«•* 163. Mittwoch, bot 16. Juli 1890. ff. Johrg. ierlinerDoilisbltttl ej isierunz nur! Hrgan für die Interessen der Arbeiter. Das..Berliner Volksblatt« immtlWtwt täglich � Morgens � außer �nach Sonn- und� FesttaAen. Abonnementspreis für Berlin frei Haus vierteljährlich 3,30 Mark, monatlich 1,10 Mark, wöchentlich 28 Pf. Einzelne Nummer 5 Pf. tags-Nummer mit dem„Sonntags-Blatt" 10 Pf. Postabonnement 3,30 Mark pro Quartal. -_ h«P(Eingetragen in der Postzeitungspreisliste für 1890 unter Nr. 892, V. Nachtrag.) mfie3f*r Kreuzband, täglich durch die Expedition, fiir Deutschland und Oesterreich-Ungam g| Jjs, 2 Mark, für das übrige Ausland 8 Mark pro Monat. -übt ich Ii«»' gesetzt-�ntl iitr. ÖCS». Jnsertionsgebühr beträgt für die 5 gespaltene Petitzcile oder deren Raum 40 Pf., für Vereins- und VersammlungS- Anzeigen 20 Pf. Inserate werden bis 4 Uhr Nachmittags in der Expedition, Berlin SW., Bcuthstrabe 3, sowie von allen Annoncen-Bureaur, ohne Erhöhung des Preises, angenommen. Die Expedition ist an Wochentagen bis 1 Uhr Mittags und von 3—7 Uhr Nachmittags, an Sonn- und Festtagen bis 9 Uhr Vonnittags geöffnet. - 1 Fernsprecher: Amt VI.|U*. 4100.«— rstand fahre» !C. -lesen PAMv ifalicntrrfieti Itus- '»vonderuttti. id erklö Dor kurzer Zeit brachten wir einen Artikel über die hue H�thschaftlichen Zustände Italiens, UNI darzuthun, wie welche Ursache der aufgeblasene Crispi hatte, sich über die , mi(h hrheitsgeniäße Schilderung der traurigen Erwerbsver- z in�tuisse Italiens in der Deputirtenkammer zu entrüsten. üche Z�'-nn wir heute noch eine kleine Epistel der italienischen ' u�c'�Wanderung geben wollen, so soll dieselbe ein weiteres iben, �ilaglicht auf die trübe Gestaltung des nationalen Wirth- en desWslebens unseres in seinem realen Werths etivas ngeleg«ifelhaften südlichen Verbündeten werfen. . � jti Von den romanischen Völkern ist das italienische das- -nistr. �ige, das am meisten wandert. Der Wandertrieb ist bei nselben jedoch ein anders gearteter als bei den manischen Völkern. Bei diesen ist I das Wandern i. istens das Mittel, um in der Welt Land und Leute . fa�nm zu lernen; beim Italiener fehlt dieses kultur- mmen�liche Moment, er geht ausschließlich in die irspäÄelt, um Brot zu suchen, das er in seinen, dm�iterlande nicht finden kann. Bei den germanischen Eikern tobt der Wandertrieb in allen Gesellschaftsklassen, ch/lstW Italien ziehen nur die Armen in die Welt hinaus, Besitzenden verlassen ihr Heimathland nicht. Man hat vor einiger Zeit ein ungefähres Bild der lienischen Auswanderung entworfen und gefunden, daß im Auslande mehr wie eine Million Italiener be- idet. Davon befinden sich, in Frankreich etwa 850 000, [ Oesterreich 50 000, in der Schweiz 50 000, in Spanien, Deutschland und England je 10 000, in anderen euro- iischen Staaten etwa 75 000. Dagegen sind nur .)2 663 Franzosen im Auslände. Von diesen kommen -'Mo 059 auf Belgien, 17273 auf Deutschland, 15 725 auf "aus England, 10731 auf Italien, 17 657 auf Spanien, m EM 992 aus die Schweiz. mrde 5 Spanier und Portugiesen stellen ein Auswanderungs- »jer von 453 127; davon sind 74 633 in Frankreich, der Medsktion: Vouthfirstze S.— EseNrdikion: VeukhPtrsltzo 3« rten , dal pssen L» AS.. Terse�ährend sdJowl •lieh t�est fast ausschließlich in überseeischen Ländern. -—< die Auswandererzahl Großbritanniens in von 1870 bis 1887 eine Vermehrung von h. 40 pCt. ausweist, diejenige Deutschlands Jß. ,-) 000 d. h. 40 pEt. aufweist, diejenige bLeutfchlands '°habe w 76 000 im Jahre 1871 auf 210 000 stieg, um 1887 Polizeilieder auf 100 000 zu fallen, was gegenüber dem erst- nach- /mannten 5tabre eine Vermehruna von 32 pCt. aus- icln nannten Jahre eine Vermehrung von 32 pCt «cht, so zeigt sich in Italien eine weit beträchtlichere »nähme. Die italienische Auswanderung betrug 89 015 vpfe im Jahre 1876, 87 917 im Jahre 1887 und 191 im Jahre 1888. Also eine ganz bedeutende fug«». - sind' . R- nder �tachdruck virbvten.l AeuMekon. 19 Kchanspieler-Elenl». inme» Cin Stück aus dem Bühnenleben von Julius Türk. Liefst Unterdessen war der Direktor mit seinem Geschäft fertig Zostd' forden und rief nun durch die Oesfnung, die zivischeu der khür und der spanischen Wand sich zeigte:„Die Anna soll -ill ssn die Kasse gehen, es ist ja über halb Sieben." "t%„Die Alma ist noch nicht hier," erwiderte feine schönere L&Ift,. Abgch Wie?" .'rtV»Die Alina ist noch nicht hier," wiederholte Fraii " tötitfche mit lauterer Stimme., „Was?" rief der Direktor noch einmal. .„Na, hört denn der Alte heut garnichts. Es ist doch !in schlechtes Wetter," rief sie, indem sie zum Direktor lies sid ihm ,n's Ohr schrie:„Die Anna ist noch nicht in die arderobe gekommen." .»Schrei doch nicht so, ich bin doch Nicht taub," .(it..erwiderte Holmer,„wo steckt denn das Mädel?" "&!»Ich_ weisi nicht, mir hat sie nichts gesagt." vL..Kopfschüttelnd erwiderte der Direktor:„Da muß ich ÜrfaJ selbst wieder an die Kasse, na, wenn sie kommt, dann schicke sie nur vor," rief er, indem er sich anschickte, die Garderobe 4« verlassen % laleK Da öffnete sich die Thür und Fritz trat ein. Frau Vermehrung. Wie schon unsere obigen Spezialangaben darthun, entfällt die größte Zahl der im Auslände leben- den Italiener auf überseeische Länder, von wo sie selten wiederkehren, während die in den europäischen Staaten weilenden Italiener in den meisten Fällen wieder ihre Heimath aufsuchen, sobald die rauhe Jahreszeit ihren Anzug ankündigt. Die starke Auswanderung veranlaßte die italienische Regierung, den Ursachen dieser Erscheinung nachzuforschen. Die Zahlen, welche sich bei diesen Untersuchungen ergaben, waren allerdings sehr aufklärend und für eine lernwillige Regierung sehr belehrend. Es stellte sich nämlich heraus, daß in einzelnen Provinzen die Auswanderung in einem Jahrzehnt so zugenommen hat, daß sie die natürliche Be- vökkerungszunahme um das Doppelte übertrifft; sie stieg z. B. in Salerno von 1278 Personen im Jahre 1876 auf 7824 im Jahre 1887, in der Basiliata im gleichen Zeit- räum von 8064 auf 10 642. Die Antworten der Prä- fetten auf die Frage nach der Ursache dieser erfchreckendeu Erscheinung lauten ziemlich gleichmäßig. Der Präfekt von Kampobasso antwortete:„es ist das Elend, welches die Bauern zur Auswanderung bringt." Der Prüfekt von Kofenza erklärte:„Das Elend ist die Hauptursache zur Emigration". Der Präfekt von Katanzaro sagt:„Die hervorragendste Ursache der Aus- ivanderung ist die äußerst dürftige Entlohnung der länd- lichen Arbeiter und auch der Umstand, daß die- selben oft arbeitslos sind." Der Präfekt von Potenza berichtete: Die Löhne reichen nicht zur Befriedigung der dringendsten Lebensbedürfnisse ans. Die Wucherzinsen erreichen oft 60 pCt." Der Präfekt von Salerno erklärte:„Die Auswanderung wird veranlaßt durch die Misere und unzureichenden Löhne"; der von Benevent:„Die Landarbeiter erhalten einen Lohn, der kaum ausreicht, das Leben zu fristen"—; der von Reggio in Calabrien erklärte:„Einzige Trieb- feder der Auswanderung ist das Elend"; der von Avelino: „Das Elend ist die erste Ursache der Emigration" n. f. w. Was that nun die Regierung gegenüber diesen beut- lich konstatirten, unsagbar traurigen Verhältniffen? Sie that das, was von einem so unfähigen Staatsmann, wie Crispi ist, mir erwartet werden konnte. Die Regierung schlug keine Gesetzesinaßuahmen vor zur Gesundung der kranken Gescllschaftszustände, es fiel ihr nicht ein, das Vaterland für seine armen Kinder wohnlicher und für- sorglicher einzurichten— so etwas könnte höchstens ein sozialdemokratischer Hetzer und Demagoge thun. Die auf der Höhe ihrer zeitgenössischen Staats- weisheit stehende italienische Regierung schlug zur Abhilfe gegen alle konstatirten Mißstände die Erschwerung Brusche flüchtete sich mit einem lauten Schrei— sie war halbentkleidet— hold erröthend hinter die Wand. „O, verzeihen," sagte Fritz laut. „Junger Mann, können Sie denn nicht anklopfen, be- vor Sie in's Zimmer treten." „Ja, das ist doch die Hcrrengarderobe," erwiderte Fritz mit erhobener Stimme,„ich kann doch nicht vorher wissen, daß"— „Das müssen Sie wissen," fiel ihm der Direktor in's Wort. „Ja, woher denn? „Ach was, das müssen Sie wissen.". Fritz unterdrückte eine Erwiderung, da er sah, daß er bei den Rcdegewohnhciten deS Direktors zu keinem befriedi- genden Ende gelangen könne. „Ich hoffe," sagte er laut,„daß mir Frau Brusche meinen heutigen Eintritt nicht übel deuten iviro." „O nein, geiviß nicht," ertönte hinter der Wand eine Stimme in der höchsten Lage. Gleich darauf ivurde cin unterdrücktes Glucksen hörbar. Es rührte von Hildegard her, die heute, wie es schien, ihren heiteren Tag hatte. Fritz ergriff ebenfalls das Licht und klebte es auf eine Zigarrenkiste, die seine, von Alfred erhaltenen Schmink- Utensilien bewahrte. Der Direktor verließ das Zimmer, gleich darauf traten Brenner und Alfred hinein. Schweigsam ging jeder an seinen Platz und nachdem sie ihre Röcke abgeworfen hatten, begannen sie daS tägliche Geschäft des Schminkens.•, Fritz hatte nach Art der Anfänger sich zuerst angekleidet, um dann erst„Maske zu machen". Das Ankleiden brachte ihn in eine feierliche Stimmung. Wie ein junges Mädchen, der Auswanderung vor. So wurde eine scharfe Beaufsichtigung der Auswanderungsagenten geschaffen(was ja wohl ebenfalls nothwendig gewesen sein mag) und die Auswanderungserlaubniß, sowie der Vertragsabschluß des Atlswanderers mit der Schifffahrtsgesellschaft schwieriger gestaltet. Damit löst man freilich keine soziale Frage, so wenig als man sie in Deutschland mit dem Sozialistengesetz zu lösen vermochte und so wenig, als man sie mit einigen schüchternen und vorsichtigen Maßregeln auf dem Gebiete der sogenannten Sozialpolitik zu lösen vermag. Man verschiebt damit die Lösung nur für so lange, bis man zu dem Punkte gelangt,-wo selbst die„Staatsmänner" er» klären müssen, daß der bisherige Zustand nicht länger aufrechtzuerhalten sei. Und dieser Zeitpunkt wird so sicher eintreffen, als auf den Tag die Nacht folgt. VoltttMr» Mebk-vpiehk. Der deutsch- schmeizevischo Allrderlassungsurrtrus hat durch einen in der Schweiz veröffentlichten Notenwechsel zwischen der deutschen Neichsregierung und dem schweizer Vundesrath eine Erläuterung erfahren. Die betreffenden beiden Noten lauten: Bern, 23. Juni 1890. Das schweizerische Departement des Auswärtigen an d,e fckweizerische Gesandtschaft in Verlin. terr Minister! chluhprotokollS zu nnserm neuen Nieder» lassungSvertrage mit dem Deutschen Reiche lautet: „2. So lange die Schiveiz vermöge ihrer Gesetzgebung nicht eine Bestimmung darüber trifft, daß für ihre Angehörigen, um die Rechte dieses Vertrages im Deutschen Reiche zu beanspruchen, das in Artikel 2 erwähnte Zeugnis- ausschließlich von ihrer Gesandtschaft und ihren Konsulaten in Deutschland ausgestellt sein muß, werden die deutschen Behörden einem von der be- treffenden schweizerischen Gemeindebehörde ausgestellten Heimaths- schein und einem von dieser ertheilten Leumundszeugniß, sofern diese Urkunden von der zuständigen Behörde des Heimaths- kantons beglaubigt sind, dieselbe Bedeutung, wie dem im Artikel 2 erwähnten gesandtschaftlichen Zeugniß beilegen." Es erscheint zur Vermeidung von Mißverständnissen noth- wendig, genau zu bestimmen, von welcher Gemeindebehörde in den verschiedenen Fällen das erforderliche Leumundszeugniß her- zurühren hat. Hierbei sind nach unserer Meinung folgende Even- lualitäten ins Auge zu fassen: I) Ter nach Teutschland auswandernde Schweizer hat sein letztes Domizil in seiner Hcimathsgemeinde gehabt. In diesem Falle hat natürlich die Hcimathsgemeinde das Leumundszeugniß auszustellen und die Behörde des Heimathskantones zu be- glaubigen. 2) Der nach Deutschland auswandernde Schweizer hat sein letztes Domizil in einer schweizerische» Gemeinde, aber nicht in seiner Heimathsgemeinde gehabt. In diesem Falle wäre anzu- nehmen, daß das Zeugniß der Wohngemeinde dasjenige der Heimath- gemeinde ersetzen kann. Das Leumundszeugniß wäre jeweilen das sich Sonntags vor dem Kirchgange mit recht weltlichen Gefühlen das rothe Band durch's schwarze Haar zieht, zog Fritzjibcr seine Stiefeln ein Paar schwarze Stulpen, die den Stiefeln das Ansehen von Reitstiefeln geben sollten, dann warf er das weitfallige Bauernhemd mit den weiten Aermcln über, das er sich bereits angeschafft hatte; um den großen Kragen band er ein schivarzes Tuch, freundlich hatte es ihm der Hansknecht geliehen. Darauf knöpfte er die rothe Weste zu, die nuLgerisscncn Löcher mußte er mittelst zweier Steck- nadeln fest stecken und fuhr in den langen Rock, der ihm bis über die Knie reichte. Ans dem kleinen Köfferchen, in das er seinen gewöhn- lichen Anzug gelegt hatte, holte er einen weiten Kalabreser. Als er mit dem Hut das schwere Werk gekrönt hatte, er- griff er einen kleinen Spiegel, um sich von ihm Auskunst über sein gewiß prächtiges Aussehen geben zu lassen. Doch, o weh, sein jugendliches Gesicht wollte zu diesen» Anzüge gar nicht passen; trauernd mußte er sich sagen, daß zur Vollkommenheit ihm noch vieles fehlte. Er sah auf seine Kollegen, die mit dem Schminken bereits fertig geworden waren. Mit Staunen blickte er nach Brenner hin, dessen Gesicht sich jugendlich verwandelt hatte. Brenner hatte un- gefähr die gleiche Figur wie Alfred, beide konnten daher mit Recht als Zwillinge, die männlichen Glanzrollen des Stücks, angesehen werden. Fritz trat zu Brenner. „Würden Sie vielleicht die Güte haben, mich zu schnlinken?" „Gern," erividerte er,„ich bin gleich fertig, ich will mich nur erst pudern." Brenner nahm aus einer Schatulle einen Zopf Baum- wolle, riß ein Stück von dem Zopf ab und taucbte es in durch die Kantonsbehörde, in deren Gebiet die dasselbe ausstellende Gemeinde liegt, zu legalisiren. S) Der nach Deutschland auswandernde Schweizer hat sein letztes Domizil nicht in der Schweiz, sondern im Auslande gc- habt. In diesem Falle wäre demselben von der deutschen Be- Hörde die nöthige Zeit zu belassen— eine Frist ist schwer zu bestimmen— um entweder von der letzten Wohngemeinoe in der Schweiz oder von der Heimathsgemeinde sich das erforderliche Leumundszeugnis zu verschaffen, falls man sich nicht mit anderen Ausweisen über den guten Leumund des Eingewanderten be- gnügen sollte. Der Bundesrath, welcher bei den soeben zu einem so glück- lichen Abschlüsse gelangten Nnterhandlungen so viel Entgegen- kommen seitens der deutschen Regierung gefunden hat, ist auch über- zeugt, daß die Bestimmungen des neuen Vertrages deutscherseits in der koulantesten und der Förderung der bestehenden ausgezeich- neten Verhältnisse zwischen beiden Ländern entsprechendsten Form werde gehandhabt werden. Wenn es ihm dennoch daran liegt, über die Anordnung der oben angeführten Bestimmungen des Schlußprotokolls bestimmte Zusicherungen zu erhalten, so ist es lediglich, wie eingangs erwähnt, um für alle Zukunft einen Anlaß zu Mißverständnissen zu beseitigen. Die beiden Kammern der Bundesversammlung haben übrigens dem amtlichen Wunsche Aus- druck verliehen. Der Bundesrath würde es demnach mit ganz besonderem Dank anerkennen, wenn Ihnen die deutsche Regierung auf die verschiedenen von uns angeregten Fragen eine befriedigende Antwort ertheilen wollte. Sie wollen von dieser Depesche Herrn von Marschall Kenntniß geben und ihm ein« Abschrist derselben überlassen. Genehmigen Sie ic. (gez.) Droz. Berlin, I. Juli 1890, Auswärtiges Amt. Der Unterzeichnete beehrt sich, den Geschäftsträger der schwei- zerischen Eidgenossenschaft Herrn Dr. Fininger unter Bezugnahme aus die heutige Unterredung zu benachrichtigen, daß er den Aus- führungen der in Abschrift hinterlaffenen Note des schweizerischen Bundesraths vom 28. vor. Mon., betreffend den§ 2 des Schluß- Protokolls zum Niederlassungsvertrage zwischen dem Deutschen Reiche und der schweizerischen Eidgenossenschast, allen Inhalts beipflichtet. Der kaiserliche Gesandte m Bern ist telegraphisch mit entsprechender Weisung versehen worden. Genehmigen Sie-c.(gez.) Hollstein. I»» Hause fängt die Kritik an— möchten wir den vielen deutschen Zeitungen zurufen, die sich in pharisäerhaft- chauvinistischer Selbstgesälligleit über das Urtheil des französi- fchen Gerichts gegen die russischen N i h i l i st e n skandali- siren. Wahrhaftig, wir sind die letzten, dieses Urtheil zu billigen. Die Schuld der Augeklagten war keineswegs erwiesen, und auch wenn sie erwiesen gewesen wäre, yätte sich, unseres Er- achtens, das Strafmaß nicht rechtfertigen lassen. Also das Urtheil Mißbilligen wir aufs schärjste— und sicherlich ist unsere Mei- nung ehrlicher, als die der meisten Zeitungen, die ihre Entrüstung über die französischen Richter so ostentativ zur Schau tragen. Was erregt denn eigentlich ihre sittliche Entrüstung? Daß es ein politisch er Prozeß war? Die Höhe des Straf- maßes? Nun, wir dächten, für jeden einzelne» politischen Prozeß in Frankreich könnten wir mit etlichen Dutzend in Deutschland aufwarten. Und was das Strafmaß betrifft— so hatten wir dieser Tage ja die schönste Gelegenheit zu einen, internationalen Vergleich. Vorige Woche fand in Leipzig ein politischer Prozeß statt— vor dem höchsten Gerichtshof des Deutschen Reichs. Was den Angeklagten zur Last gelegt ward, war eine Kleinigkeit, verglichen mit dem Thatbestand jenes französischen Prozesses. Während es sich dort— der Anklage zufolge— um thätliche Vorbereitung eines Akten- tats auf das Leben eines Monarchen handelte, war hier den Angeklagten nichts weiter vorgeworfen, als die Verbreitung einiger Flugblatter mit blutrünstigem und unfläthigem Inhalt, der sich allerdings gegen einen Monarchen richtet. War in dem deutschen Prozeß der Thatbestand bei Weitem unbedeutender und geringfügiger, alS in dem französischen, so war das Anklagematerial um kein Haar breit beweiskräftiger. Und doch erfolgte eine Verurt Heilung, und die ver- urtheilte Frau— die Männer wurden alle freigesprochen, umgekehrt wie im französischen Prozeß, was auch ein charakteristisches Moment ist— und die verurlheilte Frau wurde zu sechs Jahren Zuchthaus vernrtheilt. Wohl- gemerkt, Zuchthaus! Ein Jahr Zuchthaus zählt gleich zwei Jahren Gefängniß.— Und die Bcrurtheilten des französischen Prozesses hatten bloß drei Jahre Ge- s ä n g n i ß, d. h. den vierten Theil des Strafmaßes— und der Gerichtshof hatte ihre Ehre nicht angegriffen. Wir wollen das Urtheil des Reichsgerichts im letzten söge- nannten Hochverrathsprozeß hier nicht kritisiren, aber den beut- schen Journalisten, die das Urtheil des französischen Gerichtshofes so tapfer kritifirt haben, rufen wir zu: Iritis irt auch das Urtheil des deutschen Reichsgerichts— gegen eine deutsche Frau. Und meßt mit gleichem Maße! eine Schachtel, die zur Hälfte mit einem weißen Pulver ge- füllt war. .Ist daS Fettpuder?" fragte Fritz. «Nein, Mehl," war die Antwort. Fritz blickte mit Erstaunen auf den Schauspieler, der sein Gesicht mit Mehlstaub überdeckte und ihn dann mit einem anderen Stück Bartwolle wieder entfernte. Die Schminke verlor hierdurch ihren fettigen Glanz. Die Rothe ging nun mehr ganz natürlich in dem stark weißlichen Teint auf. Fritz konnte kaum einen Ausrnf des Er- staunens unterdrücken. Brenner hatte sein Haar ein ivenig schwarz gefärbt und dann gebrannt. Der schwarze Locken- ropf über den frischen Wangen hatte ihn zum Jüngling gemacht. .Sehen Sie aber jung ans!" rief verwundert Fritz. „So?" antwortete Brenner lächelnd.„Na ja, wenn man sich daS Lederzcug angestrichen hat, dann geht es wieder, trotz der fünfundvierzig Jahre." „Du kannst Dich ja als jugendlichen Helden am Ber- liner Hoftheater engagiren lassen. Herr Kolbe erzählte gestern, daß sie schon lange keinen vernünftigen haben," stichelte Alfred, der ebenfalls mit der Brennscheere sein glattes braunes Haar in Locken verwandelte. „Werde mich nächstens nnt dem Intendanten in Ver- bindung setzen," erwiderte Brenner trocken. Dann wandte er sich z,l Fritz und beschmierte dessen Gesicht voll„Tenit", den er in kleinen Stücken einem Blech schächtelchen entriß, in so energischer Weise, daß das unglückselige Opferlamm mehrmals schmerzlich zusammen zuckte. „Au, das beißt ja", schrie der Mißhandelte mehrmals aus.„Von wem kaufen Sie die Schmucke, Herr Brenner „Die mache ich mir selbst." Brenner fuhr fort, mit der selbstgesertigten Schniinke das Gesicht deS geduldigen Kunstjüngers zu bearbeiten, als es an die Thür pochte und auf Brenners„Herein" zwei Kinder mit einem Korbe erschienen, denen Klara auf dem Fuße folgte. Sie hatte ein dickes Tuch über die Kleider geworfen und sich eng darin eingehüllt. Nur das wachsbleiche Gesicht sah heraus, die blauen, unterhalb der Augen liegenden Ver- Di-„K-rliuer Dolitifche» Nachrichten", deren Be- Ziehungen zu dem früheren Finanzminister v. Scholz bekannt sind, hatte vor einigen Tagen Andeutungen über die künftige Gestaltung der Zuckerstener gemacht, welche den Glauben zu erwecken be- stimmt waren, daß die Beziehungen des Blattes zur Finanz- Verwaltung noch fortdauerten. Thatsächlich machten auch diese Andeutungen ihren Weg durch einen Theil der Presse. Infolge dessen sieht sich der„Reichsanz." zu folgender Erklärung im nicht- amtlichen Thecke veranlaßt: Am 30. Angust 1888 ist bekanntlich von der Mehrzahl der europäischen Staaten eine Konvention wegen Abschaffung der Zuckerprämien geschloffen. Dieselbe ist bisher nicht mtifizirt, und es ist mehr als univahrscheinlich, daß bis zu dem hierfür bestimmten Tage, 1. August 1890, die Ratifikationen ausgetauscht werden sollten. Bei der Nähe dieses Termins beginnt die politische Presse die Frage zu er- örtern, wie im Falle des Scheiterns der Konvention die deutsche Zuckersteuer- Gesetzgebung sich gestalten werde. Ein in verschiedenen Zeitungen wiederkehrender Artikel folgert dabei aus angeblichen Erklärungen der Reichs- Finanz- Verwaltung, daß in solchem Falle ein Verzicht auf die Rübensteuer ausgeschlossen sei und deutet an, daß die Einführung fester Ausfuhrprämien in Aussicht genommen sein möge. Derartige Erklärungen sind von den Vertretern der Reichs- Finanzverwaltnng nicht abgegeben worden. Der Staatssekretär des Reichsschatzamts hat es vielmehr während der letzten Reichs- tagssessioneu wiederholt abgelehnt, vor dem Ablaufe der Ratifi- kationsfrist der Londoner Konvention sich über die spätere Gc- staltung unserer Ziickersteuer-Gesetzgebuiig zu äußern, und er hat dabei, in der Reichstagssitzung vom 25. Juni d. I., nur ausge- sprochen, daß, wenn aus dem Zucker höhere Einnahmen für die Reichökaffe gewonnen werden sollten, die Gestaltung des Gesetzes je nach der Entscheidung, welche der 1. August bringe, wahrscheinlich eine verschiedene sein werde. Die„Krettzztg." erhält von„beachtenswerther Seite" eine nschrift, in welcher die Äenßerungen des Fürsten Bismarck im espräch mit dem Herausgeber des„Franks. Journ." einer über- >s scharfen Kritik unterzogen werden. In dieser für die aus Stimmung konservativer Kreise bezeichnenden Zuschrift wird ausgeführt, daß ein längeres Schweigen zu den Äenßerungen des Fürsten Bismarck ein Berrath an der Losung der Konservativen: „Mit Gott sür König und Vaterland" sei. Dann heißt es weiter: Wohin sind wir gekoinmen, wenn der gefeiertste Staatsmann des Jahrhunderts, dem Deutschland in hervorragendster Weise seine Einigung und Machtstellung zu verdanken hat, wenn der gewaltige Vorkämpfer für die Rechte und Prärogative der Krone — nun ihm wider seinen Willen, wie er wiederholt und ge- flissentlich bekannt giebt, die Leitung der Staatsangelegenheiten aus der Hand genommen ist,— sich zum Heile des Bater- landes für verpflichtet und nach allen Seiten hin, auch gegenüber der höchsten Stelle, für berechtigt hält, nicht allein seine von den Intentionen Sr. Majestät und deren gegen- wärtiger Regierung abweichenden Ansichten stets von neuem hervorzuheben, sondern die Ideen des Monarchen und seiner höchsten Rathgeber einer abfälligen Kritik zu unterziehen! Fürst Bismarck spricht von den berühmten Erlassen vom 1. Februar als von einer„Lieblingsidee des Kaisers,"„auf der er bestände» habe," und bezeichnet die ganze internationale Arbeiterschntz- Konferenz, die ans die eigenste Initiative des Kaisers zurück- zuführen ist und ihm die Bewunderung von ganz Europa ein- getragen hat, als„eine einzige Phraseologie,"„ihre Ergebnisse gleich Null!" Solche Kritik, vom Fürsten Bismarck geübt, verletzt das monarchische Gefühl und gefährdet dei wichtigsten Staats- interessen. Bisher war es in Preußen und Denffchland nicht üblich, daß die entlassenen Minister ihrer abiveichenden Meinung Ausdruck zu geben und Fortgang zu verschaffen für erlaubt hielten; selbst als bei den Verhandlungen zur Beilegung des Kultur- kanipfes Fürst Bismarck die Veranlwortlichkelt iür die Fehler dieses Kampfes von sich abzuschütteln und dem Minister Falk zuzuweisen suchte, hat dieser Minister in Bezug auf die öffent- lich gegen ihn gerichteten Angriffe geschwiegen und nicht mit Gegenangriffen geanuvortet, die ihm vcrmuthlich nicht schwer würden geworden sei». Fürst Bismarck hingegen greift, ohne daß ihn Jemand irgendwie provozirt hat, die innere und äußere Politik Seiner Majestät an und schädigt und erschwert die Ar- beit seiner Nachfolger im Amt; so wenn er die Enverbnng Hcljjo- lands als zu theuer, als unnülhig, als»löglichcriveise gefährlich bezeichnet, und der Regierung vorivirft, daß sie zum„Sozialis- mns" übergegangen sei. Tie„beachlenSiverthe Seite", deren Ausführungen die „Kreuzztg." Raum giebt, als«einem Zeichen der Stimmung, wie sie im Laude allmälig Platz greift", meint schließlich, es sei kaum anders möglich, als entweder mit tiefer Trauer oder mit ge- rechtem Unwillen die veröffentlichten Mittheilungen zur Keniitniß zu nehmen. Entschieden Protest müsse aber gegen das Hinein- ziehen der allerhöchsten Personen in die politische Debatte er- hoben werden. Wenn Fürst Bismarck sich eine„gefallene Größe" genannt habe, so sei er auf dein besten Wege, wenn er nicht vald einhalte, in anderem Sinne eine„gefallene Größe" zu rverden. tiefungcu stakeil grell ab von den großen schwarzen Augen, die zwischen den Wimpern gespeifftisch hervorleuchteten. Brenner eilte ihr entgegen und reichte ihr die Hand. „Nun, wie geht's denn, Klara, hast Dil gut geschlafen?" fragte er sie liebevoll. „Ich danke, Lieber, ich fühle mich nur ein wenig er- mattet." Auch Alfred war aufgestanden. „Na, wird's denn überhaupt gehen?" fragte er mitleidig. „Sie innthen sich zu viel zu." „Ach gewiß," antwortete sie leise,„die Fadet ist ja nicht so schlimm. Uebrigens hat's der Arzt mir ja erlaubt." — Sie verschweig allerdings, wie sie den Arzt um die Er- laubniß gebeten hatte.—„Hoffentlich wirds heute voll werden," fuhr sie fort. „Ich hoffe auch," sagte Alfred,„der Vorverkauf war gut, aber sagen Sie nichts zum Vater." „Gewiß nicht," erwiderte sie lächelnd,„ich weiß ja, der Aberglaube ist nicht auszutreiben." Fritz hatte sich untcrdeß mit halbgeschniinktem Gesicht erhoben, sich rasch seinen gewöhnlichen Anzug übergeworfen und trat nun vor: «Gestatten Sie, daß xeh jetzt nachhole, was ich auf der Probe versäumte und mich Ihnen jetzt in einem aller- dings unqualifizirbaren Aufzuge vorstelle." Die Verbindung der Bauernhose und Weste mit dem Hausrocke, dazu das Gesicht, dessen eine Seite nur halb- geschminkt war,»lachte allerdings keinen besonders eleganten Eindruck.—„Mein Name ist Kolbe.' Ihr Auge überglitt seine Gestalt. Seine Sprache ge- fiel. ihr... �Indessen mochte sein Anzug sie doch nicht ganz ernst lassen. Auf ihren Lippen erschien ein Lächeln „O ich bitte sehr," erwiderte sie freundlich,„das Ver- sänmniß lag ja nicht an Ihnen, ich mußte sofort nach tliisercr Szene heimgehen. DaS ist nun einmal bei uns Schauspielern nicht ander?. Uebrigens haben Sie mir aus der Probe als Barbcaud in iluserer Szene gut gefallen." „Sie sind zu gütig, gnädige Frau." Ganz gewiß,«idessen würde ich es besser halten, wenn Sie etwas weniger markirt sprechen würden und besonders die Abfiel! Arbeiter i> hätten. S Klagen t 'Akkord jn der Tl dei Akkvt and zwc fleißiger bringt all gezahlt w einen Bei aber doch Sprüchen i Der' baß diese sie das C bittern. Das! Lotidräthliche Zittenseufitt'. Der Landroth re» hat nachfolgende Verfügung veröffentlicht:„Das Ueberh«> der auf Genehmigung zweitägiger Festfeier gerichtett» seitens der zahllosen im Landkreise vorhandenen Vers Vereine veranlaßt mich zu der öffentlichen Erklärung solchen Anträgen nicht stattgeben werde. Jene Bereu fast alle nur zum Zwecke des Müßigganges von interc gegründet und treten bei ihren Stislungssesten in best tigkeit. Es ist deshalb hinreichend, für die letzteren eu't tngige Feier zuzulassen, zumal die Erfahrung lc eine solche schon dem öffentlichen Wohl ebenftf dem Glück und Wohlstand der betheiligten Familien Die Eitle, auch Richtmitgliedcr gegen Eintrittsgeld Festen zuzulassen und andere Vereine einzuladen, vc Gelegenheit zu kostspieligem Müßiggang und Wohld endlich in vernünftige Grenzen znrückzifführen die' Polizeibehörde ist. Insbesondere die aus jungen Leute» gesetzten Vereinigungen bilden eine ernste Gefahr, da" solchen der schrankenlosen Vergnügungssucht mit u mäßigem Aufwand gefröhnt, der verdiente Lohn vergeh selten aber auch durch dieselben die gute Sitte, sowie rfogupt nul liche Ruh» und Sicherheit empfindlich verletzt wird, �dcs Arbei Vereine zweitägige Feste feiern, oder gar. wie eine b schaft zu Langendreer, dreitägige beabsichtigen, so wA»..• den Behörden nicht das geringste Entgegenkommen' wenig, wenn die Erstreckung der ländlichen Polizeistunde sMwung steht. Vorstehendes diene auch den Wirthcn zur WarnMUchlt ans sogenannte Zelte für mehrtägige Feste errichten wollen. Zngleich den 1. Juli 1890. Der königl. Landrath: Spnde." v'teren Arb Zeitung", der wir diese Bekanntmachung entnehmen, j�der Arbei weiter nichts zu bemerken, als daß sie neues Licht über WDeistungss Verhältnisse und das Festwesen verbreite. Uns schein'?, bei noch einiges Licht über die Art und Weise zu verbw', die Landräthe ihre Aufgabe auffassen.™ Kchmoller über Kismarck. Prof. Schmoller �telli, Sammlung älterer Reden und Aufsätze l--- er sich über die soziale Frage ausspricht. selben folgende Stelle, die in eine früher gesch......... eingeschoben ist:„Wenn es wahr ist, daß Fürst Bis�doppelt v Annahme des Sozialistengesetzes ohne die AusweisunMden Untei verhindert hat, so liegt darin ein deutlicher Hinweis fjMehrleist pessimistische sozialpolitische Stimmung, die naturg�Mehrwerl iveitere Konzession verweigern mußte, in ihr nur ein Zu�»nck ertn an einen staatsfeindlichen Radikalismus, an eine unsere',«, Industrie innerlich auflösende und gefährdende Wühler», der seit Jahren die viel gefährlicheren Zündstoffe, � r internationalen Reibung der Staaten untereinander e»'F Diese fort und fort einen Weltbrand zu entzünden drohsi>r herrschend wieder durch eine geschickte Politik zum Erlösche«'bem ande glaubte im Innern nur noch mit Gewaltmitteln� fertig gg- zu können. Das war eine Aliffassnug, die nur SBemB'J theilen, eine Auffassung, an die, selbst wenn sie bew®.s man nicht glauben darf. Es hängt dieser Punkt mit d» von H�'b ferse der Bismarck'schen Politik zusammen. Der Fürst den Ortei die innerlichen langsamen Verschiebungen der Jdeeiv, die Sami Einfluß gewisser idealer Potenzen kein ebenso offenes Liter kos für das Spiel der äußeren Machtkämpfe. Wie er sichz! Sanrmelp Möglichkeit einer Niederschlagung des Ultramontaniso�als der e äußere Machtiiiittel, der Sozialdemokratie durch.n zialistengesetz getäuscht hat, so war es jetzt falsch, jjj gonnenen Sozialresorm plötzlich Halt zu machen und• oen Ausbruch eines rohen Kampfes der Gewalt zu er«*"'|t bie Wir l-fe» im ,.V-lk»l.latt" für Halle: die Abend wurde auf unserer Expedition die Nummer 46 de-. fejn solle» blatt" vom 21. Mai wegen eines Artikels konfiszirt., Einfuhr t Manuskript zu demselben nicht mehr vorhanden war gestatten. seitdem nahe an acht Wochen verflossen—, wurden die"3 lokalitäten sowie die Wohnung des Redakteurs am — selbstverständlich erfolglos— nach demselben. L" L Hoffentlich erfahren wir bald, was die Polizei nach gründeten veranlaßt hat, diese Nummer zu konfisziren. Viel., aus eine l jedenfalls nicht sein, sonst hätte man das„Vergehen" r sollen d e ecken müssen.««iomen Glast. 13. Juli. Die Strafkammer verurtheilte Wj �""bie8 iiiachermetster Gloger, Mitglied der sozialdemokratisch" �009 Per] der bei einem Hoch auf den Kaiser sitze» geblieben wU«„t,«ewc M jestütsbeleidigung zu einer Festungshast von zwei? ü,ur i Bon der Innung wurde Gloger, der„Köln. Ztg.-x-Ziusk ß nach dem Vorgang ausgeschlossen. Ans Sachse», 14. Juli.„Akkordarbeit ist arbeit." Dieses in Arbciterkreisen geltende Sprich eine unfreiivillige Bestätigung durch einen Artikel Ztg." aus Sachsen. In demselben wird ausgefüh� Fabrikautenkreisen die Neigung immer mehr sch'� Gunsten der Arbeiter Opfer zu bringen, da nia" daß das Alles nichts nütze. Eine Anschauung, die den Versa theilen, denn all die„Opfer" der Unternehmer I�würde, sa Arbeiter sind doch erst aus dem Arbeitsproftt der,——, möglich. Dann heißt es aber: um so nothwendilr� sgre) stets in i schleppen glücklicher Mehr all schickt, ok In den 0 rrforderli, wird. I Fahrenh«, in den Bewegungen mehr den trotzigen Bauern h#*» _ 4» würben. Es klingt bei Ihnen oft so, als wen»% Bauer Barbeaud, sondern irgend� ein Graf spricht. Bauer Barveauo, sondern irgend ein Gras fpnchl. r.".y bei weitem mehr, wenn Sie die Leidenschaften eine»>„ Jsya BauerngemütheS betonen würden." v ,, «Ich'verde mich bemühen, gnädige Frau"— j„erLt;a1 Fritz.— Er ivar äußerst erstaunt, diese Gedanken Ausdrucksweise, die er nach seinen Erfahrungen L,. muthet, in dieser Umgebung zu finden. 1 „Gewiß, es wird schon werden. Sie solle» i fleißig sein, habe ich mir sagen lassen. Nur inj? j arbeiten, so lange Sie jung sind! Das Lernen'st dnrti nicht unanoenebm?" einen pr die Ailgc „So fragen E ne Tabc doch nicht unangenehm i „Im Gegeutheil, gnädige Frau."... „Bei uns wird Ihnen die Gelegenheit, Jh'� anszuprobiren, nicht fehlen. Bei den drei, vier wir zu verwenden haben, können wir überhaup'�,,! in drei i Guten Abend, Hauptrollen besetzen. Sie werden sich also Repertoire schaffen können. Doch ich will Sie stören. Aus Wiedersehen! Guten Abend, mein«* „Guten Abend." j Dreimas Klara ging in die Damengarderobe. Die?'Uöe Mund. rinaten sie'sofort und begrüßten sie herzlich.� sonstigen Streites und der entgegengesetzten Charakte".'''0 sie doch alle inniges Mitleid mit dem Unglück, durchmachen mußte. � Brenner fuhr in seiner Schminkarbeit fort. Weile fragte Fritz:.* „Herr Brenner, wir haben auf der Probe jp diejenigen Szenen durchgemacht, in denen ich spiele- 3 denn die anderen Rolleil besetzt? Die Reden derBaue'D, werden, wie ich höre gestrichen, den Camillard spielt de' � Nun bleibt aber doch noch der Martineau. j denn den?" „Meine Frau," antwortete Alfred. dl „Ihre Frau?" fragte Fritz erstaunt.„J" kleidcru?" jl „I bewahre; aus dem Bauern Martineau �' Bäuerin, Frau Martineau." „Das nenne ich aber geschickt," fiel Fritz läö eine spiegel: .S. « gute, Mundar „ Fri als er s ihm oo Kopf, d Hervorst« Aussehe! er reckte trotzigen und sch Die Abstellung von Klagen zu dringen, die ans den Kreisen der Arbeiter immer und immer wieder laut würden und Berechtigung hätten. Als eine solche bezeichnet der Artikelschreiber die klagen über die ungleiche Bemessung der Akkordlöhne. In großen Maschinenwerken herrsche in der That der Brauck), daß für die gleichen Leistungen bei Akkordarbeit verschiedene Löhne gezahlt würden >und zwar in der Weise, daß ein Arbeiter, der leißiger und angestrengter arbeitet und darum mehr fertig bringt als ein anderer, für die einzelne Leistung niedriger gezahlt wird als dieser, so daß er zwar am Ei, de der Woche seinen Verdienst etwas höher brachte als der weniger Geschickte, �aber doch nicht diejenige Mehrleistung erhält, die er bean- .ispruchen darf. Der Artikelschreiber der„Arb.-Ztg." plaidirt nun dafür, �daß diese Ungerechtigkeit in der Lohnzahlung aufhöre, weil sie das Gerechtigkeitsgefühl der Arbeiter verletzt und sie er- ättern. Das ist vollkommen richtig. Das Akkordsystem ist über- Ktupt nur ins Leben gerufen worden, uni die Ausnutzung »es Arbeiters aufs höchste Maß zu steigern. Verdient als- >ann der Arbeiter nach Ansicht des Unternehmers zu viel, .iWWort wird der Akkordlohn gekürzt und wird der Arbeiter lind« gezwungen, noch höher seine Kräfte auszunutzen, um mög- mMlichst ans den früher gehabten Lohn wieder zu kommen. n. �Zugleich wird die so gesteigerte Akkordleistung der geschick- teren Arbeiter daS Normalmaß für die Leistungsfähigkeit der Arbeiter überhaupt, wonach sich die Ansprüche an ihre Leistungsfähigkeit und die Lohnhöhe bemessen. Die Akkordarbeit ist also die Schraube ohne Ende, die immer wieder von Neuem angesetzt wird, um aus dem Ar- [et h-beiter einen höheren Mehrwerth herauszupressen oder durch en,»Stellung niederer Waarenpreise dem Unternehmer die Kon- sMurrenzfähigkeit zu erhöhen. Die von der„Köln. Zeitung" : Aivangeführteu Maximen Chemnitzer Fabrikanten sind aber gi-�doppelt verwerflich, weil sie noch auf einen Extragewinn für ungMen Unternehmer berechnet sind, der nicht allein aus der üs.Mehrleistung des Arbeiters schon an sich einen größeren Äa? Mehrwerth herausschlägt, sondern diese Mehrleistung auch LlSjnoch extra gering bezahlt, also doppelt profitirt. Der Ar- usbeiter wird für seine Geschicklichkeit und seinen größeren �j.«Fleiß statt belohnt— bestraft. et# Dieses Plünderungssystem gegen den Arbeiter liegt im chtt». herrschenden ökoiiomischen System und das eine wird erst mit 'dem anderen beseitigt. etie< Wie der Zwischenhandel die Waaren und Lebensmittel ' vertheuert, zeigt sich an den Preisen, ivelche die Samniler von Heidelbeeren für ihre mühevolle Arbeit bekommen. In lirfi k den Orten längs der Elbe in der sächsischen Schweiz erhalten letvjjdic Samniler für den Liter Heidelbeeren kaum 2 Pfg. Der A'•■l Liter kostet aber in Dresden, also wenige Stunden vom sich. Sammelplatz, 12—15 Pfg., also sechs bis sieben Mal so viel, �"�jals der eigentliche Arbeiter erhält. Schweix. «r,;. a?-/.Gerung hat verfügt, daß das am 27. Juni 'ieh aus der Schweiz erlassene Verbot erre vom 13. Julr ab aufgehoben ; sein sollen. Infolge'dessen hat der Bundesrath beschlossen, die et-| Einsuhr von Kleinvieh aus Italien vom 14. Juli ab wieder zu ■ � gestatten. % Rnsttand. In London hielt unier den Auspiezien des vor kurzem ge- gründeten Vereins der„Freunde der russischen Freiheit", welche uns eine bessere Behandlung der sibirischen Verbannten hinwirken wollen, der Nihilist Fürst Peter Krapotkin einen Vortrag über „Sibirien". An 20 000 Männer, Frauen und Kinder, so führte w« er aus, gehen jährlich nach Sibirien. Das Gefängnip von Tomsk, Lw wo die Gefangenen vertheut werden, hat nur Liaum für lxLl, 1000 Personen, sollte aber 3000 fassen können. 600 Verbannte > a sind gewöhnlich gleichzeitig krank, das Hospital Tomsk kann aber "fji nur 200 aufnehmen. Die Sterblichkeit ist deshalb groß. Von Tomsk geht es zu Fuß nach Ost-Sibirien. Viele Gefangene I schleppen drei Ketten mit sich. Die Soldaten schlagen die Un- ip glücklichen mit dem Gewehrkolben, um sie zur Eile anzuspornen. W# Mehr als 10 000 Personen werden jährlich nach Sibirien ver- l dckl schickt, ohne jemals vor einen Richter gebracht worden zu sei». chck,! In den Goldgruben wird Tag und Nacht gearbeitet, damit die �erforderliche Menge Gold, 13 Zentner jährlich, zusammengebracht tvird. Im Januar ist die Temperatttr 54 Grad unter Null Fahrenheit. Fürst Krapotkin schloß mit der Bemerkung, daß von den Versammelten ein Jeder nach Sibirien verschickt werden ürde, falls er unter russischer Herrschaft lebte. Brenner nahm unterdessen aus seinem Koffer, der stets in der Garderobe blieb, eine graue Perrücke und stülpte hcttst. sie Fritz auf den Kopf. Nachdem er durch ein mit Leim n deschmiertes Cigarrenbändchen die Stirn der Perrücke mit t.% der Stirn des Schauspielers fest verbunden hatte, färbte er ie$ r die scharfe Spitze eines Streichholzes schwarz und zog ans Kolbes Gesicht von der Zinse zum Mund, zwischen den — Augeit und Äugenbrauenspitzen ganz feine Striche. Dann m K cerstnigte er aus grauer Bartwolle ztvei Backenbärte und en � Augenbrauen. Nachdem er das Gesicht des vor ihm 1 Sitzenden gepudert hatte. stellte er aus Mehl und Wasser [(eW' einen prächtigen Klebestoff her, mit dem er die Bärtchen und Mitt'l die Augenbrauen auf Kolbe's Gesicht anklebte. ist'«So, mm geben Sie mite mal Ihren Kalabreser und | fragen Sie Frau Brusche, ob sie für Sie einen Stock und W Tabakspfeife besorgt hätte." rfsttjj Fritz that alles, was ihm geheißen. Als er leise an die zw spanische Wand geklopft hatte, kam ein entblößter Arm ans «l\ der Oesfnung hervor, der ihm das Verlangte überreichte. Y Unterdessen hatte Brenner die weiche Krempe des Kalabresers nichts jn drei Theile getheilt, diese mit Stecknadeln an der Filz- n«* Wölbung befestigt und steckte den so blitzschnell verfertigten Dreimaster, mit der einen Spitze zum linken w/ Auge gewandt, fest auf Kolbe's Perrücke, gab 2? Fritz den Stock in die Hand und steckte ihm, der willenlos alles über sich ergehen ließ, die Pfeife in den ' BijJ 1 Mund. Dann führte er ihn vor seinen kleinen Toiletten- . fpiegel: As««So, nu schan'ns mal hinein," sagte Brenner. Wenn guter Laune war, sprach er in seiner heimathlichcn he I Mundart. Amerika. Die Schönheiten des kapitalistischen Wirthschastssysiems. Die Verluste von Rindern und Schafen auf den westlichen Prairien — lesen wir im„Phil. Tagblatt"— sind im vergangenen Winter, gemäß den Berichten des landwirthschastlichen Departements in Washington wahrhaft erschreckend. Im Ganzen starben an Hunger und Kälte 1 214 433 Rinder und 2 201 189 Schafe. In blas fünf Staaten und Territorien betrug der Verlust an Rindvieh aus den genannten Ursachen von 12 bis 15,5 pCt. und an Schafen von 17 bis 27,5 pCt. Man fragt: Ist es möglich, daß die Menschen so verroht und gefühllos sein können, ihre Heelden so erbarmungslos der Habsucht zu opfern? Viele dieser Thiere ivcrden aus dem Süden, wo ein milder Winter herrscht, nach dem Nordivesten getrieben, um auf den Prairien zu grasen. Im grausamen Winter mit seinen Stürmen und Blizzards, die manchmal 2 bis 8 Tage lang ununterbrochen wüthen, sind die armen Thiere ohne Schutz und Nahrung, und Tausende derselben erliegen dem Hunger und der Kälte. Sobald die Kadaver aufgethaut sind, gehen die Schinder und Schinderskn echte hinaus, um den Opfern ihrer Habsucht die Häute abzuziehen. Der Weg, den sie nehmen, ist durch Thier- leichen bezeichnet. Die Prosite müssen ganz enorm sein, sonst könnten die Eigenthümer der Heerde» nicht solche Verluste er- tragen. Zu den Viehbaronen gehören auch ganz fromme Christen, die aber den Spruch:„Der Gerechte erbarmet sich seines Viehes", vergessen haben. Dieser Massenmord der nützlichsten Thiere findet jeden Winter statt, aber das amerikanische Gewissen ist dagegen abgehärtet. ES ist wohl schwer, wenn nicht unmöglich, für so große Heerden Obdach herzustellen, aber Heu könnte im Ueberstuß für sie aufgestapelt iverden und Wasser läßt sich auch für sie beschaffen. Nur wenige Rinder würden verenden, wenn sie Nahrung genug hätten. Für Schafe, die im Sturm ganz hilflos, sind Ställe oder Schuppen im Winter ein unabweistiches Bedürfniß. Dieselben ließen sich auch mit geringen Kosten herstellen, wenn nicht der Geiz vollständige» Besitz von dem geldhungrigen Amerikaner ge- nommen hätte. Zu dieser grausamen Praxis leitet Berechnung. Gerade wie Kornwucherer es für vortheilhaft gefunden haben, Getreide zu zerstören, um dadurch die Preise hoch zu halten, so ist es auch mit den Viehbaronen. Das Vieh vermehrt sich ihnen in„guten Jahren", ivenn Weiden reichlich und die Winter nicht zu streng sind, zu rasch. Dann lamentiren sie über die niedrigen Preise, welche sie bekommen. Hier ist die Gemeinschüdlichkeit des kapitalistischen Systems, das nicht existirt, um Bedürfnisse zu befriedigen, sondern um Prosite zu machen, auf die Spitze getrieben. Stellen wir uns nun einmal vor, das Land wäre nicht den Kapitalisten überlassen worden und die Viehzucht, sowie die Schlachtung, Verpackung und Versendung des Fleisches nach allen Theilen des Landes würde aus Rechnung der Gcsaunntheit be- trieben, etwa durch eine Assoziation von Arbeitern, unter Ans- ficht der Regierung stattfinden— was doch ganz gewiß tuöglich ist. Dann würden die erwähnten Gräuel»vegsallen und das Fleisch den» Konsumenten wahrscheinlich nicht mehr als die Hälfte dessen kosten, was er jetzt dafür bezahlt, nachdem die Viehkönige den Bestand absichtlich dezimiren, dabei horrende Prosite machen und die Kommissionäre, Schlächter, Eisenbahnen und Zwischen- Händler sännntlich« Profite auf die Kosten schlagen. Kein ver- nünftigcr Einwand ließe sich gegen einen solchen Plan erheben, da es sich um einen lonzentrirte» Betrieb im größten Maßstab handelt, welcher leicht kontrolirt werden kann. Asien. Die Etzoleri» ist in Devsten erloschen und erleichtert können alle Diejenigen anfathmen, welche eine unmittelbare Ver- 'chleppung der Seuche nach Rußland und nmnittelbar von da auch nach Westeuropa seit fast einem Jahre befürchtet haben. Ter vom Großfürsten Michael, dem Statthalter des Kaukasus, behufs eingehender Untersuchung und aussührlicher Berichterstattung nach Persien abkommandirte Dr. Babajew theilte nach seiner erfolgten Rückkehr nach Tiflis offiziell mit, daß er weder in Teheran und Hamadan, Noch in Kirmanschah und Burdilan irgend eine Spur der Cholera hat entdecken können. Die persische Regierung hat dein Dr. Babajew während seiner An- Wesenheit in Persien in zuvorkommender Weise nach Kräften Vorschub geleistet. Jn allen Moscheen wurde jeden Freitag eine von Popow, russischer Konsul in Tabris, in persischer Sprache verfaßte Broschüre über die Cholera verlesen. Angesichts der schlechten hygienischen Zustände in Persien hält Dr. Babajew ein Wiederaufleben der Cholera in Persien keineswegs für ganz ausgeschlossen. le. 7?„ts sah in den Spiegel und fuhr fast erstaunt zurück, •} er sein eigenes Ich erschaute, das in der Verkleidung � upn vollständig fremd vorkam. Der Dreimaster auf dem $«' der graue Bart, die tiefen Falten im Gesicht, die I ms? r�den Augenbrauen gaben ihm ein charakteristisches Aussehen. Das Aussehen wirkte auf sein ganzes Empfinden, , r®r fjch unwillkürlich, sein Gesicht nahm einen harten, i trotzigen Ausdruck an. Er bedankte sich herzlich bei Brenner # uuÖ schAtt in der Garderobe auf und ab, indem er bei Die Agitation unter den Plätterinnen trägt erfreuliche Früchte. Der erst vor kurzem gegründete Verein ist in steter Zu- nähme begriffen. Er zählt schon über 000 Mitglieder. Mehr als der vierte Theil der Plätterinnen ist demnach jetzt schon organisirt. Das Interesse au der Vereinigung ist ein sehr reges. DaS be- iveisen die gut besuchten Versammlungen. Am Monrgg fand eine solche im„Böhmischen Brauhaus" statt. Zunächst nahm man den Kassenbericht entgegen. Fräulein Tiede gab denselben. Danach betragen die Einnahmen 302,16 M., die Ausgaben 145,10 M. Es verbleibt demnach ein Kassenbestand von 217,00 M., welchen die Revisorinnen bei der Revision vorfanden. Ebenso sei dii�Ab- rechnung fehlerlos gewesen. Die Versammlung ertheilte deshalb derKasstrerin Entlastung. Herr Dr.Vruno Wille sprach hierauf über: „Der Kampf um's Dasein in der Volkswirthschaft". Diskussion fand nicht statt. Dagegen war Herr Möhring in der Lage, eine „schtvarze Liste" vorzuzeigen. Der Vorstand der„Gesellschaft der Wüschefabrikanten" theilt dadurch den Mitgliedern der Fabri- kanten-Vereinigung mit, daß 2 Plätterinnen ordnungswidrig ent- lassen worden sind. Durch dieses Vorgehen soll den beiden Plätterinnen die Arbeitsgelegenheit in Berlin abgeschuitten wer- den. Und warum sind die beiden Plätterinnen gemaßregelt, auf die schwarze Liste gesetzt worden? Weil sie nicht Lust hatten, einige Tage in der Fabrik bei Borchert ohne Entschädigung aus- zusetzen. Sie forderten deshalb, wenn keine Arbeit mehr da ist, Entlassung und den ihnen zuständigen vierzehntägigen Lohn. Die beiden Arbeiterinnen haben nur von dem ihnen auf Grund der Gewerbeordnung zustehenden Rechte Gebrauch gemacht. Solchem Vorgehen der Fabrikanten wäre sofort die Spitze abgebrochen, wenn erst sämmtliche Plätterinnen Mitglieder des Vereins sind. Dann hätten die Arbeiterinnen einen Rückhalt und die Fabrikanten würden keine Plätterinnen mehr bekommen, wenn sie derartig vor- gehen. Die Anwesenden verpflichteten sich deshalb auch, oafllr zu sorgen, daß sämmtliche Plätterinnen, die dem Verein noch fern stehen, Mitglieder des Vereins werden. Und der Berein bietet thatsächlich Vortheile. Schon in der kurzen Zeit seines Bestehens konnte der Verein Probe davon ablegen. Der Verein bietet be- kanutlick unentgeltlichen Rechtsschutz, den schon drei früher gemäß- regelte Plätterinnen in Anspruch genommen haben. Eine Sache, die das Frl. Tiede gegen die Firma Borchardt, ist zu Gunsten der ersteren entschieden worden. Die beiden anderen Klagen schweben noch. Herr Möhring theilte weiter mit, daß in nächster Zeit Fragebogen ausgegeben iverden, die der Wahrheit gemäß auszufüllen sind. Folgende Fragen werden zu beantworten fei»: 1. Wie lange sind Sie Plätterin? 2. Wie lange war Ihre Lehrzeit? 3. Mußten Sie sich verpflichten, nach beendeter Lehrzeit weiter zu arbeiten? 4. Wie viel Lehrgelv zahlten Sie und bekamen Sie dasselbe wieder? 5. Wo haben Sie gelernt? 0. Wie viel haben Sie in den letzten 0 Wochen perdient? 7. Nehmen Sie Arbeit mit nach Hans? 8. Wie lange ist die Arbeitszeit in der Fabrik? 9. Wird Sonnlags oder Ueberstunden gearbeitet? 10. Wie viel Lehrlinge sind zur Zeit im Geschäft? 11. Wird Bolzengeld abgezogen und wie viel? Die Versammlung verpflichtete sich darauf noch, den„Lokal- Anzeiger" abzubestellen und auf das„Volksblatt" z« abonniren. Einem weiteren Beschlüsse gemäß finden die Vereinsversammlungen von jetzt ab nicht mehr Montags, sondern am ersten Dienstag eines jeden Monats statt. Am nächsten Montag findet eine öffentliche Näherinnenversammlung statt, für die rege agitirt werden möge. jedem Schritt den Spazierstock fest aussetzte und halblaut einige Worte aus seiner Rolle vor sich hinsprach. Ter Spaziergang Nachmittags hatte ihn cmßerordent- lich wohl gethan, er fühlte sich so kräftig, so voller Laune, daß er wußte, er würde mit ganzer Empfindung spielen. „Es ist Übrigens noch fürchterlich früh, kaum ein viertel acht;" sagte Alfred,„ich sehe gar nicht ein, tvarnm wir uns so beeilen, vor acht Uhr fangen ivir doch nicht an." Er nahm ans seiner Tasche die Hälfte einer Zigarre, steckte sie sich au seinem Lichte an und paffte munter draus loS. Derlei Genüsse konnte er sich gern gewähren, Hildegards letztes Benefiz„Preeiosa" war gut ausgefallen, sie waren also eine gute Weile vor Mangel geschützt. Fritz öffnete die Thür, die zur Bühne führte, und schritt zu dem Guckloch des Vorhanges. Der Zuschauerraum war durch eine Lampe spärlich erhellt. Nur drei halbwüchsige Jungen saßen auf der letzten Bank und harrten erwartungsvoll der Dinge, die da kommen würden. Fritz athmete tief auf. Seit er den Bühueuraum betreten, war ihm so eigenthümlich beklommen zu Muthe. Es war ihm, als wenn er zum ersten Male spielen sollte, eine er- ivariungsvolle Schwere lag ihm wie ein Alp aus der Brust. Er machte einige große Schritte über die Bühne, er wollte im Geiste seine Rolle durchgehen, es gelang ihm nicht. Seine Gedanken eilten stets zu Brenner's Frau hin, die alle Hohen- stein nanntey. Er dachte nicht an den Rath, den sie ihm gegeben, sondern nur an die Form, in der sie ihm die Nathschläge erthcilt. Wer ma sie sein, so dachte er, wie kommt sie hierher. Schon aus der Probe war sie ihm anfgefallen. Erdachte hin und her,' fand aber keine Erklärung. Unruhig öffnete er die Thür zur Garderobe, aber gebannt blieb er aus der Schwelle stehen. Zwischen Brenner und Alfred saß eine gebückte alte Frau, die ihm den Rücken zukehrte. Ans dem Kopf trug sie ein blntrothes Tuch, unter dem ein Paar granschivarze offene Flechten hervorsahen. Die Gestalt blickte sich bei seinem Eintritt um, so daß er ihr Gesicht sehen tonnte. (Fortsetzung folgt.) Sptverltlaal. Die Redaktion stellt die Benutzung deS SprechsaalS, soweit Raum dafür abzu- geben ist, dem Publikum zur Besprechung von Angelegenheiten allgemeinen Interesses zur Verfügung; sie verwahrt sich aber gleichzeitig dagegen, mit dem Inhalt desselben identistzirt su werden. Herr Redakteur! Jn Nr. 153 d. Bl. wünschte ein Herr Lehmann Aufklärung über den Verbleib des Ueberschuffes von dem Streik der Ver- golder(Methlow u. Ko.). Der betreffende Herr gab sich dieselbe zu gleicher Zeit, indem er einfach annahm, daß die Summe von 2198,80 M. in die Vereinskasse der Vergolder geflossen sei. Wenn Herr Lehmann im Besitze solcher Erfahrungen ist, dann beneiden wir ihn nicht darum. Wir sehen den Sprechsaal dieses Blattes nicht für den geeigneten Platz an, diese Sache weiter zu verfolgen und diene es Herrn Lehmann zur Kennt- uiß, daß in unseren Versammlungen Gäste jeder Zeit will- kommen sind. Die llnterzeichneteu halten es jedoch für ihre Pflicht, zu er- klären, daß in die Vereiuskasse der Aergolder von dem Neber- schuffe kein Pfennig geflossen ist und ist die Sache hiermit für uns erledigt. Die Streikkommission der Vergolder wird jedoch in jeder unserer Versammlungen bereit sein, über die Verwendung dieses Geldes viechenschaft abzulegen. Was den Hinweis auf die Streik-Kontrolkommission betrifft, so wird dieselbe wohl am besten selbst wissen, was zu thun und zu lassen ist. Das Vorgehen eines einzelnen Mitgliedes unserer Filiale überlassen wir der Allgeiueinheit zur Beurteilung. Der Vorstand der Filiale Berlin des Verbandes der Vergolder, Goldleistenarbeiter und verwandter Berufsgeu offen. R. Möhring, P. Mayer, K. Fries, Vorsitzender. Kassirer. Schriftführer. Vviefkttpkon dov Medalltkimv. Bei«iiftaflen bitten wir die AbonneinenlS-QniUung beizufiigen. Briestich« Aunvort wird nicht erlheNi. Nrdalitio» den„Dollts-Zrituiig". Wir verstehen wirk- lich nicht, was Sie wollen. Wir haben einfach eine Resolution gebracht, die in einer Volksversammlung gefaßt wurde. Ob wir dieselbe konnuentiren wollen oder nicht, hängt doch ausschließlich von unserem Belieben ab. Sie werden uns hoffentlich nicht zu befehlen haben, ob wir Sie unterstützen sollen; wenn Sie sich nicht stark genug fühlen, Ihre Gegner werfen zu können, binden Sie doch nicht mit ihnen an! Aber daß Sie verlangen, wir sollen Schulter an Schulter mit Ihnen gegen Berliner Sozial- demokraten kämpfen, das halten»vir für eine Unterstellung, sdie wir nur mit einer absoluten Unkenntniß aller in Berlin in Be- tracht kommenden Umstände entschuldigen können. Haben wir vielleicht jemals in dieser oder in einer ähnlichen Weise um Ihre Hilse gefleht? M. 100. So gern wir Jedermann behilflich sind, bedauern wir doch Ihnen keine Auskunft ertheilen zu können. Sie müssen sich über die Lokalverhältnisse des betreffenden Ortes selbst insormiren. O.» Falkenstrwstraße. Ihr Bruder ist nicht berechtigt, einseitig den Zinsfuß Ihrer Hypothek auf 4>/e pCt. herabzusetzen. Verlangen Sie von ihm die zu Unrecht gekürzten Ve pCt. und theilen Sic ihm mit, daß er auch in Zukunft 5 pCt. zahlen muß. A. D. Nur tvcnn der Gläubiger bei Fortschaffung der Sachen nach der Pfandkammer weiß oder wissen muß, daß die- selben nicht Eigenthum des Schuldners oder eines Dritten sind muß er im Falle einer ersolgrcicheu Jnternention deS Eigenthümer» der Sachen demselben die Rückirausport-Kosten ersetzen. iß, D. Hophienslr. Nach§ 181 der Gewerbeordnung muß die vom Vater oder Vormund des Lehrlings zur Aushebung des Lehrvertrages abzugebende Erklärung den Inhalt haben, dap der Lehrling zu einem anderen Gewerbe oder Berufe, übergehen werde. Vier Wochen nach Abgabe dieser Erklärung läuft dann der Lehrvertrag ab, und muß der Lehrherr dies und den Grund des Ablauss in dein ArdeitSbiiche vermerken. A. K. 17 y. Da Sie wahrscheinlich noch nicht 50 Jahre alt sind, ist ein- sörmliche Adoption des vorehelichen Kindes Ihrer Frau nicht zulässig. Wenn Sie jedoch besondere Gründe an- führen können, so wird möglicher Weise das Polizeipräsidium ans Ihren und des Vormundes Antrag genehmigen, daß das Kind in Zukunft Ihren Namen führt. Theater. Mittwoch, den 16. Juli. Frledrich-Willjelmstädt. Theater. Der arme Jonathan. Maliner- Theater. Mamsell Ni- touche. NiKtom-Theater. Stanley in Afrika. Kelleallianc«- Theater. Der Nau- tilus. KroU's Theater. Silvana. Kaufmann'« Nariete. Große Spe- zialitäten-Vorstellung. Hasenhaide Ausstellungs-Park. 2153] 16 Eingefcoreno aus dem Eltui-Iiande. Torstellung und Produktion von Nachm. 4—9 Uhr Abds. stündlich. Englischer Garten. Direktion: C. Andres«, Alexanderstraße 27c. Auftreten der Kostüm-Soubrette Fräul. Bermont. Austreten des Gesangshumoristen Herrn Jonas. Auftreten der Duettistinnen Geschwister de la Terra. Auftreten des Tanzkomikers Herrn Schmidts. Auftreten der Jano-Truppe. Anfang Wochentags 8 Uhr. Sonntags öVa Uhr. Entree Wochentags u. Sonntags 80 Pf. 60 Pf. und 75 Pf., im Vorverkauf 20 und 30 Pf. Der Garten ist an Vereme f. Sommer- festlichkeitenm.Spezialitäten-Vorstellung zu vergeben. Buggenliagen am Moritzplatx. Täglich: Grosses Garten-Coneert. Direktion A. Nödmann. Dienstag und Freitag: Walzer-Abend. Tillltl'PP Wochentags 10 Flg., £jUU vv gong, und Festtags 25 Pfg. Bei ungünstiger Witterung in den unteren Restaurationsräumen. Großer Frühstücks- und Mittagstisch. Spezial-Ausschank von Pahenhoser Export-Bier, Seidel 15 Pf. Die oberen Säle bleiben bis auf Weiteres wegen Renovirung geschlossen. 641 F. Müller. Vassage 1 Tr. 9 Uhr M. b. 10 Uhr Ab. Kaiser-Panorama. Hervorrag. Sehenswürdigk. d. Residenz. 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Negern, Matrosen, Arabern ec. V l. Preuss. 182. Staats-Lotterie. Hauptziehung vom 22. Juli bis 9. August d. J. 65 000 Gewinne im Gesammtbetrage von 22 157180 Mk. .S;:600000M.,2ä300000M.,2äl30000�J 1117 Hierzu empfehle und versende: Original-Loose ä"V ul%%% liS: nrminaI.T.nn%P!nit Bedingung der Rückgabe nach UiiyilXClA JUUUiSC beendeter Ziehung resp. nach Gewinn- '1, M. 192, 1- M. 96,'1, M. 48,'j, M. 24. AnfVloil T nnco von Originalloosen, welche sich in AUinmi-iiUUbC meinem Besitz befinden, Vi M. 50, Vs M. 24, Vis M. 12, V32 M. 6, Vw M. 3,25. tSfäST" Planmässige Gewinnauszahlung, Zur Erhöhung der Gewinnchancen gebe ich auch Antheile an 5 und 10 soriirte Nummern an in meinem Besitz bell ndliche Original- Loose ab und zwar Vioo HI. 12,50, 10/ioo M. 25. MnHf7 Rull Bank-Geschäft, iUUiitZi DdU, Berlin W., Charlottenstrasso Telegr.-Adr.: Prämienbab Berlin. 50/51. | Vom 22. Juli bis 9. August täglich Ziehung letzter Klasse der Königl. Preuss. KL-Lotterie Originalloose Vi ä 230 M., Vi k 115 M.. Vi k 57Ve M., Vs k 30 M. Antheilloose Vs ä 25 M.. Vis k 12Vs M., Vss k ßVt M., V« k 3V« M. Porto und Liste 60 Pf. extra. Richard Schröder, Filiale: Rosenthalerstr. 31. 1.2708. Warnung! Der Streik der Hamburger Bauhandwerker dauert unverändert fort und ersuche ich alle im Baufach beschäftigten Arbeiter nicht nach dort zu reisen. Alle Hamburger Maurer, welche in Berlin arbeiten, werden dringend ersucht, am Sonntag, den 20. Juli, Vormittags 10 Uhr, Puttkamerstr. 18 (Schulz's Restaurant) zu erscheinen. 1132 F. Zimmer, Kleine Hamburgerstraße 25a, Achtung, Mtchaner! Wieder bewilligte Werkstätten: Ferd. Ziemann, Wienerstr. 50. Ferd. Kurzner, Reichenbergerstr. 57. Neu bewilligt: Griewabn, Brandenburgstraße 19. 1124 Kommisaion der Bildhauer. Croje üfentl Frooeo-MrsoimlW für Friedenau, Steglitz und Umgegend am Freitag, M 18. Juli 18i)(), Abeoils Uhr, im Kurhaus-Restaurant Friedenau. Tagesordnung: 1. Die Frauenfrage. 2. �Diskussion. 3. Ver- fchiedenes. Herren ml«©äste haben Jutritt. Zur Deckung der Unkosten findet eine Tellersammlnng statt. sammlung zu erscheinen. Es ist Pflicht 1119 aller Frauen, in dieser Ver- Der©inbernfer. Uereiu gewerblicher Hilfsarbeiter fiir Johanuistbal nnb Umgegend. Donnerstag, den 17. Juli, Abend« 7 Uhr, in ,, Henneberg,« Kolon" in I o h o n n i« t h a l: Große General-Versammlung.'WU Tagesordnung: 1. Kassenbericht. 2. Wahl des gesummten Vor- stände». 3. Besprechnng über das geplante Sommersest. 4. Verschiedenes und Vereinsangelegenheiten. Um sich über die durch Niedertracht einzelner Gegner in Umlauf gebrachten falschen Gerüchte zu oricntiren, ist das Erscheinen sämmt- Der Dorstond. licher Hilfsarbeiter dringend nothwendig. 1127 Soeben erschien: «r- Heft Dr. W. Zimmermami's Grosjtt Jeutscher Bauerokril'g. Jllustrirte Volksausgabe. Herausgegeben von WHhelm Bios. Prei« pro Heft 20 Pfennig. Zu beziehen durch die Expedition, Beuthstrasse 3. Wieder Verkäufer erhalten Rabatt. Fachverein der Tischler Sonnabend, den 19. Juli, Abends 8V* Nhr in May's Festsälen(früher Heydrich), Beuthstr. (Eingang von der Post):-t/ EßF* General-Uersamminng. Tages-Ordnung: Kassenbericht des Rendanten. Bericht des Vorstandes, Kontrolkomnussion und des Arbeitsvermittlers. Unterstützungsand fchiedenes und Fragekasten. Mitgliedsbuch legitimirt. Neue Mitglieder werden aufgeno» zahlreiches Erscheinen ersucht Der Nor? Verein zur Wahrung der Interessen Gast- u. Schankwirthe Berlins u. Umg Freitag, den 18. Iuti» Nachmittag« 4Vs Uhr, beim Kollegen GrOndel, Dresdenrrstraße Ur. 11"•. General-Vers ammlung. .- ist der Gesitt Achtungen "ziehungsl lubstumm roßes uni d, muß Gliede idenschafl Tagesordnung: schaffen wo 1. Aufnahme neuer Mitglieder. 2. Ersatzwahl des Vorstandes.» mf diese S angelegenheiten. 4. Verschiedenes und Fragekasten..Ziele und Um rege Betheiligung ersucht Der Uorst�rößte Höh bezeichnen, Freie Vereinigung der Bau- u. gewerbfe�g Hilfsarbeiter Schönebergs und ümgegfc w, Donnerstag, den 17. Juli, Abends 8 Uhr, Schöneberg", Hauptstraße: in der„SchlMahne M> >->awneorrg, �aupnirape: N jedem K Mitglieder- Vers ammlung. MW..... Tages-Ordnung: 1. Die moderne Arbeiterbewegung man t gelernten Arbeiter. Referent wird in der Versammlung bekannt � 2. Diskussion. 3. Vereinsangelegenheiten. Mitglieder werden n»W,uhcnbe Uel Allgemeiner Arbeiternmen-UereH-� wohnen. nacht un >umaner L am Donnerstag, den 17. Jutt, Abends 8Ve Uhr, in Schrff«-'�'Werths Jnselstraße 10. Dstafrika' sammtl. Hernfszmeige Herlins u. Generag-Versammluni Tages-Ordnung: 1. Bericht des Vorstandes. 2. Kassenbericht. 3. Bericht der 4. Abrechnung vom Maskenball. 5. Ergänzungswahl des rtJ>er Humai �»einen Erf> .Gebildelei 6. Statutenberäthung. 7. Vereinsangelegenheiten. 8' Verschiedenes. Stätte» Mitgliedsbuch legitinnrt.— Herr Steinkopf, Landsbergerstr. 1 Erbrechen ersucht, die Billets vom Maskenball abzurechnen. j Diesen 1 1 20 Der Vorst selbstv ch von ih Allgemeiner Metallarbeiter- Verein c««/Y c»om �#ebei und Umgegend. fleichenden Sonntag, den 20. Juli, Vormittags 9V9 UhtMer Gar Ordentliche General-Yersammlung Saal der Brauerei Friedrichshain(vorm-*tmn ißn Tages-Ordnung: J I. Kassenbericht und Bericht der Revisoren. 2. Bericht des 3. Neuwahl des Vorstandes. 4. Beschlußfassung über eine Bibliothu'Sebanken und Bestätigung der Bevollmächtigten. 5. Anträge. 6. Verschiedenes»MN>men. Es ist Pflicht sämmtlicher Mitglieder zu erscheinen. MiV. salbung legitimirt. 1128 Der Vorst a�voUkomm« it sein idin an im gr. Große der Freien Vereinigung der Schneider s.°d I Heute.. Mittwoch, den 16. Juli, Abends 8V: Uhr, zeer nur er avl Beson den l zegengehal . vt» i". o""/--— v-, gper nur in Gratweil's Bierhallen, Kommend antenstraße 77—''' phung Tages- O r d n u n g: jthatfachei 1. Vortrag des Herrn Pi-us über„Klassenhochmuth". 2.«erden so 3. Die Verleihung goldener Medaillen der Pferdeausstellung an d>e„Ein Adam, Benedikt und Hennann Hoffmann. Der Zuschneivelehrer �'Familie i 4. Vercinsangelegenheiten. 5. Verschiedenes und Fragekasten. eersität,« Alle Kollegen ladet ein Der Porst�tang in% Allzmeiktr Metlilllirbeiter-Bereill Berlins und wCS Große Versammlung fUi* Friedric�sbery und Weissen60iHbigoiui' am Donnerstag, den 17. Juli, Abends 8 Uhr, gekommen im Konzerl-Park Ostend, Frankfurter Allee.«Der Tagesordnung:,. nnd eine0 1. Vortrag. 2. Diskussion. 3. Wahl eines Bevollmächilgh�-.�.-, Kasfirers und eines Protokollführers für Friedrichsberg-Weißensee. �urde«j fchiedenes und Fragekasten. Der GaSvanEseure und Berufsgenossen B und Umgegend. Große öffentliche Versammlung am Donuerltag Fsssssassc*«»:##*« uu Handschu tn seine Hei, lngekämr 1856 nich Ein er em die Wild W den 17. Juli, Abends 8 Uhr, Feuerstein s Salon, Alte Jakobstraße 76, Tages-Ordnung: �genutzt 1. Die moderne Arbeiterbewegung und die Sozialreform. Nest�j g3on Werner. 2. Diskussion. 8. Verschiedenes.. kennen a Es ist Pflicht aller Kollegen, in dieser Versammlung zu ersche>" nn1 1130 Der Ginbrrutt� Auskunft fehlerlose Zügen d Hauptwii jyZäBi ta m w das darg Sonuabeud, den 19. Juli 1890: W-o�-n. Großer Sommernachts-Kall Lese-Club„Hein htä in der Nnions- Brauerei, Hasenhaide Um 12 Uhr Kaffeepause. Anfang. Killet« für Herren 50 Vf., Damen 25 Pf., sind in den n»t neu Lokalen und bei folgenden Herren zu haben: K. HlinöA versehenen Hcimstr. 18, Quergeb. 2 Tr.; A. Aelterhof, Nrndtstr. 31, 3 Tr; Uf Bellealliancestr. 54, Hof pari.; W. Müller, Bergmannstr. 96, elbst. er , sicher; K. Höhler, Schenkendorfstr. 4, 4 Tr. cheint ni denen e, ehlen.« Gan -, den freie, Ansiedle! merkte Anhöhe Echter Langensalzaer Kantaball'- w hergestellt nur aus besten Kentucky-Tabaken; zu haben in den meiste' t'cm-ll Handlungen Berlins und umliegenden Plätzen. lanentrsma" Gebr. ,1 wilde D Unsere Hauptn'iederlage Stralanerslrasse 33 giebt zu Fabrikpreis es Mens '' Adler, Tabakfab�' �8«" 805 NB. Langensalza i. Thür. Jede Rolle muß den Zettel mit unserer Firma enthält«� Verantwortlicher Redakteur: Curt Knake in Berlin. Druck und Verlag von Mar Kading in Berlin 8W„ Beuthstraße 2. Hierzu eine i? er 20- Beilage zum Berliner BolNlatt. Wlr. 16 S. Mittwoch, de« 16. Juli 1890. 7. Iichrg. "* Kultur S und uutürliche Mrnschlichlrrit. » Es ist eine ganz eigene Sache um die sogenannte Kultur fl I�der Gesittung. Während ja in Wahrheit viele wohlthätige Ein- Achtungen durch sie entstanden sind, wie z. B. Schulen und IgWrziehungsanstalten aller Art, Krankenhäuser. Anstalten für ?'laubstumme. Blinde u. s. w., dazu in Wissenschaft und Kunst .. Sroßes und Erhabenes geleistet und Schätze erworben worden W'-ind, muß auf der anderen Seite zugestanden werden, daß unter !N Gliedern dieser gesitteten Gesellschaft noch die gemeinsten Leidenschaften wüthen, welche das Beste und Edelste, w's ge- Masten worden, verunreinigen und mit ihrem Gifte durchdringen, ms diese Weise dann gar zu leicht die Erreichung der schönsten Mßele und Zwecke vereiteln. Oder ist es etwa nicht als der -rst�rößte Hohn auf die so viel gepriesene Bildung unserer Zeit zu 'ezeichnen, daß wir es noch nicht einmal so weit gebracht haben, ��Einrichtungen abzuschaffen, welche uns immer die gräßlichste Unmenschlichkeit, nämlich die Menschenschlächterei im Großen, lflCr.en Krieg bringen? Wir erklären es sür die tolle Ausgeburt barbarischen Aberglaubens, wenn irgendwo in religiösein äst'rißcchne Menschenopfer gebracht werden, bedenken aber nicht, daß n zedem Kriege Hekatomben von jungen blühenden Menschenleben nneiii Götzen hingeschlachtet werden. Aber trotzdem man diesen krassen Widerspruch zugeben muß, 4&It man doch an dem Wahne fest, denn anders kann man die -.�ur auf Unkenntniß der Wirklichkeit und Selbstverblendung be- .uhende Ueberzeugung nicht nennen, wir könnten den sogenannten Wilden", diesen unlultivirten und unzivilisirten Heidenmenschen, eine größere und segensreichere Wohlthat erweisen, als sie mit userer„Kultur" zu beglücken und an deren Lebensformen zu >ewöhnen. Unternehmungen, die nur in gewinnsüchtiger Absicht gjemacht und unterhalten werden und bei welchen sich unsere vor mmaner Liebe triefenden Christen gar oft den„Wilden" gegen- ober recht barbarisch benehmen, legt man einen„zivilisatorischen" erth bei. Junge Kaufleute, welche etwa nach Kamerun oder stasrika gehen,„um ihr Glück zu machen", werden als Apostel ir Humanität betrachtet. Missionspriester, welche ihr Lebenlang �-men Erfolg erzielen, kosten Unsummen, während unter uns .Gebildeten" und„Gesitteten" das größte Elend vorkommt und .Me Statten der bittersten Roth zu Sumpfgruben des Lasters und Verbrechens werden müssen. Diesen Wahn nun so in seinem ganzen Umfange zu erkennen d selbstverständlich nach klarer und völliger Erkenntniß auch ruifch von ihm zu befreien, giebt es kein besseres Mittel, als das htßStubium der Völkerkunde. Die Berichte und Beschreibungen >om Leben und Treiben aller Völker der Erde und die ver- Deichenden Urtheile darüber lassen uns erst den Menschen tsstieiner Ganzheit erscheinen, erkennen und würdige». Ja, an- '.-riennen wir zu unserem Erstaunen, daß auch bei uns trotz ' Sesittung lange nicht alles Gold ist, weil es glänzt, un! ' toir„Gebildete" in gar vielen Fällen von„Wilden" manches K- fernen können. [ Die Völkerkunde zeigt es, daß es auch iin Christenthum V �Fetischismus Un� Schamancnthum giebt. Aber schönen, erhabenen ,thiIÄedanken und Anscharnmgen begegnen wir bei solchen Volks- niL stammen. Als einmal ein christlicher Missionar einem Heidenweib salbungsvoller langer Rede alle die guten Eigenschaften und Alst Vollkommenheiten des Christenthums vorerzählte, freute er sich —halber das zustimmende Nicken der„Wilden". Doch um so größer �«war sein Entsetzen, als ihm nach Beendigung seiner Rede die tfllBeidin antwortete:„Ja, ja, grade so habe ich mir unfern Gott lIlKminer auch gedacht". i Besonders ist es der Drang nach ungebundener voller Frei den der Wilde durchschnittlich allen Vortheilen der ihn« ent- zegengehaltenen Kultur vorzieht, wenn diese eben die Opferung ,0 oder nur bedeutende Einschränkung jener verlangt. In dieser Be ' nehung stellt Oskar Peschel in seiner„Völkerkunde" einige Mhatsachen zusammen, die hier im Folgenden kurz wiedergegeben �«erden sollen. Ö«L"®'n junger Botokudenknabe wurde von einer brasilianischen :r �Familie in Bahia erzogen, besuchte die Gymnasien, die Uni- jpersität, erwarb sich das Doktordiplom und praktizirte eine Zeit- rst�lang in Bahia als Arzt. Eine tiefe Schwermuth war immer der — iGrundzug seines Charakters gewesen. Etnes Tages verschwand er -lilAnd nach Jahren erhielten seine Pflegeeltern die sichere Kunde, " daß er Kleider und Erziehung abgestreift habe und nackt niit seiner Horde in den Wäldern umherirre." e/>( Der Missionar Doboizhoffer erzählt in seiner„Geschichte der I* Abigoner" einen ganz ähnlichen Fall, der bei diesem Stamme vor- gekommen ist. „Der verstorbene Admiral Fitzroy hatte einen Feuerländer nach England mitgebracht, wo er Jenny Button getauft, erzogen ..z», und eine Zeit lang in vornehmen Gesellschaften als Schoßkind e. i-verhätschelt wurde. Um ihn nach seiner Heimath zurückzubringen, »..wurde eme Erpedition gerüstet, auf der Charles Darwin seine hvt um die Erde vollzog. Jenny Button, der in Europa stets , gndschuhe und blank geputzte Stiefel getragen hatte, wurde, in eine Heimath zurückgekehrt, sogleich ein nackter, ungewaschener und ungekämmter Feuerländer, wie er gewesen war und unterschied sich <1855 nicht mehr von den Seinigeu." [| Ein Australier, Namens Bungari, wurde in Sidncy et ' j zogen, erwarb sich auf deni Gymnasium Preise und sprach nebe» dem Englisch noch sehr gut Latein, dennoch kehrte er später in die Wildniß zurück und erklärte, die Erziehung habe ihm nichtz" genutzt, als daß er sein Elend erkannt habe. | Von einem andern Australier, den er als nackten Schwarzen ■ kennen gelernt, erzählt Georg Neuniayer, daß er ihm aus einer �,,,1 Reise am unteren Murray 1861 zuaeiübrt wm-di-n c« um ihm �Auskunft- �»fehlerloses— MWW.,,< � wj Zügen die ganze zu durchmessende Strecke nebst den Namen der �. Zugeführt worden sei, um ihm Auskunft zu ertheilen, und daß dieser„Wilde" nicht nur ein Englisch gesprochen, �soiidern� ihm auch in wenigen . �auptwörtlichkeiten in durchaus leserlicher Schrift mit Bleistift in das dargereichte Taschenbuch gezeichnet habe. Er war damals 26 Jahre alt und auf einer Missionsschule im Auslande erzogen j worden. <�| Nordenskjöld fragte einst einen grönländischen Eskimo, ob ' er nicht zugebe, daß der dänische Statthalter mehr bedeute als er elbst, erhielt jedoch die selbstbewußte Antwort:„Das ist nicht o sicher; der Statthalter hat zwar ein größeres Besitzthum und cheint mehr Macht zu haben, aber es giebt Leute in Kopenhagen ehlen �horchen muß— über mich hat niemand zu be . Ganz besonders ist es die anhaltende, regelmäßige Arbeit, welche - j Wilden nicht zusagt. Als die britischen und holländischen „"'l, Ier an der Ostküste der Ver. Staaten sich nieder ließen, be- or l'fc nmn dann und wann einen Eingeborenen, der von einer lr Anhöhe zuschalte, wie der Neubauer hinter seinem Pfluge her- I i v®'nn,'n die Neugierde dieses Amerikaners galt nicht etwa dem Wunsche, seihst die Ackerwirthschaft zu lernen, sondern der Ä .J 10''de Mann wunderte sich und schüttelte den Kopf darüber, da ech st Id. Renschen gäbe, die sich so abplagen mögen. Ja, unter den jjjll Negern Australiens giebt es nach vorliegenden Berichten sogar % ein Sprichwort, welches heißt:„Der weiße Mann arbeitet, nicht der schwarze Mann; der schwarze Mann ist von vornehmer Ab- kunft." Das stärkste Beispiel von der Anziehungskraft der ungebun- denen Freiheit erzähl! derselbe Missionar Doboizhoffer. Eine panische Dame von hohem Adel gerieth init ihren Kindern in zie Gefangenschaft der Abigonier und mußte längere Zeit in dieser Lage verharren, bis ein Lösegeld für sie gezahlt wurde. Als jedoch ihr die Erlösungsstunde schlug, mußte sie sich mit Ent- etzen dann finden, daß ihre zwei Kinder, ein Sohn und eine Tochter, die unter den Rothhäuten aufgewachsen waren, freiwillig aus die Rückkehr in die Kultur zu verzichten und es vorzogen, bei den Wilden zu bleiben. Zum Schlüsse sei hier noch ein Stück aus dem Leben von Franz Liszt erzählt, welches der verstorbene Musikprofessor Röhl berichtet. Es war im Anfang der vierziger Jahre, während Liszt's Ausenthalt in Paris, als eines Morgens Graf Sandor Teleky bei ihm eintrat in Begleitung eines etwa zwölfjährigen, in Husarenjacke und verbrämte iveibe Hosen gekleideten Zigeuner- knaben, der eine Geige in der Hanv hielt.„Hier bringe ich Dir ein Geschenk", sagte der Graf zu dein Tonkünstler, der früher einmal den Wunsch geäußert hatte, mit einem musikbegabten Zigeunerjungen einen Bildungsversuch machen zu können. Und nun machte sich Liszt auch mit allem Eifer daran diese Auf- gäbe zu lösen. Allein alle Mühe, aller Fleiß, alle Geldopfer uhrteii nicht zum Ziele. Der junge Zigeuner wurde ein Pariser Stutzer, der das für seine Privatkonzerte niassenhaft eingenoinmene Geld in der leichtsinnigste» Weise verschwendete. Hinsichtlich der Musik aber war er vom Anfang an derart von seiner eigenen Leistungsfähigkeit eingenommen, daß er die ersten Künstler be- lächelte und auch eine von Liszt selbst gehörte Melodie zu stutzen und herauszuputzen glaubte. Die ersten Professoren des Konser- vatoriums, sowie später ein herrvorragender deutscher Musiker bemühten sich ganz umsonst. Jahre waren vergangen, Liszt kam nach Wien und erhielt dort die dringende Bitte, seinen Schütz- ling wieder zu seiner Horde zurückkehren zu lassen. Der„Vater" willfahrte,„Jozsy" kam und unbeschreiblich war der Jubel, als er seine Genossen und Brüder umarmte. Noch einmal wurde 'eine Börse gefüllt, aber sofort, nachdem er von Liszt Abschied genommen, ward auch das Geld mit seinen neugewonnenen Stammcsgenossen verjubelt. Später diente er als gemeiner Zigeuner im Daborziner Regiment Cuka Karoly und suhlte sich ungemein wohler, als früher in Paris. Was in Vorstehendem mitgetheilt, sind allerdings nur einzelne Beispiele. Aber die Völkerkunde berichtet auch, daß ganze Stämme in den verschiedenen Erdtheilen lieber untergehen, als ich an einer anderen Lebensart zu gewöhnen. Von den ameri- kanischen Rothhüuten weiß man es schon lange, lieber dieselbe Erscheinung anderswo möge hier noch folgendes Platz finden „Nicht Grausamkeit und Bedrückung haben irgendwo einen Menschenstamm völlig vernichtet, selbst neue Krankheiten, die Pocken mit eingeschlossen, haben nicht Völker vertilgt und noch weniger die Branntweinseuche, sondern ein viel seltsamerer Todes- enget berührt jetzt einst fröhliche und glückliche Menschenstämme, nämlich derLebensüberdruß. Die unglücklichen Bewohner der Antillen tobten sich aus Verabredung gemeindeweise theils durch Gist, theils durch den Strick. Ein Missionar in Oajaca vertraute dem spanischen Historiker Zurita, daß sich Horden der Shantalen und Mejes ver- abredet hätten, jeden Umgang mit ihren Frauen zu entsagen, oder die neugeborene Leibesfrucht durch Gift zu entfernen. Darin liegt denn auch die wahre Ursache des Aussterbens so ver ch, ebener farbiger Menschenrassen, daß kein neues Geschlecht mehr unter ihnen keimt. Es ist die Abnahme der Geburt auf den hawaiischen Inseln und ans Tahiti, ivelche das Abschiednehmen befördert. Aus Tajo-Han, einer Insel der Mandanagruppe, ver- minderten sich im Laufe von drei Jahren die Einwohner von 400 auf 250 Köpfe, während in dieser Zeit nur 6—4 Geburten vorkamen. Solche Erscheinungen zwinge» zum ernsten Nachdenken. Um jedoch zu einer Lösung zu kommen, ist vor allem die Frage zu beantivorten: Was sollen und wollen wir und— was sind wir? Aus die letzte Frage sagt der schon mehrfach genannte Oskar Peschel:„Wir alle sind Knechte der Gesellschaft, mühsam abgerichtet von unserer Jugend auf, um den Dienst eines Rades ini Räderwerk des bürgerlichen Lebens, oft genug nur den einer Spindel oder Schraube zu verrichten. Den Verlust der Freiheit fühlen>vir nie, weil man nie verlieren kann, was man nie be- festen hat." Wenn dazu aber derselbe Schriftsteller meint, wir Kulturmenschen hätten dafür die geistige Freiheit und besonders die Freiheit vom krassen Aberglauben uns errungen, so muß man dieser Ansicht entgegenhalten, daß es auch mit dieser Freiheit bei uns sehr zweiselhasl bestellt ist. Oder will etiva jemand be- streiten, daß Vorurtheile, Wahn, blinder Glaube und in erster Linie der Vvrtheil herrschen und den gewohnten freien Geist knebeln und knechten V Oder darf ich etwa laut und offen die Wahrheit verkünden? Wenn es gewissen Leuten paßt und vor theilhaft erscheint, dann ja, wenn nicht, so wird die Wahrheit zum Jrrthum und die Lüge zur Wahrheit gestempelt. Nicht einmal die gepriesene Gedankenfreiheit ist mehr gesichert. den» es ist gefährlich, durch irgend ein Zeiche» zu verrathen, daß ein Zorn in mir lodert. Wenn aber der Mensch der gesitteten Gesellschaft die beste Zeit des Tages an seine Arbeit geschmiedet ist, so hat er erst daran zu denken und hier der Gedankensreiheit huldigen, bringt immer Schaden und kann in der Nachbarschaft einer Maschine sogar das Lebe» kosten. Ist der Feierabend da, so ist der Mann der Arbeit froh, wenn er sich den Luxus der Schlaf- und Traum- sreiheit gönnen kann. Wenn dich aber die Sorgen quäle», so rst es auch damit vorbei.__, Daß es aber auch an Aberglauben in unserer gebildeten Zeit nicht fehle, dafür wird von geivisser Seite mehr als ausreichend Ö' Bedenkt man nun, daß alle Jene, welche nach den benutzte» Berichten das Leben der„Wilden" oder gar den völligen Unter- gang der ihnen angebotenen„gesitteten Lebensweise" vorgezogen und vorziehen, unsere Kultur in all ihren Theilen, Zustanden und Verhältnissen kennen gelernt haben, so wird man wohl behaupten dürfen, daß, wenn dies der Fall wäre, sie noch viel mehr für unsere Segnungen danken würden. Es sind ungefähr 100 Jahre, seit bereits der Dichter Seume in seiner poetischen Erzählung„Der Wilde allf diesen Punkt aufmerksam machte. Ein Indianer kommt bei Nacht und schlechtem Metter an die Wohnung eines Europaers und bittet um Obdach, wird aber von diesem gebildeten Christen fortgejagt Einige Zeit später verirrt sich dieser im Walde, die Stacht und ein Gewitter brechen herein. Wie sroh ist er, ein Judiaiierzelt zu entdecken. Er erhält Obdach, Speise und Trank und ein Lager; am andern Biorgen bringt ihn der Indianer sogar au den rechte» Weg, obgleich er ihn schon beim ersten Anblick erkannt hat. nun aber bei», Abschiede erst von se.nen, Gaste erkaiint wird. Der Dichter überläßt nun den Weißen seinem beschämenden Ge- fühle, den Huronen aber läßt er in die Worte ausbrechen:„Seht. wir Wilde sind doch bessere Menscheii!".. Doch, wir haben viel Schönes und Erhabenes, das geeignet ist, den Menschen zu bilden, zu hebe» und ihm daö Leben angenehm zu machen, aber— es ist dieses alles nur ■iir Den vorhanden, der es kaufen und baar bezahlen kann. Wer das nicht vermag, gleicht eben dem auf der Straße hungernden und frierenden Bettelkinde, das durchs Fenster alle Herrlichkeiten sieht, er ist hinausgeschlossen und zum Ent- behren verurtheilt. Muß ich aber nicht an einer Kultur irre werden, welche in all ihren gepriesenen Errungenschaften es noch nicht einmal so weit gebracht hat, trotz alles Ringens und ehr- lichsten Strebens mich, das mitwirkende Glied der Gesellschaft, vor Hunger und Frost zu schützen? Was soll denn der Mensch? Der Dichter Neuhaus möge diese Frage beantworten: „Was soll die Rose mehr als duftend blüh'n? Was soll die Nachtigall denn mehr als klagen? Was soll die Sonne mehr als Flammen sprüh'n? Was soll der Baum denn mehr als Früchte tragen? Was soll der Mensch vergebens sich bemüh'n, Den falschen Götze» thöricht nachzujagen? Was soll der Mensch nach andereni Leben streben? Was soll der Mensch denn mehr als menschlich leben?" Patulotiomn» der Unternehmer. Die Handelszeitung des„Berl. Tagebl." Nr. 343 läßt sich betreffs der Juni-Submission der Effenbahnverwaltung in Elberfeld aus Breslau ungefähr Folgendes schreiben: „Es ist dies ein noch nicht dagewesener Fall, der den Beweis liefert, daß der Bedarf zur Zeit ein besonders dringlicher nicht ist und daß die Verwaltungen nicht geneigt sind, höhere Preise zu bewilligen, als nach ihrem Ermessen der Marktlage nach angemessen sind. Sicherlich haben gerade die Eisenbahnen das größte Interesse, die heimische Montanindustrie kräftig und blühend zu erhalten, da aus derselben die größten Transporteinnahinen erfließen, und wenn sich die Behörde gleichwohl zu zener bisher nicht dagewesenen Ablehnung sämmtlicher Offerten entschlossen hat, so ist darin ein deutlicher Avis an die Werke zu er- blicken, den Bogen nicht zu st raff zu spannen. Die Schieneuwerke haben ihre Offerten iin Verlaufe des vorigen Jahres analog der Steigerung der Walzeisen- preise in die Höhe gesetzt." Dann folgt eine Sluszählnng der erzielten Preise, die bis zu 160 M. pro Tonne gehen und am Schlüsse heißt es dann: „Es scheint, daß nach Ansicht der Eisenbahnverwaltung in den jetzt in Elberfeld abgelehnten Offerten, deren niedrigste aus I5LVs M. gelautet, dem Rückgang nicht hinreichend Aus- druck gegeben ist; möglicheriveisc steht auch die neuerdings erlassene Bestimmung, nach welcher Lieferanten vor den Submissionen Abmachungen mit Konkurrenten zum Nach- theil des Fiskus nicht treffen dürfen, mit jener Elberfelder Ablehnung im Zusammenhang." Hier ivird in netten Worten die Benachtheiligung des Fiskus/ wenn auch nur indirekt, zugegeben. Die„Eisen-Zeitung" ist darin noch offenherziger, indem sie schreibt, daß für das Ausland die Preise des Syndikats überhaupt nicht gelten. Also das Ausland braucht die höheren Preise überhaupt nicht zu zahlen. Und dann faselt man von Patriotismus und hält den Arbeitern ihre Vater- landslosigkeit vor? Die Herren scheinen nach dem Grundsatz zu handeln: richtet Euch nach meine» Worten, aber nicht nach unseren Thaten. Wir werden es uns merken. Im Zeitalter der soziale» Ueforuie». In diesem Früh- jähr verunglückte auf dem Schlachtfelde der Industrie der Schleifer Karl Reckling. Die Verletzungen, die er infolge einer Explosion davontrug, umren so schwere, daß er denselben schon nach 3 Tagen erlag, eine Frau mit zwei unmündige» Kindern zurücklassend. Da in die ihres Ernährers beraubte Familie sehr bald die Roth einzog, wendete sich Frau Reckling mit einem Schreiben, in dem sie ihre Lage darlegte, an die zuständige Berussgenofsenschast, ivelche ihr a>n 25. April antivortete, daß der Vorstand bereits in die Untersuchung des Unfalles eingetreten sei, und daß der- selbe nach Abschluß der Verhandlungen der Frau Reckling endgiltigen Bescheid ertheilen werde. Aber Woche auf Woche, Monat auf Monat verging, ohne daß der erwartete Bescheid eintraf, bis sich schließlich vor einigen Tagen der zuständige Waisenrath mit folgendem Schreiben: an den Vorstand der Berufs- genossenschaft wendete: Frau Reckling, wohnhast Gr. Frank- surterstraße 4, macht mir soeben die'Anzeige, daß sie sich niit ihren 2 minorennen Kindern in der größten Roth befindet. Ter Mann derselben, K. R. war bei dem Metallschleifer Herrn Wiech, Krantstr. 4 und 5 mehrere Jahre beschäftigt, und ist am 31. März d. I. daselbst verunglückt uno am 3. April d. I. gestorben. Da nun die Frau R. bei ihrem krankhaften Zustande und bei der demnächstigen Entbindung nicht im Stande ist, für die Kinder und sich den Unterhalt zu beschaffen, so sehe ich mich genöthigt, in meiner Eigenschaft als Waisenrath sür dieselbe einzutreten und Sie ergebenst zu bitten: derselben auf schlennigstem Wege ihre zu- kommende Unterstützung zu übermitteln, da die Armenkommission für die Frau R. mit ihren beiden Kindern in diesem Falle nicht eintreten kann, da die Hilfe der Berufsgenoffen- schast bereits nach dreizehn Woche» zu verfolgen hat. Falls Sie nun nicht sogleich geneigt sein sollten die Unter- stühung ausziizahle», so würde ich um ihren gütigen Bescheid bitten u. s. w. Nach Durchlesung dieses Schriftstücks ertheilte der Vorstand den lakonischen Bescheid, daß der Fall am 18. d. M. zur Verhandlung gelangen werde. Nach§ 51 des Uiifallverstcherungs-Gesetzes ist jeder Unfall, der eine länger als 3 Tage andauernde Arbeitsunfähigkeit oder den Tod zur Folge hat, von dem Betriebsunternehmer innerhalb 48 Stunden der OrtSpolizei-Behörde anzuzeigen. Dieselbe ist»ach§ 53 verpflichtet, den gemeldeten Fall„sobald ivie möglich" einer Untersuchung zu unterziehen, während nach§ 58 die Genosfenschastsorgane„sofort" nach Abschluß dieser Unter- suchung die Entschädigung festzustellen haben.— Als Unterlage für die Höhe der zu leistenden Entschädigung dienen die Lohn- und Gehaltsnachweisungen, welche nach§ 60 die Mitglieder der Genossenschaften innerhalb„einer Woche" einzureichen haben. Trotzdem also aus dem klaren Wortlaut des Gesetzes unzweifelhast hervorgeht, daß die Hinterbliebenen so schnell wie möglich entschädigt werden sollen, braucht die„Norddeutsche Edel- und Uiledelmetall-Jndustrie-Berufsgenossenschaft" denn- noch über 15 Wochen, ehe sie einen Fall erledigt, respektive die Höhe der Unterstützung feststellt! Was in- zwischen aus einer kranken, hochschwangeren Frau mit zwei un- mündigen Kindern wird, darum küinmert sich Niemand. Die Armenkommission verweigert, wie der Herr Äaisenrath bestätigt, ebenfalls die Hilfe, und es bleibt daher solchen Unglücklichen nur die Wahl zwischen Betteln oder Verhungern, zwei Dinge, von denen das eine ebenso unzulässig, wie daS andere schmerzhaft ist. Wenn angesichts solcher Vorgänge nicht die Ueberzeugung auf- dänimert, daß unsere Zustände in jeder Hinsicht mufiergiltig sind, dem ist überhaupt nicht mehr zu Helsen. Dir umfangrriche» Ulnffrrl»a«te», welche gegenwärtig in Berlin ausgeführt werden, gewähre» uns ein deutliches Bild von der fortschreitenden Vervollkommnung des Maschinenwesens und zugleich von der Verdrängung und Ersetzung der Menschen kraft durch die Maschine. Ein Gang nach dem Mühlendamm ist lohnend in dieser Be Ziehung. Gelingt es, Eintritt in das umzäunte Baugebiet zu erlangen, so sieht nian Dampfmaschinen in Thätigkeit, welche ver- fchiedenen Zwecken dienen. Da fallt zunächst die Dampframme auf. In vcrhältnißmäjjig kurzer Zeit hat sie ihre heutige Voll- kommenheit erlangt. Wie noch heut auf wenig umfangreichen Bauten Menschenkraft zum Rammen verwendet ivird, so war es bis noch vor wenigen Jahren überall der Fall. Es tritt uns daher auf diesem Gebiete recht augenscheinlich die Wirkung entgegen, welche die Maschine auf sozialem Gebiet ausübt, wie sie jetzt wahrhaft verbeerend Arbeiter eriverbslos macht, während, wenn ihr ' Zweck nicht habsüchtiger sondern sittlicher Beurtheilung unterstellt wird, sie den Menschen von aufreibenoer, übermäßig anstrengen- der Muskelarbeit befreien sollte, um ihn sähiger zu machen zur Ausbildung in Wissenschaft und Kunst. Da die Konstruktion der auf den Mühlendainni-Bauten jetzt gebrauchten Tampftanime ein Produkt neuester Zeit ist und des- wegen noch Vielen unbekannt sein wird, so möge eine kurze Er- läuterung gestattet sein. Statt der bisherigen Konstruktion, zufolge welcher ein in einem feststehenden Zylinder sich befindender Kolbe» mit daran befestigter Kolbenstange durch den in den Zylinder eintretenden Dampf in Hin- und Herbewegung gesetzt wird, ist hier die entgegengesetzte Anordnung gc- troffen worden, Kolben und Kolbenstange sind un- beweglich, letztere steht aus dem einzurammenden Pfahle und der in den Zylinder geleitete Dampf hebt diesen, der zugleich den Rammbaren bildet, in die Höhe. Hat der Bär die nülhige Höhe erreicht, so wird durch einen Zug mit einer von einem Mann geführten Leine das am unteren Ende des Zylinders befindliche Ventil, das den Dampf aus demselben entweichen läßt, geöffnet, während gleichzeitig der am oberen Ende des Zylinders befind- liche Danipfzutritt abgesperrt wird, und der Bär, Zylinder, ver- möge seiner eigenen Schwere auf den Pfahl schlägt. Die Vor- therle, welche diese Dampsramme gegenüber der durch Menschen- kraft betriebenen hat, bestehen in der größeren Wirkung der Schläge, da der Bär viel schwerer ist und höher herabfällt, wie bei der Handramme und daß die Schläge weit schneller hintereinander und ohne Ruhepausen erfolgen, 40 in einer Minute. Wenn die Leistung dieser Dampframmen auf das Fünffache der älteren Me- thode veranschlagt wird, so ist diese Schätzung eher zu gering als zu hoch. Eine zweite, ebenso weit greifende wie ingeniöse Verbesserung des Dampfvaggers ist hier ebenfalls in Thätigkeit und mit demselben Resultate, wie bei der Dainpsrammc. Während auch hier bis vor wenigen Jahren Menschenkrast den Bagger in Bewegung setzte, diese dann durch Dampfkraft ersetzt wurde, wo- bei die bisherige Einrichtung des Baggers aber dieselbe blieb, so ist auf diesem Gebiete eine völlig neue Kouslruktion eingeführt worden, die mit der bisherigen nicht das Geringste ge- mein hat. Auf einem Flosse befindet sich ein um seine Achse drehbarer Tampslrahn. An einer Kette, welche sich auf eine Trommel, je nach der erfordernden Be- wegung, auf oder abwickelt und über eine am oberen Ende des Schrägbaumes befindliche Rolle läuft, befindet sich ein Greifer, ein Instrument, welches sich am besten mit den etiva eine Hand- breit auseinander gehaltenen Händen, deren Finger so weit auS- einander stehen, daß sie sich in einander schieben lassen und dann geschlossen sind, vergleichen läßt. Dieser Greifer öffnet sich beim Herablassen ins Wasser, seine Finger erfassen den Boden, ui den sie sich bei der Bewegung des Zusammeuschließens, das durch Ausziehen bewirkt wird, eingraven und hebe» ihn aus dem Wasser. Der Krahn wird dann mit dem gefüllten Greifer über den neben dem Flosse liegenden Kahn geschwenkt, der Greifer öffnet sich und läßt den erfaßten Boden fallen. Die Vorzüge dieses Baggers vor dem nach älterer Art bestehen in seiner größeren Leistungs- fähigkeit, da der Greifer bis 1 Kubikmeter Boden ausheben kann, das Wasser vollständig abläuft und eine Umladung vom Prahm in den Kahn, mittelst welchem der Boden aus der Stadt geschafft wird, erübrigt, da derselbe, wie schon gesagt, sofort in den Kahn aus den Greisern und zwar auf die richtige Slelle siillt. In etiva 5 Stunden erhält ein Spreekahn seine volle Ladung. Uebrigens ist jetzt ein solcher Bagger oberhalb der Jannowitzbrücke neben dem Restaurant Kaisergarlen in Thätigkeit. Wer sich für diese neue Baggerinethode intercssirt, kann sie sehr gut von der Brücke aus beobachten. Ferner findet bei diesen Bauten die Dampfkraft Ver- wendung zum Wasser-Anspuinpen und zum Ausziehe» alter Pfähle. Anstatt der früher gebrauchten hölzernen Schrauben findet hierbei der Tampjkrahn ebenfalls Ainvendung und zwar mit großem Erfolge. Rur mit Hilfe der Dampskraft ist es möglich geworden, diese schwierigen Wasserbauten in dem Maße zu fördern, wie wir sie heute sehen, und wenn man bedenkt, wie wenige Personen im Berhältniß zu dem großartige» Baue bei demselben beschäftigt sind, so kann man sich der Einsicht nicht verschließen, daß, wenn eine Aenderung der bisherigen Produktionsweise nicht bald ein- treten sollte, die Zeit nicht fern sein wird,>n welcher sich die jetzige Zahl der Arbeitslosen um das Zwanzigsache vermehrt haben wird. Wenn man kaum wagt, die Konsequenzen solcher sich rasch nahender zukünftiger Zustände auszudenken, so muß man erstaunt sein über den Leichtsinn oder die Unwissenheit, mit welcher die jetzt die Macht in den Händen habenden Klassen in den Tag hineinleben. Probleme der Zukunft. Im wisscnschastlichen Verein zn Lynn in Massachusetts hat Professor E. T h o m s o n sich über die Probleme verbreitet, mit denen sich Wissenschaft und Technik in der nächsten Zukunft zu beschäftigen haben iverden. Obgleich er es für mißlich hielt, de» Propheten zu spielen, da bezuglich der Fortscheitte, welche die Zukunft bringen werde, eigentlich nur personliche Ansichten auszufprechen seien, besonders da gegen- wärtig eine große Zahl neuer Wege eröffnet seien, die erfolg- reiches Beschreiten verheißen, so dränge»»dessen doch Vieles zu der Ueberzeugung, daß vor Allem auf dem Gebiete der Elcktri- zität wahrscheinlich die größten und»vichtigsten Fortschritte zn erlvarten sind. Eine glänzende Zukunft eroffne sich der Ber- wendung der Elektrizität»n» öffentlichen»vie privaten Lebe»», und obgleich aus diesein Felde schon Großes geleistet sei, so bleibe doch noch weit Größeres zu leisten übrig. Heute z. B. bietet es»ach den Darlegungen des Vortragenden reine besonderen Schwierigkeiten»nehr, elektrische Maschinen von 800 und 600 Pserdekrast zu konstrnircn, während vor noch nicht langer Zeit 60—00 Pferdekraft die Grenze deS Erreichbaren bezeichneten. Der Tag»vird kommen, wo derartige Maschinen von»nedreren tausend Pferdekraft verlaugt werde», um brivegende Kraft in großem Maße zu übermitteln und die ausgedehntesten elektrischen Belellchtungsanlagen von einer einzigen Zentralstation aus zu speisen. Das Ideal, dessen Erreichung anzustreben bleibt, ist die Versorgung alles dessen, was der Mensch bedarf an Licht, Wärine und Arbeitskraft, durch einen einzigen Kanal. Wir können hoffen, daß es eines Tages möglich sein wird, die elektrische Energie direkt durch Verbrennung der Kohle zu erhalten; allem die bisherigen Erfolge lassen noch in keiner Weise den Weg ahnen, auf welchem man zu diesein Ergebnisse gelangen wird. Zukünftig werden— daran ist nicht zu zweiseln— die Schienengelelse der Fortbewegung durch elektrische 5ttaft dienen,»nd zivar nicht die Bahnen in den großen Städten und die Nebenlinien, sonder» nicht minder die Haupteisenstraßen. Dabei ist nicht einzusehc», weshalb alsdann die heutigen Geschwindigkeiten nicht sollten be- trächtlich übertroffen werde». Mit stationären Maschinen und elektrischen Lokomotive» wird eS möglich sein, Geschwindigkeiten von 160 Kilometern in der Stunde zu erreichen, ja, bei An- wendung genügender Vorsichtsmaßregeln dürste sich sogar eine Schnelligkeit von 240 Kilometern in der Stunde erzielen lassen. Ich bin überzeugt, meint Professor Thomson, daß dies« Ziffer die Geschwindigkeit der Eiseitbahnzüge nach hundert Jahren bezeichnen wird, denn die Schwierigkeiten des Problems sind durchaus nicht nnübersteialich. Ein anderes, nicht minder aussichtsvolles Gebiet ist dasjenige der«lektro- chemischcn Anwendungen. Man kennt die Dienste, welche die Elektrizität bereits bei Ausscheidung der Metalle und deren Reindarstellung geleistet hat. Jede chemische Operation ist, im Grunde genommen, nichts Anderes, als eine Aenderung der Affinität oder eine Loskettung der Theilchen, welche die Körper bilden. Da aber die Elektrizität ihre Einivirkung auf diese Affinität ausübt, so ist einleuchtend, daß alle chemischcn Operationen durch den elektrischen Strom geleitet werden können. Aus diesem Felde harren noch zahlreiche Untersuchungen der Ausführung, alle»» es ist immer sehr selten, einem Forscher zu begegnen, ivclcher zugleich vollkommener Chemiker und vollendeter Elektriker in einer Person ist. Ich gehe, fährt Professor Thomson fort, noch, veiter und wage zu sagen, daß, da alle Overatione», das Wachsthum der Pflanzen eingeschlossen, auf chemischen Reaktionen beruhen, unsere Nahrungsmittel dereinst mit Hilfe der Elektrizität erzeugt iverden können. Wir werden die Elemente zivingen, sich so zu verbinden, wie sie dies in den Pflanzen a»lf dem natürlichen Wege thun und auf diese Weise werden»vir in Zukunft die Energie eines Wasser- salles zur Erzeugung unserer Nahrungsmittel verwerthen können. Eine zlomul-Uhr, die ihren Krruf verfehlt, die man nämlich von der einen Straßenseite aus nicht sehen kann, be- findet sich am ehemaligen Oranienburger Thor. Vor derselben hat man vor einigen Jahren ein Bäumchen gepflanzt, welches aber in diesen» Jahre eine so üppige Blätterkrone entfaltet hat, daß man vor den grünen Zweigen die Uhr nicht sehen kann. Dem Magistrat»vird wohl»veitcr mchts übrig bleiben, als dem Baum einen andern Platz anzmveisen. Der vollcsthütniiche Krrlincr Pli»t»egefang empfängt seine fruchtbarsten Anregungen, wie sich dies seit einiger Zeit beobachten läßt, durch Tanzmelodien, die sich dem Gedächtniß leicht einprägen und denen dann, so recht aus der Mitte des Volkes heraus, ein Text»»ntcrgelegt»vird. Poetische Kunstwerke sind das freilich nicht, aber das volksthümliche Empfinden kommt dabei doch in seiner ganzen Eigenartigkeit zum Ausdruck. An» Sonntag Abend hörte man in den heinikehrenden Vorortzügen— das Singen während der Fahrt»vird von den Bahnbeamten nicht untersagt—»»ach einer neuen Walzermelodie folgende Strophen singen: O Du mein Mar, mein Max, mein Max! Beine»vie Wachs,»vie Wachs,»vie Wachs! Ogeu»oie Jluth,»vie Jluth,»vie Jlltth! Dir bin»ck jlit, ja jut, ja jut I O Du mein Fritz, mein Fritz, mein Fritz! Nüse so spitz, so spitz, so spitz! Backen so roth, so roth wie Blut! Mutter dem Fritz de»» bin ick jut. Die Daupennoth»st in diesem Jahre in einzelnen Vor- orten Berlins erschreckend groß. Man findet vielfach Bäume, an denen buchstäblich kein Blatt mehr sitzt; selbst die Nadelhölzer, welche in der Regel von Raupen verschont bleiben, sind diesmal arg zerfressen. Die Vermüster sind meist Schivammspinnerraupeu, welche ihrer Haare wegen»»»»r von sehr wenigen Vögeln, z. B. dem Kukuk, vertilgt»verde». Da sich das Ungeziefer jetzt ver- puppt»»nd in»veuigen Tagen der Flug der Schmetterlinge be- ginnen»vird, so sollte»nnn eifrigst darauf sehe», alle abgesetzten Eier zu vertilge». Tieselbeu befinden sich in großen stachen Haufen in einem dichten braunen Haarsilz,»velchen der Schmetter- Ung an Bäume, Zäune, Mauern ec. meist in etiva Manueshöhe absetzt. Nur durch sorgsaniste Vertilgung dieser Nester, zu ivelcher anitlich angehalten werden sollte, kann der Kalamität im nächsten Jahre vorgebeugt iverden. Merder, die Obstkamiiier Berlins, ist mit der Ernte von süßen Kirschen, Stackelbeereu, Erdbeeren, Johannisbeere»»ind Himbeere» nicht zusrievea. Tie Blüthe begann 4 Wochen früher als im vorigen Jahre, so früh, wie sie während der letzten zwanzig Jahre nur noch zwei Mal sich einstellte. Dennoch gab es die ersten reife» Süßlirscheu fast eine Woche später als im Vorjahre. Tie Bäume blühten nach und nach ab, weil die Temperatur kühl war. Während der Äefruchtuiigöstadien regnete eS mehrsach, und da die Blüthenfülle schon nicht sehr groß war, folgte ein nur mittelmäßig starker Fruchtansatz. Während des Reifens ivirkten ivieder stiegen, niedere Temperatur und Mangel an Sonne ungünstig. Die reife Frucht wurde also nicht in er- wünichtcr Weise groß, farbig und schmackhaft; wo sie die richtige Größe erlangte, fehlte der gute Geschmack. Trotz alledem war das Werdersche Frühobst wieder das beste auf dem Markt. Nun ist es mit den süßen Kirschen in Werder vorbei; das, was noch an den Bäumen hängt, platzt und fault infolge des andnuernden starken Regens. Selbst Johannisbeeren, die man sonst bis zum Herbst am Strauch sich halten sah, faulen in diesem Jahre. Seit einigen Tagen pflückt man saure Kirschen. Die n-ste» Kirnen bemerkte man in diesen Tagen in den Markthallen und Fruchthandlungen. Es ist dies eine kleine Art Birne», welche, trotzdem sie unscheinbar»md iveniger schinackhast wie alle anderen Sorten, dennoch wegen ihrer Frühreife sehr be- liebt sind. Auf dem platten Lande findet mau sie überall und nennt sie Ernte- oder Austbirnen, da sie, wie auch wieder in diesem Jahr, mit dem Roggen zugleich reif werden. Ta Viele, die jetzt»n Berlin wohne», entweder auf dem Lande geboren sind oder sich zeitweise dort ausgehalten haben— so sind ihnen a»ch die Erntebirnen nicht nur bekannt, sondern sie rufeu auch an- genehme Erinnerungen bei ihnen»vach. AuS diesem Grund«»st es erklärlich, daß diese frühen Birnen guten Absatz finde». Ein Dolifpr, der stch HchiUche»mint, veröffentlichte vor etwa zivei Jahren die Ergebnisse umfangreicher von ihm gemachter Beobachtungen und Studien über die Zerstörung des Biergeruchs und-Geschmacks durch die Somicustrahiei»; er hatte in der ern'ähnlen Schrift eine größere Anzahl von Gründen gesammelt, die»hn sämmtlich zu den» Schlüsse führten, daß gulcs Bier den Sonnenstrahlen»md dem Tageslichte nicht ausgesetzt »verde» dürfe, da die Lichtstrahlen eine chemische Veränderung de« Bieres bewirken und empfehle es sich aus diesem Grunde, Bier nicht aus Gläsern, sondern aus»ndurchsichtigc» Gesäßen zu trinken. Herr Doktor Schultz« bat nun seine Biersttldien fort- gesetzt und neuerdings eine»vettere»vichtige Thatsache zur Unter- slützuug seiner Ansichten über die Unzweckmüßigkeit der Bier- glaser gesunden. Das zu Trinkgeräthei» bei»n»s verwendete Glas enthält»»ämlich Blei- Oxyd, wenn auch nur in ganz geringfügigen Mengen. Das Bier aber ent- hält stets Kohlensäure und diese besitzt die Eigenschaft, das in» Glase enthalleue Bleioxyd aufzulösen»md dem Biere beizumischen. Für einen passiouirlen Biertrinker besteht also,»vcnn er sich eines durchsichtigen TriukgerätheS bedient, die Möglichkeit, daß er seinem Organismus ein gewisses Quantum Blcioxyd zugleich mit dein Biere zuführt. Herr Doktor Schultz« meint, daß eine jolche beständige Zufuhr von Bleioxyd keinesivegs so ganz unerheblich sei. Nni» iff aber in einem einzelueu Trinkglase die Menge des Bleioryds»»»ir eine geringe. Jeder Besitzer eines Stammscidils hat also nllr ein Interesse daran, daß dasselbe in Bezug auf Bleiox»>d gründlich ausgelaugt»vird»md das besorgt»viederuu» die itohleusäure des Bieres. Die Nutzamvenduiig aus diese» Thatsachen»st also»vohl in dem bekannten§ 11 niedergelegt und bestünde also darin, daß fleißiges Biertrinken aus demselben Glase die Gefahren einer Bleiveraistung verniindert. Ob diese Gefahr überhaupt die größte bei»» Bierlriuken ist, darüber schweigt Herr Doktor Schultz?. Hqn» vo» Horn, so schreibt die„Post", war ein schneidiger Marssohn. Das eiserne Kreuz I. und 11. Klasse schmückten seine Brust und die Narben auf seiner linken Ha>ld rührten von einem Granatsplitter her, ivelcher bei Spichern»»ninittclbar neben ihm eingeschlagen»var. Hans von Horn war Beamter geworden und als Wittwer sehnte er sich wieder nach einem Weibe. Er zog vor, durch ein hiesiges Blatt auf dem nicht mehr ungl Wege eine junge Wittive von 35—40 Jahren mit dem' Vermögen von 3000 M. zu suchen. Er als höherer[ einem Jahresgehalt von 3000 M. konnte das wohl Und stehe da, es meldete sich auch bald darauf eine Ständen ungehörige Wittive, welche den Ansprüchen Hans von Horn vollauf genügte. Man trat in Ke' stellte sich dann vor»»nd der stattliche Herr Obertelq dem einem Menschenkenner nur das merkwürdig un' der Augen nicht hätte gefallen können, that sich darauf zu Gute, daß er bei dem Kaiser Friedn Friedrichskron den„Ehreutelegraphendienft" hatte ve» Jetzt war er sogar von der Börse nach den, königh berufen worden, um dort bei Kaiser Wilhelm U. seino Kreuzer»vegen, wie er sagte, Dienst zu thun. Hans »var schon eimnal verheirathet. Er hatte eine reiche eine Ausländerin, geheirathet, welche»hin ein großes hinterlassen habe, ivelches ihin aber jetzt von der< streitig gemacht werde. Braut und Bräutigain waren sehr der 16. Juli, also der heutige Tag, sollte festlich »verde»»; es ist der Geburtstag des Herrn Hans von hatte auch seine sämmtlichen Unterbeamten zu dem laden. Ain verflossenen Sonntag»vollte man eine. Charlottenburg machen, an der sich auch der der Braut, ein alter, angesehener Pensionär, wollte. Tags zuvor hatte Herr Hans von« fällig sein Portemonnaie vergessen und mußte doch P Zahlung von 600 Mark leisten. Wie fatal! Um so die Braut absolut keine Neigung hatte, für den Bräuds? kanalisat lagen zu»nachci» I Mißgestimmt ging der Bräutigam ff* legten ai »nachte die Charlottenburger Brautfahrt ohne ihn, � t,em bei» glaubte die Braut gut zu thun, einmal bei der Krim� bisher x Nachfrage zu halten. Bereitivilligst legte ihr der die� aufgestell bohrte. herbei» »vard er, tragen» Kranken» mn vorgester Nähe de Mißhan! noch mi s,! überfalle Er»vur CT Ilm ■ angene» !'.»glücks i■ Begle r ch., als s hen sei man den !> recht trug nm ttsr c Ver Kranke»! Erl Ausschac Kriminalkommissar den Band„Betrüger»md Heirathssch' Fordern» da— sie traute ihren Streiken! des Verbrecher-Albums vor; prangte gleich als Erster, als Hauptmatador der 3j gelegenh „Hermann aebenden Bräutigam. Tariinter»var zu' lesen: 9. 11. 83. Grauger bei Neu-Ruppin geboren, 0*% 40 Ps., Heirathsschivindlcr. Wegen Betruges»mal mit GefänK legten sn Zuchthalls bestraft. Zuletzt aus Plötzensee enllaffen an» 6. Da, Und die„ehreniverthen Narben" auf der Linken»vare» sainnckun sondere Kennzeichen eingetragen: Vertrocknete Flechten, j»ntmstric, Zu»» Todschlag in der MüUerstrasje. Die fljj einberuft Obduktion der Leiche des in der Nacht zuin Sonntag Auf der 21jährigen Posthilfsboten Willy Bartsch hat vorgestern% 80. Juni l/i3 Uhr iin Leichenschauhause stattgefunden. Der mute der Bek! Todtschläger Otto Frucht»vurde in Gefangenenkleider«»F Referent unter Beivachung ziveier Kriininalbeamten, behufs Detegirt« an die Leiche des Bartsch geführt. Frucht erklärte de«i hwrauf< suchungsrichter, Landgerichtsrath Friedländer:„Ich J h.rer Mcinn'nicht, aber einer ist mir zu Leibe gekommen und*«s.. jetzt r ich mit dem Messer ordentlich etivas versetzt." Aus 2%�� wand:„Frucht, wie konnten Sie nur zum Messer gsJ sich so zum Mörder stempeln", wurde Frucht stuft.. Obduktion selbst hat ergeben, daß der Bartsch nicht alIF bekannte den ihm von dem Frucht zugefügten Messerstich, Schlagader an der rechten Seite des Halses durchschu� vem»a» verstorben ist, sondern als Hauptursache des so plötzlich� atlt-O ist die Zerreißung innerer Organe, welche durch Fußb? Htnterko den Leib heroorgernfen, eine innerliche Berblutung heff*! vem r.az haben, erkannt worden. Am Montag frühZind durch d'�«Icyop 1 beziehungsweise Kriminalpolizei noch eine Straßendirne> Zuhälter, welche sich auch bei der schaurigen That � V'T'fi* weniger betheiligt haben sollen, verhaftet worden." 7/ Obduktion ist Frucht wieder gesesselt nach Moabit™ � worden. ?« der Ktnithat in der MullerstraK- wir»! Sg"; daß der zweite, von dem©teindnicker Frucht verwunde� nicht Kern, sondern Schulz heißt. Derselbe ist auch»01 storbe», sondern wurde vorgestern Vormittag in der E Prof. Äardeleben openrt. Der Eingriff war ein ,>»>. die 3 Zentimeter lange Messerspitze innerhalb des Schä! nochmals gebrochen»var. Der Operirte, der keine Hain gel gleitung mit eine der jüng gerieth» Berletzu» einer GeHirnverletzung gezeigt hatte, befindet sich den nach wohl und wird mit dem Leben davonkommen..i oerieth i Eine mrrkluürdige Geschichte passirte vor einige»� x z ii,,n Tochter eines angesehene» städtischen Beamten. DaS 17jähr � Martha A. kam am 11. Juli Nachmittags m,l einein rj h�m Monate alten Knaben auf dein Arm in das Polizei-Rev� A« Eine Pr trag. 3 im Gew am Alexanderplay und erzählte Folgendes: Auf ihrem. kam sie an dem genannten Tage gegen Mittag auch an � Eingangsportal zum Schlesischeu Bahnhof und sah hitt, steinerne» Treppe ein junges jüdisches Weib sitzen. Aus-j trug die Jüdin ein etwa süm Monate altes Knäblein," sich ein hübsches 14jähriges Mädchen an dem Knie« Neugierig trat Fräulein Ä. an die Gruppe heran und V aus sprang das 19 jährige Weib aus und erzählle 19* 1 brochenen» Deutsch, sie käme aus Amerika Py.... nach ihrem Heimathsort Bialdstock in Rußland muffe sie aber den Bahnhofs-Vorsteher aussuchen, 5 jh,„ nn( seien ihr mehrere Gepäckstücke verloren gegangen TaaeSve Ilohlen»vorden. Unter Thränen bat das Weib alsdann jj�»; Um leidig gewordene Mädchen, ihr doch einen Augenblilk jjj ols Bau zu halte», sie käme gleich wieder. Dann entfernte stt/l„nd 20 dein 14jährigen Mädchen, ohne»n den nächsten Stunde�. her Unfa zukehren. Das arine Fräulein durchstöberte mit ihtt. zuseh«.,. »vi rdigen Last den ganzen Bahnhos, saud aber keine � Jüdin. Nunmehr trug sie in ihrer Berziveislung das% chos vor Hunger heftig zu schreien anfing, nach ocm PoU- 1 da sie den Knabe» unter keinen Umständen zu ihre» bringen»vollte. Man schaffte das kleine Wesen sofort städlischen Waisenhause und leitete die Recherchen nach Wjj ein. Die russische, gebrochen deutschsprechende Jüdin»ft v?« Jig ir, 1» Jahre alt, hat schivarze Augen und Haare,-, Gesicht,»st hager»nd»var bekleidet mit einem bordcau, Hmlffci Einer» m ü s s e stände 20 pCt Eil 63. Abts waaren- Kattunkleid, schmarzblauein Wintermantel und trug wollenes Tuch un» Kopf und Hals. sich db Einen traurige,» Abschluß hat das Schiitzcns� gedieg a. O.»vohnhasten Gewiö Angehörigen des»n Großkauendvrs »neisiers D. gesunden. Derselbe hielt sich während des festes bei in der Weberstraße wohnhaften Bekannten a'ck dachte heute die Heimreise anzutreten. Als er nun vorgeste' vergnügt auf dem Nachhauscivege begriffen war, brach � kurz vor seiner Wohnung infolge«ingetretenen GehirnsPz ftunmm und»vurde sofort nach dein städtischen KrankenVZ Friedrtchshain überführt. Daselbst kau, er aber nicht Besinnung, sondern verschied trotz aller sofort angesteliterZ beleb»»,»gsversuch« innerhalb»veniger Stunde». Die A>'Sch wurden sofort telegraphisch von de>n traurigen Borsa�, ...... J bar», de sich durc ewi'cht Eil» bedanerlicher Pngiiickofall ereignete sich 10 j Abend 0 Uhr in der Kurstraße. Auf einem Kohleu�A girma St. saßen neben dein Kutscher H. drei Knaben■ 30 M. 5( herausgi »n der: die Thä daß er können. sei der> gesagt, dies geg daß Sil es aber .schüft g Gerichts 14 Taj Sandgct Gegend leute H, aus Li, des Firincninhabers und zirei Söhne des Kutschers. Dü, plötzlichen Ruck des Gefährts siel um» der sechsjährige v'i Kutschers von seinen» Sitze herab und blieb zivischen I und einein der Borderräder hängen. Der Barer beugt W2 herab uin den Sturz des Kleinen aufzuhalten; dabei"Ä indeß so unglücklich auf das Straßenpftasler, daß ihm U**9*» rad über de» rechten Unterschenkel ging. Borübergehenbt � Muhlei» für die Ueberführung der beiden Verunglückten, von rtts Erb Knabe nur leichtere Berlehungeu erlitten hatte, nach der% Michels W>Anfg»spiefft. Ein schreckliche Unglücksfall ereiguc�.,ls klagten. ""ta.......' ße. Daselbst binduug vorgestrigen Vormittag in der Grünauerstraße. an einem eisernen Garteuzaun der Schloffergeselle M.»%» ihn hott sich dabei über die scharfen Spitzen� des Zaunes. Plm» j meinschc loren die Füße ihren Halt und M. siel mtt voller SUuAL#' eisernen Spitzen, so daß er sich die eine derselbe» in* c ungt»z bohrte. Auf das Geschrei des Unglücklichen eilten Hausgenossen dem b-s» herbei und befreiten ihn aus seiner entsetzlichen Lage. Bewußtlos >rcr warb er, schwer verletzt, nach der nächsten Sanitätswache ge- wohl w tragen und, nachdem er dort die erste Hilfe erhalten, mittelst eine W* Krankenwagens nach einem Krankenhause überführt. llckien bd Mit entfechlichen Verletzungen am Hinterkopf wurde - vorgestern Morgen ein etwa 40jähriger polnischer Arbeiter in der Nähe der Pulverfabrik bei Spandau aufgefunden. Der gräßlich Mißhandelte vermochte Arbeitern, welche ihn auffanden, nur noch mitzutheilen, daß er, im Begriff, hur Arbeit zu gehen, überfallen worden wäre; dann schwand ihm das Bewußtsein. Er wurde nach dem Krankenhaus« geschafft, woselbst er in- mauw-»wischen den augenscheinlich tbdtlichen Verletzungen erlegen sein , Lnet 4 dürfte. fSans«" Uuvorstchtlge» Umgehe» mit Zchuffivassen hat in ver- M �»gener Nacht in der Neuen Friedrichstraße einen schweren ß nglücksfall herbeigeführt. Um genannte Zeit passirte die Straße ß4'■ Begleitung niehrerer Freunde der 18 jährige Schlosserlehrling ch-, als plötzlich«in lauter Knall ertönte und Sch. zum Eni- -Mick»'#» seiner Begleiter laut schreiend zu Boden stürzte. Während n den halb Ohnmächtigen aufhob, bemerkte man, daß er an Lm q#- 1 rechten Brustseite ein stark blutende Schußwunde hatte. Sch. lniü nämlich auf seinen nächtlichen Wanderungen unter dein ' z geknöpsten Rock ein geladenes Taschentesching, und hatte sich 5 M''Mbe auf dem Wege durch Unvorstchtigkeit von selbst entladen. «ji r Verletzte wurde sofort mittelst Droschke nach dem städtischen v0 j.& rankenhause am Friedrichshain überführt. Erdarbeiter-Ztreik. Die auf Spandaner Gebiet mit den ' Ausschachtungsarbeiten für die Charlottenburger Schwemm- Ä kanaltsation beschästigten Erdarbeiter verschiedener Ztationalitäten IM legten am 11. Juli, Abends, die Arbeit nieder und verHaren seitdem beim Ausstand. Eine Mehrforderung von 5 Pf. bei einem bisher gezahlten Stundenlohn von 85 Pf. hatten die Arbeiter aufgestellt. Die Untcrnehmerfirma weigerte sich indessen, dieser orderung nachzugeben, trotzdem ihr von den Wortführern der i Streikenden vorgestellt worden war, daß bei der völligen Ab- gclegenheit der Arbeitsstätte und der hieraus von selbst sich er- 1, gebenden Vertheuerung des Lebensunterhalts ein Stundenlohn von 40 Pf. gefordert werden müsse. Nach einstündiger Verathung legten sie Alle insgesammt die Arbeit nieder. Da» Kozialistrngrsetz lebt»och! Einer öffentlichen Ver- cathss» en 9M der Ä nann t, 0

tag et»' Auf der Tagesordnung stand: 1. Fortsetzung der Diskussion vom ern SjjJ 80. Juni(über den Kongreß). 2. Was haben die Arbeiterinnen !r niutp der Bekleidungsindustrie vom Schneider-Kongreß zu erwarten? ädern, k Referentin: Frau Ihrer aus Velten. 8. Festsetzung der ifs Delegirtenzahl. Der Einberufer, Herr Pfeiffer, meldete rte des. hierauf eine neue Versammlung ohne das Referat der Frau .Ich'2 Shrtr an, aber auch diese wurde einfach verboten. Man will i und g«Zetzt noch mit einer dritten Versammlung am 21. Juli, in den Auf 5-ourgersälen, Dresdenerstr. 96 versuchen. Auf der Tagesordnung sser gif wird nur die Kongreßangelegenheit stehen. t stuM.,"5�l�b«richt. Am 14. d. M. Morgen? sprang ein nn- cht bekannter alter Mann bei der Nationalgalerie in die Spree und ch, iv� ihm nach Maßgabe eines auf 3 M. 68 Pf. herausgerechneten 0s"[jf, Tagesverdienstes zunächst 20 pCt. der vollen Rente zugebilligt. iurt � Umstand nun, daß sich Verletzter währenddem eine Stellung , fl.fil r>ls Bauwächter gesucht und nunmehr sein Einkommen, Gehnlr Ln/ lm!) 20 pEt. Rente, ein höheres ist, als vor dem Unfall, ward .uliftet' ilnfallgenossenschaft Veranlassung, die Rente auf 10pCt. herab- — Das Schiedsgericht ließ indeß diesen Grund der eine ms! n Pölich ihr-� ,forl sl ach bsjj n istv� rre, n ordeas mg el! tzcnse?/ tcn v- des n aitz i »tusch inkeiich nicht r, stelltet'. e AdSl orfall sich M �3 '"4 m ei" rt der K lUuäch 11 in iZn- dei i e,»ivp»..vvp v>v|v.» � � Herabsetzung nicht gelten, sondern sprach den Grundsatz auS, daß Einer verdienen könne, was er wolle, die Unfallre"�' s" t> 1 1 e ihm nach Maßgabe seiner körperlichen de« werden. C-s bleibt demzuf � pF/' d-r vollen Rente. .. ori.üfr v wegen Hehlerei wurde gestern vor der 83. Abtheilung de» Schöffengerichts gegen den Gold- und Silber- waaren-Handler Moritz Heimann verhandelt. Am Nachmittage des 2. Februar d. I. wurde dem Angeklagten durch dessen Nach- barn, den Handelsmann Dowe. ein junger Mensch zugeführt, der sich durch Mllltarschem als Graveur Beck auswies und der eine gediegene Silberplatle zu verkaufen hatte. Heiinnnn stellte das Gewicht derselben ans 511 Gramm fest, zahlte dem Verkäufer dafür 30 M. 50 Pf. und an Dowe für seine Bemühung 3 M. Es hat sich herausgestellt, daß die«ilberplatte aus einem Diebstahl herrührte, der in der Ruß'schcu Fabrik m der Markusstraße ausgeführt war, die Thäter sind bereits bestraft worden. Der Angeklagte erklärte, daß er in dem Geschäfte etwas Verdächtiges nicht habe finde» könne». Er habe 6 Pf. für das Gramm Silber bezahlt und das sei der übliche Preis bei einem Zllthändler. Der Verkäufer habe gesagt, daß er das Geld zur Miethe brauche und er habe ihm dies geglaubt. Der Sachverständige, Juwelier Sy, begutachtete, daß Silber Kursschwankungen untenvorfen sei, im Februar stand es aber so, daß der Angeklagte immer noch ein annehmbares Ge- .schäst gemacht hätte, wenn er das Doppelte bezahlt hätte. Ter lSerichtshof hielt den Angeklagten für schuldig und erkannte aus l4TageGesängniß. Ei« Pro? es?, welcher kürzlich vor der Strafkammer des ».andgerichts zu Landsberg a./W. stattgefuude», hat in dortiger bedeutendes Aussehen erregt. Angeklagt waren die Kauf- "a Hermann Hirsch seldt und Moritz M e s s o w, ersterer ,-& �'ppehn?, letzterer aus Soldin, wegen g e m e i u s ch a f t- annlf",®.8 trüge?. Im November 1883 verstarb plötzlich der »is iffrt'�fer Sprenger auf der großen Mietzelmühle bei Soldin; er eine an den Fabrikbesitzer Seissert zu nLiL si �ei Schweidnitz verheirathete Tochter. Die Auge- . m,t dem Verstorbenen seit Jahren in GeschäftS-Ber- } und 6 Hypotheken und Wechselforderungen an mDiufjL.rai_g™ sich nach seinem Tode— jedoch nicht ge- meinschastlich— an die auf dem Mühlengrundstück erschienenen Seiffert'schen Eheleute und wußten dieselben unter Vorspiegelung falscher und Unterdrückuna wahrer Thatsachen zur Unter- Zeichnung von Wechseln im Betrage von 15000 und 24 000 Marl zu bewegen. So wurde von beiden Angeklagten das Grundstück als besonders werthvoll, die Höhe der auf demselben lastenden Hypothekenschulden dagegen zu medrig bezeichnet. Messow redete dem Seiffert'schen Ehepaare zu, das Grundstück zu verkaufen, er habe bereits eine» Käufer gefunden, der 66 000 Thaler geben wolle. Letzteres war, wie die Verhandlung feststellte, aus der Luft gegriffen. Nach einigen Monaten wurden den Vertrauens- seligen Erben, die den Angaben der Angeklagten vollen Glanben geschenkt hatte», die Augen geöffnet; sie erkannten, daß die Ver- mögensverhältnisse des Verstorbenen keineswegs günstige waren; Hirschseldt fing an, Wechsel einzuklagen, Messow beantragte beim Gericht die Einsetzung eines Nachlaßpflegers, auch ließ er Pfändungen ans dem Grundstücke vornehmen. So mußte schließlich im Dezember 1886 die Subhastation erfolgen, bei welcher Messow das Grundstück für 116,400 M. erstand; gleich darauf verkaufte er es für 185 000 M. Bei dem von Messow gezahlten Preise konnten verschiedene auf das Grundstück ein- getragene Posten im Gesammtbetrage von 70000 M. nicht erhoben werden. Die Strafe lautete für jeden der Angeklagten auf 2 Jahre 6 Monate Gefängniß, 5 Jahre Ehrverlust und 3000 M. Geldstrafe, eventuell noch 300 Tage Gefängniß. Messow steht übrigens noch unter dem Verdachte der Anstiftung zum Meineide, und wird gegen denselben voraus- sichtlich in der nächsten Echwurgerichtsperiode verhandelt werden. Sozisle Ute&epJtdiJ. Achtung J Kerline? Maurer! Zettel an den Anschlag- säulen machen bekannt, daß nach Rostock in Mecklenburg Maurer- gesellen verlangt werden bei einem Stundenlohn von 42 Pf. Es gereiche Euch zur Kenntniß, daß die Rostocker Kollegen sich im Streik befinden und verlangen dieselben 45 Psg. die Stunde. Wir richten somit an die Berliner Kollegen die dringende Bitte, nicht nach Rostock zu gehen, um den dortigen Kollegen ihre Forderung nicht illusorisch zu machen. Mit Gruß: I. Wernau, Zionskirch- platz 2, 3 Tr. A» alle Gewerkschaft«» Kerlin«. Wir erachten es als unsere Pflicht, alle im Streik liegenden Gewerkschaften vor einem gewissen Becker, Naimynstr. 42, H. I, Stockarbeiter oder Drechsler, zu warnen. Derselbe hat schon vei verschiedenen Branchen Streik- listen geholt, jedoch noch keine abgeliefert. Zu Hause anzutreffen ist der Herr ebenfalls niemals, trotzdem wir dies schon zu wieder- holten Malen und zu verschiedenen Zeiten versucht haben. Wir bitten nun alle Diejenigen, welche auf Listen der streikenden Schraubendreher bei Herrn B. gezeichnet haben, sich bei Unter- zeich,>etem zu melden, damit wir gerichtlich gegen den betreffenden Herrn einschreiten können. Gleichzeitig ersuchen wir die Herren Meier und Graatz, sich bis Montag in Betreff der erhobenen Gelder bei uns einzufinden. Benno Stabernack, Wrangelstr. 86. Mir ersuchen alle Diejenige», welche noch Listen der streikenden Schraubendreher in Händen haben, dieselben so schnell wie möglich, ob leer oder gezeichnet, behufs Abrechnung in unserem Bureau, Alte Jakobstraße 68 bei Lenz, abzuliefern. Das Komitee. Achtung! Tischler! Die Kollegen der Werkstatt von Unruh, Straße 30 Str. 19, legten wegen Differenzen mit dem Meister gestern sämintlich die Arbeit nieder. Wir ersuchen die Kollegen, dies zu beachten. Maurer Kerlin« und Umgegend! Wir sehen uns wieder in die Nothwendigkeit versetzt, in dieser Form zu Euch zu reden. Es ist leider Thatsache, die Gleichgiltigkeit nimmt wieder unter Euch überhand, so daß unsere Bewegung eher rück ivärts, wie vorwärts geht, obgleich wir bemüht waren, die Agitation mit Ruhe und Besonnenheit in diesem Jahre zu führen, die Gemüther wieder auszusöhnen, welche im vergangenen Jahre erregt waren— wir waren bemüht, die Vereinigung zu stärken, wir suchten die Kollegen wieder mit Muth und Be- geisterung für unsre Grundsätze zu erfüllen, und dennoch müssen ivir sehen, wie schlechte, von Haß erfüllte Menschen— zu ihrem eigenen Unglückwiederuuterwühie», wasEinzelnemitMüheundAus- dauer auszubauen suchten, ja wir habe» es in dem Kampfe um unsere Existenz nicht allein mit dem Unternehmer- und Ausbeuterthum zu thuu,— in unseren eigenen Reihen sind die Schmarotzer- pflanzen mit zu suchen, welche uns das Leben erschweren und unsere Existenzbedingungen untergraben. Vergebens srägt man, wann werden diese traurigen Elemente zur Einsicht kommen, wann wird es in deren Gehirn zu dämmern beginnen, und doch — wer nicht schon vollständig versumpft ist, wer noch einen Funken Vernunft und Charakter besitzt, der muß sehen, welchen Zuständen wir entgegengehen. Eine Dtassenorganisation ist noch- ivendig, wollen wir erfolgreich gegen diese ungerechten Zustände ankämpfen— Kollegen seid gewarnt— das Ausbenterthuni kennt keine Grenze, durch seine Bosheit und Unterdrückungssucht werden Tausende, ja vielleicht Millionen zu Grunde gerichtet werden in dieser Krise, welcher wir entgegengehe», wenn nicht ein organisch fester Zusammenschluß der Ntassen erfolgt. Heute ist in unserem Gewerde dieHochburg berUnterdrücku, ig Berlin. Haben wir inBerlin eine stabile, feste Organisation, dann ist es ein Leichtes, die Pro- ninzen, ja ganz Teutschland, im Sinne der modernen Arbeiter- bewcgung zu orgauisiren. Kollegen: mehr als Hungern können wir nicht— und haben wir den Hunger nicht schon zur Genüge kennen gelernt? Haben wir nicht im vergangenen Jahre— man kann fast sagen mit wahrer Todesverachtung— dem Hunger in's Auge geschaut? Ja, wie wir dreist behaupren könne», keine Korporation, keine Stadt wird solche Ausdauer,' solche Opfer bringen für dasjenige, wofür wir gekämpft haben. Deshalb, er- hebt Eure Stimme, schaart Euch zusammen»m das Banner der Einigleit und legt Protest ei» gegen Zustände, welche von Menschen geschaffen sind, um Einzelnen cm Wohlleben zu verschaffen. Kollegen! schließt Euch der Freien Vereinigung der Maurer Berlins an. Mit Gruß Julius Wernau, ZionS- kirchplatz 2, III. Verfettnnrlungen. Der Fack nerrln der KerUnrr Dtuckatenre hielt am Montag, den 7. Juli, in Zemter's Lokal, Munzstraße 11, feine übliche Versammlung mit folgender Tagesordnung ab: 1. Vor- trag. 2. Wie beseitigen mir die Mißstände in unsere«, Arbeits- Nachweis? 3. Verschiedenes und Fragekasten.— Zu fernem Bedauern machte der Vorsitzende Herr Fritz Scherbmg de» Anwesenden die Mittheilmig, daß kein Referent zu dem heutigen Tage aufzutreiben ivar, weshalb der Vortrag ausfallen müsse. Stach der Protokollvcrlesung, welches in vorliegender Fassung an- genommen, fand die Mitgliederaufnahme statt, dieselbe ergab den Beitrilt von 4 Kollege». Ueber den Punkt: Wie beseitigen wir die Atißstände im Arbeitsnachweis? bedurfte es einer längeren Debatte, welche dazu führte, laut Antrag die Paragraphen einzeln zur Tiskussion zu stelle» und über dieselben abzustimmen. Die ersten 4 Paragraphen sind ohne wesentliche Veränderung an- genommen. Bei§ 5 verfiel die weitere Berathnng über diesen Gegenstand einer Vertagung bis zur nächsten Ver- sauuulung. Eine Angelegenheit, welche zu persönlichen Reibe- reien leicht hätte fuhren können, ist dem Vorstand behufs Re- gelung überwiesen. Ferner wolle derselbe die internen Angelegen- heilen wehr in's Auge fassen, der LehrlmgSzüchterci müsse ein Dan»» geseht werden, weshalb in der näch'teu Zeit eine Statistik ausgestellt werden solle, der Gehilsen sowohl, als auch der Lehr- linge, und werden die Mitglieder ersucht, sich recht rege daran zu betheiligen. Es wurde nunmebr das Verwundern ausgesprochen, daß der Verein seit kurzer Zeit enorm gewachsen, sieht man sich aber die Versammlungen, resp. den Besuch derselben an, so scheint es, als wenn das Verständniß fehle, warum man eigentlich dem Fachverein angehöre, ein regere Agi- tation der Mitglieder würde wohl dazu beitragen, den Uebelstand zu beseitigen. Den Kollegen müsse klar gemacht werden, daß lehrreiche Vorträge, sowie interessante Debatten, die dort gepflogen, sie aus dein Schlafe aufrütteln und ist es Pflicht eines jeden Kollegen, an allen Versammlungen theilzunehmen, sowie auch recht pünktlich ihre Beiträge zu entrichten, damit zur Belehrung finanziell etivas geschehen könne. Der Kassirer Herr Klückmann macht auf die Abrechnung auf- merksam, welche am Sonntag über 8 Tage bei Herrn Heindors stattfindet und haben sich 8 Kollegen gemeldet, bei derselben an- ivesend zu sein. Der Borsttzende macht bekannt, daß die nächste Versammlung eine Generalversamnilimg ist und werden zu derselben die Mitglieder umgehend per Karte eingeladen, es sei hiermit ge- sagt, daß die nächste Versammlung für jedes Mitglied(auch werden in derselben Kollegen als solche ausgenommen) von Wichtigkeit ist zu erscheinen, speziell sich an der Debatte über das Arbeitsnachweis- Reglement zu betheiligen, resp. die Mängel zu beseitigen, denn ohne einen Arbeitsnachweis bleiben wir das Opfer der profitsüchtigen Arbeitgeber, dieselben sehen es stets gern, wenn recht viele Gehilfen ihre Arbeitskrast anbieten und stellen demgemäß ihre Bedingungen auf; daß dieselben nicht zu ihrem(der Ärbeitgeber) Nachtheil ausfallen, weiß ivohl jeder von uns. Nachdem noch auf unser Stiftungssest, welches am 26. Juli in Sanssouci, Itottbuscrstr. 4a, stattfindet, hingewiesen, und nach Kräften für den Umsatz der Billets Sorge getragen werden möge, erfolgte der Schluß der Versammlung um UVe Uhr. Der Dereiu deutscher Schuhmacher(Filiale Berlin) hielt am 10. Juli in Schesfer's Salon seine erste Versammlung mit folgender Tagesordnung ab: 1. Vortrag des Herrn Pietsch: Die Organisation der Schuhmacher auf Grund der Beschlüsse vom internationalen Arbeiterkongreß zu Paris. 2. Distussion. 3. Verschiedenes. Da der Referent bei Eröffnung ver Versamm- hing noch nicht erschienen war, so wurde Punkt 2 Verschiedenes vorgenommen. Es wurde der Antrag gestellt und angenommen, in den Fabriken je einen Vertrauensmann zu wähle», welcher Marken vom Kassirer entnimmt und an die Mitglieder der be- treffenden Fabrik abgiebt. Da inzwischen der Referent erschienen ivar, so wurde demselben das Wort zu seinem Vortrage ertheilt. Herr Pietsch führte etwa folgendes aus: Die Organisationsfrage sei gegenwärtig eine der wichtigsten, deshalb sei es auch nothwen- big, sich init derselben zu beschäftigen. Schon im 14. Jahrhundert hatte England durch den Druck der Aroeiter eine Bill erlassen, ivonach täglich nicht länger als von 6—5 einschließlich llVesitin- diger Eßpausen gearbeitet iverden dürfte. Die Arbeiter glaubten damals damit genug erreicht zu haben, sie verfielen wieder in de» alten Schlendrian. So kam es, daß ihre Lage im 15. Jahrhundert eine schlechtere, denn je vorher war. Erst im 16. Jahrhundert brachte eine von Frankreich ausgehende Bewegung einigen Bor- theil. Mit Einführung der Dampfmaschine begannen die durch dieselbe erzeugten Jndustrie-Arbeiter sich fester zu organisiren, und besonders eine Verkürzung der Arbeitezeit anstrebten. Der Referent erörterte jetzt daS Verhältniß des Staates zu den Arbeitern, und führte aus. der Saat bestehe nicht aus einzelnen Personen, wie einst König Ludwig XIV. den Ausspruch gethan. Der Staat«bin ich. Der Arbeiter sei im Staatswesen das nützlichste und unent» behrlichste Glied, da er nur allein alle Werths und Reichthümer erzeuge, ohne welche ein staatliches Gemeinwesen nicht denkbar. Der Staat hat die Pflicht, für das Wohl aller seiner Mitglieder Sorge zu tragen. Wenn jedoch, wie es der Fall ist, die arbeitenden Bevülkerungsschlchten von dieser Fürsorge ausge- schloffen sind, so haben sie die Pflicht, von dem Koalitionsrecht Gebrauch zu machen, um bessere Zustände für Sie aus eigener Kraft herbeizuführen. Bon diesem Geoanlen waren auch die amerikanischen Arbeiter durchdrungen, als sie 1887 für den Achtstundentag iämpsten. Ter Reserenr ging hier näher auf die Bomben-Affaire ein. 8 Jahre später fand in Paris der internationale Arbeiterkougreß statt, wozu Delegirte aus aller Herren Länder entsandt waren, welche einstimmig den Beschluß des achtstündigen Stormalarbeitstages faßten. Sache der Schuh- wacher sei es, diesen Beschluß zu dem ihrigen zu machen, sich fest zu organisiren, um eine Verkürzung der Arbeitszeit herbeizuführen. Dann werden auch die Schuhmacher mehr an der Arbeiterbe- wegung theilnchmen, als wie es jetzt leider der Fall ist. Betreffs der Form der Organisation bemerkt Referent: Jetzt wo die Fabrikanten sich nicht nur zentral, sondern auch international ver- einigen, kann auch nur eine Zentralisation den Arbeitern von Nutzen sein. Tie Lokalvereine werden, weil ihren Zweck nicht erfüllend, früher oder später zusammenbrechen. Reicher Beifall ivurde dem Referenten zu Theil. Zur Diskussion sprachen die Kollegen Mai und König im Sinne de» Referenten. Zum Schlußwort bemerkte Referent»och, von Anhängern der Lokalorgamsation werde oft argumentirt, daß ivir nicht Politik treiben dürften. Daß, wenn wir gewerkschaftliche Themas erörtern, so ist dies gleichbedeutend mit Magensrage, letztere und Politik hänge aber eng zusammen, eine Grenze hier zu ziehen, sei sehr schwer; deshalb ein Gegner der Zentralisation zu sein, sei unrichtig. Selbst Herr Keßler hat seiner Zeit erklärt, daß er im Prinzip für Zentralisation sei. Nur dort, wo dieses nicht möglich sei, solle man sich lokaliflren. Hierauf wurde in Verschiedenem fortgefahren und wurde für die größeren Fabriken je ein Vertrauensmann gewählt. Nachdem der Vorsitzende noch bekannt gemacht, daß die nächste Versammlung ans Mittwoch, den 23. Juli, in demselben Lokale stattfindet, schloß derselbe die Ver- sammlung um llVa Uhr. Der Uutrrstiiknngvdnnd der Hanodirner Kerlin» hielt am Dienstag, den 6. Juli, bei Feuerstein seine ordentliche Generalversammlung ab. Der Vorsitzende, Kollege Lamprecht. eröffnete dieselbe um ck/e Uhr und gab die Tagesordnung bekannt. Nachdem der Schriftführer das Protokoll der letzten Versammlung verlesen hatte, theilte der Vorsitzende mit, daß der Bund fünf kranke Kollegen zu verzeichnen hat, ferner daß drei Kollegen eine Unterstützung von 10, 20 und 25 Mark erhalten haben und das der Kollege Gursch sein Amt als zweiter Schristführer niedergelegt hat. Hierauf gab der Kassirer, Kollege Wiemer, den letzten Viertel- jahrsbericht. Derselbe ergab eine Einnahm« von 1835,09 M., Ausgabe von 2186,70 M., mithin beträgt das Gesaninttverinögen vom 1. Juli ab 2858,20 M. Die Richtigkeit wurde von den Revisoren bestätigt und dem Kassirer Decharge ertheilt. Kollege Müller gab Bericht vom letzten Sommerfest, welches von 4203 Personen besucht war und der Ueberschnß hierbei ca. 600 M. betragen wird; ferner gab derselbe die Abrechnung von den beiden Aiaskenbälle», Kroll und Philharmonie, bei welchen auch ein sehr guter Ueber- schuft erzielt worden ist. Der nächste gesellige Abend findet am Dienstag, den 22. Juli ds. Js., statt. Nachdem nun noch die Namen derjenigen 25 Kollegen verlesen waren, die ihre Billets von den beiden Maskenbällen noch nicht abgerechnet haben, gab der. Stellenvermittler Bericht. Derselbe ergab, daß vom 1. April bis zum 1. Juli 102 Stellen gemeldet wurden und davon 67 von Kollegen besetzt iverden konnten. Zur Ausnahme neuer Mitglieder hatten 26 Kollegen ihre Aufnahme in den Bund nach- gesucht. Dieselben begrüßte der Vorsitzende und bat, daß die Kollegen für die Interessen des Bundes und der gesaimnten Arbeiterschaft stets recht rege eintreten möchten. Es wurde nun zur Ergänz, ingsivahl geschritten, wobei Kollege Przatla als 2. Schriftführer und Kollege Albold in die RechtSschUtzloinmissio» gewählt wurde». Betreffs der Wahl einer StatutenberathungS- Kommisstvn entspann sich eine längere Debatte, nach'welcher von einer Wahl Abstand genommen wurde. Zu Verschiedenes kam zunächst der Antrag des Kollegen Wiemer zur Verhandlung, die Mankogclder des Kassirers von 5 auf 10 M, zu erhöhen. Derselbe wurde aiigenouunen. Nachdem noch mehrere Anträge erledigt ivaren, kamen 3 Schreiben, der streikenden Zimmerer Hamburgs, der Kupferschmiede Berlins und der Greitzer Weber zur Verlesung, in welchen dieselben um Unterstützung nachsuchten. Nach kurzer Debatte wurde den Greitzer Webern eine solche von 30 SOJf., den Schmieden und Zimmerern je 15 Mk. zugesprochen. Betreffs der Lokalfrage zum Stiftungsfest und den Maskenbällen gelangte der Antrag des Kollegen Grauer, dem Komitee die Bevollmächtigung Zur Beschaffung geeigneter Lokale zu diesen Festen zu geben, zur Annahme. Nachdem nun noch mitgetheilt war, daß die Preß- kommisston der„Einigkeit" am Sonntag, den 10. August, in Sans- souci ein Sommerfest zum Besten der Zeitung veranstaltet und dre Kollegen recht rege an den Billetverkauf theil nehmen möchten, wurde die Versammlung mit einem dreifachen Hoch auf den Bund und der allgemeinen Arbeiterbewegung geschloffen.— Die Generalvrrsamminng der Freien Vereinigung der Gärtner und verwandten Berussgenoffen tagte am 9. d. M.. bei Feuerstein, Alte Jakobstr. 75. Zum ersten Punkt der Tages- ordnung gab der Kassirer Kollege Nicbelschütz folgenden Kassen- verrcht. An Einnahmen waren vorhanden 993.80 M., die Ausgaben betrugen 983.25 M., bleibt mithin Bestand 60,55 Mark. Hierauf wurde dem Kassirer Decharge ertheilt. Nun gab der Vorsitzende, Kollege Büchner, folgenden Rechenschaftsbericht. Es wurden abgehalten 12 Hauptversammlungen und 7 Wanderver- sammlungen. Vorträge wurden gehalten in 11 Versammlungen, die ubngen Versammlungen dienten der Agitation. Ter Polizei- lichen Auflösung verfiel eine Versammlung, polizeilich nicht ge- nehmigt wurden zwei Versammlungen. Eine Versammlung mußte durch irrthümliches Eingreifen des überwachenden Be- amten vorzeitig geschloffen werden. Den unentgeltlichen Rechts- schütz nahmen 252 Mitglieder in Anspruch. 186 dieser Anträge konnten erledigt werden, während 66 Antragsteller zurückgewiesen werden mußten. Von diesen 186 Verfahren wurden 175 vor dem Gewerbegericht und 11 vor dem Amtsgericht bezw. Strafkammer ausgefochten. Hierauf erfolgte die Wahl des Ge- sammtvorstandes und wurden wiedergewählt die Kollegen Büchner als erster Vorsitzender, Niebelschütz als erster Kassirer und Born als erster Schriftführer. Für die verschiedenen Vororte wurden zu stellvertretenden Vorsitzenden die Kollegen Wetzel I, Schiebank, Deutsch, Nedoy und Grützmacher gewählt, die Kollegen Wetzel II, Czarnetzki, Peters, Oehmler und Eccarius zu stellvertretenden Kassirern und Dhams und Abraham zu stellvertretenden Schrift- führern gewählt. Kollege Falk wurde als Beisitzer und Kollege Krause als Bibliothekar gewählt. Zu Revisoren wurden die Kollegen Tietz, Lebäus und Rietz gewählt. Unter Verschiedenes machte der Vorsitzende die nächsten Versammlungen bekannt. Der Deren» zur Regelung der gewerblichen Derhält- M'Ff»er Topfer K erlins und Umgegend hielt am 7. Juli in Grunder's Lokal, Schwerinstr. 19, eine Mitgliederversammlung mit der Tagesordnung: I.Vortrag über Arbeiterschutzgesetze. Referent: Werner. 2. Diskussion. 3. Verschiedene Vereinsange- legenheiten, ab. Das Protokoll der letzten ordentlichen Mitglieder- Versammlung wurde verlesen und in seiner Fassung angenommen. Weil der Referent nicht pünktlich erscheinen konnte, ivurde der dritte Punkt der Tagesordnung zuerst verhandelt. Zu diesem erläuterte Herr Thieme die Lage und den Zustand der Kollegen bei der Firma Schöffel, welche bis jetzt mit allen Drangsalen und schroffer Behandlung zufrieden waren, endlich sind sie aus »hreni Winterschlaf erwacht und haben gegen dieses Ver- fahren, welches ihnen dort zu Theil wurde, Front gemacht und erklären sich jetzt mit uns solidarisch. Ueber diese Sache entspann sich eine lange Debatte. Vonj einigen Kollegen wurde verlangt, über diese Firma die Sperre zu verhängen. Dieses veranlaßte Herrn Peters, zu beantragen, in Sachen der Firma Schöffel abzubrechen und es der nächsten öffentlichen Versamm- lung zu überlassen. Der Antrag wurde angenominen und somit war der 3. Punkt der Tagesordnung erledigt. Inzwischen war der Referent erschienen. Der Vorsitzende ertheilte dem Herrn das Wort zum Vortrag über Arbeiter-Schutzgesetze. An der Dis- kussion betheiligten sich mehrere Kollegen im Sinne des Rese- renten. Dann ging folgende Resolution ein:„Die heute in Gründer's Salon tagende Vereinsversammlung der Töpfer Berlins und Umgegend erklärt sich mit den Ausführungen des Referenten ein- verstanden und verpflichtet sich, die Ideen des Referenten in alle Schichten der Bevölkerung weiter zu tragen. Ferner sollen sämmt- liche Kollegen dem Vereine der Töpfer Berlins beitreten. Hierauf ermahnte der Vorsitzende die Kollegen, an diesem Beschluß fest- zuhalten. Ferner wurde noch von dem Referenten bemerkt, daß der frühere Reichskanzler Fürst Bismarck auch das Töpsergewerbe betreibe. Zu der Sache wurde ein von Herrn Krause gestellter Antrag angenommen, daß Fürst Bismarck nicht zum Ehrenmilglied in unserem Verein ernannt wird. Nach Beendigung der Diskussion wurde dem Referenten das Schlußwort ertheilt. Darauf wurde die Versammlung geschlossen. Die Verewigung deutscher Maler, Zackirer, Anstreicher und verwandter Kerufsgenoffrn hielt am Freitag, den 11. Juli er., in Feuerstein'S Salon, Alte Jakobstraße 75, eine kombinirte Mitgliederversammlung aller Filialen Berlins mit der Tagesordnung: 1. Stellungnahme zur Fachschule. 2. Reiseunter- stützung. 3. Verschiedenes ab. In das Bureau wurden die Kollegen Greetz, Cölln und Gramenz gewühlt. Zum I.Punkt der Tagesordnung entspann sich eine lebhafte Debatte, an welcher sich namentlich die Kollegen Hohlwegler, Minklei, Wentker, Pusch und Kos- lowskq gegen das Bestehen der Fachschule aussprachen, da dieselben der Ansicht waren, daß die Besucher derselben, nachdem sie sich auf unsere Kosten ausgebildet hatten, zum größten Theil Gegner unserer Vereinigung würden und das Bestehen der Fachschule nicht mehr zeitgemäß sei. Kollege Hohlwegler hob namentlich hervor, daß uns von der Schuldepulation nur ein Lokal im äußersten Osten der Stadt, am Schlesischen Busch, angewiesen worden ist; die Innung dagegen mitten in der Stadt und außerdem einen städtischen Zuschuß von 4100 M. bekommt, welches doch von uns Steuerzahlern aufgebracht wird. Kollege Hohlwealer stellte nun folgende Resolution:„Die heutige in Feuerstein's Lokal tagende Versammlung der Filialen Berlins beschließt: 1. In Anbetracht dessen, daß uns von der Schuldeputation kein geeignetes Lokal zur Verfügung steht, verzichten wir in diesem Jahre auf die Fachschule. 2. In die fände der sozialdemokratischen Stadtverordneten einen rötest zu legen, damit dieselben beim Etat selbiges zur Sprache bringen. Gegen Aufhebung der Fachschule sprachen die Kollegen A. Kuke, P. Schulz, Cölln, Schütz, Reddihn u. A. Dieselben führten namentlich aus, daß durch das Aufheben der- selben die jüngeren Kollegen, welche das Bedürftüß fühlen, sich weiter auszubilden, den Innungen in die Arme ge- trieben werden und ein direktes Defizit von dem vergangenen Semester nicht ist, denn dasselbe steckt doch in den Utensilien. Bei der geheimen Abstimmung über den 1. Theil der Resolution waren 43 für und 53 Stimmen gegen Aufhebung der Fachschule. Die- selbe besteht also weiter. Hierauf zog Kollege Hohlwegler den 2. Theil seiner Resolution zurück. Kollege P. Schulz nahm den Antrag aber wieder auf. Es wurde aber vom Kollegen Hohlivegler und Wentker befürwortet, daß uns der Magistrat Hindernisse in den Weg legen könnte und so wurde der Antrag mit geringer Majorität abgelehnt. Punkt 2 der Tagesordnung wurde fallen gelassen und be- schlössen, den Filialvorstünden die Höhe der Reiseunterstützung zu überlassen. Zu Punkt 3„Verschiedenes" wurden mehrere Vereins- angelegenheiten besprochen. Schluß der Versammlung 12 Uhr 10 Minuten. Gwe gut besuchte Manderversammlung der Gärtner fand am 11. d. M. in Charlottenburg in der Bären-Brauerei, Spreestraße 1, unter Vorsitz des Kollegen Wetzel statt. Kollege Büchner referirte über die Arbeiterschutz-Gesetzgedung im deutschen Reichstage. Reichen Beifall erntete Redner für seine trefflichen und hochinteressanten Ausführungen. Die sich daran anschließende Debatte gestaltete sich zu einer sehr lebhaften, und wurde unter Anderem die Frage ausgeivorfen, ob die Gärtner initer der Gewerbeordnung oder unter der Gesindeordnung stehen. Es müßte eigentlich angenommen iverden, daß die Gärtner infolge ihrer erbärmlichen Abhängigkeit zum Gesinde gerechnet werden. Nachdem der Vorsitzende die nächsten Versammlungen bekannt gegeben, erfolgte Schluß. tz>»rband drutschcr W»chi»»ik«r und veiwandter Btrufsgenossen. Zahl- stille BcvUu. Minwoch, den 10. Juli, Abends 8% Uhr, im„llouisenstadltlchen Älubhaus", Annenstr. 18, Versaininlung. Herrin der Arbeiterinnen an Auch- und Kteindrulii-SchneUprelpen. Beneralversanimlung am Mtilwoch, den 18. Juli, Abend» 8% Uhr, in Orschel's Salon, Sebastiansti. 39. Tagesordnung: I. Vortrag des Herrn liierifch. 2. Diskussion. 3. Uastenbertchl.«. Verschiedenes. Sozialdemobratischer Kefe- und Ai»KutirKl»b„Uorioiirt«". Jeden Mittwoch, Abends 8% Uhr, Eiyung im Lotal Kühn, Naunynstr. 8».«äste haben Zutritt. Ausnahme neuer Mitglieder. Pergniigunoaverein„Zir«»isid»t". Sthung im Restaurant Doberftetn, Mariannenstr. 31-33. Abrechnung vom SommernachtSball am 13. d. MtS. Nach der Sitzung Ftdelitas. Sästs haben Zutritt. Der gesellig» jitub„Proletariat" tagt jeden Mittwoch Abend von 8 Uhr an im Lokal de» Herrn Magnan, KrautSslraßi IS.— Silste sind will- kommen. deutschen Donnerstag, .........«. Tagesordnung: I. Abrechnung vom 3. Quartal. 3. iiassenangelegenheiten. VroA» öffentliche Versammlung sammtlicher Lederarbeiter Kerlin« und Zimgegen» an, Mittwoch, den 18. Juli, Abends Ssj Uhr, in Uebel'S Salon, Naunynstr. 37. Fachoerein der Kteindrulleer und Lithographen. Mittwoch(nicht Donnerstag», den 18. Juli, Abend» 8% Uhr, in Jordan'S Salon, Neue Grün- strafie 38: General-Versammlung. «»sang-, ldur»- und gesellige tzlerein» am Mittwoch. Männer- zesangveretn„Jugcndlust" Abend« 8% Uhr im Restaurant Passod, Garten- trahe 10z.— Männeraesangvercin„ttäcilia" Abends v Uhr iin Restaurant ftraße Küpenilkerstr. 1371.— Gesangverein„Männerchor Linde" ÄbendS sr Uhr im Restaurant Haller, Nalmynstraße 70.— Männergesangverein„SangeSsreude" Abend« 9 Uhr im Restaurant Musehold, Landsbergerstr. 31.— Gesangverein „Freya" Abends 8% Uhr im Restaurant Benelte, Große Hamburgerstr. 18.— Huppert'sche Sängervereiniguug jeden Mittwoch nach den> Ersten im Monat, Abends 9 Uhr im Restaurant Heise, Lichlendergerstr. 3>.—„Seegcr'scher Ge- sangverein" Abends 9 Uhr im isteiiaurant Wcnck, Blumenstraße 48.— Gesangverein„Schwungrad" Abends 8% Uhr im Restaurant Sahm, Annenstr. 18.— Alännergesangverein„Lorbeerkranz" Abend» 9 Uhr im Restaurant Karsch, Qranienstr. 19«.— Gesangverein„Nord-Jubal" Abends 9 Uhr in Vettin'» AierhauS, Veteranenftt. 19.— Gesangverein„Unverzagt" Abends« Uhr Küp- nicterslr. 127a bei Greving.— Männergesangverein„Schneeglöckchen" Abends 9 Uhr im Restaurant Doberslcin, Mariannenstr. 31—33.— Gesangverein „Sangerrunde" Abend« 8% Uhr Buckowerstr. o.— Verein„Sangestrcue" im Restaurant Henkel, Brüderstr. 38 I. UebungSstunde von 8%— n Uhr Abends. — Gesangverein„Bruderbund" Abends 9 Uhr bei Pätzoldt, Reichenberstr. 18. — Männergesangverein„Schneeglöckchen" Abend» 9 Uhr Sitzung im Resiau- rant Siehmann, Melchtorsir. 16.— Gesangverein„Süd-Ost" Abend» 9 Uhr bei Ziemer, Euvrystr. 18. Gäste willkommen.— Lübeck'scher Turnverein(l. Lehr- lings-Ablheilung) Abends 8 Uhr Elisabethstr. 67—88.— Turnverein„Wedding", Pantslr. 9. Männerabthetlung von 8S— i«! Uhr Abends; desgleichen 1. Lehr- ltngsabthetlung von 8— io Uhr Abends.—„Mehr Licht", Verein sür Scherz und ürnst, Abends 8% Uhr im Restaurant Held, Fruchtstr. 38a.— Schlestscher Verein„Hollei" Abends 9 Uhr im Restaurant Sehrt, Prinzen- straße iv«.— BergnügungSveretn„Fröhlichkeit" Abends s Uhr im Restaurant Säger, Grüner Weg 39.— Wistenschastlicher Verein sür Rollerstcher Steno- graphte Abend» 8% Uhr im Restaurant Beese, Alte Schönhauserstrasie 43 Unterricht und Uebungsstunde.— Rollci'scher Slenographenrerei»? Abends Uhr im Restaurant Prinzenitr. 97, Sitzung und Ueinn ArcndSstcher Stenographen-Verein„Amicttia" Abends Uhr im «4.t.VIIV9„wmvmw V*V« Jwi Behrends, Schöncbergerstr. 8.— ArendSsicher Slenographenverw! Abends 9 Uhr im Restaurant„Wilhelmsgarten", Kochsir. 7.— cIi| Gesellschaft Arends im Restaurant Büraergarten. Lindenstr. Iß". lichcr Unterricht und Uebung.— Berliner Rauchklub„ffltti 9 Uhr im Restaurant Fogc, Köpnickerstr. igt.— Rauchllud, Abends tX Uhr im Restaurant Paetzoldt, Reichenbergerstr� 1°-'. „Gcmüthlichkeit" Abends 9 Uhr im Restaurant Achsel, Küpm»« Rauchklub„Columbia" Abends 8% Uhr im Restaurant Beyer. — Rauchklub„Frisch gewagt" Abends 8% Uhr im Restaurant- lauerstr. 27.— Rauchklub„Vulkan" Abends 9 Uhr im Resia! Gräfesir. 82.— Friedrtchsbcrg. Rauchklub„Nordstern", Lippe-: Friedrich-Karlstr. 11.— Vergnügungsverein„Frohlichleit", 6-3" Abends 9 Uhr, fflrüi ec Weg 29.-„Pollack-Club-Gintrachl", I-°»; Abends 8% Uhr bei G. Thiel, Wienersttaße 88.— Gesangvereiu Berlins, jeden Mittwoch Restaurant Seydelstr. 39, von 9—11 Unterhaltungsverein„Harmonie". Sitzung Abends o Uhr Drce bei Mendt.— Tambourverein„Gxelsior".»r Uhr. Uebungssw Rüdersdorferstr. 8. Ausnahme neuer Mitglieder.— SJIannttj „Licdessreiheit", Abends a'f Uhr im Restaurant Henke, Blumen Elöter'scher Gesangverein bei Musehold, Landsbergerstr. 31, Aber arienklub„Kreuz-Dame", Abends 9 Uhr im Restaurant '-«flL Fricdrichssclde, Prtnien-Ällee a.— Vergnügungsvereln„KceusWjliKi Doberstei», Mariann iftrasie 31—32: Sitzung. Nach der Sitzung�"» M....." stu träge k. Gäste, durch Mitglieder eingeführt, willtoininen. J „Sleinnelke," UebungSstunde von 9— n Uhr bei Müller, Gartenl" Gesangverein„Phönir", Sesangsiunde» Uhr Stetnmetzstr. 78. Dep-Mien. fjj (Molff« Trl,oravli«»-K«reau.)!- jntagä- Madrid, 15. Juli. Nach weiteren Meldungen(Q beträgt die Zahl der streikenden Arbeiter gegen vi'fln"er K meisten Fabriken sind geschlossen. Bei dem Zu!?,, zwischen den Streikenden und den zur Aufrechter!)�'■— Ruhe herangezogenen Truppen wurden mehrere Pwr., wundet. J In der Provinz Valencia betrug, wie hierher gemt»- gestern die Zahl der Choleraerkrankungen 19, die Zahl best Todesfälle 11. Varia, 15. Juli. Jacobs, welcher gestern auf' denke» Sarnot einen Schuß abgefeuert hat, wurde Heu» muthlich geisteskrank der ärztlichen Beobachtung übergl Vriefkspten dev Vedolkkio>if wisse, Bei Anfragen bitten wir die AbonnementS-Quittung beizusügen- iN wlusi Antwort wird nicht erlheilt. undem si Für die streikenden Maurer resp. V�Titanbet Hamburgs gingen bei unserer Expedition serner ein! i» freiwilligen Sammlung der Buchdrucker und SchriftgießPj* ö J 300 M. Unbekannt 1,00 M. Ungenannt 0,50 M- Jf&�unö Töpfern Berlins 200 M. M. N. 4,65 M. Hotel 2 N sich an nannt 1 M. Verein der Glaceehandschuhmacher 20 D!-wen Bei Alter Abonnent 104. Wiederholen Sie, ,%»»» ve Frage. Sie haben die Antwort wahrscheinlich überseh!".! JE. JE. An sich zulässig ist die zweite Pfändung p-veya, holung der Sachen. Ihre Angaben sind aber nicht v�seite.11 1 genug, um uns einen klaren Einblick in die Sachlage zu esjfd, dui Zu mündlicher Auskunft sind wir bereit.. Alter Abonnent. I. Daß Jemand während kehrs mit einem Mädchen verhciralhet war, und �uieil. Mädchen dies wußte, befreit ihn nicht von der Pflicht, krodurtto für das Kind zu zahlen. Dieselben beantragen bis Marlegen Lebensjahre monatlich 13,50 M., von da bis zum 14. JuHnkomme 2. Wenn das Kind das vierte Lebensjahr vollendet h(w(„ Vater dasselbe zu sich nehmen. Wird die Heraus«�! :, so braucht er für die fernere Zeit rncht ÄlNchnete, weigert, zahlen. M.eschätzte A. R.. Die Zusage des Restanrateurs, alle Kosten-xinkomm verpflichtet denselben, Jhuen alles das zu ersetze», Heilung und Verpflegung Ihrer Frau aufwenden«SlW,, gegen braucht er nicht dafür aufzukommen, wenn Sie z» riyeilie sichtigung der Kinder eine Person annehmen., Fute, Li Töpferbericht, Estarlottenbiirg. Sie haben 2� lahreseil nur mit 10 Pf. srankirt. Charlottenburg gehört nicht xjp Stadtpost, wir mußten daher 20 Pf. Strafporto zahle»-• Morgenrotls. Politische Prozesse werden, bis,. schwindende Ausnahmen, nicht von de» Geschivv�nsüt sc geurthcilt. Nur in Bayern gehören die Preßprozesst lohnt ec Geschworenen. Ifästia, k Atter Abonnent. Korauerstraffe. Die beste erhalten sie auf einem Telegraphenamt. LZ. D. Das wiffen wir nicht. G. Sch. Wenn Sie bei Gelegenheit einer Lan�lsie nicht! paar Gläser Bier an Fremde verkaufen, so machen Sie! js zum ' N. K. In einem bereits rechtskräftig entschied��'� J scheidungsprozesse ist eine Wiederausnahme des Versa»' Ii11-11 deshalb zulässig, weil sich nachträglich noch andere meldet haben. Dagegen würde das Verfahren ivieder au1 werden, wenn z. V. neue, für die eine Partei günstige Briese oder dergl. aufgefunden worden sind. ihmen: e mit müßt reim Uns. Freund u. Genossen T. Raclc, z. s. heurigen Wiegenfest ein dreifaches Hoch! 1102 Die Rothen von Sud-Ost: G. L. U. S. H. B. P. S. B. We AOrtag! Alle Diejenigen, welche noch im Besitz von Sammellisten vom C. K. RöhU- sche» Streik sind, werden ersucht, dieselben bis zum 20. Juli er. an Max Friedemann, 80. Pückler- straße 8 I, abzuliefern. 1126 Diejenigen, welche bis zum 20. d. M. nicht abgeliefert haben, werden im „Berliner Volksblatt" bekannt gemacht werden. Die Kommisston. Versammlung d.Vereinigung deutscher Stellmacher (Mitgliedschafi Berlin) am Mittwoch, den 16. d. M., Abends KVs Uhr, Münzstr. 11 bei Hrn. Zemter, Tagesordnung: 1. Abrechnung vom 2. Quartal. 2. Neuwahl der gesammten Ortsver- waltung. 3. Vereinsangelegenheiten. 4. Gewerkschaftliches. 1113 Die Ortsverwaltung. Vereins-Ean-Gesellschaft in Berlin Nord.(Eingetr. Genossenscb.) Kita«, 1889. Aktiva.... 441 184,35 M. Passiva.... 441 042,03 M. 142,32 M. 1005] Der Reingewinn fließt in den'Reserve- fonds. Der Vorstand. &. Heinieben. R. Crentziger. E. geb. Hobelbank z. verk., bei Scholz, Friedrichsberg, Boxhagenerstr. 21, 4 Tr. . Kekanntmachung.__ Mit dem heutigen Tage habe ich Köpenickerstr. 126 einen 1116 BH Ppivai-Mittagstisch BB errichtet und bitte meine werthen Frennde und Gönner, mich in meinem Unter- nehmen zu unterstützen. „Berliner Volksblatt" liegt aus. Achtungsvoll P. Riegel. Jede Mr»ÄSt 1,50 Mark unter Garantie des Gut- und Richtig- gehens. Kl. Reparaturen entsp. billig. Lager aller Arten Uhren, Gold- und Silberpaaren. 674 CWnncrh NKu>»y»str. 38, . VI UlloWl, n. d. Oranienplatz. Wümaren, Werkzeuge, Haus- und Kulheugerathe E. Vogtherr, Berun c Landsbergerste. 61, amAtexanderpl. (Sonntags geschlossen.) Artistisch- Photographisches Atelier von Carl Graefe, Prinzenstr. 11-, empfiehlt sich Vereinen u. Privaten zur Aufnahme von Gruppen u. Portraits. Bei Landpartien bitte Bestellung durch Postkarte._ 1716 Achtung I Kein Laden. Nur eigene Fabrikation, 25 Zigarren 1 Mark. Garantie rein amerikanischer Tabake. 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