W. 203. Somrtag, de« 31. August 1890. 7. Jahrg. korstr. 7fj Organ für die Interessen der Arbeiter. scheint taali» m...® e r I i n c r Volksblatt" «WWW»? _, Lcrusprecher: Amt vi. Nr. 4100. VedaKkion: Veukhflvcrßo S.— Expcdikion: Venkhflvatze 3. v 0 Bunt 31. August. . Die Gedenkfeier, die heute von den deutschen Arbeitern .°ng-n wird, ehrt den großen Todten, dem sie gilt, sie iVm, i' m auc� das werkthätige Volk, das dankbar sich »u?.?.- �rkämpfers erinnert. Die geschichtliche Bedeutung "i'-uorrampsers erinnert, xjie geiujicgtuaje joeueumng »seres Lassalle ist eine festbegründete Thatsache. Es wäre ' i'n müßiges Beginnen, in einem deutschen Arbeiterblatte '? machtvolle Persönlichkeit des„revolutionären Juden", 'hn die„Kreuzzeitung" einst genannt, auch nur im Ut n- Umrii nochmals vorzuführen. Der tobte Lassalle mit j! mitten unter uns, frisch und unversehrt geht das Ä Menken an ihn von Geschlecht zu Geschlecht, mit unaus- I �Mchen Buchstaben ist sein Name eingetragen in das M 4 der Unsterblichkeit. ' gjl. J Die Todtenfeier aber, die wir heute gerade, am � August 1890, abhalten, hat ihre eigene selbstständige Deutung, sie ist ein äußerlich scharf sich abhebender Ab- Witt in der Geschichte der deutschen Sozialdemokratie. Lassallefeier dieses Jahres ist die letzte unter dem I�Mck und Drang des Ausnahmezustandes. Bald ist6 1 Wen die Fesseln des Sozialistengesetzes klirrend zu ___ fallen, die wir zwölf Jahre getragen und ertragen |Wbeti. an-. ion w t* !'ö ■A Villi �eile Aufgaben sind zu lösen, neue Daseinsformen Viu mälig heran, neue Hemmnisse stellen sich dem w, in den Weg, von Mühe und Arbeit harret rs t)ot ein Zettelt und geschüttelt Maß. Die Partei steht i» ig-r en m L!,Mem Wendepunkt ihrer Entwicklung und jeder Schritt, k, Jte thut, umlauert von erbitterten Gegnern, ist wichtig "' /sm--1-- cm----'----- fa för i'* UUUUUtV*. VVU VZX, �. f0 jr7n Fortgang unserer guten Sache. Wenn jemals" lu" heute das oberste Gebot besonnene Klarheit, ruhige �Girng, MteS Blut. �is Lassalle vor 26 Jahren die Augen zum ewigen tlkin- schloß, da stand trauernd an seinem Grabe ein % aber tapferes Häuflein klassenbewußter Arbeiter. welch'� imposanter Macht ist seitdem aus diesen An- M' die deutsche Sozialdemokratie empor gewachsen! immer weitere Schichten hat die Bewegung das Jndustrieproletariat und das Kleinhandwerk" »»s.�"darbeiter und die Kopfarbeiter schaarten sich um @1, �nner. Aus den Bezirken der Fabrikschlöte und ms in die Bezirke, wo in tiefem Elend der Land- et dem Junker srohnt, drangen unsere Ideen. Die ••---- c...... SßQt}" oem Junker sroynr, orangen unsere �oceii. xjie in üebnisse in einem Hauptsitz der Feudalherren, in des Patrimonialrechts, in Mecklenburg, sind s"r die Fortschritte der Partei. Der„auti- �i,,""t'sche Bauernschädel", von denen Herr .».»IN»----..... k... Sor U), Schüffle »a•w'i«i|u;e-oauernimavec, uu» utnm 1 llll'te, wird zur Utopie unter der Wucht der Roth, die J Hörigen des Großgrundbesitzes das ABC des Sozia- Fottilleton. 134 1"«inoitt iii Iii u i' lui&KioIri- ftnior. Von Alphonse Daudet. "s dem Französischen von Ludwig K n o r r. �lm,vsS Dages erfuhr man in der Fabrik, daß die �ldcnen Än vch'f der Ausstellung in Maiichester mitl der 'ß firf, vstedaille ausgezeichnet ivordcn war und Klara ließ sP.s nehmen, ihm persönlich die Nachricht mitzn- l>er s.l;. o"111 einen Augenblick flog ein glückliches Lächeln S,,1,« gealterten Züge, er brächte Klara die Hände und 50I diu zufrieden... ich bin zufrieden." ,i � fn v. melchcr Unterschied in dem Tone! Er sagte Q�'hrg, wie im Bewußtsein erfüllter Pflicht, aber ohne W' in W.sUUuO und jede Hosfnungsfrendigkeic. ig,;' �»he konnte er an diesem Tage nicht mit gewohnter toiu qiiv und man sah ihn verwirrt von einem Ort midern arben. 1(1 . CT 8�", ß zum lul1}'0 ging er auf Planus zu und bat diesen, ihm gcbcn ldewahren übergebene Packet und den Brief jetzt Der lismus mit wunderbarer Gründlichkeit beibringt. So kläg- lich das Volksschulwesen auf dem Lande, w i r brauchen nicht zu verzagen, da das Elend ein Lehrer ist, der mit unerbittlichem Zwange für uns, allein für uns wirkt. Am 19. Mai 1863 rief Lassalle den Arbeitern von Frankfurt am Main zu:„Geben Sie mir 500 000 deutsche Arbeiter, die in meinen Verein eintreten— und unsere Reaktion ist nicht mehr!" Als er starb, zählte der„All- gemeine Deutsche Arbeiterverein" etliche tausend Mitglieder, und am 20. Februar 1890 sind 1 427 298 sozialdemokratische Stimmen gezählt worden. Fast dreimal so viel, als Lassalle forderte, um mit der Reaktion endgiltig fertig zu werden. Das war eine Illusion, denn jene ist noch da, ist in verdoppelter Macht da. Der Zwist zwischen Junker- thum und Großbourgeoisie, der damals die beiden kapita- listischen Gruppen schied, er ist nicht mehr, das Bürgerthum kämpft in einer Schlachtordnung gegen den gemeinsamen Gegner, gegen die zielbewußte Arbeiterschaft. Ein bedeutsames Stück unseres Weges ist in den letzten 26 Jahren zurückgelegt, ein gut Theil schwerer Hindernisse ist überwunden, eine stattliche Reihe von Erfolgen ist errungen. Aber ist das Ziel auch näher wie einst, noch dehnt sich lang, steinig und steil der Pfad, der vor uns liegt. Und vorwärts! heißt die Losung. Vorwärts, auf- wärts! Kein Augenblick der Ruhe ist den Soldaten der Arbeitersache vergönnt. Stillstand hieße Rückgang, hieße Verfall. Die deutsche Arbeiterklasse ist im Feuer des politischen Kampfes das geworden, was sie ist, ein Faktor des öffent- liehen Lebens, mit dem die Herrschenden rechnen müssen. Die soziale Frage ist der Angelpunkt, um welchen sich die moderne Politik dreht. Die sozialistische Bewegung wird zusehends eine Massenerscheinung in dem Sinne, daß die t h a t s ä ch l i ch sich vollziehende Scheidung in die ver- schwindend kleine Minderheit Besitzender und die erdrückende Majorität Besitzloser ein den Besitzlosen zum Bewußt- sein kommender Vorgang wird. Die Umwälzung der Dinge revolutionirt auch die 5köpfe, der Klasseninstinkt er- hebt sich zur Klasseneinsicht, die Menschheit bereitet sich vor auf die größte und edelste Aufgabe, die ihr bis jetzt gestellt war, auf die Beseitigung der sklasfengegensätze, auf die wahrhafte Zivilisation, die keine Armen, keine Reichen, die nur glückliche, freie Menschen kennt. In diesem Moment aber der Umgestaltung, in dieser Zeit des Uebergangs ruht eine furchtbare, eine großartige Verantwortlichkeit auf der Sozialdemokratie. Ihren Händen ist das köft- lichste Pfand anvertraut, sie ist die Sachwalterin der Armen und Unterdrückten, sie hat die Pflicht, scharfäugig, Nisler nahm den Vorschlag an, weniger deshalb, um seine Medaille zu ehren, als den Brief einige Stunden früher zu lesen. Sie gingen in's Palais Royal, wo sie im ersten Stock eines Restaurants, von dem man das Gewühl der Atenscheu, das Grün der Bäume und den Springbrunnen zwischen den Beeten sehen konnte. Der alte Sigismund ivar von all den Vergoldungen, den Spiegeln und Kronleuchtern ebenso entzückt, wie von dem weißen Tischtuche, dem Brote und dem Diner zu festem Preise. Mit Gewalt füllte er den Teller seines Freundes. „Iß das... es ist ganz vorzüglich..." Aber Risler war ganz in Gedanken versunken und sah beständig zum Fenster hinaus. Erinnerst Du Dich noch, Alter... vor drei Jahren da drüben... bei Vesour... sagte er mit einem tiefen Seufzer. „Richtig, das ist ja wahr,"... murmelte Sigismund und begriff seinen unglücklichen Einfall nicht, den Freund an einen solchen Ort zu führen. Risler wollte selbst dem Gespräche eine andere Richtung geben und kam doch immer wieder auf denselben Punkt zurück, fast verschämt fragte er Sigismund. „Hast Du sie gesehen?" „Deine Frau... Nein, nie." „Und hat sie nie geschrieben?" „Nein... nie wieder." „Aber Dn mußt doch Nachrichten haben.... Was hat sie denn in den sechs Monaten angefangen? Lebt sie bei ihren Eltern." „Nein." Risler erbleichte. Er hatte gehofft, sie würde bei ihren ruhig, mit festem Schritte, unbeirrt und unbefangen, eine sichere Führerin ihres Weges zu gehen. Eine Partei, hinter der nicht blos über eine Million Wähler, hinter der in Wirklichkeit Millionen stehen, darf nicht den Stimmungen des Augenblicks sich hingeben. Die Erkenntniß der Dinge ist für sie zwingendes Gebot. Theoretisch auf der Höhe der Entwickelung, p r a k t i s ch an der Spitze der proletarischen Bewegung zu stehen, das ist die Aufgabe der Sozialdemokratie. Nur wenn die Einsicht in die Ver- Hältnisse Hand in Hand geht mit der politischen Macht, kann die Arbeiterklasse definitiv von dem Drucke, der aus ihr lastet, sich lösen. Dieser unserer Pflicht müssen wir gerecht werden. Wie dann die dirigirenden Klassen zur Arbeiterbewegung sich stellen werden, ist ihre Sache. Erfüllen wir nur unsere Pflicht, lassen wir weder durch Lockungen noch durch Drohungen uns von unserem Wege abbringen, dann fällt mit verdoppelter Schwere jeder Mißgriff, jede Hand- lung kulturwidriger Politik auf die Häupter derer, die sie verschuldet haben, zurück. Agitirt, damit ihr die Massen aufrüttelt! Organisirt, damit die Arbeiterklasse ihren Be- freiungskrieg zu einem siegreichen Ende führe! Treibt Politik, um die Reaktion zu hemmen, die Freiheit zu fördern, die soziale Reform anzubahnen! Seid ein einig Volk von Brüdern, Euch zum Schutz, den Feinden zum Trutz! Die Partei begeht Lassalle's Todestag, das Schwert in der Faust und gewappnet vom Scheitel bis zur Sohle. Ringsuin dräuen die Gegner. Und so wird dieser Tag so recht würdig Ferdinand Lassalle's, des Denkers und des Kämpfers. Seine Todten- feier ein Kampfspiel...... NovvesKtuuvenzen. Mailand, den 27. August. Die Auflösung der beiden irre- dentistischen Vereine„Barsanti" und„Oberdank", durch welche Herr Crispi allen Antiösterreichcrn und Gegnern des Dreibundes wieder einmal die willkommene Gelegenheit zu einer zwar wenig nützenden, aber um so lauteren Agitation gegen die Regierung gegeben hat, wird auch die D i s I u s s c o n über den Sozialismus aus der Presse des Landes verbannen, welche darin seit einigen Wochen einen hervorragenden Platz ein- genommen hatte. Ob dies im Interesse der Arbeiterbewegung zu bedauern ist, läßt sich allerdings bezweifeln. In Italien steht es mit der Presse im Allgemeinen etwas anders als in Deutsch- land, da man hier nur zwei bezw. drei Arten von Zeitungs- oraanen kennt: liberale and klerikale, die sich Haupt- sächlich in den religiösen, d. h. in der„Papstfrage" bekämpfen. Die liberalen Blätter zertheilen sich in regierungssreundliche und oppositionelle, wodurch letztere wieder auf die Seite der katholi- Eltern sein, arbeiten wie er und durch Reue ihre Schuld sühnen. Er hatte manchmal daran gedacht, daß eine Zeit kommen könne,, wo er mit den Chebes in ein fernes un- bekanntes Land ziehen, wo Niemand sie kennen würde. Das war kein fertiger Plan, aber immerhin ein Gedanke, der ihn beschäftigte und der nur durch Sidouiens Verhalten zur That werden konnte. „Ist sie denn in Paris?"... fragte er nach einigem Nachdenken. „Nein, sie ist seit drei Monaten verschwunden. Man weiß nicht wohin." Sigismund erzählte natürlich nicht, daß sie mit ihrem Cazaboni, dessen Namen sie angenommen hatte, herumreiste. Risler wagte nicht, noch mehr zu fragen. Unterdessen hatte die Musik unter den Bäumen eine jener italienischen Ouvertüren zu spielen begonnen, die eigens zum Vortrag im Freien komponirt zu sein scheinen. „So ein bischen Musik... thut ivohl," sagte Risler mit höherer Stimme, Du weißt, lieber Freund, mein Herz ist mir sehr schwer, wenn Du ahntest... Unterdessen war die Musik beendigt, die Lichter im Garten erloschen und die Menge hatte sich zerstreut. Die beiden Freunde bcrathschlagten, wo sie den Rest des Abends vollbringen konnten. Sigismund schlug vor ein Casö chantant in der N»e Moutpensier, ganz in der Nähe, wo viele Leute eintraten, zu besuchen. Risler ließ sich willig führen... seit sechs Monaten hatte er kein Bier getrunken. Trotzdem die Vorträge noch nicht begonnen hatten, war es doch zum Erdrücken voll und die beiden Freunde hatten große Mühe, einen Platz zu erobern, den sie endlich hinter chen Organe gedrängt werden, welche der Regierung gegenüber ebenfalls scharf oppositionell sind. Alle drei Gattungen von Zeitungen aber sind ihrem Programm nach„sehr arbeiterfreund- lich"; die liberalen Regierungsblätter versprechen den Arbeitern ununterbrochen, Herr Crispi werde für sie die weitgehendsten Ar- beiterschutz-Gesetze erlassen, er werde den aus Arbeitern gebildeten Produktionsgenossenschaften die Ausführung öffentlicher Arbeilen übertragen und für die unbeschäftigten Arbeiter und deren Familien in den neuen afrikanischen Besitzungen reichliche Kolonieloose verschaffen. Die liberale oppositionelle Presse steht in ihrer Fürsorge für die Arbeiter der ersteren Gattung nicht nach; auch sie verspricht soziale Reformen, so viel man nur wünschen kann, und preist in gleicher Weise den Arbeitern die Genossenschaften als das allein selig machende Heil- mittel an. Die päpstlichen Organe thun dasselbe, nur daß sie die Kirche als den einzig berechtigten Faktor zur Erfüllung aller ge- gebenen Versprechen bezeichnen.— Man wird deshalb vergeblich tn den italienischen Zeitungen nach Artikeln suchen, welche die Arbeiter und deren Bestrebungen verdächtigen, in denen ihre Führer beschimpst oder geächtet würden, und wenn es bisweilen auch zu bedenklichen Unruhen aus Anlaß von Arbeitseinstellungen kommt, so suchen die gonvernementalen Blätter den Thatbestand eher abzuschwächen als zu übertreiben. Der Grund hierfür ist nicht schwer zu erkennen; es fehlt eben bis heute die eigent- liche Arbeiterpartei Italiens, und deshalb hofft noch jede Partei, unter den Arbeitern neue Anhänger gewinnen zu können. Des- halb fällt es auch keiner Zeitung ein, den Sozialismus irgend wie als etwas Verwerfliches hinzustellen, und es sind waschechte liberale Kapitalistenblätter, welche ein kürzlich herausgegebenes . Buch von Gabriel Rosa„über den natürlichen Sozialismus" begeistert loben, obgleich dessen Verfasser an der Hand der ge- schichtlichen und wirthschastlichen Entwickelung der europäischen Staaten nachweist, daß die heutige Gesellschaftsordnung selbst sich der sozialistischen von Generation zu Generation nähern würde. Das Einzige, was die Arbeiter thun sollten, um diese Entwickelung zu beschleunigen, sei die Betheiligung an dem Genossenschaftswesen, durch welches sie sich zu Sozialisten praktisch umbilden könnten. i Red.) So stehen die Ideen des seeligen Herrn Schulze-Delihsch überall im Vordergrunde, wo sich italienische Arbeiter zu gemein- »amen Handeln vereinigen. Joseph Mazzini, der von den eng- tischen Arbeitern in Rochdale und von Schulze-Delitzsch diese Theorien der Selbsthilfe übernommen hatte, begründete»n den fünfziger und sechziger Jahren zahlreiche Konsum- und Vorschuß- vereine, von denen einige noch heute bestehen. In der Mitte der achtziger Jahre aber trat die Sucht, Vorschußvereine und söge- nannte Volksbanken zu begründen, geradezu epidemisch auf, worauf während der letzten beiden Jahre das Gründungsfiever für Koope- ratio- Genossenschaften seinen Höhepunkt erreichte. Am 31. Dezember 1887 gab es in Jdlien 804„Volksbanken", bei deren Leitung die besten Kräfte der Arbeitervereinigungen in Anspruch genommen waren. Im Jahre 1888 wurden noch weiter be- gründet: 47 Gesellschaften zur gegenseitigen Hilfe, 36 Vorschußkassen und 17 Darlehns- und Depositenvereine; und dies alles von Arbeitern! In der Zeit vom 1. Januar 1889 bis zum 1. April d. I. waren ferner 173 Produktivgenossenschaften ins Leben getreten, von denen heute allerdings kaum noch die Hälfte besteht. Das traurigste Beispiel dieser Gründungen ist unstreitig die Maurergenossenschaft in Rom, welche seit sechs Wochen täglich in allen Blättern genannt wird; diese Gesellschaft besieht seit anderthalb Jahren, ist aber ebenso lange dem Bankerott nahe, obgleich die Zahl ihrer Mitglieder eine bedeutende ist. Vor der letzten Nachwahl in Rom, wobei der Kolonialschwärmer Graf Antonelli mit geringer Majorität über den oppositionellen Kandidaten den Sieg davon trug, hatte Crispi, wie schon früher berichtet wurde, der Genossenschast 60 000 Frs. bieten lassen, falls sie ihre Mitglieder zur Stimmen- abgäbe für Slntonelli bestimmen würde. Der ganze Handel ist jetzt in ausführlichster Weise von den Blättern dargelegt worden, und die Gcneralversammluiig aller römischen Genossenschaften st i e ß darauf hin die Maurergeiiosseiischaft aus dem Arbeiterverbande aus. Der letzte Satz dieses Beschlusses lautete:„Die Arbeiterschast Roms wird als Genossen niemals Personen aner- kennen, welche die Ehre des Arbeiterftandes um Geld verkaufen, sondern nur diejenigen, welche treu zu unserer Devise hallen: Vivoro lavoranao o morire oombattendo.(Arbeitend leben oder kämpfend den Tod!)" Trotzdem aber wird es schwerlich ge- lingen, die Korruption ans dieser Art von Arbeiterbewegung fern zu halten....... Allerdings giebt es auch in Italien Leute, welche von der Aussichtslosigkeit des Genossenschaftswesens überzeugt sind und stets darauf hinweisen, daß diese ganzen Bemühungen, für welche die Arbeitervereinigungen zctzt ihre Kraft einsetzen, vergeblich sind. Erst vor einigen Tagen erörterte der sozialistische Schriftsteller O s w a l d G n c c ch i- V i a n i zu Mailand das Thema sehr ein- gehend in einer öffentlichen Slrbeiterversammlung, in der er darlegte, daß geradedieGenossenschaftendie großeMengeoer indifferenten Ar- beiier und der völlig besitzlosen Proletarier von dem Anschluß an die Arbeiterbewegung zurückhielten. Die Genossenschaften hätten eine Arbeiteraristokratie geschaffen, welche danach strebe, mit der Bourgeoisie geschäftlich zu konkurriren, aber nichts für die Auf- einer Säule fanden, der ihnen den Anblick des halben Podiums versperrte, auf dem eben jetzt ein geschniegelter pomadisirter Herr im schwarzen Anzug und gelben Hand- schuhen zu singen begann. Das Publikum— Krämer, Handwerker und Kleinbürger ans dem Biertel war enthnsiasmirt, besonders die Frauen. Nisler und Planus hörten kaum auf die Musik und tranken schweigend ihren Schoppen. Plötzlich ivurde der alte Planus unruhig: „Sieh doch, das ist drollig... man möchte glauben... aber wahrhaftig, ich täusche mich nicht... Es ist De- lobelle." Es war wirklich der berühmte Künstler, mit gebrannten Haaren, in seinem schwarzen eleganten Anzüge, der da vor dem Podium stand und ab und zu einen geringschätzigen Blick auf das Publituni warf, am meisten aber beunruhigte den alten Kassirer der Anblick einer blauen Kapuze und stahlgrauer Augen, die Frau Dobson angehörten. Wie eine Geistererscheinung in einein bösen Traume berührte ihn dieser Anblick. „Komm Nisler... wir wollen gehen... nian kommt ja vor Hitze hier um." In dem Augenblicke, wo sie sich erhoben, begann das Orchester ein bizarres Nitorncll zuspielen und eine neugierige Erregung bemächtigte sich der Zuschauer. „Pst, Pst... setzen..." rief man von allen Seiten Die beiden Freunde mußten sich wider Willen auf ihre Plätze setzen. „Ich kenne doch diese Melodie...", sagte Risler,„wo muß ich sie nur gehört haben?" Jetzt erscholl ein donnernder Beifall und ein gleichzeitiger Ausruf des alten Sigismund veranlaßte Risler, nach dem Podium zu sehen. „Komm... komm*, sagte der Kassirer,„laß uns schnell gehen." Aber es war zu spät. Risler hatte bereits gesehen, wie seine Fran an den Rand des Podiums trat, sich vor dem Publikum mit dem kalten immergleichen Balletlächeln ver- beugte. Sidonie trug ein weißes Kleid wie in jener Ballnacht, klärung und Heranbildung ihrer übrigen Genossen thun wolle. Er zeigte, wie die Konsumvereine kür die Arbeiter schädlich wirken müßten, da die Arbeitgeber bei dem Herabdrücken der Lebens- mittelpreise auch sofort die Löhne herabsetzten, wie das besonders die lombardischen Eisenbahngesellschaften thaten, die erst alle ihre Beamte und Arbeiter zum Eintritt in Konsumvereine nöthigten und dann sofort eine Reduktion der Gehälter vornahmen. Die sozialdemokratische Liga in Mailand beabsichttgte gerade jetzt, durch Massenverbreitung von Flugblättern gegen das Genoffen- schastswesen zu agitiren, aber in Rücksicht auf die bevorstehenden allgemeinen Wahlen hat man davon abgesehen, um nicht eine noch größere Verwirrung unter den Arbeitern hervorzurufen.— Man wird deshalb abwarten müssen, bis die eigenen Erfahrungen die italienischen Arbeiter von der Schädlichkeit des Genossen- schaften-Gründens überzeilgen, und diese Erfahrungen werden, wie sie anderwärts eingetroffen sind, auch in Italien nicht aus- bleiben, trotz aller Lobeserhebungen, die heute die bürgerliche Presse den„friedlichen und gesetzmäßigen" Kooperativbestrebungen der Arbeiter spendet. Wolikisthv Aolkvrstlht. Mit einem Reichs-IMremsgesech zum Ersatz des Sozialistengesetzes droht ein Berliner nationalliberaler Reichstags Abgeordneter in den„Hamburger Nachrichten". Die Gegner des bisherigen Sozialistengesetzes würden an dem, was darin von ihnen gefordert werden würde, wenig Freude haben.— Nun, so heiß wird nichts mehr gegessen, wie die National- liberalen es gern kochen möchten. Auf dem Katholikentag« in Koblenk wurde gewaltig renommirt mit den Leistungen der Zentrumspartei und der dem Zentrum anhängenden Großindustriellen aus dem Gebiete des Arbeiterschutzes. Exzellenz Windthorst und Bischof Korum, Kaplan Hitze und Großindustrieller Brandts wett- eiferten darin, diese Thätigkeit in das glänzendste Licht zu stellen. In der nüchternen Wirklichkeit nimmt sich die Sache ganz anders aus und manche Behauptung der Herren bedarf gar sehr der Richtigstellung. Herr Hitze führte u. a. an, daß die Kommission zur Berathung der Gewerbenovelle in der Frage der Sonntagsruhe noch über die Regierungs- vorläge hinausgegangen sei, und daß besonders das Zentrum hier viel erreicht habe. In Wirklichkeit hat sich an den Sitzungen dieser Kommission das Zentrum am schwächsten von allen Parteien betheiligt und, soweit der ausführlichste Zeitungsbericht erkennen läßt, haben die Herren vom entrum sich einfach auf den Regierungsstandpunkt gestellt. -elbst der Minister v. Berlepsch ging weiter als das Zentrum, indem er die Klagen Äebel's über die Sonntags- Thätigkeit im kaufmännischen Gewerbe als voll berechtigt anerkannte und sich dem Schlüsse der Geschäfte an den Sonntagen geneigt aussprach, wenn er auch diese Sache verkehrter Weise der einzelstaatlichen Gesetzgebung überweisen wollte. Entfernt davon, den Arbeiter interessen auf dem Gebiete der Sonntagsruhe gerecht zu werden, hat das Zentrum also nicht einmal dasjenige zu verwirklichen ge- ucht, was es in dieser Frage gemäß seinen religiösen Anschauungen fordern müßte. Die Zuhörer des Herrn Hitze wußten natürlich von den wirklichen Dingen nichts; sie klatschten Beifall. Dieselben setzten sich nach dem Ausspruche Windthorst'S aus allen Ständen zusammen, woraus die kleine schalkhaste Exzellenz den Schluß zog, daß nur die katholische Kirche die Klassenunterschiede auszugleichen wisse. Das Zentrum hätte um so mehr Anlaß, auf dem Gebiete der Arbeiterfrage an die Stelle hochtrabender Worte einmal Thaten zu setzen, als es durch Dr. Korum Kenntniß davon erlangt hat, daß die so- ziale Revolution hereinbrechen wird,„vielleicht schon in wenigen Jahren." Wir schlichten Heiden vermögen natür- lich nicht, wie der gottesfürchtige Bischof Korum, die Zu- kunft zu prophezeien; aber wenn die Revolution so wahr- schemlich ist, hätten die herrschenden Klassen und das Zentrum doch sicher allen Anlaß, sie vermittelst durchgreifender Re- formen abzuwehren. Gute Schriften in Mass'« zu»«rbreite», hatte sich ein Verein zur Aufgabe gestellt, der sich vor mehr als Jahresfrist in Weimar bildete. Der Gedanke der Gründung ging von dem früheren Sekretär der Chemnitzer Handels- kammer, Dr. Fränkel, aus. Die Begründer waren meist Konservative und Nationalliberale, aber auch Freisinnige befanden sich darunter, z. B. der Abg. Schmidt-Elberfeld. Der Verein wollte merkwürdiger Weise nach zwei ver- nur weniger reich und noch tiefer ausgeschnitten. Ihr Be- nehmen war völlig zwanglos und Delobelle hatte recht, daß sie in das Zigeunerleben paßte. Sie sah gerade so aus, wie eine dem Gatten entlaufene Frau, die ohne Schirm und Schutz, von Stufe zu Stufe sinkend, im tiefsten Psuhl der Pariser Hölle untergeht, ohne daß eine rettende Hand sie der reinen Luft und dem Lichte zurückgeführt hätte. Und wie wohl schien sie sich inmitten dieses Komödianten- thums zu fühlen! Ach, wenn sie den schrecklichen, ver- zweifelten Blick gesehen hätte, der starr hinter einer Säule auf sie gerichtet war, sie würde wohl nicht so schamlos ruhig gelächelt und ihre Stimme die einzige Romanze, die ihr Frau Dobson eingelernt, nicht in so schmachtenden Tönen gegirrt haben: „Arme kleine Mamsell Zizi Die Liebe, die Liebe Hat sie so weit gebracht." Nisler hatte sich trotz aller Anstrengungen Sigismunds erhoben. „Setzen... Setzen", schrie man. Der Unglückliche hörte nichts. Er starrte seine Frau an. „Dce Liebe, die Liebe, Hat sie so weit gebracht." Eine Minute lang fragte er sich, ob er auf das Podium stürzen und alle tödten sollte. Dann aber ergriff ihn Ab- scheu und Scham und er eilte hinaus, Stühle und Tische umwerfend und verfolgt von den Schmähungen der ent- rüsteten Spießbürger. � Niemals— seit den zwanzig Jahren, während der Sigismund in Montrouge wohnte, war er so spät nach Hause gekommen. Kein Wunder, daß Fräulein Planus in großer Angst war, zumal sie, nach den Auf- regungen der letzten Zeit, stets bereit war, eine Verspätung ihres Bruders mit irgend einem schrecklichen Vorfalle in der Fabrik in Verbindung zu bringen. Endlich, gegen elf Uhr, klingelte es. „Sind Sie es, Herr Planus," fragte die alte Jungfer von oben. schiedenen Seiten hin kämpfen; er wollte die soziasilw� Literatur und gleichzeitig den Kolportage-Schund, insbeM den Schauerroman, verdrängen. Das Gute und das«V zugleich bekämpfen und es durch das Indifferente erj 9, wollen, ist eine merkwürdige Idee. Ebenso sonderbar•• das Ziel des gegründeten Vereins waren die Dntteh Weg der Ausführung. Die ältesten und langwerngl Bücher von Zschokle und ähnlichen Autoren wollte man vielen Tausenden unter das Volk werfen. Man führte, daß z. B. der„Alte Heinrich" seit Jahrzehnten im Mim stände gelesen werde, aber in die breiten Volksklassen n nicht gedrungen sei. Gerade als ob die breiten klaffen, insbesondere die Arbeiterklasse, dem Moffhta geistig und literarisch nachhinkte, und als ob den. diejenige literarische Kost eben gut wäre, die dem@4% des Bürgerthums vor einigen Generationen zusagte. jyL lich sonderbare Ideen hört man, beiläufig gesagt, auch. der Gründung der„Freien Volksbühne" äußern, Ideen, � nur beweisen, daß man in gewissen Kreisen keine Ahn von dem Geist hat, der in der modernen Arbeiterklasse i Allerdings will der Verein auch neue Schriften verbrtt und hat zu diesem Zweck kürzlich für den„besten" Rom einen Preis von 1000 Mark ausgesetzt, viel weniger,_ für Romane, die dem Gebiet der Kunst zugerechnet wert" nun in der diesjährig lebhaft zu Tage Der Vorsitzende dürfen, gezahlt zu werden pflegt. Das Fiasko des Vereins ist Generalversammlung in Weimar recht treten. Der Geschäftsbericht fehlte.«u-,..,.-„ merkte: er sei nicht im Stande, denselben vorzulegen, da! von Herrn Dr. Fränkel verfaßt, in der bearbeiteten ffo nicht mitgetheilt werden könne, er enthalte nur eine herrlichung des Herrn Dr. Fränkel, der sich selbst WjZ Tagen krank gemeldet habe. Aehnlich war es mit dem KMi bericht. Es wurde nun mitgetheilt, daß die Einnahm. 23 116,21 M., die Ausgaben 18 898,10 M. betrugen, m daß der Verein noch ein Gesammtvermögen von 15 ööo. besitze. Wegen angeblicher Unordnungen des Generalsetrrt. konnten Belege nicht vorgelegt werden. Das ist das des Vereins in Bezug auf"seine äußeren Angelegen Noch viel jämmerlicher ist fem literarisches Fiasko., verschiedene im Namen des Vereins herausgegebene Schrtn wurde auf der Generalversammlung ein lebhafter geäußert. Von Heft 5 des„Bücherschatzes":„Eine 0° zeitsnacht, Prcisnovelle von Leo Goldammer", wurde ge>� daß der Titel aus die Sinnlichkeit berechnet und die � zählung selbst Harm- und geistlos sei; ein Mitglied F. den Antrag, die noch vorhandenen Exemplare zu vermal' Dasselbe Mitglied beantragte: Der Vorstand wolle bei. Verbreitung der Vereinsschriften auf die religiösen 0% nisse unseres Volkes die erforderliche Rücksicht nehmen. 0 ,. ersten Antrage wurde beschlossen, den Titel(!!) der RDS£ zu ändern, und zum zweiten Antrage: daS wolle man ff bis zur nächsten Jahresversammlung genauer überleg� Ein Verein, der die Volksliteratur ideal reformiren � und die Frage, ob er dabei die Religion schonen und pM» soll, sich bis über's Jahr genauer überlegen will— an grotesker Komik vielleicht das Stärkste, was deuff� „Idealismus" trotz mancher glorreichen Leistung aus dlfl Gebiet bisher zu Stande gebracht hat. Chauvinismus. Im„Deutschen Wochenblatt"� freikonservativen Abgeordneten Dr. Otto Arendt wird dart. geklagt, daß die französischen Aerzte, welche den medizinff� Kongreß hier besuchten, zu gut aufgenommen worden ffL Wir hätten damit unsere nationale Würde preisgetP> hätten wir die Franzosen weniger freundlich behandelt,> würden dieselben„mit mehr Achtung vor dem deuff� Charakter an die Tage in Berlin zurückdenken," u.!■, An diesem Blödsinn ist noch das bezeichnend, daß er einem im Elsaß lebenden Landgerichtsrath, v. Oertzen,»i schrieben ist. Alach«inmal Abs««. Unser Londoner Korrespfl� schreibt uns: „London, den 23. August. Die heutige Nummer. „Daily Chronicle" enthält ein Eingesandt des Herrn(L, Braakstad, in welchem ein Brief Henrik Jbsen's an den s-w sender zitirt wird, der sich auf den vor 14 Tagen im 0�'% Blatt erschienenen Bericht des Berliner Korrespondenten„ „Daily Chronicle" über ein Interview mit Ibsen bez'ffj und wenn auch nicht in ausdrücklichen Worten, so doch sächlich jenen Bericht als ein Gewebe von tendenziösen � Et war es aber nicht allein. Ein großer, 0�. gehender Mann folgte ihm, der beim Eintreten mit gebrochener Stimme guten Abend sagte. Jetzt erst erkas� sie Risler nnd Angesichts seines veränderten Aussehs. konnte sie einen Ausruf des Mitleids nicht unterdri«? Doch verstand sie sofort, daß sie schweigen müsse. «">■' cviy_— o—- t-t-----_____._., «Fräulein Planus, meine Schwester, Sie werden Bett frisch überziehen. Unser Freund Risler erzeigt die Ehre, diese Nacht bei uns zu schlafen." Die alte Jungfer beeilte sich. Alles mit der grä� Sorgfalt in Stand zu bringen, war doch außer Planus, ihrem Bruder, Risler der einzige Mann, den � nicht in das allgemeine Verdammungsurtheil der männttW Spezies einschloß. j Beim Verlassen des Cafö war Nisler in furchtb� Aufregung; er zitterte am ganzen Leibe und schleppt L mühsam, auf Sigismund gestützt, fort. Vom Lese» � Briefes und in Mentrouge übernachten war jetzt keine � mehr. Aber Sigismund wollte den alten Freund auf'rtj Fall in solcher Erregung allein lassen und bestand dar* daß sie zusammen blieben. Der Verstand sagte dem? � Kassirer, daß. er in dieser Lage nichts Besseres thun ff", als mit Risler von der Liebe und dem zarten treuen' seines Bruders Franz zu sprechen. „Ja, das war echte, treue Liebe... Von solchen ist kein Perrath zu befürchten.",; Wie wohl thaten iltislcr solche Worte. Und mund verstand es so gut, ihn durch Plaudern nicht � j zu lassen, wie sie sich allmälig von der Stadt entfernten ganz unbemerkt auf der großen öden Ebene vonMoiitsourt»� kamen, von wo es bis zu den Wellen von Montroilg* � ein Katzensprung ist. Sigismund glaubte mit Recht, da? � Schauspiel einer geschwisterlichen stillen und hingeb�ffi Freundschaft dem Herzen des ihn einen Vorgeschmack der geben würde. (Schluß folgt.) rVlltyVtt»HIV«fjr es Unglücklichen wohl thuü J er brüderlichen Liebe Fraw LrfJ mn.JrCfl�e.",en' �äßt.(Wir hatten diese Vermuthimg Veröffentlichung unserer Londoner Korrespondenz bc- ausgesprochen. Red.) Da ich von dem seinerzeit Notiz 8 oiuinen und mich unmuthig über Ibsen geäußert, so halte ich » sur meine Pflicht, nunmehr Jbsen's eigene Worte folgen Lv. n?/ den Dichter der„Gespenster" in einem an- ren Licht erscheinen lassen, als jenes„Interview". >tbsen schreibt: i,,„ habe nicht gesagt, daß ich die Frage der Sozial- »ilsÄ'e nie studirt habe. Im Gegeutheil, ich habe mit Interesse und so weit ich nur dazu im Stande war, L.�'. mich über die verschiedenen Seiten dieser Frage zu f>"a �N- Was ich gesagt habe ist, daß ich nie Zeit ge- ;'}-cn c habe, die umfassende und inhaltreiche Lireratnr, studiren ��Ichiedenen sozialistischen Systeme behandelt, zm -.»Wenn der Korrespondent meine Aeußerung angeführt (7�,°aß ich nicht zur sozialdemokratischen Partei gehöre, gewünscht, daß er den Zusatz, den ich gemacht l?? auf den ich großes Gewicht legte, nicht ausgelassen K»! dämlich, daß ich überhaupt zu keiner Partei ge- � e und kaum je zu einer gehören werbe. i?. sei mir gestattet, hinzuzufügen, daß es eine Roth- , �bigkcit für mich ist, daß ich ganz unabhängig arbeite "�sucn eigenen Weg verfolge. ...»Was der Korrespondent darüber sagt, daß ich ganz „Wascht gewesen sei, zu sehen, daß mein Name zur Pro- pagirung sozialdemokratischer Lehren benutzt werde, ist ganz ""anders dazu geeignet, mißverstanden zu werden. ■.-.Was ich wirklich sagte, ist, daß ich überrascht sei, avie % der ich es mir hauptsächlich zur Lebensaufgabe gemacht ?. e, die Charaktere und Geschicke von Menschen nach be- lammten Seiten hin zu schildern, ohne die bewußte oder argefaßte Absicht, irgend etwas dergleichen zu befürworten, ? denselben Schlüssen gelangt bin, wie die Denker luchu �aldemokratie durch ihre wissenschaftlichen Unter- ,„Dieser meiner Ueberraschung— und ich erlaube mir zu fügen, Genugthuung— glaubte ich dem Korre- lpondenten Ausdruck geben zu müssen, als ich von ihm er- Ur, daß in letzter Zeit in London ein oder mehrere Vor- gehalten worden sind, die sich nach ihm hauptsächlich „Ein Puppenhcim" beschäftigten." n. So Ibsen. Was mich und wohl noch Andere beim <-csen des Berichts des Interviewers verdrossen hatte, war f'e. ckngabe, daß Ibsen sich nie mit dem Studium der Waldemokratischen Bewegung befaßt habe. Das verzeiht heute Niemand, geschweige denn einen Dichter, der moderne Probleme behandelt, und einen Toast auf die g* a u e n und die Arbeiter ausbringt, als die Demente, von denen eine Reorganisirung der Gesellschaft zu harten sei. Der niitgetheilte Brief widerlegt diese An- Me in höchst befriedigender Weise. Daß Ibsen kein Sozial- Demokrat ini Parteisinne sei, war dem Kenner seiner Werke "ckannt. .. Kriegominister v, Nerdy bleibt im Amt. Der Kaiser r', wie die„National-Zettung" erfährt, das vor dem Antritt Reisen ei»gcrcic!>le Entlassungsgesuch des Kriegsministere-, das °"geblich wegen Nichtübereinstimmung mit Caprivi erfolgt ist, »»ch seiner Rückkehr abgelehnt. ,..Als einen Kanl» an Hnnderttausenden von armen Leuten" Ändert die„Krenzzeitung" die Erleichtermigen der Schweine- �.luhr in Obttschlesten. Mühsam halten diese armen Leute � Dreine amgezüchtet. Jetzt müßten sie, bevor dieselben Verlaufs- feien, gewärtigen, daß der Preis von 54 M. für 100 Pso. Siiil!? auf 27 M. heruntergehe. Der„arme Mann", welcher diesen .,.'!>schrei ausstößt, giebt selbst z», daß er neuerdings nicht weniger 20» Stück Ferkel auf Spekulation ziehe. f.. Ei« brsondrros Nrklnmvdnrrnn scheint Herr Peters seit > mer Rückkehr iia>i> Europa eingerichtet zu haben, meint die wä�fs- Ztg.". Es ist ganz erstaunlich, wie viele Telegramme und ibp ben Zeitungen aufzudrängen gesucht werden darüber, niit Inu �etl' Peters verkehrt, wo er in ber nächsten Zeit sich auf- z, en wird und ob er wohl Aussicht hat, eine kleine Anstellung "N Reiche zn bekommen. z. Es wird weiter eiugeschncht. Das„Rheinisch- Westfäl. "geblatt" nimmt heute den ulrramontanen Gewerken Herrn Ende- 7,°"» m Bochum vor, der nüt einem jährlichen Einkommen von toiu) 000 M. eingeschätzt ist und 2160 M. Einkommensteuer toor vdrr Endemann, der schon seit Jahren vielfacher Millionär %j:', erhielt zu seinem Vermögen noch im vorigen Jahre drei . uuonen Mark baar ausgezahlt für den Verkauf von Gruben- lipbo Außerdem bezieht er von einer benachbarten Zeche jähr- eim.- 40u0u0M. Diese Beträge allein entsprechen einer Jahres- g. nähme von einer halben Million Mark. Aus seinen sonstigen "«ahmen(Zinsen) bezieht Herr Endcmann noch 200 000 M., o.i7nt also eine Jahrescinnahme von 700 000 M. Tie genannte j" 1"1' � � C w m*«YKa in,» �-werkt, Herr Endemann bezahle für milde Stiftungen sn, P- ausgenommen einige Chorhemden für Knaben, die bei SloJefftonen mitwirken. Für das Wohl seiner Arbeiter bringe Wr Endemann keine sonderlichen Opfer, denn es sei bekannt, bei der seitens der Regierung vorgenommenen Enquete über llcten D �.V � � V* 1 � 4 iWLVtll IVV, t4>vtviy& llV»y»•» � �. ÄlGu sßj'jP1?,6 befinde. Und solch' einen Maim schätzt man mit bede u»it de»» Klingelbeutel. In seiner Schluß- fiit k- vir ikatholikenversamnilung forderte er zu Geldbeiträgen «Tie„.�lchiedensien kirchlichen Zwecke auf und äußerte dabei: sind„u,?." müssen sich mindestens verdoppeln. Auch die kleinsten Cin Dieustniädchen hat mir für die Kirche in emifl.(1r.CVy,"n! geschickt, weil es mich so sehr liebe. Ich l yie dies den Damen ans der Galerie zur Nachahmung."— ver-i'�t>)>o, 20. Aug. Die Leipziger Geivcrkschaslcn(und Fach- ba.cn vorgestern die geplante Kartellkommission gewählt, de» d>e Poliz«i bisher Einspruch erhoben hätte. Wir lasse» der V�'Wäfchen Bericht folgen, welche» die«Leipz. Ztg." ans oedcr eines Potizcibcamten bringt: "itlp'iif C'böig, 23. August. Die vielbesprochene Gewerlschasts- " W'0tl"mffion nahin gestern Abend im„Bürgergarten" ihre rten zn wählen, der die lausenden Arbeiten änftin aen und bei wichtigen Veranlassungen die Delegirten »uz zu berufen habe. Der Vorschlag wurde angenommen %p,..iu™ob zum Vertrauensmann gewählt. Die ausdrückliche ''cltcn . ö! Jakob der •<10»,. vvv fl11«*1 yv.>- v-.„... s. t. C'., 29. August. Amtliches Wahlergebniß. Bei o. M. hier stattgehabten Reichstagswahl wurden im „Veranlaßt durch die Versuche der Unternehmer, die Arbeiter- Vereinigungen zu unterdrücken, ist es unbedingt nöthig, daß die Arbeiter künftig zur Erringung einer besseren Lebenslage immer gemeinschaftlich handeln, um die Angriffe der Unternehmer energisch zurückweisen und jeder gerechten Forderung der Arbeiter mehr Nachdruck verschaffen zu können. Das soll erreicht werden 1. durch gemeinschaftliches Wirken des Gewerkschaftskartells für die Interessen der Arbeiter, 2. durch regelmäßige Ueberwachung der Lohn- und Arbeitsverhältnisse, 3. durch Rechtsbelehrung und Gewährung von Rechtsschutz, namentlich unter Berücksichtigung der Arbeiter-Versicherungsgesetze, 4. durch statistische Erhebungen über die wirthschaftliche Lage der Arbeiter jedes Geiverkcs." Die statistischen Erhebungen sollen in jeder Gewerlschast einzeln vor- genommen und dem Gewerkschaftskartell zur Zusammen- stellung überwiesen werden. Ferner wurde beschlossen:„Arbeits- einstellungen dürfen nur mit Genehmigung des Kartells unter- nommen werden. Dabei ist zu beachten, daß mehrere Arbeitsein- stellungen zu gleicher Zeit möglichst zu vermeiden sind. Geplante Lohnbewegungen sind mindestens 4 Wochen vorher dem Ver- trauensmanne mitzutheilen, mit Ausnahme solcher, welche sich von selbst aus den Verhältnissen plötzlich ergeben. In diesem Falle ist der sofort in Kenntniß zu setzende Vertrauensmann verpflichtet, sofort eineVersammlungderDelegirten einzuberufen. Nichtgenehmigte Streiks dürfen nicht unterstützt werden. Jedes Gewerk ist verpflichtet, zu allen Kosten für Streiks und Agitationszwecke beizutragen. Ueber die einkomntenden Gelder wird das Kartell nach bestem Ermessen verfügen. Streikenden Gewerkschaften ist es nicht gestattet, selbst SaUimellisten an andere Orte zu senden, da hierdurch die Ueber- ficht über die auszubringenden Mittel verloren geht. Bei Arbeits- einstellungen ist das Augenmerk darauf zu richten, daß die Streikenden möglichst bald den Ort verlassen. Die Delegirten ver- pflichren sich, für Aufbringung der Mittel zur Unterstützung und Agitation zu wirken." Es wurde auch vorgeschlagen, die Streik- Unterstützung auf Vi des ortsüblichen Tagelohns festzusetzen. Die Slnsichten hierüber gingen aber hierbei wegen der in einzelnen Gewerkschaften schon gelroffenen anders laulenden Bestimmungen derart auseinander, daß man diesen Punkt erst in der nächsten Versammlung zu regeln beschloß. Ueberhaupt sind gestern, trotz der sonstigen bei der Beschlußfassnng an den Tag tretenden theoretischen Einmüthigkeit von Seiten einzelner Gewerkschafte», namentlich der schon organisirten und mit einer gemeinschaftlichen Leitung für ganz Deutschland versehenen, Zweifel geäußert worden, pb sich in der Praxis die Beschlüsse der Kartell- kommission rückstchtlich der Gewerkschaften überall würden durch- führen lassen." Dies der Bericht, aus dem uns der ganze Jammer des sächsi- schen Vereinslebens entgegentritt. Besonders machen wir aus den gesperrten Passus aufmerksam. Daß der Ausdruck „K a r t e l l k o m m i s s i o n" so sorgfältig vermieden ward, hatte seinen guten Grund darin, daß die Leipziger Polizei eine„Kom- Mission" für einen Verein zu erklären pflegt. Colinnv der am 25. b..... Ganzen abgegeben 0334 Stimmen; davon erhielten Johann Nutz land, Bürgermeister in Münster(Elsässer) 6015 Stimmen und Fritz Allenbach, Koiffeur zu Colmar(Soz.) 2633 Stimmen. Der Erster« ist somit gewühlt worden. Schweiz. St. Gallen, 90. August. Der Verfassungsrath des Kan- tons hat die Wahl der Mitglieder der Regierung durch das Volk und hierauf die gestimmte Verfassung einstimmig angenommen. Die Volksabstimmung über dieselbe findet am 16. November statt. Frankreich. Ein in London lebender russischer Nihilist be- richtet im XIX. Steele über den Eindruck, den die Verurtheilung seiner Pariser Gesinnungsgenossen in Rußland hervor- gerufen hat. Seine Ausführungen sind auch insofern interessant, weil sie dem heutige» Republikanismus in Frankreich den Spiegel vorhalten und ihm zeigen, wie er sich durch seine Liebhaberei für das zarische Rußland selbst verleugnet. Der Nihilist schreibt: „Sie, in Frankreich, machen sich eine falsche Vorstellung von dem Nihilismus. Man kann Menschen tödten und einsperren, abtr nicht eine Idee. Wir warten daher ab. Andere Nihilisten werden nach Paris kommen; auch sie werden Bomben anfertigen, aber klüger austreten. Ich gehöre nicht zn den Ultras, und doch bin ich für die Bombe, denn sie ist nvthivendig, unentbehrlich. Nicht den Zaren wollen wir tödten, sondern das von ihm ver- tretene Selbstherrscherthnm. Der Nihilismus ist nicht das, was Sie glauben. Das Wort wurde von Turgenjew erfunden und die russischen Revolutionäre nahmen es an. In Rußland ist man Nihilist, wie man in Frankreich radikal und in England liberal ist. Wir sind die Liberalen Nußlands, denn dieser Bezeichnung entspricht das von uns verfolgte Ziel. Wir wollen die absoluke Regierung und die Bureaukratie, deren Sklaven wir sind, vernichten, um unserem Vaterland ein Parlament zu geben; wir wollen, daß Rußland eine freie Verfassung erhält wie Frankreich und England. Wäre der Zar einsichtsvoll, so würde er das Beispiel des Mikado befolgen und in Rußland dasselbe thun, was jener in Japan gethan; mit einem Federstrich könnte er unsere gerechten Wünsche befriedigen. Der Zar will aber durch die Gewalt regieren; er unterdrückt uns und auf Gewalt- thätigkeit muß man mit Gewaltthätigkeit antworten. So ernannte er vor kurzein in allen Kreisen Geueralkoinmandnnten, die aber nach dein Gesetz nicht aus der'Armee oder den unterrichteten Ständen, sondern aus den meist unwissenden Edelleuten ent- nomine» werden. Diese Kommandanten haben volle Herrschaft über die Bauern; sie ernennen die Richter und können nach ihrem Gutdünken über Jede» die Prügelstrafe verhängen. Sie lönnen begreifen, welchen Scheußlichkeiten dadurch unter Umständen ein ganzer Landstrich ausgesetzt ist. Der Er- zähler giebt sodann ein Beispiel aus dem Kreise Riaza, Ivo den Bauern bei den ewigen Btißhandlungen die Geduld gerissen sei. Sie hätten den Kommnndanten gesaßt und durchgepriigelt, seien aber alsbald nach Sibirien gesandt worden. Sie begreifen, so fährt er fort, daß man unter solchem Regiment nicht leben kann. Deshalb ivollen wir den Zaren tödten, in dessen Namen solche Grausamkeiten begangen werden. Die freiheitlichen Anschauungen machen bei uns Fortschritte, und es ist ein grober Jrrlhum, zu glauben, daß man sich den Russen angenehm macht, wenn man, um dem Zaren zu gefallen, unsere Landsleute vernrlheilt. In Rußland, wenigstens in einem großen Theile der aufgeklärten und gebildete» Bevölkerung, wurde daS Austreten Frankreichs allgemein gemißbilligt. Man begreift nicht, wie eine Republik dem Text ihrer Gesetze Gewalt anthun kann, um einem Tyrannen zn gefalle». Die Gesangenschaft der Unsrigen schadet in hohem Grade der französischen Sache beim russischen Bolle. Gegemvärtig ist Frankreich der treue Freund des Zaren, aber nicht der Freund Rußlands." Paris, 30. August. Die heutigen Blätter bringen Einzel- heilen über die Organisation der russischen Geheimpolizei in Paris, die mit der strengen Ueberwachung der nihilistischen Flucht- linge in Frankreich und überhaupt aller Vorgange im Pariser Quartier latin, wo viele, der nihilistischen Propaganda ver- dächtige russische Studenten wohnen, betraut ist. Der Chefagent der russischen Geheimpolizei soll ein JahreSgehalt von 80 000 Frks., ein anderer Beamter 60 000 Franks jährlich beziehen. Unter den Geheimageuten befinden sich auch Frauen. P n r i s, 30. August. Ein Redakteur vom„Jiitransigeant" hat Boukanger in Jersey besucht und ihn um seine Ansicht über die Enthüllungen des„Figaro" befragt. Boulanger erklärte, er würde auf diese Veröffentlichnngen, die ein politisch- tendenziöses Machwerk seien, nicht anivorten, behalte sich aber vor, später einmal seine Meimmg über diesen Preßfeldzng und die Urheber desselben zu sagen. Paris, 80. August. Der„Figaro" setzt seine Enthüllungen über den Boulangismus fort. In der neuesten Veröffentlichung berichtet der Verfasser über die Vorgänge bei der Präsidentenwahl vom Dezember 1387, die Begegnung Boulangers mit dem Führer der royalistischen Rechten, die Schritte, die Boulanger bei Frey- einet und Floquet unternommen, denen er gegen die Verpflichtung, ihn als Kriegsminister wieder einzusetze», die Stimmen der llioyalisten zur Verfügung stellen wollte, wobei Floquet diese Ver- pflichtung habe übernehmen wollen, wogegen Freycinet darauf nicht eingegangen sei, weshalb er auch nicht zum Präsidenten ge- wählt worden sei. Der Chefredakteur des persönlichen Organs Boulangers„Voix du peuple" hat gegenüber einem Redakteur des XIX. Siede" eingeräumt, daß Boulanger thatsächlich eine Zu- sammenkunst mit dein Prinzen Jerome Napoleon gehabt habe, und dieser Mittheilung noch hinzugefügt, daß Boulanger im Sep- tember v. I. in London eine Unterredung mit dem Grafen von Paris gehabt habe; es sei bei dieser Gelegenheit von der Auf- Hebung des Gesetzes, betr. die Verbannung der Prätendenten die Rede gewesen. Kelgien. In Bezug auf die Streikbewegung der bel« gischen Grubenarbeiter wird aus Charleroi gemeldet, daß der Ausschuß des„nationalen Bundes der belgischen Gruben- arbeiter" daselbst zusammengetreten sei, um die gegenwärtige Lage noch einer Prüfung zu unterziehen. Bei dieser Konferenz waren die vier großen Kohlenbecken Belgiens durch Delegirte vertreten. Der Ausschuß beeilte sich, den Theilnehmern ain Streik in Borinage seine Sympathien zu übermitteln, aber er betonte tonte zugleich, daß augenblicklich keine Veranlassung vorläge, den Streik in den anderen Kohlenbecken zu organisiren. Am 1. November d. I. soll dagegen der Kohlengrubenarbeiter- Kongreß stattfinden, auf dessen Tagesordnung der allgemeine Streik stehen wird. Das Komitee der„Föderation nationale des mineurs beiges" hat in Charleroi bereits seine Delegirten zu diesem Kongresse ernannt. Andererseits dauert in dem Streikbezirke die Agitation für das allgemeine Stimmrecht fort. So hielten, wie die„Jndependance beige" gestern meldete, die bekannten Führer Roger, Faurieu und Cardinal«ine von 4000 Theilnehmern am Streik besuchte Versammlung, in welcher jede Anspielung auf das allgemeine Stimmrecht mit lautem Jubel begrüßt wurde. Was die Ausdehnung des Streiks betrifft, so befinden sich in Quaragnon nunmehr etiva 4000, in WaSmes 2400, in Fleau 2300, in t rem ort es 2250 Grubenarbeiter im Ausstände. Auch in den ohlengruben von Grand-Buisson ist der Streik laut Mittheilung der„Jndependance" neuerdings zum Ausbruche gelangt. Spaitieu. Madrid, 20, August. Die Cholera macht in den südöst« liehe» Provinzen bedeutende Fortschritte. In Cartagena und Malaga wurden außerordentliche Vorsichtsmaßregeln ergriffen. Seit dem ersten Auftreten der Cholera sind konstatirt: in Tarragona 40 Erkrankungen, von denen 15 tödtlich verliefen; in Alicante 153 Erkrankungen, von denen 97 mit tödtlichem Verlaus; in Badajoz 80 Erkrankungs- und 48 Todessülle; in Toledo 288 Erkrankungs- und 142 Todesfälle; in Balencia 2241 Erkrankungen, von welchen 1119 tödtlich verliefen; in Madrid 18 Erkrankungs- und 10 Todesfälle. Amerika. Buen oi-Ayres, 29. August. Die Truppen werden vor« flchtsweise jede Nacht unter Waffen gehalten. In der Stadt be- steht, nach einer offiziösen Meldung angeblich große Abneigung gegen die Mitglieder der Nnio civica, welche den Ministern Roca und Lavalle Opposition macht. Die Aufregung in den Provinzen legt sich. Die Geschäfte gehen besser. Die S e n a t s k o m m i s s i o n hat einen Antrag des Finanz- Ministers angenommen, nach welchem Schatzbillete bis zum Be- trage von 60 Millionen Dollars ausgegeben werden sollen.— Die Liquidation an der Börse hat bedeutende Verluste herbei- geführt. Infolge der Goldbaisse sind mehrere Zahlungseinstellungen angekündigt. Washington, 29. August. Der Vertreter der Vereinigten Staaten von Nord-Amerika in Zentral-Amerika bestätigt die er- folgte Unterzeichnung des Friedens zwischen San Salvador und Guatemala. Derselbe fügt hinzu, durch diesen Schritt sei überall in Zentral-Amerika der Friede wiederhergeitellt. Chicago, 29. August. Alle Streiks unter den Weichen- stellern der zu den großen Viehhöfen(Stockyards) führenden Eisenbahnen sind gescheitert. N e w- P o r k, 29. August. Nächsten Montag findet das Arbeiterfest statt. Der Tag wird als allgemeiner Feiertag be- trachtet. VevMmmlunsen. er Fachverei» der Tischler Kerlin« lUorde»») tagte am Montag den 25. August im Restaurant„Wedding", Müller- straße 178, auf der Tagesordnung stand: 1. Vortrag des Herrn Pinn über:„Nationalität und Humanität". 2. Diskussion. 3. Gewerkschaftliches. 4. Vereiiisangelegenheiten und Verschiedenes. Herr Pinn erledigte in etwa einstünviger Rede seine Aufgabe unter allgemeinem Beifall der Versammlung, und wurde von einer Diskussion Abstand genommen. Zum 3. und 4. Punkt der Tagesordnung sprachen die verschiedenen Redner ihr Bedauern darüber aus, daß die Organisation im Norden noch so sehr viel zu wünsäien übrig lasse und traten sämmtlich für möglichst energische Agitation ein; es wurde beschlossen, alle 14 Tage eine Versammlung abzuhalten, und findet die nächste in Moabit (wahrscheinlich am Montag den 8. September) statt. Dieselbe wird, wie üblich, zur Zeit im„Berliner Volksblatt" bekannt gemacht. Ii» einer gnt brsnchte»» öffentliche»» Ualkavevsau»»»- lang f»r Lrrt»»e>» und|tliimtn* sprach am Freitag, den 22. d.M., im Viktoria- Garten zu Wilmersdorf Herr Julius Türk. Der Vortrag wurde mit großem Beifall aufgenommen.— In der Diskussion nahm Frau Habich, sowie»nehrere Herren das Wort. Die Redner sprachen sich im Sinne des Referenten aus. In seinem Schlußwort forderte der Referent die anwesenden Frauen auf, es nicht beim Beifall beivenden zu lassen, sondern in den Kampf für Befreiung iyres Geschlechts mit einzutreten.— Zun» Schluß fanden zwei Resolutionen, deren erste dahin lautete, nur in solchen Lokalen zu verkehren, die den Arbeitern zu Bersamm- lungen zur Verfügimg stehen, während die zweite die Frauen aufforderte, in ihrem Besreinngskampse mit der Sozialdemokratie Hand in Hand zu gehen, einstimmige Annahme, worauf der Vor- sitzende die Versaininlnng mit einem dreifachen Hoch auf die Sozialdemokratie schloß. Auf die Krfch, verde des Vorsitzenden des Fachvereins der Lithographie-Steinschleifer und Berussgen offen über eine aufgelöste Versammlung am 11. August, in der der Steindrucker Schöpfe einen Vortrag über das Thema:„Der Mensch vom Alterthum bis zur Gegenivart" hielt, ging folgender Bescheid deS Polizei- Präsidiums zu: „Ew. Wohlgeboren erwidere ich auf die Besdiwerde vom 14. August d. I. ergebenst, daß ich dieselbe nicht für begründet erachten kann. Die'Auslösung ist nicht infolge der von Ew. Wohl- geboren angegebenen Worte erfolgt, sondern im Anschluß an die sich an diese Worte anschließenden Ausführungen des Referenten Schöpfe, in ivelchen die iin§ 9 des ReichSgesetzes gegen die ge- meingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie vom 21. Oktober 1878 bezeichneten Bestrebungen so deutlich zu Tage traten, daß der überivacheude Beamte zur Auflösung der Ver- sammlnng verpflichtet ivar. Der Polizeipräsident. I. V.: Friedmann." Theater. Sonntags den 31. A u g u st. vperichaus. Lohengrin. Montag: Tannhäuser und der Sängerkrieg auf der Wartburg. Kchauspielhauo. Die Piccolomini. Vorher: Wallenstein's Lager. Montag: Wallenstein's Tod. Kerliner Theater. Die Räuber. Montag: Maria Stuart. Deutsches Theater. Das Winter- märchen. Montag: Dieselbe Vorstellung. Kesstng- Theater. Reue Zeiten. Montag: Die Ehre. Friedrich-Milhelmstädt. Theater. Die Puppensee. Vorher: Leichte Kavallerie. Montag: Dieselbe Vorstellung. MaUner» Theater. Mamsell Ni- tauche. Montag: Dieselbe Vorstellung. Diktoria- Theater. Die M oder: Vivat Imperator. Montag: Dieselbe Vorstellung Adolph Ernst- Theater. Goldfuchs. Montag: Dieselbe Vorstellung. Nestdens-Theater. Marquise. Montag: Dieselbe Vorstellung. Kelleallianre-Theater. Der Dorf- teusel. Montag: Dieselbe Vorstellung. 8 roll'» Theater. Don Juan. stend- Theater. Der arme Jona- than. Montag: Dieselbe Vorstellung. Kaufmann'« Kariets.(große Spe- zialitüten-Vorstellung. Theater der Reichshalle». Große Spezialitäten-Vorstellung. Million, Der Englischer Garten. Direktion: C. Address, Alexanderstraße 27c. Auftreten der Chansonnette Fräulein Ehrenkld. Auftreten der Kostüm-Soubrette Fräul. Rosa Valerie. Austreten des Gesangshumoristen Herrn Ziogler. Austreten des Malabaristen und Equi- lebristen Mr. Charles. Auftreten des Professors Herrn Jean Olerrnont mit seinen drcssirten Schweinen, Esel und Gänsen. 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Vereinsangelegenheiten, Verschiedenes und Fragen Gäste haben Zutritt.—-———.....- ] Nr. enthält 717 Mitglieder werden aufgenommen.. Der Vorstand« Achtung!_- »nv f. StSftungsfesl: des stzilllsemokriltlslhell Lese- ll.Iisklltlrverel!ls„Bervegv BW a,n Sonnabend, den 0. September 1890» Concerthaus Sanssouci, Kottbuserstraße Nr. � Concert, Vorträge und Ball.- Anfang prazife 8 Uhe._______ gillT» 88 � 706 er Ueberschuß ist für streikende Arbeiter bestimmt.. Der VorstaM"' Fchmeiil kr Tischler( Grosse Ve�sammSaing am Mittwoch, t den 3. September, Abend» SVa Uhr, im „Känigsbankl', Groffe Frankfurterstraffe 117. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Herrn Dr. Lütgenau: Bestätigt die neuere Wissenschaft den Sozialismus? 2. Diskusston. 8. WerkstattangeieS°"� 4. Versd)iedenes. Ausnahme neuer Mitglieder..... Der Bewollmachtifl�s. Verein kr Sattler 11. Fnchge Am Dienstag, den L. September, Abend« 8Vs Uhr, bei OeigmAller, Alte Jakobstr. 48a: VersammBungs, Tagesordnung: Die Gewerkschaftsbewegung während u?� dem Sozialistengesetz.(Referent: Th. G l o ck e.) Diskussion. Werschs 705 Der Vorsts"« t d W Freude die Pol wie m Reichs! des K tut den Hmii »n Rai ju denk . Di- fef," ?Utl0 d «m au Wnbiü %( A Sjatünl «topie ?ub de: & Grosse Militär- und Lieferungs-Schnei�n in Versammlung Montag, de» 1. September» Abend« SVs Uhr, DeigmUller's Salon, Alt« Iakobstraffe Ur. 48a. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Stadtverordneten Herrn Otto Klein über: Kampf um das Dasein." 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Fragekasten. Jl Alle Kollegen werden dringend gebeten, in dieser Versammlung-sst zahlreich und pünktlich zu erscheinen. Kettfedern neue, gut gereinigte, von 60 Pf. an. Fertige Betten, bestehend aus: Deckbett, Unterbett, 2 Kopskissen, neue gute Federsüllung von 12 M. an. Vollständiges reines Daunen- bett nur 27 M. Fertige Inletts und Bezüge zu Fabrikpreisen. 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Verschiedenes. rckilf'l Zkufnahme neuer �Mitglieder in der Versammlung und beim" 1�1 ebenda Entrichtung der Wochenbeiträge. Wichtigkeit der Tagesordnung ist es Pflicht eines jeden Mitgliedes, Gäste willkommen. Wegen der WWW 1' de» Mitgliedes.> Versammlung zu erscheinen. Der Vorsta"«: NB. Gleichzeitig werden die Kollegen auf Sommerfest in Sanssouci aufmerksam gemacht. «dW das heute stattfi»� zfl Achtung! Glaser- Gesellest Äerlins Wd Umgegelld. Die nächste Versammlung findet am Dienstag, den 2. September, Abends SVs Uhr, in Gratweil's Bierhallen, Kommandantenstr. 77—79, statt. Tagesordnung: 1. Vereinsangelegenheiten. 2. Vorlegung des Reglements zum Arbeits- Nachweis. 3. Verschiedenes.— Wir ersuchen unsere Mitglieder, recht pünkt- lich und zahlreich zu erscheinen. Diene Mitglieder werden aufgenommen. 704 Der Vorstand. _ I. 31.: R. Stampehl. a a e r. Ansserordcntl. Generalversammlung der Haler, Lackiror, Anstreicher ctc. Filiale III. Ost, Berlin Dienstag, 2. September, Abds. 8 Uhr, bei J. Renke, Blumenstraße 33. Tagesordnung: 1. Wahl des gesammten Vorstandes und eines Bibliothekars. 2. Filialangelegenheiten. 3. Verschiedenes. Der Wichtigkeit der Tagesordnung halber ist es Pflicht eines jeden Kol- legen zu erscheinen. Die Bevollmächtigten. 701 I. A.: Paul Donath, Keibelstr. 4, Freie Semiiipnd � Graveure« JifelÄ Montag, 1, Septemb., Abd. Pr- fjf p „Dresdener Garten", Dresdener!- Versammlung Tagesordnung: � 1. Geschäftliches. 2. Die Znp�F der Fachschnle für Ziseleure lw pß gewerbemuseum. 3. Der Kong, Graveure und Ziseleure Deuts b) 4. Verschiedenes.».,,p f ..K°?eg-n. welche bei% ß schüftigt sind oder waren, sind eiitj eingeladen. Hr. Lind ist bnefl'« � geladen.— Der Zlrbcitsnachn'�l-�� M sich daselbst täglich Abds. v.'/s9- Der Vorst3'. 694 ZtM-KlM»- w) ff Site ttr TiWer Gertliche Uerwattnng R'1:.(t Mitgliederversainm�f Montag, I. September, Zlbds. �' im Lokal Andreasstr. 26._ Tages- Ordnung- Wahl eines Grtskafstrrro. Mitgliedsbuch legitiinirt... m/ NB. Das Erscheinen aller ist erwünscht. Die Orlsvervra Cigarren und TabaRt --- adPl' B. Stahernack, Wrangt Verantivortlicher Siedakteur: Gurt KaaKe in Berlin. Druck und Verlag von Mae Sabing in Berlin SW„ Beuthstraße 2. Hierzu zwei 1. tun Berliner Nr. S03. Smmtag, de» 31. A«g«st 1890. 7. Jahrg. Der„Reichs-Anzriger" '«thSlt folgende Bekanntmachung: „Die am LS. d.M. vorgckommcnenN usschreitungen gelegentlich einer sozialdemokratischen Ver- s a m m l u n g im Friedrichshain haben, da sich in Berlin Zur Zeit, wegen der Herbstmanöver deZ Garde-Corps, nur schwache Wachkommandos befinden. Anlag gegeben, eine Jnfanterie-Brigade III. Armee-Corps, welche ihre Uebungen in der Nähe abhielt, zur Aushilfe im Garnison- dienst vorübergehend nach Berlin zu ziehen." Wir begrüßen diese Maßnahme der Regierung mit or enden und hoffen, daß die Brigade genügen wird, um 16 Polizeibeamten in Schach zu halten und ihnen zu zeigen, � man die friedliebenden und arbeitsamen Bürger der >auptstadt zu behandeln hat. Dur Psychologie de» Klrinliiirgrrthnn«». I. d.s ß,. Die Stellung �«leinbürgerthums. Di-Macht derJllussion. Dieklein bürgerliche Moral. ?■ ScL. Das Klcinbürgerthum hat sein Klassenideal so gut bei»«.. Proletariat oder die große Bourgeoisie. Mit den Ar- hit P gemeinsam übt es Kritik an den herrschenden Zuständen, ßur.,,s." Großburgern ist es von der Nothivendigkeit der heutigen dk« 1,• vJl* lest überzeugt. Nicht eine grundstürzende Umgestaltung iin �"rthschnstlichen Systems, sondern eine günstigere Position Lohmen dieses Systems ist, soweit es noch politisch als Klasse ov» oermag, das Endziel seiner Bestrebungen. den, Sisyphusarbeit unterzieht sich der peti't bourgeois mit Ii*» m"honden Eifer des Schwärmers. Seine Stellung hat Aehn- °°n°'P'"'t derjenigen der deutschen Rcichsritterschaft beim Ans- den, Mittelalters. Wie diese zwischen zwe» Mühlsteinen, �'aufstrebenden Stadtbürgerthum und den Territorialfürsten, L.« N zerrieben wurde und zerrieben werden mußte, weil "J" Aufgabe erfüllt und ihr Ideal, die auf Leibeigenschaft «.»rundete Adelsdemokratie mit monarchischer Spitze, eine riesige „"p'r war, so ivird das Kleinbürgerthum von dem Großkapital n» der Arbeiterklasse unbarmherzig zermahlen. Der Reichsritter Me den hohen Adel und die Fürsten, iveil diese das Recht auf Merischuiig, Besteuerung, Ausnttlzung des Volkes für sich allein tz.�lpruchten. Er haßte die„Pfefscrsäcke", weil diese im Interesse ÖtCiH" Handels" seine Raubschlösscr brachen, mit ihm und seinen TüLzf" streng in'ö Gericht gingen, und weil sie einen noch viel erfolg- stlN-n Vernichtungskrieg mit Pfandbriefen und anderen Schuld- hol»(Äeßen'�n führten. Der Kleinbürger haßt die Großbürger, .auianz. Industrielle, Handelsherren, weil sie die Allein- dx. hhaft über die arbeitende Klasse an sich zu reißen streben und tttii v oach seiner altfränkischen Auffassung zustehenden Bruch- LJ oes Exploitationsrechtes erheblich beschneiden. Die Arbeiter iliuj.(o, weil er in ihnen instinktiv die Vertreter einer neuen /'"schauung erkennt, welche die Zustände von Grund aus um- tu i, st.uud damit ihn als einen Vertreter der bürgerlichen Welt sie hs' flen unternimmt. Er haßt die Arbeiterklasse ferner, weil iC» Sammelbecken ist, das ihn und seinesgleichen aufnimmt, K'f, der wirthschastliche Fortschritt ihn und seinesgleichen de- b>er»> Oa*. Wohl kaum braucht es besonders hervorgehoben zu dit»,- daß unsere Bemerkungen sich nicht auf einzelne Jndi- ff,.-,."-. sondern auf die Klasse und deren Philosophie, auf den ihrer Ideale, auf den Fünftelsaft ihrer Weltanschauung «»tL.us der gesellschaftlichen Stellung des Kleinbürgerthums in die derben, handgreiflichen Widersprüche, Jutr«,. dasselbe sich stets verwickelt, sobald eS selbstständig auf- der im" ososucht. Diese Widersprüche sind ein getreues Abbild sch-i� lichkeit: an der Unmöglichkeit, dieselben zu versöhne», sie is in der Februarrevolution, wie seine Denker, mögen der�°"dho>>, Winkelblech oder Buttermilch heißen, scheitern an oder n wpstgkeit des Realen, das sich nicht in Parzellenträume bek»,�"?fi-?llfanzereien umsetzen läßt. Hartnäckiger als Shylock der Ä Weltgeschichte auf ihrem Schein. Die Beschränktheit Tunie�-bürger opfert die Pariser Arbeiter in der mörderischen PvolA■ cl)t""d Hilst dem Haupt des französischen Lumpen- ,ön'1!mat3 seinen Staatsstreich zu machen. TaS Frankfurter wie 5'o�kerparlanient" spielt seine klägliche Rolle und geht aus Hornberger Schießen, und Buttermilch alias Stephan nnrö Schweizer Professor. invdrr«« Volitisch-soziale Radikalismus, in welchem unsere ivlwd».. chsritter sich gefallen, ist seiner Absicht nach ver- »ii w"''td?r scharfen Kritik, welche die Sickingen und Genossen lich,'Zuständen ihrer Zeit übten. Der„Karsthans" und ahn- ideist» ttschristen jener Tage, wie sie n. a. der glänzendste, §11)»'"uglücklichste Vertreter des niederen Adels, Ulrich von tzrfo)„ die Bauern schleuderte, um diese, naturgemäß ohne '»tnJ' für die Sache der Reichsritterschast zu ge- biir«,"' stnden ihr Gegenstück in der Literatur des klein- Pittelt" Sozialismus, welcher mit den Arbeitern lieb- �.r'.UM sie als Sturmböcke gegen die Festuugsinau-rn der bir». zu benützen, und der ihnen ein ZukuustSbckd aus- eisern'%. welchem im Grunde die Arbeiter nichts sind, als das °-»'eh aus den Domänen des Kleinbürgerthums. troaZ'ß'st unser petit bourgeois in der Durchführung seines Die �'"'"s. kleinliche Zwecke mit kleinlichen Mitteln zu erreichen. weiter?°"klappen einer beschränkten Klaffenselbstsucht. die mcht l-Mais�ht. als seine Nase reicht, hindern ihn. von se.ncm Wege iuiw- �lnvelcheu, und ivenn anders die Folgerichrigkeit der Hand- 8.ä''S ÄATt» s Hirnen der Kleinbürger eine Summe von altväterlichen Vor- stellungen ay, deren Kraft um so stärker wirkt, je länger sie auf- gespeichert ist. Diese Erbschaft ist von verhängnißvollem Einfluß für den Klassenintellekt, in die geistigen Borgänge mischen sich Wahnvorstellungen, das Thun und Lassen, das Empfinden und Wollen geräth unter den Bann pathologischer Beweggründe. So bildet sich eine kleinbürgerliche Moral und eine kleinbürgerliche Politik. Der treffliche Griesinger bestimmt die Illusion als die falsche Deutung äußerer Objekte. Diese Verkehrtheit der Wahrnehmung und die dadurch erzeugte Störung der Erkenntniß findet sich nicht nur beim einzelnen Menschen, sondern auch bei gesellschaftlichen Gruppen. Im Eifer des Kampfes, des literarischen wie des poli- tischen, in Zeitungen wie aus der Rednerbühne des Parlaments, ist die stillschweigende Annahme beider Parteien, daß der Wider- pari arglistig handle, daß er zwar von der Falschheit seiner, der Richtigkeit der gegnerischen Ansicht überzeugt sei, aber aus selbstsüchtigen Gründen dies nicht eingestehe. Der Krieg kennt keine andere Kampfesweise, und ihre Berechtigung liegt in ihm selbst begründet. Die wissenschaftliche Betrachtung kann ruhig feststellen, daß die Fehden des öffentlichen Lebens, die Konflikte der politischen Parteien, wirthschastliche Jnteressenkämpse sind, bei ivelchen es sich hier um die Behauptung, dort um die Eroberung der Macht handelt. Aber die Wissenschaft hat auch die Pflicht, rücksichtslos darauf hinzuweisen, daß lhatsächlich jede Partei, als Masse genommen, von der Wahrheit und Güte ihrer Ab- sichten, Ansichten, Ziele vollkommen überzeugt ist. Der wirthschastliche Faktor ist ein Erzieher, welcher die Lehrsätze der sozialen Gruppe, zu welcher der Schüler gehört, mit großem Geschick einprägt. Nun ist es eine landläufige Erscheinung, daß die Menschen dasjenige, was ihnen und ihren Klassengen offen nützt, auch für etwas Alle» Nützliches halten, da sich jede noch so kleine Gruppe nur zu leicht mit der Gesammthcit aller Gruppen verwechselt, so daß sich eine Handvoll Leute als Nation, oder ein Anacharsis Cloots als Redner des Meeschengefchlcchts proklamirt. Rechnet man dazu das mächtig»virkende Gesetz der Vererbung, das unterstützt wird durch die in verschiedenen Klassen bis in's Grauenhaste getriebene Inzucht, zieht man serner in Betracht, daß die Herrschenden das lebhafteste Interesse daran haben, mit allen ihnen zu Gebote stehenden Mitteln die Erziehung und Begriffs- bildung zu beeinflussen, so ergiebt sich daraus, daß der Klassen- intcllekt verkümmert und in spanische Stieseln eingezwängt wird. Diese Vorstellungswelt, vom sausenden Triebrad des ökonomischen Interesses unaufhaltsam beivegt, ist der beste Nährboden der Illusion. Unter dem Zwange derselben verschieben sich die Bilder der Anßenivelt, verzerren sich wie in einem Hohlspiegel die Be- griffe, verkrüppelt das Empfinden. Niemand wird so thöricht sein, den Menschen einen Vorwurf daraus zu machen, daß sie an den Sternen Strahlen sehen, obgleich dies vom Standpunkt der physiologischen Optik ein Fehler ist, da dieStrahlen nur Abbilder vom strahligen Van der menschlichen Krystalllinse sind und mit denGestirnen gar nichts zu thun haben. Wir machen Niemand einen Vorwurf darüber, daß die Faserzüge der Linse eine sechsstrahlige Anord- nung haben. Was für das physische, gilt aber auch für das geistige Sehen. Das gentige Auge, angepaßt an das Klassen- interesse, die Klassenlage, die Klassenüberlieserungen, ist gar nicht in der Lage, anders zu sehen, und die Hirnthätigkeit der Durch- schnittsindividnen jeder Klasse— diese aber bilden die Mehrheit — vollzieht sich nach diesen festen, unwandelbaren Gesetzen. Nach festen, unwandelbaren Gesetzen, solange der eiserne Reif der Klassenselbstsucht den Einzelnen umklammert. Der Gegensatz zwischen den ehernen Naturgesetzen und den geschichtlichen Ge- setzen des Mcnschengeistes tritt hier offen zu Tage. Sehen wir ab von den Fällen, in welchen sittlich und geistig kräftigere Menschen die Klassensesiel brechen, so kann die Umwälzung des Beivußtseins dann erfolgen, wenn das Individuum aus seiner Sphäre herausgeschleudert, wenn es deklassirt wird. Wir sagen, die geistige Revolution kann eintreten. Nicht immer geschieht es und ivenn es auch geschieht, öfters nicht auf die Dauer. Die aristo- kratischenEmigrantcndersranzösischen Revolution.die das salzigeBrot der Verbannung aßen, waren als Schulmeister, Haarkräusler, Tanz- lehrer und Pastetenbäcker thätig. Nachdem der Korse am Boden lag, zogen sie als Vollblutjunker in Frankreich ein, hatten, wie ihre Herren, nichts gelernt und nichts vergessen und heischten von dem ausgesogenen Volk eine Milliarde als„Entschädigung". Der spanische Hidalgo, zu Grunde gerichtet und arm wie eine Kirchen- maus, regt keinen Finger, um durch irgendwelche Arbeit sich sein Brot zu erwerben, sondern läßt durch einen Bedienten für sich betteln, wie der Schelmenroman des Lazarillo von Tormes es so anschaulich schildert. Sieht man ferner nicht, daß die Kopfarbeiter, so jammervoll auch ihre Lage oft ist und so sicher ihre Zugehörigkeit zur lohnarbeitenden Klasse, dennoch in ver Regel die gewandtesten, eifrigsten Geschäftsführer der Besitzenden sind? Nun ist ja unleugbar die Ursache dieser Er- schciuung in sehr vielen Fällen die Sucht, sich, sei es auch auf Kosten der Wahrheit, ein mehr oder minder sicheres Einkounnc» zu verschaffen. Häufig genug aber hängen diese Leute nur des- halb noch an der Nabelschnur der Bourgeoisie, weil die richtige Einsicht in ihre Klassenlage ihnen völlig abgeht. Oder wie will man es verstehen, wenn ein junger Kaufmann, der vielleicht die englische und französische Sprache beherrscht und in seinem Fache Tüchtiges leistet, sich ohne Kündigungsfrist für einen Hunger- lohn von fünfzig und sechzig Mark monatlich und bei einem fast bis zur Naturgrenze ausgedehnten Arbeitstage verdingt, wie dies in Großnädten alle Tage vorkommt, und daß dieser Mann, seiner Stellung nach durchaus Proletarier, mit tiefer Ver- achtung auf den Schlosscrgcsellen hinabblickt, der vielleicht inonat- (ich bei zehn- bis elfstünd»gcr Arbeitszeit einhundertzrvanzig Mark verdient! Tie Macht der mit der Muttermilch eingesogenen Vor- urtheile, alles das, was wir unter dem Begriffe der Illusion zu- sammenfasscn, scheidet diesen Deklassirten von der Arbeiterklasse, zu welcher er thatsächlich gehört und nöthigt ihn, denjenigen, welche ihn ausbeuten, Heeresfolge zu leisten. Tie Nutzanwendung dieser allgemeinen Bemerkungen auf das Kleinbürgerthum ist leicht zu machen. Wir hatten oben den Satz aufgestellt, daß sich unter dem Einflüsse des sozialen Mittels eine eigene kleinbürgerliche Moral und Politik bilde. Wir wolle» unter Moral das Gebiet des individuellen Handels, unter Politik die Sphäre des öffentlichen, kollektiven Handelns verstanden wissen. Der Individualismus der bürgerlichen Gesellschaft findet sich in den Normen verwirklicht, ivelche die Lebensführung des Kleinbürgers bestimmen. Tie Loslösnng des Einzelnen von der Gesannnthcit, die Vereinsamung des Individuums, das ganz auf sich angewiesen nur Sinn hat für die Außenwelt, soweit sie sein Ich und die Accidenzen seines Ich betrifft, entfaltet sich hier zur reichsten Blüthe. Die Sozialethik gilt als Unding, die isolirte Wirthschaft wird als Ideal der Ethik betrachtet, der Nutzen und die Glückseligkeit beherrschen als oberste Grundsätze der Persön- lichkeit. Wie in der urwüchsigen Hausindustrie des platten Landes, heute noch lebendig rn Halb- und Ganzasien, alle ökonomischen Bedürfnisse von dem Einzelhanshall selbst gedeckt »verde», so fordert die kleinbürgerliche Moral, daß alle sittlichen Bedürfnisse von der Einzclivirthschast befriedigt»verde». Zer- rissen sind die innigen Bande, welche den Einzelnen an die Ge- nassen knüpften, dafür gelangte die Idee des„guten Familien- vaters", für welchen unsere Romanisten so sehr be- geistert sind, zur unumschränkten Geltung. Wie hatte es auch anders kommen können? Der Kanips um das tägliche Brot, jede Stunde mit größerer Erbitterung aus- gefochten, mußte zur Vereinzelung führen. Die kapitalistische Pro- duktion warf rücksichtslos die alten Götterbilder in den Staub, stürzte die Tempel der ständisch gegliederten Gesellschaft und be- gann ihre Hexentänze auf den Trümmern der Vergangenheit. Ihr war nichts heilig, als der Mammon; was für die Ewigkeit er- richtet schien,»varf sie ohne weiteres in die Rumpelkammer, sie verflüchtigte die festesten Begriffe, sie revolutionirte das nrirtp« schastliche System und sie revolutionirte dadurch die Köpfe. T-yr Handwerksmann, welcher in der dumpfen Enge seines Städtchens sein kärgliches, aber sicheres Einkommen gefunden, mußte sehen, wie eine Schranke nach der anderen siel, die unangenehmen Wettbewerb ihm ferngehalten, der Qualm der Fabrikschlöte raubte ihm die Lebens- luft, der Boden wankte ihm unter den Füßen. Aehnlich erging es dem Krämer, ähnlich dem kleinen Landwirth, die alte Gemüth- lichkeit, der Schlendrian der früheren Zeiten waren unwiderruf- [ich dahin. War die genossenschaftliche Vereinigung zerstört, wozu bedurfte man dann einer genossenschaftliche» Moral? Einer gegen Alle, Alle gegen Einen»vurde die Losung. Da sich der Nahrungsspielraum verengte, so wurde auch die Grundlage, auf welcher das Ethos sich aufbaute, schmäler: keine Verpflichtung gegen Geiiosseii trat warnend dem Elnzelne» entgegen. Der Stachel der ungezügelten Selbstsucht drang ohne Widerstand zu finden in die Gemüther, und daß dies geschah, ergab sich aus den Verhältnissen. Wollte der Kleinbürger sich auf der Ober- fläche halten, so mußte er nicht achtend der Anderen, die mit ihm in dem gleichen Strudel trieben, die Fluthen rücksichtslos theilen. Der Untergang sollte verhütet, das Dasein gefristet werden. Die heftigen Augriffe, welche der beutelüsterne Großbetrieb gegen den kleinbürgerlichen Besitzstand richtete, steigerton die Angst, den Groll, die Leidenschaften der Bedrohten. Die drückende Sorge, das Bischen Hab und Gut, die Scholle Erde, die dürftige Werkstatt, das Häuschen, das von einem Geschlecht auf das andere sich vererbt hatte, zu verlieren, bildet die G r u n d st i m m u n g. Die Zähigkeit,»nit »velcher solch ein Kleinbürger sich an seinen Besitz»mV an die Zugehörigkeit zu der Kaste klammert, welche ihn nieinals für voll ansieht und sich seiner nur in Stunden der Gefahr erinnert, rvo man schlvielige Fäuste und blinden Gehorsam brauchen kann, ist sein besonderes Merkmal. Um emporzukoininen, Neichthuin auf- zilhäusen, eine glänzende Stellung einzunehmen, Ehrenstellen und einflußreiche Aemter, prunkende Titel und a»ldere Gnaden- bezeugungen z»» eriverben, sind gewisse Durchschnittsmengen von Kapital oder»vissenschaftlicher Bildung, oder eine Reihe von Ahnen nöthig. Diese Bedingungen aber sind, von der großen Masse der Kleinbürger, und von dieser»vird gesprochen, nicht zu erfüllen, sie ist gezivungen, in dein niederen Kreise zu verharren, »velcher mit dem Kleinkram des GelderiverbS sich tagaus tagein zu mühen hat. Diese Sphäre gleicht der Abtheilung der Münze, ivo die Bronze, das Kupfer und Nickel verarbeitet»verde», »vährend die Großbürger die Banknotenpresse und die Prägstöcke, auf»velchen das gleißende Gold und das»veiße Metall geschlagen »vird, für sich in Anspruch nehmen. Ein gutes Wort des deutschen Mittelalters, das leider aus dem Sprachgebrauch ausgeschieden ist, bezeichnet»vohlfeile Waaren als Pfennig- »verlh. Man könnte uiisere Klasse den sozialen Pfennig- »verth nennen. Mit scheuer Ehrfurcht und duinpsem, thaten- losen» Aerger, der unbeivußt in den Herzen»virkt und nur stoßweise zum Ausbruch kommt, blicken die Parias der Kapitalisten- klaffe zu den Mächten empor, welche alle Schätze der Erde auf» speichern, alle Genüsse der Kultur durchkosten und von ihren Schreibstuben, Waarenlagern, Fabriken und Komptoirs die Welt regieren. am Besitz,»velcher den Kleinbürgern empfinden sie um so stärker und des Besitzes. Sie sehen,»velche kraft seines Wohlstandes verschafft, sie müssen in ihrem' Erwerb erfahren, wie peinlich der Mangel an genügend großen Betriebsmitteln, das Fehlen ausreichenden Kredits, den Druck der großge>verblichen Konkurrenz in ihre eigenen Lebensbedingungen eingreift. Die stündliche Drohung» »velche ihnen vor Augen steht, daß sie im Kainpf um's Dasein so leicht von übermächtigen Gegner» zur Strecke gebracht»verde» können, erzeugt ein aus Neid, Furcht und Ergebung gemischtes Gefühl der Bewunderung für den Besitz. Diese Bewundentng giebt sich kund in der Demuth vor den Mächtige», ivelche von diesen klug benutzt»vird, um die Demüthigen»n daS Joch der Knechtschaft einzuzwängen. In diesen» Zustand der Ab- hängigkeit erblicken sie»n den Herren die einsichtsvollen, berufenen Leiter deS Gemeimvesens und find ihres Rufes gewärtig, sei es,' daß sie die Flinte auf die Schulter nehmen, um wirkliche oder angebliche Feinde zu bekriegen, sei es, daß sie bei öffentlichen Kundgebungen zur Verherrlichung der Gebieter die jubelnde Staffage bilden, ivelche das nothwendige Erforberniß der offiziellen Begeisterung ist, sei es, daß sie bei Wahlen zu öffentlichen Körper- schaften ihre Stimmzettel für die Machthaber oder deren Beaus-, kragte in die Urne legen. Das Gefühl der Abhängigkeit pflegt die Freiheit der Entschließung herabzudrücken, in- dem es in den Kreis der Beweggründe,»velche den. Willen bestiimnen, unsittliche Motive einführt. Denn es ist ein von Allen anerkannter Sah, daß derjenige unsitt- lich handelt, welcher aus Rücksicht auf Gewinn oder aus Furcht vor einem Verlust gegen seine Uebcrzeugung etwas thut oder unter- läßt. Theoretisch genommen ist die Uebereinstimmung hierüber eine allgemeine. Iii» praktischen Leben jedoch,»vclches in seiner jetzigen Gestaltung nur Herren und Diener kennt, ist der Verstoß gegen das allgemein anerkannte Gebot so alltäglich,»vie das Aus- steigen der Sonne an» Horizont oder der Zug der Wolken. Es ist nicht nothwendig, daß der Mächtige,»vie Ludivig XIV., in Stulpenstiefeln und mit der Reitpeitsche in der Hand ei»»vider- spenstiges Parlament zur Eintragung eines Gesetzes zivingr. Es giebt viel»virksamere, unauffälligere Mittel, um zun» Ziele zu gelangen. Die ökonomische Geivalt, ivelche die Neichen haben, ist ein Zauberseil, an welchem sie die Kleinbürger nach ihren» Be- lieben leite». Neichthuin ist Macht, sagt schon Hobbes. Die Dienst- barkeit stumpft ab, je länger sie dauert, der Versuch, Widerstand zn leisten,»vird schivächer und seltener, die Dumpfheit des ge- dankenlose» Kadavergehorsams beherrscht die Geister. Zu dieser Unterwürfigkeit tritt ein anderer Faktor, die Eitelkeit. Sind die Kleinbürger auch nur vergleichbar dem Dienerschwaru»,»velcher in denVorzimmern undHösen der Großen sich dräiigt, gelange» sie auch niemals in die goldene» Hallen der Paläste, so fällt doch auf sie der letzte Schimmer irdischen Glanzes. Wie d»e»n» Dienst cineö vornehme» Hauses alt und grau ge- »vordenen Lakaien in der ersten Person rede»,»venn sie auf Vor- gänge»m Innern der Familie,»velcher sie dienen, zu sprechen kommen, so fühlen die Kleinbürger sich als die Bedienten des GroßburgerthUnis, das ihnen dann und»vann herablassend zunickt und ihnen gar bei wichtige» Gelegenheiten die Hand schüttelt. So unuberfleigbar die Schranke ist, welche sie von den Besitzen- de" trennt, so werden sie dennoch von dem hellen Licht, das diese ausstrahlen, angezogen»vie die Motte» von der Flamme der Weil nun der Antheil eignet, so zwerghaft ist, nachhaltiger die Macht Vortheile der Reiche sich Lampe. Ihre Abneigung gegen die lohnarbeitende Klasse mächst in demselben Verhnltnib. in welchem die Scheidewand zwischen ihnen dünner wird. Sie verachten diejenigen, von deren 1° Arbeit sie leben und furchten sich, ihnen gleich zu werden; näher der Fall, desto starrer der Hochmuth. Darum findet sich gerade in diesen Kreisen eine tief eingewurzelte Gehässigkeit gegen die Lohnarbeiter, welche, weil sie von kleinlichen Naturen im kleinlichen Kreis der gemeinen Nothdurst des Daseins gehegt wird, um so grober, verletzender und abstoßender zum Ausdruck kommt. Knechtssinn und Eitelkeit aber paaren sich mit einem weit machtigeren Motiv, ans welchem sie immer frische Lebenskraft saugen, nämlich mit dem wirthschaft- kichen Jnter e ss e und der Illusion des wirthschast- lichen Interesses. Man weiß, wie ängstlich die Kleinbürger ans die Behauptung ihrer gesellschaftlichen Stellung bedacht sind. Diese Stellung wird um so gefährdeter, je weiter die heutige Mirthschastsweise fortschreitet, und je häusiger und länger die Ficberanfälle der Krisen den siechen Leib unserer Gesellschaft er- schlittern. Rette sich wer kann, heißt es auf dem Schlachtfeld der Industrie und des Handels. Alle Mittel, auch die niedrigsten und verächtlichsten werden angewendet, um den drohenden Sturz aufzuhalten. Da wird der Lohn verkürzt und die Bedrückung der Arbeitskräfte bis zum Aeußerslen getrieben, da wird beim Waarenverschleiß gefälscht und gemischt, gelogen und betrogen, um einige Quentchen zu unterschlagen, ein paar Heller zu ge- Winnen, da wird der auf Kredit angewiesene Kunde übervortheilt. Die kleinen Fabrikanten in Stockport, von welche» Boulton erzählt, daß sie das aus!irämermarken bestehende Kupfergeld zu dem Nennwerth von 36 Schilling für 20 Schilling in Silber auf- kauften und damit die Löhne ihrer Arbeiter auszahlten, sind typische Bilder. Die Begierde des Kleinbürgers, sich aus seiner Maulwurfshöhe festzuhalten, wächst proportional seiner Fall- geschwindigkeit. Bei den verwittertsten Schichten, welche der Gefahr, abzu- bröckeln und von dem Gießbach der Verarmung sortgerissen zu werden, am meisten ausgesetzt sind, schaltet die Herrschast der Illusion schrankenlos. Selbsttäuschung und das Verlangen, Andere zu täuschen, gehen jetzt Hand in Hand. Die als Glaubenssätze überlieferten Klassenvorurtheile und Klassen- ansichten wirken mit verdoppelter Gewalt, nun der Untergang bevorsteht. Der Vorgang der Abbröckelung ist ein alltäglicher, und es bedarf kaum dcS Hinweises auf die Statistik der Konkurse, auf die Vernichtung des Kleinbetriebs durch den Großbetrieb, auf die zahlreichen Urkunden der Wirth- fchastsgeschichte, welche so beredt die Zersetzung einer gesellschastlichen Gruppe zeigen, die ihre Zeit erfüllet hat. Wie aber der Schwindsüchtige bis zum letzten Äugenblick an die Wiedergenesung glaubt, und jedes Aussetzen des UebelS für ein Anzeichen der Gesundung hält, so schwelgt auch das Kleinbürgerthum, welchem der hippolratische Zug deutlich schon in's Antlitz geschrieben ist, in Hoffnungen, die sich nimmer- mehr verwirklichen werden. Da fein ganzes Thun und Treiben auf Knechtschaft und Un- Wahrhaftigkeit gegründet ist, so muß die Kunst der Verstellung, die Heuchelei eine Klasseneinrichtung werden. Die Aufrechterhaltung des äußeren Scheines, dieses Surrogats der sitt- lichen Würde, ist eine treibende Kraft im Leben der kleinbürgerlichen Seele. Reputation und Respektabilität zählen zu den hervorragenden Glaubensartikeln, und ein Verstoß gegen dieselben wird schwerer geahndet, als unsittliche Handlungen. Wie die kleine Bourgeoisie überhaupt eine Travestie der großen Bourgeoisie ist, so verzerrt sie auch die konventionellen Lugen der leyteren unter Zerftörnng ihrer gefälligen Formen zu einer widerlichen Fratze. Die spanische Grandezza der kleinbürgerlichen Etikette geht da auf Stelze», wo großbürgerliche Lebensart aus Stöckelschuhen einhertrippelt. Der Zwang, sein Wesen stets in einen bestimmten Faltenwurf zu kleiden, verdirbt das Gemüth und zerstört die Gradheit der Gesinnung. Die ängstliche Rücksichtnahme auf das Urtheil der Leute, d. h. der nächsten Umgebung, der Sippen und Magen, der Freunde und Bekannten— denn dieser kleinste Kreis bildet für diese Menschengatlung ihre Welt— beeinflußt ungünuig das Thun und Lassen des Individuums. Wer bei jedem Schritt, welchen er macht, sich die Frage vorlegt, was die Anderen dazu sagen werden, dessen Handlungen werden nicht die frische Farbe der freien Entschließung tragen. Wenn nur nach außen hin die Vor- schriften der Sitte beobachtet werden, so mag die Sittlichkeit in die Brüche gehen. Welche Folgen diese Fäulniß der Gesinnung hat, dies tritt bei den vielen Tausenden nicht offen zu Tage, die ein glücklicher Zufall, nicht eigenes Verdienst vor schweren sittlichen Kämpfen be- hütet. Wo aber das Ungewitter eines Konflikts mit ursprüng- l icher Gewalt sich über dem Haupte eines solchen Menschen ent- ladet, dann enthüllt sich mir blendender Klarheit der sittliche Bankerott. Dieser Bankerott ist aber, wie das Boraus- gegangene lehrt, kein rein individuelles Bergehen, er ist ein Stück der Ko llektiv s ch ul d, die einmal offen zu Tage ge- treten ist. Ist der erste Schreck vorüber, enthüllt kein Blitz mehr den Abgrund, an welchem sie Alle einherivandeln, so sucht man rasch zu vergessen und in alter Weise fortzuleben, bis es wieder einmal am Horizonte wetterleuchtet. Reputation ist auch das Sesam, welches uns die Geheimnisse des kleinbürgerlichen F a m i I i e n g l ü ck e s erschließt. Die lltomanschreiber haben»nt holländischer Behaglichkeit seinen lieblichen Frieden geschildert, die Dramatiker Häven es auf die Bühne gebracht, und die Moralisten empfehlen dasselbe als ein untrügliches Mittel gegen soziale Gebrechen. Nun gewinnt zwar der unbefangene Beobachter den Eindruck, daß im besten Falle drückende Langeweile den Hauptbestandtheil derartiger Idyllen ausmacht, aber es ist schwer, sogar sonst aufgeklärte Köpie über den wahren Sachverhalt aufzuklären. Die siehenden Gestalten des strengen, aber herzensguten Hausvaters, der geschäftigen Hausfrau sind zu sehr in Fleisch und Blut unserer Borsiellungen ubergegangen, als daß man so leicht die geistige Oede des Phitlsierglückes erkennte. Tie Bourgeosie halt besonders zäh daran fest, gleichsam als sollte diese Fiktion für den Mangel solcher Freuden in der großbürgerlichen Ehe entschädigen. Nun kommt es aber nicht attzuselteu vor, daß Phitemon, wohlver- standen heimlich, und ohne die Respektabilität zu schädigen, ein grundlüderlicherl Philister, und Bands eine alberne Gans ist, deren geistiger Horizont nicht über die Häringstonnen ihres Kramladens hinausreicht. Es trifft sich serner nicht selten, daß großangelegte Naturen in der Enge der Verhältnisse deshalb zu Grunde gehen, weil sie die Schranken nicht niederzuwerfen wagen, weil die ario, oattiva der kleinbürgerlichen Versumpfung ihre Hand lähmt und ihre Energie bricht. Tie Reiche» und die Besitzlosen sind weit eher in der Lage, sich hier freie Bahn zu schaffen, jene weil ihr Geld ihnen größereu Elnbogenraum gewährt, und weil die Bourgeoisie vor einem Skandal nicht so leicht zurückschreckt, die ganz Armen deshalb, weil ihre geschlechtlichen Beziehungen nicht durch Vermögens- rechtliche Rücksichten bestimmt werden. Di- Pienmgsuchsem des Kleinbürgerthums spielt bei Familiengrüiidunge» eine weit größere Rolle, als man gewöhnlich anzunehmen für gut findet, und die Welt erlebt deshalb seltener Trauerspiele, weit um so viel mehr schamhast-unentschlossene Seelen in stiller Ver- zweiflung sich verbluten. Doch nehmen wir an, Philenion sei ein Normal-Philemon und seine Bands eine kleinbürgerliche Mustergattin und Mustermutter, so lastet über der Familie der /Druck der Sorgen um das tägliche Brot, und die bleierne Langeweile. wie sie nothwendig erscheint da wo kein srischer Lu,tzug weht und das geistige Leben einem stillstehenden Was, er an einem heißen Sommertage gleicht, wo nur selten für flüchtige Augenblicke ein Windhauch die Oberfläche kräuselt. Die Kinder- «rziehnng bewegt sich nach der Schablone im ausgetretenen Geleise, die»SpröblingeZ wachsen auf in den gleichen Ideen, den gleichen Neigungen, den gleichen Vorurtheilen, wie ihre Eltern, wie ihre Voreltern. Das Endziel des Klein- bürgers nicht blas in Frankreich ist das behagliche Phäaken- dasein eines Rentners, der friedlich unter den Mitphilistern sein Dasein beschließt, nachdem er die übliche Zahl Kinder in die Welt gesetzt, seine Steuern mehr oder minder gewiffeuhasl ent- richtet, kurz und gut seine geschichtliche Aufgabe, ein Reibungs- widerstand der modernen Kulturbewegung zu sein, für ein Theil erfüllt hat. Die Erfahrung lehrt, daß die Hoffnung der Meisten, dieses Ziel zu erreichen, eine eitle ist, oa der Weg durch zahlreiche Hindernisse versperrt ist, und Viele sterben, ehe sie das gelobte Land auch nur von ferne mit brechendem Auge geschaut haben. Die unruhige Hast unserer Periode, in welcher kaum die Reichen festen Grund unter den Füßen haben, duldet nicht mehr, daß Chodowiecki'sche Kupfer sich in athmende Wirk- lichkeit umsetzen. Ein Staatspapier nach dem anderen wird konvertirt, Schuldbriefe fremder Staaten werden plötzlich durch die den Herrschenden dienstbare Presse als unsicher bezeichnet, nachdem sie zuvor von derselben Presse warm empfohlen worden sind, der Zinsfuß sinkt von Jahr zu Jahr. Die deutschen Lebensversicherungs-Gefellschasten, welche im Jahre 1874 noch 5,03 pCt. für ihre Ausleihungen erhalten haben, bekamen im Jahre 1838 nur noch 4,29 pCt., und in ihrem amtlichen Bericht sagen sie:„Die Stetigkeit dieser Abwärts-Be- wegung ist ungemein bezeichnend und läßt auf tiesivirkende Ursachen schließen. Die Möglichkeit einer dauernden Wiedererhebung des Zinsfußes darf jetztZund für absehbare Zeit als ausgeschloffen gelten. o scharf die Illusion mit den Thatsachen kontrastirt.so läßt sie sich doch nicht aus den Köpfen entfernen. Die Summe der Erfahrungen muß eine weit größere werden, eine Weltkrisis muß Aufklärung chaffen, ehe man der Erwartung Raum geben darf, daß das Trugbild des Rentnerthums als solches von der Mehrzahl erkannt werde. Vorläufig wird unser Manchaner, auch wenn er mit zer- chnndenen Gliedern im Straßenstaube liegt, immer noch be- theuern:„Dulcinea ist das schönste Weib der Welt." Und bei der Zähigkeit der Wahnvorstellungen in dieser Kaste steht zu be- 'ürchten, daß auch der kleinbürgerliche Don Quijote erst zur Be- Innung kommen ivird, wenn seine Todesstunde schlägt. Loktrileis. Eiseiibahn-Zliigiilist auf dem KahiiliofiMiliiirrsdorf- Friedeiiau. Vorgestern Abend ereignete sich auf diesem Bahn- Hofe ein Unglück, wie solches von allen Kennern der Verhältnisse angesichts der überaus mangelhaften räumlichen Einrichtungen des Bahnhofes schon längst befürchtet worden ist. Ter fahrplanmäßig 9 Uhr 16 Minuten Abends die Station Wilmersdorf- Friedenau erreichende Personenzug Grunewald- Anhalter Bahnhof fuhr un- mittelbar vor der Station am Endpunkte der nordwestlich des Bahnhofes befindlichen Straßenbrücke in einen Güterzug hinein, der auf dem Rebengeleise rangirle und dessen letzte Wagen hier- bei etwas zu weit zurückgestoßen waren. Dieselben geriethen durch die das Nebengeleis abschließende englische Weiche hinvurch auf das Personengeteise; der letzte Wagen war eine offene Lowry und mit Dünger beladen; vor demselben befand sich eine Reihe bedeckter, leerer Güterwagen. Der Düngerwagen wurde von der Masckiine des herankommenden Zuges völlig zerschmettert; seine Bruchstücke bedecklen nebst der Ladung Lokomotive und Bahn- strecke, und der nächste leere Wagen ging auch noch in Trümmer. Die Lokomotive wurde ganz erheblich beschädigt, das Hintertheil derselben— sie fuhr rückwärts— drückte sich platt gegen den Kessel; die vorderen Personenwagen erlitten namentlich Schaden an Puffern und Stirnwandungen. Von den Fahrgästen des Zuges ist Niemand verletzt worden, bedauerlicher Weise aber vier von den Zugbeamten, und zwar der Lokomotivführer Morabel, welcher, von den ausströnienden Dämpfen völlig verbrüht, todt blieb, der Heizer und zwei Schaffner. Morabel hatte noch, als er die Wagen plötzlich dicht vor sich in das Einfatzrtsgeleis ein- schwenken sah, gebremst und muß sich dann durch Herabspringe» von der Maschine zu retten versucht haben; man fand ihn erst nach langem Suchen unter einem Hausen Dünger, der ihn mög- licherweise erst erstickt hat. Auch der Heizer wurde erst spater be- wußtlos ein Stück rückwärts auf der Strecke aufgesunden; er hat anscheinend schwere Verletzungen am Kopfe und Oberkörper erlitte». Der eine der beiden Schaffner, der sich ganz vorn am Zuge befand, soll einen Rückgratbrnch erlitten haben, der andere zerschmetterte sich den Fuß beim Herabspringen vom Sitze, als er die Gefahr erkannte und sich in Sicherheit zu bringen suchte. Morabel hinterläßt eine Frau und zwei Kinder. Nach dem Unfälle, der für den Rest des Tages die betroffene Strecke unsahrdar gemacht hatte, wurden alsbald die Aufräu- mungSarbeiten in Angriff genommen und die Stacht hindurch bei Fackellicht so weit gefördert, daß heute früh die Geleise wieder >m waren. Die zerquetschte Lokomotive stand noch auf dein letzten Geleise; an der Nordosiseite der Geleise bildeten ausge- hauste Wagentrümmer und Dünger einen hohen Wall. Der Betriebs-Jnspektor traf Nachts 12 Uhr aus der Unglücksstelle ein; dew Verwundeten war ärzliche Hilfe thunlichst rasch zu Theil ge- worden. Dem„Verl. Tagebl." wird hierzu von einem Augenzeugen geschrieben: „Es war nach 9 Uhr. Ich saß in meinem, dem Bahnhof ungefähr gegenüberliegenoen Zimmer und hörte den fahrplanmäßig »in diese Zeit hcrannayendcn Grunewaldzug rollen, er fuhr wie eine schillernde Schlange mit seinen helllenchtendenKupec�ensternauf dem hohen Damm, gerade dort, wo jetzt die neue Ueberführnng zwischen Friedenau und Wilmersdorf geoaut wird, da— ein gewaltiger diiinpier Knall, ein krachendes Knistern und dann unheimliche Stille— ich sah den Zug stillstehe». Aber aus dem Schlot der Maschine lohten gluthrothe Feuergarben und eine mächtige weiße Danipswolke zum näastlicven Himmel empor. Im Nu hatte ich den Hut zur Hand und eilte die wenigen Schritte zur Unglückssielle hinüber. Schon von Weitem sah ich dunkle Schatten den Damm herabeilen, rufend und schreiend. Als ich heran ivar, hörte ich, daß es Gymnasiasien waren, die eine Grunewaldpartie ge- macht hatten. Sie riefen einander an in der Absicht, sich zu sammeln and zu sehen, oo vielleicht einer der Ihrigen fehle.„Was ist denn passirt?" sragte ich den Ersten.„Ja, ich weiß selbst nicht", gav er zur Antwort und zitterte dabei vor Erregung. Doch ich sah bereits vor der Ueoerbrückung, deren erst neu gebautes Geländer mehrere durchbrochene Stellen zeigte, bis Trüminer eines Guterivagens liegen. Die schweren Hclzstncke und Eisentheile waren herabgeschleudert. Steine und Sandsieinsiiesen von mehreren Zentnern mit sich reißend, und im Stiecerfallen zertrümmerten sie die nninittelbar vor dein Lager stehende Straßenlaterne. Merkivürdig — der eiserne Korb mitstimmt den Scheiben war total zer- trnininert, aber die Petroleumlampe barinnen brannte weiter und leuchtete nach wie vor, als sei ihr nichts geschehen. Ich eilte jetzt den Damm hinauf. Biete Passagiere kamen wir entgegen.„Wir waren ja drin, freilich."—„Ich habe einen tüchtigen Stoß be- kommen."—„Was ist denn eigentlich passirt, ist der Kessel ge- platzt?" so schwirrte es durch einander. Ein alter Herr wurde barhäuptig von zwei jüngeren den Damm hinunter geleitet. Doch schon waren Beamte erschienen mit Laternen, so daß man das Unglück einigermaßen üversehen konnte. Der Zug war auf eine mit Dünger beladene Lowry und einen leeren geschlossenen Güter- wagen gefahren, hatte beide in tausend Stücke zerschmettert und ivar dann zum Stillstand gekommen. Tie Personenwagen des Zuges waren, so weit man dies in der Dunkel- heir erkennen konnte, so gut wie gar nicht be- schädigt und standen sammtlich hell erleuchtet noch auf dem Geleise, gerade aus der Ueberführnng. Die Maschine ivar aber aus den Schienen gesprungen und diese selbst zerbogen, wie mau einen dünnen Draht zerbiegt. Ten Tender hatte die Wucht des An- pralls zusammengeslaiicht, namentlich an der rechten Seite— die Maschine fuhr rückwärts—, wo der Maschinensnhrer seinen Platz hat. Alle Armaturen waren zerbrochen, verbogen oder iiieine»� gequetscht, so daß der Dampf mit starkem Zischen und P5? aus dem Kessel entwich und Niemandem gestattete, vorerst hi« zusteigen. Rechts, links und vor der Maschine lagen wüste Tr»-- inerhaufen, zwischen denen nun Leute hm- und hersuchten, w Verunglückte hervorzuholen. Glücklicher Weise war von Passagieren Niemand erheblich verletzt, der Bremser war tw. »eilig herabgesprungen und wird wohl ebenfalls mit dem 6# davongekommen sein, aber der Heizer, der sich auch durch Sprung zu retten suchte, erlitt schwere Verletzungen» Arm und Kopf: Ich sah ihn an die Wärterbude gel?« """ �--2----- �-w v— HM stehen, Dann wie er sich mit der einen Hand den Kopj führte man ihn hinweg, um ihm den ersten du anzulegen. Aber der Maschinenführer—„Wo'st, � Maschinenführer? hat Keiner den Maschinenführer gesehen e so fragte man hin und her. Keine Antwort. Nun begann eifriges Suchen unter den Trümmern, doch eine halbe verging, ohne daß man von ihm eine Spur entdecken lo» „Hier unter dem großen Haufen müßt ihr suchen! nes ein. amter,„hier muß der Führer liegen."—„Das haben wir" schon abgesucht, da ist er nicht," lautete die Antwort, uno! suchten weiter, aber vergeblich. Ich sah den zusammengedrua. in die Höhe ragenden Tender und sagte zu den Nächslstehr' gewendet:„Der Führer wird wohl auf der Maschine sein, J, Sie doch da einmal nach."„Ach was," erhielt ich zurAm' lizj „der ist doch ebenso wie der Heizer abgesprungen." Da«w? kroch ein junger Beamter mit einer Laterne in der Hand 9j"A denn der entweichende Maschinendamps drang uur noch stv1 aus dem Kessel, und schon nach kurzer Zeit rief er von w j „Hier ist er, hier ist der Führer."—„Wo?"—„Hiet der rechten Seite, wo er stehen muß," gab<, Beamte zurück.„Aber herauskriegen werden wir ihn~ nicht, er ist ganz zerquetscht und verbrüht."—„Ach, der Ar>• — Ja, da stand der brave Mann, wo ihm die Pflicht geboy stehen, die rechte Hand an die Bremssteueruug gelegt, das vw, nach vorn(gerichtet, nur den todtblassen Kopf mit dem enffev. verbrühten Kinn leicht zur Seite geneigt. Selbst die Mutzt ihm noch auf dem Kopf. Aber die iörust entsetzlich zerd s „Kommt heraus", riefen nun einige Andere, die inzwischen � mit hinausgestiegen waren,„wir müssen ihn doch herausholen. können ihn doch nicht so stecken lassen!"—„Na, denn vorwärts, hier.. Da kam der Körper des Unglücklichen dem Tender zum Vorschein. O, ich werde diesen Anblick m __--___ tm" k.______ v. r:_ v;. �~u S(TZ f/s tri!(1 211# v. gessen... Während sie die Leiche nach der Station trugen. ich langsam wiever zurück, aber ich konnte den armen, ung � lichen Führer nicht aus den Gedanken bekommen. Wie, wen, weniger treu gewesen, wenn auch er abgesprungen wäre uno Unglück hatte gehen lassen, wie es wollte? Der Zug wäre I-. nicht so schnell zum Stehen gekommen, die Wagen wären vieu entgleist, und dann?— Bon anderer Seite wird mitgetheilt, daß der tztt#® Lokomotivführer Morabel hieß, aus Westend wohnte und eme o.,, mit zwei Kindern(unter 6 Jahren) hinterläßt. Der ver«" Heizer, der nach dem Elisadeth-Krankenhause in Berlin ud> iourbe, war der Bahnaroeiter Simmarl, welcher nur aus weise zum Dienst aus der Lokomotive herangezogen gewtsi» auch er war verheiralhet und Vater von zwei Kindern. Auiräumungs- und Ausbesserungsarbeiten auf der Ungluasi nahmen etwa fünf Stunden in Anspruch.»ß liebet die Ursachen des Unglücks erfahrt man folgendes Assistent Lietzmann hatte Rangirdienit und be>and sich iw blick der Katastrophe auf der der Stanon Schöneberg zugeweiu, Seite des Bahnhoses. Von dem Rangirzuge sollten einige W s. abgestoßen werden. Das geschah. Zum Unglück waren aber beiden bintersten Wagen, der mit Dünger beladene und ew w, nicht angekoppelt, so daß also beide, nachdem da? losgelöste des Zuges zum Stehen gebracht war, weiterrollten, die T welche das Rangirgeleis mit dem Einsahrtsgeleis verbindet, v � fuhren und nun dem herrannahenden Gruneivaldzuge em0 y rollten. So erfolgte dann der Zusammenstoß. Der A"«(, wurde sofort abgelöst. Der Heizer ist inzwischen auch gesw � der Krimiiialpotizei sind neuerdings wiederum- zeigen über Schwindeleien eingegangen, welche in derselben bereits früher mit Erfolg durchgeführt sind. Es betritt ei» los aussehender Herr einen beliebigen Laden und(orbe» 10 Pfennige von irgend einer Waare. Nachdem er diese ve» � hat, verlangt er plöglich nochmals für 10 Pfennige und tttz' 5a) Zehnmarkstück aus den Tisch. Wahrend nun der Verkäufe � herauszugebende Geld aufzählt, das Geldstück aber noch"wj„(J sich genommen hat, stürzt ein Zweiter in den Geschüstsrauin � bittet um schleunige Verabfolgung irgend einer Waare, da« � bereits abfahrende Pferdebahn oder den Omnibus noch be» � wolle. Der Verkäufer kommt dem Wunsche nach. Jnzwüs?� aber verschwindet der Eriiere mit dem Wechselgeld und dein Markstück, während der Andere ihm bald folgt. Bevor D# käuser überhaupt zu dem Bewußtsein kommt, daß er beschw" woroen ist, haben Beide schon daS Weite gesucht...ist Der Mord«nd Krtbstmord im Hotel zum Askanu st Hof ist aller Wahrscheinlichleit nach infolge'st pekuniärer Verhältnisse geschehen, wenigstens lassen die emz* � Details daraus schließen. Siegimmd ivar am Dienstag JJ''„ji in Begleitung seiner Gattin mittelst Droschke in obenerwalp Hotel eingetrogen, und das wenige Hanbgepäck, welcdes.. � Reisenden bei sich führten, deutete nur auf kurzen Aufentha! ll Berlin hin. Das Ehepaar, das aus Brünn kam— der � ist etwa 35 Jahre alt und betreibt ein eigenes Geschäft i» ,,( Hauptstadt Mährens— ging in der Zeit ihrer Anwesenheit a wenig ans, die Frau, eine angenehme Erscheinung, ist 28 Jahre alt, scheint jedoch, nach dem Aussehen zu stWw leidend gewesen zu sein. Beide sind in gegenseitigem Ei» � nehmen m den Tod gegangen. Frau S. hat in der Nactst. Donnerstag zum Freilag eine starke Dosis Antipyrin geno>nv ll um sich daourch zu tönten, als das Gift jedoch der Sterbe st entsetzliche Qualen bereitete, schoß S. seinen Revolver, mitwd E, er zu enden gedacht, auf die Gattin ad»no tödtele bi(| kleinen Handkoffer liegend—.siffb tmr sering. W vtv 1 1-|i»vw iiivv yvmivj.«vw»--j anderer Seite mitgetheilt wird, besitzt das in den Tod gegm» Ehepaar wohlhabende Verwandte in Brünn und ist kinverlo' � Gcstrrii stiid ivegril Kaiidciidiebstnlila drei verhastet worden, unter ihnen der bereits sechs Mal wegen � � stahls vorbestrafte Buchbinder Espenhahn. Die Diebe hatte« � Augenmerk auf solche Schanklokale gerichtet, in denen- Wirthin selbst die Gäste bedient. Die Diebe betraten einzeln.jj, Lokal, nachdem sie sich davon überzeugt hatten, daß keine ß anwesend waren. Ter Eine von ihnen bestellte eine* m Bouillon, und während die Wirthin sich zur Aussiihrung* � Bestellung in die Küche begab, folgte ihr der Auftraggever, � noch„ein Brötchen" zu begellen. Damit wurde denn die W» u so lange zurückgehalten, bis der zweite Spitzbube die Labe» j geplündert hatte. Ter Dritte im Bunde hielt vor der Thm der Straße Wache.»�1 Die Änuptgeleise der Lehrter Kali» schwebten 0��, Nacht in der Gefahr der Unterspülung. Neben der die geleise überwölbenden Jnvalidenstraßen- Brücke geht ein' rohr der städtischen Wafferleitnng. Dieses Rohr war sth" geworden»nd in dichten Strömen ergoß sich das Waffel � den Bahnkörper. In der Stoth rief man die Feuerwehr m j, welche zunächst bei Fackellicht ans die besonders gefährdete Holz, alte Eisenthnren und ivas sonst in der Stahe war, a»p& um den Strahl des Wassers von der Kiesschicht des Bah»"st baues abzuhalten' Abzug-' graben gezogen*...——.........— besiiidlichen Kanals durchschlagen»nd so dem Wasser�Abflup� vv*» v v*«vi W| IVA-J* VVÄ» Alsdann wurden quer über den Bahu'�.D — und das Fundament eines in der W» schafft. Währenddem waren zahlreiche Beamte der Wass.- mit der Absperrung der Leitung beschäftigt, zu welchem o' 5-r iditW :i Ä» l ein«1 n-- "ä nn e>» ziuB [onnli' !'F ind f1' ädtffi bcn«11 s-HZ Ä ]infl4 chwach obenj "w ö -z n am B 0� tJW* e" mi Ä s:,i SS m l i .iS 1 et eiul toifj Ä vi«i 1 E B s "'cht weniger als acht Schleusen geschlossen werden mußten. Erst nach zweistündiger Thätigkeit konnte die Feuerwehr wieder ab- Ulcken. Die Züge der Lehrter und Hamburger Bahn erlitten durch den Unfall keinerlei Verzögerung; sie passirten langsam die »«sahrdete Stelle.. �„ „ �se Nrgrnvrrliältnisse tu Kerlin sind, wie zum Tröste aller Pessimisten nach den Beobachtungen des k. meteorologischen �nstilllts gesagt werden kann, durchaus nicht so entwickelt,� aUfc Manchmal scheinen mag, vielmehr nimmt Berlin m dieier Ve- Wung einen befriedigenden mittleren Standpunkt inne. �>e lahrliche Niederschlagshöhe beträgt in Berlin nahe an 600 mm; ""f bem Wege nach Westen nimmt dieselbe zu, derart, daß das mittlere Hannover und Westfalen fast 700, die ganze Nordseeküste Wischen 700 und 800 mm. Niederschlag aufzuweisen hat, wahrend stch nach Osten hin eine Abnahme geltend macht: das östliche Posen Mt im Jahre nur 500 mm. Auch bezüglich der Verthcilung des Niederschlages aufdie einzelnen Jahreszeiten bildetBerltn emMittel- >lled zwischen den zu Herbstregen neigenden Küstenstrichen an der Nord- ee und dem südöstlichen und südlichen Deutschland mit ausge- prochenen Juniregen: Berlin hat sein Ncgenmaximum rm Juli, °em Betrage nach gleich 12 pCt. der Jahressuinme, em zweites sekundäres Maximum im Dezember mit 9 pCt., wahrend im irockcnsten Monat 7 pCt. des jährlichen Betrages an Niederschlag """" Nach vierzigjährigen Beobachtungen betrug we größte it iM' vent A nv t w"1-viui xou/; QU vcihciu/Kcti« t. Ans de»» Ktettiner gustuhofo hat man mit großem Eifer egoiinen, die Ueberführung der Eisenbahn über die Liesenstraße /..Wellen. Ez ,vird also in absehbarer Zeit die große Kala- '"m, unter welcher sowohl der Fußg änger-, wie auch der Wagen- W c an dieser Stelle durch den häufigen Zugverkehr zu leiden yar, beseitigt sein. Die vorzunehmende Hebung des Bahnkörpers wie man an dein augebrachten Zeichen bemerken kann, eine Pouche. Nach Ausführung derselben werden die aus der -«ahnhofshalle kommenden Züge eme beträchtliche Steigung zu "/winden, andererseits die in den Bahnhof fahrenden Züge ein miprechendes Gefälle zu passiren haben. Wir vcrmuthen, daß Einrichtung nur eine provisorische sein wird, da später °vhl der Bahnkörper bis in die Bahnhofshalle hinein erhöht Verden dürfte, zumal in Aussicht genommen sein soll, den "Uuer Bahnhof vollständig umzubauen. , Erplostoir im Feurrwer lis-Knborntartuiu. Im Menge- ?uin des königlichen Feucrwerks-Laboratoriums zn Spandau er- Mete sich vorgestern Vormittag gegen OVeUhr eine Explosion von Keuerwerkskörpern, die mehrere Menschenleben in Gefahr brachte. Mi Arbeiter wurden verletzt, davon zwei schwer und einer leicht. M eine erhielt erhebliche Verletzungen am Unterleib und an m Beinen, ein anderer wurde ziemlich schwer an einem Auge erletzt, dem dritten wurde eine Hand beschädigt. Die beiden jjchiververwundeten sind sofort nach dem königlichen Garnison- f-Parelh geschafft worden, wohin die aus dem Eiswerder Äer- Mlückten, statt wie bei den andern Fabriken üblich nach dem �wnkenhause, auf besondere ministerielle Anordnung übergeführt bilden. . Das polizei-priisidium erläßt folgende Bekanntmachung: Ms bekannte Bandwurmheilkünstler Richard Mohrmann, vor 'stfeu Treiben bereits wiederholentlich gewarnt worden ist, Msiehlt neuerdings in den Zeiiungen feine Bücher: Ter Frie- °ensbote" und„Johannistried", welche im Wesentlichen mit dem ihm früher herausgegebenen„Goldenen Buch für Männer" „"ercinstimnien. Ter Inhalt soll durch Ausschweifungen herunter- ?"on,meue Menschen in Angst versetzen und zu Ausgaben ver- wtej», welche dem Verfasser zu Gute kommen. Das Publikum n'td vor diesem Treiben und vor der Kurpfuscherei des Richard 'chrinann ernstlich gewarnt. y An» Frirdrichvhngru wird uns geschrieben: Den Genossen �"„Berlin stehen folgende Lokale zur Verfügung: Schmidt, ........""........' Mais iffi.V'peti'N peyen fvigenoe uoiale zur-aeriuguug: orn Schmidt, Kaiserhof; Kestin, Gesellschaftshaus;! löiu,.§; �ithker, Eiskeller; Petznick; Conrad, Friedrichstraue; Pto» i-'Ausschank von Wolf; Wandrei, Seestraße; Wulf, Bcllevue; f.. ßgelschlößchen; Bötchcr, Friedrichstraße; Lippmann, Friedrich- dM! Röstel, Friedrichslraße; Zademack, Friedrichstraße; Bau- slrnc' Lindenrestaurant: Wöhlert, Seestraße; Fischerhütte, See- M: Jones, Ravenstein; Schulz, Secschlößchen. Noch nicht H,., slerhaudlung mit dem Lokalkomitee getreten sind folgende : Lerche, Linden-Allee; Lerche, Rundthcil; Waldkater, Tori?' Homann, ftöpnicker-straße; Homaun, Herberge; Rackow; ich WilhemSbad; Wittive 5kurfis; Tadbcrl, Hirschgarten. jZßri �i�'k-rricht. Am 23. d. M. Nachmittags fiel der acht- � xflmfio«atffr» Q'fithrtrft im.CSniif»» ftuttflm fie 19 von «chumannpr. 10 uuu einer Droschke überfahren und um» ,nen Bruch des linken Schlüsselbeins sowie eine Verletzung stch(ch.— Am 20. ds. Mts. Morgens wurde ein Arveitcr im fei,,.**,n(!3 Hauses in der Langestraße und ein Zimmermann in � v.. M>hnung in der Schöuebergerftraße erhängt aufgefunden. tzUiij, derselben Zeit erschoß sich ein alter Munn in seiner Woh- w der Kurfürstenstraße mittelst Revolvers, anscheinend wegen "nheilbaren Leidens.— Abends fand in der Wohnung des eiflj'ichmis Koppe im vierten Stock des Hauses Markgrasenstr. 80 ftrzmpmosion des aus dein unverschlossenen Leitungsrohr ent- 4,, h c" lÄases statt, wodurch Moppe im Gesicht und au den Hau- dr..j.Häutende Brandwunden davontrug.— Am 29. d. fanden «eincre Brände statt. A ür ÄS u"- i s IZeikUItg. rlnro prensiischrn Untrrofflzirrs zu Be- ?! b e r» zu benutzen, ist eine Idee, mit welcher der Kaulinann svlteu n„. k l h e l m Horn, der sich gestern wegen wieder- N verfri■ �9cd 1,01 dem Schöffengericht zu verantworten hatte, i.kliiiia.-/�" Leuten Glück gehabt hat. Der Augeklagte, ein n'fctm■r' einsehnlicher Mensch, hatte in seinem Bentze die bleiitjz..c,ic3 Sergeanten des ersten Garde-Jeldartilleric-Regi- cm,,'''hm außerordentlich gut zu Gesicht stand. Als er yUno«. r,.„ entblößt war und nicht mehr ivusstc, wie er den i, Ilnifn sollte, erinnerte er sich dieses Jnventarftückcs, holte JM'M aiis dem Spinde und erschien bald darauf als fiotter ' dcv'"'l Sporen und Schleppsäbcl, bei dem Gasthausbesitzer �'"älnst» Hs" m>t Vergnügen das von ihm verlaugte Logis "lichnJi. 4 et Herr Unteroffizier war bald eine beliebte Per- Welches ic Wirth und Gästen, er spielte Skat mit dem Geldc, s'bd üml. der Wirth, im Vertrauen auf die Uniform, borgte Hier' M".6 täglich eine ansehnliche Zeche auf Kredit. Als er Megean»'n H'e Kreide kam, inahnte der Wirth, der Herr "» nrl vertröstete ihn auf den Tag der Löhnung und war Jsttoben r'ch spurlos verschwunden. Weitere Nachforschungen �»te/ toß er zur Tragnng einer Uniform keinerlei Berechtigung , eta'xn'ist ern eine dreiste Zechprellerei vorlag. Ter„Herr !?.. hatte sich inzwiichen bei einer armen Wittwe y gegeben, welche sich durch sein Vertrauen er- ?llt(hf;|,7, Wesen blenden ließ und ihn sechs Wochen lang , tcl, x; tte, bis er eines Tages zu ihrem Schrecken Nlei,» Kriminalpolizei abgeholt wurde. Außer diese» beide» «&em Schöffengericht noch mehrere Personen mit der t-H'tfe ff.1"® auf, von dem Angeklagten betrogen zn sein. Dazu 'sttl»,,..Namentlich ein Schankwirth, welcher auf Grund eines "arischen Dokumeiits den» Angeklagten eine Erbschaft für Mt-.hstadert Mark abgekauft und zu seinein Aerdrusse fest- hat, daß es mit der Aussicht auf eine Rcalifirung dieser Erbschaft außerordentlich windig aussieht. Schließlich wurde dem Angeklagten auch der kleine Scherz zur Last gelegt, daß er eine ihm gehörige Uhr zweimal verkaust hat.— Das Schöffengericht hielt die kleinen Hochstapeleien des Ange- klagten doch für so strafwürdig, daß es denselben zn 10 Wochen Gefängniß und außerdem wegen des unbefugten Tragens einer Uniform zu einem Tage Haft vcrurtheilte. Zur Mnrmmg für gewisse Fahrgäste der Stadt- und Ring- bahn, welche es lieben, während der Fahrt ihre Nachbarschaft— namentlich wenn dieselbe aus Frauen besteht— durch zotige und knotige Redensarten zu belästigen, kann die Anklage dienen, welche gestern das hiesige Schöffengericht gegen den Maler August Lieste zu verhandeln hatte. Der Angeklagte bestieg eines Tages in einem von Spandan kommenden Vorortszuge ein Koupee, in welchem sich zwei in den Spandauer Werkstätten arbeitende Frauen be- fanden. Diesen gegenüber machte er sich ein Vergnügen dar- aus, höchst unpassende Reden zu führen. Als er gesprächs- weise erfahren, daß die Frauen in Spandau arveiteten, höhnte er sie deswegen, nannte sie„dumme Trienen" und als die Frauen sich dies verbaten, überschüttete er sie mit Schimpfworten und verbrämte dieselben mit allerlei schlüpfrigen Redensarten. Schließlich trat ein im Nachbarkoupee sitzender Arbeiter gegen diese Flegeleien auf und sorgte dafür, daß auf der Station Moabit die Persönlichkeit des Angeklagten festgestellt wurde. Da derselbe auch dem Stationsvorsteher gegenüber sich ungebührlich benahm, so hatte er sich nunmehr wegen wiederholter öffentlicher Beleidigung zu verantworten. Er suchte sich mit„Angetrunken- heit" zu entschuldigen, das Schöffengericht war aber der Meinung, daß die Passagiere unserer öffentlichen VerkehrLanstalten gegen solche Rohheiten auf alle Fälle nachdrücklichen Schutz beanspruchen können, und verurtheilte deshalb den Angeklagten zu 60 M. Geldbuße event. 6 Tagen Gefängniß. Giuo Anklage wegen Verleitung zum Meineide wurde gestern vor der zweiten Ferienstraskammer des Land- gerichts I. gegen den 53jährigen Zimmermeister Georg G ö t h l i n g verhandelt. Der schon Vorbestrafte verbüßt zur Zeit eine Ge- fängnißstrafe wegen Betruges. Die ihm zetzt zur Last gelegte Strafthat soll im November 1889 begangene sein. Damals war der Angeklagte wegen einer Schuld von 120 M. von dem Milchhändler Warksow verklagt worden. Göthling räumte die Schuld zwar ein, behauptete aber, daß das Abkommen getroffen worden sei, die Rückzahlung des Darlehns solle erst erfolgen, nachdem eine Erbschaft, welche ihm in Aussicht stand zur Auszahlung ge- langt sei. Göthling berief sich hierüber auf das Zeugniß des Blumen- ständer-Fabrikanlen Ritzow, welcher bei derAbmachung mit Wartsow zugegen gewesen sei. Ritzow wurde geladen, er erklärte aber, daß er vonderganzenAngelegenheitnichts wisse. Später hatRitzow anderen Personen gegenüber geäußert, daß Göthling ihn zu einer falschen eidlichen Aussage habe verleiten wollen. Ein Gegner des Göth- ling machte hiervon Anzeige, worauf gegen den letzteren Anklage erhoben wurde. Im gestrigen Termine bekundete der Zeuge Ritzow, daß der Angeklagte ihn thatsächlich zu zwei Malen habe überreden wollen, eine ihm günsttge falsche Aussage zu machen. Der Angeklagte bestritt dies entschieden Und erzielte auch, daß der Gerichtshof die Verhandlung behufS eingehender Zeugen» Vernehmung vertagte. München. 29. August. Nachdem die Vorstandsmitglieder des Rechtsschutzvcreins der pfälzischen Bergleute m St. Ingbert ihre Aemter niedergelegt haben und durch acht unabhängige Ge- wcrbetrcibende, die eigens zu diesem Zwecke in den Verein ein- traten, abgelöst wurden, soll einer behördlichen Weisung zufolge zunächst nicht weiter gegen den Verein vorgegangen werden. Da- gegen sind die Grubenbehörden angewiesen worden, auch in der Folge nur dienstlich mit den Knappschastsvertretungen zu verkehren. Deopmmnlnmien. Genosse Liebknecht schreibt uns: Es ist mir unmöglich, das Stenogramm meines Vortrags über Karl Marx jetzt durchzusehen. Da ich aber auf mehrseitigen Wunsch den Vortrag zu wiederholen und zu vervollständigen gedenke, so werden die Leser des„Berliner VolkLblatt" nach einiger Zeit in den Besitz eines besseren Berichts gelangen, als er jetzt geliefert werden kann. Für jetzt bitte ich also um Nachsicht.— Bei dieser Gelegenheit will ich noch die alberne Lüge reaktionärer Blätter annageln, welche behaupten, es sei mir in der Dienstags- Versammlung vom Vorsitzenden das Wort entzogen worden, weil ich in eine Besprechung des bekannten„Streiks" eingetreten sei. Der Vorsitzende erinnerte einfach an den Tags zuvor gefaßten Be- schlich, dem zuwiderzuhandeln ich sicher nicht beabsichtigen konnte- war doch mein ganzer Vortrag, wie auch die auf den Streit bezügliche Bemerkung vom Geist der Versöhnung eingegeben und durchdrungen. Leipzig, den 29. August 1890. W. Liebknecht. Dov foziulbemol'.t'ntil'lhr Lese- n»d Divkntirlilnb ..Lnssnlle" hielt am 19. d. Mts. seine Versammlung bei Haupt, Sralitzerstr. 102, ab. Auf Antrag wurde zu„Verschiedenes" ge- schritten, da hierzu viel zu erledigen war, infolge der Auflösung der vorletzten Versammlung. Ein Redner zog bei seiner Rede das „Volksblatt" an. Bei der Redewendung„Im heutigen„Volks- blatt" steht ein Artikel" erhob sich der uberwachende Beamte und sagte: Ich inhibire die Versammlung»ach dem Gesetze vom LI. Oktober 1878. Nach dem Grunde gefragt, erwiderte der Beamte, er löse die Versammlung auf Grund des§ 9 des Sozialistengesetzes auf. Beschwerde ist eingelegt werden. Ein» öffentliche Vevsnmmtnno dev Dursten- und Pinselmachrr fand am 21. d. M. bei Feuerstein mit folgender Tagesordnung statt: 1. Vortrag des Stadtverordneten Heindorf über: Das Handwerk der Bürsten- und Pinselmacher sonst und jetzt. 2. Diskussion. 8. Bericht der Neuner-Kounnission. 4. Geiverk- schastliche Anträge. 5. Verschiedenes.— In's Bureau wurden die Kollegen Sicgmund, Paque und Seidel geivählt. Da der Referent noch nicht erschienen war, wurde zum 3. Punkt übergegangen. Der Vorsitzende verlas den Brief vom Ministerium, worin unsere Eingabe abschlägig beschieden wurde, da nian sich an zuständiger Stelle erkundigt habe und zu der Ansicht gekommen sei, daß die Arbeiterkolonie in Reinickendorf den Bürstenmachern keinen Schaden zufüge. Hier meinte der Vorsitzende, daß mit der „zuständigen Seite" nur'die Innung gemeint sei. Es sei das eine Bevormundung der Petenten. Während oeffeu war der Referent erschiene». der seinen Vortrag unter dem Beifall der Anwesenden hielt. Folgende Resolution wurde einstimmig angenommen. „Die heute in Feuerstein's Tunnel tagende Versammlung der Bürsten- und Pinselmacher erklärt sich mit den Ausführungen des Referenten einverstanden und beschließt, dahin zu wirken, daß allerorts durch Resolutionen ausgedrückt wird, daß nur von dem Eintreten der sozialdemokratischen Fraktion Be erung unserer Erwerbsverhältnisse zu erwarten sei. Die Arbeiter haben sich auch deshalb der Sozialdemokratie anzuschließen." Zum 4. Punkt der Tagesordnung wurden einige Kollegen gewählt zum Einziehen der freiwilligen Fondsgelder und zivar als Vertrauensmann. Kollege Siegmund, als Kontroleur für den Norden: die Kollegen Heinrich, Wörling und Stürmer. Für den Süden: Lindemann und Dossow. Für den Westen: Kollege Seidel. Für das Zentrum: Kollege Kitzendorf. Für den Osten: Michaelis, Dietrich und Loose. Zum 5. Punkt Verschiedenes fand eine längere Auseinandersetzung statt, die geradezu unerträglich wurde, so daß Kollege Kaiser den Schlußantrag stellte. Darauf schloß der Vorsitzende die Versammlung. Der Verband der Vergolder» Goldleistenarbeiter und Derufagrnostci! hielt am Montag, den 18. August, in Schesfers Salon, Jnselstr. 10, eine Versammlung mit folgender Tagesord- nung ab: 1. Wissenschaftlicher Vortrag des Herrn Dr. Zadel. 2. Dis- kussion. 3. Kassenbericht. 4. Aufnahme neuer Mitglieder. 5. Ver- schiedenes. Die ersten beiden Punkte mußten fallen, da Dr. Zadel bereits anderweitig engagirt war und sich brieflich vorher an den Vorstand geivandt hatte. Zum dritten Punkt verlas der Kassirer den Kassenbericht. Dem Kassirer wurde nach längerer Debatte Decharge ertheilt. Der Kassenbericht stellt sich: Ein- nähme 668,38 M., Ausgabe 574,80 M., bleibt für die Filiale 93,50 M. Ein auf die Führung des Arbeitsnachweises resp. die Einrich- richtungen gerichteter Antrag wurde abgelehnt. Ferner wurde ein Aufruf der Vertrauensleute der Metallarbeiter verlesen und beschlossen, dazu eine öffentliche Versammlung einzuberufen, um Stellung darzu zu nehmen. Betreffs einer Annonze von Leipzig (Groß) wurde beschlossen, so lange keine Klarheit über die dortigen Verhältnisse ist, die Kollegen aufzufordern, keine Notiz davon zu nehmen. Die Versammlung war schwach besucht. Es leerte sich schließlich infolge der zwecklosen Debatten der Saal vollständig. Deshalb erfolgte der Schluß der Versammlung uni 12 Uhr. Ans Goinznern, im Jerichower Kreise, berichteten wir vor einiger Zeit über eine dort abgehaltene Volksversammlung, in der Genosse Theodor Glocke, der bekanntlich Kandidat im Jerichower Kreise war, ein Referat hielt. Das Ergebniß dieser Versammlung war der Beschluß, einen Arbeiterverein für Gommern zu gründen, dem sofort etwa 200 Personen als Mitglieder beitraten. Ueber diese Versammlung hatte die freisinnige „Gommerner Zeitung" in echt freisinniger Weise berichtet. Der Bericht, der von Verdrehungen und �Verdächtigungen strotzte, legte beredtes Zeugniß ab von der Wuth, der die Gommcrn'schcn freisinnigen Mannesseelen erfüllte, daß die Ideen der Sozial- vemokratie unter der arbeitenden Bevölkerung Goinmern'ö, die sich zum großen Theile aus Steinbrucharbeitern zusammensetzt, Eingang und Verbreitung gefunden. Zum »och größeren Aerger des Freisinns fand kurze Zeit nach der ersten Versammlung eine weitere Versamm- lung statt, die energisch gegen eine Berichterstattung, wie sie das freisinnige Organ beliebte, Protest einlegte und sich verpflichtete, dahin zu agitiren, daß die„Gommeruer Zeitung" alle Abonnenten in Gomniern verliert für den Fall, daß sie noch einmal in der kritisirlen Art und Weise über Vorgänge in Ar- beiterkreisen berichtet. Die Redaktion und ihre Hintermänner sind wüthend über diesen Beschluß, aber sie müssen ihren Aerger ver- bergen. Jetzt legt sich die Behörde gegen die Sozialdemokratie ins Zeug, da es dem Freisinn nicht gelingen will, unsere Partei durch die Diskreditirung unserer Bestrebungen zu bekämpfen. Die Polizei versucht es zunächst mit Chikanen gegenüber den Wirthen. Der einzige Wirth in Gommern, der sein Lokal zn Versamm- lungen hergiebt, ist Herr Konold. Dort sind auch die beiden be- regten Versammlungen ohne jede Einsprache der Polizei angehalten worden. Plötzlich hat die Polizei heraus- gesunden, daß der Saal des Herrn Konold baufällig ist und daß sie deshalb verpflichtet ist, die dem Publikum bevorstehende Gefahr abzuwenden. Sie hat deshalb eine am Sonntag geplante Volksversammlung, in der die definitive Gründung des Arbeitervereins vorgenommen werden sollte, laut folgendem Bescheide verboten: �„Gommern, den 29. August 1890. Sie werden hierdurch benachrichtigt, daß die Abhaltung der von Ihnen für Sonntag, den 81. August d. I., Nach- mittags 3 Uhr im Konold'schen Lokale angemeldeten öffentlichen Ardeiter- Versammlung auf Grund'des§ 10, Tit. 17, Thcil II Allgemeinen LandrechtS hiermit verboten wird, da die Benutzung des Tanzsaales im Konold'schen Gehöft wegen baulicher Unzuträgliqkeiten bis auf weiteres untersagt ist, die übrigen Räumlichkeiten daselbst aber zur Abhaltung von Versammlungen ungeeignet sind. Die Polizei° Verwaltung. H e i n r i ch." An den Arbeiter Herrn Friedrich Keller hier. Fachorr«!» d«r Zrderarbrttrr. VertrauenZmSnnee- Bevsäminlung am Momag, den i. Eepteniber, Abends 8% Uhr, im Restaurant dcS Herrn Zubetl, Naunynstr. 88. (Öraßc öffentlich» Nirsa»»»!»»« siimmtlichcr vewrrlllchaften �cr>,»s am Mttnvoch. den 3. Septemver. Abends» Uhr, tn Sanssouei, irottbuserftr.iUnI,au«r 0»«lin* und Ilmo-y-nd. Oeffentliche Versammlung am Monrag. den i. Seprember,«lbenda 8 Uhr, bei Keller, Bergstr. 88. Die Tagesordnung wird in der Versammlung bekannt gemacht. LaffaU«-F»!er! Alle dieienigen iSsnosfsn, welche am Sonntag dle Partie nach Austerhaib nicht mitmache» tönnen, werden ersucht, sich Sonntag Abend O.anienstraste 180, Zentral- fl-stsäie,-tnzustnden. Tninen milbrtngen. Ver- gnügteS Beisammensein. Ansang 5 Uhr. l'achufv«lu der Li schier. Montag, den ,. September, Abends Uhr, tn Jordan'ii Salon, Rene Wrünftr.:3: Versammlung. «rohe öffrntiicho Kchui/I»»ch,r«>erlain»il»»g am Montag, den l. September, Abends 8% nyr, in generstein'S Salon(oberer Saat), Alte Jalobstr. 75. Tag sordnuna:„Wie stellen sich die Schuhmacher Berlin» zu dem im Oktober in W->iic»f.Is staltsindenden Schuhmachertongrest V" Diskussion. Verschiedenes. Sir fr«i« Nerrinigung drr Grave»»« n»d ZisVIrnr« veranstaltet beule, Sonntag, einen RachmUagSansslug mit Damen, nach Johann iSthal- Reederschonweide(Brauerei Borussia). Rrbettsnachweis Dresdenerstraße»S, 8� io Ueraniionnssv-rew„Constdentta". Montaz, 9% Uhr, Ocnetafr Versammlung tm Restaurant„Zur guten Quelle". LandSbergerstr.°a. dvv MvdnKkion. Bei Anfragen bitten wir die AbonnementS-Quttiung beizufügen. Brieflich« Antwort wird nicht ertheilt. Für die ans gesperrten KanhandwerKer Aanidnrg» gingen ferner bei uns ein: Für Freiheit und Gerechtigkeit von den Murkelbrlldcrn aus der Flottwcllstraße 6 M. Tischlerei Birubaum, Skalitzerstr. 104, mit Ausnahme der sechs Blauen, die nur eine Faust in der Tasche machen 10,15 M. W. Zapel, Skalitzerstr. 131, Hutgcschäst 5 M. Liste 829 durch Bäcker Wittesch 2,50 M. Durch Bäcker Droste 2 M. In der Grenadicrstraße gesammelt durch Bäcker 8,50 M. Line 880 durch Bäckerges. gcs. 3,90 M. Ges. beim Lackircrbegräb- niß Jacobi 1,75 M. Liste 802, gesainmelt durch Sichert 7,05 M. Liste 903, gesammelt d. Löbel 1,60 M. Genossen der Neumeyer'schen Pianofabrik 9,85 M. Mehrere Buchdrucker, beim Frühschoppen gesammelt 11,70 M. Liste 909 durch Schöpke 5,60 M. 4 Man» von den Mehlich'schen Schleifern, Sophienstr. 24, 1,75 M. Sa. 72,55 M. Bisher 29 319.43 M. Sa. 29 392,03 M. V. H. 1710. Am 27. d. M. unter de» für Hamburg ge- sammelte» Geldern quittirt und der Bestinununs gemäß nach Greiz abgesandt. DezrrHHen. (Molffs Trlrgvnphen-Knvran.) Liibrch, 30. August. Ter Lübecker Dampfer„Elita", Kapitän Schulz, traf bei Faros einen total Wrack gewordenen, auf See treibenden Dreimaster, der eine Bretterladung fährte und von der Mannschaft verlassen war. Ter Orkan dauert fort. Styckateisrel Am Montag, den 1. Zrptrmber, Abends präzise 7Vs Uhr, findet bei Zemtcr, Munzstratze 11, eine große öffentliche Uersammlnug statt. Tagesordnung: 1. Berichterstattung der Delegirten vom Stuckateur- Kongreß. 2. Diskussion. 3. Abrechnung der Vertrauensleute sowie Wahl zweier Revisoren und eines Vertrauensmannes. 4. Verschiedenes. Psticht eines jeden Kollegen ist es, in dieser Versammlung zu erscheinen. "84 Die Vertrauensleute. Gr. Will. SWder-BersmnlW aller In der Bekleidungsindustrie beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen am Montag, den I. September, Abends SVa Uhr, in den BUrgersaien, Orcsdenerstrasse No. 96. Tagesordnung: 1. Die Ausbeutung von Se.ten des Kapitals und dessen Druck aus die Arbeiterorganisation. Referent Herr Albert Auerbach. 2. Diskussion. 3. Ergänzungswahl der Lohnkommission. 4. Verschiedenes. Der Einberufer: Franz Ohla, Alte Jakobstraße 6. 702 Montag, den l September, Abends 8 Uhr: " NllW des NnterWllgsmms her Miillrer iles Weßen Verlüls im Lokale„Königshof", Biilowstraße Nr. 37 Tagesordnung: „ l. Vortrag des Herrn Pinn: Neber Nationalität und Humanität. 2. Diskussion. 3. Neuwahl eines iltevisors. 4. Verschiedenes. NB. Gäste können durch Mitglieder eingeführt werden. 713 Fachverein der in Buchbindereien und ver- wandten Betrieben beschäftigten Arbeiter. Montag, dr» 1. Krptember, Abonds SVa Mr» bei Feuerstein, Alte Jakobsteaste 75: Aimerordeatliche Generalversammlung. Tagesordnung: 1. Stellungnahme zum Verbandstag eventuell Wahl der Delegirtcn zu demselben. 2. Ersatzwahl zur Arbeitsnachweis-Kom- Mission. 8, Antrag mehrerer Mitglieder betreffs Aushebung der Extrasteuer. 4. Bericht über die am 27. August stattgefundcne Verhandlung mit derJnnung. 5. Verschiedenes und Fragekasten. 700 Aufnahme neuer Mitglieder. Mitgliedsbuch legitimirt. Um vollzähliges Erscheinen ersucht Der Vorstand. Fchmtin siiiilmtlilhec all HoljbtllrljeitNgs-Mschillell Mcitcr. vom Montag, 1. Septemb.. ZlbdS. SVa Uhr, bei Feuerstein, Alte Jakobstr. 75. Mitgliederversammlung. Tagesordnung: 1. Vortrag des Herr» Apelt über: „Kapital und Arbeit". 2. Diskussion. 8. Verschiedenes und Fragekasten. Um recht zahlreiches und pünktliches Erscheinen ersucht 633 Der Vorstand. Fglßliereln für Schlosser null MschitteMmbelttt Berlins «ud Ilurgegend. Montag, den 1. September, Abends SVa Uhr, in Feuerstein s Salon, Alte Jakobstr. 75: BeschlWick Bersainmlnng. Tagesordnung: I. Vortrag des Herrn M- Baginski über:„Die Ursachen der Armnth." 2. Diskussion. 3. Aufnahme neuer Mitglieder und Entrichtung der Bei- träge. 4. Anträge. 5. Verschiedenes und Fragekasten.— Pflicht sämintlichcr Mitglieder ist es, in dieser Versamm- lung zu erscheinen. Gäste willkommen. 712 Der Vorstand. Ethische Gesellschaft. Sonntag, den 31. August, Abends SVa Uhr, Beuthstr. 22, I., bei May» Vortrag des Herrn Dr. Völkel über: „Die beiden Gracchen", ein sozialpoli lischeS Bild ans dem alten Rom. Nachher: Gesellige Unterhaltung und Tanz. Gäste, Damen und Herren, willkommen. 655 891,20 M. 1316,00„ 93,25 60,— 50,- 60,— 6,25 Schuh mucher Streik im April 1890. Ei i> nähmet General-Fonds mit Einschluß der Tellersamm- lnngen vor dein Streik Sammellisten Auf Tellersammlungen wahrend des Streiks. Von den Gewerkschaften: Fachverein der Töpfer Verlins...... Fachverein der Klempner Berlins...... Verein der Hutmacher Berlins...... Verein der Modelltischler Berlins...... Verband der Schneider Berlins...... Schuhmacher Leipzigs. Filzschuharbeiter Berlins Verein zur Wahrung der Interessen der Schuh- niacher Berlins... Aus Herzberg.... Stcpper und Vorrichter Berlins...... Schneider Berlins auf Tellersammlung... Von einig. Orten Deutsch- lands v. Kollegen Bock (Gotha) übermittelt. Arbeiter-Fachverein Halle an der Saale,., Leseklub Natur.... Eisenarbeiter Borlins auf Tellersammlung... Freiwillige Beiträge.. 30,— 50,— 10,- 100,- 6- 80,— 14,65 100,— 9,- 10,- 14,— 30,25 Summa: 2915,40 M Vou 15 Ittf an Wg.Einsegnnngs-Anznge. UM. Bieg. Herren• Jackol- Äuz. 20 M. Elogauto Rock-Anzüge. 30 M. Hocheleg. Kammg.-Anzüge. 7 M. Gertiegene Stotfhosen. 15 M. Eleg. Winter-Paletots. 4 M. Bunte und v/eisso Weston. 4 M. Elegante Knaben-Anzüge. 1,50 M. Knabsu-StoflhOBen. Große Auswahl in Burschen- Anzügen, Joppen, Schlafröcken u. Kaisermänicln zu sehr billigen Preisen. Für gnten Sitz und HalV barkcit der Stoffe garantiren wir. Kestellnuaru nach Maast?» soliden Preise». 728 J33F- Uur de» Fesern deo ,,Kerl. Uoiksblatt" 5 pCt. Nabatt.-mm Gebr. Neustadt, 4L 3ern(«leiiier[trflBC 41, Ecke der Krausenstraße. Ausgab Streik- und Reisennter- stützung...... Inserate...... Säulenanschläge und Versammlungsunkosten.. Drucksachen an Maurer, Werner u. Koinp... Diverse Ausgaben: Porto, Schreibmaterialien ec.. e i 2520,65 M 21,35 136,60 242,- 41,25 Heute früh SVa Uhr verschied plötzlich mein lieber Mann, der Tischler Ferdinand Müller im 67. Jahre. Die Beerdigung findet am Montag, Nachmittag 5 Uhr, auf dem Neuen Jerusalemer Kirchhof, Hermannstraße, statt. 678 Die trauernde Wittwe. Orts-Krankenkasse der Steindrucker u.Lithographen Am 27. August er. verstarb unser Mitglied, der Lithograph Herr Heinrich Rost. Die Beerdigung findet statt am Sonntag, den 31. August, Nachm. 4. Uhr, von der Leichenhalle des altenLouisen-Kirchhofes, Bergmann- straße, aus. Um zahlreiche Betheiligung bittet Oer Vorstand. Am 29. d. M. starb an einem Herzleiden im Krankenhaus am Urban meine gifts Frau Bertha Niedan. Die Beerdigung findet am Montag, den 1. September, Nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des St. Emmaus- kirchhofs aus statt. 707 Die Hinterbliebenen. GeMshans S. Hme. �Chanffeeffraße 14 ]|| Bio schönsten Mttklcidtt imi) Zlckn für Mädchen jeden Alters, sowie «4 ÄsrgenM, lluterröcke, � TrikottMe« iL Musen auch im Einzelverkauf sehr billig! Massbestellungen n. Reparaturen » werden prompt erledigt! VCHmlffeestrttszel4 Summa: 2961,85 M Bilanz« Einnahme mit Einschluß der von der Lohnkom- Mission der Stopper und Vorrichter Berlins geliehenen 100 M... Ausgabe..... 8015,40 M 2961,85 M Bleibt Bestand: 53,55 Revidirt und richtig befunden.� Die Revisions-Koinmission Julius Grassnick. Aug. Kuchenbäcker, Gustav Menzel. 693 Mehl-, Beilch-M--«»ist Ji ist zu verkaufen. Zu erfragen in der Expedition. 710 Freunden und Bekannten empfehle mem neu Zimmer für eröffnetes Vereine oder Zahlstelle zu vergeben. 725 A. 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Es sei ein Jrrthum, zu glauben, vao Sozialistengesetz falle deshalb, weil für dasselbe im Reichs- J'lflf keine Majorität mehr zu haben sei. So feindlich sich auch f0,.e einzelnen Parteien sonst immer gegenüber stehen mögen, einig skten sie doch, sobald es gelle, gegen den gemeinsamen Feind, die an- normende Arbeiterbewegung, Front zu machen. Das Sozialisten- °elotz falle deshalb, weil das Vcreinsgesey sowohl, ivie das letzte wuiisteriege Rundschreiben bekunde, als auch das allgemeine «'rasrecht vermöge der modernen Gesetzesauslegungen der Gerichte «snügend Handhabe» gegen die'Arbeiterbewegung bieten. Die Ausweisungen hätten ihren Zweck, wie selbst regierungsseitig an- plannt worden sei, vollständig verfehlt, vielmehr dein Fort- schreiten der'Arbeiterbewegung nur Borschub geleistet. Deshalb verzichte man gern ans dieses Machtmittel, zudem die obigen «mchtmittel auch ohne Sozialistengesetz in Händen der'Regierung Ablieben. Auch der Fall Puttkamer's und BiSmarck's sei für die Arbeiterbewegung ohne Bedeutung. Es sei dies nur ein Wechsel - r Personen, nicht aber des Systems, ivelcheS die Arbeiter- de,» nicht...... I_. tafhÄ1151" bekämpfe. Gleich bedeutungslos seien die übrigen friJIchw' Mittel, welche zur Anwendung gebracht würden,»», Wr v v der sich täglich mehrenden Roth uud dem täglich sich Atwc-V-nöen Maffeuclende zn steuern. Die gouvernenientale "•."c f'imme»war ein Hostanuah an auf die Arbeiterschutz- ... stimme zwar ein Hostanuah an �[«Ögehung ti»D bezeichne dieselbe als das Hbchße, was ein '"vderiier Staat noch nach dieser Richtung geleistet habe und alle sswj cnigen, die nicht bereit sind, dies dankbar anznerkennen, als Re- Mutionäre, als hirnverbrannte Toren, welche fixen Ideen nachjagen. ?'c eigene» Verhältnisse seien für die Arbeiter aber zweifelsohne der Me Gradmesser dafür, ob und inwieweit die Sozialresorm eme Verbesserung ihrer Lage herbeigeführt hätte. Weder die Franken-, Unsall- und Altersversicherung, noch die Geiverbeschleds- ,.,... W--- tKI. TZ— � � V.—, f hatten I---------- i--v- w- das ,{;*?e. hätten oder würden an der Klafsenlage der Arbeiter gew»r»,!"2ste geändert. Stall dieser Reformen wäre es besser •.!' Arbeiter mehr wirthschastliche und politische Ellen- v,»°">r«lh°>t z„ �erstatten, die KoalilionSsreiheit nicht »er Jllufion zu dcgradiren. wie es durch den be- zu kaunr»» m vi-"!-»-" o---u——, fveii,»,. Pnttkamer'schen Erlaß geschehen sei. Die Koalilions- Kanink» den Ardeitern die beste Waffe gewesen in ihrem iiuin l Dasein gegen das Großkapital. Doch der Regie- J«iia»®f.nu8* der Puttkamcr'sche Erlaß noch nicht, deshalb ver- seken»..°.4� Bestrafung des Kontraktbruches. Wenn dieser Ge- le&he! Kraft trete, dann sei der letzte Rest des Koalilions- sei».- der den'Arbeitern noch verblieben, beseitigt, dann SWM'.,.Lohnkämpfe unmöglich, denn wenn die Arbeiter «es c, Eien, dem Großkapitale vierzehn Tage vorher den Beginn zu anzuzeigen, dann würde dasselbe vermöge der ihm lebe o? itttzenden Hilfsmittel in der Lage sein, von vornherein w»« vhnbcioegung scheitern zn lassen. Nach alledem scheine "uch in der„nenen Äiera" nicht gewillt, Man dem M der Arbeiter- Tie'bestehenden Gesetze wür- *** W_____ Tl. �» den niM Konzessionen zu machen. Ti.. UN i'bo*«-VI°"beie Forme» gezwängt, an dem herrschenden Systeme � f geändert. So lange dies nicht geschehe, sei eine lb»>,»-0 der 5ttassenlage der Arbeiter nicht zu erwarten, de» Wahrheit von einer Sozialresorm nicht gesprochen ,ver- schall h0.'niiÖe die Arbeiterbewegung das Stiefkind der Gesell- Hand de. so lange zene nicht die politische Macht in ihrer �erbitti �vkinige, sei überhaupt eine Besserung "Alfs« nicht zu erivarten. Diese würden der immer schlechter. Die arbeitenden Klassen würden nicht nur ausgebeutet als Produzenten, sondern auch als Koiisu- menten durch„Ringe" re., welche die Waaren künstlich vertheuern. Der Mittelstand verschwinde immer mehr, unterliege im wirthschaftlichen Konkurrenzkämpfe dem Großkapitale, sinke immer mehr in's Proletariat hinab und vermehre das zahllose Heer der Arbeitslosen. Diese„Seuche" suche man zu bekämpfen durch Arbeiterkolonien, Korrektionsanstalten, Vermehrung der Polizei, durch Snppenanstalten und Wohlthätigkeitsvereine! Auf das einfachste Mittel, den Arbeitslosen Arbeit zu geben, scheine man nicht zu versallen. Dies sei aber ausgeschlossen, da das alles beherrschende Kapital die Arbeitslosigkeit brauche. Auf keinem Gebiete sei in Betreff der Fürsorge für die Arbeiter ein Fortschritt zu ersehen. Da die Verhältnisse immer bedenklichere werden, sei es hohe Zeit, dem Rufe:„Proletarier aller Länder, vereinigt euch!" mehr Folge zn geben. DjeKonseguenzen dcrheutigenVerhältnisse habe schon Karl Marx dargethan, indem er folgerte, daß die privatkapita- listische Produktionsweise in eine sozialistisch-genoffenschaftliche über- gehen werde. Diesen Prozeß zn beschleunigen, müsse Aufgabe der Arbeiterbewegung sein und müßten alle taktischen Hilfsmittel im Klaffenkampse ausgenutzt werden. Die Arbeiterschaft müsse sich darüber klar werden, daß nur durch die Beseitigung des heutigen Produktions- und Lohnsystems eine Besserung ihrer Klassenlage zu erreichen sei. Deshalb sei es rathsamer, die Arbeiterklasse zu sammeln und zu stärken, als ans die Hilfe und Erlösung von oben zu warte». Würde sich ein Jeder mit vollem Beivnßtsein der großen Aufgabe hingeben, dann würde auch das erhabene fiel erreicht werden, das die Arbeiterbewegung sich gestellt hat: reihcit und Brot für alle Menschen!(Allgemeiner Beifall.)— Bon einer Diskussion über den gehörten Vortrag nahm die Ver- sammlung in Rücksicht ans die folgende Tagesordnung Abstand, beschloß aber einstimmig folgende Resolution: „Die heutige Versammlung erklärt sich mit dem Referenten voll und ganz einverstanden. Sie erblickt nur in der Aenderung der Produktionsweise eine Besserung der Verhältnisse und verspricht, mit aller Energie dahin zu wirken, daß in einem jeden Arbeiter daS Klaffen- bewußtscin geweckt und er zur Erkenntniß seiner überaus traurigen Lage gebracht wird, damit durch eine zielbewußte Arbeiterpartei die Prinzipien durchgeführt»verde», wie es das sozialdemokratische Programm fordert." Nachdem trat die Versammlung in die Verhandlungen über den ziveiten Punkt der Tagesordnung ei»», welcher die Frage bildete:„Was soll auS der Berliner Maurer- b e»v e g»»»i g werden? Als erster Redner hierzu legte Herr Wernau dar, wie trotz aller Muhen und Maßnahmen die Berliner Manrerbcivegung nicht vorivärts gekonrmen fei und ührte dies zun» nicht geringen Theile ans den Umstand zurück, »aß sich zivci»nit einander kollidircnde Faktorei» gegenüber ständen, der Borstand der Freien Bereinigung, welchen durch Beschluß einer Gctieralversannnlung die Agitation und Leitung der Berliner Maurerbemegung übertragen worden sei, und, die Körperschaft der Berträuensmänner, deren Thätigkeit außer- halb der Organisation liege. Redner war der Meinung, daß durch die gegenseitigen Reibereien die Beivegnng vollends zu Grunde gerichtet»verde, und daß,»venu beide Faktoren nicht zu- sanunen wirken können, einer den» anderen»veichen muffe.— Welcher Faktor dies zu sein habe, könne»ach Lage der Sache nicht ziveiselhaft sein und da bereits mehrfach Wünsche nach einer Neuorganisation verlautbart seien, so erlaube er sich, der Ver- saininlung einen diesbezüglichen Organisationsentwirrf zur vor- läufigen Disk>ission in Form einer Resolution vorzulegen: „In Erwägung, daß bisher alle Anstrengungen, welche darauf gerichtet»varen, die Organisation der Berliner Maurer zu einer feste» und starken zu»»»achen,»velche die Geivähr bietet, die stets von Roth und Elend bedrohte Lage der Maurer»nenschenivürdiger gestalte»», sowie auch der »SluSbeutungs-»»nd Unterdrückungsftlcht der Unternehmer einen Damm entgegensetzen zu können, immer an der Gleichgilkigkcit der Mehrheit der Berliner Maurer scheiterte, das Unternehmerthum daher leichtes Spiel hatte, diejenigen zu maßregeln und»virthschastlich zn Grunde zu richten, welche als klassenbclvußte Arbeiter bestrebt »varen, für sich und die Ihrigen, soivie für die Gesamnrt- heit der Kollegen eine bessere soziale Lebensstellung zn er- käinpfen, betrachtet es die Bersamullung als eine un- erlüßliche Ausgabe der Vereinigung, jederzeit dahin zn »virken, Ausklärimg in den Massen zn schaffen, die Solidarität zu pflegen, soivie die Verfolgte»» und Geinaß- regelten,»velche sich»in Kainpse um die Existenz bcthätigt haben, zu unterstützen und beschließt demzufolge, all- »vöcheutlich eine Extrasteuer in Höhe von 25 resp. 60 Pf. von jedem Mitglieds der Freien Vereinigung der Maurer Berlins und Umgegend zu erheben und zivar in derselben Weise,»vie bisher die Sammlungen in der Oesfent- lichkeit vorgenommen»vurden. Ferner erklärt die Bersannnlung: Nachdem dem Bor- stände der Freien Bereinigung die Leitung der inneren Agitation unter den Berliner Maurern übertragen»vor- den, ist die sogenannte„VertrauenSmänner-Körperschaft" überflüssig geivorden und empfiehlt daher die heutige Ver- sauunlung der nächsten öffentlichen Versammlung, diese Körperschaft aufzulösen und nur eine aus drei Personen bestehende Kürperschaft nieder zu setzen, welcher die Befng- niß zu übertragen ist,„öffentliche" Versammlungen einzu- beruft» und in diesen Angelegenheiten zur Erörterung zu bringen,»velche außerhalb des gesteckten Rahmens der Freien Vereinigung liegen." Ucber diese Resolution entspann sich eine längere Debatte, in»vclcher die Herren Gröppler, Wittschoreck, Weiße, K l i e m a n n. 5k a r l Schmidt, H e m p e l und Her in e r- s ch m i d t sich in theils rückhaltloser, theils bedingter Weise für die Resolution erklärten. Von einer Äeschlußfassting über dieselbe wurde, einein Wunsche des Herrn.Wernau entsprechend, vorerst Abstand genominen, dieselbe vielmehr der demuächsugeu General-Mitgliederversaniinlnng vorbehalte», nachdem ein Antrag, eine„öffentliche" Generälversaimulung über die Resolution be- schließe» zn lassen, abgelehnt»vorden war. Zum Punkt„Ver- schiedenes" brachte der Vorsitzende die von ihm erfolgte Beant- »vortuiig der Fragen des Magistrats betreffs Abänderung der Ge- »verbeordnnng zur Verlesung,»velche die allseitige Zustimmung der Versammlung fand. Es»vnrde zur fleißigeren Abnahme derKongreß- Protokolle, soivie zur regeren Benutzung der Vereinsbibliothek auf- gefordert. Auch»vnrde bekannt gegeben, daß die Bau-Jnnung ein Schiedsgericht nach„Wahl" eines Gesellen- Ausschilffcs ge- bildet habe, vor dem alle gewerlliche» Streitigkeiten»in Bereiche der Innung fernerhin zustündig seien, soivie ein damit im Zu- saimnenhange stehendes„Eingesandt" eines Maurerpoliers Kreß aus der„Baugeiverks- Ztg." zur Verlesung gebracht, das seine tragi-kv>nische Wirkung nicht verfehlte. Nachdem noch die Lokal- frage betreffs Abhaltung des Stiftungsfestes dahin erledigt»vor! den war, daß dem Vorstande freie Hand gelassen»vnrde, evcnt. die Lokalitäten der Berliner Bock-Brauerei(Tempelhoser Berg) festzuinachei»,, vnrde nach Beantivortung einer Frage die Ber- sammlung geschlossen. Der Uerei« zur Mahrung der Interessen der Klavier» arbeiter und Kernfsgenossen hielt am Sonnabend, den 23. d. M., in Deigmüller's Salon, Alte Jakobstr. 48», eine gut besuchte Mitgliederversammlung ab. Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn Rechtsamvalt Wolfgang Heine. 2. Werkstattangelegen- heilen. 3. Verschiedenes. Der Referent»rar nicht erschienen und so»vnrde in den 2. Punkt.Werkstattangelegenheiten" eingetreten. Es»varen speziell die Kollegen der Hof-Pianofabrik von Duysen, der Piano- Mechaiiikfabril von Langer u. Comp, und der Pianofabrik von Klingmann eingeladen worden.— Der Vorsitzende verliest hierauf einen Brief,»velcher ihm zugegangen ist. Darin wird bekannt gegeben, daß in der Fabrik des Koinmerzienraths Duysen Abzüge stattgefunden haben. Gleichzeitig wird angefragt, ob der Verein nicht auch Stellung gegen das Gebahren der großen Fabrikanten gegenüber ihren Ar- beitern nehmen»vürde. Der Vorsitzende führt aus, daß der Ver- ein überall da,»vo der Arbeiter geschädigt»vürde, gleichviel, ob es bei einem kleinen oder großen Fabrikanten wäre, vorgehen und nicht etiva bei einein Kommerzienrath Halt machen»vürde. Die Kollegen,»velche aus der Fabrik erschienen, führten an, daß der Neffe des Herrn Rath ihnen angekündigt hätte. daß ein Abzug stattfinden»vird. Es»vird in der Diskussion von mehreren Rednern hervorgehoben, daß die Arbeiter der größeren Fabriken»vcit hinter denen der kleineren Fabriken dieser Branche zurückstehen. Diese Kollegen denken nicht daran, sich einer Organisation anzuschließen; wahrscheinlich denken sie, allein, als Einzelne, könnten sie gegen das allmächtige Kapital etivas unternehmen. Alle Redner verabscheuten das Vorgehen solch' eines reichen Fabrikanten, den armen Arbeitern ihren schwer ver- dienten Lohn immer niedriger zu drücken. In der Piano- Mechanik-Fabrik von Langer u. Co. hat ebenfalls ein Abzug stattgesunden und zwar bei den Bohrern. Der Fabrikant hatte vor Kurzem bei einer Rücksprache mit dem Vor- sitzenden und einigen Kollegen erklärt, er»vürde Klagen, die über seine Fabrik laut»vürdcn, sofort Rechnung tragen. Trotz- dem sind jetzt Abzüge gemacht»vorden. Ans ein an den Fabrikanten gerichteten Brief findet der Herr es nicht der Mühe»verth, zn antworte»». So halten die Fabrikanten ihr Wort. Der Abzug»vird von den Betreffenden uin so schwerer empfunden, als der Verdienst eii» sehr niedriger, zivischen 12 und 21 M. per Woche. Man muß sich wundern,»vie Arbeiter dabei bestehen könne». Aber auch hier»st der größte Theil der Arbeiter unorganisirt. Sie lernen nicht einsehen, wie machtlos der Ein- zelnr ist.— Gegen die Kollegen der Pianofabrik von K l i n g m a n n»verde»» heftige Vorlvürfe vorgebracht, daß sie die kaum errungene achtstündige Arbeitszeit»vieder fallen gelaffen haben. Die Zusanimensetzer mache» wieder Ueberstunden, auch die andern Kollegen sollen nachfolgen. Die anivesenden Kollegen, welche noch zn vertheidigen suchen, daß sie rückivärts schreiten, »verde» heftig kritisirt. Sie sollen doch nicht wieder in den alten Fehler verfallen, die Arbeitszeit zu verlängern, obald das Geschäft ansängt zu gehen. Es sind doch so viel arbeitslose Kollegen da, die gern Arbeit nehmen »vürden. ES sind ja auch noch sehr viel Bänke unbesetzt. Den Kollegen»vird an's Herz gelegt, doch festzuhalten an den»,»vaS er- rnngen ist.— Nachdem noch einige interne Angelegenheiten bis- kntirt»vorden, kritisirt Kollege Blogis den„Berliner Lokal- Anzeiger"»md stellt den Antrag: die Resolution der Berliner Streik-Kontrolkonimtssion uns zn eigen zu inachen. Der Antrag »vird einstimmig angenommen. Neuaufgenommen wurden 7 Mit- glieder. Alle Kollegen,»velche noch Billets vom So n» n» ervergnügen nicht abgerechnet haben. »Verden aufgefordert, sofort abzurechnen, »vidrtgenfalls ihre Namen veröffentlicht werden. ("Eine öffentliche Uevfammlnng der Filzschnharbeitev Arrlins«nd Umgegend tagte am Montag, den 25. August, bei Zeinter, Münzstr. 11, mit der Tagesordnung: 1. Abrechnung vom Streik bei Silberstein und Landesberger. 2. Abrechnung von der Landparthie und Wahl eines Bergnügungskomitee's. 3. Wie stellen sich die Zivicker der mechanischen Fabriken gegen- über den Filzschuharbeitern? 4. Verschiedenes. In's Bureau wurden die Kollegen Opitz, Walerius und Schmolling geivählt. Kollege Opitz berichtete über die Abrechnung vom Streik. Die Einnahme betrug 195,20 M., die Ausgabe 151,85 M. Es bleibt ein Bestand von 88,85 M. Die Abrechnung wurde von den Revisoren als richtig bestätigt. Hieraus machte Kollege Opitz bekannt, daß verschiedene Listen noch fehlen. Die Kollegen, die noch im Besitz von Listen sind, sollen laut Beschluß der Ver- sammlung zum letzten Male zur Abrechnung aufgefordert »verde». Wenn sie der Aufforderung nicht Folge leisten, sind sie in ber nächsten Versammlung zu veröffentlichen. Die Abrechnung von der Landpartie ergab eine Einnahme von 140,60 M., eine Ausgabe von 188,80 M. Es bleibt Bestand 2,30 M.,»velche den Greizer Webern überiviesen wurden. In das Vergnügnngskomitee»vnrde» die Kollegen Meier, Schmollmy, Räder, Steffen und Blümke geivählt. Das Resultat der längeren Debatte» über de» 8. Punkt der Tagesordnung war, da die Zwicker nicht anwesend, varen, der Beschluß, sich mit der Kommission des Vereins deutscher Schuhmacher in Verbindung zu setze», nin das Weitere zu regeln. Unter„Verschiedenes" machte Kollege Walerius bekannt, daß Kollege Totzki gestorben sei. Die Anivesenden erheben sich zu Ehren des Verstorbenen von ihren Sitzen. Ferner berichtete noch Kollege Opitz über die Arbeiten der Berliner Streik-Kontrolkonnnission. Nach längerer Debatte »vurden der Berliner Streik- 5to»trolkominission 5 Mark aus der Streikkasse überiviesen, woraus die Versammlung mit einem Hoch auf die Arbeiterbewegung schloß. Im Dorriir Sattler und Fachgrnoffen, der am 19. August seine regelmäßige Versammlung in Deigmüller's Salon, Alte Jakobstraße 43, hatte, besprach der Stadtverordnete Herr Bogtherr Bella»l»)'s bekannten Roman:„Ein Rückblick aus den» Jahre 2000 auf 1887" unter lebhasten» Beifall. Unter„Ver- schiedcnen»"»vnrde» die Mitglieder zun» Kränzchen eingeladen, »velches an» 27. September bei Deigmüller stattfindet. Die RedaMon stellt die Benutzung des Sprechsaals, soivett Naum dasiir abz»i» acbeu ist, dem Publicum zur Besprechung von Angelegenheiten allgemeinen Interesses zur Bersiiguiig; sie verwahrt sich aber gleichzeitig dagegeu, mit dem Inhalt desselben tdeuttsizlrt zu werden. In der Nummer 198 des„Berliner Volksblatt" lese ich eine Annonze, die sich mit meiner Person beschäftigt. Ich finde es doch komisch, daß man dergleichen Privatangelegenheiten, die der Herr Isert mit mir vor Jahresfrist vorgehabt hat, aufnimmt. Ich möchte Sie nun, um die Sache kurz zu machen, bitten, im Sprechsaal zu veröffentlichen, daß ich von dem, was ich Herrn Isert schristlich vor Jahresfrist zukommen ließ, nicht einen Deut zurücknehme, sondern weis ich geschrieben, auch aufrecht erhalte, und da es eine Privatsache ist, werde ich, wenn er mich weiter belästigt,»vissen,»vas ich zn thm» habe. 9t. 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