'"M Zr. 190. ie ei« iSoH- itifet» Konutilg, den IV. August 1890. y. Jahrg. ab-- i$"■ ftit«. ff jerfw all, U ; B .iett bei 1 citunä1 ik Hrgan für die Znieressen der Arbeiter. Mwt täglich Morgens außer nach Sonn- und Festtagen. Abonneinentspreis für Berlin frei �« Haus vierteljährlich 3,30 Mark, monatlich 1,10 Mark, wöchentlich 28 Pf. Einzelne Nummer 5 Pf. sonntags-Nummer mit dem„Sonntags-Blatt" 10 Pf. Postabonnement 3,30 Mark pro Quartal. (Eingetragen in der Postzcitungspreisliste für 1800 unter Nr. 892, V. Nachtrag.) Das„Berliner Volksblatt" W kr Kreuzband, taglich durch die Expedition, für Deutschland und Oesterreich-Ungarn L Mark, für das übrige Ausland Mark pro Mauat. Di- Ijptbitio» 5 V Ärii.Äe.3 1".' 8—7 Sonn, und Festtagen bis 9 Nhr Vormittags geöffnet. --- Fernsprecher: Amt VI. Ztr. 4106. Vednütion: S.— Ezepvdikion: VvuktMvKtze 3. _ Die �uirentievfalöttitöen in Llnglnnd. t. H itrj: Uer>' . 46. nif , Sil«' 'verih- '»ort ien»"' .12. ><- 1(1 est reif«! Itf $ fS 9 10. h I ag«' •5 t«, angedrohten Maßregeln gegen die Inden tm eiche der Knute werden wahr gemacht und die Bureau- . a.'e schickt sich an. Tausende von Arbeitern, Gewerbe- (beiiden und Geschäftsleuten aller Art über die Grenze o'�en. Andere Tausende kommen der russischen Polizei- h?®'* Zuvor und wandern freiwillig ans; sie wollen sich !"ichächlich in Brasilien und Algier niederlassen. Die Mblikanische Regierung in Brasilien, die den Auslän- die Naturalisation erleichtert und sie damit de» Ein- ü dorenen so ziemlich gleichgestellt hat, wird die Opfer des Mischen Despotismus mit dem demokratischen Geiste ihrer . Ntrichtungen entschädige::. Dennoch dürfte Vielen der �getriebenen das Fortkommen wesentlich erschwert sein. siber Hgls und Kopf den Wirkungskreis verlassen % in dem er seine Existenz gefunden, der kommt nicht empfindliche Verluste davon. Die eigentlichen Beweggründe, die die neuen Maß- ?geln veranlaßt haben, bleiben im Dunkeln. Das ist bei Jof* russischen Politik nichts Ungewöhnliches. Als in �utschland.russische Politik getrieben wurde, war es gerade '' Dissen wir doch heute noch nicht genau, welche Beweg- m"'ds es waren, durch die seinerzeit die massenhaften in ysiausweisungen veranlaßt worden sind. Als der b,, �"8 sich dieser Angelegenheit annahm, ward er von n Gelichter der Reptilien als„polnischer R e i chs- g" bezeichnet, ähnlich wie in Rußland eine Zeitung . gefahren werden würde, die sich erdreisten wollte, sich �betriebenen Inden anzunehmen. ov. Besinnt man sich darauf, welche Ursachen und welche umr 8en die neue Judenaustreibung haben kann, so man sie als eine Brutalität und als eine Thorheit toiwi- N' eine Thorheit ganz besonders von: volks- Ihlchaftlichen Standpunkt aus. .«ech vor wenigen Jahren war in einem kaiserlichen diu", nu den russischen Kriegsminister die Befriedigung t"ber ausgesprochen, daß die russische B e v ö l k e- „"8 im Wachsen s e i. Daraus geht deutlich her- ItiiA man die geringe Bevölkerungsdichtigkeit in Ruß- tiiiri'il.1 c'Ue Kalamität hält, was sie für das Zarenreich ilj.wirklich ist. Sowie eine allzu dichte Bevölkerung zu �„'Fraglichkeiten führt, so kann ein Land mit gar zu «iiiih Bevölkerung sich die Hilfsquellen und Verbesse- der Zivilisation nicht recht zugänglich machen. t'entlich die Wohlthaten eines entwickelten Ver- yrswesens müssen einem solchen Lande vorent- i- »»«rt, Uea octboteii.) ZoeulUeton. [22 �Mont junior mtdRisier senior. Von Alphonse Daudet. Aus dem Französischen von Ludwig K n o r r. WZWW prächtige"' Pastete hervor. sagte er, vergessend, daß dies seine eine "«u IN dem Jahre' MM halten bleiben. Dies ist in Rußland auch der Fall und eine weise Regierung mit modernen Anschauungen mußte sonach ihr Augenmerk darauf richten, das Land mit einer dichteren Bevölkerung zu versehen, d. h. die E i n w a n- d e r u n g zu erleichtern und den Eingewanderten nach Kräften erträgliche Erwerbsbedingungen zu verschaffen. Dann würden Verkehr, Handel und Gewerbsthätigkeit sich heben und die Waarenproduktion würde einen Aufschwung nehmen, der ihr bis jetzt immer gefehlt. Der moderne Kapitalismus würde sich in Rußland ein Arbeitsfeld suchen und würde die Arbeitskraft ausbeuten. Damit wäre für die große Masse der Arbeiter nichts gewonnen, aber diese Epoche muß eine jede Gesellschaft durchmachen, die von mittelalterlichen zu anderen Zuständen übersehen will. Dann könnte auch endlich europäische Bildung in Rußland ihren Einzug halten und könnte das arbeitswillige und gutmüthige russische Volk aus dem Zustand von Barbarei befreien, in dem es sich leider ständig befindet. Aber das letztere will die in Rußland herrschende Bureaukratie gar nicht haben. Der Despotismus, mit dem in Rußland regiert wird, würde von einem gebildeten Volke gar nicht ertragen werden. Man würde die Fesseln abschütteln, in welche ein Haufe Bureaukraten dieses große Volt geschlagen, und seine naturwüchsige Kraft würde sich gegen die Leute kehren, die es mit der dritten A b t h e i- l u n g, mit der administrative» Verschickung und mit einer bis zur Uuglaublichkeit k o r r u m p i r t e n Verwaltung heimgesucht haben. Gegen die Inden richtet sich in erster Linie der Rassen- haß. Die Herren Rothschild und Genossen in London, Paris und Berlin könnten sich, wenn sie wollten, am Empfindlichsten dafür rächen, indem sie den russischen An- leihen ihr Plazet verweigern würden. Aber diesen Fürsten der Börse geht natürlich das Geschäft über die Religion. Sie sind den russischen Regierungen immer wieder be- hilslich, eine Milliarde nach der anderen aufzunehmen. Dazu kommt, daß sich unter den sogenannten Nih i- listen eine Anzahl Juden befunden haben. Das konnte auch nicht anders sein. Junge aufgeklärte Männer von akademischer Bildung, die das Elend von Land und Volk nicht mehr länger ruhig mit ansehen mochten, fanden sich in den letzten Jahren in Rußland in Masse; daß unter ihnen auch zahlreiche Juden waren, versteht sich von selbst, wenn man die Stärke der jüdischen Bevölkerung in Nußland in Betracht zieht. Wie man es ge- wohnt ist, wurden von der Polizei aus der„nihilistischen" Bewegung„j ü d i s ch e K o m p l o t t e" gemacht und die Verfolgung der Juden in Rußland begann damit, daß ihnen das akademische Studium so ziemlich unmöglich gemacht wurde. Die weiteren Judenverfolgungen sind be- Kostüme, erloschene Lampen und einen Hansen alter, ver- moderier Dekorationen und Requisiten vor. In einer Art vertraulichen glatten Bühneurothwälsch erinnerten sie sich gegenseitig an ihre kolossalen Erfolge; denn wenn man die Drei reden hörte, so waren sie unzählige Male hervorgerufen, mit Kränzen geworfen und im Triumphe durch ganze Städte getragen worden. Während dieses Gespräches aßen sie wie Schauspieler auf der Bühne zu essen pflegen, d. h. nur zu drei Vierteln sitzend, das Gesicht dem Publikum zugewendet mit jener ans der Bühne nothwendigen Hast; wenn die Darsteller vor einem Souper ans Pappe sitzen, abwechselnd essen und reden und versuchen durch das Niedersetzen eines Glases, das Rücken eines Stuhles oder durch die cinstndirte Handhabung eines Messers oder einer Gabel, Effekt, Theilnahme und Ueberraschnng zu erzielen. Frau Delobclle hörte ihnen lächelnd zu. Wenn man dreißig Jahre mit einem Schauspieler ver- heirathct ist, so hat man wohl ein wenig von deren eigen- thümlichen Lebcusgcwohuhciten angenommen. Eine Ecke des Tisches war jedoch, wie durch eine Wolke, welche die albernen Späßc, das laute Gelächter und die ein- fälligen Prahlereien ausfing,.von den übrigen Tischgenossen gesondert. Franz und Tcsirce plauderten leise, ohne darauf zu hören, was in ihrer Nähe gesprochen wurde. Kinder- gcschichten ans der Zeit, wo sie noch Illachbarn waren, die Vergangenheit, die neuen Glanz erhielt durch die Gemein- samteit der hervorgerufenen Erinnerungen, die ihnen beiden thcner waren— das war der Gegenstand ihrer süßen Plauderei. Plötzlich zerriß die Wolke und die furchtbare Stimme Delvbelle unterbrach ihr Gespräch: kanut; sie hatten schon einmal eine Massenauswanderung der Juden zur Folge und die gegenwärtigen Maßregeln scheinen darauf abzuzielen, die Juden sämmtlich aus Ruß- land zu vertreiben. Man macht den russischen Juden gewöhnlich zum Vorwurf, daß sie auf dem Lande Schnapsschänken hielten und dadurch der Bevölkerung Schaden brächten. Nun, es giebt Wirthe aller Konfessionen, die Schnaps schänken und der Schnapsgenuß würde in Rußland floriren, auch wenn sich kein einziger Jude im Lande befände. Dagegen giebt es in Rußland eine Menge von jüdischen Landwirthen, Tagelöhnern und Handwerkern, die genau so wie die Schnapswirthe von den Zwangsmaßregeln betroffen werden. Die russische Bureaukratie sieht in den Juden offenbar ein„revolutionäres" Element und da diese Gewaltsherrschaft die Dinge nicht lange zu unter- suchen pflegt, die ihr nicht gefallen, so werden die Inden einfach ausgetrieben. Wenn aber die russische Bureaukratie damit ihre Stellung zu befestigen glaubt, so irrt sie sich. Der Fiskus wird Einiges gewinnen, denn die Opfer werden große Einbußen an Vermögen erleiden; aber der Kredit der Regierung wird im Lande nicht steigen, sondern sinken. Die Verehrer russischer Politik in Deutschland finden diese Maßregeln gerechtfertigt im 19. Jahrhundert und die Antisemiten sähen gern Aehnlichcs bei uns. Sie müssen sich dafür auch gefallen lassen, in Bezug auf Bildung und Gesittung mit dem Kosackenthum auf die gleiche Stufe gestellt zu werden. polifirtfie MevevNrhk. Die gelpanute Anfmerksamkeit, mit welcher[die sran- zösische Presse die Vorgänge im Lager der deutschen sozial- demokratischen Partei verfolgt, ist ein schlagender Beweis, welche Bedeutung die sozialistische Arbeiterbewegung erlangt hat, daß sie eine Macht geworden, die für die Foricntwicklung der deutschen Verhältnisse die erste und wichtigste Rolle spielt. Während die kleinen und über das Ausland ungemein schlecht unterrichteten Bl ättcr dies ehr unmaßgeblichen Ansichten der deutschen Spaltung?- sehcr von Profession und Neigung in das dünnste Blech aus- walzen, zeichnen sich die Berichte der großen Zeitungen, welche ihre Korrespondenten in Deutschland selbst haben und anerkannter- maßen seit Jahren genau und eingehend über die Parteivcrhält- nisse und das gesammte öffentliche Leben informirt sind, durch eine im Allgemeinen ruhige und richtige Würdigung der That- fachen ans. Die Objektivität, mit welcher sie die Vorgänge innerhalb der sozialdemokratischen Partei behandeln, sticht in auffälligster Weise von dem gehässigen Klatschbasentreibcn der deutschen bürgerlichen Presse ab. So schreibt der„Teinps" in einem Leitartikel: „Mit nächstem 30. September wird das Ausnahmegesetz auf- gehört haben zu existiren, welches ungefähr 12 Jahre lang die „Du hast Deinen Bruder noch nicht gesehen?" fragte er Franz, nm sich nicht den Anschein zu geben, als ver- nachlässige er diesen Gast....„Du hast seine Frau noch nicht gesehen?... Ah, Du wirst eine große Dame dort finden: Toiletten, mein Lieber, und einen Chic! Ich sage Dir tvcitcr nichts. Sie besitzen ein wahres Schloß in Asnieres. Die Chebe's wohnen auch dort.... Ja, mein alter Jnngc, das hat uns sehr ans- cinandergebracht.... Man ist jetzt reich und verachtet seine alten Freunde.... Nie ein Wort, nie einen Besuch.... Mir ist es ganz glcichgiltig, wie Du Dir denken kannst, aber für die Dame» ist es geradezu ver- letzend." „O Papa, unterbrach ihn Desiree lebhaft. Sie wissen doch, daß wir Sidonie zu sehr lieben, um ihr deshalb böse zu sein." Ter Schauspieler schlug heftig mit der geballten Faust ans den Tisch.„Das ist ja eben das Unrecht, das ihr be- geht!.... Man mnß böse auf solche Leute sein, die einen nur zu verletzen und zu dcmüthigen suchen. Er hatte noch die Verweigerung des Geldes zu seinem Theater auf dem Herzen und machte auch seinem Groll darüber kein Hehl. „Wenn Du wüßtest, sagte er zu Franz, wenn Du wüßtest, wie sie das Geld zum Fenster hinaus werfen.... es ist eine Schande... nichts Solides, nichts Vernünftiges... Ich selbst habe von Deinem Bruder eine kleine Summe erbeten, um mir eine Zukunft zu gründen und habe ihm hohe Zinsen versprochen— er hat es mir rundweg ver- weigert... Wahrhaftig! Die gnädige Frau braucht eben zuviel.... Sie reitet, fährt spazieren und führt ihren Mann so gefügig herum wie ihren kleinen Zierkorb auf dem Quai in Asmöres;„unter uns gesagt, ich glaube der arme deutschen Sozialisten in Acht und Bann des Reiches aethan hat. Dieselben werden wieder dem gemeinen Recht unterstehen und zu dem normalen Leben der Parteien zurückkehren. Die heroische Periode der Propaganda und des Kampfes ist nun für eine Zeit lang, vielleicht für immer vorüber. Vorbei die geheimen Ver- sammlungen unter freiem Himmel außerhalb der Mauern der ungastlichen Städte, wo der Belagerungszustand Wache hielt. Vorbei die geheimen Verbindungen und Organisationen, die ge- heimnißvollen Parolen, welche einen so mächtigen Reiz auf die zahlreichen Gemüther ausüben, welche in einer Partei das Aequi- valent einer Religion und der Aufregungen einer Eroberung suchen. Dieser neue Stand der Dinge, ein Geschenk der persönlichen Politik des Kaisers, bildet für den Sozialismus einen neuen Prüfstein. Vom bloßen Idealismus herabgestiegen, der Poesie des Kampfes entkleidet, mitten in das kalte Licht der poli- tischen Realität gestellt, von der Opposition zur Antheilnahme an der positiven Arbeit herangezogen, muß der deutsche Sozialis- mus an eine Transforniation des Geistes, der Methode, der Aktion, herantreten. Er tritt an dieselbe heran mit einer Entschieden- heit, einer kalten Leidenschaft, einen Klar- blick in die neuen Forderungen des Problems, welche das letzte Zeugniß von der wahren Stärke der Partei ablegen. Nachdem er Beweise seines Opfer- muthes, seiner Ausdauer, seines Zusammenhalts in« Kampfe gegeben, blickt er mit Vertrauen de» neuen Lebens- und Aktions- bedingungen entgegen, welche dem Sozialisnius geschaffen sind. Ein von Bebel, Liebknecht, Singer und allen ihren Kollegen im Reichstage unterzeichneter Aufruf beruft für den nächsten 12. Oktober nach Halle einen Parteitag ein, aus welchem über die Prinzipien der Neuorganisation der Partei und ihre künftige Taktik abgestimmt werden wird. Es wird dies der erste Kongreß sein, den die Sozialisten seit 13 Jahren in einer deutschen Stadt halten können. Er wird den Charakter eines wahren Arbeiter- Parlaments tragen. Sämmtlichc, an ihm theilnchinende Delegirte müssen in besonderen, zu diesem Zweck einberufene» Versammlungen erwählt werden, und der Ausschuß dieser Ver- sammlungen wird den Erwählten ein mit Unterschriften ver- sehenes Protokoll zustellen, das ihnen als Vollmacht dient. Die Beschlüsse dieser Versammlung der Erwählten der gesammten deutschen Arbeiterwelt werden folglich mehr Autorität haben, als die früherer Kongresse, welche aus einer weniger allgemeinen und regelmäßigen Wahl hervorgegangen waren. Was ste z. B. in Bezug auf die in jüngster Zeit so vielfach erörterte Erklärung und Durchführung von Streiks und Boykotts beschließen� wird, das wird als Gesetz Leiten. Der Zusammentritt dieses Parteitags, dessen Beschlüsse den Leitern der Partei eine neue Investitur verleihen und von i Meinungsverschiedenheiten zwischen geduldigen verlangen, zeigt von eir nun an den den Politikern und den Un einer nicht geringen Geschick- lichkeit. Diese Meinungsverschiedenheiten, um welche man kürzlich so viel Lärm erhoben, werden durch einen Augenblick der Prüfung auf ihre wahre Bedeutung zurückgeführt: keine einzige hat eine Prinzipienfrage berührt. Die Divergenzen, welche sich auf eine Personen- oder taktische Frage beziehen, wer- den gütlich durch Ausschluß der aufsässigen Persönlichkeit oder durch Majoritätsbeschluß beigelegt werden. Anläßlich der Ge- rüchte über eine Spaltung und die bestehenden Meinungs- Verschiedenheiten schrieb Liebknecht neulich:„Der Geist der Kameradschaft und Genossenschaft, sowie der Unterordnung des Individuums unter die Gesammtheit haben die Größe der deutschen Sozialdemokratie ausgemacht, und wir,„die Führer", würden uns eines schweren Fehlers schuldig machen, wenn wir von irgend «nein unsicheren Kantonisten diese Basis unserer Stärke angreifen ließen." Es ist in der That das System der Disziplin, welche den deutschen Sozialismus von der anarchistischen Fraktion be- freit hat." Der foiialdetnokvntische Parteitag wird auch von deutschen Sozialdemokraten des Auslandes beschickt werden.— Ferner wird ein Vertreter der französischen Sozialdemokratie, wahrscheinlich Vaillant, unserem Parteitag als Gast bei- wohnen. Bei dieser Gelegenheit sei erwähnt, daß die albernen Lügen der Reaktionspresse über die„Spaltungen" und„nahende Auflösung" der deutschen Sozialdemokratie uns in Frankreich wie im übrigen Ausland nur als Reklame gedient haben. Anläßlich der letzte» Dresdner pnrteiuerj'ammlnng, in ivelcher über die„Sachs. Arb.-Ztg." verhandelt wurde, brachte das„Verl. Tagebl." einen Bericht, in dem es heißt: „Nur wenige Redner widersprachen Herrn Bebel. Als einer derselben sagte, die Fraktion mißbranchc ihren Einfluß, sprang Herr Bebel vom Vorstandstische auf und packte den Redner; der Vorsitzende mußte Beide trennen." Diese Notiz macht die Runde durch die ganze gegnerische Presse und hat zu den verschiedentlichen Anfragen über ven Sachverhalt bei uns Veranlassung gegeben. Der wirkliche Risler ist nicht glücklich, dieses Weibchen führt nette Streiche ans.. Der Exkomödiaut beendete seine Rede mit einem Augen- Zwickern, das dem Komiker und dem Bonvivant galt, wodurch zwischen den Dreien für kurze Zeit ein Austausch her- gebrachter Grimmasseu, verbunden mit verstnndnißvollen „HmS" und„Hos"— die vollständige Zeichensprache des gegenseitigen Berstehens. Franz war niedergeschmettert. Von allen Seiten drängte sich ihm die Gewißheit auf, Sigisnmnd hatte in seiner Art gesprochen, Delobelle eben- falls in der seinen. Glücklicherweise war die Mahlzeit beendet. Die drei Schauspieler erhoben sich, um den Abend in der Brauerei zu beschließen, so daß Franz mit den zwei Frauen allein blieb. Als Desiree ihn nun sauft und liebevoll an ihrer Seite sah, empfand sie gegen Sidonie ein Gefühl der Dankbarkeit, denn deren Großmnth verdankte sie doch dies Scheinbild des Glückes, und dieser Glaube gab ihr den Mnth, die Freundin zu vertheidigen. „Sehen Sie Herr Franz," sagte sie,„Sie müssen nicht alles glauben, was mein Vater Ihnen von Ihrer Schwä- gerin erzählt, er übertreibt bisweilen, der gute Papa! Ich weiß, daß Sidonie zu derlei Schlechtigkeiten unfähig und daß ihr Herz sich gleich geblieben; wenn sie auch ihre Freunde vernachlässigt, so geschieht dies nur, iveil sie von ihnen ge- trennt ist... Das ist nun einmal im Leben so, nicht wahr Herr Franz?... Oh wie schön fand er sie, während sie so zn ihm sprach, nieinals waren ihm ihre feinen Züge und ihr zarter Teint so aufgefallen, wie heute. Als er an diesem Abend Abschied von ihr nahm, da empfand er mit einem egoistischen und doch naiven Vergnügen, daß dies Kind ihn geliebt habe, ihn vielleicht noch liebte und daß in ihrem Herzen ein Platz für ihn stets bereit war, zu dem man zurückkehrt, wenn uns das Leben tiefe Wunden geschlagen hat... Am andern Morgen stand Risler vor seinem Bett und wartete mit glücklichem Lächeln auf seines Bruders Erwachen. Wie froh er war, seinen Bruder wiederzusehen, ging schon Vorgang ist folgender: Herr Harnisch, der Miteigenthnmer der„Sächs. Arb.-Ztg.", sprach in so provozirender Weise, daß in der Versammlung ein Sturm der Entrüstung ent- stand und Gefahr war, daß die Versammlung auf- gelöst wurde. Da sprang Herr Bebel auf, faßte den Redner, um ihn zur Besinnung zu bringen, bei der Schulter und rief ihm zu: er provozire wohl ab- sichtlich, um die Versammlung zu sprengen. Darauf müßigte sich Herr Harnisch, daß der Vorsitzende die beiden habe trennen müssen, beruht auf einer optischen Täuschung des Be- richterstatters des„Tageblatts". Nach Schluß der Versammlung trat Herr Harnisch an Herrn Bebel heran und bat wegen seines Auftretens um Entschuldigung, er habe sich in der Aufregung zu weit hinreißen lassen. Herr Bebel antwortete, daß er alsdann auch das gegen ihn(Herrn Harnisch) Gesagte zurücknehme, woraus Beide sich die Hände reichten. Dies der wirkliche Sachverhalt. Lüge der».Feeif. Ztg." Wir lesen in der gestrigen „Freis. Ztg.":„Etwa die Hälfte der sozialistischen Frak- tionsmitglieder wird bei den Stichwahlen durch die Hilfe der Gegner gewählt. So gesteht in dem sozialistischen „Berliner Volksblatt" Herr Julius Türk ein." In seiner Zuschrift(in Nr. 188), deren Inhalt die Redaktion natür- lieh nicht vertritt, hat Herr Türk diesen irrigen Satz frei- (ich aufgestellt. Daß die Sozialdemokratie in den Stich- wählen freisinnige oder andere Unterstützung so gut wie gar nicht erhalten hat, ist von uns unmittelbar nach der Reichstags- stichwahl genau festgestellt worden. In dem einzigen Wahl- kreise Pinneberg-Elmshorn ist der sozialdemokratische Kau- didat durch freisinnige Unterstützung gewählt worden, während in mindestens fünfzehn Wahlkreisen die Freisinnigen dem Kartell zum Siege über die Sozialdemokratie verholsen haben; durch Hilfe des Kartells oder des Zentrums hat die Sozialdemokratie auch nicht ein einziges Mandat. Was auf Seiten des Herrn Türk ein Jrrthum(und allerdings zu- gleich eine Leichtfertigkeit) ist, kann auf Seiten der„Freis. Ztg." nur bewußte Unwahrheit sein, von der das Blatt sich nicht einmal durch die Notorität des Gegentheils ab- halten läßt. Der sazinldemotzr,»tische Darteitng für Neste»««d Malbeäc,»velcher in Eschwege abgehalten wurde, war von G3 Delegirten besucht. Es wurde beschlossen, an jedem Ort,>vo noch kein sozialdemokratischer Wahlverein besteht, einen solchen sofort zu gründen. Ferner sollen an jedem Ort Vertrauens- männer gewählt»verden,»velche mit einem Ausschuß von 5 Mit- .liedern in Verbindung stehen. Ter frühere Reichstags- lbgeordnete Pfannkuch wurde zum Vorsitzenden des Ansschusses erwählt, dessen Sitz Kassel ist. Ein Parteiblatt soll alsbald in's Leben gerufen werden. Folgende Erklärung geht uns zu: Nach Berichten Berliner Blätter über eine Versammlung des Wahlvereins im sechsten Reichstags- Wahlkreis äußerte ein Herr Neukrantz: „Welche Macht die Fraktion auszuüben sucht, geht aus einem Bericht des„Berliner Volksblatt" hervor,»vonach am Sonntag in Dresden eine Versammlung abgehalten wurde, in der Herr Bebel ein Vertrariensvotum bekam. Es heißt in dem Bericht: Es wurde nicht öffentlich, son- dern nur unter der Hand eingeladen, um die Gaffer und Neugierigen fem zu halten.(Hört, hört! Lebhafte Un- ruhe.) So handeln wohl die Fortschrittler bisweilen, in der Sozialdemokratie ist aber ein derartiges Vorgehen unerhört." Die Unterzeichneten, die in der hier von Neukrantz kritisirten Versammlung, die von nahezu 8000 Parteigenossen besucht war, das Bureau bildeten, haben darauf zu erwidern: „Die Fraktion hatte mit jener Versanunlung absolut n i eh t s zu thun. Zu derselben ist von Vertrauens- Personen der Parteigenossen von Dresden und Umgegend in einer Weise eingeladen ivorden, daß Tage lang zuvor alle Genossen von derselben unterrichtet waren. Ein Zweifel an der Legalität der Versammlung besteht nirgends unter unseren Genossen, und diese sind doch allein berufen, in ihren Angelegenheiten zu entscheiden, und diejenige Form dafür zu»vählen, die ihnen als die geeignetste erscheint. Man würde es den Dresdener Genossen sehr verübeln, wollten sie den Berliner Genossen Vorschriften machen, wie daraus hervor, daß er dessen Erwachen niit seinem gewöhn- liehen Ausdruck höchster Zufriedenheit begrüßte. „Ich bin zufrieden... ich bin zufrieden! Während er Franz mit Vorwürfen überhäufte, weil er nicht gleich zu ihm gekomnwn war, drängte er darauf, daß dieser aus der Stelle nnt nach Asnieres komme: „Wie überrascht die Kleine sein wird... und wie zu- frieden... wir sprachen sehr oft von Dir.... Welches Glück, ivelches Glück. Und der arme Mann strahlte wirklich vor Freude, er, der sonst so schweigsaul ivar, wurde geschwätzig»nid konnte seinen noch größer gewordenen Franz nicht genug bewundern. Auch Franz betrachtete seinen Bruder genau und fand ihn noch immer so naiv, so liebreich und zerstreut wie ehedem, er war ganz der Alte geblieben. „Nein, es ist nicht denkbar, sagte er sich... Er ist noch der ehrenhafte Mann von früher." Sein ganzer Zorn richtete sich jetzt gegen das heuchlerische ehr- und fchamvergessene Weib, das ihren Gatten so frech betrog, so daß man ihn für den Mitschuldigen hielt. O, »velche furchtbare Auseinandersetzung»vollte er»nit ihr haben. „Ich verbiete Ihnen, verstehen Sie mich recht, ich ver- biete Ihnen Madame,„»einen Bruder zn entehren." Daran dachte er während der ganzen Fahrt, indessei» Risler unaufhörlich von der Fabrik ui»d besonders von seiner neuen Druckpresse erzählte, die eine vollständige Um- »välznng in der Tapetenindustrie hervorbringen»vürde. „Eine rotirende Presse, kleiner Franz, die bei eiuer einzigen Unidrehung des Rades den Abdruck eines Musters »nit zivölf bis fünfzehn Farben liefert, roth ans rosa, dunkelgrün auf hellgrün,... begreifst Du das Bruder.— Eine Maschine, die künstlerisch arbeitet»vie ein Mensch. Morgen zeige ich Dir alle ineine Plä»ie»md nächste Woche richte ich mir oben in der Fabrik eine Werkstatt ein... in drei Monaten umß das Patent genonunen und meine Presse in Thätigkeit sein. Und nun bega»»n er Alles aufzuzählen»vas ihn das Glück in den Schoos; geworfen hatte. Das Wohlwollen der Fromonts gegenüber Sidonie»», das beste Weib der Welt, die Erfmdilng der Presse, mit der er den sie ihre Parteiangekegenheiten erledigen sollten. Recht der Selbstständigkeit nehmen»vir auch.. Anspruch»md»veisen darnach eine Kritik an# der Dresdener Genossen,»vie sie Herr Neukrantz wK unberechtigt zurück." Dresden, den 15. August 1890. Das Bureau der Parteiversaminlnng der Genossen von™ und Umgegend. Aug. Kaden, I Vorsitzender, Weidner, II. Vorsitzender, Böttcher, Schriftführer.. Drber die vorlagen für die nächste brmgt der„Reichsanzeiger" im nichtamtlichen Theile selU«* Nummer folgende Ankündigung:„Nach den bisher' w Vorbereitungen wird beabsichtigt, den» Landtage un>m«e seinem Zusammentritt außer den Eiltwürfen eines Von-l setzes und einer Lai»dgenleinde-Ordnung für die sieben Proviilzen der Monarchie die Vorlagen»vegen der J«l yJ direkten Steuern zur Berathnng vorzulegen. Man dürfen, daß es auf diese Weise gelingen»vird, die envay � deuiungsvollen Reformgesetze in der nächsten Sesiion oe tages zur Verabschiedung z»» bringen.". ,,Schr dedonlrlich, Euer Liebde«!" Die bürg � Blätter lassen sich berichten:„Das bedeutende Ilmsichgrs' Sozialdemokratie in Württemberg wird durch das rap» J blühen des Organs der württenrbergischen Sozianiten-.j.s „Schiväbischen Wochenblattes", sehr deutlich illustrirt.-«J vorigen Jahre erschien dieses Blatt nur einmal i» und in bescheidene». Umfang, seither gelangt es dreimal lich erheblich �vergrößert zur Ausgabe, und von» übernächsten Monat ab wird es unter dem neuen TUtt bische Tagwacht" täglich erscheinen. Seine Verbreitung un�- Arbeitern wächst in auffallenoem recht bedenklichem Mapc...» fallend und recht bedenklich in der That für alle Fmno� beitenden Volkes. Kaum»vird es den_ bieten,»venu»vir ihnen mit der»veitcren Na sich nicht nur in Württemberg, sondern in ganz r* 4- � �. r: r.— t«t. � � 1».> w&.....•%..«. I,...... IrVSeni entsetzliche Erscheinung zeigt. Und wem» wir nicht k"'. c',,*....... o 0..D,.—................ de», daß d,e g»iten Leute der Schlag trifft, würden wir zahlen, daß diese„auffallenden und recht bedenklicheu" SV'Ws 3 auch»n Oesterreich langsam aber stetig deutlich zu««M glnnen. Die Verbreitung der Arbeiterpresse in Oesterreich(OT »rne die Wiener„Arbeiter-Zeitung" mittheilen kann, seit w' Monaten, gering gerechnet, vervierfacht! J Ii» Itttrr-virw mit Henrik Ibfe» über dessen%| Zur Sozialdemokratie erwähnte unsere gestriae Londoner spondenz. Von etiiem hiesigen Mitarbeiter erfahren wir, wJJ Interviewer ein Berliner Journalist ist,»velcher eige■, dv\ y.......& Tp... am..... s.....*.f. v ,... cv. i. T, t iT ii München gereist war, um den Dichter Ibsen zu fragen siel, zur Sozialdemokratie stelle. Für den Kenner der Jbsen's»var die Frage überflüssig; sie war doppelt»ve � da Ibsen sieh außerhalb der Bühne»viederholt dahin 0«1 hat: er habe keine Theorie der Zukunft, er erivarte eine», j schritt der Gesellschaft von zwei Klassen, den Arbeitern Frauen, aber von der Beschaffenheit des kommenden ü"1 habe er keine Vorstellung. Ein solcher Satz ist»>" Jbsen's keine Phrase. Betreffs der Frauen bestätigt dl< tische Praxis Jbsen's jenen theoretischen Ausspruch;* 5 treten in den Jbsen'schen Stücke» nur als Nebenvcrj0>? Er entnimmt seine Personen den Mittelständen und krü! v bürgerliche Gesellschaft, freilich nicht in ihrem Wesen, x nur in den äußeren Erscheinungen, in ihren 9[»»§»u»chi, Konsequenz eines Stückes wie„Nora" ist allerding' listisch; denn»vahr und frei»vird die Frau erst d»» J � ökonomische Unabhängigkeit. Aber der Dichter zieht Konsequenz. Wenn man»ach seiner obigen; rung vielleicht sagen darf, daß seine Wei. fassung nicht„ b 0 u r a e 0 i s i st i s ch" sei, f*', dock) noch weniger sozialistisch. Ibsen kritisirt eve. Bestimmt unterscheidet er sich von uns durch seine» d e 0 l 0 Auffassung. Nach ihm sollen zuerst»vir uns bessern, dann»Tj auch die Verhältnisse besser»verden. Als Sozialist ö' r.... 3 cen 1 3»»..«f.», 1 � A f? M"yj unseres Wissens noch niemals bezeichnet worden. Was n Jntervieiver ihm vorgeredet habe», daß der Dichter ih� »vorteil konnte,„er fei»überrascht, seinen Namen zur für sozialdemokratische Dogmen(?) ausgenützt zu sehen"- lieh legt der Interviewer dem Dichter mit Unrecht den den Mimd,„er habe die sozialdemokratische Frage nst C; und»verde nie Sozialdemokrat»verde»»", d. h. er verwerst. ,» »vns er nicht kenne. Doch, um es uoch" allerdings kein Sozialist. Uns»st er sozial-kritischen Hauches seiner Stücke, die sreiliw® die außerordentlichsten dramatischen Vorzüge offenb'», Eine Aristokratie als Deulagogie. Unter dieser» marke»vird uns von» B 0 d e»» s e e geschrieben:„Wie I. I gegenwärtiger Zeit Alles,»vaL sich zu den„besseren""* sitzenden Klassen zählt, bemüht ist, die Arbeiterschaft durch Z � sänaerei in jeder Form von ihren enianzipatorische» Bestreu. in FrouiontS sich dankbar erzeigen ••... r.:.. n würde.——$11*. Die Entfreu'� �...... v.v.y...weh F»ä. ans dem räthselhaften Banne befreit einziger Umstand störte sein Glück. zwischen ihn und Sigismund, die vielleicht durch Frmy P3 'Vermittel, mg konnte. „O gewiß, ich werde Dir helfen, Bruder," sagte zähneknirschend, und die Zornröthe stieg stsiLyi dem Gedanken in's Gesicht, daß man die Ehrlichkeit 1| Bruders in Frage hatte stellen können. Jnzivischen näherte man sich dem Landhaus� Asnieres, dessen ivnnderlichen Thurin ans blauen» S» i man schon von Weitem schimmern sah. Das»var e»'- Sidonie» vorzüglich passendes Haus, ein richtiges Bank j einen Bogel mit nichts als glänzendem Gefieder. Pou aus konnte sie die Schänke» am Wasser erblicken, die Woche menschenleer, des Sonntags von einer lärws� vergnügiiiigStollen Menge angefüllt»varen, deren fdst'Li* Lieder, Freudenrufe und Gelächter bis in das Hans An Wochentagen trieben sich dagegen arbeitsl� schmutzige Leute, Männer in groben Kitteln und l' spitz zulaufenden Strohhüten umher,»»»»d Frauen,%||i gedankenlosem Starren in's Blaue auf den» niedergetn- Grase der Böschungen stundenlang saßen. �PfOXtC III W wvivivti« �ycung«viiv- viii ivwiiv} ♦»—-.jlst'f Im Hintergründe erblickte man eine mit Vasen gesf�y Freitreppe, die zu einem Salon führte, dessen Jalousie gezogen»varen. Die beiden Brüder traten durch die»»eist unversch�Ä '' den Garten. Franz»var ein»venig übcrr »n Aus dem Hanse ertönte Klavierspiel und gedc» Gemurmel.«i „Sidonie»vird nicht»venig erstannt sein," sagte de- Risler, sie erivartet.mich erst'Abends... sie»nnsii� mit der liebe»» Frau Dobson." Und indem er hastig die Thür aufstieß, rief er Mß der Schwelle stehend; „Rathe einmal,»ven ich mitbringe?" y'l Freu» Dobson, die ganz allein am Klavier saß, j iü ganz bestürzt in die Höhe und in» Hii»tergrn»d/ Salons, hinter hohen, auf dem Tische stehmdeit Blattpsi" i H 'S s �zubringen refp. die noch Fernstehenden Mtm, chat�aufs Nene'wieder eine deutsche llfaw � im,, iteit M iJjjH M ,v______ auch davon fern zu i), v» uu|» iFieue Ivieoer eine deutsche Älristokratie, die am "in des Bodensecs, in der Nähe des thurgauischen(schweize- Men) Dorfes M a n n e n b a ch das Schloß Louiscuberg besitzt, mviesen. Sie versendet an Direktoren und Fabrikanten Briefe, °ie ein auf einen kleinen Karton gedrucktes Gedicht und eine oarauf Bezug nehmende Zuschrift enthalten, welche sehr geeignet wo. ein recht charaktensiisches Streiflicht auf die edle Schloß- W»u werfen. Das Gedicht, welches die Ueberschrift„Hhinue b« Arbeit« trägt, lautet: Arbeit! Arbeit! Segensguelle; Heil und Ehre deiner Kraft, Die aus Finsterniß die Helle, Edles aus Gemeinem schafft! Aus dem Wirken quillt das Rechte, Aus dem Schaffen keimt das Echte, Wehe, wenn die That erschlafft In der ml'iß'gen Stunde Gähnen Stirbt das letzte Fünkchen Muth, Träge in den kranken Venen Schleicht das böse schwarze Blut; Tiefer Gram umwölkt die Stirne, Wahnsinn brütet im Gehirne, Bis das Herz im Tode ruht. Mensch! Was Dich auch immer quäle, Arbeit ist das Zauberwort, Arbeit ist des Glückes Seele, Arbeit ist des Friedens Hort! Deine Pulse schlagen schneller, 1 Deine Blicke werden heller, Und dein Herz pocht munter fortt Völker! Laßt das Murren, Klagen Ueber Götzeudienerci; Wollt Ihr eine» Götzen schlagen, Schlagt den Müßiggang entzwei! Nur die Arbeit kann erretten, Nur die Arbeit sprengt die Ketten, Arbeit macht die Völker frei! , Auf dem Karton wird dieses gewaltige Werk der Dichtknust „preisgekrönt" und der Vater des Gedichtes als ein � XJ}}«" n T h o in bezeichnet. Was die edle Frau E. von Breidenbach mit der Verbreitung dieses wunderbar entzückenden poetischen Produkts beabsichtigt darüber belehrt sie u»S in der Zuschrift, in ivelchcr l1.® mgt:„Gestatten Sie mir, Sie, die gewiß das Wohl Ihrer etrbeiter wollen, für eine gute Sache zu gewinnen. Ter Verfasser deS Mahnrufes, Hermann Thor», möchte dieser Hymne die weiteste Verbreitung geben. Um eine große Anzahl dieser kleinen und lffoßen Karten zu drucken, gehört natürlich Geld. Um Zwanzig- lausend Exemplare herzustellen, braucht er 800 M. Nun muß '»an sammeln, um später diese tausende von Exemplaren gratis unter die Arbeiter zu vertheilen. Ich, die gerne in einer so guten «ache helfen will, habe versprochen, ihm zu helfen. Es gilt, °enl Arbeiter an seine Pflichten ju ermahnen, wobeiderArbeitgeberjadenVortheil hat und »as Veivußtsein, Gutes gestiftet zu haben. Ein lsder Direktor nnd Fabrikherr kann der großen Sache helfen, wenn er eine Sl n z a h l solcher H y in- » en bestellt. Klein kosten sie 20 Rappen, groß 50. Eine ?roße in jedem Saale sollte doch auch ihren Platz haben. Die Hymnen kann ich auf Bestellung versenden. Mit ausgezeichneter Hochachtung zeichne ich ergebenst E. von Breidenbach." . Soweit die Zuschrift, die über den demagogischen Charakter M Unternehmens keinen Zweifel übrig läßt. Vielleicht helfen PCt edlen Frau deutsche Direktoren nnd Fabrikanten, die ohne «»snahine das Wohl ihrer Arbeiter wollen, die Sunime von •'00%. zusammenzubringen, damit die„gute und große Sache" durchgeführt werden kann. Gesterreich-Dlngav»r. Die T r a g ö d i e v o n N ü r s ch a n ist, wie wir bereits kurz wltgetheilt haben, zum vorläufigen Abschlüsse gelangt. Von ...»ngeklagtei, Bergarbeitern wurden 51 des„Verbrechens der AWitlichen Gewaltthätigkeit" schuldig erkannt und zu schwerem Jwner von G Woche» bis 18 Monaten verurtheilt. Im Ganzen fragen die zuertheilten Strafen sünfnndzwauzig Jahre und fünf — vrnue. bei �"6 den bisher vorliegenden Berichten ivird nur klar, daß kam?,?>. Handlung das Verhalten des Militärs zur Sprache sLi-f-r~ natürlich— tadellos befunden wurde. Ob nian die .auiten, die mit Revolvern in die Arbeitermasse geschossen VbwObbbwbbw�i'"' A''' L 1 bahÄ«*6"' die mit Revolvern in die Arbeitermasse geschoben ttnirF*',0'CU' ins Gebet nahm, wird nicht berichtet. Verurtheilt ve keiner von ihnen, ja nicht einmal verhastet. beinuT, �' e'i*, Seit einiger Zeit kommt auch in unsere Arbeiter- g mehr Leben. Die Arbeiter, welche hier früher nur in Scheu'1®C0r9e Fromont und Sidonie hastig von ihren diu?*9'. Du mich doch erschreckt hast....... sagte em»'"n.F'" sie RiZlcr entgegeneilte und ihn niit ihrem „./Gen Lächeln umarmte. Dann reichte sie Franz die Stirn Kliffe hin und begrüßte ihn mit den ZLortcn: „Guten Tag, Schwager." L,.»r ließ die Beiden allein nnd näherte sich Georg, dessen Anwesenheit er aufs Höchste crstannt ivar. Caviguy'« Sie hier... ich meinte, Sie wären in »Freilich... Aber denken Sie nur... Ich kam hierher lünfit■ d"chte, Sie wären Sonntags in Asnicrcs... Ich *~.lu Gufchäftsangclegeichciteu mit Ihnen sprechen... sck-..�° Situation begann kritisch zu werden, doch vcr- er RrZler's gute Laune schnell die gedrückte Stimmung; sstii„„ 9ie mit einem gewissen Stolze seinem Bruder alle die? fr 5 Landhauses und vergaß nicht zu betonen, daß 5.�.schweres Geld gekostet, nnd wie er es schließlich vcr Hochherzigkeit der Fromonts zu danken habe. ici.r � solchen Herzensergüssen wandte sich George Fromont Blirf l".' besonders wenn ihn der eigenthümliche fragende des jungen Ingenieurs traf. Etock Frühstück schien die Unterhaltung vollends in's allcii." � kommen, Frau Dobson sprach eigentlich ganz die}■' 9� war glücklich über die romantische Jntrignc, fiiir, s"r sie ans dem Zorn des neuen Ankömniliiigs nnd „Men Liebhabers, der Unruhe des eifersüchtigen Fromont Cip und der Blindheit des Ehemannes zusammensetzte. y». �"inthigte den einen durch einen Blick, tröstete den 4üi!,VC-K burch ein Lächeln, bewunderte die kalte Ruhe Min.-�us und konzcntrirte ihren Haß ans den wilden, »�Ichlachten Tyrannen Rislcr. Nack. dem Frühstück erklärte Fromont junior, d.cß er LJ Davigny zurückkehren müßte nnd Risler bestand bxfUUs, ihn nach der Bahn zu begleiten. Währenddem La,./ ßch Fran Dobson mit Franz nnd Sidonien in einer dnln' von wo sie sich— ihre Ucbcrflüssigkcit einsehend— entfernte, um sich an das Klavier zu setzen und ihre nationalen oder konservativen Vereinen organisirt ivaren, fangen an, über ihre soziale Lage nachzudenken. Namentlich ist dies seit der Gründung der„Confederazione operaia" der Fall. Genosse Clemencich sprach kürzlich im nahen Servola in einer slavischen öffentlichen Arbclterversammlnng. In derselben wurden einstim- mig zwei Resolutionen angenommen, deren eine die Einführung des achtstündigen Maximalarbeitstages, und die andere die Ein- führung des allgemeinen gleichen und direkten Wahlrechtes so- wohl für die Reichsraths- als auch für die städtischen Wahlen fordert. Der Streik der Heizer der städtischen Gasanstalt ging für diese verloren, da die Gasanstalt für die Ausständigen Ersatz gesunden hatte. Es ist die höchste Zeit, daß auch hier den Ar- bcitern immerwährend der Ausspruch von Karl Marx:„Arbeiter aller Länder, organisirt Euch!" in's Gedächtniß gerufen werde. Die Tischler, Schlosser und Schmiede haben auch bereits Vor- sammlunaen einberufen, um über die Verbesserung ihrer sozialen Lage schlüssig zu werden. Verkürzung der Arbeitszeit und Lohn- aufbesserung streben auch diese Slrbeiterbranchcn an. Man sieht, die Arbeiter in Trieft wollen mit ihren auswärtigen Brüdern gleichen Schritt halten. GvoßbrUrtttutett. London, 15. August. Im Parlament wurde eine umfang- reiche diplomatische Korrespondenz zwischen Großbritannien und den Bereinigten Staaten in Angelegenheit des Robbenfanges im Behringsmeere vertheilt. Dieselbe reicht bis zum August 1890. Sie enthält eine Depesche Lord Salisbury'S vom 29. Mac d. I., in welcher der englische Premierminister einen formellen Protest gegen die Beschlagnahme und Vertreibung englischer Fischerboote durch amerikanische Schiffe erhebt. Eine weitere Depesche vom 2. August widerlegt die bezüglichen amerikanischen Ansprüche aus- sührlich und veriveigert die'Anerkennung des Begehrens der Ver- einigteil Staaten, eine ausschließliche Gerichtshoheit derselben im Behringsmeer anzuerkennen. Großbritannien sei bereit, den Vereinigten Staaten dort dieselbe Äerichtshoheit zuzugestehen, ivelche es schon vorher Rußland zugestanden hatte. Wenn die Bereinigten Staaten nicht zustimmen, so schlägt Lord SaliSbury die Regelung dieser Angelegenheit durch ein Schiedsgericht vor. Die Beilegung des Aus st an des der Eisen- bah n arbeite r in Wales ist auf folgender Grundlage erfolgt: Die Eisenbahnverwaltungen zahlen für eine Arbeitszeit von liiindcstens 00 Stunden in der Woche unter der Bedingung, daß die Angestellten keine Bezahlung für verlorene Zeil infolge des monatlichen Feiertags in den Zechen oder infolge von Aus- ständen und ungewöhnlichen Arbeitsunterbrechungen verlangen. In einer Masscnversanimlung der Angestellten wurde der ge- troffcne Ausgleich mit großer Befriedigung begrüßt, da damit ihre ursprüngliche Forderung thatsächlich bewilligt worden ist. Frankreich. Die bei dem Grubenunglück von St. Etienne verwundeten Bergleute schreibe», wie sie dem parlamentarischen Untersuchungsausschusse erklärten, die Gasentzündunge» der un- genügenden Wassersprengung in den Stollen zu(der Staub ver- lheilte sich infolge dessen in der Luft imd beförderte die Gas- cntzüuduug), soivie der ungenügenden Aufsicht in den Bergwerken nnd der schlechtem Mauerung in denselben. Die zwei Gas- entzündungen voin 4. d. Mts. haben ihren Grund nach Ansicht der Bergleute in voreiliger Lüftung. Die Arbeit ist seit dem 29. Juli sowohl nach Aussage der Bergleute als der Ingenieure nicht wieder aufgenommen worden. Man hat nun den in dem Stollen angerichteten Schaden ausgebessert. Nachmittags hörte der Ausschuß die Gutachten von'Abgeordneten des Bergmann- Vereins, sowie einzelner Bergleute an. Kelgieu. Brüssel, 15, August. Der„Reforme" zufolge wird Janson bei Wiederzusammentritt der Repräsentantenkammer einen Antrag auf Revision des Artikels 47 der Verfassung zur Erweiterung der Grundlagen des Stimmrechtes einbringen. Spanie». Madrid, 14. August. In Valencia und Toledo haben gestern 49 Cholera erkraukungs- und 25 Todesfälle stattgefunden. Nach den amtlichen statistischen Ausweisen sollen seit dem 13. Mai, dein Tage des ersten Auftretens der Cholera, bis zum 11. August 1072 Choleraerkrankungecc nnd 334 Todesfälle(davon 80 pCt in Valencia) vorgekommen sein. Von wohlinformirter Seite wird versichert, daß die wirkliche Zahl der Todesfälle bedeutend größer sei. Man veröffentliche stets die Zahl der in Valencia und Toledo stattgehabten Fälle, verschweige aber, daß in den übrigen Pro- vinzen Spaniens ebenfalls die Cholera herrsche. Madrid, 15. August. In den Provinzen Alicaute, Badajoz, Toledo und Valencia kamen gestern 55 Cholera-Er- kraukungen vor, darunter 20 mit tödtlichem Ausgange. Nach einer Meldung aus Tanger hätte das Heer deS Sultans voic Marokko den Berbern gegenüber bei Mcqninez eine Niederlage erlitten. Die Berber hätten sich zu Herren von Mequinez gemächt und die Arrisre-Garde des Sultans ab- geschnitten. uielaucholischen unbefriedigteil Gefühle in musikalischem Gc- klimpcr Alisdruck zu geben. So befanden sich denn Franz nnd Sidonie endlich allein. „Ich habe mit Ihnen zu reden," sagte Franz genau in dem Ailgeublicke, wo sie den Mund öffnen ivollte. ;,Ich ebenfalls", erwiderte Sidonie ernst,„aber kommen Sie... wir suchen uns einen bequemen Platz." Und sie traten zusammen in einen kleinen Pavillon ganz hinten im Garten. Es war wirklich hohe Zeit, daß der Rächer erschien. Tie kleine Fran ivirbclte selbstvergessen in dem Pariser Malstrom herum und ihre Mißachtung gegen die gewöhn- testen Gebote der Schicklichkeit mußte über kurz oder lang zu einer Katastrophe und zu ihrem Untergang führen, zu- gleich mit sich die Ehre ihres Mannes und den Ruf und das Vermögen eines großen Handlungshauses mit sich in den Abgrund reißend. Hier in Asniercs ließ sie alle Bor- sichtsmaßregeln fallen, zu denen sie in dem Krämcrviertel des MaraiS, wo der böswillige Klatsch so gut dominirt, wie in der kleinsten Kleinstadt, immerhin gezwungen ivar, während sie hier wie eine richtige„Ausgchaltcue" in den Tag hincinlebte und sich wie eine Kokotte von ihrem Dienstpersonal bcstchlen ließ. Sogar äußerlich ähnelte sie bald diesen Geschöpfen, denn für zwei Monate erschien sie, zum großen Erstaunen RislcrS, der sein Püppchen vertauscht glaubte, blond, während George sich an solchen Exzentrizitäten ergötzte, wodurch er in einer Fran zehne fand. Er ivar der eigentliche Herr des Hauses, der wirkliche Gatte. Zu SidonicnS Zerstreuung hatte er ihr eine Art Ge- sellschaft verschafft. Freunde seiner Jnnggesellenzeit, lcbens- lustige Kanflente, aber keine Frauen, die haben zcc scharfe Augen, und Fran Dobson blieb daher die einzige Freundin. (Fortsetzung folgt.) Kttlkanländer. K o n st a n t i n o p e l, 10. August. Auf dein von Japanyeim« kehrenden Kriegsschiff„Ertogul", das eine Besatzung von 000 Mann hatte, kamen 35 Choleraerkranknngen vor, darunter 15 mit tödtlichem Ausgange. Ans Hedschas wird gemeldet, daß in Mekka ein Stillstand resp. Abnahme der Cholera eingetreten sei. Am 13. d. Mts. starben in Mekka 43, in Djeddnh 45 Personen. Austratte«. Nach einem Telegramm des„Reuter'schen Bureaus" aus Melbourne haben die Offtzler? der Handelsmarine infolge Meinungsverschiedenheiten mit den Rheder», die ihre Vereinigung anzuerkennen sich weigern, ihren Dienst ein- gestellt. Man befürchtet, daß dadurch der Handel in dem Hafen von Melbourne vollständig lahm gelegt werde. In den Häfen von Sydney, Brisbane und mehreren anderen ist die Lage ebenfalls eine ernste. Soziale Meberlickzk. Arbeiter, Freunde, Genosse»»! Wenn wir nochmals an Eure Solidarität appelltren, so werdet Ihr das nach Einsicht in den folgenden Situationsbericht entschuldige». Wie Ihr bereits wißt, haben die Herren Fabrikanten nach Beendigung des Greizcr Weberstreiks eine schwarze Liste angelegt; doch»vurde dieselbe vor der Hand nicht in ihrer ganzen Schärfe durchgeführt. Jetzt aber, wo der Geschäftsgang ein so schlechter ist, daß es den besten Ar- bcitern nicht möglich ist, in irgend einer Fabrik Arbeit zu er- halten, gehen die Herren Fabrikanten in einer Weise vor, daß es jeder Beschreibung spottet. Sie lassen den Arbeitern die Peitsche fühlen, die sie jetzt ihnen gegenüber in der Hand haben. Ab- gesehen von den Arbeitern, ivelche noch von dem Streik her keine Arbeit haben, werden sämmtliche Arbeiter, die sich auch nur im Geringsten bei dem Streik hervorgethan haben, ans der Arbeit entlassen. Ihr werdet leicht begreifen, daß die Arbeiter bei dem geringen Verdienst, den sie hier haben, noch an den Folgen des Streiks zu leivcn habe»; jetzt sind verschiedene bereits seit drei und vier Wochen wieder außer Arbeit. Dabei ist auch nicht die geringste Aussicht auf anderweitige Beschäftigung. Unsere Kasse ist durch die Unterstützung derjenigen Arbeiter, die voin Streik her keine Arbeit erhalten haben, vollständig erschöpft. Bon unseren Ar- beitern, an die wir wiederholt appellirt haben, können wir wenig mehr erhalten; denn zu sammeln innerhalb der Fabrik, kann sich Keiner erlauben, da er sofort auf die Straße fliegen würde. Wir richten deshalb nochmals an Euch die Bitte, wenn es Euch möglich ist, uns mit einer kleinen Gabe zu unterstützen, damit wir in der Lage sind, die äußerste Noth von den gemciß- regelte» Webern fern zu halten. Wir versichern dabei, daß das, waS Ihr thut, gut angewendet ist; daß ,vir nicht nachlassen wer- den, Ven Kamps mit dem Kapital bis anfs äußerste fortzusetzen. Gleichfalls könnt Ihr versichert sein, wenn Ihr einmal in eine ähnliche Lage kommt, daß wir Alles aufbieten werden. Euch den Kampf mit dem Kapital zu erleichtern. Greiz, den 15. August 1890. Mit genossenschaftlichem Gruß Das Komitee der ausgesperrten Weber. Geldseiiduiigen vermittelt Karl Hübsch, Berlin, Memeler- straßo 40. Achtung, Töpfer J In der Filiale der Berliner Ofen- fabrik-Akticngesellschast, früher Titel, in Neuenhagen ist ein Streik ausgebrochen. Ter dortige Leiter ist der Bruder des hiesigen und hat sich durch die Behandlung seiner Arbeiter nnd Arbeiterinnen unter diesen keine Freuude zu gewinnen gewußt. Die Kollegen in Neuenhagen waren bislang ,» der Arbeiterivegung indifferent gegenübergestanden nnd hatten alles ruhig über sich ergehen lasse». Aber auch bei ihnen ist eS nun endlich Licht geworden, sie haben sich der Berliner Organisation angeschlossen und in Neuenhagen eine Zahlstelle errichtet. Derjenige, welcher den Muth hatte,. die Zahlstelle zu übernehmen, hat mm die Macht des Kapitals fühlen müssen— er ist gcmaßregelt worden. Jedoch durchdrimgen von dem neuen Geiste der Solidarität haben 29 Kollegen mit den» Gemaßregelten freiwillig die Arbeit niedergelegt. Kollegen! Jetzt, Ivo das Ünternehnierthnm mit Macht und Eifer darauf ausgeht/ vie Arbeiterorganisationen zu zerstöre», ist es doppelt unsere Pflicht, dieselben zu erhalten und zu vertheidigen! Kollege»! Laßt Euch da3 gewonnene Terrain nicht, nieder entreißen, die junge Organisation der Neuenhagener Kollegen nicht wieder zu Grunde gehen! Kollegen, stedt hinter Euren Arbeitsbrüdern, unterstützt dieselben so viel als nöthig und haltet den Zuzug fern! Bedenkt, was ans dem Spiele steht! Die Nedaktto» sleNt die Benutzung des Sprechsaals, foivclt Raum dafür abzu- aeben ist, dein PubUkum zur Besprechu»» von Angelegenheit«» allgemeinen Interesses zur Berfügung: sie verwahrt sich aber gletchzettig dagegen, mU dem Inhalt desselben tdeniisizirt zu werden. In Nr. 188 dieses Blattes befinden sich zwei Notizen, welche sich mit der Bersammlung des 0. Wahlvcreins befassen, aber in höchst eigenthümlicher Weise. Herr Sabor sagt:„Wie kommt Herr Wille dazu, die Fraktion zu schulmeistern?" Nun, von Schulmeistern kann doch keine Siede sein, wenn man eine Kritik an irgend etivas übt, also seine eigene Meinung sagt, was doch nicht Jeder wagt. Daß es leicht ist, vom Podium eines Versammlungslokals alles zu benörgeln, ist möglich, aber noch leichter ist eS, seine schmiegsamen Gedanken für sich zu behalten, und nachher im„Verl. Volksblatt" zu raisonniren. Die Bemerkung über Herrn Börner ist mindestens überflüssig, da die Rc- daklion schon selbst Stellung dazu genommen hatte.— Tie Bemerkung des Herrn Schindler: Herr Wille sei selbst eine kleine Autorität, hat Herr Sch. ivohl erst später von Jemandem bezogen, denn in der Bersammlung sagte der Herr nichts davon. Daß die Diskussion inißlungen, ist neu, liegt aber wohl daran, daß Herr Sch. nicht selbst sprach. Persönliche Angriffe sind wohl vorgekommen, das bestreite ich nicht, doch waren nur wenige im- berechtigt nnd wurden mich Gründe angegeben. Was Herr Sch. über die Abstimmung schreibt, ist wider besseres Wissen mitgetheilt. Wäre das so gewesen, der Borsitzende durste und hätte bestimmt nicht die Resolution für angenommen erklärt. Daß Herr Sch. nicht aufgeklärt war, ja, das liegt daran, daß Mancher nie aus- geklärt wird. Richard Herbst, Schlosser, Ackerstr. 144. •» Ein junger Genosse will hicimit sagen, welchen Eindruck die in letzterer Zeit i» öfsenllichcn Bersammliiugen und Zeitung?- artikeln hervorgerufene Kritik über Parteiführung und Partei- angclegcnhciten aus jüngere Genossen niachen mich. Die freie Kritik, die Herr Dr. Bruno Wille so warm empfiehlt, wirkt aus die Masse schädlich, wenn sie blos a»f Vermilthungen beruht. Sie sät nur Hech und bringt Berdächtigiingen auf iinschuldige Personen. Meine Meinung ist: frei soll krilisirt werde», aber am rechten Ort. Welchen Eindruck macht eS, wenn die ältesten Führer und andere Personen auf Grund reiner Vermuthnng angegrifscii und über de» verunith- licheii Untergang der„BerlinerMolks-Tribüne" ein Zetergeschrei angestimmt wird, als od die betreffende» Herren dadurch selbst mit unterginge». Haben jene Herren so schwere Anklagen, wie sie in letzter Zeit laut geworden sind, gegen Personen und Partciblätter zu erheben, so ist es»ach meiner und vieler Genossen Ansicht gut, es auf dem Parteitag durch Anträge zur Sprache zu bringen. C. L o h s e, Weißcnl'iirgerstraße 37. Hos Keller. Theater. Sonntag, den 17. A u g u st. Kefstng-Tlieater. Ein Volksfeind. Montag: Die Ehre. Friedrich-Wilhelmstädt. Theater. Der arme Jonathan. Montag: Dieselbe Vorstellung. Mallner- Theater. Mamsell Ni- touche. Montag: Dieselbe Vorstellung. UiUtorii,» Theater. Stanley in Älsrika. Montag: Geschlossen. Ostend- Theater. Der arme Jona- than. Montag: Dieselbe Vorstellung. Adolph Ernst- Theater. Der Goldfuchs. Montag: Dieselbe Vorstellung. Kelleallianre- Theater. Der Nau- tilns. Montag: Dieselbe Vorstellung. Kroll'o Theater. Die Regiments- tochter. Englischer Garten. Direktion: C. Andress, Alcxander- straße 27c. Auftreten der Chansonnette Fräulein Ehrenkeld. Auftreten der Kostüm-Soubrette Fräul. Rosa Valerie. Austreten des Gesangshumoristen Herrn Zlegler. Auftreten des Malabaristen und Equi- lebristen Kr. Charles. Austreten des Professors Herrn Jean Clermont mit seinen dressirte» Schweinen, Esel und Günsen. Anfang Wochentags 8 Uhr. Sonntags SVs Uhr. Entree Wochentags u. Sonntags SO Pf. 50 Pf. und 75 Pf., im Vorverkauf 20 und 30 Pf. Der Garten ist an Vereine f. Sommer- festlichkeitenm.Spezialitäten-Vorstellung zu vergeben. (Miffeieilt Buggenhagen am Moritzplatz. Täglich: Grosses Garien-Concept. Direktion A. Rödman». Dienstag und Freitag: Walzer-Ahend. Fnfniß Wochentags 10 Pfg., Ihllll IL gönn- und Festtags 25 Pfg. Bei ungünstiger Witterung in den unteren Restaurationsräumen. Großer Frühstücks- und Mittagstisch. Spezial-Ausschank von Patzenhofer t-Bier, Seidel 15 Pf. ... ti-a Export-! Die oberen Säle bleiben bis auf Weiteres wegen Renoviriingg�schlossen. Passage 1 Tr. 9 Uhr M. b. 10 Uhr Ab. Kaiser« Panorama. Hervorrag. Sehenswürdigk. d. Residenz. Nur BT- diese IB® Woche: lleu! 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Entree 15 Pf., vorher 10 Pf. 353 A. Froelich. Dr. Hoesch, Homöopath. Zlrzt, Slrtilleriestr. 27. 105 8—10, 5—7 Uhr, Sonntags nur v.3— 10. Große Uersammimtg bes Allgem. WeijemUll-Vereiils sämmtlicber Berufszweige Verliiis iini) Iliilgegenb(Uliale 3, Charlottenburg) findet am Dienstag, den 19. August, Abends B'/a Uhr, im Lokale Bismarckhöhe, Wilmersdorferstr. 39, statt. Tages-�Ordnung: 1. Vortrag des Herrn Zubeil. 2. Diskussion. 836 3. Aufnahme neuer Mitglieder. 4. Verschiedenes. Herren und Damen als Gäste haben Zutritt. Ferner: Da den Mit- gliedern der Filiale 5, Charloltenburg, bis jetzt noch nicht die Möglichkeit gegeben war, gegen die furchtbaren Angriffe, welche gegen unsere 1. Vorsitzende, Frau G u b e l a, von Seiten ehemaliger Mitglieder in der Dresdenerstr. 116 geschleudert wurden, welches wir uns als Mitglieder der Filiale Charlotten- bürg nicht gefallen lassen können, so lade» wir hiermit sämmtliche Vereins- Mitglieder zu dieser Äersaminlung ein. Ganz besonders ist aber Herr und Frau Löpki ans Moabit hierzu aufgefordert und werden[hier das Recht haben, sich vertheidigen zu können. Um zahlreiches Erscheinen bittet Dir Krvollmächtigtr. 9. Stiftungsfest kl MMcks kr Wer Berlins am Sonnabend, beu 23. August, in der Brauerei Friedrichshaiu(früher Lips), am Frirdrichshain-Königothor, verbunden mit Grossem ¥ocal- und Instramental-Concert. Anftvrken berühmter Grjangs-«ud Eharaktrr-Komiliev sowie Grossem SmmmePMacMs- Ball im elektrisch erleuchteten Saale. Anfang des Conrrrt» 4 Uhr. Kall 9 Uhr. Um 9 Uhr Abends findet Fackel-Polonaise für Kinder statt. Zur Bequemlichkeit der Damen wird von 3—6 Uhr Nachmittags Kaffee in Kannen a Portion 20 Pf.(2 Tassen enth.), von 2 Portionen ab, verabreicht werden. Billets a Person 40 Pf. sind, außer in den mit Plakaten belegten Wirthschaften, bei folgenden Mitgliedern zu haben. Daehne, Schwedterstr. 229, II- Ulrich, Franscckystr. 12; Wolr, Borsigstr. 27; Buchholz, Ackerstr. 69; Simanowsky, Ackerstr. 57; Pritzkow, Betctnueiistr. 10; Gräschkc, Görlitzerstr. 70; Petrick, Lübbenerstr. 7; Schmidt, Memelerslr. 60; Rehden, Mariannenstraße 21; Eitner, Wienerstr. 38; Rechenberg, Wienerstr. 57a; Grätz, Lützowstr. 101. 201 Der Uorstand. I. A.: A. D a e h» e, Schwedterstr. 223. Freie BmilligWb. VersammBung -n M-ntag. den 18. August ds. Is.. Abends Uhr. _.,. bei Senke, Kinmenstraße 38. Tagesordnung: 1. Die Arbeiterbewegung und ihre Bedeutung. -------- 3. Regelung des Arbeitsnachweis«. Kollege Freudenreich. 2. Diskussion. 4. Verschiedenes nnd Fragekasten. 360 Freie VereiniMg kr B# ddh Slhöilekrg Der Vorstami'___ gmerblichell Warkitet Der Vorstand. Ausserordentliche fflitglieder-Versammluug deS VneiiiS jiit Hebinz See mteckleii uiiti@(i|W � der Arbeiter EchöiiebergS Montag, den 18. August, in der Schlofzbrauerei, Kauptst». Tages-Ordnung: K!�,veiher. 1. Wahl des aktiven Vorstandes. 2. Vortrag des Herrn W.©W" � 3. Diskussion. 4. Verschiedenes und Vereinsangelegenheiten.— gUeöer werden aufgenommen. � Vorstand. Oeffentliche Versammlung.. sämmtl. an Holzbearbeitungs- Maschine beschäftigten Arbeiter am Dienstag, de» 19. Angnst ds. Is., Abends 8V2 Uhr» in Frnrrstrin's Salon, Alte Jakobstr. 75, Tages-Ordnung: 1, Vortrag über:„Kapitalistenverbände und die moderne Aiu ,, bewegnng." Referent Stadtverordneter Otto Klein. 2. Diskussion.. e( nungslegung und Auflösung der Agitations-Kommission. 4. Neuwahl Kommission oder eines provisorischen Lokal-Verbands-Vorstandes. D- schiedenes.. Die Agitations-Kommission. I. A.: Wilh. Wölfl' Große öffentliche Versammlung kr Ti schier, HUdhauer, Drechsler n# s«i licher in kr Holzbmche besGstigten Weiter Um zahlreiches Erscheinen in Wichtigkeit der Angelegenheit ersucht Der Einberufer: R. Millarg 4«' Res««"' _ am Dienstag, den 19. August, Abds. 8 Uhr, Mg" in„Scheffer's Salon", Insel- Strasse No. 10. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Herrn Theodor Glocke verbände Junb Arbeiterorganisationen". 2. Diskussion. 3. Bericht der Kontrolkommission. 4. Verschiedenes.— Zur Deckung der Unkosten Tellersammlung statt. Alle Luxus-Papierarbeiter und Der Einberufer. hierzu ganz besonders eingeladen. -Arbeiterinnen P Flcherck der Tischler s. d. Norden. Große Versammlung_ Montag, den 18. August, Abends 8Va Uhr, in Keller's Salon, Bergslrasse b# Tages-Ordnung:.... 1. Vortrag des Herrn Pinn über den Selbstmord und die fWi,, Verhältnisse in Deutschland. 2. Diskussion. 3. Gewerkschaftliches. 4. nennung eines Bevollmächtigten und Schriftführers für den Norden. 5. schiedenes.— Die Modelltischler sind besonders zu dieser Versammlung geladen, ebenso ist es Pflicht eines jeden Mitgliedes, in dieser Versain»"�- zu erscheinen, sowie diejenigen Kollegen, welche dem Verein noch fern steh� zum Besuch dieser Versammlung zu veranlassen. 317 Der Vorstand. Flichmei« s. Schlosser n. MschtileMlmklttt Berlins n. llw 2 grosse Versammlungen an, Montag, den 18. August 1890, Abends BVs Uhr, für de» Süden in Feuerstein s Salon, Alte Jakobstr. 75. Tages-Ordnung: � 1. Vortrag des Herrn Hildebrandt über:„Die Bedeutung. r Koalitionsrechtcs. 2. Diskussion. 3. Aufnahme neuer Mitgli� und Entrichtung der Beiträge. 4. Verschiedenes und Fragekaste». Für Charloltenburg und Umgegend: im Saale der Gambrinus- Brauerei, Wallstraße 46. Tages-Ordnung: 1, 1. Vortrag des Herrn Buchdrucker Wilh. Werner über: talisten-Ringe und Arbeiter-Organisationen. 2. Diskussion. 3. nähme neuer Mitglieder und Entrichtung der Beiträge. 4. � schiedenes und Fragekasten. Die Kollegen werden gebeten in diesen Versammlungen recht zah»'' zu erscheinen. Gäste willkommen._„ NB. Die Protokolle vom Allgemeinen Metallarbeiter- Kongreß s Weimar 1890 gelangen in diesen Versammlungen zur Ausgabe. 361_ Der Porsta«�. Meissewsees— ArbeiUrbilbnugs-Perrlus-Nersammlur ,«)• m Dienstag, den Iii. August, Abends 8 Uhr, Gustav-Adolphstrasse No. 142 bei Weichert(„Zur Flora Tages-Ordnung:. 1. Vortrag über:„Kapital und Arbeit". Referent Herr C. Neuma11 Berlin. 2. Diskussion. 3. Vereinsangelegeuheiten. 4. Verschiedene?. 351. I. SU. des Vorstandes: Grünenberß. � Genossen empfehle mein Hutgeschäft. Führe nur Hüte mit Arbeitt� .'olmarbeu L-ntschev Hutmacher.— Bitte genau auf Firma � Kontrolurarllen L-ntschev Hutmacher achten: Köpenickerslraße 126. Ado# Kehr. Verantwortlicher Redakteur: C«rt Saasir in Berlin. Druck und Verlag von War Kadiug in Berlin SW„ Beuthstraße 2, Hierzu zwei Keilas L & Nr. 190. Sonntag, drn 17. Angnst 1890. 7. Jahrg. Lokales. De erst« Krrttnrr Rohfieisch-Sv-isranstalt. welche, wie „"Ichon berichteten, Ansang dieses Monats am Wembergsweg mÄ? worden ist, wird von den Bourgcoisblättern mit großein {glmoKen begrüßt. Wenn man ihnen glauben kann, sind ihre Berichterstatter persönlich in der neuen Spcisehalle gewesen und wen auch selbst die Speisen gekostet, und da kailn man nun viel ,. uber lesen, wie billig und wie wohlschmeckend das Pferdefleisch W. n«x",V"/r*VIV Vlwlö uuw«V&V 4WVVt|VV»MWV*,v..w � Äesri-Ui?. Herz nicht ganz verhärtet ist, der legt dann mit Stofonlfj-rft, ie Leitung aus der Hand und denkt vor dein die i,, A?!5.schen ilber die bencidcnswerthe Lage der Arbeiter nach, mäbLIx Plligem Preise sich das schönste Pferdefleisch leisten können, fleii». ,5 ,armen Beptzenden schweres Geld für Rind- und Schweine- in �...." Feben� müssen. So chat wiederum eine Zlttiengesellschast in U---- ww i;w4.»vvvvv_.. �humanster Weise für das Wohl der ärmeren Klassen gesorgt. �•Berichterstatter eines einzigen Blattes ist so ausrichtig, offen ?Mls zu sagen, daß auch das beste Pferdefleisch einen widerlich Blattes ist so ausrichtig, offen 5" unp nuni una uefle Pferdefleisch einen widerlich aan. �rschmack hat, der selbst durch starkes Pfeffern nicht ILJJM" vertreiben ist. Siint, wir wollen deswegen noch nicht be- fanl?"/ knß alle die andere» Journalisten die Unwahrheit ge- rü�.. den, als sie den trefflichen Geschmack des Noßfleisches so m.«,®'e Geschmäcker sind ja verschieden; der eine ißt z.B. .j°�n Kartoffeln, daß in der ganzen Woche nichts anderes auf x"e" Tisch kommen darf, während der andere mehr für Austern Ofmo'*' lfat ja die Natur höchst weise und zum all- u meinen Besten eingerichtet; denn wenn jeder gerne Austern äße, tö., �'e Nachfrage nach diesen gar nicht befriedigt werden ni"'°n. und wenn alle gern Pferdefleisch äßen, so würde dies tön)'0'''"'S sein, daß auch die Armen sich daran delektiren So aber essen die einen Austern, die anderen »»d Schweinefleisch, und die dritten Pferdefleisch und artoffeln. Und die Moral, welche die Beivnnderer unserer eise,, Weltordnung aus der Errichtung der Noßfleisch- oeiseanstalt am Wcinbergsweg ziehen, ist natürlich tu c dnß die Armen es bei ihrem R o ß becf»lindestens „"so gut haben, wie die Reichen bei ihrem Roastbeef. Das war ' was man beweisen wollte. nn« S'' nun an unseren Verhältnissen liegt, oder ob auch das >».- Geschmackssache ist, Thatsache ist jedenfalls, daß»ach einer in" Zentral-Viehhof ausgestellte» Statistik der Fleischkonsuin ■Berlin wiederum gefallen ist. Nach dieser Statistik, in welcher vngens der Verbrauch von Noßfleisch gar nicht aufgeführt ist, «ragt der Fleischkonsum gegenwärtig etwa 85 Kilogramm pro JW und Jahr, oder auf jeden Berliner kommt täglich noch nicht nn halbes Pfund Fleisch. Tie Aerzte würden hiernach die Er- �ihrungsverhältnisfe Berlins nicht gerade glänzend finden können. xir Konsum von Pferdefleisch hingegen steigt von Jahr zu und wer weiß, ob nicht auch ein gewisser anderer Fleisch- w»sum stetig wächst, der sich der öffentlichen Beobachtung Mitzieht? ES wurde zufällig bei der Untersuchung der Mord- "flaire Klausin aufgedeckt, daß vielfach unter der Hand Fleisch "«kauft worden ist, welches als verdorben von der Gesundheits- Polizei konsiszirt und der Abdeckerei zur Vernichtung übergeben worden war. Ueber den Umfang dieses Handels mit verdorbenem Än � lassen sich bei der Natur der Sache auch nicht ungefähre "gaben machen, aber es erscheint schon bedenklich genug, wenn ,«ttzelnen Fällen der Handel mit diesem ekelhasten und gesund- •.""schädlichen Artikel festgestellt worden ist. Ob in diesen fn v u die Käufer Feinschmecker gewesen sind, welche eine de- lieh Vorliebe für verdorbenes Fleisch haben? Tie Gourmands ja z. B. manchmal den sogenannten haut goöt am Z"."de, der durch den Verwesungsprozeß hervorgebracht ,'rd, und bei den Chinesen gelten die Kellerwürmer als eine be inderz feine Delikatesse— warum also sollten sich nicht auch W'.chmecker finden, die gerade auf verdorbenes Fleisch ein Iii'te haben? Vielleicht verhält sich die Sache so, wahrschein- di? /cho" verhält sie sich anders, nämlich so, daß es Leute giebt, lil Geld dazu haben, sich gutes Fleisch zu kaufen, und die �."un in ihrer Noth selbst vorlügen, die Gesund-polizei gehe oyl etwas zu rigoros vor, und das von ihr als verdorben be- L fUtte fleisch sei doch noch allenfalls genießbar; so verschaffen «. sich, nur um auch Fleisch essen zu können, verdorbenes Fleisch, a ße Gelegenheit dazu haben, und würgen es mit reichlichen Ion" von Salz und Pfeffer hinunter,„um es nicht um- ;;"Uei' ä» lassen", wenn auch Gaumen und Nase deutlich genug Noth Illusion widersprechen. Das ist ekelhast, aber in der 2°ch ißt eben der Mensch verdorbenes Fleisch, ebenso wie der "isl Fliegen. gp-., schlimm ist es ja aber glücklicherweise mit dem Pferde- i«>ch nichi;»penn das Fleisch gesund ist, schadet es dem Men- ma wuroe, wenn er es liane.-avrr ü': Aeinschweckerei Pferdefleisch ißt und dieses anderem Fleisch hio l).abcn»vir noch nie gesehen. Ta lasse man also doch ein chbusärberei, mit der man die Noßfleisch- Speiseanstalt als «men überaus angenehmen Ausenthalt und ein Pserdesilet als N,£ Telikateffe hinstellt. Tie Sache ist einfach die, daß die «'schpreife enorm hohe sind, und daß darum nothgedrungen "'-Menschen nur das minderwerlhige Noßfleisch essen können, oen Sachverhalt anders darstellt, belügt sich und die andere». |l«ba- Gaobelruchtung und elektrische Beleuchtung vom f" eine längere interessante Betrachtung, in welcher er sagt: & ber Beschaffen�ildes Lichts l)iioifö!fjrv vanoucuuriitiinn nno ewutiiuj« t o j p l,'chen Standpunkte aus veröffentlicht Professor v. P e l t e n- rd\'''- fi&'—' �----—- f-t. ny n f• Ter Ei Ogn vv*' � v| vy u Ii tiWvi»!,... Um ptÜ ,"'"m ist bekannt. Während bei Gasli ht die Sehschärfe keaeni h" fw Herabgesetzt ist, kommt dem elektrischen Licht sogar neüoit,. Tageslicht ein gewisser Vorzug zu. Noch günstiger r-..--------..«.. 0!J,t hoifiolij, öeftarfpt r; T**** y v. v»(|»»-- v i, u F�benfi.m a v VerHältniß für das elektrische Licht bezuglich des Gelbsinn sts."" Letzteres erhöht den Roth-, Grün-, Blau- und Ki. Jir'- JEiefcr Vorzug kommt allerdings nur dem Bogenlicht G"sliiht lÄ Glnhlicht sich in dieser Beziehung mehr dem Fläch?(i, Ter größere Reiz, den das von einer kleinere» a»sich,.'.- Lchende und deshalb stärkere elektrische Licht auf daö Auge bi»nz'rÄlo Nachtheil desselben gegenüber dem Gaslicht. Slller- Segnen v. f'c!) diesem Uebelstände durch matte Glasglocken be- •bell,.,.'., ch verliert das Licht dabei mehr als ein Fünftel seiner in...» e«. Auch durch die Anwendung von Schirmen kann die Anwendung und -'-ittifrho tv? Lichts bewirkt werden und hier empfiehlt sich das 5�« sl« besonders dadurch, daß die Lichtquelle dem Lesenden >reibend-n nioT„über oebracht werden kann, als Gaslicht, __ ,»■.rt 4- AM rmiri P den eleltri- , vngegen 908 Wärmeeinheiten, so daß ä"»: A»te S08 Wärmeeinheiten, so daß bei elektrischer Be- der zivanzigste Theil jener Wärme entwickelt der o c®"5,-.-zeugt. Während jedes Leuchtmaterial die „-Nsäur.'-U'' beeinträchtigt, indem Sauerstoff verbraucht, J. uud Wasserstoff an dieselbe abgegeben wird, der aäe elektrische Sicht vollkommen anders. Es ändert 'kt nicht-"""-"Setzung der Lust gar nichts, es verdirbt die im geringsten. Ter Nachtheil, den das Gaslicht in dieser Beziehung gegenüber dem elektrischen Licht hat, läßt sich allerdings durch ausgiebige Lüstung und durch Abführung der Verbrennuugserzeugnisse des Gases beschränken und vermindern. Die Gefahren, welche die Gasbeleuchtung mit sich bringt, be- stehen in Explosion und Vergiftung. Dabei ist die Explosions- gefahr entschieden die geringere. Denn erst eine Luft mit einem Gehalte von mehr als 5 pCt. Steinkohlengas pflegt zu cxplo- diren, während die Luft in einem mittelgroßen Zimmer, in welches ans einem offenen Hahne ununterbrochen Gas strömt, selbst bei Mangel"jeglichen Lustwechsels, nur einen Gasgehalt von etwa 3 pCt. erreicht. Giftig ist aber auch eine solche Luft bereits in hohem Grade, und zwar ist die Giftigkeit von dem Gehalte an Kohlenoxyd ab- hängig. Gruber hat gezeigt, daß Luft von 0,1 pCt. Gehalt Kohlenoxyd giftig ist, bei 0,4 pCt. Gehalt sogar tobtet. Noch gefährlicher als unser gewöhnliches Steinkohlcngas ist das in Amerika verbreitete sogenannte Wassergas, das 30 pCt. Kohlen- oxyd enthält. Aber es fehlt auch dem elektrischen Licht nicht an Gefahren. Dem Tode durch Vergiftung steht hier der Tod durch elektrische Entladung und der Aerbrennungstod gegenüber. In Amerika, wo die elektrische Beleuchtung weit verbreiteter ist als bei uns, hört man nicht selten von Unglücksfällen, die der clektri- sche Strom einer Beleuchtungsanlage verschuldet hat. Neber die Vor- und Nachtheile der beiden Beleuchtungssysteme hat sich ein Wettstreit der beiden Industrien herausgebildet, der dem Kon- sumenten nur zum Vortheile gereicht. Während einerseits die Siemens- und Wenham- Brenner eine Leuchtkraft bis zu tausend Kerzen besitzen, ist es Edinson gelungen, durch die Glüh- lanipen eine beliebige Theilung des elektrischen Lichtes zu be- wirken. Einen unleugbaren Vortheil besitzt die Gasbeleuchtung darin, daß dieselbe eine Ansammlung des Leuchtstoffes, unab- hängig von dem Verbrauch, gestattet, daß also dadurch Störungen in der Beleuchtung bis zu einem gewissen Grade vermindert wer- den können. Die Akkumulatoren bei der elektrischen Beleuchtung, die demselben Ziveck dienen sollen, bieten nur eine halbe Nutz- Wirkung. Dem Uebelstand der geräuschvollen Dynamomaschine dürfte in der Folge noch abgeholfen werden. Es wäre schwer zu sagen, ob die eine Industrie in der Zukunft die andere ganz ver- drängen wird; aus der geschichtlichen Entwickelung unseres Be- leuchtungswesens könnte man dies nicht schließen, den» noch heute leuchten-der Holzspahn uud die Kerze, die Ocllampe und das Pe- troleum" die Gasflammen und das Bogenlicht friedlich neben- einander. Zalllrrich« Glir«»»erlivanlruuge!t sind während der letzten Wochen sowohl in den hiesigen Kliniken als auch bei den ver- schiedenen Kassenärzten zur Beobachtung und ärztlichen Behand- lnng gelangt. Die Ursache der Erkrankung war in den meisten Fällen die gleiche, die Patienten hatten beim Baden Wasser in die Ohren bekommen und es unterlassen, dasselbe in geeigneter Weise zu entfernen. Das Wasser, welches von der Ohrmuschel aus zunächst in die tiefer liegenden Theile des Gehörganges läuft, verursacht hier gewöhnlich zunächst nur ein unbequemes, drücken- des Gefühl, zieht sich dann aber leicht in die inneren Theile des Gehörganges und kann hier zur Ursache von Gehörftörungen werde», die einen schmerzhasten und langwierigen Verlauf nehmen. Kommt hierzu noch eine unzweckmäßige Behand- lnng mit sogenannten Hausmitteln, wie sie bei derartigen Erkrankungen, die der Patient gewöhnlich für ungefährlich hält, oftmals angewendet zu werden pflegen, so entwickeln sich leicht folgenschivere Erkrankungen des Gehörganges. So hat eine hie- sige Ortskasse unter einer ganzen Anzahl derartiger Erkrankungen zwei besonders schwierige Fälle, nämlich einen Fall von Entzun- dniig des Mittelohrs, der dadurch entstanden zu sein scheint, daß der Patient das unbequeme Gefühl des Ohrensausens, das sich nach dem Baden einstellte, durch Anwendung antiphlogisischer Hausmittel zu beseitigen suchte. Diese Erkrankungen des Mittel- ohrs gehören zu den von den Kassen am meisten gefürchteten, denn sie bedingen ivegen ihrer Laugivierigkeit, sowie wegen der Kostspieligkeit ihrer Behandlung bedeutende Auiwenduugen aus den Mitteln der Kasse. In einem anderen Falle war ein schwieriger operativer Eingriff in die Gehörhöhle nöthig, um das Wasser, daß sich dort festgesetzt hatte, zu entfernen. Die Fälle geben Anlaß zur Vorsicht beim Baden und namentlich beim Tauchen und Schivimmen. Daö Nebel stellt sich auch ein bei ganz geübten Schwimmern, wenn diese nach längerer Zeit wieder in größerem freien Wasser baden und nun hier die alte» Schwimm- und Tanchkünste, die sie vor Jahren oft genug geübt haben, sofort wiederholen. I» jedem Falle ist es dringend nöthig, beim Schwimmen und Tauche» die Ohren gegen das Eindringen des Wassers nach Möglichkeit zu schützen, da auch rheumatische Affektionen am Kopf dadurch hervor- gerufen werden können. Aus dcr Festgabe der Stadt Kerlii» für den medizini- scheu Kongreß sind einige Angaben aus den vergleichenden Tabellen über die Bewegung der Berliner Bevölkerung während der letzten zehn Jahre von allgemeinem Interesse. Es ergiebt sich u. a. daraus, daß die Zahl der Heirathende» in diesen zehn Jahren langsam aber beständig von 19,5 aus 21,94 vom Tausend der Bevölkerung gestiegen ist. Sie bleibt aber damit immer noch erheblich hinter den Eheschließungsziffern zurück, wie sie die Jahre 1872 bis 1875, d. h. die Zeit nach dem sranzösischen Kriege und der Einführung der Standesamts- Buchführung auf wiese».(27,2; 28,1; 23,0; 30,4.) Dagegen siel die Geburtsziffer vom Jahre 1879 andauernd und zwar von 43,08 auf 34,60 vom Tausend, ein Satz, wie er so niedrig seit 1850(34,47) nicht vor- gekomme» ist. Die höchsten Geburtsziffern weisen die Jahre 1874 bis 1678 auf. Was die StcrblichkeitSziffern betrifft, so stand das Jahr 1888 mit 21,57 vom Tausend am günstigsten da, nicht nur in dieser zehnjährigen Periode, sondern überhaupt seit 1810. Auf die Verbesserung derGesammtsterblichkeit ist die Zunahme des weiblichen Geschlechts nicht ohne Einfluß. Das weibliche Geschlecht ist vom Jahre 1879 an von 514 auf 519 vom Tausend augewachsen und die Sterblichkeitszifscr der Frauen ist geringer, als die der Männer. Am verderblichsten waren in jedem Jahre für beide Geschlechter die Durchfalls- Krankheiten aller Art, einschließlich Kinder- und Brechdurchfall, mit 123,53 vom Tausend beim männlichen, 115,04 vom Tausend beim weiblichen Geschlecht; es folgt beim mäun- lichen Geschlecht die Lungenschwindsucht mit 121,29, bei», weiblichen mit nur 90,25 vom Tausend, wobei 84 vom Tausend der Männer im Alter von 25 bis zu 00 Jahren starben, während bei den Frauen das Alter 20—45 mit 52 vom Tausend besonders ge- fährdet erscheint. Nervenkrankheiten erlagen von den Männern 98,27, von den Frauen 84,57 vom Tausend, an Altersschwäche starben von den Männern 47,47, von den Frauen dagegen 104,18 vom Tausend. Die Vrrlrehrsvephältnist'e auf der Dirdorfer Dferde bahnlinic Hermnunplat:— Knesebeffrstraste gestalte» sich immer mißlicher. Diese Linie, welche hauptsächlich bestimmt war, die Verbindung mit den an der Britzer Chaussee liegenden Kirch- Hosen für die Berliner herzustellen, verfehlt je länger je mehr diesen Zweck. Schon das Umsteigen am Rollkrug verursacht große Unbequemlichkeiten, nne man dies täglich beobachten kann. Namentlich sind cS Damen, welche sich mit Blumen zur Aus- schmückung der Gräber versehen haben und die hier beim Ge- dränge des Umsteigens an diesen Blumen vielfach Schaden leiden. Dabei ist die Verbindung vom Rollkrug aus nach den Friedhöfcn eine ganz ungeregelte. Jeder einzelne Wagen fährt erst ab, wenn er mit Fahrgästen voll besetzt ist; so lange dies nicht der Fall ist, müssen die Eingestiegenen warten, ein Zustand, wie er wohl aus keiner anderen Pferdebahnlinie in und bei Berlin besteht. Die Schuld an dieser Einrichtung dürfte in dem von der zuständigen Gemeindebehörde beliebten Besteue- rungsmodus der Pferdcbahngesellschaft zu suchen sein. Die Pferde- bahngesellschast zahlt nämlich von jedem Wagen, der auf der Strecke fährt, eine Abgabe von 1 M. an die Gemeinde.� Nun ist die Zahl der Wagen, welche auf der eingleisigen Bahn in Betrieb gesetzt werden könne», nur eine sehr beschränkte und auch diese Wagen sind, namentlich zu geivissen Tageszeiten, nicht immer vollbesetzt, oftmals sogar leer. Unter diesen Umständen erklärt sich das Bestreben der' Pferdebahnverwaltung, den Betrieb so ein- zurichten, daß deren Wagen so wenig wie möglich fahren. Ueber- wiegend aber scheint nun hier das Steuer-Interesse der Gemeinde in Betracht gekommen zu sei», und da die Steuer- Gemeinde und die Aufsichtsbehörde vielleicht in ihren einzelnen Organen mehrfach identisch ist, so erklärt sich daraus der gegen- ivärtige, vielbeklagte Zustand des Verkehrs. Bereits vor Jahren hatte die Pferdebahnverwaltnng die Herstellung einer direkten Linie Spittelmarkt— Knesebeckstraße zugesagt, die ein unbestreit- bares Bedürsniß ist. Vermuthlich ist dies Projekt an dem Be- steuernngsmodus der Gemeinde Nixdorf gescheitert. Im Interesse der Verkehrserleichterung wäre dringend eine anderweite Verein- baruug wegen der Steuer zwischen de» betheiligten Faktoren zn wünschen. Die Pferdebahnverwaltung dürfte ja, auf Grund ihres Fahrscheinverkaufs, zu einer genauen Deklaration ihrer Einnahmen von der betreffenden Linie im Stande sein. Herr Dr. Kalischer ersucht uns um Veröffentlichung der nachstehenden Erklärung. Als Arzt der Löwe'schen Fabrik gebe ich ein Urtheil nicht darüber ab, ob der Arbeitsuchende gesund oder krank ist, sondern ob ich ihn unter Berücksichtigung der Konstitution, des Zustandes der Kräfte, der Ernährung und der Gesundheit für geeignet halte, als Arbeiter eingestellt zu werden. So habe ich auch am Vormittag des 31. v. M. den Herrn nicht für krank erklärt, sondern lediglich seine zeitige körper- iche Unbrauchbarkeit für die Thätigkeit als Fabrikarbeiter bekundet. Wenn ich ihm, als er am Nachmittage desselben Tages zur Erlangung einer Kassen böte»stelle ein Gesundheitsattest verlangte, daS Fehlen von Krankheitserscheinungen in den wich- tigsten Lebensorganen attestirte, so habe ich ihn damit noch nicht für körperlich geeignet erklärt, auch nur diese leichtere Thätigkeit zu übernehmen; mich darüber auszulassen, lag kein Grund vor, da ich vom Arbeitgeber dazu nicht ausgefordert war. Thatsäch- lich habe ich aber dem Herrn H. vor der Untersuchung bemerkt, man dürfte ihn nicht für kräftig genug für den genannten Beruf erachten und habe ich dieselbe erst, als er aus seinen Wunsch bestand, unternommen. Wie ivrnig vüllisichtsvoll viele Arbeiterinnen oft von den Unternehmern behandelt werden, ist unseren Lesern bekannt. Einen neuen Fall meldet ein in der Dresdenerstraße wohnender Herr C. H. �Demselben war es bisher nicht gelungen, irgend- welche Bcschäftigun g zu erhalten. Um die Familienangehörigen vor Hunger zu bewahren, entschloß sich die kränkliche Frau H., als Wäscheaufhängcrin in eine Anstalt in der Prinzenstraße ein- zutreten. Als Stärkungsmittel nahm die leidende Frau während der Arbeit Hoffmannstropfen ein. Am vorigen Donnerstag hatte sie das Fläschchen vergessen, was den besorgten Mann veranlaßte, ihr dasselbe zur Arbeitsstätte nachzutragen. Kaum hatte H. die Waschanstalt verlassen, als der Inhaber derselben der Arbeiterin bedeutete, daß sie sich keine„Besuche bestellen" dürfe. Am Nach- mittag desselben Tages wurde in der Wäscherei eine Hose vermißt. Ueber den Verlust ergrimmt, machte der Herr Chef seinem Herzen Luft, indem er ineinte, daß man gleich"mit Knüppeln von oben runterschlagen müßte. Wenn die Arbeiterinnen Abends»ach Hanse gingen, habeil dieselben eine gründliche Durchsuchung über sich ergehen zu lasse». Infolge dieser Vorfälle zogen es einige Arbeiterinnen vor, lieber die Arbeit einzustelle», als eine solche Behandlung zu erdulden. Als Frau H., welche ebenfalls am nächsten Tage die Arbeit nicht mehr aufnahm, Kassenbuch und Lohn verlangte, bedeutete ihr Herr K., der Besitzer der Waschanstalt, daß sie sich das Geld bei dem Gewerberath holen und sich aus der Anstalt entfernen möge. Kegr» da»«nvorsichtige Verhalten dein» Fenster» puls«» scheint nunmehr auch die Polizei einzuschreiten. Am Freitag früh stand eine Frau auf dem glatten Außentheil des Fenstersimses eines Hauses der Oranienstraße, nahe beim Heinrichsplatz, und säuberte die oberen Scheiben des in der zweite» Etage gelegenen Fensters, ohne sich im geringsten gegen die Gefahr eines Ausgleitens oder Absturzes gesichert zn haben. Die in letzterer Zeit mehrfach vorgekommenen Unfälle waren wohl die Ursache, daß die auf der Straße Vorübergehenden sich lebhaft unwillig über dies Verhalten äußerten und fckließlich ein Herr einen Schutzmann auf dieses gefährliche Verfahren auf- merksam machte. Dieser versprach, den Fall zur Anzeige zu bringen und begab sich sofort in das betreffende Haus, um die nöthigen Feststellungen zu machen. Die mehrfachen, entsetzlichen Unglücksfälle, die gerade beim Fensterputzen in letzterer Zeit vor- gekommen sind, sollten doch endlich zur Vorsicht mahnen. Eil« l'chwevcv Duglückiofall ereignete sich vorgestern Nach- mittag an der Ecke der Brunnen- und Bernauerstraße. Mehrere Männer waren damit beschäftigt, Möbel auf einen Wagen zn laden. Einer der Männer wollte dieselben mit einem Stricke festschnüren uud als er den Strick anzog, riß derselbe, und der Unglückliche fiel rücklings auf den Straßendami» nieder. In dem- selben Augenblick kam Jemand mit einem Break in scharfem Trabe angefahren, der Führer war nicht im Stande die Pferde zn halten und so rollte denn der Wagen über den Leib des am Boden Liegenden hinweg. Der Verunglückte, ein unverheiratheter Arbeiter, Namens Schmidt, schien schwere innere Verletzungen er- litten zu haben. Er wurde in einer Droschke nach dem städtischen Krankenhans e gebracht. Nrvnlisst ivird seit den« 13. d. M. die 40jährige Frau des Kutschers Daniel in der Meyerbeerstraße. Die etwas geistes- schwache Person verließ am genannten Tage früh die Wohnung ihres Mannes und ist seitdem nicht wieder in dieselbe zurück- gekehrt. Da alle bisherigen Nachforschungen nach der Ver- schwundenen vergeblich waren, verinuthet man, daß der Frau ein Unglück zugestoßeil oder dieselbe sich das Leben genommen hat. Frau D. ist von untersetzter, kleiner Figur und hat schwarzlockiges Haar. Bekleidet war dieselbe nur mit einer Nachtjacke und einem Unterrock. Der»ns deu» Temprlhofev Feld« durch einen Pionier- posten erschossene Töpfer Max Herguth ist, wie erst jetzt bekannt wird, m Nixdorf ansässig gewesen, lebte ledoch schon seit längerer Zeit von den Seinigen, die eine in der Knesebeckstr. 70 belegene Wohnung inue habe», getrennt. Erst durch die Zeitungen bekam Frau H. Kenntniß von dem Tode ihres Manne?. Uo» d«»r SrU'ftmovd eines Knabe» wird aus Char- lottenburg berichtet. Von der neuerbauten Cauer-Brücke sprang am Donnerstag Nachmittag ein 12 jähriger Knabe in das Wasser des Landwehrgrabens und ertran!. Furcht vor Strafe wird als Beweggrund der That bezeichnet. Der Zigarrenfabrikaut Herr W. Körner schreibt uns „Um vielen Anfragen und Meinungen ein für alle Mal zu be- gegne», ersuche ich Sie höflichst, mittheilen zu wollen, daß Unter- zeichneter mit dem jetzt in unserer Partei und Blättern viel genannten Sattler Wilh. Börner nicht identisch ist. Ich bin von meiner Kindheit an in der T a b a k b r a n ch e beschäftigt. Mit Achtung Wilh. Börner, Zigarrenfabrikant, Berlin L, Ritterstr. 108. Arbeiter im Gsten und Uordoste» des 4. Kerliner Wahlkreises I Die Nachfragen nach gelesenen Zeitungen nehmen solchen Umfang an, daß wir an Euch wiederholt die Bitte richten müssen, jeves Exemplar Eurer Zeitungen abzuliefern. Der Tank hierfür wird uns bei der nächsten Wahl werden. Alle Arbeitcrblätter(auch gewerkschaftliche) nehmen Unter- zeichnete entgegen. Gustav Tempel, Breslauerstr. 27, Wilhelm Bock, Friedrichsbergerstr. 6, Robert Berger, Gr. Frankfurterstr. 92, H. I., Heinrich Hoffmann, Kaiserstr. 4, Emil Böhl, Frankfurter Allee 74, Carl Müller, Landwehrstr. 13, III., Adolf Scholtz, Landsberger Allee 144, H. III. Naliseibericht. Am 15. d. M. Nachmittags wurde vor dem Hause Gartenstraße 1G5 ein dreijähriger Knabe von einem Geschäftswagen überfahren und am Kopfe nicht unbedeutend ver- letzt.— Zu derselben Zeit wurde eine Frau vor dem Hause Große Frankfurterstraße 126 von einem Hunde in den Unter- schenkel gebissen und so schwer verletzt, daß sie nach Anlegung eines Nothverbandcs nach dem städtischen Krankenhause am Friedrichshain gebracht werden mußte.— Abends stürzte sich eine Frau, anscheinend in einem Anfalle von Geistesstörung, aus dem Fenster ihrer im vierten Stock des Hauses Langestraße 31 be- legenen Wohnung auf den Hof hinab und verstarb auf der Stelle infolge der erlitteven schweren Berletzungen.— Um dieselbe Zeit sprang ein Mann in das Hasenbassin, wurde jedoch noch lebend aus dem Wasser gezogen und nach der Charitee gebracht. Im Monat März wurden im Stadttheile Moabit viele Geschäftsleute das Opfer eines recht raffinirten Gauner- st r e i ch s, der von mehreren Personen geplant und ausgeführt wurde. Gestern standen die Thäter, Sl d o l f Gaß, Gustav Karge und die Tante des Letzteren, die Wirthschafterin H e n- riette Windel, vor der zweiten Ferien- Strafkammer des Landgerichts I. Die Anklage legt ihnen Bandendiebstahl zur Last, den die Beschuldigten in folgender Weise ausgeführt haben sollen: Die kleineren Geschäfte Moabits, wie die Zigarren- und Seifenhandlnngcn werden häufig nur von einer jugendlichen Ver- käufcrin bedient. Der erste Angeklagte betrat ein solches Geschäft, verlangte eine Kleinigkeit und' legte ein Zehnmarkstück auf den Tisch, das er aber wie spielend wieder in die Hand nahm, wenn die Verkäuferin das herauszugebende Kleingeld aufzuzählen begann. In diesem Augenblicke betrat der zweite Angeklagte den Laden und große Eile heuchelnd, bat er schleunigst um Ver- abfolgung einer guten Zigarre. Die Verkäuferin beeilte sich, ihn zu bedienen, der erste Besucher strich dann schnell das aufgezählte Geld ein, behielt ebenfalls das Zehnmarkstück und verlieb den Laden. In manchen Fällen kam die Verkäuferin erst zum Bewußtsein, daß sie sich hatte überrumpeln und betrügen lassen, nachdem auch der zweite Kunde gegangen. Geschah dies aber früher, so kannte der noch im Laden Anwesende den soeben Fortgegangenen natürlich nicht und die Verfolgung des letzteren hatte auch keinen Erfolg. In einigen Fällen soll die dritte An- geklagte die Rolle ausgeführt haben, den ersten Käufer zu„decken", indem sie die Verkäuferin in Anspruch nahm. Während die beiden ersten Angeklagten wenigstens einige Fälle einräumten, bestritt die Angeklagte Windel entschieden ihre Schuld und will nur zufällig mit ihrem Neffen in einem Laden zusainmengetroffen sein. Der Staatsanwalt gewann aus der um- fangreichen Beweisaufnahme die Ueberzcugung, daß die Auge- klagten im vollen Umfange des Bandendiebstahls schuldig seien, er beantragte gegen Gaß3Jahre, gegen Karge 2 Jahre 9 Monate und gegen die Windel 5 Monate Gesäng- n i ß. Die Vertheidiger, Rechtsanwalt Holz und Rechtsanwalt W r o n k e r plädirten fiir Freisprechung der Angeklagten Windel bezw. führten sie aus, daß nicht Bandendiebstahl, sondern nur Betrug vorliege, denn da das betreffende Zehnmarkstück niemals in den Besitz der Verkäuferin gelangt war, so konnte es ihr auch nicht genommen werden. Der Gerichtshof hielt Gaß des Dieb- stahls rn drei, Karge des Diebstals in zwei Fällen für überführt und verurtheilte Gaß zu neun. Karge zu sechs Monaten G e f ä n g n i ß. Die Angeklagte Windel wurde völlig frei- gesprochen. Für Attstaber von Arbeiter WochettbiUets im Vorortverkehr der Stadtbahn ist folgender Fall von Interesse.„Bei Ue der füll ung der 4. kann die 3. Wagen klaffe benutzt werden"— so lautet die Auf- schrift auf den Stadtbahn-Fahrkarten im Vorort- und Ringbahn- Verkehr. Welches Schicksal denjenigen zu Theil werden kann, die unter Umständen von dieser Bestimmung Gebrauch machen, be- weist eine vorgestern vor dein Spandauer Schöffengericht ver- handelte Anklagesache. Wegen Betrüge?, Schädigung des Eisen- bahnfiskus hatte» insacsainmt vier Personen: der Reisende P o r s ch, Schriftsetzer B a u m a n n, Schriftsetzer Zander und Schlosser Z i in m e r in a n n, sämmtlich aus Berlin, vor dem be- zeichneten Gericht sich zu verantworten.— Auf den Wortlaut der obigen Bestimmung fußend, waren jene vier Personen in einem Wagen dritter Klasse eingestiegen; ein Schaffner hatte sie deshalb zur Anzeige gebracht. Vor Gericht führten die Auge- klapten zu ihrer Vertheidigung an, daß sie die Wagen 4. Klasse besetzt vorgefunden und deshalb die 3. Wagenklasse benutzt hatten, zumal sie laut Inhalt ihrer Fahrkarten hierzu be- rechtigt gewesen seien. Der einzige Belastungszeuge, ein Schaffner, bekundete indessen das strikte Gegcntheil und derselbe begutachtete ferner, daß die Bemerkung auf der Fahrkarte nur im Stadt- bahn verkehr Giltigkeit habe. Das Urtheil lautete aus 6 M. Geldbuße e v e n t. 2 Tage G e f ä n g n i ß. Die Strafkittirmer»» des Landgerichts I haben seit dem 15. d. M. eine neue Besetzung erfahren. In der ersten Ferien- straskammer führt Landgerichtsdirektor Kob, in der zweiten Landgcrichtsdirektor Martins, in der dritten LandgerichtSrath S a l p i u s und in der vierten Landgerichtsrath P o l l a ck den Vorsitz. Zun» Kapitel der sonderbaren Ausreden seitens der Angeklagte» lieferte ein gewisser A l b r e ch t, welcher gestern vorder zweiten Ferienstraskammer des Landgerichts I wegen Dieb- stahls im Rückfalle stand, einen Beitrag. Er hatte einem Freunde, der den Obdachlosen aus Mitleid bei sich aufgenommen, dadurch ge- lohnt, daß er demselben verschiedene Gegenstände aus einem un- verschlossenen Schrank stahl und dann verschwand. Unter den entwendeten Sachen befand sich auch ein Pfandschein. Darüber besragt, warum er auch diesen mitgenommen, erwiderte der An- geklagte in treuherziger Weise, er habe die Absicht gehabt, sich dem Gastgeber dadurch erkenntlich zu zeigen, daß er heimlich den ver setzten Gegenstand einlöste und denselben dann dem Freunde zu- stellte. Allerdings mußte der Letztere so lange warten, bis es ihm, dem Angeklagten, wieder besser ginge. Der Gerichtshof hatte für diese Angaben nur ein Lächeln. Der Angeklagte wurde zu sechs Monaten Gefängniß verurtheilt. Versammlungen. Eine zahlreich besuchte ösfentliche Versammlung der Töpfer Kerlina und Umgegend tagte am 18. d. Mts. im großen Saale des Böhmischen Brauhauses, Landsberger Allee. Dieselbe wählte in's Bureau die Herren Manthe, Handle und Peters. Der erste Punks der Tagesordnung lautete: „Die Arbeitsverhältnisse in unserem Gewerbe niit Berücksichtigung auf die Polirsrage und unsrere Arbeitszeit." Ueber denfelben rcferirte Herr Thiem e. Derselbe bemerkte: Seitdem das Kapital sich"auf die Industrie geworfen, hat der Arbeiter alle Ursache, dasselbe zu bekämpfen. Dasselbe sei im Töpfergewerbe der Fall, wo das Großkapital ebenfalls festen Fuß gefaßt habe in Gestalt von großen Etablissements. Trotzdem der maschinelle Betrieb im Töpfergcwerbe im Vergleich zu anderen Gewerben noch nicht viel Eingang gefunden habe, lassen die Arbeitsverhältnisse doch viel zu wünschen übrig und geben Veranlassung zu berechtigten Klagen. Einmal seien die Arbeitsverhältnisse wie auch die Arbeitsmethode viel schlechtere geworden als ehedem. Auf den Bauten herrsche keine Ordnung, das Material sei schlecht, da es unter elenden Arbeitsbedingungen in den Werkstätten und Ofenfabriken angefertigt werde, das gestellte Handwerkszeug, Leitern ec. entspreche nicht den allereinfachsten Sichcrheitsbedin- gungen u. s. w. Die Meister nehmen keine Veranlassung, für die Gesundheit und Sicherheit ihrer Arbeiter etwas zu thun und erblicken nur ihre einzige Aufgabe darin, möglichst schnell ihren Geldsack zu füllen. Die Löhne seien unzureichende. Tie vor- jährige Statistik— und die Löhne seien heute die gleichen— habe einen Durchschnittsverdienst von noch nicht 25 M. pro Woche ergeben. Für einen Bauarbeiter sei dies ungenügend. Die Werkstattarbeiter seien ebenso schlecht gestellt. Wenn auch momentan nicht gegen diese Uebelstände anzukämpfen sei, so sei doch eine Aussprache vonnöthen. Auch werde wieder die Zeit kommen, wo an die Meister herange- treten werden könne. Die Polirsrage sei noch nicht sehr alt, datire bis zum Jahre 1876 zurück. Die Thätigkeit der Polire oder Auskouleurer deschränke sich auf die Sortirung des Ma- terials und auch wohl die Aufsicht zu führen und des Sonn- abends den Lohn auszubezahlen. Zwischen Poliren und Gesellen. entstanden Mißhelligkeiten dadurch, daß die Auskouleurer in Akkord arbeiten— in den meisten Fällen—, entgegen den Beschlüssen der Allgemeinheit. Durch das Akkordsyslem werden den Gesellen viele Scherereien bereitet, indem es mit dem Kouleuren nicht so genau genommen wird, sondern nur recht viel geschafft werden soll. Heute werde nicht gefragt: was leistest Du? sondern: wieviel leistest Du? Statt den schlechter gestellten Kollegen die Arbeit zu erleichtern, werde denselben dieselbe erschwert. Die Arbeitszeit betreffend, erinnerte Referent an den im Vorjahre gefaßten Beschluß, um den vielen infolge der flauen Bauthätigkeit zwangsweise feiernden Kollegen Ar- beit zu verschaffen, die neunstündige Arbeitszeit auf acht Stunden zu verkürzen. Bei der diesjährigen noch größeren Geschäftsstockung war die achtstündige Arbeitszeit doppelt geboten und werde von den Kollegen auch größtentheils innegehalten. Hiergegen mache sich jetzt aber bei den Arbeitgebern eine Be- wcgung geltend, aufgemuntert hierzu durch das protzenhafte Vor- gehen des Unternehmerthums in anderen Städten. Verschiedene Fälle seien zu verzeichnen, z. B. das Titel'sche Geschäft und die Firma Ruhm, jetzt Aktiengesellschaft, wo„ein längeres Verweilen auf dem Bau" ohne Rücksicht auf die Arbeitszeit, sowie die Unterzeichnung eines diesbezüglichen Reverses verlangt worden sei. Hierüber besonders habe sich die Versammlung auszusprechen. Bei dem jetzigen flauen Geschäftsgange müsse man allerdings sehr vorsichtig zu Werke gehen, doch ermahnte Referent, die gefaßten Beschlüsse hochzuhalten. Die Arbeiter seien auf sich allein angewiesen, deshalb sei es ihre Pflicht, kameradschaftlich und solidarisch zu handeln.(Beifall.) In der Diskussion sprach zunächst Herr Marcks, beleuchtete das Kouleurwesen und hielt die Arbeitszeit für durchaus angemessen. Herr Stegemann verwies darauf, daß die opferwilligen Kollegen stets am meisten geschädigt werden und wünschte eine Beschlußfassung im Interesse der Allgemeinheit. Herr L a s o n empfahl den Poliren mehr Kollegialität und wünschte die Jnnehaltung der achtstün- digen Arbeitszeit, jedoch nach eigener Eintheilung, ob bis 5 oder 6 Uhr Abends. Herr Fettken auer kritisirte das Ueberhand- nehmen des LehrlingSwesens und beantragte, die tägliche Arbeits- zeit— unter Jnnehaltung der acht Stunden— bis 6 Uhr Abends auszudehnen, um nicht mit anderen Gewerken zu kollidircn, nicht aber jedem einzelnen Vau die Festsetzung des Arbeitsschlusses zu überlassen. Die weitere Diskussion gestaltete sich sehr lebhast und erschöpfend und bctheiligten sich zahlreiche Redner daran. Die Lehrlingsfrage betreffend, war der Vortragende der Ansicht, daß die Gciverkschaft diese Frage nicht zu lösen im Stande sei, daß dies auf politischem Gebiete zu geschehen habe, daß allein die sozial- demokratische Partei die Interessen der Arbeiter versechte und daß bei Wahlen nur solchenVertretern dieStimme zu geben fei. Im übrigen trat derselbe für eine thunlichste Verkürzung der Arbeitszeit sowohl im allgemeinen, wie im eigenen Interesse und bezüglich der Rege- lung der Arbeitszeit lagen drei Anträge vor. Herr L a s o n beantragte, die achtstündige Arbeitszeit beizubehalten, aber die Eintheilung jedem Bau einzeln zu überlassen. Dieser Antrag wurde einstimmig abgelehnt, dagegen einstimmig a n g e- n o m m e n der Antrag des Herrn K o z i.e l e ck i, die Arbeitszeit, wie in voriger Versammlung beschlossen worden, von Vs8 bis 5 Uhr beizubehalten.(Beifall.) Der Älntrag des Herrn Fett- kenauer, die Arbeitszeit bis um 6 Uhr Abends zu verlängern, gelangte gar nicht erst zur Abstimmung. Nachdem sprach Herr Thieme über die Frage:„Wie stellen sich die Töpfer Berlins zu den ausgesperrten Hamburger Arbeitern?" Diese haben von den Berliner Töpfern bisher 500 M. erhalten und bewilligte die Versammlung weitere 500 M. Auch gelangte die Angelegenheit der Neuenhagener Kollegen(siehe Soziales) zur Besprechung. Tie Versammlung beschloß folgende Resolution: Die heute p. p. Versammlung beschließt: 1. Da dem Leiter der Titel'sche» Ofenfabrik in Neuen- Hägen ein Dorn im Auge ist, die dortigen Kollegen auf- zufordern, unbedingt und unentwegt an der Organisation festzuhalten; 2. Die Neuenhagener Kollegen moralisch und materiell zu unterstützen, soweit es nöthig ist, und den Zuzug fern- zuhalten. Auch wurden den Delegirtcn zur Streik-Kontrolkommission 10 Mark überwiesen. Der vorgerückten Zeit wegen wurden die übrigen Punkte der Tagesordnung bis zu einer in 14 Tagen neu einzuberufenden Versammlung vertagt. Mit einem dreifachen Hoch auf die allgemeine Arbeiter- bewegung wurde die Versammlung geschlossen. Der Fachvmi» der Kustev hielt am Sonntag, den 4. August, seine regelmäßige Versammlung in den Biirgersälen ab. Der Vorsitzende, Kollege Dähne, widmet dem verstorbenen Mitgliede Weber einen Nachruf, indem er die anwesenden Kollegen zur Nacheiferung der Thaten des Verstorbenen anfeuert; er ersucht hierauf die Versammelten, sich zu Ehren des Ver- storbenen von den Plätzen zu erheben, was auch geschieht. Nach einigen geschäftlichen Bemerkungen von Seiten des Vorsitzenden werden noch drei Unterstützungsgesuche erkrankter Kollegen resp deren Familien mit je 20 M. aus der Vereinskasse bewilligt; drei weitere Gesuche wurden, da die Betreffenden schon vom Verein Unterstützung erhalten hatten, von der Unterstützung?- Kommission erledigt; hierauf ermahnte der Vorsitzende noch die Mitglieder, sich doch mehr an den Sammlungen für hilfs- bedürftige Kollegen zu bethciligen. Dann hielt Herr Litfin einen beifällig aufgenommenen Vortrag über Sozialreform.— Nach- stehende Resolution wurde von der Versammlung einstimmig angenommen.„Die heutige Mitgliederversammlung des Fach- DiehM 0(1 im versorgungs-Gestz und dem in letzter Stunde angen Vereins der Putzer Berlins und Umgegend erklärt: Tie Sozialreform, welche gegeben ist in dem KrankassengeseS. Unfallverstcherungs- Gesetz.' dem Jnvalidititäts- und W ... miwW vvt| v�/vj y»■»•••••••-'-y---—.< I Gewerbe-Schiedsgerichtsgesetz, ist.durchaus mch t« wirthschaftlichen und sozialen Uebelstände zu beseitigen, o sammlung hält als das Mindestmaß einer Sozialreform nahi��d�vm�de�ozia�mokratischenFraktion Arbeiterschutz-Gesetzentwurfs für nothivendig." Die-wp..--.,- beschloß»och, den„Berliner Lokal-Anzeiger" nicht mehr zu>1««?' und so viel in ihren Kräften steht, gegen die Verbreitung� selben Front zu machen._. s.„ . D-r V-r«in zur Mahr«»« der Jut-rrsse« � B-rlins /und Umgegend hielt am Monta��v«'��D' den ll- Ü0%' in Wollschläger's Säah Vlumenstr. 78, seine Milgiie�? 1« lung ab mit folgender Tagesordnung: 1. Vortrag uver.-> Darwinismus und Sozialismus." Referent Herr Dr.<■|(t, »au. 2. Diskussion. 8. Abrechnung vom 4. �immh. i schiedenes. Der Referent behandelte zunächst die Schwier? ki, Sio WmMniCa Sov �Avmt_w*lVFvön XtllÖ' dann die Beweise der Darwin'schen Theorie, uiid Traae:..Svrickit der Darwinismus gegen den Sozi � jaht, r ts Mit »der z iderspr kommen, wenn aus beiden Gebieten richtig rage:„wpricyr oer--varwlnismus gegc»„„deren � on der einen Seite habe man dies bejaht, von der � gegen eingewendet: Beide.haben nichts mit � emand� � uvuvw vuiyvivvii vv*•'Wkvv yvvvv»»...vyw•V11 brauchen sich also auch nicht um einander ZU kunune- 5m t fiftM f f fort ttroTrf ilt..S rtf! könnten zwei Wissenschaften nicht zu widersprechenden kommen, wenn auf beiden Gebieten richtig beobachtet schlußfolgert worden ist. Daran fehle es nun bei manqei- .-------_.. öu?;, «nm a#* sozialistischen Darwinianern. Redner schloß mit Die moderne Naturforschung bestärkt uns darin, daß eine jenseitige Vergeltung abzuwarten, sondern eine wahrer sozialer Gerechtigkeit im Diesseits zu schaffen haue' � Von einer Diskussion wurde Abstand genommen, m Vortrag nicht abzuschwächen. Alsdann erfolgte die Ab«« � vom 4. Quartal. Demnach bleibt ein Gesaimm y, von 34,20 M. Ferner kam Kollege S ch ü ß l e r aiff dei � stand der Hamburger Arbeiter zu sprechen, und ersuchte,! � wie in unseren Kräften steht, ffir dieselben zu saunnew« � unsere Hamburger Brüder seien das Herz unserer 4 j, bewegung, und falls der gegen sie geführte Schlag getan»' � wäre das Kapital an allen anderen Orten sofort bereit, u denselben Maßregeln entgegenzutreten. Der Antrag des« eine Tellersainmluiig nach Schluß t>e u n g e r in a n n, tmc«y—, j.tl sammlung zu veranstalten, deren Ertrag den Hamburgern � wiesen werden solle, wurde angenommen. Desgleichen on- ttag des Kollegen Schüßler, einen Kassirer fnr den m wayien, ver-ocuuujc ciuucucu-»»..» Mitglicdcr. an! � Gewählt wurde Kollege Max Lieste. Die Wohmu g � Kafsirers für den Norden befindet sich Ackcrstr. 13. ZtuG.A noch der Anttag des Borsitzenden, die Vereinsversammlungen alle 14 Tage abzuhalten, angenommen. Vom Mahlvrrri» des zweite» Kerliiier 0*'%# Mahlkreises wurde nach Vffährigcr Pause(wegen oe-> � ~—-™---'—-• Lot.2~.:4. CjM»p V*» IVVVfcf V«ivtvy'-yvvv,«. ivjvv V».,| v-- y-_ W"-i QH»- streik?) die erste Versammlung im Königshof mit folgender»,, ordnung am 12. August abgehalten: l. Wahl dreier 00 ,, � v O-JL-Iccit---> o kic Thangtst ------ Dt*, SchvX und eines Schriftführers.' 2. Vortrag über Sozialdemokratie vor und während des Referent: Herr Stadtverordneter Otto Klein. 3. 4. Verschiedenes. Auf Vorschlag des Genossen wurden folgende Herren gewählt: Hempel, � Wilschke zu Revisoren, Birkholz zum SchrffH Herr 5k l e i n hielt hierauf seinen Vortrag. Er beleuchte das Wesen der verschiedenen Parteien und ging dann dazu u. die Thätigkeit der Sozialdemokratie seit ihrem Bestehen z» L,, dern. Besonders eingehend besprach er die Zeit des Soz'� � t»id legen »orlä wind lung Amte Berw forde! SB schlie fand Echni % Herr von wur 0(iui Hart Unter lung 5tri �°ri san» der ä rerl< von wur! mg die geht & cht J S" tuür saßü E dern. Besonders eingehend besprach er die Zeit»«■ gesetzes, das den Zuwachs der sozialdemokratischen Stunm.� Mandate nicht hätte verhindern können. Zum Schluß i. � er mit besonderem Nachdruck auf, die Agitation letzt a j das ländliche Proletariat auszudehnen. Reicher lohnte dem Referenten. Auf Antrag des Genossen wurde der dritte Punkt der Tagesordnung fallen � und zum vierten.Punkt der Tagesordnung übergegange'- ,..i Verschiedenem wurden mehrere vom Genossen Wilschke an« Sachen vom Vorsitzenden erledigt. Eine Resolution voinfv.„�1 Laarsch, nur in den Geschäften zu kaufen, die des» � Nachmittags geschlossen haben, wurde einstimmig angcn Ein Antrag des Genossen Laarsch, die Hamburger ansp' Arbeiter 50 Mark aus der Vercinskasse zu bewilligen, chf» y: langer Debatte, nachdem der Kassirer auf den Kassensta gewiesen hatte, vom Slntragsteller zurückgezogen. pD protestirte Genosse Retzeran energisch gegen die Sprech!«. und Berichtigungen im„Berliner Volksblatt", da di Nörgeleien, die in denselben enthalten sind, nur der«a Arbeiterschaft geschadet, den Feinden Stoff zum Sw# gegeben und den Freunden Mißtrauen zu ihren erwithu � tretern eingeflößt wird. Verschiedene Genossen spjs?�, jü* dazu und gaben, wie die Versammlung, ihre Mißbilltgem« die angeregte Sache kund. Es wurde sogar von einem u xi gewünscht, die Nummern des„Berliner Volksblatt", die k; Berichtigungen strotzen, nicht zum Vertrieb auf das � schicken, da das mehr schadet, wie nützt. Nach Erledig"'« schiedener Sachen schloß der Vorsitzende die Versammlimg- Eine öffentliche Versammlung der Korbmache u,!! am Montag, den 4. August, im Lokale des Herrn Roll, 4 t< straße 21. Auf der Tagesordnung stand: 1. Kassenberi � Lohnkommission. 2. Vorlegung des neuen Lohntarifs. � kussion. 4. Verschiedenes. Nachdem die Herren Glöckner, und Grundmann in das Bureau gewählt"waren, berichten Fuchs über den Kassenbestand. Der Bericht wurde von a visorcn als richtig bestätigt. Dann wurde von Herrn der neue Lohntarif vorgelesen, welcher eine Lohnerhöhung■jff 30 pCt. gegen den alten Lohntarif von 1880 bedeutet.*. j. entspann sich eine längere Diskussion. Es wurde MlMLgp schlössen, nicht über den neuen Lohntarif abzustimmen, da".„t* sammlung zu schlecht besucht ist: eine neue Versammlung »ewc Und fteit °Ng SS ander geld resei sammlung zu schlecht besucht ist; eine neue Versammlung rufen werden. Unter„Verschiedenes" berichtete Hr. Krüger der Berliner Streikkontrol-Kommission) über die Thateg selben, und wird sich zur Pflicht machen, in jed« ßfl üiH ..is.... � OJ...I j-i......-x.Ai.__ cm frrn.,m Versammlung Bericht zu erstatten. Weiter sprachen pch Kollegen für die Gründung einer Filiale der Zenttalkran fl......~ Darauf wuro � Sterbekasse der Korbmacher(Sitz Zeitz) aus. itmraiipp-�g Kommission von drei Mitgliedern gewählt, welche sich � Ü.VUUU.,UUU UUU Ultl ytiuuyu, iu.u�v I— Hauptvorstand in Zeitz über die Angelegenheit verständige Gewählt wurden die Herren Karl, Jungnickel und Fra"„..i ff Schluß wurden die Kollegen noch aufmerksam geniachk."�4 Saininellisten und auf die Sachlage in Hamburg. Dara>! der Vorsitzende die Versammlung..„in Eine Vrrjammlnirg der Hteiiidrucker«. LithaS .... i r*«w onr»: er».. t____;r»o cm...r.. rr______ 1 f nßl.rll1 t tagte am 12. d. M. in Gratweil's Bierhallen mit der, ordnung: 1. Die Lage der ausgesperrten Hamburger Arbeü»�! wie verhalten wir uns dazu? Referent: Kollege 2. Welchen Zweck haben die fortgesetzten Sammlungen? 0' Fz Kollege Gent. 3. Verschiedenes. Nachdem die Kollegen Weide und Lange in das Bureau gewählt find, nnhch Schulz zu seinem' Referat das Wort und schilderte die Wj« Hamburger Arbeiter, lliedner meint: Es sei heiligste P%(K jeden denkenden Arbeiters, die Arbeiter, welche f»* ,f fÄ recht, für ihre Organisation kämpfen, in jeder Weise zu unterstützen, damit ihnen der Sieg welche der aller anderen orgamsirten Arbeiter ist,...» if, wird. In der sich hieran schließenden Diskussion flvLff■ Preuß den Antrag, die Hamburger Arbeiter mit 1000» unterstützen. Dieser Antrag wird angenommen. TesgleUh folgende Resolution einstimmig angenommen. Die heutige Versaminluiig der Steindrucker und LithöSuF spricht ihre Hochachtung aus für die tapfere Haltung der Ha". f, Ausgesperrten und verpflichtet sich so lange zur Unterstütz�./. zutragen, bis der Streik endgiltig durchge ahrt ist. Zu fjr der Tagesordnung schildert Kollege Gent!>> bisherige «er> Kon wer! Gci wert S etivc Unte lli und Sem «o & Min I tom Inn M «ns Mit 0n| we, in fieh d e tr lo IS Ich S tel >v s-l e I w i i » i i .? 8» 1 [fnsi, L �eiu Schlusi, fall? c5 nicht möglich innre, die Kol- iinrK. r" 1�rem Schlafe zu Ivecken, es besser sei, die Sammlungen ninr?« 9' �"Zustellen. Ein Antrag, die Sammlungen fortzusetzen. I»/°°�>cht angenommen. In nächster Zeit soll eine Nersainm- A?.�"berufen werden, in welcher die Lohnkommission ihres m.Jf' sHchobe» und einige Kollegen gewählt werden, welche die i�rUmg.des Fonds in die Hand nehmen. Zu Verschiedenem L... em'fle Redner nochmals auf, recht rege für die Hain- Nwi sammeln. Nachdem auch der Vorsitzende mit warmen Wm-iu r. ausgesperrten Arbeiter Hamburgs gedacht hatte, Jrttr ni't einem Hoch auf dieselben die Versammlung. !.,,�!>ische siZescUlchaft. Ani Dienstag, den 12. August er., ,®le Generalversammlung der„Ethischen Gesellschaft" in ! � Salon statt. Aus der Tagesordnung stand: 1. Ver- SlL!!?-?er Protokolle. 2. Kassenbericht. 3. Vorstandswahl und .fwl ii.I16®' Räch Verlesung der Protokolle gab der Kassirer, �.� �uillaume, den Kassenbericht. Derselbe ergab den Bestand 73 Pf. und wurde von den Revisoren bestätigt. Dann Zur Vorstandswahl geschritten und folgende Herren wurden 1. Vorsitzender: Edm. Krefft, Fruchtstr. 59, 2.„ Gottlieb Jochim, Keibelstr. 5. 1. Schriftführer: C. Jagow, Belforterstr. IG, 2.„ P. Salzwedcl, Klosterstr. 83. 1. Kassirer: Adolf Adler, Mctzcrstraße 33, 2.„ A. Panten, Brunnenstraße 93. Als Ordner: Mar Rose, Koppenstraßc 85, „ Aug' Kiesling, Köthenerstr. 25, .„ Jul. Beckmann, Wadzeckstr. 21. »Revisoren wurden die Herren Bamnaun, Guillaume und Hordel gewählt. Forner wurde beschlossen, jeden Sonntag Vortrag, gesellige .„./"Haltung mit Tanz stattfinden zu lassen und alle Versamm- ß*">m»Bert. Vollsbl." zu annonciren. g, Y," Selcairte» der Kerliner Gewertlschafte» zur .�""krotllommisstoir kamen am Freitag Abend unter lom Herrn Wilschke bei Jordan, Neue Grünstr. 23, zu- dt» m"', um die in letzter Versammlung unterbrochene Berathnng Resolution, welche der geschästssührende Ausschuß in «j.öug auf die Taktik eingebracht hatte, weiter fortzusetzen. Vor �,"."0lt in die Tagesordnung wurde vom Vorsitzenden dic Präsenzliste i� �sen. Es stellte sich heraus, daß von den 157 Arbeitern, die »""ihren Gewerkschasteu zur Streik-Kontrolkommission dclegirt urde», es nicht anwesend waren. Infolge dieser nicht ßl besonders ermuthigenden Feststellung entspann sich eine m%ere Geschäftsordnungs- Debatte, deren Resultat der .sichluß war, von der nächsten Versammlung an rui"/oht erschienenen Telegirtc» namentlich im Be- cht � des„Berliner Volksblatt" zu veröffentlichen. Alle �legirten haben die unumstößliche Pflicht, das Vertrauen, das ihre j. ondatare durch die Delegation in sie gesetzt haben, auch durch .�Erscheinen zu rechtfertigen und sich an den Verhandlungen zu g/�iligen, um immer auf dem Laufenden z» sein. Nnr motivirte »ischuldigung könne von der Pflicht des Erscheinens entbinden. �swerkschaften mögen ihre Dclcgirten beaufsichtigen, damit . sie, ihre Pflicht nicht vernachlässigen. Darauf wurde in >e eigentliche Tagesordnung eingetreten. Herr Täterow rekapi- unrte und erklärte nochmals die in der letzten Versammlung ge- Men Beschlüsse. Des Weiteren begründet er eingehend die vom Mchäftsführenben Ausschuß zur Bcrathung gestellte lliesolution i» betreff der Geldsammlungcn. Diese Resolution(Nr. 3) lautet: „Die dauernden Geldsamin lungen zu dem Stwerkschaftlichen Streikfonds, sowie zurUiitcrstützung für Streikende Md Ausgesperrte sind von den Gewerkschaften unter sich selbst- bändig vorzunehmen. ..Ist große Unterstützung nöthig und soll die Sammlung Allgemein werden, so hat die Strcik-stontrolkomission vor- Wehen, s e l b st st ä n d i g Listen auszugeben und den einzelnen �werkschaften durch ihre Delegirten zu übermitteln. Alle anderen sonst angebotenen Listen sind zurückzuweisen. ....Aach beendigte» Streiks sind die verbleibende» Sammel- ktservj �0n fcei" �reik-Kontrolkommission zu späteren Streiks zu kleber diejenigen Gelder, welche von den streikenden Gewerk- .!e» selbst zusammen gebracht sind, haben dieselben das ll'gungsrecht, jedoch ist eine K o n t r o l e durch die Streik- bkrolkommission zuzulassen". ..Folgendes war die Motivirung des Referenten. Viele Ge- El-.. ftcn sammelten dauernd und vielfach auch zentral. Diesen '�rkschasten dürfe dieser Lebensfaden nicht unterbunden Die Kommission könne nur dann mit Geldsammlungen bnow?". wenn es sich um die Unterstützung einer Gewerkschaft ' die im Falle eines Streiks nicht im Staude ist, ihre „„."'Leu ausständigen Gewerkskollcge» aus eigenen Mittel» zu -ii.Eutzen. In einem solche» Falle hat die Kommission in Zlklion Hin» nnb Listen oder Marken auszugeben, die alsdann einzig ollem zu berücksichtigen sind. Oc» Ewe rege Diskussion ergiebt sich aus dem vom Ausschuß Co r.' Aorschlage, sowie aus den eingelaufenen Resolutionen. mutet die eine: CltP.'f- e Gewerkschaft ist verpflichtet, mit der Gründung eines Sfft.'l°ods vorzugehen mit einem Beitrag von 5 Ps. pro Woche. über a» Gewerkschaft im Streiksall nicht J." f« m,D_biere( im Stande, sich selbst Gelder von den Gewerk- Herr m?/--»Kontrolkommission zur Verfügung zu stellen." «.lindii,-. Pkriffer beantragt im Lause seiner Ausführungen ü!»».»" oaß die Gewerkschaften aus ihrem Bestände eine gewisse er Streik-Kontrolkommission zur Verfügung zu stelle». sollen gewissermaßen einen eisernen Bestand ouniijs,:/ Hohlwcgler schlägt vor, daß von der Streik-Kontrol- [«nge» das ganze Jahr hindurch selbstständig Samm- Wort>,», A?"d»ime» werden, um unvorhergesehene Streiks "ü�geaeb..» 3" können. Marken im Werths von 5 Ps sind »nd if,,(L Die Gelder werden von einem Vertrauensmann S'selfx..."'["reu verwaltet. Von anderer Seite ivird ungefähr ��ksci,„A-'""nscht, nur sei der Kassirer in einer öffentlichen Ge- in fein zu wählen, um auf jeden Fall gesichert 8che»„i. ,S der Polizei nicht bei einem evcnt. gerichtlichen Bor- if�kiiss;.,,, der die Hände fallen. Bei der nach Schluß der der m.."genommenen Abstimmung fallen sämmtliche aus- �üa ö der Versammlung gestellten An- ß C jjg j j" c s.» s;; f* v rtrf-. r-o* r. 'e vom g e s ch ä f t s f ü h r enden Ausschuß Resolution wird dagegen mit bedeutender Ma- &, Es w�''°">'» e n. "ßblnlte.. darauf j» die Berathnng über die Absassung eines »Ä'uission iciarlegnng der Grundsätze der Slreik-5tontrol- �üsse ei, Verbreitung und Begründung der gefaßten Be- (t. fl� die Vers!!!.?�� �läutert diesen Vorschlag in kurzen Worten, dem frf.Wchftei-.)0.".U119 in allen Punkten anschließt. Es wird also s.y, ein Flugblatt der Streik- Kontrolkommission er- Ede» U011 dem geschästssührenden Ausschuß ausgearbeitet fi/n�üenr P.�rcnarleiter H�rr Börner berichtet unter„Vcr- q,.,'?brbeii� m das Ergconiß der gegen den Delegirten der Ai. itte» v nndt. eingeleiteten Untersilchnug, die dadurch ab- »ieder� daß Herr Brandt aus freien Stücken sein Süte» Herr Täterow an den in voriger Versammlung l i f 8« C? I, � der Streik-Kontrolkommission eine verhältniß- A"%erf"� m,ä ev. Ueberschüssen von öffent- llin'Rrr �>.,1 a»im lungen zu überweisen. Co.>"ch»''„ A berichtet über die vom Ausschuß vorgenommene B M— �— 6- s.A„,(»vinciftcv Die Resolution gegen den„Berliner Lokal- Anzeiger" wurde erneuert. Die Ergänzungswahl zu dem geschästssührenden Ausschuß wurde bis zur nächsten Versammlung vertagt, da sich die Tele- girtcn schon zur Hälfte entfernt hatten. Dann schloß die Ver- sammlung. Der Fachnmi» der Kchlosser und Mafchinenbau- Arbeiter Berlins und Umgegend hielt am Montag, den U.d.M., eine Mitgliederversannnluiig in Nehlitz' Salon, Bergstr. 12, ab. Zum ersten Punkt sprach Herr Hildcbraudt über:„Die Bestrebungen der Handwerker und Arbeiter im Jahre 1843." Derselbe hielt seine Rede unter großem Beifall der Versammlung. Zur Ausnahme meldeten sich zwei Kollegen. Unter Verschiedenem wurden folgende zwei Resolutionen einstimmig angenommen: I. Die heutige Versammlung beschließt, mit aller Kraft die Beschlüsse der Arbeiter und Arbeiterinnen Berlins, betreffend die Sonntagsruhe in kaufmännischen Geschäfte», hoch zu halten und bei Kollgcn und Familienmitgliedern mehr als bisher dahin zu wirken, daß von der arbbeitenden Beaölkerung Berlins nur in den Ge- schäften gekauft wird, welche Sonntags von 12 Uhr ab geschlossen sind. 2. Die heute, den 11. August, in Nehlitz' Salon tagende Ver- sammlung beschließt, die von der Zentral-Strcik-Kontrolkommission gefaßte Resolution, betreffs des„Berliner Lokal-Anzeigers", voll- ständig anzuerkennen und mit aller Kraft und Energie gegen den- selben aufzutreten. Nach Erledigung des Fragekastcns wurde die Versammlung um 11 Uhr geschlossen. Der Arbeitsnachweis befindet sich im Süden, Dresdencrstr. 116 bei Gründet; im Norden Anklamer- straße 49 bei Nürnberg. Genosse Auerbach ersucht uns um Ausnahme folgender Aufforderung: Diejenigen Theilnehmer der Volksversammlung bei Joel, Andreasstraßc, Ende März d. I.(Männer und Frauen) die sich meiner Aeußcrung, wegen deren die polizeiliche Auf- lösung erfolgte, noch genau entsinnen können, bitte ich sehr, mir unverzüglich ihre Adresse gefälligst mittheilen zu wollen. Die Staatsanwaltschaft hat nämlich auf Grund des§ 130(Aufreizung zu Gewaltthätigkciten) den Strasantrag gegen mich gestellt. Albert Auerbach, Kottbuser Damm 7. Surfjumi» d«e Sikchlee. Dil Zahlstelle» bestnden sich i» folzenden Lolalen I. FriedrichSberacestraiis 25 bei Schniidr, 2. Skaliherstraüe 107 bei Simflmami, 3. Bclleallianccplatz 6 bei Hilscher, 4. ZionSkirchpla« n bei Hohn, ü. Echleier- niacher- und GnciftnausUaben-leao bei Scheuer, o. illülowiiraßc 52 bei Böh- land, 7. DreSdcnerstr. im, 8. Lübecker- und Thuruistraben-iicke bei Jahnke, o. Lcingestrasi--o bei Hcindorf, 10. Nixdorf, Berastrabe 7, bei Tuschet, n. Fcnnstrabe 4« bei»rüsscr, 12. Sorliher- und Soraucrftrasicn-Ecke, rn. W-ttzcnfee: Böller- und Charlottenslrasten-Ecke bei 5>lcbS, Ii. Belforler- strafte und Ecke Prenzlauer Allee, IS. Gesundbrunnen, lLrüiNyalersiraße>10 bei Prcuft. Vi'.'Ofit 13. August. des Herrn vom Streit. Grffentliche Std-iiarbeitcr-persainmlnug am Dienstag, den 10. August, in den Armin-Hallen, Konnnandantcnstrafte 20. Tagesordnung: 1. Bericht liber Einnahme und Ausgabe während des Streits. 2. Das Verhalten einiger Fabrikanten gegenüber den Abmachungen lm April d. I. 9. BerschtcdencS. Ter hochwichtigen Tagesordnung wegen ist es Pflicht eines seden Stockarbeiters, zu erscheinen. Die an diesem Tage und in demselben Lokale angetiindigle BercinSvcrsaminluna fällt aus. zi-rriniguna der Drechsler Dentschlaud», Berlin 4(Norden). Wer- sammlung am Dienstag, den 10. August, AbeudS s Uhr, bei Änadr, Brunnen- strafte 38. Tagesordnung: 1. Geschäftliches. 2. Interessanter Aortrag des Herrn Pirch. 3. DiSlufston. 4. Berschiedenes und Fragelasten. Es wird ge- dcten, püntrlich und vollzählig zu erscheine». Käste haben Zutritt. Die Fach- zeitung ist jeden Sonnabend in unserer Zahlstelle bei Blankenburg, Stral- snnderstrafte, zu haben. Shcnter-zirrrin„vioronda". Sitzung am Montag s Uhr, Michacl- kirchstr. 30. Herren und Damen als Gäste ivilltommen. Mitglieder werden aufgeiiommen. Freie Bereinigung der Kartonnrblitcr. Versammlung am Montag, den 18. August, Abend» 8% Uhr, bei Heule, Blumenslr. ss. Gesang-, Turn-«»i> gesellige tztereine»tr. am Montag: Gesang- verein„Sängcrlust" Abend« s Uhr im Siestaurant LandSbergerftrafte so.— Liedertascl der Aialer und verwandten BerufSgenofsen, Restaurant Berg, Kaiser- Franz-Grenadier-Platz Nr. 7. Ausnahme stimmbcgabtcr Kollege».— Männer- g-sangverein„Weibe Rose" AbcndS s Uhr im Restaurant Kleine EcrichlS- Ilrnfte 10.- Männergcsangverein„Eintracht I" ftlbcnds v Uhr Köpntcker- strafte 08 im Restaurant.— Gesangverein„Echo 1872" AbendS!> Uhr Oranicn- strafte 100.—„Deutsche Liedertafel" Abends v Uhr, Orantcnstrafte loa.— Gesangverein„Mtzrihenblätter" Ucbnngsst. Mt« Schönhauserstr. 42 b. Malzahn.— Berein Berliner Theaterfreunde Abends 8% Uhr bei Lütow, Atnniralstr. 38.— Bergnügungsvercin„gick-Zack" SlbendS 0 Uhr t» Möwe'S GescllschaftShauS, gichtostrafts 20.— Berein„Lustig" Abends n Uhr bei Thomm, Schönhauser Allee 23.— Verein„Ratibor" Abends 8% Uhr im itönigstadt-Kafino, Holz- marltstr. 7».— AhrendS'schcr Stenogravhenverein„Apollobnnd" Abend« 8�Uhr Thurmslrafte 31 tMoabil).— Wisfenschastlichcr Verein für Rollcr'schc Sieno- graphie AbendS s% Uhr im München.: BräuhauS, Neue Fricdrichstr. I, Unter- richlS- und UebnngSstundc.— Slatllub„Ramsch", 8> Uhr, Fürstenbcrgeislr. 10. Wäsie wtllkommen.— Rauchllub„Nordstern" in Enlat'« Lolal Frantsurter Allee 174, FriedrichSberg.— Rauchllub„Hellblau" Abends 0 Uhr Slalltzer- strafte 143.— Berel» ehemaliger Schüler der 42. Genieindeschuls Abends 3 Uhr bei Klolh, TreSdcnerstr. 10.— Zilhertlub„Waldrose" AbendS!.3 Uhr. UebungSflunde bei Schneider, Albertfir. 8. Dirigent; Wegcnerl Aufnahme neuer Mitglieder. Gäste willlonunen.—„Friedrichs Berein"(ehemalige Zöglinge des grofte» Friedrichs- Waisenhauses der Stadl Berlin) Abends 8% Uhr bei Bormann, Oymgasse 2.— Unterhaltungsklub Schiller Abends 8 Uhr im Restaurant Giesel, Triststrafte 41.— AergnügungZverein„Frennbestreue" SlbendS Uhr im Restaurant Prcuft, Pnnzenstr. 07. Gäste willkommen.— Rauchllub„Goldene Quaste" Abends» Uhr, Resiaurailon Barnlmstr. 21. Gäste Willkomm«». ünh k.R>Naßreaolt» �Gelegenheit des bei dein Schlächtcrmcisicr � K»,.'ei»®,fWCn Rurin. S. ist Lebcr-Engros-Händler M Geschäft, nur einen Verkausssrand(X) j» Vevtttisttzkes. Krarbeituug klassischer Dramr». Lebt da in Braun- schweig ein Pastor Kühn, der sich die löbliche Ausgabe gestellt hat, das Theater von aller Unmoral und Gottlosigkeit zu reinigen. Er ruft die Polizei an und fordert das Verbot der„Ehre" von Slldcrmann, übrigens vergeblich. DaS löbliche Streben des srommen schöngeffligen Herrn zn unterstützen, erbietet sich nun baS Arbeilerblatt„Bmnnfchw. Unterhaltungsbl.", zn einer ent- sprechenden Verbesserung unserer Klassiker. Wir geben hier einzelne Proben: Kabale und Liebe. Ein Pastor vom evangelischen Verein redet Louise ins Gewissen. Sie heirathet den Wurm. Dieser wird Kirchenprovisor, Annenvorsteher n»v Hospitalskurator. Ferdinand heirathet die Lady Milford; dieselbe wird Präsidentin des Magdalenenstifts und anderer christlicher Vereine. Zur Rettung der Moral könnte Nlöglichcr Weise das Bei- spiel Lnther's und des preußischen Konsistorinins unter Friedrich Wilhelm lt., welche dem Fürsten die Doppelehe geslattele», zur 'Anwendung gebracht werden. Lady Milford würde Ferdinand zur rechten und dem Herzog zur linken Hand angetraut werden. Staat, ßicligion und Moral wären dann gewiß gerettet. Nathan der Weife. Ter Tempelherr geht auf den Vorschlag des Patriarchen, zum Heile der Christenheit und in majorem dei gloriam den Sultan zu verrathen und den Feinden in die Hände zu spielen, ein. Ter Jude wird verbrannt. Recha wird Erlin Nathan'», und der Tempelherr, welcher wegen seiner Verdienste um die Christenheit den päpstlichen Dispens erhält, heirathet sie. Fun st. Wie den ersten Schmuck, den Grethchen von Faust durch Aiephistopheles erhält, so zeigt sie auch den zweiten und jeden folgenden der Müller, die ihn immer ivicder cem Pfaffen bringt.'Mephisto kann nicht genug Schmuck austreiben, um den großen Magen der Kirche zn fülle» und wünscht sich schließlich selbst zum Tensel. Gretchen verzehrt sich zwar vor Gram, doch stirbt sie fromm und an der Lungenschwindsucht. Sie wirb vom Papste heilig gesprochen. Von einem Theil der Schätze wird an ihrem Grabe eine Kapelle errichtet. Faust wird Priester an der Kapelle zn den Gebeinen des heiligen Gretchen. Frau Martha läßt ihn 1000 Seelenmessen für ihren in Padua beim heiligen Antonius begrabenen Ehemann lesen. Wir erbieten uns, im gleiche» Sinne auch die anderen Dramen unserer leider so»»christlichen Klassiker zn rcrbessern, und halten uns allen christlichen Theaterdirektoren, insbesondere auch den Intendanten der Hoslheater bestens empfohlen. Ein Rirseuwerl:. Ohne Sang und Klang, lasen wir in einem amerikanischen Blatt, ja ohne die üblichen Reden, ist jetzt die gewallige neue New-U orker Wasserleitung, ein Meisterwerk amerikanischer"Jngenieurkunst, eröffnet worden. Mayor Girant, welcher an der Spitze einer Anzahl anderer städtischer Beamter an der Nordseite des Reservoirs im Zentral- park erschienen war, drehte einen unscheinbaren Knopf am Schlensenthore und das Masser begann durch eine fünfzehn Fuß breite Oessnung in das Reservoir einzuströmen. Da das Wasser vom Erotonthale eine Strecke von 38,12 Meilen bis zum Reservoir zurückzulegen hatte und hierzu bei einer Geschwindigkeit von zivei Fuß in der Sekunde 21tzz Stunden brauchte, hatte man das Thor auf der anderen Seite der Wasser- leitung bereits eine» Tag zuvor geöffnet. Das unter der Ober- leitung des Ingenieurs Fteley ausgeführte Werk wird als eine der größten technischen Leistungen der Neuzeit bezeichnet. Namentlich auch die großartige, unter dem Harlemflusse 307 Fuß unterhalb des Hochwasserstandes angebrachte Unterführung, welche 3 000 000 Gallonen Wasser enthält, die einen ungeheuren Druck ausüben, gilt als ein Wunder der Jngenieurknnst. Die neue Wasserleitung kann täglich 310 000 000 Gallonen Wasser liefern. Königsberg. Wie gefährlich der Triebsand der Wander- düne der Nährnng Personen werden kann, die ihre geheimniß- volle Tücke nicht kennen, darüber berichten zum Markte gekommene kurische Fischer folgendes: Am Sonntage wanderte, wie die „Kömgsb. H. Ztg." mittheilt, ein Tonrist ans Memcl auf der Nehrung dahin, um das Fischerdorf Rossiten zu erreichen, lln- weit des Dorfes Pillkoppen, wo der Triebsand nie zur Ruhe kommt, fiel es ihm auf, daß der Sand nicht nur immer tiefer wurde und ihm das Gehen ungemein erschwerte, sondern, daß er sich auch fortgesetzt kehre und drehe, obgleich nur schwacher Wind von der Hafsseite her wehte. Als ihm das Gehen immer schwerer wurde, wollte er nach dem oberhalb der Düne liegenden Wege abbiege», doch schon nach wenigen Schritten stand er tief im Sande, vermochte sich nicht mehr fortzubewegen und gewahrte mit Schrecken, wie er immer tiefer sank, so daß er bald bis zum Knie im Triebsande steckte. Sobald er versuchte, die Hände zur Befreiung der Füße zu Hilfe zu nehmen, begannen sofort auch diese einzusinken, so daß er jetzt erst die große Gefahr erkannte, in der er sich be- fand.'Aus Leibeskräften begann er jetzt um Hilfe nach der Pillkopper Seite hin zn rufen, was auch von dortigen Fischern, die zufällig am Strande ihre Ziehe trockneten, gehört wurde. Sie eilten sofort zur Rettung des jungen Mannes herbei, welcher inzwischen bereits bis zum Leibe eingesunken war. Diese gefährlichen Tiejsandstellcn sind übrigens durch Warmmgs- tafeln gekennzeichnet worden, doch da der junge Mann abseits des Weges ging, hatte er diese Tafeln nicht bemerkt. Bei der Ge- legenhcit sei noch daran erinnert, daß vor'zirka 20 Jahren in derselben Gegend ein Landbriefträger verschwand, der trotz alles Suchens verschollen blieb. Nach zwei Jahren wurden seine Ge- deine, welche an der ledernen Briestasche und dem in derselben befindlichen Gielde erkannt wurden, von den Stürmen im Dünen- sande ausgeweht. Noch heute steht dieser traurige Fall in den Akten des Postamts Memel verzeichnet. Kordraur, 13. August. Bei der Station Jgos et Saint Saturnin der Eisenbahnlinie Bordeaux- Bayonne entgleiste gestern Vormittag der Expreßzug. Zwei Bahnbedienstete wurden getödtet, ein Reisender schwer, viele leicht verwundet. Vvieffrnflfctt dev Medockkion. Bit Anfragen bitten wir die AbonnemenlS-Ouittnng beizilfügen. Briefliche Antwort wird nicht crttzeilt. Für die nnsgesperrtr»» Kn»I)ai»d«perIter Hamburgs gingen ferner bei uns ein: Liste IQGO.. ; uns ein: A. ........ aesammelt von Libsck 6,55 M. 1 Bei einer G� burtstagsseier aufgcbtzäch?,(£. B., 4,Ub M. Bucker, Grenadie'r- straße gesammelt, II. Rate, 3 M. Durch Bäcker Most gesammelt 3 M. Geduld, gesammelt von E. Liebe 7,10 M. Steindruckerei von Oestreich n. Hartmann 11,15 M. Vier rothe Nelken vom Botanischen Garten 2,50 M. Freie Vereinigung der Kaufleute 10 M. Die verwahrlosten Schmiede bei einer Geburtstagsfeier bei Senhaus 3,25 M. Neun Rothe der Englischen Gasanstalt 4,50 M. Ueberschuß vom Verein Lüderlich 3,92 M. Die kranken Maler von S. W., durch Hasche, 2. Rate, 8,35 M. Gewinn beim Skatspielen 2,05 M. Drei gute Seelen, Destillation Buchholz, Wörtherplatz, 0,05 M. Skatklnb Ramsch, Küstriner- platz 9 8 M. Gesellen vom Steinsctzmeister A. Otto und Söhne 6 M. V. Diedenhofenerstraße 0,30 M. R. Z., Zigarrenarbeiter, 1 M. KerSkes Vuchdruckcrei, 2. Rate, 3,30 M. Buchdrucker vom Monbijouplatz, 2. Rate, 7,20 M. Skatklub„Rückwärts", 3. Rate, Pallisadenstr. 47, 7 M. Kollegen von Arndt und Markus. 4. Rate, 11,35 M. 100. A. L., 2. Rate. 9,20 M. Mehrere Aristokraten von Siemens upd Halske, Berlin, 5 Mark. Kühn, Maurer 1,50 M. 2 Maler l M. Ei» alter Invalide 25 Pf. Gesangverein„Waldkapelle", Friedrichshagen 5,05 M. Arbeitergesangverein„Nord", 7. Rate 20 M. Die Dachstuben- beivohuer der Bronzewaaren-Fabrik von Arndt und Marcus 7,25 M. Von einigen Arbeitern der Luxuspapier-Fabrik von P. Hagelsberg, 2. Rate 7,65. Buchdruckerei Julius Rosenbaum, 3. Rate 8,05 M. Gesammelt im Lokal des Herrn Max Brosy. 11,50 M. 6 Heizungsschuster und 1 Koaksmann 3,50 M. 20 Freidenker der Verl. Anhalter Maschinenfabrik und ein braves Weib 11 M. Gesammelt in der Brandenburgstraße 7,85 Mark. Von den Arbeitern der Firma Gebrüder Mechma, Alexandrinen- straße 7 M. Armer Arbeitsmann bei Krüger, Prinzenstraße 21 1 M. Liste 848 5,40 M. Gesammelt von einzelnen Lehrlingen und Arbeitsburschen der Steindrnckerei Mieslcu, Louiser-Ufer 3 M. 11 Weber 2. Rate 3 M. Von mehreren Erzkonservativen aus dem Diskutirklub bei Gründer, Bülowstr. 7a, 2,50 M. Rother Teufel E. H. 2. Rate 12 M. Mehrere Steindrucker ans SW. 4,25 M. 4 unsichere Kistenmacher ans der Grünstraße 2 Mark. Liste 18, Gewerbliche Hilfsarbeiter 6,15 Mark. Liste 19, Gewerbliche Hilfsarbeiter 6,25 M. Fabrik B. Borchard, Ritterstr. 77-78, 4. Rate, 7,45 M. Liste 0434 6,50 M. Fabrik chirurgischer Instrumente, L. und H. Löwenstein, Sophienstr. 8, 2. Rate, 12,55 M. Behrend 0,50 M. Metallarbeiter©ch. u. W., Lindenstr., 4,75 M. Metallarbeiter Sch. u. W., Lindenstr. 2 4,20 M. Verbotene Frucht, Holl- mannstr., 30 Mann, 2. Rate, 23,50 M. Oeffentliche WW» Killen- machcrversammlung vom 12. d. M. 3,40 M. Sämmtliche Koll. der Pianofabrik von Galomm und Kunst, 3. Rate, 5,50 M. Kisteufabril von Dehme, Dalldorferstr. 5, 4,05 M. Liste 864 von Dewit u. Herz, Fabrik chirurgischer Instrumente, 15,45 M. Chirurgische Fabrik von Tctte 2,25 M. 22 rothe Löwen, Gitschinerstraße, 10,50 M. Liste 869, Fabrik chirurgischer In- struinente, 3. Rate 11 M. Arbeiter v. W. Stnuve(zwei ans- geschlossen), 3. Rate 4,75 M. Friedenstr. 53, Dnrborowski, 1,50 M. Pianofabrik v. Pfeifer, Lands bergerslr. 1, 8,20 M. In Summa 382,82 M. Hierzu bereits veröffentlicht 22 790,64 M., im Ganzen bis jetzt 23 173,46 M. Weitere Beiträge nimmt gern entgegen die Expedition Belithslr. 3. Kantis'chlerri von Scalla. Tie Veröffentlichung einer solchen Ausforderung ist strafbar und mußte deshalb unter- bleiben. Th. Jerwi». Wir haben Ihre Karte der Expedition über- gebe». Wir machen nochmals darauf aufmerksam, daß die Re- daltion nichts mit dem Jnseratenwese» zu thun hat. Diodrr-Schönwcidc. Ihr Bericht ist, nachdem die noth- wendigen Kürzungen vorgenommen waren, veröffentlicht ivorden. Sollte in irgend einer Beziehung ein Mißvcrstäudniß vor- gekommen sein, so steht es Ihnen zu, eine Berichtigung einzu- schicken. Die Schuld an solchen Mißverständnissen trägt nicht die Redaktion sondern die unklare Abfassung des Berichts Unserem Kollegen Seifei t(Buch- Holz) zum heutigen Wiegenfeste ein donnerndes Hoch, daß die ganze Melchiorstraße wackelt. 820 Die hinterste Stube. Todes-Anzeige. Freitag Nachmittag 43A Uhr entschlief mein lieber Mann, der Nestaurateur, frühere Hutmachermeister Alepiier Weider in seinem 60. Lebensjahre nach schwerem Leiden. Die Beerdigung findet Montag Nach- mittag vom Trauerhause Schönhauser Allee 40 aus nach dem neuen Marien- und Nikolaikirchhof, Prenzlauer Allee, statt. Um stilles Beileid bittet die trauernde Wittwe Emma Schneider. Todes-Anxcige. Mittwoch, den 13. d. M., Morgens 1 Uhr, verschied nach kurzem, aber schwerem Leiden unser Kollege Julius Riedel im Alter von 50 Jahren. 295 Die Beerdigung findet Sonntag Bor- mittag lOVa Uhr von der Leichenhalle des alten St. Thomas- Kirchhofes aus statt. Die Kollegen der Pianofabrik des Herrn I. N»«m«y«r. Danksagung. Allen Freunden, Kollegen und Ber- wandten, die meinen unvergeßlichen Sohn, den Drechslerlehrling 848 j Hermann Weissheif, in so herzlicher und liebevoller Weise ihre große Theilnahme und so reich] mit Blumenspenden bedacht haben, so- wie Herrn Prediger Griese für die trostreichen Worte am Sarge des so früh dahingerafften Entschlafenen, sage »ch meinen tiefgefühlten Dank. Therese Plättner, Wittwe. Hoffmaun'a Fellsäle, Oranienstr. 180. Empfehle meine Säle an Gesell- schaften. Bereine und Hochzeiten von 100—400 Personen. 865 Glysmm. LMbergtt Allee 39—41. Sonnabend, den 23. August 1890, gr. Sommerfest der Tabakarb. Berlins, Konzert, Spezialitäten-Vorstellung und Ball. Anfang 6 Uhr. Die Kaffeeküche ist von 3 Uhr an geöffnet. Programme an der Kasse gratis. Billets ü 80 Pf. find bei August Motcs, Posenersir. 11, Karl Butry, Stralsunderstr. 15, Hermann Herholz, Brunnenstr. 145, in den bekannten Zahlstellen und den mit Plakaten belegten Handlungen zu haben. 841 IC&fihimey's Gesellschaftsbaus. Köslinerstraße 17. Jeden Sonntag großer Ball. Empfehle mein Restaurant f. Privat- festlichkeiten und Vereine. Ein Vereins- immer ist zu vergeben. Auch passend ür Zahlstellen. 368 Geschäftseröffnung. Allen Freunden und Bekannten zeige hiermit an, daß ich in der Böckhstr. 12, nahe der Gräfestraße, ein Weissund Bairischbier- Lokal eröffnet habe. Um recht zahlreichen Besuch bittet W. H a u g k. Allen meinen Freunden und Be- kanntcn die ergebenste Mittheilung, daß ich das Deslillatioiis-Geschäft von Fritz Seeger, Weinbergsweg S, übernommen habe. Für eine gute Weiße, sowie auch Bairisch nebst den diversen Schnäpsen wird stets Sorge tragen. J. Leutenmayer, Mri«l>erg»weg 8 347 Zehdenickerstraßen- Ecke. Allen Freunden und Bekannten zur Nachricht, daß ich am 15. d. Mts. Naunynstr. 9 einen Inngbiev-Urr- Imuf eröffne. Echt Werdersch Bier von F. W. Hoffmann, Werder a./H., Weiß-, Braun- und Bitterbier aus den renom- mirtesten Brauereien Berlins. 828 Fr. FröhBich. _ saitechbr., sowie geople Auswahl säMMtl. Musik- Instrumente 830 Musikwerk-Berleih. Awg. Kessler, Lausitzerstr. 51. Alle Freunde und Parteigenossen, die mich durch Knchbinder- Arbeite» unterstützen wollen, bitte dieselben bei Gottfried Schulz, Zigarrengeschäft, Kottbuser Platz; Wilschke, Zigarren- gcschäst.Junkerstr. 1; Heindorf.Restaur., Langestr. 70; Schayer, Restauration, Jnvalidenftr. 153; Gnadt, Brunnenstraße 38, gefälligst mit Angabe ihrer Adressen abzugeben. 1216 Konstant. Janiszewski, Friedrichshagen. Arbeiter, Handwerker, Bürger! jeder Preis ist mit Zahlen an der Waare ——— E Hartwig SSIme& Baer GvttMo Mertenltleider-IVetltltQtt Stettins. BERLIN H., Stettin, BERLBil O.. 34a Chaussrestr. 34a. 8. ftohlmarht 8. Gr. Frankfnrterstr.!»• Initit sich durch Eriftuug»» Ickil-Eeschistni dirclt mit drm Piidlikum i» Mmkiw;« WM- Nerlmnf;u Fabrikpreisen bei nur besten Maaren. 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Frankfurterstraße 16, gegenüber dem Ostend-Theater, ein weiteres Geschäft eröffnet. NSP Sonntag bSs fi Uhr» geöffnet. Jeder Kunde hört die reine Wahrheit j über unsere nur] reellen Waaron-f Fachverein der Weber Berlins u. Umgegend. Große Uersammwns en 13. August, Abends 8 Uhr,! im Lokale Mo. 21. am Montag, den Herrn Heise, Lichtenbergerstrasse Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Herrn Dr. Bruno Wille über:„Die kommunistische Gemeinde von Jkaria". 2. Diskussion. 3. Aufnahme neuer Mitglieder und Entrichtung der Beiträge. 4. Bericht der Werkstätten-Unterstützungskommission. 5. Verschiedestes und Fragekasten. Die statistischen Formulare vom 2. Quartal sollen abgeliefert und neue in Empfang genommen werden. Gäste haben Zutritt. 346 Der Vorstand. Verband deutscher Gold- u. Silberarbeiter Nttd der verwandte» Derufsgenolfen. Am Dienstag, den 19. August, Abends SVa Uhr findet bei Feuerstein, Alte Jakobstr. 75, oberer Saal, eine Mitglieder- Uerfammlung der Zahlstelle Berlin mit folgender Tages-Ordnung statt. l. Vortrag des Herrn L i t f i n über Gewerbe- Schiedsgerichte. 2. Dis- kussion. 3. Verschiedenes. Mitgliedsbeiträge und Aufnahme von neuen Mitgliedern finden in der Versammlung beim Kassircr statt.— Gäste willkommen. Um recht zahlreiches und pünktliches Erscheinen ersucht 367 Der Vorstand. Verbliili» ki VergOer, Goldleisten-Arboiter und Berufsgen. (Filiale Berlin.) Versammlung am Montag, den 18. August, Abends SVa Uhr, in Scheffer's Salon, Jnselstr. 10. Tagesordnung: 1. Wissenschaftlicher Vortrag des Herrn Dr. Zadek. 2. Diskussion. 3. Kassenbericht. 4. Aufnahme neuer Mitglieder. 5. Verschiedenes.— Tie Versammlung wird pünktlich eröffnet. 364 Der Vorstand. teinipMöDJeiitsdciiliilfr, Lackirer, Anstreicher u. verw. Bernfsg. (Filiale II. W.) Dienstag. 19. d. M.. Abds. 8 Uhr, im Reitnut. Königshof, Bülowstr. 37: Versammlung. Tagesordnung: 1. Vortrag über die Erfolge der Gewerkschaften und ihre weiteren Aus- gaben. Referent: Wilh. Gründet. 2. Der Protest des Ausschusses.> 3. Tie Agitation in den Provinzen. 4. Die Lage der im Ausstand besind- lichen 5tollegen außerhalb. 5. Verschiedenes und Fragekasten. Zahlreiches Erscheinen nothwendig. Gäste sehr willkommen. Mitglieder werden in der Versamml. aufgenommen, 350] Die Bevollmächtigten. (k öjseiltl. MksMMmlllltg für Männer und Frauen am Montag, den 18. August, Abends 8 Uhr, in Schneider s Salon, Belsorterstr. 15. Tagesordnung: 1. Vortrag über„die Ursachen der Armuth". Referent Max Baginöki. 2. Diskussion. Zur Deckung der Un- kosten findet Tellersammlnng statt. Zu zahlreichem Besuche ladet ein 344 Oer Einberufer. Max Biringer. Achtung! Alle Diejenigen, die noch Material (Marken, Bons) von der ehemaligen Fiinfzrhnrr-Kownnfsto» in Händen haben, werden aufgefordert, spätestens in 14 Tagen mit Unterzeichnetem ab- zurechnen, da andernfalls die Namen veröffentlicht werden. 296 Wilhelm Tilgner, Buchbinder, Bärwaldstraße 49, Hof 2 Tr. Freie Vereinigung der Danrett- »«äntelschnrider(Kngler, Htepper u»d Zuschneider) u. Arbeiterinnen der Kcstleidungoindnstrie Kerlinv Gr. Versammlung am Montag, den 18. August, Abends SVa Uhr, in Gratweil's Bierhallen, Kommandantenstr. 77—79. Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn Stadtv. Klein: „Der Kampf um's Dasein." 2. Dis- kussion. 8. Verschiedenes und Frage- kasten.— Der wichtigen Tagesordnung wegen ist es Pflicht eines jeden Mit- gliedes, zu erscheine». Gäste, Damen und Herreu, haben Zutritt. NB. Am 20. September findet ein Vereins- kränzchen statt, und sind Billets vom Vergnügungskomitee und in den Ver- sammlungen zu haben. 366 20er Vorstand. Soeben erschien und durch die Erprditio», Kenthstr. 3, zu beziehen: y' � Kurzer Rchgeber, � wie wir unsere Gesundheit bewahre n und uns gegen Krankheiten, besonders anstechende (Bakterien- Krank- hciten), schützen können. Von Dr. J. Zadek und Dr. A. Blaschko, Aerzten in Berlin. Preis 10 Pfennige� Vliederverlrnufev erst alten hohe» Uabatt. Freie Verein, d. Graveuren. Ziseleure. Versammlung am Montag, den 18. August, Abends präz. 9 Uhr, im Vereinslokal Dresdener- straße 45. 337 Tagesordnung: 1. Geschäftliches. 2. Vortrag des Herrn Dr. Zadel über: Fortschritte in der Medizin. 3. Diskussion. 4. Ver- schiedenes.— Der Arbeitsnachweis befindet sich daselbst täglich Abends von VaO— 10 Uhr. Der Vorstand. Ethische Gesellschaft. Sonntag, den 17. August, Abends 8Va Uhr, Beuthstr. 22, bei May, Vortrag des Herrn Dr. Bruno Wille: „Der Mensch als Massenglied." Nach- her gesellige Unterhaltung und Tanz. Gäste, Damen und Herren, will- kommen. 291 10 M. Belohnung. Ein Packet, enthaltend 8'Aktenstücke, ist seit oem 1. d. Mts. verloren ge- gangen. Finder wird ersucht, unter der Chiffre K. R. 207 durch j) aasen- stein& Vogler, A.-V., KerU» SW, Leipzigerstv. 48, Mittheilung zu machen. 833 Schnhwaaren in allen Sorten und Größen empsiehlt A. tSememauMg Sstalchrvstr. 135. 1469 Im Tuchgeschäft Prinzenstr. 53, gegenüber der Turnhalle: Herren- u. Einsegnungs- Anzüge, Paletots, sowie Damcnkleidcr etc. Auf Vlnnsch auch gegen Theilzahlnnartt. 369 »Andreaostv. L3,H.p. Prouss. Loose 1. Klaffe kaust Berl. Koll. Vi 03 M„ Vi 23 M„ Vs 11,50 M. Adolph Windmüller, Neue Königstr. 27. Auktion. per Monate Inli, August, Septbr. 1880 an» 31. und 33. d. V>t».. Vachmittags 3 Uhr. 340 L. Regen, Gr. Frankfurterftr. 121. Zur Vergrößerung eines Geschäftes wird ein Komp � sucht mit Einlage von 8000 M- d,, Gefällige Off. unter N. R. 1®® Post lagernd Berlin. ----- si» Ein Genosse mit 1000 M. als Geschäftstheilhaber sichere gründen. 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Sonntag, den 17. Angust 1890. 7. Jahrg. Lolrnles. die Regelung der menschlichen Körperwärme d-n m hiesige Physiologen(N. Zunh und A. Loevy), wie wir »�.. Handlungen der hiesigen Physiologischen Gesellschaft ent- fiifcw'' Beobachtungen angestellt, die zu interessanten Ergebnissen tZ�en. Es stellte sich nämlich heraus, daß der gewöhnlich ge- ? gie Gedanke, bei starker Kältewirkung werde der Stoffwechsel a' Menschliche» Organismus ohne weiteres auf unwillkürliche y S°>ieigert und so für die nöthige Wärme-Erzeugung gesorgt, ' richtig ist. Die nach dieser Richtung hin angestellten Ver- 6 wurden in der Art ausgeführt, daß eine Person durch Ent- Siffi?", des Körpers oder durch Hautbcsprengungen mit Wasser, im!. I oder Aether, oder durch' kalte Bäder einer Abkühlung merworsen wurden, und daß während dessen die Aenderungen im Wechsel— in der Sauerstoff- Einathmung und Kohlensäure- di'fthmung— beobachtet wurden, da sich aus dem Ergebniß hir* Beobachtung am sichersten auf eine etiva eingetretene Wärme- schließen läßt, denn jene Erscheinungen sind ja nur das JS'gevnlß eines gesteigerten Stoffwechsels und von diesem ist die Wärme des Körpers abhängig. t,.. �,?s Ergebniß dieser Beobachtungen war nun, daß nur in tJllmderzahl der Fälle eine Steigerung des Gaswechsels und I nnt der Wärmebilduug eintrat und diese ließ sich dann meist f„i 61116 llch�bare Muskelthätigkeit zurückführen, nämlich auf Muskel- „.'jungen und auf das bei Badenden oftmals zu beobachtende >,!»k Ä.'ttern. Soweit es den beobachtenden Personen gelang, %% Muskelthätigkeit, die eine unwillkürliche ist, durch den zu unterdrücken, blieb auch die Steigerung des Gas- Wechsels und somit der Wärmebildung aus. n» Ganzen ist also die unwillkürliche Wärmeerzeugung im %n|chuchen Körper nur eine untergeordnere; vielmehr wirkt der �"Ich der zu starken Kältewirkung willkürlich entgegen, «oein er sich warm bekleidet, warme Wohnräume aussucht, oder "o Muskeln— ebenfalls willkürlich— in stärkere Thätigkeit "letzt. Hierbei kommt allerdings noch ein unwillkürliches Mo- >u Betracht, nämlich die im Falle der Körperabkühlung ein- '«ende verminderte Wärmeabgabe durch die Haut infolge der 'dusammenziehung der Hautgefäße. "Ur wenn die willkürlichen Maßnahmen zum Zwecke der �armcerhöhung— Reiben, Muskelbewegung, Anlegen warmer öer*c.— unterlassen werde», so stellt sich auf dem Wege kr unwillkürlichen Rcflexwirkung jenes Zittern ein, das man bei ff'�enden Personen oft beobachtet und das dann unwillkürlich Steigerung der Körperwärme bewirkt. m... Anders als der Mensch verhalten sich die kleinen warmblütigen Ä'ere. Je kleiner das Thier ist, desto ungünstiger beschaffen m es gegenüber der Kältewirkung, da bei abnehmender Körper- , off« die Obersiäche im Berhältniß zur Masse wächst. Daher 'äuß auch der Stoffumsatz zur Erhaltung der Wärme bei kleinen �hieren ein verhältnißmäßig bedeutender sein. Es entspricht in der That das Verhältnis! des Stoffnmsatzes «rschiedener großer Thiere nicht der Körpermasse, sondern der Ausdehnung der Körperoberfläche derselben. Trotz dieser ungünstigen Verhältnisse bei kleinen Thiereu �'rd die Körpertemperatur derselben in sehr vollkommener Weise %%; vielmehr als beim Menschen paßt sich bei ihnen die vm. v Erzeugung dem Wärnieverluste an, wie oies namentlich f..-.'?en genannten Gelehrten durch Versuche mit Meerschweinchen ''Mtellt wurde. tM, Hieraus ergiebt sich der Schluß, daß der Vorgang der Wärme- ».»'Urning im Körper, der sich bei niedriger stehenden Thieren »..'"Uckürlich abspielt, beim Menschen in den Bereich des Willens «i! vi 1,110 sich nur unter besonderen Umstünden»och unwill- "ch abspielt. ttl. Vrtweiidnng der Steilogrnphie in der Tele- bpr i"* wirb gegenwärtig in Paris versucht. In dem Bureau de>. U'ch'Zösischeu Deputirtenkammer im Palais Bonrbon hatte w«tvilingenieur Herr Cassagnes seine stcno- telegraphischen Äerf i�e T wie er sie nennt— aufgestellt und wurden daselbst l'Ichp mit diesen Apparaten vorgenommen. Ter Zweck, welchen y,».» ilnder bei der Herstellung dieser Apparate im Auge hatte, � Stenogramme auf iveitere Entfernungen zu übertragen. (pTkll Operation kann mittelst einer Kabels in ein und den- Gebäude und in einer und derselben Stadt auf selben «ne 4 Kilometern ausgesührt 3% WKg-w»"8"m... btahtoa' 01 � kmin sie mittelst eines einzigen Telegraphen- c es von einer Stadt zur anderen ausgeführt wer- --•—-" i-— rt%. steno-telcgraphischen Apparate hat man Ge- '»echt der elektrischen Uebertragung zu erreichen ver- dahin unbekannt waren. Auf den französischen tohlreinf«!! r fu dat man mit den Cassagnes'schen Llpparatcn »ilin angestellt, welche als Sicsultat angaben, daß lBooJ sroJi,.'6 in einer Stunde von Paris nach Brüssel, PWein, k rff Puris bis Lyon, 15 000 Worte von Paris nach �aaweie«»� ern konnte. Uni sich diese Leistung in ihrer sM machen, muß man sich gegenwärtig halten, daß .�dner bei uns selten über 10 000 Worte in �ärlaw-»?. spricht. Diese Zahl wird auch von den schnellredcndsten mvhl nicht überschritten. So sprach der frühere Über Bismarck nur etwa 5—0000 M. im Zeitraum mr die Bei Verwendung der Cassagnes'schen'Apparate ff»e» Dvst>.?istudte, mit denen die Stromverbindung nur durch sechs bis hergestellt ist, ivürden die Zeitungen immer noch !°Nnen' iistal so viel Worte als heute übermittelt erhalte» Lebertran pM"" ie ,inck> Entfernung. Abgesehen von dieser Apparate«'!' stenographischer Zeichen können aber auch die neuen �»det ,«-?!> Bortheil gegenüber der bisherigen Einrichtung ver- '? der beim Telegraphiren von Tepescheu, deren Inhalt (inen,»„! Kurrcntschrist wiederzugebc» ist. Es soll tovöbnii,»'"'*11 möglich sein, mit den neuen'Apparaten 120 in ffngc, /J* Schrift geschriebene Worte in einer Minute zu über- i�fakta fn lc. Mittheilung bedarf noch der genauen Erklärung; !!°"°«ra»mc- s. Uebertragung von schriftlichen Mittheilnngen in �"»rdnn«« che Zeichen gemeint.) Mittelst der beide» möglichen Würden der Einrichtungen durch Kabel oder Cinzelbraht, i'ch fceu,;Jr. stcno-telegraphischen Apparate, vorausgesetzt, daß sie m be>vnn.k?""d die von dem Erfinder gemachten Angaben l1" PachSJe.Uc"' berufen sein, eine» ganz enormen Fortschritt Taa?«!.»"dienst. zu realisiren und also namentlich auch "belverm s. s� Gute kommen. Bei der Einrichtung einer 5» eine» nr""0' mittelst welcher mehrere Nachrichten-Empfänger sh'er einli�pparat angeschlossen sind, können durch Benutzung i'che»»./'llen Klaviatur bei Aufgabe einer Nachricht, die sämmt- Zerden»Vlosseuen Empfänger gleichzeitig mit derselben versorgt Kchrichte.. w'"ürde also möglich sein, von einem bestimmten !Ä"'»licki. Au»«», also beispielsweise vom Parlamente aus, .!% in.- Zeitungen mit einem, 12 000 Worte umfasseuden Be- 2� foJ.l"ermStu"6e Z" versorgen. Um sich über den Umfang Ndeiite„"h°n Nachrichtendienstes klar zu werden, wollen wir nur >""ser Blatt in einer Spalte, wie die meisten Ber- L, St, dnzöeitungx»(i, na 1200 bis 1500 Worte zu enthalte» ""de u P°bt pro Seite 3600 bis 4500 Worte. In einer "nte also einer der steno-telegraphischen Apparate zu drei bis vier Seiten unseres Blattes den wirklichen Text liefern. Der Ilttternehtticr der öffeuilichc«» Kediirfniffanstaite«» hat dein Magistrat Anzeige gemacht, daß nunmehr in der Mehr- zahl dieser Anstalten, welche bisher nur gegen Entgelt zu benutzen waren, je zivei Räume zur unentgeltlichen Benutzung eingerichtet und in Gebrauch gegeben sind. J» die westliche Manrr, welche noch immer den Garten des Kriegsministeriums von der verlängerte» Zimmerstraße zum Leidivesen aller Anwohner trennt, ist vorgestern nach reiflichem Ueberlege» ein mannsbreites Loch geschlagen worden. Aber be- sagtes Loch, welches schon das Frohlocken aller Passanten erregte, ist nach kurzer Zeit schleunigst wieder verstopft worden, denn es diente nur dazu, die Aufnahme eines Nivellements zu ermöglichen. Jedenfalls aber bildet dieses zugestopfte Loch das Vorspiel zu dem kommenden frohen Ereigniß, da endlich jene Mauer, welche genau so berühmt wie die chinesische geworden ist, fallen und des biederen Steuerzahlers Fuß über den geheiligten, ehemals kriegsministeriellen Boden dahinwallen wird. Aus Schwermntst infoige eines unheilbare» Leidens hat sich vorgestern der Rentier Maximilian Sigismund Behrens, Kurfürstenstraße 43 wohnhaft, erschossen. Er besuchte an diesem Tage seinen im Hause Karlsbad 4 wohnenden Bruder und begab sich gegen 12 Uhr auf den Gartenbalkon hinaus. Tort zog er rasch einen Revolver und jagte sich, ehe man es verhindern konnte, eine Kugel durch den Mund in das Gehirn. Ter Lebens- müde hatte kurz vorher ein Blatt Papier auf einen Tisch gelegt, welches Notizen über die Motive zur That enthielt. Hiernach unterliegt es keinem Zweifel, daß B. aus Schivcrmuth, welche in- folge eines Rückenmarkleidens bei ihm Platz gegriffen hatte, sich den Tod gegeben hat. Don einer Lebensretiuug wird der„Voss. Ztg." aus eißensee berichtet: Am Tonnerstag Nachmittag fiel ein Knabe, der Sohn eines Pferdebahnschaffners, von einer Landungsbrücke, auf der er sich zu weit vorgeivagt, in den See und iväre unfehl- bar ertrunken, wenn ihm nicht unverinuthet Rettung gekoinme» wäre. Von einem mitten im See befindlichen Ruderboot aus, in welchem sich zwei Damen und ein Herr befanden, hatte man den Unfall wahrgenommen. Der Herr sprang sofort in voller Kleidung in den See, schwamm nach der Stelle, wo der Knabe bereits untergegangen, erfaßte noch rechtzeitig den bereits Ver- sinkenden und brachte ihn an die Landungsbrücke, wo er ihn den am Ufer auf das Hilsegeschrei sich versammelten Leuten übergab. Zwei iugendliche Autoinntendiebe sind hier abgefaßt worden. Eine neunjährige Schülerin wurde in der Blumenstraße am 13. d. M. von einem Kriminalschutzmann betroffen, als sie im Begriff war, ein Stück Blei in einen vor einem Droguen-Ge- schüft stehenden Automaten hinein zu stecken. In der Hand hielt das Kind noch 5 Metallstücke von gleicher Beschaffenheit. Am Abend des 11. August d. I. ergriff ein Gastwirth in der Prinzen- straße, welcher wiederholt in seinem am Eingange seines Lokals stehenden Chokoladen-Automaten Bleistiicke in der Form eines Zehnpfennigstücks vorgefunden hatte, den 15 jährigen Former- lehrling S., als derselbe eben ein solches Blcistück in den Auto- malen hineinsteckte. deutung in der Gegenwart und die in letzter Zeit sich abspielen- .___—._, �.1 C 4 � i J.Y........ f____- Y Soziale Melrevstcht. A» die Dorstände, refp. Zentrakliommifstone», Der- tranensmiinnev nnd sonstigen Leiter snmmtkicher Gemerlr- schaften Deutschlands. Werthe Genossen! Angesichts des in jüngster Zeit erfolgten engen Zusammenschlusses des Unternehmer- thums in lokalen nnd zenlralisirtcn Verbänden zwecks Bekämpfung bezw. gänzlicher Vernichtung des ohnehin schon so beschränkten Koalitionsrechtes der Arbeiter, sahen sich die unterzeichneten Ver- trauensmänner der Metallarbeiter-Branchen veranlaßt, in einer gemeinschastlichen Zusammenkunft die Frage zu erörtern: „Wie können die Arbeiter diesen Unternehmerloalitione» am wirksamsten entgegentreten?" Das Resultat dieser Erörterung war vorläufig folgendes: Ten resp. Geiverkschaftsvorständen:c. die Fragen zu unterbreiten: 1) ob es nicht dringend nothwendig sei, demnächst eine Konserenz sämmtlicher Gewerkschasteorganisatoren einzu- berufen? 2) diese Konferenz mit dem in der Woche vom 12. Oktober d. Js. in Halle a. S. stattfindenden Parteitag der sozialdemokratischen Partei zu verbinden? Letzteres erschien uns aus dem Grunde empschleuswerth, weil zweifellos eine ganze Anzahl von Gewcrlschastsleitern auf diesem Parteitag als Delegirte anwesend sein weroeu, und somit viel Zeit und Geld gespart werden würde. Daß wir zu diesem vorläufigen Ergebniß gelangt sind, ist dadurch erklärlich, daß wir uns sagten, eine wirksame Berthcidi- gung gegen die'Angriffe des protzigen Unternehmerlhmus wird nur durch ein eimnüthiges Handeln sämmtlicher in Gewerkschaften organisirten deutschen'Arbeiter möglich sein. Die Metallarbeiter vermögen dies ebensowenig allein, ivie eine andere alleinstehende Gewerkschaft, und wäre dieselbe noch so vortrefflich organisirt. Dafür galten uns zunächst die zur Zeit noch nicht beendigten Kämpfe der gesammten Unrernehmerschast gegen die Arbeiter in Hamburg als zutreffendes Beispiel. Da nun eine'Anfrage über unseren Vorschlag bei einigen bekannten Geiverkschastsleitern lebhaste Zustimmung fand, sehen wir uns veranlaßt, ohne noch weiter viel Zeit zu vergeuden, so- fort die obigen Fragen der Oeffentlichkeit zu übergeben. Es ist uothivendig, daß die resp. Gewerkschajlsvorstäude sich baldmöglichst darüber klar werden, ob sie geneigt sind, dem obigen Vorschlage beizutreten und spätestens bis zum 1. September d. I. ihre Antwort an de» mituuterzcichneten Vertrauensmann der Klempner W. Metzger, Hamburg, Meißuerstr. 5, gelangen lassen, behuiS Einleitung der weiteren zu einer der- artigen Konferenz nöthige» Vorarbeiten. Einer allseitig zustimmenden Beantwortung unserer obigen Fragen entgegeusehend, zeichnen mit Gruß nnd Handschlag Tie Vertrauensmänner der Metallarbeiter Deutschlands: M. S e g i tz, Fürth in Bayern. C. B r e d e r, Nürnberg. E. G 0 l d b a ch, Leipzig. T h. S ch w a r tz, Lübeck. M- M etzger, Hamburg. Alle arbeitersreundlichen Blätter werden um Abdruck gebeten. r»ers«»tt»ttlunse»». «ine Mnstenversnmmlnna des Fnchv-v-ina d-er Tischler tagte am 11. d. M. tni Böhmischen Brauhause den großen Saal desselben vollständig füllend. Der erste Punkt der Tagesordnung bildete ein Vortrag des Vorsitzenden Th. Glocke über das Thema: Unternehmer-Verbände und'Arbeiterorganisation und die Bekämpfung der letzteren durch d.e ersteren. Redner giebt in kurzen Zügen eiiien historischen Rückblick auf die Ent- ftehung der Klaffenorganuationen und kommt dann auf ,hre Be- den Die Kämpfe zwischen Arbeiter und Unternehmerthuui zu sprechen. _.. rücksichtslose Kampfesweise des vereinigten Unternehmerthums, die auf vollständige Zerstörung der Arbeiterorganisationen hinziele, Wiedas Beispiel Hamburgs zeige, verpflichtet uns, einmal zu er- örtern, wie weit sich dies mit den bestehenden Gesehen verträgt. Denn die letzteren sollen doch nicht blos von den Arbeitern, sondern auch von den Unternehmern gehalten werden. Statt dessen sehen ivir, wie durch Maßregelungen, schwarze Listen u. s. w. den Ar- beitern das gesetzlich gewährleistete Recht der Vereinigung illusorisch gemacht wird und welche Verstöße gegen das Gesetz, namentlich in Bezug auf§ 153 der Gewerbeordnung vorkommen. Der betreffende Paragraph besagt, daß die Theilnahme an Ver« abredungen, die behufs Erringung besserer Lohn- und Arbeits- bedingunqen getroffen werden, nicht durch Drohung irgend welcher Art erzwungen werden darf, aber ebensowenig darf auch der Rücktritt von solchen Verabredungen durch Drohung erzwungen iverden, und doch entblöden sich die Unter- nehmer nicht, den Arbeiter durch Androhung seiner Existenz- Vernichtung zu solchem Rücktritt zu zwingen. Freilick unter- graben sie damit die Achtung vor dem Gesetz auch bei dem Ar- beiter.— Zu den heutigen Arbeiterorganisationen übergehend, betont Redner, daß dieselben in ihrer gegenwärtigen Stärke dem vereinigten Unternehmerthum ziemlich ohnmächtig gegenüberstehen. Es wird daher für die nächste Zeit nothwendig sein, die große Masse in diese Organisationen hinüberzuleiten, die letzteren immer vollkommener und zu wirklichen stampf- organisationen zu gestalten. Neben der rein politischen habe auch die Gewerkschaftsbeivegung ihre Berechtigung und Be- deutung, nur müsse dieselbe ihre Hauptaufgabe erblicken� in Er- Weiterung der Solidarität, der Aufklärung der Massen und Förderung der wirthschaftlichen Erkenutniß. Auf dieser letzteren müsse überhaupt jede Arbeitervereinigung beruhen, wenn sie nicht ihren Zweck verfehlt haben und der Vcrknöcherung anheimfallen will. Erfüllt aber eine Organisation die eben genannten Be- dingnngen, so hat sie redlich mit gekämpft für das Endziel der modernen Arbeiterbewegmig, für Zerstörung der ökonomischen Abhängigkeit durch Unnvandlung des Privatbesitzes an Produk- tionsmittelninGesellschasisbesitz.(Reicher Beifall lohnte den Redner.) Eine im Sinne der Ausführungen gehaltene Resolution findet ein- stimmige Annahme. Zum zweiten Punkt referirt Kollege Miede- mann über den 7. Tischler-Jnnungstag in Magdeburg. Redner hält es für bemerkenswerth, daß die Verhandlungen des Jnnungs- tages nur zwei Tage in Anspruch nahmen, trotzdem nicht wenige» als 17 Punkte auf der Tagesordnung standen. Dabei fand man immer noch Zeit zu verschiedenen Vergnügungen. Die Herren Jnnungsmeister beschäftigten sich wieder mit der Bewegung der Gesellen resp. deren Bekämpfung, mit Entlassungsscheinen nnd anderen schönen Sachen. Kurz, der ganze Jnnungstag hat wieder bewiesen, daß er für die Gegenwart bedeutungslos ist und bleibt. Nachdem noch verschiedene Redner in der Diskussion gesprochen, wird zur Ernennung eines Bevollmächtigten, soivie eines Schriftführers für den Ostbezirk geschritten. Als Bevollmächtigter wird Kollege Bogasch, als Schriftführer Kollege Wagner und als Beitragsammler Kollege Schmidt ernannt. Kollege Bogasch richtet an die Versammelten das Ersuchen, ihn in seiner WirlsMkeit durch Agitation für regen Besuch der Versammlungen zu unterstützen. Nachdem noch Kollege Hoffmann aufgefordert, eZ möge doch jeder arbeitslose Kollege den Zentralarbeitsnachweis der Tischler, Wallstraße 7—8, benutzen, und bemerkt hatte, daß auch die Meister ihre Adressen dorthin sendeten, schließt die Versammlung. Eine öffcntiichr Urt'jnmlnlnng der Sinsteateuve fand am 13. August im Lokal des Herrn Zemtcr, Münzstr. 11, statt. Auf der Tagesordnung stand: l. Ausrüstung der Delegirte» zum zweiten deutschen Stuctateurkongrss! mit Anträgen. 2. Verschiedene Gewerksangelegenheiten. Zur Leitung der Versammlung wurden die Herren Schulz, Schmiedel und Kaiser gewählt. Zum ersten Punkt der Tagesordnung ergreift zuerst Herr Maker(Delegirter) das Wort. Derselbe wünscht, daß sich die Theilnehmer der Versamm- lung darüber aussprechen, in welcher Weise sie vertreten sein wolle», damit den Delegirte» ein bestimmter Anhalt in Elberfeld bei den Verhandlungen geboten sei. Es entspann sich hierüber eine lange Debatte. Der Vorsitzende verliest die vom Ver- tranensmann provisorisch aufgestellte Tagesordnung des Konarefses. Danach sollen zur Verhandlung kommen: Bericht der Delegirte»; Bericht der Agitationskommission, Abrechnung derselben; Organsrage und in welcher Weise sind die Beschlüsse des vorigen Kongresses ausgeführt? Letzterer Punkt wurde für überflüssig von der Versammlung anerkannt, da ja die Delegirte» den Situationsbericht über die Verhältnisse ihrer» Städte bringen müssen. Lebhast dislutirt wurde das im Ge- werbe eingerissene Lehrlingsunwesen. Es wurde allerdings von verschiedenen Seiten anerkannt, daß die heutigen wirthschaft- lichen Verhältnisse eine Regelung durch die Arbeiter nicht ermöglichen, nichts desto weniger müßten diese Uebelstände einer scharfen Kritik unterzogen werden. Viel Werth wurde auch aus die Abschaffung der Akkordarbeit gelegt und die bekannten schädlichen Folgen der- selben kritisirt. In Betreff der Art der Organisation wurde von einer Seite die Zentralorganisation als erstrebenowerlh hingestellt, während ein anderer Redner die bestehende Lokalorgnmsation beibehalten wünscht. Eine Verbindung wäre ja durch das Organ, das„Vereiusblatt", da.— Nachdem nach allen Nich- tungen die Wünsche der Versammelten über das„Wie" der Vertretung laut geworden, wurden folgende Anträge angenommen. 1.„Die Delegirten werden beauftragt, auf dem Kongreß dahin zu ivirken, daß in allen Städten, wo Organi- sationen besiehe, Arbeitsnachiveis-Bureaus eingerichtet werden. Die sämmtlichen Adressen sind auf möglichst beste Art den organi- sirten Kollegen Deutschlands bekannt zu machen." 2.„Es ist dahin zu wirken, daß der Kongreß beschließe, alle zweiJahre habe ein solcher stattzufinden." 3.„Die Delegirten haben das Lehrlingsunwesen auf dem Kongreß zur Sprache zu bringen, damit dies von allen Seiten diskntirt iverden könne und eventuell Mittel zur Abhilfe desselben vorgeschlagen werden. 4.„Es sei auf dem Kongreß dahin zu wirken, daß eine möglichst gute Organisation geschaffen werde." 5.„Die Delegirten werden beaustragt dahin zu ivirken, daß möglichst aller Orten eine Verkürzung der Ar- beitszeit angestrebt werde; ebenso die Abschaffung der Akkordarbeit." 0. Der Kongreß möge bestimme», daß die Name» der Stuckatenr-Fachvercine den Zusatz„und verwandter Berufs- genossen" erhalten. Außerdem solle eine allgemeine Statistik an- geregt werden. Unter„Verschiedenem" wurde beschlossen, den Delegirten je 100 M. zur Deckung der Kosten zu überweisen, Die Kollegen, welche Listen haben, werden aufgefordert, diese bald abzuliefern. Di- Tabastarbriiev m,i> Tabastnvl'eitrvin»«» Berlins werden auf das am Sonnabend, den 23.'August, im Elyfium, Lands- beiger Allee Nr. 39— 41, stattfindende Sommerfest, bestehend aus Konzert, Spezialitäten-Vorstellung und Sommernachts- Ball auf- mertfam gemacht. Anfang 0 Uhr. Die Kaffeeküche ist von 3 Uhr ab geöffnet. Billets sind in den bekannten Zahlstellen und außerdem bei August MoteS, Pvsenerstr. 11; Karl Butry, Stral- ftiidn-str. 15; Hermann Herholz, Brunnenstr. 145, und.in den nnt Plakaten belegten Geschäften-n bab-w TSS;: Anhalt. Banschnle Zerbst TCZf B&uhandwerker. Steinmetzen, Bau- u. Möbeltischler etc., sowie Facli-' schule für Eisenbahn», Strassen- und Wasserbautechniker. Staatliche KeBepnUung,_ Billiger und angenehmer Aufenthalt. 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