Ir. 315. Bifiiffnrv, den Ifi. September 1890. r. Jahrg. Hrgan für die Interessen der Arbeiter. scheint(nan* qr» Das„Berliner N o l ks b l a t t» -MMMWUMS 3 Mark, für das übrige Ausland 3 Mark pro Monat. Jusertionsgebühr MZZMWN� -, z-ernsprcch«r: Amt VI. Ur. 4100.---* Medeiltkion: Vvnkhstrtttzv S.— Expedition: Venthstensze 3. Die LVi�eltfihQfk tnidev den VuveÄ�tbtrQkismTts. . Blatt auf Blatt sieht man fallen ans dein weithin Mimmenden Ruhmeskranz, niit welchem die unter- Einige Schaar der Schmeichler und Erfolgsanbeter die Uläfen des früheren Reichskanzlers geschmückt hatte. � der sogenannte H e r k u le s des I a h r h u nderts das Staatsrnder in der Hand hielt, ivaren alle Schmeichler und Streber des Lobes voll von seinen an- Wichen sozialreformatorischen Ideen und priesen seine Sozialgesetzgebung als eine w c l t e r l ö s e n d c 5 b a t. Wer Verständniß hatte für die Dinge, die in sozialpolitischen Welt vor sich gehen, der wußte nicht, !°me er lachen oder weinen ob des seltsamen Schauspiels, A dem man einen Schwärm von Bnreaukraten als �siger angeblicher sozialer Reforinen auftreten sah und jj�ge kümmerliche Anlätife zur Regelung untergeordneter Materien durch den Staat als die Quintessenz aller sozial- Wtischell Weisheit ausposaunen hörte. Das hat ein mide genomnien und die Verehrer der Bismarck'schen Sozialreform dürften nur noch aus den unverbesserlichen Mionalliberalen bestehen, die in stiller Wehmuth den Mn ihres„Herkules", der sie so oft an die Mnd gedrückt, erbleichen sehen, und die in der 5'>i>etung des Nedegreises von Friedrichsruh standhaft %n, weil Niemand mehr etwas von ihnen wissen will. Auch die W i s s e n s ch a f t, die unter dem Bismarck- Dn Regiment so schüchtern geworden war und sich sogar J." S ch iv e n i n g e r aufdrängen lassen mußte, wagt sich �'oder vor und setzt nun endlich die kritische Sonde an Je Reformthaten des ehemaligen Kanzlers. Da muß Wn tztimbus freilich schnell verschwinden, denn je größer bure au kr«tische Gehalt der Bismarck'schen Sozialreform war, desto geringer mußte ihr wissen- .gastliche r sein. Das spricht der bekannte National- Wiom Lujo Brentano denn auch endlich offen ans. stimmen mit diesem Mann in der Auffassung der Wen Zeitfragen sicherlich nur in wenigen Punkten jl�ein und in den Hauptpunkten haben wir seine pro- N oralen Vorurtheile schon mehr als einmal scharf be- �'pft. Aber man verdankt diesem eigenartigen Gelehrten Büches offenherzige Wort über unsere gesellschaftlichen pstände und er hat dem Kapitalismus schon manche Wahrheit gesagt, wozu sich andere Gelehrte ' Y so leicht erhoben hätten. Man erinnert sich M.'wie er schon gegenüber der Bismarck'schen . uersversorgung den Einwand erhob, daß sie Achims hinfällig sei, wenn nicht der Arbeitsvertrag staat- Feuilleto«. rud cetfiolen.) (12 Verloren! s den Papieren eines Rechtsanwaltes. Von Casimir K a n e m a n. z�.�ud Adelina," begann er von Neuem,—„Adelina t 1 ich auch noch einmal in meinem Leben sehen. Sie O'ites, ein herziges Mädchen! Wir spielten, als wir ."och klein waren, stets miteinander... Unsere größte pj; war'S, wenn das Obst im Garten reif wurde. Ich nd m? �O"11"uf die Bäume und pflückte die reifen Acpfcl Plenen und sie fing sie mit der Schürze auf.. O, es ach schön!... Gott gebe Adelina Glück in ihrem Leben. sj. Mh glaube, sie wird kaum je recht glücklich werden.. en i>.'"oichhcrzig, schwach und verzärtelt; wegen der klein- Bi» Ursache gg traurig und weint.. Arme Agelina! sehne ich mich, sie noch einmal zu sehen--- schwere Thräne rollte über seine Wangen auf den |a> herab. Er achtete es nicht. -.Lothar soll jetzt Heirathen", fuhr er fort.„Ich habe o» einem Bauer aus unserer Gegend erfahren, der einst Uns gedient hatte imd jetzt auch hierher gekommen lst.. war stets Lothar's Verlangen geivesen, eine gute Partie "achen... Ta ivird es eine luftige Hochzeit geben! '°er Jubel nnd der Anfivand, den es absetzen ivird bei wmsnhrung der Braut!... Und die Musik.... der � die Freude!-- oh!... oh!..." lich geregelt werde, d. h. der Arbeiterschutz auch auf den Arbeitsvertrag ausgedehnt werde. Nunmehr geht Brentano weiter und spricht aus, daß der bureaukratische Charakter der Bismarck'schen Sozialreform ein Kardinal- fehler derselben sei. Die Arbeiter seien von dem Drange beseelt, ihre eigenen Angelegenheiten auch selbst zu ver- walten, und seien von dem tiefsten Widerwillen gegen alle bureaukratische Bevormundung erfüllt. Dieser Umstand habe bewirkt, daß die Bisniarck'sche Sozialreform den Arbeitern nicht nur nicht als eine Hilseleistnng der Gesetz gebung, sondern manchmal sogar lästig erschienen sei, und wenn sich die neue Regierung nicht entschließen könne, andere Bahnen einzuschlagen, so würden ihre Be- strebungen auf sozialpolitischem Gebiet dasselbe Schicksal haben. So die Brentano'schen Ideen. Wir schließen uns ihnen insofe.rn an. als auch wir die Gewißheit haben, daß der.Drang der Arbeiter nach Selbstbestimmnng und Selbst- Verwaltung in den neuen sozialpolitischen Körperschaften ein viel größerer ist, als man in den„höheren Regionen" glaubt. Wir haben dies vor Jahren schon gesagt und es ist gut> daß es nun auch einmal von einem so bedeutenden Gelehrten ivie Lujo Brentano konstatirt wird. Für auf- merksame Staatsmänner wäre die Zähigkeit, mit der sich die Arbeiter an die freien H i l f s k a s s e n an- klammerten, belehrend genug gewesen. Das S y st e m P u t t k a m e r. das schon hinter jedem Streik„d i e Hydra der R e v o l n t i o n" sah, konnte auch in dem Drang der Arbeiter nach Selbstverwaltung nur eine„G e- sah r" erblicken nnd war bekanntlich deshalb bemüht, den freien Hilfskassen alle erdenklichen Schwierigkeiten in den Weg zu legen. Wenn die Bisniarck'sche Sozialreform nicht schon durch ihre Kümmerlichkeit die Arbeiter glcichgiltig gelassen hätte, Herr von Pnttkamer allein hätte es fertig ge- bracht, den Arbeitern den Geschmack an ihren„W o h l- thaten" zu verderben. Der schönste nnd frischeste Gedanke— und solche waren in der Puttkamer'schen Sphäre sicherlich nicht vorhanden— muß öde und dürr werden in der burcau- kratischen Behandlung. Woher soll auch plötzlich in die Gcheimräthe und einförmigen Verwaltnngsmcnschen ein neuer Geist hineingefahren sein, so daß sie im Stande wären, eine Sozialgesetzgebung so auszuarbeiten und aus- zuführen, daß sie von den Arbeitern als eine Wohlthat empfunden werden könnte? Der bureaukratische Apparat kann ohne Bevormundung nicht arbeiten und unsere Ar- beiter sind doch zu mündig, um das nicht zu empfinden. Dem bureaukratischen Geist ist ohnehin die Bevormundung Hauptsache, die humane Absicht des Gesetzes— soweit sie vorhanden— Nebensache. Er preßte die Hand an's Herz, als wollt' es ihm in der Brust zersprengen. „Oh!" stieß er noch einmal hervor und schnellte vom Stuhl empor. In diesem Moment war es ergreifend, ihn anzusehen, Lcichenblässe überzog sein seines Antlitz, düsterer Schatten umwölkte die Augen nnd um die Mundwinkel zuckte es krampfhast-schmerzlich. Aus jeder Bewegung seiner Züge schien Todesschusucht zu sprechen, schien dumpfer Zorn und bittere Verzweiflung tzcrvorflammcn zu wollen. „Ja!" fuhr er heraus,„sie werden von Liebe singen, ic werden lachen und tanzen und jubeln, alle frei und glück- lich, während ich--- ich!--- Das bitterste Stöhnen nnd Schluchzen, das ich je gehört, erschütterte seinen ganzen Körper. „Während ich!—" rief er nochmals vcrzweiflungsvoll und ini rauschenden Sturm seiner Gefühle fuhr er mit bebender Hand über die Stirn, dann griff er hastig nach dem Hemd auf der Brust und riß es in wildem Schmerz in Stücke und ich sah die häninicrnde Brust... Wie gelähmt, das Antlitz in den Händen verbergend, sank er nun in den Stuhl zurück und saß so minutenlang schlaff und regungslos in dumpfes Brüten verloren.— Als er endlich seinen Kopf wieder erhob und meinen Blick, der thcilnahmsvoll auf dem gebrochenen Jüngling ruhte, be- gegncte, da schlich sich Beschämung und Rene in seine Augen nnd stilles, trostloses Weh überkam ihn wieder. „Zürnen Sie mir nicht," klang es leise zitternd von einen Lippen, ans denen jeder Blutstropfe» gewichen, „einmal hat mich der Schmerz übermannt, aber ich werde mich nicht wieder so hinreißen lassen..." Ich wollte mich ihm nähern; als er die leichte Be- Die Arbeiter haben nicht nur ein Recht auf die Verwaltung ihrer eigensten Angelegenheiten, sie haben auch die Fähigkeit dazu. Das haben sie in tausend und abertausend Fällen bewiesen und nur der Bureaukratismus und der 5kapitalismus haben ihnen diese Fähigkeit abge- sprachen. Nun erhebt sich auch einer der bedeutendsten Vertreter der Wissenschaft und reklamirt für sie ihr Recht und erkennt ihnen die Fähigkeit zu, es aus- zuüben! Ob man auf Herrn Brentano mehr hören wird, als auf uns? Wir werden sehen. Und was wird Herr W i n d t h o r st dazu sagen? So frägt man jetzt bei solchen Dingen im Deutschen Reich. Nun, er hat seiner Zeit den Arbeitern die kümmerliche Vertretung in den Arbeiterausschüssen bei der Unfallversicherung nicht gegönnt. Die Kirche verlangt vom Arbeiter„Entsagung" und zwar auch in Be- zng auf Selbstständigkeit. Das wird ihr der Kapitalismus höchlich verdanken. Die Aevowtion im Kanton Tesstn. Das onfant ten-ible der Schweiz, der Kanton Tessin, steht zur Abwechslung wieder einmal auf der Tagesordnung; eine regelrechte, wenn auch im Großen und Ganzen unblutige Revo- lution hat sich äußerlich vollzogen und die Störung der gesetzlichen Ordnung hat eine Intervention der Bundesbchörden veranlaßt. Diese mußten schon vor anderthalb Jahren, anläßlich der Neu- wähl des Kautonsrathes(Landtages) im März 1880 interveuiren, Ivo blutige Ereignisse zu erwarten standen, aber dann glücklicher Weise vermieden werden konnten. Die Ursache aller dieser Er- schcinnugen ist das vollständig faule R e g i e r u n g s s y st e m, das die Klerikalen, Pfaffen und gleichgesinnte Advokaten an der Spitze, seit Jahren prakcizirteu. Bei der vorjährigen Kantons- rathswahl versuchte die lltegiernng, viele hunderte Bürger wegen ihrer liberalen Gesinnung durch eine gewaltthätige Aus- legung des Gesetzes ihres Stiinmrechtes zu berauben. Durch eine geradezu niederträchtige Wahlkreiseintheilung wurden die Liberalen, die über die gleiche Parteistärke wie die Pfaffen verfügen, auf etwa ein Viertel der Kantonsrathssitze beschränkt, während die Klerikalen die anderen drei Viertel behaupten und so stets über eine gewaltige Mehrheit gebiettcn konnten. Zu allen diesen AuLstnssen eines krassen und gewissenlosen Partciregiments gesellte sich in diesem Frühjahr noch die Affäre Scacciger, dem Staats- bnchhaltcr, der den Staat um ca. IVa Millionen Franken betrog. Scacciger war ein Schützling, ein Protettionskind des klerikalen Liegiments und es bedurfte damals des gewaltigsten Druckes der öffentlichen Meinung, um die Re- gierung zur ehrlichen Aufdeckung des Falles und zur rücksichtslosen Verfolgung des großen Betrügers zu bewegen. Zille diese Vorkommnisse häuften einen gefährlichen Zündstoff auf»ud es wurde daher vor einigen Monaten der Plan der Liberalen, auf dem Wcge der Initiative eine Versassungs- r e v i s i o n zu verlangen, um durch eine neugestaltete Verfassung zu gesünderen Verhältnissen zu gelangen, mit Freude begrüßt. wcgnng sah, rief er flehend, mich am Rockärmel zurück- haltend. „O gehen Sie nicht fort, Herr! Verlassen Sie mich nicht in dieser Stunde! Ich werde ruhig sein, mit keiner Silbe stören, nur lassen Sie mich noch einmal Ihren Worten lauschen, das thnt so wohl... so wohl!"— Worüber hätte ich mit ihm sprechen sollen? Hätte ich vor ihm, wie es in solchen Fällen so gerne ge- schielst, die Reize der Jugend und die Befriedigungen preisen sollen, welche die Tugend gewährt, da er als einzige Tugend passiven Gehorsam und tändelnde Arbeit kannte, weil er keine andere kennen konnte? Hätte ich vor einem Menschen Prinzipien der Moral entwickeln sollen, den der Spruch des Gesetzes für sein Lebenlang des freien Willens beraubte, jeder persönlichen Verantwortung ent- ledigte? Und was ist die Moralität ohne diese? Ist sie nicht blos ein leeres Wort, ohne Werth und Bedeutung, Schall und Rauch? Hätte ich ihm von Tugenden reden sollen, deren Erfüllung außer seiner Macht liegen mußten; hätte ich ihn vorreden sollen, wie er zu leben und zn hau- dein hatte, während er nun doch seine Unabhängigkeit und das Recht zur Selbstverfügnng vermuthlich aus immer ver- lorcn hatte? Das wäre eine vergebliche nnd zwecklose Ar- bcit gewesen und ich hättcdamit nur unnützerweise sein Gewissen gepeinigt. Er besaß ja so wenig die Möglichkeit, je höhere Menschenziele, je ein Glück zn erreichen, so wenig ein an das Lager der Leiden geketteter Lahmer je einen frohen Tanz ivird mitmachen können. Und doch war dieser Un- glückliche erst neunzehn Jahre alt! In seinem unruhigen Busen nnd in seinem lebhaften Geiste schlummerten manche Schätze edler Gefühle und Gc- danken. Die unbenutzten Kräfte seiner reich angelegten, •jN wenigen Wochen waren weit über die gesetzlich erforderlichen 7000 Unterschriften hinaus, nämlich 10 000, gesammelt, die nun der Negierung mit dem Begehren um Veranlassung der weiteren gesetzlich vorgeschriebenen Schritte übergeben wurden. Die bezüg- liehe GesetzeSvorschrist enthält der Artikel 15 der tessinschen Kantonsverfassung, welcher lautet:„Die kantonale Verfassung kann ganz oder theilwcise revidirt werden: a) wenn es die Mehrheit der Mitglieder des Große» Nathes verlangt; b) wenn es 7000 Aktivburger verlangen in den vom Gesetze bestimmten Formen. In diesen Fällen muß der Staatsrath im Verlaufe eines Monats dem Volke die Frage vorlegen, ob es die Ver- sassung revidiren wolle oder nicht und für den Fall der Bc- jahung, ob der neue Verfassungsentwurf durch den Großen Rath oder durch einen Verfassungsrath vorbereitet werden solle" u. s. w. Die herrschsüchtige klerikale Regierung, die in der Angst um Er- Haltung der Macht die eingeleitete Verfassungsrevision durchaus nicht mit freundlichen Augen ansah, suchte die Volksabstimmung über das Revisionsbegehren so lange hinauszuschieben, bis die zumeist den Ultramontanen ergebenen Arbeiter von der Sommerkampagne aus der übrigen Schweiz und dem Auslande wieder in die Heimath zurückkehren und sodann bei der Volksabstimmung ihre Stimmen ebenfalls in die Wagschale werfen würden, wobei dann wahr- scheinlich die verlangte Verfassungsrevision abgelehnt worden wäre. Die Volksabstimmung hätte nun am Sonntag, den 7. Scp- tember, stattfinden sollen und zwar gemäß des angeführten Ver- fassungsartikels und da die Regierung am genannten Tage die Volksabstimmung nicht nornehmen ließ, hat sie sich unzweifelhaft der Verfassungsverlehung schuldig gemacht. Die Liberalen durch- schauten den Plan der Regierung, die Erbitterung über diese Intentionen und die Verletzung des Gesetzes wuchs und so kam es-am Donnerstag, den 11. September, Nachmittags, zu den revolutionären Ereignissen in der Kantonshauptstadt Bellinzona und in Lugano, worüber bereits berichtet. Die Regierung der Ultramontanen, zumeist aus Advokaten be- stehend, wurde gestürzt und drei davon in's Gefängniß abgeführt; dem einen Mitghede gelang es, zu entfliehen und der jüngste Staatsrath, der erst L7 jährige R o s s i, wurde erschossen. Die neugebildete provisorische Regierung der Liberalen besteht in der Mehrheit ihrer Mitglieder wiederum aus Advokaten und außer- dem einem Redakteur des liberalen Hauptorgans„Dowcre" und einem Ingenieur. Pfaffen und Advokaten führen, ob sie der klerikalen oder liberalen Partei angehören, im Kanton Tessin meistentheils das Regiment. Von den revolutionären Ereignissen im Tessin wurde fast die ganze übrige Schweiz und mit ihr auch der B u n d s r a t h und der Bundesanwalt einfach überrascht. Es wird darüber in der Presse geschrieben: „In Bern war man offenbar blind. Wer den„Dovere" las wie ich, sah die Revolution sich vorbereiten und ihrem Ausbruch entgegengehen. Die Regierung hat sich dadurch, daß sie das von 10 000 Bürgern verlangte Begehren um Versassunqsrevision nicht innerhalb eines Monats dem Volk vorlegte, über Verfassung und Gesetz hinweggesetzt und sich nach den liberalen Zeitungen außer- halb das Gesetz gestellt und ist keine Regierung mehr. Warum wollte die Regierung die Abstimmung aufschieben? Es giebt im Tessin zwei Arten von Auswanderung, die permanente Übersee- ische nach Kalifornien, Australien:c. und die periodische nach Italien, Frankreich. Schweiz(Kesselflicker, Schmiede, Maurer, Kellner ic.). Die Leute der periodischen Auswanderung kehren jeden Herbst nach Hause zurück und entgehen somit dem Einfluß der Geistlichkeit und des mit ihr verbündeten Advokaten- thums nie. Respini wollte offenbar die Abstimmung hinausziehen bis Mitte oder Endo Oktober, um die Stimmen der zurückgekehrten Emigranten, meistens Verzasker und Valmaggiotten, in die Urne werfen zu können; daher sein Ausschieben und daher auch das Drängen der Liberalen, welche den Verfassungsartikel für sich hatten. Die periodische Auswanderung konnte entscheidend sein.— Nach meiner Meinung hätte der Bundesräth die Pflicht gehabt, bevor irgend ein Ansuchen in Bern gestellt wurde, von sich aus die Regierung zur rechtzeitigen Abstimmung zu zwingen. Er that es nicht. Die Leute, die die Mehrheit haben— denn die Liberalen TeffinS mit den Ausgewanderten der permanenten Auswanderung, die durchs Band weg ihrer Weltkenntniß und Lebenserfahrung zufolge freisinnig sind, haben die entschiedene Mehrheit— griffen zur Selbsthilfe und putschten." Die liberale und demokratische Presse der ganzen Schweiz bedauert zwar das gewaltthätige revolutionäre Vorgehen der Tessinischen Liberalen, begrüßt indessen doch den Sturz des schwarzen Regiments und hofft, daß nun endlich gerechtere Zu- stände werden geschaffen werden. Uebrigens wird trotz alledem nicht übersehen, daß auch die Liberalen eine Bourgeoispartei und bloße Klassenpolitiker sind und so sagt auch der„St. Galler Stadt- Anzeiger" trefflich am Schlüsse seiner Betrachtungen über die Vorgänge im Tessin: „Das konservative Regiment i st also mit dem bösen Beispiel der Verfassungsverletzung vorangegangen und hat damit das St echt verwirkt, sich über das gewaltthätige, ver- fassungs- und gesetzwidrige Vorgehen der liberalen Aufständischen zu beklagen. Wir denken also nicht von ferne daran, die Konservativen energischen Natur rüttelten jetzt an ihm, eine Bahn suchend, wie der Wind, der an biegsamen Baumgcästen rüttelt; doch wer hätte mit Bestimmtheit sagen können, daß sie nicht zu einem schönen, mächtigen, wohlthätigen Strome sich ergießen könnten, wenn eine richtige und liebende Hand ihnen die rechte Bahn gewiesen hätte? jF» jedem Menschen schlummert ein göttlicher Funke. Leidenschaften und Irr- thum können den Funken verdunkeln, daß man glaubt, er sei erloschen. Und doch glimmt er fort und in einem kurzen Augenblick kann er wieder zur Flamme auflodern. Selbst wenn ein Mensch Alles gethan hat, diesen Funken zu ersticken, in der Sterbestunde wird er hell aufschlagen, um zu zeigen, daß er ein göttlicher ist, den die Menschen nicht auszulöschen im Stande sind.— Glücklich ist der Mensch, dem es, wen» es noch Zeit zur Umkehr ist, zum Bewußtsein wird, daß der göttliche Funke noch in ihm lebt, den die Menschen Gerechtigkeit, Pflichtgefühl, Treue, Liebe, Ehre nennen. In dem jungen Manne vor mir war der Funken auch noch nicht erstorben: es lagerten sich über ihm wohl Schutt und Trümmer, aber er lebte, glimmte beständig. Einmal war er zum Riesenbrande aufgeloht, als der Einsame, mit sich selbst und mit der Welt zerfallen, zur Einsicht gelangte, daß sein müßiger Lebenswandel ihn unglücklich machte, bis das Gefühl des Ekels vor sich selber ihn erfaßte. In seinem heißen wallenden Blute, in dem für äußerliche Eindrücke so empfindsamen t erzen strömte die Quelle jener Leidenschaften, die ihn zum erbrccher machten. Sind aber Leidenschaften, welche ver- nichtende Fenersbrünste anfachen, sind die unbändigen Rase- reien nicht auch Zeugen eines Funkens, der unter dem Ein- fluß eines günstigen Hauches zu schaffendein Eifer, zu mächtiger Liebe und heldenmüthiger Opferwilligkcit hätte auflodern können? In seinem verschwommenen, chaotischen und zer- rütteteil Wesen lag die ihm unbekannte Saite der Poesie, welche von Zeit zu Zeit, fast unhörbar zivar, in herrlichem Tone vibrirte. Diese war es, die ihn drängte, stundenlang am Ufer des Teiches zu weilen, dessen sanfte Wellen die rosigen Strahlen der Morgensonne kosteten, welche nur ab und zu flatternde Schwalben mit ihren Flügeln zerschnitten; oder auf den Feldern umherzuirren und bittere Thränen zu in Schutz zu nehmen. Die Gerechtigkeit verlangt, daß beide gleichermaßen als Schuldige verurtheilt werden. Und die aller- neuesten politischen Ereignisse im Kanton Tessin beweisen aber mals, daß das Heil des tessinischen Volkes weder bei den Liberalen, noch bei den Konservativen blüht, daß es viel- mehr erst dann besser wird im schönen Tessin, wenn das Volk sich von den alten Parteien frei macht und die Leitung seiner Geschicke selb st in die Hand nimm t." Sollten die klerikalen Herrscher in V e l g i e n die Vorgänge in Tessin sich nicht als warnendes Exempel zu Herzen nehmen? poXiJifWjtc AeUevstihk. Der Kongreß der französischen Sozialdemokraten wird einen Tag früher zusammentreten, als der deutsche Parteitag— also am 11. Oktober. Er findet bekannt- lich in Lille statt.— Der Nationalrath der französischen Sozialdemokraten(Oonseil national du Parti ouvrier frangais) hat an die deutsche Sozialdemokratie folgende Ansprache gerichtet:' Die französische Arbeiterpartei an die deutsche Sozial- demokratie! Deutsche Brüder! Der kommende 1. Oktober wird die Weihe Eures ent- scheidenden Sieges vom vergangenen 20. Februar sein! Jener von den Arbeitern beider Welten freudig begrüßte Tag wird das Ende der Herrschaft des gegen Euch, Vorkämpfer des Proletariats, von dem in Bismarck verkörperten militari- schen und kapitalistischen Deutschland geschmiedeten Ausnahme- gesetzes sehen! So ist durch Euren 12jährigen heldenmüthigen Kampf wieder einmal die Machtlosigkeit aller Reaktion, aller Ver- folgungen gegenüber der kommunistischen Bewegung, der Siegerin über die moderne Gesellschaft, gezeigt worden. Zum ersten Male seit 1878 wird Eure Sozialdemokratie frei auf deutschem Boden in nationalem Kongreß zusammen- treten können und in ihrer erweiterten und vervollkommneten Organisation frische Kräfte schöpfen, um ihr Werk dcr Besreiung der Arbeit zu vollenden. Der Kongreß zu Halle wird Euch geschlossener und kämpf- froher denn je zeigen und so die angeblichen Spaltungen, er- sunden und ausgebeutet von der Bourgeoisiepresse aller Länder gegen den internationalen Sozialismus, der in Euch einen mächtigen Ausdruck findet, in ihr Nichts zerfließen lasse». Die französische Arbeiterpartei, welche sich in allen Prii- fungen stets für solidarisch mit Euch erklärt und welche stets mit Euch Programm und Kongresse gemeinsam gehabt hat, will nicht die Eröffnung Eures Kongresses abwarten, lim Euch ihre Glückwünsche darzubringen. Im Begriff, selber in Lille zum nationalen Kongreß zu- sammenzutreten, legen wir Werth darauf, den Bund der Brüderlichkeit, der uns umschließt, von Neuein zu be- festigen und Euch zu versichern, daß wir, im Beivußtsein der Aufgabe, welche allen sozialistischen Parteien obliegt, nicht auf- hören werden, dem Chauvinismus unserer Staatsleiter jenen großen Vöker frieden entgegenzusetzen, der für Euch'und für uns erste und unerläßlichste Vorbedingung der Befreiung der Arbeit ist. Es lebe die deutsche Sozialdemokratie! Es lebe der internationale Sozialismus! Der Nationalrath der Arbeiterpartei. Camescasse. G. Crspin. I. Der eure. I. Guesde. P. L a f a r g u e. L a i n s. Paris, SO. August 1890. Engen Nichter und Franz Ziegler über Ferdinand Fast'aUe. Das diesjährige Lassalle-Fest gab Herrn Eugen Richter Anlaß zu folgenden Sätzen: „Die widerwärtigste Erscheinung ist der Laffalle-Ruinmel. Jeder, der Lassalle gekannt hat, weiß, daß derselbe lediglich durch persönliche Eitelkett und Machtgelüste getrieben, nichts weniger als ein Herz für die Arbeiter besaß. Stach wider- wärtiger ist der Rummel, den Todestag eines Mannes zu feiern, der durch ein Duell umkam, in welches er durch ein Liebesabenteuer verwickelt wurde, das ihn weit mehr in Anspruch nahm, als die ganze deutsche Arbeiterschaft. Darüber„mit allen gesetzlichen und moralischen Mitteln" das Volk aufzuklären, wäre dringend geboten." Wir legten uns den Ausschnitt zurück und genossen in- zwischen die Freude, das Lob zu lesen, welches die„Kreuz- Zeitung",„Leipz. Zeitung" u. s. w. Herrn Richter wegen dieser Auslassungen spendeten, ihm, der einmal in grünen Jahren in Düsseldorf Lassalle gesehen hat und ihn deshalb zu kennen und zu verstehen sich einbildet. Wir erinnerten uns, das Urtheil eines anderen freisinnigen Mannes über weinen, ohne daß er sich über die Ursachen seines Schmerzes Aufschluß geben konnte. Es war dies bis jetzt eine rauhe Saite, die meist nur in nndcntlichen oder falschen Klängen ertönte,— doch welcher Prophet oder Psychologe würde' es mit Bestimmtheit zu behaupten wagen, daß sie nicht, von kundiger Hand entsprechend gestimmt und von einem edlen Gefühle mit zauberischer Macht angeschlagen, in einer herrlichen Hymne, in einer wundersamen Melodie erklungen wären oder eine That der Welt verkündet haben würde? Jetzt freilich war diese Möglichkeit verschwunden. Und dieser hübsche, kräftige Bursche, der für die Menschheit und für alles Schöne, Edle und Erhabene dieser Welt verloren war, er war erst neun- zehn Jahre alt!-- -- Nach Hause zurückgekehrt, schloß ich mich, ohne die Lampe anzuzünden, in mein Arbeitszimmer und sann, den Kopf auf die Hand gestützt, wohl ein paar Stunden über die großen Näthsel von Schuld und Buße nach, die von der Menschheit so langsam nur und so mühsam gelöst werden.— Dunkel war es in meinem einsamen Gemach, und in dem Dunkel, das mich umgab, stand wie verzaubert beständig Rodensels vor meinen Augen. Ich hatte seine aufrichtige und rührend tiefe Beichte vernommen, ich marin dem Hanse seiner Kindheit und der ersten Jugend gewesen, ich kannte auch die Hände, welche in die Laufbahn Gcrhard's eingegriffen, und wußte, inwieweit sein Schicksal von der Natur bedingt und in welchem Maße es durch Menschen beeinflußt war. Eine heftige Empörung und ein herber Zorn ergriff mich bei dem Gc- danke» an diese sinnlosen Eltern, welche, ihr Leben in leicht- sinniger Kurzweil vergeudend, von Vorurtheilen geblendet, ohne wahre Bildung und edlere Gefühle, nie darnach ge- strebt hatten, seinem Geiste ein Licht, den Händen eine Waffe gegen Müßiggang und seinen Leidenschaften Zügel zu geben. Unbewußt wurden sie so Verbrecher an ihrem Sohne, den sie willenlos, ohne Absicht tödteten, und Vcrräther am Vaterlande, dem sie einen, vielleicht vortrefflichen Sohn ent- zogen... (Schluß folgt). Lassalle gelesen zu haben und suchten es wieder herv«.® ist das Urtheil Franz Ziegler's. Vielleicht ist sein-ln>-! in der freisinnigen Partei immerhin noch etwas groß«'- die des Abgeordneten Richter, zumal Ziegler stch.J noch Einiges mehr verstand, als auf parlamentarische"i V! fechterei und journalistische Katzbalgerei. Wie urtheille Franz Ziegler über Laffalle? Vor einigen Jahren sind aus dem Nachlasse 8,efl'C J der sich 1866 in einer Breslauer Wählerversammlung Stolz einen Freund Lassalle's nannte, Aufsätze, Briefe Gedichte veröffentlicht worden, denen wir einige Stellen nehmen:. Am 10. August 1864 schreibt Ziegler von Kissingen a«» an einen Freund:. ... Ueberhaupt gebe ich in der Unterhaltung zu vm' während man doch gar zu wenig einnimmt. Nur«tch»_ mich an, etwas auch Förster, vor Allem aber das R l„ genie des L a s s a l l e. Während Humboldt und die g Welt vor seinem„Herakleitos" das Knie beugte, wahre>, greise große Boekh nie unterläßt, am Geburtstag des-l! � gratulireno zu erscheinen, während Rosenkranz>bn«s® j ersten philosophischen Kopf Deutschlands anerkennt, wa? Savigny, der nur den ersten Band der«Theorie der er. denen Rechte" erlebte, in die Worte ausbrach:„Seit De ist so ein Buch nicht geschrieben"— beurtheilt die hjwWs wissenheit, Plattitude und Bourgeoisie-Frechheit den Man' aus seiner Agitation, was so verständig ist, als wollte.. Fichte wegwerfen, weil er eimnal absolut für alle Pässe mit Portraits verlangte. Die neueren erscheinenden P � dekten-Kompendicn strotzen von Allegaten ans Lassalle, uno � haben, die Universität abgerechnet, nicht 10 Juristen»n_■« das Buch studiert und nicht die Halste es verstanden, wen dazu Jurist und Philosoph zugleich sein muß. S4 täglich nie über 40 Seiten bringen können und volle 3 Jl!» dabei gebraucht....«. 4. September 1864 schreibt Ziegler von»tt Am aus: und«nbestA ___... Der größte philosophische Kopf einer der größten Gelehrten, L a s s a l l e, suchte bei mir. vor sich selbst. Er war tiefer als ich und schärfer zAi(1 aber nicht so schnell und sicher im Urtheil. Ich hatte»a selleres Talent als er, und er klagte über meine AUW' � Natur, die mich abgehalten, mich selbst auszunutzen. Ich Mßst unter dem erschütternden Eindruck von seinem Tode. Diese Mittelmäßigen jubeln, diese Julias die er gegeißelt; die Myrmidonen tanzen d e m G r a b e d e s Äl ch i l l e s. Jg Vor mir steht der Borghese'sche Fechter, den er»sir»- Geburtstag geschenkt. Er redete mich mit einem Ged'cY' Mann des praktischen Grimms l Du schaust in mir* Jugend, Und mein Alter in Dir sehe ich ahnend voraus!..p Gleich hat bei der Geburt uns die Norne die Loest schüttelt i Unserm ehernen Tritt folget Verkennung und Haß. Dann mit Beziehung auf meine innere Abgeschlossenhell M er später: Einen aber bedarf auch der S t ä r k st e ihn zu versieh-, Und Du fandest in mir den, der Dich liebt und greift. Es ist aus, er ist tobt, er war mir Bibliothek, 91% Tröster, es ist aus. Mich hat kein Mensch so geliebt wie- Er ivar ein bildschöner, feuriger, genialer Mensch mit M Fehlern, ja Lastern, aber er war ein ganzer Mensch-' Aus den Gedichten Ziegler's seien folgende gehoben; An die Schwester Lassalle's. Ans ihren Wunsch ins Album. Ich sehe Dich, wie Du mit sanftem Blicke Den Bruder wahrst, wenn er zum tiefen Haffe, Will er der Freiheit brechen eine Gaffe, Erweckt der Feigen und der Dummen Tücke. Nimm Deinen Trost aus Anderer Geschicke, Sieh mich, der gern ihm diente als Kawaffe, Doch der, auf gleicher schwindelnd jäher Straße Nun für den Fittig eingetaucht die Krücke. Sieh nur den Alpcnsohn, der von der Firne Herniederbraust, und jugendmüthig schäumend Sticht über sich will dulden Steg und Brücke. Er staut zurück zum See, wenn er die Stirne Am Fels zerrieben— und zum Meere säumend Trägt er der Menschen Lasten aus dem Rücken. An Las) alle: 11. April 1863, mit einem Pokal. Mein tapf'rer Fechter! Deiner Seele Gluthen Bist Du bemüht, zu werfen in die Massen, Der Freiheit Funken will nicht zündend fallen, Und nirgend will es schäumend überfluthen. Du brennst mit Nessel», streichest sie mit Ruthen, Der Demokraten blasse Hintersassen, Sie, selbstzufrieden, reiben ganz gelassen Die rothe Stelle, ohne sich zu sputen. Es weckten Marcus Manlius die Gänse, Den Feind zu werfe» von dem Kapitole. So fühlte damals noch das Vieh für Ehre. Jetzt brechen leitartikelnd Schreiberhänse, Daß sich die Meute keine Wunden hole, Der Freiheit Keiler» feige die�Gewehre. Die Wolken ballen sich nicht zum Gewitter, Sic singen nur vom Deutschen Vatcrlande, Statt abzuschütteln seine schwere Bande, Tie tapsreu nationalen Lcichenbitter. Noch lange harrt die Saat der tücht'gen Schnitter, Geivohuheitsmäßig trägt man Schimpf und Scha'� Es wölbt kein Bau sich auf dem dürren Sande, � Im Kammer-Trott gedeiht kein freier Ritter. Nimm diesen Kelch! und siehst Du, daß Dein M�'' Vergeblich ist, und null Dein Herz verbluten, Setz ihn zum letzten Trunke an die Lippe. Gedenke mein— Statt langsam zu verglühen Trink' prometheisch trotzend Lcbensgluthen, Dann wirf mit ihm in's Meer Dich von der Klip- Die Urtheil» dcS Herrn Eugen Richter uild Ä, Ziegler's über Lassalle stehen hier neben einander. Kommentar würde die Wirkung des Vergleiches abschw-'� Noch immer kann sich die nationalliberale Presse den blanken Fortfall des Sozialistengesetzes nicht beruy'U. Besonders sind es die Organe der großkapitalistischen nl nd it» B BS, :(8t ii> «>« d« n(5 W «S 0 IlliS BP ,l-s iB L B in" rlis itte» s S im» «m Dcf & % d'-lo thnn, als breche für Deutschland mit dem 1. Oktober rirfti» l F Welt an. Während die„Hamburger Nach- "r die„Köln. Ztg." von einer wachsenden Vcr- iit,s iUn&,�.rcc�en' die sich„weiter Kreise bemächtigt habe, inrnm l l-9ierun9 Unschlüssigkeit und Unsicherheit vorwerfen, Immert die Münchener„Allg. Ztg.": e- ,"%* an die Stelle des mit diesem Monat ablaufenden m.fÄ �ngesetzes vorerst andere gesetzliche Bestinunungen nicht sl�vt werden können und eine Probe, wie weit mit strenger vmiohabung der im Reiche und tu den Einzelstaaten bestehen- hiü Lemeinrechtüche» Bestimmungen auszukommen sei, schlechter- d.'? 8" umgehen ist, so ergiebt man sich, je näher jener Zeitpunkt rückt, in immer weiteren Kreisen in das N n a b- Stl'or are und überläßt es der Zukunft, den Verzicht auf aas Ausnahmegesetz zu rechtfertigen oder zu verurtheilcn. Die j~s>mfachen werden die überzeugendste Sprache führen und am deutlichsten zeigen, ivelchen Weg man künstig zu verfolgen . Deshalb ist es auch keineswegs angebracht, Don jetzt den probeweise betretenen Pfad zu preisen, um ihn aem Volke als den einzigen zu bezeichnen, der zum Ziele führe» tonne. Das deutsche Volk ist gerecht und es will keine Klasse Ichnöde behandeln, aber das Volk will sich auch nicht durch «ne einzelne Klasse terrorisiren und in seinem Erwerbsleben uoren lassen. Es bestehen in vielen Kreisen schwere, in 'tatsächlichen Verhältnissen begründete Besorgnisse, und 'st begreiflich, daß man in diesen Kreisen von der Zukunft stch wenig Erfreuliches verspricht. Hoffentlich ergehen seitens verbündeten Regierungen noch vor Ablauf des Monats Erklärungen, welche nach dieser Seite wenigstens einige Ve- ruh'gung bringen." Wird dieser„Wink mit dem Zaunpfahl" von der Re- MitlNg verstanden werden? Wir wollen es abwarten. Vorlänfig sind auch wir der Meinung, daß das deutsche in der That auf dem Wege ist, den Terrorismns einer �Zelneil Klasse zu brechen und ihr die Fürsorge für das «Eriverbsleben" ans der Hand zu nehmen. redung zur Theilnahme an den im§ 152 der Gewerbeordnung gedachten Zwecken hat noch kein Gericht als strafbare Handlung zu erachten vermocht. Hiesige Polizeiorgane aber sind in Uebereinstimmung mit dem Unternehmerlhum von der Ansicht ausgegangen, es liege in ihrer Machtbefugnis, die Arbeiter an der Ausübung des in Rede stehenden gesetzlichen Rechtes zu verhindern. In Gemeinschaft mit den Unter- nehmern hielt die Polizei die Bahnhöfe und sonstige öffentliche Plätze besetzt, um zureisende oder beschäftigte Arbeiter vor der Be- rührung mit Streikenden zu schützen. Dabei geschah es mehrfach, daß die Polizeibeamten Arbeiter, die sich durchaus in den Grenzen der gesetzlichen Ordnung und des Anstandes hielten, ja, selbst ehe dieselben'mal Gelegenheit gehabt hatten, mit Zuge- reisten ein Wort zu sprechen, ohne Weiteres verhafteten, lediglich auf Grund der Denunziation der Unternehmer, das sei„auch Einer von Denen, welche die Leute vom Arbeiten abhalten wollen" und dergleichen mehr. Auf diese Weise wurden Arbeiter öfter völlig unschuldig, ohne irgend welche gesetzwidrige Handlung begangen oder auch nur im entferntesten Anlaß zu einein„dringenden Verdacht" gegeben zn haben, in Untersuchungshaft gebracht und tage-, ja wochenlang darin behalten. Die willkürliche parteiische Annahme, sie könnten eine strafbare Handlung begehen oder begehen wolle», wurde als ausreichend erachtet, sie der Freiheit zn berauben. Damit nicht genug, hat die Polizei gegen die Verhafteten auch noch die Praxis sich erlaubt, sie alsbald nach der Verhas- tung, ehe noch die richterliche Untersuchung ihren Anfang ge- nommen, auf dem Stadthause gleich notorischen Verbrechern zwangsweise zu photographiren. Die zweite Frage lautet: „Ist es mit den Aufgaben des öffentlichen Anklägers ver- einbarlich, daß derselbe die politische Uebeweua»»» n»' ar». !>'' zugrstasie»— ich parire!" Die„Freisinnige Zeitung" schreibt in einem Artikel„In -sgener Sache" betreffs ihrer Stellung zur Sozialdemokratie Folgendes: „Mit dem Außerkrafttreten des Sozialistengesetzes am letzten «eptember fallen diejenigen Rücksichten auch für uns hinweg, Welche wir in der Bekämpfung der Sozialisten, insbesonvere in oer Kritik des eigentlichen sozialistischen Programms uns auf- i"erlegen bisher gezwungen waren. Die sozialistische Bewegung wird nicht stärker werden als bisher, aber weit mehr an die Oeffentlichkeit trete» Und darum auch eine schärfere Bekämpfung in der Oessentlichkeit erheischen. Dieser Aufgaben unterziehen wir uns nicht minder entschieden, wie der Abwehr aller real t'onären Bestrebungen von rechts." ... Hoffentlich überträgt die Redaktion der„Freis. Ztg." '"cht etwa Herrn Eugen Richter den geistigen Kampf gegen °>e Sozialdemokratie. Herr Engen Richter hat sich bei diesem ->ampf schon so oft blamirt, daß sich selbst in den Kreisen stmer Parteigenossen die Meinung verbreitet hat, seine Be- Labung liege auf einem anderen Felde. , Die„kaiserliche Koziah'ofam". In einem Trinkspruch Jffi der jetzt in Schlesien zu den Manövern weilende Kaiser 'C' einem Diner in Breslau hielt, sagte er unter Anderem:„Ich knüpfe hieran den Wunsch, daß dieses gute Beispiel, welches die Provinz gegeben hat(Vorher war von der »Arbeitersreundlichkeit" des Fürstbischofs Kupp nnd des Fürsten die Rede. Red.), ohne Unterschied der Parteien und Kon- Nssionen von allen Theile» Meines Staates befolgt werde, d n' 11" sere Bürger endlich ans dem Schlummer e r- dachen mögen, in dem sie sich so lange gewiegt haben, nnd »cht blos dem Staat nnd seinen Organen die Bekämpfung der ''»'wälzenden Elemente überlassen., sondern selbst mit wid anlegen. Ich habe die Ueberzeugung, daß, wenn die Pro beharrt a»f bei" jetzigen Wege, es nicht niir der Provinz 'Meru auch Meinem ganzen Lande gelingen wird, wieder her «"stellen die Achtung vor der Kirche, den R e s p e k. si» r dem Gesetz und de» n n b e d i n g l e n G e h o r s a in x.egen die Krone und deren Träger."— Dieser Wunsch und fieses Ziel sind sehr bezeichnend für die Weltanschauung des «»Users. , Die grosr geistige Fütterung der Arbeiter Deuksch- s'U'do, welche die herrschenden Jnteressenrichtnngen geplant ijDen, beginnt. Ter uationalliberale Fabrikant und früher 'Dichstcigs-Abgeordnete Kalle-Wiesbaden hat ei» zur Massen «erbreilung bestimuites Echriftchen„Wirthfchastliche Lehren" ver- in welcher den Arbeitern ein prächtiges Ragout von swuchefterlichen nnd chrifllich-sozialen Thorheilen und Trug- Ichlüssen geböten wird. Die„Nationalliberale Korrefp." schreibt "8":„Das Echriftchen findet bei unseren Industrielle» eine L»»z besonders günstige Aufnahme, wozu wohl der Umstand bei- 'chgen mag, daß man in jenen Kreisen Angesichts des dem- D.chstigcn Erlöschens deS Sozialistengesetzes Altes freudig be- Lchßt, wag dazu beitragen kann, in der Arbeiterbevölkeruüg einerseits daS Pflichtgefühl, andererseits das Aerständniß der 5''«ti)schastlichen»"d sozialen Verhältnisse zn eutivickelii. Mehrere �roßi„d>istrielle haben bereits Posten des Büchleins, das die Gesellschaft für Verbreitung von Volksbildung als Aerlegerin in wichen Fällen zu äußerst billigen Preisen abgiebt, bestellt, so «ß auf die erwüiischte Massenverbreitung zn hoffen ist." Nur gut, daß für die Wirkung solcher Leistungen nicht die Aufnahme, welche sie bei den Unternehmern finden, sondern daS ....................- binvi l1 drutichru Ainunlistng, der gegenwärtig in Ham- s-.°. ,'agch hat die Redaktion des dortigen Arbeilerblat.'eS, wenm. eine Denkschrift gerichtet, die sich mit der Roth- �ncigkeü der Reform des Jnsiizwcsens beschäftigt. Die erste »Se, welche das„Echo" dem Zliuvaltctage vorlegt, lautet: „Ist es nolhwendig, die Beffignssfe der als Hilssbehörde bezw. als Hilfsbeamte der Staatsanwaltschaft thätige» Pvlizeiorgane durch ausdrückliche gesetzliche Bestimiimng zu beschränke» bezw. derart sestziisetzen, daß ei» Mißbrauch derselben möglichst ausgeschlossen- ist V" f.r. Der Frage ist eine längere Begründung beigefügt, der wir Lende» entnehme»: und§ 1L7 Abs. 2 der Strafprozeß-Ordnung sind die Polizei- . l j. g�'cherheitsbeamtcil zur vorlänsigen Festnahme befugt, wen» L-. D�aussetzlinge» eines Hastbcsehles(also nach§ II� bringende lü.,,nch%ri'iiiÖc:c. jc.) vorliegen und Gefahr in Verzug ob- ws. Weiter haben diese Beamte» nach§ 101 die Pflicht, Itoii Dc Handlungen zu erforschen»nd alle keinen Ausschnb ge- "enden Anordmmgen zu treffen, um die Verdunklung der Sache *« erhüten". »..Anläßlich der hier in den letzte» Monaten vorgekomineiie» M und Arbeiter-Aussperrungen haben hiesige Polizeiorgane ct''»ch eine Praxis beobachtet, die mit den ihnen in vor- iu«• e" gesetzlichen Bcslimimingen eingeräumten Befugnisse» und gewiesenen Pflichten unmöglich in Einklang zn bringen ist. Es sind zahlreiche widerrechtliche Verhaftungen erfolgt. «. Darüber wird in Juristenlceise» wohl kein Zweifel sein, daß Ii*- und ausgesperrle Arbeiter und deren Freunde ein gesetz- tuTf Recht haben, zureisende Kollegen zn erwarten und zn auf ,8*"' sowie zugereiste und bereits in Arbeit befindliche auf- S"")«», um sie zu veraulnsse», mit den Streikenden geinciiisame sP'A« z» machen. Verboten und slrasbar und sonach ein Ein- tz ie öe'- Polizeibehörden nnd-Beamten rechtfertigend ist»ach u,. ,? der Gewerbeordnung»nid dem allgemeinen Strafgesetz «M'ch. zn dem gedachten Zwecke körperlichen Zwang, Trohmig. �«Verletzung oder Verrusserklärung anzuwenden. Die Ueber- � i--/___—--— � t"""»v• v#» v/wwiQiuiiyi-di» .....-,.......>•••"«...»uvr ivcgeii-Vergehens gegen" Bern, 15. September. Der Bundesrath hat § 153 der Gewerbeordnung seine sozialdemokratische Gestmmng(iche Untersuchung betreffs der Vorgänge in Tesstn als Grund zur Strafverschärfung von dem Amtsanwalt»»d mit derselben den Bundesanwalt beauftragt. Dr. Brunsch hervorgehoben worden. DaS hat den besondere"»mr,' ..,.—,.v•wwv*»»-t/wv �ftt öcji befouberen Anlaß zur Stellung dieser Frage gegeben. Der Denkschrift ist eine Anlage beigefügt, die mehrere Dutzend Fülle zur Eharakterisirung des Verhaltens der Haue- burger Polizei gegen streikende Arbeiter anführt. Hoffentlich wird sich der deutsche Auwallstag mit den beiden wichtigen Fragen eingehend beschäftigen. Die llledaklion des „Hamburger Echo" hat sich durch ihre Anregung wohl verdient gemacht. Firgnik, 12. September. Der Verein zur Erzielung volks- thümlicher Wahlen hat folgende Resolution gefaßt: „Resolution,""sere Stellung z n r Feier Aufhebung des Polizeigesetzes von 1878 treffe n d. In Erwägung, daß nach Ablauf des Sozialistengesetzes die .-'-'-____ v■<-----' Das Komitee für den australischen Streikfonds hielt gestern Abend unter dem Borsitz Tom Manns eine Sitzung. Der Letztere theilte mit, daß der Seemanns- und Heizerverein 1000 Pfd.©teil, bewilligt habe, welche auch schon abgesandt worden seien. Der Verein der Lichterlente habe 1000 Pf. Sterl. beigesteuert, die Gasarbeiter haben 1000 Pfd. Sterl. gegeben und sich außerdem noch verpflichtet, 6 Penny per Mann während der Dauer ves Ausstandes zu opfern, während die Kohlenträger mehrere Hundert Pfund geschickt und der Setzerverein nach vorheriger namentlicher Abstimmung 500 Pfd. Sterl. schenken wolle. Zusammen mit den 1000 Pfd. Sterling der Dock- arbeiter geben diese Beträge eine schöne Summe für den Ansang. Southampton, 15. September. Infolge eines neuen Ausstandes eines Theiles der Dockarbeiter, deren Forderungen durch die Union der Matrosen und Heizer unterstutzt werden, sind heute die Docks aller Schifffahrts-Gesellschaften geschlossen worden. Das Packetboot„Laplata", welches am Donnerstag nach Südamerika abgehen sollte, liegt noch immer in Southampton, da sich die Bemannung weigert, Dienst zu thun, solange nicht der Ausstand durch eine Verständigimg beendigt ist. Schweiz. Bern, 14. September. Die Nachrichten aus Tessin lauten heute beruhigender. Die provisorische Regierung hat sich gestern Abend aufgelöst; die am 12. d. M. in Bellinzona gefangen ge- nommenen Personen sind gestern in Freiheit gesetzt, die in Lugano Verhafteten sollen heute freigelassen werden. Eine heute hier angelangte Deputation der ultramontanen Fraktion der Bundes- Versammlung wünscht vom Bundesrath die förmliche Wiederein- setzmig der gestürzten Regierung von Tessin. Bellinzona, 14. September. Der Bundeskommissar hat ■"— die Uebernahme der ♦ eine Vereinbarung die gericht- beschlossen der bereits i—— �v.» wwwuiwuu morgen nach dem Tessin abgehen wird. Frayttreich. Paris, 15. September. Die Einfuhr Frankreichs betrug im Monat August 338 Millionen gegen 833 Millionen im August 1689, die Ausfuhr 203 Millionen gegen(303 Millionen im gleichen Monat des Borjahres. In den ersten 7 Monaten dieses Jahres betrug die Einsuhr 2934 Millionen gegen 2807 Millonen, die Ausfuhr 2402 Millionen gegen 2333 Millionen im vorigen Jahre. Dem Voranschlage gemäß sollte das Zündhölzer- Monopol in den ersten 8 Bionaten dieses Jahres 15 200 000 Fres. h-, ergeben, während»Tut 5 070 000 Fres. resultirten. Paris, 15. September. Bei der gestrigen Stichwahl zur Depntirtenkammer in St. Flour wurde Mary Raynaud(klerikal) ....... Ehanson(Republikaner) erhielt 3291 )QOO 4.» v. gan der Boulangisten, .W,.......„,---- j.vAche die Herzogin ...zös in stärkster Weise bloßgestellt wird. Es werde» die verletzendsten Anspielungen darauf gemacht, daß die Herzogin Briefe aus einer Zeit bewahren müsse, wo sie, indem sie den General Boulanger unterstützte, mehr rein menschlichen als poli» tischen Gefühlen folgte. Kelgien. Brüssel, 14. September. Der große Kongreß aller Arbeitervereinignngen zn Gunsten des allgemeinen Stimmrechts wurde, wie ein Telegramm des„W. T.-B." meldet, heute Morgen eröffnet, und Defuisseaux zum Präsidenten ernannt. Zu der Ber- sammlung, welcher auch der italienische Deputirte Costa bei- wohnte, sind etwa 500 Delegirte als Vertreter von 400 Bereinen und Gesellschaften erschienen. Den Hauptgegenstand der Tages- -w&»»»»v(*t,u|v)v| Aot'inmiumigcu i)tj5 Jitx äußersten Grenze gegen die Agitation der Sozialdemokratie anzu- wenden, in Erwägung, daß an die Verwaltungsbehörden bereits eine Ministerialversügung ergangen ist, welche die rücksichtslose Be- kämpsung der sozialdemokratischen Agitation zur Pflicht macht, in fernerer Erivägung, daß auch diejenigen Gegner, rvelche im Besitz der wirthschaftlichen Macht sind(d. h. also, daS Unternehmerthum und die Kapitalisten) den Bestrebungeil der Sozial- demokratie»ach wie vor entgegentreten, die sozialdemokratischen Arbeiter und Gewerbetreibende» nach Kräften schädigen und den Vorzug des Besitze» aller Kapitalien, Produktionsmittel und deS Grund und Bodens, wie des Besitzes einer die Geister der großen Menge noch beherrschenden Presse u. s. w. für den Fort- bestand ihrer Privilegien ins Feld führen werden, y)e|cu|iya[ien eri�renen. Den„........ MZWZBZZ-- S'ßWWWW Erfolg begegnen zn können und das zn erreichen, was erreicht genommen, dem Zufolge in allen Provmzral-Hauptftadten am »vorden isr: S-onntag vor dem Widerzusammentritt der Kammern Kund- erachten wir es für angemessen, daß die Parteigenossen es wl1,1,/0'!611,._,.,. �_ unterlassen, nach dem 1. Oktober in einen maßlosen Stach Wredrraufnahme der Verhandlungen des Kongresses Sieaesjubel auszubrechen und ohne Halt in stürineiider wurde nach langer Dlskusnon die Frage, ob ein allgememer Streik Hast alle Schranke» zu überspringen, ivelche die geltende» Gewerke zu empfehlen sei, durch emstrinmige Annabme des Gesetze ziehen, sondern daß mannhast und be- Pvrnzips eines allgemeinen Streiks entschieden. Um O'/a Uhr sonnen in ruhiger, bei aller Hingebung an"".'«d«'.'.« Verhandlungen unter dem Gefange der Marseillaise die Sache leidenschaftsloser Weise, unter geschlogen. strenger Selbstkritik im Hinblick ans die Tragweite der ge-$.■ OVitt g Hl, setzlichen Bestimmungen, a» der Ausbreitung und Festigung Die„Times"' meldet ans Lissabon vom 13. d. M. ««...nrit.»>..«—->........"■~---—-... ...... mMimuim-me„-viines- meldet ans Lissabon vom 13. d.M.: worde.____ o �---- wartung stürmischer Volksversammlungen getroffen werde. Liegnitz, am 8. September 1890. Ter Verein zur Erzielung volkslhümlicher Wahlen. Vorstehende Nesolution bringe» ivir hierdurch zur Kenntniß der Parteigenosse».'Alle Parteiblätter werden um Abdruck er- »cht. Ter Vorstand obengenannten Vereins. I. 9t.: Stolz, Vorsitzender. Da» sächsische Minifirviu!» de» Inner» erläßt nunmehr auch die Generalrerorvnuug ivege» der den Krankenkassen»md Gemeindebehörde» obliegenden rechtzeitigen Beschaffung von Qnittungsinnr'ken und Beitrngsinarken, sonne rvegen anderweiter Vorbereitungen zur Dnrchfühnmg des ReichsgeseheS, betreffend die Jnvnlidiläts- und Altersversicherung vom 22. Juni 1839. Sächsische Insti». Der nteuchlerische Uebcrfall, den die Ordi'ni'gsparteien im vorigen Februar gegen den fortschrittlichen Kcki'didatcit verübt hatten, hat nun seine gerichtliche ....."—....................... 4% Amerika. B" e n 0 s- A y r e S, 13. September. In La Plate» ist eine Ministerkrise ausgebrochen, indem 3 Minister ihre Entlassung ge- nommen habe». Der General Raeedo, welcher mit einer Anzahl von Mit- gliedern der„Unio civiea" nach Entre-Rios entsandt war, um die Ruhe daselbst iviederherzustelle», ist unverrichteter Dinge wieder hierher zurückgekehrt. VovlÄmmlmrgvn. Eine gut besuchte öffentliche Uersmnmluug der Korb- wacher tagte am Montag, den 8. August, bei Herrn Roll, ... Ivuyreno Adalbertstr. 21, iinter Vorsitz des Herrn Bartel. Auf der Tages- utbe» zu Nichts znjammrnschrumpfen. Wohlan dte �taal» schjedenes. Ztachdeu» Herr Brückner den neuen Lohntarif vor- amvaltschast mußte zugreifen lind sie griff zu. Zwanzig gdissm hatte, entspann sich eine längere Diskussion. Derselbe Ordn'tnashelden wurde" in die Untersuchung gezogen und ,v»rde aber schließlich außer kleinen Aenderunaen einstimmig an- t<>chs"im konnten sofort beweisen, daß sie unschuldig waren, genommen. Der neue Tarif beträgt lOstündige Arbeitszeit und flfiv}.*„«„!»<—'v" nennt d>>" �«<— 1<«•--- w.........................-»v. neue«,««! veiragt lOstündige Arbeitszeit" und Ob sieben 4«bria allein gegen drei von den Vieren ergab 30 pCt. Lohnausschlag gegen den Tarif von 1830. Derselbe soll das Verüör kein rechtes Resultat, wie es in der Anklageakte ver Jnnnng, sowie dem Verein der Selbstständigen vor- SSZSSSW Schöffengericht. Und das Schöffengericht war auch geinnlh- derselbe» sprach gegen die Errichtung einer Filiale, indem lieh und veroonnerte den einzigen Schuldigen, den ble fach- den Berliner Kollegen nicht dasselbe Recht zustehen soll, wie es fische Gerechtigkeit ermitteln konnte, zu— 30 M. Geld- den Kollegen in anderen Städten zugestanden hat. Auch sprach k'?, er sich gegen das reaktionäre Verhallen des Hauptvorstande» ans. '' dem Barnther lieber- Darüber ersolgte eine lange Debatte, dieselbe führte aber zu »reu haben den des- weiter keinem Resultat, als daß in der Versammlung darüber , Kv'e G elft"»>. i n Beschluß gefaßt werden soll. Daraus wurde vom' die SRcrfnminlim..---~ ------. �— v- i v�w wivmiv Aiuiunuu .■--.................... 1 den lkollegen in anderen Städten zugestanden hat. ]tVd|£. t j er ftch ocaeit hrta cn— r.-*a.--- Die Connewitzer Exzesse, die mit dem fall verglichen, eine reine Bagatelle waren,________.... v.v. halb Angeklagten anderthalb Jahre Gefängniß, � ,im. warnuf wu eingetragen. Freilich es waren Sozialdemokraten. Versannnlnng nach 12 Uhr geschlossen. *.3 Vorsitzenden w Theater. D i e n st a g, den 16. September. Gprrnhano. Die Meistersinger von Nürnberg. Kchanfpielhaus. Natalie. Kerlitter Theater. Kcan. Dentsches Theater. Das Winter- märchen. Lesstttg- Theater. Der Fall Cle- menceau. Friedrich-Ulli lljelmltädt. Theater. Die Pnppenfee. Schwätzerin von Saragossa. Wallirer- Theater. Mamsell Ni- touche. Niktoria- Theater. Die Million, oder: Vivat Imperator. Nestde»>-Thrater. Ferreol. Kelleallianrc- Theater. Madame Bonivard. Suten Morgen, Herr Fischer. Gstend- Theater. Die Lieder des Musikanten. Thomas-Theater. Der Alpenkönig und der Menschenfeind. Adolph Ernst-Theater. Unsere Don Juans. Englischer Garten. Direktion: C. Andreas, Alexanderstraße 27c. Auftreten der Chansonnette Fräulein Ehrenfelil. Auftreten der Kostüm-Soubrette Fränl. Rosa Valerie. Auftreten des Gesangshumoristen Herrn Ziegler, Auftreten des Malabaristen und Equi- lebristen Mr. Charles. Auftreten des Professors Herrn Jean Clermout mit seine» dressirten Schweinen, Esel und Gänsen. Anfang Wochentags S Uhr. Sonntags BVa Uhr. Entree Wochentags n. Sonntags SO Pf. BO Pf. und 73 Pf., im Vorverkauf 20 und 30 Vf. Der Garten ist an Vereine f. Sommer- festlichkeitenm.Spczialitäten-Vorstellung zu vergeben. Etablisseüleltt Buggenliagen am Moritzplatz. Täglich: Grosses Garten-Concor t. Direktion A. Nödmau». Dienstag und Freitag: Walzer-Abend. Fnfi.pp Wochentags 10 Pfg., Ullll CC Sonn- und Festtags 25 Pfg. Bei ungünstiger Witterung in den unteren lltestanrationsräumen. Großer Frühstücks- und Mittagstisch. 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Verschiedenes. 1864 Zahlreiches Erscheinen erwünscht_ Der Einberufer. Nchentlillie Irejer-Versaininlung am Mittwoch, de» 17. September, Abends 8Vs Uhr, bei„Keller", Sergstraste GS. Tages-Ordnung: 1. Berathung des von der Kommission ausgearbeiteten Statutenentwurfs. 2. Verschiedenes. 1820 Zahlreiches Erscheinen erwartet Die KOlUiniSSiOIl. Grosse Genemi-Versammlung simmtlichtt in her UrinellHilher-Branlhe beslhiistigten Arbeiter am Mittwoch, de» 17. September, Abends SVz Uhr, in..Scheffer's Salon", Insrljtraße 10. Tages-Ordnung: 1. Kassenbericht. 2. Vortrag des Herrn Wilh. Lehmann. 3. Diskussion. Verschiedenes.[738 Der Arbeitsnachweis sowie Zahlstelle befindet sich bei Hrn. M. Schnitze, Brüderstr. 32. Die Kollegen werden ersucht, in der Versammlung recht zahl- reich zu erscheinen. Gäste haben Zutritt._ Der Vorstand. gflijnmin her TMer siir h. Weßen n. Sillleschen Thorbezirk. Mittwoch, den 17. September, Abends 8V2 Uhr, im großen Saale des Restaurants„Königshof", Bülowstr. 37/40: 8 Blesse Mersamtnlunga Tages-Ordnung: Vortrag des Herrn J. Apelt über:„Kapital und Arbeit". 2. Dis- knssion. 3. Ernennung eines Bevollmächtigten und eines Protokollführers. 4. Vereinsangelegenheiten und Verschiedenes. Aufnahme neuer Mitglieder. äW I»dcr Tischler hat Zutritt. 737 _ Ilm zahlreiches Erscheinen ersucht_ Der Bevollmächtigte. Wen es angeht. Jeder Hansfrau wird als bester Kaffee-Zusatz der Anker-Eichorien von Dommerich& Co. in Magdeburg-Buckau empfohlen. Schon eine kleine Zugabe davon genügt, um den Kaffee vollschmeckender und weicher zu machen. Jeder andere Zusatz unter dem Namen„Kaffee" führt mit Unrecht diese Benennung. Der Werth auf«eine Waare legt unter richtiger Benennung, verbrauche ausschließlich Anker-Cichorien. Anker- Cichorien ist in Packeten oder Büchsen zu kaufen bei fast allen besseren Waarenhandlungen. 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Nachm. 3 Uhr, von. der Lech«« halle des Zwölf-Apostel-Kirchhop | aus statt..... Um rege Betheiligung bitter Der Vorstand. Am 13. ds. entschlief nach län Leiden iin besten Mannesalter Repositorium billig Weinstr. 31, Benda. Vercinskollege, der Zimmerer Scrr Karl Hejst. Die Beerdigung findet heute, den 16. ds. Mts., Nachm. 3 Uhr, �. Trauerhause, Zimmerstr. 4, aus 1 Ehre seinem Andenken. � Der Vorstand des BeerdlgnngsvW� Berliner Zimmerlente. SB Am 13. Sept. verstarb nach bW Leiden unsere geliebte Mutter und« mutter Henriette Casper, geb. Weber, a im 61. Lebensjahre am Schlag««' � Die Beerdigung findet heute, mittags 4 Uhr, von dem Trau Weißensce, Sedanstr. 35a, aus Um stilles Beileid bitten Die Hinterblieben� frisc� !aga� Empfehle mein Geschäft in Blumen und Kränzen. Robert Meyerf Nr 2. Mariannenstraße Nr> Dr. Hoesch, Homöopath. 91%) Artilleriestr. 27. 8-10, 5-7, Sonnig. Möbel, Ssilgtl PHcr-W««», empfiehlt Julius Apelt Kebastian-Straste 37— Sol. Arbeit. Prompte Bedien. 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Ztg.' .428 wird mitgetheilt, daß Klagen über Ansammlungen, den Außenbezirken jetzt wie alljährlich um 1, daß diese Ansammlungen mit der Ein- ung und Einstellung des Gastwirthschafts-Betriebes in der .jjpüenb zusammenhängen. Während der Zeit flotten Betriebes L töglidj früh Morgens Schaaren junger Leute in die Um- Berlins hinaus, um sich den Gastivirthen als Hilfsarbeiter zubieten. Sie sind jenen willkommen, da das Bedienungs- e tzonal durch sie je nach dem zu erwartenden Besuche täglich Jpschrt oder verringert werden kann. Diejenigen der jugendlichen «itcr, welche für den Tag keine Beschäftigung gefunden haben, «to deren Zahl vermehrt sich im Herbste, ziehen dann nach !m n zurück und veranstalten, wie die„Boss. Ztg." sich aus- d,».?'„Bummeltour", die sich in den belebteren Straßen allerlei Unfug bemerkbar macht. Man hatte gehofft, wie .Artikel schließt, daß diese Ansammlungen„skandalsüchtiger" "Ute durch die in den Vororten Berlins stattgcsnndene Ver- k!k»Ö der Gendarmen jetzt verhindert werden würde; diese »Ulsming habe sich aber nicht erfüllt. . Besser und treffender kann die Bonrgeoisseele überhaupt 3* ausdrücken, wie verächtlich ihr die Arbeiter sind.„Rohe" tischen ziehen hinaus, um sich bei Gastwirthen Arbeit zu suchen, Mn sie solche, dann müssen sie wohl mit einem Male ihre i uuhcit abgelegt haben, wie man die Jacke leicht ausziehen r"» weil sie die Herren Bourgeois, die in eigener Equipage l' die Umgegend Berlins fahren, recht manierlich bedienen, Wen diese jugendlichen Arbeiter aber das Unglück gehabt, an Tage keine Arbeit gefunden zu haben, so werden sie sofort bm?..skandalsüchtige" Leute, welche gendarmcrieartlich behandelt "veii müßten. � So fühlt der Bourgeois, zugleich vcrräth er aber auch, wie . WO er im Stande ist, die Ursache einer Erscheinung zu er- Mnden und zu begreifen und wie er noch viel weniger Schluß- /L-rung°n aus einer Erscheinung zu ziehen vermag. Er nimmt d W wahr, daß nicht nur jugendliche Arbeiter beschäftigungslos und daß mit ihnen Tausende älterer und tüchtiger'Ardeiter gleiche LooS theilen. Aber Arbeitslosigkeit herrscht nicht allein in allen Provinzen, in den Städten und ans dem Lande Ulnnt sie immcrmchr iiberhand. Haben sich diese Bour- g* schon einmal ernstlich die Frage vorgelegt, was aus ,'*1% hungernden Menschen werden soll und wird? Ohne %ild eine Erwägung daran zu knüpfe», theilt die Bourgeois- !, l'e mit, daß z. B. in der Spandauer Munitionsfabrik einer -toßen Anzahl Arbeitern und Arbeiterinnen gekündigt ?chen ist. Wo diese Arbeiter und Arbeiterinnen wieder Weit finden werde», kümmert jene Presse nicht. Niemand jener �jssse denkt daran, woher diese Arbeiter ihr tägliches Brot W>nen werden. Wird ein Todter ain Weg aufgefunden, so be- Ätct diese Presse in glcichgiltigstem Tone: er gehört dem Weiterstande an, in seinem Portemonnaie war kein Geld. „ Aber diese Bourgeoisie ist zum größesten Theile in höhere �Ulen gegangen, und nicht Wenige ans ihr haben das Abitu- Menexamcn gemacht und die Universität besucht, da wird L wohl nicht an Geschichtsunterricht gefehlt haben. dieser Unterricht etwas mehr als eine'Ansammlung Tedächtnißkram, wie lange dieser oder jener Fürst regiert wieviel Schlachten er gewonnen hat, sondern ein Eingehen n, wn Verständnißbringen der wirkenden Kräfte, welche die wWtaltnng einer Staatsform, das Emporkommen oder den 0ung eines Staates herbeigeführt habe», so sollte man JW», daß die Bourgeoisie der zunehmenden Arbeitslosigkeit und damit verknüpften Elende nicht so sorglos zusehen könnte. U'''cht, wie die Erfindungen und Verbesserungen in der Ma- M'enlechnik immer neue Schaaren von Arbeitern auf die Maße werfen, wie dieser Vorgang sich nicht allein auf dem 2'ck der Industrie, sondern auch der Landwirthschaft iwht, und dennoch legt sie die Hände ruhig in i,.!' Schooß. Das Leben des ländlichen Arbeiters floß tmt1 allzu ruhig dahin; wenn seine Lebenshaltung sehr P'mch war, so blieben ihm eigentliche Nahrungssorgen doch fern. W.Dreschn>aschine, Häcksel-, Hack-, Säcmaschine und Ändere haben d?' hier Wandel gebracht, der Landarbeiter ist Lcidcnsgenoffe £ Industriearbeiters geworden; er begreift, daß beider Jntcr- ß die gleichen sind. und daß folglich eine gleiche Aktion nur könne. Was will dieser Entwickclung unserer Zustande Seniiber wohl Polizeigewalt ausrichten? Prundniae einer neuen G-wert-rst-ner. Der„Reichs- V'ger schreibt:„'Nachdem verschiedene Alütter»iber die in in?" stattgehabte Probcveranlagung aus Grund der übrigens sl? vorläufig aufgestellten Grnndzüge zur Reform der Gewerbe- ld?'Heils richtige, theils unrichtige und unvollständige Mit- Lungen gebracht haben, dürfte i.n Interesse des bcthe. igten S'kuu.z ei„e Richtigstellung und Vervollständigung derselben >,-»'» erscheinen. Tie Probcvcranlagnng Halle den Zweck, S'chst sicheres Material tiber die Wirkung emer Veranlagung i, ifeoetbcftcuet ans neuen, der Entwickelung der heutigen Gewerbe- entsprechenden Grundlagen A�Lewlnnen. sehnliche 'ij?evera»l gungen sollen auch in anderen Bezirken stattsinden. D e �Veranlagung i» Berlin ist mit jeder möglichen Sorgfalt «Ug-sührt und hat, von den ihre Mitwirkung aus unbekannten (2"dcn ablehnenden Abgeordneten einer Handclsklasse ab- W°". überall eine sehr eifrige und a>ierkennenSwcrthe Unter- >»,""0 seitens der Betheiligten gefunden, sodaß die Ergebnisse b?! aus diejenige Genauigkeit Anspruch machen können, welche gSÄSsesae# mm blasse iv herunter eintreten wurde i. wen>.! den Klassen B, H Insbesondere und K veran- mmm mmmm 4,%-«o» Zunahme eines Steuersatzes von 1 pEt. ertrages— kann übrigens wohl kaum die Rede sein. Auch die großen Gewerbetreibenden selbst dürften die Roth- ivendigkeit einer Reform der bestehenden Gesetzgebung an- erkennen, bei welcher das Großgewerbe oft nur mit einem geringen Bruchtheil von 1 pCt. des Ertrages belastet ist, während das Kleingewerbe vielfach 2—3 pCt. zu zahlen hat. Hierzu kommt, daß nach der gegenwärtigen Gesetzbung eine Reihe sehr leistungsfähiger Gewerbebetriebe— wie Dampfstraßenbahnen, Theater, Konzertunternehmungen, Panorama u. A.— der Steuer vom stehenden Geiverbebetriebe überhaupt nicht unterliegen, da sie nicht unter die bisherigen Betriebsarten fallen. Auch in dieser Hinsicht wäre wohl durch die Reform Wandel zn schaffen. Schließlich bemerken wir zur Vermeidung jedes Mißverständ- nisses, daß erst die weiteren Probeveranlagungen zu einem sicheren Ergebnis! über die Klasseneintheilung, die Steuersätze in den einzelnen Klassen und die zu ivählende Befrciungsgrenze führen können und daß dann erst hierüber Entscheidung zu treffen sein wird. Professor Dr. Koch»nd die Heilung der Schwind- fncht. In der ersten Sitzung des internationalen medizinischen Kongresses hat Professor Robert Koch am Schlüsse seines Vor- träges„über bakteriologische Forschung" ganz beiläufig auch eine Mittheilung über seine jüngsten, über mehrere Jahre sich aus- dehnenden, aber noch nicht abgeschlossenen Arbeiten gemacht. Seltsamer Weise hat diese Mittheilung im ersten Moment, wohl infolge des Kongreßtrubels, nicht die verdiente Beachtung gesunden, obwohl es sich um eine ivisscnschaftliche Entdeckung von unge- heuerer Tragweite handelt, nämlich um die nahezu erwiesene Möglichkeit, die Schwindsucht zu heilen. Der Gedanke und die Hoffnung', dieses Ziel zu erreichen, ist, seitdem Koch in dem Tuberkelbazillns die eigentliche Ursache der Schwindsucht entdeckt hatte, von vielen Forschern ausgesprochen worden und es hat, wie bekannt, an zahlreiche» ernsten Bemiihungen nach dieser Rich- tung hin nicht gefehlt. Aber alle diese mit großen Erwartungen begrüßten Untersuchungen erwiesen sich als trügerisch, sie scheiterten und mußten scheitern, weil sie an einem Grund- fehler der Methode litten, die gleich den kranken Menschen zum Angriffsobjekt für die Heilversuche machte, anstatt sich zunächst mit den Lebensbedingungen des Tuberkelbazillus zu beschäftigen und den Mitteln, ihn in der Entwickelung zu hemmen und da- durch unschädlich zu machen. Wie systematisch Koch bei seinen Untersuchungen vorgegangen und zu ivelchen Ergebnissen er gc- langte, ergiebt sich aus seinem jetzt im Druck vorliegenden Vor- trage; der betreffende Passus lautet: „... Durch solche Gedanken beivogen, habe ich denn auch sehr bald nach der Entdeckung der Tuberkelbazillen angefangen, nach Mitteln zu suchen, welche sich gegen die Tuberkulose thera- peutisch verivcrthen lassen, und ich habe diese Versuche, allerdings vielfach unterbrochen durch Verufsgeschüfte, bis jetzt unablässig fortgesetzt. In der Ueberzeugung, daß es Heilmittel gegen die Tuberkulose geben müsse, stehe ich auch keineswegs ver- einzelt da. Billroth hat sich noch in einer seiner letzten Schriften mit aller Bestimmtheit in diesem Sinne geäußert, und es ist be- kannt, daß von zahlreichen Forschern dasselbe Ziel angestrebt ist. Nur scheint mir, daß von letzteren in der Regel nicht der richtige Weg bei ihren Untersuchungen eingeschlagen wurde, indem sie das Experiment beim Menschen beginnen ließen. Dem schreibe ich auch zu, daß Alles, was man auf diesem Wege entdeckt zu haben glaubte, vom benzoesauren Natron bis zur Heißlnftmethode herab, sich als Illusion eriviesen hat. Nicht mit dem Menschen, sondern mit dem Parasiten für sich in seinen Neinkulturen soll man zuerst experimentiren; auch wenn sich dann Mittel gefunden haben, ivelche die Entwickeluna der Tnberkelbazillen in den Kulturen anszuhalten im Stande sind, soll man nicht wieder sofort den Menschen als Versuchsobjekt wählen, sondern zunächst an Thieren versuchen, od die Beobachtungen, welche im Reagenzglase gemacht wurde», auch für den lebenden Thierkörpcr gelten. Erst wenn das Thierexperiment gelungen ist, kann man zur Anwendung am Menschen übergehen. Nach diesen Regeln verfahrend, habe ich im Laufe der Zeit eine sehr große Zahl von Substanzen darauf geprüft, welchen Einfluß sie auf die in Reinkulturen gezüchteten Tuberkelbazillen ausüben, und es hat sich ergeben, daß garnicht wenige Stoffe im Stande sind, schon in sehr geringer Dosis das Wachsthum der Tnberkelbazillen zn verhindern. Mehr braucht ein Mittel natür- lich nicht zn leisten. Es ist nicht nöthig, wie irriger Weise noch vielfach angenommen wird, daß die Bakterien im Körper getödtet werden müßten, sondern es genügt, ihr Wachsthum, ihre Ver- mehrung zn verhindern, um sie für den Körper unschädlich zu machen. Als solche in sehr geringer Dosis das Wachsthnm hemmende Mittel haben sich erwiesen, um nur die wichtigsten anzuführen, eine Anzahl ätherischer Oele, unter den aromatischen Ver- bindunge» Bota-Naphthylamin, Para-Toluidin, Xylidin, einige der sogenannten Theerfarben, nämlich Fuchsin, Gentiana- violet, Methylenblau, Chinolingelb, Anilingelb, Auramin. unter den Metallen Quecksilber in Dampfform, Silber- und Gold- Verbindungen; ganz besonders fielen die Cyan-Goldverbindnngen durch ihre alle anderen Substanzen weit überragende Wirkung auf; schon in einer Verdünnung von l zu 2 Millionen halten sie das Wachsthnm der Tuberkel- bazillen zurück. Alle diese Substanzen blieben aber vollkommen wirknngs- los, wenn sie an tuberkulösen Thieren versucht wurden. Trotz dieses Mißerfolges habe ich mich von dem Suchen nach entwickelungshemmenden Mitteln nicht abschrecken lassen und habe schließlich Substanzen getroffen, welche nicht allein im Reagenzglase, sondern auch im Thierkörper das Wachsthum der Tnberkelbazillen aufzuhalten im Stande sind. Alle Untersuchungen über Tuberkulose sind, wie jeder, der damit experimentirt, zur Genüge erfahren hat, sehr langwierig; so sind auch meine Versuche mit diesen Stoffen, obivohl sie mich fast ein Jahr beschäftigen, noch nicht abgeschlossen und ich kann über dieselben daher nur so viel mittheilen, daß Meer- schweinchen, welche bekanntlich für Tuberkulose außerordentlich empsänglich sind, ivenn man sie der Wirkung einer solchen Snb- stanz aussetzt, auf eine Impfung mit tuberkulösem Virus nicht mehr rcagircn, und daß bei Meerschiveinchen, ivelche schon in hohem Grade an allgemeiner Tuberkulose erkrankt sind, der Krank- heitsprozeß vollkommen zum Stillstand gebracht werden kann, ohne daß der Körper von dem Mittel etwa anderweitig nachtheilig be- cinflnßt wird. Aus diesen Versuchen möchte ich vorläufig keine weiteren Schlüsse ziehen, als daß die bisher mit Recht bezweifelte Mög- lichkeit, pathogene Bakterien im lebenden Körper ohne Be- nachtheiligung des letzteren unschädlich zu machen, damit er- wiesen ist." Die vorsichtige Reserve, die sich in dieser Schlußfolgerung be- kündet, entspricht der Eigenart des gewissenhaften Forschers, der bisher mit allen seinen Entdeckungen nicht eher an die Oeffent- lichkeit getreten ist, als bis er sie nach jeder Richtung hin als vollkommen einwandsfrei befunden hatte. Daher hat Koch sein Mittel nicht genannt, auch nicht angegeben, ,vie es angewendet wird und wie es wirkt. Denn noch sehlt zur Krönung deS Ge- bäudes der Hauptstein: der Versuch am lebenden Menschen. Wie die„National-Ztg." indessen hört, wird Professor Koch nach Beendigung seines Ferienurlanbes an diese Versuche herangehen und sich zu diesem Zwecke mit einem Berliner Krankenhause in Verbindung setzen. Führen diese Versuche— wie man im Interesse der leidenden Menschheit nur wünschen kann— zu be- sriedigenden Resultaten, dann wäre es der schönste Triumph, den die medizinische Wissenschaft feiern kann, und neue, dankbare Aufgaben würden der praktischen Heilkunde sich erschließen. Von allen Krankheiten ist bekanntlich die Schwindsucht die mör- derischste, sie dezimirt die Menschheit mehr als alle Schlachten und Kriege zusammen. Und nicht plötzlich rafft sie ihre Opfer dahin, sondern meist erst nach Jahren schweren Siechthums, in denen die Kranken sich und den Ihrigen zur Last geworden. Der- Nberpvästdent von Perl in, Staats minister v. Achenbach hat für die in der Land- und Forstwirthschaft beschäftigten Personen, soweit dieselben nicht Mitglieder einer Orts-, Äetriebs- (Fabrik-), Bau- oder Jnnungs-Krankenkasse sind, den Jahres- arbeitsverdienst, wie folgt festgesetzt: I. für erwachsene, d. h. mehr als Iß Jahre alte, männliche Arbeiter auf 720 M., 2. für erwachsene weibliche Arbeiter auf 450 M., 3. für männliche Lehr- linge über IG Jahre auf 390 M., 4. für weibliche Lehrlinge über IG Jahre auf 300 M. Kerlin besaß bei einer Einwohnerzahl von über IVe Millionen im Anfang dieses Jahres l398Aerzte, 107 Zahnärzte und 120 privilegirte Apotheken. Die Anzahl der Heilanstalten belief sich auf 34, die 4635 Betten hatten. Es kamen somit, in Pro- zenten gerechnet, aus 10 000 Einwohner 9,32 Aerzte, 0,80 Apotheken und 0,23 Heilanstalten. Das billigste Eisenbaff»- Killet im Deutschen Reiche dürste die Berlin-Potsdam-Magdeburger Bahn ausgeben. Das» selbe kostet drei Pfennige und ist zu haben für Schulkinder, welche die Eisenbahn zivischen Friedenau und Schöneberg be- nutzen. Wie aus Zpnndnu geschrieben wird, bestätigt sich die Zeitungsnachricht, daß die für die Wasserversor'gnng von Spandau in Angriff genommenen Arbeiten der Tiefbrunnen zu Dallgow der Beschaffenheit des Wassers ivegen sistirt seien, durchaus nicht. Die Untersuchungen des Wassers, die s. Z. von drei Berliner Fachmännern, Professor Dr. Biedermann, Dr. Paul I e s e r i ch und Dr. Proskauer ausgeführt wurden, ergaben übereinstimmend, daß das Wasser als gutes Trink- und Gebrauchs- waffer zn sezeichuen sei. Es sind nun nochmals, nachdem der Tiefbrunnen zu Dallgow wochenlang ununterbrochen in Thätig- keit ivar, Untersuchungen angeordnet und Dr. Jesmsch hat dieser Tage im Beisein des Bürgermeisters und Baurathes neue Proben entnommen. Dieser Probenahme sollen noch weitere folgen. Das Wasser soll ein reineS und gntes sein und die Bruimen sich als sehr ergiebig und völlig ausreichend erweisen. Der windige Lnftschisser, Kapitän Pherson, ist nunmehr doch von seinem Geschick ereilt worden. Am Freitag ivar seine Verhaftung bereits angeordnet und dürfte in diesem Augenblicke schon ausgeführt sein. Auf Grund der ersten Mittheilungan über seine Schwindeleien, die am 4. d. M. in einer Reihe von hiesigen Zeitungen erschienen, sind der hiesigen Kriminalpolizei eine Menge neuer Anzeigen über Schwindeleien zugegangen, welche„Kapitän Pherson" vorher undnachher verübt hat. Zunächst steht fest, daß 'Arthur Lehmann in seinem ganzen Leben noch keine Lustfachrt gemacht, sondern sich nur auf Schwindelfahrten beschränkt hat. So hat zunächst der Inhaber eines Etablissements in Magdeburg folgendes gemeldet: Eines Tages erschien Pherson, stellte sich attt Sergeant der Luftschifser-Abtheilung in Berlin vor und erzahlte, daß er, obwohl er kurz vor der Ernennung zum Offizier der Lustschiffer-'Abtheilung stehe, von seinem ihm sehr wohl ge- sinnten Hauptmann Urlaub erhalten habe, um eine Kunstreise zu machen. Er erbat sich, gegen ein zu vereinbarendes Honorar, mit seinem Ballon hochzugehen und den Absturz mit dem Fallschirm zu machen. Da dieses Experiment für Magdeburg noch neu war, ging der Besitzer des Etablissements darauf ein.„Kapitän Pherson" brachte seinen Ballon, dessen Füllung nach Magdeburger Preisen für höchstens 150 M. Gas erfordern sollte. Der Ballon wurde gefüllt, als aber bereits für 500 M. Gas darin war, schlappte der Ballon noch zusammen, es schien, als ginge daL Gas durch ein Sieb. „Kapitän Pherson" gab nun selbst zn, der Ballon müsse undicht sein, er klebte auch hier und da ein Pflaster auf, versprach auch, die Auffahrt zu versuchen, als aber der Ballon auf den Platz be- fördert ivurde, Ivo er aussteigen sollte, da wußte es der Luft- schiffer so einzurichten, daß der Ballon einen Riß erhielt und zusainmcnklappte. Das Publikum war entrüstet, der Wirth auch, aber was halsss?„Kapitän Pherson" gab hinterher gute Worte, der Wirth nahm von einer Strafanzeige vorläufig Abstand, er begnügte sich, daß ihm der Schwindler; einen Schuldschein über den Preis des verschwendeten Gases und das Versprechen gab, den Betrag zu ersetzen. Die Schuld kann er einfach in den Schornstein schreiben, indessen ist nunmehr Strafantrag gestellt. Der Vorgang in Magdeburg deckt sich genau mit denjenigen auf der Festwiese in Pankow. Damit aber noch nicht genug: Ganz genau denselben Schwindel hat„Kapitain Pherson" im„Flora- Etablissement" in Wittenberg ausgeführt. Auch von dort ist Strafantrag gestellt worden. Nachdem jedoch die Zeitungen den Schwindel dlosgelegt haben, hatLehmann seine angemeldete Woh- nung in der Hcinersdorferstraße verlassen, er treibt sich unan- gemeldet in Berlin umher und setzt seine Schwindeleien weiter fort. Er stolzirt in dem einzigen Anzüge umher, den er besitzt, nämlich der blauen Secinannsjoppe und der goldbordürten Ka- pitainsmütze, an ivelchen sich gleich>vie auf der Kravatte ein goldgestickter Luftballon befindet. Diesen Anzug, beziehungsweise das Geld dazu, hat er einem Schausteller abgeschwindelt, den er als Impresario für eine Kunstreise durch Rußland gewann. Mittlerweile hat er nicht seinen Anzug, wohl aber seinen Namen geändert. An einem Tage der abgelaufenen Woche kam er zu dem Zigarrenhändler S. in der Karlstraße, in der Nähe des Zirkus Renz. Es ist dies ein Geschäft, aus welchem die hervor- ragendste» Künstler von Renz ihre Zigarren und Zigarretten beziehen.„Guten Tag!"— hob er an—„Wie, Sie kennen Mich wohl nicht mehr? Ich bin ja Orfurter, der berühmte Orsurter von Renz!"—„Ach was, da haben Sie sich aber sehr verändert!" —»Ja, das bringen die Zeiten mal so mit sich! Geben Sie mir ein halbes Dutzend Zigarren a 10 Pf. und gestatten Sie, daß ich mir.eine anzünde und hier warte, ich erwarte nämlich hier meine» Freund GodlevSky, die„Perle vom Zirkus Renz!"— „Ich denke, Godlevsky ist jetzt in Hamburg?"—„Ja wohl! Ist er auch, aber er ist heute Nacht eines Ohrenlcidens wegen nach Berlin gekommen, und ich habe ihn aus Gefälligkeit be- gleitet. Habe aber aus dieser Gefälligkeit kolossal Kapital geschlagen! Morgen steige ich bei Sternecker auf und hier— sehen Sie selbst— habe ich für diesen Monat einen Vertrag unt Rrngel-Pankow, wonach ich 7000 M. erhalte und hier ferner einen gleichen Vertrag über denselben Betrag mit Sternecker! Ich habe mir von Renz für einige Zeit Urlaub geben lassen! Damit zeigte er zwei natürlich gefälschte Verträge vor. Das Ende vom Ltcdc war, daß er den„zungen Mann" im Ge- schafr anpumpen ivollte, weil„sein Freund Godlevsky" nicht kam und er einen eben zugegangenen neuen Fallschirni einlösen sollte. Nach langem Hangen und Bangen, nach einer Unsumme von schivindelhaften Redensarten gelang es ihm endlich, zivei Mark herauszuschlagen. Der Vertreter des Geschäfts ging nicht„mit uiehr heran" und der Schwindler begnügte sich damit. Auch dieser ßall ist— nachdem der Schwindler als solcher erkannt worden ist— der Polizei angezeigt worden und so dürfte der kühne Lustschiffer wohl demnächst von der Anklagebank aufsteigen und in„Plötzensee" abstürzen. Dom Keil grstiirzt ist vorgestern im„Victoria-Park", einem am Frankfurter Thore gelegenen Etablissement, der Artist Wiegert, der sich daselbst während des diesjährigen Sommers regelmäßig produzirt hatte und zum Schluß vorgestern dort zum letzten Male auftrat. Nachdem er dreimal das in bedeutender Höhe gespannte Seil glücklich passirt hatte, unternahm er die luftige Promenade zum vierten Mate; hierbei entglitt dem Artisten die Balanzir- stanae, er verlor das Gleichgewicht und stürzte, nachdem er einige Male mit den Armen umhergefuchtelt, in die Tiefe; leider fiel er nicht in das unter dem Seile aufgespannte Sicherhcitsnetz, sondern verfehlte dasselbe und schlug zu Boden. Ein sofort zur Stelle ge- Holter Arzt konstatirto zwar, daß W. mehrfache Brüche erlitten habe, daß aber trotzdem sein Zustand ein derartiger sei, daß Lebensgefahr direkt ausgeschlossen erscheine. Der Verunglückte wurde in einem reqnirirten Krankenwagen nach einem Kranken- Hause überführt. Der auf Souutag für den„Sternecker"(Schloß Weißensee) angekündigt gewesene Aufstieg eines Luftschiffers mit cinein leben- den Pferde hat nicht stattgesunden. Auf Einschreiten des Berliner Thierschutz-Äereins hat der Amtsvorsteher den Ausstieg sehr mit Recht verboten. Ei» vornehmer Rowdy. Infolge eines gerichtlichen Haftbefehls ist am Sonntag der in der Berliner Lebe- und Sportswelt bekannte Graf K. von der Kriminalpolizei verhaftet und sodann nach Moabit in das Untersuchungsgefängniß gebracht worden. Die Verhaftung soll wegen schwerer Körperverletzung erfolgt sein, welche der Herr Graf gelegentlich einer Schlägerei in einem Etablissement Unter den Linden einem seiner Gegner zugefügt hat.— Leider nennt das„B. Tgbl.", dem wir diese Nachricht entnehmen, nicht den Namen des rohen Burschen. Ci»„vrvdissrnrr" SUatbvudev. Der Buchbinder B. hatte vorgestern in einem Lokal der Ackerstraße mit einigen Be- kannten, unter welchen sich der Maurer S. befand, eine Partie Skat gespielt, welche indeß ein entstandener Streit zum jähen Abschluß brachte. Während sich der„dritte Mann" beruhigte, setzten B. und S. die Zänkerei auf der Straße fort, und hier kam es bald zu Thätlichkeiten, in deren Verlauf B. ein Messer zückte und es seinem Mitspieler in die Schulter stieß. Der Ver- wundele schrie aus Leibeskräften um Hilfe, doch ehe Passanten am Thatorte erschienen, hatte der aufs Neue auf S. eindringende B. sich in dessen Gesicht derart festgebissen, daß der schließlich ein- treffende Revierwächter große Mühe hatte, den fürchterlich schreienden S. mit Hilfe hinzugeeiltcr Personen von seinem mssigen Gegner zu befreien. Da die Stich- und Bißwunden des Buchbinders B. nicht unerheblich sind, so wurde zur Verhaftung des gefährlichen Skatbruders geschritten. Kavambolalge. Als der Pserdebahnwagen Nr. 876 der Lüne Kreuzberg-Gesundbrunnen am Montag Mittag, von der Letpz,gerstraße kommend, die Jerusalemerstraße am Dönhoffplatz passirte, fuhr ihn ein entgegenkommender Rollwagen so Unglück- lich an, daß einem der dem Waggon vorgespannten Schimmel durch ein hervorragendes eisernes Beschlagstiick des Rollwagens die Seite aufgerissen wurde, aus der sofort das Blut in starkem Strome hervordrang. Auch der Pserdebahnwagen erlitt so starke Weschädigungen, daß er außer Fahrt gesetzt werden mußte. Ei» frecher Straßenraub ist vorgestern Abend gegen einen Verslcherungsbeamten ausgeführt worden. Als derselbe die Köpenickerstraße passirte, gesellte sich ein junger Mensch zu ihm und verivickelte ihn in ein Gespräch. Plötzlich riß der Fremde dem Beamten das goldene Pinzenez von der Nase und verschwand niit demselben in der Dunkelheit, noch ehe der Beraubte sich von seiner Ueberraschung erholt hatte. Selbstmord. Am Montag früh um 6 Uhr sprang, wie das „B. T." mittheilt, eine elegant gekleidete Dame, nachdem sie Mantel, Hut, Portemoiiliaie, sowie einen Siegel- und Verlobungs- ring am Ufer niedergelegt hatte, am Hafenplatz, nahe der lieber- brückung der Potsdamer Bahn, in den Kanal. Obwohl Passanten, welche Zeugen dieses Vorganges waren, der Lebensmüden sofort zu Hilfe eilten und sie auch nach kurzer Zeit landeten, so haben sie doch nur eine Leiche bergen können, denn ein Schlagflus, hatte der Dame ein jähes Ende bereitet. Aus den in ihrem Hute auf- gefundenen Papieren— Tauf- und Schulabgangs-Zeugniß, sowie anderen Legitimationspapieren— ergab es sich, daß hier eine L8jährige Frau aus München, Namens Luise List, ihrem Leben ein gewaltsames Ende bereitet hat. Zur Wannsee-Katastrophe, welcher der Bildhauer Kafssack und der Maler Weimar zum Opfer sielen, verlautet jetzt, daß nach den nunmehr abgeschlossenen Ermittelungen das Unglück durch ein etwas gewagtes Segelmannöver herbeigeführt worden ist. Auf der Rückfahrt begriffen, wollte man nochmals in die Havel hin- aussegeln, ging aber nicht vor Wind über Stag, sondern suchte zu halsen, wobei das schon vom alten Grünauer Segelsport her dekannte, wenig geschätzte Boot vollschlug. Die Insassen sprangen sofort über Bord. Ginrn(öiftmordverfuch ausgeführt zu haben, ist der Lehr- ling einer in der Marieustraße gelegenen Druckerei verdächtig. Als der Oberdrucker am Morgen des 6. d. M. seine Schnaps- flasche zum Mund führte, bemerkte er glücklicherweise noch recht- zeitig, daß Kleesalz daran war. Sein Verdacht, ihm den bösen Streich gespielt zu haben, lenkte sich sofort auf den Lehrling, der am Tage vorher von ihm bestraft worden war und die Drohung ausgestoßen hatte, daß er es ihm schon besorgen wolle. Der Junge ist verhaftet. Er leugnet zwar, doch muß er zugeben, daß er der Letzte gewesen, der am Abend vorher das Arbeitslokal ver lassen hat. Kleesalz wird in der betreffenden Druckerei gebraucht, war also vorräthig. Dir Lcinwattdttevvrr machen Berlin und Vororte jetzt wieder unsicher. Unter dem abgestempelten Fabrikat„Creas- leinen" suchen dieselben eine Waare an den Mann zu bringen, welche keineswegs aus reinem Leinen, sondern zu ca. 33l/3 pCt. aus baumwollenen Vestandtheilen besteht. Mehrere kleine Handels sraucn sind, in dein Glauben, reine Leinwand zu kaufen, mit dieser sogenannten Leinwand gehörig betrogen worden. Darum ist Vorsicht für den geboten, der unter der Hand durchaus billig einkaufen will. In d-rr Dacht vau» Montag, den 9. September, zum Dienstag, den 10. September, lüV-i Uhr, passirte» drei Herren, die von einer Versammlung aus„Sanssouci" kamen, die Ecke der Reichenberger- und Lausitzerstraße. Dieselben vernahmen i» der an der Ecke befindlichen Destillation von A. Puder noch heftigen Skandal. Gleich darauf wurde die Thür aufgerissen und unter verschiedenen rohen Ausdrücken ein Gast die Treppen hin- unter gestoßen, vom Wirth als Abschied noch einen heftigen Stoß ins Genick erhaltend. Der betreffende Herr wird hierdurch auf- gefordert, in seinem Interesse seine Adresse baldigst an den Unter- zeichneten einzusenden. A. Voigt, Forsterstr. 38, part. Dotizribericht. Am 18. d. 2)1. Morgens erschoß sich ein Mann in seiner Wohnung, in der Weinstraße, mittelst einer mit Wasser geladenen Pistole.— An demselben Tage Mittags wurde ein Knabe vor dem Hause Lothringerstraße 82 A beim Ueber schreiten des Fahrdammes von einem unbekannten Manne an- gerannt, fiel zur Erde und wurde dabei von einer Droschke über- fahren, wodurch er eine Quetschung des Unterleibes erlitt.— Nachmittags machte ein Handlungskommis in einer Badeanstalt einen Selbstmordversuch, Indem er einen mit Platzpatronen ge- ladenen Revolver gegen sich abfeuerte.— Zu derselben Zeit wurde ein zur Reserve entlassener Soldat an der Kmizung der Nostiz- und Gneisenaustraße von einem Flaschenbierwagen überfahren und erlitt dadurch eine nicht unbedeutende Verletzung am rechten Bein, so daß er nach dem Krankenbause am Urban aebracht werden mußte.— Ain 14. d. M. Vormittags wurde in der Spree, nahe der Oberbaumbrücke, die Leiche eines Mannes angeschwemmt.— Mittags wurde ein 10 jähriger Knabe vor dem Hause Unter den Linden 20 von einer Droschke überfahren und anscheinend be- deutend verletzt, so daß er nach der Charitee gebracht werden mußte.— Nachmittags gerieth ein Klempner hinter dem Grundstück Prenzlauer Allee 41 mit einem Tischler in Streit und wurde dabei von Letzterem durch mehrere Messerstiche verletzt. Der Tischler zog sich dabei selbst eine nicht unbedeutende Verletzung an der Hand zu, so daß Beide nach Anlegung eines Verbandes nach der Charitee gebracht werden mußten.— Abends wurde der Portier Richter auf der Treppe im vierte» Stock des Hauses Friedrichstraße 105 A mit einer schweren Verletzung am Hinterkopfe besinnungslos aufgefunden und nach der Charitee überführt. Richter hat sich die Verletzung anscheinend beim Anzünden der Gasflammen auf dem Treppen- Flur durch einen Fall zugezogen.— Zu derselben Zeit sprang ein Mann von der Michaelbrücke in die Spree, wurde jedoch noch lebend aus dein Wasser gezogen und nach der Charitee ge- bracht.— In der Nähe der Görlitzer Eisenbahnbrücke stürzte sich Abends eine 68jührige Frau in den Landwehrkanal und ertrank. Die Leiche wurde bald darauf aus dem Wasser gezogen.— In der Nacht zum 15. d. M. entstand vor dem Hanse Ackerstr. 14/15 eine Schlägerei zivischen dem Maurer Selmacher und dem Buch- binder Boden, bei welcher Ersterer durch einen Biß in die linke Backe verletzt wurde und infolge dessen Letztcrem einen Messer- 'tich in die linke Schulter beibrachte. Am 13. und 14, d. M. anden 5 kleinere Brände statt. Hall- a. S.. 15. September. Der deutsche Bergarb� Kongreß ist heute eröffnet worden. Anwesend sind 39* 9 meistens aus dem Rheinland und Westfalen. Möller( kirchen) hielt die Eröffnungsansprache. Schröder�und' wurden zu Vorsitzenden gewählt. Bunte und Siegel Smtie morgen ein. Deterfen. 7. September. Der Bericht des in Schleswig pro 1889 bespricht auch den Streik y»« arbeitet auf der hiesigen Alsen'schen Zementfabrik Md s S über folgendes:„Ende Juni begann ein umfangreicher '■-----■ Uetersen zur Erlangung einer� in der Zementfäbrik bei Uetersen zur Erlangung ) in der ersten Hälfte des Juli ersow�- „großen" Publikum Sympathien sur Dt � wurde. Um im ständigen wachzurufen,(??) gelegentlichen Hilfsarbeitern(2—3 M. täglich)* W Löhne der Arbeiter hingestellt, während die von diesen�iwG�� wurden die Löhne von Gevickiks�Beikmtg. Eine Jöjähvige„trene Dirnstsrlt" in Zuchthäusern und Gefängnissen machte der Hospitalit Karl Lehmann geltend, welcher gestern vor der ersten Strafkammer hiesigen Landgerichts I tand. Lehmann ist ein Verbrecherveteran, der Nestor der Berliner Taschendiebe, dessen Borstrasen mit dem Jahre 1834 beginnen und sich bis in die neueste Zeit fortgesetzt haben. Der Mann ist darüber 75 Jahre alt geworden, er kann aber auch jetzt noch nicht von seiner Sucht, sreuide Taschen zn durchsuchen, lassen. Der Angeklagte befindet sich seit eiinger Zeit im Hospital zu lliummelsburg und wird, wie alle anderen Insassen des Hospitals, an einem Tage der Woche beurlaubt. Ein solcher UrlaubStag siel gerade auf den Tag der großen Parade und Lehmann benutzte denselben, um sich Unter den Linden aufzustellen. Hier kam die Versuchung wieder über ihn. In dem Menschengedränge gerieth eine Hand plötzlich in die Kleidertaschc einer fremden Dame und als er sie wieder herauszog, hielt sie ein wohlgefülltes Porte- monnaie umklainmert. Das„einnehmende" Wesen des Alten war aber bemerkt worden und obgleich derselbe versuchte, eine gewisse Verwirrung dadurch zu erzeugen, daß er das Porte- monnaie im letzten Augenblick unter das Publikum schleuderte, wurde er doch festgenommen. Bei dieser Sachlage wäre jedes Leugnen vergeblich gewesen und Lehmann gestand seine That auch unumwunden zu. Er bat nur, die Strafe nicht zu hoch zn be- messen, damit er vielleicht doch noch wenigstens ein„ehrliches Begräbniß" genießen könnte. Das Urtheil lautete auf drei Jahre Zuchthaus. Der alte Mann war damit durchaus zufrieden, denn er erklärte, seine Strafe gleich antreten zu wollen und machte seinen Gefühlen durch folgende Erwägungen Luft: „Fünf und Siebzig bin ick jetzt, drei Jahre soll ick abreißen— im, denn habe ick ja jute Slussicht, doch noch'mal in de Freiheit zu kommen. Ick dacht, ick krieje sechs Jahre un denn hätte ick woll sagen können:„adchee Welt!" Um die«inststalischr» Merke von Rud. Förster und R i ch. Für st e r handelte es sich in einer Privatklage des Musikalienhändlers H u n g e r gegen den Musiklehrcr H o y er, welche gestern zum zweiten Male die Berufungs-Straskammer beschäftigte. Rud. Förster ist seit längerer Zeit der bevorzugte Komponist der volksthiimlichen Walzcr-Lieder und wenn es im Walzer-lllythmus ertönt:„Mit meiner Mandoline" oder„Ein Walzer mit Dir allein, ach das niuß reizend sein"— da heben sich unwillkürlich die Füße und es„kribbelt" Einen in den Fuß- spitzen. Die Lorbeeren des Herrn SHud. Förster haben nun sierrn Rühle, den Mitinhaber der Musikaliensirma Rühle und tunger bewogen, gleichfalls Walzerliedcr zn komponiren und die tachahmung seines bekannten Vorbildes ging so weit, daß er seine Kompositionen unter dein Pseudonym Rich. Förster er- scheinen ließ. Die Verwirrung des musikliebenden Publikums erreichte ihren Höhepunkt, als ein zuerst von Rich. Förster kom- ponirtes Lied„Ob Aeuglein sind blau" auch in einer Komposition von Rud. Förster erschien, welcher damit wohl Wiedervergeltung üben wollte. Gegen dieses Vorgehen, eigene Kompositionen dadurch einzuführen, daß man sie mit einem bekannten 5tomponisten ähn- liehen Verfassernamen versieht, eiferte der Atusiklehrer und Komponist Hoyer in einem Artikel der„Staatsb.-Ztg.", deren Musikkritiker" er ist. Er stellte ein solches Vorgehen auf dieselbe Stufe, wie die Lebensnnttelvcrfälschung und lritisirte diese Ge schästspraxis der Firma Rühle und Hunger sehr abfällig. Herr Hunger stellte daraufhin den Strasantrag, das Schöffengericht erkannte aber auf Freisprechung; indem es dem Angeklagten den Schutz des§ 193 zubilligte. Die Sachverständigen hatten bei dieser Gelegenheit ausgesagt, daß zur Zeit, als die erste» Kompositionen von Richard Förster erschiene», Rud. Förster schon sehr bekannt und beliebt war, daß Herr Rühle diesen Komponisten- Namen zweifellos nur angenommen habe, um besseren Absatz zu erzielen und daß ein solches Vorgehen nicht sehr angemessen er- scheine.— Herr Hunger hat gegen daS freisprechende Erkenntniß die Berufung eingelegt, welche aber erfolglos war, weil in dem gestrigen zweiten Termin in der Berufungsinstanz festgestellt werden konnte, daß der Strafantrag überhaupt zu spät gestellt worden war. Eine eigrnariige Anklage woge» Urkunden fälschnug wurde gestern vor der III. Ferien-Strafkammer des Landgerichts 1 gegen die Ehefrau Bertha W. verhandelt. Ihr gleichfalls auf der'Anklagebank befindlicher Vetter, der Handlungs- gehilse'Waldemar F., sollte sie zu der Strasthat angestiftet haben. Die Mütter der beiden'Angeklagten sind Schwestern. Dieselben machten nebst einer dritten Person im vorigen Jahre eine Erb- schast. Die Erblasserin hatte in einer kleinen Stadt im Posenschen gewohnt. Bis zur Vertheilung der Masse wurde ein Nachlaß- kurator in der Person des dortigen Bürgermeisters gestellt. Im Juli d. I. vereinbarten sich die Erden, um Aushebung des Kuratels und um Vertheilung der Masse nachzusuchen. Es wurde ein Schriftstück in diesem Sinne ausgesetzt und von zwei der Erbinnen, die in Charlottenbnrg wohnten, unterschrieben. Die dritte Erbin, die Matter der Angeklagten W. wohnte in Berlin, und es begab der Slngeklagte F. sich mit dem Schriftstück nach ihrer Wohnung, um die Unter- schrift zu erhalten. Er traf nun seine Kousine an, deren llAuttcr nach der erwähnten Stadt im Posenschen gereist war. Nachdem F. ihr auseinandergesetzt hatte, um was es sich handele, überredete er sie, den Namen ihrer Mutter unter das Schrift- stück zn setzen. Hierin erblickte die Anklagebehörde eine Urkunden- sälschung, beziehungsweise Anstiftung dazu. Die Beschuldigten gaben die Thatsachen unumwunden zu, versicherte» aber glaub- würdig, daß sie keine Ahnung von der Strafbarkeit ihrer Handlungsweise haben konnten, zumal sie annehmen mußten, daß das Schriftstück, welches noch an demselben Tage nach dem Posenschen geschickt werden sollte, der dritten dort gerade weilenden Erbin zur nachträglichen Genehmigung der für sie vollzogenen Unter- schrift vorgelegt werden würde. Der Staatsanwalt hielt eine Urkundenfälschung zwar für objektiv erwiesen, beantragte aber doch die Freisprechung der Angeklagten, weil ihnen die Rechts- Widrigkeit ihrer Handlungsweise nicht bewußt gewesen sei. Der Gerichtshof erkannte nach dem Antrage. Lehrzeit verdienten Löhne 22 und 30 M.,(?) durchschnittlich 21� in der Woche betrugen.- Dieser Bericht zeigt so recht 7»'� welche Stellung die Fabrikinspektoren den Arbeitern gegen» nehmen und daß ihre Behauptungen sehr einseitig zu Gunsten � brckantenthums ausgestellt werden. Thatsache ist, daß d«" z arbeitet nicht erst nöthig hatten, die Sympathieen des � wachzurufen, sie hatten dieselben in vollem Maße schon,»> A, Streik ausbrach und hätte der Fabrikinspektor sich überzeugen können. Ferner beträgt der Lohn der Tag (ungeübte gelegentliche Hilfsarbeiter nennt sie der Herr v jj, inspektor) nicht 2-3 M. täglich, sondern in, Sommer 2,- � bei llstündiger, im Winter 1,80 M. bei 9stündlger Arb � Der Lohn der Darm, arbeitet betrug im Durchschnitt»«»i � Lohnbuche eines Arbeiters von Januar bis zum Ausvr, l Streiks pro Woche 21% M., und nicht, wie der Herr L inspektor anführt, 24—25 M. Außerdem kann ich den, P ,., ..............'%%%% Fabrikinspektor noch mittheilen, keine Rede sein kann, denn da die Arbeiter."77. weise in Akkord arbeiten, so können sie Lehrlinge dabei» a> g., brauchen und verdient der neu eingestellte Arbeiter ebenso,» der alte, weil er auch die gleiche Arbeit leisten muß. des Fabrikinspektors erwähnt mit keinen» Worte die% leistung der Darrenarbeiter, er sieht ja auch nicht ein,«, Leute den Tag über 2 bis 3 Mal durchschwitzen, und L Abends„ach Hause gehen, thatsächlich �aussehen, als we»a aus dem Wasser gekommen wären und Krankheiten, sächlich Rheumatismus, an der Tagesordnung sind. Er» L, serner nicht, daß die Fabrik bei einigermaßen guten, Wille»'( Schaden zn erleiden, hätte die Löhne etwas erhöhen könne»,« diese bezahlte im Betriebsjahre 1888 eine Dividende von 2 � und im Jahre 1889, also wo der Streik stattfand, eine sol« 20 pCt., trotzdem die Heranziehung der fremden Arbeitskral � Polen. Dänemark und Schweden und die dadurch noty>S ß., denden Bauten doch riesige'Summen verschlungen haben. � kann hier also sehen, daß die Berichte nur„ach den Anga» � Unternehmer aufgestellt werden, und doch verlangt man so Arbeitern, daß dieselben Zutrauen zu den Fabrilinspektoren v sollen!? Soziale Achtung, Silzschuharkuiiev Berlins und cneiil yinf Bekcbluü der öffentlichen Versammlung.� Kollegen! 13. d. Mts Auf wird Beschluß der öffentlichen Versammlung.z _ j die Sperre in der Fabrik von Max V jji Rheinsbergerstraße 15, bis auf weiteres ausrecht erhalten. Kollegen werden ersucht, den Zuzug nach dort strengstens 1%,- halten. Kollegen! Zur Beleuchtung der Verhältnisse � iabrik diene folgendes: 2lls die Arbeiter bei der glu? � Sonnenhitze sich während der Arbeitszeit Bier holen kleßew�l ihren Durst zu stillen, wurde ihnen dieses verboten, v j ließen sie sich Bier zum Fenster hinein reichen. Auch dieses t- ihnen mit den Worten:„Wenn das nicht aufhört, werde% Fenster vergittern", verboten. Also zu einem Gcfängmß l Werkstatt, wo freie Arbeiter bei ungesunder Arbeit und fastgy Verdienst ihr Tagewerk verrichten müssen, gemacht werden.«U das Fenster des Raumes, in welchem die Stanzmaschin« � hat der Herr Fabrikant vernagelt, und so den, Arbeiter die W.. schon in einen, Kellerraun, e geringe frische Luft vollsta»»» raubt, bis der Arbeiter energisch das Oeffnen des Fensff',.� langte. Ueberhaupt soll der Keller, welcher als Arbei»-� benutzt wird, durchaus nicht den Polizeivorschristcn cntsp so daß es angezeigt erscheint, die Sanitätspolizei daram merksam zu machen ukid eine Untersuchung zu veranlassen- x 'Auch hat sich Herr Hcrms geäußert: Er wolle seine zetzig.f bciter, Streikbrecher, welche dort erst angelernt werden soll-»,(r; dem sich dieselben eingearbeitet haben(2—3 Wochen) igil lasicn und neue zu». Anlernen annehmen, um aus diese � Filzschuharbeiter in die Welt zu setzen und einen et> Generalstreik auf diese Weise illusorisch zu machen. Ko» Ein derartiges Vorgehen muß uns nothwendigerweise daz» ßi anlassen, uns fester und immer fester zusamincnzuschließen.� muß uns zum gemeinsamen Handeln anspornen. Wir solchem Vorgehe» thatkrästig entgegentreten. Kollegen! dae.f, aber nur geschehen, wenn Alle, Mann für Mann, dem beitreten, wo wir uns Aufklärung und Wissen verschaffen l" Ivo alle Mißstände in unserem Gewerbe vorgebracht um» strengen Kritik unterworfen werden können. Darum, kommt Alle am 29. September zur Versammlunz bei 'Münzstraße 11, und tretet de», Verein der Filzschuharbeile' Berufsgenossen Berlins und Uingegend bei. Mit kollegialischem Gruß, Paul Opitz, Gitschinerstraße 6»- Devsnttttttlungett. Eine zahlreich besuchte Sezirkouersammlnng � Freie» Uerrinigung der Maurer Berlins n«d UuiaHo/ tagte an, Sonntag, den 14. d. M. Vormittags in Keller's � Vergstr. 68. Der erste Punkt der Tagesordnung lautete:* j K r a ch im Baugewerbe und die Nothlage.j- Berliner Maurer", zu welchen, als erster Redner A Krieg das LLort nahm, die herrschende'Arbeitslosigkeit sch"° j( welche schon soweit gediehen sei, daß selbst auf Bauten- denen 50 Pf. Stundenlohn gezahlt werde», keine Arbeit zu cry � sei, und die Ursachen hierfür näher untersuchend. Wer% Arbeit habe, der wisse am Wochenschlusse nicht, ob er auch ,, st verdienten Lohn erhalte. Was liege an dem Schwindel!% welches heute im Baugewerbe so üppig wuchere, bei welches>. „Unternehmer" und deren Hintermänner ihre Taschen Arbeiter hingegen leer ausgehen. Gegen die herrschenden Zm st im Baugewerbe energisch Front zu machen, hielt Redner � unabweisbare Pflicht der Arbeiter. Herr Scheel mm J Meinung, daß der Gipfel des SlrbeiterclendS in, Baugewerbe nicht erreicht sei, daß es vielmehr noch schlechter werden'st! Dennoch zweifelte Redner nicht, daß die Zeit der Abrea) � kommen werde. Junge bartlose'Arbeiter würden eingestc»'}i deren Arbeitskraft auszunutzen, während die Familienvale � der Straße liege». Mit Recht warf Redner die Frage am'' solle es werden? Der Winter stehe vor der Thür, ZuchwV Gefängnisse, Arbeitshäuser und Arbeiterkolonien seien bereit» füllt und doch drängen die heutigen Verhältnisse die arben' Arbeiter immer mehr in diese„Ferienkolonien!" Auch er H'�'W energischen Protest gegen die �herrschenden Verhältnisse am+ J Herr Weiße übte eine scharfe Kritik an der Stadtverwaltung- 1 "en Ps�icht bezeichnend, für die Arbeiter, die Steuerzahler, Maß- lahnien zu treffen, ,vie es z.B. in Paris der Fall sei, in erster Linie aber «v Sndnüssionsinesen zu beseitigen. Auch die Polierfrage zog Weener in den Bereich seiner Betrachtungen und betonte die Auch die Polierfrage zog m wv,h|-otiiachtungen und betonte die �Ih'vendigleit einer starken Organisation in geiverkschastlicher -! �olltischer Beziehung. Auch Herr Schigelski ermahnte nach «ner Erörterung der allgemeinen Verhältnisse die Kollegen d der freien Vereinigung sich anzuschließeu, denn nur da- Mch sei die Möglichkeit gegeben, eine Besserung der Lage der aiiaurer zu veranlasse». Ter Vorsitzende, Herr Wernau, verbreitete Iicy in längeren Ausführungen über die allgemeine Lage, vor Augen führend, daß die Waare Arbeitskraft heute der willenlose * i r kes Niiternehmerthums sei und daß nian thatsächlich noch schlimmeren Zeiten entgegen gehe, sosern nicht Aufklärung unter die indifferenten Massen komme und sich immer mehr Mipser um die Fahne der Arbeiterorganisation schaaren. Am «chsiiffe seiner Ausführungen beantragte Redner eine Resolution, welche zur einstimmigen Annahme gelangte. Dieselbe lautet: ««»e heutige Versammlung erklärt: Gegenüber den im Bau- Istwerbe immer mehr um sich greifenden schmindelhaften Bau- �uternehmungen, welche zivar imnier noch den Banken und «ltien-Gesellschaften hinreichende Dividenden und Tantiemen einbringen, die Arbeiter aber zu Roth und Entbehrung zwingen, schließt die heutige Versammlung, den Magistrat und die Stadtverordneten- Versammlung aufzusordcr», die Vorschläge, welche s. Z. von der Freien Vereinigung der Maurer Berlins und Umgebung in einer Petition in Vorschlag gebracht worden Und, einzuführen, damit das grenzenlose Elend der Maurer aus «er Welt geschafft werde." Zur einstiinmigen Annahme gelangte sttnet folgende Resolution:„Die heutige Mitgliederversammlung der Freien Vereinigung der Maurer Berlins und Umgegend er- «art: Ter heutige Arbeitsmnngel ini Baugewerbe ist nur ein kunstlicher, hervorgebracht durch daS Manchestersystem des Großkapitals und den Grundstüclwuchcr. Die Aersammlung verspricht, kusgesammt dahin zu wirken, daß jeder Maurer Berlins und Um- (stnend der Freien Vereinigung beitrete." Unter„Verschiedenes" nahm Herr Hutinachcr Starke das Wort zu einer eingehenden Darstellung der Hutinacher-Beivegung und um einen dringenden Appell an die Anivesenden zu richten, nur Hüte mit Arbeiter- «kontrolmarken zu kaufen. Derartige Beschlüsse sind von den Aiaurern schon wiederholt gefaßt worden. Gegen den mit den nontrolmarken vielfach getriebenen Schwindel wird seitens der Hutniacher-Kontrolkomniission Vorsorge getroffen werden. � Der Lachvrrein der Tischler für Weißensee hielt am Montag bei Kleds, Rvhlkeslr. 17, eine Mitgliederversammlung mit folgender Tagesordnung ab: Vortrag des Kollegen ikoblenzer über die Einwirkung der Maschinen auf unser Eriverbsvcrhältniß. Diskussion. Wcrkstattangelegenhciten und Verschiedenes. Der Referent besprach in seinen Ausführungen die Entstehung des Handwerks, der Innungen und zeigte, wie sich durch die Ent- Wickelung der Maschinentechnik die Klassengegensätze so verschärft haben, daß wir eS jetzt thatsächlich nur noch mit dem Groß- kapital auf einer Seite und dem Proletariat auf der andern «eite zu thun haben. Er führte ferner an, daß das Leben der Jnnungs- resp. Ltleinmeister nur noch ein vegetircn ist und trotz aller angewandten Palliativmittelche» nicht inehr in Fluß ZU bringen ist. Die Menschen haben alle gleiches Recht an den Freuden des Lebens und die Arbeiter haben die Pflicht, durch oine stramme Organisation dahin zu wirken, daß die Zeit immer "öher rückt, in der ihnen dieses Recht zu Theil wird. Zur Diskussion halte sich Niemand gemeldet. Nachdem noch das Verhallen der Kollegen in mehreren Werkstätten kritisirt worden, den Kollegen das Verderbliche der Ueberarbeit vor Augen geführt, zum Lesen der Arbeiterpresse aufgefordert, und den Kollegen noch- Wals der Beitritt zur Organisation an's Herz gelegt worden war, schloß der Vorsitzende die Versammlung. Drr Fachvrrrin der Ulrtallschlcifev hielt ainJ8. d. M. eine Versammlung im Lokale des Herrn Rcyer, Alte Jakobstr. 83, wit folgender Tagesordnung ab: 1. Vortrag deS Herrn W. Werner. 2. Diskussion. 3. Aufnahme neuer Mitglieder. 4. Ersatzwahl des Vorstandes sowie Wahl von drei Revisoren. 6. Verschiedenes. Herr Werner am Erscheinen verhindert war, hielt Kollege �hivarz einen beifällig alifgenonlinenen Vortrag. Zum 4. Punkt bemerkte der Vorsitzende, daß sich Kollegen haben in den Vorstand wählen lassen, welche das Vertrauen ihrer Kollegen nicht ver- dienen. Co sah sich der Vorstand veranlaßt, den ersten Schrift- fährer, Häuser, aus dem Vorstand auszuschließen; ferner haben "och-,vei' Vorstandsmitglieder ihr Amt niedergelegt. Es wurden an deren Stelle gewählt, als zweiter Vorsitzender College Beuthinann, als erster Schriftführer Kollege Kurtz, "ls zweiter Kassirer für den Norde» Kollege A. Janke, sowie iu Revisoren die Kollegen Franz, Jarschel und Jungmann. Zu Punkt 5 der Tagesordnung verlas der Kassirer die vorläusige klbrechnuna vom 1. Mai und zwar sind eingekoinmen 734,04 M., "erailkgabt sind 737,28 M., mithin ist ein Defizit von 3.24 M. sfckstanden. Es stehen jedoch noch Listen aus, und ersuchte der Kassirer die Kollegen, solche so schnell wie möglich abzuliesern, damit eine genaue Abrechnung erfolgen könne; der Redner wies "och auf die im Umlauf befindlichen Gerüchte hin, wonach Un- fegelmüßigkeiten vorgekommen sein sollten, und ersuchte die Kol- legen sich darüber zu äußern. Ferner machte derselbe noch darauf aufmerksam, daß der Schleifer Hugo Grabow den betrag einer Lifte(8,25 M.) in seinem Interesse verwandt hat.; Segen denselben werden andere Schritte eingeleitet werden. �ie weisten Redner sprachen sich dahin auS. daß die Geruchte m betreff der Unregelmäßigkeiten von Personen ausgehen, welche wohl kommen, wenn sie Geld gebrauchen, sich sonst aber uni Mts kümniern. Ferner wurde»och das Verhalten verschiedener . Schleifer von Ludwig Löwe u. Ko. einer sehr abfälligen Kritik "."terzogen. Die ersten Streikbrecher haben ihrem Meister(Wöhlert) du>e Kaiserbüste geschenkt. Ein Kollege, welcher sich weigert», *lwas zu dem Geschenk zu geben, sah. sich insolge der verschieden- "etigste» Machinationen genöthigt, einige.tage spater bei Lowe "UszuhLreu. sawnlun" Maenbe�TngcsordmmgT 7l? Vortrag des Herrn Dr. Lütgenan !°lgendcs aus: Das echte Drama wurzelt m der Zeit. Die mm poftweite» mögen die Arbeiter soziale Wenn .>.) die„Freie Volksbühne" unter tlfÄ ST-IÄÄ K diesem Falle Neid und Jntrigue aufkommen würden. Hierauf wurde folgende Resolulion vom Vorsitzenden eingebracht und angenommen:„Die Versammlnng der Freien Vereinigung der Bandagisten erklärt sich mit den Ausführungen des Referenten einverstanden und verspricht, dem modernen Drama zum Siege zu verhelfen und dieses durch zahlreichen Beitritt zur„Freien Volksbühne" zu bekunden." Hierauf theilte die Lohnkommission mit, daß in der nächsten Versammlung die Fragebogen betreffs der Lohnstatistik ausgegeben werden. Räch Erledigung innerer Vereins- und Gewerksangelegenheiten schloß die Versammlung. Die„Freie Nrreinignng der Kanflrute" hielt am Donnerstag, den 4. September, eine Mitgliederversammlung im Zemter'schen Lokale, Münzstraße ab, in welcher Herr Stadt- verordneter Vogthcrr den bereits in der Versammlung am 7. August er. begonnenen und durch die polizeilich erfolgte Auf- lösung unterbrochenen Vortrag über den„Bellamy'schen Rück- blick" fortsetzte. Die Ausführungen gestalteten sich wiederum zu äußerst interessanten, da in der Diskussion mehrere Gegner das Wort ergriffen. Unter„Verschiedenes" wurde eine von Herrn Laasch eingebrachte und von Herrn Hinze begründete Resolution, dahingehend, daß die Mitglieder der„F. V. d. K." nicht mehr auf den„Berliner Lokal-Anzeiger" abonniren und denselben nicht durch Annonzen unterstützen, einstimmig angenommen. "zerr Herzberg verliest eine die Bourgeoisblätter durchlaufende totiz ans einem Artikel des Leipziger„Wähler", welche eine Handlungsgehilfenversammlung, in welcher Herr Albert Auerbach sprach, betras. Der Vorsitzende verspricht, sich den vollständigen Artikel zu verschaffen, da man sich über die soeben verlesenen aus dem Zusammenhang herausgerissenen Sätze kein Urtheil bilden könne. Herr Olschessky begrüßt die in Leipzig neugegründete Freie Vereinigung der Kaufleute und beauftragt den Vorstand, ein Be- grüßungsschreiben an dieselbe zu senden, ivas der Vorsitzende zedoch unter Himveis aus§ 8 des Vereinsgcsetzes ablehnt; er wünscht jedoch der»eugegründcten Vereinigung ein kräftiges Ge- deihe». Nachdem der Vorsitzende zum zahlreichen Beitritt in die „Freie Volksbühne" aufforderte, schloß er die Versammlung mit einem dreifachen Hoch auf die moderne Arbeiterbewegung. Cine Grnernlvrrs'ttmmlnng hatte die Freie Ver- e i n i g u n g der Maurer Berlins und Umgegend für den 11. d. M. nach Orschel's Salon, Sebastianstraße 3ö, ein- berufen, deren erster Punkt der Tagesordnung lautete: Bericht der 3t e v i s o r e n. Denselben erstatteten die Herren Metzle, E n g e l m a n n und S i l b e r s ch m i d t. Die vorgenommene Kasscnrevision hatte folgendes Ergebniß: Einnahme 591.82 Mark, Ausgabe: 333,84 Mark, Bestand: 207,98 Mark. Einwendungen hiergegen wurden nicht erhoben. Nachdem trat die General- versammlinig in die Behandlung des zivciten Punktes der Tages- ordnung ein, ivelcher lautete:„Beschlußfassung über die vom Vorsitzenden eingebrachte Itesolntion und Berathung der vom Vor stände eingebrachten Anträge betreffs Modifikation des Agitations- reglements." Bezüglich der Resolution(Entwurf zu einer neuen Organisation) bemerkte der Vorsitzende, Herr Wernau, daß, nachdem die letzte öffentliche Generalversammlung der Resolutio» zugestimmt habe, auch der Vorstand sich mit dieser Frage beschäftigt habe und nach eingehendster Berathung vor- heriger Meinungsverschiedenheit eine seltene Uebcerinstimmung über dieselbe erzielt worden sei. Bezüglich des Tlgitationsreglcments nnterbreite der Vorstand der Generalversammlung eine Reihe von Modifikationen. Ueber die Resolution wie auch über die weiteren Vorschläge trat sodann die Generalversammlung in eine rege Be- rathung ein. Die bereits zivei Mal veröffentlichte Resolution wurde schließlich gegen drei Stimmen angenommen; einstimmig dagegen nachstehendes Agitatioiis-Regleiilent: Agitations-Reglement für die Mitglieder der Freien Vereinigung der Maurer Berlins und Umgegend. Einleitung. Um eine geregelte Agitation der Vereinsmitgliedcr unter den Fachgenossen zur Erringung besserer Lohn- und Arbcitsbedin- gungen vornehmen zu können, sind nachstehende Bestimmungen von der am Donnerstag, den 11. September 1890 stattgefundenen General-Mitgliedcr-Versammlung erlassen Morden. In Anbetracht dessen, daß der Erfolg unserer Gewerkschafts- bewegung nur durch die Macht des Zufaminenhanges und der Einigkeit gefördert werden kann, während andererseits die Nutzbarkeit der Vereinigung wesentlich davon abhängt, daß derselben eine möglichst große Zahl der Gewerks- genossen angehört, ist es Pflicht eines jeden Mitgliedes, seine äußerste Anstrengung darauf zu richten, sämmtliche Kollegen für den Verein zu geivinnen. Dieses geschieht a»l besten dadurch, daß man in sachlicher und ruhiger Weise den noch fernstehenden Kollegen die Vortheile des Vereins klar zu machen sucht, sowie in anderweitigen Angelegenheiten stets mit guten Beispielen vorangeht und weniger begabte Kollegen mit Rath und That unterstützt. U. Tie ersten Bedingungen eines Erfolges sind eine gute Reorganisation, daS heißt: Neueinrichtung, Umgestaltnng und Beseitigung der herrschenden Ucbclstände auf den Bauten selbst, als da sind: Sonntags-, Uebcrstnnden- und Akkordarbeit, soivie das wucherische Markensysteiii, freiwilliges Unter- ordnen jedes Einzelnen unter die selbst beschlossenen Anordnungen, eifrige gewissenhafte Ausführung der für nothwen- big erachteten Maßregeln. � Die Mitglieder sollen, soweit ihr Einfluß reicht, nicht allein dahin streben, den festgesetzten und zeitcntsprechenden Minimal- lohn, soivie die Normalarbeitszeit zu halten, sondern auch in Bezug auf andere für unsere Gewerkschaft nützliche Angelegen- heiten fördernd einzuwirken. Jnsbesonoere sollen die Gewerks- genossen herangezogen werden, freiwillige Sammlungen zu leisten, welche je nach der Jahreszeit und Arbeitsgelegenheit wöchentlich 25 resp. 50 Pf. betragen sollen, um uns die Mittel zu schaffen, überall da helfend einzugreifen, wo unsre Arbeitsgenoffen um bessere Lohn- und Llrbcitsbedingungen sich im Kampfe befinden. Zur Bequemlichkeit der Kollegen werden außer den Hilfskassirer» des Vereins in jedem Stadttheil Kollegen gewählt, welche die freiwillig gesammelten Gelder ni Empfang nehmen. In den Versammlungen des Vereins werden Vorträge ge- halten, welche den Mitgliedern in materieller, geistiger und silt- licher Beziehung Aufklärung verschaffen sollen, lli» aber nicht stets sehwach besuchte VersaiiunlUnaen zu haben, ist es Pflicht eines jeden Mitgliedes, seine Bezirks- sowie die allmoiiatliche» Generalvcrsainililnngen zu besuchen. Die Kontrole über das Be- suchen der Versammlungen soll den Mitgliedern auf den Bauten selbst überlassen bleiben. � Auf jedem Bau haben die Mitglieder die Befugniß, einen ihrer Kollegen zuin Berichterstatter für den Vorstand zu ernennen und ist derselbe für einen wahrheitsgetreuen Bericht vcrant- wortlich. So oft es zeitgemäß erscheint, soll einen solchen der Bericht- erstatter an den Vorstand gelangen lassen und soll ihn dieser in jeder nur möglichen Weise linterstützen. Alle Streitigkeiten auf den Bauplätzen lasse man im Interesse deS Vereins zur vorläufigen Entscheidung an den Ausschuß ge- langen.(§ 8 des Statutsü � Strikte Jnnehaltung dieses Reglements ist unbedingte Pflicht eines jeden Mitgliedes. Grobe Verstöße gegen dasselbe find dem Vorstande zur Kenntniß zu bringen. Alles, was in diesem Reglement nicht vorgesehen, wird durch besondere Beschlüsse in den Generalversammlungen ergänzt. Dieses Agitationsreglenient durch ein besonderes Flugblatt mit einer ausklärenden Begründung unter der Kollegenschaft Ver- breitung zu verschaffen, wurde fernerhin von der Generalver- sammlung beschlossen und wählte diese nach den Bestimmungen des Reglements sofort als Beitragssammler folgende Herren: ~ür den Osten: Hupke, Gr. Frankfnrterstr. 83, Hof 2 Tr. ür den Norden: Da ms, Treskowstr. 15, v. 3 Tr. ür den Süden: Käppel, Arndtstr. 19, 2 Tr. ür den Westen: Kurz, Culmstr. 25. ür das Zentrum: K i e n a st, Jüdenstr. 33. Nachdem erstattete Herr Karl Wagner den Bericht über die Abrechnung von dem am 16. August dö. IS. im Saale der „Berliner Bockbrauerei" stattgehabten Vereinsvergnügen. Es er- gab sich eine Total- Einnahme von 333 M. 50 Pf., eine Total- Ausgabe von 297 M. 60 Pf,, mithin einen Ueberschuß von 40 M. 90 Pf., von dem indessen noch der Betrag für ein Inserat im „Vereinsblatt" in Abzug kommt. Zur Abhaltung des Stiftungs- festes wählte die Generalversammlung wieder das Lokal der Ber- liner Bockbrauerei. Nach Erledigung der Punkte„Verschiedenes" und„Fragekasten" wurde sodann die Generalversammlung ge- schlössen. Eine öffentliche Uerfammlnng der Stocharbeiter Berlins tagte unter Leitung der Herren Strohmeier, Pausen- berger und Hossmann am Dienstag, den 9. September, in Deig- müller's Saal, mit der Tagesordnung: 1. Die neunstündige Arbeitszeit und was haben wir zu thun, um die Errungenschaften vom Frühjahr festzuhalten. Referent: Herr Znbeil. 2. Tis- kussion. 3. Ergänzungswahl der Konnnission. 4. Verschiedenes. Da der Sieferent nicht erschienen ivar, erhielt Kollege Hildebrandt zum ersten Punkt das Wort. Redner er- läuterte in längeren Ausführungen die Vortheile der kürzeren Arbeitszeit, und gedenkt der Gebauer'schen Werkstatt, wo die lOständige Arbeitszeit wieder Platz gegriffen hatte, die aber durch Eingreifen der Kommission wieder aus 9 Stunden herab- gesetzt ivurde. Uebergehend zur Eckertsdors'schen Werkstatt kritisirt Redner das Verhalten des Unternehmers in scharfen Worte», welcher schon wieder einen Abzug von 10 pCt. hat eintreten lassen. Ein Kollege, der nicht Verräther an seinen Mit- arbeitern werden wollte, ivurde seitens des Unternehmers gemaßrcgelt. Auf die Einladung der Kommission, daß die Unternehmer in der Versammlung erscheinen sollten, ivurde von Herrn Eckertsdorf erwidert, daß er nicht gewillt wäre, sich jedes Mal auf die Armen-Sünderbank zusetzen, welches vom Redner so aufgefaßt ivurde, daß der Herr sich wohl bewußt sei, an seinen Arbeitern gesündigt zu haben. In der Werkstatt von Rennert wurde ebenfalls die neunstündige Arbeits- zeit überschritten von den Polierer», bei welchen auch der Preis- ausfschlag von» Streik ivieder abgezogen ist. im übrigen sollten die Unternehmer nicht übermüthig werden, denn die Berliner Streik- Kontrolkominissio»»nd mit ihr die Berliner Arbeiter stände» hinter uns. I» der Diskussion wurde vom Kollegen Binder angeführt, daß in der Werkstatt von Grunewald in Betreff des Auszahlens eigenartige Zustände herrschen, wer bis Freitag Abend seine Arbeit nicht fertig hat, bekommt Sonnabend kein Geld und muß warten bis nach 8 Tagen. Jnzivischen war folgende Resolution eingelaufen und einstimmig angenommen: Die heutige Stockarbeiter- Versammlung erklärt, sich vollkommen auf den Boden der Ab- machungen vom Frühjahr d. I. zu stellen, und beauftragt die 5(o»iniissio>i, energisch allen Abzügen und Versuchen einer Ver- längerung der Arbeitszeit überall entgegenzutreten, und wo be- reits Abzüge gemacht sind, das alte Verhältniß wieder herzu- stellen. Punkt 3 wurde bis zur nächsten Versammlung vertagt. Unter Verschiedenes ivurde vom Kollegen Meißner augeführt, daß Herr Eckerlsdorf an seineArbeiter das Ansinnen gestellt hatte, am 2. Septbr. zu feiern, welches vom 5kollegen Hoffmann dahin erörtert wurde, daß der 2. September kein Tag der Freude sei für die Arbeiter, andern ein Tag der Trauer, wo so viele Brüder ihr Leben haben lassen müssen. Das„internationale" private Drechsler- Vergnügen, welches ein gewisser Osang am 13. d. M. bei Möwe, Fichtestraße 29, veranstaltet, wurde noch einer Kritik unterzogen und aufmerksam gemacht, daß kein Arbeiter solche Vergnügen besuchen soll. Eöpfer-Uersammlnna. Am Dienstag, den 9. September, fand in May's Festsälen eine öffentliche Töpfer-Versammlung mit folgender Tagesordnung statt: 1. Wie kommen wir den Be- schlüffen des 6. deutschen Töpfer-Kongresses nach? 2. Gewerk- schaftliches(Fenstersrage). Das Bureau bildeten die Kollegen Hoffmann, Münzagost und Pierow. Referent Kollege Thieme führte folgendes dazu aus: Die Berliner Töpfer haben aus dem Bericht der Delegirten gesehen, wie der Ofenfabrikanten-Verein einwirkend auf»insere Rechte(Organisationen) in den ver- schiedenen Städten Deutschlands geipesen, sämmtliche Delegirte verichteten darüber. Es ivar nichts Erfreuliches daraus zu ersehen, und wo eine starke Organisation war, gegen welche die Kapitalmacht nicht ankämpfen könnt e, gab es Noth- und Wuthgeschrei, der Verein hat nur den Ge- danken, der Arbeiter ist ein willenloses Werkzeug, jede Forderung der Arbeiter wird als frivol bezeichnet, überall, wo sich die Töpfer rührten, übte der Meisterverband einen Druck auS, namentlich, wenn die Organisationen sich als schwach bewiesen. Das Organ der Meister, die„Deutsche Töpserzeitnng", bringt ganz elenden Abklatsch aus tausend anderen Blättern, malt alles in rosigem Licht aus zum Gandium der Jnnungsbrüder. Eine Ge- sellenordnung z. B. aus dem 18. Jahrhundert schließt mit folgen- dem:„Möge es wieder so iverden." Der Preßkosak scheint wohl geschlasen zu haben, er kennt ,vohl nicht die jetzige Produktionsweise und wirthschastliche Lage. Heute wissen die Arbeiter besser, welche Wege sie zu gehen haben; der Herr hat kein Stecht, uns zu bekritteln, ivcnn wir bessere Lohn- und Arbeitsbedingungen verlange». Auch uns kann irnr eine starke, feste Organisation helfen. Auf dem Kongreß wurde einstimmig angenommen, die Agitation mehr zu entfalten. Von 3000 Töpfern gehören 700 dem Verein an. Redner ruft, wenn Ihr Euch nicht organisirt, seid Ihr ein willenloses Werkzeug, so lange die Mehrzahl wild umherläuft, können die Meister jede Repressalie ausübe». Es müssen alle persönlichen Reibereien fallen, haben Sie es denn vergessen, Ausgangs der siebziger Jahre, Ivo die Geselle» mit zerrissenen Hosen und Stiefeln auf den Bauten nach Arbeit suchten? Endlich müssen die Töpfer Berlins sich rühren, sonst bekommen wir wieder solche Zilstände. Herr Handtke tadelte, daß die Protokoll- bücher 20 Pf. kosten. Den Ausführungen schloffen sich einige Redner an. Herr Erbe hatte auf den, Kongreß nichts davon ge- hört, daß dieselben mit 20 Pf. verkaust worden sollen. Thieme meint, Herr Erbe hätte dann ivohl auf dem Kongreß geschlafen. Jakobey: Wenn die alten Töpsermeister aufständen, würden sie die Hände über de» Kopf zusauiinenschlagen, weil sie die Jrniuna zu einer seilen Dirne für das Kapital gemacht haben. Zum 2. Punkt: Fenstersrage, wurde ein Antrag angenommen: Ein Gesuch an die Meister zu richten, daß bis zuin 15. Oktober die Fenster verglast sind. Für die Wittive des verstorbenen Julius Bolle wurde eine sreiwillige Kollekte beivilligt. Ein Antrag die Saniiuelkarte sich gegenseitig zu zeige», wurde auch an- genommen. Der Keelwev Mir»tergeselle».Uerl.and hielt am Montag »n Fc.ndt's Salon, We.nstr. 11, eine Versammlung mit folgender ZWAWW #%### entgehen, daß diese Organisation dem Herrn Goldberg ein Dorn im Auge war, daß er auf Mittel sann, sich vom Drucke derselben zu befreien. Durch Ucberfüllnng des Lagers sah er sich in die Lage versetzt, den größten Theil seiner Arbeiter zu entlassen. Jetzt zeigte sich die wahre Maske. Als am vorigen Sonnabend zwei Arbeiterinnen im Auftrage ihrer Kolleginnen für einen Artikel, welcher seit Kurzem komplizirter gearbeitet wird, eine Mehrforderung stellten, wurden sie abgewiesen und der einen derselben, welche dem Vorstande des Fachvereins der Wirkerinnen angehört, gekündigt. Am folgenden Tage wurde die betreffende Arbeiterin schon entlassen, um viel- leicht uicht noch die Existenz der Fabrikzu untergraben. Zur weiteren Charakteristik der Arbeiterfreundlichkeit des genannten Herrn dient folgender Fall. Als einer der entlassenen Kollegen sich um eine neue Stellung bewarb, wurde dem neuen Chef auf eine An- frage bei der Firma Lande von Herrn Goldberg die Antwort zu Theil: der Betreffende sei ein unwilliger Arbeiter und— Sozial- deinolrat. Das ist alles lautre, reine Arbeitcrfreundlichkeit! Die ganze Handlungsweise bedeutet einen Angriff auf die Organi- sation, ein Versuch, sie z» zerstören, wie es heute das Bestreben des gesauunten Unternehmerthums ist. Es wurde beantragt, in den nächsten Tagen eine öffentliche Versammlung einzuberufen, in welcher die Angelegenheit der Firma Lande zu regeln ist. Im Punkt„Verschiedenes" wurde das Ver- fahren des Jnnungsmeisters Robert Schmidt einer scharfen Kritik unterzogen, welcher seine Lehrlinge in inhumaner Weise behandelt, indem er ihnen nicht die geringste freie Zeit gewährt. Ein Antrag, in diesem Jahre wie alljährlich das Stiftungsfest abzuhalten, wurde angenommen. Tie Kollegen Schräder, Zenner, Löbnitz, Roselt, Müller, Janz und Drobnitzky wurden als Ver- gniigungskomitec gewählt. Kollege Stieberitz wurde als zweiter Schriftführer gewählt. Ein zweiter Antrag, zwei Kollegen, welche sich durch den letzten Streik Anklagen zugezogen haben, Rechts- schütz zu gewähre», fand ebenfalls Annahme. Darauf erfolgte Schluß der Versammlung. Der Fachvrvein der Albumarbeiter hielt am Montag, den 8. September, eine außerordentliche Generalversammlung rn den Zentral-Festsälcn ab, die erfreulicher Weise gut besucht war. Zum Punkt l. der Tagesordnung:„Kann der Verein unter den bestehenden Verhältnissen weiter fortbestehen?" ergriff Herr Milenz das Wort.' Der Referent befürwortete, daß der Verein fortbestehen soll. Der Verein bezwecke die materielle, sowie geistige Hebung der Lage seiner Mitglieder; er gewähre freien Rechtsschutz, er wolle seine Mitglieder, wenn sie arbeitslos sind, unterstützen; es sei auch der Arbeitsnachweis zum Vor- thcile der Mitglieder vorhanden. Der freie Rechtsschutz sei bis jetzt von keinem Mitglied in Anspruch ge- uommcn worden, ebenso würde der Arbeitsnachweis sehr wenig benutzt. Redner betonte, daß der Verein 1% Jahre bestehe. Es würde vielfach behauptet, der Verein hätte bis jetzt keine Erfolge aufzuweisen. Viele der Arbeiter seien der Mei- nung, daß alles schon geregelt sei, wenn ein Verein zu Stande gekommen ist, daß schon nach 8 Tagen alles zu Gunsten der Arbeiter in schönster Ordnung ist. Daß der Berein bis jetzt keine Erfolge aufzuweisen hätte, liege nicht an dem Verein, sondern an den Aldumarbcitern selbst. Die Arbeiter brächten dem Vereine r<.....-• rn-.....-.... c„•---—-- ....--—— w«. uiuiitrii jjti icijvcii. Tr otz alle denr hätte das Bestehen des Vereins das Gute, daß sich der Arbeit- geber in gewissen Fällen z. B. vor Lohnabzügen scheut, weil er weiß, daß nicht der Einzelne vor ihn» steht, sondern der Verein. Man höre jetzt weniger wegen Lohnabzügen Klage fiihren, wie es sonst in jeden» Jahre üblich gewesen sei. Der Kastengeist herrsche noch zu sehr unter den Albumarbeitern, es würde noch zwischen gelernten und ungelernten Arbeitern eine Scheidegrenze gezogen. Redner beleuchtete diese»lud noch andere Uebelstände und forderte die Arnvcsenden auf, wenigstens dahin zu»virkcn, daß zu keiner Klage in dieser Richtung mehr Vera»»- laffung gegeben»vird. Auch müsse für den Verein kräftig agitirt »verde», es müsse nichts versärunt»verde»»,»vas dazu beitragen könnte, den Verein zu heben. An der Diskussion betheiligten sich die Herren Herzhoff, Röhlke, Eisenhauer und Freudenreich, zu deren Schltiß Herr Herzhoff folgende Resolution einbrachte: „In Erivägung, daß durch die Branchetheilring die Kräfte zersplittert»verden, sehe die heute tagende General- Versammlung der Albumarbciter Berlins die Nothivendig- keit vor Augen, daß aus eine Vereinigung säinmtlicher in der Papier-, Galanterie-, Kartonagen-,»vic auch der Leder- »vaarcnbranche beschäftigten Arbeiter»»nd Arbeiterinnen, als geboten, hingearbeitet»verden muß; sie hält es aber auch für nothivendig, daß bis zu einer erzielten Ver- einigung der Verein sortbestehen muß und auf keinen Fall aufgelöst»verde»» darf. Die Generalversammlung bcauf- tragt den Vorstand, die zur ersten Frage nöthigen Schritte zu rh»»ii." Dieselbe»vurde einstimmig angenomme», ebenso den Antrag des Herrn Freudenreich:„Der Vorstand ist ermächtigt, bis a»ls ....~ w«. V»|»vu i v V/ � Weiteres die Versammlungen nach Maßgabe der Verhältnisse, ml in» Monate, zu veranstalten, und zwar gleich- r\S nv» CTS«/* wenigstens eiuma....._w.....v j.uul giltig, ob öffentliche oder Vereinsversaunnlung. Die Zahlstellen sind des öfteren öffentlich bekannt zu geben. Unter„Ver- schiedcncn»" kritisirt Herr Milenz die verdannnensivcrthe Be- Handlung der Arbeiterinnen in der Stelter'schen Albumfabrik, Prinzessinnenstr. 26, seitens des Arbeitgebers. Alle Anwesenden »varen»»»»r der einzigen Meinung, daß kein Mittel unversucht gelassen»verden soll, die Organisation zu heben, ebenso den in- differcnten Arbeitern,»velche den Verein zu schädigen s»lchen, ent- gegen zu treten. Der deutsche Autij'einitenbund hielt an» 12. September eine Volksversammlung bei Hcnsel in der Brunncnstraße ab. Als Thema»var angesetzt:„Soziale Reforin oder soziale Revo- lution." Referenten: die Reichstags- Abgeordneten L. Werner- Kassel und Pickenbach-Berlin.„Nationalgesinnte" Männer waren als Gäste dazu besonders eingeladen. Man kann sich denken, daß die Sozialdemokraten bei den» angekündigten Theu»a besonders mitgenonimen»vurdcn. Was in dieser Versainmlung an gemeinen Schiinpfivorten, an unglaublichen Rohheiten gegen die Sozial- demokratie und die Juden geleistet worden ist, kann nicht in dem Maße wiedergegeben»verde»»,»vie sie gebraucht»vorden sind. Es erübrigt sich, den„»visscnschaftlichen Sozialisnius" der Werner und Pickenbach wiederzugeben, das wäre des Papiers nicht»verth. Nur einige Aphorismen und Zivischenruse seien hier»vieder- gegebe»; denn sie charalterisiren soivohl die Referenten, als die antisemitischen Zuhörer an» trefflichsten.—„Rothe Brüder von Rothschild's Gnaden",„von denen jeder Dutsche sich»nit Abscheu wenden muß."„Die Heiligkeit der Ehe»vollen sie zerstören." „Den angestaminten Fürsten brechen sie die Treue."„Sie ver folgen republikanische und phrasenhafte Ideen." Ten„Mittel stand»vollen sie ruiniren." Die„Familie vernichten."„Den De»ltschen die Fürstentreue railbc»." Alles, das»vollen sie, diese Sozialdemokraten. Auf einen Zivischenruf eines Sozialdemokraten replizirte Herr Reichtsags-Abgeordneter L. Werner-Kasscl:«Aus Ihnen spricht ja der Schnaps."—„Lassalle war," so ging es »veiter,„ein duininer Jude".„Singer ist ein Jude."„Der Jude drückt die Löhne".„Die Jtldeu haben ja die prächtigsten Paläste." „Die Jlldenjüuglinge von Rechtsanivälten." Ein Zivischei»ruf: „Die Juden können nicht arbeiten, sie haben zu große Platt- süße." Herr Werner»var des Lobes voll, wie schneidig in Rußland die Juden herailsgetriebei» würden»»nd sehnte diese Maßregel auch sehnlichst für Deutschland herbei. Pickenbach sagte:„Hetzen»vollen»vir Antisemiten nicht." Pickenbach hoffte, daß sich„das schluinmcrnde Gefühl der Arbeiterherzen»vieder endlich aus ihr Deutschthu»» besinnen werde." So die Reden, so die Z,v»sche»rufe, tief bedauerlich ist es, daß in einen» Kulturlande—»velches Deutschland doch sein will— eine solche Partei Anhänger,»venu auch nur»venige besitzt. Die Versammlung war sehr schlecht besucht, trotz Säulen- anschlages, trotz„Werner-Kassel und Pickenbach-Berlin." Die Heivrgnng»»uter den Kchliicht-rgrselleir. Der vor einiger Zeit gegründete Fachverein der Berliner Schlächtergesellen hat bereits eine sehr große Mitgliederzahl aufzuiveisen. Zum Sonntag Nachmittag war eine öffentliche Schlächtergesellen-Ver- sainmlung nach dein May'schen Saale, Beuthstr. 22, berufen und zu derselben auch die Meister eingeladen worden. Obwohl alle Tische und Stühle a»ls dem Saale entfernt»varei»,»var der große Saal Kopf an Kopf gefüllt; auch einige Meister hatten sich ein- gefunden. Auf der Tagesordnung stand:„Die Beseitigung der Mißstände in» Stellenvermittelunaswesen". Dieser Gegenstand beschäftigt schon lange die Fachvereinsversammlungen, da»n dieser Beziehung ganz besonders im Berliner Schlächtergeivcrbe arge Mißstände herrsche». Es soll vorkommen, dies»vurde selbst von den anivesenden Meistern zugegeben, daß Stellenverinittler sich 60 Mark für Berinittelung einer Stellung zahlen lassen. Der Miudestbetrag für Vermittelung einer Stellung betrage 3 Mark; wer aber blos diese Summe zahle, könne, wenn er»vieder in die Lage koinlne, die Hilfe des Stellenverniittlers in Anspruch zu nehmest, ein Vierteljahr und länger laufen, ehe es ihn» gelinge, »vieder eine Stellung zu erhalten. Ja ein Stelleuvermittler soll einem, anständigen jungen Mädchen, das eine Stellung als Ver- käuferin in einem Schlächterladen haben»vollte. Unanständig- keitei» zugemuthet und davon den Rachiveis einer Stellung ab- hängig gemacht haben.— In der Versammlung bemerkte der als Referent fungirende Stadtverordnete Zubeil: Die Regelung des Stellei»ver»i»ittelungsivesens sei eine der»vichtigsten Aufgaben, die die Arbeiterbeivegrnig zu lösen habe. We»»»» die Arbeiter das Stellenvermittelungslvesen in ihrer Hand habe»», dann»verde es ihnen auch gelinge»», bessere Arbeitsbedingungen durchzusetzen. Ganz besonders aber,»venn die Arbeiter genöthigt seiei», zu einer Arbeitseinstellung ihre Zuflucht zu nehmen, sei eine von den Ar- beitern geleitete Stellenvermittelung von unschätzbarem Werthe. Deshalb»verde sich der im November d. I. in Berlin tagende Gcmcrlschaftskongreß in hervorragender Weise mit der Stellen- vcrmittelllngsfrage beschäftigen. Es sei gerathen, daß sich vorläufig die Schlächtergesellen niit ihren Meistern betreffs der Regelung der Stellenvermittelung zu ver- ständigen suchen. Sollte ihnen dies aber uicht gelinge»», dam» müssen die Schlächtergesellen bemüht sein, vermittelst eigener Kraft die Stellenvermittelung in ihre Hände zu bekommen.(Leb- hafter Beifall.)— Schlächtermeister Tietke, Mitglied der Freien Vereinig»mg selbstständiger Fleischermeister, und Schlächtermeister Hientzsch, Vorstandsmitglied der Innung, geben die Mißstände, die hinsichtlich der Stellenvermittelung im Berliner Schlächter- ge»verbe herrschen, zu und erklärten sich mit der von den Gesellen angestrebten Regelung einverstanden. Schlächtermeister Hientzsch erklärte: die Jn»i»nig sei nicht abgeneigt, mit den Schlächter- geselle» über diesen Punkt und vielleicht auch betreffs Verkürzung der Arbeitszeit zu verhandeln, allein den Fachverein könne die Innung als eine richtige Gcsellenvertretung nicht anerkennen und mit diesem auch nicht verhandeln, da dieser Verein auf dem Boden der Sozialdemokratie stehe, also zu einer Partei gehöre, die den Patriotismus in unseren» Vaterlande untergrabe.(Stür- misches Oho! Großer Lärm.)— Schlächtcrgeselle Schivartze: Zunächst»volle er benierken, daß von» Fachverein eine uiient- geltliche Stellenvermittelung errichtet und er als Leiter derselben geivählt sei. Eine große Anzahl Meister bediene sich bereits dieser Stellenvermittelung. Der Fachverein als solcher habe keinerlei politische Parteifärbung. Politik und Iteligion seien saut Statut von den FachvereinSverhandlungen ausgeschlossen. Allein als persönlich rechne er es sich zur höchsten Ehre an. Sozial- demokrat zu sein, und er sei der Neberzeugung, daß die große Mehrzahl der Kollegen derselben Meinung sein»verde». Die Schlächtergesellen seien Arbeiter,»vie alle anderen, sie seien infolge unserer ökonomischen Verhältnisse in den meisten Fällen nicht mehr in der Lage, Meister zu»verden, deshalb können sie sich nicht der Stöcker'schcn Partei anschließen, die die Arbeiter trete, so>»dern müssen sich derjenigen Partei znivenden, die im Reichs- tage in mannhafter Weise für die Arbeiter eingetreten sei und in Plötzensee für sie gelitten habe.(Stürinischer Beifall.) In dieser Weise zog sich die Debatte bis zun» späten Abend hin. Die Vcrsamnilung endete niit der Annahme einer Resolution, in der die Versammelten erklärten, daß sie mit den A»lsfübrungen des Referenten Zubeil einverstanden seien und daß sie sich ver- pflichte»», den Fachverein hoch zu halten." Eine öffentliche Veesa>n>nluug sämmtlicher Metall- aebeiter fand am Mittivoch in Uebel's Salo»», Naunynstraße, unter Vorsitz des Herrn Fritz Günther statt. Zum ersten Punkt der Tagesordnung:„Welche Bedeutung haben die Branchen- Vereine gegenüber den Unternehmerkoalitionen V" führte der Referent Herr Gerisch aus, daß der Ausruf, den die Vertrauens- leute der Metallarbeiter Deutschlands zu einer Zusammenkunft sämintlicher Geiverkschaften erlassen habe»», ein deutliches Zeichen sei, daß»nan erkannt habe, daß die Form der heutigen Organi- sation nicht»nehr genüge. In der Versanunlung sümint- sicher Geiverkschaften sei auch eii»niüthig beschlossen »vorden, sich daran zu betheiligen. In den letzten Monaten haben wir hier in Berlin Dinge erlebt, die wohl jeden De>»kenden zu der Ueberzeugring bringen»verde»», daß es so»vie bisher nicht weiter gehen kann. Die Unternehmer haben einen Ausruf erlassen, ohne daß die Herren auch nur bedroht waren, in»velchem sie sagen, daß»»ur ei» eii»u»üthiges Handeln einem Jeden Vorthcil bringen kann. Die bisherigen Organi- Hartmann energisch zurückgewiesen wurden. die Herren Wegner, Selchoiv für Branchen-Vereine, die M», Trippelivitz, Litsin für allgeineine Vereine eingetreten sind, 8% nach einem kurzen Schlußwort des Referenten folgende Neso»"»� mit allen gegen 85 Stimmen zur Annahme:„Die h/ustv. 10. September in Uebel's Salon, tagende öffentliche Versanron 9 der Metallarbeiter erklärt, daß unter den heutigen, dusch: Gesetzgebung gegebenen Verhältnissen die lokale Zeutralisauen ziveckmäßigste Organisation ist; spricht sich ganz entschieden p eine»vettere Zersplitterung der Metallarbeiter-Orgamsationen»' und stellt daher säinmtlichen Kollegen anheim,»nit aller EnnS für den Allgemeinen Metallarbeiter-Verein zu agitiren. Nor einer von etwa 3000 Personen besuchte»% saminlnng des sozialdemokratischen Wahlvereins für den v»» Berliner Reichstags-Wahlkreis, die gestern(Montag) Abend „Böhmischen Brauhause"(Landsberger Allee) stattfand, sP. Abg. Singer, der bei seinem Erscheinen mit stürniischen I vi>' l y v/ UVl Vtl| VillVU» V4�V»*tV*»»»,», rufen begrüßt»vurde, über den Organisations-Entivurf.. etiva ziveistündiger Rede erörterte Singer die einze'""» Pum des Entwurfes. Der Entwurf— so etwa bemerkte — könnte ja in Halle noch geändert werden; derselbe 1*1 Fi>tvjr*2mo/"i2 hrtS PklllYlP flbßr iraeNvir. keinesivegs das'Werk plötzlicher J2a>»ne oder'rgeiw�� Herrschergelüste, sondern das gewesen. Jedenfalls haben die a»»sgearbeitet, nur das Interesse der Partei im Auge Er gebe sich der Hoffnung hin, daß auf dem Parteitag»n 9T die noch vorhandenen Gegensätze sich ausgleichen werden. � habe so viel Vertrauen zu der Stärke und inneren Festigkeit o nr»- 4... v. p.-- f---- �-*• P f...— � Parte», daß er sich sage": was auch geschehen möge, unser Welt, trotz alledem!(Stürmischer Beifall.) Von der üb« iLUl) uuwt-ui• vy vv v vi v»v*. y•xsv** �- V einer Resolution rieth Genosse Srnger ab, da der Beschluß den Entivurs den» Parteitag in Halle zu überlassen sei.< führlicher Bericht folgt morgen.) Hanvdicner, Kollegen! Wie Ihr ja alle wißt, werden bü Lebensbedingungen von Tag zu Tag schlechter, das Fleisch Euch vertheuert, das Getreide bedeutend versteuert, die W nungsmiethen sind nicht mehr zu erschivingen, und trotzdem man Euern so kärglichen, sauer verdienten Lohn noch zu schmale j Es wird sogar noch»veiter gegangen, die Kaufmannschaft/ »»ämlich einen eigenen Stellennachiveis errichte», um ihrerseits» Lohn und sonstige Arbeitsbedingungen regülirend einzuwirken. das werden»vir nur zu bald an uns gew »velchen» Sinne, »verde». Kollegen! Uin dem vorzubengeii, ist von einigen. die Anregung gemacht, sämmtliche bestehenden Vereinigungen!' ' Bereinigung zusammenzuschliep«' die Eingriffe,»velche event einer großen widerstandsfähigen 9 »im so gewappnet zu sein auf Seiten der Unternehmer kommen. Der'„Verein Berliner, diener" berief zu Montag, den 8. September, eine Versanimlu's in»velcher leider die Einigungsfrage, wenn auch nicht 9™ ifiirn fn hnrfl immpvfiin nnf hinaus,»um unberech� cm, Ur ftscheim m'ü&» vonnta Unter sationen sind ungenügend. Wären»vir in der glücklichen Lage »vie unsere Brüder in England, welche uicht eine solche gesetzliche Bedrückung über sich ergehen lassen müssen, dann»mißten»vir »vohl, was»vir zu thun hätten. In. den»§ 4 des Statuts des Unternehmerverbandes sagen die Herren, daß sie bei der Fordmiug der Arbeiter der Elilführung deZ Maximal- Arbeitstages, der Abschaffung der Akkordarbeit, des Arbeiter- Feiertages gememsam handeln wollen. Innerhalb der Metallbranchen»nüssen auch»vir uns zu gelneinsameni Handeln aufraffen. Es»var»»ns heute darum zu thun, darüber ein Urtheil abzugeben, ob»vir angesichts der Verhältnisse uns noch mehr zersplittern»vollen, wie dies durch Gründung von neuen Branchen vereinen geschieht. Früher als die Produktion noch uicht so ge- trennt,»var es angebracht, sich in einzelnen Berufen zu organi- sire». Die Organisation muß aber der Spiegel der jeiveilige» Produktionsiveise sein. A»ls dem Grunde,»veil die Kämpfe »velche»vir früher einzeln führten, heute regelrechte Klassen- kämpfe geivorden sind,»veil hinter den Kämpfenden eine ökonon»ische Macht steht, müssen»vir»»»»§ auch zu gemeinsamem handeln entschließen. Ein gemeinsames Handeln ist heute nicht »nöglich, weil man nicht»veiß,»vas diese'oder jene Körperschaft beschlossen hat, da wir ja nicht mit einander in Verbindung treten dürfen. Wir, die»vir alle einem Ziele zustreben,»vir sollten auch gemeinsam dies zu erreichen suchen. Es nimmt sich komisch aus,»venn man immer die internationale Arbeiter- beivegung hoch leben läßt, aber in einer Geiverkschaft nicht ein- mal in» Stande ist, einmüthig vorzugehen. Wenn die angen- blickliche Forn» der Organisation»licht genügt, dann»nüssen»vir eine neue schaffen. Da wir»»»»S nicht,»vie»vir es»vünschen, über das ganze Land organtsirei» können, müssen»vir »venigstens in den großen Industriestädten geschlossen vorgehen, damit wir das Land von hier aus mehr, denn bisher durch Agitation bearbeiten können. Diejenigen,»velche heute noch meinen, daß wir dadurch mehr er- reichen, daß»vir die einzelnen Branchen von einander trennen, sie werden durch die»virthschaftlichen Verhältnisse in uicht allzu ferner Zeit belehrt»verden, daß nur durch einmüthiges, klaffen- beivußtes Vorgehen etivas zu erreichen ist. Die Dlskussion, an »velcher sich die Herren Paivloivitsch, Buchholz, Lorenz, Meier, Pritzkoiv, Lücke, Hartinann, Wegner, Trippelivitz, Litsin, Pagel, Drangl, Hetz und Sch'vartz betheiligten, gestaltete sich zu einer äußerst lebhasten. Herr Loreilz glaubt, dem Metallarbeiter- Verein Vor>vürfe machen zu müssen,»velche von Herrn begrabe»», so doch immerhin auf Jahre hinaus, zum unberegPj barsten Schaden der Kollegenschaft selbst, vertagt ist. In dN Versammlung»vurde unbegreiflicher Weise durch einen GeschO ordnungstrag die Frage einer Gesammtorganisation als gar"«j; diskutirbar bezeichnet und rundweg ohne»veitere Motivirung gelehnt. Dadurch ist der Beiveis erbracht, daß ein großer% unserer Kollegen seine eigene Lage noch nicht begriffen hat. diesen» Grunde»vird sich der Vorstand des„Unterstiitzungsbundes � Hausdiener Berlins" veranlaßt sehen, einen neuen Organisation entwurf zu veröffentliche»», den Stellennachiveis bede»ltend fk »veitern, um den Bestrebungen der modernen Arbeiterbeweg«st Rechnung zu tragen, um in sich das zu repräsentiren, was dP die erstrebte und nun leider hintertriebene Gesammtorganisa»« geschaffen»verde» solle. Kollegen! Nach all den» oben GesaP. »vird es nicht mehr nöthig sei»,»veitere Worte zu verlieren; haben die zuversichtliche Hoffnung, daß ein Jeder selbst erken«? »vird,>vo er hingehört, und daß ein Jeder bestrebt sein n»� durch einen moralischen Druck eine Verschmelzung herbeizufüb� Uin dieS zu erleichtern, wird der Unterstützungsbund die te»* -verurtl b bellen das V Walte �laßre dltvcl, Ki llebera o «chfter hW, llilterv �rdei glieder der bestehenden Vereinigungen ohne Einschreibegeld seine Mitte aufnehmen.-i Wir laden Euch deshalb alle zu einer au» Dienstag, di 16. September, stattfindenden Versammlung ein«l hoffen, daß Ihr unserem Rufe Folge leistet, auch machen«i noch besonders darauf aufnierksam, daß die VersammlunKI jeden Dienstag nach dem ersten jeden Monats* i F e u e r st e i n, Alle Jakobstr. 73, 1 Tr., stattfinden. J Aufnahinen können täglich be>virkt werden im Bureau lH Stellennachiveis deZ„Uiirerstützungsbundes der Hausdiener Berlin»� Neue Grünstr. 10, 1 Tr. Telephon I. 810. Freie Uolkobiistne. Am Mittwoch, den»7. September, Abends slj stndet tin Saale des KonzerlHauseS„Sanssouci", Kotrbuserstr.< a, eine fl1, Versainmlung für Frauen und Männer stall.„ Frei» Mereinigung der Yamen-Wänielfchneidrr(Aitgler, Kieps«? f»fch»rider>»»>d Arbeiteriunen der �elileidungoindnftrie tperUfe ienslag, de» IS. September, Abends s Uhr, große Versammlung tn Habt' I Brauerei, Berginannslr. 5—7. xierbnnd deutscher 3 immer leute.(Lokalverband Schöneberg.) glieder-Vcrsainmiung tn der Schlobbraneret Schöneberg heule Abend s Tagesordnung: 1. Vortrag. 2. Verschiedenes und Fragelasle». Sä sie" kommen. Neue Mitglieder»verden ausgenommen..,,i gcsc-»»d Dioiiutirblnb„Ilniversuiu". Mittwoch, den»7. Septeino ß Abend« 9 Uhr, im Lolal Hämmerle, Bülolvstr. 5g, Vorlesu"-»' Distussion. Pünktliches Erscheinen wird den Mitgliedern zur gemacht."— Knbaltnrbelter und Arbeiterinnen Kerlin». Große öffentliche*5 sammlung am Tonncrslag, den 18. September, Abends«X Uhr, im Lokal>"1 Herr» Scheffer, Jnselstr. 10..,11 Achtung! Große Generalversammlung des FachverelnS der in fja Glases- und Kartonpasnerfabriken beschäftigten Arbeiter und Arbeilerinv� am Sienstag, den 10. September, Abend« s Uhr, in Schelter'S Salon, Jdl' slraße»o. 5 Und Zenta» ju er» einer fitt |lnut ftlgen «r9en Mtu Eutzen I fe! Dienstag, den 10. isepremoer, Avenos 0 ntjr, m tocueriev» v, /-.y txJsst. J.. I am... Tempelhofer Berg. Waler und verwandte Kerufogenoise». Große öffentliche Berftw? � s l j t... oyc—w»«1/ j*r.r t., sveuerstein's � tung'äin Mittwoch, den»7. Sept-inber.'Abends Stuhrs in Feuerstein'S «>"e Jakobstr. 75. Die Bereinigung der Drechsler Kentschlanda, OrtsverwaltlNA Berlin 3, hält am Mittivoch, den 17. September, Abends 9% Uhr, Andrea») ......'......'.....' Tagesordnung: l. Vorstand-1 m slraße 20 bei Bolzmann eine Versainmlung ab.------ wähl. 2. Vereinsangelegenheilen. 3. Verschiedenes und graqekaften. Ganvrrei» Kerliner Kildliauer. Dienstag, den»0. September: . � f---. er �- 0 UCl sammlung im Vercinslokal'bet Herrn Keßner, Annenftr. 15. Tagesordnung flächt»' ■........'" 2. Stellungnahme zu den Vsschlüfsen von der VersaminIU' Geschäftliches.?WWI___________..H sämmtlicher Holzarbeiter vom 9. September. 8. Verschiedenes. � Achtung, ptoillarbriter! Die Mitglteder-Verlannnlung vom DienstttA den m. September, findet zu Gunsten einer am selbigen Tage bei Joel(""ff findenden Volksversammlung nicht statt.., l Uerein der Aattler und Fachgenofsen. Dienstag, den 15. Septem»- 1 Abends sr Uhr, bei Deigmiiller, Alte Jakobstr. esa: Versammlung. Krrriniyung der deutsche» Water, Kaälirer, Anstreicher»nd p»'. wandte» Srrussgenolsc», Filiale 2 W. Dienstag, den 15. September, SlbeMff 8 Uhr, im Neslanrant ltöntgshos, Vülowslr. 37: Versammlung. J cheftentlich« Orcher Krrsamnliung am Milbvoch, den 17. Septemb-ff Abends 8% Uhr, bei Keller, Bcrgstr. 58. 2 Achtung! Achtung! Gras'- öffentliche Kollisversammlung ay Dienstag, de» 10. September, AbendS 8 Uhr, tn Joel'« Festsälen(fr. Kellevs AnbreaSstr. 21. Au Q % 0 u�Clöi »°» IS (UUoJffö Trlcarnplfeit-Kup«»».) 15. September. Das Erkeuntniß des hiesigen Land'» d. M. Hierselbst verhandelten Sozialisten � Altona, gerichts in deni am 10.... Prozesse ist heute pnblizirt worden. Danach ist Weinheber Verleger der die Staatsregierung beleidigenden Flugblätter r 3 Monaten Gefängniß verurtheilt, der Drucker Dietz dagegen gesprochen. Die übrigen 43 Angeklagten erhielten je(V'e fängnißstrafe von 2 Wochen. Krllinzona, 15. September. Der Vundeskommissar Obetsi Künzli hielt heute Nachimttag mit vier Vertrauensmännern des beiden Parteien, zivei Liberalen und zwei Konservativen, eine Wj rathnng ab, welche IVa Standen dauerte. In derselben wurde. der Vorschlag des Kommissars, die Volksabstimmung über d»s Verfassungsrevision am 5. Oktober vorznuehiuen, einstimmig a»( genommen. bn #» sie % fe %tg, Verantwortlicher Redakteur: Cnrt Kaake in Berlin. Druck und Verlag von Mar Sading in Berlin SW., Beuthstraße 2.