stp. fä'M.si »er S# > 9W.: ihn i«:' Die n so ä1' hunge« emmte» Ä n lei,»� ist*!' j wgei« sk e low, ben.' 1% «ä , t. 304. Mittwochs den 3, September 1890. ?. Zahrg. Organ für die Znkerefsen der Arbeiter. ..._ Das., Berlin er Volksblatt" "Itpcmt täglich Morgens aujjcr nach Sonn- und Festtagen. AbonneinentSpreiZ fnr Berlin frei . uä vierteljährlich 3,30 Mark, monatlich 1,10 Mark, wöchentlich 28 Pf. Einzelne Nummern Pf. sonntags-Nummer mit dem„Sonntags-Blatt" 10 Pf- Postabonnement 3,30 Mark pro Quartal. jf.(Eingetragen in der PostzeitungSprciSliste für 1890 unter Nr. 892, V. Nachtrag.) «»rrr Kreuzband, täglich durch die Expedition, für Deutschland und Ocsterrcich-Unaam _ 2 Martl, für das übrige Ausland 3 Jttnrlt pro Ztlouat. WUMZWUMN Sonn- und Festtagen bis 9 Uhr Vornnttags gcotfnet. -4.-, Fernsprecher: Amt VI. Kr. 4100.»--- Vednütion: Wettkh�kvaltze 3.— EzepedMon: NeutkütvA�v 3. jemi M mg !f& ni% !gen» n oWjja ero(Vi l\, lchna? inÄj „ Die Frage der Fleischvertheuerung ist eine akute. äver es handelt sich nicht mehr darum, die längst be- kannten Ursachen der Preissteigerung dieses nothwendigen Lebensmittels, die Schutzzölle nämlich und die Vieheinfuhr- verböte, festzustellen. Vielmehr geht das Bestreben der volksthnmlichcn Politik dahin, die gemeinschädlichen Vieh- ialle und Vichsperren zu beseitigen. Es ist deshalb eine überflüssige Arbeit, wenn die bayerische Regierung die schon ®sr einiger Zeit von uns gemeldete und kritisirte Enquete aber die Ursachen der Fleischvertheuerung anstellte. Ent- �der kommt Herr v o n F e i l i tz s ch, der Minister des Mnern, zu einem Ergebniß, das schon lange feststeht. Deshalb also die Mühe? Oder aber er findet Gründe luv eine bedeutsame wirthschaftspolitische Erscheinung überall, a»r nicht da, wo sie in Wirklichkeit gegeben sind. Wir chrchten, das letztere wird der Fall sein, und wir sehen bereits Herrn Dr. Sigl, wie er im„Bayerischen Vater- iand" die unglücklichen Viehwucherer zur Verantwortung lieht, die mit der ihnen eigenen orientalischen Grausamkeit be»i Volke sein Pfund Fleisch nähmen. Diese Enquete anrd ebenso scheitern, wie die gleichzeitig mit ihr ins sVerk gesetzte über die Ursachen der Güterzertrümmerung ,n Bayern; die Jnteressenpolitik trübt die Sehschärfe und �aubt die Unbefangenheit des Urtheils. . Fndeß so wenig man sich von dieser sozialpolitischen t'�shintzeljagd" unserer bajuvarischen Nachbarn versprechen i uiifvvvv f vijiivu vi|v4;v«» v wtvi/ vv% v<» yvv(-� v»» b so ist dennoch vielleicht zu hoffen, daß wenigstens m Reihe von Daten über die Ernährungsverhältnisse in Jstlern zu Tage gefördert werden, die für den Wirth- I/Rsspolitiker zur Erkenntniß der Zustände von einer rlor�I Lessen Bedeutung sind. Daß Allerlei faul im Staate m Zri �ayern, daß dasselbe keineswegs das Dorado der kleinen i* flu» Ä.Vow..»c, K.. 1'- r L.. c."... Ii''te'st. wo sich stets am Herde der Spieß dreht, dafür elb 0fstäicae Mittheilungen vor. Da sie aus dem- �i � Ministerium hervorgegangen sind, das augenblicklich »lefs schpveiserhebung durchführt, so ist es nicht nnange- Herrn v. Feilitzsch auf dieselben hinzuweisen. Der 83, H -H § -- Ii M toila/| vmv------------>' /i'--- ferbM ms prekäre Lage großer Schichten noch verschlnninert. 3 3 CVT-k.. w...*,« t r f? 15, «ttiai ifte»;. s sfe d !N. 10, P3' IUI«' snfljx bd'. ich b-'z K» ki. eW/ M so J:. So kläglich auch zum Theil die Angaben sind, iiatin.. 5" doch ans, um zu zeigen, welche Gefahr der der k r" Wohlfahrt aus einem Protektionismus erwächst, . seine Äcrthenerung der Lebensbedürfnisse die be- Neit. dem„Generalbericht" geht hervor, daß in einer habc- Bezirken, die früher als wohlständig gegolten °n. der Genuß von Pferdefleisch im Wachsen begriffen tua o erboten.) Feuilleton. (i A Uerloren! H§ den Papieren eines Nechtsanwaltes. � Von Casimir K a n e m a n. Zollte eben das große Zivil- und Kriminal-Ge- griiP. Ükbaude zu Mitlau verlasse», als mich Jemand hastig litiffe,,' � war ein Richter, der ebenfalls im Weggehe» bc- Üef sj.f 0 stellt mich, Herr Anwalt, Sie hier z« treffen!" vor ver ehrwürdige GcrichtZbcanitc entgegen.„Eben <:-* r Stuudc haben wir Ihne» das Mandat zu einer Vertheidigung übertrafen. Nun.trifft es sich rutttefffirf,~vvyt""U""u W............ leben.'-™""d ich kann Ihne» gleich jetzt nähern Aufschluß fn�e Diensten. Was bcschleu die Herren?" ' Befehlen ist keine Rede. Wir wollten Sie nur ersuche», b">igci„»i'.'»Lewöhulichen Fall zu übcrnehinc», die Verthridi- ?vie ij.' ingendlichen Verbrechers. Der Staatsanwalt gedenkt, i|t Wste, einen gar zu strenge» Strafantrag zu stellen; ibirie,, stchst so war die Rede von Bergiverksarbeitcn in "*— s A syi. rAf f o...*.. . sth boun,? J1 lebenslänglicher Verbannung... Als wir « �igep J sprachen, dem Angeklagten einen amtlichen Vcr- �iiuit.« Leben, wurde von verschiedeneu Seiten Ihr Name zstt �"eigte mich dankend.„Der Gerichtshof mag 1nchi.-,?Ä"gen," gab ich zur Autwort,„ich bin jnst für Tage etwas freier als sonst." ist, so in Roscnheim, Traunstein, Schrobenhausen u. f. w. In Niederbayern, wo die Glasindustrie blüht, wird von ärmeren Familien Kaninchen-, Hunde- und Pferdefleisch genossen. In manchen Distrikten sind die Leute gezwungene Vegetarier; so wird im bayrischen Walde Fleisch nur an hohen Festtagen genossen. Die Rheinpfalz verzeichnet eine stetigeAbnahmederKaufkrastderlandivirthschaftlichenBevölke- rung.„Hier muß die Wurst das Fleisch, Kaffee und Bier die Suppe ersetzen; im Wirthshaus sucht dann der Mann sich schadlos zu halten." Ans der Oberpfalz wird berichtet, daß der Fleischkonsum, wie die Ernährung überhaupt, an vielen Orten durchaus ungenügend sei; im Bezirksamt Sulzbach trafen aus den Kopf und das Jahr 12 Kilo» gramm Fleisch. Im Bezirksamt Vohenstrauß, wo die Handschuhnäherinnen bei 90 Pfg. Verdienst 16 Stunden täglich an der Maschine sitzen, erhalten die Schulkinder Mittags oft nur trockenes Brot. Die Verhältnisse im Regierungsbezirke Oberfranken, Ivo die Weberei, die Schieferindustrie und die Korbstrickerei zu Hause sind, schildert anschaulich der k. Bezirksarzt Dr. Siegen in Bay- reuth wie folgt:„Die Ernährung ist verschieden nach Lage des Wohnorts und Größe des Besitzes; gemeinsames Nahrungsmittel für Wohlhabende und Arme, für Städte und Landbewohner sind die Kartoffel» und die daraus be- leiteten Speisen. Sie sind die beinahe ausschließliche Nah- rung der armen Bevölkerung im Fichtelgebirge selbst und dessen Ausläufern, sowie in den zum Juragebirge gehörigen Höheil und Thälern; die Kartoffel fehlt auch in keinem Bürgerhans. Die Bevölkerung ist in jenen Gegenden, wo die Kartoffeln nebst Kaffcesurrogaten, Krallt, etwas Korn- brot und Schnaps die einzige Nahrung bilden, schlecht genährt. Wo etwas mehr Wohlhabenheit herrscht, in den fruchtbareren Lagen, da mischt sich die Nahrung mit Milch, Käse, Fleisch, lvelch' letzteres als Rind und Schivein im Haus gezogen, dann geschlachtet, 1 oder 2 Mal in der Woche geräuchert auf den Tisch kommt." Für den mittelfränkischen Landbczirk Fürth hat der königl. Bezirksarzt eine sehr instruktive Berechnung der Kostverhältnisse des Landvolks geliefert. Es beträgt nach Voit: s.tl«•.Val; das nothivcndige Durchschnittstnaß gr gr gr für einen männlichen Arbeiter... 118 50 SuO Es enthielt die Nahrung autsitnirter Landleute. 120,2 44 021,3 „„»ff nnbenultelter Tagelöhner. 102,1 34,9 618,3 „ der Fabrikarb. 95,8 43,1 515,9 Diese Zahlen sprechen für sich selbst; die Kost des Gros der Fürther Landbevölkerung ist nicht genügend eiweiß- und fetthaltig. „Um so besser! Es steht also nichts im Wege, daß Ihne» die Akten der Angelegenheit so rasch als möglich zur Durchsicht überreicht werden. Der Fall des junge» von Rodenfels wird Sie gewiß stark in Anspruch nehme»..." Ueberrascht blickte ich den Sprechenden an. Die Roden- sels warnt eine altadclige Faiiiilie und wohl eine der reichsten in Kurland. Ich selber kannte zwei Personen, welche diese» Namen führten: Gustav von Rodenfels und dessen Sohn. Ter Erstcre war ein älterer Herr, der, ob- gleich er nicht frei von aristokratischem Dünkel war, auch in tveiten Kreisen Ansehen und guten Ruf genoß. Er besaß ausgedehnte Güter bei Mitlau, die er selber verwaltete. Seinem crivachsencn Sohne begegnete ich zuweilen in Gesell- schastcu. Ich hatte den Eindruck gewonnen, daß dieser ein geistreicher Man» war, der es verstand, durch eine feine Haltung sich Sympathie» zu erwerbe». Sodann hatte ich hie und da von einem Oskar von Rodenfels, einem Bruder Gnstav's gehört, der iudcsscu nie nach Mitlau kam, von dem man aber überall erzählte, daß er ein leidenschaftlicher Jäger sei, dagegen in der Verwaltung seiner Güter um so weniger Geschick entfalte. Man sagte auch, er hätte mehrere Kinder.— Und der niir anvertraute jugendliche Verbrecher sollte ein Angehöriger dieser altadcligcu Familie sei»? Ich konnte es nicht glauben. Wie erstaunt war ich daher, als ich folgende» Tages, nachdem ich eine lliollc amtlicher Akten- stücke entfaltet, auf dem ersten Blatte las: Gerhard, Sohn Oskars und Elisabeth von Rüdde Rodenfels. Und hart daneben die Altersangabe: 19 Jahre! Gerhard von Rodenfels war also der Sohn des be- Die Bewohner der Rhön- und Spessartgegenden leben fast ausschließlich von Kartoffelspeisen, deren Nährwerth auf 88 Eiweiß, 15 Fett und 400 Kohlehydrate berechnet wird, sich demnach als durchaus unzureichend erweist. Statt des Kaffees wird ein Absud von Kichererbsen ge- trunken. In Schwaben ist auf dem Lande das Fleisch ein seltenes Gericht. Die Ernährung besteht zum Bei- spiel um Donauwörth größtentheils aus Kraut und Kartoffeln. Der Genuß von Pferdefleisch nimmt stetig zu. Im Algäu mit seiner berühmten, auf dem Weltmarkt so einflußreichen Käseproduktion„wird der Milchverbrauch aufs Aeußerste beschränkt und behilft man sich zur Nahrung mit Kartoffeln, unreifem Käse, schlechtem Bicre und Fuselbranntwein." Eine selbstverständliche Wirkung der eben gekenn- zeichneten niangelhaftcn Volksernährung ist die betrübende Zunahme des Schnapsgcnusses. Aus allen den Bezirken, in denen die Kost der breiten Schichten eine dürftige ist, wird übereinstimmend eine rapid um sich greifende Ver- breituug des Alkoholismus gemeldet. Der Kartosselfusel in seinen gefährlichsten Formen, Spiritus mit Wasser ge- mischt, u. s. w., verdrängt das Bier. Und dies geschieht im Bierlaiide par excellence, in Bayern, wo das Bier einen eisernen Posten im Haushalt des kleinen Mannes bildet, wo es thatsächlich„flüssiges Brot" ist. Man lasse sich nicht durch die verhältnißmäßig großen Ziffern täuschen, welche die bayerische Bierkonsnm-Statistik gegenüber der- jenigen anderer deutscher Staaten aufweist. In Bayern ist das Bier eben ein Zkahrungsmittel ersten Ranges, so gut wie Fleisch und Brot, und wir haben im Laufe der letzten sechszehn Jahre eine beinahe konstante Vermin- derung des Bierverbrauchs zu verzeichnen. Im Jahre 1874 trafen auf den Kopf der Bevölkerung 280 Liter per Jahr, 1889 nur noch 258 Liter. Die Beobachtung, daß in den Zeiten wirthschaftlichen Aufschwungs eine Zunahme des Konsums erfolgt, während in einer Periode des Nieder- gangs weniger verbraucht wird, läßt sich auch hier deut- lich genug verfolgen. Erscheinen demjenigen, der bayerische Zustände ans eigener Anschauung kennt, die Zahlen keineswegs abnorm, so kommt ferner in Betracht, daß der- artigen Durchschnittsziffern durchaus nicht absolute Giltig- keit beizumessen ist. Wir erhalten bei solchen Kalkulationen, die einfach den aus der Division der Bierproduktionsziffer durch die Kopfzahl der Bevölkeruug sich ergebenden Quo- tienten liefern, fiktive Zahlengrößen, die uns nicht sagen, wieviel thatsächlich die verschiedenen Bevölkerungsgruppen konsumiren. Die wirthschaftsgeschichtliche Einzelbeobachtung und die detaillirte Erhebung kommt zu ganz anderen Re- snltaten, wenn sie die Scheidung in soziale Kategorien?c. vornimmt. Doch dies nur beiläufig! Für die betrübende kannten Jägers, dessen Jagdhunde die ganze Gegend durch- streiften, der Nesse dcS geachteten und geehrten Gnstav von Rodenfels, der Vetter des jungen Arnulf, von dessen Unternehmungsgeist und Energie— er errichtete zu dieser Zeit eben ein großes Jndustriectablissemeut— ganz Mitlau sprach, mit einem Wort: er war in der That der An- gehörige einer Familie, die wie wenige in der Gesellschaft eine sehr hervorragende Stellung inne hatte und unter den Ihrigen Besitzer großer Ehrenämter zählte. Und dieser junge Rodenfels sollte ein Verbrecher sein? Wessen beschuldigte mau ihn denn? Ich begann zn lesen, Blatt um Blatt. Lange Stunden verrannen und ich>var noch immer nicht zu Ende. Die Angelegenheit nahm meine ganze Aufmerksamkeit in An- sprach, ich las und laS. Es war mir, als stehe ich vor einem unerklärlichen Räthscl, das ich zu lösen umsonst mich bemühe. Je mehr ich mich in die Einzelheiten des Falles vertiefte, desto größer wurde mir das'Räthscl und desto ungestümer jagten sich in meinem Kopse Fragen und Gedanken. Endlich überflog ich den letzten Bogen. „Eine sonderbare Geschichte... sehr sonderbar!" Mehr wußte ich nicht zu sagen. Der junge Rodensels war beschuldigt, einen Mord be- gangen zu haben an der Person eines in Mitlau bekannten Sazardspiclcrs, indem er diesen mit dem eisernen Griff seines tockcs auf den Kopf schlug. Die That tvar zur Nachtzeit in einem jener WirthShänser verübt tvorden, auf welche die Polizei ganz besonders ihr Augenmerk richtete. Der Angeklagte leugnete beharrlich, den Mord begangen zn haben; alle Einzelheiten der Anklage stellte er in Abrede. Allein die Beweise seiner Schuld waren so vollkommen über- Vermehrung des Schnapsverbrauches in Bayern liegen die auf sorgfältigster Beobachtung und genauester Kenntniß der einschlägigen Verhältnisse aufgebauten Mittheilungen des„Gencralberichts� vor. Es leuchtet ja auch ein, daß der zu hartem Schaffen gezwungene, schlechtgenährte Ar- beiter das Defizit an Muskelenergie durch Zufuhr des für den Augenblick stimulirenden Fusels decken muß. Es ist selbstverständlich, daß unser Schutzzollsystem, das hohe Zölle auf Vieh und Fleisch legt und durch Sperrmaßregeln die Vieheinfuhr unmöglich macht, von einschneidender Wirkung für die Volksernährung ist. Alle diejenigen Kreise der Bevölkerung, die schon vorher nur in unzureichendem Maße ihr Dasein zu fristen vermochten, werden dadurch an die Hungergrenze gedrängt. Die ein- fache Folge davon ist die Degeneration der Masse, die darben und verkümmern muß, weil die kurzsichtige Ge- winnsucht der Großgrundbesitzer keine Rücksicht auf die vitalen Interessen der Gesammtheit nimmt. Jndeß warte man mit heiterem Gleichmuth die Er- gebnisse der bayerischen Fleischenquete ab. Das horazische Nil admirari gilt auch gegenüber der Betriebsamkeit bayerischer Bezirksanitmäuner. Und so steht zu erwarten, daß vielleicht die Abnahme des Fleischverbrauchs und das Emporschnellen der Preise der staunenden Welt so gedeutet wird, wie einst das Wachsthuni der deutschen Auswanderung, als eine Folge der Wohlhabenheit. Sollte der amtirende Herr von Feilitzsch nicht dasselbe fertig bekommen, wie der red- selige Greis von Friedrichsruh? NovrefpoudeHjeu. fSflbno(Spanien), 30. August. Gester» wurde hicrselbst in dem Theater Romea der erste spanische Sozialisten- Kongreß eröffnet, zu welchem im Laufe des Tages 22 Dele- girte, die Vertreter von IG spanischen Städten, eintrafen. Als Gaste waren mehrere Vertreter der sozialistischen Vereine Portu- gals und Südfrankreichs erschiene». Aus Spanien waren am stärksten vertreten die Bergarbeiter- Distrikte der baskischen Pro- vinzen und die Industriestädte Kataloniens; außerdem aber hat auch der Süden des Landes, Valencia und Malaga Delegirte entsandt, das„Nationalkomitee" in Madrid war durch die Ge- nossen Jglesias und CarraSco vertreten. Zum Präsidenten des Kongresses wurde durch Akklamation der Delegirte Barzelonas, Genosse Q u e j i d o, erwählt, wodurch von vornherein festgesteUt war, daß der Kongreß in seiner überwiegenden Mehrheil die radikalere Richtung der katalonischen Genossen vertritt. Die Eröffnungsrede» wurden von Quejido und Jglesias gehalten, in denen hauptsächlich die großen Erfolge der spanischen Arbeiter- bewegung des letzten Jahres gedacht wurde. Als Hauptver- handlunasgegenstände stehen aus der Tagesordnung: 1. Wird die sozial! ische Arbeiterpartei Spaniens bei den bevorstehenden Korteswahl eigene Kandidaten aufstellen, oder soll sie die Kandidaten der radikalen bürgerlichen Parteien untersiiitzen? 2. Soll der 1. M a t als der ständige Feiertag aller Arbeiter Spaniens bestimmt werten? 3. Welche Organisation ist für die Gesammtpartei zu schaffen? 4. Wie stellt sich die Partei zu der Presse, und ist es rathsam ciacue Organe zu begründen? Die erste Frage wurde bereits in der zweiten Sitzung des Kongresses, welche am Freitag Nachmittag stattfand, im de- jahenden Sinne erledigt. Die vorhergehende Diskussion war eine ziemlich erregte; Jglesias vertrat die Ansicht, daß bei der ersten Wahl die eigenen Kandidaten in vielen Kreise» nur sehr wenige Stimmen erhalte» würden, und daß es deshalb zu empfehlen sei, ein Wahlkartell mit den entschiedenen Republikanern und Stadikalen für einige Kreise einzugehen. Die Vertreter von Barcelona, Valencia und Malaga aber traten diesem Vorschlage mit größter Entschiedenheit entgegen, sie wiesen auf die Erfolge der deutschen Sozialdemokratie hin, die nur deshalb so groß ge- worden sei, weil sie stets bei der Hauptwahl jeden Kompromiß mit den Bourgeoisparteien zurückgeiviesen habe. Unter dem Bei- fall der zahlreich erschienenen Zuhörer beschloß deshalb der Kon- greß mit allen gegen zwei Stimmen, nur solche Kandidaten bei den Wahlen zu unterstützen, die sich offen zum sozialdemokratischen Programm bekennen. � � London. 80. August 1890.* Das Interesse an dem über- morgen in Liverpool zusammentretenden Gewerkschaftskongreß hat sich in den letzten Tagen noch gesteigert. Er scheint in der Thar eine Bedeutung anzunehmen, wie seit langem kein gleich- artiger Kongreß. Die Beschickung übertrifft die weitgehendsten Vorausberechnungen. Während z. B. der vorjährige Gewerkschaftskongreß in Dundee 210 Delegirte zählte, die 885 053 orgämsirte Arbeiter vertraten, sind diesmal nicht weniger als 423 Delegirte angemeldet, und die Zahl der vertretenen Arbeiter dürfte nicht viel unter 2 000 000 betragen. In diesen Zahlen prägt sich nicht nur der groß- artige numerische Aufschwung aus, welchen die Gewerk- schastsbewegung im Laufe des letzten Jahres genommen, sonder» auch das Interesse, welches die organisirte Arbeiterschaft dem Kampf entgegenbringt, der in Liverpool zur Entscheidung kommen soll. Dieser Kampf erschöpft sich keineswegs in der Wahl des_ neuen Sekretärs für das parlamentarische Gewerkschaftskomitee an Stelle des zurücktretenden Broadhurst, noch fällt er zusammen mit dem, was man den Gegensatz zwischen dem alten und dem neuen Trades-Unionismus genannt hat, d. h. zwischen den Gewerkschaften der gelernten und denen der ungelernten Arbeiter. Denn so heftig auch um die Person des neuen parla- mentarischen Sekretärs gestritten wird, so kommen für diesen Posten doch so viel persönliche Eigenschaften in Betracht, daß das prinzipielle Moment dabei ziemlich zurückgedrängt wird. So werden z. 23., wenn der radikale„Star" recht berichtet ist, die Londoner Delegirte» vorgeschrittener Richtung für Herrn Shipton stimmen— aus „lokalen Rücksichten", d. h. wahrscheinlich um den Posten des Sekretärs im Londoner Trades-Council für einen der Ihren frei zu bekommen. Beiläufig eine Taktik von sehr problematischem Werth, aber man muß diese Dinge in Betracht ziehen, um davor geschützt zu sein, dem Ausgang der Wahl eine übertriebene Bedeutung beizulegen. Was den neue» Trades-Unionismus anbetrifft, so hat das Beispiel der berühmtesten der neuen Unionen, der Dockergewcrk- schaft, gezeigt, daß man Gewerkschaft der Ungelernten sein und sich sehr schnell den Traditionen der alten Gewerkschaften an- passen kann. Die Instruktionen, welche die Dockerunion ihren Delegirte» nach Liverpool mitgegeben hat, sind der Zustimmung selbst des konservativsten Gewerkschaftlers sicher, während die Londoner Delegirte» so uralter Gewerkschaften, wie die der ver- einigten Maschinenbauer und die der Schrillsetzer, für den gesetz- liehe» Achtstundentag, d. h. eine» radikalen Bruch mit den alten Gewerkvereinsprinzipien, stimmen werden. Hier ist der springende Punkt, bei dessen Diskussion die Geister auf einander platzen werden. Nicht um eine neue Gewerkschafts-, sondern um eine neue Arbeiterpolitik handelt es sich, um die Erkenntniß und das Be- kenntniß von der Unzulänglichkeit des rein gewerk- schastlichen Kampfes. Mit anderen Worten, um den Geist des Sozialismus, vor dessen Eindringen die alten Gewerkschaften sich bisher so ängstlich aozuschlicßen fuchten, und der doch überall init Macht vorwärts dringt. Davon wird auch wahrscheinlich die Ansprache des diesmaligen Kongreßpräsidenten Zeugniß ablegen. Es dürste die Leser des„Berliner Volksblatt" interessiren, etwas Näheres über diesen Mann zu erfahren. William Matkin, Generalsekretär der Gewerkschaft der Zinimerleute und Bauschreiner, steht im 45. Lebensjahre. Er ist der Sohn eines Schreiners und hat das Gewerbe seines Vaters erlernt. Seit 20 Jahren gehört er der genannten Union an, und war bereits im Jahre 1867 Sekreträr der Londoner Zweigsektion derselben. Im Jahre 1880 wurde er zum Generalsekretär des ganzen Verbandes gewählt und ist 'eitdeni dreimal ohne jede Opposition wiedergewählt worden. Wie T. R. Threlfall schreibt, ist W. Matkin feit langem Anhänger eines AchtstundengesetzeS für alle Arbeiter, tritt für die Nationalifirung des Grund und BooenS, sowie für die Bildung einer unabhängigen Arbeiterpartei ein.„Matkin." heißt es weiter,„gehört zu jener Gruppe alter Gewerkschaftler, die den Aufschwung der Arbeiterbewegung mit Freuden begrüßten und ihren Wortführern als Brüder zujauchzten. Er wird, das unter- leht keinem Zweifel, in seiner Ansprache darauf Bezug nehmen". Von dieser Ansprache schreibt Threlfall noch:„dieselbe wird, wie ich aus guter Quelle berichten kann, einen durchaus vorgeschrittenen Geist athmen, und, wenn sie auch manchem mißfallen wird, doch allen denen Genugthuung gewähren, die eine thatkräftige fortschrittliche Politik der Gewerk- 'chaften für nothwcndig halten." Hoffen wir das und nehmen wir es weiter als ein günstiges Omen, daß gerade Threlfall, der für den Posten des parla- mentarischen Sekretärs kaudidirt, Matkin ivegeu seiner vorge- chritteuen'Ansichten preist. Er würee es sicher nicht thun, wenn er dadurch seine Kandidatur zu gefährden glaubte. Die Londoner Blätter bringen bereits die Biographien der hervorragendsten Delegirte», der radikale„Star" auch ihre Portraits. Ebenfalls ein Beweis, wie sehr die Arbeiterbewegung in den Vordergrund des öffentlichen Interesses getreten ist. Was den Kongreß gleichfalls gegenüber seinen Vorgängern auszeichnen wird, wird die größere Zahl der weiblichen Delegirte» sein. Es fehlte zwar auf den früheren Kongressen nicht an solchen, aber sie spielten doch nur eine sehr unbedeutende Rolle. Die Arbeiterinnenbewegung war ein sehr verkümmertes Pflänzchen, das nicht gedeihen zu wollen schien. In Dundee waren z. B. nur zwei Arbciterinnenvereine vertreten, die zusam- zeugend dargethan, daß Niemand, der diese Alten las, an derselben zweifeln konnte. Nodensels befand sich mit dem Spieler in einem Hinter- stübcheit der Wirthschast, wohin sich Beide aus dem großen Saale zurückgezogen hatten. Ihr Spiel währte noch nicht lange— eine Viertelstunde mochte es gedauert haben—, da entspann sich ein Wortwechsel, dem bald ein heftiger Streit folgte. So heftig, daß, gefolgt von der Wirthin, mehrere Gäste herbeistürmten, die in der anstoßenden Stube zechten und Billard spielten. Sie fanden ihren Kameraden leblos auf dem Boden. Rodensels hatte vor ihrem Eindringen schon die Flucht ergriffen. Aus der Kopfwunde des Todten floß im Strome das Blut und tränkte den hellen Anzug schauerlich roth und versickerte im Fußboden der engen Stube.... � Am frühen Morgen des neuen Tages erfolgte die Ver Haftung Rodensels. Schon sein Rockärmel verrieth ihn; er war blutbefleckt. Als weiteres corpus delicti legte man ein Portefeuille vor, daS die Initiale„ö. v. R." in feiner Stickerei trug und das man neben dem Leichnam des Spielers gefunden hatte. Er mußte dasselbe in der Hitze deS Streites aus der Tasche verloren haben. Endlich war der Ange- klagte, trotz seiner hartnäckigen Behauptung, er sei in dem Augenblick, als der Mord begangen worden, nicht mehr m der Stube gewesen, nicht im Stande, sein Alibi nachzu- weisen. Während ein Nachtwächter, der als Zeuge ver- nommen worden, sagte, er habe den ihm wohlbekannten Rodensels ans der Spelunke auf die Hauptstraße hinaus- stürmen sehen, von wo er wie ein Wahnsinniger m das nächste dunkle Gäßchen eingelenkt habe. Der Zweck d-s Mordes schien klar au der Hand zu liegen und'Pt diesem »MW Angeklagte zwar, er habe denselben von der Besitzerin des Lokals, in welchem die Ermordung des Spielers stattfand, einer gewissen Schrödter, schon vor zwei Tagen für ein goldenes Medaillon erhalten, das diese ihm abgekauft habe. Allein in ihrer Zeugeneinvernahme bethenerte die Schrödter, ie hätte den Angektagte» niemals weder ein Medaillon, noch irgend einen anderen werthvollen Gegenstand abgekauft. Rodenfels dagegen beharrte in allen Verhören auf seiner Angabe. Doch mußte dies in Anbetracht der Aussage der Schrödter als eine Lüge aufgefaßt werden. Gleichwoht fand ich es rathsam, ja geboten, die Behauptungen Roden- fels nicht außer Acht zu lassen, da mir die Glaubwürdigkeit dieser Frau durchaus nicht über alle Zweifel erhaben schien. Lange Zeit saun ich über die Aussagen der Schrödter nach, und je länger ich sann, desto schwankender erschienen mir dieselben. Schon der einzige Umstand, daß ein von Rodenfels so tief sinken konnte, um sich ein gemeines Verbrechen zu Schulden kommen zu lassen, war etwas höchst Seltsames. Mögen junge Leute von der Abstammung meines neuen Schutzbefohlenen auch fehlen, ja sogar schwer fehlen, sie meiden es doch stets peinlich, dies vor der ganzen Welt zu thun und sich damit„gemein" zu machen; und mögen sie noch so charakterlos und niederträchtig handeln, der ihnen angeborene Stolz läßt sie immer noch eine gewisse Rück- Mt auf ihren Stand nehmen und nichts scheuen sie so sehr, wie die Straße, die Blicke des Pöbels... Das Her- niederstreigen eines hochgeborenen Edelmannes in die Tiefe, auf deren Boden die Wellen sündhafter Freuden des Aus- wurfS der Gesellschaft rauschen, war unter Annahme außer- ordentlicher Umstände schlechterdings erklärlich,— aber welche Erklärung konnte dieThatsache finden, daß ein Sohn reicher Eltern einen Menschen ermordete, um ihn der armseligen Summe von fünfzehn Rubeln zu berauben? Und doch stand die» trotz all' des hartnäckigen Lengnens des Angeklagten als un- nmstößliche Tyatsache fest. Aus den'Akten war für das Räthsel keine Lösimg zu finden. So blieb mir nur übrig, dieselbe in dir Lebens- geschichte des jugendlichen Verbrechers zu suchen nud nach den tiefereu Ursachen der unglückseligen Handlung zu forsche». men 230 Mitglieder zählten, außerdem hatte eine lokale gwI welche feste Beziehungen zwischen der konservativen b leitung und dem Blatte herstellen. Die neue Redaktion t( klärt, alle Gehässigkeit im Parteikampfe vermeiden. unsachliche Polemik ausschließen und die begehrlichen nicht nach dem Abonnentenkreise anderer konservativer ausstrecken zu wollen. Es heißt in der Mittheilung an% w '>enskrüftiaen Partei müssen versttz' zu abonniren, in weichem er sicher ist, die Ansicht der F Kreise der konservativen Partei vorgetragen und, wo dies der Fall, dies deutlich ausgesprochen zu sindeu."— D. B' müßte das„Deutsche Tagebl." jene Beziehungen zu der# konservativen Partei gewonnen haben, um welche sich die AUg. Ztg." vergeblich bemüht zu haben scheint. Ob im die neueste Häutung des„Deutschen Tagebl.", das nach e» gouvernemental, konservativ, antisemitisch,»ationallibei'sti([fi( noch Einiges gewesen ist, dazu beitragen wird, ihm endlwj � weiter: In jeder lebenskräftigen Partei raüss Strömungen bestehen, die der Individualität Behagen räum gewähren, und deren Zusammenfassung erst kurz Mündung den starken Strom der von einem Willen benJ'y und»ach einem Ziel strebenden Partei ergiebt. Wo also � „Deutsche Tagebl." dem Leser einer anderen konservative» zur Ansicht unterbreitet werden sollte, ist die Absicht keine an �, als ihm die Frage vorzulegen, ob seine Vermögenslage% stattet, neben seiner gewohnten Zeitung noch auf ein dauerhaste Grundlage zu sichern länger», bleibt abzuwarten und seinen Le'bensfaden Li cor Windthovst ist ein vorzüglicher Komödiant, n*- der Leipziger„Wähler". Um die Zentrumswähler z» zuhalten, die durch sein schnödes Spiel in der Militärfrage So klar die Thatsache des Verbrechens vor mir lag, s». Ast stand für mich fest, daß die Motive, welche Rodcnscl... demselben bewegten, keineswegs nur in angeborenen Ch?*« � eigenschaftcn ihren Ursprung hatten. Unstreitig giebt es � gehenerlichkeiten in der Welt genug, aber nur selten die cmgcoorene Natur emsschließlich ihre" zu sein. Meistens sind sie die Folgen"SN fachen, deren Wurzeln tief in der Vergangei � des Menschen liegen, von Ursachen, die immer größeren Schatten ans das gesimde Gemüth das Gewissen lähmen und ihr Opfer bis zur Tollheit trc, Jeder Fehler ist aus den Umständen zu erklären, � Jui vorangingen und denen, die ihn begleiteten. Wie � B ungesunden Boden nur verkrüppelte und kranke tfiLii' entspringen, so entstchen kranke und gebrechliche Meist � charaktere in moralisch ungesiinden Sümpfen. SolUe, der Boden, auf dem der junge Rodenfels aufgewachseä � diesen mit giftigen Säften genährt haben? Solches ich wiederum nicht wohl annchmeii, und diese WidersF zu lösen, war min die Aufgabe, welche all' mein Deine Anspruch nahm und meinen Eifer anregte. Ich nwjm Schleier des Geheimnisses lüften und Licht in das D" bringen. Den Morgen darauf gefängnis begab ich mich in das 0# Nicht zum ersten Mal betrat ich diese Stätte der% und Buße. Hohe Mauern, an deren Ecken Schilderhaus.� wie angeklebt standen, umgaben das düstere große®e ,'j. in dessen Inneres man durch einen geivölbten Flur gelst Eine massive, mit cisernen'Riegeln nud Stangen verMp Thür schloß den letzteren von außen ab und eine st Wache hielt innen Tag und Nacht Posto. Der breite, st wölbte Gang mündete in einen langen, schmalen, gepsiaste.st Hofranni, der, begrenzt durch hohe Seitensiiigel und ein jU minder hohes Olnergcbände mit kleinen vergitterten Fen! B mehr einem riesigen Schacht als einem Hose glich, dem emporschaiieiide» Ange nur ein Streifen, ein säst' st Streifen Himmel zeigte. Durch ein zweites Thor im$ ,,„1 gründe des Qnergebändes sah man einen zweiten, sti schmäleren Hofraum, in welchem in der Runde die o #"&/. nuiß er ihnen weismachen— nach bekannten n, J,*™~®QP ihnen furchtbare Gefahren drohten, aus denen :.,J ihn allein gerettet werden könnten. Und so dichtet er an JifrA®taai schreckliche Pläne gegen die arme verfolgte Kirche t>A« er T i551 böse Staat— zwar nicht verschlingen, aber bertv«??' nnd in Ketten und Banden legen wolle. b«m o i® vorigen Donnerstag in seiner Schlußvorstellung uu, diot».®"iag denn auch so herzzerbrechend drauf los, daß s�,®?f.und jenem alten Weib männlichen und weiblichen Ge- LL f. die Haare zu Berge standen. Gelegentlich streifte er tVn» l?ömle Frage und verübte bei dieser Gelegenheit folgende fammr� V�e=„Die soziale Frage hat noch jede Katholikenver- beschäftigt. Zinch der Papst und das Zentrum haben iungst die Wichtigkeit dieser Frage erkannt und Bischof Pit zuerst bahn»rechend dargelegt, wie sie im christlichen a«-i» gelöst werden könne. Erst die kaiserlichen Erlasse haben oen«n?ß �"dlich diese Bestrebungen auch oben gewürdigt wer- m,'..Ww stehen mit Freuden zu unserem Kaiser und legen ein gegen die Blätter, welche gegen dieses Vorgehen ihre twa r® �eben. Wenn angedeutet wird, man gehe zu weit, . �ubisuge Maß wäre überschritten, so ist das nicht wahr; wenn t-f,. � uou den Arbeitern überschritten wird, dann ivird das mrui» Front gegen die Arbeiter für die Arbeitgeber machen. vi. jLbenilt die Hintermänner jener Zeitungen und wird sie an dem r bringen. Ter gemeinsame Feind ist die Sozial- w-!.„»ch war immer gegen Ausnahmegesetze. Vor dem «in rS nui'"''cu wir alle gleich sein. Allein es wäre doch wohl .,?öUch, daß Vorkehrungen im Vereinswesen und der Literatur fnu r werden müssen, um die Umsturzideen mit größerein Er- . P»U bekämpfe»."'Also: die'Arbeiterfordcrungen sind bcrcch- tul' unb bie Sozialdemokratie, welche diese berechtigten Forde- ' ß®'' Zuerst aufgestellt hat und sie fortwährend verficht,„ist der 'ju, l'Kch'e Feind!" biun, für einen Kautschukmann sind solche Mlöäunte das reinste Kinderspiel. Was nun aber die„christ- rn�ti �bfung der sozialen Frage durch die Kirche betrifft, so wir Herrn Wiudthorst bloß auf die neueste italienische i«.>1'■ aufmerksam machen, welche uns belehrt, daß der ärmste w ,w puncto der Sittlichkeit liefstcheudste Thcil Italiens der i». wch�astaat ist, wo die Kirche anderthalbtausend Jahre laug L'„christliche" Lösung der sozialen Frage unmittelbar betrieben «ibek �bren Früchten sollt ihr sie erkennen", heißt's in der .. Z.n der beabsichtigte» Zieform der Einrichtung der Fa- tu« bl'ektore» erfahren die„B. Pol. Nachr.", daß eine zwei- �Wge Organisation nach dem Muster der Medizinal- und Bau- "walUmg in Aussicht genommen ist. Im Uebrigen schweben »er die Einzelheiten die Erörterungen noch.— Herr Schwein- UP hat die Glocken offenbar aus weiter Ferne läuten gehört. m Das realttionäre sächsische Urröinsgcset? zum deutschen �ereinogesetz zu erheben wünscht der„Hamb. Korr." Er sagt es i�ar nicht offen, aber man muß zivischen den Zeilen folgender •wch in anderer Beziehung interessanten Ausführungen zu lese» "liehen:„Besonders augenfällig ist der Unterschied zivischen der breußffchen und der sächsischen Gesetzgebung. In Preußen fehlt "ne Handhabe für das präventive Verbot einer Verfammlung, in Achsen dagegen kann jede Versammlung untersagt werden, deren oweck es ist,„Gesetzesübertretungen zu begehen, dazu aufzufordern °�r dazu geneigt zu machen". An der Hand dieser Bestimmung f�U-e sich die sächsische Polizei ohne Zweifel für befugt halte», Sfn für Oktober in Aussicht genommenen sozialdemokratischen Parteitag zu verbieten. Die preußische Regierung muß die Ins- ■Jjttksetzung desselben in Halle ruhig geschehen lassen. Da nun ?°kr anzunehmen ist, daß die schärferen Befugnisse, wo sie be- Wen, im gegebenen Falle auch zur Amveiidung konnnen werden, s» läßt sich vorhersehen, daß alsbald die lebhaftesten Klagen "oer schreiende Ungleichheit zum Ausdruck kommen iverden. Aber "'cht das allein, sonder» es wird sich apch die natürliche Folge Aeben, daß die agitatorische Bethätigung der sächsischen Sozialdemokratie sich so viel ivie mogsich auf preußisches Gebiet erlegen ivird, was der sächsischen Regierung, bereit Gesetzes- .�Jfeerfnmg dadurch ein Schnippchen geschlagen werden würde, j-%) wenig angenehm sein kann wie der preußischen. Kurz, es i" Zu befürchten, daß sich nur zu bald ganz unlerdlichc Zustände e Ausbilden werden, deren Abstellung von allen Seiten als .Agend uothwendig anerkannt werden wird. Abhilfe aber „!mle natürlich nur im Wege einer einheitlichen Gesetzgebung »stunden werde». Es könnte alsdann die Frage aufgeivorsen Arle,,, ob man ein allgemeines Reichsvereins- und Versamm- A'gkgesetz erlassen oder ov man wieder den Weg einer nur ans fj® Sozialdemokratie zugeschnittenen Spezialgesetzgebung be- Mitten solle. Bei der Zusammensetzung des gegenwärtigen Aich, tags wäre für letzteres wenig Aussicht. ES bleibt also nur il? andere Theil der Alternative. Interessant ist, daß bereits !' letzten Winter in der Kommisston für das Sozialistengesetz Lentruu.sabgeordnete Rinteleu, welcher gegen die Verlange- Mg des Gesetzes war, die Rothwendigkeit eines einheitliche» >>, ,chk-Vereinegesetzes betonte und ein solches beantragte. Da- uals blieb er ganz allein. Im nächsten Winter wird ihm von in rerschiedensten Seiten Siecht gegeben werden. Tie Roth- "gleit eines derartigen ReichSgeseyes wird sich bald heraus- Ob aber die Gegner des bisherigen Sozialistengesetzes .wen. w Verbrecher ausliefen. Am hellste» Tage herrschte dort ®ln nnheimlicheS, niederdrückendes Dämmerlicht. Ich thcilte einem herbeigeeilten Wärter nnt, daß tch n An. Rodeufels zu sprechen wünsche. Ann», ül diesem Augenblick abwesend," erhielt ich zur Acirü0--Er befindet sich in der Küche, da heute die bVjJ 011 ihm ist, den Gefangenen das Mittagsmahl zn liem i wenigen Minuten kaim er da sein, die Küche M. M Erdgeschoß.... Wollen Sie, Herr Doktor, die haben, im Sprechzimmer ein wenig zn warten?" odfAm. 30,9 vox' in» Flur zu stehen; es ließ sich hier, «u J'i QUck) da die Lnst nichts iveuiger als gut oder gar foiirfit« 1?clV/ noch besser athmcn, als in der engen, hlerei,• 111 verstaubten Sprechstnbe. Außerdem nahmen in, o."lgeGefangeitc uicine Aiifmerksamkeit ist Anspruch, ivelchc �estältt täglichen Nahrung harrten. Es ivaren dies � oft ich sie sah, mein regstes Interesse er- bsit p"' Angethail mit groben Kitteln, gekrümmt und mager, los-,, Jä..ÖfWownem Haar, ausgedninenen oder hohlen, färb- A»�,. Ariern mit düsteren, zynisch-stniupfen oder leidendem lvaren sie das lebende Bild der iSünde, de» Bcr- Leide,,.?' � Tücke, der Verzweiflung oder heimlich dumpfen iwJ,. die Vetrachtnng dieser Mensche» versunken, gc- »lir.'m"lcht einmal, wie die Seilcuthür des Flurs hinter wAfuct ivurde. fpr«�. �»imt der Gefangene, Herr Doktor, mit dem sie le» ivollten", sagte mir der Schließer. dc>,) sthaute auf. Da jetzt eine Gruppe Gefangener in »u„.p>''r trat, rückte ich ein wenig auf die Seite, um mich Äiej,, n.vM.an die Wand des FlurS lehnen zn könne». ei„ ck flog hinüber nach der Thür, von welcher aus ßlej-F�Ep bewaffneter Soldaten auf mich zuschritt. Ein eiisi.'."Stoß»lit aufgepflanzten Bnjoiictten maschirte voran, fätta,,-...'ä>l>ler in der Rütte deckend, welche in graue Ge- Aifle• 1 sikkleidet, dicke lange Stangen auf den Achseln der.'.m ktwas gebeugter Haltung, gedrückt von der Last vi, d. �.ll Gefäße, die augesüllt mit dampfender Nahrung % Stangen hingen. ich m h"e Gerhard von Rodeufels je gesehen zu haben fand hu doch sogleich ans den Reihen der Gefangenen heraus. an dem, was alsdann von ihnen gefordert werden wird, viel Freude haben werden, das wird man einstweilen bezweifeln dürfen." Zur Fleischthenerung liegen folgende neue Nachrichten vor. In der Zlltmark sind die Fleischpreise plötzlich wieder in die Höhe gegangen, so daß für Rind-, Schweine- und Hammek fleisch 70 bis 80 Pf., für Kalbfleisch 60 Pf. das Pfund gezahlt wird. Trotz der hohen Preise ist es oft schwierig, gutes Fleisch zu erlangen, da die Fleischer oft beim besten Willen Schlachtvieh nicht auftreiben können. Aus Minden wird gemeldet, daß laut Anzeige der Schlachterinnnng vom 1. September ab der Preis des gewöhnlichen Rindfleisches von 60 aus 70 Pf. das Pfund erhöhl werde; bessere und knochensreie Maare kostet entsprechend mehr. Der Grund liegt im Viehmangel. Eine derartige Fleisch theuenmg sei noch nicht dagewesen. Unter den obwaltenden Verhältnissen werde der geforderte Preis dem größten Theil der Arbeiterbevölkerung und anderen kleinen Leuten unerschwinglich sein und ihnen hinsichtlich der Fleischnahrung die äußerste End haltsamkeit vorschreiben. Sie befürchten einen kostspieligen Winter, der sie sehr gegen ihren Willen in die Reihen der Vegetarianer zwingen kann. Aus Rntibor in Schlesien schreibt man, daß von den aus dem Fleischmarkt von den Landfleischern eingenommenen Verkanssstcllen seit einiger Zeit eine nach der anderen aufgegeben werde. Einer dieser Fleischermeister ist unter die Steinklopfer gegangen. Zluf eine an die erwähnten Landfleischer gerichtete 'Anfrage, warum sie ihr Handwerk an den Nagel gehängt hätten, wurde erwidert, das Risiko, das der kleine Fleischer bei den gegenwärtigen hohen Viehpreisen durch Ankauf eines Stückes Schlachtvieh eingehe, sei zu groß.„Denn," meinten die betreffen- den Fleischer,„die Leute bei uns auf dem Dorfe gönnen sich zetz' fast gar nicht mehr den Genuß von Fleisch und sind froh, wenn sie saure Milch und Kartoffeln haben. Wenn wir aber an einem ausgeschlachteten Stück etwas verdienen, so ist der Verdienst so gering, daß wir damit die nvthigsten Bedürfnisse unserer Familien nicht bestreiten können." I» Kvandenbnvg a. A. sprach am Montag Genosse Paul Singer vor einer stark besuchten, vom besten Geiste beseelten Volksversammlung über die Thätigkeit des Reichstages. Die Ver- aminlung stellte sich vollständig auf den Staudpunkt des Rest- reuten, sprach der Fraktion ihr Vertrauen aus und billigte die bisherige Taktik der Partei. Lripzig, 1. September. Das Unerhörte ist geschehen, tm „Leipziger Tageblatt" wird ein längeres Schreiben veröffentlicht, dessen Verfasser den Rath giebt, sich mit der Thatsache, daß das Sozialistengesetz fällt, abzufinden, und zwar dergestalt, daß man „allen übermüßigen Forderungen der Sozialdemokraten sich ent- gegenstelle",„andererseits aber auch billigen Wünschen Gehör gebe"— damit endlich ein erträgliches Verhältniß zwischen Arbeitgebern und Arbeitern zu Stande komme. Das„Tage- blatt" bemerkt dazu, es könne sich mit der Aushebung des Sozialistengesetzes noch immer nicht befreunden, könne also die Anschauungen des Schreibers nicht zu den seinigen machen, und hoffe nur, daß die Behörden alle Waffen, ivelche die landes- gesetzliche» Bestimmungen gegen die„Nmfturzbestrebungen" bieten, energisch zur Anwendung bringen. Nun, daß das„Leipziger Tageblatt" zur Vernunft kommen werde, hat wohl Niemand erwartet'— es ist jedoch immerhin bezeichnend, daß auch in den Kreisen unserer Bourgeoisie,— und aus solchen stammt daS fragliche Schreiben— die Gemein- g e s n h r l i ch k e i t der bisherige» Hetzpolilik begriffen zu werden beginnt. Es gehört aber auch eine Knrzfichiigkeit ohne Gleichen dazu, um die schlimmen Folgen nicht zu sehen, welche die systematische Klassenverhetzung haben muß, wie sie vom„Leipziger Tageblatt" und der„Leipziger Zeitung" seit Jahren betriebe» wird. Letztere ist freilich dem ersten»och beinahe„über"— obgleich man dies für unmöglich halten sollte. Wenn bei uns im gemüthlichen Sachsen die Sozialdemokraten nicht als Staatsbürger zweiter Klasse betrachtet würden und der famose Grundsatz zur Geltung gelangt wäre, daß einem Sozialdemokraten kein Unrecht gethan werden kann, dann würde jede Nummer der„Leipziger Zeitung" genügendes Belastungsmaterial liefern, um die Re- daktion des obersten Amtsblattes wegen Ausreizung der Bevölke- rung- klaffen gegen einander auf Monate hinter Schloß und Riegel zu bringen. Erfolge der. Antifemitismus bei de» Aristo Krake» berichten die autisemilischen Blätter mit großer Genugthuung. So weist der„Reichsherold" darauf hin, daß eine Freifrau von Thüngen in Zeitlofs bei Brückenau am Eingang ihres Parls eine Aufschrift tzabe anbringen lassen, welche läutet:„Hunden, Juden und Jüdinnen ist der Eintritt untersagt." Und das Werner'sche„Reichsgeldmonopol" erwähnt in einer Schilderung deS in'Anwesenheit der Abgeordneten Böckel, Werner und Pickenbach eröffneten ersten nutisemitischen Jahrmarktes zu Längs- dorf(Oberhessen), daß„auch der Fürst Lich mit einer Prinzessin den Markt auf eine kurze Zeit mit ihrer Gegenwart beehrten, und sich sehr anerkennend über denselben aussprachen." Christliche Uollisbildue»'. Dem„Hamb. Echo" liegt das Protokoll Her kürzlich abgehaltenen Generalversammlung des Vereins für christlick.e Volksbildung"(protestantischer Richtung), dessen Hauplmatadoreu selbstverständlich die Herren Pastoren I" Ter Jüngste unter ihnen, trug er in seiner schlanken und geschmeidigen Natur eine gesunde Kraft zur Schern; sein Antlitz von zarter Blässe ttind das Paar große blaue Auge», aus denen ein heller Schimmer leuchtete, konkrastirteu gar wohlth'uend mit den gebrochenen Gestalten, den groben verwachsenen Gesichtern seiner Gefährten. Sie bewegten sich langsam und bchuisatnen Schrittes Beim Einbiegen in den Hosraum gericth die Abtheilung, in welcher Rodeufels sich befand, ins Stocken«ud ich sah ganz deutlich, ivie der Hintermann meines Schützlings, der das zweite Ende der Stange mit der Hand ans der Achsel unter- stützte, den Schritt zurückhielt und den Arm ivie ermüdet herabsinken ließ. „He Freund!" rief Rodensels, ohne umzusehen,„recke nur Deine Glieder und mach', daß wir ivcitcr kommen! Denkst, ich werde Dich gar ans meine Schultern nehmen, wie?"- Seine Stimme hatte einen hellen, jugendlichen Klang. seiner Znrechlivcisung lag ein Befehl, zugleich aber auch der Ton des Muthivillcns und der Zärtlichkeit. Der alte gebeugte Mann gab sich daraufhin sichtlich alle Mühe, richtete sich, so gut es. ging, gradans und setzte sciucn Gang mit sicherem, gleichmäßigem Schritte fort. Ans dem Hosranm angelangt, machte der Zug Halt, die Sträflinge ließen ihre Last erleichtert ans den Boden nieder und die Soldaten zogen sich zurück. Nun stürmten und drängten von allen Seilen die Sträflinge mit irdenen Schüsseln»ud hölzernen Löffeln zn den dampfeiidc» Kesseln. „Soll ich jetzt Rodeufels herbeirufen?" fragte mich der Wärter, schon zum Gehen bereit. „Lassen Sic ihn erst sein Mittagsmahl einnehmen," versetzte ich,„es hat ja keine Eile, ich kann warten". Ich wollte die Gelegenheit benutzen, die sich mir bot, den jungen Gefangenen unbemerkt von der Ferne bcob- achten zu können; auch erweckte die ganze lärmende Szene mein lebhaftes Jutcrc sse. Ter Wärter kannte mich seit Langem, achtete meine Stellung und ließ mich daher ge- währen. Er führte mich zu einer Bank, die im Hintergründe des Flurs stand, und ließ sich neben mir nieder. (Fortsetzimg folgt.) sind. Welcher Art die„christliche Volksbildung» ist, die diese daß die Strafgefangenen gute Verpflegung genössen, Ein Pastor Weber beklagte, jetzt eine humane Behandlung und daß sie in luftigen properen Räumen untergebrächt seien und daß sie nicht, oder nicht genug geprügelt würden.(!!!) Wir empfehlen diesem humanen und christlichen„Diener Gottes" sich Mal folgende Ausführung des Dr. Meiners zu merken: „So ist es eine längst bekannte Thatsache, daß die Gefängniß- bewohner, deren Lungen den denkbar größten Mangel an allem leiden, was zu einer gesunden Lungenthätigkeit gehört, eine bei weitem höhere Sterblichkeit an Lungenschwindsucht aufweisen, als die freilebende Bevölkerung. Im Jahre 1887 kamen beispiels- weise auf 100 Todesfälle aller Art solche an Lungenschwindsucht im gesammten Königreich Sachsen noch nicht 9, in der Stadt Dresden 15, in der Strafanstalt Zwickau aber 25, in der Kor- rektionsanstalt Hohnstein-Radeberg 40 und in der Strafanstalt Waldheim sogar 57. Den höchsten Grad erreicht die Schwind- suchtssierblichkeit in den Zellengefängnissen, in denen es vorge- kommen ist, daß unter 100 Todesfällen 95 Mal Lungenschwindsucht die Todesursache war." Als besonders schlagfertiger„Volksbildner" erwies sich Pastor Arndt ans Volmarstein, welcher wörtlich Folgendes sagte: „Meine Herren! Wir treiben Volksbildung, und nach meiner Ansicht gehört die Prügelstrafe auch zur Volksbildung(Heiterkeit), und glauben Sie mir, sie ist ein entschieden praktisches Erziehungs- »nttel; denn wenn das geschriebene und gedruckte Wort nicht hilft, dann muß der Stock helfen.... Man hat hier ordentlich das Bewußtsein,„gehauen muß werden"; es juckt einem ordent- lich in den Gliedern, wenn man das rohe Treiben junger Menschen sieht, und die Faust möchte man auf diese Sorte uiedersallen lassen. Es geht absolut nicht mehr anders!" Nachdem so das Eis der„christlichen Liebe" glücklich ge- krochen, flutheten die Wogen der Prügeldebatte lustig dahin. Pastor Steininger erklärte: „Auch ich habe die Empfindung, daß geprügelt werden muß". Derselben„christlichen" Empfindung gab der Vorsitzende, Pastor Weber, Ausdruck, welcher als Sohn eines Gerichtsdircktors Gelegenheit gehabt hat, den„Segen" der Prügelstrafe auS eigener Anschauung kennen zu lerne».— Pastor Rebensburg aus Köln scheint von der Ansicht auszugchen, es sei ein großer Fehler vom Stifter des Christenthums gewesen, daß er das barbarisch mosaische Strafgesetz in das Moralgesetz der Liebe und Vergebung umge- wandelt. Er sagte: . Es ist ein großer Fehler, daß man vor dem„Auge um Auge, Zahn um Zahn" abgewichen ist. Jede Strafe muß in exekutiver Beziehung in einem Konnex stehen mit dem zu sühnenden Verbrechen, es muß gewissermaßen ein philosophischer Zusammenhang bestehen, und da giebt es viele Berbrechen, bei denen das Rechtsgestihl deS Volkes(!?!) ich unabweislich so ausspricht:„Der Kerl mllß Prügel haben!" Zch möchte wünschen, daß die Versammlung einstiimmg dem 'Antrag beitreten und nicht„humane" Gedanken vorwalten lassen möchte." Nun sprach Dr. Rocholl, er war gewissermaßen für Prügel, die nicht weh thun, für Einführung einer„rationellen" Prügelstrafe, wie er es nannte; ein Pfarrer Hahn auS der Schweiz war auch für christliche Volksbildung durch den Ochsenziemer, und Pastor Arndt meinte:„Die sogen. Tortur soll uns nicht ab- chrecken und Selbsthilfe lhut uns oft Roth, und wozu giebt es berechtigte Lynchjustiz? Lassen Sie uns ruhig dazu übergehen und uns nicht von dem„humanen" GesichtSpunlt leiten."— Nachdem sich auch Pastor Lange aus Rcydt für Prügelstrafe und Lynch- insttz ausgesprochen, wurde ein dieses„christliche Volksbildungs- mittel" empfehlender Antrag fast einstimmig angenommen. Der „Humanitätsdusel" war durch die„Diener Gottes" glücklich unter- drückt.„Gehauen muß werden!" Ei» sehr»»güufligrs Licht auf den Gesundheitszustand in Finschhafe» in Neu-Guinea, dem Hauptort von Kaiser Wilhelms- Land, ivirft ei» Buch von Dr. Schellong über die Malariakrank- heile». Schellong war als Abgesandter der Steu-Gnineagesellschaft in der Lage, mehrere Jahre hindurch an der Küste von Kaiser Wilheln»-Land Untersuchungen anzustellen. Obgleich die allgemeine» Bedingungen in Finschhafen nicht ungünstiger sind als au anderen dortigen Küstenorten, ertränkten gerade in Finschhafen fast alle dort anwesenden'Angehörigen der verschiedensten Rasse»: Europäer, Malayen, Chinese» und Melanesier in nur wenig wechselnden Prozentsätzen. Bon allen Europäern erkrankte nur ein Herr wahrend der ganzen Zeit seines 16 monatlichen Aufenthaltes nicht ein einziges Mal; ihm ist es zu danken, daß die Malariastatrstik Finschhnsens nicht 100, sondern nur 99 pCt. Erkrankungen auf- weist. Aus der mitgetheilten Tabelle ergiebt sich, 1. baß der Europäer, welcher lO'/a Monate in Finschhafen lebt, im allge- meinen die Aussicht hat, während dieser Zeit ungefähr neun Mal am Fieber zu erkranken, 2. Frauen und Kinder nicht häufiger als Männer erkranken, 3. anämische, verwöhnte oder sonst herunter- gekommene Personen daS Klima am allerschlechteslen verlragen und in der vorhin angenonnnenen Periode im Durchschnitt fünf- zehn Mal erkrankten und in ihrer Gesundheit schwer geschädigt wurden. Ana dein Saarkohlengrliirt, 30. August. Regen Verbreitung sozialistischer Schriften wurde das Vorstandsmitglied des lltechtsschutz-Vereins, sowie Vertrauensmann für Dudweiler und Vorsitzender des Saalbau-Koinitees, Herr Nieser aus Dudweiler, von Grube Dudweiler abgelegt. Este», 31. August. Heule fand hier eine starkbcsuchte Berg- mannvrrsammlung statt, in welcher sowohl der alte wie der neue Verband vertreten war. Der Vorsitzende Ballmann gab zunächst einer Freude darüber Ausdruck, daß es endlich wieder gelungen ei, ein Lokal zu finden. Verschiedene Wirthe hätten ihr Lokal orwcigert, weil ei» Druck auf sie ausgeübt werde. Die Kohlen- preise seien augenblicklich noch hoch, die Löhne aber niedrig. Nach dem Preise der Kohlen wollten die Bergleute bezahlt sein. Ein Herr habe ihm gesagt, wenn der Verband nicht bestünde, wolle er 20 000 M. geben, darauf habe er geantwortet: Jetzt sei es noch möglich, die Sache durch Bosriedigmig der Forderungen der Bergleute zu erledigen, später nicht mehr. Ein anderer Redner ersieht sich über den Unterschied beider Verbünde n»d sagt, Diejenigen, welche sich Christen nenne», seien noch lange keine solche. Wenn der Vorstand deS alten Verbandes auch Sozial- deniotralen wären, so waren sie doch noch nicht"schlecht. Tie Zentrmnspresse habe zwischen die Bergleute einen Keil getrieben. Er kenne eben keine katholische» Arbeiter, sondern nur Arbeiter. Markgraf drückt seine Freude darüber ans» daß die Bergleute sich heute so ruhig verhielte» und mahnt, sich weiter so zu verhalte», amit dem Wirthe keine Unannehmlichkeiten entstünden. Wen» man de» Bergmann drücke, dann suche dieser den Druck im Rahmen des Gesetzes von sich abzuschütteln. Redner macht der Presse bittere Vorwürfe, weil sie sich in fremde An- gelcgeuheiten einmische; man müsse die Presse mehr tinkS liegen lasse». Dem Bergmannstaude könne nur durch einen höheren Grad der Bilduiig geholfen werden. Bockum bittet zum BergmannStag in Halle einen Delegirten, und zwar einen Avgc- kehrten-zu wählen, da ein noch in Arbeit stehender Bergmann bei seiner Rückkehr von Hotte den Ablehr sicher vorfinden werde. Unter allgemeiner Spannung ergreift jetzt der bekannte Berg- man» Eckart-Essen das Wort, derselbe, welcher den Pariser Arbeiterkoilgreß besticht hat. Er sagt:„Ihr wollt doch Alle, daß Eure Lage gebessert»verde; wer das ernstlich will, muß sich der Sozialdemotralie anschließen." Er bedauert, daß von 110 000 Bergleuten des Oberbcraamtsbezirks Dortmund noch nicht gar viele in dem Verband sind. Schließlich wird Eckart-Essen als Delcgirter für Halle gewählt. Ingotstadk. Es ist erst kürzlich„Etwas" von der Re- gierung gekommen, sagte der Herr Bürgermeister von Ingolstadt zn dem Einbtruser der Arbeiterversammlung am Sonntag in der dortigen Kasematten-Brauerei. Dem Herrn Büraermeister war nämlich pflichtgemäß mitgetheilt worden, daß der Referent in der Versammlung Herr Boeder aus Nürnberg sein werde und da wollte in Erinnerung an das„Etwas", das von der Regierung kam, der Konsul der Republik Ingolstadt wissen, ob der Breder nicht am Ende gar ein Sozialdemokrat sei. Es konnte jedoch dem besorgten ersten Herrn Stadtvater keine Auskunft crthcilt werden. Die Versammlung wurde abgehalten. Der Saal war bis auf den letzten Platz besetzt. Ueberwacht war sie von sechs Beamten. Folgende Resolution wurde gefaßt:„Die heutige Ar- beiterversammlung erblickt in der gegenivärngen Produktionsweise eine Degenerirung der Arbeiterklasse; sie verpflichtet sich daher, mit allen gesetzlichen Mitteln für die Verbesserung der Lage der Arbeiter einzutreten. Ferner erkennt die Versammlung die Roth- wendigkeit der Vereinigung der Arbeiter an und verpflichten sich die Anwesenden, dem zu gründenden Arbciter-Bildungsverein bei- zutreten." Grogbritannie«. Jin„Freemann's Journal" schreibt Michael Davitt „Im Jahre 1880 erklärten wir Amerika und der ganzen Welt, daß wir niemals wieder für das hungernde irische Volk betteln würden. Zehn lJahre sind vorübergegangen und was ist ge- schehen, um unser prahlerisches Versprechen zu rechtfertigen? Absolut nichts. Hier stehen wir wieder mit unserem ewigen Bettclkasten. Vermehrt das Dorsareal für das Volk in den zu zahlreich bevölkerten Distrikten, setzt es in den Stand, Land, Berge und Weide zu benutzen und das Problem der Kartoffel- krankheit ist gelöst. Außer der Auswanderung giebt es sonst kein Mittel." Der Präsident des Gewerkvereins der Dock- a r b e i t e r erhielt gestern von Melbourne das folgende Tele- aramm:„Geld dringend nöthig zum Kampfe gegen das Kapital. Murphy, Gewerkhalle." Daraufhin schickte Mr. Mann sofort 500 Pfd. Stcrl. nach Melbourne ab, während am Montag die gleiche Summe nach Sydney abgehen wird. Die Schiffs rhederamTyne beschlossen, dem Londoner Rhedervcrbandc, welcher sich gebildet, um die Interessen der Rheder gegen die unbilligen Forderungen von Gewcrkvereinen zu schützen, beizutreten. Die Direktoren der Dublin». Wicklow Eisen- bahn haben sich geweigert, eine Abordnung des Stadtraths der Stadt Bray zu empfangen, welche sich um die Wiederanstellung der Streiker verwenden wollte. Infolge dessen beschloß der Streikausschuß gestern, Delegirte nach London zu schicken, um mit der Zentral-Exekutwe des Vereins der Eisenbahnangestellten zu berathen. Liverpool, I. September. Der Kongreß der Trabes Union ist heute hier eröffnet worden. An demselben nahmen 400 Delegirte, welche IVa Millionen Mitglieder vertreten, dar- unter auch mehrere von Frauen abgeordnete Delegirte Theil. Liverpool, I.September. Der 5kongreß der Trabes Unions hat einstimmig eine von Bnrns beantragte Resolution angenommen, welche die Sympathie des Kongresses für die in Australien Streikenden ausspricht und alle im Kongreß vertretenen Vereine und Körperschaften zu Zeichnungen Zwecks Unterstützung der Streikenden auffordert. Liverpool, 2. September. Der Präsident des Kongresses der Trabes Unions Matkin eröffnete heute die Sitzung mit einer Rede, in welcher er erklärte, die Zeit sei da, um energische Maß- regeln zu ergreifen und den Arbeitern auf dem Wege der Gesetz- gebung den achtstündigen Arbeitstag zu sichern. Ferner sprach sich der Präsident für eine direkte Vertretung der Arbeit im Parlamente und für die Kontrole der Eisendahnen durch den Staat aus. Tie einzige Lösung der Agrarfrage könne nur die Nationalisirung von Grund und Boden sein.(Siehe die Londoner Korrespondenz.) Swansea, I. September. Ein zahlreich besuchtes Meeting von Bergleuten beschloß eine Resolntion zu Gunsten des achtsti'ludigen Arbeitstages. Unter den Rednern befanden sich Charles Dilke und der Dcputirte Francis Evans. Frankreich. Paris, 2. September. Naquet, dereinst die rechte Hand Vonlanger's, nimmt in der„Presse" Abschied vom politischen Leben, indem er zugleich die Niederlegung seines Mandates in Aussicht stellt. Amerika. Washington. 1. September. Der Kougreß M � Gesetz, betreffend den Zusammenstoß von Schiffen aus® genommen._.~.(«!< Washington, 1. September. Senat. Bei � Bernchung kr schlagen der Finanzkommission in welchen'der�Zoll M Wolle und roollmo J-öden aus b-sT SS: für nicht gewaschene Wolle festgesetzt wird. ------ Der gestluae Arbii»!� N e w- I o r k, 2. September. ist überall mit Umzüaen und Festen im Freien 0efeter:,"'«0 Zahl amerikanischer Handivcrke � iif In Pitts bürg griff cnie_. Zug deutscher Bäcker, der die deutsche entriß ihm diese nach kurzem Kampfe und Füße. Das Vorkommniß hat eine gewisse gerufen.., � ow N e w- I o r k, 2. September. Wie eine Depesche des» � Dork-Herald" aus Guatemala uieldet, ist gestern geg � dortigen Vertreter der Vereinigten Staaten, Mizner, o Tochter des Generals Barrundia, Christine Barrunv, � Attentat versucht worden. Das Mädchen trat uns Schreibtische sitzenden Gesandten zu, beschuldigte denselv j Ursache des Todes ihres Vaters zu sein, und feuerte, einen Revolver gegen denselben ab. Der Gesandte blieo � hie** letzt. Christine Barrundia wurde � verhaftet� Ihre Wittwe des Generals Barrundia, hat vom telegraphisch Entschädigung verlangt. New-Iork, 2. September. Bei den Staatswahle» � Arkansas haben die Demokraten mit noch größerer Major» bei den Wahlen von 1888 obgesiegt. Afrika. Kairo, 1. September. Nach einer Meldung (Arabien) sind dort 43 Cholera-Erkrankungen und fälle vorgekommen. In Mekka sei seit Dienstag»»'ff" � Fall mehr festgestellt, die Epidemie werde dort als erlosch gesehen. «'S kein»*"* Theater. Mittwoch, den 9. September Gpernhaus. Der fliegende Holländer. Schauspielhaus. Der Sturm. Serliuer Theater. Maria Stuart. Deutsches Theater. Das Winter- märchcn. Lesstug- Theater. Ein Volksfeind. Friedrich-Mithclmstädt. Theater. Die Puppenfee. Vorher: Leichte Kavallerie. Mallnrr- Theater. Mamsell Ni- touche. Diktoria- Theater. Die Million, oder: Bivat Imperator. Adolph Ernst- Theater. Der Goldfuchs. Kestdruz-Thrater. Marquise. Kellealliance-Theater. Der Dorf- tenfel. KroU'o Theater. Der Troubadour. Ostend- Theater. Der Traum ein Leben. Kausmann's UariötS. Große Spe- zialitäten-Vorstcllung. Theater der Ueichohallen. Große Spezialitäten-Vorstellung. Eonrordia. Große Spezialitäten- Vorstellung. Wintergarten. Große Spezialitäten- Vorstellung. Englischer Garten. Direktion: C. Andress, Alcxander- straße 27c. Auftreten der Chansonnette Fräulein Elirenfeld. Auftreten der Kostüm-Soubrette Fräul. Rosa Valerie. Auftreten des Gesangshumoristen Herrn Ziegler. Austreten des Malabaristen und Equi- lebristcn Mr. Charles. Auftreten des Professors Herrn Jean Cierrnont mit seinen dressirten Schweinen, Esel und Gänsen. Anfang Wochentags 8 Uhr. Sonntags 5l/a Uhr. Entree Wochentags u. Sonntags 80 Pf. 60 Pf. und 75 Pf., im Vorverkauf 20 und 30 Pf. Der Garten ist an Vereine f. Sonnner- festlichkeitenm.Spczialitäten-Vorstellung zu vergeben. Anblijsdcnt Buggenliagen am Mopitzplatz. Täglich; Grosses Garien>Concert. Direktion A. Uödmaun. Dienstag und Freitag: Walser-Abend. Elitree Wochentags 10 Pfg., Sonn- und Festtags 25 Pfg. Bei ungünstiger Witterung in den unteren giestanrationsrnumen. Großer Frühstücks- und MittagStisch. Epczial-Ausschanl von Patzenhoser Export-Bier, Seidel 15 Pf. Die oberen Säle bleibe» bis auf Weiteres wegen Renovirung geschlossen. 041 F. Müller. Passage l Tr. 9 Uhr M. b. 10 Uhr Ab. Kaiser-Panorama. Hervorrag. Sehenswürdigk. d. ffiesidenz. Diese Woche: IV. Cycl. Hochinteressant: IM Zum 1. Mal; Zweite Reise durch Unter-Italien, Si>ilie», Capri. Eine Reise 20 Pf.. Kind nur 10 Pf. Abonnement 1 M. Erinnernngeu v. Feldzug 18T0/?i Mup 8 8#aa*ks Klagen, Eingab., Rath in all. Prozeß- fachen, Einziehung von Forderungen. Pollak, Alexander str. 39, 2 Tr.[1510 MhWschinell n. 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September 1890, Abends 8l/2 u Grosse öffentliche Versammlung � in Keller e Hofjäger, Hasenhaide, Bergmannstraßeu- G#' T a g es- O r d n u n g:. 1. Kasernen und Ferienkolonien. Referent: Herr Stadtv. Fritz Z" 2. Diskussion.___.......... ressi- 3. Berichterstattung der Kommission zur Verbreitung der Arbeiters 4. Verschiedenes. Oer Vorsta»°�> Achtung! Crosse öffentliche Versammlung aller Karton- Arbeiterinnen«. Arbeit Ur. fSSl sm Ei kaiist «ttonj folijei: °s ßci % Uegen Schmie »Mim 'Ä pi. � 3' MWe !!'- ß: S«ehai 'i!c- lich in s ff I 5 d Wen\ pen U R '"ifllic fe ff U fachte A s. Donnerstag, den 4. September, Abends 8V2 Uhr, bei Jordan, Neue Kriinsff:� 3. Tagesordnung: 1 Abrechnung vom Streik. 2. 2isk»W Vortrag des Kollegen T a m m. 4. Verschiedenes. Die Kommission Oeffentl. Versammlung der VergOer, Vergoldemuea 11111) Bernssgenchii am Donnerstag, den 4. September, Slbends 8V2 Nhr, bei Scheffer, Jnselstraße 10. Tagesordnung: 1. Wie verhalten sich die Kollegen und Kolleginnen zu den jetzigen Ab- zügen in einigen Fabriken? 2. Wie verhalten wir uns zum gewerblichen Kon- groß in Halle? Referent: Kollege F. S ch u 111 m e. 3. Verschiedenes. Der wichtigen Tagesordnung, be- sonders Punkt 1, wegen ist es Pflicht Aller, zu erscheinen. Der Einberufer. Wider SilMiimerbiiiiö (Filiale Kerl in). Mittwoch, den 3. September, Abends 8V2 Uhr, in Gratweil's Bierhallcn, Konnuandantenstr. 77/79: Mitgliederversammlung. Tages-Ordnung: 1. Bericht der Delegirte». 2. Bezahlung der Beiträge. 3. Verschiedene?. 1561 Um zahlreiches Erscheinen ersucht Die Grtoverwaltuug. Resterhandlnng. Billige Rester zu Einsegnungs- An- zügen werden auf gleich angefertigt oder zugeschnitten. 460 Karle, Waldcmarstr. 66. Spiegel und 1 Polstcnvaarcn.! BHBBl d GeMslMs S. Keint. �Chansseestraße Die schönsten 4 Merklcider nni) Zalktt Vi für Mädchen jeden Alters, son" 4 Morgenrölke, Mtnm « T.IWWIfe i TrikMilleii u. 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Schnitze(mit'n W- Cinfigr Kell«e�lhotogrnp�z Sl: %tn S' m,. st »Inn t '««neu jiibn i !!«h>ii HZ I K fe" i «tbi k $ K 5fe: Verantwortlicher Redakteur: Cnrt Kaakr in Berlin. Druck und Verlag von Mar Kadiug in Berlin SW„ Beuthstraße 2. iHirr.'n eine Kei,�' & Beilage M Berliner Nr. S04. Mittwoch, de» 3. September 1890. 7. Jahrg. LokQles. an Päbt|fj)j(„ K,hLrd,» hatten sich am 1. April d. I. Einn�?...Polizeipräsidium behufs Sicherung der hiesigen 5lbbe?>•rR,aft vor den« Genuß von Fleisch aus der fiskalischen len> ff!"1'. un�et Einreichung von angesammeltem Materiah mit I'-km!( lau gewendet, die Beseitigung der auf der hiesigen ßif. J.c.i, Abdeckerei hervorgetretenen Dtißstände z>� veranlassen. ÜPfAllf', vv fc'yv VV V.JJV..V.V»« V»»«•»»» p(»»»»» vv- g.».»|( wv«. lolii»!'ll nachstehendes, vom I.Juli datirtes Schreiben des das.!k?rasidenten eingegangen:„Dem Magistrat erwidere ich auf vo»-Ilge Schreiben vom 1. April er., betreffend Entwendung die m � Ü0n der hiesigen Abdeckerei ergebcust, daß ich über ' diesem Schreiben angeführten Fälle, in welchen Personen EtfM* lcheu Vergehens bestrast sein sollen, bei den Königlichen ÜMono Aintsanwaltschaftcn hicrselbst Erkundigungen ein- habe, welche ergeben, daß nur gegen die verehelichte ito» m öhlcr, geb. Künneman», zu Neinickendorf, Berliner- Bern! tf' 42' und gegen den Arbeiter Zimmermann daselbst, lllr. 9, ein Strafverfahren eingeleitet worden ist. Das % Uren gegen die p. Köhler ist, wie die Strafakten ergeben, am den« n1'' 1888 eingestellt worden. In dem Verfahren ividcr ü d-. Zimmermann ist durch Beschluß des Schöffengerichts vom der Monats das Urtheil ausgesetzt, um durch Anfrage bei i-s.,„Z�ananstalt in Dalldorf und dem Vormundschaftsgericht austeilen, ob die Bclastungszeugin Wittive Follmer geisteskrank <>.' vorauf ist eine Mittheilung der Direktion der städtischen x.„ nstalt vom 22. vorigen Monats eingegangen, nach welcher Erfi"»ollmer vom 9. August 1880 bis zum 13. Dezember 1888 Anstalt als Geisteskranke befunden und darauf zwar aiei Ü' ober gebessert in Pflege gegeben ist. Ein Enderkennt- der Ziinmcrmann'schen Strafsache ist noch nicht ergangen. tenn � � übrigen, in dem gefälligen Schreiben vom 1. April er. Sleifü 1 Personen sind Untersuchungen wegen Entwendung von dw. 0011 der Abdeckerei nicht eingeleitet worden. Die, nach lim V schreiben Wohldeinselbcn zugegangenen Mittheilungen die Bestrafungen der in demselben genannten Personen LJ" sich hiernach nicht als begründet erwiesen und scheinen der- i en Quelle zu entstauimeu, wie die Nachrichten «■, Q** f ivtv W.V � w.»»y»«■». ie-i.» v.eiigen„Allgemeinen Jleischcrzeitung", wegen welcher i.»..die Redaktion dieses Blattes von den Personen, welche i» befh- f* uiegen Entwendung von Fleisch aus der Abdeckerei Iz.M bezeichnet worden sind, eine Privatklage bei dem hiesigen JSUchcu Amtsgericht 1. erhoben worden ist. Nach den dies- uioon rc-c.f.-----— rtkß.4.--2 oi«..... s«« orr». � auf der Abdeckerei beschäftigten Arbeiter schwerlich ganz m) abgestellt werden können, so ist doch nicht zu besorgen, daß k- Mengen entwandt und in den Handel gebracht werden. . Ute aber ein solcher Handel dennoch betrieben worden sein, so 5. er jedenfalls nur heimlich, nicht aber in öffentlichen, der � Milichen: Revision unterliegenden Verkaufslokalen stattge- und das Publikum, welches in dicscn�Lokalen seine Ein- macht, braucht nicht zu fürchten, daß ihm vou der Abdeckerei eites Fleisch verkauft werde. Es kann deshalb meines e>'s nicht befürchtet werden, daß durch die etwa vorge- Au�e» Fleischdiebstähle auf der fiskalischen Abdeckerei der Verl/ �er städtischen Flcischschau in Frage gestellt, oder das Mien des Publikums in dieselbe erschüttert werde." >virti Feilbiete» nnd Uerltaufe» verdorbener Eier lit),. euf Grund des Nahrungsinittelgesehes bestraft. Die amt- labl �chchrichten des Neichs-Bersichcruugsamtes thcilen eine An- «g.. gerichtlicher Entscheidungen mit, in denen der Verkauf ver- 9en,i f als Verstoß gegen das erwähnte Gesetz nach- "nth■ ünd auf Strafe gegen die Thäter erkannt ivird. Dabei i(nnJn allen Fällen auf Grund ärztlicher Gutachte» von der totlirt 8 ausgegangen, daß der Genuß verdorbener Eier gesund- idx.. M Schäden beim Menschen zur Folge haben kann, indem SlL,°es hohen Gehalts seiner Eier an Schwefelwasserstoff eine tenm M der Blntbildung sich einstellt. Als sichere äußere Er- aart!»* Zeichen verdorbener Eier werden angegeben blaugraue foeit!, er Schale, während die Schalen guter Eier weiß oder sich P'd aussehen: beim Schütteln eines verdorbenen Eies läßt dii,»? schlüpfriges Geräusch in demselben vernehmen, und wenn t%..-as Ei gegen das Licht hält, so scheint eä völlig dunkel, 'einie),...unverdorbene Eier jenes Geräusch nicht er- en und, gegen das Licht gehalten, einen matt- cheidunn' schein zeigen. Diese äußere» Kennzeichen zur Unter- !>>ie».j ü guter und verdorbener Eier sind den Eierhändlern mich, -imin,,!>. iarltpolizcjbcamten sich in mehreren Fällen übcrein- !''der n geäußert haben, sehr wohl bekannt, so daß jene ivohl �tj.Mennd.die vcrdorte.icnEier von den guten zu unterscheiden. q& sie x Bäuerin, der sonst nicht nachgewiesen werden konnte, Unterscheidunasmerlninle der verdorbenen Eier kannte, .............> MetniiL-�'chtoHch dies doch als erwiesen an, auf Grund des der Bäuerin, daß sie von ihrer Jugend aus in 3iiirf. Achafst nnd namentlich bei Hühnern thätig gewesen uurd tu mehreren Entscheidungen ausgeführt, daß, Schall»,, den Beweis, es habe der Angeklagte die schlechte . tlte xJr'! der Eicrsgekannt, auch nicht ats erbracht erachten »Nlicfiw4' Migeklagte in seiner Eigenschaft als Eierhändler , ärz ,! gewesen wäre, sich zuverlässig über den Zustand seiner r'etWfcf'"cktuichten; er macht sich strafbar, wenn er dies �llisti bezüglich der gesundheitsschädlichen Folgen ""'***— �/ C.•.n• i wurde c» in als ULI(J. JJ»..•----- Whj ÜUtachtet, daß der Genuß verdorbener Eier im besten iMvoch»;,!."üb Erbrechen, im schlimmeren Falle aber auch '"de Erkrankungen, sogar typhöser Statur verursachen Pstml8 Kterblichkrlt mährend den lausenden Jahre sth iinn,mJ5 uou dem polizeilichen Physikus Tr. P i st o r %(iih x 3 nugekündigt. Tie Sterblichkeilszifser war in Berlin Jjfaannt,.. 5 3nhre 1880 bis 1888 von Jahr zu Jahr herunter- 5>.S7.■> üe letrua 1880 von je Tausend Einwohnern Berlins 1%=........ i««..... Mliiiil �enn man nach diciem meimiai, ntimcnuiui>>"� v,... �Ubl, e? Jahres 1889 sich eine Voraussage für das Jahr 1890 SfÄftin'.°"rfte, so würde dieselbe— meint Tr. P.— nicht . stten. Wirpvhinns würde nach Dr. P.'s Ansicht eine s�bljch, issen. Allerdings würde nach Dr. P.'s Ansicht eine a. lt-M«'"�'ller von 26 pro Mille, welche zur Zeit als Durch- JMq;''er der letzten 10 Jahre zu betrachten ist, berechtigt nnd djo Icheiuen. Unter den akuten ansteckenden Krankheiten hat M �'phtherie in den letzten Jahren eine Verminderung er- »gegen nehmen die Todesfälle an Lungenschwindsucht, ep.. ttoh ueyme» vir �üvcviumw....,, o'ubnx..er verschiedenen jährlichen Schwankungen deutlich er In» rkcf,„?"• Die akuten Ansteckinigskrankheiten, Diphtherie, ih, äffen!■ können nun wohl die Blüthe einer Bevölkerung n,i ,sic schädigen aber— so meint Dr. P.— den Stach- KV'Mni wesentlich; die Schwindsucht aber läßt nicht nur den ensfz,,! �rsch zusammenbrechen, sondern untergräbt auch die bru.�rhr �rasl der Stachkommenschaft. Zst? Mo°eh als die Verhütung der Entstehung und Ver- 'Mww'I81 ansteckender Krankheiten liegt eS nach Dr. P.'S der aksentlicbeu Gefnudbeitsvrleae ob. dafür z» sorgen, L das diejenigen gesundheitswidrigen Bedingungen getilgt werden, welche erfahrungsgemäß einer so in daS Mark des Volkes ein- dringenden Krankheit, wie es die Schwindsucht ist, den Boden bereiten; namentlich sind ungünstige Wohnungsverhältnisse die Schwindsucht zu verbreiten geeignet. Enge, niedrige, überfüllte, schmutzige Wohnungen, ohne Licht und Luft, wie man sie hier in Berlin doch nicht so ganz selten auch nach dem Verschwinden älterer Stadttheile findet, dürften jedenfalls zur Förderung der Einzelgesundheit, insbesondere im kindlichen Alter, nicht beitragen, vielmehr Ernährungsstörungen aller Art begünstigen. Es scheint mir dies auch— so schreibt Dr. P.— erklärlich, da eine reine Athmuugsluft unter solchen Verhältnissen nicht vor- Händen sein kann, vielmehr die Zimmerlust durch die Äusathniungs- fiist der Menschen, ganz abgesehen von anderen Schädlichkeiten, nothgedrungen dauernd noch verschlechtert werden muß. Der für eine normale Vlutbildung so wichtige Gasaustausch in den Lungen kann daher nicht genügend stattfinden. Ein elender Körper aber wird einer Ansteckung durch Schwindsuchts- Bazillen leichter ausgesetzt sein, als eine kräftige Konstitution. Mit Rücksicht auf diese Verhältnisse dürste es doch geboten erscheinen, eine dauernde sachverständige Ueberwachung der Wohnungsverhältnisse Berlins in die Wege zu leiten. Aus den gleichen Gründen dürfte sich auch eine sachver- ständige Beaufsichtigung der Pflege der Haltekinder empfehlen. Bisher wird dieselbe, wie Dr. P. mittheilt, lediglich von den Schutzleuten besorgt. Die Mittheilungen oes Dr. Pistor eröffnen einen trüben Blick nicht blos in die Wohnungsverhältnisse, sondern in die gesammten Lebensverhältnisse der unteren, der arbeitenden Klassen der Groß- stadt.— Was bei den von dem polizeilichen Physikus vor- geschlagenen Maßnahmen herauskommen wird, ist unschwer vor- auszusehen: Die Wohnungen werden infolge der polizeilichen Maßregeln besser, dafür naturgemäß aber auch thenrer und be- zahlen muß der arme Miether, der Arbeiter. Wenn die Behörden doch nur erst begreisen wollten, daß die Ursache aller dieser Roth in letzter Linie aus wirthschaftlichem Gebiete liegt. Herv Dr.(sigbrrt Miillrv darf sicher sein, daß keine Zeitung seine interessanten Mittheilungen aus dieser und jener Welt ihren Lesern vorenthalten wird. Es hätte keineswegs des Hinweises auf die Preßgesetze bedurft, so schreibt der„B. B.-C.", uns zum unveränderten Abdruck seines nachstehenden Schreibens zu veranlassen:„Wenn in dem Berichte Ihres Blattes Nr. 437 vom 30. in. pr. über meine vor dem Spiritistenverein Psyche Hierselbst(Herold's Restaurant, Kl. Präsidentenstraße 7), am ver- gangeuen Freitag abgehaltene Konferenz Ungenauigkeiten, ja Unrichtigkeiten hervorgebracht, so könnte in Anbetracht, daß der Bericht sich anläßt, als fei er der mehr heiteren Feder eines Feuillctouisten entflossen, auf Siichtigstellung ich verzichten, wie z. B. daß ich geäußert hätte, es erzögen unsere Schullehrer„viel zu wenig Medien"— eine unbedacht mir oktroyrte, mich der Ver- spottung preisgebende Aeußerung. Wenn nun aber in Nr. 489 Ihres Blattes vom 31. m. pr. ich mit meinem Bestreben,„den Materialismus und den inhumanen Atheis- imis der Zeit zu bekämpfen", des„Hnmbug" bezichtigt werde, so muß ich den Herrn Verfasser' des qu. Artikels auf das aufmerksam machen, was ich in meinem offenen Schreiben „Die Krenzzeitung, die Enthüllung des Spukes von Resau und das öffentliche Interesse" S. 6 gesagt:„daß gegen Beleidigungen, die mich in der moralischen Achtung vor der Welt auf das tiefste herabwürdigen wollen, ich unnachsichtlich, meiner Sache halber, den Schutz des Strafrichters anrufen muß, was ich sonst vielleicht nicht sobald thim würde, da mir des Menschen jedes, meist ja in Unbedachtsamkeit begangene, kleine und elende Thun wie der Staub der Straße ist, den der Wind von oben fortweht."— Verehrliche Siedaktion, es wird Niemand, der billig denkt, die große Lebensbürde verkennen, welche die Herren auch Ihrer Presse für das Behagen und zum Wohle der Leser Ihres Blattes auf sich genommen, und darum diesen Herren alle humane Schonung erwünschen; aber es müssen andererseits diese Herren auch Humanität gelten lassen gegen Andersdenkende— edle Humanität, welche der Presse unserer ausblühenden Weltstadt geziemt, daß frei alles zur Entwicklung in ihr gelangen möge. Berlin, den 1. September 1890. Dr. Egbert Müller." Dom olnigei» Denlfchland. E i n staatliches Ge- schüft e n miniaturo wurde am Montag mit der hiesigen Bayerischen Gesandtschast abgeschlossen. Zu dem Herrn Legations- sekretär Baron von der Tann kam ein Mann mit einem Schreiben, in welchem er bat, einliegende zwei bayerische Frei- marken ä 20 Pf. einzuwechseln, da die Poslbehörde in Berlin das nicht thut und er wegen fehlender zweckentsprechenden Ver- bindungen keinen ander» Weg zur Verwerthung der Marken wisse, als den, sich an die"Vertretung Bayerns in Berlin zu wenden. Die 40 Pfennige, so gering die Summe erscheinen möge, brauche er nothwendig. Der Mann gab an, daß er schon den Versuch gemacht habe, die Marken in verschiedenen größeren Ge- schästen abzusetzen, daß sich aber Niemand damit eingelassen habe. Aus der Gesandtschast erreichte er seinen Zweck, die 40 Pfennige wurden ihm für die beiden bayerischen Postwerthzeichen aus- gehändigt, und das„Staatsgeschäst" eines Angehörigen des „Bundesstaates Preußen" mit dem„Bundesstaate Bayern" war damit erledigt. Dach Kchntznng von gut«ntm-ichtetn* Seilt, und solche Schätzung hat sich noch immer als richtig bewährt, wird die Aktiengesellschaft für Schlesische Leinenindustrie, vormals E. G. Kramsta und Söhne, für das am 31. August zu Ende ge- gangene Bctriebsjahr 1880/90 eine Dividende von 9 pCt. zahlen, während die des Vorjahres 7Vs pCt. betrug. Da außer der Dividende das Aktienkapital mit 4 pEt. verzinst wird, so werfen in dem vergangenen Rechnungsjahre 100 M. Aktienkapital 13 M. Gewinn ab. Wenn bei irgend einem Industriezweige der mühelose Gewinn des Kapitalisten und der Hungerlohn des Arbeiters in schroffem Gegensätze zu einander treten, so ist dieS hier so recht äugen- schciulich der Fall. Das Hungerleben und Hungerlciden der schlesischen Weber ist zu bekannt, um noch nöthig zu haben, Weiteres darüber zu sagen. Während die Slktionäre dieser Slklien- geselischast im Ueverfluffe schwelgen können, nagen die Weber, die ihnen den Ueberfluß mit Opferung ihrer und ihrer Familien- Mitglieder Gesundheit erarbeiten müssen, am Hungertuche. Mit welchen Gefühlen wird ivohl ein Weber dieser Atlieugcsellschast die Kunde vernehmen, des Herrn v. Kramsta(die Nachkommen des Krauisla sind geadelt worden) brauner Wallach oder die so und so benamsele Rappstute hat auf dieser oder jener Stennbahn den Preis errungen. Es ist wirklich eine kaum erfüllbare Forderung, die an den Arbeiter gestellt wird, in christlicher Denuith solche Zustande zu ertragen. In den meisten Fällen wird schon die bloße in bescheidenster Form vorgebrachte Bitte um Lohnerhöhung von den Direktoren der Aktiengesellschaften oder den Besitzern großer industrieller Eta- blisseinents schroff zurückgewiesen nnd derjenige Arbeiter, welcher im Austrage seiner Mitarbeiter solche Bitte ausspricht, wird, als Aufwiegler in Verruf erklärt, aus der Fabrik entlasse». Das ist die Belyätigung des Spruches„Liebe Deinen Nächsten wie Dich selber" im letzten Jahrzehnt des neunzehnten Jahrhunderts. Auch andere jetzt bekannt werdende Abschlüsse des Rech- nuugsjahres 1889—90 weisen hohe Gewinne, die die des Vor- jahres übertreffe», auf; die Maschinen- und Dampskessel-Jabrik Pauksch wird 8 Prozent Dividende gegen 0 Prozent des Vorjahres zahlen, die Zuckerfabrik Haynau 7 Prozent, die Harpencr Berg- bau-Gesellschaft 15 Prozent gegen 6 des Vorjahres; der Netto- Überschuß der Zeche„Konsolidation" beträgt nach Abzug aller Kosten und Abschreibungen im Monate Juli 630 000 M. und die „Königin Marienhütte Aktiengesellschaft" hat in den ersten sechs Monaten dieses Jahres einen Sieingewinn von 420 000 M. oder 173 000 M. mehr als in dem gleichen Zeiträume des Vor- jahres erzielt. Uebrigens muß immer noch in Betracht gezogen werden, daß, wie bei der Lkramsta'schen Aktien- gesellschaft, auch bei allen anderen Aktiengesellschaften daS eingezahlte Kapital mit 4 Prozent verzinst wird, der Dividende also immer noch 4 M. für 100 M. Kapital hinzugerechnet werden müssen. Es gehört übrigens ein ganz ab- sonderlich geschulter Verstand dazu, um begreifen zu können, wie Jemand berechtigt sein kann, noch einen Gewinn von 6, 8, 9 und noch mehr Mail auf 100 solcher von ihm hergegebener Geldstücke sich anzueignen. Es heißt schon sehr viele Konzession dem Kapi- talisten machen, wenn ihm die Forderung einer Verzinsung seines Kapitals zugestanden wird, aber noch weiter zu gehen, ihm den ganzen Gewinn zu überlassen, den Intelligenz und der Hände Fleiß aus dem für das hergegebene Kapital erworbenen Grund und Boden oder die angcschaffenen Maschinen, diesen starren todtcu Dingen, hervorgezaubert haben, ist eine Verspottung und Verzerrung des freiwilligen Denkens, welche sich nur erklären lassen durch die systematisch betriebene Entwürdigung der Hand- arbeit, welche von allen Knlturstaaten der Jetztzeit nicht nur auf- recht erhalten, sondern befördert wird. Der Slufbau unseres Unter- richtswesens dient nur diesem einen Zwecke, und die übertriebene Verherrlichung der Wissenschast und höchstens noch eine gewisse zur Schau getragene Sichtung vor der Kunst sind die Mittel, um den mit seiner 5törperkraft schaffenden Menschen eine geringe Mei- nung von seinem eigenen Werthe beizubringen. Aber das Selbst- bewußtsein ist erwacht, es wird nicht bei einem„Bis hierher und nicht weiter" bleiben, die Umgestaltung der Gejellschastsordnung schreitet mit unaufhaltbaren Schritten vorwärts. Dirchstthtodt Tabrllt I giebt eine Nachweisung über die S ch l a ch t v i e h- P r e i s e in Berlin seit Anfang dieses Jahres nach den monatlichen Uebersichten des kaiserlichen statistischen Amts. Die Angaben sind aus den amtlichen Monatsberichten des städtischen Zeutral-Viehhoss berechnet. In Tabelle II sind Angaben von Fleischpreisen nach den Marktberichten der Zentral- Markthalle beigefügt. Dieselben bilden das arichmetische Mittel ans den täglichen Notirungen nach Preisgrenzen. Mit den. Schlachtvieh-Preiscn können sie bei der Verschiedenheit der Sorten und der Erhebungsart nicht ohne Weiteres in Beziehung gesetzt werden, immerhin erscheint rücksichtlich der zeitlichen Preis- schwankungen ein Vergleich zulässig: Tabelle I. Preise für 100 Kg. Schlachtvieh in Berlin(Viehhof). 1690 im Monat Januar Februar März April Mai Juni Juli Rinder Jleischgew. Mittel aus den Preisen für IIa 08,25 96,25 98,00 105,00 107,50 108,80 117,25 Kälber Fleischgew. niedrigste Notirung für Ha. 94,50 89,00 88,80 105,50 100,00 98,00 90,00 a m m e l leischgew. Mittel aus den Preisen für In. 91,00 93,00 93,00 100,50 101,75 108,40 113,25 Schweine Lebendgew. 20 pCt. Tara, höchste Notirung für IIa 121,00 121,50 120,40 115,00 104,50 110,40 116,50 Tabelle II. Preise für 100 Kg. Fleisch in Berlin(Zentral-Markthalle) 1390 im Monat Januar Februar März April Mai Juni Juli Kalbfleisch IIa Hammelfleisch Schweine- la 99,0 104,0 101,2 104,6 95,0 105,0 106,0 107,0 94,4 107,8 93,6 116,0 91,4 119,0 IIa 88,0 91,4 91,4 07,2 98,0 105,6 106,2 fleisch 120,2 120,2 119,2 115,2 108,4 109,6 115,8 Rindfleisch la IIa lila la 113,8 99,4 81,0 125,2 113,4 99,4 82,4 122,6 111,0 96,4 80,4 120,8 118,0 105,8 92,0 129,6 118,4 106,2 88,8 123,8 119,4 107,4 91,0 121,2 122,4 110,0 05,3 115,4 Drei Derjonrn trtvutthen. Der Ruderklub Poseidon hielt am Sonnabend eine Sitzung ab, welche sich bis in die zwölfte Nachtstunde hinzog. Nach Schluß derselben bestieg der Kausmaun Otto Sindiger sein nengckausteS Siuderboot, um in diesem noch vor der am Sonntag slattsindcnden Siuderregatta auf dem Müggel- see eine Probefahrt zu machen. Auf seine Aufforderung nahmen der Vorsitzende des Vereins, der 13jährige Kausmänn W. Radde, Waldemarstr. 3, sowie der Sohn des bekamiten Kohlenhändlers Falk. am Görlitzcr Bahnhof wohnhaft, H. Falk, welch' letzterer ebenfalls Mitglied des obengeiianiiteii Ruderklubs ist, gleichfalls in dem Boot, einem sogen.„Seelenverkäufer", Platz und alle Drei rnderten nun stromabwärts nach der Oberbaumbrücke zu. Was mm in dem Boot vorgegangen und wie daS entsetzliche Unglück geschehen, wird wohl niemals festgestellt werden. Gegen 1/2I2 Uhr Nachts— ver- muthlich befanden sich die Siliderer bereits ans der SiückfaHrt nach dem vor dem Stralaner Thor belegenen Klubhaus, dem Ausgangs- punkt der Fahrt— vernahm plötzlich ein die Oberbaum-Brücke passirender Mann gellende Hilferufe, die vou der Spree her kamen. Da derselbe auch mehrere Menschen, mit den Fluthen käiupfeud, wahrziniehnien glaubte, so sprang er kurz entschlossen in die Spree hinein, schwamm jener Stelle zu und fand das kiel- auswärts treibende Boot, sowie den Stock einer männlichen Person, welcher später in der nächsten Polizeiwache als dem Stadde gc- höria rekognoszirt worden ist. Im Lause des Sonntags stellte die Polizei Diirchsiichungeii des Sprcebettes au, doch erst vorgestern Morgen wurden die Leichen der drei jungen Leute dicht an der Uusallstelle und nur wenige Meter von einander entsernt, aus- gesunden. Die Leichen wurden nach dem Schauhause geschafft. Ein tntj'tlzlichtt Anbiiik bot sich am Sonntag gegen halb 7 Uhr Abends den Passanten der SNittemvalderstraße dar. Aus dem Hause Nr. 19 daselbst kam plötzlich um die genannte Zeit ein vollständig in Flainmen gehülltes, laut jammerndes und nach Hilfe schreiendes Kind heraiiSgestiirzt. Die Kleider des Kindes bräunten lichterloh und hoch schlugen die Flammen über seinem Kopf zustimmen. Jeder hielt das unglückliche Kind für verloren, als plötzlich ein beherzter Mann hinzuspraug, dem Kinde Hilter eigener Lclcnsgcsahr die bremienden Kleider vorn Leibe riß und die Flaiiimeii mit seiucui Uebcrzieher erstickte. Mittlerweile war auch schon die ÜUintter herbeigeeilt, welche daS gerettete 5tiiid in ihre Arme nahm und es unter Thräne» i» ihr Zimmer trug. DaS Kind, das achtjährige Töchterchen deS in dem genannten Hause wohnenden Portiers D., hat glücklicherweise nur leichtere Braiidiviiiideu erlitten. DaS Feuer ist dadurch entstanden, daß das Kind, welches um diese Zeit das Gas anzündete, mit dem Gasanzünder seinem Kleide zu nahe gekommen ist, wodurch dieses in Brand grricth. Eine origiittlle Z-xtut ereignete sich am Montag an der Noßstraßeii-Briicks. Ein ungefähr 49 Jahr alter, ziemlich an- geiisscuer Man», hatte durchaus Lust, seine bremicnde Stirn in de» Fluthen z» kühlen. Zunächst warf er mit den Worten' „Runter mußt Du!" seine Kopfbedeckung ins Wasser, dann ent- ledigte er sich mit der größten Seelenruhe seines Rockes und der Weste, mars diese dem schwimmenden Hute nach und machte dann Anstalten, selbst in das lockende Naß zu springen. Vcmts hatte der sonderbare Wasserfreund beide Beine über das Bollwerk ge- zogen und wollte eben den verhängnißvollen Sprung wagen, als zwei Zuschauende nnt sestem Griff den tolle» Kauz packten und rhu wieder auj's Pflaster sehten. Jedoch so leicht wollte derselbe sein Borhaben nicht aufgeben. Erst als zwei Schutzleute herbei- eilten und ihm die ausgefischten Kleidungsstücke zugestellt ivorden ivliren, trollte sich unter rem Gelächter des Publikums der sonder- bare Schwärmer. Da sich die Nachricht von einem Selbstmorde verbreitet hatte, sammelten sich an den Ufern deS Kanals viele Leute an, die neugierig i» die stummen Finthen blickten. Nliedmu» rin kleiner Lebensretter. Am Sonntag Nachmittag spielte das fünfjährige Kind eines Kahnschiffers am Landwehrkanal in der Nähe der Görlitzerstraße. Hierbei kam es der steilen Böschiliig zu nahe, trat fehl und fiel kopfüber in das tiefe Wasser. Aus die Hilferufe der Zeugen des Unglückfalls eilte der 15 jährige Knabe Johannes Fliegener herbei, streifte sich, ohne sich auch nur einen Augenblick zu besinnen, die Stiefel von den Füßen und sprang dem Kinde, welches soeben wieder an die Oberfläche kam, nach, packte es an den Kleidern und brachte es glücklich ans Land, wo es von der jammernde» Mutter sofort in Empfäng genommen wurde. Der muthige Retter wurde von dem zahlreichen Publikum lebhaft beglückwünscht. Erwischter Kr-efmardrr. Bor einigen Tagen ist ein beim Postamt 21, Berlin(Alt-Moabit) Thurm- und Lübeckerstraßen-Ecke, beschäftigt gewesener Unterbeamter, Namens L., verhaftet worden, nachdem es der Kriminalpolizei gelungen war, bei einer plötzlich vorgenommenen Haussuchung in der Wohnung deS L. einige hundert geöffnete Briefe, die unterschlage» sein müssen, aufzufinden. L. hat sich der Polizei selbst in die Hände geliefert, indem er aus einem Briefe einen wcrthlosen Wechsel entwendete und diesen durch einen Arbeiter präscntircn ließ. Der Arbeiter, Argwohn schöpfend, daß der ihm übergebene Wechsel, auf welchem er die Summe„2000 Mark" las, widerrechtlich in die Hände des L. ge- kommen sei, begab sich mit demselben zur Polizei und theilte dieser seine Bennuthungen mit. L. soll bereits eine zwölfjährige Dienstzeit beim Militir und vier Dienstjahre bei der Reichspost hinter sich haben. Die Untersuchung wird mit größte»: Eifer betrieben. Ein erschütternder �lngtücklsfaU trug sich während des am Sonntag abgehaltenen Trab>abrens in Wcißensce zu. Wir er- fahren darüber von unseren: Gewährsmann folgende Einzelheiten: Die Unebenheiten des Geläuses werden jedesmal während der Pause vermittelst einer Eiscnwalze beseitigt. Zum Fortbewegen derselben geht ein Angestellter neben den Pferden einher.— Bor dem vierten Nennen nun ebnete die Walze die Grasbahn in der Nähe der boxos, als glötzlich die sonst ruhig gehenden Pferde bäumten und ihrem Lenker, dem Arbeiter Johannes Burasch, die Leine ans den Händen rissen. Hierdurch kam B. zu Fall und zwar so unglücklich, daß er vor die Walze zu liegen kam. Ter ganze Oberkörper, mit dem Gesicht zur Erde gekehrt, gcrieth unter die einhundert Kilo schwere Maschine und war, noch ehe eine Hilfe zur Stelle sein konnte, buchstäblich platt gedrückt. Der Ober- Inspektor Lemger ordnete bis zur Ankunft der OrtS- behörde die Ucberführung der Leiche nach einem Schuppen an. B. war verheirathet und hinterläßt eine Frau mit zwei un- mündigen Kindern. Lvrlchcn Gefahre» ei» Arbeiter für einen Lohn von vielleicht 18 M. ausgesetzt ist, lehrt ein bedauerlicher Unglücks- fall, dem wieder ein Arbeiter zum Opfer gefallen ist. Ein in der Mörtelfabrik von Tabbcrt, Mühlenftraße, beschäftigter Ar- beitcr kam gestern Nachmittag gegen 2 Uhr in das Gangwerk einer Mörtelmaschine, wodurch ihm der linke Arm vollständig zerrissen wurde. Nachdem der ohnehin schon schwächliche Mann in eine Pferdedecke gehüllt war, wurde er per Droschke nach Bethanien geschafft. Soviel i» Erfahrung gebracht werden konnte, ist derselbe unverheirathet. Ehaurpiguona erscheinen, hervorgelockt durch den letzten Rege», seit einige.: Tagen wie alljährlich un: diese Zeit auf dem Tempelhofcr Felde und werden dort fleißig gesammelt. Zu Dutzenden ziehen namentlich des Morgens Jung und Alt dorthm, bewaffnet mit einem Stechelsen und mit einem Körbchen am Arm, um die weite Fläche nach dem schmackhaften Pilze� abzusuchen. Es sind das nicht nur arme Leute, welche die Champignons sammeln, uin sie zu verkaufen, es sind auch Reiche, welche das Geschäft nur zun: Berguügen betreiben. Allerdings ein eigen- thümliches mühsames Bergnügen, welches einen krummen Rücken giebt und die Augen anstrengt. Und überdies gehört auch eine gewisse Routine dazu, un: zwischen den trockenen Halmen des :i:assenhast dort wachsenden RhaygraseS(lolium perenne) überhaupt nur einen Champignon zu entdecken. Aber gerade die Schwierigkeit des Erfolges erhebt das Champignonsuchen zum Sport, und zu einein Sport findet sich bekanntlich dann auch die nöthige Passion und Ausdauer. Selbst wo zur Arbeit die Lust fehlt, selbst derjenige Reiche, der nicht arbeiten mag und auch nicht zu arbeiten nöthig hat, der unterzieht sich den Strapazen der Jagd, des Rennens und was dergleichen Sports mehr sind. Der Reiche läßt sich, wenn er nach Hanse kommt, seine Champignons in Butter braten und ißt der Abwechselung wegen einmal Pell- kartofseln dazu, die er sonst doch nicht bekommt; der arme Mann trägt seine Champignons zum Delikateßwaarenhändlcr, der sie für den Winter ennnacht— auch für den Reichen. Der Arme ißt dann auch Pellkartoffeln, aber ohne C h a m- pignons und ohne Butter, jedoch mit einem Hering, den er für den Erlös aus den Champignons einkaufte. In dm Artikel in Nr. unserr« Hlattro, betitelt „Eine blutige Schlägerei" ersuchen uns die Herren Braatsch und Echarleß un: Konstaiirung der Thatsache, daß die Schlägerei von Selten der in dem Lokal anwesenden Stammgäste hervorgerufen wurde. Tie Pelroleumlampe wurde nicht von den Ankömm- lingen, sondern von den Stamnigästen zerschlagen. Keiner der Leute, die bei der Schlägerei betheiligt waren, gehört zur Klasse der Zuhälter, sondern alle stehen in Arbeit. Zrr Karbier Iuliua Fischer, N. Reinickcndorserflr. 18 c., (des einzigen Gastwirths in der Gegend, welcher in der Mahlzeit seinen Saal uns zur Verfügung stellte) waren gut vorbereitet und lieferten uns zu billigen Preisen wirklich gute und reichliche Portionen an Speisen und ausgezeichneten„Stoff" an Getränken (Bier 10 Pf.) Allen Theilnehmern wird die Feier eine schöne Erinnerung bleiben. polizriberrcht. Ain I. d. Mtl. Morgens wurde ein Mann seiner Wohnung in der Fruchtüraße und in seiner Wohnung in der Fruchtäraße und eine Frau in ihrer Wohnung in der?lckcrstraße erhängt vorgefunden.— Zu derselben Zeit ging in der Sleinstraße das Pferd eines Btilchwagens nach der Alten Schönhanserstraße durch. Vor den: Hause Nr. 51 versuchte der Klempner Schmeling den: Pferde i» die Zügel zu fallen, ge- rieth jedoch infolge Ausgleitens unter die Räder des Wagens und wurde am rechten Unterschenkel bedeutend verletzt. Das Pferd wurde am ehemaligen Schönhauser Thor angehalten. Vor- mittags wurden in der Spree, nahe der Oberbaumbrücke, die Leichen der in der verga genen Nacht ertrunkenen Insassen eines Ruderboots aufgefunden.— Nachmittags wurde im Thiergarten, in der Stühe der Lichtenstein-Brücke, ein unbekannter, etwa 50 Jahre alter Mann mit einer Schußwunde in der rechten Schläfe aufgefunden und noch lebend nach der Charitee gebracht. — Zu derselben Zeit fiel einer Frau ein von dem Neubau Weddingstr. 9 herabfallender Ziegelstein auf den Kopf und ver- letzte sie so schwer, daß sie nach der Charitee gebracht werden mußte.— Abends gerieth vor dem Hause Bergstraße 20 ein sechsjähriger Knabe, welcher sich an die Seite eines vorllberfahrenden Rollwagens gehängt hatte, unter die Räder desselben und erlitt so schwere innere Verletzungen, daß er bald daraus in der Woh- nung seiner Eltern verstarb. (ßvviiftkv-Bcikmtg. Unter Krttrln im Zinne des§ 361 Ziffer 4(Mit Haft wird bestraft, wer bettelt"...) ist nach einem llrtheil des Reichsgerichts, IV. Strafsenats, vom 6, Juni 1890 im Allgemeinen diejenige Handlung zu verstehen, durch welche der Bettelnde die M:ldthätigkeit eines Fremden für sich in Anspruch nimmt, ohne daß eine rechtliche, moralische oder soziale Verbindlichkeit oder andere ähnliche Gründe für die Gewährung einer Unterstützung irgendwie vorliegen.„Das Gesetz bedroht mit Strafe Den- jenigen, der bettelt, giebt aber nicht an, was es unter dem „Vetteln" verstanden wissen will. Die Entstehungsgeschichte der Strafvorschriflen des preußischen Strafgesetzbuchs, welche ebenfalls eine Tefinckion de! Bcttelns nicht enthielten und im allgemeinen in das Reichs-Strasgesetzbuch übernounnen sind, ergicbt, daß es der Gesetzgeber absichtlich vermieden hat, eine Definition aufzustellen, und daß er davon ausgegangen ist, es sei Sache des Strasrichtcrs, im konkreten Falle den Thatbestand eines strafbaren Bettelns festzustellen. Es hat also der Gesetzgeber gemeint, daß sich eine scharfe, alle Fälle deckende Um- grenzung des Begriffes nicht rechtfertigen würde, und hat damit den Richter öffentlich auf den Sinn hingewiesen, den das tägliche Leben mit den: Ausdrucke„Betteln" zu verbinden pflegt. Wenn man von diesem Gesichtspunkt aus auch im Allgemeinen unter Betteln diejenige Handlung zu verstehen hat, durch welchen der Bettelnde die Mildthätigkeit eines Fremden für sich in Anspruch nimmt, so würde man Doch fehlgehen, wenn man in der Mild- thäligkeit des Gebers und in der Freiwilligkeit der Gabe im Gegensatze zu der auf rechtlichen Verhältnissen beruhenden und daher rechtlich erzwingbaren Leistung das entscheidende Merkmal des Delikts des Bettelns erblicken wollte. Es bleibt vielmehr zu berücksichtigen, daß das tägliche Leben vielfach Verhältnisse und Beziehungen entstehen läßt, in welchen das Bitten um eine Unterstützung für sich, wenngleich sich dieselbe als eine vom Rechte anerkannte und deshalb zu erzwingende Forderung nicht darstellt, außerhalb des strafrechtlichen Begriffs des Bettelns steht, sei es, weil moralische oder soziale Verbindlichkeiten, oder weil andere derartige Gründe für die Hergabe der Unterstützung sich geltend machen. Solche Beziehungen können nicht blos in Verwandschast und Freundschaft ihre Entstehung feiert au: 7. September 1890 das Fest der goldnei: Hochzeit. Es ist dies die dritte in der Familie, da zwei Brüder dieselbe gefeiert haben, und noch am Leben sind. Da der 7. September d. I. ein Sonntag ist und die Jubilare in 60 Jahren gemeinsamer, mühevoller Arbeit nicht so viel erspart haben um den Lebensabend ruhig beschließen zu können, so muß das Geschäft an: betreffenden Tage wahrgenominei: und die Feier aus Montag, de» 8. September, verlegt werden. Die Laffalir-Feicr au: Sonntag in Hohen-Neueudorf ist unter zahlreicher Bctheiligung der Genossen von Reinickendorf und aus dem 0. Wahlkreise glänzend verlaufen. Mit dem Wtorgenzuge um 8 Uhr hatten sich der Verein„Zukunft" und der Gesangverein„Echo" eingefunden, welche den Gesangverein „Weiße Rose" und eine große'Anzahl Genosse», welche nnt dem 12 Uhr-Zug ankamen, mit einem Musikkorps von der Haltestelle abholten und mit schmetternden Tronipetenklängen dein: Genossen Gastwirth Schmohl einzogen und auf das Beste empfangen wurden. Ter Saal und Garten waren festlich geschmückt; aus einer künstlichen Grotte im Garten stand die Büste Lassalle's, nnt einem frischen Lorbeerkranz umgeben, Guirlanden und Lampions waren dar. der hlnweggezogen. Nachdem der Kaffee gekocht, ging es, die Musik an der Spitze, in den Wald, wo die fröhliche Kinderschaar und die Ertvachsenen an heiteren Spiele» sich belusttgien. Genosse Knauf hielt eine zu Herzen gehende Gedächtnißrede auf F. Lassalle und begeisternde Hochs auf die Sozialdemokratie hallten durch den Wald. Um 5 Uhr ging es zurück nach dem Saal, wo die Sänger„Ein Sohn de! Voltes" und„Die Lüge muß untergehen" unter augeineiuem Applaus vortrugen, worauf dann der sallgemeine Tanz-Trubel. natürlich unter kolossaler Betheiligung der tanzlustigen Jugend, seinen Anfang nahm. Küche und Keller unseres Genossen Schmohl haben, sondern ebenso auch in Vereinigungen von Personen, welche durch Gleichheit des Erwerbes, de! Lebensberufes, der Lebensstellung u. dgl. verbunden sind. In Fällen dieser Art wird die aus solche Beziehungen gestützte Bitte um eine Unterstützung den Charakter strafbaren Bettelns nicht tragen. Nun hat die Vorinstanz thatsächlich festgestellt, daß der Angeklagte als Bäcker geselle in der Backstube des Bäckermeisters N. bei der verehelichten Sä.'O t)iC N. nur um das ortsübliche Geschenk angesprochen, Gewährung eines solchen Geschenkes in P. ortsüblich war. Wem: weil sie auf den: jetzt erkannten einheitlichen Gruneub. ruhend, auch als eine und dieselbe Krankheit y IL seien. Dieser Anschauung konnten aber in rechtlicher Wjj, Relevanz nicht beigemessen werden. Dem Sinne und de»' yf. des Krankeuversicherungs- Gesetzes nach und demzufolge»u?. hier niaßgeblichen Statuten der beklagten Kraukenkasse ist � e um«Huuiitu uci wwuu&w» � � das Hauseatische Oberlandesgericht I in den von deck M _______:.Of„" SBeibl. 1886. Ii gezogenen Urtheilen.„Hans. Ger.-Ztg.", Beibt. 1000 � Beibl. 87 Nr. 6 ausführlich und uberzeugend dargelegt«n: dem Urtheil Beibl. 88 Nr. 183 aufrecht erhalten hat-7 Gesammtheit der KrankheitZerschewU'� „Krankheit" nur die Gesammtheit der Krankhe:lser,airu»".� verstehen, durch welche die Erwerbsuiisähigkeit des Erda»».. dingt und damit seine Berpflegung behufs Wiederherstellung! � Erwerbsfähigkeit nothwendig geworden war. Krankheitserscheinungen auf und sind ihre, die ahigkeit des Kranken beeinflussenden Folgen gehoben. diese Krankheit beendigt. Den hierfür vom Honf! � Oberlandesgericht gegebenen Ausführungen schließt sich «joerraiiorsgermn ycywcuc» i"£.r nen,'* Gericht durchweg an, sodaß auch ohne weitere Erorter» u' � unbestritten feststeht, daß der verstorbene H. an: KAg� g der Ischias(Hüftweh) erkrankt war, der am 6, __.„ im.. Ort!'__._ A■ konstatirte Abceß an der hinteren Backengegend demnach „neue Krankheit" im Sinne des Krankenmssen-Gesetzes anm � werden muß, und würde demnach der klägerische Anspr»®, r~'~ rtf A.fronWmhsf CLtlAU�* J V fr* t V«P V»y V•■" fr-4, m•. m mj m--------------( W\J,. �.»11 y 1* ein. Aber auch, wenn man diese Ansicht nicht checken mehr mit den ärztlichen Sachverständigen die verfcy.� Aeußerungen derselben krankhasten Änlage'als„eine und Krankheit" auffaßt, muß man nach Lage des konkreten% J demselben Nesultat gelangen. Der§ 12 Absatz 3 des � der beklagten Kaffs, bestimmt, dch für«ne sie ans Grund dieser Thatsachen angenommen hat, daß die durch die Jnnungsverhältnisse bedingten Beziehungen zwischen den Handwerksmeister und dem Gesellen die Hingabe einer Unterstützung zu einer Ortsübl:chkeit gemacht haben, so konnte sie ohne Rechtsirrthum zu der Folgerung gelangen, daß die auf einen der- artigen Handwerksgebrauch gestützte Bitte uin Unterstützung sich nicht als ein Ansprechen uin ein Almosen darstellte, selbst wenn die Möglichkeit nicht ausgeschlossen blieb, daß der Angesprochene die Bitte abzulehnen befugt>var und ablehnte." Eine für alle Krankenkaffrn wichtige Entscheidung hat neuerdings die III. Zivilkammer des Hauiburgische:: Land- erichtö getroffen und zwar anläßlich einer Streitsache einer in Hamburg domizilirten freien eingeschnebenen Hilsskasse und deren Mitglied H.H. erkrankte nämlich am 1. April 1888 an Hüstweh (Lscliias) und wurde daran bis zum 5. Januar 1889 behandelt. Am 6. Januar wurde H. ausweislich deS Lkrankenattestes„aus ärztlicher Behandlung entlassen". Darauf meldete sich H. untern: 28. Mai 1869 wieder krank wegen eines Abszesses an der hinteren Backengegend, wurde dieserhalb von einem Kassenarzte in ein Krankenhaus geschickt und er dortselbst wegen Kuochenvereiterung an der rechten Backcnschaufel opcrirt. Er blieb dann bis zu seinem am 17. Februar d. Js. erfolgten Tode erwerbsunfähig. Seiten! der beklagten Kraukenkasse wurde de»: H. das statutenmäßige Krankengeld für die Zeit vom 1. April 1888 bis 5. Januar 1869 und vom 28. Mai 1889 bis 18. August 1889 gewährt, die Weiterzahlung aber verweigert, infolge deffeu H. beim Amtsgericht Hamburg Klage erhob. Tie Beklagte berief sich auf§ 12 ihres KasseustatntS, nach welchem sie„für erne und dieselbe, durch ärztlich konstatirte Genesung nicht unterbrochene, mit Erwerbsunfähigkeit verbundene Krankheit das Krankengeld nur für 52 Wochen zu gewähren habe" und stellte die Behauptung auf, daß die oben crivähulen Krank- heitsveriodei: ein und dasselbe Leide»,»äuckich einen Schaden an der Hüfte, zur Veranlassung hätten. Dieser Behauptung wurde von dem Kläger uiit der Gegenbehauptung widersprochen, seine am 28. Mai 1889 in die Erscheinung getretene Krankheit sei eine „neue" Krankheit in: Sinne des Gesetzes, für welche von neuen: — also von: 28. Mai 1889 ab— das Krankengeld:n vorschrifts- mäßiger Zeitdauer zu gewähren sei. Der Behauptung des Klägers schlop sich das Amtsgericht in seinem die Beklagten verurtheileude:: Erkcuutnisse an, gegen welches diese sodann bei der 3. Zivilkammer des Landgerichts Hamburg Berufung einlcgle. Nachdem darauf infolge deS emgetreteuen Todes de! Klägers die Erben desselben i» den Rechtsstreit eingetreten, erkannte das erwähnte Berufungsgericht gleichfalls aus Verurtheilung der be- klagten Krankenkasse. Das wichtige Erkenntniß wird von der „Krankenlasse" im Wortlaute mitgetheilt nnd lautet dasselbe im Wesentlichen wie folgt: Ten Hauptstreitpnnkt zwischen den Parteien bildet die Frage, ob die beiden Erkrankungen des T. H. au: I.April 1888 und am 20. Mai 1689 hervorgetretenen Krankheitserscheinungen, wie Be- klagte meinen, lediglich als eine und dieselbe Krankheit oder, wie Klager behaupte», als selbstständige neue Krankheiten aufzufassen sind. Von: medizinischen Standpunkt hat nun der in dieser Sache vernommene Sachverständige Dr. K., ebenso wie der — im Amtsgericht vernommene Sachverständige Dr. C.— seine Meinung dahin geäußert, daß beide Krankheitserscheinungen, vtkw«:««»" U/....... v'-v------- JJ''', einer Höhe nach nicht beanstandet ist, als begründet anzue � rtiv» Slflmv Aitrfr iYIDYlM m/in Xtßfß SMtlftrhf lltrflt tflßllCrt mit Erwerbsunfähigkeit verbundene Krankheit das ...____ �*,..■ l � o# rt c' r_ ffr)., W nur für 52 Wochen vergütet wird, falls diese Krankhe �» nvifTiffi fnnffntirtc ßipnmnin nicht unterbrochen WO'D. Jg> ärztlich konstatirte Genesung nicht unterbrochen � v/« 1 1 1 v4 fr i«,» v wvikv|frfrii� letztere Umstand muß aber als vorliegend angenommen J Stach Ausweis der in der Vernflnigssache der Parteien� n., Vach Ausweis ver:n ocr«jeriuungsiacye ver. diesem Rechtsstreit vorgelegten Krankenatteste war der-r.« , rtr____• r i r--- rvr.tl�a/ et 7�---- C.\ OTn l.'dlpril 1SSS an Ischias(Hüftweh) erkrankt. An diesem-'Ä hatte ihn der Sachverständige Dr. K.— mehrere Mona»� Erfolg behandelt, worauf Ersterer angeblich die Hilst anderen Arztes in Anspruch genommen hat. Im Dezember� ist H. dann in die Behandlung des Tr. K. Zurückgekehrt � ff« Pestbeanu LS «Parkasse SS"° L fc! - Da vor der. Zischelten.' selben aul iü locken. Keller,:vl schwatzen von U50 llsklagten r in- gerrnften, Mu hat X?fi ein f» ihm d anderen 5 A-sen. i. %»: zu h mit der s «daß Gel zwar, wie dieser bekundet hah'danmls �als�eionvalWt'L d:eser aus den: Kraukheitsattest- gemachten BekuZZ ÖtUN UU| itm___ fam: nach Sachlage nur der sein, daß die im Dezember kon« Be»erung derartige Fortschritte bis in den Anfang Januar ------- j.- c-m:rcm nicht.? gemacht habe,,.nunmehr ärztliche Hckfe�rall mB� nöthig war, die Besserung, vielmehr zum Abschluß "'---'-{t gesund und„erwerbsfähig„ � &-xfrfr i Zfr S\ rtivl iiQWiB Relonvaleszeut m:ty:n wieoer gcsuuo nno„erweros�.vv, Den: Sinne, wem: auch nicht de»: Wortlaut nach, ist dein»ach Erklärung des Dr. K. von: 6. Januar 1889 als eine» r konstatirte Genesung von der Ischias auszufassen. Hätte, klagte in Gemäßheit Des§ 12 ihrer Statuten wirklich maftzstni Werth auf die Bezeichnung„Genesung" oder dergleichen»'i ........' auch ih« ärztlichen Ättest gelegt, dann wäre es..... ihrem Kasseuarzt demgemäß zu instruiren und Foruiulare itraukenatleste mit dies bezüglichen Vermerken zu versehen. Sachlage konnte der behandelnde Arzt sein Augenmerk d>e Rubrik„erwerbsfähig oder erwerbsunfähig-- und„a>»» »°>. licher Behandlung entlassen" richten, für ihn"lag(keine laffung vor, sich über eine etwaige Genesung speziell auszuspZ Aber auch ihrem Mitglieds gegenüber muß Bellaate, falls R "'—-' f. .onderen Werth auf die ärztliche Konstatirslug der legte, vorsichtiger verfahren, sie konnte und durfte bei iW ein so scharfes Unterscheidungsvermögen voraussetzen, baß aus eigenen: Autriebe, neben der vorschrijtmäßigen A»» des Formulares des Krankenattestes noch die jetzt Konstatirung der Genesung vom Arzte verlangen würde. der Sachverständige Dr. K. am 6. Januar 1889 keine getragen haben würde, auf gegebene. Veranlassung mgry der Genesung zu geben, hat er selbst war er lediglich auf die Angaben des Patienten_ an diese« eingeräumt W die ihn auch jedenfalls dazu veranlaßt haben, die ärzM� Handlung zu beendigen.. Ob auf.Grund späterer der Sachverständige Anstand nehmen nnch, eine desi� Genesung nachträglich zu tonstatiren, erscheint für den vor vi den Fall irrelevant. Die Bezugnahme der Beklagten l»y ..< gebessert medizinkrank behandelten delte, während hier ein Rekonvaleszent aus der ärztlnlstLi Handlung definitiv entlassen war und etwa erst ein Vies J ""«"fr fr fr.... Ol_____-Xfr.3-..Pjr.frfrI�.1.»,y,«r1 ll)'1{ yanvlung uefnuuu?iuui)|hi iüui uiiu cuuu«tst später austretende anderweitige Krankheitserscheinungen'»J anlaßten, wieder ärztliche Hilfe zu suchen. Das Gericht rn, somit unter allen Umständen dazu, die Ans; räche klägeris? für begründet zu erklären und mußte denige.uäß die Verurn der Beklagten, wie vorstehend geschehen, erfolgen, wobei d>e- des Rechtstreits nach§ 87 C.-P.-O. der Beklagten aufi»� waren._ Eine ausgetrngene Hochstnplerin, welche die f und auswärtigen Gerichte schon wieverholt beschäftigt hßj' A rn in der Person der geschiedenen Frau Marie J gester Johanna St e d: e ß, geb. Franke, wieder einmal vo IV. Ferienstrafkammer hiesigen Landgerichts I. Die MS n ist dieselbe Schwindlerin, welche schon einmal als„®, p R ed a y" in der Welt umherspukte. Das„Grafenthuu' eine roiuantische Episode in dem stunnbewegtei: Leven geklagten. Sie hatte einen Mann ausgekuudschastet,'- glaubte, berechtig: zu sein, den Titel eines„Grafen Rck** tragen, schließlich aber vom Gericht die Belehrung erhalt. daß er nur Rebieß getaust sei. Ter Mann war zwar Dutzend Jahre jünger, als die Angeklagte, das that Liebe keinen Abbruch, ver„Graf" paßte vielmehr der 07 I lerin außerordentlich gut in ihren Kram, sie Heirat')' ih'" vom Fleck fort,''hatte aber gleich mit 'Abkommen getroffen, daß beide die Flitterwochen getre»'� iiießen und auch in Zukunft sich nie wieber vereinigen�'» st Als., G r ä f i n R e d a y" hat die Angeklagte deuwöM gröbsten Schwindeleien verüb:, welche ihr in Wiest 2.■J yiUflfrt»! fr'CVllVfr,*VVtV4/V fr fr/t fr" fr frl schweren Kerker, verschärft durch Fasten, eingebracht hn J X fr. 03 rm muX m m m' Vfr J"'_ V-__ f~V. f. 1 O O/..fr r.. �. fr fr« f* A frfr4..fr ifrfrfr'iL. l'la Ii) I i',■ fr I n Berlin ist sie im Jahre 1884 wegen großartiger SchwU /� 'ei welchen es sich um eine Summe von 16 000 M. W- pt- in liei(t'Vfruywjfr V»|iu; frfrfrfrl VfrUV WfrfrfrtfrfrfrfrV f fr»«» xv fr»ww-V«.-/ flfr.i o Jahren 6 Monaten Gefängniß verurtheilt worden. �» o �ayren t>»yconciien �esangnip ucvuiigeui worve»,. Gelegenheit stellte es sich heraus, daß sie auch Urkundensw � i *-.—.& � 4. fr. 4.— 4..: n. T IL:• begaugeu habe, sie kam deshalb vor daö Schwurgericht ,;i erste Urlheil wurde in 3 Jahre 6 Monate Zuchthaus»»10%' Die Zuchthausluft hat etwas derangireud auf die Angeklell aewirkt: sie schreitet zwar noch hoch ausgerichtet gewirkt; sie schreitet zwar noch hoch ausgcrl. mit kühn gelocktem Haar in den Eerichlssaat.. ihr Antlitz ist durchfurcht, und wird durch eine>'/, rechte Auge gehende schwarze Binde entstellt. Die sie spricht, deutet darauf hin, daß sie auch heute noch eine', j gewandte Person ist. Siachdem sie das Zuchthaus verla»� pe wiederum mit den dreistesten Hochstapeleien hervorS durch welche eine Liethe armer Leute ins Unglück ged�ck Sie zog mit dem in der Kursürstenstraße 71 wohnenden Ö'L Bertin, welches inzwischen verstorben ist und die Ange�'�ß ihrer Üniversalerbin eingesetzt hat, zusammen und gerirl« C „J-vau Bertm", �onjcvtfcüigeyiii und Gesnnglehrenn. werbszweig war Betrug. In den glänzend aus der'Angeklagten:vu:\ c anscheinend ein Kommissionsgel� allerlei kleine Bedürfnisse der„vornehmen Welt" c( Wechsel umgesetzt, Bräute verschafft u. s. w., dabei aber n"- fingen Hochstapeleien:,: Szene gesetzt. Tie„gnädige Ä wie ,ie sich nennen l.ep. wußte äußerst geschickt den � der Voriwhmheit und des Reichthums um sich Ü breiten. Sie ließ durchblicken, daß sie eine sehr reiche<#'' Petraapen ,n Lieben perzugebe ergangen, geworden eRe Frar m ihn «chweper ubersandl Jpeife nac Angeklaw von 430 ein©chic SS viechtsau worden. rannten i mit ders, Je Svilla lie 8000 ei'Jöfem ckutmentli te Herren c % 'm von vnjweisel in der A me Dok |in Na -5 D Gerichts mm 7 feaintci Ss £c6tercr ff!» Kmu P'£ N wenn e vielen S «taatsc 'iber>üh «esährli S'geu d tznus rrnwalt in lade verstorl Jnuesx 'chluß eneutil die At «t, .,A» ?,ä Ui '«mmii (ob ß'i «tSnue IS; D der s, ß SS % t MA', - m inu»j£ a en Ii '% f», -h d % ituA a uerk�l vill,� S FallvL ! M diel' unMt i :el)ri; �unH konl» » brai htz' m äf flat« 1 hä ih-? <>» Rittergut bei Wien besitze und nur, um nicht ga»� umhig zu vlelben, Häuser verkaufe und kaufe und Darlchne für Ossiziere und Hochsrehende Personen vermittele. So gesiel sie sich nainent- «ch m der Erzählung. daß sie den Söhnen eines sehr hohen Postbeamten und eines Polizeilieutenants größere Geldsummen s chafft habe. Sie verstaird es vorzüglich, kleinen Leuten, deren �ostchtskreis ein etwas beschränkter ist, ihre Ersparnrsse auf Sparkassenbücher abzujagen. Sie erzählte ihnen vor, daß dre Sparkassen immer fauler würden und bald zu Grunde gehen Mten und machte die betreffenden Personen dadurch lüstern, hre Ersparnisse der Angeklagten zu geben. Da diese ihnen versprach, acht Prozent Zinsen zu bezahlen. - Da die kleinen Leute einen heidenmäßigen Respekt % der„gnädige» Frau" hatten und sich einander in die Ohren »'schelten, wie reich und aütia die Gräfin sei, so wurde es der- i~»«i außerordentlich leicht, vertrauensselige Leute m iyr isarn »!> locken. Ihr erstes Opfer war die Frau eines Maurergesellen «eller, welche bei ihr Äluswartediensie verrichtete und sich be- Ichwatzen ließ, ihre gesammten langjährigen Ersparnisse in Hohe °°n U50 M. herzugeben. Noch größer ist der Schaden gewesen, welchen Frl. Neue, ein in Ehren grau gewordenes Dienstmadchc», «litten. Tieselbe ist zu ihren, Unglück in den Dienst der An- plagten gekommen und die letztere ruhte nicht eher, als bis sie d'« m 25 Jahren mühsam zurückgelegten Nothgroschen der sten, in Höhe von 2500 M. in Händen hatte. Einer anderen hat sie 1200 M. abgejagt, indem sie derselben vorschunndelte, Ein PißiifoiiAnf n(3» i»f% 4 o v fi" A» i*i f t>tn(> rtvnfiEVß SllllllllC % W| Aus,' ßi.fv J,n Lieutenant v. Achte r st übt eine größere Summe ß» gebrauche und sich cvent. tobt schießen würde, wenn hm das Geld nicht beschaffte. In allen diesen, wie auch in Fallen, ist Frau jlellcr der Herold der Angeklagten ge- tb»«'"dem sie, ohne zu ahnen, es mit einer Schivindleriii zu J ff.»" haben, dringend ihren Vekannten anempfahl, Geldgeschäfte % Frau Gräfin zu mache». Die Erklärung der letzteren, % �rld immer rolliren müsse", bestach die Opfer derselbe» in o(t?en' daß die eine geschädigte Frau sogar ihre alte Mittler Uebemverba bewog, ihr kleines erspartes tkapital von QUO 2Ji. S'.l®e c". Genau so ist es einer 64jährigen Wittwe Wichardt .."'So», welche ihre Nothgroschen in Höhe von 2050 M. loS vl»-� n ist. Außer durch die üblichen Redensarten ist die r> v.rau auch dadurch bestochen worden, daß ihr die„Gnädige" " ihren eigenen Gütern oder von dem Gute„ihrer fifÜS8'1!*' der Gräfin Pfeil" hier und da ein Hühnchen „.»sandte: Ein anderes Opfer ist ein auf kurze Zeil' besuchs- w nach Berlin gekommener Arbeiter, der das Glück hatte, die >.„ Klagte kennen zu lernen und ihr seine Ersparnisse in Höhe "430 2* zu übergeben.— Die Reihe der Geprellte» beschließt n Schlosser, welcher mehrmals das Geldspinde der Angeklagten "gebessert und im Ganzen 350 M. eingebüßt hat, ein zivcttes fg'tt'stmädchcn der Angeklagten und der Bureauvorstehcr eines PchEaiiivalts. Dem Letzteren ist gleichfalls sehr übel mitgespielt biH i"• Demselben ist sie als„hochfeine Dame" von einem Bc- um ifn empfohlen worden und er hat sich zu Darlehnsgeschäften 4'' derselben verleiten lassen. Sie redete demselben vor, daß P Brillanten i" Iii Mttämen im Werths von 15 000 Mark besitze, auf welche nnJ: Mark als Darlehu geliehen habe; sie verschulde darauf gegen 3000 Mark und müsse die Brillanten nun '"losen. Weitererzählte sie, daß sie uiit hochstehenden Personen, «Mmeutlich niit den Wnritcmbergischen Gesandten Grasen von m iefesV 1 uo'1 toppelin und dem Reichstags-Abgeordncten Rittergutsbesitzer �v>en von Gräve in Verbindung stehe und von jedem dieser vecren einen Wechsel über 4000 resp. 6000 M. besitze, welche sie °!>v Sicherheit übergeben wolle. Sie hat dies auch gethan, die "vtchsel ivaren jedoch, wie sich später herausstellte, gefälscht, wie von Herrn v. Gräve aus Warschau eingegangenes Telegramm ""ziveiselhaft darlhat. Als der Zeuge dann mit den Wechseln »'! der Angeklagten kam, um ihr Vorwürfe zu machen, nahm sie 1 ,',e Dokumente in die Hand und zerriß sie in kleine Stücke. ff'" Nachweis der Fälschung ist dadurch vereitelt worden. •p Zeuge ist durch die Angeklagte um 2100 M. geschädigt �vvden; er hat zwar von der Angeklagten schließlich zur �ttkung der den Pfandschein über eai Brillantarmband im Werths von 3000 M. erhalten, welches für 000 M. Ulli »iW?vv»4/v WIV J...----- . letzt tvar, hat aber bei der Einlösung und dem Verkaufe des- Mim gj noch Schaden erlitten. Slls dann der Zeuge durch einen L4 jb'v'chtei'ollzie�et pfänden lassen wollte, erfuhr er, daß schon vor ..[A„ffvf" Pfändungen angemeldet war, später wurde der Gerichts- """zteher..u.t.„»u g---—».. ;? H VierZ -n'h?. ;uck idi« itf»«1 % An» überhaupt nicht mehr vorgelassen. Die Angeklagte, Ä letzt die Rolle einer Krankeuwärterin spielte, vertrieb den loiutl niit viuem ärztlichen Attest, wonach Fräulein Berti» - trank sei.— In unglaublicher Weise hat die'Angeklagte einen e alten Oekonom und Lieutenant der Reserve K. gerupft. trat mit derselben in Verbindung, weil er etwas Geld mk.4...---- V � n ndck t 11 )ied«t 'S A ithe" & 'd. A ibck A Sz'ft""'1>01.— yn nngiauouwrr i>u» uit...... Seht nlteu Oekonom und Lieutenant der Reserve K. gerupft l,J trat mit derselben in Verbindung, wesl er etivaS Geld uilttl?, l"1'3 von der Angeklagten sich auch eine reiche Frau ver- ein» msien wollte. Er hat denn auch 225 M. erhalten, dafür aber Anzahl von Wechseln hergeben müssen. Tie Angeklagte '"'"t dem iunaen Mann die wunderbl'--- - dem jungen Mann .'acht ziz haben, um ihn >,........ 0 die wunderbarsten Vorspielungen. ge- zur Hergabe der Akzepte zu bewegen, ß der Vater des K. schon .......... müssen, um seinem Sohne zu retten. Gerade in diesem Falle bestritt aber deiTrvff� Wechsel hat einlösen di» �»iersrock zu retten. Gerade in diesem Falle bestritt aber wos.» geNagte jede Schuld und behauptete, sie habe sich viel be- , v S-—-— frv.z:.: A.«•«« iintEVllls e'S lnum'evtI�rIi�' «j.. v| � i'-v-- . i'.Ht' den jungen Offizier in einer reichen Familie„unterzu- Su'6en", es sei aber Nichts daraus geworden, weil der junge 2""" den verschiedenen Bräuten zu„unbedeutend" erschien, selbst wn er Uniform anzog. Die Beweisausnahme zog sich infolge der cP" Wiukclz. ge, welche die Angeklagte machte, fast 5 Stunden hin. 5Mtsanwalt Werner hielt die Angcllagte in allen Fällen für ' Mhrl. Nachdem er ein erschöpfendes Bild von dem gemein- "jährlichen Treiben der Schwindlerin entrollt, beantragte er ,9"" dieselbe eine Gcsammtstrafe von sechs Jahren Zu cht- '"'s und den üblichen Siebenslrasen. Der Verthetdiger Rechts- Tr. S t r a n tz stellte den Antrag, den Kaufmann Wenzel ff'den. welcher bekunden sollte, daß die Angeklagte mit der st..,, Berti» zusammen in lebhaftem Geschäftsverkehr mit m,,' �»Händlern stand und thalsächlich viele Geschälte zum Ab- Z'P gebracht hatte. Ter Gerichtshof war der Ansicht, daß die die sw eUe Bekundung des vorgeschlagenen Zeugen wenigstens für '"essung der Strafe von Einfluß sein und der Antrag �.'halb nicht abgelehnt werten könne. Es wurde beschlossen, die b In"""'g bis zum Sonnabend, den 6. d. Mts., Vormittags »" labem und den Zeugen Wenzel zu diesem Tcrmme Bozinlo Ltcbevsllsik. "ls fc-«�.�"/'"vbeitev �evlino. Da der Hamburger Streik .'"iiilfiiml.erf'ärt ist, ersuche» wir, alle Listen der StgitaliouS- leb der Bau- und gewerbliche» Hilfsarbeiter Teutschlands '"""tier"der leer) an die unten bezeichneten Vertrauens- »"»11, �"jl'liefern:(Norden) Beerfelde, Linienstr. 220. Gaß- f"''nemfi?sVJ,-er|lr- 4b. Lüdcritz, Schüuholzerstr. 14. Wernau. isde'str. 47, Liskow, Fennslr. 42, bei Lcibmann.(Osten) ovangelstr. 86. Köppe», Wasserthorstr. 75. Slrclow, •'ib,-S ,l,r- lL4. Rennthaler, Falkenfteiustr. II.(Süden) Hart- »"h'mr 1»��. 55. Engelhardt, Strudtstr. 5.(Westen) Klinge, Mei" 15-(Schönebcrg) P. Meiuaß, Gr..Görschenstr. 21. . Au. �./k'umstr. 9. Jet gv,.*. S'rjeiilae« welche noch im Besitz von Saiinnellist« Mbigm!" e" Zimmerer Hamburgs sind, werden ersucht, di Utas»"'''"'3■- a o..tr.,I,s©rt�rili» 1 -•-|itv V l V-- Doberan und Waren i. M." 1' die Pflicht eines jeden Zunmerers. A»»llr in der Kchäftebranche beschäftigten Arbeiter nud Arbeiterinnen. In letzter Zeit, während des schlechten Geschäftsganges, haben die Herren Unternehmer vielfach die Ge- legenheit, unscre errungene», nicht mehr als gerechten Forderungen wieder illusorisch zu machen. Es sind aber leider derartige unge- rechte Uebergriffe deS Unternehmerthums noch nie der bestehenden, ihrer Funktionen harrenden Ueberwachlliigskommission gemeldet worden. Die Kollegen und Kolleginnen mögen keinen Fall von Uebergriffen der Unternehmer verhehlen und verschweigen. Die Kollege» und Kolleginnen müssen der Ucberwachungskommission Gelegenheit geben, sich ihrer Ausgabe zu entledigen. Wir bitten also, alle Vorkommnisse an uns gelangen zu lasse». I. A.: Otto S p r e e r, Zuschneider, Milskauerstr. 23 2 Tr. In der am 39. Angust Abends in Feuerherd's Saal tagenden Versammlung der ausgesperrten Tabakarbeiter Potsdams wurde beschlossen, den betreffenden Fabrikanten nochmals ent- gegen zu komnien und Ihnen folgende Pnnkte unter welchen am Tage der Wiederaufnahme der Arbeit die jetzt bestehende Sperre aufgehoben werden soll: I. Alle Ausgesperrten wieder in Arbeit zu nehmen, 2. keinen Lohnabzug, 3. keine weiteren Maß- regelungen vorzunehmen, 4. keine weiblichen Roller anzulernen, eventuell diesen denselben Lohn zu zahlen, wie den Männern, 5. keinen Arbeiter zum Austritt aus dem UnterstühungSverein zu bewegen. Uebcr vorstehende Punkte ist den Arbeitern noch kein bestimmter Bescheid zugegangen. Die Zahl der Ausgesperrten beträgt ca. 130. Quittung über eingegangene Gelder vom 27. August bis 30. August, für die ausgesperrten Tabakarbeiter Potsdams. 1. von den Tabakarbeitcrn Berlins, 1. Rate 100,— M. 2. Freie Bereinigung der Maurer Potsdams, 1. Rate 20,—„ 3. Liste Nr. 8, 1. Rate 5,93„ 4. Liste Nr. 5, 1. State 1,35„ 5. Bei einem Spaziergang nach Geltow 8,—„ 6. Bon den Tapczirern Potsdams, 1. Rat» 4,65„ Summa 134,95 M. Alle Briese und Zuschriften bitte an Max Kiesel, Vnrgstr.8 u. 4. Alle Gelder an Julius Ulbrich, Mittelstr. 16, beide in Potsdam, zu schicken. VevifÄ»»ri»tltt»rge»r. Zlolizriiich ausgelöst wurde eine öffentliche Versammlung für Männer und Frauen, die am Sonn- abend unter Vorsitz der Herren Jahn, Gaßmann und Fricke tagte. Auf der Tagesordnung stand: 1. Die wirthschaftlichen Folgen des achtstündigen Arbeltstages, Resercnt Herr Dr. Lütgenau. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Der Referent machte folgende Ausführungen: In der englischen Arbeiterhymne heißt es in einem Verse: Wir verlangen 8 Stunden Arbeit, 8 Stunden Spiel (Lebensgenuß), 8 Stunden Schlaf und 8 M. Lohn. Ein TageS- verdienst von 8 Mark wäre nicht zu viel, aber das eherne Lohugeseh giedt dieS nicht zu, daß diese Forderung plötzlich verwirklicht werde: die englische Arbeiterschaft hat dieses aber nicht begriffen, da sie sich bis vor kurzem nicht um die Nationalökouomte pümntcrte, die deutschen Arbeiter dagegen be- schäjtigten sich schon lange mit nationalökonomischen Fragen, be- vor sie die Forderung des achtstündigen Arbeitstages stellten. Tie Wirkungen eines achtstündigen Arbeitstages würden sehr große, vielfach sich widerstrebende sei». Der Lohn würde dort, >vo das Alkordlohnsystem vorherrschend ist, für die erste Zeit fallen. Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion hat des- halb auch in dem Arbeiterschntz- Gesetzentwurf nicht den Antrag auf plötzliche Einführung des achtstündigen Arbeitstages gestellt, sondern in der Art, daß vom 1. Januar 1894 ab die höchstzulnssige Arbeitszeit 9 Stunden und erst vom 1. Januar 1898 8 Stunden betragen darf. Zur Wirkung des achtstündigen Arbeitstages würde sein, daß sich die Produktion in bedeutendem Maße verringern würde, was zur Folge hätte, daß sich die Arbeiter höhere Löhne zu erringen suchten. Das ist aber nicht das Wichtigste, sondern es würden mehr Arbeiter ein- gestellt werden, um dasselbe Arbeitsprodukt herzustellen. Dieses ist nicht nur für die von Wichtigkeit, welche augenblicklich arbeits- los sind, sondern auch für die, welche in Arbeit stehen; diese hätten nicht die industrielle Reservarmee zu fürchten, welche immer als Trumpf gegen die Arbeilenden ausgespielt wird und sich auch stets billiger anbieten. Es gehört keineswegs ein schlechter Charakter dazu, um Lohndrücker zu werden, sondern es trägt hieran die Schuld das System. Aus den angeführten Gründen würde also die Konsumfähigkeit bedeutend steigen und demzusolge auch die Preise der Produkte. Von gegnerischer Seite wird deshalb auch immer eingeweudet: Was nützt es den Arbeitern, wenn sie höhere Löhne erringen, wenn sie dadurch auch die Produkte, welche sie kousumiren, vcrtheucru. Ganz stimmt aber diese Rechnung doch nicht. Die erhöhten Preise hätten ja nicht nur die Arbeiter zu tragen, sondern das ganze Volk. Es ist auch gar nicht gesagt, daß der Konsuiiient die Erhöhung deS Lohnes zu tragen hätte, sondern es könnte auch der Kapitalist durch Verminderung des Mehriverths dieselbe tragen müssen, wenn die Marktverhltnisse und die Konkurrenz für ihn ungünstig sind und ihm starke Arbeiter- orgniiisationen gegenüberstehen. Wo bisher die Arbeitszeit weseut- lich verkürzt wurde, dort war cS alSbald möglich durch erhöhte Aiisiiiltzung der persönlichen Arbeitskrast und durch Vervoll- kommiiuna der Technik soviel zu produziren, wie früher bei bedeutend längere Arbeitszeit. In England sind deshalb auch die Fabrikanten garnicht so aufgebracht gegen die Ver- ürzung der Arbeitszeit, wie in Deutschland. Unsere Bourgeoisie ist in solchen Dingen eben zu kurzsichtig. War doch Fürst Bismarck ebensalls der Ansicht, daß in 8 Stunden nur"VW von dem geleistet werden kann, was in 10 Stunden gearbeitet werden kann. In Max Schippel's„Modernes Elend" ist klargestellt, wie in England die Verkürzung der Arbeitszeit er- höhte Produktionsfähigkeil zur Folge hatte. ES könnte ein- gewendet werden, daß diese Folge die zuerst genaniiten aufheben würde. Deshalb verzichten wir aber nicht aus den achtstündigen Arbeitstag; wir müßten dann aber ivcitergchcnde Forderungen, statt deS achtstündigen den sicbenstündigen und eventuell den sechsstündigen Arbeitstag fordern, damit eine große Masse Arbeitslose eingestellt werden kann. Der achtstündige Arbeitstag hätte aber noch weitere Wirkungen. Es würden die klciiicren Betriebe mehr und mehr verschwinden, während sich die größeren ans Kosten der kleinen noch vergrößern würde». Durch Verkürzung der Arbeitszeit ist nicht aiicS zu erreichen, denn dieselbe ändert an dem bestcheudeii Produktionssystem gar- nichts. Redner weist des Weiteren die Nudurchführbarkeit und den Rückschritt der Forderung des gleichen Lohnes für Männer- und Frauenarbeit nach. Die Frauen uiüssen deshalb mehr noch wie die Männer, für eine Aenderuug des heutigen Produktions- systems eintreten. Ter Referent kam hierauf auf die in letzter Zeit schwebenden Parteizwistigkeiten zu sprechen, wurde aber auf Ersuchen des überivacheuden Beamten vom Vorsitzende» unter- brochrn. Gegen diese Unterbrechung wurde von verschiedenen Seiten protcstirt, woraus die Versainiulimg mittelst Abstimmung kund giebl, daß Referent sortfahren möge. Kaum aber hatte der Referent zwei Worte gesprochen, als sich der überwachende Beamte eryob und die Versa m m l u n g auf Grund des VereiuSgesctzes a u f l ö st e. IMie strllr» sich die Schi>Ii»»nchr>.' Kerllno z» dem im Glltodev i» ZjUnszenfrla stnttsiiideiidru Schul, innchrr- Sougresz? So lautete die TageS ordiiuug einer öffentlichen Schuhmacher-Beisammlnng, die am Montag Abend in Feuersteiu's Lokal, Alte Jakobstr. 75, tagte. Ins Bureau wurden die Herren Fischer, S ü ß m e y e r und Arbeit gewählt; das einleitende Referat hielt Herr Süß m e y e r. Redner machte der Versa»»»- liiiig, daß laiit öffentlicher Einladung im Fachblatt auf de» 0. Oktober ein Kongreß der Schuhmacher Deutschlands in Weißen- fels stattfinden solle, wo um die gleiche Zeit auch die Geueralver- sammlung des Vereins deutscher Schuhmacher tagen werde. Nim sei aber zu Mitte Oktober der Sozialistenkongreß nach Halle ein- berufen worden und nach diesem solle in Braunschweig ein all- gemeiner Gewerkschaftskongreß stattfiiiden. Es frage sich also, ob man nicht angesichts dieser beiden für das ganze Gewerk- schaftsleben sehr wichtigen Kongresse de» Schuhmacherkongreß auf eine spätere Zeit zu verlegen habe, um eine gegebene Direktive der anderen Kongresse befolgen zu können. Man werde andernfalls vielleicht Beschlüsse wieder umstoßen und sie den Beschlüssen der genannten Kongresse anpassen müssen. Seiner Ansicht nach sei es mithin nothwendig, Kongreß und Generalversammlimg der Schuh- macher bis nach Sozialisten- und Gewerlschasts-Kongreß zu ver- tagen. Herr Fischer sprach sich im Sinne des ersten Redners aus und betonte namentlich, daß nian in Zukunft die in der Branche beschäftigten Arbeiterinnen mehr heranziehen müsse, was wohl am besten von de» Spezialbranchen-Organisationen geschehen könne. Auch Herr Niederauer hält die Verlegung des Kon- gresses für nothwendig, während Herr Fleischer dafür spricht, daß die Verschiebung nicht stattfinde. Herr Menzel ist der Meinung, daß bei dem Kongreß wenig heraus- kommen werde, wenn man ihn vor den umfangreicheren und bedeutungsvolleren Kongressen abhalte. Herr Metzner hob in längeren Ausführungen hervor, daß es gewiß praktisch sein würde, den Kongreß später abzuhalten: hierin herrsche wohl völlige llebercinstimmling, obgleich eine Kollision mit den Beschlüssen des Partei- oder Gewerkschaftskongresses nicht zu erwarten sei, da deren Bestrebniigen gleiche Prinzipien zu Grunde liegen. Man möge sich an den Eiiiberufer wegen Verlegung auf eine spätere Zeil wenden, falls dem Wunsch aber nicht mehr Folge gegeben werden könne, den Kongreß beschicken und dadurch zeigen, daß die Berliner Kollegen sich mit denKollegen in ganzDeutschland solidarisch fühlen. Herr C h r i st e n s e n erklärt sich gegen die Beschickung des Kongresses, wenn derselbe vor den anderen abgehalten werden solle; es würde nur Zeitvergeudling und Geldverlust bedeuten. Die Herren G r ü n b e r g und Süß meyer wenden sich gegen die Ansichten Metzner's, welcher erwidert, daß man die Interessen verkennen würde, wollte man von der Beschickung aus den angeführten Gründen Abstand nehmen. Herr K ö r d e l tritt gleichfalls für die Beschickiuig ein, wenn es nicht mehr möglich sein sollte, den Zeitpunkt des Kongresses zu ver- lege». Herr Dörr ist der Ansicht, daß man sich auf alle Fälle an dem Kongreß zu beiheiligen habe. Zur Sache sprachen noch die Herren Niederauer, Süß meyer. Metzner und Christensen. Hierauf stimmte die Mehrheit folgender Reso- lution zu: „Die heute in Feuerstein's Salon tagende öffentliche Schuhmacher- Versammlung erklärt sich mit den Ausfüh- ruugen des Kolsegen Süßmeyer einverstanden und beauf- tragt das Bureau, den Einberufer des jtongresscs zu er- suchen, diesen bis nach dem Sozialisten- resp. Gewerkschafts- Kongreß zu verschieben, da der Schuhmacher-Kougreß seine Taktik auf den Beschlüssen dieser Kongrosse zu bauen hat. Sollte die Verlegung nicht stattfinden, so erklären sich die Schuhmacher Berlins gegen den Kongreß und senden zum 6. Oktober keine Delegirten. Herr Fleischer ersuchte die Versammlung, dafür einzutreten, daß den Delegirten zur Streik-Kontrolkominission das ge- bundene Mandat genommen und ein freies gegeben werde, andern- falls sehe er sich veranlaßt, sein Mandat niederzulegen. Herr Fischer trat diesem Gesuch entgegen. Bis jetzt habe man in geiiaiinter Koinmission nichts weiter als persönliche Nörgeleien gehabt, etwas Positives sei noch nicht geschaffen worden. Nach- dem sich hierzu die Herren Christensen und Fleischer geäußert hatten, wurde beschlossen, die Sache bis zur nächsten öffentlichen Schuhmacher- Versammlung zu verschieben. Herr Fleischer erklärte, daß er sein Mandat nun- mehr niederlege. Herr S t r 0 n g bemerkte hierauf, daß der von Dr. Wille in der letzten Schuhmacher- Versammlung ge- haltene Vortrag über„die Folgsamkeit der Massen ganz entstellt in das„Berliner Volksblatt", welches ihn erst einer gegnerischen Zeitung entnommen habe, gekommen sei. Man habe dem„Verl. Volksblatt" zwei Berichtigungen zugesandt, die aber beide nicht aufgenommen wurden. Die erste sei vom Tisch und die zweite in den Papierkorb gefallen. Herr Fleischer hält die Wieder- gäbe des Vortrags im Wesentlichen zutreffend, während Herr Grünberg betont, daß der Ausdruck„Heerdenvieh" nur in Bezug auf die gedankenlose Masse gebraucht worden sei. Aehnlich sprach sich auch Herr Christensen aus. Herr Wille habe nur über den Menschentrieb im Allgemeinen gesprochen nud daß er diesen richtig gezeichnet, habe die große Versammlung in der „Brauerei Fricdrichshain" beiviesen. Zur Charakterisiruug dieser Versammlung führte Herr Fischer an, daß er dort einen Mann, der„Hurrah" schrie und den Hut schwenkte, gesragt habe: Warum schreien Sie denn eigentlich? Der Mann habe hierauf erwidert:„Nun, die Anderen schreien ja auch, es muß doch etwas loS sein. Nach längeren persönlichen Bemerkungen und Bekanntmachungen interner Angelegenheiten wurde die Ver- smninluug geschlossen. Cine öffeutliche U«rsnmmt»ttg der Inhaber»on SammrlstrUe» für gelesene Arbeiterblätter tagte am Frei- tag bei Krüger, Franksurterstraße 99. Zweck derselben war, den Vertrieb der Blätter planmäßig zu regeln. Nachdem daS Bureau durch die Herreu A. Scholz, Stabernack und Rogge gebildet war, hielt Herr Böhl das einleitende Referat. Redner unterbreitete, als er mit kurzen Worten auf die Nothwendigkcit der Agitation durch die Presse hingeivicseii, der Versammlung folgende Vor- schlage: Die preußischen Provinzen iverden durch Berlin versorgt .,.» Sfc a. rn* A. C I\ 1.•..-J- fVl%.1__ f___ Ih_._ 11,........... W 2. Hälfte: Posen und Pommern; die außerpreiißischen Staaten könnten von den übrigen Großstädten versorgt werden. Um eine leichtere Uebersicht zu schaffen über den Bedarf an Material und Adressen, solle man Jemand bestimmen, an welchen sich die Genossen zu wende» hätte», falls an einer Stelle Mangel an Adressen oder an Blättern vorhanden sei oder auch ein Uederflust an solchen. Im Uebrigen sei die Art der Eintheilnng Sache der Genossen in den einzelnen Kreisen. In der solgenden Diskussion wurde zunächst ein Autrag ab- gelehnt, welcher bezweckte, diese Frage einer öffentlichen Bolls- vcrsanimlung zu unterbreiten. Man war allgeniein über die Eintheilung bezüglich der Provinzen einverstanden, jedoch hielt ein Theil der Redner die Schaffung einer Zentralstelle für un- praktisch.'Nach längerer Debatte wurden die obigen'Anträge zum Bechluß erhoben, doch ivurde eingeschaltet, daß sie in Wirksam- keit treten solle, wenn die Sammler der einzelnen Kreise sich kon- stitnirt haben. Herr Albert S e e g e r, G r 0 ß e F r a>1 k- furterstraße 92, wurde bestimmt, das Material und Adressen entgegen zu nehmen resp. zu ermitteln. Unter Verschiedenem be- stich« zerfetzt, ein anderes, verschickt mit einfacher schwarzer Pappe, kommt zurück mit dreifacher heller Pappe u. s. w. Oester fänden sich bürgerliche Wische oder aber auch verbotene Blätter zwischen den eingelieferten 1 Folgende Ref olutionen wurden zum Schluß angenommen: „1. Die Versammlung beschließt: In Erwägung, daß die Presse als Jlgitatiousmittel nur dann ihren Zweck er- fiillt, wenn sie volikomuieu verstanden wird, daß der größte Theil der Laudbevöllerung jedoch infolge seiner wirlhschaftlichen Lage und Tank eines reaktionären Systems hierzu nicht im Stande ist, werden die Redaltionen der Arbeiterblätter ersucht, daS zu berücksichtigen, speziell in jeder Nummer des betreffenden Blattes die darin ent- haltenen Fremdworte zu verdeutsche». „2. Die Versammlung protestirt dagegen, daß der fünftz Wahlkreis ivohl Sammelsiellc» errichtet, aber keine Zei- tungen verschickt/' Der Berliner Snmtiitsverein für Arbeiter beiderlci Geschlechts hielt am Donnerstag Abend eine Mitglieder- Versammlung im Saale Venthstr. 22 ab. Auf der Tagesordnung stand: 1. Protest gegen das Vorgehen des Dr. Bernstein gegen den Berliner Sanitntsverein. 2. Diskussion. Herr Dr. Bernstein mar zu dieser Versammlung brieflich eingeladen worden. Die Versammlung, welche recht stark besucht war, wurde von dem Vorsitzenden des Vereins, Herrn Hundt, mit der Mittheilung eröffnet, daß von Herrn Dr. Bernstein folgendes Schreiben ein- gelausen sei: „Nach meiner Meinung ist die zwischen dem Vorstand Ihres Vereins und mir schivebende Differenz durch meine Ausführungen im„Berliner Volksblatt" genügend aufgeklart. Ich fühle mich infolge dessen nicht bewogen, in der von Ihnen anberaumten Versammlung zu erscheinen." Nachdem der Vorsitzende sein Bedauern über das Nichtkommen des Dr. Bernstein ausgedrückt hatte, er- griff der Referent, Herr Matz, das Wort und erörterte in längerer Rede die Handlungsweise des Herrn Dr. Bernstein. Wie sich unsere Leser erinnern dürften, hatte der Vorstand des ..Berliner SaiiitätSni>>'i>inK« im„Berliner Volkbl." eine» Artikel „Berliner Sanitätsvereins.....................-....... veröffentlicht, welcher besagte, daß dieser Arzt wiederholt Honorar von Patienten verlangt hat, nachdem bereits seine Bemühungen von der Kasse des Vereins beglichen worden waren. Nachdem das „Verl. Aolksbl." sowohl den Verein als auch Herrn Dr. Bern U J—-—»—-*—• stein je zwei Mal zu Worte hatte kommt» lassen, fand es der Redakteur des Blattes für angezeigt, die Aufnahme weiterer Artikel abzulehnen und eS beiden Parteien anheiin zu stellen, auf andere Art ihren Streit zum Ausdruck zu bringen. Infolgedessen wurde eine Mitgliederversammlung einberufen und Herr Dr. Bernstein zu derselben geladen. Herr Matz, der Vorsitzende des Ausschusses, sowie der Vereinsvorsitzende führten nun au?, daß Herr Dr. Bernstein den Verein als eine inelkende Kuh betrachtet hat. Im Jahre 1886 erhielt der Arzt für seine Leistungen 57 M. 1887 forderte er 108,89 M. Im Jahre 1888 288,92 M. und 1889 429,94 M. für die Behandlung einer gleichen An- zahl Patienten. Ferner erklärte der Vorsitzende, daß der Vor- stand allein nicht das Recht besitzt, einen Arzt zu entlassen, fondern daß dies mit Zustimmung des Acrztekollegiums ge- schchen kann. Herr%. Bernstein wurde viermal aufgefordert, vor diesem Ausschuß zu erscheinen. Obgleich er sein Kommen zu- gesagt hatte, ließ er es aber bei dem Versprechen bewenden, bis sich endlich der Vorstand genöthigt sah, Herrn Dr. Bernstein von feinem Amt zu entbinden. Jetzt erklärte Herr Dr. Bernstein, daß, wenn Unregelmäßigkeiten vorgekommen sind, dieS nur infolge feiner ausgedehnten Praxis geschehen sein kann. Den eigentlichen Anlaß zur Entlassung des Herrn Dr. Bernstein gab der dem „Berliner Volksblntt" mitgetheilte Fall Qnandt. Nachdem noch Herr Dr. Sommerfeld das Verfahren des Dr. Bernstein energisch getadelt und auch die Herren Julius Dietrich und Haseloph in demselben Sinne gesprochen hatten, wurden zwei 3ie- solntionen angenommen, von denen die eine sich dahin aussprach, daß das Verhalten des Vorstandes ein korrektes sei: in der zweiten wurde das Verhalten des Dr. Bernstein vernrt heilt und die Berliner Arbeiter auf ihn aufmerksam gemacht. Nach Annahme dieser Beschlüsse bat der Vorsitzende die Mit- glieder, kein Vorurthcil gegen die anderen noch fungirenden Aerzte des Vereins zu hegen, da gegen diese noch nie eme Beschwerde erhoben worden ist. Drrchslrrvrrsnmmluttg. Am 26. August fand die Mit- gliederversammlung der OrtSverwaltung II(Stockbranche) statt. Der Vorsitzende machte bekannt, daß die statistischen Fragebogen sehr mangelhaft einliefen und ersuchte, doch dieselben so schnell wie möglich auszufüllen und abzugeben. Damit die Vercinsver- sammlunge» besser besucht würden, wurde der Antrag gestellt, „Versammlungskontrolmarken anszugeben." Der Antrag wurde angenommen. Die Mitglieder mögen sich mehr an den Versamm- lungen bctheiligen. Durch ihr Nichterscheinen zeigen sie, wie wenig Interesse sie an den Versammlungen haben. Unter den Kollegen gicbt es noch verschiedene, die sehr der Ausklärung be- dürften. Ferner wurde bekannt gemacht, daß die Gebaucr'schen Arbeiter wieder 9 Stunden arbeiteten, wie früher; daß ferner die Kommission sofort benachrichtigt wird, wenn irgend weiche Miß- stände in den Fabriken vorkämen. UrrbimV dcutschrr zzlechanikrr und veriv. BsrufZgenossen.(Zahlstelle Berlin.) MUlivoch, den 3. September, Abends 8% Uhr, im Luisen städtischen ÄlubhauS. Annenstr. iß; Bersaumilung. Groh» öffcnilichp Urrkauimlung fammttlcher Gewerllschnftcn Serliiis ani Ällttivoch, den 3. September, Abends 8 Uhr, in„Sanssouci", »ottbuserstr. 4a. AUgcmeinrv Ztletallarbeitei- Uerri» Hrrli»»»»d zi>»oege»d. Krone Versammlung siir Fricdrlchsberg, Welhensee und den Osten Berlins Donnerstag, den 4. September, Abends 8% Uhr, im„Neustadtlschen Volts- garten", ProStauerstrahe. Große öffentliche OZeiieralversaimiiUiirg der Utlinrer und Putzer Berlins und Umgegend am Mittwoch, den z. September,"" awwsftÄ über: Bellamrsts Rückblick. Dislusstou und Verschiedenes. (cft- und Dioliutirlilut- Ulorgenroth. Mittwoch, den 3. September. Abends 8 Uhr: Sitzung bei Scholz, Ltebenwalderstr. so. Süste, durch Mitglieder eingeführt, haben Zutritt. Groß« öffentliche personiintnug aller Nartonarbeiterinnen»nd Ardeiter am Donnerstag, den 4. September, Abends 8% Uhr, bei Jordan, Reue iZrünftr. 28. Fachvcrein der Glaree-»nd Kartonpapier-Arbeiter und Kr» Leiterinnen Berlins und Umgegend. Mitglieder-Versanmilung am Mittwoch, den 3. September, Abends 8 Uhr, in Schcsfer'S Salon, Jnselstr. 10. perei» der Klempner Berlins und Umgegend. Mittwoch, den 3. September, Abends 8 Uhr: Große Versammlung im Weddtng-Part, Müller- siraße 178. Große öffentliche pollisversammtnuo sür Schöneberg»nd Umgegend für Männer und Frauen am Mittwoch, den 3. September, Abends 8 Uhr, in HeckendorTS Salon, Hauprstr. 81. Kroße öffentliche xirrsuinmiung der Stellmacher Berlins am Mittwoch, den 3. September, Abends 8j; Uhr, im Saale des Herrn Nehlitz, Bergsir. 12. Tagesordnung: 1. Abrechnung vom Deutschen Siellmacher-Kongreß. 2. Die Berliner Streik-ffontrollommission. 3. Sewertschaflliches. Kewerbevrrei» siir Hchnhmacher>u Kerliu. Versammlung am Tonnerstag, den 4. September, Abends 8% Uhr, Leipzigersir. 44, Restaurant zum Auerbach. Tagesordnung: i. Vortrag des Herrn H. llasta» über Jnvaliditais- und Alterversicherung. 2. Mittheilungen. 3. Fragelasten. Gäste sind willkommen. SpvedjfÄeill. Die Redaktion stellt die Benutzung des Sprechsaals, soweit Raum dafür abzu ..... Publikum zur Best W MWMWMWMWMW Verfügung; sie veri... W Inhalt desselben identisizirt zu werden. geben ist, dem ZnteresseS zur üblikum zur Besprechung von Angelegenheiten allgemeinen sie verwahrt sich aber gleichzeitig dagegen, mildem „ ,�h mvchte S.e ersuchen, Nachstehendes im Sprechsaal zu veröffentlichen, damit man sieht, wie die Berliner Großkapitalisten schon von ihren Hamburger Kollegen gelernt haben, die Arbeiter- Organisationen zn unterdrücken. Ich arbeitete in den Neuen Berliner Messtngwerken in der Alerandrinenstraße und bin Mit- glied des Vereins gewerblicher Hilfsarbeiter Berlins und gegend. Llm Mittwoch, den 27. August, sollte eine öffentliche Versammlung der gewerblichen Hilfsarbeiter stattfinden und waren dazu Eiiiladnngszettel gedruckt worden. Ich hielt eS für meine Pflicht, diese Zettel vertheilen zu helfen und stellte mich infolge dessen am Mittwoch früh vor Beginn der Arbeitszeit vor die Thür meiner Arbeitsstätte, um die Zctttcl an meine Kollegen zu vertheilen. Ich wurde dem Herrn Rohrnm dennnzirt und durch diesen Herrn weiter an den stellveckck Obermeister, und wurde ich infolgedessen am Mittwochs entlassen. Doch wurde mir vorher großmiithig die* gung gestellt, wenn ich ans dem Verein aiistretem würde, � ich weiter arbeiten. Da mir aber der Verein lieber ist>»% Arbeit, verzichtete ich auf letztere. Ich möchte nun allen � reuten Kollegen zurufen, organisirt Euch und haltet fest Organisation, damit man von den Berlinern dasselbe sagüj.' � /f r...ff. sj-.----£.? M wie von den Hamburgern. Zum Schluß rufe ich noch zu: � fest zusammenhalten, so die Jllngcn wie die Alten, dann»> der Sieg gewiß. P e r r ö l z, Naunrsnflr.■■■ Geehrte Redaktion! Wse es ruhigen friedliebenden Bürgern ergehen kann,"�2 ein kleines Beispiel. Am Sonntag waren mehrere Fre»«»� Bekannte von Moabit in der Haide hinter dem Schützenhause znsalninen gekommen, um bei einem Glase Gcmüthlichkeit den Geburtstag eines Freundes zu feiern- 1 jeder der Theilnehmer hatte seine Familie mit zur 6%"%] lüflt w' /T4. r. r» ff.r.. rx r.-.'x— ßi— O------ o zu r die Gesellschaft in heiterster Laune, als plötzlich ein ö" Fuß auf der Bildfläche erschien und fragte, wer hier den fchant hat(wir hatten nänilich ein Fäßchen Bier aufgelegt.If wurde ihm gesagt, daß der Geburtstag eines Freundes 8� '?"rde. worauf er sichtlich zufriedengestellt abseits ging; Augen bück— die Kinder waren im fröhlichsten Splei _ �— v------ enr-tz---- kam der reitende Gendarm von Plötzensee— recht berichtet bin, heißt der Herr Klietsch— mit% Fuchs dazwischen gesprengt, als wenn die Sicherheit des K Staates aus dem Spiele stände und sprengte 'JE eiS* rtltll Pferde zwischen den Menschen herum, als'nieuu er sich aist Reitbahn befände. Darüber natürlich allgemeine EutnG A-X---- V»»»»>, f rtvt hßC ff'T aber das muß befürwortet werden, daß von Seiten der die gesetzlichen Formen nicht überschritten>° nehmer die gesetzlichen Formen welches durch einwandfreie Zeugen bekündet werden kann..1 Trotzdeni die Leute der Aufforderung des Fußgeu�Z ivelcher wieder heran gekoinmen war, den Forst innerha � Minuten zu verlassen, nachkamen, so sind leider ?r!che>nt !? s Haus vomitags k-stw j Schneidigkeit des reitenden Beamten, welcher in der Zrst 5 noch nicht einer Minute eins, zwei drei zählte und dann � seinem Gaul dazwischen ritt, mehrere Personen vom Pferd" treten wordenM Wenn man nun bedenkt, daß der Amtsvorsteher von in dessen Bezirk dies passirte, am I.Mai d. I. den ck beitern seine volle Anerkennung für ihr ruhiges, mürdeo. Benehmen aussprach, so muß man sich wundern, stvie derer q passiren konnte, wo nur an hundert Personen gegen anwesend waren. Aber Dank der aufgeklärten Ar'/ j schaft kam es auch hier trotz des provozirendeu Auftretem'll ' � c«...*.. ri.-------- reitenden Beamten nicht dazu, daß Verhaftungen vorgen>» werden konnten. � �?(, Julius Reckner, Birkenstr. 76, H. 2 T« Vviefknflen dev Bei Aiisragen bitten wir die Abon>icm-ntz-Qu!ttuua belznsüge». 0'" Antmon wird nicht crtheilr. R. Ii. Masterthorstr. 35. Das Evorabier beziehen Sied' Herrn Gustav Hering, Lottumstr. 24. Die Kellereien besinde" „Berliner Lagerhof, Gebäude 3." Kmchttattng. In Nr. 202 muß es heißen: Velleiibanni nicht Birnbaum. Tis�' So lange die Kreide weiß wird schreiben, So lange die Panseplatte von Holz noch ist, So lange er beim Frühstück seine Stulle verträgt, So lange als guter Kerl er bekannt uns ist, So lange sich am Stechrad der Tritt noch wird heben, So lange soll unser Kollege Richard 1553 Scholz noch leben. Hoch! hoch! hoch! Mcrkste was? Unser»» Freunde und Genossen, dem politisch Gemaßregelten vom I. Mai, zu seinem heutigen Wiegcnseste ein donnerndes Hoch! Tie Erfinder der verstellbaren Kreiasägc. 1554 Unserm Freunde und Genossen Wilhelm Hühner ein kräftiges Hoch zu seinem heutigen Wiegenfeste, daß der Kottbuser Damm ivackclt. Die Re- volutionären aus dem 3. Wahlkreise: P.P. E. K. E. Z. F. W. C. M. G. L. Wilhelm, nu wirscht Du aber ooch? Dem Putzer 1556 W. Har»»ach«ebst Frau zu seiner silbernen Hochzeit am 3. September ein donnerndes Hoch. (Verspätet.) Herzlichen Dank allen Verwandten, Freunden und Bekannten sür die herzliche Theilnahme bei der Beerdigung unseres unter den quäl- vollsten Schmerzen dahingeschiedenen Sohnes, Bruders und Bräutigams, des Scifensiedemelstcrs Karl Thccn, besonders dein Herrn Prediger Berliner für die trostreichen Worte, sowie dem Verein der Seifensieder und Berufs- genoffen von Berlin und Umgegend. Die schwergeprüfte Mutter,[1566 verw. Hutsabrikant Angelika Theen, geb. Käfner, Braut und Geschwister. Die Beleidigung, welche ich Frau Bargmail» zugefügt habe, nehme ich retour und erkläre dieselbe als ehren- hast. 1517 R. H n b e. Hiermit ivarile ich Jeden, meinem Sohn Hermann Tscharntke etwas zu borgen, da ich für Nichts auskomme. A. Tscharntke, Nixdorf, Jägerstr. 72. Evorabräu! Das Bier der Brauerei Evora u. Meyer in Fürth in Bayern gelangt bei mir zum Slusschank. Allßerdcin empfehle Arbciterwereinen mein etwa 35 Personen fassendes Vereins- ziunner zur gefl. Benutzung.[1508 Otto Brückner, Lothringerstr. 07. (Zahlst, d. Vereinig, d. Drechsl. Dentschl.) Herren über 20 Jahre, die einem älteren Männer-Gesangverein beitreten wollen, können sich Mittwoch Abend 9 Uhr Langestraße 53 bei Bährwinkel melden. 1555 Hartwig SSbne& Bae Dei »der dei unseres; nwnte m noch. 21 »en Diei Mt ffl »ft Herr Wehe H für Riffel �»hvhei werden Z S};%c % K »ttiuerfe ... Da dheve 1 Ä Herren- um Knaben-6art!erol«i in eigenen Werkstätten angefertigt, Stettin, Kohlmarkt 8. Berlin 0., Grojje FraHlrterstrllße 16«, KiAge aber feste Prelsz Etwaige B-schw-rd-n walle da» PubUmn in dem Hauptgeschäft, Cl,autz--strab�S4-�>mg°n Berlin N., CljilHeßrllje M. Streng reelle Bedienung. ...___, ssr t.. rv-» v f>■/'.• c Von an Eleg.MsWWs-ÄHjtze. 13 M. Bieg. Herren- Jaoket- Anz. 20 III. Eloganto Heck-Anzüge. 30 H. Hocheleg. Kammg.-Anzüge. 7 M. Gediegene Siofihoscn. 15 M. Bieg. Winter-Paletots. 4 M. Bunte und weisse Westen. 4M. Elegante Knaben-Anzüge. 1,50 M. Kuaben-Stoifhosea. Große Auswahl in Burschen- Anzügen, Joppen, Schlafröcken u. Kaiscrmänieln zn sehr billigen Preisen. Für guten Sitz und Halt- barkeit der Stoffe gnrantircn wir. Krskellungrn nach WaaÜ jolideu Rreiscu. 728 jlnr dr» Leser» i>r« ..Herl. Volksblntt" 5 pCt. Rabatt."WÄ Gebr. Neustadt, Steppdecken- Emil Lefövre, Berlin, Oranicnsir. 158. Größte Auswahl! Woll-At!ao- Steppdeche» imit. Handarbeit!K 2 Mir. lang, blau, grün, bordcanx H 7,50 Mark. 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Druck und Verlag von ZUar Fading in Berlin 8W., Beuthstraße 2. ""scl