'♦ tUlM' ; af t, ff ScO R Sit lirthts t na' 13# Landet ß-h önne» stif'j thalti flOÄ .8ii" Nr. älL Donnerstag, hm 11. September 1890. y. Jahrg. Organ für die Znierefsen der Arbeiter. scheint isnr* cm«Berliner Volksblatt" WM-MWZMM Sonn- und Festtagen bis 9 Uhr VorimItagS geöffnet. -, Fernsprecher: Anit VI.|tr. 4100.•-"• Mrdnltkion: VettlMvatze S.— Expedikion: VeukMvolße 3. Ein vergossenes Manifest. � Die Meinungsverschiedenheiten, die kürzlich in der Partei über die Betheiligung der Partei und ihrer Ver- Wer an den parlamentarischen Kämpfen und Arbeiten Wt wurden, riefen uns eine Kundgebung in's Gedächtniß, �e vor jetzt genau 13 Jahren von den Delegirten der i�ialistischen Arbeiterorganisationen Englands, Frank- Wchs, Belgiens, Dänemarks, Deutschlands— das durch Wbknecht vertreten wurde—, Oesterreich- Ungarns, der �weiz und Italiens erlassen worden war . Vom 9. bis 15. September 1877 war ein Allge- M»er Sozialistenkongreß zu Gent abgehalten worden, Wsen Verhandlungen zu jener Kundgebung der Vertreter W erwähnten Länder führte, zu einer Kundgebung, die Mte wieder zu veröffentlichen sehr zeitgemäß ist. Demi Weich zwischen jener Zeit und heute die 12 Jahre Wilsches Sozialistengesetz liegen, ist die allgemeine Situation 0ch so wenig verändert, daß jene Kundgebung ebenso jW heute erlassen sein könnte. Sie ist für alle Bethei- 'Ren gegenwärtig genau so maßgebend als damals, was % blos die Entwickelung der deutschen Sozialdemokratie %, sondern auch die Thätigkeit aller unserer Gesinnungs- Jossen in den übrigen Ländern Europas auf's schlagendste Wjut. Noch mehr. Man kann mit vollem Rechte sagen, ...'.» �- C V> 3 erst heute die Wirkung jener damals proklamirten .Zündsätze in den nieisten der betheiligten Länder zur (t sing kommt, so in Oesterreich, der Schweiz, Frankreich, �iand und Belgien. Die Kundgebung von damals lautete: i«In Erwägung, daß die soziale Emanzipation von Politischen untrennbar ist; ro. Jn Erwägung ferner, daß das Proletariat als selbst- "°ige mit allen von den besitzenden Klassen gebildeten Parteien in Opposition stehende Partei organisirt, jedes ofi l'jche Mittel ergreifen muß, welches zur Befreiung r seiner Glieder führen kann; z.'u Erwägung, daß der Kampf gegen jede Klassen- suhaft weder lokal, noch national, sondern uni- JW ist, und daß der Erfolg von der Verständigung . dein Zusammenwirken der Organisationen der ver- � Svenen Länder abhängt; . haben die Delegirten des zu Gent tagenden allgemeinen . Palistenkongreffes beschlossen, daß sich die von ihnen �..'Weilen Organisationen in allen ihren ökonomischen und s, Wichen Bestrebungen gegenseitig moralisch zu unter- 5W haben." Feuilleton. VtS verboten. 1 [8 Verloren! den Papieren eines Rechtsanwaltes. Von Casimir K a n c m a n. malte sich eine fällirf,« n)Cuf Z"gen des inngen Hausherrn............. �fnchi Verlegenheit. Allem Anscheine nach hatte die Familie Hub 94„r.l'ch vor Jedem zn fürchten, der mit Gesetzbüchern kehe,,- /vrden bekannt war 5 nicht, daß sie sich eines Vor- 0»»tl> gemacht, das strafrechtlich verfolgt werden W j/|0»dem in Angelegenheiten der Oekonomie des Hofes. Wim."?? Mann suchte seine Verlegenheit nüt einem feinen Hast P.ach zu verscheuchen, mit dem er mit einer gew Sich"oer die Stirne fuhr, wobei mir ein starker Par ....., einen r gewissen ' W" Sie fo!" sagte er,„Sie sind ein Advokat; es führt iiethe� l". wahrscheinlich ein Geschäft mit meinem Vater Wmftrs11 �ntte � diese Worte ausgesprochen, öffnete sich Wibt, Thür und in den Salon rauschte eine wohl- %(i;rc; aber lebhaft in Schwarz gekleidete Dame herein. 'Wteit 111 Eintreten athmete Lothar wie von schwerer Last »iif: auf; er sprang eifrig von seiner Chaiselongue bildet- �8% halb zn mir, halb zu der Dame ge- Mutter, Herr!* wahrend ich mich verbeugte, betrachtete ich flüchtig die Nach zwei weiteren Sätzen, die sich mit der Bildung eines Bundesbureaus beschäftigen, das infolge der später eingetretenen Ereignisse nie in's Leben trat, fährt die Kundgebung fort: „Wir verkünden die Nothweudigkeit der'politischen Aktion als eines mächtigen Mittels' der Agitation, der Propaganda, der Volkserziehung und der Gruppirung (Organisation). Die gegenwärtige Gesellschaftsorganisation muß gleich- zeitig von allen Seiten und mit allen Mitteln, über die mir verfügen, bekämpft werden. Die Politik, die Gesetz- gebung, die Verwaltung der öffentlichen Angelegenheiten bilden eine dieser Seiten, und die Reform der Gesetze, die Entsendung von Sozialisten in die Parlamente, die Wahl- agitation, öffentliche Kundgebungen zur Erlangung ökonomischer, bürgerlicher Rechte, sind eben so viele Waffen, die es eine Thorheit wäre, in den Händen unserer Feinde zu lassen. Weg darum mit der politischen Ent- Haltung! Jn allen Ländern, wo die Arbeiter das Recht haben, an den Wahlen theilzunehmen, müssen sie sich als politische Partei konstituiren, um in die Parlamente und Gemeindevertretungen Delcgirte zu schicken, und in den Ländern, wo sie das Wahlrecht nicht haben, müssen sie Alles aufbieten, um sich dieses Recht zu erringen. Ist das Parlament nicht eine Tribüne, von welcher herab der sozialistische Abgeordnete zu dein ganzen Lande spricht, und so das Bürgerthum und die Arbeiter sich mit der sozialen Frage zu beschäftigen zwingt? Und die Wahl- beivegnng, die öffentlichen Diskussionen über die sozia- listischen Kaiididatilren— bringen sie nicht die soziale Frage vor die ganze Gesellschaft,»selbst wenn der sozia- listische Kandidat unterliegt? Und verdankt nicht die deutsche Sozialdemokratie wesentlich dem Um- stände, daß sie auf allen Gebieten: dem der Politik, der Wissenschaft, der Oekonomie u. s. w. den Kampf führt, ihre großartige Organisation, die geistige Regsamkeit, durch welche sie sich auszeichnet? Alle unabhängigen und denkenden Menschen wollen, daß die Unwissenheit auf immer ausgerottet werde, daß die Ungerechtigkeit und die Privilegien von dieser Erde verschwinden, daß Elend und Hunger nicht mehr das Loos derjenigen seien, welche arbeiten, und Wohlbefinden und Ueberfluß nicht mehr das Loos derjenigen, die nichts produziren. Wohlan, um zu dieser Lage zu gelangen, welche das große Ziel des Modernen Sozialismus ist, müssen die lebenden Geschlechter— das ist ihre heilige Pflicht— die Hindernisse vermindern, die Schranken, welche den Weg absperren, niederwerfen und provisorische Einrich- tungen, welche uns dem Ziele näher bringen, begründen oder annehmen. Der Sozialismus soll nicht blos eine reine Theorie, eine Spekulation über die wahrscheinliche Organisation der künftigen Gesellschaft sein, sondern er soll sein ein lebendes und reelles Wesen, soll sich kümmern um die thatsächlichen Bestrebungen, um die unmittelbaren Bedürfnisse, um die täglichen Kämpfe der arbeitenden Klaffe gegen die Mono- polisten des gesellschaftlichen Kapitals, welche auch die Monopolisten der gesellschaftlichen und staatlichen Ge- walt find. Der Bourgeoisie ein politisches Vorrecht entreißen; bisher isolirte Arbeiter in Assoziationen organisiren; durch Arbeitseinstellungen oder Gewerkschaften eine Verminderung der Arbeitsstunden erwirken— das heißt eben so gut an dem Bau der neuen Gesellschaft arbeiten, als wenn man tiefsinnige Nachforschungen über die gesellschaftlichen Ein- richtungen der Zukunft anstellt. Mögen die Arbeiter, die noch nicht gruppirt sind, sich zusammenschließen und organisiren! Mögen die, welche blos auf ökonomischem Gebiet organisirt sind, in die politische Arena herabsteigen! Sie finden dort die näm- lichen Gegner, das nämliche Ringen, und jeder Sieg, der auf dem einen Kampfplatz erfochten wird, ist das Signal eines Triumphs auf dem andern. Möge bei jedem Volke die Klasse der Enterbten sich als große, von allen Bourgeoisparteien scharf abgegrenzte Partei konstituiren, und möge diese sozialistische Partei Hand in Hand marschiren mit der sozialistischen Partei aller übrigen Länder! Es gilt dem Kampfe um all' Eure Rechte, es gilt die Vernichtung aller Privilegien! Proletarier aller Länder, vereinigt Euch!" So das Genter Manifest. Was dasselbe, dessen eigentliche Urheber Marx und Engels sind, den Proletariern aller Länder als Richtschnur ihres Handelns für ihre soziale und politische Eman- zipation empfiehlt, das hat die deutsche Sozialdemokratie auch in der schwersten Zeit des Sozialistengesetzes.-ge- treulich und unermüdlich befolgt. Und dieser Taktik allein ist der Sieg zn danken, den sie über ihre Gegner, die Väter des Sozialistengesetzes und seine Handhaber, er- rungen. Diese Taktik hat, begünstigt durch die gleichzeitig rapid vor sich gehende ökonomische Entwickelung, die Massen der Arbeiter ihr in die Arnie getrieben, mit welchen sie zum Staunen der ganzen Welt, zum Schrecken ihrer Gegner und zur jubelnden Genugthnung der sozia- listisch gesinnten Arbeiter aller Länder am 20. Februar d. I. aufmarschirte. Eingetretene. Sie sah weder alt noch jung ans; sie war nicht hübsch, aber man konnte sie auch nicht unschön nennen. Das glatt gekämmte Haar verbarg sie sorgsam unter einer eleganten Haube. Ihre blauen Augen waren ohne bcsondc- reu Ausdruck und um die schwammigen Lippen spielte ein gntmüthiges Lächeln, das zwei Reihen hübscher weißer Zähne blicken ließ. Sie erinnerte mich in ihrem Auftreten und in ihrer Erscheinung an eine kleinstädtische Proscssions« Ehevermittlerin; nur schien sie noch etwas mehr Etiquctte zn beobachten. „Dr. Ernst Stockeran ist Ihr werther Name, mein Herr?" fragte sie in einem Tone, aus dem eine gewisse hastige Neugier sprach. „Zn dienen, Madame," bejahte ich mit einer abermaligen Verbeugung; und um allen weitläufigen Einleitungen und weiteren Mißverständnissen vorzubeugen, fügte ich hinzu: „Was mich hierher führt, ist die Angelegenheit des Herrn Gerhard von Rodenfels, dessen gerichtlicher Beistand ich bin." Bei diesen Worten färbte sich ihr Anlitz mit dunkler Röthe. „Tie... Angelegenheit... Gerhard's?"— stotterte sie, mit der Hand an die Lehne des Fantenils sich stützend. „So ist es, Madame; ich komme im Interesse Ihres Sohnes." Jetzt hob sie lebhaft den Kopf in die Höhe und warf mir einen flammenden Blick zu. „Gerhard von Rodenfels," versetzte sie niit vor Er- regung bebender Stimme,„ist nicht mehr unser Sohn. Wir haben nur einen Sohn, Lothar von Rodenfels." Diese Einwendung kam mir nicht ganz unerwartet und machte mich dann auch in der Ausführung meines Planes nicht wankend. „Ich kann es vollständig begreifen," warf ich ruhig ein, „daß die Handlungsweise Gerhard's, besonders diejenige, welche mich hierherführt, bei den Eltern das lebhafteste Mißsallen wecken mußte und in gewissem Grade selbst ihre Herzen dem seinen entfremden konnte; gleichwohl aber glaube ich die Ilebcrzeugnng aussprechen zu dürfe», daß hie Gleich- giltigkeit der Eltern der Elternliebe weichen wird, wenn es gilt, dem Sohne zn helfe». Sie werden Ihrem Sohne, so- viel in Ihrer Möglichkeit liegt, die Hilfe nicht versagen." „Niemand wird einen Menschen retten können, der sein Verderben selber sucht," klang es zurück. Dabei sank die Frau schwer in einen Fantcnil und lud mich ein, gleichfalls Platz zn nehmen. Ihr Blick irrte unruhig umher und mit zitternden Händen begann sie den Saum der kostbaren, aber stark befleckten Serviette, die den Tisch bedeckte, zu kniffen. „Lauge Zeit haben wir Gerhard geholfen," fuhr sie»iit wachsender Erregung fort.„Mein Mann zahlte zn wieder- holten Malen seine Schulden, denn wir konnten nicht glauben, daß der Sohn es bis zum Acnßersten treiben würde. Glauben Sic mir, der Fall war flür uns ein fürchterlicher Schlag ge- wcscn! Gerhard von Rodenfels im Gcfäuguiß! Unerhört!... Mich wundert in hohem Maße, wie ihn so nur jemand in Schutz nehmen kann. Wollte mein Mann persönlich nach Mitlau fahren und es verlangen, so würde Gerhard natürlich so- fort freigegeben werden.... Aber Oskar wird das nicht thun..." „Sie täuschen sich, Madame," warf ich ein,„wenn das Herr von Rodenfels auch thun wollte, es würde nichts nützen. Das geht in unseren Zeiten nicht mehr an, daß ein Gefangener, und wäre er von noch so hoher Herkunft, Und wie bereits in diesem Manifest von 1877 von den Delegirten aller damals in Gent vertretenen Ländern die Taktik der deutschen Sozialdemokratie als mustergiltig und nachahmenswerthes Beispiel hingestellt wurde, so ist sie es bis heute geblieben. Dies hat nicht nur der Erfolg der Partei auf dem vorjährigen internationalen Kongreß zu Paris bewiesen, das zeigt auch die Thätigkeit, die heute unsere Gesinnungsgenossen in allen vorgeschrittenen Kultur- ländern Europas und in den Vereinigten Staaten ent- wickeln. Die Eroberung der politischen Macht ist das Alpha und Omega nach dem jede klassenbewußte Proletarier- bewegung streben muß. Und da eine solche Eroberung nicht das Werk eines Moments oder einer Ueberrumpelung sein kann, sondern durch zähe, ausdauernde Arbeit und allseitige geschickte Benutzung der Umstände errungen sein will, so müssen auch alle Wege und Mittel, die zum Ziele führen könnten und einen Schritt ihm näher bringen, ergriffen und angewandt werden. Die bürgerliche Gesellschaft ist eine Macht, die noch mit tausend und tausend Fasern im Boden wurzelt; sie ist gleich einer ungeheuren Festung, der unzählige Hilss- mittel zu ihrer Vertheidigung zur Verfügung stehen, und eine Armee, die eine solche Festung im Sturm glaubt ein- nehmen zu können, würde man als aus lauter Unzu- rechnungsfähigen bestehend betrachten. So wenig eine Gesellschaft von heute auf morgen ent- standen ist, so wenig läßt sie sich auch von heute auf morgen aus der Welt schaffen. Aber die Phasern ihrer Auflösung und ihrer schließlichen Aufhebung werden in demselben Maße beschleunigt und verkürzt, wie von allen Seiten ihre gänzliche Unzulänglichkeit, ihre UnHaltbarkeit und ihr Widerspruch mit den allgemeinen Kulturinteressen den Massen zur Erkenntniß und zum Bewußtsein gebracht werden. Diese Erkenntniß im großartigsten Maßstab zu be- fördern, dieses Bewußtsein in der ganzen Arbeiterklasse zu erwecken, ist die große agitatorische und emanzipatorische Aufgabe, welche die Sozialdemokratie zu erfüllen hat. Wovrefpondenze»». Zürich, 6. September. In der unmittelbar bevorstehende» außerordentlichen Session der Bundesversammlung wird die Zollpolitik den hauptsächlichsten, vielleicht auch den einzigen Verhandlungsstoff bilden. Dabei bilden die l a n d- wirthschaftlichen Zölle das Hauptinoinent. Einflußreiche Politiker, der Bundesrath und vor Allem ein Theil der schweizerischen Landwirthe sind für eine beträchtliche Erhöhung der Zolle auf Getreide, Mehl, Wein, Obst, Eier, Fleisch, Vseh, Butter u. f. w.; für einzelne dieser wichtigsten Volksernährungs- mittel sollen die Zölle verdoppelt, ja mehrfach vervielfältigt werden. Aehnlich wie in Deutschland die relativ kleine Zahl der junkerlichen Agrarier und anderer Großgrundbesitzer die wieder- holte Erhöhung der landwirthschaftlichcn Zölle durchzusehen ver- stand und zwar unter allerlei demagogischen Umtrieben, so bildet auch in der Schweiz die kleinste unter den vielen und bedeuten- deren landwirthschastlichen Vereinigungen, die„Gesellschaft s ch n> e i z e r i s ch e r Landwirthe", der noch nicht einmal 200 Mitglieder angehören— die jedoch besser situirte Grund- besiher sind— die treibende Kraft in der neuen Zollkampagne. Bereits in der letzten Juni-Session lag die bezügliche Materie der Bundesversammlung vor, allein man kam nicht zu deren Er- ledigung. Dagegen bildete sich schon damals aus den Reihen der Parlamentarier heraus eine„Liga gegen die Lebens- m i t t e l v e r t h e u e r u n g". welche das neueste Zollprojekt befehdete. Seitdein ist nun in den Kreisen der orga- nisirten Arbeiterschaft, welche die bevorstehende Gefahr erkannte, eine ungemein lebhafte Protestbewegung gegen die Zollerhöhungen entstanden und unter dem Einflusie dieser Bewegung haben nun die Mitglieder erwähnter Liga, der Stände- rath E o r n a z und die Nationalräthe Bachenal, Franeil- lon, de Stoppani und C u r t i einen langen Ausruf in der Presse an das ganze Volk erlassen, in welchem zu einer D e l e- g i'r t e n v e r s a m m l u n g, welche am 14. September in Ölten stattfinden soll, eingeladen wird, um, wie das Initiativkomitee init Recht sagt, den organisirten Schutzzöllnern eine organisirte Opposition entgegenzustellen. In dem Ausrufe heißt es u. a.: „Unsere Kleinbauern, welche die große Mehrheit der ländlichen Bevölkerung bilden, erzeugen für ihren eigene n Be- darf nicht genügend Korn und da sie während eines Theils des Jahres genöthigt sind, das Mehl zu kaufen, kann dessen Vertheucrung nicht in ihrem Wunsche liegen. In gleichem Maße würden aber auch die kleinen Handwerker unserer Städte und Dörfer, welche neben ihrem Berufe ein Stück Land bebauen, von einer Erhöhung der Einfuhrzölle betroffen, denn auch sie konsumiren mehr Getreide, als sie produziren. Und ebenso ist unsere Milchindustrie, welche jährlich an kondensirter Milch, Käse u. s.w. für mehr als 45 Millionen ausführt, ganz besonders dabei interessirt, daß die Einfuhr fremder Produkte mit nicht zu hohen Zöllen belegt werde, damit ihr nicht das Ausland eine gleiche Behandlung widerfahren lasse. Unter der Herrschaft des Tarifs vom Jahre 1851 bedeuteten die Zolleinnahmen für eine Familie die 1500 Fr. Jahreseinkommen hatte, im Durchschnitt eine Steuer von 12,66 Fr. und bei einem Jahreseinkommen von 2500 Fr. eine solche von 22,45 Jr. Durch den heutigen Gebrauchstarif, welcher das Ergebniß der Handelsverträge ist, hat sich die erst genannte Ziffer schon mehr als verdoppelt, sie wurde auf 28,36 Fr., die nveite auf 45,58 Fr. erhöht. Diese Summen, welche man von Familien bezieht, die auf einen sehr genauen Haushalt ange- wiesen sind, werden in manchen Theilen der Schweiz und besonders an der Grenze überschritten. Wahrlich, man darf sich fragen, welcher Kanton oder welche Gemeinde es wagen möchte, die Bevölkerung in dieser Weise zu besteuern. Würden aber erst die.Zollerhöhungen gutgeheißen, welche die Schuyzöllner vor- schlagen, so wären damit diesen bescheidenen Haushaltungen, welche 1500 Fr. oder 2500 Fr. zu verbrauchen haben, jahrliche Kontributionen von 75 Fr. oder 125 Fr. auferlegt. Gewiß müssen diese Ziffern, welche den neuesten amtlichen Aktenstücken entnommen sind. Jedermann die Augen öffnen. Die Erhöhung der Einnahmen aus den Zöllen ist für viele eidgenössische Politiker zum unfehlbaren Schlagworte geworden und um dieses Ziel jedoch einigermaßen zu verschleiern, wird von Schutz der Landwirthschaft geredet, von einem Schutz, den sie in der That bereits in ausmchendem Maße genießt. Da es in der Schweiz in den letzten Jahren wiederholt vor- gekommen ist, daß die„ehrlichen und loyalen Arbeitgeber" ver- suchten, den Arbeitern ihr heiliges Koalitionsrecht weg zu eskamotiren, so hat der Basier Arbeiterb und den Ge- danken erörtert, ob es nicht zweckmäßig wäre, einen G e w e r k- s ch a f t s- K o n g r e ß sämmtlicher gewerkschaftlich organisirten Arbeiter einzuberufen. Der Arbeiterbund ist nun dahin gelangt, bezügliches Rundschreiben an alle Arbeiterorganisationen zu ein erlassen. Die„Arbeiterstimme" ist jedoch der Meinung, daß der praktische Werth eines solchen Kongresses nicht im Verhältniß zu den Kosten stehe. In L a u s a n n e haben 1000—1100 Maurer und Bauarbeiter die Arbeit niedergelegt. Die Streikenden verlangen die z e h n st ü n d i g e Arbeitszeit, eine Lohn- erhöhung undFeststellung des Arbeitslohnes bei Beginn der Arbeit. Tie Arbeiter haben die Herren bereits dreimal zu Verhandlungen eingeladen, das protzige und hochmüthige Knpitalistenthum hat es jedoch abgelehnt, rmt den von ihm so maßlos ausgebeuteten Proletariern zu berathen. Da- gegen hat ein Bauunternehmer den Wohnungsmiether in einem 'einer Häuser brieflich aufgefordert, einen bei ihm in Logis be- indlichen Streikenden aus demselben zu verweisen. Der klassische Brief ist in der„Arbeiterstimme" publizirt und lautet:„Geehrter Herr! Ich glaube bemerkt zu haben, daß Sie eine Schlafstelle an einen gewissen E o d a veriniethet haben. Derselbe ist Cement- arbeiter bei meinem Kollegen M a s s e r a. Da dieser Mensch an der Spitze der Streikbewegung steht, ö will ich ihn um keinen Preis unter einem meiner Dächer dulden und ersuche Sie deshalb, ihn sofort wegzuschicken. Sie hätten sich nach Artikel 4 des Miethsvertrages richten ollen, dann wäre Ihnen diese langweilige Geschichte erspart geblieben. Achtungsvoll C h. P i c o t." Zur Charakterisirung dieses unverschämten Picot wird ans Lausanne geschrieben:„Dieser Picot ist einer der Aktionäre eines Leihhauses, gegen welches auf Betreiben der Arbeiterschaft Staats- Untersuchung eingeleitet und das wegen Hehlerei bestraft wurde. Dennoch giebt die Polizei seinem Ausscher einen eigenen Schutz- mann u. f. w." Das rss die Moral der Ordnungssäulen und der Ordnnngsoraane! Dazu paßt sehr gut die Meldung, daß die Waadtländische Regierung von, Bundesrathe militärische Hilfe— nach berühmtem Muster— verlangt, damit aber abgewiesen worden sein soll. aus Verlangen eines Einzelnen ohne Weiteres aus der Haft entlassen werden kann." Der Ausdruck einer Beleidigten zeigte sich in den Zügen der Frau Elisabeth von Rüdde-Rodenfels. „Nun, ein Jeder hat seine Meinung," lautete ziemlich schroff ihre Antwort.„Ich bleibe für mich bei der Ueber- zeugung, daß ein adeliger Gutsbcsitzerssohn nur deswegen nicht freigelassen wird, weil seine Eltern es nicht verlangen, wenn sie sich nicht gegen die Einsperrung auflehnen..... Sollten wir wirklich," setzte sie hinzu, „schon solche Zeiten haben, in denen Herkunft und hoher Stand nicht mehr respektirt werden? Wäre dies auch der Fall, so hätte dann immer noch das Geld wenigstens seinen Werth und seinen Einfluß nicht verloren. Wäre es uns daran gelegen, Gerhard von der Haft zu befreien und von der Strafe zu erlösen, unsere Lage wurde uns, gottlob, noch gestatten, das nöthige Geld dazu aufzutreiben. Wir sind indessen weit von der Absicht entfernt, wegen eines mißrathenen Kindes uns einzuschränken oder gar zu ruiniren, zum Nachtheil derer, die sich besser ausgeführt haben." „Auch mit dem Gelde," dämpfte ich diesen protzigen Stolz,„würden Sie Herrn Gerhard nicht helfen können. Das Geld schützt Keinen, der wegen eines Krinunalvergehens an- geklagt ist, vor Strafe." „Wie können wir dann," rief sie und ihre Wangen färbten sich immer tiefer,„wie können wir, wenn wir so vollständig ohnmächtig sind, wie Sie sagen, dem Erbärmlichen anders beistehen? Ich wüßte wahrlich nicht, was wir noch thun könnten? Sollten wir vielleicht für ihn unfern zweiten Sohn in's Gefängniß stecken lassen oder ausstreuen, er sei unschuldig?... Ihre Bereitwilligkeit, Herr Doktor, den Sohn retten zu wollen, ist ja lobenswert!), indessen sind wir aus das Schlimmste schon vorbereitet. Wird Gerhard verurtheilt, dann hat er es nur sich selber und Niemand sonst zuzuschreiben. Beurtheileu Sie und Ihre Kollegen ihn nur, wie Sie es für gut finden..." Aus den letzten Worten erkannte ich, daß die Mutter, gleich ihrem unglücklichen Sohne, die Bedeutung meiner Uew-Uor!r, 29. August. Der Streik der Knights an der N.-U. Zentralbahn ist noch immer das Hauptereigniß im Lande. Obwohl die Bahnverivaltung steif und fest behauptet, genügend neue Leute zur Verfügung zu haben, ist eS eine von allen Jnter- esscnten wohl beachtete Thatfache, daß der Personenzug-Verkehr mangelhaft ist, der Frachtverkehr aber fast gänzlich still liegt. Neuerdings heißt es, daß die Bahnverwaltung den Kaufleuten Meldung gemacht, in der nächsten Zeit keine dein Verderben durch Lagerung ausgesetzte Fracht mehr annehmen zu wollen. . Die ganze vorige Woche war die allgemein! Aufmerist auf die Verhandlungen der Beamten derjenigen EistnbiM�� Organisationen gerichtet, die nicht zum Orden der Kn g? hören. Wie schon im vorigen Briefe erwähnt, warm Beamten zur Entscheidung der Frage zusammenbernsen -oeamren zur vsiiiiaitnuuny ukl o-iuye zu,»...,. � ob ein„Sympathiestreik" für die Knights stattfinden st ,.I( nicht; die Verhandlungen fanden in Terre Haute w> Indiana statt.. Spaltenlange Berichte wurden täglich von den Waller' die Aussichten für und wider gebracht; es hieß, dap glieder des„Supreme Council's"(Name für die" sammlung der Beamten jener Organisationen,.welche(" einen Föderativverband befinden) hohe Aktenstöße � unte> Händen hätten, mit denen sie sich einen ganzen Tag emgel? allerlei Gerüchte über„private" Aussagen einzelner äu ö... dieses Komitees mußten ebenfalls zur Füllung d« o* dienen, und schließlich wird, unter einem Wust schöner sj, bezeugungs-Phrasen, der Beschluß verkündet, daß ein SM? � streik nicht stattfinden könne, weil ein Paragraph des u. � kommens zwischen den zur Föderation gehörigen OrgaM! einen solchen nur für eine der letzteren zulasse. Und um das festzustellen, werden die großen Reise- kosten für ein halbes Dutzend Beamte gemacht und das ,, stf., eine ganze Woche sozusagen zum Narren gehalten.— Jetzt% nachträglich, daß der Exekutivbeamte der Heizer-Union, schon in New-Iork das Resultat �vorausgesagt habe;�«�� auch mit dem ersten Bericht, nachdem Sargent eine geHerme ,, redung mit dem Bahndirektor Webb gehabt; doch wurde« darauf das direkte Gegentheil berichtet._.... t.: Es ist unter solchen Umständen erklärlich, daß Gerumt tauchen, wonach sowohl Sargent wie das ExekutivmrtgU'�,. Weichensteller-Organisation, Sweeney, mit dem angef»� Passus des Statuts hier hinter dem Berge gehaltei die Bahnverwaltung zu animiren, es sich„etwas■> zu lasten", um die Beiden zu einer Entscheidung fb die Knights zu veranlassen.— Bei dieser Geleg- wird auch eine alte Geschichte ähnlicher getischt; ein früheres hervorragendes Mitglied des y � der K. o. L. Namens Barry erinnert nämlich daran, � ihm bei dem großen Streik an den Eisenbahnen des Suon. eine gewisse Person in New-Iork 100 000 Dollars dafür 4 � habe, daß er ihm mittheile, wenn der Streik beigelegt st>, j, so viel heißen will, daß B. diese Summe verdienen könne,. er die Beilegung herbeiführe. Er habe dies abgelehnt, Tags sei aber Powderly nach New-Iork gereist, h?"*. j:: Unterredung mit der betreffenden Person gehabt und ewsti, ß darnach den berüchtigten Ukas erlassen, durch den der Sw ß beendet erklärt wurde.— Veranlassung, daß damals solcyf,>- schuldigung vielfach Glauben geschenkt wurde(was ja am ,, ersten Anstoß zu der Gründung separater Organisatlonv Eisenbahnarbeiter gab), hatte P. freilich mit jener durch» berechtigten und erklärlichen Handlungsweise genügend gff 1 Schuld aber, daß solche Dinge resp. Gerüchte überhaupt w sind, haben die„konservativen" Arbeiter selbst, welche st%. auf das verzichten, was andere Arbeiter in erster Lwit halten: das Selbstbestimmungsrecht in allen wichtigen heiten. Eine Lehre haben sie aus den damaligen Vorkomr»� nicht gezogen; auch in den neuen Organisationen ist""aä nicht gezogen; auch cn den neuen Organyationen tst scheidung in den wichtigsten Dingen einigen wenigen fffU in die Hand gegeben.— Ueber die Entlassung der Ordsl. f glieder seitens der Bahnverwaltung hieß es erst, dieses erfolgt, weil die Knights gemeinsame Sache mit den ü.%, machen, welche eine Regelung im Frachtwesen«Pj« i sationen fvlution Kcrtrac »erde.' verwiese Staates » Arbeiter Wirte Leute ii Tina e, die Ver sind nic Präside Kreatur sinnen, letztere Kleinbü bieten nicht °n de Macher rirte. u M ZU vahn, r klnf an B M Kollege DoUIoir Gere Di Skw-I ragendl womit, ' ringele Streiks I>e seh, Z' Albri Als vc darnach wurde aber auch gesagt, daß mehrere der geinapv. Mitglieder des Ordens zu einem Komitee gehört hätten, h! bei den Legislatur- Mitgliedern des Staates New-Iork vez der Schaffung eines Gesetzes thätig war, das die Korpora � zur wöchentlichen Zahlung der Löhne verpflichte.(Für drefsA Unternehmer besteht ein solches Gesetz schon). Der BahNA■; Webb dagegen erklärte, die Leute seien wegen Trnnkenheu,� ordentlichem Betragen und dergleichen entlassen worden- � so größer ist die Entrüstung auch in Nichtarbeiter- Kreisen,� er eine bezügliche Untersuchung durch daS StaatsschiedKsi kurzer Hand zurückwies. Eine solche soll aber— wenns � ist— dennoch stattfinden; dem Staatsschiedsgerichl m J das gesetzliche Recht gegeben und kann dasselbe Zeugen voZ und so weiter. Der Präsident der Lokomotiv-Unron,. welcher von Powderly bezüglich des Verhaltens der Union Sä über den Streikenverl angezapft worden war, antwortete f, zwar nicht, erklärte aber ans eine— angebliche— Anfrage Mitgliedes der Union, daß letztere nur für sich selbst zn' p und sich um anderer Leute Sachen nicht zu kümmern hätst' V mit solchen antediluviänischeN Anschauungen stimmte die iL, Masse der Unionmitglieder überein! Da sieht's also noch f aus!— Dieser Präsident einer Arbeitervereinigung übrigens nicht nur werthvolle Grundstücke nebst.; erklecklichen* Kapitälchen in Besitz haben, sondern aNpL der New-Iorker Zentralbahn als Aktionär stark betheiligt st z Sowohl in der N.-I. Zentral-Labor-Union— welche»oij entral-Labor-Föderation kürzlich als nicht„bona fide" wganisation erklärt wurde— sowie in einigen anderen C'» Stellung nicht kannten. Auch sie hielt mich für einen Richter! „Ich haste üllcr Ihren Sohn, Madame, kein Urtheil zn fällen; im Gegentheil besteht meine Aufgabe als amtlicher Vcrtheidiger darin, ihn nach Möglichkeit vor dem Gerichte zu vertheidigeir und alle die Momente geltend zu machen, welche für seine Entlassung sprechen. Wenn ich nur die reiheit genommen habe, hierher zn komme», so geschah es, me um Ihre Hilfe hierbei zn bitten, und ich wage eS an die Gefühle der Mutterliebe und der Blntverwandtschaft zn appellircn. Ermöglichen Sie mir Madame, dem Un- glücklichen mit � freundlichem Trost zur Seite zn stehen, ihn dem freien Leben zurückzugeben. Gerhard ist leichtsinnig gewesen; noch fast ein Kind, war er in seinem erregbaren Charakter zu meit gegangen und hat schwer gefehlt; er hat dadurch vielleicht das, was die Menschen ein ruhiges, behagliches, gesetztes Leben nenne», ans immer verscherzt,— aber können Sie ihn deshalb erbarmungslos von sich weisen, verbannen? Wollen Sie ihm jede Hilfe versagen, ohne die er in Elend und Trübsal verkommen muß In den Augen der Mutter perlte eine Thräne, gegen die sie augenscheinlich kämpfte, bis sie auch im weinerlichen Ton die Frage herauspreßte: „Nnn. was können die Eltern für Gerhard thun?" Ich schilderte ihr nun in kurzen Zügen, welche Rolle in der Geschichte ihres Sohnes eine gewisse Schrödter, die Besitzerin eines Wirthshanses in Mitlau gespielt habe. Als ich auf das Medaillon zu sprechen kam, schlug die Frau in die Hände und lachte wild auf: „Hörst Du, Lothar, der unglückselige Bursche hat sein Medaillon verkauft; Du trägst das Deine an der. Nhr- kette. Diese Medaillons— ivandte sie sich wieder an mich,— sind thenrc Andenken. Mein Cousin, der Kanunerherr von Dornesogg, hat sie als Pathengeschenk ans Paris mitgebracht. Dornesogg gehört zu einem alten Adel und er war in nnsern Kreisen sehr geschätzt und geliebt... Und nnn hat der tolle Bursche auch dieses Andenken an den Kammer- Herrn verkauft! Nein, das ist doch wirklich unerhört!.. „Ich begreife gar nicht, liebe Mutter", fiel Lotbar ihr in's Wort,„weshalb Du Dich so sehr darüber wUt�j Gerhard hat ja immer viel Geld gebraucht. Er würde w nur ein Medaillon, sondern seine eigene Eltern haben, wenn er das gekonnt hätte, um mit seinen Gestv ein flottes Leben führen zu können. Ich habe ihn aw j vor seiner herrlichen Leistung im Städtchen'gesprochen-�- hat mir damals noch sein Medaillon gezeigt, das er kaufen wollte, wie er sagte, um eine Reise antrest können. So hat er es denn wirklich verkauft und oben- noch einen Spielgenossen um's Leben gebracht, um ihn' Baarschaft zn stehlen.. gl Zeitun wenig s Manu' ■ Vicht: gearbe stütz, Exen Autor d-rselb lehn den D Nachri , die B, noch Ptt(VU{ stütz, Autor drucle % un dein e . stwar «Kon, .begrü Üebril Satz oder dem l. O llägli kän>p Keter „Lothar!" wies halb schluchzend die Mutter den zurecht.„Ich bitte, rege Dich nicht so aus!" Wenn ich„och irgend welche Zweifel über die Würdigkeit der Aussagen Gerhards gehabt hätte, so; diese nunmehr nach diesen Worten seines Bruders von geschwunden sein. —„Herr Gerhard", sagte ich etwas strengen| hat jenen Menschen, den er in, Streit erschlagen,«'stj Wied K Lege, davc Tie ' llnti 5 15 '%si weis , Tin . vert feit ■ wäh fabx raubt. Das Geld, welches bei seiner Verhaftung stj'Ui gefunden wurde, war der Erlös jenes Medaillons.� glaube, wenn der Vater oder die Mutter mit dieser sich verständigen wollte--" x „Und was sonst noch?.. Wo denken Sie hin, rief die Herrin in eine», Tone, der nicht eben sanft S*1 z werden rann.„Ich sollte mich mit einer solchen t und sei es auch nur geschästsweisx, in eine NnterhaN, einlassen? Nein, nein, das ist doch etwas zu viel vew! i „Dann würde vielleicht Gerhards Vater diese, hegen und sieh zn diesen. Schritt entschließen können,, 9( ja dadurch der Wahrheit und Gerechtigkeit zn», Sn'ü verhelfen und den Sohn zu retten.", ,, ,, „Sie irren, Herr Doktor!" mischte sich jetzt Lotho � Gespräch und der junge Mann ging dabei hastig am( nieder.„Sie irren, der Vater wird diesen Selst1' j| allerwenigsten thnn, denn er will von Gerhard gar mehr wissen. Und dann.. uf Er stand still und sah erst auf seine Mutter. wieder ans mich. (Fortsetzung folgt.) ein Ea, sper solli für Cti and sa,r m wal lieh fall dar der cnd Ulli wil ab! Ca ge> wc wi L i" �"iau sich das kleine Späßcheil gemacht, eine Re- m.T", Zu beschließen, welche verlangt, daß der Charter iMrhl 0/e=.�"tralbahu annüllirt und dieselbe verstaatlicht wird dabei auf ein Vorkominniß aus früherer Zeit e.°;fL,eu' als in einem gleichen Falle der Gouverneur des * i?$orI die Bahnverwaltung vor sich zitirte, sie für Mmt,' erklärte, die Verhaftung aber auf eine» Tag hinaus- ktV um den Herren Zeit zu geben, sich mit den streikenden »nrtSt i Zu verständigen; was den» auch geschah. Dies pj.;.:. i"1 Jahre— 1852!— Es scheint, daß die guten ' te ln der C. L. 11., oder besser gesagt Diejenigen, welche das i er"n nehmen, keine blasse Ahnung davon haben, daß heute ü«h Ä* isse wesentlich anders, ja umgekehrt liegen. Heute m'?..u>cht nur die Herren Staatsgouverneure, sondern sogar der 0,21 sammt seinem Ministerium, die Nichter und Oberrichter k»...? der großen Geldhaifische, die sich Alles kaufen lcilf Q"<� die Majoritäten in den Legislaturen. Und wenn orF* auch hin und wieder durch das Drängen der Farmer, ..«nbürger und Arbeiter gezwungen sind, dem„Volke" etwas zu „iriu~ dem herrschenden Riesengeldsack wird deshalb doch m>t wehe gethan. Wir haben dies letzthin noch «/.dem verurtyeilten Zucker-Trust gesehen, mit dessen mchern der Oberstaatsannvalt in höchsteigener Person konfe- spü' um Mittel und Wege anszufinden, wie das betreffende Ge- Lh Z" umgehen sei!— Depew, der erste Direktor der Zentral- nn;'uAcher sich auf einer„Ferienreise" in Europa befindet, hat «I an ihn gerichtete telegraphische Anfragen geantwortet, er halte G'"cht für nöthig, seine Ferien zu unterbrechen; er kenne seine „°".°Zen— die übrigen Bahndirektoren— seit Jahren und habe vukouiinenes Vertrauen zu deren Vorsicht, Weisheit und «er.chtigkeit! Wie man doch Worte mißbrauchen kann! Die Lokomotivführer an einer Bahn im Südwesten Agathen vielleicht in dasselbe Dilemma, wie die Knights an der tew-I orker Zentralbahn. Es sind nämlich vier ihrer hervor- agendcn Mitglieder ohne ersichtlichen Grund entlassen worden, ®°imt, wie man glaubt, das Vorgehen gegen die O r g a n i s a t i on sjugeleitet ist. Da die Herren Lokomotivführer„prinzipiell" gegen Ro r? �ud(sie verdienen 5 Dollars täglich), so ist die Sache für m sehr unangenehm— wenn es nicht bei den vier bleibt! der deutschen sozialdemokratischen Partei berichten, in der nord amerikanischen Preffe vorfindet. Das Stärkste scheint uns aber doch folgende, einem amerikanischen Blatte wortgetreu entnommene Depesche zu leisten: „Eine neue Taktik? Berliner Janhagel gegen Sozialisten aufgeboten.— Er bekommt Haue. Berlin, 26. Aug. Nach Schluß der großen Volks Versammlung der Sozialdemokraten in der Friedrichshain Brauerei(wovon gestern berichtet) gab es stürmische Szenen. Die Versammlung zog sich bis nach Mitternacht hin. Außer- halb derselben hatte sich der Berliner Lumpenpöbel ange- sammelt und störte die Verhandlungen mehrmals, indem er Einlaß begehrte. Dies wurde ihm verweigert. Nach und nach wuchs der Mob so an, daß die Straßen in der Umgebung unpassirbar wurden. Man schätzt, daß gegen 10 000 der Rowdies zugegen waren. Die Polizei verhielt sich ihnen gegenüber ganz passiv. Als sie diese Stärke er- langt hatten, gingen sie zum Angriff über, brachen den Zaun ein und drangen in das Grundstück. Sie wurden jedoch von den Sozialisten warm empfangen und derart verhauen, daß sie die Flucht ergriffen. Jetzt erst mischte sich die Polizei ein. Reitende Polizisten ritten in die Massen hinein und wurden mit Steinwürfen empfangen. Die Polizisten zogen die Säbel und verletzten eine Anzahl Leute." Die Geschichte ist sehr heiter, hat aber auch eine ernste Seite. Die nordamerikanische Arbeiterpresse setzt nämlich mit wenigen Ausnahmen ihren Lesern diesen Blödsinn ebenfalls vor. Die neue Fronde. Die„Kölnische Zeitung" läßt sich ver sichern, daß nicht bloß die Großindustriellen von Neinkmd-West falen, sondern auch in Sachsen von einer„gewissen Verstim- mung" beherrscht seien, wenn man auch noch aus patriotischen Gründen möglichst lange mit öffentlichen Kundgebungen zurück- halten werde.— Es sind doch gute Leute und brave Patrioten. diese sächsischen Nationalliberalen, weiche dem Fürsten Bismarck nachtrauern. Italienischer Hvmbug. Herr Crispi, der italienische Minister Präsident, wcrd jetzt thatsächlich die soziale Fragl tue___—-v.-----—* �'~— g_ polikifthe Aoverfichf. Zu der famose» Kroschüre»»d Projekt ,,An die »�beiter Deutschlands" erhalten wir folgende Aufklärungen 2. l>or drei Wochen die Ankündigung der Broschüre in den Zeitungen erschien, hatte es damit seine volle Nichtigkeit, Wenigstens soweit es sich um das Projekt handelte, auch das -Manuskript war fertig und der Verfasser hatte den Plan für eine kecht wirksame Verbreitung seines Werkchens vortrefflich aus- gearbeitet. Nur eines fehlte noch, die staatliche Unter nützung zur Herstellung der halben Million �kemplare; und ohne Geld konnte doch der schaffensfreudige Autor sein Manuskript nicht drucken lassen!— Leider aber hatte berselbe seitens der Regierung einen„vorläufig ab •ahnenden" Bescheid erhalten, worauf der Autor dadurch an. �en Minister einen Druck auszuüben suchte, daß er der Presse die •üachncht zugehen ließ, der Welfenfonds habe seine Schleusen für - me Broschüre bereits geöffnet. Damit freilich hatte sich der Herr i.üRh mehr verrechnet, denn mm erfolgte schon wenige Tage darauf die definitive Ablehnung jeder Unter- st ü tz u n g aus staatlichen Mitteln. Nun blieb natürlich dem Alitor nichts anderes übrig, als sein Werk auf eigene Kosten drucken zu lassen; er kürzte dasselbe mit einigen starken Strichen �und ließ den Rest als kleines Flugblatt zusammenstellen, von d«n er vorläufig einige Abzüge an die hiesige Preffe versandte. owar hatte er allerdings noch schnell mit zwei Freunden eine Kommission für die Verbreitung sozialpolitischer Flugschriften" .�gründet, deren Statuten die Polizei auch genehmigte.— Im übrigen wartet der Herr den Erfolg seines„Aufrufes" ab; der ist stehen geblieben, und wenn sich jetzt der Welfenfonds "der ein anderer bemittelter Gönner bereit findet, so können von d°'» Aufruf noch die 500 000 Abzüge hergestellt und am �- Oktober vor den Fabriken vertheilt werden. Und mit so Abglichen Spekulationen will man die Sozialdemokratie be- «Upfen! An dem Parteitag?» Kalle werden auch mehrere Ver- "iter der österreichischen Sozialdemokratie als Gäste theilnehmeu Die Körfenberichte der Zeitungr» veröffentlichen wieder Geschäftsabschlüsse von Slktiengesellschaften über das "bgelanfenc Geschäftsjahr, die recht respektable Eutbehrungs- ■«hne für die armen Konponabschncider nachweisen. Tie � i s m a r ck h ü t t e hatte einen Gewinn von 871 920,24 M. Legen 444 948,39 M. im Vorjahre und vertheilt infolge «'von diesmal 18» pCt. Dividende gegen 14 im Vorjahre. Die Dortmunder Union hat nach Abzug der General- Unkosten und Zinsen einen verfügbaren Ueberschusi von % 159 209 M. erzielt und vcrthcilt nach sehr bedeutenden Abschreibungen in Höhe von 2 800 000 M. und der Neber- Weisung von 700 000 M. an den Reservefonds noch Dividende von 4 pCt. Die Aktien-Zuckerfabrik Neu wer k �Uheilt 12 pCt.. die Aktiengesellschaft für Pappen- labrikatiou zu Berlin 7 pCt. Dividende, dagegen gc- wahren die Hagener Gußstahlwerke 10 pCt., die Oel- '"brik Besigheim 6 pCt. .. Di- Sammlimac». welche jetzt von gewisser Seite für Ji" Bismarckdenkmal gemacht werden, rufen uns die früheren Sammlungen für einen Bismarckfonds oder eine Bismarck- pende in's Gcdächtniß zurück. Ter faniose.Ottopfc.lnig" wllte, nach Meinung der nieisten Veranstalter und Geber, w. irgend ein Denkmal, oder irgend e.ne gemeinnützige �l'stnng verwandt werden. Bekanntlich kam die Sache aber anders. Fürst Bismarck ließ sich den gropten Thell der ge- W'imelten Gelder zu seinem persönlichen Bortheil schenken, '"'d bestimmte den Ueberrcst für eine von ihm zu ver- waltende Stiftung, ans welcher verdiente Patrioten, namcut- j'rt) Lehrer, für ihre patriotischen Leistungen belohnt werden MMZKN �-eiträn». ..... I.......... I 'llioe iene!I waren bekanntlich keine ganz frei- übbä,*; Beamten, fArbeiter, nnd sonstigen Personen in trgos� Len Stelliingen wurde die Entrichtling eines Be- ge»>a�w,ssermaßen amtlich, oder halbamtlich zur Pflicht ~~"Ul so mehr Recht hat das Pnblikiim, auf Ab- "3 zu dringen. w'r wie—„gekabelt". Schon einige Make haben 'iilUt nnl blühenden Unsinn gegeben, der sich in an Kabel-Telegrammen. die über Vorgänge innerhalb lösen, nnd zwar genau nach den Grundsätzen L'assalse Dies ist die frohe Botschaft, ivelche heute von den ininisteriellen Blättern verkündet wird. Der Thatbestand ist hierbei folgender: Die Regierung hat die Absendung eines Zirkulars an alle staatlichen und kommunalen Behörden beschlossen, in welckeni diese aufgefordert werden sollen, bei jeder Vergebung öffentlicher Ar beiten die Produktiv-Genossenschaften der Ar b e i t e i als B e>v e r b e r z n z u l a s s e n u n o l h n e n v o den Privat-Un kern eh mern den Vorzug zugeben. Es sollen dazu genaue Normen aufgestellt werden, welchen dinanngen die Genossenschaften zu genügen haben, um in dieser Weise vom Staat Arbeiten und Aufträge zu erhalten. Des- gleichen sollen alle sm Aus lande angestellten diplomatischen nnd konsularen Vertreter Italiens dazu angehalten werden, diesen italienischen Arbeiter- Assoziationen auch iin Aus lande Aufträge zu verschaffen. Das Beispiel hierzu ist bereits in Griechenland gegeben, wo Herr Crispi mit der ganzen Macht seines staatlichen Einflusses für die in Rom bestehenden Genossenschaften die Aus- sührung bedeutender Arbeiten in Thessalien zu verlanaen sucht. Dieser Fall ist deshalb zu erwähnen, weil in derselben Weise sehr bald auch in Deutschland bei größeren Erdarbeiten und Kanalbauten die italienischen Arbeiterassoziationen als Bewerber auftreten dürfen. In Griechenland also hatte die Kammer eine Vorlage angenommen, nach welcher in Thessalien mehrere Sümpfe trocken gelegt nnd zivei Flüsse kanalisirt werden sollen, deren Kosten auf beinahe fünf Millionen Franks(4 Millionen Mark) berechnet ivurden. Bei der Subskription ivurde die Ausführung der Arbeit einem Unternehmer in Thessalien, Namens Stamatopulos, für 4Vs Millionen Franks übertragen. An demselben Tage aber, wo diese Entscheidung getroffen wurde, erschien in Athen ein i t a l i e>i i s ckz e r Ingenieur, Namens M a r k u s e, und verlangte unter dem Beistand des dortigen italienischen Gesandten ebenfalls znr Submission für die hydraulischen Werke in Thessalien zu- gelassen zu werde». Man wies ihn zuerst ab, aber er lief immer wieder zu den verschiedenen Ministerien, erzeigtelangeEmpfehlniigs- schreiben Crispi's und erbot sich schließlich, die Herstellung der gestimmten Arbeiten für SVa Millionen zu übernehmen! Dieser Herr Marluse aber war Niemand anders als der Beauf- lragte der Prödüttivgenossenschaft der Erdarbeiter in Nom, der direkt von der Regierung nach Athen geschickt war, um dort die -Arbeite» i» Thessalien für diese Genossenschaft zu gewinnen. Dem griechischen Ministerpräsidenten, der als ein großer Rechen- känstler gerühmt wird, leuchtete auch in der Thai diese in Aus- ficht gestellte Ersparniß von einer Million Franks ein, und, ob- gleich sich in ganz Griechenland ein Sturm der Entrüstung dagegen erhob, erklärte er die Uebertragling der Arbeiten an Herrn Stamatopulos für nngiltig und schrieb eine neue Submission ans, nachdem er selbst die Arbeiten für den Preis von 8V: Mill. hatte veranschlagen lassen. Bis jetzt ist die Sache zwar noch nicht entschieden, aber es ist klar, daß kein griechischer Unternehmer die Arbeit für diese Summe leisten kann, und daß deshalb die ita- lienische Genossenschast den Zuschlag erhält; Erispi aber wird dann den-Arbeitern Italiens trmmpyire»d zeigen können, was er 'ür sie gethan hat. Das Ganze läuft natürlich auf ein Wahlmanöver hinaus, welches seinen Höhepunkt in der Verherrlichung des '"enossenschafts wesens finden wird, welche in Gestalt der sogenannten A r b e i t e r- A n s st e l l u n g(der ESposizione Operaia) in Turin vor sich gehen soll. Diese Allsstellung wird am 20. oder 23. September eröffnet werden und ein Bild alles dessen geben, was bisher in Italien auf dem Gebiete der Selbst hilft und Sraatshilfe für Ardeiter geschehen ist. Alle„arbeiter- sreundlichen" Fabrikbesitzer nnd Industriellen sollen ihre Arbeiter- Wohlfahrtseinrichtungeu vorführen, alle Genossenschaften sollen ihre Statuten inid Nechenschaft-berichte einsenden, alle städtischen Gemeinden, die bisher etwas für die-Arbeiter gethan haben, sollen Modelle der Asyle, der Arbeiterhäuser nnd ähnlicher Ein- richtilnge» der Oeffentlichkeit zeige». Zugleich sollen von allen Genossciischaste» Kommissionen entsandt und ein allgemeiner italienischer Arbeiter- und Genoffenschaststag abgehalten iverden. An der Spitze des Sllisstellilngskomitee's steht ein regienliigs- renndlicher Abgeordneter, nnd auch viele andere Vertreter der bürgerlichen Parteien haben ihr Erscheinen zu diesem Kongreß zugesagt. Es ist auch bereits verkündet ivörden, daß jener Mmislerialerlaß betreffend die Zulaffung der Prodliktivgenossen- schasten zu den öffentlichen-Arbeiten am Tage der Eröffnnng dieser Ardeiter-AuSstellung bekannt gegeben werden soll. Vielleicht entschließt sich Herr Crispi auch noch, einigej verhungerte Prole- tarier aus der Provinz mit auszustellen. Lassalleanische Grund- ätze haben mit diesem großartig organisirten Schn-indel natürlich nichts geuicin. Wie die Koiisnmente» gefchore» werde». Die deutschen Eisenwerke«ordern» seitdem die Berivaltnng in Elberfeld den Preis von 152'/* M. pro Tonne Stahlschicuen zllrückgewicscii hat, bei de» Verdingnugen durchweg rund 145 M. Angebote ans England, Belgien lind Frankreich, wo Schienen gegenwärtig erheblich billiger sind, lauseu nicht ein. Es wird nun dehauptei, daß die deutschen Fabrikanten den fremden Werken für ihr Fortbleiben eine bestimmte Abgabe von jeder Tonne entrichten; indeß ist das noch nicht beweiskräftig konstatirt. Noch auffallender ist folgendes: In derselben Zeit, in welcher den deutschen Eisenbahn- Verwaltungen 143 M. pro Tonne abgenomme» werde», hat der Bochumer Gußstahlverein in Rumänien 11 000 Tonnen Stahl- 'chienen pro 128,80 Irls, frei Galatz angedoten nnd ist Miudest- ordernder geblieben. Nach der„Hamb. Börl.-H." betragt die Fracht von Bochum nach Galatz etwa 25 M.,"so daß sich der Preis ab Werk rund 80 M. stellt. Oder: die deutschen Eisen- industrielleu nehmen für dieselbe Waare, die sie den Rumänen zu 80 M. verkaufen, den deutschen Eisenbahnverivaltiingen 145 M. ab, also 65 M. mehr i— So äußert sich der Patriotismus der Bourgeoisie! ch öffentliche Schankwirtlffchafte» zeitweise auch ganz zu schließen, hat das Oberverwaltungsgericht die Polizeibehörden für berechtigt erklärt auf Grund des berühmten§ 10, Theil 2, Titel 17 des Allgem. Landrechts, aus welchem seit neuerer Zeit bekannt- lich auch die weitgehendsten Befugnisse der Polizeibehörden her- geleitet werden. In diesem Paragraphen wird es allgemein als ein„Amt der Polizei bezeichnet, Aiistalten zu treffen, um die öffentliche Ordnung, Ruhe und Sicherheit ausrecht zu erhalten und Gefahren von dem Publikum wie dem Einzelnen abzuwen- den." Die Entscheidung betrifft Maßnahmen des Landraths zu Waldenburg in den Tagen des vorjährigen Arbeiter- Aus- standes. Die Leipziger Polizei hat, wie man uns mittheilt, das Gewerkschaftskartell bereits unter ihre väterliche Fürsorge ge- nommen und es für einen politischen Verein erklärt. Damit ist den optimistischen Auffassungen derjenigen ein Ziel gesetzt, welche sich eingebildet hatten, die Leipziger Polizei wolle einmal zur Ad- wechseliing einen liberalen Anlauf nehmen. Thatsächlich ist das Gegentheil der Fall, und der 1. Oktober wird in Leipzig wie in ganz Sachsen ein beträchtlich vermehrtes Polizeiheer auf den Beinen finden. Nun, zum Glück sind die Sozialdemokraten so gut disziplinirt, daß der, von den nervösen Gesellschaftsstützen und-Rettern so sehr gefürchtete Tag ohne Ruhestörungen vorübergehen wird. Aus Sachse», den 8. September wird uns geschrieben: Das ungünstige Wetter der letzten Zeit, das nicht nur kolossalen Schaden durch die furchtbaren Elbüber- schwemmungen verursachte, hat auch der Ernte gewaltigen Eintrag gethan. Insbesondere ist in vielen TKeilen des Landes auch die Kartoffelernte, von deren Ausfall im Erz- gebirge und in der Lausitz soviel Wohl und Wehe der Ar- beiterfamilien abhängt, stark in Frage gestellt. Die Knollen 'ind sehr wässerig und nicht selten ungenießbar, auch zeigt sich die Fäule. Zu diesein Uebel, das für unsere arme Ar- beiterbevölkerung ein sehr großes ist, gesellt sich die immer iveiter um sich greifende G e s ch ä f t s st o ck u u g. Nament- lich sind es die Spinnereien und mechanischen Webereien, die schiver darunter leiden. In der Abtheilung für mechanische Webstühle in der Sächsischen Maschinenfabrik zn Chemnitz, früher Rich, Hartman», wird seit längerer Zeit nur halbe Tage gearbeitet. Auch in den Dresdener Pianofortcfabrikcn liegt die Arbeit sehr darnieder, und nur ein kleiner Theil der sonst beschäftigten Arbeiter ist mit Arbeit versehen. Viele andere Branchen klagen ebenfalls. In einer Menge der verschiedensten Fabriken sind Arbeiterentlassungen oder Verkürzung der Arbeltszeit wegen Mangel an Aufträgen an der Tagesordnung. Zu der Arbeitslosigkeit und dem mangelnden Verdienst kommt aber eine beständige Vertheuerung der Lebens- mittel und verschlimmert die Lage sehr bedenklich. Allem Anschein nach gehen wir einen» bösen Winter entgegen, denn es sind gar keine Aussichten vorhanden, daß die wirth- schaftliche Lage sich bessert, wohl aber wird sie sich noch«r- heblich verschlechtern. GvoßbvHrtttnie«. Im Hafen von Southampton, wo gegenwärtig ein Dockarbeiter st reik ausgebrochen ist, scheint es zu Unruhen gekommen zu sein. Es liegt darüber zunächst der einseitige Be- rieht des„W. T.-B." vor: S o u t h a in p t o n, 9. September. Die streikenden Dockarbeiter verursachten heute Abend große Ruhestörungen, indem sie die Nichtnnionisten angriffen und jeden Berkehr mit den Docks ver- hinderten. Da die Polizei sich gänzlich machtlos erwies, so wurde ihr ein halbes Bataillon Infanterie aus Portsmouth zu Hilfe ge- sandt. Die Soldaten wendeten, um die Ansammlungen-der Streikenden zu zerstreuen, zunächst eine Feuerspritze an, ivurden aber von den Arbeitern mit Steinen beworfen, worauf alsdann mehrere Bajonetangriffe gemacht und dabei mehrere Personen verivundet wurden. Außerdem wurden 1 Lieutenant und zwei Soldaten durch Steinwürse schwer verletzt." London, 8. September. In seiner Schlußsitzung faßte, wie nachträglich mitgetheilt wurde, der Geiverkvereins-Kongreß in Liverpool Resolutionen zu Gunsten einer sofortigen Organisation der landwirthschaftlichen Arbeiter, der Boykottirnng aller non nichtunionistischen Handwerkern verfertigten Waaren, der Aus- chließung der Berichterstatter solcher Zeitungen von den Kongreß- Verhandlungen, welche Nichtunionisten als Setzer».beschäftigen, einer Vermehrung der Zahl der Bergwerks-Jnspektoren und einer Abänderung des Handelsschifffahrtsgcsetzes, dahingehend, daß die Mitwirkung von Matrose» an der Löschung der Ladung ihrer Schiffe ungesetzlich sein solle. Dänemark. Kopenhagen, 9. Septbr. Bei den Wahlmännerwahleii zum Landsthing siegte in fünf Kreisen die Rechte, in vier Kreisen die Opposition und wird darnach Kopenhagen im Landsthing voraussichtlich durch vier von der Rechten, zwei Sozialdemokraten »nd einen von der Linken verlreten sein, gegen sieben von der Rechten im bisherigen Landsthing. In den übrigen Städten hat, oweit bisher bekannt, die Rechte gesiegt. Fr an streich.. St. E t i e n n e, 10. September. Erregte Kundgebungen bei dem Begräbnisse der Bergleute, die infolge ihrer bei der Explosion erhaltenen Btrwnndimgen gestorben sind, iverden erwartet. Be- zeichnend für den Grad der Aufregnng, die sich der Bevölkerung bemächtigt hat, ist es, daß eine große Zahl von Frauen und Kindern während der ganzen Nacht vor der Einfahrt zur Grube stand und auf das Hinausschaffen von 150 Leichen wartete. die einem falschen, aber hartnäckig geglaubte» Gerüchte gemäß in der Grube verschüttet sein sollen. Daistattlättder. Ueber die Bestrebungen und Kämpfe der rumänischen Genossen schreibt Lionstantin Mills in der Wiener„Arbeiter- Zeitiing": „In einigen Wochen.iverden in ganz Runlänien die Kom- mnnalwahlen stattfinden. Die Bukarester Arbeiterpartei hat sich ans Werk gemacht und lebhast für diese Wahlen propagirt. Das konnte der Regierung, für welche der B»karester Gemeinderaih 'ehr viel bedeutet und den sie nicht verlieren darf, will sie nicht elbst an Kraft verlieren, nicht gefallen. Unfähig uns durch eine Gegenagltation zu bekämpfen, entschloß sie sich, mit Hilfe der Polizei die Arbeiter zn„beruhigen". Zu diesem Zivecke hatte nun die Polize, eine Bande JuVividueu aufgenommen, sie mit Knütteln ausgerüstet imd sie in die Arbeiterversammlungen ac- schickt, um die friedlich versammelten Leute zu mißhandeln und durch Terrorisnius das Versammlungsrecht illusorisch zu machen. Die Leute aber sind feige wie ihre Auftraggeber,„nd trauen sich uns nur in kleinen Versammlungen anzugreife», wo sie uns an Zahl überlegen sind. Im Lause der letzten Wochen sind wir weimal von ihnen angegriffen. In einer der ammlnngen ivurden ihnen angegriffen. In einer der letzten Ver- urden 20 Arbeiter von diesen Pseudo-Polizisten auf das schwerste von ihnen mißhandelt. Das Lokal, dessen Eigenthümer Einer der Unsrigen ist, wurde zerstört nnd ansgeplündert; damit nicht genug, wurden die miß- handelten Arbeiter auf die Polizei geschleppt und elligesperrt, während die Ruhestörer srei ausgingen. Diese Heldenthat der Polizei hat aber das Gegentheil von dem bewirkt, was sie bewirken sollte; unsere Freunde wurden um io eisriger und die Propaganda eine um so lebhaftere. Die Polizei, wüthend über ihren Mißerfolg, griff jetzt zu einem an- deren Mittel. Dienstag, den 20. August d. I., brachen 10 mit Knütteln bewaffnete Individuen in das Redaktionslokal unseres Blattes „Munca."(„Die Arbeit") ein, in ivelchem außer dem Redakteur, Genossen Muschoni, nur noch zwei Arbeiter zugegen waren und mißhandelten diele auf bestialische Weise. Um das Maß von Feigheit voll zu machen, versperrten die Polizisten gleich nach dem Eindringen der„Batanschi" in das Redaktionslokal die Thüre desselben von außen, so daß Niemand den mißhandelten und verzweifelt nach Hilfe rufenden Freunden zu Hilfe kommen konnte. Nachdem die.„Batanschi". unsere Freunde auf die bestialischeste Weise mißhandelt hatten, suchten sie das Weite und um Platze verblieb nur die um Ruhe und Ordnung besorgte offizielle Polizei. Sie schleppte unsere Genossen an den Haaren zur Polizei. Hier angelangt, mußte Genosse Muschoni sich aufs Neue mißhandeln lassen, und zwar von dem Lieutenant Pariano, einem rohen Menschen, der Chef der geheimen Polizei ist. Die andern Zwei wurden gleich entlassen, während Genssse Muschoni sich noch immer in Haft befindet und auf eine unerhört brutale Weise behandelt wird. Die unabhängige bürgerliche Presse ist entrüstet über die Handlungsweise der Polizei. Die Bukarester Journalisten haben Protest erhoben gegen diesen geineinen Vorgang, denn allgemein herrscht die Ueberzeugung, daß die Polizei es ist, welche den Einbruch in das Redaktionslokal unseres Blattes provozirt hat. Diese Thatsachen sprechen für sich selbst und zeigen, wie wir gegen die Bourgeoisie zu kämpfen haben, die unsere gesetzliche und friedliche Propaganda mit„schlagenden Argumenten" beant- wortet. In ihrer Dummheit begreift die Regierung nicht, daß diese infamen Verfolgungen nur zu unserem Vortheil umschlagen müssen, denn dadurch erwerben wir die Sympathien aller anständigen Leute. Was die Arbeiter anbetrifft, so ist das die beste Lehre für sie, daß die Bourgeosie ihr Feind ist, denn sie mißhandelt sie, wenn sie(die Arbeiter) nur ihr Haupt zu erheben wagt» neben den Pflichten auch Rechte haben wollen., Bei den Wahlen im November werden die rmna« � Arbeiter der Regierung die gehörige Antwort nicht M bleiben. Trotz alledem marschiren wir muthig vorwärts! Amerika. Washington, 9. September. Der Senat nahm M?■ Lesung der Tarifbill ein Amendement an, welches den «e|ung oer"xantmu ein Ainenoemenr an, wercyes ucu i-'- � der Vereinigten Staaten ermächtigt, das Gesetz, betreten freie Einfuhr von Zucker, Melasse, Thee�und Häuten außer� zu setzen, wofern solche Artikel nicht aus Ländern stammen, den Vereinigten Staaten entsprechende Begünstigungen gew»»"�. Der Senat beschloß ferner, die Artikel der Bill in Betreu� Zuckerprämien am 1. März 1891 in Wirksamkeit zu unverzollten Zucker bis zum 1. Februar 1891 ohne Zol zur Raffinirung zuzulassen. Arb« G Theater. Donnerstag, den 11. S e p t b r. Gpernstittia. Sardanapal. Kchanspirlffans. Der Winkel- schreiber. Vorher: Ellen. Kcrliner Tlieatev. Othello. Deutsches Theater. Das Winter- märchen. Kesstug- Theater. Der Fall Ele- menceau. Friedrich-Milhrlmstädt. Theater. Die Puppcnfee. Vorher: Leichte Kavallerie. Wallurr- Theater. Mamsell Ni- touche. Viktoria- Theater. Die Million, öder: Vivnt Imperator. Nestdenz-Theater. Marquisc. Kellealliaure-Thrater. Der Dorf- teufel. Ostend- Theater. Der arme Jonathan. troll'« Theater. Der Troubadour. homao-Theater. Der Alpenkönig und der Menschenfeind. Adolph Grust-Theater. Unsere -Don Juans. Kaufmantt's Uaridtö. Große Spe. zialitäten-Vorstellung. Theater der Reichshallen. Große Spezialitäten-Vorstellung. Eoncordia. Große Spezialitäten- Vorstellung. Wintergarten. Große Spezialitäten- Vorstellung. Gedr. Richter's Uariötö. Große Spezialitäten-Vorstellung. Englischer Gfarten. Direktion: C. Ancii-ess, Alexanderstraße 27 c. Austreten der Chansonnette Fräulein Ehrenfeld. Austreten der Kostüm-Soubrette Fräul. Rosa Valerie. Auftreten des Gesangshumoristen Herrn Ziegler. Auftreten des Malabaristen und Equi- lcbristen Mr. Charles. Auftreten des Professors Herrn Jean Clermont mit seinen dressirle» Schweinen, Esel und Gänsen. Anfang Wochentags 8 Uhr. Sonntags öVe Uhr. Entree Wochentags u. Sonntags 30 Pf. 60 Pf. und 75 Pf., im Vorverkauf 20 und 30 Pf. Der Garten ist an Vereine f. Sommer- festlichkeitenm.Spezialitäten-Vorstellung zu vergeben._ Freie Berchgeilchll VereichlW der Seifeilsieder\\ü Drvltns und Umgegend. MWtt-wstmlm Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn Wilh. Werner über: Arbeiterorganisationen und Unternehmervcrbände. 2. Diskussion. 3. Eni- richtung der Monatsbeiträge, Aufnahme neuer Mitglieder, Umtausch der Bibliotheksbücher. 4. Rsvisorenwahl. 5. Verschiedenes. 1724 Die Mitglieder werden ersucht, recht zahlreich in der Versammlung zu erscheinen, und ist es Pflicht eines jeden noch fernstehenden Kollegen, sich der Organisation anzuschließen. Gäste sind willkommen. Oer Vorstand. Cogsemek. Arbeiterverein für Göpenick und Umgegend. Konnadend, de» Iii. Keptdr., Abends 8 Uhr, im„Kaiserhof": ¥ei*saBfimiung. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Herrn Th. Glocke über: Unser Programm. 2. Dis 3, Aufnahme von Mitgliedern. 4. Verschiedenes. kussion. Gäste stnd willkommen. Der Vorstand. 1730 Große Uersammwng des sozillldmokrlltislijen Wahlliereins sörMw-ChdotteiiliiirK Donnerstag, den 11. September 1890, Abends 8 Uhr, in der Gose-Krauerei, Wallstraße 49. Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn Max B a g i n s k i. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Gäste haben Zutritt. Um recht zahlreichen Besuch bittet 1731 Oer Vorstand. Der„Süddentsche VostiMon� ristisch- satiirisches Arbeitcrblatt. Alleiniger Vertreter si! 1347 humoristisch- satiirisches Arbeitcrblatt. Alleiniger ai,1"iarw" R. Kohlhardt für Berlin Mariannenstraße 34. Anker- Cichorien von 2185 Mblipmlt Buggenhagen am Moritrplatz. Täglich: Grosses Carten-Concert. Direktion A. Uödmann. Dienstag und Freitag: Walzer-Abend. Fnii'/ia Wochentags 10 Flg., fillll ct5 gönn- und Festtags 25 Flg. Bei ungünstiger Witterung in den unteren Restaurationsräumen. Großer Frühstücks- und Mittagstisch. Spezial-AuLschank von Patzenhofer Export-Bier, Seidel 15 Pf. Die oberen Säle bleiben bis auf Weiteres wegen Renovkrung geschloffen. 641 F. Müller. Dommerich& Co. tu Mogdeburg-Kuckan. Anker-Cichorien ist rein. I Ankrr-Cichorien ist bekömmlich. AnKcr-Cichorien ist mild bitter. Ankrr-Cichorien ist ergiebig. Anker-Cichorie» ist trocken.| Ankrr-Cichorirn ist würzig. Dlnksv- Eidiorion st überhaupt der beste Kaffee-Zusatz und wesentlich vorzuziehen den vielen andere», unter der nicht berechtigten Bezeichnung„Kaffee" im Verkehr befind- lichen Eichorien-Sorten. Anker-Cichorie» ist in 125 g Packeten zu 10 Pfg und in 230 g Büchsen zu 20 Pfg. in den meisten Waarcnhandlungen zu haben iKrailveilHeBiersillllen 1W Kommandantoustr. 77—79. Täglich: Grosses Goncert mit Gnartett-Känger», ausgeführt von dem Musik- Direktor H. S a n f t l e b e n. Wochentags: Frei-Concert. Sonntags Entree 20 Pf. Empfehle auch zugleich 8 Billards, 3 Kegelbahnen und einen Saal zu Ver- gnügungen und Versammlungen. 703 F. Sodtke. Paffage 1 Tr. 9 Nhr M. b. 10 Uhr Ab. Kaiser-Panorama. 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Die Ehrenbeleidigung gegen Herrn Marscheider nehme ich zurück. 1735 W. Renner. Coldwaaren» Auktion! Donnerstag, den 11. er., sowie Freitag und Sonnabend, Vorm. 10—1 und 4—7 Uhr versteigere ich Chausseestr. 2 E(Oranienburger Thor) die Ltestbest. verschied. Engros- Lager in gold. und silb. Herren- und Damenuhren, Armbänder, Brosches, Seiten, Medaillons, Einsegnungskrouze, Colliers, Corallen und Granatwaaren öffentlich meistbietend. 1702 H. Heise, Aukt. u. Tax. Zwei Vereinszimmer, 1 für 15, 1 für 25 Pers., auch können Kassen Zahlstell. einrichte» bei Pohl, Chausseestr. 41. Zum Quartalswechsel empfiehlt sich den Parteigenossen zur Ausführung von Zimmer- u. Schilder- malerei, sowie Laden- Einrichtungen, Küchenmöbel jc. aufzuarbeiten.[1725 H. Schmidt, Maler, Memelerstraße 66, 1 Tr. am hiesigen Platze bekanntlich Grösste Auswahl. ©nrnntirt stdjcr brennende SdSr Tabake."URB Streng reelle Bedienung, billigste Preise! Sämmtliche im Handel befindlichen Rohtabake sind am 1653 Lager. A. 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Druck und Verlag von Mar Sading in Berlin SW„ Beuthstraße 2. Kirr«» eine Krilagt' �'sel w«« 'M [n dM eilage zum Berliner B Nr. Sil. a ettessd« Donnerstag» den 11. September 1890. Jahrg. Arbeiterschuh- Einrichtungen des Gemeinderathes von Paris» ber welche wir unseren Lesern schon öfter Mittheilungen gemacht, Wren im dritten Jahresbericht des leitenden Ausschusses des schweizerischen Arbeiterbundes" und des„Schweizerischen Ar uersekretariats" eine treffliche Beleuchtung. Für unsere Leser besonders rnteressanl dürfte die Mittheilung die Art sein, wie der Gemeindcrath die Arbeitsbedingungen iwhlifchen Bauten geregelt hat. i«v- se Regelung ist zurückzuführen aus einen am 30. Januar von Vaillant gestellten Antrag: l. Bei allen städtischen Arbeiten wird die tägliche Arbeits- Zeit auf acht Stunden herabgesetzt imd die Unterakkorde werden gemäß dem Dekret von 1848 verboten. ■ 2. Bei allen städtischen Zlrbeiten wird die amtliche Lohnliste streng angeivendet. . 3. Alle für die öffentliche Gesundheit und die Entwickelnng der Stadt Paris nölhigen Arbeite» werden sofort be- � gönne». v Ter Antrag, bezw. die Punkte 1 und 2 desselben wurden o,., koonfalls auf Anregung Vaillant's geschaffenen Kommission der m Pariser Geineiuderalhs zur Aorberathung überwiesen. >" Bericht derselben lautete im Wesentlichen im Sinne des An- . ogstellers, fand aber natürlich heftige Bekämpfung von Seiten gF kapilalistischen Vertreter im Gcmeinderalh, die ini «Minen der„Freiheit der Arbeit" Ucbergaug zur Tagesordnung Erlangten. Im späteren Verlauf der Verhandlungen, als v;1 Temeinderath einen Konipromißantrag angenommen hatte, iJ. Wenigstens den neunstündigen Normalsarbeitstag enthielt, "lchte sich auch die Stantsrcgierung in die Sache ein und "Nullirte alle Beschlüsse des Gemeinderaths, soiveit sie die An- »°nd«ng.der Lohnliste, das Pflichtenhest für die Bauunternehmer ö die Ausführung der Zlrbeiten in Regie betrafen. i i.er Gemeindcrath aber ließ sich nicht einschüchtern und nicht we machen. Die Arbeiterkorporationcn der Baugewerbe standen p seiner Seite; eine große Versammlung derselbe» nahm ein- unnnig eine gtesolution an, in ivclcher Zustimmung zu den t»i,„Schlüssen des Gemeinderaths ausgesprochen und dieser aus- llee � fordert wurde, an denselben festzuhalten. � So kam endlich ain 2. Mai 1888 ein definitiv giltiger Be- Muß z« Stande, nach welchem die Arbeitsbedingungen der Gotischen Arbeiter folgender Regelung unterworfen ivnrden: .,„Die Anstellung von Unternkkordantcn irgend welcher Artist �drücklich verboten. , Die bei den städtischen Arbeiten beschäftigten Arbeiter müssen W direkte Rechnung der Arbeitsübernchmer ohne irgend einen Zwischenträger beschäftigt werden. •, Tie normale Dauer des Arbeitstages darf neun Stunden Wlicher Arbeit nicht übersteigen, und es ist ein Ruhetag in der � einzuhalten. ,„Wenn die Arbeit im Tag- oder Stundenlohn gemacht wird, J,'st der Unternehiner gehalten, dem Arbeiter in jeder Abthei- HDP ol!? �os Berufes den obligatorische» Minimalpreis der Lohnliste � Abzug zu bezahlen. Wenn die Arbeit auf Stück gemacht wird, so richtet sich die .-„ihöhe nach den Grundpreisen, welche in den Spezialansätzen �Lohnliste angeführt sind; finden sich für eine bestimmte ..weit keine Spezialansätze, so ist der Lohn derart anzusetzen, daß .dem Arbeiter den obligatorischen Atinimal- Taglohn der Liste .Jstbzug sichert. ..„Der Arbeiter hat ein Anrecht ans die Zuschläge zu den °woh>,ljchen Preisen, die in der Lohnliste bezeichnet sind. unter Ausnahmezuständen oder in Nothfüllen der ätii!" e Ingenieur oder Architekt die Ermächtigung giebt, eine klickt außer den vorgeschriebenen Stunden auszuführen, so sind j. bewilligten Ueberstunden ain Tage um 25 pEt. höher und Preise- z�r Nachl zum doppelten des gewöhnlichen Stundenlohnes zu Dieselben Zuschläge finden auch Anwendung, wenn Arbeit in Ueberstunden geleistet wird. „i Ter Unternehmer darf für jede Arbeit nicht mehr als den M'w» Theil ausländischer Arteiter anstellen, bei Post- ��Kasernenbanten dürfen nur französische Arbeiter beschäftigt »>., Jede Zuwiderhandlung gegen die vorstehenden Bestim- C"8(n wird mit einer Buße von 10 Franks belegt, unbeschadet »-..allgemeinen und Spezialbedingnngen, welche den Entzug der nach sich ziehen." Genieinderath begnügt sich nicht damit, diese Bestim- bZaen auf dem Papier stehen zu haben, er wacht auch über strengster Einhaltung. Davon ein Beispiel: "Im November 1838 erhielt die genannte Kommisfion eine ..wwerde von der Gewerkschaft der Erd- und Fundament- bZ'lcr. daß beim Bau einer städtischen Schule die vorgeschric- ifi»". 73, ße. ftigi» r und .Ein' np tvbt % ifabrtl«' lsutt-r itnt. J w Berli» .33,� aystr.� iwstr.3� !' S Allee 7'». Ausiv« tz."enArbcirzbedinguiigen nicht eingehalten und dazu noch schlechte erkr.t�w�ten geliefert werden. Tie Angelegenheit wurde so, ort in Angelegenheit i der �snchnng gezogen, drei Delegirts der sich beschioerenden vlirden die m" �eniemtwrnth'und dieser beschloß am 15. März 1839, 1. On�.ewcrischaft bestätigte sich vollständig. Die Kommislion berichtete ?N sir. �rwaltnng einzuladen, daß sie den gefaßten Beschluffen „»Eltens Nachachtnng verschaffe. Gleichzeitig erneuerte der h,! l) s°'"en Beschluß, betreffend die Einsetzung von Arbeiter. IT w Sektoren, und nahm noch einen Antrag von Vaillant an, �busatzmabregeln vorzuschreiben. ||�»/SBie ArSprr NriiUnnt(INI 14. J�OOCNlbcr und da, ge- 1389 dem Arbeiter- 4� »lagt reform marschiren läßt, wollen die Gemeindeverwaltungen davon nichts wissen. Auch die Berliner Verwaltung hat sich ja bekannt- lich gegenüber den öfteren Vorschlägen der sozialdemokratischen Stadtverordneten und der Bauhandiverker-Korporationen, speziell der Maurer, betr. Feststellung von Arbeitsbedingungen bei städtischen Arbeiten, ablehnend verhalten. Und die kapitalistische Presse, voran Herr Fetisch mit seiner„Baugeiverks-Zeitung", hat für diese Vorschläge nur albernen Spott gehabt. Das wird anders werden, wenn die Arbeiter selbst in den Gemeindeverwaltungen werden mitzuwirken und ein entscheiden- des Wort zu sprechen haben. Klein. Singer. Zudeil. Htadtvrrord- September d. I., Vom Ztadivcvovdnctrn Uogtherr, mit Unterstützung aller übrigen sozialdemokratischen Stadtverordneten, ist bei der Stadtverordneten-Versaminlung folgender Antrag eingegangen: Am XI. August d. I. ist wiederum ein Einwohner unserer Stadt von einem Militär-Wa6)poste» aus unbe- deutender Veranlassung erschossen worden! Da durch die Möglichkeit solche» Vorgehens Leben und Gesundheit der Einwohnerschaft andauernder Gefahr ausgesetzt sind, wolle die Versammlung beschließen, den Magistrat zu ersuchen, mit ihr gemeinsam die zuständigen Militärbehörden auf- zufordern, schleunigst Vorkehrungen zu treffen, wonach der- artige, die Sicherheit der Bürgerschaft bedrohende Vor- koinmiiisse unmöglich gemacht werden! Vogtherr. Gnadt. Heindorf. Herzfeldt. Stadthagen. Tempel. Tutzauer. Togesordnmig für dir Sitzung der neteu-verl'amnillrug am Donnerstag, den II. Nachmittags 5 Uhr. Vorschläge des Ansschnsses für die Wahlen von unbesoldeten Gemeindebeamten— Vorlage, betr. die Vcr- leihung eines BenefiziumL der Wundcrlich-Stiftung— Wahl je eines Mitgliedes aus der Mitte der Versammlung in den Aus- schliß für Rcchunngösachen, in die Deputation siir Gesundheits- pflege, in die Straßenreinigungs-Deputation, in das Kuratorium für den Zentral-Viehhof und die Fleischschau-Aemter, in das Knratorinnl der Kaiser Wilhelm-Stistung und in die Waisen-Vcr- waltung— Wahl von zwei Mitgliedern in die Finanzdeputation — desgl. von zwei Vürgerdeputirten für das �luratorium der Handwerkerschule— Borlage, betr. die Herstellung eines Wasser siurzes im Vikloriapark und die Vergrößerung des Parkterrains. — Berichterstattung über den Protest gegen die Wahl des Re- dakteurS Dr. Bachler zilm Stadtverordneten— Vorlage, betr. die Feststellnng der Höhe der nach dem Ortsstatut von den Berpflich- teten für die Pstasterung und Unterhaltung neuer Straßen zu er- stattendeii, rcsp. zu tragenden Kosten für das Jahr 1890/91— desgl., betr. den Verkauf einer vor dem Grundstücke Bergman»- siraße 2 3 gelegenen Wegefläche— desgl., betr. das Projekt zum Neubau des Gasthauses auf dem städtischen Grundstücke des alte» Eicrhanses bei Treptow— Berichterstattung, betr. die Wahl der Beisitzer-Stellvertreter bei den bevorstehenden Stadtverordneten- Ersahivahlen, sowie eines stellvertretenden bürgerlichen Mitgliedes für die Ersatzkommission Ib— zwei UnterstützungSsachen. Vo» alle» Kvanlttzritsartc», welche bei der gesetzliche» Unfallversicherung in Betracht kommen, hat bisher keine so ver- schicdenartige Beurtheilung gefunden, als die Entstehung des Bruches durch den Unfall. In letzterer Zeit schien sich die große Mehrheit der ärztlichen Autoritäten immer mehr und mehr der Auffassung zuzuneigen, daß das Bruchleiden keineswegs plötzlich, also etwa unmittelbar infolge eines Unfalls entsteht, sondern, daß die Vorbedingungen für dieses Leiden augeboren sind. Das hatte für diejenigen, ivelche sich ein Bruchleiden infolge eines Unfalles zuzogen, im günstigsten Falle de» Nachtheil, daß nur eine geringere Verminderung der Erwerbssähigkeit angenommen wurde, da ja der Verletzte wegen der angeborenen körperlichen Gebrechen, die ihn für die Gefahr eines Bruchschadens empfänglicher machen, von Anfang an minder erwerbsfähig gewesen sei als andere, ge- sunde �Arbeiter. Diese Erwägung ivar natürlich auch auf die Bemessung der Rente von Einfluß, die geringer ausfiel, selbst wenn völlige Erwcrbsilnsähigkeit infolge des Bruchschadens fest- gestellt war. Nun plötzlich erfährt die obenerwähnte ärztliche Anschauung von den angeborenen Vorbedingungen für einen Bruchschaden erhebliche Anfechtung aus ärztliche» Kreisen. Der Oberarzt des Ceemannskrankenhauscs zu Hamburg, Dr. L a n e n st c i n, der gleichzeitig leitender Arzt der chirurgischen Abtheilung deS dortigen Diakoniffenhäuscs Äethesda, also doch wohl ei» umsichtiger und erfahrener Mediziner ist, macht von einem Falle in der deutschen medizinischen Wochenschrist eine Mit- theilung, die er mit solgenden Worten einleitet: Wenn wir auch heutzutage die Thatsache, das ein Bruchsack(das sogenannte Aus- treten des Bruches) nicht plötzlich entsteht, sondern, abgesehen von der angeborenen Form, sich allmälig bildet, als feststehend an- erkennen, so kann man doch der sa?on von Alters her gehegten Laienvorstellung, daß ein Bruch plötzlich entstehe» könne, nicht von vornherein jede Berechtigung absprechen, dies um so weniger, als wir zugeben müssen, daß wenn auch der Bruch zu seiner Existenz eine Bruchstelle(Bruchsack)»öthig hat, doch die Bruch- teile allein»och keinen Bruch ausmacht, daß vielmehr ein Bruch erst entsteht mit dem Eindringen eines Eingeiveides in die be- treffende Bruchstelle. Dies erhellt schon aus der vielfältig er- wicscnen und anerkannten Thatsache, daß Menschen Jahrzehnte laug einen Bruchschaden haben können ohne es zu wissen und ohne davon belästigt zn werden. Nichts destoweniger gehört die Beurtheilung der sogenannten plötzlich entstandenen Brüche- namentlich jetzt nach Einführung deS Arbciter-Nnfallvcrsichernngs- gesetzes mit zn den schivierigsteu Aufgaben des Arztes. Dr. Saiten st ein zitirt dann ein ärztliches Gut- achten eines Dr. R o s e r, der als Autorität für Bruchleiden gilt und sich et» fach dahin ausspricht: Wenn es versucht ivird, eine» Bruch von besonderer körperlicher Anstrengung her- zuleiten, wenn z. B. ein Fabrikarbeiter von der Unfallversicherung eine Entschädigung für de» augeblich durch die Arbeit plötzlich entstandene» Bruch verlangt, so wird derselbe, da er etwas mechanisch Unmögliches behauptet, abzuweisen sein. Hiergegen erklärt nun Dr. Lau e n st ein: Solche Aeußc- rungen dürfen im Interesse aller derjenigen Menschen, welche in Wirklichkeit durch eine» äußeren Unfall einen Bruch erleiden — und deren giebt es sehr viele— nicht unwidersprochen bleiben. Und nun schildert Dr. L. einen Fall, in dem bei einem 33 Jahre alten Werkführer der Hamburg-Amerikanischen Packet- iahrt-Aktiengcsellschaft sich infolge eines Sturzes in einer Höhe von 5 Fuß bei feiner Beschäftigung ein Bruch einstellte, obivohl der Patient mit Bestimmtheit angab, bis zu dem Tage jenes Un- "alls nie einen Bruch gehabt zn haben; er habe von frühester Jugend an viel und schwer arbeiten müssen und nie die geringste Beschwerde gehabt.— Dr. L. trägt kein Bedenken, diesen Xknfall als Ursache des Bruches anzusehen. Man müsse eben die Vor- bedingungen für den Bruchschaden und das Eintreten des Bruch- schadens selbst strenge auseinander halten; das letztere könne sehr wohl die Folge eines Unfalls sein. Für die zahlreichen Personen, die an Brüchen infolge vorauf- gegangener Betriebsunfälle leiden, ist es unter diesen Umständen sehr räthlich, diese neueste Phase der„Bruch- Geschichte" für die Unfallversicherung im Auge zu behalten. Es wird ja nicht an Gelegenheit fehlen, die Frage, ob ein Bruch einen Entschüdigungs- anspruch nach dem UnfallversicherungSgesetz begründe, letztinstanz- lich beim Reichsversicherungsamt zur Entscheidung zu bringen. Mit welchen Masse» in de» um Serli» liegende» ländliche» Vezirlie» gegen die Gastwirthe gekämpft wird, welche den Muth besitzen, sich als Freunde der Arbeiter zu bekennen oder auch nur sozialdemokratische Blätter in ihren Lokalen aus- legen, zeigt ein Schreibe», welches vor einigen Tagen dem Gast- wirth Kleinschefsky in Adlershof, Kreis Teltow, amtlich zugestellt wurde. Das Schreiben lautet: Adlershof, den 2. September 1890. Da mit Ablauf des Sommers eine Verlängerung der Polizeistunde für Ihr Restaurant nicht als nothwendig er- achtet wird, so fordere ich Sie auf, die Ihnen seiner Zeit ertheilte Verlängerungs-Genehmignng bis zum 1. Oktober er. hierher zurückzureichen. Der A m t s v o r st e h e r. Als Herr Kleinschefsky, der sich bewußt ist, nicht den geringsten Verstoß gegen Polizeivorschristen begangen zu haben, sein Er- staunen über die Verfügung des Amtövorstehers aussprach, meinte der das Schriftstück überbringende Amtsdiener, daß der Herr Amtsvorsteher die 5konzession auch fernerhin ertheilen würde, ivenn Kleinschefsky das„Berl. Volksblatt" nicht mehr halten würde. Das Ausliegen einer die Interessen der Arbeiter vertretenden Zei- tiäig ivar also der Grund zur Maßregelung des Wirthes. Glaubt denn der Herr Anitsvorsteher, daß auf diese Weise die Arbeiter gezwungen werden könnten, sein Leiborgan zu lesen? Durch der- gleichen anitsvorstandliche Verfügungen mögen die Gastwirthe sich aber nicht irre machen lassen; denn unter den Arbeitern herrscht ein sehr gesunder Sinn, der sie veranlaßt, die Gasthäuser der ge- maßregelten Wirthe erst recht zu besuchen, damit dieselbe den ihnen zugedachten Schaden nicht zu erdulden brauchen. Volitilr i» Kvirgrv-»nd �andwetzrvevri»»». Der Vor- stand des Landivehrvereins zu Köpenick fand sich im Mai d. I. veranlaßt, gegen diejenigen Mitglieder vorzugehe», welche dem Glauben huldigten, daß Jedermann sich seine eigene politische Ansicht bilden dürfe. Da die Statuten des Köpenicker Landwehr- Vereins keine Bestimmungen enthielten, auf Grund deren man arbeiterfreundlich gesinnte Mitglieder hätte maßregeln können, be- schloß der Vorstand, den Statuten einen aus drei Paragraphen bestehenden Anhang zuzufügen. Derselbe lautet: Anhang zum Statut des Landivehrvereins zu Köpenick. § 1. Wahrung und Förderung ehrenhafter Gesinnungen für Ordnung und Sittlichkeit aller Kameraden, der Treue für Kaiser und Reich und des Gehorsams für Gesetz und Obrigkeit, sowie den guten Sinn für den Militärstand in ehrender, achtung- gebietender Weise zu erhalten. § 2. Politische Fragen und Erörterungen dürfen in den Ver- sammlungen des Vereins nicht stattfinden. Kameraden, welche sich sozialdemokratischen Bestrebungen hin« geben, werden aus dem Verein sofort ausgestoßen. § 3. Offiziere des aktiven sowie Beurlaubtenstandes sind ohn» Ballotage in den Verein aufzunehmen. Köpenick, am 1. Mai 1890. Der Vorstand des Landwehrvereins zu Köpenick. W. Oestcrwitz, Vorsitzender. F. Noack, Schriftführer. F. Paul, Kassirer. A. Erkner, stellvcrt. Vorsitzender. F. Selchow, stellvert. Schriftführer. W. Damm, stellvert. Kassirer. C. Hoffmann, Beisitzer. W. Grafel. Beisitzer. Also: Die Politik hat mit dem Verein nichts zu schaffen;— aber wer arbeitersreundliche resp. sozialdemokratische Gesinnungen hegt, wird sofort ausgestoßen. Der Verfasser dieser Bestimmung ollte zum Professor der Logik gemacht werden. Recht charakteristisch ist auch der§ 2. Offiziere gelten also bei dem Cöpenicker Land- wehrverein als höhere Wesen>vie andere Sterbliche und müssen daher auch mit anderem Maße gemessen werden. Was der Vor- stand des Landwehrvereins übrigens unter Nichtpolitiktreiben ver- teht, geht daraus hervor, daß den Mitgliedern des Vereins unter Androhung des Ausgestoßenwerdens verboten worden ist, irgend Etwas bei dem Zigarren Händler Ungering zu kaufen, da derselbe dem Vorstand nicht genehme politische Ansichten hat. Mit weiche» Miiliseliglteiten»nd Gefahre» der Beruf der Eiienbahn-Nnterbeamten verknüpft ist, dürfte hinreichend be- kannt fein. Man sollte also glauben, daß die Lohnverhältnisse dieser Arbeiter einigermaßen im Einklang mit ihren Leistungen tehen. Dieses ist aber nicht der Fall. Im Gegentheil ist das Einkommen der meisten Eisenbahnarbeiter als ein recht klägliches zu bezeichnen. Selbst auf den königlichen Bahnen, z. B. der Ost- bahn, erhalten die Unterbeamten die denkbar niedrigste Be- oldung. So beträgt der Tageslohn der Hilfsbremser des Bahn- Hofs Lichtenberg, wo erst vor Kurzem ein"Arbeiter bei Ausübung eines Berufes sich den Tod holte, nur 1,50 bis 1,70 M. Hierzu kommen noch einige Pfennige Stunden- oder Kilometergelder. Die Ertrazahlungen finden aber nicht statt, wenn Zngverfpätungen eintreten. Da auch Ueberstunden nicht vergütet werden, kann bei Abschätzung des Einkommens der Eisenbahn- arbciter von einem Nebendienst kaum die Rede sein. Man kann sich schwerlich einen Begriff davon machen, wie kärglich ein Mensch, der womöglich noch Familie besitzt, mir einem täglichen Verdienst von kaum 2 Mark seinen Lebensunterhalt bestreiten muß. Fleisch, Zucker. Butter u. s. w. sind bei den jetzt herrschenden Preisen den Leuten längst unerschwingliche Ge- iiüsse geworden. Gar oft muß der Arbeiter mit knurrendem Magen an semc Kraft erfordernde, schwere und gefährliche Be- schäftignng gehen. Würde es nicht hohe Zeit sein, daß die betreffenden Behörden es für angemessen erachten, den Eisenbahn- arbcitern eine Gehaltsanfbefferung zu gewährend , Nke jrht rrfolarttde Urrbreitevung deo Kahnhörpera der am 17. Juli 1871 erossneten Ringeisenbahn ruft noch einmal die Erinnerung ivach an die ehemalige Berliner Verbindunasbahn. deren Bau im Jahre 1850, also vor nunmehr vierzig Jahren begann. Sie war etwa IVe Meilen lang und führte vom Nieder- chlesifch-Markischen Bahnhof, über die Spree, durch die Eisen- bahn-, Skalitzer-, Gitschiner- und Königgrätzerstraße, am Branden- burger Thor vorbei, durch die Sonnnerstraße, über die frühere Moltkebrucke bis zum Stettiner Bahnhof in der Jnvalidenstraße. Die Bahn hatte Anschluß an den Hamburger, Potsdamer und Anhalter Bahnhof und war eingeleisig. Hier und da stand an der Bahnlinie eine„Wärterbude" mit„Signalglocken", durch ivelche das Stahe» eines Zuges gemeldet ivurde. Die den Zügen vorgespannten Lokomotiven waren an der Stirnseite mit einer mächtigen Glocke versehen, die während der Fahrt fast ununter- brochen, besonders aber vor den Straßenübergängen ertönte. An diesen Punkten hatten auch die Wärter sich>nit einer Fahne vor Ankunft des Zuges aufzustellen, um rechtzeitig auf die„drohende Gefahr" das Publikuni aufmerksam zu machen. Infolge der be- schränkten räumlichen Verhältnisse der damaligen Bahnhöfe mußten i.._/-/...... II-—•••••-•VJV.»-WM die meist sehr langen Zuge der Verbindungsbahn oft über eine Vierteljtundo„liegen" bleiben, ehe sie die für jene bestimmten Wagen„los" wurden, bezw. andere„angehängt" erhielten, so daß für den Fuhrwerk- und Fußgängerverkehr durch die jeweilige Sperrung der betreffenden Straßentheile die unange- nehmsten Stockungen entstanden. Am schlimmsten waren jedoch diese Zustände in der Jnvalidenstraße und am Stettincr Bahn- Hof, so daß die Stadtverwaltung wegen Beseitigung der Ver- bindungsbahn wenigstens auf dieser Strecke wiederholt vorstellig wurde. Noch am Schlüsse des Jahres 1863 wurde ein derartiges Gesuch durch den Handelsminister abgelehnt, indem u. a. in dem Bescheide gesagt wurde:„Auch die seiner Zeit außerhalb der Stadt angelegten Bahnhöfe liegen bereits im Innern der Stadt und mit ihnen einige nicht unbedeutende Strecken der ein- mündenden Eisenbahne». Bei der fortschreitenden Ausdehnung Berlins wird dies noch in weit höherem Maße stattfinden, der Straßen- und Bahnverkehr auf langen Strecken neben einander herlaufen und der letztere damit das Fremdartige, wie den An- schein des Gefährlichen verlieren, welcher jetzt noch so häufig den Wunsch, ihn von den Straßen entfernt zu sehen, hervorruft." Durch Gesetz vom 9. März 1867 erfolgte die Genehmigung zum Bau der Ringbahn. Mit dem 16. Juli 1871 wurde der Betrieb auf der alten Verbindungsbahn eingestellt und damit, wie es in einem Magistratsbericht heißt,„der Verkehr auf den Straßen Berlins von einer Fessel befreit, die ihm zwanzig Jahre hindurch einige seiner Hauptadern auf die empfindlichste Weise unter- Kunden hatte." Der Anhalter Hahnhof war vorgestern Abend kurz nach 11 Uhr der Schauplatz eines schaurigen Bahnunglücks, das nur wie durch ein Wunder ohne Verlust von Menschenleben geblieben ist. Der aus Wien kommende Kurierzug hat infolge Versagens der Carpenterbremse den das Bahnhofsgeleise absperrenden Prell- bock durchschlagen und ist in die nördliche Mauer dar Halle hineingefahren. Der Wiener Zug wurde von der Maschine Nr. 301 gezogen. Führer dieser Maschine ist der seit 23 Jahren als Lokomotivführer angestellte Herr Kümmel, dem als Heizer der Hilfsheizer Ziemendors beigegeben war. Hinter dem Tender der Maschine folgten zunächst der als Beiwagen dienende Gepäck- wagen der sächsischen Staatsbahn Nr. 10 171 und dann der Ge- päckwagen der Bromberger Bahn Nr. 3042, in dem sich der Zugführer und der Packmeister aufhielten. Erst dann kamen die Personenwagen des stark besetzten Zuges. Zun» Empfange desselben halten sich etwa 30 Personen auf dem östlichen Perron der großen Halle versammelt. Die Zeit der Ankunft 11 Uhr 5 Mm. war bereits eine Minute überschritten, UKr:j. s.-..-">— �~--■— als plötzlich der Zug mit rasender Geschwindigkeit ansauste. Der die Bahnpolizei ausübende Beamte erkannte sofort die Situation und alännirte mit seinem schreckenerfüllten' Rufe' �.Halt, halt" den ganzen Bahnhof. Ehe man aber zur vollen Besinnung ge- tommen war, ertönte ein donneröhnlicher Krach, dann unmittel- bar darauf ein Knirschen, wie das einer Gewehrsalve ein heftiges Ällchtn und das Unglück war geschehen. Im ersten Augenblick war Alles wie gelähmt., erst sehr allmälig erholte man sich und überschaute die Situation. Kümmel hatte, wie er aussagte, den Zug nicht bremsen können und war mit voller Kourierzug- geschwmdigkeit in die Halle eingefahren. Etiva in der Mitte derselben war der Hilfsheizer Zimendorf von der Maschme herabgesprungen und hatte sich aus dem asphaltirten Bahnsteig den Schädel verletzt, zum Glück nicht lebensgefährlich. Der brave Kümmel war mit Todesver- achtung auf seineni Posten geblieben und hat bis zum letzte» Augenblick zu bremsen versucht. Die mit kolossaler Gewalt dahin- sausende Maschine hatte den Prellbock wie einen dünnen Halm abgeschnitten, war über die Fliesen des nördlichen Vorbahnsteigs hinweggegangen, ohne merkliche Eindrücke zu hinterlassen, und hatte sich dann in das Mauerwerk der ziveiten der vier Thüren der östlichen Nordwand festgefahren. Die rothen Granitblöcke der Thürpfosten waren dabei bis zur halben Stärke wie feiner Sand zerstäubt. Der eine Puffer der Maschine war sofort abge- brachen, die Hälfte des zweiten war wie Glas abgesprent, die seitlichen Zylinder vollständig zerdrückt. Der Schornstein, aus dem mächtiger schwarzer Rauch emporstieg, stand gerade in der Achse der Wand, deren gelbe Klinkerflächcu hoch hinauf ange- schwärzt würden. Kümmel konnte zum Glück völlig unversehrt, wenn auch von Schreck und Aufregung stark erschüttert, die Maschine verlassen, mit der Maschine war auch der Tender auf den Bahnsteig gerissen worden. Der mit Gepäck angefüllte Bei- wagen hatte sich dagegen mit den Puffern in den Kies der Geleise eingewühlt, und nur derKasten des Wagens selbst war gleichsam über den Tender hinweggeschoben worden. Dabei war dieVorderivanddes Wagens in kleinste Atome zerplittert, während Boden, Decke und Seitenwände den Tender wie ein Futteral umschlossen. Maschine, Tender und Beiwagen hatten so ein festes Ganze gebildet, auf das nun der Gepäckwagen mit voller Wucht aufgefahren war und zwar in etwas nach links gehender Richtung. Nur diesem letzteren Umstände ist es zu danken gewesen, daß Zugführer und Packmeister ohne jede erheblichere Verletzung davongekommen sind. Beide hatten sich in dem hinteren linken Theil des Wagens auf- gehalten, wären sie auf der anderen Seite des Wagens gewesen, zie wären unrettbar zermalmt worden, denn die Zerstörung, die hier eingetreten ist, spottet geradezu jeder Beschreibung. Die ganze Wagenseite ist durch den Anprall an die festgerammten Borwagen wie abgeschnitten. Der Zusammenstoß war so heftig, daß die dort lagernden Gepäckstücke nicht verschoben, sondern gleichfalls abgeschnitten wurden. Nur das Hintere Drittel des Wagens, sowie der größte Theil der linken Seitenwand sind stehen geblieben. Immerhin hat der Wagen mit seiner vollen Ladung den übrigen Zug gerettet. Die folgenden Personenwagen wurden zwar gewaltig zusaunnengerüttelt, eS riß auch eine der Kuppelungen, im klebrigen aber sind Beschädigungen der Wagen nicht vorgekommen, auch sänuntuche Passagiere sind unverletzt, wenn auch der Schreck viele der Ohnmacht nahe gebracht hatte. Die Aufregung war eine ganz gewaltige. Die Kunde von dem Unfall hatte sich bald verbreitet und führte zahl- reiche Mengen nach der sofort abgesperrten Stelle. Inspektor f immermann und Werkmeister Frantzki übernahmen sofort die eitung der Aufräumungsarbeiten. Die in„Nachlreserve" stehende Maschine brachte alsbald den Geräthwagen zur Stelle, alle entbehrlichen Mannschaften ivurden ausgeschickt, um die Schlosser zu holen, die bekanntlich ihre Hausschlüssel im Zentral- bureau deponiren müssen, um ohne Verzug auch Nachts geholt werden zu können. Zunächst versuchte man mit der Reserve- Maschine, einer gewöhnlichen Personenzugmaschiue, die defekte» Wagen zu beseitigen. Maschine und Tender aber waren zu fest gefahren, so daß noch eine Güterzuginaschine rcquirirt werden mußte, ehe es gelang— es war inzwischen 3V4 Uhr geworden — die Maschine zunächst etwa 3 Fuß weit aus der Mauer- dresche heraus zu holen. Der Umstand, daß nicht nur bei den Gepäckwagen, sondern auch bei dem Tender Achsen zerbrochen waren, erschwerte die Arbeit ganz gewaltig, da erst Karrenwagen untergebracht werden mußten. Am heutigen Vormittag war der östliche Perron noch vollständig abgesperrt. Außerhalb der Halle lagen die Trümmer des Unfalls ausgeschichtet. Auf dem ersten Nebengelcise standen die Reste der beiden Packwagen, während die Lokomotive vom Bahnsteig noch nicht hatte entfernt werden könne». Bis zum Nachmittag hofft man alles zu beseitigen. Der Bahnbetrieb hat eine Störung nicht erlitten. Eine recht naive Annonce steht im„Jutelligenz-Blatt": „Hohe Belohnung. Sollte ich in der Stacht voin Dienstag, den 2., zum Mittwoch, den S., einem Rinaldino in die Hände gelaufen und mir bei dieser Gelegenheit meine goldene Uhr, Nr. 10 350, Doppelkapsel, mit goldener Schuppenkette, abgeknöpft worden sein. so appellire ich an dessen Rest von Edelsinn und bitte, lieber gute Belohnung unter Diskretion anzunehmen und ehrlicher Spitzbube zu bleiben. Adresse ist: F. Strohschänk, Friedenstraße 74, Restaurateur."— Der Inserent scheint mehr Zutrauen in den Biedersinn eines Diebes zu haben, als in die Zuverlässigkeit seiner eigenen Erinnerungen in der jedenfalls recht fragwürdigen Nacht. Die drei MavK-|lpümie, welche seit dem 15. v. Mts. jeder in Berlin erhält, der auf einer Feuerwache, einem Polizei- bureau oder durch einen öffentlichen Melder ein Feuer zuerst meldet(bisher wurde nur die erste Meldung auf einer Feuer- wache belohnt), hat einen wahren„Meldesport" zu Tage gefördert, der die Feuerwehr zuweilen recht argen Belästigungen aussetzt. Nicht selten wird jetzt ein einziges ganz unbedeutendes Feuer von drei und mehr Stellen zugleich gemeldet und so fast der ganze Löschtrain angerufen, da jeder einzelnen Meldung andere Züge Folge geben müssen. Kürzlich ist es sogar vorgekommen, daß ein Tischler T. in der Bergmannstraße ohne Grund.Feuer meldete, nur weil er glaubte, daß Leute, die er rennen sah, dies thun wollten und er ihnen wegen der drei Mark zuvorkommen wollte Zur Marnung! Nicht genug kann darauf hingewiesen werden, daß beim Genuß von Gänseklein die größte Vorsicht an- zuwenden ist. Schon wieder hat sich infolge unbedachtsanien Essens dieses Gerichtes ein betrübender Unglücksfall ereignet. Es war an einem Sonntage vor ca. 3 Wochen, als in einem Nestau- rant in der Nähe des Thiergartens eine Gesellschaft von mehreren Damen versammelt war; plötzlich brach die Zigarrenarbeiterin Fräul. Auguste G., welche soeben eine Portion Gänseklein verzehrt hatte, in den Ruf aus:„Hilfe, ich ersticke!" Sie wurde schleunigst nach ihrer in der Belforterstraße belegenen Wohnung befördert. Es stellte sich heraus, daß eins der zahl- reichen Knochensplitterchen, welche ja vorzugsweise in diesem Gericht enthalten sind, sich in der Speiseröhre festgesetzt hatte. Alle Bemühungen der Aerzte, den Splitter zu entfernen, waren vergeblich. Es trat Eiterung hinzu, und»ach einem Zeitraum von 14 Tagen war Fräulein G. ihren Leiden erlegen. Am letzt- verflossenen Sonntage wurde die Verstorbene, die sich in den zwanzig Jahren, während welcher sie in einer Fabrik beschäftigt war, die Liebe und Verehrung ihrer Kolleginnen und Kollegen im reichsten Maße erworben hatte, auf dem Friedhof der frei- religiösen Gemeinde in der Pappel-Allee zur letzten Ruhe be- stattet. Zahlreiche Kranzspenden, sowohl von Seiten ihrer Mit- arbeiter, als auch ihrer Vorgesetzten, wurden an ihrem Grabe niedergelegt. Wege» Verarbeitung von Hundefleisch zur Wurst ist kürzlich gegen einen hiesigen Schlächtermeister eine schwere öffent liche Anklage laut geworden. Jetzt bringt die„Allg. Fleischer-Ztg.' unter Namensnennung über die unappetitliche Angelegenheit fol- gcnde nähere Darstellung: Erklärliches Aussehen erregt die gegen den Schlächtermeister Wilhelm Dürr eingeleitete Untersuchung. Wilhelm Dürr, der einen Verkaufskeller und außerdem einen Markthallenstand besitzt, ist beschuldigt, einen verendeten Hund zu Wurst verarbeitet zu haben. Herr Dürr beschäftigte keinen Ge- sellen, sondern nur einen Hausknecht, Friedrich Balke aus Dall- vorf, der ihm vielfach zu Klagen Anlaß gab. An einem Morgen fand Dürr seinen Hund todt in dem Vorraum der Räucher- kammer; er warmer Meinung, daß Balke, um sich an dein Meister zu rächen, den Hund erschlagen und dann den Kadaver dort untergebracht habe, oder aber daß er den Hund habe ersticken lassen. In seiner Erregung über den Verlust des Hundes prügelte Dürr den Hallsknecht durch. Als nun Dürr nach einigen Wochen den Hausdiener entließ, ging dieser zur Polizei und machte dort Meldung, daß Dürr den Hund zu Wurst verarbeitet habe. Ein Wachtmeister, zwei Schutzleute und ein Kriminalbeamter des betreffenden Reviers fanden sich alsbald bei Dürr ein und ließen an der von Balke bezeichneten Stelle nachgraben— es fanden sich einige Stücke Därme und eine Schweinetracht. Herr Dürr behauptete, daß er Schwcinetrachten, die er in großen"Mengen vom Schlachthof bezieht, als Hunde- futter verwendt habe, und daß die Därme von einem Schweine stammen; wie iveit letztere Angabe richtig, wird das Ergebniß der Herrn Gerichtschemiker Dr. Bischofs übertragenen Unter- suchung bald zeigen. Ueber den Verbleib des Hundekadavcrs be- fragt, erklärte Dürr, daß er den Kadaver auf seinem bei Rei- nickendorf belegenen Acker vergraben habe. Die von Dürr dann im Beisein der Beamten auf dem Äcker unternommene Aus- grabung blieb bisher erfolglos; der Kadaver ist noch nicht ge- sunden worden. Da das Verschwinden des Hundekadavers sehr auffällig erscheint, so hat die Staatsanwaltschaft die Sache in die Hand genommen. Das oben zitirte Fachblatt meint, daß zwar die amtliche Entscheidung abzuwarten sei, ist aber doch zu der Annahme geneigt, daß es sich hier um eine unbegründete, nur aus Rachsucht erfolgte Denunziation handle. Heer Ferdinand Settekarn, Restaurant Waldschlößchen in Nicderschönhaufen, ersucht uns uin die Mittheilung, daß er sein Lokal zn jeder Versammlung hergiebt. VoUzeidericht. Als am 8. d. M. Abends die Steinträger Nehring und Kabloschke mit mehreren Arbeitsgenossen in einem Kremser von ihrer Arbeitsstelle, auf dem Neubau Reinickendorfer- straße 37B, nach Hause fahren wollten, wurden sie vor den Häusern Reinickendorferstr. 42A und 43 von den Arbeitern Bock, Hausmann, Lnsch und mehreren unbekannten Männern überfallen und durch Messerstiche und Schläge nicht unbedeutend verletzt. Streitigkeiten zwischen den Genannten sollen die Veranlassung zu dein Ueberfall gegeben haben.— Am 9. d. M. Morgens wurde im Landwehrkanal, nahe der Unterschleuse, die Leiche eines un- bekannten» etwa 35 Jahre alten Mannes angeschwemmt.— Abends wurde ein Mann auf dem Hofe des Grundstücks Scharn- horststr. 2 erhängt vorgefunden.— Zu derselben Zeit fuhr der ans Dresden kommende Schnellzug auf dem Anhalter Bahnhofe, vermuthlich infolge Versagens der Bremse, über den Prellbock hinaus, so daß Lokomotive und Tender auf dem Bahnsteig standen. Durch den heftigen Anprall wurden die beiden Gepäck- wagen zertrümmert, Menschen jedoch nicht verletzt.— In der Nacht zum 10. d. M. sprang ein Mann am Holsteiner Ufer, egenüber dem Cafs Gärtner, in die Spree, wurde jedoch, ohne Schaden genommen zu haben, aus dem Waffer gezogen.— Zn derselben Zeit wurde auf dem Flur des Hanfes Kesselstr. 38 ein unbekannter, etwa 25 Jahre alter Mann mit einem Messerstich in dem Hinterkopf aufgefunden und nach der Charitee gebracht. Soziole Alns geht Folgendes zu: Die Eltern(Vormünder), welche gewillt sind, ihre Söhne Lederarbeiter lernen zu lassen, werden hiermit darauf aufmerksam gemacht, daß es sich der Fachverein der Lederarbeiter zur Aufgabe gestellt hat, ihnen in Betreff der Lehrstellen Auskunft zu erthcilen, um der in diesem Gewerbe ein- gerissenen Lehrlingsausbeutung einen Damm entgegen zu setzen. Zur unentgeldlichen Auskunstsertheilung ist gern bereit der Arbeitsnachweis der Lederarbeiter, Luisen-User 22 bei Sperling. Geöffnet Wochentags Abends von 8— 9Vs und Sonntags Vormittags von 10— 1 U/s Uhr. Achtung! Kevlinev Foemstecher, Tnpeteudrucher und Oerufsgeitoffeu. Infolge des Aufrufs der Arbeiter der Tapetenbranche zn Einbeck bei Hannover, behufs Beschickung eines daselbst am 2. November d. I., stattfindenden Kongresses, auf dem eventuell eine Organisation der Arbeiter der betreffenden Branche geschaffen iverden soll, wäre es höchst wünschenwerth, wenn auch die Berliner Arbeiter dieser Branche Stellung nehmen und einen oder mehrere Delegirten, die eben dort die Ansichten der hiesigen Arbeiter zn vertreten hätten, wühlen und nach Einbeck senden möchten. Da aber die Zahl der in der Tapeten- fabrikation zu Berlin beschäftigten Arbeiter nur eine unbedeutende ist, und dieselben auch nicht die geringste Verbindung unter sich besitzen, so wäre es empfehlenswerth, wenn aus jeder Fabrik ein käme« 4 oder zwei Arbeiter in irgend einem Lokale zusammen«-»» sich zunächst darüber verständigten, ob überhaupt Neigung der Mehrheit der hiesigen Arbeiter zur Beschickung des Kongich vorhanden ist. Ergiebt nun diese Vorbesprechung ein der sv günstiges Resultat, so wäre alsdann ein Komitee zu welches die Regelung der Angelegenheit in die Ost nimmt, eine allgemeine Versammlung sämmtlicher tg stecher, Tapetendrucker und Berufsgenossen anberaumt und w Referenten, der über Organisation zu sprechen hätte, bestem S bemerken wäre noch, daß die Arbeiter jede Gelegenheit, du M ihnen bietet, benützen müssen, um eine Organisation zu schE durch welche sie ihre Interessen und ihre Rechte wahren und? soziale Stellung verbessern können. Besteht doch in der 19 schon„ein Verein deutscher Tapetenfabrikanie«' dem im Mai d. I. 44 Firmen angehörten. Zu&WL| �Tapeten ring" zählen■'— w�m-oer«»> .» auch M, Peine zu Einbeck und 5 Berliner Firmen. Ein Zirkular des. '--- ikanten vom Mai d. F.. die Beschw eins deutscher Tapetenfabrikanten vom Mai d. I., dre... einer zu Köln am 27. April d. I. abgehaltenen Hauptverl lung betreffend, befindet sich in unseren Händen. Toch... hierüber in einer event. stattfindenden Versammlung..■si1!'', Formstecher, Tapetendrncker und Berufsgenossen, vereinig!, und werden zu diesem Zwecke die Vertreter zeder Favrn geladen, sich im Lokale des Herrn Herzberg, Louisensttaße u Sonnabend, den 13. d. M., Abends 9 Uhr, freundlichst ernzufi« Einer für Alle.-»..itiii Ans Vürnberg geht uns folgender Aufruf zu: A Ui_ alle Bildhauer Deutschlands! Wir an mW* alle Kollegen, den Zuzug nach Nürnberg strengstens da die Bildhauer der Eyßer'schen Möbelfabrik dahier...... ,,. smd und der betreffende Fabrikant gesonnen ist, die Arbeü � den Kleinmeistern billiger herstellen zu lassen, als es bisher« seiner Fabrik von Seite unserer Kollegen der Fall war-.--c Wir appelliren an Euer stets bewiesenes Solidaritatsgei� und ersuchen Euch, auf diese Weise uns im Kampfe zu stützen, um aus demselben gegenüber den Bestrebungen" Unternehmer, uns als willenloses Werkzeug in ihrem planniapf' Ausbeutungssystem zu benütze», siegreich hervorzugehen. Mit kollegialem Gruß I. A.: X. Werthmüller, Langegasse 15, Nürnberg..„ Alle arbeiterfreundlichen Blätter werden um Abdruck S beten. VevZÄunnlungsn. uns folgende Vom Genossen Wildberger geht klärung zu: Der Bericht in der gestrigen Ausgabe des„Berliner Wj"" blast" über die Versammlung des Wahlvereins im sechsten liner Reichstags-Wahlkreis ist von Anfang bis Ende, trotz fel Länge, unrichtig und unvollständig. Ihr Berichterstatter Friedländer scheint sich alle gegeben zu haben, das Sachliche zu verschweigen, um dem T und der Diskussion über das Parteiprogramm einen weh« sönlich gehässigen Charakter zu verleihen. Den mit dem P leben betrauten Genossen werden auch die Gründe dafür bekannt sein. Ich ziehe es deshalb vor, nichts zu berichtige»� mich auf die Erklärung zu beschränken, daß der Bericht»«� weniger als objektiv ist, daß Aeußerungen von mir in eine» 8 anderen Zusammenhang gebracht und dadurch ein anderer untergeschoben wurde, und daß schließlich die Houpt.. Streichungen im Programm vorzunehmen und Zusätze zu nebst deren Begründung, fast ganz fehlt., Es scheint demnach, als ob der Bericht für das„fßtty Tageblatt" und andere Bourgeoiszeitungen, nicht aber fü« „Berliner Volksblatt" geschrieben sei. C. Wildberger, Louisen-Ufer 19-„ Wir haben hierzu nur zu bemerken, daß der hier in � stehende Berichterstatter keineswegs„unser" Berichterstatter andern daß der Bericht uns so zuging, wie er wahrschei» ämmtlichen Berliner Zeitungen zugeschickt wurde. Red. Von dem Voesthende» des Wahlnereina de»,. Wahlkreises. Herrn Grnst, geht uns folgende Zuschrift� In dem Bericht über die Versammlung des 6. Wahlverei»? meine Aeußerung, betr. Börner— Red. d. Volksblatts, unri°L wären, denn der Soldat bekäme dort Fleisch und Brot in H»., und Fülle und könnte dort so viel essen, als er»- wolle Referent sprach seine Entrüstung darüber aus, daß die-„ des Generals i» den gedruckten Protokollen nicht enthalte»% daß der Soldat Fleisch und Brot in Hülle und Fülle bekot»� sst guffl unglaublich, dasselbe war einmal der Fall im iSVO.iii Frankreich. Da bekam der deutsche Soldat sogar% zu trinken, aber von den Verhältnissen könne man jetzt»'* mehr reden. Wenn die Ferienkolonien Platz ge. weshalb ivird dann von höchster Stelle der Befehl gegeben,„ den Soldaten eine Jbeffere Behandlung� zu Theil werden Die Behandlung erkennt man an» besten daran, daß jähst', Tausende von Militärpflichtigen ihr Vaterland verlassen heimathlos in der Welt umherirren, um nur nicht in die F««' kolonien einziehen zu brauchen.., —-•*'"~--•■*...*-1* t'" Daß auch die sonstige Behandlung nicht die beste die« beweist der Fall, daß ein Soldat des dritten'Garde-Grenac Regiments auf Befehl die Hand in kochendes Wasser halten»»'5 Und dafür erhielt der Unteroffizier 3 Monat Festung und« Soldat 9 M. monatliche Pension. Strenge Disziplin und«, Mund halten, das nennt jedenfalls der Herr General Ffst5i Kolonien. Durch den Militarismus wird gerade das arbeite». Volk bis zum Ruin vernichtet, denn die indirekten Steuern I'u durch den Militarisnms so furchtbar in die Höhe gesch»»j.! worden, daß dieselben bald nicht mehr zn ertragen sind und haben wir bei der letzten ReichStagswahl gesehen. Denn% in den entferntesten Provinzen ist unsere Saat gedrungen sind Stimmen für die Sozialdemokratie abgegeben«Li weil nur die Sozialdemokratie einzig und allein Militarismus bekämpft. Dem Referenten wurde W seinen interessanten Vortrag reicher Beifall flJlL In der Diskussion nahm zunächst Genosse Jerwin das«Li welcher sich ebenfalls in sehr heftiger Weise gegen die Militär» i Behandlung aussprach. Zum dritten Punkt der Tagesordi" L 118,1 ü u"9i MW° r s«? l>il» i id eiB llt die sip nti/ bieff«, nft W» iel. „fantti; Näh-rf ! Upt# ufr»l » klif isher 0� ruck C ZZMMK 5"«w»i�ssr®» V lungen durch nach vielen machte kannt. stroße fein" ,/ Handzettel bekannt zu machen, wurde Für- und Widerreden angenommen. Daran der Vorsitzende die Zahlstellen des Vereins be Dieselben befinden sich: 1. Restaurant Bohland, Büloiv _. ,62, 2. Restaurant Scheuer, Gneisenau- und Schleier Macherstraßen-Ecke, 3. Restaurant Schmidt, Diesenbachstraße 34, e Ztgaueichcmbtung E. Wilschke, Junkerstraße 1. Hiernach «chluß der Versammlung. .. Der polizeilichen Anktösnng verfiel eine Versammlung .",lozialdemokratischen Wahlvereins für den 5. Berliner Reichs- WMahlkreis, welche am Dienstag Abend in der Brauerei «nonigcstadt" tagte. Zur Diskussion stand das Parteiprogramm gereut war Herr Auerbach. Er sagte: Jetzt, wo der Augenblick ."A, tut dem das Sozialistengesetz fällt, richten sich Freund und neuid auf eine neue Art der Agitation ein. Die bürgerlichen Mrleien suchen mit größtem Eifer nach Waffen, die Sozial- emokratie zu bekämpfen. Bei den Konservativen gilt noch immer er alte Grundsatz:„Gegen Demokraten Helsen nur Soldaten". im geschmähten es, die Sozialdemokratie mit„geistigen Waffen" r, bekämpfen, wie es die Liberalen so oft angekündigt ■Wen. Das wollen die Liberalen jetzt wahr machen, , e die Partei nicht mehr geknebelt ist. Die Libe- »len haben ja so oft erklärt, daß die Sozialdemokratie u>r deshalb so sehr an Stimmenzahl gewonnen habe, weil unsere Hirtel sich wohlweislich hütete, ihre Endziele zu entschleiern. Dieser Vorwurf ist ebenso oft widerlegt worden, so oft er gemacht fburde. Ganz besonders im 5. Berliner Wahlkreise hat man keine Gelegenheit bei der letzten Wahl vorüber gehe» lasse», das Partei- Urogramm eingehend klarzulegen. Und doch hat sich die Zahl der Malistischen Stiminen vermehrt. Diese Zahl wäre gewiß noch Deutender, wenn dies stets hätte ungehindert geschehen können. gian habe darnach gedürstet, das Parteiprogramm zu diskutiren und z» entwickeln. Es ist das eine Pflicht, der unsere Partei uachkommen muß. Und sie kommt dieser Pflicht nach, sobald sie kann. »ledner schickt voraus, daß kein Sozialist genau wissen könne, "Ue es im sozialistische» Staat aussieht. Man könne sich nur ein "Ugefähres Bild davon machen. Die Hauptsorge der Liberale», °b sich im sozialistischen Staat Jeder selbst seine Stiefeln putzen werde, oder ob zu diesem Zweck eine Gencral-Stiescl-Putzanstalt �richtet werden werde, könne man heut den Liberalen noch nicht benehmen. Wahrscheinlich aber werde jeder Bürger zwei Paar gchefeln besitzen, von denen ein Paar sich stets in der Putzanstalt befindet. Zwei Paar Stiesel zu besitzen, passirt heule nicht jedem beichstreuen Staatsbürger.(Große Heiterkeit.)— Redner verliest btzn unser Programm, erläutert die einzelnen Thcile desselben umgehend und kommt zu folgenden Abänderungsvorschlägen: Der Passus, der von den Produkliv-Genossenschaftenj handelt, sei als uberlebt und veraltet, ganz zu streichen. Die sozialistische Gesellschaft werde auf ganz andereui Wege eintreten, es im Programm ausgesprochen ist. Die Pro- buktiv-Genossenschaften müßten ebenso arbeiten, wie die Kapitalisten, damit sei nichts erreicht.— Weiter seien zunächst uiie die Punkte unseres Programms, welche als Grundlage des Maates angegeben sind, in diejenigen einzureihen, welche die Forderungen enthalten, die wir an die heutige Gesellschaft zu lichten habe». Es müsse noch besonders im Programm aus- besprochen werden, daß wir eine Republik erstreben. Die Frei- h-it ist unvereinbar mit der Monarchie. Es sei ferner besonders »ls Forderung zu betone», daß auch den Frauen daS Stimm- recht eingeräumt werde, sowie, daß das Propvrtional-Wahlsi)stcm sihgeführl werde. Die Religion müsse Privatsache bleibe». Zu fordern aber sei gleiche Erziehung der Bürger in k o n- fossionslosen Schulen und die Trennung von Kirche bM Staat, Streichung aller Ausgaben für irgend Achen Kultus. Wer nöthig hat, sich zu erbauen, der Äe auch den Beutel aufthun. Im sozialistischen Staate werde °'o einzige Religion die Erkenntniß und das Wissen sein, nicht wehr der Glaube. Es sei bei der Forderung einer progressiven Mommensteuer zu verlangen, daß die Steuer erst bei einem Ankommen von 3000 M. jährlich zur Erhebung gelange. Ter ?unkl 1 unserer Forderungen an den heutigen Staat sei ganz zu bleichen, wir kennen sehr gut vom heutigen Staat die voll- '"»»»ene Realisirung unserer Forderungen verlangen, nicht blos Möglichste Ausdehnung der Freiheiten, wie es im Programm wK Es sei nicht mehr Verbot der Sonntagsarbeit, sondern w'w llöstündige Ruhepause zu fordern, ebenso ein Verbot der Nachtarbeit. Ferner sei kein Unterschieb zwischen Männer- und � w'4. r~-"- � V. ? KI % fij;«>kl v vtu, jv» 5v»,■■■■■■■■■■■■!mm V Uienarbeit und der Sittlichkeit der Männer und Frauen zu Punkt B müsse also heißen: Verbot aller t.L«rsundheit des Arbeitet schädigende Betriebe. Punkt &ZL[Cl dahin zu ändern, daß es heiße: Sanitatliche .nirole durch von den Arbeitern selbst gewählte Beamte am?�llei Geschlechts.— Das Parteiprogramm sei schon nrna u bevorstehenden Parteitage zu ändern. Man müsse das, kj..„ l»a» als falsch erkennt, nibglichst bald ausmerzen. Wir sind "orwärtsschrcitende Partei, die Tag für Tag lernt. Wir h,.,/" unsere Erfahrungen im Programm niederzulegen. Wir m>," das Volk über den Gang der Entwickelung aufzuklären. in n �uue» auch für das arbeilendc Volk Verbesserunge» schon ei» t heutigen Gesellschaft zu erringen suchen. Wir brauchen L, dampffähiges Geschlecht. Unsere Partei gleicht einem Zuge, R;.P1!, den Schienen dahinrollt. Die Weichen müssen gestellt, en} aus dem Wege geräumt werden, damit der Zug nicht toth'k Bremser und Weichensteller, jene Wärter mit den mnien uahne», die den Zugführer auf eine Gefahr aufmerksam Du, sind wir Sozialdemokraten.(Lebhafter Beifall.) Der dou i�nde.' Fritz Berndt, macht den Vorschlag, in eine Pause Seif» Minuten zur Aufnahme neuer Mitglieder, sowie zur fii»,. g eines freiwilligen SülitgliederbeitrageS einzutreten.(Zu- HjJA'oig.) Der überwachende Beamte erklärt, die Sammlung ein-- dn zu wollen. Der Vorsitzende macht den Beamte» auf »... flllhere Entscheidung dcS Polizeipräsidiums aufmerksam, nach in'.Psui die Leistung eines freiwilligen MitgliederbeitrageS nicht »lÄDt werden soll, und erklärt de» Eintritt der Pause. Als ei» in heiter Geld auf dem Vorstandstische niederlegt, erhebt sich der Bnvf und droht mit der Auflösung, wenn das noch einmal niÄ,uniit. Fritz Berndt:„In diesem Punkte hat uns die Polizei -.M zu sage»..." Der überwachende Beamte bedeckt sich und C.�t die Versammlung für aufgelöst auf Grund des§ 23 des h"a'Dstengefctzes. Die Anwesenden entfernen sich langsani unter " Gesänge der Arbeitcrniarseillaise. allaemeinc ZUetaliarbeiter-Uerri» Kerttn» nnd ss-FSegend hielt am Donnerstag, den 4. September, im Reu- Volksgarten(ProSkauerstraße) für Friedrichsbcrg und "gegend eine Mitgliederversammlung ab. Wegen zu schwachen wurden die beiden erste» Punkte der Tagesordnung (Juugestelit. Gewählt wurden die Kollegen: zum Bevoll- w'Mchten F. Bratzke, Friedrichsberg, Kronprinzenstr. 26; zum fiif>,. üsa»»»ler Hubert, Berlin, Weidenweg 59; zum Protokoll- Schlothauer, Friedrichsbcrg, Kronprinzensir. 14. ficü College Gerisch fordert die Friedrichsberger Kollegen auf, HZ.secht zahlreich der bestehenden Organisation anzuschließen, köi» wir de» Fabrikantenverbänden gerüstet entgegentreten H wen. und jeder Einzelne für den Verein zu agiliren habe. tzUr.F. Berndt gab noch ein kurzes Bild über die Verbrecher- st.DlUk. Daß die Religion nicht im Stande ift, diesem Uebel- ivö?. abzuhelfen, sieht man daraus, daß in den Landestheilen, nieif?lc Zentrumspartei am größten ist(Bayern, Ostpreuße»), die o J!c» Körperverletzungen vorkommen, dagegen in den Industrie- "kn(Schleswig-Holslein. Hamburg, Berlin), wo die größten Arbeiterorganisationen bestehen, am wenigsten, daß also die Arbeitervereine zur Hebung der Sittlichkeit beitragen und die Arbeiter bestrebt sein müssen, ihre Organisation schon deshalb zu fördern. Stach nochmaliger Aufforderung tüchtig für die Arbeiterorganisationen einzutreten, schloß der Vorsitzende die Versammlung. Die Arbeiter«ud Arbeiteriunett der Schäfte brauche hielten am Montag Abend eine öffentliche Versammlung bei Scheffer, Jnselstr. 10, unter Vorsitz des Herrn Gabriel ab. Die Versammlung war nur mäßig besucht. Zunächst gab Herr Krause die Streikabrechnung. Danach wurden auf Listen ge sammelt 570,65 M. Von Berliner Gewerkschaften haben ge- geben: Hutmacher 50 M. Kupferschmiede 30 M. Klavierarbeiter 20 M. Kaufleute 7,50 M. Schuhmacher 50 M. Schmiede 20 Mark. Jnsgesammt also 177,50 Mark. Die auswärtigen Kollegen brachten auf: Breslau 108,25 Mark, Hain bürg 56,25 M., Leipzig 12,65 M.. Frankfurt a. O. 23,90 M, Magdeburg 43,50 M., Dresden 12 M., Peine 10,50 M., Herz berg 6 M.. Ohlau 5,80 M., Eberswalde 3,20 M.. Zerbst 9,35 M.. Bamberg 5 M., Prenzlau 4,50 M. Die auswärtigen Kollegen sandten also 300,90 M. An sonstigen Einnahmen waren zu ver- zeichnen 14 M. Die Tellersammlungen brachten 107,90 M Den Einnahmen, die sich somit auf 1176,95 M. belaufen, standen folgende Ausgaben gegenüber: Streikunterstützung 700 M., Reiseunterstützung 9,50 M., Inserate 131,80 M., Drucksachen 35 M., Papier, Porto 51,50 M., Säulenanschläge 31 M. Für die Komniission bewilligt 12 M. Diverse Ausgaben(Versammlungsunkosten) 37,05 M. An die Berliner Schuhmacher 50 M. An die Hamburger Arbeiter 50 M Die Ausgaben betrugen also 1107,85 M. Es verblieb ein Ueber- schuß von 69,10 M. Im Namen der Revisoren bestätigte hierauf Herr Gabriel die Richtigkeit der Abrechnung, worauf Herrn Krause Techarge ertheilt wurde. Den zweiten Punkt der Tages- ordnung bildete die Besprechung über die weitere Agitation und über den bevorstehenden Schuhmacherkongreß. Herr Krause referirte und wies zunächst auf die Bedeutung der Frage hin, welche Schritte zu thun sind, um eine neue Bewegung vorzubereiten oder die Errungenschaften fest- ichalten. Obgleich die Kollegen und Kolleginnen im Kampfe fest zusammen standen, habe man die Erfahrung machen müssen, daß die Arbeiter der Organisation, der sie sich vor dem Streik an- geschlossen, nicht treu blieben oder sich überhaupt nicht organi- kii sirten, daß sie sich jetzt, bei dem schlechten Geschäftsgange, Abzüge am Lohn gefallen ließen und in eine Verlängerung der Arbeitszeit willigten. Klagen über Lohnabzüge und Verlängerungen der Arbeits- zeit seien fast gar nicht zu Ohren der Kommission gekommen. Wo aber derartiges gemeldet wurde, ließ sich nichts erreichen, da die frühere Einigkeit unter den Kollegen verschwunden ist. Das sei bedauerlich. Hätten die Kollegen und Kolleginnen genügend zum Generalfonds gesteuert, dann hätten aus demselben die Arbeitslosen unterstützt werden können. Die Arbeitslosen hätten dann nicht nöthig ge- habt, sich um jeden Preis anzubieten und so die Löhne zu drucke». Eine Verlängerung der Arbeitszeit muß zum raschen Verfall unserer Forderungen führen. Das wissen auch die Arbeitgeber. Sie zahlen augenblicklich gern mehr Lohn, wenn nur länger gearbeitet wird, da sie wissen, daß, wenn erst eine genügende Reservearmee geschaffen ist, wenn erst genügend Angebot von Arbeitskraft vorhanden ist, der Lohn von selbst fällt. Der Vor- wurf, daß die Arbeitsverhältnisse sich so verschlechtert haben, fällt auf diejenigen Kollegen, die sich keiner Organisation anschließen. Diese Kollege» heranzuziehen, wird die Hauptaufgabe der Bewegung in nächster Zeit sein. Er(Redner) halte es zu diesem Zwecke für gut, eine AgitationSkoimmssion zu wählen. Auch der Frage auf Einrichtung eines Vertrauensmänner- y sie ins sei näher zutreten. Tie Agitalio» müsse auch nach außer halb getragen werden. Die hiesigen Fabrikanten rechneten mit den Löhne», die außerhalb gezahlt werden. In Breslau sei der durchgängige Lohn für Stepperinnen 6 M., der höchste 11 M., in Vrombcrg der höchste Lohn 8 M. Vorrichter erhalten in Breslau: Schwache Arbeiter 6—10 M., mittelmäßige 12 bi 15 M., sehr tüchtige 18 M. In Brpmberg verdienen die besseren Zuschneider 12 M. pro Woche. Diese Löhne drückten auch die hiesigen Arbeitsverhältnisse. Es müßte von Berlin mis die Agitation in diese Städte getragen werden. Die dortigen Kollegen müßte» sich organisiren und an eine Verbesserung ihrer Lage herangehen. Diese Agitation werde wohl wegen der Vereins- gesctze einer einzelnen Person übertrage» werden müssen.— In Bezug auf de» Schuhmacherkongreß weist Referent zunächst auf die Gemeinsamkeit der Interessen von Schuhmacher und Stepper hin und sordett schließlich zur Beschickung des Kongresses auf. Die Diskussion war sehr rege. Herr Wuttkc geißelt in scharfen Worten das Verhalten der Kollegen, die jetzt nicht mehr zur Sache halten. Viele überzeugungstreue und aufrichtige Kollegen hätten ihre gute Arbeit ausgegeben, als der Streik proklamirt wurde. Jetzt liegen sie auf der Straße und bekommen keine Arbeit. Redner erklärt sich, ebenso wie die nachfolgenden, mit den vom Referenten in Bezug auf die Agitation und die Beschickung deS Kongresses gemachten Vorschlägen einverstanden, bittet aber, die Vertrauensmänner nicht in einer öffentlichen Versammlung zu wählen, sondern dieS dem Vorstand zu überlassen, da sonst die Betreffenden bald gemaßregelt sein werden. Herr Schlüter ver- ucht.sein Verhalten beim Streik zu rechtfertigen, wird aber von Herrn Horncmann mit bündigen Worten belehrt, wie sich ein überzeugter Arbeiter zu verhalten hat. Herr Sch. sei in seinen Augen ein Streikbrecher, mit dem er nicht zusammen arbeite. Herr Krause bittet, das Vergangene zu vergessen. Man möge die Köllegeü, die sich vergangen haben, wieder in die Reihen aufnehmen, wenn sie sich jetzt bewähren. Zur Sache sprachen noch die Herren Moorbach, Scharf, Spreer und Gabriel. Es wurde dann beschlossen, eine zchngliedrige Agitationskommission zn wählen; die bestehende Lohnkommission wurde damit aufgelöst. Weiter wurde beschlossen, einen Kollegen nach dem Schuhmacher- Kongreß i» Weißcnsels zu delegiren. Gewählt wurde Herr Krause. Folgender Antrag wurde dem Kongreß zur Beachtung empfohlen:„Es möge betreffs der Organisation der Arbeiterinnen dahin gewirkt werben, daß dieselben in Branchenvereinen organisirt werden, weil die Arbeiterinne» zur allgemeinen Schuh- macherorganisation schwer heranzuziehen sind. Ferner wird der Kongreß beauftragt, sich in Bezug auf die Agitation und die Aufbringung der Mittel hierzu schlüssig zu werden." Unter„Verschiedenem" theilt Herr Charpentin mit, daß sämmtliche Vorstandsmitglieder des Sleppervcreins in Magde- bürg gemaßregclt worden sind. Herr Franke, bei dem der Vor- sitzende und der Schriftführer in Arbeit standen, beabsichtigt, sich nach Berlin zu wende», um die Stellen auszufüllen. Die Kollegen möge» dem Herrn die gebührende Antwort geben. Herr Wuttke theilt mit, daß am 25. September Vormittags der Buchdrucker John aus dem Strafgefängniß zn Plötzensee entlassen wird. I. habe bekanntlich ein Jahr Geängniß wegen einer unbedachten Aeußerung, die er in einer Stepperversammlung gethan hatte, er- halten. Wer I. abholen wolle, möge sich bei ihm(Redner,). Friedrichsberger str. 20 einfinden. Die Versammlung bewilligt von dem vom Streik verbliebenen Uebcrschuß von 25 M. für den inhaftirten Genossen. Der Rest des Neberschusses wird den Greizer Webern überwiesen. Herr Moorbach erhebt einen schweren Vorwurf gegen Serrn Spreer. Sp. soll die llnterschrist des Herrn Dallach beim trcik beigebracht haben, obgleich Dallach nicht bewilligt hatte. Herr Spreer bezeichnet dies als eine Lüge. Er arbeite neun Stunden und eine lieberstunde täglich, für die er bezahlt erhalte. Herr Müller erklärt, daß er bei Ausbruch des Streiks die Arbeit bei Dallach niedergelegt habe, weil Dallach nicht bewilligen wollte. Spreer habe, trotzdem er dies wußte, die Arbeit dort aufgenommen. Nachdem noch Herr Krause einen Bericht über die ThätigkcU der Streik-Koutrolkommission gegeben hatte, machte der Vorsitzende bekannt, daß das neue Vcreinslokal sich Annenstraße 16 befinde. Herr Wuttkc fordert zum Beitritt in den Diskutirklub„Realismus" auf, der jeden Donnerstag Friedrichsbcrgerstr. 20 tagt. Darauf schloß die Versammlung. Die hirsigc Mitgliedschaft de« Ueedaudea der deut- scheu Kold- und Silberarbriter hielt am 3. d.M. in Feuer- stein's Restaurant, Alte Jakobstr. 75, eine gut besuchte außer- ordentliche Mitgliederversammlung mit folgender Tagesordnung ab: I. Werkstellenangelegenheiten. 2. Verschiedenes. Zum ersten tunkt der Tagesordnung wird der eventuelle Eintritt in eine ohnbewegung zur Diskussion gestellt und wird vom Kollegen Adam hierzu angeführt; es sei nunmehr, nachdem die Hamburger Angelegenheit so ziemlich ihren Abschluß gefunden habe, an der Zeit, daß die Berliner Kollegen zu dieser schon so oft diskutirten Frage entqiltig Stellung nehmen. Es sei doch in Anbetracht der heutigen Verhältnisse und der steten Preissteigerung für Lebens- mittel und Wohnnngsmiethe durchaus kein frivoles und unbilliges Verlangen zu nennen, wenn die Kollegen ihre zum Theil traurige Lage durch Erlangung einer geringen Lohnerhöhung einigermaßen zu verbessern suchen, um so mehr, da dieselben seit vielen Jahren mit keinerlei Forderungen an die Fabrikanten herangetreten sind. Es sei hierbei nur in Frage gestellt, was gefordert werden soll und welche von den verschiedenen Branchen im Gewerbe aus Grund einer günstigen Geschäftskonjunktur darauf rechnen kann, daß die zn stellende Forderung von Seiten der Fabrikanten ohne jedweden Kampf bewilligt wird. In der wldwaarenbranche sei augenblicklich der Geschäftsgang ein der- artig schlechter, daß eine Lohnbewegung von dieser Seite momentan nicht die geringste Aussicht auf Erfolg habe. Fast dasselbe sei von der Besteckarbeit zu sagen. Wesentlich anders liege jedoch diese Angelegenheit bei den Hammer- und Preß- arbeiter», so daß bei denselben die Forderung einer HOprozentigen Lohnerhöhung, welche bei den Stückarbeiten so zu vertheilen ist, daß die schlecht bezahlten Artikel einen größeren und die besser bezahlten einen geringeren Aufschlag erhalten, jedenfalls auf keine Schwierigkeiten von Seiten der Fabrikanten stoßen und jedenfalls ohne Kampf bewilligt werde. Daß die hierbei in Frage kommenden Artikel einen derärtig geringen Aufschlag vertragen können, beweise doch die den Kollegen bekannte Thatsache, daß die Firma Freund hiersclbst, welche doch gewiß zu den bestzahlenden Geschäften zu rechnen ist, ihren Arbeitern eine zehnprozentige Lohnerhöhung schon seit dem Mai d. I. be- willigt hat, allerdings mit der Voraussetzung, daß bis zum Oktober d. I. sämmtliche hiesigen hierbei in Frage kommenden Fabrikanten eine gleiche Lohnerhöhung ihren Arbeitern bewilligt haben, andernfalls dieselbe von diesem Datum an wieder wegfalle. Bei einer Forderung zu Gunsten einer Verkürzung der Arbeitszeit müsse in Erwägung gebracht werden, daß dieselbe in den einzelnen Geschäften eine sehr verschiedene sei. Es würde z. B. in einigen Ge- schäften 8Vg, in anderen aber lOVe Stunden gearbeitet und müßten hierbei vor allen Dingen die Geschäfte in Betracht kommen, welche im Besitz der ausgedehntesten Arbeitszeit sind. Im Weiteren kommt Redner auf die Stellung des Verbandes zu dieser Angelegenheit und den Verlust an Mitgliedern, welchen derselbe erleiden würde, wenn die Kollegen beschließen, vorläufig in keine Lohn- bcwegung einzutreten, zu sprechen und empfiehlt zum Schluß, wenn nicht das bereits Errungene in Frage gestellt werden soll, ein allgemeines Vorgehen der Hammer- und Preßarbeiter, daß Icherlich jetzt bei Beginn des Geschäftes wegen der Berechtigung und in Anbetracht der bescheidenen Forderung nur billig werden dürfte: Kollege Holtkamp beleuchtet in Längerem die einschlägigen Verhältnisse im Goldschmiedegewerbe und führt unter anderem auS, daß bei den Goldarbeiter»(mit Ausnahme der Fasser und Arbeiter auf montirte Gegenstände) keineswegs erfreuliche Zu- stände vorherrschen, weil infolge der großen Auswahl der vor- handenen Arbeitskräfte das Angebot stärker sei, als die Nachfrage und infolge dessen in der tobten Saison die Arbeitslosigkeit eine derartige sei, daß ein großer Theil beschäftigungslos umherirrt, während in der flotten Geschäftsperiodc meistens 13—15 Stunden gearbeitet wird und dürste es daher nicht befremden, daß der Durchschnittslohn für Goldarbciter ans Massenartikel und Repa- raturcn sich auf 12—14 M. per Woche stellt. Zu den Silberarbeitern übergehend, besprach derselbe die bereits vor einigen Monaten eingeführte Erhöhung der Preise um lOpEt. bei der Firma Freund und bedauerte, sich der von dem Vorredner vertretenen Ansicht, eines Entgegenkommens seitens der Arbeitgeber zu dieser bescheidenen Forderung, nicht anschließen zu können und hält die Durchfuhrung der Forderung in anbetracht des immerwährenden Steigens des Preises für das Rohmaterial und der damit verbundenen Einschränkung der Produktion für gewagt, weil in ablehnendem Falle die Organisation noch zu jung und die anderen Gewerkschaften durch den Ausstand in Hamburg zu sehr in Mitleidenschast gezogen worden sind und schließt mir der Mahnung, daß die Kollegen vor Entscheidung dies erwägen und darnach handeln möchten. Hieraus wird von dem Kollegen Damm folgender Antrag gestellt: Stelle den Antrag, so bald wie möglich eine Werkstcllen- Delegirten-Versammlung einzuberufen und zn dieser sämmtliche interesfirten Fabrikanten brieflich einzuladen, um auf diese Weise eine gütliche Einigung anzustreben und das Resultat dieser Verhand- lungc» einer demnächst einzuberufenden öffentlichen Versammlung zu unterbreiten, welche dann über die weiteren Schritte zu be- 'chließen hat. An dem weiteren Verlauf der Debatte betheiligen sich zu wiederholten Malen die Kollegen Damm, Adam, Henning, Mitschke, Holtkamp, Münnich, Lindow u. A. m. und wird unter Anderem angeführt, daß die in Frage kommenden Artikel einen derartig geringen Älufschlag unbedingt vertragen könnten. Den Beweis hierfür liefere z. B. ein Gerichtsentscheid, nach welchem eine hiesige Silbcrwaarenfabrik innerhalb mehrerer Jahre durch be- trügerische Manipulationen eines ihrer Mitarbeiter um Maaren iin Wcrthe von 25 000 Mark geschädigt worden ist, ohne daß der geringste Ausfall im Geschäft gemerkt wurde, und wenn in einem Geschäft Waaren von solchem Werthe entwendet werden können. ohne daß der Verbleib derselben irgendwie auffalle, könnte es doch mit dem Verdienst immerhin noch nicht so schlecht stehen. Auch wurde angeführt, daß es doch Pflicht der Kollegen sei, dafür ein- zutreten, daß den Kollegen der Firma Freund ihre Lohnerhöhung erhalten bleibt. Im Weiteren wird ein von dem Kollegen Ehristoph gestellter Antrag angenommen, welcher besagt, daß nur die an dieser An- gclegcnheit interesfirten Kollegen, also die Hammer- und Preß- arbeiter, sich an der Abstimmung über den Antrag Damm be- thciligen sollen. Letzterer kommt hierauf zur Abstimmung und wird mit großer Majorität angenommen. Unter Verschiedenem kamen noch einige Vcreinsangelcgenhciten zur Sprache und schließt hierauf der Vorsitzende die Versammlung. Der Uerrin zur Mahrnng der Interessen der Schnh- inacher und verwandten Bernfsgenossen hielt am Montag, den 3. September, seine Mitgliederversammlung ab, in welcher der Kollege M. BaginSki über die Ursache der Armuth sprach. Dem Vortrage, welcher mit großem Beifall aufgenommen wurde, folgte eine längere Diskussion, in welcher sich sämmtliche Redner im Sinne des Referenten aussprachen.— Zuni Punkt Verschiedenes wurden die Kollegen ermahnt, der Freien Volksbühne beizutreten. Alsdann wurde ein Artikel ans dem Gothaer Schuhmacher- Fachblatt vorgelesen, welcher von einem Herrn Fleischer aus Berlin eingesandt war und von Anzapftingen gegen den Fach- verein strotzte. Man war verwundert, daß die llledaktion den Artikel angenommen hatte, und wurde beschlossen, eine Erwiderung einzusenden, nicht wegen Herrn Fleischer, denn bei dem waren eolche krankhaften Ers""'-------- n,—--»•- der je krankhaften Erscheinungen nichts Neues, sondern nur wegen Kollegen Deutschlands. Es wurde dann noch beschlossen, auf Sonntag, den 21. d. M., eine Landpartie nach Schmargendorf zn unternehmen. Alsdann wurde noch bekannt', gegeben, daß die nächste öffentliche Versammlung am Montag, den 15. d. M., bei Feuerstein, Alte Jakodstraße, stattfinden werde. Sodann erfolgte ichlnß der Versammlung. Der Fachverrin der Schlächtergejelle» Kerlin» und Umgegend hielt am Sonntag, den 7. Sept., in May's Festsälen, Sciitfjjir. 22, seine erste außerordentliche Generalversammlung ab, melche zahlreich besucht mar. Zum ersten Punkt der Tages- ordnung erhielt Herr Dr. Lütgenau das Wort und hielt derselbe einen sehr lehrreichen Vortrag über die Darwin'sche Lehre und erntete dafür reichen Beifall. Durch Antrag wurde von der Tis- kussion Abstand genommen, um den guten Eindruck, den der Vortrag gemacht, nicht abzuschwächen. Unter Punkt 3 sprach College Blumschein und forderte die Kollegen auf, jede Ausbeutung durch die Stellenvermittler in den Versammlungen bekannt zu machen, damit dieselben durch die Presse in die Oeffentlichkeit gelangen können.(Großer Beifall.) In demselben Sinne sprach Kollege Schwartze und konstatirte, daß schon mehrere Stellen seit der letzten Versammlung von unserem Stellennachweis besetzt ivorden sind. Er kritisirte scharf das unwürdige Verhalten der Stellen- vermittler im Ganzen, hauptsächlich dasjenige der Stellenvermittler Henning und Quaas. Der Stellenvermittler Henning, Seydel- ssraße 13, welcher neben der Stellenvermittlung noch ein Schank- geschäft betreibt, bot beul Kollegen E. K. Arbeit an und verlangte für die Stelle 3 M. Als ihm der Kollege erklärte, mittellos zu sein, verlangte Henning als Pfand für die 3 M. dessen Uhr.— Als nun K. erklärte, die Uhr bei der Arbeit nicht entbehren zu können, deutete ihm Henning an, ihn dann nicht in Arbeit schicken zu können.(Pfui!!) Ferner ersuchte eine Lehr- mamsell E. G. den Henning um eine Lehrstelle und erhielt darauf von demselben die Antwort:„Wenn Sic mit mir mal spazieren gehen oder nach den Zelten fahren wollen, werde ich Ihnen eine Lehrstelle nachiveisen(Große Unruhe und Pfuirufe!) worauf die G. sofort das Zimmer des Henning verließ. Redner erläuterte, daß diese Handlungsweise tief blicken ließe, da durch derartige Manipulationen die hilflosen Mädchen der Prostitution in die Arme getrieben würde», deren Ende das Arbeitshaus wäre. (Großer Beifall.) Schwartze sprach sich entschieden dagegen aus, daß dem Henning vom 1. Oktober ab das Gewerkshaus und die Stellenvermittelung übertragen werde, er halte es geradeweg für eine Schande des gesammten Fleischergewerks.(Stürmischer Bei- fall.)— Am 4. September brachte die„Allgemeine Fleischer- Zeitung" einen zinkographirten Drohbrief, welchen Henning er- halten haben will.(Jedenfalls rührt derselbe aus den Händen der Gegner her!) Kollege Gaßmann erläuterte den Brief und ist der Meinung, daß die ganze Geschichte eine Machwerk der Feinde des Fachvereins sei.(Sehr richtig!) Da nun die„Allgemeine Fleischer-Zeitung" sowie Herr Henning eine Belohnung von je 25 M. für die Ermittelung des Schreibers ausgesetzt haben, so stellte Kollege Gaßmann den Antrag, ebenfalls 25 M. von Seiten des Fachvercins für die Ermittelung des anonymen Schreibers zu bewilligen, welcher Antrag einstimmig angenommen wurde. So- dann schloß der Vorsitzende die imposante Versammlung mit einem dreimaligen Hoch auf das Gedeihen des Fachvereius der Schlächter- gesellen Berlins und Umgegend. Der sozialdemokratische Dvaliloerei«« des vierte» Berliner Ueichotags-Walilkreiseo hielt ain Montag eine Mitgliederversammlung im Lokal„Süd-Ost", Waldemarstraße 72, ab. Auf der Tagesordnung stand: 1. Vortrag des Genossen Franz Berndt über die Ursachen der Verbrechen. 2. Diskussion. 3. Vcreinsangelegenheiten. 4. Verschiedenes und Fragekaste», Genosse Berndt hielt einen mit großein Beifall aufge- nommenen Vortrag, an den sich eine lebhaste Diskussion schloß. Folgende Resolution gelangte zur einstimmigen Annahme: „Die heutige Versammlung des sozialdemokratischen Wahlvereins des 4. Berliner Reichstags-Wahlkreises erklärt sich mit den Ausführungen des Referenten einverstanden und erklärt, daß die Ursachen der Verbrechen nur der heuligenProduktionsweise und unseren ökonomischen Verhält- nissen zuzuschreiben sind, und verpflichtet sich die Versammlung durch Verbreitung des sozialdemokratischen Prinzips, den Ursachen der Verbrechen zu steuern, denn durch die heutige moderne Gcsellschasts- Ordnung ist das nicht möglich." Unter Vereinsangelegeuheitcn wird bekannt gemacht, daß die nächste Versammlung am 15. September im Böhmischen Brau- Haus stattfindet, llieferent Paul Singer. Auch wird auf die Zahlstellen des Vereins hingewiesen. Dieselben sind bei den Ge- nossen: Fritz Zubeil, Naunynstraße 86; August Tempel, Breslauer- straße 27; Otto Heindorf, Langestr. 70; Karl Scholz, Wrangelstraße 32; Gottfried Schulz, Admiralstr. 40. Unter Verschiedenes theilt Genosse Neuhaus, Georgenkirch- straße 67, mit, daß er, sowie Genosse Berger, Große Frankfurter- straße 92, bereit sind, Meldungen zum Austritt aus der Landes- kirche entgegen zu nehmen. Daraus wird die Versammlung ge- �10�- öffentliche Uersammlung der Stnckatevr-Kerlino und Umgegend fand am Montag, den 1. September, im Lokale des Herrn Zemter, Münzstr. 11, mit folgender Tagesordnung: I. Berichterstattung der Delegirten vom Stuckateur- Kongreß. 2. Diskussion. 3. Abrechnung der Vertrauensleute, sowie Wahl zweier Revisoren und eines Vertrauensmannes. 4. Verschiedenes, statt. In das Bureau wurden die Herren A. Jänicke, C. Hofs- niann und O. Kohn gewählt. Zum ersten Punkt erhielt der Tclcgirte Herr Marker das Wort, derselbe berichtete Folgendes: Der Kongreß wurde von Herrn Eubisch am 18. August, Morgens 8 Uhr 40 Minuten, eröffnet. Es waren 14 Städte durch 19 Delegirte vertreten. In das Bureau wurden die Herren Odentbal ans Köln als erst-r Vorsitzender, Marker, Berlin, als zweiter Vorsitzender, Lersch» Köln, als Protokollführer, Bamann, tamburg und Heinle, Dresden, als Schriftführer gewählt. ie Tagesordnung lautete: 1. Berichterstattung des Agitations- komit-e's. 2. Abrechnung. 3. Statistische Erhebung. 4. Bericht über die Geschäftslage in den verschiedenen Orten. 5. Organsragc. 6. Lokal- oder Zentral-Organisatio». 7. Arbeitsnachweis. 8. Ver- kürzung der Arbeitszeit. 9. Verschiedenes. Redner führte an, daß die Lage der Stuckateure Deutschlands sehr schlecht stände, am schlechtesten ist die Lage in Süddeutsch- land; Berlin, die Großstadt, stände ebenfalls sehr schlecht da, denn in Berlin feiern gegen 500 Kollegen, darunter einige, die schon 10 bis 12 Wochen keine Arbeit haben. Es seien theilweise Streiks ausgebrochen und zwar in Breslau, Frankfurt a. M., Nürnberg und Fürth. Mit einem vollständigen Sieg endete nur der Frank- furter Streik, neunstündige Arbeitszeit und 5 M. Lohn. Die Stuckateure Teutschlands können noch nicht Front gegen das Lkapital. machen, weil sie noch immer zu schwach orgamsirl seien. Es wäre Pflicht eines jeden Kollegen dafür zu ag,t>ren und die außenstehenden Kollegen auszusordern, dein Fachverein beizutreten. � ,,,, t Die Abrechnung des Agitations-Fonds für ganz Deutschland war folgende: Einnahme 717 M. 90 Pf., Ausgabe 492 M. 45 Pf., bleibt Bestand 225 M. 55 Pf. Die Delegirten haben ihr Be- dauern darüber ausgesprochen, daß es eine so winzige Summe sei, was ihnen sehr unglaublich wäre. Es sind dann drei Rc- visoren gewählt worden, die die Abrechnung geprüft und für richtig befunden haben. Ueber statistische Erhebungen der Lehrlingsfrage führte Redner an, daß in vielen Werkstätten 1 bis 2 Gehilfen arbeiten, denen 9 bis 12 Lehrlinge gegenüber stehen, in einem Geschüft sogar 15 bis 17 Lehrlinge beschäftigt werde». Beim Bericht über die Geschäftslage in den verschiedenen Orten führte er folgendes an: in Berlin befinden sich 1200 Kollege», davon 170 dem Fachverein angehören, in Mannheim sind 200 Kollegen, 100 seien davon gelernte Arbeitsleute, die Arbeitszeit beträgt 11 Stunden. In Leipzig seien 104 Stuckateure, davon 74 Vereins- angehörige, die Arbeitszeit ist 9—10 Stunden, Durchschnittswochenlohn 27 M. In Breslau seien 76 Kollege», 58 gehören dem Verein a», Arbeitszeit 10 Stunde». Durchschnittstagelohn 3,50 M. In Elberfeld seien 180 Kollegen, 60 gehören dem Fach- verein an, die Arbeitszeit beträgt OV: Stunden, der Durch- schnittslohn ist 4,50 M., bessere Arbeiter erhalten 5 M. Hauptsächlich werden die Arbeiten in Akkord ausgeführt. Magdeburg: von 70 bis 75 Kollegen gehören 36 dem Verein an, der Wocheulohn beträgt 16,50 bis 24 M. In Stuttgart herrschen sehr traurige Ver- Hältnisse. Beschäftigt sind im Sommer 400—450 Stuckateure, 80—100 im Winter. Die Arbeitszeit beträgt im Tagelohn elf Stunden, ini Akkord 14—16 Stunden, in einzelnen Fällen sogar 17—18 Stunden. Dein Verein gehören 130 an. Der Durchschnittslohn eines guten Arbeiters beträgt 3,50 M. Essen: Von 150 Stuckateure» gehören 40 dem Verein an, die sich aber selten in den Vereinsversammlungen sehen lassen; die Arbeitszeit betrügt lOVe Stunden; Durchschnittslohn 4,50 M. den Tag; hier spielt das Pfuscherwesen eine große Rolle, hauptsächlich bei den Spekulations- bauten. In Nürnberg-Fürth sind 200 Stuckateure beschäftigt, hiervon gehören 164 dem Verein an, derselbe besteht seit Mai dieses Jahres. Köln: Von 200 Stuckateure» gehören 125, von 300 Fayadenputzcrn 5—6 dem Verein an, die Arbeitszeit ist eine 9Vs stündige, der Wochenlohn beträgt 4—4,50 M. und 5 M. Dresden• Beschäftigt sind 90 Stuckateure, in normaler Zeit 45 bis 50, davon gehören 54 dem Verein an, die Arbeitszeit ist eine zehnstündige. Als Hauptorgan der Stuckateure Deutschlands wurde das „Vereinsblatt" als das beste empfohlen und anerkannt, und es wäre Pflicht eines jeden Kollegen, für die weiteste Verbreitung zu agitiren. Der Arbeitsnachweis müßte strikte inne gehalten werde»; an den Orte», wo noch keine vorhanden, sind solche einzuführen, und sind die Kollegen darauf aufmerksam zu machen, damit das viele Schnurrengehen bei Seite gelassen wird. Zu Punkt 8: Verkürzung der Arbeitszeit, forderte Redner auf, den neunstündigen Arbeitstag innezuhalten. In diesem Sinne haben sich sämmtliche Delegirte zu Elberfeld ausgesprochen, dafür zu wirken. Unter Verschiedenem theilte der Delegirte Braum mit, daß die Kollegen in Köln sich die Rüstungen selber bauen müßten und zwar unentgeltlich, die Arbeiten aber meistens bei Licht ausgeführt wer- den, wobei die Gehilfen das Oel liesern, im Winter sich die Oese» und den Koaks mitbringen müsse», um auf dein Bau zu arbeiten. Der Kongreß hat beschlossen, die Lichtarbeit abzuschaffen; auch die Arbeit über Koakskörben, da das der Gesundheit sehr 'chädlich ist, und dafür zu sorgen, daß die Bauten im Winter mit Fenstern versehen sind. Zur Diskussion sprach ein Redner sich in demselben Sinne der Delegirten aus und stellte hierauf den Antrag, da die Versammlung sich sehr gelichtet hat, die öffentliche Versammlung zu vertagen bis zum Montag, de» 8. September, um die Fort- setzung der Diskussion weiter vorzunehmen. Hierauf schloß der Lorsitzende die Versammlung um 12Va Uhr. Der Uerci» ,ur Wahrini g der Interesse» der Klavier- arbriter und Berufsgenossen hielt am 6. September in Teig- müller's Salon, Alte Jakobstraße 48a, seine Mitgliederversammlung ab. Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn Wolsgang Heine über einige Punkte der Gewerbeordnung. 2. Werkstattangelegen- heit. 3. Verschiedene?. Der Vortragende giebt einen geschichtlichen Rückblick der gewerblichen Verhältnisse in früheren Jahrhunderten bis zur Neuzeit und kommt aus das Entstehen der Geivcrbegesetzgebung zu sprechen. Der Referent erläutert eingehend einige Paragraphen der Gewerbeordnung, welche für den'Arbeiter von besonderem Interesse sind, unter Anderem das 5kündignngsrecht und das Trucksystem. Reicher Beifall wird ihm am Schluß für seine Ausführungen zu Theil. An der Diskussion betheiligten sich mehrere Kollegen und beantwortet der Herr Referent die an ihn gestellten Fragen wiederholt. Zu Punkt 2 sind die Kollegen von Lnbitz, Pianosortesabrik eingeladen worden. Auch in dieser Fabrik ist der achtstündige Arbeitstag ausgegeben ivorden und werden die 5kollege», auch die von anderen Fabriken, wo derselbe noch besteht, aufgefordert, daran festzuhalten resp. jetzt, wo das Geschäft anfängt, et ivaS besser zil gehen, nicht 10— 12 Stunden und noch länger zu arbeiten; 'ondern an die arbeitslosen Kollegen zu denken. Möchten denn doch die Kollegen sich inuner bewußt sei», wie wichtig eine kurze Arbeitszeit für ihren Körper und Geist ist und die einmal gefaßten Beschlüsse hochhalten und nicht so leichtbei Seite zu werfen. Der Vorsitzende macht das Schreiben der �Freien Volksbühne" an den Verein bekannt und fordert?llle, welche pekuniär es können, aus, sich einschreiben zu lassen und sich an dem Abonnement zn betheiligen.— Gleichzeitig wird bekannt gegeben, daß von jetzt an die regelmäßigen Mitglieder- Versammlungen Montags bei D e i g m ü l l e r statt- ' i n d e n.(Anfgenommen wurden 13 Mitglieder). Die nächste Versammlung findet am 22. September/ bei Deigmüllcr, und den o? K-nt?»iKi-i- bei Minner, Rosenthalerstr. 11—12, statt. Das 27. September, Stiftungsfest findetSonn abend, d e n 13. S ep t b r., bei Buggenhagen, Moritzplatz, statt. Schluß der Versammlung »AI Uhr. Die freie Uerrinigung der Gärtner und verwandte» Dernfsgenolse» hielt am 3. September eine Versammlung in Feuerstein's Salon, Alte Jakobsir. 75, ab. Zum 1. Punkt der Tagesordnung referirte Genosse Paul Litsiu über die Ge- werkschaftsbcwegung während und nach dem Sozialistengesetz. Den interessanten Ausführungen des Referenten folgten die An- wesenden mit der größten Aufmerksamkeit und bekundeten durch ihren lebhasten Beifall, daß sie den Ernst der heutigen Lage er- kannt und begriffen haben. Unter Verschiedenem wurde der Bc- schluß gefaßt, im Monat Oktober das erste Stiftungsfest zu feiern und findet dasselbe am Sonnabend, den 18. Oktober, in Sternecker's Bürgersälen, DreSdenerstraße, statt. Ferner wurde uoch auf die am 17. September in demselben Lokale stattfindende öffentliche Versammlung aufmerksam gemacht. Don Krrr» DI. Lirflnudcr erhalten wir folgende Zu- schrift: In der Mittwoch-Nummer des„Berliner Volksblatt" befindet sich im Anschluß an einen Versammlungsbericht eine auf meine Person bezügliche Bemerkung, welche desagt, daß ich im Jahre 1888, kurz vor meiner Entlassung aus der Expedition, eine bezahlte redaktionelle Reklame als Annonze aufgenommen habe. Diese Bemerkung bedarf nach zivci Seiten hin> der Richtigstellung. Ich habe während meiner Thätigkeit am„Berliner Bolksblatt" nie- mals eine für den redaktionellen Theil des Blattes bestimmte Notiz als Annonze aufgenommen, dazu war ich als Expedient auch gar nicht befugt, soweit solche Reklamen in das„Berlin«» Volksblatt gelangt sind, ist eS ohne mein Wissen und Wollen ge- schehen. Ferner bin ich auch nicht entlassen worden, sondern habe meine Entlassung aus der Expedition ans Grund des Ver- sprcchens, daß ich als Gerichts-Berichterstatter thälig sein könne, selbst genommen. W. Liefländer. I Soweit wir uns hierbei zu thatsächlichen Richtigsiellungen ver- anlaßt fühlen, müssen wir konstatiren, daß Herrn Liesländer das Gedächtniß in recht unglücklicher Weise im Stich läßt. Das in Rede stehende Inserat ist von Herrn Liefländer, wie unsere Geschäftsbücher beweisen, selbst am 23. Mai 1888 gebucht worden. Seine eigene Handschrist liefert den vollgiltigen Beweis hierfür.„Ohne sein Wissen und Wollen" kann der Vorgang sich daher wohl kaum abgespielt haben. Merkivürdiger Weise vergißt Herr Liesländer bei seinen„Enthüllungen" gerade den Umstand anzuführen, daß er derjenige war, der die Schreckensthat „mitverbrochcn" hat. Was nun andererseits den zweiten Punkt der Liefländer'schen Erklärung bezüglich seiner Entlassung anbetrifft, so wissen die eingeweihten Genossen ja am besten, wie die Angelegenheit zu sammenhängt, und wir glauben, gerade in dieser Beziehung einer Auseinandersetzung oder Richtigstellung überhoben zu sein. Wir betonen aber hier noch einmal, daß wir den„Enthüllungen" von dieser Seite auf dem Parteitag mit unendlicher Seelenruhe entgegensehen._ Kerichtignng. In'der Nr. 206 des„Berliner Voll-b� vom Freitag, den 5. September soll es in dem Bericht v Noi-tfinimliinn he?, Allaemeine» Arbeiterinnen-Verems lr i Versammlung des Allgemeinen etroeucui»lr»-o"->"-- MßM Den'Antrag auf die nächste Tagesordn nicht heißen:„ setzen," sondern: Versammlung." „auf die Tagesordnung der nächsten Die in A»»stcht aeuoiuttienc Doelrsuna der..Freie» verschoben werden, da der Vorleser, Herr Gustav»ober, M,[(: wollte, ste wird aber nunmehr e n d g i l t t g am M i l l w s 17. Sepie>n der, im Konzerthause„Sanssouci". Koltbuserstr.«o, ij. Zum Vortrag kommen ausgesuchte Dichtungen von Freiligralh, Holz und Strtndberg. Ten Vortrag hat der Oberregisseur Herr Jui>» � übernommen. Zu dieser Vorlesung ladet Alle(Männer und Fcauech. siir das Gedeihen der„Freien Volksbühne" tnteressiren, ergebend Vorstand.....«,[(,- Loiialdrmokratisiher Fete- und Diskutirklnb..Freiheit- sitzung am Tonnerslag, den II. September, Abends g Uhr, bei Zubeu, straste so. Gäste, durch Mitglieder eingeführt, haben Zutritt. lgeffentliche ziert»u»ntuna der«ärtner und verrvandie»»'� genossen Berlins und Umgegend, am Mittwoch, den 17. September, % Uhr. im Restaurant Feuerstein, Alte Jakobstr. 75. Togcse I. Was giebt der Arbeiter dem Staat, und was erhält er»0# JJ"»■ Referent Genosse Wilh. Werner, s. Diskussion. 3. Bericht des Arbeitsno» 4. Verschiedenes. Das Grscheinen aller ftolleaen ist dringend nothwe» Verschiedenes. TaS Erscheinen aller Kollegen ist dringend nothwe, Soiialdrmokrotitchrr Frte-»nd Diolintiriilnli„Karl War -- unter volireilickier Aussiebt Älariendorfen RH, Zuti »»d Diolrntirklnb von jetzt ab jeden Freitag unter polizeilicher Aussicht Marien. bei Schönfeld. Gäste haben Zutritt. Feto- n»d Diokntirklud..Pealio»»»»", Tonnerstag, den 11. Abends s;; Uhr, bei Wutlke, Friedrichsbergerstr. so. TageSor"" leimig, Tis kussion. Verschiedenes. Aufnahme neuer Mitglieder, Zutritt. L,* Q W «iZeloUigor Klub„Nossonng". Sitzung jeden Donnerstag, Abend» � Restanrant Krüger(Frankfurter Bierhallen) Große Franksurierstr. jtorri»« säinmtlicher �» vaus Ol Klasse». Verwaltungsstelle Berlin i. Sonnabend, den 13.•-«» hintan? S—--——-"■—„«a nrXniina. scheint durch Mitglieder eingeführt, willkommen.' Kranlirn- und Hegräbiii»Kasse de« Fterei»» snninitlicher„ HfliiZ vi Abends s Uhr. Blunrenstr. 78, bei Wollschläger. Tagesordnung. bcricht. Mitthetlungen. Geschäftliches. Kozialdcinoliratitcher Fese- und DiaKntirKblub„J»?«*»' Sitzung am Donnerstag, den n. September, Abends 8 Uhr, bei CW' Andreasstr. i». Gäste haben Zutritt.„ Freie Flerrinigiiiig der Kaufleute. Vorstandsfltzung am* j.i.k' den II. September, Abends 8% Uhr, bei I, Heindorf, Langestr. 70. Wesenheit von Mitgliedern ist erwünscht. ,, «ZeteUiger Nerein„Kossnung". Sitzung am Donnerstag, beNchußi .......... Kiesewetler, Weberftr, 10. Gäste, durch M»» tember, Abends s Uhr, bei Kieiriveuer,-u-eoerpr. iv. isnip-, ww.-v—- eingeführt, willkommen.„,.„«f Soiialdeinokratischer Mahlverei» für den 1. Kerliner Wahtkreio. Große Versammlung am Donnerstag, den II. September,» 8% Uhr, in den Arminhallen. gesangverein„Sangeslust", Abends s Uhr im Restaurant Gründer, Vulo>?� — Männergesangvercin„Lätitia" Abends 3 Uhr in Betttns' NestauraNt, sjtHI( ranenstraße w.— Männergesangverein„Nordstern" Abends 3 Restaurant Pohl, Müllerstr. 7.— Schäferscher„Gesangverein � Fnv,, Abends 9 Uhr bei Wolf u. Krüger, Skalitzerstr. 128, Gesang.— SesanS �„ ,~ul» .Blüthenkranz"'Abends 9 Uhr im Restaurant Branden burastr. 60.—•*',/ u° t 0 n i gesangverein„Alexander" Abends 9 Uhr im Restaurant Rose, Strau»„, A' straße 3.— Männergesangveretn„Firmitas" bei»inner, Köpnickersir.„s V zw Männergesangvercin„Sangesfreunde" Abends 3 biS II Uhr, Frankfurt"„ ,,, hallen(Krüger), Große ttrankkurterltr. 102.—.Brunonta"'Abends 1. Uebungsstunde bei Set (Lehrlingsabiheilung) ,..1! enossenschasl"(7. Lchrlingsabtheilung) Abends s Uhr in der flädtisched z« ivlUlvcf .alle, Briyerstr. 17—18;— deSal. 0. Männerabtheilung Abends 8»pt.,#«*A(tsshp|( städtischen Turnhalle, Gubeners«. 51.— Sübeck'scher Turnverein(-"),.,* 1". Abtheilung) Abends 8 Uhr Elisabelhstr. 57— SS.— Allgemeiner Arend zzygsff Stenographenverein, Abtheilung„Louisensladt", AbendZ 8%»9„i» dfn>,• rA Restaurant Preuß, Oranienstraße 51.— ArendS'scher Stenographsth.� vtefet „Phalanx" Abends 6% Uhr im Restaurant„Zum Buckower Garten",<% Nlicki straße 9.— Deutscher Verein ArendS'scher Stenographen Abends 9..), Heibl's Restaurant, Koppenslr. 76, Unterricht und Ucbuna.— Berliners tztig wtlb graphen-Beretn(Sysicm ArendS) Abends 9 Uhr im RestSürant 0/, j* sj/u.-,___ straße 208.— Stolze'scher Stenographenverein„Nord-Berlin" Abends„ iYSmCje Schlegclstr. 44.— Verein der„Naturfreunde" AbeudS 9 Uhr im"e' J«»*"JCUtHrh Wtenerstr. 35.- Verein der Unrmhstädter Abends 8% Uhr im£5 Bfx' 7 ------_...- W. R-ttschl»«],!"Ith Nickt stadt-Kasino", Holzinnrttsir. 72.— Verein ehemaliger F Schüler am 1. und 3. Donnerstag jeden Monals im 61 Safe Schüler am i. und 3. Tonnerstag jeden Monals..........----„_ bergerftr. 78 Abends 8 Uhr.— Rauchklub„Kernspitze" Abends Dtis im Restaurant Böhl, Rlldersdorserstraße 8.— Rauchllub 7' M, Abends 9 Uhr bei ZtvlinSIi, Reichenbcrgerstraße 71.— Rauchklub„»»0 c u 1011 waage" Abends s Uhr, Blumenstraße 38 bei Hencke.— Rsjjut«hriaeu „Vorwärts" Abends 0 Uhr beiui Herrn Tempel, Resiaiirant„Zum* Breslau erstr. 27. Orientalischer Rauchklub" Abends o Uhr im Reuaur. W'U TstyrieveN Oranienstraße 8.— Rauchklub„Krumme Piepe" Abends 9 Uhr Langestr-»« Heinhorf.— Nauchklub„.clkrtÄ!rl. Merun Mendev Inhalt desselben identistzirk zu werden..- Sine Muster lasse, wie sie im Buche steht, ist die Kra» ,'Oe und Sterbekasse der Fuhrherren-Jmmng zu Berlin._ Ter Kutscher Wilhelm Streich, Mitglied obiger Kasse, am 25. Juli er. von einem Arbeitswagen überfahren und Die Redaktion stellt die Benutzung de» Sprechsaals, soweit Raum bafür NilU geben ist, dem Publikum zur Besprechung von Angelegenheiten allgem ßl �ppmiO. Interesses zur Verfügung; sie verwahrt sich aber gleichzeitig dagegen, M>. Kannte »tun nun Ivaildte er sich an die obenerwähnte Krankenkasse, Alexav„ straße 22, mit der Bitte um weitere Unterstützung. Von L nn'' ivurde Streich nun an den Kassenarzt Dr. Schlesinger,> �teuc lhalcrstr. 17, verwiese», welcher, ohne den Kranken nähe� uAblcssj( untersuchen, kurz erklärte:„Schonen Sie sich", und mußtt'" Kranke wieder den Heimweg antreten»nt der Weisung:«4� bis 4 Tagen kommen Sie wieder I und bringen Sie Ihren S«» mit zum Unterschreiben". Als sich derselbe nun aus der 8- einen Schein erbitten wollte, warf man ihm das Buch hin\ den Worte»:„Hier ist das Buch, Schein giebt's nicht!"% wurde eine iveitere Unterstützung von Seiten der Kasse", ständig veriveigert und der Arzt erklärte:„Er könne nich� jj; gegen machen, er müsse sich selbst den Anordnungen der fügen". Wohl einsehend, daß Streich vollständig arbeitsunßu ist, war der Arzt nicht berechtigt, den llranken„arbeitsunsab; zli erklären. Da möchte man doch fragen: Wohin soll- führen? Ist hier Niemand, der Abhilfe schafft? Oder sind.. Mitglieder nur da, um das Geld los zn werden und sich in E v. Schmerzen im neuen Hain zu erhängen? Der Vorstand ob S, Kasse möge doch ein wenig mehr Pflichtgefühl besitzen. die kranken Kasseniililglieder nicht hilflos auf die Straße iveu W. Streich, Friedenstr. 47a. A Us Vvivfstnflvtt dvv Mvdsrkkiotr«.. llnsraaen bitten wir die Abonnemenls-Quittung beizufügen. Arttn Bei Anfragen bitten wir die Abonnemenls-Quiliung beizufügen. Annvorl wird nicht erlheilt. Anskl� eck 7 G. Lab er. Wir können Ihnen keine genau« gebe». Crnst Fischer. 1. Der Arbeiter kann Kündigung langen. 2. Das Gewerbegericht hat das Recht nnd steht 0% die Abweisung Berufung an das Amtsgericht binnen Tagen frei. J Dl. L. Sie brauchen, falls Sic nachiveisen, daß das A-'z zeng ohne Ihre Schuld zerbrach, dasselbe nicht zu beza? Klage» Sie beim Gc>verbegericht allf den Lohnrest. ZU. D. 100, Der Soldat ist sofort sahnenflüchtig wird bestraft. D. 07. Das darf der Meister nicht. C. Müller. Die Kasse ist zur Zahlung verpflichtet. Sie beim Landgericht II. .U «--ich ?'d |5S i bieine :si i Verantwortlicher Redakteur: Cnrt Kaake in Berlin. Druck und Verlag von Mar Kading in Berlin SW., Beuthstraße 2.