Kr. 35. KdomiemtMs-zcdtngvngen: Abonnement»- Pret» pränumerando: Visrteljährl. SLv Mb, monatl. l,10Ml.. wöchentlich 28 Pfg. frei in» Hau». Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntag». Nunimer mit tllustrirlcr Sonntag». Beilage„Tie Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnenient: 3,30 Marl pro Quartal. Eingelragen in der Post- Zeitung». Preisliste für 1337 unter Er. 7437. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Marl, für da» übrige Ausland 3 Marl pro Monat. 14. Jahrg. Die Insertions- Gebühr betrügt für die fechsgespallene Solonel- zeile oder deren Raum 40 Pfg., für verein»- und Bersammlungs-Anzeigen, sowie Arbeitsmarkt 20 Pfg. Inserate für die nächste Nummer müssen bi» 4 Uhr nachmittag» in der Expedition abgegeben werde». Die Expedition ist an Wochentagen bis 7 Uhr abend», an Sonn- und Festlagen bis g Uhr vormittags geöffnet. Erscheink kägliliz aufjer SZontags. Devlinev VolKsbl�kk. Fernsprecher! Amt I, Er. 1503. Telegramm-Adresse: „Sozialdemoliral Serlin", Dentralorgan der sozialdemokratischen Kartei Deutschlands. Jtedaktion: SW. 19, Ueuty-Straß- 2. Das Hsuvelsgesietzburtz. Die erste Beralhung deS Entwurfs eines Handelsgesetzbuchs ist gestern beendet. Es ist einer Kominission von 21 Mitgliedern über- wiesen, die noch in dieser Sefsio» das ans 897 Paragraphen und 23 Einführnngsartiteln bestehende Gesetzbuch fertig stellen soll. Das Gesetz ist kein»enes, schöpferisches, sondern noth- wendig geworden, um die Vorschriften des Handelsgesetz- buchcs mit dem Inhalt des Bürgerlichen Gesetzbuches in Einklang zu bringen. Das Bürgerliche Gesetzbuch hat auf sast jeder Seite des Obligationenrechts Rechtssatzungcn, die früher nur für das Handelsrecht nolhwendig waren, für das ge- sammte bürgerliche Recht aufgenommen. Die Grundsätze von Treu und Glauben, von der Formlosigkeit der Verträge, vom kauf- männischen Kauf«. s. w. sind aus einem Sonderrecht der Kansleute zu einem allgemeinen Recht der Gesammlhett geworden. Die wirth- schastliche Entwickelung, die Ausdehnung des Verkehrs, die Rlobilisirung des Besitzes, die Kapitalisirung der Produktion nölhialen dazu. DaS geltende Handelsgesetzbuch konnte demnach in seinem Um- fang erheblich reduzirt werden. Ueber 3V Jahre sind seil Geburt des jetzigen Handelsgesetzbuchs verstrichen. Naturgemäß konnte der neue Entwurf die wirthschaftliche Entwickelung, die innerhalb dieses Zeitraums vor sich gegangen ist, nicht voll unberücksichtigt lassen. Er bat die wirthschaftliche Entwickelung sogar in stärkerem Maße berücksichtigt, als wir dies sonst bei Gesetzen gewöhnt sind. Allerdings sind wir nur an ein Tiesmaß der Berücksichtigung wirth- schafllicher Entwicklung gewöhnt. So weit, wie das wirthschaftliche Bedürsniß schon heute erheischt, ist der Entwurf aber weder da, wo es sich um die Vorrechte der Agrarier, noch da gegangen, wo es sich um die Rechte der Arbeiter, und nicht allein um eine Ausgleichung innerhalb der herrschenden Klasse handelt. Von den Gebieten des Handelsgesetzbuchs, die für weitere Kreise iuteressiren, greifen wir heraus: das, welches sich mit dem Begriff des Kaufmanns und Ha ndelsgc werbe- beschäftigt und das, welches die Rechte und Pflichten der Handlungsgehilfen regelt. Der Begriff des Handelsgewerbes ist im Entwurf mit recht er- heblich erweitert. Die kasuistische Auszählung bestimmter Arten Gewerbe, die allein als Haudelsgewerbe erachtet werden sollen, hat der Entwurf verlassen. Sie reichte längst für die Praxis nicht aus. Der Entwurf führt zunächst eine Anzahl von Geschäften ans, deren Gewerbebetrieb als Handelsgewerbe gelten soll. Es sind dies: 1. die Anschaffung und Weiterveränßerung von beiveglichen Sachen(Maaren) oder Werthpapieren, ohne Unterschied, ob die Maaren unverändert oder nach einer Bearbeitung oder Ver- arbeitung weiter veräußert werden; 2. die Uebernahme der Be- arbeilnng oder Verarbeitung von Maaren für andere, sofern der Betrieb über den Umfang des Handwerks hinausgeht; 3. die Uebernahme von Versicherunge» gegen Prämie; 4. die Bankier- und Geldwechslergeschäfte; ö. die Ueber- nähme der Beförderung von Gütern oder Reisenden zur See, die Geschäfte der Frachtführer oder der zur Beförderung von Personen zu Laude oder auf Binnengewässern bestimmten Älnstalteu, sowie die Geschäfte der Schleppschifffahrts-Unternehmer; 6. die Geschäfte der Kommissionäre, der Spediteure oder der Lagerhalter; 7. die Geschäfte der Handlungsagenten oder der Handelsmäkler; 8. die Verlagsgeschäfle, sowie die sonstigen Ge- schäfte des Buch- oder Kunsthandels; 9. die Geschäfte der Druckereien, sofern ihr Betrieb über den Umfang des Handwerks hinausgeht. Weit über diese Kategorien hinaus bestimmt der Entwurf aber ferner in seinem§ 2: „Ein gewerbliche? Unternehmen, das nach Art und Umfang eine» in kaufmännischer Weise eingerichteten Geschäftsbetrieb er- fordert, gilt, auch wenn eins der eben aufgeführten Geschäften nicht betrieben wird, als Handelsgewerbe im Sinne dieses Gesetz. buchs, soser» die Firma des Unternehmers i» das Handelsregister eingetragen worden ist." Dadurch werden im Gegensatz zum jetzigen Zustand z. B. Thon- waaren- und Porzellanfabriken. Ziegeleien. Rübenzuckerfabriken und Bauunternehmer-Betriebe auch dann als Handelsgewerbe mit recht erachtet, wenn die Rohstoffe auf eigenem oder gepachtetem Boden gewonnen oder die Häuser auf eigenem Boden erbaut werden. Halt macht der Entwurf aber bei den forst- und landwirthschaftliche» Betriebe!,, z g sagt bestimmt hierüber wie solgt: „Auf den Betrieb der L a n d- und F o r st w i r t h s ch a f t finden die Vorschriften der 1, 2 keine Anwendung. Ist mit dem Betriebe der Land- und Forstwirthschaft ein N e b engewerbe verbunden, so findet auf dieses der H 2 mit der Maßgabe Anwendung, daß der Unternehmer berechtigt, aber nicht verpflichtet ist, die Eintragung in das Handelsregister berbeizuführen; werden in dem Nebengewerbe Geschäfte der im ß I bezeichneten Art geschlossen, so gilt der Betrieb dessenungeachtet ii u r dann als Handelsgewerbe, wenn der Unternehmer von der Befngniß, seine Firma gemäß Z 2 in das Handelsregister ein- tragen z» lassen. Gebrauch gemacht hat." Diese Heraushebung des land- und sorstwirthschaftlichen Be- triebes aus dem Begriff eines kaufmännischen Betriebes und die Verwandlung von Nebengewerben aus Muß-Kaufleuten in Kann- Kansleute ist durch die ökonomische Stellung der Landwirthschaft durchaus nicht gerechtfertigt. Sie beruht vielmehr auf einer Ver- keunung und Bevorzugung des agrarischen Ausbeuters zu Ungunsten einer Rechtssicherheit und der Allgemeinheil und politisch rück- ständiger Feudalallüren. Ackerbau. Bergbau, Viehzucht u. s. w. sind durch die gesell- schaftliche Theilung der Arbeit gegebene Abzweigungen und besondere Aulagcsphären deS Kapitals. Das Kaufmannslapital ist keine besondere Art des industriellen Kapitals. Waarenhandlungs- und Geldhaudlungs- Kapital unterscheiden sich nicht anders vom Getreidebau wie dieser von Viehzucht und Manufaktur. Produktion und kapitalistische Produktion sind identisch. Die Vertheiluug der gesellschaftlichen Produkte unter die Mitglieder der Gesellschaft, sei es nur produktive, sei es nur individuelle Konsumtion. muß keineswegs durch besondere Kauflente„„d Bankiers vermittelt werden, und wird auch keineswegs allein durch diese vermittelt. Der Umfang. in dem die Produktion durch die Hände der Kaufleute geht, hängt von der Produktionsweise ad und erreicht seine Höhe in der vollen Entwicklung der kapitalistischen Produktion. In ihr wird das Produkt— mag es Getreide, mag es Brot, mag es eine Hose sein— nur noch als Maare, nicht mehr als unniittclbares Subsistenzmittel produzirt. Das Kapital hat sich der Produktion, auch der landwirthschaftliche», bemächtigt. Das Kaufmannskapital fungirt als der Agent jedes produktiven Kapitals. Für den Großgrundbesitz gilt nicht minder wie für den Kaufmann der Grundsatz: wohlfeil laufen, theuer verkaufen. Ob Arbeitskraft oder ob verarbeitete Gegenstände gekaust werden, ändert nichts. Der Großgrundbesitzer ist heute ebenso wie irgend ein Händler Kaufmann geworden: mag er direkt an die Börse gehen, direkt an die Kunden herantreten oder sich des Bankiers als Agenten bedienen. Es liegt keinerlei Grund vor, weshalb man den Großgrundbesitzer rechtlich anders als irgend einen Großkanfmann behandeln sollte. Wes- halb soll ihm die Verpflichtung, kaufmännische Bücher zu führen, seine Firma kund zu geben u. s. w., nicht ans- erlegt werden? Damit eine Steuerhinterziehung erleichtert iverde? Damit er straslos einfachen Bankrott mache, damit er„Roth leiden" heucheln kann? Damit er die Arbeitskräfte noch schlimmer als die anderen Kapitalisten auszubeuten vermöge, sollen die zum Schutz der übrigen Arbeiter gegebenen Bestimmungen für die von ihm Beschäftigten nicht gelten? Nun, mag der Entwurf dies Sondcrausbeuterccht der Groß- grnndbesitzer konscrviren: papierne Paragraphen helfen dagegen nicht, daß der Handel weit über die Ueberschüsse der Produklion hinaus die Produklion selbst anfrißt und ganze Produktionszweige von sich abhängig macht, mögen es sogenannte landivirthschaslliche, mögen es rein indiistriell« sein. Der Großgrundbesitzer ist Händler wie jeder andere Großproduzent geworden. Ihm die Sonderstellung ein- räumen, daß er nur die Rechte, nicht aber die Pflichten eines Kaufmanns zu erfüllen hat, ist eine ungerechte Maßnahme, die vielleicht den Handelscharakter der Großgrundbesitzer vorab, nicht aber auf die Dauer zu verschleiern mag. Unsere oft- elbischen Agrarier sorgen durch ihre Ausbeutungsfreudigkeit selbst dafür. Zu billigen ist, daß Minderkau sleute nicht mit der Ver- pflichiung zur Buchführung, Juveutarisirung u. f. w. belastet werden solle». Aber wer soll als Minderkaufmann erachtet werden? Die Praxis hält heute in Berlin den für einen Minderkausmann, der weniger als 10 000 Mark Anlagekapital oder 20 000 Mark Jahresumsatz hat. Würde«in« ähnliche Umsatzhöhe zur Unter- scheidimg von Großgrundbesitzen! und Bauern gebraucht werden, um zwischen wirklichen Bauern, die selbst produziren, und Großgruud- besitzern, deren Thätigkeit nur im Konsumiren und im Handeln besteht, angewendet werden, so wäre dies nicht mehr als billig. Aber— dann zerreißt auch vor dem Kleinbauer das Gewölk angeblicher Interessengemeinschaft zwischen ihm, dem Bauer, dem Produzenten, dem Arbeiter und zwischen dem Großgrundbesitzer, der ja auch ihm gegenüber thatsächlich als Händler, als Kaufmann und als Preis- drücker austritt. Die Verhältnisse der Handlungsgehilfen im Handels- gesetzbuch haben wir bereits im Juli 1893 kurz nach Ver- öffentlichung des Entwurfs besprochen. Der Entwurf erfüllt bei weitem nicht die sozialpolitisch dringenden Forderungen der Handlungsgehilfen. So fehlt z. B. eine Siegelung der Arbeitszeit; nicht einmal bis zum Gebot des Achtuhr-Ladenschlusses hat sich der Entwurf durchgerungen. Statt eines Verbots der Konkurrenz- klausel enthält der Entwurf durchaus unzureichende, elastische Bestimmungen. Die Forderung auf Anstellung von Handels- inspektoren(ähnlich wie Gewerbe- Inspektoren) und aus den Gewcrbegerichlen ähnliche Laiengerichle ist gleichfalls unerhört geblieben. Ebenso unterläßt er eine hinreichende Definition der Begriffe Handlungsgehilfe. Alles in allem: hier und da ein Anflug sozialpolitischer Erkenutniß, im ganzen Stückiverk zu un- gunsten der Arbeiterklasse oder zu gunsten der Kapitalist enklassc, insbesondere der Agrarier. polikischr Arbriffcht. Berlin, 10. Februar 1897. Ans dem Neichstttge. Der erste und zweite Punkt der Tagesordnung, Berner Vertrag und Strafantrag gegen Dr. S i g l, wurden ohne Debatte erledigt und begann dann die Fortsetzung der Verhandlung über den HandelSgesetz-Ent- wurf. Die Debatte, an der sich die Abgeordneten B a s s e r- mann(ntlb.), Stadthagen, von Werdeck(kons.) L e n z m a n n und Beckh betheiligten, beschränkte sich fast ansschliesilich auf akademische Erörterungen. Der Entwurf fand im allgemeinen eine sehr freundliche Bcnrtheilung. Nur die Agrarier wehren sich dagegen, daß auch die Landwirthe, sobald sie kaufmännische Handels- geschäste treiben, gezwungen sein sollen, sich in das Handels- register eintragen zu lassen und eine kaufmännische Buch- führung einzuführen. Die Herren wollen in dieser Bestimmung eine Herabsetzung des landwirthschaftlichen Gewerbes sehen, eine mit werden. Tie Stellung unserer Fraktion legte Genosse Stadthagen in ausführlicher Weise dar. Wir verweisen in dieser Hinsicht auf unseren bezüglichen Leitartikel in der heutigen Nummer. Tie Vorlage wurde schließlich einer Kommission von 21 Mitgliedern überwiesen. Hierauf trat das Haus in die Berathung einer Resolution ein, welche von der Unfallkommission beantragt ist und deren Verlangen dahin geht, die Regierung zu ersuchen, noch bis zur zweiten Lesung der Unfallnovelle ein Gesetz vorzulegen, nach welchem die Unfallversicherung auch aus die Strafgefangenen aus- gedehnt wird. Die Resolution wurde von dem Abgeordneten von SUmmi mit dem Hinweise darauf begründet, daß die Kommission in dem Wunsche, den in der Resolution aus- gesprochenen Zweck zu erreichen, einstimmig gewesen Ansicht,'für welche jeder vernünftige Grund fehlt und der die Ostelbier auch hoffentlich nicht durchdringen T Expedition: SV. 19, Uenty-Straße 3; sei, daß aber eine einfache Unterstellung der Straf» gefangene» unter das bestehende Unfallgesetz unmöglich sei, da die Gefängnißdisziplin dadurch durchbrochen würde. Redner bat um einstimmige Annahme der Resolution, welche auch sicher erfolgt wäre, wenn nicht der Antisemit Dr. Vielhaben, zum allgemeinen Erstaunen, plötzlich die Eut- deckung gemacht hätte, daß der Antrag eine rein sozialdemo- kratische Forderung enthalte, die sein— Vielhaben's— sittliches Empfinden auf's tiefste verletze. Herr v. Stumm als Vorkämpfer für sozialdemokratische Forderungen— diese Entdeckung war dem Hause neu, und sie wurde mit der gebührenden Heiterkeit aufgenommen. Frhr. v. H e r t l i n g führte Vielhaben damit ab, daß er ihm trocken an den Kopf sagte, er rede über Dinge, welche er nicht verstehe, und schließlich erklärte sogar der eigene Parteigenosse des antisemitischen Schreckenskindes, Abg. Müller(Waldeck), daß Vielhaben für das Blech, das er esprochcn, allein verantwortlich sei, und daß die Partei kein heil daran haben wolle. Minister v. B ö t t i ch e r gab eine zustimmende Erklärung zu der Resolution ab, welche dann mit allen gegen die Stimme des Dr. Vielhaben angenommen wurde. Morgen Schwerinstag. An erster Stelle: Fortsetzung der Debatte über den Achtstundentag, dann Petitionen.— Das preußische Abgeordneteiihaiis überwies heute zunächst den Gesetzentwurf betreffend die Fischerei der Ufer-Eigen» t h ü in e r ii ii d die K o p p e I s i s ch e r e i in der Provinz Hannover an eine Konnnission von 14 Mitgliedern und trat sodann in die zweite Berathung des Etats des Ministeriums des June r n. Bei de» Einuahinen führte Abg. Dr. Langerhans (frs. Vp.) darüber Beschwerde, daß die von der Regierung bei der Berathung des Polizcikostcn-Gesctzes gemachten Versprechungen be- treffend die Ueberlragung der Wohlfahrtspolizei an die Stadl Berlin nicht erfüllt feien; natürlich wurden diese Beschwerden vom Regierungsvertreter als unbegründet erklärt. Ein cnlgegenkominenderes Verhalten bewies die Regierung dem Abg. Riepenhausen(sk.) der eine Beschäftigung der Strafaefangeucn zu ländlichen Arbeiten verlangte, angeblich um die Konkurrenz der Gefängnißarbeit zu be- seitigeu, thatsächlich aber, um den nothleideuden Agrariern billige Arbeitskräfte zu liefern. Die ganze übrige Sitzung wurde von einer Polendebatti. aus- gefüllt, die an den Titel„Gehalt des Ministers" anknüpfte. Für die Polen legte sich iiamenllich der Abg. I ä ck e l(frs. Vp.), Ver- lreter der Stadt Posen, ins Zeug, der das Verhalten der Regierung in der Polenfrage einer scharfen Kritik unterzog und verschieden« Fälle anführte, aus denen hervorgeht, daß die Mißstimmung in den polnisch sprechenden Landeslheilen hauptsächlich durch übertriebenen Chäuvinisnius von deutscher Seite hervorgerufen wird. Ihm traten entgegen die Abgg. v. T i e d e in a n n(Bomst), der sich sogar soweit verstieg, das Verhalten des berüchtigten Distrikts- kommissars v. Carnap als ein korrektes und schneidiges zu bezeichnen, der Polensresser Dr. Sattler(uatl.), der sich freilich aus Mangel an sachlichen Gründen in rein persönlichen Angriffen erging, und Graf zu L i m b u r g- S t i r u m. Letzlerer tadelte es, daß der Reichs- kanzler kürzlich im Reichstage sich aus die Polensrage eingelassen habe, da dies eine rein preußische Angelegenheit sei. Wenn es darauf ankommt, in den Einzellandtagen Slngelegenheiten des Reichs zu crörter», sind die Herren allerdings nicht so empfindlich. Auch der Minister des Innern, Freiherr von der Recke, griff zweimal in die Debatte ein, er präzisirte seinen bereits früher betonten Standpunkt in der Polenfrage und protestirle gegen die von dem Abg. v. Jazdzewski ausgesprochene Meinung, als habe der be- kannten Kaiserrede in Thorn gegen die Polen ein Bericht von Leckert-Liitzow zu gründe gelegen.— Nebenher ging noch ein häuS- licher Zwist zwischen den Konservativen und dem Zentrum. Zn Elörterungen über die Geheimpolizei wird es voraussichtlich erst morgen kommen.— Das Dennnziautengekläff wegen unpatriotischer Aeuße- rnngen, die Liebknecht angeblich in Holland gethan haben soll, dauert fort— es gehört daS schon zu dem Reaktions- r a d a u, der anläßlich des hundertjährigen Geburtstags Wil« Helms„deS Großen" in Szene gesetzt werden soll. Wir geben hier nach dem stenographischen Berichte wieder, was Liebknecht in der Rcichstagssitzung des vorigen Freitag dem Grafen Limburg-Stirnm, welcher— wohl um die notorische Landesverrätherei seines Hintermannes zu ver« decken— des Blödsinnes erwähnt hatte, in persönlicher Be- merknng erwiderte: Liebknecht: Abgeordneter Graf Limburg-Stirum hat vorhin von mir gesprochen, allerdings ohne meine» Namen zu nennen. Er spielte an ans eine Aeuherung, welche ich angeblich ijiii Amsterdam gemacht haben, und nach welcher ich gesagt haben soll. daß wir Sozialdemokraten auf einen Krieg warten, in dem das Deutsche Reich zu gründe gehen werde. Wenn ich in das Ausland gehe, dann Halle ich keine Agitationsreden gegen die deutsche Re« gierung oder das bei uns herrschende System; wenn ich die deutsche Regierung bekämpfen will, bekämpfe ich sie hier. Mir ist seinerzeit in Amerika während meiner dortigen Agitationstour ausdrücklich der Vorwurf gemacht worden, daß ich keine polemische Reden gegen die NeichSregierung Halle. Das thue ich in Frankreich nicht, das that ich nicht in England; das habe ich auch in Holland nicht ge» than. Ich habe allerdings über die deutschen Verhältnisse ge» sprachen(aha! rechts), soweit es nöthig war, um die Themara, ivelche zu behandeln ich eingeladen war:„die Entwickelttilg der deutschen Sozialdemokratie",„die Nothwendigkeit des Sozialismus" und„das Wirken von Marx und Lassalle" stoffentsprechend zu be« handeln, und zwar in d u r ch a n s akademischer Weise (aha! rechts)— ja. Durchaus akademisch und obendrein für ein akademisches Publikum— hauptsächlich Professoren und Studenten— wo sich von vornherein jede Acußerung in der be« haupteten Form verbot. Entstanden mag die Notiz, falls sie über- Haupt bona üäe zuerst veröffentlicht ward, dadurch sein, daß ich. als vom allgemeinen Stimmrecht die Rede war, sagle: das Deutsche gleich hat seine Stärke--(Zuruse rechts: Persönlich!)— Das ist sehr persönlich.(Widerspruch rechts.) Wenn man mir eineAeußerung vorwirft, welche gewissermaßen landesverräthcrisch riecht, dann habe rch daL Recht, diese Aeußerung richtig zu stellen.(Sehr uchlig! links.) Jllfo, was allein Anlaß gegeben haben kann zu der betreffenden Zeitungsnotiz, ist, daß ich gesagt habe: die Existenz des Deutschen Welches beruht nicht auf seinen Millionen v o n S o l d a t e n, sonder» seine Stärke im Volke wurzelt im a l l g e in e i n e n Wahlrecht. Das Deutsche Reich, wen» es nicht im Volke wurzelt(lebhafte Zurufe rechts)— höre» Sie doch nur!(Heiterkeit) kann durch einen n n g l ü ck l i ch e n Krieg zerstört lo er d e n. Ich habe iveiter gesagt, daß es eine Partei giebt— «iib Sie(zur Rechte») kenne» sie!- welche das Wahlrecht die e i u z i g e sichere S t ti tz e des Reiches, uns zu nehmen versucht; ich habe gesagt: die Vernichtung des allgenicinen Wahl- rechts, das ist der S t a a t s st r e i ch, und der Staatsstreich ist die Revolution. Dasselbe habe ich hier mehr als einmal gesagt, wiederhole es jetzt hier, und werde es in Deutschland noch bei andere» Gelegenheiten ausführen. Um meine Aeußerung so zu ver- stehen, wie sie in einigen konservativen Blättern denunziatorisch verdreht, und wie sie soeben hier von dein Grafen zu Limburg- Stirum kolportirt worden ist, muß man seinen Geist schon sehr arg „vertauscht" haben.(Sehr gut! und Heiterkeit.) Ucber sozialdemokratische Hchereie« regt sich die„Posstsche Zeuung" auf, die sie in unserem gestrigen Leitartikel über die An- faminlung von Riesenvermöge» und daS Elend des Proletariats vermuthet. Unsere Zahle» entstammten nun einer vom Finanz- ininister dem Abgeorduetenhause vorgelegten Statistik, und die „Vossische Zeitung" hätte deswegen lieber, statt zu schimpfen und zu benunzire», iiachivnseu sollen, daß diese Zahle» falsch sind, oder daß>vir sie falsch iviedergegebe» und zusaiiimcngestellt haben. Damit hätte sie etwas Gescheites gethan und hätte ihrer Klasse ge- nützt. So aber klingt aus ihren Zeilen nur daS Angstgeschrei des Bourgeois, der mit Zittern das Erwachen des Proletariats be- obachtet.— Wenn die„Voss. Ztg." bei der Gelegenheit darauf auf- merksam macht, daß es auch eine Anzahl von Sozialdemokraten giebt, die mehr als 900 Mark Einkommen und 0000 Mark Vermögen haben und verlangt, wir sollten deswegen unsere für richtig erkauulen Grund« sätze preisgebe», so taxirt sie uns doch etwas zu niedrig sein. Wenn es in unsere» Reihen solche gut situirte Leute giebt und sie trotzdem Sozialdemokraten sind, so macht das ihrem Idealismus alle Ehre. Eine weitergehende Schlußfolgerung giebt es aber nicht.— Die Landarbeiter- Politik der Großgrundbesiber ist durch die gegenwärtig stattfindenden Berathuuge» des deutschen Landwirthschastsraths wieder einmal in recht drastische Beleuchtung gerückt worden. Bekanntlich beschäftigt man sich ja seit einiger Zeit, seitdem die Sache von wohlmeinenden Professoren und dergleichen Leuten angeregt worden war, auch in agrarischen Kreisen mit Laudarbeiter-WohlfahrtSeinrichtungen. Allerdings handelt es sich dabei weniger um die Wohlfahrt der Arbeiter, die den Herreu absolut gleichgiltig ist; sondern darum, durch sogenannte Wohlfahrlseinrichlungeii den„Leuten" die Zu- friedenheit und sich selbst die„Leute" zu erhalten.— Zu dem eisernen Bestandtheil dieser Laudarbeiter-Sozialpolitik gehört vor allem die S e ß h a f t m a ch u n g der Arbeiter auf dem Lande. Den wahren Grund zu diesen Bestrebungen wolle man aus folgendem Beschluß der erwähnten Versammlung entnehmen:„Der Abzug der ländlichen Bevölkerung sowohl in das Ausland, als besonders in die Großstädte und Jndustriebezirke. bedroht d a S a u und für sich nothleidende landwirthschaftlichc Gewerbe mil schweren Gefahren. Außer niancherlei anderen Maßnahmen ist es der immer weiter um sich greifende Uebergang zur reinen Geld- löhnung, welcher diesen bedauernswerthen Vorgängen Vorschub leistet. Eine Besserung dieser Zustände kann am wirksamsten unter- stützt werden: l. durch Seßhaftmachung der ländlichen Arbeiter; II. durch Rückkehr zu nmsaiigreicher Naturallöhnung, wo die Vor- bedingungen zur Seßhaftmachung fehlen." Ferner beschloß man, daß auch die theilweise Naturallöhnung sehr nützlich sei. Man glaubt damit erstens die Arbeiter fest- zuhalten; ferner hofft man natürlich, sein Getreide:c. besser ver- werthen zu können, wenn man die Arbeiter damit auszahlt, als beim ~ �'an den Händler. Andererseits freilich wurde mehrfach „ es werde alles nichts nützen:„Der Zug der Landarbeiter nach den Städten bestehe nun einmal und sei schwerlich anders einzudämmen als durch Beschränkung der Freizügig- k e i t." Sodann wurde über die eigentlichen Wohlfahrts-Ein- r i ch t u u g e n berichtet. Es sei zu beklagen, daß auf dem Lande, und namentlich im Osten, so wenig an WohlfahrtSeinrichluugen für Arbeiter vorhanden sei und vor allem au solchen, die zur Ver- schönerung des häuslichen Daseins dienen und also am meisten dazu beitragen würden, die Leute au die Scholle zu fesseln. Freilich habe die Sache gerade im Osten ganz besondere Schwierigkeiten nicht nur deshalb, weil die Landwirthe nicht die Mittel besitzen, den Arbeitern bessere Wohnungen u. s. iv. zu gewähren, sondern auch deshalb, w e i l s i ch d i e A r b e i t e r m hellen, luftigen, geräumigen Wohnungen gar nicht ein- mal wohl fühlen. Der Landarbeiter verlangt in seiner Woh- mmg vor allem viel Wärme, mäßig viel Licht und möglichst wenig frische Luft. Das ist ohne Zweifel ein äußerst bequemer Standpunkt für die Herren Großgrundbesitzer. Sie selbst fühlen sich aber hoffentlich in ihren Herrschaftshäusern und Schlössern wohl, trotzdem es hell und lustig ist.— Ueber H a u S h a l t u n g S- S ch u l e n für junge Mädchen hieß es: Im Osten seien sie nicht nur entbehrlich, sondern geradezu gefahrlich, weil die Mädchen auf solchen Schulen noch mehr Lust bekommen, zur Stadt zu gehen, als das sonst schon der Fall ist. Ans der in Königsberg bestcheuden Haushaltungs-Schule, die von vielen Landmädchen besucht wird, ist auch nicht eines dieser Land- mädchen wieder auf das Land zurückgekehrt. In einer schließlich angenommenen Resolution heißt es:„Die Wohlfahrtseiiirichtuugeu für ländliche Arbeiter sind ein erfreuliches Zeichen der wachsenden Erkenntniß, daß diese als die wirthschaftlich Schwächeren in ihrer und ihrer Familie Existenz gestützt und ge- fördert werden müssen, damit in ihnen die Zufrieden- heit mit ihrem Berufe und die Seßhaftigkeit an dem Orte ihrer Thätigkeit gestärkt und befestigt werde. Bei dem Ausbau und der Verbreitung von Wohlfahrtseinrichtungen und namentlich der ideellen für ländliche Arbeiter ist vor allem das Augenmerk darauf zu richten: daß durch dieselben in den Ar- beitern daS Bewußtsein erweckt werde, daß sie nicht b l o s Rechte auszuüben, sondern auch Pflichten zu er- füllen und sich durch treue Pflichterfüllung der Hilfe, die ihnen geboten wird, würdig zu machen habe ii." Wer bei solcher Offenherzigkeit noch nicht an das gute Herz der Großgrundbesitzer glaubt, dem ist überhaupt nicht zu helfen.— Die Lage auf Kreta hat sich nicht gebessert. Ein klares Bild über die Situation ist freilich unmöglich, da die zahlreichen über die kretensischen Vorgänge einlausenden Depeschen sich in wesentlichen Punkten widersprechen. Wir theilen aus dem Depeschenmaterial folgendes mit: Aus Konstantinopel wird gemeldet, daß der Sultan entschlossen ist, angesichts der Annektionsgelüste Griechen- lands bezüglich Kreta's diese Insel militärisch besetzen zu lassen. Die englischen Blätter glauben jedoch, daß, wenn Griechenland heute Kreta einverleiben würde, der Sultan wegen seiner kritischen Lage sich nicht zu großen Kriegsoperatione» entschließe» würde. Bei Kanea sind von dem griechischen Panzerschiff„Hydra" Waffen und Munition ausgeschifft worden. Nach den Depeschen aus Kanea hat sich in der Lage nichts geändert; die Ruhe dauert fort. Alle Flüchtlinge sind an Land zurückgekehrt. Das Verhalten der türkischen Behörden ist tadellos. Die Haltung der griechischen Schiffe, von denen man argwohnt, daß sie mit den Aufständischen im Einvernehmen sind, erweckt einige Be- unruhigung. In Kisamo und Kastell(Kreta) sind 23 mohamedanische Frauen und Kinder niedergemetzelt worden. Die„Daily NewS' melden aus Rom: Ein italienische» Geschwader von drei Panzerschiffen und drei Kreuzern werde heute von Neapel nach dem Orient abgehen; außerdem stehe im Hasen von Palermo ein Reserve- Geschwader von S Schiffen zur Abfahrt nach dem Orient bereit. Aus Rom wird telegraphirt: Die Großmächte habe» der griechischen Regierung eine Verbalnote übermittelt, und zwar aus Initiative der italienischen Regierung. In der Note wird erklärt, daß die Großmächte eine Störung des Weltsriedens durch ein aktives Vorgehen Griechenlands nicht dulden würden. Sollt« letzteres ein kaib accoinxU schaffen wollen, dann werde es dafür die volle Ver- antwortung übernehmen müssen. Kreta für die arme» Gläubiger Griechenlands. Für die Wahrheit der Ansicht, daß die hohe Politik nur Geldsackspolitik ist. daß sie lediglich durch die Interessen der Kapitalisten bedingt ist, bricht die„Vossische Zeitung" wieder einnial eine Lanze. Bei Be- sprechung der kretensischen Unruhen erörtert sie die Möglichkeit einer Vereinigung der Insel Kreta mit Griechenland. Nachdem sie gesagt, daß der Türkei an dem Besitze der Insel nicht viel liegen könne, fährt sie fort:„Nun ist allerdings Kreta ein so iverthvolles Land durch seine Lage, seine klimaitschen Verhältnisse und seine Frucht- barkeit, daß es die Mächte nicht gern in den Besitz eines wortbrüchigen Staates wie Griechenland übergehen sehen möchte». Aber man muß jedem Gegner Fehler ver- zeihen. man muß auch jedem Schuldner den Weg zu einer finanziellen Besserung ebnen. Das wäre niit Griechenland der Fall, wenn Kreta ihm an- gliedert würde." Die von uns gesperrt gedruckten Zeilen besagen mit dürren Worten:„Griechenland ist den Kapitalisten der Großmächte viel Geld schuldig, ohne in der Lage zu sein, dasselbe zu bezahlen. Mithin thnten die Großmächte gut, ihm die fruchtbare JuselK'reta zu verschaffen, vorausgesetzt, daß die uöthigeu Garantien gegeben werden, daß die weitere Aussaugiiiig der Insel nicht von den Türken auf die Griechen übergeht, sondern zum Vortheil der Kapitalisten der Großmächte geschieht." Daß diese Forderung, die Politik müsse von den Interessen der Kapitalisten beherrscht sein, in so selbstverständlicher Form auftritt, macht die Sache für jeden Unbefangenen nur«och überzeiigender. Um so widerwärtiger wirkt die Heuchelei, mit der gewöhnlich be- haupiet wird, daß die Jnleressen des Volke?, in dem geiiannteii Falle die des unlerdrücklen christlichen Volkes gegenüber den Mohammedanern vertreten werden. Es ist gut, wenn die wahren Tiiebfedern ihres politischen Handelns von den berufenen Kämpfern für Ordnung, Sitte und Religion bisweilen erläutert werden.— *** Deutsches Reich. — Ein organisches Reichs-Fi nanzgesetz sollte nach dem offiziösen„Hamb. Korr." aus den Berathnngen der Finänzminister der Einzelstaaten hervorgehen. Dieser neueste Miquet'sche Finanzplan scheint schon bei den Kollegen des preußi- scheu Finanzgenies gescheitert zu sein, denn die hochosfiziöse„Nordd. Allg. Ztg." giebt vor, daß es sich bei der Finanzministerkonferenz lediglich um die Behandlung der Ueberweisungsbeiträge für das Etatsjahr 1S97/S3 gehandelt habe. Mit dieser Darstellung wird die „Nordd. Allg. Ztg." wenig Gläubige finden.— — Herrn von Miquel's Wohlgefallen wird eine Eingabe des Verbandes deutscher Privat-Feuer-Ver- licherungS-Gesellschasten finden, in der die höhere Besteuerung der Zündhölzer gefordert wird. Dadurch soll das unvorsichtige Umgehen mit Zündhölzchen eingeschränkt werden. Ganz abgesehen davon, daß durch die vorgeschlagene Maß- reget der beabsichtigte Zweck nicht erreicht werden dürsle, müßten wir gegen die weitere Vermehrung der Stenern, welche die Armen bedeutend stärker trifft als die Neichen, also umgekehrt progressive Steuern sind, des eiilschiedenften protestiren.— — Die Hätz gegen die sozialpolitischen Pro- s e s s o r e n scheint dem Wunsch des Herrn u. Stumm entsprechend in die Hand genommen zu werden. Der erste, der wegen des Aus- rufes zu guusten der Hamburger Hafenarbeiter zur„Öiechenschaft" gezogen werden soll, ist der bekannte Förderer der Egidy'schen Be- strebungcii, Professor Lehman»- Hohenberg, der, wenn wir nicht irren, einen Lehranftrag für das revolutionäre Fach der Mineralogie hat. Die Unterrichtsverwaltung im Dienste des Herrn Stumm kann nns noch wider Willen so manchen schönen Dienst leisten.— — Ein konservativer Parteitag für Berlin findet am Freitag Abend statt mit Vorträgen von Abgeordneten über konservativ-soziale Organisation des Handwerks und das Pro- gramm der konservativen Partei.— — D e r„ B u n d der Landwirthe" hat auf die Tages» ordnung seiner am 1ö. d. Mts. in Berlin stattfindenden diesjährigen „General-Versammlung" auffallend harmlose und in Agrarierkreisen bis zum Ueberdruß verhandelte Gegenstände gesetzt: außer den» Be- grüßmigsivort des Borsttzenden, Geschäfts- und Kassenbericht, Be- schliißfassiing über die Aeiideniiig der Satzungen und Anträge aus der Versamiiiliing stehen vorläufig nur zwei Gegenstände: a)„die Bedeutung des neuen Börsengesetzes für die Lqndlvirthschaft und die letzten Vorgänge an den Börienplätzen"(Reserenteii Dr. G. Ruhland und Reichstags- Abgeordneter Dr. D. Hah»), b)„die Absperrung der deutschen Grenzen gegen die Eiiischleppuiig der Viehseuchen vom Aiislande"(Referent Dr. Rösicke), zur Verhandlung. Lange Debatten sollen anscheinend nicht gepflogen werden, denn die Diskussion findet erst nach Erledigung obiger Punkte statt. Die Namen der ReferentSii beweisen, daß die Herren für ihre Verhandlungen nicht Namen von Klang finden. Die Führer der konservativen Parieien wollen sich ihre Aussichten für die Zukunft durch Eintreten für den Bund der Land- wirthe im gegenwartigen Augenblick nicht verscherzen. So werden den„Bauern" des Bundes diesmal außer den Genüssen des Concert. de noblesse und den Pferdekunststücken in der AbendvorsteUung des Zirkus Busch, zu denen von der Bundesleitung amtliche Einladungen ergehen, in der Nachmitiagsvorstellung desselben Zirkus nur die Rede« kunstleistungen der Hahn, Rösicke und Ruhlaud geboten werden. Ueber die Bedeutung des neuen Börsengesetzes sollte zuerst, wie uns aus sonst stets zuverlässig berichtender Quelle versichert wird, der in Börsensachen praktisch erfahrene Herr v. Plötz referire». — Di» Grundsätze des Herrn von der Recke von der Horst scheinen von den uiuergeordiieten Polizei organen mit Eifer beachtet zu werden. So wird gemeldet, daß eine Ver- fammlung des Graudenzer polnischen Volksvereins, da sie in polnischer Sprache verhandeln wollte, polizeilich aufgelöst wurde.— — Im Meininger Lanotage gab eZ gestern, wie uns eine Privatdepesche meldet, eine große Sozialistendebatte anläßlich der Interpellation der„Ordnungsparlei" über den von der Re- gieruug gestalteten Umzug der Saalselder Parteigenossen am 1. Mai. Die Tribünen waren überfüllt. Der Vertreter der Regierung be- antwortete die Interpellation sofort; er erklärte, bei der unbeftreit- baren Disziplin der Soziaidemokralie sei trotz ihrer ungeheueren Gefährlichkeit die Anordnung der Regierung bezüglich der Maiseier nicht zu bedauern. Die Maifeier habe ja auch bewiesen, daß die Regierung recht hatte, kam doch nicht die mindeste Ausschreitung und Gesetzesübertretung vor. Die Erfahrung habe gezeigt, daß mit Polizei- maßregeln der sozialdemokratischen Bewegung nicht beizukomnie» sei. Mehr als die Maifeier sei der vergiftende Einfluß der sozial- demokratischen Presse zu bekämpfen; speziell die in Saatfeld heraus- gegebenen sozialdemokratischen Blätter forderten zu ernsten Er- wägungen heraus, ob nicht eine Verschärfung des Preßgesetzes am Platze wäre. In trefflicher Weise wahrte Genosse W e h d e r den Standpunkt unserer Partei. Die Rationalliberaleu griffen die Re- gieruug an, weil sie ihnen noch nicht genügend reaklionär sei, da- gegen waren die Freifinnigen eines Sinnes mit den Regierungs- Vertretern. Die allgemeine Auffassung war die, daß der Verlauf der Sitzung als neuer Erfolg unserer Partei angesehen werden muß. Darmstadt, 10. Februar. Der Landtag wurde heute Nach- mittag l1/* Uhr durch den Großherzog eröffnet. Die Thronrede legt zunächst die Grund, dar sür die Verlängerung de» gegen« wärtigen Finanzgesetzes auf die Dauer von sechs Monaten und kündigt sodann u. a. Gesetzentwürfe über die Penfionsverhältnisse und die Aersorgnng von Hinterbliebenen der im hessisch-preußischea Gemeinschaslsdienste angestellten Staatseisenbahu-Beaiuten und über die Fürsorge für die Beamten an, welche bei Belriebsuufülleii zu Schaden gekommen sind. Bezüglich der Steuerreform-Vorlage wird den Ständen eine Denkschrift zugehen, welche über die Ziele und die Richtung der Reform Ausschluß giebt. Im Hauptvoranschlage sür 1897—1900 sind möglichst reiche Mittel für die Landivirlhschast und die Gewerbe sowie eine namhafte Summe für die Ausbesserung der Beamtengehäller eingestellt. Ferner wird eine besondere Vor- läge angekündigt, welcher das Prinzip des Vorrückeiis sür die Beamten nach Dienstaltersstufen zu gründe gelegt ist.— — Die„Preß fr ei heit" im Reichs lande hat nun auch ihren Lobredner gefunden, und zwar in dem kaiserliche» Statt- Halter, Fürsten Hohenlohe- Laugenburg. Auf einem Diener äußerte er seinen Schmerz über die Kritik der Presse. Aber das ist ja gleichgiltig, theilt doch der Statthalter nur die Aufsaffuug der meisten Menschen, die lieber, wenn auch mil unrecht, gelobt, als mit recht getadelt werden. Viel inleressauter ist die folgende Stelle: Es wird niemaiid, der die Zustände unbefangen beurtheilt, behaupten können, daß der Presse hier im Lande nicht die größtmöglich st e Freiheit gewährt werde.... Wenn aber die von mir gekennzeichnete Presse den Bogen zu straff spannt, so mag sie auch die Verantwortlichkeit tragen für die unS auf- gedrungene Strenge, die ich nur ungern anwendeii würde, nicht um die Freiheit der Presse zu unterdrücken, sondern um Land und Leute vor Unheil zu bewahren. Wir bezweifeln keinen Moment, daß der Statthalter im besten Glauben gesprochen hat, desto schlimmer aber für die Verwaltung der Reichslande, daß selbst dem obersten Beamten derselben die Mög- lichkeit zu fehlen scheint, sich über die thaisächlichen Zustände in dem ihm unterstellten Verwaltnngsgebieie zu orieutiren. Wen) der Fürst von Hohenlohe-Langeuburg nicht, welches Preßgesetz in Elsa»- Lothringen gilt? Wir wollen ibn belehren. Es ist das Prehgesetz Ztapoleon III., geschaffen zur Knebelung jeder oppositionellen Regung Er weiß auch nicht, daß die Einführung des deutschen Preßgesetzes, sicherlich keines Meisterstückes der Preßfreihcit, im Reichslande noch immer ei» frommer Wunsch ist. Weiß er nichts von der Kaiilions- Pflicht der Zeitungen, der Konzesstoiispflicht der Druckereien, den preßgesetzlicoen Hemmnissen der Wahlagitation, der Unterdrückung der sozialistischen Presse, den Preßchikanen in Zaber», den Postdebit- entziehnngen zahlreicher nicht reichsländischer Blätter? Ja, es ist außerordeiitlich schwer, wen» man sich in der kom« plizirten Verwaltung von Elsaß-Lolhringen durchfiiiden will.— — Der„Elsässer" meldete in diesen Tagen, daß der Ab- geordnete Bebel erklärt habe, sich bei den nächsten Wahlen nicht mehr um daS Mandat von Straßburg-Sladt bewerben zu wollen. An dieser Meldung ist kein Wort wahr.— Schweiz. Basel, 7. Februar.(Eigen. Ber.) Seit 1882 wird in unserem Kanton mit seinen vier Parteien die Frage der Proportional- wähl studirt, erwogen und immer wieder auf die und von der Tagesordnung gesetzt. 1890 wurde auch über ein bezügliches I n i- liativbegehren vom Volke abgestimmt, dasselbe aber mit 4217 gegen 2755 Stimmen verworfen; 1395 machten sich die Freunde des Proportionalwahlsystems abermals daran, für ein Jnitiativbegehren an den Großen Rath Unterschriften zu sammeln, sie brachten deren LOll auf. Das Begehreu wurde der Regierung überwiesen, welche in den letzten Tagen einen Gesetzentwurf über die Proportionalwahl des Großen Rothes und der oberen kirchlichen Behörden sowie des weitem Bürgerrathes veröffentlichte; der Regierungsralh soll auch ferusrhiii nach dem Mehrheitssystem gewählt werde». Der Entwurf sieht die Einreichuiig der Kandidatenliste jeder Partei. 14 Tage vor dem Wahltermin beim Polizeidepartemenl vor, welches die Listen drucken und sammt den Stimmzetteln jedem Wähler zu- stellen läßt. Derselbe kann auf Kandidaten der andern Liste als seiner Parteilist« die Slimine geben(„panaschiren") und einem Kan- didaten seine Stimme mehrmals geben(„kninuliren"). Die herrschen- den Freisinnigen sind davon nicht entzückt, insbesondere vermissen sie den S t i m m z w a n g. Offenbar fürchten sie die Erschütterung ihrer herrschenden Parteistellung und empfinden daher vor dem Proportionalwahlsystem ein heimliches Grauen.— Frankreich. — Annageln müssen wir die verleumderischen Gemeinheiien eines Pariser Korrespondenten der„Frankfurter Zeitung". Dieser Herr, der nicht bei seiner ersten Schmutzarbeit ist, sagt in einer Korrespondenz vom 4. d. M.(S. Nr. 37 Morgenblatt): „ G u e s d e hat das Zustandekommen des Gesetzes über die Frauen- und Kinderarbeit verhindert.--- Di« französischen Sozialist en hetzen gegen die ausländischen Ar- beiter mit den Patriotenbündlern um die Wette." Entweder weiß der Korrespondet der„Franksurter Zeitung" nicht, was er schreibt, oder er ist ein gemeiner Lügner. Seine handgreiflichen Lüge» widerlegen zu wollen, hieße dem Burschen zu viel Ehre anthun.— Niederlande. Antwerpen, 10. Februar. 13 katholische Senatoren der vlämi- scheu Provinzen, welche gegen das Sprachengesetz gestimmt haben, werden von der gesammten katholischen und liberalen Presse über Bord geworfen und in Maueranschlägen als Verräther dar- gestellt.— Italien. Rom, 8. Februar.(Gig. Ber.) Die Studenten tu multe, die sich auf Anregung von Studenten der römischen Nniversität auch nach den meisten der anderen zahlreichen Uuiversitäis» städte Italiens verpflanzt haben, können als beendet angesehen werden. Man würde sehr irren, wenn man annähme, daß diesen Unruhen irgend«in politischer Gedanke zu gründe liege. Wenn auch die gegenwärtigen Tumulte«ine größere Leb- hastigkeil und Ausdehnung gewonnen haben, so sind sie doch im Grunde nur die Wiederholung von gleichartigen Vorgängen, wie sie jedes Jahr an einer oder der anderen italienischen Universität statt- finden. Das Hauptmotiv der Unruhen liegt gewöhnlich in dem Wunsche durchgefallener Examenskandidaten, das nichibestandeiie Examen sogleich wiederholen zu können oder«ine Art von„Amnestie" zu erlangen, durch welch« das nichlbestandene Examen ohne weiteres als bestanden anerkannt würde. Neben diesem Motive macht sich häufig als maßgebende Ursache der Tumulte der Wunsch gellend, vor der Zeit Ferien zu erlangen, was am sichersten erreicht wirb, wenn infolge der Tumulte die Universitäten geschlossen werden. Endlich übt der Tumult als solcher eine Anziehungskraft auf viele Studenten aus. In der That ist ein sür den Theilnehmer so im- gefährlicher Sport, als es bisher die italienischen Studenientumnlte waren, nicht leicht ausfindig zu machen. Denn wenn einer oder-«r andere Theilnehmer an derartigen Unruhen etwa zu einer leichicn Strafe, z. B. zu der zeitweiligen Ausschließung von der Universität verurtheilt wird, so ist bisher eine solche Strafe nach einigen Wochen fast regelmäßig erlassen worden. Die feige Schwäche und Nachgiebigkeit oder Popularitätssiicht der Professoren, Rektoren und Minister ist bisher ein Faktor gewesen, auf den die studentischen Tnmultiianten mit Sicherheit rechnen konnten. Der bloße Umstand, daß der gegen- wärtige UnlerrichtSminister Gianlurco sich im Parlament gelegentlich über die Trägheit und den Unfug der italienischen Studenten miß. billigend geäußert hat, hat hingereicht, ihm den Haß der italienischen Studentenbourgeoisie zuzuziehen. Da die oben bezeichneten Motive der Tumiiltuaiilen von diesen selbst nicht wohl eingestanden werden könne», so läßt man es natürlich nicht an allerlei hoch. tönenden Phrasen fehlen, welche die eigentlichen Motive verdecken sollen; so spricht man von der„Freiheit der Wissenschaft", während man nur an die Freiheit des MässtggangS denkt. Als die Tunniltuauten in der römische» Universität, um die Forlsetzung der Vor» lesungen zu verhindern, Bänke, Stühle, Katheder und Fenster zer- schlagen hatten und die bewaffnete Macht einrückte, bezetchnelcn sie dai Erscheinen derselben im Universilätsgebäude als ein«„Schändung des Tempel« der Wissenschaft"! Da- g.sammte italienisch« Universität� tvcseu leid«t an den schwersten Gebreche», vor allem ist die «roß« Zahl der Universitäten, für die man keine genügenden Lehr- kräst« descht, ein großer Uebelstand. Jedenfalls sind die aus bloßer Llrbeilsschen entspringenden italienischen Studentenunrnhen eines der bezeichnendsten Symptome des Auflösungsprozesses der italieni- schcn Bourgeoisie, ivelche die Opfer nicht verdient, die ihr der Staat dringt. Nuftlaud. Ei» russischer Brüsetvi». Ans dem in Christiania erscheinende» „Morgenbladet" entnimmt Me„Stett. Abend-Ztg." einen Artikel u»ter der Spitzmarke:„En russisk v. Brnseivitz". I» dem Artikel wird ein ebenso unerbaulicher Vorfall geschildert, wie die Karlsruher Affäre einer war.„Am ö. Oktober v. I. befanden sich in einem Eisenbahnwagen des Zuges, ivelcher von Tscheliabiusk nach Omsk abgehen sollte, zwei junge Damen, ein Untersuchungsrichter, ein Arzt, ei» Zivilingenieur und ein blutjunger Lieutenant." Der Zivil- ingenieur und der Lieutenant spielen die Hauptrollen, deshalb werden deren Namen genannt. Ersterer hieß also Kurmann und letzterer, ein Sohn des Militärgouverneurs vom semipalatinschen Distrikt, Karpow. Dann wird weiter berichtet: „Gleich nachdem der Zug sich in Bewegung gesetzt hatte, trat der Lieutenant den beiden Damen uiit einem unpassenden Scherze zu nahe, und zwar so ausdringlich, daß eine der Damen den Zivilingenieur Kurman» uin Schutz ersuchte." Kurmann entsprach selbstverständlich der Pflicht jedes Ehrenmannes und intervenirt« gegen die Dreistigkeiten des jungen Vaterlandsvertheidigers, „Kaum aber," heißt es in dem norwegischen Blatte,„hatte er den Mund geöffnet, als ihn der Lieutenant mit einem Fanstschlage auf den Kopf regalirte und aus einem llievolver gegen den unglücklichen Manu drei Schüsse abfeuerte, so daß der Beschützer der Damen todt niedersank." Man sieht handgreiflich den Segen der russische» Preß- zensur. Am 8. Oktober geschah diese Heldenlhat eines uniformirten Flegels, aber er war der Sohn eines Militärgouvernenrs und alles blieb still in den Blättern des russischen Preßwaldes, lieber Norwegen erst wird die Sache ruchbar und zwar anläßlich der ge- richtliche» tllburtheilung des Todlschlägers. Dies« Aburtheilnng nun verdient Anerkennung, sie ist streng und korrekt.„Lieutenant Karpow wurde", so meldet die Notiz,„zum Berlust seiner Ehrenrechte und zur Verbannung nach Jrlutsk (Sibirien) verurtheilt." Aber noch mehr:„Ingenieur Kurman» dinterließ seine Wittwe mit einem noch jugendliche» Kinde. Diese Wiltwe forderte 36»Ol) Rubel Kapital oder 1306 Rubel Rente(die Hälfte des Gehalts, welches ihr getödteter Gatte bezogen hatte) und das Gericht sprach ihr diesen Schadensersatz zu." Für uns in Deutschland ist der Vergleich beider Strafurtheile interessant. Karpow wurden die bürgerlichen und die militärischen Ehrenrechte aberkannt, und seine Verbannung nach Sibirien ist fast ein Todesurtheil, jeden- falls garnicht zu vergleichen mit der Gefängnißstrase des beut- scheu Offiziers, ganz zu schiveigen von dem bemerkensiverthen Moment, daß diese Strafe zuerst nur auf ehrenvolle Festungshaft lautete. Z» Ungunsten des Karlsruher Falles fällt dann noch in die Wagschale, daß Karpow ein blutjunger Mensch ist, dessen Erziehung»och nicht einmal völlig abgeschlossen war, während der deutsche Offizier den Rang einesPremier-Lieutenants bekleidete, also reifer, verantwortungs- fähiger genannt werden muß.— Amerika. Washington, 10. Februar. Für den Schiedsgerichts- B e r t r a g, welchen die amerikanische Kammer neulich angenommen hat, besteht keine hinreichende Mehrheit im Senat. Die eingebrachten Besserungsauiräge würden den Nutzen des Gesetzes vollständig annullire». Nichtsdestoweniger besteht Cleveland daranf, daß der Senat sich darüber ausspreche. Das Botuin ist für die nächste Sitzung aufgeschoben.— Washington, 9. Februar. Das Repräsentantenhaus genehmigte den Bericht des Konferenzkomitees beider Häuser über die Ein- ivanderungs-Bill. Die Bill, wie sie nunmehr angeuommen ist, gestattet die Einwanderung des Lesens und Schreibens un- kundiger Frauen und Kinder der zur Einwanderung qualifizirten männlichen Personen. Die Klausel, welche verlangte, daß Ein» wanderer entweder die englische oder die Sprache ihres Geburts- bezw. HeimachlandeS lese» können müssen, ist dahin abgeändert worden, daß Einwanderer die englische oder irgend eine andere Sprache lesen können müssen.— — Ueber den künftigen Zolltarif der Ver- einigte» Staaten wird dem„Standard" aus New-Iork ge- meldet, daß der neue Tarif außer den Maximal- und Minimalsätzen für Zucker eine besondere Abgabe enthalten dürfte, von der an- genommen wird, daß sie einen Ertrag von 20 Millionen Dollars abwerfen und die amerikanischen Produzente» schützen werde; ferner werde der Tarif eine Differentialabgabe zum Schutze der amerikanischen Raffineure und Kompensationszölle gegen die Ausfuhr- Prämien zahlenden Länder enthalten.~ Frauen-Stimmrccht. Der amerikanische Staat Idaho hat den Frauen das Stimmrecht gegebe», und in diesem wie noch i» drei anderen amerikanische» Staaten haben Frauen bei de» letzten Wahlen für A e m t e r kandidirt. Im Staate Utah— dem alten Mormonenstaat— wurde eine Frau Hughes gegen ihren eigenen Mann zum Senator gewählt. Es ist wohl nicht das erste Mal, daß ein Mann vor seiner Frau die Segel zu streichen hatte. Im Staat Colorado wurden drei Frauen zu Ab- geordneten gewählt und eine andere Frau zum Posten der Oberaufsicht über sämmtliche Staatsschulen. In Illinois eroberte sich«ine Frau das Amt eines— Staatsanwalts (Grafschaftsanwalts). Im Staate Kalifornien aber waren die Männer so ungalant, eine» BerfassungSantrag auf Er- theilung des Stimmrechts an Frauen abzulehnen. Nun, auf die Bildung der Bürger von Kalifornien wirft das kein sehr günstiges Licht, und dem Staat wird es auch nichts nützen, wenigstens nicht vom Standpunkt der Ruhe und Ordnung. Erklärte doch neulich ein Wahlkommissar in A u st r a l i e n, wo das Frauenstimmrecht besteht, 200 Wähler innen machten weniger Lärm und Scheererei als 20 Wähler— was unsere deutschen Ordnungsfreunde sich merken mögen." Vielleicht macht sie das de» Frauen gegenüber»twaS— liberaler.— Meichskttg. 172. Sitzung vom 10. Februar 1897. 1 U h r. Am Tische des Bundesrath: v. Bötticher, Nieberding und Kommissarien. Eingegangen ist das gestern unterzeichnete Schlußprotokoll über einige zollpolitische Vereinbarungen mit Ltuß- l a n d. In dritter Berathung genehurigte das Haus die am 7. Mai vorigen Jahres in Paris vereinbarten Znsatzabkomme» zur Berner Uebereinkuust betreffend die Bildung eines internationalen Verbandes zum Schutze von Werke» der Literatur und Kunst. Auf grund des Berichts der Geschästsorduungs-Kommission wird die Genehmigung zur Strafverfolgung des Abg. S i g l in einer Privatklagesache verweigert. Darauf wird die erste Berathung deS Handels-Ges etz- buches fortgesetzt. Abg. Basseruiauu(natl.): Auch meine politischen Freunde be> grüßen den Entwurf, dessen Bearbeiter ein verdienstvolles Werk geleistet haben. Durch die Begriffsbestimmung des Kaufmanns ist der Handwerker dem Kaufmannsstande inkorporirt; für die eigenl- lichen Handwerker sind die schwerwiegendsten Verpflichtungen, nament- lich die Buchführung ausgeschlossen, aber er genießt die Vortheile als Kaufmann für seine Geschäfte. Ein Nachlheil liegt nur darin, daß er dem Handelsgericht untersteht, dessen Beisitzer seineuVerhältnisse» fernstehen. ES sind drei Kategorien von Kaufleuten geschaffen: Die Muß- Kaiifleute, die Soll-kkaufleute und die Kann-Kaufleute. Daß die Bauunternehmer sich eintragen lassen sollen, ist ein Fortschritt, aber für die Banhandwerker liegt die Rettung doch nur in der Ein- räumung von Vorrechten. Bei der Eintragung von Soll-Kaufleuten sollten die Handelskammern mitwirken, damit auch alle Verpflichtete zur Eintragung kommen. Daß ein Landwirth, der ein Neben- gewerbe treibt, sich eintragen läßt. Bilanzen aufstellt zc„ ist wünschenswerth für den Landwirth. Man sollte da nicht scheiden zwischen solchen Betrieben, die nur eigene Roh- Produkte verwenden und solchen, die Rohstoffe zukaufen. Höchstens könnte mau die kleinen Betriebe ausscheiden. Die Be- schräilkungeii, welche das alte Handelsgesetzbuch bezüglich der Frauen eulhielt, sind gefallen. Die Frage der militärischen Dienstleistung hat i» der Vorlage keine Regelung gesunden; die Bestimnmngen des bürgerlichen Rechtes reichen nicht aus. Man sollte den Begriff der Haildlungsgehilfen ausdehnen auf die, welche kanfmännische Dienste leisten, ohne im Ha»delsge>verbe thätig zu sein, z. B. die Augestellte» der Gegeliseitigkeitsgesellschaften aller Art. Ob de» Reisenden auch sonstige kausmännische Leistungen zugemuthet werden könnel,. ob sie a» den Mufterkoffern und sonstigen Ge- rälhen«in Pfandrecht haben,«üisse ebenfalls geregelt werden. Die Koukurrenzklansel sollte nur da zugelassen werden, wo wirk- liche Geheimnisse zu bewahre» sind, nicht aber da, wo es sich lediglich um die Fernhaltuiig der Konkurrenz handelt. Man wird den Gedauken erwägen müsse», ob nicht die Gehaltszahlung während der Dauer der Koukurrenzklansel in irgend welcher Weise gesichert wird und ob man nicht eine Frist von drei bis fünf Jahren ein- führen kann. Die Lehrlingsfrage ist im allgemeine» zweckinäßig ge- regell, man sollte den Lehrvertrag unbedingt schriftlich machen. Die Opposition gegen die Straf» sür den Lehrherrn bei Pflichtverletzung kann ich nicht verstehen, da sie in der Gewerbe-Ordnung unangefochten besteht. Die Agenten sollte man sämmtlich dem Handelsrecht unterstelle», nicht blos diejenige», welche in Haudelsgeschästen thätig sind. Das Aktienrecht ist im ganzen befriedigend geordnet; das Bedenken, daß den Aktionären persönliche Leistungen zugeinnlhet werde», ist be- rcchtigt. Für Gesellschaften, die damit rechnen muffen, könnte man andere Gesellschaftsformen sinde». Eine Einmischung der Behörde» in Gründung und Berwallung von Akluttgesellschasten ist zu vermeiden; es ist zn begrüßen, daß man von einer solchen Bestimmung im ersten Enlwurse abgesehen hat. Zum Schutz der Miuderbeilen von Aktionären könnte vielleicht noch manches geschehe». Beim Binuenschifffahrtsgesetz habe ich mich auf de» Standpunkt der Vertragssreiheit gestellt, allein je mehr die große» Schiffsgesellschafteu ihre Haftpflicht beseitige», während die Haftpflicht der kleinen Schiffer ausgedehnt wird, desto mehr komme ich zur Ueberzeugung, daß man unabänderliche Normativbestimmungen aufstellen muß, um den Mißbrauch der Kapitalstraft zu verhüte». Wir begrüßen die Vorlage als ein gutes Werk, das wie selten eines das Lob der Juristen und der Betheiligten gefunden hat; wir hoffen, daß es i» der Koinmission zum guten Abschluß komme» wird.(Beifall.) Abg. Stadthageu(Eoz.): In das allgemeine Loblied von gestern und heute kann ich doch nicht ganz einstimmen. Ich gebe la zu, daß äußerlich das Werk elegant geschrieben, so daß ich an- nehme, daß es im preußische» Justizmiuisterium nicht entstanden ist; dazu enthält es auch zu viel Kenntniß des thatsächlichen Lebens und zu wenig Einfluß sür den Polizcistaat. Es lehnt sich geschickt an das Bürgerliche Gesetzbuch an und umsaßt die in der Rechtsprechung hervorgetretene» Aeuderunge». Das bestehende Handels-Gesetzbuch ist nach Herrn v. Buchka ausnahmsweise nicht eine der von ihm sonst in die Hölle verwünschten Errungenschaften von 1843. Herr v. Buchka kann sich beruhige», es hat mit der Revolution von 1343 nichts zu thun, sondern seine Wiege steht im dritte» Jahrzehnt dieses Jahrhunderts, wo bereits Bayern Anträge auf Einführung eines allgemeinen Handelsgesetzbuches stellte. Denn auch zur Zeit des Bundestages forderte der Verkehr sein Recht trotz des polizeilichen Bundesstaates. Daß das Gewohnheitsrecht aus dem Buchstaben des vorgelegten Gesetzes fortgelassen ist, dem stimme ich zu, aber nicht in dem Sinne, daß der starre Buchstabe stärker sein soll als die wirklichen Be- dürsnisse des Lebens, und daran scheint auch nach den Motiven nicht gedacht zu sein. Das neue Gesetzbuch versucht da, wo es die prinzipiellste Umwandlung vornimmt, wo es den Begriff des Kaufmanns skizzirt, sich etwas an die Eutwickelnng der wirthschafllichen Verhältnisse an- zuschließen. Es ist aber bereits ansgesührt worden, daß eine ganze Anzahl von industriellen und anderen Betrieben unzweifelhaft unter das Handelsrecht fallen müßte und dennoch nicht darunter gestellt ist. Ich meine doch, je mehr es gelingt, den Begriff des Kauf- manns klarzustellen und den Begriff des Handelsgeschäfts mit den wirthschastlichen Verhältnissen in Einklang zu bringen, desto mehr wird der ruhigen Entwickelung des Geschäftelebens Rechnung getragen. Nun wird aber bei Z 3 auf dem Wege zur Erkenntniß der wirthschastlichen Verhältnisse ein großer Rückschritt gemacht, und ich habe mich gewundert, daß mau auf der rechten Seite, wo man doch eine besondere Kenntniß von Börsen- und kaufmännischen Verhältnissen und eine Vertretung von Treu und Glauben behauptet, nicht mit aller Enischiedenheil gegen tz 3 Stellung genommen hat. Die Land- wirthe sind doch auch zu den Handelsleuten zu rechnen, ihre Jnler- essen sind eng mit dem Handel verquickt, wie denn auch bei der Vorberathung des Gesetzes Landwirthschaft und Handel gleichmäßig zugezogen waren, während die eigentlichen Produzenten wenig oder gar nicht dabei gehört wurden. Sj>,d erstere so sachverständig, dann muH ich fragen: Sind sie nicht selbst ebenso Kauslente u»d fallen sie nicht auch unter das Handelsgesetzbuch? Erwirbt ihr Kapital etwas anderes als das Handelskapital? Es müßle auch der Absatz I des§ 3 geändert werben, der prinzipaliler die Land- und Forstwirlhschast ausschließt vom Handelsgewerbe. Ackerbau, Viehzucht und die ganze Transportindustrie sind doch nur besondere Abzweigungen des industriellen Kapitals und weiier nichts. Das Kaufmanuskapilal ist kein« besondere Art des industriellen Kapitals, wie die Motive es scheinbar voraussetzen. Es ist ein Jrrthum, wenn die Herren Gutsbesitzer, die nicht einmal Produzenten sind, sondern nur Aneiguer der Arbeitswerthe anderer, annehmen, daß die Art ihres Betriebes eine andere minder offene und minder über- sichtliche Darstellung des Gewerbebetriebes nothwendig mache, als die eines Kaufmanns. Sie geben ihre Werths weg wie jeder andere Kanfmaun, sie handeln ebenfalls. Warum veilangen sie also ausgeschieden zu werden? Ja sie sollen sogar ausgeschieden werden können, wenn sie wirklich indusirielle Unternehmen habe». Der Bergbau soll ja dem Handelsgesetze unterliegen, warum nicht auch Grund und Boden? Und das in einer Zeit, wo die Herren Groß- grundbesitzcr die Oberpolizisten in. Börsenangelegenheiten und Sachverständige i» allen kaufmännischen Angelegenheilen sein wolle»! Durch die Buchführung würden die Berhälinisse der Herren etwas durchsichtiger werden und die Klagen der Landwirthschaft können vielleicht eine cigenthümliche Beleuchtung verfahren: vielleicht würde auch der Fiskus die Steuerschrauben etwas mehr anziehen. Das alles fürchten die Herren vielleicht, ebenso wie, daß gegen sie die strengeren Bedingungen des Bankerotls, die gegen Kaufleule gelten, angewandt werde» könnten. Andere Gründe giebl es nicht; es ergiebt sich also kein vernünftiger Grund für die Sonderstellung, die sie haben wollen. Weshalb wollen die Herren, wie sie die Rechte des Kaufmanns haben wollen, nicht auch die Pflichten desselben übernehmen? Herr v. Buchka sprach von den drei Erwerhsständeii. Handel, Landwirthschaft und Industrie. Er vergißt, daß alle diese drei. Stände nichts erworben, sondern sich aneignen, was durch ändere Hand er- worden wird, wie der Handel überhaupt nichts prodnziren kann. Man könnte dann doch schließen, daß die 97 pCt., die lhatsächlich arbeiten, prodnziren. nicht zu den Eriverbsständen gehören. Ich habe immer genieint, es giebt nur zwei Klassen, eine Arbeiterklasse, die produziri und sich von der anderen Klasse ausbeuten lassen muß, welch letztere das, was der Arbeiter schafft, sick� aneignet und so die Ausbeuterklasse ist. Ich glaube vielmehr, daß die Aus- gebeulelcn der Erwerdsstand sind. Die Ausnahmestellung der Landwirthschaft muß im Interesse von Treue und Glauben und der Konsumenten beseitigt werden. Die Polizei soll dafür sorgen, daß die Firma klar cknd deutlich über der Thür steht, die Firma der Damen soll niit dem vollen Namen geschrieben werden. Dagegen habe ich nichts, aber die Begriffs- bestimmung, waS Minderkaufleut» sind, gefällt mir nicht. Der Eni- wurf will es den Landesregierungen überlassen, in Anlehnung an den Steuersatz oder anderer Prinzipien zu bestimmen, was ei» Groß- oder Boll- oder Minderkaufmann ist. Dadurch muß aber eine Ver- schiedeuheit der Auffassung hervorgerufen werde». Es müßten be- stimmte Prinzipien im Gesetz festgestellt werden und derjenige ein Minderkaufmann genannt werden, der nur nach be- stimniten Maßen Maaren abgiedt. Daß die Handelsfrau im Sinne des Handels-Gesetzbuches wegfallen soll, begrüße ich mit Freuden; das ist eine Konsequenz der Bestimmungen des Bürger« lichen Gesetzbuchs. Schade, daß den Trusts, den Kartell- und Ar- beitgeber-Verbänden keine Beachtung geschenkt worden ist. Man sollte für diese gefährlichen Verbände zwingende Formen vor- schreiben und Verbote erlassen, daß nicht Klauseln im Vertrage enthalten sind, wodurch das Recht anderer unterdrückt wird. z. B. dadurch, daß die Streiks der Force Majeure gleichgestellt werden. Bedauerlich ist es, daß das Handelsgesetzbuch nicht das Seerecht umfaßt. Das Recht der Seeleute ist durch den Entwurf völlig miß- achtet; die Kommission wird die Seemannsordnung in diesen Entwurf hineinarbeiten müssen. Die Regelung der Nachtruhe und Arbeitsordnung gehört in das Binuenschifffahrtsgesetz. Gefallen ist die Bestimmung, daß der Handelsagent nicht berechtigt sein soll, das Geld eines Kunden anzu- nehme». Das Lob über die Bestimmungen des Entwurfs über die Verhältnisse der Handlungsgehilfen kann ich nur bedingt theilen. Für Handlungsdiener ist allerdings der Handlungsgehilfe oder Handlungslehrling eingetreten. Was kaufmännische Dienste sind, ist nicht definirt. Es müßten die Rechtsverhältnisse des einen Arbeiters gegenüber dem anderen Arbeiter generell geregelt werden. Wie sollen die einzelnen Personen wissen, ob sie zum Gesinde gerechnet werden oder zum kaufmännischen Betriebe oder zum gewerblichen. Bezüglich der Kündigungsfristen ist allerdings dem wiederholten Ver- langen meiner Freunde stattgegeben worden. Der Entwurf geht mir aber in anderer Beziehung viel zu wenig weit, namentlich in bezug auf das Miethsverhältniß-, der Gesundheits- und Wohnungsverhält- nisse der Handlungsgehilfen. In dieser Beziehung müßten die Ge« werbe-Jnspektoren ebenso wie bei den gewerblichen Einrichtungen niitsprechen dürfen. Nicht einmal der Achtuhr- Ladenschluß ist in das Gesetz ausgenommen. Militärische Dienstleistungen sollten ohne weiteres als Zeiten gerechnet werden, die ohne Verschulden des Be- treffenden versäumt worden sind, für die er also Gehalt haben muß. Herr Roeren hat bedauert, daß der unsittliche Lebenswandel einen Grund zur Entlassung gebe. Unter unsittlichem Lebenswandel kann man doch nur einen bestimmten Zustand, nicht eine einzelne Handlung begreifen. Wenn Jemand das Nebengewerbe eines Zu- hälters oder eines Spitzels ausüben würde, so würde allerdings ein unsittlicher Lebenswandel vorliegen. Bezüglich der Lohnzahlung ver- misse ich lebhaft die Ueberführung der Truckbestimmung in dieses Gesetz. Es hätte auch die Bestimmung aufgenommen werden können, daß sür den Fortbildungsunterricht mehr Zeit gegebe» werden müßte. Für die Regelung der Lehrlingsverhältnisse existirt bisher kein Reichs- gesetz. Mit recht werden Schutzbestimmungen verlangt, daß nicht so viel Lehrlinge ausgebildet werden. Die Freiheit des Einzelnen wird durch die jetzige Konkurrenz- klaufel beeinträchtigt. Nach meiner Meinung wären die jetzigen Konkurrenzklausel-Verträge nur richtig, wenn nur verständige Richter wären. Das Reichs-Oberhandelsgericht neigte sich im Anfang der Ansicht zu, daß die Konkurrenz unter keinen Umständen möglich sein dürfe; es hat aber seine Auffassung geändert. Hier müßte zunächst eine Bestimmung getroffen sein, die zwingend wäre nicht nur gegenüber Minderjährigen; es sollte ferner etwas klarer ge« faßt sein, wie weit die Konkurrenz unmöglich sein solle. Konkurrenzklanseln sind überhaupt unbillig und mit dem Prinzip der persönlichen Freiheit unvereinbar. Ich fürchte aber, daß die Mehrheit des Hauses ein Verbot der Konkurrenzklanseln nicht aus- sprechen wird. Vielleicht entschließt mau sich aber dazu, daß die Konkurrenzklanseln jemanden nicht länger als 1 Jahr binden dürfen. und daß Angestellte nur bis zu einer Entfernung von 1 Kilometer nicht angenommen werden dürfen. Als Konventionalstrafe dürste höchstens die Hälfte des Jahresgehalts zulässig sein. Die Entscheidung zwischen den Handlungsgehilfen und_ ihren Prinzipalen muß den Gerichten überwiesen werden. Vielleicht' entschließt sich die Kommission wenigstens zn einer Resolution nach dieser Richtung. Dem Antrag auf Ueberweisung der Vorlage an eine Kommission von 21 Mitgliedern schließe ich mich an. Abg. von Wcrdeck-Schorbus(k.): Der Vorredner gab uns den Rath. Bücher zu führen. Gerade die Buchführung beweist, daß bei der Landwirthschaft keine Rente mehr herauskommt. Wie Sie uns hier sehen, bestreiten wir den Aufenthalt in Berlin aus anderen Einkünsten als aus denen der Landwirthschaft. Wenn die Land- wirlhe gemeinsam eine Ladung Kainit einkaufen, sind sie nicht Kaufleule, sie sollen es aber werden, wenn sie eine Genossenschast bilden. Es fehlt also an jedem Grunde, die landwirthschaftlichen Genossenschaften unter das Gesetz zu stellen; man sollte ihnen Erleichterungen gewähren. Die Bedenken wegen der Ausnahme- slelliing der Landwirthe mit gewerblichen Nebenbetrieben seien nicht durchschlagend; ähnliche Verhältnisse liegen auch beim Handwerk vor. Die Festsetzung eines Zinsfußes von S pCt. für Kaufleute sei ungerechtjertigt, da das Bürgerliche Gesetzgebuch nur 4 pCt. feststelle. Abg. Lciizmann(srs. Vp): Daß die Landwirthe, die ein Ge- werbe betreiben, dem Handelsrecht unterstehen, ist nothwendig; es liegt auch kein Grund vor, die landwirtdschasllichen Genossenschafsen davon auszunehmen. Redner wendet sich gegen eine Verschärfung der Vorschriflen bezüglich der Aktiengesellschaften und spricht sich dafür aus, daß die Konkurrenzklausel Minderjährigen gegenüber. ungiltig sein solle. Im übrigen muß die Konkurrenzklausel so� gefaßt werden, daß die EriverbSfreiheihett der Gehilfen nicht beein- trächtigt wird. Abg. Beckh(srs. Vp.) hält die Vorlage für ein vortreffliches Werk, an dem nur einige Einzelheiten einer Verbesserung be- dürfen. Die Vorlage wird einer Kommission von 21 Mitgliedern überwiesen. Es folgt der mündliche Bericht der Kommission zur Vor- berathung eines Gesetzes, betreffend die Ab- ander un g der UnfallversicherungS-Gesetze über folgende Resolution: Die verbündeten Regierungen zu ersuchen, dem Reichstage noch vor Beginn der weiteren Plenarberathung über den vorliegenden Gesetzeiiiwurf einen Gesetzentwurf zum Zweck der Aus- dehnung der Uujallversicherung aus die Etrasgefangenen vor- zulegen. Berichterstatier Abg. vou Stumm führt aus, daß ein Ge- fangencr, der einen BetriebsnnfaU erleide, nach seiner Entlassnug aus der Strafhaft schlechter stehe als ein anderer Arbeiter. Ohne weiteres könne man aber die Gefangenen nicht versicherungspflichtig machen, da sie die Rechte der Versicherten nicht ausüben könnten, ohne daß die Disziplin verletzt werde. Deshalb verlange die Kom- Mission die Vorlegung eines besonderen Gesetzentwurfes, der schon im Reichsamt des Innern vorbereitet gewesen sei, aber beim Bundes- rathe keine Annahme gefunden habe. Abg. Viclhabcn(Resorm-P.): Mein ganzes sittliches Empfinden bäumt sich auf gegen den mir unverständlichen Antrag. Wie kann man einem Zuchthäusler einen Rechtsanspruch geben? Dadurch würde ja eine vollständige Revolte in den Gefängnissen entstehen. Deshalb lehnen Sie den Antrag möglichst«»- stimmig ab. Abg. v. Hertling(Z.): Der Borredner hat augenscheinlich den Antrag gar nicht verstanden(Sehr richtig!); es handelt sich nicht um eine Wohlthat, sondern um den Ausfluß der alten Hastpflicht. (Sehr richtig!) Es sollen die Gefängnißarbeiler nur unter die Unfall- Versicherung fallen wie die freien Arbeiter. Der Gefangene wird bestraft, dieStrafe soll aber nicht verschärft werden durch«ine körperliche Schädi- gung. Die Unternehmer derGesängnißarbeit zahlen keine VersicherungS- beitrüge, sind also den übrigen Unternehmern gegenüber im Bor- theil, worüber lebhast geklagt wird. Staatssekretär v. Bötticher weist daraus hin, daß die Ge- fangeneü den Unfallgefahren mehr ausgesetzt seien als andere Ar- beiler. da sie meist«ine nicht gelernte Arbeit ausführen und in der Wal>l nicht frei seinn Ob die Bedenken gegen eine Regelung dieser Frage so leicht zu überivinde» sei» werde». Laß die Borlage zu dein angegebene» Zeilpunkt noch kommen kann, muß ich dahin gestellt sein lassen. Abg. Müller- Waldeck(Reform-P.) erklärt, daß Herr Vielhaben nicht in, Namen der Partei gesprochen habe.(Aha! links.) Abg. Vielhabe» bleibt dabei, daß es sich um eine rein sozial- demokratische Forderung handle. Damit schließt die Debatte. Berichterstalter Abg. p. Stumm: Es handelt sich nicht blos un> «tras-, sondern auch um Uiitersuchungsgefangene, die vielleicht nach her freigesprochen werden.(Sehr richtig!) Die Itesoliition wird gegen die Stimme des Abg. Vielhaben an- genoinnieu. . Schluß 51/4 Uhr. Nächste Sitzung D o n n e r st a g 1 Uhr.(An- trage Auer betreffend Achtstundentag und v. Liebermaun wegen der konsesstouelle» Eidesformel; Petitionen.) VttrlsinvttkstvifilheS« Budgctkommissiou. Zur Berathung steht der Kolonialetat. Abg. Prinz v. A r e Ii b e r g stellt eine Anfrage wegen des Straf. Vollzugs. Der Direktor des Kolonialamts, Herr v. R i ch t h v f e n beantwortet die Frage unter Mittheilung der belreffendeu Ver Ordnung dahin, daß in Rücksicht auf Klima, Kosten und die Schwierigkeit der Ueberwachung Reichsangehörige, die über sechs Monate Gefäugniß zu verbüßen hatten, diese in Deutschland ver- büßten. Wbg. Prinz v. A r e n b e r g fragt weiter an, wie es mit dem Vollzug der Dienstpflicht in den Kolonien für Reichsangehörige stehe. Herr v. Richthofen theilt den Inhalt der betreffenden kaiserlichen Verordnungen mit. Abg. Prinz v. Arenberg regt an, ob es nicht angängig sei, die militärische Verwaltung allmälig um- zugestalte»; die Pensionen und Wartcgelder nähmen eine besorgniß- «rregende Höhe an. Frhr. v. R i ch l h o f e n giebt zu, daß die jetzige VerwattUng der Kolonien sehr theuer sei und es sei seine Absicht. aus Vereinfachung und Verbilligung hinzuarbeiten, aber das gehe nur allmälig. Abg. Bachem fragt an, wie sich der Chef des Kolonialamts die Verwendung der militärische» Beamten bei der Zlusfiihrung von Kulturarbeiten vorstelle? Herr v. R i ch t h o s e n giebt Auskunft, er spricht aber so rasch, daß ihm schwer zu folgen ist. Im weiteren wird debattirt über eine zweck- mäßigere Art der Verwaltung und besonders der Kontrolle des Rechnungswesen, an der sich die Abg. Bachem und H a m>» a ch e r und der Direktor des Kolonialamts betheiligen. Im Titel 1, all- gemeine Verwaltung, werden 29 500 M. gestrichen. Abg. H a in- »l a ch e r regt an, die Häfen mit Zollstation in Ostafrika zu ver- mindern, sowohl im Interesse der Finanzverwaltung wie des Handels. Die Unterhaltung der Zollbeamten erforderte 20 pCt. der Zoll- einnahmen, das sei zu viel. Der Chef der Kolonial-Verwaltung sagt nähere Erwägung zu. Im iveitercn Verlaufe der Verhandlungen fragt Abg. Hammacher an, ob eS wahr sei, daß werthvolle Goldquarze gefunden worden seien. Der Chef des Kolonialamts steht den werlhvollen Gold- quarzen sehr skeptisch gegenüber, dagegen seien im Innern werthvolle Kohlenlager gefunden worden, ob dieselben abbaufähig feie», hänge davon ab, ob der Transport nach der Küste sich lohne, das sei einst- weilen zweifelhaft. Abg. Hammacher frägt an, welche Sätze in den Kolonien für Tagegelder:c. gezahlt werden, ob dies etwa die in Deutschland giltigen seien. Der Direktor des Kolonialamts bcantwortet die Frage dahin, daß die Entschädigungen möglichst den wirklich ge- machten Ausgaben entsprächen. Für die Gesundheitspflege geschehe was möglich sei. Abg. Bachem fragt bei Titel 6(Besoldung der Schutztruppe) nach den Anciennitäts-Verhäljuisse» in Afrika und in Deutsch- land. Der Direktor des Kolonialamts setzt auseinander, daß diese Verhältnisse neuerdings sehr zur Zufriedenheit der Schutztruppe ge- regelt worden seien. An der weiteren Debatte betheiligen sich außerdem ,Abg. Bachem noch die Abgg. Richter und Prinz v. A r e n b e r g. Der Titel wird gegen die Stimmen der Sozial- deinokraten und der Freisinnigen angenommen. Im Titel 9 werden ISöV M. für 7 Bootsleute für das Stabsboot gestrichen. Alle übrigen Titel des ordentlichen Etats werden bewilligt. Bei Titel 2 der einmalme» Ausgaben entsteht eine Debatte über ge- forderte 200 000 M. II. Rate für Beschaffung eines Seedampfers, bei der sich außer dem Referenten Prinz v. Arenberg der Direktor des Kolonialamtes und der Abg. I e b s e n betheiligte». Die Forde- rung wird bewilligt. Die Einnahmen des Etats für Ostafrika werden ebenfalls gutgeheißen. Zur Berathung kommt der Etat für Kamerun. Im Titel I der Ausgaben werden 9600 M. abgesetzt, dagegen wurde der Titel 5 um 5400 M. erhöht. Die Abgeordneten Gras A r n i m und Prinz von Arenberg plädiren für Erhöhung des Expeditionsfonds. Der Direktor des Kolonialamts warnt vor einem solchen Vorgehe» und vertritt die Ansicht, daß man zunächst an der Küste sich nach allen Richtungen hin sichere. �er Abg. Richter stimmt dieser Auffassung zu, er erklärt sich gegen das Drängen zu erhöhten Ausgaben. Nach weiteren Erörterungen durch die Abg. H a m in a ch e r und Prinz v. Arenberg wird der Titel bewilligt. Ebenso die Einnahmelitel. Nächste Sitzung Donnerstag Vormittag 10 Uhr. Fortsetzung des Kolonialetats. Die Parteikonferenz für den Wahlkreis Zauch-Belzig- Jüterbog-Lucken walde, die am Sonntag in Jüterbog ab- gehalten wurde, stellte den Genossen Ewald aus Berlin als Kan- didaten für den Reichstag auf. In der Parteiversammlung, die auf die Konferenz folgte, wurde Genosser Schell er aus Lucken- walde zum Kreisvertrauensmann gewählt. Von der Agitation. Genosse Schöpflin aus Frank- furt a. O. unternimmt dieser Tage eine Agitationstour durch Anhalt. Die Leipziger Genossen treffen bereits die Vor- b e r e i t u n g e u zur M a i s e i e r. Die Kommission, die die Arrangements zu besorgen hat, ist bereits ernannt. Zur weiblichen Vertrauensperson wurde die Ge- nossiu Jäger gewählt. Am S. und 9. März gehen die Neuwahlen der G e- werbegerichts-Beisitzer vor sich. Für die Wahl der Ar- beitervertreter ist die Stadt in 4 Wahlbezirke eingetheilt. Polizeiliches, Gerichtliches tc. — Am vergangenen Sonntag schlug für den wegen militärischen Vergehens zu langjähriger Freiheitsstrafe verurlheilten Genossen Heinrich Becker aus Saalfeld die Stunde der Erlösung. Er hat wegen„Unlusterregung am Dienst" 27 Monate im Kerker verweilen müssen, und dabei ist ihm noch ein volles Jahr der Strafe auf Verwendung der Gefängnißdirektion erlassen worden. Die Saalselder Parteigenossen werden die Wiederkehr des schwer- geprüften Freundes nächsten Sonnabend durch einen Kommers feiern. — Aus Dresden wird uns geschrieben: Der Parteigenosse Max H ü n i g, der wegen politischer Vergehen schon längere Gefängnißstrafeu verbüßt hat, ist vor einem halben Jahre wegen Richterbeleidigung zu 5 Monaten Gefängniß und wegen Impf- Übertretung zu IS Tagen Haft verurlheilt worden. Letzlere Strafe wurde ihm zuerkannt, weil er das Jmpfenlassen von 0 seiner Kinder beständig verweigerte. Hllnig war der öfteren Zustellungen zuni Strafantritt nicht gefolgt und so wurde er denn am Sonntag Abend aus dem Kreise seiner Familie weg verhaftet. Gekverksichcrftlickzes. An die Arbeiter Deutschlands! Seit sechs Wochen befinden sich die Schuhmacher in W e i ß e n f e l s im Ausstande. Die Schuhfabrikanten, die in ihrem Uebermnth 3000 Arbeiter und Arbeiterinnen mit 10 000 Familien Mitglieder» brodlos machten, glaubten durch diesen Schlag die Weißenselser Schuhmacher zu Paaren zu treibe» und ihnen die Arbeitsbedingungen diktiren zu können. Sie haben damit das gerade Gegeutheil erreicht. Nicht allein, daß die in den Verein deutscher Schnhniacher und im Gewerkverein der Lederarbeiter organisirten Arbeiter sofort fest zusammen standen, auch die Unorganisirten schloffen sich dem an und sowohl das männliche wie das weibliche Geschlecht bildete eine feste Phalanx. Die unsererseits unter Fallenlassen sämmtlicher Forderungen an- gebotene Hand zum Frieden wurde von den Fabrikanten brüsk zurückgewiesen— sie wollten bedingungslose Ergebung in ihren Willen. Das schlug dem Faß den Boden aus und der Generalstreik war die Autwort. Nach vierwöchigem Kampfe kam es zwischen ca. 20 Schuhfabriken und deren Personal mit Hinzuziehung der Streikkommission und der Kollegen Bock und S i e b e r t zu einem sür die Arbeiter erfolgreichen Vergleich. In den meiste» Fabriken wurden Lohnerhöhungen und sonstige kleine Vortheile durchgesetzt. Noch stehen aber ca. 1000 Arbeiter und Arbeiterinnen aus, deren Fabrikanten nicht verhandeln wollen, sondern auf den Hunger rechnen, der die Arbeiter zwingen soll, sich ihnen auf Gnade und Ungnade zu ergeben. Das kann und darf nicht geschehen, weil, nachdem die Bewegung bis jetzt für uns einen so günstigen Verlauf genommen hat, sonst die Errungenschaften wieder völlig in Frage gestellt und Roth und Elend unter den Schuhmachern noch in größerem Maßstabe als vorher auftreten würden. Unter den noch Ausständigen befinden sich unsere besten Genossen und Kollegen, die entschlossen sind, den Kampf bis zu einem für sie erfolgreichen Ende durchzuführen. Wie die Fabrikanten früher von Woche zu Woche gerechnet haben, daß die nöthige Unterstützung nicht zusammenkomme, so rechnen auch jetzt noch die Fabrikanten darauf, daß die Opferwillig- keit erlahmen werde. Arbeiter, Kollegen, wir wissen, was Ihr bereits in den letzten Wochen finanziell geleistet habt; Ihr habt mit Eurem Opfermuth Freund und Feind in Erstaunen versetzt; wir wissen, daß Ihr Euch Entbehrungen auferlegen mußtet und wir wissen auch, daß der Bogen nicht überspannt werden darf, doch giebt uns der Verlauf unseres Kampfes die Gewißheit, daß er bald beendet sein wird, und den Muth, an Euch zu appelliren, noch einige Scherflein für uns zusammen zusteuern. Sehen die noch übrigen eigensinnigen Fabrikanten, daß sie ihre Rechnung ohne die deutschen Arbeiter ge- macht haben, die, soweit nur irgend deren Kraft reicht, es nicht zu- lassen, daß ihre Klassengenossen in Weißenfels demüthig ihr Recht preisgeben, so werden und müssen auch sie nachgeben und uns e»t- gegenkommen, wie wir ihnen entgegengekommen sind. Wir bitten deshalb dringend, unS hilfreich noch kurze Zeit zur Seite zu stehen. Gelder sind zu senden an Kirchner, Weißensels, An der Kirche 5. Mit Brudergruß Die Streikkommission. Alle Arbeiterblätter werden freundlichst um Abdruck gebeten. Achtung, Handlungsgehilfe», Kaufleute k Heute, Donners- tag abend 9 Uhr wird in C h a r l o t t e n b u r g im Saale Bis- marckshöhe, Wilmersdorferstr. 39, eine große öffentliche V e r s a m m l u n g abgehalten, wo der Kellege August H intz e über das Thema referirt: Der Achtuhr-Ladenschluß und die Handlungsgehilfen. Nach dem Vortrag ist Dis- kussion. Kollegen, Genossen! Diese Versammlung ist die e r st e in Charlottenburg; bei den dort obwaltenden Umständen ist es die Ehrenpflicht aller unserer Freunde und Kollegen, pünktlich und 'ämmtlich auf dem Posten zu sein. Das Versammlungslokal ist in unmittelbarer Nähe der Stadtbahnstation Charloltenburg. Der Vertrauensmann Hermann Lesser. I» Hennigsdorf a. d. Havel sind in der O f e n f a b r i k der Firma A u g u st B u r g von 55 Töpfern 37 gekündigt worden. Der Betrieb soll vorläufig eingeschränkt werden, später aber ganz ein- gehen. In den Fabrikräumen beabsichtigt die genannte Firma an- geblich eine Wollfabrik zu errichten. Die Arbeiter wurden gleich- zeitig mit einem Lohnabzug von 10—15 pCt. bedacht. Der Streik der Maurer und Zimmerer von Vegesack, B l u m e n t h a l und B u r g d a m m dauert unverändert fort. Der Zuzug von Maurern und Zimmerern nach den drei genannten Orten ist noch streng fernzuhalten. Alle arbeitersreundlichen Blätter werden um Abdruck gebeten. Die Streikkommission. I.A.: C. Schmidt, Zimmerer. Ans Saalburg in Reuß j. L. wird gemeldet: Die Berliner Firma Rödel u. Co. besitzt hier ein M a r m o r w e r k, wo neben einer Reihe Bildhauer ca. 35 Schleifer arbeiten. Die recht auf- reibende Arbeil brachte den Leuten bisher einen Maximalvcrdienst von 15 M. pro Woche. Der vor kurzem auf dem Werke neu an- gestellte Direktor hat nun eine bedeutende Lohnreduktion angeordnet. Die Arbeiter, die meist ansässig und durch einen kleinen Grundbesitz an die Scholle gefesselt sind, mußten sich fügen. Hieran ließ sich edoch der neue Direktor nicht genüge». Er kündigle den Arbeitern an. daß in Zukunft der Z 20 der Fabrikordnung, der eine beider- seitige 14tägige Kündigung des Arbeitsverhältnisses ausspricht, auf- gehoben sei. Hiergegen legten jedoch die Arbeiter Prolest ein, worauf ihnen sämmtlich gekündigt wurde. Der Kongreß der Feldarbeiter Ungarns, der in Budapest abgehalten wurde, faßte folgende Beschlüsse: Die Arbeitszeit soll zwölsstündig sein, bei Ueberarbeit soll Slundenlohn gezahlt werde». Der Lohn wird ausschließlich in Geld verlangt. Die Robotarbeit soll gänzlich aufhören. Die Frauen haben denselben Lohn zu erhalten wie die Männer. Kinder unter vierzehn Jahren dürfen nicht zur Arbeit zu- gelassen werden. Um den mannigfachen Betrügereien bei der gegenwärtigen Arbeitsvermittlung vorzubeugen, soll diese durch ein Zentralsekrctariat besorgt werden. Der Arbeitsvertrag soll durch die Lokalorganisationen ausgearbeitet werden. Vollständige 3lb- Schaffung des heutigen Dienslbotengesetzes, Abschaffung der Jahres- oder Wochenkontrakle, dafür Einführung des Taglohns, sind weitere Forderungen des Kongresses. Angesichts der grausamen Verfolgungen, denen die Feldarbeiter bei ihren Bestrebungen, Vereine zu gründen, aus- gesetzt sind, beschloß der Kongreß, nicht mehr auf die jahrelang un- erledigt gelassenen Statuten zu warten und sich auch nicht mehr das Verbieten der Versammlungen gefallen zu lassen, sondern in den Wohnungen der Genosse» geheime Zusammenkünfte abzuhalten. Selbst der Polizeistaat Oesterreich wurde als Muster von Liberalität gegenüber der Paschawirthschast der behördlichen Organe Ungarns angeführt. Der Kongreß beschloß noch die Gründung eines Fach- blatts sür die Feldarbeiter und beauftragte ein zehngliedriges Komitee mit der Ausführung seiner Beschlüffe. Der im Wahlkainpfe tehenden österreichischen Sozialdemokratie wurden die wärmsten Sympathien ausgedrückt und mit einem Hoch auf die internationale Sozialdemokratie ging man auseinander. Vevssurnnluttgen. Die Handels Hilfsarbeiter(lokaler Richtung) hielte» am Dienstag Abend in den„Arminhallen' eine öffentliche Versammlung ab, um über die am 28. Februar in Leipzig tagende, voni Per- trauensmann der Handelshilssarbeiter Deutschlands einberufene Berujskonserenz zu berathen. Das einleitende Referat hielt Pölitz, der in kurzen Umrissen die bedauerlichen Vor- kommnisse in, Verband der Handelsarbeiter Revue passiren ließ. Redner verliest eine Notiz des Organs der Generalkommission, in der letztere ihr Bedauern über die Streitigkeiten ausdrückt, mit dem Bemerken, daß die betreffende Kommission besser solche Warnungs- rufe zur rechten Zeit erließe. Am Schlüsse ersucht er dringend, die bevorstehende Konferenz z» beschicken. Vor Eintritt in die Diskussion wird ein Antrag, anwesende Gegner(Z-ntralisten) zuerst sprechen zu lassen, a b g e l e h n t, dagegen ein Antrag angenommen, den Zentralisten überhaupt nicht das Wort zu ertheilen. Die Versammlung beschließt nach längerer Diskussion, zwei Delegirte zu entsenden und wählt« Rein und Kamp. Kamp beantragt die Wiederbeschickung der Gewerkschaftskommission durch einen Dele- girte». Von verschiedenen Rednern wird abgerathen, diesen Punkt schon heute zu erledigen, vielmehr solle die nächste Versammlung hierzu Stellung nehmen. Diesem Wunsche wurde nicht entsprochen und Pölitz sür diesen Posten gewählt. K e s l i n k e erhebt nun im Auftrage mehrerer Kollegen Protest gegen die Wahl K a m p' s, weil gegen denselben der Vorwurf eines unkollegialen Verhaltens er- hoben werde. Die Versammlung lehnte den Antrag, eine Ersatzwahl vorzunehmen, ab. Eine Resolution, die dem bevorstehenden Kongreß lokalorganisirter Gewcrlschasten ihre Sympaihie ausdrückt, wurde als verfrüht zurück- gestellt. Zur Zinnahme gelangte noch ein Antrag, der die Konferenz in Leipzig beauftragt, Mittel und Wege zu schaffen, daß Artikel persönlicher Natur aus dem Organ„Handelshilssarbeiter" fern- bleiben und weiter eine Protestresolution gegen die Greuelthaten in Spanien. In einer Versammlung der Kistcnmacher hielt am Montag Dr. Friedeberg einen lehrreichen Vortrag über erste Hilfe bei Unglücksfällen. Dann erstaltete der Vertrauensmann Tschernig den Kassenbericht über das vierte Quartal vorigen Jahres. Derselbe weist eine Einnahme von 30,55 M. auf, dazu kommt ein Bestand vom dritten Quartal in Höhe von 103,92 M., sodaß nach Abzug der Ausgaben im Betrage von 30,25 M. ein Bestand von 54,22 M. bleibt. Im Laufe des verflossene» Jahres wurden für die Streiks anderer Gewerkschaften von den Kislenmachern 1004 M. auf Listen gesammelt, darunter 308 M. sür den Hamburger Streik. Auf Antrag der Revisoren ertheilte die Versammlung dem Vertrauens- mann Decharge und beauftragte, nachdem Witt manu über Diffe- renzen der Arbeiter nrit dem Kistenfabrikanten Wieseuthal in Friedrichsberg berichtet halte, zwei Mitglieder der Lohnkommission mit der Regelung dieser Angelegenheit. Depeschen und letzte Muchvichken. Hamburg, 10. Februar. Der Senat ist heute mit den Arbeit» geben, zwecks Regulinmg der Hafenverhältniffe in Verbindung ge- trete». Seitens der Arbeiterdeputation wurde die Hinzuziehung zu den Beralhungen, besonders bei Ernennung des Hafeninspeklors, gefordert. Diesem Verlangen wurde jedoch nicht stattgegeben. Hamburg, 10. Februar.(W. T. B.) Der Senat hat in seiner heutigen Sitzung im Hinblick auf seineu Beschluß von, 18. Dezember v. I., sowie aus die von den Arbeitgebern und Arbeitnehmern mehrfach geäußerten Wünsche beschlossen. eine Kommission cinzufetze» mit dem Auftrage, die Lohnverhältnisse und Arbeitsdedingungrn der Hamburger Hafenarbeiter und verwandten Gewerbe eingehend zn prüfen und sodann durch Ver- Handlung mit den Arbeitgebern und Arbeitnehmern die Beseitigung der bei der Prüfung sich ergebenden Mißstände zu veranlassen. Die erforderlichen Anträge sind au den Senat zu richten. Die Kommission besteht aus den Senatoren O'Swald, Ad. Hertz und Holthusen. Stralsund, 10. Februar.(W. T. B.) Amtlich wird bekannt gemacht: Dir Trajektbelrieb zwischen Stralsund und Rügen ist heute wieder in vollem Umfange aufgenommen. Frankfurt a. M., 10. Februar.(H. B.) Die„Kleine Preffe" meldet: Bei der Oberländer Brauereigesellschaft, deren Direktor vor einigen Tage» aus seiner Stellung ausgetreten ist, wurde ein Ver- lust von 75 000 M. entdeckt. Derselbe ist in den letzten zehn Jahren durch Unterlassung von Buchungen entstanden; aus diese», Grunde ist auch bisher nichts entdeckt worden. Köln, 10. Februar.(B. H.) Bei dem Einsturz eines Neu- baucs wurden drei Arbeiter tödtlich verletzt. Paris, 10. Februar.(W. T. B.) Dr. Roux, der bekannte Bakteriologe und Vertreter der Serumtherapie erinnert daran, daß der P e st k e i m sich in der Erde entwickele und daß er vor seiner Uebertragung auf den Menschen, wie man glaub», aus Thiere übergehe. Uebrigens sei der PestbazilluS von allen bekannten Mikroben der an» wenigsten Widerstands- fähige, da zu seiner Tödtung die Berührung mit einer ein- fachen Karbollösuug genüge. Die Entwickelung des Pestbazillns in Indien sei vor allem auf die Unsauberkeit der betroffenen Personen zurückzuführe». Wenn sich die Epidemie gegen alle Erwartung doch in Europa zeigen sollte, so brauche man darüber nicht zu er- schrecken, denn die Pest fände hier keinen günstigen Boden für ihre Ausbreitung und würde wahrscheinlich bald wieder verschwinden. Kopenhagen, 10. Februar.(W. T. B.) Westwind und Nord- ström habe» das Eis heute in östliche Richtung getrieben. Hierdurch sind der Sund und das Kattegat für Schiffe fahrbar geworden, zwischen Helsingör und Kopenhagen jedoch müssen Eisbrecher die Passage offen halten. Mailand, 10. Februar.(B. H.)„Perseveranza" will auS guter Quelle wissen, daß, wenn nicht etwa Verwickelungen in der Türkei eintrete», das Dekret zur Auflösung der italienischen Kammer am nächste» Sonntag veröffentlicht wird. Die Neuwahlen würde» auf den 21. März festgesetzt werden, und den Zusammentritt der neuen Kammer werde am 6. April erfolgen. Petersburg, 10. Februar.(W. T. V.) Die Kommission zur Ver- hütung der Einschleppnng der Pest theilt im„Regierungsboten" folgendes mit: Der Generalkonsul von Chorassan meldete dem Chef deS Transkaspischen Gebietes: In, Dezember starben in Kandahar an der Bubonenpest mehrere Jndier, welche nach Afghanistan gekommen waren. Angesichts der Wahrscheinlichkeit dieser Nachricht schritt General Kuropatkin sofort zur Ausstellung eines militärischen Schutzes an der afghanischen Grenze und bestinimre. daß Passagiere und Waaren nur in Tachtabazar dnrchzulaffen sind, wo ein ärztlicher Beobachtungspnnlt errichtet ist. Angesichts dieser Nachricht hat der Generalgouverneur von Turkestan seinerseits die völlige Schließung der bucharisch- afghanische» Grenze angeordnet. Ferner sind Nachrichten ein- getroffen, welche besagen, daß die persische Regierung die Grenze nach Afghanistan gesperrt und die afghanische Regierung den Verkehr nach und von Indien eingestellt habe, daß au einigen Orten auf den Wege» nach Peshawur und Qnettan Wacht- poften ausgestellt seien und daß serner in anderen Theilen Afghani- stan's außer in Kandahar keine Pestfälle vorgekommen seien. daß überhaupt keine Vergrößerung in der Sterblichkeit bemerkt worden sei. Petersburg, 10. Februar.(W. T. B.) Amtlich wird mit- getheilt: Die Kommission, welche zur Berathung von Vorkehrungen gegen die Pest eingesetzt ist. verfügte gestern, daß Aerzte zum Studium der Pest nach Indien gesandt werden; daß in diesem Jahre Pilger- fahrten russischer Mohammedaner nach Mekka und nach Orte.i, wohin die Anhänger der Schiilen-Sekle» zu wallfahren pflegen, desgleichen der Besuch von heiligen Släntte des Orients durch russische Christen unterbleiben; daß in Oertlichkeiten, welche für die Einschleppnng der Pest ausnehmend günstig« Gelegenheit bieten, von der Kommission besonders bevollmächtigt« Personen nebst diesen»nlerstellten Aerzten, Offizieren und Zivilbeamten entsendet werde», welche die Ortsbehörden in der Aus- führung der von der Kommission empfohlene» Maßnahmen zu unterstützen haben, endlich, daß im Regierungsboten ausnahmslos alle zuverlässigen Nachrichten über den Gang der Pestepidemie, so- wie Miltheilungen über die Thätigkeit der Kommission und über weitere Maßregeln veröffentlicht werden. Charkow, 17. Februar.(W. T. B.) In Marinpol wurde beute gegen 71 Bauern verhandelt, welche am 15. Ma, 1896 im Dorfe Gorodowka(Kreis Bachum!) Ausschreitungen gegen Juden b-gaugei, halten. 50 derselbe» wurden für schuldig erklärt, 21 freigesprocden. Die ersteren, unter denen sich auch minderjährige Burschen befinoen, wurde» zu Gesängnißstrasen von zwei, drei, vier und acht Monaten verurlheilt. Jassy(Rumänien), 10. Februar.(B. H.) Heftige Schneestürme haben in, ganzen Lande große Verwüstungen angerichtet. Allenthalben herrschen Verkehrsstörungen._ Verantwortlicher Redakteur: August Iacobeh in Berlin. Für den Jnseratenlheil verantwortlich, Tb. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Mar Bad», ig in Berlin. Hierzu l Beilage u. Untrrhalluugeblatt. Nr. SS. 11. g»p8. Ktilllge des„Nsmiilts" Kttlilttt WII'rSdlM. N-Mtfi-g. II. mm 1897. Vvetzstimmen über das Ende des Hamburger Streiks. Von den Urtheilen, die unsere Parteipresse über das Ende des heldenhaften Kainpses der Hainburger Hafenarbeiter abgegeben hat, ist am werthvollsten das des„Hamburger Echo's"» Es sagt m einem Artikel:„Was lehrt uns der Streik?": Als Haupt- und Grundursache des beklagenswerthen Ausganges drängt sich die mangelnde Organisation ganz von selbst ans. Von den 16 430 am Streik Betheiligten befanden sich beim Beginn desselben nur 4öS6 in einer gewerkschaftlichen Organisation, also nur wenig über ein Viertel. Das ist schon ein schlimmes Ver- hältniß, aber noch weniger befriedigend stand es bei der Arbeiter- kategorie, die den A n st o si zu dem großen Kampfe gab, den Schauerleuten. Nur 480 von den 446S Betheiligte» waren vorher organistrt. nur wenig mehr als ein Zehntel. Und das war von entscheidendem Einfluß. Es hat sich ja gezeigt, daß diese der übergroßen Mehrzahl nach vorher der Organisationsdisziplin entbehrende Masse mit beispiel- loser Tapferkeit und Zähigkeit im Kampfe stand gehalten hat. Das muß rühmend anerkannt werden und das hat ihnen zweifellos auch die Achtung ihrer erbittertsten Gegner eingetragen, die sich deshalb auch hüten dürften, zum zweiten Male durch ihre Hals- starrigkeit einen solchen Kampf heraufzubeschwören. Aber die höchste Tapferkeit und Standhaftigkeit im Kampfe kann nicht immer das gut machen, was durch falsche vorherige Beurtheilung der Chancen des Kampfes verdorben worden ist. Ein richtiges Urtheil kann in dieser Beziehung nur eine u m- fassende Organisation nach längerer Schulung ihrer Mitglieder unter deren allseitiger Mitwirkung gewinnen. Die nnorgauisirte Masse handelt fast ausschließlich nach den Impulse» dcö Augenblicks; die in sich g e f e st e t e O r g a n i- s a t i o n hat, nachdem völlige Klarheit über die gegebene Situation geschaffen, der Einfluß aller mit-, neben- und gegeneinander wirken- den Faktoren richtig eingeschätzt worden ist, kühl die Chancen eines Kampfes abzuwägen und danach zu handeln. Die Organisation gleicht darin dem Feldherrn, der, mögen seine Truppen noch so tapfer und kampfesmuthig sein, vorher abwägt, ob ein Erfolg des Kampfes möglich ist. Sieht er. daß der entgegenstehenden Hinder- uisse und Schwierigkeiten zu viele sind, so hindert er den Kampf und wartet einen günstigere» Zeitpunkt und eine günstigere Position dem Feinde gegenüber ab. lltatürlich ist auch der beste Feldherr nicht immer dagegen geschützt, wider seinen Willen in einen Kampf hineingezogen zu werden, dessen Ausgang dann freilich meist sehr ziveiselhaft ist. Sind aber die Truppen einmal in den Kampf ver- wickelt, dann darf und wird ein tüchtiger Feldherr sie nicht im Stich lassen. In dieser Situation befanden sich die betheitigten Arbeiter- Organisationen Hamburgs beim Ausbruch des Streiks der Schauer- leuie. Es ist kein Zufall, daß die o r g a n i s i r t e n Arbeiter dieser Branche und besonders die leitenden Persönlichkeiten unter ihnen fast oder völlig ausnahmslos sich gegen den Beginn des Streiks zu dem damaligen Zeilpunkt, Ende November, erklärten. Diese organisirten Kreise rechneten und mußten rechnen mit der Möglich- keit, daß der Kampf nicht in wenigen Tagen beendet sein, sondern längere Zeit dauern werde. Dann stand aber der Winter vor der Thür und mit ihm traten alle die Umstände mit vollem Schwer- gewicht heraus, die den Ausgang des Kampfes ungünstig beeinflussen mußten. Sollten die Unternehmer zum Nachgeben gezwungen werden, so mußte es möglichst absolut verhindert werden, daß es ihnen geli»ge, E r s a tz k r ä f t e für die Streikenden heranzuziehen. Wäre das nur für etwa zwei bis drei Wochen thalsächlich gelungen, so wäre der Hochinuth des Arbeitgeber-Verbandes gebrochen worden; er hätte nachgeben müssen. Alle Maßnahmen, die zu diesem Ziele führen konnten, sind ja anch von feiten der Arbeiter getroffen worden; sie haben aber leider nicht den erwünschten Erfolg gehabt, weil die entgegenwirkenden Umstände stärker waren. Die Natur selbst war gewissermaßen mit de» Unternehmern im Bunde. Der Winter legt all- jährlich ungezählte Arbeitskräfte brach: Landarbeiter und Bauer», Binnenschiffer zc. Leute, die als Nothknechte dem dringendste» Bedürsniß der Unternehmer schon Luft verschaffen konnte». Leider reicht der Einfluß der Arbeiter- organisatiouen noch nicht bis in die entferntesten Winkel unseres Vater- lnndcs und darüber hinaus dahin, woher die Werbe- Agenten der ll lernehmer die Streikbrecher herangeschleppt habe». Das Soli- daritntsgefühl ist leider noch vielfach unter den Arbeitern nicht oder nicht genügend geweckt. Und zudem giebt es ja»och weite Distrikte in Deutschland, wo die Existenzverhältnisse der Zlrbeiter so»n- geheuer jämmerlich sind, daß ihnen die für Hamburger Verhältnisse unzureichenden Löhne als wahre Himmelsgaden erscheinen. Nechnet man die lockenden Versprechungen der Werbe-Agente» und die elenden Lügen und Verleumdungen der Kapilalistenpresse hinzu, so kann es nicht Wunder nehmen, daß es de» Kapitalisten gelang, sich nolhdncflig mir Ersatzkräften zu versehe». Mit dieser Gefahr mußte von Anbeginn des Streiks, ja schon vorher jeder rechnen, der die Möglichkeit einer längeren Dauer des Kampfes voraussah. Diese Voraussicht fehlte leider der Masse der Schauerlente, die am 20. November de» Beschluß faßte, trotz aller Warnungen zu so ungünstiger Zeit in de» Streik ein- zutreten. Sie schätzte die Widerstandskraft der Unternehmer zu gering ein und rechnete fest auf ein Nachgeben derselben binnen wenigen Tagen. Dieser Jrrthum hat sich bitter gerächt. Der Streik bietet auch nach dieser Seite hin eine sehr zu be- herzigende Lehre. Je kleiner an Zahl die Unternehmer werden und je kapitalkräsliger die einzelnen sind, je mehr der Etumm'sche Geist der Unterdrückuugslust gegenüber den Arbeitern sie ersaßt und ihre» amnaßende» Hochinuth anstachelt, wie die Neigung, sreiivillig den Arbeitern Zugeständnisse z» mache», zurück- drängt, desto vorsichtiger müssen die Arbeiter vorgehe» und de» richtige» Augenblick zu erspähen suche», wo ihnen Aussichten auf Erfolg winken. Hätten die Schauerlentc, als die Stauer die Weiter- verhandln, ig ablehnten, sich»veniger von dem momentan sie be- scelenden Gefühlen leiten lassen und wären sie dem Nathe d e r L e U e r der Organisation gefolgt, eine»»oth- ivendigcii Streik hinauszuschieben, hätten sie den Winter benutzt, ihre Organisation auszubauen und die Mitglieder zu schulen, und ivären sie dann etwa Mille März, wenn die Landarbeit wieder in Gang kommt und die Flußschifffahrt eröffnet ist und diese ihre Arbeiter selbst brauchen, wo die Waaren sich den Winter über mächlig angesainmelt haben und dringend der Be- förderling harren— wären sie dann in den Streik eingetreten, wen» es überhaupt noch nothivendig geweseu wäre, dann wäre der Erfolg so gut wie sicher geivesen. Daß diese Erwägunge» nicht ausschlaggtbend für die Ver- schiebung werden konnten, ist nur de». Umstände zuzuschreiben, daß den Massen die ersoi dcrliche Schnliing durch die Organisation fehlte, die allein den richtigen Ileberblick über die jeweilige Siluation schaffen und auch die Widerstandskraft des Gegners richtig schätzen kann. Die Lehre, die der Streik nach dieser Seite hin gegebe» hat, ist eine harte. Sie wird aber deshalb auch keine verlorene sein. Die Arbeiter werden sie sich für die Zukunft zu nutze mache», sie »iüffe» in bezug auf den Ausbau der Orgaiiisation entschlossen nachholen, was bisher versäumt worden ist. � Es versteht sich, daß der größte Theil der bürgerlichen Presse, der die Sozialdemokratie ohnehin für jeden Streik haftbar macht, dies umso nachdrücklicher thut, nachdem es den Hainburger Hafen- arbeiter» nicht gelungen ist, ihre Forderungen durchzusetzen. Bora» geh, wie iunner die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung", das Blatt des Reichskanzlers, das de» Hamburger Streik als einen„Mißbrauch des Koalitionsrechts" bezeichnet und gegen uns bemerkt:„Die Sozialdemokratie hat den Mißbrauch des Koalitionsrechts zu politischen Zwecken zu ihrem System erhoben." Das sucht das Blatt wie folgt zu beweisen:„Nicht Versiegen der Streikfonds, sonder» die Erschöpfung der eigenen Ressourcen der Ausständigen dürfte es gewesen sein, welche ihnen endlich die Erkenntniß aufdrängte, daß sie sehr thöricht gehandelt hatten, als sie den Rathschlägen folgten, die ihnen Tom Mann und ihre eigenen Führer gaben. Natürlich hat— wie immer, wenn der Streik mißlingt— die Sozialdemokratie abgeleugnet, diesen Ausstand veranlaßt zu haben, und sich darauf beruse», ihre Leiter hätten davon abgerathe». Nichtsdestoweniger wird sie die Ver- antwortlichkeit für das Schicksal der jetzt Arbeitslosen nicht zurück- iveisen können. Denn wenn infolge der früher bezogenen hohen Löhne die Ausständigen elf Wochen lang aushalten konnten, so liegt gerade hierin der Beiveis, daß in Hamburg kein Lohnstreit, sondern ei» Streit um die Macht, ein Streit zu gnnsten der politischen Macht der Sozialdemokratie geführt werden sollte." Daß nicht die Arbeiter, sondern im Gegentheil der Hamburger Arbeitgeber-Verband die ganze Sache als Machtfrage nusfaßte, wie er wiederholt in dürre» Worte» selbst erklärte, stört die„Nord- deutsche AUgeineiue Zeitung" nicht im geringsten. Aus ihrer Dar- stellung, deren Wahrheitswidrigkeit unsere Leser an den Aeußerungen des„Hamb. Echos" ermeffen können, geht wieder klar hervor, daß der„neue Kurs" im Deutsche» Reiche gegenüber den Arbeitern im ivesentlichen der„alte" Kurs ist, unter dem zu Bismarck's Zeit die Arbeiterschaft malträtirt wurde. Ein Zeichen für die Kraft der Arbeiterbewegung ist es aber, daß selbst die„Nordd. Allg. Ztg." es nicht für zeitgemäß hält, die Beschränkung des Koalitionsrechts der Arbeiter vorzuschlagen; das Blatt begnügt sich mit der Erklärung, daß dem angeblichen Mißbrauche des Koaliiionsrechts„seitens sozial- revolutionärer Organisationen zu politischen Zivecken am w i r k u n g s v o l l st e n durch eine zielbewußte, feste, rechtzeitig geschaffene Organisation der Unternehmer begegnet wird, die gewisser- inaßen zunl Schutze der 5koalitionssreiheil wirkt, welche Älrbeitgeber und-Nehmer für ihre wirthschastlichen Zwecke habe» sollen und haben müssen." Die S t>l»i m' sche„Post" schwindelt selbstverständlich eben- falls, daß der Streik von den Arbeitern von vornherein zu einem „Machtkampfe" gestempelt worden wäre und daß dies Schuld der Sozialdemokratie sei. Aber selbst das Blatt des notorisch bornir- testen Gegners der Arbeitcrorganisatione», der überhaupt keine» selb- ständigen Arbeiterverein haben will und der nebst seiner Anhängerschaft die Hamburger Rheder»i»d den Hamburger Arbeitgeber-Verband scharf gemacht hat und dadurch an der lange» Dauer des Aus- stands sein vollgemessen Theil der Schuld trägt, selbst das Blatt dieses Mannes sieht sich schandenhalber gezwungen, den„Arbeitgebern" eine„weise Initiative" zu empsehlen, „durch welche die Lohn- und Arbeitsverhältnisse in U e b e r e i n- st i m i» u n g mit der Lage der Produktion gehalten werden." Dadurch erkennt selbst das Organ des Scharsmachers Stumm an, daß die Lohn- und Arbeitsverhältnisse der Hafenarbeiter Hamburgs mit der Lage der Produktion, das heißt dem Gewinn der Rheder und Stauer bisher nicht „ ü b e r e i n st i in m t e n". Selbst das Organ des Scharf- machers Stumm muß also indirekt zugeben, daß der Streik b e- rechtigt war, denn es ist bekannt, daß die Rheder und Stauer seit Jahren vielfach um Aufbesserung der Arbeitsverhältnisse gütlich ersucht worden waren, aber nicht darauf eingegangen sind. Die Bisniärcfischcn Blätter zu zitiren verbietet sich aus sitt- lichem Grunde, denn die provokatorischen Aeußerungen, die sich die Zeitungen dieses Schlages leisten, sind ganz danach angethan, die Arbeiter zu Uiibesounenheiten aufzureizen, die sie vor die Klein- kalibrigen bringen könnten. Schrieben doch die Bismärckischcn „Berliner Neuesten Nachrichten" gelegentlich der bedauerlichen Ans- lritte, die jetzt in Hamburg zwischen den Streikbrechern und den am Streik belheiligt gewesenen Arbeitern vorgekommen sind, warum man nicht, anstatt Polizei, gegen den„Pöbel" Militär rc- quirirt hätte! Daß die bismärckische Presse Verschärfung der Strafen verlangt, die ans Verletzung des Z 153 der Gewerbe-Ordnung gesetzt sind, versteht sich von selbst. Daß die antisemitischen Blätter das Ende des Streiks auch zu nichts rühmlicherem zu benutzen wissen, als zu einem albernen Geschimpse aus unsere Partei, bedarf ebenfalls keines besonderen Nachweises. Im Gegensatz zu diesen Blättern schreibt die„Tcutsche Tages- zeitnng", das Organ der Agrarier, deren Interessen beim Ham- burger Streik uichl in Gefahr kamen, weshalb sich die passabel verständige Haltung des Blattes erklärt:„Mögen beide streitende Theile aus dem Ergebnisse des Ansstandes die entsprechende Lehre ziehen! Vor allen Dingen wünschen wir, daß die Arbeitgeber die Ab- stellung von Mißstände», die sie sich bei der Geltendmachung auch nngercchtferligter Ansprüche der Arbeiter mit einem gewissen Rechte nicht abtrotzen lassen wollten, nunmehr freiwillig gewähren. Wir hoffen zuversichtlich, daß der Einsicht von der Notywendigkeit der Besserung die entsprechenden Maßnahmen möglichst bald folgen mögen." Bemerkenswerth ist, daß das Blatt der Agrarier, entgegen seinen sonstigen Gepflogenheiten, die Sozialdemokratie nicht für den Streik veranlworilich macht, indem es sagt:„Tie Führer der Sozialdemokraten sind viel zu klug, als daß auch sie die Älnssichts- losigkeit des Ansstandes nicht von vornherein hätten erkennen müssen." Auch mit den Nntional-Sozialeii geht das Organ der Agrarier nicht sonderlich scharf ins Gericht. Von den katholischen Zeitungen zeichnet sich die„Ger- maitia" wie gewöhnlich dadurch aus, daß sie nicht weiß, um was es sich bei der Sache Handell. Ihr liegt„der Verdacht nahe, daß die Sozialdemokratie auch den Hamburger Streik nur zu dem Zwecke geschürt hat, um die Agitation in der langen, wahlkampf- losen Zeit im Fluß zu erhalten". Daß der Ausbruch des Hamburger Ansstandes eine elementare Bewegung gewesen sei» soll, wie der große Bergarbeiterstreik 188g, vermag die„Germania"„schwer zu glauben". Welch argloses Gcmülh!— Im übrigen warnt das Blatt davor,„aus dem Hamburger Streik die Lehre zu ziehen, daß Gewalt auch in der Sozialpolitik das beste Mittel sei", in welchem Sinne den Hamburger Streik die Vertheidiger des Rückwärtskurses in der Sozialresorm sich bereits anschickten ansznnutzen, namentlich nachdem die National-Sozialen in den Gang der Dinge eingriffen.„Ohne den Aufruf jener Herren als einen glücklichen Schrill zu bezeichnen", sagt die„Ger- mania",„müssen wir vor der Ausbeulung der Lehren des Hamburger- Streiks im Sliine eines neuen Sozialistengesetzes anss eindringlichste warnen. Wir haben au der Probe des einen Ansnahmegesetzes wahrlich genug. Die Lehren des Hamburger Streiks müssen e»t- schieden zu einer Förderung der Thätigkeit der Einigungsämler, wo- möglich mit einer gesetzlichen Erweiterung ihrer Befugnisse führen." Im Gegensatz zur„Germania" schreibt die katholische„Kölnische Bolkszeitinig" über unsere Partei:„Der Niederlage der Hamburger Hafenarbeiter widmen die Berliner Blätter je nach ihrem Parleistaiidpnnkt verschiedene Betrachtungen. Di« meisten sprechen über die Niederlage der Ausständigen ihre Genugthunng aus und schieben alle Schnld auf die sozialdemokratischen„Hetzer". Diese Beurtheilung erscheint denn doch etwas oberflächlich. Die sozial- demokratische Parteileitung hat nie ein Hehl daraus gemacht, daß ihr grobe, von vornherein zweifelhafte Ausstände unwillkominen sind, schon weil durch die großen Opfer für die Ausständigen die sozialdemokratische Parteikasse geschädigt wird, und im vorliegenden Falle haben nach den Erklärungen der sozialdemokratischen Abgeord- neten im Reichstage die Hamburger sozialdemokratischen Führer ans« drücklich aber vergeblich vom Ausstand abgerathen." Neber den Ausstand selbst sagt das Blatt:„Wie leicht wäre es gewesen, den Ausstand rasch zu beenden, wenn die Unternehmer aus das wiederholt angebotene Schiedsgericht eingegangen wären, dessen Schieds- spruch sich die Arbeiter unterwerfen wollten! Die beachteuswerthe Erscheinung, daß gebildete bürgerliche Kreise sich mehr und mehr für die Kämpfe der Arbeiter interessiren, verliert dadurch, daß man diese Kreise einfach zu den Sozialdemokraleu wirft, nichts au ihrer Bedeutung, wohl aber beweist das Verhalten der Stumm'schen Richtung, daß sich bei uns die sozialen Gegensätze immer mehr verschärfen und der friedliche sozialreforma- torische Gedanke immer mehr zurücktritt. Es eröffnet das trübe Aussichten für die Zukunft." Die katholische„Märkische Volksftiinme" bezeichnet die Niederlage der Arbeiter nur als eine t h e i l w e i s e,„denn es unterliegt kaum einem Zweifel, daß man nach der Wieder- aufnähme der Arbeit die von den Streikenden hinsichtlich des Lohnes und der Arbeitszeit gestellten Forderungen bewilligen wird, wenn auch nicht in ihrem ganzen Umfange und vielleicht auch nur vorüber- gehend." Von den liberalen Blättern hat sich die„Frankfurter Zcitnnfl"� der Sache der Hafenarbeiter am entschiedensten nngeuommen. Sie weist jetzt in ihrer Besprechung über das Ende des Streiks die unsinnige Behauptung zurück, wonach der Streik„frivol" begonneir worden sein soll, und sagt zum Schluß:„Im Hamburger Hafen- arbeiter-Slreik ist diejenige Partei unterlegen, die für die Idee der Gleichberechtigung oder— konkreter ausgedruckt— für Organisation, Eiuiguiigsamt und Schiedsgericht gekämpft hat. Es war ein wenig erfreulicher Moincut, als die Regierung im Sieichslage durch ihre Parteinahme in der Angelegenheit des Streiks den Hamburger Rheder» das Rückgrat stärkte, und es unterliegt wohl keinem Zweifel, daß die bekannte Aeußeruug des Kaisers über den Hamburger Ausstand nicht iliiweseutlich dazu beigetragen hat, eine eventuelle Schwächung der autokratischen Gelüste des Hamburger Arbeitgeber- Verbandes zu hindern. Jener Idee aber gehört die Zukunft, wenn sie auch diesmal nicht gesiegt hat. Di« Hamburger Hafenarbeiter müssen sich nun vorläufig bescheiden. Jetzt aber ist es die Pflicht der Hamburger Unternehmer, ihr Ver« spreche» einzulösen und nach einer gründlichen Untersuchung der Lohn- und Arbeitsverhältnisse im Hamburger Hafen zu bessern, was zu bessern möglich ist. Und die Aufgabe der Presse wird es sein, dabei Wache zu stehen— zu wachen darüber, daß dieses Versprechen erfüllt wird und nachträgliche Maßregelungen nicht erfolgen. Wer immer sich dieser Aufgabe unterzieht, wird mit Recht behaupten können, der Allgemeinheit einen großen Dienst geleistet zu haben." Die Reihe der Preßstimmen mag mit dem Urtheil der N a n m a n n' s ch e n„Zeit" geschlossen sein, die sich bekanntlich nicht nur durch publizistische Vertheidigung der Streikenden, sondern auch durch Beschaffung finanzieller Unterstützung für dieselben um die Arbeitersache verdient gemacht hat.„Das Kapital mit seiner herzlosen Macht," schreibt das Blatt,„hat die Ülrbeit mit ihren be- rechtigten Lebensforderungen vergewaltigt, das„Unterwerfungsprinzip" hat gesiegt.... Nichts, gar nichts kann mau ins Feld führen, was dieses Verhalten der Hamburger Kapitalisten in milderem Lichte erscheinen lassen oder entschuldigen könnte. Vom erste» Vermitteluiigsversuche an, den sie mit einer durch nichts zu recht- fertigendeii Schroffheit zurückwiese», bis zum letzte» eisigen Schweigen, das sie allen neuen Friedensanträgen entgegensetzten, ist ihr Benehmen eine einzige Kette von Kapitalistenlrotz, von Herrenübermuth gewesen. Gestützt auf ihren Fünsmillionen- Garantiefonds, vertheidigt von einer schamlos lügnerischen Presse, crinulhigt von hohen Beamten, scharf gemacht von den eiiiflußreichsten Persöulichkeiten im Staate, unterstützt von fast allen Behörden Hamburgs, haben sie ihrer Uebermacht mit einer Unerbittlichkeit Geltung verschafft, die selbst in frühere» Völkerkriegcn uimchiitf."'" Sie habe» gegen ihre eigenen langjährigen Arbeiter, gegen diejenigen, deren Schweiß sie ihren Reichlhum, ihre ge- sicherte Existenz, ihre soziale Machtstellung in erster Linie verdanken, gekämpft, als ob sie gegen eine Rotte Ver- worfeuer. Nichtswürdiger zu kämpfen gezwungen wären.... Wir können aus der Erfahrung in unseren eigenen Reihen hinzu- setzen: Kein Vorgang hat seit den Tagen des Sozialistengesetzes die Attschauuiigen aller wirklich sozial gesinnten Gebildeleu so geklärt, keiner die Nolhwendigkeit einer durchgreifenden sozialen Umgestaltung unsererer heutigen Wirthschaftsordnung so greifbar vor Augen ge- führt, als der verlorene Kampf der Hamburger Hafenarbeiter. Noch ein paar derartige Pyrrhussiege, und der Sozialismus ist Gemeiu- gut unseres deutschen Volkes!" Die Situtttion in �Äminteg. Unser Korrespondent berichtet unterm 10. Februar: Die Unter- nehmer stellten gestern und vor allem heute eine große Anzahl alter Arbeiter wieder ein, und zwar zu den Bedingungen, unter denen vor dem Streik gearbeitet wurde. So nahm die große„Hain- burgische Freihafeu-Lagerhaus-Gesellschast" heute ihre säimntlicheii Leute— Speicherarbeiter— zu den alten Lohnsätzen wieder an. Auch die Quartiersleute waren gern zufrieden, als sich ihre alten Arbeiter wieder bei ihnen meldeten. Nur stellten sie fast alle die Bedingung, daß die Arbeiter künftig das vertrauliche „D u" unterließen und ihre Herren„Arbeitgeber" mit„S i e" und„H e r r" anreden sollen. Die Arbeiter haben sich an dieser Bedingung natürlich nicht gestoßen und heute Morgen in fast sämmt- licheu Quartiersbetrieben die Arbeit wieder nufgenommen. Die Schauertcute, von denen auch schon ein gut Theil in Arbeit getreten ist, müssen, ehe sie Arbeil bekommen, folgenden Revers auf dem Bureau der„Vereinigten Stauer von 1886" unterschreiben:„Ich Eudesuntcrzeichneler verspreche hiermit auf Ehrenwort, daß ich in Ruhe und Frieden arbeiten will, sowohl mit den während des Streiks neu eingetreteuen, als auch mit denjenigen Schauer- leuen, welche sich dem Streik nicht angeschlossen haben. Das gleiche gilt in bezug auf sämuitliche Arbeiter der anderen Hafeubetriebo.— Ich will diese Leute in keiner Weise belästigen und ihnen keine Vorwürfe machen, daß sie während des Streiks gearbeitet haben." Wie man sieht, wird der Austritt aus der Or» ganisation nicht zur Bedingung gemacht. Nur einzelne Arbeitgeber verlangen die Ablieferung der Verbands- bücher. Jedensalls werden sie jedoch von ihrem Ver- laugen zurückkomnie». wenn sie mit demselben allein bleiben. Mit Ansnahme der Grimsby- Linie haben ziemlich s ä m m t l i ch e Stauer ihren alten Leuten Einstellung versprochen. Die genannte Linie hat ihre frühere» Arbeiter jedoch kurzer Hand abgewiesen, als sie vorstellig wurden. Von den Ewerführern haben gestern 150 und heute Morgen etwa 80 wieder Arbeit bekommen. Wegen der Eis- Verhältnisse in der Elbe und in den Fleeten kann der Ewer« sühi-erei-Betrieb noch nicht ini vollen Umfange aufgenommen werden. Von den früheren Arbeitern am S t a a t s q n a i ist noch kein einziger Mann wieder eingestellt. Heute werden die Steichstags- Abgeordneten Frohme, Legien und Molkenbuhr beim Senat um Einstellung der Staats-Quaiarbeiter vorstellig werden. Der Senat hält seine Sitzung heute in den Nachmittagsstundeii ab. Von de» Maschinisten und Donkeyleuten sind bisher auch nur wenige eingestellt, doch sind ihre Aussichten, da seil gestern Abend starkes Thanwetter eingetreten ist und der Hasen« verkehr sich damit heben wird, für die nächsten Tage gut. An die bisher nicht eingestellten Arbeiter wurde gestern Unterstützung seitens des Streik- Komitees ausgezahlt, und zwar pro Mann 4 Mark und für jedes Kind 40 Pf. Z» gestern Abend hatte man wieder Krawalle befürchtet. Der plötzlich gegen 6 Uhr abendS eingetretene schlanke Regen fegte jedoch die Radau- Elemente vom Platze und so blieben die auf» gebotenen etwa 200 Schutzleute unter sich. Mehrere Plätze und Straßen waren völlig abgesperrt. Im ganzen waren bis heute Morgen 59 Haftbefehle gegen solche Leute erlassen, die bei dem Krawall am Sonnabend festgenommen waren. Etwa LZtt Personen sind am Sonnabend und Montag durch Beamte der Polizei mehr oder weniger schwer v e r- w u n d e t worden. Darunter eine große Anzahl Angehöriger der sogenannten besseren Kreise, die zufällig die betreffende Gegend durchquerten. Wie ich Ihnen schon telegraphisch meldete, sind die sechs Ver« samwlungen, in denen Augenzengen über die Heldenthaten der Polizei referiren sollten, aus grund der ZZ 1 und 2 des hambnrgischen Bereinsgefetzes verboten worden, weil die öffentliche Sicherheit und Ordnung gefährdet sein sollte. Telegraphisch wird uns aus Hamburg noch mitgetheilt: Nach der vorliegenden Abrechnung des Zentral-Streikkomitees sind ins- gesammt 1 Z78 530 M. 95 Pf. ausgezahlt worden. Bis Milt- woch Abend waren Ä800 der am Streik betheiligt gewesenen Arbeiter wieder eingestellt, davon 100 am Staatsquai, diese jedoch zum niedrigsten Lohnsatz von S M. täglich. Tie bismärckischc»„Berliner Neueste» Nachrichten" schreiben in Beziehung auf die Revolverszenen" in Hamburg:„Es ist ein ganz unerhörter Znstand, daß heutzutage jeder Hansnarr mit dem Revolver in der Tasche herumläuft. Sollte es nicht an der Zeit sein, das Führen solcher Waffen von einem Waffenpaß ab- hängig zu mache» 1" Das Blatt schreibt das natürlich unter der Voraussetzung, daß die am Streik b e t h e i l i g t gewesenen Arbeiter mit Revolvern geschossen hätten. Das ist aber ein großer Jrrthum. Geschossen haben, wie festgestellt ist, nicht jene, sondern die Streikbrecher. Die„Vossischc Zeitung" fährt fort, die Hamburger Arbeiter zu verleumde» und den„Vorwärts" anzurempeln. Sie entblödet sich noch immer nicht, von„leichtfertig verkündeten" Ausständen zu rede», das Handeln der Rheder als durchaus korrekt zu bezeichnen und die ganze Schuld an dem Hafenarbeiter- Streik den Arbeitern aufzmvälzen. Wir stellen demgegenüber fest: Die Ar- beiter haben, als sie in den Streik eintraten, nur von ihrem guten Rechte Gebrauch gemacht. Sie haben nichts ge- fordert, was nicht von allen Unparteiischen als vernünftig betrachtet wurde. Sie waren von Anfang an bereit zu schiedsrichterlicher Beilegung. Die Rheder dagegen haben jeden Vergleich, jede schicds- richterliche Beilegung zurückgewiesen. Diese letztere Thatsache allein wirst das aanze Gebäude der„Vossischen Zeilungs"- Argumentation über den Haufen. Und will die„Vossische Zeitung" die weitere Thatsache bestreiten, daß der Staat und die Behörde» für die Rheder eingetreten sind? Ist das aber wahr— und es ist so unbestreitbar wie das Dasein der Sonne— so ist es sriv ole Heuchelei, von einem „ehrlichen Machtstreit" in Hamburg zu rede». Mehr als frivol ist es, daß die„Vossische Zeitung" zum Schluß noch andeutet, der Sozialdemokratie sei es mit ihrem Abrathen vom Streike nicht ernst gewesen. Das ist unanständig,— würdig der Gesinnungslosigkeit eines Blattes, daß vor einem Verbrecher und Lumpen wie C r i s p i Jahre lang auf dem Bauch gerutscht hat. Wenn die„Vossische Ztg." dann noch thut, als glaube sie, unsere beiden letzten Artikel über�en Hamburger Streik seien von„Jungen", die Liebknecht zu verdrängen suchen, hinter dessen Rücken in de»„Vorwärts" eingeschmuggelt worden, so ist das eine koloffale Albernheit, aber es ist noch etwas anderes: eine Gemeinheit. Einem Gegner, mag man ihn noch so sehr hassen, die lächerliche und verächtliche Rolle zuzuschreiben, die von der„Voss. Ztg." Liebknecht zugeschrieben wird, entspricht den Gepflogenheiten von Polizei-Journalisten und Anarchisten, auf deren Niveau die„Voss. Ztg." hiermit herabgestiegen ist. Oder ist es etwa weniger pöbelhaft, einem im politischen Kampf ergrauten Feind sein Alter vorzuiverfen, als dem Präsidenten des Reichstags seine Schiverhörigkeit? Die„Vossische Zeitung", die sich über de» Grafen Mirbach so heftig entrüstet hat. kann stolz sein: sie hat de» „..tcker übcrtroffe». Zum Schluß aber sei der„Voss. Ztg.", die in ihrer gestrige» Abendnumnier den Herren Junkern sogar den Gesallen thut, das rothe Gespenst gegen uns aufzubieten, die Mitlheilung gemacht, daß nur selten Artikel des„Vorwärts" sich so ungetheilten und leb- hasten Beifalls unserer Parteigenossen zu erfreuen gehabt haben, als unsere letzten Artikel über das Ende des Hamburger Streiks. Der Werth dieses Beifalls wird durch den Zorn und das Ge- schimpfe der„Vossischen Zeitung" nur erhöht. Die Sammelliste fttr die Hambnrgcr Hafenarbeiter mnss Raammangels«exen heute ausfallen. Vommunales. I» der letzte» Stadtverotdileteu-Sitzung wurde durch den Genossen B o r g m a» n abermals daraus hingewiesen, welche kolossalen Vortheile die Hausbesitzer der inneren Stadt durch die aus Kosten der Allgemeinheit bewirkte Slraßenverbreiterung habe», ohne daß sie als Geundeigenthümer auch nur einen Pfennig zu diesen Kosten beitrage». Genosse Borgmann richtete an den Magistrat in der erwähnten Sitzung die Anfrage, ob bei Gewährung des Bau- kousenses an den durch das Kriegsministerium vertretenen„Invaliden- dank" etwa schon Rücksicht auf die kommende Verbreiterung der Südseite der Königstraße genommen sei. Der Magistrat hüllte sich in Schweigen. Die Sachlage ist aber so eigenartig, daß sie der Oesfeutlichkeit nicht vorenthalten werden darf. Bekanntlich soll die Königslraße an der Südseite durch Nieder- reißen der ganzen Häuserflucht verbreitert werden. Zu diesen fäusern gehört auch der Neubau der sogenannten„Alten Post". hr gegenüber befindet sich der Neubau des„Juvalideudank". Das Bauprojekt ist mit Rücksicht auf die angebahnte Verbreiterung der Straße eingereicht worden; es ist dadurch möglich, den Neubau viel höher als bisher zuführen, also das Grundstück viel besser auszunützen. Der Vortheil liegt auf der Hand;«in Stock- werk höher bauen, bedeutet in dortiger Gegend kapitalisirt etwa 80— 100 000 M. Mehrwerth. Magistrat und Polizeipräsidium haben die Genehmigung zum Bau versagt, der Fiskiis aber ivandte sich nunmehr an den Bezirksausschtlß und im Hinblick aus die kommetlde Verbreiterung wird vom Bezirksausschuß die Bauerlaubniß ertheilt. Als»un die Verbreiterung der Königsstraße an der Nordseite in Frage kani, verlangte der Fiskus für den zwei Meter breiten Streifen, welcher hätte abgetreten werden müssen, die bisher noch niemals geforderte Entschädigung von stebenlausendachthunderl Mark für den Quadratmeter, d. h. 111000 M. für die Quadratruthe. Wäre nun der Antrag, die Nordseite zu verbreitern, von der Stadtverordneten-Versammlung angenommen worden, so hätte trotz- dem der Monumentalbau der„Alten Post" auch ohne den Willen der städtische» Verivaltung abgerissen werde» müssen, denn der Fiskus hat ja sein Bauprojekt geuehmigl in der Tasche.» Ganz ähnlich liege» die Verhältnisse in der W a l l st r a ß e. Seit 10 Jahren ist das Projekt, Spindlershof nach der Wallstraße hin auszubauen, fertig; da uun aber infolge der jetzige» Breite auch in dieser Straße nicht in der beabsichtigten Höhe gebaut werden konnte, so ivartet der Besitzer, bis die gegenüberliegenden Ravens- schen Häuser auf Koste» der Steuerzahler niedergerissen werden. Die Stadtverordneten-Versammlung hat nun den Ankauf der Raveuv'schen Häuser beschlossen und Spindlershof ist mit einem Ruck ei» paar hunderttausend Mark mehr werth geworden. Und so wird immer lustig weiter verbreitert und die Herren Grundbesitzer schlucken den Profit. Zwar wird nun behauptet, es giebt kein Gesetz, aus dem eine Heranziehung der Grundbesitzer zu Beiträge» hergeleitet werden könnte. Ja, wenn das wahr ist, was hindert denn die städtische Verwaltung, die Klinke der Gesetzgebung in Bewegung zu setzen und diese schreiende Ungerechtigkeit zu beseitigen? Sollte etwa gar der Umstand eine Rolle spielen, daß der größte Theil des Magistrats und der Stadtverordneten-Versammlung selbst aus Hausbesitzern besteht? Nachdem bereits am 3. Dezember v. I. die Stadtverordneten- Versammlung 10 Mitglieder in die Verkehrsdeputation gewählt hatte, hat jetzt der Oberbürgermeister Zelle den Bürgermeister Kirschner zum Vorsitzenden, den StadtsyndiknS Meubrink und die Stadlräthe Kochhaun und Weigert sowie den Geheimen Baurath Dr. Hobrecht nuS der Mitte des MagiftratskollegiumS als Mit- glieder dieser Deputation ernannt. Es wird kaum anzunehme» sei». daß sich deren Wirken nunmehr ersprießlicher gestalten wird. Ermittelungen und nochmals Ermittelungen. Aus dem Rathhause wird berichtet:„Zur Hebung der gesundheitlichen Ver- Hältnisse in de» Berliner Gemeindeschule» hat eine von der städtischen Schul-Deputation ernannte Kommission mit einer großen Anzahl Berliner Aerzte eingehend Berathungen gepflogen. Ueber das Resultat dieser Besprechungen wurde in der am Mittwoch unter Vorsitz des Bürgermeisters Kirschner stattgehabten Sitzung der städtischen Schul-Deputation Bericht erstattet. Daraufhin hat die Deputation beschlossen, nach Beginn des Sommer- semcsters 1897 eine Untersuchung über die schwachbefähigten Kinder in den Gemeindeschulen stattfinden zu lassen. Der ärztlichen Untersuchung sollen unterworfen werden diejenigen Kinder der 4., 5. und 6. Klassen, welche nach zweijährigem Ausent' halte in einer Klasse die Versetzung nicht erlangt haben. Von diese» Ermittelungen wird es abhänge», ob die Anstellung besonderer Schulärzte in Erwägung gezogen werden solle." Das scheint mit anderen Worten zu heißen, daß an die Ein- stellung von Schulärzte», deren Nothwendigkeit kein Kenner der sozialen Zustände Berlins bestreiten kann, vorab überhaupt nicht zu denken ist. An den Kindern der unteren Klasse», die bei dem Versetzungseifer unserer Lehrer nach �vei Jahren noch keine höhere Klasse erreichen konnten, kann überhaupt kein Zweifel ob ihres geistigen und in den meisten Fälle» auch körperlichen Defekts bestehen: was will man da zu gedachtem Zwecke untersuchen und was soll da noch, wie das hohnvoll klingende Wort lautet, die An- stellung von Schulärzten in Erwägung(!) gezogen werden? Man möge doch lieber gerade heraus bekennen, daß man getreu den frei- sinnigen Prinzipien wohl gesonnen ist, für dynastische Verherrlichungen Hunderttausende hinzugeben, daß aber in den leitenden Körper- schaften der Stadt für die Erfüllung sozialer Pflichten das Ver- ständniß fehlt. Auf die i» städtische» Dieuste»«ud Betrieben beschäftigte» Personell soll die Kranken-Versicherungspflicht bekanntlich evensnlls ausgedehnt werden. Die Gewerbe-Depulation des Magistrats hat nun ein Verzcichniß jener Personen ausstellen lassen, nach welchem die Zahl derselben nicht iveniger als 10 679 beträgt, darunter 1436 Frauen. Von diesen gehören 7669 einer Orts- oder Belriebskasse an und 640 weitereu Personen gewährt die Gemeinde im Krank- heitssalle die gesetzlich vorgeschriebenen Mindestleistungen. Für die erste Kategorie zahlt die Stadt ein Drittel, für die letztere die ge- sammten Kosten der Persicherung. Der Rest— 2350 Personen— ist ine ist unversichert. Die ungleichartige Behandlung der Ver- sicherung beruht nun, wie berichtet ivird, darauf, daß— in Gemäßheit des Krankenversicherungs-Gesetzes— die in städtischen Betrieben Beschäftigten nur dann versichert sind, wenn die Betriebe sich als Fabriken, Bauten oder gewerbliche Betriebe darstellen, oder wenn in ihnen Dampfkessel, Fahrstühle rc. zur Verwendung kominen. Freilich führt diese Unter- scheidung oft zu merkwürdige» Schlüsse». So ist z. B. das städtische Personal nur in zwei Markthallen versichert, weil sich dort hydrau- tische Allsziige befinden, während auf dem Vieh- und Schlachthofe der Versicherungszwang ohne Ausnahme besteht, weil dort„Gewerbe- betrieb" angenonnnen ivird. Bezüglich der von der Stadt außer- halb des Weichbildes beschäftigten Personen richtet sich die Ver- sicherung nach dem zufälligen Umstände, ob der Kreis Niederbarnim oder Teltow i» Frage steht, denn nur auf die im ersteren be- schästigten Personen ist— durch Ortsstalnt— die Versicherungs- pflichl ausgedehnt worden. Die Gewerbe-Deputalion hält eine gleichartige Behandlung aller dieser Personen, die sich wirth- schastlich in der gleichen Lage befinde» und den gleichen Anspruch ans die Fürsorge der Stadt haben, für angezeigt und empfiehlt daher die Ausdehnung der Krankenversicherung auf alle die- jeuige», die nicht mehr als M. für den Arbeitstag oder nicht mehr als 2000 M. für das Jahr beziehen, resp. auch im Krankheils- falle im Genüsse ihrer Bezüge verbleiben. Für die»och nicht unter Mitwirkung der Gemeinde versicherten 2350 Personen würden, wenn man sie bei der Orts-Krankenkasse versicherte und«in Drittel der Beiträge zahlte, 23 312 M. zu eutrichleu sein, d. h. ohne Rücksicht auf die Ersparnisse am Armenetat und den Fortfall der bisher ge- währten Kranken-Unterstützungen. Noch größere Ersparnisse würden sich, wie man ineint, ergeben, wenn man für fämmtliche Betriebe der Stadt Berlin eine Betriebs-Krankenkasse errichten würde. Der- selben könnten auch die von anderen Gemeinden auf Berliner Gebiet beschäftigte» Personen unterstellt werden. UokAles. Genosse Heinrich Endrikatis wurde gestern auf dem frei- religiösen Begräbnibplatze unter starker Belheiligung der Partei- genossen und Genossinnen des VI. Berliner Wahl- k r e i s e s zur letzten Ruhe bestattet. Wohl an 500 Männer und Frauen waren erschienen, dem Dahingeschiedenen die letzte Ehre zu erweise». Der deutsch« Mi etallarbeiter-Verband, der Leseklub„ D i e tz g e u sowie die Arbeiterschaft der Firma Brodnitz u. Seydel hatte» große Kränze gespendet. Die Trauerfeier leitete der Gesangverein„Maiglöckchen I" ein, worauf Genosse Gutheit die Grabrede hielt, in der er das schlichte Wesen des Verstorbenen sowie die unermüdliche Thätigkeit desselben aus politischen, und gewerkschaftichem Gebiete hervorhob. In Endrikatis verliert der VI. Wahlkreis einen braven, allzeit kampfbereiten Parteigenossen. Im letzten Jahre wurde er von Harle» Schicksalsschlägen betroffen. Nebe» dem sehr harten Schlag, daß feine Frau, die eine gute Mutter für die Kleinen war, durch den Tod von seiner Seite gerissen wurde, nuißle er auch noch auf 2 Monate das Gefängmß ansfuchen, um eine Strafe z» verbüße», die er sich in einer Versammlung durch eine Redewendung zugezogen hatte. Endrikatis hinterläßt 3 Kinder, von welchen das jüngste 3 Jahre alt ist. Hoffentlich gelingt es Nahe- stehende», sich ihrer anzunehmen, zumal Endrikatis ganz plötzlich, nach zweitägigem Krankenlager von den Seinen schied und An- ordnnngen irgend welcher Art für die Kinder nicht mehr treffe» konnte. Die Genosse» des sechsten Wahlkreises werden sich des Ver- storbenen immer in Achtung erinnern. Tie Große Berliner Pfcrdebahn-Gesellschaft sorgt mit einer Umsicht, die jedem Mitglieds des Thierschntzvereins rührend erscheinen muß, dafür, daß die Pferde bei dem gegenwärtigen Welter möglichst geschont werden und nach einer nicht allzulang bemessenen Arbeitszeit im Stalle gute Pflege und, was die Hauptsache, ein hinreichendes, in Ruhe zu verzehrendes Futter bekommen. Aus der Behandlung der Thiere leuchtet der Geist der Humanität im Verein mit einer auf fürsorgliche Haushaltung hinstrebenden Weisheit; nicht von ungefähr konimt es, daß als diesjährige Dividende volle 15 pCt. i» Vorschlag gebracht werden können. Jedem das Seine. Dem Material, soweit es persönliches Eigcnthum der Gesellschaft ist, möglichste Schonung, den eigentlichen Ausbeutungsobjekte», also dem Publikum und auch den uulere» Angestellten eine bis zum Zynismus reichende Behandlung. Die Stellung der Pferdebahngesellschaft zu den Fahrgästen ist an unzählige» Beispielen erörtert worden; sie möge heute außer Acht bleiben. Wir wollen, um ein Pendant zu der Fürsorge zu genießen, mit welcher die Gesellschaft ihre Gänle an der Fullerkrippe bedenkt, nur kurz das Mittagsmahl des Kutschers und Schaffners betrachten. Der Wage» ist an der Haltestelle an- gelangt. Auf dem Slraßendamm steht die Frau oder die Tochter des Beamten mit einem Hcnkellops. der das Essen birgt. In der genau zwölf Minuten währenden Haltezeit sind die Eintragungen ins Kontrollbuch vorzunehmen, der Wagen ist aus das richtige Geleise zu bringen, die Pferde werden umgespannt, das Innere des Wagens ist von Papier ,c. zu reinigen. und nachdem diese Arbeiten gemacht sind, steht der Angestellte»ach der Uhr, duckt sich scheu auf die Bank des Wagens— eigentlich soll im Innern nicht gegessen werden— und nun wird in hastiger Gier die inzwischen kalt gewordene Suppe mit den paar Kartoffeln hinuntergeschlungen. Denn schon kommen neue Fahrgäste, die, so- weit sie Schicklichkeitsgefllhl besitzen, sich aus dem Wagen zurück- ziehen, andernfalls aber den Fraß beaugenscheinigen und wohl gar ihren faulen Witz darüber machen. Wenn das Mittagessen ver- schlangen, ist es auch schon höchste Zeit zur Abfahrt, das Glockenzeichen wird gegeben und im Kahren reicht der Angestellte den zuweilen nur halb geleerten Topf der Frau zurück. Dies empörende Bild ist tagtäglich in den Mittags- stunden an allen Haltestellen zu beobachten. Schwer ließe sich eine Antwort auf die Frage finden, warum die dividendenstrotzende Gesellschaft nicht Hilfskräfte an de» Haltestellen beschästigt und dort. ein paar Holzpavillons baut, wie sie in anderen Städten sogar polizeilich vorgeschrieben sind, wenn nicht bekannt wäre, daß diese Gesellschaft sich in Berlin geradezu alles in puncto Rücksichtslosigkeit herausnehmen kann. Völlig sind zwar auch die Angestellten nicht freizusprechen, wenn man ihnen einige Mitschuld an der ihnen zu theil werdenden Behandlung zuspricht. Waruin organiflren sie sich nicht zu dem Zwecke, die Direktion zu bewegen, daß ihnen doch wenigstens eine annähernd so gute Behandlung zu theil werde, wie dem lieben Vieh? Verschiedene Blätter veröffentlichen folgende Miltheilung: „Gegen den„Vorwärts" Strafantrag wegen Geschäftsschädigung gestellt hat der hiesige Zittimermeister F i ch e l. Veranlassung zu der, ihrer prinzipiellen Bedeutung ivege» interessanten Klage bot ein während einer pariiellen Arbeits- einstellung bei dem Genannten im„Vorwärts" veröffentlichter Aus- ruf der Lohnkonimission der Zimmerer." Uns ist nicht das geringste über die Absicht des kühnen Zimmermeisters Fichel bekannt. Kommt der Herr wirklich, so werden wir seinen wunderliche» Gelüsten in geziemender Gemüthsrnhe zu begegne» wissen. Die Polizeibehörde veröffentlicht eine vergleichende Zu' santtucustcUuug über die Persoueubefördcruug ans der Stadt- bahn, den Straßenbahnen und Omnibuslinieu Berlins in de» Jahren 1895 und 1896. Es ergiebl sich daraus, daß durch die ge- nannten Verkehrsmittel im Jahre 1396 zusammen 311 216 955 Per- sonen befördert wurden gegen 270 049 451 im Vorjahre, so daß die Steigerung im verflossene» Jahre 41 167 474 betrug. Der Lön'en- antheil entfällt aus die Große Berliner Pferdebahn, die im Jahre 1896 insgesanimt 154 200 000 Personen gegen 138 900 000 i. I. 1895 zu befördern hatte, im verflossenen Jahre also mehr 15 300 000. Ihr folgt die Stadt- und öiingbah», einschließlich Bahnhof Ärnne- wald, mit 76 899 563 im Jahre 1896 und 65 003 158 Per- sonen im Jahre 1395, was für 1396 ein Mehr von 11 891 410 ergiebt. Die Berlin- Charlottenburger Straßenbahn beförderte 1895: 6 998 555, 1896: 7 476 573(4- 478 018). Die Neue Berliner Pferdeeisenbahn 1895: 18370000; 1396: 21 825000 (-f. 3 455 000). Die Dampfstraßinbahn Bachstein u. Co. beförderte 1895: 3 353 263, im Jahre 1396: 3 527 274 Personen, in dem letzten Jahre also mehr 169 011. Die Omnibusgesellschasten hatten 1395 die Beförderung von 35 979 630. im Jahre 1896 von 43 452 626 Personen zu bewältigen, im Jahre 1396 also mehr 7 472 996. Die elektrische Bahn von Siemens u. Halske, die erst während der Ans- stellungszeit eröffnet wurde, beförderte noch bis zum Schlüsse des Jahres 3 335 394 Personen. Im Durchschnitt wurden von de» Straßenbahnen, der Sladt« und giingbah» und den Omnibussen täglich befördert im Jahre 1395: 739 862, im Jahre 1396: 850 323 Personen, im verflossenen Jahre also pro Tag mehr 110 461 Personen. TaS Polizeiptiisidium macht bekannt, daß die auf dem noch unnumerirlen Grundstück in der Wilmsstlaße neuerbaute Feuer- wache am 16. d. Mts. von der Feuerwehr übernommen und von einem Löschzuge bezogen wird. An stelle deö beseitigte» Feuermelders Büschinastraße 4 ist auf dem Grundstück Wiefenstr. 55(Asyl für Obdachlose) ein Feuer- meldcr zum öffentlichen Gebrauch aufgestellt worden. Z00 000 Mark für die Kirche mit der weggemeißelten Kaineelsinschrift wollen fromme Kreise aus dem Stadtsäckel bewilligt haben. Die„warme" Stimmung, die hier und da bei ordens- lüsternen Stadtvälern aus Anlaß der Hundertjahrsfeier sich breit zu machen sucht, soll, wie die„Verl. Ztg." andeutet, den Frommen geeignet erscheinen, abermals dem bisher mißglückten Verlangen Geltung zu verschaffen. Vielleicht kommt es der liberalen Mehrheit im Ralhhaufe diesmal nicht darauf an,»eben dem vielen Gelde, das für die„Hundertjahrsfeier" hingegeben wird, auch noch 300 000 Mark herzugeben. Es ist ja nicht ihr Geld! Aus dem Theater des Westcuö wird uns berichtet:„Die Dienstag Abend im Bureau des AuffichtsrathS-Vorsitzenden, Rechts- anwalls Michaelis, abgehaltene Generalversammlung der Gesell- schaft Theater des Westens hat auf grund der ihr gemachten Vor- schlüge Beschlüsse gefaßt, wodurch der Fortbetrieb des Theaters und in erster Reihe die Existenz des Personals vorläufig gesichert erscheint. Dem Aussichlsrath, der de»» seit Monaten drohenden Zusanimenbruch des Unternehmens wirksam entgegengearbeitet, mehrfach wie einzelne Gesellschafter auch selbst mit pekuniären Opfern die Gefahr abgewendet und im Interesse des Personals nun anscheinend auch die letzten Schwierigkeiten beseitigt hat— die Einzelbeilen entziehen sich aus internen Gründen der Oeffentlichkeit noch für ganz kurze Zeit— wurde von den Gesellschaftern dafür einstimmiger Dank ausgesprochen." Es nmß schon ein sehr un- geschickter Regisseur sein, der nicht de»„Dank" für solche Wohllhat z» arrangiren weiß. Daß die„gesichert erscheinende Existenz" des Theaters wirklich mehr sei als eine Floskel, wäre im Interesse der Mitglieder und Angestellten zu wünschen; nur wenige aber werden an die angebliche Sanirung glauben. Für de» Neuuuhrschluß der Ladengeschäfte hat sich der Vor- stand des Vereins Berliner Kolonialwaarenhändler in seinem letzten Jahresbericht ausgesprochen. Diese Herren hätten am ehesten Ursache, sich schon von acht Uhr abendS an etwas Ruhe zu gönnen. Warum lag gcstcru so viel Schmutz auf dcu Straße»? Infolge des plötzlichen Thauwetlers, wird die Antwort laute». Ganz richtig. Aber das erklärt nicht die Langsamkeit, mit der die Straßenreinigung selbst im Innern der Stadt angebahnt wurde. Nur wenige Straße» gab es, in denen auffallend fchnell für Reinigung gesorgt wurde, und das waren die, welche der hier zu», Besuche angekommene österreichische Prinz auf dem Wege voui An- Halter Bahnhof zum Schloß durchfuhr. Hier ging die Befreiung von Schnee und Schmutz in geradezu unheimlicher Eile vor sich; in den anderen Straßen wurde aber um so viel langsamer ge- arbeilet. Läßt es sich nicht im Interesse der Reinlichkeit«iurichlen. daß an Tagen wie dem gestrigen, recht viele ausländische Prinzen entsprechend verlheilt die Straßen der Stadt dnrchsahre»? Nothwcudigc Absperrungen störten im Laufe des gestrigen Milt- wochs an vielen Stellen der Stadt den Fußgängerverkehr. Sie galten der Beseitigung der Schneemasse» und Eiszapfen von den Dächern. Dachrinnen und Gesimsen der Häuser. Wie geboten die Sperrnngen in diesem Fall« waren, sah nian an den mächtigen Schnee- hausen und a» den starken Eisschollen, die unter großem Geräusch auf Straßen und Bürgersteige ausschlugen. Es waren Eisstücte in der Stärke von 5 Cenlimetern darunter, die auf Gewässern ein Fuhrwerk zu tragen im stände sind. Die Absperrungen sind aber. auch theilweise in einer recht unzweckmäßige» Weise vorgenommen,' indem man vielfach nicht die Bürgersteige in ihrer ganzen Breite' sperrte, sondern mit kleineu Stangen und Bretleni nur die Hälfte oder den vierten Theil verstellte. Dadurch gerielh aber das Publikum, das auf so kleine Zeichen nicht achtet, erst recht in Gefahr. Die jetzigen Verhältnisse, i» denen Frost« und Thauwetter oft mit einander abgewechselt habe», und große Schneemassen gesallen sind, weisen wieder einmal darauf hin, ivie nothwendig die schon so oft auf» gestellte Forderung nach Schutzgittern an den Dächern ist, um daZ Herabsalleu größerer Schnee« und Eisstücke zu verhindern. Gesperrt wurde gestern Mittag in der zwölften Stunde auch die Schloßbrüche; aber nicht wegen des Wetters, sondern weil der Erzherzog Otto aus Wien ins hiesige Schloß zn Besuch kommen wollte. Ein anscheinend internationaler Taschendieb ist gestern Abend durch Patrouillen der Kriminalpolizei zwischen den Fleisch- stände» Zentral-Markthalle ergriffen worden. Die Beamten hatten bemerkt, daß ei» junger Mann jüdischen Aussehens sich an besser gekleidete, im Gedränge vor Wurftwaarengeschäften stehende Damen herandrängte und seine Hand in ihre Taschen versenkte. Er wurde verhaftet, nannte sich Heimann Grünbaum und wollte auf der Reise von London nach seiner Heimath Kowno begriffen sei». In seiner Hosentasche wurde ein leeres Damenportemonnaie, 5 M. loses Geld und ein Eisenbahnbillet IV. Klasse von Hamburg nach Eydtkuhnen gefunden. Daß der angebliche Grünbaum ein professtonirter Taschendieb ist, wird daraus gefolgert, daß das Untersutter der Tasche seines noch neuen Ueberziehers zerrissen war, so daß er die Hand hindurchstecken konnte. Sturz auS dem Fenster. Zwischen Himmel und Erde schwebte heute um die Mittagszeil die Ehefrau des Pförtners Greifeld. Sie war damit beschäftigt, von den Fenstern ihrer im dritten Stock des Hauses Marienstr. 29 belegenen Wohnung den Schnee zu entferne», und verlor dabei das Gleichgewicht. Sie blieb nun mit den Kleidern an einem Blumenbrett hängen und ergriff mit den Händen noch ein zweites Blumenbrett, um sich sestzuhalteu. Aber ehe ihr Hilse ge> bracht werden konnte, rissen beide Bretter und Frau G. fiel auf den Hof hinab. Zum Glück lag an jener Stelle ei» Schneehaufen, der Anprall war aber doch so heftig, daß die Verunglückte bwußtlos liegen blieb. Sie wurde nach einem Krankenhause gebracht. Ein stiller Kompagnon. Der Kausinann E. erstaltete gestern die Anzeige, daß ihm in der vergangenen Nacht aus seinem in der Köthenerstraße gelegenen Komptoir durch Eröffnung des ver- schlösse»«» Gelbspindes mittels falschen Schlüssels 9000 M. in baarem Gelde, 12 000 M. in Ehecks und eine Anzahl Wechsel ge- stöhlen worden seien. Einen Verdacht der Thäterschast verinochte er nicht anzugeben. Der Befund am Thatorte ließ die Annahme, daß der Diebstahl durch gewerbsmäßige Verbrecher ausgeführt worden sei, ausgeschlossen erscheine» und sprach für die Thäterschast eines Wigestellte» des Geschäfts. Durch die weitere» Feststellungen ergab sich, daß der seil l'/e Jahren im Geschäft als Reisender angestellte Kaufmann Wittenburg im Laufe der Zeit Unterschlagungen in Höhe von etiva 5000 M. begangen hatte, und diesem wurde der Diebstahl auf den Kopf zugesagt. Er gestand ihn schließlich ein. Das ganze gestohlene Geld wurde uebst Ehecks und Wechseln aus einem ihm gehörigen Nuderboot bei Stralau versteckt vorgefunden. Wittenburg halte darauf gerechnet, daß ihm gestern IS 000 M. zur Ablieferung übergeben werden würden, und er hätte sich dann wohl mit dem Gelde davongemacht. Erschossen hat sich am Tage vor seiner Verlobung der 30 Jahre alte Drechsler Willi Grube. Seine Leiche ivurde gestern Morgen im Thiergarten gesunde». Am Mittwoch sollte die Verlobung mit der Tochter des Schneidermeisters K. in der Wißmannstraße stallstnden, bei dem er seit Jahresfrist gewohnt hat. Dienstag Nachmittag um 3 Uhr lief bei Frl. Johanna K. ei» Brief ihres Bräutigams ein, den dieser zwischen 12 und 1 Uhr auf dein Postamt"W 64 ausgegeben hatte. Grube schrieb, daß es ihm leid thue, eine Verlobung nicht eingehen zu können, seine Braut möge seine» Schritt entschuldige» und seinen Vater in Linden bei Hannover benachrichtigen. Er fürchte, daß es ihm ebenso ergehen werde, wie seiner Mutter und seinem Bruder. Die erstere sei in einem Wahnsinusaufall ins Wasser gegange», der letztere habe sich in einem ebensolchen Zustand ver- giftet. An Grube sind besorgnißerregende Wahrnehmungen bisher nicht gemacht worden, wenn er auch ab und zu ein sonderbares Benehmen zeigte. Der Vater ist sofort benachrichtigt und befindet sich schon unterwegs, um die Leiche seines unglückliche» Sohnes zu besichtigen. für die kurze Strecke der elektrischen Straßenbahn an ntherkirchc ist jetzt auch die polizeiliche Genehmigung der Abschaffung der unterirdischen Stroinzuführung und Einrichtung der oberirdischen Leitung erlheilt worden. Die Acuderung soll bei Eintritt besserer Witterung erfolgen._ Aus de» Rachbarorteu. Friedrichshagc». In der letzten Gemeindeverlreter- Sitzung stand ei» Antrag des hiesige» Kriegervereins bezüglich der„Centenar frier" zur Berathnng. Der Verein ersucht die Gemeindevertretung, die Feier i» unserem Orte als eine allgemeine zu begehen und die Borbereituiigeu hierzu in die Hand zu nehmen.— Unser Partei- genösse, Gemeindevertreter Sonnen bürg, g�o die Erklärung ab, daß er als Sozialdemokrat es ablehnt, sich an der Feier zu betl?eiligen. Ferner protestirte er gegen die Verwendung von Gemeindeinittel» zu diesem Ziveck. Angesichts der»och zahlreich zu erfüllenden Aufgaben der Gemeinde sollte es Pflicht jedes GeineindeverlretcrS sein, keine Gelder für derartige Zwecke zu bewilligen. Gegen die Stimme unseres Genoffen wurde beschlossen, eine Koinnlissio» zu wählen, ivelche die»öthigen Schritte zu unternehnien hat.— Ein weiterer Punkt betraf die Feststellung des Brennkalenders pro Etats jähr 1897/98. Unser Genosse beantragte, endlich die Morgen deleuchtung einzuführen. Nach langer Debatte wurde beschlossen, 800—1100 M. mehr in den nächsten Etat einzustellen, um vom IS. November bis IS. März die Morgeubeleuchtung eintreten zu lassen. DaS astrophysikalischc Observatorium bei Potsdam wird in nicht allzu langer Zeit i» den Besitz eines großen Resraklors ge- lange», welcher de» anierikaiiischen Riesen-Fernrohren ebenbürtig ist. Die Kosten für dieses Jnflrunieiit und die durch dessen Aufstellung nolhwendigen Bauten sind auf 70S7S0 M. veranschlagt. Der Refraktor wird aus einem Doppelrohr bestehen mit einem für chemische Strahlen nchromatisirten Objektiv von 80 Zentimetern Durchmesser und einem für die optischen Strahlen achromatisirten von 50 Zenti nietern Durchmesser. Die Brennweiten werden»ach der„Köln. Ztg.' 12 beziv. 12,5 Meter betragen. Die für die Objektive bestimmten Glassorten find mittlerweile auf ihre Lichtdurchlässigkeit untersucht worden, wobei sich ergebe» hat, daß in dem großen Jnstrnmenle durch Absorption und Reflexion 51 pCt. des aussalleuden Lichts ver- loren gehen; dennoch aber können für geivisse, sehr wichtige Be- obachlungen achtmal so viele Sterne mit diesem neuen Instrument untersucht werden als mit dem bisher benutzten. Ertrunken sind auf dem Klarensee bei Köpenick zwei hiesige junge Mädchen in» Alter von 18 beziv. 20 Jahren. Dieselben näherten sich trotz aller Warnungen einer warmen Stelle; plötzlich brach das Eis ein und die junge» Mädchen stürzte» in die Tiese. Infolge der Gefährlichkeit jener Stellen war eine Rettung unmöglich und so büßten die Mädchen ihren Leichtsinn mit dem Tode. Die Leichen sind bisher noch nicht gesunden worden. Geviffzks-Teilung. Tie Voruntersuchung in der Anarchistensache gegen Mechaniker Koschemaun und Genossen ist jetzt geschlossen worden. Seit 7 Monaten befinde» sich jetzt die Westphal'schen Ehe- leute und der Schuhmacher Weber in Untersuchungshaft, iveil sie sich der Beiheilignng an dem Mordversuch gegen den Polizei-Oberst Krause im Jahre 1895 dringend verdächtig gemacht haben sollen. Die Angeschuldigten stellen jede Bethciligung i» Abrede und es soll den. Vernehme» nach wenig bl.astendes Material beigebracht sein. Die Akten sind jetzt der Staatsanwaltschaft zur Erhebung der An- klage eingesandt worden. Als Nadau-Anstifter in der letzte» Neujahrsuacht wurde gestern der K r i in i n a l k o m m i s s a r a. D. G r ü tz m a ch e r vor der 141. Abtheilung des Amtsgerichts I festgestellt. Gegen 12 Uhr waren in der Shlvesternacht in der Friedrichstraße von der Behrenstraße bis zur Taub-nstraße starke Schutzmanns. posten aufgestellt. Bei Beginn des neuen JahreS war es zuerst aus- jallend ruhig und«rst zwanzig Minuten spät«» entstand an der Taubenstraße ein heilloser Skandal, der von de» offenen Fenstern de? Detektivbureaus„Greif" herkam. Der Polizet-Offizier machte den Oberst Krause daraus aufmerksam, daß gerade von feiten eines früheren Kollegen der Polizei die ersten Schwierig- keilen bereitet wurden. Man versuchte, die Ruhestörer, welche als der Kriminalkommissar a. D. Grützmacher und seine Beamten Giese und Bornemann festgestellt wurden, zu veranlassen, vom offenen Fenster fortzugehen, doch leisteten dieselben keine Folge, sondern brüllten mit gefüllten Punschgläsern in der Hand auf die Straße, was sie nur konnte», so daß es bald als ein„Reklamegeschrci für den Greif" anzusehen war. In gleicher Weise brüllten die Straßenpassänten mit den üblichen Be- merkungen auf den„Greis". Die Angeschuldigten Giese und Borneinann konnten nicht mit Bestimmtheit im Termine als die Siadaumacher bezeichnet werden, während Kriminal- kommissar a. D. Grützmacher überführt ivurde. In an- belracht der herrschenden Freudenstimmung nahm der Gerichts- f von der beantragten Geldstrafe von 20 M. Abstand und verurtheilte Grützmacher wegen groben UnfugS zu S M. oder Tag Haft. Tic vor dem Schwurgericht des hiesigen Landgerichts I während der vorletzten zwei Sitzungstage geführte Verhandlung gegen den Dr. med. U n s h e l m, die Hebamme G u s e und den Gärtner Peter H o f m a n n ivegen Verbrechens gegen keimendes Leben dehnte sich bis in die erste Morgenstunde des gestrigen Tages aus. Der erste Angeklagte bestritt bis zum letzten Augenblick, sich einer verbrecherischen Handlung schuldig gemacht zu haben. Er gab zu, das zu der Hebamme Guse gekommene Mädchen ärztlich be- handelt zu haben, behauptete aber, daß der Zustand des Mädchens schon bei seiner Ankunft ein derartiger gewesen sei, daß das angeb- liche Verbrechen überhaupt nicht mehr»öthig gewesen wäre, sondern es nur noch darauf angeloinmen sei, der Kranken diejenige Hilfe angedeihen zu lasse», ivelche die Situation erforderte. Der Angeklagte behauptete, daß er diese Hilfe nach den Regeln der ärztlichen Kunst geleistet habe und versicherte seine Unschuld schließlich mit erhobener Stimme und unter Anrufung Gottes. Die Geschworenen, die nach eingehenden Erörtcrnngen der medizinischen Sachverständigen und sehr eindrucksvolle» Plaidoyers des Staatsanwalts Oelschläger und der Rechtsanivälle Werthaner, Seeler und Wronker zu der schwierigen Schuldsrage Stellung zu nehme» hatten, brauchten zu ihrer Berathung über zwei Stunden. Erst um 1 2�/2 Uhr nachts verkündete der Obmann de» Wahrsprnch der Geschworenen, der bei allen drei Angeklagte» die Schuldfrage verneinte. Die Angeklagten wurden infolge dessen freigesprochen und sofort aus der Haft entlassen. Wege» eines vor etiva tU/e Jahre» begangeneu Fehl tritts halte sich gestern ein Buchhaller N e um a u n vor der dritte» Slraikammer des Landgerichts I zu verantworten. Der junge Mann hatte eine sehr bewegte Vergangenheit hinter sich. Er war vor Jahren als Buchhalter in einem großen Tischlergeschäst angestellt und kassirte als solcher bei einem hiesigen Klub eine Summe von über 1200 M. für gelieferte Arbeite» ein. Der Besitz dieses Geldes brachte den junge» Mann auf eine abschüssige Bahn In der Passage machte er die Bekanntschaft eines Mädchens, mit dem er in einem i» der Nähe'befindlichen Weinrestaurant zunächst einige vergnügte Stunden verlebte. Als er dann feststellte, daß ihm bei diesem Adenteuer 100 M. abhauden gekoiuine» waren, wurde er ernüchtert und beschloß nun, das Weile zu suchen. Er hat dann eine wahre Irrfahrt unternommen. Er wandte sich zu nächst»ach Wien, als ihm dort der Bode» zu heiß wurde, schlug er sich nach Holland durch und brauchte in Anisterdai» de» letzte» Rest des unterschlagenen Geldes auf. Dann wanderte er unter unsäglichen Entbehrungen nach Hamburg, wo er sich als Heizer für einen Atlantischen Dampfer anwerben ließ und nach Amerika answanderle. Er hat drüben mehrere Jahre gelebt, schließlich packte ihn aber doch die Sehnsucht nach der Heimath n»d als nach seiner Berechnung die Verjährungsfrist abgelaufen war, wagte er es. nach Berlin zurückzukehren. Hier wurde er bald ver- hastet. Für die Unterschlagung ivar allerdings die Verjährnng ein- getrete», die Anklagedehörde beschuldigte aber den Angeklagte» auch des Verbrechens der Urkundcnfälschnng, indem sie be hauptete, daß der Angeklagte die Uuterschrisl aus der Quittung, die er seinerzeit dem Klubvorsiande vorgelegt hatte, gefälscht habe. Der Angeklagte wurde aus der Untersuchungshafl wieder enllassen, nach den, sei» Vater eine Bürgschaft von 6000 M. gestellt hatte. Im gestrigen Termine bestritt der Angeklagte den Vorwurf der Fälschung und Rcchtsanivalt Dr. S ch w i u d t trat einen Eilllastuugsbeweis dahin au, daß die Unterschrift möglicherweise von einem An gestellten geleistet worden sein könne, der seinerzeit dazu berechtigt war. Bei der Länge der Zeit konnte» in diesem Punkte bestimmte Feststellungen nicht mehr getroffen werde», dagegen verinochte der Schreib-Sachverständige Langenbruch mit ziemlicher Bestinunt heit zu bekunden, daß die Unterschrift nicht von der Hand des An- geklagten herrühre. Infolge dessen erfolgte die Freisprechung des Angeklagten. Die Mörder des nunmehr seinen Wunden erlegenen Kon- fitüren-Händlers Isidor Brock dürfte» sich schon in der nächsten Schwurgerichts- Tagung wegen ihrer Unthat zu verantivorte» haben. Die Voruntersuchung ist abgeschlossen und die Anklage gegen sie erhoben worden. Letztere richtet sich gegen den lOjährigen Hausdiener Hermann Wolf, de» 20jährigen Arbeiter Hermann At ü l l e r, den 20 jährigen Arbeiter August Birkholz und die Verkänserm Martha Krause. Die beiden ersten Angeklagten werde» des versuchten Mordes und des schweren Raubes unter Marlerung eines Menschen beschuldigt und nach dem Gange der Voruntersuchung und ihren eigenen Zugeständnissen ist. wie berichtet wird, kein Zweifel darüber, daß sie den mit so furchtbaren Folgen verknüpften Uebersall von langer Hand geplant und mit voller Ueberlegung aus- geführt habe». Die Angeklagten werden vor dem Schwurgericht von den Rechtsanwälten Dr. G u l l s in a n n, G o l d st e i n, G r a s s o und Dr. C o ß m a» n vertheidigt werde». Der verstorbene Herr Brock ist durch den Tod von schweren Leide» erlöst worden. Es steht fest, daß, wenn er am Leben geblieben wäre, er einer dauernden Geistes- krankheit verfallen gewesen wäre und die Sehkraft auf eine», Auge verloren hätte. In Hannover sind vor einigen Tagen abermals zwei prügelnde Schutzleute verurtheilt worden. Der eine, namens Lauenstein, er- hielt vier Monate Gefängniß, der andere kam mit 30 M. Geld strafe davon. Den eidlichen Aussagen eines als Zeuge» geladenen drille» Schutzmanns schenkte das Gericht keine» Glauben. de? Kongresses durch die Versammellen abgelehnt. Unter Vereins- angelegenheitcn wurde lebhaft Klage geführt, daß verschiedene Gast- wirthe, die Zahlstellen von Gewerkschaften haben, die Plakate der Freien Vereinigung nicht genügend in ihren Lokalen beachten oder gänzlich verwerfen. Arbeitir-Kildnngsschnle, Donnerstag Abend 9 Uhr bisit�Uhr: Südost- schule, Waldeinarstr. u; Rede-Uebuna(Die wichtigste» technische»«LrundsäS- fiir die Kunst des öffentlichen Redens. Lehre vom Aufbau eines Vortrage»). Herr Heinrich Schul,.— Nord schule, Brunnenstr. 25: Äeschichte(Alte Seschichte. Urzeit. Entstehung Iber Riltgtonen. Orientalische Völler.«Srteche» und Römer). Herr Dr. T. Pinn. Tie Schulritume sind zur Benutzung der Bibllothel und des reichen Zelt- schriktenmatertal» schon von s Uhr abends an geöffnet. zu« z»f»haU« d« Arb«it«r-Kitd»»i»schnl«, Brunnenstr. 26, ist wochentags von 0—9 Uhr, Sonntags von 4—g Uhr, unentgeltltch für jedermann geöffnet. Die G e sch asts st ell e der Schule N., Brunnenstraho 25, die den Vereins- vorständen zur Vermittelung von Vorträgen wissenschaftlichen EharalterS zur Verfügung steht, ist ebensalls von s-o Uhr nachmittag» geöffnet. Arb»it»r-Ki>»g»vd»»d Berlins und Umgegend. Borsttzender Ad. Neunian», Pasewallerstr. s. Alle Aenderunge» tm Verei»s!ale»der sind zu richten a» Friedrich »ort» vi. Manteufselstr. 49, v. 2 Tr. ArlirlUr• z!»»ch«rbnnd Kerlin» und Zlmgeg«»». Aenderunge» im Bereinskalender sind zu richten an Hermann Braunschwetg, Dresdener- straße so, 2. Hof, 4 Tr. K»»d der gesellig»» Arbeitervereine Kerlin» n»d zlingegend. Alle Znschrtsle». den Bund delrefsend, stnd zu rtchieu an P. Sent, S. Dresdener- strahe 107/8. Kerltner Uaturtzeilvrrein 2. Heute, abends S!( Uhr, tm Saale de? Vereins junger Kaufleute, Beulhstraße 20: Vortrag des Herrn Orihey über „Krampfadern, Krampfader-Seschwür», deren Enlstehung und nalurgemähe Be- Handlung". Arends'fcher Kt»»»graphe»-P«r«in„ptzala»«", Dresdenerstr. 4S, abends sx Uhr: Neuer Unlerrichtslursu». Zentral-Kranken-»nd Hterbekast« der TifchUr und anderer aeivrrb- Uchrr Arbeiter. Die Orts-Berwaltunaen Berlins und Umgegend versammeln stch am Freitag, den is. Februar, abend» s Uhr, bei Schöning, Köpntllerstr.«s. WittcruttgSlibersicht vom 10. Februar I8U7._ VevfÄmmlunsVN. Der sozialdemokratische Verein„Vorwärts" hielt am Dienstag enie gut besuchte Versammlung auf de», Gesundbrunnen ab. Vor Eintritt in die Tagesordnung ehrten die Anwesenden das Andenken des verstorbenen Genossen E n d r i k a t i s durch Er- heben von den Sitzen. Hieraus hielt Reich-tags-Abgeordueter Max Echippel einen äußerst interessanten und lehrreichen Vortrag über die Farmerbewegung in Amerika. Ein« Diskussion fand nach dem mit reichem Veifall aufgenommenen Referat nicht stall. Der Vor- sitzende giebt unter Vereinsangelegenheite» bekannt, daß Einlaß karten zu dem a», 6. März stattfindenden Stiftungsfeste, wie auch zu der am 28. März stattfindenden Vorstellung in der„Urania" in der Taubenstraße, in den Zahlstellen und bei den Vorstands- Mitgliedern ,» haben sind. Die Händler und Händlerinnen hörten in ihrer Mitglieder Versammlung am s. Februar einen Vortrag des Mitgliedes Schröder über Zweck und Nutzen einer Gewerkschaft, dem sich eine rege Diskussion anschloß. Ferner nahm die Versammlung Stellung»ur Beschickung des Kongresses der lokalorganisirten Gewerl schaften. Nach einer längeren Debatte, in der sich die meisten Redner dahin äußerten, daß durch den Kongreß nur der Streit»wischen Lokal« und Zentralorganisatio» größer werde, wurde die Beschickung S l a t i 0 u e n. Sivinemüude Hamburg. Berlin.. Wiesbaden. München. Wien... Haparanda. Petersburg. Cork... Aberdeen.. Pari». _„.S L IgsS ® 2 S.B .£ 760 761 762 766 768 769 773 765 762 768 Z j=t s «ö| iC fi -o u L Wetter S Z Z> pll W C jo SW W SW Still OSO W SSW Dunst bedeckt Regen bedeckt Regen Nebel heiter Regen heiler Dunst 2 2 2 2 0 -9 -16 3 2 8 Wctler-Prvgnosc für Donnerstag, de» 11. Februar 1897. Ein wenig kälter, zeitweise heiter, vorherrschend wolkig mit Niederschlägen und frischen nordwestlichen Winden. Berliner Wetterbureau. Briefkasten der Redaktion. Die juristische Sprechstunde findet Montags, Dienstags, Freitags und Sonnabends, abends von 7—8 Uhr statt., Glückauf. Der Versaminlungsberüht war für uns ohne besoiu.'reä Interesse. Die andere Notiz wird verwandt. E. Döblin. Wenden Sie sich direkt an die Preßkommission. II. Wahlkr>eis. SoziÄldenrokvÄtifchev Mslhlnevein. Donnerstag, den 11. Februar, abends S1/* Uhr, im liOkale BickeFs Konzerthaus, Uasenhaldc 53/53: UQT Versammlung. Tag es-Ordnung: 1. Vortrag des Stadtverordneten t'i-ltA Zabell über: Vorgänge in der städtischen Vertretung Zahlreichen Besuch envartet 2. Diskussion. Der Vorstand. 238/7 3. Wahlkreis. Freiing, 12. Februar, abends 8 Uhr, in Laussouei, Kottbuserstr. 1»: V ol ks Versammlung. Tagesordumig: Vortrag deS Reichsiags-Abgeordneten A. Befiel: Die gegenwärtige wirthschastliche und politische Lage. Diskusston. 1213/5 Uni zahlreiches Erscheinen ersucht Die Vevti-Miemipei'««»!». Bildhauer! Sonntag, den 14. Februar 1897, abends K Uhr, Anneustr. 1«: Oeflentliclie Versammlung mit Frauen. Im Anschluß daran: Cien»tttI»UeI»e» Beinammensetn. 21/4 Der Vertrauensmann. CharloUenburg-Beriin. KBeute! HaMWsMe«! Heute Donnerstag, 11. Febrnar, abends 9 ühr: Große öffentliche Versammlung in CksHottendung im Saale„BtsmarckShöhe", BSilmersdorferstraße Rr. 39: Tages-Ordnung: I. Der Achtuhr- Ladenschluß und die Handlungsgehilfen. Referent: Kollege AHjxuxit Hlntxe. 2. Freie Diskussion. Genossen, Kollegen! Ich fordere Euch auf, Mann fiir Mann in dieser Versaiiiinlung, die„die erste" in Charlottenburj�ist, zu erscheinen. Das Versammlungslokal ist in unmittelbarer Nähe der Staotbahn-Station „Charlottenburg". 90/10 Der Vertrauensmann: H. Besser. Otto Mottos BierqueTle SOd-Ost, 14.■Wiener-Strasse 14. KenteDmttßsß: Eröffnungsfeier! «/(* föv/- Uhr abends ab 3V Pf. Im Theater- Saale täglich 8 Uhr abends Vorträge, mit Erperi- menten u. gr. Lichtbilden: ausgestattet. Näheres die Tagesanschläge. Pas»!!«- Panopticum. Nur noch kurze Zeit. Affkil- TlMter Vorstellungen um 5 und 7 Uhr. Castan's Panopticum. Pygmäen nie kleinsten Die beiden indischen_ die kleinsten Menschen der Welt! Damen-Wettschwimmeu. Münz- u. Kaiser Wilhelmstr.-Eckc Winkier's grosses Anatomisches Museum Freitag von 2 Uhr ab: Damentag. Entree 30 Pf. 120M Uolks- Theater 34 Reichcubergerstr. 34, nahe dem Kottbuser Thore. Beute, Bonnerstag:, abends 7 Uhr: mr Zuerst: im Flitterwochen. Schwank in 1 Akt, darauf z. ä.Male: M Stufe zu Stufe. Lebensbild von Dr. Hugo Müller. Enttee von 3« Pf. bis 3 M. Alcazar Variete-Theater 1. Ranges. Dresdenerstr. 53 53(City-Passage) Annenstr. 43,43. Art. Leiter: Kapellm. Martin Stein. Kolossaler Erfolg Broth. Clewers, Kunstschützen. Kobln A Berat, Jongleure. Bornum sc Bcilay.Zauberparodisten. Freikarten behalten Giltigkeit. Ansang 8 Uhr, Sonntags 0 Uhr. Enttce 39 Pf. Die Direktion. Lire»» Kens Baristrasse. (Jubiläums-Saison 1899/97.) Donnerstag, den 11. Februar 1897, Abends 71/2 Uhr: Elite-Yorstellung. lufführnng der Novität: Durchschlagender Erfolg! Aus der Mappe eines Riefengebirgs-Phailtsssteu. Eine romantisch- phantastische >andlu»g. Von Direktor Franz tenz und dem großherzoglich hessi- schen Hofballetmeister Aug. Sie»»». Außerdem die hervorragendsten Nummem des Repertoirs. Mazud nnd Atbarguel, arabische Hengste, drcssirt und vorgef. v. Herrn Hugo Herzog. Auftt. d. Schulreiterin Frau Robert Renz mit dem Schulpferd Cyd und dem Springpferd Blitz, tjnadriiie & la cour, geritten von 8 Damen und 8 Herren. Freitag, den 11. Februar er., abends 7y. Uhr: Aus der Mappe eines RtesengebirgS< Phantasten._ C IRC UC 'Busch Baitnlior BOrse. Donnerstag, den 11. Februar er., abendS 7:/, Uhr: Kraoae 8ojree equeslre. Das Tagesgespräch von Berlin: Nach Sibirien. Feenhafte Ausstattung. Original-Ideen.'»B Neue Einlagen. Außerdeui; Hippolog. Monstre- Tableau, Original- Massendressur d. Dir. Busch. 4 arabische Schimmel- Hengste als Schaukelpferde, dress. und vorgef. vom Dir. Busch. Auftreten der berühmten Schulreiterin Mine. Maria Dore. Zanzibar, russ. Hengst, ger. v. Herrn Salamonskt. HermanoS Eaftagna, exccntr.-mufikal. Klownö. Auftteten des Gigerl-Klowns Mr. Alf. Daniels. Spezialitäten 1. Ranges. Morgen: Räch Sibirien. Goneorllis Variite-Theater Brnnnenstr. 154. Täglich: Grosse Theater- und Spezialitäten- Vorstellnng Das beste Programm d. Nordens. 11. a. Geichw. Carrö, brillante Doppel-Jongleure. Mira V orrmann, die fesche Soubr. Otto Buddel, gefällt nach wie vor. Neu einstudirt: Bombe» und Granaten, Posse. Ansang Wochentags 7>/z Uhr. Sonntags 0 Uhr. Umtausch- Billets haben Giftigkeit. Kaufmann's Variete Veues Programm!!! Der kleinste Circus der Welt. Neu! Wasfer-Pantomime D.Entsührg.a. d. Drachenschlucht. Mr. Pattz- Antipode, L,orch-Truppe, Rose und Jules, BTaek and White, Geschw. F.niilon, Gesehn. Gorelly, F.di Blum und 35 Elite-Nummern. Lumpe-Gastspiel Parodie-Theater Oranienftr. 53. Jeden Abend 8 Uhr die Novität: Genoveva, Pfalzgräfin am Rhein, oder: Ein schwer geprüftes Frauen- herz. Großes Ritterdrama in 5 Akten. Konzerthaus Sanssouci, Kottbnsci' Strasse 4a. Heute, sowie jeden Donnerstag und Sonntag: Stettiiie!' Sänger (Meyfel, Pietro. Britto», Steidl, Krone, Röhl und Schräder). Anfang präz. 8 Uhr. Entree 59 Pf. Vorverkauf 49 Pf. in der Zigarrenhandlung des Herrn Kessler, Kottbuser Thor. Zum Schluß: Finke'S SSliclisseilstreiche. Ensemble von Mensel. Freitag: Viktoria-Brauerei. F-°,,-Palast,„Ä. Direktion Wlnklcr/z Uhr. Wochentags 20 Pf. Sonntags 0 Uhr. f Sonntags 30 Pf. .lul.WSa'nuu'« Festsale, Schwedterstr. 33,34. 3 Bercinsziinmer, gut eingerichtet, von 80—150 Personen fassend, 2 ver- deckte Kegelbahnen noch einige Tage in der Woche zu vergeben. 10332* Telephon-Amt III, Nr. 2440. Künstliche Zähne. F. Stessens, Roscnthalerstt. 01, 2 Tr. *1 Theilzahlung pr. Woche 1 M. Berliner Ressonrce, Kmmkntkch. 97. Sonntag, den 14. Februar 1897: Drosser Wiener Maskenball veranstaltet vom Lerbaild heutslher Schlltider u) Si(iteiDfriiiiifit (Filiale Berlin.» 162/7 � Eröss'nnng 7 Uhr. Demaskirung: 12 Uhr. Ansang 8 Uhr. Billets a 50 Pf. sind im Zenttal-Arbeitsnachweis und Auslunfts- Bureau, Alte Jakobstr. 83, tn den Zahlstellen des Verbandes, sowie bei den bekannten Verbandskollegen und-Kolleginnen zu haben. Zum zahlreichen Besuch laden ein__ Tie Bevollmächtigte». Verein. Sonnabend, den 13. Februar, in Sanssouci, Kottbuserstrasse 4a: Grosser Wiener Maskenbali. BilletS sind bei sSmmtlichen Vorstandsmitglieder zu haben. 198/12_ Per Vorstand. 31656 Abrechnung vm Streik her Bilchbiillikr iinti LWömier- Arbeiter. A. Einnahme. Von b. Verbandskass. erhalten Von derMitgliedichaftBerlin (Lokalzufchlag).... Auf Listen Sammlung A 849,90 Sammlung B 858,75 Tellerfammlungcn.... Von Frau Gnaul.... Von Koll. der Firma Ashelm HerrenKuhlemannu. Schmidt Buchdrucker von Sittenfeld. Von Kollegen vou Stange. Von Kollegen von Rau.. Von Kollegen Seyfarth u. Thomas....... Von Gastwirth Gross«.. I»j 6312j27 838:20 1708'65 318 90 36 15 6 20 13 22 30 Summa|9312|83 Verlin, den 9. Februar 1897. B. Ausgabe. Stteik-Untcrstütz. Buchbinder 22. /II. 90-18/1. 97 do. LuxuSvapier-Arbeiter 19./10 96— 16./1. 97 Inserate und Drucksachen. Entichädigung an die Lohn- kommission... Unlosten der freien Konferenz Porlos........ Schreibmaterialien. 0,35 1 Stempel.... 3,25 Diverses..... 0,90 Prozeßkosten.... 5,50 3 Strafmandate(6, 3, 3). Ji 3462 2660 769 270 8 107 20 50 Summa Die Lohnkommisston: Albert Bergmann. Die Revisoren: Beruh. Jost. Paul Sianowsky. Emst Wilhelm. Grauere! Oswald Berliner. Der Ausotoss meines diesjährigen vorzüglich gerathenen HÜr Bock-Bieres beginnt am 8onnabend, den 13. Februar, und nimmt der Versand in Gebinden und Flaschen an diesem Tage seinen Anfang. Gefällige Bestellungen bitte direkt an die Brauerei zu richten. 1058S* Hochachtend Oswald Berliner X. Berlin, Brnnnenstr. 141—143. 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