Ur. 149. Dienstag, de« 1. Juli 1890. 7. Jahrg. berliner Dolksblötl. Hrgan für die Znlerefsen der Arbeiter. Das„Berliner Volksblatt" erscheint täglich Morgens außer nach Sonn- und FesttaZen. Abomrementspreis für Berlin frei in'S HarrS merieljährlich 3.30 Mark, monatlich 1,10 Mark, wöchentlich 28 Pf. Ein«hie Numiner 5 Pf. Sonntags-Nummer mit dem.Sonntag--Blatt- 10 Ps. Po.tabonueu.eut 3,30 Mar pro Quartal. (Eingetragen in der PottzeilungsprciSiNte für 1890 rmter Nr. 892, V. Nachtrags Tlnter Lren»band. täglich durch die Expedition, für Deutlchlaud und Oc>tcrrelch-Ungarn S Mark, für das übrige Ausland 3 Mark pro Monat. Jnsertionsgebühr beträgt für die 5 gespaltene Petitzcilc oder deren Raum 40 Pf., für Vereins- und VerfammlungS- Anzeigen 20 Pf. Inserate werden bis 4 Uhr Nachmittags in der Expedition, Berlin SW., Bcuthltraße 3, sowie von allen Annoncen-Bureaur, ohne Erhöhung des Preises, angenommen. Die Expedition ist an Wochentagen bis 1 Uhr Mittags und von 3—7 Uhr Nachmittags, an Sonn- und Festtagen bis 9 Uhr Vormittags—-■K—* -♦-• Fernsprecher: Amt VI. Ur. VetmKkimi: Veukhptvatze 2.— Expedition: Vouthtteo�e 3. AbMileiiltilts-Einllldllllg. Für das M. ynartal eröffnen wir ein neues Abonnement auf das „Kerliner UolKsblatt� nebst dem wöchentlich erscheinenden Konntnoolilatt. Der Abonnementspreis beträgt frei ins Kana für das ganze Vierteljahr 3 Mark 30\ff.t monatlich 1 Mark 10 J)f., wöchentlich Ä8 JJf. Bestellungen werden von sämmtlichen Zeitungsspediteuren, sowie von der Expedition unseres Blattes, Beuthstr. ö, entgegen- genommen. Wir müssen nachdrücklich darauf verweisen, das, es endlich an der Zeit ist, daß die Arbeiter Berlins sich von der gegnerischen Presse emanzipireu. Zu den Gegnern gehören auch die sogen. unparteiischen oder politisch-sarblosen Blätter. Sie gerade gehen nur darauf aus, die große Masse in der Unwissenheit zu erhalten, um sie desto ungestörter ausnützen zu können. Ein aufgeklärter Arbeiter liest nur die Arbeiterpresse i Für außerhalb nehmen sämmtliche Postanstalten Be- stellungen für das Vierteljahr gegen Zahlung von 3 Mark 30 Vf. an. Redaktion und Expedition des „Keriwer Uoiksblatt�. Dte in VveMjen. i. N.ber die der Inspektion im engeren Sinne gewidniete Thätizkeit belehrt uns die Zahl der Reisetage der Gewerbe- rähe, dieselbe ist auffallend gering und beweist, in wie hohe n Maße die Fabrikaufsichtsbeamten mit anderweitigen Arbeiten bedauerlicherweise überlastet sind. Einige Beispiele seien hier angeführt. Der Fabrikinspcktor für Ost- und Westpreußen registrirt 163 Reisetage, der für Breslau und Liegnitz 9v, im Ganzen nahm er nurLRevisionenzurNachtzeitund 14 anSonntagen vor, der Inspektor für den Bezirk Frankfurt a. O. und Potsdam registrirt 146 Reisetage und 8 Revisionen zur Nachtzeit und 11 an Sonntagen, der Inspektor für Hannover weist 130 Reisetage nach und hat 12 Betriebe zur Nachtzeit inspizirt, der Magdeburger Inspektor hat vom 15. April bis 31. Dezember v. I. 82 Tage auf der Reise verbracht, 6 Betriebe an Sonntagen nnd 6 zur Nachtzeit besucht, der Inspektor für Aachen und Trier hat gar nur 75 Reisetage und der für die Regierungsbezirke Köln und Koblenz ab 16. Mai v. I. nur 32 Reisetage aufzuweisen. Feuilleton. Nachdruck v«rbo,»i>.i_(71 „Zum Giiidc der Damen." Roman von Emile Zola. Antorisirte Ilebersetzung von Armin Schwarz. Das arme Kind ist traurig genug, daß er in Paris eingesperrt bleiben muß, während wir eine Spazierfahrt machen werden. Denise lächelte, trotzdem die Geschäfte ihr schier über den Kops wuchsen. Sie überließ Madame Bourdclais eine ihrer Berkäuferumen und begab sich mit ihren Brüdern in einen Winkel der Abtheilunz,>vo das Georänge weniger stark war. Die Kleinen, wie sie sie noch immer nannte, waren recht große Jungen geworden, Pepe, zwölf Jahre alt, war schon größer, als sie selbst, ein recht sanfter Knabe in seinem Schüterkleide, während Jean hoch und kräftig, sie um einen ganzen Kopf überragte; er hatte seine ganze weibliche Schönheit bewahrt mit seinen blonden Haaren, die er nach Art der kunstgciverblichen Arbeiter bis ans die Schultern herabfallend trug. Sie aber noch immer klem und schmäch- tig, bewahrte ihnen gegenüber ihre mütterliche Autorität und behandelte sie noch imml.: als große Jungen, die man pflegen muß. Sie schalt Jean aus, daß er den Ucbcrrock nicht gut zugeknöpft habe und überzeugte sich, ob Pcpe auch ein reines Sacktuch habe. Als sie sah, daß Pepe geweint hatte, schalt sie ihn in sanften Worten ans. Sei doch gescheidt, mein Kiciner, man darf seine Diese Angaben allein erbringen den vollgiltigen Be- weis, daß die Jnspektionsthätigkeit eine absolut un- genügende ist, daß die Fabrikanten ziemlich sorglos das Gesetz übertreten können, da die Wahrscheinlich keit, voit Aufsichtsbcamten dabei betreten zu werden, eine sehr geringe ist. Dazu kommt noch, daß gerade zu jener Zeit, wo die Inspektion am dringendsten nöthig wäre, zur Nachtzeit und Sonntags, Inspektionen fast gar nicht vor- kommen. Welche Bedeutung können da z. B. die Angaben der Inspektoren über die Zahl der Uebertretungen des Ber- botS der Nachtarbeit jugendlicher Hilfsarbeiter haben, da ja zu dem Mangel jeder Thätigkeit der Inspektoren zur Nachtzeit das männiglich bekannte Ungenügen der ortspoli- zeilichen Aufsicht hinzukommt! Zur Kontrole der Arbeits- bücher und Arbeitskarten mögen ja die Ortspolizei-Behörden genügen, was freilich auch bestritten wird, aber für diese Thätigkeit haben ihnen wahrlich die Arbeiter keinen Dank zu wissen; die Ortspolizei-Behörden hätten Nützlicheres zu thun, dafür taugen sie aber nicht, noch haben sie das nöthige Interesse für diese Aufgaben, noch sind sie endlich geeignet den besonders in kleineren Orten tonangebenden Fabrikanten gegenüber den entsprechend energischen Ton mit Nachdruck anzuschlagen.. Die wesentlichsten die Arbeiter interessirendcn Bestim- mungen der bisher geltenden deutschen Gewerbeordnung sind das Verbot der Arbeit von Kindern unter 12 Jahren, das Verbot der Frauenarbeit unter Tage und das des Trucks. Die Durchführung dieser Bestimmungen, soweit sie sich aus den Fabrikinspektoren-Berichten ergiebt, wollen wir im folgenden beleuchten. Neber das Abnehmen bezw. Wachsen der Zahl der Kinder und jugendlichen Arbeiter werden wir leider hicr un- genügend insormirt. Nur in 13 der 18 Berichte fanden wir Einzclangaben hierüber, und diese sind keineswegs erfreulich. Nur in einem dieser 13 Bezirke ist die Zahl der 12 bis 16jährigen Fabrikarbeiter um 153 Personen z n r ü ck g e- gangen, diesem Rückgänge steht entgegen ein W a ch s e n dieser Zahl in 12 Bezirken um 10 045 Personen, demnach war das Wachsen dieser Zahl in den 13 Bezirken 10 492 Personen. Wahrlich, wir sind in der zwölften Stunde in Bezug auf die Nothigung mit aller Entschiedenheit der von Jahr zu Jahr steigenden Ausbeutung jugendlicher und kindlicher Arbeitskraft einen Riegel vorzuschieben. Wie schwächlich sind aber dagegen die in der Novelle zur Ge- werbeordnung zum Ausdruck kommeuden Bemühungen der Regierung in dieser Hinsicht! Selbst die schärfsten und Studien nicht unterbrechen. In den Ferien will ich Dich mitnehmen; willst Du etwas, soll ich Dir etwas Taschengeld geben? Dann zum Andern gewendet: — Du machst ibm den Kopf verrückt, indem Du ihm erzählst, daß wir fahren. Sei doch vernünftiger. Sie hatte dem älteren Bruder 4000 Franks, die Hälfte ihrer Ersparnis�, gegeben, damit er seine Haushaltung e>u- richten könne. Der Jüngere kostete sie viel Geld im Kolle- ginm. Sie verwendete ihren ganzen Verdienst auf die Brüder, ganz wie ehemals. — Da ist vor Allein in diesem Packet der Havanna- farbige Paletot, welchen Therese.... Doch er unterbrach sich und als Denise sich umwandte, um zu sehen was Jean so eingeschüchtert hatte, bemerkte sie Mouret hinter ihnen stehen. Er betrachtete schon seit einer Weile das Schauspiel, wie sie mit den beiden Jungen Klcinmüttcrchen spielte, sie bald ausscheltend, bald küssend. Bourdoncle war bei Seite stehen geblieben, anscheinend ganz dem Verkaufe gewidmet, in Wirk- tichkeit aber kein Auge von dieser Szene lassend. — Das sind Ihre Brüder, nicht wahr? fragte Monret nach kurzem Stillschweigen. Mit der nämlichen Kühle, mit welcher er gesprochen, erwiderte Denise: — Ja, inciu Herr. Den älteren habe ich vcrheirathet und nun sendet ihn seine Frau verschiedener Einkäufe halber. Monret fuhr fort, die Drei zu betrachten, dann sagte er: — Der jüngere ist ordentlich in die Höhe geschossen. Ich erinnere mich, ihn eines Abends in Ihrer Gesellschaft im Tuilleriengarten gesehen zu haben. blindesten Gegner«der Sozialdemokratie, müßten soweit sie kein persönliches Interesse an der Degenerirnng unserer heranwachsenden Jugend haben, mit aller Entschiedenheit die Forderungen unserer Partei in Rücksicht aus den Kinder- schütz unterstützen. Aber dazu fehlt ihnen, abgesehen von der mangelnden Kenntniß der thatsächlichen Verhältnisse, jede Spur guten Willens. Nur aus Aachen, Trier und Sigmaringen werden Ueber- tretungen in Bezug auf die Arbeitszeit jugendlicher Arbeiter nachgewiesen. Leider steht uns kein Material zu Gebote, nachzuweisen, daß solche Uebertretungen anderwärts nicht vorkommen, doch brauchen wir keinen Moment Zweifel zu hegen, daß die Gewerberäthe von häufigem Vorkommen durch das Gesetz verbotener Kinderarbeit überzeugt sind, und daß sie selbst in der geringen Zahl ihrer Revisionen besonders zur Nachtzeit und in den sattsam bekannten Praktiken der Fabrikanten in Bezug auf das Verbergen der Kinder vor den Inspektoren die Ursachen der nicht konstatirten, zahlreichen Uebertretungen sehen. Die englischen Inspektoren haben eine Menge solcher Schliche nnd Kniffe der Unternehmer aufgedeckt; so glückte es einem Inspektor, stets eine Menge Kinder anzu- treffen, indem er bei Besuch der Fabriken zuerst die Ab- tritte aufsuchte, wo er wie in einem Häringfaß die Fische, die Kinder dicht gedrängt eingesperrt antraf. Der englische Delcgirte Smith am hygienisch-demographischen Kongresse in Wien erzählte, daß in London die in Bäckereien beschäf- tigten Kinder oft in Mehlsässern verborgen würden, sobald daS Kommen des Inspektors gemeldet war. Wenn die Fabrikinspektoren-Berichte die einzige Quelle für unsere Kenntniß der deutschen Arbeiterverhältnisse wären, müßte man wahrlich annehmen, daß die gesetzlichen Be- stimmungen über die Kinderarbeit musterhaft aus- geführt werden, denn nur ganz vereinzelte Fälle von Beschäftigung von Kindern unter zwölf Jahren, von mehr als Ostüudiger Beschäftigung der 12— 14jährigen Kinder, von der Thätigkeit solcher Kinder in Zündhölzchen- fabriken finden sich in den Jnspektorenberichten registrirt. Da aber alle Veranlassung vorliegt, anzunehmen, daß solche Fälle weit häufiger vorkommen, so sehen wir in der geringen Zahl der diesbezüglich gemeldeten Uebertretungen nicht nur kein erfreuliches Zeichen, sonden im Gegcntheile einen neuerlichen Beweis für das Ungenügen der Inspektion in Preußen. Zn dem gleichen Resultate gelangen wir, wenn wir sagen, daß kein Fall von Truck, fast kein Fall von unge- Bei diesen langsam gesprochenen Worten zitterte seine Stimme. Sie bückte sich verwirrt, unter dem Vorwande, den Gürtel Pepes in Ordnung zn bringen. Die beiden Brüder erröthcten und lächelten dem Patron ihrer Schwester z». — Sie sehen Ihnen sehr ähnlich, bemerkte Mouret weiter. — O, rief Denise, sie sind viel schöner, als ich. Er schien einen Augenblick die Gesichter vergleichen zn wollen. Doch er war mit seiner Kraft jetzt zn Ende. Wie sehr liebte sie die Kinder, sagte er sich. Er machte einige Schritte, dann kehrte er wieder zurück und flüsterte ihr in's Ohr: — Kommen Sie nach dem Verkaufe in mein Kabinet hinauf. Ich habe mit Ihnen zu sprechen, bevor Sie ab- reisen. Nun entfernte er sich und nahm seinen Rundgang wie- der ans. Der innere 5eamps brach in ihm von Neuem wie- der los. Das Rendezvous, welches er ihr gegeben, reizte ihn jetzt. Welcher Regung hatte er nachgegeben? fragte er sich. Es ist doch thöricht, daß er keinen eigenen Willen mehr hat. Aber wenigstens wird er uiit einem Abschiedswort sich erleichtern. Bourdoncle, der ihm auf dem Fuße folgte, schien weniger beunruhigt zu sein. Denise hatte sich mittlerweile wieder zu Madame Bour- delais begeben. — Paßt dieser Mantel? fragte sie. — Oh ja, sehr gut. Für heute hätte ich auch genug. Diese Kinder ruiuiren uns ja vollkommen. Denise konnte nunmehr ihren Bruder Jean anhören und begleitete ihn dann in die verschiedenen Abtheilungen, w setzlicher Form in der Beschäftigung der weiblichen Arbeiter gemeldet wird. Es kann doch wohl Niemand annehmen, daß die Schonzeit für Wöchnerinnen überall auf das aller- strengste eingehalten wird, wollten wir aber den Fabrik- inspektoren kritiklos Vertrauen schenken, müßten wir hiervon überzeugt sein. Wir begreifen ja ganz wohl, daß gerade die Durchführung dieser Bestimmung zu prüfen, den Inspektoren selten gelingen kann, aber hier eröffnet sich eben ein weites Feld für die Ortspolizeibchörden, als ergänzende Organe der Fabrikinspektion. Nichts leichter, als daß diese jeden der- artigen Fall kontroliren; freilich allgemeine Ehrenzeichen verdient man sich auf andere Weise weit eher, und dies er- klärt wohl alles. Mailand, 28. Juni. Die Unruhen in Favara aus Sizilien haben cili neues Kapitel des Arbeiterelendes in Italien blosgelcgt, welches ohne die blutigen Sceuen am 2ä. d. M. un- beachtet geblieben wäre. Favara ist ein Marktflecken mit etwa 16 000 Einwohnern, von denen drei Viertel dem Arbeitcrstande angehören. Das Ganze aber bildet keinesweas eine Stadt, son- dern um die wenigen massiv gebauten Häuser der miltleren Straszen und des Marktplatzes dehnen sich endlos die„Vorstädte" mit elenden Lehm- und HUzhütten aus, den„Wohnungen" und „Garten" der Arbeiter, welche in den herumliegenden Schwefel- Hütten beschäftigt sind. In diesen arbeiten Alle, Kinder, Burschen, Frauen und Männner; nur keine Greise, denn die Ein- athmung des Schwefels läßt nur wenige das vierzigste Lebens- jähr überschreiten. Der Tagelohn, der in den Gruben und Schwefelhütten verdient wird, schwankt zwischen 20 und 60 Cen- «mes(16 bis 64 Pf.), dafür aber leben die Besitzer als Millionäre m Rom und Neapel. Daß sich diese körperlich sieche und geistig noch völlig unaufgeklärte Arbeiterbevölkerung aus freiem Antrieb zu einer Thar für eine Verbesserung ihres Daseins aufschwingen sollte, war allerdings nicht zu erwarten, so daß man wohl den gouverneinentale» Blättern glauben darf, welche versichern, daß„anarchiflische Emissäre" diese„friedliebende Bevölkerung" a in gehetzt hätten. In der That hatten die Arbeitervereine der größeren Städte Siziliens einige Agitatoren entsandt, welch« nach vielen Belehrungen diese armen Leute auch endlich dahin vrachten, einen höheren Lohn zu fordern. Man verlangte für er- wachsene männliche Arbeiter eine» Frank(80 Pf.), für Frauen 60 und für Kinder 40 bis 60 Centimes. Wie vorauszusehen war, wurden diese Forderungen von den Hüttenverwaltungen höhnend zurückgewiesen, worauf am IS. Juni die allgemeine Aroeitsein- stclluug erfolgte. An ein Nachgeben seitens der Direktionen war nicht zu denken; sie ließen sich auch gar nicht auf Unterhandlungen mit den Streikenden ein. Am 25. unternahmen dieselben nun- mehr eine Massendemonstration, an der sich etwa 3000 Männer und Frauen betheiligten. Erst zogen sie vor das Aintshaus; doch dedauerte der Präfekt, nichts für sie thun zu können, da die Hüttenverivaltungen jede Vermittlung der Behörde ablehnen. darauf zog die Menge vor das Klublokal des Lircola eivile, de«„Bürgervereins", wo die Direktoren sich des Abends ain Spiel- tisch von ihrer aufreibenden Thätigkeit zu erholen pflegten. Einzelne der Arbeiter mochten Steine gegen das Haus geworfen haben, denn sofort traten aus demselben zwei Polizisten heraus, welche die Demonstranten zum Aus- einanoergehen treiben und Einige verhasten wollten. Ties brachte die Menge in Wisth; sie stürmte über die beiden Schutzleute hin- weg in das Klubhaus, in dessen Innern d»e Spieltische, das Mobiliar, die Weingläser und das übrige Tafelgeschirr zusammen- geschlagen wurde. Es eilten daranshin auch die übrigen im Orte anwesenden Polizisten hervei; doch auch diese wurden von den Arbeitern in kurzer Zeit niedergeworfen und entwaffnet, einer derselben wurde lebensgefährlich verwundet.— Ter Telegraph meldete alsbald die Schreckens künde nach Girgenti, der nächsten Garnisonsstadt, wobei natürlich aus dem einen Schwerverwun- deren ein Dutzend Todte, und aus dem dcmolirten Klubhaiis die Stürmung aller Magazine und Läden gemacht wurde. Sofort wurden denn auch hier zwei Bataillone Infanterie und 80 Kara- diniere in Marschbereitschaft gesetzt und im Eilschritt nach dem acht Kilometer entfernten Favara entsandt. Glücklicherweise trafen sie hier erst nach Einbruch der Dunkelheit ein, als sich die Menge bereits verlaufen hatte. Einige Arbeiter fanden sich noch in Schanklokalen, die man eiligst verhastete, wobei auch etliche Ver- wunduugeu vorkamen. Am andern Morgen dagegen machte man sich an das Aufsuchen der„Rädelsführer", deren man bis Mittag gegen sechszig„dingfest" gemacht hatte. Im übrigen wurden alte öffentlichen Gebäude, alle Läden und alle Fabrik- und Hütten- gebäudc militärisch besetzt, so daß eine weitere Auflehnung der Arbeiter naturgemäß unmöglich war. Während nun an den Straßenecken schon vom fr.chen Morgen an Plakate zu lesen waren, welche die Ausruhrartikel enthielten und jede Ansamm- lnng verboten, erschienen am Nachmittage an denselben Stellen wo er sich ohne ihrer Führung gewiß nicht zurecht geflindeu hätte. Vor Allem wollte Therese den havannafarbigen Paletot gegen einen von weißem Tuch, aber von nämlichen Schnitt, vertausche». Das Mädchen hatte das Packet ge- nommen und begab sich von den beiden Brüdern begleitet in die Konfektions-Abthcilung. Die Abtheilung hatte ihre zartfarbigen Kleidungsstücke ausgestellt, Jaquets und Man- tillen für den Sommer von leichter Seide oder Fantasie- Wollstoffen. Doch der Verkälts war in anderen Abtheilungen besser im Gange, hier sah man nur wenige Käuferinnen. Fast sämmtliche Ladenfräulein waren neu. Klara war seit einem Monat verschwunden; die Einen sagten, der Gatte einer Kundschaft hatte sie entführt, die Anderen hingegen versicherten, sie sei unter die Straßendirnen gegangen. Marguerite wollte endlich nach Grenoble gehen, um dort die Leitung des kleinen Ladens zu übernehmen, wo ihr Kousin sie erwartete. Nur Madame Aurelie war noch da, unverändert und uu- wandelbar in der gewölbten Küraffc ihrer Seideurobe und mit ihrer Cäsarenmaske. Die schlechte Ausführung ihres Sohnes Albert verursachte ihr allerdings vielen Kummer und sie würde sich aus ihr Landgut zurückgezogen haben, wenn dieser Taugenichts von einem Sohn ihre Er- sparnisse nicht bedeutend reduzirt hätte. Schon richtete Bour- doncle zuweilen scheele Blicke auf Mme. Aurelie; er war überrascht, zu sehen, daß sie nicht so viel Takt besitze, um sich rechtzeitig zurückzuziehen, denn sie war zu alt für den Verkauf. Bald sollte für die Familie Lhomme die Glocke geläutet werden. — Wie, Sie sind es? sprach sie zu Denise mit über- Iriebener Liebenswürdigkeit. Wie, Sic wollen diesen Paletot umtauschen? sogleich wollen wir Ihnen dienen. Ah, da sind ja Ihre Brüder, sie sind ja recht groß geworden. Trotz ihres Stolzes hätte sie sich vor ihr auf die Knie geworfen, um ihr den Hof zu machen. In der Konfektions- Abtheunng sprach mau jetzt von nichts Anderem, als von dem bevorstehenden Austritt Denisens: die Vorsteherin war davon ganz krank, denn sie hatte aus die Protektion ihrer ehemaligen Verkäuferin gerechnet. I auch die Bekanntmachungen der Hüttenverivaltungen, welche den Aroeitern, die tagsdarauf an ihrer Arbeitsstätte wieder erscheinen würden, eine Lohnerhöhung, von zehn Prozent zusagten.— Ob- gleich dies eine nur sehr geringe Zulage zu dem bisherigen Lohne war, so gingen doch die meisten der Arbeiter darauf ein, so daß noch an demselben Tage Herr Crisp k in der Kammer, als er wegen der Vorgänge in Favara inlerpellirt wurde, mit über- legenem Pathos erklären konnte, die Arbeiter hätten sofort die Arbeit wieder aufgenommen, sobald die Behörden die Anstifter zum Streiken und die anarchistischen Agitatoren verhaftet hätten. Nolikistho Lteberftifck. Der pariser,.Tempo", wie männiglich bekannt, eines der„bestgesinnten" und angesehensten Organe des Groß kapitals, das nicht der geringsten Zärtlichkeit für den Sozia. lismus und die sozialistische Bewegung verdächtigt werden kann, schreibt zu jenem Kapitel, das gegenwärtig das Stecken- pferd oer dentschen Bourgeoispreffe bildet, zur veränderten Taktik der sozialdemokratischen Partei und ihrer bevor- stehenden Spaltung: „Man hat nicht vergessen, daß das Ausnahmegesetz gegen die Sozialisten am 30. September abläuft. Ta es ein Reichsgesetz ist, so tritt es für ganz Deutschland außer Kraft. Die sozialistische Partei ist- sich bewußt, daß sie eine neue Haltungslinie verfolgen muß. Im gegenwärtigen Moment finden fast überall Versammlungen statt, so die letzten Tage in Berlin und in kleineren Zentren, wie z. B. Kottbns. In jeder der Versammlungen tritt ein Ab- gcordnetcter als Redner auf: Bebel und Liebknecht in Berlin Wurm in Kottbns. Ihre von den kapitalistischen Zeitungen tommentirten und verbreiteten Erklärungen sind die Parole einer neuen Taktik. Das Prinzip, ans welches man dieselbe zurückführeii kann, lautet: Mehr Propaganda und weniger Kämpfe. Die Führer des Sozialismus empfehlen besonders, sick nicht nur in Verhängung des Boykotts gegen mißliebige Brauereien, Rcstalirants und Zeitungen zu mäßigen, sondern auch keine un- bedachten industrieellen Streiks zu provozireu.„Der Streik ist eine zweischneidige Waffe," sagte dieser Tage Bebel;„der deutsche Arbeiter wähnt, daß sich die Kapitalisten inid die Bour- geoijie ihm ergeben müssen.*) Leider sind wir noch nicht so weit. Man muß vermeiden, englische Kämpfe auszunehmen und einem Streikfanatismus zu verfallen." Auer hat vor etlichen Tagen im Reichstage die näm- lichen Gesichtspilnkte entwickelt. Die Thätigkeit der Partei muß vor Allem darauf ge- richtet sein, immer zahlreichere Rekruten unter den Klassen zu werben, die bis jetzt außerhalb der Bewegung gestanden haben. Liebknecht empfiehlt die Propaganda unter der länd» lichen Bevölkerulig, die Absaffung und den Vertrieb kleiner, sehr einfachen Broschüren und Flugschriften, welche die sozialistischen Prinzipien dem Verständniß des Bauern nahe- führen. Die deutsche Presse, welche mit Aufmerksamkeit die Per änderte Richtungslinie verfolgt, erblickt in ihr fast einen Halt in der Thätigkeit der Partei, eine Krifi- der Bestürzung, vielleicht sogar einen Kamps ver schiedener, einander widerstrebender Einstüffe. Nie jedoch ist die Sprache der Parteifübrcr eine enr- schiedenere gcivcscn, nie haben sie mit größerer Deutlichkeit erklärt, daß sich der Sozialismus zu Niemand bekehrt, und daß einzig und allein das Programm der„Polarstern" der Partei bleibt. Wenn Bebel iind seine Kollegen davor warnen, keinen Mißbrauch mit Streiks zu treiben, so beweist dies vielmehr einen politischen Geist uild eine Kaltblütigkeit. welche in einer Partei selten sino, welcher der Erfolg woh! Schwindel verursachen konnte. Kehr entrüstet ist das Organ des Fürsten Bismarck, die „Hamburger Nachrichten", über das nalionalliberale„Frankfurter Jöurn.", durch dessen Vermittelung nachstehende„Enthüllungen" eines Pariser Blattes Verbreitung gesunden habe»: „Der deutsche Polizist Peukert, welcher sich für einen Anar- chisten ausgiebt und ein Komplott zu bewerkstelligen sucht, hat vor etwa vierzehn Tagen einen Abgciandten nach Paris geschickt ... Zufällig erhielten einige Flücbiliuge von einem vertraulichen Briefe aus Berlin Keuntniß, in dem es hieß, vor de»» Ablaufe des Sozialistengesetzes müsse ein Hauptstrelch ausgeführt werden Herr Krüger, derEhef der Berliner Geheimpolizei, muß am 1. Oktober seine» Rücktritt nehmen, waS ihm nicht paßt. Gleich ihm sehen ") Ganz so hat Bebel allerdings nicht gesprochen. Red. — Man sagt, daß Sie uns verlassen, flüsterte sie, das ist nicht möglich. — Doch, doch, erwiderte daS Mädchen. Marguerite lauschte; seitdem ihre Hochzeit festgestellt war, ging sie mit noch mehr verdrossener Miene unter ihrer Umgebung umher. Sic trat näher und sagte: — Sie haben Recht, vor Allen, muß man sich selbst achten. Ich wünsche Ihnen alles Gute, nieine Liebe. Jetzt lameii einige Kundschaften, Madame Aurelie er- suchte sie in ziemlich hartem Tone, sich dem Verkauf zu widmen. Denn, als Denise den Paletot nahm, um ihn selbst zilrückznstellen, wollte sie dies nicht zilgcben, sondern rief eine Hilfsarbeiterin herbei. Diese Einführung der Hilfs- arbeiterinuen hatte man Deuisen zu verdanken; dadurch wurden die Verkänferilliten davon verschont, die schwereil Kleiderpackete zu schleppen. — Begleiten Sie das Fräulein, sagte die Vorsteherin, in- dem sie der Hilfsarbciteriu den Paletot übergab. Dann zu Deuisen zurückkehrend, sagte sie: — Ich bitte Sie, überlegen Sie die Sache noch ein wenig, wir Alle sind untröstlich über Ihren Austritt. Jean und Pepe folgten ihrer Schivestcr; jetzt sollten sie sich in die Abtheilung für Ansstattiingeii begeben, um sechs temden zu nehmen, ähnlich denjenigen, iveUhe Therese am onnabelid gekauft hatte. Allein, in der Wäscheabtheilnug herrschte ein solches Gedränge, daß es nur schwer war vor- ivärts zu kommen. Vor Allem staute sich die Masse vor den Korsets. Ma- dame Boutarel war aus dem Süden angelangt mit ihrem Gatten lind ihrerTochtcr lind streifte seit dem Morgen durchallc Galerien, ans der Suche nach einer Ausstattung für ihre Tochter, welche heirathen sollte. Bei jedem Stuck wurde der Vater um seine Wohlmeinung befragt und die Sache wollte kein Ende nehmen. Endlich war die Familie in der Wäsche- abtheilung angelangt und während das Fräulein sich in ein tiefes Studium der Beinkleider versenkte, war die Mutter vcrschwltiidtn, weil ihr plötzlich die Laune gekommen ivar ein Korset zu kanfeu. Als Herr Boutarel, ein dicker san- guinischer Herr erschrocken seine Tochter verließ, um seine sich manche deutsche Polizeiageuten in ihrer Existenz bedroht, und diese haben alles Interesse daran, ihre Nützlichkeit nachzuweisen. Noch ist Jedermann dem Ex-Reichskanzler Fürsten Bisniarck er- geben. Leute, welche in der Lage sind, vertrauliche Mittheilungen aus Berlin und Hamburg zu erhalten, versichern, Herr von Bis- marck setze alle seme unzufriedenen Agenten in Bewegung. Ihm ist daran gelegen, daß seine Prophezeiung hinsichtlich bevor- stehender Ruhestörungen in Erfüllung gehe, und wäre es mittelst falscher Attentate. Andererseits will er für eigene Rechnung in auswärtiger Politik machen und ist es seine Lieblingsidee, Paris als den Herd hinzustellen, von wo alle Königsmorde ausgehen."— Das„Franks. Jonrn." hatte hinzugefügt, das Pariser Blatt, dem es diese Angaben entnommen hätte, habe sich nach Genf gewandt, um Näheres über den entsandten Lockspitzel zu hören, und erfahren, daß er Landeisen heiße und der eigent- liche Urheber der Züricher Bombenaffaire sei. Aus dieser Bemerkung will das Organ des Fürsten Bismarck entnehmen, daß das„Frankfurter Journal" dem Glanben Vorschub leisten wolle, als seien die Miuheilungen des französischen Blattes wahr. Wie in den früheren Jahren, so wird auch gegenwärtig im Reichsamt des Innern aus den Berichten der mit der Fabrik- anfsicht betrauten'Beamten der Einzelstaaten für 1889 ein Auszug augefertigt. Der Auszug ist dazu bestimmt, dem Bimdesralhe und Reichstag vorgelegt zu werden und damit der Borschrift des z I�Sb Absatz 3 der Gewerbeordnung zu genügen. Die Auszugs- arbeiten werden mehrere Wochen in Anspruch nehmen. Dem auf den 18. Novemter aufs Neue zusammen berufenen Reichstag wird die betreffende Vorlage als eine der ersten zugehen können. Der Knndesrath hielt am 28. d. Mts. unter dem Vorsitz des Vizepräsidenten des Staatsministcriums, Staatsselretärs des Inner!« Tr. von Bütticher, eine Pleuarsitznng ab. J�erselben ivurde dem Entwurf eines Geseyes, betretend die Konsulargerichtsbarkeit in Sainoa und die Uebernahme einer Bürgschaft seitens des Reichs für die durch Einrichtung einer anderweiten Rechtspflege dorlselbst erwachsenden antheilmäßigen Kosten, die Zustimmung ertheilt. Außerdem ivurde in mehreren Zoll- und Steuerangelegenheiten Beschluß gesaßt. Für die erledigte Stelle eines nichständigcn Mitgliedes des Reichs-Bersicherungsamts wurde die erforderliche Ersatzwahl vorgenommen. Die Koloninlnbtheilung. Die seit dem I. April d. I. im Auswärtigen Amt gebildete IV. Abtheilung wird nach einer vom„Reichsanz." mitgetheilten Verfügung des Reichskanzlers vom 29. Juni fortan den Namen„Zkolonialabtheilung" führen; ihre Leitung ist nach Beurlaubung des Geheimen Legationsrathes Dr. Krauel, welcher für einen diplomatischen Posten ausersehen ist, dem Geheimen Legitatiousrath Dr. Kayfer als Abtheilungs- dirigenten übertragen. So weit es sich um die Beziehungen zu ausivärtigen Staaten und um die allgemeine Politik handelt, bleibt die Kolouialabtheilung dem Staatssekretär des Auswärtigen Amts unterstellt. Daß Fürst Kismarckl auch in Kaiserslautern nicht als Reichslags-Kandidat aufgestellt werden soll, mißfällt dem„Hain- burger Korrespondenten" sehr. Derselbe schreibt deshalb: „Wir sind fest davon überzeugt, dap, wenn Fürst Bismarck sich zur'Annahme eines Mandats bereit erklärt, die Wähler nicht erst eine Approbation ihrer Pläne abwarten, sondern sofort ans Werk gehen werden. Es wäre gewiß bezeichnend, wenn Fürst Bismarck, an dessen Bereitwilligkeit, ein Mandat anzunehmen, nicht zu zweifeln ist, als süddeutscher Abgeordneter in den Reichs- tag käme. Die nordischen Deutsch-Konservativen, deren Partei in Preußen er mitbegrünocn half, werden ihm von Fraktions wegen jcmverlich ein Mandat anbieten. Gelegenheit dazu wäre nach dem Tod- des Abgeordneten für Prenzlau, v. Wedell-Malchow, vor- panden geweien. Aver hier i>t sogar von der Fraktion eine Kan- vitatur des Herrn v. Heudorff, ihres Führers im letzten Reickis» rage, der in jeder Beziehung persona goata an der höchsten Sielle ist, verhindert worden, weil einem Tyoile der Fraktion die ausgesprochene Kartell ircundlichkcit des Geuaimten»ich» genehm war. Es haben darüber lebhafte Erörterungen ftattgesunden. Da- bei gehört Herr v. Helldorst, soviel wir ivi»eu, nonj zu dem Zen? tral-Ausschuß der Partei. Beim Fürsten Bismarck liegen die Dinge naturlich noch anders. Er hat seit 40 Jahren au, gehört, Parieiinanu zu sein, und wird es in seinem Alter nicht wieder werden, nachoeni er zu einer glänzenden historischen und valer- lävdischen Persönlichleit emporgeu achsen ist. Auch die Freikonser- vativcu scheinen bisher noch nicht daran gedacht zu haocn, ihm die Möglichkeit des Berfechleus seiner Aupchleu im Reichstage zu verschaffen.» 'Augenscheinlich haben alle Kartellparteien wenig Lust, dem Fürsten Bismarck ein Reichste, gsrnandat zu verschaffen st« haben dabei ihre guten Gründe. Hamburg, 29. Juni. Das Vorgehen der hiesigen Bau» matenalienhändler, welche den Bopkott über diejenigen Bau- gejchäfte verhängt haben, welche die Forderungen der Zimmerer and Maurer beioilligt haben, wird allgeinein vernrtheilt. Es be- sieht die Absicht, auswärtige Firmen zur Errichtung von Bau- materiaiien-Niederlageu am hiesigen Platze zu veranlassen; es würde denselven ein oestimmter Ansatz garantut werden. Leipzig, 30. Juni. Am 10. Juli findet, wie das„B. T" meldet, vor dem vereinigten zweiten und dritten Strafsenat die Verhandlung gegen den Schneider Reiuhold und dessen Ehefrau, Frau aufzusuchen, fand er sie endlich in einem Probirsalon, vor welchem man ihn höflich Platz nehmen hieß. Diese Probirsalons waren schmale Zellen, durch Glaswände mit matten Scheiben abgeschlossen; hierher durfte kein Herr eintreten, nicht einmal die Gatten der Käuferinnen. Die Verkäuferinnen gingen ab und zu, und so oft die Thür geöffnet ward, konnte man einen Blick hineiniversen und Frauen in Hemden und Jupons sehen, mit nacktem Halse und nackten Armen, dicke mit weißem Fleisch und niagcre, deren Leib die Farbe von altem Elfen- dein hatte. Eine ganze Reihe von Männern saß mit gelang- weilten Mienen vor der Thür da. Und Herr Bontaret, als er begriffen, daß er nicht eintreten dürfe, erzürnte sich und schrie, er wolle seine Frau Haren und wolle wissen was man mit ihr anfange und er ivolle nicht zugeben, daß man sie ohne ihn entkleide. Man versuchte vergebens, ihn zu beruhigen, er glaubte, daß da drin unschickliche Dinge geschehen. Madame Boutarel mußte herauskommen, um ihn zu beruhigen, während die Menge ringsnucher sich über den Zwischenfall belustigte. Nun konnte Denise mit ihren Brüdern hindurchkommen. In einer Flucht von Salons, eingethcilt in verschiedene Ab- theiliingeu, war Frauenwäsche aufgehäuft. Die Korsets und Tournnren okknpirtcn eine Ab- ihcilnng, genähte Korsets mit langer Taille, Kürraß- korsets, vor Allem Korsets von weißer Seide mit sar- bigcm Besatz; eine ganze Armee von Puppen war mit solchen Korsets bekleidet. Dann Tournnren von Roßhaar and von Brillant« auf Stäben ausgesteckt. Dann kam eine Flitth von Nachtkleidern, es war als ob eine Schaar von hübschen Mädchen sich hier bis ans die Haut entkleidet hätte. Weiterhin Manschetten und Kragen, Tücher und Kra- oatten eine nnendliche Auswahl von leichten Toilettesachen. Es war wie ein weißes Mors, welches aus den Kartons hervorgequollen und sich schneeig weiß austhürmte; dann iveiße Jupons von jeder Länge und Weite, Jupons, welche die Kniee zusammenpressen und Jupons mit Schleppen. (Fortsetzung folgt.) den Maler Vehr und den Schloffer Waaenknecht statt, sämmtlich aus Berlin, wegen Verbreitimg anarchistischer Blätter und Vor- bereitung zum Hochverrath. Oefterrelch-ilngarif. Die zarte Aufmerksamkeit, ivelche die Wiener Polizeidirektion unseren Genossen gegenüber entfaltet, ist wahrhaft rührend. Als am letzten Sonnabend 6 Uhr sruh Genoste Dr. Adler das graue Haus des Landesgerichts verlieh, wurde ihm wie die„Wiener Arbeitcrztg." erzählt, die unverhoffte Freude zu Theil. sofort den langentbehrten Anblick von v.er zener regen. schirmbeivaffneten Gentleinen, die gewöhnlich so eifrig die Wolken- bildung studiren, genießen zu können. Zwei dieser Herren, ivelche darum„Detektives", Entdecker, helven. weil ein geübtes Aug» sie sofort entdeckt, folgten dem entladenen Sträfling, welcher in der staatsgefährlichen Gesellschaft seiner Frau und seiner Kinder se.nes Weges ging, noch eine ganze Weile, wahrscheinlich um sich davon zu uberzeugen, ob die 5k»r gelungen und die„Befferung" erfolgt sei. Ein Sichcrheitsivach-Jni pektor an der Spitze der„bewaff- neten Macht" erschien erst eine Stunde später lmd konnte daher seinem Drange nach Höflichkeit nicht mehr genügen. Dafür erhielt das Haus, wo Genosse Adler wohnt, eine Ehrenwache von drei Zivilwach'leuten, ivelche konstatiren konnten, daß Sozialdemokraten sich ebensowenig aufregen, wenn einer entlassen, als wenn einer eingesperrt wird. Der ungewöhnliche Aufwand an Polizei machte etwas Aufsehen in den Straßen. Sonst wurde die üfsentlich« Ruhe und Ordnung nicht gestört. Pest. 28. Juni. Die„Ungarische Pott" dementlrt die von Bukarester Blättern verbreitete Liachricht, daß auf ungarischem Gebiete Cholerafälle vorgekommen seien. Die irrige Nachricht sei infolge eines am 15. d. Mts. in Hajdu Dorogh vorgekom- mcnen und durch Magen- bezw. Darmkartarrh eingetretenen Todesfalles entstanden. Schweix. Bern, 30. Juni. Bei der gestrigen Volksabstimmung ttn Kanton Zürich ist die Gcsetzesvorlage, nach welcher die Kosten der Leichenbestattungen vom Staate bestritten worden sollen, mit 34 099 gegen 13434 Stimmen angenommen worden. Italien. Rom. 30. Juni. Die Stadtverivaltung ist aufgelöst. Eine königliche Verordnung ernennt de» Abgeordneten Finacchmro-Aprila zum königlichen Vogt für Rom. Infolge der bekannten Vorgange in den Schwcselgruben von Favara wurden gestern Nachts weitere 70'Arbeiter rerhastet. welche ihre Genossen angeblich aufgefordert hatten, me sruher Verhafteten aus dem Ge-angniß von Girgenti zu befreien. Rom. 30. Juni. Tie„Agcnzia Stefani" meldet aus Masiauah: Die Derwische sielen in das italienische Schutzgebie, von Beni-Amer ein. Kommandant Kerer sandte ihnen einheimische Truppen entgegen, welche die Derwische überrnmpelten und in die Flucht schlugen, wobei letztere 159 Todte, 100 Gewehre und die Fahnen verloren. Die einheimische Kompagnie verlor 2 Todte und 4 Verwundete. Frankreich. Die unlängst in Paris vollzogenen Verhaftungen angeblicher russischer Terroristen sind, wie wiederholt hervorgehoben wurde, von der fr an z ö si sch en Presse, mit Ausnahme der radikalen Organe, zu einer Haupt- und Staatsaktion ausgebauscht worden. Uni so kleinlauter sind dieselben Blätter nunmehr gr- worden, seitdem sich herausgestellt hat, daß die angebliche nihilistische Verschwörung in Wirktichkeit nur in der Phantasie «vlirt, wie aus den legten Mittheilungen deutlich erhellt. So wird nunmehr berichtet, daß die angel lichen russischen Terroristen ursprünglich wegen Komplotts gegen eine fremde R e- gierung gerichtlich verfolgt werden sollten, daß die Staats» amvaltschast jedoch die Uederzeugung gewann, die vorliegende» Beweismoniente wären keinesivegs ausreichend, eine so schwere Anklage zu rechtfertigen. Deshalb ist denn beschlossen, Vörden, die Anklage wegen„Komplotts gegen eine fremde Regierung" vollständig fallen zu lasten und sich darauf zu beschränken, die lediglich von dem Ziichtpolizei-Gerichtshose abzuurtheilende Anklage wegen Fabrikation und Aufbewahrung verbotener Sprengstoffe zu erbe. en. So erklärt sich denn auch die bereits er- wähnte Thalsache, daß Dembski, Mendelsohn, Orlow genannt Walgvine außer Verfolgung gesetzt und freigelassen werden mußten, die, wie es in dem Berichte der Pariser Blätter naiv genug heißt, am meisten kompromittirt gewesen wären, falls das Vorhandensein eines Komplotts sich hätte feststellen lassen. Tagegen kann ihnen die ZInsertigung und Aufbewahrung verbotener Sprengstoffe überhaupt nicht nachgewiesen werde». So werden nur die angeblichen Nihilisten Prinz Natalschize, Reinstein und Frau, Lavrenius, Pepiow und Fräulein Bromberg vor der charnbre corrcctionnello erscheinen. Bezeichnend ist, daß auch gegen einen von den übrigen Angeklagten als»Avut provocateur bezeichneten Nüssen, Nauiens Laudesin, Anklage erhoben ist. Letzlerer ist jedoch nicht auszufinden, welcher Umstand sicherlich und mit Recht von den radikalen Organen gegen das Ministerium Frelicinet-Constans ausgebeutet werden wird, zumal da dasselbe ohnehin der Liebedienerei gegen Rußland beschuldigt wird. K-lgie». �. tu»!. Aus Anlaß des Regierung-.-- köni gs wird in Belgien nicht nur ei» sondern auch das Land mit einein reichen _____ werden. Wie die Regierungsblätter heute berichten, liegen schon bis heute dem Ministerium l2 590 Ordens- gesuche vor. Dasei sind unter dem jetzigen Ministerium schon in Jrtzter Zeit drei neue Ehrenzeichen gestistet worden und der früher selten« iviese»en dritten Nachtragsetat. Das O»di>iariii»i wurde genehmigt, blS auf die für Uiilerofsizier-Dienstprämien ausgeivorseneu 1 940 309 Mark, welche nur für ein halbes Jahr angesetzt sind. Die Ein- führung dieser Position soll dem oroentlicheii Etat für IbOl/92 vorbehalten bleiben. Zur Bekleidung und Ausrüstung der neu mlszunellcnden bezw. zu verstärkende» Kriegs- und Friedens- formntionen werden die geforderten 3 592 242 M. genehmigt. Nachdem seitens der Regierung eine Reihe sckret zu behandelnder Aiisklärungen crtheilt worden, werden die zur Vervollständigung des Eisenbahnnetzes geforderten 19 395 900 M. bewilligt, ebenso 1 259 990 Dt. zur Anlage einer nntcrirdischen Telegraphenlinie von der bayerisch- sächsischen Grenze bei Hof über Chemnitz bis Dresden und schließlich 877 519 M. zu eisernen Vorschüssen für die Verwaltung des Rcichsbeeres. Damit ist die Berathung des Nachtragsetats erledigt. Die noch festzusetzende Gesainmtsilmnie soll nach dem Beschluß der Kommission durch Anleihe gedeckt werden. Oer Deichokagsal'grovdnetcFi-hr. v. Dliinch(Mitglied der Volkspartei) hat seinen'Austritt auS der Fraktion erklärt, nachdem er in seiner verunglückte» Jungsernrede durch sein Ein- treten für die dreijährige Dienstzeit sich"in Widerspruch mit dem Programm der Partei, speziell mit dein Antrag Payer aus zwei- jährige Dienstzeit, gesetzt hatte. Remscheid, 30. Juni. Eine aus 1500 Theilnehmern bestehende Versammlung der Feilenhauer beschloß gestern, au de» bisherigen Forderungen sestzuhalten und den Streik weiter zu führen, iveil letzt die tlnterstütznngegelder von auswärts einlaufe». Die Fabrikaule» haben demg'egenüdcr ebenfalls beschlossen, nicht nachzugeben, und einen Verein gegründet, welcher die Interesse» der«»zelnen Fabrilanteu schützen soll. Soziale TlcbeeNrlik. München, 23. Juni.(Fortsetzung des Berichtes über die Verhandlungen des 9. deutstyen Töpferkougreffes.) Zweiter Tag der Verhandlung. Um 8 Uhr früh wurde der zweite VerHand- lungstag crössnet und durch den Vorsitzenden seslaesteUl, daß sämmtlickie Telegirte anwesend sind. Aus dem Recheuschasts- bericht des Generalaiisschuffcs ist noch folgendes Bemerkeuswer.hc hervorznhe. cn: Zur Zeit des letzten Kongresses bestanden 39 Or- ganisationen, scitoem stnd 41 neu gegründet, so daß jetzt-llOOr- gauisalionen bestehen. Ferner wurde eine Statistik ivic im Vorjahre auch i» diesem Jahre erhoben; hieran bctheiligtcn sich 89 Städte mit einer Kollegenzahl von 7720, davon sind 1029 Scheiben» arbeiler, 2338 Werkstubeiiarbeiter(Osenarbeiter) und 4228 Setzer. In den Orten, welche milgezählt haben, waren in der Zeit voin 1. Oktober 1888 bis 1. Oktober 1889 iu der b e st e n Arbeitsperiode befebästigt 982 Schcibcnarbeiter, 2839 Werkstubeiiarbeiter(O>cnarbciter) und 4228 Setzer. In der schlechtesten Arbeitsperiode im Winter 939 Scheibenarbeiter, 2233 Werlstnbenarbeiter(Osenarbeiter) und 2398 Setzer. Von de» gezählten 7729 Kollegen stnd 4729 verheirathet. Tann hatten 3729 Mann 3 153 Kinder. Bei den schlendm 1009 Kollegen war die Zahl der Kinder nicht sestzustelleii. Ledig sind 3999 Kollege». Tie durchschnittliche Arbeitszeit aller Betheiligten beträgt»ach Be- rechninig lO'/e Stunde pro Tag. Tie tägliche Arbeitszeit hätte sich demnach gegen die vorjährige Bcrechnilng um eine Viertel- stunde vermindert. I» 20 Etädlen arbeiteten 1199 Kollegen wöchentlich 3323 Stmide» nach Feierabend, kommt auf den Ein- zelnen SV« Ueberstunde». Sonntags wird regelmäßig in 13 Orten gearbeitet, in 40 Orten nur zeitweilig, und in 32 Orte» wird keine Sonntagsarbeit ausgesllhrt. Di» Ueberstunde» und die SonntagZarbeits-Stundcn zu- sammengerechnet. ergeben auf eine Woche eine Stundenzahl von 7343 in welcher neben der gewöhnlichen Arbeitszeit gearbeitet wird. Durch den Wegfall dieser Ueberftundeu könnten wöcheut- lich bei einer täglichen Arbeitszeit von 10 Stunden 127 Töpfer mehr Beschäftigung finden. Interessant ist noch die Statistik über die Strafen, welche infolg? von Streiks von 37 Kollegen zumeist auf Grundlage des Z 153 der Gewerbeordnung verbüßt werden mußten. (7 Mann wurden noch auf Grund der verschiedenen Landes- bestimnmngen ausgewiesen. Die verbüßte Gefüngnißhaft beträgt reichlich 2 Jahre, die Geldkosten(Geldstrafen ic.) dürsten 2000 M übersteige». Es wurde darauf in längerer Ausführung die Schädlichkeit der langen'Arbeitszeit nachgewiesen. Am längsten wird in Rothenburg O.-L. mit 14—17 Stun- den, neben noch einigen Stunden Sonntags gearbeitet; die kürzest« Arbeitszeit haben die Städte Berlin, Hamburg und Braun- schweig. Die Statistik weist folgende Löhne nach: Der durchschnitt- liche Wochenverdieust der dabei betheiligten Ofensetzer deträgt 19,51, der der Ofenarbeiter in den Werkstellen 15,79 und der der Scheibentöpfer 13,44. Das Berhältniß zwischen Meister und Gesellen wird als sehr verbesserungsbedürftig bezeichnet. Die Ausbildung der Lehrlinge wird bei nur etwa der Hälfte derselben als genügend erachtet. In den Orten, welche auf dem Kongresse vertreten sind, arbeiten 7543 Kollegen, davon sind organisirt in unserem Sinne 409L Kollegen, ohne Organisationen sind 3018 zu verzeichnen. In Hirsch-Dnncker'sche Gewcrkvereine 85 Kollegen. In der Innung sind organisirt 309 Kollegen. Lehrlinge giebt es in diesen Orten 1993. Bekannr gewordene Streiks fanden seit dem Jahre 1885 III statt. Seil dem vorjährigen Kongreß traten die Kollegen in 31 Orten einschließlich einiger Aussperren infolge der Feier am 1. Mai in die Lohnbewegung, in drei Orten fanden gütliche Vereinbarungen statt, in de» übrigen mußte zum Streik gegriffen werden, wovon sechs mit vollständigem Sieg der Gesellen endeten, in den übrigen 22 Orten wurden die Forderungen nur theilweise erreicht, ohne Verbesserung der Lohn- und Arbeitsbedinamigen verlief kein Ausstand. Für diese bekannt gewordenen Streiks wurden feit dem Jahre 1885 an Unterstützung die Summe von 195 827,49 M. verausgabt, hiervon entfällt auf die im vorigen Jahre stattgefundenen Streiks die Summe von 50 193,47 M. Ueber den zweiten Punkt der Tagesordnung: die Agitation, referirte Hemke(Hamburg). Redner legte in einem längeren Vor- trage den Werth und Stutzen einer planmäßigen Agitation in verständlichen Worten klar, hieran knüpfte sich eine lange fach- liche Diskussion, ivelche durch Annahme folgender Nesolutione», die fast einstimmig angenommen, endete. Resolution: Der Kongreß beschließt, einen„Scheibcnarbeitertag" einzuberufen, denselben in Bunzlau in Schlesien abzuhalten. Der Kongreß beschließt aus dahingehende Anträge, daß vorläufig Provinzialversammlungen nicht stattfinden können, für spätere Zeit aber gestattet sind. Diese Resolution wurde angenommen, i- Der 8. deutsche Töpferkongreß zu Müncheu möge beschließen: . 3? Anbetracht, daß auf die Agitation mehr Gewicht gelegt wird, in jeder größeren Stadt Vertrauensmänner zu ernennen, die in der Lage sind, agitatorisch thätig zn sein, um durch Vorträge den unorganisirte» Kollegen das richtige Verständniß für ihre soziale Lag« beizubringen und das Klassenbewußtsein zu wecken. Der Gencralausschuß hat Vorstehendes zu veranlassen. Auch ist es nöthig, den Kongreß nur alle 2 Jahre stattfinden zu fassen, damit die lliikosten, welche durch jährliche Kongresse eut- stehen, der Agitation zugewendet werden können. Sollte sich dennoch innerhalb 2 Jahre die Nothwendigkeit eines Kongresses bemerkoar machen, so hat der Generalansschiiß im Einverständniß mit den VertraueilSiilännern denselben einzliberufen. Auch möge der Kongreß beschließen, solche Ausstände, ivelche sich nur um Lohnerhöhung,»ich: aber um die Verkürzung der Arbeitszeit handeln, serner nicht mehr zu unterstützen, es sei den», daß die betreffenden Orte bereits achtstündige Arbeitszeit haben. Ueber Punkt.? der Tagesordnung:„Organfrage", hatte Herr Thieme(Verlin) das Referat.'Auch dieser Redner««tledigt sich seines Auftrages in unparlciischer Weise zur Zufriedenheit der Anwesenden. Auch hierüber entspann sich eine längere Debatte, in welcher die überwiegende Mehrzahl der Redner sich für Bei- behalten deS VercinsblatteS aussprachen. Ein von den Herren Heinke, Böttcher und Kruse gestellter Antrag auf Gründung" eines eigenen Organs wurde in namentlicher Abstimmung mit 44 gegen 7 Stimmen abgelehnt. Rachstehendc vom Referente» gestellte Resolution nebst Zusatzantrag wurde in namentlicher Abstimmung mit 47 gegen 2 Stimmen angeuominen, 2 Abaeoronete enthielten sich der Abstimmung. Resolution: I. In Erwägung, daß das Vereinsblatt bisher seiiien Verpsilchtungen gegen unsere Organisation nachgekommen ist, so daß begründete tklagen nicht erhoben sind und in Erwartung, daß das Blatt auch serner diesen Ver- pstichtungcn nachkommen wird; 2. in Erwägung, daß ausreichende anderweitige Gründe flicht vorhanden sind, die uns veranlassen könnten, uns vom Vereinsblalie abzuwenden; daß besonders die Artikel gegen den Herrn Frohm», die wir im ittllgemeinen mißbilligen und bedauern, fie aber als Abwehr entschuldigen, nicht ausreichender Grund sind, uns zum Verlassen deS Vereins- blattes zu veranlassen, besonders nicht, da bindende Zn- sagen gemacht sind, daß dieser Streit ferner nnteibietbt; im a.V s" daß von der Gründung eines neuen B altes für die Töpfer mir eine Schädigung der Organisation, aber kern Vorlheil zu erwarten ist; da die Abonnentenzahl, der Töpfer, für das Vereins- blait bis heute nicht ausreicht, um ein eigenes Blatt in angemeffener'Aitt zu gründen, beschließt der sechste deutsche Topferkongreß, das V-rcinsblatt bleibt serner Fachorgan der Tupfer Teutschlands unter den alten Bedingungen lieber alle entgegenstehende Anträge wird zur Tagesord- nung übergegangen. (Zusatzantrag): Der Kongreß ertheilt dem Generalaus- sehn,! die weiteste Vollmacht, daß er in Bezug auf das Fachorgau bei eintretendem Nothstaude nach Andörnng der Vertraiwiisuiänncr das ihm nothivendig Erscheinende an- ordnen kann, um die Organisation der Tupfer Deutsch- landS vor Schaden zu be.uahren, und besonders, um das »uumterbrochene Erscheinen eines Fachblatles zu ermög- f 3&Cr Tagesordnung erledigt. der Tagesordnung nur größtcntheils das e i Tt™ 0Unte''"eis durch Erledigung des ziveiteu '- e?cbl3t �nr' v�jichtete der Referent Herr Hennig (Bie»lau) auf seinen Vortrag, und wurde zu Punkt 5 übei�- �en- Eö wurde der bisherige Generalausschuß, ivelchcr seinen Sitz in Halle hat, einstimmig wiedergewählt; als General? wurden die Herren Gottschalk(Leipzig) und Günihcr (Be.tcn) gewählt. Das Vertrauensmänner- Institut wurde bei- '�"rden die Herren Warttig(Uetersen), Eichler Noil!g...bcrg) Henmg(Vresmu). Thieme(Berlin) und Freitag (ItlliichenL als solche gewählt. Es wurde beschlossen, den Vor- sitzenden res AuSschnffcs, Herrn Kanlich, mit 1590«it. als stän- dige VerivaltungSperson zu besolden. Der nächste Kongreß soll in Velten stattfuiden. zur Deckung der Schulden ihres letzten Streiks zu bewilligen. Mit einem kräftigen Schlußworte des Vorsitzenden, in welchem hervorgehoben wurde, daß Angesichts der schweren Kämpfe, welche den Arbeitern seitens des Unternehmerthums aufgedrungen worden, jeder Nationalitätenhaß, jede Uneinigkeit in den eigenen Reihen schwinden und der Geist der Brüderlichkeit in aller Herzen ein- ziehen muß, um jeden Kampf für Ehre, Recht und Brot siegreich bestehen zu können, mit den nachstehenden Worten: „Nachdem wir ernst berathen, Des Hohen Ziels bewußt, Laßt schreiten uns zu Thaten Mit Liebe und mit Stur. Als Männer woll'n ww handeln, Begreifen unsre Zeit, Die Bahn des Friedens wandeln, Verbannen jeden Streit. Doch drängt man uns zum Kriege, Gilt es für Brot und Recht, Dann auf! Durch Kampf zum Siege Für's künftige Geschleckt.� und mit einem dreimaligen begeisterten Hoch auf die Ver- brüdernng aller Arbeiter schloß der Vorsitzende den Kongreß am 27. Juni, Abends 6V2 Uhr. Arbeikseiustellung. In der Gürtlerei von Scholz, Dres- denerstraße 99, haben so hohe Lohnabzüge stattgefunden, daß sich die dortigen Akkordarbeiter veranlaßt gesehen haben, gestern Morgen die Arbeiter niederzulegen. In der Fabrik wurde noch bis Sonnabend gearbeitet und erfolgte auch die Lohnzahlung nach den dort üblichen Sätzen. Am Montag Morgen erschien plötzlich der Meister und theilte den Arbeitern mit, daß er für einen Grosartikel, für den bisher 2,50 Mark bezahlt wurden, nur noch 2 Mark geben könne. Mit dieser 20 prozentigen Lohnrednzirung konnten sich die Arbeiter nicht einverstanden erklären, sondern legten einmüthig die Arbeit nieder. Zuzug ist bis zur endgiltigen Entscheidung des Streitsalles auf das Entschiedenste fernzu- halten. Die Redaktion stellt die Benutzung des Sprechsaals, soweit Raum dafür objue geben ist, dem Pnblilum zur Besprechung von Angelegenheiten allgemeinen Interesses zur versugung: sie verwahrt sich aber gleichzeitig dagegen, mit dem Inhalt desselben tdentistzlrt zu werden. Von der unitmstößlichen Erfahrung ausgehend, daß manche Gewerkschaft in kleineren Orten sich schon längst organisirt hätte, wenn es nicht dort an der regen Agitation, welche entfaltet wird, und der oder den Personen gefehlt hätte, um die Kollegen aufzuklären, veranlaßt mich, diese Spalten zu benutzen. Die Schuhmacher, die in einer Zahl von 100 hier am Ort vertteten sind, sind noch nicht organisirt. Aus ihrer Mitte sind an mich Fragen ergangen, wie sie es anfangen sollen, einen Verein zu gründen. Einen Vorsitzenden können sie unter sich vor der Hand nicht bekommen, Fühlung haben sie mit dem Berliner Verein auch nicht, möchten aber, so wie es die hiesigen Tischler gemacht haben, als Filiale mit einem Bevollmächtigten zu Berlin gehören. Der Geist hier am Ort ist ein guter und wünsche ich, daß diese Zeilen dazu beitragen, daß auch die hiesigen Schuhmacher recht bald in die Lage kommen, die Reihen ihrer gegen das Kapital kämpfenden Brüder zu verstärken. Von Seiten des Schuhmacher- Vereins sieht einer Erklärung entgegen, und ist bereit eine Ver- sammlung einzuberufen. A. Hiller, Schuhmacher, Weißensee, Sedanstr. 27. Alle Anfragen sind an Obigen zu richten. I. A. H. Grünenberg, Friedrichstr. 18. Theater. Dienstag, den 1. Juli. KerUnrr Theater, Brutus und Kol- latinus. Friedrich-Milstelmstädt. Theater. Der arme Jonathan. MaUner- Theater. Mamsell Ni- touche. Siktoria-Theater. Stanley in Afrika. ftend- Theater. Heinrich Heine. Vorher: Ei e vollkommene Frau. KeUeaUianre» Theater. Der Nau- tilus. Kaufmann s Uarietö. Große Spe- zialitäten-Vorstellung._ Englischer Garten. Direktion: C. Andress, Alexander- straße 27 c. Auftreten d. Liedersängerin Frl. Steinow. Austreten des Gefaugshumoristen Herrn •Jonas. Auftreten des Komikers, Mimikers und Stimmen-Jmitators Herrn Gödicke. Auftreten der Geschwister Herzog. Allstreteu des musikalischen Lieger- Klown Mr. de Volts. dstalllifcilicnt Buggenhagen am Moritzplatz. Täglich: Grosses Garten-Concert. Direktion A. Aiödmann. Dienstag und Freitag: Valzer-Abontl. Wochentags 10 Pfg., uuu cc gönn- und Festtags 25 Pfg. Bei ungünstiger Witterung in den untere« Restaurationsruumen. Großer Frühstücks- und Mittagstisch. Spezial-Ausschatik von Patzenhofer Export-Bier, Seidel 15 Pf. Die oberen Säle bleiben bis auf Weiteres wegen Renovirung geschlossen. 041 F. nauiler. Variötö-Theater. (Hasenhaide) Berrmannstr. 18— Nene Strasse 18. Im herrlich«« Garten: Konzert, Theater, nnd SpeziaMen-Voritellnng. Im Saale: BULL. Anfang 4 Uhr. Entree 20 Pf. K i n d,e r frei! Zu Privatsestlichkeiten halte mein Etablissement empfohlen. Vassage 1 Cr. 9 Uhr M. b. 10 Uhr Ab. Kaiser-Psnorama. Hervorrag. Sehenswiirdigk. d. Residenz. Eine Wanderung durch Rom. 1. Zyklus Amerika, Kalifornien. Der Mond, fliegende Vögel k. Eine Reise 20 Pf., Kind nur 10 Pf. Abonnement 1 M. Rhmllantiislhtr Tnantl, gen.: ,,Dte fidrle Ragelkiste", i Berlin N., Elsasserslraße 73, gegenüber der Bergstraße. Im Lokal photographifchro Atelier zur Benutzung.— Jeder Gast, auch wenn derselbe nur für 10 Pfennige verzehrt, wird gratis photographirt und erhält sein Bild sofort als! Gratispräsent. Höchst scherzhaft! j H. Schultze(mit'n tz). Einzige KeUer-Vhotographie der Welt. 1940 M repa E I �2(außer: General-Versammlung des Sozialdemokratischen Walzwerews des 4. Kerl. Reichstags-Wahlkreises am Mittwoch, den S. Juli, Abends 8 Zlhr,_ EST* im Lokale nKönigsbank", Frankfurterstr. 117: Tages-Ordnnng: 1. Das Gesetz über die Gewerbe-Schiedsgerichte. Ref.: Reichstags-Abg. Franz Tutzauer. 2. Diskussion. 3. Vereinsangelegenheiten und Verschiedenes. 3. Abrechnung des 1. Quartals 2282 Neue Mitglieder werden aufgenommen. Gäste willkommen. I. A.: Der Vorstand. Am heutigen Tage verlegen wir unsere W@r Buchdnuckerei nach Elisabeth-Üier No. 55, Hol 1 Tr.(am Engelbecken). Kerli», den 1. Juli 1390. 2259 Maurer, Werner& Co. Oeffentl. Versammlung der Metallarbeiter der Gas-, Wasser- und Dampiarmaturen-Branche am Mittwoch, den 2. Juli, Abends 8 Uhr, bei Zemter, Münzstr. 11. Tagesordnung: 1. Stellungnahme zur Zentral-Streik-Kon'trolkommission. Nef.:Hr. Pirch. 2. Diskussion und Wahl der Delegirten. 3. Verschiedenes. Zur Deckung der Unkosten finoet Tellersammlung statt. Zahlreiches Erscheinen erwartet Der Einbernfer. 2277 Oeflentliche Versammlung her zur Zentral Streik-Kontrol-Kommijstott gemahlten Delegirten am vonnenstag, den 2. Juli, Abends 8V3 Uhr, in Jordan's Salon, Nene Grünstr. 28. TageS-Ordnung: 1, Konstituirnng der Zentral- Streik- Kontrol- Kommission. 2. Anträge. 3. Geschäftliches. 4. Verschiedenes. 2261 Es ist Pflicht eines jeden Delegirten, in dieser Versammlung zu erscheinen. Die Beauftragten: A. Tätcrow. K. Tliieme. E. Wiedemami, Sattler! Deute, Dieultag, de» 1. Juli er., Abends 8 Uhr, in Jordan's Salon, Neue Grünstr. 28: Große öffentliche Versammlung der Sattler und Serufsgcttossen Dcrlins und Umgegend. Tages-Ordnnng: 1. Vortrag des Reichstags-Zlbg. W. Bock über:„Nutzen und Vortheile der Zentralorganisation". 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. 2200 Der wichtigen Tagesordnung wegen ist es Pflicht eines jeden Kollegen, recht pünktlich und zahlreich zu erscheinen. Der Einbernfer: MUH. Ulilih, Auguststr. 19. Or�osse Wersammiung dcS AllMmen Arbeltemmmms'Mmtlilher Benlsszivelge Krrlins und Umgegend(Filiale I Moabit) am Mitlvoca, den 2. Juli,'Abends 8 Uhr, bei Jlges, Wilsnackerstr. 63. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Reichstags-Abgeordneten Herrn Molkenbnllr. 2. Diskussion und Aufnahme neuer Mitglieder. 3. Verschiedenes. 2272 KU. Danien und Herren, als Gäste, haben Zutritt. Um recht zahlreiches Erscheine» ersucht_ I. A.: Die Bevollmächtigte. Große öffentliche Versammlung säimutl. Lederarbeiter Berlins u. Umgegend au» Dienstag, de» 1. Juli, Abends 8�/2 Uhr. SKSjT i» Uebel's Salon, Uanniinstrahe 2«. 1303 Tages-Ordnung: 1. Wahl der Delegirten z r Zeutral-Streik-liontrolkommisnon. 2. Stellungnahme zu den Beschlüssen der letzten öffentl. Versammlung. 3. Verschiedenes. 2268 Zahlreiches Erscheinen erwartet Der Einberufer. _ IsB, Billets zum Stiftungsfest sind zu haben._ Jede Uhr repariren und zu reinigen icher Bruch) kostet bei mir f unter Garantie deLGntgehens ,5V GVÜark. Lager aller Arten Uhren und Gold- waaren z« den billigsten Preisen. 1 Rosenthalerstr. 10. U-OUIM(a. d. Auguststr.) VrTickkanltai» u. s. w. dauerhaft gearbeitet, smvie sä,nn,tliche Artikel zur Kranken- pflege empfiehlt 499 J. Ch. Pollmann, 30 Linien st raße 30. Lieferant f. sämmti. Krankenkassen. Achtung Gastmirthe! Dienstag, den 1. Juli, Nachmittags 5 Uhr: Oeffentliche Versammlung der Gast- und Schankwirthe Krrlina«nd Umgegend 2243 bei foel, Andreassirasse 21—22. Tages-Ordnung: 1. Welche Vortheile würden nach Verlauf der drei- jährigen Probezeit durch Abschaffung der SpirituSsteuer den Konsumenten sowie de» Sckankwirthen erwachsen? Refer.: Urichstags-Abgeordileter Kch,oar;. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Es ist Pflicht eines jeden Schankwirthes, in dieser Versammlung zu erscheinen._ Der Einbernfer. Große öffentliche Versammlung d. Müller, Mühlenarkelter n. Kernfsgen am Mittwoch, den 2. Juli, Abds. 8>/s Uhr, in Lcheller's Salon, Juselsir. 10. Tages-Ordnung:' 2273 1. Vortrag. 2. Diskussion. 3. Stellungnahme zu der in Aussicht genommenen Zentral- Streik-Konttolkommission resp. Wahl von Delegirten zu derselben. 4. Verschiedenes und Fraaekasten. Referent wird in der Aersamm lung bekannt gemacht. Zahlreiches Erscheinen erwünscht ver Einbernfer, n n-J-fl-■Tin empfiehlt Vereinsstempel, Quittnngssteinpel m Miel. EiTSSIlBiay Medaillonstempel mit Lassalle, Be,el, Lied 0. Krnnnrnstraße 0, knecht u. a. m. zu ermäß. Preis. Monogramm Schablonen, Thürschilder, Gravirnug von Inschriften. Entwürfe gratts sofort. Mm es angeht. 1 Jeder Hausfrau wird als bester Kaffee- Zusatz der Anker- Cichorien von Demnrerieb& Co. in Ulagdeburg-Knlkau empfohlen. Schon eine kleine Zugabe davon genügt, um den Kaffee vollschineckender und weicher zu nmchen. Jeder andere Zusatz unter dem Namen„Kaffee» führt mit Unrecht diese Beiemung. Der Werth auf reine Waare legt unter richtiger Benennung, verbrauche ausschließlich Anker-Cichorie». Anker-Cichorien ist inPacketen oder Büchsen zukaufen bei fast allen besseren Waarenhandtungen. wMrtmMWffi-Jl AcWrcWlorftrorbsl Und in so kurzer Ziitl getrocknet. V «s ,■ Ja das ist , Suter'sche Fussboden- i Glasur-Lock-Farbe . und kostet nur 75 Pf.das Pfund. Stunden hart und glänzen� o lerlackieren überflüssig. Da« 13 unangenehme Kleben ist vollständig ausgeschlossen. � Nasse Witterung hat keinen Cinfluss auf mein« 0 Farbe. Aufträge führe nur � gegen vorherige Einsendung.. des Betrages oder gegen Nach- � nähme aus. Freu 4 Pfund>—< TS Pfanaif«. � 1 0 1 »5 ET 1 2. 7. 3 R. J. Suter, 9-- Berlin Zionakirchstr. No. 44. Kastanien-Allee No. od Wieder vorräthig PROTOKOLL des ! Jntmiiltlmlek Arbeiterkoilgrejses 1 zu ip S* vi35, abgehalten»om 14. bi» 20. Juli 188V. Deutsche Uebersetzung. Mit einem Vorwort von Wilhelm l-iedkneoht. , 140 Seiten. Preis broschirt 50 Ufennige. Zu beziehen durch unsere Expedition, Beuthstraße 3. ' WiedrrverKiinfer erhalten Rabatt. Vsreiiiig. dJDr echsler Deutschlands Grtsverwaltung V.(Perlmutt-Arb.) Am Dienstag, d. 1. Juli, Abends 8l/2 Uhr: Mglieder-VerMmliiW. bei Bolz mann, Andreasstraße 26. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Herrn Osk. Witzle. 2. Diskussion. � � 3. Ausschluß der Mitglieder, welche sich gegen§ 6 Absatz 3 des Statuts vergangen haben. 4. Wahl eines Schriftführers, eines Beisitzers und eines Revisors. 6. Verschiedenes._ 2253 tzche öjsentl. VetMmluilg kt Albumarbeiter Arbeiterinnen am Mittwoch, den 2. Juli er., Abends 8 Uhr, in Renz' Salon, Naunynstraße 27. Tages-Ordnung: Zweck der Stteik-Kontrol-Kommission, eveut. Wahl von Delegirten. Referent Herr Milenz. Vortrag über Volksernährung und Volkseinkommen. Referent Herr Röhlke. 2270_ Der Ginberufer. Fchli. i>. Tischler. Morgen, Mittwoch, den 2. Juli er., Abends 83/4 Uhr, in Jordan's Salon, Neue Grünstr. 28: Lsrstlliiiiffltzlllg. Bevollmächtigte und Protokollführer der verschiedenen Bezirke werden ersucht, vollzählig zu erscheinen. 2274_ Der Dorstand. Kitiiltt-i-W.�«'�"� Audreaostr. 20. Krankeil- uull Sterbeklljse her Berliner Hausdiener (E. H. 61.) Donnerstag, den 17. Juli 1890, Abends 9 Uhr, Neue Grünstr. 28 bei Jordan: 3. ordeutliclie General-Y crsammlung. Tages-Ordnung: 1. Mittheilungen. 2. Vierteljahresbericht. 3. Erganzungswahl des Ausschusses. 4. Abänderung des Statuts u. zivar der§§ 2, 6, 7, 7a, 9, 11, 20, 27. 5. Bericht des Vorstandes über die pro- visorische Kranken-Kontrole. 6. Ver- schiedenes, Auflage und Fragekasten. Der Dorstand. 2266 Friedr. Hamann, Heiligegeiüsir. 12. Achtung I Wir ersuchen alle Diejenigen, die noch im Besitze von Sammellisten sind, die- selben bis spätestens den 15. Juli er. an die Kommission abzuliefern, ob gezeichnet oder nicht, damit die Abrechnung recht- zeitig fertiggestellt werden kann. 2262 Tie Ucbernjchililgs-Koiilmisßlill her Tabkkllrbeiter Berlins. I. A.: I. Keul. Weinstr. 27, v. 4 Tr. Sprechstunde Abends 8—10 Uhr. " Spiegel und i Polsterwaaren. Gr. Lager, bist. Preise. E!n,il Heyny Brunnenstraße 28, Hof parterre. Theilzahlung nach Uebereinkunft. eigener �abHIu i Verantwortlicher Redakteur: Cnet Danke in Berlin. Druck und Verlag von Mar Fading in Berlin SW„ Beuthstraße 2. Hirrz« eine KeUage. ' Beilage zum Berliner Nr. 149. Dienstag, de« 1. Juli 1899. 7. Iah. Vnrlcm»ettkvbctirf|ke. Deutscher Reichstag. SO. Sitzung vom 30. Juni, 1 Uhr. Am Tisckie des Bundesraths: von Boetticher, von Stephan, v. Berdy.v. Maltzahn, v.zOehlschläger. Die zweite Berathung des Nachtragsetats, betreffend die Erhöhung der Beamten geh älter, wird fortgesetzt. Die Verbesserung der Gehälter der etatsinäpigen unteren Beamten um 5 103 723 M. wird ohne Debatte bewilligt. Für die diätarisch beschäftigten Beamten und Unterbe- amten werden 2 536 657 M.(5 pCt. Erhöhung für die Hilfsarbeiter und 10 pCt. für die Kanzleibeamte») verlangt. Die Sozialdemokraten Auer und Genoffen beantragen, statt der geforderten Summe zu bewilligen; 3 804 985 M. (+ 1 268 328 äst.). Außerdem beantragt die Budgetkommission folgende R e s o- l u t i o n e n: Die verbündeten giegierungen zu ersuchen. 1. das Verhältniß der etats mäßigen Stellen xu den diätarisch beschäftigten Beamten allgemein einer Prüfung zu unterziehen und vorhandenen Mißverhättniffen durch Vermehrung der etatsmäßigen Stellen abzuhelfen; 2. Erwägungen dahin eintreien zu lassen, ob nicht eine all- gemeine Einführung der D i e n st a l t e r s st u f e n für die Be- svldu> gen der etatsmäßigen Beamten sich empfiehlt. Die Abgg. Auer und Genossen beantragen ferner: Die verbündete» Regierungen zu ersuche», dem Reichstage noch in dieser Session eine Vorlage auf Abänderung bezüglicher Vor- schriften des Militär-PensionSgeseyes, des Reichsbeamten-Geseycs und der Reiche-Relikteiigesetze zu unterbreiten, wonach den p e n- sionirten Bcanten und Militürperfonen, sowie den zu Reliklenbez: gen beiechtigten Hinterbliebenen von Beamten und Pensionären eine ertsprechende Pcnsionszulage resp. Zulage zum Mttwen- und Wai'emzelde nach Verhältniß der den detreifenden Beamtenkategorien durch den Nachtragsetat zu bewilligenden all- gemeinen �esoldunxverbes>erungen gewährt werden kann, und die dazu nöihigen Mittel in den Reichshaushalts-Etat einzustcllen. Adg. Singrr sSoz.): Unser Antrag bezweckt, die diätarisch beschäftigten Bennien in ihren Gehaltsbezügen in ähnlichem Um- fange zu verbesjir», wie es bei den etatsmäßig angestellten Beamten vorgeschagen ist. Unser Antrag ist in der Kommission bekämpft woroen mit dem Hinweise daraus, daß die Diätarien meistens junge Leite seien. Es handelt sich aber um eine sehr große Anzahl veheiratheter Leute, die Familie haben. Ten Löwenantheil an vn Besoldungsverbesserungen nimmt die Reichs- postverwattung in Anspruch, aber gerade die Hilfsboten, welche Tagegelder von 180—2,25 Mark beziehen, find nicht so auf- gede,fert, wie es räch den Theuerungsverhältniffen geschehen müßte. Zwanzig Pennig pro Tag geniigen nicht, um die Ver- theuerung aller Leen» bedürsnisse ariszugleichen. Daß die von uns vorgeschlagenenErhöhungen das Mminralgehalt der etats- mäßigen Beamten ibersteigen, ist bis jetzt nicht nachgewiesen worden. Die in le.terer Zeit so häufig vorgekommenen Unter- schlagungen derPostbamten find aufihre geringe Besoldung zurückzu- führen. Diese gering Besoldung ist des Deutschen Reiches unwürdig nnd doppelt vektageuwenh bei einer Verwallung, die einige dreißig Millionen Ueberfchtse macht, gerade infolge der Pflichtlrene der unteren Beaniten. ss ist nicht richlig, daß ein Hilfsbeamter 2,50 M. pro Tag bkomint, während der ihni übergeordnete Post- affistent 5,50—8,50 ro Tag erhält; der Hilfsbeamte hat dasselbe zu thun wie jener. Angesichts der Finanzlage des Reiches wird man es nicht versthen können, wenn diese an sich nicht bedeu- tende Erhöhung, dllwir verlangen, abgelehnt würde. Der Hin- weis der Resolutia auf eine Vermehrung der etatsmäßigen Stellen genügt nicht man kann das Eine thun und das Andere nicht lafien. Ich baveifle auch die Erklärung der Regierungen in der Kommission, daß sie die Resolution des Reichstags an- nehmen werden, uni selbst wenn sie es thäten, so würde vis zu deren Ausführung m sehr weiter Weg sein. Herr v. Stephan glaubte wunder watgethan zu haben, als er im vorigen Jahre 1200 neue etatsmäßie Stellen in den Etat eingestellt hat. Herr v. Stephan sprach ds Bedenken aus, unser Antrag würde nur die Unzufriedenheit im Lnde iöröern, weil er voraussichtlich doch abgc- lehnt wurde. Wir hall, diesen Antrag deswegen eingebracht, well ,vlr von seiner Nothwevigkelt durchaus überzeugt find. Läge uns daran, die Unzusrneuhcit im Lande zu fördern, so wäre es besser, es bei den isherigen Verhältnissen zu lassen. Glauben Sie aber wirklich, dg durch unseren Antrag die Unzufriedenheit vermehrt werden klnte, dann haben Sie es sehr leicht in der Hand, uns um Ziesen Erfolg zu bringen, indem Sie diesen Antrag anihmen. Sie werden uns dann ni die sehr angenehlne Lze bringen, aua) an unserem Theil dazu beigetragen z> haben, die Unzufriedenheit der Beamten beseitigen zu helfen. Von weitereu Kategorien der Beamten ver- dienten auch diejeuigi des Reichstags, die einen außerordentlich langen Dienst haben, ine Berücksichtignng. Was die Hilfsarbeiter beim Statistifcuen Ate anletrifft, so hätte ich erwartet, der Staatssekretär des Jiern würoe uns über die von ihin neulich angekündigte Unlersuung beim Statistischen Amt Mittheilung macheu. Das steint icht seine Absicht zusein. Wahrscheinlich ist die Untersuchungnicht abgeschlossen, der erste Alt dieser Untersuchung war, venn die Zeilnugen richtig berichten, daß man diejenigen beiden Leute, welche den Anlaß zur Untersuchung gegeaen haben, so ort ohne Knildigung ent- lassen hat. Die Beawn des Statistischen Amtes fühlten sich, vieueicht durch die Anrung hier im Reichstage, veranlaßt, ihrem Direktor ein Vectra euotam z» überreiche», und es wurde vor- geschlagen, eine Adressan de» Herrn Direktor zu schicken. Dieser hat geiueint, die Adressnur au»ehnien zu können, wenn sainiiu- lichc Hisie arbeitet diejbe nnterschrieben; und da die beiden Hihsarbeiter als Verlar desjenigen Artikels, der zu der Unter- suchung Veraulassung geoen hat, sich weigerten, die Adresse zu unterschreibe», so wura sie auf Grund de» sormalen Rechts, welches dem Direktor zieht, sofort entlassen. Ob das Verfahre» geeignet ist. Vertrancn< erwecken, lasse ich dahingesteUt. Keine Partei kann wünschen, mß die Untersuchung zunächst nnt der Bepraning der Anaeschviaten beginnt, bevor noch der Prozeß beendet ist. Ich bitte S dringend, unseren Antrag anzunehineii; Sic rocröcn fcajuit lucit�tcifc von Beomteu niit ihrem Soofc »usrieden machen und ein Akt der ausgleichenden Gerechtigkett vollziehen. Staatssekretär v.«tichff: Die Ausführungen de? Abgeordneten Singer über! Vorgänge im Statistischen Anit habe durch, reg vernonen, da ich erst gegen den Schluß seiner Zu-fuhrungen hier eingellen bin. Tas Gehörte gie t mir aber �?"lasj"ng, durch eineanz kurze Bemerkung diese Diskussion s�letzt.alzuschueiden. h habe bereits bei einer früheren Ge- durch eineanz kurze Bemerkung diese Diskussion >"»»schneiden. 5 habe bereits bei einer früheren Ge- �«"hecl erklärt, daß deSlrtikel der„Volks-Zeitung". welcher u'7,"°rd.ngs, wenn thr, sehr bedauerliche Vorgange rm Statistischen. Amte sich vereitet hat. mir Veranlassung geboten s"e- �"tersuchung emleiten. Diese Untersuchung qabe ich dahin dtrig, rt, daß ich. uwie vollständiae Objektivität der vor- gesetzten Untersui UM. daß ich, luvie vollständige Objektivität der vor- �krivaltungsinsta zu wahren, um �die Führung� der »tersuchung den Staatshalt beim hiesigen Landgericht ersucht habe. Sie werden schon aus diesem Schritte sehen, daß es mir gar nicht darauf ankommt, irgend etwas vertuschen zu wollen, oder zu einem nicht objektiv richtigen Resultat zu gelangen. Was die Entlassung der beiden Urheber der Notizen in der„Volks- Zeitung" anlangt, so ist die Entlassung der Hilfsarbeiter nicht meine Sache, sondern steht dein Direktor zu, natürlich mit dem Vorbehalt, daß, wenn eine solche Entlassung verfügt ist und die betreffenden Entlassenen glauben, daß ihnen ein Unrecht geschehen sei, ihnen die Beschwerde an meine Person offen steht. Eine solche Beschwerde ist bisher bei mir nicht eingegangen.(Hört, hört! rechts.) Ich nehme des- halb an, daß die betroffenen Personen nicht in der Ueberzengung leben, daß ihnen Unrecht geschehen ist. Abg. Kau,«bach: Ich glaube, die Berathung dieses Nach- tragsetats ist nicht der Ort für die Spczialicn, die der Abg Singer vorgebracht hat. Wir werden dieselben im Herbst beider normalen Etatsberathung zu besprechen haben. Ich bin bereits in der Kommission dem Antrage Singer entgegengetreten. An sich ist das Ziel des Antrages ja wünschenswerth, und ich wäre nicht ab- geneigt, wen» etwa, wie ich hoffe, die Forderung für Stellenzulagen abgelehnt wird, den Betrag deni Diätenfonds hinzuzufügen. Ich be- schränle mich einstweilen aufdieseAndeutung- ob der Weg gangbar ist, weiß ich nicht. Dagegen empfehle ich dringend die Annahme der beiden von der Kommission gestellten Resolutionen. Wäre es nach mir gegangen, so würde die erste Resolution noch kräftiger gefaßt worden sein. Sie empfiehlt aber immerhin auch die möglichste Beseitigung des vorhandenen Mißverhältnisses. Entgegen de» Aussührungen des Abg. Singer muß ich betonen, daß docy im Laufe der letzten Jahre bereits in ziemlichem Umfange eine Umwandlung von Diätenstellen in etatsmäßige statlgesnnden hat. Wenn ich nun berücksichtigend erwäge, daß mancher freisinnige Vorschlags der bei der Postverwaltnng auf schroffen Widerspruch gestoßen ist, schließlich doch die Billigung der verbündeten Regie- rungen gefunden hat, so hoffe ich, daß auch der von mir seit Jahren empfohlene Weg, der in der Resolution auch zum Aus- druck gelangt ist, von ihnen gebilligt werden und praktischen Er- folg haben wird. Würden wir den Diätenfonds prozentual nach den Anträgen Singer erhöhen, so würden nach meiner Meinung die schrittiveise Uniwaudlnng der Diätenstellen in etats- mäßige gefährdet. Ich empfehle deshalb die Ablehnung des An- träges Singer. Die Beamten legen viel größeren Werth auf feste Anstellung als aus hohe Diäten.(Abg. Singer: Es kann ja doch beides geschehen!) Gewiß, aber mir scheint eben, wenn ich beides thue, würde ich das eine gefährden. Verurtheilungen von Post- beamten wegen Veruntreuungen kommen leider thatsächlich häufig vor. Bei unseren thüringer Gerichten bildet der wegen Unter- schlagung zur Verantwortung gezogene Posthilfsbote eine ständige Rubrik. Ter Zusammenhang mit der schlechten Bezahlung ist nicht zu bestreiten. Wenn ein Posthilfsbote 1,40 M. tägliches Gehalt bekommt, liegt für ihn die Versuchung sehr nahe, vom rechten Wege abzuweichen. Es ist das selbstverständlich eine schwere Verletzung seiner Dienstpflicht, die streng bestraft werden muß, aber sie ist aus jenen Verhältnissen erklärlich und vielleicht auch in einem gewissen Umfange entschuldbar. Durch die etats- mäßige Anstellung fördern wir die ganze Solidarität und Führung dieser Leute. Herr Singer hat es leicht, einen Vorschlag aus einfache prozentuale Erhöhung zu machen, weil die Herren nicht gewöhnt sind, die finanziellen Konsequenzen unserer Be- schlüsse mit zu vertreten.(Zwischenruf des Abg. Singer.) Wenn Sie wirklich diesen NachtragSelat annehmen wollen, dann genehmigen Sie doch dadurch nachträglich eine Menge von Stellen in dem ordentlichen Etat. Das ist immerhin von Seiten der Herren Sozialdemokraten schon ein Fortschritt, den ich dankbar anerkenne.(Heiterkeit links). Ebenso dringend empfehle ich die Annahme der Resolution betreffs der Dienstaltersstufe». Auch das ist ein von nur oft gemachler, seit Jahren versochtener Bor- schlag, der früher stets auf Widerspruch stieß. Mit Genugthuung begrüße ich deshalb, daß heute der Reichstag ziemlich einstimmig diese Resolution genehnngen wird. Es gilt hier wohl dasselbe, wie bezüglich der diätarischen Stellen. Sehr bedenklich schien mir in der Kommission eine Ausführung seitens eines Vertreters des Reichsschatzamtes, welche dahin ging, daß bei der Ein- führnng dieses Systems man das Mittel verliert, den Beamten anzuregen dadurch, daß man ihm geivisse Vortheile versagen könnte, wenn seine Anitsführung nicht so ist, wie sie sein sollte, und wenn man ihm gleichwohl auf dem Disziplinarwege nicht beikommen kann. Das ist doch ein sehr bedenklicher Grundsatz der Dienstpragmatik. Thut der Mann seine Pflicht nicht, dann soll man disziplinarisch gegen ihn vorgehen, nicht dadurch, daß man ihn zappeln läßt, bis er eine Zulage bekommt, oder sie ihm ver- sagt, weil man mit ihm, vielleicht auch seiner politischen Haltung ivegen, nicht ganz zufrieden ist. Durch solches Verfahren würde man nur Mißvergnügte schaffen, die ohne innere Berusssreudig- keit verdrroffen in der Tretmühle ihre Obliegenheiten erfüllen. Ich bitte nochmals, beide Resolutionen möglichst einstimmig anzu- nehmen. Abg. ti. Keuda(natl.); Auch meine Freunde stehen auf dem Standpunkt, den der Abg. Baumbach vertreten hat. Ich will nur noch bemerken, daß die Regierung in der Kommission mitgetheilt hat, daß der jetzige Etat seyon eine Vermehrung der etatsmäßigen Stellen um 1200 enthält. Damit ist Aussicht auf eine weitere Korrektur ans diesem Gebiete eröffnet, und dabei sollte sich doch der Abg. Singer beruhigen. Wir halten die Komtnissions- Vorschläge(ür annehmbar. Abg. Ulindthorst: Wir haben auf diesem Gebiet Manches nachzuholen, und die Annahme der Komtnissions- Antrüge ivirb zur Zufriedenheit beitragen. Damit ist aber nicht gesagt, daß wir in der Fürsorge für die Beamten inne halten sollten. Aber die Beamten tniissen auch Klarheit darüber erhalten, daß wir aus den Zustand unserer Finanzen und auch aus die Steuer- zahlet Rücksicht zu nehmen haben. Ter Abg. Singer stellt unsere Finanzlage so gunstig dar, daß wir noch genügend Mittel zur Verfügung dafür haben. Ich werde den Abg. Singer und seine Freunde daran erinnern, weint er an anderer Stelle behauptet, Mittel seien nicht vorhanden. Ich erkläre mich mit Allem, was der Abg. Baumbach vorgeschlagen hat, voll und ganz einverstanden und kann auch nicht zweifeln, daß die Regierung auf diesem Wege fortfahren wird, denn sonst hätte sie gar nicht an- fangen können. Die Erwägungen, welche der Regierung in der Resolution wegen der Alterszulagen anHeim gegeben werden, werben ohne Zweifel ernstliche Rücksichten verdienen und hoffent- lich auch erreichen. Aber so leicht ist die Umwandlung des jetzigen Systems in ein solches der Dienstalterszulagen nicht zu erreichen, und es wird mit schonender Rücksicht aller Verhältnisse vorgegangen werden müssen. Aber auf den angedeuteten Weg müssen wir nothwendig treten, denn wir werden sonst aus den Beamten nicht die Auslassung herausbringen, daß nach Gunst und Gnade gehandelt wird. Im Augenblick weiter gehen können wir nicht wenigstens nicht, so lange wir unsere Finanzen nicht ge- kräftigt haben. Durch den Antrag Singer würden auch einige Unaleichheiten gegenüber den preußischen Beamten entstehen, die wir nicht billigen können. Sobald es möglich ist, werden wir auf die Sache wieder zurückkommen. Es ist aber auch die ernste Mahnung an die Beamten am Platze, sich an unser Budget zu halten- Abg. Kittger(Soz.): Ich habe unsere Finanzen du nicht als so glänzende hingestellt, wie der Abg. Windthor unterlegt. Ich zitire nur den Schatzsekretär, der uns eir entworfen hat, nach dem es noch möglich ist, für andere viele Millionen auszugeben, und im Älnschluß daran meint es sei möglich, die Hilfsbeamten weiter aufzubessern. Bezc der Vorwürfe des Abg. Baumbach über unsere Stet zum Etat erkläre ich, daß wir für diejenigen Sunt. die entweder mit unserer Zustimmung beivilligt oder unsere Anregung noch erhöht werden, stets die Konsequenz. übernehmen und die entsprechenden Einnahmen bewilligen werden. Daß wir aber den Gesammtetat nicht bewilligen können, entspricht unserer prinzipiellen Stellung, namentlich da wir dem Militarismus, der den Haupttheil des Etats ausmacht, prinzipiell entgegenstehen. Wir suchen nur in der zweiten Lesung auf allen Gebieten nach unserer tleberzergung schlechte Bestimmungen zu bessern. Die freisinnige Partei hat ja auch bei der letzten Militärvorlage Ver- besserungen versucht, und da sie ihr nicht gelangen, in dritter Lesung ganz konsequent gegen die ganze Vorlage gestimmt. Dem Abg. Windthorst hätten die Beschlüsse der letzten Tage eine bessere Gelegenheit zu Ersparnissen gegeben als dieser Etat. Diese Rück- ficht aus die Steuerzahler sollte er seinen Fraktionsgenossen an- heimgeben, die für die Getreidczölle gestimmt haben. Die Reso- lution über die diätarisch beschäftigten Beamten entspricht den Wünschen dieser selbst nicht. Die Leute müssen 7 bis 9 Jahre auf ihre etatsmüßige Anstellung warten, und diese ist noch davon abhängig, daß sie ein ärztliches Attest über ihren Gesundheitszustand beibringen. Ihre Hoffnung auf An- stellnng ist dadurch sehr erheblich eingeschränkt, daß sie sich in- folge ihres vorherigen Dienstes keiner so dauernden Gesundheit mehr erfreuen, wie die Behörde bei der Anstellung verlangt. Die Leute können nicht so lange warten, wie der Abgeordnete Windthorst will; ihrer Roth muß augenblicklich at'geholfen werden. Der Reichstag kann nicht aussprechen, daß dafür IVe Millionen nicht vorhanden sind, nachdem man hunderte von Millionen für andere Zivccke bewilligt und die Lebensntittsl ver- theuert hat. Abg. Richter: Der Antrag Singer für die Bureaubeamten unterscheidet sich von der Vorlage nur dadurch, daß er 7Vs statt 5 pCt. Zulage gewähren will. Es ist völlig falsch, es so dcrrzu- stellen, als ob dadurch die Menschen aus Unglücklichen zu Glücklichen gemacht werden. Die 2 sie pCt. mehr sind ein so ge- ringer Äruchtheil, daß er nicht zu den stolzen Worten des Abg. Singer paßt. Bezüglich der Diätarien besteht gar kein Widerspruch zwischen meiner Partei und den übrigen. Im Abgeordneten- Hause haben wir deren Verhältnisse ohne die sozialdeinokratische Hilfe genau geprüft.(Abg. Singer: Weil wir nicht da waren!) Stein, wir haben Jdre Hilfe garnicht gebraucht.(Heiterkeit.) Das preußische Abgeordnetenhaus hat die Sache wirksam in An- griff genonimen, das wissen die Diätarien selbst, denn noch nie habe ich so viele Zustimmungen erhalten, so daß es Ihrer Zu- stiminung garnicht mehr bedarf.(Heiterkeit.) Bei dieser Frage kommen parteipolitische Gegensätze nicht tn Betracht. Die diätarischen Beamten sind die eigentlichen Stiefkinder in unserem Be- amtenthum, über die wir leider parlamentarisch am wenigsten wissen. Den elatsmäßig Angestellten können wir bis in den Magen sehen, wir wissen, was sie für Einkommen haben; bei den Diätarten kennen tvtr nicht einmal die Gesammtsumme ihres Gehaltes, da diese int Etat mit anderen Ausgaben verbunden ist. Die Diätarien fürchten sich auch, Eingaben an Abgeordnete zu machen, weil sie in so abhängiger Stellung sind. Wir müssen zunächst die Lage dieser Beamten parlamentarisch genauer kennen lernen und tverden uns beim nächsten Etat eingehend damit beschäftigen. Die Verhältnisse der Diätarten sind so verschiedenartig, daß es verkehrt wäre, sie einheitlich zu behandeln. Manche haben ja nur wenige Jahre auf Anstellung zu warten und leiden keine Roth. Aber für die Diätarien im Bureaudienst lind die 71/2 pCt. ein Tropfen auf den heißen Stein; das sind die eigentlichen Proletarier in unserem Beamtenthum. Deshalb müssen die etatsmäßigen Stellen vermehrt und die Leute früher in festere, bessere Verhältnisse gebracht werden. Was die Arbeiter betrifft, so hat die Regierung, da die Arbeitslöhne nicht etats- mäßig festgestellt worden sind, schon selbst ein Mittel, unt Abhilfe zu schaffen. F r die Personen, die Hilfsdienste leisten, in denen sie niemals etatsmüßig werden, ist die Besoldung so zu regeln, daß sie dauernd für ihre Leistungen angemessen entschädigt werden. Die Verhältnisse sind also ganz verschieden und es handelt sich um viel größere Summen, als im Antrag Singer enthalten sind. Wir»vollen nicht die Äeraitttvortung für neue Steuern über-' nehmen. Herr Singer hat sich auf den Schatzsekretär bezogen. Dieser hat aber nur erklärt, im nächsten Jahre hoffe er ohne neue Steuern auszukommen. Wie weit darüber hinaus Aus- gaben zu bewilligen sind, werden wir im nächsten Jahre gründlich prüfen, ohne einen Wechsel auf neue Steuern auszustellen. Es ist und bleibt ein Widerspruch, wenn man sagt,„diesem Re- gterungssystem keinen Groschen! ich kann nicht einmal mich für berechtigt halten, der Regierung die Auszahlung der Gelder ztt bewilligen, die gesetzlich seflgestellt sind". Wenn man so den Etat tm Ganzen verwirst und dann bei einzelnen Titeln der Regierung noch mehr Geld attsdrängl, als sie haben will, so ist das ein Widerspruch, aus den» Sie nicht herauskommen. Enttveder— oder! enttveder bewilligen Sie den Etat(Widerspruch bei den Sozialdemokraten), so zeigen Sie doch, wo etwas abgestrichen werden soll! Aber Erhöhungen zu bewilligen und dann den Etat itn Ganzen ablehnen, das ist zwar eine sehr dankbare Rolle, aber nichts weniger als konsequent.(Beifall.) Abg. Windtliarst: Der Abg. Singer hält mir die Be- willigung der Militärforderungen vor. Wenn sich die Arbeiter vergegenwärtigen, daß sie es sind in erster Reihe, die die Schlach- ten schlagen, so werden sie uns Dank wissen, daß wir Maßregeln zugestimmt haben, die sie und ihre Verwandten in den Schlachten schützen.(Zustimmung im Zentrum und rechts.) Ohne Kar»- und Viehzölle, bemerke ich Herrn Singer weiter, würden wir überhaupt die Beamtengehälter nicht erhöhen können. So lange die anderen Nationen ihre Zölle nicht aufheben, müssen wir auch die unserigen behalten. Der Antrag Auer wird gegen die Stimmen der Sozial- dentokraten abgelehnt, die Ausvejjerung für die Diätarie» nach der Regierungsvorlage bewilligt. Zu Stellenzulagen werden 540 000 Mark gefordert. Die Kommission schlägt die Bewilligung vor mit dem Vermerk, dafl Bewtlltguttgett aus diesem Fonds nur für das Etatsjahr 1390-91 zulässig sind. .. Abg. Rickrrt(dfr.): Ich spreche meine Verwunderung aus, dw Budgetkommtssion so leichten Herzens und mit so wenig sttchhalttgen Gründen den Vorschlag der verbündeten Regierungen attgenomnten hat und uns ein Gleiches empfiehlt. Der Grttnd < sein, daß in Preußen solche Stellenzulagen bereits beschlosten sind. Sonst haben Sie diese Parallele aber nicht gelten laßen und gesagt: das Reich ist selbstständig und braucht sich nicht nach Preuße» zu richten. Budget- ntäßtge Gründe sind nicht angeführt. Die Zulagen sollen nach der Absicht der Kommtssion nur für ein Jahr bewilligt tverden Die verbündeten Regierungen haben aber erklärt, daß Stellenzulagen nur gewährt werden, soweit ein dauerndes Bednrfniß vorliegt. Härten, die bezüglich einzelner Beamten be- stehen, könnten durch einen Dispositionsfonds ausgeglichen werden. Aber einen solchen Gratinkationsfonds ohne KeniUniß der Grund- söge seiner Verwendung können wir nicht bewilligen. Auch Herr Vi-guel hat in der erster Lesung eine Vereinbarung über diese Grundsätze für nothwendig erklärt. Tie Koinmission hat aber infach darauf verzichtet, nachdem die Regierung erklärt hatte, ist üe zur Vorlegung von Grundsätzen der Verlheilung gegen- .r\ nicht in der Lage sei. Die Chefs der Behörden, denen die u'hing obliegt, können selbst kein Interesse daran haben, ' 1'stimmte Grundsätze verfahren zu müssen. Das Verfahren c.;r für das Parlament noch für die Beamten zweck- mtssekretär von IHnIijrtlj«: Allerdings hat der he Vorgang für das Reich etwas Zwingendes. Tie Ge- der Unterbeamten sind hier nach den dortigen Grundsätzen ict worden, und die Streichung der Stellenzulagen würde wige haben, daß die Beamten im Reiche schlechter stehen, chie Kollegen in Preußen. Das wollen Sie nicht und können micht wollen, und deswegen kann der Reichstag die Stellen- z-m nicht versagen. Ich erkenne vollkommen an, daß imnäch- Jahre über die Grundsätze der Vertheilung dieses Fonds ge- .icrc Auskunft wird gegeben werden müsien, als wir gegen- äärtig zu geben im Staude waren. Tie Grundsätze über die Stellenzulagen, die in derselben Weise, wie in Preußen, geordnet wcrd- i sollen, hätten erst mit Preußen vereinbart werden müssen, und zu war die Zeit nicht vorhanden. Abg. Frhr. v. Knene(Z.): Die Regierung hat erklärt, daß sie zur Zeit nicht in der Lage ist, die Grundsähe aufzustellen, wie z � man sich nun verständigen, wenn der eine Theil sagt:„Ich 7' zunächst keine festen Grundsähe"? Nur eine Konsequenz w. möglich gewesen, die Bewilligung der Stellenzulagen über- Haupt zu versagen.('Abg. N i ck e r t: Vertagen!) Wir sind aber der Ansicht gewesen, daß wir sie für dieses Jahr den Beamten nicht entziehen wollen und es der Regierung überlassen können, vorläufig sie nach ihrer Ansicht zu verlheilen. Im nächsten Jahre erwarten wir die Vorlegung genauerer Grund- sähe. Der Vertreter des Schatzsekretärs erklärte in der Kom- Mission ausdrucklich, daß es unbedenklich sei, für ein Jahr der Regierung die Ermächtigung zu erthcilen; die Zulagen würden nur provisorisch beivilligt werden, eine Zurückziehung sei wohl möglich. Da wir also die Stellenzulagen ohne Kenutniß der Vcr- theilungsgrundsätze nicht bewilligen wollten, eine Verständigung aber darüber zur Zeit nicht möglich war, haben wir die Be- willigung für ein Jahr ausgesprochen. Abg. Kimmbach: Irgendwelche Grundsätze, nach welchen die Stellenzulagen vertheilt werden sollen, haben wir in der Kom- Mission nicht gehört. Es ist deshalb am Besten, die ganze Position für jetzt anzusetzen. Es sind uns Znschri,ten von Beamten, namentlich aus Berlin zugegangen, welche sich gegen die Stellenzulagen erklären. Mit Recht hat auch der'Abg. Windthorst in der ersten Lesung betont, daß der Schein vermieden weroen müsse, als ob die Zulagen nach Guust und Gnade vertheilt werden. Werden die Grundsätze der Veriheilung nicht festgelegt, so schaffen wir einen reinen Dispositionsfonds, und dieses Prä- zedenz ivollen wir vermeiden. Abg. v. Kenda: Eine Vertagung dieser Position auf ein •jähr würde die Beamten ganz außerordentlich schädigen. Wir haben im Abgeordueienhause ganz dieselben Einwendungen ge- hört, aber aus Zweckmäßigkeitsgründen denselben Beschluß gesaut, der ihnen hier vorgeschlagen wird. Durch denKommissionsbeschluß binden wir uns in leiner Weise. Die Forderung wird bewilligt. Entsprechend den erfolgten Bewilligungen werden die Matri- kularl ctträge um 12 GS8 0G5 M. erhöht. Die oben mitgetheilten Resolutionen der Kommission werden angenommen. Zur Begründung der Resolution Auer erhält das Wort der . Abg. Singer: Unser'Autrag ist eine Konsequenz der eben gefaßten Beschlüsse. Die Pensionäre sind meistens in derselben wirthschastlichen Nothlage wie die Beamten. Es sind uns eine Reihe von Zuschriften zugegangen, welche in nachdücklichster Weise sur eine Aufbesserung ihrer Pension sprechen. In ergreifender Weise schildert mir ein Briefträger seine Roth; 55. Jl' i;? /a■Jdhve bei der Post gewesen und bezieht jetzt nur 22, ov M. Solche Pensionäre wenden sich dann an die verschie- densten kommunalen Stistungen und Vereine um Unterstübuug. Die Wittwen und Waisen der Beamten sind in derselben Roth- tssge: sie sind meistens gezwungen, sich durch Stickereien einen kärglichen Unterhalt zu erwerben. Die Militärinvaliden, welche sur das Vaterland geblutet haben, sehen wir mit der Drehorgel im Thiergarten. Die Gehälter der Offiziere und Beamten sind in den letzten 20 Jahren erhöht worden; die Militärinvaliden beziehen heute noch denselben Satz wie vor 20 Jahren. Ebenso ist es zu bedauern, daß die Hinterbliebenen vom Feldwebel ab- wärts keine Reliktenbezüge erhalten. Wir müssen das Versäumte nachholen und uns aus den Standpunkt stellen, daß das Reich in seinem eigenen Interesse die geleisteten Dienste so vergilt, wie es vernünstigeriveise von ihm gefordert werden kann. Staatssekretär v. Malchahn: Diese Meinung theilen wir auch. Eine Reihe der Forderungen aber, die von diesem Gesichts- punkte aus von der Regierung an Sie gestellt sind, ist von dem Herrn Antragsteller mit seinen Freu.dcn abgelehnt worden. So wünschenswerth an sich das ist, was der Vorredner fordert, so steht es doch nicht in einem nothwendigen Zusammenhange mit dieser Vorlage. Denn der Antrag erstreckt seine Wünsche aus- drücklich auch ans die Militärpersonen und deren Hinterbliebenen, welche in der Vorlage hinsichtlich ihrer Gehälter nicht berückfichtigt werden. Eine einfache Konsequenz des Beschlusses wäre es, daß den im Dienst befindlichen gleichen Kategorien ebenfalls ihre Be- züge erhöht werde», und daß sie bei der Pensionirung höhere Be ziige erhalten. Die Höhe dieser Summe habe ich nicht berechnen können, aber der Antrag allein wurde jährlich 4—5 Millionen erfordern. Nothwendiger als diese Fordern: gen sind auch die jenigen für die»och im Dienst befindlichen Beamten, und bevor diese Forderungen bewilligt werden, können wir uns zu einer Be willigung der anderen nicht verstehen.(Beifall rechts.) Abg. Richter: Man könnte nach der Darstellung des Abg. Singer meinen, als ob in den letzten Jahren nichts geschehen sei. Das gerade Gegenthcil ist der Fall. Erst vor wenig Jahren sind die Pensionäre besser gestellt worden. Ebenso ist eine vortheilhaftere Reliklenvers orgung eingetreten durch Aufhebung der Reliktenbeitrüge. Allerdings find die vor den neueren Pensionsgesetzen pensionirten Beamten in einer etwas ilngnnstigen Lage. Es ist aber gerade mit Rücksicht hierauf der Dispositionsfonds zur Unterstützung solcher Pensionäre und Relikten beträcht- lich erhöht worden. In dem Maße, wie die jüngeren Pensionäre und Relikten durch die neueren Gesetze besser gestellt werden, wer- den auch die vorhandenen Tispositionsfonds in um so höherem Maße verwendet für diejenigen, welche noch unter dem früheren Pensionsgesetz pensionirt wurden. Der Fall, den der Abg. Singer anführte, würde durch seinen Antrag nicht erheblich getroffen werden. Der Briefträger des Herrn Singer würde nur um 15 pCt. von 22V2 M. aufgebessert werden; er würde also eine monatliche Erhöhung von 3—4 M. bekommen. Der Mann würde aus dem Dispositionsfonds viel besser unterstützt werden. Die Hinterbliebenen der Beamten, ivelche nicht unter das neue Relikteugesey fallen, befinde» sich ebenfalls in Roth, und doch werden sie in diesem Antrage gar nicht be- rücksichtigt. Auf die Invaliden der militärischen Unterklassen hat bereits der Staatssekretär hingewiesen. Das Beispiel mit der Drehorgel ist heute nicht mehr so praktisch wie früher; man sagt mir, daß diese Leute nicht immer die bedürftigsten sind. Das Militär-Pensionsgesetz von 1871 bedarf insofern einer Verbesserung, als die Invaliden nicht als Soldaten, d. h. als solche, welche ihr ganzes Leben Soldaten bleiben wollen, während sie nur ihrer Dienstpflicht obgelegen haben, sondern entsprechend ihrer bürger- lichen Erwerbsunsähigkeit pensionirt werden. Man sollte sich vor illimitirten Anträgen hüten, denn aus solchen Anträgen allge- meiner Art ivird nachher in der Praxis etwas ganz anderes, als die Antragsteller selbst beabsichtigen. Würde der Abg. Singer vielleicht damit ein Engagement auf neue Steuern übernehmen wollen?(Beifall links.) Die Resolution wird abgelehnt. Durch die gefaßten Beschlüsse sind die zur Vorlag« einge- gangenen Petitionen erledigt. Darauf wird der Reichs-Schuldenkom Mission in Bezug auf ihren Bericht für 1338/89 Entlastung er- theilt; zur U e b e r s i ch t der Reichsabgaben und-Einnahmen für 1338:83 ivird beschlossen, die Etatsüberschreitungen und außer- etatsmäßigen Ausgaben, vorbehaltlich der Rechnungslegung nach- träglich zu genehmigen. Es folgt die Berathung deS Antrages des Bundesraths. Das Denkmal für den Kaiser Wilhelm I. ivird auf dem durch Nieder- legung der Gebäude„An der Schloßfreiheit" entstehenden Platze errichtet. 2. Dasselbe erhält die Gestalt eines Reiterstandbildes. 3. Ter Reichskanzler wird ermächtigt, über einen Entwurf für das Denkmal einen engeren Wettbeiverb auszuschreiben. Abg. v. Heereman».Zentrum) beantragt die Vorlage in eine Kommission von 14 Mitgliedern zu veriveisen. Der Antrag v. Heeremann wird gegen oie Stimmen der Sozialdemokratie angenommen. Abg. Rintrie» hatte eine Aeuderung des Zustellungs- wesens nach verschiedenen Richtungen hin beantragt. Die zur Vorberathung eingesetzte Kommission schlägt nunmehr vor: 1. Tie verbündeten Regierungen zu ersuche», schon vor dlirchgrciseuder Revision der Reichs-Prozeßgesetze, und zwar bald- möglichst, dem Reichstage den Entwurf eines Gesetzes vorzulegen, durch welchen die Vorschriften derselben über das Zustellungs- wesen nach der Richtung hin geändert werde», daß den zu Tage getretenen Mängeln und Härten— insbesondere hinsichtlich der Weitläufigkeit und Kosts,ieligseit des Verfahrens— Abhilfe gewährt wird; 2. die eingegangenen Petitionen für erledigt zu erklären. Abg. Rintrlen erklärt sich mit der Resolution einver- standen, weil zu erwarten sei, daß auf diesem Wege am ehesten etwas erreicht werde. Jedenfalls könne die Sache so wie sie jetzt liegt, nicht bleiben. Hoffentlich finde die Resolution einstimmige Annahme. Die Resolution wird einstimmig angenommen. Schluß 5 Uhr. Nächste Sitzung: Dienstag 1 Uhr.(Gesetz- entwurs, betr. die Konsulargerichtsbarkeit auf Samoa; Nachtrags- etat, betr. die Beaiutenbesoldungeii; Nachtragsetat, betr. die Kosten der Militärvorlage; Wahlprüjungen.) Lokales. M» neuer Heutral-Arbeitsnachtvei«. An den Anschlagsäulen lasen wir am Sonnabend voriger Woche:„Der Verein Berliner Metallinduftrieller macht hiermit bekannt, daß er am I. Juli er. im Norden, Gartenstraße 160, einen Arbeitsnachweis für sämmtliche Metallarbeiter eröffnen ivird, wo allen Arbeit suchenden unentgeltlich Arveit nachgewiesen wird." Für den ersten Augenblick eine recht bestrickende Verheißung, aber auch nur für den Augenblick. Es geivinnt fast den Anschein, als ov man den Arbeitern zum ersten Male die Hand reichen wolle, denn daß den Nietallarbeitern, wie überhaupt allen'Arbeitern ein Arbeitsnachiveis Noth thut, kann Niemand, der auch nur einiger maßen Einblick in die gegenwärtigen Verhältnisse besitzt, de- streiten. Man stelle sich nur einmal zu Beginn der Arbeitszeit vor die Fabrikthore einer größeren hiesigen Fabrik und beobachte. wie die Arbeiter dort geradezu um Arbeit betteln, ja leider vielfacb betteln müssen. Das Erniedrigende dieser Maßregel liegt klar auf der Hand. Ter Arbeiter, der vermittelst seine» Thötigkeit das ganze soziale Getriebe in Bewegung erhält, ohne den absolut kein Unternehmer, ja kein Staat bestehen kann, muß denjenigen, den er erhalten muß, darum bitten, sich von ihm unterhalten zu lassen. Und dennoch, wie o.t bittet er vergeblich? wie oft bittet der Arbeiter gerade dort um Arveit, wo augenblicklich keine für ihn vorhanden. Es ist dies einfach ein Skandal. Dazu kommt noch, daß, wenn irgend ein Werkführcr oder Unternehmer meint, dieser oder jener seiner jetzigen Untergebenen geiu.ge seinen Ansprüchen nicht oder wolle sich nicht absolut seinen Be- drücknngcn unteriverfen, daß er dann von den Arbeitslosen eine beliebige Anzahl sich könne alle Tage vor die Fabrik hinbestellen. was leider nur zu häusig geschieht. Dadurch werden dann die Betreffenden von den Slellen, wo sie noch vielleicht Arbeit ge sunden hätten, sortgezogen und den Arbeitenden wird dann da- durch demonstrirt, daß sie sich unbedingt zu fügen haben, da ja genügend Kräfte vor der Thüre ständen, um nöthigenfalls sie zu ersetzen. Hierin will dies Vorgehen der Unternehmer wohl Wandel schaffen? Oder nicht?— Nach alledem, wie wir die Herren bis jetzt kennen gelernt haben, wird alles Andere, nur nicht dieses beabsichtigt. Als im vorigen Jahre die Fabrikanten in Stettin mit den Formern in Lohndisferenze» gekommen waren, was bekanntlich zu einem Streik der dortigen Former führte, ivaren es m e h r e r e große Berliner Firmen, die den Gnß hier fertig stellen lassen wollten und nur dem energischen Vorgehen der hiesigen Former ist es zu danken, daß dieses nicht geschah. In eii er der Werkstätten(wenn wir nicht irren war es Schwartzkopf in der Chausseestraße) wurde den Formern jedoch bedeutet, daß dieses das letzte Mal sei, wo die Unteruchmer dem Drucke der Arbeiter nachgeoen würden. Bei einer anderen Gelegenheit forderten mehrere Kernmacher der Firma Hummel im Hinweis aus die geslcigerten Lebensmittel- preise eine Lohnerhöhung, die ihnen auch von dem Vertreter der Firma nicht direkt abgeschlagen wurde. Dieser Herr meinte nämlich, er würde ja ihnen den geforderten Ausschlag bewilligen, doch müsse er vorerst beim Vorpande des Vereins(es war der Verein der Eisengießerei-Beiitzer Berlins, der bekanntlich der Vater des jetzigen Vereins der Metallindustriellen ist, gemeint) anfragen und sollten sie sich so lange geduldigen. Stach einigen Tagen wurde dann den Arbeilern die Nachricht, daß ihre Foroe- rungen nicht beivilligt seien. Drei derselben legten die Arbeit darauf hin nieder um anders wo Beschäftigung zu suchen. Sie erhielten auch bald Arbeit, wurden jedoch nach kurzer Zeit mit dem Be- merken wieder entlaffen, sich mit dem Vertreter der Firma Hummel. Herrn Kommerzienralh Bialon, zu einige», sie könnten sonst nicht beschäftigt weroen.— In diesem Jahre streikten bekanntlich die Former und ein Theil der Metallarbeiter Berlins, die am I.Mai gefeiert hatten, wurden ausgesperrt. Von diesen Streikenden und Ausgesperrten ist noch ein gut Theil außer Arbeit, die von den Mitgliedern des Vereins der Btetallinduslrielle» Verlins nicht eingestellt werden, trotzdem der Streitpunkt schon längst begraben ist. Wir sehen hieraus, wie aus den gleichen Vereiui gungcn in Hamburg, Braunschweig, Hannover u. a., die in rigoroser Weise den Streit voin Zaune gebrochen haben, daß es nicht mit der Errichtung von Arbeitsnachweisen seitens der Unternehmer darauf ankommt, Mißstände ans der Welt zu schaffen, sondern einfach die Organisationen der Ar beiter zu zerstören. Wenn man ehrlich mit den Arbeilern Friede halten wollte, dann brauchte man nur den hier bestehen: den Arbeitsnachweis der Metallarbeiter anziierkennen; derselbe ist derartig ausgestattet, daß er allen Anforderungen von Seiten der Unternehmer gerecht werden kann. Wir glauben nun, da wir nach den bisherigen Ersahrungen nicht zu schwarz sehen und ivird ja bereits die nächste Zukunft dies lehre», ov wir Recht haben. Jedenfalls können sich die Arbeiter aus schwere Kämpfe gefaßt machen. Die Unternehmer haben einen Zeitpunkt ge wählt, der nur zu günstig für sie ist, denn die Prodnktio» in der Metallindustrie ist thatsüchlickj im Rückgange be griffen, eS könnten sonst nicht so viel Arbeiter mit einem Male arbeitslos sein, wie es angeublicklich der Fall ist. Hierzu kommen noch die vielen und verhältnißmäßig großen Ausstände in anderen Städten, welche die Opferwilligkeit und Widerstandskraft der Arbeiter auf eine harte Probe stellen. Wollen die Arbeiter Sieger bleiben in den schon jetzt bestehenden und den in nächster Zeit bevorstehenden Kämpfen, so müssen sie sich aufraffen und ihre jetzt bestehenden Organisationen gewaltig ver- stärken. Der große städtische Abfuhrplast, welcher östlich von Berlin an einem schiffbaren Wasserlauf erworben werden soll, macht gegenwärtig wieder die gesammten Uferländereien zwischen Berlin und Friedrichshagen, beziehentlich Berlin— Königswuster- Hausen unsicher. Ueberall stecken die Besitzer die Köpfe zusammen» um herauszutekommen, wo dieser Unglücksplatz etwa von der Berliner Stadtverwaltung angekauft werden könnte. Bis Fried- richshagen und Königswusterhausen sind die Ufer des Spreelaufs und des sich daran anschließenden Dame- und Seeen- gebiets von werthvollen Läudereien begrenzt, die zum größten Theil bereits heute einen nicht unbeträchtlichen Werth besitzen, der in der Zukunft aber noch erheblich steigen kann. Was aber aus denjenigen Grundstücken werden würde, die neben dem großen Berliner Abfuhrplatze liegen, das st insofern unschwer voraus zu sehen, als ihr Werth durch diese Nachbarschaft in keinem Falle geiviunen würde. Allem Anscheine nach beabsichtigt aber die Berliner Stadtverwaltung den Platz auch über die angegebene Entfernung hinaus zu verlegen, wobei allerdings für die Strecke von Friedrichshagen bis Fürstenwalde der von jedem Schiffer gern gemiedene heimtückische Müggelsee in Betracht kommt, der bei seinem oft ganz unverhofft eintretenden hohen Wellengangs den Berliner Abjuhrkähnen gefährlich werden könnte. Auf der Wasserstrecke von Köpenick bis 5rönigswuster- Hausen kämen allerdings noch die rechtsseitigen Uferflächen in Be- tracht. Jedenfalls käme den anderweit inleresnrten Grundstücks- Besitzern die Nachricht von der definitiven Entscheidung über das städtische Abfuhrgrundstück sehr erwünscht, damit der gegenwär- tigen ewigen 3!ederei von den verschiedenen Orten, wo es ange- kauft�weroen könnte, endlich ein Ende gemacht ivird. In Grünau, Schmöckivitz und Hankcls Ablage wissen die dortigen Besitzer sich gegenseitig keine größere Bosheit zu sagen, als daß Einer dem 'Andern mittheilt, der Berliner Absuhrplatz komme in seine nächste Nachbarschaft. Platane« sindet man hier in Berlin an mehreren Stellen, unter Anderem auf dem Askanischen und Velleallianceplay, welchen letzteren eine Reihe von ihnen an der Häuserseire um- kränzt. Die Platanen, welche sich von allen anderen Bäumen dadurch unterscheiden, daß sie alle Jahre ihre Rinde abwerfen, erfreuen ohne Ziveifel durch ihren stattlichen Wuchs und ihre schöne Belaubung das Auge. Während aber Ääume und Pflanzen als Erzenger von Sauerstoff für die menschliche Gesundheit nütz- lich, ja unentbehrlich sind, scheint die Nähe von Platanen nicht ohne Bedenken zu sein. Bereits DioZcorillS und der bekannte römische Arzt Galenus erwähnen, daß das Pulver von Platanen- blättern die Kehle angreife, sie austrockne, die Stimme rauh mache, Husien errege und außerdem auch noch den Augen uno Ohren nachtheilig sei. In späteren Zeiten steinen die schäd- lichen Eigenschafren der Platanen ganz in Vergesenheit gekommen zu sei», und erst neuerdings wird man durch die Beovach- "ungen eines in Varzelona lebenden Deutschen NamensHilliger, wieder darauf aujinerksanl gemacht. Seit Jah«n pflegte sowohl bei diesem selber als auch bei seiner ganzen Funilie eine Husten- epidemie aufzutreten, ohne daß eine voryergehnde Erkältung die Ursache hätte sein können. Als nun der Gciannte einmal den Hustenauswiirf untersuchte, fand er darin merkwürdige, stern- förmige Gebilde und konstatirle sodann das Borkommen solcher auch in dem Staube, der auf den Fensler-retieru lag. Eine weitere Untersuchiing zeigte, daß diese Gevild identisch seien mit den Steruhaaren, die auf den jungen Plato>enblälierii aufsitzen und mit bloßem Auge wie ein feiner Siaub lussehen, so daß es also unzweiselhafl war, daß dieser Platannstaub die Ursache des Hustens sei. Unter solchen Umständen dürsi es doch wünschens- werlh sein, daß genaue Untersuchungen darübr angestellt würden, ob uno in wieweit die Platanen wirklich ür die Gesundheit chädlich sind. Frovelhafkev Leichtsinn hat vorgesterr Abend kurz nach 7 Uhr ein Dienstmädchen zu schwerem Schden gebracht. In einer Wohnung des Hauses Grope Hambnrgrstr, 33 wollte das Mädchen das Feuer eines Badcosens durch Ausgießen von Pe- trolemn anfachen, wobei das Petroleum exlodirte und im Nn die Kleidungsstücke der Unglücklichen in Flairnen setzte. Als es gelang, das lodernde Feuer zu ersticken, hattedas arme Mädchen chon schwere Brandwunden erlitten. Ein herbeigeholter Arzt legte mit dem Verbandzeug der inzivischen erschienenen Feuer- wehr einen Nothverband an, dann wurde ds Mädchen mittelst Tragbahre nach dem Krankenhaus überführt. "Der Schanplajz eine« Famitiendvaras ist am Sonnabend das Hans Oppclnerslraße 13 gewesen. Daselbst wohnt ein gewisser Hermann Lorenz, der die Hausbewener schon mehrere Male in Aiisregung versetzte durch die Aufttte, welche er mit einer Frau hatte. Nachdem das Ehepaar nach einer solchen stattgehabten Szene, deren Ursache Eisersuch gewesen sein soll, ich längere Zeit von einander getrennt hcte, levten L.'s seit kurzem wieder zusammen und es sctnen, als b diesmal das Ein- vernehmen von Dauer sein werde. In der leunten Stunde des Sonnabend aber drang aus der L.'schen Whnung auf's Neue der bekannte Lärm. Plötzlich wurde der Candal durch einen Schuß übertönst. Die enlfeizten Hansbewoner glaubten nicht anders, als daß L. seine Frau erschießen vlle. Mit Gewalt drangen sie in die Wohnung, aus welcher late Hilferufe ertönten „nd— fanden L. in seinem Blute schivlinnud am Boden liegen. Tie Waffe, mit welcher er den Schuß ms sich abgegeben, hielt er kramp! hast in der Hand. L. defaifi sich bei vollem Be- wiißtsein, konnte aber nicht sprechen, insoh der schweren Verletzungen, welche der in den Mund geinte Schuß dort ver- »rsacht hatte. Ein Papierplropien zeigle.daß die Waffe, ein Terzerol, nicht mit einer Kugel, sonder' mit Waffer geladen war. L. schien seine That jeyl zu deoauei, denn als der Arzt ihn'unters»cht, machte er Zeichen, daß egu schrciveu wünsche. Man brachte ihm Papier und Bleistift mi' er bat den Arzt nin Bescheid, ob er wohl am Leben bleiben wde oder ob er werde sterben müssen. Natürlich gab ihm der Ge.igte die Versicherung, daß er am Dasein werde erhalten werdeii.wclche Antwort ihn sichtlich erfreute, denn er nickte zustimutd, mckite auch seiner Frau wie zur Versöhnung die Hand, sn Wahrheit ist L.'s Zustand ein höchst bedenklicher und die-»e des Selbstmörders dürste zu spät gekoimne» sein. Gestern B'mlttag bejauo sich L. noch am Leben. Zur Gntgegrnnaljm» yelesener?be»!epblatter zwecks Weiterverbreitung nach den Provinzen Ij>en sich für den Osten bezw. Nordosten des 4. Berliner Neichstck-Wahtkreiscs folgende Genossen bereit erklärt: Gustav Tempel, Breslauerslr. i Wilhelm Lock, Friedrichsbergev'. 5. Robert Bcrger, Gr. Fraukjurtär. 82, Hof 1 Tr. Karl Müller, Laiidivehrstr. 13, i Tr. Emil Böhl, Frankfurter Allee 1. tchmch Hoffmann, Kaiscrstr.■ dolf Sci oltz, Landsberger A« 144, Hof 3 Tr. Polijeibemljt.'Am 28. d. M.>h siel vor dem Hause Oderbergcrstr. 71 beim Auseinauderneieu einer Sleiusetzerbude eine etwa 2 Quadratmeter große Bretavand„m und traf ein gerade vorübergehendes llj-.hrigeZ Ataje», so daß dasselbe Ver- letzuiigeu am Kopfe und eine Quetscklg der Hand erlitt.— Nachmittags verunglückte der 5knlscher!>art>vig vor dem Hause Alte Jakovstr. 84 dadurch, daß ihm v» seinem Rollivagen eine Nähmaschine auf den Kops siel. Er erl eine Gehirnerschatteruug und wurde nach dem Krankeuhaiffe c Friedrichöhain gebracht. — Um dieselbe Zeit wurde ein Mannvr dem Hause Potsdamer- straße 129 durch einen Pscrdebahmvän übersahreu und erlitt dadurch eine bedeutende Verletziinq c Unterschenkel.— In der Nacht zum 29. b. M. wurde der Zmnncrgeselle Bohl an der Ecke der Elisabethkirch- und Juvalidenstraße bei einer Schlägerei' von dem Tischler Rudolph durch Schläge und Fußtritte so bedeutend verletzt, daß er nach der Charitee gebracht werden mußte.— Zu derselben Zeit wurde ein Mann an der Ecke der Gäben- und Culmstraße schwer verletzt aufgefunden und nach Anlegung eines Nothverbandes nach der Charitee gebracht. Seinen Angaben zufolge ist er in der unbebauten Straße 20B. von mehreren Männern überfallen und mißhandelt worden.— Am SO. v. M. Morgens fiel der Arbeiter Wähnelt beim Abbruch des Hauses Neue Friedrichsstraße Nr. 39 vom Dachgesims auf die Straße herab und erlitt einen mehrfachen Bruch des rechten Beins, sowie anscheinend schwere innere Ber- letzungcn. Er wurde nach der Charitee gebracht.— Zu derselben Zeit wurde ein Bäckerlehrling vor dem Hause Prenzlauerstraßc Nr. 22 von einem Bicrivagen überfahren und am linken Knöchel- gelenk nicht unbedeutend verletzt.— Am 28. und 29. v. M. fanden an fünf verschiedenen Stellen kleinere Feuer statt. .chieu. Sp. ter slcUle pch h. raus, daß der Posif.skus betrogen war. Jener Manu, der das GUo«ihatlen, war derrirveiterMtchael P a w l n ck, welcher ge ern wegen lirkn.weusiilschmig vor der vierte» Strafkammer des Landgerichts I. stand. Er hatte die Rolle des bei ihm wohnenden Polen gespielt, nachdem der Letztere des Krankenhaus hatte aufsuchen m ssen. Ter Gerichtshof belegte den bereits mehrfach voruestrasten Angeklagten mit einer Gei..ngiiißstra>e von 2 Monaten. Als rin vpt'rr t>i»»de» Frno�liZrms ist der Portier P a h l i s zu betrachten, welcher sich gqinnr vor dem hiesigen Schöffen geruht wegen Widerstandes gegen die Staatsgewalt und Beleidigung zu verantworten hatte. Der Mann hat entschiedenes Pech Neben de» bik nuten Equitable-Hus bestndct sich das söge- nannte Hotel de viöfuge. wo der Angeklagte den Posten eines Portiers versieht. Die Heizungsanlogen des Equilable-Hauses liegen so nahe an das Neoeugruildstück heran, daß tci ungüilstigem Winde der Rauch in den Hof desselben huiabgedrückt wird. Aengstliche Straßeupaffanten sind durch diesen Umstand scho» wiederholt veranlaßt, norden, die Fcnerivehr herbeizuholen, welche mehrinch vor dein Hanse erschien, aber stets nichts zn thun fand. Der Angeklagte ist durch dieses o.lmalige Erscheinen der Feuerwehr ganz nervös geioorden und erbleichte schon immer, wen» er hörte, wie dieselbe heraiigerasselt kam. Zu einer wahren und begreiflichen Wlith steigerte sich aber diese Erregung, als er an seinein Geburtstage, von einem Spaziergang heimkehrend, wieder die Feuenvehr vor der Thür und«..f dem Hihe vorfand. Da war es mit seiner Ruhe vorbei: er stürzte aus den Hof. trat sehr erregt ans einen W'cht- meister der Feuerwehr zu und herrschte ihn a»,„sich aus dem Hause zu seheeren l" Er war deshalb des Widerstandes und der Beleidigung angeklagt und der Staatsanwalt beantragte eine Geldbuße von V9 M. Rechtsanwalt Dr. Friedmann bestritt da- gegen das Vorliegen eines Widerstandes, da bewiesen werde» konnte, daß der Beamte von dem Angeklagten überhaupt nicht an- gefaßt worden war. Im Uebrigen hielt er das Geschick des An- geklagten allerdings für ein so tragikomisches, daß man es wohl nicht als absichtlich« Beleidigung aufzufassen habe, wenn er das Wort„scheeren Sie sich hinaus" gebrauchte. Der Gerichtshof erkannte aus denselben Gesichtspunkten auf Freisprechung. Der Freihrrr Gsstav Karl von Münch war vom Schöffengerichte wegen Beleidigung der Beamten des Berliner Haupt-TelegraphenamtS in zwei Fällen zu einer Gesamnitstrafe von 200 M- vcrurtheilt worden. Er erhob gegen das Erkenntniß Einsprilch, worauf gestern die nochmalige Verhandlung vor der 5. Berufungs-Strafkammer des Landgerichts I stattfand. In, November v. I. sandte der Angeklagte einen Boten mit dem Manuskript einer aiiszugebenden Depesche nach dem Haupt-Tele- graphenamt. Dem ervedirenden Beamten stiegen bei'Absendung der Depesche Zweifel über die Bedeutting eines Wortes auf, wes- halb er vorzog, das betreffende Wort blau zu unterstreichen und durch einen Telegraphenbeamten bei dem Angeklagten an- fragen zu lassen, wie dasselbe heißen solle. Der Letztere war über die dadurch entstandene Verzögerung höchst nnmuthig und in seiner Erregung stieß er gegen die Tele- araphelibeamtcu höchst beleidigende Aeußernngen ans. Er schrieb sodann ein neues Manuskript und sandte das erster« mit einem Begleitschreiben an Herrn von Stephan. In diesem Briefe wies er den Staatssekretär auf die„Böswilligkeit" der Tele- graphenbeamten bei Beurtheilung der Depeschen mit Bezug auf ihre Deutlichkeil hin. In dem Ausdruck„Böswilligkeit" erblickte der oberste Leiter des Postwesens ebenfalls eine Beleidigung und stellte Namens der ihm Untergebenen den Strafantrag. Wegen dieser Beleidigung hatte das Schöffengericht eine Geldstrafe von 50 Mark festgesetzt. Die Berufiingseinlegling des Au- geklagten richtete sich zumeist gegen seine Aerurtheiluiig wegen der schrisilichen Beleidigung. Wenn eine solche in dem Vorwurfe der Böswilligkeit gefunden werden könne, so müsse er schon um deshalb straffrei ausgehen, weil er in Wahrnchmnng berechtigter Interessen gehandelt habe. Diese Auffassung wurde ro» dem Gerichtshofe getheilt und deshalb wegen der schriftlichen Belei- digimg ans Freisprechung erkannt. Die Strafe wegen der münd- lichen Beleidigung wurde auf 100 M. herabgesetzt. Wegen Amtounterfchlagnng und Rraisterfäll'chung stand gestern der städtische Vollziehungsbeamte Succord vor den Geschworenen des Landgerichts I. Der Angeklagte, welcher als städtischer Hilfsbeamte die Funktionen eines Vollziehungs- beamten versah, ist ein Opfer unglücklicher Verhältnisse und großer Familiensorgen geworden. Er stand bei seinen Borge- setzten in einem sehr guten Rnse und ist auch ein pflichttreuer Beamter gewesen, bis Krankheit bei ihm einkehrte und Opfer von ihm sorderte, denen er nicht geivachsen war. Da ist er denn auf die schiefe Ebene der Unredlichkeit gerathen und hat sich mehrere Unterschlagungen zn Schulden kommen lassen. Abgesehen von 100 M., die er einem 5rollegen als Gehalt einzuziehen hatte lind ans kurze Zeit für sich verivandte, hat er eine Summe von 492 M. unterschlagen, welche er auf Requisition auswärtiger Kommunen von hiesigen Verpflichteten zu erheben hatte. Uni den Empfang dieser Gelder auf kurze Zeit zu verdecken und den Schein zu erivecken, als ob er baares Geld nicht erhalten, hat er dann falsche Protokolle über angeblich vorgenommene Pfändungen an- gefertigt. Die Geschworenen gaben ihren Spruch auf Schuldig der Unterschlagung und der Urkundenfälfchling in je zwei Fälle» ab, verneinten aber die Beamtenqualitiit, da nach einer Auskunft des Stadtsyndikns Zelle der Angeklagte damals noch nicht end- giltig angestellt war. Das Urlheii lautete auf sechs Monate G e f ä n g n i ß. Sozinle LtebevNihk. Achtung, Arbeiter pentüchland«! Ter Maurerstreik dauert in Suttin unverändert fort. Da wir uus nun schon acht Wochen im Streik befinden, so bitten wir doch dringend, uns mit Zuzug zu verschonen, sowie uns pekuniär zu uliteesiützeu. Etwaige Sendungen sind au I. Westphal beim Restaurateur Hempel, Stellin, Kronprinzenstraße 3, zu richten. Mit kollegialischem Gruß: I. 5;.: Das Streikkomitee der Maurer Stettins. Von Krrrn|M. Lurstenhrnn u. E»., Schuhfabrik, Neue Friedrichs,. ras.« 37, erhalten wir folgendes Schreiocu: Wir finden in der heutigen Nummer Ihres geschätzten Blattes eine Notiz unter der Spitzmarke: „Achimig, Schuhmacher l" betreffend die Arbeitseinstellung der bei uns dsschäftiglen Ballschuh-Arbeiler. Es wird darin ge- sagt, daß die Arbeit wegen Lohnabzug niedergelegt wurde' da dies jedoch nicht der Fall ist, sondern der bisher bezahlte Lohn weiter dezahlt iverdcn sollte und auch weiter bezahlt wird, so bitten wir dies höflichst zu berichtigen. Tie Arbeitseinstellung ist überhaupt nur von 14 Arbeitern er- folgt, während die weit größere Zohl der bei uns beschasttgten Arbeiter u eitcr arbeitet und haben die betreqenden Arbeiier ohne jede» Grund die Aroeit niedergelegt. vevkttttttttluttCctt. Die Freie Dcrrinignng der Kanflente hielt am Freitag, den 27. ds. Bits, im Saal« des Herrn Seefetd, Grenckdierprckpe, eine außerordentliche Generalversammlung ab. Auf der Tagesordnung stand: I. Vortrag des Herrn Dr. Lütgen an über:„Unser Ver- hältuiß zilm Judenthum und zum Anlisemitismus." 2. Diskuspon. 3. Neuivahl de? Vorstandes. 4. Verschiedenes. Zum er eu Punkt der Tagesordnung ergriff Herr Dr. Lüt- genau daS Wort zn seinem eoenso iilterefiniiten wie lehmtcyen Vortrag. Ter Vortragende führte aus: Tas Judenvolk Haider Mensch- heil, auch der Jini, enschast, sciio» viele Rathsel aiggegebeu. Das Judeiithum begleiten von seinem Anfaiig an bis heute Fragen, ivelche der sicheren Anttvort noch harren. Steht wissenschaftlich auch nur fest, daß Germanen nnd Juden gemeinsamer Abstain- MilNg sind? Tie christliche Schöpfungslehre und der Darwinis- iiius nehmen die Abstamniung der Mensche» von einem Paar an; allein jene ist erwiesen irrig und diese ist erwiesen nicht rieh- tig, wenngleich wahrscheinlich. Obwohl von keiner Seite ein Zweifel ausgedrückt wird, so ist doch weder der germanische noch der semitische UrtypuZ aufgefunden, und die Berivandt- schast der indogerinauischen und der semitischen Sprachen scheint dem Redner nicht erwiesen. Scheinbare Formenverivandt- schast beweise nichts, wenn ihr das Wörterbuch entgegenstehe,»nd der arische und semitische Wortschatz stimmten nicht einmal in unenlbchrlichen, vo» redenden Menschen zwei eilos benannten Gegenständen und Thätigkeiteu überein. Wer also absolute Be- weise verlange, bleibe unbefriedigt. Wie die Tesjendenz der Semiten zweifelhaft genannt werden könnte, so wird über das Nätlonalitätsverhättniß der heutigen Juden wirklich criisthast ge- stritten. Wenn Abstammung und Sprache die Nationalität be- stimmten, so wären die Teutschredeuden slavischer, sranzösischer oder jüdischer Abkunft(von Treitschke, de GroasillierZ, Stahl) nationalitätslos und lein Volk kann mit ihnen etwas anfangen. Diese Begriffs besiiiniiiung ist uiurailchbar. Tie Nation wird durch die Sprache znsauimeugehalten; national ist, wer die nationale Sprache redet— nicht den nationalen Jargon—, emd die Juden wurden Deutsche, als sie das Te tscye als All tterse räche annahmen; Redner schilderte, wann und wie dies der Fall war. Ter Antisemitismus greift als ein Ganzes an, was als ein Ganzes gar nicht mehr vorhanden ist, und ist schon damit logisch gerichtet. Er will sich nun blos gegen die sozialen Eigen- thümlichkeiten der Juden richten, nicht gegen das Volk oder die vom Volksthum bedingte Religion. Das ist strotzen- der Unsinn. Entweder sind diese Eigenschasten den Juden eigen- thümlich, dann siild sie durch das Volksthnm oder die Rasse be- dingt und der Kampf richtet sich gegen das Volksthnm. Oder sie haften nicht allen Juden an, dann darf man eben auch nur den einzelnen Juden, u»ter Berücksichtigung der sozialen Verhältnisse, verantworllich machen; damit ist sofort statt des mitisemitischen, der Standpunkt des gesnnden Menschenverstandes gewonnen. Aber den Antisemitismus logisch und ethisch zu würdigen, ihn zu widerlegen, ist allzu leichte Mühe. Es handelt sich darum, ihn ökonomisch zu erklären. Stöcker griff statt Lassalles die Juden an, weil das erster« für ihn zu schwer war; er bezeichnet die anti- semitische Beiveguug gern als sein eigenes Werk. Schon deshalb, weil er es sagt, kann man vermuthen, daß eö nicht wahr ist. Es ist auch nicht richtig, die Gründe des Antisemitismus sind ökonomischer Natur. Der gesellschaftliche und wirthschaftliche Kainpf gegen die Juden im 12. Jahrhundert war durch den Neid der nationalen Kaufleute hervorgerufen. Ter Juden- Emanzipation im 19. Jahrhundert ging die Preisgabe der jüdischen Sprache, also die Auslösung des jüdischen Volksthiims, voran und ebenso Bemühungen von Philanthropen(zuerst Goßler und Dohm); aber die treibende Ursache war, daß die Produltion des jüdischen Kapitals bedurfte und daß der entscheidend gewordene Besitz»ach persönlichen Eigelischafton nicht fragt. Die Gründe der Eman- zipation sind jetzt gefallen, der Zinsfuß ist gesunken; Großgrund- besitz nnd Großproduktion lassen durch den Antisemitismus ihre Geschäfte besorgen. Besonders möchte man gern die Arbeiter an der tieferen sozialen Erkenntniß hindern. Der Kieinhaiidwerler macht dafür, daß er seines Haudwerkszeiiges enteignet, der Web- stuhl zu Brennholz wird, daß er seiner langerworbenen technischen Geschicklichkeit enteignet wird, den Juden oder auch die Arbeiter verantwortlich. Das ist so ziemlich das Düminste, was es geben kann. Redner gab hierauf an, wie Handwerker und Kleinkaufmann durch gemeiilverftändliche Belehrung für den Sozialismus gewonnen werden können. Daß an der Zunahme des Aiitisemitisiillis unter den obcrhessischeu Bauern lokale Schäden des Judenthums eine starke Mitschuld tragen, giebt der Sozialismus, der den Antisemitismns vom wissenschaftlichen Standpunkte bekümpst, zu. Ter Freisinn be- käu, pst ihn, wenn auch nicht nur, so doch auch vom Stand- punkte bestimmter Interessen ans; daher ist bei ihm ein heimlicher Antisemitismus möglich, bei uns nicht. Der Vortragende hatte in seine ökonomischen Darlegungen manches Kulturgeschichtliche verflochten und zeichnete im Verlauf seiner Ausführlmgen ein Charakterbild des„Führers" der aiiiiseniitischeu Bewegung. ES ist ein interessanter Mann, jedoch in bedenklicher Aehnlichkeit mit dem Sinne, in welchem man von interessanten Verbrechern spricht. Der„zweite Luther", der, verschieden von dem ersten, auch „anders kann", ist als Politiker und Mensch so geartet, daß es denkwürdig bleibt, wie er ein Führer sein konnte. Doch wer„an Herz und Geist keine Lieb' und lein Wissen" erwarb, wer dazu einen Ehrgeiz hat, der auf verkehrte Bahn gerieth, zumal die Zeit der Heuchelei und der Massen- Irreleitung günstig ist: von dem ist zn begreisen, daß er sich mit unrühmlichen Thaten in die Annale» einschreibt, und wer in einem hohen Sinne gerecht ist, wird ihn vielleicht mit seinem innigen Mitleid be- trachten. So wird sein Name ans die fernen Jahrhunderte kommen, wie die Geichichte die Namen Thersites und Hcrostrat nicht vergessen hak. Redner schloß: Wir vcrurtheilen den Anti- semitismus wissenschaftlich und sind gegen die Juden gerecht; darum»lögen sie aufgehen in die sie umgebende Kulturmenschheil und sich dem Kulturdestreben im Sinne der modernen Arbeiterbe- wegnng anschließen. Die Antisemiten gehören Schichten an. welche, richtig belehrt, den Sozialismus gehören muffen. Tie ökonomischen Jntere�en der besitzenden Klaffen haben ehedem die Aechtung der Juden, in unserem Jahrhundert ihre Emanzipation nnd rasch darnach die antisemitische Gegenströmung heroeigeführt.' Wenn aber die ökonomischen Jntereffen der Arbeiterklasse zum Turchbruch kommen, so wird, wie wir zwischen Juden und Christen persönlich leincn Unterschied machen, auch zwischen christlichem und indischem Kapital kein Unterschied gemacht iverden. Ter Vortragende erzielte durch seine geistvollen AuZcinaiider- setzuilgen ungehenreii Beifall. Ter wichtigen Tagesordnung halber überging die Versamni- lnng den Punkt 2 und schritt zur Neuwahl des Vorstandes, welcher nach lebhasten Debatten aus folgenden Herren zusaminen- gesetzt wurde: 1. Vorsitzender Kollege August Penn, 2.„„ Hermann L e sser, I. Schriftsührer„ Max Born, 2..„ Berger. Ka ssirer„ G ü n z e l. Zum Punkt 4, Verschiedenes, ergreift nunmehr Zkollege Au e r b a ch das Wort und wendet sich mir einige» anerkeckuen- den Worten an den Herrn Referenten. Redner ermahnt darauf den neugeivähltcn Vorstand zur Einigkeit und wirksamen Thätigkeit, denn nur dadurch könne das Interesse der Vereinignug gewählt und die Zivecke derselben ge- fördert werden. Kollege M i e k e r kriiisirt das Gebühren des OrtSvereins dentscher Kaufleute anläßlich einer von demselben abgehaltenen öffeutlichen Versammlung. Herr Dr. Lütgenau wendet sich noch n>it einem vortreff- lichen Schlußivort an die Versammelten, welches in ein Hoch auf die internationale Sozialdemokratie mündete und in iveiches die Versammlung begeistert einstimmte. Ter Vorsitzende schloß daraus die Versammlung gegen 2 Uhr. Eine öffentliche Versammlung ber Gärtner s-rlina und xZingegrud tagte am 25. Jmii in Feuersteins Salon. Alle Jakobstr. 75, mit folgender Tagesordnung: 1. Abrechnung vom Streik. 2. Wahl eines Vertrauensmannes. 3. Stellung- nähme zur Zeutral-Streikkoutrolkommissio!'.. 4. Bericht der Ar- beitsnachiveis-Komulission. 5. Gewerkschaftliches und Ver- schiedeues. Zur Leitung der Versamnilung wurden die Herren Born. Wetzel und Deutsch gewählt. Zum ersten Punkt der Tagesordnung verlas Herr Born die Abrechnung vom Streik, ivelche mit der seiner Zeil im„Berliner Volksblatt" und in der Berliner„Volks-Tribüne" ad- gedruckten genau übereinstimmt. Nachdem Herr Büch- »er und Herr Wetzel namens der Revisoren die Nichtigkeit der Abrechnung, sowohl die des Vertrauensmannes, wie mich der Streikkominission bestätigt und auf die Quittungen über jegliche Ausgaben hingewiesen hatten, gab die Versaminluna ihre Zufriedenheit kund. Herr Abromeit zitirte alSdantt einen Artikel ans der„Teutschen Gärtner-VervandSzeitiing". in dkm- selben ist die Abrechnung ans dem„Berliner Tageblatt" nbge- druckt und darüber folgende Bemerkung gemacht:„Wie man sieht, haben auch hier, nieder die Leiter de- Streiks den Kürzeren nicht gezogen und der Streik hat nichts geholfen, denn sricher wurden auch schon dieselben Löhne ge- zahlt; dagegen steht im„Berliner Tageblatt", daß der Streik der Gärtner einer derjenigen wenigen Streiks in diesem Frühjahr war, durch welchen die Arbeiter wirklich etwas erreicht haben. Herr Büchner und einige Mitglieder der Steikkommission weisen die Anschuldigung ans dem Artikel zurück, indem sie darauf hin- Herr Abromeit konnte konstaliren(ans Grund mehrfacher Erkmi- didungen), daß die Löhne fast überall um 30 pEt. gestiegen seien iiiid meinte, daß überhaupt eine ziemliche Unverschämtheit dazu gehört, die Vortheile des Streiks jgneriren zn wollen, da unter sämmtlichen Kollegen Zufriedenheit über das Erreichte herrscht. Herr Abraham, der Redakteur der genannten Zeitung, versuchte sich zu rechtfertigen, konnte aber für seine lügenhaften Bemerkungen keine Beweise erbringen und wurde nochmals vom Kollegen Mielenz aus Johannisthal mit den ricl)- tigsten Worten bedient. Herr Mielenz meinte, wenn der Herr Redakteur Ehrgefühl besäße, dann wurde er jedenfalls schon den Saal verlassen haben, denn es sei ihm zur Genüge bewiesen, daß er die Absicht gehabt hat, die Leiter des Streiks zu verleumden, trotzdem dehne sich Herr Abraham ganz gemächlich auf seinem Stuhl, dies beweise wiederum, daß der betreffende Herr es mit der Wahrheit und Ueberzeugung nicht so genau nehme Die Versamm- lung erkannte die Wahrheit der Ausführungen des Hrn. Mielenz durch Beifall an und bewies Herrn Abraham abermals, daß er bei den Gärtnergehilsen mit seinem lichtscheuen Wesen und Treiben keinen Anklang mehr findet. Hierauf wurde zum Punkt 2 der Tagesordnung übergegangen. Hierzu machte Herr Büchner den Vorschlag, dem Vertrauensmann noch eine Agitationskommission beizugeben, welche den Vertrieb der Marken zum Streikfonds bewerkstelligt. Dieser Vorschlag fand allgemeine Zustimmung und wurde Herr Abrorneit wieder als Vertrauensmann zur Verwaltung der Gelder und in die Agitationskommission die Herren Wetzel, Born und Deutsch gewählt. Zum dritten Punkt der Tagesordnung referirte Herr Büchner über Anlaß und Zweck der Zentral-Streik-Koatrolkommission und empfahl die Wahl von zwei Delegirten. Mehrere Redner sprachen in demselben Sinne und fanden die Ausführungen darüber die Zustimmung der Versammelten. Es wurden gewählt die Herren Abrorneit und Büchner als Delegirte zur Zenlral-Streik-Kvntrol- kommission. _ Hierauf berichtete der Vorfitzende der Arbeitsnachweis-Kom- Mission über die Thätigkeit derselben seit dein 15. Februar d. I. Aus dem Bericht ging hervor, daß die Prinzipale den Arbeits- Nachweis zahlreicher in Anspruch nehmen als die Gehihen, das beweist, daß das Stellungsuchen in den Gärtnereien immer noch im Gange ist. Aon der Kommission wurden die Kollegen ermahnt, bei Stellenlosigkeit nur den Arbeitsnachiveis in Anspruch zu nehmen. Da sich die Leitung des Arbeitsnachweises durch eine Kommission als mangelhaft erwiesen hat, so machte Herr Born den Vorschlag, anstatt einer Kommission einen Arbeits- vermittler und einen Stellvertreter zu wählen und ebenso drei Kontroleure. Dieser Vorschlag wurde auch von der Ver- sammlnng günstig beurlheilt und wurde Kollege Deutsch als Vermittler, Kollege Wetzel als Stellvertreter und die Kollegen Tietz, Falk und Grützmacher zu Kontroleuren gewählt. Dem Arbeitsvermittler wurde von der Versammlung eine Entschädigung von monatlich 10 Mark bewilligt. Die Aus- gaben d».s Arbeitsnachweises werden von den freiwilligen Bei- trägen gedeckt. Zum Punkt 5 machte Herr Büchner alsdann bekannt, daß am S. Juli in demselben Lokale die Generalversammlung der „Freien Vereinigung sämmtlicher in der Gärtnerei beschäftigten Arbeiter" stattfindet und bittet die Kollegen, recht fleißig dafür zu agitrren. Da zu diesem Punkt Niemand mehr etwas anzuführen hatte, schloß der Vorsitzende die Versammlung um 12 Uhr. Gin» imposant- öffentliche Versammlung der Maler, Lackirer, Anstreicher und verwandten Berufsgenossen tagte am 26. Juni, Abends SVe Uhr, bei Feuerstein, Alte Jakodgr. 75, unter Vorsitz des Kollegen W. Schweitzer. Auf der Tagesordnung stand: l. Vortrag des Reichstags- Abgeordnelen I. Bruhns (Bremen). 2. Diskussion. 3. Definitive Abrechnung über die Markensammlung und Bericht der Revisoren. 4. Verschiedenes. Da der Referent noch nicht erschienen war, wurde erst der dritte Punkt der Tagesordnung erledigt. Kollege Link erstattet Bericht über die Markensammlung und Abrechnung. Einnahme.... 740,53 M. Ausgabe.... 739,14„ Bleibt Ueberschnß 1,44 M. Revidirt und für richtig befunden von den Revisoren G. Link, H. Tornow, O. Güldenpfennig. In der Diskussion über die Abrechnung, die eine'sehr rege war, wurden verschiedene Anträge gestellt und angenommen. Da Verschiedene noch von der vorigen Abrechnung mit Streikmarken im Rückstände und dieselbe» trotz der dringenden Mahnung des Kassirers weder ablieferten, noch sich entschuldigten, so soll gegen dieselben energisch vorgegangen werden und ihre Namen in ösfent- lichen Versammlungen bekannt gemacht werden, damit dieselben den andern lkollegen im Gedächtniß bleiben. Auch sollen die Namen im Vereinsanzeiger veröffentlicht werden. Gegen Die- jenigen, welche nach Ausforderung ohne triftige Entschuldignngs- gründe nicht bezahlen, wird gerichtlich vorgegangen. Zum vierten Punkts Verschiedenes, wurde der Antrag gestellt, einen Ver- trauensmann zu wühlen, da die früheren ihres Amtes enthoben sind. Derselbe soll über unsere Bewegung wachen und wenn uöthig Versammlungen einberufen. Der Antrag wurde nnge nonunen. Als Vertrauensmann wurde Kollege Pusch gewählt. Es wurde an Kollegen Retzercu die Frage gestellt, wie es mit der Sympathieadresse vom internationalen Kongreß ist, dieselbe ist doch nicht angekommen. Kollege Retzerau beantwortete die Frage dahin, er habe alles Mögliche ausgeboten, zu ermitteln, weshalb dieselbe nicht angekommen cht, er will nochmals mit dem Revisor der Kongreßkommission nach dem betreffenden Postamt gehen, wo er dieselbe abgeschickt hat, um nachzufragen, eventuell wird er Beschwerde führen bei der Postdirektion. Es wurden noch einige Fragen erörtert und erledigt. Da der Referent noch nicht erschienen war, übernahm Kollege Schweitzer das Referat. er sprach über Humanismus und Renaissanzezeit. Referent erntete reichen Beifall. Eine Diskussion fand über den gehörten Vortrag nicht, statt um denselben nicht abzuschwächen. Da weiter nichts vorlag, schloß der Vorsitzende die Versammlung mit einem Hoch auf die internationale Arbeiterbewegung. Die Arbeiterinnen und Arbeiter der Schäftebranche hielten an, Montag, den 23. v. M., Abends 9 Uhr, eine öffentliche Versammlung ab. Zu Leitern derselben wurden die Herren Krause und Niekant und Fräulein Baader gewählt. Herr Richard Baginski hielt einen sehr beifällig aufgenommenen Vortrag über:„Wie stellen wir uns zur Berliner Zentral-Streik- Kontrolkommission." Redner führte etwa Folgendes aus: Tie Wahlen am 20. Februar haben gezeigt, daß die sozialdemokratische Partei die stärkste in Deutschland sei; sie habe jedoch auf die Ge- setzgebung bisher wenig Einfluß gehabt, da dieselbe sich in den Händen der besitzenden Klassen befindet und diese die Gesetze so zu formen suchen, wie ihr Klasseninteresse es erheische. Die Gesetze, die der Arbeiterklasse von Nutzen sein könnten, sind daher so beschnitten, daß die Arbeiter nicht im Stande sind, sie voll auszunutzen. So ist den Arbeitern wohl das Koalitionsrecht gegeben, aber zugleich auch ein Paragraph im Vereinsgesetz, welcher verbietet, daß die verschiedenen Vereine miteinander in Verbindung treten. Dadurch wird der Arbeiterschaft ein einheitliches Handeln sehr erschwert. Die vielen mißglückten Streiks seien zum Theil dem vereinzelten Vorgehen der Gewerk- schaften zuzuschreiben. Die Arbeiter müssen immer mehr zu der Erkenntniß kommen, daß durch die Solidarität der Berufe der vierte Stand eine moralische Macht sein wird und dann besser als bisher fürdieendlicheBefreiung derArbeit wirken kann. Um nun solchen Forderungen, die augenblicklich zu weit gehen oder sich nicht auf dem Boden der modernen Arbeiterbewegung befinden, wie z. B. beim Bäckerstreik die Abschaffung der Zugabe, eine Forderung, oie doch mit der Ärbeiter-Bewegung nichts zu thun hat, erfolgreich entgegentreten und eine größere Einheitlichkeit in der Bewegung zu erzielen, fordert Redner auf, auch aus der Schäfte- brauche zwei Delegirte in die Zentral- Streik- Kontrolkommission zu entsenden. In der regen Diskussion, die sich dem Vor- trage anschloß, sprachen sämmtliche Redner_ im Sinne des Referenten auch ebenfalls wie jener sich jedoch gegen jede Art der Bevormundung aus. Zu Delegirten der Schäftebranche wurden einstimmig Frau Lezinski und Herr Krause gewählt mit dem gebundenen Mandat, auf keinen Fall die Gewerkschaft ihrer freien Entschließung verlustig gehen zu lassen. Unter„Verschiedenes" forderte Herr Krause noch auf, die Organisation hoch zu halten, da die Arbeitgeber jetzt schon Versuche machen, die Errungenschaften des Streiks wieder ill. sorffch zu machen. Ferner wurde beschlossen, das sich nock, in der Streikkasse befindliche Geld den ausgesperrten Hamburger Arbeitern zu senden. Hierauf wurde die Versamm- lung um 11 Uhr geschlossen. Die Vereinigung der Drechsler Deutschland«, Vrts- Verwaltung Derli» II-(Stockbranche) hielt am Sonntag, den 22. Juni, ihre Mitgliederversammlung ab, mit der Tagesordnung: 1. Geschäftliches. 2. Kassenbericht. 3. Wie stellen sich die Kollegen zu den Agitalionsmarken. 4. Verschiedenes. Zum zweiten Punkt erhielt der Kassirer das Wort zum Kassenbericht. Derselbe ergab eine Einnahme von 433 M. 55 Pf., Ausgabe 335 M. 85 Pf., blieb Kasseubestand 37 M. 70 Pf. Da die Abrechnung für richtig befunden wurde, so wurde dem Kassirer Decharge ertheilt. Zum dritten Punkt der Tagesordnung sprachen sich die Kollegen in dem Sinne aus, daß es mit der Agitation sehr nöthig wäre, aber sie müßten von der Ausgabe der Agitationsmarken Abstand nehmen; es wurde darauf auf- merksam gemacht, die Beiträge erst pünklicher zu entrichten. Ein Antrag, die Agitalionsmarken aus der Kasse zu zahlen, wurde angenommen. Das Vergnügungs-Komitee hatte einen Ueberschnß von 49,23 Mark zu verzeichnen, welcher zur Streikkasse abgeliefert worden war. Unter Verschiedenes wurde darauf hingewiesen, die Versammlungen wieder jeden Dienstag nach dem 15. statt- finden zu lassen. Vnrteitag in Kottbu«. Das Referat, das wir vor einigen Tagen brachten, enthält, wie uns von betheiligter Seite mitge- theilt wird, leider viele ganz sinnentstellende Fehler, dann aber auch, wie uns Herr Abg. Wurm mittheilt, Sätze, welche der Reporter in Zusammenhang und Form unrichtig wiedergab, während er andererseits Bemerkungen, die nur dessen eigener Phantasie entsprangen, hinzufügte. Wir unsererseits werden in Zukunft dafür sorgen, daß die von uns entsandten Berichterstatter sich einer strengeren Sachlichkeit befleißigen. Red. eziunierri» Serlince Hildlianer. Timstag. den I. Juli, Abende 8l;uhr, im Luisenstädtischcn Klubhaus, Annenstr. 16. i. Seschafllich.S. s. DorNag des Kollegen Schneider: T.e Eniwickelung der Mustr. 6. verschiedenes. Ziniinerrr. Dienstag, den I.Juli, hält der„Lolal- Verband deutscher Zimmerer zu Schöneberg" eine Generalversammlung mir svlqender Tages- ordnung im Saale der Schöneberger Schloßbraueret, Abends a Uhr, ab: i. Neuivahl des gesanunten Vorstandes. 2. Verschiedenes und Fragelasten. Zahlreiches Erscheinen nolhwendlg. Neue wtttglieder werden ausgenommen. Achtung! Waurerl Es findet am Dienstag, den I. Juli, Abends »Uhr, eine össentliche Generalversammlung der Maurer und Putzer ln Habel'? Brauerei, Bergmannstr. s— 7, statt. «»oft» östentlich»»«»sammlnng aller Militär- und uieferungsschneider am Dienstag, den i. Juli, Abends U Uhr, in Jordan's Salon, Neue Grün- straße Nr. 28. Männer- Vesangvsrein Kiede�freiheit. Am Sonnabend, den e. Jult, Abends 1% Uhr, in Schröder'? Salon und Garten, Mauteufselstr.»! Großes Tommersest. Achtung! Kildhauer! Der Gauveretn Berliner Bildhauer feiert am 12. Juli in der Neuen Welt, Hasenhaide tos, sein Sommersesl. Programm: sovjahrtge Jubelfeier der Stadt Düntelreuth. Konzert. Ball. Historischer Fesizug u. s. w. u. s. w. Reiche Deloratton. Alle Bewerte find freundlichst eingeladen. Öriell schuft fu»»«rbreitnng von Uolstobildung. Montag, den 21. Juli: Zur Feier d-S I. Stiftungsfestes Große» Sommersesl. verbunden mit Gartentonzert und SommernachtS-Ball, unter gütiger Mtlwirlung deS Gesangvereins„Freqa", tn der Gräflich R-lschach'sch-n Braueret in Stralau. Achtung I Kandlnngogrhits»» und töehilftnnrn. Große östentliche Versammlung am Mittwoch, den 2. Jult er., Abends«jj Uhr, tn Gratweil'S Bierhallen, Kommandantenstraße 79. Tagesordnung: i. Dt- Sonntagsruhe der Kausleute und das Bsnshmen der Vecliner OrtSvereine deutscher«au,- leute. Referent wird durch Säulenanschlag und Annonze im„Berliner BoltS- blaN" noch bekannt gemacht. 2. Stellungnahme zur Zentral-Slreik-Kontrol-Kom- misston. Z. DiSlussion. Die hierbei tnleressirteu ReichSragS-Abgeordneten Dr. Witte, Eoldschnndt, Röstile, Dr. M. Hirsch und Paschnicke sind besonders eingeladen. Ter hochwichUge» Tagesordnung wegen ist es Pflicht jedes Kollegen und jene» Kollegin pünktlich zu erscheinen. ««sellig-r Hlud„»e»l«ta»i«t" hat heute, Dienstag, Sitzung. im Lokal de» Herrn Heindorf, Langestr. 70. privat-Lheat«rv»rrin Astaii«. Dienstag, Abend» 9 Uhr. Sitzung im Restaurant Langenberg, Wrangelsir. Ui: Vorlesung dramatischer Gedichte. Achtung«aflwtrth«! Dienstag, den>. Juli, Nachmittag» 6 Uhr, Oestentliche Versammlung der Gast- und Schankwirthe Berlins und Umgegend bei Joel, AndreaSstr. 21—22. voiialdemostratischrr Wahlverein für den 4, Kerliner N-ichstag«- Wahlstrei». M.Mvoch, den 2. Jult, Abends 6 Uhr, im Lokale„Köntgsbank", Frankfurlerstr.>17: Große»eneralv-rsammlung. zierein der Klempner Berlins und Umgegend. Am Dienstag, den 1. Juli, Abend« 6 Uhr, in May'S Festsälen(sruher Heydrich), Beuthftc. 22, 1. Etage: Große Versammlung. Fachverein der Sapesirrr Berlins. Dienstag, den l. Jult, Abend» sz Uhr, bei Feuerstein, Alte Jalobstr. 7°: Mitgliederversammlung. «rsang-. Sur», und geseUig« Nerein« am Dienstag. Gesangverein „Gutenderg" Abends sr Uhr im stiestaurant Quandt, Etralauerstraße*3.— Gesangverein„Alpenglühen" Abend« 9 Uhr tm Restaurant Hildebrandr, Primen- straße 97.— Schäfer'scher„Gesangverein der Elfer" Abends 9 Uhr bei Wolf und Krüger, Slaliyerstr. 12s, Gesang.— Männergesangverein„Gartenlaube" Abend» 9 Uhr tm Restaranl Firk, Kottbuserilraße 22.— Gesangverein Bouvardia"(Männecchor) Abends Uhr im Repaurant„Teutonia, Bel forterstraße IS.— Männerge sangverein„Eteinnelke" AbendS 9 Uhr tm Nestau rant Schulz, Stcttlnerstraße 66—67.— Gesangvers.n„Harmonie" AbendS 8 Uhr t» Steulam's Bierhaus, Große Franlsurrerstr.«9.— Männergesang- verein„Echo U" Abends 9 Uhr im Reiiauranl Drillhose, Rofenthalerslr. II— 12. — Gesangverein„Sängerhain" AbendS 9 Uhr tm Restaurant Kaifer-Franz- Srenadierplatz 7.— Gesangverein„Bruderherz" Uebungsstunde Abends von ob— 11z Uhr. Aufnahme neuer MNglieder.— Gesangverein„Hoffnung Moabit" Abend« Ssj Uhr Wilsnackerstr. 6Z tm Restaurant JlgeS.— Plänner- g-sangver-in„Htlaritas" AbendS 8 Uhr tm Restaurant W. Gleist, Prinzen- Allee 89.— Gesangoerein„Felicikas" AbendS 9 Uhr tm Restaurant Nebeltn, Langestr. 108.— Männergesangverein„Olpmpia" AbendS 9 Uhr im Restaurant Werth, Prtnzenftr. Ivo.— Gesangverein„Liederlust" Abends 9 Uhr IM Restau- rant Lehmann, Naunynstr. es.— Männergesangverein„Accordta" AbdS. 9 Uhr bei Weick, Aleranderstr. 81.— Sisangverelii„Ludwig'scher Männerchor" AbendS 9 Uhr Lliidenslr.!0S bei Poppe, UebungSgunde. Gäste stnd Willrommen.— Männergesangverein„Ltedesfretheit" AbendS 8� Uhr im Restaurant Henke, Blumenstr. 88.—„Deutsche L.ederlafel, Dirigent R. Mafchtnsty Abends 9 Uhr Uebungsstunde im Restaurant Saeger, Grüner Weg 29.— Männergesang- verein„Alte Linde" Abends sjj— lö'j Uhr im Restaurant JohnS, Mariannen- straße 19.— Gesangverein„Bleiötreu", Uebungsstunde Plüllerstraße 7 bei Pohl.— Ztthertlud„Amphion" AbendS 9 Uhr tn Triebet» Restaurant, Hoher Steiiiweg 1°.— Turnverein„Froh und Frei"(Plännerablhetlung) Abends 8� Uhr, Bsrgstr. 67.— Berliner Turngenostenschafl(Fünfte Männer- abtheilung) Abends 8 Uhr in der städtischen Turnhalle, Wafierlhorstr. St.— Turnverein„Hasenhaide"(Männeravtheitung AbendS 8 llhr, Dikflenbach- straße 00— 61.— Verein ehemaliger Schüler der 87. Gemeindeschule AbendS s Uhr im Restaurant Kinner, Köpnickerstr.«8.— Arendl'scher Stenographen- verein„Rpollobund" Abend» Sil Uhr Brunnen str. 129».— Arendl'scher Sleno- araphenverem Abend« 3% Uhr im Restaurant„Zum eisernen Kreuz", Linden- straße 71.— Deutscher Verein Arendl'scher Sr-nographen Abends Uhr in Randel'S Restaurant Brunnenstr. 129».— Verein„Rae" AbendS s!j Uhr im Restaurant Eltze, Alerandrtnenftr. 9«.— UnterhallungSverein„Harmonie" Abends 8 Uhr, Eisenbahnstr. 8611, im Restaurant von Liebe.— BergnügungS- verein„Mollig" Abends 9 Uhr im Restaurant Reintcke, GipSstraße 8, jeden Dienstag nach dem I. und ls.— ZUHerttub„Amphion" Abends 9 Uhr im „Münchener Hof" Spandaueriir. 11—12.— Rauchtlub„Zum Wrangel" Abend« 8 Uhr bei Herschled, Adaldertstr.«.— Rauchklud„Poriorito", Abend» 9 Uhr. Manieufseliiraße IIS bei Grewling.— Rauchtlub„Deutsche Flagge" Abend» 8 Uhr tm Restaurant Händler, Wrangelstr. It.— Rauchtlub„FriedrichShain" Abend» 9 Uhr tm Stestaurant K-pping, LandSbergerstr. lio».— Rauchklub „Lustige östuder" Abend» sjj Uhr det Groth«, Fürstenbergerstr. 2.— Ver- gnügungsverein„Fröhltchketl", Grüner Weg 29. Grope GesellschaftSsWnde, verbunden mit Vorträgen. Gäste willloiiiiiien. Sntree frei.— Tambour- verein„Sedan" S tzung Abend« sjj Uhr Grüner Weg 0— 10.— Tambourverein „Stntgteit macht stark", gegründet l»s» Uebungsstunde Abends s Uhr im Restaurant Hahn, Elsafsersrr. 67.— Mustf- Dillettantenverein„Animo". AbendS\9—n Uhr, bei Tracks, Reichendergeriir. 88. Aufnahme neuer Mitglieder.—„Vergnügungsveretn Schwarz- Weiß- Roth" jeden Dienstag Abend 0 Uhr bei Feuerstein, Alte Jakobslraße. Gäste w.lltommen.— Sozial- demoliatischer Lese- und DiSrutir-Verein„Herwegh". AbendS 8 Uhr tm Lokale des Herrn(Otto Linke, Forsterstraße 46. Vviefltttlfen der Vvdnkkwn. Lei Ansragen bltten wir die Abonnements-Quittung beizufügen. Briefliche Antwort wird nicht ertheilt. Von K. 10 Mark für die atisgesperrten Weber in Greiz er- halten. H. Förster, Reichstags-Abgeordueter. K. Wridruwrg 25. Die Angelegenheit hat doch wohl kaum das nöthige öffentliche Interesse. W. N- 1*010. Ohne nähere Kenntniß Ihrer Fähigkeiten können wir Ihnen keinen Rath ertheilen. Vereinigte Vorstände der Kerliner Verwaltung«- stellen der Vereinigung der Drechsler Teutschlands. Von Ihrem Beschluß haben wir dankend Kenntniß genommen. Auch wir er- hoffen von der neuen Maßnahme viel Ersprießliches für die Ar- beiter im Drechslergewerbe. Alter Abonnent. Eine Klage wegen Schadensersatzes ist in diesem Falle nicht zulässig. Unserem Genoffen Clemen»; Mager zu seinem heutigen Wiegenfeste ein donnerndes Hoch. 2204 „Nee, Ihr seid aber auch!" vis Kotlien von SO. E. L. P D. A. S. D. R. F. H. A. R. Herrn Schulz und Reichel(in Firma Schulz u. Hollweg, Korbwaaren-Manu- fattvr. Neue Grünftr. 18) für die am Sonntciß, den 23. Juni, stattgefundene, großartig arrangirte Landpartie nach Saatwmkel, fühlen sich die Thetlnehmer an derselben verpflichtet, hiermit öffent- lich ihren Dank auszusprechen. 2273_ Die Theilnehmer. «■ Allen Freunden und Güsten, welche sich an der Kollekte(M. 26,40) für Frau Wittwe Friedrich betheiligten, statten wir hiermit unseren besten Dank ab. Der Mnsillverein„Glocke". I.A.: 2271_ Der Vorstand. OestreicheB«! Wann's Euch g'müthli unterholten wöllt's, so kommt's in die Kürassier- Stroßen auf Nr. 15a. in die Dngarische Restauration. Tie höchsten Weanet Tanz wer'n aufgeführt._(726 Freunden und Bekannten, sowie meiner werthen Nachbarschaft empfehle bei Bedarf meine 132 viosnnen-LiesvkssKe. Eig. Fabrikate. Berk. z. Engros-Preisen. Köpenickerstraße 24, . DIOlUtJj Universitätsstraße 3B. Eine Echlaflielle, fem Eing., Schleier» macherstraße 14, H. 3 Tr. bei Gericke. Mtjtljeri!esiill!>erellUelk>lll!g. Am Sonnabend, d. 23. d. M., Abends, entschlief nach schwerem dreitägigen Leiden meine inniggeliebte Frau M. Becker ßtb. prp im Atter von 33 Jahren als Wöchnerin. Die Beerdigung findet am Dienfias, den I. Juli, Abends 7 Uhr, von der Leichenhalle in Lichtenberg ans statt. ' AWj Becker uebst Tchter. Danksagung. Für die rege Theilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes, des Wageiüackirers Wik bell» Wikke, sage ich Allen meinen herzlichsten Tank. 2275 Johanna Wilke. Alle diejenigen Gerüchte, die Kollegen über mich verbreiten, und die dahin gehen, daß ich beim Töpfermstr. Eggert gearbeitet habe, erkläre ich für umvahre Behauptungen. 2273 Gustav Gebert, Töpfer, Weberstr. Schneider- Bedarfsartikel empfiehlt billigst(Muster gratis und franko) Diit? Pipiipr Wühelmstmse 114 liUÜ. 1 It jlcl �(a.b. Puttf nmcrilt.). Sonntags von 10 Uhr ab geschlossen Freundliche Schlaffielle ist zu venu fietbelstr. 4, Hof r. 4 Tr. 2268 Ein strammer Sozialdemokrat ist an- gekommen b. W. Bock, Mantenffelstr. 28. 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