Nr. IAA. Mittwoch, de« 24. September 1890. 7. Jahrg. IfrlinerHoltelilött Hrgan für die Interessen der Arbeiter.> Das..Berliner Volksblatt' scheint täglich Morgens anizer nach Sonn- nnd Festtagen. AbonnemenUpreiS für Berlm frei vierteljährlich 3,30 Mark, monatlich 1,10 Mark, wöchentlich 28 Pf. Einzelne Nummer 5 Pf. Connlags- Nummer mit dein„Sonntags-Blatt" 10 Pf. Postabonnement 3,30 Mark pro Quartal. .(Eingetragen in der Postzeitunggpreisliste für 1890 unter Nr. 892, V. Nachtrags ilnter Kren, band, täglich durch die Expedition, für Dcutlchland und Oclterrelch-Nngarn Z Marli, für das übrige Ausland 3 Marli pro Monat. Änsertionsgebtthr beträgt für die Sgespaltene Petitzcilc oder deren Raum 40 Pf., für Vereins- und Verfammlungs« Anzeigen_ 20 Pf. Inserate werden bis 4 Uhr Nachmittags in der Expedition, Berlin SW., Benthitratze 3, sowie von allen Annoncen-Bnreanr, ohne Erhöhung des Preises, angenommen. Die Expedition ist an Wochentagen bis 1 Uhr Mittags und von 3—7 Uhr Nachmittags, an Sonn- und Festtagen bis 9 Uhr Vormittags geöffnet. -o-- 1 Fernsprecher: Amt Vi. Ur. 4100. i-•»- Nevaltkion: VeulMvatzr Ä.— Expedition: Veuthiteotze 3. Moih ektvers Mv die SrlkUtMNkeoire des ZMtlitsvisnrus. .. Kürzlich ist in diesen Blättern der Zusammenhang iwischen Volkskraft und Wehrkraft an der Hand der öfter- �'chischen Aushebungsergebnisse des Näheren erörtert wor- °en. Die Zunahme der Untauglichen, die Ausscheidung enier wachsenden Zahl Dienstunfähiger aus der Masse der inm Militärdienst herangezogenen männlichen Jugend wurde durch die Zunahme der sozialen Noth erklärt. W- o. wurde darauf hingewiesen, daß die verschiedenen �Ailitärstaaten bereits mehrere Male das zulässige Mindest- !»aß der Rekruten haben herabsetzen müssen, so daß z. B. >n Oesterreich dasselbe nicht mehr wie früher 1554, sondern nur noch 1550 Millimeter beträgt. Diese Thatsachen, die uns mit urwüchsiger Hand- Mislichkeit beweisen, daß etwas sanl ist im Staate Däne- wart, verdienen die sorgfältigste Beachtung. Gerade die Kriegstechniker, die Leute, welche die Wissenschaft der Aassenkämpfe, der Menschenvernichtung im großen Stil mit heißem Fleiß und vielem Bemühen studiren, haben die inunittelbarste Veranlassung, den Ursachen einer Erschei- »ung nachzuspüren, die dem Heerwesen verderblich zu wer- den droht. Je begeisterter die Anhänger des Militaris- Aus sich geberden, um so mehr ist es angebracht, sie mit lhren eigenen Waffen zu bekämpfen und ihnen die Ver- sehrtheit einer Politik nachzuweisen, welche uni eine schlag- fertige, gewaläge, kraftvolle Armee zu haben, das Funda- went bicsir Armee, die Volkskraft sich im Widerstreit Segen den Kapitalismus aufreiben läßt und die bereits Ausgebeuteten durch die Wucht der Steuern und Lasten in hoffnungsloses Elend herunterdrückt. Für die soziale Politik ist es natürlich ebenfalls von großer Wichtigkeit, den Einfluß des Berufs und der Lebensverhältnisse auf die Körpergröße festzustellen. Nach den Thatsachen, welche die unbefangen prüfende Wissen- schaff liefert, kann die Gesetzgebung ihre Maßregeln treffen, Um die Verkümmerung der breiten Volksschichten zu hemmen und eine Erstarkung der Volkskraft zu fördern, die im Interesse des kulturellen Fortschritts auf das energischste iu erstreben ist. , Einige Beispiele mögen zeigen, ,vie bemerkensiverth die Einwirkung des Berufs auf die Gestaltung der Körper- geöße ist. Die B e r g l e u t e machen häufig schon für das Augenmaß, wie L e x i s, dieser bekannte Fachmann, 'reffend bemerkt, den Eindruck, daß sie die normale Durch- ichnittsgröße nicht besitzen. Damit stimmen die Messungen jPcmllettf«. cua oevbot«».] [6 Eine Unglückliche. Erzählung von Iwan Turgeniew. .Wohin, Susanna Jwano.vna? Um Gottes Willen. Huren Sie den Schneesturm! Sie sind so leicht gekleidet... "ud Ihr Haus ist so weit von hier entfernt! Erlauben S.e, S ich wenigstens nach einem Wagen schicke oder nach mm � nicht c uugc des Sturmes erbeben. überein, welche Geißler und Uhlitzsch angestellt haben. Dieselben verglichen die Körpergröße der Kinder der Berg- leute im Freiberger Bezirke und der Schüler der Bürger- schulen: die elftere war in allen Altersklassen kleiner als die letztere. So betrug die mittlere Größe bei Knaben und Mädchen in Zentimetern: Knaben Mädchen Bergl. Bürgersch. Bergl. Bürgersch. 7—8 Jahre 111,4 113,8 111,6 115,2 8-9„ 117,4 119,7 116,3 119,1 11-12„ 130,0 132,3 130,3 134,2 12-13„ 134,8 137,6 133,2 138,3 13—14„ 138,3 143,0 140,7 145,8 Die Bergmannskinder stehen hinter den übrigen Kindern erheblich zurück. Die Regelmäßigkeit dieser Er- scheinung zeugt dafür, daß wir es mit gesetzmäßigen Vor- gängen zu thun haben. Das Wachsthum der jungen Generation wird durch den Aufenthalt in den Bergwerken ungünstig beeinflußt, es entsteht nach und nach eine erb- liehe Schwächlichkeit. Bekanntlich steigen in der Regel die Kinder von Bergleuten wieder in die Grube hinab, und so verschärft und verstärkt sich dies Kennzeichen der Ent- artung mehr und mehr. Die Rekrutiruugsstatistik der Schweiz gewährt ferner sehr beachtenswerthe Anhaltspunkte. Bezeichnet mau Die- jenigen, die das Maß von 1,56 Meter nicht erreichen, als klein und die welche 1,69 Meter überschreiten, als groß, so lieferten unter den schweizerischen Rekruten der Jahre 1884 bis 1886 die Schneide r den größten Pro- zentsatz von Kleinen, nämlich 36 per Hundert, nnd den kleinsten Prozentsatz von Großen, nämlich 6 pCt. Von den Fabrikarbeitern ohne nähere Bezeichnung waren 25 pCt. klein und 11 pCt. groß, von den Spinnern und Webern 22 pCt. klein, 12 pCt. groß; von den Korb- und Sesselflechtern 25 pCt. klein, 12 pCt. groß; von den Tabak- und Zigarrenarbeitern 21 pCt. klein, 16pCt. groß. Dagegen überwiegen die Großen bei der Bierbrauerei mit 39 pCt. gegen 1 pCt. Kleine, ähnlich bei den Zimmer- leuten, Müllern und Fuhrleuten mit 23 gegen 6 pCt., bei den Metzgern 24 gegen 7 pCt., bei den Schiffern und Flößern 26 gegen 3 pCt. In die richtigeBeleuchtung aber werden diese Zahlen erst gerückt, wenn man die Aushebungsresultate der Bourgeois zum Vergleich heranzieht. Unter den Studenten, die sich zum weitaus größten Theile aus den besitzenden Klassen rekrutiren, kamen 43pCt.„große" auf 3 pCt.„kleine"; bei den im Handel und Bankwesen Beschäftigten trafen auf 31 pCt. große 6 pCt. kleine. Die Verhältnißzahlen bei den Post- und Telegraphen- beamten betrugen 28 pCt. gegen 7 pCt., bei den Lehrern 36 pCt. gegen 1 pCt. Der berühmte Moskauer Hygieniker E r i s m a n u Es dauerte länge, bis ich wieder zu mir kommen konnte. Ich sing danials eben erst an zu leben, hatte weder Kummer noch Leidenschaften erfahren, nnd war nur selten Zeuge dessen gewesen, wie diese heftigen Gefühle sich bei Anderen äußerten... Aber die Wahrheit dieses Schmerzes und dieser Leidenschaft erschütterte mich. Hätte ich das Hefl nicht in den Händen gehalten, ich hätte wahrlich meinen können. Alles sei nur ein Traum gewesen, so ungewöhnlich war das Alles! und es war vornbcrgezogeii, schnell, wie ein Gewitterschauer! Ich las bis Mitternacht in dem Hefte. ES bestand ans einigen Vogen Postpapier, die, fast ganz ohne durchgestrichene Stellen, in einer großen, unregcl- mäßigen Handschrift beschrieben wären. Keine einzige Zeile lief gerade hin, und in einer jeden derselben glaubte man das Zittern der Hand zu fühlen, welche die Feder geführt hatte. Es stand Folgendes in dem Hefte"ich habe es bis jetzt aufbewahrt): Siebzehntes Kapitel. Meine Geschichte. „Ich werde achtnndzwanzig Jahre alt. Meine ersten Erinnerungen sind: Ich lebe im Tamboff'schen Gouvernement bei einem reichen Gutsbesitzer Iwan Alatveitsch Koltowskoy, in einem kleinen Zimmer des zweiten Stockes seines Land- hauseS. Mit mir zusammen lebt meine Mutter, eine Hebräerin, die Tochter eines verstorbenen Malers, der aus dem Auslande niitgebracht worden war; sie war eine kränk- liche, ungemein hübsche Frau mit einem wachsbleichen Gesichte und so schwermüthigen Augen, daß ich, wenn sie lauge auf mich sah, den traurigen Blick dieser Augen zu fühlen pflegte, selbst ohne sie anzusehen; ich fing dann un- willkürlich an zu weinen und warf mich in ihre Arme. Es kamen Lehrer angefahren, man nennt mich Fräulein, und ich fand, daß unter den von ihm untersuchten mittelrussischen Arbeitern die Baumwollspinner in allen Altersstufen meistens um 2 bis 3 Zentimeter kleiner sind als die fand werker und Tagelöhner. Ein anderer russischer orscher, Dr. E. M. Dementjess, der in H. Braun's „Archiv für soziale Gesetzgebung und Statistik" eine aus- gezeichnete Studie über die Lage der zentralrussischen Mattenweber veröffentlicht hat, stellt fest, daß während bei von ihm gemessenen Nichttextilarbeitern die Körperlänge durchschnittlich 1670 Millimeter betrug, sie bei den Matten- webern nur 1612 Millimeter ausmachte. Daß die wirthschaftliche Lage, je nach ihrer Gunst oder Ungunst, daß die Lebensführung, unabhängig von der Berufsart, dem Wachsthum des Menschen ihren unver- kennbaren Stempel aufdrückt, darüber liegen eine ganze Reihe von Zeugnissen vor. So fand Landsberger, der das Wachsthum von 104 Kindern im Alter der Schul- Pflicht untersucht hat, daß die Durchschnittsgröße der Kinder aus der armen Klasse beim Beginn der Schulpflicht 106,1 Zentimeter betrug, die der Kinder aus den b e- sitzenden Klassen aber 108,9 Zentimeter. Zwei Jahre später waren die Proletarierkinder bis zu dem Durchschnitt von 116,7 Zentimeter und die Bourgeoissprößlinge bis 119,6 Zentimeter gewachsen. Nach Roberts hatten die von ihm untersuchten englischen Arbeiterkinder im Alter von 10 Jahren eine mittlere Größe von 128,3 Zenti- metern, die Kinder der Wohlhabenden von 135,7 Zentimetern; bei Fünfzehnjährigen waren die entsprechenden Zahlen 153,8 und 161,3 Zentimeter. Pagliani hat in Norditalien ähnliche Differenzen durch sorgfältige Messung festgestellt. Er fand, wie wir dem„Handwörterbuch der Staatswissenschaften" entnehmen, für folgende Altersklassen die Körpergröße bei Kindern der besitzenden und der armen Klasse in Zentimetern: Alters- Knaben Mädchen jähr wohlh. arm wohlh. arm 11 133,6 128,5 133,3 130,0 12 137,0 132,5 139,4 135,2 13 142,5 138,6 146,4 133,5 14 150,6 140,0 152,1 144,5 15 157,2 148,6 154,3 145,0 16 163,8 151,2 155,3— 17 164,0 151,4 155,3— Wer also kräftige Soldaten, wer viele Soldaten haben will, mag auch dafür sorgen, daß die Massen, aus denen die Hauptkontingente für das Heer kommen, nicht kläglich verelenden, er mag dafür Sorge tragen, daß ein wirklicher Arbeiterschutz die zügellose Profitsucht des Unter- nehmerthums daran hindere, das werkthätige Volk wie eine Zitrone auszupressen. Richtet man nicht bald Schutz- nehme Musikstnnden. Ich speise mit meiner Mutter zusammen am herrschaftlichen Tische. Herr Koltowskoy ist ein hoher, stattlicher Greis mit einer majestätischen Haltung; er ist immer von Ambradnft umgeben. Ich habe tödtliche Furcht vor ihm, obgleich er mich„Suzon" nennt und mir gestattet, seine sehnige, dürre Hand durch' die Spitzenmanschettc hin- durch zu küssen. Meiner Mutter begegnet er ausgesucht höflich; aber auch mit ihr unterhält er sich wenig; er pflegt ihr-wohl hier und da einige wohlwollende Worte zu sagen, auf welche sie sich gleich zu antworten beeilt, und wieder v e r st n m m t; er sitzt da, sich würdevoll umschauend und langsam eine Prise spanischen Tabaks ans einer runden, goldenen Dose mit dem Namenszug der Kaiserin Katharina nehmend. „Das neunte Jahr meines Lebens ist mir für immer erinnerlich geblieben... Da erfuhr ich von den Stuben- Mädchen im Mägdczimmer, daß Iwan Matvcitsch Koltowskoy mein Vater sei, und fast an demselben Tage heirathete meine Mutter ans seinen Befehl Herrn Ratsch, der bei ihm die Stelle eines Geschäftsführers einnahm. Ich konnte nicht verstehen, wie das möglich war. Ich grübelte, niein Kopf war angegriffen, ich erkrankte beinahe und hatte ganz die Fassung verloren.„Ist es wahr, ist es wahr, Mama," fragte ich sie,—„daß der wohlriechende„Knecht Ruprecht" (so nannte ich Iwan Malveitsch) mein Vater ist?" Meine Mutter erschrak sehr und hielt mir den Mund zu.... ,,„«Niemals, niemals sprich davon, hörst Du, Susanna, hörst Du?— nicht ein Wort!" wiederholte sie mit bebender Stimme, meinen Kopf fest an ihre Bnist drückend... Und ich habe wirklich Niemand davon gesagt... Diesen Befehl meiner Mutter konnte ich verstehen.... Ich begriff, daß T ba'.'.ien auf, dann ivird die Fluih des Kapitalismus Volks- kraft und Wehrkraft sthonuugsloZ fortspülen. Nicht im Interesse der Kultur, nicht zu Gunsten des Gcsammtrn ohles appelliren wir heute an die dirigirenden Klassen, wenn wir für Sozialreform eintreten. Wir er- inr.xrn sie an ihr Interesse, wir mahnen sie an das, was ihren Herzen so theuer ist, an„unser herrliches Kriegs- Heer." M orrefpondenjen. Zürich, 20. September. Der Londoner„Sozialdemokrat" weilt noch unter den Lebenden und schon wird sein Nachfolger angekündigt. Herr W. B e l l e s hat sich die Aufgabe gestellt, die nach seiner Ansicht durch das mit Ende dieses Monats er- folgende Eingehen des Londoner Blattes entstehende Lücke in der sczialdemokratischen Presse auszufüllen und will er als Ersatz ,,D i e!k orr e sp o n d en z" für die deutschen So- zia listen und Arbeitervereine im Auslande gründen.„Die Korrespondenz" wird iiil Format des„Sozialdemokrat" erscheinen Und ist für die Schweiz zu 2 Franken, für die übrigen Länder des Weltpostvereins zu 2,50 Franken pro Quartal zu bezichen. In dem gedruckten Zirkular, durch das Herr Bclles sein Projekt weiteren Kreisen zur Kenntniß bringt, bemerkt er indest, daß das Unternehmen— oder wohl richtiger die Ausführung des beabsichtigten Unternehmens— von dem Anklänge ab- hängig ist, den es unter den Genossen finden wird. Sein Pro- gramm für„Die Korr." präzisirt Herr Belles folgendermaßen: „Der Unterzeichnete wird bestrebt'sein, seinen Lesern die wich- tigsten Ereignisse Deutschlands und des Auslandes in Form einer politischen Rundschau vorzuführen, sie über die jeweiligen in den Parteikreisen auftauchenden Fragen durch Berichte und Be- sprechungen zu unterrichten, sowie durch Abhandlungen und Kritiken auf wissenschaftlichem und literarischem Gebiete das Berständniß der sozialen Fragen zu förder». Namentlich aber will er sich bemühen, für einen innigen Zusammenhalt der ver- schiedenen deutschen Arbeitervereine iin Auslande, insbesondere derjenigen in der Schweiz, und damit'für ein gedeihliches Wirken derselben im Interesse der Partei seine Kräfte einzusetzen..... In Allen» wird er auf dein Boden des Parteiprogramms stehen." Genosse Seidel bemerkt zu dieser Ankündigung in der „Arbciterstimme":„So sehr wir die Ausdehnung der sozial- demokratischen Presse wünsche», so müssen»vir doch sagen, daß »vir einige Zweifel in das Bedürfniß, den Nutzen»md die Lebens- fähigkeit eines solchen Blattes setzen. Die Verhältnisse sind in Deutschland»vie im Auslande jetzt doch ganz andere, als ehedem, und»verde» es nach dem 1. Oktober erst recht sein. Wir möchten den Herausgeber vor unnützen Opfern an Geld ui»d Kraft bewahren»md rathen deshalb zur Vorsicht."— Das ist auch unsere Meinung. Zilm Parteitag in Halle a. S.»verde»» die deutschen Sozialisten in der Schiveiz sicher einen, event. zwei Delegirte entsende». Die Angelegei»heit unterliegt z»»r Zeit noch den Vereinen zur Entscheidung durch Urabstimmung. Ueber die Tcssiner Revolution enthalten die Blätter noch immer so viele und so lange Berichte, als ob sie erst gestern er- folgt»väre und nicht schon vor neun Tagen. Die Volks- ab st i»n»»» u n g über die verlangte Berfassungsrevision ist vom Bundasrath auf den 5. Oktober festgesetzt worden und geivinnt in der Presse die Meinung die Oberhand, daß das Ab- stinunungsergebnih ein der verlangten Revision günstiges sein »verde. Die Abstimmung wird unter der Oberleitung des eid- genössischcn Kommissars Künzli vor sich gehen. Letzten Sonntag tagten in Ölten die landivirth- s ch a f t l i ch o n S ch u tz z ö l l n e r und die Liga gegen Er- h ö h u n g d e r L e b c n sin i t t e l p r e i s e, erstere ca. 200, letztere ca. 125 Theilnchmcr stark, um in der Hauptsache beiderseits den bisbcrigen Standpunkt zir behaupten. Die Liga verlrat 212 Gesellschaften mit über 200 000 Mitgliedern.— Die Konsequenz in diesem Jntercssenstreite ist ohne Frage auf Seite der Zollgegner,»vährend sich die Schutzzöllner mit ihren Theorien beständig in einem Kreise von Widersprüchen be- »vegen. Man»vill durch die Zollerhöhung die ausländische Kon- k»»rrenz abhalten und die Preise der landivirthschaftlichen Pro- dukte steigern, damit der landivirthschastliche Betrieb rentabler »verde, versichert aber zugleich den opponirenden und besorgten Konsunlentei», daß die Zollerhöhring durchaus nicht nothwendig zur Steigerung der Lebensmittelpreise führe und»viedcrholt in jeder Versammlung dutzeudmal die abgestandene Bismarck'sche Weisheit/ daß das Ausland den Zoll trägt; dabei sind die Zöllner in ihrer Taktik und ihren Waffen durchaus nicht »vählerisch; gemein, grob, verleumderisch und»viderspruchsvoll, so läßt sich ihre Kampfesart charakterifiren, die sie besonders in Olte» »vieder prächtig praktizirten. ich schiveigen gebullg bat! „Damals meine Mutter hcirathete sie gehorchen. auf diese mußte, daß meine Mutier mich um Verfing mein Unglück an. Herr Ratsch liebte nicht, ebensowenig»vie sie ihn liebte. Er nur um ihres Geldes willen, und sie mußte Herr Koltoivskoy fand»vahrscheinlich, daß sich Weise Alles an» besten ordnen ließ— ,,la posltion etait rögularisee," Ich erinnere mich, daß meine Mutter und ich— an» Tage vor der Hochzeit— engum- schlnugen, den ganzen Morgen durch weinten,— wir»vcinten bittere, stumme Thränen. War es zu verivundcrn, daß ich schivieg... Was konnte sie sagen? Und, daß ich sie nicht ausfragte, beiveist, daß unglückliche Kinder früher klug»ver- de», als glückliche Kinder... und das ist zu ihrem eigenen Schaden. „Herr Koltoivskoy fuhr fort, sich mit meiner Erziehung zu beschäftigen, und näherte»nich sogar allmälig mehr und mehr seiner Pcrsoi». Er unterhielt sich nie mit mir.. aber Morgens und Abends,»venu er mit zivei Fingern die TabatSstäubchcn von seinein Jabot geschüttelt hatte, klopfte er mir mit diesen selben eiskalten zwei Fingern auf die Wange, und gab mir von einer besonderen Art dunkler Bonbons, die auch nach Ambra rochen, und die ich niemals aß. Mit meinem zwölften Jahre wurde ich seine Vorleserin, „aa petita lectrico". Ich las französische Werke des vorigen Jahrhunderts, die Memoiren von Saint- Simon, Mably, Reynier, Helvetius, den Briefwechsel Voltaire's, die En- zyklopädisten, natürlich immer ohne irgend etivas zu ver- stehen, selbst»venn er lächelnd und mit den Augen blinzelnd mir befahl:„de relire ce demiere paragi-aplie, qui est bion rcmarquable!" Iwan Matveitsch war ein vollständiger Franzose. Er hatte bis zu der Revolution in Paris ge- lebt, erinnerte sich Maria Antoniette's und hatte von ihr Einladungen nach Trianon erhalten. Er hatte auch Mirabean gesehen, welcher, seiner Beschreibung nach, sehr große 5tnöpsc trug—..cxagore en tont!"— und überhaupt ein Mann von schlechten» Ton»var—„an debit de sa naissauce!" Uebrigens erzählte Jivan Matveitsch selten etivas aus jener Feit; aber zwei bis drei Mal im Jahre sagte er, sich an einen schiefen Greis, einen Einigranten, wendend, dem er die Die Herren sagen z. B. in Bezug auf die Fleischzölle: „Durch die Zollerhöhungen wird in der Schiveiz mehr Schlacht- vieh gezüchtet, also auch mehr angeboten. Die Konkurrenz der inländischen Viehzüchter»vird größer»md dadurch sinkt»vieder der Fleischpreis auf den Stand, den er vor der Zollerhöhung hatte." Ein Redner behauptet, das Fünffache des jetzigen Getreidezolles»verde das Brot nicht vertheuern! Mit Leuten, die in rechthaberischer Weise solche widersinnigen Dinge be- Haupte», läßt sich schlechterdings gar nicht mehr diskutiren. Die Herren dürften nur nach Deutschland blicken, um ihren ganzen Unsinn einzusehen. In der Versammlung der Gegner der Zollerhöhung wurde folgende Resolution angenommen: Die Versammlung,»velche von der Verbii»dung gegen die Vertheuerung der Lebensmittel am 14. September in Ölten ver- anstaltet worden ist. billigt die Ausführungen des Initiativ- komitees von» 16. August 1890 und protestirt nachdrücklich gegen jede Erhöhung der Einfuhrzölle auf den Lebensmitteln und an den Gegenständen des unerläßlichsten Bedarfs. Sie erklärt: 1. daß die beabsichtigten Erhöhungen sich im entschiedensten Widerspruch mit dem Art. 29 der Bundesverfassung besinden; 2. daß dieses Zollsystein ungerecht ist und den Grundsätzen der Demokratie zuwiderläuft,»veil es den Unbemittelten unverhältnißmüßig mehr belastet als den Bemittelten. Die Versammlung erklärt serner, daß wenn die Eidgenossenschaft neuer Finanzmittel bedarf, was aber gegenivärtig, da die Zolleinnahmen so hoch gestiegen sind, nicht der Fall ist, sie jene Finanzmittel auf einen» Wege be- schaffen kann, welchen nicht die heutige Versainmlung anzugeben hat, der sich aber gewiß ohne Schivierigkeit ausfindig machen läßt. Die Bersammlung verlangt die Rückkehr zu einer Zoll- Politik,»velche auf die Bedürfnisse der Bevölkerung»nehr Rücksicht nimmt und den»Vahren ökonomischen Interessen des Landes nach Innen und Außen zu dienen im Stande ist." Die Ersindung eines D a n» p f st i ck st u h l s setzt die in der Stickerei-Jndustrie beschäftigte Arbeiterschaft, die beispiels- weise in S t. G a l l e n mehr als 30 000 Köpfe zählen dürfte und außerdem über die ganze Ostschiveiz verbreitet ist, in nicht geringe Aufregung und Besorgncß»vegen Gefährdung ihrer Existenz, die»vie bekannt, ohnehin eine traurige ist. Es»vird über die Erfindung selbst und ihre eventuelle»virthschaftliche Folgen geschrieben: „Schon seit mehreren Jahren hat nämlich die Maschinen- fabrik der Herren Saurer in Arbo»» an der Erstellung eines Dampf- sticksiuhles gearbeitet, der die bisherigen Funktionen des Hand- »naschinenstickers auf mechanischen» Wege verrichten sollte. Neuer- dings vernimint man nun, daß die Erfindung geglückt sei und daß bereits in nächster Zeil solche Maschinen in den Handel kommen. Es ist klar, daß diese Neuerung einen tiefgreifenden Einfluß auf die Entivicklung der Stickerei haben»vird. Wenn n>an bedenkt, daß zu Beginn des Jahres 1890 im Gebiete des Stickereiverbaudes etiva 22 000 Stickstühle in Betrieb standen, so ist leicht ersichtlich, daß die Erfindung allerlei schivere ökonoinische Schädigungei» im Gefolge haben»vird. Auch befürchtet man eine starke Gefährdung der dominirenden Stellung des Handels- und Jndustrieplatzes St. Gallen durch die neue Produktionsweise, da die ausländische Konkurrenz durch dieselbe vielleicht in ver- hängnißvoller Weise verstärkt»verde. Man hat daher bereits die Frage anfgeivorfei», ob nicht durch den Ankauf des Patentes durch die Sch»veiz den durch dasselbe drohenden Gefahren be- gegnet werden könnte. Immerhin ist die Bedeutung der Er- sindung einstweilen auch nicht zu überschätzen, da dieselbe in ihrer jetzigen Gestalt nur der feineren Produktion dienen soll. Die gröbere Waare,»velche den größten Theil unseres Exportes bildet,»verde von derselben einstiveilen noch nicht berührt." Paris, den 18. September 1890. Gleichzeitig mit den Kollektivisten und dem Verband der französischen Gewerkschaften rüsten sich auch die Possibilisten zur Abhaltung nicht blos eines, soi»dern zweier Kongresse, eines National-»»nd eines Regional- Kongresses, die beide für Monat Oktober in Aussicht gcnon»men sind. Die Parteileitung der Possibilisten, das„Nationalkoinitee", fordert in einen» Ausruf zu zahlreicher Beschickung des zehnten Nationalkongresses auf,»vclcher in der ersten Hälfte des Öktober in Chatellerault(Westfrankreich) zusammentreten soll. Obgleich sich die Partei jährlich auf einen» Nationalkongreß vereinigen soll, so ist doch der bevorstehende Parteitag zu Chatellerault der erste, der seil 1887 stattfindet. Der neunte Nationalkongreß, der 1887 in Charleville getagt, hatte beschlossen, daß der nächst- folgende Parteitag 1888 in Troyes(Südost) zusainmentreten sollte. Die Gruppen von Troyes,»velche mit Örganisation desselben betraut worden, hatten jedoch beschlösse»», daß der Kongreß nicht nur den possibilistischen, sonder» allen französischen Arbeiter- organisationcn überhaupt offen stehen solle. Trotz aller possi- bilislischen Jntriguen hielten sie an dieser ihrer Absicht fest,»velche den Herren Brousse und Cie. höchst ungelegen kam. Sie»varen überzeugt, daß eine Betheiligung der übrigen sozialistischen Organi- sationen an» Kongresse nicht nur zur Bekämpfung ihrer prinzipiellen Verschwommenheit, sondern auch zu scharfen Angriffen ihrer programmwidrigen Taktik führen müsse. Da in der Provinz die Organisation der Kollektivislen und deren Theorien don»il»ire>», so daß es den possibilistischen Führern unmöglich gc- Kost gab und den er, Gott»vciß weshalb,„Monsier le Coinmandenr" nannte, mit seiner langsamen, näselnden Stimme ein Jmpromtu her, das er einst in einer Soiree bei der Herzogin von Polignac vorgetragen hatte. Ich kann mich nnr noch auf die zivei ersten Strophen desselben be- sinnen..(cS handelte sich darin um eine Parallele zwischen den Russen und den Franzosen:) „L'aigle se plait aux regions austeres, „0»i le r amier ne saurait liabiter.. „Digne de Mr. de Saint Aulaire!" rief Mr. le Com- mandeur dann jedesmal aus. „Jivan Matveitsch sah bis zu seinem Tode jugendlich aus. Seine Wangen waren roth, seine Zähne weiß, die Augenbrauen stctrk und unbeweglich, die Augen angenehm ausdrucksvoll, schivarze Augen,»vie Achat. Er»var gar nicht eigensinnig und ging mit Allen, selbst mit den Dienern, höflich um.... Aber, ach Gott! wie gedrückt fühlte ich mich bei ihm, mit»velcher Freude ging ich jedesmal von ihm, welch schlechte Gedanken beunruhigten mich in seiner Gegemvart!... Ich bin nicht Schlild an dem, was sie aus »nir gemacht haben!... „Herrn Ratsch»vurde nach seiner Hochzeit ein Flügel unweit des herrschaftlichen Hauses angewiesen. Dort lebte ich mit meiner Mutter. Ich»var auch dort nicht glücklich. Ihr»vprde bald ein Sohn geboren, eben jener Fietor, den ich berechtigt bin, meinen Feiiid zu nennen, und ihn als solchen zu betrachten. Von seiner Geburt an erholte sich meine Mutter, deren Gesundheit immer schivach gewesei», nicht mehr. Herr Ratsch hielt es damals nicht für ange- messen', jene Heiterkeit herauszukehren, welcher er sich jetzt ergiebt. Er hatte stets ein strenges Aussehen und beinühte sich, für einen Geschäftsmann zu gelten. Gegen mich war er hart»ind roh. Ich einpfand Freude, wenn ich von Iwan Matveitsch fortging; aber auch das eigene Haus verließ ich gerne... Ach, meine unglückliche Jugend! Stets von einem Ufer zum andern getrieben— nirgends landen mögend! Zmveilen lief ich mit Freuden stwt, über den Hof, im Winter im leichten Kleide durch den tiefen Schnee, zu Iwan Matveitsch,»nn ihm vorzulesen... und wenn ich hinkam und diese großen, traurigen Zimmer sah, diese wesen, den mehrmals praktizirten Kniff einer Majerisirutz des Kongresses zu wagen, Jo war es sehr wahrsche»»- lich, daß die antipossibilistischen Elemente auf dem Parte»- tag zu Troyes die Oberhand gewannen und eine Mißbillizu»»? ®™Nst'sche»» Taktik durchsetzten, der sogar ein Theil der Pos,ibll»sten zugestimmt haben»vürde. Um dieker Möglcchlcit t» entgehen, verzichteten die possibilistischen Führer auf den Natu»»»»'- tongreß zu Troyes, der zivar trotzdem Ende 1888 zu Staude»'»in, jedoch nur die Vertreter der übrigen sozialistischen Schulen und Arbeiterorganisationen vereinigte. Auch im vergangenen Iahst hielten die Possibilisten keinen Nationalkongreß ab. Der>»> Gegensatz zu dem internationalen Kongreß der vereinigten Soznst isten zu Paris von ihnen ebendaselbst mit Hilfe der Trade-- llmons zusammenberufene„internationale" Gegenkongreß nah»»» ihre Kräfte ganz� in Anspruch, die sich außerdem noch im ausschbA Kamp, H»nd mit»,» WWW..................... bilisten Opposition erregt. Das Parteireglement besägt»»äni '' welchem ein Nationalkongreß stattfinde, stets verzehrten.— So kommt erst nach zweijähriger l>m. brechung wieder ein Nationalkongreß zu Stande. Die Ausich» bung deffelben hat übrigens unter einem Theil der Pariser pfä fnTtifpn firmnRtTrm snrtrfotronTpmpnt ftßfäCtt UuflW'V' daß der Ort, in Iveuiieiii ein atiuumaiioiigiep icuuimw,„ dem vorhergehenden Nationalkongreß bezeichnet werden ferner, daß das Datum seines Zusammentritts womöglich stP Monate vor demselben bekannt sein müsse, und daß das Nauens Komitee die diesbezüglichen Kongreßbeschlüffe auszuführen ha* Wie nun aus den oben angeführten Thatsachen hervorgeht, die Einberufung des zehnten Nationalkongresses nicht in Genia«- heit dieser Beslimmimgen erfolgt. Der neunte Nationalkongst- hat nicht Chatellerault als nächsten Kongreß bezeichnet, das SP tum desselben war nicht 6 Monate im Voraus bekannt, das Natictnst Komitee führt keinen darauf bezüglichen Beschluß aus, sendest es hat selbstständig die Initiative ergriffen. Die opponirenden Gruppen erblicken nun in dem Vorgehe» des Nationalkoimstst ein Ueberschreiten seiner Befugnisse, das gegen das Parte»- reglement verstoße, sie möchten, daß an Stelle de-- vochergeh z Nationalkongresses der bevorstehende Regionalkongreß desZ-n, � (der Pariser Organisationen) beschließend auftrete. Ander»»1- wenden dieselben ein, die Partei könne sich unmöglich»n T (der Pariser Organisationen) beschließend auftrete. Andel wenden dieselben ein, die Partei könne sich unmöglich � bringender Weise innerhalb eines Monats an zwei Kongre��� der theiligeii. Die Hauptstärke der Possibilisten beruhe in den Organisationen, der Anhang in der Provinz sei schwach»% Nationalkongreß würde also fast genau die nämlichen Elewe � vereinigen wie der Regionalkongreß des Zentrums. Es sei n � rathsam, den Organisationen die mit der doppelten Besch»»» zusammenhängenden Öpfer aufzuerlegen.. Eine Ptenarversammliiug der„Union federative Vertretung der Pariser Gruppen soll über die®jst frage entscheiden. Nnterdeß sind die mit Organisation des-» gresses betrauten Gruppen von Chatellerault bereits an Erst»»»° ihres Mandats gegangen. Das Nationalkomitee hat äußere die possibilistischen Stadträthe Prndent-Dervillers und Lavy st. Westfrankreich entsendet, welche in Chatellerault, Tours, P ststst/ Zlugouleme Versammlungen hielten und für den Kongreß Pststu ganda machten. In Anbetracht dieser Thatsachen dürfte st ä die Opposition auf Festhaltung ihres Standpunktes verzichten» dem Kongreß zu Chatelleranlt zustimmen.' Das Nationalkomitee sagt in seinem Aufruf, daß der bev stehende Kongreß eine Etappe für den Fortmarsch der posl» listischen Arbeiterpartei markiren werde.„Europa und Franst- im Besonderen", heißt es weiter,„durchschreiten jetzt einePeria' welche in politischer und ökonomischer Beziehung uiU»strt ivarteten Ereignissen schwanger ist, die jeden Augenblick � Intervention der Arbeiterpartei möglich machen können.� � wäre ein schwerer Fehler, sich nicht vorzubereiten, den UmsmN.. gewachsen zu sein. Darum sei es nöthig, den sich vollziehen� sozialen Umgestaltungen mit Aufmerksamkeit zu folgen, JL Konsequenzen zu studiren und sorgfältig durch dieselben Nt>V° gewordenen Lösungen vorzubereiten.". � Dem Parteireglement nach vereinigt der Nationalkongreß. Vertreter der Gruppen, Föderationen und Korporativorgan sationen, welche der Partei angehören, foivie auch Gruppen,»stsSL von dieser eingeladen werde». Die vertretenen Gruppen wuIU zum mindesten aus 15 Mitgliedern bestehen. Gruppen von, bis 250 Mitgliedern dürfen einen Delegirten, solche von 250 600 deren zwei entsende», von 500 bis 750 drei jc. Kein Sst girier darf mehr als fünf Gruppen vertreten. Die Abstimmst, erfolgt nach Gruppen. Die Tagesordnung und das Datum possibilistischen Nationalkongresses sind noch nicht bekannt.* eigentliche Bedeutung desselben ist der Versuch der Possilnli!». die Provinz zu erobern. Wie bekannt, machen die 110 Grup?. welche die Pariser„Union föderative" bilden, und von denen iL manche nicht mehr als 15 Mitglieder zählen, das Gros der pst' bilistischen Partei aus. In den letzten Jahren hat dieselbe a» in den Vororten von Paris, den Städtchen der Departew-L Seine»md Seine und Öise ziemlichen Anhang gewonnen.„ in dein Departement der Ardennen hat sich Dank des fleiß»°/ agitatorischen Wirkens des Volkssängers und KommunekäMst. � I. B. Clement eine der possibilistischen Arbeiterpartei angehörst- Föderation gebildet, die sich langsam aber stetig ausdehnt,„ es ihr gelungen, in den letzten Monaten ihren Kandidaten i»»% Arrondissementsrath zu bringen. Allerdings erfolgte der Damastmöbel, diesen höflichen seelenlosen Greis in der fstf geknöpften seidenen„douillotte", im weißen Jabot, Halstuch und Spitzenmanschetten über die Finger und eust „Soup?on" von Puder(wie sein Kammerdiener sich aL drückte) ans den zurückgekämmten Haaren,— da benaß mir der erstickende Ämbra-Geruch den Athem und das stockte mir. Iwan Matveitsch saß gewöhnlich in e»m breiten Voltaire an der Wand; über seinem Kopfe hing Bild, das eine junge Frau mit einein heiteren, kühnen Gesistst ausdrucke darstellte. Sie trug ein reiches israelitimb Kostüm und war völlig bedeckt mit Perlen und kostbast Edelsteinen... Ich pstegte mich oft in dieses Bild his�L zusehen, aber in der Folge erst erfuhr ich, daß es das B meiner Mutter war, und von ihrem Vater, auf Bestellu» für Jivan Matveitsch, gemalt worden war. Wie hatte 1 sich seit der Zeit verändert! Wie war es ihm gelungen,/ zu zerbrechen und zu vernichten!„Und sie hat ihn gestst, Hat diesen Greis geliebt!" dachte ich....„Wie ist st möglich? Ihn lieben.. Und doch, wem» ich mich ein»!! Blicke, einiger Bemerkungen, einiger mtwillkürlicher jL wegungen meiner Mutter erinnerte,— so mußte ich � mit Schrecken gestehen... Ja, ja, sie liebt ihn•'& Ach, bewahre Gott Jeden vor ähnlichen Empfindungen W Erfahrungen. ,i „Jeden Tag las ich Iwan Matveitsch vor, und oft st bis vier Stunden lang, ohne Unterbrechung... Es schast� mir, so viel»md so laut zu lesen. Unser Arzt fürchtete O ineine Brust und wagte es sogar einmal, es Iwan Mativei»L zu sagen. Allein dieser lächelte i»ur(das heißt: neu», lächelte niemals, sondern spitzte nur die vorgeschoben Lippe»») und sagte ihn»:„Vous ne savez pas ce qu'st'L, de ressources dans cette jeimesse."—„In früheren Ja»)� jedoch," bemerkte ferner der Doktor,„hat Monsieur � Commandeur..."„Vous revez, mon eher," unterbrach ihn.—„Le Commandeur n'a plus de dents et il crac ä chaque mot. J'aime les voix jetmes." ,z „Und ich fuhr fort zu lesen, obgleich ich des Mong� Ul»d in der Nacht viel hustete. „Zuweilen ließ mich Jivan Matveitsch ihm auf st., Klaviere vorspielen. Allein die Musik wirkte einschläft «9 in- ri- ng der S m, nd s iiv eZ- p -ß- ien er- ei- i ,s« lle. al- be. ? Z }d> al- !0> im -es ei- ICH its g f« ?er nie cht "a� dem Motto„eine Hand wäscht die andere" mit Pufe dxr bürgerliche!: Republikaner» denen die Pyssihiliste» der- tuenncn anläßlich der Kannnerivahlen den Liebesdienst er- hatten, für deren Kandidaten zu stimmen. Der Umstand' mipneht dn allgemeinen unkorrekten Taktik der Partei, zeugt voer nndrerseill! davon, das, dieselbe in jener Gegend eine gewisse «larle und gewissen Ginflus, besitzt. Aber außer in de» Ardennen laden die Possibiliftcn nur noch in St. Etienne und St. Quentin -ennenswerthen Anhang. Die Gruppen der übrigen Provinzial- nadle, wie Troycs, Lille je., aus welche die Possibilisten gelegent- ncy renommircnd verweisen, sind durchaus unbedeutend und tepräfeniiren keine Kraft. Im possibilistische» Lager ist deshalb auch in letzter Zeit wiederholt die Nothivendigkeit betont worden, 0se Agitation auf die Provinz zu erstrecken, deren Arbeiterschaft sur d,e Partei zu gewinnen. Die Organisation des Kongresses m Chntellernult, soivie die ihn vorbereitende Propaganda bildet «ineil Schritt zu diese», Ziele: Der für die zweite Hälfte Oktobers anberaumte Regional- sdNgreß des Zentrunis, d. h. der Pariser Organisationen hat bis Mi folgende vom Organisationskomitee auf Grund der Anträge i-er Gruppen vorgeschlagene Tagesordnung: 1. Frage: Reglement der Arbeit; a) Gründung munizipaler .Industriebetriebe durch die Kommune; ch) Recht der Kommune, .'M. rre Arbeitsfragen zu interveniren; o) Beschränkung der Arbeits- suc und Lohnminimum. L. Frage: Gemeinwirthschaftliche Betriebe; a) Gründung runmipntcv Getreide- und Mehlmagazine, von munizipalen i �rckereien, Fleischereien und Bazars, Bau gesunder Häuser durch me Kommune; h)'Artikel 4 des munizipalen Program nis der yrlci, nämlich der integrale Unterricht; c) Organisation der 'lrincupflege und verschiedener, die öffentliche Sicherheit bezwecken- ■ cer Dienste durch die Kommune. L. Frage: Die Parteidisziplin; a) genaue Feststellung der Atachtbesugnisse der Gruppen der Stadtviertel, der Wahlkomitees Osr Arrondissements und des FöderationskomitecZ in Wahlsachen; i-V Licglementation der Stellung der Kandidaten und Erwählten der Partei, Reglemcntation der Verpflichtungen, welche diese in Bezug fsus. ihre Demissionen, Subsidien»c. gegenüber der Union «aerative zu erfüllen haben, die Roll- der Vertreter der Partei couseil municipal; c) Propagan'-n�iittel vom sozialistischen f">d Wahlstandpunkt aus. Wie man siebt ein ebenso reichhaltiges, als zum Theil echt MsibiUstisch.kleinbürgerlich gefärbtes Programm. Es ist zu be- dauern, daß daS Organisalionskoniitee an Stelle der auf Mehreren Kongressen wieder und wieder gekauten theoretischen prägen, wie von den geineinwirthschaftlichcn Betrieben, von der Er- Achtung munizipaler Magazine, Häuser it. die doch nur auf L-atte, kleinbürgerliche Gemeinplätze hinauslauscu, nicht zwei Jragei, von großer praktischer Bedeutung ans die Tagesordnung gestellt hat, die von mehreren Gruppen in Vorschlag gebracht Worden. Die betreffenden Fragen lauteten:„Von der sozialistischen .Konzentration" und„von dein Verhalten der Kandidaten der pvssibilistischen Partei gegenüber den Kandidaten der übrigen sozialistischen Schulen". Eine gründliche Erörterung beider Fragen wäre für das Zustandekommen eines gecinigtcn Iortmarsches der oerschiedeucn Bataillone der französischen Arbeilerbeivegung von größer' Wichtigkeit. Bekanntlich haben gerade die Possibilisten in Betreff der systematischen Ablehnung und Verwerfung einer soziaMischeu Konzcutration, in Betreff der oft geradezu skanda- lösen Aufstellung possibilistischer Kandidaturen gegenüber denen der anderen sozialistischen Fraktionen, durch ivelche der Sieg .bürgerlicher Kandidaten ermöglicht ivard, gar viel auf dem Kerb- holz. Im Interesse der Arbeitersache wäre es hohe Zeit, daß dem Unfug der Gegenkandidaturen gegen Sozialisten anderer � Schulen ein Ende gemacht würde. Die Reibereien, welche aktuell innerhalb der possibilistischen -Partei anläßlich des durch Chabert's Tod im Stadtrath vakant geivordenen Sitzes stattfinden, und die sich den Personen nach um eine aus letzter Zeit datirende Gegensätzlichkeit zwischen Brousse und Allemane drehen, dem sachliche» Wesen nach aber um eine i strengere Anpassung der Parteitaktik an das Parteiprogramm oder den Fortgang der bisher verübten Mogelei, können sehr leicht, falls es Brousse nicht gelingt, in letzter Stimde ein Wunder an intriganten Kunststückchen zu vollbringen, eine epochemachende Wendung im possibilistischen Parteileben herbeiführen. Ver- schiedcne Elemente der Partei, darunter jüngere Kräfte, verlangen eine energische Aufnahme der alten Parteitaklik, sie vcrnrtheilcn die chronische liompromißsncht der Führer und habe» eine Gährung hervorgerufen, wie sich dieselbe im possibilistischen Lager bisher noch nie jumiifcstirt hat. Jene Führer, welche etlichen Mandaten zu Liebe die Possibilistenffartei zu einem �------ k~----- VolikiHHe Mebevflchk. IS __. Ansfordcrnng z'n widcrrechtl'.cher- Arbeitsniederlegung,- eine schärfere Bestrafung des Zwanges zur Arbeitseinstellung, die Ein- führung einer Buße für den Kontraktbruch sind in ihren Grund- gedanken berechtigte Vorschläge, ebenso wie diejenigen, welche die elterliche Zucht über jugendliche Arbeiter stärken wollen. Aus- ......... Schwanz der bürgerlichen Parteien wachten, tonnten leicht vor die Eventualität des„se soumetti-e wi se denicttro"(sich untcriversen oder abdanken) gestellt werden. Eine tzerausdrängnng dieser Leute ans der Partei, eventuell aber ■ wich eine Spaltung letzterer ist sehr wahrscheinlich. Die An- Unherung der gereinigten Partei an die Kollettivisten wäre dann wir eine Frage der Zeit, scheint sich aber bereits anzubahnen. ■vi» einer spätere» Korrespondenz werden wir näher auf die im possibilistischen Lager vorliegenden Streitsrage» eingehen. auf seine Nerven.. Seine Augen schloffen sich gleich, der popf senkte sich langsam, und von Zeit zu Zeit ivnrde nur '„C'cst du Stoibelt, n'eac-ce. pas?•' hörbar, oder: ; vstotipa nioi du- Stoibelfc!" Iwan Matveitsch hielt Steibclt Gr einen großen Genius, der es verstanden hatte, in seinen . Kompositionen„la gross: erc lourdour des Allemands" zu überwinden, und ivarf ihm nur daZ Eine vor:„Trop de IoHgue! trop d'imaginatiou!" Wenn Iwan Matveitsch be- werkte, daß ich am Klavier ermüdete, bot er mir„du Gi'-liou de Bologno" au. So ging ein Tag nach dem widern dahin. ,„Und in einer Nacht— einer unvergeßlichen Nacht! Wach ein fürchterliches Unglück über mich herein. Meine �intter starb ganz plötzlich' Ich war eben erst fünfzehn achhre alt geworden. Ach, was das für ein Schmerz war, cr mich wie cht Wirbelwind erfaßte! Wie erschreckte mich, wie erschütterte mich diese erste Begegnung des Todes für . wimer l Meine arme, arme Mutter! Seltsam waren unsere Richlingen zu einander gewesen. Wir Beide liebten einander �'denschnftlich... teidenschaftlich und hoffnungslos. Es War. ab;' wenn wir Beide unser geiueiusanies Gcheimniß wbgfältig vor einander behüteten und bewahrten; wir ichiviegcn Beide hartnäckig, obglcick) wir wußten. Alles Wichten, waS im tiefsten Herzen des Andern vorging! Selbst Uber- ihre Vergangenheit, über ihre frühe Jugend sprach weine Mutter nie mit mir. Sic klagte nie mit Worten, Meich ihr ganzes Wesen eine einzige stumme Klage war! Wir wichen jedem etwas ernsteren Gespräche aus. Ach! Ich •!Pste immer daß endlich eine Stunde schlagen würde, wo w sich aussagen, und wo auch ich mich aussprechen, und wir uns erleichtert fühlen würden. Aber die täglichen ??rgen, ihr nucntschloffener. schüchterner Charakter. Krank- �ire», die Gegenwart des Herrn'Ratsch, hauptsachlick) aber ewige Frage„Warum V" und das nicht festznhalteude, � aiishaltsaiiie Fliehen der Zeit, des Lebens...... Eni ... stiierschlag machte Allem ein Ende, und tch. horte Die Attsschukwahle» für die Jnvaliditäis- und Alters- versichernngs-Anstalten sind bei vielen derselben nunmehr vollzogen. Jetzt liegt den Ausschüssen und den Vorständen der Anstalten die Bildung von Schiedsgerichten für ihre Bezirke ob. Das Reichs-Vcrsicherungsamt hat in einem Rundschreiben an die Versichernngsanstalten darauf hingewiesen, daß nach§ 52 des Gesetzes dieienigen Versicherten, ivelche als Arbeitgeber versiche- rungspflichtige Personen nicht blos vorübergehend beschäftigen, bei der Wahl der Beisitzer zum Schiedsgerichte der Klasse der Arbeitgeber zugerechnet werden. Alle Personen, welche also bei- spielsweise einen Dienstboten halten, würden, selbst wenn sie selbst zum Kreise der Versicherten gehören, nicht als Vertreter der Letzteren gewählt werden können, sondern nur als Vertreter der Arbeitgeber. Gegen den Adel bringt die„Kreuz-Zeitung" einen heftigen, „Ein ernstes Wort" überschriebenen Artikel anläßlich der Selbst- morde und Ausschreitungen, die in den letzten Tagen in Berlin aus hochadeligcn Kreisen bekannt geworden sind. Das Blatt schreibt:„Wenn große Vermögen am Rennplatze und im S p i e l k l u b schwinden, statt dem hohen Ziele sittlicher Er- Neuerung des Volkes dienstbar gemacht zu werden, wenn das Leben in elenden Liebes Händeln hinzieht, die wohl einen Anfang, aber kein Ende haben; wen» jede That und jedes Wort mir für die Art des„ewig Blinden" zeugen,— dann sind die im Recht, die voll Ingrimm rufen: fort, mit diesen Drohnen, ihre Uhr ist abgelaufen; fort! Dieser Ruf wird und muß in eben dem Maße stärker werden, als die höheren Stände, der Adel vor Allem, fortfahren, dem Drohnen- thum seinen Nachwuchs zu liefern, das Beispiel unfruchtbarer Vergeudung der Kräfte fortzusetzen und die Erbitterung der Massen zu schüren, die selbst in den entlegensten Winkeln schon längst nicht mehr so harmlos sind, um sich des Gegensatzes nicht bewußt zu sein, der zwischen solchem Treiben und der Pflicht besteht. Soll es denn immer dabei bleiben, daß aus der Geschichte nichts gelernt wird? Kanin 100 Jahre sind es her, als die Feudal- Monarchie und mit ihr Alles, ivas mit den Wurzeln seines Daseins noch am Mittelalter haftete, vor dem Anstürme des nach Gleichberechtigung strebenden„dritten Standes" jäh zusammen- brach. Kaum hundert Jahre, die Aelteren von uns erinnern sich der Zeit noch recht wohl, da man ihnen fast aus eigener An- schammg noch von den entsetzlichen Erfahrungen jener Reue er- füllten Tage zu erzählen wußte, und doch— ist es nicht, als ob Alles ganz umsonst gewesen wäre? Die„Zeichen der Zeit" sind so unverstanden, als sie jemals waren. Niemand kümmert sich um sie, oder man denkt im Stillen: Apres nons le deluge, Man braucht nicht der Ansicht zu sein, daß die soziale Revolution, die um so iveniger ausbleiben wird, je dauerhafter sich diese leichtfertige Auffassung der Dinge erweist, dieselben gewaltsamen Formen annehmen müßte, welche der großen politischen Um- wälzung eigen waren: an dem Wesen der Sache selbst und ihrem grundstürzenden Charakter würde das jedoch nichts ändern. Mit Zeitungsartikeln läßt sich der Lauf der Dinge nicht aufhalten; das wissen wir wohl. Für uns handelt es sich nur darum, zu thnn,„was unseres Amtes ist", ob das nun Erfolg hat oder nicht. Was wir aber für Recht ansehen, das thnn wir nicht halb. Deshalb rufen wir allen, die es angeht, nochmals zu: >altct ein auf diesem Wege, er führt ins Verderben."— Die 'reuzztg." kennt ihre Leute. Wir haben ihrer Predigt nichts hinzuziistigen. Da» gute Gewissen. In der„Voss. Ztg." lesen wir: ..Die von sozialdemokratischen Organen verbreiteten Kundgebungen (Welches Deutsch! Red.) zur Feier der Aushebung des Sozialisten- gesetzes haben hier und dort Besorgnisse wegen Ausschreitungen erregt. Diese Besorgnisse sind, wie man annehmen darf, grund- los. Gleichwohl sind, um es nicht an sich fehlen zu lassen, seitens der Behörden für den letzten Tag dieses und die ersten Tage des kommenden Monats umfassende Vorkehrungen getroffen worden, um jede etwaige Ausschreitung zu unterdrücken. Sämmtliche ver- fügbaren Kräfte der Polizei werden überall zusammengehalten- Urlaubsanträge von Polizeibeamten sind zurückgewiesen worden.' Wo es erforderlich war, hat schon seit Monaten ersichtlich im Hinblick auf diese Verhältnisse eine Verstärkung der Polizeikräfte siattgefunden."— Der 1. Oktober wird sehr ruhig verlaufen. Die hiesige Sozialdemokratie wird den Tag in würdiger Weise feiern. Eine Gelegenheit zum Einschreiten wird sich schiver finden lassen; dessen können die Herren sicher sein. Der aroffc Mißbrauch, welcher init dem Worte Liberalis- mus seitens des Nationalliberalismus getrieben wird, zeigt sich in jeder Kundgebung dieser politischen Kligue. Glücklicherweise locken gewisse nationale Phrasen keinen Hund mehr hinter den: Ofen hervor. Der Aerger darüber zeigt sich bei jeder Gelegenheit und besonders die Arbeiter sollen die Wuth dieser traurigen Helden empfinden. DaS zeigt folgender Erguß der„National- liberalen Korrespondenz":„Es ist eine erfahrungsmäßigc That- fache, daß die meisten neueren Arbeiterausstände unter Vertrags- brück) vor sich gingen und daß gegen Arbeiter, welche den Aus- stand nicht mitmachen wollten, vielfach ein höchst gewaltthätiger Zwang ausgeübt wurde. Zur Verhinderung dieses Zwanges und ,.—,-»vtfvirvt(UUUll■�1110' händigung des Arbeitsbuches und unter Umständen Auszahlung des Lohnes minderjähriger Arbeiter an die Eltern oder Vor- münder, Zustimmung der letzteren zur Kündignllg minderjähriger Arbeiter. In einer Zeit, wo die Fessel des Sozialistengesetzes hinwegfällt, wo Zuchtlosigkeiten, Rechtsbrüche und Ausschreitungen alltägliche Erscheinungen sind, kann man die ans Sicherung der Ordnung im gewerblichen Leben abzielenden Vorschläge nicht leichthin mit etlichen freiheitlich klingenden Phrasen abthun."— Wie es um eine„Sozialreform" beschaffen wäre, welche diese Hetzmeier in Szene setzen hülfen, davon können sich die Arbeiter nach solchen Ausfällen wohl einen Vers machen. Der„Zentralratff der deutsche» Gewerstvereiue"— kann man sich einen pompöseren Titel für das harmloseste Ding denken?—- hat sich wieder einmal im Grabe herumgedreht. Er hat folgenden Beschluß gesaßt:„Der Zentralrath erachtet mit besonderer Rücksicht auf den Ablauf des Sozialistengesetzes eine entschiedene und schärfere Vertretung der Arbcilerinteresscn sowohl in Bezug auf Vertheidlguna der dem Arbeiter gesetzlich garantirten Rechte, sowie der berechtigten Forderungen auf Lohn, Zeit und sonstige Arbeits- und Lebensbedingungen als das wirksamste Mittel zur Förderung der GewerkvereinS-Organisation."— Was hat die schärfere Vertretung der Arbeiterinteressen mit dem Ablauf des Sozialistengesetzes zu thun? Und von wein erwarten die Hirsch-Dunckerschen diese Vertretung? Die Sozialdemokratie wird sie leisten, aber sie ist von den Herren wohl nicht gemeint. Dm was der Herr Landrath sich alles kümmert. Der Landrath des Kreises Itzehoe, Herr Berg, hat an die Schul- inspektoren und Lehrer des Kreises folgende Bekanntmachung erlassen:„Auf meiner kürzlichen Reise durch Sundewitt und Alfen hat es einen angenehmen Eindruck auf mich gemacht, daß sick) auf dem Lande die alte, gute Sitte des sich gegenseitig Guteniag- bietens beim Begegnen noch erhalten hat. Bei meinen Beobachtungen in unserem Kreise aber habe ich bemerkt, daß die in Rede stehende Sitte nicht mehr überall besteht und nur von Personen geübt wird, die mit einander bekannt sind. Ich halte nun in unserer Zeit, wo umstürzende Elemente alle Ordnung und Sitte zu untergraben trachten, es für richtig und geboten, daß in das Gcmüih des Kindes die Ehrerbietung des jüngeren Geschlechtes vor dem älterem gepflegt wird, so daß die- selbe durch das Gutentagsagen auch äußerlich in die Erscheinung tritt. In den Städten wird dieser Brauch wegen der Anhäufung vieler Personen nicht durchweg gepflegt werden können, dagegen wären die Schüler der städtischen Schulen anzuweisen, daß sie die Gewohnheit des Gutentagsagens üben, wenn sie auf das Land kommen. An die Herren Schulinspektoren richte ich das Ersuckien, mich am Schlüsse eines jeden Jahres mit einer kurzen Mitheilung zi: versehen über die Wahrnehmungen, die sie in Bezug auf das Vorstehende gemackst haben."— Wenn die Kinder in: Kreise Itzehoe wieder„Guten Tag" sagen, wird die Sozialdeinolratie verloren sein. Cinr russische Flugschrift will wissen, daß der deutsche Kaiser dem russischen Zaren Vorschläge gemacht habe, unter denen auch die„Einberufung eines internationalen Kongresses zur Be- (rn.c.----- 1- �--- s.....- rathung gemeinsamer Maßregeln gegen den Sozialismus" ffgurirt. Bekannt ist, daß die sozialdemokrattsche Bewegung bei allen Fürsten- zusammenkünften der letzten Jahrzehnte zu Berathungeu Anlaß gegeben. Die Resultate dieser Berathungen sind natürlich nicht vekannt geworden, dagegen weiß man, daß sie den SiegeSzug der Sozialdemokratie nicht aufzuhalten vermochten. So wird es wohl auch in Zukunft bleiben. Der deutschfreistuttige Redakteur Thiele in Würzen wurde vom Landgericht in Leipzig wegen Beleidigung des Wurzener Stadtraths Suchsland zu ö Monaten Gefängniß und 800 Mark Geldstrafe verurtheilt. Dr. Karl Peter» läßt sich gegenwärtig von den national- liberalen Kolonialschwärmern in Hannover seiern. Mit ihm sind auch die Mitglieder seiner verunglückten Emin-Pascha-Expedition nach Hannover gekommen. Am Sonnabend Abend hielt Herr PeterS in einer Versammlung der deutschen flolomalgesellschaft Abtheilung Hannover einen Vortrag, in welchem er u. A. mit- theilte, daß die von ihm ans seiner Reise im Süden de-s Nyanza abgeschlossenen Verträge jetzt durch die deutsche Regierung ratifizirt worden seien.— Es handelt sich hier natürlich nur um die ohnehin bereits in die deutsche Interessensphäre fallenden Gebiete. Schließlich wurde Herrn Peters ein silberner Lorbeer- kränz überreicht. Am Sonntag fand zu Ehren des Herrn PeterS ein Festmahl statt, bei welchem Herr v. Bennigsen auf Herrn Peters und der letztere auf Herrn v. Bennigsen toastete. Herr M. Kurck: theill in hiesigen Blättern mit, daß das auch von uns gebrachte Zitat aus einem Aussatz von ihm in den „Mittheilungen" des Zcntralverbandes deutscher Industrieller „böswillig erfunden" se:. Wir hatten die Notiz, welche die„Spitz- marke:„Die Arbeiter sind zur Knechtschaft geboren" trug, einem Arbeiterblatte der Provinz entnommen und darauf gerechnet, daß von v. l dem Sterbebette— wie viel weniger also jene �orte, Ausruf:„Susanna Jwanowna! Kommen Sie, ich bitte, Ihre Mutter mödffe Sie segnen!" und dann die bleiche Hand, welche unter der schweren Decke hervorkam, der schwere Athem, das gebrochene Auge... Ach! genug! genug!... „Mit welchem Entsetzen, mit welchem Unwillen, mit welcher ängstlichen Neugierde blickte ich am folgenden Tage und an: Tage der Beerdigung in das Angesicht meines Vaters... ja! meines Vaters! In der Schatulle fanden sich seine Briefe. Mir war, als wenn er erblaßte und etwas crivachte... übrigens, nein! Nichts regte sich in dieser steinernen Seele. Gerade wie sonst ließ er mich acht Tage darauf in sein Kabinet rufen; ganz mit derselben Stimme.bat er mich, zu lesen: ,.Si vous le voulez bien, les observations sur Imstoiio de France de Mably, i la pnge 74.,. lä, ou nous avons 6to interompus," Er hatte nicht einmal Befehl gegeben, das Bild meiner Mnttcr hinauSzutragen! Freilich,... als er mich entließ, rief er mich an seine Seite, und sagte, nachdem er mir zweimal die Hand zum Slnffe gereicht hatte:„Susanne, la morfc de votre mere vous a privde de votre appui naturel; mais vous pourrez toujoura compter sur ma protection und, mich mit der andern Haiti) ein wenig an der Schultcr fasscnd und wegschiebend, setzte er mit seinem gewöhnlichen Zuspitzen der Lippen sogleich hinzu:„Alloz mon enfant!" — Ich hätte schreien mögen:„Du bist ja mein Vater!" aber ich sagte nichts, und ging hinaus. „?ln: andern Morgen in der Frühe ging ich auf da» Grab meiner Mutier. Der Niaimonat prangte in der ganzen Schönheit seiner Blüthen und Blätter, und ich saß lange auf dein- frisd)ailfgemorfe»en Grabhügel. Ich weinte nicht, ich trauerte nidst; der eine Gedanke nur wirbelte mir in: stopfe:„Hörst Du, Mutter? Er will mir seinen Schutz augedeihei: lassen!" Und es schien mir, als wenn der Hohn, der uin seine Lippen spielte, sie nicht beleidigen dürfe. „Zuweilen fragte ich mich, was mich denn bcwog, so beharrlich zu verlangen und zu sterben— nicht nach Aller- kenilnng... o nein! aber nad) einem warmen, verwandtschaftlichen Worte von Iwan Matveitsch? Wußte ich ja doch, welch ein Mensch er war, und wie wenia er dem glich, waS mir in meinen Träumen als... Vater vorschwebte? ... Aber, ich war so einsam, so einsam auf der Welt! Und dann... der eine unabweisbare Gedanke gab mir keine Ruhe:„Sie hat ihn ja geliebt! Es muß doch etwas da gewesen sein, weshalb sie ihn liebte!" „Noch drei Jahre vergingen. In unserem einförmigen, vorausberechneten und gemessenen Leben hatte sich nichts verändert. Fictor ivuchs heran. Ich war acht Jahre älter als er, und hätte mich gerne mit ihm beschäftigt, allein Herr Ratsch widersetzte sich dem. Er stellte eine Wärterin für ihn an, welche streng darüber zu wachen hatte, daß daS Kind nicht„verwöhnt", das heißt, ich nicht zu ihm gelassen würde. Fictor selbst wurde mir fremd. EineS Tages trat Herr Ratsch verstört, aufgeregt und zornig in mein Zimmer. Am Tage vorher waren böse Gerüchte über meinen Stiesvatcr zu meinen Ohren gelangt; es hieß, er sei überführt, von einem Kaufmanne bestochen zu sein, uno eine bedeutende Summe Geldes verheimlicht zu haben. „Sie können mir helfen," sing er an, ungeduldig mit den Fingern auf den Tisch klopfend.„Gehen Sie zu Iwan Matveitsch und bitten Sie für mich." „Bitten? Weshalb? Warum?" „Verwenden Sie sich für mich... ich bin Ihnen ja doch kein Fremder. Ich werde beschuldigt... mit einem Worte, ich kann mein Brot verlieren, und Sie mit mir." „Wie soll ich zu ihm gehen? Ihn belästigen?" „Warum nicht gar? Sie haben ein Recht, ihn zu belästigen." „Und welch ein Recht, Iwan Demjanttsch?" «Nun, machen Sic doch nicht Miene... Ihnen kann er doch aus verschiedenen Ursachen nichts abschlagen. Ist es denn möglich, daß Sie mich nicht verstehen?" „Er sah mir frech in die Augen, und ich fühlte, wie meine Wallgen erglühten. Haß und Verachtung stiegen plötzlich in mir aus; sie erhoben sich wie eine Weste und nberflutheten mich. (Fortsetzung folgt.) daZ Zitat, das auch durch den Druck als solches bezeichnet war, den uns nicht zugänglichen„Mittheilungen" wörtlich entnommen sei. Das ist eine so selbstverständliche Pflicht, dab wir ihre Ver- lctzung unmöglich annehmen konnten. Wir werden nicht lunter lassen, festzustellen, von wem die bedauerliche Mystistkation aus gegangen ist. Zum deutsche«» Spioneufiebev. Aus Mainz, den 22. d. M., wird der„Voss. Ztg." geschrieben:„Nachdem ich erst vor wenige» Tagen eine„Spionengeschichte erzählt habe, nahm ich Anstand von einer neuen, ain letzten Freitag erfolgten zu be- richten, deren Einzelheiten geradezu ungeheuerlich klangen. Leider bewahrheitet sich die hiesigen Blättern zugegangene Nachricht. Abermals«vurde ein Fremder, diesmal ein Holländer, Ritter de Stuers, der ein Bruder des holländischen Gesandten in Paris sein soll, vor dem Gauthor unter den« Verdacht der Spionage von Soldaten verhaftet und unter entsprechender Bedeckung erst nach der Hauptwache und dann nach dem Polizeianit gefuhrt. Die Verhaftung erfolgte auf Grund der Denunziation einer — Zivilperson, die wie ein Mainzer Blatt heute be- richtet, gar nicht einmal auf der Polizei, wo sich augenblicklich die Hinfälligkeit jeden Verdachts der Spionage ergab, vernommen wurde. Der Denunziant hatte gesehen, wie sich der Holländer auf einen Festungsweg verirrt, aber sofort wieder den richtigen Pfad eingeschlagen hatte. Erst nach geraumer Zeit wurde der völlig Ueberraschte festgenommen; von dem Angeber jedoch war keine Spur mehr zu bemerken. Die frivole Denunziation wird von der Presse aller Parteien verdammt, sogar das regierungs- freundliche, nationalliberale„Mainzer Tageblatt" ist sehr im- gehalten, daß auf die Tcnunziation irgend eines beliebigen Men- schen hin Jemand, wenn auch nur für kurze Zeit, verhaftet und als Spion betrachtet werden kann. Es sei»och bemerkt, daß dies bereits die sechste oder siebente Mainzer Spionengeschichte dieses Sommers ist." GeKerreich-Utigartt. T r o p p a u, 23. September. In drei Kohlengruben bei Dombrau ist ein Streik ausgebrochen. 2000 Arbeiter haben die Einfahrt verweigert und ziehen längs der Montanbahn nach Ostrau. Militär ist nach dem Kohlenrevier abbeordert. Frankreich. Calais, 23. September. Gegen 8000 Tüllarbeiter beschlossen, die Anträge des Vermittelungskomitees abzulehnen. Delegirte der Trades-Nnions von Nottingham wohnten der Ver- sammlung bei und versprachen den Streikenden die moralische und pekuniäre Hilfe aller englischen Arbeitersyndikate. Der allgemeine Ausstand dauert fort. »„ Keigien. Brüssel, 23. September. Hier zirkulirt das Gerücht, die Regierung suche nach Handhaben, um eine gerichtliche Verfolgung gegen die der Arbeiterpartei angehörenden Glieder des General- raths anzustrengen, die den allgemeinen Ausstand vorbereiten. Mehrere klerikale Blätter fordern diese Verfolgung, und der„Nord" behauptet, die Regierung werde dieselbe einleiten, sobald der geeignete Moment gekommen sei. M o Ii s, 23. September. Der Sozialist Fanviaux wurde von der französischen Polizei auf einer Reise nach Paris verhaftet wegen Zuwiderhandlung gegen den gelegentlich des großen Aus- standcs in Anziii seine Ausweisung verfügenden Befehl von 1887. Dieser Befehl war ihm damals nicht zugestellt worden. Schweix. Bern, 22. September. Der Nationalrath und der Stände- rath wurden heute durch Ansprachen ihrer Präsidenten eröffnet, in welchen! dem Vorgehen des Bundesrathes im Kanton Tefsin volle Anerkennung gezollt ivurde. Bern, 23. September. Der Stmiderath hat dem A»tr l Wirz zugestimmt, daß der Bundesrath in Erwägung i"**' nicht auf dem Wege internationaler Unterhandlnugen die so, tagsruhe der bei den öffentlichen Transportanstalten Angegelli< insbesondere durch thunlichste Einstellung des GüterzugdienM Sonntagen, weiter gefördert werden könne.. Bern, 23. September. Der Nationalrath hat heute ei stimmig beschlossen, in die Bundesverfassung eine neue-o stimmung aufzunehmen, wonach zu dem Verlangen einer-vl»' adstimmung über Revision eines bestimmten Artikels der Buno» Verfassung oder Aufnahme eines neuen Artikels in dieselbe eu> Stimmenzahl von 60 000 Schweizer Bürgern erforderlich sem r Bombay, 22. Septencher' In Cambay ist es infolge neuck Vermessungen von Grund und Boden zu einer kleinen Erhevu» gekommen. Auf Wunsch des Nabob sandte der englische ponM' Agent eine Anzahl Truppen dorthin, welche mit einer bewaffne Menge zusainnienstießen. Hierbei wurden 13 Unterthanen Nabob getödtet, 20 verwundet. Afrika.» Ein Telegramm der„Agenzia Stefan!" aus Mass a»* sagt, die Cholera-Epidemie dauere, wenn auch in nicht Hein» Maße, fort; es seien auch unter den Truppen einige Cho» fälle vorgekommen. Australien...... „Neuter's Bureau" meldet aus Sydney: Die vereiwa' Dampfschiffs-Rheder schloffen nach einer hier abgehaltenen»„ ferenz mit den Marine-Jngenieuren einen dreijährigen Kon» zu erhöhten Lohnsätzen, wodurch sich die Ingenieure» pflichteten, sich unter keinen Umständen einem Ausstande zuschließen. Theater. M i t t w o ch, den 24. S e p t e m b e r. Gpemihairs. Der Meistersinger von Nürnberg. Kchauspirlhans. Hans Lange. Berliner Theater. Kean. Deutsche« Theater. Der Pfarrer von Kirchfeld. Kesstng- Theater. Das zweite Gesicht. Friedrich-Milhelmstädt. Theater. Die Puppenfee. Schwätzerin von Saragossa. WaUner* Theater. Mamsell Ni- touche. Uestdens-Theater. Ferreol. Uintoria» Theater. Die Million. KelleaUianec- Theater. Madame Bonivard. Guten Morgen, Herr Fischer! Gstend-Theater. Muttersegen, oder: Die neue Fanchon. Thomao-Theater. Der Alpenkönig und der Menschenfeind. Adolph Ernst»Theater. Unsere Don Juans. Kanfinann's Uariötö. Große Spe- zialitäten-Vorstellung. Theater der Reichshallen. Große Spezialitäten-Vorstellung. Eonrordia. Große Spezialitäten- Vorstellung. Gebr. Richter'« Uariötv. Große Spezialitäten-Vorstellung. Mi»«tersarten. Große Spezialitäten- Vorstellung. Englischer Garten. Direktion: C. Andress, Alcxander- straße 27c. Auftreten der Chansonnette Fräulein Ehrenfeld. Auftreten der Kostüm-Soubrette Fräul. Rosa Valerie. Auftreten des Gesangshumoristen Herrn Ziegler. Austreten des Malabaristen und Egui- lebristen Mr. Charles. Auftreten des Professors Herrn Jean Clement mit seinen dressirten Schweinen, Esel und Gänsen. Anfang Wochentags 8 Uhr. Sonntags öVa Uhr. Entrce Wochentags u. Sonntags SO Pf. 50 Pf. und 75 Pf., im Vorverkauf 20 und 30 Pf. Der Garten ist au Vereine f. Soinmer- sestlichkeitenm.Spezialitätstt-Vorstellung zu vergeben._ EtMlMllt Buggenliagen am Moritzplatz. Täglich: Grosses Garten-Concert. Direktion A. Riidmaim. Dienstag und Freitag: Walzer-Abend. Fnfrwa Wochentags 10 Flg., XjlllltC gönn- nud Festtags 25 Flg. Bei ungünstiger Witterung in den llnteren Itestaurationsräuincn. Großer Frühstücks- und Mittagstisch. Spezial-Ausschank von Patzenhoser Export-Bier, Seidel 15 Pf. Die oberen Säle bleiben bis auf Weiteres wegen Renovirung geschlossen. 04 1 F. Müller. .Andrea« str. Ä3,H.p. Circus G. Schumann. Friedrich-Karl-Ufer. Mittwoch, 24:. Keptdr., Ab. 7 Vs Uhr. Grosse brillante Vorstellung. Besonders hervorgehoben wird: Altdeutsche Quadrille, geritten von 6 Damen und 0 Herren in Kostümen des 16. Jahrhunderts. Auftreten des berühmten sensationellen Cloivn Duroff. Miniatur-Jockcy Alf. Leon. Campagne- schule, geritten von Frl. Adele Schu- mann. Spezialität Frl. Brose. Damen- Jockey Frl. Edith Adams. Frl. O.Meers, 3 Nationen. Hertz, ostpreußischer Hengst, hohe Schule, geritten von Herrn E. Schumann. Auftreten sämmtlicher Clows.— Billet-Vorverkauf Jnvaliden- dank(Markgrafenstr. 61) und Circus- kasse von 10—1 Uhr. stluweilWBitthlilll« Kommaudantenstr. 77—79. Täglich: Grosses Concert mit Euartett-Sängern, ausgeführt von deni Musik- Direktor H. S a n f t l e b e>,. Wochentags: Frei-Concert. Sonntags Entree 20 Ft. Empfehle auch zugleich 8 Billards, 3 Kegelbahnen und einen Saal zu Ver- gnügungen und Versammlungen. 703 F. Sedtke. Nassago 1 Tr. 9 Uhr M. b. 10 Uhr Ab. Kaiser-Panorama. Hervorrag. Sehenswürdigk. d. Residenz. Zum 1. Mal: Neu: Zelgoiand. Uebergabe. Ankunft Qi des Kaisers. Feldgottesdienst»c. Zweite Reise durch Portugal. Eine Reise 20 Pf., Kind nur 10 Pf. Abonnement l M. WWllus S. Aeiile. Mhausseestraße 14 i Die schönsten d Merkleiiier imi) Men W für Mädchen jeden Alters, sowie dlorptotfe, llnteMe, j Moftiüfeii iL Blönsen Rauch im Einzelverkauf sehr' billig! SS Massbestollungen u. 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Volksblatt",„Volks- Tribüne; „Wahrer Jakob",„Giühliohter", deutscher Fostillon" u. s. w. 0% zeitig führe ich sämmtliche Schkm zur Ausklärung der Arbeiter. Meine geehrten Abonnenten darauf aufmerksam, bei dem jeW. Wohnungswechsel die neue Wohnu?z frühzeitig anzugeben. t18 Fmtz Voss, Kirkeustraße 59(Cigarrenladeiss Spiegel und Polster-Waaren, JLlA R# C reelle Waarr zu soliden Rrrise». Ganze Ausstattungen iL'aaBWR— TTmTTTTnt"l Mahagoni u, Zlubbaum; Küchrnmöbel in großer Auswahl empfiehlt Pran? Tutzauer,%%%&%' Echter Langensalzaer Kautabak, hergestellt nur aus besten Kentucky-Tabaken; zu haben in den meisten Tabak- Handlungen Berlins und umliegenden Plätzen. Unsere Hauptniedcrlagc Stralauerstrasse 39 giebt zu Fabriilpeeisen ab. Gebr. Äsiicr1, Tabakfabrik, 805 Langensalza i. Thür. NB. Jede Rolle muß den Zettel mit unserer Firma enthalten. Berlin S. ;a Schulz. 1535 Berlin S. Nr. 34. Wasserthor-Strajzr Nr. 34. Möbel- n. Polftmlilireil-Mbrik. Gediegene Arbeit. Zeitgomässo Preise. 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Druck und Verlag von Mar Zading in Berlin SW„ Beuthstraße 2. Hierin eine SeNage. iin» an Jp Sp Beilage zum Berliner VolNlnü. Nr. AZA. Mittwoch, den 24. Srptemtier 1890. 7. Jahrg. Uolrnles. Kri der Wahl, die gestern im 38. Kommunal- Wahlbezirk Mitfand, erhielten: Zigarrenhändler Gottfried Schulz Sozialdemokrat) 285 Stimmen, Rentier Schmidt(Bürgerpartei) 610 Stimmen, Oberlehrer Müller(Deutsch- Freisinn) 418 St. G§ findet somit eine engere Wahl zwischen dem Biirgerparteiler und de.» Fortschrittler statt. ,."Thut K„ßr!" Es ist ein seltsames Treiben in einer Nebergangsperiode, wie die jetzige. An allen Ecken uw Enden ist das Mäntelchen, mit welchem der Kapitalismus iilw bedecken will, abgeschabt und zerfetzt, und werall, welche Klasse von Trägern des heutigen Systems Ml auch betrachten mögen, überall grinst uns der voll- ominenste Bankerott an innerem Gehalt entgegen. Und •uch und nach drängt sich da allen das ängstliche Bewußtsein Mlen auf, daß über kurz oder lang etwas Gewaltiges ge- Ichchen muß, daß ein großartiger Umschwung bevorsteht in uilen Verhältnissen, und der weitesten Kreise bemächtigt sich �>i tiefes Unbehagen, das man überall fühlt, auch wenn Man nicht im Stande ist, es zu analysiren, seine Ursachen Zu begreifen und also die richtigen Heilmittel zu erkennen. �och steht zwar das Gebäude der gegenwärtigen Welt- Utdnung, aber die Pfeiler sind morsch geworden und ein -ötoderduft herrscht darin, der den Menschen beängsti- flenb die Kehlen zuschnürt. Wer nicht ganz blind sst, der sieht den großartigsten Kampf aller Zeiten heraufziehen, und der sieht, welcher Fahne der Sieg Geschieden sein muß. Auf der einen Seite die herrschenden fassen, korrnmpirt bis auf das Mark und nicht mehr fähig, bem um sich fressenden Gifte der immer weiter fortschreiten- den Korruption Einhalt zu gebieten, ans der anderen Seite d>e von Tag zu Tag wachsende Masse des Proletariats, die ßch von jener Verderbniß freizuhalten weiß, die sich aber von den verfaulenden Ueberlieferungcn des absterbenden Zeitalters muthig cmanzipirt und Steine ans Steine thürmt, Zu dem Gebäude einer neuen Weltanschauung. So lange dieser Kampf auf allen Gebieten der Kultur sich noch vor- bereitet, so lange die kranke Gegenwart nicht todt ist und dem jugendfrischen Neuen, das berufen ist, die Zukunft zu beherrschen, noch nicht das Feld geräumt hat, so lange wird jene ängstliche Verwirrung in den Reihen der Vertreter des Gegenwärtigen herrschen und sich immer noch steigern bis zum Tage der Entscheidung. Augenblicklich gerade hat diese Verwirrung einen sehr hohen Grad erreicht. Auch dies mag, wenn es auch nicht direkt damit etwas zu thun hat, theilweise zusammen- hängen mit dem Umstände, daß in wenigen Tagen das Gesetz abläuft, durch welches man das zielbewußte Proletariat niederzuhalten gehofft hatte, und daß man sich nun genöthigt sieht, sich ernstlich nach neuen Kämpfmitteln umzusehen, welche sich wirksamer zu erweisen hätten. Man hat trotz alles Hin- und Herredens solche Kampfmittel noch nicht ge- funden, und das Suchen muß ja auch naturgemäß erfolglos bleiben, weil eben die nothwendige Entwickelung sich nicht verhindern läßt, und weil die Korruption die herrschenden Klassen längst zu einem geistigen Kampfe unfähig gemacht hat. Alle geistigen Waffen befinden sich in den Händen der Gegner des bestehenden, die Bourgeoisie ist geistig und sitt- (ich bankerott und sie vermag nichts hervorzubringen, was den absterbenden Baum der kapitalistischen Kultur wieder zum Blühen bringen könnte. Das Letztere will oder kann wan natürlich nicht einsehen, aber gleichwohl fehlt es nicht an Predigern in der Wüste, welche den moralischen Verfall der herrschenden Klassen klar genug erkennen. Und diese Prediger erheben gerade jetzt ihre Stimme und schreien dem Verkommenen und Verlorenen ins Ohr, daß sie Äuße thun und umkehren mögen auf dem Wege, der sie immer tiefer Nl den Sumpf führt, in welchem sie schließlich elendiglich umkommen müssen. Die Rufer sind die ganz rechts stehen- den Organe der öffentlichen Meinung, welche in der Rück- kehr zur Gottesfurcht das Universal- Heilmittel für alle Schäden der Zeit erblicken. Den Anlaß dazu haben die Ekandalgeschichten gegeben, welche sich in den letzten Tagen s» den Kreisen unserer„höheren" Gesellschaft abspielten. Ta war zuerst der berüchtigte Fall des Grafen Kleist, und dann folgten die Selbstmorde des Sportinau Freihcrrn von Schleinitz, der angeblich durch den Schmerz über die Untreue seiner Geliebten in den Tod getrieben wurde, und des Grafen von Schaumburg, welcher leider nnt seinen Letten aus den» Rennplatz nicht das Glück gehabt hat, welches er seinem Stande nach hätte de- anspruchen dürfen. Tann hat sich auch noch ein adeliger ehemaliger Lieutenant erhängt, und, um die Reihe dieser sensationellen Fälle noch zu verlängern, hat (ich erst gestern wieder in Potsdam ein älterer Offizier entleibt. Wir nehmen diesen Vorgängen gegenüber eine andere Stellnug ein, als die andere Presse, welche es besonders be- Gut, daß gerade Angehörige adliger Familien die Helden der betreffenden Affären sind. Tic bürgerliche Demokratie legt großen Werth auf die adligen Namen der Selbstmörder. Diese Häufung von Scnsatioiissällen muß allerdings einigen Eindruck machen, und sie wirst unzweifelhaft ein grelles Licht auf die Zustände in de»„höhereu" Gcseltschaftskrciseu. Aber daß gerade der Adel hierbei so sehr betheiligt ist, Rächten wir doch mehr als einen Zufall betrachten. That- sächlich repräseutirt auch bei uns der Adel, so sehr er sich auch»och als abgeschlossene Kaste fühlt, keine eigentliche Klasse mehr; in diesem Falle müßte er auch eme besondere 'virthschaftliche Unterlage haben. Vielmehr ist der Adel Nur noch ein Thcil der Großbourgeoisie, deren Sohne ja thatsächlich mit dem Adel in dessen noblen Passionen und in der Verdcrbtheit wetteifern. Aus die Familienaugehörigkeit der Schleinitz u. f. in. mochten Rir also nicht allzu großen Nachdruck legen. Das Organ des Adels selbst freilich, die„Kremzeitnug", behandelt die Sache ebenfalls seyr ernst als eine Angelegenheit des.ldels, den sie in einer sehr feierlichen Predigt zur Umkehr auf- fordert. Das reaktionäre Blatt entwickelt eine bis zu einem gewissen Grade bewunderungswürdige Einsicht in die in der Gesellschaft herrschende Korruption und mahnt energisch, daß man die„Zeichen der Zeit" verstehen lerne. Es erinnert daran, wie durch die große französssche Revolution die Feudalmonarchie für ihre Verderbtheit bestraft worden ist," und ruft„allen, die es angeht" zu:„Haltet ein auf diesem Wege, er führt ins Verderben." Die„Kreuz- Zeitung" vergißt allerdings hierbei, daß nothwendiger- weise jede Klassenherrschaft in den herrschenden Klassen Korruption erzeugt, und daß nicht sowohl die jetzt stetig wachsende Korruption die Ursache der Umwälzung ist, ivenn auch selbstverständlich diese durch die Korruption gefördert wird, sondern daß vielmehr die Korruption nur eine naturgemäße Begleiterscheinung des allgemeinen Niederganges der gegenwärtigen Weltorduung ist. Im Zeitalter des Feudalismus war der Adel mindestens ebenso verderbt, wie er es jetzt ist; nur fehlte damals die Publizität für seine Skandalgeschichteu. Seit 1789 nun ist dem Adel das Vorrecht, allein das Volk zu bedrücken und auszusaugen, beschränkt worden, indem sich seitdem auch die große Bourgeoisie bei diesem angenehnien Geschäft bc- theiligt. Der Adel dürste aber, was Korruption betrifft, sich so ziemlich gleich geblieben sein, ob er nun die herrschende Klasse war, oder ob er jetzt ein Theil der Herrschenden Klassen ist. Und wie vor 1789 die Kor- ruption sich nicht durch wohgemeinte Predigten eindämmen ließ, so wird auch jetzt die„Krcuzzeituug" tauben Ohren predigen. Die Zeit muß sich erfüllen, und das gegenwärtige System muß sich zu Grunde richten— jdaran läßt sich nichts ändern. Wir erkennen es gern an, daß endlich einmal nicht nur den Armen billige Moralpredigten gehalten werden, und daß Einzelne gegenüber den ungeheuren Schäden im eigenen Lager die Augen öffnen. Aber eine Umkehr gicbt es nicht, denn ein vermoderter Stamm kann keine gesunden Früchte mehr erzeugen. Es wird sich nichts ändern, und wenn sich nichts ändert, dann— so sagt die„Kreiizzeitmig" „sind die im Recht, die voll Ingrimm rufen: fort mit diesen Drohnen, ihre Uhr ist abgelaufen; fort!" Wir rrhaltrn folgrndro Schreiben: Auf eine Schwindelei der gemeinsten Art erlaube ich mir niittelst des „Berliner Volksblatts" die Arbeiter aufmerksam zu machen. Am Montag Nachmittag kam ein Junge, im Alter von 11 bis 12 Jahren, in die Mützenfabrik von G. A. Hoffmann, Sebastianstraße Nr. 14, mit einem Bittgesuch folgenden" Inhalts: „Da mein Mann seit IVi Jahren im Krankenhaus am Knochen- fraß liegt, ich 7 kleine Kinder zu ernähren habe, bitte ich edel- denkende Menschen um eine Unterstützung. Frau Scholz, Königs bergerstraße 2 bei Tilsch. Da in größeren Fabriken derartige Bittgesuche öfter kommen, macht man hierin einige Erfahrung: wir sammelten 3 M. 55 Pf. und gaben dem Jungen die Weisung mit, das Geld am Abend selbst hinzubringen, 5 Pfennig er hielt der Junge, weil er einen vertrauenerweckenden Ein druck machte, um sich ein paar Schrippen dafür zu kaufen Am Montag Abend gingen zwei unserer Kollegen nach der Königsbergerstrahe, erkundigten sich in einem dortigen Milch- geschäst, ob hier im Hause eine Familie Tilsch wohne. Ja wohl, lautete die Antwort. Dann wurde gefragt, ob bei Tilsch als Astermiether eine Frau mit sieben Kindern, Namens Scholz, wohne. Auch dieses wurde bestätigt. Tilsch ist Schuhmann, Scholz Eisenbahnarbeiter, und leben in guten Verhältnissen, haben gar keine Ahnung davon, daß auf dem Namen Scholz derartige Schwindeleien verübt werden. Nach Angaben der Leute sollen wir in kurzer Zeit die sechsten oder siebenten gewesen sein, die sich nach den Verhältnissen er- kündigten, rcsp. Unterstützung geben wollten. Der Junge ist ungefähr 1 rn 10 cm groß, schlank gewachsen, hellblond, geht ziemlich gut in Kleidung, fem Benehmen ist Ver trauen erweckend. Hochachtungsvoll Franz Wedemeyer, 8., Jahn- straße 18 11. Als Diejenigen, welche sich von dem Sachverhalt überführten: C. Fischer, R. Hördes. Zeuge» gesucht. Diejenigen Genossen, welche am Tage vor der Stichwahl mit Flugblättern nach Halle gefahren sind und den Vorfall in Königsivustcrhauscn mit angehört haben, wie der Bahnhofs- Vorsteher, als ihm ein Flugblatt gereicht wurde, die Worte sprach:„V 0 n Ihnen, Strolch, nehme ich kein Blatt", werden gebeten, ihre Adresse bei dem Restaura- teur H. Hoffmann, Wasserstraße 3, in Berlin abzugeben und werden sämmtliche Arbeiterblätter um Abdruck gebeten, da sich mehrere der Genossen auf Wanderschaft befinden. Nou der Feumurhr wurde vorgestern auf dem Exerzierhof in der Lindenstraße drei Stunden lang Fußexerzieren geübt. Tic Mannschaften, die meist schon in reiferem Alter stehen, muthetes meist sonderbar an, nun wieder, wie einst beim Militär als junge Rekruten, Lausschritt und dergl. üben zu müssen. Früher kannte man bei der Feuerwehr eigentlich nur die spezielle» Feuer- löschübungen. Spritzen- und Leiterexerzieren und setzte sich darüber hinweg, wenn beim Salutiren die Axt auch etwas schief ge- hallen wurde. Zum Schauplatz riur» Srandeo wurde in letzter Nacht das alte 5kascrneugebäude in der Neuen Friedrichstraße, das jetzt zahlreiche kleine Mielher beherbergt, die in den großen Räumlich- leiten ihrem Gewerbebetriebe nachgehen, oder den ausgedehnten Hof als Lagerplatz benutzen. Ter Nords! iigel enthält im Kellergeschoß einzelne Verschlüge, die als Pferde- und Ziegenstallungen Verwendung finden. Der Eingang zu diesen jVerschlägen befindet sich im Giebel nach der Stadtbahn zu. In diesem Keller war durch Unvorsichtigkeit Feuer entstanden, das schnell um sich griff, so daß noch vor Zluknnst der Feuerwehr zwei dem Fuhrmann und Obsthändler Rammler gehörige Pferde erstickt sind. Acht andere Pferde und drei Ziegen wurden wohlbehalten von der Feuerwehr herausgeschafft. Die Löscharbeit nahm zwei Stunden in Anspruch. Ter Geschädigte ist nicht versichert. Aus Eifersucht! Am Sonntag Nachmittag unternahmen drei junge Mädchen eine Kahnpartie auf dem Seddinsec bei Schmöckwitz; sie waren nach den Rauenschen Bergen hinüber- gefahren, um daselbst noch einen Spaziergang nach Gosen zu unternehmen. Als das Boot angelegt hatte, stand das eine der jungen Mädchen auf, zog einen verschlossenen Brief aus der Tasche und übergab ihn der einen Freundin mit der Bitte, den- selben am anderen Tage ihrem Bräutigam einzuhändigen, worauf sie dann mit den Worten:„Lebt wohl, ich habe das Leben-satt, denn Karl hat mich schändlich hintergangen!" vor den Augen der darüber entsetzten Freundinnen ins Wasser sprang. Zum Glück war die betreffende Stelle zur Ausführung des beabsichtigten Selbst- mordes nicht lief genug, daS Mädchen blieb daher bis zum Halse im Wasser stecken. Ans die Hilferufe der beiden anderen Mäd- chen eilten nun sofort einige Schiffer herbei, denen es nach einiger Anstrengung gelang, das lebensmüde Mädchen aus dem morastigen Grunde zu befreien und ins Trockene zu bringen, woraitf es dann bewußtlos zusammenbrach und nach einem nahe gelegenen Wirths- Haus gebracht wurde. Nachdem die Gerettete daselbst wieder zu sich gekommen und mit trockenen Kleidern versehen worden war, wurde sie auf Veranlassung des Wirthes in einem Wagen nach der Wohnung ihrer in Berlin wohnenden Eltern gebracht, die natürlich über den Vorfall nicht wenig überrascht waren. Drm leidige» Kootschaukeln ist am Sonntag wieder ein blühendes Menschenleben zum Opfer gefallen. Zwei junge Leute — im Alter von etwa 16 Jahren— hatten am Nachmittag in der fünften Stunde in Stralau ein Boot gemiethet, um in dem- selben eine Fahrt nach dem Eierhäuschen zu unternehmen. Als ihnen unterwegs ein Dampfer begegnete, wollten sich die beiden jungen Leute das zweifelhafte Vergnügen bereiten, sich mit ihrem Boot von den durch das Dampfschiff ausgerührten Wellen schaukeln zu lassen und steuerten demselben daher direkt entgegen. Doch kaum hatten sie gewendet,"so erhoben sich beide von ihren Plätzen, das Boot schwankte, kenterte schließlich und die jungen Leute lagen im Wasser. Der eine war des Schwimmens kundig und rettete hierdurch sein Leben, während sein Genosse sofort unter- sank. Obwohl sofort mehrere Schiffer unverweilt mit ihren Handkähnen hinzueilten, so gelang es ihnen doch nicht, den Unter- gegangenen zu retten, dessen Leiche auch bis gestern noch nicht zu Tage gefördert werden konnte. Der Verunglückte, der sich zum Besuch bei Verwandten in Rummelsburg aufgehalten hatte, ist der Sohn eines Mechanikers in Berlin. Welche» Umfang das DroschKenwese» in Kerlin hat, zeigt in einem Gesammtbilde die dieser Tage erfolgte Publi- kation des Droschkenreglements vom Königlichen Polizei-Präsidium zu Berlin. Nach derselben giebt es in Berlin 208 öffentliche Halteplätze für Droschken l. Klasse, auf denen insgesammt mindestens 430 Droschken dieser Klasse zu finden sein müssen, während die Höchstzahl von Droschken, welche dort halten „können", 1575 beträgt. Für Droschken 2. Klasse giebt es 388 öffentliche Halteplätze und es müssen aus diesen im Ganzen 844 Droschke» halten, es können dagegen dort zusammen- genommen 3190 halten. Wie man sich leicht herausrechnen kann, entfallen durchschnittlich 2 Droschken, welche halten müssen, auf die Haltestelle. Nach dem Reglement können aber auf einigen Stellen 30 und darüber halten. Auch die Nachbar- Residenz Charlottenburg kommt bei dieser Publikation in Betracht. Dort giebt es nur sieben öffentliche Halteplätze für Droschken I. Klaffe und es müssen auf denselben 12 Droschken, es können auf ihnen aber auch 100 Droschken halten. Die Zahl der Halteplätze sür Droschken II. Klasse in Charlottenburg macht 16 aus; halten müssen auf denselben mindestens 27 Droschken, halten können insgesammt bis zu 176 auf ihnen. Aus den Bestimmungen des Halte-Realemcnts dürfte es für das Publikum wissenswerth sein, daß keine Droschke den Halteplatz an einem Theater oder Eisenbahnhofe nach beendigter Vorstellung bezw. nach Beendigung der Expedition der Personenzüge ohne Fahrgast früher verlassen darf, als sich von dort der Aufsichts- beamte fortbegeben beziehungsweise die letzten Passagiere den Bahnhof verlassen haben. Hauseinfahrten, die Bürgerstcige an den Straßenecken, die Pferdecisenbahn-Haltestellen u. a. m. dürfen durch Droschken nicht versperrt werden. Den Straßen-Reinigungs- Mannschaften müssen die Droschken auf Erfordern Platz machen. Bei großer Hitze ist es den Droschkenkutschern gestattet, die dem Halte- platze zunächst gelegene Schattenseite der Straße mit ihrem Fuhr- werk aufzusuchen oder auch in einer Nebenstraße Ausstellung zu nehmen; jedoch ist hierzu die Einigung aller Kutscher der Halte- stelle und dann auch die Genehmigung des Aufsichtsbeamtcn nöthig. Macht Kanalisation, Pflasterung oder dergleichen die Aushebung eines Halteplatzes nöthig, so wird dies durch Abnahme des betreffenden Schildes an der Straße bemerkbar gemacht. Daß man an manchen Tagen Morgens fast nur Droschken mit geraden Nummern und an manchen solche mit ungeraden findet, hat auch seine Erklärung durch das Regleiiieiit: an den Tagen mit un- gerader Datumszahl ist den Droschken mit ungerader Nummer, an den Tagen mit gerader Zahl denjenigen mit gerader Nummer von Seiten der Polizei nachgelassen, den Betrieb erst Morgens Uhr zu beginnen. Infolge einer Ketriebsstörnng an unserer Maschine gelangte gestern Morgen ein kleiner Theil unserer Auflage etwas verspätet in die Hände unserer Abonnenten. Wir bitten wegen der Verzögerung um Entschuldigung. Uolizeibrricht. Am 22. d.M. Vormittags entstand in der Werkstatt des Ingenieurs Hoffmann, Linienstraße 148, eine Explosion durch Entzündung von kochendem Gasolin, bei welcher ein dienstlich anwesender Polizeilieutenant nicht unbedeutende Brandwunden am Kopf und Hals erlitt.— Mittags wurde ein Mann in seiner Wohnung, in der Greifswalderstraße, erhängt vorgefunden.— Als Nachmittags auf dem Bahnhof der Großen Berliner Pferdecisenbahn- Aktiengesellschaft, Brandenburgstraße Nr. 75—77, ein Pferd beschlagen werden sollte, schlug dasselbe aus und traf den Schmiedegesellen Dahin, welcher den Fuß des Pferdes hielt, derartig gegen den Leib, daß er auf der Stelle verstarb.— Gegen Abend fiel ein Mann beim Betreten eines Schankgeschäftes im Erdgeschoß des Hauses Badstraße Nr. 20 in der Trunkenheit gegen die Eingangsthür, zertrümmerte die Glasscheibe derselben und zerschnitt sich dabei die Pulsader der rechten Hand, so daß er nach dem Lazarus-Krankenhause ge- bracht werden mußte.— Zu derselben Zeit wurde in der Frank- surter Allee ein sjähriger Knabe von einem Schlächterwagen über- fahren und am Knie nicht unbedeutend verletzt.— In der Nacht zum 23, d. M. sprang ein obdachloser Mann am 5kohlen-Ufer in den Landwehrtänal, wurde jedoch noch lebend aus dem Wasser gezogen und nach dem Krankenhause am Urban gebracht.— Zu derselben Zeit siel ein Mann, welcher sich in der Trunkenheit dem Grundstück Kotlbnser Ufer Nr. 45 gegenüber auf das Geländer des Landivehrkanals gesetzt hatte, ins Wasser und ertrank. Die Leiche wurde bald darauf gesunden und nach dem Schauhause ge- schafft.— Am 22. d. M. fanden sechs kleinere Brände statt. Kor rinigr» Monaten wurde der Handlnngskomml» Uatrntin Cohn wegen fortgesetzter Diebstähle zu einer Ge- fängnißstrase von zwei Jahren verurtheilt. Derselbe war in dem Geschäst des Lcderivaaren-Fabrikanten Henschel angestellt gewesen und hatte seinem Prinzipal eine große Menge Waaren gestohlen. Bei der Voruntersuchung stellte sich heraus, daß fast sämmtliche gestohlene Waaren zu Schlenderpreisen in den Besitz des Galan- teriewaarenhändlers Isidor Löwenthal übergegangen waren. Dieser stand deshalb gestern wegen Hehlerei vor der zweiten Strafkammer des Landgerichts I. Es wurden bei dem Ange- klagten 42 von Cohn ausgestellte Rechnungen gesunden, welche zum Theil über recht erhebliche Waarenposren lauteten. Löwen- thal behauptete im Termine, daß er nur sehlerhaste Partiewaare gekauft habe und des Glaubens gewesen sei, daß Cohn's Prinzipal von den Geschäften Kenntniß gehabt habe. Die Beweisausnahme fiel für den Angeschuldigten dermaßen ungünstig aus, daß Staatsanwalt Dr. Benedix gewcrbs- und gewohnheitsmäßige Hehlerei für vor- liegend erachtete und bei der Schwere des Falles eine Zuchthaus- strafe von zwei Jahren in Antrag brachte. Der Gerichtshof war ebenfalls der Ansicht, daß das alte Sprichwort vom Hehler und Stehler hier zur Anwendung gebracht werden müßte, denn die fajt täglich zur Kenntniß der Behörde» gelangenden Diebstähle der Kommis und Hausdiener könnten nicht vorkommen, wenn sich nicht Hehler fänden, die den Dieben das gestohlene Gut abnähmen. Gs wurde deshalb auf anderthalb Jahre Zuchthaus, Ehrverlust und Polizeiaufsicht erkannt, auch die sofortige Inhaftnahme des Verurtheilten verfügt. |(iit die Krnte vo» 3 Mar li handelte es sich in einer An- klage wegen Raubes, welche gestern vor dem Schwur- g e r i ch t des Landgerichts 1. gegen den„Arbeiter" C a r l O t t o Bergfeld und den der Hehlerei beschuldigten„Arbeiter" Herf- niann Friedrich Lange verhandelt wurde. Belastungs- zeugen waren vier Kinder im Alter von zwölf und dreizehn fahren, deren eins, ein zwölfjähriger Knabe, eines Tages in der voch,iraße der Gegenstand eines Raubanfalls geworden ist. Der Junge hatte von seiner Mutter einen blanken Thaler zum Einholen bekommen und, den Weisungen der Mutter entsprechend, hielt er das Geldstück krampfhaft in seiner Hand. Da langte plötz- uch ein Fremder von hinten über seinen Köpf hinweg, bog ihm ft'nScr, gewaltsam auseinander und entriß ihm den Thaler, mit welchem er verschwand. Das Weinen des Jungen zog andere Kinder herbei, welche noch bemerkte», daß der Straßenräuber in Begleitung eines anderen Mannes eiligst da- von lief. Eämmtliche Kinder behaupteten, daß der Angeklagte Bergfeld, ivelchcr einem der betheiligten kleinen Mädchen persön- Iich bekannt ivar, den Raub ausgeführt hatte und Lange war verdächtig, wenn nicht mit B. gemeinschaftlich operirt, so doch der Hehlerei sich schuldig gemacht zü haben.— Auf Grund der Beweisaufnahme fällten die Geschivorenen nur gegen Bergfeld einen Schuldigspruch und der Gerichtshof verurtheilte denselben zu zwei Jahren Gcfängniß und Ehrverlust auf gleiche Dauer. (Ibrigkrit und„Gebildete" unter sich. In vierter Instanz wurde gestern vor der 6. Strafkammer ein. Konflikt verhandelt, welchen m August v. I. der Hofarzt Dr. Windel- band mit dem Amtsvorsteher von Bötzow, Major v. B r e d o w. gelegentlich eines Jagdvergnügens gehabt hat, Herr Dr. W. befand sich mit einer Jagdgesellschaft in, Gasthause zu B. und ein- zelne Herren vergnügten sich damit, ihre Büchsen in die Lust ab- zilieuern. Sie wurden darin durch den Amtsvorsteher v. Bre- dow gestört, welcher sehr erregt zwischen die Gesellschaft trat und derselben Vorhaltungen wegen dieses iincrlaubten Schießens in der Nähe bewohnter Gebäude machte. Als Herr Dr. W. sich da- gegen verwahrte und seine Meinung dahin aussprach, daß seines Wilsens ein solches Schießen 50 Schritte von einem Hause ent- sernt nicht verboten sei, trat ihm Herr v. Bredow sehr energisch entgegen(einige Zeugen wollten sogar wissen.'daß er Herrn Dr. W. vor die Brust gestoßen) und erklärte ihm:„Herr, ich verhafte Sie! Wissen Sie auch, daß ich ihre Flinte beschlagnahmen kann?" Dr. W. bestritt das Recht dazu und als der Amtsvorsteher die Flinte ergriff, riß er Ä J! e'nem Ruck an sich, erklärte aber gleich darauf: «Wenn S,e aber glauben, ei» Recht zur Beschlagnahme zuhaben, so ist hier die Flinte." In diesen Vorgängen hatte das Schöffen- gericht einen Widerstand gegen die Staatsgewalt gefunden und den Dr. W. zu 100 Mark Geldbuße event. 20 Tagen Gefängnih verurtheilt. In der Berufungsinstanz erkannte die Strafkammer des Landgerichts II auf Freisprechung, indem sie dem Amtsvorsteher v. Bredow nicht für berechtigt hielt, in diesem Falle, wo es sich um eine zugestandene Uebertretung durch einen dem Amtsvorsteher bekannten Mann handelte, eine Beschlagnahme der Flinte als„Beweismittel" vorzunehmen.— Das Kammer- geruht hob dieses Urtheil aus juristischen Gründen auf, die sechste Strafkainmcr stellte sich aber gestern ganz auf den Standpunkt des Landgerichts II und war gleichfalls der Ansicht, daß sich der Amtsvorsteher v. Bredow nicht in der berechtigten Ausübung seines Zimtes befunden habe, ganz abgesehen davon, daß sich darüber streiten läßt, ob eine wirkliche Beschlagnahme in der von Herrn v. Bredow deliebten Frageform stattfinden kann. Nach # 98 Str.-P.-O. stehe die Anordnung von Beschlagnahmen dem Richter, bei„Gefahr im Verzuge" den Hilfsbeamten der Staats- anwaltschaft zu. Daß bei dieser einfachen Uebertretung weder von einer„Verhaftung", noch von„Gefahr im Verzuge", noch aber von der Erlangung„bedeiitungsvoller Beweismittel"(§ 94) die Rede sein könne, bedürfe weiter keiner Erörterung; Herr von Bredow hätte in solchem Falle ja auch die Gewehre der" übrigen Jagdtheilnehmer konfisziren müssen. Aus allen diesen Gründen ergebe sich die Freisprechung des Angeklagten. zSoziolo Mvbevstrhk. Achtung, Klempner! Durch Beschluß der ain 7. Juli er. siattgefundenen öffentlichen Versammlung sämmtlicher Klempner Berlins und Umgegend unterbreiten>vir nochmals die von unter- zeichneter Koinmission ausgearbeiteten und von der Versammlung angenommenen Lohnforderungen: 1. Eine Arbeitszeit von neun Stunden. 2. Der Mindestwochenlohn beträgt 24,30 M.(45 Pf. Stunde), Ueberstunden bis 10 Uhr Abends bedingen einen Auf- schlag von 25 pCt., Sonntagsarbcit einen solchen von 60 pEt. und Nachtarbeit einen Aufschlag von 100 pCt. mit dem Zusätze, daß Ueberstunden-, Sonntags- und Nachtarbeit uiöglichst zu vermeiden ist. 3. Bei Akkordarbeit muß der Lohn von 24,30 M. ausgezahlt werden, für Ueberstunden ec. gelten dieselben Aufschläge wie bei Lohnarbeit. 4. Der Arbeitgeber hat sämmtliches Werkzeug zu liefern, und darf für fehlendes Werkzeug beim Abgange des Arbeit- nehmers rein Geld einbehalten, soweit den Letzteren keine nachweisbare Schuld trifft. 5. Ebenso sorgen die Arbeitgeber bei gefahrdrohender Arbeit, soweit sie nicht schon gesetzlich dazu verpflichtet sind, für Schutzrüstungen, Rettungsleinen ec., sowie für einen dem Stande der Hygiene entsprechenden Verbandskasten. 6. Arbeitsnachweis. Ter unentgeltliche Arbeitsnachweis für Arbeitgeber und Arbeitnehmer befindet sich in den Händen der Letzteren. Einer aus beiden Theilen gewählten Kom- Mission steht die Kontrole über den Arbeitsnachweis zu. Ferner haben die Zlrbeitgeber bei Fassadenarbeiten eigene Nüsttingen zu stellen. icvllegen! Seid Ihr nun gewillt, vorstehenden Forderungen Geltung zu verschaffen? Seid Ihr gewillt, in gewisser Hinsicht Eure Lebenslage und die Eurer Familien in absehbarer Zeit zu verbessern zum Wohle der Allgemeinheit, so legt alle Schlaffheit und allen Jndifferentismus bei Seite, lehrt Euch nicht an kleinliche Nörgeleien untereinander, sondern agitirt mit ganzer Kraft und Energie für den in derselben Versammlung gefaßten Be schlns,: Vom 1. August ab pro Mann und Woche 25 Pf. zum Streikfonds zu zahlen, sdamit im nächsten Jahre die aufgestellten Forderungen durchgeführt werden können, und betrachte es ein jeder ehrliche Kollege als Ehrenpflicht, sich in Besitz einer Streil karte zu setzen. Die Zahlstellen resp. Ausgabe von Streikkarten befinden sich: im Norden: Granseerftr. 3 im Lokale, im Osten: Landsbcrgerstr. 105 im Lokal von Germann, im Süden: Ritterstr. 128 in der Herberge von Stramm, im Westen: Ziethen- und Schwerinstraßen-Ecke iin Lokale von Graffunder. Dieselben sind geöffnet des Sonnabends Abends und Sonntags Vormittags von 10 Uhr ab. Mit kollegialischem Gruß! Die Lohnkommission. I. A.: Paul Abraham. IVvl'omntUtmu'n. Eine allgemeine Gewerkl'chaftsvrrjauttnlnng tagte am Freitag, den 19. d. M., in Jordan's Salon, Neue Grünstr. 23, unter den Vorsitz der Herren Wernau, Robert Schmidt und Bombin. Die Tagesordnung war: Fortsetzung der Berathung, betreffend Sanktionirung der von der Berliner Streik-Kontrol- koinmission gefaßten Resolutionen. Zu diesem Punkte legte Herr Täterow die Entstehung und bisherige Thätigkeit der Koinmission in kurzen Zügen klar. Fast alle Gewerkschaften sind an der Kom- Mission betheiligt und ist ihre Mitgliederzahl ca. 150. Besondere Schwierigkeiten werden der Berliner Streik- Kontrolkommission durch das Vereinsgesetz bereitet, indem bei der Konstituirung genau beobachtet werden muß, daß die Kommission nicht als Verein gelte. Darum mußte von einer Leitung ganz abgesehen werden und alle Versammlungen als öffentliche stattfinde». Der geschäftsführende Ausschuß hat nur die Aufgabe, etwaige Vorkommnisse der Kommission zur Begutachtung zu unterbreiten und die Berliner Streik-Kontrol- koinmission ist der beschließende Faktor. Die Form der Beschlüsse der Berliner Streik-Kontrolkommission findet in Resolutionen statt, zu welchen die Gewerkschaften in öffentlichen Versamm- lungen Stellung zu nehmen haben. Die Uebermittelung der Re- solutionen ist Aufgabe der Delegirten. Auch muß darauf geachtet werden, daß die Delegirten der Berliner Streik-Kontrolkommission nicht Vorstandsmitglieder von Fachorganisationen sein dürfen. um so das Angriffsfeld der Behörden zu beengen. Weiter ging Herr Täterow auf die vom Ausschuß vorge- schlagenen Resolutionen ein, legte ihre Bedeutung und die ver- schiedenen Einwände, die dagegen gemacht, klar. Die prinzipielle und taktische Stellung der Berliner Streik- Kontrolkommission drücke sich in der ersten Resolution aus, indem die Nothwendig- keit einer Verbesserung der Lohn- und Arbeitsbedingungen, im Besonderen die Verkürzung der Arbeitszeit, anerkannt sei und somit den Aufgaben der Gewerkschaften genüge. Betreffs der Taktik macht es sich die Kommission zur Aufgabe, das plan- lose Streiken zu verhindern. Daher ist es nothwendig, die Genehmigung bei der Berliner Streik-Konttolkommission nachzusuchen und, wo dieses nicht vorher möglich, muß dieses nachträglich unverzüglich geschehen. Wo dieses nicht geschieht, ist die Berliner Streik-Kontrolkommission gezwungen, eine neutrale Stellung einzunehmen. Die zweite Resolution, die Taktik der Geldsammlungen, besagt, daß den Gewerkschaften das Sammeln zum Streikfond nicht genommen werden soll, um nicht vielen den Lebensnerv zu unterbinden. Nur wenn große Unter- stützung nöthig und die Samnilungen allgemein werden sollen, werden von der Berliner Streik-Kontrolkonimission selbst Listen ausgegeben und von den Delegirten der einzelnen Gewerbe ver- breitet. Etwa verbleibende Gelder werden von der Berliner Streik- Kdntrolkommission für spätere Ausstände reservirt. Der letzte Passus der zweiten Resolution, betreffs der Kontrole der Gewerkschaftskafsen durch die Berliner Streik- Kontrolkommission hat am meisten Veranlassung zu Einwänden gegeben, doch meinte der Redner, daß auch in dieser Beziehung Klarheit durch die Diskussion eintreten werde, und sei es ihm gleichailtig, wenn dieser Passus gestrichen werde. Jedoch, daß eine Kontrole oder Einsicht dennoch gut zur Information sei, haben verschiedene Abrechnungen von Streiks der letzten Zeit be- wiesen. Man brauchte nur nicht offiziell zu kontroliren und der Behörde fehlte auch dieses Mittel, eine Verbindung zu konstituiren. Die dritte Resolution betrifft den Boykott, da heißt es, daß alle Ver- hängungen vo» Boykotts über, für Arbeiter schädliche Etablissements nur von der Berliner Streik-Kontrolkoinmission zu geschehen haben, jedoch erst nach vorangegangener, reiflicher Erwägung. Daß dieses nothwendig ist, hat der letzte Bierboykott gezeigt, der von der Gewerkschaft der Brauer allein unternommen, zu dem bekannten traurigen Resultat führen mußte. Zum Schluß meinte Redner, daß es gut wäre, den Berliner Arbeitern vermittelst Flugblatt die Ausgaben und Beschlüsse der Berliner Streik- Kontrolkommission zu unterbreiten, um so die volle Synipathie Aller zu gewinnen. Von einer Generaldiskussion wurde Abstand genommen und Absatzmeise in die Spezialdebatte eingegriffen. Tie ersten drei Absätze wurden unverändert bestätigt. Beim vierten wies Herr Glocke noch einmal auf die Gefahr der etwaigen Auflösung der Berk. Streik-Kontrolkoinmission hin, indem er dabei betonte, daß man nur rein sachlich vis- kutiren solle. Dies erheische schon die Aufgabe der Kommission: Der Kampf der Arbeit gegen das Kapital, und zeigte auf Magde- bürg hin, wie dort die Behörde es den Arbeitern schwer mache. Im Weiteren wünscht Redner im vierten Absatz, betreffs der nachträglichen Einholung der Genehmigung bei partiellen Streiks, eine präzisere Fassung und wird hierbei von den Herren Hartman» und Wiedmann unterstützt. Letzterer legt an der Hand von Thatsachen eingehend klar, daß dieses nothwendig ist und meint, nirgends wird die jetzige Fassung der Resolution schädlicher empfunden werdenf als bei den Tischlern. Nach- dem noch die Herren Börner, Herzhoff und Ties dagegen, Tschernig dafür und Herr Täterow noch auf die Schwierigkeit dieses Punktes hinweist, erhält dieser Punkt nach vorheriger Zu- stimmung ihrer Gewerkschaft die Fassung, daß partielle Streiks nur dann unterstützt werden, wenn die Gesammtgewerkschaft mit diesem partiellen Streik einverstanden ist, und wird dann mit dieser Abänderung die ganze Resolution I angenommen. Die zweite Resolution: Taktik der Geldsammlungen, wird nach leb- hafter Debatte, in der sich verschiedene Redner betheiligen, nach Streichung der Kontrolbefugnisse der Berliner Streikj-Kontrol- koinmission, angenommen. Die dritte Resolution, den Boykott betreffend, rügt Herr Buchdrucker Sperber, daß die Delegirten der Berliner Streik-Kontrolkommission ihre Pflicht vergessend, nicht den Boykott über den„Lokal-Anzeiger" in ihren Gewerkschaften zum Ausdruck gebracht haben. Nachdem noch Herr Wiedmann für nicht zu große Machtbefugnis der Berliner Streik-Kontrol- koinmission plüdirt und lieber erst die Allgemeinheit zu hören und dann erst die Berliner Streik-Kontrolkommission als letzte Instanz ihr Votum abgeben soll, wird der letzte Passus der dritten Resolution gestrichen und ein Antrag angenommen, welcher besagt: „Die Delegirten sind verpflichtet, die verhängten Boykotts in ihren Gewerkschaften unverzüglich zum Ausdruck zu bringen." Zu Verschiedenem ist von Herrn Silberberg folgende Re- solutton eingebracht: „Tie heule in Jordan's Salon tagende öffentliche Versamm- lung aller Gewerkschaften erklärt sich bereit, daß von den Buch- drnckern verausgabte Flugblatt mit der Einleitung:„Zur Auf- klärung", betreffend die n i ch t t a ri f»> ä ß i g e n Buch- d r u ck e r e i e n Berlins und Umgegend, nach Kräften zu verbreiten, indem sie dasselbe in ihren Versammlungen ver theilen und so weiteren Kreisen zugänglich machen." Hierauf srägt Herr Robert Schmidt, ob es wahr ist, daß die Buchdrucker zu ihrer Matinee die Philharmonie cnaggirt habe»? Herr Silberberg bestätigt dies und meint, daß dies Sache der Matinee- koinmission sei, welche bei der Lokalkommission vorstellig geworden um die Philharmonie für Vergnügungen frei zu bekommen, weil dieselbe zu Versammlungen aller Parteien überhaupt nicht her- gegeben wird. Weiter meinte der Redner, daß die Besitzer der Philharmonie den Buchdruckern gesagt, sie sollten sich schnell ent- schließen, sonst bekämen die Metallarbeiter den saal, welche eben- falls darauf reflektirten. Diese Bestätigung seiner Frage giebt Herrn Robert Schmidt zu einer scharfen Kritik Veranlassung, indem er darauf hinweist. daß die Arbeiter und mit ihnen die Lokalkoinmisnon kein neutrales Gebiet kennten weil es sonst alle Saalbesitzcr vorzögen, dieses neu- trale Gebiet eiiizunehmen, und dann könnte es kommen, daß den Arbeitern zu Vergnügungen alle Säle offen ständen und zu Ver- sam», lungen keiner. Ter Besitzer der Philharmonie habe sich aus gelassen, wohin es führen solle, wenn heute der Kaiser undmorgenBebeldieTribunebetretenwürde? Mit einem derartigen Saalinhaber müsse man keine Rucks nehmen. Die Klavierarbeiter hatten seiner Zeit die PHUHa™, rückgängig gemacht und heute gehen außer den Buchdruckern die Hausdiener und Kutscher hin. Er(Redner) verlangt von Buchdruckern, soweit sie sich»och zu Genossen d» Sopald kratie rechnen, daß sie alles ausbieten werden, um die Phuharu: ig zu machen. Besonders auffallend erscheine� es, W � lumjuuyiy ju muujcii. wiuuuvi»»'l W", Buchdrucker jetzt die Arbeiter fortwährend zur Unteritutz gegen den„Lokalanzeiger" engagiren und sich beklagen, Delegirten der Berliner Streik-Kontrolkommission ihren Wu«! � nicht nachkommen, und gerade die Buchdrucker sind es, 0.. Beschlüsse der Lokalkommission nicht achten und in letzter p eine Versammlung im Handwerkervereinshaus in der. straße abhielten. Herr Gerisch begreift die Buchdrucker ubery nicht, wie sie sich könnten so„graulich" machen lassen. Auch Metallarbeiter haben aus den schon angeführten Gninve Philharmonie gemieden. Herr Herzhoff meint, daß die Bucho nur ihrer lieben Kasse wegen dieses Vergnügen m Philharmonie ahhalten, will aber nicht Gleiches Gleichem vergelten und ihr Flugblatt verbwlen. Weiteren ist Redner der Ansicht, daß die P�'.� �hr Eigenthum der Brauerei„Friedrichshain" ist. Falls dies �. ist, müßten wir kein Vergnügen und keine Versammlung bei Lw».. halten. Sache der Lokalkommission ist es, dieses zu unters A Herr Wiedemann ist Zeuge bei einer Verhandlung gewelen, der der Vorsitzende erklärte, daß sozialdemokratische Tendenz nicht geduldet werden können und daß im Buchdruckerverein-v gehörige aller Parteien vertreten seien. Herr Wolss kann Angesichts dieser Tinge nicht mit sich vereinbaren, das FW in seiner Gewerkschaft zu verbreiten. Nachdem� och da in seiner Gewerkschaft zu Silbcrberg seine Gewerkschaft(Buchdrucker) rn "S nicht gelingen wird, die Buchdrucker von der Harmonie zurückzuhalten, indem die Matinee einen sehr g. Zweck habe, worauf Herr Schmidt dies als kleinlichen bezeichnet, der der großen Sache der Arbeiter von un�d»'? -'' wird folgende Resolution anaenonmien:„Die � großen Sache Schaden ist, wird folgende Resolution angenommen: Tü, liner Lokalkommission wird beauftragt, mit den Buchdruckern � Hausdienern in Verhandlung zu treten, um die Abmachungen» die Abhaltung von Vergnügungen in der Philharmonie illuww zu machen und eventuell an die Arbeiter Berlins»u appeu' um den Besuch zu hindern." Darauf wurde die Resoliition Herrn Silberberg angenommen und die Versammlung um'-" 9l|a,eiuc Versammlung des sozialdemokratischen verein» des t». Kerliner Rrichstagv-Mahlkrerses lag. z, 18. September in der Aktien-Brauerei Moabit. Auf b«./ag ordnung stand: Vortrag über„Unser Programm", Diskusi Verschiedenes und Fragekasten. Herr Pirch referirte über "......." H'er Vroaramm ist kein Glauben Iva- kein« ersten Punkt und führte aus:„Unser Programm ist kein Glauv Dogma, woran nicht gerüttelt werden darf. Somit entsteyi die Frage:„Sind alle Punkte in unserem Programm noch n> � gebend V" Hier könne man mit Nein antworten. Der erste' unseres Programms lautet:„Die Arbeit ist die Quelle a Reichthums und aller Kultur, und da allgemein bringende Arbeit nur durch die Gesellschaft möglich ist, so gehört � Gesellschaft, das heißt allen ihren Gliedern, das gesammte Arveu- produkt, bei allgemeiner Arbeitspflicht, nach gleichem Recht, jedem. seinen vernunftgemäßen Bedürfnissen. In der heutigen w i schaft sind die Arbeitsmittel Monopol der Kapitalistenklaye; hierdurch bedingte Abhängigkeit der Arbeiterklasse ist die IW des Elends und der Knechtschaft in allen Formen. Dw.. freiung der Arbeit erfordert die Verwandelung der Arbeitsm in Gemeingut der Gesellschaft und die genossenschaftliche R 8 lung der Gesammtarbeit mit gemeinnütziger Verwendung uno» rechter Vertheilung des Arbeitsertrages. Die Befreiung Arbeit muß das Werk der Arbeiterklasse sein, der gegenüber anderen Klassen nur eine reaktionäre Masse sind." Da hier ausgesprochen ist, daß die Arbeit die Quelle a Reichthums ist, so hat man versucht, zu sagen, daß auch ov Arbeit Reichthuni bestehe, welcher erzeugt wird durch die Raw Dies sei entschieden nicht stichhaltig, da auch die Arbeit diese Artikel konsumtionsfähig mache. Es sei hier wohl am Platze, das Wort„Gesellschaft" forme vi ändern, und durch eine schärfere begrenzte Betonung zu ersetz« indem man hierfür„ein Theil der Arbeiterklaffe" setzt, denn der heutigen Wirthschaftsweise habe doch nur ein Theil der". beiter Arbeit.„Von diesen Grundsätzen ausgehend— so J.L das Programm— erstrebt die sozialistische Arbeiterpartei Deuff�, lands mit allen Mitteln den freien Staat und die sozialist>U Gesellschaft, die Zerbrechnung des ehernen Lohngesetzes durch" schaffung des Systems der Lohnarbeit, die Aufhebung der ff, beutung in jeder Gestalt, die Beseitigung aller sozialen» politischen Ungleichheit." Es ist hier Anstoß genommen worv. daß das Wort„gesetzlich" gestrichen sei. Dieses Wort ist � nicht nöthig, da die Gesetze den Ausfluß der Machtverhaltn b bilden, und alles was die Sozialdemokratie that, als ung«»? Iich erachtet wurde. Es wird jetzt noch mehr notbivm» werden, daß wir klarer und deutlicher sagen, was wir wollen, 0 es unter der Herrschast des Sozialistengesetzes der Fall Mögen auch einige tausend abfallen, hierüber weine ich.. Thräne, so sagt Redner. Unser Programm verlangt Zerbrecht» des ehernen Lohngesetzes. Das könne aber nicht durch den Puff., mentarismus geschehen. Es ist uns eher möglich, daß wir, Welt in der Mitte zerspalten, als daß durch das Parlament ff Abschaffung des ehernen Lohngesctzes bestimmt: wird. Die Forst werden sich ändern, aber nicht wird die herrschende Klasse w Privilegien durch Parlamente dem Volke abgeben. In dem „Beseitigung aller sozialen und politischen Ungleichheit" ist» gesagt, daß nicht einer über den anderen steht, wie es jetzt ost den Anschein hat, wenn es auch nicht für jeden Dummen zu ff«' stehen ist. Das Programm fährt fort: Die sozialistische Arbeit« partei Deutschlands, obgleich zunächst im nationalen Rahm« ivirkend, ist sich des internationalen Charakters der Arbeite bewegung bewußt und entschlossen, alle Pflichten, wel« derselbe den Arbeitern auferlegt, zu erfüllen, um.° Verbrüderung aller Menschen zur Wahrheit zu mostst' Die sozialistische Arbeiterpartei Deutschlands fordert, um ff Lösung der sozialen Frage anzubahnen, die Errichtung ffff sozialistischen Produktivgenossenschasten mit Staatshilse, unter ff demokratische» Kontrole des arbeitenden Volkes. Die Produrlffff genossenschaften sind für Industrie und Ackerbau in solchem llw fange ins Leben zu rufen, daß aus ihnen die sozialistische Org. nisation der Gesammtarbeit entsteht.'< Hier sei die Sireichffff- Produktivgenoffenschnfteii angebracht, da dieselben sich i»„ff heutigen Kapitalwirthschaft nur 5io»kurrenz machen inüssff'' Hierfür sei die Expropriirung(aus dem Besitze setzen) am Pluv' Den zweiten Theil des Programms verlangt lliedner in os meisten Theilen von dem heuligen Staat verwirklicht. Dcr z>ve> Theil lautet:„Tie sozialistische Arbeiterpartei Deutschland fordert als Grundlage des Staates: 1. Allgemeines gleiaff direktes Wahl- und Stimmrecht mit geheimer und obligatorilw Stimmenabgabe aller Staatsangehörigen vom zwanzigsten Scb("„ jähre an für alle Wahlen und Abstimmungen in Staat und ffff. meinde. Der Tag der Wahl oder Abstimmung muß ein SoiiM-ff oder Feiertag sein. 2. Direkte Gesetzgebung durch das Volk. Eff scheidnng über Krieg und Frieden durch das Volk. 3. Allgemeff Wehrhasligkeit. Volkswehr an Stelle der stehenden Heere. 4. ff£ schaffung aller Ausnahmegesetze, namentlich des Preß-, Verein« und Versammlungsgesetzes, überhaupt aller Gesetze, welche ff freie Meinungsäußerung, das freie Denken und Forschen ff schränken. 5. Rechtsprechung durch das Volk. Unentgeltliff Rechtspflege. 6. Allgemeine und gleiche Volkerziehung durch Staat. Allgemeine Schulpflicht. Unentgeltlicher Unterruff in allen Bildungsanstalte». Erklärung der Religion Privatsache." Redner tritt besonders dafür ein, off, der Wahltag ein Feiertag sei und verlängt dies** Si.vÜFi1?!aüt- Ebenso sei die Aushebung der Preß- und „�»��esetz« durch unsere Vertreter nach Artikel 4 der Neichs- ffro�x ZU fordern. Auch sei der Punkt über Religion zu und die Adhöngigkeit der Schule und Kirche vom Staat s>.,./55?ern. Thcil 3 lautet: Die sozialistische Arbeiterpartei i Ächlands fordert innerhalb der heutigen Gesellschaft: im i:® Ausdehnung der politischen Rechte und Freiheiten ßiv,f bet obigen Forderungen. 2. Eine einzige progressive i„., �U>�nsteuer fürStaat und Gemeinden anstatt aller bestehenden, ' ,eso,>derc der das Volk belastenden indirekten Steuern. "beschränktes Koalitionsrecht. 4. Einen den Gesellschasts- �°�>'ussen entsprechenden Normalarbeitstag. Verbot der Sonn- »g-arbeit. 5. Verbot der Kinderbeit und aller die Gesundheit f.;" Sittlichkeit schädigenden Frauenarbeit. 6. Schutzgeselze F, �ben und Gesundheit der Arbeiter. Sanitätliche Kon- ho*i>,' Arbeiterwohnungen, Ueberwachung der Bergwerke, F Fabriken, Werkstätten und der Hausindustrie durch von den Arbeitern gewählte Beamte. Ein wirksames Hastpstichtgesetz. «n„S'�uufl der Gefängnißarbeit. 8. Volle Selbstverwaltung für -F Arbeiter«, Hilss- und Unterstützungskassen.— Redner wünscht iych, ebene Punkte präziser ausgeführt und behandelt in klarer {F.'i? �'e Frage des Normalarbeitstages. Dieses Wort sei zu t und hierfür ein Maximalarbeitstag zu fordern; auch sei n"f-'®ort„Haftpflichtgcsctz" wohl besser ersetzt durch„Unfall- p• Wir haben alle Ursache, unser Programm frei zu diS- uiren. Unsere Aufgabe soll es sein, immer neue Anhänger zu Mlfen, die aber auch wissen sollen, was sie wollen. Sln der Diskussion bctheiligtcn sich mehrere Redner. Herr Becker bezeich- reie das Programm als von llassischer Schönheit; auch sei die Forderung eines Normalarbeitstages beizubehalten. Nach den weiteren Ausführungen des Herrn Pirch erklärte Redner, eines Miseren belehrt zu sein. Folgende Resolution war eingelaufen: F>e heute tagende Versammlung des sozialdemokratischen Wahl- �ereins ivolle beschließen, daß ein jedes Mitglied, welches noch ver Landeskirche angehört, auf schnellstem Wege ausscheidet, da- *F schulpflichtige Kinder vom Religionsunterricht entbunden sind." Hiergegen sprachen die Herren Pirch, Locke und Dornbusch, wo- liegen Herr Löppki dieselbe befürwortet. Bei der Abstimmung wurde dieselbe abgelehnt. Unter„Verschiedenes" verwahrt sich °er Vorsitzende entschieden gegen die Ausführungen des Herrn «roka, welcher in der Versammlung des 4. Wahlvereins die Be- Häuptling aufstellte, im 6. Wahlverein sei die Parole„Hie Wille, h>e Wildberger." Herr Sroka versuchte seine Aeußerung in ein wilderes Licht zu stellen. Ein Antrag, dem Vorsitzenden das volle Vertrauen auszusprechen, lehnte derselbe ab mit der Motivirung, baß er sich nicht bewußt sei, etwas Unrichtiges begangen zu haben. Sollten jedoch die Mitglieder gegen den Vorstand Ein- Wendungen haben, so mögen sie Anträge diesbezüglich stellen. Da sich Niemand mehr zum Wort meldete, schloß der Vorsitzende die Versammlung mit einem Hoch auf die internationale, voller- befreiende Sozialdemokratie. Den Lachverci»» der Tischler, Filiale für den «Nd Kalleschr» Thorbezirk hielt am Montag, den 22. d. M., w Habel's Brauerei eine Versammlnng ab. Auf der Tages- ordnung stand: 1. Vortrag des Herrn Dr. Lütgen au über Juden th um, Antisemitismus und Sozialismus. 8. Diskussion. 3. Ernennung eines Bevollmächtigten und eines Protokollführers. 4. Verschiedenes. Nach dein Vortrag trat man in die Berathung des Punktes 2 der Tagesordnung ein. Ge- wählt wurde als Bevollmächtigter für den Westen: Herr Reichert; als Protokollführer Herr P r ö s k e. Unter Ver- schiedenes wurden sodann einige Vereinsangelegenheiten erledigt. Nachdem der Vorsitzende, Herr Glocke, noch die Kollegen auf- gefordert hatte, eifrig für den Fachverein zu agitiren, schloß der- -selbe die Versammlung um 11 Uhr. Der Fachoerein der Steindr«cher nnd Fithographen hielt am 18. d. M. in Jordan's Salon seine Mitgliederversamm- lung ab. Auf der Tagesordnung stand: 1. Vortrag des Herrn Dr. Zadel. 2. Tie Uebernahme unseres Fachorgans. 3. Ver- schiedenes und Fragekasten. An Stelle des am Erscheinen ver- hinderten Dr. Zadel hielt Kollege Schöpke einen Vortrag über: „Thomas More und seine Utopia". Bei Punkt 2 theilte Kollege Meseha mit, daß die Uebernahme des Fach organS nun vollständig -perfekt geworden sei, indem Herr Kohlhardt eine dahingehende Erklärung an den Vorstand abgegeben habe, daß er im Interesse des Vereins den Vertrieb an den Verein übergiebt. Gleichzeitig bemerkte Kollege Meseha, daß gegen Herrn Kohlhardt in keiner Weise etwas vorliege. Herrn Kohlhardt gebührt aller Dank für seine Mühe, welche er sich der„Graph. Presse" gegenüber unterzogen hat. Die Abonncmentskosten sind bis spätestens den 23. d. M. an den Vorstand einzusenden. Nach Erledigung einiger innerer Vcreinsangelegenheilen gelangle die'Angelegenheit der Firma Abcrlee zur Sprache. Dortselbst wurde vom Ober- drucken Herrn Schmidt den Truckern untersagt, bei 1 M. Strafe, ihre Burschen vor der Pause zum Einholen herauszuschicken. In- folge dessen gingen die dortigen Kollegen während des Frühstücks "ach ihrem Lokal. Als dieselben nun eines Tages nach der Fabrikglocke eine Minute zu spät kamen, wurden sie seitens des Herrn Schmidt nicht besonders schmeichelhaft empfangen, was Kollegen Scheidenrcich zu der Bemerkung veranlaßte, daß wohl nicht richtig geklingelt sein könne. Am Sonnabend darauf er- hielt Scheidenreich seine Kündigung wegen Beleidigung des Chefs. Trotzdem nun die Sache der sogen. Neunerkommission überwiesen »nd diesclle beim Chef um Zurücknahme der Kündigung vor- stellig geworden, beharrt derselbe doch darauf. 5iollege Sillier unterwarf hierauf das ganze Verhalten der Firma sowohl al-Z auch das der dortigen Kollegen einer herben Kritik. Letztere sind selbst nicht ganz freizusprechen von aller Schuld, ganz besonders ist es nicht schön, daß sich ein großer Theil von Ihnen dem Fachverein fernhält, ja sogar demselben feindlich gegenüber steht; aus diesem Grunde wäre es wohl zu erwäge», ob man dort zu einer Arbeitseinstellung schreiten wolle. Mehrere Niedner ver- urtheilten scharf das Vorgehen der Firma, ermahnten auch die Kollegen alle persönlichen Sachen bei Seite zu lassen, und sich dem Fachverein anzuschließen. Folgende Resolution gelangte hierauf zur Annahme:„Die heutige Versammlung des Fachvereins der Steindrucker und Lithographen erklärt das Vorgehen der Geschäftsleitung der Firma Aberlee den Arbeitern gegenüber für ein vollständig verwerfliches und inhumanes, jedoch des großen Jndifserentismus wegen, welcher noch unter den dortigen Kollegen herrscht, ist es nicht rathsam, jetzt einen entscheidenden Schritt dort zu lhun; die Versammlung fordert jedoch die Kollegen der Firma Aberlee auf, sich samml und sonders dem Fachverein anzuschließen, um in Zukunft solchen Vorkommnissen erfolgreich entgegentreten zu können. Außerdem erklärt die Versammlung die Entlassung des Kollegen Scheiden- reich für eine Maßregelung und verspricht, denselben in geeigneter Weise zu unterstützen. Die Feier des Stiftungsfestes findet am 25. Oktober im Eiskeller statt. Der Allgemeine deutsche Kattlerverein hielt am Sonnabend, den G. d. M., seine regelmäßige Versammlung bei Reyer, Alte Jakobstraße 88, ab. In derselben hielt Herr Pinn einen beifällig aufgenommenen Vortrag über: Selbstmord und die sozialen Verhältnisse in Deutschland. Bei der Ersatzwahl eines Revisors wurde Kollege Kranfe als solcher gewählt. Unter Verschiedenem macht Matschulat bekannt, daß in Hannover ein Streik ausgebrochen sei; so unzeitgemäß dies wohl sein mag, war es jedoch nicht möglich, denselben für diesmal zu verhindern. Der Zuzug ist fern zu halten. Hierauf wurde auf gesundheits- schädliche Arbeitsräume in der kgl.'Artilleriewerkstatt zu Spandau hingeiviesen und folgende Resolution angenommen: I» Er- wägung, daß Leben und Gesundheit der Arbeiter in der königl. Ariillerie-Werkstatt zu Spandau, durch schlechte Arbeitsräume daselbst gefährdet werden, beauftragt die heutige Versammlung den Vorstand, dies der Direktion zu unterbreiten, damit hierin Abhilfe geschaffen wird." Im Weiteren wurde noch auf die Unterstützungsbedürstigkeit der Kirchhainer Gerber, sowie auf die Nothwendigkeit, Arbeiterblätter zu lesen, hingewiesen. f'crri» btv Klempner Kertin« mit» Umgegend. Mittwoch, den eptcmber, Abends» Uhr, große Aersainmlung in Spandau, Hotel zum Stent, PotSdamerslraßc 31. zrinter! Kombtnirte BereinLoersaimiiluiig sammtlicher Filialen Berlins am Donnerstag, den es. September, Abends» Uhr, in Feuerstein'S Salon, Alte Jatobstraße 76. ltirohe öffentliche Uerpammlung fiir Lrnurn und Männer am Mittivoch, den 21. September, Abends s Uhr, im Lokale des Herrn Jlges, WilSnattcrstraße 03. berliner Arbeitrr-Kiidungsverri». Große Versammlung am Milt- ''....... ie 16. Donners- .-......——- DageSordnung. Vorlesung. 2. DiSluspon. 8. Statutenänderung. 4. Verschiedenes. Der wichtigen Tagesordnung halber ist es Pflicht eines jeden Mitgliedes zu erscheinen. plrirnt-Thraterge/ellschast..Koffnung". Sitzung jeden Donnerstag z Uhr im Berliner»lttbhans, Ohmgasse». Nach der Sitzung Ftdililas. Damen und Herren als ISajti willkommen. Lachorrci» der hlapicrarbeitcrin»«», und verwandter Keruf«- genosstunen. Mltglieder-Versamml. am Mittwoch, den 21. September, AbdS. 8 Uhr, bei Neyer, Alte Jalobstr. 88. Krutscher Schneidervrrband, Filiale Kerliu. Mittwoch, den 21. September, Abends 6% Uhr, Mitglieder-Versammlung in Gratweil'S Bierhalle», Kommandantenpr. 77—78. Feie-»„d JliolmtievhUiU„Parwärts". Mittwoch, den 21. September, Abends 8 Uhr, Namtynftr. 83 bei iiöhn. Achtuno!«roste öffentlich« ziollisverfammlung am Donnerstag, den 26. September 1880, Abends s Uhr, im Elystum, Landsberger Allee Nr. 30—38. Achtln, g. Drechsler! Große öffentliche Versammlung aller Drechsler am 21. September isoo, bei Feuerstein(oberer Saal), Alte Jakobstr. 75. ngichttge Tagesordnung. Erscheinen aller nöthtg. Drrg»iiou»g»r>er«i»„Iich-Zach", Friedrichstr. 228, 9 Uhr. Gäste sind willkommen. Achtung! Für die Arbeiter! Die Filiale 2(fflcft) der Maler und verwandten Veruf-Zgenossen feiert am so. September im Restaurant Königs- Hof, Bülowflraße 37— 10, ihr zweites Sttstungsfest. Ein allgemeines Arbeitersesl. lSrsang-, Turn- und gefellige Der«!»» am Mittwoch. Männer- gesangverein„Jugendlust" AbendS 8% Uhr im Restaurant Pafsod, Garten- straße>02.— Männergesangverein„Cacilia" AbendS 0 Uhr im Restaurant iköpenickerstr. 127».— Gesangverein„Männerchor Linde" AbendS 8% Uhr im Restanrant Hallcr, Raunynstraße 70.— Männergesangverein„SangeSfreude" Abends o Uhr im Restanrant Museholb, Landsbergerstr. 81.— Gesangverein „Freya" Abends 8,\ Uhr im Restaurant Benecle, Grobe Hantburgerstr. 10.— Huppert'sche Sängervereiniguna jeden Mitttvoch nach dem Ersten im Monat, AbendS 9 Uhr tm Restaurant Heise, Ltchienbergerstr. 21.—„Seeger'scher Gesangverein" Abendö 8 Uhr im Restaurant Wenck, Vlumenstraße 18.— Gesangverein„Schwungrad" Abends sij Uhr im Restaurant Sahm, Annenstr. 10.— Männcrgesangveretn„Lorbeerkranz" Abends 0 Uhr im Restaurant Karfch, Oranicnilr. 100.— Gesangverein„Rord-Jubal" AbendS 9 Uhr in VettiivS Bierhaus, Veteranenftr. 18.— Gesangverein„Nnverzagl" Abend» 8 Uhr Köp- nitkersir. 127« bei Greving.— Männcrgesangveretn„Schneeglöckchen" AbendS 8 Uhr im Restaurant Toberstein, Marianneiistr. 31—32.— Gesangverein „Sängerrunde" Abendö 8X Uhr Buekoiverstr. 8.— Verein„SäNgeSlrene" im Restaurant Henkel, Briidcrstr. 20 I. UebnngSstunde von 8%— n Uhr Abende. — Gesangverein„Bruderbund" AbendS 8 Uhr bei Pätzoldt, Retchenberslr. 10. — Männergesangverein„Schneeglöckchen" Abends 8 Uhr Sitzung im Nestau- rant Stehmann, Melchiorstr. 16.— Gesangverein„Snd-Osi" Abend» 9 Uhr bei Ziemer, Cuvrystr. to. Gäste willkommen.— Liibeck'scher Turnverci»(1. Lehr- UngS-Abtheilung) AbendS s Uhr Elisabcihstr. 67—53.— Turnverein„Wedbing", Pankslr. 8. Männcrabtheilung von 8%— 10% Uhr AbendS; desgleichen 1. Lehr- lingSablheilung von 8—10 Uhr AbendS.—„Mehr Licht", Verein für Scherz ,md Ernst, AbendS 8% Uhr im Restaurant Held, Fruchtsir. 88a.— Schlcsischcr Verein„Holtet" AbendS 8 Uhr iin Restaurant(Sehrt, Prinzen- straße 100.— VergnugungSverein„Fröhlichkeit" AbendS 8 Uhr tm Restaurant Säger, Grüner Weg 28.— Wissen, chastticher Verein für Roller'scher Steno- graphic Abends tpj Uhr im Restaurant Biese, Alte Schönhauserstraße 12 Unterricht»nd UebnngSstunde.— Roller'scher Slenographenveret» Süd-Verlt» Abends«c Uhr im Restanrant Prinzenstr. 87,. Sitzung und UcbungSstundc— ArendS'schcr Slcnographen-Vcret»„Amicilta" Abends 8% Uhr im Restaurant Vehrends, Schönebergerstr. 0.— ArendS'scher Stenographenveretn„Philta" -Abends 8 Uhr tm Restaurant„WilhelmSgarlen",»ochstr. 7.— Stenographische Gesellschaft ArendS im Restaurant Bllrgergarten. Lindenstr. los. Utteiitgelt- licher Unterricht und Uebung.— Berliner Rauchklub„Wrangel" Abends 8 Uhr im Restaurant Foge, Köpnickerstr. 101.— Rauchtlub„Havanna SO. AbendS 8% Uhr tm Restaurant Paeholdl, Retchenbergerstr. 18.— Rauchklub „Gemülhlichkeit" SlbendS 0 Uhr tm Restaurant Achsel, Köpnickerstr. 101.- Rauchllub„Columbia" Abends 8% Uhr im Restaurant Beyer. Prinzenstr. 80. — Rauchllub„Frisch gewagt" Abends 8% Uhr im Restaurant Tempel, BreS- lauersbr. 27.— Rauchklub„Vulkan" Abend« 9 Uhr im Restaurant Schulz, Gräsestr. 82.— FrledrichSberg. Rauchllub„Nordstern", Lippe'S Restaurant, Frtedrtch-Karlslr. II.— Vergnügungsvereln„Fröhlichletl", gegründet 1880, AbendS 8 Uhr, Grüner Weg 28.—„Pottack-Elub-Eintracht", jeden Mittwoch, Abends 8% Uhr bei ffi. Thiel, Wienerstraße«s.— Gesangverein der Tapezirer Berlins, jeden Mittwoch Restaurant Seydelstr. 30, von 0—11 Uhr Abends.— Unterhaltungsverein„Harmonie". Sitzung AbendS 9 Uhr TrcSdencrstr. 1 1 i bei Mendt.— Tambourverein„Exelsior", 8jj Uhr. Uebnngssiunde bei Böhl. RüdcrSdorserstr. 8. Ausnahme neuer Mitglieder.— Männergesangverein „Liedesfrethett", Abends 8% Uhr im Restaurant Henke, Blumenstraßc 38.— Flöler' scher Gesangverein bei Musehold, Landsbergerstr. Sl, Abends s Uhr.— VergnugungSverein„Kreuzfidel" im Restaurant Doberstetn, Mariannen- straße 81—32: Sitzung. Nach der Sitzung Tanz, Vorträge w. Gäste, durch AUlglteder elngesührt, willkommen.— Gesangverein„Sletnnelke," UebnngSstunde von 9—11 Uhr bei Müller, Gartenstraße 08.— Gesangverein„Phönir", Gesangstunde 8 Uhr Steinmchstr. 76.— VergnügungSverein„Immer lustig". Sitzung jeden Mittwoch, Abends 9 Uhr, bei Bartels, Flottivellstr. 6. Gäste willlommen.— Geselliger Klub„Proletariat" tagt jeden Mittwoch Abend im Lolale de« Herrn Lorenz, Koppenstraße ise. Gäste willkommen.— gilherklub „Alpenveilchen", Brückenstr. 2. Ausnahme neuer Mitglieder.— Damenzither- klub„Legalite", Nebungsstunde 8—11 Uhr Tempelhoseruser 26. Nur Damen willkommen.— Gesangverein„Morgenroth" Abends 0—11 Uhr UebungSstunde im Restaurant Schmidt, Wrangelstraße Iii. Gäste willkommen.— Gesangverein„Liederlust" Abendö 9 Uhr tm Restaurant MöweS, Ftchtestr. 28. Gäste willlommen. Vermifrhkes. Paris, 23. September. Die Ueberfchwemmungen in Süd- frunkreich richten unbeschreibliches Unglück an. Es erweist sich als unmöglich, denselben zu wehren. Die Flüsse Ardäches, Gard, Herault sind über ihre Ufer getreten. In Zilais wälzt der Gardon Baumstämme, große Fässer, Schafe auf seineu Fluthen daher. Ganze Gärten, Eisenbahnlinien, ganzeGutshöse sind fortgeschwemmt, sämmtliche Gebäude werden vom Strome niedergerissen. In Avignon ist der Eisenbahndamm auf eine große Strecke durchbrochen. Im ganzen Departement Ardöche sind die Eisenbahnen zerstört, die Straßcndämme weggespült, der Transport der Reisenden und Waaren unmöglich gemacht. In Nimes führt der Eadereau Bäume, Mühlsteine und Weinfässer mit sich. Im Arrondissement Bigan in den Sevennen wird der durch die Verheerungen ange- richtete Schaden auf mehr als eine Million Franks geschätzt. Sämmtliche Betriebe, Fabriken, Läden stehen unter Wasser, mehrere Gebäude sind niedergerissen, die Ernten sind verloren, eine Menge Vieh ist in den Fluthen umgekommen. Auf dem Strome schwamnien sogar Särge.— Auf der anderen Seite der Se- nennen ist die Ueberschwemmung ebenfalls stark. Bei Vichy ist der Allier um 3 Meter gestiegen; ein Mann ist von den Fluthen fortgerissen worden.— Aus Avignon wird ein erneutes Steigen der Rhone gemeldet. Der Ardeche ist von 9 Meter auf 17 Meter gestiegen. Die Bauern feuern Flintenschüsse als Roth- signale ab. Ueberall wird um die Absendung von Pontonniers zur Hilfeleistung gebeten. Der Eisenbahnviadukt bei Saint Esprit droht, auf eine Länge von 200 Metern einzustürzen. Paris, 20. September. Nach aus Jokohaina hier eingegangenen Nachrichten betrügt die Zahl der bei dem Untergang des türkischen Panzerschiffes„Ertrogoul" ertrunkenen Offiziere und Mantischaften 037; gerettet wurden 66 Personen. DetieMon. Mährisch- Gstrau, 23. September.(Telegramm des „Herold".) Der im östlichen Theil des hiesigen Kohlenreviers ausgebrochene Streik gewinnt an Ausdehnung. Das Mittags aus Troppau und Tesche» berufene Militär besetzte die Schachte und zerstreute die Ansammlungen der Streikenden, die aus nieh- reren Gruben gewaltsam die Arbeit verhinderten. Die Ursache des Ausstandes ist darin zu suchen, daß die Grubenarbeiter des östlichen Reviers nach dem letzten Streik nicht die gleichen Be- günstigungen erhielten, als iin hiesigen Revier. Dieser neue Streik war schon im August geplant. In der letzten Nacht trafen noch 1000 Mann Infanterie aus Krakau ein. Mährisch-Gstrn», 23. September.(Telegramm des „Herold"). Auf den Güttmann'schen Steinkohleugruben in Orlau haben sämmtiiche Bergleute die Arbeit eingestellt. Acht- hundert Arbeiter zogen nach Peterswald, später nach Michalko- witz und erzwangen auch dort die Arbeitseinstellung. Militär ist von Troppau eingetroffen. Die Streikenden werden zuräckge- drängt. Militärpatrouillen durchziehen die Stadt. Zum Schicht- Wechsel befürchtet man weitere Betheiligung. Die Arbeiter for- lern achtstündige Arbeitszeit. VvivfliQZsetr dev Nedttkrtion. Bei Anfragen bitten wir die AbonnementS-Qniltung beizufügen, Brieflich Antwort wird ntchl erlheilt. Wir ersuchen alle Diejenigen, welche Annonzen bei uns brieflich aufgeben, gleich den Betrag(40 Pfennig pro Zeile) in Briefmarken beizufügen, davon ausgenommen sind Vereins- und Versammlungsinserate. Die Expedition, Beuthstraße Nr. 8. Cnvi Narilieb. Der Bericht steht in Nr. 221, zweite Beilage. Gr. Bremer Lotterie.«:, Donnerstag nächsteWoche. Mng reelle j Bckemg. SS iZ Herren sifli Kialen-Oarderober Berlin""SIT 0 MW#& Sr. je . Kr.ickrnst.-ahr Nr.8HMn � Ctmnitte«eschwerdm wolle gest. im HanpHrefler: W. 50 000 M. Loose, soweit geringer Vorrath reicht, ä 1 H.(für Porto u.Liste 25Pf.) empf. A. Aschenheim, BerlinW.Priedrichstr.l 7 1> läfliiiiC Ein 67 Jahre alter braver Arbeiter, seit Monat März durch Maßregelung und 5irankhcit arbeitslos, befindet sich in der größten Noch. Ist vielleicht ein Genosse iin Stande, ihn irgendwelche, wenn auch nnr vorübergehende Be- schäftigung nachzuiveisen? Adresse: 2120] W. Schmidt, Wrangclstr. 141. Tüchtige Drechsler auf Alabaster und Marmor bei hohem Loh«r und dauernder Arbeit verl. Priess, Landsberger Chaussee, Ecke Thaerstraße. 2132 Geübte Plattenschneider auf Stein- nußknöpfe verl. Pape, Oranienstr. 183. Tüchtige Marmopschieifer zu dauernder Arbeit verlangt Priesa, 2133 Landsberger Chaussee, Ecke Thaerstraße. Junge Mädchen erlernen Damen- schneideret gründlich Stralauerbrücke 6, Minna Ganzer. 2125 Achtung! Achtung! Grch öffentliche Tslksnersammlung am Donnerstag, den 85. Sept.» Abend« 8 Uhr, im„Elysium", Landsberger Allee 36— 38. Tages-Ordnuilg: 1. Anstritt aus der Landeskirche. Referent: Stadtv. Togtherr. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. 2092 Bezugnehmend auf das reichliche und zeitgemäße Thema ist es Pflicht Aller zu erscheinen. Der cand. theol. Rigeli ist brieflich eingeladen. Die Versammlung ist genehmigt. Der Einberuler. Achtung! Achtung! Große öffentliche Versammlung' sammtl. Uergolder und Uergoiderinnen am Donnerstag, den 25. d., Abends SVa Uhr, bei Scheffer, Jnselstr. 10. Tages-Ordnung: 21" 1. Die Arbeitsniederlegung der Versilbercr bei Rnthenbeng. 2. Schlußabrechnung der Freien Vereinigung der Vergolder. 3. Verschiedenes.— Werkstatt-Einladungen finden nicht extra statt. Es ist Pflicht eines Jeden, zu erscheinen. Das Agitationskomitee. Zur bevorstehenden Mnterlmstm empfehle mein langjähriges Herren- u. MabenWöeroben-Geslhäst. Auch halte stets großes Lager zu Keftellnngen nach Maaß, nielje in eigener Werkstatt angesertigt lvernil. Für guten Sitz wird garantirt. (.Geschäft: 1 � A W II. Geschäft! Köpenickerstr. 127ä, 1% ä E Wrangelstraße 44, nahe der Adalbertstraße. W? B Bm a\■ Ecke Lübbenerstraße. Grosse öffentliche Versammlung für Fronen u. Manner am Mittwoch, den 24. September, Abends 8 Uhr, im Lokale des Herrn Jlges, Wilsnackerstr. 63. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Herrn Togtherr über:„Der Geisterglaube in Schule und Familie�'. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. 2105 Zur Deckung der Unkosten Tellersammlung. Der Einberufer. Gesellschaft f. Verbreitung von Volksbildung. Grosse Versammlung am Mittwoch, den 84. September er., Abend« SVe Uhr, in den Zentral-Festsälen, Oranienstr. 180(ob. Saal). Tagesordnung: I. Vortrag des Herrn V. Dölschc über:„Materialismus". 2. Diskussion. 8. Verschiedenes. 2121 Zu den Versammlungen der Gesellschaft haben Frauen bis auf Weiteres keinen Eintritt, da durch Polizeiverfügung die Gesellschaft unter§ 8 des Vereins- grsetzes gestellt ist.— Um zahlreiches Erscheinen und Beitritt zur Gesellschaft ersucht Der Uorstand. ßtoilijicißciit„VlUeOgell" Am Moritzplaiz. Sonnabend, den 11. Oktober 1890: 2. Stiftungsfest hes Ugm. Arbeitermell- Verms Mmtlilher BerussWeige Berlins und Umgegend. Während der Kaffeepause: Komische Vorträge. Kassen- Eröffnung T Uhr. Anfang 8 Uhr. 2123 Um recht zahlreiche Betheiligung bittet Das Vergnngungskomitee. Billets für Herreu 50 Uf., Damen 35-ftf, Billets sind in den mit Plakaten belegten Geschäften Und bei folgenden Damen zu haben: Frau Stöcking, Koppenstr. 35, v. I Tr.; Frau Siegemund, Pücklerstr. 61; Frl. Sachs, Kleine Markusstr. 10; Frl. Janz, Breslauerstr. 29; Fil. Nakonzer, Mariannenstr. 30, v. 4 Tr.; Fr. Hubert, Wrangelstr. 31, v. 3 Tr.; Achtung! Rixdos«f ei« I Allen Freunden und Genossen zur Nachricht, daß am Dienstag, den 30. September, Abends 8V2 Uhr, ein 2126 Gesang- und Znffrnmental-Ksnzert mit Ball zur Feier der Keimkehr der Anogewiesenen im Saale des Hrn. Hoffmann, Bergstraße 133, stattfindet. 2126 Avis: Alle Musik-, Theater- und Gesangvereine, welche gewillt sind, mitzuwirken, werden gebeten, ihre Adresse bis Sonntag an Herrn H. Ostermann, Ziethenstraße 62, 1 Treppe, abzugeben. Fachverein 2127 der Tischler. Donnerstag, den 25. Sept. Abend« 8V2 Uhr, in Jordan s Salon, Neue Grünstr. 28, VorffanWnllg. Generalversammlung der Mitglieder unterzeichneter Firma findet Sonntag, den 88. Septbr., Nachmittags 3 Uhr, im Lokale des Herrn Hob. Nürnberg, Anklamer- slraße 49, statt. 2118 Tagesordnung: Keschlustfassuug über Liqnidiruug der Venossenfchaft. Der Aufsichtsrath der Vereinsbäckeroien in Deutschland (Sitz Berlin), 91 ich. Hopp e. Vorsitzender. Durch GeschWeWniffe und gezwungenen Abschluß bin ich veranlaßt, in meinem altrenommirten Geschäft neben Pantinen, Holz- it. Filzschuhen, auch Lederveaaren, als wie Damen-, Herren- it. Kinder-Stiefel zu führen. Dies hierdurch meinen Freun- den und Genoffen zur Kenntnist. Jeder Genosse, der bis zum 80. Sept. Etwas kauft, erhält ein Billet zu dem an diesem Tage stattsindenden Arbeiter- fest gratis, auch sind bei mir Billets zum Preise von 20 Pf. pr. Stück zu haben. Chr. Geyer, Oranienstr. 4. Nur I Mark. Klagen, Eingaben, Rath in Prozessen, Einziehung von Forderungen.[2194 Pollak, Georgenkirchstr. 24 11. i A. Goldschmidt, Spandauerbräcke 6, am hiesigen Platze bekanntlich Grösste Auswahl. Garantirt sicher brennende ZUST Tabake."WZ. Streng reelle Bedienung, billigste Preise! Sämmtliche im Hanvel befindlichen Rohtabake sind am 1653 Lager. A. Golschmidt, Spandauerbr. 6, am Hacke'schen Markt. Achtung! Unterzeichneter empfiehlt den geehrten Parteigenossen seine selbstgefertigten RMgr Zugharmonikas,""*9® pro Stüch von 3—30 Ut.; außerdem empfehle alle ittS Musiksach einschlagende Artikel alsGeigeu, Zithern, Mundharmonika« u. s. w. nur in guter Waare. 2153 Bei Bedarf obiger Artikel bitte die geehrten Parteigenossen mich unterstützen zu wollen. Händler erhalten Rabatt. Versandt franko gegen Nachnahme. Llchtungsvoll K. R. Glase, Aecordeonfabrik, Brunndöbra bei Kl i n g e n t h a l. Wichtig für Raucher! Die Restbcstände des von mir über- nommenen Zigarrengcschästs werden zu herabgesetzten Preisen ausverkauft. August Graeske, Fernsprecher: Amt III. 948. Kettfeder»- und Ltetten-Spenal- und Nerfaud-Gefchäft 2045 Grüner Weg 70. Kettfedern! durchaus gute, gerein. Waare, bill. bei H. Marcus,""SÄ"' federn 1 M. Kalbdanne» 1,56, 8, 8,50, 3 M. Daunen 8,50, 3, 4 M., feine weiße 5, 0, 7,50, Eiderdaunen 87 M. Als Spezialität empfehle meine großflock, graue Germania-Daune k 4,50. 3 Pfd. genüg, zum gr. 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