1 Ztr. 150. Mittwoch, den S. Inli 18S0. Jahrg. MimMKÄM. Organ für die Interessen der Arbeiter. Das„Berliner Volksblatt" erscheint täglich Morgens auser nach Sonn- und Festlagen. Abonnementspreis für Berlin frei in'S Haus vierteljährlich 3,30 Mark, monatlich 1,10 Mark, wöchentlich 28 Pf. Einzelne Nummer 5 Pf. Sonntags-Nummer mit dem„Sonntags-Blatt" 10 Pf. Postabonnement 3,30 Mark pro Quartal. (Eingetragen in der PostzcitungSpreisliste für I8S0 unter Nr. 392, V. Nachtrag.) Unter Kreuzband, täglich durch die Expedition, für Deutschland und Oesterreich-Ungarn L Mark, für das übrige Ausland 8 Mark pro Monat. Jnsertionsgebühr beträgt für die Sgespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pf., für Vereins- und VerfammlungS- Anzeigen 20 Pf. Inserate werden bis 4 Uhr Nachmittags in der Expedition, Berlin SW., Beuthstrabe 3, sowie von allen Annoncen-Bureaur, ohne Erhöhung des Preises, angenommen. Die Expedition ist an Wochentagen bis 1 Uhr Mittags und von 3—7 Uhr Nachmittags, an Sonn- und Festtagen bis 9 Uhr Vormittags geöffnet. ♦ i Fernsprecher: Amt VI. jlr. 4106.,■» VedÄlkkion: VeukMvMe 2.— ExpedLkion: Venthskvntze 3. Für das lll. Quartal eröffnen wir ein neues Abonnement auf das „Kerliner Uolksblatt" nebst dem wöchentlich erscheinenden Sonntagoblatt. Der Abonnementspreis beträgt frei ins Hans für das ganze Vierteljahr t! Mark 30 Pf., monatlich 1 Mark 10 Pf., wöchentlich SB Pf. Bestellungen werden von sämmtlichen Zeitungsspediteuren, sowie von der Expedition unseres Blattes, Beuthstr. 3, entgegen- genommen. Wir müssen nachdrücklich darauf verweisen, daß es endlich an der Zeit ist, daß die Arbeiter Berlins sich von der gegnerischen Presse emanzipiren. Zu den Gegnern gehören auch die sogen. unparteiischen oder politisch-farblosen Blätter. Sie gerade gehen nur darauf aus, die große Masse in der Unwissenheit zu erhalten, um sie desto ungestörter ausnützen zu können. Ein aufgeklärter Arbeiter liest nur die Arbeiterpresse! Für außerhalb nehmen s ä m m t l i ch e Postanstalten Be- stellnngen für das Vierteljahr gegen Zahlung von 3 Mark 30 Pf. an. Redaktion und Expedition des „Keriiner JloiKsKlatL". Allerlei Wondlungen. Es wird öfter betont, daß Herr M i q u e l, der neue Finanzminister, in seinen jungen Jahren einmal Sozialist von ganz rother Färbung oder sogar Kommunist gewesen sei. Einem hervorragenden Politiker, der in die Regierung kommt, werden solche kleinen„Jugendsünden" nicht so leicht verziehen und er muß sich schon gefallen lassen, daß in seiner Vergangenheit gewühlt wird. Herr Miquel ist indessen mit seinen politischen Wandlungen in zahlreicher Gesellschaft; wir finden noch bei einer Reihe von bekannten Politikern, daß sie in ihrer Jugend radikalen Anschauungen zugethan waren, während sie später„nüchtern" wurden und zum Theil sogar sich solche „Mäßigung" auferlegten, daß man sie für geeignet er- achtete, in konservativen Regierungen mitzuwirken. Bei Lothar B u ch e r prägt sich diese Wandlung noch viel schärfer ans als bei Miquel. Bucher war in den Stürmen des Jahres 1848 als rother Republikaner auf- getreten und als solcher in die preußische Nationatver- sammlung gewählt worden. Seine Haltung hatte die Reaktionäre so erbittert, daß er in dem bekannten Steuer- verweigerungs-Prozeß zu 15 Jahren Gefängniß und „Verlust der Nationalkokarde" verurtheilt wurde, welch' letztere er jetzt wohl wieder tragen darf. Als Nachdruck verbo>-n.l Sleuttleto»». (72 „ZUM(Öiiuk der Damen." Roman von Emile Zola. Antorisirte Nebersetzung von Armin Schwarz. Beinkleider in Pereail, Leinwand, Piqu«; endlich «mden mit Knöpfen für die Nacht, dann ausgeschnittene ir den Tag, über die Schultern nur durch schmale iändchen zusammengehalten. Hemden und Calicot, von irlän- ischer Leinwand, Battist u. s. w. Endlich in der Abtheilung ir Ausstattungen ein indiskretes Auspacken der Frauen- äsche, gleichsam das umgestürzte Weib, das man von unten brachtet, angefangen von der kleinen Bourgeoisie, die sich it Leinwand bekleidet, bis zur reichen Dame, die sich in pitzen hüllt. Es war, als ob man einen riesig großen Al- wen fiir das Publikum geöffnet hatte. Endlich noch der Saal ir Kindswäschc, wo die wollüstige Wäsche der Frau mit -r keuschen Wäsche des Kindes endigt: die Unschuld, die rende, die Geliebte, welche als Mutter erwacht, Jäckchen on Pique, Häubchen von Flanell, Hemdchen und Häubchen, icht größer, als ob sie für kleine Püppchen bestimmt wären, aufklcidchen. Mäntelchen von Cachemir und dergleichen lehr. Hier lief Pauline herbei, sobald sie Denisen bemerkte nd bevor diese noch sagen konnte, was sie wünschte, 'fragte sie sie über die Gerüchte, welche über ihren Austritt n ganzen Magazin im Umlauf waren. Sie schien sehr ewegt. In ihrer Abtheilung, erzählte sie, hätten sich er aus dem Ausland'zurückkam, ward er nnt Lassalle bekannt und war«och so radikal, daß er dein genialen Stürmer und Dränger vorivarf, er ginge nicht weit genug. Er sagte, die Lassalle'schen Produktiv- Assoziationen würden nur„neue soziale Bourgeois" schaffen. Noch lange Zeit nachher gehörte Bucher der Internationale an. Als er es für klug fand, sich„u tn d t e R e g i e r u n g zu r a l l i i r e n", wie er an Karl Marx schrieb, ward er die rechte Hand B i s in a r ck s; das allgemeine Wahlrecht, der Kultur- kämpf, die Sozialgesetzgebung sind aus seine Anregung zurückzuführen. Herr Michaelis hatte eine gleichfalls sehr wunder- bare Wandlung durchgemacht. Bevor er vortragender Rath wurde, pflegte er die Wirthschaftspolitik der Regie- rung, die er nachher so eifrig vertrat, sehr scharf zu kritisiren. Nicht alle kamen in die Regierung, die sich solcher Wandlungen befleißigten, aber in Amt und Würden sind die meisten gekommen. Herr von Bennigsen, der verunglückte und hartnäckige Ministerkandidat, ist auch einer von ihnen. Auch er hatte einst demokratische Neigungen. Als er in Hannover das Ministerium Borries bekämpfte, trug die von ihm geführte Opposition einen sehr demo- kratischen Charakter. Noch als Herr von Bennigsen den N a t i o n a l v e r e i n ins Leben rief, sah er sich genöthigt, dessen Programm mit einem Tröpflein demokra- tischen O e l s zu versehen. Dann kam seine Zeit und er wurde nationalliberal. Bis zum Oberpräsidenten hat cr's gebracht, weiter nicht. Das ist jedenfalls der Schmerz seines Alters, wenn er an den glücklicheren Parteigenossen denkt. Der„ r o t h e B e ck e r"— der Name sagt Alles — war zuletzt Oberbürgermeister von Köln und Herren- Hausmitglied. Seine Laufbahn begann im Kommunisten- bnnd und er ward wie Bürgers als Kommunist ver- urtheilt. Bürgers pflegte später die Sache so darzustellen, als seien beide unschuldig verurtheilt worden, d. h. sie seien gar keine Kommunisten gewesen. Aber man lese Bccker's Vertheidigungsrede und man wird in diesem meisterhaften Opus den Beweis finden, daß er ein Kom- munist war. So könnte man noch eine Menge von Namen ans- zählen. Bamberger, einst der politische Führer der Schilderhebung von 1849 in der Rheinpfalz, wurde später ein Führer der Nationalliberalen und kann darum, ob- schon heute wieder in der Opposition, keinen rechten politischen Kredit wieder finden. M a t h p, vor 1848 Republikaner, war später nationalliberaler badischer Staatsminister, F o r ck e n b e ck und G n eist, noch in der Konfliktszeit ziemlich wild, wurden nationalliberal; zwei Verkäuferinnen darüber gestritten; die Eine behauptete, Denise werde sicherlich austreten, die Andere stellte dies in Abrede. — Sie werden bei uns bleiben, nicht wahr. Ich habe meinen Kopf gewettet, daß Sie bleiben. Was wird aus mir, wenn Sie gehen? Und als Denise erwiderte, daß sie am folgenden Tage gehen werde, fügte sie hinzu: — Nein, nein, ich kann nicht daran glauben. Jetzt, da ich ein Kleines bekommen soll, müssen Sie mich ja zur zweiten Vorsteherin ernennen lassen. Bange zählt mit Ge- wißheit darauf, meine Liebe. Panline sagte das mit lächelnder Miene. Dann reichte sie die G Hemden hin, welche verlangt wurden, und nachdem Jean sagte, daß sie nunmehr in die Abtheilnng für Taschen- tücher gehen müßten, rief sie eine Anshelferin herbei, damit sie die Hemden und den Paletot ihnen nachtrage. Diese Anshelferin war Fräulein von Fontcnaille, seit Kurzem mit Josef verheirathet. Um ihr eine besondere Gunst zu erweisen, hatte man sie zur Anshelferin avanziren lassen. Sie trug eine große schwarze Blonse mit einer Nummer von gelber Leinewand auf der Schulter. — Folgen Sie dem Fräulein, sagte Panline. Dann zu Denisen gewendet, fügte sie leise hinzu: — Ich werde zweite Vorsteherin, nicht wahr? Das ist abgemacht. Denise versprach ihr dies lachend und entfernte sich. Sie ging nnt Pepe und Jean hinab, begleitet von der Aus- Helferin. Im Erdgeschoß kamen sie in die Wollwaaren-Ab- thcilung, welche ganz mit weißem Moleton und weißem Flanell überzogen war. Reichensperger, einst„liberal", ist heute Zentrums« mann. Auch aus der Reihe weniger berühmter Leute mit Wandlungen seien Einige genannt. Held und Jung, die im März 1848 und nachher so berühmten Redner der jungen Berliner Demokratie, gingen der Eine zur Reaktion, der Andere zum Nationalliberalismus über, und G o t t s ch a l l, der 1848 Barrikadenlieder heraus- gegeben hatte, ist heute mehr als konservativ. Der Straßen« demokrat Braß von ehemals gab sein Blatt, die„Nord- deutsche Allgemeine", zum Leiborgan Bismarcks her, und sein Nachfolger, Herr Kommmissionsrath Pindter, soll polnischer Insurgent gewesen sein. Diese Wandlungen bekannter Personen haben in den Parteikämpfen schon eine große Rolle gespielt und selbst« verständlich war es den„Verwandelten" niemals ange« nehni, wenn man ihnen den Spiegel der Vergangen« heit vorhielt. Wenn wir heute davon reden, so geschieht es nur, um zu zeigen, daß wir es in diesen Wandlungen mit einem Stück Naturgeschichte unserer Bourgeoisie zu thun haben. In den vormärzlichen Zeiten unter dem Druck des Absolutismus war sie allen extremen An- schauungen geneigt; das„junge Deutschland" liefert den Beweis dafür in seinen Schichten. Die literarischen Vor- läufer der niodernen deutschen Bourgeoisie vertteten in Be- zug auf Eigenthum, Ehe, Staat u. s. w. Grundsätze, die den Spießbürgern von heute ein starkes Gruseln verursachen würden. Nach 1848 schlug die Bourgeoisie erst wild aus; als aber das Volk in Masse auf dem Kampfplatz erschien und seine Menschenrechte forderte, da ward die Bourgeoisie kopfscheu, begnügte sich mit einigen Zugeständnissen und lehnte sich an die Regierungen an, die ihr für ihre Versöhnung ihre Klassenvorrechte sicherten. So versank das ehemals so demokratische Bürgerthum Deutschlands in die alte politische Unterthänigkeit und die Führer hatten keinen Boden mehr unter den Füßen, gerade wenn sie ihre Gesinnung behielten. Philosophische Charaktere von unbeugsamer Stärke, wie Johann Jacoby, zogen sich zurück; die anderen aber„ralliirten" sich um die herrschende Gewalt. Die Reste der alten Demokratie lebte im preußi- schcn Konflikt noch einmal auf; Bismarck's Erfolge ver« nichteten sie. Das Vürgerthum verlor allen demokratischen Geist, nachdem der Mann von„Blut und Eisen" es gebeugt hatte. Man sieht sonach, daß die Wandlungen gewisser Politiker mit der Entwicklung des ganzen Bürgerthums zusammenhängen. Wenn die Masse nicht demokratisch ist, wie können es die Führer sein? Aber die Bourgeoisie hat auch gar nicht mehr den Beruf, die Welt nnt demokratischem Geiste zu erfüllen. Diese Aufgabe haben die Arbeiter übernommen und sie haben es dahin gebracht, daß in der Arbeiterwelt schon Lienard, den sein Vater vergebens nach Angers zurück- berief, plauderte hier mit dem schönen Mignot, der Makler geworden war und die Stirne hatte, sich im„Glück der Damen zu zeigen. Sie hatten ohne Zweifel von Denise gesprochen, denn sie blieben jetzt plötzlich still und grüßten sie mit übertriebener Höflichkeit. I» allen Abtheilungen, welche sie durchschritt, verneigten sich die Kommis stumm, in der Ungewißheit, was sie niorgen sein werde. Man flüsterte, man fand sie siegreich auftretend und die Wetten begannen von Neuem. Die Abtheilnng für Taschentücher lag am andern Ende der Galerie; sie kamen überall an Weißwaare» vorüber. Es kamen da Kotons, Ma- dapolans, Basins, Piques, Calicots, Mousselines, Tarlatans, dann Leinwand in ungeheueren Stößen, schmale und breite, grobe und feine; es folgten Abtheilungen für alle Gattungen und Wüsche, Hauswäsche, Tafelwäsche, Küchen- wasche, Bettwäsche, Servietten, Tischtücher, Schürzen und Wischlappen. Und überall wurde sie gegrüßt, die Leute bildeten ganze Reihen um Denisen Platz zu machen; in der Leinwand-Abtheilung war Bauge ihr entgegengeeilt, um ihr einen unterthänigen Gruß zuzulächeln. Endlich langte sie in der Abtheilung für Taschentücher an, deren kunstteiche Dekorationen die Menge in die größte Verwunderung ver- setzten: weiße Säulen, weiße Pyramiden, weiße Schlösser, eine komplizirte Architektur, ausschließlich auch Taschentücher in Linon, in Battist, irländischer Leinwand, chinesischer Seide, chiffrirt, gestickt, mit Spitzen besetzt, mit angesetztem ä jour-Saum und eingewebten Bignetten; eine ganze Stadt von weißen Ziegeln in unendlicher Abwechslung. — Ein Dutzend brauchst Du noch? fragte Denise ihren Bruder. ein frischer, wahrhaft demokratischer Lustzug zu verspüren ist. Sie wollen nicht an Stelle der alten Vorrechte neue setzen, wie die Bpurgeoisie gethan. Ihnen ist ihre Sache nicht nur Sache des Verstandes, sondern auch Sache des Herzens. Drum wird die junge Arbeiterbewegung mit Ernst die gesellschaftlichen Probleme behandeln, die von der Bour geoisie nur als Spielerei behandelt worden sind. Nurreppxmdeuzeu. Varl», den 26. Juni 1890. Gegen Mitte Juni hat in �yon der com Lyoner Lokalrath des„Nationalverbandes der französischen Nrbeltergewerkschaften und Korporaticgruppen" organinrte Regionalkongreß der Gewerkschaften com Südosten Frankreichs stattgesunden. Aus den Departements Rhone, Loire, Jsore, Ain, Saöne et Loire waren durch 180 Delegirte 71 Or- r2n,clft vertreten, von denen verschiedene mehrere Gewerk- fchaftsgruppen und Lokalföderationen umschließen. Die Arbeits» 5?� von.St. Etienne z. B. reprasentirt allein mehr als dreißig Syndlkatskainmern. Das Organisationskomitee des Kongresses hatte u» Voraus festgesetzt, daß keinerlei Vertreter politischer Organisationen zugelassen werden sollten. Trotzdem hatten sich mehrere Delegirte sozialistischer Vereine angemeldet, welche nach Prüfung der.vtandate autorisirt wurden, den Sitzungen beizuwohnen, ohne jedoch das Wort zu den Debatten ergreifen und abstimmeu zu dürfen. Laut seiner Tagesordnung hatte sich der Kongreß über die Vetheillguug des französischen Gewerkschastscerbandes am nächsten uuernationalen Kongresse und über die eventuell diesem voraus- gehende Veranstaltung eines Nationalkongresses schlüssig zu "suchen. Verschiedene Redner certraten die Ansicht, daß die fran- zv fische n Gewerkschaften sich nur an einem internationalen Kon- gresfe zu bethelligen hätten, da nur ein solcher von Bedeutung i cm• Resultate zeitigen werde. Die Manifestation vom m ükzetgt, von welcher Wichtigkeit die internationale Verständigung, das internationale Vorgehen der Arbeiterschaft aller Lander sei. Andere Delegirte führten jedoch aus, daß dir einem internationalen Kongreß voran- gehende Einberufung eines Nationalkongresses ein Ding der Rothwendigkeit sei. Die französischen Delegirten müßten auf den �nationalen Kongreß ein genau desinirtes, studirtes und voll- ftandigeS Mandat mitbringen und im Namen des ganzen arbeitenden Frankreichs sprechen können. Die Organisation eines Nationalkongresses sei mit Rücksicht hierauf unerläßlich. Die Vertreter der Gewerkschaft der Maschinenbauer und cer- »««Wen Berufszwewe appelliren an die Brüderlichkeit aller Völler, um einem Kriege oder dem Bankerott zu entgehen. Dem Ruf:„Es lebe das Varerland" müsse die Parole:„Es lebe die freie Menschheit" entgegen gestellt werden. Leider brachten dann die nainlichen �.elegirten die Seeschlange oder richtiger den Wurm, der in Frankreich nicht leben kann und der nicht sterben will, des Generalstreiks, cor den Kongreß. Dieser hat jedoch iiber den Antrag nicht abgestimmt. Der Kongreß erklarte sich darauf 1. für die �Veranstaltung vorbereitenden Nationalkongresses, 2) für Beschickung des einheitlichen internationalen Kongresses, der laut Beschluß des Pariser internationalen Kongresses 1891 in der Schweiz oder in Belgien stattfinden werde, 3) endlich für ein kollektives Mandat der Delegirten, welche den Regionalverband der Gewerkschaften vertreten Südostens auf dem Nationalkongreß zu Calais Der Kongreß hat seine Arbeiten in zwei geschlossenen Sitzungen erledigt, an welche sich eine große öffentliche, ungemein zahlreich besuchte Versammlung anschloß. Fast sämwtliche Redner kamen in derselben auf das Gelingen und die hohe Bedeutung der Manliestation zurück. Der sozialistische Deputirte Lachize J" aug' ba& die Manisestation alle Erwartungen ubertrosse»_ und das Ansehen der Zlrbeiterbewegung we- senUich gestärkt habe. Die Beschränkung der Arbeitszeit, «•e 8?|ichei'te Koalitionsfreiheit seien vom größten Werthe für den friedlichen und imposanten Fortgang der Arbeiterbewegung zu ihrem Ziele,, der Emanzipation der Arbeiterklasse. , JuiU besonderem Interesse ward der Bericht aufgenommen, welchen die Vertreterin der Syndikatskammer der Gimpenarbei- terinnen und Gimpenarbeiter verlas. Die Bürgerin Ney konstatirte in demselben, daß die tägliche Arbeitszeit 14 Stunden, der Tages- cerdienst 1 Fr. 50 Cts. und höchstens 2 Fr. betrage. Infolge ihrer traurigen Lage seien die Mitglieder der Syndikatslammer überzeugt, daß sofern sich nicht ein Gesetz zu ihrem Schutze ins Mittel lege, sie demnächst Hungers sterbe» müssen. Die Arbeits- Herren machten die Arbeiter gleichzeitig zu Sklaven und zu Märtyrern. Mit Hilfe des Gesetzes über die Freiheit der Arbeit sei der Patron in» Stande, seine Arbeiter zum Hungertod zu cerurtheilen. Die Einigung aller Arbeiter sei unbedingt nöthig, um dem immer riesiger anschwellenden Elend einen Damm entgegenzusetzen, und der 1. Mai habe bewiesen, daß sich die Ar- — Ja, von diesem Muster, sagte er, auf ein Taschentuch zeigend, das sich im Packet befand. Jean nnd Pepe wichen nicht von ihrer Seite, sie drängten sich an sie, ganz wie ehemals, als sie gebrochen von den Strapazen der Reise in Paris ankamen. Diese nnge- Heuren Magazine, wo sie zu Hause war, brachte die beiden Brüder in Verwirrung; sie suchten Schutz bei„Mütterchen". Alle Blicke folgten ihnen, man lächelte über diese beiden großen Burschen, welche Schritt für Schritt diesem schmäch- tigen, ernsten Mädchen folgten. Jean, fast erschrocken über den eigenen Bart, Pepe verloren in seiner Schüler- Tunique, alle Drei von dem nämlichen Blond, einem Blond, das ans ihrem ganzen Wege in allen Abtheilnngen ein Geflüster hervorrief. — Das sind ihre Brüder... das sind ihre Brüder.. Doch, während Denis« nach einem Kommis suchte, gab es eine Begegnung. Monret und Bonrdonele betraten die Gallerie und eben als Ersterer wieder vor dem Mädchen stehen blieb, kam Mme. Dessorges und Mine. Guibal vor- über. Henriette unterdrückte das Beben, in welchem ihr Körper zusammenschauerte. Sie schaute auf Monret und dann auf Denise. Und auch diese Beiden be trachteten Henriette; es war eine stumme Lö- sung, der gemeinsame Abschluß der großen Herzensdramen. Schon hatte Monret sich entfernt, während Denise, gefolgt von ihren Brüder», im Hintergründe der Abtheilnng sich verlor, noch immer auf der Suche nach einem Kömmis. Henriette erkannte jetzt das Fräulein von Fontenailles in der Ans- Helferin, welche Deinsen folgte, mit ihrer gelben Nnmmer auf der Schulter, ihrem vergröberten, fahlen Gesichte einer Magd. Bei diesem Anblicke machte sie ihrem Zorne Luft, indem sie mit gereizter Stimme zu Mine. Guibal sagte: — Schauen Sie, was er ans dieser Unglücklichen ge- macht hat! Ist das nicht beleidigend? Eine Markirte... Und er zwingt sie, ivie ein Hund den Kreaturen zu folgen, die er auf dem Straßenpflaster aufgelesen. Sie suchte indessen sich zu beruhigen und fügte mit ge- heuchelter Gleichgiltigkeit hinzu: — Betrachten wir uns einmal die Seiden-Ansstellnng. Die Seiden-Abtheilung glich wieder einem großen Liebes- beiter aller Länder zum unlösbaren Bunde zusammenschließen, um ihr Recht zu fordern, das Recht, arbeitend zu leben.— Die � Verhandlungen des Kongresses, sowie die in der öffentlichen Versammlung entwickelten Gesichtspunkte tragen noch recht deutlich den Charakter der Unklar- heit über Ziel und Taktik, welches die französische Gewerk- schaftsbewegnng im Großen und Ganzen charakterisirt. Diese Unklarheit, zusammen mit ausgesprochener Hinneigung zum Sozia- lismus, erklärt sich aus dem Umstände, daß sich die bei weitem große Mehrzahl der französischen Syndikate prinzipiell außerhalb der sozialistischen� Parteien halten, während sie sich nicht der sozialistischen Zeitströmung entziehen können. Tie von Barbarei 1872 inaugurtrte Bewegung eines Nicht-alsgewerkschaftlerei liegt so wenig im Charakter der Franzosen, daß dieselbe schon in den ersten Jahren von dem gewerkschaftlichen auf das politische Gebiet hinüberspielte. Unter dem Einflüsse der Sozialisten trat von 1876 an der nichtsalsgewerkschaftliche Charakter der Korporativgruppen langsam aber stetig in den Hintergrund. 1878 ging die Bewegung ans dem Kongreß zu Marseille offiziell zum Sozialismus über. Freilich stellte sich bald heraus, daß den meisten Syndikaten die Gewerk- schaftelei nach Schulze- Delitzschem Muster ebenso fern lag, wie der moderne, wissenschaftliche Sozialismus. Sie erwiesen sich im Allgemeinen als wenig solide Gebäude, in denen die Geister aller kleinbürgerlichen, ntopistischen Sozialisten, hier und da nur etwas inodern kostümirt, herunispnkten. Als die junge iozialistische Partei zerfiel, trug gerade die Unklarheit und Ver- chwommenheit der Syndikate mächtig zu den Wirren und Spal- lingen bei. Seit der Spaltung hat sich ein großer Theil der Pariser Gewerkschaften an die possibilistische Partei angeschlossen, ein anderer Bruchtheil hält eine gewisse, lockere Fühlung mit den Marxisten, ein dritter mit den„unabhängigen Sozialisten." Die Gewerkschaften der Provinz dagegen gehen der Mehrzahl nach durchaus unabhängig von den sozialistischen Fraktionen vor, deren Schnlzwistigkeiten sie erschrecken und verwirren. Gerade aber dadurch sind sie vielfach der Tummelplatz von ähnlichen, sozialistisch angehauchten, aber höchst unklaren Elementen geworden, denen geklärter sozialistischer Einfluß innerhalb der Organisationen kein Gleichgewicht halten kann. So kommt es, daß gerade von den Gewerkschaften Fragen, wie die des Generalstreiks jc., aufgeworfen werden, mit denen die französischen Sozialisten schon lange fertig geworden find. Dies zeigte sich auch auf dem Lyoner Kongreß, aber trotzdem markirt derselbe einen Fortschritt. Der Generalstreik konnte zwar noch debattirt, aber nicht mehr votirt werden, während doch noch auf den Nation alkongressen der Ge- werkschaften von Bordeaux und Troyes(beide 1883), auf denen sozialistische Organisationen vertreten waren, der naiven und be- scheideuen Gemüthern so theure Unsinn des Generalstreiks zum Beschluß erhoben ward. Der Einfluß des internationalen Kongresses von Paris, wo der allgemeine Streik nur einen Lächerlichkeitserfolg hatte, nnd wo Liebknecht mit zwei Worten das Kartenhaus der Forderung umwarf, macht sich in dieser Beziehung entschieden fühlbar. Ueberhaupt zeigte sich an einer Menge von Symptomen, wie be- fruchtend dieser Kongreß und die Maimanifestation auf Fortgang und Klärung der französischen Gewerkschaftsbewegung gewirkt hat, ganz besonders lebhast hat sich dieselbe mit der Ueberzeugnng durchdrungen, daß eine internationale Verständigung und Aktion der Arbeiter aller Länder eine unumgängliche Voraussetzung des weiteren Fortschrittes der Arbeiterbewegung ist. DulikiMo Nebevstchk. Gin internationaler ArbriterKongress wird bekanntlich im Zusammenhang mit der internationalen Industrie- ausstellung geplant, welche im Jahr 1393— zur Vierjahr- Hundert-Feier der Entdeckung von Amerika in den Vereinigten Staaten, und zwar, wie jetzt festzustehen scheint, in Chicago stattfinden soll. Wie man uns mittheilt, ist in der letztge- nannten Stadt bereits ein Arbeiterkomitce gebildet worden, welches den Kongreß vorzubereiten hat. Am zweiten Dienstag d. Mts., also künftigen Dienstag sollen die Einladungsschreiben nach Europa abgehen. Auf dem Pariser Arbeitcrkongreß wurde, wie ans dem Kongreßprotokoll ersichtlich, der Be- schluß gefaßt, den nächsten internationalen Arbeiter- kongreß im Jahr 1891 abzuhalten, und die belgischen und schweizerischen Arbeiter mit der Ausführung zu betrauen. Unter solchen Berhältnissen wird es nothwendig sein, bei Zeiten eine Verständigung herbeizuführen, damit keine Verwirrung entstehen kann. Au« Leipitg schreibt man uns 6. d. 30. Juni: Vorgestern Nacht ist unsere Stadt einer ungeheuren Gefahr entgangen— einer furchtbareren Katastrophe, als die Explosion eines Pnlvertransports oder Dynainitlagers, oder der Bruch von Deichen gewesen wäre, die beiläufig in der Nähe unserer gemach, ganz weiß drapirt. Alle milchweißen Farben eines angebeteten Körpers fanden sich hier zusammen, von dem Sammte der Lenden bis zu der seinen Seide der Schenkel und dem leuchtenden Satin der Brust. Zwischen den Säulen waren weiße Sammtstücke aufgehängt. Bon dem krcme- weißen Hintergründe hoben sich Draperien von Seide und Satin in dem Weiß des Metalls und des Porzellans ab: dann gab es poults de soie und Sicilienne. Fonlards und leichte Snrahs, in allen Nüanze», von dem satten Weiß einer norwegischen Blonden bis zu dem durchsichtigen, von der Sonne durchglühten Weiß einer italienischen oder spa- nischen Rothhaarigen. Favicr maß soeben weißen Fonlard für die„hübsche Dame", jene elegante Blonde, die eine regelmäßige Kund- schaft der Abtheilnng war und von den Kommis nur mit der obigen Benennung bezeichnet wurde. Sie kam seit Jahren in das Magazin und�man wußte noch immer nichts von ihr, weder ihr Leben, noch ihre Adresse, noch ihren Nauten. Ucbrigens suchte Keiner Näheres zn erfahren, ivenn- gleich Alle sich in Bermnthungcn erschöpften, so oft sie erschien. Bald war sie abgemagert, bald war sie fetter geworden, bald hatte sie gut geschlafen, bald wieder war sie zu spät schlafen gegangen. An diese», Tage schien sie sehr heiter zu sein. Als Favier von der Kaste zurückkehrte, zu der er sie geleitet hatte, tauschte er mit Hntin seine Bemerkungen ans. — Vielleicht steht sie im Begriff, sich wieder zu ver- Heirathen. — Ist sie denn Wittwe? fragte der Andere. — Ich weiß nicht; aber Sie erinnern sich, daß sie einmal in Traner ivar... Vielleicht auch hat sie an der Börse gewonnen. Hntin war nachdenklich geworden. Er hatte zwei Tage vorher mit der Direktion eine lebhaste-Auseinander- setznng gehabt und er fühlte, daß er verloren sei. Nach dem großen Ansvcrkanfe wird er sicherlich entlassen werden. Favier hatte bereits die Zusage, an seine Stelle zum ersten Kommis ernannt zu werden. Anstatt ihn zu ohrseigen, war Hntin vielmehr von einem gewissen Respekt „Seestadt" nicht zu finden sind. Eigenthum und Leben säumt licher Einwohner waren von dem entsetzlichen Schicksal be> droht— der Tod lauerte in tausend Gestalten hinter jedem Einwohner, und die Brandfackel der Zerstörung mnzüngelte jede Hütte, jedes Haus/ jeden Pallast, jedes Magazin— kurz das„Eigen- thum" in jeder Gestalt. Als vor dritthalbhundert Jahren die Schweden und die Kaiserlichen vor den Thoren einandtt bekämpften, war die Gefahr lange nicht so groß.- Und das Unheimliche war: sie war genau auf die Sekunde voraus verkündigt— mit dem letzten Glockenschlag der Mittel- nachtsstnnde brach das Verderben herein und wurde Klein- Paris von einer Bartholomäusnacht heimgesucht/ verglichen mit welcher die von Groß- Paris reines Kinder- spiel war. Nun— die Glocke hat 12 geschlagen und beim letzten Glockenschlag der Geisterstunde in der ewig denkwürdigen Schreckensnacht des 28. auf den 29. Juni 1890 ereignete sich das Unerhörte— nämlich Nichts. Mit Ausnahme etlicher Tausend reichstrener Hasenherzen, die in ebenso viele rcichstreue Kartellhosen fielen, fiel Nichts und fiel Niemand zu Boden— nicht eine Maus, nicht einmal eine Fliege. Leipzig blieb stehen, und steht heute noch auf dem alte« Fleck— und wenn man von den Besitzern der oben erwähnten Kartellhosen mit den rcichstrenen Hasenherzen absieht, so sind nur vergnügte Gesichter zu erblicken. Und zwar ehr vergnügte Gesichter; denn die Heimkehr der Zerbannten hat Tausenden und Abertausenden Freude bereitet. Nur wenige sind zurückgekommen— mancher ist in» Elend gestorben, andere sind über's Meer gejagt worden, und die meisten haben sich in den neun Jahren der Ver> bammng andere Heimstätten gegründet. Es werden nicht viel über ein Dutzend" gewesen sein, die am Sonntag einzogen. geleitet von den Genossen, die, lawinenartig anschwellend, ihnen durch die Vorstadtsdörfer das Geleite gaben. Di» Polizei glänzte durch Abwesenheit und Alles verlief in musterhafter Ordnung und in weihevollster Stimmung. An ergreifenden Szenen fehlte es nicht; wer dabei war, wird es sein Lebtag nicht vergessen. Auch des Mannes in Friedrichsruh ward gedacht, und seiner Mit- schttldigen, und wie sicher die Nemesis ihres Amtes waltet.-- Das„Tageblatt" und die„Leipziger Zeitung" bringen kein Wort über die Heimkehr der Verbannten. Schal« ist's gewiß nicht, aber K a s s a n d r a will nicht sagen, daß sie sich lächerlich gemacht. Das„Leipziger Tageblatt" triumphirt, das„Volks- blatt habe also doch Ulirecht gehabt mit seiner Meldung, die sächsische Regierung habe die Verlängerung des B e l a g e r n n g s z n st a n d e s beantragen wollen. Nein« das„Volksblatt" hat nicht Unrecht gehabt. Die sächsische Regierung hatte diese Absicht, und gab sie erst auf, nach- dem sie sich überzeugt, daß andere Bnndesmitglieder ein solches Vorgehen befremdlich fanden. Die Frage ist jetzt bloS, w,e lang wird Herr v o»> N o st i z- W a l l w i tz, der Mann des„kleinen Be- lagentngszustandes", noch im Amt bleiben? Mehr Dolizei verlangt schon jetzt die bürgerliche Presse für die Zeit nach dem Sozialistengesetze. So schreibi die„Münch- Allg. Ztg.":„In den bisherigen Orten des kleinen Belagerung- zustandes wird den Polizeibehörden nach dem 1. Oktober d. 3" ledenfalls eine erhöhte Thätigkeit und eine oröfiere Verantnjo*1' üchkeit erwachsen. Die Sozialdemokratie rüstet sich unausgesetzt, um dann von allen gemeinrechtlichen Freiheiten in der Abhaltung von Versammlungen, Gründung von Voreinen und Blätter« gründlichst Gebrauch zu machen. Die Mehrarbeit, die hieraus den Aufsichtsbehörden erwächst, dürste wohl in den nächsten Etats durch Meyranstcllung von Kräften sich ausdrücken."— Durch die Verabschiedung des Herrn Krüger und seines Stabes könnte viel eher eine Menge Geld gespart werden. Der Hnndesratst wird, wie die„Münch. Allg. Ztg." meint, nach der Verabschiedung dcö Reichstags nur noch eine, höchstens zwei Sitzungen abhalten nnd dann Ferien machen. Es sind noch einige VerwaltungSangelegenheiten zu erledigen und namentlich wird über Reichslagsbeschlüsse, besonders über die vom Reichstag beschlossenen Abstriche an dem Nachtragsetat für die Verbesserung der Reichsbeamten-Gehälter, Entscheidung zu treffen sein. An der Genehmigung des genannten Nachtragsetats mit den Ab- änderungen des Reichstags ist nicht zu zweifeln. Der Bundes» rath iviro in diesem Sommer seine Arbeiten voraussichtlich etwas später wieder ausnehmen, als in den Vorjahren. In diesen war die Wiedereröffnung der Sitzungen um Mitte Sep.einber haupü sächlich deshalb erforderlich, weil Anträge auf Verlängerung' L für diesen kühlen Burschen erfüllt, dem es gelungen, ihn ans dem Sattel zu heben. — A propos, sagte Favier, Sie wissen doch, daß sie bleibt? Der Patron ist wieder viel heiterer. I Er sprach von Denisen. Das Getratsche pflanzte sich wieder fort, von Abtheilnng zu Abthcilung. — Sacredle! rief Hutin; ich war doch recht dumm, daß ich nicht mit ihr geschlafen habe! Heute wäre ich ein gemachter Mann! Als er aber Favier lachen sah, erröthete er und versuchte gleichfalls zu lachen. Um den üblen Eindruck des Gesagten zu verwischen, sagte er, dieses Geschöpf sei es, das seine Position untergraben habe. Doch jetzt erschien plötzlich ein Lächeln auf seinen Lippen; er sah die Damen Guibal und Dessorges in der Abtheilnng erscheinen. — Sic bedürfen nichts, Madame? fragte er. — Nein, erwiderte Henriette. Wie Sie sehen, gehe ich spazieren. Ich bin nur als Neugierige erschienen. Er dämpfte die Stimme, als er sie ansprach. Ein ganzer Plan keimte in ihm ans. Er schmeichelte ihr, zerfaserte das Hans; er habe genug, sagte er; er ivolle lieber gehen, als einer solchen Unordnnng länger beiwohnen. Sie hörte ihn» entzückt zu. In dem Streben, ihn dem„Glück der Damen" zu entführen, machte sie sich anheischig, ihm die Stelle eines ersten Kommis in der Seidenabtheilung bei Bouthemont z» verschaffen, sobald die Magazine„Zu den vier Jahreszeiten" wieder eröffnet würden. Die Angelegenheit wurde abgeschlossen; sie flüsterten leise miteinander, während Atme. Guibal aufmerksam die Auslagen betrachtete. — Darf ich Ihnen ein Veilchenbouqnet anbieten? fragte er sie dann laut, indem er von einer Kasse mehrere kleine Bonquets holte. — Oh nein, ich danke! rief Henriette, zurückweichend. Ich will an der Hochzeit nicht theilnehmen. Sie begriffen einander und trennten sich unter ver' ständnißinnigen Blicken. (Fortsetzung folgt.) kleinen Belagerungszustandes auf Grund des Sozialistengesetzes in den Städten Berlin, Hamburg, Frankfurt a. 3)1., wo er om letzten September ablief, vorlagen. Mit dem Ablauf der Giltia- keitsdauer des Sozialistengesetzes entfällt auch die Möglichkeit eines solchen Verhandlungssioffcs. Da» rapide Anwachleu de« allgemeinen Denston». fand» der Militäroerwattung hat de», Reichstage Anlaß zu Anfragen über die Ursache dieser Erscheinung gegeben; der soeben ausgegebene Bericht der Rechnungskommission des Reichstags enthält die Auskunst, welche der Regierungskommissar General- mazor von Spitz ertheilt hat. Der General gab die rapide Steigerung zu, glaubte aber die Meinung, daß sie von der in den letzten Jahren erfolgten Zunahme der Pcnsionirungen herrühre, als Jrrthum bezeichnen zu sollen. Der General nannte als Ur- fachen der Steigerung den Wohnungsgeldzuschuß, die Vermehrung der Armee und ähnliche Umstände. Allein diese Darstellung ist wenig beweiskräftig gegenüber folgenden, in dem Bericht selbst enthaltenen Ziffern. Von 18S4 bis 1889 ist der Betrag der Ofstzierspensionen von 11939 392 aus 14 972 627 M. gewachsen; die Zahl der militärischen Pensionäre, die Ende Juni 1834 80 690 betrug, war Ende Juni 1389 auf 40 139 gestiegen. Darunter befanden sich 62 Generäle der Infanterie und Kavallerie, 202 Generallieutenants, 220 Generalmajors, 464 Obersten, 497 Overstlieutenants, 1104 Majors, 1121 Hauptleute und Rittmeister, 68S Lieutenants und 397 Militärärzte. Inzwischen sind diese Ziffern noch sehr bedeutend gestiegen. Da,, der Rebellion der Zentrnmowähler legt folgende Notiz der„Neuen bayerischen Landcszeitung" ein sehr kräitige- Zeugniß ab, welches an die derbsten Artilel des Herrn Siegl vom„Bayerischen Vaterland" erinnert. Dort heißt es in einer Anrede an die Zentrumsabgeordneren; „Unsere Selbstständigkeit wird vernichtet, weil unser Wohl- ftand vernichtet wird. Preußen stellt immer größere An- orderungen, die Süddeutschen werden vollends ausgcsäckelt und auf solchem Wege dahin gebracht, daß sie sich auch wie die Bettelpreußen aus der Polactei und anderen Hunger- bezirken des Nordens nach den„Ferienkolonien" des Generals ff-j- Volzel v. Falckenstcin sehnen. Die Falken und Reicksgcier können es nicht mit ansehen, daß wir Bayern außer der Kaserne nudeldick und wurzelfetl geworden sind, darum entziehen sie uns mit lauter Steuern das tägliche Brot und sehen uns noch von unserem guten Wein und B,er ans den schlechtesten Fusel. Lange genug, viel zu lange haben wir Bayern uns alles bieten, unsere Beutel leeren, unsere Freiheit bedrucken, unsere Rechte kürzen, unsere Söhne schuhriegeln und vutzbretteln lassen, jetzt aber wird es uns endlich doch zu dumm! Der königlich preußische Hos- wadelstrümpsler und Kniehöselbaron Huene hatte sogar die Dreistigkeit, in der Dtilitärkonnnission über den namens der Bayern sein Nein begründenden Parteigenossen Dr. Orterer seine ärgerliche Verwunderung auszusprechen! Wach auf, mein Volk! Die Sturmtrompcten blasen! Auf zum Kampfe für unser gutes Recht, für unsere bayersche Existenz! Wenn Windthorst und die Zenlrumspreußen gute Kinder bei Hofe sein wollen, dann mögen sie in drei Teufelsnamen Arm in ülrm mit konservativen Krautjunkern, nationalliberalen Prositmichcln und anderen ReichSstiefcl- Putzern gegen den Gefammtwillen unseres katholischen Volkes stimmen. Unser Volk wird man dann nie inehr dazu bringen, die Bundesgenossenschaft der„schwarzen Husaren" zu loben, im Gegentheil, es wird ihr fluchen!" Znr Stimmung der Selgoliindcr. Die englische„Pall Mall Gazette" hatte aus eigene Kosten einen Abgesandten nach Helgoland geschickt, um die Gesinnung der dortigen Bevölkerung zu erforschen und ein förmliches Plebiszit hierüber zu veranstalten. Der damit betraute deutsch-englische Journalist hat seinen ersten Bericht eingesandt, welchen das Blatt heute veröffentlicht. Kaum ein Bewohner sei für den Anschluß an Deutschland. Der Einzige, welcher sich nicht unbedingt gegen einen solchen aussprach, sei An Gastwirth.(!!) Welch zarte Fürsorge die Aivilbchördcn an den Tag legen, damit in das Militär kein im Gerüche der Sozialdemokratie stehender Mann unerkannt und unentdeckt eingereiht werde» kann, das ist schon des Oeftereu durch die Presse der Opposttion an den Tag gebracht worden, indem dieselbe geheime Erlasse der Ministerialbehörden publizirte, in denen die Polizeibehörden an- gewiesen wurden, auf die Sozialdemokraten und auf die sozial- demokratische Versammlungen Besuchenden, welche zum Mililär- dienst verpflichtet sind, ein scharfes Auge zu haben. Die Fürsorge scheint neuerdings noch weiter ausgedehnt zu werden, wie nach- stehendes Aktenstück, welches kürzlich in einem Restaurant in Reutlingen gefunden wurde, beweist. Dasselbe lautet: Geheim. An das(Stadt-) Schultheißen-Amt. Unter Bezugnahme auf den heute ausgegebenen Erlaß betr. die Vorladung der Militärpflichtigen zur Aushebung wird das (Stadt-) Schultheißenamt angewiesen, sofort anzuzeigen, ob keiner der mit Rothstist angestrichenen Vorgeladenen als Agitator oder Anhänger der sozialdemakratischen Partei bekannt ist, bez>v. mit solchen in Berührung steht. Reutlingen, den Mai 1890, K. Oberamt: gez. Kauffmann. Au» der Rhcinpka!?, 23. Juni. Zur Reichstagskandidatur Bismarck im Wahlkreise Kaiserslautern-Kirchheimbolandeu kann der„Frkf. Ztg." ein Korrespondent berichten, daß ihm schon vor vier Wochen die bestimmte Mittheilung gemacht worden war, im Falle der Kassirnng der Wahl Mignel's werde rncht mehr dieser, sondern der frühere Reichskanzler als Kandidat ausgestellt werden. � zleber di» Wirkung drr klrinkalibrige» muß den Anhängern der Blut->ind Eiscupolitik doch das Herz im Leibe lachen. Haben wir erst vor wenigen Wochen anläßlich der Bergarbeiter-Uiiruhen in Nürschau erleben müssen, daß vcr- schiede»«„gutgesinnte" Organe mit wahrem Behagen meldeten, daß die Kugeln die Körper der getödteten Bergleute vollständig durchgeschlagen und ganz glatre Wundkanäle zurückgelassen hätten, so macht jetzt eine ähnliche Notiz die Stunde durch d,e Presse. Sie lautet: In der crzbischöflichen Stadt Kaloesn in Ungarn kam es an, Montag, wie schon kurz geineldet, zu blntigen Ereignissen anläßlich der Wahl des Stavtrichters. Gegen den bisherigen Stadtrichter, der bereits seit zwei Perioden arnlirt, ein Anhänger der liberalen Partei ist und der wohlhabenderen Klasse angehört, wurde em Gegenkandidat ailsgestellt, ivelcher zur äußersten Linken zählt und den bäuerlichen Kreisen entstammt. Es kam nun zu Gowaltthätigkeitcn zwischen den Anhängern bei- der Parteien, bei welcher Gelegenheit auch die Gendarmen mit Steinen beworfen wurden. Dieselben gaben hieraus eine Salve ab. 22 Gendarmen schössen ans einmal in die aufgeregte Menge. Die Wirkung war eine furcht- bare. Drei Exzedeuteu blieben todt an» Platze, acht wurden schwer verwundet, weil die Kugeln, nachdem sie einzelne durch- bohrt hatten, noch Andere verivnndeten. Ter Wahlakt wurde so- fort sistirt, und wurde telegraphisch Militär requirirt, worauf das 24. Jägerbataillon mittelst Seperatzuges ni Kolocsa eintraf. Erst nach der Vornahme einer Reihe von Verhaftungen konnte die Ruhe wieder hergestellt werden." Wie herrlich weit haben wir es doch schon gebracht!—. � �. Ueber eine» WahlnachKlnittz wird nus dem Kreise Filehne berichtet: Vor dem Schöffengericht zu Filehne wurde gestern gegen den Maurer Wilhelm Glaseinann. den Arbeiter Ewald Kienitz, die Musiker Hermann Devikon und August Cell aus Sekchoivhammer eine bemerkcnswerthe Anklagesache wegen gemeinschaftlichen Haussriedensbruchs verhandelt. Die vier An- geklagten sind am 20. Februar d. I. nach Abgabe ihrer Slimiuen im Wahllokal verblieben und haben sich ans die Ausfordening des Wahlvorstehers, Förster Böhne, nicht entfernt. Dieselben er klärten vor Gericht, daß sie ihre Stimmen für den freisinnige» Kandidaten, Rechrsanwalt Dr. Flatan in Berlin, abgegeben und gesehen hätten, wie der Wahlvorsteher auf den abgegebenen Zetteln ein Zeichen gemacht hat, bevor er sie in die Urne warf. Dieses ihrer Ansicht nach eine Beschränkung des geheimen Wahb rechts enthaltende Verfahren haben sie dein Wahlvorsteher vor- gehalten, worauf derselbe sie aufforderte, das Wahllokal zu ver lassen. Dem haben sie in dem Glauben nicht entsprochen, weil bei der Oessentlichkeit des Wahlakts der Wahlvorsteher nicht be rechtigt war, sie aus dem Wahllokal zu weisen, so lange sie sich dort ruhig verhielten. Zwei von den geladenen Zeugen be' schworen nun, daß der Wahlvorsteher verschiedene Wahlzettel mit einem Zeichen versehen habe. Der Gerichtshof erkannte ans Frei. sprechuug der Angeklagten, indem er dieselben unter den vor- liegende» Umständen für berechtigt erachtete, zur Kontrolirung des Wahlvorstehers im Wahllokal zu verbleiben.- Wie da. „B. T." hört, ist dieser Fall liebst 70 bis 80 ähnlichen Vor gängen zum Gegenstand eines Wahlprotestes gemacht wurden. Leipzig. Der..Wähler" schreibt: Die Kopflosigkcit der „Leipziger Zeitung" nimmt zu. Mit der Wuth, die em bekanntes Thier gegen die rothe Farbe hat, stürzt sie auf alles los, waS ihr sozialdemokratisch oder auch nnr demokratisch erscheint. Ihr wüthender Antisemitismus macht sie noch versessener und webe! wenn die unglückliche„Franks. Ztg." eine Mittheilung bringt, die der guten Leipziger Tante wiber den Strich geht. Die jüngst in der„Franks. Ztg." nach dein statistischen Handbuch geilmchten Angaben, daß„in Sachsen 78 pCt. aller Erwerbsfähigen nur über ein Einkonunen bis 950 M. verfügen", treiben der armen Tanre die Augen zum Kopse heraus, und wuthcntbrannl fällt sie über die— Juden her. Dabei wagt sie die unverfrorene Bc- hauptung aufzustelleii, daß„in Sachsen unter allen deutschen Staaten die günstigsten Erwerbsverhältniffe zu finden seien". Das ist nicht wahr. Zur besseren Illustration dieser Behaup- lung drucken wir hier noch einmal die von uns in Nr. 106 ge- brachte Notiz über staatliche Löhne ab:„Das Cheinnitzer Land- gericht sucht einen Lohnkopisten für 729.— 900 M. Salär; die Ober-Postdirektion zu Leipzig für das Postamt Ehcmnitz-Gablenz einen Landbriestrüger für 660 M., für das Äucrbacher Postamt einen Briefträger für 872 M., für die Postagentur Reifland bei Lengefeld einen Landbriesträger für 669 M. O wie schön ist'S in Deutschland und beiläufig auch in unserem engeren Vaterland Sachsen!" Und das Erzgebirge? Lerne Bater- laiidsknndc, liebe Tante! Und die Weberlöhne in der Ober- lansitz? Davon weiß die Glückliche nichts. Wahrscheinlich auch davon nichts, daß ihr Freund Ackermann in der letzten Landtags- session erklärte,„ein Einkommen unter 900 M. gewähre keine menschenivürdige Existenz". Demnach leben ca."79 pEt. alter Envcrbsfähigen in Sachsen menschenunwürdig. Allein, das rührt die Tante bei ihren Pfründen nicht. Bei den Fleischtöpfen Aegyptens wird wacker, veiter gepflunkert. Grojxbritannien. London, 30. Juni. Oberhaus. Lord Snlisbury erklärt auf Anfrage, es sei ihm Nichts davon bekannt, daß der Schatzkanzler Geldmittel besitze, um die Bewohner von Helgoland in anderen Theilen des Reiches anzusiedeln, er besitze auch leine Information darüber, daß eine solche Ansiedelung den Wünschen der Helga- lünder entsprechen würde. Ebensowenig sei ihm eine Nachricht darüber zugegangen, daß die Helgoländer mit der. Abtretung der Insel unzufrieden seien. Er sei überzeugt, daß die Deutschen Alles aufbieten würden, um die Helgoländer mit dem Abkommen zu versöhnen, welches überdies gewisse Bestimmungen zum Schutze ihrer Rechte enthalten werde. Der deutsch-englische Vertrag werde in wenigen Tagen unterzeichnet und nach der Unterzeichnung mit einer Bill dem Parlamente vorgelegt werden. Bis dahin sei jede weitere Erörterung über die Angelegenheit nicht erwünscht. London, 39. Juni. Die Staatseinkünfte Englands weisen für das letzte Vierteljahr eine Zunahme von niehr als 1 Million Pfund Sterling gegen das gleiche Quartal des Jahres 1889 aus. Leeds, 39. Juni. Infolge Streiks der Gasarbeiter trat heute Gasmangel ein, und mußte eine große Anzahl von Fabriken und Magazinen die Arbeit einstellen. Die Gasarbeiter haben die von den Gasgesellschaften gestellten Bedingungen abgelehnt. Es wird versucht, Arbeiter aus anderen Städten herbeizuziehen. London, 28. Juni. Der„Voss. Ztg." wird geschrieben? Durch hiesige Blätter ist ans Anlaß der Pariser Nihilistenver- hastungen die Aufmerksamkeit auf die hier lebenden russischen Flüchtlinge gelenkt worden, und man hat die Wohnung des i» Harrow on Hill lebenden Fürsten Peler Krapotkin als„nihili- siisches Hauptquartier in Europa" bezeichnet. Wenn es aber ein „nihilistisches Hauptquartier in Europa" geben sollte, sy wird man gut thun, es nicht hier zu suchen; denn die hier lebenden russischen Revolutionäre sind durchweg Sozialiste», welche mit den terroristischen Nihilisten ihrer großen Mehrheit nach nur sympathetisch verbunden sind. Man sammelte hier für die in Paris verhastctcn Genossen und ist bereit, dieselben in jeder Weise zu unterstützen. Da? ist dann aber auch Alles; denn man verspricht sich hier größere Erfolge von einer planmäßig und mit Umsicht betriebenen sozialistischen Propaganda als von terroristischen Unternehmungen, wobei der Wahrheit gemäß bemerkt werden muß, daß auch die meisten der in Paris Ver- hastetey wohl Sozialisten, aber keine Terroristen sind. Als hier kürzlich der sozialrevolutionäre Klub russifch-jüdischer Arbeiter in Berncr-Street, Whircchapel, das Fest seines fünfjährigen Bestehens beging, ivarnte der den Fürsten Krapotkm an Bedeutung weit übertreffende Verfasser bes„unterirdischen Rußland", „Stepniak", seine Zuhörerschaft sehr eindringlich, sich nicht durch den Nihilismus beirren, sondern nur von den Idealen des Sozia- lismus leiten z» lassen. Freilich Krapotkin und Tschaikoivcky (der geistig Bedeutendste unter den russischen Revolutionäre»), welche bei dieser Gelegenheit ebenfalls als Redner austraten, schlugen nicht denselben Toii an, aber auch sie sagten kein Wort zur Förderung der terroristischen Propaganda. Krapotkin seinerseits ist ein„kommunistischer Anarchist", indessen nicht von dem Schlage Akost'S oder Peukert'S. Er ist vielmehr ganz und gar ein Mann in der Studlrstybe, den man fast täglich hinter Hau, e» von Bücher» in der Bibliothek des britischen Museums milreffer kann. Sein Steckenpferd ist die Siaturivissenschast, und seine „kommunistisch-anarchistischen" Flugschrifteu und meist bei Ge- dcnkfeiern(Märztagc, Jahrestag ber in Chicago Hingerichteten Anarchisten n. s.>v.) gehaltenen Reden dienen ihm mehr als Gemüthserholung, denn als Bcthätiguiig etiier berufsniäßigen Agitation. Er ist persönlich ei» liebenswürdiger Mensch und hat für das ihm von jenem Zcitungsmenschen in seinem Garten er- richtete phantastische Laboratorium nur ein sreundlich-mitleidiges Lächeln gehabt. Kchwede»««d Norwegen. Christ lania, 30. Juni. Der„Storthmg" hat heute mit 73 gegen 39 Stimmen 299 990 Krone» für die Nordpol-Expeditio» deS Dr. Nansen bewilligt. FjoUrtttd. H» a g, 30. Juni. Die Regierung hat bei den Kammern ein Gesetz über die Militär-Dienslpflicht eingebracht. Nach dem- selben muß der Dienstpflicht persönlich genügt werden: nur wenn Brüder vorhanden sind, kann ei» Bruder dnrch den anderen vertreten»verde». Tic Dienstzeit soll in der Marine 6 Jahre, die- jenige im Heere 8 Jahre, und die sich daran anschließende Land- «ehr-Dieustpflicht 5 Jahre dauern. Auf dem Kriegsfuß wird die A'-mee 116 090 Mann, die Marine 3100 Mann zählen, da? Jahreskontingent für die Marine beträgt 690. für daS Heer j 5 700 Mann. Ausnahmen von Ableistung der persönlichen Dienstpsiicht sind für die Theologie Studireuden und die Geist- licke» vorgesehen. Tie dnrch das Gesetz herbeigeführte Erhöhung de- jährlichen Hceresbudgets ist ans J 322 000 Fl. veranschlagt. Spanien. Bei der Hartnäckigkeit, mit welcher die spanischen B e- Hörden beflissen sind, die öffentliche Meinung über das N m- sichgrcisen der Cholera im Unklare» zu erhallen, sind die Blätter auf Privatberichte angeivicsen, welche aus den durchseuchten Gegeitden eintrefsen. Aus denselben geht hervor, daß die Epideniie stetig in der Zunahme begriffen ist. Bon den traurigen Berivaltungszusländen in Spanien liegt»vicder ein Beispiel vor, welches auch ohne Kommentar eine deutliche Sprache redet. Bc- kanntlich hat die Regierung die Ausfuhr von Feldfrüchtcn, Obst u s.>v. aus der Eholerazone verboten. Trotzdem traf mm am Sonnabend aus den« am meisten von der Cholera heimgesuchten Gebiete von Gandia ein ganzer Transport solcher verbotenen Er- «eugnisse in Madrid ein.— Wie verlautet, erhielt die Polizei erst Kenntniß von den, Vorgang, als bereits der größte Theil der Ge- müse und des ObsteS in den Markthallen verkauft war. Bor- gestern Abend wurden hier in der Calle San Marcos— ob init dem vorstehenden Vorfall in Vcrbind»mg stehend, ist nicht festge- stellt- zwei Erkrankungen an einer, von den Aerzten als„ivahr- schcinlich Cholera" erklärten Krankheit tonstatirt. Der Gouverneur erließ ein Nundschrcibe» an sänimlliche Aerzte, ihm sofort jeden verdächtigen Fall anzumelden. In Balenzia sind gleichfalls mehrere stark verdächtige Erkrankungen vorgekommen. Amerika. Die Räuber, welcye vor einigen Tagen auf Euba einen Cisenbahnzug z»vischcn Agnacate und Sabanaderbole zur Entglci- snng zu bringen suchten, haben den Bctriebs-Direltor der Bahn schriftlich aufgefordert, ihnen 20 900 Doll. zu schicken, widrigen, falls sie damit fortfahren»vürden, Züge zur Entgleisung zu bringen. Einen anderen Bricf richteten die Räuber an die Behörden. Sie geben in demselben als Grund ihres Treibens ar» daß ihnen eine Begnadigung verweigert worden wäre, trotzem sie mehrere Male darum gebeten hätten. Die Schreiben find von dem Räuberhauptmann Manuel Garcia unterzeichnet. Es ist Militär abgesandt, uin der Banditen habhast zu werden. Vorfanttttluttgen. Do» den Takallardrikrr» und Arkriterinnrn, die sich im Konzertsaale der Brauerei„Friedrichshain" unter Vorsitz der Herren Butrey, Drescher und Dechend versammelt hatten, sprach am Montag der ReichstagS-Adg. Molkenbuhr. Es sei, so führte Redner aus, bei den Machthaber» immer noch die Meinung vorherrschend, dnfl die Beweg», ig unter den Ar- be tern ein Produkt gewissenloser Agitatoren sei. Die Erlebnisse der letzten 10 Jahre sollte die Kapitalisten aber eines besseren be- lehrt haben. Wohl seien einige„Agitatoren" durch das Sozialistengesetz»virthschastlich ruiuirt und unterdrückt worden. Die Beiveguug habe sich aber immer wieder erholt und sei mächtiger geworden, de»m je. Es müssen also andere Ursachen vorhanden sein. Und dennoch herrsche noch immer der Geist der Unter- drückmig, der Geist der Zeit Eduard III. von England, der die consph-»cy-lnws(Vers chwörungsgcs ehe) diktirte. Dieser Geist mache sich auch in dem„Slrbeiterschutz"-Gesetz breit, das mit mehr Recht ein Ausbeuteschutz- Gesetz genannt»verde» könnte. Das Koalitionsrecht und die Bewegungsfreiheit der Ar- beiter»verde durch den 8 125 fast illusorisch ge, nacht, der den Arbeiter mit den, Verdienst von 6 Wochen hastbar macht,»venn er seine Arbeit ohne Kündigung verläßt. Der Z 153 der neuen Vorlage bestrafe äußerst hart das Ausreizen zum Streiken. Man rechne da gleich»int Jahren von Gesäng>»iß. Aus dein Gesetz rede der Geist der Unterdrückung, der vor 500 Jahren vielleicht einige Berechtigung gehabt haben mag. Heute seien die Verhältnisse ganz andere. Sie seien nicht mehr stabil, wie früher. e Schwankungen deS Marktes seien bedeutende; Zeiten der wsperitnt»verde», immer schueller durch Zeiten der.Krisis ab- gelöst, die Tausende von Arbeitern aus ber Arbeit schleudern. Diese Reservearmee bilde Ausbeutertalente a»lS. Den» ein Kapitalist kann dem andern nur einen Vorspr»>ng abgeivinnen, wenn er mit billigen Arbeitskrästen arbeitet. Das Hauptbestreben der Kapitalisten ist deshalb, die Löhne zu reduziren. Auch in der Tabakbranchc seien die Löhne trotz der Bertheuerung der LebenS- »»ittel gewaltig gesunken. Nur die krasse Roth und der Aufschwung der Industrie habe die vielen Streiks in letzter Zeit ge- zeitigt. Nütze der Arbeiter die Konjunktur aus, mn höhere Löhne zu erringe», dann sei das unverschämt. Ziehe aber der Kapitalist 20 pCt.' Dividende und drücke die Löhne, dann ist das voll- berechtigt! Nur durch eine geschlossene Organisation könnten sich die Arbeiter gegen allzu große Zumuthungcn seitens des Kapitals»vehren und Zeiten der Prosperität aus- nutzen. Dadurch könne sich der Arbeiter, ebenso»vie d»lrch ein Arbeiterschutz-Gesetz, etwas besser stellen. Er ist aber dann noch immer im Nachtheil. Denn das Kapital konzentrirt sich und»vird immer mächtiger. Beiveis hierfür seien die Zustände in Neunkirchen, wo klönig Stinnn» herrsche; das Verbot des Lesens gcivisser Zeituugen»rnd der Hcirath. Gegen die Konzen- tration deS Kapitals gebe es keine Schranken und es wäre auch eine Thorheit, es zn thun. Gegen die Macht des Kapitals gebe es nur die Organisation sämmtlicher Arbeiter und Arbeiterinne». Wohl sei die Frau jetzt eine Konkurrentin des Mannes; aber auch der Man»»»verde von dein Kapitalisten ausgespielt, wen» die Arbeiterinnen höhere Löhne verlangen, dann lasse er einfach die Arbeit»vicder von Männern machen. Man habe sich nicht als Mann und Frau zu organisiren, sondern als Arbeitende, da die Bereinigung nur den Z,veck hat, einen höheren Preis für die Waare Arbeitskraft zu erringen. Doch die Organisation sei keine Wünschelruthe. Nur hier und da seien innerhalb der kapilalifti- scheu Gesellschaft Vortheile zu erreichen. Aber die kapitalistische Prduktio» sei im Zerfall. Ihre beiden Grundpfeiler, die pcrsön- liehe Freiheit der deide» Kontrahenten(Arbeiter und Kapilalift) »ind die freie Konkurrenz—»oankcn schon. Die individuelle Frei- heit beider Theile habe zmn Theil schon aufgehört und werde ganz aufhören. Beiveis: Neunlirchen. Die freie Konkurrenz»verde mil der Konzcntrirung des Kapitals beseitigt. Beiveis: DieRingeundTrusts, die keine Konkurrenz mehr kennen,»vie der Jute-Ring, der die g an z e Produktion für Amerika in Händen hat. Die heutige Produktionsweise arbeitet mit Macht ans die gesellschaftliche hin, die»vir erstreben. Bis dahin sei noch gute Weile. Die heulige »nittelalterliche Gesetzgebung muß einer iieuen modernen»veichen. Aber man will die'Arbeiter»virthschastlich nicht besser stellen, man»vill kein»vahres Arbeiter- Schutzgesetz einführen, weil da- durch die heimische Industrie auf den» Weltmarkt konkurrenz- unfähig gemacht»verde. Man denkt an den auswärtige» Markt, vergißt aber, daß durch ein solches Gesetz die heimischen Arbeiter kaufkräftig gemacht»verde». Man möge die Arbeiter nicht hin- der», sich bessere Arbeitsbedingungen zu erringen. Die organisirlen Kampfheere der Arbeiter»verde» größere Äbsatzgebiete erobern, als unsere Armeen in Afrika.(Lebhafter Beifall.) Die Ber- sammlung nah», von eiiier Diskussion Abstand und verpflichtete sich, der Organisation beizutreten, um dieselbe zu einer Macht gegen das Kapital zu gestalte». Herr Börner berichtet Hiera»»? über die Thätigkeit der Kommisston, »»»elche Statuten für eine Lokalorganisation ausarbeiten sollte. Die Statuten seien seistig. Redner empfiehlt aber, den Lokalvcrcin nicht zu gründen, da die hiesige Zatl telle des„Unterstühnng?- vereins" freigegeben sei. Die nächsten Redner ppichten dem bei. Folgende Resolution»vird einstimmig angenommen: „Die heutige öffentliche Versammlung der Tabakarbciter und -Arbeiterinnen Berliits»volle beschließen: 1. In'Anbetracht dessen, daß d,e Schließung resp. das Verbot der Zahlstelle des Unter- stütznngsvereins der Tabak-Arbeiter Deutschlands vom königlichen Berwaltllngsgcricht anfgehoben ist, nehmen die Tabakarbeiter und -Arbeiterinnen von der Gründung einer lokalen Fachorganisation Abstand»md treten mit allen gesetzlichen Mitteln für den weiteren Ausbau der hiesigen Zahlstelle ein. 2. Die in der letzten össec.t- lichen Versammlung im Königstadt- Kasino gewählte Statuten- Ko», Mission hat ihre Thätigkeit als solche einzustellen, bleibt aber als Kommission für öffentliche Angelegenheiten bis auf Weiteres bestehen. 3. Die Tabakarbeiter und-Arbeiterinnen verpflichte» fich, diese Kommission durch freiiviliige Beiträge in den Stand zu sehen, eine geregelte Agitation für die , ge Zahlstelle des Unterstützungsvereins der Tabakarbeiter Deutschlands durchführen zu können. 4. Die Kommission für öffentliche Angelegenheiten hat in jeder öffentlichen Tabakar- beiter-Versammlung Bericht zu erstatten und. sobald es verlangt wird, Rechnung zu legen. 5. Die Lohnüberwachungs-Kommission hat, sobald sie ihre Geschäfte geregelt, Rechnung zu legen und sich nach ertheilter Dccharge aufzulösen. G. Eine Revisionskom Mission ist zu wählen, welche die Abrechnungen sämmtlicher be stehenden Kommissionen zu prüfen und über den Befund in einer öffentlichen Tabakarbeiter- Versammlung Bericht zu erstatten hat Als Revisoren wurden die Kollegen Heerholtz, Dechend und H e r m. W e r n e r gewählt. Zum Schluß protestirt Kollege Otto energisch gegen die Aussäge eines gewissen Sauer, der lläumd.....■"ü""" gta wegen Verläumdung der Firma Loeser n. Wolfs, begangen in einer öffentlichen Tabakarbeiter-Versammlung, zu G Monaten Ge- fangmß verurlheilt wurde: Er(Sauer) sei von Otto zu diesen Anschuldigungen aufgeredet worden. Redner kennt diesen Sauer gar nicht. Des weiteren erneuert Redner die Anschuldigungen, die er gegen die Firma Loeser u. Wolfs in früheren Versamm- langen erhoben hatte. Er könne Alles beweisen. Die Firma werde ffch auch hüten, ihn zu verklagen. Uebrigens habe die ganze Bewegung doch für die Elbinger Arbeiter eine Lohn- erhöhnng bewirkt. Es sei wenigstens etwas erreicht worden. Die Freie Nereinigung der Galvaniseur- und Se- »uf»gen-ffrn hatte am 26. Juni eine ordentliche Gencral-Äer- sammlung mit folgender Tagesordnung einberufen: 1. Kassen- bericht, 2. Bericht der Revisoren, 3. Wahl eines Kassirers, 4. Wahl der Rechtsschutz-, 5. Wahl der Bibliothek-Kommission, G. Vortrag des Kollegen Knippel über den Nutzen der Vereint- gung, 7. Diskussion, Verschiedenes, Fragekasten. Nach Verlesung des Lkassenberichts und der Bericht der Revi- soren wurde dem stellvertretenden Kassirer Decharge ertheilt. Zum Kassirer wurde Kollege Polleschach gewählt. Hierdurch wurde die Wahl eines Beisitzers nothwendig und wurde hierzu Kollege Stachow gewählt. Von der Wahl der Bibliothek- und Rechtsschutz-Kommission wurde in Anbetracht der schwach besuchten Versammlung Abstand ge- nommen und nahm hierauf Koll. Knippel das Wort zu seinemVortrag über den Nutzen der Organisation. Redner führte zunächst die Aufgabe einer Organisation in Betreff besserer Arbeitsbedingungen an lind führte weiterhin aus, daß die meisten Arbeiter leider den großen Werth einer Organisation noch nicht begriffen haben und auch nichtzuschätzenwüßten, und gerade indieserBeziehungnochviel von den Herrn Unternehmern lernen müßten. Diese wüßten den Werth der Organisation besser zu würdigen, was sie schon dadurch beweisen, daß sie die Organisation der Arbeiter auf jede Art bekämpfen und sogar viele von ihnen den Arbeitern die Bedingung stellen, keiner Organisation anzugehören. Redner ermahnte die Kollegen, überall für die Organisation einzutreten, und zu erniög- lichen, daß die Organisation ihrer Aufgabe voll und ganz gerecht werden kann. Nach kurzer Diskusion wurde folgende Resolution angenoinmen: „Die heute in Feuerstein's Salon tagende Versammlung erklärt sich mit den Ausführungen des Herrn Referenten voll und ganz einverstanden und verpflichtet sich, mit allen et Kräften dahin zu wirken, daß möglichst alle Kollegen der Branche der Vereinigung beitreten." Unter Verschiedenes wurde zunächst ein vom Kollegen Bolz gestellter Antrag, einen seit dem 1. Mai arbeits- losen Kollegen eine Unterstützung nach Maßgabe der Kassen- Verhältnisse zukommen zu lassen, einstimmig angenommen. Auch wurde beschlossen, einen Sommcrnachts- Ball zu veranstalten, und ein Vergnügungskomitee hierzu gewählt. Nachdem hierauf einige Unterstützungsgesuche streikender Gewerkschaften erledigt waren, wurden die eingelaufenen Fragen beantwortet und schloß hierauf der Vorsitzende die von gutem Geist beseelte Versammlung. Der Sommernachtsball findet am IG. August, Abends 9 Uhr, in Sanssouci statt. An» IG. Juli findet wieder eine öffentliche Versammlung statt. In der GrtsverWnltnna Kerlin I» der Drechsler fand am 24. Juni eine Mitgliederversammlung bei Bolzmann, Ändreasstr. 2G, mit folgender Tagesordnung statt: 1.„Die Bil- dungsmittel des Volkes, wie sie sind und wie sie sein sollen. Referent Herr Schade. 2. Diskussion. 3. Wahl eines Streik- kassirers. 4. Verschiedenes und Fragekasten. Zum ersten Punkt erntete Herr Schade großen Beifall für seinen lehrreichen Vor- trag. In der Diskussion sprach noch Herr Rautenberg, welcher sich mit dem Referenten im vollkommenen Einverständrnß befand. Zum Streikkassirer wurde Kollege Jreigang gewählt. Unter Ver- schiedenes wurden noch einige Vemnsangelegenhetten erledigt. Mnfikverrin Edelweiß. Restaurant Liewald, Marlannenstr.*e. Aufnahme neuer MNalNder. Sonntag, den IZ. Juli, Tampfervartte nach See- schlöhchen. BilletS zu i M. 25 Pf. im VereinSlolal. Freunde willkommen. Theater. Mittwoch, den 2. Juli. Kerliner Theater. Brutus und Kol- latiuus. Friedrich-Wilhelinklädt. Theater. Der arme Jonathan. Wallner- Theater. Mamsell Ni- touche. Niktoria-Theater. Stanley inAfrika. Gstrnd- Theater. Heinrich Heine. Vorher: Eine vollkommene Frau. Kelleallianre- Theater. Der Nautilus. Dtoll's Theater. Der Troubadour. Kaufumuu's Uaristö. Große Epe- zialitäten-Vorstellung._ Hasenhaide Ausstellungs-Park. 16 Llugt-dsrena am dam Kitni-Lando. Tor" 7orsteattng tmd Produktion Ton klavdm. 4—9 Uhr Ahds. stündHoh. Englischer Garten. Direktion: C. Andress, Alcxauder- straße 27 c. Auftreten der Kostüm-Soubrette Fräul. Vermont. Auftreten des Gesangshumoristen Herrn «louas. Auftreten der Duettistinnen Geschwister de la Terra. Austreten des Tanzkomikers Herrn Schmidts. Auftreten der Jano-Tmppe. Anfang Wochentags 8 Uhr. Sonntags SVa Uhr. Entree Wochentags u. Sonntags 30 Pf.. bG Pf. und 75 Pf., im Vorverkauf 2G und 30 Pf. Der Garten ist an Vereine f. Sommer- s-stlichkeitenm.Spezialitäten-Vorstellung zu vergeben. Ütlllllificilieiit Buggenluagen am Moritzplatz. Täglich; Grosses Garten-Concert. Direktion A. zlödmaun. Dlenstag und Freitag: Walzer-Abend. 1�,11 frAp Wochentags 10 Pfg., „.„ SdBtt- und Festtags 25 Pfg. Bei ungünstiger Witterung in den unteren Restaurationsräumen. Großer Frühstücks- und Mittagstisch. Spezial-Ausschank von Patzenhofer Export-Bier, Seidel 15 Pf. Die oberen Säle bleiben bis auf Weiteres wegen Renovirung geschlossen. 041 F. MUllcr. Paffas- 1 Tr. 9 Uhr M. b. 10 Uhr Ab. Kaiser-Panorama. Hervorrag. Sehcnswürdigk. d. Residenz. Eine Manderung durch Zlom. 1. Zyklus Amerika, Kalifornien. Der Mond, fliegende Vögel ic. Eine Reise 20 Pf., Kind nur 10 Pf. Abonnement 1 M. i Spiegel und Polstcrwaarcn. Gr. Lager, bill. Preise. EliniI Heyn, Brunnenstraße 28, Hos parterre. Theilzahlung nach Uebereinkunst. i eigener Fabrik. Das gr. Lager Berlins ♦ Ändreasstr. 23. Nene Welt. Bergschlossbranerei, Haseuliaide, Heute, Mittwoch, i Nachm. ab: Concert u. Specialitäten-Vorstellung. Kinderfest"kSS? ein lebendes Schaf. Puppentheater. Stangenhlcitern. Wettrennen. Bonbonregen. Festang. (Sairtt 15 Pst.. flÄSÄI'Ä" l» Pst. Wchr- Ii. KriqS-Ftiimmrl. Erohernng v. Silwa,.unter Mitwirkung v. Negern, Matrosen, Arabern:c. Achtung Mtchauer! In der Werkstatt Reichenbergerstr. 57, sind Dlfferenzelk ausgebrochen. Zuzug fernzuhalten. 815 Handlungsgehilien! Handlungsgehilfinnen! Große öffentliche Versammlung am Mittwoch, de» 2. Inli er., Abends 8'/» Alhr, in GratveU's Bierhallen, Kommandantenstraße 77—79. Tages-Ordnung: 1. Die Sonntagsruhe der Kansleute und das Benehmen der Berliner Ortsvereine deutscher Kausleute in der Versammlung bei Keller. Referent: Herr Ileickstags-Abgeordneter Aug. Dreeshach-Mnnnheim. 2. Stellungnahme zur Zentral-Streik-Kontrolkommifsion. 3. Diskussion. 811 Die Herren Reichstags-Abgeordneten Dr. Witte, Dr. Hirsch, Roesicke, Goldschmidt und Dr. Pachnicke find hierzu eingeladen. _ Jeder hat Zutritt._ Der Einberufer. Große öffentliche Versammlung aller Kartonarbeiteriuuen und-Arbeiter am Uittwoch, den 2. Juli er., Abends 8 Ohr, 810 i» ,,Lrnerstei»'» Knlou", Alte Ialrobstraste SU*. 75, Tages-Ordnung: 1. Fabrikantenvereinigung und Arbeitervereinigung. Ref.: Koll. Thamm. 2. Diskussion. 3. Wahl von Revisoren zur Streikkasse. 4. Verschiedenes. _ Zahlreiches Erscheinen erwünscht_ Der Ginberufer. Generalveraammiung der Freltu VereiuigW der Lohlierber n. Lckl'Wtzter Verl. am Donnerstag, den 3. Inli. Abend» 8 Zlhr. in„Feindto Kolon", Wrinstraffe 11. TBKI Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Reichstags- Abgeordneten Schumacher. 2. Rechnungslegung vom 2. Quartal 1890. 8. Geschäftliche Mittheilungen. 4. Diskussion. 804]_ Der Uorstand. Soeben erschien: SS- 7a-»a Dr. W. Zirnrnemann's Größer MWer Vilmiikrieg. Jllustrirte Volksausgabe. Herausgegeben von Mitkeim Bios. Drei» pro Heft 20 Dfennig. Zu beziehen durch die Hxpeltttio«, Beuthotrasse 3. Wtederverkäuser erhalten Rabatt. 2sknsn-tliokv e�okkUnik, ekauLSköSirasLS 1a. Meine Poliklinik für Zahnleidende ist wochentiiglich von 8— 10 Uhr Vormittags, 12—1 Uhr Mittags, 4— G Uhr Nachmittags geöffnet. Kehandlung und Zahnziehen unentgeltlich. Für Plombe» und knnstl. Zähne werden dieselben Beträge berechnet wie im Universikäts-Jnstitut. 2054 Dr. Erich Richter, approbirter Zahnarzt. Echter Langen salzaer KantabaK, hergestellt nur aus besten llontuck�-Vahaken: zu Haben in den meisten Tabak- Handlungen Berlins und umliegenden Plätzen. 'Unsere Hauptmederlage Liraiancrstrasse 39 giebt zu Fabrlltpreifen ab. Lsdn. 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ZeM-Krankw W„Vuttltll"v>Uigen, was sich als nothwendig und nn- aufschlebbar und als Konsequenz der erhöhten Friedenspräsenz- ziffer ergeben hat, dagegen Forderungen abzusetzen resp. bis zum ordentlichen Etat zu verschiebe», welche mit der Militärvorlage nicht in Verbindung stehen und nicht dringlich sind. Demgemäß sind an den fortdauernden Ausgaben zunächst abgesetzt alle die- jenigeu Gehaltserhöhungen, welche bei dem Nachtragsetat für Beamtenbesoldungen abgelehnt worden sind. Ferner sind ab- gesetzt worden die Dienstpräminien für Nnteroffiziere, im Ganzen 2 Millionen Mark, wozu noch die Absetzung für die bayerische Quote kommt. Abg. Züchter: Ich will bei dieser Gelegenheit feststellen, was bezüglich der Tispositionsurlauber in der Kommission er- mittelt worden ist. Es ist festgestellt worden, daß 8000 Mann mehr als bisher beurlaubt werden sollen, dafür sollen aber ebensoviel neue Rekruten eingestellt werden, so daß die ganze Ersparniß sich beschränkt auf die Zeit der Rekrutenvakanz von etwa 4 Wochen, was �»e finanzielle Ersparniß von 108 000 M. bedeutet. Es handelt sich also wohl um eine persönliche Ersparniß, aber nur um eine minimale Ersparniß für den Volkshaushalt. Tie fortdauernden Ausgaben werden nach den Beschluffen der Kommission mit den oben erwähnten Abstrichen bewilligt. Unter den einmaligen Ausgaben des außerordentlichen Etats werden 10 305 000 Mark zur Vervollständigung des deut- fchen Eisenbahnnetzes im Interesse der Landesvertheidigung ver- langt. Die Kommission beantragt deren unveränderte Genehmigung. Allerdings war sie anfänglich geneigt, diese Position bis zum Herbst zu verschieben; es wurden aber von der Regierung ein- gehende Mittheilunaen über den Werth dieser strategischen Bahnen gemacht, welche sich durchweg der Oeffentlickkeit entziehen. Das Resultat war, daß die Kommission sich einstimmig für die Bewilligung dieser Position im jetzigen Nachtragsetat ausge- sprechen hat. Das Haus tritt diesem Beschlüsse bei. Im außerordentlichen Etat werden serner zur Ausbildung der Mannschaften des Beurlaubtenstandes der Infanterie und Jäger mit dem neuen Gewehr>1. 88. 9 915 000 M. gefordert. Die Kom- Mission hat sich auch hier für die Bewilligung entschieden, da ein Ausschub dieser Bewilligung bedenklich schien. Dagegen war sie der Meinung, daß es nicht korrekt sei, diese Summe auf die An- leihe zu übernehmen, sondern beschloß, sie auf die Viatrikular- beitrage anzuweisen, um so mehr als im zweiten Nachtragsetat für die Beamtenbesoldungen erhebliche Summen abgesetzt' sind, um welche sich die Matrikularbeiträge verringern. Der Referent behält sich vor, für die dritte Lesung einen Antrag vorzubereiten, durch welchen diese Summe in den ordentlichen Etat eingestellt werden soll. Tie Position wird bewilligt. Gestrichen werden 225 000 M. zur Errichtung eines neuen Remontedepots. Eine Reihe von neuen K a s e r n e n b a u t e n hat die Kom- Mission nicht für so dringlich gehalten, daß sie nicht bis zum ordent- lichen Etat verschoben werden können. Sie hat dagegen eine Pauschsumme in diesen Nachtragsetat eingestellt zur Ausarbeitung von Entwürfen. Sie wollte dabei kein Präjudiz für die eine oder andere der vorgeschlagenen Kasernenbauten übernehmen. Diese Pauschsumme im Betrage von im Ganzen 185 000 M. wird bewilligt. Ebenso wird die Forderung für die Weiterführung des unter- irdischen Kabels von Hof über Chemnitz nach Dresden, die nicht nur im strategischen, sondern auch im allgemeinen Verkehrs- interesse gestellt wird, bewilligt. Der Nachtragsetat balanzirt mit 83 Millionen Mark. Das Etats- und das dazu gehörige Anleihegesetz werden genehmigt. Es folgen W a h I p r ü f n n g e n. Tie Wahlen der Abgg. Schneider(Hamm, 7. Arnsberg), R a e i t h e l(I. Obersranke»), von Minnigerode(13. Han- nover), Beckmann(3. Münster), Haberland(4. Nieder- bayern), von N n r n h e- B o m st(3. Posen) werden ohne De- batte für giltig erklärt. Die Wahl des Abg. Virnich(4. Köln) beantragt die Wahlprüfungskommissiou gleichfalls für giltig zu erklären. Abg. Rickert(dfr.) bemerkt, daß eine Beschwerde des sozial- demokratischen Wahlkomitees für den Wahlkreis Bonn-Rheinbach darüber eingegangen sei, daß von dem Bürgermeister in Rhein- dach am 18. Februar sozialdemokratische Flugblätter angeblich widerrechtlich weggenommen und ihre Rückgabe erst am 21. April von der Polizeibehörde angeboten sei. Da es sich hier also um ein gesetzwidriges Verhalten der Behörden handele, hätte die Beschwerde, auch wenn sie ohne Einfluß auf das Wahlresultat sei, dem Reichskanzler zur Untersuchung überwiesen werden müssen. Berichterstatter Abg. v. Zitarqnavdkrn erklärt, daß es sich hier nur um einen ganz nebensächlichen Vorfall handele, und daß deshalb die Kommission der. Ansicht gewesen sei, daß der Be- schwerde keine weitere Folge zu geben sei. Abg. Uickert bleibt dabei, daß er zum Schutz der Wahlsreihcit den prinzipiellen Standpunkt festhalten müsse, daß auch solche Sachen zur Kenntnis! und Untersuchung der Behörden qe- bracht werden müssen, sobald es sich um eine Gesetzwidrigkeit handelt. Abg. v. Mnpqnard sr» meint, daß die Kommission doch ein gewisses Ermessen darüber haben müsse, ob ein solcher Vorgang von Einfluß auf die Wahl gewesen sei oder nicht. Abg. Kermes(dfr.) bemerkt, daß die Minorität der Wahl- prüfungs-Kommission auf dem Standpunkt des Abg. Rickert ge- standen hätte. Auch das Zentrum habe früher geschlossen in diesem Sinne gestimmt. Er hoffe, daß in Zukunft die Mit- glieder des Zentrums mehr als bisher diesen Standpunkt theilen würden. Abg. v. Steinrück(Zentr.) bemerkt, daß in diesem Falle die Minderheit in der Kommission sich aus den Freisinnigen und Sozialdemokraten zusammengesetzt habe, und bestreitet, daß das Zentrum jemals in der Kommission geschlossen gestimmt habe. Abg. Grobrr(Zentr.) meint, daß das Zentrum aus solchen Sachen keine Fraktionssache mache und auch nicht in der Kom- Mission Fraktionszwang in dieser Beziehung übe. Die anderen Parteien stimmten in der Kommission auch nicht geschlossen, des- halb solle man nicht aus einer Mücke einen Elephanten machen und auf das Zentrum losschlagen, wo keine Veranlassung dazu sei. Die Wahl des Abg. Virnich wird für giltig erklärt; des- gleichen ohne Debatte die Wahl der Abgg. Graf D önh off- Friedrich st ein(4. Königsberg), S ch m i d t- Elberfeld(1. Düsseldorf), Graf von der Decken(7. Hannover), Graf von der Schulend urg-Hehlen(11. Hannover), Uhlen- d o r f f lLippe), Hacke(2. Hannover), R a r k o w s k i(9. Königs- berg), Werner(1. Kassel), von Rozycki(3. Marienwerdcr), S a m h a m m e r(I. Sachsen-Wciniar). Bezüglich der Wahl des Abg. Pickenbach im 1. Hessen (Gießen-Grünbcrg-Nidda) beantragt die Kommission die B e a n- st a n d u u g und Erhebungen über mehrere Protestbehauptungen. Ein Antrag des Abg. B ö ck e l, die Wahl für giltig zu er- klären, findet nicht die genügende Unterstützung. Abg. Köckrl: Im Wahlkreise Gießen ist unserer Partei nicht gestaltet worden, ein freies Wort zu führen. In Lollar wurde eine Versrnninlung aufgelöst, als ich die Worte sprach: „Der Bauernstand ist das festeste, gesundeste Fundaments des Staates", und zwar auf Grund eines Gesetzes von 1819. Diese Auflösung mußte den weiteren Grund abgeben zum Verbot aller unserer späteren Versammlungen. Aber nicht bloß mit Auflösungen, auch mit Drohungen suchte man uns beizu- kommen. Bei dem geringsten Anlaß, sagten die Bürgermeister, würden sie unsere Versammlungen ausheben. Die Bürgermeister glaubten sich durch ihre Regierung gedeckt. Der Bürgermeister von Gießen versandte ein gedrucktes Zirkular an seine Kollegen in der Provinz, in welchen es ihnen dringend ans Herz gelegt wurde, ihren ganzen Einfluß für den Kandidaten Gutfleisch geltend zu machen. Das Zirkular ist besonders interessant, weil es uns einmal die freisinnige Presse von der Seite der Wahlbeeinflussung zeigt, und beiveist, daß wenn die Freisinnigen erst die Regierung haben würden, sie nicht toleranter sein würden, als die anderen Regierungen es bisher gewesen. Das Kreisblatt, der„Gießener Anzeiger", hat gehässige, persönlich beleidigende Artikel gegen uns gebracht und sich dabei geweigert, Berichtigungen aufzu- nehme». Der Bürgermeister eines kleinen Ortes wurde mit der Verlegung des Marktes von dort bedroht, wenn der Antisemit bei der Wahl durchkäme. Der Abgeordnete Gutfleisch hat nach seinem Siege in seiner Dank- sagung an die Wähler selbst erklärt, daß schwere Bedenken in Bezug auf die Anfechtbarkeit seiner Wahl vorlägen. Bei der zweiten Wahl wurde ein Mal eine Versammlung aufgelöst, weil der Abg. Zimmermann das Wort Jude gebraucht hat. Das Wort Jude ist doch im Deutschen Reiche noch nicht heilig und darf doch gebraucht werden. Eine andere Versammlung wurde aufgelöst, weil die Freisinnigen und Sozialdemokraten ungeheuren Tumult verübten, als ich einem Sozialdemokraten antworten wollte. Also nicht blos von unserer Seite, sondern auch seitens der Gegner ist gesündigt worden, und sie hätten allen Grund, an ihre eigene Brust zu schlagen. In einem Dorfe wurde unserer tartei von dem Führer der Freisinnigen gedroht, uns mit einer atte nieder zu schlagen. Juden drangen ein ander Mal in die Versammlung und bewarfen Pickenbach und Zimmermann mit Steine», Zimmermann wurde verletzt. Den Gipfel erreichte die freisinnige Agitation am Wahltage in Gießen selbst. In fieber- hafter Weise wurde agitirt. Chaisen wurden herum- geschickt, Krüppel und Lahme hineingesetzt und zur Wahl getragen.(Heiterkeit.) Selbst an der Kirche wurde ein freisinniges Plakat angeschlagen. Nachdem die Wahl zu unseren Gunsten entschieden war, nahmen die Freisinnigen eine so drohende Haltung an, daß die Polizei uns sagen ließ, wir sollten jjede Provokation vermeiden, sie sei, wenn ein Ueberfall erfolge, nicht in der Lage, uns zu schützen. Wir enthielten uns natürlich jeder Provokation(Heiterkeit), aber auf dem Wegenach dem Bahnhofe schleuderten die Leute Steine nach mir und nur mit Hilfe der Polizei wurden wir vor Messerstichen geschützt. Nach' meiner Abreise wurden zwei meiner Anhänger auf dem Heimwege hinter einer Selterbude auf das Signal eines Inden durch eine Rotte von 32 Strolchen angefallen. Der Jude rief: Schlagt ihn todt, den Hund! In einem Ort wurde von den Freisinnigen versucht, doppelte Stimmzettel abzugeben, in einem anderen wurden die antisemitischen Stimmzettel den Wählern abgenommen und dafür freisinnige ihnen in dieHand gedrückt; um das zu versüßen, wurdeBier und Schnaps gespendet. Wenn wirklich in sechs Ortschaften Wahlun- regelmäßigkeiten vorgekommen sind und 518 Stimmen abgezogen werden, so behält Pickenbach immer noch eine Mehrheit von 500 Stimmen. Der Bürgermeister von Bingenheim schreibt mir, daß er nicht in amtlicher Eigenschaft, sondern als Wahlmann die freisinnige Versammlung besucht und sie erst aufgelöst habe, als die erregte Stimmung der Versammlung dem Redner gefährlich zu werden drohte. Jene Versammlung war auch sehr schwach besucht, so daß sie auf die Wahl von keinem erheblichen Einfluß gewesen sein kann. Ich für meine Person verachte eine persön- liche Kampsweise(Lachen links); ich finde, daß die Protestler gar nichts bewiesen haben. Man beabfichtigt nur, in die Oeffentlich- kcit eine gewisse Beunruhigung hineinzutragen, als wenn Picken- dach nicht sicher wäre, daß seine Wahl in jedem Augenblick um- gestoßen werden könne. Meine Freunde werden gegen die Bcan- standnng stimmen. � Abg.©utfleifich(dfr.): Ich bestreite, daß von unseren hessischen Behörden irgend ein ungerechter Einfluß auf die Wah- len ausgeübt worden ist. Die Behörden haben selbstverständlich Besorgniß gehabt wegen der leidenschaftlichen Erregung im Wahl- kreise, aber sie haben dieser Besorgniß keinen ungesetzlichen Aus- druck gegeben. Es sind antisemitische-Versammlungen nicht des- halb aufgelöst worden, weil antisemitische Redner sie leiteten oder in ihnen sprechen wollten. Daß die Behörden sich ernstlich bekümmert haben, daß der Friede ausrecht erhalten werde, und daß Aufsichtsbeamte darauf achten müßten, im Falle von Exzessen die Versammlung aufzulösen, liegt doch auf der Hand. Ich gebe zu, daß bei der Wahl Pickenbach's ein paar Thätlichkeiten vor- gekommen sind. Wenn aber Herr Böckel die Richtigkeit der An- gaben des Wahlprotestes bestreitet und Beweise dasür verlangt, so wollen wir durch die Beanstandung der Wahl Gelegenheit geben, daß diese Beweise erbracht werden. Uebrigens scheint Herr Bocket selbst an die Giltigkeitserklärung der Wahl nicht geglaubt zu haben; denn in seinem„Reichsherold" hat er dazu aufgefordert, daß man denjenigen, welche den Wahlprotest unterzeichnet haben, die Kundschaft entziehe.(Beifall links.) Abg. Uickcrt(dfr.): Herr Böckel hat seine Verachtung ausgesprochen gegen Diejenigen, welche die Personen in de» Kampf ziehen. Mit welchen Waffen aber die Antisemiten arbeiten und in diesen» Wahlkreise gearbeitet haben, beweist ein illustrirtes Flugblatt, welches in diesem Kreise verbreitet worden ist und welches eine lange Proskriptionsliste von 83 angeblich jüdischen Güter- schlächtern.(Zuruf bei den Antisemiten: Thatsachen!) und einigen 90 Bauern enthält, die angeblich von Haus und Hof getrieben sind.(Zuruf bei den Antisemiten: Thatsachen!) Es heißt dann weiter, nn Kreise Gelnhausen seien nach amtlichen Ermittelungen in acht Jahren nahezu 400 Bauerngüter von Juden ausgeschlachtet worden. Sie werden zugeben, daß diese Proskriptionsliste sich gegen Personen richtet und geeignet ist, Haß und Erbitterung in weiten.Kreisen hervorzurufen. In verhältnißmäßig kurzer Zeit ist von einigen Männern festgestellt worden, daß in diesen Wuchererlisten 14 doppelt genannt sind und 3 Christen sind. Bei 30 von 52 Fällen ist heute bereits durch amtliche Be- scheinigung und durch Akten gerichtlich nachgewiesen, daß die gehässigen Behauptungen dieses gemeinen und erbarm- lichen Flugblattes vollständig aus der Luft gegriffen sind.(Redner zitirt einige Spezialfälle.) Von den Bauern sind 44, soweit bis jetzt ermittelt, mcht durch jüdische Güterschlächter aus ihrem Erbe vertrieben. Ein Theil der Bauern existirt überhaupt nicht(Heiterkeit), und der andere lebt noch heute nnausgeschlachtet und ungestört auf seinem Gut. Diejenigen, die mit solchen Waffen arbeiten, sollen sich hier nicht als unschuldig Verfolgte hinstellen. Ich halte es für die Pflicht aller Parteien, zum Wohle des Vaterlandes gegen dieses Unwesen mit ganzer Kraft aufzutreten(Beifall links.) Abg. Köckel: Es sind in der That zahlreiche Versamm- langen der Antisemiten ohne Grund aufgelöst worden. Oder ist das etwa ein Unfug, wenn in einer Versammlung das Wort Jude fällt? Der Name Jude ist in Deutschland nicht ein Tabu, vor dem man auf die Knie fällt. Ueber die Regierung darf man schimpfen, über die Juden nicht. Es geht bei uns sehr ruhig zu (Lachen links), die Ruhestörungen gehen von fremden Störenfrieden aus. Die Freisinnigen haben keine Ursache, sich über unanständige Form unsererseits zu beklagen, die Nationalliberalen wissen davon ein Lied zu singen, wie sie von den Freisinnigen behandelt wor- den sind. In einem freisinnigen Flugblatte hieß es, die national- liberale Fahne könne nicht mehr beschmutzt werden, wie sie schon beschmutzt worden wäre. Wenn man sagt, daß die Form der antlsenntischen Agitation nachtheilig gewirkt habe, so verwechselt man Wirkung und Ursache. Hat etiva die Thütigkeit der Juden zivilisatorisch auf das Volk eingewirkt? Lange vor der anti- semitischen Bewegung wurde ein jüdischer Wucherer und seine Frau von einem Bauern, den er von Haus und Hof vertrieben hatte, ermordet: Fragen Sie die Herren Juden, ob dieser Mord nicht passirt ist. Die Juden haben gezittert, weil ihnen das Gewissen schlug. In der Gerichtsverhandlung brachte das über die Juden erbitterte Volk dem Bauern Ovationen dar. Seitdem wir die Bewegung leiten, ist so etwas nicht vorgekommen. Wenn der Abg. Gutfleisch gemeint hat, daß ich an die Giltigkeits- erklärung nicht geglaubt habe, weil ich die Bewohner des dortigen Wahlkreises zum Boykott aufgefordert habe, so erwidre ich ihm, daß wir nur Nothwehr gebraucht haben, denn unmittelbar nach den Wahlen unseresKollegen wurden die Händler von unseren Gegnern fortgetrieben mit den« Rufe: Wir brauchen keine antisemitischen Eier. Herr Rickert hat von einer ProskriptionZliste gesprochen. Es ist nur wunderbar, daß Niemand von diesen Güterschlächtern wegen der Veröffentlichung dieser Liste eine Klage erhoben hat. Die angeblich Gekränkten hätten doch dazu alle Veranlassung gehabt. Man hat hier von antisemitischen Hetzblättern gesprochen. In einem freisinnigen Flugblatt hieß es. Alles wäre besteuert, nur das Grab frei. Ich hätte nur den Wunsch, daß in diesem zoll- freien Grab alle Freisinnigen sich begraben ließen. Abg. Lirberman» v. Sonnrnberg(Antisemit): Was der Abg. Rickert gegen die lange Liste vorgebracht hat, sind nichts als Behauptungen, für die ein Beweis nicht erbracht ist. Die Frei- sinnigen dürfen doch nicht den Anspruch erheben, daß man solchen Behauptungen gleich den Werth des Beweises beilegt. Herr Rickert hat uns eine Reihe von Namen genannt, von denen feststehen soll, daß die gen, achten Angaben nicht zutreffen. Diese Namen sind bereits acht Jahre lang durch die Presse gegangen und vor drei Jahren bei der Wahl zum ersten Mal in Form dieser„Pro- skriptionsliste"— ich will nicht sagen, wie die Bauern es nennen— zusammengestellt worden. Die Behauptung, die der Abg. Rickert unvorsichtiger Weise mit vorgelesen hat, daß im Kreise Geln- hausen in acht Jahren 400 Güter ausgeschlachtet sind, befindet sich in dem Bericht der Kommission zur Untersuchung des Wuchers auf dein Lande, ist also amtlich festgestellt. Ich weiß nicht, ob Herr Rickert wirklich selbst meint, daß die Mehrzahl der Güter- ausschlüchter Christen— wir würden„Deutsche" sagen— und nicht Juden sind. Herr Rickert mag nur nach Hessen reisen, ich will ihn gern begleiten(Heiterkeit) und ihm den Gegenbeweis liefern. Herr Rickert hat gemeint, hier wieder seine ungeheure Freundlichkeit für die Juden beweisen zu müssen. Es ist ja That- fache, daß der Ausdruck„Jude" für Sie immer ein Alarmsignal ist. Mir fällt da ein, was uns Major Liebert von den Arabern erzählte, wie diese über die Wißmann'sche Schutztruppe nrtheilen: „Sie setzen sich Hörner auf wie ein Büffel, brüllen wie ein Büffel, nehmen den Kopf zwischen die Beine und stürmen an." Das tortimn comparationis liegt in dem ungeheuren Elan, die manche Schutztruppe und hier die Schutztruppe des Judenthums an den Tag legt, wenn das Allarmsignal„Jude" ertönt.(Heiter- keit.) Wir werden dem Abg. Rickert sehr dankbar sein, wenn er nns neues Material beibringt. Sie sind es ja immer, welche die Judendebatten ins Haus bringen. Wir freuen uns darauf, und Sie sind uns noch mehrere schuldig. Sie wollten ja Anträge auf eine Reichsexekution gegen Sachsen zur gewaltsamen Einführung lüdischer Referendare und auf Zulassung der Juden in das Offizirkorps stellen. Wir warten darauf. Will Herr Rickert mit unS ein Tänzchen wagen, möge er's sagen, wir spielen ihm auf. (Große Heiterkeit und Beifall rechts.) Darauf wird der Kommissionsantrag angenommen. Die Wahl des Abg. H o l tz(Rp.), Vertreters des S. Marien- werder Wahlkreises, wird ebenfalls beanstandet. Außerdem beschließt das Haus dem Antrage der vierten Ab- theumig gemäß, mehrere Unregelmäßigkeiten bei den letzten Reichstagswahlen(Nichtuntcrzcichnnng der Wahllisten durch den Wahlvorstand, Ungiltigkeitserklärung von Wahlzetteln ohne An- gäbe der Gründe ze.) und den Umstand, daß im 1. Wahlkreise des Regierungsbezirks Königsberg die Annahmeerklärung des Abg. Graf Moltke den Hauptakten statt im Original nur in be- glaubigter Abschrift beigefügt ist— ein Mangel, der wohl daraus zu erklären ,st, daß ein Autographensammler das Manuskript des verehrten Feldmarschalls an sich genommen hat(Heiter- keit),— der preußischen Regierung zur Kenntniß zu bringen, damit ,n Zukunft derartigen Vorkommnissen vorgebeugt werde Schluß 4'V-i Uhr. Nächste Sitzung" Mittwoch 10 Uhr. (Dritte Lesung der Samoa-Vorlage, weitere Berathung des An- träges wegen des Nationaldenkmals für Kaiser Wilhelm I. Rechnungsvorlagen und dritte Lesung des dritten Nachtrags-' Etats.) einmal an der Arbeit, also möge man etwas Durchgreifeildes schaffen und nicht durch übermäßige Frauen- und Kinderarbeit die Volkskraft ruiniren. Dr. Hirsch ist ebenfalls für die Streichung der Spinnereien. Er weist aus dem Bericht des badischen Fabrikhlspektors nach, daß die Arbeit in diesen Fabriken denn doch keine so leichte sei, wie sie der Regierungsvcrireter hingestellt hat. Auch den Aus- führungen Grillenbergers über die Ziegeleien stimmt er bei. Herr v. K l e i st- R e tz o w nimmt die Ziegeleien in Schutz. Die Arbeit finde„in Gottes freier Natur" statt, auch sei das Ab- tragen von Ziegeln keine schwere Arbeit! Ober-Reg.-Rath Königs bemerkt, die Bestimmung über die Ziegeleien betreffe hauptsächlich die Feldzicgeleien, welche bis jetzt als Fabriken nicht gegolten haben. In denselben sei die Arbeits- zeit eine ganz unbeschränkte gewesen, von Sonnenausgang bis tief in die Nacht, da sei es zu hart, auf einmal einen allzu großen Schritt zu thun. An der Debatte betheiligen sich weiter von Stumm und Möller, welch letzterer seine„weitergehenden Wünsche" zurück- zieht, da er aus dem Gang der Diskussion ersehen, daß sie keine Aussicht auf Annahme haben, dagegen plaidirt er„im Interesse der Lippe- Detmolder Arbeiter" entschieden für die 69 Stunden in den Ziegeleien. Dr. Lieber beanttagt für letztere 64 Stunden. Bei der Abstimmung werden die Spinnereien mit allen gegen die Stimmen Stumm, Hartmann und Klemm-Sachsen (kons.) g e st r i ch e n, die Anträge Stumm und Hitze abgelehnt, der Antrag Lieber(64 statt 69 für Ziegeleien) angenommen, ebenso der Unteranttag Kleist, daß die Nachtarbeit 10 Stunden nicht überschreiten darf, und darauf der ganze Absatz in folgender Fassung angenommen: „Für Fabriken, welche mit ununterbrochenem Feuer be- trieben werden, oder welche sonst durch die Art des Be- ttiebes auf eine regelmäßige Tag- und Nachtarbeit angewiesen sind, sowie für solche Fabriken und W erkstätte.n, deren Betrieb eine Eintheilung in regelmäßige Arbeitsschichten von gleicher Dauer nicht gestattet, oder seiner Natur nach auf bestimmte Jahreszeiten beschränkt ist, Ausnahmen von den in 135. Absatz 2—4, 136, 137. Absatz 1—3, vorgesehenen Be- stimnuingen nachzulassen. Jedoch darf in solchen Fällen die Arbeitszeit für Kinder die Dauer von 36, für Arbeiterinnen über 16 Jahren von 64, für junge Leute die Dauer von 60, in Ziege- leien von 64 Stunden wöchentlich, bei Nachtzeit 10 Stunden nicht überschreiten, und sind zwischen diesen Arbeitsstunden Pausen von zusammen mindestens 1 Stunde zu gewähren." Zum Absatz 4 des§ 139a beantragt W öllrner, denselben, der nach der Regierungsvorlage nur bestimmt, daß die Beschlüsse des Bundesraths durch das Reichsgesetz- Blatt zu veröffentlichen sind, wie folgt zu fassen:„Die durch Beschluß des Bundesraths getroffenen Bestimmungen sind dem nächsten Reichstag vorzulegen. Sie sind außer Kraft zu setzen, wenn der Reichstag dies ver- langt." Nach kurzer Debatte und einer ablehnenden Erklärung des Handelsministers wird der Antrag Wöllrner mit 11 Stimmen gegen die freisinnigen, sozialdemokratischen und die Stimmen Lieber und Stützet abgelehnt und die Regierungsfassung an- genommen mit dem Zusätze Hitze, wonach dem Reichstag die Beschlüsse bei seinem nächsten Zusammentritt vorzulegen sind. Der ganze 6j 139a wird mit 12 gegen 9 Stimmen angenommen. Schluß der Sitzung um halb 1 Uhr. Die nächste Sitzung findet statt am Mittwoch, den 6. No- vember, Vormittags 11 Uhr. Die bis jetzt gefaßten Beschlüsse werden zusammengestellt und den Mitgliedern gedruckt zugeschickt. Hto&Älles. 16. Sitzmtg der Arveiterschutz- Kommisston. _. Verlin, 1. Juli. Die„Feriensiimmung", die sich gestern im Plenum schon ganz bedenknch bemerkbar gemacht, warf heute ihre Schatten auch auf die Gewerbeordnungs-Kommission. Eine halbe Stunde nach der festgesetzten Zeit war gerade die beschlußfähige Zahl(15) der Mitglieder anwesend. Die Berathung wird bei tz 139a Abs. 3 wieder aufgenoinmen. Den Wortlaut desselben haben wir schon mitgetheilt. Es liegen eine Anzahl Anträge vor, welche zum Thea darauf hinauslaufen, die Spinnereien aus dein Absatz zu streichen, d. h. die darin für dieselben vorgesehene Vergünsti- gung, die Arbeitszeit jugendlicher Arbeiter auf wöchentlich 64 Stunden erhöhen zu dürfen, nicht zu genehmigen: dagegen beantragt Möller(natl.) eine Erhöhung der Stundenzahl auf 66 pro Woche! In der Diskussion erklärt sich v. Kleist- Retzow entschieden gegen dieses Älusbeutungsprivilegium für die Baumwollkönige, Möller plaidirt für die 66 Stunden, da der„Sprung" von 72 Stunden— so lange sei. z. B. thatsächlich die Arbeitszelt in den meisten Spinnereien— auf 64 zu groß sei; ihm sei sogar ein Fall bekannt, wo die Arbeiter gegen die Verkürzung der Arbeitszeit petitionirt hätten. Merkwürdiger Weise erklärt sich Herr Möller für das von ihm gegenüber den Sozialdemokraten so lebhaft bekämpfte System der staffelweisen Abkürzung: jetzt 66, nach ein paar Jahren 64 u. s. w. Als ein solches(Stappeilsystem sozialistischer Seits für den allgemeinen Normalarbeitstag verlangt wurde, konnte man es gar nicht genug als„utopistisch" und undurchführbar bezeichnen. N u n hat man zwar nichts dagegen, daß die tägliche Arbeitszeit für Frauen mit 10 Stunden ausrecht erhalten bleibt, will aber dann für die Ausnahmefälle, die dem Bundesrath zur Entscheidung überlassen bleiben sollen, allerdings die Festhaltung an den 64 Stunden haben.* Abg. Grillenberger erklärt Namens seiner Freunde, daß sie nicht blos die Vergünstigungen für die Spinnereien, die meist erheblich höhere Dividenden bezahlen als andere Branchen, denen solche Privilegien nicht eingeräumt sind, nicht bewilligen könnten, sondern auch nicht für die Ziegeleien, in denen man die Arbeitszeit für junge Leute gar auf 69 Stunden festsetzen will. Höchstens könnten sie sich dazu herbeilassen, dem Bundcsrath die Vcsugniß zur Ertheilung beschränkter Ausnahme- bestininiungeil einzuräumen für solche Fabriken, welche durch die ganze Art des Betriebes gezwungen sind, regelmüßige Tag- und Nachtarbeit durchzuführe». Die Arbeiter Teutschlands seien von den seitherigen Leistungen der Kommission ohnehin nicht erbaut, sie fänden die Beschlüsse schwächlich, nicht weitgehend genug; man solle daher die ohnehin so mageren Schutzbestiin- mungen nicht noch durch so zahlreiche und weitgehende Ausnah men durchlöchern. Ober-Reg.-Rath Königs sucht aus verschiedenen Handels- kammerberichten nachzuweise», daß die Lage der Spinnereien eine solche sei, daß sie derartiger Ausnahmen z. Z. nicht entbehren könnten. Er bittet um unveränderte Annahme der Rcgierungs- vorsage. S ch m i d t- Elberfeld wendet sich gegen Möller, der das merkwürdige Argument aufgestellt hat, nnt Rücksicht au schlecht eingerichtete Fabriken müsse die lange Arbeitszeit aufrecht erhasten werden. Das Umgekehrte sei richtig! gerade durch kürzere Arbeitszeit müßten die Fabrikanten gezivungen werden, bessere technische Einrichtungen zu treffen. Dadurch werde die Industrie nicht geschädigt, sondern es werde ihr genützt; geschädigt werden vorübergehend nur einzelne Personen, die nicht vorwärts wollen. Man sollte doch nicht immer sagen, jetzt könne man nicht vorgehen. Die immer vorgeführte eng tische Konkurrenz sei nicht so arg, das bewiesen die hohen Dividenden der Spinnereien. Jetzt sei man Eine Episode an» den» Jahr« 18-48 verdient wieder hervorgehoben zu werden. In Potsdam fanden, wie allerwärtS in diesem Jahre, unter freiem Himmel Volksversammlungen statt und zivar in dem sog. Schrägen ani Bornstedter Feld, wo meist der kürzlich verstorbene Ottensoßer und Max Dortu Ansprachen hielten. Die Mannschaften des Garde- Kürassier- Regimentes ympathisirten damals sehr mit den Volksbestrebungen, während die Gardes du Corps konservativ gesinnt waren. In einer eines Sonntags zwischen Ostern und Pfingsten stattfindenden Versamm- lung im Schrägen kam es nun zu Reibereien zwischen Mann- 'chasten der beiden Regimenter, welche am nächsten Tage fort- esetzt wurden und zwar in einer Versammlung, welche in, taisersaal in der Kaiserstraße zu Potsdam, da, wo sich jetzt die Oswald Nier'sche Filiale befindet. Ein früherer Artillerieoffizier hielt dort einen Vortrag, zu dem sich auch viele Kürassiere ein- gesunden hatten. Plötzlich erschienen nun, unter Anführung des Wachtmeisters Mendt, eine große Anzahl Gardes du Corps, ivelche ämmtlich mit Scheinelbeinen bewaffnet waren, die sie zuvor in zer Kaserne aus ihren Schemeln heransgeschlagen hatten. Damit 'chlugen sie auf die gänzlich wehrlose Menge ein und es entstand eine große Schlägerei, durch welche die Volksversammlung ge- prengl wurde; der Bortragende mußte sich, weil er sehr bedroht ivurde, in einem Kaniin verstecken. Inzwischen war aber in Potsdam die Alarmtrommel gerührt, die Bürgerivehr trat zu ämmen und arretirte die Gardes du Corps, welche nach der Schloßwache gebracht wurden. Dort ließ man aber die Leute, ivelche man durch das Fortiinaportal hereingebracht hatte, durch das Portal in der Humboldtstraße wieder lausen, bis dies bemerkt ivurde, woraufhin die Gardes du Corps nach dem Rathhaus ge- bracht wurden. Im Arrestlokal lagen später die Schemelbeine aufgeschichtet und zwar ctiva iil Höhe eines Haufens Holz. In Potsdam wurde infolge dieses Vorganges darum petitionirt, daß die Gardes du Corps verlegt würden, andererseits aber von einem Posainentier Schulz eine Gegenpetition ins Werk gesetzt, die auch Erfolg hatte. Der Berliner Volkswitz bemächtigte sich sofort dieser Affäre. Es erschien ein Flugblatt, auf dem zwei verkehrt auf Eseln sitzende Gardes dil Corps abgebildet waren und das den Titel führte:„Die Potsdam'schen Schenimelbeen-Helden, jenannt vardelohrs. Sie reiten hier sehr schöu Parade, doch is et um die Esels schade. Een kleener Anhang zu den Armeebesehl von Aujust Buddelmeyer, Dages-Schriftsteller mit'n jroßen Bart." parlamentarischeo Zukunftsbild. Das Hamburger „Fremdenblatt" ist in der Lage, einen Sitzungsbericht des Reichs- tags vom 28. Juni 1900 über die zweite Berathung einer Militärvorlage der Zukunft schon jetzt, wie folgt, rnitzu- theilen: Kriegs niinister Graf Wißmann von Baga- moyo: Meine Herren! Nicht ohne eine gewisse Beklommenheit nehme ich das Wort, um Ihnen die Annahme der neuen Militär- vorläge ans Herz zu lege». Wo aber die dringende Nothwendig- keit gebieterisch spricht, muß jedes Bedenken zurücktreten. Nach- dein Frankreich die Präsenzstärke seines Heeres gewaltig erhöht hat, müssen auch Sie der Vorlage zustimmen, falls Sie das Reich den Feinden nicht überantiv orten wollen. Uebrigens sind die Klagen hinsichtlich der neuen Last doch weit übertrieben. Die Präsenzstärke unseres Heeres ist in den letzten 10 Jahren von etwa einer halben Million aus 1 359 000 gestiegen. Meine Herren! Was kommt denn schließlich darauf an, ob wir noch 141000 mehr fordern, um auf die runde Zahl von 1 500 000 zu kommen. Ich appellire an Ihr patriotisches Gemüth; bewilligen Sie die Vorlage, es wird gewiß an Sie so leicht keine neue Forderung gestellt werden.(Lebhaftes Bravo rechts und bei den Slationallibcralen). W i n d t h o r st: Meine Herren! Tie neue Forderung ist doch wirklich unerhört. Ich weiß nicht, woher der Herr Kriegs- minister den Muth nimmt, uns damit zu kommen.(Sehr wahr bei den, Zentriim und auch der Linken, Zischen rechts). Zumal die Bildung der acht neuen Fralien-Regiineuter finde ich geradezu empörend(Psui! rechts, lebhafter Beifall links). Meine Herren! Da es einmal nicht anders geht, so werde ich der Vorlage zui stimmen, natürlich nur unter der Bedingung, daß meine Rp solution, die ich Ihnen vorlegen werde und die sich feimere Militärsorderungen verbittet, angenommen werde.(Sürmischer Beifall rechts. Zischen links.) Abg. Richter: M. H.! Sie sehen, wohin wir gekommen sind, aber es ist unabsehbar, wohin wir noch kommen werden. Ich habe Sie gewarnt, Sie sehen, daß ich Recht gehabt habe. Neber Herrns Windthorst wundere ich mich gar nicht. Er hat ja auch vor zw« Jahren erst die damalige Vorlage verdammt und schließlich doch jeden Groschen und jedes Weib bewilligt. M. H.! die Forderung der zweijährigen Dienstzeit ist uns zwar bewilligt; aber unter welchen Bedingungen! Betrachten Sie einmal das Leben eines jetzigen Reichsbürgers! Im fünften Jahre wird er in der Stamm- rolle eingetragen. Vom 5. bis zum 14. Jahre muß er täglich zwei Stunden cxcrziren. Vom 14. bis zum 17. Jahre muß er täglich 2V2 Stunden Griffe machen, schießen und alle übrigen militärischen Exerzitien ausführen. Muß da nicht die geistige Bildung verkümmern? Aehnlich ist es mit den Mädchen. Früher hieß es: Ehret die Frauen, sie flechten und weben:c.; jetzt variirt man: Fürchtet die Frauen, sie fechten zc. M. H.! Wir wollen den Regierungen entgegen kommen und die Vorlage an- nehmen, aber nur unter der Bedingung, daß die Militärpflicht des weiblichen Geschlechtes wieder aufgehoben wird. Militärbevollmächtigter General Vogel von Falken st ein: Meine Herren: Die Frauen-Regimenter! sind uns unentbehrlich: so lange Frankreich an den seinigen- festhält. Unsere Grenznachbaren haben sich in Tahomey überzeugt, daß die Frauen für den Kriegsdienst ganz be- sonders geeignet sind, und uns selbst haben ja die Aniazonen, die sich vor zehn Jahren zuerst in Hamburg produzirten, den Beweis geliefert, daß das weibliche Geschlecht tüchtige Soldaten abgeben! kann. Die Erfahrung hat uns nicht getäuscht. Jedenfalls, meine Herren, sind sie für die Vertheidigung der Festungen vollkommen hinreichend, und sie machen es mir möglich, im Falle eines Krieges sofort 12 Millionen Mann an die Grenze zu schicken Uebrigens fühlen sich die Soldatinnen in der Kaserne sehr wohl. Während die Fabrikarbeiterinnen meist hungrig und kränklich aussehen, blühen die jungen Mädchen in der Kaserne wie die Rosen, Dank der Bewegliiig im Freien und der brillanten Ver- pflegung. Nachdem die Vorlage noch von Bennigsen empfohlen worden ist, wird sie angenommen. Ebenso wird die Resolutton Windt- horst's: die Regierung möge in Betracht ziehen, ob es nicht gut sei, in den nächsten sechs Atonalen keine neue Vermehrung der Präsenzstärke zu fordern, angenomme». Gegen Vorlage und Re- solution stimmen 109 Freisinnige, 73 Sozialdemokraten und 5 Wilde, darunter Meyer-Helgoland. Ueber rinenIEisenbahnnttfall, der sich am letzten Sonn- abend Nachmittag auf Bahnhof Westend zugetragen hat, berichtet die„Neue Zeit:" An einem Stadtdahnzuge versagte beim Ein- fahren in den Bahnhof Westend die schadhaft gewordene Hardy'sche Vakuumbremse, so daß der Lokomotivführer die Gewalt über den Zug verlor und dieser mit Wucht gegen den Prellboa am Ende des Schienengeleises fuhr. Der Stoß war so heftig, daß die Puffer der Lokomotive verbogen und die Fahrgäste in den Wagen recht unsanft hin- und hergeschleudert und mehrfach verletzt wurden. Eine Dame aus Charlottenburg war vom Bahn- hos Thiergarten nach Westend gefahren, um auf dem dortigen Kirchhofe an dem Grabe ihres Kindes einen Kranz niederzulegen! dieselbe kam so übel davon, daß sie mit Droschke nach ihrer Wohnung zurückgebracht werden mußte, wo sie noch jetzt in ärztlicher Behandlung sich befindet. Es hat sich bei ihr die sog«- nannte„Eailway spine" gezeigt, eine Krankheit, die wesentlich in nervösem Zittern besteht. I» de« Krauu'schrn Mordsache erfahren wir an arm- licher Stelle, daß der von seiner Frau bezichtigte Arbeiter sich noch aus freiem Fuße besindet, da noch kein genügender Grund zu de» Verhaftung vorliegt. Gin Scherz, verübt in übermüthiger Zecherlaune, hat gestern gegen 1 Uhr Morgens den Tod des Arbeiters Sabattc zur Jots« gehabt. Sabatte war in der Klaviaturfabrik Mühlenstraße 8, be- schästigt. Mit zwei anderen Arbeitern derselben Fabrik, D. unv M., begab er sich vorgestern Abend nach beendigter Arbeit in*3 Schanklokal in der Nähe der Fabrik und dort blieben sie beiin Glas bis die Polizeistunde ihrem Vergnügen ein Ende machte- Als sie in gehobener Stimmung auf dem Heimwege aus der Oberbaumbrücke angelangt waren, faßten D. und M. ihren Geehrten und hoben ihn lachend mit der Bemerkung, ob er wohl einen Sprung wagen wolle über das Brückengeländer. Lisch ch Sabatte Zeit gesunden hatte zu antivorten, waren die Kräst» seiner Gefährten erlahmt; sie ließen den Mann in das Wasff- fallen und er ertrank, obgleich D. und M. ihm sofort de« Retttliigsring zuwarfen. D. und M. sind verhastet worden. ' Gntlanfener Knabe. Aus Furcht vor zu erwartender Strase hat sich am 25. Juni der 13V2 Jahre alte Max Nieder- straß aus der in der Ottostraße 1 belegeneu Wohnung der Eltern entfernt, ohne bis jetzt dorthin zurückgekehrt zu sein. Die durch das Verschwinden ihres Kindes außerordentlich geängstigten Eltern bitten, falls Jemand über irgend welche Spur de- Flüchttgen Auskunft ertheilon kann, event. Nachrichten nach de» obengenannten Adresse oder nach der nächsten Polizeiwache gp langen zn lassen. Der Knabe ivar bekleidet mit blauer Hose nevst Weste, grailbraunem Jaquct, braunem Hut und Schaststteseln. -Urvnngliiikter Fe«erwehr>ilant». Ein schwerer, rech» bedauerlicher Unglücksfall trug sich am Montag, Vormittag» gegen 11 Uhr, vor der Feuerivache in der Oderbergerstraße zu- Zur genannten Zeit sollten auf ein Alarmsignal die Pferde vo» einen Mannschaftswagen gespannt werden, als eines der scurige» Thiere den Rutscher, welcher in gebückter Stellung hinter de« Pferden kauerte, plötzlich ausschlageild derartig ins Gesicht ttas, daß dieser sofort bewußtlos zu Boden sank. Dem Unglückliche», welchem die rechte Backenseite gespalten und der Unterkiefer total zerschmettert war, ivurde durch seine Kollegen ein Nothuerband angelegt, worauf die Ueberführung des Schwerverletzten nach bei» nächstgelegenen Krankenhause erfolzte. Gelyncht. Eine recht empfindliche Lektion wurde ai» Dienstag Morgen einem rohen Thierquäler zu Theil. Derselbe, Kutscher eincS Privat-Fuhrwerks, schlug in der Hamburgerstraße, woselbst das eine seiner Pferde scheute und weder vorwärts noch rückwärts wollte, nachdem er vom Bock gesprungen, mit wahrhast thierischer Bestialität fortwährend dem armen Thier auf de» 5iopf. Als einige Passanten ihrem Unwillen über diese Rohheit Ausdruck gaben, wurde der Mensch nur noch wüthender, kehrte seine Peitsche um und hieb nun mit dem dicken Ende derselbe» so lange ein, bis sich ein Blutstrom aus den Nüstern des ge- quälten Thieres ergoß. Das war den braven Arbeitern, die Z.enge des Vorganges gewesen, nun aber zu viel. Im Augenblick hatte man dem rabiaten Kerl die Peitsche entrissen und nun regnete es hageldichte Hiebe auf ihn hernieder, bis er laut janunerich um Gnade bat. Ein Zeuge stellte den Namen des Thierquäler» fest, iiui Anzeige bei der Staatsanwallschaft zu erstatten. Ei» vornehmer Zkowdy, der eine Schlägerei auf dein Perro» eines Pferdebahmoagens provozirt, wurde am Montag Mittag a»l der Fahrt von Pankow nach Berlin dingfest gemacht. Äi» Schützenfestplatz bestieg ein seingekleideter Herr, wie sich spätck heransstellte, ein in der Nähe des Oranienburger Thores wohne» der Fabrikant, den daselbst haltenden Pferdebahnwagen; auf dc> Fahrt nach der Stadt kam es zwischen dem Schaffner und der» ans dem Perron stehenden Passagier ans einem geringfügig�' Grande zu einein erbitterten Wortwechsel, der schließlich da»»' endete, daß der Beamte den Exzcdenten vom Wagen wies. Sta� deffeu jedoch hieb der Fabrikant dem Schaffner mit einem dicke» Spazierstock mehrere Male hintereinander derarttg aus den Kopl- daß derselbe blutend znsanunenbrach. Passanten hatten jedoch � brutale Mißhandlung des Schaffners mit angesehen, nahmen de» fcingekleidcten Rowdy fest, bis mehrere Schutzleute hinzukamen u»» den Tobenden und wütheudum sich Schlagenden nach der nächstk» J je ß Polizeiwache schafften. Die Wunden des Kondukteurs sind zum e Glück ungefährlich. fermfl zlctirrfallrnrr Kriininall'eaiute?. Als gestern Morgen Nische gegen Schlag mit einen: stumpfen Gegenstand auf den Kopf, so daß das r Zw'; Blut ans einer klaffenden Wunde herausströmte. Es gelang dem ) doa Beamten, einen der Burschen zu erfassen und mit Hilfe hinzu- -erurS gekommener Schutzleute dingfest zu machen. G. ließ sich im unt« Krankenhause Friedrichshain sodann einen Nothverband an- ein» legen. samt» Um Krisetznng vo« Alchenvesten auf einem hiesigen tägufl Kirchhose ivar kürzlich ein Privatmann beim Konsistorium der iich«i Provinz Brandenburg bittend eingekommen. Jetzt hat der brigc« Antragsteller einen abschlägigen Bescheid erhalten mit der Be- eisugl gründuiig, daß die Verbrennung von Leichen der christlichen Sitte srühb widerstreite, daher auch die Beisetzung der Aschenreste dem Zweck ; D der kirchlichen Begräbnißplätze widerstreite.—(Auf dem neuen Art Gemeinde-Zentral, riedhofe wird bekanntlich ein Kolumbarium zur e Ausnahme von Aschenurnen errichtet.) pflich> poliseibericht. Am 30. v. Mts. Morgens wurde ein Mann auf der Treppe des Hauses Wrangekstr. 76 erhängt vorgefunden. o ge>— Zu derselben Zeit fiel an der Ecke des Kurfürslendammes und aentck des Lützow-Uscrs der Droschkenkutscher Schneider infolge Bruchs inigtf der Vorderachse vom Bock, so daß die umgestürzte Droschke auf Ivmck ihn siel und er anscheinend schwere innere Verletzungen erlitt. z bs Vormittags wurde ein Oberfeuerwehrmann vor dem Feuerwehr- h, Di, Depot Oderbergerstr. 24 von dem Pferde eineS Mannschaftswagens eweil geschlagen und erlitt außer einer Gehirnerschütterung eine bedeutende gebe« Verletzung des linken Auges, so daß er nach der Universitüts-Klinik meint gebracht werden mußte.— Mittags schoß sich ein Mann in seiner nme« Wohnung in der Mühlenstraße eine Kugel in den Kopf und ver- einti starb bald darauf.— Abends wurde in der Spree hinter dem stcken Grundstück Holzmarktstr. 20/21 die Leiche eines unbekannten, etwa wohl. LS Jahre alten Mannes aufgefunden.— In der Nacht zum nkliä l- d. M. brachte der obdachlose Buchbinder Götze vor dem Hause e db Linienstr. 96 infolge eines Streites einem anderen Mann unttelst Per eines Taschenmessers einen Stich in den Unterleib bei, so daß er sofort zusammenbrach. Der schwer Verletzte wurde zunächst nach ordei der Sanitätswache in der Eichendorffstraße und von dort nach Zindt der Charitee gebracht.— Am 30. v. M. fanden an zwei Stellen gii kleinere Brände statt. a dä s Re- Gevichks-IZ-iWttg. cichts Ein«»» iahrelangen erbitterten Kampf mit allen ®i,v Zweigen der Strafrechtspflege bis zu den höchsten Instanzen führt jrdeiW der Schiffsbauer Aug» st R ü ck e r t zu C r e m in e n,»velcher eivall gestern wegen Beleidigung eines ganzen Siichter- tübd k o l l e g i u m s vor der IV. Strafkammer des Landgerichts I iefti> stand. Der jetzt 6Sjährige Angeklagte ist vor etwa 1v Jahren ße b zum ersten Male mit dem Strafgeseybuche in Konstikt gerathen hrflbl und erlitt eine Gestingnißstrase»veaen Betruges. Aus dieser Sache Lahr« Sing wieder eine W»klage, regen Sli e i n e i d s gegen ihn hervor, rtigf* er wurde dieserhalb zu einer Zuchthausstrafe verurtheilt. In ege«! vielen Beschiverdeschristen und Anzeigen an die obersten Behörden jhrst behauptete Rückert, daß er das Opfer einer Anzahl von Personen ürzt geioorden sei, die ihn vernichten wollten und er bezichtigte die sogb Viichter und Staatsanwälte der haarsträubendsten Ungerechtigkeiten. .ntste!! Ueberall zurückgewiesen, wurde er von einer äußerst erbitterten Stimmung gegen die Justizbeamten ergriffen. Bor einigen atf!' Jahren bildete Rückert den Mittelpunkt eines Ereignisses,»velches .„oi in Cremmen und Umgegend bedeutendes Aussehen erregte und u jck auch später die 4. Strafkammer des Landgerichts I befchästigt hat. Rückert, der zur Verbüßung einer Strafe von der Polizei csiefl1 gesucht wurde, hielt sich in einem aus freiem Felde belegenen Aostss Gehöst verborgen. Der Gendarm zu Cremmen, der hiervon S, bo Kenntniß erhielt, beschloß, ihn gefangen zu nehmen; bei der Ge- . uls° fährlichkeit des Flüchtigen, der über große Kürperkräste verfügte n e>>> und von dem man die äußerste Vertheidigung erwarten heiifl durste, mußten aber hierzu besondere Vorsichtsmaßregeln getroffen �chtf" werden. Zunächst wurde ein Briefträger nach dem Gehöft ge- if de< schickt, der an Siückert einen Brief gegen Empfangsbescheinigung i abzugeben und sich dadurch von dessen Anivefenheit zu überzeugen mW hatte. Niachdem dies geschehen, rückte in unverdächtiger Weise ein ch cd Planwagen gegen das Gehöft vor. In demselben waren Gendarm itrciff und Polizisten verborgen, welche in der stiätze des Hauses ihr gass» Versleck verließen und alle Ein- und Ausgänge des Gehöftes be- , ds setzten. Der Gendarm fand den Flüchtling im Keller; derselbe vertheidigte sich aber mittelst eines Säbels, kam an dem Gendarmen vorbei und flüchtete die Treppe hinauf in die icdet Giebelstube, wo er sich regelrecht verbarrikadirte. Als es seinen Slteck Verfolgern schließlich gelaug, die Thür zu sprengen, trat ihnen dulä Rückerl, mit eineni Revolver in der Hand, entgegen und drohte, tigts Jeden niederzuschießen, der sich ihm nähere. Die Beamten zogen ■ pil sich zurück und berathsehlägten unten, was zu thun sei. h bt Während dieser Zeit versuchte Rückert das Weite zu gewinnen. ,e g» Er ließ sich durch daS Fenster auf den Hof hinab und wollte neos nun eine in der giähe befindliche Schonung erreichen. Seine ch. Verfolger entdeckten ihn aber und so blieb ihm nichts an- re$ ders übrig, als zunächst fin einen kleinen Stall zu flüchten, itW bessen Thür er wiederum von innen verrammelte. Wieder jjx z» t egann die Belagerung. Es wurde schon der Vorschlag x gemacht, ihn auszuräuchern, da sah der Gendarm, daß glücken ixigck durch ein Loch, das er in die Wand gebrochen, sich hindnrchzu- x dss binden suchte. Cr eilte hinzu und machte ihn durch eine» Hieb : traf?,lf den Kopf widersiandsmssähig,»vorauf seine Festnahme er- uche»!s!ßCU konnte. Die Angelegenheil trug Rückert eine anderthalb- tolck juheige Gesängnißstrafe est»»ind hat ihm»viederum Veranlassung rba»� g�'g�den, sich über Richter, Staats- und giechleanwälte zu be- h bes schwere», er behauptete sogar, daß es die Gefäiignißbeamien darauf abgesehen hätten,� ihn zu verderben. Im gestrigen Termine > gp wuroe ein Schriftstück verlesen, welches Rücken au den Justiz- ch-M minister gerichtet hatte. Es ivar eine detaillirte Beschrei- traße bnng_ semer Leidensgeschichte und so umfangreich, daß die „ock Verlesung fast L Stunden in Anspruch nahm..Die Beschwerde- »rhal� schafft strotzte von Beleidigungen der gröbsten Art gegen die : dck meisten der Rechtspersonen, mir denen Rückert in Berührung ge- shheP kommen war. � Der Staatsanwalt beantragte gegen ihn die höchste kehrst zulässige Strafe, ein Jahr Gefüngniß. Ter Slngeklagte sclbck versicherte, daß es ihm nur darum zu thuu gewesen sei, die Wahr- .s gl heit ans Licht zu bringen, auch nicht ei» Wort könne er zuriick- öxiijit nehme«. Sein Vertheioiger, Rechtsanwalt Stadthagen, beantragte "hntst die Freisprechung des'Angeklagten, der durchaus den Eindruck >gnest mache, als habe er nur seine berechtigten Interessen wahrnehmen iienst wollen. Ter Gerichtshof beschloß aber, de»» Altgeklagten ans seinen lälerf Geisteszustand untersuchen zu lassen. Ui«gr»« Majcjtiitobrteidionugchatte sich am Dienstag der errbll Sattler Johann Friedrich Krüger ans lliizdorf vor der ersten ig ast Straskaimner am Landgericht II. zu verantivvrten. Ilm t2. Fe- A« brnar d. I. fand in giixdorf eine von der Arbeiterpartei einve- spatt rufene Wabter- Versammlung im Niesigk'schen Lokale statt, in hneit»velcher anch der Angeklagte dos Wort ergriff. Im Lause seiiier ij dt Aussührmige» kam er auf die kaiserliche» Erlasse zu sprechen und > de0 kritisirte dieselben. Ter ilberwachende Gendarm sah sich veran- gigck k?bt, den Redner mitten»m Satze zu unterbrechen»i»d die'Auf- sanb! msung der Versammlung auszuspreche». Schon st» einer früheren Stast Verhandlung hatte der Ängellngte behanpter, daß seine Aussüh- dickst r»>ngen ganz anders gelautet hätten, als»vie die Anklage be- Kops' Haupte, weshalb damals die Vertagung und die La- ch b' bung einer ganzen llieihe von Be- und Eiitlaflungszeugen , dck deschloffen»vurde. In der gestrigen Verhandlung standen nun n stü die Aussagen diametral gegenüber. Ter Angeklagte gab an, chsto jolgende Wort« gebraucht zu haben:„Wenn der Inhalt der kaiserlichen Erlasse zum Gesetz erhoben»vird, was ich bezweifle. so werden wir dafür sorgen, daß es unZ nicht so geht,»vie mit der bisherigen Sozialreform, die unter den Händen der konfer- vativen Partei im Reichstage die Gestalt eines abgenagten Schinkenknochens angenommen hat!" Während nun die Belastungs- zeugen behaupteten, daß der Angeklagte nicht von der bisherigen Sozialreform gesprochen, sondern sich im Sinne der Anklage aus- gelassen habe, bestätigten die Parteigenossen den vom Angeklagten angegebenen Wortlaut und behaupteten, ein Mißverständniß auf Seiten der Belastungszeugen sei ebenso leicht möglich»vie erklär- lich, denn der Angeklagte spreche überaus schnell und»venig beut- lich, so daß nur diejenigen ihn genau verstehen, die ihn schon genau kennen und sehr genau Acht geben. Außerdem habe der Gendarm den Angeklagten mitten im Satze unterbrochen, so daß die Belastungsze»laen den Nachsatz, welchen der Angeklagte aus- sprach, gar nicht höre» konnte. Der Gerichtshof war„»in zwar nicht der Meinung, daß die Unschuld des Angellagten erwiesen sei, neigte sich aber doch der Ansicht des BertheidigerS Rechtsanwalt Heyn» zu, daß die Möglichkeit eines Jrrthums auf Selten der Belastlingszeugen nicht von der Hand zu»veisen, die Sache demgemäß nicht genügend ausgeklärt und daher der Angeklagte freizusprechen sei. Soziale AebevNlkjk. Aufruf an die KchlächtergeseUen Krrlins und Um- grgrud. Kollegen! Wacht auf! Schließt E»lch einer Organi- sation an! Sehr hin nach Hanlburg! dort habt Ihr ein krasses Beispiel, wie unsere Arbeitgeber, verbunden durch.Kapitalsinter- essen, die Organisation unserer dortigen kiollegen und Arbeits- genossen mit allen ihnen zu Gebote stehenden Mitteln zerstören wollen. Ihre Losung ist:„Nieder mit dem politischen Recht der Arbeiter!'Nieder mit derKoalitionssreiheit!" Kollegen! Hier in Berlin»vird es uns nicht besser gehen,»venu wir nicht zeitig daran denken, uns fest zu organisiren. Denkt an E»ire ele»»de Lage! Denkt nur an Eure ausgedehnte Arbeitszeit! Nicht einmal der Sonntag bleibt Euch frei. Kollegen, ob fung, ob alt. Eure Pflicht ist es, beizutragen, daß wir Schlächtergesellen Berlins einen Ehrenplatz in der»uodernen Arbeiterbelvegniig einnehmen. Und dieses geschieht nur dadurch, daß»vir uns organisiren. Bedenkt die Znkunst, und wenn mir ein Funken Ehrgefühl in Euch schlummert, so ist es Cure Pflicht, einer Organisation beizutreten, weiche den Zweck hat, unsere Interessen zu ivahreu, eine Berbessernng unserer Lage in materieller, geistiger und sittlicher Beziehung zu erreichen. Eine mit den AeUverhällnissen in Einklang stehende Arbeitszeit ist nöthig. Kollegen! Gestützt auf den 8 1S2 der Geiverbeord- nung kann»ms kein Arbeitgeber das Erscheinen in einer in nächster Zeit stattsindenden Versammlung verbieten.'Auf- gäbe der betreffenden Versammlung soll es sein, eine Freie Vereinigung der Schlächtergesellen Berlins und Um- gegend zu gründe». Kollegen, beiveist, daß Ihr Eure Lage er- kaunt habt und erscheint alle. Mann für Mann, in der am Sonntag, den 6. Juli, Nachmittags 4Ve Uhr, in May's Sälen, Benthstraße 22, I, stattsindenden öffentlichen Schlächterversamm- lung. 'Alle arbeitersreundlichen Blätter»Verden um Abdruck ge- beten. Etlvaige Zuschriften sind zu richten an Theodor Keslinke, Berlin, Prinzenstraße Sir. 17. Achtung! Drechsler«nd zZerufogenoll«»«rlUr Kranchrn Hrrli»». In der öffentlichen Versami»l»mg vom 19. Altai d. I., in welcher»vir uns über die Bedeutung des I. Mai Klarheit verschafften,»vurde u. A. beschlossen, einePelition an den Deutschen Reichstag zu senden, in welcher die gesetzliche Verwirklichung der Beschlüsse des internationalen Arbciter-Kon- aresses zu Paris gefordcn»vird und das Bureau der Versammlung: die Kollegen Strohmeier, Chorinerstr. 63, Lutz, Kottbuser- da»,»» 21 i!nddeJiing,Walde»»aritr.3 beauftragt, Petitionsliften zirku- liren zu lassen»nddie so gesammelten Unterschriften andenDeutschen gieichstag zu sende». Da nun der Termin immernäherrückt.anwelchcm dieS geschehen soll, so»verden die Kollegen ersucht, die Smnm- lung von Unterschriften fleißig und mit aller Enegie zu betreiben, damit unsere Gewerkschaft mit einer Zahl von Unterschriften an» Platze erscheint, die keinem Ziveifel mehr giauin giebt, daß auch »vir die unbedingt noth»vendig gewordene Umgestaltung unserer heut unhaltbaren Verhältnisse begriffen haben. Arbeiter! Kollegen! suche ein Jeder ansklärend im Sinne dieser Petition zu»virken, überall zu Hause»ind in der Fabrik und wo es sonst nur eben niöglich ist, nur dann, aber auch nur dann wird es uns möglich, ein Aerhängniß von»ms abzuwenden,»velches uns vollständig dem körperlichen sowohl, wie dem geistigen Sicchthum,»venu auch langsam aber desto sicherer überliefert. Also a»if! Thue ein Jeder seine Schuldigkeit! Bedenke ein Jeder, was für ihn auf dem Spiele steht. Tie letzten VerHand- tungcu in» Reichstage zeigen uns nur zu deutlich, wie man den Arbcitcrschutz auffaßt auf Seiten derjenigen, von der»vir leider abhängig sind. Mit koUegialischen» Gruß: I. A. Ernst de Jung, Waldemarstr. 3.— Petitioiislistci, sind zu haben, außer bei oben- genannten Kollegen, in den bekannten Zahlstellen Sonnabends von SVe Uhr Abends an, sowie täglich von 7Vs bis SVe Uhr Abends im Arbeitsnachweis bei Gründel, Dresdenerstr. 116, da- selbst werden auch die„beschriebenen" in Empfang genommen bis spätestens Sonnabend, de» 16. Angilst. Wir crtznlir» folgendes Schreiben: Durch Maßrege- ltingen der Kollegen hier an» Orte sehen sich Unterzeichnete ver- anlaßt, die reisenden Kollegen zu ersuchen, den Zuzug nach hier streng fern zu halten. 'Alle arbeitersrelindlichen Blätter werden um Abdruck ge- beten. Die Tabakarbeiter Potsdams. Der Kongrest aller geiverblichrn Arbeiter Deutsch- lando in Kannover wurde am 29. Inn» durch Herrn Lohrberg- Hannover eröffnet. Provisorischer Vorsitzender ist Ohlendorf- Ahleseld. giach Erledigung der üblichen Formalitäten»vird durch die Ma»dat''-Präfuugslommisfio»»seitgestellt,daß3STelegirte, welche 34 Städte vertreten, amvesend sind. Es wurde daraus beschlossen, von 9 bis 1 Uhr und von 3— 7 Uhr, event. auch Abends zu tagen. Es»vurde darauf die definitive Leitung gewählt und zwar: Lvhrberg-Hannover als 1., Lucas-Hambnrg als 2. Vorsitzen- der. 1. Schrislsührer: Thielhorn-Lindcn, 2 Afisstcnteii, Magnns- Colberg, Reimer-Flensburg. Als Redezeit wurde sestgesetzt: für Diskussion 2 mal 5 Minuten für jeden Redner in einer Sache; bei Stellungnahme zur Zentral- resp. Lokalorganisation u n b e- schränkte Redefreiheit; bei Stellungnahme z»lli, Fachorgan je ein gieduer 2 mal 10 Minute» Zeit. Es folgen darauf die Si- tuations-Berichte der einzelnen Telcgirten in folgender gieihen- folge: Brunke-Osterode, Heitsch-Uelzen, Munne-Harburg, Wasser- mann-Schöninge», Wassermann-Helmstedt, Breer-Hage», Mittels- dors-Verden, Thielhorn-Linden, Ohlendork-Braunschiveig, Henkel- Brannschweig, Buchholz-Wandsbeck, Wilhelm-Hannover, Lohrberg- Hannover, Lohrberg-Bibrich, Barzer-Hameln, Sievers-Limmer, Vogt-Hamburg, Krens-Hamburg, Lueas-Hamburg, Malsch-Höchst a./M., Brnnmv-Ricklingen, gieirner-Flensburg, Neinier-Aergedors, Reimer-Göttingeu, Vogl-Elberjeld. VeLfo»tt»»ilu»tse»t. Im D»'r»s!au Ai«arr»l«»der Airichstnize-Waltlltt'els findet heute an Stell« des verstorbenen konservativen Abgeordneten von Wedell-Malchow die Nachwahl statt. Seiteiis der Deutsch- sreisinnigen wird Alles aufgeboten, um das Mandat den Konser- vativen zu entreißen und fanden täglich Versamuilungcn statt, in denen säinmtliche Koryphäen der freisinnigen Reichstagssraktion schon aufgetreten sind. Für die Sozialdemokraten est es e»n Hauptspaß zuzuhören,»vie jede der Parteien die„Treue zu Kaiser und Reich" für sich in Anspruch nimmt. Ja, der Ab- geordnete Hermes verstieg sich»n einer Wählerversamm- lung in Prenzlau sogar so weit, daß er sagte, t-> sei gar nicht ausgeschlossei», daß in der neuen Aera die Regierung a»s den llieihen der Deutschfteisinnigen sich zusammensetze. Demnach wäre der Ministertrann» verschiedener Staatsmanner der deutschfreisinnigen Partei der Verivirklichung nahe,»vozu»v»r schon im Voraus gratuliren. Die Sozialdemokraten,»velche eben- falls vor acht Tagen in den Wahlkampf eintraten, mußten erleben, daß auch ohne das Sozialistengesetz es noch immer möglich ist, durch alleryand Partei- und andere Chikauen eine ivirksame Agitation zu verhindern. Außer in Prenzlau und Schwedt war es absolut unlnöglich, sozialdemokratische Wählerversammlungen zu veranstalten. Es lag das theils daran, weil die Wirthe ihre Säle freiwillig ver- »veigerten, oder von den Gegnern und der Polizei veranlaßt »vurden dieselben nicht herzugeben, theils»veil die unteren Polizei- und Verwaltungsorgane eine geradezu haarsträubende Urikenntniß der Vereins- nnd Wahlgesetze an den Tag legten und Einberufer von Versammlungen so lange einzuschüchtern wußten, bis diese die Anmeldung zurückzogen. In Joachimsthal, einem Städchcn von 3000 Einwohnern, welche zu aus armen SteiuklopM» bestehen, hatte uns ein Wirth seinen Saal bereits fest zugesagt. Als zedoch am Abend des- selben Tages der konservative Kandidat, Landrath von Winter- seldt, mit Oberförster und Bürgermeister nebst dem übrigen Anhang dort einkehrte, erklärte uns später der Wirth, daß er unter leinen Umständen sein Lokal noch hergeben könne; ohne natürlich einen bestimmteil Grund anzugeben. Als sich hierauf ein kleiner Bauer dazu herbeiließ, seinen Hosralim zur Verfügung zu stellen, erfolgte auf die Anzeige der Versammlung unter freiem Himmel durch den Bürgermeister»vörtlich folgender Bescheid: „Auf die»ins heute von Ihnen zugesandte Anzeige beabsichtigen Sie au» Sonntag, den 29. Juni d. I., auf dem Grundstück des Eigenthümers Johann Werdermann Hierselbst eine Wählerversammlung abzuhalten, in»velcher über die hier bevorstehende Reichstagsivahl berathen wer- den soll. Wir machen Sie darauf aufmerksam, daß nach § 17 des Wahlgesetzes vom 31. März 1869 die Wahl- berechtigten das giecht haben, zum Betrieb der den Reichstag betreffenden Wahlangelegenheiten in geschlossenen Räumen öffenlliche Bersammluiigen zu veranstalten. Versaniinluugeu unrer freien» Hrm»nel zur Besprechilng über Reichstagswahlen sind daher nicht gestattet. Gleich- zeitig weisen wir Sie ans die Bestimmungen des§ 17 des Verenlsgesetzes vom 11. März 1850 hin, nach welchem die Thcilnehmcr an einer nicht erlaubten Vcrsannnlung unter freiem Himmel mit Geldbuße von 3— IS M., derjenige aber, welcher zu einer solchen Versammlung auffordert oder auffordern läßt oder darin als Ordner, Leiter oder giedner thälig ist, mit Geldbuße von IS— 1S0 M. oder mit Ge- fängniß von 8 Tagen bis zu 3 Monaten bestraft »oird." Die Polizeioerwaltung. gez.: K o r t c. Darauf aufmerksam gemacht, daß die Versammlung zu llp- recht verboten und ein gar nicht anivendbarer Paragraph des Wahlgesetzes angezogen sei, weil Versammlungen unter freiem Himmel dem§ 9 des Vereinsgesetzes unterständen, erklärte der Herr Burgermeister, daß er selbst etwas ganz a»»deres aus den» § 17 des Wahlgesetzes herauslese, die Versammlung aber trotzdem nicht freigeben können, da er die strenge Anweisung von semer vorgesetzten Behörde habe, so»md nicht anders zu verfahren. In Strasburg ließ die Polizei den Eindeniser zu sich koinmei» und wirkte so lange aus denselben ein, bis er die Versanunlungs- anzeige zurückzog. In Angerumnde hat die Polizei ebenfalls eine Versammlung auf dem Grund und Boden eines Parteigenossen verboten, nach- dem der Wirth zu einer schon genehmigten Versammlung seinen Saal nicht mehr hergeben ivollte. Wenn daher auch diesmal noch ein Theil der Arbeiter für Konservative»md Freisinnige stimmen werde, dann können diese Herren»virklich nicht stolz auf einen so errungenen Sieg sein, den sie lediglich der Bergeivaltigung und giechllosmachung der Sozialdemokraten zu verdauken haben, nicht aber ihrer über- zeugenden Beredsamkeit»md Stichhaltigkeit ihrer Ideen und Grund- sütze, wenn von letzteren überhaupt die Rede sein kann. Das Kriegsgespenst hat anch dort»vieder,»veil einseitig dar- gestellt, ganz gewaltig gespult und so wird von unserem Stand- punkte aus, gleichviel»ver Sieger bleibt, mich diese Wahl, wie so viele andere, nur als ein Angstprodukl bezeichnet werden können. Dersainmlniig des Uevei»»» zur Wahr'»»»« der Inte» essen der Schnhmachrr»md verwalidte:, Berufsgenossen Berlins. Tagesordnung: 1. Bortrag des Herrn Bölsche»der: Seele und Geist. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. 4. Fragckasten.— giedner führte u. a. folgendes aus: Schon von'Alters her»st der Mensch stets bereit, e»ne jede nicht ganz erklärlich erscheinende Wirkung der Natur als etwas übernatürliches hinzustellen. Blitz und Donner sollen den Ausdruck eines zürnende» Gottes dar- stellen u. s.»v., ganz besonders aber»st es die sogenannle geistige Thätigkcit des Menschen, fdie für etwas natürliches zu hallen ein beschrankter Menschenverstand nichl im Stande ist. Auch hat die Theologie der heutigen Gesellschaft die Lehre eingepaukt, der Geist sei ein selbstständiges, mit ihren» Gotte in engster Beziehung stehendes Wesen,»velches seinen Wohnsitz nur vorübergehend im»nenschlichen Körper genommen, und nach dem'Absterben des letzteren in einer anderen Gestalt »veiter lere. Doch Beweise hierfür zu erbringe»,»st die Theologie nicht im Stande, sondern sie stützt sich blos darauf, daß ein gläubiges Menschenkind eben das für»vahr hielt, was die Theologie ihm zu erzählen, für gut befindet. Doch das scharfe Schiverl der modernen Wissenschaft hat dieses 5kartenhaus der. Theologie vollständig zertrümmert, denn durch unvermeidliches Forscheil der Naturwissenschaft sind eine ganze Masse von Be- weisen erbracht,, velche einen jeden vernünftigen Menschen klar übersühren müssen, daß die geistige Thätigkeit nur der Ausdruck des menschlichen Organismus ist, und von einer Trennung dieser beiden Theile des menschlichen Körpers, sowie von einem Fort- leben deS Geistes nach den» Absterbe», des Körpers durchaus nicht die Rede sein ran». Redner führte dann noch an?, in ivelch bedeutendem Maße die»virthschasllichen Verhältnisse des Menschen auf die Beschaffenheit des Geistes cinzmvirlen im Stande sind, und ivie ein Mensch, der nicht in der Lage ist, seinem Körper genügende und angemessene Nahrung zuzuführen, oder dazu gezwungen ist, in schlechter Lust und ungesunder Wohnung seine Tage zuzubringen, in sehr viele» Fällen auch geistig versumpft. Da aber diese letztangeführten Umstünde bei einer großen Mass« der heutigen Arbeiterschaft vorhanden sind, so ist esPflicht eines jeden rechtlich denkenden Menschen, dahin zu »virken, daß diese mißlichen Verhältnisse beseitigt»verde»,»md so den darbenden Proletariat die Möglichkeit gegeben ivft'd,sich seine» natiir- lichen Anlagen gemäß zu entwickeln und ein»nenschenwürdigos Dasein z» fristen. Reicher Beisalt lohnte den Redner für seinen intcr- essanteu Vortrag. Diskussion hierüber fand nicht statt. J»n Verschiedenen giebt der Vorsitzende bekannt, daß der Vorstand sich veranlaßt gesehen hätte, den streikenden Webern in Gera 2ö M. zu übersenden. Ferner, vurde der Antrag gestellt, den ausge- sperrten Arbeitern Hamburgs 30 M. zu beivilligeu. Es»vurde demgemäß beschlossen. Ferner wurde bekannt gegeben, daß Mo»». tag, den 7. Juli, Versammlung in den Armin hallen, Ztommcm- dantenstraße 20, nnd Montag, den 14. Juli, das Sommerseft de? Vereins in Kliem's Volksgarten(Hasenhaide) ftattsinden. Tb Kollegen»verde»» ersucht, hierfür eifrig Propaganda zu machen. Eine Dlitgl!rderversa»»n»lu»ig de» Uerein» zur Zie- grtnng der gewerblichen Verhältnisse der Töpfer Berlins und Umgegend wurde am 22. Juni in Metzner's Gesellschafts- Haus, Landsbergerstr. 37, mit der Tagesordnung: I. Vortrag über Unabhängigkeit der Ueberzeugung. 2. Stellungnahme zur Feier des zweiten Stiftungsfestes. 3. Verschiedene Vereinsangelegen- heiten, abgehalten. Das Protokoll der letzten Versammlung wurde verlesen und für angenommen erklärt. Weil der Referent noch nicht erschienen war, wurde beschlossen, den zweiten Punkt der Tagesordnung zuerst zur Verhandlung gelangen zu lassen. Hierzu stellte Herr Larson einen Antrag, ein Vergnügungskomitee zu wählen. Dieser Antrag wurde unterstützt. Es wurden gewählt die Herren Hoffmann, Kliesche, Engel, Larson, Dornbusch, Waldau und Jomecke. Hiermit war der zweite Punkt erledigt. Inzwischen war der Referent erschienen und der Vorsitzende ertheilte demselben das Wort zum Vortrage über Unabhängigkeit der Ueberzeugung. In der Diskusston meldete sich Niemand zum Wort. Beim dritten Punkt der Tages ordnung wurde ein vom Bibliothekar gestellter Antrag angenommen, die erste Serie der Berliner Arbeiterbibliothek anzu- schaffen. Von Herrn Peters ging ein Antrag ein, da über den Restaurateur Dillenberg, vteinickendorferstraste, wo sich die Zahl- stelle unseres Vereins desindet, Klagen geiührt werden, die Sache genau zu untersuchen event. die Zahlstelle zu verlegen. Tie Krankenunterstützung wurde für diesen Monat pro Woche auf 3 M. erhöht. Ein Geschäftsordnungs-Antrag von Herrn Münzerpost ging ein, die noch vorliegenden Anträge zur nächsten Mitglieder- Versammlung zu vertagen und„Verschiedenes" als ersten Punkt der Tagesordnung aufzusetzen. Hieraus wurde die Versammlung geschlossen. Der Allgemeine Metallarbeiter-Verein Kerlins und Umgegend hielt am 26. Juni in Jordan's Salon, Neue Grün- strape 23, eine beschließende Mitgliederversammlung ab. Zunächst hielt Kollege Gcrisch einen sehr interessanten Vortrag über unsere gegenwärtige Lage. Redner führte ungefähr aus, daß das Aus- nahmegesetz wohl so gut wie todt sei: wer aber geglaubt, daß nun auch der Kamps der herrschenden Klasse um die Erhaltung ihrer Privilegien nicht in derselben Form weiter geführt werde, der sei d. rch die schroffe Stellung des Kapitals der Demonstration des l.Mai gegenüber sehr bald eines Besseren belehrt worden. Es ist nur die eine Waffe, welche sich infolge der sicheren und ruhigen Taktik der Arbeiter cl- durchaus wirkungslos erwiesen, bei Seite gelegt worden; wir müssen uns jedoch sagen, daß dafür bereits 10 neue Waffen geschmiedet und auch theilweise schon in Ge- brauch gekoinmen sind. Das politische Ausnahmegesetz ist ge- fallen, aber die vereinigten Kapitalisten beginnen vereits Aus- nahmegesetze in ihren betreffenden Fabriken einzuführen. Aus welcher Basis der Kampf jetzt geführt werden soll, zeige das Vor- gehen in Hamburg. In jüngster Zeit habe hier eine Versamm- lung der Interessenten der Holzbranche mit der Tagesordnung: „Was beginnen wir, um die Macht der Fachvereine zu brechen" stattgefunden, zu weicher durch streng vertraulich bezeichnete Auf- rufe eingeladen worden ist. In dieser Vcrsamnilung, die ohne polizeiliche Ueberwachnng tagte, und wo eifrig herumspionirt wurde, ob nicht ein räudigs Schaaf sich unter die fromme Heerde verirrt hatte, sprachen stch die Herren dahin aus, daß unoedingt mit den Organisationen der Arveiter tabula, rasa gemacht werden müsse. Der Arbeisnachweis würde jedenfalls den streitigen Punkt bilden, um den der Kampf zuerst einbrennen werde. In der Holzbranche sei bereits seitens der Fabrikanten ein Arbeitsnachweis errichtet, und auch die Eisen- industriellen seien in dieser Richtung wacker an der Arbeit. Daß wir es mit einer ganz veränderten Situation thun zu haben, habe der I. Mai gezeigt, denn die Fabrikanten wären dieser Demonstration nicht so energisch entgegentreten, wenn sie nicht größere Pläne voroereiteten. Der 1. Mai hat gezeigt, daß wir es mit einer geschlossenen Macht zu thun haben. Wenn erst das Kapital seine Arbeitskräste von einer Zentral>elle erheben kann, dann werden wir noch unser blaues Wunder erleben. Jeder Genosse, der sich nur irgendwie mißliebig gemacht, wird dann unbedingt und für immer in seinein Berufe arbeitslos gemacht. Die Metallindustrie wird jedenfalls den ersten Stoß auszuhallen haben, denn diese ist jetzt auf die Stufe der Entwictelung gelangt, wo es möglich ist, wie dies auch in den größeren Fabriken bereits geschieht, nicht blos gelernte Metall- arbeiter zu beschäftigen, sondern Angehörige sämmtlicher Berusszweige als Metallarbeiter einzustellen. Darum müssen wir uns wappnen, um auch aus diesem Kampfe, wie aus dem poli- tischen, als Sieger hervorzugehen. Die Metallarbeiter müßten "ich aufraffen und in einer großen Organisation fest zusammen- chließen, dann würden auch die neuen Waffen der Reaktion zer- chellen. Reicher Beifall belohnte den Redner. Hierauf wird be- chlossen, am 16. Ai gust ein Sommerfest in der Lips'schen Brauerei(Friedrichshain) seitens des Vereins abzuhalten und im November oder Dezember ein Stiftungsfest zu ver- anstalten. In die Vergnügungskommission für beide Vergnügen wurden die Kollegen Helz, Wandelt, Echiefel, Zalejski und Grau gewählt. Der von den Kollegen Schräder und Pawlowitsch aus Anlaß der Maiseier beantragte Ausschluß der Kollegen August Meyer und Schönborn aus dem Verein wird nach längerer De- batte durch den Beschluß erledigt, daß es den beiden Kollegen — dieselben sind mit 14 resp. 3 Monaten Beitrag im Rückstand und laut Statut deshalb nicht mehr Mitglieder— jederzeit frei stehe, unter Nachzahlung der reslirenden Beiträge in ihre alten 'Rechte als Mitglieder einzutreten. Ein Unterstützungsgesuch der streikenden Kupferschmiede mußte leider abgewiesen iverden, da der Verein insolge der Maßregelungen vom 1. Mai selber den Klingel beutel schwingen muß. Gin- grost- N-rsamittlmtg des Vereins g e w e r b l i ch e r Hilfsarbeiter Berlins und Umgegend tagte am 2S. Juni cr. Abends in llienz' Salon, Naunynstr. 27, mit der Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn Dr. Bruno Wille, über Kamps ums Dasein in der Volksivirthschast. 2. Diskussion 3. Neuwahl der Arbeitsnachweis-Kommisston. 4. Verschiedenes und Fragekasten. Der Reserent führte in dem Vortrage, der vielfach vom Beifall unterbrochen wurde, folgendes aus: Schon in der Schule haben wir gelernt, und die Bibel will es nackp weisen, daß die Welt und Alles was darin ist, von Gott ge schaffen ist. Diese Lehre kann vor der Wissenschaft nicht mehr bestehen, sonder» durch dieselbe sei festgestellt, daß die Erde und die Lebewesen sich aus unscheinbaren'Anfängen zu der jetzigen Vervollkonrinnung entwickelt haben. Diese Entwickelung führt der Reserent folgendermaßen auf den Kampf ums Dasein zurück: Wenn zwei Pflanzen oder Thiere einander feindlich gesinnt sind, findet ein Kamps statt, in dem stets der Stärkere siegt, indem der Stärkere dein Schwachen dasjenige entzieht,»vas ihm zur Existenz nothwendig ist und dadurch ganze Kategorien ausgerottet werde». Wie bei den Pflanzen und Thieren ist es auch bei den Menschen. Schon die Geschichte lehrt, daß durch den Kampf von Mensch gegen Mensch sehr viel Blut geflossen ist und dadurch ganze Völker und Nationen zu Grunde gegangen sind. In gleicher Weise gilt dasselbe von Kapitalisten und Pro letariern. Redner führt aus, wie beide erbittert ringen, um jeder möglichst viel für sich zu haben. In diesem Kampfe giebt es zwar keine blutenden Wunden, doch sind die Wunden, die durch überlange Arbeitszeit und schnöde Ausbeutungssucht geschlagen werden, nicht minder gefährlich. Außerdem öffnet sich für Manchen, der in die industrielle Reservearmee eintritt, das Ar- beitshaus, indem sie dort von Stufe zu Stufe sinken, weil sie erst da das lernen, was sie noch nicht kannten, und dann dauert es nicht lange, lhut sich das Zuchthaus vor ihnen auf; Redner nennt diese Anstalten Elementarschulen des Verbrechens. Nun ist die Frage aufgeworfen worden: Wie ist das zu ändern? Fürst Bismarck und Andere antworteten seiner Zeit, der Kampf ums Dasein ist ein Naturgesetz, folglich ewig, giedner weist nach, daß diese Folgerung falsch ist und kommt zu den, Schluß, daß wenn die entgegengesetzten Interessen fortfielen, der jkampf aushüren müßte. Der Kapitalist ist im Besitz der Arbeits- mittel, folglich muß der Arbeiter, der mit seinen bloßen Händen nichts schaffen kann, sich die Arbeitsinstrumente leihen, wobei natürlich der Kapitalist so viel wie möglich für sich behält; Redner führt an, daß, wenn diese Arbeitsmittel, Fabriken, Maschinen u. s. w. Gemeingut würden, die Wurzel der Zwic- tracht ausgerottet wäre, er weist dabei auf die Staatsbetriebe, Eisenbahnen, Monopole u. s. w. hin, die besser funktioniren als Privawnternchmungen, nur müßte der Ertrag im Interesse der Gesammtheit verwendet werden. Zum Beispiel würde das Orinocothal bei richtiger Bebauung und bei Verwendung des Dampfflugs, der die noch nicht ausgesogene Erde besser an die Oberfläche wirft, im Stande sein, die ganze Erde mit Brot zu versorgen. Redner meint, daß 93 pCt. Ar- beiter wohl fordern könnten, auch Thcil zu haben an den Zln- nehmlichkeiten, welche auf der Erde in großer Masse vorhanden sind, und daß der Moment kommen wird, wo sie selbst die Wurzel, nämlich die Interessengegensätze ausrotten werden. Redner weist ferner hin auf den Kampf zwischen Kapitalist und Kapitalist. Tort ist der Kamps um's Dasein derselbe wie in den angeführten Fällen, Redner meint, daß nicht nur der wirthschaft- lich stärkere, sondern auch der geistig Begabtere siegen kann, in- dem er durch Klugheit und Geschick seinen Gegner überwinden kann. Dabei kommt nun noch ein Faktor in Betracht und das ist die Schlauheit. Redner wirst die Frage auf: Ist die Schlauheit eine Eigen- schaft? giedner weist nach, daß die Tugend, auch geistige und körpcr- liche Tüchtigkeit selten siegen, und vergleicht die Schlauheit mit einem Schwamm, der mit Galle getränkt ist. Er führt aus, daß, wenn der Kampf ums Dasein sein Ende erreicht hat, sich die Menschen nicht in den Himmel, aber hinausschwingen werden zu reineren Höhen. Es fließt aber ein Wasser, das die Wunden, die der Kampf geschlagen hat. auswaschen und Trost und Heilung bringen wird, das ist die Arbeiterbcivegung. Sie besteht aus vielen Quellen, dieselben werden Bäche werden, die Bäche Flüsse, die Flüsse werden einen gropen Strom bilden, diese» wird nichts hemmen, alles Entgegenslemmen wird nichts nüyen, er wird die alte Welt überflnthen und alles mit sich fortreißen, und aus der Ueberschmemmung wird neue Saat und neue Frucht und neue Menschen erstehen, damit das Wort des Propheten Jesaias von einer besseren Welt zur Wahrheit werde, wie auch Jesus nicht ein himmlisches, sondern ein irvischeS Paradies im Auge gehabt hat.(Großer anhaltender Beifall.) Ein Antrag, die Diskussion nicht stattfinden zu lassen, da dieselbe den Vortrag nur abschwächen wllrde.wird angenommen. In die Arbeitsnachweis- Konimission werden die Kollegen Pinknelll, Böhm, Rieve, Maier, Sladie, Bernau und Steininetz gewählt. Dabei macht Kollege Günther darauf aufmerksani, daß, wenn die Kollegen irgend w> ßte», wo ein Arbeiter gebraucht wird, sie es der Kommission melde» müßten. Sehr krttisirt wurde das Verfahren des Ver- leger» des„Lokal-Anzeiger", Herr» Scherl, seinen Setzern gegen- über, und wurde ausgesorderl, den„Lokal-Anzeiger" nicht zu lesen. Kollege Schmidt verlas noch einen Leitartikel nebst Gedicht, der den Arbeitern wieder etwas Entsagung predigte, was zu großer Heiterkeit Veranlassung gab. Gin- gvoste Versammlung aller Arbeiter und Ar beiterinneu der isekteidungvindnstrie hatte an, Niontag 'Abend den May'schen Saal mit über 360 Personen gefüllt. Vorsitzender und Referent über den ersten Punkt der Tagesord- nlliig:„Der vom 12. bis 16. August cr. stattfindende deutsche Schncider-Kongreß, seine Tagesoronung und die zu derselben zu steUcnden Anträge, war Herr Pfeiffer. Er theilte ein- leitend die Gründe der Einberusung des Kongresses mit, dessen Ort noch nicht bestimmt sei, für den sich aber mit Ausnahme Hannovers alle deutschen Großstädte ausgesprochen hätten. ist geöffnet jeden Abend von 9—9 Uhr, TonntagS Vormittags von 10— ll tthj Daselbst wird jedem Kollegen erscheinen. «eneral- Versammlung des Sozialdemokratischen WahlverewS da - Berliner ReichSlagS-Wahikreises am MiltwOch, den 2. Juli, Abend» 8 Uht im Lolale„KontgSbank", Feanksurterstr. 117. «effentlich» Ziersammlung der zur Zentral-Streik-Kontrol-Konnnisfief gewählten Telegtrten am Donnerstag, den 8. Juli, Abends 8� Uhr, in Jordan'» Salon, Neue Srünftr. 28. «esang-, Turn- und gesellig« ZUreinr am Mittwoch. Männe» gesangverein„Jugcndlust" Abends«X Uhr im Nestaurant Passod,«arte» straße 182.— Männergesangverein„Cacilia" Abends g Uhr im»ie'iauvail, '•— n,t--- s. ö ei/ itf.v ilm Köpenickerstr. 127a.— Gesangverein �Männerchor Linde" Abends 8J£ Uhr «ÜVCIllUCM4l.- �VIW....... Nickerstr.�t2�a be� Grcving.— Männergesangverein f, Schneeglöckchen" ilben! Uhr im Resiaurant Doberstein, Marcannenstr. 8l-s2.- �-sangve-.N-r j � „Sängernmde" Abends s% Uhr Buckowerstr.».- ,,Sang-SU°u°-Mc Reltau.ant Henkel, Bruderstr. 28 I. UebungSstunde von �-Z ilhr Abends, s Paus .III. in.... arkattns q Ii hr hoc'Niinaldt. RsichenberNr. i�onntags rant ----- W».■ chtorstr. 15.— Gesangverein„Suv-un" Aveno» a um„ Ziemer, Cuvryftr. 18. Gälte willkommen.— Lübeck'scher Turnverein(i. Lehltnt-ff z iingS-Ablheilnng) AbendS 8 Uhr«jlisabethsir. 57— 58.— Turnverein„Weddingh Panlnr. v. Männerabtheiiung von vis— lojs Uhr Abends; desgleichen i. ingsablheilung von 8— id Uhr Abends.—„Mehr Licht", Berein fiir SrtjelCHHE? und Ernst, Abends 8X Uhr im Restaurant Held, Fruchtjir. 2sa.- Schlesischer Berein„Holtet" iübcnd»» Uhr im Restaurant«ehrt, Prinzen straste ids.— BergniigungSvcrein„Fröhlichkeit" Abends 8 Uhr im Restaura» Säger, Grüner Weg 2».— Wissenschafilicher Verein für Roller'schec Sren»_ graphie Abends sg Uhr inc Restanranl Beese, Alle Schönhauserstrabe fiS** Unterricht und Uebungsstunde.— Roller'scher Slenographenverein Sud-Becli« l WWW* Prinzenstr. 87, Siyuiig und Uevungs stunde � -------. P._. ein.Amicitta" Abends 8X Uhr im Restauras H Behrends, Schönebergerstr. 6.— Arends'scher Slenographenverein„Phil a' SU Abends o Uhr ini Restaurant„Wilhelmsgarten",«ochstr. 7.— Slenographischf,��. Gesellschaft Arends»n Restaurant Büraergarten. Lindenstr. 105. UiieiugcllliT licher Unterricht und Ucbung.— Berliner Rauchllud„Wrangel" SlbiNl» Uhr im Restaurant Foge, Köpntckerstr. l8i.— Rauchtlub„Havanna SO lendS 8X Uhr im Restaurant Paeholdt, Reichenbergerstr.>8.— Rauchklcn .........—-- Hl—«Af-r Köpnicterstr. I8l. .Gemüthlichkeit" Abends 8 Uhr �tm�Restaurant Achsel. Manchllub„C' Rauchklub Inucvur 27— ytauCDIlut)„juuuuii■■uvmv*»"»"i � o «räsestr. 82.- FrtedrichSberg. Rauchllub„Nvrdstern" Mp°'s Restaura�g�, _ mörnminiinruioerein..ftro blieb feit. aearuudel lo'r p-,, atlich Berlins/jeden Wuitwöch RVftaürmU Seydelstr. 30, von v— ii Uhr Abends. Europa Abends 8j£ Uhr bei G. Thiel, Wienerftrasze 6S.— Gesangverein der TapezM Berlins, jeden Wiittwoch Restaurant Seydelstr. 30, von v— Ii Uhr Atooö.. r- Unlerhalmngsverein„Harmonie". Sivung Abends 8 Uhr Dresdene�w l�mmerhl bei Mendt.— Tambonrverein„Exelsior, 8� Uhr. UebungSslunde bei Böv.-< Stüdersdorserstr. 8. Aufnahme neuer Mitglieder.— Mannergesangvere� jeden „LiedeSfreiheit", Abends slß Uhr im Restaurant Henke, Blumenstraße 33. Flöter'scher Gesangverein bei Musehold, Landsberaerstr. 3l. Abends s Uhr. � J Kartenflub«(»i Hauptgegenständeder provisorisch aufgestellten Tagesordnung werden toi»>!,-> fdnin.n her.Hausindustrie, der Organisation und Agi- ein die Fragen der Hausindustrie, tation. Die Diskussion darüber war eine äußerst rege, sich bis weit über Mitternacht hinaus ausdehnende. Es nahinen an derselben Theil n. A. die Damen Frau Gubela und Fräulein W a b n i tz, die Herren Kroll, Taeterow. Wiese mann, Schulz, Pohl. Böglberger und Pfeiffer. In einer demnächst tagenden Versammlung sollen die Delegirten gewählt werden. Mit dreifachem begeisterten Hoch aus die Einigkeit der Schneider schloß die animirte Versammlung. D-r j'ozinldemollrntij'che Mnlilv-r-in T-ltow-Ehar- lottcnbnrg hielt an, 24. v. M. seine Mitgliederversammlung im Saale„Bismarckshöhe" in Charlottenburg ab, zu welcher auch Reichstags-Abgeordnete Herr Wurm erschienen war, welcher einen lle stunoigen Vorlrag über Arbeiterschutz in Deutsch- land hielt. Der Vorlrag wurde ostmals mit stürmischem Beifall unterbrochen. Es wurde folgende Resolution ange- nommen: Die heutige Versammlung erklärt sich mit den Ausführungen des Referenten Herrn ReichstagS-Abgeordneten Wurm voll und ganz einverstanden, beschließt ferner: die Arbeiterschutzgesetz-Anträge, die von der Regierung beziehungs- weise dein Bundesrath gestellt sind, nicht für zwcckenlsprechend zu erklären, vielmehr die von der sozialistischen Reichstags- sraktion gestellten Anträge, im deutschen Reichstage hoch zu halte». Hierauf schloß der Vorsitzende die Versammlung mit einem dreifachen Hoch auf die internationale Sozioldemokralie. Die i» der vorigen Versammlung beschlossene Landpartie wurde vertagt bis zur Lassalleseier. Schlächt-rgrs-Uen K-rlins 1 Am Sonntag, den 6. Juli. Nachinittags 4 Uhr, findet in May's Festsälen, Benthstr. 22, ein« öffentliche Versammlung der Schlächtergesellen Berlins und Uim gegend statt. Tagesordnung: 1. Tie Gewerkschafts-Organisation und die moderne Arbeiterbewegung. Referent: Stadto. Otto Klein. 2. Diskussion. 3. Gründung eines Vereins event. Wahl einer Statutenberathlings-Kommission. 4. Verschiedenes.— Zur Deckung der Unkosten findet eine Tellersammlnng statt.— Schlächtergesellen Berlins und Umgegend! In allen Gewerken bricht sich immer mehr und mehr die Ueberzeugung Bahn, daß nur allein in der Vemuigung ein wirksames Mittel gesunden werden kann, um die berechtigten Interessen der Arbeiter zn wahren. Je größer, je zahlreicher eine Vereinigung ist, desto mächtiger wird stets dieselbe sein. Aus diesen Gründen halten wir eine große Organisation der Berliner Schlächtergesellen für eine unbedingte Nolhivendigkeit. Uederall machen sich solche Bestrebungen kund, und wir Schlächtergesellen sollten die Letzten sein? Nein, gewiß nicht! Kollegen! Es gilt zu beweisen, daß ivir nicht hinter an- deren Gewerkschaften zurückgeblieben sind. Wohlan denn! Thue Jeder seine Schuldigkeit und sorge dafür, daß die Versammlung recht zahlreich besucht werde, zu unserer Ehre und Freude. «roß» z>«rsa>i»»l>ing des Allgemeinen Arbeiterlnncnvereins sämmt licher Berusszweige Berlins und Umgegend(Filiale I Moabit) am Mittwoch den 2. Juli, Abends 8 Uhr, bei Jlge», Wilsnatterlir. 88. «roß» öffentlich« Zlersaminluns der Müller, Mühlenarbetter und Be rufsgeuossen am Miltwoch, den 2. Juli, Abends 8jj Uhr, in Tcheffer's Salon. Jnseistr. iv. Krausten- und Kterbestaffe der Kerllner Kanodiener(«. H. 81) Donnerstag, den 17. Juli, Adeuds 8 Uhr, Neue Grllnstr. 28 bei Jordan 8. ordentliche Generalversaminlung. ziie frei««eiueinde von Zliedors häll am 2. Juli ihre beschließende Milgltcderversammlung in Rirdorf, Berltnerstr. 188 vet Kummer, AdendS 8Jj Uhr ab. «effentlich» Zlerfammlung der Metallarbeiter der«SaS-, Waffer- und Dampsarinaturen-Bcanche. ivlttlwoch, den 2. Jull, Abends 8 Uhr, im Lokale deS Herrn Zeniter, Münzstr. II. Tagesordnung: i. Stellungnahme zu der Zent>al-Streit-»o»trollommisston. Referent Herr Pirch. 2. DiSlussivu und Wahl der Delegirten. 8. BerschiedeneS. Zur Deckung der Unkosten siudel Tellersaminlung statt. Achtung! Kandlnngogehilfen und«ehilsiune». Große öffentliche W-rsanimluna am Mittwoch, den 2. Juli cr., ÄbendS 8jj Uhr, tn Gralweil' Bierhalle», Kvinmandaiitenstraße 78. Tagesordnung: I. Die SonnlagSruhe der kaulleute und das Benehmen der Berliner OrtSvereine deutscher Kauf lcute. Referent: Reichslags-Abgeordneter Treesbach. 2. Stellungnahme zur Zential-Slrett-Konlroltommission. 8. DiSttlssion. Die hierbei tnteresstrle» Reichslags-Rbgeordneien Dr. Witte, Eoldschmidt, Dr. Hirsch und Paschnilke sind besonders«ingeladen. Der hochwichtigen Tagesordnuccg wegen ist —..-.------------- Illegin pünktlich zu erschecneu. Pfficht jedes Kollgen und jeder koi tierband de»"' ZahlffeU» Kerli». " Uhr, im Luis«... Kassenbericht für daS 2. Quartal. Zierband deutscher Ztlechaniker und»»rniandten Kerukogenoffe» ststcUr Kerli». Seneialversammlcmg 1'"" 8Zj Uhr, im Luisenstädtischen� KlubhauS, am Mittwoch, ben 2. Juli, Abends Annenstraße 18. Tagesordnung: 2. Bericht des Vorstandes und der Aufstellung der«andi- #. Ausnahme eFuchl7-"Der Arb-itsßachwitS'bestndet sich Anne.istr. 18 tm Resta�ant�nd (j __.. /,9 seine Forderung für Essen, Trinken und sonstige Auslagen tf0,10. 9 30 Jahren. Bfreit K. 3. An sich dursten Sie die in die Wohnung eingebrachteHebieteli Sachen nicht verkaufen. Man kann aber wohl annehmen, Wjjacfot. Sie in gutem Glauben gehandelt hatten, weil der Wirth fejjV jft' Retentionsrecht nicht erklärt hatte, und Sie genügend Sachen( lulu der Wohnung zurückgelassen hatten, um die Miethsforderung deÄNsana Wirthes zu decken. Die Rec W. K. F-ldstr. 1. Frau D. ist an ihr Wort gebunden lwzm UN kann nur die 32 Thlr. verlangen, wenn Sie nicht etwa in ihr?„s' orst i'ifito«dnvherimn niiKdvücklicti npinifliat bnbe» l" nachträglich erhöhte Forderung ausdrücklich gewilligt habest l» "''crr F. ist berechtigt, mit Genehmigung der Wirthm ditan 2. Wohnung bis zum I. April Ihnen zu überlassen. �rrichtu Ä- f-'*,• l. Eni Arbeits- und ein Sonntagsanzug müsstW 1e zu I�Jah?" der Pfändung ausgeschlossen bleiben. 2. BHarniel Tst. K. 300. Wer gewerbsmäßig einen Speisetisch fü«erbreiti � � �«c. e-i-----..««dflkW SaS Personen hält, muß das Gewerbe zum Zwecke der BesteuerunönS ves deni Magistrat anmelden. Die jährliche Steuer beträgt mindesten»� ersti 24 Mark. W. das 100. Fragen Sie unter Angabe der genauen Petf"q" nsse und der letzten Wohnung des Gesuchten sonalverhältnisse Einwohner-Meldeamt nach. G. S. G. 11. Sie können, da Sie vom Vertrage, anÄestnum wenn dieser nur mündlich geschlossen, zurückgetreten sind, dafyidj ntt Al Dransgeld nicht zurückfordern. Es ist nicht richtig, daß man bff rechtigt ist, einen Miethsvertrag einseitig binnen irgend einel_ Frist iviedcr aufzuheben. ©.§t, 1. Auch wenn es sich um eine Zechschuld Händen kann der Gläubiger nicht gezwungen werden, Ratenzahlungen anzunehme», sondern kann das Ganze auf einmal verlanget 2. Der Ausdruck„Schlumps" enthält eine strafbare BeleidigungNachdruck U. Schtnidtftrah-. Das Verniögen eines Minderjährigeist welcher sich unbefugt der Wehrpflicht entzogen hat, kann durch Gerichtsbeschluß beschlagnahmt werden. N. S. Admirnlstv. Soweit Ihre Forderung daraus ent» standen ijt, daß Sie dem Minderjährigen die dringendsten Lebens' bedürfnisse gewährt haben, können Sie dessen Vater in Anspruch nehmen. O. G. It. Ein Dienstmädchen muß 6 Wochen vor Quartals) i Aut Ali vy ♦ vy» vfi»» /vsvunuivivvyn»»»iwp~---------------- y., � schluß kündigen, also z. B. am 13. August zum 1. Oktober. Jwllckte, eine andere Kündigungsfrist ausgemacht, so gilt diese. de A. 100. Der Nachlaß Ihrer verstorbenen Schwester favP er Mii alenti an den Vater und die Geschwister, und zwar erhält Jeder eint«�-m »efchlcif -s Kops theil. A O. 889. Für die Alimentenforderungen von unehep..... liche» Kindern ist Lohnarrest nicht zulässig. ssiauorg T G. 37. Da Ihnen die Beschaffung eines Taufscheine»heiluil( unmöglich ist, so geben Sie und Ihre Geschwister vor destzon Ii Standesbeamten eidesstattliche Versicherungen über Ihr Alter unstimmer Ihre Eltern ab. Will der Standesbeamte nicht darauf eiiffür Bc gehen, so beschweren Sie sich bei der Zivilkammer des Lan�päulen gerichts. terie-Al yirdorf. Eine solche Doppelbesteuerung ist unzulässig. SMedräni können die beiden Gemeinden beim Bezirks- resp. Kreisausschufr�� jUJ. Fangrstroß-. Es kommt auf den näheren Inhalt mit dem Ülstermiether gettoffenen Abrede an, ob und wie la»SV"™, derselbe Miethe zahlen muß. Grunde T.?. Wenn Sie, ohne Widerspruch zu erheben, die Arbeff An fortsetzen, nachdem Sie� ans dem ausgehängten Plakate erseh�meuen i haben, daß in der Werkstatt keine Kündigung stattfindet, so hab�urde, Sie sich stillschweigend dieser Bestimmung unterworfen«haränote können, jedenfalls nach der von den hiesigen Gerichten stets au» gesprochenen Ansicht, jederzeit entlassen werden. � sBerantwortlicher Redakteur: Gurt Kaak« in Berlin. Druck und Verlag von Klar Kading in Berlin SW* Beuthstraß« 2.