Freitag, de« 11. I«li 1890. V. Jahrg. : bei f») ringe> hlagt unmi maß eine$ et. f Organ für die Interessen der Arbeiter. �? Das..Berliner Volksblatt" nick scheint täglich Morgens aicher nach Sonn- und Festtagen. Abonnementspreis für Berlin frei 's Haus viertehährlich 3,3V Mark, monatlich 1,10 Mark, wöchentlich 23 Pf. Einzelne Nummer 5 Pf. itwärttonntags- Nummer mit dem„Sonntags-Blatt" 1v Pf. Postabonnement 3,30 Mark pro Quartal. lierbei's(Eingetragen in der Postzeitungspreisliste für 1890 unter Nr. 892, V. Nachtrag.) , fnäwBU* Kreuzband, täglich durch die Expedition, für Deutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Mark, für dos übrige Ausland 3 Mark pro Monat. Jnsertionsgebühr beträgt für die 5 gespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pf., für Vereins- und Versammlungs« Anzeigen 20 Pf. Inserate werden bis 4 Uhr Nachmittags in der Expedition, Berlin SW., Beuthitrcche 3, sowie von allen Annoncen-Bureaur, ohne Erhöhung des Preises, angenommen. Die Expedition ist an Wochentagen bis 1 Uhr Mittaas und von 3—7 Uhr Nachmittags, an Sonn- und Festtagen bis 9 Uhr Vormittags -« Fernsprecher: Amt VI. Ur. Z VofackiMes. , reenitj Wenn es wahr ist, daß zur Zeit in St. Petersburg wohl russis ch-französisches Bündniß abge- tlossen wird, so kann das gewiß Niemanden überraschen. ieses Bündniß bestand schon seit langer Zeit, wenn nicht jcmelf, so doch saktisch. Sein saktischer Abschluß ändert �et europäischen Lage gar nichts; er wird sie weder �rschlimmern noch verbessern. Es giebt den chauvinisti- jen Blättern diesseits und jenseits des Rheins Stoff zu ein Betrachtungen; in der politischen Welt wird es keinen AmtWßen Eindruck machen, wenn die russisch-franzosische ister- llianz nun auch fein säuberlich in so und so viel Para- . jg, Japhen auf Papier niedergeschrieben und von den beider- h»/«.»gen Regierungen untersiegelt wird. Auf den Drei- : mit«u n d mußte die russisch-sranzösische Allianz kommen; . grübet konnte bei Niemand ein Zweifel sein. Vielleicht Abtistand sie schon vor dem Dreibund, wenn auch nicht in ortunsler Form. Wir haben schon mehr als einmal betont, daß wir ohnkKder einer einzelnen Person noch einer einzelnen Regie- " die alleinige Verantwortung für die gegenwärtige '�„ißl/aurige Lage Europas mit seinem bewaffneten Frieden tfbürden mögen. So sehr aber die immer drohende nnen�altung Rußlands zur Erschütterung des europäischen zum.leichgemichts beiträgt, so sonderbar und unnatür , as�ch erscheint es, wenn die Republik mit dem .arenthum liebäugelt, und wenn die demokratischen gege>�taatsmänner Frankreichs mit den diplomatischen Kosacken ist. freundschaftliche �uße austauschen. mte„Demokratische Staatsmänner"— da :r SÄ uns freilich ein Wort entfahren, das wir schier wieder : tti�rücknehmen müßten. Herr C o n st a n s, der Vedcrlikion: Veukhflrzrße 3.— Expedition: Venkhikentze 3. ..............„-----,... nun an Kr Spitze der französischen Regierung steht, hat allerdings snd-i Verdienst, den B o u l a n g i s m u s auf das Haupt n odeyschlagen zu haben. Aber der Sieger hat sich als kaum er"" eisiger schlimm entpuppt, als der Besiegte. Schon früher, . Boulanger noch Kriegsminister war, besaß Herr Eon- ösin»Hüs die Leichtfertigkeit, im Ministerrathe für den.Krieg Jhne�it Deutschland zu stimmen. Seine Verwaltung ist so eines ,euig demokratisch, daß er bekanntlich anläßlich des erst lai beabsichtigte, aus Frankreich 5000 Fremde als a ermin �bliche A n a r ch i st e n auszuweisen. Von solcher ver- vecherischen Thorheit scheint er wieder abgekommen zu ar n'jin; dagegen hat er sich ganz offen zum Polizeibüttel ige'st ußlands gemacht, wie der jüngste zu Paris verhandelte Besäi�'�listenprozeß zur Evidenz beweist. Schon daß zu Mis eine mit regelmäßigem Spionendienst organisirte der ssi s ch e G e h ei mp o l iz e i geduldet wird, sagt genug. » Äbkr daß unter dem vortrefflichen Constans auch tentieft, FaM vettote».] Fettilleton. [5 Schanspieler-Glend. Stück aus dem Bühnenleben von leuis� Ä'l Ein H GWWWWW �ainst�ftein Fleiße." Am Morgen strömen die Arbeiter, zu den : �,,,1. kuclemen, zur Werkstatt; blaß, übernächtig von der Nacht- SrfÄ'beit oder auch von den nächtlichen Vergnügungen, trupp- Julius Türk. %_„Ganz Berlin arbeitet", sagte er,„arbeitet mit ficbcr- zur Meise. Da gehen sie zu ihren Galeeren, diese modernen teroe'stsklaven, zu ihrer Arbeit, die ihnen die Mittel giebt, weiter thüw?.i vcgetiren. Da gehen sie hin, um den ganzen Tag die rnpi gleiche, eintönige, abstumpfende Arbeit zu verrichten. Ein . A�ben von Elend, von Sorge, Mühe und Entbehrung. f„Am Vormittag aber sind diese Viertel still, wie aus- , Ä- �starben. Dagegen beginnt nun im Herzen der Stadt, in ist., Jx Kaufmanns-Welt ein rauschendes Leben.?llle Menschen, ähnlich sind in Absichten, Plänen, Thätigkeit, Ge- rattistl°hnheiten, werden sich auch ähnlich im Aussehen, in der bgesr xhWognomie. Allen ist das seelenlose, abgefeimte Sprüch- Englands„Zeit ist Geld", ins Blut übergegangen. ' fia ist ihr Losungswort, Geld ist ihre Scele,� Geld f.rteii'i* Oft habe ich mich in den Vormittagsstunden Ue>n der Konigstraße aufgestellt und dieses fieberhafte Jagen .fljl®etfchaut. Ich habe mich gefragt:„Was bewegt alle diese reie"!/eute, welche Hirngespinste treiben sie zu dem menschen- an«1 erderbenden Verlangen, die andern zu überholen. Thun politische Prozesse nach russischem Muster geführt werden, das ist denn doch die höchste Blüthe der Freundschaft zwischen den französischen Liberalen, resp. Bourgeois-Republikanern und den Diplomaten an der Newa. Alle Welt weiß, daß die russische Geheimpolizei in Paris einen Lockspitzel aussandte, der den russischen Flüchtlingen Bomben und Sprengstoffe in die Wohnungen waktizirte; nur der Staatsanwalt des Herrn Costans wußte nicht, daß es in Paris eine russische Geheimpolizei und russische Lockspitzel giebt. Die Nachahmung russischer Justiz ging soweit, daß in dem Prozesse der Nihilisten der Staatsanwalt einen an einen der Angeklagten gerich- teten Brief verlas, von dem sämmtliche Vertheidiger er- klärten, daß er sich gar nicht bei den Akten befinde. Die französischen Richter stellten sich, als nähmen sie die ganze Lockspitzel-Komödie für baare Münze und verurtheilten die Angeklagten zu außerordentlich harten Strafen. Wenn das nicht eine elende und gemeine Liebedienerei gegenüber dem Zarenthum ist, was soll es denn sein? Wahrlich, Staatsmänner, die in solcher Art sich vor dem Mosko- witerthum erniedrigen, haben wirklich kein Recht, sich bei jeder Gelegenheit auf die Männer von 1789 und 1792 zu berufen. Denn wenn es irgend etwas giebt, was die Schöpfungen der großen Freiheitsbewegung gefährdet, so ist es die Freundschaft mit dem Zarenthum, das der Tod- feind aller Demokratie ist und dessen Endziel dahin geht, alle demokratischen Ideen und Einrichtungen auszutilgen. Man kann entgegnen: die Franzosen fühlen sich isolirt gegenüber dem Dreibund und gegenüber dem meer- beherrschenden England; sie fürchten bei einer etwaigen kriegerischen Verwickelung erdrückt zu werden und nehmen deshalb den einzigen Verbündeten, den sie haben können, das heilige Rußland! Wohl! Aber sie glauben damit zu schieben und sie werden geschoben. Denn die Freundschaft Rußlands für Frankreich ist nur eine scheinbare, und wenn wir Petersburger Berichten überhaupt glauben, so glauben wir jenen, die unlängst enthielten, daß der Zar sich über die französischen Staatsmänner und die republika nischen Parteihäupter, sowie über die Republik überhaupt in den heftigsten und feindseligsten Aeußerungen er- gangen habe. Wie sollte auch ein russischer Autokrat die französische Republik aufrichtig verehren können! Das ist ganz unmöglich. Die russische Freundschaft hat zunächst den Zweck, sich der Franzosen zu bedienen, um Europa in Unruhe zu erhalten und es durch gesteigerte Rüstungen zur Erschöpfung zu treiben. Bricht ein Kri aus und Frankreich wird mit Rußland besiegt, so muß Frankreich allein die Zeche zahlen, denn Rußland ist nicht beizukommen. Wenn aber Rußland und Frankreich sieg- reich bleiben, so wird Rußland den Löwenantheil an der sie's für sich, aus Egoismus? Nein, auch das nicht einmal, sie erhalten ja nicht den Lohn ihrer Mühe, sie erwerben nichts für sich, sondern für andere, nicht sind sie ihre eigenen Herren, sondern die Angestellten der reichen Handlungsfirmen, deren große' Schilder in den dichtgedrängten Häusern die Größe des Geschäfts anzeigen. Alle aber, die Kaufleute, Studenten, die Künstler, Ge- lehrten und Beamten, alle Menschen, die sich zu den sogenannten Gebildeten zählen, beherrscht der wilde Trieb nach Erfolg. Die Konkurrenz ist ihnen in's Mark und Blut gedrungen". „Und doch herrscht," fuhr Fritz begeistert fort,„doch herrscht in Berlin eine Fülle von Idealismus, ein kühnes Ersehnen einer besseren Zukunft. Das Leben der Haupt- stadt durchweht ein großer Zug. Unter den vielen Genuß- süchtigen, unter den herzlosen Strebern, unter gleichgiltigen Menschenmaschinen ist eine große Anzahl, eine Genossen- schaft von warmblütigen Menschen, die ein Herz haben für alles Große in Kunst und Wissenschaft, die unser wirthschaftliches Leben begreifen, die Mitleid haben mit dem Elend des größten Theiles der Menschen. Ueberall sind sie zerstreut die Idealisten, die mehr vom Leben erwarten als sinnliche Genüsse. Und nicht zum wenigsten dort, wo man sie nicht vermuthet. In der Fabrik, in der Werkstatt, im Komtoir, in den staatlichen Bureaus und im Hörsaal, überall sind sie vorhanden, die eine neue Welt, eine Welt des Friedens nach dem jetzt tobenden Schlachtgewühle errichten wollen. Wenn man die einzelnen Artikel der Tagespresse verfolgt, wenn man mit aufmerksamem Blick die täglich erscheinenden BrochÜren liest, wenn man die Gespräche an öffentlichen Orten hört, ver- nimmt man im allgemeinen Getöse ein surrendes Summen, Beute heischen und wird damit seine Macht stärken, um bei der nächsten Gelegenheit die verhaßte Republik mit überlegener Gewalt anzugreifen. Wir begreifen vollkommen, daß die Stellung Frank« reichs eine schwierige ist. Andere schließen Bündnisse; da sucht Frankreich auch nach Alliirten, das ist natürlich. Es giebr in der That viele Menschen, welche die durch den Verlust von Elsaß- Lothringen geschlagene Wunde noch immer nicht vergessen können. Wir sehen auch nicht, wie unter den gegenwärtigen Umständen ein Zustand erreicht werden soll, der beide Theile befriedigt. Frei von allem Chauvinismus wünschen wir mit aller Sehnsucht, daß eine Zeit kommen möge, die eine Freundschaft zwischen Frankreich und Deutschland bringt; eine Welt von Beunruhigungen und Gefahren würde damit verschwinden. Gegenwärtig hat es nicht den Anschein, daß eine solche Phase der europäischen Politik in nächster Zeit erreichbar sei. Wir leiden an den Folgen verhängnißvoller Fehler, die diesseits und jenseits des Rheins gemacht worden sind. Vielleicht sehen die Franzosen ein, daß Herr Constans im Begriff ist, einen Sprung ins Dunkle zu thun. Und auch der Einsiedler von Friedrichsruh hat sich schon berufen gefühlt, sich zu vertheidigen gegen die An- schuldigung, als habe er 1870 Frankreich zu sehr schwächen wollen, ein Beweis, daß ihm selber die Dinge nicht ganz geheuer vorkommen. Uew-Uork, 27. Juni. Trotz des in der Zentral-Labor- Union in der vorletzten Sitzung rückgängig gemachten Beschlusses bezüglich der Zurückweisung der Berichterstatter der„Volks- Zeitung" und der Streikbeorderung der Bauarbeiter und Kellner ist in einer am vergangenen Sonntag stattgehabten Versammlung der Delegirten fortgeschrittener Gewerkschaften beschlossen worden, aus jener Organisation auszutreten und die Zentral-Labor- Föderation wieder zu errichten, lieber die Frage, ob auch ge- Heime Organisationen(Knights of Labor) zugelassen werden sollen, entstand eine längere Debatte, in der eine Menge Redner für und gegen das Wort ergriffen. Schließlich entschied sich die Majorität für Zulassung. Ob man sich damit„eine Laus in den Pelz gesetzt" hat? Das wird sich wahrscheinlich sehr bald zeigen, denn plötzlich, ohne irgend eine sichtbare Veranlassung, ist eine heftige Spannung zwischen den K. o. L. und offenen Unions, oder besser zwischen dem„General-Werkmcister" des Ordens, Powderly, und dem Präsidenten der Föderation of Labor, Gompers, entstanden, welche schon jetzt zu einer direkten„Kriegserklärung" Powderly's geführt hat. Die Knights hatten gelegen!- lich einer hier stattgehabten Konferenz der Ordensbeamten eine öffentliche Versammlung einberufen und Powderly zu derselben Gompers eingeladen und demselben mitgetheilt, daß er in dieser Versammlung über die gegen den Orden erhobenen Be- schuldigungen sprechen und ihm, Gompers, gern Gelegenheit einen hellen Ton, der schließlich das ganze Gewühl durch- dringen wird." Fritz hatte immer heftiger gesprochen, seine Stimme erhob sich lauter und lauter, als er sich in seine Lieblings- änden versuchte er Einzelnes orte flössen freier von seinen Erschöpft lehnte er sich im idee vertiefte. Mit den plastisch darzustellen, die Ä Lippen. Er hatte geendet. Stuhl zurück. Im Zimmer war es ganz still. Die Schauspieler waren bewegt und blickten den leidenschaftlich Sprechenden neu- gierig an. Fritz sah sich, betreten durch die Stille, im Kreise um, er hatte eine solche Wirkung seiner Worte nicht erwartet. Angelika war die erste, die die Stille unterbrach:„Wie schön Sie gesprochen haben!" „O, ich bitte Sie, mein Fränlein," erwiderte er,„der Gegenstand ergreift mich stets so, daß ich selbst wider Willen in Leidenschaft gcrathe". Alfred war still hinausgegangen und kehrte nun mit zwei Gläsern Bier zurück, von denen er eins vor Fritz hinstellte. „Na, stärken Sie sich nur erst, Sie haben's gewiß nöthig." „O, ich danke," versetzte Fritz, indem er einen kräftigen Zng that. „Sie haben eine scharfe Beobachtungsgabe," fuhr Alfred fort.„Bei Ihrer Jugend— nehmen Sie mir's nicht übel— na, aber alt sind Sie doch noch nicht— da wundert's mich sehr." „Da ich mich schon lange Schauspieler zu werden, und da das Leben studiren wollte, so Tageszeiten, Morgens, Mittags, mit dem Gedanken trug, ich als Schauspieler doch durchstreifte ich zu allen Nachts, Berlin, um das geben werde, zu antworten. G. sagte erst sein Erscheinen zu, richtete aber zugleich ein Schreiben an P., in dem er verlangte, daß Sonne und Wind in der Versammlung richtig vertheilt werde. Darauf aber erwiderte P., daß seine Einladung nicht als eine Herausforderung zu betrachten sei und er im Uebrigen mit den Arrangements derVersammlung nichts zu thun habe, sondernnur das Einbcrufungskomitee; doch sei die Versammlung eine für jeden zugängliche und er garantire, daß G. in der in Betracht kom- wenden Angelegenheit über eine ebenso lange Redezeit verfügen werde, wie er selbst. Daraufhin lehnte Gompcrs ab. Er erklärte später, daß die ganze Geschichte ein abgekartetes Spiel sei, um ihm die ganze Meute der Trabanten Powderly's auf den Hals zu hetzen. Im Uebrigen sei er jederzeit bereit, in einer neutralen Versammlung die dem Orden, resp. seinen Führern gemachten Vorwürfe zu vertreten. Auf die Auslassungen P.'s in der betreffenden Versammlung, welche lediglich in Ab- leugnung dieser verschiedenen Vorwürfe bestanden, veröffentlichte Gompers«in spezielles Verzeichniß von einer Anzahl derjenigen Handlungen der Knights, welche zu den Beschuldigungen Anlaß gegeben und welche den Orden als eine Organisation von „Scabs" qualisizirten. Da diese Beschuldigungen(die aber, wie bemerkt, nur einen Theil der im Lause der letzten Jahre er- hobenen bilden) in der nächsten Zukunft eine bedeutende Rolle spielen werden, so denke ich, daß deren Aufzählung hier am Platze ist. Der betr. Theil der Erklärung G.'s lautet: „Ich werde nun Thatsachen vorführen, die zeigen, daß der Orden der Knights of Labor einen systematischen Kampf gegen die offenen Gewerkschaften geführt hat. Als im Jahre 1887 die Mitglieder der„Amalgainated-Assoziation of Jron and Steel- Workers" in Mingo-Junktion gegen eine Lohnreduktion und tyran- Nische Shopregeln streikten, setzte sich Wm. Bailey, Mitglied des Exekutive-Board der K. o. L. mit den Bossen in Verbindung und traf mit denselben ein Abkommen, die Stellen der Ausständigen mit Knights zn füllen und zwar zu reduzirten Löhnen. Bailey erließ damals sogar ein diesbezügliches Zirkular. „Als dieselbe Organisationj später in Brillant wegen angekündigter Reduktion der Löhne am Streik war, sind es wieder die Knights gewesen, die die Plätze der Streiker besetzten. Zwei derselben, die zu einer dortigen Lokal-Assembly gehörten, wurden von derselben wegen Skabbens bei jener Gelegenheit suspendirt, Powderly ging hin und richtete an jene Assembly einen Brief, in welchem er um Wiederaufnahme der Beiden nach- suchte. „In Rewyork, als 1886 der große Lockout der Zigarrenmachcr stattfand, waren es die Knights, die Skabs orgamsirtcu und sie in die Shops hineinschieklen. Eine Delegation der Bosse erschien damals vor den itnights und erklärte:„Wenn Sie uns das Label Ihres Ordens nicht geben, müssen«vir die Forderungen der Intern. Union beivilligen und uns vor deren Beamten beugen." Die Knights beivilligten das Label und schickten Skabs in die Fabriken, die«im 18 Prozent billiger arbeiteten. Robert Schilling von Milivaukee telegraphirte dainals an T. B. Maauire, Mitglied der Exekutive der K. o. L., daß er 500 Skabs nach Reiv- Ijork schicken könne, um die Stellen der streikende«« Zigarreninacher einzunehmen. Die Bestellung«vnrde nicht ausgefiiyrt, weil nian nicht genug Geld hatte, u«n die Transportkosten zu bestreiten. Die Loh>«reduktionen im Zigarrengeschäft datiren von jener Zeit her. „Der Orden der Knights war damals so groß, daß man die Ausgabe neuer Charters suspendirte. Als aber in James Burton's Zigarrenfabrik in Syracnse wegen Lohnreduktion ein Streik atisbrach, waren die Knights rasch bei der Hand, um die Skabs in eine Assembly zu organisiren, welche die Stellen der Ausständigen einnahmen. „In Jacksonville, Florida, streikten die Schriftsetzer. Knights of Labor besetzten ihre Plätze und erst als die Redakteure ver- schicdener Arbeiterzeitungen, die dein Orden angehörten, die schmachvolle Handlnngs»veise verdammten, ginge«« die Skabs wieder hinaus. „Die Setzer der„Troy Tin«es" streikten. Ein Abgesandter des General- Exekutive- Board der K. o. L. sprach bei dein terausgeber vor und erbot sich, die Offizin zu einein K. o. L. hop zu machen." „Bei dem großen Lockout der Brauerarbeiter schloffen sich die Knights nicht nur dein Boykott nicht an, sondern in« Gegentheil, sie organisirten auch einen Gegenboykott, indem sie die Parole ausgaben, kein Union-Bier zu trinken." „Im Jahre 1886 streikten die Arbeiter in den Vieh- Höfen von Chikago,««n« den achtstündigen Arbeitstag zu erringen. Die Aussichten auf Erfolg waren die denkbar günstigsten und der Streik wäre gewonnen worden, hätte nicht Powderly die Leute unter der Drohung, er «verde ihnen den Charter entziehen, zu Arbeit zurückbeordert. Powderly's diesbezügliche Ordre erschien übrigens in der Tages- presse, ehe sie die Beamten der Chicago Assembly erreichte. „Bein« Streik der Lokomotivführer an der Burlington««nd Ouincy Eisenbahn erinuthigten die Knights im Geheimen die Besetzung der Lokomotiven durch Stabs, und als dies glücklich vollbracht, erschien eine Ordre der Exekutive des Ordens der K. o. L., allen Mitgliedern verbietend, Stellen von Streiker einzunehmen; die Ordre war aber so abgefaßt, daß Jedermann sehen konnte, daß gerade das Gegentheil von dem gemeint«var, was gesagt, vnrde. „Bei einer Konferenz, die ich in Philadelphia hatte, ersuchte ich Powderly unter Andern«, gewissen Skab-Musikern in Pittsburg keinen Charter auszustellen. Er versprach, es nicht zu thun, aber Thatsache ist, daß er es doch gethan. In Columbtis, Ohio, streikten die Schneider, uin den in ihrer Branche beschäftigten Frallen und Mädchen bessere Bedingungen zu verschaffen. Skabs besetzten die Stellen der Ausständigen und der Master Workman der dortigen�Assembly der Knights«st eben damit beschäftigt, jene Scabs als Theilnehiner des Ordens zu organisiren. „Das sind nur eine A>«zahl der vielen Fälle; ich habe sie augenblicklich nicht alle iin Gedächtniß."— Gonipers führt dann noch folgende A«lssprüche von Bcainten des Ordens vor: F.s Turner, General-Schatzineister:„Je eher Eure Unions zu Gr«lnde gehen, desto besser, und ich werde mein Möglichstes thun, sie zu ruiniren." Hayes, Eeneral-Sekretär: „Glauben Sie vielleicht, daß ich jemals'dahin wirken«verde, daß offene Unions siegen sollen?" I. P. Mc Guire, Mitglied der Exek«,tive:„Wir haben die offenen Unions als nicht bestehend proklainirt; für uns existiren sie nicht." Aus Vorstehcndein geht auch hervor, daß die Konserenzen zivischen de«« Beamten des Orde>«s und der Föderation, von denen seiner Zeit so viel Weseits gemacht«vnrde, eitel Spiegelfechtereien «varen.— Jetzt kann's heiter werden! Vokikiklho Lteb-rstrftk. Treiben zu beobachten. Andererseits wtlrde ich schon durch mein Sttldilim daraus geführt, uitsere gesellschaftlichen Zu- stände kennen zu lernen." „Um Scha«isvieler zu werden, haben Sie wohl a«tch Stunden gehabt?" forschte Alfred weiter,„ich habe gehört, daß in Berlin solche Vorbereitungsatistalten für Schauspieler sein sollen." „Nein, ich"— er«vottte fortfahre««, als das Schreien der Kleinen seine Worte unterbrach. „Bring doch die Jähre nach oben," rief die Brnsche, die bis jetzt«nit offenein M>n«de dagesessen hatte««««d u>«- aufhörlich Fritz anstarrte.„Sie stört uns ja in«mserer ge- bildeten U««terhaltung." „Hat denn das nicht noch Zeit?" antwortete Anna trotzig, der bcsehleilde Ton ärgerte sie,„Sie«vird sich schon beruhigen." „Ach«vas hier, was da, es ist ja schon beinahe zehn Uhr, der Olle ist auch allein oben." „Na, da«««« ka«ill Ai«gelika n«al ranfgehn, ich niöchte noch hier bleiben." „Dazu habe ich gar keine Lust," erividerte diese, „das kommt Dir«vohl eher zu, als mir, Anna!" „Du bist sehr ungefällig," erividerte Anna, lnühsa««« ihre Wuth zurückhaltend. „Ich erweise Dir genug Gefallen. Heute kannst Dn gehen. Aber gehe schnell," rief sie, sich die Ohren zuhaltend, „der Jnilge schreit ja nicht zun« Aushalten". „Du hast«nir gar»«ichts zu befehlen," schrie Anna,„ich gehe,«veili« ich will." „Ach«vas, geht die Zänkerei schon wieder los," schrie die Brnsche dazivischen.„Was soll denn der Wirth von uns denken." „Na, bertlhigen Sie sich doch nur, Anna," beschivichtigte Hildegard. „So," kreischte Anna, jetzt habe ich wohl noch Unrecht. Den ersten Tag ka,«n sie doch wohl zum Vater ranfgehen. Wenn wir erst in der Stadt bekannt sind, läßt sie sich Taglang nicht sehen und ich habe die ganze Arbeit." Wüthend über diesen Stich erhob sich Hildegard. „Pfui, Du Katze, hier vor dem jungen Herrn willst Die Haltung den polnische«« Reichstagsfrasttion in Sachen der Ntilitärvorlage hat nicht ohne Grund Verwunderung erregt. Wenn man auch daran geivöhnt ist, daß die politischen Abgeordi«etcn,«velche durchweg Vertreter der Gutsbesitzerklaffe sii«d, in wirthschaftlichen Fragen mit den deutschen Reaktionären und Zunftzöpflern brüderlich Hand in Hand ginge««, so hatten sie doch in rein politischen Fragen sich bisher auf Seiten der Opposition gehalten und namentlich auch jeder Vergrößerung der Militärlast sich nachdrück- lich widersetzt. Jetzt aus ei««mal ist ein vollständiger Frontwechsel vorgenommen worden««nd haben die polnischen Abgeordneten für die Militärvorlage gesprochen und gestimmt. Die Pole««, so iveit sie durch die politischen Abgeordneten vertreten sind, haben also die Etellting prinzipieller politischer Opposition gegen die Regierung Preuße««» und Deutschlai«ds ausgegeben. Der Grund dieser, immerhin nicht univichtigen Erschemung, ist ohne Schwierigkeit zu eittdecken. Polen ist bekanntlich vo>l drei Mächten gethcilt worden: von Rußland, Preußen und Oesterreich. Der Gedanke zu diesem„«nonströsen Verbrechen", wie Maria Theresia es genannt hat—„die aber trotzdem mit„theilte"— ging von Rußland aus, uud da das zarische Rußland auch in dem Jahrhmidert se i t der Theilung nicht einen Augenblick von dein Pfade brutalster Räuberpolitik abgewichen ist, so hat der Haß der Polen sich begreiflicher Weise mit größter J«>te«lsivität gegen Rußland gerichtet, und— «venn wir von den polnischen Sozialisten und russischen Re- volutionären aller Schattirungen absehen— hat seit der ersten Theilung zivischen Russen und Polen stets die grimmigste Feindschaft geherrscht. Nicht viel welliger intensiv «var der Haß der Polen gegen Preußen. Die preußische Regierung«var Polen gegeitüber zu allen Zeiten das gc- horsame Werkzeug des Ezarenthums, und noch im Jahre 1363 leistete sie demselben bei Unterdrück«lilg des damaligen Aufstandes Hand- und Spaniedieilste. Es«var das die erste diplomatische Großthat des r«irz vorher Minister geivordcnen Bismarck, der 25 Jahre lang keine Gelegenheit ver- säumte, uin den Polen seine Antipathie zu be- weisen. Die Massenausweisungen der Polen und das famose Kolonisationsgesetz legen Zengniß dafür ab, daß Fürst Bismarck bis zu Ende seiner junkerlichen Anti- pathie treu geblieben ist. Anders hat sich die österreichische Regierung verhalten. Sie sträubte sich von Anfang an gegen die Theilung und nachdem sie«vohl oder übel eingeivilligt, benutzte sie jeden Anlaß, um in den Polen den Glauben zu eriveckcn, daß sie im Grn,«de mit ihnen sympathisire. Es ist z. B. bekannt, daß die österreichische Regierung in den fünfziger Jahren sich bereit erklärte, dem Bunde der W e st in ä ch t e gegen Rußland— im Krimkrieg— mite«: der Bedingung beizutreten, daß Polen«vieder hergestellt werde. Und bis in die neueste Zeit hat die österreichische Regierung und der österreichische Hof mit Polen und dem Du mich blamiren, das werde ich Dir anstreichen, ver- standen?" „Was, D>« willst noch schimpfen, Dn dumme Liese." Wüthend stürzte Anna auf ihre Schwester zu. Fritz sah Alfred betreten an. Sofort sprang Alfred zwischen die Schivestern und trennte sie. „Vinn ist's aber genug, scheert Euch beide zum Teufel, wenn Ihr nicht soviel Verstand habt. Euch hier ruhig zu verhallen, wo«vir hier zum ersten Male sind, noch dazu vor einen« neuen Mitglied." „Mit solchem Zankteufel ist ja nicht ansznkommen," rief Angelika erbost,„aus ihr spricht ja mir der gemeine Neid." „Was! Neidisch! So, Du bildest Dir wohl ein. hübscher zu sein, als ich, Dn— na, ich hätte bald«vas gesagt." „Was,«vas«volltest Dn sagen," rief Angelika ihr«vieder «vüthend entgegen. Die Thür öffnete sich, der Hausknecht trat herein. „Der Wirth läßt Ihnen sagen, Sie sollen doch ruhiger sein. Die Jäste im Nebenzimmer bcschiveren sich schon von «vejen dem Schkaudal!" „Na, da haben«vir's," rief Alfred«vüthend,„das nmß uns schon am ersten Tage passiren! Anna, jetzt nimmst Tu gleich die Kinder m«d marschirst rauf. Sonst«verde ich mal mit dem Vater ein ernstes Wort reden. Du, Angelika, könntest Derne Zunge auch ein bischen im Zaum halten." „Ter verehrte Herr Bruder«vill«vohl den Tyrannen spielen," versetzte diese höhnisch,„das imponirt uns aber gar nicht." „Ich habe gar keine Lust, mich mit Dir in lange Ge- spräche einzulassen" antivortcte Alfred. „Und ich habe keine Lust, mich von Dir tyrannisiren zu lassen. Ich thue,«vas mir paßt. Adieu." Sie schritt raschen Schrittes aus dem Zimmer. Anna folgte ihr mit den Kindern. „Guten Abend. Herr Kolbe," sagte sie noch in liebens würdigem Tone, indem sie dem jungen Mann, der betreten am Tisch stand, einen herzlichen Blick zuivarf. Pololiismus geliebäugelt— was Angesichts der keit eines Konflikts mit Rußland beiläufig ein S«' einfachsten Selbsterhaltungstriebes ist. Jetzt finden wir nun plötzlich, daß auch der pd Regierung gegenüber die Haltung der Polen sich hat. Und wir irren sicherlich nicht,«venn wir sa dies die Folge einer veränderten Haltuni preußischen Regierung gegen die Pols' Der Gedanke, daß Deutschland nur einen hat, nämlich den weiland„Erbsreund" und zarische Rußland einem Kriege mit Deutschland zudu durch die Ereignisse mehr und mehr in den grund gerückt worden, und wer seiner fünf Sinne ist uud die elementarsten geschichtlichen Kenntnisse wiffen, daß im Fall eines Krieges mit Rußland Polen Bundesgenosse und die beste Trumpfkarte ist. Die Herstellung Polens, welche mit vergleichsweise geringe! tärischen Machtanswand durchzustihren ist, legt R«i alle Zeiten lahm. Und wer eines Tages die Bundesgenossenschaft dc« brauchen kann, darf sie nicht gewaltsam den Russen' Arme treiben, wie Fürst Bismarck in seiner unbeg« Idiosynkrasie gegen die Polen es zum Schaden Deutsß�n Prov«� zu thun versucht hat.»»kaebimg Bismarck's Nachfolger huldigen offenbar wc«"�� Helge schränkten Anschauungen und halten es für klüger,«'von Böttiä bare Kräfte zu geivinnen statt sie abzustoßen. lich an Or Ob die Polen aber ihrer nationalen Sache cüicil'leitem Dienst leisten, indem sie sich dem deutschen MilitaP S« i verbünden— das ist freilich eine andere Frage,"«artell?«� wir uns jetzt nicht beschäftigen wollen.-Vorwurf d I>,r Ausu'auderuiia ans Mestprenken siü�'Aber auch „ReichSanzeiger":„Das Zahlenverhällniß der Rational«-» RegierungsbezirkMarienwerder verschiebt uns von dort geschrieben«vird, durchs die viel stärkere, mm.....>>>' B ndert. also aus jeden polnischen Auslvanderer zivei deutsche,'v�jReichStaa der Aufeuthaltsbevölkerung die beiden Nationalitäten g»2— ne Maßre lhan, aber Ühle, den "achr.", ,v< merken da „Warm agen aus« reunde ja ellation ei ürde sich chas Ablauf Aegiernngei desselben) I �undgebuiu üssen, das Dieser er Kartell; den aber, t lfrüheren Zi ar, wissen >ck mach« egten Aui licht«vird. Art«.'« Berl. Pol rung der Deutschen fortivährend zu Gunsten der Polen. letzlen sechs Jahren— vom 1. Mai 1884 bis 30. A«' sind 15,021 Deutsche und 7254 Polen ausgewandert. vertreten sind. Da die Auswanderer ganz überwiegend beitersiande angehören, und da überdies, wegen der gängerei ein Zuzug polnischer Arbeitskräfte aus Rußb findet, so liegt die Gefahr eines allmäligen Ileberivu polnischen Bevölkerung«vieder vor. In den Monaten März und April find aus dem Regierungsbezirk Mari � aa\ die Fleisch Quelle erst ständig aus Der i Vachs« au st das endlick unu|iuu uu» uem-vw«*-. enOUa 917 Personen abgewandert, von denen 606 der deutsch? darüber gl 311 der polnischen Nationalität angehörten"— Ter o llrbri anzeiger"«mißte daraus auch den nöthigen Schluß das Staat- daß alle die äußeren Mittel der Zwangsgermanisatio!" Justizstab los sind.,, Waffen" e Der«rneste Auarchistruprozrß, über den die' öffentlicht. mysteriöse Notizen enthalten, betrifft das saß?„Es hat „anarchistische" Flugblatt, welches in diesem Jahre in°?üan«iirie vertheilt wnrde. Der Prozeß hat keine politische Beda bürgerlich und weshalb die Oeffentlichkeit ansopMiWien ist. c schwer verständlich. Es wäre doch es drohe daß es«n der nur als verlagt behandelt. Aber a)eutfchW � und tretei srtwährend von™ Gewohnhe Herren----. ■' r auch Denken u Ein MStaatszive das Publikum erführe, Anarchisten giebt. Troff der todtr»« Saison krisen die Rede. Der Abgang v. Vcrdy ivtrd nur als verlagl Weggang« des Herrn v. Goßler«vird geredet. Blau hat bereite als neuen iiultuSmimslcr Herrn Hü'»"« ganze Reil Bereitschaft. Die klerikale Presse«st allerdings nicht g"t«-mit den, k gcgenivärtigen Kultus- und UntcrrichtsnnnN,»» verbunden „Germania" erneuert die Angriffe, die bei Berathung„Kominan etats i«n preußischen Abgcordnetenhause auf Herr» v. E»! rathen, be macht wurde», und schreibt, daß der gegenwärtig� rische Seit minister,„«venu man«virklich Frieden mit den Katholik� des Staat- durch seine Person und Beraangeuheit kein geeignetck aiigelegenl dieser Absichten sei". B�en b°> Das Hozialistengeseh bildet noch immer den Oj sollen, bei unter den si'artellparteien.'Wahrend die konservativen und a n d konservativen Blätter sich seither resignirt in den VW dem Stac yt*. in"- das Sozialistengesetz ergaben, erklärte die sreikonservatn-li Garantien gesieri» Abend, Die Regierung habe die Position der Te». tritt«ne« traten überuiäßig start werden lassen durch den EinDsti und Aich das Preisgebe,« eines Gesetzes machen muß, für dessen's und enie man keine Gründe anführt.„Denn diese Untcrlasft"'»«««« den meint die„Post"—„ruft den Eindruck hervor, daß eingeburg verfehlte Maßregel so still als möglich begraben«volle, h ein Wort Begräbniß«vird aber durch die Triumphgesänge der wendet w traten und noch mehr der ForlschrittSbemokraten zu«*9 v«leg« um eines arme» Sünders. Das hätte die Regierung vcrnieid�f_ Sie hätte mit lauter und starker Stimme erklären müsst*' t Demokrat Als Er verbeugte sich.„Gute«« Abend, Fräulein.".... „Uebrigens ist es schon spät," wandte sich W, w«eder d seine Frau,„was meinst Du, Hildegard, wolle««".r"�e -,, j!%: „Entschuldigen Sic, Herr Kolbe, wenn w«t, AA verlassen, die Ermüdung der Reise zwingt«ms daz�j L. ■n bitte sehr, ich habe««in Entschuldigung Z, danken für das liebenswürdige A � WO und Ihnen Zn en, oas isic mir«rivie,«». ,i.-x,. O, keine Ursache," erwiderte Hildegard srenndl? Bern uns ja so gut miterhalten. Wenn nur!{u ö «'«och der Zank dazwischen gekommen«väre. Aber«"" Mädchen �können" sich nun einmal nicht vertrag�"V/ Mirtit CSt-vr Onlfie" iaate sie ifim die»and bil«I>aU wen«y hinzu, klare««. „Gute Nacht," erwiderte Alfred._ Alfred und Hildegard verließen das Zinttü� «vollte ihnen folgen, aber Frau Brnsche hielt«hu 3'L r, „Bleiben Sie doch noch ein«veuig, Herr..., � 1 1 Ö'e« ua,«vir kömteu ja doch noch ein Stückchen plaudert „Wem« Sie gestatte»—" J' Ach was da hier,«vas da. Sie sind ein jnn(A Sie«verde!« sich doch vor einer alten Frau nickst 1 Hi, hi, hi." Sie kicherte in sich hinein; als wcyn'A Widerspruch betreffs des Alters herausfordern.'f0«j Fritz schnitt ein Gesicht, das alles mögliche u, konnte; er wußte nicht recht,«vas er auf die sM Feststellung einer Thatsache, die er als wahrhcitü( Mann doch nicht in Abrede stellen konnte, cutgeg» � „Sehen Sie da," ergriff Frau Brnsche«vicdc«� gcrissencu Faden des intereff auten Gespräch?,— Q «vill ich nur ein Glas Bier bestellen. Ich sehe, �1 Ihr Bier da bereits ansgetrlmken." „Ach, das kam« ich ja besorgen—" Er trat zur Thür der Gaststube und bestes eifrig das Gelvüufchte. J Fritz trat zögernd zu seinem Swhl««nd ij schweigend. Das Beisammensein mit Frau Brusckst offenbar seltsam vor. werden „Vi «K« unvcrho der Bül oder Kü herrjeh der Nai die sovi „T «st da e die Mu Aber w Matqui da muß rühren/ ne Maßregel vortäuflg nicht erneuere, die sehr gute Tienste ge- '„Berl. Pol. Nachr.", daß in Bezug auf die Verwaltung zunächst >,Wein Provisorium eintreten muß, weil die definitive Ordnung der staatsrechtlichen Stellung der Insel nicht ohne einen Akt der Gc- �setzgebung vorgenommen werden kann. Für die Zwischenzeit '-' s, wird Helgoland dem Reichsamte des Innern unterstellt. Herr von Bötttcher begiebt sich im Lause der letzten Juliwoche persön- lich an Ort und Stelle, um die Uebergabe der Verwaltung zu ine!''leiten. IM_ Die Mahlprüfnnge» und der Reichstag. Die , Ki„Nattonnlliberale Korrespondenz" schreibt:„Gegen den früheren '' Kartellreichstaa ist von dentschfreisinniger Seite unausgesetzt der , Vorwurf der Verschleppung der Wahlprüfunaen erhoben worden. �MMber auch der neue Reichstag ist in dieser Hinsicht nicht wesent- L Irlich rascher." In dem Kartellreichstag zogen sich die Wahl- Prüfungen bis in die letzte Session hinein, und am Schluß war • zman noch nicht fertig. Jetzt dagegen liegen nach der ersten kurzen, jj durch die wichtigsten Arbeiten ausgefüllten Session nur noch 48 ��unerledigte Wahlproteste vor, die ,n der nächsten Session rasch � erledigt werden können. In dieser Beziehung ist dem neuen u Reichstag also kaum ein Vorwurf zu machen. 9 L Da» Kchweine-Einfnhrucrtiot gegen Oesterreich soll, wie gbit Fleischer-Zeitschrist„Allzeit Voran" aus absolut zuverlässiger �Ouelle erfahren haben will, noch im Laufe dieses Monats voll- ständig aufgehoben werden. Der Welfenfondo soll, wie das„Kl. Journ." meldet, dem- -n nächst aufgelöst werden. Wir halten es für selbstverständlich, daß ar- das endlich geschehen muß, bezweifeln aber, daß dem„Kl. Journ." darüber glaubwürdige Zusicherungen zugegangen sind. < Urber den Militarismus und den Einfluß desselben auf lu? das Staatsleben hat der Oberst Dr. Hilty im eidgenössischen Justizstab in der schweizerischen„Monatsschrift für Offiziere aller j Waffen" einen längeren Aufsatz über den„ewigen Frieden" ver- dtt öffentlicht. Wir entnehmen dem Aufsatze folgende Ausführungen: „Es hat in �unserer Zeit die Vorstellung von militürisch cr, in' organisirten Staaten einen gewissen Vorsprung vor der kW! bürgerlich- konstitutionellen Staatsauffassung gewonnen, und l(tj es drohen eine ganze Reihe von militärischen Auf- fassungen und Einrichtungen nach und nach förmlich in das 'b. bürgerliche Leben überzugehe». Nicht allein werden die Regenten cn* monarchischer Staaten wieder vorzugsweise militärisch erzogen, w und treten dann an ihre Aufgaben oft mit Anschauungen und m � Gewohnheiten heran, dw nicht ganz zu denselben stimmen, sondern altzo» es haben sich überhaupt, von diesem vorzugsweise militärischen \ä}Ji Denken und stark in den Vordergrund gerückten militärischen �Staatszwecke ausgehend, in den konstitutionellen Monarchien eine bganze Reihe von Rechtsbcgriffen verändert. Rechte, welche früher .-mit dem konstitutionellen' Staatsrecht und Regierungssysiem eng ' verbunden und felsenfest zu fein schienen, werden heute von dem „Kommandorecht", wenn sie mit demselben in Widerspruch ge- rathen, bei Seite gedrückt. Jede Sache, welcher sich eine militä- ige' rische Seite abgewinne» läßt, kann der parlamentarischen Kontrole oli'n des Staatshaushalts mehr oder weniger entzogen werden, Blilitär- Ittel angelegenheiten werden prinzipiell nicht mehr wie andere Ans- gaben bewilligt, Staatsvertrage, welche nicht vorgelegt werden sollen, bekommen die Form von geheimen„Militärkonventioneu", (uutz», vi* Wim„ wifciiumuuwcmiuiii'U, ;n � und an die Stelle des Pflichtbewußtseins der Beamten gegenüber dem Staat, das'''......"......| Garantien gegen nttf tritt mehr und nör-jJ und Anhänglichkeit, tN" und eine der militärischen nachgeahmte Disziplin. früher eine der wichtigsten konstitutionellen oben ebenso sehr wie gegen unten ausmachte, mehr der Begriff der persönlichen Treue wie er im alten Lchensstaate bestand, '. Ja. selbst ssiiNi, in den gewöhnlichen Sprachformen haben sich Ausdrücke rtß'"j eingebürgert, die aus dem Kaserneuhose stammen;„stramm" ist c. 5j-ein Wort geworden, das auf alle möglichen Verhältnisse ange- gfl?] wendet wird, und„Schneidigkeit" ist längst nicht mehr das Pri- ur-ch vilegium des Kavallerieoffiziers. cive» Für dir Nrickstagswahl in Aaisrrolantrr» wollen die isseft Demokraten den betaunten Holzhändler Kröber- München auf- ".r? i »titil : � yx � a :i ocrüt 4 nwö'j ü ■J 'd stellt' d ei sch« -> Ms cr sich wieder setzte, ergriff Frau Brnsche eilend wieder das Wort. „Sehen Sie, da haben Sie cbcil wieder den Zank zwischen den beiden Mädchen gehört. Das muß ich nun den ganzen Tag anhören. Und wenn ich mich hinein- tuische» will und Ruhe stiften, da fallen sie beide über mich her." «Ich bedaure sehr.— Sind die Damen Ihre Töchter?" „Ach, wo deuke» Sie hin," sagte Frau Brnsche mit dem Tone einer beleidigten Jungfrau.„Ich habe keine Kinder." „O verzeihen Sie." „Ja, sehen Sie, hauptsächlich ist die Anna neidisch, weil ihre Schwester die besten Rollen vom Vater bekommt, ja und dann die Kinder— ," nachdenklich setzte sie hinzu,„ja, ja, die Kinder." Fritz konnte sich d>e geheimnißvollcn Worte nicht cr- klären. Um dem Gespräch eine andere Wendung zu geben, fragte er:„Spielen wir bereits morgen?" „Nein, übermorgen," antivortcte die wackere Theater- mntter,„Sie sollen sich ja morgen die Rolle holen. Wir werden gewiß den„Hinco" geben." „Bon wem ist denn das Stück?" „Kennen Sie denn den Hinco nicht?" fragte sie mit unverhohlenem Erstaunen.„Man merkt, daß Sie nicht bei der Bühne waren," fuhr sie überlegen fort,„der Hinco, ' oder König und Freiknccht ist ja von;— von— hi von■*— herrjeh von wem ist es denn eigentlich— na von der— der Name sitzt mir doch aus der Zunge— na von der Frau, die soviel Stücke geschrieben hat." »Doch nicht von Charlotte Birchpfeifcr," erwiderte Fritz. ...»Richtig! Bon der Birchpfeifcr. Ach, wissen Sie, das «in schönes Stück. Ich spiele nur'ne kleine Rolle, dte Mutter im ersten Akt, weil ich meistens souffliren muß. Aber wissen Sie, Herr, Herr— na, wissen Sie, wenn die Marqmtta da so mit dem Hinco zusammen ist, wissen Sie, da muß tch immer weinen. Ja, ja, ich bin zu leicht zu rühren."(Fortsetzung folgt). stellen, der bekanntlich der einzige.Volksparteiler im vorigen Reichstage war, aber in seinem srüheren Wahlkreise Ansbach- Schwabach durchgefallen ist. «elfenkifchen, 8. Juli. Seitens der Bergleute wird hier demnächst mit der Errichtung einer Genossenschaftsbäckerei bc- gönnen werden, wie solche in Belgien betrieben werden. Die Gründung geht vom Vorstande des Bergarbeiter-Verbandcs aus, der den Arbeitern dadurch wesentliche Vortheile zuwenden will. Es sollen auch die Bergleute aus ihrem Abhängigleitsverhält- nisse von den Händlern erlöst werden, die gern ans Kredit Maaren verabfolgen, aber dafür auch nicht gerade die beste Waare liefern. Das Alistoiumen Deutschlands und Englands über Afrika und Helgoland ist gestern auch vom„Reichsauz." veröffent- licht worden. Gr*ßl»rHrtNttten. London, 9, Inn. Am späten Abend fanden in der Bowstreet und den angrenzenden Straßen noch einige, aber unbedeutende Zusammenstöße zwischen den daselbst ange- sammelten Menschenmassen und Polizeimannschaften statt. Eine am Abend in Elerkcnwcll abgehaltene Verstimm- lnng von etwa 6000 Postbriefträgern nahm eine Resolution an, nach welcher die Einstellung der Arbeit morgen Vor- mittag beginnen solle, wenn nicht alle dem Verein nicht an- gehörigen Postbeamten bis dahin entlassen seien. London, 10. Juli. Von den Postbeamten, welche gestern Hilfsarbeiter der Packctpost vertrieben, sowie den Gehorsam verweigert haben, sind hundert summarisch cnt- lassen worden. London, 9. Juli. Die Postbeamten haben an den Generalpostmeister Raikes ein Schreiben gerichtet, in welchem ausgesprochen ist, sie würden vor dem 21. d. M. nicht streiken, wenn die dem Verein nicht angehörigen Postbeamten ent- lassen würden.— Der Generalpostmeister hat die geforderte Entlassung abgelehnt. London, 10. Juli. Die durch den theilweisen Streik der Postbeamten hervorgerufene Lage ist immer noch ernst; 60 Briefträger ans dem östlichen und 00 ans dem nördlichen Postdistrikt legten heute früh die Arbeit nieder; die Postverwaltnng hat die Mittheilung ergehen lassen, daß jeder Beamte, welcher den Gehorsam verweigert oder An- gestellte an der Fortsetzung ihrer Thätigkeit zu hindern sucht, entlassen werden würde. Gegen 200 Briefträger zogen heute in Prozession von Jslington nach der City, wo sie, durch etiva 150 Beamte des Westbezirks verstärkt, ihren Marsch nach dem westlichen Stadttheil durch Oxford Street fortsetzten, um auf dem Wege die Beamten zum Anschluß an sie zn überreden.—- Im Laufe des Morgens sind noch weitere 100 Briefträger entlassen worden. Holland. Ans Amsterdam, 8. Jnli, wird der„Voss. Ztg." ge- schrieben:„Auch hier zn Lande scheint man dem System zn huldigen, bei Gehaltsaufbesserungen und Vertheilung von Prämien in erster Linie die bestbezahlten Beamten zn berück- sichtigen und die niedigeren Angestellten leer ausgehen zu lassen. Die Staatsbeamten können sich in dieser Hinsicht seit längerer Zeit allerdings nicht beschweren, da der Staat mit lobenswerlher llnparteiilchkeit weder bei den höheren noch bei den niederen Beaniten von irgend einer Zulage etwa? wissen will, dagegen finden es die E i s e n b a h n- G e s e l l s ch a f t e n vollständig in der Ordnung, die am schlechtesten bezahlten'Angestellten' bei solchen Gelegenheiten kurzweg zn übergehen. Bei der letzten Gewimwertheilung der„Gesellschaft für die Exploittrimg der Staatseisenbahnen" erhielten die Direktoren der verschiedenen Dienstabtheilungen, deren festes Einkommen 10 000 Gnlden beträgt, eine Prämie von 2000 Gulden, die Inspektoren mit 2000 bis 0500 Gulden Gehalt eine solche von 1100 Gulden und so im Verhältniß bis zur Besojdungsklasse von 800 Gulden, dagegen ging das gesammte Dienstpersonal, das mit einer Jahresbesoldung von 500 bis 700 Gnlden leben muß, vollständig leer ans. Ein Amsterdamer Blatt meldete bei dieser Veranlassung:„Die Befürchtung, daß es von Seiten der Angestellten, die Jahr aus Jahr ein einer Gehaltsaufbesserung für unwürdig erklärt werden, dieses Mal am Tage der Ansbe- Zahlung der Prämien zu ernstlichen Ruhestörungen kommen ivcrde, ist grundlos gewesen." Dagegen konnte sich Domela Nieuwenhnis in seinem Blatte„Recht für Alle" vor einiger Zeit rühmen, daß mehr als 1000 Eisenbahnbedienstete,„lauter zuverlässige, überzengnugstmie Männer, dem sozialdemokratischen Bunde beigetreten seien." KelgU». Brüssel, 9. Juli. D e p u t i r t e n k a m m e r. Der Finanz- minister Veernaert brachte das Gesetz über die dem Kongostate durch Belgien zn gewährende finanzielle Unterstützung ein. Nach demselben gewährt Belgien dem.Konnostaate ein Darlehen von 25 Millionen Franks und zwar 5 Millionen sofort, den Rest in Raten von je 2 Millionen jährlich 10 Jahre hindurch. Während dieser 10 Jahre soll die Anleihe zinsirei sein. Tagegen ist Belgien berechtigt, nach Ablauf dieser zehnjährigen Frist den Kongostaat mit allen seinen Rechten zu aunektiren, die ihm in Gemäßheil des Berliner Vertrages vom 26. Februar 1885 und der Brüsseler Zusatzcrklärung bezüglich der Kongozölle vom 2. Juli 1890 zustehen; Belgien muß seinerseits die anderen Mächten gegenüber in der 5lvngoakte festgesetzten Verpflichtungen übernehmen. D e p n t i r t e n k a m m e r. In dem Gesetzentwurse über die dem Kongoslaate durch Belgien zu gewährende finanzielle Unter- stütznng wird ferner bestimmt: König Leopold lehnt jedwede SchndloShaltung für die von ihm gebrachten Opfer ab. Fortan wird Belgien vom Kongostaate jedwede Mittheilung über die dortige Lage, namentlich über das Budget und die Steuererhebungen erhalten, doch wird sich Belgien in keiner Weise in die Verwaltung des Kongostaates einmischen. Letzterer verpflichtet sich, in Zukunft leine neue Anleihe ohne Zustimmung Belgiens auszunehmen. Sollte nach Ablauf von 10 Jahre» Belgien darauf verzichten, den Kongoiiaat zu aunektiren, so sollen die geliehenen 25 Millionen Franks mit R.e vCt. verzinst werden und kann nach weiteren 10 Jahren die Rückzahlung verlangt werden. Auch vor diesem Termine soll der Kongopaat zu theilweisen Rückzahlungen alte Ciniünste verwenden, welche ihm aus der Ueberlassnng von Ländereien oder Minen zustießen. Ten Motiven zn diesem Gesetzentwurf ist eine aus den Kongostaat bezügliche letztwillige Verfügung deS Königs bezüglich des Kongo- siaales beigegeben. In derselben erklärt der König, daß er alle seine ihm bezüglich des Kongostaates als Souverän zustehende» Rechte testamentarisch Belgien übertragen wolle, es sei denn, daß Belgien schon bei seinen Lebzeiten noch engere Verbindung mit dem Kongostaate knüpfe. Ter Präsident der Kammer beantragte Verweisung deS Gesetzentwurfs an die Abtheilungen der Kaminer. Der Antrag wurde angenommen.— Der Justizminister Lejenne brachte einen Gesetzentwurf ein betreffend den Erlaß einer Amnestie für Deserteure und solche, welche versuchten, sich dem Militärdienst zu entziehen.— Die Kammer wählte ihr früheres Bureau wieder. Spanke». M a d r i d, 9. Juli. In einem heute abgehaltenen Meeting der Führer der Liberalen erklärte Sagasta, die Liberalen ivürden fortfahren, die Monarchie und die Freiheit zn unterstützen und tvürden sich nicht mit anderen Parteien vereinigen. Bei den Wahlen seien sie verpflichtet, ihre Rechte zn vertheidigen.— Die karlislischen Journale veröffentlichen ein Manifest der Karlisten- partei, welche das llebergeivicht der Kirche in der Regiernna, dem Staate, der Erziehung und der Familie empfiehlt und den Spaniern räth. diese Prinzipien hoch zu halten, um endlich die glücklichen Zelten der vergangenen Jahrhunderte wieder herzu- stellen. Ve>.'la>n«nlu»rae»t. J» ei»,? öffentliche» Versammln»« g-iv-rblicher Zilfsardeite?. die unter dem Vorsitz des Herrn H a u s e r am Mittwoch Abend in Uebel's Lokal, Nannynstr. 27 stattfand, hielt Herr Türk einen Vortrag über:„Die Lage der ländlichen Ar- beiter," der mit großem Beifall aufgenommen wurde. Die folgende Diskussion gestaltete sich zu einer sehr interessanten. Herr Schmidt schilderte aus eigener Erfahrung die Zustände in den ländlichen Kreisen, beleuchtete die Schiilverhältnisse in Ver- bindung mit den Treibjagden der Großgrundbesitzer und wandte sich im Besonderen gegen die tieftranrige Lage der Ziegelei- arbeiter, in deren Wohnräume er Einblick zu nehmen mehrfach Ge- legenheit hatte. Redner betonte in seinen Ausführungen die Nothwendigkeit, mit den ländlichen Arbeitern gemeinsam Front zumachen gegen die vorhandenen Uebclftände. Herr Haus er konsiatirte, daß er in Birkenwerder die Schlafstätten der Ziegelei- arbeiter in Augenschein genommen und gesehen habe, daß sich drei Personen ans dem" ausgebreiteten Stroh mit einer Decke zudecken mußten. Die schlechte Lebensweise stunipfe die Leute ab, treibe sie zu Schnaps und Spiel und degencrire sie vollständig, sodaß ihnen der Sinn für öffentliches Leben bereits verloren gegangen sei. Herr P ritz e l ermahnte die Kollegen, für geistige Aufklärung dieser am schlechtesten gestellten Proletarier möglichst Sorge zu tragen. Viel könne schon dadurch erreicht werden, daß man die gelesenen Arbeiterblätter sammele und ins Land hinausschicke. Herr Lepke skizzirte die Art und Weise, in welcher man die Be- köstigimg der ländlichen Arbeiter bewirke. Auf einen sogenannten Tisch werde ein Brett gelegt, ans welches man die Pellkartoffeln hinschütte, zn denen dann entweder Salz oder der übliche Häring verabreicht werde. Für die Arbeiter erbaue man Baracken, den Pferden errichte man im massiven Stall auch noch eine hübsche massive Krippe. Was das Elend unter der ländliche» Bevölkerung zuwege bringe, zeige die Thatsache, daß ein Dorf in Schlesien keinen Schulzen wählen konnte, weil es im ganzen Dorfe keilten Mann gab, der nicht schon wegen Holzdiebstahls bestrast war. Da nun Bestraste nicht gewählt werden durfte», mußtö i»an sich einen Schulzen anS einem anderen Dorfe holen. Herr H off s- mann ging ebenfalls näher auf die Lage der Ziegelei- arbeiter ein, deren Arbeitszeit meistens um 3 Uhr Mor- gens beginne und nm II Uhr Abends endige. Das erste Frühstück bestehe aus Schnaps, da? zweite aus„Lorke" ohne Bohnen und zu Mittag gebe eS als Hochgenuß Erbsen oder Linsen init Zwiebeln. Zur VeSper werde wieder der Fusel kon- sumirt iind nach Feierabend die„delikaten" Pellkartoffeln. Er habe selbst diese Genüsse dnrchgekostet und könne aus eigener An- schau», ig den Fall konstatiren, daß auf vier Strohsäcke n zwölf Männer und in deren Mitte noch ein Mäd- chen schlafen mußten. Herr Dorn hau er bemerkte, daß auch in der Nähe Berlins polnische Arbeiter in Erdlöchern wohnten, deren Inneres keineswegs besser wie das der Baracken der Ziegeleiarbeiter sei. Unter„Verschiedenes" wurde die Frage angeregt, ob es nicht zeitgemäß sei, für die Kohlenarbeiter eine zehnstündige Älrbeitszeil und 85 Pf. Stundenlohn zu verlangen. Herr Schmidt erwiderte dem Fragesteller, daß es ganz unsinnig sein würde, jetzt mit Forderungen an die Unternehmer heranzu- treten. Er müsse zur Zeit entschieden vor einem derartigen Lohn- kämpf warnen und könne nur rathen, die Frage bis auf weiteres ruhen zu lassen. Später werde sich zur Erörterung derselben gewiß eine bessere Gelegenheit bieten. Herr B o l l m a n n kenn- zeichnete hierauf die Geschästspraxis des ArveitZiiachiveises der Metall- Industriellen in gebührender Weise. Merkwürdig sei es schon, daß»ian Scheine drei verschiedener Farben, nämlich weiße, rothe und blaue ausgebe. Nur wer einen Schein habe, erhalte bei den verbündeten Herreu Arbeit. Ein solcher Schein iverde den Nach- silchenden aber nur auf bestiminte Zeit ausgestellt,»ach Ablauf dieser Zeit müsse man sich einen neuen beschaffen, was immer mit Scherereien und Mühen verbunden sei. Nehme man die nach- gewiesene Arbeit nicht an, so erhalte man lallt Bestimmung in den nächsten acht Wochen bei den Herren keine Arbeit. Nach einigen Bemerkungen der Herren Weimann, Meyer und Immer ha u sen wurde die Versammlung geschlossen. Der Fachuerei» für fütnmtlichr i» drrFirmeuschildei'- Dranche brschiiftiytrn Arbeit»? hielt am Montag, den?. Juli, seine zweite Mitgliedervcrsamml»ng in Schesser's Salon, Insel- straße 10, ab. Alls der Tagesordnung stand: 1. Wahl des desini- tiven Vorstandes. 2. Allffiahine neuer Mitglieder. 9. Verschiedenes. Zum Vorstand wurden folgende Herren gewählt: erster Vorsitzender H. Nagel, Griebenoivstr. 17; zweiter Vorsitzender F. Hiller, Grüner Weg 68; Schriftführer W. Ladewig, Wasser- gasse 13; erster Kassirer O. Kerkau, Waldemarstr. 67; zweiter ziassirer I. Edelheim, Weißenburgerstr. 13; erster Beisitzer B. Mnhsold, Annenstr. 23; zweiter Beisitzer W. Jägnites, Nummelsburg, Berlinerstr. 16; erster Ausschuß C. Müller, Wein- mcisterftraße 4; zweiter Ausschuß I. Schaul, Waldemarstr. 67: dritter Änsschuß R. Ranhut, Challffeestr. III. Dann ließen sich wieder 15 Mitglieder aufnehmen. Es ist dies her beste Beweis, daß der Verein immer mehr Anhänger findet. Mögen sich die säumigen Kollegen alle. Mann für Mann, dem Verein recht bald anschließen! Der Kassirer Kollege Kerkau äußerte seinen WilUfch dahin, daß sich jede Werkstatt einen ScktionSlassirer wählt und derselbe jeden Montag Abend von 8—9 Uhr die Beitrüge an de» Kassirer bei Heller, Am Petriplatz, einliefere. Zum Schluß wurde folgende Resolution gegen 2 Stimmen angenommen:„Tie heutige, den 7. Juli, in Schesser's Salon tagende Mitgliederversammiung sänniitlicher in der Firmenschilder- brauche beschäftigten Arbeiter verurtheilen das Vorgehen dos Herrn Scherl, Besitzer des„Berliner Lokal-Anzeiger", in betreff seiner früher beschäftigten Setzer, ,»id verpflichten sich säi'.nnt- tiche'Anwesenden, das Abonnenieiit aus den„Berliner Lokal- Anzeiger" nicht zn erneuern und dieses Blatt abzubestellen." Die näcyste Mitgiicderversammlnng sindet am 12. August, Abends 8 Uhr, in Schesser's Salon, Juselftrafte 10, statt, Soztnle MMevstTzt. Zjmnirrlrnte Kerlina. Der Streik der Hamburger Kollegen dauert unverändert fort. Es ,vird von beiden Seilen mit der größten Hartnäckigkeit gekämpft. Das vereinigte Kapital bietet alles auf, um die gerechten Forderungen der Arbeiter zu unter- drücken, und durch allerlei Vorspiegelungen glückt es auch den Unternehmern,'Arbeitskräfte von außerhalb heranzillockeu. be- sonders da ihnen noch die Behörden zu Hilfe kommen. Doch der größte Theil der Angeworbenen ist wieder abgereist, sobald sie erfuhren, daß die Bauhandiverker sich in, Streik besinde». Aber schwere Kämpfe wird es noch kosten, bis der Streik beendet ist. Und darum ist es»ufere ernste Pflicht, mitzickämpsen, damit Hamburg zum Siege kommt. Und besonders, da es die Unternehmer und das vereinigte Kapital versuchen, die Arbeiterorganisationen zu sprengen, müssen wir Arbeiter im- sere ganze Kraft anweudeu, damit dem Kapital dieses nicht gelingt. Den» glückt es dem Kapital, in einer Stadt die Arbeiter- organisationen zn sprengen, so werden die andere» Städte bald folgen. Darum Zimuierlente allerorts, thut Eure Schuldigkeit und tretet Mann für Mann sär die Unterstütziiiig der Hamburger Kollegen ein, damit dieselben als Sieger ans diesem Kiassenkainps hervorgehen. H. O r t l a n d, Steglitzerstraße 39. Theater. Freitag, den 11. Juli. Kerliner Theater. Die wilde Jagd. Friedrich-Wilhelmltädt. Theater. Der arme Jonathan. Walliter- Theater. Mamsell Ni- touche. iktoria-Theater. Stanley inAfrika. strnd- Theater. Heinrich Heine. Vorher: Eine vollkommene Frau. KelleaUiance- Theater. Der Nau- tilus. Kroll's Theater. Martha. Kaufmann'» UarietS. Große Spe- zialitäten-Vorstellung. Englischer Garten. Direktion: C. Andress, Alerander- straße 27 c. Auftreten der Kostüm-Soubrette Fräul. Vermont. Auftreten des Gesangshumoristen Herrn Jonas. Auftreten der Duettistinnen Geschwister de la Terra. Auftreten des Tanzkomikers Herrn Schmidts. Auftreten der Jano-Trnppe. Anfang Wochentags 8 Uhr. Sonntags dVa Uhr. Entree Wochentags u. Sonntags 80 Vf., BO Pf. und 75 Pf., im Vorverkauf 20 und 30 Pf. , Der Garten ist an Vereine f. Sommer- festlichkeiten m.Spezialitäten-Vorstellung zu vergeben. Etllblijsement Buggenliagen am Mopitzplatza Täglich: Grosses Garten-Concerti l Direktion A. R-dman». Dienstag und Freitag: Walzer-Abend Wochen! „ Wochentags 10 Fig., .LiUUCC Solln- nnd Festtags 25 Pfg. 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Das Protokoll des I. Deutschen Stellmacher-Kongresses wird in dieser Versammlung ausgegeben. 1012 Der Einberufer: Nekel, Grüner Weg 82. iVereinigung der Drechsler Deutschlands. Grtsvrrmattnng 1—7, Sonntag, den 13. Juli: Ausflug mit Familie nach Friedrichshagen. Abfahrt: Schlesischer Bahnhof Morgens 7 Uhr 46 Min. Hin und zurück mit Arbeiter-Billet 30 Pf. Für Nachzügler: Müggelschlößchen. R, Lutz. Anfang 4 Uhr. Entree 20 Pf. Kinder frei. Zu Privatfestlichkeiten halte mein Etablissement empfohlen. Spiegel und p Polstcrwaaren. eigener Fabrik. Gr. Lager, bill. Preise. Emil Heyn, Brunnenstraße 28, Hof parterre. ' Uebe Theilzahlung nach Uebereinkunft. Das gr. Lager Berlins - Andreasstr. 83 , Tüchtige Gesellen auf Regenmäntel und Jaquets bei lohnender Beschäftig gung suche für mein Atelier. A. Tide- mann, Jerusalemerstr. 16 II.[899 Freie Vereinigung der Bauarbeiter. Sonntag, den 13. Jnli, Vormittags 11 Uhr, in Scheffer's Salon, Jafelstraste 10: MitgUeder-Uersammlung. Tages-Ordnung: 1. Abrechnung vom II. Quartal 1890. 2. Gründung eines Arbeitsnachweisbureaus. 3. Vereinsangelegenheiten. 4. Verschiedenes und Frage- kästen.— Neue Mitglieder werden aufgenommen. Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen ersucht 1603 Der Vorstand. 1008 General-Versammlung des Vereins zur Wahrung der Interessen der Klavier- Arbeiter und verw. Berufsgenossen am Sonnabend, den 12. Juli, Abends 8 Uhr, in Deigmiiiler's Salon, Alte Jakobstraste 48a. 1013 Tages-Ordnung: 1. Ersatzwahl der Arbeitsvermittlungs- Kommission. Abrechnung vom II. Quartal. 3. Werkstatt-Angelegenheiten u. Verschiedenes. Um zahlreiches Erscheinen ersucht Der Vorstand. Grosse Militärschneider-Versammlung des Militärschneider-Vereins am Sonnabend, den 12. Juli, Abends SVe Uhr, in Feuerstein s Salon, Alte Jakobstr. 75 im Parterre-Saal. Tages-Ordnung: 1. Wie und wodurch halten wir die Errungenschaften ans unserem Streik Ref.: Herr Link. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes und Fragekasten. Jeder Kollege mache es sich zur Pflicht, in dieser Versammlung zu er- scheinen. Gäste sehr willkommen. Auch werden daselbst neue Mitglieder auf genommen und können Beiträge bezahlt werden. ioio Der Vorstand. est? Hamburger Zimmerlente, welche in Berlin arbeiten, werden ersucht, sich am Sonntag, den 13. er., Vorm. 10 Uhr bei Hilgenfeld, Bergstr. 60, einzufinden! Die Berliner Zimmerer werden ersucht, dies den Hamburgern zu unterbreiten und thatkräftig für die Unterstützung der Hamburger einzutreten. H. Ortland, Steglitzerstr. 58. 1011 Freie VerckigW her Maurer Berlins und Umgegend. Sonntag, d. 13.» Vorm. 10 Uhr, im Mrdding park» Mullrrstr. 178: Versammlung. T.-O.: 1. Vortrag des Herrn Pirch. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Sämmtliche Kollegen oom Medding, Gesundbrunnen und dem übrigen Uorden werden ersucht, dieses Lokal;n ihrer„Sonntags- Früh sprach»" bennhrn zu wollen. 1002 Der Vorstand. C".5HSBSHSa5HSH5H5HSa5H5asaSHSB5H5HSa5HSaSH/3| m B ■H-'-a, S 'IIKÄsl i s cn o Y si oy 4 i % Ii IS a » 1 OO CO i As s : ffl i » o n I ii� k : ß C.2SHSZ5H5HSHSHSESB5HSB5HSH5H5HSHSHSSSSSH5Ü Zu beziehen durch unsere Expedition, Beuthstraße 3. Miederoerkänfer erhalten Rabatt. Soeben erschien� Der aiahre Jacob Nr. 103. durch die Expedition Zu beziehen Beuthstraße 3. Lassalle-, Marx-, Bebel-, Liebknecht-, Singer-Köpfe, als Cig.- Spitze, echt Meersch., ü 1,50 M. und besser. Wieder- Verkäufer Prozente. 2168 B. Bünzet, Brunnenstr. 157. Cigarren und Tabake von 1709 Aujjust Hintze, Pankstraße 14 a. 'ippentabak Pfd. 30 Pf. ETorabrän! Nr. eingefüWn-nAem Um den vielfach an mich ergangeB Wünschen zu genügen, habe ich wimnd d entschloffen, das von mir Bier der Brauerei Evora& Meyer Furth bei Nürnberg in Bayern auch in Flaschen zu führen. Ich offerire demnach 25 laste Disko iffentlichen gelehrten 3 Menschen o Deutschen! . Zu je, Achtung nn ichtigten N Schaffung> >ewordenen lerfaffung m Gerüche WS 'k'iewesen sei für 8 Mk. frei ins Haus( Inhau.»r-n die Hierdurch wird Jedermann in%%%, Lage versetzt, zu einem Preise, den � für hiesiges Bier zahlen muß, M echtes bayrisches Hier, dessen Vorzüglichkeit allgemein dnerW%%m wird, zu beziehen. nderungen arin eing lages er, irbeitenden 'bei gar * jb dieser nan eine s Wterellen Aufträge bitte ich so zeitig wie möMZ� (ich auszugeben. Gustav Hering, Fottnntstr. 24. ■h Lerfaffung! Jen, Arbeit, zar nicht be -r, weil sei .'amkeit zu " ist dersi Kellerei: Lagerhof, Gebäude Complet in 15 Lieferungen ä Miederoerkäufern Rabatt. Heft 1 bis 3 der zweiten Auflage ist soeben erss "und durch unsere Expedition, Beuthstr. 3, zu H. Guttmann, SWKVVHWS-i 9. Frnnnenstraste 9,_ Schablonen, Thürschilder. Gravrruug von Jinchryten. Dann sehen Atn lüter eine: litz des S einsch ben wir habt. Dazu I ktionäre, ;cn,ei„e W gislaturp illtan f ein un 'reisen zu Grundlage cht, nach «denklich j Angesn eihUche Le nn und b Ladelstrü» nmer no n durch esichert. rei Pr '«feiet, in ..Auf 1 eruht in l f der Ve 'ill, es las �.. öflltchteit tejiten "tligkeit t knecht it. a. m. zujermäß. Preis. MonoS. " Entwürfe gratiyi Wieder vorräthig: PROTOKOLL des ZlltttNtiMlllellU'beiterkijllgrM zu abgehalten oom 14. bis 30. Jnli 1889. Deutsche Uebersetzung. Mit einem Vorwort"WH von Wilhelm Liebknecht. 140 Seiten. Preis broschirt 50 Pfennige. _ In Inion sal fast jedes Hielt, ot lur fatm putben bi Chinesen pbianerl schreibet abt uns Renschen, srgt der 3 nmmelw cfannt l intichinef vsci.cu. P>.!!!» utuituui„e, V �. Äereiitiotc Zu beziehen durch unsere Expedition, Beuthstraße ur schwe Miederoerkänfer erhalten Rabatt. Vereins-Baa-Gesellschait In Berlin Nord.(Eingetr. Genossensch.) Kilan? 1889. Aktiva.... 441 184.35 M. Passiva.... 441 042,03 M. 1005] 142,32 M. Der Reingewinn fließt in den Reserve- fonds. 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" su Kurz nach der Enthebung des Fürsten Bismarck von allen NUlltinen Aemtern entspann sich in der deutschen Presse eine leb- ' laste Diskussion über einen Gegenstand, der sonst abseits des öffentlichen Interesses lag und nur von Zeit zu Zeit in dickleibig 'lehrten Werken von Professoren und anderen langweiligen n enschen abgehandelt würde. Wir meinen die Verfassung des Deutschen Reiches. - Zu jener Zeit konnte man in den Blättern jeder Partei- tchtung mehr oder minder verbürgte Nachrichten, von einer beab- ichtigten Neuordnung der Reichsämter, von der bevorstehenden Schaffung von Reichsministerien, kurz von allerlei nothwcndig >eivordenen und in naher Aussicht stehenden Reformen der Reichs- lerfassung lesen, zumal Herr von Bennigsen, der ganz unverdient ., m Gerüche eines„genialen Staatsmannes" steht, kurz vorher im luU'. r einen Reichsfinanzminister gefordert hatte. Wie AhP wie wenig an diesen Gerüchten nun auch wahres o leiuefen sein mag, so steht doch fest— und in dieser Hinsicht ' w'hnren k'® Nachrichten wenigstens von einer symptomotischen s mstedeutung,— daß die deutsche Reichsverfassung für die gegen- "artige politische Lage nicht mehr so gut paßt wie 1871, als der tf[pect gerade vom Schneider kam, daß früher oder später Ber- * pbeningcn an derselben vorgenommen werden müssen, damit die arin eingezwängten Machtverhältnisse sie nicht eines schonen lages erreißen. Man könnte nun meinen, daß die irbeitenden Klassen in Deutschland an diesen Vorgängen wenig Z#'der gar kein Interesse zu nehmen, daß sie der Frage, b dieser oder jener Artikel der Reichsverfassung ver- ß�rtMdert werden sollte, völlig kalt gegenüber zu stehen, �''Veranlassung hätten. Bis zu einem gewissen Grade könnte nan eine solche Ansicht gelten lassen, da es in der That für die Interessen des Proletariats gleichgiltig ist, ob den Opferdienst w+XiNm Moloch Militarismus ein preußischer oder ein Reichsfinanz- Ulb'Sinnister versieht. Indessen sollte die Thatsache, daß die„gebilde- en" Organe der Bourgoisie sich bemühen, die Erörterung von Lerfassungsfragen in ein rein akademisches Gewand zu kleiden, >em Arbeiter denn doch zeigen, daß es sich nicht um eine ihn ganz und ;ar nicht berührendeLappalie handelt, sondern um eine Sache, aufsdre :r, weil seine Interessen damit im Spiele sind, seine volle Aufmerke P mmkeit zu richten hat. Denn die politische Grundlage unserer Ver assung ist derartig morsch und wurmstichig, wenn an dem einen theil derselben gerüttelt wird, das ganze Gebäude ins Wanken L.»eräth. Dann aber scheint es nach der Bcschaffenhekk unserer poli- ��Mschen Atmosphäre durchaus nicht unmöglich, daß sich das Ge- SHWsvitter eines Verfassungskonfliktes zusammenzieht, aus dem der ---'Bich des Staatsstreichs herausfahren und in den deutschen Reichs bau einschlagen könnte. Einen kleinen Vorgeschmack davon haben nur bereits gelegentlich der Berathung der Militärvorlage gehabt. Dazu kommt dann noch der staatsstreichlüsterne Haß der cktionären und nationalliberalen Bourgeoisie gegen das all- Meine Wahlrecht, sowie die bereits vollzogene Verlängerung der ' gislaturperiode des Reichstags auf 5 Jahre. : Man sieht, die Verfassung des Deutschen Reiches, die man ls ein unübertreffliches Meisterstück Bismarck'scher Staatskunst reisen zu hören gewohnt ivar, und die man als die ewige Grundlage deutschen Staatslebens verehren gelernt hat, beginnt etzt, nach dem Abgang des Schöpfers, mit einem Male »edenllich zu schwanken und zu wanken. Angesichts solcher Verhältnisse, wäre es mehr denn unver- eihliche Leichtfertigkeit, wollte das deutsche Volk nicht auf der Hut ein und die Sorge für sein bestehendes Staatsrecht Diplomaten, Ladelstrümpflern und Staatsmännern überlassen. Es ist nur nmer noch zu vertrauensselig! Es glaubt sein Recht li durch das Bestehen der beschworenen Reichsversassung «sichert. Treffend wendet sich der Göttinger Rechts hrer Professor Rudolf von Jhering gegen das politische uselei, indem er schreibt: „Auf der moralischen Macht des nationalen Rechtsgefühles uht in letzter Instanz die ganze Sicherheit des Rechts. Nichts I der Verfassung, man niag sie aussinnen, so künstlich ivie nwn •flill, es läßt sich keine denken, die die Staatsgewalt faktisch der 'Möglichkeit beraubte, das Gefetz mit Füßen zu treten. Nicht auf >- i�iden, durch die man sich zu sichern gedenkt— die Erfahrung vez�igt, wie oft sie gebrochen werden. Sticht aus dem Nimbus der ��Metligkeit und Unverletzlichkeit— sie imponirt der Willkür nicht' Beb Mon-! gratlsf Der chinesische Arbeiter in Amerika. (Schluß.) . � den kleineren Orten der westlichen Staaten der tonen sah es bisher nicht besser aus, als in San Franzisko. ast jedes Schiff brachte Hunderte schlitzäugige Asiaten. Es hien, als ob eine neue Völkerwanderung im Anzüge sei. lur kamen diesmal die Mongolen vom Westen. Ja, es zurdcn bereits Stimmen laut, welche die Eimvanderuiig der Chinesen als eine Strafe Gottes darstellten. Ein alter Indianerhäuptling aus dem Staate Nevada sagte zu dem -chreiber dieses Aufsatzes:„Seht Ihr Bleichgesichter, Ihr abt uns das Land gestohlen, jetzt kommen die gelben Renschen, um es Euch fortzunehmen!" Doch bekanntlich zrgt der Weltenlauf schon dafür, daß die Bäume nicht in den timmel wachsen. Als die arbeitende Bevölkerung erst die Gefahr ckannt hatte, wurden mich Gegenmittel ergriffen. Die lntichinesen fanden täglich mehr Anhänger. Im Osten der bereinigten Staaten allerdings konnte die Bewegung zuerst ttßp itr schwer Anklang finden; denn dort hatten sich die Aiou- »len bisher nur in kleiner Zahl sehen lassen. Selbst in tädtcn wie St. Louis und Ehikago wurde der Chinese, :r sich in den östlichen Staaten der Union fast ansschließ- ch durch Waschen ernährt, nicht ungern gelitten. Dort ersuchten die frommen Gotteseiferers den lieben„John" .»ics ist der Spitzname aller Chinesen in Amerika, ganz "»x! ob derselbe Hop Lee oder Hing Hang Ho heißt) ItällV111 �hristenthum zu bekehren.. t(l"vjohn," der überall dabei ist, wo es Geld grebt, ließ �ottb'�inz gern von seinem Heidenthnm ab. Nur den Zop »Kr.' urste man ihm nicht abschneiden; denn ohne diese wür- Zierde könnte er ja nicht nach denk himm »f*. ho« ,.kge Ufr Jffch tot# er sehen Reiche, wo er nicht mehr Christ zu sein ancht, zurückkehren. Im Osten der Union also b„John" noch viele Beschützer. Als jedoch im Jahre in San Franzisko ein großartiges Fest abgehalten Was ihr imponirt, ist lediglich die reale Kraft, die hinter dem Gesetze steht, ein Volk, das in dem Recht die Bedingungen eines Daseins erkannt hat und dessen Verletzung als eine Ver- letzung seiner selbst empfindet, ein Volk, von dem zu gewärtigen ist, daß es im äußersten Fall für sein Recht in die Schranken tritt.— So hängt dieSichcrhcitdesRechts schließlich nurvon der Energie des nationalen Rechtsgefühles ab. Die Kraft und das Ansehen der Gesetze steht überall auf gleichem Niveau mit der moralischen Kraft des Rechtsgefühls— ein lahmes nationales Rechtsgefühl, ein unsicheres Recht— ein gesundes, kräftiges nationales Rechts- gefühl, ein sicheres Recht. Die Sicherheit des Rechts ist überall zas eigene Werk und Verdienst des Volkes, sie ist ein Gut, das die Geschichte keinem Volke schenkt, sondern das von jedem in mühsamem Ringen, nicht selten mit blutiger That errungen wer- den muß." Was wäre da nöthiger, als daß die deutsche Arbeiterklasse ich die Kenntniß ihrer Verfassung aneignete und sich klar machte, was dieselbe eigentlich ist und zu bedeuten hat? Nicht umsonst hat sich der geniale Ferdinand Lassalle bemüht, dem Proletariat die Bedeutung und das Wesen einer Verfassung auseinander zu 'etzen, nicht umsonst hütet die Bourgeoisie sich, das Volk über seine politischen Rechte zu belehren und vereitelt die Bemühungen einsichtiger Schulmänner, die die Verfassungskunde in den Kreis der Disziplinen der Volksschule aufgenommen wissen wollen! Wem könnte das Volk auch heute die Sorge um die Erhal- tung und Erweiterung seiner politischen Rechte, wem auch dem Trutz gegenüber den unaufhörlichen Knechtungsversuchen anvertrauen? Etwa der Reichsregierung, dem vielköpfigen und schwerfälligen Bundesrathe? Derselbe hat es bisher nicht vermocht, sich im Volke daS Vertrauen zu einer solchen Aufgabe zu erwerben. Etwa der preußischen Krone? Gewiß auch nicht, denn von ihr sind 'chon zu verschiedenen Malen Handlungen begangen, von denen elbst nationalliberale Blätter schrieben, daß sie verfassungswidrig eien. Oder! soll das Volk dem Deutschen Reichstage die Auf- gäbe aufbürden, sein nationales Recht zu hüten? Das ginge noch viel wernger, das hieße dem deutschen Volke denn doch eine Blindheit zutrauen,» die es nicht besitzt. Denn der Reichstag hat feit seinem Bestehen seine Aufgabe noch nie darin erblickt, die Volksrcchte zu schützen, verfassungsmäßige Garantien für sie zu schaffen. Tie ganze Geschichte des Reichs- tagcs besteht in einem schmählichen Zurückweichen gegenüber den Forderungen der Reaktion, und es scheint, als ob die bürger- lichen Parteien in diese»: Bestreben miteinander wetteiferten und »ch gegenseitig übertreffen möchten. Schon in den ersten Sitzungen des deutschen Reichstages, Anfang April 1871 ließ er sich gefallen, daß die Regierungen ihm eine Verfassung vorlegten, in der von den Grund- rechten des deutschen Volkes kein Wort geschrieben stand. Nicht als ob wir auf die auf dem Papier stehenden Grundrechte ein besonderes Gewicht legten. Aber nachdem die liberalen Parteien das Volk immer damit getröstet hatten, daß sie mit der Einheit auch die Freiheit erkämpfen würden, hätte man doch erwarten können, daß von dieser Seite ein ernstlicher Versuch gemacht tvorden wäre, um für die Preß-, Vereins- und Versammlungsfreiheit einige verfassungsmäßige Garantie» in die Reichsversassung aufzunehmen. Aber es geschah nichts. Und als nun von ultramontaner Seite der Antrag gestellt wurde, in den Artikeln 2—7 diese Freiheiten zu garantiren, da war es Herr von Trcitschke, damals der gefeierte Matador des edlen Liberalismus, der sich in die Brust warf und im Reichstage also verkündete: Wenn Herr Reichensperger und seine Freunde uns diese armen sechs Artikel als Grundrechte der deutschen Nation angeben, dann bieten sie der Nation Steine statt Brot. Ist das die magna Charta der deutschen Nation, sind das die„Rechte der Deutschheit", von denen der Freiherr von Stein aus dem Wiener Kongreß gesprochen hat? Und er fuhr dann begeistert und stolz wie ein Spanier fort: Im deutschen Reichstage, in dem Dasein einer populären 5ttast, deren Beschlüsse Kaiser und Reich gar nicht in den Wind schlagen können, liegt die Sicherheit so weit Menschenmacht reicht, daß eine Knebelung und Mißhandlung der Vereine und der Presse auf deutschem Boden gar nicht mehr vorkommen kann." Gerade diese Äleußerung sollte dem deutschen Volke die Augen darüber öffnen, daß es in seinem Parlamente wohl eine Anzahl Schönredner, aber tvenig politisch konsequente, für die Rechte des Volkes kämpfende Männer besitzt und daß es vom Parlamentarismus nichts zu erwarten hat. Dieselbe Partei, in deren Namen Herr von Treitschke damals das große Wort führte, sie gerade hat die Knebelung und Mißhandlung der Vereine und der Presse durch das Sozialistengesetz wieder möglich gemacht; sie, die sich nicht begnügen wollte mit dem, was von ultramontaner Seite verlangt wurde, sie hatte ihre ganze Ar- beit darauf beschränkt, diese Volksrechte zu verrathen, der mit tönenden Phrasen bekämsenden Reaktion preiszugeben! Heute könnten wir froh sein, das Maß von Volksrechten zu be- sitzen, das Herr von Treitschke damals so geistreich verspottete und nur ein Glück, daß er nicht Ministerpräsident geworden ist, sonst wäre schon längst das ihm in der Seele verhaßte allgemeine direkte und geheime Wahlrecht abgeschafft! Aber ebenso „muthig" wie der Reichstag schon damals zurückbebte, machte er es auch in den späteren Jahren, und gerade die jüngsten Tage haben uns wieder gelehrt, daß der mit so großen Hoff- nungen gewählte„Oppositions- Reichstag" von den volks- verrätherischen Traditionen seiner Vorgänger nicht lassen kann. Aber das liegt im Wesen des Parlamentarismus begründet.„Nur bei sich selbst kann das deutsche Volk Sicherheit finden". Diese Worte des Grafen von Moltke sind beherzigens- werth, wenn ivir sie auch in einem anderen Sinne auffassen als dem, den er in sie hineinlegen wollte. Nur durch sich selbst, durch eigene Kraft kann sich das deutsche Volk sein politisches Recht erhalten und sich neue Freiheiten erwerben! („Magdeburger Volksstimme".) Lottolev. Die ,,UolI>s-Zeitnng" benutzt die Abwesenheit ihres Chef- redakteurs, um sich einige unpassende, aber harmlose Späße zu gestatten. Sie thut so, als ob sie in der That ein sozialistisches Blatt sein tvolle. Denn sie bekämpft eine Resolution, welche es getadelt hat, daß die„Volks-Zeitung" sich als nichtsozialistisches Blatt zum Schlichter und Richter in internen sozialistischen Dingen aufwarf und erwartet, daß wir(das„Berliner Volksblatt") dieser Resolution widersprechen sollen. Der Artikel ist im Einzelnen geradezu kindisch; der Schreiber, der der„Volks-Zeitung" dieses Kukuksei in's Nest gelegt hat, soll sich nur etwas mehr Wind um die Nase wehen lassen, bevor er erwarten darf, daß wir uns mit ihm in eine Polemik einlassen. Gin Keiratlisschivindler eigener Art treibt seit einiger Zeit im Südwesten Berlins sein Unwesen. Derselbe, ein noch junger, aber durch Leichtsinn sehr verkommener, ehemaliger Kaufmannslehrling, Namens Wilhelm St., besitzt die große Gabe, Liebesverhältnisse mit Dienstntädchen anzuknüpfen, ihnen unter dem Eheversprechen Geld abzuschwindeln und sie schließlich, wenn die Enttäuschten auf Rückgabe ihres Geldes dringen, init Körper- Verletzung und Todtschlag zu bedrohen. Sein letztes Debüt gab dieser vielversprechende Jüngling in der Blüchcrstraße, woselbst das Stubenmädchen eines Baumeisters seinen Liebesbetheuerungen traute und ihm eine größere Summe Geldes zum Ankauf der „Ausstattung" verabfolgte. Gleichzeitig pumpte er eine Freundin des liebcbedürftigen Kammerkätzchens an, und als die beiden Mädchen endlich entdeckten, daß sie schändlich betrogen worden, da war der obdachlose Don Juan verschwunden. Ein Räthsel bleibt es, wie hübsche und rechtschaffene junge Mädchen dem völlig reduzirten Menschen zum Opfer fallen konnten. Nerhüteteo Gisenbahnuuglnck. Mit genauer Noth ent- ging der am Montag Vormittag in BerUn von Breslau eingelaufene Expreßzug einen» großen Unglück. Auf der Station Finkcnheerd kollidirte derselbe nahe an der Weiche, muthmaßlich infolge einer falschen Weichenstellung, mit einem zu gleicher Zeit ankommenden Rangirztig. Der Expreß- zug sauste vorüber, verlor den Tender und sämmtliche Trittbretter der einen Seite»vurden»vie Spreu zersplittert. Nur das schnelle und exakte Fungiren der Carpenderbremse verhinderte die vielleicht gänzliche Zerstörung des ganze»» Zuges. Die Passagiere kamen glücklicheriveise mit dem bloßen Schrecken davon. Di« Loltalkontmisftvn für Adlershof ersucht uns, die Namen der Wirthe zu veröffentlichen, welche in ihren Lokalen das„Berliner Volksblatt" auslegen. Es sind die Herren: Hecht (Genossenschafts- Wirthshaus), Kuhle, Kleinschewski, Misserer. Albrecht, Stippekohl. Es sind mithin noch die Lokalbesitzer Leopold, Wicdemann und Äanofski(jetziger Inhaber von Wöll- stein's Lustgarten), welche sich weigern, ihre Säle zu Versamm- lungen herzugeben. wurde, zu welchem die ehemaligen Krieger aus allen Staaten herbeigeeilt waren, konnten sich diese Bürger persönlich über- zeugen, daß der Nothschrei der Arbeiter deS Westens seine volle Berechtigung hatte. Zwar hatten die Väter der herrlich gelegenen Stadt alles mögliche versucht, um„China-town" einigermaßen zu säubern, aber alle Bemühungen blieben fruchtlos. Nur der günstigen Lage am Meere und der ewig wehenden Brise ist es zuzuschreiben, daß in der schönen Goldstadt nicht die schrecklichsten Epidemien entstehen. Un- gefähr zur gleichen Zeit als das Kriegerfest stattfand, wurde in San Franzisko der Doktor O'Donnell zum Koroner(Leichen- beschauer:e.) gewählt. Der Mann ging auf das energischste gegen die Chinesenivirthschaft vor. Auf öffentlichen Plätzen schilderte er den Tausenden seiner Zuhörer die Gemein- gefährlichkeit der Mongolen. Er»vies auf die Un- sittlichkeit, Betrngsncht und Lasterhaftigkeit der Chinesen hin. Er»vies nach, daß viele Chinesen mit ekelerregenden' Krankheiten, z. B. mit dem Aussatz, behaftet sind und forderte schließlich seine Anhänger auf, nicht eher zu ruhen, als bis die Regierung die»vettere Einwanderung der Kulis verbieten würde. Ein Zttfall kam dem unternehmenden Arzte zn Hilfe. Eines Tages bemerkte er beim Durchwandern einer Ehinesenstraße einen entsetzlichen Ge- stank. Da die Polizei ihre Beihilfe verweigerte, drang Dr. O'Donnell mit niehreren Handlverkern in den Keller eines Mo>»golenhanses ein und überraschte dort eine Anzahl Asiaten bei der nur denkbar scheußlichsten Arbeit. Die »viderlichen Kerle waren im Begriffe, das Fleisch von nicht»veniger als ziveiundsechszig menschliche»» Leichen ab- zubrnhen und daitn abzuschaben. Der Chinese glaubt nämlich, erst da»»»» in den Himmel koinmen zu können, »venn»venigsteils seine Knochen im Heimathlande bestattet sind. Um nun die Kosten für den von den amerikanischen Behörden vorgeschriebenen Sarg und das Grab zn sparen, lassen die chinesischen Gesellschaften,»velche dem armen Kuli die Reise»tach Amerika auf Abschlagszahlung erinöglicht haben und ihm auch garantirten, seine Leiche im Falle seines Todes nach China zitrück zu bringen, die eben geschilderte, barbarische Prozedur vornehmen. 50 bis 100 Knochengerüste»verde»» dann in große Kisten verpackt und hierauf»vird die u»iheii»iliche Ladung nach China abgesandt. Nach Entdeckung dieses gräulichen Verfahrens ließ Dr. O'Do»»»>ell die schauerlich vernnstalteten Leichen nach dem öffentlichen Todtenhause bringe»» und forderte alle Bürger San Fra»lzisko's auf, dieselben in Augenschein zu nehme»». Jetzt fanden es endlich die gesetzgebenden Körper der Vereinigten Staaten für nothwendig, die»veitere Ei»isi»hr der gelben Sklaven zn untersagen. Der Entschluß fiel den Gesetzgebern nicht leicht. Das Gr»lndgesetz der Union schreibt vor, daß jeder Mensch, ohne Unterschied der Nation, der Farbe und Religion»n Amerika willkommen sein soll. Da jedoch die Chinesen»veder Bürger der Vereinigten Staaten werden»vollen, noch sonst irgend etwas zur Entlvickelung des Landes beitragen, ja selbst ihre Kleidung, Hausgeräth und den größten Theil ihrer Nahrung a»ls China beziehen, also nicht einmal einen Theil des in Amerika erivorbenen Geldes dort verzehren, war es unbedingt noth»vendig, Maßregeln gegen die fernere Eimvanderung der Kulis zu treffen. Da nun die chinesischen Gesellschaften ihre gelben Sklaven nicht mehr nach den Vereinigten Staaten senden können, schickten sie dieselben nach Mexiko und den englisch- amerika»»ischen Besitzungen. Doch auch dort haben sich die Zopfträger so beliebt gemacht, daß ihr Aufenthalt daselbst nicht lange währen dürfte.— Ob- gleich man»vohl annehmen darf, daß»rnsere Feudalen von den geschilderten chinesischen Zuständen wohl einige Kenntniß gehabt haben müssen, schienen dieselben doch allen Ernstes die Absicht zu haben, De»ltschla»»d durch die Einfuhr des gelben„Johns" zu beglücken. Der weiße,„the»»re", selbstbewußte Arbeiter würde dailn durch einen»villigen, billigen Sklaven ersetzt»vorden sei»», u»»d der bisherige weiße deutsche Arbeiter?— Nun, mag a»ls ihm werden, was da will! __ Eine merkwürdige Keobachtung hat ein Armenarzt im Sudosten der Stadt in den letzten Tagen vor Beginn der Schul- ferien gemacht. Es war demselben nämlich aufgefallen, daß er häufig von armen Familien in Anspruch genommen wurde, deren Krnder unter äußeren Erscheinungen erkrankten, die auf eine heftige Störung der Verdauung, des Blnwnilaufes und des Stoffwechsels schließen ließen. Die erste Frage war unter diesen Umständen, ob der Patient, gewöhnlich ivaren es Kinder im reiferen Alter, etwa unreifes Obst gegessen habe, wobei man namentlich an die damals noch unreifen und schwer verdauliche Stachelbeeren dachte. Die Frage wurde regelmäßig verneint. Nun fiel dem Arzt auf, daß die Kranken fast ausschließlich in einer bestimmten Gegend der Reichenbergerstraße wohnten. Wäre der Herr Doktor nun ein strengerer Fachmediziner gewesen, als er In Wirklichkeit ist und zu fem wünscht, so wurde er sofort das in der dortigen Gegend veno endete Trinkwasser einer genauen Untersuchlmg auf Bazillen unterworfen haben. Der Gedanke an die Wirkungen unreinen Trinkwassers st,eg zwar auch in ihm auf, doch unterdrückte er denselben, da die Anfälle alle gutartig verliefen und die Kranken meist nach einer tüchtigen Schwitzkur sich wieder wohler fühlten. Die Patienten waren särnrntttch noch schulpflichtige Kinder: der durch die äußeren Symptome klar vorhandene Krank- heltszustand konnte vielleicht übertrieben sein, um für längere Zeit den Unterricht zu schwänzen; aber auch bietet Gedanke war unhaltbar angesichts der nahe bevor- stehenden Schulferien. Dem Arzt begann nun die Sache doch zu mterespren und er wollte der Krankheitsursache auf den Grund komme». Der Krankheitsverlauf selbst ließ auf eine heftige Erkaltung schließen, doch wurde dem Arzte versichert, die Kinder seien wenig von Hause fortgekommen, wären nur nach der Schule und zurück nach Hause gegangen und hätten sich dann meist im Hause aufgehalten, wozu sie schon durch den fortwährenden Regen gezwungen waren. Zwar ivaren ja nun die letzten Tage vor den Ferwn regnerisch und kühl, aber doch nicht so kalt, daß ein sonst gesunder Junge sich durch die Temperatur eine so bösartige Erkaltung hätte zuziehen können. Als der Herr Doktor nun wieder einen derartigen Patient zu behandeln hatte, examimrte er denselben sofort auf die Entstehungs- Ursache der Krankheit. Die dem Examen zuhörende Mutter des Knaben bemerkte aber sehr einfach, die Ursache der Krankheit seien„nasse Beene". Nun war das Räthsel bald gelöst. Das Schuhwerk des Jungen war defekt, so meinte der Arzt, der Junge und seine Mutter bestritten das; die Stiefeln wären noch ganz, sie ließen blos— meinte der Junge— manchmal etwas Wasser durch; die Hauptschuld aber lüge an dem Trottoir der Neichen- bergerstraße, da sammle sich das Wasser zu kleinen Pfützen an und wenn er da mit seinen„ganzen" Stiefeln hindurch- gegangen sei, dann habe er stets nasse Beine gehabt. Besonder» sei dies der Fall gewesen, wenn er zur Schule gegangen sei und da habe> er nun mit den völlig durchnäßten Stiefeln und Strümpfen während der ganzen Schul- zeit sitzen müssen. Der Arzt fand diese Erklärung der Krankheits- Ursache völlig glaubhaft und überzeugte sich durch den Augenschein von der durchaus unzweckmäßigen Beschaffenheit des Trottoirs in der Reichenbergerstraße. Dasselbe ist auf iveiten Strecken durch eine dünne Asphaltdecke hergestellt, die sich durch den fort- wahrenden Fußgängerverkehr schnell abgenutzt und dadurch lange, tiefe, ausgehöhlte Furchen enthält, in denen sich das Regenwasser ansammelt und nicht abläuft. Das ganze Trottoir gleicht gleich bei Beginn eines heftigeren Regens einem kleinen See, durch den alle Fußgänger hindurchgehen. Daß dabei Kinder mit nicht Gchj) zuverlässigem Schuhzeug nasse Beine bekommen, ist leicht erklärlich und daß dieser Zustand gesundheitsgefährlich ist,'das beweisen die erwähnten Fälle. Die Bekleidung schulpflichtiger Kinder m einer der Jahreszeit und den Witterungsverhältnissen entsprechenden Weise ist wiederholt als eine Pflicht der Koininunal- Verwaltung bezeichnet worden. Was kann ein Kind, das mit nasten Füßen in der Schule sitzt, wohl vom Unterricht für Nutzen haben; Wenn man die Schulpflicht gesetzlich einführt, so soll man auch auf Mittel sinnen, sie praktisch durchzuführen und nicht ein- fach die Last auf die Familien abwälzen. Angemessene Be- kleidung und Ernährung sind aber die nothwenoigsten und unerläßlichsten Voraussetzungen für einen gedeihlichen Schul- Unterricht. Ais auf Weiteres für Fuhrwerke und Reiter gesperrt werden die Bergstraße, von der Elsasserstraße bis zur Invaliden- straße, behufs Umpflasterung und vom 14. d. M. ab die Bellevue- r i- f/ u0m S?Ie,!un. Stern bis zum Spreeivege behufs der Neube- schuttuiig wobei die Dampfwalze zur Anwendung kommt, sowie SRchllmirfe behufs Vornahme von Reparaturen. D,e Polizei macht öffentlich bekannt, daß am 3. d. M. ein der verwittweten Roßschlächter Feldhahn, Gerichtsstraße 42 wohn- Ws, gehöriges und zum Schlachten bestimmtes Pferd mit der Rotzkrankheit behaftet befunden und deshalb der Abdeckerei über- wiesen worden ist. Karl Wolter, der Spukjunge aus Resau, hat seit etwa "?chdem seine Begnadigung abgelehnt, im Amts- gerichtsgefangniß zu Werder a. H. die Berbüßung seiner vier- wöchentlichen Strafe angetreten. Freiwillig ist er indessen der Aufforderung zum Strafantritt nicht gefolgl, sondern er mußte "st durch den Gerichtsvollzieher von der Krumwiede'schen Ziegelei, woselbst er Erde karrte, geholt werden. In Werder erzählt man sich nun, daß, als Wolter über die Havelbrücke dem Gefängniß zugeführt wurde, sich plötzlich ein derartiger Sturm erhob, daß dem Gerichtsvollzieher die Mütze vom Kopfe flog. Das Gefängniß liegt am Mühlenberg in Werder, woselbst sich ein abgelegener Platz befindet, der des Abends stark von Liebespärchen frequentirt wird. Seitdem Karl Wolter brummt, soll es nun dort spuken, man will ein tanzendes Irrlicht gesehen haben, so daß jetzt kein Werder'sches Mädchen mehr dazu veranlaßt werden kann, Abends nach dem Mühlenberg zu gehen.— Vielleicht ist das für die Werdcr'sche Nachkommenschast ganz nützlich. Da» gegenwärtig» Schnkenfest nimmt das ganze Denken gewisser Schichten der Berliner Bevölkerung gefangen, soweit bei diesen Schichten von Denken nämlich überhaupt die Rede sein kann. Dem Proletarier und Sozialisten wird es schwer, sich ein- mal in den Standpunkt der Leute zu versetzen, welche diesem Fest fi» VI /VW V* n ZV f, V CV.. C-- r r'-f_ A.t! i_(V. V___ 1- 1'• einen realen Inhalt, eine geschichtliche Bedeutung zuschreiben Einige der freisinnigen Blätler— die allesauunt dem Bmides- schießen Tag für Tag mehrere Spalten widme», gewiß zur innigen Freude der Reporter— fühlen freilich heraus, daß Schützenseste und Schützeuvereine sich allgemach überlebt haben. Sie greifen daher, um dem Feste gleichwohl eine Bedeutung abzugewinnen, in die Vergangenheit und erinnern an die Tage, i» welchen die Schützcnvereiue den Gedanken der deutschen Einheit pflegten und an den Schützenfesten die nationale Begeisterung enipor- loderte. Für den Freisinn, ehemals„Fortschritt", ist es ja bezeich- nend, daß er mit Vorliebe in vergangenen Zeiten weilt und das rühmt, was er voreinst gewesen, geleistet und gelitten. Uns ist die deutsche Einheit nicht Zweck, sondern Mittel; nicht ein Gut an sich, sondern blos die Vorbedingung künftiger, die Freiheit und soziale Wohlfahrt verbürgender Gestaltungen. An einer au sich mäßig bedeutenden Etappe, in der sich obendrein die„Einheit" mit der Vernichtung der Freiheit traut zusammenstellt. haben wir nicht Grund zu wahret Befriedigung, nicht Lust zu müßigem Feiern. Doch hiervon abgesehen, ist es auch logisch schon zu rechtfertigen, das Verdienst der alten Schützen in den heutigen zu ehren; da ist doch nur ein rein äußerer Zu- sammenhang, keine Verwandtschaft des Wesens. Angeblich stehen noch jetzt die Regierungen den Schützensesten antipathisch gegen- über; der Grund dafür ist schwer zu finden. Wenn sie nur mit einer freundlichen Miene auf die Herren Schützen blickten, wie ersterbend loyal würden die Freisinnigen Dank und Huldigung abstatten! Beklagt sich doch ein Blatt, das für radikal gelten will, darüber, daß am letzten Sonntage keine Lieutenants Unter den Linden flanirten. Einst erschien auf einem deutschen Bundes- schießen der Herzog von Koburg, wie feierten da patriotische „Männer" den Regenten, der sich zum Volke herabließ' Schade, daß der Herzog uns das Vergnügen jetzt nicht noch einmal bereitet. Er könnte es unbesorgt und es müßte ein herrliches Schauspiel sein, zu sehen, wie aller Tadel verstummte und der deutsche Freisinn wieder dem populären Fürsten zu- jubelte. Aber er mag wohl den Freisinn verachten, und er thut recht daran. Uns soll es nicht betrüben, die bürgerlichen Klaffen unseres Volkes ein inhaltloses, der Bedeutung in unserer Zeit entbehrendes Fest feiern zu sehen. Wir erkennen daraus, daß das Proletariat allein die wahrhaft moderne Klasse unserer Be- völkerung ist, daß allein die deutschen Arbeiter, welche sich durch dieses Fest nicht einen Augenblick in ihrer ernsten Betrachtung stören, in ihrem ruhigen Gange aufhalten lassen, die Bedeutung unserer Zeit verstehen und deshalb die Männer der kommenden Zeit sind. Eine furchtbare Katastrophe, bei welcher mehrere hundert Menschenleben gefährdet wurden, ist in der Nacht vom Sonntag zum Montag nur durch einen glücklichen Zufall verhütet worden. Um 12 Uhr Nachts passirte ein ziemlich stark besetzter, vom Kutscher K. und dem Schaffner Z. bedienter Pferdebahnwagen der Linie 5kreuzberg— Gesuiidbruunen auf der Fahrt nach letzter Endstation die Badstraße. Der Trarnway war soeben im Begriff, die Kreuzung der Stetttner Bahn, deren Barriere geöffnet, zu passiren, als der Kutscher desselben plötzlich einen mit vollem Dampf heranbrausenden Personenzug auf eine Entfernung von kaum fünfzig Metern gewahrte. Trotz des fürchterlichen Schreckens, von welchem der Beamte erfaßt wurde, hatte er noch so viel Geistesgegenwart— da der Wagen nicht mehr zu bremsen war—, auf die scheuenden Pferde einzuschlagen und diese dadurch zu noch schnellerer Gangart anzutreiben, und kaum hatte der Trarnway den Bahnkörper verlassen, da sauste der aus acht Personenwagen bestehende Esenbahnzug so haarscharf an dem Pferdebahnwagen vorbei, daß der Hinterperron noch gestreist wurde und eine etwa einen Zoll tiefe Beule erhielt. Nur eine einzige Sekunde später hätte der Wagen das Geleise passiren dürfen, und nicht nur die gestimmten Insassen des Pferdebahnwagens wären dem entsetzlichen Tode verfallen, sondern auch der Eisenbahntrain hätte unfehlbar — bei einem derartigen Hinderniß— entgleisen müssen. Ter Schaffner des Pserdebahnwagens kam mehr todt als lebendig auf dem Depot an. Wie man uns mittheilt, war der Eisenbahn- zug den die Barriere bedienenden Bahnbeainten nicht gemeldet, auch hatte der Zug kein Signal zum Passiren der Kreuzung gehabt. Unglücksfälle. Beim Niederlegen eines am Köllnischen Fisch- markl belegenen Gebäudes verunglückte vorgestern Nachmittag der in der Neuen Grünstr. wohnhafte Arbeiter Karl T. dadurch, daß ihm ein paar Balken auf den Fuß fielen und eine Verletzung des Schienenbeins herbeiführten. Der Verletzte wurde nach dem städtischen Krankenhause am FriedrichShain transportirt.— Ein zweiter Unglücksfall ereignete sich gestern Morgen gegen 7 Uhr in Neu-Weißensee auf dein dortigen Bahnhof. Daselbst war der Arbeiter T. mit Abladen von Brettern beschäftigt, als er plötzlich infolge eines Fehltritts von der Lohre herabstürzte und durch die ihn nachfallenden Bretter, die aus ihn zu liegen kamen, schwere Verletzungen erlitt. T. wurde ebenfalls nach dein Krankenhause überführt. Gegenmärtig gelange« die letzten Arkade« de« Mühlendamms znm Abbruch, welche fast sämmtlich in ihren Schlußsteinen noch wohlerhaltene Skulpturen tragen. So weit sich an mehreren derselben erkennen läßt, sind die deutlich ver- tretenen Köpfe keineswegs willkürlich gewählt; sie verrathen viel- mehr, daß dem Erbauer oder dem ausführenden Meister eine be- stimmte Absicht zu Grunde gelegen hat. Am östlichen Ende, nach dem Molkenmarkt zu, erkennt man an einer Stelle zweifellos den Merkur, neben ihm zwei bartlose Köpfe mit Aehren- oder Blatt- kränzen, die als Bacchus oder Ceres gelten könnten. Nach der Brücke zu folgen Arbeiten von wesenllich anderem Charakter: trotzige Männer mit starkem, gelocktem Haarwuchs, mit lachenden oder höhnenden Zügen, die an die Greinköpse der alten Rath- Häuser oder der späteren kirchlichen Kunst erinnern. Ihnen schließen sich wilde Köpfe an, um welche sich Schlangen herum- winden, die vielleicht, wie oftmals an Brücken, auf Dämonen, aus Kriegsfurien oder Neid hindeuten sollen. Ter letzte Schluß- stein nach Westen zeigt einen bärtigen Mann mit einer Mütze, die auf ein bestimmtes Haiidwerk hinzuweisen scheint. Es >väre gewiß zu wünschen, daß diese alte» Köpfe in ähnlicher Weise, wie es mit den Schlußsteinen des alten Rath- Hauses geschehen ist, irgendivie zusammenhängend sich erhalten ließen. Dar eineur Welegenheitol'chwindler, welcher in den westlichen Vororten sein gemeingefährliches Wesen treibt, mögen alle Kaufleute aus der Hut sein. Am Montag Nachmittag kam ein Herr in den dreißiger Jahren in das Kolonialwaaren- und Delitateffengeschäst von Jul. Schreiber jun. in Lichter elde und bestellte für das Kasino vom Kadettenhause ein Mille feine igarren. Ter Auftrag sollte sofort effektuirt werden, und ohne rgwohn wurde der Kutscher des Geschäfts nach dem Kasino ge- schickt, um die Tausend Zigarren zu überbringen. Unterwegs holte er den Besteller ein, ivelcher plötzlich an den Wagen heran- trat und den Kutscher zu beivegen suchte, schnell umzukehren und »och 60 Flaschen Wein zu holen, welche er zu bestellen vergessen habe. Er wolle inzwischen bei dem Fuhrwerk bleiben. Ter Kutscher war jedoch inißtrauisch geworden und ging zu seinem Glücke auf diesen Vorschlag nicht ein, obgleich derselbe unver- fänglich klang, da in der That das betreffende Geschäft die Lieferung für das Kasino hat. Als der Fremde-sah, daß es ver- geblich sei, den Kutscher dazu zu bestimmen, entfernte er sich mit den Worten, daß er dann allein den Wein bestellen wolle. Als der Kutscher vor dem Kasino eintraf, stellte es sich heraus, daß Zigarren überhaupt nicht bestellt ivaren, das ganze Manöver vielmehr darauf abzielte, die Zigarren nebst Pserd und Wagen zu stehlen. A«» Nnmmeloburg theilt man uns mit, daß der Restan- rateur Kammler, Hauptstraße 11, seinen Saal zu Arbeiterver- sammlungen nicht hergiebt. Dagegen liegt bei Pasicke(„Vereins- Haus"), Hauptstraße, das„Berliner Volksblatt" aus. Den in WUHeltusKerg— Uen-KoKenj'cki'nhmusen verkehrenden Genossen theilen die hiesigen Freunde mit, daß der Restaurateur Drachholz,„Zum Reichsadler", der einzige Gast- wirth im Ort ist, der der Arbeiterbewegung freundlich gegen- übersteht. Gin erbitterter Kampf entspann sich vorgestern Nach- mittag in Dalldorf zwischen zwei vom Charlottenburger Pferde- markt kommenden Zigeunerhorden, ivelcher, nachdem er durch den Amtsvorsteher, Polizeidiener und Bewohner des Ortes beigelegt worden war, die sofortige Ausweisung der Zigeuner zur Folge hatte. Während die eine Partei nach Hermsdorf zog, lenkte die andere ihren Weg nach Reinickendorf, um von dort etwaige Hilfe zu holen, da sie der anderen Partei gegenüber an Stärke nicht gewachsen war. Bevor jedoch die erstere Hermsdors er reicht, wurde sie von den Rowdies, die ihnen in Zigeunerwagen nachgekommen, eingeholt. Zuerst leisteten die Verfolgten ver zweifelten Widerstand; als iie jedoch sahen, daß sie nichts aus- richten konnten, flüchtete ein Theil, während die übrigen von den Strolchen umzingelt und niedergeschlagen wurden. Nun begann die Plünderung der Zigeunerwagen, auf denen sich ca. 600 Thaler baares Geld befanden. Hiermit war es jedoch noch nicht genug. Damit die Zigeuner den übrigen nicht nachfolgen konnten, stachen die Angreifer einige Pferde nieder. Seitens der Amtsvorstände ist bereits die Untersuchung eingeleitet. Ueber die übliche« Wettevlrtule« und insbesondere die auf dem Kerliner Kchtojiplab äußert Dr. Aßmann vom königlich preußischen meteorologische» Institut in Hest 6 seiner Monatsschrift„Das Wetter" ein höchst abfälliges Urtheil. Der gewöhnliche Hergang bei der Aufstellung einer„Wettersäule" ist nach seiner Darstellung etwa folgender: Ein für die uieteoro- logischen Vorgänge im allgemeinen tnteresstrter Laie stellt an ent- sprechender Stelle einen Antrag auf Errichtung einer„Wetter- säule" unter kräftiger und zielbewußter Begründung der wissen- schaftlichen und praktischen Gesichtspunkte einer solchen Ä unter� der nebenbei wird bemerkt, daß eine solche Säule der Stadt K des Land« besonderen Zierde gereichen werde, da dieselbe die Am»�- Passage d reichen architektonischen Schmuckes gestatte. Darauf witM Einladun, Kommission eingesetzt, und diese betraut den hervorras!» Im Thiei Jtommimon eingeiegi, uuu uuje ucimm>�» heimischen Architekten mit der Ausarbeitung eines ProjefM würdige S digen Muthes geht dieser an die Arbeit; es soll ein KMauf, er e eine Zierde' der"Stadt werden, das ist sein alleiniger che» unte- Eine Säule, ein Kiosk, ein kleiner Tempel, bald in edlen ri� nicht in o Formen aus kostbaren Werksteinen, bald im orienOT thatsächlu Gestaltenreichthum aus minderwerthigem Material Jst? Itchen Bei wird der Kommission vorgelegt, und überall giebt dleftnehrerer welche der Architekt dem Dinge zu geben verstand, den A» dem Man Vergebens erhebt der halbwegs sachverständige Vater Stand de dankens seine Stimme, indem er nachzuweisen versucht, dal und vera mit der Allsführung des Projektes zwar ein„Kunstiverk, Z Angeklagt aber einen für meteorologische Instrumente geeigneten R worden st Haltsort schaffen werde. Ter Kunstsinn der Kommission jnR die Bewei — die Meteorologie aber erhält einen Faustschlag inMJ Staatsan Die Säule wird aufgestellt, und nach drei Monaten fä ngn t noch der Ortsfremde an die aufgestellten Apparate heran,' G e[a n; bestaubt und unregulirt durch blinde Fensterscheiben blicken. Fast genau diesem Normalvorgange entspricht stehungsgeschichte der Wettersäule in Berlin, des neu kostbarsten Kunstwerks dieser Art(es kostet gegen 7000 hat man, was anzuerkennen ist, bei der ersten des Planes mit dem Berliner Zweigvereine der,_ sehen meteorologischen Gesellschaft Fühlung gesucht. s""nug v Belehrung von Seiten desselben aber geflissentlich._9 gangen, sobald das Projekt im„architektonischen St? angelangt war. Noch weniger sah man sich den sachverständigen Rath des königl. meteorologischen dsj in Anspruch zu nehmen, wohl unter der begründeten u« setzung, daß durch dasselbe den Schwingen des Künstler-Arch' ctefWn rtrtnpTonf inprhpn miirhpn. mplcfip den höfceil&IUCI vkss i Wie destech,« Adolf P I wegen gi gerrchts I Schutzma ch auch chuns hi ehen die nd sie i Lege da was, kom Fesseln angelegt werden würden, welche den hohen Flug-j in die niederen Regionen des bürgerlich- wissenschaftlich� griffes der„Zweckmäßigkeit" herabziehen müßten. So för denn der schöne, aber gänzlich unzweckmäßige Bau. Das� j�ö* damit ist So est Jevers, ob unten geschlossene GeHause gestattet keine Erneuerung der... den Glasscheiben eingesperrten Luft, das schwarze Marnioff ß ö absorbirt mit Lust die durch das Glas hindurch gegangene'• l lende Wärme, wandelt sie in„dunkle Wärmestrahlen"® che» bekanntlich das Glas den Wiederaustritt rcrwehrt Prinzip des Gewächshauses ist in vollkommenster Weise• 9 schehen! Sommers am Morgen scheint bei dem fehlenden M v/ Schutze die liebe Sonne bis 7 Uhr, Nachmittags von 6 Uhr' Thermometer der Nordseite; Aneroidbarometer und B"* der Südseite erfreuen sich von 3 bis 4 Uhr der Eb stärkster Strahlungs-Jntensität, aber nur das Sonn' Thermometer, das Schwarzkugel-Jnstrument, fühlt sich hierbei, das Queckfilber-Barometer der Westfront aber Quecksilberthränen vor Freude über den warmen Som'f den Wah mittags b welcher a ihn, ob verneinte Müller I langte de welcher es von 2 Uhr Nachmittags an freundlich Gnmd d sieht trotz der Höhe die großen Thränen zu Dutzenden im � Diesen k des Barometers hängen! So konnte es denn kommen,'.fich �ber manchem Tage, wie Dr. Aßmann beobachtet hat, die Ä Müller Barometer um mehr als 8 Millimeter, die verschiedenen� gliinpflick ineter um 8 Grad von einander abwichen, ja, daß das zur Sac thermometer, welches doch die höchste erreichte Temperas kurzer drücken soll, fast 5 Grad weniger zeigte, als das gen'� weitere Thermometer. Hierfür werden von Dr. Aßmann einig* P und Wid Beispiele angeführt. Es geht daraus hervor,„daß&!*„nd vom und kostspielige Berliner Wettersäule nicht zur Belehr"� summen dein nur zur Irreführung des Publikums geeig"� ifcht nah Der Bersafser schlügen für knüpft daran die Errichtung eine von Reihe von, nchteit si Wettersäulen, I erstrecket den Anforderungen der!>vi„en>qaft enlsprecheM,, befunden wesentlichen Punkte dieser Besprechung sind M Aufforde In erster Linie ist für die Wettersäule ein Material wacht welches bei möglichst geringer Masse die Fähigkeit b'"'- am Don unter dem Einfluß strahlender Wärme möglich;*»wmC zur Berh wärmen. Diesen Anforderungen aber entsprechen am b*st'•- gut wärmeleitenden Metalle, welche» man einen möglich? Anstrich ertheilt. In zweiter Linie ist für eine möglichst. Lüftung in dem Innern der Wettersäule zu sorgen, was? voraussetzt, daß die Konsttuktion der letzteren durch Einist von Gittern oder Anbringung zahlreicher Oeffnungen dei» lichen Luftwechsel möglichst Vorschub leistet; es muß dm Gehäuse ein beständiger Luftstrom gehen, der eine(M" keit von wenigstens Ve Meter in der Sekunde besitzt; zu erzeugen, müssen unter Umständen besondere � Aus der Vorrichtungen angebracht werden in der Weise, daß hold, gesetzte Aussaugung der eingeschlossenen Luft und ent; v»'. Schlosser Eintritt neuer in den unteren Theil der Säule erfolgt. End müssen sännntliche Apparate, außer dem Sonnenfcheiit'g1 durch di rneter, derartig angebracht iverden, daß sie von direkter?.seNschast strahliiug gar nicht oder doch iveuigstens nicht mäh" blätler, sechs Stunden vor und nach der Mittagszeit getroffen Adressen können..siJu den Polizeikericht. Arn 9. d. M. Vormittags un>Vimfn>mg Frau vor dem Grundstück Veteranenstr. 8 von zwei\oi. Arbeitsz« Wagen gespannten umherspringenden Ziehhunden umgerm fiel ans den Hinterkopf, so daß sie eine Gehirnerschütlerw' etstj 1 Lage des |IV4 VVW| VVW-vwy I»» w|-v«---- � fo Fjtejj — Mittags wurde eine Frau in ihrer Wohnung in der A"'ferner S zw diger, R jeden W> Jemand daß er(i Entscheid Kosten fi Ko« verraths: vereinigt straße erhängt vorgefunden.— Zu derselben Zeil wurde v*, u»terneh Hause Unter den Linden ein Handelsmann von eine:». ewenthu wagen überfahren und erlitt anscheinend innere Verletz»�?>>** He daß er nach der Charitee gebracht werden mußte.— Nfl-nevolut wurde in der Pauke, nahe der Kielerstraße, die Leiche c» geborenen Kindes aufgesunden.— Zu derselben Zeit,• der Ecke der Berg- und Jnvalidenstraße ein TöpstV welcher sich au einen in der Frnhrt befindlichen RollibA an P"s* hängt hatte, von einer durch einen Stoß herabfallenden s» aen rurz troffen und erlitt zwei bedeutende Kopfverletzungen, M C1" Gehirnerschütterung. Er wurde nach dem Lazarus-Krab* Halen n. _ zu collz | zur Err Für Geschäftsleute von Wichtigkeit ist eine**■, Angetto! Auslegung, welche die Sö. Abtheilung des Berliner°? anarchis> gerichts dem§ 369 Nr. 2 des Strafgesetzbuchs gegeben" dieser Bestimmung werden Gewerbetreibende, bei denen 3, fichrl-Al brauche in ihrem Gewerbe geeignete, mit d*� Frau Ji lichen Aichungsstempel nicht versehene oder unrichtig".- I*>, ö'*1 Gewichte oder Waagen vorgefunden werden:c., mit ab", da bis zu 100 M. oder"mit Hast bis zu 4 Wochen bestraft J und zwi .-.m-. v i a; i Mitangl auch neben dieser Strafe auf die Einziehung der widrigen Maaße, Gewichte, Waagen oder'MeßmelM. erkennen. In dem in der Brüderslraße belegenen Tefly Ledertuch-Geschäft von Löwe fand am 14. April er. itl J Aichkommission eine Revision nach den dort Maaßen statt, dieselben wurden für richtig\ t doch entdeckte der Aichmeister in einem Winkel noch K*/ Dezimalwaage mit älteren Gewichten. Bei deren P*'*? stellte sich heraus, daß sie nicht vorschriftsmäßig geaiZ. Es erfolgte nun nicht allein die Beschlagnahme dieser sondern es wurde Herrn Löwe auch noch mit einem a»>Ä lichen Strafbesehl in Höhe von 10 M. event. 2 Tag*" Z dacht. Hiergegen erhob der Betroffene Einspruch und gestrigen Termine geltend, daß er Waage und Kauf des Geschäftes vor 5 Jahren mit übernommen, j Gegenstände aber weder jemals verwendet habe,»' seinem Geschäfte verwenden könne. >>> e. Der Gerichtshof für gleichgiltig, da Waage und Gewicht geeignet P der in! u»ng ist lich im vom S und am Bilder i richteten russische hod'schi zusaNin, als Ha» vorlas. Wohnrn sollen o knecht s haben, nach m wendet zu werden. Er verurtheilte den"Angeklagten und erkannte auf Einziehung der beschlagnahmten G*8e jen' obtl An« oti jetti- i !« en riei ,1.. t die nA ter rk ten m. ins De» Schneidermeister Ferdinand Rasch stand gestern unter der Anklage der N ö t h i g u n g vor der IV. Strafkammer des Landgerichts I. Der Angeklagte machte am 25. April in der Passage die Bekanntschast eines jungen Mädchens, welches seiner Einladung zu einein Spaziergange nach den Zelten Folge leistete. Im Thiergarten angekommen, zog der bis dahin so liebens- würdige Begleiter des jungen Mädchens plötzlich andere Saiten auf, er erklärte ihm, daß er Kriminalbeamter sei und das Mäd- chen unter polizeiliche Aufsicht bringen würde, wenn es sich ihm nicht in allen Punkten willfährig zeigte. Das Mädchen ließ sich thatsächlich einschüchtern. Nach einiger Zeit traf sie den angeb- lichen Beamten wieder in der Passage. Sie war in Gesellschaft mehrerer Freundinnen und nahm Veranlassung, die letzteren vor dem Manne zu warnen. Eine derselben kannte aber den wahren Stand des Angeklagten, man wandte sich an einen Schutzmann und veranlaßt« ferne Arretirung. Im Termine behauptete der Angeklagte, daß er das Opfer einer Personenverwechselung ge- worden sei, Staatsanwalt und Gerichtshof hielten ihn aber durch die Beweisausnahme der Thäterschaft für überführt. Während der .... Staatsanwalt gegen den Angeklagten vier Monate Ge- cn fängniß beantragte, erkannte der Gerichtshof aus 6 Wochen -ran,�Gefängniß. den Mir leicht man zu einer Anklage wegen Keamten- cht W destechnng kommen kann, das hat der Schuhmachermeister �eueslä Adolf P l a st e r erfahren müssen, der gestern dieserhalb sowie ,0 9% wegen groben Unfugs vor der vierten Strafkammer des Land- r Ans genchts I stand._ Eines Abends wurde der Angeklagte von einem der Schutzmann dabei betroffen, als er auf der Straße eine Ueber- es u cht, tretnng beging, die so häusig vorkommt, daß sie nur in seltenen mtlich, Mtlen zur Anzeige gebracht wird. Der Schutzmann begnügte gt» sich auch damit, den Angeklagten auf das Ungehörige seines Thuns hinzuweisen, der letztere erwiderte aber:„Ja, so etwas " ehen die Schutzleute, wenn sie aber nöthig gebraucht, verden, nd sie nicht da." Nun mußte er mit zur Wache. Ans dem j,.*.™- dahin meinte der Angeklagte zu seinem Begleiter:„Ach lua dt? was, kommen Sie, wir wollen zusammen ein Glas Bier trinken, fuicht? damit ist die Sache erledigt." Hierin erblickte der Schutzmann ~0 eck«me versuchte Bestechung und ebenso der Staatsanwalt, der hier- >as obs für gegen den Angeklagten 40 M. und für die Uebertretnng 10 ' Mark beantragte. Der Gerichtshof sah das Verhalten des An- geklagten milder an, er hielt eine Geldstrafe von insgesammt L3 M. für eine ausreichende Sühne. i"»m,. Aan«friri»»nsbrnch im Mohllokal. Bei der Stich, vahl hrt A Teltow- Beeskow- Storkower Reichstags- Wahlkreise, die am efSe«!1' stattfand, war der Maurer Karl Müller aus Berlin .... W vom hiesigen Zentral- Wahlkomitee der Arbeiterpartei beaustragt worden, im Wahllokale zu Trebbin Stimmzettel zu vertheilen nnd . Barls den Wahlakt zu kontroliren. Als die Wahl um 10 Uhr Vor- ßimck mittags begann, stellte sich Müller dem Bürgermeister von Trebbin, welcher als Wahlvorsteher fungirte, vor. Der Wahlvorsteher srug ' hck ihn, ob er in Trebbin wahlberechtigt und da Müller dies x ) :n cen r-All der ärmol mgei«' ''fhotl �rn einte, so wurde er aufgefordert, das Wahllokal zu, Müller bestritt die Berechtigung zu dieser Ausweisung: verlassen. er ver- J Müller........ SKCL...... sÄlt den Grund bezw."den Gesetzesparagraphen zu wissen, auf \aZ jti®pwd dessen ihm der Aufenthalt im Wahllokale verboten wurde. " d Tiefen konnte der Wahlvorstand freilich nicht angeben; er hals -ick!!$ A w't,_ daß er den unbequemen Frager verhaften ließ. n Ä Kuller wurde eingesperrt, und will im Gefängniß keineswegs 'A glimpflich behandelt ~achc. Abends Vernehmung weitere Folge war, worden sein; doch gehört das nicht um Vjg ützt wurde Müller nach aus der Haft entlassen.— Die unter Anklage gestellt wegen beider Delikte zu- a de«! d öc' 0 weitere Folge war, daß Müller wegen Hausfriedensbruchs wg�.n und Widerstandes gegen die Staatsgewalt uß"L und vom Schöffengerichte zu Trebbin wegr« lehr»? summen mit 10 M. Geldstrafe bestraft wurde. Das Schöffenge- ecig"" richt nahm an, daß der Wahlakt zwar öffentlich sei, diese Oeffent- von l lichkeit sich aber nur auf die Wähler des betreffenden Wahlkreises lcii, erstrecke. Demnach habe sich Müller unberechtigt in, Wahllokale echert-J befunden und hätte sich durch sein längeres Veriveilen trotz der '? Aufforderung zur Entfernung im Sinne der Anklage schuldig ge- l macht Gegen die Entscheidung legte Müller Berufung ein, die '" am Donnerstag vor der ersten Strafkaunner am Landgericht II zur Berhaiidlnng kam. Die Straskammer war mit dem Verthei- diger, Rechtsanwalt Dr. Heine, der Ansicht, daß der Wahlakt für jeden Wähler öffentlich sei. ES komme nicht darauf an, daß Jemand in dem betreffenden Wahlkreise wahlberechtigt, sondern wyj daß er überhaupt wahlberechtigt sei. Demgemäß wurde die erste Ei»!� Entscheidung aufgehoben und der Angeklagte von Strafe und W'"j Kosten freigesprochen. Kochverrnthsprozest. Leipzig, den 10. Juli. Ein.Hoch- ' verrathsprozeß von allgemeinem Interesse findet heute vor dem t;% vereinigten zweiten und dritten Strafsenat des Reichsgerichts statt. ce* I Auf der Anklagebank erscheinen: 1) der Schneidermeister R e i n- «rh o l d, 2) dessen Ehefrau, 8) der Maler Vehr und 4) der Schlosser Wagenknecht, sämmtlich aus Berlin. Ende April d. Js. erhielt eine große Anzahl Berliner Bürger dilrch die Neue Berliner Omnibus- und Packetfahrt-Aklien-Ge- sellschaft verschlossene und sranlirte Briese, in denen sich Flug- blätter, und zwar zum Theil in großer Anzahl befanden. Die Adressen lauteten zumeist:„An die Arbeiter der Fabrik".... In den Flugblättern wurde eiiimal die Feier des I. Mai für i' unsinnig erklärt, weil der Achtstundentag, wie überhaupt eine Arbeitszeitverkürzung oder Lohnerhöhung nicht im Stande sei, die ligerm- Lage des Proletariats zu bessern. Die Arbeiter mögen deshalb, ttettwj so hieß es iveiter, den ehrgeizigen Gewerkschaftsführern nicht ?er J1' ferner Heeresfolge leisten. Das Ziel des von den Arbeitern zu :de o». unternehnienden Kampfes sei die Umwaiidlung des Privat- ci:t("L»i?«ühum«S in gemeinschaftliches Gut aller, die Zertrümnierung oller Henschast durch die soziale Revolution. Ein Mittel, diese Revolution zu fördern, seien die Streiks, denn einmal ivürden ®0n Nothwendigkcit des Klassenhasses überzeugte Arbeiter durch sie gewonnen, um in die große proletarische Armee einge- ' tc,Y* ä" werden, ziveitens können sich die Arbeiter dadurch üben, an Personen Gewaltthaten zu begehen, und somit den Ausbeutern den kürzesten Weg zum Himmel oder auch zur Hölle z>l zeigen, und endlich üben sich die Arbeiter durch die Streiks, Geivolt- thaten an Sache» zu begehen und können somit zeigen, auf welche Weise das Proletariat die Expropriation des Privateigenthums zu vollziehen gedenkt." Im Weiteren wurde in den Flugblättern zur Ermordung de» deutsch«» Kaisers, fowie zur gewaltsamen Aeuderuilg des deutschen Reiches aufgefordert und endlich lvarcn >. in den Flugblättern Beleidigungen gegen den Kaiser enthalten. Tie ine-?! Angeklagten sollen diese Flugblätter, die in der Druckerei des 'er? anarchistischen BlatteS„rlntonvmie" in London hergestellt seien, von ,cn h-' 1 London bezogen, kouvertirt:c. nnd durch die Nene Omnibus-Packet- fahrt-Aktieii-Gesellschast an die betreffende» Lldressen befördert haben. Frau Reiuhold, die offen und frei bekennt, daß sie Anarchistin sei, giebt auch zu, die Beförderung bewirkt zu haben, behauptet aber, daß sie einmal den Inhalt der Flugschriften nicht gekannt j und zweitens, daß sie die That allein begangen, mithin ihre drei voll' Mitangeklagten, ganz besonders ihr Gatte schuldlos sei.— In njerfl'' der in der Seidelstraße zu Berlin belegenen Reinhold'scheii Woh- XePr viiiig ist das Bild des Schuhmachergesellen Lieske, der bekannt- x fciilj lich im Jahre 1885 wegen Ermordung des Polizeirnths Rumpfs ' geV� vom Schivurgericht zu Frankfurt a. M. zum Tode vcrurtheilt ia,'"ud auch hingerichtet wurde, mit Lorbeer unckränzt, und auch die i fti« j Bilder der aus Anlaß des Dynainit-Atteutats zu Ehikago hinge- rletzu' M he ci it n>' löpsel IoQi" wen Ära« lg xch , ai« ngcn njefw richteten Anarchisten, sowie die Photographie» mehrerer russischer Nihilisten gesunden worden. Auch sollen in der Rein- yotd'schen Wohnung, ganz besonders an Sonntagen, Anarchisten- ömam.uieiikuvfle stattgeflindcn haben, bei denen Frau Reinhold «w Hauptrednerin fungirte und insbesondere ans der„Alitonomie" vorlas. Die Angeklagten Behr und Wagcnknecht, in deren Wohnungen viele anarchistische Druckschriften gefunden wurden, tollen an diesen Zlisammenkünsten theilgenoinme» haben. Wagen- lnecht soll im Jahre 1888 einen Arbeiter, Namens Klimm ersucht haben, ihm als Teckadresse zu dienen. Es kam auch bald dar- nach an Klimm aus Aachen ein großer Korb Aepfel an, linter nb% v dä »00 ernf et it«" m" S denen sich 5000 Exemplare anarchistischer Druckschriften befanden. Frau Reinhold soll mit mehreren Anarchisten in London in regelmäßiger Korrespondenz gestanden, die„Autonomie" in großen Packeten aus London bezogen und mit einem Manne, Namens Josef Schütz einen regen Briefwechsel unterhalten haben, der vor einiger Zeit in Aachen wegen Einschmuggelung anarchistischer Druckschriften verhaftet wurde. Man fand bei Schütz eine ge- Heime Anweisung, auf welche Art am leichtesten anarchistische Schriften von London nach Deutschland und Oesterreich einzu- führen bezw. zu verbreiten seien. Die Angeklagten Reinhold, Behr und Wagenknecht sollen sich früher hervorragend an der sozialdemokratischen Bewegung betheiliat und später den Anar- chtsten angeschlossen haben.— Frau Reinhold stand bereits im September v. I. auf der Anklagebank der IV. Strafkammer des Landgerichts Berlin I wegen Verbreitung anarchistischer Druck- schriften, sie wurde jedoch damals wegen mangelnder Beweise freigesprochen. Die Angeklagten, die sich sämmtlich seit längerer Zeit in Untersuchungshaft befinden, haben sich nun heute 1. wegen Ausforderung zur Ermordung des Kaisers, 2. wegen Vorbereitung zur aeivaltsameu Aenderung des Deutschen Reiches und 3. wegen Be- leidigung des Kaisers vor Eingangs bezeichnetem Gerichtshose zu verantworten. Reinholt heißt mit Vornamen: Hugo, Oswald; er ist am 1. April 1843 zu Schrimm geboren, Dissident. Frau Reinhold, geborene Schlapsky ist am 30. Dezember 1859 zu Kyritz geboren, Dissidentin. Behr, heißt mit Vornamen: Karl, August, Albert, er ist am 5. September 1859 zu Berlin geboren und evangelischer Konfession, Wagcnknecht, heißt mit Vornamen: Karl Hellmuth, Paul, Fritz; er ist am 11. Februar 1859 zu Nakel geboren und evangelischer Konfession. Sämmtliche Angeklagte sind bisher unbestraft. Als Zeugen sind mehrere Berliner Polizeibeainte, sowie etwa zehn Arbeiter und Arbeiterinnen, sämmtlich ans Berlin, geladen. Außerdem sind Kanzleirath Seegel und Buchdruckereibesitzer Köpsel (Berlin) als Sachverständige geladen. Die Verhandlungen finden in dem großen Saale des am Brühl nnd Göthestraßen-Ecke belegenen Reichsgerichtsgebäudes statt und sind öffentlich. Bei einigen Verlesungen dürfte allerdin gs die Oeffentlichkeit ausgeschlossen werden. Verfa>»»tt»l»»»tae»r. Gin« öffentliche Urrsammlnug der Kürsten-«nd Pinselmachrr Äerlin»«nd Umgegend fand am 7. Juli er., bei Feuerstein, Alte Jakobstraße 75, mit folgender Tagesordnung statt: I. Vortrag des Herrn Steinmar über:„Kapital und Arbeit". 2. Diskussion. 3. Wahl zweier Delegirter zur Zentral- Streik- Kontrolkommission. 4. Verschiedenes. Zum l. Punkt der Tagesordnung erhält Herr Steinmar das Wort. Er führte etwa aus, daß das Thema schon ein altes nnd bekanntes sei, denn gegen die Macht des Kapitals ist der Arbeiter nur ein Spielball; um aber Abhilfe zu schaffen, ist eine Organisation nothwendig und zwar nicht eine nach Hirsch- Duncker'schem System, sondern die heutige, moderne Arbeiter-Organisation. Redner sagte im wei- teren Verlaufe seines Vortrages, daß es nur das Großkapital sei, welches Unzufriedenheit säe. Denn durch seine Ring- bilvungen ist es im Stande, den Arbeitern seine Existenz zu schwächen. Wenn die Arbeiter, wie Redner weiter anführte, gegen solche Zustände von ihrer Waffe Gebranch machen, so ist es ihnen nicht zu verdenken. Zum Schlüsse des Vortrages kritistrte Referent den Reichstag, indem er sagte, daß die Ab- geordneten(außer den Sozialdemokraten) nur einzig und allein immer das Kapital vertreten, während die Arbeiter weiter darben müßten. Bei diesen Worten erhob sich der Lieutenant»nd er- klärte die Versammlung nach§ 9 des Sozialistengesetzes für auf- gelöst. Die nächste Versammlung findet am Mittwoch, de» IG. Juli, bei Feuerstein, Alte Jakobstr. 75, statt. Möchten die Kollegen in dieser Versammlung etwas zahlreicher erscheinen. Uo» Frau Gubrla erhalten wir folgendes Schreiben: Zur Berichtigung diene den Herren der Velvetfabrik zur Nach- richt, daß meine Behauptung, welche von der oben genannten Fabrik für wahrheitswidrig erklärt wird, von mir so lange auf- recht erhalten wird, bis wir in einer demnächst stattfindenden Arbeiterinnen- Versammlung die Frage öffentlich zur Diskussion gestellt haben werden. Zu dieser Versammlung wird„»bedingt nicht bloß der Fabrikant, sondern werden auch die Arbeiterinnen gehört werden müssen. Infolge dessen laden wir schon im Voraus den Herrn Besitzer der Velvetfabrik zu dieser Versamm- lung ein. Der Fachvrrri» der Unster hielt Sonntag, den G. Juli, in den Bürgersälen, Dresdenerstr. 9G, seine regelmäßige Versammlung ab, mit der Tagesordnung: I. Abrechnung vom 3. Quartal. 2. Bortrag deS Kollegen Tähne über Schäden nnd Ursachen der Krisen in> Baugeiverbe und wie sind dieselben abzu- helfen? 8. Verschiedenes.' Nachdem der Vorsitzende die Ver- sannnlung eröffnet hatte, ernanute er Namens des Vereins die Kollegen Pittag und G. Riedel zu Ehrenmitgliedern. Hierauf verlas der Kassirer die Kassennbrechnung. Es waren ein- gegangen in den drei Monaten 8007 Monatsbeiträge, was auf eine Mitgliedschaft von 1002 schließt. Nachdem Einnahme nnd Ans- gäbe beglichen war, blieb ein Bestand 198,01 M. Da von den Revisoren bestätigt wurde, daß Bücher nnd Kasse i» bester Ord- »ung befunden, wurde dem Kassirer Entlassung ertheilt. Hierauf hielt Kollege Dähne seinen Bortrag. Redner führte ungefähr folgendes aus: Wie in andern Branchen, so sei ancb im Bau- gewerbe der handwerksmäßige Kleinbetrieb gänzlich verschwunden. Es stehen sich nur noch Großkapital und Arbeitnehmer gegenüber, deshalb ist auch auf ein dauerndes Arbeitsverhältniß bei einem Unternehmer nicht zu rechnen. In früheren Jahren beschäftigle ein Bauunternehmer in schlechteren Zeiten seine alten Arbeiter, ohne etwas am Lohne zu kürzen. Heute ist das Alles nicht mehr. Sowie die Arbeit ansängt, knapp zu werden, so sangen die Herren auch an, am Lohne zu kürzen und wer sich das nicht gesallcn lassen will, der wird bei der ersten Gelegenheit ab- geschoben; man kann jedoch dem kleine» Unternehmer nicht alte Schuld in die Schuhe schieben, indem sie selber zu sehr von den Kapitalisten abhängig sind. Am meisten Schuld an der ganze» Kalamität ist der Banslellenwucher. Ein Grundstück, was vor 10 Jahren pro Quadratruthe mit 300 Mark verkauft wurde. kostet heute 1500 bis 2000 Mark. Es müsse infolge dieser Steigerung der kleine Unternehmer soviel wie möglich suchen, an den Löhnen zu knapsen, um nur für sich noch einen erklecklichen Gewinn zu erzielen. In vielen Fällen wird auch das Baugeld vom Kapitalisten so knapp bemessen, daß es kaum zulangt. Hier- durch kommen Viele in die Lage, die Bauten nicht hintereinander fertig stellen zu können. Dies kommt gerade heute in Betracht. In ,edcm Jahr sei jetzt todte Zeit. In diesem Jahr ist es noch schlimmer, weil so viele Bauten ans Sulchastation warten. Tie Kollegen müssen sich ihrer Klassenlage bewußt werden, indem sie fest zusammenstehen und sich organistren; denn sie werden wohl aus den Organisationen der Unternehmer sehen, was eine gute Organisation im Stande ist zn leisten. Ebenso, wie die Unter nehmer uns jetzt den Daumen auf daS Auge drücken, indem sie unsere Vereinigungen zerstören wolle», so könnte» auch wir mit mehr ManneSinuth anitreten, wenn wir besser zusaum.enhalten würden. Leider bleibe da»och viel zu wünschen übrig. Vor allen Dingen sollten die Kollegen das Solidaritätsgesühl niehr pflegen. Gerade jetzt müßte sich es erst recht zeigen, was Vcrcinskollegen sind, indem sie die Feiernden von der Straße nehmen; aber leiver sei es traurige Thatsache, daß einzelne Kolonnen sich ans ein Viertel- jähr Arbeit besorgt haben nnd andere können deswegen verhungern. Ter Egoismus ist eben unter den Putzer» zu sehr eingewurzelt. Auch müsse er(Redner) noch aus einen Uebelftand aufmerksau, machen. Die Kollege», welche Arbeit annehmen, möchten doch nicht gar so stolz sein, den mitarbeitenden Kollegen gegenüber. Einige—»nd es sind ihrer nicht wenige— stecken zu sehr den nur Fach- — Dieselbe Unternehmer heraus. Das führt nur zu Zerivursmsten in der Kollegenschaft. Es braucht heute keiner darauf zu pochen, wenn er die Arbeit angenommen hat. Er kann nicht wissen, ob er morgen noch in derselben glücklichen Lage ist; denn der Arbeitgeber nimmt auf einzelne Personen keine Rücksicht; er zieht immer den- jenigen vor, an dem er den meisten Prosit hat. Hierauf wurde über eine vom Kollegen Schröder eingegangene Resolution ab- gestimmt, welche folgenden Wortlaut hatte: Die heute m den Bürgersälen tagende Pntzerversammlung beschließt in Anbetracht der jetzigen Verhältnisse, daß alle Vereins- kollegen, welche Arbeit annehmen, nur verein skollegen annehmen dürfen! wurde mit großer Majorität angenommen. In der hieraus•folgenden Diskussion sprachen sich noch mehrere Kollegen im Sinne des Referenten ans. Hierauf wurde über das Stistungsfest berathen und es wurde beschlossen. Nach- mittagskonzcrt und Sommernachtsball zu arraugiren; jedoch wurde den» Vorstand und dem Vergnügungskomitee freie Hand über das wenn und wo gelassen. Die Freie Uereinigung der Hausdiener Herlin« hielt am Sonnabend, den 5. d. MtS. eine gut besuchte Versamm- lung bei Feuerstein, Alte Jakobstraße 75, mit folgender Tagesordnung ab:„1. Vortrag des Reichstags-Abgeordneten W. Lieb- knccht über den Nutzen der Freien Vereinigung unter den Haus- dienern. 2. Diskussion. 3. Aufnahme neuer Mitglieder und Verschiedenes." Gleich nach Eröffnung verlas der Vorsitzende ein Schreiben, in welchem der Abgeordnete Liebknecht mittheilte, daß es ihm an diesem Tage nicht möglich sei, zu referiren, da er mit seiner Familie in die lang verbannte Heimath zurückgekehrt sei. Hieraus übernahm der Genosse Wach das Referat. Der- selbe schilderte in eingehender Weise den Zweck der Organisation und ermahnte die Hausdiener, dieses wohl im Auge zu behalten und nur der Freien Vereinigung beizutreten, welche alL ein Boll- werk gegen die Ausbeutungslust der Kapitalisten_ gelten kann. In der Diskussion sprach der Genosse Günther sich im Sinne des Referenten aus und meinte, es wäre recht bedauerlich, daß die Arbeiter sich so wenig um die Organisation kümmern, während die Kapitalisten die Sachlage besser auszunützeu wüßten. Mögen sich die Herren noch so sehr in den Haaren liegen, gegen die Forderungen der Arbeiter sind sich dieselben vollständig einig. Sie weisen jede Forderung als eine Frechheit und Unverschämt- heit zurück. Eine 15— ISstündtge Arbeitszeit ist ihnen noch zu kurz. In dem gleichen Sinne sprach sich der Genosse Jahn aus. Vor allen Dingen muß darnach getrachtet werden, Mitglieder anzu- werben, damit, wenn der Kampf einmal entbrennt, eine gut ge- schulte Armee in's Treffen geführt werden kann. Nachdem noch die Kollegen Wiemer und Keßling gesprochen, wurde folgende Resolution gegen 8 Stimmen angenommen:„In betreff des 10. deutschen Schützenfestes wolle die Versammlung beschließen, vom Festplatz desselben fern zu bleiben, da die Stadt 40 000 Mark bewilligt, den Forderungen der Arbeiter aber in keiner Weise cnt- gegen kommen will". Unter Verschiedenes berichteteGenoffe Günther über die Zustände in den Ziegeleien zu Birkcuwerder, wo die Arbeiter 14—20 Stunden arbeiten. Die Behandlung und die Zustände spotten jeder Beschreibung. In den Schlassälen sieht es unglaublich aus. Bei anständigen Leuten sieht es im Stall besser aus als da, wo jene Arbeiter Hausen müssen. Dcc Raum ist nicht größer, daß die Berliner Polizei kaum zwei Mann darin dulden würde. Dort aber Hausen vier Mann, als Lager dienen drei Strohsäcke nnd eine Pferdedecke. O du glückliche Zeit der christlichen Bruderliebe! Hierauf wurde nach kurzer Debatte die Versammlung mit einem dreifachen Hoch aus das fernere Blühen und Gedeihen der Vereinigung geschloffen. Der HrrUnrr WirkrrgrsrlleN'Nrrt-and hielt am Mon- tag in Feindt's Salon, Weinstraße 11, eine Versammlung mit folgender Tagesordnung ab: 1) Vortrag des Herrn F. Bcrndl über:„Tie Ursache des Verbrechens. 2) Diskussion. 3) Vcrsckie- denes. Redner entledigte sich seiner Ausgabe zur großen Zu» sricdenheit der Versammlung. Die Ursachen der Verbrechen liegen in den gegenwärtigen wirthschaftlichcn Verhältnissen, in geistige» wie in materiellen. Die Vertreter der heutigen Gesellschastsord» nung glauben die Ursache in dem Abfallen vom Gottesglauben gesunden zu haben, aber dem entgegen beweist die Statistik, daß z. B. in katholischen Ländern, wo doch die Frömmigkeit eine größere ist, auch die Zahl der Verbrechen eine weit größere ist Zn Anfang dieses Jahrhunderts waren verschiedene Moralisten der Ansicht, daß die mangelnde Schulbildung die Ursache vieler Ver- brechen sei; auch hier beweist die Statistik entgegengesetzt. Im Jahre 1806 betrug noch die Zahl der mit sehr mangelhafter Schul- bildung Ausgestatteten in Frankreich 64 pCt., heute sind eS nur noch 32 pCt., trotzdem hat sich die Zahl der Verbrechen bedeutend vermehrt. Die Schulbildung übt keinen Einfluß auf den inneren Charakter aus nnd nur ein moralisch gebildeter Charakter kann dem Versuch ein Verbrechen.zn begehen, eher widerstehen. Zwar übt die Schulbildung einen Einfluß aus auf die Art des Verbrechens, die verschiedenen Verbrechen sind den verschiedenen Bildungs- aradcn angemessen; eine jede Gesellschastsklasse hat ihre be- sonderen Verbrechen, aber nicht alle gleichen Verbrechen fallen unter ein und dasselbe Gesetz. In unserer heutigen Produklions- weise liegt auch ein Verbrechen, ein Diebstahl an Arbeitskraft, für welchen aber kein Gesetz besteht. Nicht durch Frömmigkeit, nicht durch bessere Schulbildung, sondern erst, wenn wirkliche Sozialreformen geschaffen, wenn die Arbeitcrziele ver- wirklicht sind, werden die Ursachen der Verbrechen verschwinden. Die hierauf folgende Diskussion, an welcher sich mehrere Redner betheiligtcn, bewegte sich ganz im Sinne des Reserentc». Im Verschiedenen wurde ein Antrag, das kehlende Geld zu den Kosten des zu Ostern stattgefundenen Kongresses vorschußweise aus der Verbandskasse zu nehmen, angenommen. Ferner wurde da? Mit- glied Dürr von der Mitgliedschaft des Verbandes ausgeschlossen, Außerdem gelangte ein Antrag zur Annahme, bei etwaigen au?- brechenden Streiks für die erste Woche keine Unterstützung zu leisten. Schluß der Versammlung. Eine öffentliche Urrsauunlitttzg der Drechsler und Ve- rusSgenossen aller Branchen wurde am 9. d. M. im May'schen Lokale, Äeuihstr. 22, abgehalten, deren Aufgabe es in erster Linie war, endgiltig Beschluß zu fassen über die diesjährige Lohnbe- wegung. Die Versammlung tagte unter Vorsitz der Herrn H i l d e b r a n d t und D o ß. Die Reihenfolge der zur Tages- ördnung stehenden Punkte wurde vor Eintritt in die Verhand- lungen einem Gekchäftsordumigsantrage entsprechend geändert und gelangte zunächst der Pnnlt„Wahl von Revisoren zum S t o ck a r b e i t e r st r e i k" zur Erledigung. Herr Hilde- br andt hielt es für angezeigt, daß in der Revisionskommission alle Branchen vertreten seien, da an der Ansbringnng der Gelder alle Branchen betheiligt seien. Er beantragte die' Wahl von 7 Personen nnd zwar 3 Stockarbciter nnd aus jeder anderen Branche je eine» Vertreters. Die Versammhing beschloß dem- gemäß und wählte folgende Herren: Pausender gor. Hoff- m a n n, M e n s ch n e r(Stockarbeiter), T r ä m p e r(Holzarbeiter), Fischer(Perlmuttarbeiter), Starke(Elsen deinbranche), Kammmacher waren nicht vertreten, infolge dessen soll in nächster Versammlung ein Kammmacher gewählt werden. Nach- dem schilderte Kollege Lcgien-Hambnrg die Lage in Hamburg. Redner erläuterte die Llussperrnngen und die folgenden Llrbeitseinstellmigen infolge der Feier des 1. Mai der Ewerführer, der Zimmerer und Maurer. Tie Aussperrungeu bei den Schneidern, Küpern und Böttchern waren weniger zahl- reich, als bei den Vorgenannten. Die brennendste Frage war die der Bauhandwerker nnd war Redner der Ansicht, daß ein Schei- tern dieses AnsstandeS, wie es gerüchtweise als geschehen ver- laute, nicht auf den Mangel an Opfernmth nnd Unterstützung der Arbeiter, sondern auf die große Zahl der Streikbrecher zurückzu- führen sei. Gleichzeitig standen noch im Ausstände Metall- arbeitcr, Werjtarbcitcr, Maler, Schuhmacher, Korbmacher u. A. Die Lage der Hamburger Arbeiter hätte sich demnach nach dem I. Mai wesentlich ungünstiger gestaltet, als vor dem 1. Mai. Trotz des heldenmüthigen Opfermuthes ging durch die Ungunst Dauer der Streik der och habe dieser Streik gezeigt, welcher diesen nicht gewerkschaftlichen 9'' der Verhältnisse nach fün Ewerführer verloren. Do gute Geist und Kern in diesen nicht gewerkschaftlichen Arbeitern ruhe. Außerdem streikten bekanntlich auch die Gasarbeiter und die Schlächtergesellen. Nach berühmten Mustern stellte auch Herr E r l e m a n n(Bergedorf) an seine Arbeiter die Forderung, aus dem Fachverein auszutreten. Die Antwort war eine Arbeitseinstellung. Es streiken 10 Mann bereits 9 Wochen und werden von den Hamburger Drechslern unlerstützt. Ein gleiches Ansinnen wurde m neuerer Zeit von Herrn Richter(Barmbeck), welcher 180 Mann be- fchäftigt, an seine Arbeiter gestellt(dieser Fall schwebt noch); das fllPTmP tff hör(tnTT hot ha*» l U Ai»-f»» rtv..« a nt r»-jt" u___ gleiche ist der Fall bei den Gärtnern, sowie seitens der Glashütten m Bergedorf, Ottensen �.......—-_...- liefe; it .... und Eiselstätt. Aus allen diesen Vor- gangen" sei ersichtlich� daß die Lage der Hamburger Arbeiter eine ungemein ungünstige geworden war und dieselben gezwungen waren, sich nicht, wie es sonst der Fall war, auf ihre eigenen Hilfsmittel zu verlassen, sondern sich um Hilfe an die deutschen Arbeiter zu wenden. Nach Lage der Sache sind die schwarzen Listen jetzt fast ausnahmlos bei allen Gewerkschaften im Schwünge. Neuerdings werde seitens des koalirten Unternehnierthums das Hauptaugenmerk auf die Errichtung von Arbeitsnachweisen ge- richtet, natürlich mit der Bedingung des Nichtangehörens einem " ersichtlich, daß das Unternehmer- Fachvereine. Hieraus sei e. thum die Wichtigkeit der Arbeitsnachweise besser erkannt hätte, als die Arbeiterschaft und sprach Redner die Hoss- nung aus, daß dieses Vorgehen des Unternehmerthums den Arbeitern die Augen össnen werde— bevor es zu spar ser. Durch Borführung einiger sehr interessanter Beispiele ermöglichte der Vortragende der Versammlung, sich eine Meinung darüber 31# fltfhoTT rtT» hta /%«• ST) � T t t C. � C. tt..V,___ c /T". f x. v. u u bilden," ob die Hamburger Polizeibehörde auf Seiten der eilenden Arbeiter oder der Unternehmer gestanden habe. Dieses eispiel habe Nachahmung gefunden sowohl seitens des Senators Heller durch den bekannten„Armenpflege- Erlaß", als auch seitens der Ortskasse der Maurer, welche sich erboten habe, die rmportirten Maurer ohne ärztliche Untersuchung, Angabe des Nattonal:c. aufzunehmen. Teegleichen würden seitens der Ge- richte enorm harte Strafen über Streikende verhängt. Außer den —..tf—:j-—«.-----—"" ,. r Hamburg der Boden des Lohn kampses bereits kverlassen und daß an Stelle dessen ein Klassen- kämpf getreten sei. Kapital und Arbeit stehe sich zetzt im Kampfe gegenüber. Dieser Kampf fördere nur die Ziele der Arbeiter, in- dem das Kleinmeisterthum in diesem Kampfe den Kürzeren ziehen müsse und verschwinden»verde, und indem das Kapital den Ar- beitern einen Theil der Agitation durch das Heranziehen halb kultivirter Arbeiter abnehme. Diese lernten das Leben kultivirter Arbeiter kennen und würden dadurch die eifrigsten Agitatoren. Das Kapital grabe sich dadurch sein eigenes Grab. Zu bedauern f ei nur, daß die Arbeiter die Todtengräberkosten bezahlen müssen. Durch eine kräftige Unterstützung der Hamburger Arbeiter»vürde es möglich sein, manche verloren gegangene Position»vieder- zugeivinnen. Allerdings würde eine solche Unterstützung nur durch stramme Organisation zu ermöglichen sein. Redner empfahl da- her, sich eng zusannnenzuschließen zun» Schutz und Trutz gegen das Kapital, um demselben den Glauben an einer Uneinigkeit der Arbeiter gründlich zu benehinen.(Großer Beifall.) Nach einer kurzen Diskussion über den interessanten Vortrag gelangte folgende Resolution zur einstimmigen Annahme: „Die ain 9. Juni tagende öffentliche Versammlung der Drechsler und Berufsgenossen aller Branchen Berlins spricht den Hamburger Arbeiteru ihre vollste Symvathie aus betreffs ihres Verhaltens gegenüber dem frecken Ueber- muthe der Unternehmer und verspricht, so viel in ihren Kräften steht, die Arbeiter Hamburgs mit Geld zu unter- stützen. Die Versammlung protestirt auch energisch gegen d»e behördliche Parteinahme zu Gunsten der UnterneHiner als unvereinbar mit den kaiserlichen Erlassen und in» strikten Widerspruche stehend mit den den Arbeitern im§ 152 der Reichs-Gewerbeordnung garantirten Rechten." Im Anschlüsse hieran wurde weiter beschlossen,„die Samm- lungen zun» Lohnfonds aller Branchen aus zwei Wochen aus- bewegung mehr angelegen sein lassen und derselben mehr Interesse entgegenbringen,»vie es bisher der Fall war. Herr Reißncr führte an, daß in keinem Lande die Frauen- die Männerarbeit so verdrängt hat, wie in England. Dort hatte Redner selbst Gelegenheit zu sehen, daß in der Herren-Garderoben- Industrie nur noch Frauen beschäftigt werden und dieser Fall ebensogut bei uns eintreten kann. Dann sprach noch Herr Litfin und schloß die Bevollmächtigte die Versammlung um 11V% Uhr ... i X.____ s*?.-f...- f" v.'. C»T.» r. x.».?..».�..—__.------ mit einem Hoch auf die Arbeiterinneu-Bewegung. «rss-ntliche zitrsammlung sämmtlichir geelin« und Zlmo-g-nd am Montag, den i«. Juli, Abends s Uhr, tn Hensel's Feflsälen, Jnvalidenstraße, Ecke Brunnenstiahe. Tagesordnung:». Arbeitgeberrtngc resp. Innungen und deren Bestrebungen. Referent Eladtv. F. ZubeU. 2. Dls- kufston. 8. Wahl von Delcgtrlen zur Berliner Streir-Konlrollommisston. 4. Gründung einer Bibliothek. 6. Verschiedenes. Tellerlannnlung findet statt. Ar»tra>-Kra»li»n- und Sterbe!, alt» der Maier und Kerufagrnosten — schland»(Nr. 7»), Filiale Berlin 2, Osten. Mitgliederversammlung am zreitag, den II. Juli, ÄbcndS Uhr, Blumenftr. 38 bei Henke. �terbestalte von Arbeitern der—"--------•- Sterbekalte von Arbeitern der Kerliner Maschinenba»- Aktien- getrlitchaft. Generalversammlung am Sonntag, den 20. Juli, Bormtttags 9 Uhr, im Lokale de? Herrn Slümke, Alkerstr. 123. «eisentliche Frauen-Zlersammlung in Denttch- Milnieradorf, Wtl- Helms Aue, am Sonnabend, den 12. Juli, Abends 8 Uhr, im Viktorta-Garten. b-thitchr<>Zei'«UM,ast. Am Sonnabend, den 12. Juli, Abends 0 Uhr, tn Schneider'» Salon, Belsorterstr. 16: Stiftungsfest. Programm: Prolog, Festrede, gehalten von Herrn Dr. Bruno Wille; darauf Tan, und deklamalorische Vorträge. Billeis für unsere Freunde und Gönner sind noch be! Herrn Schneider, Belsorterstr. 16, und beim Restaurateur Salzwedel,»losterstr. 83, zu haben. Allgeiiirin» Kranken- und Kterbekalt» der Metallarbeiter(Gin- geschriebene HilfSkasse Nr. 29 zu Hamburg.) Mitgliederversammlung am Sonnabend, den 12. Juli. vsfenbacher Lrauen- und Mädchen-Kalte. Verwaltuitgsstelle Berlin 3, Nord. Sonntag, 13. Juli, Nachmittags 4 Uhr, Brunnenstraste 38 bei Gnadt: Haupt-Versammlung. und y-inniohner Kiedorf«! Groste ösfentliche Volksversammlung für Männer Frauen Rirdorfs am Freitag, den 11. Juli 1890, Abends 8% Uhr, im Lokale des Herru Barta, Bergstr. 120. Zentrais---- Kranken- und Kterbekalt» der Tischler u. t.«». Montag, Juli, in der� Neuen Weit, Hasenhatde: Grobes Sommersell. den I Konzert, Speztalilaten-Borsiellung, Kinder-Belustigungen, Fackelzug, Tanz. Feuerwerk. Zentral-Kranken- und Kterbekalt« der deuttchen Badstr.«7. . Nr. 8 Hamburg.) Sonnlag, den 13. Juli, Vorm. 10% Uhr, In der Adler-Brauerei, Gesundbrunnen, Versammlung für Berlin, Bezirk 3. W Tagesordnung: 1 DM »nbauer ilitglieder- Abrechnung vom 2. Quartal. 2. Neuwahl der 3. Innere Kassen-Angelegenheiten und verschiedenes. M....->rfiB» am Freitag. Kaiser'scher OrtSverwaltung. «Zetang-, Turn- und geseUig» Männergesangverein Abends 9 Uhr im Restaurant Tamm, Schönhauser Allee 28.— Gesangverein„Pausebeutel" Abends 8 Uhr im Restaurant Hensel, Alerandrinenstr. 16.—„Liedertafel der Maler und verwandter BerusSgcnosse»' Abends» Uhr im Restaurant Kleine, Branden burgstr.«0.— Buchbinder- Männcrchor Abends 8% Uhr bei Feuerstein, Alte JakodSstr. 76.— Gesangverein „Flöter'sches ToppelguarteN" AdendS 9 Uhr im Reftanranl Musehold, Lands- bergersir. 31.— Gesangverein„Fortschritt" Abends 9 Uhr im Restaurant Blumenstr.«0.— Gesangverein„Echo 1872" Abend» 9 Uhr Oranienstraste 38. Neue Mitglieder werden aufgenommen.— Gesangverein„Offinn" Abends 9 Uhr, Dresden erstr. 86 bei Gustavus.— Huppert'sche Sänger-Vereinigung „Harmonie" Abends 9 Uhr bei Niest, Weberstr. 17.— Gesangverein„Sänger- hatn" Abends 9 Uhr Adalbertstr. 21.— Liedertafel des Fachveretns der Stein- träger Berlin« Abends 8 Uhr Groste Hamburgcrstr. 4 Uedungsftunde.— Gesangverein„Ohnesorge" Abends 9 Uhr, Restaurant Reyer, Alte Jakobstr. 83. — Gesangverein„Widerhall" Abend« 9 Uhr bei Herrn Boge, Köpntckerstr. 191. — Gesangverein„Lorbeerkranz" 8% Uhr Restaurant Weinstr. 11.— Arbeiter- Gesangverein„Nord" UebungLstunde Abends 8% Uhr im Restaurant Gnadt, Brunnenstr. 38. Stimmbegabte auch passive Mitglieder werden ausgenommen. — Gesangverein„llollegia" Abends von 9— 11 Uhr bei Schufter, Oranienstr. 8. — Boigt'scher DileNanten-Orchefterverein, Uebungsstunde von 8%— n Uhr Abend« im Louisenftädtischen Klubhaus, Annenstr. 18. 1 Tr.— Berliner Turngcnossenschaft(6. Männerabtheilung) Abends 8% Uhr in der städtischen schließlich gezwungen sind, zu kapituliren. Für die Z es daher Sache der Zentral-Streik-Kommission sein, sorgen, daß eine gerechtere Vertheilung der eingegang ttäge stattfindet. So veröffentlicht z. B. die Streikkommission older in Nr. 156 d. Bl. die Abrechnung für den Streik . irma Methlow u. Co., woraus ersichtlich, daß mit einem Ueberschuß von M. 2198,80 abgeschlossen Hai- jeder Streikbewegung erfährt man, daß ein Ueberschuß b> ist deshalb schon oft in engeren Kreism sowohl wst einen die Frage aufgeworfen worden: Was geschieht� Ueberschuß? Abgesehen davon, daß gewönlich nachträ! einige ausstehende und gemaßregelte Kollegen zu unters! so fließt der Ueberschuß doch immer in die Vereinskasse durch Vereinsbedürfnisse nach und nach aufgezehrt. I nun aber einer Vereinigung das Recht oder aber ivo> sie sich das Recht, Gelder, welche von den eigenen Ki wohl, wie hauptsächlich von anderen Zahlenden nur J'. zwecken gesammelt sind, nach Beendigung des Streiks F. r*or»r»o»iho»t 2 SRlomt hto rttoinorffrfinftpn imh Qlrbcitct oW verwenden? Wenn die Gewerkschaften und Arbeiter pekuniären Unterstützungen auf diese Art ihre Solidar» künden und dabei doch nur den Zweck im Auge haben, M menschen im Kampf gegen das Kapital zu unterstütze»' besseren Existenzbedingungen verhelfen»vollen resp. zu suchen, so begeht eine Gewerkschaft ein Unrecht, das verurtheilt werden kann, wenn sie nach Beendigung der -*•-—--- � � � SSM CT) f ö f Od I IW cheint tägl etwaige Ueberschüsse in den Vereinssäckel sieckr. Gelegenes HauS tm überschüssigen Gelder im Sinne der Zahlenden zu velirk»?>nnlags�> =--m' plfci-1' 1■ hier wie auswärts(gegenivärtig hauptsächlich in Hamburg.' � ' rnden, und wenn sich wirklich einmal � 3 (Ein u. s. w.) genug vorhanden,............................ eine Veranlassung dazu bieten sollte, so muß es bei dt» sich bietenden Ausstand dazu verwandt werden. Ein je' kann verlangen, daß das Geld, welches er zu StF hergegeben, auch dazu verwandt wird, und jeder Gebtf ganz energisch dagegen protestiren, wenn derartige Geld nachher in den Vereinssäckel fließen.— Wenn nun hier Vergoldern die Rede ist, so soll damit dieser Gewerkschästl�.. aus nicht der Vorwurf gemacht»verden, daß sie auch f'"Tf ff* handelt, sondern sollen die gemachten Ausführungn�� allgemeiner Natur sein,»venngleich es auffällig erschd»� daß unter„Ausgabe" nicht mehr an Unterstützungen Ir stehende angeführt sind, was sich aber noch �nachholen sieyenoe angesuyrt sino, was sicy aoer noa) nuuwvicii—?»> darauf sei hiermit hingewiesen, daß jeder Beitragende Q§ CJ.j nachdrücklich dagegen zu protesttren hat, wenn er«fäh»'. Streikgelder in die Vereinskasse fließen. Der Zahle»� Q' seine Unterstützung»n dem Glauben, daß damit Sreikendisse der p! stützt werden und hat deshalb nach Beendigung desselosstellen. Gewerkschaft kein Recht, einen etwaigen Ueberschuß f»U Hebet behalten. Nicht allein, daß durch Ueberweisung der üW.rbeiterinn Gelder an andere Ausstehende diesen sofort wieder geholsiJJ; Turnhalle, Wasserihorftr. 31.— Turnverein.Hasenhaide"(Männerablheilungs Ab. 8 Uhr Dieffenbach str. 89—81.— Turnverein„Froh u. Frei"(Männerabih.) Abends 8% Uhr Bergstraße 69.— Wissenschaftlicher Verein für Roller'sche und in allen Werkstätten für die ausgesperrten Hamburger rbeiter zu sammeln, sowie»nit der Ausführung dieser Samm- lungen die Lohnkommission der Holzarbeiter zu betrauen". Die folgenden Punkte der Tagesordnung: . r> v■- v?_-Ti•.j r-—-- _„Endgiltige Be über die diesjährige Lohnbewegung" und„Wahl zum Lohnfonds" wurden in Rücksicht auf die weit vorgeschrittene Nachtzeit bis zur nächsten Versammlung vertagt, schlußsassung eines welche in längstens 14 Tagen stattfinden soll. Nachdem sodann noch der letzte Punkt der Tagesordnung:„Verschiedenes", erledigt TMarha»* � Q Ctl__ le___ V- vT. CI4__-"'' worden»var, schloß der Vorsitzende d»e Versammlung mit einem eindringlichen Appell an die Anwesenden, die beschlossenen Sammlungen energisch zu betreiben und einem dreifachen Hoch aus die internationale Arbeiterbewegung..«..:+« Di- Filiale Gst-n des Allgemeinen Arbeite- ordnung: 1. Vortrag des Herrn Litfin. 2. Diskussion. 8. Aufnahme neuer Mitglieder. 4. Verschiedenes. Herr Litfin hielt einen überaus lehrreichen Vortrag, indem er den Anwesenden die Nothwendigkeit einer Organisirung der Arbeiterinnen klar- legte, da die Frauen in der Industrie der Zahl nach die Männer weit überflügelt hätten. In vielen In- dustrien, wo sonst nur Männer beschäftigt waren, werden jetzt ausschließlich Frauen beschäftigt-, infolge dessen wür- den die Männer, wenn sie wirklich genügend organisirt sind, doch ohne eine Organisation der Arbeiterinnen nie zun» Ziele gelangen, denn Frauen und Kinder machen den Männern Kon- kurrenz, indem der Verdienst des Mannes nicht zum nöthigsten Unterhalt reicht und dadurch auch das Familienleben ge- stört wird. Darum müßten sich die Männer der Arbeiterinnen- Stenographie Abends 8% Uhr im Restaurant Ziethen, Dorotheenstr. si, Unterricht und Uebungsstunde.— Allgemeiner ArcndS'scher Stenoaraphenveretn, Abtheilung„Vorivärts". Abends 8% Uhr im Restaurant Koll, Mariannen- Platz U.— Arends'scher Stenographenverei»„Apollobund" Abends 8 Uhr tm estaurant Seydelstr. 30.— Verein ehemaliger Dr. Doebbelinscher Schüler Abends 9 Uhr im Restaur. Krebs, Friedrichstr. 208.— Zitherverein„Alpenveilchen" Abends Wahlstatt" Bellealliancestr. 89.— Rauchklub„Westend" 8% Uhr im Restaurant... W> Abends 9 Uhr im Hohenzollerngarten Steglitzerstr. 27.— Rauchklub„Weichsel- blatt" Abends 8% Uhr im Restaurant Skaliherstr. 147».— Rauchklub„Ohne Zwang" Abends 8% Uhr im Restaurant W. Späth Weinstr. 28.— Verein ehemaliger Schüler der 22. Gemeindeschule Abends 9 Uhr tm Restaurant Schröder Etegittzerstraße 18.— Sozialdemokratischer Lese- und Diskulirklub Lassalle Abends 8% Uhr Adalberlstrahe 8 bei Schneider. Gäste durch Mitglieder können eingestihrt werden.— Sozialdemokratischer Lese- und DiskutirNud Vorwärts Abends 8% Uhr in Poland's Lokal, Naunvnstr. 83, Sitzung. Gäste können durch Mitglieder eingeführt werden.— Männerchor der„Berliner Mechaniker" Abends 9 Uhr Im Restaurant Krüger, Franzstr. 8.— Berein ehemaliger Schüler der 23. Gemeindeschule Abends 9%»ihr Königstadt-Kasino, Holzmarktstr. 72. Aufnahme neuer Mitglieder. Gäste willkommen.— Leleklub „Karl Marl" Abends von 9—11 Uhr bei Schönseld, Mariendorfersir. 19. „Musterzeichner-Verbaiw Deutschlands" Abends 8% Uhr. Zum Schultheih Landsbergerstr 73. dadurch auch ihre Schuld' gewissermaßen somit den Zahlenden gerecht, und außerdem werden die Beitragenden, an deren Solidaritätsgefühl stets und appellirt wird, um ein bedeutendes entlastet; denn leider I jenigen Zahlenden, welche sich an de» Sammellisten be» immer dieselben und außerdem Personen, welche>»" Groschen rechnen müssen und nur aus Prinzip zur gerech' ihr Scherflein opfern. Daher muß eine solche Forde»' nur gerecht und billig erscheinen. Besonders aber-„ zukünftige Streik-Konttolkommis sion ihr Augenmerk»»l Uebelstand richten, welche am ehesten berufen ist, hier• schaffen. E. Lehmann, Marlendorserstr-rn Arbei -rauenarbt Soziale Mebsvstrhk. Die Herren Schlüter und Hmog, Mitglieder des geschäftsführenden Ausschusses der Zenttal-Streik-Kontrolkommission, werden, da an ihre Adresse gesandte Briefe als unbestellbar zurückkamen, hiermit aufgefordert, heute bis Abends 8 Uhr behufs Entgegennahme einer Mittheilung bei dem Unterzeichneten vor- zilsprechen. A. Gerisch, Arbeitsnachweis der Metallarbeiter, Wallstraße 7/3. Solingr«, 10. Juli. Wie uns ein Privattelegramm meldet, fanden die Vorschläge des Scheerenschleifer-Vereins zur Aufhebung der Sperre beim Fabrikantenverein bereitwilliges Entgegenkommen. Morgen findet eine Versainnilung des Fabrikantenvereins statt, deren Tagesordnung lautet: Aushebung der Sperre. Szrrechlaal. Die Redaktion aeben ist, dem Jnleresse» zur..., Inhalt desselben idenkifizir» zu werden. Zu ganz eigenthümlichen Bettachtimgen gelangt man, wenn man die Abrechnungen von Streiks einer genaueren Durchsicht unterzieht. Es ergiebt sich da so recht deutlich, wie mitunter die Werbetrommel gerührt wird, um Gelder aufzilbringen, die dann gar nicht verbraucht werden und über deren Verbleib man nach her kaum etwas erfährt, wohingegen bei anderen Streikenden solche Nothstände herrschen, wie beispielsweise bei den Formern und Fa