Kr. SA. Dienstag, den S3. Keptrmder 1890. Jahrg. öerliUrVolksblkit. Hrgan für die Interessen der Arbeiter. .j,. ti Das„Berliner Vo lksblatt" täglich Morgens auger nach Sonn- und Festlagen. Abonnementspreis für Berlin frei Sil. us vierteljährlich 3,30 Mark, monatlich 1,10 Mark, wöchentlich 28 Pf. Einzelne Numnrer S Pf- »nntags- Nummer mit dem„Sonntags-Blatt" 10. Pf. Postnbonnemcnt 3L0 Mark pro Quartal. ir.(Eingetragen in der Postzeilungspreisliste für 1890 unter Nr. 892, V. Nachtrag.) "r Kreniband, täglich durch die Expedition, für Deutschland und Ocsterrcich-Ungarn S Mark, für das übrige Ausland 3 Mark pro Monat. , Znsertionsgebühr t„. beträgt für die Sgesvaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pf., für Vereins- und VerfammlungS. Anzeigen 20 Pf. Inserate werden bis 4 Uhr NachnnttagS m der Expedikon, Berlin SW., Bcutbitrage 3, sowie von allen Annonccn-Bureaux. ohne Erhöhung des Preises, angenommen. Die Expedition ist an Wochentagen bis 1 Uhr Mittags und von 3—7 Uhr Nachmittags, an Sonn- und Festtagen bis 9 Uhr Vormittags geöffnet. -, Frrnjprechrr: Amt VI. Ur. 4100.»-"*~ Nedskkion: Veukhflvcrtzo 2,— Siepedikion: VenkhfivÄtze 3. Hungersnokh. .Schlesien und Irland, die Schmerzenskinder Zweier großen Reiche, haben das hüchfte Maß ihrer Leiden 'wch nicht überschritten. An ihren Grenzen steht das 8rauenhafte Gespenst der Hungersnoth mit seinem unHeim- uchen Gefolge von Pestilenz, Siechthum und Tod bereit, seinen verheerenden Einzug zu halten. Jedesmal, wenn der Menschengeist einei» seiner glänzenden Triumphe feiert, sei es durch Vervollkominnung des Verfahrens bei der Erzeugung von Lebensmitteln oder slurch Verbesserung des Verkehrswesens, dann erhalten wir von der Wissenschaft den Trost, daß die Menschen eines �rdtheils nicht mehr wie früher hilflos den Folgen einer Mißernte oder eines sonstwie entstehenden augenblicklichen Langels an Nahrungsmitteln preisgegeben seien. Heute vermag, so heißt es, ein Erdtheil rasch und wirksam dem anderen beizustehen. Die Wissenschaft[lügt nicht, es könnte und müßte nach dem heutigen Stande der Dinge so sein. Und den- Noch j st es nicht so. Das verkehrte Wirthschafts- system von heute beraubt uns der Vortheile und Fort- schritte wieder, die Wissenschaft und Technik uns eröffnet haben. Nirgends offenbart sich das besser, als an den beiden Unglücklichen Ländern Schlesien und Irland. i Schlesien hat große Latifundien, die im Eigenthum »es Adels sind, und verarmte oder verarmende Bauern, denen bei der bekannten Ablösung der Feudallasten und �enauftheilung des Grundbesitzes nur kleine und halb- wüste Parzellen geblieben sind, während dem großen Grundbesitz der Junker und Junkergenossen die bekannte '.s ch l e s i s ch e M i l l i a r d e" zufiel. Die Weber- bevülkerung befindet sich auf der Stufe äußersten Elends, Uamentlich wo Hand- und Hausweberei besteht. Die Ge- Schichte der schlesischen Weberei ist ein wahres Leidens- v u ch einer arbeitsamen und mäßigen B e- ?? ü l k e r u n g, die zu Grunde geht, weil sie trotz schier übermenschlicher Arbeit bei einem verkehrten Produktions- Und Wirthschaftssystem ihren kärglichen Unterhalt nicht er- werben kann. Auch der oberschlesische Bauer kann von dein kärglichen Ertrage seiner Parzelle— unter denen sich �ele„wüste Huben" befinden, nicht �leben und sucht sich durch.allerlei Ncbengeschäfte und Dienstleistungen zu helfen. Die Textilarbeiter hatten es schon schwer zu empfinden, (p die Zölle in Oesterreich und Rußland erhöht und die Ausfuhr von Textilwaaren dahin erschwert wurde; nunwehr kommt auch noch die drohende Abschließung Nord- werikas, welches ein Hauptabsatzgebiet für deutsche Iseuittekon. verboten. I ß Eine Unglückliche. Erzählung von Iwan T u r g e u i e w. UuS � stießen mit Fictor an und fuhren fort, zu trinken wj" lachen, obgleich seine Erzählung uns gar nicht ge- N./„hotte, und seine Gesellschaft überhaupt uns wenig fui-r Pen machte. Er fing an, den Liebenswürdigen zu v eleu, Possen zu reißen, auszufallen, mit einem Worte, lirf lülIlde uns noch widerwärtiger. Fictor bemerkte end- >'' welch einen Eindruck er auf uns hervorbrachte, und Äi'!# mürrisch. Seine Reden wurden abgebrochener, seine .finsterer. Er fing an zu gähnen, erklärte, daß er ei,i'll9 sti, schalt den dicnstthucnden Kellner mit der ihm 9(Mieii Grobheit, eines schlecht gereinigten Pfeifenrohrs z, üeu, und wandte sich plötzlich, mit einem hcraussordernden « sdruck in den verzerrten Zügen, mit der Frage an Fustoff: .»Hören Sie, Alexander Daviditsch", sprach er,— "Mgen Sie mir doch, ich bitte, weshalb Sie mich verachten?" «Wie so?" antwortete mein Freund zögernd. «Eben.'... ich. sichle, und weiß sehr gut, daß Sie M verachten, und dieser Herr(er zeigte mit seinem Finger ßjwicch) gleichfalls. Und wenn Sie sich noch selbst durch Tj�Zroße Sittlichkeit auszeichneten! Aber Sie sind ein stiff,, gerade wie wir Anderen Alle. Aergcr noch. Im 'i Wasser... Kennen Sie das Sprüchwort?" Fustoff erröthcte... "Was wollen Sie damit sagen?" fragte er. Textilwaaren ist, und droht Tausenden den ge- ringen Verdienst, von dem sie leben mußten, zu entziehen. Sie werden ungemein erbaut sein von der Bismarck'schen Zollpolitik, durch welche die Absperrung Nordamerikas hervorgerufen worden ist. Wenn die Absperrung Nordamerikas perfekt wird, woran wir nicht zu zweifeln wagen, so treffen alle Umstände zusammen, um das Elend der oberschlesischen Bevölkerung(auf die Spitze zu treiben; zahlreiche Geschäfte werden keine Unter- nehmungen mehr wagen und die Arbeiter dort werden brotlos sein. Da wird sich auch der gefürchtete H u n g e r- t y p h u s wieder einstellen. Und was wird geschehen? Dem Zentrum, das in Schlesien so viele Anhänger hat, wird es die Hauptsorge fem, daß die Opfer der Pest auch die Sterbesakramente richtig erhalten; was der Staat und wohlthätige Hände thun, wird nicht ausreichen, um nur das alleräußerste Elend abzuwenden. So wird das unglückliche Schlesien trotz aller Fortschritte der Neuzeit wieder eine Hungersnoth, wie schon so viele über dies Land hereingebrochen, voll und ganz durch- zumachen haben. In Irland droht die gleiche Gefahr, wenn auch aus anderen Ursachen. Dieses schöne Land, welches auch eins der wohlhabendsten sein könnte, wird ruinirt durch die Habsucht und Brutalität der englischen Aristokratie, die in langen Raubkriegen den irischen Grund und Boden an sich gerissen hat. Sie hat sich Latifundien errichtet, auf denen sie Viehzucht betreibt, eine Beivirthschnftung, die Irland ruiniren mußte, so sicher, wie die Latifundien das alte Italien ruinirt haben. Paddy, der Jrländer, bebaut, in Elend ver- sinkend und untergehend, als Pächter oder Tagelöhner, die Fluren, die seinen Ahnen als Eigenthum gehörten. Das irische P ä ch t e r e l e n d ist weltbekannt, die Parzelle zwingt dem Pächter eine primitive Bewirthschaftung auf und er kann häufig den Pachtzins nicht zahlen. Die ganze irische Frage hat sich in dem Kampf zivischen Grundherrn und Pächtern ausgeprägt. Dieses Jahr ist Mißernte eingetreten und die Pächter, die von dem kärglichen Kar- toffel-Ertrag nur e i n V i e r t h e i l haben nach Hause bringen können, werden ohne Zweifel mit dem Pachtzins im Rückstand bleiben. Dies wird das permanente irische Elend zur Hungersnoth steigern und wir sind gespannt, was das stolze England, das sich längst des irischen Elends hätte schämen müssen, thun wird. Wahrschein- lich Nichts! Wird man ruhig zusehen, wie die Pächter von den gefühllosen Landlords von ihrem Hofe vertrieben werden? Wunderbar wäre es nicht. Die L a n d l i g a wird die Gelegenheit benutzen, den irischen Widerstand zu stärken. Aber sie kann keine wirk- „Daß ich noch nicht blind bin und sehr gut sehe, was vor meinen Augen geschieht. Ich sehe Ihr Liebäugeln mit meiner Schwester sehr wohl... Ich habe gar Nichts dagegen einzuwenden; denn, erstens wäre das gegen meine Grundsätze, und zweitens ist meine Schwester selbst über alle Stränge gesprungen... Weshalb aber verachten Sie mich denn?" „Sie wissen selbst nicht, was Sie da lallen! Sie haben einen Rausch," sagte Fustoff, seinen Paletot von der Wand herablangend.—„Er hat wohl irgend einem Dummkopfe das Geld abgenommen, und lügt jetzt, weiß der Teufel was!" Fictor blieb auf dem Sopha liegen, und bewegte nur die Füße, welche unter der Lehne hinabhingen. „Abgewonnen! � Warum haben Sic denn Wein ge- trunken? Er war ja mit dem gewonnenen Gclde gekauft. Und zu lügen giebt es hier nichts. Ich bin nicht Schuld daran, daß Susanna Jwaiwwna in ihrer Vergangenheit..." „Schweigen Sie!" unterbrach ihn Fustoff.—„Schweigen Sie!... oder..." „Oder was?" „Sie werden es erfahren. Peter komm!* „Aha!" fuhr Fictor fort—„unser großmüthiger Ritter wendet sich zur Flucht. Er- will wohl nicht die Wahrheit hören. Sie sticht, die Wahrheit!". „So komme doch, Peter," wiederholte Fustoff, der end- lich seine gewohnte Kaltblütigkeit und Selbstbeherrschung gänzlich verloren hatte.—„Wir wollen diesen elenden Knaben allein lassen!" „Dieser Knabe fürchtet Sie nicht, hören Sie," schrie Fictor hinter uns drein,—„dieser Knabe verachtet Sie, — ver— ach— tet, hören Sie?" sams Bodenreform empfehlen. Wohlmeinende Leute empfehlen dagegen den Iren, nach Amerika auszuwan- d e r n. Als ob nicht schon genug ausgewandert wären. Nun wir zweifeln nicht, daß die Auswanderung, vielleicht sogar in verstärktem Maße, fortdauern wird; sie wird aber auch für die„N a t i o n a l i s i r u n g" des Grund und Bodens, für die sich im britischen Reich so viele Stimmen erheben, den Weg ebnen. Denn wenn irgend Jemand bewiesen hat, daß er mit seiner Bodenbewirthschaftung die besten Länder zu ruiniren vermag, so ist es der englische Adel gewesen. Nicht leicht kann es für Europa, für seine Regie« rungen, seine Parteien, seine Staaten und seine Völker eine stärkere Mahnung geben, mit dem verkehrten Wirth- schaftssystem von heute zu brechen, als die Hungersnoth in Irland und in Schlesien, die bereits chronisch geworden ist und immer wieder mit ihrem Medusenhaupt auftaucht, wenn die Völker sich ihrer Kulturfortschritte freuen wollen. Die Staatsmänner der alten Schule nehmen diese Er- scheinungen zu leicht und hielten sie nur für vorüber- gehend; sie erkannten in ihnen nicht die Symptome einer allgemeinen sozialökonomischen Misere. Wenn die Mahnungen nicht beachtet werden, so wird das Uebel weiter um sich greifen; was bisher Irland und Schlesien erfahren, wird sich verallgemeinern und zwar in kürzer Frist. Viele Länder sind ohnehin nicht mehr weit davon entfernt. Hungersnoth wie vor 2000 Jahren— im nenn- zehnteu Jahrhundert! Man verliert d i e L u st, von „Kultur" zu reden. Mien» 19. September. In meinem letzten Briefe habe ich ausgeführt, welche Bedeutung die letzten G e w e r k s ch a f t s- tage für die Fachorganisation hatten. Ein kurzer Ueberblick über die Beschlüsse, welche gefaßt wurden, zeigen, auf welchem Standpunkte unsere organisirten Arbeiter in Bezug auf die Fragen des Arbeiterschutzes stehen. Da es sich um Branchen handelte, die noch vorwiegend k l e i n g e w e r b l i ch e n Betrieb aufweisen (Hutmacher, Tischler, Drechsler, Schuhmacher) wurde als wich- tigste Forderung die Ausdehnung des Arbcitcrschutz-Gesetzes insbesondere des MaximalarbeitStageS, auf das Kleingewerbe, auf- gestellt. Unsere Gewerbeordnung ist das Werk einer„konser- vativen" Parlamentsmajorität; sie geht also der Großindustrie vergleichsweise scharf zu Leibe,— wenigstens auf dem Papier— für die Klcinmeister, die treuen Bundesgenossen der Reaktion, aber hatte man nur'-Zrvangsinnungcn und hielt sie von jeder Beschränkung in der Ausbeutung ihrer Arbeiter frei. Die einzige Schranke, die ihnen gezogen wurde, besteht in der Vorschrift der Sonntagsruhe. Natürlich wird auch dieses Gesetz fortwährend und gerade im Kleingewerbe am häufigsten umgangen, so daß gerade in der Reihe jener Meister, ff ging so schnell auf der Straße, daß ich ihm mit Mühe nur folgen konnte. Plötzlich blieb er stehen und wandte sich jäh zurück. „Wohin?" fragte ich. „Ich muß erfahren, was dieser Dummkopf... Wer weiß, was er im Rausche... Gehe Du aber nicht mit... Wir sehen nnS morgen, lebe wohl!" Mir eilig die Hand drückend, wandte sich Filstoff noch einmal Jars Gasthanse zu. Am folgenden Tage sah ich Fustoff nicht. Als ich am übernächsten Tage zu ihm ging, hörte ich in seiner Woh- nung, daß er die Stadt verlassen habe und zu seinem Onkel auf dessen Landgut außerhalb Moskau gezogen war. Ich fragte erstaunt, ob er nicht einen Brief für mich zurück- gelassen habe, allein, es fand sich nichts. Darauf fragte ich den Diener, ob er wisse, wie lange Alexander Daviditsch auf dem Lande zu bleiben beabsichtige.„Wahrscheinlich zwei bis drei Wochen," war die Antivort des Dieners. Ich nahm für alle Fälle Fustoff's genaue Adresse und ging, in Nach- denken versunken, nach Hause. Diese unerwartete Abreise von Moskau im Winter versetzte mich in das größte Er- staunen. Meine gute Tante fragte mich bei Tische, was ich er- warte, und warum ich die Kohlpastcte ansehe, als sähe ich so Etwas zum ersten Male im Leben.„Pierre, vous netes pas amoureux?" rief sie endlich ans, nachdem sie ihre Ge- sellschafterinnen zuvor entfernt hatte. Aber ich beruhigte sie: nein ich rvar nicht verliebt. S c ch s z e h ir t e s Kapitel. Drei Tage vergingen. Es trieb mich, zu Ratsch zu gehen; mir bauchte, daß ich in seinem Hause die Lösung I welche sich mit Vorliebe„Vereinigte Christen",„Christlich Soziale" und dergleichen nennen, die meisten Sonntagsschändcr anzutreffen sind. In Oesterreich ist daZ Kleingewerbe der Gewerbcinspektion untersteilt und wenn die lächerlich kleine Zahl der Inspektoren natürlich ganz ungenügend ist, die Uebertretung des Gesetzes zu hindern, so reicht sie gerade aus, um Stichproben zu machen, die dann amtliche Belege für ganz grauenhafte Zustände bilden. Alle melden von einer Arbeitszeit von 15, 16 auch 18 Stunden; von der Ausbeutung der kindlichen Arbeitskraft unter dem Vor- wände der„Lehre", von unmenschlichen Zuständen der Werk- stätten:c., kurz von allen jenen Nebeln, welche eine zu Grunde gehende Betriebsform überall mit sich führt. Wenn aber die Delegirtentage die Ausdehnung des Schutz- gesetzes auf das ktlcingewerbe und im Zusammenhang damit die Vermehrung der Inspektoren verlangten, so. blieben sie keineswegs bei unserem gesetzlich fixirten elfstündigen Maximalarbeitstnge stehen, sondern verlangten zugleich seine Reduktion auf acht Stunden. Nun sind sich ja die österreichischen Arbeiter bewußt, daß hier bei der jetzigen politischen Konstellation auf eine Reihe von Jahren kein Fortschritt der Gesetzgebung auf diesem Gebiete zu erwarten ist. Sie vertrauen also in erster Linie ihrer eigenen Kraft und wissen, daß sie aus dieselbe angewiesen sind. Darum gelten ihre wichtigsten Forderungen der Beseitigung der Hinder- nisse der Organisation. Es wurde da von Arbeitern, die zum Theile gar nicht in der sozialistischen Bewegung stehen, sondern reine Gewcrkschaftsinteressen vertreten, laut könstatirt, wie die heutige Gesetzgebung, welche angeblich nur„Ruhe und Ordnung" ausrecht erhalte» will, wie unser Vereins- und Versammlungs- gesetz, oder den Staat gegen den„gewaltsamen Umsturz" durch die„Anarchisten" schützen soll, wie unser Ausnahmegesetz, Haupt- sächlich und vor Allem dazu dient, die Organisation der Arbeiter für den Lohnkampf zu hindern oder unwirksam zu machen. Wir wissen sehr gut, daß unsere deutschen Genossen während des Sozialistengesetzes nicht auf Rosen gebettet waren und vielleicht auch künftig nicht sein werden. Was aber österreichische Behörden leisten, dafür fehlt dem Ausländer jeder Maßstab. Obwohl der Ministerpräsident Taaffe wiederHoll öffentlich im Parlamente sein Wort gegeben hat, die Ausnahmsverfügungen sollten nur gegen Anarchisten angewendet werden, beruft man sich taglich auf dieselben Ausnahmsverfügungen, um Fachvereine zu ver- hindern. Wäre es in Deutschland möglill), daß drei Jahre lang eine Gewerkschaft der Metallarbeiter in Wien trotz wiederholt eingereichter Statuten nicht zu Stande kommen kann, blos darum, weil die Behörden sich des gegen die Anarchisten gerichteten Ausnahmszustandes bedienen, um diese Statuten ein- fach nicht zu erledigen?(Daß von Anarchisten in Oesterreich seit Jahren keine Spur ist, sei nebenbei bemerkt.) So enthüllt sich diese ganze angeblich politische Gesetzgebung in der Praxis schamlos als reines Mittel für den Klassenkampf in seiner rohcsten Form, als Mittel, den Kapitalisten niedrige Löhne und lange Arbeitszeit zu garantiren. Wenn also die Ge- werkschaftstage, die durchaus unpolitischer Natur waren, gegen unsere Verwaltungspraxis und gegen den Ausnahmszustand pro- testirten, sind sie ganz bei der Sache geblieben. Ebenso, wenn Einige von ihnen das allgemeine Stimmrecht verlangten, als eines der Mittel, wodurch ein Einfluß auf die Gesetzgebung zu Gunsten der Arbeiter geltend gemacht werden könne. Ich will noch hervorheben, daß sehr energisch die Nachtheile der Stücklöhnung und die Verrottung des Lehrlings- wesens Hervorgehoben wurde. Letzteres wurde als„ökonomisch und pädagogisch gleich verwerflich" bezeichnet und die Einführung von„staatlichen, unentgeltlichen Lehrwerkstätten" unter gleich- zeitigem Verbot der Ausbeutung von Lehrlingen verlangt; daß dies die einzige Art wäre, die systematische Vergiftung und Ver- dummung des Arbeiternachwuchses zn beseitigen, liegt auf der Hand. Eines der wesentlichsten Momente der Organisation ist die Einbeziehung der F r a u e n und der ungelernten A r b e i- t e r, und gerade dieser letzte Punkt war der einzige, der zu mitunter leohasten Diskussionen führte. Aber schließlich mußten sich auch die älteren, noch ziemlich aristokratisch angehauchten Fachvereinler der Einsicht fügen, daß die ökonomische Entwicklung diese vornehme Abschließung bereits sehr unzeitgemäß ge- macht habe. Darin liegt aber auch ein wichtiges Moment für die gesammte Arbeiterbewegung in Oesterreich; nämlich damit ist die Gefahr ausgeschlossen, daß die Gewerk- schaftsorganisation, auch wenn sie ausgebaut ist, konservativ und so zum Hemmschuh für die Entwickelung unserer Partei werden könnte.--- � Die amerikanische Mac Kinley-Bill, deren Folgen in Deutschland schon längst gefühlt und diskutirt werden, wird nun auch in Oesterreich Gegenstand eines sehr traurigen Interesses. Die riesigen Zollerhöhungcn, welche sie mit sich bringt, werden zunächst die P e r l m u t t k n o p f- I n d u st r i e treffen. Der bereits bestehende Zoll von 25 Prozent vom Werths konnte durch die elenden Hnngerlöhne der Knopfdrechslcr in Wien, in Böhmen und Mähren noch ausgeglichen werden. Amerikanische Arbeiter mit menschlichen Bedürfnissen waren dieser Hungerkonkurrcnz nicht aeivachsen. Sinn soll aber ein Zoll dazu kommen, der nach der Größe des Knopfes bemessen wird(2 CentS pro Linie Durchmesser von Allem, was mich beschäftigte, was ich nicht verstand, finden müsse... Aber ich hätte dem„Veteranen" wieder begegnen müssen.... Dieser Gedanke hielt mich davon zurück. An einem schauerlichen Abend— draußen wüthete und heulte ein Februarstnrm, trockener Schnee schlug ruckweise an das Fenster, als würfe eine starke Hand Saud an die Scheiben,— saß ich in meinem Zimmer und versuchte zu lesen. Mein Diener trat herein und meldete mir geheimniß- voll, daß eine Dame mich zu sprechen wünsche. Ich verwunderte mich; ich pflegte keinen Damenbesuch zn er- halten, ani wenigsten zu einer so späten Stunde, indessen, ich ließ sie hineinführen. Tie Thür öffnete sich und es trat eine, ganz in einen leichten sommerlichen Ueberwurf und in einen gelben Shawl gehüllte Frau mit raschen Schritten herein. Sie warf mit einem Rucke den mit Schnee be- deckten Ueberwurf ab und vor mir stand— Snsanna. Ich war dermaßen bestürzt, daß ich kein Wort hervorbringen konnte, sie aber näherte sich dem Fenster, lehnte sich mit der Schulter an die Wand und blieb regungslos stehen; nur ihre Brust hob sich krampfhaft, der Blick irrte umher, und der Athenr entriß sich ihren todtenblcichen Lippen mit einem leisen Aechzcn. Ich begriff, daß kein gewöhnliches Unglück sie zu mir geführt hatte; ich begriff, trotz meiner Jugend und meines Leichtsinns, daß sich in diesem Augenblick hier, vor mir, das Schicksal eines Lebens vollbrachte— ein bitteres, schweres Schicksal. „Susanna Jwanoivna," fing ich an,„wie.." Sie ergriff plötzlich meine Hand mit ihren kalten Fingern, aber die Stimme versagte ihr. Sie seufzte unruhig und brach zusammen. Ihre schweren schwarzen Haarflechten fielen über ihr Gesicht..... es lag noch Schnee auf denselben. „Ich bitte, beruhigen Sie sich; setzen Sie sich," fing ich wieder an,„setzen Sie sich hier ans das Sopha. Was ist vorgefallen? Setzen Sic sich, ich bitte Sie." „Nein," sagte sie, kaum hörbar und ließ sich auf das Fensterbrett nieder.„Es ist gut... lassen Sie... Sie konnten nicht voraussetzen... aber wenn Sie wüßten... wenn ich könnte... wenn ich.. und Gros) und bei den billigen Sorten dem ganzen Werthe gleich- kommt und ihn übertrifft. Wenn dieser Satz wirklich Gesetz wird, so werden in der That Tausende von Perlmuttdrechslcrn arbeitslos werden. Aber noch ist es nicht sicher, noch liegen Be- stellungen vor und jedenfalls werden die besseren Sorten noch lange in Oesterreich gemacht werden. Aber, und das ist charak- teristisch, dieselben Meister, welche gestern in der Versammlung jammerten und sich zu einem Hilferuf an die Regierung ent- schloffen, dieselben wollen zugleich im Trüben fischen und ver- suchen, die Löhne, welche vor einem halben Jahre durch jenen bekannten großen Streik auf eine etwas menschlichere Höhe ge- bracht worden waren, nun herabzudrücken. Aber der beste Erfolg des Streiks war die vortreffliche Organisation, welche die Drechsler jetzt haben, und es wird den Unternehmern nicht ge- lingen, die Panis dazu auszunützen, auch jenen Arbeitern, die nicht direkt betroffen sind, den Lohn zu kürzen. Die Regierung steht der Sache ganz rathlos gegenüber; sie war so wenig mformirt, daß sie nicht einmal den Versuch machte, die Jnter- essen dieser Taufende von Arbeitern zu schützen. Heute ist es wahrscheinlich zu spät, den Weg der Verhandlung zu betreten; und wer weiß, ob das überhaupt Jemandem einfällt. Ja, würde es sich um die„Ehre der Flagge" handeln, wäre in Ncwyork irgend eines unserer Schiffe mit zu wenig Salutschüssen begrüßt worden, kein Zweifel, daß dann ganz gehörig mit dem Säbel ge- rasselt worden wäre. So aber handelt es sich nur darum, ob ein paar tausend arme Proletarier brotlos werden; und darüber echauffirt sich die hohe Diplomatie nicht. Uebrigens würde es einem Staats, der den Agrariern zu Liebe selbst hohe Schutzzölle anwendet, schlecht anstehen zn klagen, wenn der Spieß emmal umgekehrt wird. Der Arbeiter ist freilich in beiden Fällen der leidende Theil. Unser Kriegsministerium beginnt die s o z i a l i st i sch e Pro- p a g a n d a in d e r A r in e e zu fürchten und hat die Unter- offiziere aufgefordert, jeden Fall sofort zur Kenntniß zu bringen. Das ist um so überraschender, als bis jetzt hartnäckig geleugnet wurde, daß sozialistische Elemente in der Armee vorhanden seien. Also auch das Militär ist nicht mehr„seuchenfest". Uns kann es recht sein! JiU'ickj, 18. September. Es ist eine alte Erfahrung, daß wenn Zwei dasselbe thun, es dennoch nicht dasselbe ist. Wenn Arbeiter, Proletarier, in irgend einem Kanton der Schweiz Revolution gemacht Hütten, wie würde da die ganze patriotische und Ordnungspresse nach Rache schreien, wie rück- sichtslos, brutal, vielleicht auch sogar blutdürstig, wie 1886 die Bourgeoisie in der nordamerikanischen Republik, würde sich die gesammte gutgesinnte Bürgerschaft gegenüber den Revolutionären benehmen— freilich unter der Voraussetzung, daß sie sich die er- rungene Macht wieder entreißen ließen. Wir erinnern uns leb- hast des Falles G ö ck l e r von 1886 und bald darauf des Falles Lutz, in welch' beiden Fällen sich das Gerechtigkeitsgefühl unserer republikanischen Bourgeoisie in der schönsten Glorie zeigte. Göckler hatte, wie erinnerlich, den ihn bis zur Verzweiflung peinigenden Fabriksaufseher oder„Meister" mit einem Stück Eisen auf den 5topf geschlagen und dadurch nicht unerheblich ver- letzt. Man hätte damals glauben können, die gesammte Bour- geoisie sei rasend geworden, keine Strafe— vielleicht selbst die Todesstrafe wäre ihr für den„Mörder" Göckler, wie sie den bedauernswerthen Unglücklichen nannte— zu scharf ge- wesen und er erhielt in der That 4 Jahre Arbeitshaus. Kurz nach der Affäre Göckler schoß der, der honetten Gesellschaft an- gehörige Ingenieur Lutz mit zwei Schüssen einen ISzährigen Schriftsetzer auf der Straße nieder, und wie ganz anders wurde nun dieser Fall beurtheilt. Man halte das größte Mitleid mit dem nicht erfundenen, sondern faktischen Mörder und alle gutgesinnten Zeitungen und Juristen bemühten sich, die Affäre im mildesten Lichte darzustellen und massenhaft enb lastende Umstände für Lutz, ihren Klassengenoffen, inS Feld zu führen� Schließlich erhielt denn auch der„gebildete" Lutz für einen Mord nur 4 Monate, während der aufrührerische Proletarier Göckler für bloße Körperverletzung seine 4 Jahre weg hatte. Diese damaligen Vorgänge sind auch heute noch ein maßgebender Spiegel der sittlichen Anschauungen und das Gerechtigkeitsgefühl der sogen,„besseren" Kreise und that- sächlichen Herrscher. Entsprechend dieser Auffassung werden auch die Revolutionäre ini Tessin sehr nnlde und die Hauptmacher voraussichtlich gar nicht bestrast werden; nebenbei bemerkt be- grüßten wir das revolutionäre Vorgehen der Liberalen und wünschen ihnen wirklich milde Beurtheilung. Die sozialistische Presse ist ebenfalls nicht blutdürstig oder gierig und erwähnt aar nichts von Bestrafung. Wären es aber Proletarier, die aus Verzweiflung zu den Wetterli-Gcwehren gegriffen, sie würden und mühten nach den sittlichen, dabei maßgebenden Anschauungen der Bourgeoisie e x c m p l a r i s ch bestraft, jedenfalls lebens- längliches Zuchthaus wäre ihr Loos. Man höre nur, was der„Bund", das Kapitalistenorgan pur exccllenco und sozialistenfresserisch von Beruf, über die Tcssiner Revolution sagt:„Ter Aufstand ist gelungen. Keine Umordnung!" Also eine Revolution ohne Unordnung! Als im vorigen Jahre die brüsken Buchdruckereibesitzer in Bern und der übrigen Schweiz, unter ihnen auch der Sie wollte sich bezwingen, aber mit erschütternder Ge- ivalt stürzten ihr die Thränen aus den Augen und Schluchzen, lautes, heftiges Schluchzeu erfüllte das Zimmer. Ich hatte©ufarntts nur zwei Mal gesehen; ich hatte wohl crrathen, daß sie ein schweres Leiden trug; aber ich hatte sie für ein stolzes Mädchen mit einenl festen Charakter gehalten und jetzt diese unaufhaltsamen, verzweifelten Thränen... Herr Gott! so weint man nur im Angesicht des Todes! Ich stand selbst da, wie ein zum Tode Verurthcilter. „Vergeben Sie mir," sagte sie endlich mehrere Mal, indem sie, fast zornig, ein Auge nach dem andern abwischte. „Das wird gleich vorübergehen. Ich bin zu Ihnen ge- kommen..." Sie schluchzte noch, aber ohne Thränen. Ich bin gekommen... Sie wissen ja wohl, daß Alexander Daviditsch abgereist ist?" In dieser einen Frage hatte Snsanna Alles gestanden, und sie warf dabei einen Blick auf mich, welcher deutlich sagte:„Tu wirst begreifen. Du wirst mich schonen, nicht wahr?" Die Nnglückliche! Ihr war also kein anderer Aus- weg mehr geblieben! Ich wußte nicht, was ich ihr antworten sollte... „Er ist abgereist, er ist abgereist... er hat ihm ge- glaubt!" sagte währenddem Snsanna.„Er hat mich nicht einmal fragen wollen; er glaubte, ich würde ihm nicht die Wahrheit sagen! Er konnte das von mir glauben! Als hätte ich ihn jemals hintergangen!" Sie biß sich in die Unterlippe und fing an, sich etwas herabbeugend, die Eisblnmen, welche die Scheiben bedeckten, mit dem Nagel zn kratzen. Ich ging eilig ins Nebenzimmer, schickte meinen Diener fort, kam unverzüglich wieder und zündete ein zweites Licht an. Ich wußte selbst nicht recht, weshalb ich das alles that... Ich war vollkommcn.ver- wirrt. Susanna saß noch immer am Fenster und ich bemerkte jetzt erst, wie leicht sie gekleidet war. Ein graues Kleid mit weißen Knöpfen und einem breiten Ledergurt— das war alles. Ich näherte mich ihr, allein sie beachtete es nicht. „Er hat es geglaubt... er hat es geglaubt," flüsterte sie, von einer Seite zur anderen schwankend.„Er hat nicht Streikbrecher" und die w- Verleger des„Bund", eine Lieferung Nch aus dem Ausland kommen ließ durch brotlos gewordenen schweizerischen Typograph'?- Mitglieder über die elenden Kulis empört waren, schrie die Vcrner Bürgerschaft und vorab der„Bund" nach Militär- 8 c b o t. das dann in der That erfolgte. Da waren von ehrlichen Arbeitern einige geprügelt worden— das war Störung der„Ordnung" und da wurde nach Hilfe gerufen, im Tessin �'rd eine Regierung gestürzt und ein Minister erschossen und du dav gleiche gutgesinnte Blatt:„Keine Unordnung!" Es geht doch herrlich zu in der Welt! "............«»m«, bietet »- i?%%%% WK oa„iif des K a n t o, unter 51 578 Vermögenssteilerpflichtigen 86 Millionär., denen 33 auf die Stadt Zürich, 10 auf Winterthur und 33 -'' Ig*| Das Steuerkap, taUst andere Gemeinden des Kantons entfallen seit 1860 von 572 auf 915 Millionen gestiegen. Von% I Vi V a. vv» 1/ w»i vi** V» n I va.v«w» fcv»» V o- 1--* U ßOO 74 496 Einkommenssteuerpflichtigen versteuern 36 pEt. 1500 Frks, und nur 14 pCt. mehr ass 1500 Frks. Em U dürftiges Einkommen von 600 bis 800 Frks. versteuern 58 p■ aller Pflichtigen. Diese Zahlen beweisen, daß die Prmuth Volkes in der Schweiz so stark um sich gegriffen, wie in si_ anderen Jndustrielande und daß die große Masse der Bürget' ganzes Leben lang nicht aus Roth und Elend herauskommt! ~"'«.» AU nur ein kleines Häuflein vermag nießen und ihr Dasein sorglos und«-«■„. Und angesichts solcher trauriger Thatsachen niaiigen in der Schweiz nicht an zahlreichen Stimmen, wec i das Vorhandensein einer�thatsächlichen s o z M le n ßg, rundweg bestreiten. Die Arbeiterbewegung ms v», Produkt einiger„Hetzer und Wühler", namentlich ausländffcy' bezeichnen und im Uebrigcn behaupten, daß es im Schmeizervo „nur einen Mittelstand" gebe. Da kann man« ausrufen: Schwindler und Fälscher! /T... v..t... c, � j ch beschasngin> Die deutschen S o z i a l i st e n in Z Üriu; sich kürzlich mit den Vorgängen innerhalb der sozialdemottai I K sich kürzlich mit den Vorgängen inneryalv ver loziacocinv"..... Partei in Berlin, Dresden und Magdeburg und gelangten iw einer längeren Debatte, in welcher dem nun wieder in Zun t weilenden Herrn Hans Müller und seinen Anhängern° Standpunkt ziemlich klar gemacht wurde, zur nahezu einstimmige Annahme folgender Resolution. In Erwägung, daß bei den letzthin stattgehabten ve dauerlichen Auseinandersetzungen in der sozialdew� oauerncyen m vtt m kratischen Partei die Genossen Bebel und Auer als»u gerechtfertigt Angegriffene erscheinen und sie die berechtig', Grenzen der Vertheidigung gegen die maßlosen Vorwm! ihrer Gegner in keiner Weise überschritten haben;, n in Erwägung ferner, daß die der sozialdemokratiscye Fraktion gemachten Vorwürfe der Korruption und vf Herrsucht durch Nichts erwiesen und innerlich 9Äl los sind;.. ~ � c m----- in Erwägung endlich, daß diese Angriffe geelg i flßnrtotiriforoffo 21t lltlh den sind, das Parteiinteresse zu schädigen und den w tL der Reaktionäre und der Polizei, bewußt Nationen der unbewußt, Vorschub zu leisten; aus diesen Grünben spricht die heutige Versammlung bmifMinn fönimhOcn her Narteileituua der deutschen der deutschen Sozialisten der Parteileitung der Sozialdemokratie ihr unerschüttertes Vertrauen aus,'P'., die gegen sie und ihre Mitglieder gerichteten Vorwum entschieden zurück und erwartet zuversichtlich, daß ""-«"■'.........>»---- LT—J.«, Zukunft derartige Vorkommnisse vermieden werden. 18. September. In einer von 2000 k�beite� I besuchten Volksversammlung erstattete am vorigen—.. Genoffe I g l e s i a s Bericht über den in Bilbao abg�. haltenen ersten spanischen Soziali st enkong 1' Nach seinen Mittheilungen wurden daselbst folgende Madrm betreffende Resolutionen gefaßt: i. Die„sozi alist is che Arbeiterpartei Spaniens — lautet ihr offizieller Name— wird am 1. Mai«Mf* jeden Jahres große Demonstrationen veranstalten, durch von den Negierungen und den gesetzgebenden Körperschaften Einführung der auf dem Pariser Kongresse für nothwendig 81 klärten Arveiterschutz-Gesetze verlangt werden soll. ... 2 Bei den bevorstehenden A b g e o r d n e t e n- W a h l e« für die C o r t e s jroird die Partei in allen Stadt- und Lau°! kreisen, in denen Mitglieder der Partei vorhanden sind, m eigenen Kandidaten aufstellen und jeden Koinpromiß mit v bürgerlichen Parteien zurückweisen. Die auszustellenden KaNv' baten haben sich zuvor auf das in Paris aufgestellte Arbeits utut» ijuueu um jjuuuc uu| uu» in-pun» UUIL.I'.».. V„rtl- schutz-Programm zu verpflichten und werden in ihrer parlam tarischen Thätigkeit der Kontrole seitens der Partei unterwott ""'-....... stäbtihhen„nb P:omnfia(en 0* sein. An den Wahlen für die städtischen und provinzialen tretungen wird sich die Arbeiterpartei nicht betheiligen, so lauv dort 6ie jetzt giltigen Klaffenwahleii bestehen. & 9hn ersten Sonntag des kommenden Januars sollen!» -tadten, ,n_ denen Anstalten mit Gefänqnißarbe'.' "'-—>---- /tili allen Städten, in Denen Ätistcuren nm ip e j an gn ip a*■"-( existireu, von den Arbeitern Massenkundgebungen stattfinden,». rxglirr», von neu laiueuecu artaMciHiiuvycuuuy.ii u»"!""-""' i, denen Resolutionen zu einer Neuorganisation der Gefängn>p arbeit zu fassen sind. gezaudert, und hat mir diesen letzten Schlag.... diesig letzten Schlag!" Plötzlich sich zu mir wendend, fragte „Kennen Sie seine Adresse?" „Ja, Snsanna Jwanoivna... ich habe sie von seinen Dienstboten... in seinem Hause erfahren. Er selbst ¥. mir Nichts von seiner Absicht gesagt; ich hatte ihn Tage nicht gesehen, ging zu ihm und fand, daß er Mosrm verlassen hatte." „Kennen Sie seine Adresse?" wiederholte sie. so schreiben Sie ihm, daß er mich getödtet hat. Sie M ein guter Mensch, ich weiß es. Er hat Ihnen gewiß nich von mir gesprochen; mir aber hat er von Ihnen erzähl Schreiben Sie.. ach, schreiben Sie ihm, daß er ftfot zurückkommen möchte, wenn er mich noch unter den Lebende' finden will!... Doch nein! Er wird mich nicht weh finden!" Susannens Stimme wurde mit jedem Worte leiser UN' sie wurde endlich ganz stille. Allein diese Ruhe erschien m1 noch fürchterlicher als ihr früheres Schluchzen.. „Er hat ihm geglaubt,"... sagte sie noch einmal uim stützte das Kinn auf die gefalteten Hände. _ Ein plötzlicher, heftiger Windstoß warf mit einem schrille» Pfeifen Schnee an das Fenster und eine kalte Luftwelle 0 durch das Zimmer... Die Flammen der Lichter wurde» geweht... Snsanna erzitterte. Ich bat sie noch einmal, sich auf das Sopha � setzen. „Nein, nein, lassen Sie mich," sagte sie;„hier ist ,ei gut... ich bitte!" Sie drückte sich an die gefrorene Scheibe- als hätte sie in der Fenstervertiefniig eine Zufluchtftätte ge- funden, und wiederholte:„ich bitte!" „Aber Sie beben, Sie sind erstarrt," rief ich o»-'' „Sehen Sie, Ihre Stiesel sind durchnäßt.", „Lassen Sie— ich bitte..." flüsterte sie leise»» schloß die Augen. Mich erfaßte namenlose Angst. „Susanna Jwanoivna!" schrie ich fast,„kommen Sie Z» sich, ich bitte Sic! Was ist Ihnen? Warum die zweiflung? Sie werden sehen. Alles wird sich aufkläre»- irgend ein Mißverständniß... Ein unerwarteter Vorsa» 1 ..*■ Parkei oefttniiirt aK ihr offizielles Partei- ein\ in Madrid erscheinende Zeitung„El S o c i a l i st a"; j ��>tes Parteiorgan mit ebenfalls offiziellem Charakter wird c e* 0" 0 erscheinen. Die beiden Blätter werden Eigen- ionüs Partei fein; dieselbe hat einen Preß- und Agitations- sammeln, zu welchem jeder der Partei angehörende wöchentlich einen Beitrag von 10 Centimes(8 Pfennige) rinrichten soll. ®".e sozialistische Arbeiterpartei Spamens wird zum .achsten internationalen Soziali st enkongreß ihre riegirten unter den gleichen Bedingungen wie zum Pariser wngreß entsenden. Dieselben sollen die Einsetzung eines i n t e r- Zonalen Komitees beantragen, in ivelchem ein spani- Ink* Pflegirter Sitz und Stinune erhält. Dieses Komitee soll «Ä" wirken, daß die Organisationen der sozialistischen Arbeiter- -?�?wn aller Länder möglichst gleichförmig werden und sich othigenfalls gegenseitig durch Geldmittel unterstützen, um die "Wnen Organisationen den bürgerlichen Klassen gegenüber vider, landsfähiger zu machen. Gleichzeitig soll das Komitee ein ß ßa» in deutscher und französischer Sprache herausgeben, dessen Jwlw'i gemeinsam zu bestreiten find. Die Thätigkeit des Komitees lvli eine durchaus öffentliche sein, welche jeden Anschein emes Geheimbundes ausschließt. „6- Das Nationalkomitee der spanischen Arbeiterpartei erhalt seinen Sitz in Madrid. J. Der nächste spanische Sozialistenkongreß ist für den kom- wnden Herbst nach Valencia einzuberufen; ein früherer ■«-«min kann nach Maßgabe des Erfolges bei den Wahlen an- »stetzt werden. . Diese in Bilbao gefaßten Beschlüsse wurden von der Ver- ammlung einstimmig gutgeheißen. Hieraus wurde eine Reso- n angenommen, in welcher sich die Arbeiter Madrids mit auen denjenigen Genossen solidarisch erklären, welche in den Ge- langnifien aller Länder für die Sache des Proletariats schmachten. tzuin Schlnß erfolgte die Wahl der Mitglieder des National- ronntees, welches sich danach aus nachstehend genannten Genossen -"jnmniensetzt: Vorsitzender: Pablo Jglesias, Sekretär: Franzisco z}eSo, Schatzmeister: Andres Cermenno, Beisitzende: Pascual «»mal und Antonio Atienza. Dolitifzhe Aevovstchf. Doch immer hat sich der Schmerz der Freunde des -sozialistenge/eheo über den Verlust desselbeii nicht allenthalben Belegt; in ihrem Jammer möchten sie gar zu gerne schwarz auf weiß festgestellt wissen, wer ihnen eigentlich die so tiesschmerzliche Wunde beigebracht hat, an der sie zu verbluten fürchten. Das steikonservative„Deutsche Wochenblatt" ist ganz fassungslos darüber, daß das Sozialistengesetz nach zwölfjährigem Bestände wie ein zu Ende gebranntes Licht erlöschen soll. Es schreibt: »Die Regierung legte einen so entscheidenden Werth auf die Aus- weisungsbefugniß, daß sie das Zustandekommen eines dauernden Sozialrstengesetzes darüber scheitern lieh, und nun giebt sie ohne weitern Ltamps das Sozialistengesetz und damit auch die Aus- weisungsbefugniß auf. Auch der neue Reichstag würde eine kurze Eristverlängerung des Sozialistengesetzes angenommen haben. amit war dann Zeit gewonnen, die Ausnahmegesetzgebung durch eine organische Gesetzgebung zum Schutz des Bestehenden zu er- setzen. Dieser Weg aber mußte gewählt werden, weil das einfache Ablaufenlassen des Sozialistengesetzes einen thatsächlichen Triumph der sozialdemokratischen Pärtei darstellt, den man dieser Partei gerade im gegenwärtigen Augenblick, wo dieselbe einen unbestreitbaren Wahlerfolg erlangte, am wenigsten geben durfte. Je ernster es der Regierung des Kaisers mit der In- angriffnahme der sozialen Reform ist, um so weniger durfte gerade jetzt die schrankenlose freie Agitation zugelassen werden, die durch die Beseitigung des Sozialistengesetzes obenein noch einen förmlichen Glorienschein erhält. Ist doch bereits weiten Volksschichten der Glaube beigebracht, daß.es der Wunsch deS Kaisers ist, daß das Sozialistengesetz fällt,■ und so werde» wir denn erleben, was bei den letzten Reichstagswahlen schon that- sächlich geschehen ist, daß der Name. des Kaisers gemißbraucht wird, um das Volk für die Sozialdemokratie zu gewinnen, ob- wohl diese, wie jüngst in Berlin von ihren Bekenner» sehr richtig betont wurde, selbstverständlich mit Atheismus und Republikanismu's identisch ist." Der Jammer ist wirklich erschütternd. Wie kann man auch so wenig Rücksicht nehmen auf den Kuminer der armen Karteller, die nunmehr„schutzlos" sein werden. Sic können sich übrigens beruhigen. Wenn auch das Sozialistengesetz fällt, der Geist des- ' selben schwebt noch über uns, das beweisen die Fälle neudeuischer Jnterpretationskunst auf dem Gebiete des Vereins- und Ver- ; sammlungsrechts. Die Herren Dentschfreistnnigen nehmen es gewaltig ubel, daß auch das kaufmännische Proletariat, die Haudlüngs- gehilsen, sich der allgenieinen Arbeiterbewegung anzuschließen be- ' ginnt und daß ein großer Theil derselben sich schon jetzt zur ■ Sozialdemokratie bekennt. Daß Herr Engen Richter einen grimmigen Haß auf die - Sie werden sehen, er kehrt bald wieder zurück. Ich werde ihm zu wissen geben, werde ihm heute noch schreiben -.. Aber ich werde ihm Ihre Worte nicht wiederholen Wie wäre das möglich!" „Er wird mich nicht mehr finden," wiederholte Susanna wit derselben leisen Stimme. Wäre ich denn hierher zu Ihnen, zu einem fremden Menschen gegangen, wenn ich nicht wüßte, daß ich nicht leben bleibe? Ach, mein Letztes # unwiederbringlich verloren! Da ivollte ich denn nicht sterben, allein und stumm, ohne Jemand zugerufen zu haben.„Ich habe Alles verloren.... Ich sterbe.... Seht!" Sie zog sich wieder in ihr kaltes Nest zurück. Nie im Leben werde ich jenen Kopf, die unbeweg- nchcn Augen mit ihrem tiefen, erloschenen Blicke, diese dunklen, aufgelösten Haare vor der wejßgefrorenen Fenster- sthcibe, und selbst jenes enge, graue Kleid vergessen. Unter jeder Falte desselben schlug noch so hecßes, junges Leben! Ich schlug umvillkürlich die Hcmde zusammen. ,„Sie, Sie sollten sterben, Susanna Jwanowna? Ihnen steht das Leben bevor!... Sie müssen leben!" Sie sah mich an... meine Worte schienen sie zu ver- wundern. �„Ach, Sie wissen nicht," fing sie an, und ließ beide Hände langsam hinabsinken.„Ich kann nicht leben. Zu- ?wl, zuviel habe ich ertragen müssen, zu viel!... Ich hab's getragen... ich habe gehofft... aber fetzt... wo auch das zusammengebrochen ist,... wo..." _ Sie hob den Blick zur Decke empor und versank m Nachdenken. Der tragische Zug, den ich ernst um ihre Lippen bemerkt hatte, war jetzt weit deutlicher hervorgetreten und hatte sich über das ganze Gesicht verbreitet. Es war. als wenn eiii unerbittlicher Finger arme Geschöpf daniit unrettbar Sie schwieg immer..,..,_ �„Susanna Jwanowna," sagte ich, nur um dieses stillschweigen zu brechen,„er wird zurückkehren, stchere Sie." sozialistischen Handlungsgehilfen hat, welche von dem öden Manchesterthuni nichts wissen ivollen und für seinen Jünglingsverein „Waldeck" oder für die Hirsch'chen Ortsvercine nur noch ein Lächeln haben, ist bekannt, denn sonst würde er nicht so oft in der„Frei- sinnigen Zeitung" gegeil die„sozialistischen Kaufleute" lcitartikeln lassen. Unbekannt dürste aber sein, daß man es in neuester Zeit für nöthig hält, sogar Broschüren gegen die„soztalistischeil Kauf- leute" loszulassen. Wie uns berichtet wird, lag der letzten Nummer des Nichtcr'schen„Reichsfreuudes" eine Broschüre, be titelt:„Warum bekämpfe ich die Freie Vereinigung der Kauf leute?" in vielen Gratisexemplaren als Agitationsmittel gegen die„sozialistischen Kaufleute" bei. Ueber den Inhalt dieser Broschüre, ebenso wie der jüngst von einem Herrn Hiller in Leipzig herausgegebenen läßt sich nur so viel sagen, daß aus beiden die grimmige Wuth spricht und zwar darüber, daß selbst die Kaufleute sich von den bürgerlichen Parteien loszusagen be ginnen! Dev Herr Kaplan Dasbach schreibt uns aus Trier, den 19. September: „In der vom 18. September datirten Nummer drucken Sie ab eine der„Trier. Landeszcitung" entnommene Depesche über den Verlans der am 14. d. M. in St. Ingbert abgehaltenen Ver- sammlung. Die Depesche ist infolge zu kurzer Fassung von der Redaktion mißverstanden worden. Nicht hat Herr Ehrhardt zu- gestanden, daß die Expropriirung Diebstahl sei, sondern dies ist eine Folgerung, welche ich gezogen und bewiesen habe. Dagegen ist es richtig, daß Herr Ehrhart zugestanden hat, daß das Geld im Zukunftsstaat ohne Werth sein solle. Die „Binsenwahrheit, daß die Sozialdemokratie zu expropriiren gedenkt", hat Herr Ehrhart nicht vorgetragen; er bemühte sich, die Diskussion über den Zukunftsstaat zu vermeiden, und erst meine Darlegung, daß bei Beginn der Agitation für den Zukunftsstaat ein Plan desselben dargelegt werden müsse, zwang ihn zu dem Zngeständniß, daß die Sozialdemokratie zu expropriiren gedenke. Auf Grund des Preßgesetzes ersuche ich Sie um Aufnahme vorstehender Berichtigung. Ergebenst Dasbach, Kaplan, Mitglied des Hanfes der Abgeordneten."— Wir veröffentlichen die recht belanglose Zuschrift, obwohl wir nicht dazu verpflichtet sind. Denn eine Berichtigung, deren Ausnahme auf Grund des Preßgesetzes verlangt werden könnte, ist sie nicht, und wir wundern uns über die Unkenntniß des .errn Dasbach, der doch wahrlich über eine reiche Erfahrung in reßangelegenheiten verfügt. Lrhrerelend in Mrckle»,buva. In der„Mecklb. Schulztg." veröffentlicht der Lehrer Griem in Mandelshagen eine„Dringende Bitte" für den vormaligen Lehrer Handors in Stielen, ritter- schaftlichen Amts Sternberg. Es heißt da:„Auf einem Gute in Mecklenburg wurde vor etwa 12 Jahren der damals 68 Jahre alte Lehrer H., nachdem er 27 Jahre als Lehrer daselbst gewirkt hatte, pensionirt. Als Pension wurde ihm eine Kuh und etwas Kartoffel- und Leinland belassen, ferner erhielt er außer einer sehr, sehr dürftigen Wohnung und knapp bemessener Feuerung etwa 20 Scheffel Roggen kleinen Maßes. Den baaren täglichen Ausgabeschilling sollte er sich jedoch selbst verdienen; und so ist denn dem alten Manne auferlegt worden, dab er täglich Hof- dienste thun muß für einen Entgelt von 62 Pfennige pro Tag. In den letzten Jahren hat seine Arbeit hauptsächlich im Sommer in Gartenarbeit, im Winter in Knhftriegeln. Kaffsichten:c. bestanden. In den ersten Jahren seiner Pen- stonirung hat er jedoch zeitweise mit den Hofgängern zusammen arbeiten müssen; namentlich zur Herbstzeit bei kalten und regnerischen Tagen wurde er vielfach zur Aufbesserung der Wege verwendet und es ist nickt selten vorgekommen, namentlich bei einem ihm nicht wohlwollenden Inspektor, daß er von demselben, selbst in Gegenwart der anderen Tagelöhner, die theilweise früher Schüler des braven Alten waren, wegen ungenügender Leistung mit Scheltworten traktirt wurde. Alle 14 Tage am Sonnabend Abend muß der alte gute H. mit seinem Lohnbuch mit den Tage- löhnern und Hofgängern zusammen beim Inspektor erscheinen, um von diesem seinen kärglichen Lohn in Empfang zu nehmen. Auf diese Weise bat der alte, gebückte Mann nun bereits 12 Jahre sein Dasein gefristet, und es ist heute, da derselbe in seinem 80. Lebensjahre steht, noch an keine Äenderung zu denken. Die Sitzungen de» internationalen Hergarbeiter- komitee's beginnen, wie man uns mittheilt, am Montag, den 22. September, in Brüssel, Maison du Pcuple. Zweck derselben ist die Berathung, wie die im vergangenen Jahre auf dem Maikongresse zu Jolimont gefaßten Beschlüsse am schnellsten und sichersten zur Ausführung zu bringen sind. Der Kcachtnng der Mehrheit der Serliner Stadtverordnete» sei der Verlauf der letzten Sitzung deS Geuieinde- kollegiums in München, in welcher wiederum die jetzige Fleisch- theucrung zur Sprache kam, als Beispiel bestens empfohlen. Nach dem Berichte der„Münchcner Neuesten Nachrichten" hat Dr. Kleitner, Mitglied des Genieindekollegiums, den Antrag eingebracht, an die Rcgierimg das Gesuch zu richten, daß die Grenzsperre für das österreichische Vieh aufgehoben werde. Der Referent über diesen Antrag, I. Schmidt, empfahl die Annahme desselben, nachdem er zuvor die für die Grenzsperre stets an« geführten Gründe des Ministeriums als völlig unzutreffend und unrichtig genügend gekennzeichnet hatte. Der Antragsteller, Dr. Kleitner, sprach dann die Hoffnung aus, die Regierung werde den niaßvollen Vorstellungen Gehör geben, sollte das nicht der Fall sein, so werden bei der nächsten Gemeindewahl Leute in das Rathhaus gewählt werden, welche mit der Regierung eine andere Sprache reden. Der Antrag des Dr. Kleitner fand einstimmige Annahme. Dieser Antrag hat mit dem Antrage unserer Genossen im rothen Hause das Gemeinsame, daß er nicht blos spezifisch städtische sondern allgemeine Landesinteresscn betrifft. Das Schießen der Wachtposten ist eine öffentliche Kalamität, und da durch dieses Schießen ein Einwohner Berlins getödtet worden war, so halte die Mehrheit der hiesigen Stadtverordneten nicht nöthig, hinter Kompetenzbedenken sich zu verkriechen. Das giebt selbst die„Voss. "ig." in ihrem Leitartikel vom Sonnabend der Stadtverordneten- ersammlung deutlich genug zu verstehen. Aachen, 20. September. Man schreibt uns: Die Königl. Regierung in Aachen hatte nach dem Berichte einer hiesigen Zeitung gewünscht, daß mit Rücksicht aus den Fortfall des So- zialifiengesetzes am 1. Oktober die Polizeimannschaft in der Nachbarftadt Eschweiler vermehrt werde. Die Stadtverordneten- Versammlung daselbst lehnte diese Vermehrung trotz Befürwortung durch den Bürgermeister in chrer jüngsten Sitzung ab, weil man ein Bedürfniß nicht zu erblicken wußte. Hoffentlich findet dieser Beschluß überall Nachahmung. Im grinüthliche» Sachsen werden zuweilen sogar unter- geordnete Polizeibeamte zur Begutachtung der polltischen Ge- sinnungen benutzt und von Amtswegen berufen. Es veröffentlicht der freisinnige„Volkswart" folgendes Schriftstück aus dem Jahre 1874:„Vertraulich! Eingegangen a. 21. 8. 74. Geehrtester Kreis-Obergendarm! Der pp. G. war vorher in I. als Assessor und theilte mir der Gendarm O. in I. vertraulich mit, daß sich derselbe damals der sozialen Richtung genähert hätte. In Anna- bcrg hat er später der sogenannten Fortschrittspartei angehört und hat sich gern gegen die Stadtrathsbestimmungen aufgelehnt. Mit Hochachtung Ihr ergebener F. T. Obergend. Annaberg, 20. August 1874."— Der in Vorstehendem als so überaus ge- fährlich geschilderte Assessor von damals ist übrigens heute Bürger- meister einer sächsischen Mittelstadt und bewegt sich im hoch- konservativen und orthodoxen Fahrwasser. Leipzig, den 20. September. Das hiesige„Tageblatt" leistet sich heute Folgendes: „Die Herren Sozialdemokraten in Sachsen können über das nahe bevorstehende Aufhören des Sozialistengesetzes in Sachsen nicht recht froh werden, lveil nach verschiedener Richtung hin das sächsische Vereinsgesetz, insonderheit, wenn es mit Entschiedenheit gehandhabt wird, woran wohl nicht zu zweifeln ist, ein geeignetes Mittel darbietet, der zügellosen Entfesselung der sozialdemokrati- schen Agitation wirksam zu begegnen. Die sozialistische Presse ihnt zwar so, als ob das ihrer Sache keinen großen Schaden bringen werde, indessen die fortwährenden Stoßseufzer wegen des „reaktionären" sächsischen Vereinsgesetzes und der Umstand, daß die sozialdeinokrattschen Agitatoren in den Versammlungen Rath- schlüge erthcilen, wie man das verhaßte Gesetz umgehen könne, lassen doch erkennen, wie unbequem ihnen dasselbe ist. Ein Anfang ist übrigens in Bezug aus die Anwendung des Vereinsgesetzes gegen sozialdemokratische Volksversammlungen schon gemacht. In Rötha wurde eine solche Versammlung, in welcher der bekannte Schneider Röthiug aus Leipzig sprechen wollte, mit folgender Motivirung von der k. Amtshauptmannschaft zu Borna verboten: „Nach der Persönlichkeit des angemeldeten Referenten kann die Versammlung nur den Zweck haben, Propaganda für die staatsgesährlichen Lehren der Sozialdemokratie zu machen. Dies ist nach§ 5 des Gesetzes über das Vereins- und Ver- ammlungsrecht vom 22. November 1850 verboten und es wird deshalb die Abhaltung der Versammlung hiermit unter- agt." Indem wir uns mit dem Verbot völlig ein» verstanden erklären, können wir nur wünschen, daß die Handhabung des Vereinsgesetzes seitens der dazu berufenen Be- Hörden eine einheitliche sein möge. „Einheitlich" ist gut— das heißt jede sozialdemokratische Versammlung soll von vornherein verboten werden. So versteht das„Leipziger Tageblatt" den„Kampf mit geistigen Waffen!"— In derselben Nummer fordert es die Annahme der Knebel- Paragraphen des Arbeiterschutz-Gesetzentwurses als„Kompensation" *ür das fallen gelassene Sozialistengesetz. Großbritannien. London, 20. September. Der Verband der Schiffseigen» thümer hat beschlossen, jedweder Ardeitervereinigung, welche ihren Interessen schädlich sein könnte, um jeden Preis entgegenzu- treten. Viele Kommis wurden bereits unter Androhung der Entlassung aufgefordert, aus dem Schiffskommis-Verband auszu- treten. verbreitet. Es war, Ihn eingegraben, und dieses dem Verderben geweiht scheue ich ver- Susanna sah mich wieder an. „Was sagten Sie?" brachte sie mit sichtbarer An- strengmig hervor. „Er wird wiederkehren, Susanna Jwanowna, Alexander wird zurückkommen I" „Er wird zurückkommen?" wiederholte sie.„Aber selbst wenn er zurückkommt, kann ich ihm diese Erniedrigung nicht vergeben, sein Mißtrauen..." Sie faßte sich an den Kopf. „Ah, Gott! Ah, Gott! Was rede ich? Warum diu ich hier? Was ist das?.. oh, warum wollte ich bitten?... und wen? Ah, ich werde wahnsinnig!.. Ihre Augen wurden starr. „Sie wollten mich bitten, an Alexander zu schreiben," eilte ich, ihr zu sagen. Sie raffte sich auf. „Ja. Schreiben Sie.... Schreiben Sie, was Sie wollen... Dieses aber...." Sie suchte hastig in ihrer Tasche und zog ein kleines Hcftchen heraus.„Dieses hatte ich für ihn niedergeschrieben.... vor seiner Flucht.... Aber er hat ja geglaubt... Jenem geglaubt!" Ich begriff, daß von Fictor die Rede war; Susanna wollte ihn nicht nennen, ivollte den verhaßten Namen nicht aussprechen. „Doch, erlauben Sie, Susanna Jwanowna," sing ich an,„woraus entnehmen Sie, daß Alexander Daviditsch eine Unterredung... mit jenem Menschen gehabt hat?"— „Woher?... woher... Aber, der kam ja selbst zu mir und hat mir Alles erzählt, und er brüstete sich damit und... lachte gerade wie sein Vater! Hier, hier, nehmen Sie," fuhr sie fort, mir ein Heft in die Hand drückend, „lesen Sie es,— schicken Sie es ihm, werfen Sie es fort, machen Sie, was Sie wollen und wie Sie wollen... Aber, man kann ja doch nicht so sterben, daß Niemand es weiß... Jetzt aber ist es Zeit... ich muß gehen." Sie erhob sich von dem Fensterbrett.... ich hielt sie auf. (Fortsetzung folgt.) Ueber die Verhaftung parnellitischer Parka» mentsmttglieder und mehrerer anderer Personen in Irland wird aus London ausführlicher gemeldet: Nach längerer Un« thätigkeit hat der Obersekretär für Irland, Mr. Baisour, die Zügel der Verwaltung in Irland wieder etwas schärfer ge- 'pannt. Veranlassung dazu gab die lang andauernde Agitation unter den Pächtern des Großgrundbesitzers Smith- Barry in Tipperary gegen die Pachtauszahlung, welche von ver- schiedenen Parlamentsmitglieder», William O'Brien und John Dillon an der Spitze, und anderen Personen, darunter einige Priester, geleitet wurde. Die Vollzugsrcgierung in Dublin be- schloß daher, gegen zwölf der Rädelssühror auf Grund des Ver- brechcnverhütnngs-Gesetzes vorzugehen und dieselben in Anklage- zustand zu versetzen. Es wurden Verhaftungsbefehle gegen die Abgeordneten William O'Brien, John Dillon, Condon, David Sheehy und Patrick O'Brien, sowie gegen sieben andere Personen, darunter der Pfarrer von Tipperary, Pater Humphreys, erlassen. William O'Brien und Dillon, welche durch ihre in verschiedenen Ortschaften der Gras- schast Tipperary gehaltenen heftigen Reden den Ag>- tationsbrand am meisten geschürt, wurden zuerst verhastet, ersterer in Glcngariff, wo er sich mit seiner jungen Gattin aufhielt, letzterer in Ballydrack, unweit Dublin, im Hause seines Bruders, des Rechtsanwalts und Stadtältestcn Dillon. Beide Verhaftete wurden unter starker Polizeibedcckung per Eisenbahn nach Tipperary ge- bracht, wo sie dem Untersuchungsrichter vorgeführt wurden, der nach kurzem Berhör die Verhandlung bis nächsten Donnerstag, den 25. d., vertagte und die Angeklagten gegen Bürgschastsstellung ans freien Fuß stellte. Inzwischen werden voraussichtlich auch die übrigen Angeklagten verhaftet werden. Die Anklage lautet auf Auf- wiegclung der Pächter des Grundbesitzers Smith-Barry, in Ver Zeit vom März bis September den fälligen Pachtzins nicht zu Freilassung von Tipperary Zahnhofe von einer großen entrichten. Dillon kehrte nach seiner nach Dublin zurück und wurde am!... Volksmenge empfangen. In»einer Ansprache an seine Anhänger schrieb er seine und O'Brien's Verhaftung einem Wunsche der Regierung zu, ihre(Dillon's und O'Brien's) geplante Agitations- reise nach Amerika zu vereiteln. Fr au streich. Paris, 21. September. Heute fand ein Duell zwischen den: opportunistischen Journalisten Canivet und dem boulangisiischcn Dcputirten Millevoye statt, wobei Millevoye leicht verwundet wurde. Bei einem andern in Bordeaux stattgehabten Duell zwischen dem opportunistischen Journalisten Gounoulhou und dem boulangistischen Deputirten Gliche wurde Letzterer leicht ver- mundet. In Marseille und dem Departement Gard fanden heute heftige Gewitterstürme statt, welche großen Schaden anrichteten, - Schw-ix. Bern, 22. September. Der Bimdesrath hat die Botschaft über die bewaffnete Intervention im Tessin und über die politische Lage dieses Kantons festgestellt und beantragt bei den eidgenössi- scheu Rathen die Genehmigung der getroffenen Maßnahmen, sowie die Ermächtigung, dieselben provisorisch ausrecht zu erhalten, wenn nöthig, den Bestand der Okkupationstruppen zu vermehren und die Anstrengungen fortzusetzen, um den Kanton Tessin niög- lichst bald in einen verfassungsmäßigen Zustand zurückzuführen, welcher die nothwendigen Garantieen für Ansrechterhaltung des Friedens und der öffentlichen Ordnung bietet. In Moos(Ober-Ried) sind durch Brand infolge des Föhn 70 Gebäude zerstört. Die Zahl der in dem Dorfe Rueti(Ober- Rheinthal) eingeäscherten Gebäude beträgt nach weiterer Meldung gegen 300. Vortttgal. Die Lage ist noch immer nicht geklärt. Wie verlautet, sind Ferrao de Eavalao zum Ministerpräsident und zum Minister der auswärtigen Angelegenheiten, Casal Ribeiro zum Minister des Innern[und General d'Abreu e Sousa zum. Kriegsminister aus- ersehen. Etwas Bestimmtes über die Zusammenstellung des neu zu bildenden Ministeriums dürfte jedoch vor Dienstag kaum zu erwarten sein. Gegen den englisch-portugiesischen Vertrag sind Seitens einer großen Zahl von Munizipalräthen und anderer Korporationen Proteste bei den Cortes eingegangen. Die Ruhe in Portugal ist nirgends weiter gestört worden. KftUanlattder. Belgrad, 21. September. Der durch seine sozialistischen Agitationen bekannte frühere Archimandrit Vasa Pelazic ist aus Serbien ausgewiesen worden, und hat sich nach Bulgarien de- geben. Australien. Sydney, 21. September. Die Arbeitskonserenz hat den bekannten Führer der Londoner Arbeiter, Juhn Burns, mittelst Kabeldepesche ersucht, die Anwerbung von Arbeitern in England | und deren Zuzug nach Australien zu verhindern. Die Konserenz > hat ferner den Erzbischof von Sydney Kardinal Moran, den ' Oberrichter von Victoria Higinbotham und den Premierminister von Queensland Sir Samuel Griffith zu Schiedsrichtern zwischen den Arbeitgebern und Arbeitern vorgeschlagen und sich verpflichtet, deren Entscheidung Gehorsam zu verschaffen. Soziale MeUevstchk. A» alle Eltern, Uormünder u. f. w. Der l. Oktober und mit ihm der Gedanke, was soll der Junge lernen? naht heran, und da ist es in dieser wirthschaftlich bösen Zeit Pflicht eines jeden vernünftigen Menschen', auf die Schäden und Uebel- stände in diesem oder jenem Gewerbe hinzuweisen und dieselben so der Oeffentlichkeit preiszugeben, um auf diese Weise diese Schäden und Uebelstände, wenn auch nicht ganz, so doch in etwas zu beseitigen und zu vermindern. Als Hauptäbelstand wird in allen Geiverben das übermäßige Angebor von sehr geringen Ar- beitskrästen empfunden. Wodurch iverden nun zum größten Theil dei geringen Arbeitskräste hergestellt? Durch die übermäßigste Ausnutzung der jugendlichen Arbeiter und Lehrlinge und es ist dieses speziell in der Goldwaarenbranche der Fall. Man schreibt uns hierüber: Da stehen die Eltern vor dem Schaufenster eines Goldwaarengeschäfts, es fällt den Eltern der Glanz und die Pracht der ausgestellten Schmucksachen ins Auge und der Entschluß, den Sohn Goldarbeiter lernen zu lassen, ist fertig. Viele Leute glauben nun, die schönen und präch- tigen Gegenstände würden in eine»» solchen Geschäft selbst angefertigt, doch ist dieses ein sehr großer Jrrthum, denn in den wenigsten Fällen werden größere und bessere Schmucksachen daselbst angefertigt, uieistentheils beschränkten sich in der größten Zahl von Geschäften die Arbeiten auf Reparaturen, Ringe und kleinere Schmucksachen. Doch die wenigsten Eltern wissen dieses und urtheilen nach dem Schaufenster. Man frägt nun bei dem Ladenhcrrn an ob er gewillt sei, den Sohn in die Lehre zu nehmen. Selbstverständlich! Denn zum 1. Oktober lernt ja der Aelteste aus und da muß doch Ersatz dafür da sein, der@ J) hat auch an so schönen Sachen seine Freude und will em®„ arbeitet werden. Man wird über die Lehrzeit eiiug. Bon wird gemacht und die Eltern gehen befriedigt nach Haufe.. Sohn glauben dieselben gut untergebracht, doch der Yw. Bote kommt nach. Von all den schonen Schmucksachen b«. der Lehrling während seiner 4— ö jährigen Lehrzeit kein in die Hand, um es anzufertigen, zum Reinigen und S Abputzen wohl, aber nicht um so etwas zu machen, um o zulernen. Gängelaufen, Nadelstiele, Ohringbügel und wen hoch kommt Trauringe oder auch eine kleinere Brocke und v f. sächlich Reparaturen machen, das ist so die ganze Lehrze_, Beschäftigung desselben. Nun hat der Lehrling ausgelernt. Chef erklärt ihm, er müsse sich nach etwas anderem umsehen. der perfekte Goldarbeiter ist fertig. Er ist so fertm ausge � daß er für 10, 12 und, wenn er Glück hat, für 15 Mark,"3. wo anders eine Stelle findet, oder aber er bleibt bis turz Weihnachten arbeitslos und wird dann vielleicht eingeflem, eben in der flotten Zeit als Nothnagel zu dienen und wenn Saison dann vorbei ist, wieder auf die Straße ZU fliegen. giebt nun Ladengeschäfte und Arbeitsgeschäfte die 1 Kehüfen � 3— bLehrlinge beschäftigen. Der Gehilfe hat in diesen Geschäften nicht die Zelt, sich mit den Lehrlingen groß aufzuhalten, l>ei sich selbst überlasse» und lernen infolge dessen nichts. Di« L � welche ein Lehrling in solchem Geschäfte zubringt, ist s»* jungen Menschen verloren. Man will nun damit nicht sagen, daß niemand ein o c? Geschäft lernen soll, aber es ist wohl angebracht, davor ZU neu, die Söhne in solche Lehre zu geben, wo dieselben lernen. Deshalb sieht sich der Vorstand der Zahlftelle Berlin. Verband deutscher Gold- und Silberarbeiter veranlaßt, uenu, und Vormündern mit Rath zur Beschaffung einer guten � t für die Söhne und Mündel zur Seite zu stehen. Alle Aus wird bereitwilligst und freundlichst ertheilt vom Vorfiye H. Faber, Goldarbeiter, Dresdenerstraße 135, rechter Aufg v. 4 Tr. Theater. Dienstag, den 23. September. Gpernha»ro. Flick und Flock. Schanspirlhan«. Der Bibliothekar. Orrlinrv Thraker. Maria Stuart. Drntfchrs Theater. Die Hauben- lerche. Lesstng- Theater. Das zweite Gesicht. Lriedrich-Wilhelittstädt. Theater. Die Puppciifee. Schwätzerin von Saragossa. MaUner- Theater. Mamsell Ni- touche. testdeus-Theatrr. Ferreol. itztoria- Theater. Die Million. Kelleallianer- Theater. Madame Bonivard. Guten Morgen, Herr Fisch"! Gstend- Theater. Maria Stuart. Thomas-Theater. Der Alpenkönig und der Menschenfeind. Adolph Ernst-Theater. Unsere Don Juans. Kanfmann'v Nariötö. Große Spezialitäten-Vorstellung. Theater der Reiihvhalle». Große Spezialitäten-Vorstellung. Eonrordia. Große Spezialitäten- Vorstellung. Gedr. Nichter'« Nariotö. Große Spezialitäten-Vorstcllung. (St(lbli|C!llCllt Biiggeniiugen am Moritzplatz« Täglich: Grosses Garten>Concept. Direktion A. Rödmann. Dienstag und Freitag: Walzor- Abend. Fnfiw Wochentags 10 Pfg., IjIIU CL sonn- null Festtags 25 Pfg. Bei ungünstiger Witterung in den unteren iltestaurationsräumen. Großer Frühstücks- und Mittagstisch. Spezial-Ausschank von Patzenhoser Export-Bier, Seidel 15 Pf. Die oberen Säle bleiben bis auf Weiteres wegen Sienovirung geschloffen. 641 F. Müller. Passage 1 Tr. 9 Uhr M. b. 10 Uhr Ab. Kaiser-Panorama. Hervorrag. Sehenswürdigk. d. Residenz. Zum 1. Mal: Neu: Helgoland. Uebergabe. Ankunft des Kaisers. Feldgottesdienst:c. Zweite Reise durch Portugal. Eine Reise 20 Pf., Kind nur 10 Pf. Abonnement 1 M. Circus G. Schumann. Friedrich-Karl-User. Dienstag, den Sss.Sept., Ab.7VzUhr. Grosse Vorstellung. Besonders hervorgehoben wird: Der berühmte russische Original- Clown Duroff, 12 Hengste. Non plus ultra Familie Leon. Spezialität Frl. Brose. Auftreten der Reiterinnen Miß Vinelle und Victoria. Die Clowns Tanti, Fillis, Felir, Matthews. Btu- sikalische Clown Gebr. Geretti. Faust und Gretchen, Original- Dressur von E. Schumann. Quadrille, geritten von 16 Damen. Swett boy, hohe Schule, geritten von Miß Ada Leo». Billet- Vorverkauf und Billetpreise wie bekannt. Englischer Garten. Direktion: C. Andreas, Alexanderstraße 27c. Auftreten der Chansonnette Fräulein Ehrenfold. Auftreten der Kostüm-Soubrette Fräul. Rosa Valerie. Auftreten des Gesangshumorlsten Herrn Ziegler. Austreten des Malabaristen und Equi- lebristen Mr. Charles. Austreten des Professors Herrn Jean Clermont mit seinen dressirten Schweinen, Esel und Gänsen. Anfang Wochentags 8 Uhr. Sonntags 5V2 Uhr. Entrce Wochentags u. Sonntags 30 Pf. 50 Pf. und 75 Ps., im Vorverkauf 20 und 30 Pf. Der Garten ist an Vereine siSiominer- festlichkeitenm.Spezialitäten-Vorstellung zu vergeben. i�rlltllieilWBierhllllen Kommandantenstr. 77—79. Täglich: Grosses Concert mit Euartett Säugern, ausgeführt von dem Musik- Direktor H. S a n f t l e b e n. Wochentags: Frei-Concer*. Sonntags Entrde 20 Pf. Empfehle auch zugleich 8 Billards, 3 Kegelbahnen und einen Saal zu Ver- gnügungen und Versainmlungen. 703 F. Sodtke. Empfehle mein Uoreinsziurmer z. Abeitsnachiv. Volksvl. l. aus. J. Lenz, Alte Jakobstr. 69, vis-A-vis Feuerst. Lok. Rückkehr des OrB Garwer I Morgen Abends? Uhr: Eröfftrungs- Vorstellung Lmf dem Terr ai» Augoburgev- Str affe «und Kurfürsten- Damm bei Ktation r Zoologischer Garte». Täglich um 1 und 7 Uhr Nachm.: Zwei große Vorstellungen bei jeder Witternng"WB von Garverts WiSd-Aisenka Dr. W. F. Carver Ä 2089 Champicn-Sciisütse der MeSt, welcher die Ehre hatte, aufzutreten vor Kaiser Wilhelm I., dem Kaiser von Oesterreich, dem König von Sachsen, dem König von Belgien, dem Prinzen von Wales, der gesammten kaiserlichen Familie von Rußland und in allen hervorragenden Städten Europas und Amerikas.— Die Truppe besteht aus: Sioux-Jndianem, Cowboys, Kexik. Vacqueros, amerikaa. Prairie- pferden, wilden Bockpferden, Riesenhirschen(große Seltenheit) n. s. w.; herrliche Rocky-Monntains-Dekorationen.— E/S8F* Alle, welche ein getreues Bild des wilden Lebens ans der nordamerikanischen Prairie zu sehen wünschen, sollten nicht versäumen, Carver's Wild-Amerika zu besuchen.— Preise der Plätze: Enirde 50 Pf., 1. Platz 1 M., Tribüne 2«., Loge 3 M. Kinder auf allen Plätzen die Hälfte. Soldaten ohne Charge 25 Pf. üchiungE AcMwasg! am Donnerstag, den 85. Sept., Abend« 8 Uhr, im„Elysiunv", Landsberger Allee 36— 38. Tages-Ordnung: 1. Austritt aus der Landeatzirche. Referent: Stadtv. Vogtherr. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. 2092 Bezugnehmend auf das reichliche und zeitgemäße Thema ist es Pflicht Aller zu erscheinen. Der cand. theol. Rigeli ist brieflich eingeladen. Die Versammlung ist genehmigt. Der Einberufer. Große Versammlung des Sozialdemokratischen Wahlvereins im 4. Kerliner Reichstags- Wahlkreis. Dienstag, den 23. September, Abends 8V2 Uhr, 8)V im Lokal„Süd- Ost", Waldemarstr. 75. Tages-Ordnung: 1. Vortrag. 2. Diskussion. 3. Vereinsangelegenheiten, Verschiedenes u. Fragen. Gäste haben Zutritt. Beiträge werden angenommen, sowie Mitglieder ausgenommen bei folgenden Genossen: v. Tempel, Breslauerstr. 27; Otto Heindorf, Langestr. 70; K. Scholz, Eisenbahnstr. 32; G. Schulz, Admiralstr. 40 a; Fr. Zubeil, Naunynstr. 86. 2075 I. A.: Der Vorstand. Verein der Klempner Berlins und Umgegend. Mittwoch, den Ä4. September, Abends 8 Uhr: Grosse Versammlung in Spandau, Hotel zum Stern, Potsdamerstr. 34. Tages-Ordnung: 1. Vortrag. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes und Fragekasien. Ilm zahlreiches Erscheinen ersucht 2093 Der Vorstand. Die Mitglieder werden gebeten, die Fragebogen sobald wie möglich einzuliefern. Maler! Komdinirte Uerems- Versammlung sämmtlicher Filialen Berlins am Donnerstag, den 25. d., Abb». 8 Uhr, in Fonerstein's Salon, Alte Jakobstr. 75. Tagesordnung: 1. Wahl eines Beisitzers. 2. Stellungnahme zu der in Berlin stattsindenden Gewerkschasts-Konferenz. 3. Verschiedenes. 2106 Mitgliedsbuch legitimirt._ Der Vereinsvorstand. Grosse öffentliche Versammlung für Frauen n. Manner am Mittwoch, den 24. September, Abends 8 Uhr,-.•• im Lokale des Herrn jlges, Wilsnackerstr. 63. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Herrn Vogtherr über:„Der Geisterglaube in Schule und Familie". 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. 2105 Zur Deckung der Unkosten Tellersammlung. Der Einberufer. O Blosse M@a*§amiiiiuBig W Verl. Arklter-MldWsmcks am Mittwoch, drn fJ4. Sept., Abends 8 Uhr, im Lokal Belf orterstrasse Mr. 15. Tages-Ordnung:■ 1. Vortrag des Hin. Kendziora über: Amuth und Reichthum in Plato's Staat. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. 4. Fragekasten. Gäste willkommen. Um zahlreiches Erscheinen ersucht_ 2095_ Der Vorstand. Gr. anßerordentl. Kchneider-Uersamml. d. Freien Vereinigung der Schneider Berlins Heute, Dienstag, den 23. Sept., Abends 8v, Uhr, in Keller's Restaurations-Salon, Bergstr. 68. Tages-Ordnung: 1. Die Ursachen der Armnth. Referent: Herr M. Baginskl i AMshW S. Heine. �Chausseestraße 14 Die schönsten a KiMrklcker uni» Zslkev g für Mädchen jeden Alters, sow'e � Mgenrölke, Ulltermt, ] MoMcn u. Blochn »auch im Einzelverkauf sehr billlg- H Massbestellungen u. Reparatur®" j werden prompt erledigt! Mhausseestraßel4. ' WiiMaus S. Heine. Polstermöbel einfach und elegant, hält vorräthig liefert nach Bestellung solid und vm ii Co Wildberger* Tapezirer und Dekorateur,[1% 60. Kommandanten- Straße*" Aufpolstern von Sophas und trotze» wird prompt und billigst besorg� 2. Lohn- und Geschäftspraktiken der Firma H. Hartwig Söhne& Baer. 3. Das Stiftungsfest und Vereinsangelegenheiten. 4. Verschiedenes und Fragekasten. 2112 Aufnahme neuer Mitglieder. Gäste stets willkommen. Zahlreichen Besuch erwartet Der Uorstand. Mj WWerDMe,. und gezwungenen Abschluß bin veranlaßt, in meinen» altrenominvn Geschäft neben Pantinen, Holz- u. schuhen, auch Ledermaaren,&, wie Damen-, Herren- u. Kinder-Sn®' zu führen. Dies hierdurch meine» Frew' den und Genoffen zur Kenniniß.. Jeder Genosse, der bis zum 30. Sep Etwas kauft, erhält ein Billet zu de an diesem Tage stattfindenden Arbeite' fest gratis, auch sind bei mir B'lle» zum Preise von 20 Ps. pr. Stück zu haben. Chr. Geyer, Oramenstr.~ A. Goldschmidt, Spandauerbrücke 6, am hiesigen Platze bekanntlich Grösste Auswahl. Gara>«tirt stcher brennende «�abaste... Streng reelle Bedienung, billigst® Preise! Sämmtliche iin Handel befindlichen Ltohtabake sind aw 1653 Lager. A. Golschmidt, Spaiidauerbr. 6, am Hacke'schen Markt. Kettfedern. 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Wem sein eigenes Wohl am Herzen liegt, der versäume heute nicht, sein Wahlrecht auszuüben. Die Wahl findet hrute ununterbrochen(auch in der Mittagsstunde) von 9 Uhr Uormittags bis G Uhr Alach- Wittags statt und zivar: a) für den ersten Theil, enthaltend die Stadtbezirke 2T0 und 271, sowie einen Theil von 2G9. Zu diesen Bezirken ge- hören folgende Häuser: Borsigstr. 1—27, Schlegelstr. 1—33, Tieckstr. 1—41, Borsigftraste, von der Ticckstraße bis Elsasscr- sl raste, ivestl. Seite, Chausseestr. 1—3 und HG— 122, Kommunikation am Neuen Thor 19—24, Eicheudorffstr. 1—6 und 16—22, Elsasserstr. 27—40. Das Bureau befindet sich Gartenstr. 171 im Restaurant. Diejenigen Wähler, welche in vorbenannten Häusern ivohwen, wählen in der 120/121. Gemeindeschule, Gartenstr. 170; b) für den zweiten Theil, cuthaltend die Stadtbezirke 272 und 274, soivie einen Theil von 263. Zu diesen Bezirken ge- hören folgende Häuser: Chausseestr. 9— 56 und 82— 115, Eicheiidorffstr. 7—15, Jnvalidenstr. 19—36 und 111—132, Kesselstraste 1—43, Pflugstraste, Schwarhkopfsstraste und Wöhlertstraste. Diejenigen Wähler, welche in vorbenanntcn Häusern wohnen, wählen in der 14. Gemeindeschule, Kessel st r. 3—4; c) für den driiten Theil, enthaltend die Stadtbezirke 273 und 275, soivie einen Theil von 282. Zu diesen Bezirken ge- hören folgende Häuser: Jnvalidenstr. 37— 49 und 80—110, der Platz am Neuen Thor, Scharnhorststr. 1—41, Boye»- siraste erkl. 46, Kiclcrstraße. Für diesen Bezirk ist das Bureau im Restanr. Nürnberg, Scharnhorststr. 7a, errichtet. Diejenigen Wähler, welche in vorbenannten)äusern wohnen, wählen in der 48. G e m e i n d e s ch u l e, Scharnhorststr. 9—10. Das Zentral- W a h l k o m i t e e hat seinen Sitz: Chausseestraste 26 bei Otramba, im Restaurant, woselbst sich Genossen melden können von Morgens 8 Uhr ab, welche am Tage gewillt sind zu helfen. Meldungen werden auch entgegengenommen bei folgenden Vertrauensleuten: Johann Gnadt, Restaurant, Brunnenstr. 33; Habantz, Kesselstr. 20; M a ch a tz k i, Hochsir. 2; Lehmann, Wiesen- straste 1; Raschle, Wiesenstr. 8; F e i b i ck e, Borsigstr. 25; G l e i n e r t, Müllerstr. 174, Eingang Fcnnstraße; Raimann, Bcllermannstr. 15. UoKQloS. ... Ein uurtlinolles Zltgestaudniß finden wir in der„Täg- "che» Rundschau" vom 20. September 1890, das wir hiermit fest- iuiiageln nicht unterlassen wollen. Es heißt nämlich daselbst über deutschen Kolonien: .«Sowohl die scheußlichen Menschenjagden im Innern und ,j,ct Raub von Sklaven, wie der Handel mit ihnen und ihre «Uestihr zur See sind verboten. Nur die Haussklaverei, !°°lche im Allgemeinen ein..... „,.....„.............. patriarchalisches Gepräge h a t und sich am ersten noch mit u n s e r e n Afenstdotenv e r h ä l t n i s s e n r d aus ante» Gründen vergleichen läßt, "« uv guten Gründen vorläufig gestattet, - l s auch ihre Sl u f h e b u n g t h u n l i ch erscheint. Daß uch sie unterdrückt werde» soll, ist s e l b st v e r st ä n d l i ch." . Ei, ei! Unsere Tienstbotenverhältnisse mit der Haussklaverei " Vergleich zu bringen und deren Unterdr-ückung als selbstver- mndlich in Aussicht zu stellen! Die„Tägliche Rundschan" hat «ohl jetzt auch einen sozial-demokralischen Theil? Die Keila arme« als sozialee Kurpfuscher. Wenn ein Vaum an den Wurzeln krank ist, so hilft ihm das Beschneiden «er Zweige gar nichts. Die Heilsarmee sucht jetzt die Welt auch »ul sozialen Maßregeln zu erlösen. Nur schade um die Mühe w>d die Zeit, welche auf die Ablenkung der Massen vom richtigen -ü'cge angewandt werden, da eine Heilung der Gebrechen durch «loste Verdünnung der Uebelstände natürlich dauernd nicht er- mlgt werden kann. Ein neues Buch des„General" Booth wird im Oktober d. I. erscheinen. Das Werk führt, mit einem Anklänge an Stanlep's Buch «der seine letzte Reise, den Titel:„Im dunkelsten Thcile Eng- wnds und der Weg, herauszukommen". Mr. Booth gedenkt den •jurnpf gegen die Massenarmuth ans folgende Weise zu führen: den Städten werden industrielle Asyle und Herbergen ge- gründet zur sofortigen Ausnahme der Hungrigen und Obdach- «st». Von diesen aus werden dieselben dann nach Ansiedelungen 5«f dem Lande geschickt und von den letzteren wiederum in die ««ltischen Kolonien befördert, nachdem die Missionare der Heils- «r>nee sie zu arbeitsamen, tüchtigen Menschen herangebildet haben. �«»eral Booth scheint guter Hoffnung für das Gelinge» des Planes zu sein, obsthon derselbe entschieden ungewöhnliche Mittel «««langt. Die letzte Gründung des eigenartigen Mannes ist eine No st artige Heirathsagentur, um die vielen in den Kolonien leben- Junggesellen mit guten Frauen zu versehen und die Riesen- Zahl der in England unverheirathct bleibenden Mädchen zu ver- «nger». �„Mir rrhaltr» folgendrs Schrribr»: Mit welcher Toll- £ll'h sich die gegnerische Presse auf alles stürzt, was init der Sozialdemokratie irgend welche Beziehung hat, beweist ein Artikel !" Nr. 465 der„Berliner Neuesten Nachrichten" vom Montag, «» 15. September. Es heißt da: In Bezug auf die unter de» Sozialdemokraten zu Parteizwecken gesammelten Slrbeitcrgroschen !?>eint es nicht immer ganz reinlich herzugehen. So berichtet eine jstjige Korrespondenz: Fast jede Nummer der sozialdemokratischen Röcklingen enthält Aufforderungen an Parteimitglieder, die ein- Uogenen Arbcitergroschen abzuliefern. Beispielsweise wird der ?opczircr Krüger in Nixdorf(bei den letzten Neichstagöwahlen Kandidat) aufgefordert, seinen Verpflichtungen gegenüber dem verein gewerblicher Hilfsarbeiter spätestens in 14 Tagen nach- «'ckommen u. s. w.(Dies ist übrigens inzwischen geschehen.) Wir "ochten nun der in Rede stehenden hiesige» Korrespondenz und '«««so den„Berliner Neuesten Nachrichten" den fliath ertheilen, j!(h nicht um ungelegte Eier zu kümmern, sondern in Betreff der «ckinlichkeit zunächst vor der eigenen Thür? zu kehren, denn da „ rn sie jedenfalls Schmutz genug zu entfernen. Um übrigen woge diesen in Rede stehenden Wurst- und Käseblättern zur Be- l«hlgu»g dienen, daß diese Akbeitergroschen nicht zu Partcizwecken „«neu und daß mit Verpstichtungen nicht gerade Arbeitergrosthcn »«Meint zil sein brauchen. Für uns ist diese Sache hiermit ab- «öcha», denn wir halten es unter unserer Würde, aus derartiges �«wäsch weiter einzugehen. Ter Vorstand des Vereins gewerblicher Hilfsarbeiter. I. A.: H. Borchert. »Lä; K lÄjSÄÄ' N S'-Äf n?°/tsgana und den Gewinn des Grostbctriebes ,n der abgelauicuen O�chuungsperiode bilden. Vorweg sei bemerkt, daß den Dividenden Durchweg»och 4 vCt. des Nennwerthes der'Aktien hinzugerechnet �«den müssen, die als Zinsen des eingezahlten Kapitals unter 7" Ausgaben in Rechnung gestellt werde», und da» ferner d.e all«.-w /r-.a. cr>t«ih<»nbeil: . v�/ ver �cacyer uuo—-—- U Ziehen sind. Es gaben Dividenden: ?«auerei Pfesferberg »«pziger Bierbrauerei Riebeck U. Co. ?Vnndaucr Bergbraucrei v ?ckl>»bacher Export-Bierbra 7 9 —„---------- vorm. Beckmann..,,. 9 i» l'SÄSr!•.::::;;::::? Union-Brauerei......--- � ichrnen- und Armaturenfabrik vorm. C. Louis Strube lt. I pCt. Mühlenban-Anstalt, Maschinenfabrik und Eisengießerei vorm. Gebr. Geck, Darmstadt....... 8 pCt. Hannovcr'sche Eisengießerei.......... 18„ Wcrkzeug-Blaschinenfabrik„Union"....... 10„ Mühlenbau-Anstalt vorm. Seck in Dresden.... 12„ Hagener Gußstahlwerke........... 10„ Vereinigte Königs- und Laurahütte....... 11„ Sächsische Maschinenfabrik in Chemnitz..... 11„ Herbere» d, Waggonfabrik.......... 12„ Ältiengesellschasr Lauchhammer, vorm. Gräflich Ein- sicdel'sche Werke zu Riesa........ 13„ Mechanische Weberei zu Sorau........ 14„ Berliner Jutespinnerei........... 7„ Brannschweigische A.-G. für Jute- und Flachsindustrie 6„ Englische Wollwaaren-Manufaktur, vorm.: Otdroyd und Vlakelen in Grünberg i. S....... 10„ Berliner Elektrizitätswerke.......... 10„ Dortmunder Steinkohlen Bergwerk, Louise Tiefbau. 9„ Eschiveilcr BergiverkSverein......... 7„ Rheinische Anthrazit 5i'ohlenwerle....... 10„ Bismarckhütte..............14„ Harpen er Bergbau-Gesellschaft........ 15„ Rauchwaaren-Zurichterei und Färberei, A.-G., vorm.: Louis Walter's Nachfolger........ 10„ Porzellanfabrik Königszell.......... 14„ Aktiengesellschaft für Pappsabrikation...... 7„ Oberlausitzer Zuckerfabrik.......... O'/ä„ Zuckerraffinerie Magdeburg.......... C'/e„ Dresdener Bankverein............ 0„ Diese Angaben, welche nur einen sehr geringen Theil der deutschen Aktiengesellschaften umfassen, beweisen zur Genüge, daß das verflossene Geschäftsjahr für die Kapitalisten ein gesegnetes gewesen ist; man kann aber auch aus jenen Angabe» einen Schluß ziehen, wie hoch sich die Einnahmen der Besitzer großer Bergwerks-, Hütten-, und Maschineuunternchmungen belaufen. Die jährlichen Einnahmen eiirts v. Stumm oder Krupp dürften, auf einige Millionen angenommen, noch unterschätzt sein. Wie ärmlich nehmen sich gegen solche ungeheure» Gewinne, welche doch nur durch der Arbeiter Mühe und Fleiß beschafft worden sind, die hochgepricsenen sogenannten WohlthätigkeitSanstalten aus, die, wenn man sie auf ihren Einrichtungen genau prüft, darauf hinauslaufen, den Arbeiter an die Scholle zu fesseln und dem unbedingten Willen des Besitzers zu unterwerfen. Durch diese hohen Dividenden ist indes; auch der unbcstrcit- barste Beweis beigebracht worden, daß die Forderungen der Ar- bciter auf höhere Löhne und Verkürzung der Arbeitszeit bercch- tigt und ausführbar sind, und das; die Behauptung der Groß- industriellen, höhere und bessere Arbeitsbedingungen zuzugestehen, die Konkurrenzfähigkeit mit dem Auslande unmöglich machen werde, auf Unwahrheit beruhe. J,u' Lage der Kellner mögen folgende Thatsachcn einen Beitrag liefern: In der Jägcrstraße 63a befindet sich eine„echte" Bierkneipe „Oberbayrische GebirgSschünke", woselbst die dort arbeitenden Kellner folgende Bedingungen bei Antritt zu unterschreiben haben: l. Jeden Morgen%9 Uhr im Geschäft zu erscheinen. Zu- spätkommen kostet 50 Pf. Strafe. 2. Keine Bierreste nufS Büffet zu setzen, nur an den dazu bestimmten Ort ausgießen, jeder Fall 25 Pf. Strafe. 3. Sich sämintlichen vorkommenden Arbeiten zu unterziehen, dazu gehört auch: das EiS aus dem Keller holen, Wasser heraus- schaffen, Lampen pichen, P i s s o i r r e i n i g u n g(!!!) u. s. w. 4. An den Strafgeldern hat l:r Kellner kein Recht, sondern diese werden zur Ergänzung der Geschäftsutensilien vom Wirth verwendet. Dieses alles aber bei vollständiger Verzichtleisiung ans irgend welchen Lohn! Während ein Glas„Echtes" außer dem Hanse'2ö Pf. kostet, zahlt der Kellner wie der Gast 30 Pf.— Die Dienstzeit dauert von 8/49 Uhr Früh bis 2— 2Vs— 3 Uhr Morgens; wenn auch am Tage wenig zu thun ist, so muß der Kellner doch da sein. Der belrcffcnde Kellner, welcher uns dieses übermittelte, arbeitete dort und ist der Meinung, daß, wenn er während der langen Dienstzeit täglich 4 bis 5 Glas Bier trinke, das nicht zu viel sei, und der Prinzipal verdient an ihm täglich 60 bis 80 Pf. (monatlich 15 bis 24 M.), ohne die Arbeit, die er ihm n m s o n st leistet. Zu bemerken ist noch, daß ein Kommissionär, der ein guter Kunde(!) dieses Hauses ist, diese Stellung besetzt und der bei Antritt dieser 9 Tage dauernden Stellung 15 M. erhielt; außerdem lautet ein zu unterschreibender Revers, daß nach 2 Monat weitere 15 M. zu zahlen sind. Bei noch längerem Aushalten in dieser Ausbeutungsmühlo n o ch in e h r.(!)— Deitlrr-Ehrlichlleit. Ein alter Mann erschien am Freitag in der Wohnung des Maurergesellen I. in der P.-Slraße zu Pankow und sprach um ein Almosen an. Tie anwesende Iran I. gab dem Bettler einen Pfennig, oder besser, sie wollte ihm einen Pfennig geben, da sie aber nach Frauenart ihr Geld in buntem Durcheinander im Portemonnaie verwahrte, vergriff sie sich und gab dem Bettler ein Zehnmarkstück.. Am nächsten Tage sollte sie Steuern bezahlen, wozu das Geldstück bestimmt gewesen war und hierbei bemerkte sie erst ihren Verlust. Die Frau war untröstlich, zitternd erwartete sie die Heimkehr deS Gatten und dessen berechtigte Vorwürfe, denn drei Viertel ihres Wochengeldes waren verloren. Etwa um Ve6 Uhr Abends, der Gatte war noch nicht zu Hause, da klingelte es an der Wohnungsthür, sie öffnet und sieht zu ihrem Erstaunen den Bettler von gestern vor sich, der um Ent- schuldigung wegen der Störung bat und das Zehnmarkstück zu- rückbrachte, dabei folgendes erzählend:„AIS ich mich gestern Abend zur Herberge in Potsdam begeben wollte, zählte ich meine Zehrpfennige und fand dabei das Zehnmarkstück, das ich beim Empfange ebenso wie Sie für einen Pfennig gehalten hatte. Ich hatte das Geldstück extra in die Westentasche gesteckt, weil ich mir den vermeintlichen Pfennig zun; Andenken aufbewahren wollte. Als ich bei Ihnen ansprach, sah äch Sie von einem Häuflein Kinder umgeben, es that mir schon leid, von Ihnen eine Gabe erbitten zn müssen, es war aber schon geschehen und Sie ließen mich trotz ihrer vielen Kinder nicht unbeschenkt davon gehen, deshalb dachte ich mir, der Pfennig müsse mir Glück bringen. AIS ich aber Ihren Jrrthum bemerkt hatte, lies; es mir keine Ruhe. Die ganze Nacht habe ich schlaflos gelegen. Heute früh habe ich mich sofort aufgemacht, und bin von Potsdam aus zu Fuß hierhergekoninien, um Ihnen das Geld zurück zu bringen." In der Freude ihres Herzens lud die Frau den Mann in ihre Wohnung und bewirthete ihn. Dabei erzählte er s eine Lcbensgeschichte, die gewissermaßen eine Erklärung für sein Verhalten gicbt. Danach ist der Mann in G., einer größeren Stadt in Pommern, Büchsenmacher-Mcistcr gewesen. Er war nicht allein Inhaber eines blähenden Geschäftes, der stets 4 bis 5 Gesellen beschäftigte, sondern auch Besitzer von Haus und Hof. Durch den Leichtsinn seines Sohnes— der Medizin studirte und als„Einjähriger" gedient hat— ist er zum Bettler geworden. Um den Sohn von; Zuchthnuse zu retten, hat er Haus, Hof, Geschäft und Alles geopfert, umsonst, denn der Sohn sitzt jetzt doch im Zuchthause.„Aber eins habe ich gerettet— snhr'der alte Mann weinend fort— meinen ehrlichen Namen! Noch heute hält der alte N. an dem Sprichworte fest: „Ein gutes Gewissen ist ein sanftes Ruhekissen!" Fragen Sie in G. nach dem alten Büchsenmacher� Lt. und Jeder wird Ihnen sagen, das war eine ehrliche Haut, nur der Lump von Sohn hat ihn zn Grunde gerichtet und an den Bettelstab gebracht! Jetzt bin ich 67 Jahre, vielleicht sterbe ich bald hinter irgend einem Zaune, aber ehrlich werde ich bleiben!"— Wohl selten hat eine Arbeiterfrau ihre Arniuth so tief empfunden, wie Frau I., für ihr Leben gern hätte sie dem alten armen Manne geholfen, aber sie konnte nichts weiter thun, als demselben ein Almosen geben. Selbstmord eines Greifes. Vorgestern Vormittag gegen 11 Uhr hat der Zigarrenmacher R. Koberstein in seiner in der ersten Etage des HanseS Alt-Zstoabit43 belegenen Wohnung seinem Leben durch Erhängen ein gewaltsames Ende gemacht. Der 74 Jahre alte Mann hauste dort mit einer Wirthschafterin, mit welcher er in letzter Zeit häufig in Streit gcrathcn sein soll. Als diese Wirthschajterin von einem Ausgange heimkehrte, fand sie die Wohnungsthür verschlossen, und da ihr auf wiederholtes Rufen und Pochen nicht geöffnet wurde, begab sie sich in das benachbarte 5tolonialwaaren-Geschüft von H., um nachzufragen, ob K. den Schlüssel zur Wohnungsthür für sie dort abgegeben habe, wie er dies gewöhnlich zu thun pflegte. Ihre Frage wurde jedoch verneint, und die Wirthschafterin holte deshalb einen Schlosser, durch den sie die Wohnungsthür öffnen ließ. Die Ein- dringenden fanden den K. nn einem Fensterriegel erhängt vor. Die Leiche wurde Abends in der siebenten Stunde nach dem Lcichenschnuhaus überführt, lieber die Motive zum Selbstmord ließ sich nichts seststellcn; Nahrnngssorgen scheinen ausgeschlossen zu sein. Gin nubeliannter Nlan» machte am Sonntag in der Nähe des Spandauer Bocks seinem Leben durch Erhängen ein Ende. Der Selbstmörder wnr ziemlich bis zur höchsten Spitze eines BnumeS geklettert und hatte sich dann nnfgeknüpft. Unten am Baumstamm fand man den Cylinderhut des Lebensmüden, in welchem sich dessen goldene Uhr und ein Portemonnaie mit etwa 70 M. befanden. Als Passanten den hängenden Körper herunterholten, war das Leben bereits entflohen. ,,Gi» Teppichfchwindler". In einem Gasthaus in der Breslauerstraße kehrte vor mehreren Tagen ein Mann ein und bat um Schreibzeug, da er schnell einige Briefe schreiben müßte. Nach Verlauf von einer Stunde erklärte der Gast, er bemerkte erst jetzt, daß er kein Geld bei sich habe, um die Zeche bezahlen zu können, jedoch möchte er ein kleines Packet da lassen, welches er 'Abends wieder einlösen würize. Als mehrere Tage vergangen waren, ohne das; der Gast sich wieder hätte blicken lassen, öffnete der Wirth das Packet und fand darin ein Krankenkaffenbuch auf den Namen Carl Striegel in Landsberg a. W. lautend, ein Notizbuch mit verschiedenem Inhalt und mehrere Briefe, die an hiesige Firmen und Privatpersonen gerichtet und mit H. Schmidt, Teppich-Reparatenr, unterschrieben waren. In diesen Schreiben erklärt Schmidt, daß er sich das Leben nehmen würde, da er joden moralischen Halt verloren habe. Er bittet die Empfänger der Briefe um Verzeihung für den angerichteten Schaden und giebt schließlich an, wo er die ihm zur Reparatur übergebenen Teppiche versetzt habe. Die angestellten Nachforschungen haben ergeben, daß Schmidt einen in Berlin lebenden Bruder besitzt, der jedoch von ihm nichts wissen will. Dieser Bruder meint, daß der Teppich-Reparateur ein sehr windiger lkunde sei, der sich schwerlich das Leben nehmen wird. Was die Teppiche anbetrifft, so ist es einer Firma in der Friedrichstrafte bereits gelungen, dieselben nach vieler Mühe aufzufinden und für ISO M. einzulösen, während die übrigen Geschädigten gegenwärtig eifrig bemüht sind, mit Hilfe der von Schmidt gegebenen Nachrichten, ihre theilweise sehr kostbaren Maaren wiederzuerlangen. Necht be- zeichnend für den leichtfertigen Schwindler ist es, daß er einen Theil der Teppiche als Pfand für gemachte Zechschulden im Be- trage von 1 bis 2 M. in Kneipen mit Damenbedienung ge- lassen hat. Ein schwerer Diebstahl ist in der Nacht zum Sonntag in dem im Zcntralhotel belegenen Zigarrengeschäst von Loeser und Wölfs ausgeführt worden. Der Laden enthält außer den zwei Straßeneingängen noch eine» dritten(Privateingang) innerhalb des Haupteinganges des Zentralhotels in der Georgenstraße, einige Schritte von der Portierloge entfernt. Des Nachts werden die beiden eisernen Jalousien der Straßeneingänge von innen herabgelassen, die Glasthüren verriegelt und die Flurthür von dem Geschäftsführer Herrn Reis selbst, der immer zuletzt das Geschäft verläßt, geschlossen. Als nun derselbe Sonntag früh 7 Uhr ins Geschäft kam, bemerkte er, daß die Thür schon halb geöffnet war. Er eilte sofort zum— Gasometer, innerhalb welchen er die kleine eiserne Kassette, welche nach einer uns zu- gehenden Meldung die Tageskasse enthält, stets versteckt. Sie war vcrschwuuden. Es waren 2400 M. Eigenthum der Firma und 1600 M. fein eigenes Geld für Erlös von Lotterielooseu je. darin enthalten. Der Dieb mußte mit den örtlichen Verhältnissen außerordentlich vertraut sein, da von dem sonderbaren Versteck der Kassette, in dem offenen Gasometerkasten, niemand außer dem Geschäftspersonal Zkenntniß hatte. Das Kvandmtglncki, von welchem die Familie Fuchs heim- gesucht worden ist, schreibt die„Voss. Ztg.", hat in Berlin mit Recht das peinlichste Aufsehen gemacht. Vergebens fragt man sich, wie es möglich ist, daß vier Personen in den Flammen den Tod finden in einem der belebtesten Theile der Stadt, vergebens, wie dieses entsetzliche Unglück vor sich gehen konnte, während die .Feuerwehr schon zur Stelle war, vergebens, wie in einer Stadt (tüic Berlin nicht sofort ein Arzt gefunden wird, um Wieder- belebungsvcrsuche vorzunehmen, die vielleicht noch Erfolg ver- sprachen. Die erschütternde Katastrophe aber legt die Frage nahe, wie ähnlichen Unfällen für die Zukunft vorzubeugen sei. Man berichtet, daß ein Einwohner des brennenden Hauses, der mit den Räumlichkeiten genau vertraut war, genau'wußte, wo die Personen, besonders die Kinder schliefen, auf dem ihm bekannten Wege eindringen und Rettung bringen wollte, aber entschieden zurückgewiesen wurde— ob von der Polizei oder von der Feuer- wehr, scheint bisher nicht zweifellos festzustehen. Ist nun auch eine gewisse Absperrung der Brandstätte sicherlich nothwendig, kann man auch nicht jede beliebige Person zulassen, so müßte doch immerhin ein Unterschied zwischen Menschen, die nur stören und ortskundigen, opferfreudigen Hausbewohnern, welche Hilfe bringen können, gemacht werden. Wenn dem Freunde verwehrt wurde, eigenmächtig die Thllre der Hintertreppe, die un- mittelbar zu den Zimmern der Kinder und Dienstboten führte, einzuschlagen, weshalb schlug nicht ein Beamter der Polizei oder der Feuerwehr sie ein? Die Berichte besagen, daß„geraume Zeit" vergangen sei, bis sich ein Feuerwehrmann mit dein Rauchhelm versehen habe und eingedrungen sei. Die Untersuchung wird erweisen, ob diese Darstellung richtig ist. Sollte sie sich be- stätigen, so wird man fragen, ob nicht, wo eine Sekunde Zeit- gewinn Menschenleben bedeutet, Einrichtungen getroffen werden können, welche die Ausrüstung mit dem Schutzanzng beschleu- migen? Und wenn schon in der Verwirrung mancher Unglück- gliche Umstand, manches verhängnißvolle Mißverständniß begreis- lich wird— daß nicht sofort ein Arzt zur Anstellung von Wieder- belebungsversuchen zu finden war, wird man auswärts kaum ver- fftehen. In jener Gegend der Friedrichsstraße wohnen zahlreiche Aerzle in der Nachbarschaft, i» der Ziegelstraße, der Karlstraße sind bekannte Kliniken. Hätten nicht einige Schutzleute mehr bei der Absperrung entbehrt und zu den Aerzten gesendet werden können V Daß man bei der Feuersbrunst in'der Friedrichs- straße erst einen Arzt fand, als es zu spät war, be- weist ferner, daß es an Sanitätswachen fehlt. Es ist be- bäuerlich, daß die Zahl dieser gemeinnützigen Anstalten noch weit- ans nicht dein Bedürfnisse enlspricht und daß»och weniger in jeder derselben stets ein hilfsbereiter Arzt zu finden ist. Das Geschehene ist leider nicht ungeschehen zu machen; eine strenge Untersuchung wird feststellen, inwiefern etwa einzelne Personen ein Verschulven trifft. So weit aber die. Ursachen des beklagcns- iverthen Unglücks nicht in den Personen, sondern in den Ein- richtungen liegen, ivird eine durchgreifende Reform ohne Verzug zu trenen sein. Ganz ähnlich spricht sich eine uns vorliegende 'Zuschrift aus, die wir leider.wegen ihrer von der Entrüstung diktirten Form nicht vollständig zum Abdruck bringen dürfen. Es heißt in derselben unter anderem: In schroffer Weise werden alle Bitten und Rathschläge von Privatpersonen, selbst wenn sie genaue Ortskenntnisse haben, von der Feuerwehr zurückgewiesen. Mir selbst wurde bei einem Brande im Nebenhause mit Arretiruna gedroht. Mehreren meiner Bekannten ist es in ähnlichen Fällen ebenso ergangen. Halten Sie gefälligst mal Umfrage und Sie werden dasselbe hören. Unsere Feuerwehr scheint aber zu sehr von ihrer Un- schlbarkeit durchdrungen zu sein. Und noch eine Frage: die Tampssprihc wird, wenn es zum Feuer geht, vorher angeheizt, warum wird denn der Rauchhelm nicht vorher angelegt? Jede Sekunde, die in solchen Fälleu-verlorcn geht, kann verhängnißvoll werden. Doch ist die Anfvcauttg über die erschütternde Kittitstropffe in der Friedrichstraße nicht gewichen, und schon wieder durcheilt die Künde von einer entsetzlichen Brandkatastrophe die Stadt. Zehn Personen, die Theilnehmer einer fröhlichen Hochzcitsfeier, sind vorgestern Abend um Veit Uhr durch eine Petroleumlampen- Explosion schwer zu Schaden gekommen. Im Hause Neue Hochstraße 42 bewohnt im ersten Stock die betagte Wittive Zeidler eine Wohnung, die aus einer kleinen zweifenstrige» Vorderstube und einigen Hinterräumen besteht. Im selben Hause betreibt der aus Schlesien stammende Julius Klessen einen Grün- Iram-Handcl. Der Bruder desselben, ein schmucker Bicrfahrer, hatte bei seinen Besuchen in der Klessenffchen Wohnung die dort gleichfalls viel verkehrende Tochter der Wittwe Zeidler, Johanna, kennen und lieben gelernt. Vorgestern Nachmittag hatte die Trauung des stattlichen Paares stattgesundeu. Nach derselben hatte sich die Hochzeitsgesellschaft in die Zeidlcr'sche Wohnung be- geben. Die Gesellschaft bestanv aus dem zungen Paar, der Mutter der Frau, dem Vater des Bräutigams, Schäfer Klessen, aus dessen Gatlin, aus der Familie des Bruders, aus einer aus Braunau i. Schl. eigens zur Feier hierher gekommenen Kousine der jungen Frau, Bertha Zeidler, und auS einigen befreundeten Familien. Ins- gestimmt waren es gegen 30 Personen, welche sich in der kleinen, engen Stube der Festesfreude hingaben. Ein Harmonikaspieler sorgte für musikalische Genüsse. Als der Abend hereingebrochen war, wurde eine mächtige Tafel gedeckt, wodurch der Platz noch beengter wurde. Erhellt wurde das Zimmer durch eine inmitten desselben befindliche Hängelampe und zwei Tischlampen. In- zwischen war es'/eil Uhr geworden, die Festesfreude hatte ihren Gipfel erreicht. Plötzlich ertönte ein lauter Krach und im Nu stand die ga> ze Stube in hellen Flammen. Einer der Gäste hatte unversehens mit der Hand gegen die Hängelampe geschlagen, das Bassin war dabei aus dem Gestell geschleudert worden, das ent- stammte Petroleum war explodirt und hatte sich über die eng zu- sannnengepscrchte Gesellschaft ergossen. Ein anderer Gast hatte die stiegende Lampe weiter gestoßen, so daß sie zum Fenster hin- aus auf die Straße(log. Tie Szenen, die sich nunmehr abspielten, spotten jeder Beschreibung. Fast alle Fest- genossen waren von der flammenden Flüssigkeit getroffen, welche Haut und Kleider mit furchtbarer Gewalt versengte. Vor Schmerz und Angst überwältigt, drängte alles in dem engen Raum dem Ausgange zu. Bertha Zeidler, ein blühendes Mädchen von 23 Jahren, die zunächst der Thür gesessen hatte, gelangte zunächst aus derselben und lief, entsetzlich schreiend, die Treppe hinunter auf die Straße. Der scharfe Luftzug trieb die Funken, die ihre Kleidung getroffen, zur hellsten Flamme an und einer Feuersäule gleich eilte die Unglückliche, von wahnsinnigen Schmerzen getrieben, auf der menschenleeren Straße hin und her, bis endlich die Tochter des im gegenüber liegenden Hause wohnen- den Schankwirths Frommert mit einem Eimer voll Wasser herbei- eilte und dessen Inhalt über die Brennende schüttete. Die Flammen wurden hierdurch zwar erstickt, die Unglückliche aber war inzwischen schon so mit Brandwunden bedeckt, daß sie be- wußtlos niedersank. Währenddem hatten sich in der Wohnung selbst andere haarsträubende Schreckensszenen abgespielt. Die Eltern des jungen Ehemannes waren an der Thür zu Falle gekommen und hatten dadurch den Uebrigen den Rückzug abgesperrt, die Flammen hatten dagegen immer mehr um sich gegriffen und Sopha, Stühle und Tisch in Brand gesetzt. Zum Glück war schon— es war 10 Uhr 49 Min. geworden— die Feuerwehr alarmirt, und endlich ge- lang es, den Verunglückten Hilfe zu bringen. Freilich hatten Feuer und Verwirrung inzwischen schon furchtbare Verheerungen angerichtet. Zwei Aerzte und die Samariter der Feuerwehr hatten alle Hände voll zu thun, um die zahlreichen Wunden zu verbinden und den Stöhnenden Linderung zu verschaffen. Im Brandt'schen Lokal, in einer benachbarten Schlosserei, theilweise aber auch auf der Straße selbst wurden die Verbandplätze aus- geschlagen. Am schwersten verletzt ist Bertha Zeidler; sie hat im Gesicht und an der Brust wahrhaft furchtbare Brandwunden davongetragen und wird kaum mit dem Leben davonkommen. Leider mußte die Unglückliche bis 1 Uhr liege», che der dreimal vergeblich angerufene Krankenwagen erschien, der sie nach der Charitee brachte. Gleichfalls schwer verletzt ist Frau Reibnitz, die Gattin eines in der Bergmannstraße wohnenden Bierfahrers, der dem Namen nach nicht bekannte Harmonikaspieler, der junge Ehemann Friedrich Klessen, dessen Bruder Julius Klessen, sowie Max Zeidler, der Bruder der jungen Frau, welcher sich außerdem die Pulsader durchschnitten hat. Sie Alle wurden per Droschke nach der Charitee gebracht. Die Frau von Julius Klessen und drei andere Gäste haben leichtere Verletzungen davongetragen. Der Vater des jungen Ehemannes ist mit einigen Verrenkungen davongekommen; zu den Unverletzten gehört die Braut und ihre Mutter. Die Stube ist ausgebrannt. Der Zchanplniz eines Mordnersuche« und Selbstmordes ist vorgestern Morgen die Markgrafenstraße gewesen. Das„Kl. I." berichtet über die That folgende Einzelheiten: In dem Hause Markgrafenstraße 86 wohnte bei seiner Mutter, einer Kochfrau, der Schlosser und Mechaniker Max Görisch, am 12. Januar 1860 geboren. Derselbe hatte wegen Verfolgungs- wahn schon einnial Aufnahme in der Irrenanstalt zu Dalldorf gesunde», war aber vor etwa Jahresfrist als geheilt entlassen worden. Nachdem er eine Zeit lang wieder in seinem Beruf thätig gewesen, war er zuletzt lange stellenlos. Der Verkäuferin des in dem gedachten Hause belegenen Ladens des Schlächter- meisters Emil Rohrbeck, der zugleich den Eigenthümer des Hauses, seinen Stiefvater Rentier W. Wirth in Pankow, als Vizewirth vertritt, war es seit acht Tagen aufgefallen, daß Görisch oft stundenlang hinter dem. gegenüber der Ecke der Junkerstraße be- sindlichen Brunnen stand und stieren Auges nach dem Rohrbeck- schen Laden blickte. Man achtete jedoch nicht weiter darauf, wohl weil man bei seinem Leiden fürchtete, den überaus starken, großen und korpulenten Manschen durch irgendwelche Maßnahmen zu Gewaltthätigkeiten zu reizen. Trotz dieser Vorsicht ist es vorgestern Vormittag ohne jede sichtbare Ursache dennoch zu einem Mordversuch seitens des Görisch gekommen. Einer- seits wird angegeben, Rohrbeck habe als Vizewirth ver- anlaßt, daß.Max � Görisch � vyn seiner Mutter wegziehen mußte, so daß er seit einigen Tagen nicht mehr dort wohnte, andererseits wird behauptet, er habe überhaupt anderswo ge- wohnt und sei nur in der letzten Zeit, da er stellenlos war, viel bei seiner Mutter gewesen, eine Kündigung könne daher gar nicht stattgefunden haben; jedenfalls sieht so viel fest, daß Görisch, sei es wegen der Kündigung oder grundlos, in feinem Wahn den Schlächter Rohrbeck für seinen Feind und Verfolger hielt und demselben auflauerte. Nachbarn gegenüber soll er schon vor einigen Tagen von Racheplänen gesprochen haben. Vorgestern Morgen verließ er schon gegen 6 Uhr das Haus, trat hinter den gedachten Brunnen und verbarg sich dann in dem Hausflur des Nebenhauses Nr. 88. Zwischen 1/2 und 3/4lO Uhr trat nichtsahnend Emil Rohrbeck aus seinem Laden auf die Straße, um sich bei seinem Nachbar, dem Bäckermeister Schabrodt, Markgrafen- straße 85, einige Schrippen zu holen. Da sprang Max Görisch unvermuthet aus seinem Hinterhalte hervor, in jeder Hand einen geladenen Revolver, und gab auf Rohrbeck eine» Schuß ab. Die Kugel drang auf der rechten Brustseite ein, und eine von Görisch nun abgefeuerte zweite Kugel traf den vorgehaltenen Arm Rohr- beck's beim Handgelenk, worauf Dieser, der schon bei dem Bäcker- laden angelangt war, dem an die Ladenthür geeilten Bäcker Schabrodt in die Arme sank und bewußtlos zusammenbrach. Ehe es den herbeieilenden Nachbarn möglich war, den Görisch festzuhalten, war dieser in den Hausflur des Hauses Nr. 86 gerannt und jagte einen dritten Schuß aus dem neuen Revolver in seiner Rechten sich selbst dicht über dem Nasenbein in die Stirn, so daß er sofort, noch den Hut auf dem Kopf, entseelt zu Boden stürzte. Beide Revolver, der in seiner Rechten neu, der andere alt, waren mit je fünf Schuß geladen gewesen, von denen im neuen noch zwei steckten, als die sofort herbeigerufene Polizei den Thatbcstand feststellte. Drei hinzugezogene Aerzte konnten bei Görisch nur den sofort eingetretenen Tod konstatiren und ordneten dann die Uebcrführung Rohrbeck's in ein Krankenhaus an. In der Klinik wurde konsiatirt, daß die Lunge von der in- zwischen entfernten Kugel getroffen wurde, außerdem ist der Arm gebrochen. Rohrbeck steht im 42. Lebensjahre und wird von Berufsgenossen und Bekannten allgemein geachtet und geschätzt. Die Wunden Rohrbeck's sind sehr schwere, doch hat der Unglück- liche unter der treuen Pflege der Gattin und der Mutter die Nacht gut verbracht, so daß die Hoffnung auf Genesung nicht ausgeschlossen ist. Zirkus Schumnu». Früher als bisher hat in diesem Jahre für Berlin die Zirkussaison begonnen. Direktor Schu- mann, durch seine vorjährige Anwesenheit Hierselbst bestens be- kannt, traf am Freitag voriger Woche hier ein und fand am Sonnabend die Eröffnungsvorstellung statt, die glänzend verlief. An Interesse für den Zirkussport hat es dem Berliner nie ge- fehlt; alle Klassen des Volkes nehmen an demselben den regsten Antheil,'und so ivar der schmucke Zirkus am Unterbaum am Sonn- abend recht gut besticht, trotz der immensen Hitze, die allein den Genuß des Gebotenen störend beeinträchtigte. Von den Einzelleistungen seien besonders hervorgehoben die der hübschen Miß Cola, die als Voltigereiterin Erstaunliches leistete; serner Direktor Schumann's Vorführung des in Freiheit dressirten Schimmelhengstes Halifax, die besonders dadurch er- heiternd wirkte, daß eine prächtige Dogge eifrig und mit Erfolg bemüht war, die Evolutionen des Pferdes nachzuahmen. Eines besonderen Erfolges kann sich der höchstens 13jährige Miniatur- Jockep Alfred Leon rühmen, dessen Leistungen auf ungesatteltem Pferde den verdienten stürmischsten Beifall fanden. Erwähnt seien ferner die musikalischen Klowns Gebr. Geretii und ganz besonders die Drahtseilkünstlerin Frl. Elise Brose, die mit einer Eleganz und Sicherheit auf dem kaum sichtbaren Drahtseil die schwierigsten Evolutionen vollführte, die gewöhnliche Sterbliche kaum änf dem festen Erdboden fertig bringen. Max Schu- mann und Melas, zwei Athleten, zeigten auf zwei Pferden außer- gewöhnliche Körperkräfte, um die sie Mancher beneiden dürfte. Frl. Adele Schumann erivies sich als prachtige Schulreiterin. In dem Klown Slnatol Duroiv dürfte Direktor Schumann ein Fugmittel ersten Ranges besitzen; seine dressirten Schweine, Hunde, Katzen-c. sind großartig und rufen d,e heiterste Stim- mung hervor. Eine Glanznummer ist ferner die Vorführung der 12 Rapphengste durch Herrn Max Schumann, die schon vorigen Jahre in Erstaunen setzte. Die Jkarischen Sp:e> Familie Leon sind vollendete Leistungen. Alles ui Allem Herr Direktor Schumann mir dem erzielten künstlerischen t>rs J zufrieden sein; auch der finanzielle wird nicht airsbleiben, o I bürgen die durchweg mustergiltigen Leistungen seiner K»ni Zur Cutgegelittahme gelesener Arbeiterchlätter, welche für die Verbreitung in der Provinz bestimmt, sind im Osten Nordosten des 4. Wahlkreises folgende Genossen bereit: Gustav Tempel, Breslauerstr. 27. Otto Heindorf, Langestr. 70. Wilhelm Lock, Friedrichsbergerstr. 8. Fritz Rockendorff, Posenerstr. 5. Emil Böhl, Frankfurter Allee 74. Otto Zabel, Frankfurter Allee 90. Robert Berger, Gr. Frankfurterstr. 92, H. 1 Treppe. Seinrich Hoffmann, Kaiserstr. 4. skar Weinberg, Elisabethstr. 10. Karl Müller, Landwehrstr. 13, 3 Treppen. Adolph Scholtz, Landsberger Allee 144, Hof 3 Treppen. Dolizeibmcht. Am 19. d. M. Abends gerieth auf ow Bahnhof Gesundbrunnen der Rangirer Winderlich beim 0, sannnenkoppeln zweier Güterwagen mit dem Arm zwischen Puffer derselben und erlitt eine so schwere Quetschung des Boro' arms, daß dieser im Lazaruskrankenhause, wohin der Verie« gebracht ivorden war, amputirt werden mußte.— Zu dersti Zeit wurde im Humboldthain, in der Nähe des Dlrekuo � gebäudes, die Leiche eines neugeborenen Kindes aufgefunden' nach dem Schauhause geschafft.— In der Nacht zum 20. o.' erschoß sich ein Student in seiner Wohnung, in der Chcul st straße.- Am 19. d. M. Morgens erlitt der Arbeiter�@0% welcher bei der Eisenbahnbrücke im Zuge der Gerichtsstraße schäftigt war, dadurch eine Quetschung von vier Fingern der rem Hand, daß er beim Rollen eines 80 Ztr. schweren Blockträgers Hand nicht schnell zurückgezogen hatte. Er wurde nach der Char gebracht.— Abends fiel ein Fiihrherr, als er mit se Gepäckdroschke auf dem Halteplatze am Stettiner Bahnhof Y> plötzlich zur Erde und verstarb nach ärztlichem Gutachten WJL eines Blutsturzes.— Am 20. d. M. Vormittags wurden Schüler der 87. Gemeindeschule, Dallmann und Schulz, welche ihrem Klassenlehrer auf einem gemeinsamen Spaziergange begrm waren, beim Neberschreiten der Zufahrtsstraße zum Potsdam Güterbahnhofe, Schöneberger Ufer Str. 8—9, von eineut � Mauersteinen beladenen Wagen überfahren und auf der« Am 20. d. M. Abends wurde ein Mann in st"1 getödtet. Wohnung in ver WUyeunsyasenerstrape eryangi vorgeiu»----, Am 20. und 21. d. M. fanden neun kleinere Brände statt. 7-�. 21. d. M. Morgens wurde in der Spree, nahe der Klestst. Stralauerstraße, die Leiche eines unbekannten, etwa 32 Jahre au Mannes und Nachmittags hinter dein Grundstück Köpenickerstriw Nr. 3— 5 die Leiche eines unbekannten, etwa 30jährigen Rianm angeschwemmt.— Vormittags brachte der an Verfolgunö wahn leidende Schlosser Görisch vor dem Hause Markgrstst' straße 85 dem Schlächtermeister Rohrbeck ohne jede Veranlasst� zwei Revolverschüsse in den Rücken und linken Unterarm bei uo tödtete sich selbst darauf im Flur des Hauses Markgrafenstr.. durch einen Schuß in den Kopf. Rohrbeck wurde schwer verlst nach der Universitätsklinik gebracht.— Nachmittags wurde e 71jähriger Mann in seiner Wohnung in Alt-Moabit und 3 dem Schlesischen Bahnhofe in einem Abort ein Mann erhaist vorgefunden.— Abends fand in einer Wohnung des HoUI Neue Hochstr. 42, in welcher eine Hochzeits-Gesellschaft war, eine Explosion einer Petroleumlampe statt, wodurch% Personen so schwere Brandwunden erlitten, daß sie nach 3 Charitee gebracht werden mußten. Vier andere Personen wurv- nur leicht verletzt. Dergeffen gegen die öffentliche Ordnung wurde de'? Zigarrenhändler S ch u l z vorgeworfen, welcher gestern dieserist vor der dritten Strafkammer des Landgerichts I. stand.* vierte Strafkammer hatte es derzeit abgelehnt, gegen den ANS klagten das Vorverfahren zu eröffnen, die vom Staatsanw« beim Kammergericht eingelegte Beschwerde hatte aber Erfolg" es mußte gegen Schulz das Strafverfahren eingeleitet wero-' Bei der letzten R e i ch s t a g s w a h l trat der Angeklagte 3 Kandidat für den ersten Berliner Wahlkreis auf. Es kam 3 kanntlich zu einer Stichwahl. Am 13. März d. I. entwickc er sein Programm in einer Versammlung in der Beuthstrap' Hierbei soll er Redewendungen gebraucht haben, in welchen 3 iiberwachende Polizeilieutenaal Hennig eine Aufreizung gegen st besitzenden Klassen erblickte. Wie der Zeuge im gestrigen Tern" bekundete, hatte der Angeklagte am Schlüsse seiner führungen folgende Bemerkung gemacht:„Wenn Rothschild st";0' so müssen ihm seine Millionen, die er und seine Vorfahr. dem Volke genommen haben, wieder abgenommen werbest- er darf nach seinem Tode nichr über sein Vermögen verfüget Auf diese Aeußerung stutzt sich die Anklage. Der Beschulvst bestritt sowohl den Wortlaut wie auch den Sinn, der in die be« standete Aeilßerung gelegt werde. Allerdings habe er aus st, Bedrangniß der arbeitenden Klaffen hingewiesen, aber besonve hervorgehoben, daß nur von dem Staate auf sozialreformatorisstst. Wege Abhilfe zu erhoffen sei. Er habe dann auch das Geb' der indirekten«Äteuern berührt tistd auf das Bedürfniß der änderung der Erbschaftssteuer hingewiesen. Daß ein solches chj dürfniß wirklich vorhanden, beweise der zur Zeit das Tage-' gespräch bildende Fall des Grafen Kleist. Wenn er wirklich Millionen des Herrn Rothschild Eavähnung gethan, so habe doch nimmermehr daran gedacht, daß sie demselben mit Gew? abgenommen werden sollten. Der Polizeilieutenant räumte e>'- daß der Angeklagte in ruhigem Tons gesprochen habe und ob? seine Rede auf ihn auch nicht den Eindruck gemacht habe, als I dadurch eine Aufreizung bezweckt worden, weshalb er auch keist Veranlassung gefunden habe, die Versammlung aufzulösen. Staatsanwalt beantragte darauf selbst die Freisprechung des A>' geklagten, auf welche der Gerichtshof auch erkannte Eine tranrige Geschichte aus dem Berliner Leben b- schästigte gestern das Schwurgericht am Landgericht I, welch- unter dem Borsitz des Landgerichtsraths F r i e d l ä n d e r», einer neuen Sitzung zusammentrat. Unter der Anklage b-st Mordes stand vor den;Geschworenen die 24jährige DienstmaS Marie Luise Lockhoff, ihre Beitheidigung hatte Reclst. anwalt Remling übernommen, während Sraatsaniv", Hoppe die Anklage vertrat. Das Mädchen hatte am 20. Apl einem Kinde das Leben gegeben und war, als sie aus b- Charitee entlassen wurde, sofort in Roth gerathen; da der Vm« des Kindes jede Unterstützung verweigerte. Es gelang ihr abe- das Kind bei einer Familie in der Andreasstraße gegen inona liches Kostgeld von 18 M. unterzubringen und sie selbst fand a Dienstmädchen einen Dienst bei der Frau Neumann, welche Spitleliiiarkt eine Steppanstalt und Arbeils.'tube besitzt. Sie bl" mit dem ktostgeld wiederholt im Rückstände, rmd als ihre Schulbst. immer größer wurden, erschienen die Pflegeeltern des Kindes demselben am 4. Juli er. bei der Angesagten und als st Letztere ihren Verpflichtungen nicht nachkonamen konnte, Witt0 das Kind in der Neumann'schen Wohnung zurückgelassen.% wohl die Dienstherrschaft, als auch die Arbeiberinneii der Arbefist stube intercssirten sich für das niedliche kleine Geschstpo man packte es in Betten und einen Korb,, holte ihm M"lr! und Zwieback, es schien jedoch den Belheiligten so," ob die Angeklagte von dieser Fürsorge gar nicht Ist' erbaut war. Gegen Abend machte die Angeklagte sich ans H Weg, um ein anderes Unterkommen für das Kird zu finden"st. als ihr dies nicht gelungen war, nahm sie das Kind auf 58 Pn h r. octKcß die Neumann'sche Wohnung. Sie ging vom c>„,, r. Ulis an dem Wasser entlang und in der Nähe der Un?5? e machte sie Halt. Kurz darauf hörte ein dort vor .. er liegender Schiffer einen Aufschrei„Gott helfe mir!" und fiomüji J? ins Wasser. Er bestieg sofort einen Handkahn und n.l ,. die Zlngeklagte, welche durch ihre Kleider über Wasser g halten ivurde. Der Schiffer machte alle Anstrengungen, die -Mörderin in den Kahn zu ziehen, dieselbe wehrte sich aber »ergisch und erklärte, daß sie sterben wolle und ihr Kind, welches ' Quf den Arm getragen, bereits im Wasser liege. Die An- gmagte wurde schließlich doch in den Kahn gebracht und nach der �haritee befördert. Nach dem Kinde wurde sofort gesucht, die «eine Leiche wurde jedoch erst nach vier Tagen aufgefunden -"«h dem ärztlichen Gutachten des Medizinalraths Dr. Long und �-anitätsrath Dr. Mittenzweig ist kein Zweifel daran, ■J, r der Tod durch Ersticken� eingetreten ist.— Die Angeklagte, weiche gänzlich unbescholten ist, wurde aus der Charitce in das Untersuchungsgefängniß überführt und die schwere Anklage des m o r b e§ war die natürliche Folge der unseligen That.— �ors.: Sie werden nun beschuldigt, Ihr Kind mit Vorsatz und Ueberlcgung getödtet zu haben. Man hält Sie auch der That j.�.mhig, denn Sie sollen schon längere Zeit vorher eine dahin gehende chicht geäußert haben. Namentlich sollen Sie einmal, als Bekannte "O". Ihnen eine Wasserpartie machten, geäußert haben, daß Sie mitfahren möchten, vielleicht würden Sie Ihr Kind dabei los Ebenso sollen Sie am Tage, als Ihnen das Kind gebracht wurde. jchoii Bormittags nahe daran gewesen sein, ein Verbrechen zu begehen. Sie sollen mit der einen Hand das Kind beim Genick gc- packt und mit der anderen nach einem Topf heiße» Wassers gegriffen haben und wenn nicht die Tochter Ihrer Dienstherrschaft entsetzt dazwischen getreten wäre, würbe vielleicht schon damals etwas passirt sein. Bekennen Sie sich in vollem Umfange der Anklage sur schuldig?— A n g e k l.: Nein, ich habe aus Verzweiflung Mcht gewußt, was ich thue.— Präs.: Haben Sie sich denn Überhaupt bemüht, das Kind unterzubringen?'— Angekl. jich habe Alles versucht, es ist aber'Alles fehlgeschlagen. Ich hatte Alles, was ich an Geld besaß, schon hingegeben, bin aber boch an drei Stellen gewesen und habe gebeten, mir doch bas Kind abzunehmen. Es gelang mir nicht, ich ging dann zum Polizeilieutenant am Spiltelmarkt; derselhe schickte mich zum Armenvorsteher in der Kurstraße, welchen ich aber nicht antraf. Als ich wieder zu Frau Neumann zurückkehrte, schalt dieselbe und sagte, ich sollte mein!kind nehmen und los- Sehe». Ich bin dann nochmals zur Polizei gegangen und als Alles vergeblich war, wußte ich nicht mehr, was ich thun sollte. Z: Präs.: Sie haben früher gesagt, daß Sie für den Fall, daß Sie kein Unterkonimen für Ihr Kind finden würden, den Plan gefaßt hätten, sich und Ihrem Kinde das Leben zu nehmen.— Angekl.: Solche Gedanken waren mir. den ganzen Tag durch den Kopf gegangen.— Präs.: Hatten Sie nicht, als Sie sich von Frau Neumann entfernten, derselben gesagt, daß Sie jetzt eine Unterkunft für Ihr Kind gesunden hätten V— Angekl.: Nein, ich sagte den Kindern von Frau Neumann Lebewohl und als ich zur Hausthür hinauskam, sagte ich dem Wächter, daß wir uns nicht wieder sehen würden.— Präs.: Und was ist dann geschehen?— Angekl.: Ich ging zum Wasser, kroch durch das eiserne Gitter, betete dann auf der Steinfliese und stürzte mich dann ins Wasser.— Präs.: Es wird behauptet, daß Sie das Kind sehr lieblos behandelt haben; Sie sollen es u. A. auf die kalten Steine der Kochmaschine gesetzt haben; als man dem Kinde Nahrung geben wollte, sollen Sie dies verhindert und außerdem die Anwesenheit des Kindes an jenem Tage ganz humoristisch behandelt haben.— Angeklagte: Ich habe das Kind so liebevoll behandelt, wie es mir nur möglich war und meinen Kunimer habe ich krampfhast unter- drückt, weil ich Frau Neumann dankbar war, daß sie mir über- Haupt gestattete, das Kind in die Wohnung.zu nehmen.— Präs.: Sie geben ja selbst zu, daß Sie den Gedanken, sich selbst das Leben zu nehmen, schon lange mit sich herumgetragen haben. Haben Sie dabei nicht daran gedacht, daß das Kind für Ihr Unglück Nichts kann und daß Sie über das Leben des KindeS keinesfalls zu verfügen hatten?— Angekl.: Ich habe gedacht, daß das Kind da bleiben muß, wo ich bleibe. Ich weiß, wie ich mich habe durch die Welt quälen müssen, als meine Eltern gestorben waren und ich habe mein Kind nicht allein in dieser Well lassen wollen.— Tie Beweisführung beschränkte sich nur auf die Vernehmung zweier Zeugen. Ter Staatsanwalt pläbirte auf Schuldig des Mordes event. auf Verneinung der mildernden Umstände, der Vcrtheidiger bestritt dagegen die Ueber- legung und empfahl die Angeklagte der Milde. Im Sinne des VertheidigerS gaben die Geschworenen ihren Spruch ab und der Gerichtshof verurtheilte die Angeklagte zu 1 Jahr C Monaten Gefängniß.— Tie Angeklagte erklärte, daß, wenn sie ins Ge- fängniß geschickt werden solle, es besser gewesen wäre, sie zum Tode zu verurtheilen, da sie nun doch nirgends mehr Unter- kommen finde. Eine eigenartige ZlrUnndenfälschung beschäftigte gestern die erste Strafkammer des Landgerichts I. zum zweiten Male. Im vorigen Jahre hatte sich die Igzährige Ida Elans heimlich aus dem elterliche» Hause entfernt und vorläufig bei einer Frau Königsberg, bei der pe häusliche Arbeiten verrichtete, Aufnahme gefunden. Die Claus wandte sich dann an eine �Nesindevcr- miethcrin, die ihr einen Dienst verschaffen sollte, ahmt aber die Weisung, sich erst einen von ihrem Vater ausgestellten Erlaubniß- schein zu verschaffen. Hierzu war das Mädchen natürlich nicht im Stande. Wie sie vor Gericht behauptet, hat Frau Königs- berg ihr einen solchen Erlanbnißschein ausgestellt und mit dem Namen des alten Claus unterzeichnet. Auf Grund dieses Scheines konnte Ida Claus einen Dienst antreten. In der ersten Verhandlung nahm der Gerichtshof zu Gunsten der Angeklagten Frau Königsberg und Ida Claus an, daß nicht eine Urkunden- fälschung, sondern nur die Fälschung einer Legitimation zum t wecke des besseren Fortkommens vorliege, die mit einer Geld- rafe von je 15 M. genügend gesühnt sei. Mit dieser niilden Auffassung war der Staatsanwall nicht einverstanden und eben- sowenig das Reichsgericht, welches das erste Urtheil mit der Be- gründung aushob, daß die Strafthat der Angeklagten unziveifel- hast als Urkundenfälschung anzusehen sei. Im gestrigen Tcrmuie wurden die Beschuldigten denn auch dieserhalb die Königsberg iu 2 Tagen und die Claus zu einem Tage Gefängniß ver- urtheilt _ Vao«»befttgt- Frilhaltett von Sasse- in den städtischen Markthallen aiebt zu vielen gerichtlichen Verhandliuigen Anlaß. Nach§ 5 der Markthallen-Verordnung ist zwar der Hausirhandcl mit gekochtem Kaffee in den Markthallen gestattet, da aber die ... r,,«örtnit bim Nachwelö der Zahlung Alle Sendungen sind zu richten an W. Tapfer, Schwerin i. M., Wittenburgerstr. 69. Achtung, Schneider! Da laut des Kongresses die jetzt auf dem Boden der modernen Arbeiterbeivegung stehenden Lokal- organisationcn anerkannt wurden und solche speziell in Berlin existiren, so sah man sich gezwungen, eine Sitzung der Vorstände aller in Berlin bestehenden Organisationen von unserem Gewerbe abzuhalten betreffs zukünftiger Regelung des AbhaltenS der Ver- sammlunge». Wir sind nämlich, sollen wir den Beschlüssen deS Kongresses ganz»achkommen, verpflichtet, uns nicht gegenseitig aufzureiben, sondern entgegenkommend zu Gunsten der Berliner Schneider zu arbeiten, und da ist die erste Hauptaufgabe, eine Regelung der Versammlungen eintreten zu lassen; in der Weise nämlich, daß nicht, wie schon öfters, zwei Versammlungen an einem Tage stattfinden, und so dadurch die Kollege» zersplittert wurden, und es nie zu einer imposanten, der Gesammtheit auch nützlichen Versammlung kommen konnte. In der Zukunft dürfen nie zivei Versammlungen an einem Tag stattfinden und um zu wissen, ob die oder jene Organisation an einem bestimmten Tag ihre Versammlung abhält, so hat eine engere Kommission einen Kollegen gewählt, an welchen man den Tag einer abzu- haltenden Versammlung anmeldet, derselbe muß sich verpflichten, dies der einen oder anderen Organisation bekannt zu gebe», da- mit sie an demselben Tag keine Versammlung abhält. Wir glauben im Interesse der Oeffentlichkeit gehandelt zu haben und ersuchen, dies vorläufige Vorgehen zu linterstützen, indem dem gewählte» Kollegen, alle diese Angelegenheit betreffenden Fragen und Anmeldungen bekannt gegeben werde». Damit betraut ist Kollege Rolloff, Mittenwalderstr. 56, Hos 3 Tr. Achtung k Dvechsler, Arbeiter! In der Möbelfabrik von A. Mowitz, Inhaber Aug. Günther, in Rathenow, sind ämmtliche Drechsler, 9 Mann, gezwungen, die Arbeit nieder zu legen wegen der Weigerung, nicht nach einem neuaufgestellten Lohntarif zu arbeiten, durch den bedeutende Lohnabzüge vorgesehen wurde». Eine dreiwöchentliche Thätigkeil nach diesem Tarif ergab, daß das Resultat eines Wochenverdienftes 8—10 M. pro Mann sei. Aus nachstehendem Auszug deS alten und neuen Tarifs möge ein jeder selbst nrtheilen. Arbeitslohn 1 Dtzd. eichene Kleiderständer niit Schirmständer, auch kan- delirt......... I Dtzd. Kleiderständer.... 1 Dtzd. Sluhlsüße, mahagoni oder Nußbaum, starker Stab ein- gesprengt, kandelirt.... 1 Sregtisch........ 1 Treppentraille, 1 Meter lang, 2— 2l/2" stark, kandelirt.. 1 eichener Tischfuß, 3—4" starken Stab eingesprengt... Wöchentlicher Verdienst sonst Mark 39,— 20,— 2,50 1,90 0,35 jetzt Mark 17,- 13,50 1,50 1- 0,18 0,25 0,15 15—18 8—10 Nach dem neuen Tarif sollen die Arbeiter auch noch da? Sandpapier selbst halten. Alle Arbeiter sind verheirathet und zum Theil seit Jahren in der Fabrik thätig, Ve bis 2Vs, bis 4, bis 7, bisl4 Jahre. Das Alter der zum StreikGezwungenenfist 30—54 Jahre. Wir bitten alle Kollegen und Arbeiter, uns in unserem schiveren Kampfe beizustehen. Die �Arbeit wird zum Fertigmachen jetzt viel nach außerhalb gesandt. Filialniederlagen hat die Firma in Berlin und Hamburg. Alle Sendungen und Anfragen sind zu richten an Albert Becker, Kl. Hagenstraße 1, Rathenow. Alle arbeiterfreundlichen Blätter werden um Abdruck gebeten. Die Streikenden. Kollegen Berlins und Umgegend! ORge Firma sendet nach hier vielfach Arbeit, ein jeder aver weiß, ivas ihm die Pflicht, die Ehre und das eigene Interesse als Arbeiter gebietet, darum lasse sich Keiner als Streikbrecher benutzen und achte wohl auf die Arbeit. F. A. Rautenberg. S»v die grmaffrrgrlteu Mrbrr in Greiz ferner erhalten Von den Bandagisten durch Herrn Borszinsky 12 M. 25 Pf.- Von den Gla?eehandschuh»iachern 17 M. 50 Pf.— Durch Ver- auktioniren einer Zigarre beim Geburtstag des Herrn Stiebritz M. 5 Pf.— Rest der Strafkasse von den Arbeiter» der Firma Lande 1 M. 30 Pf.— In Summa 37 M. 5 Pf.— Vorher erhallen: 570 M., folglich sind bis jetzt eingekommen 607 M. 5 Pf. Vorstehender Betrag ist nach Greiz abgeliefert und wird von da aus weitere Quilliuig erfolgen. Im Austrage desülgitationskomitees derTextilarbeiter Deutschlands. Karl H ü b s ch. Saalfeld, 21. September. Ter Streik der Drahtweber ist beendet. Wenn die Arbeiter nur 14 Tage zusammen gehalten hätten, so hätten sie den Lohnabzug abgewehrt, so aber haben sie zu den von den Fabrikanten dekrelirten Bedingungen die Llrbeit iifgenoninien und die besten sind gemaßrcgelt, doch haben sie ast alle andere Arbeit bekommen. Zwei Mann sind noch ar- bcitslos. Ciiiige Arbeiter haben sich aus freien Stücken andere Arbeit gesucht. Möchten doch nun endlich auch die Arbeiter der Drahrweberer zu der Einsicht kommen, daß sie sich vereinige» müssen. Vcrfamm k u U(t« n. -Narkthallen für Verkäufer nur gegen den Nachweis der Zahlnna von den städtischen Behörden festgesetzten Gebühren geöffner nNd, so wird auf Beschluß des Kuratoriuins von jeder Person, welche den Handel im Umherziehen mit gekochten! Kaffee in einer Sf* Markthalle» betreiben will, eine Gebühr von 1,25 M. für den Tag erhoben. Tie Hausirer mit gekochtem Kaffee suchen aver gc- wohnlich die Gebühr zu hinterziehen und wenn sie dabei abgefaßt werben und gegen sie ein polizeiliches Strafmandat festgesetzt wird, ?SW sie ineistens ans gerichtliche Entscheidung an nnd diese ""'(I � lif aus. Dein Kammer- o'p"' freisprechend, bald verurlheilend aus. alö letzter Instanz, wird binnen kurzem Gelegenheit ge- 5", sein, in dieser Streitfrage eine'''"..... 411 lallen. maßgebende Entscheidung Soziale Meberstitzk. i.......„.T"7, Her Zlorstaud des Ur»e!n» der Slempurr Srrlins aend ersucht uns um die Mittheilung, daß i» Schwerin -...c.., weil die ._... ligen ist auf das Strengste fern zu mwimmm Drv Wahlverr!» drs 5. Kerliner tlrichskaga Alahl- lirrisro hielt am Freitag, den 19. d. M., Abends SVa Uhr, eine ziemlich stark besuchte Versammlung im Saale der Brauerei Köliigstadt ab. Auf der Tagesordnung stand: 1. Diskussion über das Parteiprogramm. 2. Verschiedenes. 3. Fragekasten. Das Wort nahm zunächst Herr Tr. Lütgen au. Derselbe führte aus: Er nähme nicht als Referent, sondern als erster Redner in der Debatte das Wort, er werde also die Anssührungen des Referenten Herrn Auerbach nicht wiederholen, sondern an die- selben ankniipfen. 9ln dem allgemeinen Theile des Programms ist inhaltlich nichts zn ändern. Tie Grundzüge des Sozialismus gelten heut wie gestern und bis er gesiegt hat. Die Trennung des Arbeiters von seinem Arbeitsmittel ist die Ursache aller Ausbeutung und Unterdrückung. Das Elend wird beendet durch die Rückkehr der Arbeitsmittel an das arbeitende Volk. Tiefe Entwicklung behauptet das Prograniin auf Grund des ivissenschastlichen Sozialismus. Die ökonomische Befreiung der Arbeiterklasse muß das Werk der Arbeiterklasse selbst sein. Dagegen ist für das Programm eine durchsichtigere und gemein- verständlichere Fassung zn wünschen, wie das französische sie hat; hier können wir aber nichts vorschlagen, es muß ein geeigneter Mann oder eine geeignete Kommission mit der'Abfassung beauf- tragt werden. Im einzelnen ist der Satz, betreffend die Religion, mehrfach angegriffen worden. Im Programm sieht nicht, daß ein Sozialdemokral religiös sein dürfe; das Programm stellt nur eine Forderung an den Staat: Den Staat geht die Religion nichts an, er hat die Ausgaben für die Kirchen einzustellen und den Kirchen den Einfluß auf die Schulen zu entziehen. Aber diese Forderungen stehen im Programm an der falschen Stelle; sie ist nicht an die sozialistische Gesellschaft, sondern an den heutigen Staat zn richten. Durch den Attavismus wird es wohl in Zukunft noch einige Religiöse geben, da auch die Religiösen sich fortpflanzen. Allein dort ist die Forderung einerseits selbstverständlich, andererseits unwesent- lich; dagegen ist sie grundwichtig im heutigen Staat.(Zu- ktimmung.) Beschränkung der Frauenarbeit im Unterschied von der Männerarbeit dürfen wir nicht fordern, ausgenoinmen das Verbot der Nachtarbeit verhciralheter Frauen. Die Forderung des gleichen Lohnes für Mann und Frau ist Illusion, wenn es sich um die Erslrebung desselben blos durch Organisa- tio», ohne ein Gesetz, handelt; die Frau bietet sich, so lange die aus der heutigen Produktion beruheude heutige Ehe besteht, billiger zur Arbeit an als der Mann; der Arbeit- geber, wie man ihn ganz verkehrt nennt, denn er n i m m t Arbeit und g i e b t Lohn, zieht die billigere Arbeitskraft vor. Der gesetzlich gleiche Lohn aber hat die Wirkung, daß der Unternehmer statt des weiblichen den leistungsfähigeren und nicht theureren inännlichen Arbeiter einstellt. Wir versprechen also der Frau die ökonomische Gleichstellung mit dem Manne, aber thatsächlich nehmen wir ihr sogar die ökononnsche Setbslstäiidigkeit. Man hat vielfach eingewendet: der Unternehmer wird gleichivohl die iveibliche Arbeitskraft vorziehen, weil die Frau williger ist. Wenn die Frau den gleichen Lohn verlangt und bekommt, so hört ihre größere Willigkeit auf.(Sehrsrichtig.) Wenn sie aber williger wäre, warum schätzt der Unternehmer diese Willigkeit? Doch nicht als eine Eigenschaft des verschwiegenen Gemüths, sondern weil sie sich für ihn in reale Vortheile umsetzt: die Arbeiterin läßt sich mit mehr Erfolg zu erhöhter Kraftanstrengung spornen, sie erfüllt die Wünsche des Unternehmers in Bezug aus die Art der Arbeit bereitwilliger, kurz: ihre Leistung hat für den Unternehmer in irgend eina Weise den höheren Werth. Abgesehen davon, daß hier dieselbe lohndräckende Tendenz wie beim Akkordlohn vor- liegt, ist also der gleiche Lohn nur scheinbar. Auch ist die ganze Voraussetzung falsch, daß ein gesetzlicher Minimallohn ohne Aenderung der Produktion möglich sei. Wer einen solchen, d. h. einen Minimallohn, der dem Arbeiter etwas nützte, für möglich erklärt, bestreitet damit einfach das eherne Lohngesetz. Verzichten wir auf die Geltendmachung des männlichen proletarischen Egois- mus, so kann nur die Frau sich unserer Partei anschließen; thun wir es nicht, so darf sie uns zur reaktionären Masse werfen. (Sehr richtig!) Redner begründete hierauf noch die Forderung des politischen Wahlrechts für die Frauen und die Streichung des Satzes, betreffend die Produktivassozialionen, und schließt unter lebhaftem Beifall mit der Stellung folgender Anträge: „Die Versammlung des sozialdemokratischen Wahl- Vereins im 5. Wahlkreise spricht sich entschieden dafür aus, daß die Revision des Parteiprogramms nicht verschoben wird. Sie beantragt serner folgende Aenderungen des Parteiprogramms: 1. Tie Forderung„Erklärung der Religion zur Privatsache" wird statt an die sozialistische Gesellschaft, bereits an den heutigen Staat gestellt. 2. Da die Produktiv-Assoziationen betreffende Satz ivird gestrichen. 3. Jede Beschränkung von Frauenarbeit im Unterschied vvit der Männerarbeit fällt. Die Forderung des gesetzlichen gleichen Lohnes für Mann nnd Frau fällt, ivcil ihre Durchführung thatsächlich zur Verdrängung der Frauen- arbeit führt. Nur das Verbot der Nachtarbeit ver- heiratheter Frauen ist zu fordern. 4. Die Forderung des politischen Wahlrechts der Frauen wird in das Programm aufgenommen, und zwar unter die Fragen an den heutigen Staat." In der weiteren Diskussion brachte Herr Grie pentrog zuerst Bedenken gegen den Antrag, betreffend die Religion, vor, pflichtete aber zuletzt dem Vorredner bei; er kritifirte sodann untvir selbst die Kosten tragen müssen? Ein Neugieriger." Der Vorsitzende Herr Berndt bemerkt dazu, daß ja Jeder, der nach vornheraus ivohnt, illuminiren könne, was ja immerhin einen festlichen Eindruck macht. Er gab dann noch die Adressen be- lannt, durch welche die gelesenen Zeitungen in die Provinzen ge- sandt werden; es sind dies im 5. Wahlkreise folgende: Restaurant Pietsch, Weinstraße 22. „ Spät, Weinstraße 28. Robert Wiltich, Keibelstraße 15. Sodann schloß der Vorsitzende um tzäl2 Uhr die Bersamm- lung unter einem dreimal donnerndeil Hoch auf die Sozial- demokratie.> Eine Versammlung der Krank««»- und Kterbekasse der Maler und verw. Serusvgrnosseu» E. H. 71, Sitz Hamburg, fand am Montag, den 15, d. M., Pcrleberacrstr. 28, mit folgender Tagesordnung statt: 1. Wahl von zwei Revisoren. 2. Wahl von zivei Ersatzmännern. 3. Wahl von Krankenbcsuchern nnd Lokalsrage.— Verschiedenes. Als Revisoren wurden die Herrn Spann jun. und Kütschke, als Ersatzmänner Görke und Möhrstädt, als Krankenbesucher Wegener, Rabenhalt, Babing und Neumann einstimmig gewählt. Als Lokal wurde Restaurant Hermerschmidt, Perlebergerslr. 28, durch Stimmenmehrheit an- aenomnie». Die Wahl des Vertrauensarztes wurde dem Vor- tand überlassen. Schluß der Versammlung 11 Uhr. Der zluterstiilsungslinnd der Snusdiruer Berlins hielt am 16. er. in Fenerstein's Salon, Alte Jakobstr. 75, eine außerordentliche Generalversammlung mit folgender Tagesordnung ab: l. Mittheilungen. 2. Wie stellen sich die Mitglieder zu einer Neu- Organisation des Unterstützungsbundes? 3. Aufnahme neuer Mitglieder. 4. Ausnahme und Fragekasten. Zu Punkt l theilt der Vorsitzende mit, daß noch zwei Kock, krank sind und Unterstützungen in der Höhe von 10—25 M. an Kollegen gezahlt worden. Zu Punkt 2 schildern die Kollegen Lamprecht und Grauer, welche der Eimgungskominissiou angehörten, die Vorgänge in der letzten Versammlung des Vereins Berliner Hausdiener, wonach eine Bereinigung der bestehenden Hausdienervereinigungen wieder auf Jahre hinausgeschoben wurde. Die Redner führten an, daß eine '.'teuorgaiiisatioil des Bundes unbedingt nöthig wäre. Zu diesem Zweck ivurde ein neuer Statuteuentivurf vorgelesen, welcher dem Vorstand und der gewählten Kommission zur Berathung übergeben wurde. Ferner wurden noch zivei Kollegen, weil sie gegen den Bund agitirten, laut Antrag aus dein Bunde ausgeschlossen. Mit einem Hoch aus den Unterstützungsbund schloß darauf die Versammlung. Ein« groff« G«»,r.»luevs.»,„mlung sämmtlicher in den Glahee- undf 5kartonpapier-Fabriken beschäftigten Arbeiter und fand am Dienstag in Scheffer's Salon. Insel- Tie Tagesordnung lautete: 1. Recheuschafts- Arbeiterinnen straße 10, statt. bericht des Vorstandes. _--'■WJ"•»||•*'— ocnaji oes-uorstandcs. 2. Wahl deS Gesamiutvorstandes. 3. Bereinsaugelegenheiten und Verschiedenes.— Nach Verlesung deS Protokolls erhielt Kollege Jahn zum ersten Punkt der Tages- orduung das Wort. Derselbe führte den Anwesenden die Thätig- »•t v*» m—~ keit des Vorstandes vor Anfang bis jetzt zum Singen; wie dieser Abschluß gearbeitet unermüdlich habe, für von das ß.-v- v— P———,.. Wachsen und Gedeihen des Fachvereins. Deshalb hat pch der Vorstand wohl bei allen Mitgliedern Achtung errungen. Es wurde nun zum 2. Punkt der Tagesordnung,„Wahl des Ges>nnuttvorstandes, übergegangen. Gewählt wurde als erster Vorsitzender Kollege Adolf Jahn, 2. Vorsitzender Gustav Seifert, 1. Kassirer Louis Bekert, Kassirerin Frl. Anna Schütz, I. Schriftführer Hermann Pickert, 2. Schriftführer Friedrich Becker; als Beisitzende Frl. Elise Heine; als Revisoren Gustav Schertz und Hübenthal; als Revisorin Frl. Otto. In die Fachkommission wurden gewählt die Kollegen Krause, Möller, Brauer, Frau Habicht und Frau Seifert. Als Kontroleure Robert Müller und Albert Hinke. Nachdem noch Kollege Beyer alle Neugewählten ans Herz gelegt hatte, ihre Pflichten als Vorstands- Mitglieder nicht zu vernachlässigen, wurde zu Verschiedenem übergegangen. Hierzu erhielt Kollege Jahn das Wort. Derselbe ermahnte in seiner Rede die Anwesenden, nur Hüte mit Arbeiter- Kontrolmarken zu kaufen. Kollege Robert Beyer tadelte in scharfer Weise, daß noch inimer von verschiedenen Arbeitern und Arbeite- rinnen Zeitungen gelesen werden, die nur dazu da sind, die Ar- beiter in der Verdummung zu erhalten. Zum Beweis verlas er mehrere Schundartikel aus gegnerischen Zeitungen und sprach seine Entrüstung darüber aus. Zum Schluß machte er es allen Anwesenden zur Pflicht, nur Arbeiterblättcr wie„Berliner Volks- blatt" u. s. w. zu halten. Hierauf schloß die Versammlung mit einem begeisterten Hoch auf das Gedeihen des Fachvereins. Srntsch«»' Schnridrr-Nrrband, Filiale Berlin. Mittwoch, de» 21, September, Milglicver-Versaminlung in Eraiweil's Bierliallen, Komniandanlen- siraße??— 7S. Tagesordnung: l. Prüfung der Zuschncideschüler.:. Aufnahme neuer Schüler sowie Mttgltever. 3. Verschiedenes. Um jahlreiches Erscheinen wird gebeten. vrfeUschaft für Nerboeitnug von zh>olk»bild»»g. Große Versamm- lung am Mittwoch, den Lt. September, Abends 8% Uhr, in den Zeniral- I FeMlsn, Oranisüstraße iso. Tagesordnung: f. Vortrag deS Herrn W. Bölschs iiberi„Materialismus." 2, Diskussion. ,3. Verschiedenes. Soiialdcmoliratischer Lese-»»d liioiiiikiolttnb„Zassalle". Am Dienstag, den 23. Sepiember, Abends 8% Uhr. Slalitzcrstraße 102 bei Haupl. Gäste haben Zutritt. Zrfi- und yiokutirlilub„Ztatur". Dienstag, den 23. September, Abends 8% Uhr, Vortrag und Diskussion bei Hoffmann, Kaiserstraße t. Gäste, durch Mitglieder eingeführt, willkommen. Fachvrrrin der Sapestrrr Äerliu« und z�uigegcnd. Dienstag, den 23. September Abends sjiulji-, bei Feuerstein, Alte Jakobltraße 75, Mitglieder- Versammlung. Freie volkobüiine. Am Mittwoch, Abends 8% Uhr, findet im Saale des Königshof, Bülowstraße 37, eine große Versammlung für Frauen und Männer statt. «grogr öffentliche Nolliooerfammlung für Schönrberg und Umsegend am Mittwoch, den 2«. September, Abends 7% Uhr, in der Schloß- brauerei. «roß» öffentliche Uolksverfammluns für Milmerodorf und Zlrn- gegend am Dienstag, den 23. September, Abends 8 Uhr, tu Pietsch' Volks- garte», Berlinerstraße. S-fialdemoKratifcher Mahlverri» de» 4. Berliner Reichstags- Wahlkreises. Große Versammlung am Dienstag, den 23. September, Abds. 8/3 Uhr, im Lokal Süd-Ost, Waldemarftr. 75. Fachverei» fammlicher i» der Firmen schilder-Kranchc hefchäf- tigteir Arbeiter. Große außerordentliche General- Versammlung am Dienstag, den 23. September, Abends s Uhr, bei Scheffcr, Jnselstr. 10. Rofamentenbranch». Freie Bereinigung der Arbeiter und Arbeiterinnen der Rosamentenbranche. Versammlung am Dienstag, den 23. September 1890, Abends 8% Uhr, in Jeucrstein's Salon, Alte Jakob- slraße Nr. 75. Zentral-Kranken- und Kterbekaffe der Waler und vermandter Kerussgenofsen Deutschland» iEingeschrtebene Htlsskasse Nr. 71), Filiale 1 Berlin Nord. Mitglieder-Versammlung am Dienstag, den 23. September, Abends 8 Uhr, bei Enadt, Brunnenstr. 38. «iauverrin Berliner Bildhauer. Dienstag, den 23. September, Abends 8% Uhr, bei Feuerstein, Alte Jakodstraße 75, VereinS-Versammlung. Tagesordnung: i. Vortrag des Herrn Dr. Zadel über: Fortschritte in tnnde. 2. Geschäftliches. 3. Antrag des Kollegen Lange: Erhohtwe Lolalbeittagcs. 4. Verschiedenes.- Kollegen! Der wichtigen Tag�°r. � wegen und da cS sich um die Erhöhung des Lokalbeitrages handelt,»> Psttcht, recht zahlreich und pünktlich zu erscheinen. uMif- Die Freie Pereinigung aller iu der chirurgische» gtanält»et« � tigtcii Berusogenosse» tagt am Dienstag, den 23. September,» � 8% Uhr. bei Zemter, Münzstraße n. Tagesordnung: i. Vortrag de« v Türk über: Die französffche Revolution. 2. Diskusston. 3. Wahl i» Vorstandsmitglieder. 4. Verschiedenes. s»rlt»e Große öffentliche Generalversaimulung der z,mm»rle«te»er, und Umgegend am Mittwoch, den 24. September, Abends 8% Uhr, NN 4 des Herrn Feuerstein, Alte Jakobstr. 75.._ Achtung, Bildhauer! 31m rammenden Sonntag, den 28. d. M., � mittags 4% Uhr, findet eine öffentliche Versaminlung aller Bildhauer � deren Angehörigen in Feuersteins Salon, Alle Jalobsttaße Nr. 75 i« Saal) statt. Bei Anfragen bitten wir die Abonnements-Quittung beizufügen, Antwort wird nicht crtheilt. igriestil» Wir ersuchen alle Diejenigen, welche Annonzen bei brieflich aufgeben, gleich den Betrag(40 Pfennig pro Zei�)' Briefmarken beizufügen, davon ausgenommen sind Vereins- UN Versammlungsinserate. Die Expedition, Beuthstraße Nr. 9. G. D. Am 30. September.— Für Ihre Anregung sind«'« Ihnen dankbar. Einem werthen Publikum der Geschäfts Eröffnung UcdsetrlhaBeB« Mörstadt und üsticae AM- W- zeigen wir hiermit an, daß wir am 25. ds. Bnumeo-Strasse So. 1 -wen Detnil-Uerkanf in Seidenvand, Sammeten, Pewches, Spitzen, Weißwaaren Putzutiktln Wir verkaufen daselbst zu genau denselben NülgeN DveifeN» wie.in unserem GngeNS'HNttse, AeipßbAerfteNße 51. Pmczower& Bermann. Fachverein der Tapezirer Derlms und Umgegend. Diemsiag, den 23? Sept., Abends SVs Uhr, bei„Feuerstein", Alte Jakobstr. 75; MiigBieden-Mei�sammlung. Taaes-Ordnung: 1. Vortrag des Herrn Max Baginski. 2. Diskussion. 3. Vereinsangelegenheit. 4. Fragekasten. Um zahlreiches Erscheinen wird gebeten. Gäste willkommen. Ausnahme neuer Mitglieder findet statt. 2052 Drv Vorstand. In dieser Versammlung werden Billets zu dem am 4.(Oktober stattfindenden 2. Stiftungsfest des Vereins ausgegeben, und bittet der Vorstand Freunde, Bekannten und Kollegen um recht zahlreiche Betheiligung. Herren inkl. Tanz 60 Pf. Damen 30 Pf. Tran« Fchv. der Wembeitemnen ,md verm. Kernfogenosteil. Mitgliederversammlung am Mittwoch, den 24. September, Abends 8 Uhr, bei Beyer, Alte Jakobstraße 83. Tagesordnung: 1. Vereinsangelegenheiten. 2. Diskussion. 8. Verschiedenes. Mitgliedsbuch(wenn Beiträge auch restiren) legilimirt. Es wird ersucht, für diese Versammlung recht rege zu agitiren, damit dieselbe auch beschluß- fähig ist. 2094 Oer Vorstand. Drutßcher Schlmdemrwlö. Filiale Berlin. Mittwoch, den 24. September d. I., Abends 8V2 Uhr: Mitgliederversammlung in Gralweil's Bieriialleu, Kommandantcnstraße Nr. 77—79. Tagesordnung: 1. Prüfung der Zuschneideschüler. 2. Aufnahme von Schülern sowie Mit- gliedern. 3. Verschiedenes. Um zahlreiches Erscheinen ersucht 2113_ Die Grtsverwaltung. Lese- ii.MkntirklnbBlirlUrts. Mittwoch, den 24. Septbr., Ab. 8 Uhr, Naunynftr. 83 bei K ö h n. Vortrag des Herrn W. Wach über: „Marx' Werththeorie." Gäste haben Zutritt. Die regelmäßigen Sitzungen finden daselbst statt. 2090 Soeben erschienen: 2088 MWer W. (1. Anstage wurde koufiszirt.) Louis Abel, Sebastianstraße 29. �Kautschuk-Stempel für Vereine«. Genterbe H. Guttmann, Brunnenstr. 9. Meyer s Lexikon 2111 kaufe. Sauer, Rüdersdorferstr. 36. Dr. Hoesch, Homöopath. Arzt, Artilleriestr. 27. 8-10, 5-7, Sonnt. 8-10 i Uestr v. 3Vs— 5 Meter spottbillig. |Eniil Lelevre, Granieustr. 158. Proben franko I [1522 Dsms-Mtel\\ü Coßöme nach neuestem englischen Schnitt, sind in so reichhaltiger Auswahl nur in dem altrenommirtcn größten Kon- fektions-Geschäft im Norden Berlins, bei Felix Oppenheim, Rosenthalerstr. 11— 12, zu Dpottpreijen zu kaufen. Geschüftsprinzip! Kleiner Duche» b. gr. Umsatz. Eleg., halbanschließende Uegefttttäntel, dunkelblau u. alle and. Farben, in ca. 14 versch. Fagons, von 11 M. an. Großartige Auswahl an Wintermänteln. Fertige Costnme von 14 M. an. Einsegnungs-Costüme 13 M. Eigene Ateliers im Hause. Anfertigung nach Maaß innerhalb 2 Tagen. 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Gerade die großen Schwierig- lüeIche die Bearbeitung des Metalles verursachte, führten fin Anwendung der verschiedensten Hilfsmittel, zur Konstrnirung '"Nreucher Vorrichtungen und zur rafsinirten Vervollkommnung aller Werkzeuge, in denen schließlich ein gut Theil der Intelligenz »wrpert war, welche früher unter der alten handwerksmäßigen Produktion das Wissen und Können des Arbeiters ausmachte. ���ürliche Folge war zunächst die allmälige Verdrängung qualistzirten durch den unqualifizirten männlichen Arbeiter, enn die ersten Hilfsmaschinen waren gar ungeschlachte Dinger, t, ZU ihrer Bewegung die Manneskraft erforderten. Aber übernahmen im Laufe der Entwicklung die Betriebs- Maschinen die Beivegung der Htlfsmaschinen, so daß nur noch veren Bedienung übrig blieb, zu der auch die Kraft des Weibes ausreichte. Von diesem Augenblicke an hielt die Frauenarbeit chttn Einzug in die Werkstätten der Metallindustrie. Wohl ver- suchten die Metallarbeiter zunächst sich den neuen Konkurrenten vom Leibe zu halten, wie dies noch in dein bekannten Holy'schen «trcik geschah, aber bald brach sich die Ueberzeugung Bahn, daß u>an eg hier mit einem Faktor der wirthschastlichen Entivicklung J", thun habe, gegen den anzukämpfen ebenso aussichtslos, wie prinziprell unzulässig sei. Seitdem hat denn auch die Frauenarbeit sn der Metallindustrie in ungeahnter Weise zugenommen. Gerade w den neugeschaffenen Betrieben, die mit großen Kapitalien ge- gründet und daher auch mit allen erdenklichen Hilfsmitteln aus- gerüstet find, erobert sich die Frauenarbeit eine Position nach der emdern. So haben in den Werkstätten, welche die Allgemeine �lektrizitätsgcsellschaft in der Schlcgelstraße besitzt, die weiblichen Arbeiter die männlichen vollständig verdrängt und nun habe» sie auch ihren Einzug in die Fabrikanlagen derselben Gesell- Ichaft in der Ackerstraße gehalten. Dort werden die Arbeiterinnen Zunächst bei dem Bau der Stromerzeuger, den sogenannten Ankern beschäftigt, doch ist mit Sicherheit vorauszusehen, daß der Antheil der weiblichen Arbeitskraft an der Fabrikation der elektrischen Maschinen, Apparate und Anlagen noch ein sehr großer werden wird, wie dies schon jetzt in Amerika der Fall ist. Auch bei An- fertigung der Hülsen zn den bekannten neuen Geschossen dominirt die weibliche Arbeitskraft. In diesen Betrieben, in denen tausende von Arbeiterinnen in Thätigkeit sind, wird Tag und Nacht ge- arbeitet, um in kürzester Zeit möglichst viel Hülsen zu jenen kleinen Klugelchen zu erzeugen, welche so nette, glatte Locher in den menschlichen Körper bohren. Betreten wir zur Nachtzeit einen solchen Fabriksranm, so finden wir von männlichen Arbeitern nur einige Schlosser, denen die Regulirung der Stanzvorrichtnngen obliegt, und einen speziellen Auspasser oder Antreiber, dessen Stellung indeß eine so wenig glänzende ist, daß seine eigene, hochschwangere Frau ebenfalls an einer Maschine Frohndienste leisten muß. Nun ist Nachtarbeit eine eigene Sache. Die der Dinge läßt sich nicht ungestraft verkehren und nur Wenigen ist es gegeben,_____„............ v..... der heißen Sommerzeit, am Tage so fest und tief zli schlafen, um ohne Schlafanwandlungen die Nacht hindurch arbeiten zn können. Die Riemen surren so eintönig, alle-Bewegungen müssen mit ewig monotoner Gleichmäßigkeit wiederholt werden, bis ein Ge- fühl bleierner Müdigkeit den Körper beschleicht und die ganze Willenskraft dazu gehört, den Schlaf zu verscheuchen. Und doch werden alle Bewegungen unwillkürlich matter, ivie ein Flor legt es sich vor die Augen und nur noch niechanisch erfolgt die Be- dienung der Maschine. Aber plötzlich durchzuckt ein jäher Schreck den Körper der Arbeiterin, eine Blutwelle strömt zum Kopfe und erzeugt für einen Moment volle Geistesklarheit. Das Geräusch, welches die Maschine bei jedem Stoße verursacht, und welches sie bis in die einzelnen Laute genau kennt, war plötzlich ein anderes, ein Knirschen war vernehmbar, kein Zweifel, sie hat das einzulegende Stück nicht weit genug in die Maschine geschoben, die Vorrichtung ftt beschädigt. Heilig gelobt sie sich, nachdem der Schaden wieder Kut gemacht ist und die Vorwürfe überstanden sind, daß dieser Fehler nicht wieder vorkommen soll, sonst könnten vielleicht die Strafgelder den Wochenlohn überschreiten. Die erste halbe Stunde arbeitet sie denn auch mit größter Präzision, aber dann folgt der fieberhaften Anspannung aller Geisteskräfte eine ebenso große Reaktion; sie fühlt, wie ihr die Sinne schwinden, wie nur noch ein Gedanke in ihr lebendig ist: tief genug einlegen, damit nicht wieder die Vorrichtung beschädigt wird. Allmälig scheint das umgebende Geräusch aus weiterer Ferne zn komme»— dann ertönt ein gellender Schrei, sie hat richtig eingelegt, aber die Hand nicht stink genug zurückgezogen, und unter der Ntaschine liegen einige glatt abgeschnittene, blutige Finger. Derartige Un- glückssälle ereignen sich in einer hiesigen großen Fabrik, welche über 1000 Arbeiterinnen beschäftigt, allwöchentlich, und da nichts zu ihrer Verhinderung geschieht, werden die verstümmelten Arbeiterinnen wohl schließlich»ach Dutzenden zählen. Nach dem Urtheil kompetenter Fachmänner wären Schuh- Vorrichtungen sehr wohl anzubringen, aber sie würden das Ar- beitstempo verlangsamen, und darum unterbleiben sie, Arbeiter- finger sind ja so billig. Die Konkurrenz der weiblichen Arbeiter trifft am härtesten die unqualifizirten männlichen Arbeitern, von denen zur Zeit ein so starkes Angebot vorhanden ist, daß auch der bekannte Arbeits- »achweiS in der Gartenstraße, nachdem er 000 auf„Lager" hatte, sich iveigerte noch weitere Anmeldungen entgegen zn nehkiien. So »ollzieht sich die ökonomische Enlivickeliing mit Siebenmeile»- schritten, während die Sozialgesetzgebung, und leider auch viel- stich die Arbeiterorganisation, nach dein Tempo der bekannten �chlernacher Sprungprozession hinterdrein hinkt. , Die Anwendung der Maschinen- Treibriemen sind in dem modernen Maschinenbetriebe dieienige H inrichtung, ivelche sich °m wenigsten sicher und zuverlässig in ihrer Krajtivirkung be- rechnen läßt Besonders störend für den geregelten Maschinenbetrieb ist das Gleiten der M a s ch i n e n- T r e i b- riemen Dasselbe erschwert den genauen Betrieb einer Ma. schine, einer Werkstatt, ja einer ganzen Anlage recht sehr; in den betheiligten Kreisen läßt man deshalb auch nicht»ach. diese Schwierigkeit zu überwinden, damit Krastverlust und starke Ab- Nutzung der Riemen unmöglich gemacht und die Geschivindigkeit Zwischen treibender und angetriebener scheide nicht, wie jetzt, eine »m 2 pCt. verringerte wird. �,..., Bis jetzt sind sehr verschiedene Versuche gemacht worden, diese Schwierigkeiten zu überwinden; das naheliegendire, aber auch ver- werilichste Mittel ist die Anwendung von Kolophonium, entiveder trocken oder in Oel gekocht(Vogellcim). Es hat imr eine vor- Übergehende Wirkung, verursacht Kraftverlust der Maschine, da der ablausende Riementheil so zu sagen erst von den Scheiben- »mfängen gerissen werden muß, macht die Riemen hart und brüchig, so daß dieselben in kurzer Zeit ersetzt werden müssen; Reparaturen sind fast unmöglich oder so theuer, daß sie einer Neuanschaffung ziemlich gleichkommen. Weiter versah man die Scheibenumfänge mit Löchern von 5 bis 8 Millimetern Durchmesser. Das Einbohren der Löcher schwächt natürlich die Scheiben; einen Maschinentheil aber zu schwächen und dann mehr Arbeit von ihm zu verlangen oder auf- zulege», ist eine technisch ungesunde Maßnahme. Thatsache ist jedoch, daß die Riemen auf durchlöcherten Scheibenuinfängen besser haften und der Geschivindigkeitsverlust (2 Prozent) verschwindet; die Riemen pressen sich in die Löcher und jedes Loch wird so zu sagen zn einem Zahn, der den Riemen vorwärts trägt. Je mehr Löcher mit dem Riemen in Berührung gebracht werden, desto mehr treibende Kraft wird übertragen und desto geringer wird das Gleiten der Riemen. Da sich das Durchlöchern der Riemenscheibe nicht eiiipfiehlt, so hat man neuerdings vielfach dieselbe mit einem durchlöcherten Ueber- zuge versehen und damit die Verhinderung des Gleitens der Riemen und eine längere Haltbarkeit derselben erreicht. B e l e d e r t e Scheibenumfänge sind seit vielen Jahren in Gebrauch, doch macht ihre Aliwendung keine bemerkenswerthen Fortschritte, dagegen finden die aus Papierstoff hergestellten Riemenscheiben immer allgemeinere Anwendung. Sie bieten schon dadurch, daß sie um Va bis 2/3 leichter als gußeiserne Scheiben sind, für ihre Anbringung schätzenswerthe Vortheile. Die größte Bedeutung ist aber dem Umstände zuzuschreiben, daß Scheiben aus Papierstoff eine erheblich größere Reibungskraft aufweisen, als eiserne. Es sind infolgedessen für den gleichen Zweck bei papierenen Scheiben iveniger breite Riemen und Scheiben ausreichend, was eine Ersparnis! an Maschinen- material herbeiführt, da man eine allzu große Anspannung> des Riemens vermeiden kann, ohne eine mangelhafte Kraftübertragung befürchten zu müssen. Aus dieser letzteren Thatsache eraiebt sich auch eine geringere Belastung der Lager, in denen die Leitnngs- wellen ruhen. Durch die Zurichtung mit Oel können die Papierscheiben gegen Nässe unempfindlich gemacht werden, so daß sie auch in feuchten Räumen Verwendung finden können; überhaupt be- »öthigen sie eine weniger starke Konstruktion der Bauwerke, in denen sie untergebracht werden, als die eisernen Scheiben.— Tie Güte der Treibriemen zu prüfen, giebt es leider bis jetzt kein zuverlässiges Mittel; in amerikanischen Werkstätten nimmt man von dem zn prüfenden Riemen ein 20 Zentimeter langes und 5 Zentimeter breites Stück und schneidet dasselbe in der Mitte bis zur halben Länge ein, so daß man bequem saßbare Theile erhält, die noch zur Hälfte zusammensitzen. Ist es möglich, diese beiden Theile weiter mit der Hand leicht auseinander- zureißen, so ist der Riemen von schlechter Beschaffenheit, d. h. ent- weder schlecht gegerbt oder aus geringiverthiger Haut(Bauchhaut oder dergl.); ein guter Riemen ist in der angedeuteten Form nur unter großer Krastanstrengung zerreißbar. Die Doihweudiglieit eine» Umbaues der Granien- Hrückie stellt sich immer deutlicher heraus. Auch nach der Ueber- gäbe der neuen Buckower Brücke an den. Verkehr wird die Oranicn-Brücke nicht soweit entbehrt werde», daß die Oeffnung der Klappen, die beiui Passiren eines jeden Kahnes erforderlich wird, ohne große Behinderung des sehr regen Straßenverkehrs auf dem Oranienplatze möglich wäre. Zwar hat sich der neue Beleg der Brücke mit sogenanntem Eisenpflaster gut bewährt; die häufigen Reparaturen des Bohlenbeleges, die sonst alljährlich statt- fanden, sind weggefallen und der neue Beleg hat bereits für eine ganze Reihe von Jahren Reparaturen entbehrlich gemacht. Trotz alledem ist der gegenivartige Zustand, namentlich für de» nach der Görlitzer Bah» führenden Pserdebahn-Verkehr unerträglich. Von den Einwohnern der an der Görlitzer Bah» gelegenen Vor- orte hat jeder uiindestens wöchentlich einmal Gelegenheit, den Zug der Görlitzer Bahn zu versäumen, wenn er nach Erledigung seiner Geschäfte in der Stadt mit der Pferdebahn nach dem Görlitzer Bahnhof fährt. Eine leere Zille, die gerade durch die Oranienbrücke fährt, verursacht eine Verkehrsstockung von min- destens fünfzehn Minuten, die ausreichend sind, um daS rechtzeitige Eintreffen auf dem Bahnhofe zu vereiteln. Es spielen sich dann mitunter auf dem Oranienplatz, namentlich au den Tagen, Ivo Heumarkt dort abgehalten wird, die lebhaftesten Szenen ab. Droschken und Omnibusse machen den Umweg über die Ritterbrücke, die Pferdebahnivagen müssen eingekeilt zwischen de» hochbeladenen Heuwagen halten, bis der leere Kahn die Brücke passirt. hat. Inzwischen springen zahlreiche Fahrgäste aus den Pferde- bahnwagen, suchen eine andere Fahrgelegenheit oder lausen im Geschwindschritt nach dem Bahnhof zu, um den Zug nicht z» versäumen. Daß bei dem gegenwärtigen'Zustande der Brücke a» eine Besserung dieser Verhältnisse nicht zn denke» ist, liegt auf der Hand. Nur durch eine Höherlegung der Brücke, die eine entsprechende Anranipnng zn beiden Seite» bedingen würde, kann Abhilfe geschaffen werden. Die Anram- pungen würden indessen aus dem Oranienplatz nicht so störend wirken, wie die gegemvürtig schon an der Buckoiver- und atz der Rilter-Brücke vorhandene» Dammerhöhunge». Dem gegenwärtigen Uebelstande durch eine Einschränkung der Zeit, in welcher Kähne die geöffnete Brücke passiren können, abzuhelfen, scheint keine Neigung vorhanden zu sein, angeregt ist dieser Ge- danke schon öfter. Das Gcheimniff, welches bisher den seltsamen Bahnhofs- bau in Friedrichsberg'umhüllte, ist nach der„Volks-Zeitung für die Kreise Nieder- und Oberbaruim" nun endlich gefallen.„Wenn wir in Folgendem," schreibt das genannte Blatt, dem wir überlassen müssen, für die Wahrheit seiner Mittheilungen einzustehen, „den bisher über die Anlage lagernde» Schleier lüfte», so sind >vir dazu durch die Aussagen eines Herrn in den Stand gesetzt, welcher in der Lage war, den Verlans der Bauangclegenheit von Anfang an genau zu verfolgen und dessen Mittheilungen daher unbedingte Glaubivürdigkeit verdienen, illlso man höre. Nicht als Taubenschlag ist unser neues Bahnhofsgebäude ursprünglich gedacht, sondern als Erbbegräbniß.„Als Erbbegräbnis'," rufen Sie erstaunt,„das ist ja rein unmöglich!" Erlauben Sie, in unserer spiritistische» Gegenwart komme» noch viel größere Ver- rücktheite» vor. Außerdem ist es Thatsache und an derselben gar nicht zu rütteln: unser neues Bahnhofsgebäude ist ursprünglich ein Erbbegräbniß. Die Sache ging ganz einfach folgendermaßen zu. Der Architekt, welcher den Entwurf und die Zeichnung zu fertigen hatte, war mit dieser Arbeit gerade fertig und wischte sich den Schweiß von der Stirn. Flugs packle er de» Plan ein, um ihn an seine Adresse zu senden, da fiel ihm ein, daß er noch einen andere» Plan für ei» Erbbegräbniß auf dem Kirchhos der Jerusalems- Gemeinde fertig liegen hatte, welcher der Beförderung harrte. So wurde denn auch dieser in einen Um- schlag gehüllt. Ein unglücklicher, für Friedrichsberg allerdings insofern glücklicher Zufall, als iinser Ort sonst nicht in den Besitz seines nunmehrigen Wahrzeichens gekommen wäre, wollte es nun, daß unser Architekt von einem Freunde, ehe er noch die Adressen schreiben konnte, zn einem Glase Bier abgeholt wurde, und was dann geschah, als er wieder nach Hause kam, wird jeder Leser wissen, welcher sich einmal ein modernes Lustspiel angesehen hat. Natürlich wurden die Adressen verwechselt, die Bahnhofszeichnung wanderte an die Familie, welche das Erbbegräbniß bestellt hatts, und das Erbbegräbniß an die Bahnverwaltnngsbehörde. Merk- würdigerweise fanden die übersandten Zeichnungen an beiden Orten Beifall. Ob sich inzwischen das Stationsgebäude aus dem Kirchhofe der Jerusalemer Gemeinde erhoben hat, um dort als Wartesaal für die Ewigkeit zu dienen, wissen wir nicht, aber die Thatsache steht fest, daß sich in unserem Orte das verkörperte Projekt des Erbbegräbnisses als Bahnhofsban präsentirt." Man muß zugeben, die Geschichte klingt ja seltsam und ftaunenerregend, wie aus Tausend und einer Stacht, oder als sei sie den Memoiren des seligen Herrn von Münchhausen entnommen, aber dennoch steht das genannte Blatt für die Wahrheit seiner An- gaben ein. Der Uebelstand, daß im Moabiter Kriminalgericht sämint- liche Untersiichungsgefangene durch die Korridore transportirt werden müssen, ist als solcher wieder einmal recht drastisch durch einen Vorgang illustrirt worden, der ebenso viel Frechheit wie tumor zeigt. Vor der Schöffenabtheiluitg Nr. 5 sollte vor einigen agen gegen einen gewissen Fritz Schlendert—„Instrumenten- Fritze" genannt— wegen Bedrohung, und Körperverletzung ver- handelt werden. Etwa 15 Zuhälter waren zur Stelle, die be- schloffen hatte», den biederen Freund zu seinem schweren Gange nach Kräften zu stärken. Während der dienstthuende Gerichts- diener sich im Sitzungssnale befand, bohrten sie ein Loch in der Größe eines silbernen Zwanzigpfennigstückes durch die Füllung der Zellenthür, steckten einen dünnen Schlauch durch das Loch, und während das eine Ende des Schlauches in eine große Brannt- Weinflasche versenkt wurde, sog der Gefangene in der Zelle an dem anderen Ende nach Herzenslust. Als er sich hinlänglich „gestärkt" hatte, versuchten auch die anderen Gefangenen von der kostbaren Gabe, bis die Flasche leer war. Da die Gesellschaft sich geschickt zu decken verstand, so hat kein Unbetheiligter von diesem Zechgelage unter erschwerenden Umständen etwas bemerkt. Hinterher hat man sich zwar gewundert, woher das Loch in der Zellenthür gekomme» sein möge. Die Entstehung desselben wäre auch unbekannt geblieben, wenn die Zuhälter sich nicht mit diesem „Bravourstück" gebrüstel hätten. Die leidige Gejpensterfnrcht hat in Friedrichsberg ein schweres Unglück herbeigeführt, welchem höchst wahrscheinlich ein junges Menschenleben zum Opfer fallen wird. Die Frau des im zweiten Stockwerk des Hauses Kreutzigerstraße 1 wohnhaften Vieh- transporteurs Antonius' mußte wegen eines Wirthschaftsganges die Wohnung verlassen und schloß deshalb ihre Pflegetochter, die neunjährige Elise Marschner, in die Wohnstube ein. Nach ihrem Weggange hörten andere Hausbewohner das eingeschlossene Kind entsetzlich schreien, und als sie an die Stubenthür eilten, um zu sehen, ivas es gäbe, theilte ihnen das Mädchen unter Weinen und weiterem fortwährenden Schreien mit, daß Gespenster in der Stube spukten und es erschreckt hätten. Die Nachbarn, welche wegen der verschlossenen Thür dem Kinde die Furcht durch per- sönliches Erscheinen zu benehmen außer Stande waren, suchten es durch Zureden zu beruhigen, doch vergeblich. Das Mädchen ge- riech vielmehr schließlich in eine solche Angst, daß es in der Ver- zweiflung aus dem Fenster sprang. Durch den Anprall verlor es mehrere Zähne, erlitt einen Bruch des Stasenbeins und eine Zerschmetterung der Kniescheibe, sowie ferner eine Gehirn- erschütterung. Das arme Kind wurde nach dem Krankenhaus am Friedrichshain gebracht, leider aber erscheint eine Wiederherstellung desselben univahrscheinlich. In d«v Ziehung der Mavienbnrger Ufrrdelotterie ist der Hauptgewinn, eine Equipage mit vier Pferden und elegantem Geschirr im Werths von 10 000 M. aus Nr. 108 407 nach Spandau gefallen. Der glückliche Geivinner soll, wie der„Anz. f. d. Hav." meldet, ein Gewehrarbeiter sein. DcvsQmmUmxum. Eine gntbrsuchte Drrsaminlung de» Lachuerrin« für Schlosser und Masch» urnbaurr fand am Montag, den 15. September, bei Feuerstein statt mit einem sehr interessanten Vortrage des Herrn Kendziora über Punkt 6 des sozialistischen Programms:„Religion ist Privatsache." Herr Kendziora führte etwa folgendes aus: Da bekannt sei, daß«r als Geistlicher im Amt 24 Jahre gewirkt habe', so sei er verschiedenerseits von den Parteigenossen aufgefordert worden, über den zur Diskussion stehenden Punkt 0 des Programms zu referrren; er habe dies bisher rund abgelehnt. Wenn er dem Wunsche des Vorsitzenden nnnniehr doch nachgekommen sei, so ist«r dazu veranlaßt ivorden durch die gegenwärtigen Verhältnisse in unserer Partei, die eine Diskussion des Programms erheischen und nachdem Genosse Wildberger in einer Versaminlung in der Schwedterstraße die Strei- chung dcsPunktesO verlangt habe. Er erklärt sich als entschiedener Gegner der Forderung Wildbergers und verurtheilt ebenfalls das nahe an Marktschreier« grenzende Vorgehen der Herren Vogt- Herr und Wille mit ihrem„Achtung"!„Achtung"!„Austritt aus der Landeskirche"! Er zieht jerner die Versammluna vom 0. Juni in Betracht mit dem Referat W i l l e' s:„Austritt aus der Landeskiraje" und stellt sich auf den von Dr. Llltgenau vertretenen Standpunkt. Uebergehend ans das eigentliche Thema ist er der Meinung, daß die heutige Arbeiterbeivegung vollständig mit der Frage des Minimallohnes und Maxiuialarbeitstages zn thun habe und sich nicht eingehend mit religiös-philösophischen Frage» zn befassen habe, um ein entscheidendes Urtheil darüber abgeben zu können. Er verweist auf die verschiedene» wissenschaftlichen Schriften unserer Partei, die von Religio» handeln, zeichnet den Atheismus und kommt zu dem Schluß, daß noch keiner der größten Philosophen und Forscher bewiese» habe, ob eine Gottheit existirt oder nicht. Er meint, jeder Sozialdemokrat soll religionslos sein, ivas jedoch nicht beweist, daß er gottlos ist, weil eben das Sein oder Nichtsein einer Gottheit nicht erwiesen werden kann. Religion und Kirche brauchen wir nicht. Die Gelehrten sind schon seit 100 Jahren von der Kirche frei, seit Lessina. Was wir brauchen, ist die Sittlichkeit und die wird ohne Religion weiter bestehen, denn schon K a n t sagt:„Sittlich frei, von der Natur bestimmt." Er zeigt ferner, wie man religionslos sein kann und dennoch der größte Feind der Sozialdemokratie, wie z. B. Strauß. Nachdem er den Staatssozialismus uns klargelegt, das Wesen und Treiben S t ö ck e r' s gekennzeichnet hatte, kommt er aus die freireligiöse Gemeinde zu sprechen, ivelche nach seiner Meinung ziveckloö ist. Das Resümee seines Vortrages sei:„Beivehaltung des Punktes 0"; dafür empsiehlt er, die itlrbeitervertreter zu ver- pflichten, mit aller Energie für eine Trennung der Schule von der Kirche einzutreten. Ist dies erreicht, dann ist alles erreicht/ Gesetzlich festgesetzt muß es werden, daß sich Lehrer n. s. ,v. mit dem Geburtsschein eines Kindes begnügen und nicht nach dem Tausschein fragen. Die heutige Kirche ist ein Organ des Staates und die Schulen sind Verdiunmungsanstalten, um den Herrschenden angenehnie Ideen und Ansichte» unter der Masse des Volkes zu ver- breiten. Das muß aufhören; die Schule muß eine Stätte der Bildung und Wissenschaft iverden. Für Kirchen ist kein Bedürsniß vorhanden. Kirche und Religion eristiren für uns Sozialdemokraten nicht; für uns ist die Sittlichkeit die Religion.— An der ausführlichen Diskussion betheiligt sich als erster Redner Herr Heidtmann. Derselbe tritt für den Austritt aus der Landeskirche ein, mithin für Aenderung des Programms. Er sagt, man müsse jedem Kinde, das nicht getauft ist, und deshalv von den Lehrern und Mitschülern verachtet wird, beibringen, daß es stolz darauf sein muH, denn glücklicher Weise sei die Zeit gekommen, wo sich jeder mit Stolz Sozialdemokrat nennen könne. — Herr Klüner tritt ebenfalls für Austritt ein, denn da auf je lO 000 Einivohner eine Kirche kommt, so sei es Pflicht jedes aufgeklärten Sozialiste», aus der Landes- kirchc auszutreten, uin dadurch das Bedürfniß verringern zu helfen. Kollege P i r ch sieht die Kirche und deren Lehren für ein» Verdummung. der Massen an. An eine Unsterblichkeit glaubte er auch, aber nicht im Sinne der Kirche. Er meine alles Schaffen und Wirken von tausend und abertausend Menschen gehe nie ver- lorcn, es pflanze sich immer weiter fort. Im Uebrigen ist er auch für den Austritt. Er ist für eine grammatisch, orthographische Aenderung des Programmpunktes 0, indem er unter Religion nur die Normen der heutigen Kirche, nicht aber Religion im höheren Sinne verstehe. Den Höhepunkt erreichte die Versamm- lung, als ein Herr Kirsch Versammlung, welche der Verein der Klavierarbeiter veransta: Besonders erörterte Herr Heine die Frage der vierzehntag 3-' Kündigung, welche die Arbeiter gegenwärtig allgemein mtettll � Die vierzehntägige Kündigungsfrist ist ein hervorragender p graph der Fachorganisation. Unterzeichneter ist der Memu«< daß es eine Hauptaufgabe der Fachvereine sein sollte, oM pflogenheit entgegenzntreten, welche die Arbeiter zwingt, bet en. Arbeitsantritt eine Bestimmung zu unterschreiben, welche lau»' „Kündigung findet nicht statt!" Es wird doch schwerlich HS.. Jemand behaupten wollen, daß eine derartige Unterschrisl« gegenseitige Vereinbarung ist, denn in den meisten Fällen>3 v' Arbeiter gezivungen, diese Unterschrift zu leisten, wenn. überhaupt Arbeit erhalten will. Herr Rechtsauwalt Heine aus, daß es vielfach vorgekommen sei, daß Arbeiter einen Rfv. unterschreiben, welcher die Forderung enthielt, daß eine Kündig- nicht stattfinden darf. Meistens handelte es sich bei derarng Unterschriften uin Akkordarbeiten, und die Mehrzahl der A# ist der Meinimg, daß bei einem derartigen Arbeitsverhältmß e Kündigung überhaupt nicht möglich sei. Nun meint aber.V Rechtsanwalt Heine, daß auf Grund der Unterschrift leicht Arbeitgeber im Stande sei, seine Angestellten jeder Zeit zw( lassen. Dabei sei es ganz unwesentlich, ob es sich um'Atl» oder Lohnarbeit handele. Angenommen ein Arbeiter hatte.. übernommen, für den Preis von 300 M. irgend eine Arv anzufertigen. Die Arbeit nimmt 10 Wochen Zeit in Anffip,? Damit der Arbeiter während dieser Zeit leben w' erhält er das bekannte, berüchtigte Kostgeld, das na». (ich sehr gering ist, sagen wir 18 Mark. Es sindsie Wochen vergangen. Der Arbeiter hat 162 Mark abschläglich« halte». AuS irgend einem Grunde, oft genügt dazn die Lau des Arbeitgebers oder dessen Geldverlegenheit, muß der Arbeit seine Beschäftigung einstellen. Die 138 Mark, welche er noch i fordern hätte, wenn in der zehnten Woche die Arbeit struw gehellt sein würde, behielt der Arbeitgeber. Nach der Erfahruw des Herrn Heine ist in dergleichen Fälle» der Arbeiter so 0. wie rechtlos; denn nur selten dürfte es ihm gelingen, einen TN. des verabredeten Lohnes zu erhalten. Reicht der Arbeiter» Klage eist, dann wird im günstigsten Falle die Arbeit abgeschab' Bei solchen Abschätzungen zieht aber der Arbeitgeber gewiß w» den Kürzeren. Es dürfte allgemein bekannt sein, daß* Kcmtraktbrnch vom Gesetze als strafbar bezeichnet w« Ist denn nun aber'Akkord- Arbeit etwas andc's�'' als was man unter Kontrakt- Arbeit versteht?_ HL Rechtsanwalt Heine ist der Ansicht, daß der Arbeiter gesichert. wäre, wenn der z» unterschreibende Revers folgenden Wortlos haben würde:„Kündigung findet nicht statt. Arbeitgeber fowOP wie Arbeiter sind verpstichtet, die angefangene Akkordarbeit ferui zumachen oder fertigstellen zu lassen." Aber auch eine solche-N* stimmung kann dem Arbeiter Schaden bringen; denn bei der hert üblichen, schrankenlosen Ausbeutung ist es dem Unternehmer 9a™ gleichgiltig, ob der Arbeiter verhungert oder sonst elend zu Grufl'' gehl; denn dem Kapitalisten ist es Hauptsache, möglichst v' durch den Schweiß des Arbeiters zu verdienen, daher versucht den Lohn des Ardeiters auf alle nur mögliche Weise herabzudrüa«' Folgendes Beispiel möge das Gesagte erläutern: Ein Arbens' übernimmt einen Akkord. Der Arbeitgeber liefert die Zeichnung E das Unternehmen und verlangt vielleicht in kürzester Frist von seiuH Angestellten, den Preis anzugeben, für de» derselbe sich u«' pflichtet, die Arbeit fertig zu stelle». Nun stellt es sich nachträglich heraus, daß der Arbeiter infolge der wenig Übersicht lichen Zeichnung seiner Forderung zu gering berechnet hg"' Bringt er nun eine nachträgliche Forderung ein, so wird w' dieselbe wenig Erfolg eintragen; denn es fällt den Arbeitgeber» nicht im Traume ein, deu einmal verabredeten Preis zu erhöhe»' Woher der Arbeiter die Mittel nehmen soll, um das angefange» Werk zu vollenden, danach frägt der Kapitalist nicht, und ei» Klage gegen diesen Mißstand dürste so gut wie gar keinen ErfA» haben.— Bei solchen jetzt herrschenden, dem Rechtsgefühl»nch entsprechenden Verhältnissen, muß man sich doch entschiede» die Frage vorlegen, ob es nicht endlich an der Z« wäre, daß die Arbeiterorganisationen gegen die Uebergrisl des immer dreister iverdende» Unternehmerthums energisch Fr»»' machen müssen, um jdas arbeitende Volk vor deu ärgsten A»» beutungen zu schützen. Jedoch um energisch Vorgehen zu könne»' müßten sich alle Arbeiter den Organisationen anschließen, da»» wird auch der Erfolg nicht ausbleiben. Die Arbeiterorga»" sationen bieten dem kleinen Mann so vieles Schätzbare, was« sich allein nicht verschaffen kann, unentgeltlichen Arbeitsnachweis freie Bibliothek, Rechtsschutz, belehrende Borträge und Kranke»� Unterstützung. Dieses alles für einen ivöchentlichen Beitrag»».» 10 Pfennige. Möge also jeder Arbeiter den Organisationen beu treten.„Einer für Alle, Alle für Einen!" C. Niendorf, Tischler, ZRcichenbergerstr. 33. Wozn man das Sozialistengesetz benutzt nnd wie man dasselbe anwendet, zeigt Folgendes: In jeder öffentlichen Volksversammlu»0 in Schöneverg wird die angemeldete Tellcrsammlnng zur Decku»? der Unkosten versagt. Um nun aber letzteren doch decken zu könne»- »vird während der Versammlung an den Tischen zusammeng� steuert, eventuell ein Antrag eingebracht, beim Verlassen de» Saales eine Kleinigkeit zu geben. Bei der letzt stattgehabten Vel' sammlnug wurde ein derartiger Antrag einstimmig angenomm»»- Der Antragsteller wollte in seinem Hut diese sreitvilligen Beiträgt entgegennehmen, ivurtze aber von dem überwachenden Beamte» daran verhindert. Er sowohl, wie der Vorsitzende der Versal»»» lung, wurden dennnzirt und mußten dieserhalb gestern vor del Polizei erscheinen. Da wurde mir, als ich ans eine Verfügu»0 vorn 13. Mai 1886 hinwies, welche lautet: P»' träge auf Genehmigung einer Versammlung müssen auch d« Angabe enthalten, ob ein Entree erhoben oder ei»� Sauinilnng irgend welcher Art stattfindet— von einem SÖert"» ist also gar nicht die Rede— die Antwort zu Theil, daß d« Sammlung auf Grund des Sozialistengesetzes verboten ist. Ass» eine Sammlung zur Deckung der Unkosten einer Versammlung- welche polizeilich genehmigt ist, verbietet dieselbe Polizei a»l Grund des Sozialistengesetzes. Ob denn wohl die Unkosten ei»� Versammlung dazu angethan sind, die heutige Staats- und sellschaftsorduung umzustürzen? Nach meiner Meinung ist doch n u r das, was darauf hinausgeht, zu verbieten; oder kö»»« mich hierin Jemand eines Besseren belehren? Ich glaube, der Grund ist hier wohl doch ein anderer- Wenn der Einberufer 10 bis 15 M. Unkosten aus seiner TastN bezahlen soll, würde er nicht im Stande sein, eine Versammlung einzuberufen. Also nicht direkt aber indirekt versucht man, unsey Versammlungen zu hintertreiben und dazn muß ein Gesetz, ßveb ches innerhalb 1U Tagen nicht mehr existirt, herhalten. Earl Freidank, Grunewaldstr. 121. Verantwortlicher Redakteur: ffiurt Kaake in Berlin. Druck und Verlag von Mn» Fading in Berlin SW., Beuthstraße 2.