133 Sommbeud, den 3. Juli 1893. rg S-h'»»" � � SlerlinerHollislili. kuli, Organ für die Interessen der Arbeiter. ierllnS L •Sjminä' Das„Berliner Volksblatt" chweisHscheint täglich Morgens außer nach Sonn- und Festtagen. AbonncmentSpreiS für Berlin frei % JrAii'S HauS vierteljährlich 3M Mark, monatlich 1,10 Mark, wöchentlich 28 Pf. Einzelne Nummer 5 Pf. schsin-»>onntags- Nummer mit dem„Sonntags-Blatt" 10 Pf. Postabounement 3,30 Mark pro Quartal. n der(Eingetragen in der Postzeitungspreisliste für 1890 unter Nr. 892, V. Nachtrag.) Änter Kreuzband, täglich durch die Expedition, für Deutschland und Oesterreich-Ungarn ersuche» 8 Mark» für das übrige Ausland it Mark pro Monat. 5nüt->«L i_ Ich- inj -ssir-r 1 Um»> Kaiserl SichöntT rant Hi ufsgenoi Bnchbd Sesaug old, Reste? Jnsertionsgebühr beträgt für die S gespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pf., für Vereins- und VersantmlungS- Anzeigen 20 Pf. Inserate werden bis 4 Uhr Nachmittags in der Expedition, Berlin SW., Beuthstraße 3, sowie von allen Annoncen-Bureaur, ohne Erhöhung dcS Preises, angenommen. Die Expedition ist an Wochentagen bis 1 Uhr Mittags und von 3— 7 Uhr Nachmittags, an Sonn- und"Festtagen bis 9 Uhr Vorinittaas geöffnet. Fernsprecher: Amt VI.|t>r. 4106.«- Mednltlion: VeukhUrcetze S.— Expedition: VeukMentze 3. lie Hausindustrie mit besonderer Rücksicht auf Keriin. tenstra» Ber-Ä II- Betrachten wir vorerst die Verhältnisse der Weberei. mb"-1 Der mit Dampf getriebene Webstuhl hat den größten D°Äheil der früheren Weberei deni handwerksmäßigeil Be- - ArMebe entzogen, die Macht des Großkapitals hat eine stgm°Passe von Artikeln, welche wegen der immer wechselnden �Einforderungen der Mode vom mechanischen Webestuhle -a SJfcht übernommen werden können, auf den Markt ge- UWjfacht und die Arbeitskraft und Geschicklichkeit des Webers �A'Als hem Handstuhle sich zu eigen gemacht. Der unmittel- si. ujlre Verkebr des Webers mit dem Konsumenten hat bis M°r!°chlf kleine Ausnahmen aufgehört. Der Weber erhält seineAuf- nl-rÄage vom Großkaufmann und hat mitdem Vertrieb der Waare u"'Ächts mehr zu thun. Der Großkaufmann liefert die u■"®;iflu[ter, die Kette, die Schur, vereinbart den Preis nach hliubj gewicht und Maß, bestimmt die Lieferzeit der fertigen .m SchPaare und nimmt diese in Empfang. Die Bestellungen �MuHhrt der hausindustrielle Meister zum größten Theil in Di-tu�iner Wohnung aus, läßt Frau und ältere Töchter ani "ebstuhle mit arbeiten, jüngere Kinder spulen, und nimmt nach dem Umfange der von ihmm getroffenen Ein- chtungen Gesellen und Lehrlinge an. Das Verhältniß vischen Großkaufmann und Meister ist kein andauernd ftes, letzterer sucht sich seine Bestellungen, wo er solche l finden glaubt. Es komnit vor, daß ein Meister im aufe eines Jahres mit 10—12 Großhändlern in ge- häftlicher Verbindung tritt. Die Abrechnung zwischen Meister und Gesellen CU veMolgt meist derart, daß der letztere von einem Verdienste wurde»» Meister den 4. Theil abzugeben hat, während . Meister das Arbeitszeug unentgeltlich vorhält, freie IwäbBohnung und das Mittagessen gewährt. Der hierin � fegende geringe Vortheil des Meisters, das Herabdrücken der Zreise durch die Konkurrenz und das nicht seltene auf die ... iedrigen Löhne jedenfalls in erster Linie zurückzuführende «russinbehalten eines Theiles der von: Großhändler zu fefernden Garne, das sogenannte Schmuhniachen, habende- eits einzelne Großhändler bestimmt, größere Werkstätten werdtt'h, zurichte» �nd Meister mit Gesellen, unter unmittelbarer eitung des Großhändlers, in ihnen arbeiten zu lassen. NZndMennit wäre der Anfang vom Ende der Hausindustrie verlaÄimacht. : Zeit Tem Bedauern Stülpnagcls hierüber können wir uns ,�.Icht anschließen. Durch die Ueberführung der Haus- weit Äikdustrie in die Fabrik kommt mehr Ordnung in die ersterDerhültnifse der Arbeiter. Die Verhältnisse können doch nicht er***--- auf so tiefer Stufe in der Fabrik herabsinken, als in der Hansindustrie, und jedenfalls ist es besser, daß der lebergang jetzt stattfindet, wo die Löhne auf einem, wenn auch niedrigen, so doch noch im Vergleiche mit anderen Hausindustrien in gewissem Maße erträglichen Niveau ich befinden. Daß, so lange der Fabrikarbeit die Hausindustrie mit ihren niedrigen Löhnen noch erhebliche Konkurrenz macht, in Bezug auf das Einkomnten die Verhältnisse der Arbeiter in den geschlossenen Etablissements noch keine Besserung zeigen können, versteht sich von selbst. Einer der Hauptnachtheile, ja das Krebsübel der modernen Hausindustrie, wird durch die Zwischenpersonen, die Faktore, herbeigeführt, scheint aber in der Berliner haus- industriellen Weberei wenig vorzukonmien. Der Eingang der Bestellungen ist je nach den An- forderungen des Publikums in den verschiedenen Jahres- zeiten und je nach den Launen der Mode ein verschiedener. Deshalb läßt sich auch die Verbreitung der hausindustriellen Weberei schwer ermitteln. Stülpnagel schätzt die Zahl der Webstühle in Berlin auf 5000, die in Bernau auf 257, die in Rixdorf auf 400 und die in Nowawes auf 1200, an welchen zusammen wohl 4000 Meister und 2300 Ge- seilen und vereinzelte Lehrlinge beschäftigt sein dürften. Die geringe Zahl der Lehrlinge beiveist, daß unter den Arbeitern die Ueberzeugung eine allgemeine ist, daß die Weberei nicht mehr lange hansindustriell betrieben werden kann, daß ähnlich wie in der Spinnerei die Maschinerie sämmtliche hausindustrielle Betriebe verschwinden lassen wird. Es würde eben fast an Gewissenlosigkeit streifen, wollte man die Zukunft eines jungen Proletariers der hausindustriellen Weberei überantworten. Der Lohn schwankt, abgesehen von individuellen Ver- Hältnissen, wie größere oder geringere Abhän�keit der Hausindustriellen von den Großhändlern, je..'jch den Aussichten auf den Absatz der Waare, die größere öder geringere Dringlichkeit in der Anfertigung und die 5l'on- kurrenz. Ferner kommen noch in Betracht das Maß der Geschicklichkeit und der Fleiß des Meisters. In Berlin beträgt der durchschnittliche Verdienst eines Webers wöchentlich 18Vs, in Rixdorf 9—18, in Bernau 9—15, in Nowawes nicht über 12 M. Wohlgcmerkt gelten diese Angaben lediglich für die Zeiten, wo an Bestellungen kein Mangel ist und nur für die Meister, welche keine Gesellen beschäftigen. Mit der Verwendung der Gesellen steigt, wenn auch kaum sehr bedeutend, das Einkommen der Meister. Sehr bedauerlich ist, daß v. Stülpnagel unter- ließ, die Löhne der Gesellen zn ermitteln. Die durchschnittliche tägliche Arbeitszeit kann, wenn 3 Arbeitspausen im Gesaunntbetrage von 2 Stunden in IseuMeton. chie" lachdruck verboten.)_ >$ versZ rr.■! h r & „Zum Glnck der Damen." Roman von Emile Zola. ■tf Antorisirte Uebersetzung von Armin S ch w a r z. �abrZ Blanche hatte sie eingeholt und ging stillschweigend ndiiHnter ihnen einher. Sie verloren sich atlmalig im Gewühl , jet Menge. "SHjl Es schlug sechs Uhr. Draußen gmg der Tag zur Neige �ub das Licht verlor sich allmätig ans den mit Menschen '„. ficht geftillten Gallerien. Jetzt wurden m der Dämmerung Wies Abends die elektrischen Lampen angezündet, deren runde ° klammen die entlegensten Abtheilungen unt einer intensiven W!-Helle beleuchteten. Und als alle Lampen brannten, stieg ein ischHemurmel des Entzückens ans der Menge empor; die große eg-�lusstellung von Weißwaaren nahm in dieser neuen Be- - Züchtung den feenhaften Glanz einer Apotheose an. «"JJ Mouret, auf der Höhe der Haupttreppe stehend, be- t rachtete seine weibliche Bevölkerung in dieser flammenden utigüi nchtung. Eine ungeheure Bewegung ging durch die eil-� Menge, das Fieber dieses großen Ausverkaufes wehte wie Mn Zauber über sie hinweg. Die Käuferinnen begannen Mllmälig die Magazine zu verlassen, die Fächer zeigten «große Lücken, das Gold klang hell auf den Kasfentischen. e Mouret hatte alle diese Weiber sich unterthan gemacht, selbst re 3v'c Mütter; er beherrschte sie mit der Brutalität eines Des- '.jt Zoten, dessen Kaprize in jeden Haushalt den Ruin trägt. Seine Schöpfung brachte eine neue Religion in die Mode; der Glaube wurde erschüttert, die Kirchen leerten sich, sein Ma- gazin füllte sich. Und die Frau verbrachte fürder ihre freie» Stunden bei ihm; eine unbekannte Gottheit schien gegen die Ehegatten zu känipfen. Wenn er seine Magazine geschlossen hätte, so wäre in der weiblichen Bevölkerung eine Empörung ausgebrochen. Mouret ging mechanischen Schrittes durch die Galerien dermaßen in seinen Gedanken versunken, daß er sich von der Menge schieben ließ. Als er aufblickte, befand er sich in der nenerrichteteu Abthciluug für Tamcnputz, deren Fenster auf die Rne du Dix- Dcccmbre gingen. Bon da ans be- trachtete er die hinaiisströmeude Menge. Die unter- gehende Sonne vergoldete die Giebel der weißen Häuser, der blaue Himmel dieses schönen Tages erblich allmälig, ein frischer Abendwind strich durch die in Dämmerung gehüllten Straßen, welche nur vor dem„Glück der Damen" durch die elektrischen Lampen der Magazine hell erleuchtet waren. In den Straßen gegen die Oper und gegen die Börse standen noch inimer die Wagen in dreifacher, dichter Reihe; jetzt hörte man jeden Augenblick einen livrirten Be- dienten eine Nummer oder einen Namen ausrufen und gleich darauf bog ein Fiaker oder ein Privatkoupee aus den Reihen, um eine Daine anszunehmeu und sich in hellcin Trabe zu entfernen. So wurden die Reihen allmälig ge- lichtet. Mouret betrachtete traumverloren dieses Schauspiel; in dem Beben des Triumphes, das seinen Leib erschauern machte, Angesichts dieses Paris, das er verzehrte, Angesichts des WcibeS, das er beherrschte, empfand er eine plötzliche Schwäche, eine Ermattung feines Willens, die ihn unter eine höhrn Macht beugte. Es war wie ein thörichtes Be dürfniß, in seinem Triumphe überwunden zu sein; der Abrechnung kommen, auf 10 Stunden bemessen werden, sie ist demnach nicht größer wie in den Fabriken, freilich wird sie in den Zeiten, wo die Arbeit drängt, verlängert werden und in der stillen Zeit geringer sein. Nun unterläßt aber Stülpnagel wiederum mitzutheilen, wie häufig Ver- längerungen vorkommen und wie viele Ueberstunden üblich sind; da ferner nicht angegeben ist, wie er zur Angabe von 10 Stunden, als durchschnittlicher Arbeitszeit, gekommen ist, müssen wir annehmen, daß dieser ja nicht ungünstigen Angabe leider nur wenig Bedeutung beizulegen ist. Ebenso wenig können wir beurtheilen, auf wie ausgedehnten Er- Mittelungen die Angabe beruht, daß in der Regel Sonn- tags und häufig auch Montags nicht gearbeitet wird. Einen Nebenverdienst hat der Weber nicht, nur in ganz geschäftslosen Zeiten sucht er von der Noch getrieben, einen anderweitigen Verdienst, um sofort, wenn die Verhältnisse sich bessern, zur Weberei zurückzukehren. Es ist natürlich, daß bei diesen angegebenen geringen Verdiensten der tägliche Unterhalt des Webers sich nur in sehr bescheidenen Grenzen hält, wie sich Stülpnagel aus- drückt; wir würden die von ihm geschilderte Lebens- Haltung der hausindustriellen Weber in Berlin als eine fast menschenunwürdige bezeichnen; denn Kartoffeln oder Gemüse mit Talg zurecht gemacht, nicht inimer eine kleine Portion Fleisch, bilden die' durchschnittliche Nahrung, Bier und Schnaps werden nur sehr selten getrunken. Die Wohnungen genügen nur den bescheidensten Ansprüchen und sind mit Webstühlen dicht besetzt. „Dur Uolitil: der Ardeitgeder", so betitelt sich ein der Böhmert'scheu„Sozial-Korrespondenz" aus Berlin zugegangener Artikel, in welchem den in letzter Zeit so übermüthig gewordenen Unternehmer- Koalitionen einige Wahr- heilen gesagt werden, die den Unternehmern um so behcrzigens- werther erscheinen sollten, als der Herausgeber der„Sozial-Korrc- spondenz" bekanntlich sächsischer Staatsbeamter ist. Der Verfasser weist darauf hin, daß diese Koalitionen u. A. darauf bedacht sind, Arbeitsordnungen zu schaffen, in welchen den Arbeitern bei An- drohung von Geldstrafen oder gar der Entlassung verboten wird, einem Fachverein oder überhaupt die Interessen der Arbeiter fördernden Verein anzugehören, oder auch nur eine Auffassung zu bethätigen, welche„den Interessen des die Arbeiter beschäftigen- den" Instituts entgegen ist. Hierhin wird bekanntlich unter An- derem ja auch der Besuch von Arbeiterversammlnngen, welche das betreffende Unternehmen„schädigen" könnten, ge- rechnet— desgleichen die Beiträge zu Geldsammlungen irgendwelcher Art, sei es auch gleichfalls nicht sozialdemo- kratischen, ohne daß der Unternehmer seine Erlaubniß dazu gegeben habe— u. s. w. Dieser erbärmlichen, allem Recht, aller Moral und Vernunft Hohn sprechenden„Politik" der Unternehmer tritt der Verfasser mit folgenden Bemerkungen gegenüber: Wahnwitz eines Kriegers, der am Tage nach seinem Siege sich den Launen eines Ltindes fügt. Er, der sich seit Mo- naten wehrte, der sich erst am Morgen geschworen hatte, seine Leidenschaft zu ersticken, gab plötzlich nach, wie von einem Schwindel erfaßt, glücklich darüber, dasjenige zu thun, was er für eine Thorheit hielt. Sein so plötzlich gefaßter Entschluß nahm von einer Minute zur andern eine solche Festigkeit an, daß er in der Welt nichts Nützliches und nichts Nothwendiges mehr sah, als diesen Entschluß. Am Abend, nachdem die letzte Serie gespeist hatte, ver- blieb er in seinem Kabinet. Zitternd, wie ein Jüngling, der sein Glück aufs Spiel gesetzt sieht, trippelte er hin und her; es duldete ihn nicht aus einem Fleck. Wenn Schritte nahten, pochte sein Herz heftiger. Jetzt stürmte er zur Thürc, denn er hörte ein Gemurmel, das sich in der Ferne erhob und immer näher kain. Es war Lhomme, der die Einnahme brachte. Sie wog so schwer, daß er zwei Ladenbnrsche zn Hilfe genommen hatte. Diese trugen die kleine Münze in zwei schweren Säcken, während er selbst mit den Banknoten und dem Golde vorausging. In der Hand trug er ein Portefeuille mit Banknoten; an seinem Halse hingen zwei schwere niit Gold gefüllte Söckchen. Keuchend und schwitzend kam er aus dem Hintergrunde der Magazine, um- geben von der wachsenden Erregung der Kommis. In den Abtheilungen für Handschuhe und für Seide machte man sich erbötig, ihm die Last abzunehmen; in den Abtheilungen für Tuch- und Wollwaaren wünschte man ihm einen Fehltritt, damit die Goldstücke nach allen Seiten umherrotten möchten. Dann stieg er eine Treppe empor, ging über eine fliegende Brücke, stieg noch höher; in den Abtheilungen für Weiß- wäsche, Wirkwaaren, in der Pfaidlerci folgten ihm alle Blicke, war Alles entzückt angesichts dieser durch die Luft wandern- „Es leuchtet cht, daß diese Bestrebungen sehr geeignet sind, den Frieden zwischen den Parteien geradezu unmöglich zu machen. Wenn derartige Arbeitsbedingungen aufgenommen werden, lo stellen sie an den Arbeiter Anforderungen, die völlig unzeitgemäß wie völlig undurchführbar sind. Wie will der Arbeitgeber sich darüber vergewissern, ob sein Arbeiter für irgend einen Zweck zu Hause einen Veitrag giebt? Die Möglichkeit dieser Ucberwachung würde einzig in einem häßlichen Spionirsystem liegen, ganz ab- gesehen davon, daß es doch, ivie der Erfolg des Sozialisten- gesetzcs gelehrt hat, unmöglich ist, Gedanken mitPolizeimaßregeln zn bekämpfen. Vielmehr werden durch die Ausführungen dieser Bedingungen im Uebertretungsfalle nur Märtyrer geschaffen und zwar Märtyrer gefährlichster Art. Nicht nur, daß dieselben mit einem gewissen Recht als solche betrachtet werden könnten. sondern es werden aus ihnen durch solche Maßnahmen gewerbsmäßige Hetzer gemacht, namentlich, wenn man Ver- bände schließt und„schwarze Listen- umhergehen läßt, durch die einem jeden so entlassenen Arbeiter in irgend einem Betriebe seines Handiverks die weitere Arbeit vollständig abgeschnitten wird. Wenn diese Verbände, wie z. B. derjenige der Metall-Jn- dustrie, ganz Deutschland umfassen, so ist es einen, solchen Ar- beiter kaum zu verdenken, jedenfalls zu entschuldigen, wenn er Agitator wird. Wie das Koalitionsrecht beider Parteien bei den deinnächstigen Verhandlungen im Reichstage auch geregelt werden mag, so dürfte es doch unumgänglich nöthig sein, der Ausnahme so gefährlicher Bestimmungen in die Arbeitsordnungen auf das Entschiedenste entgegenzutreten. Während die Organisation und die Oeffeutlich- keit, wie der Verlauf des I. Mai und große Streiks zur Genüge gezeigt haben, die Hauptbürgschaften bieten für ein Einlenken der Arbeiterbewegung in die ruhigen Bahnen der Verantwortlichkeit, muß uothgedrungcn ein solches, jetzt mehrfach geplantes oder begonnenes Vorgehen der Arbeitgeber die Anfänge wieder zerstören und damit wieder ein Chaos von Unzufriedenheit auf's Neue her- vorbringen, ganz abgesehen davon, daß die Bewegung damit in das Geheimnißvolle und in die Schlupfwinkel der Kneipen und Geheimnißbunds-Versaiuinlungen gedrängt werden muß. Zum Ueberflnß sei noch darauf hingewiesen, daß das französische Parlament vor wenigen Tagen einen Gesetzentwurf berathen hat. und zwar mit zustimmender Betheiligimg der Regierung, ivelcher gerade ein derartiges Vorgehen der Unternehmer nicht nur mit Geld-, sondern sogar mit Gefängnißstrafen belegt. Mag dies auch zu weit gehen, so hat doch die Gesellschaft ein Recht darauf, daß die Fabrikordnungen, anstatt wirklich die Quelle von Zucht und Ordnung zu sein, nicht eine Brutstätte der berechtigten Unzufriedenheit werden, einer Unzufriedenheit, die um so gefährlicher ist, als sie einmal zum Gegenstand hat das Gefühl der Vergewaltigung der Ueberzeugung und als sie andererseits hervorgerufen wird durch die Brotlosmachung des Arbeitnehmers. Bis zu welchem Grade sich diese Jrrthümer der Arbeitgeber versteigen, geht zum Beispiel daraus hervor, daß der Verein der Metallindustrie seine Mitglieder ferner verpflichtet, keine Ar- beiter anzunehmen, welche selbst nach richtig eingehaltener(!) Kündigungsfrist die Arbeit niederlegen, um andere Arbeits- bedingungen zu erlangen. Selbst eine jede solche unter- voller Beobachtung der Form erfolgte Arbeitseinstellung wird von den betreffenden Vereinsmitgliederl« für eine„unberechtigte" erklärt und mit der erwähnten Folge der Ausschließung von jeder Arbeisgelegenheit iin gesanunten deutschen Reiche ge- ahndet." Das Alles können wir in der Hauptsache unterschreiben: in ähnlicher Weise haben wir uns schon öfter ausgesprochen. Sehr bezeichnend ist, daß die Unternehmerpresse diesen Artikel der„Sozial-Korrespondenz" völlig ignorirt hat; sie fährt fort, im frivolsten und brutalsten Tone gegen die Arbeiter zu hetzen. Die Folgen dieser„Politik" der Unternehmer werden nicht ausbleiben. Die nächste Folge ist allerdings leider die, daß viele Arbeiter elend und unglücklich gemacht und andere um ihre wirthschaftlich-soziale Freiheit gebracht werden. Aber das wird nur vorübergehend sein. Die Arbeiter werden durch die Maß- nahmen des Unternehmerthums zu größerer Einigung getrieben; alsbald wird der Geist der Solidarität die unwürdigen Bande sprengen und energischer als je zuvor werden die Arbeiter aus die Anerkennung ihrer Gleichberechtigung dringen. Vor diesem natürlichen Verlauf der Dinge wird die Unterdrückungspolitik des Unternehmcrthums nicht Stand halten, sondern mit dem wohlver- dienten Fiasko enden. Und dieses Fiasko wird schneller kommen, als Mancher glaubt! Die„berechtigte Unzufriedenheit" der Ar- beiter wird sich als ein unüberwindlicher Faktor erweisen. Die Untenehmer-Koalition will die Arbeiter zu einem Ver- trag der Knechtschaft" zwingen— die Arbeiter werden auf dem Rechtsvcrtrag bestehen und seine Gewährung erringen mit all' den Waffen, welche das Recht selbst an die Hand giebt. Wohl darf man darauf gespannt sein, zu erfahren, wie die Reichsgcsetzgebung sich zu der„Politik" der Unternehmer-Koal tion stellt. Gebietet ste diesem Unfug nicht Einhalt, so ladet sie eine schwere Verantwortlichkeit ans sich. Nicht, daß wir befürchteten, das Treiben der Unternehmer Koalition könne die Arbeiter zu Gewaltthätjgkeiten verleiten; aber die Kämpfe zwischen Arbeitern und Unternehmern werden einen Charakter annehmen, welcher die ganze nationale Wirthschaft in schwerster Weise treffen würde. Und schließlich werden die Unternehmer doch dem Recht der Ar- beiter sich unterwerfen müssen. ES ist Wahmvitz und Frevelmuth, den Schatze. In, ersten Stock hatten die Leute in den Ab- theilungen für Konfektionen, Parfümcrie, Spitzen, Shawls ehrfurchtsvoll Spalier gemacht, als würde das Allcrbciligste vorübergetrage». Je näher der Kassircr kam, desto höher stieg das Getöse, es war wie das Geschrei des Volkes, welches das goldene Kalb begrüßt. Mouret hatte inzwischen die Thüre geöffnet und Lhounne erschien, von den zwei Burschen gefolgt, die unter ihrer Last schier zusammenbrachen. Der Kassirer hatte gerade noch so viel Kraft, um keuchend die Ziffer hervorzustoßen. — Eine Million, zweihuudert siebeuundzwanzig Franks, 95 Zentimes. Endlich die Million! Eine Million an einem Tage! Die Ziffer, welche Mouret so lange geträumt hatte! Uno dennoch war er nicht zufrieden."Mit einer Geberde des Zornes und der Enttäuschung sagte er: — Eine Million! Gut, stellt nur nieder! In dem Augenblicke, als der Kassirer, verdrossen siber die Gleichgiltigkeit des Patrons, sich zurückzog, kam Bonr doncle, ivelcher lustig ausrieft — Diesmal haben wir eine Million erwischt, wie? Doch er bemerkte die fieberhafte Erregung Mourets und begriff. Eine helle Freude blitzte in seinen Augen auf und nach kurzem Stillschweigen sagte er: — Sie haben sich endlich entschlossen, nicht wahr? Mein Gott, ich gebe Ihnen recht. Mouret pflanzte sich plötzlich vor ihm auf und schrie mit furchtbarer Stimme: — Sic frohlocken vergebens, tuein Lieber! Sie meinen, ich wäre ein abgethaner Mann! Aber nehmen Sie sich in Acht' Ich lasse mich nicht so leicht auffressen! Aus der Fassung gebracht durch den heftigen Angrist dieses teuflischen Menschen, der Alles errieth, stammelte Bourdoncle: -- Sie scherzen? Ich, der ich stets soviel Bewunderung für Sie hatte! der aus jenen Unternehmer-Koalitionen spricht, welche in der ge- schilderten Weise vorgehen. Der Kampf dagegen mag den Ar- beitern schwere Opfer kosten, aber vergeblich wird er nicht geführt werden; er wird enden mit dem Siege der Arbeiter über eine Politik des Fanatismus und der Verblendung! „G e w e r k s ch." ZVlikififto Melrevstihk. Ulis die Kapitalisten über die Kaiser- Grinste vom 4. Februar denke«. In der am 20. Juni zu Halle stattge- hakten Sitzung der Gewerbekammer für den Regierungsbezirk Merseburg wurde u. A. der Jahresbericht fertiggestellt. In dem- selben wurde folgender Passus ausgenommen:„Ein gewisses, zu Mißverständnissen führendes Entgegenkommen der königl. Staats- regierung gegenüber unberechtigten Forderungen der Arbeiter wird seitens der Arbeitgeber lebhaft bedauert. Die Einführung eines achtstündigen Normalarbeitstages durch die königl. Bergbehörde auf mehreren Gruben des Ober-Bergamtsbczirks Halle hat ebenso zu Mißverständnissen, wie zu einer mit Streiks verbundenen Er- rcgung der Arbeiter geführt." Besser kann die reaktionäre, arbeiterfeindliche Stellung der Gewerbekammer nicht dokumentirt werden. Der Fall zeigt, wessen sich das Proletariat seitens dieser Institutionen zu versehen hat. Von ihnen eine andere Stellung- nähme zu erwarten, würde überhaupt eine Verkennung der that- sächlichen Verhältnisse sein. Die Gewcrdekammern sind Unter- nehmer- Koalitionen und bringen als solche die Interessen des Kapitalismus auf Kosten der Arbeiter zur Geltung. Da« Reichs- Uerstchcruttgvamt hat an die Vorstände sämmtlicher von ihm ressortirenden Berufsgenossenschasten ein Rundschreiben gerichtet, betreffend die Unfälle, die infolge von Blutvergiftung den Tod der Verletzten herbeigeftihrt haben, sowie die Unfälle au Treibriemen und Zahnrädern. In beregtem Rundschreiben wird einmal auf die Nothwendigkeit Hingewiese», in die Unfallverhütungs- Vorschriften der Berussgenossenschaftcn Bestimniungen aufzunehmen, die sich auf die erste Hilfeleistung bei Unfällen, insbesondere auf die Bereithaltung und Anwendung von Verbandmaterial beziehen. Die Statistik der entschädigungs- Pflichtigen Unfälle für das Jahr 1887 hat nämlich u. a. ergeben, daß in 59 Fällen der Tod der durch Unfall Verletzten an hinzu- getretener Blutvergistnng erfolgt ist, und daß die Folge» der meist ganz geringsügigeu Verletzungen großentheils deshalb so chwere waren, weil dieselben nicht von. vornherein beobachtet worden und ohne ärztliche Behandlung geblieben waren. So- dann läßt die Unfallstatistik erkennen, daß nahezu der vierte Theil aller schiveren Unfälle, welche durch Maschinen verursacht siird, auf den Verlehr an Treibriemen und Zahnrädern entsällt. Daher erscheint im Interesse einer wirksamen Unfallverhütung der Ge- brauch von Riemenauslegern, sowie die Anbringung von Riemen- kästen, Räderverdecken, Riemen- und Räderumwehrungen in niög- lichst weiten! Umfange geboten, desgleichen der Erlaß einer Vor- chrift, wonach die Treibriemen nur bei langsamem Gange oder bei Stillstand der Maschine aufgelegt werde» dürfen. Soweit aber in dieser Nichtnug bereits Bestinimungen vorhanden sind, ersucht das Reichs-Versicherungsamt die Genossenschaften, sort- gesetzt auf deren strenge Durchführung halten zu wollen. Der Rräsettkstnud de» Rrichsheere» hat nmnnehr, nach der aiigeiiommeilcn Militärvorlage, folgende Ziffernhöhe erreicht: An Offizieren sind etatsmäßig eingestellt 20 285, an Nnterosfi- zieren 58 369, Zahlmeisteraspiranten 936, an Spielleiiten(Unter- offizieren) 5696,(Gemeine) 14 080, an Gefreiten und Gemeinen 394 512, Lazarethgehilsen 3777, Oekonomiehandwerkern 9613, über- hanpt 486 983. An Aerzten zählt die Armee 1830, an Zahl- meistern. Musikin spizienten, Luftschiffern 892, an Büchsenmacher», Waffennieifiern 852, an Sattlern 93 und an Dicnstpferden 93 650. Der Dundesrath hat in seiner letzten Plenarsitzung u. A. auch den Entwürfen betreffend die Volkszählung von 1890 und betresicild die Bearbeitung der Ergebnisse der Volkszählung von 1890 seine Zustimmung gegeben. Die Vorlage befand sich bereits -zweimal auf der Tagesordnung der Pleiiarsitzniigei,, wurde aber abgesetzt, weil die Vorberathungen über die Frage, ob mit dieser Volkszählung eine geiverbestatistische Ausnahme verbunden werden solle, nicht abgeschlossen waren. Es soll, wie die„Berliiier Politischen Nachrichten" melde», angereat worden sein, mit der dtesmaligen VolkSzähluiig eine Gewerbestatistik ähnlich der 1882 ausgenommenen Berufsstatistik zu verbinden und dieselbe auf die seldstständigen Betriebe aller derjenigen Gewerbe zu erslrecken, die ihrer Art nach den Gegenstand der Berilfsstatistik vom Jahre 1882 bildeten, jedoch mir Ausschluß der gewerbsmäßigen Thier- zuckt und Fischerei, sowie der Handels-, Versicherungs-, Verkehrs-, Beherberguiigs- und Expeditionsgewerbe. Die Zählung sollte mittels besonderer Gewerbekarten erfolgen. Wie schon bemerkt, wurde indeß nach eingehender Berathung der Plan einer gleich- zeitig mit der Volkszählung vorzimehnicnden gewerbestatistischen Aufnahme, als das.vauptzählungsgeschäst sehr erschiverend und möglicherweise beeinträchtigend, wieder fallen gelassen, wobei vor- behalten blieb, die immerhin sehr wichtige Aufnahme einer Gewerbestatistik für sich allein zu einer späteren Zeit zn bc- wirken. Der Dundesratls. In der am Donnerstag unter dem Vorsitz des königlich bayerischen Bevollmächtigteii, Gesandten w. Grasen von Lerche, iseld und Kösering abgehattenen Plenarsitzung « Lügen Sie nicht! rief Mouret noch heftiger. Nun ja: Ich werde sie Heirathen und wenn Ihr Euch zu rühren wagt, werfe ich Euch'Alle hinaus, Sic zn allererst, Bourdoncle. Und er verabschiedete ihn mit einem Winke. Bourdoncle fühlte, daß er vcrnrtheilt sei, hinweggefegt durch diesen Sieg des Weibes. Er entfernte sich eben in dem Augenblicke, als Denise eintrat. Endlich sind Sie da, sagte Mouret in sanfte»! Tone. Denise tvar bleich und erregt. Eben hatte sie wieder einen Kuininev gehabt. Dcloche hatte ihr seine Eiitlassnng angezeigt. Sie versuchte ihn zurückzuhalten und machte sich 'rböttg, beim Patron eine Fürbitte für ihn zu thnn. Allein, er lehnte ab � er wolle lieber verschwinden, sagte er. Wozu wllte er auch den glücklichen Leuten im Wege stehen? Sie hatte unter Thränen von ihm Abschied genommen. — Mein Herr, sprach sie beim Eintritte, Sie haben mich zn sehen gewünscht; ich wäre übrigens ohnedies gekommen, um Ihnen für die mir bewiesene Güte zn danken. Sie hatte heim Eintritt die Million bemerkt, die sich ans dem Schreibpulte ausbreitete und der Anblick dieses Geldes verletzte sie. Ihr gegenüber, an der Wand hing das Portrait der Maoame Hedonin; es war, als ob diese aus ihrem goldenen Nahmen, mit ihrem ewigen Lächeln auf threu Lippen, die Szene mitansehen wollte. — Sind Sie noch immer entschlossen, uns zn ver- lassen? fragte Mouret mit bebender Stimme. -- Ja, mein Herr, es muß sein. Er ergriff nun ihre Hände und'rief in einem Ausbruch der Zärtlichkeit:_ ,, — Uno wenn ich Sie Heirathen würde, Tcuise mochten Sie auch dann fort? Sie zog hastig die Hände zurück, als wenn sie einen großen Schinerz von sich abwehren wollte. — Ach, Herr Mouret, schweigen Sie, ich bitte Sie!... Quälen Sie mich nicht mehr!... Ich kann ertheilte der Bundesrath dem Entwurf eines Gesetzes, belni die Gewerbegerichte, den Gesetzentwürfen wegen Feststellung' ziveiten und eines dritten Stachtrages zum Reichshaushalts" für 1390/91 nebst Aiileihe-Gesetzentwurf und dem Entivurf> Gesetzes, betreffend die Konsulargerichtsbarkeit in Samoa. den von, Reichstage zu diesen Gesetzentwürfen beschlossenes änderungen die Zustimmung. Ferner wurden genehi» der Entwurf zu Vorschriften über die im Jahre> vorzunehmende Volkszählung, der Entwurf zur Abändtf der Bestimmungen über die statistische Aufnahme � Dampfkessel und Dampfmaschinen vom 14. Dezember> mit dem zu demselben gestellten Antrage der Ausfl für das Seewesen und für Handel und Verkehr, Antrag des Ausschusses für Handel und Verkehr, betreffen» Herbeisührung gemeinsamer Grundsätze für die Genehmigung J Revision der Dampfkessel, die Anträge der Ausschüsse für Zoll' Steuerwesen und für Handel lind Verkehr, betreffen!), Schwundvergütung für Brailiitiveiii-Reinigungsanstaltcn, mG treffend die Lagersrist für Weintheilungslager, und der En» einer Verordnung wegen Ausdehnung von Zollermäßigung? den Tarisen zu dem deutsch-italieuischen und dem dem spanischen Handels- und Schifffahrtsvcrtrage auf Ma� Die obersten Landes-Finanzbehörden wurden ermächtigt,! Anmelduiig der mit dem Anspruch auf Vergütung, Zuckersteuer auszusühreiidm oder niederzulegenden Zuckerfabv unter gewissen Vorausseylliigen auch bei einer zur ji: schränkten Abfertigung von Zucker nicht befugten Amtssteu« gestatten. Mit der von der Privatbahii-Verufsgeilosseiischast autragten Vereiniglmg der Schiedsgerichtsbezirke Berlin, Haim und Erfurt zu einem Schiedsgerichtsbezirke erklärte sich die« sammlung eiiiverstaiiden. Eine Eingabe, betreffend die> fälschnng von Schweineschmalz und den Vertrieb von SM wurde dem Herrn Reichskanzler, der in diesem Jahre cvsW] Bericht der Reichsschulden-Kommission, welcher dem Reichs vorgelegen hat, dem Ausschuß für Rechnungswesen iibcrnfl Das vom Reichstage aiigenomiiiene Gesetz, betreffend die Friejj Präsenzstärke des deutschen Heeres, wird zur Allerhöchsten� ziehung vorgelegt werde». Endlich wurde über mehrere einflj »n Zoll- und Steucraugelegeuheiten, über Gesuche von S» leuten n>n Zulassung zur Schifferprüsuug sowie von Masch»«! 2. Klaffe zur Leitung der Maschinen von Seedampfschiffen i« asiatischer Fahrt Beschluß gefaßt. Ilclier die Kandidatur Dismarck für Kaiserslai» bringt die„Köln. Zeitniig" aus der Pfalz einen sehr geimiiuj Artilel. Wenn man der Wahrheit die Ehre gebe, so heißt," der Korrespondenz, könne eine Kandidatur Bismarck's in Kot' lautern kaum als ivünschenswcrth bezeichnet werden. Sollte! lich der Fürst, dessen letzte Acußerungen manche Bedenken schwichtigt hätten, es im Interesse des Reiches für zweckdOT» erachten, jetzt schon einen Sitz im Parlameiit eiiizunehnieN würde sein Sieg gute Aussichten haben. Einzelne AenßOTU»- des Fürsten Bismarck hätten freilich verstimmt. Im llebrig«J man nirgend so bismarckfreu, idlich als in der Pfalz. Ohn> dringendste Viothwendigkcit— und diese schien zur Zeit nicht' zuliegen— könnte eine pfälzische Kandidatur Bismarck's naw Empfindung des Briefstellers der Wunsch keines wahren Bis)«! freundes sein. Eine Kaildidatlir Bisniarck wäre zu viel der> für den Demokraten Grohs und seinen Anhang. Es könOT Partei nicht schwer fallen,„innerhalb der Pfalz"— und d», sollte besonderes Gewicht gelegt werden— einen politisch vorragenden Mann zu geivinnen.— Knrzuin, das EndM Siede ist, selbst im„bismarcksreundlichsten" Theile Deutsch!? will man von einer Reichstags- Kandidatur Bismarck's«'' wissen. 6, Auch Graf Korborck Dismarch läßt indirekt seine der deutsch-englischen Abmachungen verlautbaren. Am einer den„Hamb. Nachr." zugegangenen Einsendung übcr, deutsch-engtische Abkommen bemerkt der ungenannte Vers«! „Einige deutsche Blätter haben behauptet oder sich voflZ schreiben lassen, der frühere Staatssekretär des deutschen AM ligen Amtes, Graf Herbert Bismarck, habe bereits im ven genen Jahre dem Lord Salisbury einen Borschlag im Si»«' jetzigen Punktation gemacht, sei aber beharrlich abgewiese» 4 Den. Wie ich aus sicherer Quelle erfahre, ist dies uubegM Graf Herbert Bismarck hat Lord Salisbury bei den verschis"? amtlichen Besprechungen, die er mit letzter», gehabt, niemal» geschlagen, Sansibar gegen Helgoland auszutauschen,"— i Fähigkeiten deS Grasen Bismarck»verde» ja allgemein für«»i ordentliche gehalten. Kozüglich dos Zlontrnms, so schreibt die„Germ?? haben die Ablehnungeii der letzten Tage(Erhöhung der Of? gehälter, Unteroffizierpräinien) unter anderem bewiesen, wie H Frage der weiteren Anspannung der Volkskräfte beurthel!» 'Auf die Ablehnung der Erhöhung der Offiziergehälter brauch!, Zeiitrumspartei nicht besonders stolz zu sein, denn diese A« nung war eine fast allgemeine im Reichstag, und die EN« düng über die Uiiterosfizierspräiinen wurde einstimmig für> Session zuriickgestellt. Um so mehr wird man darauf zu a« haben, ivie sich die Zentrumspartei stellen wird, wenn in nächsten ordentlichen Session die Forderung wegen der Ossi gehälter und Ilnteroj sizierprämien wiederkehrt. An« Thllringon, 2. Juli. Der Erfurter RegierungSpräs« hatte im Vorjahre Ermittelungen darüber anstellen lasse«-, die sozialpolitische Gesetzgebung des letzten Jahrzehnts(klraff > 9. nicht, ich kann nicht!... Gott ist nieine Zeuge, dflii, gehe., um einem solchen Unglück vorzubeugen. j Und sie fuhr fort, sich in Hasligen, abgcbroÄ Worten zu wehren. Hat sie nicht schon genug gelitten U' den ewigen Tratschereien des ganzen Hauses? Nein, m sie wird Kraft genug besitzen, um ihn von einer sov Thorheit zurückzuhalten.— Von inneren Martern peinigt, hörte er ihr zn und wiederholte immer wief •— Ich will es, ich will es! — Nein, es ist unmöglich!... Und meine Bri>? Ich habe geschworen, mich nicht zu vcrhcirathen; ich" Ihnen doch nicht zwei Kinder ins Haus bringen.. . Sie werden auch meine Brüder sein!... S? Sie. Ja, Denise!..... — Ncm, nein: Lassen Sie mich! Sie quälen mich- Dieser letzte Widerstand machte ihn schwer rasend.' — So gehen Sic! schrie er, in Thränen ausbreche' gehen Sie zn Demjenigen, den Sie lieben..... Tie» doch wohl der Grund Ihrer Weigerung; Sie sagten es' ja neulich. Angesichts dieser stürmischen Verziveiflnng brachen? lich die geheimen Empfindungen ihres Herzens hervor. � der Leidenschaftlichkeit eines Kindes, warf sie sich an F Hals und sagte schluchzend: - Sich, Herr Mouret, Sie sind es, den ich liebe'. Ein leises Getöse drang aus den Magazinen htf! wie der Beifallsrns einer vieltausendköpfigen Menge.* Porträt der Madame Hedonin lächelte noch immer. M"! war aus einen Sessel vor seinem Schrcibpnlt uiedergesu« mitten unter seine Million. Er hielt Denise umschluff und sagte ihr, daß sie nunmehr ruhig abreisen Sie möge einen Monat in Balognes zubringen, um Leuten das Maul zn schließen; dann werde er selbst si« holen und sie stolz und allmächtig an seinem Arne zm bringen, etlii ng rill a»! si- ttiÄ Unfallversicherung) auf die Höhe der öffentlichen Armenlast vermindernd eingewirkt habe. Das Trgebnip war damals ein verneinendes. Jetzt hat die Handelskammer zu Nordhausen für ihren Bezirk von rund 200 UOO Einwohnern jene Erörterungen wieder aufgenoinmen. Die Stadt Nordhausen erkennt eine solche Verminderung allenfalls in der Hohe der Summe an, die von Krankenversicherungen und Unfallberufsgenossenschastcn für im städtischen Krankenhause verpflegte Mitglieder an die Krankenhauskasse gezahlt worden ist, da man annimmt, dap diese Personen andernfalls öffentlich hilfsbedürftig geworden sein würden. Sangershausen aber, die zweite Stadt des Bezirks, ver- hält sich noch ablehnender, erkennt eine Herabminderung jener Art überhaupt noch nicht an, sondern erwartet sie erst von den Mrkungen der Alters- und Jnvaliditätsvcrsicherung.— Damit gewinnt das Wort von der„v e r ä n d e r t e n Armenpflege" eine neue Bestätigung. Karinen. Sonnabend Mittag verschied im Barmer Kranken- haus die Frau des durch„unfern Prozeß" in weiten Kreisen be- kannt gewordenen Konditors Gustav Finke. Die Frau hat un- endlich leiden niüssen; schon krank während des Prozesses, mit dem Keim des Todes in der Brust, bat sie dennoch inständigst ihren Mann, nicht erst die Verhaftung, die nach dem Antrag des Staatsanwalts der Aerurtheilung auf dem Fuße gefolgt wäre, abzuwarten. Sie wollte ihren Mann lieber im Exil wissen, als auf Jahre huiter Kerkermauern. Jetzt ist es dem Manne nicht einmal vergönnt geivesen, die letzten Augenblicke ihres Lebens um sie zu sein. Ein kleines, zartes Wesen von 11 Wochen hinterläßt die Frau, der Bater im Exil. Der Bruder des Flüchtigen nimmt das kleine Mädchen zu sich. Durch die lange, vor zivei Jahren erlittene Untersuchungshaft war das damalige Geschäft des Gustav Finke vernichtet und er inußte sich eine andere Beschästi- gung suchen. In der schweren Zeit der Roth hat die Frau ihrem Manne treu zur Seite gestanden und keinen Augenblick in ihrer Ueberzeugung gewankt, die sich dadurch bethätigte, daß sie auf dem Sterbebette jeden geistlichen Zuspruch, als mit ihrer Ueber- zeugung nicht vereinbar, von sich wies. Die Beerdigung fand am Dienstag u»ter großer Betheiligung statt. Gesterreich-Ungav«. Die Wiener„Arbeiterzeitung" richtet folgende Anfrage an den Mini st er des Innern, Grafen Taaffe, und an den Statthalter von Böhmen, Grafen Thun. Gelcgeut- lich der Streiks in Nürschau sind 13 Bergarbeiter getödtet, 30 schwer verwundet worden. Zudem wurde der dringende Verdacht ausgesprochen, daß einige der Gefallenen„die Opfer eines meuchel- mörderischen Ucbersalls auf das Volk seien"(Worte der Jnter- pellation im Landtag), welchen Werksbcamte, aus den Fenstern mit Revolvern schießend, verbrychen hätten. Dieser Verdacht wurde durch die Aussage von Augenzeugen und durch die Gestalt der Schußwunden, von welchen viele fast senkrecht von oben nach unten verlaufen, zu einem hohen Grad von Wahrscheinlichkeit gebracht. Sowohl der Statthalter von Böhmen als der Minister des Innern sind amtlich in Kenntniß dieser Dinge und haben beide strenge Untersuchung zugesagt. Unsere Anfrage lautet nun: Was ist das Resultat dieser Untersuchung? und wie ist diese Untersuchung geführt worden? Wir wissen, daß 140 Niirschaucr Arbeiter verhaftet sind. Von der Einleitung einer Verhaftung oder auch nur Untersuchung gegen die Werksbcamten haben wir nichts gehört. Das arbeitende Volk hat aber ein Recht darauf, zu wissen, wie lein Leben gegen„Meuchelmord" geschützt wird. Die viürschauer Äergwerksbesiger haben zwar ein„Recht" darauf, ihren Lohnsklaven durch lange Arbeit im dunklen Schacht bei Hungerlöhnen das Leben zu verkürzen; sie aber über Tag mit Revolvern eigenhändig umzubringen, dazu giebt ihnen nicht einmal die heutige Gesellschaft ein anerkanntes Recht. Und wir denken, es wäre der Ausrechterhaltung der sogenannten „öffentlichcii Ruhe und Ordnung" gar nicht so schädlich, wenn das Volk klare Auskunft darüber erhielte, ob denn jeder Proletarier vogclsrei, jeder Ausbeuter und sein Antreiber aber immun sei! Die beiden Exzellenzen sollten also im Interesse des von ihnen gestützten Staates selbst sich mit der Beantwortung unserer Fragen etwas sputen. Kommern. Daß Mitgefühl und Nächstenliebe unter Um- ständen auch sträflich sein kann, beweist nachfolgend geschilderter Vorfall. Den Hinterbliebenen Frauen und Kinder» der in Nürschau getödteten Bergleute wollten die hiesigen Bergmannsfrauen durch Sammlungen unter sich Geld und Brot beschaffen. Sie, die selbst unter den allerelendsten Verhältnissen leben, die die Roth und das Elend, der Hunger nie verläßt, sie waren bereit, noch mehr zu hungern, sich noch größeren Entbehrungen auszusetzen, nur um den Nürschauer Waisen, denen man den Vater, den Ernährer, getödtet, in etwas ihr Leid»u mildern. Wahrlich, ein Beginne», so menschlich, so edel wie man es in der Gegenivarl nur selten mehr findet. Echt proletarisch.— Doch, es sollte beim guten Willen bleiben. Ein Denunziant zeigte das Vorhaben der Berg- mannsfrauen in Kommern der Behörde au, es wurde eine Unter- suchung eingeleitet, und zwei der Frauen zu 43 Stunden lllrrest verurtheilt. Ob man vielleicht auch noch das bereits gesammcltc Geld init Beschlag belegt hat, darüber sagt unser Berichterstatter nichts. Es würde uns aber wirklich nicht wunder nehme», wenn es geschah. Pest, 3. Juli. Ter Handelsminister hat im Einvernehmen mit den betheiligten Mintstern zur Verhinderung der Einschlepvung von Infektionskrankheiten die Einsuhr und den Tranfitverlehr von Habern, Abfällen und gebrauchter Wäsche ans Kleinasien und Spmuen verboten. London, 4. Juli Ter Gesetzentwurf betreffend Abtretung Helgolands wird im Lause der nächsten Woche im Oberhause ein- gebracht werdem o v? Arbeitseinstellung der G as arbeiter in LeevS ist beendigt; das Gnskomitee hat die Hauptforderungen der Arbeiter, darunter die Entlassung der jetzt beschäftigten, nicht dein Verbände angehörenden Slrbeiier, schließlich genehmigt. London, b. Julj. n u t e r h a II s. Bei der Berathung des Kriegsbudgets erklärte der Staatssekretär des Krieges, Stau- Hope, die Regierung nehme das von der Kommission unter Vorsitz tartington's gemachten Vorschlag an, einen Heeresrath und einen tottenrath zu errichten und zwar in der Form eines Kabincts- aneschusses, in welchem die Ministerien des.Krieges, der Flotte, des Auswärtigen, der Kolonien und Jndieen» vertreten sei» sollen. Im Kriegsnilnisteriuin wird auch ein Militärrath, foivie ein Beförderungsrath errichtet. Ueber die Aufhebung des Postens des Oberbefehlshabers fänden noch Erwägungen statt; General Wolseley, ivelcher im Oktober zurücktritt— jedoch nicht wegen Meinungsverschiedenhelte» mit den Ministern— werde durch Redvers B»llers ersetzt werden, da Frederick Roberts noch zwei Jahre in Indien bleiben müsse, um wichtige Ausgaben burch- zuführen... FrauKreich. 55« t i§, 3. Juki. Der Sennl hat die Auflegung eine? Zolls von drei Frauken aus Mais mit 10ö gegen 71 SUmmen genehmigt. m Die D e p u t i r t e n k a in in c r hat die Vorlage, betreffend die Besteuerung der Fabrikation von Wein ans Rosinen mit einem Zusatzartikel angenommen, welcher besagt, daß der frag- liche Gesehenlivurf am 1ö. künftigen Monats in Wirksamlat treten soll.— Delasosse richtet eine Interpellation an die Rc- werung über die mißliche Lage der franzöjischen Kolonisten i» «ro- für welche seitens der Regierung nichts geschehe, .Rimfler Ribot wies den der Regierung gemachten Vorwurf zurück, legte die entschiedeneil Fortschritte dar, welche in der Lage der französischen Kolonisten in Tunis eingetreten seien, und verilchertc, daß es die Regierung an Fürsorge für dieselben nicht Ehlen lasse. Die Kannner bcfchloß eine Tagesordnung, welche die ErNärnng der Regierung billigt. Paris, 2. Juli. Uebermorgen beginnt der Prozeß gegen die Russen, ivelche der unerlaubte» Herstellung und Aufbeivahrung von Sprengstoffen angeklagt sind. Anfänglich waren 29 Per- sonen verhastet worden. Die Untersuchung ergab, daß die An- klage nnr gegen folgende 9 ausrecht erhalten werden konnte: Reiustein mit Frau, Lnvrenius, Fräulein Bromberg, Sie- panow, Katschinzem, Leivow, Nakaschivze, und Hökel- mann von Landesen. Die ersten acht befinden sich noch in Ge- wahrsam, der Letztere, axcmt provocateur, ist entkomme». Am meisten bloßgestellt ist Reinstein, derselbe hatte außer seiner Woh- »iliig am Boulevard d'Jtalie, die er mit einer hier Medizin stu- direndcn Frau bewohnte, eine zweite Wohnung an der Avenue des Gobelins, in welcher er seine chemischen Versuche anstellte. Neinstein giebt zu, mit Landesen Bomben hergestellt zu haben, und hat auch angegeben, welche Stoffe er für die Sprengstoffe ver- wendete. Er erwartet, dem„Temps" zufolge, eine strenge Be- strafung, ist aber gleichwohl sehr ruhig. Wie er in einem Briefe ans dem Gefängnisse mittheilt, spricht ihn sein Geiviffen frei, da er der Menschheit kein Unheil habe zufügen wollen. Er betrach- tet das Gesängniß als«ine Schul« für seinen Körper und seinen Geist und hofft, nach seiner Freilasfung der Sache der Arbeiter um so thatkrästiger dienen zu könne». Er beschäftigt sich in seiner Hast mit gelchrlen Studien. Frau Reinstcin erträgt ihre Lage gleichfalls gefaßt. Lavrenius, welcher vermögend ist, gilt als ein Hanpt der nihilistischen Partei. Man hat bei ihm verschiedene Ehemikalien gefunden, welche zur Füllung der Bomben bestimmt waren. Frl. Bromberg, Studentin der Medizin, wird gerichtlich verfolgt, iveil sie eine Kiste zur Aufbewahrung übernommen hat, in welche Rein stein 16 Bomben gepackt hatre. Sie behauptet zwar, den Inhalt der Kiste nicht gekannt zu haben; der Polizist, welcher bei ihr Haussuchung hielt, sagte dagegen aus, Frl. Brom- berg sei durchaus nicht über die Bomben erstanut gewesen, alS man in ihrem Beisein die Kiste geöffnet habe. Stepanow und Katschinzew beivohnten znsammen ein Ziimner. Auch bei ihnen wurde eine Bombe gefmiden. Ersterer ist Sekretär des russischen Arbeitervereins; letzlerer soll mit Reinstein und Landesen Bomben hergestellt und im Walde von Vondy Versuche mit Sprengstoffen angestellt haben. Lewow hatte in seiner Wohnung Ehemikalien, die er von Lavrenius erhalten haben soll. Lavrenius behauptet dagegen, Lewow nur oberflächlich gekannt zu haben. Nakaschivze gehört einer AdelSsamilie an. Er bestellte ebenso wie siatschinzew und Lavrenius bei drei hiesigen Fabrikanten chcinischer Apparate Metallthcile, welche zur Herstellung von Bomben ver- ivendet werden sollten. Lavrenius chatte angegeben, in welcher Art diese Aictallslücke gearbeitet werden sollten, und überwachte die Ausführung genau. Lavrenius behauptete, diese Apparate hätten zu ungefährlichen Versuchen mit Gasen dienen solle», aber die gefundenen Bomben haben genau die Gestalt der von La- vrenius bestellten Behältnisse, und diese Bestellungen waren Anfang Mai, also kurz vor der Verhaftung der Rüsten gemacht worden. Landesen wird von den Angeklagien als Lockspitzel be- trachtet. Als Grund für diese Ansicht geben sie a», daß er allein nicht verhaftet wurde und einige Tage vor dir Berhastung der 20 Russen spurlos verschwand. Da Landesen an der Herstellung und aii allen Versuchen mit Bomben theilnahm, ist dies allerdings s ehr bezeichnend. Die Anklage stützt sich auf ein Gesetz vom Jahr 1871, nach dem die unbefugte Herstellung und Ans- bewahrung von Sprengstoffe» mit Gesängniß von Ve bis zu 5 Jahren und Geldstrafe von 00 bis 3000 Fr. bestraft wird. Itttlie«. Rom, 3. Juli. Die Deputirtenkaminer setzte heute die Be- rathung des Gesetzentwurfs, betreffend die frommen Stistnngen fort. Artikel 73 wurde in der Fassung des Senats, für welche der Ministerpräsident CriSpi eintrat, angenommen, desgleichen Artikel 37 nach dem Antrags der Koulniission, welcher einen Aus- gleich zwischen dem ersten Beschluß der Kammer und demjenigen veS Senats bildet, sowie eine Resolution, durch welche die Re- gierung aufgefordert wird, den Artikel 13 des Garanliegesetzes zur Ausführung zu bringen und für den niederen Klerus vorzu- sorgen/ Sodann wurden auch alle übrigen Artikel der Boringe genehmigt. Spiknie». Madrid, 3. Juli. Das Ministerium hat die Königin- Regentin um seine Entlassung ersucht. Tie Königin- Regeutin hat dieselbe angenommen und wird wegen Bildung eines uenen Kabincts zunächst mit den dafür in Betracht kommenden politi- schen Persönlichkeiten verhaudelii. Die Sitzungen der Körles sind cinstiveilen vertagt. Madrid, 3. Jnli. Die Königin- Regentin hat mit den Präsidenten der 5kau»n>er>i Über die Zusaminensttzuiig des neue» Käbinets berathschlagt, doch ist bis zum gegenwärtige» Älugen- blick noch kein endgiltiger Entschluß gesapt worden. Die Bil- dung einoS Kabinets Eanovas gewinnt mchr und mehr an Wahrscheinlichkeit. AvtreikcvbetucgrttiN. Aus dem Königreich Ktnmm. Am vergangenen Sonntag ivar im Luisonthal bei Saarbrücken eine Verfainnilung des Arbeiter-Rechtsschntzvereins. Bei dieser Gelegenheit äußerte ein Arbeiter der Slnmm'schen Hütte in Neunkirchen, man möge doch einmal tu Neunkirchen eine Bersainmlnng abhalten. Man beschloß daraus, am Donnerstag, also vorgestern, sich in Nennkirchen zu versammeln und der Maurerpolier Roll wurde mit allem Weiteren betraut. Ilm Dienstag Morgen schon fand sich an dem Merkslhore der Hütte in Neunkirchcn folgender Anschlag: „Der Borsitzenve des Arbeiter- Rechtsschutzvereins, Maurerpolier Noll, welcher sich hier in Neunkirchen be- findet, beabsichtigt, hier eine Versammlnng abzuhalten. Derjenigen von unseren Arbeitern, welcher diese Berjamm» luiig besucht, wird sofort entlasten." Der Ätrbeiter, der an der Versammlnng in Luisenthal theilnahm, soll den» auch inzwischen bereits enüasteu sei». Kündigungs- sristeu existiren bei Herrn v. Stumm nicht! tuirende Vorflandssitzuug ab. Mit Nücksicht darauf, daß die nächstliegende Hauptaufgabe des Vorstandes die sein wird, t» Berathunq über die Frage zu treten, ob für den Knappschasts- verein eine eigene gefonderie Versicherungsanstalt zu erstreben sei, wählte die Versammlung eine Kmmntssion von 10 Miiglievern. »Iii die unbedingt uothwendige. Prüfung der Angelegenheit vor- zunehmen und eingehend«'Erhebungen darüber anzustellen. Bon Bedentnng ist auch die von ihm beschlossene Ei»richt>l»g, daß a» den Sitzen der drei bisherigen Knappschaftsvereine besondere Komiuissionen bestehen sollen, welchen die selbstständige Führung gewisser Geschästezweige übertrage» ivird. Man bezweckt damir, ve» KnappschaftsmitgUedern eine Erleichterung zu gewähren, in- soser» als sie ihre Knappschastsangelegenhatten an den seitherige» Orten erledigen können. Zunächst ist diese Einrichtung für das gegenwärtige Geschäftsjahr geplant; etiva vorzunehmende Aende- rungen werden von den in» Lause dieser Zeit gemachten Cr- sahrnngen'.bhänaen. Auf dri» zlathhnnf«?« Umfcheid fand au, 30. Juni, wie der„Düss. A»z." mittheilt, eine Sitzung zur Beilegung des Ausstandes der Feiienhauer statt. Zu derselben hallen du Feilen- sabrikanten und die Feilenhauer je eine Abordniiug entsandt, auch waren Vertreter der Behörden anwesend. Etue Einiglliig wurde jedoch noch nicht erzielt, eS sollten daher weitere Berhanblungen stattfinden, zu welche» die Abordnungen genauere Ailweisiingen seitens ihrer Auftraggeber eiuholen sollten. Daher tand an» 1. Juli unter zahlreicher Theilnahme ivieder eine Bersammluna statt. Das- Ergebniß der Berhindlungen nmo der Entschluß, aus der Beivilligung eines Drittels der aufgestellten Forderungen zu beharren und den Streik fortzusetzen. Viele Ausständtsche smd noch immer mit Ausrodearbeit beschäftigt,- neuerdings auch zu Feld. Fünfzig der Streikenden haben ans Stöcken in der Ge- meinde Fünfzehnhöfe eine gleiche Arbeit angenommen. In jCripzia befaßte sich eine am 2. Juli abgehaltene Ver- sammlnngvon Steinmetzgehilsen mit der Berathung der Lvhnsrage und beschloß, da der mit den Unternehmern vereinbarte Tarif nnr noch auf weiiigen Arbeitsplätzen eingehalten würde, auf jedem Platze eine Konimission zu wählen, welche auf richtige Berechnung und Bezahlung achten und Zuwiderhandlungen der nächsten öffentlichen Bersanunlung anzeigen soll, damit diese über die gegen die nichttariftrenen Prinzipale zu treffenden Maßnahme» Beschluß fassen kann. Weiter beschloß die Versammlung. dem Verband der deutschen Sleinmetzgehilfen in Verlin beizutreten und wählte einen Vertrauensmann, der den Verkehr der hiesigen Ver- bandsmitglieder mit dem Verbände vermitteln soll. Köln, 3. Juli. Ter Beschluß der Klempner- und Dach- deckermeister, wonach diejenigen Gesellen, welche bis zu einem be- stimmten Tage nicht aus de», Fachverein ansgeschieden sind, ent- Hessen und von keinem ortsansässigen Meister in Arbeit geuom- inen werden sollen, hat in Ardeiterkreisen eine große Ausregung hervorgerufen. Die Arbeiter verschiedener Branchen haben dem Fachverein für den Fall einer Llrbeitersperre ihre Unterstützung zugesagt. Auch soll ein Bureau zur Entgegennahme und Ausführung von Klempner- und Dachdeckerarbelten von den Gesellen ins Leben gerufen werden. London, 3. Jnli. Auf den großen schottischen Schiffsbau- werften droht eine Arbeitseinstellung, weil die Eigenthümer für gewisse Arbeiterkategorien eine Herabsetzung des Lohnes ange- kündigt haben. Dovfcittttttlnngen. Ginr öffentlich« Tertilarbeiter-«nd Ardeitcrinnen- verfan»nlu»lZ fand ain 30. v. M. unter Vorsitz des Herrn Hübsch in Joöl's Salon, Andreasstraße 21 statt. Reichs lags-Abgeordneter Alb. Schmidt reserirte über: Amerika- »ische Zölle und ihre Wirkung auf die deutsche Textilliidusirie. Redner besprach die Ursachen der Schutzzollpolitik, namentlich wie dieselben auf Verlangen der„nothleidenden" Großgrundbesitzer ins Werk gesetzt ivurden. Gerade ivie der Militarismus eine Schraube ohne Ende fei, so verhalte es sich auch mit den Schutz- zölle». Redner zeigte dann a»; Grund eines großen Materials, wie der Export in Produkten der Textilindustrie nach Amerika von Jahr zu Jahr zurückgegangeit wäre und fetzt fast gar keine Aussuhr nach dort stattfände. Amerika wäre durch die deutschen Schutzzölle gezwungen worden, die Produktion selbst tn die Hand zu nehmen. Nicht allein das, sondern Amerika ver- doppelt jetzt setue Schutzzölle auf Seiden, Wollen und Baum- ivollenwnaren. DaS ist der Untergang der deutschen Textlt- Industrie. Die deutschen Kapitalisten sind darob aus dem tzäus- che», sehen aber nicht ein, daß durch ihre Repressivmaßregelii die nordamerikanische Union gezwungen war, auch ihrerseits Repressiv- maßregeln zu ergreifen. Es zirkuliren nun Petitionslisten, welche die deutsche Reichsregierung auffordern, diesem Treiben Amerika's Einhalt zu gebieten. Namentlich zwingt man die Arbeiter und Arbeiterinnen diese Listen zu unterzeichnen. Redner betonte zum Schluß, daß wir diesem Treiben der Unternehmer vergnügt zusehen können, ziehen wir doch daraus die Lehre, in Zuklmst uns immer enger und enger aneinander zu schließen. Der Vortrag wurde mit lebhaftem Beifall entgegen genommen. In der Diskussion sprachen sich sämmtliche Redner im Sinne des Referenten aus. Kollege Schuster griff bei dieser Gelegenheit die Innungen heftig an und sagte, daß dieselben heute weiter kein Interesse mehr haben, als zu berathen, mit was für Schleifen und Schärpen sie sich bei dem bevorstehenden Bourgeoisfeste (Schützenfest) als Staffage zu detheiligen hätten. F!>r ihre Jnter- essen hätten sie keinen Si»», nur den Sinn, ihre verhungerten Gestalten mit Flitterkram behängen, dem großen Publikum als Staffage anzubieten. Frau WengelS fordert die Frauen auf, die Versammlungen doch reger zu besuchen, damit dieselben»n ihren Fachkreisen daL Gehörte in möglichst viele Köpfe bringen. Von den Wirkern wurden die Herren Rüge und Löbnitz, von den Posamentirern Herr Heidtfeld in die Zentral-Streik-Kontrol- konimission gewählt. Mit einem dreifachen Hoch auf die inler- nationale Arbeiterbewegung wurde die Versammlung geschlossen. Versatumliiiio der Mikitör- und Ltefer uugsj'chiteidef. Am Dienstag, den 1. Juli, fand in Teigmüller's Salon, Alle Jakobstr. 48a, eine öffentliche Versammlung aller Militär- und Liefernngsschneider mit der Tagesordnung: 1. Vortrag deS Sladtv. Herrn Fritz Zubeil über: Gewerbe-SchiedSgerichte. 2. Diskussion. 8. Verschiedenes, statt. Zur Leitung der Ver- sammlniig wurden die Herren Roloff, Reeowski und Jerwin gewählt. Da der Referent noch nicht erschienen war, wurde Punkt 1 und 2 zurückgesetzt und ein Antrag, welcher dahin lautete, einen Delegirten von den Militärschneidern in die Streik- Kontrol-Kommission zu entsenden angenommen. Aus der Wahl ging Kollege Kroll hervor. Inzwischen war der Referent er- schienen und erhielt sogleich das Wort zu seinem Vorträge. Er erklärte, daß dieses Geiverbeschiedsgericht, welches jetzt vom Reichetage angenommen wurde, schon im Jahr» 1873 und 13?3 als unannehnibar zurückgestellt wurde. Die Ursache dafür, daß ma» jetzt die Frage der Eewerdeschiedsgerichte von„Rechts- wegen" zu regeln suche, liege tu der regellosen Handhabung der jetzt besteyenden Schiedsgerichte.'Als Grund- läge für ein einigermaßen segensreich wirkendes Schieds- angenommenen Entwurf soll der Arbeiter zum aktiven Mahlrecht erst mit dem 2S. und zum passiven erst mit den» 30. Lebensjahr zugelassen werden; trotzdem inan schon den tS jährige» alle Pflichten als Staatsbürger aufbürde, solle er mit Li Jahren noch nicht zu eiiici» Gericht, ivelches nur Fächstreitigkeiten zu enlschciden habe, wählen dürfen, und mit 25 Jahren, welche» Alter doch zum mindesten hier angebracht wäre, sich in das Schiedsgericht ivähle» lassen. Man sehe in der Armee und tm höheren Staatsdienst junge Leute, Söhne uns den bevorzugten Klassen, bedeutend verantivortnngsvollcre Posten einnehme». Ferner kritisirte der Referent das Verhalten der Regierung der Wählbarkeit der Frauen gegenüber. Ihnen wird rundweg die Besähigimg abgesprochen, in solche» Schiedssragen Recht sprechen zu können. während doch die gleichen wirthschaftliche» Verhältnisse, ivelche sie als Arbeiterin mit dem Mann habe, sie wohl dazu befugten, aber«§ fei hier von der giegierungsseite bloS maßgebend, dem Arbeiter so lange als möglich auch seiner kleinsten Rechte zu be- rauben. Gerade deshalb forderte der Sieferent die Anwesenden ans, unter sich soviel als möglich zu agitire»»nd die noch große nidtfferente Masse, welche noch keiner Organisation angehört, Hera» zu holen und aufjnklären. Hierauf schloß der Referent den mit großen Beifall anfgenommtnen Vortrag. An der Tis- kussion betheiligten sich die Herrn Schulze, Knol! und Schiieeiveiß im Siiine des Reserenten. Eine entsprechende Resolution wurde angeiiommen. Unter Verschiedenem wurde noch � die Gründung eines Streikfonds besprochen und das Resullat war. daß das Markensystem als zweckmüsiig gewählt irno beschlossen wurde, 2ö Pf-Marken anzuschaffen; jedes Kollegen heiligste Pflicht ist»c-, alle 14 Tage eine Marke zu kaiisen. Ferner wurden den streikenden Hamburger Maurern 30 M. überwiesen. Hierauf schloß der Vorsitzende die Versammlung um 12�4 Uhr mit einem dreifachen Hoch auf die internationale Arbeiterbewegung. Theater. Sonnabend, den S. Juli. Kerliner Theater. Cornelius Voß. Friedrich-Milhelmstiidt. Theater. Der arme Jonathan. WaUner- Theater. Mamsell Ni- tauche. Niktoria-Theater. Stanley inAsrika vstend» Theater. Heinrich Heine Vorher: Eine vollkommene Frau> Keileallianre» Theater. Der Nau- tilus. Kroll'» Theater. Silvana. Kaeefmann'o Uaristö. Große Spe zialitäten-Vorstellung. Englischer Garten. Direktion: C. Andress. Alexander straße 27 c. Auftreten der Kostüm-Soubrette Fräul. Vermont. Auftreten des Gesangshumoristen Herrn ■Jonas. Auftreten der Duettistinnen Geschwister de la Terra. Auftreten des Tanzkomikers Herrn Lohmidts. Auftreten der Jano-Trnppe. Anfang Wochentags 8 Uhr. Sonntags öVa Uhr. Entrce Wochentags u. Sonntags 30 Vf., SO Pf. und 75 Pf., im Vorverkauf 20 und 30 Pf. Der Garten ist an Vereine f. Sommer- festlichkeitenm.Spczialiläten-Vorstellung zu vergeben. Etablijsmellt Buggenhagen am IWoritzplatzi Täglich: Grosses Garten-Concert. Direktion A. Nödmann. Dienstag und Freitag: Valser-�dend. Bni�ee» �oodentags 10?tg., und kesttags 25?lg. Bei ungünstiger Witterung in den unteren Iiestaurationsräumen. Großer Frühstücks- und Mittagstisch. Spczial-Ausschank von Patzenhofer Export-Bier, Seidel 15 Pf. D»e oberen Säle bleiben bis auf Weiteres wegen Renovirung geschlossen. F. Müller. Vari6t6-Theater. (Hasenhaide) Bermannstr. 18— Neue Strasse 18. Sonntag, den 5. Juli 1890;, Der Postillon von Müncheberg. Posse m. Gesang in 3 Akten u. L Bildern. Vorher: SpeziMäteil-Lorstellullg. Anfang des Konzerts 4 Uhr, der Vor- stellung 0 resp. 7 Uhr. Montag, den 6. Juli 1830: Die Lieder des Musikanten. Volksstück mit Gesang in 8 Akten und 7 Bildern. Anfang des Konzerts 6 Uhr, der Vorstellung 8 Uhr. Entree 20 Pf. Kinder frei. Nassage 1 Tr. 9 Uhr M. b. 10 Uhr Ab. Aaiser-Fanorama. Hervorrag. Sehenswürdigk. d. Residenz. Eine Wanderung durch Rom. 1. Zyklus Amerika, Kalifornien. Der Mond, fliegende Vögel w. Eine Reise 20 Pf., Kind nur 10 Pf. Abonnement 1 M. Miiililer-GeMgliereillLitilesfreiheit. Am Sonnabend, de» f». 3(nll. fti/o aru«« . Am K-nnakend, den S. Juli, Abends 8V2 Uhr. in Schröder'» Salon und Garten, Manteusselstraße 9: G Johannisthal. Ludwig's Salon. Größter und schönster Saal Johannis- thals, ferner große Kaffeeküche, Aus- schank, Kegelbahn, Schaukel, direkt im Walde gelegen. Dem geehrten Ausflüge machenden Publikum bestens empfohlen. 554) Achtungsvoll G. Ludwig. WnliinWer Tunnel, gen.:„Dir fidele Uagelkiste", Berlin N., Elsasserstraße 73, gegenüber der Bergstraße. Im Lokal photographische« Atelier zur Benutzung.— Jeder Gast, auch wenn derselbe nur für 10 Pfennige verzehrt, wird gratis photographirt und erhält sein Bild sofort als Gratisprüsent. Höchst scherzhast! H. Schnitze(mit'n tz). Einzige Keller-P hotograp hie der Melt. 1940 fei Empfehle allen Freunden und Be- kannten meine Destillation, eiß- 11. Bnirijlh-Bm-Lokal. Vereinszimnier für Arbeitsnachweis und Zahlstelle steht zur Verfügung. Canl Oirgchy Mrangelstr. 84. 1804 Oestneichen! Wann's Euch g'müthli unterholten wöllt's, so kommt's in die Kürassier Stroßen auf Nr. 15a in die Ungarische Restauration. Die Höchsten Weener Tanz wer'n aufgeführt. s725 0.. Zillets für Herren ü 50 Pfl und Damen ü 30 Pf. sind bei den Herren Laise, Dieffenbachstr. 31, Kupfer, Barmmstr. 30, Schiller, Waldemarstr. 33 bei °chn.°r. Katschmareck Höchstestr. 19. Scholz, Kottbnser Platz la(Cigarren- Jefcham, Apelt, Sebastianstr. 28(Möbel-Handlung), Oelze, Kl. Zlndreasstr. 19, Henke, Blumenstr. 38, Kräker, Wasserthorstr. 20(Cigarren-Geschäft). zu haben. Gönner und Freunde ladet ergebenst ein _ Der Dorstand. Fachverein der Tischler. Sonnsdenü, den 5. dnli, Abends Sve Uhr, in Jordan's Salon, Neue Grünstraße Nr. 28: HÜF* Versammlung.-MZ Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Herrn Türk über„Frauenbefreiung". 2. Diskussion. Vereinsangelegenheiten. 4. Verschiedenes und Fragekasten. Mitgliedsbuch ist mitzubringen. 868 Neue Mitglieder werden aufgenommen. Oer Vorstand. Tie Fchliereiiis-VechMlW Ii. Steinmetzen Berlins Wtt n Sonntag, iidi 6. Mi, Bm. 10 Uhr,- w veigwüller'» Salon, Alte ZckiHr. 18», statt. Um zahlreiches Erscheinen ersucht Der Dorstand. Fachverein der inDnchbindereien u.verm. Hetrieben beschäftigt. Arbeiter. Sonnahend, den 5. Juli, Abends 8V2 Uhr, im Louisenstädtischen Klubhaus, Annenstrasse IG 1 Ausserordentl. General- V ersammlung. Tages-Ordnung: 1. Vortrag über:„Klafsenhochmnth". Refer.: Herr Pens. 2. Stellungnahme zu dem bisherigen Verhalten der Innung unseren Forderungen gegen- über. 3. Verschiedenes und Fragekasten.— Mitgliedsbuch legitimirt.— Aufnahme neuer Mitglieder.— In Anbetracht der hochwichtigen Tagesordnung ist es Pflicht eines jeden Mitgliedes, zu erscheinen. vor Vorstand. bis. Der unentgeltiche Arbeitsnachweis des Vereins befindet sich vresdenerstrasse 116. Geschäftsstunden Wochentags 10— llVa Uhr. Telephon- Anschluß Amt IXa Nr. 578.— Billets sowie Plakate zu dem am Ä6. Juli tattftndenden Sommertest in der„Neuen Veit" sind in der Versammlung und in allen mit Plakaten belegten Lokalen zu haben. 891 Lrileiitl. GeilttlllversllMlililg kt EiiWr Mlerj Berliiis am Sonntag, den 9. d., Dorm. lOVs Uhr, Ueue Friedrichstr. 44. Tages-Ordnung: 1. Wahl eines ersten und zweiten Vorsitzenden. 2. Abrechnung vom 2. Quartal d. I. 3. Verlegung des Arbeitsnachweises. 4. Fragekasten. Daß alle Mann am Platze sind, ist Ehrenpflicht jedes einzelnen Mitgliedes. Drr Dorstand. 632) Fachverein für Schlosser and Maschinenbau-Arbeiter Berlins und Omgegond. Mittwoch, 9. Juli, Abends S'/a Uhr, in Feuerstein's Salon, Alte Jakobstr. 75: Ceilttlil-Versamillllilg. Tagesordnung: 1. Abrechnung vom 2. Quartal. 2. Ersatzwahl des Vorstandes und der Arbeitsnachweis-Kommission. 3. Aufnahme neuer Mitglieder und Entrichtung der Beiträge. 883 4. Wahl eines Vergnügnngskomitee's. 5. Verschiedenes und Fragekasten. Pflicht sämmtlicher Mitglieder ist es, in dieser Versammlung zu erscheinen. Mitgliedsbuch legitimirt. Drr Dorstand. Glaser- Gesellschaft Kerlins«nd Umgegend. Dienstag, 8. Juli, Abends 8Vs Uhr, in Gratwrit'» KirrhaUe», Kommandanten st raße 77—79: Versammllmg. Tagesordnung: I. Kassenbericht.— 2. Bericht über die Frankfurter Angelegenheit.— 3. Ver- schiedenes.— Wir bitten die Kollegen, recht pünktlich und zahlreich zu scheinen. Der Vorstand. 879 I. A.: R. Stampohl. er- Centralverein deutscher Böttcher. Sonntag, 6. Juli, Vorm. lO'/a Ulir, bei Heise, Lichlenbergerstr. 21: MST Versammlung."fBlE 376_ Der Bevollmächtigte. Da ich am 1. Mai gemaßregelt wurde und infolge dessen seit acht Wochen ohne Beschäftigung war, so habe ich am 1. d. Mts. die Iritnng«- Spedition von N. Raschke übernommen und bitte die Genossen, mich in meinem Unternehmen zu unterstützen. Bestell- ungen auf das„Berliner Volksblatt", „Volks- Tribüne",„Vereiusblatt" und „Wahren Jacob", sowie auf sämmtliche Arbeiter-Bibliotheken sieht entgegen 853 C. Marzahn, Wiesenstr. 17, l. Seitenfl. 4 Tr. Qffflfltrtrt t Meine sämmtlichen -auixmig l Seiden- und Filz- Hüte sind mit Eontrolmarkcn ver- sehen und werden nicht erst beim Kaufe» eingeklebt. A. Lange, 390 B r u n n e n st r. 136/37. Steppdecken- Cr Fabrik Emil Lefövre, i Berlin, Oranienstr. 158. Größte Auswahl! Moll-Atlas- Steppdechr» imit. Handarbeit! 2 Mtr. lang, blau, grün, bordeaux 7,50 Mark. Einzelne schadhafte Decken 3 und 4 Mark. Illustrirte Ureististe gr. u. fv. 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"�fdi um en. «I rt« 1 Wir erhalt«»» folge,»des Schreibe»»: Auf Anfrage ver- .chiedener Gewerkfchaftei», theilen»vir hierdurch mit. daß noch Mucksprache des Oekonom Herrn Kindermann(Tivoli) der große __ iSaal zu jeder Versammlung unentgeltlich zur Verfügung ficht. Gleichzeitig machen wir den Genossen bekannt, daß Keller's iDofjäger,(Hasenhaide) Jnh. Fröhlig, frei ist. Die Lokalkommission 81'S. A. W. Werner. Aug. Jnsinger. Wuth und Angst zugleich spricht aus allen Auslassungen der Bourgeoisie, wenn es sich darum handelt, die gesetzmäßigsten Bestrebungen der Arbeiter zu verdächtigen. Die hiestgen Fleischergesellen wollen sich bekanntlich zum Zweck einer Lohnbewegung organisireu. Das hiesige Meisterorgan, die„Allgemeine Fleischer- �jJReltung", das Sprachorgan aller dickwänstigen Trabrenner aus Weißensee, begleitet die Versaminlungsankündigung mit folgenden »Vor der Thür des Schlächtergeiverkshauses wurden gestern *ttel vertheilt, in denen ein ungenannter Einberufer zu einer ojfentlichen Versammlung der Schlächtergesellen nach May's �älcn, Beuthstr. 22, für kommenden Sonntag Nachmittag 4 Uhr »»ladet. Auf der Tagesordnung steht als erster Gegenstand ein ieferat des sozialdemokratischen Stadtverordneten Otto Klein über 'ie Gewerkschafts-Organisatio». Wenn der ungenannt gebliebene rinberufer etwa»nit dieser Versammlung den Zweck verfolgt, ��üne Gesellenbewegung und Gesellenverhetzung nach Hamburger �Morbild in Szene zu setzen, so dürfte er freilich einen großen Mißerfolg ernten. Denn die Zustände im Berliner Schlächter- gewerke, die Beziehungen z>vischen Meister und Gesellen sind der- -ort gute, daß der Eiirberufer in seiner Einladung gar nicht Jwagt, auch nur auf irgend einen Mißstand hinzudeuten, sondern 2k"nur erklärt, da die anderen Arbeiter und Geiverkschasten sich zu v«»! Organisationen zusammenschließen, so müssen die Schlächter es TT�auch thun. Eine recht kindliche Begründung, bei der vor allem rch- vergessen ist, daß doch die Verhältnisse im Schlächtergewerk ganz andere sind, als in den anderen Gewcrken. Wie»vir hören, wer- den denn auch mehrere ältere Gesellen in der Sonntagsversamm- 'l»lng das Wort ergreifen und jeden Versuch einer Verhetzung der '..Beziehungen zwischen Meister und Gesellen entschieden zurück- zieleweisen. Wiewohl wir der Versammlung also gar keine Bedeu- efinetung beilegen, freut es uns doch mittheilen zu könne»», daß auch Mahlreiche Meister zu der Versammlung sich einfinden werden, um jedem von Außen her in das Geiverk hineingetragenen Zwiespalt entgegentreten zu können. Wir werden über die Versammlung In nächster Nummer ausführlich berichten." Wir wollen aus die Sache selbst nicht eingehen, sonder» den Fleischergesellen nur warm ans Herz legen, ohne die Bevornum- dung ihres Meisterorgans ernsthaft ihre Angelegenheiten zu be- rathen. Wenn die„Allg. Fleischer-Ztg." sich um die Trichinen und stinkigen Würste ihrer Aujtraggeder kümmert, hat sie gerade ZU' genug zu thun. Singe, we»i» Gesang gegeben... Wir werden um die gll Aufnahme des Folgenden ersucht:„Ein Doppeljubiläum eines falten Berliners." Der Maurer Adolf Müller, Solmsstraße 2l, »feiert am L. Juli er. sein 50 jähriges Gesellenjubiläum, er erlernte >. �die Maurerprofession in den Jahren 1837—1840, wo er noch von __ �den ehemaligenMaurerinnung zum Gesellen ernannt wurde. Gleich- zeitig feiert derselbe sein 50 jähriges Jubiläum als Sanges- bruder; er trat als Jüngling von 10 Jahren als erster Tenor .in die Hamburger Volksliedertafel unter Leitung des in Sanges- aba» kreisen bekannten Dirigenten Herrn Groß, geHörle serner während seiner Wanderschaft verschiedenen Privatvereinen an, trat dann ab. in Berlin in den Märkischen Bund und singt noch heute fleißig -im Märkischen Zentralbund des Vereins„Brennabor" den zweiten ! Baß. Der Jubilar erfreut sich noch recht guter Gesundheit ui»d i kann noch manches Jahr als Sangesbruder»inter seinen Freunden � leben.— Mögen dem greisen Baßsänger noch Freudeutage„nach Noten" beschieden sein und möge er sich so fröhlich durch seineu Lebensabend singen, wie er sich durch den übrigen Theil seines Daseins gesungen hat. Dir Dflastersteinr, mit welchen der größte Theil der Ber- liner Straßen befestigt wird, stammen aus den verschiedensten Ländern. Die alls Schiveden und Norwegen koi»il»enden zahl- reichen Steine sind sämmtlich Granite; Belgien, welches gleich- falls einen Haupta». theil an der Versorg»mg Berlins mit Pstaster- »»aterial hat, sendet das letztere lediglich aus den Porphyrbrüchen von Quenast un>veit Brüssel. Die aus Bayern und Schlesien lammenden verhältnißmäßig geringen Quantitäten sind graniti- ,.1 che» Ursprungs, wogegen L-achsen sowohl Porphyr und Grün- L« steine, als auch Granite liefert. Die in der Mark Brandenburg Z i gewonnenen Steine V. und Vi. Klasse kind sämmtlich aus Granit- sindlingeu hergestellt. Das Ausland liefert 80 pEt. aller Steine. 'Sl« mannigfachen Versuchen, das Inland zu einem erfolgreichen Wettbewerb heranzuziehen, hat es die städtische Bauverwaltung nicht fehlen lassen. Die durch die„kgl. Prüsimgsstation für Bauiuate- r»al»en" vorgenommene Prüfung der aus de»» Julande angebotenen , chleinprobe» hat den Beweis erbracht, daß die deutschen Gesteine — llch/u Bchug aus ihre Güte vielfach den ausländischen an die W-» � ,f.J S?.'Ömten. die Erfahrung hat aber gelehrt, daß die yl1 deutschen Bruche in Bezug aus Leistungsfähigkeit und Preisforde- — 1£} ausländischen, namentlich den schlvedische»,»och in I keiner We»se gewachsen sind, so daß immer noch der Hauptan- I theil an den Lieferungen der besseren Pflastersteine ausländischen, vornehmlich schwedcschcn Bruchbesitzern zufällt. Hierbei mag er- «•.!l wähnt werden, daß Berlin seinerseits vielfach wieder das Land fllß mit Pflastermaterial versorgt, da die ländlichen Nachbargemeind en und die Verwaltungen der an das Weichbild Verlins angrenze»- den Kreise einen große» chheil der für Berlin nicht mehr ver- ivendbaren alten Steine auska»lfen. Die Nachfrage nach solche» Steinen ist seit einigen Jahren eine sehr lebhaste geworden, so lzetf daß sich der Preis pro Kubikmeter,»reicher anfänglich 4 M. be- che. trug, jetzt auf 7 M. und darüber stellt. Dir Fnngflittioi« des Aijunnmi«» in Novigno befand sich ,»<1 bisher in einem Miethshause. Nachdem sich die Station beivährt 'ch hat, hat das Aquarium mit dem Bau eines eigene»» Hauses in Novigno hart am Meere begounei». Dasselbe soll im Erdgeschoß ,» große Bassins für die Aufbewahrung der Fänge enthalten. Bis letzt geschieht dieselbe in Fischkästen im Meere. Bei Sturm aber werden dieselben leicht zertrümmert und bei hoher See sind sie nicht zu erreichen. Eine wissenschaftliche Station dürste sich leicht an dieses Institut anknüpfen. . Iledrr eine«»»»istlnngene»» Diebstahl erzählte vorgestern fu seiner chemischen Vorlesung Professor Seil folgendes: Bei der f»iivinn»ng von Schwefelsäure»verde»» zuletzt Platina-Netorten verwandt. Dieses Metall ist bekanntlich sehr theuer und kostbar, "u® solche Platina-Retorte wird von den Schiveselsäure- v urwei» wie ein Augapfel gehütet. Einige mit den Verhältnisse» oversiachlich vertraute Diebe mochte»» aus der Sorgfalt, mit der man die)e Retorten bewachte, geschlossen haben, daß sie aus Silber oder Gold»värei», sie sahen beim Wegschaffen derselben im Geiste schon kin prächtiges Stück geschmolzenen Edelmetalles vor sich "kgen. Allein ihre Anstrengungen, die Platina-Retorte in eine �vv�re Form zu bringen, waren b ei der großen Widerstands- sahigmt dieses Metalles umsonst. Sie erkannten ihre E»t- 1 f 4* täuschung; unmuthig brachten sie die nun allerdings ver- stüiiimelte Retorte heimlich wieder in die Fabrik und befestigten daran einen Zettel, auf den sie schrieben:„Da habt ihr euren Schuiid wieder!" Verhaftet wurde gestern die von früher her bekannte Hoch- staplerin Auguste Vogel, verwittwete Kähler, geb. Rakow. Die- selbe wurde, wie unseren Lesern erinnerlich sein dürfte, bereits im Jahre 1385 hier strafrechtlich verfolgt, und z>var»vegen ihrer Betheiligung an einer Ofstziers-Wechselfabrik, welcher ein Herr v. N. vorstand. Damals vermochte die Kriminalpolizei nicht das zur Begründung einer Aiiklage erforderliche Beweismaterial zu- sammenzubringeu; jetzt nachdem die Abenteuerin inzwischen Ruß- land, England und Frankreich bereist und dort vielfach Gast- rollen gegeben hat, ist es geglückt, sie hier wieder zur Haft zu bringen, und zwar auf Grund einer wegen Wechselfälschungen er- statteten Anzeige. Die gefälschten Wechsel, deren zur Zeit nur drei vorliegen, lauten über Summen von 800 beziehungsweise 700 M. Do» der Verhaftung des Gemeindelehrers» dem kürzlich die Schuld au dem Tode eines seiner Schüler beigemessen wurde, ist im letzten Augenblick Abstand genommen worden. Daß der Knabe am Tage vor seinem Tode von dem Lehrer ge- züchtigt worden ist, wird nicht bestritten, doch soll der Knabe zwei Tage vorher auf einem Ne»lbau in der Nähe der Wohnung seiner Eltern in eine Grube gestürzt sein und sich bei dieser Gelegenheit verletzt haben. Die unrichtigen Mittheiliingen, welche in dieser An- gelegenheit durch die Presse Verbreitung gesunden haben, hätten sich leicht vermeiden lassen, wenn die Polizeibehörde in diese»» das allgemeinste Interesse beanspruchenden Fall aus ihrer Zllrllck- Haltung herausgetreten wäre und den Zeitui»gen offiziell zuver- lässige Nachrichten hätte zilkommen lassen. Der frühere Rechtsanwalt Drohner, ein ziemlich ver- kommener Mensch, welcher in den» Bureau eines hiesigen Rechts- anivalts aus Mitleid Beschäftigung als Hilfsarbeiter erhielt, hat die Gutmüthigkeit und das Vertrauen seines Chefs in der Weise gemißbraucht, daß er den Betrag von 120 Mark,»velche ihm ein Mandant, ein Bauimternehmer, j....... zur Abführung in die stasse über- seinein Nutzen verwendet hat. Der ist von der Kriminalpolizei infolge gab, unterschlagen und in undankbare Rechtsbeflissene dessen verhaftet worden. Zn einem Znfaininenstoß zwischen Polizei und einer Rotte betrunkener Burschen, bei welchem schließlich Militär zu Hilfe gezogen werden mußte, kam es, einer hiesigen Lokal- korrespondenz zufolge, vorgestern Abend gegen 8jUhr in der Schorn- weberstraße. In Reinickendorf war eine aus 12 Personen be- stehende Gruppe von Leuten in Streit gerathen, der zur Schlägerei ausartete; ein des Weges kommender Gendarm versuchte die Kämpfenden auseinander zu bringen, jedoch machte nunniehr die ganze Bande gegen den Beamten,»velcher von der blanken Waffe Gebrauch machen mußte, Front und drängten denselben, mit Knitteln auf ihn einschlagend, in die Scharnweberstraße hinein. Augenzeugen des Vorfalles waren inzwischen nach dein nahe ge- legeuen Tegeler Schließplatz geeilt, um die dortige Wache zu alarmiren. Erst als nun eine aus sechs Mann bestehende Militärabtheiluug auf dem Kampfplatz eintraf, gelang es, zwei der Rowdieß dingfest zu machen, während die übrige»» die Flucht ergriffen. V»»ter einem Kvetterstapel lirgraben wurde gestern Mittag der in der Gubenerstraße 59 belegenen Tischlerei be- schäftigte Arbeiter K. Derselbe befand sich auf dem Haufen m»d war mit dem Abheben der Bretter beschäftigt, als dieselben plötzlich in sich zusammenstürzten und den nichts ahnenden K. unter sich begrübe». Trotzdem man sofort an's Werk ging, den Bedauernswerthen aus seiner unglücklichen Lage zu befreien, so hatte doch K. derartig schivere Verletzungen erhalten, daß seine sofortige Ueberführung nach dem städtischen Krankenhause am Friedrichshal»» vollzogen werden mußte. Daselbst wurden schwere innere Verletzungen, mehrere Rippenbrüche und bedenkliche Kon- tusiouen an den Füßen konstatirt. Schivere Unglückiofälle durch Verbrühe»» ereigneten sich im Laufe des vorgestrigen Tages. Der erste vollzog sich in der Anklamerstr. 15 belegenen Bäckerei von Schinauer. Daselbst war in der Backstube der 18 jährige Bäckerlehrling Valentin mit dem Abheben eines mit siedendem Fett angefüllten Kessels beschäftigt, als er plötzlich infolge eines Fehltritts ausrutschte und sich den Inhalt des Kessels über de» Körper und Füße goß. Der junge Mann erlitt schivere Brandwunden und brach von Schmerz über- wältigt zusainme». Sofort nach Hinzuziehung eines Arztes, der ihm Linderung seiner Schmerzen verschaffte,»vurde der Aermste nach dem katholischen St. Hedwigs-Krankenhaus in der Großen Hamburgerstraße geschafft. Ter andere Fall trug sich in der Fehrbellinerstr. 27 zu. Daselbst bewohnt die dritte Etage das M.'sche Ehepaar, daS sich im Besitz eines niedlichen zweijährigen Mädchens befindet. Als vor- gester» Nachmittag der Kaffe aufgetragen war, benutzte die kleine Hedwig einen unbeivachten Augenblick, zupfte an der Tischdecke und riß mit derselben die mit heißem Kaffee angefüllte Kanne so unglücklich herunter, daß sich der Inhalt derselben über ihren Körper und ihre Arme ergoß. Das unglückliche Kind»vurde sogleich nach dem katholischen Krankenhause gebracht. Dir Witterung des Monats Juni war vorwiegend trübe, kühl und regnerisch. Der bis zum 25. prächtige Mai hatte uns derartig verwöhnt, daß»vir den unglücklichen Juni doppelt schwer empfanden. Nach einigen kalten Tagen im Anfang des Monats schien allerdings warmes schönes Sommerwetter die Oberhand gewinnen zu wollen, doch hielt diese Besserung nur 3 Tage(vom 4. bis 6.) au, dann trat starker anhaltender Wegen ein, und mit einigen nicht bedeutenden Unterbrechungen hielt das trübe, zu Niederschlügen neigende Wetter bis gegen Monatsschluß au. Tie Temperatur»var meist kühl, besonders in den Morgen- stunde», während sie Mittags mit Ausnahme tcr Tage vom 15.— 20. stets auf eine leidliche Höhe ging. Aber 20. wurde es plötzlich sehr warm, doch kühlte bald wieder ein Gewitter die Luft ab, ohne daß die Temperatur iudeß in den folgenden Tagen empfindlich kalt wurde. Für diejenigen Glücklichen, welche ihre Ferien- bez. Reisezeit schon im Juni beginnen konnten, war das Wetter jedenfalls sehr ungünstig, während den»»eisten Großstädtern, denen Hitze und Staub besonders lästig sind, die kühle, feuchte Lust nicht allzu unangenehm er- schien. Auf die abendlichen Erholungsstunden in» Freien mußte mau jedoch allerdings meist Verzicht leisten. Die Natur, welche Ende Mai ungemein vorgeschritten war, blieb infolge des frischen regnerische» Wetters im Juni erheblich zitrück. Im Uebrigen war das Wetter ungemein fruchtbar, und der üppige Stand der»»eisten Feldsrüchte verspricht eine gute Ernte, falls nur das Erntewetter günstig wird. Die Heuernte hat allerdings durch die Nässe vielfach gelitte». Was die Er- gebnisse der meteorologischen Beobachtungen betrifft, so betrug zunächst der mittlere Barometerstand im Juni c. 750,4 Mm., »vährend 757,8 Mm. normal sind. Das Wetterglas zeigte»»eist nur geringe Schivankungen; das Maximum des ganzen Monats war mit 702,2 Mm.(am 16.) vom Minimum mit 748,7 Mm (am 21.) nur um 13,5 Mm. entfernt. Die mittlere Temperatur betrug Morgens 7 Uhr 13,4 Gr.(normal sind 16,2 Gr.), Mittags 2 Uhr 18,6 Gr.(normal 19,8 Gr.), Abends 9 Uhr 15,0 Gr. (normal 16,0 Gr.). Die Morgeutemperatur war also um 2,8 Gr., die Mittagstemperatur dagegen nur um 1,2 Gr. und die Abend- temperatur um 1 Gr. zu kalt. Die mittlere Monatstemperatur betrug 15,9 Gr., d. i. 1,5 Gr. weniger, als für den Juni normal sind. Der Juni»var, was recht selten ist, kälter(u>n 0,2 Gr.) als der Mai,»vährend er eigentlich um 4,3 Gr. wärmer sein soll. Der wärmste Tag»var der 5. mit 21,3 Gr., der kälteste der 1. mit 10,7 Gr. Mittelwärme. Auf beide Tage fallen auch die ab- soluten Extreme mit 2,9 bez>v. 4,5 Gr.; am Erdboden betrug die höchste Temperatur sogar 32,2 Gr., die niedrigste dagegen 1,3 Gr. Zu warm waren 9 Tage, zu kalt 19, zwei hatten die normale Teinperatur. Der Wind war fast ausschließlich westlich. Nord- »vest wurde 30 Mal, West 29 Mal, Südwest 15 Mal beobachtet; nur 5 Beobachtungen dagegen ergaben nordöstliche oder südöstliche Winde. Windstille wurde 4 Mal festgestellt. Die Windstärke be- trug im Durchschnitt 3,0 der 12theiligen Skala; die �Ziffer 5 kam mehrfach vor, wurde aber nicht überschritten. Die Bewölkung »var recht beträchtlich; sie betrug,»venu 0 ganz heiter und 10 ganz bedeckt bedeutet, im Monatsmittel 7,4,»vährend 5,7 für den Jum normal ist. Besonders die zweite Monatshälste zeichnete sich durch starke Beivölkung aus. Im ganzen Monat war nur 1 heiterer Tag(Beivölkung»mter 2), dagegen»vurden 16 trübe(Bewölkung über 8) gezählt. Auch die relative Feuchtigkeit der Luft war be- trächtlicher, als normal ist. Sie betrug 69,6 pEt., während dem Juni nach langjährigen Beobachtungen 66 pCt. zukommen. Am größten»var die Feuchtigkeit am 27. mit 96, ain geringsten am 4. mit 31 pCt. Sehr beträchtlich waren die Niederschläge, die im ganzen Monat eine Höhe von 94 Mm. erreichten, während 69 Bim. normal sind. Sie vertheilen sich auf 20 Tage, von denen einzelne 19,3 Mm.(der 7.), 15,4 Mm.(25.) und 13,8 Mm.(16.) brachten. Hagel wurde ein Mal, Gewitter zivci Mal, Nebel ein Mal beobachtet. Volizeibericht. Am 3. d. M. Nachmittags wurde ein 12jähriger Knabe vor dein Hause Schönhanser-Allee 54 von einein Kutschwagen überfahren und erlitt anscheinend innere Ver- letzungen.— Zu derselben Zeit wurde eine Frau an der Ecke der Karls- und Friedrichsstraße von einer Droschke überfahren und erlitt einen Bruch der linken Schulter, so daß sie nach der Universitätsklinik gebracht werden mußte.— Kurze Zeit darauf sprang ein 16 jähriges Mädchen in der Burgstraße, vor der Börse, in die Svree,»vurde jedoch noch lebend aus dem Wasser gezogen und nach der Charitee gebracht.— Abends wurde vor dem Hause Neue Promenade 5 ein 14 jähriger Knabe von einer Droschke überfahren und an den Oberschenkeln nicht unbedeutend verletzt.— Zu derselben Zeit wurde auf dem Boden des Hauses Weideuiveg 7 ein Mann erhängt vorgefunden.— Am 3. d. M. und in der Nacht zum 4. d. M. fanden an drei verschiedenen Stellen kleinere Brände statt. (Bevirf»ks-33eikmlg> ,,Es ist wirklich betrübend, einen jungen Menschen mit guter Veranlagung gewaltsam sein Lebensglück verscherzen und von Stufe zu Stufe sinken zu sehen 1" Mit diesen Worten wandte sich gestern ber Vorsitzende der ersten Strafkammer an den wegen wiederholter Unterschlagung, Urkundenfälschung ec. angeklagten Buchhalter Richard Ferdinand Heinrich, welcher in der That in der srivolsten Weise seine Zukunft untergraben hat. Der noch jugeiidliche Mensch, welcher eine selten schöne Handschrift schreibt, ist schon einmal gestrauchelt und hat erst im Januar d. I. eine ihm aiiferlegte Gefängnißstrafe von 1 Jahr 3 Monaten verbüßt gehabt. Mit Hilfe gefälschter Atteste,_ welche außerordentlich günstig lauteten, gelang es ihm, in der Wein- Großhandlung von Caracciola». Ko. eine Stelle als Buchhalter zu erhalten und hierbei fand er dann reich- lich Gelegenheit zu Veruntreuungen. Er hat geständlich in etwa 6 Wochen eine Summe von über 1800 M. von Kunden des Geschäfts eingezogen und bis auf den letzten Groschen in Gesellschaft von Dirnen verpraßt. Der Staatsanwalt empfahl, den Angeklagten trotz der be>viese»en Frivolität noch einmal vor dem Zuchthnuse zu beivahren, aber in längerer Gefängnißstrafe Gelegenheit zum Nachdenken darüber zu geben, wohin solch boden- loser Leichtsinn fuhrt. Der Staatsanwalt beantragte deshalb drei Jahre und der Gerichtshof erkannte auf z w e i I a h r e G e f ä u g u i ß und drei Jahre Ehrverlust. Eine Megäre,»velche Richtern und Gerichtsboten viel zn schaffen niaa te, stand gestern in der Person der unverehelichten Anna S-efser vor der I». Strafkammer hiesigen Landgerichts I. Trotz der Geringfügigkeit der Anklage— es handelte sich nur nm Diebstahl aa einem Taschentuche—keifte und schrie dieAngeklagte auf derÄnklage- dank, so daß sie nur mit Mühe zur sttuhe gebracht»verde»» konnte und ihr mehrfach eine Ordnungsstrafe angedroht»verde», mußte. Als nun gar die Belastungszeugin auftrat, da schäumte dieAngeklagte vor Wilth, sie suchte die Zeugin mit giftigen Blicken zu zerschmettern und indem sie wie eine TollhäuSleriu mit den Händen auf die Barriere schlug, eröffnete sie ein Bombardemenr von Schimpf- warten und Beleidigungen gegen ihre Gegnerin:„Betrügerin! Meineidige! Seelenverkäuferin! Zuchthäilslerin!" so klang es in wildem Chaos durch einander, und da die Angeklagte mit dem Toben nicht aufhörte, sah sich der Gerichtshof genöthigt, die Ver- Handlung abzubrechen und die Angeklagte wegen Ungebühr vor Gericht sofort auf drei Tage in Arrest zu schicken. Unter Zetern und Schreien ging's den Korridor hinab, und als sich die Ge- fängnißthür hinter ihr schließen sollte, schleuderte die Megäre noch die Drohung hinaus:„Wenn ich herauskomme, gieße ich der Kanaille Oleum in's Gesicht!" Megen Vetrinzes gegen eine Grtskraiilienltiiste hatte sich gestern ein gewisser Max Virgens vor der III. Straf- kannner hiesigen Landgerichts I zu verantworten. Der Angeklagte, welcher der Ortskrankenkasse der Arbeiter und Arbeiterinnen angehört, war hauskrank und von einem Kassenarzt behandelt worden. Er hat sich nicht»»ur des Betruges, sondern auch der wiederholten Urkundenfälschung dadurch schuldig gemacht, daß er die ärztliche Bescheinigung in dem 5ira»ken-Kassenbuche fälschte und die Krankenunterstützung aus längere Zeit erhob, als ihm zukam. Der Gerichtshof berieth eingehend über die Frage, ob diese Atteste des Arztes als öffentliche Urkunden anzusehen seien, wonach die Sache dem Schwurgerichte überwiesen werden müßte. Er hielt jedoch schließlich dafür, daß hier nur Privaturkuuden vorliegen und verurtheilte den Augeklagten zu zwei Monaten Gefängniß. Der Vscrdebah>»schaffi»er Julius Schulz stand gestern »vegen Körperverletzung in einer das Leben gefährdenden BeHand- lung vor der 93. Abtheilung des Schöffengerichts. Als der An- geklagte, der einen Wagen der Ringbahn zu bedienen hat, am Nachmittage des 11. Februar bei der Haltestelle am Friedrichs- Hain hielt, näherte sich dem Wagen ein stark angetrunkener Man», der Arbeiter Siegel, welcher dann Anstalten machte, den Hinterperron zu besteigen. Der Schaffner verweigerte vorschriftsmäßiger Weise dem Trunkenen die Mitfahrt, der letztere wollte sich aber nicht abweisen lassen. Der Wagen setzte sich wieder in Bewegung, der Trunkene sprang aufs Trittbrett und versuchte dennoch seinen Willen durchzusetzeil. Nun soll der Angeklagte dem Manne einen so heftigen Stoß ge geben haben, daß derselbe loslassen mußte und mit ziemlicher Wucht auf das Straßenpflaster schlug. Der Beschuldigte schilderte den Sachverhalt wesentlich anders und in einer Weise, wie er auch durch die Beweisaufnahme bestätigt wurde. Darnach hatte der Betrunkene nicht auf dem Triltbrelte gestanden, sondern er war, sich mit der Linken an dem Hinterperron festhaltend, eine Strecke iveit neben dem Wagen mit gelaufen und hatte versucht, das Trittbrett zu besteigen, woran der Angeklagte ihn aber ver- hindert hatte. Schließlich hatte Seidel aber loslassen müssen und war vornüber dabei auf das Pflaster gefallen. Der Staatsanwalt hielt auf Grund dieses Thatbcstandes nicht eine vorsätzliche, sondern eine fahrlässige Körperverletzung für vor- liegend, der Angeklagte hätte die gefährliche Situation, in der sich der Trunkene befand, übersehen und den Wagen zum Stillstand bringen müssen. Er beantrage, daß das Schöffengericht sich für unzuständig erkläre und die Sache der Strafkammer überweise. Der Bertheidiger, Syndikus der Großen Berliner Pferde-Eisen- bahn-Gesellschaft, Rechtsanwalt Dr. Hilfe, führte aus, daß der Angeklagte lediglich seiner Vorschrift gemäß und im Interesse der Fahrgäste handelte, wenn er dem Trunkenen die Mitfahrt verweigerte, auch habe derselbe bei Vermeidung von Strafe die Fahrzeiten pünktlich inne zu halten und dürfe eines Betrunkenen wegen den Wagen nicht zum Stillstand bringen. Der Gerichtshof verkannte nicht, daß der Schaffner sich in emer schwierigen Lage befand. Leben und Gesundheit eines Menschen seien über die pünktliche Ankunft eines Wagens zu setzen und derselbe müsse ebenso gut eiiies Trunkenen wegen zum Stillstand gebracht werden, wie eines Kindes wegen, das Gefahr lause, uberfahren zu werden. Fahrlässig habe der Angeklagte unter allen Umständen gehandelt unh habe der Gerichtshof sich deshalb für unzuständig erklärt. Die Sache wird demnach vor der Straf- kammer zur Verhandlung gelangen. Gi« Astt schnödcstrr Zlndalillbarllrit führte gestern den Handelsmann K r e e b s vor das hiesige Schöffengericht. Als die Dachdecker Hanke und Müller eines Abends die Linienstraße ent- lang gingen, beinerkten sie auf dem Dainni ein kleines, etwa breijähriges Mädchen, welches in dringender Lebensgefahr schwebte, da eine Droschke in schnellen, Tempo direkt auf dasselbe loskam. Im letzten Augenblick sprang Hanke hinzu und rettete das Kind. indem er es schnell bei Seite zog. Ter brave Mann trug das ganz erschrockene Kind in einen nahe gelegenen Keller und konnte sich nicht enthalten, einige laute Bemerkungen über die pflichtver- gessenen Eltern zu machen, welche ein solches Kind unbeaufsichtigt au, der Straße lassen. Der Angeklagte, als Vater des kleinen Madchens fühlte sich durch diese Worte so außerordentlich belei- digt, daß er auf Hanke zusprang und durch körperliche Mißhand- lung desselben seinen Dank für die Errettung seines Kindes ab- stattete. Der Gerichtshof sah nur mit Rücksicht auf die bisherige Unbescholtenheit des Angeklagten von der Verhängung einer Ge- fängnißstrafe ab und erkannte auf 30 M. Geldbuße event. 6 Tage Gefängniß. Da» Gpfer eine» Ketrugrs ist der Maler M. geworden, welcher gestern vor der II. Strafkammer hiesigen Landgerichts I. als Zeuge gegen den Kaufmann und Hefehändler Hermann B I u m e n t h a l aufzutreten hatte. Terselee ist so kurzsichtig ge- worden, daß es ihm unmöglich ist, seinem Berufe obzuliegen und et suchte deshalb nach einem anderen Erwerbszweig. Der Ange- klagte schien ihin einen solchen an die Hand geben zu können, in- den, er ihm anbot, ihm seine Kunden in Charlottenburg gegen Zahlung einer Summe von 4S0 M. zu überlassen. Er erzählte demselben vor, daß diese Charlottenburger Kunden einen so großen Bedarf an Hefe haben, daß er durch Uebernahme dieser Liefe- rmigen sich und seine Familie würde ernähren können. Diese Kunden vor dem Abschluß des Geschäfts zu rennen, hielt der Angekl. für einen Bruch des Geschästsgeheimnisies und so zahlte denn M. den geforderten Kaufpreis, wofür er nichts weiter in die Hände bekam, als ein Stück Papier mit den Namen voi, IS Charlotten- burger Bäckermeistern, welche angeblich feste und sichere Kunden des Angeklagten sein sollten. Der Käufer sah erst zu spät, daß er betrogen worden ivar, denn es stellte sich heraus, daß in Charlottenburg K Bäckermeister vorhanden waren, welche zu den Kunden des Angeklagten gehörten, während derselbe die übrigen einfach aus gut Glück auf den Zettel geschrieben hatte. Der Hefeumsatz mar ein so geringer, daß man aus dem Verdienst un- möglich leben konnte. M., welcher vor den, Kaufe der Kunden viele Schicksalsfchläge erduldet hatte, hat init seinem Gelde auch den letzten Rettungsanker verloren und mit Rücksicht hierauf ver- urtheilte der Gerichtshof den Angeklagten zu 4 Monaten Gefängniß und 2 Jahren Ehrverlust. ©in« Anklage wegen Vergehen« gegen da» Nah- rungsinittelgrseh, die sich gegen den Direktor der Aktiengesell- schaft der Poinnierschen Meiereien, Max Düsing, richtete, beschäftigte gestern die 94. Abtheilung des Schöffengerichts zum vierten Male, nachdem drei Verhandlungen der Vertagung ver- fallen waren, weil stets neue Beweiserhebungen beantragt wurden. Die genannte Gesellschaft hatte auch Butter nach Leipzig gesandt, der dortige Abnehmer verweigerte aber die Zahlung, weil die Butter nach dem Gutachten eines dortigen Sachverständigen 35 pCt. Margarine enthalten sollte. Hierfür wurde der Direktor der Gesell- schaft verantwortlich gemacht. Derselbe focht in allen frühere» Termi- nen das Gutachten des Sachverständigen aufs Entschiedenste an, er sei fest überzeugt, daß seitens desselben ein Jrrthum vorliege und daß die Butter unverfälscht sei. Ter Angeklagte setzte es auch durch, daß der Gerichtschemiker Dr. Bein eine Probe der bean- standeten Butter zur Nachu>»tersuchnng erhielt. Im gestrigen Termine bekundete Dr. Bein, daß die Butter vollständig rein sei und daß seitens des ersten Untersuchers wohl ein Jrrtyum vorliegen müsse. Auf Grund dieses Gutachtens beantragte der Staats- anmalt die Freisprechung des Angeklagten und der Gerichtshof erkannte demgemäß. VerfmmnUmgeu. Die znrDentral-Ktreik-Kontrolkouttnij'ston gewählten Delrgirte» versammelten sich am Donnerstag Abend bei Jordan, Neue Grünslr. 28, unter Vorsitz des Klavierarbeitcrs Robert S ch ni i d t, Maurers Julius Wernau und Metallarbeiters Alwin G e r i s ch. Der Berichterstatter der Kommission, welche die Angelegenheit vorzubereiten hatte, Tischler Wiedeniann, glaubt nach der Einberufung der heutigen Versammlung die Thätigkeit der Komnnsfion für beendet.(Zustiinmiing.) Ans Antrag des Rohrlegers Karpenkiel ,vird die Präsenzliste verlesen: Buchdrucker: Müller, Silbcrberg.— Metaklarbei- ter: Rogatt, Kurgas, Gerisch.— Tischler: Schmidt, Bruns, Millara.— Töpfer: Krause, Krämer.— Tabaks arbei- t er: Börner, Witzke.— Stuckateure: Grünenberg, Braiin. — N a g e l s ch in i e d e: Boldt.— Möbel-, Blech- und Wagen-Lackirer: Müller, Jakob.— Schrift- gießet: Grob.— Schraubendreher: Thare und Stabcrnack.— Kisten mach er: Torfstecher, Tschernig.— Böttcher: Neumann, Schmidt.— Feilenhauer: Kutzia. — Mechaniker: Schönemann, Thomö, Trittelwitz.— Handschuhmacher und B a n d a g i st e n: Roszinsky, Hollubarsch.— W ä s ch e z u s ch n e i d e r: Frl. Hoffmann, Frl. Nowas, Koopmann.— Kartonarbeiter: Frau Hock, Drews.— Filzschuharbeiter: Valerius, Opitz.— Bäcker: Schlüter, Pfeiffer— Stellmacher: Singer, Nickel, Höhne.— Vergolder: Niebergall, Fries.— Weißgerber: Arndt, Brinkmann.— Holz- undVretter träger: Karnal, Meyer. — Sattler: Aßmann, Bombin.— Drechsler: Hildebrandt, Rantenberg, de Jung.— Maurer und Putzer: Wernau, Ziouskirchplatz 2, Wilschke, Junkerstr. I, Dähne.— Klempner: Köhler, Dresdenerstr. V2— 53, Weber, Forsterstr. 57, Selchow, Schleiermachcrstraße 10.— Schloff er: Alter, Eisele, Pätzold. — Knopfarbeiter: Weißflug, Achner.— Rohr- leger: Becker, Karpenkiel.— Dachdecker: Mehrlein. Delaheye.— Schuhmacher: Fischer, Fleischer, Niederauer.— Graveure und Ziseleure: Zack, Wogewotta.— Metallschleifer: Niemetscheck, Schwarz.— Holz- bearbeitungs-Maschincn- Arbeiter: Wolff, Stein. — Chirurgische Branche: Schmädicke, Janisch, Wilke.— Schneider: Täterow, Bohne.— M a l e r: Link, Hohlwcgler.— Tapezirer: Kirchner, Friedmeyer.— Bauarbeiter: Rennthaler, Wernau, Gaßmann.— H u t m a ch e r: Kempe, Völkel, Augustin.— Lohgerber: Brendel, Busse.— Buch- bindet: Jost, Grobe.— Z i m m e r l e u t e: Schmidt, Ortlandt.— Gold- und Silberarbeiter: Faber, Brükner, Almendinger.— Marmor-Branche: Thies, " eitel.— Gärtner: Abromeit, Büchner.— Schäfte- Frau Lezinski, Krause.— Schmiede: Bosin, Brauer: Schneider, Hilpert.— Leder- teindke, Bockert.— Gewerbliche Hilfs- Üinther, Schmidt, Brandt.— � Glaser: Texti larbeit er: Buda, Seidel.— oib mach er: Hübsch. rauche: Walther.— arbeitet: arbeitet: Maron.— ildhauer Seehorst.— Rohleder, Engelhart. Lederfärber: Larisch, �. Krüger.— Kupfer schmiede: Madel, Hübsch.— Steinmetz: Losinsky, � empel.— Wirker: Rüge, Löbnitz.— Buchdruckerei- .ilfsarbeiter: Jahns, Schulz.— M ö b e l- P o- lirer: Franke, Fechse.— Metallarbeiter, Gas-, D a m p f- Sl r m a t u r e n: Prinz, Ehrlich.— G l a c e e-, Karton-Papier-Arbeiter und Arbeiterinnen: G. Fischer-Neu-Weißensee, Friedrichstr. 2, Günther, Frau Hönsch. - M i l i t ä r s ch n e i d e r: R. Kroll, Gneisenaustr. 103.— osamentire: Richard Heidfeld, Waldemarstr. 98.— orbmach er: A. Krüger, Manteuffelftr. 102.— Müller: 5k. Wilke, Stephaustr. 83, K. Altenkirch, Langestr. 51.— Glas- s ch l e i f e r: A. Richter, Wrangelstr. 7, Kl. Mayer, Sophienstr. 20. — Steinsetzer: Paul Simon, Aug. Kräkow. Es sind dem- nach 70 Gewerkschasien durch 146 Delegirte, wovon 4 Frauen, vertreten. Nicht genügend legitimirt— theils waren die Mandate von Vcreinsversammlungen ausgestellt, was unzu- lässig, theils war kein Mandat beigebracht— waren die Deligirten der Handschuhmacher, Karton- arbeitet. Stell m acher, Vergolder, Weißger der, Dachdecker, Lederfärder, Steinmetzen, Holz- und Bretterträger, Schriftgießer, chirurgische Branche, Mechaniker und Steinsetzer. Es ist deshalb nothwendig, daß die Telegirten dieser Branchen ich ein neues Mandat ausstellen lassen. Nur Delegirte, die in einer öffentlichen Versammlung gewählt worden sind, werden anerkannt. Die Mandate sind an Herrn Wilschke, Junker- traße 1, einzusenden. Diesem Herrn haben auch sämmtliche Tele- girten ihre Adresse einzusenden. Nach Erledigung dieser An- gelegenheit wurde zur 5konstituirung und zur Diskussion über die geschäftliche Einrichtung der Kommission geschritten. Es lagen yierzu 15 Anträge, sowie eine Resolution, die in einer öffentlichen Töpserversammlung angenommen worden, vor. Die wichtigsten Resolutionen waren folgende:„Die anwesenden Vertreter der einzelnen Gewerkschaften wählen aus ihrer Mitte eine Kom- Mission von 21 Mann. Dieselben haben alle Gewerk- chaften, bevor sie in einen Streik eintreten, um Bewilli- gung und Begutachttmg desselben anzugehen. Dasselbe gilt auch vom Boykott, welcher von Gewerkschaften beschlossen oder geplant wird.(Eingebracht von den Tischlern.) Die Klempner hatten beantragt,„einen geschäftsführeuden Ausschuß von 13 Mann zu wählen, au welchen in allen Angelegenheiten ich die Gewerkschaften zu richten haben. Der Ausschuß hat die Sachlage zu untersuchen und die Angelegenheit dem Plenum zu unterbreiten. Vor dem Plenum hat ein Referent von der frag- lichen Branche zu fungiren, dann ist von der Delegirtenversamm- lung Beschluß zu fassen." Weiter waren Anträge ans die Wahl von 7 und 3 Vertrauensleuten, einer auf die Wahl von 1 Ver- trauensmann als Ausschuß gestellt. Ein Antrag wünschte jede Gewerkschaft und die dazu gehörigen Branche» durch je einen Delegirte» im Ausschuß vertreten. Hebet diese Anträge entspann 'ich eine rege, bis gegen 1 Uhr Nachts sich hinziehende Debatte, n der gegen 35 Redner und Rednerinnen das Wort nahmen. Nach dieser eingehenden Besprechung, in der alle Gesichtspunkte genau erörtert wurden, wurde beschlossen, einen geschäftsführenden Ausschuß von 13 Personen im Sinne der von den Klempnern bean- tragten lliesolution zu wählen. 10 Arbeiterund3Arbeiterinnen wurden gewählt und zivar: Wilschke, Junkerstr. 1; Staber nack, Cuvrystr. 52; M i l l a r g, Wörtherstr. 22; Herzhoff, Böckh- traße 12; Täterow, Mauerstr. 9; Frau L e s z i n s k i, Platz am Neuen Thor 1; Müller, Zimmerstr. 53; Rüge, Koppen- 'traße 75; Brandt, Orauienstr. 2; Link, Lützowslr. 6; Schlüter; die Plätterin Fräulein H o f f in a n n, Skalitzer- 'tratze 129, und die Kartonarbeiterin Frau H o ck s, Friedrichs- berg, Scharnwcberslr. 42. Die übrigen Punkte der Tagesordnung wurden wegen der vorgerückten Tageszeit nicht verhandelt. Stach- dem noch der Vorsitzende die Anwesenden ermahnt hatte, nicht der Hamburger Bauarbeiter zu vergessen, schloß die Versammlung mit einem dreiinaligen kräftigen Hoch auf das Gedeihen der Gewerk- 'chastsbewegnng. Der Verein der Klempl.er Kerlin««ud Umgegend hielt am I. d. M. eine große Versammlung in May's Festsälen. Beuthstr. 22, mit folgender Tagesordnung ab: I. Vorirag des Herrn Dr. Bruno 28 i II e über:„Des Bösen Arbeitslheilung." 2. Diskussion. 3. Ausnahme neuer Mitglieder. 4. Verschiedenes. — Zu Punkt 1 ertheilte der Vorsitzende Herrn Dr. Bruno Wille das Wort. Unter Anderem legte der Redner der Versammlung klar, welches Elend und Unglück unter der heutige» Gesetzgebung und Wirtyschaftspolitik in der ganzen Welt ent'tanden ist; daß es die höchste Zeit ist, daß gerade die unterste Klasse der Be- völkerung aufgerüttelt wird aus ihrem Schlaf, und thatkrästig mit theilnimmt an der Gesetzgebung. Die Bersauunlung zollte darauf dem Redner für seinen Vortrag stürmischen Beifall. In der Diskussion sprachen darauf die Kollegen Ellend und Plaste im gleichen Sinne des Referenten. Zu Punkt 3 sprach Kollege Selchow über Zweck und Nutzen unserer Vereinigung und ersucht die Kollegen, die noch nnserm Verein fern stehen, so schnell wie möglich einzutreten, um kräftig Front niacheu zu könne» gegen das ausbeutende Kapital. Darauf lief folgende Resolution ein: Die heutige, in May's Fest- säle» tagende Versammlung der Klempner beschließt:„Das Bundcöschießen in Pankow nicht zu besuchen, damit die Bourgoisie nicht in ihren Zeitungen sich der Staffage, welche die Slrbeitcr dann abgeben würden, rühmen können". Nachdem die Kollegen Schmidt, Bräuer und Selchow daS Entgegenkommen der Stadt- Vertretung mit 40 000 Mark zum Bundesschießen stark gerügt hatten, wurde die Resolution einstimmig angenommen. Der Bor- sitzende machte darauf die Slawen der Kollegen namhaft, die als Streikbrecher austraten, wie die Kupferschmiede in Streik lagen und als Kupferschmiede arbeiteten. Nachdem noch verschiedene interne Slngclegeuheiten besprochen waren, schloß der Vorsitzende mit einem dreimaligen Hoch auf das einjährige und weitere Be- stehen des Vereins die imposante Versanimlung. Eine öffentliche Kchnlimacheruersnmmlnng, von der am 24. März in Scheffer's Salon, Jnselftraße 10, in einer öffent- lichen Versammlung für die Schuhmacher in mechanischen Fa- briken gewählten Kommission behufs Gründung einer Filiale des Vereins deutscher Schuhmacher beauftragt, einberufen, tagte am 30. Juni in Scheffer's Salon mit folgender Tagesordnung: I. Konstituirung der Filiale resp. Vorstandswahl. 2. Aufnahme neuer Mitglieder. 3. Verschiedenes. Ins Bureau wurden ge- wählt die Kollegen August Fleischer, Dörr und Karl Fleischer. Nach Eröffnung der Versamnilung stellte Kollege Wüstling den Antrag, den zweiten Punkt der Tagesordnung zuerst zu erledigen. Der Slntrag wurde vom Kollegen Jschner befürwortet und von der Versammlung angenommen. Zu der Vorstandswahl schickte der Vorsitzende voraus, daß die von der Versammlung zu Be- vollmächtigten noch nicht als fest gewählt zu betrachten seien, da erst die Bestätigung der Gewählten vom Vorstand in Nüt»d erfolgen muß. Es handle sich also vielmehr nur um Vorsch« geeigneter Personen zum Vorstand. Hierauf wurde» Borsch» zum' I.Bevollmächtigten gemacht. Da von den Vorgeschlagene!» nur 5iollcge August Fleischer bereit erklärte, dieses Amt anzuneh« so wurde derselbe einstimmig per Akklamation gewählt.» gleichen Kollege Dörr, als Kassirer. Zum Schriftführer wun mittelst Stimmzettel Kollege Karl Fleischer und zu Revisoreio Kollegen Eckert und Krüger gewählt. Zum dritten Punkt 9 schiedenes nahm Kollege Kördel zuerst das Wort und ho- seinen längeren Ausführungen besonders hervor, daß nachdei» Filiale des Vereins deutscher Schuhmacher gegründet sei,' Kollegen jeden Zwist und persönliche Gehässigkeiten gegeim den Mitgliedern des Vereins zur Wahrung der Interessen' Schuhmacher streng vermeiden sollten, da ja beide Vereine> Prinzip dasselbe wollen, nur glauben wir unter dieser Förmig erreichen zu können. Des weiteren führte der Redner aus,- es dringend nothwendig sei, daß die Kollegen begreisen, daß' Hufs Erzielung besserer Lebensbedingungen die Organisa» nöthig sei. Hierauf ergriff der Vorsitzende das Wort und sä? aus, daß ihm der Vorredner ganz aus dem Herzen gespro? hätte, und versicherte, keinen Angriff und persönl'' Gehässigkeiten gegenüber dem Verein zur Wahrung j Interessen der Schuhmacher dulden zu wollen. Wir wen vielmehr unsere ganze Kraft dahin geltend machs daß wir die jungen Kollegen aus der Provinz, welche instj mangelnder Klassenerkenntniß noch kein Interesse an politisz Fragen haben, an unsereren Verein heran zu ziehen versuch und ihnen ihre traurige Lage vor Augen führen und sie auf dt Weise zu zielbeivußteu Arbeiten heranzubilden trachten.� Sod» verlangt Kollege Pfeifer Slufschluß über den Streik bei Fürst heim. Ein 5kollcge von den anwesenden Streilenden eck!' hierüber, daß 14 Kollegen für die bessere Ballschuharbeit sich' Streik befänven. Des weiteren verlangt ein Kollege Aussch» über den Lohnabzug in der Schuhfabrik von G. Jaenke.> Kollegen Hildebrandt und Fleischer berichteten hierüber. Am So? abend hing ein Plakat in der Fabrik, welches anzeigte,? der alte Lohntarif infolge zu großer Konkurrenz) Kraft trete. In der darauf folgenden Besprechung beschloß die Kollegen, von einem Streik wegen des flauen Geschästsgai Abstand zu nehmen. Es wurde eine Kommission gewi welche mit Herrn Jaenke in Unterhandlung treten solle, das sultat war, daß der Fabrikant erklärte, den Lohn, den Herr©>1 zahlt, auch zahlen zu wollen. Hieraus stellte Kollege Dörr? Antrag, eine Lohnkommission zu wühlen, welcher Antrag auch« genommen wurde. Gewählt wurden die Kollegen Hildebraijl- fleischet, Eckert, Wüstling, Leiske, Rabenschlag, Schiller, ÖJ mann. Dörr, Sciembra, Jbitz und Philipp. Nachdem Kofl Kördel zu dem auf Montag, den 14. Juli stattsindenden Somi? sest des Vereins zur Wahrung der Interessen der Schuhma« aufmerksam gemacht und zu reger Betheiligung aufgefordert M machte der Vorsitzende bekannt, daß die erste Versammlung! Donnerstag, den 10. Juli, in demselben Lokale stattfindet» schloß die Versammlung mit einem dreisachen Hoch auf das? deihen der Filiale des Vereins Deutscher Schuhmacher zu Be» um lU/e Uhr. Eine Generakversiimmluns des sozialdemokratisq Wahlvereins im 4. Berliner Reichstags- Wahlkreise tagte> 2. d. M. im Lokale Königsbank, Gr. Frankfurterstr. 117, mit jj aender Tagesordnung: 1. Vortrag des Reichstags-Abgeordnck Tutzauer über die Gewerbegerichte. 2. Diskussion. 3. Abrechni« vom ersten Quartal dieses Jahres. 4. Vereinsangelegenheiten w Verschiedenes. Nach Verlesung des Protokolls der vor«? Versammlung erhielt der Referent das Wort zu se»» Vortrage. Er ging im Anfange des Vortrages kurz auMJ Kraukenkassen-, das Unfallversicherungs- und auf das Alts» und Jnvaliditätsgcsetz ein und schildert die Vor- und Nachthck die dieselben dem'Arbeiter bieten.'Alsdann kommt er in länge- Zlusführnngen aus das jetzt im Reichstage angenommene(M., betreffend die Gewerbegerichte zu sprechen und erklärt? Stellungnahme der sozialdemokratischen Fraktion der Regiernn? vorläge gegenüber.— Da der Reichstag die wichtigsten Antra der Sozialdemokraten, wie die obligatorische Einführung der st werbcgerichte, die Verleihung des Wahlrechts niit 21 Jahren o? Unterschied des Geschlechts, sowie der Wählbarkeit zum Beiß? mit 25 Jahren abgelehnt hat, und außerdem dieses heitliche Gesetz noch den Jnnungs- und den Rhein» c? Schiedsgerichten große Sonderrechte einräumt, so haben die Som demokraten in der Schlußabstimmung gegen das ganze Gel' gestimmt.. J Diese ablehnende Stellung der Fraktion sei jedoch, so stv! der Referent, veiter aus, kein Grund, sich von den Wahlen 1 die Gewerbegerichte fernzuhalten, es sei vielmehr Pflicht' Berliner Arbeiter, frühzeitig dafür zu sorgen, daß bei den Ww sozialdemokratische Beisitzer aus den verichiedcnen Gewerkschas? gewählt werden., An der Diskussion betheiligten sich die Herren Engler, Bett» Zubeil, Arlt und Stein. Herr Zubeil führte unter anderein in seinen ZlnsführunA mich an, daß der Fabrik- Inspektor für jeden'Arbeiter» Sonnabend von 10 bis 2 Uhr im Polizei- Präsidium,? 'Alexandervlatz, zu sprechen ist, um Anzeigen von Mißständ» welche in hiesige!« Fabriken herrschen, entgegen zu nehmen, worfl dieselben unter Verschweiguiig des Namens untersucht und,>v<* vorhanden, auch abgeschafft werden. Nachdem noch der Rcfeff das Schlußwort erhatten, ivird zum ziveiten Punkt der Tag? ordnung geschritten, wozu der Kassirer den ikaffenbericht verl? Da die Revisoren die Richtigkeit der Abrechnung bestätigen, indem Kassirer Decharge ertyeilt. Zum dritten Punkt lag» Antrag auf Siusschluß eines Mitgliedes vor. welfl jedoch bis zur nächsten Versammlung vertagt wnlf 'Alsdann wurden die Herren Wunderlich, Laste und Kr" zu Revisoren für die Abrechnung des ziveiten Du« tat? gewählt. Da keiner der Kontroleure erschie»' ivar, so wurden für die nächste Versanimlung s Herren Ließ und Stein zu Kontroleuren gewählt. G weiterer'Antrag, auf dem Grabe des Genossen Hasenclever« Todestage einen Kranz iiiederzulegen. wurde einstimmig n»? nommen. Nachdem noch der Vorsitzende bekannt gemacht ha- daß die nächste Generalversammlung, auf deren Tages ordn>>« die Wahl des gesannnten Vorstandes steht, am Dienstag, 8. Juli, im Lokale„Sudost", Waldemarstr. 75, stattstndet, sch>» derselbe die Versammlung mit einem Hoch auf die Sozialdc»» kratie.. Die Zentralkranken-«ud Zterbrknffe der dentsoff Wagenbauer hielt vom 22. bis 25. Jum ihre vierte ordenilm Generalversanimlitng in Halle ab. Die Mitglieder Berlins u>a» durch 7 Telegirle verireten.'Aus dem ausführlichen Bericht st Vorstandes ist folgendes erwähncnsivcrth: Die Kasse hat 6'� Mitglieder au 79 Orte», einen Reservefonds von 55 000 M.»' eine» Baarbestand von ca. 12 000 M.'An Kranken- und Stett geldern wurden in dem letzten Jahre 85 600 M. gezahlt.\ über ganz Deutschland verbreitet gewesene Influenza hat der K)-. jedoch ebenfalls großen Schaden gethan, ca. 13 000 M. muK dem Reservefonds entnommen werden, und müssen dieselben L Laufe dieses JahreS wieder zugeführt werden.— � entspann sich eine lange Debatte über den Slntrag A legung des Sitzes von Hamburg nach einem Orte mit niedrigew orrsüblichen Tageslohn."— Ter Slntrag war von vielen Ost, gestellt mit der Motivirung, daß ein Theil der Mitglieder in den vollen Genuß der Krankenunterftützung kainen, indem l Fabriks- und Ortskrankenkassen den das ortsübliche Tagel«f überschießenden Theil nicht auszahlen, fd daß beispielsweise. Breslau manches Mitglied pro Tag 1,00 M. einbüßt. Nackig fast alle Delegirte gesprochen, wurde der Sitz auch ferner in Hfjjj bürg gelassen, da, wie doch vorauszusehen, in nächster Zeit das H»� kassengesetz eineVerändermig erfahren dürfte und dann doch eine wälznng stattfinden muh. Em Slntrag des Vorstandes, die Beiträgt' erhöhen, wurde abgelehnt, dagegen ein Antrag angenommen, daß eine Extrasteuer erhoben wird, bis das Manko der Reservefonds ge- deckt ist.— Als Krankenunterstützung wurde festgesetzt: l. Klasse ö,75 M.. 2. Klasse 14 M.. 3. Klasse 17,50 M. Das Beerdigungsgeld beträgt: 1. Klasse 50 M, 2. Kl. 80 M.. 3. Klasse 100 M. Sodann wurde beschlossen, daß auch geprüfte Naturheilknndige als Aerzte zugelassen werden. Außerdem wurden viele Aende- rungen in der Geschäftsführung getroffen, welche sich als notb- wendig herausgestellt hatten. Mit einem warmen Appell an die Deleairten, in allen Gauen Deutschlands für weitere Ausbreitung der Kasse zu sorgen und mit einem Hoch auf das fernere Ge- deihen derselben schloß der Vorsitzende die Gencral-Versamm- lung. Uo» der Kongreffliommisston der Hansdiener geht uns Folgendes zu: Bezüglich des Berichtes der öffentlichen Haus- dienerversammlung vom 27. Juni in der Nummer 151 Ihres ge- schätzten Blattes, ersuchen wir Sie, berichtigen zu wollen, daß der Obmann der Kongreßkommission, Herr Bendix, ausdrücklich er- klärt hat, daß er das bisher gesammelte Geld zum �weck des in der heutigen Versammlung gefaßten Beschlusses n i ch t heraus- geben kann und darf, indem eine von der Kongreßkommission am 16. Juni einberufene öffentliche Hausdienerversammlung mit Zweidrittel-Majoruät beschlossen hatte, diesen Kongreß in Hau- nover nicht zu beschicken und sogar den Antrag Lämb- recht einstimmig annahm, daß die Kongreßkommissio», die bisher zu diesem Kongreß gesammelten Gelder aufzubewahren habe bis zu einem in nächster Zeit statt- findenden großen Arbeiterkongreß, da man der Ansicht ivar, daß auf diesem Kongreß in Hannover für die Hausdiener nichts Er- sprießliches geschaffen werden würde.— Dies nur zur Nichtig- stell>ing� und um Jrrthümer unter der Kollegcnschaft zu vermeiden, da diese am 27. Juni stattgefundene Versammlung von Per- sonen einberufen wurde, welche nicht der Kongreßkommission an- gehörten, und ohne Wissen und Willen über die Köpfe der Kon- greßkommifsion Beschlüsse faßten. Schon aus diesem Grunde tonnten wir die in dieser Versammlung gefaßten Beschlüsse nicht gut heißen, und erkennen solche auch nicht an. Die Kongreß- kommission. I. A.: H. Bendix, Wasserthorstr. 34. Gi«r öffentliche Uerkammlnng der Metall- a r b e i t e r in Dampf-, Gas- und W a s s e r- A r m a- turen tagte am Mittwoch, den 2. Juli, im Lokal des Herrn Zeniter unter Vorsitz des Kollegen Prinz. Als erster Punkt der Tagesordnung stand zur Berathung: Stellungnahme zur Zentral- Streik-Kontrolkommission. Der Referent, Herr C. Pirch, führte aus, daß unter den augenblicklichen Verhältnissen, wo die Unter- nehmer bemüht wären, vermöge ihrer geschlossenen Organisationen die Bestrebungen der Arbeiter vollständig zu unterdrücken und ihre Organisationen zn zerstören, es auch von Seiten der Arbeiter geboten sei, so eng wie möglich zusammen zu halten. Wo es an- gängig sei, alle Streiks zu vermeiden, wenn jedoch Streiks un- vermeidlich seien, auf diese die ganze Kraft der gefammten Ar- beiter zu konzentriren, uni es zu verhindern, daß wie augenblick- lich, Streiks über ein Jahr dauerten, ohne entschieden zu sein oder wegen zu schwacher Mittel nach ganz kurzer Zeit zu Grunde gingen. Da die Organisationen der Arbeiter durch die herrschen- den Vereinsgesetze verhindert seien, mit einander in Verbindung zu treten, so empfehle es sich, Fühlung durch frei gewählte Korn- Missionen zn suchen und hoffe er, daß die projektirte Streik- Kontrolkommission diesem Zweck entsprechen werde. Mehrere Redner sprachen sich in deniselben Sinne aus und wurden die kkollcgen Prinz und Ehrlich als Delegirten gewühlt. Unter Ver- fchiedenes machte ein Kollege auf die ausgebrochenen Differenzen in der Werkstatt von Schütz in der Dresoencrstraße aufmerksam und warnte die Kollegen, nicht unter dem Preise, den sie bis zu ihrer Arbeitsniederlegung erhalten, in dieser Werkstätte anzu- fangen, da es unmöglich sei, bei den jetzt gebotenen Löhnen aus- zukommen. Schluß der Versannnlung kurz nach 11 Uhr. Der Fachvem» der Tischler(für den(Osten) hielt am Sonnabend, den 28. Juni, wiederum in Joäl's Salon, Andreas- straße 21. eine Versammlung ab, mit der Tagesordnung: 1. Vor- trag über kapitalistische und sozialistische Moral. 2. Diskussion. 3. Werkstattangelegenheiten und Verschiedenes.— Zum ersten Punkt erhielt der Referent das Wort, lieber den Vortrag selbst ist in unserem Blatte bereits mehrfach berichtet worden.— Leider war, wie man uns schreibt, die Versammlung sehr jämmerlich besucht, was die Vermnthung auskommen ließ, die Tischler des Ostens fühlten sich nicht gemüßigt, an derartigen, zeitgemäßen, durch ihre Organisation ihnen gebotene Vorträge sich zn biloen. Eine Diskussion über den Vortrag fand nicht statt, doch wurde aus der Mitte der Versammlung der Wunsch laut, eine zweite Versammlung mit deniselben Referat anzusetzen und für besseren Besuch derselben zn agitiren. Go tzrljt uua folgendes Hchrctbe» zn: In Ihrer Nummer löl d. I. veröffentlichen Sie einen Versammliingsbericht des„Vereins zur Wahr-.ng der Interessen der Klavierarbeiter", der in seinen Schlußausführungen Vorwürfe gegen meine Person cuthält und der Wahrheit durchaus nicht entspricht. Es ist von keiner Seite gesagt, daß ich das Interesse des Vereins schädige, indem ich die Interessen der Fabrikanten vertreten solle. Viel- mehr liegt die Sache so: Es sind infolge des 1. Mai bei ver- schiedenen Fabriken Meinungsverschiedenheiten hervor gegangen, welche zum Theil Maßregelungen, zum Theil andere Differenzen (Arbeitszeit) hervorriefen. 5ieine derartige Werkstattsache war indeß so ernst, daß es zu einem Streik hätte kommen müssen, und diese Ansicht, daß es zwecklos sei, in der jetzigen Periode zu Streiks zu rathen, theilte der gesammte Vorstand, mit Aus- nähme des Berichterstatters und die ganze Vereinsversammlung, mit Ausnahme des Herrn VlohzieS, der allerdings Neidesapostel pae excellence zu sein scheint. Dem zweiten Punkt, daß ich daS Vertrauen des Vereins resp. der Kollegen verloren habe, wider- spricht schon der Bericht selbst, indem meine Ansicht über den Arbeitsnachweis angenommen, meine Anträge betreffs der Unter- stutzungen der Hamburger und der hiesigen Metallarbeiter eben- falls angenommen wurden: ferner, daß ich sreiwillig auf eine Wiederwahl verzichtet, trotzdem sich wohl 50— 60 Mal in Vorschlag kam, was die Mitglieder wohl bestätigen werden. Zum Schluß noch spielte sich die ganzc Angelegenheit(12>/s Uhr) vor leeren Stühle» ab, und trägt der Bericht zu sehr die Farbe per- sönlicher Reiberei an der Stirn. Achtungsvoll Ernst Sparfeld, Sorauerstr. 27. Neinickrtldorf. Montag, den 30. Juni, fand in Reinicken- dorf im Lokale des Herrn Lüdicke, Amendestraße 1, eine große Volksversammlung unter dem Vorsitz des Herrn Thal statt, in welcher der Reichstags-Abgeordnete Herr Tutzauer einen Vortrag über„Gewerbegerichte" hielt. Referent gab zunächst seiner Genug- thuung Ausdruck, daß die Wähler des Niederbarnimer Kreises einen sozialdemokratischen Vertreter in den Reichstag gesandt haben. Es ist dieses, so betonte Redner, der erste Landkreis der Provinz Brandenburg, welchem dieses gelungen ist, und hofft er, daß dieses stets der Fall sein wird. Redner führte aus, wie viele Jahre hindurch ein sozialer Nothstand von der Regierung und den verschiedenen Parteien geleugnet wurde; wie man lange Zeit hindurch die soziale Bewegung als das Werk einer Anzahl Hetz- agitatoren angesehen habe. Wie aber die Sozialdemokratie immer stärker wurde und gegenwärtig die stärkste Partei ist, so mußte ich die Regierung dazu bequemen, mit derselben zu rechnen; das Krankenkassen-Gesetz, daS Nnfallgesetz, die Alters- und Invaliden- Versorgung sind durch diesen Druck, welchen die soziale Lage aus die Regierung ausübt, entstanden; und Sache des Volkes sei die Regierung auf dieser Bahn weiter zu treiben. Es ist dieses, so betonte Redner, nicht viel, aber doch etwas. Allzugroßcn Illusionen in Bezug auf die Wirkung dieser Gesetze dürfen sich die Arbeiter aber nicht hingeben, eine endgiltige Besserung könne nur durch eine andere Form der Produltions- weise herbeigeführt werden. Auch das am I. April 1891 in Kraft tretende Gewerbegericht ist infolge dieses Druckes entstanden. Der Zweck desselben ist die Schlichtung gewerblicher Streitigkeiten zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern. Diese Gerichte können von den Gemeindebehörden oder aus Antrag von Arbeitern und Arbeitgebern in den verschiedenen Ortschaften errichtet werden, auch können mehrere Ortschaften sich zu diesem Zweck zusammen thun und ein Gewerbegcricht schaffen. Weigert sich eine Ge- meindebehörde auf Antrag der Interessenten, ein solches zu wählen, so können sich dieselben bei der Landesbehörde be- Schweren, welche nach Prüfung der Sachlage die Errichtung eines Gewerbcgcrichts anordnen kann. Aber nicht allein die in abriken und Werkstätten beschästigten Arbeiter fallen unter dieses iesetz, sondern auch die hausindustriellen Arbeiter, welche das Rohmaterial von einem Arbeitgeber erhalten. Ausgeschlossen sind diejenigen, welche sich das Rohmaterial selbst kaufen. Die Bei- itzer zu diefem Gericht werden durch das allgemeine Wahlrecht gewählt, müssen 30 Jahre alt sein, 2 Jahre in einem Ort seßhaft sein oder arbeiten, und 1 Jahr vor der Wahl aus öffentliche» Mitteln keine Unterstützung empfangen haben. Die Sozialdemo- kraten hatten beautt'agt, daß die Beisitzer nach Vollendung des 25. Lebensjahres können gewählt werden, daß die Armuth, d. h. die Unterstützung, keine Rechtlosmachung herbeiführen solle. Es wurde betont, daß wenn im Kriegsgericht ein Offizier, der zwanzig Jahre alt ist, ein Votum über Tod und Leben abgeben kann, so wird wohl auch ein Arbeiter im Stande sein, bei gewerblichen Streitigkeiten Recht zu sprechen. Die Beisitzer zum Geiverbegericht müssen zur Hälfte aus Arbeitern und zur Hälfte aus Arbeitgebern bestehen. Wählbar zu diesem Gericht ist Jeder, welcher 25 Jahre alt ist, und fallen für diese die Beschränkungen(Armenunter- stütznng, 2jähriges wohnen am Orte) weg. Der Vorsitzende wird von der Gemeindebehörde gewählt, jedoch hat die Regierung das Beftätigungsrecht. Wo Jnnnngsgerichte bestehen, müssen Tie- jenigen, ivelche der Innung angehören, oder bei einem Jmumgs- meifter arbeiten, beim Jnnungs-Schiedsgericht ihr Recht suchen und dürfen diese iveder als Beisitzer gewählt werden, noch an der Wahl theilnehmen. Referent bedauert das Fortbestehen dieser Schiedsgerichte und betont, daß dieses zu vielen Streitigkeiten und Wcitläusttgkeiten Veranlassung geben dürfte, da viele Ar- beiter nicht einmal wissen, ob der Meister, bei ivclchem sie arbeiten, der Innung angehört. Eine vollständige Durch- löcherung des Prinzips erblickt Redner darin, daß die Arbeiter, welche in Militär- und Marinewcrkftättcn arbeiten, ausgeschlossen sind, und wenn der Regierungsentwurf angenommen würde, so würden sämmtliche Arbeiter, welche in Staatswerkstättcn arbeiten, ausgeschlossen werden. Ein Antrag der Sozialdeinokraten, auch den Frauen das Wahlrecht zum Gewerbegcricht zu geben, da sich dieses bei den gewerblichen Schiedsgerichten in Leipzig und Frankfurt a. M. fehr gut bewährt hat, und in Berlin 50—60 000 Frauen gcwerlich thätig sind, welche Steuern zahlen, also mit- thaten müssen, aber nicht mitrathen dürfen, lehnte die Majorität deS Reichstags ab. Dieselbe fand es gewissermaßen lächerlich, daß ein derartiger Antrag gestellt würde. Berufung gegen die Entscheidung des Gewerbegerichts kann nur stattfinden, wenn das Streitobjekt mehr als 100 M. beträgt. Ferner soll das Gcwerbegericht auch als EinigungSaurt bei Streiks und dergleichen angerufen werden können, jedoch ver- spricht sich Redner nicht viel davon; dieses, so führte Redner aus, sind die hauptsächlichsten Bestimmungen dieses Ge- setzeS. Tie sozialdcmokratifchen Vertreter haben versucht, durch Anträge das Gesetz zu verbcfscrn. Diese wurden, aber, wie ge- ivöhnlich, von der Majorität abgelehnt. Da sich die sozialdemo- kratische Fraktion von dem Gesetz in dieser Form nicht viel vor- sprach, so stimmte sie dagegen. Reicher Beifall lohnte Herrn Tutzauer für seine vortrefflich, allgemein verständlichen Anssüh- rungen. An der Diskussion betheiligten sich die Herren Larisch, Faber und Ehrlich. Eine Resolution, welche sich mit den Aus- führnngen des Referenten einverstanden erklärt, wurde einstimmig angenommen. Nachdem der Vorsitzende noch darauf aufmerksam gemacht, daß am Sonntag, Vormittags 11 Uhr, im selben Lokal eine Versammlung der Bau- und gewerblichen Hilfsarbeiter statt- sindct, schloß derselbe mit einem Hoch auf die internationale Sozialdemokratie die Bersammlnng. «ttlikche««(»lllchaft. Tonnlag, den°. Jull, Abend« Uhr. Münz. strah» Ii b«t geinter, ibortrag de« Herrn Dr. Vrmw Wille über:„Dle luatue Elhtt Jesu ckhitstl." Aach dem Vortrag iielelUoe UnteryaMmg und lanj. Gäste, Tanten und Herren, ivillkoimnen. zier Fachuereiu der Steindrmlur UN»£Ul)«i}ritpl;tn veranstaltet am Tonnlaa, den 13. d. 31,, ein« Famtlienparrle nach Johann ittbal. Abfahrt vom Bahnhof ldriedrichsiriche I Uhr» Mtn., Alexanderplah I Uhr IS chttn. und vom Zchleslschen Bahnhof I Uhr ZI Min. Kollegen, weiche in der Nähe de« Görlister Bahnhofe« wohnen, tonnen von dort um i Uhr ZS Min. abfahren. Uni recht rege Bclheilignng wird gebeten. Zuschneider. Am Sonnabend, den 5. Juli, Abend« Uhr, Mitglieder- verfaiilmlung der Freien Vemmgnng der Zuschneider, Steppec Ukid Borrichter bei Reimer, Alte Jakobiir.«3. Tagesordnung i Vortrag, Schriflfährerivahl jc. Gäste willkommen. Zahlreiche« Erscheinen onnünscht. Fach uerrin der Skischlrr. Tie Zahlstellen befinden sich in folgenden Lokalen! i. Fricdrichsbero.erstr. 26 bei Schmidt, 2. Gkatisterstr. 197, bei Kunst» mann, 3. Beliealliaueeplah c bei Htifchsc, 4. Ziondkirchplah Ii bei Höh», s. Echleierniacher- und Gnetsenaustrahen-Scke bei Scheuer, a. Vulow- straste 63 bei Bdhland, 7. Dredbenerstr. uo, 8. Lübecker- und Thurmstraheii- Eck- bei Jahnke, 9. Langestr. 70 bei Heindorf. w. Rixdorf, Bergsir. 7 bck Duscheck, II. Fcnnstr. 4a bei Krüger, 12. Göll itzer- und Soia>ierf!rast-.>.-o.a. 13. Weihense-: Böller- und Eharlvltcnstr.-Ecke bei itlebs, 14. Belfor.rraias.e und Elke Prenzlauer Allee, I«. Gesundbrunnen, Grünthalerftrahe 08 betPrenh. Ltichuerei» der Weder Merlin» und zluigeg«»». Am Sonntag, den «. Juli. Nachmittags 3 Uhr, findet in Rumnielsburg im Restaurant Wagner- Ruh(am St-uerhau«) ein Famili-n-Kaffeetochen stall. Die Aer-inSmitglied-c werden ersucht, mit ihren Samilten sich zablreich zn b-lh-iligeii. Abend« großer Fn�juereii! der ziuiier Keriiu«. Mitgliederversammlung am Sonntag, den 8. Juli, Bormiitaas II Uhr, tn de» Bürgersälen, Dretdenerstr. 88. Fachverein der Tischler. Versammlung am Sonnabend, den 6. Juli, Abend« 8-.; Uhr, in Jordan'« Salon, Neue Wrünstr. 28. Fachvcrein der Kernmacher und verwandter �ernfdgcuolsen Ker- li»o»»d zlnigegend. Versammlung ani Sonnabend, den 6. Juli, Abends 8r Uhr, im Lokale de« Herrn Giiadt, Brunnenstr. 88. voiir.Idcmoliraii scher Frse- und Diskutir-Ueretn„N«r»v«gl>". Ver- saminlung am Dienstag, den 8. Juli, Abends 9 Uhr, im Lokale des Herrn Linie, Forsterstr.«3. Freie Uerriniaung der Zimmerer Keriins. Geniralversaiittnlung am Montag, den 7, Jult, Abend« 8Z( Uhr, im Lolale Hochstr. S2a. Ehtert'sche Kranken- und Sterbe Kasse|Ir. 27. Generalversammlung am Sonntag, den 8. Juli, Vormittags 18 Uhr. Filiale 4 der Alici. Zentrat-Krankenkasse der WetaUarbriter(E.H. Nr. 28 und 39, Hamburg). Aiitglicdervcrsammluiig am Sonnabend, de» 6. Jult, Abend««�lihr, bei Bohmann, Andrensstr. 28. Tagesordnung! da« Kranlen- 3. Berfchie- l. Kassenbericht. 2. Wie stellen sich die Mitglieder zu dem Antrag, i gelb nur an einem bestimmten Tage in der Woche auszuzahlen. dene«. Filischnharbciter«»d Kernfagenossen. Versammlung am Sonnabend den o. Juli, Abend« s Uhr, bei See seid, Wrenadicrstr. 33. Urrei« drr Sattirr und Fachgrnassrn. Sonnabend, den 6. Juli, Abends 8); Uhr, in Deiguiüller's Salon, Alle Jakobstr. 48 a: Geschlossene Mitalieder-Bersammlung. ulitglirder-Nersamiuluna der Allgemeinen Kranken- und Sterbekafse der Metallarbeiter(1, o Uh UebnnaSftundc. Slusnahine neuer Mitglieder.— Gesangverein„Harmonia' Abend« S Uhr im Restaurant Lehmann, Kursürstenstr. 31, Gesangstnnde.— Lübcck'scher Turnverein(>. Lehritngs-Abtheilung) Abend« 8 Uhr Elisabeth- strabe 67— 59.— Turnverein„Wedding", Paukstraste 0, Männeradtheilung von 8!(— 10� Uhr Abend«: desgl. I. Lehrlingsabtheilimg von 8 bi« 10 Uhr Abend«. — ArendS'fche Stenographenklaffe de«„Berliner HandwerkervereinS"'Abend« «r Uhr Sophicnstr. 16.— Theater- und VerginignngSveretiis„Saritas" Abend« 8 Uhr im Louisenstädiischon Bierhaus«. Admiralstr. 88.— Theater- und Der- gnügungsgeselllchaft„Treue" Abend« 8)(lihr inBobert'S Vallsalon, Weiustr. II. — Vrivat-TH-atergesellschnst Schneeglöckchen", Abend«» Uhr in Bettin« Bierhau« Vcleraneiiftr. ig.— G-selligteitSklub„Lustig" illbend« Uhr im Restaurant Wcichrlr, Taubenstr. 46.— Verein der Talibcnsreunde Abends 8!) Uhr im Restaurant Hillmann, Mantcnsselstr. 88.— Dänischer Verein„flrrya" Abends 9 Uhr im Restaurant Poppe, Lindenstr. 108.— Verein der Württeinberger Abend« 8); Uhr bei Vaihingcr, Torvtheenstr. 84.— Berein ehem. Schüler der 84. Aenieindeschule Abend? 9 Uhr im Restaurant, Koppenstr. 58.— Verein ebem. M. Hamburger Maurer! Alle in Berlin arbeitenden Hamburger Maurer werden ringend echlcht, am Sonntag/ den 6. Juli, Vormittags ) ühr, Pnttkamerstr. 13(Schulze's Restaurant), zu er- heinen. Alle Berliner Maurer werden gebeten, selbiges den mmburger Maurern zu unterbreiteil. F. Zimmer. A. Sachse. )0 Mitglieder-Versammlung d. Jnteressenvereins d. Kisten- u. Koffermacher am Sonntag, den 0. Juli, Vormittag» lOVz Uhr, W„Feuerstein's Salon", Alte Iakobftraße Ur. 75. .. Iakobstraße Ur. Tages-Ordnung: Beschlußfassung über die§§ 6 und 14 der Vereinsstatuten. Verschiedenes. Ferner wird darauf aufmerksam gemacht, daß am Sonntag, den 13. ds., - 116 Landpartie nach Maltersdorf, Schloß Kamerun b. Erkner stattfindet. Sammelpunkt Schlesischer Bahnhof früh Morgens 7,30 Uhr. Das Arbeiter- ' llet kostet hin und zurück 30 Pf. Nachzügler bis 10 Uhr Bahnhof Erkner. .eder Theilnehmer hat für Musik, Tanz und Verloosung 25 Pf. zu zahlen. iuets sind zu haben beim Vorstand und G. Leicttuitz, Markusstr. 25. 889 Um zahlreiche Betheiligung wird gebeten. vor Vorstand. Erste große Mitglieder-Versammlung sämmtlicher in der Firmenschilder-Branche beschäftigten Arbeiter am Montag, den 7. ds., Abends 8 Uhr, in SodeHor'a Salon, Jnselstr. 10. Tagesordnung: 1. Wahl des definitiven Vorstandes. 2. Aufnahme neuer Mitglieder. 3. Verschiedenes. 874 Der Wichtigkeit der Tagesordnung wegen fordern wir sämmtliche Kollegen auf, pünktlich und zahlreich zu erscheinen. vor provisorisclie Vorstand. ZoMar-tatM Arbeiter? Nur Hüte, welche nebenstehend- Mark« unter dem Schweißleder tra« gen, bieten Garantie, dag den Verfertigen» gerecht» Lohn wurde! w M M» Ma ff IH-tMft Mtr, mit dieser W«ke!-WO In folgenden Geschäften sind Hüle mit Kontrolmarken zu haben: Freie Vereinigung der Seifensieder und Beruf sgencssen Berlins und Umgegend. littwoeb, den 9. Juli, Abends SVa Uhr, bei Scbeffer, Insel-Strasse 10: Mitglieder- Versammlung. Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn Dr. Bruno Wille über: Die Kommunistengemeinde ckana.— 2. Diskussion.— 3. Bericht der Revisoren und des Kassirers vom uchten Vierteljahr und Umtausch der Bibliothek.— 4. Entrichtung der Monats- bnträge und Aufnahme neuer Mitglieder.— 5. Verschiedenes. Die Mitglieder werden ersucht, in dieser Versammlung recht zahlreich zu erscheinen; auch ist es Pflicht eines jeden Kollegen, sich der Organisation * ff IC■—...— anzuschließen. 80 willkommen. Der Vorstand. Freie Vereinigung der Bausdiener Berlins. Sonnabend, den 5. Inli. Abend» SVa Übe. <« F-nerstein» Salon. Alt- Iabobstraße 75. 1 Treppe: «r. heutigen Wiegenfest ein donmN Hoch. Die Genossen aus dem W>" haus zum Meilenstein. Jf Unsere Merkzeug-Fabrik beff sich jetzt Kastanien- Allee 74. Aobelbänke und sämmtliche gangbar, sowie Kehlhobel w» genau nach Zeichnung angefertigt Dibbert& Böbffl. Zur gefälligen Beachtunl Den Lesern des„Berliner VolkM sowie meiner weichen Nach barst! empfehle ich mein Wäsche-Geschast. »ger von Herren-, oame«-* Lager....„„B.,„ Kindern- ii(che, sowie von Leinen-»md Haumwollwaatt erschein Spezialität: Arbeiterhemd in's Ho und sichere sorgfältige und reelle Sonnte dienung zu. Sämmtliche Artikel werde»«"'"'' eigener Arbeitostube anaefera Willlelm Jaeckel, f= Jnvalidenstraße 12, pari_ Martin Kleifli Uhrmacher,. 25 Neue Hochstr. � empfiehlt sein Lager aller Zlrte»j>!e Ulllljj- M Taslheil-llhttln Ueparaturen?n soliden Pre? 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