.gilt' üb!v M enhi» Fr. 313. Soimaliend, de« 13. September 1890. 7. Jahrg. St . M cofif5" T-s>". Mim Msdlatl. Hrgan für die Znkeressen der Arbeiter. ?»» :$ '•S vort1' I )t I»0" n «rschtint r.r i cm Das..Berliner Bolksblatt" WSSPW&WW ----- F-rnfprecher: Amt VI. Ar. 4103.___ Nedcrltkion: Venkhflvsr�v S.— Expedition: Venkhftrntze 3. ,«uß s »fi nf"" tnt� ;Äl it Nirhkuttg: Diejenigen Genossen, lvelche auf Grund des Sozialisten- Wietzes Qu= Berlin ausgewiesen und Willens sind, zum ' Oktober nach Berlin zurück zu kehren, resp. vorüber- Mend zu dieser Zeit Berlin besuchen wollen, werden �durch ersucht, ihre Adressen bis spätestens 20. September bestich mit Angabe, ob sie in Berlin zu verbleiben ober ""t vorübergehend zurückzukehren gedenken, umgehend an �verzeichnete einzureichen, da spätere Meldungen nicht beabsichtigt werden können. Alle bis dato, sowie bis zum 20. September ein- ichende Meldungen und Anfragen werden wir mit näherer �gabe in Betreff des Empfanges tt. bis spätetens 2. September brieflich beantworten. Dtto Klei,», Zigarrengeschäft, Ritterstr. 15, 8. Carl Mitdbrrgrr, Tapezier, Koniniandantenstr. CO, 8. Gottfried Kchnls, Zigarrcngeschäft, Kottbuserplatz, 80. Otto Thierbach, Rheinsbergcrstr. 29, N. Die Parteiblätter werden um Abdruck dieses Ausrufes Sibeten. in» -s Z Ä S ''s--* ■•4 Ki Öas offizielle paefci- OvgjAtt. . Der Vorschlag im Organisationsentwurf der Fraktion, �«Berliner Volksblatt" zum offiziellen Parteiorgan zu ? Imlten, hat von verschiedenen Seiten lebhaften Wider- Much erfahren. Dasselbe war Anfangs auch in der ei!.on der Fall, und es entstand über den Vorschlag jA6 Ziemlich lebhafte Debatte, die schließlich damit endete, wit allen gegen ein oder zwei Stimmen derselbe an- kommen wurde. fmv F5'6 Gründe, die sich gegen den Vorschlag erheben, m folgende: 1. als täglich erscheinendes Blatt könnten die Partei- niA. n den kleineren Orten die Masse des Lesestoffes niT bewältigen, auch das Blatt seines Preises wegen ™ dezahle»; 5, 2. das Blatt sei, weil vorzugsiveise auf die Berliner Mltnisse berechnet, für die Provinz nicht geeignet. i, � Als dritter Grund wurde ferner von einem Partei- c?". wunderbarer Weise gestützt auf die Gründe der -ÄU- Ztg.", ausgeführt, die Partei brauche kein offi- i /es Parteiorgan, wenn sie aber eines solchen benöthigte, genüge ein Wochenblatt. JTeuittefmt. 'Nut oevboteii.) [10 m He>' tjcf« 'Y i Uerloren! den Papieren eines Rechtsanwaltes. Von Casimir K a n e m a n. ich Unglückliche!" unterbrach mit thränencrftickter Butter das Schweigen.„Ich Unglückliche, ""b r« dobe ich diese Schande erleben müssen! Schmach werden mich in's Grab bringen..... hin,,' liebes Kind," fügte sie nach einer kleinen Pause '"wollen wir nicht nach oem Vater schicken?" »Di/'?" Papa wird nicht kommen," antwortete dieser. Ha*»vogdgescllschast sollte heute nach Adelsheim von da tnnaberg fahren." Jttifrf",1 wrst Dich Lothar!" rief das Fräulein Emma da- *wrap>."f'e werden heute in Adelsheim übernachten und m>erft nach dem Forst von Annaberg sich begeben." »�r!arum nicht gar!" versetzte Lothar. foothfrf11 willst also besser unterrichtet sein?" klang es reite,,? den Lippen des Mädchens zurück.„Die Jäger AäilbM �»ach Adelsheim, denn dort wurde ein Rudel * fcx'V'l6 gesehen." In hoch, sie will besser unterrichtet sein und spricht so! �staltet« g niov9ei1 eine Treibjagd ans Wölfe ver- "Auf Wölfe, sagst Du. eine Treibjagd auf Wölfe?!" Die letztere Auffassung, daß das offizielle Partei- organ ein Wochenblatt sein solle, wurde von den ver- schiedensten Seiten vertreten und hat in diesem Augenblick unter den Genossen der kleineren Orte entschieden die Mehrheit für sich. Verschwiegen soll nicht werden, daß unter den Mo- tiven in der Bekämpfung des Vorschlages, das„Berliner Volksblatt" zum offiziellen Parteiorgan zu ernennen, sich hier und da auch Konkurrenzbefürchtungen geltend machten. Daß die Partei ein offizielles Organ braucht, das unter der direkten Kontrole des Parteivorstandes steht, und in dem alle Mittheilungen und Erlasse der Ver- waltungsorgane der Partei in erster Linie erscheinen, wird eigentlich von Niemand bestritten. Die Partei hat auch jeder Zeit ein solches Organ gehabt. So lange die Partei noch in zwei Fraktionen gespalten war, besaß jede Fraktion ein solches; der Allgemeine deutsche Arbeiterverein den „Sozialdemokrat", die sozialdemokratische Arbeiterpartei den„Volksstaat". Als im Jahre 1875 die beiden Fraktionen sich vereinigten, wurden beide Blätter zum „Vorwärts" verschmolzen, dem das Sozialistengesetz den Untergang bereitete. Als dann die Partei zum ersten Male wieder durch ihre Vertreter zu einem Parteikongreß in Wyden zusammen- trat, wurde der mittlerweile in Zürich in's Leben ge- rufene„Sozialdemokrat" zum offiziellen Parteiorgan er- klärt, bis das Urtheil in dem bekannten Freiberger Pro- zeß die Fraktion zwang, ihm diesen Charakter zu nehmen. In erster Linie galt das offizielle Parteiorgan als der vornehmste Vertreter der Parteigrundsätze, es bildete so zu sagen das Barometer für die Entwicklung derselben in der Partei. Der Allgemeine deutsche Arbeiterverein betrachtete das offizielle Blatt so sehr als den ausschließlichen und allein maßgebenden Vertreter auf dem Gebiete der Presse, daß neben ihm kein anderes Parteiblatt geduldet wurde, eine Maßnahme, die nicht wenig zu den Zerwürfnissen im Verein beitrug. In der sozialdemokratischen Arbeiterpartei nahm die Entwickelung der Presse einen andern Verlauf. Wohl mar der„Volksstaat" das vornehmste und eigentlich maß- gebende Parteiblatt, aber die Gründung anderer Blätter wurde nicht unterdrückt, sondern nach Kräften gefördert, weil man in einer ausgebreiteten und verzweigten Presse eine Hauptstärke der Partei sah. Nach der Vereinigung der beiden Fraktionen im Jahre 1873 wurden diese letzteren Grundsätze auch für die Gesammtpartci maßgebend, und die Folge war, daß inner- halb weniger Jahre eine große Anzahl politischer und ge- werkschaftlicher Blätter in's Leben gerufen wurde, die neben dem„Vorwärts" die Parteibestrebungen vertraten. zeterte das Mädchen und die Glnth auf ihren Wangen wnrde immer tiefer.„Ich sage Dir, die Treibjagd wird gar nicht morgen abgehalten, sondern erst in einer Woche, denn wir sind ja dazu eingeladen." „Zn der Treibjagd?" fragte der Bender ironisch und zwang sich zn einem ironischen Lächeln. „Lothar", sagte Frau von Rodenfels nun,„laß doch das Streiten mit Emma!" „Sie streitet ja auch mit mir." „Weil ich im Recht bin!" rief das Mädchen. „Emma, Emma! Ach, diese ewige Zänkerei!" „Herr von Rodenfels wird also heute schiverlich nach Hause' kehren?" unterbrach ich dieses peinliche Familien- gespräch. „Vor einer Woche kommt der Vater bestimmt nicht zurück. Gerade jetzt ist die beste Zeit zum Jagen da. Die ganze Nachbarschaft macht ebenfalls Anstatteir dazu." „Papa hat uns gesagt, er hoffe in drei Tagen zurück zu sein," fiel Fräulein Emma dazwischen,„und Papa weiß, was er sagt." „Ach was, Papa kann vor einer Woche nicht zurück sein. Er hat ja sogar dem Stallknecht befohlen, am Sonnabend drei Paar Windhunde nach Jglin zn bringen." „Zwei Paare, nicht drei!" verbesserte der Oppositions- getst der Familie. Ich stand auf, nm mich von dieser seltsamen Gesell- schaft zn verabschieden. Das Schicksal Gerhard's mußte in wenigen Tagen entschieden sein, während die Rückkehr des Vaters niöglicherweise noch länger als eine Woche auf sich warten lassen konnte. Und sodann war nach den bisherigen Erfahrungen auch von ihm nicht viel zn erwarten. Obgleich nun der„Vorwärts" sowohl durch seine redaktionellen wie durch die mitarbeitenden Kräfte immer noch den vornehmsten Rang in der Parteipresse einnahm, änderten sich die Verhältnisse desselben doch insofern, als die Gründung jedes neuen Lokalblattes ihn eine mehr oder weniger große Anzahl Abonnenten kostete, so daß seine Auflage, die 1875 ungefähr 14 000 betrug, 1878 kurz vor Ausbruch des Sozialistengesetzes f a st auf die Hälfte— er hatte nur noch etwas über 7000 Abonnenten— herabgesunken war. Und da das Blatt prinzipiell keine Geschäfts- annonzen aufnahm, war sein finanzieller Stand so, daß es hart vor einem Defizit stand. Aber auch politisch war der Einfluß und die Be« dentung des„Vorwärts", der wöchentlich drei Mal er» schien, schließlich in der Abnahme begriffen und zwar be» dingt durch die Berliner„Freie Presse", die wie heute das„Berl. Volksbl." täglich erschien und dadurch eine Menge Nachrichten und Erörterungen vorweg nahm, die der„Vorwärts" infolge seiner Erscheinungsweise erst nach- träglich bringen konnte, das hieß für die vorgeschritteneren Elemente in der Partei, die ebenfalls auf die„Freie Pr." abonnirt waren, zu spät. Kam nicht das Sozialistengesetz, so stand fest, daß die Stellung des„Vorwärts" allmälig unhaltbar geworden wäre und eine Wandlung eintreten mußte, die gar keine andere sein konnte, als daß die Berliner„Freie Presse" an Stelle des„Vorwärts" trat. Was damals wahrscheinlich geschehen wäre, muß heute, Ivo die Partei in die Lage kommt, sich neu organi- siren zu müssen, und wo sie mittlerweile viel mächtiger und einer der maßgebendsten Faktoren, ja der maßgebendste in unserem politischen Leben geworden ist, ganz selbst» verständlich geschehen. Die Partei kann ohne ein großes täglich erscheinen« des Blatt, das den Vorkampf führt und in dem die Parteileitung jeden Tag zn Worte kommen, in dem sie Erklärungen, Bekanntmachungen und Berichtigungen:e. erlassen kann, nicht mehr auskommen. Die Sozialdemokratie steht mit allen anderen Parteien im erbitterten Kampf, sie ist der Gegenstand der Auf- merksamkeit und des Angriffs Aller. Die Handlungen und Unterlassungen keiner anderen Partei werden so viel koinnientirt und kritisirt, als die der unserigen. Daraus ergiebt sich von selbst, daß ein Organ vorhanden sein muß, das täglich zum Angriff wie zur Abwehr bereit ist und durch die ihm zur Verfügung stehenden Informationen auch jeder Zeit dazu befähigt ist. Wäre also das„Berl. Volksbl." nicht da, es müßte schleunigst geschaffen werden. Daß andere Parteien kein offizielles Partei- und Kampforgan besitzen, ist für uns nicht maßgebend. Wie Ich wandte mich nochmals an Gerhard's Mutter. „Entschuldigen Sie, Madame, wenn ich Sie noch mit etwas Weiterem belästige. Ihr Sohn leidet unsäglich dar- unter, daß ihn in seiner traurigen Lage bis jetzt noch Nie- wand von seinen Angehörigen besucht hat. Er wird wahr- scheinlich bald eine weite Reise zn machen haben; können Sie ihn ziehen lassen, ohne ihm ein Wort des Trostes auf den Weg zu geben, ohne ihm zum Abschied die Hand zu drücken, ans daß es ihm leichter würde um's Herz und er seine Leiden leichter ertragen könnte?" „Ich werde sicherlich nicht zu ihm fahren", murmelte Lothar vor sich hin. „Gerade Du solltest es thun. Dir stünde das am besten an!" rief Emma. „Fahre Du hin, wenn Du Lust hast!" „Ich bin kein Mann, sonst würde ich es doch gewiß thun." Frau von Rodenfels schluchzte und jammerte bestän- dig. Das war ihre ganze Antheilnahme am Schicksal ihres Sohnes. „Wir können ihn in Mitlau nicht besuchen," sagte sie schließlich resignirt.„Dieser Schritt würde uns nur neue Schande bringen und Lothar der Gefahr aussetzen, daß Baron von Eschenau die Verlobung aufheben würde. Dagegen wird Emma vielleicht an ihn schreiben und der Vater'eine kleine Unterstützung auf die Reise senden. Viel wird es zwar nicht sein können; denn Lothar muß nächstens seinen neuen Wohnsitz einrichten, eine Equipage und Möbel aus Riga bezichen, und das kostet Geld, viel Geld. Außerdem gedenken wir diesen Winter die jüngere Tochter in die Gesellschaft einzuführen. Und da unsere Ziele ganz andere sind, wie die aller anderen Parteien, so ywß auch unsere Kampftaktik eine andere sein. Unsere ganze Art der Agitation ist sehr verschieden von jener der Gegner, und sie war es früher noch weit mehr. Allnialig haben sie von uns gelernt und sich Allerlei von ihr angeeignet. Wir haben also uns nicht nach ihnen, wohl aber haben sie sich nach uns zu richten. Für eine kämpfende Partei ist Einheitlichkeit der Kampfweise eine wesentliche Bedingung des Erfolgs. Diese Einheitlichkeit brauchen wir, und deshalb ist ein„führendes" Organ nothwendig. _ Es ist also klar, daß die Partei auf ein täglich er- scheinendes Zentralorgan nicht verzichten kann. Der Einwand, daß die große Masse der Partei- genossen ein solches aus den oben angegebenen Gründen nicht zu halten vermag, ist vollkommen richtig, e r trifft aber nicht d e n K e r n d e r S a ch e. Es genügt vollständig, wenn das offizielle Parteiorgan aus- wärts außer von den Redaktionen sämintlicher Parteiblätter — die es so wie so halten— von Denjenigen gehalten wird, die in erster Linie berufen und verpflichtet sind, sich von den w i ch t i g st e n Vorgängen in der Partei zu unterrichten und auf dem Laufenden zu erhalten. Das sind neben den Reichstags-Abgeordneten die Vertrauens- männer und die mit der Agitation be- trauten Personen. Diese sollen die für sie wich- tjgen Mittheilungen und Nachrichten so rasch wie möglich erhalten und so weit ihnen persönlich die Mittel für das Abonnement fehlen, müssen sie ihnen von der Gesammt- heit geliefert werden. Für die allgemeine Verbreitung der Nachrichten in den weitesten Kreisen der Parteigenossen sorgt alsdann die übrige Parteipresse, die also nicht nur keine Konkurrenz durch das offi- zielle Parteiorgan erfährt, sondern mancherlei wichtige Nachrichten und Ma- terialisn erhält, die sie für sich ver- w e r t h e n kann. Die Masse der Parteigenossen hat also gar nicht nöthig, das täglich erscheinende offizielle Blatt zu halten, sie erfährt durch die bereits zahlreich vorhandene Lokal- presse, die immer zahlreicher wird, mindestens eben so früh die wichtigsten Vorgänge, wie wenn sie auf ein zwei- oder dreimal wöchentlich erscheinendes Organ abonnirt wäre. Wohl aber würde das Letztere gerade das herbei- führe», was man hier und da von einein täglich er- scheinenden Organ ganz mit Unrecht befürchtet. E s würde den vielen Wochenblättern, d i e in der Partei erscheinen, zum T heil eine s o h e f t i g e K o n k u r r e n z m a ch e n, daß eine Anzahl in ihrer E x i st e n z bedroht würden. Schließlich würde aber das Zentralblatt selbst wieder durch die Konkurrenz der Lokalpresse bedrängt, wie sich das deutlich am„Vorwärts" vor 1878 gezeigt hat. Der Vorschlag, z. B. die„Berl. Volks-Tribüne" zu einem solchen offiziellen Wochenorgan zu machen, würde in erster Linie bedingen, daß das Blatt seinen jetzigen Charakter vollständig einbüßte und aufhörte zu sein, was es ist. Abgesehen aber hiervon kann ein Wochenblatt, mag es selbst drei Mal erscheinen, nie die Aufgaben er- füllen, die ein offizielles Organ der Partei heute erfüllen muß, das ist sehr überzeugend nachgewiesen worden. Schließlich käme es dahin, daß ein offizielles Wochenblatt nur noch dort Leser in größerer Zahl fände,>vo ein Lokalblatt existenzunfähig ist, sein Zweck wäre vollständig verfehlt. Will man absolut ein Wochenblatt für ganz Deutsch- land gründen, dann mache man nicht den Fehler, ihm einen offiziellen Charakter zu geben, dem es doch nicht zu entsprechen vermag. Außerdem giebt es Wochenblätter, die auf weite Kreise berechnet sind, genug, ein neues vermehrte nur den Ueberfluß. Das offizielle Organ muß also eine täglich erscheinende Zeitung sein und daß wieder diese dort erscheint, wo das heißt es auch wieder; anschaffen! Geld, Geld! Ach Herr, wenn doch wenigstens diese Zelten für die Gutsbesitzer etwas besser wären..." Jndeß die Mutter noch eine gute Weile in diesem Tone auf mich einredete, führte Emma halblaut einen neuen Streit mit dem Bruder. Die Windhunde stürmten gegen die Thür, die Dogge übte ihre Kraft am Tisch und die beiden Wachtel- Hunde winselten nahezu so sentimental wie ihre Herrin seufzte und klagte und schluchzte... Nnr hinter'm Vorhang beim Fenster war's ganz still geworden, die Ecke war leer. Adelina hatte sich unbemerkt aus dem Salon geschlichen. Ich verneigte mich stumm gegen die Anwesenden und schickte mich zum Gehen an. „O bitte, Herr Doktor," sagte nun die Hausfrau, die weinerlichen Züge zu etilem verbindlichen Lächeln zwingend, „bleiben Sie doch zu Tisch bei uns, es wird eben gedeckt..." Ich dankte in höflicher, aber entschieden ablehnender Weise. Es drängte mich, diesem Haus den Rücken zu kehren. Lothar begleitete mich in die Vorhalle hinaus, indem er sich Mühe gab, mich unterwegs mit einem Gespräch über den Weg und das Wetter zu unterhalten. Als ich den Reisemaiitel umwarf, konnte ich mich nicht enthalten, diesem herzlosen Jüngling noch einmal prüfend m'S Auge zu schauen, der ohne einen Funken von Mitleid für seineu Bruder immer feine eigenen Interessen voranstellte und nicht ivußte, daß all' sein müßiges Leben, seine egoistischen Gefühle, seine Berechnllngen und seine Gedanken eine schwere und haß- liche Sünde waren, welche sich von anderen Vergehen nur dadurch unterschied, daß für sie kein Paragraph im Straf- gesetzbuch stand. Ich kannte jetzt beide Söhne dieses Hauses, die keinen Sinn für wahre Bildung und für Arbeit hatten. Der Eine ein unruhiger, von den Leidenschaften auf die Bahn des Verbrechens geschlenderter Geist, der Andere dank seiner trägeren Natur ein in Eitelkeit und Spielerei alifgehender geistiger und moralischer Zwerg, ein Sünder, der mit dein Strafgesetzbuch und der Moral des Salons in Eintracht lebte,— beide zivci gleich bedenkliche Erscheinungen, beides verkrüppelte, schädliche Auswüchse ungesunder Verhältnisse. politische Leben in Deutschland wie in einein Brennspiegel sich konzentrirt, in der Hauptstadt des Reichs, das bedarf keiner Begründung. Der Einwand, daß das„Ber liuer Volksblatt" zu sehr auf Berliner Verhält nisse zugeschnitten sei, ist hinfällig. Einmal steht einer Erweiterung desselben nichts im Wege, sie wird sogar nothivendig werden, dann aber ist auch der söge nannte lokale Theil einer Stadt wie Berlin, namentlich so weit es sich um die Berichterstattung über die Berliner- Arbeiterbewegung handelt, von so allgemeinem Interesse, daß er auch auswärts mit Vortheil und Nutzen gelesen wird. Wer ihn aber nicht lesen mag, verzichtet darauf, er findet noch immer genug im Blatt, was sein Wissens- bedürfniß befriedigt. Außerdem ist eine große politische Zeitung ohne die Berücksichtigung der großstädtischen lokalen Vorkommnisse und den damit zusamnienhäncjenden Geschäfts- und An- zeigentheil e x i st e n z u n f ä h i g. Diejenigen, die meinen, ohne einen solchen auskommen zu können, zeigen, daß sie von den Kosten und den Existenzbedingungen einer großen Zeitung nicht das Geringste wissen. Wollte die Partei ohne einen solchen Theil ein großes politisches Tageblatt erhalten, sie müßte immense Zuschüsse leisten und büßte die sonst vorhandenen Ueberschüsse obendrein ein. Endlich werden auch Diejenigen, die da meinen, daß ein täglich erscheinendes offizielles Parteiorgan die Meinungs- freiheit in der Partei unterdrücke, wohl einsehen, daß eine solche Befürchtung hinfällig, wenn nicht gar lächer- (ich ist. Die lokale und Provinzpresse wird durch das- selbe in ihrer Entfaltung nicht im geringsten gehindert, außerdem gebietet aber sein Charakter als offizielles Parteiorgan, daß dasselbe allen Parteigenossen offen steht und alle Meinungsverschiedenheiten, wenn sie in an- ständiger Forin sich kund thun, zum Ausdruck gelangen lassen muß. Dafür sorgen nöthigenfalls schon die Partei- presse und die Parteiversammlungen und in letzter Instanz der Parteitag. Also ceterum censeo: Ein täglich erscheinendes offizielles Parteiorgan ist nöthig, und dieses kann nach der Natur der Verhältnisse kein anderes, als das„Berliner Volksblatt" sein. A. B. DolikiMe Mebetstuhk. Seit die Regierung davon Abstand genomine», das Sozialistengesel; zu verlängern, ist es, wie die„Freis. Ztg." mit Recht hervorhebt, wunderbar, ivie die Organe der Kartellparteien jetzt darin wetteifern, nachträglich darzuthnn, da» das Sozialisten- geseh das denkbar schlechteste und verkehrteste Gesetz geivcsen ist. Das srcikonservative„Deutsche Wochenblatt" führt jetzt gegen das Sozialistengesetz»och ganz besonders an, daß dasselbe im Wider- sprach gestanden habe uiit der allgemeinen Wehrpflicht. Es sei auf die Dauer ein heilloser und unheilbarer Widerspruch, eine große Schicht der Bevölkerung als revolutionsverdächtig zu be- handeln und sie gleichzeilig durch Unterweisung im Wafsenhand- wert für ihr angebliches Vorhaben auf's Beste vorznbcceitcn.„DaS Sozialistengesetz als dauernde Institution unseres Staatslebens würde die Abschaffung der allgemeinen Wehrpflicht und die Einführlina einer fremden Söldnertruppe im Solde der Regierung zur schließlichen Konsequenz und damit eigentlich zur Voraus- setzung haben." Eiue neue Inkeruntiouale! Nachdem man neulich von einer mitteleuropäischen Zollunion gesprochen hat ans dem Kongreß der Forst- und Landwirthe in Wien, taucht von neuem der Plan einer einheitlichen Regelung des Frachteutrausportes auf. Zuvor erinnern wir daran, daß neben de» Einheitsströmungen politischer und gemiithlicher Art zur Einheit Deutschlands der Zollverein ein erster Schritt war. Jetzt kommt folgende Meldung: Im Jahre 1882 halte bekanntlich in Ber» infolge einer Einladtmg des schweizerischen BuudeSraths eine internationale Konferenz stattgc- funden, deren Zweck eine einheitliche Regelung des Frachtentrans- Portes auf den europäischen Eisenbahnen bildete. Nachdem nun- mehr die deutsche Regierung ihre Geneigtheit erklärt hat, diesen in Bern vereinbarten Entwurf in Wirkjamkeit treten zu lassen, hat der schweizerische Bundesrath an die verschiedenen Regierungen die Einladung ergehen lassen, am 19. Oktober d. I. die Unter- zeichnnug dieses internationalen Uebereinkommens vorzunehmen, wodurch der Etaatsvectrag in der von der letzten Konferenz fest- gestellten Form bindende Kraft erlangen würde. Dieses Ueber- Mit einer zeremoniellen Verncigung und leichtem Hände- druck tiahm ich Abschied voll dem jungen Sohn. Vor der Veranda stand schon die Postkutsche bereit. Als ich die Treppe hinabsteigen wollte, ivnrde hinter mir hastig eine Thür anfgeschlossen und eine schüchterne Stimme rief mir zu: „Herr Doktor, crlaubeit Sie noch einen Augenblick—" Es war Adclina. Das Mädchen schien erregt und ver- legen zu sein und zitterte vor Kälte, gegen die es sich mit einem schweren Shawl fast umsonst zu schützen suchte. Ihr Antlitz ivar blaß, nur zivei kleine rothe Flecken glühten auf den Wangen und der Wind, der scharf von Außen herein- blies, trieb ein wnnderlich.tvlles Spicl mit ihren Haaren, als wären es die Halme eines zusammengebundenen Hen- bündcls. Die Augen niedergeschlagen, sagte sie flehenden Tones. „Werden Sie den Bruder bald sehen, Herr Doktor?" „Sofort nach meiner Aüknlift in Mitlau", antwortete ich überrascht.„Kann ich ihm vielleicht etwas von Ihnen sagen, mein Fräulein?" In der Hand, welche sie bisher unter dem Shaivl ver- borgen hielt, reichte sie mir eine etwas ungeschickt gewickelte Rolle. „Uebcrreichen Sie das meinem armen Bruder'", stammelte sie,„es ist von mir... Sagen Sic Gerhard auch.. sagen Sie ihm, daß wenn auch Milttcr und Vater sich seiner nicht mehr annehmen wollen, ich ihn dennoch von ganzem Herzen liebe.... Ich weiß es ja, er hat schlecht gehandelt, aber er ist unglücklich... Die Treilunug auf immer, sie ist ein harter Schlag für mich, nie werde ich diesen Schmerz vergessen..." Dabei blickte sie zum ersten Mal zu mir ans. In den aufrichtigen dunkelblauen Augen schimmerte eine Thräne. „Sagen Sie ihm, er möge einmal an mich schreiben.. Wenn ich einmal——" Sie stockte, es war als hätte sie die Sprache verloren. Aber bald vollendete sie das abge- brochene Wort, indem sie fast schwärmerisch sagte: „Wenn ich mich einmal verheirathen werde und über eigenes Geld und eigene Pferde und über eine Equipage verfügen kann, dann fahre ich zu ihm und sollte er am andern Ende der Welt leben. Sagen Sie es Gerhard, einkommen hat insbesondere für die Handelswelt kwe seh i, Bedeutung, weil dadurch die gänzliche Aufhebuntz der bu) � nahmsweise gelassenen geheimen Refaktien bedingt Mw. W die wahren wirthschaftlichen Interessen der Völker n?«. unablässig und unahlenkbar auf die Jnternationaluat yw. gegen hilft nun alles nichts!„ Der Fiskus macht mit Argirsange». 3""CH'# werden aus dem Auslande unbearbeitete Tabaisvlaue., besondere Manilatabake, in erheblichem Umfange schließnngen in das deutsche Zollgebiet gesandt, sin Tarasatz im Zolltarife nicht festgestellt ist. Diese Sendung den vorwiegend über die Zollabfertigungsstellen im GrM thu»l Baden gerichtet. Die Umschließungen bestehen an? aus feinem Bastgeflecht mit Rohrstricken geschnürt und im � aus dünnen kreuzweise gelegten Bastplatten mit Unterlag, dünnem Schilsgeflecht. Da die gedachte Umschließung eine in neuerer Zeit in Ausnahme gekommene handelsuvu« Packung bildet, so wird seitens der Zollbehörden gegenwa» Erwähnung gezogen, ob für dieselben ein besonderer Taral». eventuell in welcher Höhe vom Finanzministerium beim« u rathe in Antrag zu bringen sein möchte. Zur Geimnilung erforderlichen Materials stiid daher bei allen Zollabfertigung! � Probe- Nettovorwiegnngen der in den vorbezeichneten schließiingen eingehenden Tabake angeordnet worden, beren_ gelmisse demnächst zusammengestellt und die Grimdlagen I Feststellung eines Tarasatzes für diese Verpackung bilden w j Ketrcf?« der für die InvaliditätsverstcherunS wendenden Beitrags- und Zusatzmarken veröffentlicht der Anzeiger" eine Bekanntmachung. Darnach sind die von sicherungsanstalten aufzuhebenden Beitragsmarken in Form � Rechtecks auf weißen» Papier, und zwar die 14-PseNN>gc.. (Loyuklasse 1) in rothem Druck, die 20-Pfenuigmarken(Lohn» in blauen» Druck, die 21-Psennigmarken(Lohnklasse S) sj},®.„«i Druck und die 30-Pfennigmarkeu(Lohnklasse 4) in oothvr Druck herzustellen. Für die errichteten 31 Berstcherungsa'tz sind zum Zwecke des Ausdrucks außerdem die Namen, oe � treffenden Staaten resp. Provinzen gewählt worden. Die o L, marke oder Toppelmarke besteht aus zwei Abtheilungen�/, zeigt aus dem linksseitigen, in blauem Druck hergestellteii die Beitragsmarke der Lohnklaffe 2. Aus dem die Beitrags von links unten nach rechts oben durchziehenden weißen befindet sich der Name der ausgebenden VersicherungsalPto � lateinischen Buchstaben in schwarzem Druck. De»' rech»!' p Theil stellt in orangefarbenem Druck die einen Reichsadler haltende Zusatzmarke zum Geldwerthe von acht Pfennig MV Die rurrgischc Thntln-nft, mit welcher die Sozial kratie sich anschickt, die für sie mit dem Wegfall des Sozw l gesctzes erwachsende, wenigstens theilweise größere Beweg freiheit auszunutzen zur Verbreitung ihrer Ideen, heg' Gegnern schwer in den Glieder». So jammert z. B. die Zeitung" in einer Korrespondenz aus Hannover:«Die' 1. Oktober an hier iu's Leben tretende sozialdemokratischem,�.. „Der Volksnfllle" hat sich jetzt der kaiserlichen Postverw»*?/ förmlich angemeldet. Das Blatt, für»velches zunächst OA l„) tausend Abnehmer in der Arbeiterbevölkerung von HnniNw# Linden gerechnet wird, wird sich als„Organ für die werM � Bevölkerung der Provinz Hannover" bezeichnen und W i# scheinen. Ohne Zweifel wird die sozialdemokratische Parle' � selbst sich es. auch besonders angelegen sein lasten, ihre>n' � Organ die weiteste Verbreitung unter der ländlichen* W- on........--------- AYi.r. i—.. v*-----■f.-----• 1 der Provinz, namentlich in der Umgebung der' verschaffen, und hierin voraussichtlich auch nicht" bleiben, da,»vie seiner Zeit schon berichtet worden, bei den' und vorletzten Reichstagswahlen ans dem platten Lande tN>, -«< i t-*. rr-t«-* r w. 1 Dv i schiedenen hannoversche» Wahlkreisen eine Zunahme der demokratischen Stimmen hervorgetreten ist." Als Gegc>" � empfiehlt der Korrespondent der„Kölnischen" dann die»% liberalen„Hann. Neueste» Nachr.". Wir wünschen ihm vb zur Heilkraft der Medizin. ,/m- Zustände im Apothekettwefeu IMf®* Zlrdrr die Zustände im Apothekenmese»» Inndii entnehmen»vir der„Franks. Ztg." folgende thatstV.ä -Angaben: Nach der Statistik des Deutschen Reiches erhöh' � in den letzten zehn Jahren der Zndrang zur Pharma�? y: GO pEt., zur Approbation um 50 pCl., während die Zw' neuen Apotheken in derselben Zeit um nur 6 pCt. ver» � wurde. Ueber 500 Apotheker werden jährlich approbirt;% gelangen etwa 200 in den Besitz einer Apotheke,»voraus' zu erklären ist, daß die Nachfrage nach Geschäften eine bede>... stärkere ist, als das Angebot. Man kaust um jeden Prew � meist zu thener, so daß die Hqpothekenzinsen den dienst verschlingen, ja oft letztere» übersteigen. Die ist, daß überalt gekargt ivird: es»verde» die billigsten gekauft, Verbesserungen und Neuanschaffungen verwj'• ganz besonders aber»vird an» Hilfspersonal S?" Vielfach werden Assistenten durch Lehrlinge ersetzt, w'((i Statistik des deutschen Reichsbureaus für den Zc.'siV von 1876 bis 1887 beweist. Hiernach vermehrten sich die P' � kauteu(Lehrlinge) um 60 pEt., tingeprüfte Assistenten � 36 pCt., gcgrüste Assistenten um 10 pCt., so daß im Jahre 1 den 37X0-Assistenten 2202 Lehrlinge gegenüber standen, ein; »veis, daß eine verhältnißmäßig bedeutende Verschiebung ber Gerührt drückte ich herzlich die kleine Ha»ld und mich im nächsten Augenblick in den Wagen. Als ich rt'ji »n die Allee gelangt war, c>»tfaltete ich die PapikJ und fand darin mehrere Gold- und Silberstücke: Dukaten, sechs Halbimpcrialc, einen Lomsd'or, alte Münzen und zivci Erinnerungsmedaillen. J4, v klärte mir diese Gcldsammlung des Mädchens aus cl � Brauche, der seit langem in»eichen Häusern herrschte, � Kinder am Namenstag oder Geburtstag mit ftuuA'. Geldstücken zu beschenke». Adeliua opferte für den W alles, was sie besaß, einen kleinen Schatz, den sie uem ersten Jahren an verwahrte und ihn sich stetig »nehren sah. Vor der Biegung der Straße, ehe das Haus � Blicke entschwand, sah ich mich noch einmal um w wahrte das lichte Kleidchen des Mädchens,»vie es zw» den grauen Pfeilern und dem Geländer der Veranda hsi'-„ '- die Adelinas TO eck schimmerte, und aus der Dämmerung,,... um wob, wollte mir scheinen, ich sehe die blauen M Augen, darin zwei Thränen gleich Perlen glänzte.», n»� ol?eif ifyj schüchtern zu mir hinübcrflüstetä» „Obgleich»ch es selber weiß, daß er schlecht geh-''� hat, liebe ich ihn dennoch von ganzem Herzen und sein Unglück...", O herziges, junges Mädchen! Warum tragt Köpfchen diese»» abscheulichen Haarpntz, warum g>w' durch Schlüssellöcher, warum lebst Du in den Trü»".�z des elterlichen Hauses, ivo Du von den Andern noch tam andere Unarten lerust? Dein Herz verdient, daß*,,,( Köpfchen zwei über die jungfräuliche Stirn Flechten schmücken. Dein Herz verdient, daß kein Gedanken die Unschuld Deutes Blickes trübt, welcher süchtig nach höheren Zielen, nach den erhabenen edeln Glückes schaut»nid Dir die schwierigen Bahnen ü' Ä licher Pflicht weist» möchte. Aber ach! Deine Frisur wird jeden Gedanken, jede freie Regnug Deiner im Keime ersticken; die Mutter wirb Dich[an einen te%ii Vater auf irgend einem Jagdaitsflug ansgesu�F vom 4 Junggesellen verheiräthen und mau' wirb Dw als � eine herrliche Ausstattung geben.(Forts. fül» hr E Ti: iftet E Ei ä itlifW8;! igen«J schein/ (flt Ä ■>i d--' % Slniip?«! Lehrlinge stattfand, was für die Sicherheit der ' l„®? v keineswegs von Vortheil. Sicher ist ferner die Hr E oer bedauerlicherweise in Apotheken vorgekommenen Ver c/!.„.?��kießlich in Uebcrarbeitung des Personals bei dlnnfl, 14 bis 15 stündiger Arbeitszeit und dadurch bc- � des Nervensystems zu suchen. Soweit die h-r! ch/ Rlukwirkliug auf die allgemeine Volksgesundheitspflcge. !ij l,st Angehörigen des Apothersrandes selbst sind die Zustande L,;/;:.gliche. Ueber die Hälfte der pharmazeutisch Aus- ��.7"en verläßt den Beruf, weil sie ihr Auskommen darin nicht L-/.' Die im Fache thätigen Apotheker(Besitzer und Nicht- j J o't. vermehrten sich gemäß der Neichsstatistik in 10 Jahren um «kno cä'./"deß die Approbationszunahme 50 pCt. betrug .„.Apotheker überhaupt sind in den Apotheken Deutschlands be- und etwa 550 Apotheker erhalten jährlich das Diplom ,«?! auf 1° 012 Seelen. Bei Zugrundelegung des Bevöllerungs- �.Wachses hätten 205 Apotheken mehr errichtet werden müssen Uders aber gestaltet sich die Berechnung, wenn man die Steige- uug des Waarenumsatzes berücksichtigt, wie sie besonders die Ein- Abling der Krankenkassen hervorgerufen. So stieg»ach der ein- pnitden amtlichen Statistik für das Königreich Sachsen z. B. », Dagesrezeptur innerhalb der letzten drei Jahre in den einzelne» /bblheken um 19 bis 28 pCt.; die Umsatzaugaben bei Verkäufe» up die Mehrung des Hilfspersonals mit 18,5 pCt. bestätigen /sblges vollauf. Den Arzncibedürfnissen entsprechend hatten dem- ,3 über 700 Apotheken(anstatt 264) neu errichtet werde» MMWM p>s"a? haben unsere Händler gleich nach dem ersten Versuche .»igehört, Echwnrzvieh in Galizien aufzukaufen, denn abgesehen uavon, daß der Guldenkurs ein hoher und die Schweine theucr 'md, so werden dieselben durch die fünftägige Fütterung an der grenze derartig vertheuert, daß das Pfund lebend Gewicht sich .auf 55— 60 Pf. stellt. % Kchwiebno. Auch hier stand kürzlich die Vermehrung der Mizeibeamten auf der Tagesordnung der Stadtverordneten-Ver- 'unimlung. motivirt mit„Vermehrung der Ortsbevölkerung". Der «»trag wurde jedoch abgelehnt. Schmiebus zählte bei der Wahl J887= 19 sozialistische Stimmen, 1890 dagegen 324, mehr als b'e Hälfte der überhaupt abgegebenen Stimmen. Sollte die °ea»tragte Vermehrung des Exekutivpersonals nicht mit dieser >gen wurden bei hiesigen Sozialdemokraten abgehalten. , peinigen Personen wurden Zeitungen und Broschüren beschlag- i Aus Zachseu wird uns geschrieden: Die Anständigkeit .,»Leipziger Zeitung", die sich auf ihren Anstand so viel ° gute thnt, wird durch die alberne Bemerkung iilustrirt, welcher sie die Erklärung Liebknecht's bezüglich «,?Iser Angaben der früheren Redakteure der„Sächsischen wbeitcrzeitltug" begleitet. Das Organ der sächsischen Regierung memt:„Wie Schade, daß durch den Maulkorb- . schlusi der Bebel-Versammlung die Exredaktion der Gelegen- /.„beraubt ist, auch ihrerseits— zu widerrufen." Es landelt sich bekanntlich um zwei sehr leicht festzustellende . Tatsachen. Die„Exredaktion" hatte behauptet, Liebknecht '" ten..Streit" für d% eschricbeu huigcstetlr. Hat das blos Redaktioneü der beiden sraglichcn Blätter be- zu lassen, und die ganze Ordnungspressc der .,... der„Exredaktion" freudigst Gelegenheit bieten, »mich ihrersoitz zu ividerrusen", oder Liebknecht zum Lügner � stempeln. Speziell die Redaktion des„Temps" wird wenn cS !)06e ArtiPni nf,.» hon fn-ionannten..Streit" für den Pariser lg" ge>"W> die" sLwornccyr yar dies acs uinuuyiycu yliigeste »o«"�kredaktion" nicht gelogen, so braucht sie sich i den Nedaktioneu der beiden fraglichen Blätter »TemÜ?1 itt)ec den sogenannten„Streit" für Üyd"ps u d#23ieiiei. Arbeiterzeitung" t.; Liebknecht hat dies als Ümvahrheit'-" " f- f...... V.J. & Speziell flthi lmiP beeilen, Liebknecht zu lompromittircu, �"-..denn sie steht sa aus Sei'~ „..... sie steht ja auf Seiten der„Exredaktion."� � Und was das Wiener Blatt betrifft, nun so wurde Redaktion einfach den auch uns bekannten Verfasser des dWaceHt zugeschriebenen Artikels neuneu. Jedenfalls haben üLGdstchUnge �.................. die -.--VUIIVOII Kl ÄM zugesc.,................ iÖe.fpNichltnge der„Leipziger Zeitung" mehr Blätter zur lU"8U"g als Liebknecht, den die„Leipziger Zeitung" bei- ih,. L.dcshalb mit ganz besoildcrem Hasse beehrt, weil er hewt-ruö un sächsischen Landtag ob ihrer rohen, demagogisch- öerJ' t®11 Schreibweise eine ebenso enipfiudliche wie ivohl- �"te Züchtigung angedeiheu ließ. daß v lidrigens die volle Komik dcr Thatsache zu begreifen, »Leipziger Zeitung" fiir die in der Person ihrer �»dener � m■'** m � y...w onft«;....... Ted- chiitzliuge verletzten Preß- und Meinungsfreiheit m„5 mau sich die andere Thatsache iu's " bricht, muß....... PI-P-..... *0th« m& rufen, daß die nämliche„Leipziger Zeitung" n->. vor inomn«Machen mit wahrem ssunatisinus für die bis Einer, wohl der Muthigste, wurde durch einen Revolverschuß getödtet. Inzwischen aber hat sich der Bundesrath eingemischt und Truppen mobil gemacht, um das Land zu besetzen. Die weitere Entwickelung der Angelegenheit erhellt ans folgenden Telegrammen: Basel, 12. Septbr. Aus Bcllinzona wird hierher gemeldet, die Nacht sei ohne Unordnung verlaufen, die Bevölkerung nehme ihre gewöhnliche Beschäftigung wieder auf. Die unter die Waffen gerufenen Bürger sind verabschiedet. Ausschreitungen gegen Personen oder Eigenthum sind nicht vorgekommen. Man bcab- sichtigt, das heute einrückende Jnfanterie-Bataillon aus Bern mit Musik zu empfangen. Die Stadt ist festlich beflaggt. Bern, 12. September. Die bisherige konservative Regierung des Kantons Tessin hat in Locarno Truppen aufgeboten und die Kantone Uri und Luzern um Hilfe ersucht. Die neue Regierung setzte die Abstimmung über die Revision der Verfassung für nächsten Sonntag fest. Der Bundesrath hat, wie verlautet, seinen Kommissar bcan>tragt, die neue Regierung aufzulösen, alle ihre Akte für nichtig zu erklären, die Verhafteten zu befreien und selber als Regierung zu handeln, solange eine regelrecht gewählte Regierung nicht besteht. Bern. 12. September. Amtlicher Mitlheiluug zufolge hat der nach dem Kanton Tessin entsandte eidgenössische Kommissar, Oberst-Divisionär Künzli, den Auftrag, die RegierungSgewali zu übernehmen, bis die versprengte Regierung sich wieder konstituirt habe, über die Situation zu berichten, die öffentliche Ordnunc aufrecht zu erhalten, ferner die Verhafteten auf freien Fuß zu setzen, die provisorische Regierung aufzulösen und alle von der- selben getroffenen Anordnungen rückgängig zu machen, endlich die von der Regierung aufgebotenen Truppen aufzulösen und die be- waffnetenSchaaren zu entwaffnen. DerBuudesrath hat an denKom- missar die Anfrage gerichtet, ob und eventuell in welchem Umfange er weitere Truppenentsendungen für nöthia erachte, und dem- selben den Auftrag ertheilt, in seiner Proklamation an das Volk des Kantons Tessin zu erklären, die eidgenössischen Behörden würden nicht ermanaeln, die nöthigen Maßnahmen zu treffen, damit das Recht des Volkes bezüglich der geforderte» Verfasjungs- Revision gewahrt werde. Die von dem Vizepräsidenten der früheren Regierung angerufene Intervention der Kantone Uri und Luzern wurde für unstatthaft erklärt. GrotzbvitttttKie». S o u t h a m p t o n, 11. September. Um die hier herrschende Ausregung zu beschwichtigen, sind heute die Soldaten von den Straßen weggezogen und bleiben innerhalb der Docks. Zwei Dampfer, die heute angekommen sind, wurden ohne Störung aus- geladen. Der nach Brasilien bestimmte Postdampser kann ab- ahren. Frankreich. Vernichtender noch als alles, was über Boulangcr von dem Haufen seiner abtrünnig gewordenen Getreuen in die Oeffent- lichkeit gebracht wurde, ist das Urtheil, welches die Her z o g i n von Uzös, der der wackere General die Geldmittel zur Durch- sührimg seiner Agitation verdankte, einem Vertreter des „XIX. Sieclc" gegenüber gusgesprvchen hat.„Ich gab," sagte die Herzogin unter Anderem,„für Boulauger drei Millionen. Was Mermeix erzählt, ist in dieser Hinsicht richtig. Mermeix begehrte von mir Mittheilungen, ich aber sagte, es sei unnöthig, in der Asche von Todtcn zu wühlen. Das Geld gab ich stets Zwischenhändler», blos einmal dem General selbst, um Jemanden zu kaufen, der für die Dienste, die er geletstet, ivirklich nicht zu theuer war. Ich will die Briefe des Generals nicht der Oeffent- lichkeit übergebe», obwohl sie sehr erbaulich sind. In zwei oder drei Briefen erklärte mir der General, daß er für die Restauration hpr VWmTnrffnp ni'npifr ß�onPVrtT ift öm i»ma o vfl." >vVvv«yv»»"» �" y---- � !"ib womöglich Verschärfung des Sozialistengesetzes, ischo!, m1® rücksichtsloseste Unterdrückung der sozialdemo- Presse eingetreten ist.- Taz%, Schw-tZ. ort,.,,'"evolutiönchen, das im Kanton Tefsin 3r.,io ff>, ist ein reineS Bourgeoiö-Stevolntiönchen. i?"krils,.s?/rgcoisie bekämpft seit langer Zeit die»ltramo y- Do!, n?$lc augenblicklich die politische Gewalt in H cp Anlaß ,u dem ielnaen Ausbruch gab die Weie 'stcrejl6",,'st- ist ein reines BourgeoiS-Stevolutiöncheii. Die onmoo.uno seit lanacr Zeit die nltramoutaiic Händen Weigerung «sc!»»» o- über die Versassungs- m®öra,», ordnen. Wie aus den gestern veröffentlichten .'°er hervorgeht, gelang der Handstreich der Liberalen MKM...... flcfwiv,! ß"t. Die nltramontan- konservative Regierung ihre Mitglieder flohen oder wurden verhaftet, der Monarchie arbeite. Der General ist ein unverständlicher Mensch. Vor dem 27. Januar, dem Tage seiner Pariser Wahl, kam er häufig zu inir. Stach der Wahl tvar er ein anderer Mensch und nicht mehr so bereit wie früher, Alles zu wagen. Eine Rechnung über die Verwendung des Geldes wurde nie gelegt. Uebrigens hätte man mir das Geld nach der Restauration zurück- geben solle». Der Graf von Paris selbst gab keinen Sou. Eines TageS ging der Dnc Larochesoueanld zu itflphons Rothschild, um für Boulmiger Geld zu verlangen. Rothschild lehnte dies rund ab und empfing den Herzog sehr kühl. Ich erfuhr später, daß Rothschild den Gegner» Boulauger's große Summen zur Ver- fügniig stellte. Zuletzt soll er aber doch mich 200 000 Irls, geschickt haben. Ter Graf von Paris kam mit Boulauger im „Alexandrn-Hotel" zusammen. Ich arrangirte die Zusamnienkunst. Der Graf von Paris traf zuerst ein, und erst eine Viertelstunde pätcr kam Boulauger zu Wage» an. Der Graf von Paris ging auf ihn zu. Man sprach durch anderthalb Stunden über innere und aus- wärtige Politik. Der Graf von Paris versprach Boulauger Geld- mittel und Unterstützung durch seine Leute und begehrte dafür die Abschaffung der Exülacsetze. Die Ronalisten baten den Grafen von Paris, vor der Nenivahl des Präsidenten der Republik per- önlich in Versailles zu erscheine» und Stimmen für sich zu wer- ben, allein der Graf von Pari? lehnte dieS mit der Begründung ab, daß er nicht eine Revolution hervorrufen wolle. Stach dem 27. Januar konnte der General thun was er wellte. Er rührte sich aber nicht. Zweimal war er geflohen. Das erste Mal zwang ihn der Abgeordnete Le Herissc, zurückzukehren. Der General bar, die Sache zu verheimlichen. Nach seiner zweiten endgiltigcn Flucht schrieb ich ihm:„Sie haben mir schon einmal Ihre schändliche Flucht verheimlicht." Tic wahre Ursache der Flucht dürfte aus ivcibliche Einflüsse zurückzuführen sein. Die Herzogin hat Bon- langer auf Jersey noch zweimal gesehen. Er ist alt und dick ge- worden; er rechnet auf einen Krieg und daß ihn dann Frankreich an die Spitze der Armee stellen werde. Paris, 12. September. Wie die Morgcnblätter mclden, prach eine boulangistiscl>e Wählerversammluiig dem Verfasser der bonlangistischeii Enlhüllungei! Mermeix ihr Mißtratie» ans und forderte denselben auf, sein Mandat als Deputirler nieder- zulegen. Zeljtlie». Die Bewegung für dieErlangung deS allge, meinen S t i m in recht s nimmt in Belgien eine überraschende Wendung. Auch die demokratischen Vereine und fortschrittlichen Anhänger dieser Reform beschicken den am l-i. d. Mts. sich in Brüssel versammelnden Arbciterkongreß durch Dclegirte, so daß nicht nur'Arbeiter, sondern auch die Vertreter aller Stände, 'Advokaten, Professoren, Großindustrielle, Kausteute u. s. w. au dem Kongresse theilnehme». Die Brüsseler Vrogressistcu haben den Uinversitätsprosefsor Pergameni als Delegirten gewählt, und dieser tritt heule vsseutlich mit Entschiedenheit für die Erlangung �eS allgemeinen Stimmrechts und zu diesem Zweck für die Er- ichtuug einer nationalen Liga ein. In diese Liga sollen alle 500 000 ihres' Stimmrechts beraubte Belgier ohne Unterschied ihrer politischen Richtung eintreten und tick, sodann mit der Forderung der VerfasinngSreviston und des Stimmrechts an die Kammern wenden. Verweigern sie die Erfüllung dieser Forde- rungcn, so müsse mau die äußersten Mittel, selbst die Revolution anwenden. Lille diese Vorgänge beweise», daß das Vorgehen der sozialistischen Arbeiterpartei in Bezug auf das Stimmrecht auch bei den erleuchteteren Mitgliedern der Bourgeoisie Zusliinnrnng findet. Amerika. B u e n o s- A>) r e S, H. September. Nach telegraphischen Mtttheilungen aus den inneren Provinzen soll daselbst die Lage »och keine zufriedenstellende sein. Nach der. Provinz Entre-Rios ist abermals ein Regiment entsendet worden. Soziale Uekevstrhk. Dirfrltir» Gründe. welche die„junge» Ranfleut«" bewogen haben, sich zn orgauisireji, haben auch die P in u a• B u r e a u b e a m t e n veranlaßt, sich zu einer Organtsasio» zu- sainmeil zu thun und somit in eine Bewegung einzutreten, welche auf eine Aufbesserung der gedrückten Lage der Privat-Bnrean- beamten abzielt. Diese Lage ist eine so überaus traurige, daß man diese Beweglnia durchaus gutheißen muß. Und wahrlich, es giebt unter den zahlreichen Privat-Burcaubeamten(speziell denen der Rechtsanwälte, Notare und Gerichtsvollzieher) nur wenige, welche mit ihrem Loose zufrieden sein können. Daß das Ein- komnien dieser Beamten oft unter die Minimalgrenze dessen, was zum Leben gehört, herabgedrückt ist, gleichwohl aber in schreien- dem Mißverhältnisse zu den geforderten Leistungen steht, ist That- fache. Bei einer 9—10 stündigen Arbeitszeit beträgt der Monats- verdienst durchschnittlich höchstens 50 Mark, also absolut weniger als der Arbeiter bei kürzerer Arbeitszeit verdient. Dazu kommt»och, daß der Privat-Bnreaubeamte meist noch den Sonntag opfern muß. Ihm bleibt somit keine Zeit, für seine Fortbildung etivas zu thun oder sich die edlen Genüsse guter Lektüre zu verschaffen. Ueber die genannte Bewegung der Privat-Bilreaubeamten ist mitzutheilen, daß sich Hierselbst eine„Vereinigung deutscher Privat-Bureaiibeamten Vorwärts" gebildet hat, welche allerdings vorläufig lediglich die Wahrung und Förderung der rein wirty- schasllicheu Interessen ihrer Mitglieder bezweckt und bestrebt bleibt, denselben nach allen Richtungen hin über materielle Schwierig- leiten nach Möglichkeit hinwegzuhelfen. Diesen Zweck sucht dte Vereinigung dadurch zu erreichen, daß sie 1. den durch Krankheit und Todesfälle heimgesuchten Mit- gliedern beziv. deren Angehörigen Unterstützung ge- währt, L. die unverschuldet stellenlos aewordenen Mitglieder durch Verinitteliing anderweiter Anstellungen unterstützt, 3. invalde gewordenen Mitgliedern möglichst weitgehende Erleichterungen schafft. Weitere Thätigkeit der Vereinigung bleibt vorbe- halten. Aufliahiuebcrcchtigt sind alle im Privatdienst angestellten Privat-Biireaubeamten, sobald sie das 18. Lebensjahr überschritten haben. Die Mitglieder sind verpflichtet, ein einmaliges Eintritts- geld von 50 Pf. und einen monatlichen, an jedem Ersten fälligen Beitrag von 25 Pf. zu zahlen. Das Eintrittsgeld ist»int dem ersten Moiialsbeitrag zusauimeu zu zahlen. Das Statut sendet das Zentralbureau der Bereinigung, Berlin, Stralauer Platz 22, jedem Interessenten gegen Einsendung der Sietourmarke zu. SpivrORml. Die RewNion stellt dt- Bemchung des Epr-chsnalZ, soweit Raum dafür ad zu- nebe» ist, d-m PubiUum zur Bcsvrechwig von Angelegenheiten allgemeinen JnleresleS zur Ocvfügima: sie verwahrt sich nbcr gletchzeittg dagegen, mi» dem Inhalt defielben identistzir»»u werben. Wie die Arbeiter den Lokalinhabern gegenüber, welche ver- sprachen haben, ihre Säle zu Bersannnltinge» herzugeben, auf der Hut seist müsse», beweist folgender Vorfall. Der Verein gewerb- sicher Hilfsarbeiter für Johannisihal und Umgegend hielt vor einiger Zeit in Ncu-Treptow in Laufs Restaurant eine Versamm- siing ab. In der Meinung, Herr Laufs würde sein Lokal auch ferner geben, meldete der Vorsitzende zum 0. d. M. wieder eine VersanimKmg an und theilte selbstverständlich Herrn Laufs das- selbe mit. Am Sounlag, den 7. d. M. sandie Herr Laufs einen Boten zum Vorsitzenden mit folgendem Brief: „Geehrlcr Herr Mielenz! Im Besitz Ihres iverthen Schreibens thnt es mir sehr leid, Ihrem Wunsche nicht nachkommen zu können, da, wie sich bei der letzten Bersantmlung herausgestellr hat, mein Saal viel zu klein ist, und ich bei starken Besuch nicht dnrclizltfiuden vermochte. Ferner ist meine Familie immer kränklich, sodaß ich mich geuöthigt sehe, jedem größeren Geschifft aus dem Wege zu gehen. Mich Ihnen bestens empfehlend, zeichne hochachtungsvoll und ganz ergebenst Laufs, Treptow bei Berlin. Der Vorsitzende theilte Herrn Laufs hierauf»uit, daß er nicht im Stande sei, die Versammlung in so kurzer Zeit abzubestellen, und machte ihn aufmerksam aus die Folgen, auf eine etwaige Zitthestörung, wenn er seinen Saal nicht gebe. Am Montag, den 3., erhielt ich vom Herrn Amtsvorsteher Hoffmann aus Treptow unter den üblichen Formeln folgende» Bescheid: Theile Ihnen mit, daß die Versammlung nicht stattfinden kann. Herr Laufs hat mir gestern erklärt, daß sein Lokal dazu nicht geeignet sei, da es zu klein wäre. Der Amtsvorsteher. Hoffmann. Am Abend, an dem die Versammlung stattfinden sollte. gingen mehrere Vorstandsmitglieder zn Laufs. Wir theilten ihm mit, daß die Versammlung verboten sei. Laufs ivunderte sich darüber sehr und meinte, er hätte den Saal eingerichtet und»vir könnten die Versammlung abhalten.- Ich fragte Laufs, ob er in den letzten Tagen den AmtSvorsteher gesprochen? Was L. ver- »einte. Wie konimt»im aber der Amtsvorsteher dazu, zu schreiben:„Herr Laufs erklärte mir gestern u. s. tu.?" Ich bin nun der Meinung, Herr Laufs hat sich mit dem Amtsvorsteher darüber geeinigt. Hätte Laufs gewußt, daß der Amtsvorsteher so unverblümt seine Erklärung wiedergeben würde, dann wäre Herr LansS jedenfalls nicht zum Amtsvorsteher ge- gange». Es ist ja auch möglich, daß Herr Laufs die Arbeiter nicht gern sieht, oder sollte es die modernste Art sein,»vie man den Arbeitern den Saal vorenthält. Den Restaurateuren, Herren Mally'unv Siebenbau»»», beide in Niederschönivcide, sind von dem Amtsvorsteher folgende Schreibe» zugegangen: „Da für ihr Lokal von dem 1. Oktober an kein Bedürsnift mehr vorhanden zu einer längeren Konzession, ersuche ich Sie, die verlängerte Konzessjon zurückzuschicken." Siebenbaum hatte bis l Uhr, Mally lus 11 Uhr Konzession, in beiden Lokalen liegt daS„Berliner Volksblatt" ans. In'Adlershof Häven ebenfalls mehrere Wirthe solche Schreibe» erhalten. In Glienik, wo der Verein auch vor einiger Zeit bei Herrn Weiniann etite Versammlung abhielt, ist dem betreffende» Wirth die Tanzerlaubniß entzogen ivorden. Am nächsten Sonntag sollte daselbst toieder eine Versaiinnlnng statlsinden. Herr Wei- mann weigerte sich, uns den Saal zu geben, mit der Motivirung: Wir sollen so lange warten, bis er»vieder hat Tanz abhalten dürse». EL sollte mich wundern, daß, wenn Herr Weimann wieder Tanzerlaubniß hat, er uns dann noch den Saal zu Ver- sannnlunge» giebt. Es weht eil» scharfer Wind hier zu Lande. Fritz Miele»), Johannisthal, Vorsitzender des Vereins gewerblicher Hilfsarbeiter. Wir erhalten folgendes Schreibe»: In Nr. 179 des dortigen Blattes .. vom 5. August 1800, befindet sich unter„Sprcchsaal" die Notiz, daß infolge nnterlassener Anzeige des Wohnungsivechsels des Kassenarztes Dr. Friedländer, ein Kranker die ärztliche Behandlung nicht habe cchallea können. . Indem»vir festgestellt haben, daß uns der Herr Dr. Fried- länder seinen Wohuungsivechsel zum 15. Inn» d. I. rechtzeitig angezeigt hat und wir fämmlliche» zn unssrm Verein gehörigen Kassen unterm 7. desselben Monats die betreffende Nachricht amtlich haben zugehen lassen, weisen»vir einen Vorwurf hiermit zurück. In der betreffende» Kaffe ist vielleicht vergessen»vordcn, die Notiz über den Wohnungswechsel zn machen, doch hat dies von hier ans nicht festgestellt werben können, da aus der Notiz nicht hervorgeht,»velchcr Orts-Krankenkaffe der Bcschwerdesnhrer gngehört hat. Der Geiverks- Krankenverein. I. V.(Name unleserlich). Theater. Sonnabend, den 13. Sept b|r, Gprrnhau«. Margarethe.' Schauspielhaus. Die Journalisten. Berliner Theater. Die Räuber. Deutsche» Theater. Das Winter- märchen. Fesstng- Theater. Nora. Friedrich-Wilhelmstädt. Theater. Die Puppenfee. Schwätzerin von Saragossa.s Walluer» Theater. Mamsell Ni- touche. Viktoria- Theater. Die Million, oder: Vivat Imperator. Residenz-Theater. Ferreol. KelleaUianre-Thrater. Der Dorf- teufel. Ostend» Theater. Der Traum ein Leben. roU's Theater. Martha. homas-Theater. Der Alpenkönig und der Menschenfeind. Adolph Ernst-Theater. Unsere Don Juans. Kanfmann's Variete. Große Spe- zialitäten-Vorstellung. Theater der ReichshaUen. Große Spezialitäten-Vorstellung. Concordia. Große Spezialitäten- Vorstellung. Wintergarten. Große Spezialitäten- Vorstellung. Gebr. Richter'» UariStö. Große Spezialitäten-Vorstellung. Englischer Garten. Direktion: C. Andrcss, Zllexander- straße 27c. Austreten der Chansonnette Fräulein Ehrenfeld. Auftreten der 5tostüm-Soubrette Fräul. Rosa Valerie. Auftreten des Gesangshumoristen Herrn Ziegler. Austreten des Malabaristen und Equi- lebristen Mr. Charles. Ailftreten des Professors Herrn Jean Clermont mit seinen dressirten Schweinen, Esel und Gänse». Ansang Wochentags 8 Uhr. Sonntags GVa Uhr. Entree Wochentags u. Sonntags 30 Pf. 50 Pf. und 75 Pf., im Vorverkauf 20 und 30 Pf. Der Garten ist an Vereine f. Sommer- festlichkeitenm.Spezialitäten-Vorstellung zu vergeben._ Etllblijsemtllt Buggenluagen am Moritzplatz. Täglich; Grosses Garten-Concert. Direktion A. Rödmann. Dienstag und Freitag: Walzer-Abend. Pnfrpa Wochentags 10 Flg., ILlill LL sonn, nnd Festtags 25 Ffg. Bei ungünstiger Witterung in den unteren Iiestaurationsräumen. Großer Frühstücks- und Mittagstisch. Spezial-Ausschank von Patzenhofer Export-Bier, Seidel 15 Pf. Die oberen Säle bleiben bis auf Weiteres wegen Nenovirung geschlossen. G41 F. Müller. Kommandantonstr. 77—79 Täglich: Grosses Concert mit Ouartctt-Sängern, ausgeführt von dem Musik- Direktor H. S a n f t l e b e n. Wochentags: Frei-Concert. Sonntags Entree 20 Pf. Empfehle auch zugleich 8 Billards, 3 Kegelbahnen und einen Saal zu Ver- gnügungen und Versamuiluiigen. 703 F. Sodtke. Pastagc 1 Tr. 0 Uhr M. b. 10 Uhr Ab. Kaiser-Paoorama. Hervorrag. Sehenswürdigk. d. Residenz. Diese Woche: IV. Cycl. Hochinteressant: Erinnernngru v. Leldzng 18V0/71. Zum 1. Mal: Insel Cypevn und Syrien. Eine Reise 20 Pf., Kind nur Abonnement 1 M. 10 Pf. I RheilMWer lumifl, gen.:,,Diestdrle Uagelkiste Berlin N., Elsasserstraße 73, gegenüber der Bergstraße. Rendez-vous aller lebenslustigen Herren. Brömmels, 3iadaubrüder und Quasselfritzen haben keinen Ein- tritt. Kapellmeister: R. Blank. Gesang: Lucia Moor. H. Schnitze(niifn tz), Plansch-Apotheker. 1 artwig Söhne& Baer, Herren- und Knaben-Garderoben, 1537 Berlin N., in eigenen Werkstätten angefertigt, Stettin, Berlin 0., 24a. Kohlmarkt s. 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Man darf nicht vergessen, daß in »iten 9°!»°' sich MriH?'eh neben Stempel und Kaution(für Wochen- und Tngei Prett? r0?1 Atteln ein strenges Verbot der Kolportage auf der ganz� nnglaub- welches den'Vertrieb in einer„. «cije verhindert. Die übliche Benutzung der Tabakläden 2. Verschleiß ist eine besondere Begünstigung der Regierung, natürlich nur an ihr genehme Organe crlherlt c.?. Arbeiterblätter würden den Betrag für den �empel, welchen das Gesuch kostet, natürlich rem 2 t?c�en' fiele ihnen ein, darum einzukoinmen. Aber � selbst, tändige, vom Blatte selbst gemi�hete�Verschleißlokale ?.»auswerfen, fiele ihnen ein/ darum ei'nznkommen.' Aber .nn elbstständige, vom Blatte selbst gemiethete Verschl nur schwer, oft gar nicht zu erreichen. Der„Arbeiterzeitung" too''' eö noch nicht gelungen, in Sleyr und in Graz Verkaufs- "J" eröffnen; die bezüglichen Anzeigen werden zurückgewiesen Üp(u. rfe einfach nicht erledigt. Unter solchen Umständen ist , erpresse auf weit schwierigere und kostspieligere Riethoden Ableitung beschränkt, welche sie ganz ans die Opferivilligkcit Vertrauenswürdigkeit der Genossen anweisen. t- Aienn ihre Verbreitung trotzdem seit dem Hainfelder Partei- . �. uch etwa um das Fünffache vermehrt hat, so zeigt das daß sie auf einer gesunden Grundlage ruht und einein irtucheu Bedürfnisse entgcgenkomiul. Sieben der Neu- je eines Blattes in Neichenberg(„Freigeist") »d. in Graz(„Arbeiterwille") ist insbesondere die Fach- zu erivahnen, welche, wenn sie auch zunächst der Fach- egaiiisation dient, für die sozialdemokratische Slgitation sehr ist�thoolles leistet. Nicht ohne Interesse ist es, daß es gelungen ' segar die Zwaugsgenossenschaft diesem Zwecke dienstbar zu 2« i' h" die Gehilsenansschüsse vielfach ans Parteigenossen d» m und es durchgesetzt haben, daß unsere Blätter als Organe " Genossenschaft funktioniren und unterstützt werden. . Eines der wichtigsten Resultate der Brünner 5ko»ferenz ist es, .°»ß konstatirt wurde, daß die tschechische Arbeiterpartei und 9« Presse sich vollständig mit der Organisation der deutschen Partei verschmolzen hat. Nationalen Streit hat es ja gewiß »»ter den Arbeitern nie gegeben, aber die slavische Organisation Mr doch von der deutschen vielfach getrennt. Heute ist 'e Vereinigung eine vollzogene Thatsache und für alte Zukunft ?>«> es unmöglich sein, daß die Jungtschechen oder Jungdeutschen oie Arbeiterbewegung für ihre Zwecke ausnütze». Bei den Deut- Uen ist das schon lange ausgeschlossen, aber die langsamere Entwicklung und anfängliche Unklarheit der tschechischen Arbeiter- "�wegung hat derartige Bersuche bis in die letzte» Jahre crmuthigt »»d wenn auch nur Augenblickskoalitionen zu Paradezwecken zu Stande gebracht. Das ist seit dem Hainfelder Parteitage schon »»ders geworden und heute ist diese Entwicklung beendet. . Die tschechische Bewegung steht wie die der deutschen Arbeiter !? Oesterreich auf dem Boden der deutschen Sozialdemokratie und A sich der Jnteruationalitnt vollbewußt. Einem Blältchcn, das sozialistischer Firma in Prag herausgegeben wird, um die Schäfte der Jungtfchechcn, wenn auch schüchtern und verschämt zu fördern, wurde auf Antrag gerade der tschechischen >,.»»ssen die Eigenschaft eines Parteiblattes abgesprochen und »Wbe von der Liste gestrichen. . Während der Nationalitätenhnder die offizielle Politik mehr »'s je in Anspruch nimmt, und in Oesterreich vorläufig jede fach- Mäße Gestaltung der bürgerlichen Parteien hindert, habe» die "»eiter diese Schwierigkeil bereits vollständig überwunden. Wer Zusammenkünfte besucht und da deutsch und tschechisch, ja »«unter polnisch und italienisch sprechen, deutsche und tschechische >,»- lerlieder mit einander abwechseln hört, würde nicht glaube», 2 klassischen Lande der„nationalen Entrüstung" zu leben. Zu f.?" Neu ist aber auch, daß erstens die tschechischen Arbeiter sich gp gut bewußt sind, daß sie ohne Kenntniß der deutschen T�ache als Einzelne der Freizügigkeit entbehren, als Partei aus- schlössen sind von der geistigen Entwickelung der Partei. i?""» wird der Unterricht im Deutschen gerade in den 'Wischen Arbeitervereinen am fleißigste» gepflegt, darum «/a auch andererseits die Uebersetzung der deutsche» sozialistischen �roschürenliteratur eifrig betrieben.— Erwähnt sei, daß vor enigen Wochen die erste sozialistische Druckschrift in slovcni- K? er Sprache erschienen ist; es ist eine Uebersetzung unserer �nft, den achtstündigen Arbeitstag betreffend. Slflitn?;'st der Beschluß der Konferenz, eine energische «..."°n für das allgemeine Wahlrecht einzuleiten. Wer sich land die reine Republik war. Langsam und unter unsäglichen Mühen und Opfer» wurde seit 1887 wieder aufgebaut. Heute bestehen wieder eine ganze Anzahl von Gewerkvereinen. Dazu kommt, daß die Arbeiter Oesterreichs aus. den Zwangsgenossen- schaften, welche bestimmt waren, sie wehrlos an die„Meister" auszuliefern, eine Waffe, die heute sehr werthvoll geworden ist, gemacht haben. Wo Vereine nicht bewilligt werden, gehen die klassenbewußten Arbeiter systematisch an die Eroberung der Ge- nossenschnft und es kann noch dazu kommen, daß dieselben Jnnungsbrüder, welche um diese Zwangsanstalten petitionirt haben, inständigst darum bitten werden, sie wieder davon zu befreien. Die Arbeiter haben es verstanden, sich dem Boden anzubequemen, auf dem sie eben kämpfen müssen, und ihre Waffen)! den Vcr- Hältnissen anzupassen. So sind die lokalen Organisationen wieder einigermaßen entwickelt und der Moment gekommen, sie zu Ver- bänden zusammen zu schließen. Das ist nun nicht so leicht. Denn wenn auch das Gesetz diese Verbände durchaus ermöglicht, liegen zwischen Lipp' und Kelchesrande die An- und Absichten der Regierung, welche Nichts mehr fürchtet, als solche Verbände, und welche es sehr gut versteht, mit dem Gesetze fertig zu wer- den, welches übrigens danach ist. Dazu kommt, daß in diesem Punkte die Regierung der Unterstützung der Bourgeoisie und ihrer Organe— des Parlaments und der Presse— sich ganz sicher weiß. Unsere Unternehmer haben seit der letzten Streikbewegung und insbesondere seit dem in Oesterreich so glänzend verlaufenen 1. Mai eine geradezu lächerliche Angst vor allem, was Arbeiter- bewcgung heißt. Wenn sie jetzt ehren- oder schandenhalber zu mancher Polizeimaßregel ein schiefes Gesicht gezogen oder sie schüchtern getadelt hat, so ist sie heute bereit, jede Scham abzu- lege» und schreit wie besessen selbst nach Polizei. Dem entgegengesetzt aber wirken andere Umstände. Auch die österreichische Regierung und ihre Polizei ist nicht unabhängig von dem Gange der Ereignisse. Und dieselben Umstände, welche in Deutschland daö Sozialistengesetz zu Falle brachten, bewirken auch in Oesterreich, daß die Regierung der Arbeiterbewegung gegenüber vielfach uachgiebt, weil sie nachgeben muß. Tie Fort- schritte der Sozialdemokratie haben auch ihrem begriffstutzigen Schädel die freilich späteWeisheit eingepault, daß ihr bisheriges Vor- gehen„überflüssig und schädlich" sei. Sie steht sich einfach ohnmächtig dein Wachsen der Arbeiterbewegung gegenüber; denn, was sie verbietet, geschieht eben ohne Erlaubuiß. Das mag wohl der Grund sein, daß man die Brünncr Konferenz und die Versamm- lungen der Tischler, Schuhmacher, Drechsler und Hutuiacher Oesterdeichs, die in den letzten Tagen stattfanden, gänzlich unbc- helligt gelassen hat. Ueder die Verhandlungen selbst werden wir nächstens be- richten; heute nur so viel, daß der Grund zu einer daS ganze Land umfassenden Organisation gelegt wurde. Wenn diese Ge- werkschaftsverbände auch nicht sofort die behördliche Bewilligung erhalten und offiziell funktioniren können, so ist doch eine dauernde und wirksame Verbindung schon jetzt geschaffen, und ihre segensreiche Wirkung wird sich bald zeigen. Bemerkt sei, daß beim Hutmachcr- und beim Drechslcrtage Genossen aus Teutschland als Gäste anwesend waren, deren lhätigc Mithilfe bei der Vcrathuug, die Mittheilnng ihrer Er- fahrnnge» sehr gut wirkten. Die Anknüpfung und Pflege dieser Beziehungen wird nicht nur den gewerkschaftlichen Interessen beiderseits förderlich sein, sondern auch das Bewußtsein der inter- nationalen Solidarität kräftigen. Dieser Gedanke kam in einer geselligen Zusammenkunft am Sonntag Abend, bei welcher die„nichtpolilischen" Gewerkver- einlcr als Sozialdemokraten sich zusammen fanden, zu deutlichem und feierlichem Ausdrucke. iUrlurUvs. lY*»"| tit VHS? uw�vmvMiv.■y—--.-••••------* -..'"»ert, daß die Parteispaltung in Oesterreich, welche der Hain b«tP energisch h** Kongreß abschloß, gerade diese Forderung zum Schlbolcth Parteien machte, daß die„Radikalen" das Wahlrecht seinerzeit jchiihtL euci"Öi|ch verwarfen, als es die„Gemäßigten" über fpres»,? wird gewiß erfreut sein zu hören, daß die Be- Am,, i ö dieser Frage nicht zur geringsten Meinungsverschiedenheit ljßix, und die Beschlüsse e i» st i m m t g gefaßt wurde». »»cti o.r*rcn �as Wahlrecht gewiß sehr schwer, aber wir habe» rjch,j°. �stt, ohne dasselbe Forlschritte zu machen, so daß sich die Pe Wcrthschätzung jetzt überall eingestellt hat. ivaf,-." werden im nächsten Sommer die allgemeinen Neu- hol/ mich» den Reichsrath stattfinden. Dieses Ereigniß wieder- N.'n Oesterreich nur alle sechs Jahre; so lange dauert die �■" A X««.» l, f f u •ÜJOfvT»,,/■' V»»UV»»»«V,......,,_ uni) eiu Parlament aufzulösen, dazu hatte kratj. V?.!W" Taaffe nie den geringsten Anlaß. Die Sozialdcnio- kelbsl.w»re. unklug, wenn sie nicht die Erregung, welche die Wahlen trästj." unserem politischen Sumpfe hervorrufen, nicht zu einer hi>l>->°,u Agitation benützcn würde. Obwohl wir eine» hohen Zensus ii%,\ Gulden direkter Steuer ohne Zuschläge), giebt es in vielen Be- bauz ansehnlicheZahI von Parteigenossen, welche das Wählten v", und sie werde» bei den Wählerversammluugen von j°»stiÜ?' Bürgern" empfindlich gespürt werden. Von de», richl-?,? Plane dieser Agitation werden wir seiner Zeit zu be- haben. «WW« %»b bie l, ö|n Jahre 1884 hatte die Peukert'sche Bewegung �hänn.-�.'lNten anarchistischen Attentate den Borwand zur hichllin»'0 des Ausnahmezustandes über Wien und zur Ver- «» Ar,,.,- ec Arbeiterorganisationen gegeben. Auch in ?»»d,?Puzen, ,vo man es nicht der Mühe werth »»d i« v'' normalen Gesetze zu suspendiren,— sie ??chen schlecht genug, um daS völlig überflüssig zu jhhrt% wurden fast alle Vereine aufgelöst und ein Regiment 9 3en welches der sozialiftengesetzliche Zustand in Deutsch- werden.uon nun an regelmäßig an dieser Stelle über den Stand der österreichischen Slrbciter- "lMerksa».? gütlichen, aufweiche wir unsere Leser besonders -«m machen. Die Redaktion. Zleber die Art der zlahrnngouiittel- Kontrole in Kerlin werde» von dem gerichtlichen Ebeunker Dr. Bisch off folgende Miltheilungen veröffentlicht, die nicht blos für die Nahrungsuiittel-Händler, sonder» auch ganz besonders für das große Publikum von Wichtigkeit sind. Wenn sich in einer so großen Stadt wie Berlin— so schreibt Dr. Bischoss— auch die Entnahme von etwa 350 Proben von verschiedenen Nahrungsmitteln im Monat sehr vereinzelt, so ist doch zu erwägen, daß bei der Einrichtung einer regel- mäßigen Kontrole und bei dem Nichtbekanntsein, an welchen Stellen dieselbe seitens der Behörde wöchentlich zu verschiedenen Malen eingeleitet wird, bald genug im Kreise der Handelswelt das Bewußtsein und die Vorausbeachtung solcher Beaufsichtigung seitens der Behörde sich Eingang verschassen werden. Ein jeder Geschäftsmann sorgt, wenn unlautere Motive— die doch glücklicher Weise selten sind— seine» geschäftlichen Grundsätzen nicht fern stehen, nach Möglichkeit selbst für Zu- ricdcnstellung seiner Abnehmer. Ost genug verleiten auch Manchen wohl falsche Vorspiegelungen und lkukenntniß über die thatsächliche Beschaffenheit seiner Waare zu Mißgriffen. Dr. Bischofs versichert dann, er habe oft bedauert, wenn er aus den Gerichtsverhandlungen anderer Städte ein, seiner Meinung nach zu strenges Vorgehen der Behörden glaubte finden zu müssen. Wie soll der Verkäufer, wenn er im guten Glauben handelt, sich im Einzelfalle über die sachgemäße Beschaffenheit seiner Waare bewußt werden V Auch in Berlin haben erst Ersahrungen gesammelt werden müssen. Die Anklagebehörden haben mit Recht auch nach Ver- gehe» und Kontraventionen nicht'Anklage erhoben, wen» sie das Bestehen dcS Dolus, des Beivußtseins der Strafbarkeit nicht fest- stellen konnte». Die Folge davon ist die Schaffung einer für Berlin vielleicht einzig dastehenden Maßnahme in der Hand- habung des Nahrungsmittelgesetzes, daß nämlich die Kaufleute, bei denen ein verfälschtes oder verdorbenes Nahrungsmittel ange- troffen wird, unter Mittheilnng über die Beschaffenheit der bei ihnen vorgeiundenen Waare und'Angabe der Gründe verwarnt werden, eine solche Waare ferner in de» Verkehr zu bringen. Ein solches Vorgehe» giebt dem Verkäufer Kenntniß von der Unzn- lässigkeit der Beschaffenheit seiner Waare und berechtigt bei der alsdann regelmäßig erfolgenden und insgeheim ausgeführten Nach- kontrole die Behörde zu dem Antrage bei der Anklagebehörde: im Falle des Verstoßes gegen die Verwarnung die W i f s e n t- l i ch k e i t des Verkehrs geltend zu machen und eventuell Fahr- lässigkeit zu betone», wenn von dem gleichen Lieferanten inzwi- sehen etwa andere Waare gleicher Beschaffenheit bezogen worden sein sollte. Ter Verfasser zählt dann eine ganze Reihe von festen und flüssigen Nahrungs- und Genußmitteln auf, die im Laufe der letzten zehn Jahre einer regelmäßigen Untersuchung unterworfen sind. Es darf wohl nicht als Uebertreibung gelten, so behauptet Dr. B., daß die Mehrzahl aller überhaupt einer Kontrole unter- stellbaren Bedarfsartikel einer Ueberwachung unterlag. Einige der Maaren sind inzwischen aus dem regelmäßig wiederkehrenden Gange der Kontrole ausgeschieden, weil sich herausgestellt hat, daß eininüthig Arbeit, Zeit und Geld lediglich für Feststellung der Thatsache aufgewendet wird, daß eine Waare unverfälscht im Handel ist. Das mitgetheilte Verzeichniß der untersuchten Maaren ist folgendes: Mehl, Brot, Gries und Teigwaaren; Kaffee, Thee, Kakao, Chokolade, Cichorien und andere Kaffeesurrogate; Zucker und sogenannter Fruchtzucker, Honig, insbesondere auch ameri» kanischer Honig; Pflaumenmus, grüne Konserven, insbesondere grüne Bohnen, Schoten, Gurken(Eornichons) theils in Buchsen, theils frei verkauft, amerikanische Scheibenäpfel; von Gewürzen, weißer und schwarzer gemahlener Pfeffer, gemahlener Zimmt: Cassia und Canneel, Piment und Gewürznelken, Muskatbluthe, Safran, Mostrich und Zitronen-Oel. Von fetthaltigen Nahrungsmitteln: Butter und Margarine, Schmalz, insbesondere auch amerikanisches Schmalz, Speiseöl, insbesondere Provenceröl, Milch undKäse. Von fluffigen Nahrungs- und Genußmitteln: Wein, Bier, Branntwein und Spirituosen. Fruchtsäfte, insbesondere Himbeersaft, Himbeer- lirnonade und Himbeerliqueur, Selterwasser und Essige. Gine eigenthiimliche Zlebnng herrscht seitens der Ver- liner Polizeibehörden in Bezug auf die aus gesundheitlichen Gründen nicht bewohnbaren Wohnungen. Es wird nämlich dem Miether der nicht bewohnbaren Wohnung ausgetragen, dieselbe zu räumen; dem Hauswirt he ivird von dieser Verfügung Kennt- niß gegeben, aber es wird ihm nicht das Weitervermiethen der Wohnung verboten, wie man doch eigentlich erwarten sollte. Daraus entsteht für die Miether die Unbequemlichkeit, daß sie in eine Wohnung einziehen, um aus einer Polizeiverfügung zu er- sehen, daß sie sofort wieder räumen müssen. Sie können aller- Vings in einem solchen Falle den Hauswirth in Anspruch nehmen wegen des Schadens, allein die Unbequemlichkeiten, welche das Aussuchen einer neuen Wohnung macht, kann ihnen Niemand ersetzen, ganz abgesehen davon, daß die kleinen Leute vor dem gerichtlichen Vorgehen der hohen Kosten wegen sich scheuen. Diese Handhabung der Wohnungs- und Gcsundheitspolizei schien uns so seltsam, schreibt die„Vvss.fZtg.", daß wir zuerst nicht recht daran glauben ivollten, allein in dem Verwaltungsbcricht der Berliner Polizei für 187t— 1880 finden wir einen Beweis dafür, daß diese Praxis damals gegolten hat und wohl auch heute noch gilt. Es heißt in dein Berichte: „In allen denjenigen Fällen, in welchen die Räumung von Wohnungen angeordnet werden mußte, wurde früher dem betreffenden Hauscigenthümer durch besondere Ver- fügung die fernere Benutzung oder das Vermiethen der be- treffenden Räume zu Wohnzwecken untersagt und dem- selben im Zuividerhandlungsfalle eine Strafe von SO M. angedroht. Zur Festsetzung und Einziehung der an- gedrohten Strafe ist es nur in vereinzelten Fällen ge- kommen, wenn auS den ermittelten Umständen zweifel- los hervorging, daß der Eigenthümer lediglich aus Eigennutz den polizeilichen Anordnungen zuwider handelte. Aber gerade diese Slrassestsetzungs-Versügungen sind in vielen Fällen angegriffen worden, die meisten durch Klage beim königlichen Bezirks-Verwaltungsgericht, wenige durch Beschwerde beim Oberpräsidium der Provinz." Es wird dann weiter ausgeführt, daß dadurch Verzögerungen entstanden seien, dann heißt es: „Um dem Uebelstande einer so bedenklichen Verzögerung zu begegnen, ist in letzter Zeit von einer Strafandrohung oder Straffestsctzung gegen de» Vermiethe'besehen, die Räumungs-Verfügung vielmehr nur an den Mielher erlassen, und dem Eigenthümer nur von der an den Miether erlassenen Räumungsverfügung Kenntniß gegeben worden. Gegen diese einfach- Mittheilnng steht dem Eigenthümer eine Klage oder Beschwerde nicht zu und hat er im Falle des Ungehorsams nur zu gewärtigen, daß, wenn er die gesundheitswidrigen Räume durch andere Miether wieder beziehen läßt, diese letzteren, auf die angeordnete Ltcvier-Anzeige hin, abermals zur Räumung veranlaßt werden." ES wird von allen Seiten zugegeben werde», daß diese Handhabung für die Miether eine sehr ungünstige ist, für die Verinicther eine günstige insofern, als ihnen Polizeistrafen er- spart werden. Aber andererseits wird den letzteren das Ver- ivaltungL-Streitverfahren abgeschnitten, welches ihnen durch das ZuftändigkcitSgesetz von 1876 eröffnet war und auch durch das neue Gesetz von 1883 gewährt ist. Daß eine Verzögerung durch das Streitverfahre» entsteht, ist ja richtig; allein wenn man den Miether anweist, die Wohnung zu räumen und gleichzeitig das Weitervermiethen verbietet, dann muß man dem Hauswirth auch das Recht geben, den gesundheitlichen Zustand der Wohnungen gerichtlich feststellen zu lassen. Es niuß in dieser Beziehung eine Aenderung getroffen werden, ohne daß natürlich die Schnelligkeit des polizeilichen Einschreitens darunter leidet. Ueber die anderweite Einrichtung unserer Gesundheitspolizei. namentlich auch in Bezug auf den gesundheitlichen Zustand der Wohnungen, schweben ja Unterhandlungen; vielleicht zieht man dabei auch diesen Punkt in Erwägung. Die Uegntirnng der Htromstraffe ist trotz mehrerer Petitionen von Seiten der Anwohner noch nicht in Angriff ge- nomnien worden, wie der„Voss. Ztg." geklagt wird. Da wurde vor kurzem vom Magistrat endlich dieserhalb eine Vorlage an die Stadtverordneten- Versammlung gerichtet und die Anwohner alhmeten auf in der Hoffnung, daß die Regulirung nunmehr er- folgen werde. Hatten sie ja doch sich verpflichtet, das nöthige Terrain unentgeltlich herzugeben und den Bürgersteig selbst zu reguliren, wenn die Stadt die Ecken an der Thurmstraße erwerben und reguliren wolle. Gleichwohl wurde die Vorlage abgelehnt. Zwei der Herren Stadtverordneten hatten sich sogar persönlich hinaus- bemüht und gaben Verkehrsziffern, welche genau dasselbe sind, als wenn man sich Abends von 6—7 Uhr vor irgend einem Gerichts- gebäude hinstellt und nach den zu dieser Zeit ein- und ausgehenden Personen die Lebhaftigkeit des hier herrschenden Verkehrs bestimmt. Die Regulirung wurde also damals abgelehnt und infolge dessen das Angebot der Grundbesitzer zurückgezogen. Heute, nach stark sechs Wochen, sucht die Kanalisationsbauleitung von den Besitzern in der Stronistraste die Erlaubuiß zu erhalten, das zur Entwässerung nöthige Rohr durch die Vorgärten legen zn dürfen. Da im jetzigen Straßenterrain das Enlwässerungs- rohr nicht liegen kann und die Besitzer infolge der ablehnenden Haltung der Stadt sich hüten, verde», die Erlaubniß zu aeben, so wird sich die Stadt genöthigt sehen, einen provisorischen Kanal zu bauen, welcher höchst ivahrscheinlich ebenso viel kosten ivird, wie der zur Zeit der Regulirung erforderliche Grund und Boden. Kostet bann in späteren Jahren der Grund und Boden das Doppelle und Dreifache, so wird die Regulirung doch vor- genommen werden müssen. Nene Versuche?nr Ernährung von Gefangenen haben der Direktor und der Arzt der Strafanstalt zn Moabit, die Herren Dr. Krahne»nd Dr. Leppmann, angestellt und erprobt. Ueber ihr°.,Ergeb"ssse berichten sie ausführlich in der„Berliner Klinischen Wchschr. Die Veranlassung bot der Umstand, daß die Zusammen- stellung des Speise-Etats in einem unrichtigen Verhältniß sich be- stndA: es, verde» zu große Menge» Kohlenhydrate(677,54 Gramm statt 500) und zu wenig Fett(24,51 Gramm statt 56) gereicht. W.ÄS'LiWK Eiweiß und billiges Fett z» finden und weiter durch Einschränkung der Veaetabilren(grobes Roggenbrot und Kartoffeln) die Mittel für Beschaffung dieser Nährstoffe frei zu machen. Bei den Versuchen durfte der Etatspreis von 20 Pfennigen pro Kops und Tag nicht überschritten werden. Dreierlei Nährstoffe, abgesahnte Milch, Käse und Hering, boten billiges animalisches Eiweiß in reichlichen Mengen, wobei Käse und Hering gemäß ihrer Be- schaffenheit»och Appetit erregten. Als billige Fette kamen Junhstalg und Schmalz zur Anwendung. Durch den neuen Speiseetat soll der sonst unstillbare Fetthunger anfangen nach- zulassen, und der mit der Länge der Haft zunehmende Widerwille 'st seltener geworden. Gleichzeitig wurde durch tägliche Gewährung von Kaffee chis zu zehn Gramm ein Appetit erregendes Mittel ge- wonnen, wobei die beiden Herren vor der Mitanwendung von Surrogaten warnen. Lebhaft befürwortet wird sodann die Ein- suhrung von Fischnahrung in den Speise-Etat der Strafanstalten (worüber wir kürzlich bereits berichtete». Red.); für die Zubereitung werden genaue Vorschriften angegeben, auf deren nicht genügende Beachtung die Herren Krohne und Leppmann die an manchen Orten beobachteten Mißerfolge zurückführen. Durch e,ne wöchentliche Fischnahrung wird dem Gefangenen für billiges Geld acht Gramm animalisches Eiweiß mehr, als sonst bei der günstigsten Zusammenstellung möglich ist, zugeführt, und zwar in so leicht verdaulicher und schmackhaster Fori», wie sie bisher noch nicht erreicht ist. Endlich wird die Nothwendigkeit einer ausreichenden Würze der Speisen betont. Von weiteren Versuchen mit Kokosnußbutter wird dagegen abgerathen. I» de» Tingeltangel» und an den anderen sogenannten „Sammelpunkten der eleganten Welt" ist es von je her nicht son- derlich geschmackvoll zugegangen. Der Gesang ist ja in diesen „Kunstinslituten" zweiten bis siebzehnten Ranges Nebensache, es handelt sich vielmehr nur darum, der„eleganten" Männerwelt eine Fleischausstellung zu bieten, und dazu sollen die Gesang-Auf- führungen nur die Gelegenheit und den Deckmantel geben. Aber auch von diesen Instituten verlangt man immer Neues, und da auch hier der Konkurrenzkampf zwischen den Unternehmern ein sehr erbitterter ist, gilt es, wirksame Reklamemittel zu finden und das Neueste immer durch das Allerneueste zu überbieten. Eine teit lang half man sich damit, daß man Riesendamen oder werginnen engagirte oder durch irgend ein anderes «chaubudenstück die Anziehungskraft des Tingeltanges er- höhte. Dann kitzelt man einmal die gemeine Sensationslust des Publikums durch die Schaustellung von Frauenzimmern, welche aus irgend eine skandalöse Weise zu einem gewissen Ruf gelangt sind, und das sich hauptächlich aus den„feinsten" und„ge- bildetste»" Kreisen rekrutirende Publikum ist geschmackvoll genug, selbst berüchtigten Frauenzimmern, die schon'mit dein Zuchthaus in nähere Berührung gekommen sind, Ovationen zu bereite». Seit einigen Jahren befinden sich unter den„Künstlerinnen", die sich auf den Brettern, welche die Halbwelt bedeuten, bewundern lassen, auch„Damen", welche durch ihre hochklingeuden Namen das Publikum anlocken. Zur Zeit haben wir in Berlin gar auf einmal zwei wirkliche und wahrhaftige Fürstinnen, welche ans diese Weise den Ruhm ihrer hocharistolratischen Familien ver- mehren. Und das ist nun ein großes Gaudium für die goldene Jugend, wenn eine Fürstin Pignatelli di Kcrchiari u. s. w. auftritt, die Krone im Haar und das Wappen ihrer Familie in das seidene Zleid gestickt. Die Fürstin singt ausgesprochenermaßen zu dem Kwecke, ihre Verwandte» zu ärgern, die ihr irgend etwas zu Leide gethan haben, und diesen Zweck wird sie wohl auch erreichen, denn es können sich auch andere Leute, die glücklicherweise nicht mit ihr verwandt sind, ärgern, wenn diese bejahrte Dame, die gar nicht dazu erschaffen scheint, öffentlich bewundert zu werden, mit afiektirter Würde die Bühne betritt und ihre Stimme ertönen läßt. Aber für das allen sensationellen Effekten zugängliche Publikum der Tingeltangel hat es doch einen eigenen pikanten Reiz, gerade eine veritable Fürstin an einem solchen Orte singen zu hören oder den Taktstock führen zu sehen. Und wer liberale Anwandlungen hat, mag vielleicht auch einige Genugthuung über die Thatsache empfinden, daß in unserer fortgeschrittenen Zeit jedermann für einige Groschen das Recht erwerben kann, sich von einer echten Fürstin etwas vormachen zu lassen. Wer so denkt, giebt freilich damit, wenn auch gegen seinen Willen, zu, daß er die Anschauung, welche den Adel alS eine höhere Menschengattung betrachtet, noch keineswegs überwunden hat. Denn wenn die Fürstin Pignatelli nicht eben eine Fürstin von Geblüt wäre, und wenn nicht im Allgemeinen das fürstliche Blut ein ganz besonderer Satt wäre, worin könnte dann noch der pikante Anreiz liegen, welchen die Fürstin Pignatelli in den Augen dieser Tingeltangel- besucher vor den vielleicht viel hübscheren und viel besser singen- den Fräulein Müller und Schulze voraus hat? Aber der Impresario kennt sein Publikum schon. Er weiß recht wohl, daß alle diejenigen, welche über die„Ferschtin" pöbelhafte Witze machen und an ihr durch Radau und Zwischenrufe ihr Müthchen kühlen, im Grunde des Herzens doch großen Respekt vor der Krone und dem Wappen haben, und daß eben durch diesen Widerspruch jener Hautgout erzeugt wird, welcher dem Auftreten der Fürstin seinen Reiz verleiht. Einem wirklichen Demokraten find die Titel einer Fürstin Pignatelli ebenso gleichgiltig, ob sie auf einem Throne sitzt, oder ob sie im Tingellangel singt, der Pöbel aber rächt sich durch seine Witze über die Tingeltangel- sängerin dafür, daß er sich ihr unter anderen Umständen nicht ebenbürtig fühlen dürste. Nun, uns geht das weiter nichts an, an welchen Pikanterien sich die goldene Jugend ergötzt. Wir . haben keinen Grund, eS zu bedauern, daß Mitglieder hochadliger Familien äußerlich auf ein so tiefes Niveau herabsinken, aber wir haben auch keinen Anlaß, die Gesunkenen wegen ihrer Herkunft zu verhöhnen. Wie wir die Standcsgenossen der Fürstin Pig- natelli nicht deswegen hoch achten, weil sie in der Lage sind, von ihren ererbten Gütern standesgemäß und ohne Arbeit zu leben, so ist uns die Fürstin Pignatelli darum nicht schlechter, weil sie sich nicht in jener Lage befindet. Sehr tragisch freilich kommt uns eine Person auch nicht vor, die mit ihrer Herkunft Reklame macht, um sich dadurch in einem nicht besonders anständigen Beruf ihr Brot zu verdienen. Das eben ist ja das Bizarre und häßliche an dieser Schaustellung, daß die Fürstin trotz alledem mit ihren fürstlichen Attributen paradirt und noch immer eine Ausnahme- stellung einzunehmen wähnt. Immerhin wirkt auch ein solcher Vorgang ausklärend über den wahre» Werth, welcher dem Ge- burtsadel innewohnt. Daff Unter«nd Sohn gleichzeitig die Schule besuchen, ist gegenwärtig in Berlin der Fall. Auf entern hiesigen im Zentrum der Stadt gelegenen Gymnasium macht ein SLjähriger Mann sein Abiturienten- Examen, während sein Ojährige« Söhnchen die untersten Vorklassen der betreffenden Lehranstalt besucht. Herr S., der früher Prokurist eines hiesigen Bankhauses war, ist durch eine bedeutende Erbschaft in den Stand gesetzt, seinem Lteblings- wünsche, Medizin zu studiren, nachzukommen.— Um jedoch später das Staatsexamen machen zu können, muß S. die Abiturienten- reife erlangen, was er als Extraneer des betreffenden Gym- nasiums auch versucht. So kommt es, daß Vater und Sohn, die Bllchermappe unterm Arm, jetzt gewissenhaft oben genannte Lehr- anslalt besuchen...... Da» Geriicht vo»-inem blutiize» Un-l>rrche». begangen auf einem Zuge der Nordbahn, verbreitete sich gestern früh im Norden unserer Stadt. Nach unseren sofort angestellten Er- Mittelungen liegt hier kein Verbrechen vor, vielmehr handelt es sich um einen Unglücksfall, der aber sehr leicht mit dem Tode des betreffenden Verletzten hätte enden können, weck der Ver- unglückte nahezu eine volle Stunde hilflos, stark blutend und bewußtlos aus dem Perron des Bahnhofes der Nordbahn Pankow gelegen hat. Der 23 jährige, in einem hiesigen Bankgeschäft angestellte Buchhalter Hans Stöhr, welcher in Pankow rn der Flora- straße bei seinen Eltern wohnt, fährt allabendlich vom Stettmer Bahnhos aus»ach obigem Vorort, und hatte auch vorgestern Abend um 9 Uhr den betreffenden Nordbahnzug benutzt. VermuthUch hat Herr St. beim Eintreffen des Zuges im Pankower Bahnhos zu lange im Koupee gesäumt und ist sodann von dem wieder rn Fahrt befindlichen Zug heruntergesprungen. Hrerber muß der Unvorsichtige wohl rücklings an der Bordschwelle des Perrons zu Boden geschlagen sein, so daß er bewußtlos mit klaffender Kopfwunde und Gehirnerschütterung, wie sich später herausstellte, daselbst liegen blieb. Der einzige auf diesem Bahnhofe stationirte Beamte hatte bei der herrschenden Dunkelheit von dem Vorgange ebensowenig etwas bemerkt, wie das Zugpersonal, und erst als der um 10 Uhr 20 Minuten Nachts auf dem Stettinxr Bahnhofe eintreffende Zug Pankow passirte, fanden aussteigende Passagiere den St. im Blute schwimmend. In einem Güter- wagen wurde nunmehr der Verletzte nach Berlin geschafft und sofort mittelst Krankenwagens nach der königl. Klinik in der Ziegel- straße überführt. � Ci» IluglücksfaU durch Zlrberfalire» ereignete sich gestern Abend kurz nach 7 Uhr an der Ecke der Prinzen- und Annenstraße. Ein Kohlenwagen kam um diese Zeit in tollster Karriere die Annenstraße heraufgefahren. Bei der Kreuzung der Prinzenstraße wurde ein Mann, noch ehe er ausweichen konnte, zu Boden geworfen und überfahren. Als der Kutscher dies be- merkte, trieb er die Pferde zu noch schnellerem Laufen an. Ein Schutzmann warf sich in eine Droschke und fuhr hinterher. Nun brauste die wilde Jagd die Annenstraße, über den Kaifer-Franz- Grenadier-Platz und das Engel-Ufer entlang, bis die Pferde end- lich in der Köpnickerstraße gestellt wurden. Der Kutscher wurde nach der in der Melchiorstraße belegene» Polizeiwache sistirt. Uolizeibericht. Als in der Nacht zum 11. d. M. der Student der Musik Rhades in seiner Wohnung, Platz vor dem Neue» Thor la,■ einen Revolver auseinandernehmen wollte, entlud sich eine noch darin befindliche Patrone und traf ihn an der Stirn, wo die Kugel stecken blieb.— Am 11. Morgens wurden die Pferde eines an der Ecke der Frieden- und Pallisaden- straße haltenden Baucrnwagens scheu und liefen die Pallisaden- straße entlang. Bei dem Versuche, die Pferde auszuhalten, gerieth der Kutscher Borrmann unter die Rüder des Wagens und erlitt anscheinend nicht unbedeutende innere Verletzungen. Am U.d.M. fanden vier kleinere Brände statt. (Öeritkits-Zleikmlg. Ata eine durchtriebene Ganneri» entpuppte sich die erst 22 jährige Marie Luise Wille, welche gestern wegen schweren Diebstahls, Urkundenfälschung und wegen einer ganzen Reihe Betrügereien der dritten Ferienstrafkammer des Land- ckchts 1 vorgeführt wurde. Die Angeklagte, die ein entsprechen- des Aeußere und eine gute Bildung besitzt, hat außerhalb schon mehrere Stellen als Erzieherin bekleidet. Im vorigen Herbste wurde sie Modellsteherin; drei Monate laug ging sie bei einem hiesigen Bildhauer aus und ein. Eines Tages fand sie Gelegen- heil, dessen Wohnzimmer zu betreten. Bei einer Durchsuchung des unbeaufsichtigten Raumes entdeckte sie in dem offen stehenden Schreibtisch eine kleine Metallkassette. Sie löste die Charnicre mit Gewalt und entnahm dem Inhalte einen Check über 1200 M., welcher auf das Bankhaus Borchardt angewiesen war. Der Diebstahl wurde erst entdeckt, als der Bestohlcne von dem Bankhause die Anzeige von der Abhebung des Guthabens erhielt. Die Angeklagte hatte bei der ersten Vorzeigung des CheckS die Weisung erhalten, daß sie erst mit einer genügenden Legitimation versehen sein müsse, bevor sie das Geld erheben könne. Sie fälschte einen Brief mit dem Namen des Bestohlenen, in welchem sie als dessen Schwester bezeichnet wurde. Im Besitz des vielen Geldes begann die Angeklagte ein tolles Leven. Als die Mittel auf die Neige gingen, sann die Angeklagte auf Ersatz. Beim Kauf- mann Wolfsohn bestellte sie für 3000 M. Wäschegegenstände, als die Lieferung aber erfolgen sollte, war die Bestellerin bereits aus dem Hotel, in dem sie sich einige Zeit aufgehalten, mit Hinter- lassung von Schulden verschwunden. Einen nicht minder großartigen Betrugsversuch setzte die Schwindlerin gegen den Juwelier Nofcnthal in Szene. Sie gab sich für die Tochter eines reichen Industriellen in Kassel aus, welche im Auftrage ihres Vaters verschiedene Schmucksachen aussuchen solle, die zur Auswahl nach Kassel geschickt werden sollten. Da sie sofort einige„Kleinig- leiten" zum Gesammtbetrage von 800 M. für sich entnahm und baar bezahlte, so schöpfte der Juwelier keinen Verdacht und sandte die Waaren unter der angegebenen Adresse nach Kassel. Zum Glück für den Geschäftsmann wurde die Ange- klagte verhaftet, bevor sie nach Kassel reisen konnte, um die Früchte ihres Betruges zu ernten. Es meldete sich noch eine ganze Reihe Personen, welche durch die Angeklagte geschädigt worden waren. In einem Silberwaarengeschäst hatte sie ein hochelegantes Reisekästchen bestellt und sämmtlich darin ent- haltenen Gegenstände mit ihrem Monogramm versehen lassen. Im Verhandlmtgsterinine leugnete die Angeklagte rundweg Alles ab, zum Erstaunen des Bildhauers bestritt sie sogar, daß sie mit der Modellsteherin identisch sei. Auch nicht ein einziger der vielen Zeugen hielt eine Personenverwcchsclung für möglich. Der Ge- richtshof war mit dem EtaatSanivalt Dr. Stephan der Ansicht, daß es bei der Gemeingefährlichkeit der Schwindlerin verfehlt sei, ihr mildernde Umstände zu bewilligen, das Urtheil lautete daher aus drei Jahre Zuchthaus und dreijährigen Ehrverlust. Ein?» leamischen Anstrich hatte eine Verhandlung wegen Heirathssch'.vindcls, welche gestern die dritte Fericnstraskammer des Landgerichts 1 beschäftigte. Ende Juni enthielt der„Lokal- Anzeiger" die Älnnonze, daß ein ätterer, adeliger Herr mit 4000 M. Gehalt eine Lebensgefährtin mit 8000 M. Vermögen suche. Das Gesuch kam auch der 47jährigen Wittwe I., die in einem Keller ein kleines Borkostgeschcht betrieb, zu Gesicht. Sie hielt sich für geeignet, die Stelle der geivünschteu Lebeusgesährtin auszufüllen und gab deshalb ihre Adresse ab. Nach wenigen Tagen erschien in der Dämmerstunde ein hochgeivachsener Herr in ihrer bescheidene» Wohnung, der sich als der Ver- fasser der HeirathS-Annon,e vorstellte. Tie von ihm abgegebene Visitenkarte trug den Namen„Georg von Horn". Er machte über seine persönlichen Verhältnisse so wunderbare An- gaben, daß die Richter Mühe hatten, ernst zu bleiben, als die Zeugin I. sie in der Verhandlung wiedergab. Ter Heiraths- kandidat erzählte, daß er Obertelegraphist im persönlichen Dienste des Kaisers sei und im kaiserlichen Schlosse drei Zimmer inne habe. Ter Kaiser wünsche, daß er sich wieder veryeirathe und deshalb habe er den nicht ungewöhnlichen Weg der Annonce be- treten. Seine erste Frau sei Gutsbesitzerin gewesen, seine Tochter aus erster Ehe mündig geworden und müsse er derselben jetzt deren Erbtheil in Höhe von 8000 Mark auszahlen. Zu diesem Zwecke müsse er bei der neuen Heirnth auf etwas Vermögen sehen. Frau J. war entzückt von diesen Mittheilungen und freute sich, daß sie ihren dumpsen Keller mit den Räumen im Schloß vertauschen solle. Es bedurfte nur weniger Worte, bis das Paar einig wurde. Frau I. führte den Gast in die beste Stube und während dieser auf dem Sopha saß, zählte sie ihm 000 Mark baares Geld vor, die sie im Schrank aufbewahrt hatte. Die Augen des Herrn Ober-Telegraphisten leuchteten. Frau I. ivar aber eine vorsichtige Frau, sie strich das Geld wieder ein und verschloß es in den Schrank. Wenn die Angaben des Heiraths- kandidateu sich bewahrheiteten, so sollte er das Geld haben. Nach wenigen Augenblicken bat der Gast um ein Glas Wasser. Frau I. wollte sich nobel zeigen, sie holte eigenhändig Bier aus dem Keller, während der Gast allein in der Stube blieb. Nachdem der„Bräutigam" sich gelabt, entfernte er sich. Vorher bat er Frau I. aber um ihren Trauring, den er zu der Verlobung, die am folgenden Abende stattfinden sollte, mit an- deren Buchstaben versehen lassen wollte. Auch erhielt er auf sein Bitten noch eine goldene Uhr geborgt, da die seine augenblicklich verunglückt sei. Als der Gast sich entfernt hatte, hatte Frau I. bei ihrem Schrank zu thun. Sie fand ihn erbrochen und des Geldes beraubt. Jetzt wußte Frau I., welche Be- wandtniß es mit dem Herrn von Horn hatte. Die Polizei hat denselben bald ermittelt. Es war der Mühlenbauer Hermann Carl Schnitzer, ein Mensch, der außer vielen Gefängniß- strafen nicht weniger wie 11 Jahre Zuchthaus Gestern verurtheilte der Gerichtshof den uttverbesserlichsn lerzu dreieinhalb Jahren Zuchthaus, Ehw 500 M. Geldstrafe oder noch 50 Tage Zuchthaus.. Eine n,, flächige Acnflernng, die der 44 August R e g l i n einem auf der Straße von zwölf Jahren zugerufen, hat demselben eine � groben Unfugs und durch schöffengerichtliches Erkemiw v... 14 teigige Haftstrafe zugezogen. Der Verurtheilte legte«■ ein und im gestrigen Termine vor der zweiten Jufiattz n � mit der Behauptung hervor, daß jene Aeußerung nta> Kinde, sondern seinem neben ihm gehenden Kollegen habe. Diese Angabe stellte sich schon um deshalb als heraus, weil die Belastungszeugintten übereinstinunend ww daß der Angeklagte der unflüthigen Aeußerung die M',% vorangeschickt habe:„Du bist ja ein hübsches Mädchen. Gerichtshof bedauerte mit dem Staatsanwalt llnger, o p Strafthat des Angeklagten sich nicht von einem härteren �'.g. punkte, als wie dem des groben Unfugs habe beunheuen i. und daß die Staatsanwallschaft nicht ebenfalls Berufung jn 8 hatte, denn sonst würde die zweite Instanz auf dts lMI. � lässige Strafe erkannt haben. So sei es zu bedauern,° P, Angeklagte mit einer vierzehntägigen Haftstrafe davon Zwistigkriten Imuvljrtlt» der freireligiöse» hatten eine Privatklage des Privatiers Herschlep gege Apotheker F r i e d e r i c i gezeitigt, welche kürzlich die Berul' kämmet des hiesigen Landgerichts I beschäftigte. J>> ewe� sammlung der freireligiösen Gemeinde am 6. Januar � über die Neuwahl des Vorstandes berathen und be, duie � legenheit sprach sich der Privatkläger gegen die Wiederivay bisherigen Vorstandes aus. Er erklärte, daß er Personen,.7, schon 1868 von Unterschlagungen zum Schaden der Veren- Kenntniß gehabt und dieselben vertuscht haben, nicht n. wählen könne. Auf das Ersuchen, Namen zu nennen, 9 u dann den Vorsitzenden der Gemeinde genannt und beyo ijI: daß die Pflichtwidrigkeit desselben die Unterschlagungen des � einskasfirers, Porzcllanmalers S u't e r, ermöglicht habe un � er daran bctheiligt sei. Friederici schleuderte dem-'.x damals das Wort„Verleumder" entgegen, welches nun den grund der Privatklage bildet. Das Schöffengericht hatte de � geklagten Friederici auch für schuldig erachtet und densew', 30 M. Geldbuße evcnt. 3 Tagen Gefängniß verurtheilt. T, Schöffengericht war der Meinung, daß der Privatkläger d: zeichnung als„Verleumder" nicht verdiene, da derselbe nu � ausgesprochen habe, was von seinem Standpunkte aus uno � der allgemeinen Sachlache als berechtigt erschien. J" � Jahren 1887 bis 1889 seien bei der Verwaltung freireligiösen Gemeinde Veruntreuungen vorgekommen, der Rendant Suter 6000 M. Defekte gemacht L, Es sei erwiesen, daß der Kafsirer, trotzdem � unkorrekte Kassenführung dem Vorfitzenden des kaum verborgen bleiben konnte, noch einen von 2500 M. zur Abhebung eines Papiers von der Reich- f, erhalten habe. Der Beklagte Friederici habe zwar die � dargestellt, daß ihn die Kassenführung gar nichts angeys- d Gerichtshof habe aber diese Ansicht nicht zu theilen ner> rn sondern angenommen, daß der Vorsitzende eines solchen C(f seine Pflicht nicht erfüllen würde, wenn ihm solche DMge� borgen bleibe» könnten.— In dem letzten Termine e'.� Friederici wiederuni, daß er in keiner Weise sich" Pstichtwidrigkeit beimißt sei, da es ja gar nicht in seiner stehe, für seine Person allein die Reichsbank zur Herausgabe � Depots zu veranlassen, dazu vielmehr auch noch andere Pen gehöre». Es habe sich nachweislich auch nur um den IWi von Werthpapieren gehandelt und seien die Buchungen dm � durchaus ordnnngsgemäß vor sich gegangen. Der Privatkläget seinerseits dabei stehen, daß nach der wirklichen Sachlage der Herrn Friederici die Unterschlagungen des Suter aus den v. 1887 und 1888 unmöglich verborgen bleiben konnten. Dem � Meinung ist auch einer der Kassenrevisoren gewesen, welch�Ij Zeuge vernommen worden ist. Herr H e r s ch l e p stellte sich während der Verhandlung ans den Standpunkt, daß F'! den Depotschein unberechtigter Weise an Suter ausgeliefert � um die Defekte zu verdecken, während Friederici behauptet, die Auslieferung des Scheines auf Beschluß des Vorstandch� folgt sei.— Das Berufungsgericht hob das erste Urtheil aul.■ sprach den Angeklagten Friederia frei, indem es annahm, � der Unterstellung deS Klägers eine schwere Beleidigung liege die Behauptung desselben nicht erwiesen sei und Friederici% nur eine ihm angethane Beleidigung auf der Stelle erwidert 9 Sämmtliche Kosten wurden dem Kläger auferlegt. Lripng. 12. September. Im Prozesse gegen den Schmä Klausin in Berlin, ivelcher wegen Mordes zum Tode verur'9� wurde, ist die eingewendete Revision vom Reichsgerichte veriV« worden. Verlnunttlungen. (-in, QU, iicsiichto äftViitliii,, Uli rammlimO Ii Glnjrrocselte» JJtiiin» und Almgegend fand am 6.% tember in Grativeil's Bierhallen statt mit folgender Tw Ordnung: 1. Vortrag des Herrn W. Werner. 2. Stellnngnch� zum außerordentlichen VerbandStage der Glasergesellsck"!- Deutschlands am 22. September zu Hannover, event. Äah' Delegirten. 3. Verschiedenes.. Der Vortragende erledigte sich seines Referats zur Zust�i.- heit und erntete dafür langanhaltenden Beifall. Von einer* kussion des Vortrages wnroe Abstand genommen. Bei Punkt 2 verlas Kollege Stampehl die Einladung U Verbandslage, die Seitens des Vorstandes des Vcrva». deutscher Glaserinniingen an die Berliner Glaser D gangen war und führte aus, daß es entschieden besser wo wenn die Berliner Glasergesellen sich der Zeutralorganisatio» j schließen würden, um dadurch eher eine Verbesserung der Lage erringen, als wenn sie sich der Zentralorganisativn neutral 9%. überstellten. Es wurde besonders betont, daß es besser wenn die beiden jetzt in Teutschland bestehenden Verbände einen aufgingen und daß die Berliner Delegirten mit der WR% abzusenden seien, für das Stürzen des jetzt bestehenden 8% gläser-Verbandes und für den Anschluß an den besteheb, Rahmcnmacher-Verband einzutreten. Da sämmtliche Redner■ Meinung waren, daß eine Zentralorganisation das Beste für11-1 sei, wurde zur Wahl der Delegirten geschritten und siel die auf die Kollegen Marron, Hünicke und Stampehl. � Bei Punkt 3, Verschiedenes, wurde dem Delegirten der» liner Glafsergesellen zur Berliner Strcik-Kontrolkommission der wurs gemacht, daß er die Versammlungen dieser Koniinission eM Male nicht besucht habe und wurde darauf hingewiesen,° wenn er sich dieses noch einmal zu Schulden kommen lasse, fji t, Der Delegirte, der anwesend WM" daß er siP„,il ein anderer gewählt würde. bat um Entschuldigung und gab das Versprechen,„»p..,., Zukunft nichts mehr zu Schulden kommen lassen wolle, sich dann auch die Versammlung zufrieden gab. Ferner n»! � die Resolution des 10. deutschen Glasertages in Bremen e'}t Kritik unterzogen und wurde betont, daß dieselbe nicht im 0'%; wäre, ein gedeihliches Vcrhältniß zwischen Arbeitgeber% Arbeitnehmer herzustellen und wurde folgende Resolution stimmig angenommen: Die heute am 6. September 1890 in Grativeil's®.,I) hallen tagende öffentliche Versammlung der Glasergkr Berlins und llmgegend saßt folgende Resolution: Die Berliner Glafergesellen können in der auf 10. deutschen Glasertag in Bremen gefaßten Resow' z nicht das Mittel erkenne», um zwischen Arbeitgeber", Arbeitnehmer ein friedfertiges sowie gedeihliches" übe, in i fwHnijj herzustellen und protestircn sie gegen diese Wenso provozirende als Ungesetzlichkeiten bezweckende Resolution, verzichten gerne auf etwaigen belehrenden Einfluß und:viirde>i statt dessen eine Lohn- erhvhung vorziehen. Sollten die Berliner Glaser- Meister gegen die Führer der hiesigen Organisation so vorgehe»»,»vie die Resolution besagt, so würden sich säninitliche Berliner Glasergesellen mit ihren Führern solidarisch er- klären. Ferner verpflichten sich die Berliner Glascrgesellen, den neu errichteten Arbeitsnachiveis der Glasergesellschaft Berlins und Umgegend zu benutzen und nicht den parteiisch ge- führten Slrbeitsnachivcis der hiesigen Innung. Ihre Ansichten über die hiesige Jnnungs-Krankenkasse ersparen sich die Berliner Glascrgesellen bis zur nächsten Generalversammlung der Krankenkasse. . Hiermit schloß der Vorsitzende um ISVs Uhr Nachts die Vcr- s NiNilUng mit einein dreifachen Hoch auf die»norderne Arbeiter- bewegung. Der Un-bittid deutscher Mechanister und uer»na»dten »WwfeßeHoflfH hielt a»» 3. September eine Mitglieder- �flanimluua ab. In derselben sprach Kollege Trittelivitz über fj? um 1. Oktober beginnende„neue Aera". Wie Redner aus- Wrte, werden»vohl die Hoffnungen,»velche die Arbeiter auf 'flen Zeitpunkt gesetzt haben, leider nicht in Erfüllung gehen. wie schon jetzt zu übersehe»,»vird die neue Aera dein Ar- �üer»veniger bieten, als es die alte gethan hat. Wenn auch Otis Sozialistengesetz fällt, so ist dafür ein würdiger Ersatz in tforit» von Strafgesetzen bereits vorhanden,»velche es jeden» Arbeiter, wenn er nicht geivillt ist, hinter Gefängnißinauern über u�iheit und Recht nachzudenken, unmöglich machen, für seine ge- rechte Sache zu agitiren. Redner»vies soda»»»» aus die iimiler bsshr hervortretenden Bereinigungen der Arbeitgeber hin. or16,.Zwecke derselben, die vollständige Unterdrückung des Arbeiters, die Allfz»vängung von jeder freieren Regung widersprechenden Fabrikordnungen machen es hier den» Arbeiter »»s. Pflicht, den großen Organisationen der Arbeitgeber noch ßroßere und stärkere Organisationen von Arbeitnehmern entgegen- Zusetzen. Nach Beendigung des beifällig aufgenoininenen Vortrags uerliest der Vorsitzende das endgiltige Resultat der Delegirten- »ohl zun» diesjährigen VerbandStag. Sodann fand eine Ersatz- wähl zur Zivölfer-Kommission ihre Erledigung; ferner fand eine Resolution, in»velcher die Sonntagsruhe in kaufmännischen Be- dachen befürivortct wurde, volle Zustimmung der Versammlung. Es wurde sodann berichtet, daß die Gehilfen der Firma Bamberg in Friedenau versucht habe»», die Vertreter der Gehilfe»», welch? mis öffentlicher Versammlung zur Ortskon»niission Rwfihlt»vorden sind, in Mißkredit zu bringen. In ivieiveit hierbei Herr Bamberg selbst betheiligt ist, konnte leider nicht fest- bestellt»verden, da nur ein Gehilfe,»velcher erst»venige Wochen de» der Firma beschäftigt ist, aiuvesend»var. In der nächsten usieiitlichen Versaunnlung dürste dieser Fall jedoch mehr aus- ßeklärt»verde»». Sodann wurden nochmals alle diejenigen,»velche! in Händen haben, ausgefordert, dieselben abzulieseru,........... Abrechnung ermöglicht»vird. Herr Starke berichtet sodann über vie Streiks der Hutmacher und vat bei Bedarf auf die Kontrol- inarke der Hutmacher möglichst achten zu»vollen. Eine öft'rntlich« Uersnmiulnng drv Mechaniker, Optiker» Unrmftchrr ni.d rhivnvgisltzrr Instrumenten- Lacher Berlins und Umgegend tagte an» Freitag in May's Festsule». Nachden» die Herren Thomae, Bukisch»»nd Bäcker in bas Bureau geivählt»vorden waren, rcfcrirte Kollege Pinn zun» l. Punkt der Tagesordnung:„Wie stellen»vir uns zur Beschickung bes Breiner Mechanikertages und»vie zu den» in Wiesbaden statt- findenden Kongreß der Mechaniker Deutschlands?" Redner betonte, daß infolge der nun 5 Jahre alten Organisation der Alechaniker Deutschlands die Prinzipale schon in» vorigen Jahre w Heidelberg sich genöthigt sahen, zu der Gehilfcnfrage Stellung iu nehmen. Trotzdem die Berliner Gehilfen aber dort in un- genügender Weise vertreten ivaren, ist es doch schon»nöglich ge- Mo», die Beschlüsse der aus dein Heidelberger Mcchanikerlag hweorgegangenen Konserenz von Vertreter» der Prii»zipale bd Gehilfen Deutschlands in Jena für Berlin zum "Wen Theil durchzuführen, ja sogar auf den» Boden der Wichen Vereinbarungen weitere Vortheile zn erreichen. Diesen R�eiubarungei» die größte Ausbreitung auch in» übrigen Deutsch- , Hb zu verschaffe»», dazu gebe der Wiesbadener Kongreß Gelegen- h(it,»velcher eine einheitliche Organisation anzustreben zum Z'veck We. Redner empfahl deshalb die Beschickung des Breiner Rtcchanikertages und des Wiesbadener Kongresses. In der DiS- fussion sprachen sich sümmtliche Redner sür die Beschickung bei- ww Kongresse aus. Es»vnrde deshalb beschlossen, Kollegen Pinn }"»» Bremer Mcchanikcrtag und aus praktische» Gründen den- W'bei» nebst Kollegen Echöneman» nach Wiesbaden zu delegircn. Zur Aufbringung der Dclegirtenkostcn. die durch Bonds vor- ßbnommen»verde»» soll,»vnrde eine Koinnlission, bestehend aus Herren Bukisch, Bäcker, Niendorf, Kühn und Richter gewählt. »uter„Verschiedenes" wurde von einein Mitglieds der Orts- !?u>n>ission darauf hingciviesen. daß das gute Einvernehmen in , Wser Kommission sehr in» Vcrschivinde», begriffen sei, das»nau Kreits anfange, zu einen» Wahlmodus für diese Kommission zu Mfen, der der»»odernen Arbciterbeiveguug durchaus gegenüber- 'che und es deshalb fraglich erscheine, ob unter diesen llmständen 'weder eine solche Ko»,»nissio», z» Stande käme. Von Kollegen Bamberg'scheu Werkstatt in Friedenau solle die Erklärung ?.,ßkgeben morde.» sein, daß sie für das indirekte Wahlstiste,»» zu- Wfftig einzutreten gedenken. Dieselben»vnrde» aufgefordert, sich n der Versammlung dazu zu äußern. Sie bezeugten jedoch, daß ch, der genannte», Werkstatt dieser Wunsch durchaus Nicht gefallen Ich daß daher diese Erklärung der Arbeitgeber vollständig aus � Luft gegrifsc» sei. Die Versannnlung bcaustragie deshalb thre Vertreter in der Ortskommissio». über diese Angelegenheit die ch'hige Ausllärnng zu schassen und später darüber zu berichte» Streiklisten dainit die 0"u--«iiuinniiig za......... 0- zz r'V p'Uii Schluß wurde ein'Antrag, den eventuellen Ueberfchuß der Mutige» Tellersanimlung der Berliner Streik- Kontrolkommispo» m überiveisen, angeuommen. In seinen» Schlußivort forderte der Ersitzende' die ßollc ge» auf," rege für die Organisation zu �«»re» und schloß die Versammlung»nit einem Hoch auf die r'ckinnucustr. 32 eine Versa>n»iliing einberufen mit der•imae»- iüÄ 1 mii Tchen lernen»v erden, wie weit sie zurück sind. Eii»e Ueesitminlung des Fachvereiirs der Metnll- schrauben-, Fneoudreher«nd Äerufsgrnosse» tagte am Sonntag, den 7, d. M., in Doberstein's Nestaurant mit folgender Tagesordnung: I. Die.Taktik unserer ferneren Organisation. 2. Ansschluß über die Vermögensverhältiiisse des Vereins. 3. Verschiedenes. Zum ersten Punkt der Tagesordnung berührte Kollege Thate die Errungenschaften unserer Organisation und be- dauerte, daß nach dem verlorenen Streik sich so viele Kollegen der Organisation fern halten. Es sei Pflicht eines jeden Kollegen, nach wie vor Mitglied zu bleibe», wenn auch die den Fabrikanten gegebene Unterschrift, daß man dem Fachverein nicht angehöre, viele an einem öffentlichen Austreten hindere, so müsse doch ein Jeder agitiren, un» bei einer günstigere» Geschäftslage energisch gegen die Uebergrifse der Kapitalisten Front zu machen. Kollege Gützoiv betonte, daß nach Ablauf des Sozialistengesetzes die Kapitalist«» sich enger aneinander schließen würden, es also Pflicht der Arbeiter sei, den Fabrikanten eine Mach t entgegen zu stellen, an»velcher alle Unterdrückungsvcrsuehe scheitern. Daß die kleinen Organisationen den jetzigen Verhältnissen nicht angeineffei» sind, haben die verlorene» Streiks bewiesen,»vie die Organisationen sich später gestalten»verden, darüber»verde der deinnächstige Ge- ivertschaftskongreß Klärung schaffe»». Nachdem noch die Ltollegen Treuherz und Voigt zur regen Agitation aufgefordert,»vurde folgende Resolution einstimmig angenommen: Die Versammlung verpflichtet sich mit allen zn Gebote stehenden Mitteln für Stär- kung der Organisation, sowie Aufbringung von Geldmitteln Sorge zu tragen und beaustragt den Vorstand, eine rege Werkstatt- ngitationvorzunchinen, um diefernstehenden Kollege» heranzuziehen. Zum zweiten Punkt berichtete Kollege Thate, daß die Kassenvcr- Hältnisse ungünstige seien und noch eine gewaltige Schuldenlast für Rechtsamvaltkosten, Drucksachen an Maurer, Werner u. Ko., Inserate an das„Berliner Volksblatt" n. f. w., u. s. w. zu tilgen ist. Erfreulicher Weise ist die Bethciliguilg an den freiwilligen Sammlungen jetzt reger, so daß an eine baldige Regelung gedacht»verden kann. Zun» Schluß verlas Kollege Thate ein Schreiben der Hamburger Kollegen,»velche sich»vegcn Lohndifferenzcn bei der Firma Leddih», und Sio. in Streik befinden. Verschiedene Redner rügten das Verhalten der Ham- burger Kollegen bei unserem diesjährigen Streik, da sie auf ilnser Schriftstück betreffs Ui»terstütz»»ng uns nicht einer Antwort ge- »vürdigt haben. Es»vurde aber beschloffen,»»(cht Gleiches»nit Gleichem zu vergeben, sondern soviel in nnseren Kräften steht, für die Hamburger einzutreten.— Die Zahlstellen des Vereins befinden sich bei solgendc» Kollegen und werden daselbst Beiträge Montag, Mitttvoch und Freitag Abends von 7—8 Uhr entgegen genominen: E. Voigtländer, Mantenffelstr. 48, v. 1 Tr. E. Magnus, Mantenffelstr. 22, H. 3 Tr. G. Linke, Lachmannstr. 4. R. Klose, Grcnzstr. 6, v. 5 Tr. R. Thate, Waßmannstr. 34. Die jZöttchev Krrtius, vereinigt iin Zentralverein der dentfchen Böttcher, tagten am Sonntag, den 7. Septbr.,»n Heise's Salon, Lichtenbergerslr. 21, mit folgender Tagesordnung: 1. Ab- rechnung vom Streik. 2. Abrechnung der auf Sammellisten ein- gegangenen Beiträge bis zur Einführung des Markensystems. 3. Verschiedenes. Ter Vorsitzende, Kollege Robert Neumann, eröffnete die vollbesuchte Versammlung gegen VsiL Uhr. Das Protokoll der letzten Versammlung wurde tttlbeanstandet angenommen. Anknüpfend an dasselbe, erklärte der Vorsitzende, daß es infolge der jetzigen häufigen Versammlungen von Seiten des Zentralvereins, sowie der Zentrallrankenkasse,»velche»„Bezug auf die bevorstehende Generalversammlung in Hannover stattfinden »näßte»», unmöglich»var, eine Extraversaininlung cinzliberufen, in »velcher die verschiedene»» Mißstände in einzelnei» Werkstellen, wie sich solche immer»ach Beendigung eines Streiks fühlbar machen, geregelt»verde»» sollen, stellte aber eine solche BersainniUmg in nächncr Zeit in Aussicht. Der Kassirer der Lohnkoinmission ver- las hieraus die Einnahmen,»velche vvn den hiesigen Mitgliedern eingegangen sind. Dieselben ergaben ein sehr günstiges Bild von dem Solldaritätsgefühl der hiesigen Kollege». Da nur die Bier- »nd Packfaßinacher zun» Streik gezwungen ivaren, waren die in den hiesigen Großbranereien beschäftigten Kollegen genöthigt, ihre darbenden Genosse» mit schiveren Opfern zu unterstütze».— Die Verlesung der auf die aus- gegebenen SanimeNisten eingegangenen Gelder illnstrirte die Opfenvilligkeit der ausgeklärten Arbeiter der ver- schiedenslen Branchen in Berlin. Die Unterstützllng von Seiten unserer Kollegen»n anderen Städten Deutschlands»var sehr spärlich geflossen,»vas sich daraus erklärt, daß einige der größeren Städte selbst in Vorbereitungen zu Ausstünde» stände» und andere ivieder zn»venig organistrt ivaren. Bon eine»» spezialisirten Druck der Abrechnung»vurde von den meisten Rednern abgerathen, da derselbe, durch dieVeröffentlichung der verschiedenen Unterstützungen sowie Beiträge leicht zu persönlichen Reibereien führenkönnte,»vetche »lnsrer so sehr iiöthigen Einigkeit nur schaden kann. Die Lohn- kommission vertretend, sprach Kollege Holtmann für emeknrzeAbrech- nniig in»„Berliner Volksblatt",»velche wir den Berliner Arbeitern schuldig sind. Tie Kollegen Vinzenz, Müller und Hermann Winter als Revisoren besiätigtci» die Richtigkeit der Abrechnung und baten, die Lohnkoniniiffion zu entlasten. Nachdein auch die Entschädigung an die Lohnloinmisston beivilligt»var,»vurde der Lohnkommlssion Decharge erlheilt. Kollege Holtmann bean- kragte, von den» Ueberschuß dein Vorsitzenden für seine nicht geringe Mühe und Versälininiß 10 M. zn bewilligen,»vas einstimmig an- genommen wurde. Der Vorsitzende behielt sich die Verfügung vor und erklärte, daß der etiva verbleibende Ueberschuß nicht an die Hauplknsse in Breinen gesandt würde, da»vir der Berliner Streik- Kontrolkonunission gegenüber auch Verpflichtungen haben. Der zweite Puntt der Tagesordming:„Abrechnnng der ans Smnmel- listen eingegangenen Beiträge, ergab eine Einnahme von 1043 M. 15 Pf. und eine Ausgabe von' 1035,70 M. ES bleibt somit ein Ueberschuß von 9 M. 45 Pf. Gesandt»vurdei» diese Unter- stützmigen nach Hamburg und Bremen und ebenso an streikende Kollege» in Budapest. Kollege Winter vermißte bei den Aus- gabeposie» die für die Greizer Weder beivilligte» 80 M.,»vurde aber von» Vorsitzendeu belehrt, daß diese Summe dem Beschluß gemäß aus der Vemiiskasse genonimen»vurde. Die Revisoren be- pätigten die'Richtigkeit der Abrechnung, worauf den» Kassirer Koll. Barivich Decharge ertheilt»mirde. Zu„Verschiedenem" wurde zunächst ein Brief von den Bremer Kollege»,»velche un»»vettere Unterstützung bitten, vorgelesen. Sodann eine Drucksache von der„Freien Volks- bühne", bezüglich»velcher der Vorsitzende zur besseren Information ans das„Berliner Volksblatt" verwies. Hierailf»vnrde die Versainnilung mit einen» dreimalige» Hoch aus die»nternationale Arbeiterbeivegnng geschlossen. Wir rvhaltcn folgende Krrichtignng: In Nr. 202 des „Berliner Volksblatt" befindet sich cm Bericht über eine öffent- liche Bersammlung der Filzschnharbeiler Berlins und Umgegend, tagend am 25. Augnst, Münzstraße 11. Der 3. Punkt der Tages- ordnuiig in jener Versammlung lautete:„Wie stelleil sich die Zivicler der»nechanischeii Schuhlabrikei» gegenüber den Filzschuh- Arbeitern." Dieser Punkt ist laut Bericht, wie folgt, erledigt worden. TaS Resultat der längeren Debatten über den 8. Punkt der Tagesordnung»var, da die Zwicker nicht anwesend ivaren, der Beschluß, sich mit der Kommission deS Vereins dentscher Schulstnacher in Verbindung zu setzen, um das Weitere zu regeln." Hierauf ist zu envidern: erstens, daß die Zwicker, soweit sie von der Nothwendigkeit der Oraani- sation überzeugt sind, Mitglied des Vereins deutscher Schuh- wacher sind,»velcher ai» jenen» Abende ebenfalls eine Versammlung mit»vichtiger Tagesordnung abhielt. Der Einberuser jener öffentlichen Versammlung hätte dies berücksichtigen sollen. Zweitens die Kommission ans Arbeitern hiesiger„Mechanischer und Ballschuhfabriken," zum Ziveck, Regelung etivaiger vor- kommender Differenzen gewählt, hat»nit dem Verein dentscher Schuhmacher keine Berührung. Diese Koinnlission ist in einer öfsentttchen Schuhmacherversainmlung geivählt worden. Im Auftrage des Vereins deutscher Schuhmacher. Karl Fleischer- Bukowerstr. 4. Eine ösfontliche Uolksversammlnng tagte am Sonntag in Malchow(Kreis Niedcr-Barnim), iin Lokale des Herrn Lindicke. Auf der Tagesordnung standen: 1. Vortrag des Stadtverordneten O. Heindorf aus Berlin über: Die bisherige Thätigkeit des Reichstags. 2. Diskiissioi». 3. Verschiedenes. In das Bureau ivurden die Genossen Grünenberg, Kaspar und Pankow gewählt. Der Vorsitzende theilte mit, daß Herr Heindorf zu erscheinen ver- hindert sei. An dessen Stelle sprach Herr C. Hübsch-Äerlin. Der Vortragende entledigte sich seiner Aufgabe zur vollsten Zufrieden- heit aller Anwesenden und führte ungefähr folgendes a»ls: Als die Reichstagsivahl am 20. Februar bevorstand, erklärten alle Parteien, daß ihnen das Wohl der Arbeiter am Herzen liege. Betrachten wir uns nun jene Parteien ein»venig näher, so sehen»vir, daß sie reaktionären Parteien sind. Ultramontane, Konservative und Deuschsreisinnige gehen Hand in Hand, um den Arbeiter zu unter- drücken: denn sie betrachten ihn als ihren geineinsamen Feind. Säniinlliche Vorlagen der Regierungen ivurden angenommen. Das»var nur möglich dadurch, daß das Zentrum,»velches die Mehrheil im Reichstag hat und diejenige Partei ist, auf»velche sich die Relchsregierilng stützt, dafür stimmte. Das aber»vird nicht lange„»ehr so bleiben. Es»vird eine Zeit kommen,»vo die Mittclparteien vor einem Wendepunkt stehen werden, wo sie sich entweder nach rechts oder nach links»venden müssen. Es»vird dann nllr noch Revo- lutionäre und Reaktionäre geben. Das beständige Wachsen der Militärlasten muß das Volk init der Zeit vollständig ruiniren. Wenn die Mittel,»velche der Militarismus erfordert, zur Hebung der Lage des Volkes angewandt»vürden, so könnte damit»nancheS Gute geschaffen»verde». Daß der Militarismus ein Segen für das Boll ist, wird trotz der Versichernng des Generals von Falckenstein:„Daß das Heer als eine Ferienkolonie für die Bevölkerung angesehen»verden muß",»vohl Nienand glauben. Es»verden der Sozialdemokratie die Vorwürfe gemacht, daß sie das Eigenthun» abschaffen»»nd Ehe und Familie zerstören will. Was nim das Eigenthum anbetrifft, so»st dieser Vorwurf gänzlich verfehlt und zivar aus dem Grunde,»veil die große Masse heute schon kein Eigenthum mehr hat. Wo kein Eigenthiiin ist, kann auch keines genommen»verden. Was serner von tev Ehe und Familie gesagt wird, ist ebenfalls unzutreffend, »veil die Sozialdemokraten garnicht erst Ehe und Familie zu zerstöre» brauchen, denn das thut die Bourgeoisie schon heute im vollsten Maße. Oder kann»nai» von Ehe und Familienleben sprechen, wo der Mann und die Frair Tags über in die Fabrik gehen, sich da ausbeuten lassen müssen und Abends ermattet heimkehren. Die Kinder solcher Eltern sind sich von frühester Jugend an selbst überlassen, und»verden, sobald es angeht, auch ausgebeutet. In den Zwirn- fabriken muffe» die Kleinen Nachts hindurch arbeiten;»venu sie ninzllsinken drohen, werden sie mit Kaffee traktirt. Angesichts solcher Thatsachen wagen es unsere Gegner, solche Behauptungen auszu- stellen? Derartige Zustände sind nur geeignet, die Sozialvenlokratie zu stärken, ihr immer neue Anhänger zuzuführen und sie zu einer Partei zn machen, welche im Stande ist, den Kampf mit jeder anderen Partei aufzunehmen. Aufgabe der Sozialdemokratie muß es daher fein, immerfort zu agitiren, um die Massen auf- zuklären. Minister Bötticher sprach einst im Reichstag:„Liebe deinen Nächsten, wie dich selbst." Würde er darnach handeln. würden»vir mit seiner Amtsführung zufrieden sein. Wir wollen das Wohl der Allgeinelnheit; nicht so die gegnerischen Parteien. Uns kann es gleich sein, ob»vir von krummnasigen oder geradnasigen Menschen ausgebentet werden,»vir kämpfe» nicht gegen Personen, sondern gegen ein System. Wer Hunger hat,»vill essen. Das Volk schrei: nach Brot und man baut ihm Kirchen und vertröstet es auf ein besseres Jenseits. Für Kirchen- bauten ist Geld vorhanden, nicht aber für Volksschulbildung. Wie es»nit der Freiheit der Person bestellt ist, tvovon die manchesterlichen Parteien immer sprechen, davon zeugen die Borkoinmnisse bei den Wahlen. Will derArbeiterseine ihm gesetzlich zustehenden Rechte aus- üben, so»vird er einfach entlassen uno oftmals dein Hunger preisge- geben. Solche Mißstände abzuschaffen, muß unsere heiligste Pflicht sein. Darum müssen sich Land- und Industriearbeiter vereinigen und unausgesetzt in die weitesten Kreise für die Auf- klärung der Massen deS Volkes sorgen, um immer neue und ziel- bewußte Anhänger der Sozialdemokratie zuzuführen. Dann»vird der Sieg uns nimmermehr ausbleiben. In der darauf stattfinden- den Diskussion erhielt zuerst der Seelsorger des Ortes Pastor Haberdank das Wort und erklärte, daß er sich mit vielen, ja sogar mit den meisten Punkten der Aussührungen des Steferenten einverstnnden erkläre. Jedoch sei er in dem,»vas von der Kirche gesagt»vurde, entgegengesetzter Meinung; denn es könnte doch unmöglich Jemand vestreiten, daß die Kirche von jeher dic Jnter- essen der'Arbeiter vertreten hat. Die Kirch« lehrt nicht nur „bete", sonder»„bete und arbeite", und diesen Satz predige sie nicht nur den Armen, sondern auch den Reichen. Sie stellt also soniit den Grundsatz auf:„Wer nicht arbeitet, braucht auch nicht zu essen." Was den Militarismus anbelangt, so sei nicht zu streiten, daß derselbe eine Last ist. Aber seiifzen nicht die Anhänger anderer Parteien ebenso schwer unter diese Last? Zeigen Sie uns einen Weg, der uns hiervon befreit! Was ferner von der Wahlbeeinflussinig gesagt wurde, könne er nicht glauben. Den»»ver könnte wissen, baß Jemand sozialdemokratisch geivählt habe? Er sei selber Mitglied des WahlvorsiandeS gewesen; ihm sei nichts derartiges zur Kenntniß gelangt. Mit Lehren, ivie sie Bebel in seinem Buche„Die Frau" über Ehe und Familie ziiin Ausdruck bringt, könne er sich niemals befreunden. Nebrigens sei in letzter Zeit die Sozialdemokratie auch viel zahmer geworden. Während sich mm mehrere Redner gegen die Alisführllngen oes Herrn Pastors aussprachen, verließ derselbe zilin allgeinelnen Bedaner» der Amveseuden den Saal. Es erhielt hierauf der Referent das Schlußwort,»vorm er in überzeugender Weise die von de»» Herrn Pastor ausgestellten Behauptuiigei»»viderlegte, ebenfalls bedauernd. daß derselbe nicht mehr anwesend sei. Folgende Resolution ge- langte»mnmehr zur Abstimmung und»vurde mit großer Majorität a»genomn>en:„Die heutige im Lokal des Herrn Lindicke zu Malchow tagende öffentliche Volksversammlung erklärt sich»nit den Ausführungen des Referenten voll und ganz einverstanden und erklärt, nur von der Sozialdemokratie die Besserstellung der darbenden Menschheitzu erwarten." Sodann schloß derBorsitzende die Versammlung mit der Aufforderung, daß sich chie Anwesenden doch recht zahlreich dein Arbeiter- Bildungsverein für Weißensee und Umgegend mischließen möchten, dessen nächste Vereins- Versammlung am Dienstag, den 16. September, in Dewein's Ge- sellschastshaus stattfindet. Der Verband deutscher Iiin»»terle»lte, Lokalvcrvand Berlin, hielt am Montag, den 8. d. MtS., in Feuerstein's Saal, seine regelmäßige Monatsversauiinlimg ad. Tagesordnung: 1. Vortrag über:„Die Ziele der deutschen Arbeilerbewegimg»n der Jetztzeit, unter Berücksichtigung der Geschichte der Arbeiter- agitation Ferd. Lassalle's. 2. Gewerkschaftliches. Der Reserent erledigte seine Aufgabe in sehr gemcinverständ- licher Weise. Unter„Verschiedenes" war ein Antrag ein- gegangen, die Versaimiiliingen so einzurichten, daß sie nicht mit benen der„Freien Bereinig»»»" zusammen fallen. Der Antrag wurde abgelehnt, da der Saal bis Neujahr an bestimmte» Tagen gemiethet ist. Von Kamerad Petereit wurde ein Antrag gestellt,»nverscyiedenen Stadtbezirken Verkehrslokale einzurichten, in denen die Kameraden sich treffen und einauder Arbeitsgelegenheiten»nittheilen können. Der'Antrag fiel, da Kamerad Ortland darauf anfinerksan» machte daß m kürzerer Zeit etivas derartiges geschaffen werden wird. Kamerad Schonstsch machte noch auf die„Freie Volksbühne" ans- merksam und ersuchte sämmtliche Kameraden mit ihre» Frauen derselbe»» beizutreten. Ferner wurde noch bekannt gemacht, daß der �.esekliib„mifsailc" an» 13. d. M. ein Vergnügen und der Loknlverband Schöneberg sein erstes Stiftungsfest am selben Tage in der Schloßbrauere» Schöneberg veranstaltet. Darauf wurde die Versammlung»nit einem Hoch auf die Arbeiterbewegung geschloffen. Folgrudes geht uns zur UeröLetttlichnng su: Für die Geuiaßregelten in Greiz weiter erhalten von den Parkelboden- legern 26,50 M>, von den Schuhmachern der Werkstellen P. und B. 11,10 M,, von den Stickern 13,70 M,, von Herrn Steinmar ans Rixdors 26,60 M., von Herrn Lindemann, Bürsten- und Pinsel- macher 13,10 M., von den Filzschuharbeitern 11,23 M,, vom Fachvercin der Weber 20 M,, von den Sleinbildhauern 15,15 M., in Summa bis jetzt für die gemaßregelten Weber 570 M. erhalten. Karl Hübsch. Fvieeiigiösc Gemrindr, Rosenthalerstr. gg. Sonntag, den 14. Sep- t-mber, Vormittags lo Uhr, Vortrag des Herrn E. Vogtherr �über:„Jret- denkertsche und kirchliche Bildung." Eäfle willkommen. Tischleruerri» veranstaltet am Sonntag, den l». d. M. eine Männer- Partie nach„Grüner Haide". Abfahrt vom Schlesischcn Bahnhof früh 7 Uhr. zierei» der NiNrninachrr. Versammlung am Sonntag, den 14. September, Bormittags 10% Uhr, im Lokale Feuerstein, Alto Jakobstr 75. Tagesordnung: i. Vortrag über Genossenschaftswesen. 2. Bcrathung über die§§e und u des Statuts. 3. Verschiedenes. freie N,»ei»io»»g der Seifensieder»»d gerufsgenolsc» Kerlins n»d Zlingegend. Mitgliederversammlung am Sonnabend, den 13. September, Abends sz Uhr, im Lokale des Herrn Scheffer, Jnselstr. 10. Kopenich. Arbeiterverein für Kiipeniit» und zlmgegeiid. Versmnm- fung am Sonnabend, den 13. September, Abends 8 Uhr, im„Kaiserhos". Gaste find willkomme». g Fachverein der Aernmacher n»d verwandten Kerufogenossen ertin» ,,nd Uiitgegend. Versammlung am Sonnabend, den 13. Seplcmber, bends W Uhr, im Lokal des Herrn Gnadt, Brunnenstr. 38. Achtung, Stein, netze»! JnnungS- Gesellenversammlung am Tonntag, den 14. Eeplember, Vormittags io Uhr, im Lokale KönigShof, Bülowstr. 37. Achtung, Mirdorfer! Am Sonnabend, den is. September, findet in Hoffmann's Lokal zu Rixdorf, Berlinerstr. 133, eine Versammlung der Freie» Atmeinde von Ntxdorf und Umgegend statt. Vortrag des Herrn Dr. Bruno Wille Männer und Frauen sind höflichst eingeladen. Nach dem Vortxaz ge- inuthltchcs Beisammensein und Tanz. Fachvercin der Nvhrleger und Kelfer. Versammlung am Sonntag, den 14. September, Vormittags io Uhr, in Feuerstein'S Lokal, All- Jakob- < 5. Fachvrroi» der Schlosser nnd Maschinenvan-Arbeiter Sertin» und Zlmgegrnd. Montag, den 15. September, Abends s'i Uhr, bei Feuer- stein. Alte Jakobstr. 75: Große Versammlung. Tagesordnung: I.Vortrag des Herrn Pfarrer cmer. Kendziora über Punkt o des sozialistische» Pro- gramms:„Zleltgion ist Privatsache". 2. Diskussion. 3. Aufnahme neuer Mitglieder und Entrichtung der Beiträge. 4. Verschiedenes und Fragekasten.— Um zahlreiches Erscheinen wird gebeten. Gäste willkommen. Ethische Gesellschaft. Sonntag, de» 14. September, Abends S% Uhr, Kommandantenstr. 20 in den Arminhallen: Vortrag des Herrn Dr. Br. Wille auf vtelsettlgen Wunsch über:„Die wahre Ethik Jesu Christi". Nachher ge- fernae Unterhaltung und Tanz. Gäste, Damen und Herren, willkommen. Mißstände in miserer bisherigen Arbeitsvermtttelung zu beseitigen?(Ne- ferent: Sladtverordneter Fritz Zubetl.) 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Die Herren Schlächtermeister werden hiermit freundlichst eingeladen. AUgrmrine Kranken-«»d StrrbrKass- der Wetallarkeiter(ffi. H. U.H?inburg Nr. 20). Versammlung am Sonnabend, den 13. September isso, Abend» 8 Uhr, im Lokale der Volks-Brauerei, Alt-Moabit 47—49. Achtung, Tertilarbeiter! Große öffentliche Versammlung der Weber, Weberinnen und verwandte» Vernssgenosscn Rixdorfs und Umgegend am Sonntag, den 14. September 1890, Vormittag» lo.'i Uhr, in Hoffmann's Salon, Rixdorf, Bergstr. 133. Fach vor«!» der Kernmacher nnd verivandter Kerufsgenossen Kertin» und Umgegend. Sonnabend, den 13. September, Abends 8% Uhr, im Lokal des Herr» Gnadt, Brunnenstr. ss: Versammlung. Uerrin„Mandrrlust". Sitzung Montag, Abends 3 Uhr, Restaurant „Grünauer Garten", Grünauerstr. 14, Uereinigung der Drechsler Deutschlands. Orlsverwaltung 1. Versammlung am Montag, den 15. September, Abends 8 Uhr, in Sahm's Klub- Haus, Anncnftr. 10. Groß« Persamuilung des Nrrrin« gewerblicher Kilfsarbeiter für Johannisthal nnd Zlnigegend am Sonnabend, den Ig. September 1890, Abends 7 Uhr, im Lokale des Herrn Hennsberg zu Johannisthal. Fachvrrrin der Tischler. Montag, den 15. Seplcmber, Abend» 8% Uhr, in„Sanssouci", Kotlbuserftr. 4a, groß- Versammlung. Achtung! Der Arbeilsnachweis des KlavterarbeilervereinS bleibt Sonn- abend, den 13. September, des Stiftungsfestes wegen geschlossen. Achtung! Steinmetzen! Sonnlag, den 14. September, Bormittags 10 Uhr, findet eine Jnnungsgesellen-Bersammlung im Lokal Königshof, Büloivstr. 37, statt. Filtschul, arbeitet' und Berufsgenoffen Berlins und Umgegend. Große öffentliche Versammlung am Sonnabend, den ig. September, Abends 8 Uhr, bei Zcmter, Münzstr. Ii. Freie Uereinigung der Sauarbeiter. Mitgliederversammlung am Sonntag, den 14. September, Vormittags 11 Uhr, in Scheffer's Salon, Jnselstr. 10. Die Frei« Uereinigung der Graveure und Ziseleure veranstaltet heute, Sonnabend, ein gemüthliches Beisammensein mit Damen im Vereins- lokal Dresdenerstr. 45. Ansang 9 Uhr. Entree frei. Arbeitsnachweis daselbst läglich Abends von 8%— 10 Uhr. Ziolier scher Strnographenverri»„Süd-West". Sitzung Abends 8% Uhr, im Restaurant Körner, Barutherstr. I, Unterricht.— Nachmittags 4% Uhr Schülerkursus in der Knabenschule des Herrn Rektor Heinrich, Maaßen- straße 20. Uerband der NoieUanmaler und Berufsgenoffen Berlin». Montag, den 10. September, Abends 8% Uhr, bei Feuerstein, Alte Jakobstraße 75. Tagesordnung: 1. Geschäftliches. 2. Besprechung über Statuten. 3. Verschiedenes. Große öffentliche Uersammluug für Männer und Frauen am Sonntag, den 14. September, Abends 7 Uhr, im Lokal Orantenstr. ISO. Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn W. Wach über:„Die Moral und die wirthschaslltche» Verhältnisse." 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Nach der Versammlung geselliges Beisammensein. Der Urrgniigungsverei»„Goufideutia" veranstaltet am Sonnabend, den 20. September, bei Schulz, Prenzlauerstr. 41, ein Damenkränzchen, verbunden mit humoristischen Vorträgen, ausgeführt von den Salonhnmoristen Hermann Benkmann, den Duettislinnen Fanny und Jenny, des Charakter- Komikers Kazurky, der Ltedersängerin Fräulein Woldmann, des Gesang- Salonhumortsten Ernst Kufserow, soivie verschiedenen andere» Spezialitäten. Billets, Herren 50 Pf., Dame» 30 Pf., nur noch bis Tonnerstag beim Vorsitzenden Sldolf Borde, Thacrstr. 0, und beim Schriftführer Ernst Kufserow, Grüner Weg 25, sowie im BereinSlokal. Heute 9% Uhr Sitzung im Restaurant„Zur guten Quelle," Landsbergerstr. 38. Aufnahme neuer Mitglieder. Freie Uereiuiguug der Maurer Kerliu» nnd Umgegend. Sonntag, den 14. September, Vormittags 10% Uhr, in Keller'» Lokal, Bergstr. 88, Versammlung. Tagesordnung: 1. Der Krach im Baugewerbe und die Roth- läge der Berliner Maurer. 2. Diskussion. 8. Verschiedenes. Mitglieder werden aufgenommen. Kachverei» der Tischler. Die Zahlstellen befinden sich in folgenden Lokalen: I. Frtedrichsbergerstraße 25 bei Schmidt, 2. Skaltyerstraße 107 bei Kunstmann, 3. Bellcallianceplatz 8 bei Hilscher, 4. ZionLkirchplatz 11 bei Hohn, 6. Schleiernlacher- und Gnetsenaustraßen-Ecte bei Scheuer, ö. Stcinmetzstr. 57 bei Lindow(dieselbe war früher in der Bülow straße), 7. DreSdencrstraße Iis, 8. Lübecker- und Thurmstraßen- Ecke bei Jahnke, 9. Langestraßc"0 bei Heindorf, 10. Rixdorf, Bergstraße 7, bei Tuschek, WWWWD VriefkÄsten vor Aedsktiow � Bei Anfragen bitten wir die Abonnements-Quittung beizufügen. Antwort wird nicht ertheilt. Musik. Wir waren und sind nicht„musikverstandig jMsmsamt*» ixmmmas&k zwungen werden.— 2. Alimentenklagen verjähren mch•.„„ßi Vater des unehelichen Kindes kann immer daffelve naey fkVÄ<6 ,.«» Cs"« M«,.. d--»f...».!->>" 19. M- mW-» sich die baulich-» i;%&. srr'f. UU"l0f0.n' 1. Sie 15»»-» di- s-ldstras-»och b-zahwi sich damit an die Staatsanwaltschaft beim Landgericht i." wÄ't?»,»»--"" sucht wurde, so müssen Sie die Kosten bezahlen. ZZeff R« Girr. Sie müssen Ihre Einrede in der munduch Handlung vor Gericht vorbringen und eventuell beweisen. Joh. Schröter. Der Vater kann aus allen Gründen i --i. ,..» di- S-ch-n-st"" der Gläubiger muß sie aber wieder freigeben. 01»ghri, 13G. A. S. 1. Ja. das dürfen Kinder über 2l J � 2. Nein, dazu ist der Gerichtsvollzieher nicht berechtlgr. Ueberzieher und ein Anzug ist pfändbar. M. Kofris. Der Meister muß Vs beitragen. Sozialdemokratischer Wahlverein des 4. Berliner Reichstags- Wahlkreises. Große Versammlung am Montag, den 15. September, Abends 8 Uhr, im Lokal Böhmisches Brauhaus, Landsberger Allee n— 13. Tagesordnung: 1. Vortrag über den Organisations-Entwurf. Referent Reichstagsabg. Herr Paül Singer. 2. Diskussion. 3. Vercinsangelegenhciten. 4. Verschiedenes nnd Fragekasten. Gäste haben Zutritt. Neue Mitglieder werden aufgenommen. 1790 Der Vorstand. Uervanh der Zimmertente. Sonntag, den 14. September, Vormittags 10 Uhr: Versam m lung bei Karger, Grülrrv Weg ÄV. Vortrag des Herrn I. Türk über: „Frauenbefreiung." Gäste sind will- kommen. 1780 WWcherMsmmlNS Montag, den 15. Septbr., Abdc. präc. 8 Uhr, in„Jordan s Salon", Neue Grün-Strassc Ho. 28. Tag es-Ordnung: 1. Tarifangelegenheiten. 2. Verschiedenes.— In Anbetracht der höchst wichtigen Sache ist das Erscheinen eines jeden Schristgießers unbedingt nothwendig. 1774 Der Einberufer. Gauvereiu Berliner Bildhauer. Morgen, Sonntag, den(4. Septembers Besichtigung deS Charlottenburger Schlosses und des Mausoleums. Treffpunkt ValO Uhr vorm Schloß daselbst._ 1�4 Grosse ötientliche Versammlung der Schtiichtergeselien Kerlins n. Umgeg. Sonnlag, den 14. Soptbr., Nachm. 4 Uhr, lu May'a Festsälen, Beuthstr. 20-21, L Tages-Ordnung: 1. Wie sind die Mißstände in unserer bisherigen Arbeitsvermittelung zu beseitigen? Nefercnt Stadtv. Fritz Zubeil. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Die Herren Schlächtermeister werden hiermit freundlichst eingeladen. Es ist Pflicht eines jeden Kollegen, der wichtigen Tagesordnung wegen in dieser Ver- sammlnng zu erscheinen. Zur Deckung der Nurosten findet Tellersammlung statt. 1776 Der Einberufer: VI, Schwartzc, Swinemünderstr. 133. Grosse öffentliche Versammlung für Männer nnd Kranen am Sonntag, den!4. September, Abends 7 Uhr, in den„Zentral- Fastsälen", Oranien-Strasse Mo. 180. 1793 Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Herrn«. Wach über:„Die Moral und die wwth- schaftlichen Verhältnisse". 2. Diskussion. 3. Verschiedenes._ Nach der Versammlung: Geselliges Keijau«inensei». Die Beauftragten. Sein reichhaltiges Lager in Ktttttt- lllld MM- Weroien, sowie Bestellungen nach Maaß empfiehlt 1787 J» Krakauer, ZuxiAs,!>ktHr. Alb. Hintze, stÄ,"" Dalldorforstr. 18, dicht am Weddingpl., empfiehlt sein Lager fertiger Schuhmaaren für Herren, Dame» und Kinder. Solide Waare zu billigsten Preisen. Bestellungen nach Maass sowie Repa- ratnron prompt nnd billigst. T. Levin, Adlershof, empfiehlt sein U. Allllbt! Gllrilerobell-Geschilst billigste.. Gngros-Dreisen. Bestellungen nach Maaß prompt unter Garantie des Gutsitzens. 1777 Cigarren und Tabake. B. Stabernack, Wrangelstr. 85. Meyer's Lexikon sucht zu kaufen 1743 A. Sauer, Rüdersdorferstr, 36. Verband der Vergolder, Goldleisten-Arbritev». Kerufsg. Filiale Berlin. Montag, den 15. September, Abends SVa Uhr: Versammlung in Scheffer's Salon, Jnselstr. 10. Tagesordnung: 1. Statistik. 2. Gewerkschaftliches. 3. Aufnahme neuer Mitglieder. 4. Verschiedenes. 1772 Der Dorstand. Vereiuiguug der Drechsler Deutschlauds. Grtsverwaltnng I. Montag, 15. September, Abends 8 Uhr, Versammlung in Sahm's Klubhans, Annenstraße 16, Tagesordnung: 1. Geschäftliches. 2. Wahl der Ortsverwaltungs-Be- amten. 3. Verschiedenes und Fragekasten. Erscheinen sämmtlicher Mitglieder erforderlich. 1782 tneit Kunden, und denjenigen, die es werden wollen, diene hiermit zur Nach- richt, daß sämmtliche Neuheiten zur Herbst- und Wintersaison eingetroffen sind. Ich bitte daher im Interesse meiner Kunden, die Bestellungen schon früher zu machen. Auch das Lager in fertigen, guten Garderoben, welche bei angemessenen hohen Arbeits- löhnen angefertigt sind, ist reich- (ich sortirt. 1638 Elegante Einsegnungs-Anzüge in blau und schwarz. Gleichzeitig bitte Reparatur bedürftige Winter- Garderoben schon jetzt einsenden zu wollen, da ich in der Saison fiir Pünkt- lichkeit nicht einstehen kann. M UiMm, Herren- u. Knabcn-Garderoben- Lager Gr. KrllilksllrterKr. 139, zweites Hans v. d. Frnchtstr. Unserin Genossen Heinrich TamsM Unserm Freund und Genossen«»p Roktmann zu seinem heutigen 0), tage ein dreimal donnerndes Gestern Morgen entschlief sans � langen Leiden unser lieber Sah Bruder, der Töpfer Carl Tieke im 28. Lebensjahre. Um stilles bitten Die Hinterblieben� Die Beerdigung findet Sonntag mittag 4 Uhr auf dem Golgatha'� � Hofe statt. Die Beleidigung vom 19- Wl' nehme ich zurück und erkläre H. J" borg als Ehrenmann. L. Kohl»1� --- fiel Tie Ehrenbeleidigung gegen% Marscheider nehme ich znen' 1735 W. Bennc� VermligW der DrePler DelltsGllllds. Grtsverwnltnngen 1—7. Sonntag, den 14. September: Letzter Sommer-Ausflug nach Schmargendorf (Kaiser Friedrich-Garten). Abfahrt vom Schlesischen Bahnhof 1 Uhr 40 Minuten, vom Anhaltischen Bahnhos 1 Uhr 25 Minute». 1781 R. Lutz. Allen Freunden und Bekannten ein- pfehle mein Reßllllrlillt im rvthen Meer. Verschiedene Fliissiglteitr» sind in Massen vorhanven. Um zahlreichen Besuch bittet[1763 W. Hangk, Jede Uhr zu repariren und zu reinigen (außer Bruch) kostet bei mir unter Garantie des Gutgehens _ 1,50 Mark. Lager aller Arten Uhren und Gold- waaren zu den billigsten Preisen. 1200 Rosenthalerstr. 10. ♦ ZHCHl,(a. d Auguststr.) Was, Matraden, Bettstellen, auch Theilzahlung, 274 bei 0. Schmidt, Gartenstr. 56. Gold- u. Silberwaareu empfiehlt A. Schlag, 1538a Jnvalidenstraße 148, am Pappelplatz. Reparaturen u. Neuarbeitungen. Schnljwaaren in allen Sorten und Größen empfiehlt A. HeisiemanRiy Shalilzerstr. 135. 1469 Albrecht's Bäckerei, Wrangelstr. 8 und Lnngestr. 26, liefert das größte Brot für 50 Pf.[661 SlUäb« größere und kleinere zu ver- iniethen Blumenstraße 32. ein s-sGstMkk sl raa zu verm. 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Zürn, Rerantwortticher Redakteur: Gurt Kaake in Berlin. Druck uud Verlag von Ma» Kabing in Berlin 8W., Beuthstraße 2. __ ebastianst?!� Garn-Hasplerinnen werden.Ä tmifltb. Anton Schnnr, Alte Schützsj� Ein Lehrling, der Lust hat, die' zurichterei z. erl., w. verl. Amalies,