Ur. 33. Abonnements-Kedingungen: Abonnement«-Prei» pränumerando! «terteliährl. ZLV Mb, monatl. t.loM!., rvvchentltch 2S Pfg. frei in« Hau«. Sinzein« Nummer S Psg. Eonntag«- S! ummer mit tllustrtrter Sonntag«- Beilage„Die Neue Welt" 10 Psg. Post- Abonnement: SL0 Mark pro Quartal. Eingetragen in der Post- Zettung«- Preisliste sür 1807 unter Hr. 7437. Unter«reu, band für Deutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Mark, sür da» übrige Ausland 3 Mark pro Monat. 14. Jahrg. Die Inscrtions- Gebühr beträgt sür die sechSgespaltene»olonel- »eile oder deren Raum 40 Psg., sür Perein«- und versammlungS-Anzeigen, sowie Arbeltsmarkt 20 Psg. Inserate sür die nächste Nummer müssen bt« 4 Uhr nachmittag» in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wocheniagen bi« 7 Uhr abend«, an Sonn- und Festtagen bi« g Uhr vormittags geössnet. Erscheint täglich»uster wonlag». Vevlinev VolKsblakt. Fernsprecher: Nmk I, Nr. ItOS. Telegramm-Adresse: ..vozialdeuiostrat Seelin". Zezrtvawrgan der sozialdemokratischen Partei Deutschtands. HLedalttiott: 8V. 19, W-uly-Straße 2. Dienstag, den 9. Februar 1897. ßFpedition: 8V. 19. Ueuth-Slrnße 3. Dev Hamburger Streik. Ter Lölve ist niedergchetzt und die bürgerliche Presse kühlt ihr Müthchcn mit dem Eselstritt, dieser Ursitte niedriger Seelen. Ter Löwe liegt am Boden— und triumphirend um- steh» sie ihn, die stiften Ritter des Geldsacks niit ihrem Ge- sinde. Und triumphirend ertönt der Rllf: „Von diesem Schlag wird die Sozialdemokratie sich nicht wieder erholen—, das war ein Stoß ins Herz!' Tie Sozialdemokratie, Ihr Herren? Müßt Ihr denn noch immer Komödie spielen, auch nachdem Ihr „gcsiegt" nild mit Hilfe des Winters, der Behörden und des christlichen Staates an hungernden und frierenden Arbeitern Euer Müthchcn gekühlt habt? Toch seien wir nicht ungerecht— dem Verdienste seine Krone. Sie waren klug und weise, die Herren Rheder von Hamburg, sie nebst ihren Helfershelfern. Schlau und richtig haben sie die Wirkungen des Hungers berechnet, des Hungers, dein ein gransamer Winter zn Hilfe kam und die Behörden, welche nicht dulden konnten, daß die armen schwachen Rheder von den übermüthigcn, übermächtigen Hafen- arbeitern mit Füßen getreten, an die Wand gevrttckt wurden— und die deshalb, der Aufgabe des kapitalistischen Staates eingedenk, den armen Reichen kräftigen und nach- haltigen Beistand gewährten. Ter Hunger hat seine Schuldigkeit gethan; der Winter hat seine Schuldig keit gethan; der S t a a t hat seine Schuldigkeit ge- than; die Polizei hat ihre Schuldigkeit gethan; das U u t e r n e h»n e r t h u m hat seine Schuldigkeit gethan; die Hausbesitzer, welche die frierenden Rebellen mit Frau und Kind vor die Thüre setzten, hinaus in Schnee, Eis und beißende Kälte— sie haben ihre Schuldigkeit gethan. Alles hat seine Schuldigkeit gethan, worauf die Herren Rheder ge- rechnet hatten. Alles hat geklappt— es ging alles am Schnürchen. Nach der Seite hin haben sie schlau und richtig gerechnet, die Herren. Nach einer anderen Seite hin haben sie aber falsch gerechnet, weil sie die Rechnung ohne den Wirth machten, das heißt: ohne die deutschen Arbeiter. „Ter Hamburger Streik ist von der Sozialdemokratie ent- zündet worden, wird von der Sozialdemokratie unterstützt'— so log und so rechnete die satte Moral der nothleidenden Rheder— zeigen wir den Ausständigen,„zeigen wir den deutschen Arbeitern überhaupt, daß die Sozialdemokratie, von welcher aufgehetzt, und im Vertrauen auf welche die Ham- burger Hafenarbeiter den Streik begannen, nicht die Mittel hat, ihren leichtgläubigen Opfern die nothwendige und ver- sprochene Unterstützung angedeihen zn lassen. Das Schicksal der Hamburger Hafenarbeiter soll ein warnendes Exempel für alle Arbeiter sein, damit sie nicht länger ihre Hoffnungen ans die Sozialdemokraten setzen. Und vor allem sollen die H a m b n r g e r Arbeiter am eigenen Leibe fühlen, was sie von der Sozialdemokratie zn erwarten haben, wenn sie in Be- drängniß gerathcn sind, weil sie, der Sozialdemokratie zu Lieb, sich in einen Kampf gestürzt haben, dessen siegreiche Beendigung sie von dem Beistand der Sozialdemokratie erhofften. Das Mißlingen des Streiks muß zur Folge haben, daß die Ham- bnrger Hafenarbeiter sich von der Sozialdemokratie los- trennen, und daß Hamburg, jetzt die Hochburg der Sozialdemokratie, wieder zurückkehren muß in den Schaf- stall der alleinseligmachenden Kirche des Kapitalismus, der da die irdische Seligkeit spendet dem anserwählten Trohncn-Volke des goldenen Kalbs und die h i m m l i s ch e Seligkeit den Arbeitsbienen, falls sie hübsch zufrieden, ge- horsam und dcmüthig sind auf Erden. „Und die andere und weitere Folge muß sein, daß die gcsammte Arbeiterschaft Teutschlands durch das Exempel, welches wir, die christlichen Rheder mit sammt unseren christlichen Brüdern im Geldsack, au den Hamburger Hafenarbeitern statuirt haben, von dem unheilvollen Zrrthum geheilt wird, die Sozialdemokratie könne ihnen erfolgreichen Vorschub leisten, ihnen in einer Rebellion gegen das Kapital zum Siege verhelfen. Die Arbeiter Hamburgs und des übrigen Teutschlands sollen lernen, daß die Sozial- demokratie wohl die Gewissenlosigkeit hat, die Arbeiter in den Kampf mit dem Kapital zn treiben, daß sie aber entweder nicht den Willen oder nicht die Kraft hat, ihnen zn nützen, daß also, wer ans die Sozialdemokratie baut, verlassen ist und verrathen!'-- So rechneten die pfissigen Herrn Rheder. O wie dumm sie gerechnet haben! Wie wenig sie das Arbeiterherz kennen! Wie wenig sie das M e n s ch e n h e r z kennen. Die Hambtirger Arbeiter, die sehr wohl wissen, daß die Sozialdemokratie vom Streik abgerathen hat, sind nicht die stumpfsinnigen Idioten, sür welche die Herren iltheder sie halten. Sie wissen, wer sie durch den Hunger zur Unterwersung hat bringen wollen, und sie wissen, wer in diesen elf langen, langen Wochen des Streits ihnen Brot dargereicht hat, das die Spender sich am Munde absparten. Sie müßten ja keine Menschen sein, wenn nicht i n- g r i m m i g e r H a ß sie erfüllte gegen die„O rganisatoren des Hungers', wie der Franzose diese Sorte von Wohl- thätern der Menschheit nennt. Und die Arbeiter des übrigen Teutschland— die Hunderttausende, die ihre Pfennige, ihre sauer verdienten Arbeilcrgroschen hingaben, um den kämpfenden Brüdern in Hamburg Proliant und Munition zu schaffen— s i e sollen sich jetzt den Rheder» in die Arme werfen, weil die Schlacht verloren ging! O, der Arbeiter geht nicht nach dem Erfolg wie der Anbeter des Geldsacks, er ändert seine Ueberzeugnng nicht mit dem Winde. Die anderthalb Millionen Mark, welche die Arbeiter sich in den letzten Monaten abgedarbt haben, um den bedrängten Brüdern an der„Wasserkant' zn helfen, sie sind nicht zu vergleichen mit der Pharisäcrgabe des Reichen, der für die unglücklichen Armenier über die Köpfe der unglücklicheren Landsleute hinweg ein paar hundert oder tausend Mark„schenkt', die nächsten Tags in der Zeitung stehen, und zur standesgemäßen Repräsen- tation gehören, wie der Lackei und dessen goldbetreßte Livree. Das sind Scherflei», wie die der Wittwe, von der das Evan- gelium erzählt— Schcrflein der Armen, für deren Fühlen und Denken diese praktischen Müsterchristcu kein Verständniß haben. Die Hunderte und Tausende, die der Reiche als Almosen hinwirft, sie ändern nicht seinen Uebcrfluß; er trinkt darum keine Flasche Champagner weniger. Aber die Pfennige, die Groschen des Armen, die er dem leidenden, kämpfenden Bruder in die Hand drückt— sie bedeuten eine Entbehrung in seinem und der Seinigeu Hanshalt, der auf das allernothwendigste zn- gespitzt ist. Tansende von deutschen Arbeiterfamilien haben Heuer den Kindern keinen Weihnachtsbaum angezündet, damit die Hamburger nicht hungern sollten. Das war groß, das war ruhmvoll und heldenhaft— größer, ruhmvoller und heldenhafter, als alle Heldenthaten der Blut- und Eisenpolitik zusammengenommen. Und so etwas vergißt sich u i ch t. Das brennt sich dem Gedächtniß ei». An jedsm Pfennig und Groschen, den die deutschen Arbeiter für Hamburg hingaben, klebt nicht blos der Arbeiterschweiß, es klebt auch ein Schwur daran, der Schwur H a n n i b a l's: Keine Versöhnung! Kampf ohne Waffen- st i l l st a n d! Revanche! Oder ans Deutsch gesagt: Abrechnung und Sühne! Sie wird kommen, die Abrechnung, die Sühne! Jetzt nehmen w i r die Uhr in die Hand und rechnen, wie lange es noch danern kann, bis der Masse des Volkes die Schuppen von den Augen gefallen und den Arbeitern ihr Recht wird, trotz alledem!— Doch wir sind geschlagen! Die Hamburger und mit den Hamburgern wir! Ja wir sind geschlagen. Wir wollen die Größe der Niederlage nicht verkleinern. Nichts thörichter, als sich selbst täuschen. Das i st sich s e l b st betrügen. Und Selbst- betrug im politischen Kampf ist: für den Gegner arbeiten, sich den Weg zur Niederlage pflastern. Ja wir, die Arbeiter, sind geschlagen. Aber es gicbt Niederlagen und Niederlagen. Niederlagen, welche die Ans- lösung ankündigen und Niederlagen, welche den Sieg vor- bereiten. In dem Kampf, der in dieser Niederlage geendigt, steckt so- viel Ausdauer, Zähigkeit, Disziplin, Heldenmuth, Gemeinsinn und Opferwilligkeit, daß wir stolz sind auf diese Niederlage, daß wir durch sie gestärkt sind, aus ihr die Gewißheit des Sieges schöpfen. Es giebt Niederlagen, die für die Unterliegenden mehr werth sind, als ein Sieg. Eine solche Niederlage war die Pariser Kommune, die trotz des Unterganges ihrer Kämpfer ihren Zweck erfüllte: die Rettung der Republik, nud sür die Arbeiter aller Länder ein leuchtendes Beispiel ward, eine Quelle der Be- geisternng und Kraft, der Ausgangspunkt einer neuen, stärkeren Bewegung, eine mächtig vorgeschobene Etappe auf dem Wege zum endgiltigen Sieg. Achnlich der Hamburger Streik. E r i st m e h r w e r t h f ü r n n s als ein Sieg. Hätten die Rheder nach der zweiten Woche, statt das Schiedsgericht trotzig und protzig zurückzuweisen, die Bedingungen der Arbeiter angenommen, so wäre das ein Lohnkampf gewesen, wie wir deren schon hunderte gehabt. Durch die Verlängerung des Kampfes, durch die Älrt, wie er geführt wurde, durch die Bundesgenossenschaft, Hilfe und Protektion, welche die Rheder gefunden haben, ist der Hamburger Streik ein kulturhistorisch und politisch hoch bedeutsames, ja epochales Ereigniß geworden, ein Wende- p n n k t in unserer Geschichte. Und ein klärendes Ereigniß in des Wortes weitestem Sinn. Das schillernde, blendende, den Blick hemmende Nebelgewölk von sozialem Königthum und Kaiserthum, alles weggeblasen, weggefegt, die Luft ge- reinigt. Es ist, als ob alle unsere Feinde sich gegen sich selbst verschworen und sich znsammengethan hätten, um Zeug» iß abzulegen für die Wahrheit der sozialistischen Lehre und um Alle zu bekehren, die unsere Lehre noch nicht begriffen hatten— um Zeugniß abzulegen für die Wahrheit, daß der heutige Staac seiner Natur und seinem Wesen nach ein K l a s s e n st a a t ist.— Das Nebclgcivölk ist zerstoben, die Maske ist gefallen, und es giebt in Deutschland keinen Arbeiter mehr, der nicht wüßte, w e r und was der heutige Staat ist. Das allein ist ein Gewinn, so groß, daß die ungeheuren Opfer, die gebracht wurden, winzig erscheinen! Und was haben die Feinde gewonnen? Nichts. Das Koalitionsrecht, das sie den deutschen Arbeitern zu entreißen gedachten, es steht fest— wie die französische Republik fest stand nach der Niederlage der Kommune. Die Feinde werden und können nicht wagen, das anzutasten, was i n Hamburg so tapfer vertheidigt ward. Gewiß es ist keine Redensart, es entspricht den nüchternen Thatsachen: der Hamburger Streik ist eine jeuer Niederlagen, die mehr werth sind als Siege. Die Unternehmer haben ihn zu einer Kraftprobe benutzt. Er hat uns die ganze Nlacht unserer Feinde gezeigt. Er hat uns gezeigt, daß wir sie, die Geeinten, noch nicht überwinden können. Er hat aber der gesammten deutschen Arbeiterschaft, so weit sie noch an den heutigen Staat und die heutige Gesellschaft glaubte, den handgreiflichen Bciveis geliefert, daß sie einem Trugbild nach- jagte nud daß die Sozialdemokratie recht hat, die den Arbeitern sagt: die Befreiung der Arbeiter kann allein durch die Arbeiter selb st erkämpft werde n. Diese Erkenntniß, die unsere Feinde vermittelst des Ham- burger Streiks den deutschen Arbeitern aufgezwungen, in den Schädel gehämmert haben, sichert uns einen Zuwachs von Kräften ausreichend, um uns in genau absehbarer Zeit stärker zu machen, als unsere vereinigten Feinde. Ter Hamburger Streik hat uns eine Niederlage gebracht, aber eine Niederlage, die den künftigen Sieg in sich schließt. Drum noch einmal: Hoch derHamburgerStreik! Ein Viufcblick. Heute vor einem Jahr brach in Berlin ein großer denkwürdiger Ztrbeilerkampf aus. Nachdem die Konsektionsarbeiter und -Arbeiterinnen Berlins vergeblich versucht hatten, durch friedliche Bereinbarnng mit den Unternehmern eine Besserung ihrer überaus traurige» Lage zn erzielen, blieb ihnen nur übrig, die Arbeit einzu- stellen. In 14 überfüllten, meistens polizeilich abgesperrten Ver- sammlnngen wurde am Abend des 9. Februar der Streik beschlossen. Daß die Aermsten der Armen, die von Grosikonfektionären und Zivischenmeistern ansgebeuleten Hausindustriellen in einer Industrie, die einer kleinen Anzahl von Unternehmern jährlich viele Millionen einbringt, gezwungen waren in de» Streik einzutreten, war ein Er- eignisi, ivelches selbst das Interesse solcher Kreise wachrief, die den Arbeiterknmpfen sonst gleichgillig, wenn nicht völlig indifferent gegen« überstehen. Btit geringer Ausnahme trat die öffentliche Meinung aus» schließlich sür die ausgebeuteten Konseklionsarbeiter ein. Am 12. Februar beschäftigte sich der Deutsche Reichstag niit dem Konfektionsarbeiter-Elend. Und unter der Wucht der Thatsachen mußten die Vertreter aller Parteien die dringende Nothivendigkeit gründlicher Aenderung der Arbeitsverhältnisse in der Konfektions- industrie zugestehen. Sogar der nalionalliberale Abg. v. Heyl ver- langte sofortige Reformen. Eingehender Erhebungen, erklärte er, bedürfe es nicht mehr; das vorhandene Material reiche voll- ständig aus. Bald spielte sich noch ein Vorgang ab, der bewies, daß schnelle und durchgreifende Schutzmaßregeln nothwendig waren. Die Berliner Herren- und Kuabenkoufektionäre brachen ihr vor dem Einignngsamt des Berliner Gewerbegerichts gegebenes Wort und traten einseilig von den getroffenen Vereinbarungen zurück. Die gesammte öffentliche Meinung war entrüstet; fast die gesammte Presse war in der Verurtheilung dieses unerhörten Treubruchs einig und verlangte ein energisches Eingreifen der Gesetzgebung. Jetzt sind die Ermittelungen über die Arbeitsverhältnisse in der Kleider- und Wäschckonfeklion abgeschlossen und die Ergebnisse der Erhebungen, bearbeitet im kaiserlichen statistischen Amt, sind kürzlich in Druck erschienen. Wie die 8lng eingehend verwerihet sind, ergeben bei dreimidfünfzig vernoinineneii Werkstattarbeitern eine durchschnilUiche Arbeitszeit von täglich über 13 Standen. Eine ganz ähnliche Arbeits- zeit herrscht auch in den Stettiner Werkstätten der Herren- und Knaben-Konfeklio». Bei den Heiniarbeitern ist die Arbeitszeit durch- schnittlich noch länger. Am ungünstigsten liegeii die Verhältnisse in der süddeutschen Herren- und Knnben-Konfellron. Im allgemeinen wird dort in den Werkstätten früher begonnen als irgendwo, im Sommer schon un» 5 und ö Uhr, im Winter um 6 und 7 Uhr. Frühstücks- und BeSperpausen werden meist nicht gemacht, die Mittagspause dauert vielfach nur dann eine Stunde, wenn der Geselle nicht beim Meister in Kost steht, was aber nur ausnahms- weise der Fall ist. Der Schluß der Arbeitszeit richtet sich nach dem Bedarf. Von den vernommenen Arbeitern bezeuge» 4 ausdrücklich, daß manchmal, besonders Freitags, die Nacht durchgearbeitet wird, damit Sonnabends so viel wie möglich geliefert werden kann. Zwei Arbeiter aus Aschaffenburg bemerken, daß sie 14 bis 15 Stunden ohne Pausen arbeiten. Ueber die Saison wird in dem amtlichen Bericht konstatirt: In der Herren- und iknnbenkonfektion ist ungefähr 3 Monate im Jahre wenig oder nichts zu thnn. In der Dameukonsektlo» sind die Arbeitnehmer sogar nur 6—7 Monate voll beschäftigt. Während 3—4 Monaten gewährt die Arbeit einen unzureichende» Verdienst und während 2—3 Monaten ist überhaupt keine Arbeit zu haben. Nicht günstiger lauten die Berichte über die Gesnndheits- Verhältnisse der Konfeklionsarbeiter. Nach dem Bericht Berliner Kassenärzte sind chronische Gebärmutter- Erkrankungen und namentlich Fehlgeburten bei diesen RrbeiUrinncn, die nieist schon seit ihrem Austritt aus der Schule mit Nähen beschäftigt sind, ziemlich häufig zu finden. Bei anhaltendem Maschinennähen treten Störungen der Berdauungslhätigkeit und in ihrem Gefolge Rückgang der Ernährung des ganzen Körpers auf. Ueber die Beschaffenheit der Arbeitsräunie wird bemerkt:„Leider lassen die angestellten Untersuchungen keinen Zweifel darüber, daß die Arbeilsställen, in denen Konfeklionssachen hergestellt , verde», meist viel zu wünschen übrig lassen." Für Stettin werden 75 pCt., für Breslau 86 pCl., für Erfurt 82 pCt. der besichtigten Werkstätten als solche bezeichnet, wo in dem gemeinsamen lllrbeils- räum auch gleichzeitig gebügelt rvird; für Aschafsenburg und Stuttgart fast alle. Daß solche Räume auch als Wohn- und Schlafräume benutzt werden, wird von fast allen Orten konstatirt. In Stuttgart wird im Winter nicht selten noch das Waschen und Trocknen der Wäsche rn demselben Räume vorgenommen. In vielen Städten kommt überdies noch das äußerst gesundheitsschädliche Kohlen- Bügeleisen zur Anwendung, so hänsig in Berlin, Aschaffenburg und Stuttgart. Die Giftigkeitsgreuze des Kohlenoxyds liegt für den Menschen bei 0,05 pCt.; die vorgenommene Analyse ee�ab, daß dem Kohleneisen 0,19 bis 0,23 pCt. Kohlenoxyd entströme». Damit ist die besondere Gefährlichkeit dieser Bügele>sen bewiesen. „Auch mit den Ernährungsverhältnissen ist es bei den Kon- feltionsarbeitern und-Arbeiterinnen vielfach schlecht bestellt. Schon die Ernährung der Lehrlinge und jugendlichen Gesellen, wie sie beispielsweise in Süddeutschland meist im Hause des Meisters, wie ans den Vernehmungen hervorgeht, erfolgt, läßt vieles zu wünschen übrig. Die Ernährung der Konsektionsarbeiterinnen aber in den nord- deutsche» Großstädte», namentlich in Berlin, ist besonders unzureichend. De» Hanpttheil der Schuld daran trägt der geringe Verdienst, der es manche» Arbeiter» überhaupt unmöglich macht, kräftiges Esse» zu bezahlen." All' das wird in den Ergebnissen der amtlichen Ermittelungen berichtet und sicher sind die Resultate der Untersuchungen sehr vor- sichtig behandelt. I» wie ungünstigem Lichte die soziale Lage der Konsektionsarbeiter in den Darstellungen des kaiserlichen statistische» Amts auch erscheint, es sind doch immer nur trockene Zahlen. Wer aber aus eigener Anschauung die Opfer der Ausbeutung in der Konfektion kennt, wer die blassen, blutleeren Gestalte» in ihrem ganze» Elend gesehen hat, in den Gesichtern jene stumme Resignation, die sich überall eiustellt, wo die Ausbeutung die höchste Grenze erreicht, dem niöch tc das Herz zusan.nienkrampfen vor all derBitterniß, die hier vereinigt ist. Wer so mitte» drin steht, begreift, welche Wirkung der schleppende Gang unserer gepriesenen Sozialreform hervorrnse» muß. Was sich in einem Jahre in der Oeffenllichkeit abgespielt hat, der schmach- volle Vertragsbruch der Herren- und Knabeukonfektionäre, die amt- liche Aufdeckung ungeheurer Mißstände, müßte längst gründliche Schutzmaßregeln gezeitigt haben, statt dessen überläßt man den Be- theiligten, sich langsam darauf vorzubereiten, daß möglichst wenig dabei herauskommt. Wie recht hatten wir, als wir vor einem Jahre über die Reichstags- Verhandlungen der Konfektionsarbeiter- Verhältnisse schriebe»: „Heute sprechen die Vertreter des Kapitals unter einem un- abweisbaren Zwange; nach Monaten oder Jahre», wenn die An- regungen dieser Tage sich zu sicherlich recht schwächlichen Gesetz- entwürfen verdichtet haben werden, dann wird der Sieform- «ifer verflogen sein, dann werden die Wenn und Aber ertönen, dann werden die Interessenten ihre Vorbereitungen ge- troffen haben, die Solidarität und das Klasseninteresse der Unter- nehmer werden gesiegt haben." Die Mehrheit der Kommission für Arbciterftatistik hat in ihren letzten Anstandssitzungen alle einschneidenden Vorschläge abgelehnt und damit den Erwartungen auf eine gründliche Reform vortrefflich vorgebeugt. Die Unternehmer der Konfektionsindustrie haben im verflossenen Jahre wieder ihr gutes Geschäft geniacht. Schmunzelnd be- richtet der„Konfektionär", daß in den ersten neun Monaten des vorige» Jahres der deutsche Export von Konfektionswaaren gegen- über dem gleichen Zeitraum von 1895 um ca. 17l/i Mille Mark, d. i. 23,6 pCt. zugenommen hat. Und jetzt rüstet sich die Konfektion wieder zur beginnenden Saison. Wenn die Koufeklionsarbeiter heute in ihren Versammlungen sich mit den sie so stark berührenden Fragen beschästigen, so haben sie eingedenk zu sein, daß sie der treibende Keil sein müssen. Je geschlossener und fester sie sich organistren, um so eher wird es gelingen, daß ihre Forderungen auf dem Wege der Gesetzgebung und mittels des Druckes einer starken Organisation erfüllt werden. VolikiftHv Mebevfictzk. Berlin, 8. Februar 1897. Aus dem Reichstage. Den Herren Agrariern im Reichstage ist zur Zeit der Gistzahn ausgebrochen, das hat die heutige Debatte zur Evidenz bewiesen. Die Peitschenhiebe, welche die agrarischen Junker und ihr Anhang gelegentlich der Leckert» Tausch- Debatte vom Staatssekretär v. Marschall ein- heimsten, scheinen derart gewirkt zu haben, daß dieser sich sonst so srech geberdenden Bande der Faden ausgegangen ist. Nur so war es möglich, daß heute die Debatte über den Antrag Barth und Genossen, die_ Regierung zu ersuchen,„baldthunlichst eine Denkschrift über die erkennbaren volksivirthschaftlichen Wirklingen der Handelsverträge vorzulegen", in> ruhigster Weise erledigt werden konnte, ohne daß die Herren mit den geflickten Strohdächern auch nur den Versuch machten, ihre Angriffe auf die Verträge und die sie ausführenden Regierungsmänner zu erneuern. Noch vorige Woche hatte sich v. Marschall mit Vergnügen bereit erklärt, sich über den Werth und die Wirkung der Verträge mit den Herren Agrariern aus« einanderzusetzen: v. Marschall war heute auch erficht- lich zu dieser Auseinandersetzung bereit, seine Gegner aber gingen derselben vorsichtig aus dem Wege. Infolge dieses feigen Verhaltens der agrarischen Schreier sind diejenigen, welche heute scharfe Handels« und wirthschaftspolitische Er- vrternngen erwarteten, in ihren Hoffnungen getäuscht worden. Dr. Barth begründete seinen Antrag kurz und sachlich. Fritzen(Z.) erklärte sich namens seiner Partei für den- selben, doch beantragte er, daß die Tenktschrist„mit be- sonderer Rücksicht der Wirkungen der Handelsverträge ans die Landwirthschaft" abgefaßt werde; ein Wunsch, der auch von Dr. Barth akzeptirt wurde. Nachdem auch Dr. Hammacher sich für den Antrag ausgesprochen und den» Wunsche Ausdruck gegeben hatte, daß gegenüber den mehr und mehr sich bildenden, ganze Kontinente umschließenden Handels- und Wirthschaftsvereinigungen— Rußland, Amerika:c. — alich die westeuropäischen Industriestaaten zu einer Einigung kommen möchten, nahm von Marschall das Wort. Derselbe intcrpretirte zunächst die in den letzten Wochen viel erwähnte Acußerung des Grafen Posadowsky über die Handelsverträge in einer Weise, daß ein Gegensatz zwischen den Ministern nicht mehr übrig blieb. Ob das alles so stimmt, bleibt freilich dahingestellt. Graf von Posa- d o w s k y stand dabei und schwieg. Sonst sprach Herr von Marschall sich entschieden für die Vcrtragspolitik ans, ohne deswegen Acnderungen in einzelnen Punkten ans- zuschließen. Nothwendig sei die Schaffung eines Generaltarifs, auf grund dessen die zukünftigen Verhandlungen zu führen seien. Jetzt war die Reihe an" den Agrariern, aber, obivohl v. L e v e tz o w, K a r d o r f f, Dr. H a h u und Graf L i m b u r g- S t i r u m sprachen, der so oft angekündigte Frontangriff blieb aus. Bei der Abstimmung wurde der Untcrantrag Fritzen fast einstimmig, der Antrag Dr. Barth mit allen Stimmen gegen die der Rechten angenommen. Ohne Debatte wurde hierauf das Zusatzabkommen zur Berner Uebcrcinkunft betreffend die Bitdung eines Jnter- uationialen Verbandes zum Schutze von Werkeil der Literatur und Kunst in erster und zweiter Lesung angenommen. Der Entwurf eines Gesetzes wegen Abänderung des Ge- setzcs betreffend die Beschlagnahme des Arbeits- oder Dienst- lohncs und der Zivilprozeß-Ordnuug— welcher einem früher einstimmig geäußerten Wunsche des Hauses insofern Rechnung trägt, als die Lohnbeschlagnahme auch zum Schuhe der Alimentation unehelicher Kinder zulässig sein soll, fand allseitig anerkennende Worte. Einzelne Bedenken hofft man bis zur zweiten Lesung zu beseitigen, weshalb dieselbe heute ausgesetzt wurde. Trotz lebhafter Rufe nach Vcrtagiing gab hierauf der Herr Präsident noch dem Staatssekretär Nieberding das Wort zur Begriindulig des Entivurfes eines Handels-Gesetzbuches. Nach Schluß dieser Rede trat Vertagung ein. Morgen 1 Uhr an erster Stelle Wahlprüfungen und dann Fortsetzung der Debatte über das Handelsgesetzbuch. Das Fraucn-Stimmrocht in England. Wir erwähnte» bereits, daß in konservativen Kreisen die Stimmung eine dem Francii-Stiuiiiirecht günstige ist, wesentlich dank dem noch sehr lebendigen Einfluß des verstorbenen D i s r a e l i, Lord Beaconssteld. Recht albern haben sich bei den betreffenden Debattcu im Oberhaus die Liberalen und Radikalen benommen. Das radikale Licht Labouchäre bekämpfte die Bill ganz ernsthaft mit deni platten Witz, daß die Frauen laut der Statistik die Mehrheit der Bevölkerung bilden, daß also, wenn die Frauen das Stimmrecht bekämen, die Männer m a j o r i s i r t würden, ivas die größte Revolution bedeute, welche die Welt noch gesehen! Ein Liberaler, Mr. Atherlcy Jones, ein Stiefsohn des trefflichen Chartistenführers Ernest Jones, rettete aber einigermaßen die Ehre seiner Partei, indem er warm für die Bill sprach, deren Chancen sich fortwährend bessern.— Für Kreta bereitet die russische Diplomatie augenschein- lich einen Knalleffekt vor. Nachdem man die Mohammedaner der Insel durch nioutcuegrische Gendarmen— ungefähr, wie wenn das Ausland unsere Regierung zwingen wollte, die un- zufriedenen Deutschen durch französische Gendarmen im Zaum zu halten— in den wildesten Zorn versetzt und es zwischen den christlichen und mohannnedanischen Ein- wohncrn glücklich wieder zur Hauerei und Schießerei gebracht hat, ist jetzt mit einem Male die Lostrennung der Insel Kreta von der Türkei ans die Tagesordnung gesetzt worden. Die Griechen strecken schon die Hand ans und auch England wäre reicht abgeneigt, die Perle des Mittelmeeres in die Tasche zu stecken. Natürlich paßt letzteres nicht den Russen — sie treten für die„Unabhängigkeit" der Insel ein, natürlich unter geheimer russischer Oberhoheit, wie das Königreich Griechen- land. Jedenfalls ist ein Schlag zu erwarten.—.j Aus den zahlreiche», auf die Vorgänge in Kreta bezüglichen Depeschen hebe» wir die folgenden hervor: W i l h e I in s h a v en, 7. Februar. Der Kreuzer„Kaiserin Augusta" hat Befehl erhalten, morgen Nachmittag 4 Uhr zum Schutze der Deutsche» nach dem Mittelmeer zu gehen. Wien, 7. Februar. Das offiziöse„Frcmdenblatl" bespricht die traurigen Vorgänge auf der Insel Kreta, indem es die griechische Regierung vor übereilten Schritten warnt, welche ihre Stammes- genossen auf der Insel nur in die äußerste Gefahr bringen würden. Da die Großmächte darin einig sind, daß der Status guo in der Türkei ausrecht erhallen werde» muß, so würden sie auch das von ihnen eingeleitete ilieforinwerk nicht im letzten Moment durch Griechenland vereitel» lassen. Die„Agenzia Stesani" meldet aus K a» e a: In Kauea herrscht Ruhe; das Feuer, welches in den zahlreiche» Oelniederlagen Nahrung fand, ist voUständig gelöscht.� Der Palast des griechischen Bischofs und gegen 200 andere Gebäude sind niedergebrannt.— Der Zeitung„Asty" wird aus Kauea telegraphirt: Die Hänser, welche die Feuersbrunfl verschont hat, werden von den Türken ge- plündert. Die türkische» Truppe» in Kalyves(am Eingange der Suda-Bai) haben diesen Ort geräumt und sind in Kanea eingerückt. Das griechische Geschwader ist vor Kanea eingetroffen; es ankert nebe» den englischen Schiffen.— Die italienischen Kriegsschiffe„Stromboli" und„Lanria" sind in Candia eiiigetroffen.— Die mnselmännische Bevölkerung machte einen An- griff aus das militärische Arsenal und bemächtigte sich 2000 Marlini- Gewehre. Bei dem Zusammenstoß niil den Truppen wurden zwei Muselmannen getödtet und fünf verivundet. Wie die„Agence Havas" ans Athen erfährt, ist das griechische Geschwader in Kanea angekommen, ohne die türkische Flagge zu saluliren. Unnnttelbar nach der Ankunft besuchte der englische Befehlshaber den griechischen Geschwader- Chef.— Eme amtliche Depesche meldet, daß die Türken in Relimo ein Gemetzel vor- bereiten. In Kanea flüchten sich die Christen in den Gouverneur- Palast, der noch immer von Türken umzingelt wird. Athen, 8. Februar. Heule Nacht trafen sranzösische Kriegs- schiffe mit 300 flüchtigen Frauen und Kindern ans Kreta aus Milo ein; die Flüchtlinge, welche alles verloren haben, sind in be- klagenswerthem Zustande, leiden Mangel an Kleidung und Nahrung. Aus Syra wird gemeldet, daß man in Herakleion und Relimo dringend nach Schiffen verlangt, da auch dort Unruhen bevorstehen. Athen, 7. Februar. Etwa 3000 Personen begaben sich gestern vor das Marinemiuisterium und veranstalteten dort unter den Rufen: „Hoch Kreta! Hoch die Union!" eine Kundgebung.— Chronik der Majestätsbeleidigungs-Prozeffe. Die Straf- kammer des Landgerichts Prenzlau verurtheilte am 6. Februar den Bürstenmacher Zangenberg aus Templin wegen MajestätS- beleidigung zu neun Monaten Gefänguiß. Di« jBerhandlung fand unter Ausschluß der Oeffentlichkeit statt. Zaugcnberg war bereits wegen desselben Vergehens mit drei Jahren Gefängniß vorbestraft. Obgleich wir in dieser Rubrik sonst nur Fälle aus dem lieben Vaterlande registriren, wollen wir diesmal die folgende interessante Meldung aus Wien anführen: Aussehe» erregt»achstehende Affäre: Gegen den Baumeister und antisemitischen Gemeinderalh F o l l e r in Baden wurde eine Anzeige erstaltet, wonach er vor fünfJahrrn anläßlich derGrundsteinlegungeinesHauseseineKapsel einmauerte, in welcher sich eineUrkunde befand, derenTextMajestätsbeleidigungeu involvire. viach» dem die gerichtlichen Erhebungen refultatloS geblieben waren und Verjährung der That vorliegen dürfte. sollte das Verfahren ein- gestellt werden. Ruit verfügte aber das Kreisgericht in Wiener- Neustadt, die Untersuchung sei fortzusetzen. sämmlliche Bewohner des fraglichen Hauses seien gegen angemeffeue Entschädigung zur sofortige» Uebersiedlung zu veranlasse», worauf mit der Demolirung des ganzen Hauses vorgegangen werden möge, um die Kapsel mit der inkriminirte» Urkunde zu finden. Morgen schon soll mit der Demolirung, deren Kosten der Fiskus trägt, begonnen werde». »» « Deutsches Reich. — D i e Stephan-Offiziösen haben Pech. Am Sonntag veröffentlichte die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" einen Artikel zur Vertheidiguug des General- Postmeisters. In demselben ko/uiut der folgende Satz vor: „Endlich leuchtet es wohl jedem Unbefangenen ein, daß»tan Berlin mit beinahe 2 Millionen Einwohnern und 31 000 Sprechstellen hinsichtlich der Kosten für Anlage und Betrieb der Fernsprecheinrichtung mit einer Stadt wie Zürich(!), das rund 30 000 Einwohner und 3600 Sprechstelleu besitzt, überhaupt nicht vergleiche» kann." Aus diesem Satze geht hervor, wie gründlich, glücklich»nd beachtensiverth die Reiinvaschung Slephan's vollzogen wurde. Hat doch Zürich nicht 30 000, sondern mehr als 150 000 Einwohner.— — Der Berliner Parteitag der freisinnigen Volkspartei, welcher Sonnabend unter zahlreicher BetheiUgung der Berliner Dclegirten aus den einzeliien Wahlkreise» unter Vorsitz des Abgeordneten Dr. Otto Hermes stattfand, erörlete»ach einer Darlegung der bekaimlen Vorgänge zur Einigung der Freisinnigen durch de» Abg. Richter die Slellnitgnahiiie der Partei zu den An« trägen der„freisinnigen Vereinigung". Es zeigte sich, nachdem mehrere Redner gesprochen hatten, eine vollständige Ueberein- stimmuug mit dem Vorgehen des geschäftsführcnden Ausschusses, wie es durch den veröffentlichten Briefwechsel bekannt geworden ist. Eine Resölulio», welche das Eiuvcrstäudniß des Parteitages mit der Hallung des geschäftsführenden Slusschnffes ausdrückt, wurde au- genommen. Ter Parteitag ist demgemäß so verlause», wie zu erwarten stand, mit einer Niederlage der um ihre Mandate schwer besorgte» Helden von der freisiunigeu Vereinigung.— — Merkwürdige Vorgänge scheinen in der frei- sinnigen Partei sich vorzubereiten. Schreibt doch heule die„Freis. Zeitung": Auf Zetteluugen mache» wir unsere Parteigeuoffen aufmerksam, welche von einzelnen Personen aus dem zweuen Berliner Rcichstags-Wahlkreis ausgehe» und angeblich im Jnleresse des Zusammenschlusses aller Liberalen, thatsächlich bezwecken. Spaltungen innerhalb der Freisinnigen Volkspartei hervorzu- rufen. In Form eines Aufrufs an das Volk gegen die Slgrarier, der Bildung eines Zentralkomitees, und von Geld- sauinilnngen für dieses Komilee beabsichtigt man auch außerhalb Berlins demnächst arglose Leute für Pläne zu gewinne», die, wenn sie wirklich eine criisthaste Bedeutung erlangen könnten, höchstens dazu führen müßte», neben de» zwei vorhandenen freisiunigen Richtungen noch eine d r i t t e s r e i s i n n i g e P a r t e i, die höhere und ivahre freisiuuige Partei, zu bilde». Die sreisinuiae Partei kann sich einen solche» Luxus zwar nicht leisten, aber es ist füglich gleichgiltig, wie sie zu gründe geht.— — Der Zentralverband deutscher Industrieller nahm in seiner Schlußsitzung nach kurzer Debatte die nach- stehende», von Dr. Beniner gestellten Anträge an: I. Der Zcnlralverbaud deutscher Industrieller erkennt gern an, daß der Entivnrs eines Gesetzes betreffend die Abänderung der Uilfallversichernngsgesetze in einer ganzen Reihe von Bestimmungen diejenigen Wünsche und Bedenken berücksichtigt hat, welche seitens der Industrie gegen die im Jahre 1894 der öffentlichen Besprechung nnter« b r e i t e t e n N o v« l l e n z u r Unfallversicherung aus« gesprochen worden sind. Jusbesondere ist es erfreulich, daß von einer Ausdehnung der genannte» Versicherung aus das Handwerk, das Klem- und Handels gew erbe abgesehen worden und diese Frage als zu denjenigen auf dein Gebiete der Arbeiterversicherung gehörenden bezeichnet worden ist, „hinsichtlich deren die Ansichten»och zu wenig geklärt sind, als daß es rathsam erscheinen könnte, schon jetzt ein« Regelung zu ver- suchen." Den bei iv e i t e in meisten Bestimmungen des Gesetze ntivurss trittderZentralverband bei. II. Für durchaus verfehlt erachtet er dagegen de» Versuch, die Kompetenz des Reichs-Versicherungsamts zu vermindern und an die Stell» des letzleren die Landes-Zenlralbehördeu u. s. w. zu setzen. Es liegen die a l l e r w i ch t i g st e n Gründe vor, dem Reichs. Ver sichern n gsamt als der Zentralstelle des Reiches für Arbeiterversicherung die bis- herige Selbständigkeit zu belassen. Mit aller Entschiedenheit weist deshalb der Zentralverband insbesondere den ß 63 des Entwurfs zurück, nach welchem die Frage, ob und in welchem Grade eine Verminderung der Erwerdsfähigkeit eingelreten ist oder fortbesteht, oder ob die Berechnung des Jahres-Arbeilsverdienstes auf einer thatsächlichen Unrichtigkeit beruht, nicht zum Gegenstanve des Rekurses gemacht werden kann. Die Beibehaltung der bisherigen Bestimmung wird im Interesse einer einheitlichen Rechtsprechung für unumgänglich nothwendig erachtet. III. Für außerordentlich be- denklich hält der Zentralverband weiterhin die Bestimnlnng. nach welcher die Landes« Zentralbehörde die den Berufsgenossenschafteii in% 76c des Krankenversichernngs« Gesetzes eingeräumte Befngniß gegenüber solchen Knappschastskassen, soiistigen Krankenkassen und Verbänden von Krankenkassen außer kraft setzen kann, welche für die Heilung der durch Unfall verletzten Kassen- Mitglieder ausreichende Einrichlungeii getroffen haben: denn es liegt die Gelahr nahe, daß durch diese Bestimmung die unter einem Auswaiid vieler Millionen Mark bereits errichteten Unfallkrankenhäuser der Berufsgcnossenschaften in ihrer Existenz erschüttert oder doch zum Nachtheil der Arbeiter größlenlheiis'ihrem Zwecke entzogen werden. IV. Der Zentralverband bekämpft weiterhin diejenigen Vestimmuiige» des Entwurfs, welche ein« neue und uii« berechtigte Belastung der Industrie in sich schließen; er rechnet dahin insbesondere die Erhöhung der Kinderrenlen aus 20 pCt., dir eventuellen Renten des Wiltwers und der Hinterbliebenen mutter- losen Kinder und die Reuteiiberechliguiig elternloser Enkel." Altona, 7. Februar.(Eig. Ver.) Auf dem Bauernfang b» fanden sich jüngst Agenten der Slusiedelungskomniission für die Provinz Posen in mehreren Nachbarorten. Sie suchten w Ver- sammlungen laiidwirthschastlicherBereiiiiguiigeujnngeBauernsohnemit etwas Vermöge» zu bewegen, sichanfdeiivonder?l>isiedelungskottimi>swn erworbenen Gütern, über welche sie eine Spezialkarte bei sich snhrlen. anzusiedeln. Die Bedingung für die Ansiedelung, führten sie ans. sei eine außerordentlich günstige, indem keine Anzahlung, sondern nur eine sortlaufende dreiprozentige Grund« und Bodenrente m zahle» sei, und ein gutes Auskommen winke dort den Ansiedlern. Daun aber auch erfüllten die Ansiedler eine hehre Amgabe, iudenr sie im Osten das Deutschthum mit befestigten. So schön das auch klingen mochte, so verfehlte es doch seine Wirkung. Mit rccbk sagen sich die in Frage kommenden jniigeii Leute, daß, wenn die Sache der Ansiedelung im Osten so vorzüglich sei, wie sie geschilderl wird, man nicht nöthig habe, dafür die große Rrllaiuetrvuuuel zu rühren. Altona, 8. Februar. Gestirn und heule tagte hier die General- versa»»nlttng des Verbandes deutscher Küsten schisse r. In der gestrigen Sitzung erstattete der Abgeordnete Dr> Diede- »ich Hadn Bericht über die Verhandlungen im Reichstage zu gunsten der deutschen Küstenfahrt. Gs ivurde einstimmig eine Resolution angenommen, die Reichsregierung um wirksame Schntzmaßregeln gegen die billiger fahrende Konkurrenz der Nachbarvölker in deutschen Küstengewässern, insbesondere gegen Dänen und Holländer, zu ersuchen.— — Die sozialdemokratischen Wähler des zweiten badische» Reichstags-Wahlkreises haben beschlossen, bei der am 11. Februar stattfindenden Stichwahl zwischen dem Kandidaten des Zentrums und der Nationalliberalen sich der Slimine zu enthalten. Unser Wahlkomitee begründet den Beschluß olgendermaßen: Unsere beiden Gegner von der nationalliberalen' und ultra- montanen Partei stehen sich in nahezu gleicher Stärke gegenüber. Bon keiner Seile wurde der ausschlaggebenden sozialdemokratischen Partei eine Zusage gegeben, daß man für das allgemeine, ge- deüne und direkte Wahlrecht, gegen neue Ausnahmegesetze, neue Militärlasten und indirekte Stenern und Zölle eintreten werde. Nach der allgemeinen Ansicht unserer Gesinnungsgenossen aus der Konferenz in Donaueschingen muß in diesem Falle es den Ge- Nossen zur strengsten Pflicht gemacht werden, Wahlenthaltnng zu beobachten. Ultramontane wie Nalionalliberale sind gleich schlimme Gegner des um seine Befreiung aus körperlicher und geistiger Knechtschaft kämpfende» Proletariats. Oesterreich. Wie», 3. Februar. In gestern von Sozialdemokraten ab- gehaltenen 29 Wahlversanimlnnge» wurden s ä in in t l i ch e sozial« demokratische Reichstags-Ka n didaten mit lebhaftem Beifall akzeptirt. In de» Versammlungen wurde auch einstimmig gegen die von klerikaler Seite unteri>oi»n>ei>en Borstöße gegen das Schulgesetz Verwahrung eingelegt. In einer von den abgehaltenen sozialdemokratischen Wnhlversammlnnge» kam es zu einen, Handgemenge zwischen Sozialdemokraten und Christlich-Soziale». Die Polizei schritt ein und nahm mehrere Verhaftungen vor.— Lcinbcrg, 8. Februar. Der galizische Landtag nahm einstiunnig einen vom Landmarschall Grafen Stanislaus Badeni vorgelegte» Dringlichkeitsantrag an, dahingehend, daß anläßlich des fünfzig- jährige» Regierungsjnbiläums des Kaisers das KLnigsschloß am Berge Wawel i» Krakau aus Landesmitteln als KaiserresideNz her- gerichtet und ausgestattet werden und der Kaiser um Uebernahnie dieser Residenz gebeten werden soll. Kaiserschlösser erbauen und das Volk in Elend und Schmutz verkoinineu lassen, das ist echte Stanzykenpolilik.— Frankreich. Paris, 3. Februar. Bei der gestrigen Ersatzivahl zur Kammer in Laon kam es zu einer Stichwahl zwischen de» Radikal-Sozialisten und den gemäßigten republikanischeu Kandidaten. Niederlande. Auttvcrpeu, 8. Februar. Die vläinische Agitation, die das Ziel verfolgt, die volle Gleichberechtigung der vläniischen und sranzöstsche» Sprache herbeizusühren, hat in der Provinz Antwerpen einen revolutionären Charakter angenommen. In einer Riesen« Volksversammlung traten vläinische Abgeordnet« auf und er- klärten, die Weigerung des Senats, den Vläinen die sprachliche Gleichberechtigung mit den Wallonen zu geben, fei eine Herausforderung des vlärnischen Volkes. Der Löwe von Flandern werde sich jedoch nicht zähmen lassen, so lange er Klauen habe und wenn der Senat nicht von seinem Votum zuriicklomme, so»verde er abgeschafft. Das Ant- verpener„Handelsblad" vergleicht die Senatoren, welche gegen das Sprachengesetz gestimmt haben, mit Jiidas dem Berrälher und erklärt, die VlSiner müßten amtlich in vlämischer Sprache verwaltet werde», sonst wird die politische Trennung des Landes in zwei Theile an« gestrebt werden.— Italien. Roui, 8. Februar. Die Stndentenunruhen dauern ununterbrochen fort. Gestern zogen etwa 3000 Studenten und Gymnasiasten vor die Wohnung des Unterrichtsministers Giantnrco, um unter großein Lärm zu demonstrire». Ausschreitlingen wurde» durch die zahlreich erschienene Karabinieri verhindert. Die Menge zerstreute sich erst, als die Studenten erfuhren, daß die Professoren wegen Beilegung der zwischen Lehrkörper und Schülern bestehenden Differenzen zu einer Beralhung zusammengetreten seien. Spanien. Madrid, 7. Februar. Der Ministerpräsident Canovas bei Castillo erklärte aus Befragen, er werde die für Kuba be- s ch l o s s e ii e n Reformen in loyaler Weise zur Anwendung bringen. Er werde nicht iv arten, bis die Ruhe aus Kiida vollständig wiederhergestellt sei; es werde genüge», daß die ansstäiidige Bewegung auf de» westlichen Theil der Insel beschränkt sei. Er habe die Ueberzeugung, daß der Krieg eine» guten Verlaus nehme.— Madrid, 7. Februar. In Manilla wurden acht Eingeborene, welche der provisorischen Jnsurgenten-Negierung angehörten, er« schössen. Viel Federlesens machen die Spanier in solchen; Fällen nicht, sie mögen leicht die falschen gefaßt haben. — Friedens-Unterhandlungen zwischen den Spaniern und den kubanischen Insurgenten. Der Madrider„Jmparcial" behauptet, daß General Weyler mit den kubanischen Rebellen in Unterhandlunge» getreten sei, die schon in kurzer Zeit den Friedensschluß ans Kuba zur Folge haben dürften; die amtlichen nnd halbamtlichen Ableugnungen dieser Thalsache seien ganz werthlos. Als Friedensvermittler werden die früheren Rebellensührer Marcos Garcia und Spotorno genannt, die mit Maxinio Gomez und den übrigen Gliedern der sog.„Insurgenten« Regierung- unterHandel» sollen. Marcos Garcia hatte in den letzle» Tage häufig Unterredungen mit Weyler und mit den Führern der Auto» omistenpartei, in welcher die Friedensbedingnngen sestgelegt worden sein sollen. Der Friede würde auf grund der neu einzuführenden— von»ns in ihrem»vesentlichen Inhalte schon wiedergegebenen— Reformen geschlossen werden. Auf die Ge- Währung dieser Reformen soll die Haltung der Vereinigten Staaten nicht ohne Einfluß gewesen sein. Die Kubaner wolle»— so heißt tS— die Reformen auch nur dann annehmen, iveiin sich die Vereinigten Staaten für die strenge Durchführung derselben ver- bürgen. Natürlich werden sich die Vereinigteir Staaten'ihre Bürgschafts- dienste theuer bezahlen lassen. Sie verlniigen schon jetzt Aenderungen des kubanischen Zolltarifs zu gunsten der amerikanischen Einfuhr, und andere Forderungen werden schon noch nachkommen. Zur Durch- sühriing der Reformen soll wieder der General Marlinez Campos nach Kuba gesandt werde», da Weyler dort zu unbeliebt sei. Schließlich wird noch gemeldet, daß Maximo Gomez, der Führer der Insurgenten, eine bedeutende Absindungssumine erhallen soll. Die Spanier hätten also auf Kuba„glänzend gesiegt"— aber noch ei» solcher Sieg, und nicht nur Kuba, sondern sie selbst sind ver- — G e n o s s e V a s a P e l a g i c, der in Belgrad Archiman- drit gewesen ist und wegen seiner eifrigen Agitation für die Sozialdemokratie exkommunizirt worden war, ist bekanntlich wegen einer Flugschrift über den König von Serbien, worin er von ihm ein wohlgetroffenes Porträt und eine passende Schilderung gab, z» vier Jahren Gesängniß verurtheilt worden. Jetzt ivurde er aus Anlaß einer allgemeinen Amnestie befreit.— Türkei. — Die Beziehungen z u den auswärtigen Mächten scheine» sehr getrübt zu sein. Der„Franks. Ztg." wird hierzu ans Konstantinopel gemeldet: Deutschland hat das offiziell« Ersuchen des S»lta»s UN» Entsendung einer größeren An- zahl deutscher Offiziere zur Reorganisation der türkischen Gendarmerie und von Finanzkräften zur Reorganisation der Finanzverivaltung mit dem Bedauern abgelehnt, daß der gegenwärtige Moment nicht für günstig erachtet werde für ein« solche Mission. Dasselbe Gesuch a» Frankreich, aber mir zur Eni« fendung von Finanzkräflen, ist in Paris ebenfalls abgeschlagen worden. Die Siegierung von Belgien scheint erst nachträglich von der Ablehnung der beiden Großmächte und den Motive», die sie hierbei leitete», Keiintniß erhalten zu haben, denn sie zog ihre Zu- sage wegen Entsendung des Belgiers Tavern in die Finanz- Kontrollkommission zurück.— Ans Koustautiuopcl kommt folgende Meldung: Bei einer Haussuchung in der Wohnung eines angesehenen russische» Armeniers beschlagnahmte die Polizei verschiedene äußerst koinproinittirende Schrifren, ein großes Waffenlager und«ine Anzahl gefüllte Dynamitbomben. Wie die„Times" aus Konstantinopel vom 6. d. Mts. meldet, habe» dort die Verhaftnngen von Armeniern wieder begonnen unter dem Vorwande, Unruhen zu verhindern, welche, wie behauptet wird, für den Namazan vorbereitet werden. Asien. — Der russisch-französische Einfluß in China ist im Wachsen begriffe». Aus Paris ivird depeschirt: Infolge des Uebereinkominens zwischen Frankreich und China wird eine französische Mission die Leitung des Arsenals von tzuttchau übernehmen. Die Mission wird sich am 14. Februar in Marseille nach China einschiffen.— Amerika. New- Nork, 3. Februar.(„TimeS.") Der Senat hat in nnerwarteter Weise der E i n w a n d e r u n g s b i l t gegenüber«ine von der des Repräsentantenhauses abweichende Haltung eingenommen Der Senat ist einer Zulassung von Einwanderern geneigt. welche englisch oder irgend eine andere Sprache lesen können, während das Repräsentantenhaus von den Einwanderern. die Kennt, iiß des Lesens im Englischen oder der Sprache des Landes, wo sie geboren sind oder ihren Wohnsitz hatten, verlangt. Ferner ist der Senat gegen den Vorschlag des anderen Hauses, nach welchem die des Lesens unkundige Ehefrau ausgeschlossen bleiben soll, wenn auch ihr des Lesens kundiger Mann herein- gelassen wird. Die Bill wird den Gegenstand einer nochmalige» Konferenz zwischen den beiden Häusern bilden. Neidjsksug. 170. Sitzung v o in 3. Februar 1397. 1 Uhr. Am Tische des Bnndesralhs: Fürst zn Hohenlohe, von Marschall, von Bötticher, Graf P o s a d o w s k y. Die zweite Beralhung des ReichS-Haushaltsetats für 1897/98 wird sortgesetzt und zwar beim Etat des Reichskanzlers und der Reichskanzlei, Gehalt des Reichs- kanzlers. Hierzu liegt folgender Autrag der Abgg. Barth u. Gen. vor, den Herrn Lieichskauzler zn ersuche», dem Reichs- tage baldthunlichst eine Denkschrift über die erkennbaren volkswirth- schafllichen Wirkungen der seit 1892 beziv. 1394 zwischen dem Deutschen Reiche einerseits nnd Oesterreich-Ungarn, Italien, Belgien, der Schweiz, Serbien, Rumänien und Stußland andererseits be- stehenden' Handelsverträge vorzulegen. Zu demselben beantragen die Abgg. Fritzen- Düsseldorf(Z.) und Genossen hinter dem Worte„Handelsverträge" einzuschieben: „mit besonderer Rücksicht auf die Landivirthschast." Abg. Barth(frs. Vg.): Die Denkschrift, welche wir verlangen, soll eine umfassende sein. Die Erwartung darf man allerdings nicht allzu hoch spanne». Man hat berechnet, daß aus jede Million Mark Export 1000 Arbeiter kommen. Jemehr der Export von Jndnstrie- Artikeln steigt, desto mehr Arbeiter werden beschäftigt und zwar gerade die bestgelohnte», welche die zahlungsfähigsten Käufer von landwirthschastliche» Produkten sind. Wir haben vor wenigen Tagen eine Debatte im Abgeordnetenhause erlebt, in ivelcher der Laiidivirthschastsuiiiiister sich ohne jede Pro- vokatio» als Gegner der Handelsverträge bekannt hat; er hat aller- Vings gesagt, daß er ein Gegner gewesen sei; aber er»leinte auch, daß die Handelsverträge nicht allein schuld an der schlechten Lage der Landivirthschast seien; zum theil schiebt er ihnen also die Schuld daran zu. Deshalb wird eine Denkschrift, wie wir sie fordern, auch für ihn aufklärend sein. Abg. Fritzen'(Z.) empfiehlt die Heranziehung der öffentlich rechtlichen Korporationen zur Berichterstattung über die angeregie Frage, die Landwirthschaslskannner»; aber auch die landivirthschast- liche» Vereine müßle» dabei»litwirke». Redner verweist darauf, daß Deutschland im stände sei, das nölhige Fleisch zu pro- duzire», deshalb müsse der deutsche Viehstand geschützt werden gegen die Einschleppuiig von Seuchen. Wein» die Handelsverträge einen Schutz gegen die Seucheneinschleppnng verbieten, dann müssen u»sere Verhältnisse zu den anderen Staaten beim Ablauf der Handelsverträge in dieser Beziehung jedenfalls anderweitig gestallet werden. Abg. Hammachcr(natl.)-. Meine politischen Freunde erkennen mit dem Vorredner an. daß die Landwirthschaft sich>» einer sehr üble» Lage befindet, und daß daraus nicht nur für sie, sondern auch für das gesammte Staatswesen nach der wirthschaftlichen nnd»wra- tischen Seile hin Nachtheile erwachsen. Eine Befserung dieses Zu- standes niit den gesetzlich zulässigen Mittel» herdeizusühren, ist eine pflichl», äßige Aufgabe des Stnaies. Was den Antrag Barth betrifft, so halten ihn meine Freunde für durchaus nützlich, nnd wir könne» die Meinung des Vorredners nicht theileu, daß er zu früh eingebracht sei. Graf Posadowsky hat uns bereits i» einer der letzten Sitzungen iniigetheilt, daß die Reichs-Fuiaiizverwaltiing oder die verbündeten Regierungen— ich weiß nicht, welches Organ es ist— sich mit Vorstndlen für die Aufstellung eines Generallariss beschästige. Mau kann nicht behaupten, daß die Handelsverträge für Deutschland nicht günstig gewesen sind. Wen» der Export gestiegen ist, so möge» dazu allerdings die„enen Unternehmungen, die in Rußland auf- getaucht sind, mit dazu beigetrage» haben, aber es ist nicht zu leugnen, daß, wei», die rnsstsche» Zölle noch erhöht werde» nnd der Handelsvertrag nicht abgeschlossen wäre, wir unseren Export nicht so hätten verbessern können,>vie es geschehe» ist. Man muß anerkennen, daß der Laiidivirthschafl die Bewegiingsfähigkeit und Anpassungsfähigkeit fehlt, welche der Industrie mehr oder weniger eigen ist, und darauf muß Rücksicht geuommen werden. Wenn Herr Fritzen ineint, daß die Landwirthschaft bei den Handelsvertrags- Abschlüssen in«ine gewisse gebundene Lage gekommen sei, so ist auch die Industrie an gewisse Zölle gebunden nnd der Schutz für sie kann auch nicht mehr erhöht, verde». Es ist kürzlich vom Regier, ingstisch unter Znstimmung vieler Mit- glieder des Hauses daraus hingewiesen worden, daß die Handels- Verhältnisse des nächsten Jahrhunderts auf den, ganzen orbis terrarum sich anders gestalte» werde». Die Vereinigten Staaten gestalten den Nordamerika,, ischen Kontinent allmälig zu einem einheitlichen Wirth- schaslsgebiet. In England werden die Bestrebungen des Groaber Britain(G rü ßer-B ritaunieu) ebenfalls Erfolg habe». Wenn wir das klar voraussehen, so müssen in nicht zu ferner Zeit die enropäischen Staaten dazu übergehen, enger aneinander Anschluß zu finden, als es zur Zeil der Fall ist. Diese Entwickelung würden wir stören, wenn wir das System der Handelsverträge verlassen würden. Unsere Sandelsverträge haben auch politisch vortheilhaft gewirkt und die tellung unserer Regierung gestärkt. Staatssekretär v. Marschall: Ich Hobe im Namen der ver- bündeten Regierungen zn ertlären, daß, wenn der Reichstag nach dem Antrag Barth beschließt, sie selbstverständlich gern bereit sein werden, diesem Wniische nachzukommen. Auf die Gefahr bin, daß ich vielleicht etwa? Waffer in den Wein der Begeisterung einzelner Leute gieße, erklär« ich, daß der Staatssekretär des Reichsschatzamts bei seinem Vorgehen sich nicht nur selbstredend der Zustimmung des Herrn Reichskanzlers, sondern auch meiner Zustimmung versichert»; ja, ich kann mittheilen, daß ich schon vorher aus eigener Initiative meiuen Kollegen wieder» holt den Wunsch ausgesprochen habe, daß möglichst bald an die Aufstelluna eines derartigen Tarifs gegangeii würde und zwar des- halb, weil ich den Besitz eines solchen spezialisirten Enlwurss für unumgänglich nothwendig für den Fall erachte, daß die bisherige Handelspolitik sortgesetzt werden sollte. was ich hoffe. Ich sage, wir würden uns der Pflicht nicht entziehen können, unfern eigenen autonomen Zolltarif zu revidire». Ich habe schon vor fünf Jahre» ausdrücklich das Recht der verbündeten Regierungen ge- wahrt, vor Ablauf der Handelsverträge einen neuen autonome» Zoll- tarif aufzustellen. Wenn wir nach der Erhöhung der Zölle unter Fürst Bismarck abermals einen»enen Zolltarif mit höheren Sätzen auf« gestellt hätten, so hätte dieser Schritt unsere Handelspolitik nicht gefördert, sonder» wäre ihr hinderlich gewesen. Die anderen Staaten würden uns nachgefolgt sein, nnd aus dieser gegenseitigen Schrnuberei»väre ei» Zustand hervorgegange»:, der die Durchführung der Handelspolitik erschwert hätte. Die Ansicht des Reichs- Schatz- sekretärs, daß die neilen Handelsverträge nicht eine einfache Abschrift der bestehenden sei» könne», theile ich vollkoinmen. Ich halte das gradezu für selbstverständlich. Ich bin allezeit enlschieden eingetreten für dauernde Verträge, weil ich im Interesse»»serer erwerbenden Kreise nichts so sehr ivünsche, als eine Stabilität der Handelspolitik, und ich bin nach wie vor der Ansicht, daß diese Stabilität, die wir erreicht habe» auf 10, bezw. 12 Jahre, der eigentliche Vorzug dieser Handels- vertrüge ist. Andererseits können in unserer raschlebigen Zeit an- gesichls der fortwährenden Veränderungeil aus wirthschaftlichem und technischem Gebiete in den 10—12- Jahren sich an einem Handelsvertrage so manche Mängel, Lücken und Zweifel ergeben, so daß«ine Revision unbedingt nothwendig ist. Ich bin überzeugt, daß, wenn wir diese Revision nicht verlangten, sie von anderer Seite verlangt werden würde. Ich bin stets für den Satz eingetreten, daß der innere Markt in erster Reihe der Berücksichtigung bedarf, und daß die Landwirthschaft als eines der hervorragendsten Gewerbe eines ausreichenden Zollschutzes für ihre Produkte bedarf. Darüber, was ei» ausreichender Schutz ist, gehen natürlich die Ansichten auseinander.(Heiterkeit.) Ich theile die Auffassung derer nicht, die in einer Erhöhung der Preise der landwirthschastliche» Produkte durch Zölle eine Ueber- lastung unserer arbeitenden Klassen erblicken. Das ist nicht der Fall, wei», die unumgängliche Voraussetzung erfüllt wird, daß diesen arbeitenden Klassen, besonders den Industrie- Arbeitern ihr Produkt, das heißt ihre Arbeit, auch geschützt wird, daß ihre Arbeitsgelegenheit durch die Zollpolitik erhalte» und erweitert wird.(Zustimmnng.) Wird diese Bedingung nicht erfüllt, geht man einseitig vor mit der Erhöhung der Preise der landwirthschastlichen Produkte, wird dadurch die Arbeits- gelegenheir der Arbeiter vermindert, so würde ich das nicht»ur für einen großen wirthschastlichen Fehler, sondern sozialpolitisch geradezu für ein verhängnißvolles Experiment halte». Und darum komme ich zn dem Schluß: auch der auswärtige Markt bedarf des Schutzes, insofern darin unsere nationale Arbeit zur Erscheinung kommt. Ein Land wie Deutschland, dessen Ausfnhrwerlh sich bereits der vierien Milliarde nähert, darf diesen Theil seiner nationalen Arbeit nicht der Willkür fremder Zolltarife anheiinstellen. Darum bedarf eS der Tarifverträge. Wir müsse» auch unsere Ausfuhr schützen, und sie bewegt sich ja nicht in absteigender, sondern i» aussteigender Linie. Bei der Zu« »ahme der Bevölkerung, der Verschärfung des Konkurrenzkampfes und angesichts der Thatsache, daß das Ausland manche Produkte selbst zu produziren ansängt, ist unsere Aussuhr mehr und mehr auf Speziali- täten angewiesen, aus Qualitätsarbeit, und damit steigert sich in dem Gesammtwerlh unserer Ausfuhr die Quote, die der Arbeits- loh» ausmacht. Es»väre interessant, wenn durch die Statistik sich nachweisen ließe, wie viel Arbeitslohn in dieser unserer Ausfuhr steckt. Das Resultat wäre wahrscheinlich ein gewaltiges Warnungs- signal für diejenigen, welche den Schutz unserer Ausfuhr eigentlich für eine alte Schrulle halten. Ich habe mit Genugthuung wahr- genomme», daß auch in den Reihen derer, die bisher die entschiedensten Gegner der Handelsverträge gewesen sind, der Gedanke allmälig zur Geltung kommt, daß eine einfache autonome Zollpotilir unmogli� sei. daß>vir auch in Zukunft Handelsverträge schließen müssen, freilich bessere wie bisher. Diese» Entschluß kann ich nur billigen. Deutschlaud ist gewiß kein Industriestaat in dem einseitigen Sinne, den man fälschlich einer Aeußerung des früheren Reichskanzlers»»tergelegt hat. Aber jedermaiin wird zugeben: in oiesem Sinne ist Deutschland auch kein landwirihschaftlicher Staat. Es ist beides, es ist aber ein Handwerker- nnd Arbeiterstaak. In dem Z»sa»>mei»virken aber dieser Gewerbe liegt das Blühen und Gedeihen unserer ivirthschastllchei, Existenz. Es sollte mich freuen, iveini es den Gegen, unserer bisherigen Handelsverträge gelänge. bessere Handelsverträge z» schließen. Sollte sich trotzdem darin hier nnd da ein Mangel zeigen, so dürfen die Herren versichert sein, daß ich ihnen ein milderer Richter sein werde, als sie es mir gewesen sind.(Heiterkeit.) Abg. von Lcvctzow(k.): Die eigentliche Spitze des Antrages Barth ist zwar durch de» Antrag Fritzen abgebrochen; deshalb könnte ma» beide Anträge zusammen annehmen, aber für eigentlich nothivendig kau» ich sie nicht halte». Welchen Nutzen soll die Denk- schrift stiften? Es wird also kein Unglück sein, wenn die Anträge angeiionimen werden, aber auch kein Unglück, wenn sie abgelehnt würden. Abg. Hon Kardorff(Rp.): Es fragt sich nur, wie die Verträge be- schaffen sind. Mit de» Handelsverträgen, welche die laudwirthschastlichen Jiueresse» opferte» der Industrie zu Liebe, konnte»>vir aber nicht zufrieden sein. Allerdings hatten wir 1392 keinen freihändlerischen Tarif, aber die landwirthschastliche» Zölle wurden herabgesetzt, die industriellen nicht. Deutschland muß für künftige Handelsverträge sich einen autonomen Tarif herstellen und dabei müsse» die landwirthschastlichen Interessen eine bessere Vertretung finden als bisher. Ich fürchte, wenn die Handelsverträge noch lange danern, dann wird schließlich von der Landwirthschaft»»cht mehr viel übrig bleiben.(Zustimmnng rechts.) Abg. Hahn(wild- konserv.) bittet, zur Ausarbeitung dieser Denkschrift Vertreter der verschievene» BerusSzweige, auch ver Land- wirthschaft, hi»zuziiziehei>.(Lachen links.) Abg. Graf Limburg(dk.): Wir haben immer den Eindruck gehabt, daß die Haildeleverträge uns hinderii, der Landwirthschaft zu helseu; denn ohne Bindung der Getreidezölle hätten wir der Landivirthschast Helsen könne», das hat sich besonders gezeigt bei dem Antrage des Grafen Kanitz. Die Grundsätze, die der Staats- sekretär hinsichtlich der Zukunft entwickelt hat, lassen eine Ver« ständigung als möglich erscheinen. Die Getreidezölle dürfen nicht gebunden werden. Von der Annahme des Antrages wird kein Vor- lheil zu erwarten sei». Abg. Förster-Neustettin(Reform-P.) empfiehlt eine gründliche Vorbereitung des Neuabschlusses von Handelsverträgen hauptsächlich zum Schutze des inneren Marktes. Abg. v. Stumm(Rp.): Ich werde für den Antrag Fritzen, aber gegen den Antrag Barth stimmen. Wir sollten zur Regierung das Vertrauen haben nach den Erklärungen des Staatssekretärs, daß sie für die Landwirthschaft das Nöthige thun wird. Damit schließt die Debatte. Der Antrag Barth wird mit dem Verbesserungsanlrag Fritzen gegen die Stimme» der Deutsch-Konser- vativen, der Reichsparlei und der deutsch-sozialen Resormpartei an» genonime». Das Gehalt des Reichskanzlers und die übrigen Ausgabe» des Etats der Reichskanzlei werden genehmigt. In erster niid zweiter Berathung genehmigt das Haus das usatzabkommen vom 4. Mai vorigen Jahres zur B e r n e r ebereinkunft zum Schutze von Werken der Literatur und Kunst vom 9. September 1886. Es folgt die erste Berathung des Gesetzentwurfs wegen Ab» änderuiig des Gesetzes betreffend die Beschlagnahme des Arbeits- oder DienstlohnS, und der Zivil-Prozeßordnung. Staatssekretär Rieberding weist darauf hin, daß der Gegen» stand bereits im vorigen Sommer aus Anlaß eines Antrages den Reichstag beschäftigt habe; der Gedanke der Vorlag« habe damals schon allgemein« Zustimmung gesunden. Stfrg. Lcuzmniin(ftf. Vp.) bemängelt, daß nach der Vorlage »e» tev Beschlagnahme ansgeschlossen sein soll dasjenige, was zur Bestreitung des nothdiirftigcu Unterhalts des Betreffenden und der von ihm zu unterhaltenden Personen»ölhig ist. Man hätte dem Richter nicht die Entscheidung darüber überlassen, sondern ein ge rvisses Prozeniverlmltniß feststellen sollen. Wbg. Basserinanil(natl.) empfiehlt, wie der Vorredner, zur Hebung verschiedener Ztveisel und Meinungsverschiedenheiten eine Hinansschicbltng der ziveiten Lesung. Abg. Stadthage»(Soz): Der Gesetzentwurf beschäftigt sich nicht nur mit den Rechten, die das uneheliche Kind bekommen soll, sondern zieht auch das Recht des früheren Ehe gölten und der früheren Ehefrau hinein. Das war nothivendig nicht nur mit Rücksicht auf das Bürgerliche Gesetzbuch, sondern aus die eigenthümliche Judikatur des Reichsgerichts. Es ist mit Freude zu begrüßen, daß der Gesetzentwurf nunmehr der geschiedenen Ehefrau dasselbe Siecht giebt, wie der Ehefrau, die noch durch das Band der Ehe an den Ehemann gekettet ist. Bezüglich der Beschlagnahme der Löhne, die einen Betrag von 1500 M. übersteigen, soll eine Pfändung nicht stattfinden, wen» jemand daran nicht angestellt ist.„Dauernde" Lohnbezüge sollen»ur solche sein, wo das Lohnverhältniß entweder auf mindestens ein Jahr oder mit mindestens dreimonatlicher Kündigungsfrist vereinbart ist. In der Praxis hat sich nun die Eigenthümlichkeit herausgebildet, daß man gegen einen, der nicht uachgewiesenermaßen über 1500 M. Einkommen hat, wegen Alimenten nicht vorgehen kann. An stelle des Begriffs „dauernd" ist eine Deklaration zu setzen. wonach eine bestimmte Kü»dig»»gssrist vorgesehen ist. In bezitg aus das Pfändungsrechl wird mau erheblich weilergehen und uanienllich bei der Revision der Zivilprozeß-Ordnung den Kreis der unpfändbare» Gegenstände erweitern müssen. Nachdem noch die Abgg. Graf Holstein(k.). Schwarze(Z.) und Schmidt-Warburg(Z.) für die Borlage gesprochen, schließt die erste Beralyung. Die zweite ivird in nächster Zeil stattfiiide». Es folgt die erste Beralhung des Entwiirss eines Handels- gcfetz buch s und eines Etnsührungsgesetzes zum Handels � gesetzbuche. Staatssekretär Nieberding: Von dem Bürgerliche» Gesetz bück) wird ei» Theil des reichen Stoffes, den das Handeln gesetzbnch unifaßt, übernommen und es ist Aufgabe des Gesetzgebers, diesen Theil aus dem Handelsgesetzbuch zu beseitigen. Auch das Handelsgesetzbuch wird sich in allen Fragen von grundlegender Bedenlnng denjenigen Anschauungen anschließen müssen die der Gesetzgeber in deni gemeinsamen bürgerlichen Recht nieder- gelegt hat. Wir haben uns bemüht, den Charakter des alten Ge- setzes möglichst zn wahren. Das Aktienrecht grundsätzlich umzugestalten, lag kein Anlaß vor. aber es»»ißU» in einzelnen Punkten auf grnnd der Erfahrungen Aenderungen darin vor- genonunen werden. Aenderungen habe» wir ferner vornehmen nmfsen in der Stellung der Handwerker und Kansleute in der Ans- stelluiig des Firmenrechts. Ebenso mache ich aufmerksam auf die festere juristische Durchbildung der Prokura, ans die schärfere Be grenzung der Pflichten der Gehilfe» n»d den Schutz der Lehrlinge im Handelsgewerbe. Ich hoffe, daß alles das von Ihnen als Ber« bessernnge» anerkannt wird. Nene gewerbliche Belriebsformcn und Belriebszivecke, die in der Zwischenzeit emporgewachse» sind, haben wir in, nenen Handels- gesetzbnch nicht außer Betrachl lassen lönizc»; das sind die kauf männischen Bermiltelungsgeschäste. die Handelsagenten, die Handels- Makler und die Lagerhaller. Diese iverden um so bedeulsaiuer, umfangreicher und unentbehrlicher, je mehr sich im Handel die Vertheilung der Arbeit vollzieht, je komplizirter die Geschäflsverhältnisse iverden und je mehr sich der Handelsverkehr international ausbildet. Erst in de» letzten Jahr- zehnten haben sich diese Geschäflsforme» so ausgebildet, daß die neue Gesetzgebung sie berücksichtigen»>»ß. Zwischen dem alte» Haiidels>zesehb»ch und der neuen Vorlage besteht ein weitgreifender l'iiierschied in der Begrenzung des Personenkreises, welcher dem Handelsgesetzbuch unterworfen sein wird. � Das jetzige Handelsgesetzbuch gilt sür Handelsgeschäste, gleichviel wer die Geschäfte betreibt; das neue Handesgesetz- buch gilt nur für Kanflente. Dadurch tvird der Personenkreis «ingeschränkt. Für unsere modernen Verhältnisse ist der alte Begriff des Kausmanns zu eng. Der Bauunternehnier ist heutzutage nicht verpflichtet, Bücher zn führe», während vielleicht der Glasermeister, der im Hanfe des Bauunternehmers Fensterscheiben einsetzt, de» kaufmännischen Pflichten unterworfen ist. Das ist ein Widerspruch. Ei» großer Hotelier ist heute nicht Kaufmann, während der ihm gegenüber wohnende ttolonialwaaren- Händler es ist. trotzdem er nur den hundertsten Theil des Umsatzes hat. Der Be- sitzer einer großen Brennerei, der nur eigene Kartoffeln verarbeitet, ist nicht ttanfmaiin, der Besitzer der kleinsten Brennerei, der vom Nachbar ikarloffel» kanfl. ist es. Diese Unklarheiten müssen beseitigt werden. Der Gesetzentivnrf definirt diejenigen als Kansleute, die nicht nur vermöge des Charakters, des sachliche» Inhalts des Geschäfts Kaufleute sind, sondern auch deshalb, weil ihr Betrieb einen gewissen Umfang angenommen hat. Bleibt der Umfang des Geschäfts hinter einer geivissen Grenze zurück, so soll der betreffende nnr Kaufmann sein, wenn er seinen Geschäftsbetrieb in das Handelsregister einträgt. Die landivirlhschaftlichen Betriebe fallen nicht»nter das Handels- gewerbe; dagegen sollen die große» industrielle» Unternehmungen, dir neben dem landivirlhschaftlichen Betriebe bestehen, dem Begriffe des kaufmännischen Unternehmens nicht entzogen iverden. Die la»d- wirlhschafllichen Nebenbetriebe, wie Molkerei, Obstzucht und der- gleichen, sind mit dem landwirthschnftlichein Betriebe eng ver- ivachsen, man kann ihnen nicht eine kaufmännische Buch- sührnng und Bilanzanfstelliing zumulheii. Anscheinend stehe» wir hier vor einem umfangreiche» Werk von vielen Para- graphen; es scheidet aber das Seerecht aus im große» und ganzen, und über die anderen Theile wird sich leicht eine Verständig» ng erzielen lasten. Wir haben es für unsere Aufgabe und Ehrenpflicht angesehen, dieses bedeutende Werk unter Zuziehung bedeutender Rechlsautoritäten, der Vertreter des Handelssiaudes und der Land- wirthschafl einer gründliche» Prüsuug zu unterziehen»nd wir erkennen es dankbar an, daß auch der Kanfmaiinsstand nach besten Kräften an dieser Kodifikation theilgenomme» hat. So hoffen ivir denn, daß diese Vorlage von Ihnen mit dem- selben Wohlwollen, derselben Energie und uiit demselben Erfolge berathen werden wird, wie das Bürgerliche Gesetzbuch, und daß Sie dadurch auf dem Gebiete des Handelsrechts dem Haiidelsftande fiir rnnner eine unantastbare Stellung sichern iverden.(Beifall rechts.) Gegen 5'/, Uhr wird die iveitere Beralhung bis D i e n st a g 1 Uhr vertagt; vorher Wahlprnfungen. Vttvltturentssrifihe-s. Der BnndcSrath hat in seiner am 4. d. M. unter dem Vorsitz des Vize-Präsidenten des Staatsininisterinms, Staatssekretärs des Inner» Dr. v. Bütticher abgehaltenen Plenar- fitzung von einer Nachweisung über die den einzelnen Bnndesstaaten und zum ersten Mal— den deutschen Schutz- gebieten bis Ende v. I. Überwiesenen Beträge an Reichs-Silber-, -Nickel- und Kupfermünzen Kenntniß genommen. Den zuständigen Ans- schüsten wurden üderiviesen: der Entwurf eines Gesetzes für Elsaß- Lothringen über den Geschäftsbetrieb der öffentlichen Vorschußkassen, — die Vorlage, betreffend die Abänderung einiger Bestimmungen der Betriebsordnung für die Hanpteisenbahlien u. s. w.,— die Vor- läge, betreffend de» Auslieferungsvertrag zwischen dem Reich»nd den Niederlanden, sowie ein Antrag, betreffend die Besetzung einer Rathsstelle bei dem Reichsgericht. Außerdem wurde die Wahl eines Mitgliedes der Kominission für Arbeiterstatistil vorgenommen und über Eingaben Beschluß gefaßt. Die übrigen Beschlüsse haben wir gemeldet.— Die GeschaftsordunngS-Kominissio» des Reichstages hat die beantragte Genehmigung zur Strasverfolgnng des Abgeordneten Dr. S i g l in Sachen Seligstei» contra. Sigl wegen Beleidigung sür die Dauer der gegenwärtigen Session nicht e r t h e i l t. Verantwortlicher Nedakteur: Im Herrenhaus hat die wirthschaftliche Vereinigung unter Führung des Herrn von Franckenberg einen Antrag gestellt, ivori» die Regierung ersucht wird, dem von mehreren Parteien im Reichs tage eingebrachten M a r g a r i n e g e s e tz im Bundesrath ihre Zu- stimninng zu ertheilen. In der Begründung heißt es u. a.:„Die preußische Regierung dürfte sich überzeugt haben, daß ihre Ab stimninng im Bundesrath gegen die Beschlüsse des Reichstages in den allerweitesten Kreisen der Landwirthschaft sowohl wie in anderen Schichte», welche Interesse an gesunder, unverfälschter Voltsnahrung haben, nicht verstanden oder gebilligt worden ist. Die wirthschafl liche Vereinigung des Herrenhauses hat nahezu einstimmig dem zu gunsten einer wirksamen Bekämpfung der Verfälschung von Nahrnngs- Mitteln und unlauteren Wettbeiverbs gestellten Antrage zugestimmt/ — Die Verhandlungen im Reichstage iverden ja bald darüber Auf schlug gebe», ob die Macht der Agrarier bereits so iveit reicht, daß sie vermöge ihrer Mehrheilen in den Einzel-Landragen auj An gelegenheileu des Reichs einen Einfluß ausüben könne». Ergänzungöwahle» zum sächsische» La»dtage sind im kommende» Herbst vorzunehmen. Dabei wird das verschlechterte Landtagswahl- Gesetz vom 28. März 1898 zum ersten Male Anwendung finden. Bekanntlich theilt dies neue Wahl„recht" sämimliche Wähler in drei Klassen, die nach deren Leistungen an staatlicher Einkomuien- und Grundsteuer bemessen werden. Zur Ver zuckerung dieser bitteren Pille hat man den Zensus fallen lassen, so daß jetzt.auch die wählen können, welche nicht 3 M. direkte Steuer zahlen. Das Wahlrecht ist andererseits wieder an eine Reihe von Bedingungen geknüpft, von denen diejenige, welche die Wahl berechtigiuig von einem halbjährliche» Ausenthalte am Orte abhängig macht, das Wahlrecht der Arbeiter am meisten verkümmert. Dies ganze Wahlrecht ist überdies werthlos durch die Dreitheilung und die indirekte Wahl. Je eine Klasse hat ein Drittel Wahl- Männer zn ivählen, und diese Wahlmänner wählen dann wieder den Abgeordnelen. Die nichtbesitzende Klasse n>it ihre» 80 pCt. aller Wähler wird, da sie nur ein Drittel der Wahlmänner zu ivählen hat, nie in der Lage sei», ihrem Willen Geltung zu ver- schaffen. Und das war ja auch die Absicht der Reaktion, als sie die Eutrechtiing des Volkes durch das Wahlgesetz vornahm. Die jkalknlatio» der Reaktion ist aber falsch, denn kann das Volk seinem Wille» nicht Geltung verschaffen durch die Landtagswahle», dann auf anderem Wege und dann um so nachdrücklicher. Durch das»eile Gesetz ist sonst iveder an der Zahl der die Zweite Kaininer bildende» Abgeordnelen noch an der Abgrenzung der bisherigen Wahlkreise etwas geändert ivorden. Verfassungs- gemäß hat, wie bisher, alle zivei Jahre ein Drittel der Abgeordneten der Zweiten Kammer auszuscheiden, ebenso sind für die eliva i»- zivischen durch Todesfall erledigten Mandate Ersatzwahlen vor- znnedmen. In Erledigung kommen 12 Sitze der Konservativen. 7 der Nationalliberale», 2 der fortschriltlichen, 1 der antiseniitischen nud 6 der sozialdemokratischen Partei(Kaden, 4. Wahlkreis der Stadt Dresden; Geyer, 30. ländlicher Kreis; Horn-Lübta», 16. ländlicher Kreis; Postclt, 24. ländlicher Kreis; Schulze, 10. ländlicher Kreis; Stolle, 40. ländlicher Kreis. AnS der Schweiz. Die Landesorganisation der deutschen Sozialisten in der Schiveiz halle im vorige» Jahre eine Einnahme von 1331,30 ii»d eine Ausgabe vo» 725,26 Frks., somit blieb ein Kassenbestand von 656,04 Frks. Für Agitation ivnrden 230,65, für Unterstützungen 213,45 Frks. ausgegeben. Todtenlistc der Partei. In Kappel bei Chemnitz ist der Parleigeiiosse Albert Geilhard, der der Partei seit den "Ojer Jahren angehörte und stets für die Beivegnng thälig gewesen ist, ans dem Leben geschieden. In Mannheim starb der Stadtverordnete Fritz Köber, der seit seiner frühesten Jugend zn»nserer Partei hielt. Er war einer der Genossen, die am Weih- nachlsabeiid des Jahres 1386 ans Frankfurt a. M. ansgeiviese» ivnrden. Nach langer Waiiderimg fand er in Mannheim einen bleibenden Wohnsitz. Er war im Jahre 1393 Kandidat für die Reichstags- und Landlagsivahl. Dem Stadlverordnetenkollegium ge- Hörle er seil demselben Jahre an. Auch in seinem Berufe— er war Mechaniker— staiiv Genosse Köber seinen Mann. 1892 sandte h» die Nähmaschinensabrik Neidlinger als technischen Vertreter nach Brüssel. Polizeiliches, Gerichtliches ic. — Wegen Beleidigung des Fabrikaufsehers Hermann D a h m in Sebaldsbrück wurde der verantwortliche Redakteur der„Bremer ü rg e r- Z e i t u n g", Genosse Rhein, von» Schöffengericht zn 75 M. Geldstrafe oder 15 Tagen Gefängniß verurlheilt. — Die„V o l k s w a ch t" in Breslau war angeklagt, die Ehre der dortigen Arbeiter dadurch beeinträchtigt zu habe», daß sie in Beziehung auf die Anstrengnngen der Rheder, Streikbrecher in Breslau anzuwerben, geschrieben hatte, diese würden, wie aus der Abfassung der Konlrakle Hervorgehe, doch»nr die„Nothknechte" für kurze Zeit abgeben. Das Schöffengericht sprach den angeklagten Redaklenr srei und die Berufungsinstanz schloß sich diesem Urtheil a». Erwähne» ivollen wir noch, so bemerkt die„Volksivacht", daß die i» diesem Falle gegen unser Blalt erfolgte Freisprechung die siinsle ist im neuen Jahre neben einer Vernrtheilnng. Auch ein Beilrag zur großen Belastniig der Gerichte mit Arbeit. Oewevkfchnftlirsze**. Aufruf an die Bnrcan-Angestellken der Rechtsanwälte «nd Gerichtsvollzieher Berlins und Umgegend k Kollege»! Der Anwaltsverein hat in seiner am 2l. Januar die seitens der vo» ihm eingesetzten Kommission gemachte» Porschläge zur Regelniig »»serer Arbeitsverhältnisse abgelehnt, trotzdem nicht nur Mitglieder jener Kommission, sonder» eine noch größere Anzahl anständiger Arbeitgeber die 'Annahme aufs wärmste befürwortet und eine Ans- b e s s e r u u g unserer Lage als absolut n o t h- wendig bezeichnet habe». Die Verweigerung auch des kleinsten Zugeständnisses zeigt uns deutlich, daß wir von de>» guten Willen unserer„Brotherren" nichts zn erwarten haben. sonder» aus eigener Kraft durch eine alle Berussgenossen uinfasseiide Organisation eine Ausbesserung unserer Arbeilsbediiignnge» erkämpf«» in ü s s e n. Darum hinweg mit der Jsolirung und hinein in die OxKanisalio»! Kollegen! Noch stehen uns Mittel und Wege zur Verfügung, um unsere»! gulen Recht auf«», menschenwürdiges Leben ziun Siege zn verHelsen, nud diese sollen in der auf de» 9. d. M. nach de» Arminhallen, Kominandantenstr. 20, einbernscnen Versammlung berathen werden. Wer noch ein wenig Interesse für sein und einer Kollegen Wohl und Wehe hat und nicht ni ni e r f o r t für einen H u» g e r l o h ,i arbeiten will, erscheine in dieser großen öffentlichen Protest- Versammlung. Nie>» and fehle! Die Agitalionskommission. Die lokalorganifirten Hausdiener, Packer und Kutscher Berlins, die auf dein Boden der Halberstädler Kongreßbeschliisse 'tehen, werden auf die zu heute Abend 9 Uhr nach den Arminhallen, Kominandantenstr. 20, einberufene Versammlung aufnierksai» gemacht, wo u.a. zu der bevorstehenden Leipziger Bernfs-Konfercnz Stellung genommen»nd verschiedene für uns wichtige Anträge besprochen werden sollen. Der Einberufer: Karl Alboldt, Bezirksleiter iir Berlin ic. lieber eine Versaminlung deö BcreinS der Berliner Buchdrucker und Schriftgiester, die sich am Sonntag mit de» Differenzen beschäftigte, die innerhalb der Buchdruckerorganisation wegen der Tarifgemeinschaft schweben, bringt die Stumm'sche„Post" einen Bericht. Danach soll der Vorsitzende M a s s i n i gesagt habe». der„Vorwärts" verbreite unwahre Angaben über die Buchdrucker, ledig- lich um die Tarifgemeinschaft in Mißkredit zu bringen und die Masse gegen die jetzige Leitung des Verbandes aufzustacheln. Wen» das der Vor- sitzende Massini wirklich gesagt haben sollte, so ivürde er sich einer um so gröblichere» Entstellung des Sachverhalts schuldig gemacht habe», als gerade er selbst sich schon auf die im ganzen wohlwollende Be- sprechniig der Tarifgemeinschaft berufen hat, die seinerzeit der „Vorwärts" brachte. Weiter soll, nach dem Bericht der„Post", der Vorsitzende des Zentralvorstandes, Döblin, u.a. erklärt haben: ES sei recht charakteristisch, daß die Opposition gegen die Tarifvereinbarung vornehnilich gestützt werde von der sozialistischen Parteipreffe. Stimmt diese Angabe der„Post", dann hat Döblin verschwiegen, daß der größere Theil der Parleipresse die Tarifgemeinschaft nicht bekämpft. Dieses Verschweigen ist für den sonst so redseligcn Herrn Döblin unzweiselhast äußerst charakteristisch. Ten Gewerkschaften wird in der von unserer Genossi» Frau Klara Zetkin redigirten Frauen-Zeiischrisl„Die Gleichheit" dringend empfohlen, dafür zu sorge», daß den Geiverkschasts- kurtellen beziehentlich sonstige» Kommissionen, die niil den Fabrikinspektoren in Verbindung trete», um B e- s ch w e r d e n vorziibringe», wenigstens eine Frau an- gehört, deren Aufgabe es sei, die Arbeiterinnen„auf das Wirken des gewerkschaftlichen Vermittlnngsgljedes ans- incrksam zn machen, ihre Veschiverden über gesetzlich unzulässige Arbeilsbedingungen eiilgegcnznnehme», zn sammeln, dem Kartell vorzulege», allein oder mit dessen Hilse das diesbezügliche Material z» prüfen, kurz alle jene Arbeiten zu leisten, welche durch das Frnusein erleichtert und gefördert werden. Wo irgend es diirchz»- führen ist, da sollte man als iveibliches Kominissionsmitglied eine Arbeiterin wählen. Denn in täglicher Berührung mit de» Käme- radinnen fällt ihr deren Vertraue» zu, erhält sie Keuntniß von Mißsländen, welche ans anderem Wege— auch durch die Betriebs- revisionen— kaum je, wenn nicht zlisällig ermiltell iverden können." Wir täuschen ii»s, sngt die„Gleichheit" weiter, nicht über die Schivierigkeiten, ivelche einer Verwirklichung der Anregung entgegen- stehe».„Arbeiterinnen, welche den Aufgaben in den Beschwerde- kommifsionen gewachsen sind, lassen sich nicht nach Belieben in jedem Orte aus der Erde stampfen. Wohl aber können sie erzogen werden, und im Jntereffe der Arbeilerinnen wie dem der Geiverkschaften müssen sie erzogen werden. Nur ei» Vortheil sei hier hervorgehoben: Indem die Gewerkschafle» zur Erledigung der neuen Aufgaben Arbeiteriinien heranziehen, ge- winnen sie von einer neuen Seite aus eine stete Fühlung mit den indifferenten, imorganisirteii Arbeiterinnenmassen, gewöhnen sie diese,»nter einem neuen Gesichtspunkte die Gewerkschaflsorganisatio» als ihre natürliche Interessenvertretung zu betrachten. Die iveib- liche» Mitglieder der gewerkschaftlichen Veschwerdekommissione» werde» sich unter den Ardeiteriiineii als treffliche Freiwerber sür die Organisation erweisen." A»S WeiffenfelS theilt das„Volksblatt für Halle" über den Schnhuiacherstretk mit, daß noch gegen 1000 Personen zn unter- stützen sind. Ii« Hambura haben die K o r k s ch n e i d e r der Firma T h. Kruse(Hopsenmarkt 3) die Arbeit eingestellt. Ans Elberfeld berichtet das Wolff'sche Bureau: Einhundert jugendliche Arbeiter der K a t t u n d r u ck e r e> von Schli ep er u. Bau in haben die Arbeit eingestellt, weil sie sich iveigern, einer von der Firma eingerichteten, seitens der Düsseldorfer Regiernng empfohlenen Zivangs-Krankenkasse beizutreten. Tie Duisburger Manrer haben den Meistern und Baunnter- nehmer» folgende Fordernnge» unterbreitet: zehnstündige Arbeitszeit im Sommer und neu»- beziehentlich achtstündige im Winter, 42 Pf. Stundenloh»; für Ueberfeierabend- Arbeit, die, wie Nacht- und Sonntagsarbeil nur gestallet sein sollen, wenn Menschenleben in Gefahr find oder der Verkehr gehemmt ist, werde» 43 Pfennige, für Nachr-»nd Sonntagsarbeit 60 Pfennige Stimdenlohn verlangt. Ein ungarisches Fachblatt fiir Handlungsgehilfen ist am 15. Januar in B n d a p e st erschiene». Es betitelt sich: „A Kereskedö-segöd"(„Der Handlungsgehilfe"). Redaktion und Administratio» befinden sich Budapest, Akaziengasse 34, I. Das Blatt steht auf sozialistischem Boden. AnS Italien. In A» c o n a legten am Freitag sämmtliche a f e n a r b e i t e r die Arbeit wegen Lohnstreitigkeiten nieder. 8, die sich weigerten, angeblich eingegangenen Verpflichtungen nach- zukommen, ivnrden verhaftet. Ferner streiken wegen Lohn- differenzeu seit Sonnabend in S a v o n a 2000 und in Genna 3500 Kohlenverlader. Depeschen und letzte Vschelchten. Hamburg, 8. Februar, 8 Uhr 42 Minuten abends.(Privat- Depesche des„Vorwärts".) Große Ansammlungen Neugieriger und ein starkes Polizei- Aufgebot halten den Scharmarkt besetzt. Bisher«vnrde von keiner Seile die Ruhe gestört. Von den an, Sonnabend Verhafteten wurden 52 des Land- friedeiübruches Beschuldigte in Untersnchnngshaft behalten. Auf der im Hamburger Gebiete liegenden Insel Wilhelmsburg lödlele ei» Streikbrecher eine» der am Streik Betheiligten durch vier Schüsse.— Neuruppi«, 8. Februar.(W. T. B.) Amtlich wird gemeldet: Die gestrigen Züge 7, 3, 9 und 10 und die heutige» 1 und 2 der Eisenbahn Paiilinenaue-Neuruppin mußten»vegen Schneeverwehung ausfalle». Mit dem heutigen Zuge 3 ist der Betrieb«vieder hergestellt. Köln, 8. Februar. Nachm. 2 Uhr. Der Rheiuwafferstand ist 7,60 Meter. Das Wasser üeigt langsam, der vorjährig« höchste Stand ist n,n 7 Zentimeter überschritten. Die Weiste» sind über- schwemmt, ebenso die»iedrigere» Straßen, in denen Boote verkehren und vtolhstege geschlagen sind. Die Schiffbrücke ist wegen des Hoch- waffers abgesahre». Der e-chiffsveriehr mit Mülheim n. R. wird »och theilweise ausrecht erhalten. I» Koblenz steigt der Rhein. Die Mosel iälll langsam. Frankfurt a. M., 8. Februar.(B. H.) Die„Franks. Ztg." meldet aus Leipzig, daß bei einem Großfener in der Bnchdruckerei von Fürstenau zwei Arbeilsinädche» schwer verletzt wurden; ein drittes trug«ine leichtere Verwundung davon. Mainz, 3. Februar, Vorm. 10 Uhr. Der Rhein ist über die User getreten, die Echiffsahrl ist eingestellt. Der Wasserstand hat sich seit gestern m» 23 Zentimeter erhöht. Jetzt ist Stillstand ein- getreten. Bern, 8. Februar.(B. H) Auch in der Umgebung von Zer- matt sind zahlreiche Lawinenstürze vorgekommen. Kopenhagen, 8. Februar.(W. T. B.) Ter östliche Theil des Smidee war heule sür Dampfschiffe fahrbar, der westlich« Theil jcdoch gesperrt. Wegen des stille» Wetters führt der Sund kein Treibeis. Im westliche» Theil des großen Belts schwiniuit viel Treibeis, in de» übrigen Theilen zerstreule Eisinasjen. Im Kattegal habe» sich die Eisverhältniffe verschlimmert. Warschau, 8. Februar.(B. H.) Bei der Ueberführung enies Löwenpaares aus de», Hauptkäfig in einen Reservekäfig entstand in der Menagerie Grait eine unbeschreibliche~ie �ü,ui11 entkamen. Das Publikum, das in wilder Hast den Ausgang ge- gewinnen wollte, bildete einen unentwirrbaren Knäuel. � Zaplrrfche Personen wurden in de», Gedränge verletzt. Unter große» Mühen ist es dem Menagerie-Pcrsonal gelungen, die Löiven wieder in de» Käfig zu schaffen._,„. Athen, 8. Februar. Behufs Unterstützung der aus Kreta ge. flüchteten Personen wird die Regierung von der Nammer eine» Kredit verlangen. Nach Milo werden Zelte und Proviant für d>e dort Ankoiumendeii gesandt. Der Kommandant des Arsenals in Salamis erhielt Befehl, weitere Schiffe zur Abfahrt nach Kreta bereitzuhalte»._ Äiignst Jacobcy in Berlin, ftiir den Jnferatentheil verantwortlich: Tb. Glocke in Berlin. Dniit und Verlag von Mar Badina in Berlin. Hierzu 4 Bcilaae u. llnterballnnasblai«. gt. 33. a IchMg. Killlge des.Amärls" Kerlilltt Alksdllltt. 9. Fedtmt l8g7. Ttrbev die Situation in Hamduvg wird uns von dort am Montag geschrieben: Von den Hafen- arbeitern fanden heute Morgen etwa 200 Man» wieder Arbeit, im Laufe des Tages noch einige. Die Baase boten A M. T a g e I o h n. Den Staatsquai- Arbeitern wurde aus- weichende Antivort ertheilt. Eingestellt ist noch niemand von ihnen. lieber die unliebsamen Auftritte, die sich ain Sonn- abend zwischen einigen am Streik betheiligt gewesenen Arbeitern und Streilbrechern abspielten, wird uns folgendes Nähere mit- getheilt: Die Hamburger Polizeibehörde hatte am Sonnabend in Kenntniß des Umstamdes, daß der Ansstand an diesem Tage sehr wahr- fcheinlich sei» Ende finden würde— der Kommissar Nosalowski, Chef der politische» Polizei, machte schon am Freilag Nachmittag den Vertretern der bürgerlichen Zeitungen, die sich während des Ansstandes täglich ihre Streikberichle von ihm abholten, die Mit- theilniig, daß der Streik bestimmt am Sonnabend zn Ende komme, es dürfe aber von dieser Mittheilung noch kein Ge- brauch gemacht werden— Vorkehrungen getroffen, um die Streikbrecher vor Reibereien mit de» Hamburger Hase»- arbeitern zu bewahren. Es waren die Wachen in der Haiengegend durch Mannschaften ans den Vororten ver- stärkt, während eine Abtheilnng Wandsbecker Husaren dazu beordert war, einen große» Trupp Streikbrecher bis zum Bahnhof in Wands- deck zu geleiten. Als in den Versammlungen der Ausständigeu das Resultat der Abstimmung und der Beschluß der Beendigung des Streiks verkündet war, ginge» viele Arbeiter sofort wieder zum Ausguck. Natürlich rvar der Groll und Grimm der Streikende» über die Niederlage groß und so konnte es den» nicht ausbleiben, daß Reibereien i» verschiedenen Straßen in der Hafengegend zivischcn Streikende» und Streikbrecher», die zur Lohuauszahlung an Land kamen, vorkamen, die aber sammt und sonders von geringer Be- dentung waren. Etwa gegen Uhr kam ein Kohleuarbeiter, der mit im Ausstand gewesen war, in die Wirthschaft von Hirschfcld, Ecke Scharmarkt und Bleichergang. Der Inhaber dieses Lokals ist Stauervize und hat sich ain Streik nicht betheiligt. Allsonnabcndlich wurde in der Wirthschaft einer größeren Anzahl Streikbrecher der Lohn ausgezahlt, mit deren einem der erwähnte Streikende in Streit gerieth. Der Streit artete bald in Thätlichkeilen aus und wurde schließlich mit Revolvern auf dein Scharmarkt aus- gesochte». Polizeibeamte eilten jedoch bald herbei und brachten die Kämpfenden auseinander. Durch die Schüsse waren natürlich viele Leute herbeigelockt worden, befindet sich doch der Scharmarkl in der belebtesten Stadtgegeud. Ivo am Sonnabend Abend der Verkehr stets immens ist. Die Menge wurde zum Aus- einandergehen aufgefordert, konnte dieser Aufforderung aber nicht sofort folgen, weil die Ansammlung zu groß war. Die Schutzleute, deren sich nun schon eine große Anzahl aus der am Scharmarkt be- legenen Wache eingefunden hatte, drängte» die Leute mit Gewalt zurück, zogen zn diesem Zwecke blank und hieben mit flacher Klinge auf die Menschen ein. Der Scharmarkt war bald gesäubert und die Menge war in die in denselben einmündenden engen Straßen getrieben, wo sie von den fortwährend mit dem Säbel dreinhauenden Schutzleuten verfolgt wurden. Die Schutzleute eilten durch die engen Straßen und schlugen aus alles ein, was sich ihnen entgegenstellte. So wurden der Scharsteinweg. der kleine und vor allem der große Bäckergang rein geschlagen und durch den Herrengraben ging es nach dem Schar- thor. Ganz entsetzliche Szenen haben sich dabe» abgespielt. An der Ecke deS Scharmarktes kommt ein kleiner Junge, der die„Neue Hamburger Zeitung" austrägt, ans einem Hause heraus. um seine Zeitung m ein etwas weiter belegenes Haus zu bringen. Da giebt ihm ein Schutzmann einen Hieb mit dem Säbel ini Gesicht, daß der Klein« blutüberströmt zusammen- bricht. Ein alter Arbeiter geht ruhig den Hohlenweg hinunter, ohne sich um Publikum oder Polizei zu kümmern. Er geht aber einem Schutzmann zu langsani und erhält dafür von dem Polizisten mehrere so wuchtige Hiebe, daß er zusammenbricht und von einigen anderen Arbeitern in eine nahegelegene Wirthschaft gebracht werden muß. DaS Mitgetheilte wird genügen, um das Auftrete» der Schutz- leute zu kennzeichnen. Abg. v. Elm, sowie der Vorsitzende des Zentral-Streikkomitees, ferner der Vorsitzende des Hafenarbeiter. Verbandes und noch ein anderer Herr führten über das Verhallen der Schutzleute Beschwerde auf dem Stadthause, wonach mehrere böhere Polizeibeamte auf dem Schauplatz erschienen. Von dem Augen- blick an änderte sich das Verhallen der Schutzleute. Gegen>/,2 Uhr nachts war wieder Ruhe. Zn Montag früh befürchtete man die Wieder- kehr des Krawalls. Die drei Wachen in der Hafengegend waren um 200 Schutzleute verstärkt. Alle Hafenpolizeibeamten waren in Dienst. außerdem waren viele Kriminalbeamte an der Wasserkante thätig. Dicht bei einander standen die drei- und vierfach verstärkten Posten. Aber alles blieb ruhig, obwohl die vielen Tausend« der Hafenarbeiter von etwa v>/z bis nach 7 Uhr auf dem„Ausguck" standen. Nicht eine eiiizige Sistirung oder Verhaftung kam vor. Das hat folgende Gründe: Am Sonnabend hatten die Polizei- beamten den direkten Auftrag, mit aller Energie und Entschiedenheit die Straßen von Aufläufen zu säubern und am Montag hatten sie den Auftrag, sich so ruhig und höflich gegen die früheren Streikende» zn verhalten, wie nur möglich. Würde man eine solche Anordnung auch am Sonnabend gegeben haben, so wäre der Krawall vermieden worden. So werden viele Leute vielleicht ins Gefängniß, wenn nicht gar ins Zuchthaus wandern müffen. Man soll an 170 Mann am Sonnabend verhaftet haben, wovon ein Theil jedoch wieder ent- lassen ist. Daö Zentral-Streikkomitee der Hafenarbeiter Hamburgs erläßt im„Hamburger Echo"«inen längere» Aufruf„an alte Arbeiter und Arbeiterfreund«", worin es u. a. heißt: „Wir nehmen die Arbeit wieder auf, nicht im Vertrauen darauf, daß jetzt die Herren Arbeilgeber ihr Versprechen wahr machen werde», die Mißstände zu beseitigen, die Lohn- und Arbeitsverhältnisse zn benern Wir sind in den Kampf eingetreten, weil unsere Arbeitgeber uns noch niemals Wohlwollen entgegengebracht, unsere Bitten stets zurückgewiesen haben; wir sind auch heule noch überzeugt, daß wir für n» ser« berechtigten Forderungen abermals werden kämpfen muffen. Das Wort des Herrn, Laeisz:„Es steht mir völlig frei, die Forderungen der Arbeiter zu bewilligen. DaS fällt mir aber gar nicht ein." ist»ach unserer Meinung bezeichnend für die gesammle Arbeitgeberschaft. Es wird wahrscheinlich allen de» Herren nicht eiufnllen. die niedrigen Heuer der Seeleute, die Hungerlöhne der Kesselreiniger zu erhöhen, das fluchwürdige Cyücin der Heuerbaase— der„Landhaifische"— und alle die schreienden Mißslände im Hamburger Hasen zu beseitigen: die Herren Stauer werden nach wie vor kolossale Verdienste in ihre Tasche stecken, die Schauerleuie für ihre schwere Arbeit ein ver- bällnißmäßig geringes Entgell empfangen. Im Interesse unserer Kollegen wünschen wir, daß wir uns täuschen möchten, daß die Herren Arbeitgeber ans diesem Kampf die Lehre gezogen haben, daß, um Streiks zu vermeiden, die berechtigten Forderungen der Ar- deiter erfüllt werden müsse». Aber nochmals! Wir glauben nicht an den ehrlichen Willen der Herren Arbeitgeber. Hätten sie denselben besessen, der Kampf hätte durch gegenseitiges Entgegen- kommen schon in den ersten Wochen sein Ende gefunden. Di- Ver- aniwortttng für die gewaltige Schädigung der Interessen Hamburgs und seiner gesammlt» Bevölkerung tragen durch ihr schroffes. ablehnendes Verhalten allein die Arbeitgeber, nicht wir Arbeiter! Wenn der Kamps einen thatsächlichen Sieg uns nicht gebracht. so ist der moralische Erfolg doch auf unserer Seite. Die s ch r e i e n d e n M j ß st ä n d e w ä r c n o h n e diesen langen Kampf niemals der Web» zur Kunde gekommen. Jetzt weiß die Welt, jetzt weiß es die Regierung— wir werden jetzt sehe», wer Abhilfe schafft! Die allgemeine Sympathie der Bevölkerung war auf unserer Seite und sie wird es abermals sein, wenn die Herren Arbeitgeber und die Regierung durch ferneres Negire» dieser Zustände eine» abermaligen Kampf nothwendig machen. Namens unserer Kollegen legen wir hierdurch Protest ein gegen das Verhalten der Behörden gegenüber den Streikenden. Wohl selten ist den Arbeitgebern in einem wirthschastlichen Kampf seitens der Behörden ein solcher Schutz zu theil geworden, wie bei diesem Streik, wodurch allein dieselben die Macht fanden zn der absoluten Verweigerung jedweden VerHandelns mit den Arbeiter». Was jetzt kommen wird, wir wissen es: Die Rache der „Sieger" gegen die Arbeiter! Die während des Streiks in Arbeit getretenen hiesigen und fremden Arbeiter, die aus In- differentismus uns den Kampf in so unsäglicher Weise erschwert haben, werden, um das Angebot der Arbeitskraft künstlich auf anormaler Höhe zu halten, in den nächsten Wochen trotz ihrer notorischen Unbrauchbarkeit noch geschützt werden; die alten Hamburger Arbeiter, die durch ihren unermüdlichen Fleiß zum Blühen von Hamburgs Handel und Wohlstand bei- getragen haben, werden zum theil gemaßregell werden, zum theil noch arbeitslos bleiben bis zum Eintritt des laut eigener Aussage der Arbeitgeber nach Beseitigung der momentanen schwierigen Eisverhällnisse in der Elbe zu erwartenden flotten Geschäftsganges. Arbeiter und Bürger Hamburgs! Arbeiter Deutschlands! Ihr habt uns zur Seite gestanden während der Dauer des Kampfes, wir bitten Euch, verlaßt uns nicht während der paar für uns nun noch kommenden schweren Wochen. Wir haben erkannt, daß es ein Fehler von uns war, daß wir nnorganisirt in den Kampf ein- getrete» sind. Wir haben während der elf Wochen gelernt, wie nothwendig die ständige, dauernde Organisation ist. Helft uns die- selbe aufbauen! Sorgt gemeinsam mit den in Arbeit tretenden Hafenarbeitern für Unterstützung der G e n, a ß r e g e l t e n, der armen n o t h l e i d e n d e n Familien. Was Ihr jetzt an uns thni, wir werden es Euch dermaleinst mit Zinsen vergelten können. Wir kämpften nicht nur für uns, wir kämpften als klassenbewußte Arbeiter für das Gesammtinteresse der Arbeiterschaft! Dank, tausendmal Dank für Eure uns geleistete Hilfe! Im Interesse der Organistruiig unserer Kollegen steht uns bei, den Hunger von unsere» Brüdern fernzuhalten! Bedenkt, daß viele tausende Hain- burger Hafenarbeiter aus Heroismus, ans Solidaritätsgefühl mit in den ikamps eingetreten sind, ihre jahrelang innegehabten festen Stellungen geopfert haben!" Tic Bremer LagcrhanS-Gcsellschaft, die einer Anzahl Hafen- arbeitern und namentlich den am Streik belheiligt gewesenen wegen Arbeitsmangels gekündigt hatte, hat Entlassungen nicht vorge- nonimen. I» Nürnberg beschloß eine allgemeine Arbeiterversammlung nach einem Referate des Genossen Segitz über die Lehren des soeben beendigten Hamburger Ansstandes. die Opfer des Kampfes auch noch fernerhin nach besten Kräften zu unterstützen. Ein Antrag, der die Gewerkschaften ersucht, wenigstens noch 2 Wochen die Extrastenern von so Pf. pro Mitglied und Woche für Hamburg zn bezahlen, fand Annahme. Die Saninielliiitc fürv e r k e n(das Fuchsin ist eine Anilinfarbe) kommen leider beständig solche Erkrankungen vor; bei leichteren Fällen wird nicht die ganze Haut, sondern nur die der Lippen blau gefärbt. Professor Hirt beschreibt diese Krankheit bereits in seinen, 1875 erschienenen Werk über Arbeiterkrankheiten als«ine bekannte Plage. Verursacht wurde sie durch unzureichende Ventilation der Arbeits- räume und ungenügende Fürsorge für Entfernung der Anilin- dämpfe, serner dadurch, daß die Arbeiter gezwungen sind, die Hände mit der Anilinfarbe oder deren Gruuddestandlheilen in Be- rühruna zu bringen und nicht Gelegenheit haben, sie g r ü n d l i ch zu reinigen. Auch dadurch, daß die Arbeiter ihre Mahlzeiten in den von Anilinfarbe und Anilindämpfen verunreinigten Fabrik- räumen zu sich nehmen müssen, wird die Vergiftung hervorgerufen. Die Ursache ist also hier wie bei alle» angeblich mit dem Beruf untrennbar verknüpften Gewerbekrankheiteu die R ü ck s i ch t s> l o s i g k e i t des Unternebmerlhums, das nicht für genügende Rein- Haltung der Arbeitsstätte sorgt. Die Gewcrbe-Aussichlsbeamten haben die Pflicht, solche gesundheitsgesährliche Fabrikationen doppelt aufmerksam zu beobachten; die Krankenkassen sollten in jedem Falle solcher Erkrankung sofort der Ge- werbe-Jnspektion Mittheilung machen, damit diese veranlaßt wird, Nachforschungen anzu- st e l l e n. Gewerbegerichtliches auS der Schweiz. Das gewerbliche Schiedsgericht in Bern verurtheilte einen Vuchdruckereibesttzer, einem seit 1833 bei ihm in Arbeit stehenden Schriftsetzer für die drei Wochen, wo derselbe seiner Militärpflicht genügen mußte, de» Lohn auszuzahlen. Der Beschluß stützt sich auf folgenden Art. 341 des schweizerischen Obligationenrechts:„Bei einem auf längere Dauer abgeschlossenen Dienstvertrage geht der Dienstpflichtige seiner Ansprüche aus die Vergütung nicht verlustig, wenn er durch Krank- heit, durch Militärdienst oder aus ähnlichen Gründen ohne eigenes Verschulden auf verhältnißmäßig kurze Zeit an der Leistung seiner Dienste verhindert wird." Dieser Spruch, der durch Stichentscheid des Schiedsgerichts- Obmanns zu stände kam, hat einen Theil des schweizerischen Unter- nehmerthums in gelinde Raserei versetzt. Der BaSler„Vorwärts" betont übrigens, daß der Berner Entscheid auch für den Arbeiter seine bedenkliche Seite hat. Man werde den nichtmilitärpflichtigen dem militärpflichtigen vorziehen, oder letzterem vor Antritt des Dienstes kündigen._ VevlÄuttnluttgen. lieber den Antrag der Gewerbedeputation des Magistrats auf Au sdehnung der Krankenversicherung auf Hausind n st rielle sprach am Sonn- abend im Verein der Arbcitgeber-Beisitzer des Gewerdegerichts Berlin Herr Dr. I a st r o w. Der Vortrag fand im Bürgersaale des Rath- Hauses statt und war auch von verschiedenen Magistrats- Mitgliedern und Stadtverordneten besucht. Der Vortragende schildert die wirthfchaftlich schlechte Lage vieler Haus- industriellen, die häufig nicht besser, oder noch schlechter. als die der Arbeiter sei. Er schätze die Zahl der Haus- industriellen in Berlin aus allermindestens 50 0(X). Da die Heimarbeiter schon heute krankenversicherungspflichtig sind, so entstehe» häufig große Schwierigkeiten, weil sich oft nicht unterscheiden läßt, ob jemand Heimarbeiter oder selbständiger Hausindustrieller ist. Nach dem Antrag des Magistrats soll, um diesen Schwierigkeiten aus dem Wege zu gehen und um die Krankenversicherung auch den schlechter gestellten Schichten der Hausindustriellen zukommen zu lasse», die Krankenversicherungspflicht durch Ortsstatut auf diejenigen Haus- industriellen ausgedehnt werden, die nicht zur Gewerbesteuer ver- anlagt sind, also aus ihrem Gewerbe weniger als 1500 M. jährlich einnehmen. Den Hausindustrielle» bringe die geplante Ver- sichernngspflichl Vortheile; die Unternehmer würden dadurch etwas stärker, doch immerhin nicht allzusehr belastet; die Amte würden keinen Schaden haben, da die betheiligte» Schichten bisher den Arzt wenig in Anspruch genommen haben; die Krankenkassen würden dagegen bei der Neuerung nicht gewinnen, sondern eine Reihe von Stammgästen bekommen; für die Gemeinde handelt es sich um eine Entlastung der Armenpflege. Im ganzen sei die geplante Ausdehnung warm zu empfehlen.— In der anschließende» Diskussion befürchtet u. a. Herr Kaufmann Israel von der Ausdehnung der Krankenversicherung ein A n w a ch s e n der S o z i a l d e m o- kratie. Holzbildhauer Wagner ist für die Ausdehnung, die Haus- industriellen sollten aber die Kosten allein tragen. Fabrikant Dr. G e r s ch e l erklärt gegenüber den Befürchtungen, daß durch solche Gesetze die Arbeiter immer mehr organisirt werden, dies sei kein Unglück, fondern ein Glück. Mit orga- nisirten Arbeitern lasse sich besser und geordneter verhandeln und besser arbeiten. — Nachdem noch Buchbindermeister Angreß, Kaufmann Philippsohn und Magistatsassessor Blankenstein ge- sprachen habe», wird folgende Resolution angenommen:„Die Ver- jammlung des Vereins der Arbeitgeber-Beifitzer des Gewerbegerichts Berlin erklärt die baldige Ausdehnung der Krankenversicherungs- pflichl auf Hausindustrielle für dringend nothwendig und beauftragt ihren Vorstand, diesen Beschluß zur Kenntniß der beiden städtischen Kollegien zu bringen." Verband der Graveure, Ziseleure k. Die Filiale Berlin hielt am 2. Februar ihre erste Versammlung ab, um die definitive Wahl des Zentralvorstandes, sowie der Kontrollkommissto» vorzu- nehmen. Danach bilden die Mitglieder Brückner, Grill, Sie wert, Riecke, Gutschmidt den Verbandsvorstand, während Große, Thiel und T h u r o w als Kontrollkommission fungiren. Nachdem auch die Wahl der örtlichen Verwaltungsperfonen vorgenommen, sprach S i l l i e r in einem mit Beifall aufgenommenen Vortrag über: Zentralisation und die Pflichten der Mitglieder, dem Vor- stände praktische Anweisungen über Agitation und Organisation gebend. Eine lebhaste Diskussion ergänzte zum theil die Ans- führungen des Reserenten. Unter Verschiedenem wurde beschlossen, die regelmäßigen Versammlungen der Filiale jeden ersten und dritten Dienstag in den Oranienhallen, Oranienstr. 51, stattfinden zu laffen. Von dem Mitgliede Rohrbeck wurde der Filiale«ine reich- haltige Bibliothek geschenkt, deren Benutzung den Mitgliedern an» gelegentlichst empfohlen ist. Die Liquidationskommission gab bekannt. daß den ehemaligen Mitgliedern der allen Organisation ihre Rechte ans Unterstützung noch sechs Monate gewahrt bleiben, wenn die- selben bis spätestens 1. März die noch rückständigen Beiträge bezahlt haben. Brückner ersuchte um regen Besuch der am 16. Februar stattfindenden Versammlung. Die Platz-Teputirten der Berliner Zimmerer lehnten in ihrer Versammlung vom 3. Februar eine Resolution der Lohn- kommission, nach welcher es jedem Zimmerer erlaubt sei, auch dort in Arbeit zu treten, wo der Minimallohn von 55 Pfennige nicht gezahlt wird, gegen wenige Stimme» ab und erneuerte die Beschlüsse des Vorjahres. Die Unterstützungs- frage wurde dahingehend geändert, daß jeder gemaßregelte Zimmerer 12 Mark und für jedes Kind 1 Mark Zuschlag pro Woche erhält, jedoch müssen die Gemaßregelteu so lange die nöthige Kontrolle verrichten, bis über die Sperre entschieden ist. Die Dauer der Unterstützung beträgt vier Wochen. Da der Zimmermeister Fichel einige Tage nach Be- willigung des Minimallohnes viele Entlassungen vorgenonunen, so wurde den Entlassenen Unterstützung zugebilligt. Zwei Unter- stützuugsgesuche wurden der Lohnkommission zur Berücksichtigung überwiesen und hieraus die gut besuchte Versammlung vertagt. Eine öffentliche Bersammlnng der Hausdiener und Kutscher tagte am 31. Januar bei Schmidtke, Stromstr. 28. Ans der Tagesordnung stand ein Referat des Mitgliedes Hofsmanu über die Vortheile der Zentralorganisalion. An der Diskussion be- theiligttn sich für die Lokalorganisation Krüger und U t h e ß, während Koch, Dreher, Schnitze und H o f f m a n n für die Zentralorganisation eintraten. Eine Resolution, welche die Zen- tralisation für die geeignetste Form erklärte und die Anwesenden zum Beitritt in den Zentralverband verpflichtete, wurde gegen drei Stimmen angenommen. Bon den Anwesenden ließen sich hierauf mehrere in den Verband aufnehmen. zre>>»»er-KiId»»g»sch»l». Diensta« Abend von»— Ivx Uhr: Südost- Schule Waidemarslr. ui Deutsch(Die deutsche Literatur tn der zweiten Häisie de» neunzehnten Jahrhunderts.— Aufsahlehre.) Herr Heinrich Schulz.— Nordfchule, Brunnenstr. 25: Nationalökonomie liieberstcht der verschiedenen Wtrlhschasl«ilusen°«nlwiaelung der bürgerlichen rheorettschen Nationalökonomie. Die Marrllche Werth- und Mehrwerthlehre) Herr Dr. Konrad Schmidt. Die Echnlränme sind zur Benuhunq der Bibliothek und de» reichen Zeit- schrtklenmaterials schon von s Uhr abends an geöffnet. Wie x-schnlie der Arveiter-Kildungoschule. Brunnenstr. 25, ist wachen- tagS von»— Z Uhr, Sonntags von«—9 Uhr, unentgeltlich für jedermann geöffnet. Die Geschäfts tt clle der Schule N., Brunnenstraüe 25, die den Vereins- vorständen zur Vermttteluna von Borträgen wissenschaftlichen Charakters zur Verfügung steht, ist ebenfalls von s-e Uhr nachmittags geöffnet. Arb»tirr.Sä,>o-rd»»>d Berlin» und Uingegend. Borsthender Ad. Neumann. Pasewällersir. 5. Alle Aenderunge» im VereinSkalender sind zurichten an Friedrich Kortui», Monieuffelstr. so, v. 2 Dr. pnnd der v»s»ltio«u Arbeiter»«»»!»» Aerliu»»»d Hluigeoend Alle Znschrtfie», de» Bund betreffend, sind zu richte» an P. Gent, S. Dresdener- ftraße 107/9. Bandonion» schuft der Schleswig- Jxlsteiner. Sonnabend, den 1». Fe- bruar, Maskenball im Bereinslokal, Feuersteins F-stsäle, Alte Jakobstr. 75. Briefkasten der Redaktion. Pyrtek. Spielfraaen beantworten wir grundsätzlich nicht. Abraham Acrtheidiger. Sobald Sie sich aus Ihrer Anoitymität heraustrauen, wollen wir Ihnen antworten. Papte. Die Berichtigung erscheint uns doch belanglos. Als eine Be- leidigung des Referenten dürfte es wohl nicht betrachtet werden können. Bost. Wir stimmen Ihnen vollkommen bei. Warum nennen Sie sich aber nicht? Witieritngsiibcrsicht t>o»i 8. Februar 1807. Slal i o ii t ii. Swinemünde Hamburg. Berlin.. Wiesbaden. Münch«». Wien... Haparanda. Petersburg. Cork... Aberdeen.. Paris... Wetter-Proanosc für Dienstag, den v. Februar Istit»?. Vielfach heiter, zeitweise nebelig, bei etwas strengerem Frost und schtvachen nordöstliche» Winden, keine oder unerhebliche Nieder- schlage. Berliner Wetterb»rea». II. WsKIIur'eis. SozislldemokvÄkifihev ZVahlVevein. Donnerstag, den II. Februar, abends 8Vz Uhr, Im Lokale Iiiekel« Konzerthaas, Hasenhaide 5S/53: ZV Versammlung«"WU Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Stadtverordneten l�rltz Zuheil über: Vorgänge In der städtischen Vertretung. 2. Diskussion. 238/7 Zahlreichen Besuch erwartet Der Vorstand. ZliÄällleiiililli'St. Verein„Vorwärts" Berlin. Dieustag, de» 9. Februar, abends SV: Uhr, im Harienbad, «adstr. 35,36; 274/11 Mitglieder- Versammlung."WG Tages-Ordnung: 'DikanicrikanischeFarulerbewegung. Referent Reichstags Abgeordneter Genosse H. Hehipucl. 2. Diskussion. 3. Vcreinsange legenheiten und Verschiedene«. Gäste haben Zutritt. Neue Mitglieder werden aufgenommen. Zahlreichen Besuch envartet_ Ter Vorstand. AM»g! Maurer. Alhtliiig! X 444.» rt e /I it f t«>«. u«___ 4� o«*..._. M« w..... Mittwoch. 10 Februar, abends 8 Uhr. in Cohn's FestsiUen, _„ Beuthstr. 20: Große öffentliche Versammlung der Nl olttvev Vrvlins und Umgegend. Tages-Ordnung: 1. Ergäuzuiigswahl der Lohnkommisslon. 2. Aoiitrollkarten-Sustem. 3. Gewerkschaftliches., 133/2 Um regen Besuch ersucht Die I,ohnkoinn>lssion. Gasanstalts Arbeiter Mittwoch, den 10. Februar, abends«>/- Uhr! Varbamls-Versarnmlung im Lokale deS Herrn»nske, Grenadierstraste 33. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Herrn Hr. Weyl über: Die Verkürzung der Arbeits- znt 2. Das Vorgehen unserer Kollegen außerhalb Bcrlws. 3. Was haben wir zu thim? 4. Wahl des Ottsvorstandes. 70/1 Jedermann hat Zutritt. Der provisorische Orts-Vorstaub. Konfektionsschneider und Näherinnen aller Branchen! Fünf große öffentliche Uersammlmlgen am Dirnstong» den 9. Febenttv» abends 8'I, LUjv, in folgenden Lokalen: Z!. Gründe!, Brunnenstraste 188(in der Nähe des Rosen-, H. Kcller's FestsUIc, fteiweitstr äste 20. thaler Thores) SO. märkischer Hof, Rdmiralstraste 18c, Kolbergcr Salon, Kolbergerstraste 23.> W. H»nl«shof, Bülowstraste 37. Dagesordiiiing in allen Versamiiililnge»: Jas Koilfektioilgiirbeiter-Elelld ill aintlilljer Beleillljiliilg liiili die Ailsggbtil der Arbeiter zur Wahrung ihrer Zuteresseu. Referenten sind die Rcichstags-Abgeordneten: H. Molkenbithr, Richard Fische«. Paul Skeisthans, Emannel Wurm und Robert Schmidt. Alle Schneider und Näherinnen der ttonfektions-Jndustrie werden ersucht, in Meter Versammlung zu erscheinen. Es gilt, zur beginnenden Saison aus dem Posten zu sein, damit eine erfolgreiche Wahrnehmung der Interessen möglich ist " IM/3_ Hie Fünfer-Kommission. I. A.: I. Dimm, Vertrauensmann._ Deutscher Holzarbeiter-Verband. Zahlstelle Berlin. Branche der Rlavierarbeiter. bei murschel, Schönhauser Allee 28 (nicht bei Gründet, wie am Sonntag irtthüniltch angezeigt wurde.) 1. Vortrag des Kollegen Brinkmann. 2. Ergänzung der Werlstatt- Kontrollkommission. Branche der Telephon-Arbeiter. Donnerstag, den 11. Februar, abends 8 Uhr, bei Rantenherg;, Oranienstr. 180. Tagesordnung: Die Lohn- und Arbeitsverhältnisse in dieser Branche.— Mitglieder werden aufgenommen. 81/9 Um zahlreiche Betheiligung ersucht Die Ortsverwaltnng. Achtung! edartollenburg. Achtung! Wahlverein für Teltelv-Veeskow-Charlatteilburg. Mittwoch, den 10. Februar, abrndS 8 Uhr, im Lokale de« Herr» Bredloiv, Augsburgerstraste 78: Geffentl. Verl'smmlung. Tages-Ordnung: 1. Vortrag deS Genossen Calwer. 3. Diskussion. 3. Verschiedenes. Zu zahlreichem Besuch, besonders der Genossen des 6. Kommunal- Wahlbezirks ladet ergebenst eiu �„ 250/15____ Per Vorstand. friß Eiermllnn's UMskajfee und Cveisehans Rosenthalerstr. OO,(Prfc Steinstraste. Billiger Mittags-»nd Abendtisch. Größte Auswahl höchst sauber und schmackhaft bereiteter Speisen. Tägl. S-10 Gerichte im Preise von 10-30 Pf. PtchelSdorfer Bier Vio 10 Pf. Achtunq! AlbknnZ! Gro�e öffentliche Verfammlnng siimmtltcher Mitglieder der Versicher, ings-Gesellschaft„Coneordia" und derjenige» Personen, welche Mitglieder aufgenommen haben am Mittwoch, den 10. Februar, abends 8 Uhr, in Cohn's Festsälen, Beuth-Ttraße 20—21, 1 Tr. Tages-Ordnung: 1. Sind die Mitglieder gewillt, der Kasse weiter anzugehören? Referent: .Ad. Keiiniann. 2. Diskussion. Es ist Pflicht eines jeden Mitgliedes, in dieser Versammlung zu erscheinen. 264/15 _ Der Ei»b erufer: Ilm II Schwinann, Kolbergerstr. 23. Die Berliner Korubrot-Bäckerei,<8. ni. b. H., Tresckowstr. 29a, macht es sich zur Aufgabe, ein billiges, nahrhaftes Brot, besonders für die breiten Volksmasseii geeignet, herzustellen. Der hierzu verwandte Roggen und Weizen, welcher von nur bester Qualität sein muß, wird nach dem«tzclinck- Prop solchen Verfahren unter Benutzung der gleichnamigen Teigmühle und unter gänzlichem Ausschluß der Müllerei aus rciu maschinellem Wege mit der petiilichsteu Sauberlett verarbeitet. Durch diese Art der Fabrikation wird der so überaus krafthaltlge Kleber, welchcrzum große» Theil bei Roggen und Weizen durch die Müllerei verloren geht, dem Brote erhalten, wodurch das- selbe eliiett Hähern Grad von Rährkraft und gesteigettcm Sättigungsvermögen besitzt. Aerztliche Autoritäten, sowie magen- und dariilkranke Personen haben wiederholt die angenehme und leichte Verdaulichkeit deS Kvrnbrotes, trotz seines grob und schiver aussehenden Aeußeren, konstatirt. Es wird dieses damit begründet, daß durch das Eiiidvingeu des bei der Verarbeitung nüthigen warmen Wassers in das Korn ein Keimleben erweckt und dadurch ein Mäl- zungsproze« eingeleitet wird. Es bildet sich hierdurch aus den wetthvollen, stickstofthaltigcn Substanzen ein Fenncnt, die sogenannte Diastase, welche in tivhem Grade die Eigenschaft besitzt,, die unlösliche Stätte in lösliche und diese in Zucker überzuführen. Die Berliner Kornbrot-Bäckerei, G. m. b. H., bittet das Piiblilnm, ihre Fabrikate etner gesälligen Prüfung zu unterwerfen, und verwiesen wir aus unsere Inserate in Nummer 33 u. öö dieser Zeitung. Nur den Inhalt der Inserate übernimmt die Ncdaktion dem Publikum negenübcr keinerlei Pcrantwortung. ThvÄkev. D i e ii st a g, den 9. Februar. Opernhaus. Das Heimchen am Hcerd. Tchauspiclhauö. Der Graf von Gastanar. Die Schule der Frauen. Deutsches. John Gabriel Borkinan. Schiller. Ein Volksfeind. Berliner, Muttcrrechtc. Hessing. Der Fall CIsinenceau. Westen. Unsere Frauen. Neues. Marcelle. llnter de» Linden. Die schöne Helena. Pierrot als Rekrut. Residenz. Associes. Äentral. Ein ndelcr Abend. Fricdrich-Wilhelmstadtisches. Die Grille. Thalia. Frau Lieutenant. Alexanderplah. Eine pikante Ehe. Ostend. Der Walzerkönig. Parodie. Gcnovefa. Volks. Von Stufe zu Stufe. Passage-Panoptikum. Affentheater. 'Apollo. Spezialitäten. Sckillvv-'TlzvÄkev Dicnsta,,. abends 8 Uhr: Ein Volks. feind. Mittwoch, abends 8 Uhr: Der Schier- lin,,. DieKomödicdcrJrrunaeu. Central-Theater. Slltc Jakobstr. Z0. Dir. Rich. Schulh. Dienstag, den 9. Februar er.: Novität! Zum 3. Male: Novität Ein Weier Abend. Burleske dramatische Revue in l Vor- spiel und 3 Bildern von I. Freund und W. M a n u st ä p t. Musik von verschiedenen Meistern, arrangirt von Julius Einödshoser. Ansang Vz8 Uhr. Morgen und die solgeuden Tage: INn lldclcr Abend. Ostend-Theater. Gr. Frantsurtcrslr. 132. Dir. E. Weis«. Heute und folgende Tage: Walzer- könig. Posse von Mannstädt. Ans. 8 Uhr. Sonnabend: Volksvorstcllung zu kleinen Preisen. Prcciosa. Schau- spiel von P. A. Wolff. Sonntag Nachmittag: Der deutsche Michel. Halbe Äaffenpreisc. Thalia-Theater. (vormals Adolph Ernst-Theater). „F ran L i e» t e n a n t." Baudeville in drei Akten von Paul Ferner und Antonh Mars. Deutsch von Hermann Hirschcl. Musik von G. Scrpettc und V. Roger. Morgen und jolgende Tage:„Frau Licutenaiit." Sonntag nachmitt. 3Uhr: Trilbh '-».IsUU.k.» Kleine Preise Heute Und die solgeuden Tage: Eine pikante Ehe. Berliner Posse mit Gesang in 4 Akten von Eugen Prudens. Sonntag nachmittags 4 Uhr: Das Märchen vom tapferen Schneider- lein. Zaubcr-Komödie mik Gesang und Tanz in 4 Akten von Eugen Prudens. Ansang 8 Uhr.(Bons, auch die zu anderen Stücken aus- gegeben sind, behalten ihre Giltigkcit. BillctS sind schon 3 Tage vorher, ohne Vorbcstellgebsihr, an der Theaterkasse zu habe». Vormittags ViU— V»2 Uhr. Abends von V27 Uhr an. Kolks- Theater Z4 Reichcnbcrgerstr. 34, nahe dem Kot tb user Thore. Hente, T> 1 c 11 iü t a g, abendS 7 Uhr: SM- Zuerst:"WS Flitterwoche». Schwank in 1 Akt, daraus z. ö.Male: M Stufe jn Stufe. Lebensbild von Dr. Hugo Müller. Entree von 39 Pf. bis 3 M. Apollo-Theater. Fricdrichstr. 218. Dir. I. Glück. Grosser Erfolg des sensationellen Spaniens berühmteste Tänzerin SiMiils Carmencita, da» englische Schünheits-Quintett Mibe S � F?tt,i Ferrh. Henry Bender. ferner: 39 Ziuustrräfte 4. Ranges und das Scnfatiousbild ,.4! ndllel»-> I I e l n." Kaffeneröffniiiig ü'A Uhr. Auf. 7Va Uhr. Berliner Possen-Theater lHUnxntraüso 17. (Eingang Köniasgrabcn.) Direktion: Joseph Aschinger und Leonhardy Haskcl. Der GliilkUchmacher. Der FumpenbaU. S. Auftreten von BernbaniViIbelms der beste Originalhumorist. Novität! In Vorbereitung: Baruch nnd Sohn. Ansaug der Vorstellung 8 Uhr. Aasseneröfsiilillg 7 Uhr. Entree 39 Psg. Die Direktion. Il�ania Dnuben- kStrnnne Ul ttllI«, Xo. 48-4». Naturkundliche Ausstellung täglich geöffnet von 19 Uhr vonn. ab. Eintritt 39 Pf. Wisseuschastl. Theater abends 8 Uhr. �5f'M'4tMk»'tt�mmW)enstr. 57/62 Lehrter Stadtbahnhof. Täglich von 71/, Uhr abends ab 39 Pf. Jni Theater- Saale täglich 8 Uhr abends Vorträge, mit Erpen- menten u. gr. Lichtbildern ausgestattet. Näheres die Tagesanschlägc. � Castan's■■ Panopticum. Pygmäen »ie kleinsten Die beiden iudischeu__ die kleinsten Menschen der Welt Damen-Wcttschwimmen. Panoptfciun. AW- Thkilter und Zirkus. Heute drei Vorstellungen um 12, 5 und 7 Uhr. Döbmi8ebe8 vraubau8 U-nndi-ibeegee Allee. Heute, sowie jeden Dienstag: Stettiner Sänger (Mcysel. Pietro, Britto», Steidl, Krone, Röhl und Schräder). Ansang 8 Uhr Entree 39 Pf. Vorverkauf 49 Pf. in der Zigarren- händig. Neu mann, Landsberger Thor. Zum Schlich: Finke'S Schtlmtlisttttlsie. Ensemble von M e y s e l. Mittwoch: Moabiter Ttadttheatcr. Lumpe-Gastspiei Parodie-Theater Oranienstr. 32. Jeden Abend 8 Uhr die Novität: Oenovelu, Pfalzgräsin am Rhein, oder: Ein schwer geprüftes Frauen- herz. Grobes Ritterdrama in 5 Akten. Cirm Renz Karlfitrassc. (Jnbilänms- Saison 1896/97.) Dienstag, de» 9. Februar 1897, Abends 7l/z Uhr: Extra- Vorstellnitg. Aufführung der Novität: Durchschlagender Erfolg! Aus der Mappe eines Rieftilgtbirgö-Phailtasteil. Eine romantisch- phantastische Handlung. Von Direktor Fi-anx Itenx und dem großherzoglich hessi scheu Hosballetincister Aug. Siems. Außerdem die hervorragendsten Nummern des Rcpertoirs. 6 trakehner Fnchshcngste, drcss. und vorges. v. Herrn Hngo Herzog. Die vier Jahreözeite». Hohe Schule geritten von 4 Dame». Einfache u. doppelle Baguettesprünge über Hindernisse. ausgef. von 12 Ungarn. Auftr. der hervorragenden Akrobaten Herren Michella und Sandro. Mittwoch, den 19. Februar, abends ?>/, Uhr: AnS der Mappe eines RiesengebirgS- Phantasten. Cmcuc 'Busch isuiinnoi' ItöriMS Dienstag, den 9. Februar 1897. abendS 7 Hz Uhr: LInte» Vonstellung Das Tagesgespräch von Berlin: Nach Sibirien. Ferner: Hippolog. Monftre-Tableau, Original-Massendreisur des Direktors Busch. 4 arab. Schimmelhcngste als Schaukclpserde, dressirt und vorgeführt vom Dir. Busch. Zanzibar, russischer Hengst, geritten von Herr» Sola- moiiski. Austreten der berühmten Schulreiterin Mine. Maria Tore. 109 Clowns, männliche und weibliche. Hermauos Eastagna. cxccntrisch- musikalische Clowns. Spezialitäten I. Ranges. Vorzügliche Clowns. Morgen: Nach Sibirien. Die Grille. Ländliches Gemälde in 5 Akten von Charlotte Birch-Pfeiffer. Morgen: Bor Sonnenaufgang. Soziales Dranm in 5 Akten von Gerhard Hauptmann.— In Vor- bcreitung: Menschenfresser. Schau- spiel in 5 Akten von Max Wieland. Sonntag, nachmittags 4 Uhr: Das Käthche» von Heilbronn. Roman- tischeö Ritterschauspiel in 5 Atten von Heinrich von Kleist. BilletS sind ohne Vorbestellgebühr schon drei Tage vorher an der Theater- lasse zn haben. Außerdem im In- validendank, Unter den Linden 24, bei Paul Romeick, Leipzigerstraße 6, und Julius Lengcnseld. Markgrasenstr. 59. Feen-Palast, �".'22. Direktion Winklci-&, Friibel. Täglich mit grossem Erfolg! Die urkomische Gcsangposse: Eilte tolle Uacht. Unter Mitwirkung von Rich. Winkler u. Wilhelm Fröbel. Dazu das unübertrefflich, brillante riesengroße lebrnar-Nrogramm. Ansang 71/2 Uhr, Sonntags 6 Uhr. Entree 30 Pf. Reservirt 50 Pf. Kaufmann's Variete Xcnes Pi'ograiiim!!! 1 Der kleinste Circus der Welt. Neu! Wasser-Pantomimc. l D Entsührg.a. d. 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Februar, verstarb unser Kollege 114/13 HemM Endrikatis nach langem Krankenlager an der Prolctarierkraniheit. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 19. Februar, nachmittags 4 Uhr, von der Lcickien- halle des Freireligiösen Friedhofes aus statt. Ter Vorstand. I. A.: Friede. Schlegel. Todes-Anzeige. Allen Freunden und Ve- kannten zur Mittheilung, daß unser Vater und Schwiegervater, der Putzer Emst Kahl verstorben ist. 31516 Die Beerdigung findet heute, Dienstag, nachinttags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Em- mauskirchhoscs auö statt. Die trauernden Hinterbliebenen. Danksagung. Allen Arbeitern und Arbeiterinnen der Allg. Elektrizitäts- Gesellschaft, Freunden und Bekannten sür die vielen Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes und unseres guten Vaters Rcrniann Faber sage ich hiermit meinen tief- gefühlten Dank. Frau Faber, geb. Haspel nebst Kindern. 3152b Danksagung. Allen Genossen, Verwandten, Kol- legen. Freunden und Bekannten für die Bethciligung und Kranzspenden bei der Beerdigung meiner lieben Frau, sowie dem Gesangverein„Un- verdrossen" für den schönen Gesang sage ich hiermit meinen herzlichsten Dank. Albert Vensske, Former, nebst Kindern. Krunv.binderei u. Blumen- r,7�"d,"nK Robert Meyer, Xo.Ä. Mariannenstr. ho. 2. Widmungs-Kränze, Guirlanden, Ball- sträußchcn, Bouquets zc. werden sehr geschmackvoll und preiswerth geliefert. Möbel, Spiegel und Polstensaaren Reelle Waare. e n tli Ganze Wohnnngs- Einrlohlnngen rin Nassbaum u. Mahag. I zu soliden Preisen. Richard Babiels Restanrattt C., Rosenthalerstrasse 57. Vcreinszimmer für 50 u. 100 Personen sind sür Montag, Mittwoch und _ Donnerstag frei.[972L* Wäsche zum waschen und plätten im Hause sucht Luise Grzeskowiak, Soluissrr. 21, Hof 1 Tr. 3148b Betten. Ein schöner Stand sof. für 29 M. Reichenbergerstraße 6, vorn 1 Tr. links. 3140b Künstliche Zähne. F. Steffens, Rofenthalerftr. 81, 2Tr. *) Theilzahlung pr. Woche 1 M. 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