Nr. äis. Freitag, den 19. September 1890. 7. Jahrg. Hrgan für die Interessen der Arbeiter. SWUBW« Insertion sgebühr beträgt für die 5 gespaltene Petitjeile oder deren Raum 40 Pf., für Vereins- und Versammlung». Anzeigen 20 Pf. Inserate werden bis 4 Uhr Nachmittags in der Expedition, Berlin 8w., Beuthstraße 3, sowie von allen Annoncen-Bilreaur, ohne Erhöhung des Preises, angenommen. Die Expedition ist an Wochentagen bis 1 Uhr Mittags und von 3—7 Uhr Nachmittag», an Sonn- und Festtagen bis 0 U�r�VorniittagS geöffnet. Fernsprecher: Amt Ur. 4100. Mednltkion: VouthptvÄ�e S.— Expedition: VeukMeatze S. Die Leinde des IteveitersAzutzes. Ueber den Sommer haben die parlamentarischen und Wtzgeberischen Arbeiten geruht. Um so thätiger sind die Pttren Großindustriellen gewesen. Diesen läßt Arbeiterbewegung keine Ruhe und sie fürchten, die Ge- 'chgebung möchte sich denn doch einmal entschließen, mit �lrksamen Maßregeln einzugreisen in das Verhältniß iwischep Unternehmer und Arbeiter und möchte dem wirth- Mftlich Schwachen einen etwas wirksameren Schuh als verleihen. Deshalb werden auch die härtesten Maß- �geln gegen die vorwärts treibenden Demente unter den Arbeitern angewendet; wer nur ■s11 Versuch macht, seine Berufs- und Leidensgenossen in Aivrt oder Schrift aufzukläreil und zu sammeln, der kann gewiß sein, daß er als„Aufwiegle r" auf die � ch w a r z e L i st e kommt, welche Art von Verrufserklärung bekanntlich bisher straffrei ausgegangen ist, obschon sie den �ehörden unmöglich unbekannt geblieben sein kann. Aber bie auch gegenwärtig vorhandene Arbeiterschutzvorlage im Reichstage ist, trotz ihrer handgreiflichen Unzulänglichkeit, Ziel der ninimerniüden Angriffe von Seiten des Groß- Bustrialismus. Würde sie zum Gesetz, so würde dadurch � oer Lage der Arbeiter nur Unbedeutendes geändert. lange die B e s ch r ä n k u n g d e r A r b e i t s z e i t f ü r a ch s e n e männliche Arbeiter ausgeschlossen Mbt, ist eine solche Vorlage ohne höhere sozialpolitische Adeutuna. Wir haben den Inhalt der Vorlage des Meren schon mehr als einmal besprochen und unsere s�ser ksnnen die Ausstellungen, die an derselben zu machen 4;� solche Vorlage reicht schon hin, unsere Herren �soßj.. /flriellen in die größte Aufregung zu versetzen. � deniSn freilich:„p r i n c i p i i s o b s t a!" und !*(%, istf Arbeiterschutz-Gesetzgebung gleich in ihren nn- bbdem iden Anfängen zu Boden treten, um aller Weiter- bntwi�chiig auf dein einfachsten Wege vorzubeugen. Sie yP sich, als ob unsere Industrie am Rand des Zaugs stände und bei den geringsten Pflichten, die Heber Ii• 0!; der Arbeiterschutz-Gesetzgebung auferlegt würden, -.�derben gerathen müsse. Run, so schlimm es auch � � Arbeiter steht, die Unternehmer sind nicht so übel Wenn man sich durch das trügerische Jammer- Uchrei der armen Großkapitalisten nicht einschüchtern M, sondern einen Blick in die G e s ch ä s t s b i l a n z e n Ulvst, so findet man, daß der Geschäftsgewinn ,"s. i m Durchschnitt z i e m l i ch hoher ist und "ß das. angelegte Kapital sich mit 12, mit 15, 1111 20, ja theilweise mit noch weit mehr Prozent JannUcfim. verboten. I 12 Eine Unglückliche. Erzählung von Iwan Turgenjew. Sechstes 5kapitel. Einige Tage später begab ich mich an einem Abende ifuflofi zusammen zu Herrn Ratsch. Er lebte in einem rnen Hanse mit großem Hof und Garten, in einem »wn Gäßchen an dem Boulevard von Prctschistensky. cat ins Borzimmer zn uns hinaus und empfing uns beni ihm eigenthümlichen Lärm und prasselnden Gc- Er führte uns sogleich ins Gastzimmer und stellte .Eleonore Karpoivna, seiner Gemahlin, einer wohl- �ten Tamc in einem engen Kamelotttlcide, vor. Eleo- Karpoivna hatte sich wahrscheinlich in ihrer frühesten "d durch das ausgezeichnet, was die Franzosen, man "icht weshalb,„die Schönheit des Teufels" nennen, jkißt, durch Frische; als ich sie kennen lernte, erinnerte inblick unwillkürlich an ein gutes Stück Fleisch, das n von dem Fleischer auf einem sauberen, marmornen ausgestellt worden ist. Nicht ohne Absicht brauchte �en Ausdruck„sauber", denn nicht nur die Hausfrau _ ein Muster der Reinlichkeit zn sein, sondern Alles, I>e umgab. Alles im Hause glänzte und glitzerte; Alles gescheuert, gebügelt, mit Seife gewaschen. Ter Samo- a»f dem runden Tische brannte wie Feuer; die Vor- l an den Fenstern und die Servietten krümmten sich "ch vor Steifigkeit, gleich wie die Kleiderchen und die rentirt. Natürlich giebt es Geschäfte genug, wo dies nicht der Fall ist; aber im Ganzen"ist es so und wenn sich das deutsche Kapital bei uns im Lande so schlecht rentiren würde, wie man behauptet, so hätten die „patriotischen" Kapitalisten es längst im Ausland ange- legt, wie sie schon so oft angedroht. Die Industrie ivandelt freilich an einem Abgrund, in den sie in jedem Augenblick stürzen kann; die Ursache davon ist aber zu suchen in der stets mit Katastrophen drohenden Ueber- Produktion und U e b e r s p e k u l a t i o n; die Arbeiterschutz- Gesetzgebung hat damit absolut Riehl zu thnn. Nichtsdestoweniger hat das große Unternehinerthum alle seine Preßbediensteten gegen die Arbeiterschutz-Gesetz- gebung losgelassen und ueuerdengs eine förmliche Kam- pague mit Gutachten und Denkschriften er- öffnet. Was früher für die Staatsmänner die Offiziösen waren, das sind für die großen Unternehmer und Kapitalisten die vortrefflichen Handelskammer- Sekretäre mit ihren literarischen Anhängseln. Diese Herren haben die Berichte der Handelskammern und so weiter zu verfassen und liefern auch das Material dazu. Wer die geistige und literarische Durchschnittsqualifikation des Handelskammer-Sekretärs, wie er sein soll, kennt, der wird jenen Berichten und Gutachten wenig Werth zu- schreiben. Die Handelskammer-Sekretäre gehören im Ver- hältniß weit mehr als die Journalisten zu den Leuten, die ihren Berus verfehlt haben, und die dann froh sind, im Dienste und ans Kosten irgend welches industriellen Verbandes ein leidlich behagliches Dasein führen zu können. Daß sie dafür bereit sind, die Großindustriellen, die ihnen solche Wohlthaten erweisen, als die edelsten, besten, u n e i g c n n ü tz i g.st e n Mensche n darzu- stellen, die von doktrinären Gesetzgebern und wählerischen Sozialisten unschuldig verfolgt werden, liegt aus der Hand. Solche Dankbarkeit mag an und für sich eine schöne Tugend sein; nur kann man nicht verlangen, daß die „dankbaren" Berichte der Herren Handels- kammer-Sekretäre allzu ernst genommen werden, ivenn es sich um die ernste Benrtheilnng von sozialpolitischen Fragen handelt. Die Beschlüsse der Reichstags-Kommission in Betreff des Arbeiterschntzes können uns ganz gewiß nicht imponiren; wenn mau aber dankbare Handelskammer-Sekretäre diese Be- schlüsse als„unreife Maßlosigkeiten" bezeichnen hört, so imponirt uns das noch weniger. Wenn die Reichstags- Kommission schon„Maßlosigkeiten" begeht, was mag dann der Sozialismus in den Augen dieser Herren für Sünden zn verantworten haben! Die Herrchen bilden sich ein, die Bestrebungen auf Erzielung wirksamer Schutzmaßregeln für die Arbeiter würden vor ihren„Gutachten" und„Denkschriften" Halt machen oder gar umkehren. Seitens der Sozialdemokratie wird dies nicht geschehen; die Arbeiterbewegung wird in dieser Beziehung ihren gewiesenen Weg gehen, wenn auch in diesem Moment der große Eugen R i ch» t e r dem bedrängten Unternehmerthum beispringt, und sich zu dem Chor der Handelskammer-Sekretäre gesellt, in dem er großspurig ankündigt, nach dem ersten Oktober werde er die Sozialdemokratie schärfer bekämpfen, als bisher. Unseres Erachtens wird der biedere Eugenius gerade genug zu thnn haben, um seine in allen Fugen krachende und an unheilbarer Prinzipienverwässerung leidende Partei zusammenzuhalten; wenn er dann noch Zeit zur„V e r n i ch t u n g" der Sozialdemokratie übrig hat, werden wir auch unseren Spaß daran haben. Eine gründliche Arbeiterschutz-Gesetzgebung wird von der ungeheuren Mehrheit des deutschen Volkes gefordert und durch die Sozialdemokratie hat diese Forderung erst ihren Nachdruck und ihre bestimmte Form erhalten. Die offenen und versteckten Widersacher werden die Volks- strömung nicht aufhalten können. Chemisetten von Herrn Ratsch's ebenfalls dasitzenden vier Kindern, robuste», wohlgenährten Stöpseln mit grob- gebildeten festen Gesichtern, Wirbeln an den Schläfen und rothen, stumpfen Fingern; sie sahen der Mutter sehr ähnlich. Sic hatten alle vier etwas plattgedrückte Rasen, große, gedrungene Lippen und hellgraue Augen. ~„Und hier ist auch meine Garde," rief Ratsch, seine schwere Hand der Reihe nach aus die Köpfe seiner Kinder legend.„Kolga, Olga, Saschka, Maschka! Dieser ist acht Jahre, diese sieben, dieser vier und dieser ganze zwei Jahre alt! Ha— ha— ha— ha! Wie Sie zu sehen belieben, verlieren wir keine Zeit. He? Eleonore Karpoivna?" „Sie sagen immer so Etwas...." sagte Eleonore Karpoivna, und wandte sich ab. „Und sie hat allen ihren Schreihälsen so russische Namen gegeben!" fuhr Herr Ratsch fort.„Ich fürchte immer, das; sie sie eines schönen Tages griechisch taufen läßt! Bei Gott! Und Slavin ist sie,— daß mich der Teufel hole— obgleich von germanischem Blute! Eleonore Karpoivna sind Sie �lavin?" Eleonore Karpoivna wurde böse. „Ich bin Hofräthiu, das bin ich! Folglich bin ich eine russische Dame, und Alles, was Sie jetzt sagen werden..." „Das heißt, wie sie Rußland liebt— es ist schrecklich!" unterbrach sie Iwan Temjanitsch.„Wie ein Erdbeben! Ha — ha!" „Nim, und was beim?" fuhr Eleonore Karpoivna fort, „freilich liebe ich Rußland, denn wo anders hätte ich einen adeligen Titel erhalten können? Selbst meine Kinder sind ja jetzt Adelige. Kolja! sitze ruhig mit den Füßen!" Ratsch holte mit der Hand gegen sie aus. „Nim beruhige Dich jetzt, Prinzessin Sumeko, Du! «Forves�ondenzeir. Naris, den 16. September. Unmittelbar nach Beendigung dcS sozialistischen NationalkonaresscS der Kollektivisten zu Lille (10. und U. Oktober) tritt in Calais der vierte Nationalkongreß des„Nationalverbandes der Arbeitersyndikate und 5torporativ- gruppen Frankreichs" zusammen. Der genannte Verband um- schließt eine beträchtliche Anzahl, wenn nicht den größten Theil der gewerkschaftlichen Organisationen der französischen Provinz, sowie einen Theil der Pariser Syndikate. Seine Bedeutung für die Gruppiruug deL französischen Proletariats ist mit der zu- nehmenden prinzipiellen Klärung und der allmälig erstarkenden Organisation im steten Wachsen begriffen. Nachdem der„Triumph der Ordnung" in der Kommune die Arbeiterorganisationen jeder Art so gut wie gänzlich vernichtet hatte, versuchte das französische Proletariat zuerst eine Sammlung auf korporativem Boden. Vom Januar 1872 an begann eine besonders von Barbarei und dem späteren Possibilisten Chabcrt geleitete gewerkschaftliche Bewegung, welche jedoch durchaus keinen revolutionär proletari- scheu Charakter trug, sondern die flachste Nichtsalsgewerkschaftlerei darstellte. Den Prinzipien der Selbsthilfe und des Sparens ward eine Messiasrolle nach echt Schulze-Dclihsch'schem Muster zugeschrieben, und die Syndikate zeigten sich so herzlich farblos, daß sie die Unterstützung der Regierung und den Beifall der gesammten Bourgeoisie fanden. Noch die ersten Jahreskongresse der Gewerk- schaflen zu Paris'(1876) und zu Lyon(1878) kamen unter materieller und moralischer Beihilfe der Regierung zu Stande und wurden in ihren halben, haltlosen, im Palliativmittelchenstil gehaltenen Beschlüssen höchlich gelobt. Allein schon in jener Zeit Und wo ist der„adelige" Fictor? treibt sich ivohl wieder irgendwo herum. Er wird noch einmal auf den Inspektor stoßen! Der wird ihn schon durchklopfen! Das ist ein Bummler! der Fictor!" „Dem Fictor kann ich nicht kommandiren, Ivan Demjanitsch. Sie wissen wohl!" murmelte Eleonore Karpoivna. Ich blickte ans Fustoff mit dem Wunsche, endlich von ihm zn erfahren, was ihm dazu bewegen konnte, solche Leute zn besuchen... in jenem Augenblick trat ein junges Mäd- che» von hohem Wüchse, in schwarzem Kleide ins Zimmer; es ivar eben jene älteste Tochter des Herrn Ratsch, von welcher Fustosf gesprochen hatte... Ich hatte die Ursache der häufigen Besuche meines Freundes begriffen. Siebentes Kapitel. Ich erinnere mich, daß Shakespeare irgendwo von einer „ivcißen Taube in eincut Fluge schwarzer Raben" spricht; einen ähnlichen Eindruck machte mir das hereintretende Mädchen: es war zu wenig Gemeinsames zwischen ihr und der sie umgebenden Welt. Alte Glieder der Familie Ratsch sahen selbstzufrieden, gutmnthig und gesund aus; ihr hübsches, aber bereits verblühendes Gesicht trug den Stempel der Muthlosigkeit, des Stolzes und des Schmerzes an sich. Jene, offenbare Plebejer, hielten sich ungezwungen, mag sein roh, aber einfach; in ihre m ganzen, unbedingt aristo- kratischen Wesen sprach sich Kummer und Unsicherheit aus. In ihrer äußeren Erscheinung selbst war Nichts von einer deutschen Abkunft bemerkbar: sie erinnerte eher an die Be- wohner des Südens. Außerordentlich starkes schwarzes Haar ohne jeden Glanz, schwarze, ebenfalls glanzlose aber schöne Augen, eine niedrige, gewölbte Stirn, eine Adternase, grünliche Blässe der glatten Haut, ein gewisser tragischer der hormonieduseligen Kinderjahre zeigte die französische Gewerk- schaftsbewegung die Tendenz, ans politisches Gebiet hinüber- zuschlagen. Charakteristisch für dieselbe ist auch die fast souve- räne Verachtung, mit welcher sie die praktischen Fragen der Organisation:c. behandelt, während sie der Erörterung theoretischer Fragen den breitesten Spielraum giebt, ja in ihr bis zur metaphysischen Spintisirung geht. Alles Dies jedoch nicht etwa vom Standpunkt des Prinzips des 5tlassenkampfes aus, sondern von dem des bürgerlichen Radikalismus, einer ver- schwommenen Sentimentalität, in der kleinbürgerlich utopistische Phrasen, besonders proudhonistische Reminiszenzen eine hervor- ragende Rolle spielen. Während die englischen Trades-Unions einzelne nächstliegende praktische Punkte aufgriffen, sich innerhalb derselben entpuppten und versteinerten, zerflossen die französischen Syndikatskamniern in endlosen theoretischen Diskussionen und Definitionen, durch welche sie alleBeziehungen bis ans Ende der Welt systematisiren und reglementiren wollten. Schon von 1876 an machte der Sozialismus seinen Einfluß auf die französische Ge- werkschaftsbewcgung geltend. Die drei ersten Jahreskongresse sind nicht mißzudeutende Gradmesser des Fortschritts, den die sozialistischen Doktrinen, Dank der Agitation von Deville, Guesde u. s. w. unter den gewerkschaftlich organifirten Arbeitern machten. Der erste Kongreß der Gewerkschaften zu Paris zeigt noch keine Spur sozialistischen Lebens, auf dem Kongreß zu Lyon tritt der Sozialismus zum ersten Male offiziell auf, wird aber geschlagen, der Kongreß zu Marseille(1879) endet dagegen mit dein völligen Sieg des sozialistischen über das nichts als gewerkschaftliche Prinzip. Die Organisationen, welche unter Barbaret's Führung auf dem alten Standpunkte beharrten, theilten sich bald end- giltig von der allgemeinen Arbeiterbewegung ab, vegetiren seit- dem nur auf Kosten der Regierung und haben absolut jede Fühlung mit der französischen Arbeiterschaft verloren. Jedoch die Syndikate, welche sich mit den sozialistischen Studienzirkeln zu einer sozialistischen Arbeiterpartei zusammengeschlossen, hatten der Mehrzahl nach nur unter dem Einfluß einer begeisterten Minute den modernen Sozialismus angenommen. Seine Lehren waren aber noch weit davon entfernt, ihnen in Fleisch und Blut übergegangen zu sein. Der selbsthilflerische und ntopistische Kern ihrer Auffassungen war nur sozialistisch überfirnißt worden, in Wirklichkeit jedoch derselbe geblieben. Je mehr deshalb Guesde, Lafargue und ihre Anhänger im Gegensatz zu den Kompromisse suchenden Malon, Brousse ec. den niooernen wissenschaftlichen Sozialismus, welcher die Eierschalen utopistischer Phrasen abgestreift hat, zu erklären und einzu- bürgern suchten, umsomehr wuchs auch die Opposition der Organisationen, deren Mitglieder mit Vorliebe in sentimental revolutionären Phrasen und Gemeinplätzen schwelgten. Als die in Marseille geschaffene Arbeiterpartei 1882 auf"dem Kongreß zu Roaune auseinanderfiel, sich in Possibilisten und Kollektivisten schied, waren die meisten Syndikate sroh, dein ihnen unerträglich scheinenden Zwang eineS einheitlichen, streng prin- zipiellen Programms aus einer dito Haltung zu entrinnen, um sich von Neuem dem angenehmen Zeitvertreib hinzugeben,„auto- nome" Programms und Reglements auszuarbeiten und zu über- treten. Die Mehrzahl der Pariser Syndikate, welche viele Kleinmeister und Arbeiter der Kleinindustrie umschlossen und ganz besonders mit kleinbürgerlich individualistischen Ideen vollgepfropft waren, schlugen sich auf pofsibilistische Seite. Der mit einer philosophisch nebelhasten Phraseologie ein- gewickelte Moderantismus des Possibilismus, seine Taktik der „praktischen Erfolge", sein Paktiren mit den kleinbürgerlichen An- schauungen entsprachen ihnen am meisten. Nur eine kleine Anzahl der Gewerkschaften von Paris und eine etwas größere der Pro- vinz schloß sich den 5kollektivisten an. Ein dritter und ziemlich ansehnlicher Bruchtheil der provinziellen Syndikate, dazn eine gewisse Zahl Pariser Gewerkschaften blieben außerhalb aller sozialistischen Fraktionen. Im Gegensatz zu den possibilistischen Syndikaten charakterisirten sie sich durch die revolutionäre Revolverphrase, mit allem dran und drum hängenden Unsinn der Auffassungen und Forderungen. Die sogenannten„unabhängigen Sozialisten", theilweise auch die Anarchisten trugen den blühenden Blödsinn ihrer eigenen Begriffsverwirrung in die betreffenden Organisationen hinein. Im Laufe der Jahre ist jedoch deren verderblicher Einfluß bedeutend geschwunden, und dies Dank der fortgesetzten Bemühungen der Blauquisten und noch mehr der Kollektivisten, das geistige Leben und die Entwickeluug der Syndikate zu beeinflussen. Blanquisten und Kollektivisten, welche innerhalb der nicht possi- bilistischen Korporativorganisationen eine Art Sauerteig bilden, üben immer noch einen dominirenden Einfluß auf dieselben aus und bestimmen ihren Fortmarsch in durchaus sozialistischer Richtung. Wenn auch die betreffenden Syndikate und Korporatwgruppen außerhalb der sozialistischen Fraktionen stehen und ihrem Pro- gramm gemäß stehen wollen, um die Gruppirung und Sammlung des Proletariats nicht durch die sozialistischen Schulstreitigkeiten, wie sie in Frankreich noch wüthe», zu gefährden, so bekennen sie sich doch im Allgemeinen zum Prinzip des Klassenkampfes und halten in ihrer Propaganda und Aktion enge Fühlung mit den Parteien der Kollektivisten und Blanquisten. Die Possibilisten hatten versucht, die Gewerkschaften ins Zug um die feinen Lippen und die leicht vertieften Wangen, etwas Scharfes und doch auch wieder Hilfloses in den Bewegungen, Schönheit ohne Grazie..... in Italien wäre mir das Alles nicht ungewöhnlich erschienen; aber in Moskau, am Pretschistensky'schen Boulevard: da setzte.es mich völlig in Erstannen! Ich erhob mich bei ihrem Eintritt vom Stuhle; sie warf einen schnellen, unsicheren Blick auf mich, und setzte sich, ihre schwarzen Wimpern senkend, zum Fenster„wie Tatjana".(Pnshkin's„Oilegin" war damals frisch in unser Aller Gedächtniß.) Ich blickte auf Fnstoff, allein mein Freund stand utit dein Rücken zu mir, und empfing eben eine Tasse Thee aus Eleonore Karpowna's weichen Händert. Ich bemerkte ferner, daß das eingetretene junge Mädchen eine leichte Welle physischer Kälte mitgebracht hatte...„Welch eine Statue!" dachte ich bei mir. Achtes Kapitel. „Peter Gravilitsch!" donnerte Herr Ratsch, sich zu mir wendend,„erlauben Sie mir, Sie mit meiner.... mit meinem.... meinem Nr. 1 bekannt zu machen. Ha— ha— ha! Susanna Jvanowna." Ich verbeugte mich stumm und dachte sogleich„Also paßt auch ihr Name nicht zu allen Uebrigen." Susanne aber erhob sich ein weltig, ohne zu lächeln oder ihre fest zusammengepreßten Hände zu trennen. „Und wie steht es mit unserem Duo? fuhr Ivan Dem- janitsch fort.„Alexander Daviditsch? Eh, Wohlthäter? Ihre Zither ist bei uns geblieben und mein Fagott habe ich schon aus dem Futteral gezogen. Lassen Sie>lns die Ohren der ehrbareil Gesellschaft ergötzen!"(Herr Ratsch liebte es, seine russische Rede init ungeivöhulichen Ausdrucken zu spicken; es entrissen sich ihm fortwährend Ausdrücke, gleich denen, welche die ultravolksthümlichen Poesien des Fürsten Wjasemsky schmücken.) „Also? Kommt er? rief Ivan Denijanitsch, als er sah, daß Fnstoff nichtsz erwiderte.„Kolja, marsch in das Kabinet, trage die Notenpulte herbei! Olga, schleppe die Zither her! Und Du, meine Rechtgläubige, genche Lichte für die Notenpulte zu genehmigen!(Herr Ratsch drehte sich wie ein Kreisel im Zimmer umher.) Lieben Sie die Musik, Schlepptau zu bekoinmen und wenn auch nicht zum Anschluß an ihre Fraktion, so doch unter ihren Einfluß zu bringen. Als sich dieselben zu einem Nationalverband zusammenschlössen, ließen sie beantragen, den Sitz der Organisationsleitung, des conseil national(Nationalrathes), dauernd nach Paris zu verlegen. Um ihre Absicht zu vereiteln und die Gewerkschaften den Streitigkeiten der sozialistischen Fraktionen zu entziehen, ward jedoch beschlossen, daß der aus 5 Mitgliedern bestehende Nationalrath seinen Sitz in einer Provinzialstadt haben müsse, welche durch einen Kongreß- beschluß bestimmt werde. Die Abneigung der Gewerkschaften der Provinz gegen die Possibilisten hat sich noch bedeutend gesteigert infolge der Taktik, welche letztere zur Zeit des Boulangismus be- folgten, und die eine Nichtachtung des Prinzips des Klassen- kampfes bedeutete. Besonders seitdem die Bemühungen, die einzelnen Gewerk- schaften zu einem Verband zu föderiren, gelungen, und der „Nationalverband der Arbeitergewerkschaften und Korporativ- gruppen Frankreichs" zu Stande gekommen, manifestirt sich eine langsame aber stetige prinzipielle Klärung. Die Kongresse des Nationalverbandes von Lyon(1886), Montlu?on(1887) und Bordeaux(1888) markiren jeder einen diesbezüglichen Fortschritt, obgleich sie in ihren Verhandlungen und Beschlüssen noch viel Un- klarheit zu Tage treten lassen. So faßte z. B. der letztgenannte Kongreß bezüglich der Frauenarbeit den zopfig gehaltenen Be- schluß, gleichen Lohn für gleiche Arbeit beider Geschlechter nur in der_ Erwartung zu fordern, daß eine künftige Gesell- schaft der Frau ihren natürlichen Platz am häus- lichen Heerde zurückgeben werde. Noch charakteristischer für die in den Gewerkschaften herrschende Unklarheit ist der auf dem nämlichen Kongreß gefaßte Beschluß über die Organisation des Generalstreiks. Welche Fortschritte trotz alledem der National- verband der Gewerkschaften auf dem Wege der prinzipiellen Klärung gemacht, beweist seine Antheilnalyne an dem inter- nationalen Kongreß von Paris, sein thätiges und energisches Ein- treten für die internationale Mai-Manifestation, deren großer Erfolg in der französischen Provinz zum großen Theil auf seine Rechnung gesetzt werden muß. Uebrigens war gerade der dies- bezügliche Beschluß des Pariser Kongresses aus einem Antrage des Nationalverbandes respektive dessen Sekretärs, Bürgers Lavigne, hervorgegangen. Jnspirirt wurde derselbe durch den ungemein günstigen agitatorischen Erfolg der Manifestation, welche die dem Verband angehörenden Gewerkschaften zusammen mit den sozialistischen und blanquistischen Organisationen am 24. Februar und 10. März 1889 zu Gunsten des acht- kündigen Normalarbeitstages und einer Arbeitsschutz-Gesetzgebung abgehalten hatten. Daß die Verhandlungen und Beschlüsse des internationalen Pariser Kongresses günstig auf die Entwickeluug der Gewerk- chaftsbewegung gewirkt haben, unterliegt keinem Zweifel. Ihre Aktion zeigt das bewußte Streben, engste Fühlung mit Prinzipien und Taktik der sozialistischen Arbeiterparteien des Weltproletariats zu halten, sich immer mehr von der bloßen Phrase zu emanzipiren, durch Organisation und Schulung zu einer gesellschaftlichen Macht zu werden. Auf dem Regionalkongreß der Gewerkschaften vom ndöstlicheu Frankreich zu Lyon ward z. B. die Frage des Generalstreiks sehr lau debattirt und nicht mehr angenommen, dagegen erklärte sich der Kongreß einstimmig für die Be- 'chickung des nächsten internationalen sozialistischen Arbeitertags. Laut Beschluß des genannten Regionalkongresses ruft nun der Nationalrath des Gewerkschaftsverbandes den National- Kongreß zu Calais zusammen. Derselbe verspricht einen weiteren Fortschritt der französischen gewerkschaftlichen Organisationen zu bezeichnen. Er wird sich besonders mit Erörterung der Mittel und Wege befassen, um die Forderung des gesetzlichen Arbeiter- chutzes z>l verwirklichen. Der Nationalrath sagt mit Bezug hier- auf in seinem Einladungsschreiben: „Nach der prächtigen Manifestation des 1. Mai, während welcher mehrere Millionen Arbeiter Werkstätten, Fabriken, Ma- gazine und Bureaux verlassend auf vernehmliche und seitdem un- leugbare Weise, die zwischen den Proletariern aller Nationen be- 'tehende innige Solidarität und Zielgcmeinschnft bekrästigten und von den öffentlichen Gewalten jene Reformen forderten, welche für Verbesserung ihres Looses unerläßlich sind, nach dieser Manifestation ist es dringend nöthig, die Maßregeln festzusetzen, welche geeignet sind, den cndgiltigen Triumpf der diesbezüglichen Forderungen Herbeizuführen." Der Nationalrath empfiehlt ferner de» Syndikaten sich an die Gemeindebehörden zu wende», um Subventionen für Ent- sendung von Telegirtcn zu dem Kongreß zu erlangen: Er motivirt seinen Vorschlag wie folgt: „Es kann den Arbeitern nicht genügen, daß ihnen das Recht anerkannt wird, sich derart mit ihren Interessen zu beschäftigen. Sie müssen dieses Recht auch ausüben können. Ein Recht, welches man nicht genießen kann, ist illusorisch. Nun ist es nicht Zweifel- Haft, daß die unsichere Lage der Arbeiter ihnen nicht erlaubt, für die schweren Ausgaben aufzukommen, welche die Entsendung von Delegirten in eine entfernte Stadt mit sich bringt. Unter solchen Umständen wäre es nur gerecht, wenn die Gemcinderäthe den Arbeitersyndikate» ihrer Kommune zu Hilfe kämen, um ihnen die Möglichkeit zu er- leichtern, sich durch aus ihrer Mitte gewählte, kompetente Dele- Peter Gravilitsch? Wie? Wenn nicht, so machen Sie Kon- versation, aber: Pst! unter der Sordine! Ha— ha— ha! Wo mag doch dieser Narr von Fictor hingekommen sein! Könnte doch auch zuhören! Sie haben ihn sehr verwöhnt, Eleonore Karpowna." Eleonore Karpowna brauste auf. „Aber was kann ich denn, Ivan Denijanitsch... „Nun, gut, gut, lasse mich zufrieden! Bleibe ruhig, hast verstanden? Alexander Daviditsch, iveim's gefällig ist." Die Kinder führten den Befehl des Baters migen- blicklich ans, die Notenpnlte wurden aufgestellt und die Musik begann. Ich habe schon gesagt, daß Fustoff ans- gezeichnet die Zither spielte, allein dieses Instrument machte immer den allcrberiickendsten Eindruck aus mich. Mir war immer, und ist bis jetzt, als wenn die Seele eines Wucher- jilden in der Zither eingeschlossen sei, und als wenn diese Seele näselnd ivehklagte und weinte über den unbarniherzigell Birtilosen, der sie zwingt. Töne herauszugeben. Ratschs Spiel konnte mir auch kein Vergnügen gewähren, zudem hatte sein plötzlich blau-roth gewordenes Gesicht mit den bösen, weißen, rollenden Augen einen Unglück verhcißeildcu Ausdruck angenommen; es war, als wenn er mit seinem Fagott Jemand ermorden wollte, und im Boraus schon drohte und schimpfte, indem er heisere, erstickte, grobe Töne einzeln hcransstieß. Ich näherte mich Susannen, und die erste, augenblickliche Pause wahrnehmend, fragte ich, ob auch sie, gleich ihrem Bater, die Musik liebe? Sie machte eine Bewegung als hätte ich sie gestoßen und sagte kurz:„Wer?" „Ihr Vater," wiederholte ich.„Herr Ratsch." „Herr Ratsch ist nicht mein Vater." „Nicht Ihr Vater? Vergeben Sie mir... So habe ich wohl falsch verstanden,.. Mir scheint aber, Alexander Daviditsch..." Susanne sah mich scheu und unverwandt an. „Sie haben Herrn Fnstoff nicht verstanden, Herr Ratsch ist mein Stiefvater. Ich schwieg. „Und Sie lieben die Musik nicht?" fing ich wieder au. Susanne sah mich seltsam an. In ihrem Blicke war W greis« girte auf Kongressen vertreten zu lassen, wo ihre Jntereist» Spiele sind."„..z. Die gesammte Bourgeoispresse hat dies en Rath de»;; schuffes vom Nationalverband in der blödesten- kommentirt. Allein trotz der Anathemen der burge«� Presse ist es so gut wie sicher, daß verschiedene theile, besonders solche, in denen sich Sozialisten befinden Gewerkschaften mit Subventionen unter die Arme Es ist fast zur Tradition geworden, daß die ffranzÄ� Kommunalbehörden die Arbeiterorganisationen unterstutzen. lange dieselben nicht init der sozialistischen Pest behastet tr'j thateu die französischen Regierungen zum demagogischen des Arbeiterfanges das Gleiche. Zur Zeit seiner„liber Aera" hatte der kleine Napoleon diese Taktik inaugurirt, un» dritte Republik konnte— noblesse oblige— nicht weniger w' als in seine Fußstapfen zu treten, so lange die Arbeiterorg sationen vomHarmoniedusel umnebeltwaren. Die gouvernemem Unterstützungen hörten auf, sobald sich dieselben mehr weniger intensiv sozialistisch färbten. Die kommun Subventionen haben zum Theil auch dann noch fortgeo«" Der Stadtrath von Paris hat mehrmals Delegationen der AM». zu Weltausstellungen auf Kosten der Stadt entsendet, er i wiederholt durch Aussetzung von Summen die Betheiligung Syndikate an Kongressen ermöglicht. Andere Gemeindebehor haben in Maßgabe ihrer Mittel das Gleiche oder AehiMor gethan.. Die Thatsache ist charakteristisch nach zwei Seiten. i die materielle Schwäche der französischen Arbeiterorganffanr und den oft wirklich demokratischen Geist der franzoinn. Kommunalbehörden. Was würden die biederen Väter deumi Gemeinden sagen, wenn die Gewerkschaften von ihnen® ventionen verlangten, um einen Kongreß beschicken zu können,, sich im sozialistischen Sinn und Geiste schlüssig macht? So ew" kommt eben nur bei den„wilden Franzosen" vor. x»olikiM,e Aebevflchl Die„Freisinnige Zeitung" vertheidigt sich, unter unserer Worte, in herzlich schwacher Weise gegen die Vorwu ll welche der freisinnigen Partei und speziell der„Freis. Ztg." be» der Haltung gegenüber der Sozialdemokratie zur Last fallen. täuscht ihre Leser, indem sie thut, als ob wir es beklagt hm, daß die„Freis. Ztg." uns unter den, Sozialistengesetz»bekäwpl � Wir hatten dem Blatte aber nur das„Entstellen", mchl.ws „bekämpfen" zum Vorwurf gemacht; für die„Freis. Ztg." r-,- dies also gleichbedeutende Dinge zu sein. Die„Freis. hauptet weiter, unsere Polemik gegen sie sei„stets recht schwach� und verlegen" gewesen. Um bloß die beiden letzten Fälle zu wähnen, in welchen wir mit der„Freis. Ztg." polemisiren m»? so hat die„Freis. Ztg." beide Male schweigen»ms! es handelte sich das eine Mal um den Schutz. Koalitionsfreiheit in dem sozialdemokratischen Arbeiters� Gesetzentwurf, das andere Mal um die unwahre hauptung der„Freis. Ztg.", daß die Hälfte der sozialdemokratil Abgeordneten durch Hilfe von Gegnern gewählt wäre., „Freis. Ztg." hat gegen unsere Widerlegung nicht ankowu können und geschwiegen; darum behauptet sie auch— wir fi j verlegen gewesen. Sodann meint die„Freis. Ztg.", die Po»". des„Verl. Volksbl." würde vielleicht besser, nachdem die Bebel und Liebknecht selbst die Redaktion übernommen WyL Das würde ja für die„Freis. Ztg." gefährlich werden; mit ü'j Engen Richter wurden iv i r schon jedesmal fertig, für die Polchs gegen Bebel und Liebknecht würde sich die„Freis. Ztg." L gewiß einen fähigeren Mitarbeiter suchen müssen. Endlich»L die„Freis. Ztg." ihren Lesern noch allerlei Unsinn über' gemeinschaftliches„losziehen" der sozialistischen Presse und. — Reptilien auf. In einem anderen Artikel derselben NnwA. giebt die„Freis. Ztg." freisinnigen Klubs, welche gegnerE Blätter halten wollen, den Rath, auf das„Berl. Bolksdlatt l abonniren. Hat Herr Richter sich diesen Rath wohl genügj'i überlegt? Wenn Jemand die„Freis. Ztg." und daneben°. „Berl. Volksbl." liest, merkt er, daß erstere die Artikel des letzte gewohnheitsmäßig entstellt und verdreht.» Die„Köln. Ztg." bringt folgenden:„Zur Alters- � Jnvaliditätsverficherung" überschriebenen Artikel: „Es ist fast unglaublich, mit welcher Theilnahinlosiöjt ein Theil der Arbeiter dem Alters- und Jnvalidlffu versicherungs- Gefetze gegenübersteht. Obwohl dff!. Gesetz den altersschwachen und arbeitsunfähigen Arbeu vor den drückendsten Sorgen schütze» soll, bringt demselben vielfach nicht nur kein Interesse, sondern MS ein gewisses Mißtrauen entgegen. Der Aufforderung, zeitig die Arbeitsnachweise zu verschaffen, kommt»ff. wenig nach und die'Arbeiter geben sich herzlich me»? Mühe, sich über ihre Pflichten und Rechte bezüglich ff- Gesetzes zu unterrichten. Es wird uns mitgetheilt, ff0' auf einem größeren Werke Alles gethan worden sei, ff' die Arbeiter zur Beschaffung der Arbeitsnachweise zu»' entschieden etivas Menschenscheues. Sie erivartete wünschte die Fortsetzung unseres Gespräches offenbar „Das habe ich Ihnen nicht gesagt," brachte sie langst hervor.„ „Tru— tu— tu-- tu— u— u... ertöi» plötzlich das Fagott init einer wahren Wuth, die SchlNff passage ausführend. Ich wandte mich um, und sah m rothen, aufgeblasenen Hals Herrn Ratschs unter seinen ä" stehenden Ohren und er kam mir sehr widerwärtig vor., „Aber... dieses Instrument lieben Sie gewiß nichb sagte ich halblaut.. „Nein... ich liebe es nicht," sagte sie, wie wenn V meine versteckte Hindeutung verstanden hätte.. Also! dachte ich, und mir war, als wenn ich mich Etwas freute. „Susanna Jvmwwna," sagte hierauf Eleonore Kp. pvwna in ihrer russisch-dentscheu Sprache,„liebt die Muff sehr und spielt selbst vortrefflich Klavier, sie will aber nü' mals spielen, wenn man sie sehr darum bittet."_ Snsanna antwortete Nichts— sie sah Eleonore Kaff powua nicht einmal au, und wandte nur leicht unter d� gesenkten Lidern die Augen nach ihrer Seite hin. Äff. dieser Bewegung, der Bewegung ihrer Pupille allein, konnff ich entnehmen, welche Gefühle Susanne für die Frau ihA Stiefvaters hegte, und ich freute mich wieder.. Unterdessen war das Duo bemdigt. Fnstoff stand a»>- näherte sich unsicheren Schrittes dem Fenster, an welche» ich init Susanne saß, nnd fragte sie, ob sie von Leuhaff die Noten erhalten habe, die er ihr ans Petersburg zu 0�' schreiben versprochen hatte.. „Ein Potpourri aus„Robert der Teufel", fügte ff hinzu, sich zu mir tvendend,„jener neuen Oper, über 61 jetzt so viel geschrieben ivird." „Nein, ich habe sie nicht erhalten," antwortete Susiu'ff und, das Gesicht zum Fenster wendend, flüsterte sie haft'S' „Ich bitte, Alexander Daviditsch,— ich bitte sehr, vera'l lassen Sie mich heute nicht zu spielen; ich bin gar tuo! dazu aufgelegt." „Was? Robert der Teufel von Meyerbcer!" rief Jsffff Demjanitsch zu uns herantretend, aus,„ich wette, daß d»' daß anlasten, durch Anschlag in der Fabrik und Beschaffung von Erläuterungen und Gesetzesauszügen. Doch Niemand hat sich darum gekümmert, noch den erforderlichen Arbeits- Nachweis verlangt. Ein Arbeiter erwiderte bei seiner Entlassung dem Beamten auf die Frage, ob er nicht die Arbeitsnachweisung haben wolle:„Die will ich Euch schenken". Und von ähnlicher völliger Theilnahm- loiigkeit hört man vielfach sprechen. Bei vielen Arbeitern ist es Gleichgiltigkeit, bei vielen Mangel an Einsicht und Verständnisi und bei manchen Mist- trauen. Man denkt, es ist doch ein Fallstrick dabei, und von sozialdemokratischer Seite geschieht schon das Nöthige, um die junge» Leute aufzuhetzen und eine feindselige Stimmung gegen alle Resormen und wohlthätigen Einrichtungen— zumal wenn sie vom Staate kommen— in ihnen zu erzeugen." q.. Ter letztere Satz enthält eine Unwahrheit. Sämmtliche «rdeiterblätter haben wiederholt die Arbeiter auf das Gesetz auf- "lam gemacht, und aufgefordert, sich die nöthigen Nachweise hü BeE[chaffen. Von Bebel und Singer ist eine sehr brauch- are Textausgabe des Gesetzes erschienen(Äerlag von I. H. W. jjlch m Stuttgart). Der im Verlag von Wörlein u. Komp. in mrnberg hergestellte Arbeiter- und Handwerker-Notizkalender s? das Jahr 1891, der soeben erschienen ist(dieser Kalender richemt jährlich, wird in ungeheurer Zahl abgesetzt und enthält J,'v>chtigsten Gesetze) bietet den Arbeitern das ganze Gesetz im m vrtlaute, so daß dieselben sich vollständig mit den Pflichten und 'echten dem Gesetze gegenüber vertraut mache» können. Daß die i�<, ter dem Gesetze mit einer völligen„Wurschtigkeit" gegenüber- s'ehen, ist doch nicht zum Verwundern, da ersteiis die Alrersgrenze m sveil hinausgcschranbt und dann bei Eintritt derselben die hll ejt,e sv winzige ist, daß die Arbeiter sich absolut nicht für vaz Gesetz begeistern können. In den Genuß der Invalidenrente gelange», setzt erst einen Unfall und die Erwerbsunfähigkeit voraus, wobei jeder Arbeiter im Stillen hofft, von solcher Eventualität verschont zu bleiben. Wir wollen gerne glauben, M die wenigen Arbeiter, die bald das 70. Jahr erreich: haben, o>e Nachweise zu erbringen, bereit sind. Die meisten Arbeiter 'vchsen aber auch, daß sie dieses Alter nicht erreichen und denken oeshalb, es nützt doch nichts. Als das Gesetz vor zwei Jahren zur öffentlichen Diskussion stand, wurden von Seiten der Arbeiter »ll die Mängel des Gesetzes genügend erörtert. . Ein ganz bestimmter Termin für den W i e d e r b e g i n n vor Neichstagsarbeiten ivar eigentlich nicht festgesetzt: vor Präsident halte sich vorbehalten, eintretenden Falls anch Ipater als am 18. November den Reichstag zu berufen. Das wird vu» voraussichtlich nicht der Fall sein, sonder» die Reichstags- urrcic in der dritten Novemberwoche wieder ausgenommen wer- o°a. Obschon die Kommission für die Abänderung der Gewerbe- Ordnung bebeutend früher ihre Thätigkeit wieder ausnimmt, so ist Ooch nicht daran zu denken, daß die zweite Lesung der Vorlage "och im Lause des November wird beginnen können. Die Mir- ßueder sind sogar auf eine weitere Ausdehnung der Berathnngen >n so weit gesagt, als es sich um die von der Regierung ein- veleitete Enquete bezüglich der Antrage der Kommission handelt, 'v-lche über die Vorlage hinausgegangen find, und wie bekannt, 0>e Sonntagsruhe und die Beschäftigung der Frauen in den Fabriken betreffen. Inzwischen hat sich, wie jetzt bekannt wird, v'e Regierung über einen anderiveite» Arbeitsplan des Reichs- '"gs schlüssig gemacht, so daß die Berufung am 18. November "ur zur Förderung des vorhandenen Arbeitsstoffes beitragen wird. Wie bereits früher gemeldet worden, wird das Plenum Oes Reichstages zum Theil durch den Etat, zum Theil durch einige andere Vorlagen eine Reihe von ersten Lesungen zu er- ledigen haben, während die Gewerbeordnungskominission ihre Ar- beiten fortsetzen bezw. zum Abschluß bringen kann. ' Der„Konfektionär", welcher über die geplante Reform der Gewerbesteuer seiner Zeit die ersten Mittheilungen gebracht hatte, veröffentlicht nunmehr die den Steuerdeputirten amtlicher- mts gegebenen Erklärungen, aus denen gleichzeitig die Pläne der Legierung über weitere Steuerreformen ersichtlich sind. Das %tt schreibt: . Nachdem die Befreiung der Gewerbesteuerpflichtigen, deren �'nkonnnen einen Ertrag von 1500 M. nicht erreicht(bisherige Steuersätze 6, 12 und 18 M.), beabsichtigt wird, sollen auch die vorauf folgenden Steuersätze erheblich vermindert werden. Es sollen nämlich fortab diejenigen Klassen, welche 80—00 M. zahlten (Einkommen 3—4000 M.), fortab 10—15 M., diejenigen Klassen, welche bisher 72—100 M. zahlten(Einkommen 6— 8000 M.) fortab 30—40 M. zahlen. So weit gehen die Ermäßigungen. Ae Einkommen von 8000 M. und darüber werden erhöht, dochl vurfte auch hier der Steuersatz von 1 Prozent des Betriebs- ertrages kaum überschritten werden. Von den ferner den Steuer- veplltirten gegebenen Erläuterungen seien die folgenden Namentlich hervorgehoben: Man plant keine neue e-teuer. Aus den bestehenden Steuern können bei besserer Veran- wguiig und gerechterer Vertheilung, welche die Minder- vegiiterten entlastet, die besser situirlen Klassen aber höher belastet, vollständig genügende Mehreinnahmen erzielt werden. Eine stärkere Heranziehung des Kapitals in der Art, daß alle die- ''eilige», welche gröpereS Einkommen aus festliegendem Kapital erzielen, also nicht aus den» Gewerbe, stärker als bisher belastet werden, wurde ausdrücklich betont. Es wurde besonders daran' hingewiesen, daß beispielsweise ein Kapitalist mit 100 000 M. Vermögen ungefähr 4000 M. Einkommen hat und nur von diesem Einkommen Steuer zu bezahlen hat, Ein Geschäftsmann aber, welcher 4000 M. verdienen will, hat nicht allein die daraus ruhende Einkommensteuer, sondern auch»och die Gewerbesteuer zu zahlen, so daß also das Kapital, welches nicht arbeitet, bei der bisherigen Besteuerung viel besser weggekommen ist, als das arbeitende Kapital. Nicht allein dieses Beispiel wurde angeführt, es wurde von amtlicher Seite auch noch betont, daß der Geschäfts- mann nicht blos Einkommensteuer, Gewerbesteuer, außerdem aber noch eine viel höhere Miethssteuer für seine Geschäftslokalitäten zu zahlen habe als der Kapitalist. Aus diesen und noch vielen anderen Gründen sei eine schärfere Heranziehung des Einkommens aus festliegenden Kapitalien mehr als gerechtfertigt. Es würde durch eine höhere Besteuerung des Kapitalisten ein Ausgleich zwischen derjenigen des Gewerbetreibenden herbeigeführt. Die Deklarationspflicht wurde ebenfalls erörtert. Von der Selbstein- schätzung scheint man noch vor der Hand absehen zu wollen, doch soll der Steuerpflichtige gehalten sein, den gewählten Mitgliedern der Einschätzungsbehörde auf Verlangen verantwort- liche Auskunft über Fragen, deren Einforderung zur Einreichung einer richtigen Veranlagung nothwendig ist, zu ortheilen, eventuell auch die Geschäftsbücher zur Einsicht vorzulegen. Bei Rekla- »rationell sott stets dieses Verfahren Anwendung finden. Wird die Beantwortung der gewünschten Fragen oder die Vorlegung der Bücher verweigert, so soll der Verwaltungsbehörde das Recht zustehen, das Einkommen nach bestem Ermessen abzuschätzen. Mit- glieder der Einschätzungskommission sollen ebenso wie bisher aus den Kreisen der zu Besteuernden gewählt werden. Den Vor- sitz bei den Berathungen soll ein dazu delegirter Staatsbeamter führen. Bezüglich der in vorstehendem Artikel enthaltenen Angaben über Asnderung der Steuersätze bemerkt die„Freis. Zeit.": In dieser Forin sind die Angaben keinesfalls richtig, und haben die betreffenden Steuerdeputirten die Sache anscheinend mißverstanden Dasselbe gilt auch von Andeutungen des„Konfektionär", als ob neben der Gewerbesteuer eine Kapitalrentenstencr beabsichtigt werde. Darüber hat bisher nicht das Mindeste verlautet und hatte man auch keine Veranlassung, gerade den Gewerbesteuer-Deputirten darüber Mittheilungen zu machen. Da» Strige» der Fteij'chpvoisr, namentlich im Monat August, wird jetzt auch durch die Tabellen der Statistischen Korre- spondenz bestätigt. Danach betrugen die Durchschnittspreise an den verschiedenen Marktorten für l Kilogramm: Rind-, Juni 123 Pf. Juli 123„ 'August 132„ Für Berlin stiegen: Rind-, Juni 124 Pf. Juli 127„ August 135„ sind Schweine-, 141 112 140 die Preise Kalb-, 122 123 127 noch viel Hammelfleisch 127 127 132 bedeutender ge- Hammelflcisch 134 135 143 �'"3 ansgezeichnet ist! Er ist ein Jude, und alle Juden, m auch alle Czechen sind ausgezeichnete Musikanten! Manders die Inden! Nicht wahr, Susaime Jvanowna? ■Aiie? Ha— ha— ha— ha!" letzten Worte Herrn Natschs und sein Lachen selbst .'llhielt diesmal mehr als seinen gewöhnlichen Scherz— e m sielten die Absicht, zu verletzen. So kam es mir oenigffens vor, tind so verstand sie auch Snsailne. Sie er- e.bte unwillkürlich, erröthcte und biß sich in die Unterlippe. �'» Heller Punkt, dem Glänze einer Thränc ähnlich, blitzte '} ihrer Wimper; sich rasch erhebend ging sie ans dem Ä'mmcr. „Wohin, Susanne 1" rief Herr Ratsch ihr nach. »Lassen Sie sie zufrieden, Ivan Tcmjanitsch," mischte {'ch Eleonore Karpowna hinein.„Wenn sie so Etwas im foPfe hat,. ,»Eine nervöse Natur," sagte Ratsch, sich ans dem Absatz �Nlmdrehend, und versetzte sich cincn Schlag ans den �'Henkel;— die am plexus solaris leidet. Ah, sehen Sic 'sch nicht so an, Peter Gaorililsch! Ich habe mich auch Anatomie beschäftigt, ha— ha! Ich verstehe mich auch '! die Hcilknust! Fragen Sie Eleonore Karpowna hier sta.-.. ich behandle sie in allen ihren Krankheiten! Solche Mittel habe ich!" ,„Sie müssen immer Scherze machen, Jivan Temjaniisch", '?3te diese unwillig, während Fustoff lächelnd und sich bei- '�llig schaukelnd die beiden Ehegatten betrachtete. „ r„Und warum denn nicht scherzen, mein Mütterchen! FchN> Ivan Demjanitsch das Wort.„Das Leben ist uns ZUM Nutzen und noch mehr zur Zierde verliehen, ivie ein be- !5»nter Dichter sagt. Kolja! wische Deine Nase ab! (uchelschwein!" N e u n t e s K a p i t c l. „„Ich war heute durch Deine Schuld m einer höchst ungeschickten Lage," sagte ich an demselben Abende zu Fustoff, * wir zusammen nach Hause gingeii., f..L r., »Du hast mir gesagt, daß diese... wie heißt fie doch wieder? Susanne— die Tochter des Herrn Rgtsch ist, sie " aber seine Stieftochter." „Freilich! Und ich habe Dir gesagt, daß sie eine Schweine-, Kalb-, 138 133 144 133 150 143 Mnrz«», 17. September. Nachdem die V o l k s v e r s a m m- lung, in derLicblnecht hier sprechen sollte, auf Grund des So- zialistengesetzes verboten war, wollte man einen Abschieds- omnlers veranstalten. Anch dieser ist verboten worden, und zwar durch folgendes klassische Schreiben: Air den Zigarrenarbeitcr Friedrich August Fleischer hier. wird Ihnen hiermit eröffnet, daß der von Ihnen für heute Abend 8 Uhr in das Gasthaus„Tivoli" hier zu Ehren des Herrn W. Liebknecht einberufenen öffentlichen Abschieds komniers aus Grund# 9 des Gesetzes gegen die gemein- gefährliche» Bestrebungen der Sozialdemokratie vom 21. Oktober 1878 uns verboten worden ist. Warzen, den 16. September 1890. Der Stadtrath. S u ch s l a n d Dieses köstliche Schriftstück spricht für sich selbst. Also nach Auffassung dos sächsischen Herrn Polizei-Stadtraths S u ch s l a n d ist die heutige Staats- und Gesellschaftsordnung gefährdet, wenn ein Kommers, d. h. ein fröhlicher, gesellschaftlicher Verkehr statt- findet. Freilich ein gesellschaftlicher Verkehr von Sozial- d e m o k r a t e n. Was aber könnten Sozialdemokraten auf einem „Kommers" Schlimmeres verüben, als einige Toaste? Und der ängstliche Herr Suchsland meint, von ein, zwei Toasten könnten die Grnndsesten des Staats und der Gesellschaft zusammenfallen, wie weiland die morschen Mauern von Jericho? Wahrhaftig, wenn ein Vertreter der sächsischen Polizei, die doch gewiß die Verpflichtung hat,„helle" zu sein, eine so heidenmäßige Furcht vor der Sozialdemokratie und eine so polizeiwidrig schlechte Meinung von der heutigen Staats- und Gesellschafts- ordnung hat, kann man es den deutschen Philistern im Allge- meinen und den sächsischen im Besonderen wahrhaftig nicht übel nehme», wenn sie vor dem„1. Oktober" zittern wie Espenlaub und ihr Bischen Verstand vollends durch den„Sozialistenschreck" verlieren. ist es nicht Tochter von ihm ist? Uebrigens... einerlei?•' „Dieser Ratsch," fuhr ich fort...—„Ach Alexander! Wie sehr hat er mir mißfallen! Hast Du bemerkt, mit welch einem besonderen Hohne er heute von den Inden zu ihr sprach V Ist sie denn... Israelitin?" Fustoff schritt vorwärts, die Arme hm und her schwingend; es tvar kalt, der Schnee knisterte wie Salz unter den Füßen. „Ja, ich erinnere mich, so etwas gehört z« haben," sagte er endlich...—„Ihre Mutter ivar, glaube ich, von hebräischer Abtunst." „Also hat Herr Ratsch zuerst eine Wittive geheirathet?" „Wahrscheinlich." „Hm!... Ist jener Fictor, der heute Abend nicht nach Hause gekommen war, auch sein Stiefsohn V" „Nein.... Der ist ein leiblicher Sohn. Uebrigens »tische ich mich, wie Du weißt, nicht in fremde Altgelegen- heilen, und liebe nicht, die Leute auszuforschen. Ich bin ilicht neugierig." Ich biß mir in die Zunge. Fustoff eilte vorwärts. Als wir zum Hause herankäme», hotte ich ihn ein, und sah ihm ins Gesicht. „Sage mir doch," fragte ich—„ist Susanne wirklich eine gute Klavierspielerin?" „Ja, sie spielt gut das Klavier," murmelte er zivischen den Zähnen.—„Aber sie ist sehr schüchtern, darauf bereite ich Dich vor!" sehte er mit einer kleinen Grimasse hinzu. Es war wirklich, als wenn er es bereute, mich mit ihr be- kaimt gemacht zu haben. Ich schwieg und wir trennten uns. Zehntes Kapitel. Am folgenden Morgen begab ich mich wieder zu Fustoff. Es ivar mir Bedürfnis geworden, des Morgens bei ihm zu sitzen. Er empfing mich eben so freundlich wie gewöhnlich; aber über unsern gestrigeil Besuch— kein Wort. Stumm, als wenn er den Mund voll Wasser hätte! Ich nahm und durchblätterte die letzte Nummer des„Teleskop". (Fortsetzung folgt.) „Der Kampf mit den geistigen Waffen" ist bereits ein überwundener Standpunkt. Unsere Feinde haben be- griffen, daß sie dabei schlecht wegkommen, und sie flüchten sich ivicoer auf den einzigen Standpunkt, der ihren Fähigkeiten ent- spricht: den des einfachen Drauflosschlagens im Stile der Aschantineger oder S ü d s e e- Insulaner.„Mit den Sozialdemokraten können wir nicht dislutiren(was aller- dings richtig), man muß sie ohne Weiteres niederschlagen" — zetert der unglückliche Sächser- Junker von F r i e s e n in seinem„Vaterland", dem offiziellen Zentraloman der sächsischen Reaktionäre. Herr von Friesen, der es der Welt nicht vergessen kann, daß er das Pulver nicht erfunden hat, ist beiläufig eines der harmlosesten Individuen, die je deutsches Bier getrunken haben— und wenn er im Ernst einen Floh kränken sollte, würde er sich erst in einigen„Döbbchen" die nöthige Kourage antrinken müssen. Dasselbe gilt von den Gelehrten des„Leipziger Tage- blatt", die in der Nummer vom 17. b. M. offen zur L y n ch- justiz gegen die Sozialdemokraten auffordern und den Bauern den ntenschensreundlichen Rath geben, sozialdemokratische Agitatoren, die aufs Land kommen, so kräftig abzu- fertigen, daß ihnen das Wiederkommen vergeht. Und in ähnlicher Weise sprechen sich hunderte von Ordnungspartei-Blättern aus. Offen gestanoen freut uns das; wir hattest zwar niemals Illusionen in puncto der geistigen Fähigkeiten unserer Feinde, es kann uns aber nur mit Genugthunng erfüllen, daß sie s i ch selbst so gut erkannt haben und mit solch' kühner Aufrichtigkeit sich das geistige Armnthszeugniß ausstelle». Berichtigung. In der Ansprache des französischen National- rathes an die deutsche Sozialdemokratie muß es statt„einen mächtigen Ausdruck" heißen„seinen mächtigsten Ausdruck", so daß die beireffende Stelle vollständig lautet: „Der Kongreß zu Halle wird Euch geschlossener und kämpf- froher denn je zeigen und so die angeblichen Spaltungen, erfunden und ausgebeutet von der Bourgeoispresse aller Länder gegen den internationalen Sozialismus, der i n E u ch sein e n mächtig- st e n Ausdruck findet(clont vous fites la plus puissaate expression), in ihr Nichts zerfließen lassen." Schweiz. Zu den Tessiner Vorgängen schreibt die„Züricher Post": So sehr wir den neuen wilden Ausbruch des Parteihasses im Kanton Tessin bedanern und so sehr derselbe die Eidgenossenschaft im Auslande bloßstellt— was nicht die letzte Ursache unseres Bedauerns ist— so müssen wir doch heute, einige Tage nach dem Beginne des Aufstandes, darüber froh sein, daß die Ereignisse nicht eine schlimmere Wendung genommen haben, als es geschehen ist; denn leicht konnte ein eigentlicher Bürgerkrieg, ein allgemeines Blutvergießen entstehen. Wir haben diesen verhältnißmäßig günstigen Verlauf des unglücklichen Handels wohl zunächst dem Umstände zuzuschreiben, daß die Intervention rechtzeitig erfolgte. Allerdings waren nur wenige Mitglieder des Bundcsrathes in Bern auf dem Platze, als dort die ersten Nachrichten aus dem Tesfln«intrafen, aber es ist doch hinsichtlich der nothwendigen Anordnungen offenbar nichts versäumt morden. Diejenigen Herren Bundes- räthe, welche es geraume Zeit sind, mögen sich bereits zahlreicher Male erinnern, da sie wegen Tessiner Depeschen eilends aus ihrem Hause aufs Kapital gerufen wurden, um die Republik zu retten. Dieses Mal aber mag der Vundesrath, da so manche einer Mitglieder gleichzeitig abwesend waren, empfunden haben, daß er nothwendiger ist, als er sich selbst dafür hält. In Zu- kunft wird er es vielleicht richtig finden, nicht stets Deputationen von mehreren Mitgliedern zu einem Feste abzuordnen, sondern nach dein Worte zu verfahren ünurn sed leonein, ivonach ein Bundesrathsmitgli ed genügt, da ein solches an Festen immer schon ein Löive ist, und er wirb auch trachten, den Turnus der Vakanzen der einzelnen Herren, so wohlverdient dieselben sind, genauer festzusetzen, Man weiß am schönsten Sonntag nicht, wo an den Grenzen heimlich eine Wolke sich ballt! Aber das sind Be- »icrkungen im Vorübergehen. DieHauptsache ist, daß der Bundcsrath nicht zögerte, im Tessin die AuSdehiinng des Aufstandes zu verhindern, und daß seine Maßregeln den Anforderungen des Bundesrechts und der politischen Situation entsprachen. Zwar ist gesagt worden, die Instruktionen an den Kommissär hätten gleich von Anfang an vollständigere und dadurch be- stimintere sein sollen. Aber wir halten dafür, daß es auch sein Gutes haben kann, wenn man in solchen Lagen nicht Alles mit einem Schlage erledigen will, sondern seine Entschließungen von der Kenntnis! der Sachlage abhängig macht, die sich nicht im ersten Augenblicke gewinnen läßt. Es handelte der Bundesrath im Einklänge mit dem eidgenössischen Verfassungsrechte, indem er die Auflösung der neuen Regierung anordnete, und wenn er nicht ohne Weiteres die Wiedereinsetzung der alten Regierung vornahm, lassen sich die Gründe, die er hierfür haben kann, er- rathen und begreisen. Trifft die Deutung z», daß der Bundes- rath die alte Regierung nicht wiedereinsetzen, sondern einfach sie selber sich konstituiren lassen will, weil rechtlich sie nicht abgesetzt sei, so ist dieser Standpunkt gewiß ein juristisch korrekter. Aber daß der Bundesrath die Zurück- führung der gefangenen Regierung überhaupt nicht in erster Linie betrieb, erklärt sich auch aus Gesichtspunkten, welche in so außerordentlichen Fällen neben dem formellen'Rechte Geltung beanspruchen dürfen. Da sind doch die Beruhigung des Landes, die Sicherheit der Personen, die Vermeidung blutiger Zu- sammenstöße das Erste, und wen» man diese erzielen kann, in- dem man die konstitutionellen Fragen mit Bedacht statt Hals über Kops erledigt, ist den wahren Interessen des Staates am besten gedient. In gleicher Weise verstehen wir deshalb die Haltung des Kommissärs. Derselbe hätte ja die Mitglieder der provisorischen Regierung sogleich bei seiner Ankunft aus dem Regierungs- gebäude sorftagen oder gar verhaften können. Aber was wäre damit erreicht gewesen? Aller Wahrscheinlichkeit nach würde die Stimmung nur eine gereiztere geworden sein. Der 5tom- miffär thftt wohl daran, sich nicht auf Buchstaben und For- mein zu steifen in Augenblicke», da die Leidenschaften das Wort führen. Soweit wir daS Amte» des Kommissärs überblicken können, tvar dasselbe weder rücksichtslos noch schtvächlich; dem Takte, welcher es kennzeichnet, kommt das Verdienst zu, die Gc- fahr neuer Konflikte beschworen zu haben. Noch immer herrscht indessen Meinungsstreit darüber, ,vie die Regierung nun im Kanton Tessin fortgeführt, verde» soll. Um diese scharfe Ecke ist schwer herumzukommend Als recht- mäßige Regierung kann nur die gestürzte Regierung angesehen »'erden und biete also werden die eidgenössischen Banonette stützen muffen. Wir können die Minderheiten in den Kantone», wenn die Kantonsversasfungen ihnen nicht Raum und Licht geben, nur beklagen, aber zu ihrer lliettung bietet uns die Bundesverfassung keine Waffe. Das ist ein bedauernswürdiger Zustand; leider ist er der RechtSznstand. Möchte doch die Btmdesverfaffnug ein Minimum bürgerlicher Rechte festsetzen, das jeder Kanton seinen Bürgern gewähren müßte, und Garan- tieen kür die Vertretung der Minderheiten in Regierung, Justiz und Verwaltung! Tie Tessiner Revolution wäre für die Ge- schichte nicht verloren, wenn sie den Anstoß zu einer derartigen Befreiung der Menschen und Eidgenossen von der Willkür gäbe, welche unter dem Schutz der kantonalen Souveränität geübt werde» kann, und wenn sie den Moder dieser falschen Herrlichkeit wegschaffte. Natürlich müßte im Bunde selbst ein Gleiches ge- schchen; auch im Bunde müßten das Wahlrecht und die Wahl- kreise, die Wahl und ZusackMensetznng der Behörden derart geordnet sei», daß nicht die Rechte ganzer Parteien daran Schaden nehme». tlm aber von» Nächsten zu sprechen, so böte sich freilich im Tessin eine unanfechtbare Lösung dar. Wenn die Mitglieder der konservativen Regierung ihre Demission einreichten, könnte der Große Rath eine neue Regierung einsetzen und der in den letzten Tagen vielfach gemachten Anregung, Männern beider tesstnischen Parteien die Staatsleitung zu übergeben. Folge leisten. Ob es wohl dem moralischen Einfluß der Behörden, der Presse und der Bevölkerung gelingt, von den Mitgliedern der Tessiner Regierung dieses Opfer zu erlangen? Frankreich. Es wird wieder einmal ein bischen„enthüllt", und zwar heut nicht über den Boulangismus, sondern über die hohe inter- nationale Politik, speziell über das Verhältniß zwischen Rußland und Deutschland. Die Enthüllung geht von dein bekannten russischen Exdiplomaten Tatischtschew aus, welcher nach einem uns aus Petersburg zugehenden Privattelegramm im„Russki Westnik" Folgendes erzählt: Als im Herbst 1886 Katkow in Petersburg weilte, ersuchte der deutsche Botschafter von Schweinitz den ihm von Wien be- kannten Tatischtschew, zwischen ihm und Katkow eine Begegnung herbei zu führen. Herr v. Schweinitz rief darauf hin, daß er schon zu Ende der sechziger Jahre als Militär-Bevollmächtigter Beziehungen zu Katkoiv angeknüpft und zur Zeit der Krönung im Mai 1888 eine lange Unterredung mit demselben im Auftrage des Fürsten Bismarck hatte. Katkow irrte sich, der Berliner Hof denke nicht daran, die erprobte Freundschaft Rußlands mit der zweifelhasten Oesterreichs zu vertauschen. Das Berliner Kabinet halte für das beste Mittel zur Versöhnung der Gegensätze einen Dreibund, worin Deutschland als unparteiisches Mittelglied zwischen Oesterreich und Rußland vermittele. Tatischtschew ver- ständigte von dem Wunsche des deutschen Botschafters Katkow, welcher erklärte, er habe mit Herrn v. Schweinitz Nichts zu reden, der Botschafter kenne seine Meinung aus der„Mos- kowskija Wcdomosti", ebenso er die Anschauungen des Diplomaten. Herr v. Schweinitz, so sagte Katkow hierzu, sei ein aufrichtiger Freund Rußlands, er glaube, was er spreche; doch das sei eben die Kunst des Fürsten Bismarck, seinen Vertreter in Petersburg über die wahren Absichten des Reichskanzlers in Jrrthum zu lassen.„Herr von Schweinitz," so äußerte Katkow u. A. zu Tatischtschew,„überzeugte mich, so lange, als ich die Geheimnisse der auswärtigen Politik nicht kannte und abstrakt urtheilte; jetzt weiß ich Alles, was ich bisher nicht einmal ahnte. Nichts ist im Stande, meine durch Fakta gewonnene Ueberzeugung zu erschüttern. Sagen Sie dem Botschafter, seine Worte hätten Wirkung geübt. Ich sei von der Heilsamkeit des projektirten Dreibundes überzeugt. Die Kombination gefalle mir sogar der- maßen, daß ich mich nicht mit einem Dreibunde begnüge, sondern vorschlage, sofort einen zweiten zwischen Rußland, Deutschland und Frankreich zu schaffen; damit die Aehnlichkeit vollständig werde, müsse Rußland mit Frankreich, ähnlich dem deutsch-öster- reichischen Bündniß von 1879 ein Spezialbündniß abschließen. Kommt dennoch ein deutsch-französtscher Krieg, so würde Ruß- land Frankreichs Partei ergreifen, ebenso ,me Deuffchland Partei Oesterreichs." Diese scharfe Antwort, bemerkt TatlMV- veranlaßte ihn, sie Schweinitz nicht direkt, sondern durch eine Person zu übermitteln.....„a. Was Tatischtschew da erzählt, ist nicht unwahrsaiei_ Es ist aber auch nichts, was zur Beurtheilung der' Wickelung der europäischen Lage etwas wesentlich Neues beiwj MedAkkion Bei Anfragen bitten wir die Abonnements-Quitiung beizufügen. Antwort wird nicht ertheill. J Ihre frühere Anfrage entsinnen wir uns nicht, halten zu haben. Ihre Frage läßt nicht erkennen, ob«u Uhr im Einverständniß mit dem letzten Käufer erwerben w oder ohne dessen Wissen. Danach muß aber die Antworr schieden aussallen. Zu mündlicher Auskunft sind wir bereit. ? Wenn der Ausländer hier naturalisirt wird, so mu?' hier Soldat werden, auch wenn er sich in seiner Heimath ve freigeloost hatte.„ fj A. f. 184. Der uns mitgetheilte Sachverhalt klM unglaublich, daß wir Sie zunächst um tnündliche Mitthe»� bitten müssen, ehe wir Jhneit Rath ertheilen. Theater. Freitag, den 19. September. Gpernlfau». Carmen. Schauspielhaus. Die Braut von Messina, oder: Die feindlichen Bruder. Berliner Theater. Eva. Deutsches Theater. Das Winter- niärcheii. Lesstug- Theater. Das zweite Geficht. jsriedrich-Milhelmstiidt. Theater. Die Puppensce. Schwätzerin von Saragossa. WaUner- Theater. Mamsell Ni- touche. Nestdenz-Theater. Ferreol. Dilrtoria- Theater. Die Million. Kelleallianre- Theater. Madame Bonivard. Guten Morgen, Herr Fischer i Ostend» Theater. Der stolze Hein- rich. Hierauf: Im Vorzimmer Sr. Ercellenz. Thomas-Theater. Der Alpsnkönig und der Menschenfeind. Adolph(Ernst- Theater. Unsere Don Juans. Kaufmann'« Uaristö. Große Epe- zialitäten-Vorstellung. Theater der RrichshaUe». Große Spezialitäten-Vorstellung. Tonrordia. Große Spezialitäten- Vorstellung. Miutergarten. Große Spezialitäten- Vorstellung. Gedr. Richter'« Norietö. Große Spezialitäten-Vorstellung. Englischer Garten. Direktion: C. Andreas, Alexanderstraße 27o. Auftreten der Chanson netto Fräulein Ehrenfeld. Auftreten der Kostüm-Soubrette Fräul. Rosa Valerie. Auftreten des Gesangshumoristen Herrn Zieyler. Auftreten des Malabaristen und Equi- lebristen Mr. Charles. Auftreten des Professors Herrn Jean Clerrnon t mit seinen dressirten Schwei- neu, Esel und Gänsen. Anfang Wochentags 8 Uhr. Sonntags SVa Uhr. Entree Wochentags u. Sonntags 80 Pf. 50 Pf. und 75 Pf., im Vorverkauf 20 und 30 Pf. Der Garte» ist an Vereine f. Sommer- sestlichkeiten m.Spezialitäteu-Vorstellung zu vergeben._ WWeNllt Biiggenliageii am Moriizplatx. Täglich: Grosses Garten-Concert. Direktion A. Uödmann. Dienstag und Freitag: Walzer-Abend. Fntriip Wochentags 10 Pfy., Hill II LL gönn- nnd Festtags 25 Pfg. Bei ungünstiger Witterung in den unteren Restauratioiisraunten. Großer Frühstücks- und Mittagstisch. Spezial-Ausfchauk von Patzenhofer Export-Bier, Seidel 15 Pf. Die oberen Säle bleiben bis auf Weiteres wegen Stenovirung geschlossen. 641 F. Müller. Kommandantens tr. 77—79 Täglich: Grosses Concert mit Ouartett-Käugeru, ausgeführt von dem Musik- Direktor H. San ftl eb en. Wochentags: F« ei»Concert. Sonntags Enträe 20 Pf. Empfehle auch zugleich 3 Billards, 3 Kegelbahnen und einen Saal zu Ver- gnügungen und Versammlungen. 703 F. Sodtke. Passage 1 Tr. 9 Uhr M. b. 10 Uhr Ab. Kaiser-Panorama. Hervorrag. Sehenswürdigk. d. Residenz. Zum 1. Mal: Fünfte Reise durch das malerische Schottland. I. CycluS: Frankreich. 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Eworabräwg Den Genoffen des Südosten cinpfehle außer vorzüglichem Meiffdirr auch das bei den Arbeitern so beliebte Cvora- brän, ä Glas 10 Pf. 1753 Olto Linke, Forst-rstraffe 45. WMWer Irnich gen.:..DirfidrleZiagetkiste", Berlin N., Elsasserstraße 73, gegenüber der Bergstraße. Reudez-vous aller lebenslustigen Herren. Brömmels, Radaubrüder und Quasselfritzen haben keinen Ein- tritt. Kapellmeister: R. Blank. Gesang: Lucia üloor. E. Schultze(nnt'n tz), Plansch-Apotheker. Panl Schröder s Wirthshilils Waansee in Beeiitzhcftf bei Wannsee empfiehlt sein Lokal für Gesellschafte», Vereine, Familien u. a. m. zil Aus- flügen und Landpartien._ tMf Ausspannung."WlZ Bahnverbinduiig durch Vorortzüge und Potsdamer Bahn nach Statton Wannsee, von dort zu Fuß in 15 bis 20 Minuten nach meinem Lokal. Zu den zwei ersten Vorortzügen werden vom Schlesischen Bahnhof u. Alexander- platz Arbeiter-Tagesbillets zum' Preise von 50 Pfennig für Hin- und Rückfahrt nach Wannsee ausgegeben. 287 Seil ßtMitn"""SfuSn Herren- u. Knaben- 1407 Garderoben- Geschäft. Willi Palst« Elisabethkirchstr. W dilti JT Cltii, Nr. 8 am Pappelpl. GWsWils S. Seine. Mhanfleestrasze 14 Die schönsten 4 Werkleiter imi) Wen ül für Mädchen joden Alters, sowie 4 Mgenrölke, llnterrölke, ] TriAtnillen n. Musen «auch im Einzelverkauf sehr billig! W Massbestellungen n. Reparaturen j werden prompt erledigt! IChansseestraße14. | WWW 0» Seine. Eine außerordentliche General"Versammlung der MkmkenW der MWineii- bR-Arbeitern.verni.Beruftg. zu Kortitt findet am Sonntag, den 28. Sept. er., Vorm. 10 Uhr, im Restaurant See- feldt, Grenadierstraße 33, statt, wozu die Herren Delegirten der Arbeitgeber und Arbeitnehmer hierdurch ergebenst eingeladen werden. Tagesordnung: 1. Bericht des Vorstandes über den Stand der Angelegenheit wegen der in der General- Versammlung am 2. März er. beschlossenett Streichung des§ 62 a des Statuts und erneuter Antrag auf Streichung dieses Para- araphen. 2. Bericht des Vorstandes über das augenblickliche Verhältniß unserer Kasse zu dem Gewerks-Krankenverein. 3. Beschlußfassung d. Generalversamm- lung über die Kündigung des Ver- träges mit dem Gewerks-Kranken- verein. 1931 Der Wichtigkeit der Tagesordnung wegen werden die Herren Delegirten ersucht, recht zahlreich zu erscheinen. Das Mandat legitimirt. Berlin, den 18. September 1890. Der Vorstand: Carl Thieme. Wnig! Wmig! GenM-MgliM-Vechiiml. des Untersttttzmlgsvereins d. Maurer Berlins am Sonntag, den 21. d.. Vorm. lOVa Uhr, in Schcffer's Salon, Jnselstraße Nr. 10. Tagesordnung: 1. Abrechnung vom letzten Quartal. 2. Abrechnung vom Vergnügen. 3. End- giltige Beschlußfassung zur Vertagung des Vereins eventuell Vorstandswahl. 4. Verschiedenes. Gäste haben Zutritt. 1942 Der Vorstand. Vereins-Bibliotheken errichtet und vervollständigt E. Nenenhalin's Buclili. Serti», Kommandantenstraße 77—79. Duch Wchteu WWglliig bin ich gezwungen, in meinem altrenom- mirten. Geschäft neben Pantinen, Holz- n. Filzschuhen, auch Lederwaaren, wie Damen-, Herren- u. Kinder-Stiefel (Spezialität) zu führen, was ich meinen Freunden und Genoffen hiermit zur Kenntniß und in Erinnerung bringe. Jeder Genosse, der bis'zum 30. Sept. Etwas kauft, erhält ein Billet zu dem an diesem Tage stattfindenden Arbeiter- fest gratis, auch sind bei mir Billets zum Preise von 20 Pf. pr. Stück zu haben. Chr. Geyer, Oramenstr, 4. Bitte lesen Sie! Jedem, der billig kaufen will, empfehle mein reichhaltiges Lager in Sommer» Paletots, Rock- und Jacket- Anziigen, sowie einzelnen Hosen, Röcken, Jackets, Westen:e.; serner Damen-Mäntel und-Kleider, Stiefel, Hüte, Betten, Wäsche, Uhren, Reise- li. Holzkoffer u. s. w. Alles in alt u. neu! Kaufe sämmtliche Sachen aus Auktionen und von Leihämtern; auch sind verfallene Pfänder dabei, daher sehr billige Preise. A. Sttzitn, Bitte recht genau aus Namen u. Hans- uummer zu achten. Spiegel nnd t Polsterwaareu. eigener Gr. Lager, bill. Preise. Fabrik. Emil Heyn, Brunnenstraße 28, Hof parterre. Theilzahlung nach Uebereinknnst. Oeffentiiche Versammlung sämmtlicher Cewerkschaftei am Freitag, den 19. September, Abends SVa Uhr, in Jordan s Salon, Neue Grüuftraße 23. Tages-Ordnung: ie« 1. Sanktionirung der Resolutionen und Beschlüsse von der»(ssLi Streik-Kontrolkommisfion. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Zahlreiches Erscheinen erwünscht Der Giubernfrv> Grche ößentl. Bvlks-BersmmlM für 0trlilliii-Rllmiiitlsbiirg rnili Umgegeiiij am Sonntag, beit 21. September 1890, Vorm. 11 W in der Gräfl. Reischach'schen Brauerei zu Stralau. Tages-Ordnung: j 1. Unser Programm. 2. Der Organisations-Entwurf. Referent C" Baake. 3. Diskussion.— Entree nach Belieben. Der Einberufei*' ßkofie öffeiitl. Bolls-BersaiiinililiiS für Kirdorf nah Umgegend* am Sonntag, den 21. September 1890, Vormittags lOVs Ü" im Saale des Herrn Niesegk, Bergstrasse 129. Tagesordnung: 1. Der Organisationsentwurf und der Parteitag. Referent. Werner. 2. Dlskufsion. 3. Wie stellen sich die Genossen zur Beschs des Parteitages. 4. Verschiedenes.— Es ist Pflicht der Genoffen des Kreises, recht zahlreich zu erscheinen. 1927 Der Einberufer. Wo. l Mmor- ii. AmtaMel. Sonntag, den 21. September, Vorm. 10 /s Uhr,, in„DeigmUller's Lokal", Alte Jakob- Strasse No. 48* Mitglieder-VersammUmg. � Tagesordnung: l. Diskussion. Geschäftliche Vereinssachen. 2. Erledigung der gegangenen Anträge. 3. Verschiedenes. Um pünktliches und zahlreiches Erscheinen wird ersucht. Oer Vorstand. {ifl1 Mgeineiner ileilWr Snttlemerein MitgliehM VerÄ; Sonnabend, den 20. d. M., Abends 8',3 Uhr, bei Reyer, Alte Jakobstrass® IM" MefsammBung."MW. Tagesordnung: 1. Vortrag des Schulamts- Kandidaten Herrn"l* über:„Selbstmord und die sozialen Verhältnisse in Dentschland." 2. kussion. 3. Verschiedenes.— Die Versammlung beginnt pünktlich. 1928 Oer Vorstand.. w NB.: Sonntag, den 21, d. M., findet ein gemüthliches Beisammeim in May's Sälen, Beuthstr. 20, statt. Anfang Abends 6 Uhr. Entree f«'' Verein MWohrmig der Zntereisen herKlavierarveit� iiiii) verivliiihter VtriissMßen. General- Versammlung____ � am Montag, den 22. September, Abends präzise 8 9»" in DeigmUller's Salon, Alte Jakobstrasse 48a. Tagesordnung: 1. Antrag des Vorstandes: Wahl einer Werkstatt-Kontrolkomimsm 2. Resolution, betreffend die Arbeilszeil. 3. Vereinsangelegcnheit. u Den Mitgliedern wird bekannt gemacht, daß sich die Wohnunsi*"> Kassirers vom 28. September Adalbertstraße 71, Seitenflügel 1 Tr., befind Der Vorstand. Grosser Sommernachtsball ItS lUttaiiks Ittltflhll Miller unii Rihlnttdeiter(KÄ _ am Sonnabend, den 20. d. M., mr in Behlitz' Salon, Berg-Strasse No. 12..j Billets, Herren 50, Damen SO Pfg., sind im Lokal bei Herrn 3!ehliS' haben. Gäste hierzu ladet freundlichst ein 1917 Das Comitee. I. A.: C. Wilke.. Fachver'ein«Sei* Tischler(Vorrt: Montag, den 88. September, Abend« 8>/s Uhr. in der ��Ornnerei,(oberer Saat), Gesundbrunnen, Kadstratze� WST" Gr. Versammlung Tages-Ordnung:„ck 1. Vortrag des Herrn Millarg über:„Die Gervinnbetheiligung ,< Arbeiter nnd ihre dadurch bedingte Lebensweise." 2. Diskussion. 3. Geu'f, schaftliches. 4. Verschiedenes.— Sämmtliche Kollegen sind zu dieser Versaw lung eingeladen.[1951] Der Bevollmächtigte�� [Alhert Auerbach. Kottbnsrr Damm 7(nahe der Kottbnser Drücke). W Schuhe und Stiefel für Herren, Damen, Kinder. Sjjcjlalitlit: Herreustiefel, genagelt»»d aus Rand- Pferdebahngeld vergütet. ).V- m u—............»>■—_ Pservevnyngeto verguier.> Verantwortlicher Redakteur: Enrt Kaake in Berlin. Druck und Verlag von Mar Fading in Berlin SW„ Beuchstraße 2. Hierzu ein- Keilas�' - Beilage zum Berliner Volksblatt. Nr. 318. Freitag, de« 19. September 1890. 7. Jahrg. tZouttttnnnles. Stadtverordneteil-Uersammiung. Sitzung vom Donner st ag, den 18. September. mi Vom Vorsteher, Stadtv. Dr. Stryck, wird die Sitzung um m,A Wht mit einer Reihe geschäftlicher Mittheilmigen eröffnet. oen Abtheilungen ist ein Ausschuß zur Vorbernthung der rni®e' botreffend die Herstellung eines Wassersturzes im Viktoria- imö die Vergrößerung des Parkterrains gewählt worden. m.th Spielberg ist am 13. d. M. gestorben. s.,.-mch Eintritt in die Tagesordnung werden einige Naturali- onsgesuche geschäftsordnungsmüßig erledigt. . Vorlage, betreffend die Einrichtung deS Steindepot-Platzes .u»mken Ufer der Oberspree wird nach längerer Debatte, an der lh r e �odtv. Seile, Kalisch, Dünse. Eßmann und Bceliz be- tilgten, nach dem'eintrage des Ausschusses genehmigt. rt, folgt die Berathung über den Antrag Vogtherr und jpNDsten, t,en Magistrat mit Rücksicht ans den am 11. August �-wiederum stattgefundenen Vorfall, daß ein Einwohner hie- Ijpr Stadt von eine m Wachtposten erschossen worden Z'.% ersuchen, gemeinsam mit der Versammlung die zuständigen ■"Iitärbehörden aufzufordern, schleunigst Vorkehrungen zu treffen, Wonach derartige, die Sicherheit der Bürgerschaft bedrohende Vor- ommnisse unmöglich gemacht werden.—(Der Wortlaut des An- mges ist unseren Lesern bekannt.) ,, Hierzu beantragen die Stadtv. Langerhans und Genossen lolgende Beschlußfassung: In Erwägung, daß die Versammlung zwar die aus- gedehnten Befugnisse der Wachtposten, von der Schußwaffe Gebrauch zu machen, für dringend abänderunasbedürftig hält, daß es jedoch Sache der Volksvertretung, speziell des llieichstages, ist, Beschwerden der in Siede stehenden Art zur Besprechung und eventuell zur Abhilfe zu bringen, beschließt die Versammlung, über den Antrag Vogtherr und Genossen zur Tagesordnung überzugehen. Das Wort erhält zunächst der Antragsteller. . Ctadtv. Vogtherr: Denjenigen, welche der Tageschronik Stadt einige Aufmerksamkeit schenken, wird der Vorfall vom v August nicht entgangen, und jeder Menschenfreund wird durch ihn erschüttert sein. Ein Mann wird vom Wachtposten «tedergeschossen, weil er seinen Anordnungen nicht Folge geleistet hat. Aber nicht mit Rücksicht auf diesen einen Fall ist der Antrag von Ws gestellt, sondern mit Rücksicht auf mehrere Fälle und auf das �'llirarreglement überhaupt, das solche Vorfälle erst herbeiführt. stalle sind bekannt, wo direkt Unbetheiligte getödtet oder verwundet Wurden, so an der Hasenhaide, vor der Reichsdruckerei in der �ranienstraße und vor einigen Jahren im Jnvalidenpark. Von diesen Fällen wird auch künftig die Rede sein, wenn nicht das iaeglement geändert wird. Zur Entschuldigung solcher Vorfälle svird angeführt, daß es sich um Kinder, um Trunkene handele, wiilfig mit einem Seitenhieb auf die arbeitende Bevölkerung. Unruhe.) Gerade Kindern und Betrunkenen gegenüber ist Milde ton Platze. Schwerhörige können den Zuruf des Soldaten hören. Wenige kennen die Instruktion, denn TOveit sind wir doch ivohl noch nicht, daß<3- oder 7jährige �laatsbürger das Militär-Reglement schon auswendig kennen. ■astn Antrag ist weder zwecklos noch abnorm. Jni April 1888 , sade ein Antrag Jakobs-Horwitz angenommen, der sich mit der- Angelegenheit befaßte, freilich aber keinen Erfolg hatte. f-!e Stadl muß trotzdem, gleichgillig um den äußeren Erfolg, in lachen Fällen alles thun, was in ihrer Atacht steht. Wir sind Mündig und werden dieser Zuständigkeit nicht enthoben durch �.Gründe, welche der Antrag Langerhans enthält. Was läßt 3? sich die Stadt nicht alles kosten, um den Bürgern Leben und Wundheit zu schütze». Wir bemühen uns alle, derartige Ein- Achtungen zu fördern. Da sollten wir einen Augenblick zögern, jro auch in diesem Falle rücksichtslos zu bekämpfen, was sich dem «ohle Bürger entgegenstellt? Unser Antrag ist kein Partei- Antrag. Wie schon erwähnt, wurde 1888 von Jacobs beantragt, 5!° Art der Militärgefaugenen-Transporte zu ändern, und der 'chtrag wurde rund und nett angenommen. Auf die nähere Be- Nundung des Antrages Langerhans bin ich gespannt; die vor- istgende genügt nicht. Was in ihn, angeführt wird als Grund, Angelegenheit hier nicht zu derathen, konnte auch als Grund M Nichtberalhung der Anträge im Jahre 1683 und 85 gelten. Mb doch beriethen Sie damals. Dem Wahn gebe ich mich W.ch nicht hin, daß unser Antrag nun bei der umiitärbehörde Erfolg haben wird. Gegenüber dem 'Ucksichtslosen Vorgehen der Militärbehörde, welches fußt auf vor- "' Instruktionen(Lachen) nützt aber nur Rücksichts- ch.-�it, nicht sentimentales'Abwarten. Jeder Bürger ist der hi,i?,"usgesehl; völlig unbetheiligte Personen werden betroffen. P�iN suichen Möglichkeit, die nichts als die Möglichkeit größter wert» ist, die Krieg im Frieden ist, muß entgegengetreten der&' iÜnser Antrag erfordert kein Geld, er ist dem Prinzip hakt-»!!!""'tät entsprungen. Läßt der Magistrat sich den Zweifel- 4n,i iituhm nicht nehmen, zaghast und rücksichtsvoll in dieser !N ch� zu sei»,'"'---- hat sich nicht darum zu riu . thun. Gegenüber der N ei»-'"ußte es jedem nur einigermaßen frei denkenden z„ �chuhre Herzenslust sein,• 11-|J Stadtv. Aerf» ü" lein, so geht das nur ihn an. Die Stadtverordneten- ik. ii)~t!1'l,n9 hat sich nicht darum zu kümmern, sondern ihrerseits it,»a �Us cht zu thun. Gegenüber der llebermacht des Militaris- -.r--------"'igermaßen frei denkenden Atenschen diesem Ungethüm einmal die Zähne Meyer I: Unser Antrag ist völlig begründet. Ui,, Sendungen wie„Brutalität" und„Ungethüm" sind zu grob, Alilll" Zu wirken. Es hat eine gewisse Berechtigung, dem wSh/al-posten mehr Rechte als einem Schutzmann etwa zu gc- weil er sich nicht von seinem Posten entfernen darf. W...M�ts ist es aber ein Uebelstand, wenn ungebildete Re- jedn�.�as Recht haben, mis Zivilisten zu schießen. Wir sind »lein- der Angelegenheit nicht kompetent. Wir dürfen nur Ist., �ste Angelegen heilen" besprechen. Eine„geineinc Angelegenheit" wir vor. Nach der Theorie des Herrn Vogtherr könnten »Ur- N Edes schlechte Gesetz des Staates erörtern. Wir dürfen diiiio?*er"' was unsere Kommune besonders oder in Verbin- >»?»?, 111 anderen Konununen angeht. Es wäre ein Uebergrifs, iuz..'vir, die wir auf Grund einer Klassenwahl hier sitzen, uns allol,'"�«tischten, welche die Volksvertretung, die auf Grund des » nic,i,;„ gzxjchx,, Wahlrechts zu Stande kommt, allein angehe. ..............""K, diu durch die'Art und Weise, wie der Stadtv. Ndiii,,,..°en Antrag auf motivirten Uebergang zur Tages- n!Nsainn>,..��'ndet hat. Wie anders dachte vor 25 Jahren diese h1'1 ollen ß0.:."ts Männer wie Kochhann, Breßler und Vollgold Reckt ruften den Grundsatz verfochten, daß es nicht nur a"g sei'„ii.Cr!' die Pflicht der Stadtverordneten-Versamm- °Ueru'n»°n öffentlichen Angelegenheiten in de» Kreis ihrer 0"»" Zwhen. Wo soll es denn hin, wenn Sie sich diesen Pflichten entziehen, nur weil Sie fürchten, irgendwo Anstoß zu erregen? Kann es ein größeres„gemeines Interesse" geben, als hier, wo es sich um Leben und Gesundheit der Bürgerschaft handelt? Als 1888 ein ähnlicher Antrag hier vorlag, haben Sie für ihn gestimmt. Freilich war der Antragsteller nicht aus unseren Reihen, sondern gehörte der Majorität an. Unsere Pflicht und Schuldigkeit ist es, dafür zu sorgen, daß nicht soldatischem Jugendübermuth und Muthwillen Leute zum Opfer fallen.(Unruhe, Glocke des Vorstehers.) Vorsteher: Ich ersuche Sie, das Wort„Muthwillen" zurückzunehmen. Stadtv. Singer: Ich habe keine Ursache, auch nur ein Wort von dem zurückzunehmen, was ich gesagt habe. Vorsteher: Dann rufe ich Sie zur Ordnung. Stadtv. Singer: Ist es nicht unerhört, in die Hand von jungen Leuten Leben und Gesundheit der Passanten zu legen? Können Sie die militärische Schneidigkeit so anbeten, daß Sie die Verhängung der Todesstrafe auf Nichtbcfolgung der Anordnung eines Postens billigen? Durch die Auffassung, wie sie von dem Stadtv. Meyer I vertreten worden, wird das Petitionsrecht der Bevölkerung purs vernichtet. Schon vom Standpunkt des durch die Verfassung garantirten Petitionsrechtes aus, haben wir das Recht, zu der vorliegenden Frage Stellung zu nehmen. Wenn wir 83 den„Schlag ins Wasser" nicht gescheut haben, so können wir ihn auch heute wagen. Sollte der Magistrat unser» Antrag wirklich abweisen, so bleibt es uns dann immer noch überlassen, für uns Schritte zu thun. Aber der Magistrat wird es sich sehr überlegen, bevor er es auf sich nimmt, einem solchen Antrag nicht Folge zu leisten. Wie nothwendig es ist, den Wirkungen des Militarismus Widerstand entgegenzusetzen, das haben doch wahr- lich gerade Vorkommnisse der letzten Zeit bewiesen. Denken Sie an den empörenden Vorgang, der sich in der Kaserne am Gieß- Hause abgespielt hat. Dahaben wir doch allen Grund, jedem Vorschlag zuzustimmen, der die Macht des Militarismus einzu- dämmen sucht. Leben und Gesundheit der Bürger dürfen nicht in die Hände deS ersten besten, zwanzig-, einundzwanzigjährigen Wachtpostens gelegt werden. Sollte die Militärbehörde auf unsere Wünsche nicht eingehen, dann hat sich Magistrat und Stadtoerordneten-Versaiiimlnng mit einer Petition an den Reichstag zu wenden und ihn gemeinsam aufzufordern, diesen unerträglichen Zuständen ein Ende zu machen.— Ich wünschte, sie fänden den Muth, den Sie vor 25 Jahren hatten, wieder und bekundeten ihn durch Annahme unseres Antrages. Stadtv. Barth: Wir sind, was den materiellen Untergrund der Frage betrifft, völlig einverstanden mit den Antragstellern. Es handelt sich hierbei aber um eine Zweckmäßigkeits- und Kompetenzfrage. Von einer besonderen Köurage unsererseits kann doch gar keine Rede sein, wenn wir den Antrag Vogtherr an nehmen. Wir müssen aber sagen, daß der Autrag gar keine Wirkung haben wird. Er bleibt vielleicht schon beim SRagistrat hängen, jedenfalls aber bleibt er völlig wirkungslos bei der Militärbehörde. Das Recht, hier öffentliche'Angelegenheiten zur Sprache zu bringen, möchte ich nicht einschränken. Der Fall auS dem Jahre 1883 lag anders. Ich möchte mich nicht gerne an unnütze Schritte betheiligen. Das nützt unserm Aiffehen nicht. Wir könnten eine Antwort von der Militärbehörde berommeii, die wir nicht hinter den Spiegel stecken. Ein Schlußantrag wird angenoininen. Der Antrag Langerhans und Genossen wird angenommen. Die übrigen Gegenstände der Tagesordnung sind belanglos. Schluß 73.4 Uhr. UQlrQloS. lieber das lilakchineinvekeu einst und jetzt bringt die „Zcntralztg. für Optik und Mechanik" eine Reihe interessanter Mittheilungen: Nur wenige dürften eine richtige Vorstellung davon haben, mit welchen Schwierigkeiten es noch vor sechszig Jahren verbunden war, ein brauchbares Werkzeug aus Metall oder gar eine brauchbare Maschine herzustellen. Der 1874 im Alter von 85 Jahren gestorbene englische Ingenieur Fairbirn, der Verbesserer der Spinnmaschipe und Erfinder der eisernen Schiffe, bezeugt, daß noch im Jahre 1814 in allen englischen Maschinen- fabriken sämintliche Verrichtungen in Handarbeit bestanden. Man kannte damals weder Hobel-, noch Fraise-, noch Bohrmaschinen, die Drechselbank und der Drill-Bohrer waren irr iuw Hauptsache Alles, was dem damaligen Mechaniker zu Gebote stand. Dabei mußten diese Apparate mit der Hand geführt werden; sie standen also in der Genauigkeit der Arbeit selbst bei den geschicktesten Meistern gegen die heutigen, durch Dampf be- wegtc» Arbeitsmaschinen weit zurück. Nähinaschinen, die ja auch bei der Herstellung von Schuhwerk jetzt eine große Rolle spielen, hätte man damals selbst wenn Plan und Zeichnungen vollständig vorgelegen, gar nicht herstellen können.— Alle Erfinder jener Zeil waren genöthigt, die Maschinen, die sie erdacht, eigen- händig ohne maschinelle Beihife anzufertigen, wobei sie vorher meist erst die erforderlichen Werkzeuge zu erfinden und anzufertigen hatten. Als der berühmte englische Mechaniker Clement im Jahre 1814 als Meister in eine Londoner Werkftätte eintrat, fand er das Hand- Werkzeug in einem so ungünstigen Zustande vor, daß er oft"Tage lang an der Schnnedeesse zubringen, hämmern, feilen, bohren mußte, um das Gezähe zweckmäßig einzurichte». James Watt, der eigentliche Erfinder der Dampfmaschine, konnte seine erste Maschine nicht recht in Gang bringen, da es an genauen Vorrichtungen fehlte. Auch war er genöthigt, sich brauchbares und zweckentsprechendes Werkzeug erst selbst herzustellen. Der erste Tampfcylinder, den Watt gießen ließ, zeigte sich undicht und war überdies an dem einen Ende fünf Millimeter weiter als an dem andern Ende. Ein guter Dampfcylindcr darf aber in dieser Hinsicht keinen Unterschied über einen halben Millimeter zeige». Und mit welchen Uukoslcn waren damals alle'Arbeiten verbunden! Withe w orth, einer der ältesten Fabrikanten von Arbeits- Maschinen in England, hebt hervor, daß das Poliren von Gußeisen- flächen vor 40 Jahren, da diese Arbeit noch mit der Hand ausgeführt werden mußte. 12 M. pro Quadratsuß gekostet hat, während die heutige Metall-Hobelmaschine eine weit bessere Leistung für 10 Pfennige bestreitet. Auch die ersten Stahl-Schreibfedern wurden durch Handarbeit hergestellt. Der bekannte englische Stahl- fedcr-Fabrikant Perry zahlte für die ersten brauchbaren Stahl- federn 3 M. Lohn pro Stück. Wenn man daher liest, daß eine Stahlfeder 20 M. kostete, so kann das nicht Wunder nehmen. Und doch werden die damaligen Stahlfedern in der Qualität und Brauchbarkeit hinter den heutigen zurückgestanden haben. Nach- dem die Fabrikation etwas in Fluß gekommen war, mußte man noch immer vier, dann zwei Mark für eine Stahlfeder zahlen und noch lange hielt sich der Preis auf einer Mark pro Stück. Welch ein Abstand gegen heute, wo man für diesen Preis schon ein Groß brauchbarer Stahlfedern kauft. Ein Keamter, der nicht in vielen Exemplaren zu finden ist, ist der Pritstabel, der Wasservogt der Havel und Spree, über welchen der„A. f. d. H." folgende Mittheilnngen macht: Der Pritstabel stammt noch aus der wendischen Zeit und war ursprünglich ein Fischer, dem sich seine Bernfsgenossen freiwillig unterordneten. Das Wort stammt von Pristav(Ausseher). Der Pritstabel ist nur der Spree und Havel eigenthümtich, es giebt je einen in Spandau, Ruppin und Köpenick. Schon in einer Urkunde von 1437 wird der Pritstabel erwähnt. Seine Attribute sind der Knittspahn und der eiserne Hecht zum Messen der Netz- waschen. Seine Einnahmen setzten sich früher mannigfach zu- sainincn, u. a. hatte der von Köpenick die Nutzung des Schilf- grases auf den kleinen Inseln der Spree. Auf seinen Reisen be- herbergten und verpflegten ihn die Fischer. Jetzt ist der Prit- stabel ein Beamter der Domänenverwaltung mit festem Gehalt. Der Weber Karl Kecker, augenblicklich in Niederschön- weide wohnhaft, ist vor ungefähr zwei Monaten aus Amerika zu- rückgekehrt, wohin er sich nach seiner im Jahre 1887 erfolgten Ausweisung begeben hatte. Die Rückkehr des Ausgewiesenen ist von verschiedenen bürgerlichen Blättern so ausgelegt worden, als ob Herr Becker sich zum Zwecke unbehelligter Rückkehr an irgend eine Behörde gewandt habe. Wir sind in der Lage, alle dahin- gehenden Gerüchte auf ihren wahren Werth zurückführen zu können. Herr Becker ist ohne eine Person oder Behörde zu fragen hierher zurückgekehrt und gedenkt auch fernerhin hier zu verbleiben. Der Graf von Kleist-Lotz ist am Mittwoch Abend gegen 7 Uhr von neuem verhaftet worden. Derselbe hatte im Laufe des Tages noch erhebliche Einkäufe im Geschäft von Rudolf Herzog gemacht. Gegen Abend hatte er eine längere Konserenz mit seinem Vertheidiger, Rechtsanwalt Wronker. Als er dessen Bureau verließ, wurde er auf der Straße durch auf ihn wartende Kriminalbeamte verhaftet. Die Nacht über wurde er im Polizei- palaste am'Alexanderplatz internirt, am Donnerstag früh erfolgte feine Einlieferung in das Moabiter Untersuchungsgefängniß. Wenn schon die kgl. Staatsanwaltschaft von vornherein die seitens des Untersuchungsrichters angeordnete Haftentlafsung nicht gebilligt hat, so scheint es doch, als habe das allgemeine Aus- sehen, welches die Haftentlassung gegen Stellung einer Kaution von 10 000 M.— einer Summe, die im Verhältniß zu dem aus 7 Millionen geschätzten Vermögen des Grafen geradezu bagatell- mäßig erscheint— im Publikum und in der Presse erregte, wesentlich zu der erneuten Verhaftung beigetragen zu haben. Dazu gesellten sich die Mitlheilungeu der Presse über die Schwere der Verletzungen, welche der Restaurateur Ulberts erlitten, und endlich der Umstand, daß der Graf nach seiner Haftentlassung sofort einen neuen Exzeß provozirte(der aller- dings schlimme Folgen nicht gezeitigt hat). Unter allen diesen Umständen erscheint eine erneute Haftentlassung selbst gegen hohe Kaution ausgefchlossen, zumal es in dem Falle Älberts eines Strafantragcs— ein solcher liegt nämlich noch nicht vor— seitens des Verletzten gar nicht bedarf. Wenn die Vertheidigung — wie es den Anschein hat— darauf hinarbeitet, den Herrn Grafen als geisteskrank, wenigstens als hochgradig und bis zur Unzurechnungsfähigkeit nervös hinzustellen, und wenn sie dabei durch ärztliche Autoritäten unterstützt wird, so kann es zwar ge- schehen, daß der Herr Graf straffrei ausgeht, aber dann dürfte es ihm passiren, daß er, wie einst der Fürst Salkowsky, als gemeingefährlich in eine Jrrenaiistalt gesteckt wird, um dort von feinem nervösen Leiden befreit zu werden. Zur Affaire Kleist. Der Zustand des in der Sonnabend Nacht von dem Grafen in der geschilderten Weise so mißhandelten Restaurateurs Albers hat sicki in der verflossenen Nacht derartig verschlimmert, daß, wie der behandelnde Stabsarzt Dr. Döhring erklärte, eine Amputation des rechten Armes, wie auch eine solch» des rechten Fußes leider nicht zu umgehen sein wird. Dieselbe dürfte, da eine brandähnliche, hochgradige Entzündung bereits ein- getreten, schon am heutigen Nachmittag vorgenommen werden. Eine sehr schwere Verletzung, die ebenfalls zu großer Besoraniß Veranlassung giebt, hat sich A. im Gefäß dadurch zugezogen, daß ihm. nach erfolgtem Absturz über das Treppengeländer, der Atesstngbügel einer Zigarrentasche, �welche er in der sogenannten Stevolvertasche seines Beinkleide S trug, tief in das dicke Fleisch eindrang und später nur mit Mühe entfernt werden konnte. Wie verlautet, werden die nächsten Familienmitglieder des Herrn A. auf dem Wege des Zivilprozesses gegen den gräflichen Attentäter vorgehen, um eine Entschädigung für die Verstümmelung des Herrn A. geltend zu machen. Großes Aufsehe» erregt km benachbarten Rirdorf die Verhaftung des daselbst wohnhaften und in Berliner Geschäften wohlbekannten Vergolders H. wegen Verübung einer Reihe von Einbruchsdiebstählen.— In letzter Zeit haben derartige Dieb- stähle in den gesammten Bororten, ganz besonders aber in Rix- dorf, in bedenklichster Weise überhand genommen, so daß die Ortsbehörden im Verein mit unserer Kriminalpolizei eine rege Thätigkeit entwickelten, um den Dieben auf die Spur zu lomnien. — So gelang es denn auch vor Kurzem, eine aus zehn Personen bestehende Bande, bei welcher sich ein„Einbrecher-Matador", der berüchtigte„Schlosser-Karl", befand, festzunehmen. Mitglieder der Bande scheinen nun„gepfiffen" zu haben und das Resultat der Untersuchung war, daß H., der sich des besten Leumunds er- freute, als der Urheber einer großen Zahl von Einbrüchen ver- hastet wurde. Der Vcrgoldcr, welcher in vielen besser situirten Familien Zutritt hatte und dieselben besuchte, fand natürlich so die beste Gelegenheit, Diebstähle„auszubaldowern" und e-Z find ihm bereits acht Diebstähle nachgewiesen, die von der Bande unter seiner Leitung ausgeführt wurden. Auf dem Kahnhof Friedrichstrahe traf hier vorgestern gegen 3 Uhr die Wirthschafterin K., aus Neisse kommend, ein, welche einem arge» Betrug zum Opfer gefallen ist. Unmittelbar nachdem sie den Eisenbahnzug verlassen hatte, trat ein Mann. welcher der K. wohl ansehe» mochte, daß sie in Berlin nicht be- kannt ist, an sie heran mit der Frage, ob sie bei ihm Wohnung nehmen wolle, er habe mehrere Zimmer unter vortheilhaften Bedingungen zu veriniethen. Die K. willigte ein, und der Mann, welcher sich für einen„Kellner Gröhl" ausgab, rief nun einen mit einer blauen Blouse bekleideten, mit einem demjenigen der Dienstmänner ähnlichen Blechschild versehenen Menschen herbei und beauftragte diesen, das Gepäck der K. auf seinen Handwagen zu laden und damit fortzufahren. Dann führte der angebliche Gröhl die K. in eine Gastwirthschast und durch mehrere Straßen. Schließlich bat er sie, in einem der Lübeckerstraße belegenen Hause eine Bestellung zurichten. Der K. wurde die ihr bezeichnete Wohnung mau geöffnet und als sie nun auf die Straße zurückkehrte, war ihr Begleiter verschwunden. Ihr Gepäck, ein großer Reisekorb, ein grauer, be- schlagener Handkoffer und ein Lederkoffer hat sie nicht wieder zu Ge- ficht bekommen. In den Behältnissen befanden sich nach ihren Angaben außer Kleidungsstücken und Wäsche ein Sparkassenbuck, der Sparkasse zu Neisse über 12 000 Mark. 800 Mark in baarem Gelde und noch verschiedene Kostbarkeiten, u. A. eine goldene Damen-Remontoiruhr. in deren Kapsel„Neisse" und zwei Buch- staben eingravirt sind, sowie ein goldener Siegelring mit Vet- schaft und den Buchstaben F. K. Der vorgebliche Gröhl ist 83 bis 40 Jahre alt, hat schwarzen, auf der rechten Seite grau- gemischten Schnurrbart, schwarzes, kurzgeschnittenes. vorn hoch- gekämmte� Haar, ein volles, rolhes Gesicht und war mit einem graubraunen, etwas abgetragenen Sommerüberzieher, dunkelein Rock, schivarzer Tuchhose und Weste und mit einem runden, schwarzen Hut bekleidet. iii aus- '"cht Krlbstmord im Thievgartett. Von Passanten wurde heute früh im Thiergarten die Leiche eines gut gekleideten jungen Mannes an einem Baume erhängt aufgefundein Die Polizei veranlaßte die Ucberführung der Leiche nach dem Obduktionshause, woselbst sie im Laufe des Vormittags von Angehörigen bereits rekognoszirt worden ist. Ueber die Veranlassung zum Selbst- mord soll jegliches Motiv fehlen, da der Tobte ein sehr solider Mensch gewesen und in durchaus geregelten Verhältnissen gelebt haben soll. Steckbrieflich verfolgt wegen Diebstahls wurde irrthüm- licher Weise der Schneider Franz Krosche. Am 4. d. M. Morgens wurde in seiner Wohnung, Hollmannstr. 84, verhaftet und nach Moabit geschafft. Glücklicherweise konnte K. Zeugen für seine Schuldlosigkeit beibringen und so wurde er denn, nachdem sich der Jrrthum herausgestellt hatte, entlassen. Krosche mußte drei Tage in Moabit zubringen.' Strnogrrtphie- Unterricht. Der Stenographen- Verein „Apollobund" hat die Stenographie nach dem Arends'schen System so vereinfacht, daß nur noch 4 bis 6 Stunden zur Erlernung er- forderlich sind. Damit sich jeder davon selbst überzeugen kann, beginnen öffentliche Nnterrichtskurse ain nächsten Freitag in dem Saale Koinmandanteustr. 62, am n ä ch st e n M o n t a g im Moabiter Kasino, Wilsnackerstr. 63, überall Abends 8»/« Uhr, und ain n ä ch st e n Sonntag Mittags 12 Uhr(namentlich für Damen und Schüler) im Saale Kommandantenstraße 62. Der Unterricht wird überall mit einem von H. Matschenz gehaltenen Vortrage über die Bedeutung und Entwickelung der Stenographie eingeleitet werden, wozu jeder freien Zutritt hat. Der Unterricht ist unentgeltlich, für die Lehrmittel sind 3 M. zu entrichten. Potizeibrricht. Am 17. d. M. Morgens wurde auf dem Königsplatz, in einem Gebüsch, die Leiche eines neugeborenen Kindes aufgefundeu und nach dem Schauhause geschafft.- Abends fiel vor dem Hause Oranienstr. 145 infolge eines Fehltritts der Hutmacher Bächstein und erlitt einen Bruch des linken Fuß- gelenks.— Zu derselben Zeit sprang ein Mädchen von der Groß- beerenbrücke in den Landwehr-Kanal, wurde jedoch, anscheinend ohne Schaden genommen zu haben, aus dem Wasser gezogen. Langjährige Krankheit scheint die Veranlassung zur That gewesen zu sein. nnern" trugen.— Rechtsanwalt Entschiedenste, daß Schmitt in Verbindung gestanden habe sich derselbe mit verkauft. Herr Schmitt neuge- Axter Gerichts Ioikung. (Bitte Krleidigttttgsklage, welche heute vor der 98. Ab- theilung des hiesigen Schöffengerichts verhandelt wurde, drehte sich um Angelegenheiten der Arbeiterpresse und nahm deshalb enie längere Zeit in Anspruch. Privatkläger war der Vorsitzende des Vereins Berliner Buchdrucker und Schriftgießer, Philipp Schmitt. Angeklagter der Redakteur des„Berliner Volksblatt" Kurt Vaake. Am 15. April c. fand im Joel'scheu Saale in der Andreasstraße eine Gewerkschaftsversammlung statt, in welcher euie Kritck an der Fach- und politischen Arbeiterpresse geübt wurde. Bei dieser Gelegenheit soll Herr Schmitt die Arbeiter- preise heftig angegriffen und gesaal haben, daß beispielsiveise das„Berliner Volksblatt" bis in die Knochen hinein verfault sei. — Das„Berliner Volksblatt" erwiderte darauf in eine», heftigen Artikel, ,n welchem es Herrn Schmitt, welcher s. Z. Mit- arbefter des„Volksfreund" gewesen ist, einen„Leibosfiziosus des Herrn Schweinburg" nannte und die Vermuthung aussprach, daß vielleicht die Absicht vorliege— wie dies im Jahre 1884 durch den„Volksfreund" geschehen sei— mit einer gekauften Presse und durch gekaufte Männer einen Keil in die Arbeiterbewegung hinein- zutreiben. Die Entstehungsgeschichte des ehreliwerthcn„Volkssreund" und die Rolle, welche Herr Schmitt dabei gespielt, sei noch nicht vergessen.— Als Vertreter des Angeklagten war Rechts- anwalt Tallert als Vertreter für den Rechtsanwalt Heine, als Anwalt des Privatklägers Rechtsanwalt Dr. L a t t e r m a n», zur Stelle, als Zeugen ,varen Maurer Wernau, Ti styl er Wiedemann, Redakteur S ch>v e i n b u r g und Schriftsetzer Rudolf geladen.— Rechtsanwalt Tallert führte aus, daß die Kritik über Herrn Philipp Schmitt eine durchaus berechtigte sei. Der„Volksfreund" habe ursprünglich sozialdemokratische'Allüren angenommen, thatsächlich sei dasselbe aber von Herrn Redakteur Schweinbura, dem jetzigen Herausgeber der offiziösen„Ber- liner politischen Nachrichten" dirigirt worden und diese Verhält- nisse hätten den bei dem„Bolkssreund" beschäftigt geivesenen Schmitt nicht verborgen bleiben können, da viele der dem„Volks- freund" zugehenden Artikel auf Papier geschrieben waren, die das Wasserzeichen„Ministerium des 5 Latte r mann bestritt aufs mit Herrn Schweinburg habe, noch viel weniger seiner politischen Gesinnung habe nichts weiter gethan, als daß er für ein gründctes Arbeiterblatt, welches von einem Herrn Dr. redigirt und einem Herrn Krause verlegt wurde, den Arbeitertheil redigirte.— Rechtsanwalt Tallert bot einen neuen Beweis dafür an, daß Herr Schmitt seine Gesinnung gegen persönliche Vortheile wechsele. Als in der Osfizin der„Berliner Zeitung" eine Niederleguna der Arbeit stattgefunden, habe Herr Schmitt als Vorsitzender des Vereins der Buchdrucker eine öffentliche Er klärung erlassen und darin Herrn Ullstein des Wortbruchs bc schuldigt. Am Tage nachher habe er aber eine direkt entgegen� gesetzte Erklärung über das Verhalten des Herrn Ullstein ver- öffentlicht, und zwar weil er sich inzwischen als Metteur bei UU stein gemeldet habe.— Angekl. B a a k e: Bis zum Jahre 1884 sei es unter der Herrschaft des Sozialistengesetzes unmöglich ge- ivesen, ein sozialistisches Blatt heraus zu geben. Da sei der „Volksfreund" deS Herrn Schweinburg erschienen und zu Bericht- erstattern und Redakteuren des Blattes seien Leute engagirt ivor- den, welche in der Gewerkschaftsbewegung eine Rolle gespielt haben. Dazu gehörte Herr Schmitt, welcher früher Sozialdemokrat gewesen und an einem Blatte mitwirkte, welches, wie sich später heraus- stellte, von der Regierung subventionirt war. Er bitte dringend, sowohl den Redakteur Schweinburg, als auch den Schriftsetzer Rudolph zu vernehmen, um ihm den Wahrheitsbeweis zu er- mögliche», daß der Kläger seine politische Gesinnung verkauft habe.— Der Gerichtshof vernahm aber nur den Maurer Wernau und den Tischler Wiedemann über die Acußerung, welche der Kläger in der qu. Versammlung gethan, und verzichtete auf die Vernehmung der übrigen Zeugen.— Rechtsanwalt L a t t e r m a n n beantragte eine empfindliche Strafe, da es sich hier um die Verächtlichmachung eiueö Mannes handele, welcher noch heute Vorsitzender eines der größten gewerk- schastlichen Vereine sei.— Rechtsanwalt Tallert beantragte da- gegen die Freisprechung. Er machte geltend, daß der Angeklagte als Redakteur des„Vollsblattes" nur eine diesem Blatte zu- gefügte Beleidigung auf der Stelle erwidert habe und erhob außerdem Widerklage auf Grund eines von Herrn Schinitt am 6. Mai veröffentlichten Flugblattes. Der Bertheidiger bat nochmals namentlich um Vernehmung des Herrn Schweinburg, zum Beweise dafür, daß Herr Schmitt auf dem Bureau der „Nordd. Allg. Ztg." für de»„Volksfreund" engagirt worden sei. — Der Privatiläger Schmitt betonte seinerseits, daß er nur von einer Korruption der gesammten Presse gesprochen und dazu allerdings auch das„Berliner Volksblatt" gerechnet habe. Als er in die Redaktion des„Volksfreundes" eingetreten, sei dasselbe ein parteiloses Blatt gewesen, es seien aber mit Singer und Bebel Verbindungen angeknüpft gewesen, um das Blatt zu einem Partei- organ zu machen, doch haben sich die Bemühungen zerschlagen. Er habe bis zum heutigen Tage noch keinerlei Beweis dafür, daß der„Bolkssreund" ein Regierungsblatt gewesen, dagegen wisse er daß die Reichstags-Abgeordneten der sozialdemokratischen Partei ihre stenographischen Berichte dem„Volkssreund" zum Abdruck gegeben und da er geglaubt habe, daß es doch Jemand freistehen könne, ein Arbeiterblatt herauszugeben, ohne um Er- laubniß zu sragen, so habe er kein Bedenken gehabt, an demselben mitzuarbeiten. Er habe den„Volksfreund" für ein ehrliches Blatt gehalten und habe ehrlich daran mitgearbeitet, ohne seine Gesinnung zu verkaufen. Im Uebrigen habe er zu erklären, daß der Verein Berliner Buchdrucker und Schriftgießergehilfen kein ausgesprochen sozialdemokratischer Verein sei, sondern auch ultramontane und konservative Mitglieder habe.— Der Gerichtshof erkannte nach längerer Berathung auf die Klage und Wieder- klage beide Theile der Beleidigung für schuldig, aber für straffrei da die Beleidigungen kompensirt seien. Öoziole Mobevfichk. Zttr Aufklärung. Von verschiedenen Orten sind mir, be- zllglich der geplanten Gewerkschaftskonferenz, Anfragen zugegangen, woraus ich ersehe, daß viele Genossen der Meinung sind, es handle sich jetzt schon um einen allgemeinen Gewerkschaftskongreß. Dem ist jedoch nicht so. Zur Konferenz, welch eMitte November in Berlin zusammentreten soll, ist Einladung erlassen: An die Vorstände der zentralisirten Organisationen, Vorsitzende von Geschäftsleitungen(wie sie z. B- die Maurer haben), Vertrauensmänner, welche für ganz Deutschland oder einzelne Bundesstaaten f u n g i r e n(z. B. bei den Metallarbeitern), Abgeordnete von Landesversammlungen(wie solche von Zeit zu Zeit in Sachsen, Württemberg, Bayern w. stattfinden), Ver- trete r von Gewerkschaftskartellen(wie sie in Berlin, Leipzig:c. bestehen). Die Konferenz soll eine Vorberathung sein, deren Resultat dem einzuberufenden allgemeinen Gewerk- chaftskongreß in Form eines Gutachtens unterbreitet wird. Es öllen für die gewerkschaftliche Organisation gewisse Normen fest- gestellt und die Frage erörtert werden, ob nicht ein einheitliches Vorgehen bei Arbeitseinstellungen, Arbeitsausschüssen und ähn- lichen Bewegungen durchführbar ist, in welcher Form sich die ein- zelnen Organisationen gegenseitig unterstützen könnten, um eventuell alle verfügbaren Kräfte auf einen Punkt konzentriren zu können. Die Konferenz wird nur solche Fragen behandeln, welche auf die Organisation Bezug haben, so daß jede Gewerkschaft unbedenklich sich offiziell ver- treten lassen kann. Im Interesse allseitiger Verständigung liegt es, daß keine Organisation sich der Konferenz ern hält. Alle Ansichten und Wünsche sollen gehört und in dem, den allgemeinen Kongreß, zu erstattenden Gutachten berück- ichtigt werden. Spezielle Einladungen an die einzelnen Organi- ationen werden nicht ergehen, das Lokal in welchem die Konferenz tagt, wird rechtzeitig bekannt gegeben werden. Fürth, Bayern, 17. September 1890. Martin Segitz, Vertrauensmann der Metallarbeiter. Alle Arbeiterblätter werden um Abdruck ersucht. VevkÄmmlrmge«. Die ,, Freie Uolksbiilitte" hielt am Mittivoch Abend eine» Rezitationsabend, zu den, Frauen und Männer eingeladen waren, im Konzerthause„Sanssouci", Kottbuserstr. 4a, ab. Der gewaltige Saal, der über 2500 Personen faßt, war bis auf den letzten Platz gefüllt. Eine unerträgliche Hitze herrschte im Saale. Herr Dr. Wille eröffnete die Versammlung mit einigen ge- schäftlichen Mittheilnngen. Es sei zwischen dein Vorstand der „Freien Volksbühne" und der Direktion deS Ostend-Theaters ein Vertrag abgeschlossen worden, nach welchem die letztere verpflichtet ist, ihr Haus der„Freien Volksbühne" für Vorstellungen zur Ver- sügung zu stellen. Die erste Verstellung wird a», Sonntag, den 12. Oktober, Nachmittags 2 Uhr, statt- finden. Beginn der Vorstellung 2Vs Uhr. Bekanntlich werden die Plätze ausgeloost; doch seien die Stehplätze von der Ausloosung ausgeschlossen.(Bravo.) Tie Mitglieder, welche die Vorstellungen besuchen, seien gehalten, ihre Garderobe beim Garderobur abzugeben. Doch geschehe die Abnahme der Gardlrobe unentgeltlich.(Bravo.) Weiter iverde in der»ächsten Woche eine Versammlung im„Königshof", Büloivstraße, in der übernächsten Woche eine solche bei Feuerstein, Alte Jakobstr. 75, stattfinden; in beiden Versammlungen wird Herr Dr. Konrad Schmidt einen Vortrag über„Naturalistische Dichtung" halten. Damit war das Geschäftliche erledigt. Herr Oberregisseur Julius Hutter hielt hierauf die ange- kündigte Vorlesung. Zum Vortrag gelaugten folgende Dichtungen: 1)„Requiescat" von Freiligrath, 2)„Das Lied vom Heinde" von Hood, 8)„Anna" von Julius Hart, 4) Een Boot is noch butcn" von Arno Holz, 5)„Frieden" von Heinrich Heine. 6) Morgenroth" von Gottfried Keller, 7)„Das Urthcil des Ehemiaca" von Chamisso, 8)„Siesta" von Kielland, 9)„Der Kongreß der Sbirren" von Giusti. Die Vorlesung fand lebhaften Beifall beiin Publikum. Unangenehm bemerkt wurde die schlechte Akustik des Saales. Viele Feinheiten der Vorlesung gingen dadurch dem größten Theil der Zuhörer verloren. Die Bersaminlung schloß mit einen, dreifachen Hoch auf das Gedeihen der„Freien Volksbühne". (Bitte üffetttllckc Schulim>icherversi,mi„l>!»g tagte ain Montag in Feuersteln's Salon, Alte Jakobstr. 75, in welcher Kollege Klüß aus Elmshorn über„Gewerkschaftsorganisation" sprach. Der Referent erörterte zunächst an der Hand von Bei- spielen die trostlose, ökonomische Lage der Schuhmacher. Dann kam der Referent auf die verschiedenen Organisationen der Berliner Schuhmacher zu sprechen und nannte es einen taktischen Fehler, wenn hier am Ort mehrere Vereinigungen bestände». Es wäre ein fanatisches Treiben, wenn die vielen Vereine, welche alle ein gleiches Prinzip hätten, sich nicht entschließen könnten, zusammen zu marschiren. Er müßte entschieden der Zentral- orgnnisation den Borzug geben. Wir sehe», wie die Unternehmer sich immer mehr zusammen schließen. Es ist unsere Pflicht, das- selbe zu thun. Es würde von der Lokalorganisation immer ein- gewandt, es können in der Zentralorganisation keine politischen Angelegenheiten zur Erörterung gestellt werden, was zu bestreiten wäre. Wir hätten doch außerdem die öffentlichen Versammlungen. Zu taktischen Fragen übergehend, verbreitete sich Redner in längeren Aus- führungen über die Mittel der Ausklärung und meinte, es wäre »othwendig die Logisarbeit aufzuheben und an deren Stelle Zentralwerkstellen zu fetzen. Ebenso wünschenswerth wäre es, eine iZlrbeitsloscn-Kasse zu gründen, wie es zweckmäßig ist, Fachschulen und Arbeitsnachweis zu gründen. In der Diskussion wandte Kollege Klinger sich gegen die Ausführungen des Vor- tragenden. Es wäre undurchführbar, die Logisarbeit aufzuheben und Zentraliverkstellen zu gründen, ebenso sei es infolge der ört- lichen Verhältnisse unmöglich, einen Arbeitsnachweis am Leben zu erhalten, weil für die Schuhmacher Berlins die beste Arbeitsver- Mittlerin die Zeitung wäre. Im Uebrigen hätten wir keine Schuhmacherfrage, sondern eine Arbeiterfrage. Weiter sei immer d i e Organisation vorzuziehe», welche ihre Mitglieder politisch bilden könnte. Das können nur die Lokalorganisationen. Kollege Krause: Man hebt hervor, daß Lokalorganisatione» keine geistige Verbindung hätten. Dies wäre falsch, denn wo die Arbeiter sich im Kampfe mit den Kapitalisten befänden, gebiete den Arbeitern ihr Klaffen- instinkt, solidarisch zu handeln. Kollege Max Baginski- gegenwärtige Thema fängt an, langweilig zu werden,-f" �., die gegenwärtigen Verhältnisse, in denen wir uns befinde- prüfen, und unsere Taktik nach der Taktik der Feckde 3» l. liren. Der Referent widersprach sich in seinen Ausfuhn S. Er meinte, die soziale Frage nicht lösen zu können durch E; schaftsorganisationen, führte aber in demselben Atheinjuge daß man Arbeitslosen-Kassen, Fachschulen und dergleichen gründen sollte. Es ist eine falsche Taktik, in einer Gesellsch!. ordnung, welche die Tendenz in sich birgt, immer mehr.1"« lose durch die Vervollkommnung der Technik zu schaffen, 7 Arbeitslosen-Kasse zu gründen. Das würde bedeuten, die mach er, welche kaum ihr Leben fristen können, zum GP anzuhalten. Dieser Theorie:„Immer etwas sparen," ist schon i. Zeit Lassalle gegenüber getreten. Außerdem sind Vereinigung. welche darauf hinauslaufen, Gelder aufzuhäufen, geeigsfft. Irrwege zu gerathen, wie dies beim Buchdrucker-Unteytutzu» verein der Fall ist. Den, Gelde zur Liebe haben sie fich's,■. die Kontrole der Polizei gestellt und somit den Herren fi, Präsidenten zum ersten Vorsitzenden gewählt. Nicht g Statuten, sondern der Geist der Solidarität und Jnter«! gemeinschaft halte die Arbeiterschaft zusammen. Es fit AAS!. der Arbeiterschaft, die besten Kampfesmittel zu gebrauchen. dies ist die Lokal-Organisation. Weiter kommt noch hinzu, nach Wegfall des Sozialistengesetzes der Lokal-Organisation.. größerer Spielraum gegeben ist. Kollege König sprach fi?,. Sinne des Referenten aus und forderte auf, sich der Vereinig deutscher Schuhmacher anzuschließen. Von der Abstum» ,, zweier sich gegenüber stehender Resolutionen wurde Abstano« nommen mit der Motivirnna, daß die Zentralvereinigung 7 öffentlichen Schuhniacher-Versammlungen mit diesem Thema» abhalten solle. Weiter wurde auf die Versammlungen � Montag, den 22. und 29. d. Mts. und auf die Landpartie Schmargendorf am Sonntag, früh 8 Uhr,(Treffpunkt: Bahnhof) aufmerksam gemacht. In der Uolksversiiinuilnttg vom 12. August d. I-,_ Frankfurterstr. 117, wurde der Steinsetzer Theodor Stolpe. dessen Zwischenbemerkung:„Was brauchen wir Soldaten, Veranlassung des überwachenden Lieutenants arretirt. Aus gereichte Beschwerde erhielt er am 15. d. M. folgende Anw,. „Ew. Wohlgeboren erwidere ich auf Ihr Schreiben, hiefi � eingegangen am 6. d. M., ergebenst, daß ich die Sist'rnng Steinsetzers Theodor Stolpe in der betreffenden Versainn'"'. für ungerechtfertigt nicht erachten kann, da dieselbe zur ii stellung der Persönlichkeit des p. Stolpe wegen der von demp verursachten Ruhestörung angezeigt erscheinen mußte. Der Polizeipräsident. Hierzu geht uns Folgendes zu:.-..w Ich erkläre hiermit, daß durch die Bemerkung des St. die Ruhe nicht im Geringsten gestört wurde; auch hat» � etwaiger Ruhefiörung.ohne Eingreifen des Lieutenants das Vr, die Macht gehabt, die betreffenden Ruhestörer zur OrdnuNö .bringen. Im Auftrage: V. B u r ch a r d t, Koblankstr. 10.„ (Bitte Versinnmluttg der Filiale Kerlitt de« Sa battds der Vergolder, Goldleisten-Ardeiter und Be genossen tagte am Montag bei Scheffer mit der Tagesordiu' 1. Statistik! 2, Gewerkschaftliches. 3. Aufnahme neuer glieder. 4. Verschiedenes. Bevor in die Tagesordnung � getreten wurde, machte der Vorsitzende bekannt, daß von M � die Unterstützungsmarken zur Ausgabe gelangen und forderte Mitglieder wie NichtMitglieder auf, sich recht rege daran zu theiligen. Zu Punkt 1 verlas der Schriftführer die Ergel'. der Statistik, soweit dieselben bis jetzt bekannt geworden!�, In nächster Versammlung wird jedoch erst das Endresultat kannt gegeben. Ueber diesen Punkt, sowie über die Verweno� der Unterstützungsmarken entspann sich eine rege Debatte. wurde zu letzterem Punkte beschlossen, daß die Mitglied vorerst zu benutzen sind. Bei Punkt 3 wurde sehr gerügt, daß � Kassirer nicht anwesend war; es wurde ausgeführt, daß wff der Wahl desselben entschieden einen Mißgriff gethan 9*« Zu Punkt 4 wurden folgende Vergoldergehilsen, nachdem u. jeden einzelnen abstimmt war, aus der Filiale ausgeschwfi, 1. Hugo Kruse. 2. Paul Erle, 3. Esser jun., 4. Mäker, 5. Petefl' 6. Gödtlich, 7. Schröpfer, 8. Adam Esser, 9. Koch, 10. AhWL, 11. Löschke. Ein Antrag, die Mitglieder, welche bei Aug."ff meister die Arbeit niedergelegt hatten, aus der Filialkasse zu uu stützen, wurde abgelehnt. Nachdem noch verschiedene Angeles heilen erledigt waren, schloß der Vorsitzende die Versammlung� (Bitte MitgttederversammlttttgdesFttchver'eitts iicher n» Hotzbearbeitungs-Maschinett beschäftigten Arve tagte am 15. d. M. in Joel's Salon, Andreasslraße 21, mit- Tagesordnung: 1. Wie stellen wir uns zur Gründung, s', Zentralverbandes sämmtlicher in der Holzbranche beschäsfig Arbeiter Berlins? Referent Herr Hildebrandt. 2. DiskuP» 3. Verschiedenes und Fragekasren. Referent führte aus, � unsere Fachvereine nicht stark genug sind, um den Druck■ Großkapitals aushalten zu können, daß unbedingt nothwendig � daß wir unsere Organisation anders zu gestalten suchen. Zentralorganisation könne etwas Tüchtiges leisten; man könne l aber in Lokalorganisationen viel mehr mit öffentlichen 0*?L beschäftigen und man könne in einer Branche viel besser agiw.� als bei einer Zentralorganisation. öffentlichen Fragen beschästigen, so iiitf gelöst werden. Zum Schluß ermahnte Redner, daß die gelerl� Würde wurde man sich dort die Vereinigung mit den ungelernten Arbeitern Hand in Hand gehen sollten,.( eine große und starke Organisation zusammen zu bringen,' dem Großkapital gegenüber eine Macht ist. Folgende Resolm' wurde vom Kollegen Carl Kästner eingebracht:„Die heute. Joöl's Salon tagende Versamiiilung sämmtlicher an Holzbeasv tungS-Maschinen beschäftigten Arbeiter erklärt sich mit den Al führungen des Referenten einverstanden und beschließt hier'L' den Anschluß an den Zentralverband bis nach dem Gewerkschufiy kongreß zu vertagen." Die Resolution wurde mit 26 Slfinw gegen 18 angenommen. Unter„Verschiedenes" stellte Ko Otto Schmidt den Älntrag, den Kollegen Tech aus der Werkst®, Kontrolkommission auszuschließen und für diesen einen a»d' Kollegen zu wählen. Es ivnrde Kollege Pancknin gewählt. D®" schloß die Versammlung., (Bitte gutbesuchte Versammlung der Lackirer, FilimsJ der Vereinigung der deutschen Maler, Lackirec, Anstreicher. verwandter Berufsgenossen tagte am Montag bei Beyer, AI, Grünstr. 14, mit folgender Tagesordnung: 1. Vortrag über werbe- Schiedsgerichte. 2, Verlegung des Arbeits-NachweisebureM' 3. Wahl einer Arbeitsnachweis- Kommission. 4. Verschieden' Da der Referent nicht erschienen war, mußte der erste abgesetzt werde». Zum ziveiten Punkt wurde einstimmig schlössen, den Arbeitsnachweis nach dem Lokal des Koll-� Omland, Neanderstr. 87, zu verlegen. In die Arbeitsnachwfi,. Kommission wurden die Kollegen Reimann, Mechau, 1% und Kühne gewählt. Ein Antrag, der Kommission eine VJ gütung zur Deckung ihrer Unkosten zu erstatten, ivm Seitens der Konlinisston abgelehnt. Ter alten Koinmission mm, Decharge ertheilt. Unter„Verschiedenes" wurde bekannt ge»>®� daß bei vorkommenden Todesfällen jede Filiale einen Deleg»ch� nebst Kranz zu entsenden hat. Die Reiseunterslützung beträgt diesen Winter 2,10 M. für Berlin. Ein Antrag, aus den„A®ch rtil/ion rtrnmem H». stundentag" zu abonniren, wird angenommen.' Nachdem über die Bibliothek und Fachschule debattirt war, richtete D Vorsitzende einen warmen Appell an die Versammlung,, Agitation so viel wie möglich zu entfalten. Es ließen sich neue Mitglieder aufnehmen. Sodann machte der Vorsitzende° kannt, daß das zweite Stiftungsfest am 20. September bei F«u.„ stein. Alte Jakobstr. 75, stattfindet und dazu Villets bei sä»'®' lichen Vorstandsmitgliedern und beim Kollegen Omland/ Nean". straße 37, zu haben sind. Alle Freunde und Gönner des VK* sind hierzu eingeladen. 1 I : i i ml # li- l>ü ta, t ■ i Freie Vereinigung der Kauarbeiter Derlina ct„- r.Jam Sonntag, den 14. September er., in Scheffer'ö Salon, �>°!l-raßs 10, mit folgender Tagesordnung: 1. Kann die wirth- T Lage des Arbeiters ohne seine Eimvirkung gebessert am• Referent: Otto Heindorf. 2. Wahl eines zweite» Kassirers. ..Vereins angelegen heilen. 4. Verschiedenes. Nach Verlesung des «Siev Protokolls, welches ohne besonderen Widerspruch an- »enommen wurde, erhielt der Referent zu seinem Vortrage das m?. Redner verglich zu Anfang seines Vortrages den heutigen «rvetter mit dem Sklaven des Alterthums und dem Handwerks- nra 1" � Mittelalters. Der Sklave stand sich insofern besser, L ,"°er gegenwärtige Arbeiter, daß er nicht brauchte mit MUgrigem Magen schlafen zu gehen, wie es den meisten Arbeitern �-.Gegenwart ergeht, weil der niedrige Lohn, welcher jetzt dem inorl gezahlt wird, nicht ausreicht, um den Anforderungen, ."'che von Staat und Kommune an uns gestellt werden, nachzu- «wnien, infolge dessen müssen wir mit Entbehrungen an unserem Schwer kämpfen. um das Nothwendigste zu beschaffen. �em Sklaven blieb die Sorge für seinen Leib enthoben, von seinem Herrn, um möglichst lange aus- zu werden, sehr gut genährt wurde. Anders verhält E5 stch mit uns heutigen Arbeitern. Unsere Arbeitgeber kümmern Iii darum, ob wir uns genügend sättigen können, oder ob P? Morgen oder Uebermorgen noch unsere Arbeit verrichten «onnen, denn dafür haben sie sich eine Reservearmee geschaffen, zeiche auf Grund der Technik im Maschinenwesen entstanden ist, weil die Maschine nur allein zum Nutzen des Arbeitgebers vcr- wandt wird, aber nicht zum Nutzen des Arbeitnehmers und durch °>e ubermäßig lange Arbeitszeit täglich immer mehr Arbeiter auf flj Straßenpflaster geworfen werden. Uni diese Ausbeutung der eirbeiter noch mehr auszudehnen, hat sich die Kapitalmacht vcr- 'Migt oder sogenannte Ringe geschlossen. Uni diesem Drucke lillil °'Ugegenzutreten, haben auch die zielbewußten Arbeiter sich °rga»isirt, diesen wird es aber von Seiten der Behörden sehr er- schwert, weil demgegenüber wieder Ausnahmegesetze geschassen wurden(Sozialistengesetz und der Puttkamer'sche Streikerlaß), "der alles dieses soll die Arbeiter nicht abhalten, voll und den ganz ihre Forderungen zu . Forderungen 'Weit, oder richti erlangen. Um nun 'der Arbeiter ein wenig zu ver- .____ richtiger, den Anträgen der sozialdemokratischen Mklion im Reichstage, welche nie ermüdet, immer wieder mit psetzentwürfen vorzugehen, Rechnung zu tragen. So wurde ein pankenkasscngesetz. Unfall- und Jnvalidengesetz geschaffen, durch welche nian dem Arbeiter anstatt Brot Steine reicht, denn sollte wirklich einem Arbeiter das Glück oder Unglück beschieden sein, Jahre alt zu werden, soZ werden wohl die SBVa Pf. täglich Ausreichen, um ihn langsam verhungern zu lassen. Außerdem urbeitet man noch an einem Arrciterschutz-Gesetz, welches aber uuch, wie aus den bisherigen Verhandlungen zu ersehe» ist, sehr wangelhast ausfallen wird. Redner empfahl, für die gerechte jpche zu agitiren und den indifferenten Brüdern ihre traurige �uge klar zu machen. Mit den Worten:„Mann der Arbeit aufgewacht und erkenne deine Macht, wenn dein starker Arm es pH, stehen alle Räder still", schloß Redner seinen mit viel Bei- lall aufgenommenen Vortrag. Nach der Diskussion, in welcher ach drei Redner ganz im Sinne des Vortrages aus- Machen, erhielt der Referent noch einmal das Wort und (am auf die Frauenfrage zu sprechen, indem uns die Frau auf Grund der heutigen Produktionsweise als Konkurrentin aufgedrängt worden ist, so muß sie in politischen wie in gewcrk- Ichaftlichen Angelegenheiten herangezogen werden und da ihnen «eine öffentliche Versammlung erlaubt wird, so ist es Sache der Männer, sie in öffentliche Volksversammlungen mitzunehmen, um auch ihr Gelegenheit zu geben, über ihre Lage zu diskutiren. Um wit Karl Marx zu reden:„Proletarier aller Länder vereinigt euch", so werdet ihr zum Ziele gelangen. Nochmals lang an- haltender Beifall. Hierauf wurde folgende Resolution angenommen: Tie heute am 14. September in Schefser's Salon tagende Mit- Sliederversammlung dcrFreien Vereinigung der Bauarbeiter Berlins wklärt sich voll und ganz mit den Ausführungen des Herrn Werenten einverstanden und verspricht, mit allen ihr zu Gebote Wenden Mitteln einzutreten, um der heutigen verkehrten Pro- affionsweise entgegenzutreten, damit Alles, was Mcnschenantlitz E%, an den Erzeugnissen der Produktion lheilnehmen kann. Fetzt wurde zur Wahl eines zweiten Kassirers� geschritten und Lu>g Kollege Oskar Nagel aus derselben hervor. Im 3. Punkt % Tagesordnung wurden innere Vereinsangelegenheiten geregelt. Außerdem wurde den Greizcr Webern eine Unterstützung von Ö,J M. bewilligt. Da zu Verschiedenes nichts Besonderes vorlag !"'d keine Frage vorhanden>var, wurde, die Versammlung wegen "er vorgerückten Zeit geschlossen. Tie Mitglieder werden dringend ersucht, um den Kasprer an Bcrsainmlungstagen nicht so mit''Arbeit zu überhäufen, "o» den Zahlstellen, welche hier folgen, mehr Gebrauch zu »lachen. _ I. Für den Osten an jedem Sonntag nach dem 1. im Grünen Mg 29 bei Säger: W. Braunsberg. o,, 2. Für den Südosten an jedem Sonntag, nach dem lo., Manteusfelstr. 112 bei Pohl: W. Braunsberg. v 8. Für den Südwesten an jedem Sonntag nach dem 1., jä%ner, und Fürbringerstraßcn-Ecte bei Schmitatscheck: H. Engel- 4. Für den Westen, an jedem Sonntag nach dem 1., y Mpslebenstraße 1, Potsdamerstraßen- Ecke bei Genuneid: • Zick. f, 5. Für he» Norden, an jedem Sonntag nach dem 1., Bad- 'Mße 14, Grünthalerstraßen-Ecke bei Böcker: P. Teich. Nächste Versainmluug am 12. Oktober. v Eine zahlrrich brluchtr Versammlung den FachverriilS Schlosser und Rtaschinenbauer Berlins und Umgegend fand sy- .7"'er Kritik wurde das Verhalten der Firma Hein, Lehmann mm lefC|""UctU£VÖu|i0eu' abzugeben. Nach die Versammlung Er- ge- noch im ,.'.'""'rrvergnugen f»>o, dieselben bald sch�wug mehrerer Fragebogen wurde 1. Vortrag über «m hie n.1- Dies werde als eme Ntapregemu»»"»' ' hierauf der Geschästsführer des betreffenden Herr Goldberg, das Wort. Er sagte: Die Firma sei immer bestrebt geivesen, mit ihren'Arbeitern und Arbeiterinnen im besten Einvernehmen zu stehen. Trotz des schlechten Geschäfts� gangeS im vorigen Winter sei Niemand entlassen worden Erst im Mai habe er Entlassungen von Arbeitern vorgenommen, weil das Lager übervoll war und die Produktion eingeschränkt iverdcn mußte. Was die Entlassung des Fräulein Zimmermann betreffe, so sei dies keine Maßregelung. Dieselbe sei immer unwillig über die erhaltenen Arbeiten gewesen, bei welchen andere Mädchen 15 bis 20 M. verdient hätten.— Zum Beweis des letzteren legt Herr Goldberg einige Lohnbücher auf den Tisch.— Dieser ewige Unwille habe bewirkt, daß er, Goldberg, gesagt habe:„Wenn Ihnen die Arbeit nicht paßt, können Sie sich anderwärts solche suchen." Ans diesem Grunde sei die Entlassung erfolgt. Herr Löbnitz: Fräulein Zimmermann hätte für andere gefordert, nicht für sich; die Entlassung sei darum eine Maß- regelung. Einer der im Mai entlassenen Arbeiter sei Herr Liebers gewesen. Derselbe habe sich um die Stelle eines sogenannten Laufburschen in einem Geschäft beworben. Auf eine Anfrage des betreffenden Inhabers beim Geschäftsführer Lande's, Herrn Goldberg, ob Liebers ehrlich sei u. s. f., habe dieser von Herrn Goldberg die Antwort erhalten, der Liebers sei ein umvi'lliger Arbeiter und Sozialdemokrat. Herr Liebers sei darauf hin, obwohl er acht Tage später einige Tage dort gearbeitet, an- fänglich nicht in der neuen Stellung angekommen. Liebers sei auf den Wunsch desselben zu Goldberg gekommen und habe von diesem SO Mark erhalten, jedenfalls als Schweigegeld. Dies Handeln der Firma Lande sei zu verwerfen. Früher habe sie als humanste gegolten, jetzt sei es wohl damit vorbei. L i e b e r s bestätigt das Geschehene, erklärt aber, das Geben der SO Mark sei nicht von ihm als Bestechung zum Schweigen betrachtet, son- dern als Entschädiguiig für den Schade», den ihm Goldbergs Verhalten gebracht habe. An der lebhaften Diskussion betheiligten sich nun noch die Herren Hübsch, I. Janz, Stahn, Wengels, Neuhaus, Ärscha, Goldberg, Lande und F l a t o w, sowie die Damen Zimmermann, Müller, Wengels und Schulz. Von diesen Rednern wurde die Ent- lassung des Frl. Zimmermann als Maßregelung betrachtet. Die Herren Lande und Goldberg wiesen wiederholt darauf hin, daß, wenn es auch als Maßregelung betrachtet werde, sie keine solche bezweckt hätten. Lande ist der Meinung, wenn Jemand unwillig arbeite, so müsse man sich von demselben trennen und er würde, wenn der Theilnehmer seines Geschäfts mit iknwillen mit ihm arbeite, keinen Anstand nehmen, sich von demselben zu trenne». Er habe für seine Arbeiter immer gethan, was er vermochte. Wenn Fräulein Zimmermann gemaßrcgelt wäre, so hätte auch die andere Arbeiterin entlassen sein müssen. Da dieS nicht der Fall sei, so auch nicht jenes. G o l d b e r g bedauert das, was zwischen ihm und Liebers vorgefallen; übrigens arbeite derselbe schon seit einiger Zeit wieder in seiner Fabrik. Fräulein Zimmermann könne auch zu jeder Zeit wieder anfangen; ihm sei ein sozialdemokratischer Arbeiter ebenso lieb, wie ein anderer. Er habe nicht gesagt, Herr Liebers sei unwillig, öndern er iverde die Stelle eines sogenannten Lauf- burschen wohl unwillig ausfüllen, auch das Wort Sozialdemokrat sei in anderem Zusammenhange, wie die Ver- sammlung es aufgefaßt, gebraucht worden. In Anbetracht dieser Ausführungen Lande's und Goldberg's wurde von der Abstim- mung einer mißbilligenden Resolution Abstand genommen und ist somst die Angelegenheit als aus gütlichem Wege beigelegt zu be- trachten. Auch versprach Goldberg den von Einigen kritisirten Mißstand, daß einige Arbeiter für Zuschließen zc. monatlich 5 M. extra bekommen, abzuschaffen und die betreffende Arbeit den Per- 'önen, welche ein festes Gehalt bekommen, zu überlassen. Unter „Verschiedenem" wurde dann noch beschlossen, eine Kominisston zu ivählcn, welche die Gründung eines allgemeinen Vereins, in dem die Wirker und Wirkerinnen vereinigt sind, anbahnen solle. Es wurden in diese Kommission die Damen Müller, Buttschereit, Löbnitz und Schulz und die Herren Hübsch, Steuhaus, G. Janz, Löbnitz und Wengels gewählt. Das zierr der Antijemite», ganze 200 Mann, hatte sich ani Mittwoch Abend im Grand Hotel um ihre Häuptlinge Picken- dach und Zimmermann geschaart. Die Vorträge der„nationalen Kämpen" glichen den Weisen alter, verstimmter Leierkästen, die das schaurig schöne Lied über die bösen Juden begleiten. Jeder Vers ist eine unsinnige Behauptung, jeder Reim ein„nationales" Schimpfwort. Und wenn die gröbsten Worte erklangen, erhob sich renetischer Jubel der Jünger. Trotzdem jeder Besucher zwanzig Pfennige Entree bezahlen mußte(sür jeden Referenten zehn Pfennige), bat der Vorsitzende»ach dem Ableiern um einen Obulus sür die tapferen Spielhelden, die oft hungrig das Dorf verlassen, man möge auf die von den Abgeordneten heraus- gegebenen Blätter abonniren, die ivöchentlich erscheinen und„nur" i bis 1,50 M. pro Quartal kosteten.— In der Diskussion über- trumpfte ein sehr„lauter" Jüngling die Meister in ge— wählten Ausdrücken. Der arme Herr hatte auch Grund zum Schimpfen, denn ein„böser Jude" hatte ihm 2 Mark abgepumpt� und ihm diese trotz Mahnung auf offener Straße nicht wiedergegeben. Als Genosse Goldberg das Wort ergriff und die ersten vernünftigen Worte gefallen ivaren, zeigte es sich, daß die Radaunationalen kein ehrliches, anständiges Wort verstehen. Sie schrieen ihn mit wüstem Geschrei nieder und ebenso erging es Jedem, der sich er- la»bte, die Wahrheit zu sprechen, und als vollends ein Genosse vom Kapital zu sprechen anfing und nicht auf das jüdische allein losging, entzog man ihm einfach das Wort. Ehe die Auliseuüte» nicht gelernt haben, sachlich zu diskutiren. könne» sie nur als das gelten, ivas sie sind: fanatische, jeder politischen Sachkenntniß entbehrende Radaubruder. Eine gut lirimfftc öffentliche Versammlung der Filz- schuharbeiter und Bcrussgenossen tagte am Sonnabend bei Zemler mit folgender Tagesordnung: 1. Der Sreik bei Hernis. 2. Vorlegung des von der Kommission ausgearbeiteten Lohntarifs. S. Verschiedenes." Ins Bureau wurden die Kollegen Opitz, Dallmainl und Valerius geivählt. Zum 1. Punkt erstattete Kollege Opitz Bericht über den Streik bei Herins. Redner schilderte die Mißstände i» der Fabrik. Die Arbeit werde nicht nur schlechter bezahlt, wie in allen anderen Fabriken, sondern den Arbeitern werde auch die persönliche Freiheit genommen, indem der Fabri- kaut erklärt hat, die Fenstern zunageln zu wollen. Die Kollegen Niederauer, Jeschka, Köhler und Dallniann unterzogen die Aer- Hältnisse in der Fabrik einer scharfen Kritik, woraus folgende Re- solution, die vom Kollegen Opitz eingebracht war, einstinunig an- genommen wurde. In Erwägung, daß unsere Fabrikanten sich gegenseitig in der Konkurrenz unterbieten und dafür den Arbeitern immer gcraigercn Lohn zahlen, da sie selbst die Kosten nicht tragen ivollen, beschließt die heutige Versammlung, mit allen Kräften dahin zu wirken, daß alle Arbeiter unserer Branche sich dem bestehende» Verein der Filzschuharveiter und Berufsgenosse» anschließe», und da- durch gemeinsam der Ausbeutungssucht der Fabrikanten entgegen zu treten, und bessere Lohn- und Arbeitsbedin- gunaen zu erzielen. Ein vcm Kollegen Valerius eingebrachter Antrag, die Sperre über die Fabrik weiter bestehen zu lassen, wurde einstimmig ange- nmnmen. Es ist somit Pflicht eines jeden zielbewußten Arbeiters, diese Fabrik zu ineiden, denn Herr Herins hat jede Unterhandlung mit der Konnnission zurückgewiesen mit dem Bemerken: Er lernt sich seine Arbeiter selbst an. Zum 2. Punkt wurde von Kollegen Valerius der Lohntarif vorgelesen. Aus Antrag wurde von einer Diskussion Abstand genoininen und dieselbe bis zur nächsten Ver- sammlung hinausgeschoben. Zum dritten Punkt machte Kollege Meier bekannt, daß das erste Stiftungsfest am 25. Oktober im„Elysium", Landsberger Allee, stattfindet, und forderte die Kollegen auf, recht kräftig dafür zu agitiren, damit dasselbe zu einem Glanzfeste werde. Kollege Opitz machte noch aufmerksam aus de» Gewerkschaftskongreß. Das Bureau wurde beaustragt, eine Versanimlung mit dementsprechen- der Tagesordnung einzuberufen. Ferner wurde den Kollegen ans Herz gelegt, den„Berliner Lokal-Anzeiger" nicht mehr zu halten und nicht in den Lokalen zu verkehren, wo derselbe ausliegt. Ein vom Kollegen Schmolling eingebrachter Schlußantrag wurde an- genommen. So schloß der Vorsitzende hierauf die gut besuchte Versammlung. Der Fachverein der Kernmacher und verwandten De- rufsgenossen Kerlins und Umgegend hielt am 13. d. im Lokale Gnadt, Brunnenstr. 38, eins ziemlich gut besuchte Ver- sainmlung mit folgender Tagesordnung ab: 1. Vortrag. 2. Diskussion. 3. Ergänzungswahl des Vorstandes. 4. Verschiedenes. Herr Stadtv. Gnadt hielt einen Vortrag über Gewerkschafts- organisation, welcher mit Beifall aufgenommen wurde. In der Diskussion schloffen sich die Kollegen Hübner, Rohde, Lehmann, Panschke und Dülferr vollständig dem Referenten an. Dann wurde zur Ergänzungswahl des Vorstandes geschritten. Es wur- den die Kollegen Carl Lehmann als 1. Vorsitzender und Theodor Genk als 2. Schriftführer einstimmig geivählt. Unter„Ver- schiedenes" beklagte sich Kollege Hübner, daß noch 4 Kollegen im Rückstände mit Billets von: Stiftnngsfest sind; es wurde beschlossen, bis zur nächsten Versammlung die Kollegen nochmals aufzufordern, ividrigenfalls sie dann öffentlich bekannt gemacht werden. Der Bibliothekar führte Beschwerde, daß die Bibliothek- bücher von Hand zu Hand gehen, anstatt, daß sie da abgegeben werden, wo sie empfangen wurden. Kollege Lehmann stellte den Antrag auf Aenderung des Kopfes des Vereins(Freie Vereini- gung aller in Eisen- und Metallgießereien beschäftigten Arbeiter); es wurde beschlossen, den Antrag auf die Tagesordnung der nächsten Versammlung zu setzen. Dann schloß die Versammlung. — Bibliothekausgabe findet Sonnabend, Abends von 8Va bis 10 Uhr, im Lokal Gnadt, Brunnenstr. 38, statt. Vrricht der öffentliche» Schneidrrverfammlung vom 10. d. M. in Keller's Festsälen, Bergstr. 68. Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn Jeschonek über gewerkschaftliche Organisation, bezw. Gründung einer Filiale des deutschen Schneider- Verbandes im Norden Berlins. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Nachdem das übliche Tagesbureau aus den Kollegen Schulz und Lorenz als ersten und zweiten Vorsitzenden und Kollegen Fröhmcke als Schriftführer zusaminengesetzt war, erhielt Kollege Jeschonek zum ersten Punkt der Tagesordnung das Wort. Derselbe erklärte in kurzer, sachlicher Weise den Zweck und Nutzen der hier am Orte befindlichen Organisationen. Von der Innung ausgehend, unterzieht Redner diese Vereinigung, sowie den Hiüch< Duncker- schon Gewerkvereiii einer scharfen Kritik. Uebergehend zu der über ganz Deutschland verbreiteten Organisation des deutschen Schneiderverbandes beleuchtet derselbe den Ziveck dieser Vereinigung und fordert alle anwesenden Kollegen auf, sich dieser Organisation anzuschließen, damit wir, wenn es im nächsten Frühjahr zu einer Lohnforderung kommt, gerüstet dastehen und dem Kapital zeigen, daß der Arbeiter eine Kraft ist, mit der man rechnen muß.(Beifall.) In der sich anschließenden Diskussion ergriffen mehrere Redner das Wort, weiche sich voll und ganz mit den Ausführungen des Referenten einverstanden erklärten. Nachdem der Referent im Schlußwort noch die Hamburger Arbciterlage erörtert hatte, wurde folgende Resolution einstimmig aiigenominen:„Die heute in Keller's Fest- sälen, Bergstr. 08, tagende öffentliche Schneiderversammlung er- klärt sich mit den Ausführungen des Referenten, sowie den der übrigen Redner einverstanden und beschließt die Gründung einer. Filiale des Deutschen Schneider-Verbandes für den Norden Berlins." Im„Verschiedenen" macht der Vorsitzende noch auf die Kündigung der Ortskrankenkassen anfnierksam und empfiehlt den Eintritt in die freien Hilfskassen. Nachdem noch einige lokale Angelegenheiten erledigt sind, schloß der Vorsitzende mit einem Hoch auf die Arbeiter-Organisation die Versamm- lung. Di« Vereinigung der Graveure und Ziseleure hielt ihre letzte Versammlung am Montag im Restaurant Bachmann, Dresdenerstr. 45, ab. Nachdem das Protokoll der vorigen Ver- sammlung verlesen und genehmigt ivorden war, erhielt unter Ausschiebung des geschäftlichen Theiles der Tagesordnung der Referent D r. L ü t g e n a u das Wort zu dem Thema:„Was nützt der Reichstag der Arbeiterklasse?" Referent fragte zunächst, welche Verbesserungen des Looses der arbeitenden Klasse sich mit der bestehenden Staats- und Gesellschaftsordnung vertragen. Solche sind der Maximal-Arbeitstag, die Fabrilhygiene, das Verbot der Kinderarbeit. Dagegen ist der gesetzliche Minimallohn innerhalb des privatwirthschaftlichen Systems nicht möglich, da- mit fällt auch zugleich die Forderung des gleichen Lohnes für Mann und Frau, deren Voraussetzung eben der gesetzliche Mini- mallohn ist. Redner fragte alsdann weiter: Wieviel gewährt uns nun der heutige ReichSrag Y Es ist dies recht wenig und der Staat nimmt dem'Arbeiter wieder ebenso viel, wie er ihm giebt. Aber unsere Verlretung im Parlament kann noch stärker iverden. sie kann sogar maßgebend werden; wenn dann ihre Beschlüsse gleich- wohl nicht ausgeführt werden, so ist nicht sie für die Folgen verantwortlich. Auch sind die Erlasse vor der Wahl, die Ent- lassung des Bismarck, die internationale Konferenz schon indirekte Erfolge der Arbeiterpartei und dienen voraussichtlich mit dazu, die Entwickelung abzukürzen. Vor Allem ist durch das Wählen zum Reichstag und durch die Thätigkeit der sozialdemokratischen Abgeordneten im Reichstag die Arbeiterklaffe zum Denken und zum einigen Wollen erwogen worden. Wir haben zur Zeit kein besseres Agitationsmittel, als den Reichstag und das Wählen zuni Reichstag. Zwar weiß niemand, in welcher Forin schließlich die prolmrische Bewegung zum Durchbruch kommt. Allein den Beschlüssensiund der Taktik der Mehrheit muß die Minderheit sich unterordnen. Denn nur im organifirte» und disziplinirten Ringen kann die Arbeiterklasse ihr Ziel erreichen.(Lebhafter Beifall.) In der Diskussion bemerkte Herr Zack: Er pflichte dem Referenten im Allgemeinen bei; allein, so lange der Bundes- rath es in der Hand habe, die Ausführung der Reichstags- beschlüsse zu verhindern, sei der Parlameiitarismus von geringem Werth. Als Redner dann mit Bezug auf den Glauben von Märchen sprach, loste der Beamte die Versammlung auf Grund des§ 0 des Sozialistengesetzes auf, mit dem Zusätze:„Wenn hier von Märchen gesprochen wird, hört ja alles au f." Beschiverde ist eingelegt. Eine öffentliche Versammlung für Mäuner und- Lraneir tagte unter dem Vorsitz der Herren Fricke, Eicks und Sündermanu am Sonntag im Lokal Oranienstraße 180. lieber das Vortragsthema:„Die Moral und die wirrhschaftlichen Ver- hältnisse" sprach Herr W. Wach. Der mit Beifall aufgenommene Vortrag und die an denselben sich anschließende äußerst animirte Diskussion, an welcher sich die Damen Frau Kolbe, Fräulein Wabnitz, sowie die Herren Sünderulann, Härtung, Löschke, Grund- mann und Scherning betheiligten, zeigte, wie die zeitigen politisch- wirthfchaftllchen Verhältnisse einzig und allein die Ursache» bilden, welche es der großen Masse des Volkes unmöglich machen. moralisch zu sein in, Sinne einer auch nur moralisirenden Minder- heit der Gesellschaft.— Moralität ist iin strengsten Sinne des Begriffs der modernen Gesellschaftsordnung, unter den. Druck der kapital,, ti, che» Produktionsweise unmöglich. Sie ist es nur in einer sozialistischen Gesellschastsordnung. Nach dem Schlußwort �"sstieferenten gelangte eine im Sinne des obigen Vortrags ac- ltene Resolution zur Annahme. Unter Verschiedeneu, wurde beschlossen:„Das heutige Bureau zu beauftrage», weitere öffeut- liche Versa», ni ungen sür Männer und Frauen an den Sonntaas- «msSSK« Bekanntmachung erfolgt an, Sonnabend. . Gin- V-»/ammtv«g des Vsveins Freie Vereinigvvg der Zertnugospediteure unk»»Verkäufer fand am Montaa Nachmittag in Feuerstein's Salon statt. Erster Punkt der Tages- ordnung war: Bekanntmachung des Bereins. Dazu wurde be- schlössen, nachdem das Bekanntgeben durch Zirkulare abgelehnt war. dasselbe durch Slnnonziren und zwar zuerst im„Berliner Volksblatt" zu bewerkstelligen. Als erster Tag wurde der 27. September gewählt. Der Antrag des Vorstandes, den Ver- leger des„Berliner Volksblatt" zu veranlassen, den Umtausch von fünf auf zehn Exemplare zu erhöhen, wurde einstimmig ange- nommen. Dann wurde erwähnt, daß sich jckt ein in Wien erscheinendes Witzblatt, Glühlichter, einbürgere und selbiges hier mit 15 Pf., dort mit 10, verkauft werde. Der Auf- schlag wird durch die hohe» Frachtspesen verursacht. Darauf verlas der Vorsitzende die Bescheinigung des Polizei- Präsidiums über die Anmeldung des Vereins, welche mit dein Vermerk versehen war:„Daß jede Versammlung 48 Stunden vor Beginn anzumelden Jfei. Dieser Vermerk, erklärte der Vor- sitzende, sei aus Grund des Sozialistengesetzes hinzugefügt, doch sei hierzu das Polizei-Präsidiuin nicht berechtigt, da wir kein politischer sondern nur ein Jnteressenverein seien. Es soll hier- gegen Stellung genommen werden; im Uebrigen falle die Be- stimmnng nach dem 1. Oktober von selbst. Die Versammlung wurde dann geschlossen. Eine g«t be suchte Mitgliederveesaiumlung des Ver- eins der Seifensieder und Berufsgenossen tagte am Sonnabend in Scheffer's Saal, Jnselstr. 10, mit der Tagesordnung:„Vortrag des Herrn W. Werner über: Arbeiterorgani- sation und Unternehmerverbände. Diskussion. Revisorenwahl. Verschiedenes." Der Vortrag wurde mit lebhaftem Beifall auf- genommen. Von einer Diskussion nahm man Abstand. Herr Ziggel, Zossenerstr. 23, wurde hierauf zum Revisor gewählt. Unter„Verschiedenes" wurden noch einige Vercinsangelegenheiten besprochen, woraus die Versammlung mit einem Hoch auf die internationale Arbeiterbeivegung geschlossen wurde. Erster' deutscher Kergurbeitertaij. Halle, 17. Sept. Die Delegirlenversammlung hat die Bildung eines sich über ganz Deutschland erstreckenden Bergarbeiterverbandes einstimmig ange- nommen. Für die Feststellung der Statuten hat jedes einzelne Revier Vorschläge zu machen und tritt zur Verarbeitung des Materials sofort ein Ausschuß zusammen, welcher dem Berg- mannstage zur Sitzung am Donnerstag eine Vorlage zu machen hat. Um dein Ausschusse bald nach Eröffnung der auf morgen vertagt. Halle, 18. September, 12 Uhr Mittags. Heute wurde der von der Spezialkommission ausgearbeitete Entwurf der Statuten für den allgemeinen deutschen Bergarbeiter- Verband verlesen. Gegen den Entwurf wurden keine Einwendungen gemacht. Es wird eine aus westfälischen Delcgirten bestehende Kommission er- nannt, welche die Statuten unter Hinzuziehung eines Rechtsbei- standes noch einmal überarbeiten und zu Bochum, dem Sitze des Verbandes, bei der Behörde einreichen soll. Uvcie Vereinigung felbstständiger Knrbiere und Frikrnre. Ordent- llche«ttzcmg am Montag, dc» 22. September, Abends 0* Uhr, im König- flctdt-Kastno Holzmarltstrabe Nr. 72. Tagesordnung: 1.'«erlesen des Protokolls. 2. Aufnahme neuer Mitglieder. 2. Bericht der Deleairtcn vom lernen «ongreß. 4, Verschiedenes. Kollegen als Gäste loilltommen. Achtung! Zu dem am nächsten Sonnabend, den 20. September, in „Sanssouci", Kottbuserstr. 4a, slattsiudenden 17. Stiftungsfest der Seifensieder- BerufSgenossen(E.H.Nr.l?) lader Freunde und Velannte freundlichst et» der Vorstand. Billets sind noch zu habeir bei I. G. Geisler, Stallfchreiberstr. so, 6. Geister, Linkstr. 12. ffirefle öffentliche Merfauimtung für Männer und Frauen am Sonntag, dc» 21. September, Abends Uhr, in den Zentral-Festfälen, Orantenstr. luv. Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn I. Tiirt über„Hexen- prozeffe". 2. Diskussion, s. Verschiedenes. Nach der Bersainmlung gefelliges Beisammensein. Freiretigiüfe Gemeinde, Noscnthalerstr. 23. Sonntag, den 21. September, Vormittags 10 Uhr. Bortrag des Herrn Dr. Völkel über:„Hölle und Himmel in„jüdischer, christlicher und heidnischer Vorstellung". Gäste sehr will- kommen.— Montag, den 22. September, Abends, beschließende Gemeinde- wichtiger Tagesordnung.(Namenänderung der we- eit zu seiner Arbeit zu lassen, wurde eutigen Sitzung die Plenarberathung Versammlung metnde.) mit All gemeine Kranken- und Kterbelialfe der Metallarbeiter(E.H. 29, aamburg), sowie Zentral-Kranken- und Sterbekasse„Vulkan", Filiale Berlin 5. ersammtung ani Sonnabend, den 20. September, Abends» Uhr, Münz- straße 11 bei Zemter. Tagesordnung: l. Kassenbericht. 2. Verschiedenes. Versammlung der Freie» Vereinigung der Zimmerer Kerlin» am Montag, den 24. September, Abends% Uhr, in LehnianiUs Eaton, Schwedter- straße 24. Tagesordnung: 1. Vortrag und Tislussion. 2. Verschiedenes.— Gäste willkoinmen. Allgemeiner Ardeiterinuen- Verein siimmtiicher Kernssnveige ?|erlui» und ztmgegend. Freitag, den 19. September, Abends 8jj Uhr, n Scheffer's Salon, Jnselstr. 10: Mitglieder-Versammlung. Fachverei» der Kiirften- und Vinselmacher Keelin» und Umgegend. Sonntag, den 21. September, Vormittags 10 Uhr, bei Feuerstein, Alte Jakobstr. 75: Versammlung.__..... Soiialdemoliratischer Wahlvere!» für den 0. Kerliner Ueiihstags- Wahlkrei«. Versammlung am Freitag, den 19. September, Abends 9 Uhr, tn der Braueret Köntgstadt, Schönhauser Allee 11— 12. Achtung! jithogrnphc»! Oeffentliche Versammlung am Freitag, den 19. September, Abends 8 Uhr, bei Feuerstein, Alte Jakobstr. 75 Allgemeiner Metallardeiterverein Kertin» und Umgegend. Große Bersainmlung in Rixdorf am Sonnabend, den 20. September, Abends 8% Uhr, in Hofsmann'S Salon, Bergstr. 13.3. Große öffentliche Komniunalwälfler-Versammlung am Freitag, den 19. September, Abends 8% Uhr, in der Norddeutschen Brauerei, Ehaufsee- straße 58. Fese- und A!sl»itirl>l»b„Süden". Heute, Freitag, den 19. September, Sitzung. Gäste willkommen. Achtung: Sonnabend, den 29. September, Abends 8% Uhr, Versammlung des Bereins der in der Schäftebranche beschäftigten Arbeiterinnen bei Joel, Andreasstr. 21. Tagesordnung: Bortrag des Herrn Franz Berndt über„die Ursachen der Verbrechen". Gäste, Damen und Herren, haben Zutritt. Zahl- reiches Erscheinen erwünscht. Kranken- und KegriibuißKaffe de» Verein« siimmtiicher Kerns»- klajse».(Verwaltungsstelle 3.) Mitgliederversammlung am Sonnabend, den 20. September, Abends 8 Uhr, Brunnenstr. 30a. Gäste willkommen. Der Vergnügungsverein„Gonfidentia" veranstaltet am Sonnabend, den 20. Sepieniber, ein Damenkränzchen, verbunden mit humoristischen Vor- trägen. Billets, Herren so Pf., Damen so Ps., beim Vorsitzenden Adolf Borde, Thaerstraßs 0, sowie beim Schriftführer Ernst Kufserow, Grüner Weg 25. Gesellschaft für Verbreitung von Volksbildung. Versammlung am Mittivoch, den 24. September, Abends 8% Uhr, in den Zentral-Festsälen, Oranieuftr.l i«o. Tagesordnung: 1. Vorträg des Herrn W. Bölsche über: „Materialismus". 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. An dieser Versamm- lung dürfen nur Männer theilnehmen. Da dies seit vier Monaten die erste Versammlung ist, weil durch Verfügung des Polizeiprästdiums der Vorstand an der Einberufung von Versammlungen für Männer und Frauen verhindert war, so wird um zahlreiches Erscheinen ersucht. Allgemeine Kranken- und Sterbekasse der Metallarbeiter. (E. H. 29 Hamburg und E. H. 89 Hamburg„Vulkan.") Filiale Berlin 9. Sonntag, den 21. September, Bormittags 10% Uhr, Eartenftr. 123, bei Krüger, Mitgliederversammlung. Tagesordnung: 1. Kassenbericht per Juli und August. 2, Verschiedenes. Die Mitglieder, welche bei Kersting und Thomas beschäftigt sind, werden hiernrit besonders eingeladen, zahlreich zu er- erscheinen. Gesang-, Turn- und gesellige Vereine am Freitag. Kaiser'scher Männergesairgverein Abends 9 Uhr im Restaurant Tamm, Schönhauser Allee 28.— Gesangverein„Pauscbeutel" Abends 8 Uhr im Restaurant Hensel, Alexandrincnstr. 16.—„Liedertafel der Maler und verwandter Berussgenossen" Abends 9 Uhr im Restaurant Kleine, Brandenburgstr. 00,— Buchbinder- Männcrchor Abends 8% Uhr bei Feuerstein, Alte Jakobssir. 76.— Gesangverein „Flöter'sches Doppelauartett" Abends 9 Uhr im Restanrant Musehold, Lands- bergerslr. 31.— Gesangverein„Fortschritt" Abends 9 Uhr im Restaurant Blumenstr. 40.— Gesangverein„Echo 1872" Abends 9 Uhr Oranienstraße 3«. Neue Mitglieder werden ausgenommen.— Gesangverein„Ossian" Abends 9 Uhr, Dresdenerstr. 86 bei Gustavus.— Huppcrt'sche Sänger- Vere in igung „Harmonie" Abends 9 Uhr bei Niest, Webcrstr. 17.— Gesangverein„Sängerhain" Abends 9 Uhr Adalbertstr. 21.— Liedertafel des Fachvereins der Stein- träger Berlins Abends s Uhr Große Hamburgcrstr. 4 Uebungsstunde.— Ge- sangverein„Ohnesorge" Abends 9 Uhr, Restaurant Reyer, Alte Jakobstr. 83. — Gesangverein„Widerhall" Abends 9 Uhr bei Herrn Boge, Köpnilterstr. 191. — Gesangverein„Lorbeerkranz" aX Uhr Restaurant Weinslr. 11.— Arbeiter- Gesangverein„Nord" Uebungsstunde Abends 8% Uhr im Restaurastt Gnadt, Brunnensir. 38. Stimmbcgabte auch passive Mitglieder werden aufgenommen. Gesangverein„Collcgia" Abends von 9—11 Uhr bei Schuster, Orantenstr. 8. Voigt'schcr Dilerlanten-Orchestervercin, Uebungsstunde von 8%— n Uhr Abends im Loutsenstädltschen Klubhaus, Annenslr. 10, 1 Tr.— Berliner Turngcnossenschast(5. Männerabtheilung) Abends 8% Uhr in der städtischen Turnhalle, Wasserrhorstr. 31.— Turnverein„Hasenhaide"(Männerabtheilung) Ab. 8 Uhr Diessenbachstr. 00—01.— Turnverein„Froh u. Frei"(Männerabth.) Abends 8% Uhr Bergstraße 69.— Wissenschaftlicher Verein für Roller'sche Stenographie Abends 8% Uhr im Restaurant Ziethen, Dorotheenstr. 31. Unterricht und Uebungsstunde.— Allgemeiner Arends'scher Slenographenverei», Abthcilung„Vorwärts". AbendS 8% Uhr im Restaurant Koll, Mariannen- platz 11.— Arends'scher Stenographenverein„Apollobund" Abends 8 Uhr im Restaurant Setzdelstr. 30.— Verein ehemaliger Dr. Doebbelinscher Schüler Abends 9 Uhr im Resiaur. Krebs, Friedrichstr. 208.— Zitherverein„Alpenveilchen" Abends 8� Uhr im Restaurant„Wahlsiatt" Bellcalliancestr. 89.— Rauchllub„Westend" Abends 9 Uhr im Hohcnzollerngarten Steglitzcrstr. 27.— Rauchklub„Weichsel- blatt" Abends 8% Uhr im Restaurant Skalitzersir. 1473.— Rauchllub„Ohne Ztvang" Abends sx Uhr im Restaurant W. Späth Weinstr. 28.— Verein ehemaliger Schüler der 22. Gemetndeschule Abends 0 Uhr im Restaurant Schröder Stegfttzirstrafie is.— Sozialdemokrattscher Lese- und Diskurtrklub Lassalle Abends Uhr Adalbertstraße 8 bei Schneider. Gäste durch Mitglieder können eingeführt werden.— Sozialdemokratischer Lese- und Diskuttrllub Vorwärts Abends 8% Uhr tn Poland's Lokal, Naunvnstr. 83. Sitzung. Gäste können durch Mitglieder eingeführt werden.— Männerchor der„Berliner Mechaniker" Abends 9 Uhr im Restaurant Krüger, Franzstr. 8.— Leseklub „Karl Marx" Abends von 9—11 Uhr bei Schönseld, Mariendorserstr. 10. „Musterzcichner-Verband Deutschlands" Abends 8% Uhr. Zum Schultheiß Landsbergcrstr 73.— Verein ehemaliger Schüler der. 38. Gcmeindeschule Re- stauranl.Kornblume", Andreasstr. 3, Anfang 9 Uhr.— Geselliger Verein „Immergrün". Sitzung, Adalbertstr. 21 bei Roll, Anfang 9 Uhr. Gäste willkommen.— Verein ehemaliger Schüler der 38. Gemeindeschule Restaurant „Kornblume", Andreasstr. 3, Sitzung 0 Uhr. Die Redallton stellt die Benutzung des Sprechsaals, soweit Raum dafür abzu- aeben ist, dem Publikum zur Besprechung von Angelegenheiten allgemeinen Interesses zur Verfügung; sie verwahrt sich aber gleichzeitig dagegen, mit dem Inhalt desselben tdentisizirt zu werden. Der Herr Oekonom der Brauerei„Kölngstadt" nennt mich in seiner Erwiderung einen Denunzianten. In dieser Sache schäme ich mich dessen nicht. Er wirst mir vor, zu schwarz gesehen zu haben. Ich behaupte aber, daß er sich nur weiß waschen wollte. Da der Herr Oekonom der Brauerei„Königstadt" in seinem Artikel den Sinn der Sache nur mit einigen Wortverdrehungen zugiebt, so überlasse ich es getrost der Arbeiterschaft Berlin-'. darüber ein Urtheil zu bilden. Franz Schmidt, Gollnowsti- 21. Den Mitgliedern des Fachvereins der Tischler zur � nähme, daß ich die Adußerung, die ich in der Versammw ö May, Beuthstraße 20, am 20. Juli gethan habe:„M Vorstande der Ortskrankenkasse der Tischler und Pia i„ arbeiter bei meinem letzten Arbeitgeber denunzirt worden, ß zurücknehme; aber nur für diejenigen Mitglieder ve- den Arbeitnehmern in denselben gewäh' R. Millarg, Lehrter, tr. 22. standes, welche von der Medocktiott SrllM SchriftfLftrrr des Fachvrreins #' Bs! Anfragen bitten wir die Abonnements-Quittung bsizusugen. Antwort wird nicht erlheilt. b r a rb r'ikltng s in a sch in r n deschiiftigte» Arbeiter. Wir � doch schon oft genug mitgetheilt, daß alle an dle Redakt � richteten Schriftstücke, die zum Abdruck bestimmt sind, au. einer Seite beschrieben sein dürfen. Das sollten Sie doch schon wissen Schriftführer des Uereins dasselbe. Wir können aus diesem veröffentlichen..,„.„adtßd' zlowawes. 1. Ihr Kontrakt enthält zwar nicht aus$ (ich die Angabe der Miethszeit. Da aber darin die Jahrein festgesetzt ist, so gilt er als auf ein Jahr geschlossen und e � mit dem 1. Oktober ohne Kündigung seine Ende. Wwn» dem vom Wirthe verlangten höheren Miethspreis stich1 wollen, so können Sie zum 1. Oktober ohne Weitere» 2. Uns sind die dortigen Verordnungen über Polizeistunde bekannt, weshalb uns eine zutreffende Beantwortung Jhrei" nicht möglich ist. zu G. K. 56. Die Mutter kann nicht gezwungen werde, ihrem Sohne zurückzukehren. Derselbe muß ihr vielmehr�. stützung auch außerhalb seines Hauses zukommen lassen, kann er beim ordentlichen Gericht verklagt werden.'Mvzzd! teren Fragen können ohne Kenntniß der näheren umi-j nicht beantwortet werden. Zu mündlicher Auskunst sm bereit.[ti M. K. pallilndeitstr. Verklagen Sie den Arbertgeber�z der Gewerbedeputation auf Herausgabe Ihres Arbeits- Krankenknsscn-Buches sowie auf Schadensersatz. ? Um die Untersuchung einer Wohnung durch den physikus zu veranlassen, muß man 8 M. Vorschuß bei der 1 � einzahlen. Wird die Wohnung für gcsundheitsgefährWv funden, so muß der Wirth die Kosten erstatten. nr ,M;t Kübrüterstr. Wir können Ihnen darüber keine AM geben. 1863. Zu mündlicher Auskunft sind wir bereit.«W M. D. Die Geschenke, die Sie Ihrer verstorbenen« � gemacht haben, fallen deren Erben, also wohl der Mut„„(n Sind noch nicht sechs Monate seit der Schenkung verftosstU können Sie die Rückgabe des betr. Geschenks fordern.. H. K. Prinz-Eugrnstr. Wenn die Ehe kinderlos uM � Testament errichtet ist, so kann-der überlebende Ehegatte seiner und des verstorbenen Gatten gemeinschaftlicher Verstwö � masse nur die eine Hälfte nehmen, während die andere Halst die nächsten Verwauvten des Verstorbenen fällt. Durch(r ,» liches Testament können sich aber die Eheleute gegensettlg � Universalerbe» einsetzen, ivobei freilich den etwa noch denen Eltern des einen oder anderen Ehegatten der Psimr' vorhehalten werden muß.>>« Zwei Wcttrnde 883. Nein, diese Tabakpflanzen wtt nicht besteuert. � K. K. Landsberger Allee. Ein Kaufmann, der w» A Konzcssion zum Kleinhandel mit Spirituosen hat, macht>. strafbar, wenn er seinen Kunden gestattet, in seinem Lade" trinken. ®, D. 100. 1. Wenn ein Dienstmädchen lltägige j-t.� digung allsgemacht hat, so kann letztere nur am 15. zum aallb> 1. erfolgen, außer ivenn ausdrücklich von jederzeitiger Kündig gesprochen worden ist. M. K. 1. Ein Mädchen bedarf zur VerheirathunZ väterlichen Einwilligung bis zum vollendeten 24. LebensjM. Ist sie über 21 Jahre, so kann sie den Vater auf Ertheilung Einwilligung verklagen. Wille Unserm Kegelbruder 1910 BmW Limleken i» seinein 35. Geburtstage ein donnern- >es Hoch, daß sie alle wackeln. Von seinen Kegelbrüdern Kalte Nenne. Die besten Glückwünsche senden deni Schlächter- Wilhelm am Hochplatz zu seinem heutigen Wiegenfeste die Hart- traber und Genossen aus 1935 S p a« i r n. Unseren: treuen Genossen, Freunde und Nachbar, Herrn Prittscho zu seinem 31. Geburtstage ein dreimal vonnerndes Hoch, daß vor Schreck die Reichenberger-Straße in Kamerun ihr Ende findet und vor Freude in Nr. 82 die Biergläser auf den Tischen Ver- sammlung halten. 1940 W. U. und Fr. Unserm Freund und Genossen August Dorsch zu seinem heutigen Geburts- tage ein donnerndes Hoch. 1945 Mehrere reihe Brüder von Süd-Ost. Hiermit nehme ich die Beleidigung gegen Hrn. Kutte wegen Unterschlagung zurück und erkläre denselben für ehren- hast. 1944 A. Kühn. Polstermöbel, einfach und elegant, hält vorräthig und liefert»ach Bestellung solid und billig C. Wildberg®!*, Tapezirer und Dekorateur,[1535a 60, Kommandanten- Straße 60. Aufpolstern von Sophas»nd Matratzen wird prompt und billigst besorgt. Allen Freunden und Genossen em- pfehle mein Oll Tilbkk- Nd Cigarm-CesAst Skalitzerstrasse 66. Otto Jahns. Genossen, insbesondere des 2., 3. und 4. Wahlkreises liefert gutes Landbrot 1948 Joh. Haussmann, Mariendorf. Todev-Auzeiae. Allen Freuilden und Bekannten die traurige Nachricht, daß mein lieber Mann und unser guter Vater, der Gürtler Heinrich Kindt, am 16. ds. Mts. nach schwerem Leiden sanst entschlafen ist. 1929 Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 20. d. M., Nachm. 4 Uhr, von der Leichenhalle des St. Georgen-Kirchhofs (Landsberger Allee) aus statt. Die trauernden Hinterbliebenen Weinstr. 27. Zur kevorstehenden Mintersaisoy empfehle mein langjähriges" ii. KMeMderM-GesM Auch halte stets großes Lager zu KesteUungen nach Maaß, welche m eigenee Werkstatt aagesertigt mW* Für guten Sitz wird garautirt."WU I. Geschäft i| fö A SB II. Geschäft i Köpemckerjiv. 127a,| Mrangeistratze 4� nahe der Adaltertstraße. W a W fiffl b\■ Ecke Lübbenerstraße. 1 Arste v. Z'/s— 5 Meter spottbillig. j Emil Lefevro, Granienste. 158. Proben franko i [1522 Möbel, Spiegel und Polsterwaaren. Gante Ausstattungen empfiehlt Moritz Gläser, 1451 167. Reichenbergerstr. 167. 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