Zr. SOS. Dienstag, de« S. September 1890. 7. Jahrg. 'S Hrgan für die Interessen der Arbeiter. auver nach Sonn- WiA-WÄ Das ,. Berliner Bolksblatt" und Festtagen. AbonnementZpreiS für Berlin frei Jnsertionsgebiihr beträgt für die S gespaltene Pctitzcile oder deren Raum 40 Pf., für Vereins- und VerfammlungS- Anzeigen 20 Pf. Inserate werden bis 4 Uhr Nachmittags m der Expedition, Berlin SW., Beuthftrabe 3, sowie von allen Annoncen-Bnreaur, ohne Erhöhung des PrciieS, angenommen. Die Expedition ist an Wochentagen bis 1 Uhr Mittaas und von 3—7 Uhr Nachmittags, an Sonn- und Festtagen bis 9 Uhr Vormittags geöffnet. -, Lrrnfprrchrr: Amt VI.|tv. 4100.«« Mrdttkkion: VeukliflvMe S.— Expedition: Venthikeoize 3. DudringlichKetken. , Unsere Kolonialpolitiker zeigen eine Energie, die einer "leren Sache würdig wäre. Der ganze golden gleißende M schillernde Kolonialtranm, der eine Zeit lang unser N'eßbürgerthum ergötzte, ist verschwunden und an die Mle der geplatzten"Seifenblasen ist eine kahle und öde Nüchternheit getreten. Statt aus Afrika zu uns sind schätze von uns nach Afrika gewandert. Das Reich, von Jch die Kolonialschwärmer gehofft hatten, es werde sich V vollen Segeln in die„n euen Bahne n" stürzen, Ut seine Kassen für die abenteuerlichen Projekte der neuen Mteroberer verschlossen und kann nur mit Mühe von � Volksvertretung die Mittel erhalten, die erforderlich I?d, um sich da zu behaupten, wo man einmal engagirt Die überwiegende Meinung im Volke geht dahin, daß ®ß weder ein Gewinn entgehen, noch unserer Ehre Ab- M gethan würde, wenn wir uns heute aus den ge hinten Kolonialgebieten, die wir besetzt halten, zurück |Jchen und sie sich selbst überlassen würden. Rur die Monialschwärmer halten zäh an der Meinung fest, das , Mische Volk sei nun einmal dazu vom Schicksal bestimmt, totifjl Pfennige und Markstücke auf dem Altar der Kolonial- zu opfern. Anfangs glaubte man, das Reich werde M zum' Gerichtsvollzieher der Herren Weltreisenden E ül i n Pascha und Dr. Peters machen und in Form von Steuern die erforderlichen Gelder für me Projekte dieser Herren vom deutschen Volke einziehen. diesen hochgeschwellten Hoffnungen hat sich nur sehr ,�>>3 verwirklicht, was uns mit einer gewissen Genug- Miiig erfüllt. Hat auch das Reich seine Kolonialpolitik nicht aufgegeben, so hat doch Herr Peters sich in Erwartungen getäuscht gesehen. . Aber dieser neue Alexander, der sich offenbar gern "f Weltreich erobern und es als Peters I. beherrschen '"°chte, giebt seine Projekte nicht so leicht auf. Es muß B Weg gefunden werden, auf dem die Pfennige und �ärklein des Volkes für 5kolonialzwecke fließen, und die Mters und Genossen glauben einen solchen entdeckt zu Mven. Die Herzen empfindsamer Leute zu rühren, das Wen die Freunde des„seltenen Mannes", wie If1 seine speknlirenden Lobhudler nennen, vortrefflich ver- Wmden. Wir wissen es nicht, wer der erfindungsreiche �urnalist war, der von Zeit zu Zeit die Nachricht von Tode des Dr. Peters in die sensatioushnngrige Zeit Dr. Peters war vordem in Deutschland wenig ge- ; er zählte zu jener großen Masse enrporstrebendcr p"te, die nicht das Geschick haben, die öffcnt- Aufmerksamkeit, deren sie so sehr be- Arsten, auf sich zu lenken. Endlich ward er JleuiUeiott. '««a otvboiett.) (0 Nerloren! § den Papieren eines Rechtsanwaltes. Voit Casimir K a n e m a il. »Wer ist diese Person?" ii,jt � schlug die Augen nieder und zögerte einen Augenblick re Antwort. an*'st die Eigcnthüincrin des Gasthofs, in dem ich mich Jeiicm Abend befand, als--" nich.,.,- 10 tu cinem Hause wohnte er, das sich von der l-Mteii Schenke kaum unterschied. "tun galt es, das Verhör fortzusetzen. »in amen Ihre Eltern oder der Oheim nie nach Mitlau, ans diesem Lebe» zu retten?" jjiJj"-Set Oheim besuchte das Städtchen fast nie und von wj�'�Alte er iveder etivas sehen noch hören. Hin und da„„'am der Vater in Geschäften hierher. Sah er mich »iit JÄ so schimpfte er mich derb aus, aber ich machte .?" i r''Of| � I***' T I" 'chls mehr daraus." "svii. n't« konnten Sie so gleichgiltig sein. Hat. icm Gott, der Vater führte ja das gleiche Leben. denn etwas Besseres gethan als ich?" »Und»ahm er Sie gar nie nach Hause zurück?" «llZ"�n einziges Mal. Doch ich hielt es nur drei Tage niqrf,. Afh wurde aus Schritt und Tritt verfolgt. Lothar � sich lustig über mich und selbst die Dienerschaft durfte an die Spitze der verfehlten Emin Pascha-Expedition ge- stellt. Auch das hätte ihn nicht berühmt gemacht. Aber sein unbekannter Freund Entenzüchter verhalf ihm zum Ruhme. Da las man, daß die ganze Peters- Expedition niedergemetzelt sei. Bedauerndes Achselzucken ging durch Deutschland, und die Kolonialblätter brachten ehrende Nachrufe für den Mann, der sein Leben der„Wissenschaft" geweiht und geopfert. Dann kam die Kunde, daß er noch lebe. Freudiger Auf- schrei in der kolonialfreundlichen Presse. Und wieder be- richtete der Telegraph, daß Dr. Peters von den Wilden unizingelt und mit seiner ganzen Expedition niedergemacht worden sei. Diesmal war es Ernst und die Trauer war groß. Freund Entenzüchter machte die Sache diesmal pikanter. Er hatte einen Wilden— dieser„Wilde" erinnert sehr an den famosen„Tartaren", durch den einst Napoleon III. den Fall von Sebastopol erfahren haben wollte— und dieser Wilde war natürlich dein Gemetzel, in dem Dr. Peters umgekommen, ganz allein entronnen. Der„Wilde" hatte den Dr. Peters auf dem blutigen Kampfplätze liegen sehen, mause- todt mit drei Speeren in der Brust! Hei, das war ein Aufsehen in Deutschland! Die Blätter brachten abermals lange Leitartikel über deil Tod des nun „berühmten" Afrikareisendeu, Artikel, die als Anzeigen im Jnseratentheil sehr theuer gewesen wären. Aber der ge- fällige unbekannte Freund verstand seine Sache und so arbeitete schier die gesammte deutsche Presse sreiivillig oder unfreiwillig am Ruhme des Dr. Peters. Die braven Spießbürger waren außer sich über den schweren Verlust. den die deutsche Wissenschaft erlitten, und fromme, empfindsame Jungfränlcin reiferen Alters weinten sich in ihren Dachstüblein die Aeuglein roth über das schreckliche Ende des großen Mannes. Wäre noch einige Zeit dahingegangen, so hätte man das„tragische Ende" des Dr. Peters in den Provinzialstädten bei Messen und Märkten auch auf den sogeiiaunten M ori- t h a t e n dargestellt gesehen und die Bänkelsänger hätten es mit dem obligaten Text zum Staunen biederer Land- leute erklärt. Aber, wer erst todt gesagt wird, der lebt lange, und so kam denn wiederum die Kunde, daß Dr. Peters noch am Leben sei, sinteulalen er keine drei Spieße im Leibe und der betreffende„Wilde", wie einst der„Tartar" von Sebastopol, eine falsche Nachricht gebracht habe. Nun war wieder großer Jubel und Dr. Peters war berühmt. Schade, daß man den Namen deS großen Journalisten, der so viel zu seinem Ruhme beigetragen, nicht kennt; derselbe würde von angehenden„Staatsmännern" wohl häufig zu Rothe gezogen werden. Und diese wohlerworbene Berühmtheit benutzen nun die Freunde des Dr. Peters, um eine Peters- Stiftung" zu errichten, zu der das deutsche Volk das Geld hergeben und die zu kolonialpolitischen Zwecken verwendet werden soll. Das ist der Weg, den man gefundeii hat, um den Geldbeutel des deutschen Volkes für die phantastischen Kolonialprojekte einzelner Abenteurer und für die Spekulationen gewinnsüchtiger Kapitalisten zu erschließen. Nun wird dem deutschen Volke mit dem„berühmten" Peters eingeheizt. Er habe uns, heißt es, e w i g e n R u h m erworben und sein Name müsse uns ewig theuer sein! Wir seien ver- pflichtet, den seltenen Mann zu bewundern und dafür der Peters- Stiftung unsere Beiträge zufließen zu lassen! Nun, vielleicht läßt sich mancher Philister, der wirklich der Wissenschaft zu dienen glaubt und als „Gönner" prunken will, bewegen, sein Märklein abzuladen für diese Stiftung, die nur eine Koulisse für die kapita- listische Kolonial-Spekulation ist. Wer aber in diesen Dingen klar und nüchtern denkt wie wir, dessen Parole ist: Keinen Pfennig! oder mußte mich höhnisch behandeln. Obendrein wieder die höllische Langeiveilc..." „Und die Mutter?" fragte ich wieder. „Sie war abwesend, auf Reisen." „Und nun kehrten Sie also wieder zur Schrödtcr zurück?" „Ja, Herr. Ich ging zu Fuß nach Mitlan— die Stallknechte ivcigcrten sich, mir ein Pferd zu geben,— und seit dieser Zeit habe ich Niemand von der Familie mehr ge- 'ehe ir und Niemand kümmerte sich um mich." „Wovon haben sie nun gelebt?" „Ich brauchte sehr wenig. Tie Schrödtcr gewährte mir unentgeltlich die Nnterknnft in ihrem Hanse, denn sie hoffte, ich werde es ihr einmal mit Zinsen bezahlen. Ich ging in zerrissenem Anzug... Im Wirthshans spielte ich Billard und Karten und gcivanu zuweilen etwas... Nun ivar die Gelegenheit gekommen, an ihn eine der wichtigsten Fragen zu stellen. Ich blickte ihn scharf an. „Woher haben Sie das Geld gehabt, welches bei der Verhaftung auf Ihnen gefunden worden ist, wenn es nicht dem Unglücklichen gehörte, den Sie--" „Von der Uhr behielt ich mir ein Medaillon zurück und das hatte ich eben verkauft. Ich hatte mir vorgenouinieu, dasselbe nicht eher, zu verlausen, als bis ich einmal in die Welt hinaus gehen wollte." „Mit welchem Vorhaben wollten Sie fort?" „Ich weiß es selber nicht.... Ich wollte in eine große Stadt, an einen Ort, wo mich Niemand kennen würde." „So machte Ihnen wohl Ihr Lebenswandel Geivissens- bisse und Sie schämten sich Ihrer Lage?" Norvesjaoudeuzett. Kilbao, 5. September. Der spanische Soziali st en- k o ii g r o ß ivnrde gestern nach sechstägigen Verhandlungen ge- schlösse». Das Ergebniß desselben kann als ein durchaus be snedigeades bezeichnet werden. Schon die äußere Haltung des Kongresses war eine würdige; da alle Bcrathungen, trotz mancher verschiedenen Ansichten, in ernster und sachlicher Weise geführt wurden. Tie gefaßte» Beschlüsse aber kennzeichnen die völlige Selbstständigkeit der spanischen Sozialistenpartei; man siellte sich ohne jeden Vorbehalt auf de» Boden der Pariser Beschlüsse, man erklärte jeden Kompromiß mit den bürgerlichen radikalen Parteien für die bevorstehenden Wahlen als verwerflich und verlangte die unbedingte Ausstellung eigener Kandidaten, welche sich öffentlich aus das sozialdemokratische Programm ver- pflichten. Man beschloß, eine eigene Parteipresse ins Leben zu rufen und erwählte einen aus sieben Mitgliedern bestehenden Parteiansschuß, welcher die Vorbereitungen zu den Wahlen in umfassendster Weise treffen soll. Die Mitglieder dieses Aus» schusses verthcileu sich auf Bilbao, Barcelona, Valencia, Malaga und Madrid, und während der nächsten Zeit werden dieselben allmonatlich zu einer Berathung nach Madrid zusammen kommen. Die radikale und liberale Presse ist über diese Beschlüsse der Sozialiftc.i sprach! os geworden, denn schon nach dem zweiten K'ongreßtage stellte sie ihre Berichte über die Verhandlungen ein; ein Beweis, wie lief sie sich über dieselben geärgert hat. Paris, 3. September. Durch die sogenannten Enthüllungen über die geheime Geschichte des BoulangismuS angeregt, fahren die Boulangisten fort, unter einander in'Artikeln nnd Jnterview's die schmutzige Wäsche der Möchtcgernstaatsstreichler von Orleans „Ich fühlte mich sehr unglücklich... Mir war, als müßte mich jeder Mensch verachten." Ich lcntte die Unterredung wieder auf den Hauptgegeu- stand zurück. „Wem und wann haben Sie da3 Medaillon ver- kaust?" „Der Wittwe Schrödtcr." Er sagte dies ohne Zögern. „Einige Stauden vor dem unglückseligeu und verfluchten Ercigniß. Ich hatte die Absicht den Morgen darauf ein Fuhrwerk zu miethen und nach der nächsten Bahnstation zu sahreu. Für das Geld wollte ich mir das Billet lösen— nach Riga oder nach Petersburg. Darüber war ich noch nicht ganz mit mir einig. In der Untersuchung stellte die Schrödtcr in Abrede, mir das Medailloii abgekanst zu haben, weil dessen Werth vier Mal größer war, als der Betrag, den sie mir dafür gegeben,.. Uebrigens war jeuer Mensch ihr Bruder..." Ich folgte jeder Bewegung des Sprechendeil und sah ihn unverivandt in's Auge. Er hatte die Wahrheit ge- sprochen, das sagte mir sein Blick, der in unbegrenztem Ver- trauen ans meinem Antlitz ruhte, das verrieth seine ganze Haltung und der Klang seiner Stimme. Dieser junge Mensch war in diesem Augenblick keiner Lüge fähig. Er war gerührt, niedergedrückt, entsetzt, und erblickte in mir den einzigen Menschen, der ihm mit Wohlwollen beistand. Ich stellte seine Aufrichtigkeit abermals aus die Probe. „Wohin mochte aber das Geld gerathen sein, das der Hazartspieler eine Viertelstunde vor dem Unglück noch bei sich trug? Auf dem Leichnam hatte man es nicht mehr gefunden..." „Die Leute aus dem Gasthof haben es ihm genoinmen!" rief er mit einem Beben in der Stimme, welches die Auf- Emden zu waschen. Und welche Wäsche, welche schmutzige Wäsche. Die Enthüllungen über die Koulissenvorgänge des Boulangismus bilden das Gegenstück zu den früheren Enthüllungen über den Skandal von Wilson, Schuft und Kompagnie. Die einen wie die anderen zeigen die tiefe Korruption, welche die bürgerliche politische Welt zerfrißt. Die Wilsonaffäre deckte den Verfall in den Reihen der bürgerlichen Republikaner opportu- nistischer wie radikaler, auf. Die„Koulissen des Boulangismu und die an sie anknüpfenden„Indiskretionen" ent- hüllen die Fäulniß auf Seiten der Träger der Protestbewegung, die mit soviel falschem sittlichen Pathos im Namen des Vaterlands und der Republik den„korrupten Opportunisten und Radi- kalen" den Krieg erklärten. Die Einen sind drei Pfennige iverth, die Zlndren einen Dreier, kann man von den streitenden Parteien sagen. Die Enthüllungen über die Koulissenvorgänge der boulangisti- schen Bewegung charakterisiren das Natlonalkoinitee als eineVer- brüderung von gewissenlosen Schurken, politischen Jndustrierittern und Strauchdieben in der eigensten Bedeutung des Wortes und von einfältigen Dummköpfen, welche die Albernheit soweit ge- trieben, daß dieselbe aufhört, bloße Siiiipelei zu bleiben und an- fängt, Verbrechen zu werden. Die von den Boulangisten bis dato mit einem geheuchelten, billigen Entrüstungsrummel geforderte Revision des Hochverraths- Prozesses geschieht jetzt, wie der„Tcmps" richtig bemerkt, offen vor dem ganzen Lande. Die Mitschuldigen und Zeugen des politischen Abenteuers verhören und konfrontiren sich jetzt gegen- seitig, plädiren für ihre persönliche Nichtschuld oder lassen für sie von journalistischen Advokaten plädiren. Aber diese Revision des Prozesses auf dem Forum endet nicht mit der Freisprechung der politischen Schwindler, sondern mit deren endgiltiger Ver- urtheilung. Die angeblich patriotische, im höheren Jntcreffe der Republik und deren demokratischem Ausbau geführte Kampagne entpuppt sich als ein ganz gemeiner Sturmlauf von Monarchisten und Äonapartisten gegen die Republik. Der Kriegsuerv der boulangistischen Kampagne wird durch das Geld geliefert, welches die schmutzig geizigen Orleans und die prassenden Napoleoniden Frankreich ausgepreßt haben, und das beide in der boulangistischen Bewegung mit vollen Händen in der Voraussetzung anstreuen, sich für die„Auslagen" nach gelungenem Koup zehn- und hundertfach bezahlt zu machen. Die Orleanisten stellen besonders durch Vermittelung der Herzogin von Uzös den größte» Theil der Summen, welche während des Plebiszitschwindels nach allen Seiten geschleudert wurden, um Reklame und Reklamemacher zu kaufen. Boulauger hat schon im Anfang der Bewegung Beziehungen mit Royalisien und Bonapartisten angeknüpft. Seme Allianz mit den Orleans datirt aus der sogenannten„historischen Nacht", vom SO. November auf 1. Dezember 1887. Als der Skandal Wilson den Sturz Grevy'Z und eine Präsidentenwahl herbeigeführt hatte, hielten bekanntlich die Führer der Radikalen bei Laguerre ein Konzilium ab, in welchem sie über die Situation und besonders die Hintertreibnng der erwarteten Wahl Ferry's beriethen. Die Erregung war damals in Paris eine hochgradige, und es war so gut wie gewiß, daß eine Volkserhebung auf die Proklamation Ferry's als Präsident antworten würde. Die revolutionären Elemente, die Sozialisten aller Schulen mit einziger Ausnahme der Possibilisten umfassend, sowie die meisten Radikalen, sozialistischen Radikalen k des Stadtraths und ein Theil der Mitglieder der äußersten Linken der Kammer waren fest ent- schloffen, sich im Falle der durch eine Koalition der Opportunisten und Rechten ermöglichten Wahl Ferry's an die Spitze der Volks- erhebuug zu stellen und den Grund zu einer demokratischen Republik zu legen. Nur Clömenceau und sein persönlicher Anhang wollte von dieser Eventualität Nichts wissen. In jenen Tagen, als mit der Wahl Ferry's der Bürgerkrieg nur an einem Haar hing, verschrieb sich Held Boulanger, der damals noch für einen Radikalen vom reinsten Wasser galt, den Royalisten, natürlich wie bekannt aus der„edelsten Absicht", Frankreich vor den Schrecken eines Bürgerkriegs zu bewahren. Der royalistrsche Abgeordnete Martimprey war der ehrliche Makler des unehrlichen Handels. Durch einen ehemaligen Kameraden Boulaugers in der Kriegsschule auf den Gedanken ge- bracht, die noch„latente Popularität" des Generals zu Gunsten der Monarchie auszumünzen, holte er sich beim Baron von Mackau, dem Vertrauensmann des Grasen zu Paris die Er- laubniß zu dem Geschäft. In der„historischen Nacht" stattete der„radikale" General— von dessen Radikalismus die Monarchisten doch eigcnthümliche und richtige Vorstellungen haben mußten— dem Royalisten Martimprey einen Besuch ab, der zum Ausgangs- punkt einer förmlichen Abmachung der künstigen Kumpane führte. Martimprey versicherte Boulanger, daß die Rechte bereit sei, Ferry zum Präsidenten zu wählen, wohl wissend, daß dessen Wahl eine Erklärung der Kommune und den Bürgerkrieg proooziren werde, aus dem ihrer Uebcrzeugung nach eine Restauration der Monarchie hervorgehen müsse. Allein die Rechte scheue vor der Gewißheit eines Bürgerkrieges zurück. Sie glaube fest, daß der Triumph der Monarchie auch durch einen Appell an das Volk gesichert werde. Sie sei deshalb bereit, gegen Ferry und für den Kandidaten zu stimmen, welcher verspreche, Boulanger wieder zum Kriegsminister zu machen, wenn der General erkläre, regung verrieth, die sich seiner beim Gedanken an die falsche Anschuldigung bemächtigte.—„Als sie ihn todt ge- fanden, haben sie ihn beraubt! O, Herr, wüßten Sie nur welch miserable Menschen das sind! Meilenweit würde ich vor ihnen geflohen sein, hätte ich sie vorher gekannt. O Gott, warum führte mich das Schicksal mit solchen, mit solchen Menschen zusammen! Der Fluch hat mich er- reicht, ich bin gestürzt, bevor ich sie ganz verachten lernte.. Gott, o Gott, erbarme Dich meiner!" Die Atlfregang jagte ihm das Blut in den Kopf, seine Schläfen hämmerten und ungestüm wogte seine Brust auf und nieder, so daß ich glaubte, er müsse ersticken. Bor Grauen und Schamgefühl schwollen seine Stirnadern an, eine Feuerlohe flog über sein Antlitz und unbeweglich, wie ver- fteincrt stand er da. Leis flüsternd und abgebrochen erzählte er nur, daß erden Bruder der Schrödter ohne zu lvissen, wer er sei, an jenem Abend zum ersten Mal gesehen und sich von ihm hat bewegen lassen, an den Spieltisch zu sitzen. Er hatte bereits eine Sunnne an den Spieler verloren gehabt, als er die Wahrnehmung gemacht habe, daß die Karten gefälscht seien. Er sei daraus vom Spieltisch aufgesprungen, habe die Karten zerrissen und seinen Gegner einen niederträchtigen Betrüger genannt. Nun sei ein heftiger Wortwechsel ent- standen... der Andere habe die Hand erhoben und ihm eine Ohrfeige versetzt.„Nacht war's um mich geworden" — erzählte Rodcnscls—, in den Ohren schwirrte es wie von taufend Grillen und in meiner Brust wogte es wie auf dem stürmischen Meer, ein Schauer durchrieselte mich, das Blut stieg mir zum Kopfe und unwillkürlich schwang ich den Stock, den ich zur Hand genommen, um das verfluchte Hans zu verlassen, und schlug damit auf den Menschen los. Ich wußte nicht, daß ich auf seinen Kopf schlage.... Ich bin stark, zn meinem Unglück sehr stark.... Ein Hieb mußte ihn auf die Schläfe getroffen haben, und das Unglück war geschehen.--". Er starrte finster zn Boden. Wir schwiegen Beide. Deutlich und klar sah und kannte ich jetzt die Geschichte deS jungen Menschen, der mir im groben Gefängnißkittcl gegenüber saß; ich kannte seine innerste Natur, sein ganzes nach der Präsidentenwahl dein Volke das freie Wort zurück zu geben und ihm die Monarchie zu empfehlen. Es ist wohl charakteristisch, daß der monarchische Verführer Boulanger weniger durch Hinweis auf die Schrecken des Bürgerkrieges zu gewinnen suchte, als durch Hinweis darauf, daß unter der Re- publik der Besitz von Aemtern und Würden wenig dauerhaft sei, daß der General dagegen unter der Monarchie oberster Armee- chef werde und bleibe. Hinter der Löwenhaut des Patriotismus guckt überall der Pferdefuß der selbstsüchtigsten Gründe und Motive hervor. Boulanger gab schließlich sein Ehrenwort als Soldat, sich mit den Monarchisten zu vereinigen, wenn diese auf dein Kongreß gegen Ferry stimmen würden. Er erneuerte sein Versprechen dem Baron Mackau, welcher ihm die glorreiche Rolle des Verräthers Mouck zu Gemüthe führte. Der radikale Abgeordnete Le Hmsse, welcher der Unterredung beiwohnte, soll Boulanger daran erinnert haben, daß er„furchtbare Verpflichtungen" auf sich genommen. Er sei jedoch dadurch beschwichtigt worden, daß der General ge- antwortet:„Lieber alles Andere, als Ferry und den Bürger- krieg. Um diese Kalamitäten zu vermeiden, hätte ich noch Anderes versprochen, Die Leute sind wirklich dumm. Habe ich sie an- eführt!" Die Monarchisten hielten ihr Versprechen und ließen Jerry fallen, Boulanger hielt das seinige, indem er seine.Kampagne zu Gunsten der Rivision und eines Appells an das Volk begann. Er warf sich mit um so größerem Eifer ins Zeug, als die Präsidentenwahl eine Enttäuschung seiner Erwartungen brachte. Kein radikaler Präsident, welcher ihm zum Kriegsminister ernannt, ging aus der Urne hervor, sondern Carnot, der von ihm Nichts wissen wollte. Kurze Zeit darauf, nämlich im Anfang von 1888 bandelte der „brave General" mit den Bonapartisten" an, von denen er und seine Helfershelfer den richtigen Rumniel einer Plebiszitkampagne entlehnte. Der weiland Bonapartist, jetzt Bonlangist a. D. Thiebaud, ein Fanatiker des Plebiszits, vermittelte eine Zu- sammenkunst zwischen dem Prinzen Ierüme Napoleon, alias Plonplon und Boulanger, der damals noch Kommandant des 13. Armeekorps in Clerinont-Ferraud war und unter Verkleidung und falschem Namen nach Prangins pilgerte, Plonplon war durch Thiebaud die Nützlichkeit einer Allianz mit Boulanger nahe gelegt worden, da nach seiner Berechnung bei Wahl eines Staats- oberhauptes der Graf von Paris 300 000, Napoleon 1 600 000, der Präsident der Republik 600 000, verschiedene Parteiführer 500 000, Boulanger jedoch 5 000 000 Stimmen erhalten würde. In edler Selbstverleugnung sollte Plonplon entschlossen gewesen sein, sich„über seinen persönlichen Mißerfolg mit dem Sieg seines Prinzips zu trösten". In der Zusammenkunftzu Prangins spielten sich die beiden Möchtegern- Staatsstreichler gegenseitig eine Komödie der Selbstlosigkeit vor. Der Patriotismus mußte auch diesmal wieder die persönlichen Bestrebungen maSkiren. Kurze Zeit nach dem Besuche organisirte Thiebaud in fünf De- partements die erste Plebiszitkampagne auf den Namen Boulangers, in der auch bonapartistisches Geld eine Rolle spielte. Der tapfere Ausreißer von Jersey ist natürlich entrüstet, daß er als Söldling und Werkzeug der Orleanisten und Bonapartisten entpuppt wird. Um weiteren Enthüllungen die Spitze abzu- brechen läßt er durch Pierre Denis, den Redakteur der„Voix du Peuple"(Volksstimme), eines Käseblättchens, das nicht verkauft, sondern nur an die Treuesten der Treuen verschickt wird, er- klären, daß er als Geächteter im September 1889 auch eine Zusammenkunft mit dem Grafen von Paris gehabt habe. Dieselbe hätte sich ausschließlich um eine eventuelle Abschaffung des Ge- setzes die Prinzenansweisung ans Frankreich betreffend gedreht. Die Enthüllungen zc., die über die Koulissenvorgänge des Äou- langismus von allen Seiten losplatzen und welche die Allianz deS Generals mit Royalisten und Bonapartisten sozusagen akten- mäßig feststellen, komme» besonders den Republikanern unan- genehm, die den boulangistischen Hexensabbath mitgemacht. Laur hat bereits erklärt, daß er lieber der Dupirte, als Mitschuldiger bei dem Schacher sein wolle. Castelni und andere behaupten, daß die von Boulanger übernommenen Verpflichtungen gegen die Monarchisten nur Wahlabmachungen ohne tiefere Bedeutung gewesen seien. Milleooye sieht in dem Bündniß nur das Be- streben, eine nationale Einigung gegen den ausländischen Feind herbeizuführen. Mermeix, der mnthmaßliche Verfasser der Figaro- artikel, suchte in einem Interview besonders die republikanischen Mitglieder des Nationalkomitee's von jedem Verdacht eines politischen Schachers reinzuwaschen. Der Graf Dillon, Schatz- meister des Komitee's, ist der Sündenbock, der Alles auf dem Gewissen hat. Die Republikaner des National- komitee's hatten keine Ahnung, aus welcher Quelle die reichen Geldmittel flössen. Tillen behauptete, für die- selben mit seinem Privatvermögen, mit den Erträgen von Sammel- listen. Gaben:c. aufzukommen. Bonlanger selbst sei über die Geldsrage absolut verschlossen gewesen. Sicher sei, daß er den Monarchisten gegenüber Verpflichlnngen übernommen, wie er auch den Republikanern Versprechungen gemacht. Als die Radikalen ihn im Stiche gelassen, sei er m die Nothwendigkcit versetzt worden, Verbündete zu suchen, daher seine Beziehungen zu Royalisten, Bonapartisten, ja sogar zu den spanischen Bonrbonen. Natürlich habe er den verschiedenen Verbündeten gegenüber auch eine ver- schiedene Sprache führen müssen, indessen sei anzunehmen, daß er Wesen, seinen Charakter und daher auch die Quelle seines Verbrechens, feines Unglücks und Verderbens. Dieses Kind wohlhabender Edcllcnte erhielt auf die Wanderung seines Lebens eine weit geringere Summe geistiger Zehrung, als wie sie arme Taglohner zuweilen ihren Kindern zn Theil werden lassen. Systematisch war sein geistiges Wesen ver- nachlässigt worden und die guten Eigenschaften wurden von den schlechten überwuchert. Einerseits war er gleich einer üppig aufgeschossenen Pflanze zn einem blühenden Jüngling herangewachsen mit einem klugen Blick, andererseits war er ein Kind geblieben, das unerfahren, sich keiner Pflicht be- wüßt, weder die herrlichen Höhen noch die gefährlichen Ab- gründe des menschlichen Lebens wahrzunehmen vermochte. Niemand hatte seine individuelle Eigenart berücksichtigt und seine sittliche Ausbildniig wurde dem Zufall überlassen. Unterdessen ging er cinsani seinen eigenen Weg, er folgte nur seinen eigenen Trieben und Leidenschaften, welche eine größere Macht aus ihn ausübten, als All' das, was er um sich sah. Der Zufall, dem man ihm anheim gegeben, hatte ihm, blind in seinen Spenden, die Gunst versagt. Wie ein Vogel mit gelähmten Flügeln, quälte sich seine Phan- tasie in dem engen Käfig, der sie umgab. Es sich schöner und angenehmer zn machen, dazu mangelte c3 ihm an Kennt- nifien und an Kraft. Die Negnngcn seines Geistes waren unbändig und vcrschwommen-untlar. Leidenschaften und Be- gierden erfüllten ihn, aber er fand keinen Ausdruck dafür; in seinem Geiste waren die natürlichen Instinkte thätig, aber sic konnten sich nicht äußern und in seiner Brust regte sich bisiveilen ein höheres Verlangen, eine�cdle Sehnsucht, abaste blieben unbefriedigt, denn er wußte nicht, welchem Ziele er sie zuwenden sollte. Er fühlte einzig, daß er in einem Zwiespalt mit seiner Umgebung sich befand und er suchte die Rettung für seine Leiden dort, wo erste zu finden glaubte: im Leben des kleinen Städtchens. Da wähnte er empor zu kommen aus dem niederen müßig-langwciligen Leben, das ihn verfolgte, und er ging unter... Sein Verbrechen war die Konsequenz deffen was in ihm vorging. Die Genealogie desselben stellte sich mir in einer Reihe Schlußfolgerungen dar. Eine feurige Natur, der es am Willen, an planmäßiger, zielbewußter Thätigkeit gebricht, ■ den Republikanern gegebenen Versprechungen SsK. zürde. Da er gegen alle Parteien verpflichtet 11 nur die haben würde.—.. wäre der Sturz der Republik vermieden worden. habe sich an keine Partei ausliefern wollen, sondern er ira, gegangen, wohin ihn seine Sympathien und Jnterem Zweck der Enthüllungen sei keinesfalls, für oder gegetz 4° Stimmung zu machen. Es handle sich nur darum, oet et � bevorstehenden Wiederaufnahme der Rcuisionskampagne publikaner davor zu bewahren, in den alten Fehler einer mit den Monarchisten zu verfallen. wesen sein, sollten ihnen niemals die Augen Lber v« � der Millionen und Millionen aufgegangen sein. Und wor\ die Bürgschaft, daß der allen Parteien Honig um den � streichende Boulanger gerade nicht den Monarchisten- oni_ den Republikanern die gemachten Versprechungen gehatten v � Die Vergangenheit, der Charakter des Mannes, der I ordinärer Streber wie eine Wetterfahne nach»"en PJtV Windrichtungen gedreht, bieten nicht den geringsten Ami<(l seine republikanische Gesinnungstüchtigkeit zu schwören,-'t jetzt zehnmal in bombastlschen Briefen von falschen F« � jeyi zcyuinui III bombastischen-oucisii vuu|m.|uiv.. h von halber Wahrheit schwadroniren, er ist und bleibt I Masse als Söldling der monarchistischen Parteien gerichtet. � opportunistische Mißwirthschast durch den Boulangt�n.«» � kämpfen, würde darauf hinausgelaufen sein, den Tem Beelzebub auszutreiben. Diese Erkenntniß drängt sich klar aus, daß die meisten Personen, welche in das boulanNI Abenteuer verwickelt gewesen, jetzt nur noch ein Bestreben sich dagegen zu verwahren, von den schandbaren HOi � geheimnissen der Partei auch nur eine Ahnung gehabt zu,« Auch Rochefort, der doch bis jetzt allen Schimpf, den � Bonlangismus eingebracht, ruhig eingesteckt hat, protej>.� gegen, von den monarchistischen Paktoklus, der die boulang>I> n Kassen füllte, gewußt zn haben.,., Ans all' den Ausführungen fühlt man deutlich herai»- � unangenehm Rochefort die Enthüllungen kommen,, welch» Boulangisinus schärfer und vernichtender charakterisiren,* der Anklageakt des Hochverrathsprozesses gethan, DolikiMo Meberflchl Dem Wunsche der Degiernng auf Vermehrung der � kräste vom 1. Oktober ab scheinen die meisten Stadtvertretu� keine Sympathien entgegenzubringen; wenigstens sind � mehrere Fälle bekannt geworden, in denen das Ansinnen de. gierung schlankweg abgelehnt worden ist. Die neueste Am ü dieser'Art aus Neusalz a. O. lautet: Einer Anreguni! Regierungspräsidenten Prinzen Handjery in Liegnitz folgend,« der hiesige Magistrat den Antrag gestellt, vom 1. Okt. ab Rücksicht darauf, daß das Sozialistengesetz ablaufe, einen IM beamten mehr als bisher anzustellen. Dieser Antrag wt». M von der Stadtverordneten- Bersanunlung mit großer AstM jj. abgelehnt. Man führte aus, daß bei dem gesunden Einwohnerschaft eine derartige Vorsichtsmaßregel nicht nur, flüssig sei, sonoern auch unter Umständen schädliche W>"� haben könne..g Politik in den Krirgrrvereinen. Aus Halle NU nian dem„B. T.": Der Vorstand des Nordostthüringer Halle vom deutschen Kriegerbund versendet folgendes Zirkw" � die Mitglieder: Es ist in letzter Zeit vorgekommen, daß gräbnissen verstorbener Kameraden von Krieger- unv A'1' vereinen sich die Sozialdemokratie in hervorragender Weil' Abzeichen(rothe Nelken oder rothe Schleifen an Kränze"! theiligt hat; demzufolge ist der Vorstand des NordostthiuA, Bezirks Halle a. S. des deutschen Krlegerbundes zusammeMA und hat folgende Resolution gesaßt, welche hiermit den WM; vorständen der dem Bezirke angehörigen Vereine zur Ke'.'M gebracht wird und in den Versammlungen zeitweise vor;" � ist. Gleichzeitig soll ein solches Exemplar einem jeden A'-'M der Vereine eingehändigt worden. Zuwiderhandlungen mit Ausschluß des betreffenden Vereins aus dem � Kriegerbunde geahndet:„Sollte sich bei einem BegräbnNj, storbener Kameraden der dem diesseitigen Bezirke angeh" Krieger- oder Militärvercine die Sozialdemokratie betheiliÄ, wird dadurch bewiesen, daß der Verstorbene der Sozialdenus angehört hat, und ist dann demselben das militärische Ly begräbniß zu versagen(sofortiges Abtreten des Vereins)!. können den Angehörigen des Verstorbenen die Ansprüche Verein(Unterstützung zu den Beerdigungskosten) gekürzt odeM>. weigert werden.— Die Rachsucht des edlen Vorstandes,"M,: selbst Wittwen und Waisen um ihre Rechte bringen möchte. sich zum Glück nicht befriedigen lassen. Der Versuch, den bliebenen die Unterstützungsansprüche zn nehmen, ist rechtlich' haltbar. Einen Anozng ans den» Dortrage des polizeia� Dr. Eckstein-Leipzig haben wir vor einigen Tagen "■iV erfüllt von Leidenschaften und Begierden, muß ein schcs und lockeres Leben zur Folge haben; wo das locker und wüst wird, müssen Orgien vorkommen; 10 Orgien giebt, sind Zänkereien und Streit unvermeidlich,� wo die letztern zum Ausbruch gelangen, kann auch ein■" brechen folgen. Würde der Stock des jungen Burschen keinen bRsJ Kopf gehabt haben, der ganze Fall wäre ein alltägl'�j Ereigniß dieser Schenke geblieben. Und doch war ja Stückchen Metall keineswegs die Ursache des Verbrecht sondern eben die Stimmung, der Ort lyrd die GesellrM. die einen Hader begünstigten und ihn geradezu f-' zirten.--.m Rodcnfels war noch immer in seine trüben Gedusj vertieft. Als er endlich daS Haupt erhob, war sein umflort und in seinen Zügen spiegelte sich ein Ausdruck, mich ganz cigenthümlich berührte. Eine wchmüthige S«, muth und ein tiefes Leid leuchteten mir ans den Tiefen Augen und ans dem fahlen Antlitz entgegen. „Wie gut Sie doch sind, Herr Doktor!" kam tf � über seine Lippen.„Mein Herz zittert in dein erlöse' Gefühl, daß ich durch das Geständniß den drückenden � von meiner Brust gewälzt habe. Ich suchte in der metue Rettung, aber sie zehrte Tag und Nacht an tutr■ Ja, ich fühle es, ich weiß es, daß Ihr Herz mit Ret" Unglück Mitleid haben wird."..w Wer kennt die Fäden, welche sich zuweilen S'1'1' gj Menschen spinnen, die einander zuvor nie gescheit i � fühlte ich mich zn dem jungen Menschen, der so elenv � mir saß, merkwürdig hingezogen, und mehr als je in diesem Augenblicke überzeugt, daß alle die Worte, ich über die Bande hörte, die Menschen mit Me»>.>> knüpfen, selbst mit sündenbeladenen Menschen, keine 18 Sentimentalitäten oder inhaltslose Phrasen sind. iwi Ergriffen von seinem Vertrauen neigte ich mich hinüber und frng milden Tones: ,(0 „Sagen Sie mir, Gerhard, hat Ihnen denn tvt«... gar Niemand von den hohen Pflichten des Mci#%,0 sprochen; von der Nothwendigkcit der Beherrschung' A Willens, von den Wohlthaten regelmäßiger BeschästigunS i«, !» i00 n-D bitif Hömiiig rtW MI»!? H-rZ nin H n« I ijM «1 reunM? wm fl cm ein äiil kl 1 '0 a»k1 leii- iy Kerer Stelle gebracht, welchen derselbe auf dem XII. Vcr- age der Hans- und städtischen Gnmdbesitzer-Vcreine lands in Magdeburg gehalten hat. Die Art der Ri.af-it ng des Themas„Die Prostitutionsfrage" und dessen Ä'hnmg befinden sich mit unseren, den sozialdemokratischen wi!.- 5? � so gänzlich unvereinbaren Widersprüchen, daß tr} sür nothwendig halten, in eine Besprechung des Vor "ages einzutreten. «„«; Herr Polizeiarzt stellt die Prostitution als Mhwendigcs Uebel" hin. Es ist bedauerlich, daß . uu� beamteter Mann ein in sich selbst so wider Muchsvolles Wort, wie das augeführte, gebraucht im?« nothwendig ist, kann nie ein Nebel sein und 'st ein Nebel nie nothwendig. Wenn fNi Eckstein als Beispiel die Staatslotterie an- l chrt, die ebenfalls ein uothwendiges Nebel sei, um die �wnth einzudämmen, so widersprechen wir ihm sehr Mchwden, es giebt mehrere Staaten, in welchen sie nicht w überhaupt dämmt sie die Spielwuth nicht ein, son- �"befördert sie. Daß, wie der Herr in seiner Rede an- L? bie Prostitution bei keinem Volke und keinem kkultus L äesehlt habe, ist eben so wohl nicht richtig, wie auch kein M'vns für ihre Nothwendigkeit; aber völlig einverstanden >»o wir mit ihm, daß die sozialen Ursachen der Prostitntion usgesucht werden und zu ihrer Beseitigung Schritte gethan Verden müssen. Zu unserem Bedauern macht hier Mr Dr. Eckstein Halt und sagt uns nicht, welches sozialen Ursachen sind, wir kennen sie sehr vohl und sind nicht so schüchtern, sie nicht öffentlich Uvjpecchen zu wollen. Zunächst ist es die Roth, welche die Mo>titution als letzten Rettungsanker ergreisen läßt, und f>IrJe �oth resultirt wiederum aus unserem Wirthschafts- Meine mit allen, ihm aichaftendcn Mißständen und Miß Jüchen. Da übrigens der Herr Polizci-Arzt die ProstU utien als den Ableitcr entfesselter Leidenschaften betrachtet, a kommt es ihm nur darauf an, daß dieser Ableiter nicht Mödlich wirke. Er räth daher eine sorgfältige Ucber- vachung der Prostituirten an, damit die Gesundheit imserer Alchen männlichen Jugend erhalten werde. Und nun geht ?'hm so wie allen Denjenigen, die bei der Bekämpfung Mcs Bebels ininier nur an der äußeren Erscheinung des- Mbe» sich anklammern, er schlägt die Wiedereinführung der /•Melle vor, dabei passirt ihm aber der Jrrthnni, daß er SM't, die Bordelle seien nur durch den Einfluß fanatischer �ugendhelden abgeschafft worden; ihre Aufhebung wurde Melinehr durch die Erfahrung veranlaßt, daß gerade »urch sie Syphilis ihre weiteste Verbreitung ge- lUiiden hat. Er gleicht den Zünftlern, die niit Affnen Augen nicht sehen mögen, daß des Kleinbürgerthums Sterbestunde gekommen ist, und diese durch Anlegung des punstzopses wenigstens weit hinausschieben wollen. Ncbrigens Mino zur Zeit der Bordelle eine nicht minder starke «traßenprostitntion wie heilte, ganz abgesehen von der für goldene Jugend in feinen Hänsern eingerichteten, die sich M Kenntniß oder der Beachtung der Polizei zu entziehen |®eiß. In dem Resümee seiner Rede konnte sich der Herr Doktor nicht enthalten, der Sozialdemokratie einen Hieb zn Ersetzen, indem er von einem Hineintreiben und Dräugen !» der unsinnigen„freien Liebe" der Sozialdemokraten Weh. Wir verübeln ihm dies nicht; jeder kann nicht alles Wen, und so weiß auch er nicht, was wir unter„freier <>edc" verstehen. . r Es ist leider nicht wegzuleugnende Thatsache, daß die Fwc Anzahl der Prostituirten ans dem ärmeren Thcile Volkes hervorgeht, ans welcher Ursache, ist schon oben Mefüh'rt worden, aber darum darf nicht auf ein niedriges etliches Niveau geschlossen werden. Mit wenigen Ans- Minen sind die Ehen der Aerineren glückliche, weil sie ans jenseitige Neigung bernhen, die auch in späteren Jahren Ä erlischt, weil Jeder in dem Anderen seinen Helfer, seine , Jhe und seinen treuen Sorger im Unglück hat; daß es den Wohlhabenden sehr oft nicht so ist, wissen wir, und si?» Heirathen wegen Geldes ist, wenn wir den richtigen Ausdruck gebrauchen ivollen, auch weiter nichts als Mvstitution; für Geld ist Alles feil; in einem hiesigen jourgeoisblatte, welches einen großen Leserkreis hat, bietet am 5, September eine Dame folgendermaßen ans: 'Huie Dame von voller Figur sucht die Bekanutschast >Nez Herrn von 40—50 Jahren in gesicherter Stellung Ullft-- � � p' i-' r\—---- 1..'.--r. und äm 6. September"sucht ein **(Ücinac, welcher die akademische Dr. philosopliiae et Laufbahn einschlägt, SUeiJci�cit des Gewissens und der Gedanken? Hat Nieniand solche Lehren gegeben?" � Eiferer Stimme ruhig zu mir ans und seufzte mit »Niemand--" eiW'�" Sie nicht, daß das Vaterland von jedem itlk die Erfüllung heiliger Pflichten und großer luewcn verlangt?" 'lief''ON'eilich, davon habe ich schon einmal reden hören," dicht» degcistert,„aber ich begriff den Sinn der Worte Sie Ihrem Herzen hatten Sie keine Liebe, die Asi,,,°r Sünden halte bewahren können? Haben Sie tcL. recht innig geliebt, weder Vater, noch Mutter, den Bruder noch die Schwester»?" iiEti"% Rüttelte traurig verneinend den Kopf:„Nieman- (tue g-f,?''9 eS. gepreßt... Ich erhob mich um unbemerkt �yrane bitterer Rührung ans dem Auge zu wischen.— hatte r �rweile war es spät gcivorden und der Schließer •Budem eil3 ö" wiederholten Malen nach uns gesehen... ö'fciilnfi'" 8'"'l Einbruch der Dlinkclheit das Gcfängniß �Men iverden. an uahin Abschied von dem jungen Sträfling. Als ich sah 7U>sga,lgspsorte des Flurs noch einmal zurückschallte, »c>chr,fl aus der Schwelle der Sprcchstnbc mir traurig '»en. Ich linkte ihn nochmals meinen Gruß. auf vj�wutciten Herzens und mit erhitztein Gehirn trat ich J Straße. filz fJ!"'hl Tagen sollte das Schicksal Gerhard von Roden- ich de,, m'ifchaMn. Noch wußte ich nicht ans welche Weise schick s. �'geklagten verthcidigcn sollte, obschon ich sein Gc- "or ei L 5 mciit Gcdächtniß eingeprägt hatte. Ich stand ' ber schwierigsten Aufgaben, die mir während meiner Fracht?„"Ät sehr laugen Praxis begegneten. I» An- ?ilein D, Geständnisses dcS Angeklagten lag es also außer (cht haÄ- M- daß Rodenfels den Tod jenes Spielers ver- l'ch bewiese, i � Akten ivar diese Schuld ußumstöß- (Fortsetzung folgt.) ) i behufs Heirath die Bekanntschaft einer jüdischen Dame, welche über eine Mitgift von mindestens 100 000 Mark verfügt. In dem zuerst angeführten Inserate prostituirt"sie" sich, in dem zweiten„er", übrigens ein netter zukünftiger Professor, der vielleicht später selber einmal ein entrüstetes Büchelchen über die Prostitution und die„Unsittlichkeit der niederen Stände" schreibt. Sächsische polizeigeinüthlichkeit. Nach geivöhnlichen Begriffen sind Gcmüthlichkeit und Polizei zwei Dinge, die ebenso wenig zusammen passen, wie Feuer und Wasser. Allein im gemüthlichen Sachsen bringt auch die Polizei das Wunder fertig, gcmüthlich zu sein. Freilich, es ist Polizeigemüthlichkeit. Immer'ist die sächsische Polizei nicht gemüthlich— es wäre zu viel verlangt— und ist sie es nicht, so verbietet sie Versammlungen von vornherein und löst Vereine von vornherein auf. Ist sie aber gcmüthlich, so„gestattet" sie die Versammlungen und Vereine, und „gestattet" sich das Vergnügen, die Versammlungen und Vereine nicht bloß zu überwachen, sondern auch väterlich zu y L_• i y»... V» f- lenken und zn leiten. Sagt ein Redner etwas, das der gemüthlichen Polizei ungemüthlich erscheint, so wird der Redner väterlich ermahnt, sich in den Schranken der Polizei gcmüthlichkeit zu halten. Thut er das nicht und bleibt er ungemüthlich, so„gestattet" ihm die Polizei nicht, weiter zu reden und gestattet er sich, das ungemüthlich zu finden, so gestattet sich die Polizei, die Versammlung aufzulösen, wie dies vorigen Freitag einer Versammlung Leipziger Gärtner passirte, in welcher der Rcichstags�Abgeordnete Stolle redete. Am„gemüthlichsten" daß die Polizei der guten Seestadt Leipzig, die neulich auch dem Abgeordneten Geyer das Wort entzog, weil er an Staatsemrichtungen„oder ähnlichen Rührmichnichtan" eine„Kritik" geübt hatte, welche dem überwachenden Polizei bcamten ungemüthlich" zu sein chic». Jndeß war die Polizei in diesem Falle so gcmüthlich, der Versammlung das Weitertagen zu gestatten. Und wohl gemerkt, diese Polizeigemüthlichkeit bewegt sich nicht ans dem Boden des Sozialistengesetzes, sondern des Vcreinsgcsetzcs, dessen Haudhabuilg jetzt die sächsische Polizei für die sozialistengesetzlose fürchterliche Zeit mit heißem Be- mühen einexcrcirt. Da» für Sachsen sehr aktuell» Thema der Ueker» schiveminunge» giebl der„Sachs. Arb.-Ztg." Anlaß zu folgen- den Betrachtungen:„Nicht die Natur allein, sondern auch die Menschen tragen Schuld an den unermeßlichen Verlusten Einzelne, sowie der Staat haben viel dazu beigetragen, daß der- artige Verheerungen möglich wurden. Die Einzelnen, welche in rücksichtsloser Auenützung ihrer Eigenthnmsrechte in den letzten Jahrzehnten überall in leichtfertiger Weise die Waldbcstände ge- lichtet und damit die besten Regulatoren der Niederschläge zer- stört haben. Es ist statistisch erwiesen, daß mit der zunehmen- den Waldverwüstung die Niederschlage und die Ueberschwem- munge» in auffallendster Weise gestiegen sind. Zu spät er- innerte sich der Staat seiner Verpflichtungen hier im Interesse der Gesammtheit die unbeschränkte Ausbeutung des Eigenthums an Wald einzuengen. Und was er that, war nur etwas Halbes. Statt den Besitz an Wald zu dem zu erklären, was er durch weit mehr als ein Jahrtausend in deutschen Landen gewesen war, nämlich zu Gemein- beziehentlich Staats- eigenthum, gab nian ungenügende und dabei schwer zu kontrolirende Forstgesetze. Doch nicht nur hierbei hat sich der Staat gewaltige Untev lassungssünden schuldig gemacht, er hat wichtige Kulturanfgaben gar nicht oder nur in ganz ungenügendem Maße zn erfüllen gesucht, die Flußregulirungen wurden besonders in Oesterreich verschoben und nur in ungenügender Weise geplant, dasselbe gilt von den Nserschutzbanten. Freilich sind dies Zlnsgaben, zu deren Er- füllung es vieler Millionen bedarf und die fehle» für solche Zwecke. Warum? Weil der Moloch des Militarismus alles aufzehrt, weil er nicht duldet, daß der Staat seinen Kulturaufgaben nachgehe. Hätte man auf die Negulirung der Flüsse und auf Uferschütz- bauten nur das vernünftig verwandt, was während zweier Jahre für Heer und Flotte in Europa ausgegeben wird, so hätten sich die wilden Gewässer ruhig verlausen und uneruießliches Leid wäre erspart geblieben." alts zufolge.., Weise ausgebrochen sei. DaS Blatt hofft zivar, daß diese Angabe übertrieben sei, fügt jedoch hinzu, daß der Kreis Rybtiik schon wiederholt unter dem Hungertyphus" zu leiden hatte. Ztvesivrrbrrchev. Der Fall Harmeuing ist in frischem Gedächtniß, und auch, daß sofort etwa ein Dutzend sozialdemo- kratische Preßverbrecher sich meldeten, denen es noch weit chlunnier ergangen war, als dem fortschrittlichen— der schließ- ich doch begnadigt ward, was Sozialdemokraten bekanntlich nicht passiren kann. Im Reichstag kamen diese Skandale zur Sprache, und der eine oder andere Jllusionsrnth mochte sich wohl ein- bilden, es werde jetzt anders iverden. Nun, daß alles noch hübsch beim alten ist, das ersehen wir aus nachstehendem Bericht des in Geestemünde erscheinenden„Norddeutschen Volksblalts":„In welcher Weise man mit Preßverbrcchern in den Strasanstalten umspringt, das mögen unsere Leser aus der Schilderung der Be- Handlung ersehen, wie sie dem früheren Redakteur des„Nord- deutschen Volksblaltes", Fischer, zu Thcil wurde, der wegen Preß- Vergehens(Beleidigung nach Z ILß deS St.-G.-B.) sechs Aionale in der oldenblirgischen Strafanstalt Vechta internirt war. Sofort nach seinem Eintritt in die Anstalt mußte er sich auf dem Hauptwcge der Oberllcider entledigen und wurde alsdann in dieMonttrungskammer geführt, woselbst er init der im Hanse üblichen Nationaltracht, be- flehend in schwarzer Tuchmütze, eben solcher Jacke und Sonntagshofe nnd Weste, sowie mit einer binnen Fünsschafthose zu Arbeitszwecken und imt der nölhigen Hüttswäsche:c. versehen wurde. Als Fuß- bekleidtmg wurden ihm ein Paar L'/ezöllige Holzpantoffeln und ein Paar Lederschuhe verabfolgt. Seine Bemerkung, daß es doch all- gemein Sitte sei, Preßgesangencn die eigene Kleidung und Wäsche zu belassen,»vurde mit dem Hiuweis auf§ 1 der HauSorduuug beantwortet, wonach alle Gefangenen ohne Ausnahme mit HauS- kleidutzg zn versehen seien, sobald dieselben eine mehr als'zwei- monatliche Strafe zu verbüßen hätten. Von seinen eigenen Sachen lvnrde dem Jnhajtirten nicht das geringste belassen. Am nächst- olgcitden Tage halte er sich im Nationalkostüm auf den Spazier- Hof zu begeben. Hier mußte er, gleichsam vor der Front, ivnh- rend die Übrigen Alitgefangenen ihren Spaziergang bewerkstelligten, auf einem Schenunel Platz nehmen und wurde ihm dann von einem anderen Insassen der Anstalt das Haupthaar hernnterge- chnitlen. Kam dem armen Preßsünder diese Prozedur schon panisch vor, so wurde ihm begreiflicher Weise voUständig russisch .umuthe, als besagter Haarkünstler«ut seiner großen Scheere auch daran ging, ihm den Bart abzuschneiden. Die Prozedur des Haar- abschncidens ivicderholte sich nach je fünf Wochen in der gleichen Weise. Ter§ l der famosen Vechtaer Hausordnung, von der wir seider nicht erfahren konnten, ivelchein Jahrhundert sie entstammt, verlangt auch diese Behandlung aller dort internirtcn Gefangenen. Stach dem bereits Gesagten erscheint es nun auch wohl als selbst- verständlich, daß von einer entsprechenden geistigen Beschäftigung des Gefangenen keine Rede sein konnte. Derselbe wurde vielmehr der Arbeitsabtheilmig der Rohrslechter überwiesen und mußte, nachdem er genügende Kenntnisse in der edlen Kunst des Rohr- slechtens(aus Grund dieses in einem Briese augewandten Aus- drucks wurde dem Jnhastirten wetzen„unpassender Schreibweise" als Disziplinarstrafe die Kost sür einen Tag auf Wasser und Brot beschränkt und der betreffende Brief konfiszirt) erlangt, das Tagespensum von 125 Metern Flechten liefern, welche zu Fuß- matten verarbeitet werden. Aus diesen wenigen Proben können die Leser auf die weitere Art der Behandlung schließen, so daß überflüssig erscheint, darauf näher einzugehen. Wir ivollen uns auch jeder weiteren Kritik enthalten. Die Sache spricht für sich selbst. Bezeichnend für die famose Hausordnung ist noch, daß auch die Prügelstrafe als Disziplinarstrafe darin eine Stätte hat, und bis zu fünfundzwanzig Rutheuhieben an die so zu bestrafenden Gefangenen verabfolgt werden können._ Daß nun diese Hausordnung und diese Behandlung von Preßsündern besonders liberal ist, wird wohl auch die kartellbrüderliche Presse Oldenburgs nicht behaupten wollen, ganz besonders aber dürfte die freisinnige Presse doch wohl unsere Anschauung theilen, daß es sich hier um einen recht dicken Zopf handelt. Andererseits zeigt sich aber auch hier, wie nothwendig es ist, be- stimmte gesetzliche Grundlagen für die Strafvollstreckung zu schaffen, denn es steht mit den bescheideiisten Anschammgeu von Rechtsgleichheit in Widerspruch, wenn einerseits Redakteure kartest- brüderlicher Organe wegen irgend welcher Preßvergehcn auf die Festung wandern und dort ein beschauliches Dasein führen, während andererseits diejenigen der oppositionellen Presse wegen ganz gleicher Vergehen in die Sträflingsjacke gesteckt iverden und in 2>/s zölligen Holzpantoffeln mit Nohrflechteu, Sacknähen, Holz- spalten und anderen lieblichen Beschäftigungen vertraut gemacht werden.— Daß derartige Zustände in Deutschland noch möglich sind, spricht dafür, daß wir noch mitten in der Barbarei stecken. Der Haß gegen die Presse ist ein untrügliches Zeichen niedrigen Bildungsgrades; und Länder, in denen die Vertreter der Presse so behandelt werde», wie dies in Deutschland geschieht, marschiren nicht„an der Spitze der Zivilisation", sondern noch ganz im Hintertreffen. Von den„wilden" Franzosen könnten wir da sehr viel lernen. Bei ihnen kommt es allerdings dann und wann»och vor, daß irgend«in Vertreter der Presse zu einer Freiheitsstrafe verurtheilt wird, allein man behandelt ihn auch im Gefängniß als Gentleman, der für einige Zeit Stubenarrest hat, sonst aber thun und treiben kann, was er will. Der Ljantirung mit dem..rothen Gespenst"» der sich die Kohlen-, Eisen- und Baumwollsronde gegen die Sozialpolitik der Regierung so eifrig hingiebt, leisten, so schreibt die„Frank- surter Zeitung", auch solche Kartellorgane Vorschub, die um alles m der Welt nicht frondireu möchten. Aber die Angst vor dem ersten Oktober sitzt ihnen in allen Gliedern, auf nette Knebel, da die alten falle» sollen, ist jetzt schon ihr ganzes Sinnen gerichtet und so verstärken sich die„Untenrufe" aus dem kapitalistischen Frosch teich, die„Nalionalliberale Korrespondenz" verlangt nicht nur ein Reichsgcsetz über das Vereins- und Versammlungswesen, das den Bedürfnissen der Zeit angepaßt sei, das heißt als Kampfmittel gegen die Sozmldemokratie zu dienen vermöge, sondern erklärt sich auch bereit zu einer„Revision des Preß- gesetzes", über deren Charakter wohl Niemand im Zweifel sein wird. Noch offenherziger ist die„Post" mit dem Vorschlag, einer Preßgesehnovclle, in der ihr auch das berüchtigte Material der „Kautschukparagraphen" keine Sorge mache» würde. Sie hat sogar Muster aufLagerund empsiehltals solches einsBestimmuna,„daßeine Kritik allgemeinerZnstände strafbar sein s oll.wenn sie wiederholte grobe Fälschungen enthalte, deren Unabsichtlichkeit nicht anzunehmen sei". Das ist ja ein ivahres Prachtstück, das aus Manteuffel und Ge- Nossen Stümper macht, denn was ließe sich unter der Aegide stramnier Staatsanwälte und findiger Richter für die Preßfreiheit Großes thun? Ein Beispiel nur: Freisinnige und demokratische Blätter bekämpfen die Getreidezölle als gemeinschädlich mit der Behauptung, daß durch sie das Brot, die Nahrung der Armen, vertheuert werde. Das Richterkollegium erkennt in dieser Be- haupttlng eine grobe Fälschung, es stellt als thatsächlich fest, daß dieser Fälschung die Absicht zu Grunde liege, die bestehenden Zn- stände schlecht zu machen und— das Urtheil ist fertig; was noch übrig bleibt, ist die Ausmessung der Strafe der Bersündigung gegen den Kautschuk.' Bor Jahr und Tag würden solche Bor- schlage etwas Beunruhigendes gehabt haben, denn da herrschte noch Bismarck und sein Werkzeug, das Kartell, hatte im Reichs- tage die Mehrheit. Heute kann man bei diesen Apportirungs- küiisten sehr ruhig bleiben, denn die Künstler sind machtlos; je beflissener sie sich zu allen reaktionären Handlangerdiensten zeigen, um so freudiger empfindet man den Segen des Bolksgerichts, das im Februar an dem Kartell vollzogen ivorden ist.— Dieses unbedingte Vertrauen zu dem jetzigen Reichstage, wie es sich in diesen Zeilen ausdrückt, vermögen wir nicht zu theilen. Eine kleine Erleichterung ist neuerdings wieder für die Schweineeinfuhr nach Sachsen zugestanden worden. Nach einer vom Ministerium des Innern im Einverständniß mit dem Reichs- tanzler erlassene» Verordnung ist beschlossen worden, zur Er- leichterung der Einfuhr lebender Schweine aus dem Auslande »ach den Schlachthöfen von Dresden, Chemnitz und Zittau die bisherige Borschrift, nach welcher vor der Einfuhr eine zehntägige Quarantäne in Steinbruch bestand, einstweilen in Wegfall zu bringen. Nothwendig sei aber ein Ursprnngszeuguiß, welches auch eine Bescheinigung der Gesundheit der Thiere enthalten müsse, ferner eine thierärztliche Untersuchung in Bodenbach und Tetschcn nnd die Beförderung der Thiere in geschlossenen Eisenbahn- waggons ohne Umladung bis zun: Bestimmungsorte behufs als- baldiger Abschlachtung im Schlachthause. Die Rechnung über die Wißmann'sche Expedition scheint nicht zu stimmen. In diesen Tagen ist nach der„Kreuzzeitimg" auf Verlangen des Rechnungshofes ein Sekretär des Reichs- inarineamtS und ein Beamter der Intendantur in Kiel nnd Wilhelmshaven nach Sansibar gesandt worden, um eine größere Spezialisirung der Rechnungslegung durchzuführen. Ein katholischer Sozialkongrest, der z. Z. in Lüttich tagt, bereichert die Welt wieder mit der Entdeckung, daß allein die katholische Kirche die soziale Frage lösen könne. Werden die Herren die ewige Wiederholung dieser Narrheit nicht endlich salt bekommen? Drr,.Reichstag" will nicht flott werden. Der„Times" wird aus Sansibar berichtet, alle Versuche, den gestrandeten Post- dampser„Neickstag" wieder flott zu machen, seien bisher miß- lungeu. Es set zn befürchten, daß der Dampfer völlig zum Wrack werde.— Das Schiff hätte eigentlich„Kartell- Reichstag" heiße» 'ollen. Haiubnrg, S. September. Der Ablauf des Sozialistengesetzes wird auch seitens der Hamburger Arbeiterschaft festlich begangen werden. Eine öffentliche Feier ist geplant, zu der die Aus- gewiesenen erscheinen, welche zum Theil eigens zu diesem Zwecke ans kurze Zeit hierher kommen. Königokerg, 6. September. Die Polizei schloß vor- läusig de» Verein zur Wahrung der Interessen der Maurer und den Lokalverein des Verbandes der Zimmerleute nach§ 8b des Vereinsgesetzes.— Das ist die famose dentsche Koalitious- 'rciheit. Kochum, 5. September. In Sachen der hiesigen Steuer-' einschätzuugsverhältnisse ist. wie der„Frkf.Ztg." mitgetheilt wird. euie amtliche Untersuchung angeordnet worden. Ein Regicrungs- kommissar soll bereits hier eingetroffen sein. Gesterreich-Ungarn. Trieft, 6. September. Ein gewisser Coritti, von hier gc- burtlg und hier wohnhast, ist als der Herstellung explodirter Petarden verdächtig, verhastet und dem Landgericht überwiesen worden. Trieft. 8. September. Das Ministerium des Innern lehnte die Genehmigung der Statuten des Vereins„Liga nazionalc" ab,»vetl nach denselben der Verein als ein politischer angesehen werden müsse und zum Deckmantel staatsgefährlicher Bestrebungen gemacht werden könnte. Der Statutenentivurf ist fast gleichlautend mit den Statuten des aufgelösten Vereins„Pro patna". Gvoßbritaunieu. Liverpool, 6, Septeniber. Der Trades-Unions Kongresz ist heute geschlossen worden. John Burns wurde zum Mitgliede der parlamentarischen Kommission gewählt, an Stelle von Birtwistle, welcher zurücktrat, weil er mit der vom Kongreß beschlossenen Resolution zu Gunsten einer Fest- stellung des Achtstnndentages im Wege der Gesetzgebung nicht einverstanden ist. Der Schluß des Kongresses der britischen Ge- werkvereine� erfolgte am Sonnabend, nach einer der„Voss. Zeitung" aus London zugehenden eigenen Drahtmeldung, mit einer großartigen Kundgebung der Gewerke Liverpools, an welcher sich über hunderttausend Personen betheiligten. In der letzten Sitzung nahm der Kongreß u. A. auch einen Beschluß zu Gunsten der Boykottirung aller von nichtunionisttschen Handwerkern ver- fertigten Maaren an. Spani-u. Madrid, 7. Sept. In der Stadt Valencia kamen heute 15 Chalera- Erkrankungen vor, darunter 11 mit tödtlichem Ausgange. In der Provinz Valencia läßt die Cholera nach, ebenso ist ans der Provinz Cadiz kein neuer verdächtiger Fall gemeldet worden. Der Kriegsminister bereitet einen Gesetzentwurf vor, nach wel- chem die allgemeine Wehrpflicht eingeführt werden soll. Portugal. Lissabon, 6. September. Anläßlich der über das englisch- porttigiesische Abkommen hier herrschenden Mißstimmung kam es heute zu lärmenden Kundgebungen und Störungen der Ruhe. Der Ministerrath trat infolge dessen zur Berathnng zu- sammen. Kalkanlättder. Sofia, 7. September. In fast allen Bezirken wurden die RegieruNgskandidaten gewählt. Die Wahl in Plewna und eimgen anderen Orten ist für die Opposition günstig ausgefallen. Von Regierungskandidaten wurden geivähll: Stambuloff in Sofia, Tirnova, Philippopel und ELkizagra, Minister Tontscheff in Sofia, Rustschuk und Carlova, Minister Givcoss in Sofia, Tirnova, Varna und Dobritsch. Außerdem wurden die früheren Minister Stoiloff, Stransky und Salabascheff gewählt; die Gegenkandidaten dieser letzteren erhielten nur eine geringe Stimmenzahl. In ganz Bulgarien ist die Ordnung nirgends gestört worden. Nach dem Bekanntwerden des Ergebnisses der Wahlen brachten die Wähler von Sofia Stambuloff begeisterte Ovationen dar. Der- selbe erhielt ans der Provinz zahlreiche Beglückwünschungs- Telegramme. Sofia, 8. September. Bisher ist das Ergebniß von 250 Wahlen bekannt. Nur in den zwei Wahlkörpern von Selvi und Nadomir drangen die Kandidaten der Opposition durch. Aus Loftscha liegen noch keine Nachrichten vor. Amerika. C h i k a g o, im August. Die„Internationale Arbeiter- Kongreß-Assoziation ersucht uns um Aufnahme folgenden Ausrufs, den wir in seinen hauptsächlichsten Theilen bereits veröffent- licht haben, dessen authentischer Wortlaut bisher aber noch nicht vorlag. „Der internationale Arbeiter-Kongreß 1893. In der am Dienstag, den 12. August, stattgefundenen Versammlung der„Internationalen Kongreß-Assoziation von Chikago" wurde folgender Ausruf vom Exekutiv- Ausschuß unterbreitet und von der„Assoziation" einstimmig indossirt. Der Ausruf lautet: Aufruf der„Internationalen Arbeiter- Kongreß- Assoziation" Chikago, Illinois, Vereinigte Staaten von Amerika. Organisirt am 8. Juli 1890. An Alle, die es angeht: Grnß! Wir erlauben uns, Sie freundlichst um Berücksichtigung dieses Aufrufs zu ersuche». Die unterzeichneten Organisationen von Chikago, deren aus- gesprochener Wunsch es ist, während der Weltausstellung von 1893 einen Internationalen Arbeiter-Kongreß zu Stande zu bringen, haben diese„Assoziation" gegründet, um die Frage der Abhaltung eines solchen Kongresses anderen Organisationen und Personen dies- und jenseits des Ozeans zwecks Erwägung und Mitwirkung zu unterbreiten und die lokalen Vorarbeiten zu besorgen, welche nöthig sein werden, um den in Aussicht gestellten Kongreß zu einem Erfolg zu gestalten. Den Charakter, sowie den Organisations- und Aktionsplan des Kongresses zu bestimmen, bleibt Sache Aller, welche die Ab- Haltung desselben beschließen und sich auf demselben vertreten lassen werden. Unsere Ansichten und Wünsche mit Bezug auf den Charakter des Kongresses finden Sie in der folgenden Prinzipienerklärung der lokalen Assoziation und in den Bedingungen, deren An- erkennung zur Mitgliedschaft genannter Assoziation berechtigt: I.„Anerkennung der Thatsache, daß die Frage der Bedürf- nisse und des allgemeinen Komforts der Menschheit gelöst ist, vor- ausgesetzt, die Produktion wird in vernünftiger Weise organisirt, deshalb sollte sich die Diskussion hauptsächlich auf die Frage einer gleichmäßigeren und gerechteren Vertheilung des Reichthums konzentriren. II.„Daß die Erwägung der allgemeinen Interessen der Arbeiter gleichbedeutend sein soll mit der Erwägung des speziellen Interesses irgend eines Handwerks oder irgend einer Be- ' ästigung? III.„Daß die Erwägung von Plänen für die Entfernung der Ursachen, welche die gleichmäßige Vertheilung des Reichthnms verhüten, höher gestellt werden soll als die Erwägung der Mittel für die Äbschwächung der Wirkungen jener Ursachen� IV.„Daß die Abschaffung des Lohnsystems geboten, und die Einführung kooperativen Besitzes und Gebrauchs der Produktions- mittel eine Nothwendigkeit ist." Wir erlauben uns, Ihre Aufmerksamkeit auf folgende Auszüge aus unserer lokalen Konstitution zu lenken und ersuchen Sie, in Ihrer Erwiderung auf diesen Ausruf die folgenden Fragen zu beantworten: 1. Erklären Sie sich einverstanden mit dem Vorschlag, in 1393 einen Internationalen Arbeiter-Kongreß in Chicago abzuhalten? 2. Wünschen Sie Mitglied unserer Assoziation zu werden? In dieser Beziehung machen wir Ihnen hiermit die Mittheilung, daß passive Mitgliedschaft das Stecht in sich schließt, an den Dis- kussionen der lokalen Assoziation Theil zu nehmen und irgend welche Vorschläge mit Bezug auf die Vorarbeiten des be- absichtigten Kongresses zu machen; alle Verhandlungen der Assoziation sollen passiven Mitgliedern regelmäßig schriftlich über- mittelt werden. 3. Wollen Sie uns zur Ausarbeitung eines Aufrufes P hilflich iin§ freundlichst Ihre Ansichten und � bezüglich der Bedingungen, unter welchen ein solcher � lassen, verden sollte, sowie Tag und Datum, an wel« Kongreß eröffnet werde» sollte, mittheilen?— Als deng Tag erlauben wir uns den 4. Juli vorzuschlagen.,«w 0. Ferner würde es uns freuen, wenn Sie uns � Ansichten und Ideen über den Hauptziveck des Kongrtti theilte», und uns irgend welche praktische Vorschlage mach. «rn.fr. cvr,,..„„x Xi- crd?»» Otnhererngeschrieb ÄL sr Uder O> Felden wi Ulimcldcn Die Ki te C des gebe: Ät lÄÜ fes tec 'fctt diese &. Kreis-! te Ä.3 Tlseater. Dienstag, den 9. September. Gpernhaus. Die Zauberflöte. Schanspielhans. Die Räuber. frrlittrr Theater. Maria Stuart. eutsches Theater. Das Winter- märchen. Zesstng- Theater. Die Ehre. Friedrilh-Wilheluistädt. Theater. Die Puppenfee. Vorher: Leichte Kavallerie. Wallner» Theater. Mamsell Ni- tauche. Ulktoria- Theater. Die Million, oder: Vivat Imperator. Kestdenz-�heater. Marquise. Kellrallianre-Theater. Der Dorf- teusel. Ästend- Theater. Der arme Jona- than. «roll'» Theater. Der Waffenschmied. homas-Theater. Der Alpenkönig und der Menschenfeind. KdolpH Ernst-Theater. Unsere Don Juans. Kaufmann'» Uariötö. Große Spe. zialitäten-Vorstellung. Theater der Reichshalle». Große Spezialitäteu-Vorftcllung. Concordia. Große Spezialitäten- Vorstellung. Wintergarten. Große Spezialitäten- Vorstellung.____ Kommandantenstv. 77—79. Täglich: Grosses Concert mit Euartett-Siinger», ausgeführt von dem Musik- Direktor H. Sanftleben. .Wochentags: Frei-Conccrh Sonntags Untres 20 Pf. Empfehle auch zugleich 8 Billards, 3 Kegelbahnen und emen Saal zu Ver- gnügungen und Versammlungen. 708 F. Sodtke. Englischer Garten. Direktion: C. Andress, Alexanderstraße 27c. Anftreten der Chansonnette Fräulein Ehrenfeld. Austreten der Kostüm-Soubrette Fräul. Roaa Valerie. Auftreten des Gesangshumoristen Herrn Ziogler. Austreten des Malabaristen und Equi- lebristen Mr. Charles. Auftreten des Professors Herrn Jean Clermon t mit seinen dressirten Schwei- nen, Esel und Gänsen. Anfang Wochentags 8 Uhr. Sonntags 6Va Uhr. Entree Wochentags u. Sonntags 80 Pf. 60 Pf. und 75 Pf., im Vorverkauf 20 und 30 Pf. Der Garten ist an Vereine f. Sommer- festlichkeitenm-Spezialitäten-Vorstellung zu vergeben._ StttWiScülfllt Buggenhagen am liflopitzplatz. Täglich: 'Osscs Garten- Concor!. Direktion A. Niidman». tag und Freitag: Walzcr-Ahend i-no Wochentags 10 Pffl., 1 Cc Sonn- und Festtags 25 Pfg. ungünstiger Witterung in den nitere» lliestaurationsräumen. er Frühstücks- und Mittagstisch ?zial-Ausschank von Patzenhoser Export-Bier, Seidel 15 Ps. e oberen Sälr bleiben ms auf eres wegen Nenovirung geschlossen. F. Malier. passaae 1 Tr. 9 Uhr M. b. 10 Uhr Ab. Kaiser-Panorama. Hervorrag. Sehenswürdigk. d. Residenz. Diese Woche: IV. Cycl. Hochinteressant: Erinnernnge»». Frldzug 187071. Zum 1. Mal: Insel Typer« und Syrien. Eine Reise 2u Pf., Kind nur 10 Pf. Abonnement 1 M. ■■miwiiiSMMII IiIIiiiMIIII1!! IIMU IUI I MMinWtt Imincl, gen.:„Die fidel» zlagelkiste", Berlin N., Elsasserstraße 73, gegenüber der Bergstraße. Im Lolial photogrnphisches Atelier zur Benutzung.— Jeder] Gast, auch wenn derselbe nur für| 10 Pfennige verzehrt, wird gratis photopphirt erhält sein Bild sofort als und GratiSpräsent. Höchst scherzhast!| EL Schnitze(init'n tz). 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Szameitat. 1672a Danksagung. Allen Denen, die meinem lieben Mann Michael Staschcit die letzte Ehre erwiesen, spreche ich meinen tiefgefühlten Dank aus. Für die Blumenspenden und Unterstützungen meinen besonderen Dank. 1686 Eleonore Staschcit, geb. Wohlgetban. Empfehle mein Geschäft in frischen Blumen und Kränzen. 840 Robert RßeyeP; Nr 2. Mariannenstraße Nr. 2. . größere und kleinere, zu ver- !t, miethen Blumenstraße 32. W'kesWMn zum 1. Öktbr. zu cenn. Bluinenstr. 32. 1693 Vereill desWer 0#mi# (Zahlstelle Kretin). Dicnotag, den 9. Eeptbr., Abends SVa Uhr, bei Reyer, Alte Jakobstraße 83: BungB Tagesordnung: 1. Vortrag des Kollgen König über: „Produktion und Technik." 2. Diskussion. 1676a 3. Verschiedenes. 4. Fragekasten. Der Bevollmächtigte. Wmein der Tischler(Mm)' Mittwoch, de» 10. Keptember, Abend» 8V2 Uhr, im Moabiter Casino, Wil-nackerstraß- Nr. 03! Grosse Versammlung. iibei Tagesordnung: 1. Vortrag de» Herr» Theodor über die Gewerkschaftsbeweguttg während und»ach dem Soziw'� 4. Verschiedenes. geseh. 2. Diskussion. 3. Gewerkschaftliches. Sänrnttlichr Tischlergeselle» de»—.... ,,, sammlung ganz besonders eingeladen. Neue Mitglieder aufgenommen. 1677a Der Bevollmächtig:* de» Norden» stnd zu dieses Kx i Vertiu gewerblicher Hilssarbeiter Berliks und Untgeg�' Große Versammlung am Mittwoch, den 10. September 1890, Abends 8Va U 9' im Lokale des Herrn(lehel(Renz' Salon), Naunynstraße 27. Tages-Ordnung:( 1. Vortrag des Herrn W i l h. Werner:„Die Presse und deutung für das arbeitende Volk." 2. Diskussion. 3. Kassenbericht, schiedenes und Fragekasten. J Alle Arbeiter sind als Gäste willkommen. pünktlich um 8Va Uhr eröffnet. 2. Di Und Die Versammlung Oer Worsta»»' hiÄ gB Heute, Dienstag, den 9. Septbr. er., Abends 8V- in den Arminhallen, Kommandantenftr. 20 Große Schlltider-Versmmlm. der Freien Vereinigung der Schneider BerlH Tagesordnung: 1. Vortrag. nach den Beschlüssen des Bernburger Kongresses. 5. Vcrschiedencs und Fraaekasten. Alle Kollegen sind freundlichst eingeladen. 4%: gebeugt '«Ä"! k-S iliu-.elm 2. Diskussion. 3. Die 4. Vereinsangelegen? � Itiw.n''lbl *SS't Oer Vorstan�y«m Grosse Versammlung(' 38! MM Bttlmer SdlfeMatt. Nr. 309. Dienstag, den 9. September 1899. y. Jahrg. Toltnles. ! Für die Mitglieder von Zivangs-Krankeukafsen, .Arbeitgeber, welche Arbeiter beschäftigen, die Zwangs- lidt hfa v'?" angehören, ist es von Wichtigkeit, zu beachten, daß InL, e-or>t wieder herannaht, wo der Austritt aus den Zwangs- "'angekündigt werden muß. Die§§ 19 und 63 des tiranken- Il>»�"8�isetzes bestimmen, daß der Austritt aus den Zwangs- to�i��rungspflichtigen Personen mit Schluß des Rech- mi.(Wahres Zu gestatten ist, wenn sie denselben mindestens drei -------— «v i» (jtrt n'' Tttfl i|, [i»j BZ nck- (nooti• �.-____ . OWnebencn Hilfskasse als Mitglied angehören. Der Schluß ein x chaungsjahres tritt in den meisten Kassen am 31. Dezember „..wrlglich muß der Antrag auf Entlassung aus der Zwangs- mihi-""8 spätestens bis zum SO. September gestellt sein, »»W�isfalls der Versicherte ans ein weiteres Jahr in dem Zwangs- , Wtn.ß bleiben muß. Möge deshalb kein Arbeiter, welcher Orts-, Betriebs-(Fabrik-), Bau- oder Junungskasse aus- will, versäumen, vor dem 30. September seinen Austritt '"ziimelden! i!>.�i« Kündigung zum Austritt aus einer Orts., Betriebs- *ihendes' Cd)U'' obei: Jnnungskasse kann einfach lauten, wie nach- Der Unterzeichnete(Angabe des Berufes und Namens); in Arbeit stehend bei (Name und Beruf des Arbeit- gebers), beantragt hiermit seinen Austritt aus der (Name der Kasse). (Ort und Datum.) (Unterschrist.) .Die Hygirni�chc grite der Arb eite rschich- G e sich g rl>» ng mi vorige» Monat auf der in Berlin abgehaltenen achten n!!.. Versammlung des preußischen Medizinalbeamten- Vereins iittl* worden. Da zu gleicher Zeit die Verhandlungen des d,-regionalen Aerztekongresses in Berlin stattfanden, so sind Erörterungen der ersterwähnten, minder wichtigen Körper- to,(m'n �Cr Oesfentlichkcit ziemlich unbemerkt geblieben. Bei ft. Dichtigkeit, welche gerade der hier erwähnte Verhandlung»- Anstand für die Gesetzgebung hat, ist es von Interesse, die Dünungen kennen zu lernen, welche hier unter den ärztlichen nWsbeamten über denselben herrschen. Die hicrselbst erscheinende CTchrift für Medizinalbcamte enthält einen vorläufigen Bericht % diese Verhandlungen, Dein wir das folgende entnehmen: Kreis-Wundarzt Dr. Racine(Essen) referirte über das ?>»a. Von der Thatsache ausgehend, baß unter den Führern C Leitern der großen sozialen Nesorinbewegung die Aerzte im �«Meinen nur wenig hervortrelcn, forderte der Vortragende wachst, daß auch den Aerzten das ihnen zukommende Maß von Mlnahme an den Verbesserungen des Looses der Arbeiter- Mlkerung zugebilligt werde. Die bis jetzt erlassenen Gesetze, ».i Unfallversichcrungs-Gesetz, das Gesetz betr. die Kranken- Ärung der Arbeiter und das Gesetz betr. die Jnvaliditäts- Jy Altersversieherung der Arbeiter, kennen keine Mitwirkung der fW« überhaupt, wie im Speziellen der beamteten Aerzte. Es sck»�r angezeigt, daß bei dem weiteren Ausbau der Arbeiter- IlW»csetzgebung auch die Aerzte und die Medizinalbeamten be- jW'Üt werden; denn die einen Theil der sozialen Reform bildende s„,,ch«rschutz- Gesetzgebung sei nicht nur ein moralisches und �-religiöses, sondern ein eminent hygienisch es Problem. litfip Gegenstände dieser Gesetzgebung müssen vom gesundheit- Standpunkt aus bezeichnet werden; tejuV. T'* Echntzbestimmungen zur Verhinderung gesundheits- ücher oder sonst gefährlicher Arbeit. Ijz.- Die spezielle Regelung der Arbeit von Kindern, jugend- q und iveiblichen Arbeitern, insbesondere auch der Frauen. ,,» n-.w Tie Festsetzung der täglichen Arbeitszeit, sowie der noth- U**' �°'gen Ruhe- und Erholungspause». 2' d-z. Di* Beschränkung der vtacht- und der SonntngSarbeit auf Unvermeidliche Maß und schließlich '7 8*1 qf Die Arbciterwohnungs-Gesetzgebung. dein eingehenden Vortrage des Steferenten ist noch be- w* tj, r18 erwähnenswerth, daß derselbe in llebereinstimmung mit Winfi» n, u"s kürzlich neitgetheilten Forderung des hiesigen Polizei- Wl™, Dr. P i st o r eine genauere ärztliche Kontrole der Ar- f �' V � V t tnit yvii\*iivvv«» v«» v»v fc-v«,•»*»- Nnsn»? Wungen verlangte, damit dieselben den gesundheitlichen i>°�.v�ungen entsprechen, auch soll den Wohnungsüberfüllungen werde». fow�'wfclich faßte der Vortragende seine Ausführungen in . I o-i-?J�J"samme»: der A»?.W �vstim>iiungen der Arbeiterschutz-Gesetzgebung, wie sie in *1 füll _ j'*116!....... D...... Zur Gewerbeordnung enthalten sind,' entsprechen im - eaien den Anforderungen der Hygiene. .»..'�vvugsbedürfiig erscheinen hauptsächlich nur die Vc- "Seinein 2. Al »<■— v»niiiu»v«,lii|,nj O-IW"'"----- j:. o-■ über die Beschäftigung von Frauen, und über die ,-Iii* Uon Kindern und jugendlichen Arbeitern.(Hier wird Willig"n* weitere Herabsehung der Arbeitszeit vom gesund« �riiin»i> Standpunkte anS, namentlich auch für Schwangere 0 eines Nornialarbeitstages läßt sich ge- K fi rers' -u-' :neJ »it C Festsetzung ei.......................... P bi"JiiUaW«.'V- 1 begründen, dagegen ist die Forderung eines Ke% h-v r--5Ja8e3 diskutabel und dürfte als oberste Ü* den m„"lstundige Arbeitstag zu bezeichnen sein.(Die Gründe vme-'-""lurbeilstag sind weniger gesundheitlicher, als viel- Dr 4- m�schnftlicher Natur.) iVlJ0vberin,„ �'8. auf die Wohnungshygiene sind zur Zeit die k. niriif 8«", die an die Wohl ungen der Arbeiter zu stellen "«tben,"fulll- Auch hier muß in Zukunft Abhilfe geschaffen Bestimmungen der Arbciterschutz- Gesetzgebung zu ÄtoM.i'awfeit gelangen, so bedarf es dazu der Mitwirkung ,— or—.... zwdizinaibeamten und der praktischen Aerzte. «er in«° �vvstehenden Sätze wurden ohne D r s kussion von r, Dep«"�''8 angenommc». ' Anoschnsseo zur Vorprüfung der A di« Wahle» der Stadtverordneten- Bersamm- Geni«i„>8>lt>gkeitöcrklärnng der Wahl des Dr. Bachler im I�stehx,. /�-Wahlbezirk zu empfehlen, fußt im Wesentlichen auf -■- en amilich bekundeten Thatsachen. Bei der am är *¥ f4« U'bn*"en 32- Gemeinde-Wahlbezirk II). Abtheilnng erlinff», tcrorb"ete"S®-!l'*1 fi'10 1443 Stimmen abgegeben, 51, L haben: der Drechslern» ei ster Türmer 699, der Lm �tinimi-i, �achler 409 und der Fleischwaarenhändler Becker ii»»... �a somit keiner der Kandidaten die absolute ■■'dinefcvfi.rf'" Ivmir ifiut....----------- ■»eu®nt)[ ,1,. 1,011 722 Stimmen erreicht hatte, mußte eine die~cn Herren Türmer und Dr. Bachler, auf itntj"' Tis cV-j" Stimmen gefallen waren, vorgenomme» der-x. i!. Iwahl; hat am 6. Mai d. IS. stattgefunden, ibc�wen etfii.'r« S' 86.G Stimmen, sein Gegner Törmer Sil . t». n,'• Per elftere ist somit als gewählt proklamirt .* vgn iTt V»|«v»v** I S;,"' J?;'"«'?) 1 somit als ge r Stichwahl Wäbt-ä"----------- haben drei ein« SlHberrL.TSent vorgekommener Wahlbeeinflussungen fptuch erhoben. Durch den Stadtverordnelen Pretzel an den kürzlich verstorbenen Ober- Postdirektor Schiff- mann sei vor der Stichwahl ein Schreiben ungefähr folgenden Inhalts abgesandt worden:„Bei der Wahl am 15. April er. haben nur sehr wenige Postbeamte ihrer Wahlpflicht genügt, und ist diesem Ilmstande das für die Bürgerpartei ungünstige Resultat dieser Wahl zuzuschreiben. Infolge dessen ersuche ich gehorsamst, die in dem Wahlbezirk wohnhaften Postbeaniten gefälligst an- weisen zu wollen, daß sie zur Stichwahl erscheinen und ihre Stimme für den königstreuen Kandidaten der Bürgerpartei, Herrn Dr. Bachler, abgeben. Eventuell bin ich bereit, die Namen der- jenigen Beamten bekannt zu geben, welche nicht zur Wahl er- scheinen." Dieses Schreiben sei von dem Ober-Postdirektor Schiffmann an die Postanstalten Nr. 37 und 54 gegangen und durch die Vorsteher derselben zur Kenntniß sämmtlicher Beamten gebracht worden. Die Kenntnißnahme hatten die Beamten durch Unterschrift bezeugen müssen. Infolge dieser Maßnahmen habe sich bei der Stichwahl die Stimmenzahl der Postbeamten für den Dr. Bachler gegen die erste Wahl um ca. 60 vermehrt, während die wenigen für Törmer bei der Wahl abgegebenen Stimmen sich bei der Stichwahl noch verringert hätten. Auch auf die Polizeibeamten sei seitens einiger Vorgesetzter ein Druck zu Gunsten des Dr. Bachler ausgeübt worden. Wenn auch hierüber direkte Beweise nicht angegeben werden könnten, so ergebe sich dies doch aus dem durch Zeugen zu beweisenden Vor- falle, wonach ein Polizeiwachtmeister, der sich um die Mittagszeit in einem liberalen Agitationsburean nach dem Stande der Wahl erkundigte, in dem Glauben, er befände sich in dem an anderer Stelle desselben Lokales ausgeschlagenen Agitationsburean der Bürgerpartei frei und offen erklärt habe, daß ihn der Vorsprung von einigen 60 Stimnien, welchen der Herr Türmer zu dieser Zeit vor dem Herrn Bachler gehabt habe, lebhaft dauere,— er habe von seinen Leuten zur Wahl gesandt, was nur möglich ge- wesen sei; mehr zu schicken sei er, ohne Einstellung des Dienstes, außer Stande. Der Vorsteher des Postamtes Nr. 64, der Ober- Postsekretär Noeper, giebt in einer schriftlichen Aussage zu den Akten im Wesentlichen den Sachverhalt, wie vorerwähnt, zu, erklärt, daß er selbst die Postschaffner skruber nnd Freiter an den Wahltermin gemahnt habe, bestreitet aber, sie mit dem Wortlaut der Verfügung bekannt gemacht und sich dies durch Namensunterschrift bestätigen gelassen zu haben. Der „königStreue" Herr Ober- Postsekretär schließt die ihm amtlich abgeforderte Aussage mit folgenden charakteristischen Worten: „Die sehr ehrenwerthen Mitbürger, welche ihrem Ingrimm über die erlittene Wahlniederlage durch den erhobenen Protest Luft gemacht haben, sind also bezüglich meines Postamts von jenem pflichtvergessenen Beamten, der eine amtliche Verfügung in die Oeffentlichkeit bringen konnte, schlecht unterrichtet worden. Meinerseits hat irgend welche Beeinflussung nicht stattgefunden. Der gesunde Sinn der Postbediensteten würde Solches überhaupt nicht zulassen. Dieselben wissen allein, nach welcher Partei- richtung sie ihre Stimnie abzugeben haben. Wenn nach dieser meiner pflichtgemäßen Aenßerung meine weitere Vernehmung noch erforderlich sein sollte, dann darf ich Ew. Hochwvhlgeboren wohl bitten, dieselbe gefälligst beschleunigen zu wollen, damit für mich die Angelegenheit bald ihr Ende erreicht. Mein Amt legt mir zu viele und zu wichtige Geschäfte auf, als daß ich mich durch nebensächliche Tinge, wie Wahlprotest-Angelegenheiten lange be- helligen lassen möchte." Zu erivähnen bleibt noch, daß nach einer vom städtischen Wahlbureau auf Grund der Abstimmungsliste angefertigten Nach- Weisung gestimmt haben: a) bei der ordentlichen Wahl am 15. April d. I.: 46 Postbeamte, nnd zwar 43 für Dr. Bachler und 3 für Törmer, und 39 Polizeibeamte, und zwar sämmtlich für Tr. Aachler, b) bei der engeren Wahl am 6. Mai d. I.: 97 Postbeamte, davon 95 für Dr. Bachler und 2 für Törmer und 75 Polizei- beamte und zwar sämmtlich für Dr. Bachler. Demgemäß haben bei der engeren Wahl mehr gestimmt 51 Postbeamte nnd 30 Polizeibeamte. Sämmtliche Stimmen, mit Ausnahme von zweien, sind für Dr. Bachler abgegeben. Nach dem Ergebniß der Beweisaufnahme hat die Mehrheit des Ausschusses die Ueberzeugung gewonnen, daß bei der Stich- wähl am 6. Mai d. I. eine unzulässige amtliche Wahl- beeinflussung stattgefunden habe und der Ausfall der Wahl als eine unmittelbare Folge der beeinträchtigten Wahlfreihcit an- zusehen sei. Einen Keitrag, wie die Pflicht der Armenpflege in Berlin aufgefaßt und ausgeübt wird, liefert das folgende in der „Boss. Ztg." am 5. September befindliche Inserat: „Eine von ihrem Manne verlassene Frau mit 2 kleinen Kindern, welche lange Zeit im Kirmnkenhause gelegen und während dieser Zeit um ihre gesammten Sachen, Betten u. s. w. gekommen ist und sich noch sehr schwach fühlt, bittet in ihrer gänzlichen Hilsslosigkeit und aller Mittel entblößt, edele Menschen um Beistand. Auch wäre alte Wäsche recht erwünscht. Frau Asam, Neue Wiuterfeld- straße 4, III, bei Hirschfeld. Nähere Auskunft crtheilt auch gern Herr Armenvorsteher E. Ehrlich, Winterfeldstr. 19, I." Daß die Angaben der bittenden Frau Asam richtig sind, ist nicht zu bezweifeln, da der Armenvorsteher jedenfalls, bevor er sich bereit erklärt hat, Auskunft zu ertheilen, von der Wahrheit der- selben überzeugt hat. Sollte nun der Fall eintreten, daß sich edele Menschen, deren Hilse erbeten wird, nicht finden, so drängt sich die Frage auf, was dann geschehen wird; bleibt die Frau mit ihren Kindern dem Elend überlassen, in den sie ver- kommen mag? Ter Frau Asam ist kein- Vorwurf daraus zu machen, daß sie sich an die Oeffentlichkeit wendet, wie vermag sich aber die Verwaltung Berlins zu rechtfertigen, daß sie, wo anerkannte Hilsslosigkeit vorliegt, helfend nicht ein- greift? An den nöthigeu Geldmitteln fehlt es nicht, denn der Abschluß des Rechnungsjahres 1960/00 ergicbt einen Ueberschuß von 5 47t 120,91 M. und wenn zu Festen, wie zum Schützenfeste, das den Charakter einer Orgie angenommen hat, und zu dem des Aerztekongresses, das ebenfalls nicht sehr sauber verlaufen ist, Zehntausende leichten Herzens bewilligt und ausgegeben werde», so möge man auch einige Hunderttausende mehr in den Armeuetat einstellen, um der Noth in Wirklichkeit abhelfen zu können, denn in ähnlicher Lage, wie Frau Asam, befinden sich noch viele Andere. Damit aber die frommen Leute auf dem Lande über das sündige Babel-Berlin aus solchem eben angeführten Vorkommniß nicht Ge- legenheit nehme», ihren Zorn über dasselbe auszuschütten, so soll auch ihnen ein Inserat in der„Voss. Ztg." von demselben Tage vor Augen geführt werden. Der Herr Pastor Volk- mann in Fraist bei Friedeburg a. S. wendet sich an alle Wohlgesinnten mit der Bitte, die durch das schwere Gewitter am 3. August schwer geschädigten Bewohner der Orte Königs- wick, Zabitz und Fraist im Mannsfelder Seekreise durch Liebes- gaben zu unterstützen. Diese Dörfer sind unter Wasser gesetzt worden, die Ernte ist vernichtet, Gebäude sind eingestürzt und Vieh und Hansgeräth verloren gegangen, nicht wenigen Arbeiter- familien und Häuslingen thut Unterstützung dringend Roth. Bekanntlich ist die Provinz Sachsen, in welcher die genannten Ortschaften liegen, eine der reichsten des preußischen Staates, sie ist die echte Heimath der Zuckerbarone. An diese Leute sich zuerst zu wenden, dürfte wohl richtiger gewesen sein, mit Freuden würden sie von ihrem Ueberschuß mitgetheilt und gezeigt haben, daß sie wohlgesinnt seien. Oder hat der Herr Pastor etwa schon vergeblich angeklopft? es scheint beinahe so. Uebrigens sind, wenn die Gemeinden ihren Insassen nicht helfen können, der Kreis und dann die Provinz dazu verpflichtet. Aber es ist dort so wie hier. Nehmen ist seeliger als Geben. Die Ginfiilirun-z des elektrischen Detriekes auf den Linien der Großen Berliner Pferdeeisenbahn-Gesellschaft dürfte wohl noch manches Jahr ein frommer Wunsch bleiben. Inner- halb Berlin ist ein solcher Betrieb nur möglich unter Benutzung von Akkumulatoren, während die überirdische Zuleitung aus mannigfachen Gründen völlig ausgeschlossen erscheint. Diese mag in kleineren Städten, wie in Halle, wo sie gegenwärtig eingeführt ist, am Platze sein, nicht aber in Großstädten, wie Berlin, wo in der gewaltigen Ausdehnung des Bahnnetzes ein sehr erschweren- des Moment liegt und außerdem die polizeiliche Erlaubniß zur Aufstellung der für die Zuleitung nothwendigen Ständer inner- halb der Slraßen aus Gründen der Sicherheit wohl kaum zu er- langen wäre. Denn daß eine solche oberirdische Zuführung mit ihrer gewaltigen Stromstürke für das Publikum auf der Straße bei irgend einem zufälligen Herabfallen des Leitungsdrahtes sehr gefährlich werden kann, und daß serner die Anordnung von zahl- reichen hohen gußeisernen Ständern mit Isolatoren in den Straßen kein schönes Bild darbieten würde, braucht kaum hervorgehoben zu werden. Andere rein technische Gründe, welche gegen einen solchen Betrieb mit ober- irdischer Zuleitung sprechen, sollen nicht einmal angeführt werden. Jedenfalls liegt eine Menge solcher Gründe vor, und nicht zum Geringsten kommt jener in Betracht, daß eine Störung an einer einzigen Stelle den Betrieb auf dem ganzen Netz lahm legt. Ein elektrischer Betrieb in Berlin ist nur möglich mit Akkumulatoren, so daß jeder Wagen den elektrischen Kraftvorrath in hinreichender Menge und in hinreichender Stärke mit sich führt und sich demgemäß für einen gewissen Zeitraum völlig un- abhängig von der Station, in welcher die Elektrizität erzeugt wird, bewegen kann. Es käme also aus die Herstellung eines Akkumulators an, der für etwa vierundzwanzig Stunden eine genügende, gleichmäßige, durch keine Erschütterung gestörte Kraft- quelle für die Fortbewegung eines sonst durch zwei Pferde ge- zogenen Schienenwagens bieten würde. Solche vierundzwanzig- stüudigen Akkumulatoren, die gleichsam das Ideal für den elektrischen Betrieb von Straßenbahnen bilden, sind aber bis jetzt noch nicht zu Stande gebracht worden. Zu erwarten ist jedoch, daß auch dieses Problem gelöst wird, zumal sich mit dem- selben die hervorragendsten Elektrizitäts-Firmen des In- und Auslandes eingehend beschäftigen. Wenn eine einiger- maßen ansprechende Lösung von Seiten einer hiesigen Firma erzielt ist, so beabsichtigt die Große Berliner Pferde- Eisenbahn-Gesellschast, entsprechende Versuche mit diesen Akkumulatoren anzustellen. Denn das steht in der That außer Frage, daß ein solcher Akkumulatorenbetrieb den Betrieb mit Pferden vollständig aus dem Felde schlagen würde,— er würde schon in Rücksicht darauf, daß der Bahnoberbau weniger ab- genützt wird, billiger und besser sein. Würden also Akkumula- loren der gewünschten Art hergestellt, so dürfte die vorgenannte Gesellschaft wahrscheinlich sofort mit der Einführung derselben vorgehen: an jedem gewöhnlichen Pferdebahmvagen könnte eine derartige Einrichtung ohne große Schwierigkeiten angebracht werden. Aber vorläufig muß, wie schon hervorgehoben. Alles beim Alten bleiben. Was dem gegenwärtigen Pferdebahnbetrieb nur zu wünschen wäre, ist die Einstellung einer größeren Zahl von einspännigen Wagen, welche denn doch, wie zeder„Pferde- bahnler" zugeben wird, unter allen Wagen die zweckmäßigsten sind, und die vermehrte Einführung selbstthätiger Weichen an Stelle der noch vielfach vorhandenen, welche vom Kondukteur mit Gefahr seines Lebens gestellt werden müssen. Die einspännigen Wagen, gleichsam das Ideal im Pferdebahnbetrieb, fassen aller- dings nicht so viele Personen, wie die großen Zweispänner. Aber dieser Unterschied könnte durch schnelleres Zirkuliren der Wagen ausgeglichen werden, was um so eher möglich ist, als dieselben leichter und beweglicher sind. Ehrlicher Finder gesucht. Am Sonnabend Mittag kam ein junges Mädchen, Anna Behrendt, von Küstrin nach hier. Das junge Mädchen wollte sich hier verheirathen und hatte ihre Er- sparnisse im Betrage von 600 M. in einem Korbe bei sich. Das Geld war fest in Papier eingewickelt und in ein Tuch eingeschlagen. 480 Mark waren Zwanzigmarkstücke, das übrige war Silbergeld. Als das junge Mädchen am Schlesischen Bahnhof ausstieg und sich ein Billet nach Tempclhof gelöst hatte, ließ sie den Korb auf einer Bank des Perrons zurück. Korb und Geld müssen also auf dem Perron des Südriugs gefunden sein. In dem Korb befand sich außer verschiedenen anderen Kleinigkeiten auch das Dienstbuch der Verliererin. Der ehrliche Finder wird gebeten, das Geld gegen gute Belohnung bei Kokulinski, Tempelhof, Neue Straße 14, abzugeben. In de», KonseKlionsgeschäst von U. Dtnuheimev be- fand sich seit Jahren ein junger Mann, der sich des allgemeinen Vertrauens erfreute. Er ist eine stattliche, große Erscheinung und trug sich stets gewählt uud tadellos. Er erschien fast niemals ohne Gehrock. In seinen Mußestunden trieb er, zu seinem Ver- gnügen, Musik; er brachte schon häufig des Morgens die Musik-' rolle mit in das Geschäft. Vor einigen Wochen fragte nach diesem Angestellten im Geschäfte ein Schneider, der von ihm nicht Bezahlung für einen angefertigten Anzug erhalten konnte und der, als man ihm sagte, der Betreffende werde ja schon bezahlen, da er ein gutes Gehalt beziehe, hinzufügte, er glaube nicht an die Bezahlung, denn der junge Mann habe bei ihm schon seit Monaten Stoffe zu anderen Kleidungsstücken liegen, die er sich auch nicht machen lasse. Dadurch wurde man im Geschäfte von Manheimer aufmerksam. Man erbot sich an der Kasse, die Rech- nung zu bezahlen und erbat sich Proben von den erwähnten Stoffen. ES war ein leichtes, aus denselben festzustellen, daß die letzteren aus dem Geschäfte gestohlen waren. Und es hat sich seitdem, wie die„Nat.-Ztg." meldet, herausgestellt, daß der junge Mann, der ganz zweifellos Helfershelfer hatte, seine Diebstähle in's Großartigste ausgedehnt hat. Man hat Körbe voll der werth- vollsten Maaren bereits aufgesunden, außerdem aber Pfandscheine im Betrage von mehr als 20 000 M., und man ist im Geschäfte der Ansicht, daß damit die wahre Höhe des Schadens noch lange nicht gedeckt ist. Ei» Word«nd Zelbflmord ist vom Sonnabend zum Sonntag in dem Hause Kottbuser User 45 verübt worden. Die Tochter einer daselbst wohnenden Schankwirthin, Anna Hartmann, unterhielt nnt dem ehemaligen Kellner Behrendt, einem arbeits- scheuen, inehrfach bestraften Menschen, ein Liebesverhältniß. das von der Mutter des Mädchens nicht gebilligt wurde. Auf dem Boden des HauseL wurden nun gester» früh die Leichen der Anna Hartmann und des Behrendt vorgesunde». Ein daneben liegender Zettel besagte, daß die Beiden zusammen den Tod gesucht haben. Behrendt hat erst das Mädchen, dann sich erschossen Nach den vorliegenden übereinstimmenden Berichten ist der dem Geschehniß zu Grunde liegende Thatbestand folgender: Der im Jahre 1861 zu Beruburg geborene Arbeiter Behrendt. welcher wegen Diebstahls und Leichenfledderns wiederholt, zuletzt mit Zuchthaus bestraft und unter Polizeiaufsicht gestellt war, unterhielt seit längerer Zeit ein intimes Liebesvcrhältnip mit der l .„ w...........................,.......„........ 18jährigen Slnna Hartmann, welches die Billigung der Mutter des jungen Mäd- chens begreiflicherweise nicht finden konnte. Alle Mahnungen der Mutter, von den» verkommenen Menschen zu lassen, blieben fruchtlos; das Mädchen verkehrte nach»vle vor gegen den Willen der Mutter mit Behrendt,»uelcher hier zunächst als Kellner, dann auch als Arbeiter in einer Knopffabrik des Frankfurter Viertels Beschäftigung fand. Seit et»va acht Tagen war B. stellungslos und hielt steh vielfach in dem Schankkeller der Wittive Hartmann auf, wo er Gelegenheit fand, mit der dort beschäftigten Tochter Zusammenkünfte zu verabreden. Am Sonnabend Abend gegen 7 Uhr verließ Behrendt mit der Anna Hartmann den Schankkeller. Als das Mädchen Abends gegen 11 Uhr noch nicht heim- gekehrt war, stiegen m der Mutter bange Sorgen auf, ob die Tochter nicht etwa ihren zu Gästen oft geäußerten Selbstmordplan misgeführt haben möchte. Einige Zeit später verinißte die Mutter den Hofschlüssel,»velcher zugleich auch in das Bodcnschloß paßte, und als sie bald darauf bemerkte, daß auch der Schlüssel zn ihren» Bodenverschlag verschivnnden»var, da beschlich sie die fürchterliche Ahnung, daß die Tochter auf den» Bode»» ihrein Leben ein Ziel gesetzt haben könnte. Sie bekämpfte indeß ihre Unruhe, in der Hoffnung, daß sich die Tochter doch noch,»vie schon so häufig, in» Laufe der Nacht einfinden würde. An» Sonntag Morgen gegen c Uhr aber sandte die geängstigte Mutter das Dienstmädchen nach den, Boden; dasselbe kehrte bald schreckensbleich mit der Nachricht zurück, daß in den» Bodenverschlage die blutüberströmten Leichen der beiden Liebenden läge». Es»vurde nun sofort nach den» Polizeirevier in der Neichenbergerstraße geschickt, dessen Vorstand den Thatbestand aufnahm. Nach dem Befunde ist es ziveifellos, daß das Liebespaar im Einverständniß mit einander den Tod gesucht und gesunden hat. Behrendt hat darnach zuerst seine Braut erschossen und dann sich selbst entleibt. Zuoen» wurde in der Tasche der Anna Hartmann ein von ihr»nit Bleistift be- schriebe»» Zettel vorgefunden, dessen Inhalt lautete: „Liebe Mutter! Da Du Deine Einivilligung zu unserer Heirath nicht geben»villst, so haben wir den Tod gesucht. Laß uns Beide von dem Gelde beerdigen, welches mir aus »neines Vaters Erbtheil noch zukommt." Gegen Mittag wurden die Leichen von dem inzivischen rcgui- rirten polizeilichen Obduktionswagen abgeholt und nach dem Leichenschauhause überfuhrt. Der Kildhauer Josetch Kaffsack«ttd der Maler Paul Weimar siiid vorgestern Nachmittag in der fünften Stilnde ein Opfer der sturingcpeitschten Fluthcn des Wannsees geworden. Kaffsack besaß ein eisernes Segelboot, mit dein er vorgestern eine Lustfahrt auf der Havel unternahn». In seiner Begleitung be- fanden sich Paul Weimar lind der Maler Karl Jung. Man befand sich bereits- auf der Rückfahrt nach Wannsee und hatte etiva die Höhe des Breiten Horns erreicht, als das Boot, das keines»vegs übertakelt war, plötzlich ein Leck erhielt und mit de»»» Heck ins Wasser tauchte. Ehe man die Pumpen in Beivcgung fetzen konnte, hatten die hochgehenden Wellen das Boot voll- geschlagen und in»venigen Minuten war es in die Fluthcn vcr- funken. In der Noth suchten die drei Künstler das Gladmver Ufer drirch Schtviinmen zu erreichen. Jting nahm die Führung, die beiden anderen folgten nach. Als sich aber Jung nach einiger ..... r.r----....---»-•- �■ Zeit umschaute,»varen die beiden Gefährten bereits verschivunden. Nur mit Mühe gelang es den» ermattete» Jung, sich so lange über Wasser zu halten, bis ein herbeigeeiltes Boot ihn aufnehmen konnte. Das Boot fuhr sofort zur Unglücksstclle zurück, fand jedoch nur noch einige Kleidungsstücke und losgegangene Boots- theile. Paul Weimar, 85 Jahre alt, ist Berliner Kind und ein Glied der in der Hallcschen Vorstadt ansässigen Familie Weiinar. K«i der„Flatrechmlirt" auf frischer That abgefaßt wurde in der Nacht zuin Sonntag im Hause Fischerstraße 10 ein Spitzbube,»velcher dort die auf den» Trockenboden ausgehängt geivesene Wäsche des Vizeivirths R. bereits eingebündelt hatte. Ter Dieb hatte durch Auslösen der Haspe an der Bodenthür sich Eingang zu dem Bodenraum verschafft und,»vie gesagt, dort auch bereits völlig aufgeräumt gehabt, als er das Pech hatte, z»» stolpern und durch das hierbei entstandene Geräusch die im dritten Stockwerk des Hauses»vohnende Frau K. aufmerksam zu inachen. Da deren Mann noch nicht zu Hause war, so begab sich die Frau K. zu dein Vizeivirth hinab und setzte diesen von ihrer Wahrnehmung in Kenntniß. Dort fanden sie neben der eingebündelten Wäsche in einer Ecke einen fremden Mann, einen förmlichen Hünen, der indeß keinen Widerstand leistete, sondern resignirt dem Wächter zur Wache folgte. Bei seiner Durchsuchung daselbst wurden im Besitze des„Flatterjahrers" drei Zwanziginark- Scheine vor- gefunden, über deren Erwerb er sich»licht anszuiveisen verinag. Am Sonntag Vormittag wurde im Huinboldhain ein auf einer Kanlc stchendeo Ehepaar von einer Anzahl junger Burschen,»velche den Eindruck von Zuhältern»nachte», drirch»in- flätige Reden belästigt und verhöhnt. Die Eheleute nahinen in- deß keine Notiz davon. Als sie aber bald darauf sich entfernen »vollten, berührte einer der Burschen die Frau in unanständiger Weise. Dafür von den» Ehemann mit einen» Schlag in das Ge- ficht bestrast, zog er ein Messer und bedrohte jenen damit. Als nun Vorübergehende den» Ehepaar Beistand leisteten, eilte die ganze Bande mit Messern herbei, uin sich auf die Seite ihres Genossen zn stellen. Bei dem entstandenen Handgemenge kamen auf beiden Seiten Verlvundungen vor. Schließlich»vurden die Zuhälter durch das iinmer mehr anaeivachsene Publikuin arg zu- gerichtet. Mittleriveile»var auch Polizei eingetroffei», die blank ziehen niußte, un» fünf der Bursche», die sich»vidcrsetzten, zu ver- hasten»nid nach der Wache des 60. Polizci-Reviers zu bringen. Drei von ihnen sind,»vie»vir höre»», durch die Kriminalpolizei in Untersuchungshaft gebracht, die übrigen zwei dagegen vorläufig entlassen»vorden. Aua de»» fünfte» Stork abgestürzt. Vorgestern Vormittag 9 Uhr spielten die beiden kleinen Kinder der im fünften Stock- werk des HanseS Veteranenstraße 20»vohnhasten, von ihrem Ehemanne getrennt lebenden Frau©eh. ain offenen Fenster und lehnten sich über die Brüstung desselben soiveit hinatis, daß plötz- lich das jüngere— drei Jahre alle— das Uebergeivicht bekam und auf den Hof hinabstürzte, woselbst es von hinzueilenden Hausbeivohnern in seinem Blute vorgefunden und sodann auf- genommen und ins HauS getragen»vurde. Da das verunglückte Kind noch schivache Lebenszeichen erkennen ließ, überführte man es sofort nach dein Lazarnskrankenhause, es verstarb inteß schon auf dem Transport. Die Mutter, die»nit der Besorgung ihrer Wirthschast beschäftigt»var, als das Unglück passirte, hatte keine Ahnung von demselben und»var ruhig bei ihrer Arbeit, als hin- aufstürmende Hausgenossen sie von dem entsetzlichen Vorgang in Kenntniß setze». Vater und Sohn nberfaffrei». Eine Droschke zweiter Klasse, in»velcher der 08 Jahre alte Rentier S. aus Madgeburg und sein in einem hiesigen Geschäft konditionirender 22 jähriger Sohn sich befanden, lan» vorgestern Abend in der achten Stunde die Spandauerstraße entlang und»var im Begriff, in die Königstraße einzubiegen, als ihr dort ein Pferdebahnwagen cntgegenkain, dein der Droschkenlutscher auszuiveichen versuchte. Hierbei gerieth er gegen einen heranrasselnden Omnibus, und nun karambolirte das Wagenungethum so gcivaltig»nit der Droschke, daß der Kutscher derselben von» Bock flog und die beiden Passagiere aus dein Wagen auf das Straßenpflaster geschleudert»vtirden. Um das Unheil voll zu machen, ging nui» auch das Droschkenpserd durch und raste mit dem Gefährt über die am Boden liegenden Fahrgäste hiniveg, welche von hinzugeeilten Passanten aufgenoinrnen und in ein nahes Haus gebracht»vurden. Dort»vurde ihnen von einem herbeigeholten Arzt die erste Hilfe gebracht, nachdem derselbe fest- gestellt, daß der alte Herr einen nicht unerheblichen inneren Schaden, der jüngere eine schwere Verletzung ain Kopf davon- getragen hat. Vater und Sohn»vurden nach einem Krankenhaus überfuhrt. Der Droschkenkutscher»var»nerkivürdiger Weise ganz heil davongekommen und konnte, nachdem sein Durchgänger ein- gefangen worden war, den Bock»vieder besteigen. Vottzeibericht. Am 6. d. M. Morgens wurde im Engel- becken die Leiche einer etwa 24 Jahre alten Frauensperson und uin dieselbe Zeit auf dem Hausflur Kochstr. 20 eine Zigarrenkiste mit der halbverbrannten Leiche eines neugeborenen Kindes auf- gefunden.— Als Vormittags das Dienstmädchen Schulz vor dem Hause Barnimstraße 21 hinter einem Rollwagen vorbeiging, wurde sie durch die Unachtsamkeit des Kutschers von der herab- fallenden Schrotleiter getroffen und bedeutend am Hinterkopfe verletzt.— Um dieselbe Zeit gerieth ein siebenjähriger Knabe vor dem Hause Metzerstraße 9, als er den Straßendamn» überschreiten wollte, infolge Ausgleitens unter einen vorüberfahrenden Wagen und erlitt dabei eine nicht unbedeutende Verletzung am Kopfe.— Mittags fiel ein ziveijähriges Mädchen beim Spielen in der elterlichen Wohnung, Gotzkowskystraße 3, in einem unbewachten Augenblick in ein mit Wäsche und Seifenivasser gefülltes Faß und fand dabei durch Erstickung seinen Tod.— Nachmittags »vurde ein Arbeiter von dem Fuhrmann Bözel, mit dem er auf dem Grundstück Koppenstraße 57 in Streit gerathen war, so gegen die Mauer gestoßen, daß er eine nicht un- bedeutende Verletzung am Kopf davontrug und nach dem Krankenhause am Friedrichshain gebracht»verden mußte.— Am 7. d. M. Morgens stürzte sich ein Arbeiter ans dem Fenster seiner im Hause Havelbergerstr. 81 im 4, Stock belegenen Wohnung ans die Straße hinab und erlitt so schwere Verletzungen, daß der Tod auf der Stelle eintrat.— Zu derselben Zeit»vurden ein Arbeiter und seine Braut auf dem Boden des Hauses Kottbuser User 45 erschossen ausgesunden. Nach einein vorgefundenen Briefe haben Beide im Einverständniß gehandelt.— Vormittags stürzte ein 2 jähriges Mädchen aus dem Fenster der im vierten Stock des Hauses Veteranenstr. 20 belegenen elterlichen Wohnung auf den gepflasterten Hof hinab und erlitt hierbei so bedeutende innere Verletzungen, daß es kurze Zeit darauf im Lazarus- Krankenhause,»vohin es gebracht worden»var, verstarb.— Abends»vurde ein Mann vor dem Hause Große Frankfurter- straße 102, als er eine aus der Weberstraße führerlos daher- kommende Droschke aufzuhalten versuchte, von derselben um- gerissen und erlitt hierbei eine so bedeutende Verletzung an der linken Schulter, daß er zunächst nach der Sanitätswache und von dort nach seiner Wohnung gebracht»verden mußte.— Am 6. und 7. d. M. fanden an vier verschiedenen Stellen kleinere Brände statt. Thomas-Theater. So geschmackvoll und elegant das Thoinas-Theater nach seiner Renovirung aussieht, so öde und trostlo-s»var das vergilbte„romantisch-komische Märchen"— „Der Alpenkönig und der Menschenfeind". Wenn es eine Zeit gab, in»velcher die geschivollenen Verse und breiten Wahrheiten Ferdinand Raimund's auf die Thränen- drüsen seiner Zuhörer wirkte», so liegt die Zeit so fern hinter uns, daß wir sie heute ernsthast überhaupt nicht mehr in Betracht zu ziehen brauchen. Das charakteristische Zeichen unserer Zeit ist der Drang nach Wahrheit und»vie dieser Drang in einem romantisch- komischen Märchen befriedigt»verden soll, ist nicht recht erfindlich. Kurzum, die alten Scharteken aus dem ersten Viertel unseres Jahrhunderts»virken heut zu Tage langweilig, sie sind verblaßt, geschmacklos, ein Moderdust umgicbt sie. Nun kam hier noch hinzu, daß auch das Spiel in» Allgemeinen ein dürftiges»var. Als eigentlicher Künstler zeigte sich nur Herr Wellhoff, der allein seiner Rolle gewachsen»var. rv..r rx: r_ f=»-r----- r-----*■---- v.---- xx- rv'— Ein Frl. Fischer zeigte sich als vielversprechende Soubrette. In einem Kouplet würden ein paar alberne Dummheiten auf die Sozialdemokrate» gesungen, die von den satten und zufriedenen Spießbürgern mit wieherndem Gelächter aufgenommen wurden. Wir sind»virklich nicht bornirt genug, um nicht auch einen guten Witz,»venn er auf unsere Kosten gemacht»vird, zu ertragen— aber der Witz muß wirklich ein Witz sein. Die Ausstattung war glänzend und theiliveise recht geschmackvoll. Gerirfjks-�eikung. Der Vro?est gegen die nn den„Aufruhr" ,n Köpenick Betheiligten wird schon in den ersten Tagen des Monats Oktober das Schivnrgericht ain hiesigen Landgericht I. beschäftigen. Für die Verhandlung sind 4 Tage in Aussicht ge- nommen, dieselbe dürfte sich zedoch, aller Wahrscheinlichkeit nach, noch»veiter ausdehnen, da sich die Anklage gegen 14 Personen richtet und ca. 60 Zeugen zu vernehmen sind. Ciu Formfehler nls Befreier wem schwerer Strafe. Tic Ltothwendigkeit der Einführung der Berufung gegen die Ur- theile der Strafkammer»vird erneut,»tnd zwar recht dringend, in den» Ausgang der gestern vor der IV. Ferienstrafkammer Berliner Landgerichts 1. stattgehabten Verhandlung gegen den Hut- »»acher L i e b n» a n n, gen. T i e tz,»vegen gefährlicher Körper- Verletzung dargethan. Ter Angeklagte ist am 20. April d. I. von der Strafkammer des Landgerichts zn Potsdam wegen vor- sätzlicher Körververletzung mittelst hinterlistige» Nebersalls und gefährlichen Werkzeugs zu einen» Jahr drei Monaten Gefängniß verurtheilt und sofort gefänglich eingezogen»vorden. Am 12. Dezember vorigen Jahres, Abends nach 11 Uhr,»vurde der Werkmeister Sieb von der Sander'schen Hutfabrik in L u ck e n»v a I d e auf dem Nachhausewege aus dem Schulz'schen Restauratioltsloknle von zwei Männern überfallen und mit starken Knüppeln derartig geschlagen, daß er über 14 Tage lang seine Arbeit nicht verrichten konnte. Als einen der beiden Angreifer »vill derselbe den Angeklagten mit aller Bestimmtheit»vieder- erkannt haben. Dessen Versicherung, daß er un» die fragliche Zeit bereits über Vs Stunde lang zn Hause gewesen ist, fand beim Gerichtshof keinen Glauben, und es»vurde auch sein Antrag auf Erhebung des diesbezüglichen Be»veises abgelehnt. Dem als Ver- theidiger angenommenen Rechtsanwalt Freudenthal gelang es mittelst der Revision, daß dieses Urtheil»vegen eines Formfehlers vom Reichsgericht aufgehoben und daß diese Sache zur erneuten Verhandlung vor das Berliner Gericht ver- »Viesen»vurde. Vor diesem wies der Angeklagte seine Nicht- identität»nit den» Schläger zur Evidenz»ach, und »vlirde er deshalb dem Antrage des Staatsamvalts gemäß frei- gesprochen. Auf höchst«ufolidrv Gruudlag« ruhte das Geschäft, das der Kausniann Karl Scholz vor länger als Jahresfrist in der Behrenstraße eröffnete. Aus den Briefbogen, die Schokz in die Welt schickte und in denen er»un Anerbietungen aller mög- lichen Gegenstände bat, prangte ein Kopf folgenden Inhalts: „Karl Scholz, Delikatessen en gros, Behrenstraße, vis-a-vis der Kaiserhalle, Verlaufsstand in der Zentral- Markthalle. Giro- Konto bei der Diskontobank." Thatsächlich»var der Inhaber dieses stolzen Geschäfts so gut wie mittellos, er hatte sogar de» Offenbarungseid geleistet. Sein„Geschäjtslokal" enthielt nur die nothdürftigsien Gegenstände und»var nur ge- miethet, um die Waaren auszunehmen, welche diejenigen aus- »värtigen Gutsbesitzer an ihn schicken»vürden, die seinen Ver- sprechnngen, baldigst zu reguliren, vertrauten. Dies thaten fünf verschiedene Personen,»velche der Firma Scholz Wild, Geflügel, Butter und andere Viktualien zugehen ließen, ohne sich erst nach dem Inhaber derselben zu erkundigen. Sie haben ihr Guthaben entweder gar nicht oder erst nach längerer Zeit in kleinen Raten erhalten, als gegen Scholz bereits Anzeige wegen wiederholten Betruges erstattet war. Scholz stand gestern destvegen vor der dritten Ferien-Strafkannner des Landgerichts I. Er räumte ein, daß seine Spekulation eine äußerst geivagte»var; er»vill aber gehofft haben, daß es ihm gelingen»vürde, die ihm anvertrauten Waaren baldigst mit Geivtnn»vieder loszuschlagen, um dann seine Lieseranten befriedigen zu können. In einem Falle»vurde der Angeklagte freigesprochen,----- zwei Fällen»vlirde der Angeklagte für überführt hierfür mit sechs Monaten Gefängniß belegt. gl,»mta. jfa Soziale Mtebovstchk Die Vertraucnolente der Maurer Charlottenb«� machen hiermit bekannt, daß der Maurer Hermann Plage°>> ihm vereinnahmten Sanunelgelder trotz»viederholter AuffeiKH- von uns bis heute noch nicht abgeliefert hat. Da M.' augenblicklich in Berlin arbeiten soll, so»varnen»vir die 8«" Kollegen hiermit ausdrücklich, ihm keine derartigen Gelder znvertraucn. Die Vertrauensleute der Charlottenburger#»% Paul Wolter, Albert Wilde, Ernst Saivade, Hermann- Adolf Wenk.... Hamburg, 6. September. Folgenden Situationsberichl" die Streiks und Aussperrungen giebt das„Hamb. Echo r � meisten Gewerke sind nunmehr aus den Reihen der Unterstütz«» bedürftigen ausgeschieden, resp. werden die noch Ausständigen' ihren Berufsgenossen unterstützt. Die Ewerführer müssen ßn Fantilien von 7»vegen Nöthigung iin Gefängniß sitzenden n; diese 7 haben 22 Kinder; außerdem »njintttrt YtrNoitSsnS insrrPM �fieifnofime am Streng _ Zu ?°rsckl. Herr F stimmte stimmte «2 sicher G Stt gresses; flipfl, 'Mich er ["liste, hmiden bestände Ipuich j aufkommen noch 30 Mann, sämmtlich 5 Ledige inhaftirt. Arbeitslos wegen Theilnahme am ■---""' verheirathet. Von den ausgesp j noa) zvcanil,]aimuuim üKiytuuiyci.»oim vw» t,.... Arbeitern der A. F. Richter'schen Goldivaarensabrik sind l# 23 Ledige und 13 Verheirathete mit 20 Kindern zu erhatteir� schliinmer Lage befinden sich die noch iinmer ausgesperrten 8"" arbeiter mit 82 Kindern; 9 derselben mit 25 Kindern be der Unterstützung am nothmendigsien. In der Lage der-. niacher hat sich noch nichts geändert. In Bergedorf st"»'? r\c*"V*----- 4�,. ßQ �1) rtv'o rtt o mtf 1 J A_______ � 146 Kindernj Ottensen 151(worunter 116 Familienväter mit 273 --'v»■*'•-l--• rj.-- f.1-- C»r..r. � 98 Mann(darunter 69 Verheirathete mit n» dcnsschluß gemacht; die Haltung der Glasmacher mir Ausstand. Von keiner Seite ist noch eine Anbahnung äu,nJy ......--------"-""-'mach er ist W] VlillXl j VJJlUp y ViV VW �,»» �»»»»»»»,»�, fest. Hoffentlich»verde» die Fabriken jedoch bald nachgebt"- sie»»»geheuren Schaden leide». Verfonrmlttngettt Eine Versammlung der Arbeiter»n»k» Arbeitet!� ---■-......- Septeinber w der Hrkleidniigo Industrie tagte am 1. Bürgersälen mit der Tagesordnung: l.„Die Ausbeutung vor des Kapitals und dessen Druck auf die Arbeiterorganisat- � 2. Diskussion. 3. Eriveitcrungslvaht der Lohnkommission."O schiedenes. Nachdein in das Bureau Herr Schulz, Frl. und Herr Bohn geivählt»var, erhielt der Referent, Her"'' dach, das Wort. Redner gedenkt zunächst in»varmen des"ersten Vorkämpfers des Proletariats, s£affafle's,� nm&j damals eines Hauslein znui Kampse g�'chaart hatte. u fi v. Fori »te Einb .9"# I Molk bA über W-rkmei Hiergege fWbrikai flcioilligi stidauert Wtzung, Werner rn&d Herr Th ihm... ffrTn' haben sich die Verhältnisse zivischen Kapital und Arbeit immer% zuspitzt; aus den» kleinen Häuflein, das»nit Laffalle Millionen geworden, die sich zum gemcinsameu Kampf, g" volksfeindliche Ausbeutung aufgerafft haben. Die industriellen sind weiter nichts als Lohnarbeiter noch viel schlechter sind, als der Fabrikarbeiter, 2 aus sie die Unkosten der Werkstelle- abgewälzt""Sil Die Maschinen sind bei einer vernünftigen Regelung drr duktion ein Segen, so aber»verde» sie dem Arbeiter zum» Redner»»eist die stetige Zunahme der Arbeit der Fraue". jugendlichen Arbeiter statistisch nach. Es»st erklärlich, Bourgeoisie sich gegen die Ertveiternng der Rechte der m*3 gegen ihre Aufklärung stemmen, da sie in 0er Frau eine" ttlrveitskraft erblicken, die sie durch Aufklärung der Frau ff lieren fürchten. Pflicht einer zeden Organisation muß f. für die Frauen dieselben Rechte zu verlangen,»vie PI Männer. Das Bestreben aller Arbeiter muß e», sich zu organisiren, da das, was man uns helH» "■■•.....-• m!-—-"-«fen aesW Alles "ahm.'2 tviiiigen Mr-nde luhrunge geltend c Mai Wolutu Sack Si l'ch dem durch eir Nach ein «Men Ar Herr M %chelm| Tage °hne KÜ «lager o J ebner e xereins Nnner tl flnet PI, M,.50 1 SWrtran Ein serlino N, Mi oben" bietet", nur Stückwerk ist. Wir müssen ßstfa -_• ä#,*1**«vrrr.-a(jlf'jj für das große Ziel, das»vir uns gesteckt haben: I__ r_? Li_-% L' Z f*t fwVAfYv OVY» beseitigem kämpfen. Zur Diskussion sprach Herr Pseiffw A '-° OiTinnben in den Annoncen des Ei-n. nachwles, daß die Angaben in den Annönzen � r � inhabers Lindenbaum unwahr sind. Lindenbaum hat leiM'ü Werkstelle»m Hause, die unter der Leitung guter ZuKj stehen solle. Die Preise, die L. zahlt, sind: für einen f. 4-5 M., für ein Rockjackct 2,50 M., für eine Weste 1,20 f' eine Hose 1,25—1,50 M.AHerr Lindenbaum erwidert, da?"j Arbeit an Meister giebt,»velche sie zuschneiden und»n, Wcrkstelle anfertigen lassen; diese bekommen oem oben gen"/ Tarif dezahlt. Zu Punkt 3 bringt Herr Pfeifer einen< ein,»velcher besagte, alle bestehenden Koinmissionen aufzulölH statt der Lohnkommissio!» eine Agitationskommission zu m. Der Antrag wurde abgelehnt. In die Lohnkommission'W."-ir gern Frl. Wabnitz, Frl. Baader, Frau Euman, Klokowski,»'V J%»n»fo Driese und Kulig geivählt. Tie Versanuiilung schloß»»>»""'hig 1 Hoch auf die internationale Arbeiterveivegung.■"l,t dad Eine sehr gut besuchte Ne»'s,»l»»tul»»ns der»•gen jt golder. Vergolde rinne»» und Berufsgen"l tagte am Donnerstag Abend»n Scheffer's Salon, Jnselstt?� ♦VtöfcV v»»«e VWV..V-,.. WVV|,,-V—--------V,--, Zur Leltung der Verhandlungen wurden Herr N i e b e r(y Fräulein K r ö b e r und Herr Fries gewählt. Auf der � ordnung stand als erster Punkt: Wie verhallen sich die 8% und Kolleginnen zu den jetzigen Abzügen in verschiedenen Die Besprechung dieses Punktes ergab, daß in der letz»", thatsächlich Reduktionen des Akkordlohnes in einigen Sstffck namentlich in der Fabrik von August Werlmeister stattgefunden � In der letzleren»vurden auf Bronze- und kanten 25 pEt. abgezogen. EL kam infolge dessen,-. einer Arbeitseinstellung der betroffenen Arbeiter, die durch beendet»vurde, daß der Fabrikant nach vorheriger M Handlung den Abzug auf die Silberkanten zurückzog» Streikenden erklärten sich mit diese»» Zugesiändniß«moetn und nahmen die Arbeit»vieder auf. In der stundenlange". kussion, an der sich mehr als zwanzig Redner und zivei F, rinnen, Fräulein Gröber und Frau Gnbela betheiligten, L das einseitige Vorgehen der Kollegen von genannter v» scharf gerügt. Es»vnrde hervorgehoben, da? die Sache einer öffenttichen Versammlung von genossen unterbreiten und nicht selbstständig in Handlungen mit den Fabrikanten hätten treten sollen-(J Sache gehe die ganze KoUegenschaft ai», und uin sie zu reg? der Verband, eine bezügliche Kouimission, die öffentliche Vem'' lung und schließlich die Berliner Streik- Kontrol-KommisP" damit dff Man müsse jede», Abzug energisch zurückiveisen,....... bältnisse im Gewerbe nicht noch eine weitere Berschlcaim erfahren. Im Berlanse der Diskussion wurden auch die Am Verhältnisse, beziehentlich die Löhne anderer Fabriken, naiP-i der Firmen Ruthenberg, Adolf Werkmeister, Kubitz und 3'':, einer eingehenden Erörterung unterzogen und es" die Kollegen sich auch anderswo»ich* 1 konstatirt, daß die Kotiegen sich auch den Zumuthungen der Fabriken gegerniocr loutu hätten. Fräulein Gröber kritisirte daZ laue Verhalten" Hilfen zu den Bestrebungen der Kolleginnen, deren Vorgey' l eine ganz ungenügende Unterstützung gefunden habe. doch nicht immer die Kolleginnen lediglich als Konkurre". betrachten. Auch Frau Gubela sprach sich in diesem.� auS. Das Ergebniß der Verhandlungen war die eins"' Annahme folgender Resolution:_ Tie heutige öffentliche Versainmlung der VergolOT golderinnen und BernfSgenofsen beschließt, gegen den 0 Abzug von den heutigen Preisen Front zu mach'" »m gegebenen �Falle dem Vorstand der Filiale 0-'� % bandes''sofort Meldung zu machen, dan>it"Schritte 1 werden können, um die Reduzirung der Preise(»1 iMNono |%er 1 W»lu« Sätzen 1 Herr s ?" Se» om ü'iig der «iiten e üut Ä." f't feuert 1 , leaimu 1" Stiel fe'l U>r Äff Aachder ■"«lau» .. 5« Jt»8»ufi ferch in der nächsten Zeit eingehend mit der Bedeutung de» Kon M°s zu beschästigen. Tiefe'Ansicht drang auch in der folgenden Diskussion kiber den bcregten Gegenstand durch. Em Antrag, welcher die Wahl einer Tarif-Neberwachnngs-Kommission wurde abgelehnt, weil ein eigentlicher Tarif nicht We. ver- vor- 1A«.S.'_. � ö*"' V V' l*/ ♦ � V» v V•.• v.VJV.- I•---- y-- �- iiuft?, v'ei ltnb zur Regelung der Lohnfrage Körperschaften genug Iptuch Ann fliegen fand nachstehende Resolution ohne Wider- Tie heutige Versammlung der Vergolder und Ver- golderinnen beschließt, mit aller Kraft dahin zu streben, daß der Verein der Vergoldcrinnen groß und stark werde, da- mit derselbe die Anfkläning der Vergolderinnen herbei- fuhren und dafür wirken kann, daß dieselben auf dem Kampfplatze gleich den Männern Soldaten sind. b!« �"rner wurde beschlossen, der bestehenden Agitationskommission jViiii l�rufling der Versamnilung zu überlassen und jedcS Mal die L''l, des Ertrags der Tellersammlung der Berliner Streik- fiA K mmijfion zu überweisen. Eine lebhafte Debatte entspann mL,() rage, ob die Kollegen, welche bei der Firma August einige Tage gestreikt haben, unterstützt werden sollen. ft',•Segen wurde geltend gemacht, daß diese einseitig niit dem „.��'uuten rerhandelt und schließlich doch noch in einen Abzug »°'U'gt hätten. Auch habe der Ausstand doch nur einige Tage Und' �0 Mehrheit entschied sich schließlich gegen die Unter- i■?ung. Den Schluß der Versammlung bildeten Besprechungen eriier Angelegenheiten. Vtv Urreiu der Plätterinnc» hielt am Donnerstag seine ki A ■a imtt� jinj-J le ter, iter. u , der .um aueil $4 tt -ine«' au i? e» ie •1 äe& 0�1 leineZ ZusA Ä? .H anoFi uißiwj'»Die heutige im Weddingpark tagende Versamin- L Klempner ertlärt sich mit den Ausführungen des Reje- >n itar T. elilswrjtanden und erkennt, daß die Unteruehinervcrbnnde nwrfi'ihi't nrnrhcn in der Soffnung, dadurch die Zlrbeiter- -IN Klempner erklärt' sich uen elnver]tauden und erlen ,ngM örnna�ri.luöct wurden in der Hoffnung, ' 0 n«?,- lotionen zu sprengen. Sie erkennt serner an, daß es »» Afl ist, stärkere Arbeiterorganisationen zu gründen, weil es oe � durch möglich ist, den Uniernchmern ein Bollirerk cnt- � f�Leu. Im 4. Punkt der Tagesordnung berichtete der stauchende, daß jetzt Karten ansgegeden werden, ivo jeder Kol- kw». iuur Unterstützung?- und AgitationSsonds beisteuern niml Die Beiträge]ind freiwillige. Tie Vertrauens- ast sämnitlichcr Zlletallarbeiter haben dieses System d-n praktischste anerkannt, da in der letzten Zeil mit star, yte» Betrügereien vorgekommen sind, während bei dem ä,», nsysteiu ein jeder Kollege beweisen kann, wie viel er gc- Sil*■ wurde ferner berichtet, daß das voni Gastivirlh in(>'!!'" dem Verein geschenkte Portrait Lassalle's am Sl. August i«, tV�richshngcn für CO M. verauktionirt ist; das Geld ist für itg�UnterstutzungSsonds bestimmt und an den Vertrauensmann b qh Hamburg gesandt worden. Die beim Spiel cingekomincnen '"'d au die ausgesperrten Weifigcrbcr gezahlt worden. «,..wem noch mehrere Fragen beantivortet waren, wurde die iA fp A tzog. 5i! �?ervcrsam!uluug im Böhmischen Brauhaus ab, in welcher tr* f d' einen mit reichem Beifall aufgenommenen Vor- m.ß"der„Die Arbeitcrinnenbewegung der Gegenwart" hielt. Mi»* beleuchtete zunächst die Stellung der Frau im Alter- fc.,1"' hing dann zum Mittelalter über und zeigte dabei, daß die Sifc''etä kine abhängige Stellung dein Manne gegenüber ein- hm. Die heutigen ökonomischen und wirthschaftliche» Zustände .saugen die Frau dahin, an allen Fragen der Gegenwart ge- .Freuden Antheil zu nehmen. Redner wies in seinen Aus- '?.tH1'9en auf den Pariser Kongreß hin; auch da sei von Allen d,!.»» gemacht worden, den Frauen eine Gleichberechtigung mit fli»! Mänuern auch in politischer Richtung zu geben. Folgende - ialuttou wurde sodann einstimmig angenommen:„Tie heute .» Saale des Böhmischen Brauhauses tagende Versammlung u,'. Vereins der Plätterinnen erklärt sich mit de» Ausführungen des Liescreutcn einverstanden und vcrpsiichtct sich, s�ar Sorge zu tragen, daß alle noch außenstehenden Plüttcrinncn dem Verein der Plätterinnen als Mitglieder anschließen; nur urch eine starke Organisation ist eine Besserstellung zu erzielen". »«ach einem kurzen Schlußwort des Referenten wurde beschlossen, wen Arbcitsnachiveis einzurichten. Unter„Verschiedenem" thcill i>err Möhring noch mit, daß die Firma Herrmann(Kaiser �-ühelmstraße) das Mitglied Frl. Schersch, verklagt hat auf Tage Schadenersatz in Höhe von 50 M. Frl. Schersch hatte °We Kündigung die Arbeit eingestellt. Vorn Gewerbegericht ist Kluger abgewiesen; der ziveite Termin steht dieser Tage bevor. Redner ersucht, der Verklagten emen Rechtsanwalt auf Kosten deS �cems zu stellen. Die Versammlung beschließt demgemäß. oerner theilte Herr Möhring mit, daß bei Sternbcrg jr. wiederum ••hier Plätterin für einen Kragen, welcher beim Plätten entzivei Mg, 50 Pf. abgezogen worden sind. Das ist die Humanität der Fabrikanten. Eine Versamnilung de» Vereins der Klempner ?krtina«nd Umgegend tagte am Mittwoch im Wedding- 7?', Müllcrslr. ITö. Die Tagesordnung lautete: 1. Vortrag über: k'Wonalreichlhuni und Nationalarmuth," Referent: Herr Buch- Aer Wilhelm Werner. 2. Diskussion. 3. Aufnahme neuer -sstglieder. 4. Verschiedenes. Bevor zur Tagesordnung gc- Bauten wurde, theilte der Vorsitzende mit, daß der Kollege j�'lcha, Mitglied der Lohnkommission, gestorben ist. Die Ver- »uli.»g ehrte das'Andenken desselben, indem sie sich von den r%n erhob. Da Herr Werner nicht erschienen war, übernahm !ssrr Hcindorf das Referat über: Kapitalistenverbünde Arbeiterorganisationen. Redner erntete für seinen Ertrag lebhafte., Beifall. Im 2. Punkt der Tagesordnung sprachen die Kollegen Selchow und Renncrt im Sinne des i�lirenten. Folgende Resolution wurde von der Versammlung noch nie Ifiil°lau»nlung geschlossen. wU 5» % iVeil. missf .i A irren1 r; tz Deiamnu., hielt am I. September in ®»'v"S So'on seine Mitgliederversammlung ab, i» welcher sprach if' Herr DUo Klein über:„Ter Kamps«m's Dasein", M'vdf t i"1 Vortrag, der mit lebha|tem Beifall aufgeuommen ibcifi e'IIC kurze Diskussion, in der noch Kollege Schnee- %oi't n x„Verschiedenem" nahm Kollege Schulze das .keilte den Auweseuden, da er als Tclegirler den schffiff.'«chnciderkongreß besucht hatte, die dort gefaßten Bc- S-'hal-»'"".und ermahnte die Kollegen, an den Beschlüssen fest- Icha,,»,.-"'r dadurch könne Gutes unter den Schneidern ge- (ongLr, Berdel. Es werden 5000 Protokolle vom Schneider- Noch b-rÄ uckt und zum Selbstkostenpreise abgegeben. Es wurde der,,- �sstlwsse», wieder zwei Versammlungen n» Monat cinzn- schneid-.» � wurde aber zugleich allen Militär- und Lieferung?- '"'iiier Herz gelegt, auch dafür zu sorgen, daß sie auch besucht sind. Hierauf erfolgte'Schluß der Ver- fiilrf Vrieinigniig der Kail- und sciuerk-Iichs» Coiwe?5ueitrv für Kchöneberg«nd Umgegend hielt am �. 8/ den 31. August, ihre Mitgliederversaiinnluiig ab, noch * kertcUien die Geiiehlln d.« z±XT STX re'I,C6 Qlif------- Snter andL» U'cht angekommen war, später sieh aber ii�ammlu» Papieren vorfand. Das ziveite Mal, weil die J's Uhr nür."aker der Kirchzeit einberufen sein sollte, um .Mr. die 5iirchzeit schon längst um ll'A Uhr vorbei f'0(|nct„,�ecl,Pn"ir.mg wurde um 12V2 Uhr vom Vorsitzenden Muilun-, k'eß derselbe das Protokoll der letzten Ver- r?'Men» m verlesen, welches angenommen wurce. Ver- s.,�kt. �„"�msaiigckegenheiten wurden erörtert und ge- f.'SkeU" Vorsitzende wies den Vorwurf der Saum- 8t-nrü� � u. Vorstand gemacht worden, als ungerecht- und wies nach, daß die Schuld auf Seiten der '"«g Polizei zu suchen sei. Im Verschiedenen wurden der gewaltigen Verdienste Ferdinands Lassalles um die Arbeiter gedacht und ihm zu Ehren— erhob sich die Versammlung von' den Plätzen. Herr Robert Klinge machte noch bekannt, daß die Sammellisten für die Hamburger Kameraden ob gezeichnet oder nicht abzugeben seien, forderte aber auf, sich zahlreich an dem Ankauf der Agitationsinarken zu betheihigen. Am 1 Uhr 80 Minuten wurde die Versammlung geschlossen mit einem Hoch auf die internatio- nale Arbeiterbewegung. Wir hatten auch zu dieser Versammlung nur das Recht, eine Stunde zu tagen, erhalten. Eine große öftentliche VoUisversammluug für Fraue« und Ulänner tagte am Freitag, den 5. September, in Schwarz- müller's Salon, Kolbergerstr. 23. Auf der Tagesordnung stand: 1. Vortrag des Herrn Julius Türk über den Widerspruch im Handeln und Denken. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes und Fragekasten.— Jn's Bureau wurden gewählt: Herr Jezorke, Frau Dremel und Herr Reiser. Nach Eintritt in die Tages- ordnung nahm Herr Türk zu seinem Vortrage das Wort und erntete derselbe nach einstündiger Rede allgemeinen Beifall. Auch die hierauf folgende Diskussion, an welcher sich besonders lebhaft die Frauen bclheiligten, war im Ganzen eine anregende.— Folgende Resolution gelangte zur Annahme: Die heutige Volksversammlung möge beschließen: die Forderungen der kaiifmäiniischen Angestellten nach Sonntags. ruhe dadurch zu unterstützen, daß die Anwesenden ihre Waare nur in solchen Geschäften kaufen, welche an Sonn- und Feiertagen spätestens um 12 Uhr geschlossen werden. Mit einem bransenden Hoch auf die iiiternationale Sozial- demokratie wurde die Bersammlimg um V2I2 Uhr geschlossen. In einer Mitglirderverjaiiimlnng des Fachvereiiis der an Holzbearbeitungs-Maschineii beschäftigten'Arbeiter, die am 1. September in Feuerstein's Lokal, AlteJakobstr., stattfand, hielt Herr Apelt einen Vortrag über„Kapital und Arbeit." Ter Referent kritisirt im Lause seines Vortrages das Verhalten der Arbeiter in der Groschkoiv'schen Fabrik, die Sammlunge» ver- anstaltet haben, um ihrem„Herrn" zum Geburtstag für 30 M. ein Ständchen blasen lassen zu können. Der Vorsitzende bemerkt, daß Herr Groschkow gerade Derjenige war, der in der Versamin lung der Holzindustriellen gesagt hat:„Ich habe alle meine TischlergeseUen weg gejagt, die am 1. Mai feiern ivollten und habe heute doch Leute. Die Groschkoiv'schen Arbeiter müßten erst wieder lernen, was einein'Arbeiter ziemt. Kollege W. Wolf wünscht, daß in solchen Werkslellen Flugblätter vcrtriebei' werden. Der Referent theilt daraufhin iiiit, daß solche zu verschiedenen Male» ausgegeben worden sind. Diese Flug- blätter würden aber gar nicht beachtet, sondern ruhig in den Baiikkasten geworfen, wo sie liegen bleiben. Kollege Knop be hauplet, daß gerade in der Groschkoiv'schen Fabrik die ersten Bei. träge für die Hamburger Slnsgesperrteu gesammelt worden sind. Der Vorsitzende glaubt kaum, daß solche Sammluiigen dort statt- finden können. Kollege Keßmer theilte der Bersaiiimlung mit, daß nächsten Montag eine Versamniliing für sämintliche Holz- arbeiter Berlins im Lokale„Sanssouci", Kottbuserstr., stattfindet, und fordert die Kollegen aus, sich au dieser Versammlung recht rege zu belheiligen. Kollege Teller bemängelt, daß in letzter Zeit der Arbeitsnachweis schlecht von den Kollegen, die in die Arbeits- ua6)>veiS-Ko»»i>>ssion gewählt sind, verwaltet wird. In erster Linie wurde daS Mitglied W. Krüger beuaiiiit. Kollege E. Stein berichtet, daß der Betreffende des Abends bis 8 Uhr arbeitet und sein Amt nicht versehe» kann und stellt den Antrag, an Stelle des Herrn W. Krüger, der auch zugleich Mitglied der Werkstatt- Koiitrolkoiliinissiou ist, ein anderes Mitglied zu wählen. Es wurde Kollege C. Roll für beide Aeinter einstimmig gewählt. Der Vor- sitzende fordert noch alle diejenigen Mitglieder, welche noch mit ihren Beiträgen resliren.gauf diese in kürzester Zeit zu begleichen und schließt dann die Versammlung. Der Fachnerein der Glaree- und Kartonpapier-Arlieiter und Arbriterinnrn, hielt am Mittwoch, den 3. September, in Scheffcr's Salon, seine Mitgliederversaminlung ab. Tagesordnung: I. Vortrag des Herrn Franz Vehrndt: Ueder die Ursachen des Vcrdrcchens. 2. Diskussion. 8. Wie stellen sich die Mitglieder zur Aufnahme der Luxuspapierarbeiter und Arbeiterinnen. 4. Verschiedenes und Fragekaste». Nach Verlesung des Protokolls begann Herr Behrndt, mit seinem Vortrage, für den er reichen Beifall erntete. In Verschiedenes wurde von Kollegen Pickert der Antrag gestellt, jede Woche die Rnhepalise von 36 Stunden in allen Fabriken einzuführen, und wurde dieser Antrag einstimmig angenommen. Ein Antrag von Kollegen Becker, den verunglückten Kollegen Robert German zu unterstützen, wurde ebenfalls angc- nomine». Nach der Verlesung und Beantwortliiig der im Frage- kästen besindlichen Fragen wurde die Versammlung geschlossen. Gentllin. Trotzdem in wenigen Wochen das Sozialisten- geseh fällt und fallen mußte, weil, ivie der Minister Herrsurth in seiner Denkschrift selbst erklärte, das Geseh schädlich und nutzlos ivar, fährt man fort, Versammlungen, welche die Arbeiter zur Besprechung öffentlicher Angelegenheiten abhalten wollen, zu verbieten. Den Geist, den das Sozialistengesetz in die Polizeiseelen hineingelegt hat, scheint sich nur schwer von denselben trennen zu können. Vor acht Tagen berichteten wir über ein Versaminliiiigs- verbot in Gommern(Kr. Jerichow). in der Ge- nosse Th. Glocke sprechen sollte, heute sind wir wieder in der Lage, von einem solchen Verbot berichten zu müssen. In Genthin sollte am letzten Sonntag eine Versammliiiig stattsindcn, in oer Th. Glocke-Berlin über die Thätigkeit des letzten Reichstags sprechen sollte. Bisher war die Behörde in Geuthin in der niigeiiehmen Lage, keine VersaMnilung verbieten zu brauchen, da kein Lokal für die Genthiner Arbeiter zu haben war. Nachdem es im» denselben gelungen ist. einen Saal zu be- kommen, springt die Polizei in Genthin zu, um das dortige Philisterthum vor jener Aufregung zu bcivahreu und verbietet die Versammlung. Beschwerde ivird selbstverständlich eingelegt und wird, wenn anders der Minister Herrfurlh nicht inkonse- auent sein will, bezüglich seiner Meinung in der von ihm ver- faßten Tenkschrist über das Gesetz, der Polizeibehörde in Genthin eine gehörige Lektion zu ertheilen. Gderberg i. d. Mark. Am Sonntag, den 31. August, fand hier eine Volksversammlung unter freiem Himmel statt. In derselben reserirte Herr Ortland(Berlin) über:„Werth, Nutze» und Ziel der Organisation". Bevor Redner seinen Vor- trag begann, forderte er die Anwesenden auf, zum Zlndeuken an de» 26. Sterbetag Ferdinand Lassalle's ihr Paupt zu entblößen, was auch solort geschah. Redner ging zunächst auf die geschieht- liche Entiviclcluug der Organisation ein und griff hierbei zurück bis zur Zeit der Bauernkriege, beleuchtete dam, die Industrie in ihren verschiedenen Stadien bis ans heute und lieferte durch statistisches Material den Beweis, daß durch den vervoUkoliiiiincleu Herslelluiigsprozeß zahlreiche Arbeiter brotlos würden. Liedner führte aus, daß hierbei Abhilfe nur durch Ver- kürzuiig der Arbeitszeit geschaffen werden könne. Referent lriti- sirte ferner das Verhalten der Unteruehnier, und wies nach, daß sie die Forderungen der Arbeiter, welche bei den heutigen Ver- hältnissen nur gereck'te sind, sehr gut nachkoiiimeii können, ohne dabei größere Verluste zu erleiden. Redner legte weiter den Nachtheil der Akkordarbeit klar und empfahl den Anschluß an eine Organisation. Nachdem Redner noch zur weiteren Auf- lläruug und Velehrmig das Lesen von Arbeiterblättern empfohlen, schloß er unter großein Beifall seinen 2'/u Kerlin. AMgltederversammlung am Dienjiag, den». September, Abends 8 Uhr, im Saale des Nesiauranl Zemter, Münzsir. Ii. G.,»v«rein S«rtin«r Kildhauer. Dienstag, den S. September, leine Sitzung, dafür Delegirtenversammlung. Biblioihel ist geöffnet. Frei» Kereinigung der Slauer Krrli»» lind ziuigegend. General- Versammlung am Donnerstag, den 11. September, Abends 8% Uhr, bei Orfchel, Sebaflianftr. so. Tagesordnung 1 1. Bericht der Revisoren. 2. Beschlubfafsung über die vom Borsihenden eingebrachte Resolution, sowie Berathung der vom Borsiand etngevrachten Anträge betreffs ModWation de» AgilaitonS-»icgle- mentS. 3. Abrechnung vom Vergnügen.«. Verschiedenes und Fragelasten. Mitglieder werden ausgenommen. Pflicht aller Kollegen ist eS, zu erscheinen. Arbeiter- Kildungoverei» von pirdorf«nd Ilinoegend. Große össenlliche Bcrsammiung am Dienstag, den 9. September, Abends 8% Uhr, in Maue'S Lotal(Variete-Theater), Hennannstraße. Kerliner Arbriter-Pildungsv-rcin. Große Versammlung am Dienstag, den 9. September, Abend» 8 Uhr, tm Lolaie des Herrn Rehlttz, Berastr. i'2. (Ijrofj» öffentliche ziersamniinng aller zilavirrarbeiter»nd Kerns»- genossen Kerlino am Ticnsiag, den 9. September, AbendS 8 Uhr, in den Zenirai-Feftsälen, Orantcnfir. 180(oberer Saal). Achtung, Maler! Versammlung der Filiale 1(Süd) der Vereinigung der Maler k. ani Dienstag, den 9. September, Abends e% Uhr, Oranienstr. ibo. Koiialdemokratifcher Uiahlverein für den 1. Berliner Reichstags- Wahlkreis. Grobe Versammlung, am Donnerstag, den 11. September, Abends Uhr, tn den Armtnhallen, iiommandantenslr. 81, Tagesordnung: l. Tie Ucbeizeugung und ihre Gegensätze.». DiSlusston,». VerschtideneS und Fragelasten. �oiialdemohratischer Leselilnb AassaUe am Dicnslag, den 9. September, Abends sjj Uhr, Slalltzerstr. 102, bei Haupt. Grifte haben Zutritt. (tzrohe össentlich» Kersaminlung der WasiivirlhSaehilsen und Berufs- genossen ani Mittwoch, den 10. September, Nachts 12 Uhr, tn Joel'» großem Saal, NndreaSstr. 21. Tagesordnung: 1. Vortrag über: Welches stud die Mittel und Wege, um eine Vesterstellung der Angestellten im GaftwlrthS- gewerbe zu erreichen V(Referent wird tn der Versammlung belannt gemacht,) 2. DiSlussion. s. Der bevorstehende Kommers. 4. Verschiedenes. Ktoüiarbeitev Kerlino! Oefsentltchs]Versammlung am Dlenstaa, den 9. September d. I. Abend» 8 Uhr, in Detgmüller'S Saal, Alte Jakob- straße«sa. Knchvcreii« der ikapeiirer Berlins und Unigegend. Dienstag, den 9. September d. I., Abend» 8% Uhr, In Feucrsteln'S Salon, Alte Jakobstr. 7S, Milglteder-Versammlung. (geffentliche K-rsainmlung aller in der Posamentterbranche beschäfttglen Arbeiter und Arbeiterinnen, Dienstag den 9. September, AbendS 8). Uhr, tet Feuerstein, Alte Jakobstr. 76. Zwei groft« öffentliche M-tollarbeiter-ziersommInng«» aller Branchen Dlenstag, den 9. September, AbendS 8% Uhr, im Weddingpark, Müllerstr. 178, Mittwoch, den 10. Seplember, AbendS 6% Uhr, tn Renz' Salon, Naunyn- straße 27. «rosse öffentlich» Kersninmluiig der Töpfer Berlins und Umgegend, am Dlenstag, den 9. September, AbendS 1% Uhr, tn May'S Festsälen, Veuih- straße 22. sozialdemokratischer Mahloerein für den 6. Berliner ReichSIagS- WahllrctS. Bersanruilirng am Dienstag, den 9. September, AbendS'» Uhr, tn der Brauerei Köntgstabt, Schönhauser Allee 11—12. Lese- und Diolrutirktub„zlniorrfnm". Jeden Mittwoch, Abend» 9 Uhr. im vieslauranl Hänunerle, Bülowstr. 69, Borlesung, DlSkusston und BerschledeneS. Gäste haben Zutrttt, «rsa»,.z-. f£ur»- und grsclliat limine am Dienstag. Gesangverein „Gutenderg" AbendS 8% Uhr im Restaurant Quaudt, Etralauerstraße 43.— Stesangvereln„Alpenglühen" Abend» 9 Uhr tm Restaurant Htldedrandt, Prinzen- straße 97.— Schäfer'scher„Gesangverein der Eifer" AbendS 9 Uhr bei Wolf und Krriger, Etalttzerstr. 123, Gesang.— Märnrergesangverein„Gartenlaube" AbendS 9 Uhr im Restarant Firk, Koltbusersrraße 22.— Gesangverein Bonvardla"(Mänuerchor) AbendS 8 Uhr im Restaurani„Teutonias. Bei- forterstraße 15.— Männeraesangverein„Steinnelke" Abend» 9 Uhr tm Restaurant Schulz, Stettlirersttaße 63—57.— Gesangverein„Harmonie" Abend» 8 Uhr tn Reukaur'S BierhauS, Große Frantfurierstr. 49.— Männergesang- veretn„Echo II" AbendS 9 Uhr im Reflaurant Drillhose, Rofenthalerstr. 11—12. — Gesangverein„Sängerharn" Abend» 0 Uhr im Restaurant Kaiser-Franz- Grcnadierplatz 7.— Gesangverein„Bruderher," UebuugS stunde Abend» voil 9%— 11% Uhr. Aufnahme neuer Mitglieder.— Getangverein„Hoffnung Moabit" Abends 8H Uhr WNSnackerftr. 33 tm Restaurant Jlges.— Manner- gcsangvcrein„Hilaritas" Abends 8 Uhr im Restaurant W. Gleist, Prinzen- Allee 89.— Gesaugverein„Felicitas" Abends 9 u>>r im Restaurant viebekin, Langcstr. 103.— Alännergesangverern„Olpinpia" Abends» Uhr im Restaurant Gerlh, Prinzenstr. 10s.— Männergcsangverein„Accordia" ZlbdS. 9 Uhr bei Weicl, Alexanderstr. 31.— Gesangverein„Lndwtg'scher Männerchor" AbendS 9 Uhr Lindenstr. 108 bei Poppe, Uebungsstuirde. Gäsie sind wtlltommen.— Männcrgejangvercin„LiedeSsrctheil" AbendS 8H Uhr im Restaurant Henke, Blumensir. 38.—„Deutsche Liedertafel, Dirigent N. MaschtnSln AbendS 9Uhr Nedungsstunde tm Restaurant Eaeger, Grüner Weg 29.— Männergesang- vercrir„Alle Linde" AbendS Sh— 10h Uhr tm Restaurant Johns, Atariannen- flraße 10.— Gesangverein„Bleil'treu", UebunaSstunde Müllerstraße 7 bei Pohl.— Zlthertlnb„Arnphmn" AbendS v Uhr tn TrrebelS Restaurant, Hoher Steinweg 16.— Turnverein„Froh und Frei"(Männerablheilungj AvendS 8h Uhr, Bergftr. 67.— Berliner Turngenostenschaft(Fünfte Männer- ablheUung) AbendS 8 Uhr in der städtischen Turnhalle, Wasserthorstr. St.— Turnverein.Hasenhaide"(Männerndlheilung Abend» 8 tihr, Diestenbach- straße 30— 01.— Verein ehemaliger Schüler der 37. Gemeindeschule Abend» 0 Uhr im Restaurant Kinner, Köpnrclerstr. 88.— Arendl'scher Slenographen- verern„lllpollobund" Abends sh Uhr Brunnenstr.:20a.— Arendl'scher Steno- arapheuverew Abends sh Uhr»n Restaurant„gum eifernerr ikreuz", Linden- trraße 71.— Deutscher Verein Arendl'scher Stenographen AbendS«h Uhr in Randel'S Restaurani Brunnenstr. 129».— Verein„Roe" Abend» sh Uhr im Restaurant Eltze, Alexaudrtnenstt. 99.— UnterhallungSveretu„Harmonie" AbendS 8 Uhr, Eisenbahnstr, 331!, tm Restaurant von Liebe.— Vergnügung»- verein„Mollig" AbendS 9 Uhr im'Restaurant Reinicke, GtpSstraße 3, jeden Dienstag nach dem 1. und 16.— Zithertlud„Amphion" AbendS 9 Uhr im „Pilluchener Hos" Spandanerstr. 11—12.— Rauchilub„Zum Wrarrgel" AbendS 8 Uhr bei Hcrschled, Adalberistr. 4.>— Rauchlluv„Portorilo", AbendS 9 Uhr. Mauteusteltlraße 119 bei Greivling.— Rauchilub„Deutsche Flagge" AbendS 8 Uhr tm Restaurant Händler, Wrangelstr. n.— Rauchilub„FriedrichSharn" Abend» 9 Uhr tm Restaurant Kipptng, LandLbcrgerstr. 110».— Rauchlluv „Lustige Brüder" Abend» 8h Uhr bei Groihe, Fürsteirdergerstr. 2.— Ber- gnügungSverei»„Fröhltchkell", Grüner Weg 29. Große GesellschastSstunde, verbunden mit Borträgen. Gäste willkommen. Entroe frei.— Tambour- verein„Sedan" S tzung Abends sh Uhr Grüner Weg 0—10,— Tambourvereiu „Einigteit macht starl", gegründet 1838 Nedungsstunde Abends 9 Uhr tm Restaurant Hahn, Elsasscrstr. 67,— Musik- Dillettantcnverern„Nntmo". AbendS HO— 11 Uhr, bei Tracks, Rcichenbergerstr, 83, Aufnahme neuer Mitglieder.—„Bergnügungsveretn Schwarz- Weiß- Roth" jcde» Dienstag Abend 9 Uhr bei Feuerstein,'Alte Jatodstraße. Gäste willkommen.— Sozial- demokrattscher Lese- und Disluttr-Berein„Hrrwegh". vlbends 8 Uhr Im Lokale de» Herrn Otto Linie, Forsterstraße 46,— Arbcitergesangverein„Vorwärts". Abends von 9— II Uhr>>n Restaurant Schmidt, Wrangelstraße 141: Uebungs- stunde.— VerguügungSveretn„Hand tn Hand", Sitzung Abends 0 Uhr, im »iestanrant Schröder, Saarbrückerstr. 47, Ausnahme neuer PiltgUeder.— Rauchilub„Sorgensrel" Abend» 0 Uhr bet WuINe, FriedrichSberaerstr. 20. Aus- nahure neuer Mitglieder. Die RedaNlon siellt die Benutzung de« Sprechsaal», soweit Raum dafür abzu- geben ist, dem Publikum zur Beiprechung von Rngelegenhelten allgemeinen Interesse» zur Verfügung: sie verwahrt stch aber gleichzeitig dagegen, mlt dem Inhalt desselben tdenttsiztrt zu iverden. Unterzeichnete ersuchen Sie ergebenst, nachstehendes im Sprech- saal zu veröffentlichen, damit man sieht, mit welcher Rasfinirthelt mancher Wirth und Lokalbesttzer seinen Gästen gegenüber handelt (wenn dieselben der'Arbeiterklasse angehören). Sehr ausgebildet in dieser Raffinirtheit, den Arbeitern das sauer verdiente Geld aus der Tasche zu nehmen, scheint der Destillateur A. Puder zu sein, welcher an der Lieicheuberger- und Lausitzerstraßen-Ecke sein unreelles Schankgeschäst betreibt. Ich will hier nicht die berechtigten Klagen Anderer, die zu verschiedenen Malen'von Herrn Puder übervorlheilt worden sind, näher detaillieren; auch nicht aus meine persönlichen Erfahrungen als Einzelperson näher eingehen, sondern nur einen Vorgang schildern, der sich am Sonnabend, den 6. September in dem Puder'schen Lokal abspielte und der gewiß nicht geeignet ist die Kundschaft des Herrn Puder zu erhöhen. Wir waren behufs Besprechung einer Angelegenheit in das Pudcr'sche Lokal eingetreten und nachdem dieselbe erledigt war bezahlte ich, erster Unterzeichneter, die ganze Zeche, nicht wissend daß jeder meiner Kollegen schon seinen Theil an den Wirth be- zahlt hatte. Trotzdem derselbe nun wußte, daß bereits jeder be- zahlt hatte, ließ er sich ruhig von mir den Betrag noch einmal bezahlen. Als meine Kollegen nun erfuhren, daß ich alles bezahlt hatte, forderten sie selbstverständlich ihr zuviel bezahltes Geld zurück, wurden jedoch vom Wirth mit der Bemerkung abgewiesen, daß er von einer zweimaligen Bezahlung nichts wisse. Trotzdem nun seine eigene Ehefrau sowie der anwesende Hausdiener be- kündeten, daß es seine Richtigkeit habe, und jeder bereits bezahlt hätte, bestand Herr Puder doch darauf, daß er das zuviel bezahlte Geld behalten müsse. Da wir nun ans einen Streit und Skandal, zu dem es schließlich gekommen wäre, verzichteten, verließen wir das Lokal, kamen jedoch darin überein. die Sache der Oeffentlichkeit zur Beurtheilung zu übergeben. Wir erklären nun dem Schankwirth Herrn Puder, daß seine andlung unehrlich und solche Vorgänge gewiß nicht geeignet nd, ihn bei Jben Arbeitern, von denen er doch nur lebt, in guten Ruf zu bringen, gleichzeitig bitten wir die in der Nähe arbeitenden und wohnenden Genossen, die Handlungsweise des Herrn Puder in ihrem Gedächtniß einzu- prägen und beim Bezahlen von Speisen und Getränken in dem Puder'schen Lokal Augen und Ohren offen zu halten. Albert Voigt, Forsterstr. 88. H ermann Born, Rixdorf. Vermann Seidel, Forsterstr. 5. Wilhelm Schilling, Oppelnerstr. 19. Erwiderung auf das Eingesandt in Nr. SOG von Herrn Paul Gent, Steindrucker. Wir waren an einem Sonntag 6—7 Per- fönen zusammen im Lokale des Herrn Hoffmann, Oranienstr. 180, Als das Gespräch aus den Todestag Lassalle's kam, wurde der Wunsch laut, für Diejenigen, welche am genannten Tage nicht mit nach außerhalb können, eine Zusannnenkunft zu veranstalten. Wir fragten den Wirth, ob er uns einen Raum dazu wolle zur Verfügung stellen. Herr Hoffmann wollte uns, weil, wie er meinte, daS Tanzgeschäft im Sommer doch nicht bedeutend ist, den großen Saal geben gegen ein Entree von 10—15 Pf. für Musik u. s. w. Wir(Steinmar, Banspach, Weber) ließen nun die Annonze einrücken und besorgten Alles dazu. Wie groß war aber unser Erstaunen, als wir am Sonntag Nachmittag m's Lokal kamen und der Wirth uns sagte, unser Vergnügen sei verboten. (Herr Hoffmann hatte nämlich aus dem Polizeirevier ein Ver- gnügen zur Lassallefeier angemeldet.) Es waren, so fuhr der Wirth fort, auch einige Kriminalbeamte da, und er mußte nun sein Tanz- vergnügen abhalten wie sonst. Als ich ihm nun Vorwürfe machte, sagte derfelbe:„Nach einiger.Feit könnten wir doch in den Saal gehen, wir sollen nur noch ein bischen warten". Da wir doch nicht jeden fragen konnten, ob er zur Lassallefeier wollte, stellte ich eine Tafel vorn hin, welche den Genossen den Weg zeigen sollte. Es haben vielleicht 10 Genossen das Entree für Tanz»»it 50 Pf. u. s. w. bezahlt, ich bedauere auch, daß Herr Kendziora etwas i» die Gesellschaft brachte, was nicht hingehört, aber Niemand konnte denselben daran hindern, weil ein jeder das Recht hatte, auf seine Verantwortung zu machen, was er wollte. Um 8 Uhr, nicht um 11 Uhr ging die große Masse aus meine Veranlassung in den oberen Saal. Alle Genossen wissen ja, in was für Verhältnisse» wir leben, Sedanfeste u. s. w. können mit dem größten Radau gc- Eeiert werden, andere aber, wo es besser hergeht, werden ver- oten und noch so und soviel Aufpasser hingeschickt. Trotzdem der Anfang nicht gerade vielversprechend war, war es doch zum Schluß für Alle ohne Ausnahme eine dem Tag angemessene Feier. Der Ueberschuß der Auktion, 26,60 M., ist an die streikenden Weber nach Greiz gesandt. Paul Steinmar, Rixdorf. Richard Banspach, Nixdorf. Karl Franz, Berlin, Dresdencrstraße 101. Das Hochwasser. In Dresden scheint dies Gefahr ihren Höhepunkt über- schritten zu haben. Ein langsames Fallen der Elbe wird gemeldet. Die Depeschen lauten: Dresden, 7. September, Vormittags 8 Uhr. Heute früh gegen 4 Uhr trat ein Stillstand im Steigen deS Wassers ein, von da ab ist dasselbe bis jetzt um 6 Zenlimeter gefallen. Der an Mobilien und Jmmobilien angerichtete Schaden ist außerordentlich groß. Dresden, 7. September, Mittags. Der Wasserstand der Elbe ieigte Vormittags 11 Uhr 5,27 Meter. Seit zwei Stunden ist das Wasser um 3 Zentimeter gefallen. Auch von allen Ortschaften oberhalb Dresdens wird ein Fallen des Massers gemeldet. Bei Promnitz, gegenüber von Riesa, ist ein Damm durch- brachen. Dresden, 7. September. Der Wasserstand beträgt noch immer 5 Meter über dem Nullpunkte, jedoch fällt das Wasser beständig. Im Zwinger und dem Sfcaschcnberg-Palais müssen die Wachposten noch auf Holzstegen stehen. Man hegt keinerlei weitere Befürchtungen. Schandau, 7. September. Das Wasser sinkt langsam, aber stetig. Der Schaden, welchen das Hochwasser in Sachsen angerichtet hat, ist ein ganz enormer. Von den letzten zwei Ueberschwemmungstagen liegen aus Dresden folgende Berichte vor. In den niedriger gelegenen Stadttheilen Dresdens haben am Freitag auf behördliche Anordnung sämmtliche Parterre- Wohnungen geräumt werden müssen. Das Stauwasser der Elbe reiche bereits bis in die Zwingeranlagen und überfluthete die- selben vollständig. Im Prinzeupalais am Taschenberge standen die Keller vollständig unter Waffer und Sonnabend Mittag 12 Uhr wurden auch die Höfe und Vorhöfe des Palais über- schwemmt, so daß der Verkehr zu demselben nur noch durch rasch gelegte Nothstege aufrecht erhalten werden konnte. Die Schildwache vor dem Palais mußte des Wassers wegen eingezogen werden. Die Hochfluth ist eine so gewaltige, daß die Brücken die Wasser- Massen kaum mehr zu fassen vermögen. Das eine der abgegangenen Bäder, nämlich das Friedrichs- bnd, ist in Forberg bei lliiesa zum Stehen gebracht worden, während die Risaer Bgdeanstalt sortgetrieben ist. Sonnabend Vormittag rissen sich die unterhalb der Augustusbriicke bis dahin mit Mühe festgehaltenen Johannisbäder und Stadtbad für Männer los und trieben unaushaltsam sironiab. Beim Anprall an die rechtsufrigen Pfeiler der Marienbrücke zerbrachen beide Bäder, die Trümmer blieben aber in der Hauptsache vor den Pfeilern liegen. 5iurze Zeit darauf wurden auch die Äarienbäder losgerissen und gegen die rechtsufrigen Pfeiler der Augustusbriicke getrieben, wo sie ziemlich unversehrt festgehalten werden konnten. Die Antonsbäder, welche ihren Standort in unmittelbarer Nahe der Einmündung des Priegnitz- baches in den Elbstroin hatten, sind gleichfalls sortgeschivommen und an den rechtsseitigen ersten Landpseilern der Albertbrücke, vor denen schon nicht nur ein vollständig zerbrochenes größeres Elbfahrzeng, sondern auch erhebliche Massen von Langhölzern:c. im denkbar wirrsten Durcheinander lagern, stark beschädigt liegen geblieben. In Schandau hat das Wasser arg gewüthct. Unterm 5. d. wird geschrieben: Einen fürchterlichen Anblick gewährt das Badelhal bis zum Kurhaus und der Villa Martha, der Strom hat das ganze Gebiet in einen See verwandelt, die Häuser tehen bis zum I. Stockwerk im Wasser, die Dächer der Speicher und Schuppen, der Stallungen und niedrigen Gebäude sind ab- gehoben, die Hölzer der Schneidemühle treiben auf den Fluthen und vollenden das Zerstörungswerk, der ganze schöne Stadtpark mit dem kkonzertpavillon, der Kurgarten mir seinen herrlichen An- lagen, die Badeallee mit den Hotels, die Badestraße bis zur Villa Martha stehen tief unter Wasser, im Speisesaale des Hotels Prä- torius spiele» die Wellen bis nahe zur Decke, und an allen Punkten oberhalb des Badehauses bringt die immer mehr anschwellende Kirnihsch durch Uebrrtrcten aus den Usern Schaden. Familien lüchten in das 2. Stockwerk und ans die Dächer, einzelne mußten mit Lebensgefahr heute heruntergeholt werden. Eine große Verwirrung entstand dadurch, daß der Packet- Post und Bahnverkchr Schandau-Sebnich aufgehoben werden mußte, da der Bahnhof Schandau nicht mehr zu erreichen war. Sonnabend wurde der Verkehr über die Brücke eingestellt, da dieselbe vom Strom ziemlich überfluthet wird, unk Anprall der Wogen schwankte und aus ihr Quader, � gerissen wurden. Briefe, Laufposten und Packete.. über Sebnit» befördert, und �zivar van da die Züge einfahren können. leben gefordert, der Sebniher Linie in-ouvw"! Tftftii Leider hat� das Unglück auch M wjQ � reden gesoroerr, eine Zille wurde w der � gerissen und war nicht zu erhalten. Das Hilfegeschre... dem Schiff befindlichen Personen war gräßlich, ehe dasse eines Bootsmanns mit' und* dem Schiff befindlichen Personen Brücke passirte, sprang die Frau............ Kinde in den Strom und Beide ertranken. Das SaM jedoch noch die Brücke, zerschellte jedoch an der in Pirna. Sännntliche Gärtnereien, Kulturen» lagen sind vernichtet, Wege und Dämme durchbroly � zerrissen, Häuser so beschädigt, daß sie gestutzt � müssen, aus Fabrikanlagen ist Alles fortgeschwemmt und«» Gegenstände dem Wasser Widerstand leisteten, vollende!!. massenhaft auf dem Strom treibenden Flöße, Holzdacher/ o der Vogelwiese, Krippen ,e. das Zerstörmigswerk. Koble«?, höchsten Stand, 4,17 Meter. Waffers in Aussicht. 8. September.*Der Rhein erreichte heutig —-------'y Augenblicklich Stillstand, In Prag ist die Gefahr beseitigt; die Ueberschwew«� Kommissionen haben sich aufgelöst und man hofft, daß tm» des Montags die Post- und Bahnverbindungen wieder werde» genommen werden können. ,...«p Die amtliche„Wiener Ztg." veröffentlicht eine kaiserliche� ordnung vom 6. September, wodurch die Regierung eraw\ wird, 2 Millionen Gulden aus Staatsmitteln zur Bestreit»»� erforderlichen Ausgaben anläßlich der Ueberschwemmunge Böhmen, Nieder- und Oberösterreich, Schlesien und Vorar zu verwenden.. � y Frristadt, 7. September. Ter gesammte Verkehr aus Strecke Vudweis-Gaisbach ist wieder aufgenommen. � Wien, 7. September. Im Hauptslrome der Donau bis Mittag ein unbedeutendes Sinken des Wasserstandes achtet. Die Freudenan, wo sich der Rennplatz befindet,>1' bis in den Praler hinein überschivemmt. Die für heu».>. morgen angesetzten Herbstrennen muhten infolge dessenjL werden.— Aus Linz, Stein und Tullu wird Fallen der» Die Ä KS Die Konzession kann ihm entzogen werden. Js�heil i werden. gemeldet. VviefkolPkvn dev VvÄastkiott« ...... Kt. OTt.........O..it....... hoi.i. f Bei Anfragen bitte» wir die Abonncinenie-Quillung beizusiigen Antwort wird nicht erlheilt. D. D. Htistnii Kolbe. Ter Förster darf dies thun, im Angerufene �nicht stehen bleibt....... � � scheint i L�Haus ®0nntagä toitep j en. Zwei Wettende. Die Braut ist nicht verpflichtet, den" k. zurückzugeben. ,, jj.PUglic A. Z. 120. 1. Er bedarf nicht der Bewilligung. Messer fj Dame bedarf nicht der Betvilligung. u'1" fr, tefÄÄ H zahlen. ftejrefäjeu. ■chen. S (Wnlffo Telegraphen Kurea«), St. Etienne, 8. September. Durch schlagende Weit».»ilunbei Adriennc-Schacht sind vier Arbeiter schwer verletzt worden. l(Uten � Nen, ei �gekehrt '-»st Be k.i tznende Leben Zm Riimi SkS Achs! In der Straffache gegen den Schuhmacher Theodor Baum- dach aus Rixdorf wegen Haussriedensbruchs, Körperver- letzung und Äeleidigung hat das könig- liche Schöffengericht zu Zossen in der Sitzung vom 17. April 1890, an welcher Theil genommen habe»: 1. Amtsrichter Rietze als Vorsitzender, 2. Gastwirth Albert Schulze, 3. Gastivirth W. Dähne als Schöffen, Burgermeister Regener als Beamter der Staatsanwaltschaft, Referendar Grunow als Gerichtsschreiber, für Recht erkannt: daß der Angeklagte, Schuhmacher Theodor Baumbach, am 9. März 1865 zu Bibra(Sachs en-Meiningen) geboren, in Rixdorf wohnhast, evan- gelisch, des Hausfriedensbruches, der Körperverletzung und der öffentlichen Beleidigung schuldig und deshalb wegen des Hausfrieoensbruches mit 20 M.(zwanzig Mark), iin Nnver- mögensfalle mit 4(vier) Tagen Ge- fängniß, ivegen der 5körperverlctzllng und der öffentlichen Beleidigimg mit zwei Wochen Gefängnih unter Bc- lastung mit den Kosten deS Versah- rens zu bestrafen, dem beleidigten Ortsvorsteher Rüden auch die Be- fugniß zuzusprechen, die Äerurthei- lung des Angeklagten auf dessen Koste» binnen vier Wochen nach Zustellung des rechtskräftigen Ur- theils durch Abdruck der Urtheils- formet im„Zossener Land- und Stadtboten". Teltower Kreisblatt" und im„Berliner Voltsblatt" öffent- lich bekannt zu machen. Vorstehendes Urteil hat die Rechts- kraft beschritten. Zossen, de» 5. September 1890. K r o h n, Gerichtsschreiber des königl. Amts- Gerichts. Ehrenerklärung. Ich nehme meine, gegen den Fuhr- errn Herrn Lehmann, Neue Friedrich- traße 7, ausgesprochenen Worte zurück md erkläre dieselben für unwahr. 694 G. Schulze. Warnung! Ich warne hiermit meine Freunde und Bekannte, meiner Frau Christiania Heinrich auf meinen Namen etwas zu borgen, weil ich für nichts aufkomme. 1697 Bober» Heinrich. Das gr. Lager Berlins »Andreas str. AS, H.p. I Reste v.JVe— 5 Meter spottbillig. | Kmll Lelbvre, Granienstr. 158.1 Proben franko I [1522 Jede Uhr unter Garantie kostet bei mir AZ'ziTvWlw Mk. Kleine Reparaturen entsprechend billiger. Uhren, Gold- u. Silberwaaren Ranngnstr. 38, » WälßSwßj n. d. Oranienplatz. Von 15 Mark an Aq. Ailitg«Wzs-A«jiizc. 18 H. Eley. Herren- Jacket- Anz. 1 20 Sl. Eleganto Rock-Anzüge.| 30 M. HocUelcg. Kammg.-Anzüge. 7M. Gediegene Stoflüoseu. 15 M. Bieg. Winter-Paletots. 4 H. 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Stimmbegabte Herren, hauptsächlich erste Tenöre und zweite Bässe, welche gewillt sind, dem Arbeiter-Gesangverei» „Vorwärts" beizutreten, können sich melden jeden Dienstag Abend von 9 biS 11 Uhr im Restaurant Schmidt, Wrangelstraße 141. 1671a Civil! QlrWiW foltte deu aus der afri ull lli /olv v vi' vV nischeu Kolanuß Hergestelltest � der % Kola-Bitter... J. Henschel »llng, regelinnßig zu trinken. Der Kola- Bitter verleiht Körper die grösste Widerstandskraft gegen Erm# er stählt den Organismus, ist äusserst nahrhaft' kräftigend und befähigt den Menschen, die gross körperlichen Anstrengungen zu ertragen, ohne zu bÄ e Fak! Ward sllhätil �beiwtg, Leiter die «nkische, schlaffen. Nach 3 Mal täglichem Genuß wird Jede� kurzer Zeit die räthselhafte Wirkung des Kola-BH*W[lsc{jci verspüren und dürfte dieser wahrhaft wohlthätig wirk� es Branntwein bald Volksgetränk werden. Man Verla' J. Genschers Kola-Bitter in den Restaurants, Depich tionen und Kolonialwaaren-Handlungen. �rutin, Allein. 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W e'tl>8§ Verantwortlicher Redakteur: Enrt Kaastr in Berlin. Druck und Verlag von Ma» Kading in Berlin 8W., Beuthstraße 2.