Freitag, den IS. Attgitst 1890. 7. Jahrg. K? Laust beso>� i 4 de» ä y Hrgan für die Interessen der Arbeiter. . Das..Berliner Volksblatt" Meint täglich Morgens außer nach Sonn- und Festtagen. Abonnementspreis für Berlin frei p* vaus vierteljährlich 3,30 Mark, monatlich 1,10 Mark, möchentlich 28 Pf. Einzelne Nummer 5 Pf. �unlags-Zromner mit dem„Sonntags-Blatt" 10 Pf. Postabonnement 3,30 Mark pro Quartal. .(Eingetragen in der Poftzeitungspreislistc für 1890 unter Nr. 892, V. Nachtrag.) •»Ur Krenzband, täglich durch die Expedition, für Deutschland und Oesterreich-Ungaru L Mark, für daS übrige Ausland 3 Mark pro Monat. JnfertionSgebühr betrügt für die S gespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pf., für Vereins- nnd VerfainmlungS« Anzeigen 20 Pf. Inserate werden bis 4 Uhr Nachmittags in der Expedition, Berlin SW., Bcnthstraue 3, sowie von allen Annoncen-Bureaur, ohne Erhöhung des Preises, angenommen. Die Expedition ist an Wochentagen bis 1 Uhr Mittags und von 3—7 Uhr Nachmittags, an Sonn- und Festtagen bis 9 Uhr Vormittags geöffnet. -% Frrnfprrchrr: A«»t VI. Ur. 4106.«-*- MedAkkion: VettkhZkraHe S.— Expedition: VonthttvaHe S. Fr�ttlrreirhs Entvölkerung. m u. ft._ Nachdem der„Temps" die größere Fruchtbarkeit der �beiterfamilien konstatirt hat, wo„das Kind, sobald die Jen Jahre vorüber sind", das Glück hat,„in die Fabrik g W: t �uyre vorüber]\no", oas mua yai,„m vie jyuvui ies d°Z'»zutreten", denunzirt er in der melancholischen Pose einer '»Ilnndra den gesetzlichen Kinderschutz als Ursache einer g maI."�»ll weiteren Bevölkerungsabnahnie.„Bemerken wir i»ke»,) U»» nebenbei," läßt er sich aus,„daß die neuen, die lber ö'7 Merarbeit in so strenger Weise(sie!) reglementirenden le«Etebo f..........«i....„„.rÄftrtA„i-ss-i-s.» in Z Herr Iisse, so ausgezeichnet und unverläßlich sie vielleicht in Msen Beziehungen sind(das„vielleicht" und„in ge- 'Ifen Beziehungen" ist zu allerliebst), doch eher von dem ge- ._ Mn Gesichtspunkte aus, der uns beschäftigt, als eine Gefahr Meinen. Denn sie zielen darauf ab, die Lehrzeit hin- Ns-i» Muschjeben und zu verlängern, sie rücken infolge dessen zu M den Moment hinaus, wo sich das Kind selbst genügen vaZ»»». Der Vater wird also weniger gern eine schwerer tn Mordene Last annehmen." geil)'' Nun hat allerdings der„Temps" mit der Schutz- �Ichgebung für Kinderarbeit als„Gefahr" für die Volks- ut'V.?>chrung ein kleines Pech. Auch die Arbeiterbevölkerung, /Widers in den großen Städten und vor allem in Paris, � teilweise angefangen, sich dem heiligen Malthus zu aMstiben, noch ehe eine Schntzgesetzgebung den glück- M Moment hinausgeschoben, wo sich„das Kind selbst ,j''»gen kann", wo es also dem Vater noch nicht„zu pM schwerer gewordenen Last" werden konnte. Professor Aieau weist nach, daß die Bevölkerungszunahme in den Wen Städten, den industriellen Hauptzentren relativ ge- °!»8er sei. nts auf dem Lande, und doch ist der gesetzliche rui>S !SV b-i st uer'ch ü I Ii.% sei, als auf dem Lande, und doch ist der gesetzliche der Kinderarbeit in Frankreich bis dato� gleich kt gewesen. Wie reimt sich das mit der Logik zusammen? Umgekehrt läßt von dem gesetzlichen Schutz der Kinder- tibt," eine günstige Wirkung auf die Volksver- s/Mng Frankreichs hoffen. Der in seiner Jugend ge- j°»te Arbeiter wird mehr, vor allem aber gesündere und ■• zi f�MIhigere Kinder zeugen, als der Mann und die ..rM welchen schon im zartesten Kiudesalter das Glück zu l.(w"'ard, in die Fabrik einzutreten und sich selbst zu J iMgen. Ein umfassendes Verbot der Kinderarbeit muß 9 Ue größere Nachfrage nach der Arbeit erivachseuer Leute, ,,i Murch ei» Steigen der Löhne, günstigere Arbeitsbedin- ®e'1 Zur Folge haben. u. Die einzelnen Arbeiter werden sich weniger oft als 81 veranlaßt sehen, den Malthusianismus zu praktiziren. !» ■M das J ZnhaU 1 3 �..Feuillekott. 2 junior und Ais l er senior. Von Alphonse Daudet. �lnZ heni Französischen von Ludwig K n o r r. hörte ihn nicht. Sie war niit irgend einem bösen Ä. beschäftigt und hielt ihre durchbrochenen Str.unpfe > niedlichen, schwer durchnäßten Schuhe an's Feuer bch zu erwärmen. tiorr/'. bn- was willst Du denn anfangen? srng Delobellr "1 einer Pause. zum Morgen hierbleiben.... Mich ein wemg � e''-•.. Dann werde ich sehen." S�njch kann Dir aber kein Bett anbieten, armes Kmd, %%%%% V'cht viel Umstände...•" f** Schauspieler seufzte. -Lassen�Sie sich nicht stören," sagte Sidonie, die seine Außerdem steht zu erwarten, daß in Verbindung mit besseren Verhältnissen der Eltern die große Sterblichkeit der Proletarierkinder abnehmen wird. Nicht nur der Schutz der Kinderarbeit, sondern der Arbeit überhaupt durch eine gute, gründliche Gesetzgebung wird auf dem Boden der heutigen Gesellschaft das vorzüglichste Mittel sein, der Tendenz der Bevölkerungsabnahme entgegenzutreten. Der Malthusianismus, wie die anderen Ursachen, welche zusammen auf eine Bevölkerungsabnahme in Frank- reich hinwirken, steht und fällt mit den Besitz- und Er- werbsverhälwissen, die sich unter dem kapitalistischen System herausgearbeitet haben. Maßregeln, welche der kapitalistischen Ansteckung Fänge und Klauen stutzen, werden deshalb direkt oder indirekt auch wohlthätig auf eine größere Volksvermehrung in Frankreich zurückwirken. Bezeichnend ist, daß sich der Malthusianismus am stärksten und systematischsten in den Bevölkerungsschichten manifestirt, welche unter den heutigen Wirthschaftsverhält- nissen leiden. In der Groß-Bourgeoisie wird der Malthusianismus nicht immer aus Furcht vor einer Thei- lung des Besitzes praktizirt.„In den ganz reichen Familien", sagt der„Temps",„weicht man zuweilen vor den Fesseln zurück, welche die Mutterschaft der Betheili- gung an gesellschaftlichen Vergnügungen auferlegt." Der Matthusianisnlus rekrutirt seine meisten Anhänger unter den Mittel- und Kleinbauern, den Kleinbürgern und den besser gestellten, gewisse Allsprüche an das Leben er- hebenden Arbeitern der großen Städte, also unter Leuten, welche bei den bestehenden Wirthschaftsverhältnissen be- ständig vor einer Verschlechterung ihrer Lage und der ihrer Nachkommen zittern müssen. Der französische Mittel- und Kleinbauer schwebt seit Jahren in einer höchst unsicheren Situation. Er bebaut das Land nach der alten von den Vätern überkommenen Routine weiter, er besitzt nicht das nöthige Anlage- kapital, vervollkonlmnete Arbeitsinstrumente, bessere Sämereien, Zuchtthiere, Düngstoffe:c. anzuschaffen. Der agrikole Großbetrieb, dazu der Import von überseeischen Ländern machen ihm aus dem Markte Konkurrenz aus Leben nnd Tod. Hatte sich schon sein Vater mit Ach nnd Krach durchgebracht, so muß er sich sagen, daß eine Theilung des Grundstttckchens unter mehrere Kinder die Bebauung noch unvortheilhafter gestalten müsse, seiner Nachkommenschaft nicht mehr die Existenz sichern könne. So beschränkt er die Kindererzeugnng. Daher die That- fache, daß in den agrikolen Departements, in denen der Kleinbesitz überwiegt, die Bevölkerung stationär bleibt oder in schwachem Verhältnis; zunimmt. Dort dagegen, wo mehr Großbesitz vorhanden ist und damit verbunden ein starkes ländliches Proletariat, ist die Erregung beobachtet hatte,„Sie waren eben beim Abend- brot." „Ja, zum Teufel auch, was ist zu machen... das ge- hört mm einmal zum Handwerk, zn dem schweren Dasein, daß unsereins führen muß... Du siehst mein Kind, ich harre aus. Ich habe nie entsagt und iverde nie entsagen. Was noch von Desirce's Seele in diesem elenden Räume weilen mochte, in dem sie zwanzig Jahre gelebt hatte, es mußte bei dieser Erklärung erbeben. Er wollte nie ent- sagen... Delobclle fuhr fort:„Man mag sagen was man will, es ist doch der schönste Berns ans Erden, man ist frei und unabhängig. Alles für den Ruhm und das Publikum!... weißt Du was ich an Deiner Stelle thäte?... Du solltest einige Dcklamationsstnnden nehmen. Mit Deiner Stimme, Deiner Figur nnd Eigenschaft als hübschen jungen Frau mußt Du Lkarricre machen." Und als wenn er sie tu die neuen Freuden einer dramatischen Berufes einweihen wollte, lud er sie zum Essen, kramte im Schranke nach einer Serviette und einem Bestecke herum, und bot ihr einen Teller Käsesuppe an. Sie war schon nicht mehr so bleich, die Komödiantin! All ihr Lebcnsglück war für immer dahin, Ehre, Name, Familie, Vermögen. Entehrt, halbnackt war sie aus ihrem Hanse gejagt worden, alle Dcinnthigungcn hatte sie durchkosten müssen. Und trotzdem aß sie mit mcrkwürdigemAppetite jetzt mit Delobelle zn Abend nnd scherzte mit ihm über ihren zukünftigen Berns und ihre Erfolge. Sie fühlte sich frei und wohl, endlich in ihrer wahren Heiniath, der Boheme, angelangt zu sein. Was konnte ihr noch begegnen? Daran dachte sie, als sie in Dcsiree's großen Lehnstuhl entschlummerte— sie dachte aber auch an die Rache, die süße Rache, die sie schon fertig in ihren Händen hielt.'• Bevölkerung kinderreicher. Der Kleinbesitz an Grund und Boden, der einen so verhängnißvollen Einfluß auf die Produktivität der französischen Landwirthschaft aus- übt, daß diese trotz der Fruchtbarkeit des Landes nicht genug Weizen liefert und einen starken Weizenimport nöthig macht, anstatt den Bedarf von ganz Frankreich und den Export nach Großbritannien zu decken, übt seine verderbliche Wirkung auch auf die Volksvermeh- ruug aus. Unfruchtbarkeit in der einen wie anderen Be- ziehung, das ist die Konsequenz des ländlichen Kleinbesitzes, überall da, wo er die Konkurrenz des agrikolen Groß- betriebs erfährt. Die nämlichen Umstände liegen dem Malthusianis- mus des Kleinbürgerthums zu Grunde. In den Zeiten, wo das Handwerk noch einen goldenen Boden hatte, lag dem Kleinbürgerthum auch eine systematische Beschränkung der Kinderzeugung fern. Der Malthusianismus fing erst an, Fuß unter dem Mittelstande zu fassen, als die Kon- kurrenz des industriellen und kommerziellen Großkapitals die Erwerbsverhältnisse der Kleinbürger verschlechterte, als die eigne Existenz und noch mehr die der Nachkommen fortwährend durch den Sturz ins Proletariat bedroht ward. Dies auch der Grund, weshalb die systematische Beschrän- kung der Kinderzeugung breitere und stärkere Dimensionen anuimint, je mehr der Großbetrieb emporblüht und den Kleinbetrieb den Garaus macht. Wenn theilweise auch die französischen Arbeiter, zu- mal in den großen Städten, sich auf den Malthusianismus einschwören, so ist dies gleichfalls auf die Lage zurück- zuführen, die ihnen die kapitalistische Wirthschaftsordnung schafft. Je größer die Rolle ist, welche die Maschine in dem Produktionsprozeß spielt, um so kleiner läßt der die- selbe besitzende Kapitalist den Antheil der Arbeit ain Produktionsertrag ausfallen, um so größer ist der Ab- stand, welcher den Antheil der Arbeit von den durch die Wirthschaftsverhältnisse geschaffenen gesteigerten und vcr- mehrten Bedürfnissen und Kulturmöglichkeiten trennt. Der Verdienst des Arbeiters reicht kaum hin, dem ledigen Mann eine annähernd menschenwürdige Existenz zu sichern, es versteht sich, wenn er vor der Ehe und der Erzeugung von Kindern zurückschreckt. Die Ehe riskirt er allenfalls noch, da die Frau eine ökonomisch selbststäudige Existenz führen kann, aber die Sorge für Kinder will er"sich oft vom Halse halten. Es scheint, daß die Tendenz des Kapitals, den der Arbeit überlassenen Antheil am Ertrag der Produktion ständig zu schmälern, um die Rate des Mehrwerths steigern zn können, in verschiedenen Ländern zwei Er- scheinungen hervorgerufen hat, die sich gegenseitig er- gänzen. Bei den Völkern germanischer Abkunft dauert das IV. Der neue K o m m i s des Hauses F r o m o n t. „Schon zwölf Uhr— wie lange habe ich geschlafen." Mit diesen Worten richtete sich Fromont junior im Bette auf, als die Fabrikglocke und bald darauf des Angclus die Mittagsstunde verkündeten. Die ganze Nacht hatte er mit geballteil Fäusten in einem Todtenschlafe l agelcgen, ivie ihn Verbrecher in der Nacht vor ihrer Hinrichtung, besiegte Feldherrn am Abende ihrer Niederlage, schlafen. Er empfand ivohl Gewissensbisse, als er an daS Drama des Zahltages dachte, aber auch einige Erleichterung, daß es bereits vorbei war. Wie hatte sich das da unten abgespielt und warum hatte man ihn nicht gerufen? Als er die Vorhänge auseinander schob, sah er nuten im Garten Risler und Sigismund, die so lange nicht zn- sannncn gesprochen, im eifrigen Gespräche. Was war denn geschehen?... Als er im Begriff war, hinunter zn gehen, trat Klara ins Zimmer. Er brauchte nicht hinunter zn gehen, sagte sie ihm, die Tratten wären bereits eingelöst, bezahlt durch Risler's Hilfe, der alles hingegeben..... Das Diamantelthalsband allein brachte zivalizigtausend Franks.,. Das Haus in Asnicres ist mit allem Inventar verkauft. „Risler ist ein chremvcrthcr Manu," fuhr sie fort nnd als er vernahm, wem seine Frau all' diesen Lnxus ver- dankte... „Wie," unterbrach sie George, ganz entsetzt... er weiß?" „Alles"... entgegnete Klara leise, wie ich Alles schon gestern wußte, als ich Dir sagte, daß ich in Saviguy schreck- liche Dinge hatte hören ulüfse», lind daß icb zehn Jahre starke Wachsthum der Bevölkerung fort, aber der Standard of life die Lebenshaltung der Massen, sinkt oder steigt wenigstens nicht im Verhältniß zu den neu vor- handelten Existenzmoglichkeiten. Die Franzosen jedoch halten an dem bisherigen Standard of life fest und beschränken das Wachsthum der Bevölkerung. Die deutschen Chauvinisten, welche anläßlich der Ve völkerungsabnahme Frankreichs wieder einmal mit der „welschen Unsittlichkeit" und der„Inferiorität der Rasse" um sich werfen, sollten nicht mit Steinen werfen, so lange sie im Glashanse sitzen. Deutschland hat in den nut dein Geschlechtsverkehr zusammenhängenden Verhält- nissen, im Punkte der Prostitution, Mätressenwirth- schaft, Fruchtabtreibung?c. Verhältnisse aufzuiveiscn, welche der französischen„Kurruptiou" nur an heuchlerischer Prüderie über sind. Die Behauptung von der„Jitferio- rität der Rasse wird aber durch die Fruchtbarkeit der französischen Kanadier, welche sich feit 1763 um das zwauzigfache vermehrt haben, ad absurdum geführt. Der schwachen Volksvermehrung in Frankreich gegcitüb er haben die Herreit nur auf das Sinken der Lebenshaltung der Ar- beiterbevölkerung int schlesischen Riesengebirge, im Taunus, im sächsischen Voigtland und anderen Orten hinzusehen, wo die Kartoffel das Brot, der Häring das Fleisch, die Zichorienbrühe den Kaffee ersetzt. Daß der französische Arbeiter und Kleinbürger einen höheren Standard of life hat, als der deutsche Proletarier und Kleinbürger, das ist eine Thatsache, die wohl kaum bestritteit werden dürfte. Nicht die Inferiorität der Rasse ist an der schwachen Bevölkerungszunahme Frankreichs schuld, sondern nur die bestehenden Eigenthunis- und Wirthschaftsverhältnisse. Nicht nur der Malthusianismus, sondern auch die übrigen auf schwache Volksvermehrung hinwirkenden Faktoren, wie große Sterblichkeit in den Städten und Kasernen, große Sterblichkeit der außerehelichen Kinder und der Arbeiter- kinder, geringe Fähigkeit der Eltern, Kinder oder lebens- fähige Kinder zu zeugen, stehen in innigstein Zusammen- hang mit der gegenwärtigen Gesellschaftsordnung. Die geringe Vermehrung des französischen Volks ist nur ein lokales Symptom des sozialen Nebels, das alle Länder verheert, wo die privatkapitalistische Wirthschaft besteht. Auch die Mittel, welche Professor Lagneau vorschlägt, um eine stärkere Bolksvermehrung zu erzielen, lassen trotz ihres Charakters als Palliative hier und da deutlich den ursächlichen Zusammenhang der Erscheinung mit der sozialen Frage erkennen. Er fordert nämlich, daß die Formalitäten für Eheschließungen vereinfacht und billiger werden. Schutz der Mädchen von 16—21 Jahren durch Anwendung des Strafgesetzes auf ihre Verführer; Zulässigkeit der Vaterschaftsklage und Zahlung eiiter Pension an außer- eheliche Kinder; Erziehung der illegitimen Kinder, deren Väter nicht bekannt sind, auf Staatskosten, die durch eine Steuer auf Junggesellen gedeckt werden; Beschränkung des Militärdienstes auf die für die militärische Ausbildung strikt nöthige Zeit;■ Maßregeln gegen Uebertragung an- steckender Krankheiten, besonders der Syphilis, durch ge- naue Ueberwachung der Prostituirten, vermehrte ärztliche Konsultationen, unentgeltlid)e Vertheilung von Medikamenten und Bestrafung der Personen, welche die Syphilis mit- theilten; genügend lange Verpflegung der Wöchnerinnen in Entbindungsattstalten, welche unbemittelte Frauen und Mädchen wachen- und moitatelang vor und nach der Ent- bindung beherbergen; Gründung von Entbindungsanstalten, in denen die Mütter ihre» Namen nicht zu nennen brauchen; Gründung von Bureau's, in denen ein ver- eidigles Personal Kinder ohne Personalnachweis oder mit solchen behufs späterer Reklamirung annimmt, Unterstützung armer Mütter, so daß diese ihre Kinder selbst nähren können; allgemeine_ Anwendung des Gesetzes über Schutz der Jungen Kinder' durch ein genügendes Personal und gesicherten Kredit; Erlaß eines Gesetzes über die Sabutrität der Städte, der Arbeitsstätten und Arbeiterwohnungen ins besondere; Ersatz der ft-anzösischen Soldaten in den Kolo- nien durch Eingeborne; Unterbringung der Soldaten in Lagern auf dem Lande und nicht in den Kasernen der Städte; Beschränkung der Einwanderung der Landbevölke- rung in die Städte durch Entlastung des Grundbesitzes; Beschränkung der Kommunalarbeiten, welche die Land- bevölkerung in die Städte locken, durch Beschränkung der städtischen Kredite; Vervielfältigung der Existenzmittel durch Gründung und Entwickelung von Kolonien, Er- Weiterung der internationalen Handelsverbindungen, da die Geburten im Verhältniß zu den Existenzmitteln und dem Wohl st and zu- nehmen, welche die Eltern den Kindern sichern können; schnelle Nationalisation der ein- gewaitderten Frentden. So schön das gezeichnete Programm in einzelnen Punkten klingt, so ohnmächtig würde es sich bei eventueller Vertvirklichung erweisen, der Bevölkeruitgsabnahnte zu steuern. Nur eine Veränderung des ganzen Wirthschafts- systems kann Wandel schaffen. zA orvefpondettsen. Hamburg, den 26. August. Gewerkschaft und Unternehmer- thum befinden sich in Hamburg gegenwärtig in einer Art Waffen- stillstand. Die Gewerkschaften des Baugewerbes schließen ihre Reihen und sammeln sich. Daß der Maurer-Fachvercin sowohl wie der Lokalverband der Zimmerer unter den Vorgängen in diesem Früh- jähr stark gelitten und an Mitgliederzahl nicht unerheblich verloren haben, ist nicht zu bestreiten. Jedoch die Standhaft- ebliebenen sind die Treuen und Vollüberzeugten, der kernhafte Stamm. Um diesen werden sich binnen kurzem die Versprengten wieder schaaren. Die namhafte Hilfe, welche den Aus- esper rten von der Arbeiterschaft Deutsch- a n d s z u T h e i l w u r d e, hat nicht wenig dazu beigetragen den Much der hier so hart Bedrängten zu heben und zu stärken. Zum Herbste sind überdies noch zahlreiche Neubauten angemeldet, so daß voraussichtlich die Bauthätigkeit bis Eintritt des Winters noch eine recht lebhafte sein wird, und die Bauunternehmer froh sein werden, tüchtige Arbeitskräfte zu bekommen, ob mit oder ohne„Revers". Letzterer ist in den meisten Fällen auch viel nur der Form nach verlangt worden, denn daß solche erzwungene Unterschrift irgend welche Verbindlichkeit haben könne, glauben die Herren Bauinnungs- und Bundcsmcister selber nicht. Untcrdeß fordern die Gerichtsverhandlungen unerbittlich und ohne Unterlaß ihre Opser. Fast lein Gerichtstag vergeht, ohne, daß einige Arbeiter wegen versuchter„Nölhigung" zu monatelangen Gefängnißstrafeu verurtheilt werde». Frei- sprechung erfolgt in den allerseltensten Fällen. Dazu noch die wochenlange, einer Gefängnißstrafe fast gleichen Untersuchungs- Haft. Ein Zeuge genügt, um die Aussagen von vier Angeklagten dem Gerichte vollständig unglaubhaft erscheinen zu lassen. Ein Gespräch, eine Ermahnung genügt, um den§ 153 der G.-O. zu verletzen. Leider ist es betrübend, daß nicht nur von den Polizei- organen, sondern von Arbeitern, freilich meist auf An- stiften ihrer Brvdherrn, solche Denunziationen erstattet werden. Die Arbeiter der Glasfabriken in Ottensen und Bergedorf sind noch immer ausgesperrt, halten sich jedoch bis jetzt recht tapfer, da ihnen eine einigermaßen genügende Unterstützung gewährt werden kann. Es wäre aber auch eine Schande, wenn man diese braven Arbeiter im Stiche lassen und sie der Willkür der Fabrikanten preisgeben würde. Letztere lassen freilich durch die arbeiterfeindliche Presse die Nachricht verbreiten, daß sie den Betrieb wieder ohne ihre alten Arbeiter aufnehmen werden; aber der Zuzug ist so unbedeutend, daß damit nicht einmal ein Ofen in Betrieb geseht werden kann. In Altona ist es bereits seit geraumer Zeit Gebranch der Polizeibehörde, wenn dieser oder jener Redner zu einer Versamm- lung als Referent angemeldet wird, dieselbe ohne Angabe von Gründen nicht zu gestatten. Die Versammlungen des Vereins der Heizer und Trimmer wurden sogar regelmäßig von den überwachenden Beamten aufgelöst, sobald sich der Schrift- führer des Vereins, Herr Hoffmann, zum Wort meldete. Welchen Zivcck solche Polizeimaßnahmen eigentlich haben, ist un- erfindlich. Der genannte Verein hat sich endlich beim Minister deS Innern beschwert, ivaS den Erfolg hatte, daß dieser das Vor- gehen der Altonaer Polizei als„nicht korrekt" bezeichnete. „ N ith t korrekt" ist wohl der parlamentarische Ausdruck da- für. In den Gedanken der betreffenden Arbeiter wird er wohl etnias anders lauten. Im übrigen hat der ausgctheilte Rüffel des Ministers nur die Wirkung gehabt, daß dem Verein der leines Lebens hingebe, wenn ich die Reise nicht gemacht ätte." „Klara!" In einer zärtlichen Aufwallung wollte er sich seiner krau nähern— aber ihr Gesicht war so kalt, in ihren jiigcn prägte sich die ganze Vcrziveiflnng in der Form un- rbittlicher Gleichgiltigkeit so klar aus, daß er sie nicht n sich zu ziehen tvagte. Er konnte nur flehend stöhnen: „Vcrgieb... vergicb!" George schaute bewundernd zu der durch den Schmerz verschönerten Gestalt seiner Frau auf, die ihm der Hinder- isse wegen jetzt begehrenswerther erschien. Reue, Scham, Verzweiflung vermischten sich mit dieser neuen Liebe in einem Herzen und er wollte sich vor ihr niederwerfen. „Nein, nein, steh auf," sagte Klara,„wenn Du iviißtest, n was Du mich erinnerst, wenn Du wüßtest, welch haß- flühendcs und von der Lüge entstelltes Gesicht ich diese lacht zu meinen Füßen sah." In diesem Augenblick ivnrde an der Thür geklopft. Rislcr schickte und bat, Herr Frouiout möchte hernnter- ommen. George wollte hinuntergehen, aber Klara hinderte ihn >aran. Sie wollte selbst gehen, denn der Skandal in ihres Vaters Hanse wäre gerade groß genug, die ganze Fabrik väre voll davon und alles außer Rand und Band. So fing Klara allein hinab. Aber Risler bestand darauf, selbst nit George verhandeln zu müssen, da es sich nur um eine feschästliche Auseinandersetzung handelte, die nicht verschoben Verden dürfe. Immer und immer wieder versicherte er einer lieben Maoame Chorche, daß er nicht beabsichtige, hrenMaun wegen der ihm angethanen Schmach znr Recken- chaft zu ziehen, sondern nur im Interesse des Hauses, dem :r so viel Dank schulde, mit ihm berathcil wolle. „Ich glaube Ihnen, lieber Freund," sagte Klara, und ging hinauf, ihren Manu zu holen, Der erste Augenblick des Zusammentreffens zwischen Risler und Fromont war furchtbar. George bleich, ans- geregt und gedemüthigt, hätte lieber auf zwanzig Schritte der Pistole dieses Mannes gegenübergestanden, als hier wie ein Verbrecher zu erscheinen und vor ihm seine Gefühle zu verbergen und in eine geschäftliche Unterhandlung zu treten. Rislcr that, als sähe er ihn nicht, und mit großen Schritten im Zimmer auf und abgehend, sagte er mit ruhiger aber ins Herz schneidender Stimme: ....„Unser Hans hat' eine gefährliche Krisis durch- gemacht, die heute überstanden ist, aber wieder kommen könnte. Meine verfluchte Erfindung hat mich zu sehr in Anspruch genommen. Jetzt bin ich wieder frei und kann mich ganz dem Geschäfte widmen; ebenso nöthig ist es aber, daß Sie ein gleiches thnn. Die Arbeiter müssen an uns ein gutes Beispiel' haben. Was mich anbetrifft, so werde ich mich der Herstellung neuer Muster widmen, deren wir zu der neuen Maschine bedürfen. Ich setzte große Hoff- nnngcn ans meine Druckpresse. Sie ist m jeder Hinsicht gelungen und wird einen großen Gewinn abwerfen. Ich sagte Ihnen früher nichts davon, weil ich Sie über- raschen wollte. Aber jetzt haben wir uns ja keine Ueberraschnngeu mehr zu machen. Nicht wahr, Herr Georges?" Seine Stimme hatte bei den letzten Worten eine so scharfe ironische Färbung angenounnen, daß Klara vor einem Ausbruche zitterte; doch fuhr er ruhig fort: „Ja, ich glaube, in sechs Monaten wird die Äisler- p res je großartige Resultate liefern. Bis dahin müssen wir jedoch unsere Ausgaben einschränken, unser Personal vermindern... ich werde dafür mehr arbeiten... Außer- dem verzichte ich von jetzt ab auf meinen Anthcil als Associe und beanspruche wieder meinen Gehalt als Werk- führer wie früher, sonst nichts." Fromont junior wollte etwas erwidern, aber seine Frau hielt ihn durch eine Geberde zurück und Risler senior fuhr fort: „Ich bin nicht mehr Ihr Assozie, George, sondern Komnns, tvas ich hätte immer bleiben solle». Von heute an ist unser Gcsellschaftsvcrtrag aufgehoben. Ich will i verstehen Sie mich recht, ich will es. So wird unser Vi hültniß bleiben bis zn dem Tage, wo unser Geschäft ans der Verlegenheit sein wird, oder wo ich... doch was ich thnn werde, ist meine Sache... Das ist's, was ich Ihnen Heizer und Trimmer ein Fest, welches sie im Altonaer Polizei verboten wurde. Jetzt k'" abhalten wollten, von der Polizei...... sich die Leute ja auf's Neue beschweren! Demnächst steht uns hier in Hamburg ein gegen mehr als 50 Angeklagte bevor, wegen Verbreitung Wahlflugblattes zum 20. Februar dieses Jahrs- handelt sich dabei um„Vorspiegelung falscher dem Flugblatt war leider der Jrrthmn MonslrGsi reitunz« % jjn oem ymgoiau ivut«iuci daß dorm behauptet war, Champagner und Austern fett»- treu Darum die monatelange gerichtliche Untersuchung>"'!> geivaltige. Prozeß! Wenn den Sozialdemokraten von ihren ästSPi angedichtet wird, sie wollen Weibergemem " mehr,- t? Flugblättern-----,-------- einfuhren, theilen und andere Ammenmärchen nmu, Alles freilich sind keine Vorspiegelungen falscher Thatfachen-.- Gegenwärtig haben wir hier im Hafen wiederum ei» wck „Lehopal", der Caleuttalinie der Deutschen DampsschMch'i, «B." äääv™ vielleicht 12—15 deutsche Arbeiter genügen. Man kann M. halb vorstellen, wie es mit der Bezahlung dieser bedärfmpW' ZU einer schweren Arbeit freilich der Kraft und Ausdauer �(....W. Arbeit? kehrenden Hindus bestellt ist.- Aber deutsche Arven- wenn andere billiger ist. Die Hauptsache ist nicht das ergehen der deutschen Arbeiter und die Ernährung ihrer F»"". I sondern die möglichst hohe Dividende der Aktionäre u»d Tantieme der Direktoren! poliltme Aebevstchl Di-„Dordd. AUg. Ztg." ärgert sich, daß die WA genossen am Montag in so entschiedener Weise für die| >erige Taktik der Partei eingetreten sind.!z Iii einem langen Leitartikel jammert das OWw„ welchem Fürst Bismarck dereinst seine politische jp' lj verzapfte, darüber, daß die„Jungen" nicht gesiegt habe»,, schreibt die„Niederlage der Opposition" denl lliuWjL daß der Eintritt in die Versammlung nur den Anhang Bebel's gestattet worden sein soll. Wir haben nicht nöthig, diesen Blödsinn eines zu würdigen; wer die Versanimlnng besucht hat, weiß. in ihr die Meinung der Parteigenossen zu lebendigem druck gekommen ist und die Thatsache, daß es eine verschwindende Anzahl von Personen ist, welche die J einem Vierteljahrhundert geübte Taktik der Sozialdemol. nicht gut heißt, kann nicht dadurch verdunkelt werden, das Wilhelmsstraßen- Reptil sich zum Schützer der, der imposanten Versammlung, Zurückgewiesenen aufwul Alter Unstnn in neuer verbesserter Auflage. � Zeit zu Zeit wird das bekannte alberne Märchen von dem» ,, Arbeiter, der durch Fleiß, Sparsamkeit und Eeschicklichleu Millionär werden könne, wieder aufs Neue benutzt, um de»„ beiteru begreiflich zu machen, daß die Lösung der sozialen 6 bei ihnen selbst liegt. So hat kürzlich Herr Andrew Car. der größte Montan- Industrielle der Vereinigten Staate» � Nordamerika, welcher Zehntausende von Arbeitern beschäsyfl'y der„New-Iorker Tribüne" einen Aufsatz veröffentlicht, � ehern er den„Weg zum Reichthnm" zeigen will. Weu»-� Millionär nun einfach sagte:„Man muß sich darauf veri � aus der gekauften Arbeitskraft den möglichst größten llnterney "Irofit herauszuschlagen oder durch kluge Börsenmanöver I Nebenmenschen zu plündern",— so wäre der richtige Weg i Aber Herr Carnegie behauptet,„daß die sänmitlichen wäriigen Hauptrepräsentanten des amerikanischen Geschäp' � Jndnstrielebens von der niedrigsten Rangstufe sich J'ü geschwungen haben, und er zählt die bekanntesten D Etablissements der Ver. Staaten auf und sagt von ihnen! und jede dieser großen Fabriken und Gewerbe- Anlagen m von Handwerkern gegründet und geleitet von Leuten, d» � Lehrjahre gebührend ausgenutzt haben." Aus den Umst' � v.;»ro avvioninpn die nnn der»iedrinften jur lwchsten sei � X/VV/�VVV/AV VJVVVUyVVP.V Q...---- daß viele Derjenigen, die von der niedrigsten zur höchsten I- w Rangstufe sich aufgeschwungen, die„Schule der Armuth° ,c gemacht haben, folgert er, daß diese Schule die„beste folgreichste des Lebens" sei, und daß alle Diejenigen,.ä dieser Schule sich befinden, auf dem„Wege zum Glück, y Reichthnm sind, und selber schuld haben, wenn sie do*«g|| nicht erreichen!! Die einzige und beste aller Erziehungen'F Carnegie die Roth. „Weder Kapital, noch Einfluß, noch Erziehung, noch aus � zusammen, sind im Stande, erfolgreich die Konkurrenz>m A Energie und dem unbezähmbaren Willen zu bestehen, der alle Schwierigkeiten überwindenden und besiegenden Ar» entspringen." U' Die kapitalistische Presse ist natürlich entzückt iiber „Weisheit" des amerikanischen Millionärs; unsere Unternehmerorgane drucken sie nach, um den Arbeitern Wfl � zu machen, daß sie mitten in der Roth und Armuth besten Wege zu Glück und Reichthum sich befinden. Wie P sagen wollte. Es ist unbedingt nöthig, daß Sie die J gji der Fabrik selbst in die Hand nehmen und daß truj sieht und die Hand des Herrn fühlt und so hoffe P, unser Unglück zum Theil noch gut gemacht werden Während der Pause, die dieser AnSeinanders folgte, hörte man das Rollen der Räder zweier S Möbelwagen, die vor der Freitreppe hielten. „Ich bitte um Verzeihung, daß ich Sie jetzt ver � sagte Risler,„es sind die Wagen des Auktioushause-/ Alles abholen, was sich da oben befindet." „Wie, Sie verkaufen auch Ihre Möbel?" ragte u Fromont. i „Gewiß... bis aufs letzte Stück. Ich gebe Sr Firma wieder, der sie ja gehören." ,i „Das ist unmöglich," rief George.,,„das*al nicht dulden!..." Risler drehte sich entrüstet um._.„ji „Was sagen Sie?.,.. Was können Sre dulden?..." Klara hielt ihn mit bittender Gebcrde zurück. u»' „ES ist wahr, es ist wahr,".... murmelte er, ging er schnell hinaus, um der Versuchung, seinem V Lust zu machen, aus dem Wege zn gehen. Das zweite Stockwerk stand verfassen, die am bezahlten und weggeschickten Dienstboten hatten � es' p, Zustande gelassen, wie es nach der Unordnung eines v Festes zu sein pflegt. ,«i#| Offene Thüren, in den Ecken zusammengerollte%cr ff' die gedeckte und völlig unberührte Tafel, der Speisen, verwelkter Blumen, von Punsch— alle diese � Helten ergriffen Risler gleich beim Eintritt..«ußi, Risler sah gleichgiltig zu,' wie die Träger die wegschafften, dieser Luxus, auf den er einst stolz mar, ihn jetzt. Trotzdem war er bewegt, als er in Sw jii1 Zimmer trat, dies große Gemach in blauer Sew weißen Spitzen— ein richtiges Kokottennest. k Ein furchtbarer, grimmiger Zorn übermannte J M am liebsten hätte er alles zertrümmert und zerschlage raffinirten Toilettenmittel, diese Etageren mit u»! le. �trmutt) als Bedingung für den Erwerb der Öls& 0 Jr preisen, so preijt das Unternehmerthum sie ei.,�°mgung für Glücks- und Reichthumserwerb. Gewiß, es es i„ lm �'rtl'fcs Extrem der Armuth, was für Denjenigen, der ba?..»« Jugend ertrügt und darin erstarkt, dieselben Wirkungen wie ein zinstragendes Kapital. Aber dieses Extrem m.,,,,,. äußerst seltene Äusnahmc von der Regel, daß die d>? cJn, Sroßes Hinausstreben verhindert. Alle jene Männer, geringen Mitteln oder aus gänzlickzer Armuth zu Mu?? r» gelangen, waren tollkühne Spieler, denen der wJlvn'i L U"b diese Männer werde» dann als„Beispiel" fflifi,* vi.Irlich, von Denen, die auf der Jagd nach dem "npvr�.rr 0 hatten, von den ungezählten Tausenden, die ßi!.' uud verdorben sind, weiß der Millionär (Biini$le nichts zu berichten; für ihn sind nur die in«!??e des Glücks, die wenigen, maßgebend. Und ji.., Jwler diesen etliche arm gewesen sind, deshalb ist �-Armuth die„beste Schule des Lebens" und Roth die„beste M�chung. Mehr kann man von der Verrücktheit eines tbnm �lermannes nicht verlangen, der seinen Weg zum Reich- gepflastert hat mit dem Grundsatz:„Man muß die Aus- mn.,!. 9 55 Arbeit nur ordentlich wagen- und die Chancen aus- m Oder ist Herr Carnegie etwa durch seiner Hände Arbeit OUfii0?� tztworden? Das ganze Wogen und Mühen uin's -auft doch schließlich darauf hinaus, aus fremder Arbeits- die wir, fthum zu gewinnen. Wie das gemacht wird, das hat fi. schon lange vorher gewußt, ehe der Millionär Carnegie w't seiner Weisheit beglückte. x._ v5'withige, anmaßende Narren sind's, die in unserer Zeit "Sj, chtbarsteil wirthschastlich-sozialen Zerrüttung, welche durch berfil!i t-M'® �ucht nach mühelosem Erwerb, nach Reichthum, „..-...geführt ist, glauben, noch besondere Rathschläge geben zu M-.h, wie dieser Sucht am besten zu frühnen ist. Was die bi,;.Ösfoaucht, das ist nicht eine Millionärs-Züchtung, sondern ->.iwwth>chaflliche Ordnung und die soziale Gerechtigkeit, welche o«i>c>n das Seine giebt. Ersah des Sonalistrngrsehcs ist für Sachsen bereits 27«,.Man schreibt hierüber der„Boss. Ztg." aus Sachsen, ."llust:„Wie bereits früher gemeldet wurde, steht in Sachsen z, l.tufhebuug des Sozialistengesetzes eine wesentlich verschärfte Kech'.g be� Versainnilungsrechtes zu erwarten, die bereits linu i J'uern Leitartikel der amtlichen„Leipz. Ztg." angekündigt ist.z �undet wird. Stach der Ansicht dieses Regierungsblattes wii-f Hauptsache, durch Polizeimaßnahmen vorbeugend zu cy„ daß eine Aufhetzung der Massen überhaupt unmöglich werde. nT diesem Sinne würden die§§ 5 u. 12 des sächsischen Vereins- uud j.�aiiimlungsrechtes bei gehöriger Wachsamkeil der Polizeibehörden im, ausreichen. Das slrasrichterliche Einschreiten könne das be- iL 0�w Unrecht wohl sühnen, das angerichtete Unheil aber und uergistende Wirkung des gesprochenen Wortes niemals rück- SP inachen. Gesetzliche Vorschriften, gewisse Gesetzes- .Jcwefungen noch vor ihrer Begehung zu verhüten, seien nn- „wehrlich. Die Anwendbarkeit der erwähnten§§ 5 und 12 des m winsgesetzes in diesem Sinne stehe zweifellos fest, denn diese vskugraphen gestatten das Verbot von Versammlungen, deren ■aroect es ist,„Gesetzesübertretungen zu begehen, dazu auf- flirf1 oder dazu geneigt zu machen", resp. das Verbot von fit!J* und Umzügen, sowie von Festlichkeiten, von denen eine KtPf sur die öffentliche.Ruhe, Ordnung und Sicherheit zu . lurchten ist. Nachdem es aber in sozialdemokratischen �stammlungen nahezu zur Regel geworven ist, zum Mvaltsamen Umsturz der bestehenden Staatsordnung auf- »fordern, sei an der Anwendbarkeit jener Gesetzesbestimmungen 3 sozialistische Versammlungen wohl kaum noch zu zweifeln. in ßger erfreulich liege die Sache mit der Presse, denn das fjschflctetz vom 7. Mai 1879, welches die„Leipz. Ztg." als ein �werales Mustergesetz" bezeichnet, enthalte von einer derartigen .�beugenden Thatigkeit so gut wie nichts. Tie vorläufige Vc- Mgitahmung, welche der§ 23 gestattet, sei nicht ausreichend »u.. könne in der Regel erst zu spät erfolgen. Bezüglich der j?>fe werde man daher wohl kaum auf die Dauer ohne Sonder- �"NMungen auskommen, wie sie das Ausnahmegesetz darbot." ,«in Wort darüber zu verlieren, daß diese angekündigte Aus- flitÜi0 bos sächsischen Vereinsgesetzes absolut unhaltbar ist, wäre o�üssig. Die Angelegenheit wird selbstverständlich im sächsischen .""tage zur Sprache gebracht werde. . Aurrriltanischrv Zumbng. Die Partewersammlung, die o,',0- d. M. in Dresden stattfand, uud über weiche wir seiner iL, berichteten, ist in amerikanischen Zeitungen Gegenstand einer , Erdigen Berichterstattung geworden. Die telegraphischeu ochrichten, die hierüber den erwähnten Blättern aus Berlin zu- ' äfiiigen, nehmen sich also aus. Da heißt es: Berlin, 13. August.„In Dresden hatten die Sozialisten am Sonntag einen Konvent und bei dem ist es sehr heiß, ja blutig hergegangen. Theilnehmcr an der Prügelei waren Bebel, der dafür bekannt ist, daß er leicht in Hitze gcräth und ein anderes Mitglied des Reichstags, dessen Name nicht genannt wird, wahrscheinlich weil seine Züge nach dem Zusammenstoß mit dem großen Drechslermeister nicht Mehr recht erkennbar waren. Der Ungenannte, dessen Freunde sein Verhalten durch 5 hörnen Nippsachen und Porzellanpüppche», die ihrer Herrin '�hr. ähnelten. �hrend der arme Rislcr traurig in den Anblick Hü,. Tüchtigkeiten versunlen war, drang durch den Lärm der "Vorschläge und das Auf- und Abgehen der Träger, der der �'"�ohtigthuende Tritt des Herrn Chebe an sein Ohr, rolh bjz über die Ohren plötzlich hinter ihm erschien. �on her' behandelte er seinen Schtviegersohn so von auf?«''0� ba' heißen? Was höre ich. Sie ziehen öiehe nicht ans, Herr Chebe.... sondern �er kleine Mann sprang in die Hohe, wie ein Karpfen. "sttff6 verkaufen? Und was denn?" '?!■". erwiderte Risler dumpf, ohne ihn anzusehen. ®0tt!' Schwiegersohn, ein wenig Vernunft... Mein wM» L'hill Sidoniens Betragen nicht vcrtheidigen.— Ich Tzs.,.5'uchts davon.... Aber ich erinnere sie an Ihre zu», 4'.Man wäscht doch seine schmutzige Wäsche zu Hause, systFA auch! Man giebt doch der Welt kein solches ' Sehen Sie doch alle die Köpfe hinter den �lio,-» hör Werkstätten und gar die Menge vor dem •••. Sic sind das Gespräch des ganzen Viertels.. os j!0 besser. Da die Schande öffentlich war, so muß ol) die Sühne sein." Herr,, scheinbare Ruhe, diese Glcichgiltigkcit, brachten fi„d.' �hebe ganz ans dem Häuschen. Cr schlug jetzt einen in d»,. an und sprach iinr zn seinem Schwiegersohne ornsten und befehlshaberischen Weise, wie man zn 5.' und Narren spricht. z>, r".eUl», Sie haben gar kein Recht hier etwas fortschaffen all„,".en. Ich protestire dagegen in aller Form und nkit hleii,!(v5 ManneSkraft. Glanben Sie, ich dulde es, daß . hier aufs Stroh geworfen wird? Stein und »ickL nw� nein... Genug der ThorhZten. Es kommt * iuehr aus der Wohnung heraus." (Fortsetzung folgt.) den zu reichlichen Bier- oder Schnappsgenuß entschuldigen, hielt Bebel die Faust unter die Nase, wobei er sich keiner zu klassischen Ausdrücke bediente. Erschloß seine Rede mit der Bemerkung, Herr Bebel maße sich vielfach Dinge an, für die er nicht die geringste Berechtigung habe. Dies ging Bebel über die Hutschnure und er ging auf den Gegner los, der mit gebrochenem Nasenbein, mit dem Ver- luste einiger Zähne und sonst in sehr bedauernswürdiger Verfassung von der Szene abgeführt wurde." Wenn so über die Dresdener Versammlung berichtet wurde, wie wird erst über die letzte Berliner Versammlung berichtet werden? Es scheint, daß man, um Berichterstatter amerikanischer Zeitungen werden zu können, eine ganz außerordentliche Phantasie besitzen muß. Wir bedauern unsere amerikanischen Genossen, die zunächst aus solche Berichterstattung ihrer bürgerlichen Preß- organe über deutsche Verhältnisse angewiesen sind. Missbvänchliche Anodelinung des Keizriffo„Kollekte." Die„Freist Ztg." schreibt:„Nach einem neuerlichen Erlasse des Ministers des Innern ist außer den in öffentlichen Vcrsamm- lungen veranstalteten Tellersammlnngcn auch die Erhebung eines Eintrittsgeldes von beliebiger Höhe als öffentliche, der Genehmi- gung des zuständigen Oberpräsidenten unterliegende„Kollekte" anzusehen. Die Polizeibehörden sind mit der Anweisung versehen worden, daß die Veranstaltungen solcher Sammlungen, zn denen die erforderliche Genehmigung nicht ertheilt ist, zu verhindern sind. Wenn trotzdem Sammlungen ohne Genehmigung statt- finden, sind die Veranstalter auf Grund der Polizciverordnnng vom 19. Juni 1837 zu bestrafen.— Wir halten diese Verordnung in keiner Weise für gerechtfertigt. Die Sammlung von Kollekten ist von polizeilicher Genehmigung abhängig gemacht worden, um zu verhindern, daß unter dieser Form öffentliche Vcltclei in zu- dringlicher Weise betrieben wird. Die Erhebung eines Eintritts- gelbes oder einer Tellersammlung in einer öffentlichen Bersamm- lung aber hat damit nicht das mindeste gemein. Wenn wirklich nach den bestehenden Gesetzen solche Geldsammlungen in Ver- sammlungen verboten werden könnte», so hätte gerade die Polizei oas stärkste Interesse daran, ein solches Verbot aufzuheben, an- statt einzuschärfen, denn für öffentliche Versammlungen in großen Städten hat sich die Ankündigung der Erhebung eines Eintritts- gelbes als ein Mittel erwiesen, um beim Eingang der Bersamm- lung die Ordnung aufrecht zu erhalten und gewisse ruhestörende Elemente von vornherein fern zn halten." Zur bessere» Verbreitung der Inhreoverichto der deutsche» Fabrikinsprlitore» soll ein Schritt gethan iverden, der in Oesterreich mit bestem Erfolge eingeschlagen wurde. Der Preis der amtlichen Gesammtansgabe(vier bis fünf Mark) war bis jetzt zn hoch; das giebt nicht Jeder auS, um ein Buch zu er- stehen, aus welchem ihn nur ein verhältnißmäßig kleiner Theil interesstrt. Da empfiehlt sich nun die Veranstaltnng von Sonder- ausgaben, sei es der einzelnen Berichte, sei es der Berichte aus jeder Provinz. In diesem Jahre hat die Verlagsbuchhandlung endlich nach der„Magdeb. Ztg." die Genehmigung des Handels- Ministers zur Veranstaltung solcher Sonderausgaben erhalten. Die ersten sind bereits erschienen: so je ein Heft mit den Be- richten über die Regierungsbezirke Minden, Münster, Arnsberg, Düsseldorf und mit denen über die Bezirke Köln, Koblenz, Aachen, Trier. Jedes Heft kostet 50 Pf., der Preis ist also so niedrig angesetzt, daß die Berichte auch in den Kreisen der Arbeiter die weiteste Beroreitung finden können. Hoffentlich erwecken, meint die„Frkf. Ztg.", ivclche der Einrichtung seit langer Zeit das Wort geredet, diese Sonderausgaben in den betheiligten Kreisen dasjenige Interesse, welches erforderlich ist, um den Versuch wiederholen zn lassen; dann soll auch dafür Sorge getragen werden, daß diese besonderen Ansgaren in Zukilnft gleichzeitig mit der großen amtlichen Ausgabe erscheinen. Freilich müssen die Berichte mit der Zeit mehr bieten, um Aiifmcrksamkeit zn verdienen. Aber die bessere Verbreitung und regere Antheilnahme an denselben kann umgekehrt auf den Inhalt reformatorisch ein- wirken. Zvcge» der Ernte darf nicht getanzt Werden. Der Landrath zn Vreniervörde erläßt folgende Bekanntmachnng:„Ich bringe hiermit zur Kenntiiiß der Gast- und Schenkwirthe im Landbezirke des Kreises, daß ich in Rücksicht auf die Hafer- und Bnchweizeu-Ernte uud die sonstigen dringenden Arbeiten in den Moorkolonien, Anträge auf Tanzerlanbniß für die nächsten 3 Sonntage ablehnen werde. Die durch die Kriegervereine etwa beabsichtigte Sedanseier, ist hiervon ausgenommen."— Der Landrath nimmt also von vorn herein an, daß die Erntearbeiten auch am Sonntag vorgenommen werden. KlUiserenzr« tstv Finanzminijtrr süddeutscher Staaten mit Herr» v. Maltzahn sollen nach einer Berliner Nachricht der „Magdeburgischeil.Zeitin, g" vor einigen Wochen stattgefunden haben. Man solle sich aber verständigt haben, in der laufenden Session des LieichstagS noch keine neuen Stenern auf das Tapet zu bringen.— Inzwischen ist allerdings Herr Miqnel desto rühriger an der Ausarbeitung neuer Stenerobjekte für den preußi- scheu Landtag. Das Knupprllfeldrnthu»» drr„Kl»«tb«rgrr Dauern" scheint der„Kons. Korresp." das geeignetste Mittel zn sein, um die Ausbreitung sozialdemokratischer Ideen aus dem platten Lande zn verhindern. Sie schreibt nämlich: „Es genügt, daß der Wühler, der früher im Nothfall kurzer Hand zum Dorf hinausgewiesen werde» konnte, frei»mherreisen kann, um den landivirthschastliche» Arbeitern seinen verführerischen Blödsinn ins Ohr zn raunen. Das Ende wird, ivie wir ver- muthen, nicht selten der Lnnchknüppcl deS zur Bcrzweistung ge- triebeuen Bauer» sein; den zarlen Nerven Derjenigen, die von der„Politik der Kanone" nichts wissen wollen und erhaben über sie lächeln, wird also immerhin ein peinlicher Choe nicht erspart bleiben." Die Herren sollten mit der Prollainirung des„Faustrechtes" doch etivas vorsichtiger sein. Sie könnten sonst schlechte Ersah- rnngsn machen. Eine nngrrcchtfertrgte Anflöfnna einer Versammlung hat i» Mcimar seitens der Polizei stattgesunden. Die Bersamm- lung war von Sozialdemokraten einbernsen worden. Ein mit einigen Gesninungsaciiossen anwesender freisinniger Dr. Frankel »ahm seine Partei in Schutz. Während einer Liebe des Dr. Fränkcl erfolgte die Ablösung der Versan»»ln»g und zwar ohne jede» verständlichen Grund. Ter überwachende Beamte hatte die Entsermmg eines Anwesenden wegen eines von einem Andern ausgestoßenen Zwischenrufes gefordert und dagegen war von einem Drillen Widerspruch erhoben worden. Zu sechs Ktanakr» Gesiingnist ist in Hannover der Re- dakieur der„Deutschen Volkszeitung", v. Dannenberg, verurtheilt worden wegen„wissentlicher Entstellung und Erdichtung von Thaisachen zwecks Verächllichmachung von Staatscinrichlnngen und Anordnungen der Obrigkeit." Es handelt sich um eine Dar- stethuig der Geschichte des Jahres 1860. Gppel», 23. August. Die Einfuhr lebender Schweine auS DesierreicH in die öffentlichen Schlachthäuser von Gleiusttz, Myslowitz, Oppeln, Ratibor und Ltichnik ist gemäß Verordnung des Regiernngspräsldenten gestattet worden. Dresden, den 27. August. Letzten Sonntag, fand abermals eine Parteiversammlung statt, in welcher die in der früheren Versammlung gewählte Kommission über ihre Verhandlungen wegen der„Sachs. Arbeiter- Ztg." Bericht erstattete. Die Ver- sammlung war trotz ergangener öffentlicher Einladung nicht so zahlreich besucht, wie die vorhergehende. Im Namen der Kommission erstattete der Genosse K a d en Bericht. Er theilte mit, daß die Eigenthümer der„Sachs. Arbeiter- Ztg." sich schließlich bereit erklärt hätten, die„Sachs. Arbeiter- Ztg." und die daraus hervorgehenden Kopsblätler unentgeltlich an die Partei abzn- treten. Tie einzigen Verpflichtungen, die übernommen wurden, seien, daß eine kleine Abfindungssumme, die seiner Zeit an die Wittive des verdorbenen Genossen Max Kayser gezahlt wurde, von der Partei zurückerstattet werde, und daß die letztere die Kassirung und Auszahlung der rückständigen Abonnementsgelder an die gegenwärtigen Eigenthümer übernehme. Weiter theilte Kaden mit, daß die Kommission Schritts gethan habe, um neue redaktionelle Kräfte zu gewinnen, wie auch, daß die Expedition von der Partei übernommen werde. Es entstand eine kurze zum Theil ziemlich lebhafte Debatte; namentlich wurde von einer Seite eingeworfen, die Kommission sei nur eine sogen. Kaufkommission, und habe kein Recht gehabt, weitere Abmachungen zu treffen. Dem wurde entgegnet, daß die Kommission allerdings auch Vollmacht gehabt habe, alle übrigen Schritte für das Fort- erscheinen des Blattes zu unternehmen, ohne diese Schritte könnte das Blatt vom I. September ab nicht in die Hände der Partei übergehen. Schließlich erklärt sich die Versammlung gegen drei .Stimmen mit den von der Kommission getroffenen Abmachungen einverstanden; auch beschloß die Versammlung, das Mandat der Kommission zur Führung der Zeitnngsgeschäfle bis zum 15. Okt. zu verlängern. Vom 1. Okt. ab soll das Blatt täglich erscheinen, das Wochenblatt„Mitteld. Ztg." erscheint dagegen nach wie vor wöchentlich einmal. GeKerveich-Ungarn. Trieft, 28. August. Im hiesigen Polizeigebände platzte gestern auf einem Gange im dritten Stockwerke eine kleine Petarde. Ei» Thürflügel wurde ausgerissen, ein Mann beschädigt. Von den Thätern keine Spur. Schweiz. Bern, 25. August. Eine große Arbeiterversa miulung welche gestern hier tagte, hat folgende Resolution gefaßt:„Die heutige, über 400 Personen stark besuchte Volksversammlung im „Cafe Metropole", nach Anhörung eines Referates von Herrn Redakteur Seidel, protestirt gegen die vom Bundesrathe vorge- schlagene, sowie gegen andere Erhöhung der Zölle auf Lebens- und Genußmittel des Volkes. Sie verlangt Er- setznng der fiskalischen Zollpolitik durch eine sozial- demokratische Reformpolitik mittelst Einführung weiterer Staatsmonopole und Staatsbetriebe; der Staatsmonopole für den Getrcidehandel, für das Banknotenwesen, für Tabakindusirie und Tabakhandel, für die Zündholzindustrie; der Staatsbetriebe für das Bank- Eisenbahn-, Verkehrs- und Versicherungswesen. Ihre Gründe für dieses Verlangen und für diesen Protest sind folgende: „1. Die vorgeschlagenen, soivie die bereits bestehenden hohen Zölle auf Lebens- und Genußmittel stehen im Widerspruch mit Art. 29 der Bundesverfassung. 2. Zölle werden von den Konsu- menten bezahlt, nicht von den Produzenten; Konsumenten aber sind alle Volksgenossen, Produzenten auf eigene Rechnung für den Waarenmarkt nur wenige. 3. Zölle sind nichts anderes als indirekte Steuern, welche das arme arbeitende Volk in schreiend ungerechter Weise zu Gunsten der Reichen belasten. 4. Zölle auf Lebens- und Genußmittel des Volkes vertheuern die Produklions- kosten der industriellen Waaren; sie schädigen die Industrie, ohne der Jtleiubaueriischaft zu nützen. 5. Zölle auf Lebens- und Genuß« mittel des Volkes drücken seine ohnehin niedrige Lebenshaltung noch mehr herunter; sie schädigen die Volksernährnng und da- durch die Volks- und Wehrkraft. Der Kamps für die durch Lebensmittelzölle bedrohte Lebenserhaltung des Volkes lähmt aber dessen Kraft für den sozialpolitischen Fortschritt. 6. Sind Zölle einmal eingeführt und ist die Staatsverfassung ans deren Erträge eingerichtet, so ist deren Abschaffung fast unmöglich und die Schaffung gerechter Steuern und segensreicher Ein- nahmsquellen wird erschwert. 7. Die fiskalische Zollpolitik ist die größte Feindin einer schöpferischen demokratischen Sozial- Politik." Selgien. Möns, 23. August. Nach dem gestrigen Meeting in Patnrages schlug ein Haufe von ungefähr 3000 Aufständischen die Richtung auf Dour und Wasmes ein, wurde jedoch von der Gendarmerie zerstreut, wobei 4 Verhaftungen vorgenommen wur- den. Die Zahl der Streikenden in dem gesammten ausständigen Gebiete hat sich heute ans 16 800 vermehrt. Spanien. Madrid, 27. August. In der Provinz Toledo kamen heute acht Cholerafälle vor, darunter vier mit tödllichem Ausgange. Der Direktor der Militärakademie in Toledo ist ebenfalls der Cholera erlegen. In den Provinzen Valencia und Alikante sind noch mehrere Choleraerkrankungen aufgetreten. Rnßiand. Gegen die Juden plant die russische Regierung eine neue Ausnahmemahregel. Wie der„Köln. Ztg." aus Peters- bürg gemeldet wird, soll in Zukunft der Aufenthalt in Petersburg und Moskau nur geprüfte» jüdischen Handwerkern gestattet werden. Alle in den beiden Residenzen ansässigen jüdischen Hand- werker haben sich einer genauen Prüfung zu unterziehen. Anlaß zu der Maßregel giebt angeblich die Thatsache, daß zahlreiche Israeliten zuziehen, die zwar Handwerkerdiplome, aber gar keine oder nur ganz unbedeutende Kenntnisse ihres Berufes besitzen. Wer sein Handwerk nicht ausübt, wird ans beiden Städten ans- gewiesen. Damit ist den russischen Polizeibehörden ein neues Mittel zu den brutalsten Willkürakten an die Hand gegeben. Amerika. V n en o s- A y r c s, 27. August.(Telegramm des „Rcuter'schen Bureaus".) Die„Union Civica" wird dem- nächst eine Vcrsammlnng berufen, in ivelcher dem Verlangen Ansvrnck gegeben wird, daß die Minister Roca und Levalle ihre Portefeuilles niederlegen; man sieht in politischen Kreisen diesem Schritte mit Besorgniß entgegen.— Ein neuer Gesetzentwurf ist eingebracht worden, durch welchen die Provinziatkammern von La Plata zu einer neuen Emission von Ceonlas Serie Q bis zum Betrage von 10 Millionen Dollars ermächtigt werden.— Der Senat hat das allgemeine Amnestiegesetz angenommen. R e w- U o r k. 28. Aug. Heute hier eingetroffene Depeschen aus San Salvador melden, General Ezeta habe nunmehr das Friedensprotokoll mit Guatemala unterzeichnet. Anstralien. König Kalakana entthront, lieber eine erwähnte Revolution, welche auf den Sandwich- Inseln im Königreich Hawaii ausgebrochen ist, liegen jetzt nähere Nachrichten vor. Danach ist der Operetten-König Kalakana, der auch m Berlin von seinem Besuche im Jahre 1881 her bekannt ist, entthront worden. Er sei, so heißt es, zuerst in die Geivalt der Empörer gefallen, aber ivieder befreit worden und sei schließlich auf einem englischen Schiffe entkommen.— Kalakana ist im Jahre 1836 geboren, er wurde 1874, als das damals regierende Herrscher- haus ausstarb, mit großer Mehrheit von der Nationalversamm- lung. zum König von Hawaii erivählt. Die Bereinigte» Staaten von'Amerika üben zwar nicht gerade daS Prolektorat über Hawaii ans, doch ist ihr Einfluß ziemlich unbeschränkt; Kalakana hatte sogar einmal die Absicht, sein Reich an sie zu verlausen. Dlnadebnra, 28. August. Die hiesigen Buchbinder habe», in Ausführung eines Acrsaunnlungsbeschlnfses, den Meistern nnd Besitzern von Großbetrieben die folgenden Forderungen der Ge- hilenschast zur Bvwiüigiing unterbreitet: 1. Zehnstündige Arbeitszeit; 2. wöchentlicher Minimallohn von 15 Marl(bei Beköstigung im Hause des Meislers 6 Mark); 8. prozentuale Lohnerhöhung für Extrastunden. Wenn diese Forderungen bis 1. Oktober nicht angenommen sind, erfolgt die Kündigung. Theater. Freitag, den 29. August. Kesstug-Tstratev. Der Fall Cle- menceau. Lvirdrich-Milstelinstädt. Tstcater. Die Puppenfee. Vorher: Das Pensionat. Mallneu- Theater. Mamsell Ni- tauche. Villtaria» Theater. Die Million, oder: Vivat Imperator. Adolph Ernst- Theater. Der Goldfuchs. KeUeallianee-Theater. Der Dorf teufet. KroU's Theater. Der Prophet. Gstend- Theater. Der arme Jona than. Englischer Garten. Direktion: C. Andress, Alexander straße 27c. Auftreten der Chansonnette Fräulein Ehrenfeld. Auftreten der Kostüm-Soubrette Fräul. Rosa Valerie. Auftreten des Gesangshumoristen Herrn Ziogler. Austreten des Malabaristen und Equi lebristen Mr. Charles. Auftreten des Professors Herrn Jean Clermont mit seinen dressirten Schweinen, Esel und Gänsen. Anfang Wochentags 8 Uhr. Sonntags 5Vä Uhr. Entree Wochentags it. Sonntags 30 Pf. 50 Pf. und 75 Pf.,, im Vorverkauf 20 und 30 Pf. Der Garten ist an Vereine f. Sommer- festlichkeitenm.Spezialitäten-Vorstcllung zu vergeben. Etablisstültitt Bin am iggenliagen Moritzplatz. Täglich: Grosses Garien-Concert. Direktion A. Uodman». Dienstag und Freitag: Walzer-Abend. HntPAA Wochentags 10 Flg., Jjllll tu sonn. UU(i Festtags 25 Pfg. Bei ungünstiger Witterung in den unteren Restaurationsräumen. Großer Frühstücks- und Mittagstisch. Spezial-Ausschank von Pahenhofer Export-Äier, Seidel 15 Pf. Die oberen Säle bleiben bis auf Weiteres wegen Renovirung geschlossen. 641 F. Müller. Nassage I Tr. 9 Uhr M. b. 10 Uhr Ab. Kaiser-Panorama. Hervorrag. Sehenswürdigk. ö. Residenz. Diese Woche: IV. Cycl. Hochinteressant: Gpinnernttgen w. Feldzuig ISVO/Vl, Zum 1. Mal: Zweite Üei)c durch Zelgie». Eine Reise 20 Pf., Ziind nur 10 Pf. Abonnement 1 M. Concert-Park Victoria, Frankfurter Allee 72/73. Sonnabend, den 30. August 1890: 2. Stift&mgsf@st der Vereinigung der deutschen Maler, Lackirer, Anstreicher und uerw. Kernfogenosseu, Filiale Bcr- lin III(Ost), verbunden mit Courert, Hall n. humoristischen Vorträge», unter Mitwirkung des Tyroler Känger-Trios..Mattuöfrr". Anfang SV» Uhr. Einlaßkarten, für Damen A 30 Pf., kür Herren A 50 Pf., find in allen mit Plakaten belegten.Handlungen und bei Emil Eiöhl, Vestaurateur, Fraull- fnrter Allee 76, zu haben. Freunde und Genossen werden hierzu freundlichst eingeladen.[019] Der Vorstand. Paul Schroder's Wirthshllvs Willinsee tu BeeBi�zhof bei Wanusee empfiehlt sein Lokal für Gesellschaften, Vereine, Familien u. a. m. zu flügeu und Landpartie». Aus- iWW" Ausspannung. Bahnverbindung durch Vorortzüge pnd Potsdamer Bahn nach Station Wannsee, von dort zu Fuß in 15 bis 20 Minuten nach meinem Lokal, gu den zwei ersten Vorortzügen werde» vom Schlesischen Bahnhof u. Alexander- platz Arbeiter-Tagesbillets zum Preise von 60 Pfennig für Hin- und Rückfahrt nach Wannsce ausgegeben. 287 GtuchllMs-WsHM Adiersliof. Sonntag, den 31. August: Großes Gäuseansliegel«» und Hillard-Turnier. 637 Zum freundlichen Besuch ladet er- gebenst ein C. Hecht. Ale ll. VtteillsMiiltt zu Versammlungen ec. sind noch zu vergeben. I-ouisenstädtlsches Klubhaus, Annenstr. 16, bei Kessher. 442 Pianino, prachtv. X n.hoh., gebr., gut, f. 100 M. z. verk. Oranienstr. 60. 2 2X r„ Moritzpl., a. Thcilz. 014 Berliner BockbrauereL Vom iS.Septbr. ab sind die Säle zu Versammlungen und Festlichkeiten zur freien Benutzung zu vergeben. An Sonntagen zu besonders günstigen Bedingungen. Um baldige Bestellungen bittet Paul Schaffert, 617 Oekonom der Berliner Bockbrauerei. Freitag, den 39. August, Abends SVa Vhr, bei Ernst Krüger (Frankfurter Kierhallen), 65 f. Frankfurterstr. 99; Versammlung iii)iiSaiiiicl(lcl(en ffir gelesene Arbeiterbliitter. Tagesordnung: 1. Der Werth der gelesenen Zeitungen als Agitationsmittel. 2. Diskussion. 3. Eventuell Wahl der Expedienten. 4. Ver- schiedenes.— Das Erscheinen sämmtlicher Sammler ist nothwendig. 502 Der Einberufer. Ad. Scholtz. der Oeffentiiche Versammlung Hausdiener Berlins Sonnabend, deu 30. d. M., Abends 8Vs Uhr, bei Feuerstein, Alte IaKobstraße 73 I. Tagesordnung: 1. Vorlage eines Statuten entwurfs zu einer Gesammtorganisation der Hausdiener Berlins und Besprechung über die Ver- schmelzung der Vereine. 2.' Verschiedenes. Kollegen! Tretet Mann für Mann für die Sache ein! 622 Die Agitations-Kommission. Mmm Berlins! Sonntag, den 31. d. M.i Große Landpartie nach Friedrichsßagen. Treffpunkt vor dem Landsberger Thor früh 7Vs Uhr. 632 Um zahlreiche Betheiligung bittet Julius Wernau, Zionskirchplatz 2 III. SozWemkrMer Wahlverem für TeltW-ChaMeabUg. Grosse Versammlung Freitag, de» 39. August 1890, Abends 8 Uhr, in„Hismarckhöhe", Wilinersdorferstraße 39 zu Charlottenburg. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Herrn Werner. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Gäste haben Zutritt. Um recht zahlreichen Besuch bittet 027 Der Vorstand. üelailaHbeiierS Alle Diejenigen, welche Biltets vom Sommerfest des Allgemeinen Metallarbeiter-Vereins in Händen haben, werden hiermit ersucht, bis spätestens Sonnabend, den 6. September, abzurechnen. 023 Das Vergnügungs-Komitee. I. A.: Paul Hetz. Parteigenossen! Zur bevorstehenden Gedachtnissfeier empfehle ich den Gewerk- schaften und Vereinen Lassaile-Biidep in verschiedenen Ausführungen, mit und ohne Rahmen. 635 Karl Scholz, Wrangelstraße 32. AllbseEri; Huerbash. Kottbuser Damm 7(nahe der Kottbuser Krücke). Schuhe und Stiesel für Herren, Damen, Kinder."W SpezilllN: Herren stiefet, genag-n und auf Rand. Pferdebahngeld vergütet. Soeben erschien: m- Heft Ii. Dr. W. Zimmermann's Aößtr IeliWer BRerilkrieg. I l lu st r ir t c Volksausgabe. Herausgegeben von Willbelm Bios. Dreis pro Heft 30 Ufenuig. Zu beziehen durch die Expedition, Deuthstrasse 3. Wicderverküufer erhalten Rabatt. Soeben erschien Ier ivchrt Atöb Mr» 807. Zu beziehen durch die Expedition Beuthstraße 8. WnlanWer Imwtl, gen.: ,,Die stdele Uageilnste", 1 Berlin N., Elsnsserstraße 73, 1 gegenüber der Bergstraße. Im Lokal photographischra Atelier zur Benutzung.— Jeder Gast, auch wenn derselbe nur für| 10 Pfennige verzehrt, wird gratis jjhotogrlipliirt n>!d erhält sein Bild sofort als I Gratispräsent. Höchst scherzhaft! H. Schnitze(mit'n tz). Einzige Keller-Uhotographie der Welt. 1133| Möbel, Spiegel und Polsterwaaren. Gan»e Ansstattnnge» empfiehlt Moritz Gläser, usi 167. Reichenbergerstr. 167. SszialheUkriltislh. Wahltierenl fürten 5. Mint ReillMgs- Wahlkreis. Den Genossen zur Nachricht, daß der Verein am Sonntag, den 31. August, zur Lassalle-Feier-w- Landpartie nach Friedrichshagen veranstaltet. Treffpunkt Morgens 7 Uhr Bahnhof Alexanderplatz. Um zahlreiche Betheiligung bittet 628 Der Vorstand. Verein zur Mahrnng d. Interessen ki SdniljnKKjrr. Sonntag, den 31. August» Grosser Ausflug. Treffpunkt Aleranderplatz am Krunnen Vormittags 7Ve Uhr. Um zahlreiche Betheiligung und pünkt- liches Erscheinen bittet 613 Der Vorstand. Fachv. der Rohrleger. Sonntag, den 31. August 1890, findet eine Plirtie, nnch mit Familie, nach Friedrichshageu statt. Abfahrt vom Alexandcrplatz 6,18, 6,58 Uhr Früh, vom Schief. Bahnhof 6,31, 7,06 Uhr Früh. 626 Treffpunkt Restaurant Elxleben in Fricdrichshagen, für Nachzügler bis 10 Uhr Früh. Um rege Betheiligung ersucht Der Vorstand. Achtung, Vergolder! Sonntag, den 31. August: Allgemeiner Ansstng mit Damen nach Friedrichshagrn. Abfahrt vom Schlesischen Bahnhof Morgens 7 Uhr.— Rege Betheiligung erwünscht.[625] I. A.: I. Sch. Achtung! 686 Verein der Klempner Berlins und Umgegend. Am Sonntag, den 31. August 1890: n-chFriekitWagen Schlesischer Bahnhof früh Oer Vorstand. §ErrenpnrtiC' Treffpunkt: 6»/b Uhr. Alle Sattler Sonntag, den 31. d. Mts., nach 6##n(ee(Hrnmme Sänke). Abf. Potsdamer Bahnh. 1 Uhr 27 Min. Köpemck. Arbeiter- Verein für Köpenick und Umgegend. Sonntag, den 31. August, Nachmittags IVs Uhr: Ausflug mit Damen. Die Theilnehmer werden ersucht, sich um 1 Uhr im Kaiserhof einzufinden. 624 Der Vorstand. Verein z.Wahrnngs. Interessen ki Klavierarbeiter nnb venv. Bernssposfen. Mitglieder-Versaninilung für den Norden am Sonnabend, den 80. August. Abends 8 Uhr, in Minner's Lokal, Rosenthalerstr. 11/12, Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Herrn Metzner. 2. Wcrkstatt-Angelcgenheit. 633 Der Vorstand. Zi-Wlil am hiesigen Platze bekanntlich Grösste Auswahl. Varantirt stchcr krrnueude Tabake,"gag Streng reelle Bedienung, billigste Preise! Sämmtliche im Hanvel befindlichen Rohtabake sinv am 1653 Lager. A. ßolschmidt, Spandanerbr. 6, am Hacke'schen Markt. Allen Freunden und Genossen pfehle mein Tabak- Nil Cigarren-Wäst Skalitzorstrasso 66. Otto Jahns. ÄhikriMgen.%�%SS Achtung, Rixdorier! Wie öffentliche Versaininlnng der freien Gemeinde für Uirdorss und Umgegend für Ulänner u. Frauen im Lokals des Herrn H o f f m a n n in lliixdorf,'Bergstraße 133. Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn W. Wach über:„Die Moral' und die gegen- wältigen Verhältnisse". 2. Diskussion. Männer und Frauen sind freundlichst eingeladen. 629 I. V.: P. Steinmär, Prinz Handjerystr. 10. Uestev.3V2—SMeterfpolf billig. | Emil Lofüvre, Granienstr. 158.| Proben franko I [1606g St« Smsse» Herren- u. Knaben- 1407 Garderoben- Geschäft. Willi Polli» Elisabethkivchstr. W iiil. 1 cllii, Nr. 8 am Pappclpl. Danksagung liebevolle und der Beerdigung ineiit«?, 3# Für die nähme an...-----„.„ Grabe meines Mannes, wen � fr nebst vier Walstn. Achtmg! Mckl«kii«! H-Nd-N" jS, T»'«?*6.i,Ä3Ä 15, 1 Itcher Art, dieselben bis spätestens S°«n° Zeitung zu veröffenwch�n.��� Dil {Wim;! letilatitii«! Alle Diejenigen, welche noch'_ sitz von Bons zur BesMung Weimar stattgefundenen MetaUar, Kongresses in Händen haben, � ersucht, bis spätestens Sonnabeno, � 30. August, bei Paul Hes,„ � straße 7—8, Arbeitsnachweis, llg,. Hasselbach, Kottbuser Damm v° � Richard Baier, Grüner Weg U'.p zurechnen, widrigenfalls wir u � 413 Die Kommia*Tlv Achtung für Ich erlaube mir, die He�. staurateure darauf aufmerksa' � machen, daß ich jede Reparat« � Vierdruckapparaten aufs Beff � führe. Uebernehme zu glesch��,,� das Aufstellen von neuen Kter» M..ÄrÄ" Friedeustr�5> Eßt bayerislber Marke Schütz. Bei Herrn C. Weiss, straße Nr. 120. Für den Arbeiter das 5 Pfennige« Spiegel ni>a � Polsterwaare'1' eigener Gr. Lager, bill. Fabrik. Emil Hey11' Brunnenstraße 28, Hof part�„ Theilzahlung nach Uebereinkuni » Itsui Si< Jedem, der billig kaufen will, cllU lei<. mein reichhaltiges Lager in Sot»m Paletots, Rock- und Anzügen, sowie einzelnen v ji Röcken, Jackets, Westen zc.; J-A Damen-Mäntel und-Kleider, Hüte, Betten, Wäsche. Uhren, u. Holzkoffer u. f. w. Alles m � neu! Kaufe sämmtliche Sache' Auktionen und von Leihämtern!»i sind verfallene Pfänder dabei, sehr billige Preise. A.#(#»,»SÄ Bitte recht genau aus Namen u. v nummer zu achten. Nur I Mark..«t Klagen, Eingaben, Rath in � zessen, Einziehung von Fordcv � Pollak, Alexanderstr. 39, 2'j�> Uesterhandlnug. Billige Rester zu Einsegnung» � zügen werden auf gleich aug'"$ '""ts R-HTabak«fÄ'f Größte Auswahl, billigste Pt«% G. Elkhuysen, Münssti' 831 Vefoudera hohe Ureife I.Klasse 183. Lotterie Bert. Kollekte»> Adolph Windmüller, Nene Königs ridtrwp.iizS?#' Wohmmgeu ajgl Frdl. Schlafstelle z. v. Trescko'v�' 1 Tr. bei Waerinus. Schläfst, vm. Lange, Reichenbergw� Schläfst, an Herren, 7M., bei''ffi Andersson, Adalbertstr. 72, Schläfst, zu verm. Dresdenerstr.ll�, Arbeitgiillllkt. Farbigmacherin n. Versilbcria � 633 Wallnertheatersir� Verantwortlicher. Redakteur: Curt Vaake in Berlin. Druck und Verlag von Mar Kading in Berlin SW„ Beuthstraße 2. E. Schuhmacherlehrl. v. Rügeneä�/ Dier.«u eine Keilas Nr. 300. Freitag» den Z9. Angnst 1890. V. Jahrg. Lolrnles. SoIoHx!1»*i!um brinhrtrn Leser„»leres Slatte» wird uns vvM'des nntgetheilt: ein.,," Ztg." bringt in ihrer Abendausgabe vom Dienstag i:k,_.�scheinend auf amtlicher Mittheiluug beruhenden Bericht der m"ö�oben Ruhestörungen", welche am Montag Abend bei foM»» Friedrichshain stattgefunden haben. Liest man etim,.L l$*' f0 wird man an manches unheilvolle Ereigniß ttorw■-'? Jc3 erwiesener Maßen durch die Behörde verschuldet vorgelegen ha�e geringste Anlaß seitens des Publikums der Einzugstag der bayerischen Prinzessin Elisabeth, Der Kronprinzen, des späteren König Friedrich Wilhelm IV. diirck>"»' Schloßbriicke war beendet, die Prinzessin, welche als(tüa Brandenburger Thor ihre» Einzug nahm, fuhr StimZ.'.'der diese Brücke. Am Abend veranstalteten die der-rln.�nen Fackelzug, der, wie es bei solchen« Anlaß stets zk.fi™'st, Veranlassung zu massenhafter Ansammlung von gab, welche nach dein Schlosse hindrängten. Thörichter- t'.nnLt,. wan diese breite, neue Schloßbriicke gesperrt und die (lehr; fe Menscheumasse wurde nach der hölzernen Nothbrücke liwrn„ne y.--- r........ s„,., "■•aujeute Menscheumasse wurde nach der hölzernen p-oiyvrucre Drangt, deren hölzerne Geländer dem Drucke de* Menschen- Womeis nicht widerstehen konnten und zusammenbrachen, mehrere Mndert Menschen stürzten auf die neben der Brlicke liegenden 'mhne oder ins Wasser, zlvciundsiebzig verunglückten . Es war nach den Märztagen � �nUroa ifUfi 7 dem Gedächtniß entschwund aufbewahrt. In Preus verale Ministerium Pfuel an..._ �isgsminister, Genernllientenant von Strotha, geHorte dieser DnliTif.e---- � Es war nach den Märztagen des Jahres 1848, das Datum dem Gedächtniß entschwunden, die Thatsache hat es i, f 1a.-*.. x. f\'.. eaa.,* c* n I i«iuuvu. I» Preußen«var das konstitutionel- Ministerium Pfuel an der Regierung, selbst der t(iifV;;r,ml,er' Generallientenant von Strotha, gehörte dieser Und Richtung an, die Reaktion«vühlte tüchtig drauf los C'~7te.dem Ministerium überall Schivierigkeitcn zu schaffen. sy.�aiiveidnitz in Schlesien hatte sie von dem Festnngs- Mn.«'' Generalmojar Rollas du Rosay und einem Llni!?.? Bataillons-Kommandeur, treue Verbündete. Durch ticlitrt®e'e� war damals in allen Städten eine Bürgergarde er- dies?» �Jw.de», so auch in Schweidnitz. Der Kommandeur hatte btt.f Dienstes halber an dem verhängnißvollen Tage ein- »». Der Festungskommandant Rollas ließ der versammelten ........... Bataillon Infanterie aufmarschiren. rj�gergarde gegenüber ein Si .j,c Konunandenr desselben *111(5 �».• e- � c _............. übernahm selbst die Führung lt r Kompagnie dieses Bataillons, gab derselben eine «ompngme oiejcs jotuaiumif, guu vnivivm mit fe'iie Absicht nothwendige Aufstellung und ließ eine scharfe Salve auf die gegenüber ganz stehende Bürgenvehr geben. Wohl an SO Menschen b»• das Opfer dieser gänzlich unniotivirten Brutalität. Durch Angeleitete Untersuchunawurde ein„Mißverständniß" ermittelt. n iiungskommandant und Major wurden pensionirt. Ein ähnlicher Fall trug sich in Leipzig zu. Ter sächsische „'P Johann, später König von Sachsen,«var dorthin gekommen, b�!?? seiner militärischen Eigenschaft«vie als Generalkommandant W,, sächsischen Bürgerwehren zu inspiziren. Es«var am Nach- Li%, eine große Anzahl Menschen halte sich,«vie geivöhnlich ein I°sche>n Anlasse, versammelt. Ganz unerwartet marschirte »'»!!"pp Soldaten dieser ruhig sich verhaltenden Mensche»- Qßgenül">et öii| in hiofoTho �TUmm � r-, ,mb feuerte in dieselbe. Wenn Die erinnerlich, fielen auch hier an 30 Menschen. U,,t�»ch,u„g be§_ gelangte fei||sJ"löewiiere uiueiiiaijuiuj vt-, u..,„ bjs F ausklärenden Resultate, ein Mißverständniß trug auch hier de» Mtd, das Volk urtheilte freilich anders, es bezeichnete Är»«»z Johann als den Schuldige««. Das sind immer ! fieinif auch die Polizei ist nicht immer von groben Fehlern iioi Jprechen, die die Vernichtung von Leben««nd Gesundheit zur Ig» haben. Eines solchen Falles,«velcher sich vor etwa 17 oder "»«fv,.u hier ereignete und dessen sich«vohl noch Mancher er- bi»„..wird, sei hier erivähnt. Bei Hofe«var eine Festlichkeit, ----------.-—«v>;0 Srt»i> l�1 V�v V4siVMV«»«,............ öroßen Zapfenstreich schließen sollte, wie'deni Aasten~ bwses noch erinnerlich ist. Daß sich auch hier Menschen- °i.,''?Fa'nmelc hatten, ist selbstverständlich. Die Polizei Dinqg J V"1® besetzt, hinter der das versammelte Publikum der ...... smee Male �-'wie vejetzi, yuner ocr uuu uci|S!I!ff.t..t............... ."U y.?w da kommen sollten, ruhig harrte. Mit einem Male üllte l- Befehl an die, die Linie besetzt haltenden Schutz- uobl P!e. Ntenschenmassen bedeutend zurück zu drängen. Die ""ftniih Ier Anordnung«var, daß ein fürchterliches Gedränge Hedw«,,.' eiserne Gitter vor der Kommandantur wurde ein- Snif oiele Unglücksfälle ereigneten sich. Rilt mju??tl solcher Vorkommnisse könnte man anführe««, für »%oii T\ � genügen. Jetzt soll der erivähnte Bericht der sagt,' besprochen werden. In demselben ist nirgends ge- welch, atz ,d«e am Friedrichshaii« versammelte Menge irgend a.'fng rerübt habe, folglich muß sie sich ruhig verhalten ?-Ws-..s rch, daß gegen Abend der Garten der Brauerei durch f'ioabo nv geräumt lvnrde,«vie Genosse Zubcil angiebt, dessen �lixs,.. Winand bezireiseln wird, soivie durch die polizeiliche a>asse W der benachbarte«« Schanklokale, mußte die Menschen- m stfir wgrößerl werden. Da keine Ausschreitungen bis .versg,..,, vorgekommen waren, auch«;««« diese Zeit selten kein r« Straße„Am Friedrichshain" passiren, so K««« s„.,,.�."ud zu deren Räninung vor. Und«varuin vcrivcndcte eßiiidiüi� t reitende Schutzleute, ist denn Menschenleben und teitq, rfpwgw nichts«verth, daß man in die Massen hinein- ni�würts\ Wenn serner in dem Berichte gesagt ist, daß stets fe'i«a g, gedrängt«vorden«väre, so«vird«vohl jeder mit einem . heiibi. �gand Begabte«vissei«, daß der Einzelne und Vorn- 05 � �'•-- Miderktan! 5!>e»de de„ Begabte«vissen, dap oer c-inze«.«- i'teii(nim ml®!?cr hinter ihm Stehende«« keinen Widerstand C'äei aetPi.f' Menschenmasse durch das Vorgehen der h H!itö oJt«vurde und ihre Unzufriedenheit laut kundgegeben Rplte, wundern. Weiter heißt es dann in dem Be- «rl'fai hiti«!,,« �citun9 berittener Schlitzleute sprengte in den ».%e Lust i'?ng Aingt so kalt, so ruhig, als«venu das eine @K Gewese«« sei und dann«vurde gar der Säbel gezogen, ttiuaiist, Zur Georgenkirchstraße getrieben. Das geschah an %%% 1J90 christlicher Zeitrechnung in Berlin. üi.Uschenane. eigtznthüinllche Wahrnehmung, daß bei großen �tizei«jm-h!? nie Ruhestörungen vorfallen,«venu keine oi�wals„ 5» ist, das hat die Einiveihung des Hasenclever- geipin H'.Sonntage«viederii», beivicsen. Unrichtig ist es n Piigen c, � die Polizei von vorn die Menschenmassen zurück- L%(bci,'"cht/ man veranlasse die Hiutensleheiide» zuerst zu»« >, �evlni.» nn gerä«imt«verde«« soll. Und schließlich«vird«vohl «Ple Lq.Pen gerechtfertigt sein, daß das Konunando der Schutz- Jw CtfnhL0'chcu voraussichtlichen Ausaiiniilunge,« alten, ruhigen °i>Nlich sP,wU Polizeioffiziercn und nicht jungen,«vie mo" . l'eyl, sogenannten„schneidigen", anvertraut«verde �iit unxd Ävbeitotheiluug enthält die„Zeutral-Zeitung für 8'ge»d°,,.Mechanik" eine längere Ausstthrung, aus der«vir den kV 3( t /"Pen Auszug«viedergebe», welcher das V e r h ä l t n i ß «> ielle«,' e r s zur Maschine betrifft. Die großen in- Preis-,.t uorlschritte verdanken«vir der iminer tiefer und tiefer Bdlmr.?e>l Arbeitstheilung. Die Folge hiervon«var die Aus- 'v=--v.—.Inn Jflliüüfcil anerkannt, daß die ArbeitStheilling für das Gedeihen unserer Industrie selbst, wie für die Güte und Billigkeit des Arbeits- Produktes von hervorragender Bedeutung ist. Die Arbeits- theilung hat unser ganzes bürgerliches Leben umgestaltet. Die alten Handivcrkerstände sind zu Grunde gegangen oder haben eine so tiefgehende Umwälzung erfahren, daß sie kaum noch zu erkennen sind. Durch die Umstürzung der alten Einrichtungen hat die neue Tendenz neue Feinde gefunden, welche allerdings ohn- mächtig sind und bei ihrem Kainpf gegen die wachsende Strö- mung untergehen müsse». Die Schuld an diesem inneren Kampfe liegt aber«veniger an einer prinzipiellen Schädlichkeit der neuen Tendenz für das individuelle Wohl des Arbeiters, als vielnichr in der Unbeholfenhcit Einzelner, sich den veräl«dertcn Bedingungen anzupassen, und in der übertriebenen Hartnäckigkeit, mit welcher Viele an dem Althergebrachten hängen. Dagegen giebt umgekehrt die Arbeitstheilung dem intelligenten und streb- sainen Arbeiter«verthvolle Mittel zur individuellen Weiter- entivickelung ai«�die Hand, auf«velche er in früherer Zeit nicht rechnen konnte. Es ist im Interesse der menschliche» Gesellschaft, wie in den« des Jl«divid«lUlns, daß Jedermann das ihm angeborene Streben nach Fortentivickelung kultivire. Die Arbeitstheilung bildet hierbei ein wichtiges Hilssmittel und kann sogar als Endziel hingestellt werden. Die Jndnstrieen haben sich in unserer Zeit soivohl dem Unlsange wie der Mannig- saltigkeit nach so eirtivickclt, daß dieselben ohne daö Prinzip der Arbeitstheilung gar nicht»«ehr bestehen könne». In vielen Fällen erscheint allerdings der Arbeiter nur als ein lebendiges Glied in der Kette eines großen industriellen Unternehinens, ein unbedeutender Theil in seiner Organisation von Maschinen und Menschen ohne Anerkennung seiner persönlichen Individualität; es kommt nur darauf an, daß er eine bestimmte Arbeit schneller, zuverlässiger und besser ausführt als ein anderer. Die unausbleibliche Folge einer solchen Arbeit ist natürlich die Beschränkung der übrige» Fähigkeiten. In diesem Falle ist das Prinzip der Arbeitstheilung schädlich, indem es den Menschen zur lebendigen Maschine dcgradirt. Glücklicheriveise begnügt sich der denkende Mensch hierbei aber nicht, sondern sucht mecha- nische Hilfsmittel zur Ausführung der häufig«viederkehrenden Verrichtungen hcranzuziehen, und ersetzt die»«enschliche Maschine durch eine solche von Metall und Holz. Aus diese Weise ist die Arbeitstheilung die Mutter«vichtiger Erstndungen und Spezialmaschinen geivorde». Die Riickivirknng derselten auf die Arbeiter kann sich in sehr verschiedener Weise bemerkbar machen.— Das vorgenannte Blatt zählt dann merk- «vürdigeriveise nur die Vorlheile ans,«velche die Arbeitstheilnng für den Arbeiter i»«virthschastlichcr und arbeitlicher Hinsicht niil sich bringt, ohne die sozialen Schäden auch nur mit einer Silbe zu erwähnen z es sagt dann: Der Arbeiter muß sich bewußt sein, daß er auch nur ein Glied i» der Kette der menschlichen Gesell- schuft ist, daß er aber fast nur von ihr und seiner Arbeit allein abhängt, ob er eine bedeutende oder unbedeutende Rolle darin spielt(?). Er muß danach streben, daß er bei der allgemeinen Arbeitstheilu«ig nicht blos die Aufgaben einer Maschine erfüllt, sondern durch seine geistige Thätigkeit den Fortschritt fördert!— Geiviß sehr schön gesagt. Schade nur, daß der Verfasser so thut, als vb bei der ganzen Arheitsentlvickeluug««nserer Zeit das Kapital gar nicht in Betracht käme. U««s iniponirt geiviß Jeder, der dem schändlichen Mannnon gegenüber ein möglichst hohes Maß von Geringschätzung besitzt, aber einfach mit diesem geivaltigen Faktor gar nicht rechnen, das läßt aus eiilen großen Mangel an Auffassungsvermögen schließen. zlrbcv die neue pflanzengeogunphische Anlag? i,u öotauil'chclr Garten schreibt der Schöpfer derselben, Professor A. Engler in seinen« der Nniversität erstatteten Jahresbericht: Tie umfangreiche Anlage dient zur Darstellung der Vcgetalions- ormationen in der nördlich geinäßigten Zone. An die Formationen der mitteleuropäische» Ebene(Mischivald, Buchen- «vald, Birkengehölz, Kieferivald, Haide, Moor) schließen sich die deS mitteleuropäischen Vorgebirges(Flußauen, Tannemvald, Vor- gebirgsiviese) und der subalpinen Region(alpine Wiese, Knieholz-, Weiden-«nid Alpenrvsen-Gebüsch. Auf Hügeln von verschiedener Höhe und mit den einzelnen Gebirgssystelnen entsprechenden Ge- steinen«vurde die Flora der mittel- und nordeuropäischen Hoch- gebirge aufgepflanzt. Die Vertheilung der alpinen Arten ist auf drei parallelen Höhenzuge«, zur Darstellung gebracht, umfassend die Flora der nördlichen Kalkalpen, die der Ze«>tralalpen und der südlichen Voralpen. An die für die«vestlichen Zentralalpen bestiuunte Partie schließt sich eine Hügelgruppe für die Flora der Pyrenäen an, von«velcher ein kleiner, für die südspanische Gebirgsflora bestinunter Hügel sich abzivcigt; ebenso schließt sich an die Felspartien der siidllche» Böralpen ein Ausläuser an, auf dein die der alpinen Flora so nahestehende der Appeninen untergebracht ist. In größeren« Abstände von de» alpinen Gruppen sind zivei Hügel für die Flora der in« Karpathen- '" nn und der auf der Aatkan-Halbinsel heimischen Hochgebirgs- nzen aufgetvorfei«; zivischen ihnen erstreckt sich ein Terrain die politische Wald- und Steppenflora. Eine größere Hügel- grnppe ist für die Hochgebirgsflora des Kaukasus und der politischen Gebirge, eiiie andere für die deS Hiinalaya und endlich eine für die des Altai bestinnnt. Während an« Fuße der beiden ersten Hügelgruppen die reiche silbalpine Flora dieser Gebirgs- systeme Platz findet, schließt sich an die Allaigruppe einerseits eine Fläche für die sibirische Plairienflora an, andererseits ei» Streifen«nit den Repräsentanten der«vest- und ostslbirischen Waldflora. Von dieser Anlage kommt«»an in eine andere, «velche der Flora des Amurlandes und Japans geividmet ist; dieselbe«vird erst dann einen der großen Mannigfaltigkeit dieser Flora und ihrer Bedeuti«ng für unsere Garteukultur entspreche««- den Umfang erhalten,«venn die an der Gruneivaldstraße ge- legenei«, vom Staate angckanstcn Gebäude niedergerissen sind; doch«st jetzt schon die Nadelholzflora der höheren Rigionen ausreichend dargestellt. In«'Anschluß hieran hatjetztdiesüdjapanische, an inuncrgrllnei« Geivächsei« reiche Flora ihren Platz gesunden. Ein ausgedehntes Terrain ist der Flora Nordamerikas eingeräumt; alich hier sind die einzeliien pflanzengeographischen Provinze» auseinander gehalten. An die Flora Japans schließt sich die der nordamerikauischen Sceprovinzcn an. Auf die Repräsentanten der nördlichen Konifereiuväldcr folge«« die der nordanierikanischen Laubivälder; sie erstrecken sich bis in die Stachbarschaft deS euro- päischen Mischwaldes und geben zugleich Gelegenheit, den Gegen- satz zivischen der relative«« Armuth unserer Laubivälder und den« Reichthun« der nordamerikaursche«« kennen zu lernen. Kleinere Terrains zeigen da««» noch die Flora des atlantischen Nord- amerikas. Für die Flora der Prairien und der Rocky Mo««»- tains wurden nur kleine Plätze bestimmt. Dagegen ist die Flora der pacisischen Staaten Nordamerikas reichlich vertrete». An den kanadischen Koniferenivald grenzt eine größere Abtheilung mit der Flora des Oreongebietes und Nord-KalifornienS, sowie die des Kasladengebirges; endlich ist noch ein kleiner Platz der Flora des südlichen Kaliforniens und der Sierra Nevada gewidniet. Der Besuch des botanischen Gartens ist ein sehr reger; an den Tagen, an«velchen die Viktoria regia blühte, mochte derselbe sich »vohl auf zehntausend Personen beziffern. Auf die Riefelgütrr sind iin letzten Jahre 44 919 16a Kubikmeter Wasser hinausgeschafft«vorden. Interessant ist, mit dieser, durch die Pumpstationen in unreine n« Zustande aus der Stadt hinausgeschafften Wassermenge, die Wafferi»e>«ge zu vergleichen,«velche durch die städtischen Wasserwerke in rein ein Zustande in die Stadt Hineingeführt worden sind. Die hinaus- geschaffte Wassermenge beträgt für den Tag und Kops der in den kanalisirten Grundstücken Wohnenden 108,10 Liter. Nach dem Verivaltungsbericht des Kuratoriums der Wasserwerke für die gleiche Zeit«v«lrden von letzteren an reinem Wasser einge- führt für den Kopf und Tag 64,47 Liter. Demnach fördern die Pumpstationen für den Tag und Kopf ein Mehr von 38,63 Liter hinaus. Als ei„ Zeifpiel,»vie der Kodenivertl» in Kerli»»ge» stiege«» ist, führt der„Conf." a», daß für ein Terrain in der Müllerstraße 92—93, das vor 30 Jahre» von dein Besitzer Friese für 3200 Thaler an den Konsul Karo verkauft wurde, in den jüngste«« Tagen zwei Millionen Mark geboten«vorden sind, aber nicht anaenonimen«vurden,«veil drei Millionen Mark verlangt«verde««. Käufer««««d Verkäufer ans damaliger Zeit be- finden sich noch unter den Lebenden. Den Verkäufer Friese kostete das Terrain damals 1800 Thaler und er glaubte, ein gutes Geschäft gemacht zu haben, als er es für 3200 Thaler verkaufen konnte. Ei«» Stnm vo>» grivnitiger Kraft hat vorige Nacht ge- herrscht und in unserer Stadt vielen Schaden angerichtet. Bereits in der zehnten Stunde hatte sich ein heftiger Wind anfge>nacht, das sauste und heulte unheimlich in den Lüften. Um 1 Uhr hatte sich der Wind zuin Orkan gesteigert«md rüttelte«nit gigantischer Geivalt an den Häusern uinher. Rasselnd««««d prasselnd flogen die Ziegelsteine von den Dächern, hier>vl«rde ein Stück Stuck ab- gerissen, Fahnenstangen zerknickt, Schilder heruntergerissen, viele junge Bäume mittel« durchgebrochen. In dem schon gelben Laub- werk der Bäume arbeitete der'Wind ganz furchtbar, der ganze Blätterschmuck«vurde einzelnen Bäumen genommen««nd hoch lag das Laub umher. Stelleniveis hat der Sturm Zäune niedergelegt. überall aber arge Verivüstungei« in den Obsternten angerichtet. Die Obstbäume«vurden so gerüttelt und geschüttelt, daß sie oft die Mehrzahl ihrer Früchte verloren. Lange hielt die Krast des Windes freilich nicht an, heute früh«var sie gebrochen««nd Ruhe und Stille«var«vieder in die Natur eingekehrt. Das Gerücht von einet«» ,,Sch»«tgefpenst" hatte sich vorgestern auch in Ripdorf verbreitet und,«vie die„Post" be- richtet, an« Abend die Zusammenrottung des Janhagels vor dem alten Schulhause in der Bergstr. 112 veranlaßt. Die Ansammlung«var so stark, daß der Verkehr gehe»i»«t«vurde. Von Knaben und jungen Burschen«vurden unter Johlen und Schreien die Fenster des Erdgeschosses eingestoßen, in die Stuben ein- gestiegen und drinnen allerlei Unfug und Sachbeschädigung ge- trieben, bis die Gendarmerie der Sache ein E>«de«nachte und ins- besondere emen Bäckerlehrling verhaftete, der als der Anstifter des Unfugs bezeichnet«vurde. Die Aufregung hatte ihre Ursache in der vermeintlichen Wahrnehinung einer alten Frau, welche am Nachmittag im Bodenfenster des nur einstöckige» Hauses ein ge- hvrntes Thier bemerkt haben«vollte; dasselbe einpuppte sich bei näherer Untersuchung als ein jungeL Mädchen, welches beim Aufräumen einmal zur Dachluke hinausgeschaut ljatte. Trotz der sofort festgestellte» Grundlosigkeit des„Spukgerüchts", fand das- selbe doch«vettere Verbreitung. A»»fde»>« Urrdell« rinro pferdebali»>wi»gei»a kam es vorgestern Nachmittag zu einer Massenschlägerei. Gegen 4 Uhr be- stiegen am Rosenthaler Thor zivei Männer einen von« Kreuzberg nach den« Gesundbrunnen fahrenden Wagen und begaben sich ans das Verdeck desselben. An der Jnvalidenstraße«vollte der Schaffner den neu Aufgestiegenen Fahrscheine geben, bei«velcher Gelegenheit einer der Beiden mit dein Schaffner in Streit gerieth und ihn mit Faustschlägen traktirte. Auch der Ziveite der er- «vähnten Fahrgäste, der aus dem Gesundbrunnen«vohnhafte Schlosser R. siel über den Kondukteur her, für de»«vieder andere Dccksihpassagiere Partei nähme««. Es entspann sich nun auf dem Verdeck eine allgemeine Schlägerei,«vobci mehrere Personen blutige Köpfe davontrugen. Erst vor den« Hause Brunnen- straße 35, wo sich die Polizeiivache befindet, wurden durch hi««» zugerufene Schutzleute die Urheber der Schlägerei verhaftet. Jtvri cigenartige Gristrsl«»,»»!«? bcsinden sich, der „Berk. Ztg." zufolge, seit einiger Zeit in der städtischen Irren- anstalt zu Dalldorf. Beide Kranke nehmen insofern ein besonderes Interesse in Anspruch, als sie in Betreff ihrer Vorgeschichte smvohl «vie auch in ihrem ganzen Wesen und in ihren« Verhalten in der An- stall ein psychologisches Räthsel bilden. Der eine Kranke,«velcher augenblicklich im 25. Lebensjahre steht, ist ein gelernter Kaufmann, der aber bald nach Absolvirung seiner Lehrzeit diesen, Be- rufe den Stücken kehrte und den,' nichts weniger als noblen Ge- «verde der Taschendiebe, der sogenannten„Paddendrücker" griff. Durch seine Kniffe verschaffte er sich im Spitzbubenhandiverk bald einen bedeutenden Stuf und wurde ein„Hauptkunde" der Berliner Kriminalpolizei, so daß er mehrfach Bekanntschast mit den Ge- richten machie und verschiedene Male für seine Kunstfertigkeit „über den Berg", d. h. nach den, Zuchthause geschickt«vurde. Stach Verbüß,»ig seiner letzten Strafe im Jahre 1881 hatte er abermals einen Konp ausgeführt, der ihn aus die Anklagebank brachte. Er zog es aber vor, anstatt nach„Mochnem"(Zuchthaus) zu gehen. lieber den«vilden Mann zu spielen, und kam so»ach Dalldorf. Schon in« Anfang der Untersuchung veriveigerte er jede Auskunft über seinen Znstand und«var später für nichts mehr zugänglich. Irrte er an« Tage in seiner Zelle herum, wobei er in den Ecken herumkroch, die Löcher verstopfte, die Heizröhren mit Lappen um- «vickelte und stilndenlang nach der Decke starrte, so«var er Nachts im höchsten Grade unruhig, er schlief oft. drei bis vier Nächte hintereinander gar nicht und klopfte iviedcrholt nach dein Auf- scher, damit dieser käme,««in die„Telephongeister", die sich in der Zelle befänden, zu verbannen. Alle Vorstellungen der Beamten und der Aerzte sielen bei ihm auf unfruchtbare«» Boden, und da er zuletzt tobsüchtig und für die Umgebung gejährlich wurde, so«vurde er auf Requisition des Gefänginß- arztes zur Beobachtung seines Geistesznstandes nach der Neuen Charitee geschafft. Während der dreimonatliche«, Beobachtungszeit änderte sich nichts in dem Verhalten des Patienten, und so fand dann seine Uebersührung wegen unheilbarer Geisteskrankheit nach Dalldorf statt. Wesen und Form der Krankheit blieben auch hier««»verändert. Besonders interessant an diesem Kranken ist nun außer seiner merkivürdigen Wahnvorstellung sein Schlaf. Verschmähte er schon in der ersten Zeit häusig sein regelrechtes Nachtlager, so»ahn« diese Scheu vor den« Ruhebett nach einige» Monate» einen ganz eigenartigen Charakter an. Er schlief absolut nicht anders als in der Zelle, die er denn auch«veit über sechs Jahre hinaus freiwillig inne hatte, und«vährend dieser Zeit hat der Kranke nicht eine einzige Nacht ein Lager benutzt, sondern beharrlich nur auf der blanken Diele gelegen,«vobei er sich mit seiner Jacke zudeckte. Trotzdeu« befand und befindet sich der Patient körperlich ganz«vohl. Ganz ähnlich verhält es sich mit einein zweiten Kranken, nur mit dem Unterschied, daß letzterer gegenwärtig ein Mann in den siebziger Jahren ist und sich bereits seit ca. 20 Jahren«in Jrrenhause befindet. Er bildet sozusagen ein Stück Inventar des Hauses, indem er schon Insasse des alten Irrenhauses am Alexanderplatz und einer der ersten war, die mit nach der neuen Anstalt tiber- siedelten. Seine Vorgeschichte weist ebenfalls eine Reihe von Ver- brechen auf, er war ein sogen,„schwerer Junge", ein„Spandauer Kunde", d. h. er hatte in dem früheren Zuchthause daselbst eine lange Freiheitsstrafe verbüßt. Ebenfalls als sog.„wilder Mann" ins Irrenhaus eingeliefert, phautasirte er von geraubten Erb- schaften, entwendeten Goldsücfen zc. und setzte sich in seinen Ideen so fest, daß er schließlich, ebenfalls nach längerer Beobachtung aus der Neuen Charitee, nach der Pflegeanstalt als unheilbarer und gemeingefährlicher Kranker überführt wurde. Auch dieser Patient hat seit länger als zehn Jahren kein Bett benutzt, Ii .._... liegt des Nachts beharrlich in seiner Zelle nur auf einer wollenen Decke und deckt sich, wie sein Genosse, mit der Jacke zu. Es ist absolut nicht möglich, rhn zur Annahme eines Strohsackes oder der Bettstücke zu bewegen. Dabei fühlt er sich, wie er selbst zugiebt, recht be- haglich und befindet sich, da ihm Essen und Trinken vorzüglich munden, körperlich ganz wohl. Mit einer Schnszivnnde in der Krnst wurde gestern Mittag in der Nähe der Rousseauinsel die Leiche einer 25 bis 30 Jahre alten, anscheinend den mittleren Ständen angehörigen Frau gefunden. Neben derselben lag ein noch mit vier Patronen geladener Revolver, woraus wohl mit Bestimmtheit auf Selbst- mord zu schließen ist. Die Verstorbene war von schlanker Figur, hat blondes Haar und trug schwarzes Kleid und grauen Regen- mantel; ihr Taschentuch ist mit H. T. gezeichnet. Ueber ihre Persönlichkeit hat noch nichts festgestellt werden können. Die Leiche ist nach dem Leichenschauamte gebracht worden. Eine Klutvn'gifhuig durch den glich eiuev Fliege zog sich dieser Tage in dem benachbarten Bernau der lO zährige Sohn des Eigenthümers W. daselbst zu. Infolge deS Stiches schwoll der Backenknochen des Kindes derartig an, daß dasselbe nach dem dortigen Krankenhause überführt werden mußte, wo Blutvergiftung konstatirt wurde. Trotzdem sogleich operative Eingriffe zur Entfernung der giftigen Fleischtheile gemacht wurden, ist das Kind vorgestern unter heftigen Schmerzen ver- schieden. Durch Kchad Haft, uerdrn eiuev Dampfhejfels in der Maschinen- Fabrik Eyklop, Pankstraße 14. 15, wurden am 26. d. Mts. zwei Arbeiter schwer verletzt. Ein seit längerer Zeit nicht gebrauchter Damvskessel sollte geprobt werden. Als der Schloffer Donath hierbei den Verschlußdeckcl der Heizröhre» fester schrauben wollte, löste sich derselbe infolge des Bruchs einer Schraube, so daß sowohl Donath, als auch der Arbeiter Johann Rückborn durch ausströmenden Dampf und heißes Wasser gesähr- liche Brandwunden erlitten. Die Verletzten wurden nach dem Lazarus- Krankenhause gebracht und sind dort noch am selben Abende unter großen Qualen gestorben. Beide verlassen ihre Familien in bedrängter Lage. Zum Mrude'fcheu Morde. Die letzthin mitgctheilte Denunziation zweier Kellner gegen einen„muthmaßlichen Mörder der Frau Wende", der viel mit derselben auf der Rennbahn ver- kehrt haben soll, hat sich, dem„B.- C." zufolge, als ebenso un- begründet erwiesen, wie die lange Reihe früherer Angaben. Der VizewirtH des Hauses Jnvalidenstraße 32, in dem Frau Wende gewohnt hat, sowie die große Zahl oer mit Frau Wende bekannt gewesenen Personen sind in letzter Zeit mehrfach wieder zu Ter- minen nach dem Polizeipräsidium geladen worden. Nach'Allem, was man hört, liegt der Fall ziemlich hoffnungslos, es steht auch noch nicht einmal im Entferntesten fest, in welchen Kreisen der Mörder zu suchen ist und ob derselbe gleich nach Verübuug der That geflüchtet ist, oder sich noch hier aushält. In den Kreisen der liotorischen Zuhälter, welche gerade die in der Nähe der In- validenstraße belegene» Straßen und die Casus, in denen die Wende verkehrte, unsicher machen, haben fortgesetzt eifrige Er- Mittelungen seitens der Kriminalpolizei stattgefunden, indeß bisher ohne jedes greifbare Resultat. Drv Cirnofle Engter, Qiedenjlraffe 45, zeigt an, daß er in der Versammlung bei Lips(Friedrichehain) ein Portemonnaie mit einer Steuerqmttimg auf den Namen Girndt(Dresden) ge- funden habe. Der Verlierer kann sich an Genossen Engler wenden. Polizeibericht. Am 27. d. M. Nachmittags wurde im Thier- garten, nahe der Nonsseau-Jusel, eine unbekannte, etwa dreißig- jährige Frauensperson mit einer Schußwunde in der Brust tobt aufgefunden. Unzweifelhast liegt Selbstmord vor.— Zu derselben Zeil erschoß sich ein Mann in seiner Wohnung, in der Katzbach- straße, mittelst eines lltevolvers.— In der Stacht zum 28. d. M. entstand vor dem Hause Große Frauksurterstr. 133 eine Schlägerei, bei welcher ein Mann durch Messerstiche am Kopfe anscheinend nicht unbedeutend verletzt wurde.— Im Laufe des Tages fanden 6 kleinere Brände statt. Der Jähzorn hat den Mechaniker Julius Memmler fast zum Todtschläger gemacht. Er war in der Loewe'schen Fabrik beschäftigt. Zu den zahlreichen Arbeitsgenossen, die mit ihm r» demselben Raum arbeiteten, gehörte auch der Graveur Otto, ein etivas unverträglicher Mensch, der häufig Streit hatte. Auch mit Memmlcr stand derselbe aus einem schlechten Fuße. Am 21. März kam eS»wikcken beiden»u einem ernsten Streit. Otto begann kam es zwischen beiden zu einem ernsten Streit. Otto began die Thättichleiten, indem er dem an seinem Arbeitstische gebückt sitzenden Memmler eine derbe Ohr eige versetzte. Der Geschlagene sprang auf, ergriff einen in seiner Nähe liegenden kleinen Haminer und hieb den Gegner dainit auf den Kopf. Dieser stürzte lautlos zusammen und wurde besinnungslos ins Krankenhaus gebracht. Du Schädcldccke war zertrümmert und die Aerzte bezeichnen es als ein besonderes Stück, daß die Wunden geheilt find, ohne daß für den Verletzten üble Folgen zurückgeblieben. Gestern stand Memmler wegen schwerer Körperverletzung vor der dritten Strafkammer des Landgerichts I. Ter Staatsanwalt beantragte gegen ihn eine» Monat Gefängniß, der Gerichtshof hielt diese Strafe aber für zu gering und erlannte auf z w e i M o n a t e G e f ä n g n i ß. Dir altr Grschichte. Am Abend des 22. April d. I. wurde auf dem Flur dcS ersten Stockwerks deS Hauses Elisabeth-Ufer 24 ein ausgesetztes Kind gefunden. Es war ein drei Monate altes Mädchen, welches emsig an der gefüllten Milchflasche sog. Aus dem Kiffen, in welches es eingehüllt war, besand fich ein mit einer Stecknadel befestigter Zettel, der folgende Worte enthielt:„Ties Kind gehört'August Gabrccht. ich kann nicht mehr dafür sorgen, ich gehe inö Wasser. Im Himmel sehe ich es wieder. Ich wünsche dem Vater, daß er auf der Erde keine Ruhe finden möge." Das Kind wurde der Polizei übergebe», die eS im Friedrich-Wa,sen- hanse unterbrachte. Di- Mutter des Findlings, welche nicht den Tod im Wasser gesucht, ivurde bald ermittelt, es war die Nätherin M i iin a R e i ß w i tz, welche sich gestern vor der dritten Strafkammer des Landgerichts I. wegen Kindesaussetzung zu ver- antworten hatte. Tie Angeklagte machte einen Mitleid erregende» Eindruck. Unter reichlichem Thränenerguß erzahlte sie, wie sie ihrem Bräutigam, der ihr die Ehe versprochen hatte. vertraut, und daß derselbe sie nachher schmählich im Stich gelassen hätte. Alle Versuche, ihn zu bewegen. etwas zur Erhaltung des Kindes beizutragen, wurden abgewiesen. Sie hatte den Klagewcg gegen ihn betreten müssen, aber bis zur gerichtlichen Entscheidung mußte sie das Kind erhalten. Hierzu war sie zuletzt nicht mehr xm Stande Bei angestrengtester'Arbeit verdiente sie 20 M. monatlich und al-> sie das Kind einer Ziehmutter übergeben wollte, um flelpiger arbeiten zu können, wurden ihr 15 M. für den Monat abverlangt. Da beschloß sie, dem Elend ein Ende zu machen, das Kind dem Bater in's Haus zu legen und selbst in's Wasser zu gchei'. Fur die letzten zehn Pfennige, die sie besaß, kaufte sie M,lch, womit sie die Flasche des Kindes süllte. Als sie.das Kmd in demHaus- flur niedergelegt hatte und die Straße betrat, war sie dem Um- sinken nahe. Eine alte Fran, die des Weges kam, erkundigte fich theilnehmeud, was ihr begegnet sei, die Angeklagte hatte das Bedürfniß, ihr Herz auszuschütten, sie erzählte, was sie gethan und daß sie auf dem Wege zur Spree sei. Die alte Frau versuchte, ihr Trost einzuflößen, sie wies darauf hin, daß das Kind gefunden und für dasselbe gesorgt werden würde. Schließlich gab die alte Frau ihr 25 Pfg.— sie ivar arm und besaß nicht mehr— hierfür sollte sie mit der Pferdebahn nach Hause fahren. Durch diese Begegnung wurde die Angeklagte vorn Selbstmorde abgehalten. Der Staats amvalt hielt die Anklage aufrecht, er beantragte das niedrigste Strafmaß, 6 Monate Gefängniß. Ans Befragen des Vorsitzenden, Landgerichtsrath Zachariä, erklärte die Ängellagte aber, daß sie sich nach ocm Niederlegen des Kindes so lange auf dem unteren Flur verborgen habe, bis sie eine Hausbewohnenn nach oben gehen sah. Sie konnte also mit Sicherheit annehme», daß ihr Kind gesunden sei. In dieser Handlnngsweise der Angeklagten konnte der Gerichtshof ein Verlassen„in hilfloser Lage", welches zum Begriffe der Aussetzung gehört, nicht erblicken und lautete das Urthcil daher auf Freisprechung. Mege» schwerer Zlrlrundenfälschnna, begangen durch Benutzung einer fremden Visitenkarte, ist die Wittwe K. Hierselbst verhastet worden. Zu einem in der Hohenzollernstraße wohn- haften Gymnasiallehrer kam am 19. d. M. ein Dienstmann und überbrachte die Karle eines bekannten ArzteS, auf welcher derselbe um ein Darlehen von 200 M., unter demVersprechen, dasselbe am selbe» Abend wieder zurückgeben zu wollen, bat. Dem Gymnasiallehrer kam dieses Gesuch bedenklich vor, er fragte den Dienstmann, wer ihm die Karte übergeben habe, und erhielt die Antwort, das sei eine Frau gewesen, die in der Auguststraße auf ihn warte. Tie betreffende Frau wurde verhaftet und erklärte nun, die Karte von einem jungen Manne zur Beförderung erhalten zu haben. Sie gestand jedoch später ein, daß sie in ihrer Wohnung, in welcher der betreffende Arzt früher als Chambregarnist gewohnt hatte, ein» Karte desselben gesunden und auf die angegebene Weise zu verwerthen versucht habe. In dm Griindrrpt'vlefle gegen die Gubener Hutfabrik- Aktiengesellschaft ist jetzt, nachdem die Boruntcrsuchung geschlossen, der Termin zur Hauplverhandlung auf den 30. September und folgende Tage festgesetzt worden. Die Anklage, welche sich gegen die Gebrüder Wolfs, aus Guben und aus Berlin, sowie gegen den ehemaligen Direktor Hofmann richtet, lautet aus Betrug, Ver- schleieruug der Bilanz zc. Die Voruntersuchung war auch auf Brandstistung gerichtet, doch ist dieser Thcil der Anklage fallen gelassen worden. Die Gebr. Wolfs befinden sich noch immer in )ast, ihre Verthcidigung wird Rechtsanwalt Dr. Fr. Friedmann ühren. Die itolossalen Ikuterschleife im Gesammtwerthe von 60 000 M., welche s. Z. zum Schaden der Tuchfirma Joelsohn und Brünn in der Spandauerstraße ausgeführt worden sind, waren am 17. Juni d. I. Gegenstand der strafrechtlichen Ver- Handlung vor der IV. Strafkammer hiesigen Landgerichts I. Es wurden damals vier Perfonen mit schweren Strafen belegt, A. erhielt der Kleiderhändler Karl Hanfs von der Fischer- brücke wegen Hehlerei 2 Jahre Zlichthans. Der letztere, welcher vor Gericht seine Unschuld mit allem Nachdruck betheuert hatte, hat gegen das Urtheil die Revision eingelegt und mit derselben auch Glück gehabt: das Reichsgericht hat das erste Urtheil wegen eines Formfehlers aufgehoben, so daß die ganze Angelegenheit demnächst wohl noch einmal die Strafkammer beschäftigen wird. Inzwischen hat Hauff eine Anzahl von Zeugen bezeichnet, welche bestätigen sollen, daß er die Ballen Tuch, welche bei ihm gc- funden worden sind, unter keineswegs verdächligen Umständen gekaust habe. Drnrode. Bor dem hiesigen Schöffengericht fand die Ver- Handlung gegen Theodor Metzner und den Weber Eduard chindlcr statt, über welche die„Schles. Nachr." berichten. Beide waren angeklagt, durch Erhebung eines freiwilligen Entrees in einer am 10. Februar d. I. zu Buchau, Kreis Nenrode, im Felkel- schen Lokal abgehaltenen„sozialdemokratlschen Wählerversanun- lung",„zur Für. erung von sozialdeinokratischeu und sozialistischen, ans de» Umsturz der besteheiideil Staats- und Gesellschaflsordnung gerichteten Bestrebungen eine öffentliche Kollekte veraiistaltet und ausgeführt zu haben, indem Mctzner zur Leistung solcher Beiträge öffentlich aufforderte und Schindler diese Beiträge erhob, außerdem Schindler, weil er sich nicht sofort nach stattgehabter Auflösung der Versammlung eiitfernt Hab». Es handelt fich um Vergehe» gegen§ 1 der Regicrungs- Polizeiverordnung vom 19. Juli 1367;§§ 16 und 20 des ReicyS- gefeycs vom 21. Oktober 1378 und§§ 0 uud 15 des Bercins- gesetzeS vom II. März 1350. Die Verhandlung selbst geivährtc ein eigenthümliches Bild. Zunächst erklärte Metziier, iiachdem die Personalien festgestellt waren, auf die Frage des Vorsitzende», ob er zur sozialdemokratischen Partei gehöre und jene Bersamm- lung von dieser Partei sei V, daß er sich nicht verpflichtet fühle, über seine politischen Slnschauungen Auskunft zu geben, daß er aber andererseits auch keine Beranlassting habe, zu verschweigen, daß er seiner innersten Ueberzeugung nach ans dem Standpunkt der Prinzipien" der sozialdemokratische» Partei siehe, der Richter indeß nicht nach seic.cn politischen Anschauungen, sondern nur darnach zu befinden habe, ob er gegen das Gefetz verstoßen habe oder nicht. Zur Sache selbst erklärte, i beide'Angeklagte, eine Kollekte nicht veranstaltet und ausgeführt zu haben. Der Sachverhalt war einfach der: Am 16. Februar d. I., Abends, fand zu Buchau, 5tr. Neurode, im Felkel'schen Lokal eine Wählerversammltmg statt. In der Ankündigung derselben hieß eS:„Für Deckung der Unkosten wird ein sreiivilliges Entres erhoben." Tie Versammlung wurde von Metzner geleitet, welcher auch daS Referat hatte; das Erheben eines Eintrittsgeldes war von dem überwachenden Amtsvorstehcr Ebeling inhibüt ivorden; bevor Metz» er sein iHqcrat hielt, theilte er den Versammelten daS Verbot dcS Amtsvorstehers mit, derselbe sei aber hierzu nicht be- rechtigt und zur Begründung las Metzner die betreffende Ver- ffigung der Königl. Regierung zu Breslau vor, mit der Erklürnng, daß er, hierauf gestützt, das Entrce beim'Ausgange werde er- heben laste». Dann hielt er sein isteseral und eröffnete daraus die Diskussion über dasselbe. An dieser wollte sich auch der überwachende'Amtsvorsteher beiheiligen, was Mehner mit der Bemerkung zurückwies, der übcrwacyende Beamte habe an der Diskussion nicht theilzuiichmcn, sondern nur darüber zu wachen, daß nichts Uugcseylicycs in der Versammlung geschehe; und als er dennoch zur Versammlung zu sprechen versuchte, rührte Mehner die Glocke und bemerkte, er iverde Niemanden sprechen lassen, wenn er ihm nicht zuvor das Wort ertheilt habe, eS stehe dem Bcainteu nur zu, die Versammlung aufzulösen. Doch müsse hierzu ein gesetzlicher Grund vorhanden sein, worauf der Beamte in großer Erregung die Bersanuulung für aufgelöst erklärte uud den Saal in fünf Minuten zu räumeu gebot, was auch geschah. Dem Weber Schindler, welcher das Entree entgegen genomme» hatte, wurde der Polizist zur Seite gestellt, welcher das empfangene Geld, es waren 4,55 Mark, an sich nehmen mußte. Diesen Thatbefland gaben beide'Angeklagten'zu; sie behaupteten jedoch, dap sie sich dadurch nicht schuldig gemacht hätten und stützten sich auf einen Bescheid der Königl. Regierung zu Breslau vom 5. Februar d. I., nach welchem das Einsammeln solcher Beiträge erlaubt sei und nicht iuhibirt werden dürfe, das Verbot des Amtsvorstehers somit ungerechtfertigt gewesen sei. Ter als Zeuge geladene ehemalige'AmtSvorsteher Ebeling stellte den Thatbestaud im Wesentlichen ebenso dar, gab auch, zu daß Metzucr die ge- dachte stiegierungsverfüguiig öffentlich vorgelesen und ihn, vor- gelegt hatte, er habe aber geglaubt, sie unbeachtet lassen zu müssen, da die Amlsvorstehcr im Besitze einer Instruktion gewesen sei» sollen, nach welcher sie alle Sammlungen der Sozialdemokrate» als Kollekte betrachten und verbieten sollen; auf die Frage des Vorsitzenden, ivorans er geschlossen, daß jene Versammlung eine sozialdemokratische sei, erklärte er, weil der Einberufer ihm als Sozialdemokrat bekannt und Metzner ja auch der Kandidat dieser Partei im hiesigen Kreise gewesen sei. T Sien«" Der Amtsanwakt, Bürgermeister Majorke von plaidirte für Bestrafung beider Angeklagten, indem Sammlung„zweifellos als Kollekte" bezeichnete, zu welq polizeiliche Erlaubniß hätte eingeholt werden müssen,,- nicht geschehen, wäre das Verbot des Amtsvorstehcr� mUjl yvJLljVljCil, IVUlC iHlJ? OCtUül WS? W*|)..«iil'fi. gewesen und hätte von den Angeklagten respektirt werden � geweieii uno yacce von vrn i-uigeucigwic leipeiuu r;z, Der RegierungSbeschcid, auf welchen die Angeklagten l c durch unrichtige oder irrthnmUch' rufen, sei nur steUung dem Minister gegenüber, veranlaßt worden: uvm ivuumvi, yvyvuuutv, vs.viin«v»pv'�1## bereits eine jenem Bescheide eiitgegenstehende Mmisterwt- gung, durch welche seine Behauptung bewiesen wird. Unter Kollekte verstehe er alle Sammlungen; vo sozialdemokratischen Zwecken dienen foüb; als eine lediglich sozialdemokratische betraastet�-� müsse, geize daraus hervor, daß sowohl der Einberufer als der Referent als Sozialdemokraten im hiesigen Kreise�- sind, die Strafe wolle er nicht zu hoch bemessen, da klagten doch wohl mildernde Umstände bewilligt werden M R er wolle deshalb nur eine Geldstrafe beantragen, aber»> � ficht darauf, was alles hätte geschehen können, wenn w Ordnungen des Amtsvorstehers nicht unbedingt Folg» werde, müsse er allerdings über das niedrigste Maß hmaasL er behalte sich dementsprechend die Anträge vor. MjfMi' Metzner, welcher die Bertheidigung auch für den klagten Schindler führte, beantragte dagegen kostenlose.6.�. sprechung, indem er ausführte: die ganze Anklage uiame°i L den Eindruck, als baue sie sich au; einem durch personuq � rcguug getrübten Jrrlhum des überwachenden Beamten � r„:.r,.,. ,,,;A miffv Q anders sei ihm unerfindlich, wie die Anklage nntcr z. Sozialistengesetzes gezwängt werden kann, ihm erscheine e-, (ZckrF-o mn rtom.'ffflS rtPrtPbeU sollte hierdurch der Sache ein gewisses Relief gegeben w � da die Anivendnng des§ 16 dieses Gesetzes auf den vorlieg_ Fall eine absolute Unmöglichkeit sei; er liest den§ 1G D � treffenden Gesetzes vor, nach welchem das Einsammeln voi � trägen zur Förderung von sozialdemokratischen, sozialistisch� kominunistischen. auf den Umsturz der bestehenden Staats- g GcsellscliaitSordniuia aerickiteten Bektrebilnaeu verboten 2'. Gesellschaftsordnung gerichteten Bestrebungeu verboten w-" sind in jener Versammlung derartige Bestrebungen zu-o"8... treten, wodurch hat jene Versammlung den im Gesetz bi Charakter erhalten{ Der Zeuge Ebeling sagt, und Amtsanwalt hebt ebenfalls hervor: weil die betregenoe saminlung von einem als Sozialdemokrat bekannten Wannt � berufen sei n. s. w. Es genügt aber nicht, eine Versammlu»�� eine ans den Umsiurz zc. gerichtete ju kennzeichne sie von einent als iiotorisch bekannten Sozialdemokraten�� rufen oder ein solcher rn der Versammlung als Referein getreten ist, es müssen Erscheinungen, Thalsachen zu Tag- aus welchen auf„den Umsturz gerichtete Bestrebungen 11 wiese» werden können, dann iväre auch die Auflösung der saminlung allenfalls gerechtfertigt gewesen, ein solcher Naq. ist aber in keiner Weise geführt, kann auch nicht geführt»'.st denn jene Versammlung ivar eine Wählerversammlung, zu»' Wähler aller Parteien Zutritt hatten. Die Ausübung st Wahlrechts ist aber nichts Ungesetzliches, ist nicht blos- Recht, sondern auch unsere Pflicht, ebenso wie es unser � � ist, Kritik an den bestehende» Verhältnissen zu üben UN",� Arbeiter resp. Wahler aufzufordern, ihren Interessen ihr Wahlrecht auszuüben und Kandidaten der sozialdemokcast Partei die Stimme zu geben, hierfür sprechen vielfache düngen der Neichs-Bcschiverdckommission wie auch ve Anweisungen des Ministers Herriiirth; die Amvendung dicjc-- � ist�alfo von der vorliegenden'Anklage völlig auszuscheiden,"- falle aber zugleich mich derj; 20 desselven Gesetzes; wenig stichhaltig sei die Anklage auf Grund der 0 des VereinSgesetzes vom 11. März 1350 gegen de»� 3«"% Hrndluii bescheid tr-sfs W dürfen, t Zufc? Ii Beistehe «lt zu, (Hefen E „„ Ter 10 u 15 des' Uhielt, «chindle Nac «nwalt % »»weseiü mflt' Metzner 'h»l in S te im rx. Mit % fts Am «tbfit, fällst j vrganis, ■'mlf folgt, s maße 8/ 1 Tr.! beten.; , Au, «aurigj, verhält., «'» Sc Beichenh gerechtfertigt? Ich behaupte, sie war eS nicht! hat einen gesetzlichen Grund nicht angegeben, und ichö-stSl er konnte einen solchen nicht angeoen. Heute behoUc� er, die Versammlung sei unruhig geworden und hätte Uebles entstehen können, der Herr'Amisanivalt»ck das Gleiche an und macht aus der Unruhe ein Gejohle,»' st Niemand gehört hat. Aber selbst abgesehen davon, bchd � Schindler, er habe sich nicht entfernen können, weil der w» wachende Gendarm Klose, welcher den Auftrag hatte, bß» J gegangene Geld an sich zu nehmen, ihm gesagt habe» U „Bleiben Sie nur hier ruhig stehe», anderntyeils konstat»«, daß, als ich, der letzte im Saale, denselben verließ, er berei» � ständig geleert war." Der Berufung des Amtsanwalts»"L, stimmungen des Allgeuieiuen Laudrechts stelle ich die auf die diesbezüglichen Bestimmungen des Vereins- uno saimnlungsgcsetzeS, welche jüngeren Datums sind, iitiei» vi Vicht un »u(heile steundli« % «in»? l während fi"' �füllten » Gesc te;u Bei "e oo Mi»( "«ne ni iv webe 3S% Ushen, l£" °r fiel diese stellen lest, unter welchen gesetzlichen Zln lassen eine Ai zu erfolgen hat; eine gesetzliche Veranlassung zur Auflös»»»..; nicht vor, folglich war diese nicht gerechtlertigt und damit xsl- der Grund zur Bestrafung des Schindler auf Grund der«st und 15 des BereinsgesetzeS gefallen, somit bleibt nur die% tretuug des§ 1 der Regierungsverfügnng vom 19. Im» j übrig; aber auch in ciesem Punkte ist die Anklage« stichhaltig, da eine Kollekte nicht von»ns ver ä#l sondern zur Deckung der Unkosten ein freiwilliges hoben worden ist, das zu verbieten der Amtsvorfteher»ich' rechtigt war, wie anö einem Bescheide der Königl. Regieciuvl Breslau vom 5. Februar d. I. an den Schneidermeister y ____;i____ X ont,. c.i.rt»........ X.'.,.>______» Regierung sei durch»»richtige oder irrthnmliche Darstellung � Minister� gegenüber veranlaßt worden, kann unmöglich..?I � x /'(t /\ �.x»» 4 k.-: e«.x.« r-x(stitYiiiU* uns in Betracht kommen, ist im Gezentheil um so hinfnb� als es den untergeordneten Organen der Regierung, hj�. AmtSvorsteher, nicht zustehen kann und darf, die Verfüg»� der ihnen vorgesetzten Behörde erst zu prüfen, wie d»r.> ..... gtcchtszustände, wie sie in der Wahlperiode schon(o»l v werden konnten dahin, daß im Kreise Nenrode verboten ist,... im Kreise Neichenbach erlaubt ist. Solche Bersügungc» ji nicht blos für das Publikum, sonder» ebenso für die Veast. gegeben; ebensowenig kann der Ausspruch des Amtsa»»- es sei bereits eine den Bescheid vom 5. Februar auch', i Verfügung vom Minister deS Innern erlassen, gegen dieser Sache Anwendung finden, weil, wen» durch eine Verfügung der Regierungsbescheid aufgehoben oder vcv»\ ist, diese Ministcrialverfiigung hier nicht in Betracht; Anwendung kommen kann, da sie zur Zeit der von l»».� gangen sein sollenden Strasthaten überhaupt noch nicht cxst z Der Amtsanivalt behauptet in der Begründung feines antrags,„Kollekte sei jede Sammlung von Geldern"; dieser Subskriptionslistrn erlaubter öffentlicher Kollekten mit dem P der Ortspolizeibchörde versehen würden". Daraus foW' ,}. unter einer Kollekte»in Sammeln für milde Stistnngen, für c thätige Zivecke, bei welchem eine Täuschung de» Publikums"st lich ist, gedacht ist. Diese Verfüanng auf Wahlzwecke anzu»',� daran hat zu jener Zeit sicherlich»iemand gedacht, wen* Veranlassung dazu vorhanden ivar; wenn ader selbst dic.st fassnng des Anttsanwalts hier Play greifen sollte, dann»R auch alle Parteien gleichmäßig dadurch betroffen»J und nicht unserer Partei verboten sein, was allen s' politischen Parteien erlaubt ist. y Sollte der Gerichtshof die Auffassung des Amtsanwalts, jede Sainiulniig von Geldern als Kollekte zu betrachten» der seinigen machen und deshalb eine Uedertretung in C �chnapi b-n.„e späten das ?'urn�l »tz Mrere k: fe � f'chteve 'chschü- D Sutei,( «.iS .'.S fallet D IsF1 i i - m u 'S "Vi t'Ä bilfl ß«1 'wßW iS n M :? den' 1 ipetNH H'Mung erblicken, so glaube ich, gestützt auf jene» Regierungs- nescheid voni 5. Februar für uns den Schutz des§ 193, be- Wahrung berechtigter Interessen in Zlnspruch nehmen zu our�en, da jene Regierungsverfügung den Glauben in uns wach Mc.i mußte, wir wären durch das Verbot des Amts- Acrßehcrs in unfern Rechten offenbar beschränkt, und jo- ro,1' Zur Wahrung unserer Rechte verpflichtet. Aus allen »»fen Gründen beanttage ich die kostenlose Freisprechung Beider. .. Ter Amtsamvalt stellte, indem er ans die Bestrafung nach SB IG und 20 des Sozialistengesetzes, wie auch nach§§6 und |0 vcg Vereinkaesehes verzichtete, und nur an oer Uebertretung (*l! uT* v..■-».-• fi W'hielt, den Llntrag: gegen Metzner auf 15 Mark und gegen «chuidler auf 10 M. Strafe ,u erkennen. Nach einer kurzen Diskussion zwischen dem Amts- anwall»nd Metzner über den Begriff„Kollekte» zog sich der Gerichtshof zur Berathung zurück, von welcher er nach klirzer Zell zurückkehrte, verkündend,„es sei beschlossen, den im Saale ««wtsenden Gendarm Klose noch als Zeuge zu vernehmen. Ge- Wgt, ob die Slngeklagten damit einvcrjtaiiden wären, antwortete -Nttzner mit Ja: er müsse dann aber beantragen, daß zwei von >?»> in Vorschlag gebrachte Eiitlastuiigszeugen. welche sich gleich- lalls in» Saale befanden, cbensalls gehört würden. Mit der Erklärung: darüber können wir uns zetzt nicht mehr Müssig machen, ich setze also einen neuen Termin auf den lL�tcmb°r- d. I., Morgens 8 Uhr, zu welchem Sie hiermit �. �JsMstliche Vorladung, geladen sind, schloß der Vorsitzende " Sitzung. M CDU iEBtfi j-'ch'Ä >er &4I i & 4 ser f iiiid % f ebe» L ■$ I B-t« ä K'x zw'l kft & Soziale Mevevstchk. hrutigr» Tage erfolgte der Anofchlnf, der T-ibali' Arbeiteriunr» Z1otsd»»irs, die Zahl derselben auil �.ch auf ca. 200. Der Ansturnl ist hauptsächlich aiif unsere �Mnpat.o» gerichtet. Arbeiter und Genossen, Ihr werdet wissen, Spitt dieser Sache zu thun habt. Da wir ohne jcgliche tnUt dastehen, so ist schnelle Hilse nöthig. Näherer Bericht „ ncfe und Anfragen sind zu richten an M. Kiesel, Burg- 1» a' Hl>f 2 Tr.; alle Gelder au Jul. Ulbrich, Mittelstr. 13, zslle arbeiterfreundlichen Blätter werden um Abdruck ge- I. A.: Tie!ioi»i»ission der Tabakarbeiter Potsdams. km,/ � dr«» Giilenorbirg». Zur Illustration der unsäglich seit einigen Rlonaten erst bekannter gewordeneu Lebens- cryaltnifse der Handiveber diene iiachfolgendes Bruchstück aus ju'1.1, Schreiben eines Genossen, der eine Erholungstour nach Selchenbach unternommen. .»>... Neulich saß ich in den Aulagen der Ulbrichshöh' bei n-m reichen Mittagbrot; ich sagte zur Wirthin, daß es mir u,«> uuangenehni wäre, wenn ein Dürftiger das Mahl mit mir L, fl. käme.„Da kann Ihnen geholfen werden", rief die t.Mbliche Wirthin,„sehen Sie dort jene Frau?» Ich sah in �. Thal ein Geschöpf mühsam den Abhang heraufsteigen; ein ein s ntl®'Set Kuave begleitete sie. Erspare mir die Vcschreibung ,!•» halbverhungerten Weibes. Elendere Gestalten, wie oif.fcd uieines achttägigen Aufenthaltes hier, habe ich noch nie Ii* Sch winkte sie zu mir heran und bat sie, sich zu W» Nlir zögernd und scheu willfahrte sie h, einem 5*'mfche. Ich ersuchte sie sreundlich, an meinem Mahl Theil zu /-huie», und es bedurlte einigen Zuredens, ehe sie Thränen mulllen Auges zulangte. Im Umsehen hatten Beide tabula rasa »"»acht. Ich hieß eine ziveite Portio» auftragen und uölhigte zum Esten. Auch dies Mal war ich schmerzlich erstaunt Uber >e Geschivindigkeit, mit der die Speisen verschwanden. Nach- "» Beide sich gesättigt, was, wie die Frau mir gestand, n o ch -.'e v o r g e k o in in e n, erzählte sie mit zitternder Stimme von .T"» Elend. Ter Mann sei brustkrank und arbeitsunfähig, °»»e nichts verdienen, und so sei sie genöthigt, für ihren Mail» i» weben, was ihr allerdings nur 4 M. wöchentlich einbringe für die Ernährung ihrer Familie selbstredend nicht hin- w Äin Sonntag besuchte ich in Steinseisersdorf ein kleines "stinlokal, in welchem die Weber Nachniittagö sich ein ivenig zu ein' pllegen. Ich fand eine Gesellschaft von vier Mann an q.,"» Tische sitzend. Ich habe niemals eine ähnliche Schwelgerei w'chM, als die war, der sich diese abgehärmten»nd eingetrockneten q.süalte„„stt Wollust Hingaben. Bor ihnen ausgebreitet auf dem mjM. lagen nämlich für 10 Pfennige Kirschen, in welche die eff sich lheilten, dazu nippten alle der Reihe nach an einem tz,?uapsgläsche,l, welches„Gemengten» enthielt, und von mir gutmüthig ein Schlückchen anboten. Ich sehte mich � chnen»nd forschte nach ihren Verhältnisten. O wie soll ich "en endlosen Jammer beschreiben? Das Herz thut einem wehe Ü., wenn man in diese unsäglich vergrämten, vertrockneten Gc- svä» �>aut. Da schassen diese Leute vom frühen Morgen bis i>q�».Abend, bei unbegrenzter'Arbeitszeit, und monoton, wie q, Hin- und Herfliegen des niemals ruhenden Schiffchens, l>i weln die bleiche», zuckenden Lippen: Hier sitz ich barmherzig, »tz ich barmherzig-- Mtiv b'e Hähe des Lohnes hast Tu wahrscheinlich das tein i* nu� den Zeitungen erfahren. 4—3 M.— was soll man sebli �"zufügen. Tie Kinoer müssen spulen, und an Kinder» qJ Cä den Webern nicht. Von zartester Jugend an werden die Di-« �»schöpfe in das eherne Joch der Lvhuarveit gezwängt. h°�hrer jener Gegend sind es gewöhnt, taglich ein Tugend in tttii.' ff* sohlen zu sehen: die Kleinen mülien eben spulen oder - ll ern, abliesern und spulen. Woher die Zeit nehmen, u»i mit Nahrung zu versorgen! Nolhvürftig Lesen und Geist M Zchreib-» vtuyrung zu ver,o?W? mMWM,..... R !e. Söeit irt»-- Gelernt, kann gelernt werben, mehr nicht! Ihre f!»ehrer»,,>. eng begrenzt, dafür ein Beispiel. Als ich mit .ii rn oer Bedauernswertben mich in ein Gespräch einließ, wurde IM » III r&'i S'S i.-'?z IICV»1'1 it U'l5 O i S'ft t die u. -Ä Äiiz.»O nein, nii's Berlin'.„... i'esckr-i- n' wiederholten die Andern i nd sahen niich mit nn- Tute».s' che» Mienen an, also aus Berlin j— Das ging den üiY'llc» wahrlich über alle Begrisfe. �»terri«-i'Ger Lehrer erzählte unr Folgendes: Währenddes big.»»hm er Gelegenheit, einen Scherz zu niargen, der �'»Ude?-, ker blassen Jungen erregte. Stach beendeter «rat schüchtern einer derselben aus ihn zu, drückte ihm :„Ich danke Ihnen schön, mir e i n e F r e u d e gemacht tteüi,„."ät schüchtern einer b e die Hans und sagte: Atot.'i.fJ'ch einen Begriff davon machen ivill, was die nnein- Mettg.n,. Nusbeutuug der Arbeitskrdst seitens des Kapitals für ' ü'tamvi ßcn dei den, um ihr Dusein betrogenen bis auf das Bebst,»yeiiieigelten Handwebern erzeugt, der gehe nach dem Eulen- Meicb-g i Jehe sich« ie Weber an. Wie auS dein Grabe gestiegen, fliiei»-„-'"�er.krastlos, schlotternd, hiistend, hohläugig, wortkarg, . 4*)' Rllmeit, aber desto grausameren Himgerlobe erliegend. Taz tJ übertreibe nicht! Was kann dabei übertriebe» weroen? Wird spottet jeder Beschreibung. Wie es zum Winter gehen ii,* n,a9t es, darauf hinziidenten? Zwanziger u. Söhne in PeterZivaldan hat eine gai>tj,.phänische Weberei in großein Umfange ausgeführt. Tie Gütlnf,» nu.t den vollkommenfien Rtaschinen ausgefrallet, deren »»d da? einem Schlage 300 Weber überflüsfig machen»niß, °»k»rr-.''v''e der Herr Zwanziger erklärt, lim der englischeii «..�nz mit Ersolg begegnen zu können. Tla??.s'll helfen?— noch intercssiren dürfte, ist die Thatsache, daß die Hand- * rt. in I M fer. L von der Negierung ernannten Kommission geaeunber �eistz verhalten haben; viele haben nnbegreislicher- � Kit h �ohn um 1—2 M. höher anzugeben versucht; das VevsÄ»»tmluittten. Zlolizeilich aufgelöst wurde vorgestern Abend die im oberen Saale von Feuerstein's Etablissement, Alte Jakobstr. 75, abge- haltene öffentliche Versammlung der Hausdiener. Auf der Tages- ordnung stand außer einem Vortrage des Herrn Th. Glocke namentlich auch die Verathung eines Entwurfs für eine Ge- samiiitorgaiilsation aller Berliner Hausdiener. Nachdem der Referent zunächst über den Werth der Sonntagsruhe und eine Verkürzung der Arbeitszeit gesprochen und dargelegt hatte, wie die von ärztlichen Autoritäten und Kongressen als über das hygienisch zulässige Maß hinausgehend anerkannte Arbeitszeit mehr und mehr die Degencration des menschlichen Geschlechts fördert, die sich in der ivachsende» Militäruntauglichkelt und dem beständig slnkeilden Durchschnittslebeiisalter zeige, erörterte er die Verhältnisse der aus allen Eriverbszweigen sich rekrutirenden Hausdiener, deren meist übermäßig lang beinessene und eine Ver- klirzilng wohl verdienende Arbeitszeit an den Wochentagen, die Gewährung des Sonntags als einzigen Ruhetages nothivendig und billig erscheinen lasse. Daß eine voll- ständige Sonntagsruhe, wie für alle Branchen, so auch für die Hausdiener ohne Schädigung der Interessen der Arbeitgeber durch- führbar sei, habe die vor mehreren Jahren von der Regiernng veranstaltete Enquete gezeigt.— Zu erreichen seien diese Ziele aber nur durch den Anschluß an die internationale Arbeiter- bewegung; die Arbeiterverhältnisse aller Länder seien die gleichen, und darum auch die Bestrebuiigen. Eine interilationale Regelung der Arbeitsverhältnisse müsse doch ebenso gut möglich sei», wie die Feststellung des internationalen Völkerrechts. Aber bis die nothwendige vollständige Umgestaltung der heutigen Gesellschasts- ordnung, bis die Aergesellschaftlichuiig der privatkapitalistischen Prodnklionsiveise erreicht sei, können noch sehr viele Jahre ver- gehen; bis dahin müsse man die Besserung der Lage der Arbeiter auf dem Wege der Arbeiterschutz- Gesetzgebung anstreben. Die Arbeitcr-Schutzgesetze— so etwa schloß der Redner— müssen die Arbeiter kräftigen, sie kampsfähiger machen, um sie endlich zu be- fähigen, die Endziele der Sozialdemokratie zu erreichen:„Die Sozialisirnng der Gesellschaft und die Teniokratistrung des Staates.» Nach diesen Worten erklärte der überwachende Polizei- lieutcnant die Versammlung für aufgelöst, und unter einem Hoch ans die Sozialdemokratie verließen die Theitnehmer das Lokal. Eine Uerfiiiiiiulniig des alllzemrinrit Metälliivlieite» Uevriiis tagte am Montag Abend in Schivarzmüller's Salon, Kolbergerstraße. Vor Eintritt in die Tagesordnung sprach Kol- lege Gerisch sein Bedauern über den schwachen Besuch der Ver- sainmlmig aus. Fast habe es den Anschein, als ob die Arbeiter nur noch„sensationelle» Versammlungen besuchten, die übrigen aber vernachlüssigten. Die vielen Tausende, welche am Friedrichs- Hain die Straßen süllteu, würden hingereicht haben, um noch die sämmtlicheu übrigen Versammlungen, welche am Montag tagten, zu füllen. Da der Referent, Herr Baginski, nicht er- schienen war, sprach Kollege Gerisch„über die Ursachen der Ar- muth», in dem er ausführte, daß der Begriff der Aruiuth ein relativer, zu verschiedenen Zeiten ein verschiedener gewesen sei. Es könne vorkommen, daß eine nachfolgende Generation, trotzdem ihr mehr Güter zur Verfügung stehen, als einer vorausgegangenen Generation, dennoch als ärmer bezeichnet werden muß, wenn ihr Antheil an den überhaupt vorhandenen Eenußmitteln ein kleinerer geworden ist. Dieser Fall läge in der gegenwärtigen Gesellschaft vor, und es sei daher, wie schon Lassalle nachgewiesen, grund- falsch, wenn die Lobredner der heutigen Gesellschaft behaupteten, daß die Lage des Arbeiterstandes sich gebessert habe. Gegen einen Znstand urwüchsiger Interessengemeinschaft, in der die Mensch- heit lebte, ehe sie in die gegenwärtige, sog. Knlturperiode ein- trat, und in dem es weder Reiche noch Arme gab, sei entschieden eine Verschlechternng eingetreten. Ter Grund dieser Erscheinung läge darin, daß unter dem lnpitalistischeii System der Arbeiter nicht den vollen Erlrag seiner Arbeit, sondern nach dem eheilien ökonomischen Lohngesetz, nur einen An- theil erhalte, welcher zur Beschaffung der gewohnheits- gemäßen Lebensbedürfnisse nothivendig sei. Man müsse sich daher stets auf das Nachdrücklichste gegen ein Hinnilterdrücken der Lebenshaltung des Arbeiters wehren. Aus welche Stufe ina» anderenfalls gelange, zeigte Redner an dem grenzenlosen Elend lind der Verkommenheit zahlreicher Arbeiterkategorien. Redner kann sich daher auch nicht mit der neuerdings wieder laut gewordenen Theorie einverstanden erklären, die Arbeiterschntz- Gesetzgebung nur agitatorisch zu venuerthe», sondern man müsse bereits von der gegemvärtigen Gesellschaft nehmen, waS über- Haupt zu erlangen sei, um den Arbeiter vor dem Schlimmsteu zu bewahren. Eine Beseitigung der Armuth sei allerdings erst von einer neuen, aus gerechtere» Prinzipien errichteten Gesellschast zu erwarten. Bereits habe in den weiteste» Volkskreisen, wenn auch vielfach nur dunkel und. instinktiv die Ue.erzeuguug Platz gegriffen, daß der gegenwärtige Zustand ungerecht und unhaltbar sei. Sache der zielbewußten Arbeiter sei es, Ausklärung zu verbreiten, die Wurzeln des Nebels blosznlegen, und den Weg anzudeuten, ans dem die fernere Entivickelnng sich vollziehen werde. Jemehr Jeder seine Schuldigkeit thne, desto früher werde auch ein besserer Zustand kommen, der ein harmonisches Menschenleben gestatte. Eine Diskussion fand nicht statt. Unter Verschiedenem wurde sowohl vom Vorsitzenden als auch vom Kollegen Gerisch den Kollegen die Benutzung der Vereinsbibtiothek dringend empfohlen. Geraoe die langen Winterabende müsse ein Jeder gut ausnutze», um mit Theil nehmen zu können an dem großen BesreinngS- kämpfe der Menschheit. Eine öffentliche Urrsiiinniliing dev Uevgolder, Uer- goldevinnr» und jlrrufsgcnoffr» tagte am Dienstag, den 26. August, bei Schqfer mir folgender Tagesordnung: 1. Wie verhalten wir uns zun, gewerbliche» Kongreß in Halle. 2. Stellung- »ahme zu», 31. August. 3. Verschiedenes.— Ins Bureau wurden gewühlt: Niebergall, 1. Vorsitzender, Irl. Jacobi, 2. Vorsitzende, und Schuller als Schrift ührer. Punkt 1 wnrde vertagt und be- schloffen, bei der nächsten Öffentliche» Versammlung weiter zu berathen. Zu Punkt 2 wurde der Beschluß gefaßt, am LI. August einen allgemeinen Ausflug mit Damen nach Friedrichshageu zu machen. Zu Punkt 3 verlas Kollege Fries einen Brief, worl» bestätigt ivird, daß die schwarze Lifte zurückgezogen ist.— Im klebrigen kamen die Lohnabzüge beim Herrn Hof- jabrikanten August Werkmeister zur Sprache, wobei sich eine lebhaste Debatte entspänn. Sämmtliche Redner sprachen ihr Bedanern ans, daß nur ein paar Kollegen der betreffenden Firma anwesend sind, und wünschten, daß der JndifferentisinuS bei den dortigen Kollegen fallen möge. Ein'Antrag, in nächster Zeit eine öffentliche Versaunnlnng mit Mädchen cinznbcrufcil und die betreffenden Kollegen speziell einzuladen, wurde einstimmig ange- nomine». Ferner ein'Antrag, zur Deckung der Unkosten die Tellersammlung nach Schluß der Versammlung fortzusetzen»ud die Hälfte der Berliner Streik-Kontrolkoinmission zu überweisen, wurde ebenfalls ein immig angeuomiiien. Sonst kam nichts be- sondercS mehr zur Sprache. Eilte gut bcfiichte offeittliche Vrvj'auiNiltittg des Allgeuiriiie» Avdriteviuurnvcveius für Berlin und Um- gegend, Filiale V., Charloitenbnrg, fand am 19. August im Saale Vismarckshöhe statt. Der Referent Herr Znbeil hielt einen lehr- reichen Vortrag über das Maschinemvesen und die Arbeiter. Cr meinte, daß durch das Maschinenwesen viel Arbeiter auf das Straßeiipflaster geworfen sind, und schilderte, daß dadurch der Roth stand hervorgerufen ist. Ferner hob Herr Znbeil die traurige Lage von den streikenden Maurer» aus Hamburg hervor. Er er- klärte, daß ein gewöhnlicher Streik nicht zu ersehen wäre, son- dern es handelte sich mehr um das Koalitionsrecht. Er besprach nochmals den Erlaß des Ministers Herrfurth und ging dann ans die Frauen frage über. I» der Diskussion sprach Frau Gnbcla. Sie meinte, eS wäre nothivendig, daß eme iede Frau nnd Arbeiterin dem Verein angehören müßte, denn dadurch wäre es nur möglich, die Organisation groß zu machen, nur durch eine gute Organisation könne man die Mißstände beseitigen, die jetzt in den Fabriken herrschend seien. Sie erklärte, daß auch die Männer dazu beitragen möchten, daß ihre Frauen zu Versamm- lungen gehen sollen, damit sie die politische Lage kennen lernen. Ferner wurden sieben neue Mitglieder aufgenommen. Weil nichts weiter vorlag, schloß die Bevollmächtigte auf das gute Gedeihen um llVa Uhr die Versammlung. Der Fnchverein der Lederarbeiter tagte am Montag, den 23. d. M. in den Zentral-Festsälen, Oranienstrahe 180, mit der Tagesordnung: 1. B o r t r a g des Herrn Türk über: „Die wirthschaftliche Umwälzung in der französischen Revolution.» 2. Vereinsangelegenheiten. 3. Verschiedenes. Der Referent hielt seinen sehr lehrreichen, mit großem Beifall aufgenommenen Vortrag vor einer leider sehr schwach befugten Versammlung. An der hierauf folgenden Diskussion betheiligten sich die Kollegen Heindke und Wunschek, zugleich hieran an- knüpfend, daß'der gehörte Vortrag dazu anspornen möge, sich mit der Vereinsbibliothek mehr zu beschäftigen,»nd wurde auch in diesem Sinne ein vom Kollegen Zander gestellter Antrag, be- Hufs Erweiterung der Bibliothek aus der Vereinskasse 30 M. zu bewilligen, angenommen. An Stelle der bisherigen statistischen Kommission wurde eine neue gewählt, bestehend aus den Kollegen Dübelt, Christian, Tausendfreund, Heimburger, Heindke, Schulz und Zander. Einem Vorschlage deS Kollegen Zar, am Sonntag eine Herrenpartie zu imternehmen, wurde nicht zugestimmt.— Der Arbeitsnachweis befindet sich Oranienplatz 22 bei Sperling, und ist derselbe auch Nicht- Vereinsinitgliederii zugängig. Die nächste Vertrauensinänner-Versammlung findet aiu Montag, den 1. September, im Restaurant des Herrn Znbeil statt. Der Verein z»r Wahrung der Intrreffe» der Lncklrev Berlins«ud Umgegend hielt am Montag, den 25. d. Mts., seine regelmäßige Mitgliederversammlung bei Wollschläger, Blumenstraße 78, ab mit der Tagesordnung: 1. Vortrag. Gewerkschaftliches. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Zum ersten Punkt hatte Kollege Scküßler das Wort ergriffen, indem er die Gewerlschaften seit Gründung der zünftlerischen Verbände bis zur Gegenwart erläuterte, ferner in seinen Ausführungen darauf hindeutete, daß nur durch eine große Organisation, die von Ueberzeugung und Einigkeit durchdrungeii ist, unsere Ziele zu erreichen seien. Reicher Beifall lohnte den Redner für seine Ausführungen. In der Diskussion kritisirte der Vorsitzende das Verhalten der Lackirer Berlins zur Organisation, und forderte auf, so viel wie irgend möglich und in Kräften steht, dafür zu agitiren, daß ein jeder unserer Organisation als Mitglieder angehört. Unter Verschie- deneS kam es zu einer lebhafte» Debatte, betreffs des Ersuchens des Wirthes, die Vereiusversammluug auf einen anderen Tag zu verlegen. Ein Antrag des Kollege» Echüßler, dahin lautend, diese Angelegenheit vorläufig den Vorstand zu überlassen, wurde abgelehnt; folglich finden nun die VereinSversainmlnugeii jeden ersten Montag»ach dem 1. und 15. statt. Der'Antrag des Kollegen Schlosser, das Arrangiren eines MaskenballS dem Vor- stand zu überlassen, wurde angenommen. Im ivciteren machte Kollegs Schüßler darauf aufmerksam, daß diejenigen, welche ge- willi sind, aus der Ortskasse auszuscheiden'die? bis zum 30. September der Kasse anzuzeigen haben. Ferner machte der Vorsitzende noch bekannt, daß am Sonntag, den gl. August, eine Herrenpartie nach Friedrichshagen stattfindet. Abfahrt früh, Schlesischer Bahnhof. Drr Verein der i,» der üchnftebrnnche brschüftiiztr»» Arbriterinne» hielt a», 23. d. M., Abends 9 Uhr, bei Scheffer, Jnselstraße 10, eine gut besuchte Versammlung ab. Da der Referent noch nicht erschienen>var, so schritt man zum dritten Punkt der Tagesordnung:„Ergänzuugswahl des Vorstandes». Aus der Wahl ginge» als stellvertretende Schriftführerin Frl. Ritter und als Revisorin Frl. Gahmann hervor. Herr Baginski hielt eine» interessanten Vortrag über:„Die Ursachen der Ar- muth». An den nul großem Beifall ausgenommenen Vortrag schloß sich eine Diskussion, an der Genosse Herin. Krause und Ottilie Baader theilnahme». Nach Schluß der Versammlung um WVi Uhr blieb man noch in sröhlichsier Stimmung bis gegen 2 Uhr beisammen. Gin- öffentlich- R--snmmlui,g d-r g-w-rblich-n Ailfsarb-ite- Berlins»nd Umgegend fand am Mittwoch 'Abend in Uebel's Lokal, Naunynstr. 27, statt. Auf der Tages- ordnung stand ein Vortrag des ReichStags-Abgeordneten Schippet: Welche Vortheile bringt der Sieg der Hamburger Genossen den Arbeitern Deutschlands, und ivelche Nachtheile deren Unterliegen? Ins Bureau wurden die Herren G ü n t h e r, L i e r s e und B o r ch a r d t gewählt. Herr Schippe! war nicht erschienen, an seiner Stelle referirte Herr Franz Bern dt über obiges Thema. Redner wies darauf hin, daß man die Kampsesiveise gegen die Bestrebungen der Arbeiter geändert habe; man sei zu der Einsicht gelangt, daß man mit dem bisherigen System nicht mehr, kämpfen könne. Unter der Herrschast des Sozialistengesetzes hat man selbst diejenigeil Forde- rnngeil der Arbeiter niedergehalten, welche aus die Besriedignng der allernothwendigsten Bedürfnisse gerichtet waren. Es gewinnt aber den Anschein, als ob man auch nach dem Ende des Ausnahmegesetzes aus anderen Wegen diesen Zweck erreichen will. Wir sehe» Unternehmer- Koalitionen aiistailchen, die durch Mittel, ivelche meiner Ansicht nach dem Gesetz direkt zu widerlausen, de» Arbeitern den noch vorhandenen Rest der Koalitionssreiheit illusorisch machen wollen. Das Ham- burger Protzenthnm hat glücklicher Weise trotz der Ver- bünoung mit dem ganzen Großkapital die Organisationen der Arbeiter nicht zerstören könne», es hat uns aber gezeigt, was «vir von der Zukunst zu erwarten haben, wenn»vir uns solche» wirklich staatsgefährlichen Angriffen des Unternehmerthums gegen- über nicht zusammenschließen. Der 20. Februar, die Thalsache. daß die Haniburger Arbeiter de» Herr» Wörmann aus seinem Schiffe sitzen liepen, war dem Großkapital so in die Glieder gefahren, daß es nahezu eine Million geopfert hat, um die Scharte durch Niederhaltung der Arbeiter auszuwetzen. Nur der Festigkeit der Hamburger Genossen und dem Solidari- tätSgesühl der gesammten Arbeiterschast, das sich durch die so reichlich geflossenen Unterstützuiigeil offenbart hat, ist eS zuzu- schreib»», daß der. Angriff auf die Organisation siegreich zurück- geschlagen worden ist. Wohin würde es iführen, wenn die Ar- beiter für Aufbesserung ihrer Lage nicht mehr wirken könnten? Zur Unkultur, zur Degeneration des gesammle» arbeitende» BolkeS, zum Zerfall des Staates und der Gesellschaft. Man ist also auch nicht berechtigt, uns staatsgefährlich zu nennen, wohl aber könnte man das Hamburger Unternehmer- thuu, als staatsgesährlich, als einen Zerstörer der Gesetze bezeichnen. Vielleicht erleben wir noch einmal, daß eiil Gesetz erlassen wird gegen die gemeingefährlichen Be- strcbllugen des NnternehmerlhmuS.(Lebhafter Beifall.) Das Unterliegen der Hamburger Arbeiter hätte zur Folge gehabt, daß man in anderen Städten in gleicher Weise den Versuch gemacht hätte, die Organisationen der Arbeiter zu zerstören; indem die Hamburger Arbeiter den Augriff siegreich zurückgewiesen haben, haben sie der ganzen Arbeiterschaft einen großen Sieg errungen. Wohin es führt, wenn die Arbeiter unorganisirt dastehen, habe ich vor Kurzem in Mecklenburg an einer Fabrikordnung gesehen, die man dort in einer Thonwaaren-Fabrik eingeführt hat. Man hat dort Schlafstuben für die Arbeiter eingerichtet und wer nicht um 10 Uhr Abends schlafen geht, wird in Strafe genommen. (Heiterkeit.) Auch eine Fabritküche hat man etablirt, natürlich nur zum Wohl der Arbeiter! Wer aber die Güte der dar- gereichte» Speisen bezweifelt, wird hinausgeworfen.(Pfut-Rufe.) Die Küche darf bei Strafe nicht detreten werden.(Heiterkeit.) Die dort beschäftigten Arbeiter sind ohnmächtig gegen solche „Ordmlngen", weil sie nicht orgamsirt sind. Zum Kampf gegen die arbeiterseiiidlichen Elemente ist vor allen Dingen eine gute Organisation nothweudig, deshalb müssen wir uns überall ver- eimgen, um allerorts den Kamps erfolgreich aufnehmen zu können. (Lebhafter Beifall.) Dem Vortrag folgte eine rege DiS- fuffton, an welcher sich die Herren Bader, Brandt, Günther und Schmidt betheiligten. Sämmtliche Redner schlössen sich dem Referenten an und forderten wie dieser zur Organisation auf. Herr Günther schilderte speziell die trostlose Lage der Ziegeleiarbeiter in der Nähe Berlins, iväh- rend Herr Schmidt einen Artikel aus der von Stöcker gegrün- deten Zeitung„Das Volk" vorlas und das auf Arbeiterfang ge- richtete Geschreibsel entsprechend kritisirte. Nach einem kräftigen Schlußwort des Referenten wurde beschlossen, an Stelle eines ausgeschiedenen einen anderen Stollegen in die Berliner Streik- Kontrolkommission zu wählen. Hierzu wurde Herr Bor- ch a r d t gewählt; ferner wurde auf Wunsch der Ver- sammlung Herr Vogel als Ersahmann bestimmt. Herr L i e r s e ermahnte die Stollegen, recht rege für die Verbreitung der Arbeiterpresse einzutreten und die gegnerischen Blätter nicht mehr zu halten. Der Vorsitzende macht bekannt, daß am 31. Aug. eine allgemeine Arbeiterfeier stattfinden werde, an welcher sich auch, wie er gehört habe, der Verein gewerblicher Hilfsarbeiter betheiligen wolle. Derselbe werde einen Ausflug nach Friedrichs- Hägen unternehmen; die Abfahrt finde um 7 Uhr Morgens vom Schlesischen Bahnhof statt, Treffpunkt sei das Müggelschlößchen. Nach Erledigung einiger Fragen schloß die Versammlung mit einem dreifachen Hoch auf die gesammte zielbewußte Arbeiter- schaft.— Der Uereitr?»r Walir»»>tg der Interesse» der Gast- und AchanKntirthe Berlins und Umgegend hielt vor einigen Tagen eine Versammlung ab. Zum 1. Punkt der Tagesordnung, Wahl r*,>....»>---- l---------- V* eines Schriftführers, wurde Kollege Zippke, Markusstraße 14, ge- wahlt. Zum 3. Punkt der Tagesordnung, Bericht über den Ent- wurf des Statuts zur freiwilligen Unterstützungskasse, ist ein Schreiben vom Polizeipräsidium eingegangen, daß dieses Statut den gesetzlichen Anforderungen nicht genügt. Verschiedene Kol- legen glauben. daß darüber überhaupt kein Statut nothwendig ist, weil es keine Versicherung im Sinne des Gesetzes, sondern nur ein Fonds für nothleidende Hinterbliebene eines ver- storbenen Kollegen.— Es wurde der Antrag gestellt und angenommen: die nächste Versammlung ist eine General- Versammlung. Dieselbe hat zu beschließen, ob beim Sterbefall eines Mitgliedes 100 M. aus der Vereinskasse bewilligt werden sollen oder nicht." Beim 3. Punkt der Tagesordnung„Boykott der Heeresverwaltung gegenüber den Gastwirthen" führte Kollege Gründel aus, daß ein eingezogener Reservist und Landwehrmann, der selbst ein Lokal besitzt, nicht im Stande ist, sein eigenes Lokal zu besuchen, weil er sich sonst strafbar machen würde. Kollege Pietsch machte darauf aufmerksam, daß, trotzdem sein Lokal, Wein- straße 22, verboten ist für Militär, dennoch der Steuererheber bei ihm war und Anfrage hielt, ob er(Pietsch) in der Lage sei Einquartirung annehmen zu könne». Unter oben angeführten Gründen wurde die Anfrage verneint. Kollege Böhl führte aus, daß, wenn ein Boylott von Arbeitern verhängt wirb, dieseloen strafbar sind, dagegen das Bvykottiren der Behörden den Gastwirthen gegenüber straffrei bleibt. Es sprachen in dieser Sache sich noch verschiedene Kollegen aus und dann wurde der Beschluß gefaßt, über diesen Punkt zur Tagesordnung überzugehen, da Petitionen oder Reso- lutionen ihren Zweck doch verfehlen würden. Eine Pause auf unbestimmte Zeit trat nun ein, damit etwaige Gäste dem Verein beitreten können. Als neue Mitglieder traten ein: 1. Gustav Anders, Grünau, Köpenickerstr. 42. 2. Karl Herrath, Admiralstr. 21. 8. Ernst Magnan, Krauts ftr. 13. Zum vierten Punkt der Tagesordnung gaben die Herren Gründet und Zubeil bekannt, daß sie eine Anklage bekommen hätten. Aus welchem Grunde wissen die Herren selbst nicht, es wird jedoch beschlossen, wenn die Anklage Bezug auf den Gastwirth- Verein hat, so wird den Angeklagten Rechtsbeistand gewährt. Kollege Mendt stellt den Antrag. 50 M. aus der Vereinskasse für die streikenden Hamburger zu bewilligen. Nachdem jedoch von verschiedenen Kollegen die Bedürftigkeit der Hamburger destritten wurde, kam der Antrag des Kollegen Zubeil zur Annahme, 00 M. für die streikenden Weber in Greiz und 40 M. für die Weiß- gerber in Slirchhein zu bewilligen. Unter Verschiedenes wurden noch mehrere Fragen gestellt. Dieselben wurden dahin beant- wartet, daß sich die Fragesteller beim Vereinssyndikus Bescheid holen möchten, da wohl kein Mitglied in der Lage sei, die Fragen richtig zu beantworten. Nachdem noch folgender Punkt auf die Tagesordnung der nächsten Versammlung gesetzt wurde:„Wie kann man bei Ablieferung von Speisen und Getränken gleich Be- zahlnng erlangen und wie läßt es sich durchführen?" wurde die Versammlung geschlossen. Au die Genossen de« 4. Kerliner Ueichotags-Ualil- irreil'es. Die Versammlungen deS Wahlvcreins im 4. Berliner Wahlkreis machten in letzter Zeit für den, welcher die Mitglieder- zahl desselben kennt, einen äußerst entmuthigenden Eindruck. Es kam vor, daß Versammlungen, in denen wichtige wissenschaftliche Themata zur Tagesordnung standen, von 50, schreibe fünfzig Genossen besucht tvareu, welche nicht einmal sämmtlich Mitglieder waren. Dieses Schicksal hatten besonders zwei Versammlungen, welche, im Zwischenraum von 8 Tagen, im Viktoriapark stattfanden. Was dies bei einer Mitgliederzahl von ca. 800 bedeutet, kann jeder selbst ermessen. Tie Versammlung, welche für den 21. d. M. nach„Uebel'S Salon" einberufen war, mußte ebenfalls wegen schwacher Betheiligung sofort nach der Eröffnung ge- schloffen werden(da hier nur 15 Genossen zugegen waren). Es gewinnt nach Betrachtung dieser Thatsachen fast den Anschein, als ob der Besuch sich solange vermindern sollte, bis der Vor- stand oder einzelne Mitglieder desselben nur noch allein zugegen sind. Allerdings kann man die Erklärung für diesen Niedergang darin suchen, daß in letzter Zeit die Oeffcntlichkeit Sachen beschäs- tigen, die ein Jnterefse für die im Wahverein zu behandelnden nicht aufkonmien ließen. Auch hatte der Vorstand das unverschuldete Mißgeschick, die Versammlungen immer an solchen Tagen einzuberufen, an denen Volksversammlungen stattfanden. So bei den beiden Versammlungen im Biktoriapark, die Volks- Versammlung zu Gunsten der Hamburger bezw. der„Freien Volksbühne" als auch bei der letzten nach Ilebel's Salon einberufenen, die Volksversammlung in„Snnsfouci" mit einem Referat Liebknechts. Wie man aus jedem Schaden eine Lehre ziehen muß, so kann man es auch auS diesem, denn ein Schaden für den Wahlverei» ist unbedingt zu verzeichnen. Die ganze» Vorkommnisse drängen darauf hin, daß mindestens für jeden Wahlkreis eine Zentralstelle geschaffen werden mnß, an welche alle Meldungen erfolgen, wann und wo im Kreise Versammlungen stattfinden. Es wird durch so lche Maßnahmen unmöglich gemacht, daß in nächster Stühe 2 oder mehrere Versammlungen stattfinden, die sämmtlich a» schwachen Besuch leiden. Für den Südosten des 4. Wahlkreises ist Genosse Zubeil, Munynstr. 80, bereit, Meldungen entgegen zu nehmen; für den Osten, Genosse Scholtz, Landsberger Allee 144, H. III. Wie den Genossen im hiesigen Kreise bekannt, hat der Wahlverein beschlossen, am 31. August die Lassallefeier durch eine Landparthie zu begehen. Das Ziel der Partie ist Friedrichshagen; Treffpunkt:„Müggelschlößchen". Inhaber von Arbeiter- Rückfahrtkarten ä. 30 Pf. können die Züge von 4,35 bis 9,20 Uhr Vormittags ab Schlesischer Bahnhof benützen. Die Mitglieder werden hoffentlich durch recht starke Vetheiliguug an dieser Feier beweisen, daß sie die Pflicht in sich fühle», am Platze zu sein, wenn es sich um einen Anlaß von so ganz besonderer Bedeutung handelt. Am Montag, den I. September findet nun eine Ver- sammlung des Wahloereins im„Elystum", Landsberger Allee Nr. 39—41 statt: die Tagesordnung wird in allernächster Zeit durch Handzettel bekannt gemacht. Pflicht aller Mitglieder ist es, dafür zu sorgen, daß der oben geschilderte Eindruck durch starken Besuch verwischt wird. Der Vorstand. tzl»r«in s-elin« Freitaz, den August, Nachis 12 Uhr: SSevfammlunn bei ISrunoel, Dresdenerstr. Iis. Stthrrueriin„Atpenveltch»«««»if.vt i Abends 8 Uhr,»reuzbergstr. 7. Tirlgent H. Seifert,(früher Sturm). N-uisdiener. Sonnabend, den 30. d. M., Abends Uhr. findet eine öficnlliche V-rsaminluug aller Hausdiener bei Feuerstein, AU- Jalobstrahe 75, 2 Jitv' zierband der deutschen Gold-»nd Sitberarbeiter(Zahlstelle Berlin) nei-anstaUet am Sonntag, den 31. August," Nachmittags neu» Uhr ab, im Konzerthaus„Sanssouci", Kottbuserstr.»a,«in großes Sommers'' ... Eommersest, stehend ans großem Konzert(Dirctlion Wein) und gediegeneni f also die Rose 0,00017 Milligramm ätherisches Oel vo?- Jedermann aber weiß, daß weit weniger als eine, forderlich ist, um eine Rose durch den Geruch zu erke»»'' mehr als das, der Unterschied verschiedener Nosensort«» /'ö noch auf viel kleinere» Mengen anderer Riechstoffe, nWV von der Rose erzeugten Oel beigemengt sind, und doch wir auch diese deutlich und sicher durch den Geruch zfl el.', Es liegt hier also eine Reaktion vor von einer Few"'- der sich kein anderes Beobachtungsergebniß irgendwie kann. j Die erstaunlich geringen Mengen künstlichen Mosch".-' j* i durch den Geruch noch wahrgenounnen werden, entzieh-'„ jeder Berechnung. Der Verfasser dieser Zeilen, dessen H"" 1 dem Korken einer Moschusflasche berührt worden war, mochte den ihm anhaftenden Geruch durch sehr t Waschungen mit Wasser und Seife drei Tage laug nicht j" fernen. In einein Raum, durch welchen eine verschlossene ff j dieses neuen Rohstoffes blos hindurch getragen ivorde" war der Geruch noch nach tagelangein Lüsten deiituq merkbar. Die hier zur Wahnehnmug gelangenden Substanz'"' sind in der That unendlich klein. Höchst auffallend erscheint es, daß auch bei Thicre" niederer Begabung Geruchs- und Geschinacksstnn außerop empfindlich sind. Wie genau Bienen und Hummeln zioistlst".,, schiedencn Älüthen unterscheiden, ist wohlbekannt. Sie"P durch den Geruch auch zu wenig auffallenden Blüthe», j Meint tn "' 8 Hans t «onntags- ilnter|)i 1 spiel denen der Linde, aus weiter Ferne herbeigezogen. � Horden, t »,. Das Wen. t .Gebern il»-! Antwort ""IttHlrtot Farbenfabrik lockte das tägliche Ausgießen' Schmelzen regelmäßig Hunderttausende von Bienen und' heran, welche sich an dem in großer Berdünming Geruch des Anilins berauschten. Aber auch der@4%� wNl'tet IUI sinn der Insekten wurde durch ein höchst originelles c..j. ment des Dr. Raboiv in Potsdam zur Evidenz erwiest«, einet Konditorei, welche von Fliegen stark heimgesucht Lg. der genannte Forscher einen Stuchen aufstellen, welcher ni"U 3 Zeicl Zucker, sondern mit dem bekannten neuen, aus Steinkohl�'-Mders a! .QUUti,| uiiUvLii mu utui ueuunueu ueueu, um? ui gewonnenen Süßstoff Saccharin bestreut war. Während? Wir(jw '"' k gesegnet waren, - die Fliegen unters� d-Z�'cht deren Kuchen mit Fliegen stark gesegnet waren, Saccharinkuchen völlig verschont— die Fliegen u scharf zwischen der Süßigkeit des Zuckers und der � J' ein charins! j-'stgegenh, Eine überraschende Bcobachiuug, welche in dieses P,'lche M einzureihen man sich versucht fühlt, ist ganz neuerdi«�-�" Emil Fischer gemacht worden. Diesem hervorragende» ist es gelungen, Zuckerarten in großer Anzahl künstlich, u-jM chemische Synthese herzustellen— ein neuer Triumph der tfst"'jj Forschung. Wir kenne» jetzt, Dank den mühevollen Untersuch Z»~ des genannten Chemikers, Zuckerarten, welche in? Reihe von drei bis zu neun Kohleustoffatomcn in ihrem jj."ttla schon feit langer Zeit. bekannt, � enthalten. Nur war es icyon zen uuigci �eu'u gewisse Zuckerarten vergährbar sind, das heißt,," y WaP Hai irr___ c» i: r____....... Q �4.... V I.« f.iltlv.a VÄAr.' V•-w ;««»„ch von gewissen Pilzen verzehrt und dabei 'Alkohol verwandelt werde», daß aber pilze bei anderen Zuckerarten a usbleibt. Emil Fischer gy gezeigt, daß dies unabhängig ist von der Anzahl der% r. rW)avfl stoffatome im Molekül deS zeweilig zum Versuch verwes Mkjg.» Zuckers. Von de» sonst einander ganz ähnlichen Zuckerarte» MjjX. Iche eine durch 3 cheilba�o�m zehrt die Hefe nur diejenigen, welche ** r.-.f-t Pi ee e\t±.......- r> /-» Atomen verweigert: ucaiuritcy tlegi oieier„iseiMiu»»"-, der Hefe ein bestimmtes chemisches, bis jetzt unausgesproche Ißz,» bliebenes Gesetz zu Grunde; auffallend aber ist und blc",.. ifflNz Fähigkeit eines Organismus niederster Ordnung, scharf z"' das scheiden zivischen Substanzen, welche bezüglich ihrer säniw's'-Aech x, Eigenschaften sich so außerordentlich ähnlich sind, daß für«".» �'-- r- f i—-/•.artlll" ,0|t Unterscheidung nur auf dem Wege des sorgsamsten Experiments möglich ist. «et Auiranen bitten wir die AbouiiemeiitS-Quittung belzufiigen. Antwort wird nicht erlhellt. W« b*' Für die ansyespcrrte» Knnhandwerker Hai» gingen ferner bei uns ein: u. C. Einigkeit. Dampferpartie Friedrichshage«... schloßchen) durch ainerikanische'Auktion an, 10. August 32A Auf Liste 261, Fabrik antik geschnitzter Holzleisten C. St'S 11,80 M. Gesammelt durch die Rudolstädter Buchdruckergeh, 7 M. Ungenannt 50 Pf. Zwei Genossen der Fabrik vo" K. u. Komp., Demminerstrasze 4, 75 Pf. Die Nöthen von der Tmlfc. D«nminerstrnke 6.% i »lonikafabrik von Becker n. Schultz/ Demininerstraße 6, Kolonne Graupe 7 M. Ueberschuß vom 23. August 11 9% viovnitfUniiivt lipf(«ofirnnh K(yvrei Zlrd'z Fünfpfenniger veranktionirt bei Gehrand 3 M. Drei � � von der Kohlensäure, Lindenstraße, 1,50 M. In Smnma Bereits guittirt 29 210,28 Bt., macht im Ganzen 29 291,7 l'ib eine Ä"' 9lei her P, Wn- % i h «uf n)ie eine hättl Dezreisthen. (Ufollfa Trlrgraphen-�urcan.) Kaiserslauter», 23. August. Bei der heute ii» 0 scheu Reichstags-Wahlkreise stattgehabten Stichioahl zivische'' 4 Gntsbesitzer Brunck in Kirchheimbolanden(untl.) und denfl.4 kroi'tt,»»' fMvmfra t»» 0\rtinK,u4i l QI nl f.-.n«! vi i>i fovA tlf rCvfipi'PV UUf Ivoui Aul besitzet Grohö in Hainbach(Volkoparteiler) ist Erslerer M" als 500 Stimmen Mehrheit gewählt. pctrrabnrg, 28. August. Ter größte Theil von SHm einer Stadt von 4000 Einwohnern im Gouvernement K«l" ist durchs eine Feuersbrunst zerstört worden. Ter Schate« aus drei Millionen Rubel geschätzt. Die obdachlos ge"'" Eimvohner leide» überdies an Nahrnugsmaugel.— I" wurden ferner zioanzig Gebäude, darunter ei» Hansspeicheß in einer Vorstadt vo» Kursk 150 kleinere Gebäude durch zerstört. 28. August. Heute Nachmittag durchzogt« J 300 Alisständische die Straßen vo» Quaregnou. Dabei s>«° I gewaltthätige Szenen vorgesalle», indem Vorübergehe»"-� schimpft und nicht am Ausstände theilnehmende Arbeite" gepfiffen wurden. jJ Madrid. 28. August. Gestern sind in den Alico, Badajoz, Tarragona, Toledo und Valencia insgel 100 Eholera-Erkraukungen mit 47 Todesfällen vorgeko»»«�» Melbourite, 23. August. Eine Vermilteluna zivisaff,/ Rheder» und den Ausständigen wird eifrig betrieben. O.if] >-"- p»«- p«. it» e». �».tl rÜB y-K. &S >1� �"»Uier des Ausstandes der GaSarbeiter mangelt das Gas und ei« M nicht beleuchtet. Die Ausständigen veu Tt Tp tMrtf*»!* A99IA SlTvftfföVtP(1 der Straßen ist hier und in Neiucasile, wohl» eine Batterie Artillerie v wurde, Nicht-Unionisten am Arbeiten zu verhindern. Die»- augenblicklich ruhiger. Verantwortlicher Redakteur: Curt pauste in Berlin. Druck und Verlag von Ma» Fading in Berlin SW.. Beuthstraße 2. ihm .Ch i ch