dl»rch- führung, desstn Gefahren auszugleichen das Jnspektorat be- rufen ist. Soll es das können, so müssen die einzelnen Aus- sichtsbeamten das Gesetz in gleicher Weise interpretiren, und die Uebersicht über das Gailze darf nicht verloren gehen. Diese Prinzipien waren mehr oder minder in England, Oesterreich, Ungarn, Frankreich, in gewissem Sinne auch in fl»>th von Weißwaaren schien zu fliegen und verlor sich in der Höhe»vie eine»»»»geheure Schaar von Schivänen. Dann »viedcr stieg das Weiße von den Gewölben hernieder, es war »vie ein Regen von Eiderdannen,»vie ein Schneefeld in breiten Flocken; weiße Decken flatterten in der Luft gleich Kirchen- sahnen; Gnipnrespitzen zogen sich von einer Abthcililng zur andern und glichen»mbeweglichen»veißen Schmetterlingen; auf allen Seiten zitterten Spitzen und schwebten dahin wie fliegender Sommer an einem schönen Tage und erfüllten so die Luft »nit ihrem weißen Hauche. Das höchste Wunder aber, der Altar dieses den Weißmaaren errichteten Kultus'befand sich oberhalb der Abtheilirng für Seide in der großen Halle: es war ein Zelt von weißen Vorhängen,»vclche von dem Glas- dache herabhingen. Die Monffelinen, die Gazen, die ttmstvollen Guivnren flössen in breiten Wellen herab, »vährend die gestickten Tüllen und orientalischen Sei- den mit Silbersaun» dieser riesigen Dekoration, welche eben so sehr einem Tabcrnackel glich,»vie einem Alkov, als Hintergrund dienten. Es war ein»vcißes Bett, dessen jungfräuliche Größe, wie es in den Legenden hieß, die weiße Prinzessin erwartet. Diejenige,»veicke eines Tages allmächtig mit dem iveiße»» Schleier der Vermählten er- scheint. — Oh, außerordentlich! wiederholten diese Damen; »»»»erhört! Und sie»vurden dieses Lobgesanges auf das Weiße nicht überdrüssig, welchen die sämmtlichen Stoffe des ganzen Hauses erschallen ließe»,. Monret hat noch nichts Größeres gezeigt, das»var das genialste Werk seiner Ansstellungs- ku-ü. Im Gewühl dieser»veißen Artikel, in der schein- der Schiveiz bei der Organisation der Fabrikaufsicht maß- gebend lind haben sich nach allgeiueiner Auffassung im wesentlichen bewährt, wenn man auch nicht stets die glück- lichste Auswahl in Bezug auf die Oberinspektoren getroffen hat. In Deutschland, sowie in den Einzelstaaten, wo diese nothwendige Zentralisation gänzlich fehlt, ist dieser Mangel auf Schritt und Tritt zu erkennen. Es ist eine gerade nicht anerkennenswerthe Eigenthümlichkeit im Deutschen Reiche»tnd zeigte durchaus nicht besonderen Ernst für die Aufgaben der Fabrikinspektion, daß die Kontrole über die Durchführung der Gewerbeordnung, die doch Reichsgesetz ist, nicht a»lch Reichsbeamten zugewiesen ist, im Gegensatze zur Schweiz, wo der Fabrikinspektor Vundesbeaniter und nicht Beamter der Einzelstaaten, der Kantone, ist. Der Zusammenhang der partikularen Fabrikinspektoren mit dem Reichsamt des Innern, ist ein mehr als loser, und auch in Preußen selbst ist das Verhältniß nicht viel besser. Die Stellung der Gewerberäthe zu den einzelnen Provinzial- regierungen ist eine sehr verschiedene. Während die Ge- »verberäthe in einigen Bezirken ein selbstständigeS Dezernat haben und an den Sitzungen der Provinzialräthe stä»ldig theilnehmei», a»ls eigener Ji»itiative Polizeiverordnungen er- lassen können u. s.»v., müssen sie in anderen Provinzen froh sein, wenn sie von den Vcrftlgungen der Behörden. überhaupt etwas erfahren. Dann fehlt in den Jnspekttons- berichten allzusehr die Uebersicht. Es kann nicht jedermanns Sache sei»,, sich aus den 18 preußischen Einzelberichten ein einheitliches Bild herzustellen, trotz des Registers er- fordert dies tagelange Arbeit. Wer österreichische oder englische Jnspektoreilberichte zu studiren Ge- lcgenheit hat, wird den Unterschied in Bezug auf die bequeme Brauchbarkeit sofort heraussinden: dort wird den Berichten ein Gesa»nn»tbericht des Zentraliuspektors voraus- gesandt, der alles Wissensiverthe, zum Theil tabellarisch, zusammenfaßt, da»»»» folgen besoilders gut in Oesterreich die Einzelbcrichte. Eine nachahmenswerthe Einrichtung ist ferner in Oesterreich, daß sowohl der Zentralbericht als die Be- richte jedes Inspektors»im wenige Groschen besonders er- hältlich sind, so daß Jcderniam» sich das kaufen kann, was ihn interessirt, und nicht wegen des besoi»ders für Arbeiter zu hohen Preises vor der selbstständigen Jiiformation aus den Berichten der Fabrikaufsichtsbeamten z»trückschrecken m»ch. Auch ihrer ziveiten Aufgabe, der„Vorbereitung und Ermöglichung einer Weiterbildung der Fabrikgesetzgebung", konnte die Fabrikinspektion bei uns nicht genügen. Dieser Theil ihrer Thätigkeit hat der englischen Inspektion den baren Unordnung dieser Geivebe, welche wie aus den Fächern gestürzt zu sein schienen, gab es eine harmoi»ische Phrase, das Weiße verfolgt und ei»tivickelt in allen seinen Tönen; entstehend, amvachsend und sich entivickelnd mit der komplizirten Ton- gebung einer meisterhasten Fuge, deren fortivährende Ent- ivickhing die Seelen in einem unaufhörlich erweiterten Fluge fortreißt. Nichts als Weiß»»»»d niemals das näniliche Weiß. Die einen Artikel erhoben sich auf den«»»deren, bildeten Gegensätze, ergänzten einander und erreichten schließlich den Glanz deS Lichtes. Den Ausgangspunkt bildete»» die mattweißen Artikel des Calico ul»d der Lcli»ivai»d, Flanelle u»ld Tücher; da,»n kamen die Sammte, Seiden, die Satins, eine anfste»gei»de Skala, das Weiße, das sich allmälig belebt und ii» den kleinen Flamii»en der gebrochenen Falten endigt; und das Weiße verliert sich dann in der Höhe mit der Durchsichtigkeit der Vorhänge, und erreicht die siegreiche Höhe mit den Atonsselinei» Guipüre»», Spitzen»»»»d den Tüllen so zart»vie die Wolke»», währe>»d das Silberiveiß der orien- talischen Seidenstoffe im Hintergrunde des Riesenalkovs in den hellsten Tönen leuchtett Das rege Treiben in den Magazinen dauerte mittler- weile fort; die A»ifzugs»iaschii»en»vurden belagert; es war zum Erdrücken voll im Büffet und im Lesesaal, eine ganze Bevölkerung»vogte durch diese wie mit Schnee bedeckten Räume. Und die Menge»var schwarz; man glaubte Schlitt- schuhläufer auf einein zugefrorenen See zu erblicken; dabei herrschte, bcso>»derS in den Höhen, eine»vahre Treibhaus- Hitze. Das Gebrumme der vielen tausend Stimmen war »vie das Getöse eii'.es angeschivollenen Stro»nes. — Wir müssen doch trachten vonvärts zu kommen, Ehrennamen einer„ständigen Enquete für soziale Verhält- nisse" verschafft. In der That hat sie seit den fast 60 Jahren ihres Bestehens sämmtliche Fabrikgesetze durch eingehende Studien vorbereitet, ja zuweilen haben ihre Berichte, als die von unparteiischen und sachkundigen Zeugen, die un- mittelbare Anregung für die Gesetzgebung gegeben. Im Deutschen Reiche besteht ein solcher Einfluß noch nicht, das haben ja gerade die letzten Monate aufs schlagendste bewiesen. Es ist dies aber wohl begreiflich, denn die deutschen Inspektoren sind derart über- bürdet, sie haben so viele Aufgaben, die nur in zweiter Reihe mit ihrem eigentlichen Berufe zusammenhängen, daß sie ausführlichen Detailuntersuchungen über die Lebens- bedingungen einzelner Arbeitergruppen wenig Zeit widmen können. Ihre Bezirke sind eben zu groß, eine Unmenge Bureauarbeit lastet auf ihnen, bei Unfallerhebungen haben sie mitzuwirken, Gutachten über genehmigungspflichtige An- lagen müssen sie abgeben, oft haben sie als Sachverständige oder als Zeugen vor Gericht zu erscheinen, wo sollen sie da Zeit finden zu tieferen Studien der Lebensverhältnisse der ihrer Obhut anvertrauten Fabrikarbeiterbevölkerung? In Oesterreich dagegen verpflichtet das Gesetz über die Fabrik- lnspektion— ein solches fehlt bekanntlich im Deutschen Reich, trotz der dahingehenden Anregung der sozialdemokratischen Fraktion,— die Aufsichtsbeamten zu solchen Erhebungen und zu Vorschlägen an die Regierung in Betreff des Ausbaues oder der Abänderung der Arbeiterschntz-Gesetzgebung. Jeder Bericht der österreichischen Gewerbeinspektoren enthält der- artige Vorschläge und zum Theil sehr werthvolle Dar- stellungen der Arbeits- und sozialen Verhältnisse einzelner Hausindustricen oder anderer Gewerbezweige, die dann den einzelnen Jnspektionsberichten als Anhang beigegeben werden. Die dritte Hauptaufgabe der Inspektoren ist, sich eine Vertrauensstellung dem Arbeiter und In- dustriellen gegenüber zu erwerben und dieselbe dazu zu ge- brauchen, um im Einzelnen Mißstände zu beheben, die noch nicht Gegenstand der Gesetzgebung waren oder ihrer Natur nach derselben nicht zugänglich sind. Davon ist aber in Deutschland keine Rede. Wenn wir auch die deutschen Fabrik- Aufsichtsbeamten im Allgemeinen keineswegs beschuldigen wollen, einseitig Vertrauenspersonen der Unternehmer zu sein, so sind doch leider die wenigsten im Stande gewesen, sich eine Vertrauensstellung bei den Arbeitern zu erwerben; so rügte erst unlängst Prof. Herkner, daß die deutschen Fabrik- Aufsichtsbeamten nur eine völlig unzureichende Fühlung mit den Arbeitern zu erzielen ver- mochten, und einer der tüchtigsten deutschen Aufsichtsbcamten, der badische Fabrikinspektor Wörishoffer, sagt in seinem Bericht für das Jahr 1889 treffend, nachdem er den Mangel seines Verkehrs mit den Arbeitern hervorgehoben hat:„Der Verkehr zwischen den Aufsichtsbcamten und den Arbeitern wird nur dann ein fruchtbringender sein, wenn die Ersteren mit geordneten Vertretern der Ardeiterschaft organisationsmäßig in Verbindung gesetzt werden". Nachdem wir im Vorhergehenden in der an dieser Stelle möglichen Ausführlichkeit die Aufgaben der Inspektion dargelegt haben, soll in weiteren Artikeln gezeigt werden, in welchem Maße die preußischen Inspektoren im verflossenen Jahre diesen idealen Aufgaben sich gewachsen gezeigt haben.— pomirrfic ütcitcvurftf. Mit dem heutige» Tage fällt der Kleine Zelrtgerungo- zustand über Leipzig und Umgegend, nachdem er neun Jahre in Kraft gewesen. Es ist kein Ge�eimniß, daß die sächsische Regierung sich lange sträubte, ehe sie zu dieser sagte Mine, de Boves: wir können ja nicht auf einem Flecke bleiben. Der Inspektor Jouve, der in der Nähe der Thür stand, ließ sie seit ihrem Eintritt nicht mehr aus den Augen. Als sie sich umwandte, kreuzten sich ihre Blicke. Dann, als sie den Weg fortsetzten, folgte er in einiger Entfernung, an- scheineno ohne sich weiter um sie zu kümmern. — Schau, das ist eine nette Idee! rief Mme. Guibal, vor der ersten Kasse stehen bleibeno. Sie sprach von der neuen Prämie, die Monret ersonnen hatte und von der in den Blättern viel die Rede war. Die Prämie bestand in kleinen Sträußchen von weißen Veilchen, die Monret zu taufenden in Nizza ankaufen und jeder Käuferin, selbst für den kleinsten Einkauf, verabreichen ließ. Allmälig war die ganze Kundschaft mit Blumen ge- schmückt,, deren Duft die Magazine erfüllte. — Ja, bemerkte Mme. Desforges nicht ohne Neid; die Idee ist gut. In dem Augenblicke, als die Damen ihren Weg fort- setzen wollten, hörten sie hinter ihnen zwei Kommis über die Veilchen Scherz treiben. Der Eine, ein langer Bursche, sagte, die Veilchen bedeuten, daß der Patron sich dennoch mit der Vor- steherin der Abtheilung für Kinderkostüme verheirathen werde,: der Andere, em kleiner Dicker, meinte, man könnte noch nichts Bestimmtes wissen; immerhin seien die Veilchen augekaust woroen. — Wie? rief Mme. de Boves; Herr Mourct heirathe�? — Ja, das ist das Neueste, sagte Mme. Desforges im gleichgiltigen Tone; aber schließlich ist ja dies das Ende vom Liede. Die Gräfin sandte ihrer neuen Freundin einen leb- haften Blick zu. Jetzt begriffen Beide, weshalb Wtnic. Des- sorges trotz des geräuschvollen Bruches in das„Glück der Damen" gekommen sei: es war die Wollust im Leiden. — Ich bleibe bei Ihnen, sagte Mme. Guibal, deren Neugierde erwacht war. Wir werden mit Frau o. Boves im Lesesaale zusammentreffen Maßregel sich entschloß, die ihr von Berlin aus verschiedene Male nahe gelegt wurde. Als sie aber endlich zu ihr über- ging, führte sie dieselbe auch mit einer Härte aus, wie keine andere Regierung. Aus Grund dieser Maßregel wurden im Laufe der Jahre gegen 170 Ausweisungen verfügt, von welchen allerdings ein Tbeil später rückgängig gemacht wurde, nachdem die Betreffenden erklärt, sich jeder agitatorischen Thätigkeit enthalten zu wollen. Ein anderer und zwar der größte Theil der Ausgewiesenen hat sich in alle Winde zerstreut und denkt nicht davon zurückzukehren. Ein kleiner Theil der Ausgewiesenen ist ausgewandert, ein anderer ist gestorben und verdorben. Von dem Nest, darunter Liebknecht und Bebel, werden die wenigsten nach Leipzig zurückkehren. Fragt man nach neunjähriger Dauer des kleinen Bc-� lagerungszustandes nach dem Erfolg, welchen er gehabt, fällt die Antwort für seine Urheber wenig schmeichelhaftjtös. Wie überall in Deutschland, so hat auch in LeipzM�und Umgegend die sozialdemokratische Jdeenentwickelunjf eine Macht entfaltet, welche die kühnsten Erwartungen übfrtroffeu hat. Der Leipziger Landkreis hat sich zu einer de* festesten Burgen der Partei entwickelt, die nie mehr in gegnerische Hände fallen dürfte. Und in Leipzig-Stadt hat, wie die letzte Reichstagswahl zeigte, die Partei ein Wachsthum auf- zuweisen, daß der uationalliberale Kandidat nur mit Mühe und nur mit Hilfe von Antisemiten und Jnnungsbrüdern siegte. Auch hatte, wie die zahlreichen Geheimbundsprozesse namentlich aus den letzten Jahren zeigten, die Partei unter dem Belagerungszustand sich eine Organisation zu geben verstanden, die allen Stürmen und Verfolgungen trotzte. Waren heute die Leiter gefaßt und in's Gefängniß geworfen, so standen morgen andere, gänzlich neue Leute an ihrer Stelle, die nnt nicht weniger Umsicht und Thatkraft das thaten, wofür ihre Vorgänger mit Gefängniß und Ver- bannung schwer büßen mußten. Hat je sich gezeigt, daß eine Bewegung, die in den Massen als das Produkt eines politischen und ökonomischen Entwickelungsprozesses wurzelt, allen Verfolgungen zum Trotz unausrottbar ist, so im Belagerungszustandsgebiet von Leipzig. Man hat nur Haß und Erbitterung gesät und reichlich geerntet, und es wird sehr geraumer Zeit bedürfen, ehe die Folgen dieser Saat verschwunden sind. Die ganze Hinfälligkeit der neun lange Jahre ausrecht erhaltenen Maßregel wird sich auch darin zeigen, daß ihre Aufhebung keinerlei Umänderung in den Zuständen und Verhältnissen des mit der Maßregel bedachten Gebietes hervorruft. Es geht alles seinen Gang, als habe die Maßregel nie bestanden. Nur die Betroffenen, die Trennung von ihrer Familie, den Ruin ihres Geschäfts und ihrer Existenz und zahlreiche kleine und große Chikanen als Folge davon zu erdulden hatten, sie werden nicht vergessen.-- Sie werden in erster Linie daran weiter arbeiten, daß in Deutschland ein System für ewig unmöglich wird, daß der Polizei gestattet, Bürger der gesetzlichen Äethätigung ihrer Gesinnung wegen zu ächten und in ihrer ganzen Existenz zu vernichten. Im Seittorenkonvent wurde am Freitag Vormittag, wie die„Freis. Ztg." mitthcilt, die Erledigung der Reichstagsarbeiten besprochen. Man nahm für die Vertagung des Reichstages als frühesten Termin nächsten Mittwoch, als spätesten nächsten Freitag in Aussicht. Außer dem Gewerbegerichtsgesetz und der Militärvorlage(über letztere hat die dritte Berathung gestern stattgefunden) wurde noch in Aussicht genommen die Erledigung der beiden Nachtragsetats(Gehaltsverbesserungen und Alis- führung der Militärvorlage) und einer noch erwarteten kleineren Vorlage über Sainoa. Die noch restirenden 13 Initiativanträge aus der Mitte des Reichstags und die Gewerbenovelle gelangen nach dem Wiederzusammentritt deS Reichstags im November zur weiteren Verhandlung. In Bezug auf den Nachtragsetat für das Militärwesen einigte man sich, die Forderungen für Prämien der Unteroffiziere und die neuen Forderungen für Kasernenbauten und anderes, was nicht nothweudig zur Ausführung der Militär- vorläge schon jetzt erforderlich ist, aus dem Nachtragsetat aus- zuscheiden. Ebenso einigte man sich bei dem Nachtragsetat über die Gehaltsverbesserungen von allen Abänderungen zu den in der Kommission veschloneuen Gehaltssestsetzungen für einzelne Beamten- klaffen abzusehen. Ministerkrrsen- Gerüchte. KriegSminister v. Verdy soll nach Gerüchten, welche die„Ztational-Zeituug" im Reichstag er- — Gut, erklärte die Gräfin. Ich habe im ersten Stock zu tbun. Kommst Du, Blanche? Und sie ging, von Blanche gefolgt, hinauf, während Jouve, um nicht die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken, ihr auf einer andern Treppe folgte. Die Damen Desforges und Guibal aber verloren sich im dichten Gewühl des Erd- geschosses. Inmitten des Vcrkaufsrummels sprach man von allen Pulten von nichts Anderem, als von den Liebschaften des Patrons. Das Abenteuer, welches seit Monaten die Kommis beschäftigte, welche über den laugen Wider- stano Deniseus cutzückt waren, hatte wieder einmal zu einer Krise geführt. Man hatte Tags vorher erfahren, daß das Mädchen trotz der Bitten Mourets im Begriff sei, das„Glück der Damen" zu verlassen, indem sie das Bedürf- niß nach Ruhe vorschützte. Und man tauschte nun die Mei- nnngen aus: wird sie gehen oder wird sie nicht gehen? Mau wettete hundert Louis, daß sie nicht länger bleibt, als bis zum nächsten Sonntag. Die Einen wie die Anderen stimmten darin überein, daß die Kleine ihre Sache mit voll- cndeter Finesse geführt habe und daß sie nun die letzte Karte ausspiele, indem sie ihm den Abschied gebe? Heirathe mich, oder ich gehe. Denise dachte aber nicht an solche Dinge. Sie �kannte keine Berechnungen und keine Forderungen. Was sie zum Anstritt bewog, war eben der Umstand, daß man über ihr Betragen so verschiedene Bemerkungen machte. Der ewige Tratsch, die hartnäckigen Bewerbungen Mourets hatten ihr die Situation unleidlich gemacht und sie zog es vor zu gehen, aus Furcht, daß sie eines Tages nachgeben und es dann ihr ganzes Leben lang bereuen könnte. Als Mouret ihre Demission erhielt, stand er starr und stumm da und konnte seine Aufregung nur mit Mühe meistern. Dann erklärte er trocken, daß er ihr acht Tage Bedenkzeit gewähre, bevor er seine Einwilligung zu einer solchen Thorheit gebe, und als sie nach Verlauf von acht Tagen bei ihrem Entschluß beharrte und nach dem fahren hat, seine Entlaffung nachgesucht haben. Die„National- Zeitung" will den Kriegsminister bestraft sehen, weil er„durch die Art, wie er die Militärvorlage vertreten, dieselbe.für einige Zeit in Gefahr gebracht und der Agitation gegen militärische Aufwendungen ganz unnöthiger Weise einen ergiebigen Stoff ge- liefert habe".— Bekanntlich hat der Krieasminisler nur dasjenige mitgetheilt, was er als„ehrlich er Mann" sich verpflichtet hielt, in Uebereinstimmnng mit dein Reichskanzler mitzntheilen. Aber freilich, die politische Ehrlichkeit ist den Nativnallibcralen mitunter unbequem. Sie spielen lieber Vogel Straußpolitik. Die„Kreuz- Ztg." bezeichnet als muthmaßlichen Nachfolger den Kominandanten des Hauptquartiers des Kaisers, Generallieutenant v. WittM.— Die Nachricht, daß ein Wechsel in der Besetzung des Ktäatssekretariats des Reichsschatzamts bevorstehe, wird als „läder Begründung entbehrend" bezeichnet. Aua der republikanische» Porzeit von Exzellenz Miquel macht der„Reichsfreund" folgende interessante Mitlheilungen: Johannes Miquel, am 21. Februar 1828 zu Neuenhaus im Lingenschen als Sohn eines Landarztes geboren, hat das Gym- nasium zu Lingen besucht und dann in Heidelberg und Göttingen die Rechte studirt. Der März fand ihn als zwanzigjährigen, für die Republik schwärmenden Studenten. In weiteren Kreisen, wenigstens unter den deutschen Studenten, ward er bekannt durch das Eisenacher Wartburgfest der deutschen Studenten in der Pfingstwoche des Jahres 1843. Am 12. Juni Abends fanden sich, wie es in einer wahrheitsgetreuen Schilderung des Festes heißt,„im Saale des Rathhauses in Eisenach die Republikaner zusammen und debattirten unter dem Vorsitz von Miquel aus Göttingen mit Lebhaftigkeit über die zu erlassenden Schrift- stücke." Man nahm eine Adresse an die Nationalversammlung zu Frankfurt an und sandte diese mit 153 Unterschriften an den Abgeordneten Arnold Rüge. Die jungen Re- publikaner waren übrigens in ihren Plänen recht un- gefährlich. Sie wollten den deutschen Bundesstaat als Republik, proteftirten gegen einen Kaiser und wiesen den Gedanken eines solchen, weil darin die Herrschaft eines Stammes über die andern enthalten sei,„mit Entrüstung zurück". Die Bnndessürsten wollten sie bestehen lassen— jeder Staat sollte seine Verfassung sich selbst bauen dürfen. Gewiß wollte Stu- diosus Miquel, indem er die Herrschast der Borussen und ihres Königs' mit Entrüstung zurückwies, seinen hannoverschen König nichts zu Leide thun. Uebrigens erschien jene Adresse„einer späteren Versammlung der Republikaner in der Klemda nicht energisch genug, und man beschloß, den Student Miquel ans Göttingen zum Entwurf einer neuen zu ermächtigen". In einer folgenden Sitzung ward eine schwülstige Adresse an den flüchtigen Revolutionär Friedrich Hecker angenommen.„In derselben Sitzung verlas Miquel den von ihm verfaßten Entwurf einer 'Adresse an die Nationalversammlung, welcher manchen Wider- spruch hervorrief. Es hieß in dem Entwurf:.„Wir wollen die Republik für den Gesammtstaat dies genügte den Einen nicht, welche verlangten:„„Wir wollen die Republik in Deutschland."" Schließlich einigte man sich doch noch und nahm die verbesserte Adresse an, in welcher die Republik als die einzige Staats- form erklärt wird,„die eines edlen und gebildeten Menschen würdig ist." Urber dir Stellung des Irntrums sagt die„Franks. Ztg." unter Hinweis auf die nationalliberale Rede Windthorst's bei der Militärvorlage folgendes:„Herr Windthorft hält die Aera für angebrochen, in der er und seine Partei durch Nach- giebigkeit gegen die Regierung Einfluß gewinnen können. Man wird gut thun, das Zentrum von jetzt ad als eine nationallibe- rale oder Kartellpartei katholischer Konfession anzusehen und die weitere Entwickelung ohne Optimismus abzuwarten. Ob das ganze bisherige Zenirum diese Schwenkung ans die Dauer mit- machen wird, ist allerdings fraglich." Ten Gedanken von der neuen Kartellpartei unter Windthorst's Führung spinnt dann die „Franks. Ztg." in ihrem dem zweiten Berathungstage gewidmeten Artikel soigendermapen ans:„Den glänzenden Vemeis für die stille Thätigkeit des Herrn Windthorft und für seine Fähigkeit, oppositionelle Gemüther auf die verheißungsvolle Zukunft der neuen Aera einzuschwören, liefern aber die Herren Polen. Die Erz-ReichSfeinde und mißhandelten Stiefkinder werden, ob- ivohl ihre Presse energisch dagegen eifert, einstimmig für die Mi- litär-Vorlage eintreten; und wer die erquickend naive Rede des Herrn v. Komierowski liest, der hört aus einem politisch kind- liche» Munde die ganze Logik Windthorfl'scher Politik heraus. Die polnischen Wähler find empört über die Unterdrückung ihrer Nationalität, ihre Abgeordneten waren es bisher auch, die pol- nischen LandeStheile find flnanziell und volkswirthschaftlich kaum im Stande, neue Steuern zu tragen, das Alles sagt v. Komierowski, aber trotz oem stimmen die Polen für die Vorlage; denn— die.Hoff- nung auf die neue Aera ist auch ihnen eingeimpft worden.' Sie rechnen darauf, daß der 5kaiser die Wünsche der polnischen Bcvöl- kerung erfüllen wird. Eine neue Kartellpartei, auch die Elsaß- Lothringer, werden nicht fehlen, und so wird dies Mal das Deutsche Reich, um in, frühern offiziösen BiSmarck'schen Jargon zu sprechen, von einer konservalio-nationaliberal-ultramontan-polnisch- französischen Mehrheit gerettet werden. Stur die„Welsen" fehlen." Dein Fürsten Kismarckk ist es dringend um eine Reichs- tagskandidalur in Kaiserslautern zu thun. Er willigt ein, noch bevor man ihn gefragt hat. Ein Berliner Korrespondent deS „Franks. Journ." telegraphirt demselben folgendes:„Wie ich ans sicherer Quelle erfahre, hat sich Fürst Bismarck einer vertrauten großen Ausverkauf austreten zu wollen erklärte, schien er nicht mehr zu zürnen. Er verlegte sich vielmehr auf Vernunft- gründe: sie verpasse ihr Glück, sagte er, sie werde nirgends eine solche Position finden, als sie bei ihm gehabt. Habe sie denn eine andere Stelle in Aussicht? fragte er. Er sei bereit, ihr alle Vortheile zu bieten, welche sie anderwärts erlangen könnte, und als das Mädchen erklärte, daß es keinen Platz gesucht habe, sondern daß es sich einen Monat iit Valognes ausruhen ivolle, fragte er, was sie verhindert, hernach wieder im„Glück der Damen" einzutreten, wenn ihr Gesundheitszustand sie nöthige, einen Monat der Ruhe zu pflegen? Gequält von diesem Verhör, schwieg sie beharr- lich. Da kam er auf den Gedanken, daß sie vielleicht einen Liebhaber, einen Gatten aufsuche. Hatte sie ihm denn nicht eines Abends gestanden, daß sie Jemanden liebe? Ein Geständniß, welches er seither wie eine offene Wunde im Herzen trug. Und wenn dieser Mann sie heirathe» sollte, sagte er sich, so verließe sie alles, um ihm zu folgen: Dies erklärt ihre Hartnäckigkeit. Es ist Alles aus, dachte er; er fügte einfach und kühl hinzu, daß er sie nicht länger zurück- halten wolle, da sie ihm nicht die wahre Ursache ihres Aus- trittes mittheilen wolle. Diese trockene Auseinander- setzung verstörte sie mehr, als die heftige Szene, die sie be- fürchtet hatte. Während der Woche, welche Denise noch im Magazin verbringen sollte, bewahrte Mouret seine eisige Kühle. Wenn er durch die Abtheilnng ging, that er, als wenn er sie gar nicht sehe. Niemals schien er niehr in die Arbeit ver- siinken, als jetzt. Allein unter dieser scheinbaren Kälte barg sich eine furchtbare Krise der Uneutschlossenheit und des Lei- dens. Furchtbare Anwandlungen des Zornes trieben ihm alles Blut gegen den Schädel, er träumte davon, Denisen mit Gewalt zu nehmen und ihre Schreie zu ersticken. Dann wieder kehrte er zu vernünftigen Plänen'zurück, er suchte nach praktische:: Mitteln, um sie am Anstritt zu verhindern. Allein er stieß imnier gegen seine Ohnmacht mit der Wuth seiner Stärke und seines Geldes, das ihm nichts nützte. Allein inmitten Persönlichkeit gegenüber, die ihn darüber knterpellirte, ob er das durch die Ernennung Dr. Miquel's zum Finanznnnisier erledigte Mandat für Kaiserslautern qnnehmen würde, dahin ausgesprochen, daß von seiner Seite keine Schwierigkeit einem diesbezüglichen Vorschlage entgegengebracht werden würde."— Bei den national- liberalen Führern in Berlin scheint Bismarck jedoch für eine meichstagskandidatur keine Gnade zu finden. Mit eisiger Kühle verbreiten dieselben in Berliner Blättern, daß bei der Zentral- stelle der Partei nichts über eine Kandidatur des Fürsten Vis- niarck für Kaiserslautern bekannt sei.„Ueber die Frage hat in erster Linie die Vertrauensmänner-Versammlnng des betreffenden Wahlkreises zu entscheiden. Wie man indessen hört, ist das Mandat bereits einem Gutsbesitzer in Lauterthal angetragen worden." Der Kttndesratst crtheilte in der am 26. d. M. unter dem -Vorsitz tes Vizepräsidenten des Staatsininisteriums, Staatssckre- tärs des Innern, Dr. v. Bötticher abgehaltenen Plenarsitzung dem Entwurf eines Gesetzes wegen Festnellung eines dritten Nach- trags zum Reichshaushalts-Etat für l890/Sl, dem Entwurf eines Gesetzes wegen Aufnahme einer Älnleihe fürZwecke der Verwaltungen des ReichShceres und der Post und Telegraphen und den Gesetz- entwürfen für Elsaß-Lothringen über die Zwangserziehung und über die ViehversteUung, letzteren beiden Entwnrsen in der vom Landesausschuß von Elsaß- Lothringen beschlossenen Fassung, die Zustimmung. Ter Antrag Preußens, betreffend die Behandlung ron Naturalisationsgesuchen, der Antrag der Bergbau- treibenden im 5iöuigreich Sachsen, betreffend die Zulassung der allgemeinen Landes- Kuappschafts- Pcusionskasse in Sachsen zur selbstständigen Durchführung der Invalidität?- und Alters Versicherung, die Borlage wegen Bereinigung von Schiedsgerichts Bezirken der Prioatbahn- BerufSgenossenschast und der Entivnr eine- Gesetzes, betreffend die Konsulargerichtsbarkeit in Samoa und die Uebernahme einer Bürgschaft seitens des ZieichS für die durch Einrichtung einer anderiveiten Nechtspflege dortselbst er- wachsenden antheilniäßigen Kosten, wurden den zuständigen Ans schüsfen zur Borberathmig überwiesen. Sodann wurde über Am träge auf Befreiung von Vorschriften über Einrichtung der An lagen zur Anfertigung von Zündhölzern, sowie über Eingaben in Zoll- und Steuerangelegenheitcn Beschluß gesaßt. Allerlei Jagdgeschichtrn erzählen die Herren Dr. Peters und v. Tiedemann in jetzt eingetroffenen Briefeichaus Uganda resp. vom Biktoria-Nyanza. So schreibt Herr Peters, daß er„das Handelsaebiet von Uganda und seinen Nebenländern Usaga, Nu- gala u. f. w. bis nach Usuknma hinunter für Deutschland ge- rettet hat.„Ich habe mit König Mwanga einen Freundschafts- Und Handelsvertrag abgeschlossen, der das Gebiet den Engländer» entreißt." Das Gebiet ist in dem deutsch-englischen'Abkommen bekanntlich an England gefallen. Weiter renommirt Herr Peters: „Thatsächlich bin ich der Herr der Situation hier. Meine kleine, aber vorzüglich disziplinirle Expedition deckt alles. Dies ist, lieber von der Heydt, das Endziel der deutsche» Emin-Pascha-Expedition. Großes zu thun ist mir nicht vergönnt. Meine Askaris.habe» nnr noch 35 Patronen jeder, und damit kann ich keine Kriege mehr führen, umso weniger, alL ich hoffe, das Hinter land von Deusch-Ostasrika ein ivenig säubern zu können. Ich brauche Sie nicht zu versichern, daß ich sonst mit den von meinen Askaris zur Zeit gedrillten Wagandas auf Wadelni marschiren würde. Wie die Dinge liegen, wäre das Selbstmord." Herr ron Tiedemann schreibt u. a.:„In dem einen Massai-Gefccht, das mit der gänzlichen Niederlage unserer Feinde endete(sie ließen 43 Todlc aus dem Platze), ging es uns ans ein Haar an den Kragen. Ich selber bekam einen Giftpfeil durch die linke Brusttasche; die Kerle känipften wie leibhaftige Teufel; wir zahlten ihnen aber in vollwichtiger Münze heim; vier bäum- bange Maff'ai-Krieger kommen auf mein spezielles Konto...." Ter König Muauga hat uns überaus freundlich und mit den höchsten Ehren aufgenommen. Unser Marsch von Usaga nach .Uganda glich einem' Triumphzuge. Uganda ist entsetzlich ver- wüstet; überall Spuren von Mord, Brand. Greueln; Skelette bu£ balii verweste Leichname lagen zu Huuperwii umher.�. Leipng, 26. In ni. Die Reichsgerichtsräthg Dr. Hambrook und v. Forcad« de Btaix treten am l. Juli i» oen Ruhe.«and. Beide gehören dem Reichsgericht seit seiner Errichtung an. Bon ihnen ist Herr v. Forcade aus seiner parlamentarischen Thatigkcit her in politischen Kreisen bekannt. Er ivurde 1874 als Zrandidat des Zentrilms im Kreise Essen in den Reichstag gewählt. Bei dieser Wahl hatten sich, wie die„Franks. Ztg." schreibt, die Herren Nationalliberalen ei» Manöver erlaubt, das zwar erfolglos blieb, aber doch Herrn v. Forcade»ichr als 1000 Stimmen entzog. Sie hotten näinlich Wahlzettel mit dem Namen„bVornaxs do Lrie"(Brienser Käse) drucken und verbreiten lassen, die von der katholischen Bevölkeriing, welcher der fremdländische Name des Zeiltrumskandidaten ivenig geläufig war, für die richligen ange- sehen und bei der Wahl abgegeben, bei Ermittelung des Wahl- ergebniff'es aber natürlich für«»giltig erklärt wurden. Bei den Wahlen von 1877 bot der Kreis Essen das sellene Schauspiel, daß sich zwei Ze»trnmka»d>daten bekämpften, Herr v. Forcade und der Redakteur Stötzel, der Letztere als Vertreter der in rinigen westlichen Kreisen vorhandenen Christlich-Sozialen; beide kamen miteinander in die engere Wahl, und aus ihr ging als Sieger Stötzel hervor, der seitdem ohne Anfechtiiilge» aus den Rechen seiner Parteigenossen den Kreis behauptet hat. Ter da- malige Obertrivunalsrath von Forcade wurde im Herbst 1877 in einer Nachwahl von den rheiiüschen Kreisen DauiivPrüin-Bitburg wieder in den Reichstag gesandt und hat diese», angehört, bis er 1879 in folge seiner Ernennung zum Reichsgerichtsrath sein Mandat niederlegte. Dr. Hambrook war schon einige Zeit Rath beim Sieichs-Oberhandelsgericht, dessen Mitglieder in das Reichs gcricht übertraten. Frriberg. Am 15. Juni tagte hier eine Vezirksversamm liing der Militärvereine von Freiberg und Umgegend, in der es sehr lebhaft zuging, da die Ausschließung der sozialistisch gesinnten Mitglieder einen breiten Raum der Berhandlung einnahm. Am gleichen Tage hatten sich ebenfalls in Oederan von 27 Vereinen der Amtshallptniaiinschast Flöha Vertreter zu einer Bezirksver sammlung eingefunden, in der ein Herr aus Dresden eine ge- wältige Rede vom Stapel ließ, deren kurzer Sinn war, daß ohne Erbarmen und ohne Rücksicht, auch wenn einmal ein Unschuldiger darunter leiden sollte, die Sozialdemokraten auszuschließen seien. Der erinnert an Luthers Aufforderung, in dem Ballernkampfe alle Bauern todtzuschlagcn:„Der Herr wird die Unschuldigen schon herauLfinden!" In Dalle ivurde gestern auf polizeiliche Anordnung die Aboiinemeuts-Nnkilndiglliigdesdortbegründetensozialdemokralischen ..Bolksblatles" von den Plakatsäulen entfernt. In Iciiz hat das Schöffengericht die Schließung des seit sinigen Monateii bestehenden„Vereins zur Wahrung der Jnter- esseN der Frauen und Mädchen", ausgesprochen und außerdem die Vorstaudsmitglieder zu je 30 M. Geldstrafe verurtheilt. Frankreich. Einige der in Paris wegen angeblicher Theilnahme an einer Verschwörung verhafteten Russen sind bekanntlich freigelassen, die übrige» aber(Nakaschidze, Frl. Bromberg, die Reinstein's und Lavrcnius) noch im,»er nicht vor Gericht gestellt worden— ver muthlich, weil dabei nicht viel herauskommen wird oder wenigstens nicht genug, um den ungeheuren Spektakel zu rechtfertigen, welche» nian i» Paris und Petersburg über die Entdeckungeii der fran- zösisch-russischen Polizei gemacht hat. Man ist deshalb offenbar auch betzlüht. der Sache nachträglich noch eine größere Bedeutung zu gebe». Wie das„Journal des Döbats" erfährt, ist die Polizei gar nicht durch die Spuren von Experimenten in, Walde von Rnincy auf die angebliche Verschwörung gelenkt ivor den, sondern ein Verfcrtigcr von Apparaten, welchem ein Fremder für eine Metallröhre von ungewöhnlicher Form einen extravaganten Preis geboten hatte, soll die Polizei auf den Mann aufmerksam gemacht haben, in welchem man dann den Fürsten Nakaschidze erkannt habe. Eine strenge Kontrole über die hervorragenden Siihiliste» in Paris habe ergeben, daß die- selben sämmtlich mit dem Fürsten Krapotkin in beständigem Verkehr. waren. Letztere» scheint man nun zu dem Leiter der Ver- chwörung machen zu wollen. Tie Wohnung desselben in Hav- •ow-on-thc-Hill soll ein förmlicher, Zufluchtsort für alle ver- olgten Nihilisten sein, dort sollen Vorlesungen gehalten und Experimente veranstaltet werden; dort soll man den Plan gefaßt haben, den Zaren durch Eier(wohl Enleneier? Red.), in ivelche Blaiisäurc geblasen worden ist, zu vergiften; dort sei die Anlegmig einer Mine ausgedacht worden, die iin Palast von Gatschina bis unter das Bett des Zaren geführt werden sollte, welchen man dann im Schlafe mit Dunainit oder Schießbailmivolle in die Lust sprengeii wollte. Die Zarin habe den Plan in Betreff der veraifteten Eier entdeckt nnd seitdem esse der Zar keine Eier mehr.&rotz alledem hofften die Nihilisten in einigen Monaten a»S Ziel zu gelangen und dann werde ihre„Mission" in London beendet sein n. f.'w. Alle diese merkwürdigen Enthüllungen soll ein Mann, welcher sich selb't als„Großmeister der Nihilisten in Europa"(welcher Blödsinn! Red.) bezeichnete, einem Reporter deS Londoner„Newyork Herald" gemacht haben, welcher jedoch diesen Mittheilungen so wenig Bedeutung beizulegen scheint, daß er sie gegen seine sonstige Gcivohnheit in ivenig ausfälliger Form iviedcrgiebt. Die rnssischen Flüchtlinge in Paris selbst halten die Ealizöfische Regierung für durchaus berechtigt, die geheime Her er thörichten Projekte bemächtigte fichseiner allmälig einGc- >ke. Nach dem Tode der Ntadamc Heoonin hatte er sich geboren nie wieder zu heirathen; sein erstes Glück stammte einer Frau; er war nun entschlossen, sein zukünftiges ick immer von den Frauen zu gewinnen. Es war dies ihm wie bei Bourdoncle ein Aberglaube, daß der cktor eines großen Modcwaarenhanses unvermähtt sein 'se, wenn er seine Macht über die Franenivelt bewahren le: eine Frau im Hause vertreibe die Anderen. Und er ete der unüberwindlichen Logik der Thatsachen Wider- d, er wollte lieber sterben, als nachgeben, von einer ge- i.en Wnth gegen Tenise ergriffen, denn er fühlte wohl, sie die Revanche repräsentire und fürchtete, daß er »gt auf seine Millionen hinstürzen würde durch Ewig- Weibliche geknickt, wie ein Strohhalm an Tage, da er heirathen würde. Tann ward er allmälig der feige. Warum zitterte er? fragte er sich; sie war lernünstig, daß er sich ihr ohne Furcht überlassen konnte; zwanziginal in der Stunde begann dieser Kampf von rm. Er verlor schließlich vollends die Vernunft, wenn >aran dachte, daß sie selbst nach dieser äußersten Temnthi- g„Nein" sagen könnte, wenn sie Jemanden liebt. Ani rgen des großen Ausverkaufes hatte er noch immer m Entschluß gefaßt und Tcnise sollte am folgenden e austreten. Als Bourdoncle an diesem Tage gegen 3 Uhr Nach- ags in das Kabiilct Monrets trat, traf er diesen, niit Ellbogen auf das Schreibpnlt gestützt, die Hand vor Augen und dermaßen in seine Gedanken ver- en, daß Bourdoncle ihn an die Schulter tiipfeu te, um ihm seine Aiiivescuheit bekannt zu geben. uret erhob sein mit Thränen benetztes Antlitz, Beiden betrachteten eiilandcr, dann reichten sie sich die de wie zivei Verbündete, die miteinander so viele kom- stelle Schlachten geschlagen hatten. Bondoncle hatte seit m Monat feme Haltung vollständig verändert. Er beugte vor Tenisen, ja er ttieb den Patron insgeheim an, er M_______ werth- volle Jnfornlätioiien für die russische Polizei enthaltei, könnten. Das Ganze wird daher für das Werk eines russischen agmw provocateur gehalten, deffen Thätigkeit darans gerichtet war, zu erfahren, was eigentlich in Rußland vorgehe. Dieser Zweck scheint nun freilich noch nicht vollständig erreicht worden zu sein. Kel'gieu. Nur drei Vorlagen unterbreitet die belgische Regierung den beiden Kammern in der am 8. Juli beginnenden außerordent- lichen Kammersession: sie betreffen den Kongostaat, die Errichtung der Hilfekasse für die Invaliden der Arbeil und die Bestrafung der LebenSmittel-Versälschüng. Daneben sind die Wahlprü ungen zu erledigen. Die Regierung wünscht eine kurze Session, aber es ivlrd an stürmischen Debatten nicht fehlen; dazu liefern die Wahl- Prüfungen schon reichen Stoff. Die Hilsskasse für die Invaliden der Arbeit findet zwar in der Kammer eine sehr günstige Auf- nähme, aber es erregt Mißvergnügen, daß die ganze Berivaltung der Kasse dem Belieoen des Königs und der Minister ausschließlich' anheimgestellt bleiben soll. Die sozialistische Arbeiterpartei will überhaupt von diesem Projekte nichts wisse», da die Arbeiter kein Almosen, sondern eine staatlich eingerichtete Unfallversicherung fordern. Nicht minder ivird die Kongovorlage zu scharfen Er- örterungen den Anlaß geben. Es herrschen über den Umfang der Hilfe und über die zivischen Belgien und dem 5kongost>iate herzu- stellende Verbindung noch große Meinungsverschiedenheiten, deren Klärung abzuwarten bleibt.— Die Sozialisten haben in Namur jetzt festen Fuß gesaßt und ein sozialistisches Volkshnus eröffnet. Hprtuie«. Die Auffassung, daß die in Spanien beobachtete Cholera einen verhältinßuläßig gutartigen Charakter bekunde, herrscht auch bei den sranzösischen Sanitätsbehörden vor, die Gelegenheit haben, das, was in Spanien vorgeht, aus ungleich größerer Nähe zu kontroliren. Da kann es denn in der That nur in günstigem Sinne gedeutet werden, wenn der Präsident des französischen Ge- sundheilsrathes, der auch über Frankreichs Grenzen hinaus be- kannte Professor Brouardel, es als wahrscheinlich bezeichnet, daß die an der Grenze gegen Spanien angeordneten Ueberwachungs- maßregeln gar nicht in praktische Wirksamkeit treten dürften. Professor Brouardel legt diesen Maßregeln nur unter dem Ge- sichtspunlte eines Experiments Werth bei, sofern dieser„Versuch einer Mobilisirung des Sanitätsdienstes" die Thatsachc seststellen werde, daß die sranzösisck'-.r Hygiene- Einrichtungen vollauf hin- reiche», um mit Vortheil gegen den Einbruch fremdländischer Seuchen in französisches Gebiet zu kämpfen. Aus Spanien selber liegen heute keinerlei neue Cholera- depeschen vor, was ebenfalls kein ungünstiges Zeichen ist. Rußland. In Rußland macht soeben ein Erlaß des Ministers des Innern, Dnrnowo, an die Gouverneure, Stidthanptleule und Oberpolizeimeister, datirt vom 29.(17.) Mai, die Runde, der nngenicin charakteristisch ist. Dieser Erlaß lautet: „In einigen Zeitungen ist ein Brief erschienen, in welchem sich Professor Andrejemski und die Herausgeber Ssemewskij, Notowitsch und Spaffowitsch an verschiedene Redaktionen wand- ten mit dem Plane, den LSjährigen Jahrestag deS jetzt geltenden Preßqesctzes in allen Städten durch öffentliche Vorlesungen über die Werthschütznng des von der vaterländischen Presse durchlebten Vierteljahrhunderts nnd durch Herausgabe einer historischen Skizze über unsere Press« in der erwähnten Periode zu feiern. Anläßlich dieses Briefes und im Hinblicke auf den iin Rund- schreiben deS Ministeriums vom 20. September 1885 mitgetheilten allerhöchsten Utas, der 25jährige Jubiläen historischer Begeben- heite», Erlasse von Reichsakten und Gesetzesbestimmungen ver- bietet, habe ich die Ehre, Ew. Exzellenz w. ergebenst zu ersuchen, unverzügliche Verordnung dahin ergehen lassen, daß keinerlei Vor- schlüge, ähnlich den von obengenannten Personen gemachten, zur Erfüllung kommen." Man wird diesen Erlaß deS Ministers recht verstehen, wenn man sich in Erinnerung ruft, daß das seit 1802 vorbereitete und vom 23(6.) April 1805 datirte, im Soinmcr 1885 veröffentlichte und mit einigen Veränderungen auch heute noch giltige russische Preßgesetz eine der wesentlichsten Errungenschaften der liberales» Reformära unter Kaiser Alexander II. war. Daß dieses Gesetz X................ s...wv. i.. iimi. jfiip uiciea vseici) immerhin der Presse nur sehr geringe Freiheiten gewährt und der Regierung Handhaben genug geboten hat, die Presse zu zügeln, hat daL gegenwärtige System nicht abgehalten, jeden Versuch einer Gedächtnipseier im Keime zu ersticken! Freilich, die Schrei- ber des im obigen Erlasse zitirten Briefes, der frühere Rektor der St. Petersburaer Universität Andrejeivski, der Herausgeber der „Nowosti", Notowitsch, der Redakteur Ssemewskij nnd der be- kannte Advokat und Schriftsteller Spaffowitsch sind liberale Männer. Man sieht also, wie sehr selbst die Anregung einer Jubelfeier einer sehr beschränkten Errungenschaft der letzten liberalen Relormepoche im Zarenreiche dem gegenwärtigen Zaren und seinen konservativ-nationalistischen Rathgebern peinlich und zuwider ist! Armes Rußland! Petersburg, 25. Juni. Die Frage der sibirischen Bahn tritt ictzt wieder in den Bordergrund, nachdem man diesen int Prinzip schon längst beschlossenen großen Bahnbau im vorigen Jahre von der Tagesordnung fürs Erste abgesetzt hatte im Hin- blick auf die großen Kosten, welche die Umrüstung der russischen 'Armee mit dem tleinkallbrigen Gewehr, mit dem rauchschwachen Pul- ver u. s. w. gegenwärtig verursacht. Nun aber wird trotzdem in inilitärischen Kreisen dieser große Bau als nothwendig hingestellt, gerade zum Zwecke inögltchster Vollendung des Systems der Landcsvertheidiguna. In dieser Richtung ist kürzlich eine Schrift des Obersten vom Generalstabe, N. Woloschichin:„Die sibirische Bahn" erschienen, welche entschieden dafür eintritt, daß der Bahnbau möglichst schleunig in Angriff genommen werde. Die„Nowoje Wrernja" eignet sich diesen Standpunkt an und meint, daß ein Land wie Rußland mit seinen noch großen unge- hobenen Mitteln vor einem Kostenaufwande von 340 Millionen Rubeln unter Aussicht eines jährlichen Zuschusses von 3 bis 4 Millionen Rubeln für den Betrieb in den ersten Jahren nicht zu- rückscheuen dürfe,»venn es seine Grenzen sicherzustellen und die vielen Reichthümer, die Sibirien biete, mit großem Gewinn aus- znbeuten geile. Wird die Eisenbahn in einer Länge von 7500 Werst vorhanden sein, so wird man von Moskau nach Wladi- ivostok in 14 Tagen kommen können, während man jetzt dahin noch am kürzesten auf dem Wege einer Reise uni die Erde käute, und jetzt absolut nicht die Mittel hat, Wladiwostok gebührend zu vertheidigcn. solle sie heirathen. Ohne Ziveifel handelte er so, um nicht durch eine Aiacht himvcggcsegt zu werden, die er der seiuigen überlegen fand. Allein auf dem Grunde dieser Veränderung hätte man auch etwas Anderes finden küimcn und zwar das Wiedererivachtn einer Ambition; die unbestimmte, aber all- mälig erstarkttHoffnnng, scinerseitsMottret zu verschlingen, vor dem er so lange den Nacken gebeugt. Das lag so in der Lust dieses Hauses, in diesem eivigen Kampfe um die Existenz. Er war fortgerissen durch die'Arbeit der Maschine, erfaßt von dem Appetit der Ucbrigcn, von der Gefräßigkeit, die von unten bis hinauf die Mageren den Fetten zum Fraß hinwarf. Nur eine gewisse scheue Furcht, der Glaube an daS Glück hatte ihn bisher verhindert, die Kinnladen auf- Meisten. Und der Patron wurde jetzt zum Leinde, glitt die abschüssige Bahn einer schwachsinnigen Heirath hinab, war im Begriff, sein Glück zu tödtcn, seinen Zauber ans die Kundschaft zu verderben. Warum sollte er ihn davon abwenden, da er hernach so leicht die Erbschaft jenes Mumie» auslesen konnte, welcher kraftlos in die Arme eines Weibes gesunken war? Darum geschah es auch mit einem gelvisscn Bedauern des alten Kameraden, dast er ihm die Hand druckte, indem er sagte: — Mnth, Muth! was zum Teufel: heirathen Sie sie nnd die Geschichte hat ein Ende. Doch Mouret hatte sich schon aufgerichtet, er erhob sich nnd protestirte. — Nein, nein, es ist zu dumm! kommen Sic, wir wollen die Runde durch die Magazine machen. Ter Verkauf ist im Gang; ich denke, der Tag wird herrlich sein. Sie gingen hinaus und traten ihren Rundgang durch die von der Menge gefüllten Abtheilnngen an. Bourdoncle richtete argivvhnische Blicke ans ihn, beniirnhigt'durch diesen letzten Zug von Energie. In der Abtheilnng Denisens drängte sich eine Menge von Müttern mit ihren kleinen Töchtern nnd Knaben, die fast verschwanden unter der Menge von Kostümen, die man ihnen anprobirtc. Die Ab- theilung hatte Alles ausgekramt, was sie an weihen Ar- tikcln besaß. Man hätte damit ein ganzes Heer von Amoretten tveiß bekleiden können. Paletots von weißem Tuch. Roben von Piqnet, von weißen» Cachernir, weiße Matrosen- und Znaven-Änzüge. In der Mitte»var, als Dekoration arrangirt, eine Ausstellung von Kostümen zur ersten Komn- uion, Kleid und Schleier von weißer Monsseline, Schuhe von weißem Satin, eS war wie ein ungeheures Bouquet der Nu- schuld uno Keuschheit. Mute. BourdclaiS war da mit ihren drei Kindern, Madeleine, Edmond und Lucien und ärgerte sich eben über den Letztern, weil er nicht ruhig stehen wollte. ivährend Denise sich bemühte, ihm ein Jaquet von weißer Monsseline de laine anzuprobircn. — So halte doch still! Glanben Sie nicht, Fräulein. daß das Jaqnet etwas zu eng sei? es ist so schwer, diese kleinen Leute anzukleiden. Jetzt brauchen wir einen Mantel für mein Tochterchen. Denise war eben im Begriff, einen Mantel für Madelcinc zu suchen, als sie einen Ruf der Ueberraschnng ausstieß. — Wie, Du bist es, waS geht denn vor? Ihr Bruder Jean niit einem Packet in der Hand befand sich vor ihr. Er»var seit acht Tagen verheirathet und seine Frau, eine kleine Brünette mit reizendem Gesichte, halte letzten Samstag einen langen Besuch im„Glück der Damen" gemacht, niit Verschiedenes einznkansen. Dos junge Ehepaar sollte Deinsen nach Balogues begleiten. Es sollte eine rechte Hochzeitsreise wcroen. — Denke Dir, sagte er, Therese hat eine Menge Sachen vergessen; es ist Vieles auszutauschen. Anderes neu zu kaufen, und da sie selbst sehr viel zu thun hat, hat sie mich mit diesem Packet hergeschickt. Ich will Dir nun er- klären... Doch sie unterbrach ihn jetzt, als sie Pepe bemerkte. .— Wie, auch Pepe ist da und wo bleibt daS Kollegium? — Meiner Treu, sagte Jean, gestern Sonntags, als er bei mir dinirte, hatte ich nicht den Mnth, ihn wiederum in's Kollegium zurückzuführen, er will erst am Abend zurück- kehren.(Fortsetzung folgt.) Verantwortlicher Redakteur: Cnrt KaaKe in Berlin. Druck und Verlag von Zttav Knding in Verlin SW„ Benrhstraße 2. Hier.«» zwei KeUngen. 1. Beilage zum Berliner BoWlatl. Nr. 148. Sonutaiz, de» 39. Juni 1899. 7. Jahrg. Varlcttnenksberiiltke. Jentscher Zieichstag. 29. Sitzung vom 28. Juni, ll Uhr. Am Tische des Bundesraths: von Caprivi, von Boetticher, von Verdy, von Maltzahn u. A. _ Ter erste Gegenstand der Tagesordnung ist der Antrag des Reichskanzlers auf Vertagung des Reichstages vom 13. Juli bis IS. November cr. Hierzu liegt ein Antrag des Abg. Graf von Balle st rem (Zenirum) vor: 1. dem Antrage auf Vertagung des Reichstages die Zustim- mung zu ertheilen: L. zu beschließen, daß die Geiverbeordnungs-Kommission zur Fortsetzung ihrer Arbeiten bereits am 4. November zu- saminentrcte und 8. den Präsidenten des Reichstages zu ermächtigen, das Aus- scheiden einzelner Mitglieder aus dieser Kommission zu genehmigen und dafür als Ersatz andere Mitglieder zu er- nennen. . Staatssekretär v. Kötticher: Ich glaube kaum, daß es vieler Worte zur Begründung dieses'Antrages bedarf. Die Ge- werbeordnmigSnovelle ist in der gegenwärtigen Session nicht fertig zu stellen und es ist der Wunsch jedenfalls gerechtfertigt, daß die eingehenden Borberathungen nicht verloren gehen. De» Antrag des Grafen Balleslrem kann ich nur niit großer Freude begrüßen, namentlich daß die Gewerbe- Ordnung-- Kom- Mission schon am 4. November zur Fortsetzung ihrer Berathnn- gen znsammentreten soll, da es im hohen Grade erwünscht rst, daß die Novelle bis zum 1. Januar kommenden Jahres ver- abschiedet werten kann. Für die Frage, ob eine Kommission zu- saiuinentreten kann, ohne daß das Plenum zusammentritt, liegt ein Präzedenzfall vor, und ich kann nur bitten, dem Antrage des Grasen Bn Uetz rem zuzustimmen. Abg. Graf v. Änllestrrm(Gtr.): Es erscheint mir unzweifelhaft, daß die Kommission ohne gleichzeitiges Tagen des Plenums ihre Arbeiten weit schneller fördern kann, als wenn die Mit- glieder durch das Plenum in ihrer Thätigkeit gehindert werden Da ich die Ehre habe, Vorsitzender dieser Kommission zu sein, glaubte ich ermächtigt zu sein, diese Anträge zu stellen. Ich lasse mich nicht auf die ftaatsrechtlicbe Frage ein, sondern meine. wenn die maßgebenden Faktoren, die Regierungen und der Reichs- tag einig sind, erübrigen sich dergleichen Erörterungen. Abg. Nichten ffr.): Mir ist es zweifelhaft, ob die Fassung des Antrages formell unanfechtbar ist. Die ttomuiissson soll früher einberufen werden, als das Plenum. Ich halte das nicht für zuläsng. Wir haben einmal einen ähnliclien Fall gehabt, bei dem die Ansicht des Herrn Staatssekretär nicht vom Hause anerkaunr worvcn ist. Ich halte ein besonderes Gesetz für nöthig, das die Vertagung bis zum 4. November ausspricht und dem Präsidenten es überläßt, einen späteren Tennin zum Zusammen lritt des Reichstags festzusetzen. Ich beantrage, die Frage der «eschäitsorduungs-Kommission zu überweisen. � Abg. Gras v. �nllelirrm bemerkt, es habe sich in dem vom. �orreouer erwähnten Falle um das Tagen einer Kommission nach �chini, des Reichstages gebändelt. Wenn der Mnifei- und der Reichstag einig seien in dieser Frage, dann sehe nian absolut keinen Grund, hier Schwierigkeiten auszuiverfen. Abg. Richter ist der Ansicht, daß diese Uebereinstimmung nicht geiiilge, es müsse die korrekte Form bewahrt werden, deshalb fei ein Gesetz nöthig. Abg. v. K,»„iglrn bemerkt, der Reichstag habe am aller- wenigsten Veraulassung. staatsrechtliche Bedenken geltend zu machen, wenn die verbündeten Regierungen sich cinverstanden erküren, die Geschäfte des Reichstages zu erleichtern. Möge die Frage immerhin zweifelhast sein, wenn regierungsseitig diese Zweifel nicht angeregt würden, solle man sich damit bescheiden. Staatssekretär von Iötticher erklärt, die verbündeten Re- gierungen würden eine Einberufung des Reichstages 4. Slovember vorschlagen, wenn sie in der Lage wären, Reichslage eine solche Fülle von Vorlagen alsdann schon zu unter- breiten, baß genügender Berhandlungsstoff vorhanden sei. Verfassungsrechtliche Bedenken lägen nicht vor. A g. Frhr. von Inruh-S-mst lRp.) macht darauf auf merki am, daß es sich in dem vom Abgeordneten Richter erwähnten Falle um eine Zwischenkommission gehandelt habe. Dazu sei allerdings ein besonderes Gesetz erforderlich. Einen Präzedenz fall biete aber die Kommission» welche das Allers- und In Eine Stunde bei Kommissirntsraths. Obwohl ich nicht zu den Anhängern des Geister- beschwörcrs Dr. Egbert Vtiiller gehöre, auch nicht Mitglied irgend eines Spiritistenvereins bin, erfreue ich mich dennoch der Gunst eines, ivenn auch nur kleinen Geistes, den ich der fturze halber„Spiritus Dichtericulus" nennen will. Be- sagten Geist fällt es nun manchmal ein, mich arnies Menschen- kind zu besuchen und mir Einblick in Verhältnisse dieses Jammerthatcs zu gewähren, die nur sonst verschlossen sind. Also, sitze ich da nenlich an meinem Tische, vor mir ein nächtiges Tintenfaß und einen noch größeren Bogen, kaue m dem Federhalter, ohne daß es mir gelingt, ans diesem niien zu veriverthendeil Gedanken hcrauszilkiiabberii, da— springt die Ofenthüre ans und gestiefelt und gespornt, vie iveiland der gestiefelte Kater, tritt, obgleich es noch aicht um die Ecisterslnnde war, mein Spiritus Tichtericulils !)cra»s und macht mir, nachdem wir uns freundlichst die Hände geschüttelt, den Vorschlag, ihn aus einem Streifzuge »n begleiten. Ich stecke noch schnell einiges Kleingeld nuv wn Hausschlüssel ein(übrigens 2 Tinge, die für jeden in Berlin Lebenden nothwendig sind) und wir machen uns auf >en Weg. Aus der Straße aiigckoinmen. fühle ich niich mporgehoben und von unsichtbarer Macht getrieben, liegen wir dahin, über den Lustgarten, über die Linde», wn denen es hell heraufftrahlt, bis uns auf einmal tiefes Dunkel umfängt, wir befinden nnS über dem Thiergarten. Bald senken wir uns zur Erde und macheu endlich vor inem erleuchteten Hause Berlin W. zur IV. Potenz erhoben, ja lt. Wir treten ein und gelangen durch einen mit Blunieu leschmückten Vorraum in einen Saal, in dem sich eine lroße Gesellschaft befindet. Man erhebt sich soeben von der tafel, die nun einem Schlachtfelde gleicht. Es giebt da Leichname von Geflügel, von Fischen, Vierfüßlern u. s. w. Flaschen, ihrer Köpfe von Kort und ihres Inhalts beraubt, tehen da und ihre langen Hälse scheinen nach Rache gen validitätsgesetz während der Vertagung des Reichstages berathen haben. Abg. Richter hält den Antrag politisch für bedenklich. Der selbe mache einen Unterschied in der Vertagung des Reichs- tages und der Kommission, welchen die Verfassung nicht kenne. Wenn kein Stoff am 4. November zum Verhandeln vor Händen sei, könne der Präsident den Reichstag später zusammen rufen, aber der Anfangstermin müsse mit dem Beginn der Arbeiten der Kommission zusammenfallen. Abg. Singer tritt für den Antrag Vallestrem«in. Das Beispiel des Abg. Nichter passe um deswillen nicht, weil jene Zwischeutommisston Diäten erhalten habe, zu deren Bewilligung ein Gesetz allerdings nöthig gewesen sei. Abg. Miudttzorst erklärt, er stehe auf dem Standpunkt, den er in dieser Frage schon 1882 eingenommen habe, und werde deshalb für den Antrag stimme». Der Vertagungsantrag wird mit dem Znsatzantragc des Grasen v. B a l l e st r e m angenommen. Es folgt nunmehr die drittle Berathung des Ge- setze S, betreffend dieFriedenspräsenzstärke des Deutschen Heeres. Anträge sind dazu nicht wieder einge- bracht ivorden. Zur Generaldiskussion ergreift das Wort Abg. Dr. Reichrilspergrr(Zentrum): Jeder deutsche Mann wird gewiß bereit sein. Alles zn bewilligen, was zur Vcrtheidi- gnng unserer Grenzen nothwendig ist, und ebenso hoffe ich, daß auch der Deutsche Reichstag dies thun wird, und zwar ohne Bc- dlngnnge», wie dieS ja auch in zweiter Lesung schon geschehe» ist. Sollten unsere Kräfte sich als unausreichend erweisen, um das Ucberschreiten unserer Grenzen durch Turkos und Kosacken zn verhindern, so brauche ich wohl nickt erst darauf zu vcriveisen, welche schweren Lasten uns dann aufgebürdet werden würden. Nun entsteht freilich die Frage, was denn als nothivendig anzu- sehen ist, aber in oieser Beziehung denkt wohl die große Masse auch i» diesem Hause so wie ich, daß darüber dieses Hans ein zutrefsendes Urtheil nicht abzugeben vermag und daß selbst die Regierungen nicht im Stande sind, dem Reichstage ein voll- kommen zutreffendes Urlheil zugängig zu machen. Wir müssen den verbündeten Regierungen deshalb die Verantwortung dafür überlassen, wir hoffen aber, daß auch die Re- gierungen hier und außerhalb bei fortschreitender Zivili- sation endlieli müde werden, die Forderungen für Militär- zwecke fortwährend anschwellen zn lassen. Angesichts der Kundgebungen für die arbeitende Bevölkerung, die überall mit Jubel begrüßt worden sind, gebe ich die Hoffnung nicht auf, daß endlich einmal von hoher Stelle allgemeine Ab- rustung geboten wird. Hoffentlich wird es dann noch nicht z» spät sein.(Beifall im Zentrum.) Abg. Richert(dsr.): Die Kampfesiveise des Abg. v. Kardorss ist noch' eine solche, wie sie Gott sei Dank nach dem Wandel in der Regierung nicht weiter fortgesetzt wird und ich will mich heute deshalb mit den Ausführungen desselben nicht weiter be- fassen. Abg. v. Bennigsen hat in seiner Rede über uns gespottet, daß wir bei den Wahlen das Zentrum unterstützt hätten und nun von demselben verlassen würde». Wie stimmt denn dieser Spott mit den BetzgNpUmaiN der Blätter der Partei des.Herrn von Bennigsen, daß die freisinnige Partei nur auf den Krücken des Zentrums in den Reichstag gekommen sei? Mag die Sache nun sei», wie sie ivolle, das Zentrum hat sich, was die Bcrsassuiig betrifft, immer noch weit zuverlässiger bewiese», als die Nationalliberalen, die vor den Wahlen alle möglichen Versprechungen machten, sie nach den Wahlen aber vollkommen .,(r___ V____.......----,----~ WMtumintu vergaßen. Ich finde misern Standpunkt der Vorlage gegenüber doch ganz erklärlich; wir hätten der Regierung zugestiinmt, wenn dieselbe uns einigermaßen mit den Konzessionen entgegen gekom- meu wäre, die sie doch machen muß. Ich bin dem Herrn Reichs- kauzler und dem Herrn Kriegsminister danlbar sür die Ansklä- rung, die sie uns über die Zukunftspläne gegeben haben und ich begreife deshalb den versteckten Angriff des Herrn v. Bennigsen aus den Kriegsminister nicht. Die ziveijährige Dienstzeit ist eine allgemeine Forderung der ganzen Bevölkerung, davon hat sich auch Herr v. Bennigsen überzeugt, der ja selbst anerkannt hat, daß diese Forderung eine unerhörte Popularität besitze. Die von mir ausgestellte Bergleichuiig mit England muß ich auch den Ausführungen des Herrn von Bennigsen gegenüber aufrecht erhalten. Haben Sie es denn selbst für möglich gehalten, daß der Deutsche Reichstag in den letzten 10 Jahren 400 Millionen Mark neue Steuern mit Ihrer Hilfe bewilligen würde und in der Kommission hat der Herr Schatzsekretär ganz bestimmt er- klärt, daß wir uns in der nächsten Session mit abermals neuen Himmel schreien zn wollen. Der Geist führt mich weiter und direkt aus eine Schaar lachender und plaudernder junger Mädchen, die von gcld-, Pardon, liebgicrigen Licn- tenauts und Referendaren flankirt ist. Achtlos will ich vorübergehen, doch ein paar Worte, der einen jungen Dame läßt mich halten. Da das nun folgende Gespräch zu schön ist, als daß es der Rachwelt verloren gehen sollte, will ich es getreu wiederzugeben suchen. Denke Dir nur, Papa, Frieda erzählt eben, die Nähterin, die für sie Wäsche näht, liest Jbseu's„Gespenster". Ha, ha, ha, ein Nähterin und Ibsen." „Nun, iind?" „Ist das nicht komisch?" „Das ist ja entsetzlich, wenn Nähmamsells schon Ibsen lesen, was bleibt dann für uns übrig," entgegnete eine Dame, der man die Kommerzienräthin mit dem Rothen Adlcrordcn vierter Klasse schon von Weitem ansehen konnte. „Es ist wirklich haarsträubend," nahm hierauf die Frau Direktor das Wort,„wozu das Volk sich erfrecht. Da er- zählte mir mein Mann, er hätte neulich in dem Pulte seines Kassenboten eiii Buch,„Nationalökonomie" heißt es, wenn ich nicht irre, geflinden; ich habe es zwar noch nicht gc- lesen, aber es ist doch schrecklich, was sich solche Leute heraus- nehmen, denken Sie, meine Bcrehrtestc, ein Buch, das mein Mann noch gar nicht kannte. Die Frau des Hauses, die bis jetzt aus Höflichkeits- rücksichten geschivicgen, den Gästen die Vorrede überlassen hatte, nahm das angcnblicklich herrschende Stillschweigen ivahr und machte jetzt ihrem gepreßten Herzen(ob durch das Korsett eingepreßt, vermag ich nicht zu sagen) Lust. Denken Sie sich nur, kommt da mein Stubenmädchen zu mir, ich möchte sie doch für einen Abend beurlauben; nach dem Gruiide gefragt, sagt die Person, sie will in eine Frauen- Versammlung gehen, ihr Bräutigam, ein Tischler, habe ihr gesagt, Frauen könnten ebenso wie die Männer Versamnl- lungen besuchen. Als ich ihr die Erlanbniß verweigere, antwortet sie mir, dann gehe ich zum Ersten, dann gehe ich in die Fabrik, da kann ich machen, was ich will. Was sagen Steuern werden beschäftigen müssen. Nun kommt Herr von Bennigsen und behauptet, dies sei nicht nöthig. Ist ihm denn die Bedeutung der Militärvorlage in Bezug auf unsere Finanzlage gar nicht klar? Wie steht es denn mit den direkten Steuern in Preußen? Dieselben sind in diesem Jahre von 153 auf 186 Millionen trotz der großen Erleichterungen, ge- stiegen, von denen der Herr Schatzsekretär hier gesprochen. Diese Dinge können doch auch nicht unbeachtet gelassen werden. Die Begriffe über das, was zum Wohle des Vaterlandes dringend nothwendig ist, wechseln mit den Zeiten und den Personen, das hat auch Herr von Bennigsen kennen gelernt, daher möchte ich die Herren Vitien, diejenigen, welche heute erklären, der Vorlage nicht zustimmen zu können, nicht so abfällig beurtheilen. Es wird eine Zeit kommen, wo auch diese unser» heutigen Forderungen Anerkennung zollen werden.(Beifall links.) Staatssekretär v.Nlalstaljn-Gülst berichtigt einige von ihm iin Plenum und in der Kommission gemachte Anißerungen den Ausführungen des Vorredners gegenüber. Er habe nicht von neuen Steuern in der nächsten Session gesprochen, sondern aus- drücklich erklärt, für jetzt und für das Jahr 1331—1892 seien die Mittel vorhanden, nur für die Zukunft, wenn die An- forderungen für die Alters- und Jnvalidenversorgnngen an uns herantreten, ivürde man an neue Einnahmequellen denken müssen. (Sehr richtig!) Abg. Freiherr v. Friese»(kons.) bezeichnet die Forderung der Regierung als berechtigt. Trotz der Versicherung aller europäischen Regierungen und Nationen, daß sie den Frieden aufrecht erhalten wollen, bestehe überall ein gewisses Mißtrauen, dessen letzte Konsequenz der Krieg sei, gegen den man gewappnet sein müsse. Wie lange also der gegenwärtige sriedliche Zustand dauern werde, könne kein Mensch wissen. Redner bezeichnet die Vermehrung der Artillerie als eine hilinanitäre Maßregel, denn Tausende von Menschenleben würden geschont werden, die sonst vurch Flintenkugeln vernichtet werden ivürden, deshalb stimme er mit Freuden für die Vorlage. Mit Abrüstungskongressen werde man nichts ausrichten, die Forderung der Regierung sei geboten durch die Haltung der Nachbarstaaten. Jede Stimme, die gegen die Vorlage abgegeben werde, sei indirekt, wenn auch absichtslos ein Hinderniß und«ine Erschwerinig der Friedenspolitik der Regierung.(Beifall.) Das Verhalten der Opposition füge dem Denlschen Reiche vielen Schaden zu, das habe das letzte kolonialpolitische Abkommen mit England bewiesen, denn hätten die Engländer nicht gewußt, wie viele Feinde die Kolonialpolitik in Deutschland habe, so würden wir weit günstigere Bedingungen von England erreicht haben. Redner erörtert alsdann unter großer Unruhe des Hauses seine ablehnende Haltung gegen die Forderung der zweijährigen Dienst- zeit und schließt mit der Erklärung, daß er und seine Freunde im Interesse des Baterlandes für die Vorlage stimmen werden. (Bei-all rechts.) Ein'Antrag ans Schluß der Eeneraldiskussion wird abge- lehnt. Abg. Liebemnann von Sonnenberg(dtsch.-soz. Antisem.): Die Tarstellungen der Herren Redner von der Linken gefallen sich in einer chinesischen Schwarzmalerei ohne Schatten und ohne Perspetiive. Herr Bebel hat seine politisch- strategische Schnellnialerei mehr auf die Wirkung in die Ferne berechnet. Dort wird man ihn allerdings für einen großen Mann, sür Moltke und Bismarck in einer Person halten. (Heiterkeit.) Die Volksaufgebote und Milizen, von denen Herr Bebel sprach, sind nur zu gebrauchen, wenn der Feind im Lande ist, wir aber brauchen ein Heer, welches den Feind jen» seits der Grenzen aufsucht und das muß ein wohl disziplinirteS fein. Alle Gegner von jener Seite haben das Gemeinsame ge- babt, daß sie den Militarismus für einen Moloch halten, derdaS Geld der Steuerzahler verschlingt und zum Staatsbankerott führt. Solche pessimistische Auffassung ist auch vom Bundesrathstische laut geworden, ich»tcine, bei dem Gleichniß mit der Bersiche- rungSprämie. Große, weite Kreise in der Bevölkerung haben eine andere Auffassung von dem sogenannten Militarismus. Tausende werden mit mir übereinstimmen, wenn ich unsere Armee eine Er- ziehungsanstalt ersten Ranges nenne, und die dafür angelegten Gelder als nicht unfruchtbar angelegt bezeichne.(Sehr richtig! rechts!) Fast alle Bedürfnisse für die Armee werden aus dem Jnlande bezogen; der Bauer wird sein Ge« treide, sein Futter, sein Vieh und seine Wolle los (Lachen links) und wie hoch der Bürger den Werth der Garnisonen schätzt, wissen wir aus den Pelionen sür Erlangnng von garnisonirenden Truppentheilen. Fabriken und Arverter finden Gelegenheit zur Arbeit und gerade die Sozialdemokraten, Sie zu solcher Impertinenz? Da ist es ja schon besser, wenn die Dienstboten, wenn sie anders nicht auskommen können, mit Soldaten verkehren, da sind wir wenigstens sicher, daß sie nicht auf solche Gedanken kommen. Aeh, Pardon, gnädige Frau irren, wenn glauben, daß Soldat Berhällniß unterhält, hat keme Zeit dazu, ist zu viel vom Dienst in Anspruch genommen, ertönte die Stimme eines jungen Gardeoffiziers, der aus der Mädchengruppc, die Schnnrrbartspitzen zwirbelnd, auf die älteren Damen zukam. Da thun mir die armen Soldaten leid, dann geht ihnen so mancher Bissen verloren, der ihnen so von unseren Köchinnen zugesteckt worden wäre. Aeh, nieiiie Gnädigste, bitte tausend Mal um Ent- schuldigung, wenn dem nicht beispflichten kann, aber das ist Ansicht von Zeitungskerrrle. Soldat erhält so viel, wie er nur haben will, kamt seine Portionen nie verzehren, rnid es ist ja feststchcilde Thatsache, meine Gnädigste, daß Soldat zehn Mal mehr Fleisch erhält, als er sich im bürgerlichen Leben ver- schasfeil kann. Ich kenne Fälle, in denen Soldaten baten, sie nicht zn entlassen, da sie nicht so üppig leben könnten, als wie beim Militär. Diesen Tischler, von dem Gnädigste vorhin erzählten, müßte man einsperren, ist gewiß Sozial- dcmokrat, keime das, habe auch so Einen in meiner Kompagnie, verdirbt mir der Kerl neulich Vorbeimarsch, lasse nachexerziren, macht iviedcr schlecht, lasse mich hinreißen, das heißt, reiße Kcrt eins mit Degen über, Kerl beschwert sich, na— muß jetzt noch mehr ran." Nun hatte ick genug und da sich auch die junge Welt nach dem Tanz-, die ältere nach dem Spiclsaal begab, sür mich also nichts mehr zn holen war, flüsterte ich meinem Genossen zu, und wir verließen das gastliche Haus. Sollte Euch, lieben Leser, dieser Spazierritt nicht ge- mundet haben, so dürft Ihr nicht den Erzähler dafür ver- antwortlich machen, sondern den Magistrat von Berlin, hätte dieser nicht die Ofenklappen abschassen lassen, so hätte erstens der Geist nicht zn mir kommen und zweitens ich Euch dieses nicht auftischen können. welche immer Arbeitsgelegenheit vom Staate fordern, sollten die- selbe mich hier anerkenne». Gerade sie sollten erkennen, daß, wenn die Armee reduzirt wird. Taufende von neuen Konkurrenten auf dein Arbeitsmarkte erscheinen und ei» bedeutender Lohndruck er- folgen würde. Im Gegensatz zu Herrn Nichter behaupte ich: Vermehrung der Soldaten bedeute! Verminderung der Lohn- konkurrenz, Lohnsteigerung, erhöhten Absatz der Produkte und er- höhte Geldzirkulation.(Lachen links. Sehr richtig rechts.) Aber es giebt einen anderen Moloch(Heiterkeit), der einer Säugpumpe gleich große Summen verschlingt und nicht wieder heraüsgiebt, darauf komnie ich noch! Auch nach der ideellen Seite ist die Armeenicht einnothwendlges Uebel. Wir wären schlecht daran, wenn wir sie nicht Hütten. Die Abgeordneten der Volkspartei hätten, anstatt die Grundsätze der Wehrpflicht in ihren Versammlungen anzugreifen, anerkennen sollen, daß gerade die Durchführung dieser Grundsätze in Preußen, Süddeutschlaud im Jahre 1870 vor einer feindlichen Invasion bewahrt hat.(Sehr richtig! rechts.) Statt dieser Anerkennung bekommen wir Petitionen gegen die Vorlage aus Süddeutschlanv, besonders auch aus Mannheim, wo vor nicht zu langer Zeit die Militärbesreiungsprozesse spielten, woran meist Juden betheiligt waren.(Ah! links.) Nein, meine Herren, die Ausbildung in der Armee ist ein wichtiger Faktor in derVolks- bildung, der Gediente ist der eigentliche Träger der politischen Rechte.(Lachen links.) Man unterschätzt in der Regel die guten männlichen Eigenschaften, welche die Erziehung in der Armee hervorbringt und die mehr werth sind, als die Handfertigkeit, die sich der Betreffende in derselben Zeit in seinem Beruf erwerben könnte. In allen Zeitungen werden tagtäglich Leute gesucht, die gedient haben.(Sehr wahr rechts.) Ferner >vird das Gefühl der Zusammengehörigkeit gestärkt und das geschieht namentlich bei der Garde, wo die Leute aus den verschiedenen Provinzen zusammenkommen, um unter den Augen ihres obersten Kriegsherrn ausgebildet zu werden. (Beifall rechts.) Einer zweijährigen Dienstzeit kann ich deshalb nicht zustimmen, weil sie einen gesetzlichen Unterschied zwischen den einzelnen Waffengattungen herbeiführen würde, dagegen meine ich, daß man die Institution der einiährigcn Dienstzeit wohl auf- heben und aus de» jungen Leuten die Qualisizirten aussuche» und zu Reserve-Offizieren ausbilden könnte. Es ist dem gebildeten Laien verhältuißmäßig leicht, über die Armee betreffende Dinge zu reden, und es ist Einem oft, wenn man die Augen zumacht und die Herren reden hört, als ob Boulanger spricht.(Heiterkeit.) Es kommt nicht allein auf die guten Volkseigenschafien beim Kriegführen an. Diese guten Volkseigenschafien waren doch auch im Jahre ISIS bei den badischen Insurgenten vorhanden, die aber doch davongelaufen sind, als sie mit regulären Truppen zusammen- trafen.(Heiterkeit.) Ich habe in freisinnigen Zeitungen gelesen, daß in einer freisinnige» Volksversammlung behauplet worden ist, die Offiziere verkröchen sich hinter der Mannschaft, wenn es zum Gefecht käme.(Rufe links! Wo hat das gestanden? Ist nicht wahr). In den Zeitungen! Ich freue mich, zu hören, daß es nicht wahr sein soll. Ich bin übrigens nicht der Anficht des Herrn Wmdthorst, daß der Reichstag zu freigebig gegen das Reich gewesen sei bei dessen Begründung. Er war zu freigebig gegen die Zehrstände, gegen das Großkapital auf Kosten des Lehr- und Wehrstandes, wela)« zu kurz gekommen sind durch eine Gesetz- gebung, welche die Namen Lasker und Bamberger an der Stirn trägt.(Beifall rechts und im Zentrum.) Man muß den Wider- stand gegen das Großkapital stärken. Dazu müßte man die Aus- bildung der Monopole mehr ins Auge fassen, z. B. ein Inseraten- Monopol, durch welches gleichzeitig eine gründliche Reform des Zeitungswesens herbeigeführt werden könnte.(Zustimmung rechts.) Ferner muß mau der Börse mehr zu Leibe gehen, und der neue HerrFinanzminifter für Preußen kann ja seine Gewandtheit beweisen, indem er durch geeignete Börsenbesteuerung der hohen Schule für Gesetzesübertretung, wie Lasker die Börse einmal nannte, die Hinterthüren verschließt. Man könnte das ja sehr einfach machen, indem man in dem Börsensteuergesetz nur den einzigen Para- graphen mit dem Prozentsatz der«eflenerung ändert.(Heiterkeit.) Ich bin der Ansicht, daß man mit einer geeigneten internationalen Börsengcsetzgevung vorgehen müßte(Der Präsident ersucht den Redner, bei der Sache zu bleiben), denn ich erblicke allerdings in dem internationalen Börsentreiben eine beständige Kriegsgemhr. »Heiterkeit und Zustimmung rechts.) Zum Schlup ivill ich alle.. .Anträgen, welche de» iiiternationalen Frieden durch Schiedsgerichte anstreben, meine Sympathie bezeugen. Mehr Erfolg erhoffe ich aber von einer internationalen Kameradschajt des Antisemitismus, indem derselbe de» Völlern das Ziel zeigt, das ihnen den dauern- den Frieden geben kann. Ich könnte anenfalls für die Resolution stimmen, welche die jährliche Feststellung der Präsenzziner an- strebt, aber dann würden wir jährlich wohl so lange Debatten haben, daß der Reichstag zur Bewältigung seines Arbeitspensums kasernirt werden müßte.(Große Heiterkeck. Beifall reasts und im Zentrum.) Abg. Frhr. v. Münch(Volkspartei, bei der Unruhe des Hauses auf der Tribüne schwer verständlich): Tie Stimmung, die der Abg. v. Liebermann in das Haus gebracht hat, i» eige..itiey für meine Ausführungen wenig geeignet, aber ich halte es doch sür meine Pflicht, nicht auf das Wort zu verzichten. Redner versucht den ziffernmäßigen Nachweis, daß die sranzöfische Armee gegenwärtig kernen Mann mehr ins Feld schicken könnte als die deutsche, und daß auch nach LS Jahre», sel. st wenn die gegen- wärtige französische Präsenz alljayrlich bewilligt würde— was keinesivegs gewiß sei—, ein erheblicher Vorsprung dem deutschen Heere bliebe. Weser die Gegenwart noch der Ausblick in die Zukunft nöthigt uns zu einer Erhöhung unserer Präsenz. Tie Ausbringung der Mittel dafür würde wohl weniger Schwierigkeit machen. Wenn wir auch nicht so reich sind, wie es nacq dem Steigen der Montanpapiere über 300 pCt. scheinen könnte, (o find wir doch auch nicht so arm, wie es danach cheinen könnte, daß die letzte Reichsanleihe nicht voll ge- zeichnet worden ist. Das Ziel des Knegsminifters ist die Ausbildung aller Waffenfähigen und ich bedauere nur, daß der Reichs- kanzler nicht erklärt hat, dieser Gedanke sei auch der der Reichs- regierung. So sicher aber unsere heutige Politik nicht aus den Krieg gerichtet ist, so sicher wird, sobald der Kriegsurn. ister sein Ziel erreicht hat, der Krieg uns aufgedrängt werden. Wenn wenigstens ein Fünftel der lltation der Produktion entzogen ist, wäre der Niedergang unseres Wohlstandes ein so rapider, daß wir von selbst nach dem natürlichen Gang der Dinge gezwungen wären, in den Krieg einzutreten. Nicht im Namen meiner Partei, Ivndern für meine Person erkläre ich mich gegen die Herabmin- »erung der Dienstzeit. Die Gleichheit ist ein Hauptpunkt des volksparteilichen Programms; dieselbe wurde aber durchbrochen, wenn für die Infanterie die zweijährige Dienstzeit emgesi.hrt würde, während dies sür die anderen Waffengattungen nicht möglich ist. Nicht die Stärkezahl der Truppen, die in das Feld geführt werden können, entscheidet den Sieg, sondern ihre Aus- bildung und Disziplin. Nicht vergefjen werden darf auch dies, daß die Ausfallsthore von Frankreich nach Deutschland jetzt in unserem Besitze und zum Schutzivall Deutschlands gegen Frank- reich geworden find. Die Popularität der Armee ivird in den breiten Schichten des Volkes erst wieder feste Wurzel fassen wie 1870, wenn das Prinzip der Gleichberechtigung in ihr eingeführt, die Lasten des Militärdienstes auf breitere Kreise vertheilt sind. Für den Kriegsfall kommt es nicht auf die Friedenspräsenz, sondern allein auf die Kriegsstärke an. Die Militärverwaltung sollte das Prinzip annehme», die genügend Ausgebildeten und Befähigten zu entlassen, einerlei ob sie ein. zwei oder drei Jahre gedient haben. Ich maße mir nicht an, hier irgend eine Partei anzugreifen, aber ich glaube fest und bestimmt, daß Herr Windt- Horst zur Annahme der Vorlage nicht allein bereit ist, weil er in der Ablehnung eine Gefahr sür das Vaterland sähe, sondern auch weil er konstitutionelle Verwickelungen fürchtet.(Unruhe rechts und im Zentrum.) Die Regierung sollte bedenken, was es heißt, wenn der Reichstag aus Furcht vor schwerer Prüfung des Volkes für die Vorlage stimme. Wenn Sie mit dieser Belastung des Volkes weiter gehen, so greisen Sie seine Existenz an. Hier, vor der Existenz des arbeitenden Mannes, bitte ich Sie aber. Halt zu machen. Wenn der Krieg uns aufgedrängt wird, bin ich überzeugt, wird das deutsche Volk auch seinen letzten Tropfen Bluts herzugeben bereit sein. (Die ßiede, insbesondere der letzte Theil war von großer Un- ruhe und Lachen des Hauses begleitet und auf der Tribüne kaum verständlich.) Die Diskussion wird geschlossen. Abg. v. Ärnnigsen(persönlich): Es ist ein Mißverständniß des Abg. Rickert, wenn er meinte, meine Ausführung über die Militärpläne sei ein zugespitzter Angriff gegen den Kriegs- minister. Das war sie nicht; sie beabsichtigte und enthielt nur einen Angriff gegen verschiedene Äeußerungen der freisinnigen Presse, welche das Unbestimmte der Worte des Kriegsministers und die in Folge der Psingstscrien vorhandene Unmöglichkeit, sie näher zu er- läutern, benutzte, um das Anwachsen der Präsenz auf über eine Million und der Steuern auf über das Dreifache der gegen- wältigen Höhe auszumalen und dadurch gesteigerte Besorgnisse in der Bevölkerung zu erwecken. Abg. Lirberninn» v. Sonnenbevg(Antisemit): Herr Frhr. v. Münch hat die Stimmung, die meine Worte in das Haus gebracht, als für seine Rede nicht geeignet bezeichnet; er hat mit der seinigen jedenfalls nur die Heiterkeit des Hauses er- weckt, ich hatte wenigstens die Lacher aus meiner Seite. Im Uebrigen wünsche ich ihm, daß das ankisemitische Wasser ihm gul bekommen sein möge. Er hat nämlich mein Glas Wasser aus- getrunken.(Heiterkeit.) Abg. v. Kardorff verbittet sich jede Zensur seiner Kampfes- weise seitens des Abg. Rickert. Er wünsche, dem Reichskanzler nur ein Zehntel der stnatsmäunischen Weisheit, wie sie Rickerl zu besitzen— sich einbildet. Abg. von der Decken(Welse) erklärt zur Geschäftsordnung, daß seine politischen Freunde nicht anwesend seien, weil sie zur Beerdigung des verstorbenen Grasen Berusrorff abgereist seien. Er theilte dies mit, damit Mißverständnisse vermieden würoen. Abg. Käckrl hält es nicht für richtig, daß die antisemitische Partei durch den Schluß der Debatte verhindert worden sei, zum Worte zu kommen. Präsident u. Fevestow bittet den Redner, sein Urtheil über die Beschlüsse des Hauses für sich zu behalten(Heiterkeit.) In der Speziakdebatte über ß 1 bemerkt: Abg. Mindthorst: Es sind verschiedene Äeußerungen ge- fallen üver die Haltung der Zentrumspartei und wie es ihr in Zukunft gehen würde Man sollte solche Kombinationen lassen; das Zentrum wird seinen alten Weg gehen. § 1 wird daraus angenommen, ebenso ohne Debatte die übrigen Paragraphen und schließlich das ganze Gesetz. Die Pe- titionen sind durch die gefaßten Beschlüsse erledigt. Darauf wird in der Gesaimntabs.iiumung das Gesetz, betreffend die Gewerbegerichte, genehmigt. Es folgt die erste Berathung des dritten Nachtrags- etats und des dazu gehörigen Anleihe gesetzes. Abg. Dichter: Tie Mehrentlassung von 3000 Dispositious- Urlaubern halte eigentlich eine Entlastung des Etats um 1 bis 2 Millionen im Gefolge haben müssen. Ich habe aber im Nach- tragsetat keine solche Erleichterung gesunden und man sagt sogar, daß die vermehrte Entlassung der Dispofitionsurlauber eine ver- mehrte Rekruteneinstellung zur Folge haben werde. Der Major Gäde hat zwar meine Auslassungen berichtigt, wo ich die Er- klärnngen des Reichskanzlers zu ungünstig aufgefaßt hatte, den Punkt aber, wo ich sie zu günstig ansgesaßt, unberührt gelassen. Die Konsequenzen des eben beschlofienen Gesetzes werden wir ziehen niüi en, allein angesichts der Ferienstimmung, die sich im>iier mehr merklich macht, wird es nicht zweckmäßig sein, darüber hinaus irgendwelche Beschlüsse zu fassen, besonders bc- züglich des hohen Extraordinariums von mehr als 30 Millionen sür strategische Eisenbahnen und siirj neue Kasernen. Bei dem gropen Betrag von Anleihen, welche zu realisiren sind und bei der Abneigung des Geldmarktes gegen S'/sproz. Konsols sollte man das Exlraordinarium überhänpr auf das Nothigste beschränken. Darauf wird die Vorlage der Vudget-Koinmission überwiesen. Es folgt die zweite Berathung des zweiten Nachtragsetats (Verbe erung der B e a m t e n b e s o l d u n g e n). Die Kommission beanlragt, die Diensleinkoinmens-Verbesse- rnngen sür Offiziere und Aerzle des Neichsheeres mit 8 986 840 Mark, für Offiziere und Aerzie der Alarine mit 189 140 M. und für etatsmäßige Beamte der Tarfi klaffe III(Durchschnittsgehälter von 3300, 6150, 6000, 5700, 5490, 5100, 4800, 46)0, 4300, 4200, 3900, 3500, 8300, 8O0O und 2700 M.) mit 926 454 M. abzulehnen. Tie Erhöhungen für etatsmäßige Beamte der Tarisklasse V, soweit die Durchschnittsgehälter 45 0, 4000, 8700, 33 0, 3500, 3200 M. betragen, ebenfalls abzulehnen, die sonstige» Erhöhungen in dieser Tarifklassezu b e w i l l i g e n in Höhe von 4355 903 M. statt der ge.orderlen 5 891086 M. Die übrigen Forderungen: 5 103 724 M. für etatsmäßige untere Beamte, 2 536 657 M. für diätarisch beschäftigle Beanile und Unterbeancke 540 000 M. zu Stellungszulagen(letziere dür>en aber nur für 1890/91 bewilligt werben) beantragt die Kommission zu genehmigen. Den Abstrichen entsprechend werden auch die Matrikular- beitrüge gekürzt. Die Sozialdemokraten(Auer und Genossen) beantragen, ffir die diutarisch beschäftigten Beamten und Unteroeaucken 3 804 9v5 M. (statt 2 533657 M.) zu bewilligen. Berichterstatter ist Abg. v. Strombeck. Abg. v. Krnda: Die Beschlüsse der Kommission entsprechen den Wünschen, welche von den meisten Parteien in der ersten Lesung kundgegeben worden sind. Tie Beamten, welche jetzt nicht bedach l sind, mögen sich beruhigen; die verbündeten Regierungen haben selbst erklärt, daß der Beschluß der Kom- Mission nur ein Trost ist, welcher der Vervollständigung dringend bedarf. Diese Ergänzung müßte schon im nächsten Jahre erfolgen. 'WaS im Reiche in dieser Beziehung geschieht, muß in Preußen Nachfolge haben, dazu stehen die beiden Dinge zu eng im Zu- sammenhang. Wer mit den weiteren Schritten zuerst vorgeht, ob das Reich oder Preußen, ist dabei gleichgiltig. Abg. Hahn: Wir sind mit unserer Meinung, daß die Ossiziersgehuller auch erhöht werden müßten, namentlich die Ge- hälter der Premierlieutenants und der Hauptleute II. Klasse, in der Kommission allein stehen geblieben und verzichten deshalb darauf, die betreffenden Anträge jetzt zu erneuern. Wir werden aber deshalb auch allen Anträgen, welche über die Anträge der Kommission hinausgehen, unsere Zustimmung verweigern. Staatssekretär v. Malt« ah»: Meine Herren, Ihre Kom- Mission hatbedauerlicher WeisediesämmtlichenGehaltserhöhungen für Offiziere und einen großen Theil der gesorderten Gehaltserhöhungen für Beamte abgelehnt— die Abstriche betrugen im Ganzen etwa 7 Millionen— und nach den Erklärungen, die wir hier gehört haben, muß ich befürchte», daß auch das Plenum des Reichstages im Wesentlichen gleichartige Beschlüsse fassen wird. Das wird dann also bedeuten, daß es für das lanfeude Jahr sür eine ganze Reihe von Beamten und für säinmtliche Offiziere ausgeschlofien sein wird, ihnen diejenigen Gehaltsvervefierungen zuzuweisen, welche nach Meinung der verbündeten Regierungen billig wären. Denn das möchte ich ausdrücklich erklären, die Ueberzeugung von der Angemessenheit der von oen verbündeten Negierimgeii ge- forderten Sätze auch für die Klassen, welche Sie noch nicht berücksichtigen wollen, und die Ueberzeugung, daß auch diese Summen finanziell sehr wohl von uns getragen werden kännten, ist bei mir wenigstens und glaube, auch bei allen Vertretern der verbündeten Regierungen durch den Gang der Kominissionsverhandlungeii nicht erschüttert worden. Ich bedaure die Beschlüsse Ihrer KoniMlsnon auch um deswillen, weil sie meines Erachtens zurückbleiben eines Theils hinter dem, was der vorige Reichstag kurz vor seinen» Schlüsse gefordert hat, und anderen Theils hinter dem, was in Preußen geschehen ist. Der vorige Reichstag hat in seiner Reso- lution gefordert eine Gehaltsaufoesscrung der unteren untr mittleren Beamten. Was mittlere Beamte sind, ist ja nicht mit ab- solnter Bestimmtheit zu sagen. Tie Grenze zwischen mittleren und höheren Beamten ist eine fließende; aber Beamte � wie die Rendanten bei der Militärpensionskasse, Werkstattoorsteher im Gebiet des Reichsamts des Innern, die Rendanten bei den Ober- postkassen, die Buchhalter und ähnliche Kategorien sind zweifellos doch, wenn man zwischen mittleren und höheren Beamten unterscheiden will, nicht zu den höheren, sondern zu� den mittleren Beamten zu rechnen. AlleI diese Beamten stehen in der Tarisklasse il), welcher Sie für das laufende Etatsjahr eine jede Verbesserung versagt haben. Und wenn man in Preußen beispielsweise unter dem Begriff der mittleren Beamten gerechnet und demgemäß aufge- bessert hat die Bnuinspektoren, so liegt ein Zurückbleiben hinler diesem preußischen Vorgehen darin, wenn die ans S. t6 der An- läge lX verzeichneten Bauinspektoren in der Rcichsverwaltiing eine Gehaltserhöhung für das lausende Jahr nicht erhalten sollen. Niiii haben ja aber, sowohl in der Kommission als hier, die Ver- treter der Mehrheit dieses Hauses ausdrücklich erklärt, daß das, was für das lausende Jahr abgestrichen werbe, damit noch nicht für alle Zukunft abgelehnt sein soll, und diejenigen Beamten- kategorien, welche iinolge der Beschlüsse des Reichstags in diesem Jahre noch nichl werden bedacht werden können, werden sich ge- vnlven müssen und werden sich gedulden können, wenn sie er- wägen, dap die Verbessernng auch ihrer Diensleinküufte von den vcrvnndeten Regiernngen als begründet und finanziell ausführbar anerkannt worden und von den Vertretern des Reichstags nur für die Gegenwart abgelehnt, für die Zukunft aber nicht als absolut a..sgcschlossen bezeichnet worden ist. Ich darf noch ein Morl hinzusetzen. Wenn das Plenum des Reichstags im Anschluß an die Beschlüsse der Kommission die Gehaltserhohnngen fi.r Die Offiziere ganz, und für die Militärbeamten the.lweise streichen sollte, so würde selsstverständlich die Konsequenz ge- zogen werven müssen, daß in dem neuerdings eingebrachien dritten Nachlragsetat dann die früheren Sätze für diese Kate- gorien eingestellt werden müßten, während zur Zeit für diese Offiziere und Beamten die Sätze eingejiellt sind, welche sich er- geben würden, wenn die ganze Vorlage deS Nachtrags 2 angenommen würbe. Es ist übrigens von einer gewissen Bedentang, die Geringfügigkeit dieser Diqerenz hier einmal hervorzuheben. Diese Tifierenz würve in dem Nachtragsetat 3 im Ganzen etwa 49 000 M. betragen. Kriegsminijier o. Derdy: Ich habe in der Kommission nach Kräslen versucht, Ihnen die Stothnrndigkeit der Aus.efferuug der Osliziersgeh..lter darzulegen. Ich habe die Ueberzeugung, da» diese Aiisbepermig nichl nur eine Nothiveudigkeit ist, sondern auch eine dringende Nothwendigkeit. Ich köincke Alles in der ikommisfion Gesagte hier nur wieder holen; aber ich will nur hervorheocn, daq die Beamten der Klasse 13 mit durchschuiltlich 2600 M. von Ihnen in die Vorlage»litausgenmnme» worden sind, weshalb kommen denn nun die Osnzicre, speziell die Pre- »iierlieätenants und Hanptleute zweiter Klaffe, aus dieser Vor- läge heraus, welche ganz in derselben Weise besoldet sind?(Sehr richtig! rechts.) Das Plus, das für uns hier nothwendig ist, kann ,ich doch ebenfalls»nden. Ich möcbte Ihnen also in letzter Stande die Cache doch noch ans Herz legen. Ein Premier- ilentenant, ein Osuzier, der zwischen dem 30. und 36. Lereusjahr lieht, 10 bis 15 Diensijahre hinrer sich hat, welche die Kräfte der Of.ziere aus das Aeußer»e angreise», ein solcher Offizier, der soll nun noch abhängig sein von seinen Verwauvien, die es für die jüngeren Geschwister und f r_ sich selbst vielleicht nolhwendig brauchen! Es ist ausgeführt worden, daß dem Offizier»ach Abzug der pflichtmäßigea Beiträge nur 18 Pfennige vorig bleiben. Es wird ihm aoer nur das Noch- iveadigste vorher abgezogen, ohne das er nicht existiren laun. Ich ver ehe es wirklicq ni.ht, und man wirv es in weiten Kreisen inehl verueyen, warum man, wenn man bei ven fo u>«it herausgehl(sehr richtig! rechts), diese verhäUiußmaßig geringe Summe für die O fiz>ere nicht auch findet. Au» Alier>o«uigsieii sollte man den Premierlienlenaur, der in der äußersten Roth sich befinoet, so weit er nicht selost bemittelt ist, hier au schliefen und so lauge ivaricn lassen, bis die noch besser Gesiebte>, die vor ihm siehen, nun auch mit in die Verbesserung hinein- gezogen werde». Es ist absolut nolhiveuoig, raß wir yier nicht einen Wessel a..f die Zukunft den Ossizieren ge.ea, die wirklich in heißer, sajwerer Arbeit bis zn der Grenze, die man nicht ndersieigen kann, jetzt ihr Leben da hin bringen. Ich empskhle Ihnen nochmals in letzter Stunde die Sache in Erwc.guiig zn ziehen und uns nicht blas des Hab ungünstiger zu bchandel», weil iingliulUcherueise die Foroerung zusammentrifft mit anderen, schu erwiegeuden Forderungen der Militc.rverivaltnng.(Beisall rechts.) Abg. Windthorst: Tie finanzielle Lage des Reichs, die bei Weitem nicht so gunslig fi., als sie uns in der Kommission von oer Regierung dargeftei.l wird, legt uns eine Besajranku.ig ans sowohl in Bezug ans die Zioilveamten, wie in Bezug aus die Offiziere, ans deren Lage der fliriegsminister eben so warm hin- geiviesen hat. Jcij bin einigermaßen überrascht, dap der Staats- sekrelur he..te gemeint hat, es könne die Reichskaffe das, was hier stje.vrom ist, nocn tragen. Früher ist ans die Notyivendigkeit uener Steuern hingewiesen worden. Die Steuerzahler, nament- lich die unteren Schichten der arbeitenden Bevölterung, können weitere Lasten nicht tragen. Die MiliUirvenvallung muß daraus hinarbeiten, ihre Ausgaben aus das äußerste Maß zu beschraukeii. Das z..* Bertheidigimg des Landes aosokut Nothweudige konnten wir nicht ablehne», aber hier ist eine solche Nothiveudigkeit nicht vor- Händen. Die Militäroerwallnng mag dura) Ersparnisse in anderen Dingen die nöthigen Mittel stnoen, um eine benere Besoldung der Offiziere zu ermöglichen. Aug. Kauiiivach: Diese Vorlage mit der Frage der Ver- befferuug oer Ossiziersgehälter zu'verquicken, halte ich um so weniger für angezeigi, als der Reichstag in seiner Resolution von Offizieren gar nicht gesprochen hat. Es ist begreiflich, daß die gemachten Abstriche, namentlich hinsichtlich der Postbeamten, eine Beunruhig-. ng hervorgerusen haue». Bei der nächsten Etats- berathung werden wir mit Ausgleichungen vorgehen uiüsje», und ich bin überzeugt, daß die Regierung nicht die Initiative des Reichstags abwarten wird, um die nbthige Abhilfe zn schaffen. Viamentlich müssen die GehaltsverhäUiu ,« der Vorsteher von Postämlern und der Posimeisier nochmals geprü i werde». Das kann aber bei der regelmäpigeii Etnisbe nth ing gc- schehen. Ich empfehle jetzt die Annahme der Kom uissions- veschlüsse. Darauf werden gegen die Stimmen der Konservativen die Gehaltsaujbeffertiiigea für die Stuvsossiziere, Ober- Stabsärzte, Eauptleute l. und II. Klasse, Premierlieuteuanls, Asfisieazürzle, fsiziere und Aerzte der Marine, sowie für die Beamten der Taryklasse III abgelehnt. Bei den bea.ckragten Besoldungsverbesserungen für die Post- beamten bemerkt . Abg. Werner(Antisemit): Es freut mich um so mehr (Heiterkeit), daß ich zu dieser Vorlage das Wort ergreisen kann, da schon 1387 mein Freund Böckel sür die Poilbeamlen einge- treten ist. Die Post-Subalterabeamteii hatten besonderen Grund zur Klage, und mancher von ihnen hat aus Unzusriedenhcit üver die maugelhafte Besoldung bei de» Wahlen sür den Sozial- demokraten gestimmt.(Abg. Böckel: Sehr wahr!) Wir freuen uns der Ersparnisse, die Herr von Stephan macht; unsere Freude wird aber verringert dadurch, daß sie auf Kosten der Unterbeamten gemacht werden.(Abg. Böckel: Sehr richtig! Heiterkeit.) Bei der Aufbesserung hatte man aber nicht oben ansangen, sondern von unten nacy oben gehen solle». Man hätte das Miniinalgehalt und nicht das Maximalgehalt erhöhen sollen. Statt der Hiljskräjle sollen jerner fcfh Beamte angestellt werden. Eine Ungerechtigkeit iftJeS dann, daß die Postassiilentcn nicht Postsekretäre werden können. Viel könnte endlich erspart werden, wenn weniger kostspielige Post- bauten errichtet wurden. Tann bliebe mehr für die Beamten übrig.(Abg. Bockel: Sehr wahr! Heiterkeit.) Mit der An- nähme der Vorlage wird das Reich den Wunsch Kaiser Wil- FlDltr» n Avfiirr***-.l»~ ar..rc-rr------ iv«" foivrav ••«vuiv vt*. lüiro oas i/ieiai vrtt �üuji(U) m..,. crf"0cn, eine Aufbesserung der sozialen Verhältnisse seiner Bevölkerung herbeizuführen.(Abg. B ö ck e l: Bravo! Heiterkeit.) Direktor im Reichs-Poslaml Fischer: Der Vorredner hat den Moment für passend erachtet, eine Kritik der Postverivaltung einzuflechten. Ich werde ihm auf diesem Wege nicht folgen, da nur dieser Etat nicht der geeignete dafür scheint.(Sehr richtig!) Rur dem Vorwurf möchte ich entgegentreten, daß wir mit der Ausbesserung bei den oberen Klassen anfangen und nach unten weiter gehen. Jeder Blick in die Vorlage genügt, um die Unbegründetheit desselben nachzuweisen.(Sehr richtig!) Gerade unten beginnt die Aufbesserung und steigt noch oben. Abg. Wmur: Wenn ich etwas gesagt, waS nicht in den Nahmen der Debatte gehört, so wäre es Aufgabe des Präsidenten gewesen, mich zu rcktisizircn. jlräsident: Ich glaube nichts versäumt zu haben. Abg.|Umtfv: Ich wollte Ihne», Herr Präsident, keinen Vorwurf machen, sondern lediglich Herrn Direktor Fischer das Recht absprechen, mich zu rcklisizircii. Jch habe auch nicht von unten und oben, sondern von Marimal- und Minimalgehalt gesprochen.(Abg. B ö ck e l: Sehr richtig! Heiterkeit.) Die Aufbesserung für die Vorsteher der Postämter zweiter Klasse wird bewilligt, ebenso für die Nechnnngebeamten ziveiter Klasse des Reichspostamts. Die Aufbesserungen für die Klassen VIII— XU(3200— 27uü M. durchschnittlich) werden abgelehnt. Tagegen werden die übrige» Forderungen, Klasse XIII— XXIII (26 Ooo— I3'j0 M. durchschnittlich) bewilligt; ebenso die Aufbesse- rung für die Reichs-Eisenbahnbeamten. Darauf wird die Berathung abgebrochen. Eingegangen ist eine neue Vorlage, betreisend oie Konsulargcrichtsvarkeil auf Camoa. Schluß nach 6 Uhr. Nächste Sitzung Montag 1 Uhr. (Fortsetzung der zweiten Berathung des Nachtraasetats, Antrag, betretend das Kaiser Wilhelm- Deukuial, Rechnungssachen, Petitionen ic.) Uolroles. ?>>»» patriitwrlrn. In der„Voss. Ztg." vom 23. d. M. ist zu lesen„Märkische Bank. Wie wir erfahren, ist der größte Theil der Aktien der Märkischen Bank von einem Konsortium an- gekauft worden, welches vornehmlich die Ver.verlhung von Pa- teilten zu verfolgen gedenkt. Der Aktienverkauf ist vcreils ani Sonnabend perfekt geivorden, und es wird daher die General- vcrsammlnng am 24. d. M. nach Absegung der Anträge auf Liquidation und Statutenänderungen sich ausschließlicy mit Wahlen in den Aufsichtsraty beschäftigen". Diese wenigen Zeilen, so harmlos sie zu klingen scheinen, sind ein beredter Konimentar unserer heutigen wirthschaftlichen Zustände. Wenn eine Bank zu liquidiren beabsichtigt, so ist es unter zehn Fällen gewiß nenn Mal der Fall, daß es mit dem Geschmtsgange hapert. Findet sich »un ein Konsortium, ivelches die Aktien ankauft, so kommt man ganz unwillknrlich auf den Gedanken, daß Manche� hinter den Koulissen vorgegangen sei, ivelches die Dämniernng liebt. Solche Vorkommnisse haben indeß Hauptsächlich nur für Geldmeuschei, Werth und wen» ihrer hier erwähnt wird, so geschieht cS nur, um von Zeit zu Zeil das Treioen in jenen Kreisen ein wenig zu be- leuchten. Ter Zweck dieses neuen MtienunternehrnenS wird also darin bestehen, Palente zu enverven und zu verwerthen, das Hecht also, Leute», welche zn unbemittelt sind, eine von ihnen gemaci.te Er- ündung. Süt die ein Patent»rtvellt worden ist. selchi aussBuhreu. mogktctzst wenig dafür zu bezahlen, dahingegen dasselbe an einen leiilungs,ähigen Unternehmer so thener ivie möglich zu überlasse» oder die Auvsühruiig der patentirren tirsliidung sechst in die Hand zu nehmen. Wenn irgeud elivas im Stande»u, das Ui,ge>u>ide unserer wirthschastlichen Zustände in das rechte Licht zu fegeu, so ist es dieses aevlante Unternehme». Tie Geschichte so ist es dieses geplante Uilternehineu. Die Geschichte erzählt uns so viel von de» Sorge», Mühen»nd Leiden der Er�iider, daß uns ei» tiefes Gefühl des Mitleides bcfchler"" mup, iveun jivir höre», daß Andere intt der Erfindung wuc werden. Erst vor einige» Tagen istein Gedek�stzu E eines solchen Mannes(Gntenberg) gejeiert ivorde». Er ist Opfer Derer geworben, die gccrniet haben, was er ges..et. Um solchen Ungerechtig. eilen vorzabeugeu, ist uusercr Zeit vorbehalten geblieven, ein Patentgeseg zu schalen, um dem Er- stiider das vngralh.i»» a» beui Procuckle seiner Geistesthättgteit Zu sichern, so lautet etiva die Begründung für den Erlaß desselben. Werde» aber die gege.uvärligeii Berhällniiie einer aufuierlsauien .....-(n rnin,.it mnii ,» dem Smluiie, dag die V14/V»., Pr.jung unterzogen, so komuit mau zu dem Schlüsse, tag Pale tgesetzgebung clunsalls eine ungeheure Beborzugmig der Großi>o»iftrle ist. Als der große Malhematiker Phlyagoras vor «t>:a 3 00 J.hrea de» bekannten Lehrsatz„in jedem rcchtn i ck- l>g.n Dreieck ist das Ll iadrat der Hhpotennse ten beide» Quadraten über den Kathelen zusauiutengeuomn>eu gleich" gesunden hatte, opferte er, ivie die Legende erzählt, den Göner» 8'0 Ochsen, d. h. doch ivohl, daß er für die ihm verliehenen Geijiesgabeu dankte und hohe Freude darüber einpfand, auch ' seiner, eits eine» nicht unbeoeute. den Beitrag zur Weiierei.tivi-.e- !u»g der Menschheit gelie,erl zu haben. Bon solchem Hochherzigen Gesichte iveip man sich setzt frei, statt de/�en heipt es, ivie viel verdiene ich mit der Er/inonng. Uno doch ka.in man bei den Fortschritten i» s.imuitliche» Ziveigen der Natur!vi�enscha,l u»o der Technik von einer Ersinoiuig kaum spre e». Physik, Ehemie weisen aus eine ikombination der Natiirkre.ste hin, die fast keine Grenze keimen wird. Die Ersiudungen unserer Tage, möge inan sie noch so sehr feicrii und bewundern, sind, mit dem richtigen Nameu genannt, weiter nichts als gclnngciie Vers che. Ueverhanpl kann heiit zu Tage nur der Großi» du,. rietle Er- stnduugen machen, icrii zu de» Versuchen liiid der Aussühnuig � Noch ei» Faktor kouimr iu Anrechuniig gebracht IIItliZILil, l VkiCJ jj iv vvu»ViTv V»»------ u große Miticl und Maschinen gehören. Roch ein Faktor komml de», GropinduftrieUe» zil gute, der nicht i» Ailrechuung gebrach, wird. Unter den Arbeitern einer Fabrik sind viele aeweeile Küp.e ei» Geistcoblitz, dein Worte getiehe» worven sind, fahrt ans der richtige», oder eiiie» neiien Weg. Und solchen una. fehbare» Vor- theil veriverlhet der Fabrikant in seinciii Ruhen, und zwar ohne elivas dafür bezahlt zu haben. Wie es heißt wird in de» nächsteil Wochen eine Atlie.igeseUschaft gegriiiidet werden, ivelche die viel- besprochene Maiuiesiuaniische ErsiudiUlg und tie der Firum ge- hörigen Faoriken übernimmt. Der Preis für das Patent wird 16 MiUiouen Mark betragen. Das heißt doch die Alisbeutung bis ins Ungeme>,eiie treiben. Diesen elelhusteii Lliisivüchsen des Aktien- und Erstndcr- schwiiibelS kann nur durch eine anders orgaiiisirte Geseuschaft abgeholfen werte», in der es wieder Menschen gebe» wird, die ihre Belohnung darin finden werden, ihre ihuen verliehenen Kräfte zum Nutzen der gaiize» Menschheit und nicht zu eigen- süchligeu Zwecten veriveudet zu haben. . Als eine ZUnfterl>r»'einio>iug ist untcr den h en l ig en Ze i t v e r häl tnif f e n wohl der„Verein Berliner R e st a u r a t e u r c" zu betrachten. Zur JUustra- tion der Gefchaslshaudhabung desfelbeii diene folgender Vorfall: Am 22. Juni v. I. wurde einem Mitglied dieses Vereins plöy- Uch ohne vorherige Berathnng»nd ohne Wissen desselben vom Schriftführer ver Ausschluß aus dem Aerei» mit der' Bemerkung mitgetheilt, daß die Gründe hierfür sich der Vorstand vorbehält, ledocy sind dieselbe» bei ihm(dem Schriftführer) in E>iip,a»g zu nehme». � Auf eine schri tliche Aufrage wurde erwidert, daß sich daS Mitglieo an den Vorsitzeudeu Herrn Fr. Kehrwieber zu wenden hätte. Eilten infolge dessen an letztgenanuten Herr» fgerichteten eingeschriebeilen Brief nahm dieser einfach nicht an. Einen zweiten Brief, in welchem auf dießZ 5 und 18 des Statuts hingewiesen wurde. nach welchen sich eine Ausschließung nicht rcchlfertigt, erhielt Mitglied dasselbe Schreiben ohne Bemerkung zurück. Als im Lause der Zeit der Obmann des Vereins(durch welchen die Aufnahme vollzogen wurde) von letzterem aufgefordert wurde, die Gründe bei irgend passender Gelegenheit mitzutheile», wurde zwar die Bereitwilligkeit hierzu anerkannt und zugesagt, ohne jedoch dieses Versprechen einzulösen. Da nun bis heute immer noch keine Antwort erfolgt ist, das Mitglied jedoch 6 M. für die Aufnahme und IVs Jahr Beiträge gezahlt hat, so ist dieses Verfahren jedenfalls werth der Oeffent- lichkeit übergeben zu, verde», und überlassen wir dem Leser selbst, hierzu einen Kommentar zu machen. Am 1. Juni faud man in Kopenhagen einen erst Tags zuvor dort aus Deutschland eiligetroffenen Herrn und eine Dame todt. Erst jetzt ist es möglich geivorden. Näheres über den Vorfall festzustellen. Ter als Registrator in dem Weißenscer Gemeinde- biireau angestellte Heinrich Hasselbring aus Niembura erbat sich von seinem Chef Ämtsvorsteher Herrn Feldtmann elneii kurzen Urlaub, um seine kranke Schwester in Nieinburg zu besuchen, reiste in der That aber nach Alt- Damm bei Stettin, wo seine Braut Frl. Minna Lntzke wohnte. Dort bat er seine Verlobte, mit ihm nach seiner Vaterstadt zu seinen Eltern zu reisen, damit er sie denselben vorstellen könne. Ahnungslos erklärte sich das junge Mädchen, welches über die Maliern der kleinen Stadt nicht herailSgekominen, gern init dem Wunsche des Bräutigams einverstanden, und nun löste H. zwei Billets nach Kopenhagen, statt nach Niemburg, die unerfahrene L. gänzlich im Zweifel dar über lassend, wo sie sich befand. So kam das Paar am ver- flösse, ie» 1. Juni in Kopenhagen an und logirte sich daselbst im Hotel„Prinz Oskar" ein, woselbst Tags darauf die Leichen der Beiden in ihrem gemeinsehastlichen Zinnner gesunden wurden, ohne daß es gelang, da Papiere fehlten, die Per-sonalien derselben fest zu stellen. Allem Anschein nach hat H. der ahmmgsloseii L. Blausäure in den Nachttrank gemischt und sich dann selbst den Tod gegeben. Durch die Recherchen der hiesigen Polizei, denen das plötzliche Verschwinden H.'s ans seinem Dienst in Weißensee gemeldet worden, gelang es die Spuren des PaareS bis nach Kopenhagen zu verfolgen und so die Identität der Leichen fest- zustellen. Was H. zn der schauerlichen That getrieben, ist bis jetzt noch nicht aufgetlärt worden. Unter den Schwindeleien, welche dieser Tage zur Kennt- „iß der Kriminalpolizei gekomme» sind, beanspruchen die folgen- den drei Fälle ein altgeineineres Interesse, weshalb wir sie zur War- iilliig unserer Leser mittheile». Der erste Fall betrifft einen Woh- nungsschivindler und Gelegenhcitsdieb. Am 22. d. M. bezog ein angeblicher Girichtssekretär Schmidt aus Leipzig, welcher hierher versetzt sein wollte, eine Wohnung bei den» in der Birkenstrahe wohn- haften Tischlermeiüer S.; Tags darauf entfernte sich derselbe gleich nach dem Morgeukaffe, um, wie er sagte, seine Sachen vom Bahnhos abzuholen. Er kehrte indeß nicht wieder zurück und später vermißte Frau S. aus einem Wandspiud, in welchem sie un- rorsichtigerweise den Schlüssel' hatte stecken lassen, 2Vs Dutzend silberne Theelöffel, 13 silberne Eßlöffel, alle mit dem Zeichen b'. S. versehen, ein paar silberne Messer und Gabeln, und einen Ser- viettenring. Die gestohlenen Sacben haben Gesainuitwerth vo» mehr als 300 M. Ter etwa dreißigjährige Schwindler, welcher einen schwarzen Schnurrbart trägt, ivar init Hellem Ueberzieher und weißem Strohhut mit blaiiem Band bekleidet; am Kinn hat derselbe eine Beule in der Größe eines Zehnpsennigstückes.— Im zweiten Falle hat eine Bestellschwindlerin, di? sich„Erzieherin Marie Wille" nannte, in einer hiesigen Weißwaarenhandlung, sowie in einem Traucrinagazm den Versuch gemacht, Wäsche bezw. Kleidungsstücke im Werthe von 3000, bezw. 700 Mark zu er- schwindeln. Tie betr. Firmen haben die Liesernnge» indeß nicht ausgeführt, nachdem sie zuvor Erkundigungen eingezogen hatten. Es ist seslgesiellt ivorde, i, daß die Schwindlerin bis zum 21. d. M. PoUlmimur. 24 unangemeldet gewohnt und dann ohne nähere Angabe verzogen ist. Die Person ist etiva 25 Jahre alt, schlank, 1,7o Meter groß lind hat blasses, volles Gesicht, vlondes Haar und blaue Augen.— Eine dritte Anzeige richtet sich gegen eine etiva vierzigjährige, stark»inlersetzte Frnnens- person mit schwarzem Haar und schmalem, gebräunte»» Gesicht, welche vorgestern Mittag die zweieinhalbjährige Tochter Anna des Schiffers K„ Lübeckerstraße wohnhaft, uacc) de», Posianit Thurm- und Lübeckerstraßen-Ecke gelockt und dem Kinde dort eine Zuckerdüte geschenkt und die goldenen Ohrringe geraubt har. Tie Gaunerin ist von der Frau eines Schankwirths gescheu ivorden und glaubt dieselbe jene Frauensperson, welche schivarz-weiu-gesireiftes Kleid, gedruckte Schürze und einen Hand- lorb am Arme trag, bestimmt wiederzuerkennen. Zn welch»« Anoschveiinnge» bisweilen nnlib erlegte Heftigkeit de» Menschen hinreißen kann, beiveist folgender Fall, oer uiw von einem A»ge,izengeu berichtet wird. Auf dem Neu- bau Alexaiidrinenstraße 43 war geilem ein Mörtelkiitscher mit dem Füttern seiner Pferde beschäftigt. Er gerieth dabei mit einem Möcteltr.iger in einen ganz gleichgiltigen Wortivechsel, wobei der Tr..ger plötzlich mit einem Spaten nacy den» Kutscher ivarf. Ter Sporen drang dem nnglüellichen Manne in das Nasenbein ein, zerschmetterte dasselbe und verletzte in äußerst gefährlicher Weise ein Auge des Kutschcrs. Ter jähzornige Träger nmrde nach der Polizei sislirt. Der skutscher ist verheirathet und Bater von vier Kindern. � Uolizeibericht. Am 25. d. MtS. Nachmittags erlitten in der Maschinenbali-'Anssalt und Eisengießerei von Hoppe, Garten- straße 0—12, die Former Köhne und Schniiel liiid der Arbeiter Schlitze betm Gießen eines Seilkorbes infolge Ileberfließeiis des flüssigen Eisens schwere Brandwunden an den Hände»»nid Füßen. Schniiel nnd Schulz ivurden nach Anlegung eines Noth- verbandcs nach ihren Wohnungen, Köhne. dessen Verletzunge» schwererer Art waren, mitteilt Droschke nach dem Lazarus- Krankenhause gebracht.— Am 27. d. Mts., Morgens, wurde ein Mann in seiner Wohnung in der Arndt- straße erhängt aufgefunden.— Nachmittags stürzte auf dem gebrauchen könne, weil er für seinen sehr nervösen Vater einen Landaufenthalt suche. Es kam ein Vertrag zu Stande, wonach Frau H. ihre in Schönhansen, Lindenstraße 10, belegene Villa für den Preis von 35 000 M. an Ehrlich verkauft, dagegen das dem letzteren gehörige Haus Bandelstr. 25 für 165 000 M. kaufte. Die Kaufgelder wurden durch beiderseitige Uebernahme von Hypotheken bezw. durch Kompensation berichtigt. Sechs Tage darauf schon verkaufte Ehrlich die für den„nervösen Vater" bestimmte Villa weiter an den Gutsbesitzer Hahn und lauschte dagegen ein in Werder belegenes Gut ein— Frau H. hat die Aus- lassung des Grundstücks Bandelstraße 25 nicht entgegen- genoniuien, da sie dasselbe schlennigst weiter verkaufen und direkt von Ehrlich an den betr. Käufer übertragen lassen wollte. Sie wandte sich zum Zwecke des Verla nfeS an den Angekl. Köppen. welcher Hänsoragent ist. Sie sagte demselben, daß er ihr aber nur einen guten Käufer bringen' dürfe, ivogegcn sie, weim derselbe wirklich gilt sei, keine Anzahlung verlange. Köppen und Ehrlich haben ihr dann eines schönen Tages den Angeklagten Hanke als diesen„guten" Käufer zugeführt lind derselbe ist auch glücklicher Besitzer des Hauses geivorden, obgleich er, ivie sich später heransstellte, absolut Nichts besaß. Hanke scheint ohne recht zur Bestnnung gekommen zu sein, gewissermaßen meuch- lings zum Hausbesitzer gemacht worden z» sein, denn er wurde eines Tages durch 5iöppen und Ehrlich telcgraphisch nach dem Restaurant„Prälat" bestellt, dort wurde ihn» ein fertiger Kaufvertrag vorgelegt und er unterschrieb denselben ohne vieles Besinnen. Hanke wurde dann der Frau Geh. Rath H. als sehr guter Käufer vorgestellt, uild als Frau H. doch noch Bedenken hatte, wurde Ehrlich uiiivillig, erklärte, daß er sich nach Hanke erkilildigt habe und berief sich ans seine schon so oft be- währte Freundschaft. Koppen aber fügte Hinz», baß Hanke Be- sitzer des Grundstücks Wilhelmstraße 144 und ciiies Grundstücks in Neinickeiidors sei und Bäckereien in der Gertrandten- und Neuen Friedriehstraße besitze. Derselbe könne nur deshalb keine Anzahlung leisten, weil er gerade für 2000 M. Mehl gekaust habe. Hanke ist mm zwar Besitzer zweier Bäckereien nnd der be- zeichneten beiden Gmndstücke gewesen, beide sind aber über- schuldet und Hanke hat schon vor 5 Jahren den Manisestations- cid geleistet. Nach dem von Frau Geh. Rath H. unter- schriebenei, Kaufvertrag sollte das Haus Bandelstraße 25 162 000 M. kosten. Hanke sollte die Hypotheken in �jöhe ....... C,-----/..... I**»«.Q4V UM| VVU Neubau Urdanstr. 20 der Arbeiter Schulze infolge eines Fehl tritts von, vierte» Stockwerk auf die abgmankte Balkenlage des drittel» Stockwerks hinab und erlitt anscheinend eine so schwere Verletzung des Schädels, daß er nach dein Krankenhanse am Urban gebracht iverden mußte.— Zu derselben Zeit glitt auf der Obersprce in der Nahe der Oberschleuse der 17 Jahre alle Sohn eines Schiffers beim Abstoßen seines Kahnes ans, siel ii>s Wa,jer und ertrank. Die Leiche wurde nach kurzer Zeit ausgesuliden, jedoch blieben Wiederbelebungsversuche erjolglos. (Cin»roffrr Schwindel, bei welchem eine alte Frau um ihr ganzes Vermöge» gekommen ist, beschästigte am Freitag die erste Straskammer hiesigen Landgerichts 1 unter Vorsitz ihres Direktors Schmidt in viclstündiger Sitzung. Tie Anklage, ivelche ans geineinschastlicheii Betrug und Untreue kantete, richtete sich gegen den Bäckermeister Friedrich Wilhelm Hanke, den Agenten Ferdinand Adolf Köppen und den Kaufmann Karl Engo E h r l i ch. Alle drei werde» beschuldigt, durch gemeinsame perationen bei einen, Hmiskanf- bezw. Tauschgesch.sst die ver- wittwete Frau Geh. Juslizräthin H. um einen Betrag von zirka 20 000 M. gebracht zu habe». Als der 05 Jahre alle Gatte der Frau Geh. Rath H. gestorben war, sehnte, sich die Frau Geh. Rath H. danaci), eine ihr gehörige Billa in Niedcr-Schöuhauseu zu verkaufen, resp. gegen ein Grund- stück in Berlin zu vertauschen und ss'clrachtete es daher als eine große Gunst, daß der ihr bekannte Slngetlagte Ehrlich ihr Gelegenheit zu solchem Tauschgeschäft bot. Derselbe erzählte ihr eine ivehmuthige Geschichte vor, wonach er die Villa sehr gut ___.. wv- lyv/�vvyvvviv tu vo» 138 000 M. überiiehnien Uild 24 000 M. für Frau Geh. Rath H. hypothekarisch eintragen lassen, derart, daß 12 000 M. nach zwei Jahren nnd 12 000 M. nach fünf Jahren zahlbar seien. An» 14. Juli 1387 beoollmächtigte Frau H. den Angeklagten Ehrlich, das Grundstück an Hanke anfzulassen und am 15. Juli ließ Ehr- lich, der ja noch eingetragener Besitzer»var, noch schnell 1000 M. für seine Schwester auf dem Grundstück eintragen. An deniselbei» Tage erfolgte noch die Auflassung an Hanke»md ans Antrag desselben die Eintragung einer Hypothek von 23 000 M.(statt 24 000) für Frau Geh. lliath H.— Hanke hatte natürlich kein Geld, um die Zinsen zu bezahlen, das Grundstück kam schon am 10. Januar 1888 zur Subhastation, in welcher es ein Frl. Felgentresf für 142 000 M. erstand. Frau Geh. Rath H. ist dabei mit ihrem Gclde einfach aus- gefallen, während Hanke ohne jede Gegenleistung auf einige Zeit die Einkünste des Hauses in die Tasche gesteckt hat. Köppen hat für die Bermittelung des Geschäfts 1000 M. Provision geschluckt, von denen er 800 M. an Ehrlich abgeben mußte.— Frau Geh. Rath H. nnd mit ihr die durch den Staate- arnvalt U n g e r vertretene Auklagebchörde behaupten nun, daß es sich hier um eine gemeinscha tliche betrügerische Operation der drei Angeklagten handelte. Hanke's gänzliche Vermögenslosigkeit se» den beiden Anderen vollkommen klar gewesen und derselbe sei! nur vorgeschoben worden, damit sie alle dre, ihr Schäfchen ins Trockene bringen konnten.— Die Anklagten widersprachen in last allen Plinkten den Angaben der Frau H. und griffen deren Glaubwürdigkeit immer aufs Nene a». Speziell behauptete Ehrlich ganz unschuldig zu sein. Die Eintragung von 1000 M. für seine Schwester sei nur ein'Akt der Selbsthilfe gewesen, weil Frau H. bei jenem Tauschgeschält ihm ein angebliches Guthaben auf die Preuß. Bodenkredit-Bank übertragen habe, welches ihr gar nicht mehr zustand. Tie Angeklagten stellten sich sogar als c>ie Uevervortheilten hin und behauptete», daß Frau H. die Denunziation nur eingereicht habe, um für die angestrengten Zivilprvzesse Vortheil daraus zu ziehen. Tie Vertheidiger, Rechts- auwalt U n g e r, Dr. Friedman», Dr. S i l b e r st e i n nnd W r o>» I e r suchten in eingehendster Weise die Glanbivürdigkeit der Frau H. abzuschwächen, der Gerichtshof hielt jedoch»nit dem Staate an, valt die Frau für das Opfer eines ganz rasfimrtc.l be» trügerischen Komplotts und vcrurtheilte deshalb die Angeklagten Hanke und Koppen zu 1 Jahr, E h r li ch aber zn 1 I ahr i Monat G e f ä n g n i ß»md 500 M. Geldbuhe»nd rer- f gte die sofortige V e r h a f u, n g der drei A ,» g e» k l a a t e„. Um technische Fragen auf dem birbieie der ZassUjeil» liiindc handelte es sich eineiil Prozesse, der gepern vor der vierten Straskammer des Landgerichts I stattfand. Der Zahntechniker Ernst P r e i s d o r f war der fahr! s» e> Körperuerletzimg angeklagt. Jiii Septem»er v. I. beauflcagte ihn eine junge Dame mit der'Anfertigung eines künstlichen Gebisses. Bei dein Ein- setzen desselben zeigie es sich, dnp eS nicht paßte nnd um die Kautschukplatte, an der die Zähne befestigt waren, biegsam und geschmeidig zu mache», erwärmte der Augeklagte dieselbe über einer Spirttnsstamme. Sodann preßte der Angeklagte das Gebiß in noch so warmem Zustande in de» Mund, daß die von der Platte berührte Stelle des Gaumens weiß ivurde, ein An- zeichen, daß die Schleimhaut verbrannt war. Die Patientin hatte große Schmerzen zu erdulden. Ter Angeklagte gelangle schließlich zu der Ueberzeugimg, daß das Gebiß verpsuscht war, er liep. ein neues anfertigen. Mit diese»» wiederholte sich dieselbe Prozedur, es paßte»vieler nicht. Bei dieser Gelegenheit gewahrte der Angeklagte auch, daß der ganze Mund der Daine stark entzündet war, er rieth ihr, sofort ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. Ter Arzt stellte eine hochgradige Eutzündung mit bereits eingetretener Eiterung des Oberkiefers seit, d,e Patientin mußte sich einer ziemlich schweren Operation unter Anwendung der Narkose uiiterwerfeil nnd ist erst nach Wochen genesen. Nach ihrer Behauptinig, die in» wesentlichen von dem Gut- achten des Sach» erständigen unterstützt wird, ist die Entzün- diing durch das gewaltsame Einpressen der zu heiße» Kantchnck- platle hervorger.ssci» worcen. Ter'Angeklagte behauptete da- gegen, daß der Kieser bereits entzirndet war, als er den Mmid der Dame zn»» ersten Male untersuchte, er habe derselbe» auch erklärt, daß sie sich vor dem Einsetzen des lüiistlicheu Gebisses die gewaltsame Herauüuahme der noch vorhandenen Zahnwurzeln gefallen lassen müsse, er sei bei der Dame aber auf entschiedenen Widerstand gestoßen. Ter Sachverständige hielt es für, vahrschein- lich, daß eine leichte Eutzüudmig bereits beim ersten Besuche vor- Händen gewesei», aber n», soviel»veniger durste der An- geklagte dann eine solche Behandlung anwenden, wie er gelhaii. Er hätte von dem Einsetzen des Gebisses völlig Abftand nehmen müssen. Die geschädigte Dame trat aiS Nebenklägerin auf und beinaß ihren Entschädigiingsanspriich auf 103 M. Ter Gerichtshof gelangle zur Ueberzengnng, daß der 'Angeklagte fahrlässig gehandelt, es wurde gegen' denselben auf eine Geldstrafe von lou M. erkannt nnd der geschädigten Dame eine Geldbuße vvn 50 M. zugesprochen. Ana Lluivssorn schreibt man der„Kieler Zeitung" unterm 20. d. M.: Tie vereinigten Gerber und Lederzurichter hierselbst Hal en in einer gestern Abend stattgehadten Versammlung ans das Anerbieten der flreikenden Gerbergesellen, die Arbeit wieder aus- nehmen zn wollen, beschlossen, mit den letzteren erst dann in Verhandlungen treten zu wolle», wenn dieselben in denjenigen I Blättern, in welchen sie früher den Streik angezeigt haben. er- klären, daß der Streik durch Nachgeben ihrerseits hin aufge- hoben sei. Der Mupperthaler Ziminennrister- Drrcin hielt am 25. d. M., laut Miltheilung der„Elkers. Ztg.", eine zahlreich besuchte Versammlung in Elberfeld ab, in welcher der Vorsitzende die Anwesenden ermahnte, an dem Beschluß, nur nach Leistung zu bezahlen, festzuhalten und jeden Versuch der Ausständigen(?), noch arbeitende Gesellen von der Arbeit abzuhalten, sofort zur Anzeige zu bringen. Es sind zwei solcher Anzeigen bereits er- folgt(!). In Barmen fand am 26. d. M. wieder eine Versamm- lllng der ausständigen Zimmergesellen und zu gleicher Zeit in Elberfeld eine Zusammenkunft sämmtlicher Bauunternehmer des Wupperthals statt. Zum Frilruhaueustreilt in•Zernschrid wird der„Elberf. Ztg." geschrieben: Am 25. Juni weilte der Gewerberath Theobald aus Düsseldorf im Auftrage der königl. Regierung in Remscheid, um über die Frage des Jeilenhauerstreiks nähere Erkundigungen bei den Fabrikanten sowohl als auch bei den betheiligten Arbeitern einzuziehen. Der Koudouer Gemertzverein der Dockarbeiter ist, laut Mittheilung der„A. C.", von den Dockarbeitern in Hamburg er- sucht worden, ihnen bei der Gründung eines Gewerkvereins be- hilslich zu sein. .Sozinlo Moberfichk. Arbeiter der Dnhmaschiuenfabrilmtiou I Am 17. d. M. legten die Polirer der Nähmaschinen- Fabrik von Gebrüder Nothmann, Neue Höchste. 20, die Arbeit wegen Lohndifserenzen nieder. Dieselben hatten bisher 27 M. Lohn bei neunstündiger Arbeitszeit, nun sollten sie nach einem von den Fabrikaten aus- gearbeiteten Accordtarif arbeiten und da sie einsahen, daß sie bei diesem Tarif und bei der verlangten höchst sauberen Ausführung der Arbeit nur 15—26 M. verdienen konnten, de'- Fabrikant aber den von den Poliren ausgearbeiteten Tarif nicht anerkennen wollte, sahen sie sich veranlaßt, die Arbeit niederzulegen, da jede Unterhandlung fruchtlos verlief. Bis jetzt ist den Fabrikanten nicht gelungen, auch nur annähernd Ersatz für die Polirer zu schaffen, nur einige Arbeitsburschen hat er eingestellt und diese haben doch keine Ahnung vom Grundiren vielweniger vom Poliren. Es findet zur Besprechung dieser Angelegenheit am Montag, d. 36. Juni, Abends 8 Uhr, im Kolberger Salon, Kol- bergerstr. 23, eine öffentliche Versammlung aller in der Näh- Maschinenfabrikation beschäftigten Schlosser, Mechaniker, Dreher, Tischler. Polirer, rc. statt, wozu alle arbeitenden und arbeits- losen Möbelpolirer und vorgenannte Arbeiter der Nähmaschinen- fabrikation hierdurch eingeladen sind. Referenten zur Tages- ordnnng sind, Möbelpolirer Robert Weber und Metallarbeiter Herr Alwin Gerisch. Derichtigung. In der Mittwochsimmmer des„Berliner Volksblattes" befindet sich unter dem Aufruf für die Greizer Weber zugleich die Quittung der bis dahin eingekommenen Gelder, und ist ein Versehen meinerseits geschehen. Es muß heißen:„von dem Allgemeinen Arbeiterinnen-Verein erhalten 26 M., anstatt 12 M." Diese Berichtigung wird auch in der„Textil-Zeitung" erfolgen. Karl Hübsch, Memelerstr. 46. VevfmmnUmgen. U»r«in der parq»»tbodrnlcger Kerlin»«»d Zlmg»o«nd, Oesseatlicho Versammlung am Monlaa, den so. Juni, Abends» Uhr, in Feuerstein'« Lokal, Sllle Jakobstr. 75. Tagesordnung: i. Innere Berelniangelcgenheitsn. 2. Verschiedenes. 3. Fragekallen. Lachoerrii» sämmtlicher an Kol>dearbeit»»gs»iaschine» beschäftigter Arbeiter. Montag, den So. Juni, Abends oZj Uhr, Mltgliederver- sannnlung, LandSbergerftr. 37 beiFenslc. Tagesordnung: i. Vortrag des Herrn Stadtverordneten Voglherr: Die Arbeitszeit und Arbeitsruhe. 2. Diskussion. 3. Berschtedcnes und Fragekasten. Zahlreiches tkrscheinen geboten. Der Ar- beitsnachiveis befindet sich Mariannen-Ufer« bei Jahn, Veteranenstr. 22 bei Pelerso». Eine große Ztersaminlung der Filiale 5, Charlotten borg, de» Allgemeinen Arbeiterinnen- Klerrinv sämmtlicher Vernfszioeige Berlins und Umgegend sindet am Dienstag, den I. Juli isso. Abend« Uhr im Lokal deS Herrn Franke, Wilmersdorierstr. 3», statt. Tagesordnung: t. Vortrag deS Herrn Hildebrandl über die Frauenfrage. 2. Diskussion, 3. Aufnahme neuer Mitglieder.«. Verschiedenes. Herren und Damen al««Säste haben Zutritt. UauchKlnb„Goldene Uuaste". Montag, den so. Juni, Abend« s Uhr, im Restaurant, Barnimstr. 21. Große öffentliche Vcrsa»»n>l,i»g der Tababarbeiter u. Arbeiterinnen Berlins am Montag, den so. Juni, Abend« 3 Uhr, im Saale derAktienbraueri „Friedrichshain" am Königslhor. Tagesordnung: i. Vortrag des Reichöragsabgeordnelen Molkenbuhr. 2. Die Freigabe der hies. Zahlstelle des UntersliiyungsvcretnS deutscher Tabakarbeiter. 3. Die Verurtheilung eines geivisscn Sauer und der s. Z. über die Firma Löser und Wolfs verhängte Boykott.«. Verschiedene?. Fachvrrein der Former und Verufzaenossen. Eeneralversaininlung am Montag, den so. Juni, Abends s Uhr, in Jordan'« Salon, lSrünsir. 23. Groß« öffentliche Uersommlung der Zlnher Kertin« und jlmgegend am Montag, den so. Juni, Nachmittags 5 Uhr, tm Konzerlhau« Sanssouci, siottbuserstr.«a. zierri» inr Wahrung der Zntereffen der Kchnhinacher. Versammlung am Montag, den 30. Juni, Abends 3� Uhr, in Eratweil« Vierhallen, Kom- mandantenuraße 77—79. Tagesordnung: Vortrag über Sets» und Sehirn. Diskussion. Das Erscheinen aller Mitglieder ist erwünscht. Gesang-, Tnr»-„»d gesellige Ueroinr etc. am Montag: Gesang- verein„Sängerlust" Abends g Uhr inr Restaurant Landsberegllraiie 00.— Liedertafel der Maler und verwandten Berufsgenossen, Refiaurant Berg, Kaiser- Franz-Grenadler-Platz Nr. 7. Aufnahme stimmbeaabter Kollegen.— Männer- gesangverein„Weibe Rose" Abends 0 Uhr tm Restaurant Kleine Gerichts- Itrabe 10.— Männergesangverein„Eintracht l" Abend« g Uhr Köpntlier- strahe 03 im Restaurant.— Gesangverein„Echo 1872" Abend» Uhr Oranien- straße 100.—„Deutsche Liedertafel" rllbends s Ubr, Oranienstrabe lüv.— Gesangverein„Mnrthenblätter" UebungSst Alle Schönhanserstr.«2 b. Malzahn.— Verein Berliner Theaterfreunde Abends«!s Uhr bei Liilow, Admiralstr. 33.— Bergnügungsverein„Zirk-Zact" Abends s Uhr in Möwe's GesellschaftsyauS, Fichtcslrabe 29.— Verein„Lustig" Abends g Uhr bei Thamm, Schönhauser Slllce 23.— Berein„Ratibor" Abends 8st Uhr im Königsladt-Kastno, Holz- niarklstr. 72.— Abends'scher Stenographenvercin ,, Apollobund" Abends 8� Uhr Thulinstraße 81(Moabit).— Wisfenschasiltchcr Berein für Roller'sche Steno- graphie Abends 3)! Uhr t>n Münchener Brauhaus, Rene Friedrichstr. l. Unter- richtS- und UebungSstunde.— Rauchklub„Slordstern" in Snsat'S Lokal Frank- furter Allee>7«, Friedrichsbsrg.— Rauchklub„Hellblau" Abend« s Uhr Ska- ltherstr. tiZ.— Verein ehemaliger Schüler der«2. Gsmeindeschule Abend« o Uhr bei«loth, Dresdenerstr. to.— ZttherNub„Waldrose" Abend«)!> Uhr. UebungSstunde bei Schneider. Albertstr. 3. Dirigent: Wegener. Aufnahme neuer Mitglieder. Gäste willkommen.— Bandonion- und Jnslrumenlalveretn „Melodia" Montags von 9 bis lt ubr Abends, Reichenbergerstrabe 10.— —„Friedrichs Verein"(ehemalige Zöglinge deS großen Friedrichs-Waisen- Hauses der Stadt Berlin) Abends 3)! Uhr bei Bormann, Ohmgafse 2.— Unter- haitun gSklub Schiller Abends 8 Uhr im Restaurant Giesel, Triftstraß- st.— „Vergnügungsverein Freundeslreue" Abends 3� Uhr im Nlstauran' Preuß, Prtnzenstr. 97. Gäste willkommen.— RauchNub„Goldene Quaste« Abend«» Uhr, Restauration Barnimstr. 21« Gäste willkommen. Sprelhsxlnl. Die Redaktion stellt die Benutzung des Sprechsaals, soweit Raum dafür abzu« §eben ist, dem Publikum zur Besprechung von Angelegenheiten allgemeinen interesse« zur Verfügung: ste verwahrt sich aber gleichzeitig dagegen, mit dem Inhalt desselben tdentifizirt zu werden. In der Beilage vom 25. d. M. befindet sich ein Aufruf an die Gewerkschaften betreffs der Streik-Kontrolkommission, daß dieselbe nur in einer öffentlichen Versammlung gewählt werden dürfe. Nun möchte ich mir gerne auf diesem hier eingeschlagenen Wege die Rückantwort erbitten: welche Schritte man darin zu thun gedenkt. Bei dein bestehenden Arbeiterinnenverein, dem es durchaus nicht möglich ist, eine öffentliche Versammlung zu er- hallen. Der Verein ist schon ziemlich stark herangewachsen und besieht aus 22 Branchen. Er hätte erst kürzlich in die Lage kom- men können, einen Branchenslreik proklamiren zu müssen, wenn nicht durch ruhiges, überlegtes Vorgehen die Sache geschlichtet worden wäre. Da nun keine Vereins- resp. Generalversammlung in der Lage ist, ein Streik-Kontrolko>n'»issions-Mitglied zu wäh- len, so kann ich nur annehmen, daß die Arbeiterinnen in der Komniissio» nicht vertreten sein werden. Frau Gubela. Vvieffcnften dev AedKlMon. Bei Anfragen bitten wir die Abounements-Quittung beizufOn, Briefliche Aulworr wird nicht erlheilt. Zi. 5. Ihr Bericht wäre längst erschienen, wenn derselbe nicht gänzlich unverständlich wäre. Wenn Ste wieder öffeulliche Versammlungen abhalten, werden wir Ihnen einen Berichterstatter senden. Lokallrommisston. Auf zwei Seiten geschriebenes Ma- nuslript können wir bei dem zetzigen Stoffan drang nicht berücksichtigen. Ihre Einsendung mußte daher zurückgestellt werden. Ä. W.« Uüdervdorferstrajzr. Ihre Anzeige wird am Donnerstag geändert werden. Von den anderen Dingen ist uns nichts mehr bekannt. Sie wollen freundlichst bedenken, daß dem Einzelnen sehr viele Dinge durch den Kopf gehen. C.|l. Nein. C. H. 1. Ja. 2. Die Route zwischen Wohnort und Berlin kann unbeschränkt befahren werden. St!üsicat@i8i*@ Montag, den 30. d., Abds. Uhr, b. Zemter, Münzstr. 11: Grosse öffentliche tlersanasnSung sammtl. Stnckatenre Herlins u. Unlgeg. Tagesordnung: 1. Vortrag des Hrn.?. I-lttlu über:„Zweck und Ziele der Gewerkschaft?- Organisationen. 2. Diskussion. 3. Stellungnahme zum 2. deutschen Stnckateur- Kongreß. 4. Neuivahl eines Vertrauensmannes. 5. Verschiedene gewerkschaft- liche Angelegenheiten. 2222 Der interessanten Tagesordnung halber wird ersucht, recht pünktlich und zahlreich zu erschelnen. Die Dertranenslrute. Große öffentliche Versammlung üer'kadakardLitör u. Arbeiterinnen Berlins am Montag, dc» 30. Juni, Abends pv. 8 Dhr, im Daale der Astticnbrauerei rviecki-icttskstii, am Köuigsthor. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Reich-, tags-iilbgeordncten Hrn. bloUcenhulir. 2. Die Frei- gäbe der hiesigen Zahlstelle des Unterstützungsvereins deutscher Tabnkarbeiler. 3. Die Verurtheilung eines gewissen Sauer lind der seiner Zeit über die Firma Loeser& Wolff verhängte Boykott. 4. Verschiedene..[2220 Zahlreiches Erscheinen erwartet Die Roiitniission. FaPereill iser Ppnentirer nnii Berussgellchn. Montag, den 30. Juni, Abends 8l/a Uhr, Alte Jakobstraße Nr. 75 bei kcuonst«in 9 Veraam mSuitg. Tagesordnung: 1. Vortrag: Die kapitalistische und sozialistische Moral. Referent: oavä. pliil. Peus. 2. Diskussion. 3. Ver- einsangelegenheite». 4. Verschiedenes und Fragekasten.— Das Erscheinen säinmtliwer Kollegen sehr erwünscht. Gäste willkommen. 2219 Der Vorstand. Fachvercin d. Tapezirer Berlins. Dienstag, den I.Juli, Ab. 8Vs Uhr, bei Feuerpein, Alte Jakobstraße 75: Mitglielier-Verslliiliillllilg. Tagesordnllng: 1. Vortrag des Stadtverordnete» Herrn E. Vogtiierr über Bcllamys Jahr 2666. 2. Vereinsangelegenhcit. 3. Fragckasten.— Gäste willlommen. aiitjnnhme neuer Atitglieder sindet statt. Um recht zahlreichen Besuch bittet 2213 Der Vorstand. ...... Ii Sonntag, den 29. Juni, Abends 8V2 Uhr, Belsorterftraße Nr. 15, in Schneider's Salon: Vortrag d. Schrift- stellers Herrn Vkilk. DülseKe über: Moses oder Darwin, eine Schulsrage. Nachher gesellige Unterhaltung und Tanz. Gäste, Damen und Herren, willko.unien. 2173 Fchliertill der Album-Arveiter. Tie VsroiuLvorsau-mInllg am Montag, den 36. Juni, sindet nicht statt. 2221 vor Vorstand. Ein Parteigen. sind. anst. mbl. Schlaf- stelle b, 0. Reddin, Annenstr.44, v.l.[2251 Fchverein stUmtlither an Hchhel!rdeitllUs-Mjihi!le'.l lieWstigter Ärdeiter. lloutllg, äbll 39. Juni 1890: Mglieütt-ÄerMiillW. Landsbergerstr. 37 bei Vonsho, Abends 3Vs Uhr. Tages-Ordnnng: 1. Vortrag des Hrn. Stactv. Vogtherr: „Tie Arbeitszeit und Arbeitsruhe". 2. Diskussion. 3. Verschiedenes und Fragekasten. Um zahlreiches Erscheinen ersucht 2231 Der Voritand. Ter Arbeitsnachweis desindet sich: Marianneu-Ufer 4 bei Jahn, Veterauon- Strasse 22 bei Polerson. Reh-Tabake. Grösste Auswahl, billigste Preise von sänimtl. im Handel besindlichenTabaken. Heiur. Frank, � Bruunenstr. 141-142. Knr I hlsrk kostet jede Uhr zu reinigen unter Garantie. Bei auen Reparaturen wird der Preis vorher gesagt. 1623 Ttte Oeses», Uhr m a ch e r(Fachmann), 15, Ecke Mariannenstr. Knaben-Anzüge von 2—16 Jahre. Wegen vorgerückter Saison verkaufe jeden Anzug 10 pEt. billiger wie bisher. K. Lorenz, Schneider-Meister, Andreasftraße 63. 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Schule 4- Reldefleiss, CHausseestr. 28b. 2182 Tüchtige Arbeiterinnen a. d. Hause auf Kuabeusachen verlangt Martin» Wienerstr. 17, part. 213Z Seher- M Korrektor-Stelle suche v. gleich oder z. Oktober. Ges. .Cs?* A IS I€»*■** S fDT«*-»* Verantwortlicher Redakteur: Euvt Laaüe in Berlin. Druck und Verlag von Ma» Kading in Berlin SW., Beuthstraß, 2. 1 2. Beilage zum Berliner Bolksblatt Nr. 148. Soimtag, de« 39. Juni 1890. 7. Jahrg. Dersntttinluttgcu. f?«r Uerein der Ftt»sch«harl>eit«r und Kerufsaenossen rrlin» und zlmsrgc»»d hielt am Montag, den LS. Juni, in enske's Lokal, Landsbergerstr. 37, seine Mitglie. erversammlung sfb. Tie Tage-, ordnung lautete: i. Vortrag des Herrn Berndt vber die Bedeutung der Gefängnißarbeit. L. Diskussion. 3. Ver- schieden es und Jra gekästen, vieferent brachte in seinen Aus- führungen klare Beweisgründe über die in der Plöhenseer Gc- fangenanstalt fertiggestellten Waare, er führte an, daß die Akkord- arbeit in scharsei» Maße ausgeführt wird, die Arbeit wird in jenem Hanse an Jemand verpachtet— und dafür bezahlt der- Mige pro Mann und Tag, der seine Arbeit verrichtet, S0 bis 30 Pfennige. Ueber diesen Strafarbeitern steht ?er diesein ein Oberausseher. Tiefe Beamten i, um oufznpassen, daß keiner müßig Herilm- auch'keiner, also kann sich wohl m, jeder ,-jz. oi.iftrtre n» die ßli Jmö ja nur dazu da, sttzt sprechen darf auch'keiner, also kann uch woyi r»>>> renken, wie die Arbeiter dort in der Anstalt an die Arbeit jeiselt sind. Nun kommt der Verdienst, den der Arbeiter, Sag erhält. Derjenige also, der nur einen Monat dort ist, be- komnit 4 Pf., der zwei Monate, bekommt 8 Pf. und der bis sechs Monate,.erhält L0 Pf. und dazu kommt noch, wenn er über das Pensiön arbeitet, bekommt er noch 30 Pf. Zuschuß pro Tag, dari.ach>'vist zu urtheilen, daß sogar übermäßig gearbeitet wiro, es ist, wie Nocrent behauptet, vorgekommeu, daß einzelne rei der Arbeit umgefallen sind, wegen allznscharser Anstrengung und dennoch sagt Fischer aus Gera in seiner Broschüre, daß zwei Strasarbeiter nur soviel fertig schaffen, wie rin freier Ari eitcr. Dieses widerlegt Nestwenr, indem er meint, daß das Umgekehrte wohl trefflicher wäre, denn der Straiar- reitcr lie ert eine große Masse Arbeit ab, aber diese Arbeit kann man recht benennen als Schundarbeit. Nun kam Redner auf die Dauer der Arbeitszeit und auf die Kost zu sprechen, er bekundete, daß im Sommer des Morgens um 0 Uhr an die Arbeit gegangen wird, vordem giebl eS Suppe, dann wird bis v Uhr gearbeitet, wo dann eine Viertelstunde Pause eintritt, da nimmt zedcr seine„Knülle" bei der Hand und streut sich jeder Salz darauf, soviel wie er kann und mag und verzehrt sie mit Widerwillen; es giebt ja auch Schmalz und Butler, aber nur diejenigen bekomme» es, die längere Zeit schon darin sind, aber auch nur für ihr Geld. Um 12 Uhr giebt es Mittag und dieses besteht ans Brühreis, Rumsort, Bohne», Erb- sen uno Linsen. Fleisch giebt es mir zu Königs Geburtstag und zu den hohen Feiertagen und dieses Stückchen Fleisch wird ge- uannt Sperling. Wenn das Mittagsmahl verspeist ist, dann gehl es auf den Hos und es wird dann angctrelen zum Bärentanz. Um 1 Uhr geht es wieder an die Arbeit und dauert dieselbe bis 0 Uhr, wo es bann Mehlsnppe oder>vie ma» es nennt, blauen Heinrich giebt. Am Sonntage wird Kolonitenweis nach der Kirche gegangen, wo den Slrafarbcitern dann das Wort Gottes verkündet wird.(Bete und Arbeite.) Redner betont« zum Schluß, daß der Strasarbeiter den freien Arbeitern eine große Konkurrenz enigegenstellt, die wohl werth wäre, daß sie abgeschnsft nürd?. In der Tisknssion sprachen sich mehrere Kollegen im Sinne des Referenten aus, unier anderem auch Kollege Jeschle, der die Gefangnißarbeit einer scharjen Kritik nnlerzog; er meinte. daß wir nichts von den herrschenden Klassen zu erwarten haben, doher sehen n»»magsrnye als fein Ideal hin. Jetzt endlich, nachdem die Wortmeldung L'/z Stunden vorher stattge,u»den hatte, erhielt ein Nicht-Gewerk vereinler, Kaufmann Türk, das Wort. Gleich zu wiwde er vom Handelslehrer Sommer(Vorsitzender des VerKtÄ deutsther Kaufleute) angerempelt, ob er auch Kausmaun sei- ylnchdon Herr Türk die beruhigende Autwort ertheilt hatte, krhiclt er i och "«cht das Wort, sondern nun wurde über di» vorher«ttge- theilte Resolution abgestimnit. Kaufniann Rosenthal bean ragte getrennte Abstimmung über die beiden Theile der Resolution. Gesetzlicher Schluß um 10 Uhr Vormittags— fr«'« wegen Verkürzung der Arbeitszeit, dam.t auch diesonallst che.. «imLä 'na— en,rt»nnüatirt« NUN, ge- pro -----»... Resultat Herr Dr. Hirsch c"Ä> So wurde, denn die gesammte Resol per Mehrheit angenomnien. Herr Tiirk konstatirte nun, nmiiiler mit fliegende» Fahnen in das Lager der Uten icheraeaanaen seien, denn vor noch kurzer Zeit hätten sie sich gegeii gesetzliche Regelung jedweder Frage der Ar- beitszeit energisch verwahrt. Als er nun ein Flugblatt des Gewerkvercins besprechen wollte, wurde er zur Sache ver- wiesen, und trat deshalb ab. Das gab dem„hervorragenden" Abgeordneten Dr. Pachnicke billige Gelegenheit, die Frage der Sonntagsruhe derart zu erörtern, daß er auf den sozialistischen Zukunftsstaat losklopfte, und einen Mann todtschluq, dem man vorher das Reden verboten hatte. Endlich riß der Versammlung die Geduld, und durch kräftige Rufe„zur Sache",„Sonntagsruhe" wurde Herr Pachnicke belehrt, daß von der Sonntagsruhe der Kaufleute bis zum ZukunfSstaate ein etwas weiter Weg sei. — Aus Anfrage war privatim vom Vorstand mitgetheilt worden daß Herr Auerbach nunmehr der nächste Redner sei, doch wie merkwürdig, als nach Herrn Dr. Pachnicke ein Schlnßantrag«ingebracht wurde, fanden sich mit einem Mal noch zwei Herren vor den Herren Sluerbach und Rosenthal verzeichnet.— Natürlich wurde der Schlußantrag vom Geivcrk- vereinsvorstand nngenomme», anscheinend in vollerllnkenntniß jeden parlamentarischen Gebrauchs, und sofort ertönten a»s den Reihen der Wewerkvereinler viele Rufe: Auerbach soll reden!— Die Stimmung der sozialistischen Kaufleute über die Feigheit oder den Liberalismus der Freisinnigen kam dam, dadurch zu», AuSbrnck, daß sich die sozialistischen Theilnehincr(etiva 100 bis 200 Mann) zusammenschaarte», kräftige Hochs auf die internationale Svzialdemolratie, wie ans Auerbach aus- brachten, und dann«nler dem Absingen der Marseillaise den Saal p.cließen.— Draußen ans der Straße ertönten noch einmal die Hoctzrufe, und dann trennte sich die erregte Menge. Besonders mnv noch die„Liberalität" der ineißbesd, leisten Ordner erwähnt werden, die mit wahrer W»th ihres Amtes walteten, und manch herbes Spottwort als Dank für ihre staats- retteris.ce Thätigkeit ernteten. Freie Urrrinignn« der Zitanrer Kerlina und Alm- grgcnd. Eine Mitgliederversammlung des Vereins ,a»d am 24. Juni im Gesellschajtvhaus Süd-Ost mit folgender TageSord- »ung statt: 1. Vortrag des Herrn Wilhelm Werner über: Die Freiheit der Arbeiter. 2. Diskussion. 8. Verschiedenes. Da bei Beginn der Versammlung der Referent noch nicht amvefend war. wurde zunächst der dritte Punkt der Tagesordnung erledigt und nahm Kollege Karl Schmidt hierzu das Wort. Redner bedauert, daß die deutschen Maurer so wenig Rücksicht auf nnscre War- nungen genommen habe», welche wir im Winter und Frühjahr dieses JahreS in Betreff des Zuzuges erlassen, da unser Kampf mit de» Unteniehiner» betreffs der neunstündigen Arbeits- zeit und eines Stundenlohnes von 00 Pfennig noch nicht beendet ist. Durch de- starken Zuzug und den Jndifferenlismus der hiesigen Kollegen sind unsere Errungen- schaslen theilweise illusorisch gemacht. Dieses darf uns aber nicht abhalten, ruhig»veirer zu kämpfen und einzutreten für unsere Forderungen, bis dieselben voll»nd ganz bewilligt sind. Da der Referent inzwischen erschienen>var, wurde diesex Sache abgebrochen»nd demselben daS Wort zu seinen» Vortrage ertheilt. Herr Werner beleuchtete in treffender Weise das Un- haltbare unserer heutigen Gefellschastsordnung, daß bei der ab- hängigen Stellung, welche die Arbeiter in derselben einnehmen, von einer wirklichen Freiheit nicht die Rede sein kann. Der Gcsamntleindruck des Vortrages kam in folgender Resolution, wei«e während des Vortrages etagegangeu war. zur Geltung! Resolution: Die heutige Versaniinliing erklärt: In Er- wägung, daß es nur Schein, reiheit und nicht wahre Freiheit ist, in welcher sich heute der Lohnarbeiter befindet, indem derselbe als besitzloser Arbeiter seine Waare, die Arbeitskraft, für kärglschen Lohn einem kapitalbesitzendeil Unternehmer verkanfe» muß und durch das Machtgebot des unnbiveisbare» Hungers sich in ein thatsäch- licheS Knechtschastsverhältniß fügen muß, daß somit daS heutige Lohnarbeits-Sysleni der Forderung der Gerechtigkeit»nd Humanität ebensowenig entspricht>vic Sklaverei und Leibeigenscha,! früherer Zeiten, daß eS somit Aufgabe der Arbeiterklasse ist, dahin zu streben, daß dieser Ungerechtigkeit ein Ende bereitet ivird und die heutige privalkapitaliftische Produktionsweise umgeändert ivird in eine genossenschaftliche Produktionsiveise, in welcher jedem nach seinen vernuinigeinäßen Bedürfnissen der Ertrag seiner Arbeit ge- sichert ist; daß es somit Sache der Arbeiterklasse ist, vereint dem Drucke der Kapilalsherrschast Widerstand zu leisten, sowie durch Bildiiiig sich zur inneren und äußeren Selbstständigkeit zn er- hebe», nur dann erst wird der Arbeiter stet und Herr seiner selbst sein." Diese Resolntioi, wurde einstimmig angenomnien. Stach- oem der Vorsitzende noch die Kollegen ermahnt hatte, in ihrem eigenen Interesse das stehende Bureau von allen Vorgängen ans den Bauten zu benachrichtige», schloß die Versammlung mit einem Hoch ans die internationale Arbeiter- bewegiing. Die Freie Nereinionng der Dkanrer Derlin»„>»d Umgegend hielt am 23. d. M. eine Versa», inlnng im Lehman»' schen Saale, Schivedterstr. 24, ab, die trotz des schlechten Wetters gut besucht war. An Stelle deS verhinderte» DJ«, muten, Herrn Link, sprach Herr Jezorke über daS zur Tagesordnung stehende Thema:„Tie politische und wirthschastliche Lage". Ter Vortragende schilderte in einem historischen Rückblicke den Kampf der Völker um Menschenrechte und brachte sodann die 14 Artikel (die Menschenrechte), welche am 29. Mär; 1849 von der National- versaininliing proklamirt worden sind, zur Kenntniß der Ver- sannnlung. Von diesen Menschenrechten sei, so führte Redner auS, heute wenig oder aar nichts mehr zu spüren, und hatte sich der Vortragende die Aufgabe gestellt, durch Beleuchtung der he tigcn politischen Lage den Beweis hierfür zn er- bringen, was ihm auch durchaus gelang. Ans daS wirthschastliche Gebiet übergehend, tadelte der Vortragende an der Hand eingehender stalistischer-Notizen besonders die mangelhaste beziehungsiveise unzureichende Fabrikinspcktion. ivaS aus die zu geringe Zahl der Fabrikinspektorc» ziirückzusühreu sei, so daß eö nicht Wunder nehme» kann, daß die Ausnutzung der Arbeiter, Frauen und Kinder, seitens der Fabrikanten eine unbeschränkte ist. Auch hier Helsen dem Vorsitzenden iviederliin statistische Zahlen seine Darlegungen zu veranschanlichen. Redner zeigte das Massenelend, die wirthschastliche Nothlage, unter der alle Arbeiter, und nicht zum ivenigflen die Maurer, zu leiden haben und daß sie mit Natnrnothivendigkeit dazu gedrängt wür- den, Forderungen zu stellen, welche, begründet durch statistische Zahlen, nicht kurzer Hand würden als„maßlos" abgewiesen werde» können. Im Anschlüsse hieran erläuterte Herr Werner des Weiteren in gediegener Weise die wirthschastliche und politische Lage, seinen Aiijführungeii die Lassalle'sche Lehre und eine», Brief desselben an Lothar Bücher, welchen er zur Verlesung brachte, zn Grunde legend und daran seine Erläuteriingen knüpfend, im Verlaufe deren der die Versammlung überwachende Polizei-Beamte Veranlassting nahm, aus Grund des s 9 des So- zialillen-GesetzeS aufzulösen. Gin» öjfentlich» Kersaminlung fnmmtUch»»' i» dev »larmordranchr beschäftigten Arbeiter Berlins tagte am 24. Ju», in Deigniüller'S Lokal, um einen Vortrag des Herrn Zubeil über de»„Nutzen einer Zentralisation" zu hören und zwecks Stellungnahme zur Streik-Kontrol-Kounnission. Das Bureau bestand auS den Kollegen Panlikat. Pichel und Gersten- berger. Ter Referent schilderte zunächst das Eiitsteheu der Organisationen im Jahre 1833 und hob hervor, wie sehr sich die deutschen Arbeiter in den 27 Jahren die Worte Ferdinand Lassale's:„Arbeiter Deutschlands, organisirt Euch" beherzigt haben, mit Recht sei von diesen ersten Vereinigungen Zentralisa- tion angebahnt worden. Auch in dieser(der Marmor-) Branche sei eine zentralisirte Orga isation sehr zu empfehlen, da es den wenigen, an andern, kleineren Orten vorhandenen Marmor- arbeitern nicht möglich ist, selbst eine Organisation zu. gründen oder einer bestehenden beizutreten; an Erreichung besserer Arbeits- bedingungen sei ohne Vereinigung aber nicht zu denken. Viele seien gewöhnt, die bei einem ausbrechenden Streik zugezogenen oder herangezogenen Streibrecher einfach mit Verachtung zn strafen, man habe aber nicht dafür gesorgt, daß diesen Leuten Aufklärung iverde, deren sie noch vielfach bedürfen; iverde ihnen Gelegenheit geboten, einer Organisation beizutreten, dann könnten auch diese zur Erkenntniß ihrer Lage kommen. Man solle in diesem Sinne beschließen, dann habe man ein gutes Werl im Interesse der Ar- beiterbeivegung gethan.(Lebhafter Beifall.) Sodann wurde sol- gende Resolution angenommen: „Die heutige Versammlung erklärt sich mit den Aus- führungen des Referenten voll und ganz einverstanden und erklärt, eine Zentralisation sämmtlicher Marmorarbeiter Deutschlands anzustreben. Das heut bestehende Bureau wird ermächtigt die nöthigen Vorbereitungen zu treffen." Eine weitere Diskussion fand auf Antrag des Herrn Hannig über diesen Punkt nicht statt. Nachdem Herr Zubeil den Werth und Zweck einer Streik-Kontrolkommission klargelegt und nament- lich die Unternehmcrkoalitionen und deren Gebahren einer herben Kritik unterzogen hatte, wurden die Kollegen Albert Thies und tertel einstimmig als Delegirte zur Kommission gewählt. Unter erschiedencm ehrte die Versammlung das Andenken deS verstorbenen bewährten Kollegen Ziedrich durch Erheben von den Plätzen. Schluß der Versammlung Va12 Uhr. Am Dienstag, de»» 17. Juni, fand in Jordan's Salon eine Militärschneider-Versainmlnng des Militärschneiders-Vereins statt mit der Tagesordnung: Vortrag des Herrn Millarg über: „Die moderne Arbeiterbemegnng und der Achtstundentag." 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Nachdem das Protokoll aus der letzten Versammlung verlesen und angenommen wurde, erhielt der Neserent das Wort zu seinem Vortrage. Er kritistrte die Ueber- völkernngsfrage, daß nicht dadurch die schlechten Zustände in der Arbeiterbewegung eingetreten sind, sondern lediglich nur die heutige Produktionsiveise(durch das Maschinenwesen) der Faktor sei, welcher so viele Tansende Arbeiter brotlos macht. Ferner führte Redner an, daß sich alle Gewerkschaste» vereinigt hätten, »in, Front zu machen gegen diese Zustände und durch IS2 der Gewerbeordnung eine Besserstellung der Arbeiter zu erzielen. Da tras aber i», Jahre 1878 die ganze Arbeiterschaft ein harter Schlag, nämlich daS Sozialtstengcseh, durch welches bis heute 103 Ver- gnügnngsvereine, 78 Lokalvcrcine und 17 Zentralvereine aufgelöst wurden. Das Kapital stellt die Forderungen der Arbeiter um eine kürzere Arbeitszeit als frivol hin und ruft die Behörden um Schutz und Beistand an. Aber die Negierungen werden sich doch bald verpflichtet jühlen müssen, für die Arbeiter eine kürzere Arbeits- zeit auf gesetzlichem Wege einzuführen, denn das zeigen jetzt schon die Rekruten bei den Aushebunge», wo laut Statistik die pom- merschen Bauernjungen immer die strammsten iiild festesten Sol- date» waren, jetzt aber von Jahr zu Jahr zurückgehen, weil sie schon in ihrer Kindheit die Gesundheit dem Kapital preisgeben müssen, durch die übermäßige Arbeitszeit, und dann Iwenn sie Soldat werden sollen, ihnen das Mark in den Knochen fehlt. Es sei auch jetzt an der Zeit, daß sich alle Gewerkschaften innner enger und enger verbinden und schloß Referent mit den Worten, welche der Volksmann Marx an die Arbeiterschaft gerichtet hat: „Proletarier aller Länder vereinigt Euch!" Großer, lebhafter Beifall folgte diesen Ausführungen. Unter„Verschiedenes" wurde die Wahl eines Delegirte» in dieZentral-Streikkonunission besprochen und Herr Millarg legte den Nutzen und Zweck dar. Die Noth- wendigkeit ist vorhanden, einen Delegirte» auch von uns zu ent- senden, worauf die Versammlung beschloß, daß die nächste Ver- sammlung eine öffentliche sein soll, um eine Wahl vorzunehmen. Auch sollen die Vereinsversammlungen auf 4 Monate hinaus monatlich nur einmal stattftnden. Kollege Schnitze legte auch noch klar, daß es eine falsche Auffassung betreffs der Ehrenmitglieder war, denn in Arbeitervereinigungen giebt es keine Ehren- Mitglieder, aber von Beiträgen sollen frei sein, wer das Vtz. Lebens- jähr überschritten habe. Hierauf schloß der Vorsitzend« die Ver- sammlung. Der Fachverein der Tischler hielt am 23. Juni in Joel's Lokal eine außerordeulliche Generalversammluiig ab mit folgender Tagesordnung: I. Wie stellen wir uns zur Einführnng des Werkstatt-Bertrauensmänner-SystemS? 2. Verstärkung der Werk- statt-Kontrolkommisston eventuell Neukonstitnirung derselben nach Branche». I. Anträge. Stach einer kurzen Einleitung des Vor- sitzenden entwickelt sich über den ersten Punkt eine umfangreiche Diskussion. Einige Kollegen befürworten die Einführung von Werksiattdelegirte» ans das wärmst». Der Schwerpunkt der Organisation sei nach der Werkstelle zn verlegen, da diese der geeignetste Ort zur Agitation sei. Da außerdem die Werkstatt- delegirten die Beiträge einzukassiren»nd auf fleißigen Besuch der Versammlungen hinzuwirken haben, so dürfte ihre Einsührung der Organisation in jeder Weise zum Vortheil gereiche». Demgegen- über wird angestihrt, daß die Verpflichtungen, welche der Tele- girte oder Vertrauensmann übernehmen solle, eigentlich jeden, Vereinsmitgliede obliegen, jeder milsse sich als ein Sendbote des Vereins betrachten und denselben nach Kräften zn fördern suchen. Wohl könne den Mitgliedern vielleicht durch Annahme einer Re- solution anheimgegeben werden, in jeder Werkstatt einen Kollegen mit der Empfangnahme der Mitgliederbeiträge zn betrauen, jedoch einen offiziellen Vertrauensmann zu wählen oder ernenne», empfehle sich deshalb nicht, weil dies bei der große» Anzahl von Werkftellen einige Tausend Delegirte geben würde; also ein ganz ungeheurer Apparat, der schließlich jede einheitliche und geschlossene Leitung unmöglich mache. Fernerivürden die Vertrauensleute bei der aegenwärtlgen Stimmung der Arbeitgeber sehr bald Maßregc- lungen ausgesetzt sein.— Nachdem die ganze Angelegenheit auf diese Weise für und wider beleuchtet, findet sie ihre Erledigung durch Annahme folgender Resolution: Die heute in Joül's Lokal tagende außerordentliche Generalversammlung beschließt: In Er- wagnng, daß, bei der raschen Zunahme der Mitgliederzahl es geboten erscheint, die»en gewonnenen Mitglieder als thätige und zahlende Mitglieder stir den Verein erhalten bleiben, die Mit- glieder in zedcr Werkstatt aufzufordern, ein dem Fach- verein angehörenden Kollegen damit zn betrauen, die Bei- träge der aesammten Kollegen allwöchentlich abzuliefern, und ihn zu verpflichte», alle in der Werkstatt arbeitenden Kollegen anzuhalten, die Vereinsversammlnngen zu besuchen. Zu Punkt 2 findet ein Anttag Annahme, welcher besagt, die Werkstatt-Kontrol- komniisfion in ihrer jetzigen Zusammensetzung bestehen zu lassen und nur auS de» einzelnen Branchen je einen Vertreter zu wählen. Es wurden folgende Kollegen gewählt: Abraham(Modelltischler», Hirsen(Küchenspindbranche), Klomm(Treppengeländer), Tischler (Klavierarbeiter), Eubling(Galanterie). Ferner wurden den Hamburger BanarbeUern sowie den htesigen Metallarbeitern je 300 M. als Streilunterstützuno beivstliat Große öffentliche Versammlung her Putzer Berliks t Mg. am Montag, den 30. Juni, Uachm. 5 Ulir, im Konzerthaus Tanssouoi, Kottbnserstr. 4a. Tages-Ordnung: I. Vortrag des Stadtv. Hrn. LeinSorl über:„Unsere heutige wirthschaft- lick>e Lage. 2. Abrechnung des Genernlfonds und Neuwahl der Vertrauens- männer. S. Verschiedenes.— Zur Deckung der Unkosten findet Tellersammlung statt. Der Einberufer: H. Siefert, Skalitzerstr. 54a. NB. Sämmtliche Kollegen, welche noch Marken zum Vertrieb haben, werden hiermit aufge ordert, dieselben spätestens bis Montag, den 30. d. M., an die Vertrauensmänner abzuliefern. 2165 Achtung, Maurer! so. o. H. W. S. C. Die Verkehrslokale, in denen die Vertrauensleute freiwillige Beiträge zum Generalfonds entgegennehmen, befinden sich bis auf Weiteres an folgenden Stellen: (W. Kerstan, kassirt bei E. Schmidt, Skalitzerstr. 61, Keller. (lZ. Raschke,„ Waldemarstr. 61. (E. Gröppler,„„ Hinze, Krautstr. 42. (K. ScIiuSz,„„ Böhl, Rüdersdorferstr. 8, Keller. (H. SchigoSsky, kassirt bei R o s e n t h a l. Metzerstr. 23. (K. Markavsaky,„„ V a t h, Gerichtstr. 19. (E. pinkonrsky,„„ Grafunder, Schwerinstr. 9. (Ä. Bieneck,„„ B ö h l a n d, Bülowstr. 52. R. Klingenderg,„„ Zechliu, Hornstr. 11. K, Lehmann,„„ K n h l m e y. Neue Friedrich- und Rosenstragen-Ecke. kkoabit, Milling, kassirt Sonnabends bei Holzbecher, Rathe- nowerstraße 89, und Montags bei Fink, Birkenstraße. NB. Wir weisen nochmals auf den Antrag der Versammlung vom 16. April(Buggenhagen) hin, welcher besagt, daß ein jeder in Berlin arbeitende Maurer bis auf Weiteres pro Woche 50 Pf. zum Gencralfonds beizusteuern hat. Es werden aber die Gelder nur in den betreffenden Lokalen entgegen- genommen, nicht mehr in den Wohnungen, wie bisher. Geschäftsstunden sind jeden Sonnabend und Montag, Abends von 8 bis 10 Uhr. 1093 Es wirll gebeten, Obiges in den Baubuden vorzulesen. Maurer Berlins, Vereinigung an! i, 2. 8. 4. 5. 6. 7. 8. 9. 10. 11. schließt Euch alle der Freien iCTOüaiiii�i11« | ist das beste Zliihgarii für Hand-«.Maschinen-. ' Ziahrrei, hat in allen Nummern garantirt«ollev Maaß, ist haltbarer als jedes andere Garn, näht in- folge seiner Geschmeidigkeit auf jedem Maschinensystem! gleich gut. 6901 Schutzmarke. Schwarzes f&ronengarn, verändert seine Farbe nie. Weißes Kronengarn Man achte auf die nebenstehende Hchnbmarke. Ii! allen solihea kesGstek her tacht kiiuM. 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Druck und Verlag von Wa» Kadiug in Berlin SW., Beuthstraß» 2.