Freitag, den 26. September 1890. 7. Jahrg. Organ für die Interessen der Arbeiter. Das..Berliner Nolksblatt" sklcheint täglich Morgens auver nach Sonn- und Festtagen. AbonncmentspreiS für Berlin frei "Js Hans vierteljährlich 3LV Mark, monatlich 1,10 Mark, ivochentlich 28 Pf. Einzelne Nummer 5 Pf. sonntags-Nummer mit dem„Sonntags-Blatt" 10 Pf. Postabonnement 3.30 Mark pro Quartal. ,,(Eingetragen in der PostzcitungSpreislistc für 1890 unter Nr. 892. V. Nachtrag.) »Itter Kreuzband, täglich durch die Expedition, für Deutschland und Ocstcrrcich-Ungarn 2 Ztlartr. für das übrige Ausland 3 Ztlarb pro Mouat. Beutbitraste 3, sowie von allen Anuoncen-Bureanx. ohne Erhöhung dcS.PreileS, angenommen. Die Erpedition ist an Wochentagen bis 1 Uhr Mittags und von 3 7 Uhr Nachmittags, an Sonn- und Festtagen bis 9 Uhr Vormittags geöffnet. -» Fernsprecher: Amt VI. Ur. 4106.•* Mrdnllkion: VettthflrÄtze 2.— Expedition: VenttMentze 3. Zur Mohttungsfrase Die Wohnungsfrage schließt eine der größten Kalamitäten unserer Zeit in sich. Die Städte weisen die M a s s e n q u a r t i e r e auf, wo die Menschen in engen sumpfen Räumen dahinleben. Die Kinder müssen sich au� dunteln Höfen oder im Gewühl der Straße umhertreiben. es fehlt ihnen die kräftigende frische Luft außerhalb des Häusermeeres. Für sein enges und unbehagliches Heim muß der Arbeiter und der kleine Handwerker eine schwere Miethe bezahlen; je kleiner die Wohnung, desto thenrer ist sie im Verhältniß. Die Massenquartiere sind in ihrer heutigen Gestalt ein Herd für ansteckende Krankheiten, eine große Gefahr für die Gesundheit der gegenwärtigen und der kommenden Generation. Auf dem Lande ist es insofern besser, als der' Tagelöhner und der ländliche Arbeiter frische Luft bei der Beschäftigung hat; er braucht nicht wie der städtische Arbeiter in dumpfen Räume:: zu leben Aber die Wohnungen des Landvolks sind häufig S t ä l l e i. vergleichbar, namentlich da, wo die Tagelöhner noch unter�den„W o h l t h a't e n" patriarchalischer Zu- stände leben. Daß die Wohnungsfrage sonach in der ersten Reihe der sozialpolitischen Probleme steht, ist klar und wir haben dies schon oft ausgesprochen. Daß nunmehr auch die Regierung diese Anschauung theilt, wie jüugst derHerr Handels- minister von Berlepsch versichert, ist an sich erfreulich und wir wünschen nur, daß sich die Regierung über die Wohnungskalamität gründlich informiren möge. Und zwar nicht in den Städten allein, sondern auch auf dein Lande. Denn bei burcaukratisch geleiteten Untersuchungen pflegt man die ländlichen Verhältnisse gern zu umgehen, weil man die„Edelsten der Nation" nicht inkommodiren will.— Gleichwohl erwarten wir nicht viel davon, wenn setz gesetzgeberische Maßregeln seitens der Regie- tung in Bezug auf die Wohnungsfrage angekündigt wer- den. Die sprungweise Behandlung der sozialpolitischen Probleme, das Herumhüpfen von einer Matene zur au- dern gefällt uns überhaupt nicht. Man merkt unseren neuen Staatsmännern an, daß sie sich in die sozialpoliti- sehen Fragen erst recht mühsam hineinarbeiten müssen. Die Arbciterschutz-Vorlage war als Ganzes durchaus un- befriedigend, die Gcwerbegerichte waren es nicht niinder. Nun knabbert mm: an der Wohnungsfrage herum und inzwischen bleibt der Ärbeiterschntz liegen. Die Wohnnnzs- srage ist dringend genug, aber es ist keine Methode in der Behandlung des ganzen sozialpolitische,: Stoffes. Run, wir haben uns keine Illusionen gemacht; darutn können wir auch nicht enttäuscht sein. Feuilleton. "«Hbtud verholen. Z_*2 Mue Uitginckitche. Erzählung von Iwan Turgenjew. Er erklärte, daß er mich zähinen, mich seidemveich machen �urde.„Was haben Sie fjir aufrührerische Augen?" schrie einmal bei Tische, nachdem er Bier getrunken hatte. Und IM, ig dabei mit der flachen Hand aus den Tisch.„Sie vielleicht, ich bin stumm wie ein Lamm, also habe ch Recht... Nein! Belieben Sis, mich auch auzuschen me ein Lamm!" Meine Stellung wurde empörend, uncr- . mglich... nicin Herz fing au, sich zu verhärten. Es stieg v IS.1, öfter und öfter Gefährliches in mir auf; ich brachte Nächte ohne Schlaf und ohne Feuer zu, und dachte, sichte immer, und in dieser äußeren Finsterniß und inneren Dunkelheit reifte in mir ein fürchterlicher Entschltiß. Die "'nitnft Simeon Matveiksch's gab meinen Gcdankei: eine .widere Richtung. ,»Niemand erwartete ihn, der Herbst war längst herein- ueorochei,. gg erwies sich, daß er Unaimehmlichkeiten in, firi»!1, gehabt und seinen Abschied genommen hatte; er ihm. das Alexander-Band zu erhalten, und— man hatte J., e,lle Tabaksdose gegeben. Unzufrieden mit der Regie- miA welche seine Vorzüge nicht zu schätzen gcivnßt hatte, „'s öer Petersburger Gesellschaft, welche ihm wenig Theil- Mt S�cigt und seinen Unwillen nicht gctheilt hatte, und rl Entschluß, sich auf dem Lande mederzniasten fich der Landwirthschaft zli widmen. Er kam allein. Die Regierung scheint sich auf den Standpunkt jener „g e tn e i n i: ü tz i g e::" Gesellschaften zu stellen, die ihre Forderungen auf„den Bau gesunder und billiger A r b e i t e r w o h n u n g e n" beschränken. Die geheime Absicht dieser„gemeinnützigen" Gesellschaften ist oft nur eines i ch ere und rentable Kapital- an läge. Es handelt sich bei der Wohnungsfrage um viel mehr; vor allen Dmget: doch auch um det: Schutz des M i e t h e r s gegen das H a u s p a s ch a t h:: m. Hier betreten wir freilich ein Gebiet, wo die bürgerliche Gesellschaft all ihre Rechtsbegriffe als Schlagbäume und Fußangeln gegen sozialistische Störenfriede zur Anwendung bringt. Was die Regierung thun will, das sollen wir erst erfahren. Aber der Herr Minister voi: Berlepsch hat einst- weilen gesagt, daß bei den bevorstehenden gesetzlichen Schritten in der Wohnungsfrage die Mitwirkung g e- n: e i n n:: tz i g e r A k t i e n g e s e l l s ch a f t en und Ge- nossenschaften für den Wohnungsbau nicht zu entbehren sei und daß die Behörden in Staat und Gemeinden die Thätigkeit dieser Vereinigungen zu fördern hätten. Wir können uns dies Zusammenwirken nach gesetzlichen Vor- schriften einstweilen nicht vorstellen. Aber wenn wir irgendwelche Hoffnungen auf die MaßtiaHmet: der Re gierung gesetzt hätten— die Thatsache, daß Aktien gesellsch asten und ähnliche Erwcrbsverbindungen berufen sein sollen, an der„R e f o r m" mit zuwirken, sagt uns genug. Den,: damit wäre ja die ganze Wohnungsfrage nicht nur durch den Zwang des Bedarfs, sondern sogar offiziell und auf Grund der Gesetzgebung dem Privatkapital überliefert, dessen Spekulatioi: und Gewinnsucht die Heu- tige tiefgehende Kalamität im Wohnungswesen herbeigeführt hat. Desgleichen scheint man bei der Regierung darauf bedacht zu sein, den Bau von Wohnungen zu fördern, die von den Arbeitern als E i g e n t h u n: erworben werden können. Auch das ist eine Erbschaft, von gewissen ver- meintlichen Wohlthätern übernommen, welche man lieber hätte liegen lassen sollen. Denn zun: tausendsten Male ei hier gesagt, daß bei der heutige:: Fluktuation der Be- völkernng ein eigenes Haus für den Arbeiter wenig Werth hat und leicht zu einer Last für ihn werden kann. Die Privatspekulatioi: verkauft natürlich gerne kleine Häuser an die Arbeiter gegen lange Abzahlung, dem: die Sache rentirt sich unter Umständen vortrefflich und wer seine Zahlungen unterläßt, dein wird das Haus wieder weg- genommen. Wein: man sonach nicht nur das Privatkapital selbst, o::der>: auch dessen Praktiken in die„Reform" hinein- Sein Sohn, Michael Simeonitsch, kam erst später, zum neuen Jahre. Mein Stiefvater brachte fast seine ganze Pei: im Kabinet Simeon Matveitsch's zu, er stand noch höher in Gnaden. Mich ließ er in Ruhe; er hatte jetzt keine Feit für mich.... Simeon Mntvcitsch hatte den Einfall, eine Banmivoll-Fabrik einzurichten. Mein Stics- vatcr verstand Nichts vom Mannfattnrgcschäft, irnd Simeon Matvcitsch wußte, daß er Nichts davon verstand; aber mein Stiefvater war sein„Vollstrecker"(damals ein Lieblings- ausdrnck)!„Araktschejcff"! Simeon Matvcitsch nannte ihn namentlich:„Mein Nraklschcjesf"!-„Eifer" versicherte er ist Alles was ich brauche; die Richtung werde ich selbst neben." Trotz seiner vielfältigen Geschäfte mit der Fabrik, der Bcsitzilng, der Elnführnng von Kanzlei-Ordming und neuen Aemtcrn und Stellen, fand Simeon Matvcitsch dennoch Zeit auch mir feine Alifmcrksamkeit zuzmvendcn. Eines Abends wurde ich ins Gastzmimcr gcrnfen und gebeten, Klavier zu spielen. Simeon Matveilsch liebte die Musik noch weniger als der Verstorbene, indessen dankte er mir und ermlithigtc mich und am folgenden Tage erhielt ich eine Einladiing zum Mittagessen.--Nach Tische unterhielt ich Simeon Matvcitsch ziemlich lange mit mir, fragte mich über Vieles aus, lachte über einige meiner Antworten, ob- gleich sie Nichts Lächerliches enthielten, und sah mich so seltsam an.... Es verivirrte mich. Ich liebte seine Augen nicht; ich liebte ihren offenen, hellen Blick nicht... es war mir immer, als ivenn diese Offenheit selbst ctivaS Schlechtes deckte, als wenn ihr Heller Glanz eine dunkle Seele barg.„Ich werde Sie nicht zu meiner Lectrize machen," erklärte mir endlich Simeon Matvcitsch, sich in widerwärtiger Weise putzend- und znrechtznpfcnd,„ich bin Gottlob noch nicht erblindet und kann selbst lesen; aber der tragen will, so werden auch diejenigen enttäuscht sein, bei denen die Absicht der Regierung Hoffnungen erweckt hatte. Wie man vernimmt, hat sich die Regierung bei Bau« genossenschaften und Aktiengesellschaften über die Wohnungs- frage zu informiren gesucht. Die Anschauungen der Ka- pitalisten hat sie also vernommen. Wird sie nun auch bei den Arbeitern sich informiren? Diese werden ihr sehr Vieles sagen können, über das sie erstaunen und das sie von den Aktiengesellschaften nicht leicht erfahren wird.— Wir haben von vornherein die Ueberzengung, daß unter den gegenwärtigen Verhältnissen die Gesetzgebung es nicht wagen wird, die Privilegien der Hauswirthe irgend« wie auzutasten; im Rothstille wird diese bedürftige Klasse nach„Schutz" schreien. Andererseits wird das Privat- kapital auch unter den Auspizien der Regierung die Woh- Nlliigsfrage genau so löse», wie bisher. Wenn sich die Anlage rentirt, dann lohnt es sich schon, von„gemein- nützigen Bestrebungen" zu reden. Die Presse der alten Parteien pflegt zu behaupten, wir suchten zu agitatorische!: Zwecken dem Arbeiter die Ueberzengung beizubringen, daß er unter den heutigen Ver- Hältnissen kein besseres Loos erreichen könne. Nun, wir wären zufrieden, wenn wir eine wirkliche Besserung, keine scheinbare, sehen würden. Mache man doch den„überflüssigen" Diskussionen ein Ende und schaffe nian dem Arbeiter einmal billige und gesunde Wohnungen, wenn man kam:! Hier ist ein Rhodus; man möge springen! Dolitifcho Molrevstchk. Mach dem Alitanf deo Sozialiskengesetzev wird auch die zmii Ressort des Reichsamts des Jmier» gehörige sogenannte Reichskomniission aufgelöst werde». Dieselöe hatte über Be- schwerdcn gegen die seitens der Landcspolizcibchördcn auf Grund des Sozialistengesetzes ausgesprochenen Verbote von Vereinen sowie über solche wegen des Verbots von Druckschriften zu cnt- scheide». Den Vorsitz in derselben führte in letzter Zeit der prensiische Minister des Innern, Herrfnrth, ihre Mitglieder waren bei Begmn des laufenden Jahres: der sächsische außerordentliche Gesandle Graf von Hohenthal und Bergen, der Unterstaats- sckrctär im preußischen Finanzministerium Aicinecke, der inecklen- burgische anßerordeutlichc Gesandte von Oertze», der Oberlandes- gcrichts-Präsidcnt in Königsberg von Hollcben, die Senats- präsidcnte» beim Kammeraericht Dclius und Nessel, der Rath am bayerischen Obersten Landesgericht in München Dr. von Schneider und der Senatspräsident beim Obcrlandesgoricht in Hainburg Dr. Lehmauii. Die'Auflösung der 5Ä>mu»ssion dürfte einfach dadurch erfolge», daß sie nach Erledigung der ihr im Sozialistengesetz zugeivieseiieii Obliegenheiten nicht wieder zu- saniincntritr. Kaffee wird mir ans Ihren Händchen wohlschmeckender er- scheinen und Ihr Klavierspicl werde' ich immer mit Ver- gnügen hören." Von diesem Tage an ging ich jeden Tag ins Herrenhaus zu Tische und blieb zuweilen bis zum Abende im Gastziimuer. Auch ich war, gleich meinem Stiefvater zu Gnaden gekommen, es gereichte mir nicht zur Freude. Ich muß gestehen, dast Simeon Matveitsch mir Achtiiiig erwies; aber in diesem Menschen war Etwas, ich fühlte es, ivas mich abstieß und abschreckte. Und„Etwaig sprach sich nicht in Worten ans, aber in seinen Augen... in diesen schlechten Augen und in seinem Lachen. Er spräch nie mit mir über meinen Vater, seinen Bruder, und mir schien, als wenn er nicht blos deshalb diesem Gespräche auswich, uiil in mir keine ehrgeizigen Gedanken und Ueber- griffe zu wecken, sondern auS einer andern Ursache, die ich mir damals nicht deutlich vorstellen konnte, die aber Zweifel in mir erregte und mich erröthen machte... Zum Feste der heiligen drei Könige kam sein Sohn Michael Simeo- nitsch an. „Ach, ich fühle, daß ich nicht fortfahren kann, wie ich begonnen habe; diese Erinnerungen sind zu bitter! Und jetzt znmal bin ich nicht im Stande, ruhig zn erzählen... Und warnin sollte ich es verhehlen?... Ich liebte Michael nnd er liebte mich wieder. „Wie das zuging kann ich auch nicht erzählen. Ich erinnere mich, wie er an jenem Abende ins Gastzimmer trat(ich saß am Klavier nnd spielte eine Sonate von Weber), wie er schlank nnd schön, im sammetnen Lcibpelz nnd Filzstiefeln, gerade wie er ans der Lkälte kam, ins Zimmer trat, den Schnee von seiner Zobelin iitze schüttelte, ehe er seinen Vater begrüßte, nnd einen schnellen, ver- wlinderteii Blick ans mich warf. Ich weiß, daß ich von Das Gespenst" wandelt jetzt in den Spalten der „Köln. Zeit." Tag um Tag herum.„Wir stehen in den ersten Phasen eines riesenhaften Kampfes"— so heißt es in dem neuesten Erguß des führenden Organs der Bourgeoisie—„den Intelligenz(???) iind Besitz um ihre führende Stellung in nnserm politischen und wirthschaftlichen Leben mit den Bertretern des Proletariats nuszufechten haben. Die Sozialdemokratie schwingt in diesem Kampfe, der unsere gesammte Kultur und Ge- sUtiliig mit der Vernichtung bedroht, die furchtbare Waffe des allgemeinen und gleichen Stimmrechts. Licht und Luft sind daher vnn vornherein ungleich vertheilt und die Siegesaussichten der Sozialdemokratie sind also, wenn man lange historische Zeiträume ins Auge faßt, keineswegs ungünstig. Der gesunde Keim der Popularitätshascherei, welcher unserm Staatswesen durch ein u n- laublich rohes Wahlsystem eingeimpft ist, muß sich im erlauf der Zeit aufs üppigste weiter entwickeln, je mehr sich die sozialdemokratische Wahlmacht steigert." Nach diese»! Ausfall auf das allgemeine Wahlrecht, der auch denjenigen unserer Genossen, die von dem Parlamentarismus sogar wenig wissen wollen, zur Belehrung darüber dienen könnte, welchen Gefallen wir unseren Feinden thun würden, legten wir diese gcfürchtete Waffe ans der Hand oder ließen sie verrosten, folgt ein Ausfall gegen Freisinnige und Ultramontane, die „an dem Brande, welcher das wohnliche Heim des deutschen Bürgerthums bedroht, ihr Parteisüppchen kochen wollten." Nieder mit den„Verrnthern an den bürgerlichen Interessen!" Zum Schluß heißt es dann: „Die künstliche Mäßigung, welche die Sozialdemokratie sich aus taktischen Rücksichten aufzuerlegen sucht, wird ohne Zweifel nicht lange vorhalten. Die von früher her bekannten Ausschrei- tungen werden sich in ihrer ganzen abstoßenden Roheit an die Oberfläche drängen. Wir dürfen vielleicht hoffen, daß alsdann auch die nebelhafte Unklarheit und die verwaschene Sentimentalität, mit welcher mancher Bürger heute noch die soziale Frage be- handelt, verschwindet. Mancher Agrarier, der heute wohlgefällig zusieht, wenn die Industrie von trüben Finthen bedroht wird, mancher Kapitalist, der sich für eine Opferpolitik begeistert, die ihn ungeschoren läßt, wird endlich die höchst einfache Wahrheit erkennen, daß es sich in diesen» Kampfe nicht um die Industrie, nicht um einzelne Ziveige des bürgerlichen Geiverbefleißes handelt, sonder» daß für jeden, der überhaupt etivas zu verlieren hat. Sein oder Nichtsein auf dem Spiele steht. Dann»vird das Bürgerthum seine Reihen vielleicht f e st e r zusainnienschließen, der klägliche Streit um konstitutionelle und konsessionelle Doktorfragen, der Hader um allerlei kleine Frciheitsarabesken an dem herrlichen deutschen Reichsbau»vird vor den» feierlichen Ernst der Lage verstummen und Verräther und Ueberläufer»verde» keinen Pardon mehr finden,»lögen sie sich in klerikale oder in radikale Farben kleiden. Das sind die heilbringenden Lebcnsmächte,»velche das uncrlräg- liche Uebcrmaß des sozialdemokratischen Uebcls vielleicht zur Be- thätigung aufrusen»vird. Diese Entivicklung wäre freilich so her- vorragend vernünftig, daß man an ihre reine, ungemischte Ver- »virklichung nur schwer glauben kann. Doch»ver»nöchte an der schicksalsschiveren Frage zun» Propheten»verde»», ob der Weg nicht einst über Leichen und T r ü in m e r führen »vird? Wer möchte den schließlichen Ausgang einer so tief- gehenden Krisis voraussagen?" Das einzige Ideal, das der Bourgeoisie noch geblieben ist und an das sie— freilich auch bereits mit einer geiviffen melancho- lifchen Skepsis— noch glaubt, es heißt: Infanterie, Kavallerie, Artillerie. Sie möchte gar zu gern an die Gcivalt appelliren und das bald, recht bald, bevor es zu spät ist. Deutlicher kann »nan es nicht aussprechen, als die„Köln. Ztg." es in den obigen Auslassungen thut. Die Sozialdemokratie aber wird sich nicht provozieren lassen! Aufforord-rutliche Furcht vor der sozialdemokratischen Agitation auf dem platten Lande hat auch die ultramontane „Köln. Volksztg." Sie schreibt:„Schon durch die Zahl seiner Standesgenossen nimmt, besonders in Deutschland, der ländliche, schollenpflegende Volkstheil nicht blos eine hervorragende, sondern geradezu die erste Stelle ein. Dieser Umstand allein hätte eine bessere Werthschätzung dieses Standes vermitteln müssen; er wiegt »vahrlich nicht leicht bei der jetzigen Zersetzung unserer Volks- schichten. Wie»veit klarer und zielbeivußter zeigt sich leider mich hier»vieder die kluge Leitung der Nmsturzpartei! Hat sie die ländliche Volksklasse erschüttert, dann mag der Staat seinen ganzen übrigen Apparat nur ruhig behalten. Nach Eroberung der zahl- reichen Schollenbevölkerung verfügt die Sozialdemokratie über eine erdrückende Mehrheit des Volkes und der Wähler, beherrscht so- init die Gesetzgebung und die— Armee. Den letzten Punkt »nögen sich Solche klar»nachei», die in naiver Weise von der Be- schränkung des allgen, einen Wahlrechts eine Rettung sich er- träumen. Ist vielleicht des Zündstoffes noch nicht genug? U>»d was soll eine Geseizgebuna unter den» Schutze eines Heeres, das „ach Unterivühlung des Landvolkes meistens aus religionslosen Soldaten vesteht, aus Leuten, die nach einen» Eide nichts mehr fragen? Welcher Thor glaubt denn, daß solche Soldaten in, »virklichen Nothsall gegen aufständische Genossen ihre Pflicht thun würden." jenem Abende an ihn nicht vergessen konnte, dieses junge Gesicht nicht mehr vergessen konnte. Er fing an zu sprechen, und es war, als wenn sich seine Stimme nm mein Herz legte... eine männliche sanfte Stimme, und in jedem Tone derselben so eine ehrliche, ehrliche Seele! Simeon Matveitsch freute sich über die Ankunft seines Sohnes, um- armte ihn und fragte sogleich:„Ans zwei Wochen? Eh? Auf Urlaub? Eh?"— und entließ mich. Ich saß lange am Fenster meines Zimmers und sah zu den Lichtern hinüber, die in» Herrenhause durch die Zimmer liefen. Ich folgte ihnen uiid horchte aus die neuen, unbekannten Stimmen. Diese ungewohnte, lebendige Unruhe gefiel mir, und etwas Neues, Unbekanntes, Lichtes zog durch meine Seele. „Am folgenden Tage vor Tische hatte ich die erste Unterredung mit ihm. Er kam im Auftrag Simeon Mat- veitsch's zu»»einem Stiefvater und traf»»ich in unseren» kleinen Gastzimmer. Ich»vollte»veggehei», aber er hielt »»ich zurück. Er war sehr lebhast und frei in seinen Reden und Beivegungen; aber von dein Stolze und der Frechheit, von dein verächtlichen Tone der Hauptstadt»var keine Spur in ihm, auch nichts Militärisches von der Garde... Im Gegentheil, in der Ungezwungenheit seines Uniganges selbst »var etwas Schüchternes, als wenn er um Vergebung bäte. Es giebt Menschen, deren Augen»»iemals lachen, selbst ini Momente des Lachens nicht; bei ihm veränderte sich der übfche Zug uin den Mund nie, seinc Augen aber lachten eständig. So unterhielten wir»ms»vohl eine Stunde lang ...»vorüber? ich»veiß es nicht; ich erinnere mich nur, daß ich ihm die ganze Zeit über in die Augen sah und daß »nir so»vohl mit ihm war! Am Abend spielte ich Klavier. Er liebte die Musik sehr, setzte sich in einen Lehnstuhl, stützte den 5trauskopf in die Hand und hörte aufnierksam zu. Er lobte mich kein einziges Mal, aber ich verstand, daß nicin Spiel ihm gefiel und ich spielte mit Begeisterung. Simeon Matveitsch saß nebei! dein Sohne und betrachtete Pläne; plötzlich runzelte er die Stirne:„Nun mein Fräulein," sagte er, sich»vie gewöhnlich putzend und zuknöpfend,— „jetzt ist es genug. Sie schmettern ja»vie ein Kanarien- vogel! So kann man ja Kopfweh bekommen. Für einen Herr Gvruter folgt dem Reichskanzler und»vill sich voiu politischen Leben zurückziehen. Dies bedauerte'nach der„Post" der Verein der Konservative», der Luisenstadt ain Dienstag illbend. I» längerer Gegenrede, so schreibt die„Post", legte Abg. Creiner die Gründe für seine Zurückgezogenheit dar und sprach sich gegen die Unterstellung a»ls, daß er seine Kandidatur im 5. Reichstags- Wahlkreise durch die„Silberlings" des Herrn von Bleichröder sich habe abkaufen lassen. Er behauptete u. A., daß kein Geringerer, als Fürst Bislnarck selbst, ihn zum Rücktritt von dieser Kandi- datur bewogen habe.— Fürst Bismarck hat den Rücktritt des Herrn Cremer einfach durch seine Kanzlei herbeiführen lassen. Wärnm aber inußte Herr Cremer dem Fürsten Bismarck darin ohne»veiteres Ordre pariren? Diesen Grund anzugeben, unter- läßt Herr Cremer kluger Weise. Alovnial-Fabrikvordnuiig. Um der gesetzlichen Regelung der Arbeitszeit it. s. ,v. einen Damm zu ziehen, haben Industrielle, so die der Textilindustrie,»velche den linksrheinischen Verein für „Gemeimvohl" bilden, eine Normal-Fabriksordnung ausgearbeitet. Ebensolche Normal-Ordnungen sollen für andere Branchen von demselben Verein vorbereitet»verde»». Natürlich handelt es sich dabei um weitere Abbröckelnng von den anfänglich geplanten und gehofftcn Reformen, die den Arbeiter besser schützen sollte». Das Schicksal des ehemaligen Lehrers Haudorf auf dem »necklenburgischen ritterschastlichen Gute Stieten,»velcher in» Alter von 68 Jahre» mit der Verpflichtung, Hofdienste zu thun, pen- stonirt worden ist, und seitdem ztvöls Jahre hindurch zu den niedrigsten Arbeiten hinzugezogen»vorden ist, hat in ganz Deutsch- land berechtigtes Aufsehen hervorgerufen. Ein mecklenburgisches Blatt hat nach der Veröffentlichung der traurigen Verhältnisse des alten Mannes Ermittelungen angestellt, welche ein„in »vesentlichen Punkten die Sachlage aufklärendes Bild" geben sollen. Dies Bild mecklenburgischen Lehrerelends stellt sich folgendermaßen dar: „Zunächst ist festzustellen, daß der Lehrer H. ursprünglich t Handwerker geivesen und später nach bestandener Prüfung als ehrer in Stieten angestellt»vorden ist. Selbstverständlich waren seine Leistungen gering, und sah sich die Gutsherrschaft aus Antrag des kompetenten Geistlichen veranlaßt, H. im Oktober 1878 zu pcnsioniren. Nach den» abgeschlossenen Pensionsvertrag hat derselbe zu fordern: l) freie Wohnung, bestehend aus Wohn- und Schlafzimmer, Feuerherd und den nöthigen Ställe»; 2) freie Weide und Weidefutter für eine Kuh; g) freie Feuerung, bestehend aus 12 000 Soden Stechtorf und 4 vierspännigen Fudern tannen Durchforstungsholz; 4) 75 Ouadratruthen Gartenland; 5) 100 Quadratruthe» Kartoffelland; 6) 16 Quadratruthen Leinland; 7) an Korn: 20 Scheffel Roggen, 8 Scheffel Gerste, 2 Scheffel Hafer und 2 Scheffel Erbsen; 8) für Aufwartung des neuen Lehrers, sowie Heizung und Reinigung dessen Wohn- und Schlafzimmers, soivie des Schulz, mniers pro Quartal 6 M. Außerdem hat H. sich bereit erklärt und sich und seine Frau verpflichtet, leichte Arbeiten für die Gutsherrschaft für ein täg- liches Arbeitsgeld von 62 Pf. für sich und von 75 Pf. für seine Frau auszuführen. Die Frau,»velche von Hause aus'Außen- resp. Küchenmädchen gelvesen ist, hat sich jedoch nie bereit finden lassen, jenen Tagelohn zu verdienen, dagegen hat H. selbst, be- sonders in den ersten Jahren, gearbeitet und den stipulirten Lohn empfangen. Jetzt, Ivo er erklärt, nicht»nehr arbeiten zu können, soll ihm unter Belassung der obigen Naturalleistungen anstatt des»vegfallenden baaren Verdienstes eine jährliche Geldsumme geivährt»verde»», deren Höhe noch nicht feststeht." Der mecklen- burgische Korrespondent der„Hamb. Nachr.", dessen Mittheilungen vorstehende Angaben entnommen sind, fügt hinzu, daß solche Zu- stände nur aus den ritterschaftlichen Gütern vorkommen könnten. Wir erfahren, daß in Mecklenburg Handiverker als Lehrer ange- stellt— und nach der früheren unwidersprochenen Mittheilung — 27 Jahre als solche beschäftigt»verde»», obivohl sie„selbst- verständlich" nur Geringes leisten, daß der pensionirte Lehrer dem Nachfolger aufwarten und dessen Wohnung, soivie das Schul- zimmer heizet» und reinigen muß und dasür 6 M. pro Quartal, sonst aber keinen Pfennig baaren Geldes als Pension erhält, sich vielmehr verpflichten muß,„leichte Arbeiten", d. h. nach den früheren Mirtheilungen'Garten- und Wegebauarbeit, Kaffsichten, 5t»hstriegcln»c. für einen Tagelohn von 62 Pfennig leisten muß, daß seine Frau sich zu gleicher Arbeit verpflichten inußte, und daß der Mann, nachdem er 80 Jahre alt gewordeii ist, jetzt eine jährlich» Geldsumme erhalten soll,„deren Höhe noch nicht fest- steht". Der Dorstaud der Allgemeine»» Konferenz hat den» deutsche» Sittlichfieitoverei» eine Abänderung des§ 184 des Strafgesehbuchs dahin in Antrag gebracht:„Wer Schriften, Druckiverte, Bildiverke oder DarsteUunaen, welche in sittlicher Be- zichung Aergerniß zu geben geeignet sind, zur Verbreitung her- stellt oder zum Zivccke der Verbreitung in» Besitz oder Geivahrsam hat, seilbietet oder anpreist, verkaust, vertheilt oder sonst ver- breitet, oder an Orten,»velche dem Publikttm zugänglich sind, ausstellt oder anschlägt,»vird mit Geldstrafe bis zu 800 M. oder alten Mann»vie ich bin, würden Sie sich nicht diese Mühe gebe»»,"... fügte er halblaut hinzu und schickte mich»vieder fort. Michael begleitete mich mit den Attgen bis zur Thür und stand auf.„Wohin? Wohin?" schrie Simeon Mat- veitsch, lachte plötzlich auf und sagte noch Etivas.... Ich tonnte seine Worte nicht verstehen; aber Herr Ratsch, der sich in einem Winkel des Gastziinmers befand(er»var überall„zugegen" und dicsinal hatte er die Pläne gebracht) lachte in ähnlicher Weise und sein Lachen erreichte mein Ohr.... Dasselbe oder doch fast dasselbe»vicdcrholte sich an» folgenden Abende. Simeon Matveitsch veränderte plötzlich sein Benehmen gegen mich und erklärte mich in die Acht. „Vier Tage darauf begegnete ich Michael in dem Korridor,»velcher das Herrenhaus in zivci.Hälften theilte. Er faßte niich bei der Hand und führte mich in ein Zimmer neben dem Speisesaal,»velches das Porträtzimmcr hieß. Ich folgte ihm nicht ohne Atlfregung, aber init vollem Vertrauen. Ich glaube, daß ich ihm schon danials bis ans Ende der Welt gefolgt wäre, obgleich ich noch nicht ahnte,»vas er»nir bereits»var. Ach! Ich hatte mich ihm mit aller Leidenschaft und mit aller Verzivciflung eines jungen Wesens an- geschlossci», daß nicht allein Nieina»»d auf der Welt zu lieben hat, sondern sich einen ungebetenen, lästigen Gast unter fremden, feindlichen Menschen fühlt!... „Michael sagte mir... und seltsam! Ich blickte ihm gerade und kühn ins Gesicht— aber er sah mich nicht an ul,d erröthetc leicht,— er sagte mir, daß er meine Lage verstünde, daß er»nit mir fühle, u»ld bat mich, seinem Vater zu vergeben.....„WaS mich anbetrifft," fügte er Hinz»,„so bitte ich Sie, meiner stets versichert zu sein»»nd nicht zu vergessen, daß Sie für mich eine Schivcster, ja eine Schivestcr sind." Hier drückte er mir fest die Hand. Ich verwirrte»»ich, und jetzt sah ich zur Erde; es»var, als hätte ich etivas Anderes, ein anderes Wort zu hören er- »vartet. Indessen, ich fing an ihn» zu danken.„Nein, ich bitte Sie ," unterbrach er mich,„sprechen Sie nicht so... aber vergessen Sie nicht, daß die Pflicht eines Bruders ist, sich seiner Schivester anzunehmen— und ivenn Sie jemals des Schlitzes bedürfe»», gegen»ven es auch sei— so verlassen mit Gefängniß bis zu G Monaten bestraft. Auch kann auf lnst der bürgerlichen Ehrenrechte erkannt»verde»." Nach der# giltigen Fassung»vird nur bestraft,»ver unzüchtige Schriften, äv- btldungen oder Darstellungen verkauft. vertheilt oder sonst vtv breitet, oder sonst an Orten, welche dem Publikum zugängiwj sind, ausstellt oder anschlägt.— Der Abänderungsvorschlag>Is außerordentlich reaktionär und»vürde,»venn er Gesetz würde, eine bequeme Handhabe bieten, jedes unangenehme Buch zu unter- drücken. Vor allem würde die sozialdemokratische Literatur iy" zu kosten bekomnien.. Er hat übrigens nur»venig Vertheidiger in der Presse ge- fanden. Selbst die ultrakonservative„Leipz. Ztg." bezeichnet UP nur als eine„Anregung". Er berge die Möglichkeit chikanostr An, vendung; könne doch z. B. an der Hand der neuen Form« das schöne Lied verboten»verde»: Der Bierlala»var der einzige Sohn»c.— Diese Gefahr scheint die„Leipz. Ztg." als die schwersie zu betrachten. Der deutsche Derem ocgeir de» Mißbrauch ge ist'S H Getrauke hielt am Montag in Frankfurt a. M. seine sW's* Versammlung ab. Was dort als Heilmittel gegen den Alkohom- inus empfohlen wurde, ivaren die alten Pallintivinittelchen, d» die Ursachen der schlimmen Erscheinung vollständig unberua- sichtigt lasse». Die„Volks-Kaffeehallen",„Volks-Unterhaltung«- abende",»vie sie in verschiedenen Städten in der Mode stnd ff" fanden begeisterte Lobredner. Betreffs der Stellung der MapE keitssache zur Sozialreform beantragte Ober-Bürgernieister Strua- mann:„Die vom Verein schon»nehrfach beantragte Gesetzgebung zur Bekämpfung des Mißbranchs geistiger Getränke bildet e»»' nothivendige, bedeutungsvolle Ergänzung der sozialpolitische» Gesetzgebung der letzten Jahre. Das Interesse»veiter 5kreise ve» deutschen Volkes erfordert die auch bereits voin Reichstag uno der Reichsregierung als dringlich anerkannte gesetzgeberische Reg« lung dieser Angelegenheit und das Deutsche Reich darf damit»st» so»veniger zögern, nachdem andere Staaten mit Erfolg dan» vorgegangen sind. Die diesjährige Versammlung des Vereins beauftragt daher den Vorstand, wiederholt und eindringlich b« den gesetzgebenden Getvalten des Reichs vorstellig zu werden, ba- init thnnlichst schon in der nächsten Session des Reichstags em diesen Gegenstand erschöpfend behandelndes Gesetz»m Sinne ver Beschlüsse der Vereinsversaminklmg von Darmstadt vom 14. Gep» 1887 zur Vorlage und Verabschiedung gelange." Die VersaniM- lung nahm natürlich diesen Antrag an. Die Herren können fw von der alte» Methode, an den äußerlichen Erscheinungen ve- Hebels herum zu doktoren, ohne sich viel zu bemühen,. Ursachen desselben zu erforschen und diese zu beseitige»- nicht los sagen. Würden sie im entgegengesetzten Sinne handeln, so»vitrde vor»hnen die ganze soziale Misäre auftauchen und ck »vürde» zu deren Beseitigung Hand anlegen, oder auf ihre A« kämpkung des Lllkoholisinus überhaupt verzichten müssen.. Eine ,, Hühnerleiter" nannte Herr Amtsrichter Tauche« in Nürnberg, gelegentlich der Verhandlung gegen Herrn Seg»? und Genossen, das Reichspreßgesetz. Daß der Mann damit den Nagel auf den Kopf getroffen hat, beweist»vieder eine Entschff- dniig des Reichsgerichts,»vonach der Verleger einer ZeitschrM »velcher für dieselbe einen verantivortlichen Redakteur angestett' hat, nicht von der Verpflichtung befreit ist, darüber zu»vachen� daß die in der Zuschrift aufgenommenen Artikel nicht einen stral- baren Nachdruck enthalten und er kann neben dem Redakteur ff» einen von diesem aufgenommenen, als Nachdruck strafbaren Arm«- wegen fahrlässiger Veranstaltung eines Nachdrucks verantivortlic? gemacht»verde». Nachdem nun preßgesetzlich der Verleger, Redakteur, Korrespondent, unter Uinständen auch die Setzer ver- antwortlich gemacht»verden können, fehlt zur Vollendung ver „Preßfreiheit" nur noch, daß auch der Leser zur VerantwortunS und Bestrafung herangezogen»verden kann. Vielleicht kommt man iioch auf die Idee, diese„Lücke" auszufüllen, es wäre dieses em sehr hübscher Ersatz für die preßgesetzlichen Bestimmungen de» Sozialistengesetzes. Kieirfeld, 24. September. Eine sehr stark besuchte sozial- d e u» o k r a t i s ch e P a r t e i v e r s a in in l u n g»»ahn» gestern endgiltig Stellung zu dem Organisationsentwurf. Eine vor 14 Tagen tagende Versammlung hatte einen Ausschuß eingesetzt- welcher einlaufende Abänderungsanträge zu formuliren hatte- Der gestrigen Versammlung lagen nun vier Anträge vor, welch' süuimtlich, und zivar fast mit Einstimmigkeit angenommen»vurden- Der erste Antrag»vill die Frist von 4 auf 6 Wochen verlängert »vissen,»velcher zivischen Einberufung und Eröffnung eines Parle» tage» zu verstreichen hat, um eine gründliche Vorbereitung des letzteren zu erleichtern. Nach dem ziveiten Antrag soll für hff Wahl der Delegirten als Grinidsatz gelten, daß auf jeden Reichs- tagS-Wählkreis nur ein Delegirter entfällt; jedoch soll der Parte»- vorstand das Recht habe», den sogenannten„großen" Wahlkreise» »»»ter Zugrundelegung der in ihnen vorhandenen zahlende» Parteigenossen die Emsendung von mehr als einen Delegirte» einzuräunien; um die Agitationskraft der Parteitage zu vergrößern» sollen die gesammten Delegirtenkosten von der Parteikaffe getragen »verde». Der dritte Antrag schlägt vor, daß die Bezahlung derjenige» Vorstandsmitglieder,»velchen eine im voraus zu bemessen� Thätigkeit obliegen»vird, vom Parteilag festzusetzen sei.— Der letzte'Antrag geht dahin, de»» Zentralorgau mir den TitA „Vorwärts" zu geben»md also den Zusatztitel„Berliner Sie sich ans mich. Ich bin erst kurze Zeit hier, aber habe bereits Vieles begriffen... und unter Anderem hast' ich Ihren Stiefvater begriffen." Er'drückte mir wieder d»' Hand uitd ging. „Ich erfuhr In der Folge, daß Michael von seiner ersten Begegnllng an einen Widerivillen gegen Herrn Ratsch gefaßt hatte. Herr Ratsch versuchte, sich auch bei ihm ein- zuschmeicheln; sobald er sich indessen von der Nutzlosigkeit seiner Bestrebungen überzeugt, stellte er sich ihm selbst feind- lich gegenüber, und er suchte die feindlichen Beziehungen nicht etiva vor Simeon Matveitsch zu verbergen, er kehrte sie vielmehr heraus und sprach dabei sein Bedauern aus, daß es ihm bei dem jungen Erben nicht geglückt war. Herr Ratsch hatte den Charakter Simeon Matveitsch's gut studirt; seine Berechnung traf ein.„Die Ergebenheit dieses Menschen »»nterliegt schon deshalb keinem Ziveifel, weil er nach mir verloren ist;»nein Erbe kann ihn nicht leiden.. Dieser Gedanke setzte sich in dem Kopfe des alten Mannes fest- Man sagt, daß alle Männer sich, wenn sie alt»verden, aus diesen Leim begeben, den Leim einer ausschließlichen, persön- lichen Anhänglichkeit.... „Nicht umsonst nannte Simeon Matveitsch Herrn Ratsch seinen Araktschcjeff.... Er hätte»hm auch einen anderen Rainen geben können.„Du bist mir nicht verantivortlich/ pflegte er ihm zu sagen. Er hatte gleich bei seiner Ankunft angefangen ihn zu dntzen, und mein Stiefvater blickte ihn» lieblich auf den Mund, neigte den Kopf ergeben auf die Seite, als»vollte er sagen!„Hier bin ich! Ganz der Ihre!" ... Ach, ich fühle, daß meine Hand zittert, und mein Herz stöfft a»» den Rand des Tisches, an dein ich eben schreibe.- Mir graut vor der Erinnerung jener Tage und mein Blut kocht... Aber ich werde Alles bis zum Eilde erzählen.- bis zum Ende! „Meine Beziehungen zu Herrn Ratsch nahmen während der Zeit meiner kurzen„iaveui" eine andere Schattirung an. Er wurde gefällig, vertraulich, achtungsvoll, wie»venn ich vernünftiger geworden und ihm dadurch näher gerückt »väre.„Haben das Grimassiren aufgegeben," sagte er einst, als er ans dein Hauptgebäude in das Nebengebäude zurück- ging.„Lobensiverth! Alle diese Tugenden und Gefühle �otkblatt" zu streichen.— Wie bemerkt, fanden diese Anträge J oUfummiing der Versammlung, ivelche sich im Uebrigen mit .��Wnisationsentivurf einverstanden erklärte.— Weiter ward sichlvjsen, aus dem Wahlverein Bielefeld-Wieden brück einen Dele- mrien nach Halle zu entsenden. Die Wahl desselben wird hier in smer am 1. Oktober stattfindenden Versammlung geschehen; die > vrigen Orte des Wahlkreises mit einer lebhaften Parteibewegung '"»den ersucht werde», sich entweder an dieser Versammlung zu velheuigen oder auch zu demselben Zweck am 1. Oltober Versammlungen abzuhalten.— Zur Feier des Hinfalls des Aus- nahmegesetzes soll am 12. Oktober ein großes Volksfest ver- anstallet werden, zu dem alle hiesigen Geiverkschaften eingeladen werden sollen., Gera(Reuß), den 23. September 1890. Man schreibt uns: dsn der letzten Sonntagsnummer des„Berliner Volksblatt" erachten Sie unter„Politische Uebersicht" die Nachricht, daß in eine Volksversaminlung die Gründung einer Tageszeitung beschlossen habe, die als„Renßische Tribüne" ins Leben trete» wird. Das ist nicht ganz richtig: Die„Renßische Tribüne" er- scheint bereits seit Anfang dieses Jahres in mehrmaliger wöchent- licher Ausgabe und jene Versammlung hat nur beschlossen, daß ss'cge» einer Erweiterung dieses Preßunternehmens vorbereitende schritte nnternomme» werden solle», um den sich vielfach in hiesigen Arbeiterkreisen äußernden dahingehenden Wünschen gerecht werden zu können. . Ladru-zladen. Es werden zur Zeit auf Veranlassung der Umtsaiiwaltschaft Rastatt hier amtliche Nachforschungen nach denjenigen Mitgliedern des Arbeiter-Wahlvereins„Vorwärts" dngesteUt, welche am 10. August einen Kranz aus den Gräbern der standrechtlich Erschossenen in Rastatt niederlegten. Die rothe Schleife des Kranzes trug die Inschrift: „Den' Opfern des Unverstandes und der Willkür, Den Kämpfern für Freiheit und Recht, Den Todten gewidmet von den Lebendigen Zum 10. August 1890. Von Mitgliedern des„Vorwärts" in Baden-Baden." Der Vorsitzende des Vereins, Apoteker Lutz, gab in der Ver- flehnmng unumwunden zu, daß er beim Niederlegen des Kranzes betheiligt gewesen sei, auch die Inschrift versaßt habe, lehnte eS aber ab, weitere Thcilnehmer zu nennen und verneinte bestimmt, daß die Widmung des Kranzes von Vereinswegen geschehen sei. Aus Kadru, 22. September, wird der„Franks. Ztg." gc- .schrieven: Die Erneuerung der Bürgerausschuß-Kollegren, wie solche durch das neue Gcmeinde-Wahlgesetz für alle der Städte- orduung nicht unterstellten Gemeinde» über 000 Einwohner zur Pflicht gemacht wird, geht allmälig im ganzen Lande vor sich. Tie Resultate, welche bisher erzielt wurden, sind nicht geeignet, .die Väter dieses reaktionären Gesetzes, die nationalliberale Kammerhenschast zu befriedigen. Kleinlaut verhält sich auch die liberale Presse, sie gicbt nur ihrem Erstaunen Ausdruck über die Erscheinung, daß in so vielen Landorten das sozialdemokratische Element in der dritten Wählerklasse die Oberhand gewinnt. In Feudenheim und Sandhosen bei Mannheim, in Aue bei Rastatt, -und in Bulach bei Karlsruhe hat die Sozialdemokratie große Er- 'folge aufzuweisen, die sich nicht nur ans die 3. Wählcrklasse be- schränken.'Auch im badischen Oberlande, wo die Ultramontanen .günstige Wahlen zu verzeichnen haben, sind vereinzelt Sozialiste» gewählt. Ans Elsast-Lothringr». In Kolmar hat sich in den letzten Tagen ein„Verein zur Herbeiführung volksthümlicher Wahlen" gebildet. Gestützt auf die Thatsache, daß bei der neu- lichen Reichstagswahl der sozialdemokratische Kandidat eine ver hältnißmäßig große Stimmenzahl auf sich vereinigte, will nun der Verein schon jetzt für die nächsten Wahlen vorarbeiten und namentlich auch das Landvolk gewinnen. Bravo i Gesterreich-Ungar». Wien, 24. September. In dem EhrenbeleidigimgSprozesse des FZM. Freiherr» v. Scudier gegen das(christlich-sözmle) „Vatertand" wurde durch einstimmiges Verdikt der Geschworenen der Redakteur Koller zu achtmonatlicher Arreststrase und der Redakteur Rath zu 50 Fl. Geldstrafe, event. zehntägigem Arrest verurtheilt.— Das„Vaterland" hatte behauptet, Scudier sei bestechlich, und hatte den Nachweis nicht führen können. Frankreich. Paris, 24. September. Wie die Abendblätter mittheilen, würde der Finanziuinister Rouvier mit der Budgetkommission sofort nach deren Zusammentritt am 14. Oktober über die . Deckung des aus der Verminderung der Grundsteuer entstehende» 'Ausfalles von 13 Millionen Franks im Budget für 1891 be- rathe». Aus Eherbourg wird die Verhaftung eineZ Reservisten der Marine-Infanterie wegen Diebstahls von Lebel-Patronen in dem Augenblicke berichtet, als er sich anschickte, ins Ausland ab zureisen. Ter'„XlX Siücle"(„Neunzehntes Jahrhundert"), welcher zu den Boulanger-Enthüllungen Randglossen iiud Ergänzungen liefert, greift heute sein Berichte Mcrmeh' über die zweite Flucht Boulangers nach Belgien, die historische, vor und erzählt, wie geschickt der Minister des Innern die Dinge vorbe- reitet hatte. Da Herr Constans wünschte, daß Boulanger das Hasenpanier ergriffe, ließ er, der sonst so ordnungsliebende Mann. wie durch Zufall ein Zettelchen auf seinem Schreibtische liegen als er eben den Spitzel, welcher auch für die Boulange spiomrte. zu sich beschieden hatte. Auf dem Papier standen die Worten „Heute Abend Verhaftung B...., R..... D..." und einige chifsrirte Zeile». Während der Mann in dem Kabinet des Ministers war, ging dieser hinaus und, wie er erwartet hatte. wurde das Zetlelchen gelesen. Daun erhielt der Polizist einen Auf- trag und nach diesem Urlaub für den ganzen Tag, damit er seine» Geschäftchen obliegen konnte. Schnurstracks fuhr der Spitzel nach der Rue Dumont-d'Urville und erzählte Boulanger, was er erspäht hatte. Die Nachricht wurde übrigens noch durch den General staatsanwalt Bonchcz bestätigt, dem Constanz nicht traute und welchen er deshalb ebenfalls von seinem Vorhaben unterrichtet hatte. Nun beschloß der General, abzureisen, ohne seine Freunde zu verständigen. Er ertheilte Befehl, seine Koffer zu packen, und der Diener, dem dieses Geschäft oblag, ließ den Minister des Innern um die Absichten seines Herrn wissen. Herr Constanz war darüber außer sich vor Freude, er sagte zu dem Justizminister Thövenet, der ihm eben Quesnay de Beaurepaire als General staatsanwalt vorschlug:„Ich glaubte, Boulanger Hütte eine Faust, um sich zu wehren, aber er hat nur Füße, um sich aus dem Staube zu machen". Und dieser Hasenfuß hat 1887 die deutschen Wahlen machen helfen! Man kann mir mit Beschämung an jene Zeit und ihre Vorgänge zurückdenken. Schweiz. Bern, 24 September. Der Bundesrath hat auf den nächsten Sonnabend Vormittags 10 Uhr je 9 der hervorragendsten Parteiführer der konservativen und der liberalen Partei im Tessin zu einer Konferenz einberufen, in welcher unter seiner Vermjttelung eine Verständigung zwischen beiden Parteien erzielt werden soll. Gleichzeitig theilte der Bnndesrath dem Kommissar Künzli mit, daß er zur Zeit noch nicht in der Lage sei, über die Frage der Wiederübcrnahme der Regierungsgewalt durch den Staatsrath zu entscheiden. Amerika. Washington, 24. September. Die Tarifkonferenz setzte den Champagnerzoll auf 8 Doll. per Dutzend Quarts fest, den Zoll auf Wein und Cognac ans 2Vs Doll. per Gallone; der Zoll ans Gemälde, Statuen und Kunstwerke wurde auf 10 p(5t. herabgesetzt. Die Frist für die Entnahme von den vor dem 1. August unter Zollverschluß gelegten Waaren wird auf den I. Februar anberaumt. Das Inkrafttreten des Tarifgesetzes wird voraus- sichtlich bis zum 15. Oktober verschoben. As»-». Bombay, 24. September. Telegraphische Nachrichten aus Margao von heule Mittag berichten, daß im Distrikt Salsette infolge des energischen Eingreifens der Regierung sowie der Lokalbehörden Alles wieder ruhig ist. Die Ruhestörer sind ent- flohen. Die Behörde betreibt eifrig die Untersuchung. Die Wahlen nehmen ihren Fortgang. diese„Chrestomathie" mit einem Worte,— ist nicht unsere Sache, die Sache armer Schlucker!" Als ich aber in Un- gnade fiel und Michael es nicht mehr für nöthig hielt, seine Verachtung für Herrn Ratsch und seine Theilnahme für mich geheim zu halten, da verdoppelte Herr Ratsch sofort seine Strenge. Er verfolgte mich überall, als wenn ich der größten Verbrechen fähig iväre und mit stacheligen Hand- schuhen gehalten werden müßte.„Nehmen Sie sich in Acht!" schrie er, ohne anznklopfen in schnintzigen Stiefeln und den Hut ans dem Kopfe in mein Zimmer hineinbringend:„Ich werde nichts dergleichen ertragen! Rümpfen Sie nicht die Nase! Mich führen Sie nicht an, ich aber werde Ihren Hoch- Mulh schon brechen!" Und an einem Morgen erklärte er wir, Simeon Matveitsch habe Befehl gegeben, daß ich nicht niehr ohne Einladung bei Tische erscheinen dürfe. ... Ich iveiß nicht, welch eine Wendung Alles dies gc- nommen hätte, wenn nicht ein besonderes Ereigniß damals mein Schicksal entschieden hätte... „Michael war ein großer Pferdeliebhaber. Er hatte den Einsall, einen jungen Traber selbst einzufahren. Tiefer ging durch, sing an ausziischiageit und schlenderte ihn ans dem Schlitten hinaus.... Er wurde. mit einer verrenkten Hand und mit verletzter Brust besinnungslos ins Haus gc- tragen. Ter Alte erschrak heftig und verschrieb die besten -lerzte aus der Stadt. Sie heilten Michael; aber er mußte einen Monat lang das Bett hüten. Karten spielte er nicht, das Sprechen hatte ihm der Arzt verboten, und lesen konnte er nicht, da es ihm zu unbequem war, dns Buch immer nur mit einer Hand zu heilten. Es endigte damit, daß mich Simeon Matveitsch, in Erinnerung alter Zeiten, endlich selbst in der Eigenschaft einer Lectrice zu seinem Sohne schickte. Und jetzt folgten unvergeßliche Stunden! Ich pflegte gleich nach Tische zu Michael zu gehen, und setzte mich an eine» kleinen, runden Tisch am halb verhängten Fenster. Er lag an der hinteren Wand eines kleinen Zimmers nebeil dem Gastzimmer, auf einem breiten Ledcrsopha im Gcschmacke des Kaiserreichs,' ein goldenes Basrelief auf der hohen geraden Lehne stellte eine hochzeitliche Prozession der Alten dar. Der bleiche, etwas eingesunkene Kopf drehte sich dann sogleich aus seinem Kissen und wandte sich zu mir; sein Soztnlo Msverstrhk. Fiirstciiwnlde. Am vergangenen Mittwoch wurden in der Fabrik von Julius Piulsch hier die Former Louis Käsler und Hermann Weiland, wovon Erster«: über 10 Jahre, Letzterer 4Vg Jahre im Geschäfte thätig waren, plötzlich ohne Angabe irgend eineS Grundes, wie es die humane Fabrikorduung erlaubt, eut- lassen. Diese lediglich ans polltische Motive zurück z» führende Maßregelung giebl der„Märkischen Volksstimme" Veranlassung, sich etivas näher mit den Zuständen des gedachten Etablissements, welches bisher stets als ein noli mc tangei-e(rühr mich nicht au) galt, namentlich auch mit der Person des Leiters desselben, des Herrn Disponenten und Lieutenants d. R. Hans Eberhardt, einer' konservativen Größe a>N hiesigen Orte, zu beschästigen. Zu- nächst sei bemerkt, daß genannter Herr im Geschäft sich als absoluter Herrscher aufspielt und daß Derjenige, welcher sich seinen Wünschen nicht gefügig zeigt und bei ihm deshalb in Un- gnade fällt, unrettbar verloren ist, sofern er nicht bei dem Herrn Koinmerzienrath Pintsch gerade eine»„Stein im Brett" hat. Was nun speziell die Former anbelangt, so waren die- selben sicher bei dem Herren Disponenten ganz besonders gut angeschrieben, namentlich hatten die beide» Geniaß- regelten sich ehedem des ausgesuchtesten Lobes und der größten Liebenswürdigkeit seitens ihres Herrn und Gebieters zu erfreuen Dies änderte sich jedoch mit einem Schlage, als die Former vor zwei Jahren die Kühnheil besaßen, eiuen Fachvereiii zu gründen, und später sich sogar erdreisteten, um Eiusührnng einer geregelte» Arbeitszeit bezw.'Abstellung sonstiger Uebelstände i» höilichster Meise vorstellig zu werden. Dies ging dem Lieutenant denn doch über die Hutschnur. Seit dieser Zeit, und uaiuentlich als bei der letzten Wahl ein Theil der Former sich nicht scheute, in that- kräftiger Weise für die Arbeitersache einzutreten, ergoß sich die ganze Schale seines Zorns über seine früheren Pfleglinge. ganzes Gesicht cvhcllte sich, er warf die weichen, feuchten Haare zurück und sagte mir mit leiser Stimme:„Guten Tag, meine Liebe, nicine Gute!" Ich nahm das Buch zur Hand,— die Romane von Walter Scott waren damals gerade bekannt geivorden, und Jwanhoe ist mir besonders in der Eriunernug geblieben;— und ivie schallte und bebte meine Stimme unwillkürlich, wenn ich die Reden Rcbckka's wiedergab!... Floß nicht auch in mir hebräisches Blut, und glich mein Schicksal nicht ihrem Schicksal? Pflegte ich nicht auch, wie sie, einen kranken, lieben Menschen?.... Jedesmal, wenn ich meine Augen von dem Buche losriß und zu ihm erhob, begegnete ich seinen Augen und dem immer gleich ruhigen, hellen, lächelnden Ausdruck seines Gesichtes. Wir sprachen sehr wenig: denn die Thür in das Gastzimmer, in weichem stets Jemand anwesend war, stand immer offen. Aber sobald es dort still wurde, hörte ich, ich iveiß selbst nicht weshalb, zu lesen auf; ich ließ dann das Buch auf die Knice sinken und sah unverwandt auf Michael, und er ans mich, und uns Beiden war so wohl, so freudig, so beschämt zu Muthc, und'Alles, Alles sprachen wir damals aus, ohne Worte, ohne Bewegung! Ach! Unsere Herzen drängten sich einander entgegen, und fanden sich, gleich wie unterirdische Quellen unsichtbar, uuhörbar, und.. ungehindert in einander fließen! „Verstehen Sie Schach oder Dame zu spielen?" fragte er mich einst. „Ich verstehe etwas vom Schachspiel," antwortete ich. „Nim das ist ja herrlich! Lassen Sie sich ein Schach- brett bringen und rücken Sie das Tischchen heran." »Ich setzte mich an das Sopha, und das Herz erstarrte mir in süßer Befangenheit; ich wagte Michael nicht anzn- 'ehe».... Und vom Fenster aus, über das ganze Zimmer hinweg... wie frei hatte ich ihn da anschauen köiuien. „Ich fing an die Schachfiguren anfznstellen... meine Finger zitterten. „Ich habe das gewollt... nicht um mit Ihnen zu spielen"... sagte Michael halblaut,—„aber damit Sic mir näher wären." „Ich antwortete nichts, und schob, ohne zn fragen, wer anfing, einen Bauer vor... Michael that keinen Zug Namentlich unser braver und unerschrockener Genosse Weiland hatte es ihm augethan. Zunächst suchte der Herr Lieutenant durch allerlei Manipulationen einen Keil in das kollegialische Zusammenhalten der Former zu treiben. Als dies mißlang, cugagirte er einen anderswärts wegen seines unsolidarischen Verhaltens bei seinen Mitarbeitern in Mißkredit ge- kömnienen Gießer und bewog denselben, seine Kollegen auszuhorchen und ihm über ihr Thun und Treiben Bericht zu erstatten, also ihm Spitzeldienste zu leisten. Der Mann scheint aber so viel Ehr- gefühl besessen zu haben, daß er sich zn diesem schmutzigen Hand- werk nicht hergegeben hat. Wenigstens ist dies daraus zu schließen, daß er bald in Ungnade verfiel und bei der ersten besten Gelegen- heil den Laufpaß erhielt. Man hütete sich wohlweise, mit Maß- regelungen vorzugehen, so lauge man die tüchtigen Arbeitskräfte der in Acht und Bann gekommenen Former nicht entbehren konnte. Hat ja der Herr Koinmerzienrath Pintsch vor einiger Zeit selbst erklärt:„Ja, das ist eben daS Bedauerliche, daß Sozialdemokraten meistens die tüchtigsten Arbeiter sind." Auf welche Art und Weise Herr Eberhardt mitunter seine Stellung mißbraucht, ergiebt sich z. B. daraus, daß er vor einiger Zeit einem Former, welcher das Arbeitsverhältniß lösen wollte, erklärte:„Wenn sie aufhören, entlasse ich Ihren Vater und Ihren Bruder auch." Doch wie gesagt, schon seit längerer Zeit arbeitete man daran, diese hart gesottenen Sünder unter den Formen auszumerzen. Endlich glaubte man die geeigneten Kräfte zum Ersatz gefunden zu haben,— und nun Mittwoch Abend ohne irgend welche vorherige Andeutung'raus! Leider waren unter den neu angeworbenen 3 Formern wieder zwei reudige Schafe, welche es nicht über sich gewinnen konnten, die Stellen der Gemaßregelten einzunehmen, und so mußte dann der dritte, welcher ein Mann nach dem Herzen des Allgewaltigen zu sein scheint, auf Reisen gehen, um Ersatz zn suchen. Daß die in letzter Zeit so viel erwähnte schwarze Liste des Verbands der Eisenindustriellen kein leerer Wahn ist, sollten die Gemaßregelten bereits am nächsten Tage in Berlin im Arbeitsnachweis des ge- nannten Verbandes erfahren.„Für Weiland und Käsler aus Fürstenwalde giebt es jetzt keine Arbeit", war die Antwort auf ihre'Aufrage nach'Arbeit. Nun es ist jedenfalls ein treffender Beweis von der vielfach gerühmten„humanen" und„noblen" Ge- siueiung des Herrn Koinmerzienrath Pintsch, daß er Familien- vätern, welche zahrelang als die tüchtigstcn Arbeiter in seinem Geschäfte galten und nur den einzigen Fehler hatten, eine selbständige Meinung zu haben und zu vertreten, die Möglichkeit zu ihrem Fortkommen nehmen will. Es wird den Herren aber doch nicht gelingen. Charakteristisch ist und bleibt es aber für unsere Bourgeoisie, daß sie die Sozialdemokratie immer nur auf diese einzige und schmutzigste Weise zn unterdrücken sucht, indem man ihre Anhänger von Lohn und Brot jagt. Die herrschenden Klassen haben nichts gelernt und lernen nichts, sonst müßten sie wissen, daß sie mit derartigen Maßregelungen gerade das Gegentheil von dem erreichen, was 'ie beabsichtigen. Genosse Weiland wird von jetzt ab erst recht für die Arbeitersache eintreten. Sein Kollege Käsler, welcher stets ein ruhiger und simpler Mensch war, sich bisher nicht in der geringsten Weise in politischer wie gewerkschaftlicher Beziehung bethätigt hat, daher eigentlich ganz unschuldig an seiner Ent- lassung ist, wird jedenfalls auch etwas aufgerüttelt werden. Schließlich sei bemerkt, daß die übrigen Kollegen bereit waren, sich mit den Gemaßregelten solidarisch zu erklären und die Arbeit niederzulegen, daß dies jedoch aus ausdrücklichen Wunsch der letzteren unterblieben ist. Sämmtlichr Gesellen der �läntelwerststatt Gppen» heimer u. Ko., Jägerstraße 47/48, legten gestern die Arbeit nieder. Die Forderungen der Gesellen, 20 pCt. Lohnerhöhung und'Abschaffung der unentgeltlichen Sonntagsarbeit, wurden von dem Chef schroff zurückgewiesen mit der Motivirung, wir sollten so lange warten, bis sein Sohn vom Militär loskäme, denn er bekümmere sich nicht um solche Sachen. Mit dieser Antwort nicht zufrieden, legten sämmtliche Gesellen die Arbeit nieder. An Euch Kollegen, wenden wir uns nun, um uns in unseren» ge- rechten Kampfe zn unterstützen, daß Ihr Alle die Werkstatt von Oppenheimer u. Ko. so lange meidet, bis unsere Forderungen be- willigt sind. Die Kollegen der Werkstatt Oppenheimer u. Ko., Jägerstraße 47/48. dev Vvdockkion. Bit Ansragen bitten wir die AbonnemenlS-QuiUung bsizusügen. Brieflich Antwort wird nicht erthetlt. W. K. Uenß. I.Melden Sie eine Versammlung unter freiem Himmel an. 2. Das werden Sie am besten auf dem Parteitag erfahren. — Neber diese Würden sind wir sehr schlecht unterrichtet. 1000 Gortits. Sie bekommen den Roman, der in der Reclam'schen Universalbibliothek erschienen ist, in jeder Buch- Handlung. Er kostet 80 Pf. L. V. Die Offenbacher Frauenkasse. Zwei KOrttrndc. Es heißt:») Was geht das Dich an; b) Ueberführen Sie mich dessen. M. Ävoj'y. 1. Ja. 2. Rechtsanwalt' Frendenthal wohnt Kouimaiidaiitenstr. 72. Sprechstunden von 4—7. . Ich blickte zu ihm auf. Ganz bleich, den Kopf etivas vorgebeugt, wies er mit stehendem Blick auf meine Hand... „Verstand ich ihn— ich weiß es nicht; aber Etivas wie ein Wirbelivind erfaßte mich, und drehte sich mir im Kopfe...... In meiner Verwirrung, kaum athmend, nahm ich die Königin und schob sie irgend wohin, über das Schachbrett. Michael bückte sich schnell, drückte meine Hand mit seinen Lippen an das Schachbrett und küßte sie stumm und unersättlich... Ich konnte und wollte sie nicht zurück- ziehen, verbarg mein Gesicht mit der andern Hand, und Thränen— ich fühle sie noch— kalte aber selige..... ach, wie selige Thränen!... fielen in einzelnen Tropfen auf das Tischchen. Ach! Ich wußte, ich fühlte es mit dem ganzen Herzen, in wessen Gewalt meine Hand war!.... Ich wußte, daß sie kein 5knabe hielt, der sich von dem Drange des Augenblicks hinreißen ließ, daß es kein Ton Juan, kein militärischer Lovelaee ivar, sondern der Edelste, der Beste der Atenschen..... und er liebte mich! „Ach meine Susanne!" hörte ich Michaels flüsternde Stiiiiine,„Du sollst niemals andere Thränen um mich weine».!..." „Er hat sich geirrt... Ich habe andere Thränen um ihn geweint! „Aber warum bei solchen Erinnerungen verweilen... jetzt, besonders jetzt! „Michael und ich, wir gelobten, einander anzugehören. Er wußte, daß ihm sein Vater nie erlauben würde, mich zu heirathen, und verhehlte es mir nicht, und es freute mich, nicht so sehr, daß er mich nicht hintergehen konnte, als daß er sich selbst darüber nicht zn täuschen suchte. Ich selbst verlangte Nichts und wäre ihm gefolgt wie und ivohin er wollte.„Du wirst mein Weib," wiederholte er mir,„ich bin nicht Jwanhoe; ich weiß, daß das Glück nicht bei der Lady R. ist." Michael genas bald. Ich konnte nicht mehr zu ihm gehen, allein wir hatten bereits Alles mit einander ausgemacht. Ich lebte schon ganz in der Zuknnft; ich sah Nichts um mich herum, mir ivar, als wenn ich von Nebeln umgeben in einem schönen, glatten reißenden Strom schwamm. (Fortsetzung folgt.) Theater. Freitag, den 2G. Sept. Gpernhaus. Martha, oder: Der Markt zu Richmond. Schauspielhaus. Der Sturm. Herliner Theater. Wallenstein'Z Tod. Deutsches Theater. Das Winter- mcirchen. Lesstng- Theater. Das zweite Gesicht. Lrirdrich-Milhrlnistiidt. Theater. Die Puppenfee. Schwätzerin von MaUner- Theater. Mamsell Ni- tauche. Residens-Theater. Ferrcol. Uihtoria- Theater. Die Million. SrlleaUiaure- Theater. Madame Bonivard. Gsteud» Theater. Der Lebensretter. Eine vollkommene Frau. Aus Liebe zur Kunst. Thomas-Theater. Der glaub der Sabinermne». Adolph Ernst-Theater. Unsere Don Juans. Kanfmaun'o Uariätö. Große Spezialitäten-Vorstellung. Theater der Rrichshalle». Große Spezialitäten-Borstellung. Conrordia. Große Spezialitäten- Vorstellung. Gedr. Dichter'» Uariötö. Große Spezialitäten-Borstellung. Mintersarte». Große Spezialitäten- Vorstellung. Circus G. Schumann. Friedrich-Karl-Ufer. Freitag, Äv. Septbr., Ab. T'/e Uhr. Grosse Elite-Vorstellung. Von dem ausgewählten Programm wird hervorgehoben: Schulquadrille, geritten von den Gebr. M., E.». A. Schumann it. Agiuntoff, Doppel- Jockey- Konkurrenz zwischen traulein Adams und Herrn Achilles, pringentrie von 16 Cloivns. Original-Clown Unrow. Peruettcureiterin Frl. Gerard, Albert, ostpreußischer Hengst, in der hohen Schule geritten von Frl. Zl. Schumann, Parsorcereiter Hesse. Der brasilianische Affe, dargestellt von Herrn Melas. Musikalische Clowns Gebr. Geritti. Sonntag, den 28. September: 2 grosse Vorstellnugeu 2 um 4 Uhr und um 9% Uhr. Beide ausgewähltes Programm. Bei der ersten Vorstellung hat ein jeder Besucher das Recht ein 5tind frei mitzubringen. Englischer Garten. Direktion: C. Andress, Alexauder- straße 27c. Auftreten der Chansonnette Fräulein Ehrenfeld. Auftreten der Kostüm-Soubrette Fräul. Rosa Valerie. Auftreten des Gesangshumoristen Herrn Ziegler. Auftreten des Malabaristen und Equi- lebristen Hr. Charles. Auftreten des Professors Herrn Jean Clomont mit seinen dressirten Schweinen, Esel und Gänsen. Anfang Wochentags 8 Uhr. Sonntags 5 Va Uhr. Entree Wochentags u. Sonntags SO Pf. 50 Pf. und 75 Pf., im Vorverkauf 20 und' SO Pf. Der Garten ist an Vereine f. Sommer- festlichkeitenin.Spezialitäten-Vorstellung zu vergeben. EMlipmit Ikggenhagen am Moritzplatz. Täglich: Grosses Garten-Concert. Direktion A. Uödttmitit. Dienstag und Freitag: Walzer-Abend. TiWriip Wochentags 10 Fig., ijliu Cv Sonn- und Festtags 25 Flg. Bei ungünstiger Witterung in den unteren Ziestaurationsräumen. Großer Frühstücks- und Mittagstisch. Sprzial-AnSschank von Patzenhofer Export-Bier, Seidel 15 Pf. Die oberen Säle bleiben bis auf Weiteres wegen Renovirung geschloffen. 641 F. Müller. Kommandantenstr. 77—79. Täglich: Grosses Goncert mit Euartrtt-Kiingern, ausgeführt von dem Musik- Direktor H. S a n f t l e b e ii. Wochentags: Frei-Concert. Sonntags Entree 20 Pf. Empfehle auch zugleich 8 Billards, 8 Kegelbahnen und einen Saal zu Ver- gnügungen und Versammlungen. 703 F. Sodtkc. Unstagr I Tr. 0 Uhr M. b. 10 Uhr Ab. Kaiser-Panorama. ''Hervorrag. Sehenswürdigkeit der Residenz. Zum ersten Male: Neu: Helgoland. Uebcrgabe. Ankunft des Kaisers. Feldgottesdienst:c. Zweite Reise durch Portugal. Eine Reise 20 Pf.. Kind nur 10 Pf. Abonnement 1 M. Knrfiirstendamm, Ecke Angsbnrgerstrahe bei Station Zoologischer Garten. Dr. Carver's Wild-Amerika. Täglich 2 große Uorstellnngen 4«nd V Uhr(bei elelitrischer Selenchtiing). Kasteii-Eröffnnng! um 2>/2 bezw. 6 Uhr. Borverkauf der Billets bei Rudolf Bach, Unter den Linden 46 und Mas Marcus, Passage, Laden 6/7. Preise der Plätze: Eintritt 50 Ps.. 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Sept., Abends 8 Uhr, in Jordan's Salon, Neue Grünstr. 28: Gemiithliches Keisammensein (Pamen»nd Herreu), zum Abschied von unserem laugjährigen Vereinslokal. Dasselbe geht am in andere Hände über, die es wahrscheinlich mehr zur Jnnungsspielerei als I" Arbeiterversammlungen frei geben. Der Vorstand.. KB. Die Mitglieder werden ersucht,. ihre Beiträge für das 3. Lluar. zu berichtigen. Die Zahlstellen des Vereins befinden sich in folgenden Lokale- 1. Friedrichsbergerstr. 25 bei Schmidt; 2. Skalitzerstr. 107 bei Kunstmawi> 3. Belleallianceplatz 6 b. Bilscher; 4. Ziouskirchplatz 11 b. Hohn; 5. Schleie macher- u. Gneisenaustr.- Ecke bei Scheuer; 6. Steinmetzstr. 57 bei Lindo, 7. Dresdeuerstr. 116; 8. Lübecker- und Thurmstr.-Ecke bei Jabnke; 9. hang. Strasse 70 bei Heindorf; 10. Rixdorf, Bergstr. 7 bei Duschek; 11. Fennstr. bei Krüger; 12. Görlitzer- u. Sorauerstr.-Ecke; 13. Weissensee, Völker- ub. Charlottenstr.-Ecke bei Klebs; 14. Belforterstrasse u. Ecke Prenzlauer Aue« 15. Gesundbrunnen, Grünthalerstrasse 66 bei Prenss. Der Arbeitsnachwe befindet sich WaUstrasie 7/8 und ist von 7 Uhr Morgens bis 7 Uhr Abenvs. mit Ausnahme der Mittagsstunden von 12 bis 3 Uhr, geöffnet. Die Arbei Vermittlung geschieht unentgeltlich._ Arbeiter-Bildungsverein zu Rixdorf u.Umgeg. Grosse öffentliche Versammlung am Sonnabend, den 17. Sept., Abends SVa Uhr, im Lokale des Hrn. Hoffmann, Bergstr. 133. Tages-Ordnung: 1. Die Schule und deren Reform im Sinne der Sozialdemokratie. Ast-' Herr Dr. Lütgenau, Ober-Realschullehrer a. D. 2. Diskussion. 3. Wie steu sich die Einwohner Rixdorfs zur Beseitigung des Schulgeldes unserer Elemenw- schulen. 4. Verschiedenes und Fragekasten. Alle Einwohner Rixdorfs und speziell die Herren Lehrer sind zu die>e Versammlung der wichtigen Tagesordnung wegen eingeladen. __ Der Vorstand. � Verein zur Wchung i>er Ziiterejseii der Kliniierarlieittt und verwandten Berufsgenossen. Soimabrnd, den 87. Sept., Abends präcise 8 Uhr, Mitglieder-Versammlung für den Uordeu in..Minner's Lokal", Uofenthalerstr. 11—13. fl() Tages-Ordnung:*L 1. Vortrag des Herrn Metzner. 2. Werkstatt-Angelegenheiten. Zahlreiches Erscheinen erwünscht Der Porstand. � 1. Stiftungs-Fest des sozialdemokratischen Leseklubs„Lassalle unter Mitwirkung des Gesangvereins W. Segert'fche Liedertafel am Sonnabeud, den 27. Sept.,. Abends 8 Uhr, m Renz' Salon, Naunynstraße Nr. 27. Ter Reinertrag wird zu einem wohlthätigen Zweck verwandt. Billets sind zu haben bei F. Schulz, Wendenstr. 4, sowie in allen»" Plakaten versehenen Geschäften. _ Um recht rege Betheiligung ersucht_ Der Vorstand. � Große öffentliche Versammlung hes Ailgemeiiieii Arbeiteriiiiien- Vereins siiinnitl. Beriifszioeigt Äcrlins»nd Umgegend(Filiale III, Uirdorf) am Sonnabend, den 27. September d. I., Abends 8V2 Uhr, im Lokale des Herrn Kummer, Berlinerstr. 136. Tages-Ordnung: 1. Vortrag über:„Ursachen der Armuth". Referent: Herr M. Bagins*»" 2. Diskussion. 3. Aufnahme neuer Mitglieder. 4. Verschiedenes. Herren und Damen als Gäste haben Zutritt. Zur Deckung der Unkosten findet Tellersammlung statt. Um recht zahlreichen Besuch bittet Die Bevollmächtigte� Mitglieder- Versammlung. .Mv.säiiniitl. mi Hchbearbeitungs-MMieii besch. Arbeittk am Sonntag, den Ä8. Sept., Vorm. 10 Uhr, in„Lehmann s Salon", Schmedterstraße Kr. ä3, Tagesordnung: 1, Vortrag des Herrn Jul. Türk über: Die wirthschaftlichen zungen der sranzösischen Revolution". 2. Diskussioii. 3. Verschiedenes und Fragekasten. Gäste willkommen. Neue Mitglieder werden aufgenommen. Um recht zahlreiches und pünkll..Erscheinen ersucht Der Vorstand Umwäl- 2184 Am 25. September habe K atz dach straffe Ur. 1, Ecke d. Yorks tr., c'It Cigarren- und Tadak-Geschast eröffnet. Alle Sorten Cigarrtte», Pfeife» und Cigarren spitze«. Kob' iabake Grimm u. Empel, Hannemacker. Hambnrgev Thee. SfW Ferner Feuerversicheriings-Agentur. Den Genossen und Freunden halte mich bestens empsohlen. Es Mm Wiässhke& 1. Geschäft SW., Innlierstraffe 1; 2. Geschäft SW., Satzbachkraße 1. Empfehle den Parteigenossen meine 2108 Glaserei und Hildereinrahmung. ?nr bevorsiehende» Leier empfehle ich besonders Sinnsprüche, Lastalle in verschiedenen Anoführniigen etc. sind vorräthig. Gruppenbilder mit und ohne Rahmen. Bestellungen nach auswärts brieflich. _ Karl Scholz, Wiaiigelstr. Albert Auerbach. Kottbnser Damm 7(nahe der Kottbuser Krücke). Schuhe und Stiefel für Herren, Damen, Kinder. Tpezialitiit: Herrenstiefel, genageu und auf Rand. Große Auswahl in Filzschuhen und Filzpantoffeln. Zur bevorstehenden Mintersaijon empfehle mein langjähriges 11 Herrcii- ii. KmbeiiMrdercheiiHeslljäft. 8liich halte stet? großes Lager zu Hestellnngen nach Maatz, ivtlihe in eigeiier Werkstatt angesertigt iverheii. WM" Für guten Sitz wird garantirt."HM I. Geschäft:| II. Geschäft: Kopenickerstr. 127a, I\ ä ¥ Wrangelstraße 44, nahe der Adalbertstraße. �■ Ecke Lübbenerstraße. Verantwortlicher Redakteur: Curt Kaatze in Berlin. Druck und Verlag von Mar Kading in Berlin SW„ Beuthstraße 2. tjicrnt eine Keilagr. Beilage zum Nr. 224. Freitags de» 26. September 1890. 7. Zaljeg. iloittmuiutlcC'. Stadtvevordileteir-Uersammlnng. Sitzung vom Donner st ag, den 25. September. Vom Vorsteher, Swdtv. Dr. Stryck, wird die Sitzung um Uhr. mit einer Reihe geschäftlicher Mittheilungen eröffnet. Vorsitzende der Freien Vereinigung der Manrer sendet eine «Solution, welche um die Ammhnie der zur Bernthung stehenden L°Nt,°n(siehe weiter unten) ersucht, damit endlich einmal das ""�r den Berliner Maurern aus der Welt geschafft werde. belachter.) Den ersten Gegenstand der Tagesordnung bildet die Bericht orgattung des Ausschusses über die Petition der Freien Bereinigung der Maurer und Fachgenossen Merlins, betreffend die Ausführung stadtischer Bauten mit Umgehung von Unternehmern und ohne Submission durch Arbeiter Over Arbeitsgruppen unter Leitung städtischer Baubeamten, Be Zahlung dieser Arbeiter nach vereinbarten festen Preisen und Nor- »uning des Arbeitstages ans neun Stunden. Der Petitions-Ausschuß hatte in einer früheren Sitzung der -oersaimnlung Uebergang zur Tagesordnung beantragt, doch war damals die Berichterstattung beschlossen worden, Bericht- orstatter ist der Stadtv. Reichenow. In dieser Angelegenheit haben die Stadtv. Singer und Genossen folgenden Antrag gestellt: »Die Versammlung wolle unter Ablehnung des Antrages des pctitionsansschusscs beschließen: den Magistrat zu ersuchen, mit der Stadtverordnetcu-Ver- iammlung in gemischter Deputation über die Aus- suhrung der in der Petition beantragten Reform des städtischen -öauwefcns zu beratheu. Stadtv. gt e i ch e n o w: Der PetitionsauSschuß empfiehlt Uebergang zur Tagesordnung nach zweimaliger Berathung. Im Prinzip war man nicht gerave der Petition entgegen. Man war omem Versuch nicht abgeneigt, doch meinte man, daß ein solcher Versuch von Privaten unternommen werden inüsse nicht von der uonimune. Es fehle sonst die verantwortliche Persönlichkeit. Der Magistrat wolle die Verantwortlichkeit nicht tragen. Eine Gruppe von'Arbeitern sei keine Person, die die Verantwortung übernehmen könne. Die Stadtvcrordneteii-Versammlung könne nicht zum Magistrat sagen: Gieb uns einen Bauinspcktor zu diesem Zweck. Ter Bauinspektor werde die Verantwortung ablehnen. Man würde ei» Heer neuer Beamten anstellen müssen. Mit den Ma..rern sei es nicht abgethan. Da kamen die Maler, die Schlosser, die Zimmerer ze., welche das gleiche Verlangen stellen uüirden. Für jede dieser Gruppen müßten neue Beamten ange- stellt werden. Das würde ungeheure Summen kosten. Die jetzigen Baubeamte» der Stadl Berlin wären gar nicht im Stande, eine so verantwortungsvolle Arbeit zu leisten. Der Aus- schuh enipsehle ans allen diesen Gründen Uebergang zur Tages ordnung. Stadtv. Singer: Das Schicksal unseres Antrages mag bereits durch das laute Gelachter entschieden sein, mit welchem die Petition der Freien Bereinigung heute begrüßt wurde. (Unruhe.) Tie Petenten gebrauchten die Anrede„hohe Versamm- liing"; hätten sie das Gelächter gehört, so würden sie wahrschein- lich eine andere'Anrede gewählt haben, wie sie einer Ber- sammlung gegenüber gebühre, welche eine Petition aus Bürger- kreisen mit Lachen entgegengenommen habe.(Der Vorsteher ersucht den Redner bei der Sache zu bleiben.) Ich bin ganz bei der Sache. Die Gründe, die Herr Reichenow angeführt, seien doch sehr fadenscheinig. Das jetzt herrschende Submisstonswesen habe so viel allgemein anerkannte Schäden und Mängel, daß man jeder Anregung von Fachleuten, wie sie der Fachverein der Maurer doch darstelle, folgen und Gehör geben müsse. Wir er- achten die Vorschläge ber Petenten für durchaus berechtigt; doch glaubten wir, baß eine Reform deS städtischen Bauwesens nicht durch einen Beschluß der Versammlung und des Magistrats herbeigeführt werben könne, sondern wohl vorbereitet werben Müsse, wie es durch eine Berathung in gemischter Deputation am besten geschehe. Eine Ehrenpflicht Berlins sei es, auf dem Ge- biete der Verkürzung der Arbeitszeit voranzumarschircn. Der Referent hat dem technischen Personal der Kommune gerade kein gutes Zengniß ausgestellt, als er ihm die Fälligkeit bestritt, die geforderten Arbeiten zu leisten. Tie Bauinspektoren und Techniker werden dem Herr» nicht sehr dankbar dafür sein. Ich glaube aber, daß er Ihnen wirklich Unrecht gethan hat. sonst wäre die städtische Bauverwaltung wirklich zu bedauern. Nichts klnerhörtes verlange man. Paris hat Bedingungen für die Ver- gebung städtischer Arbeiten eingeführt, denen genau das Verlangen der„Freien Vereinigung" entspreche. Das ist aber nicht nur in Paris, sondern auch in London der Fall, Ivo der Grafschaftsrath ähnliche jilanscln in die Vertrüge eingeführt hat. Der Nutzen für die Arbeiter habe sich bald gezeigt. Seit jener Zeil sind die Arbeitsstunden der Mechaniker, Kanalisationsarbeiter von 72 ans bt Stunden ivöchentlich herabgesetzt, während der Lohn der ent- Iprechenden Arbeiterkatcgoricn von CVe auf 0 Pences, von 5 auf von 4>/s auf 6 Pences[gestiegen ist. Tie städtischen Ar- bester, welche die unangeuehmslen Arbeiten zu verrichten habe», habe» einen achtstündigen Arbeitstag und außerdem jährlich Urlaub. Und die Männer, welche diese Einrichtungen getroffen haben, sind Führer der Liberalen. Was in Paris und London wögljch mar, ist auch in Berlin möglich. Eine ircundliche Stimme st" Sinne der Petition ist erst kurzlich aus dem Munde eines Deutschfreisinnigen laut geworden. Ter dentschsreisinnige Ober- kehrer Müller,'der am 14. Oltobcr zur Stichwahl mit einem Vürgerparteiler steht, hat in seiner 5ka»didatc»rede sich ganz im Jinne der Petition ausgesprocken. Gehen Sie an eine ernsthaste Prüfung der Vorschläge l Zeigen Sie, daß Sie Willens sind die kkebelstnnde abziischaffe», die Sie abzuschaffen oie Macht haben. Die Mehrkosten, die der Herr Refereiit befürchtet, wenn nciie Baiibeamten eingestellt werden, wurde» wehr als aufgebracht werden durch den Wegfall des �ulernehmergewinns, der Gewinne der Aktürdnnten und Unter- Pkkordanten. Höher aber als dieser materielle Nutzen. steht der >""ere Nutzen, den die Einführnng der vorgeschlagenen Maß- �gein haben würde. Sie liegt im Interesse des nmeren Fr.e- dens. der gemeinsame» Pflichten, die wir zn erfüllen habe» Die Stadt Berlin ist die größte Unternehmerin. Sie kann bahn- brechend wirken Sie kann leisten. was kern Privatmann leisten kann. denen der Herr Referent den Versuch Zuweisen wollte. mmsm aber sei es häufig umgekehrt gewesen. Die Gesellen hätten hohe Löhne durch Streiks erzwungen, während jetzt, wo die Zeiten schlecht geworden seien, die Maurermeister nicht so sehr drückten. Bauten unter eigener Regie pflegten immer thenerer zu kommen, als die von Unternehmern ausgeführten. Auch kann man der Erfahrung der Meister nicht entrathen. Die Schattenseite des Snbmissionswescns sei nicht zu verkennen, aber sehr schwer zu beseitigen. Den Hinweis aus Paris und London könne er nicht widerlegen und billige», weil er das Material nicht prüfen könne. Die Anträge der„Freien Bereinigung der Maurer" zielten ans eine Sozialisirnng der Komniune, auf den sozialistischen Staat. Soweit sind wir aber noch lange nicht!(Bravo.) Stadtv. Singer widerlegt die einzelnen Ausführungen Wohlgemuths. Seine Vefiirchtnng, daß der sozialistische Staat durch Berathung der Anträge der„Freien Vereinigung" in Feuerivehr ist am 19. September, Morgens 8 Uhr 35 Minuten, nicht durch einen Einwohner des in Brand gerathenen Hauses, sondern durch einen Wächter alarmirt worden, welcher das Feuer von der Straße aus bemerkt hatte. Bei der Ankunft der ersten Abtheilung der Feuerwehr schlug die Flamme bereits hoch über das Dach. Ans dem Hose wurde erst ersichtlich, daß eine mäch- tige Feuersäule über den Balkon des ersten Stocks emporloderte und bis zum V. Stockwerk die Berliner Zimmer in Brand gesetzt hatte, sowie die daneben belegenen Fenster des Vorderhauses und Seitenflügels ergriff. Die sofort in den Seitenflügel ein- dringende Mannschaft fand außerdem den vom Berliner Zimmer des I. Stocks zum Quergebäude führenden Korridor bereits in seiner ganzen Ausdehnung in Qualm»md Flammen vor. Das Eindringen des Qualms und die Uebcr- tragung des Feuers vom Berliner Zimmer nach dem «WWMW SWWSNL gliedern der«herrschende» Klassen liegen, aber dennoch im Rahmen der heutigen Gesellschaftsordnung beseitigt werde» können. Die Dcutschsreisinuigen sind jetzt im Reichstage gezwungen, theoretisch zuzugeben, daß die Lage der Arbeiter ver- besserungsbedürftig sei. Hier ist eine praktische Gelegenheit, das, was theoretisch zugegeben wird, zur Wahrheit zu machen. Und da kommt man mit dem Schreckgespenst des sozialistischen Staates, der Sozialisirnng der Kommune, während bei Durchführung der Forderungen auch nicht ein Atom an der bestehenden Gesellschaft geändert wird. Der sozialistische Staat kommt, nicht weil wir es wollen, oder Sie es nicht wollen, sondern weil er mit Roth- wendigkeit ans der wirthschaftlichcn Entwickelung der Verhält- nisse kommen muß. Herr Wohlgemuth wirft der Petition über- triebene Ausdrücke vor. Haben Sie aber ganz vergessen, welche Sprache die Liberalen noch vor wenige» Jahrzehnten in ihren Brochüren führten; da drängte» sich die bombastischen Ausdrücke nur'so. Auch von den übermüthigen Maurergesellen war wieder die Rede. Wunderbar, daß nicht das Gespenst jenes Steinträgers auS den 70cr Jahren zitirt wurde, der einmal Champagner aus Weißbicrgläseru getrunken und Droschke erster Klasse gefahren 'ein soll. Auf solche Gründe sollten Sie doch allmälig verzichten Ier>!e».MWMWM�>M»M ortes des Brandes, offen gelassen hatte! Ebenso wie das Zimmer der Erzieherin stand von diesem Momente ab auch das von dem letzteren nur durch eine hochgenommene Portiere getrennte 5kiuder- zimmer dem Eindringen deS glühenden Qualms offen. Aus diesem Befunde in Verbindung mit der weiter seststehendeu That- fache, daß die Flammen zur Zeit der �Entdeckung des Feuers durch die Erzieherin soeben erst das Fenster des Berliner Zimmers im ersten Stock gesprengt hatten, also von der Straße aus noch gar nicht hatten bemerkt werden können, geht mit völliger Sicher- heil hervor, daß bis zur Ankunft der ersten Feuerwehr-Abtheilung eine geraume Zeit verstrichen und die völlige Vergualmung des Korridors, des Kinderzimmers soivie des Dienstbotenzimmers bereits eingetreten war. Ueber die weiteren Vorgänge bei dem Brande ist eine eingehende Untersuchung im Gange, deren Er- gebniß zu veröffentlichen ich mir vorbehalte. Der Polizeipräsident. Freiherr von Richthosen. Eine zusammenfassciido Darstellung des Brandunglücks in der Friedrichstraße giebt die„Krzztg." in Folgendem: In der Stacht zum vergangenen Freitag, 19. September, kam der Bauunternehmer und Rentier Fuchs gegen 1 Uhr nach Hause und betrat das Haus und seine Wohnung durch de» Eingang in oer Friedrichstraße über die Haupttreppe durch die Korridorthür, Stadtv. Scheid in g findet, daß der Antrag Singer nur ging dann den Border-Korridor entlang ins Eckzimmer und durch darauf berechnet sei, Unfrieden und Aufregung in die Bürgerschast dieses und die„Berliner"-Stube über den Hinterkorridor und dann zu tragen. weiter durch die Schlafzimmer der drei züugeren Sohne und des Stadtv. La» g'e r h a n s kann den Antrag Singer auch nicht ältesten Sohnes Z» seine und seiner Frau Schlafstube. Er will als ernst gemeint betrachten. Nachdem noch der Stadtv. Wohlgemuth kurz erwidert, wird der Antrag Singer gegen die Stimmen d e r Sozialdemokraten und einiget(2) D e u t s ch f r e i- innigen abgelehnt und der Antrag des Pctitions- A usschnsscs a n g e n o iit m e n. Einige unwesentliche Magistratsanträge werden dcbattelos angenommen. Von den Stadtv. Richter und Genossen ist der folgende dringliche Antrag gestellt worden, der alS letzter Punkt der Tages- ordnung zur Verhandlung kommt: „Tie Versammlung wolle beschließen, den Magistrat um Auskunft zu ersuchen, welche Schritte derselbe angesichts der jüngsten Brandkatastrophe in der Friedrichstr. 184 gethan hat." Stadtv. Lüben beantragt, den Magistrat zn veranlassen, Bericht von der Feuerwehr über Versuche mit den Loepschen Respiratoren, die vor 2 Jahren stattgefunden haben, einzn- ordern. Stadtv. Spinola und Genossen legen Protest gegen die Dringlichkeit ein. Der Antrag wird deshalb auf die Tagesordnung der nächsten Versammlung gesetzt. Schluß T'/e Uhr. DOktQleS. Zun, Fall Lindau. Am heutigen Tag erscheint die bereits eit längerer Zeit angekündigte Brochüre„Der Fall Lindau", dar- gestellt und erläutert von Dr. Franz Mehring. Wir werden morgen in einem eingehenden Feuilleton aus die Arbeit des Herrn Dr. Mehring, welche den„Lindan-Ning" und die mit ihm zn- sich dabei keines Lichtes(Streichholzes oder Wachskerzchen) be- dient haben. In dem„Berliner" Zimmer waren die Möbel zwecks seiner gründlichen Steinigung zusammengerückt, so daß mag sich ohne Beleuchtung leicht stoßen konnte, wenn man nicht genau die Stellung der Möbel kannte. Eine halbe Stunde spater, als Herr Fuchs, kam sein Sohn Solomon»ach Hause und nahm denselben Weg i» sein Schlafzimmer, wie der Barer, auch ohne Licht. Dabei soll er sich in der„Berliner" Stube an einem Stuhl ge- stoßen haben, es bedauernd, keine Streichhölzer bei sich zu führen. Etwa gegen 3 Uhr Morgens sah der stadtische Nachtwächter über das Dach des vierstöckigen Gebäudes vom Hofe aus die Flammen emporlohen. Er eilte zum gegenüber in der Kaserne des 2. Garderegiments z. F. befindlichen Feuermelder und alarmirte die Feuerwehr. In sünf bis sechs Minuten war Zug 13 zur Stelle. Aus den Fenstern aller Stockwerke des Gebäudes erscholl Geschrei»nd ängstliches Hilferufen, so laut und durcheinander, daß nicht zu hören war, wo eigentlich die größeste Gefahr herrsche. Der Obersenermann Warnack erkannte alsbald den Brandherd in dem„Berliner" Zimmer der Fnchs'schen Wohnung, aus dessen nach der Balkon-Estrade liegenden Fenster die qualmvermischten Flammen aufloderten. Sie hatten das den Balkon überdachende Leinwandsegel ergriffen, das in der Hitze auffliegend das Feuer deu„Berliner" Zimmern der oberen Stockwerke mittheilte. Warnack erstieg ohne weiteres den Balkon und lenkte die Wasser- strahlen i» den Haupt-Fenerherd, die Fuchs'sche Berliner Stube. Inzwischen>var auch Zug 11 der Feuerwehr und gleichzeitig da- mit der Wagen H aus dem Hauptdcpot mit dem Branddirektor Stade eingetroffen. Bei dem Eintritt des Branddirektors in das brennende Gebäude meldete Feldwebel Boltz von der 4. Kompagnie als bisherige Hauptleiter der Lösch- maßnahmen,„daß Menschenleben in Gefahr seien, er jedoch nicht ermitteln könne, wo?" Sofort beorderte der Branddirektor den Obersenermann Zimmerling, einen der be- T»-.,--.«,.- in Km«««««�| gfJSSÄ SäE zeigt, zurückkommen. Wir können heute schon versprechen, daß die verschiedensten Leute, die bisher im Unschnldsgewande der Tugend einher- gewandelt sind, die eigenartigsten Tinge zu hören bekommen. Die Brochüre ist bei Brachvogel u. Ranft, Bülowstr. 27. erschienen nd kostet IM..,........_..... Aut'ncpnlU: Für die Mitglieder von Zwangs-Krankenkafsen, ruhig da, Sie sind m Ihrer Wohnung Durchaus nicht gefährdet!" owie für Arbeitgeber, welche'Arbeiter beschästigen, die Zwangs- Hierauf begab sich der Branddirektor durch den Hofansgang auf Krankenkassen angehören, ist eö von Wichtigkeit, zu beachten, daß die Treppe des Seitenflügels nach der brennenden Wohnung. jetzt die Zeit wieder herannaht, wo der Anstritt aus den Zwangs- Obersenermann Ziinmerling trat ihm erschöpft entgegen und tasten anaeknndigt werden muß. Tie tzZ 19 und«3 deS Kranken- meldete, daß ohne weiteres ein Eindringen in diebrennende Wohnung nicht möglich sei. Alsbald wurde der Ranchhelm und ug vorgenommen, nachdem auch der Branddirektor sich von Unmöglichkeit eines ungeschützten Vordringens überzeugt hatte. dort Gefährdeter. Gleichzeitig erhielt der als Volontär dienende Lieutenant Rauch, ebenso einige Mannschaften den Auftrag, die oberen Etagen abzusuchen. Der Branddirektor stand dabei auf dem Hose und horte das Jammergeschrei des Rentiers Fuchs, der sich dabei ans seinem Schlafzimmer-Fenster beugte. Direktor Stüde, in der Annahme» der Rufende im Quergebäude sei nicht auch der Inhal er der Borderwohnung, sondern ängstige sich um seine eigene Rettung, suchte ihn zu beruhigen:„Bleiben Sie nur Monate vorher bei dem Borstande beantragen und vor dem Aus- tritt(nicht vor vor Kündigung) nachweise», daß sie einer dem § 75 des Krankcnvcrsichernngsgesetzes entsprechenden freien oder eingeschriebene» Hilfskasse als Mitglied angehören. Der Schluß deL Rechnungsjahres tritt in den meisten Kassen am 31. Dezember ein, folglich muß der Antrag ans Entlassung aus der Zwangs- Versicherung spätestens bis zum 39. September gestellt sein, widrigenfalls der Versicherte aus ein weiteres Jahr in dem Zwangs- verhaltniß bleiben muß. Möge deshalb kein Arbeiter, welcher auS der Orts-, Betriebs-(Fabrik-), Bau- oder Jlirningskasse ausscheiden will, versäume», vor dem 39. September seinen Austritt anzumelden! Die Kündigung zum Austritt aus einer Orts-, Betriebs- (Fabrik-), Bau- oder Junungskasse kann einfach lauten, wie nach- stehendes Schema: Der Unterzeichnete(Angabe des Berufes und Namens); in Arbeit sieheud bei (Name und Beruf des Arbeit- gebers), beantragt hiermit seineu Austritt aus der Mqme der Kasse). (Ort und Datum.) (Unterschrift.) Der Volheipräsideni veröffentlicht in der Presse folgendes: Mit Rücksicht auf die Erörterungen, welche das schwere Brandunglück auf dem Grundstück Fricdrichstraße Nr. 134 in der schob, zugleich bemerkend, daß ein sachgemäßer'Mtunasversuch Presse hervorgerufen hat, bringe ich von den bisherigen amtlichen im Gange. Ter Schauspieler Kadelbnra vermockile seiner ge- Feststellungen vorläufig folgendes zur öffentlichen Kcnutniß: Die wältigen, immerhin erklärlichen Aufregung nicht Herr zu werden, Direktor Stüde ging dann wieder nach dem Hos hinab, um sich vo» dem Außenzustand des Feuers zu über- zeugen; sein Signalist Rcindel war indessen unverweilt aus seinem Posten im Hofe verblieben. Als Herr Stüde i» den Hof trat, sah er, wie Herr Fuchs noch immer um die Rettung seiner Kinder bat. Er"trat nun so nahe als möglich auf das Fenster zu und fragte, wo dcn» eigentlich seine Kinder sich be- fänden? Herr Fuchs rief wieder und wieder:„Dort drüben. vom Balkon aus kommen Sie heran!" Ein destinimtes Fenster oder eine Thür bezeichnete er nicht. Sofort rief Direktor Stüde nach dem Oberfclicrmann Warnack, der alsbald an der Balkon- brüstung erschien und den Befehl empfing, in das„'Berliner"- Zimmer einzudringen, das er, ans Grund eines hiesigen Ge- brauche?, für das Schlafzimmer hielt, in dem die gefährdeten Kinder sich befänden. Obersenermann meldete zurück, daß„die Nr. l bereits in dieses Zimmer eingedrungen sei, und daß alles Menschenmögliche zur Rettung geschehen werde." Infolge dieser Meldung begab Direktor Stüde sich wieder auf die Treppe des Seitenflügels, wo der mit dem Ranchhelm in- zwischen ausgerüstete Obersenermann Zimmerling sich soeben an- schickte, in de» brennenden und rauchgefülltcn Korridor einzudringen. Man war just dabei, die-----..... ...... Luftziisührungspumpen anzudrücken. In diesem Moment erschien der Schauspieler Kadelburg ans dem bürgerlichen Treppenpodest mit den Worten:„Ich werde die armen Kinder retten!" Dabei trat Herr Kadelburg unversehens aus die Lust- Pnmpenschläuche, so daß ihn Direktor Stüde beruhigend bei Seiw "), zugleich bemerkend, daß ein sachgemäßer Rettungsversuch Gange. Der Schauspieler Kadelburg vermochte seiner ge- sondern kam wieder und wieder mit Vorschlägen, und zwar in so dringender Art. das: der Branddirektor Stüde die wichtige Mel- diing des ans den oberen Stockwerken nach Ueberivindung großer Schwierigkeiten herabkommenden Lieutenants Rauch:„Es fei oben fem Menschenleben gefährdet", nicht zu verstehen vermochte. In- folge dessen wurde Herr Kadelburg voin Branddirektor Stüde energisch zur Ruhe verwiesen, um weitere Störung der Thätigkeit der Feuerwehr zu verhindern. Dem Oberseuermann Zimmerling war es indessen gelungen, in den Korridor einzudringen, wobei er auf die Thür zu dem Schlaszimmer der beiden Juchs'schen Tochter stieß, die daselbst erstickt und mit von der Hitze ge- braunter und kontrahirter Haut, aber noch wie schlafend in ihren Betten lagen. Zimmerling trug die Leichen heraus. Darauf erfolgte die weitere Löschung des Brandes. In der Mädchenstube hatte man die beiden Leichen der ebenfalls erstickten Dienstmädchen ge- funden, schräg gegen die offene Thür am Boden liegend, so daß ste unzweifelhaft beim Oeffnen der Thür von der ein- dringenden Gluth und dem Qualm überwältigt sind und ihren Tod fanden. Entstehung und Fortpflanzung des Feuers ist nun so zu denken: einer der in der Nacht heimgekehrten Hausgenossen hat rn dem mit Möbeln besetzten„Berliner" Zimmer sich gestoßen und zur Orientirung Licht gemacht und durch unvorsichtiges Um- geheil damit(vielleicht Wegwerfen eines noch glimmenden Streich- Holzes) den Brand verursacht, der sich erst nach und nach ent- wickelte. Die Erzieherin wurde dann durch verdächtiges Knistern geweckt, sprang auf, eilte— ihre Zimmerthür offen lassend— nitf den Korridor und öffnete die Thür nach dem„Berliner" Ziinmer, aus dem ihr die Gluth und dichter Qualm entgegen- fachten. Sie schloß in der Bestürzung die Thür nicht wieder und lief den Hinterkorridor entlang nach den Zimmern der Fuchs'schen Eheleute, nicht wahrnehmend, daß ihr die Flammen und der Qualm auf deni Fuße folgten. Im Vorbei- gehen klopfte sie die Dienstmädchen aus dem Schlafe, die schnell etwas überwarfen und hinaus wollte». Aon den Zimmern der Dienstmädchen führte ein offen gelassenes Fenster nach dem Licht- hose: kaum wurde die Thür geöffnet, so folgten Qualm und Gluth dem entstehenden Luftzuge und erstickten die Dienst- Mädchen. Inzwischen war Rauch und Hitze durch die offene Thür des Zimmerfräuleins und von dort durch die ebenfalls offenstehende Thür nach dem Schlafzimmer der Kinder gedrungen und hatte diese erstickt, so schnell daß sie, darauf deutete ihre Lage beim Auffinden, keine Bewegung mehr gemacht haben und wohl völlig schmerzlos ihren Tod fanden. Das Kinderzimmer selbst war vom Brande unversehrt, aber die Hitze war so groß, daß(wie schon erwähnt) die Haut der Kinder gebräunt und kontrahirt war.— Bon dein Oeffnen der Thür des Berliner Zimmers bis zum Emporlohen der Flammen über Dach, bis zur Feuermeldung und bis zum Eintreffen der Feuerwehr sind sicherlich mindestens zehn Minuten verflossen, während welcher die vier Menschenleben ihren Tod fanden. Gin EisenbahnunfaU ereignete sich gestern Vormittag um 9 Uhr auf dem Anhalter Bahnhof in Groß-Lichterselde. Bei dem Ranairen eines Güterzuges entgleiste ein Wagen und versperrte die Hauptgeleise vollständig, so daß lein Zug von Berlin ein- laufen, noch dahin abgehen konnte. Der fahrplanmäßig um 9V.j Uhr von Berlin eintreffende Lokalzug mußte fast eine Stunde in Tempelhof bez. Südende liegen bleiben. Während dieser Zeit wurden die Geleise wieder freigemacht. Ter um 9 Uhr 20 Mi- iiutctn nach Berlin abzulassende Zug fiel ganzaus. Beschädigungen von Personen find nicht vorgekommen. Der Deweggrund für dru Selbstmord des Bräutigams in Friedrichsfelde, über den wir berichteten, hat inzwischen dem „Berk. Tagebl." zufolge mit Sicherheit festgestellt werden können. Der junge Mann laborirte seit etwa zwei Jahren an einer Krank- heit, die sich schließlich bis zur UnHeilbarkeit verschlimmert hatte. Um nun seine Braut nicht ins Unglück hineinzuziehen, entschloß sich der Bräutigam, seinem Leben kurz vor der Hochzeit ein ge- waltsames Ende zu bereiten. Ein hartnäckiger Selbstmörder hat vorgestern Abend seinen Lebensrettern das edle Samariterwerk recht schwer gemacht. Passanten des Maybach-Ufers bemerkten in der neunten Abend- stunde einen Mann, welcher die abschüssige Böschung des Land- ivehrkanals hinabsprang und in das Wasser ging. Mehrere Ar- beiter eilten dem Selbstmordkandidaten nach und holten ihn aus dem etwa mannsticfen Wasser heraus. Kaum befand sich derselbe jedoch auf festem Lande, als er sich von seinen Lebensrettern los- riß und abermals in das Wasser zurücksprang; abermals zurück- geholt, machte er noch einmal den Versuch, sich zu ertränken, und dies gelang ihm auch insofern, als der Unermüdliche bei dem dritten Selbstmordversuch leblos aus den Fluthen des Landwehr- kanals herausgeschafft wurde. Erst nach längerem Bemühen wurde der Lebensmüde wieder zum Bewußtsein zurückgcrusen und nach dem zuständigen Polizeirevier gebracht, wo derselbe sich als ein in der Schinkeslraße wohnender Kaufmann O. legitimirte. Grund zu dem Selbstmordversuch gab ihm, wie er erzählte, der Kauf eines Panoramas, wobei er von seinem Kompagnon umsein ganzes Hab und Gut betrogen worden sei. Vorgestern habe der Gerichtsvollzieher auch noch sein Mobiliar gepfändet, und aus Gram über sein Unglück hat der Bedaucrnswcrthe sich das Leben zu nehmen versucht. Zur Angetrgenheit Kleist-Last wird dem„Tisch. Tgbl." von autoritativer Seite geschrieben:„Die Wiederverhastung des Grasen Kleist-Loß beweist, daß man an zuständiger Stelle ei» lebhaftes Interesse hat, sich dieses Herrn, dessen Gcwaltthätig- keilen jetzt mit mangelnder Zurechnungssähigkeit erklärt werden sollen, auf alle Fälle zu versichern, bis endgillig sestgestellt sei» wird, ob ihn der von dem Gesetze den Geistesgestörten ge- währte Schutz vor Anklage und Strafe sichern wird oder nicht. Dein Gutachten des Chefarztes der Richter'fche» Heilanstalt in Pankow, der zugleich als GerichtsphysikuS der in erster Linie berufene Sachverständige für die 5iriininalbehörden ist, scheint in diesem das öffentliche Interesse in so hohem Maße in Anspruch nehmenden Falle mit Recht zunächst nur die Bedeutung einer vorläufige» sachverständigen Meinungsäußerung beigemessen zu sein, deren Bestätigung erst von dem Resultat einer eingehenden und an- dauernden Beobachtung abhängen wird. Diese Beobachtung wird nach der Ansicht der Ausschlag gebenden Faktoren, des Unter- suchungsrichters und des Staatsanwalts, wie es nach der Uebcr- sührung des Angeschuldigicn scheint, zweckmäßiger im Lazareth des Untersuchungsgefängnisses, in dem der Gras Kleist als Ge- fangener bewacht wird, gesichert sein als in der Richter'schen Anstalt oder gar bei einem längeren Aufenthalt fern vom Getriebe der Welt. So ist ihm wenigstens, so weit dies in menschlicher Macht steht, durch die Uebersührung in das Untersuchungs- gefängnist die Möglichkeit genommen, neue Geivaltthaten zu begehen, bis er entiveder seine Strafe empfangen haben oder ge- botener Weise entmündigt und als gemeingefährlicher Kranker tu eine Irrenanstalt geschafft worden sein ivird." Ei» volitv Patvo». Große Aufregung herrschte vorgestern Abend in der Friedrichstraße, zwischen der Besselstraße und dem Belle-Allianceplatz. In einem auf der bezeichneten Strecke be- legenen Laden halte ein zehnjähriger Knabe einige Einkäufe ge- macht und war bald darauf mit dem Bemerken zurückgekehrt, daß man ihm eine Mark zu wenig herausgegeben hätte. Ter Inhaber deS Ladens bestritt dies, während der kleine Einkäufer auf seine Behauptung bcharrte. Hierüber gerieth Jener in eine solche Wuth daß er den Knaben packte und ihn zur Thüre hinauszuwerfen suchte. Dabei schleuderte er den Jungen aber gegen eine Wand. in welcher ein eiserner Haken saß. Auf diesen siel nun der 5knabe, und zwar so unglücklich, daß ihm die Spitze lief in das rechte Auge drang. Mit dem markerschütternden Schrei:„Mein Auge, mein Auge!" stürzte der blutende Kleine auf die Straße, dort eine begreifliche Erregung hervorrufend. Laute Verwünschungen aeaen den iähzormgen Mann wurden drohend ausgestoßen. Die Menne drängte sich in den Laden, dessen Besitzer von Glück sagen konnte daß bald Polizei zu seinem Schutze herbeigeeilt war, denn sonst wäre es ihm und seinem Laden sehr übel ergangen. Der Laden mußte aus polizeiliche Anordnung sofort geschlossen werden und der Kaufmann selbst wurde auf das Revier geführt, wo ein genaues Protokoll über den beklagenswerthen Vorfall aufgenommen ward. Der Knabe ist nach der königlichen Universitätsklinik ge- bracht worden, das betroffene Auge dürfte aller Voraussicht nach verloren sein. In drr Zlotiz in unserer Zlr. 3Ä1 betreffend den Selbst- mord des Zigarrenmachers R. Koberstein wird uns berichtigend mitgetheilt, daß Herr K. den Selbstmord aller Wahrscheinlichkeit nach in einem Anfall geistiger Störung verübt hat. Ter alte Mann lebte übrigens nicht mit einer Wirthschafterin zusammen, sondern mit seiner zweiten Frau, mit der er seit dem Jahre 1873 verheirathet war. Ein Fernsprech-Anschluß»ach„Dalldorf" bildet gegen- wältig den Gegenstand eingehendster Erörterungen aus einem hiesigen Fernsprechamt. Ein bei dem betreffenden Amt an- geschlossener Kaufmann verlangte vor einiger Zeit mit einer hiesigen bei demselben Amt angeschlossenen Firma verbunden zu werden. Es scheint nun, als ob die zur Abfertigung anwesende Telephonistin den Anruf nicht verstanden hat; auf ihre Rück-.! frage wurde ihr eine Autwort, aus der nur so viel deutlich hervorging, daß sie mindestens nicht höflich war. Nach einiger Zeit ertönte es dann aus dem Hörapparat des Anrufers:„Hier Anstalt Dalldorf; wer dort?" Der Anrufer hielt, auf Grund der voraufgegangenen Auseinandersetzung, diese Verbindung mit Dalldorf fiir eine von der Telephonistin beabsichtigte Beleidigung und richtete eine geharnischte Beschwerde an das betreffende Fern- sprcchamt. Taraushin haben nun Ermittelungen stattgefunden, ob die Verbindung mit Dalldorf auf einem Mißverständniß be- ruht, oder ob Thatsachen vorliegen, aus denen zu entnehmen, daß die Telephonistin eine Kränkung des Anrufers beabsichtigt hat. Diese Ermittelungen werden mit größter Sorgfalt geführt und würden, wenn sie eine Schuld der Telephonistin ergeben, deren Entlassung zur Folge haben. Ein Zigenner-Stückchen, welches die Geschäftspraktiken der Zigeuner recht illustrirt, ist in den letzten Tagen zur Aus- sührung gebracht worden. Der Fuhrherr H. aus Berlin kam in den ersten Abendstunden von Blankenfelde über Pankow nach Berlin. Er fuhr einen kleinen Kremser: hinter dem Wagen gingen zwei Apfelschimmel, die von einem Mitfahrer an der Leine ge- halten wurden. Letzterer muß wohl eingeschlafen sein, denn er bemerkte es nicht, daß Zigeuner, an denen man zwar vorüber- gefahren, die nmn jedoch in der Dunkelheit nicht bemerkt hatte, die beiden Pferde losschnitten und damit das Weite suchten. Erst in Berlin bemerkte man den Verlust und jagte nun denselben Weg zurück, ohne von den gestohlenen Pferden etwas zu bemerken. Währenddem kamen die Zigeuner durch die Sfastamen-Allee. In der Nähe der Oderbergerstraße'"hielt der Handelsmann B. mit seinem Wagen. Er sah die beiden Apfelschimmel, sie gefielen ihm und deshalb richtete er — allerdings halb im Scherz— die Frage an die Zigeuner, ob sie die beiden Pferde verkaufen wollten.„Nix verkaufen!— geben diese zurück— aber tauschen!" Sie verlangten den Braunen, den B. vor dem Wagen hatte, und 400 M. dazu. War es dem B. bisher nnr um einen Scherz zu thun gewesen, so machte er jetzt Ernst, denn der Tausch war ein verlockend günstiger; die beiden gut zu einander passenden Apfelschimmel ivare» ganz bedeutend mehr werth. Er zahlte die verlangten 400 M., gab seinen Braunen und spannte die Schimmel vor. Die Zigeuner zogen ab, B. trank erst noch den üblichen„Einkauf" und machte sich alsdann auch auf den Heimweg. Aber gerade jetzt kam der Bestohlene mit seinem Wagen von der vergeblichen Jagd nach den Pferden zurück. Seine Schimmel vor dem fremden Wagen sehen, abspringen und dieselben ausschirren, war das Werk eines Augenblicks. B. wollte sich das natürlich nicht gefallen lassen, aber er kriegte noch Prügel oben- drein. Schließlich wurde ,hm der Zusammenhang der Sache klar gemacht, er ging zur Polizei, diese lelegraphirte sofort an sämmt- liche Bureaus und auch an die Amtsvorsteher der Vororte. Am nächsten Morgen wurde die Zigeunerbande zwischen Boxhagen und Rummelsburg gestellt. Angesichts der Drohung, die ganze Bande zu verhaften, meldete sich einer der Zigeuner und be- kannte sich als Dieb. Von dem Gelde wurde bei ihm nichts vor- gefunden, über den Verbleib verweigerte er jede Auskunft. Als nun das Pferd beschlagnahmt werden sollte, behauptete ein anderer Zigeuner, er habe dasselbe von seinem Kameraden reell gekaust und bezahlt. Allerdings wollte er dasselbe heraus geben, wenn der Dieb freigelassen wiirde, woraus die Polizei natürlich nicht eingehen konnte. So wurde der Dieb verhastct und die Bande zog mit dem gestohlenen Pferde und dem sicher in ihrem Besitz befindlichen Kaufgelde weiter. B. hat nur noch einen Zivilanspruch an die Zigeuner und kann sehen, wie er von diesen elwas bekommt.(?) Um'stcht bei dein Essen de» Gbstes. Wer gegenwärtig seinen Bedarf an Obst an einer von vielen Käufern umschwärmten Verkaufsstelle entnimmt, wie dies beispielsweise bei den durch die Straßen fahrenden Obstwagen der Fall ist, dem wird es gewiß schon aufgefallen sein, daß einzelne Obstsorten gewisse Eindrücke und kleine Einschnitts zeigen. Speziell bei den Birnen findet man kaum eine, die nicht derartige Einschnitte aufzuweisen hätte. Dieselben verdanken ihre Entstehung der Unsitte der Käufer und Nichtkäufer, die Birnen auf ihre Weichheit zu prüfen, bei welcher Gelegenheit der Nagel des Daumens in das Fleisch der Birne eindringt. Ist diese Manipulation schon an sich abscheulich, so wird sie dies um so mehr, seitdem durch die neueste Forschung uuziveifelhast bewiesen ist, daß gerade der Raum unter den Nägeln eine ausgezeichnete Brutstätte für Bakterien aller Art bildet. Wer also seine Nägel in das Fleisch des Obstes drückt, kann unbewußt einen an denselben hängenden Ansteckungsstoff aus den späteren Esser übertragen. Daß hier in der That eine Ge- fahr vorliegt, beweisen die zahlreichen Fälle, in denen nach dem Genuß selbst kleiner Mengen rohen Obstes und bei sonstiger regelrechter Diät dennoch heftiges Unwohlsein austrat. Es ist daher im Interesse der Gesundheit unbedingt nöthig, das Obst zu schälen und eingedrückte Stellen tief auszuschneiden. Weiterhin muß aber der Unsitte des Bef, hlens des Obstes sowie der Back waare ganz energisch entgegengetreten werden. Der San der Eharlottenbutmer Uieselfeldev bei Gatow wird mit dem Aufwand vieler Arbeitskräfte betrieben. Es sollen noch dreihnnderr Erdarbeiter angenommen iverden. Die Arbeiten sind so weit gefördert, daß mit der Berieselung in jedem Augen- blick der Anfang gemacht werden kann. Am Sonnabend soll Vörden städtischen Körperschaften von Charlottenburg eine Probe- berieselung stcktsinden. Krbrv die voranssichtlicken Uegenverhaltuisse der nächsten Jahre macht Prof. Dr. Pauk Schreiber in Chenmitz in der„Gaca" folgende ivenig tröstliche Bemerkungen:„Ich will hier nur die Ausführungen von Professor Dr. Paul Reis in seiner 1883 erschienenen Schrift:„Die periodische Wiederkehr von Wasscrnoth und Wassermangel:c.(Leipzig. Quandt und Händely kurz erwähnen. Darnach hängen die Ueberschwemmungen des Rheins mit den Veränderungen in der Häufigkeit der Sonnen- flecken zusammen, sind also wahrscheinlich durch dieselben Ursachen bedingt, welche die periodischen Vorgänge an der Sonnenober- fläche bewirken. Bezüglich der Häufigkeit der Sonnenflecken kennt man Perioden von 11 und 55—56 Jahren. Besondere Rollen spielen die Toppelperioden von letzteren mit 110 bis 112 Jahren Dauer. In diesen Zeiträumen wiederholen sich die„Haupt- maxima 1. Klasse" und sollen kurz nach ihnen die lieber� schwemmungen größter Art auftreten. Das letzte Hauptmaximum 1. Klasse der Sonnenflecken war im Jahre 1778, dem Ende Februar 1784 die höchste Ueberschwemmung des Jahrhunderts folgte. Demnach sollte um 1890 abermals ein Hauptmaximum 1. Klasse und etwa 1897 eine besonders starke Ueberschwemmung eintreten. Nach Reis befinden wir uns seit 14 Jahren in der Hauptmaximalzeit und werden noch 14 Jahre darin bleiben Während dieser Zeit werden die Jahre besonders naß, im Sommer kühl, im Winter warm sein müssen. Dann folgt aber von ck«' 1904 an eine achtundzwanzigjährige Hauptmaximalzeit'»> trockenen, im Sommer warmen und im Winter kalten Jahre» Wie weit dies nun eintreffen wird, muß eben abgewartet werde» Die Niederschlagsverhältnisse, wie sie am Eingang dieser Arbei dargestellt worden sind, stimmen recht gut. Allerdings>»»» erwähnt werden, daß Reis sich selbst eine Hinterthür dadurq offen gehalten hat, daß nach ihm in den Jahrhunderten mit n»' gerader Ordnungszahl, wie das gegenwärtige, die HWrf maxima 1. Klasse nicht so sicher eintreten als in den gnw zähligen Jahrhunderten und daß wir so möglicherweise von g»' zu bedeutenden Katastrophen verschont bleiben werden. Aus alle» diesen Angaben geht hervor, daß wir wohl noch einige Jahre a»! Fortdauer bezw. Steigerung der regnerischen Zeit uns gW machen müffen, dann aber eine Abnahme und den Eintn» trockener Jahre erwarten können. Jedenfalls muß man der E»d Wicklung der Niederschlagserscheinungen in den nächsten Iah"» mit Interesse entgegensehen. Auch bezüglich des laufenden Jahre- muß inan gespannt sein. Die ersten vier Monate haben nur 9 Mm. Ueberschuß gegeben. Derselbe ist dem wesentlich zu regnerische» Januar zu danken, während Februar und März viel zu trocken, der April nur wenig Millimeter übernormal ausgefallen sin»- Soll das Jahr 1890 also nicht aus der Art schlagen, so werden wir uns nicht allzu viel Hoffnung auf guten Sommer und HerW machen können. Zeugen gesucht! Der Maler Herr Richard Schocke! ist wegen seines Verhaltens Hamburger Malermeistern gegenüber in Anklagezustand versetzt worden. Die inkriminirten Vorgänge sollen sich am 16. und 19. Mai d. I. auf dem Hamburger Bahn° Hof zugetragen haben. Alle Kollegen, die bei diesen Vorgängen zugegen geivesen sind, werden dringend ersucht, ihre Adressen bis spätestens Sonntag Mittag bei Herrn Schöckel, Görlitzer' straße 68, abzugeben. poliseibericht. Am 24. d. Mts. Morgens lief eine 73jähriae Frau beim Ueberschreiten des Fahrdammes au der E»! der Rosenthaler- und Linienstraße unvorsichtiger Weise gegen d>e Deichsel eines vorllberfahrenden Bierwagens und wurde, der Kutscher die Pferde plötzlich anhielt, durch die infolge deffe» in die Höhe schlagende Deichsel an der Stirn getroffen, so W sie eine nicht unbedeutende Verletzung erlitt. Sie wurde nach ds* Universitätsklinik gebracht.— Nachmittags unternahmen ei» Kellner und ein junges Mädchen von den Zelten aus eine Kah»' fahrt auf der Spree. In der Nähe der Eisenbahnbrücke schlug der Kahn um, und Beide fielen ins Wasser. Einem sofort herbeieilenden Schiffer gelang es, dieselben aus dem Wasser zu ziehm- Der Kellner erholte sich bald; das Mädchen mußte jedoch, nachdem durch einen Arzt Wiederbelebungsversuche mit Erfolg a»!st' stellt worden waren, nach der Charitee gebracht werden.— Z" derselben wurde ein Mann vor dem Hause Prenzlauerstr. 5 von einem Wagen überfahren und an der Stirn nicht nnbedeuten» verletzt.— In der Nacht zum 23. d. M. wurde ein Mann iu seiner Wohnung, am Engel-Ufer, erhängt vorgefunden.— 21'" 24. d. M. fanden fünf kleinere Brände statt. Jene gelieimnistvolle Vrrsönlicküeit. welche in de« Berliner Kriminalstalistik als„der s ch w a r z e M a n n«>» 51 a i s e r h o s" bekannt geworden ist, beschäftigte gestern wiederum die 4. Strafkammer des Landgerichts I. Wie erinnerlich fem ivird, trieb im Monate Mai 1888 im Kaiserhof ein Dieb ssi» Unwesen, der mit einem schwarzen Trikotanzuge bekleidet, M während der Nacht in die Ziinmer der Hotelgäste schlich u»" Diebstähle ausführte. Wurde er ertappt, so schützte er vor, da? er, vom Kloscl kommend, sich in der Zimmernummer geirrt. D«' verdächtige Mensch hat den Behörden des In- und Auslande- viel zu schaffen gemacht, da er über seine Persönlichkeit u»» seine Vergangenheit theils tiefstes Stillschweigen bewahrte, theils die widersprechendsten Angaben machte. Es b» sich feststellen lassen, daß man den ehemaligen K>»>' mann Friedrich Gregori Ostrowski aus Rußb»o vor sich hatte, der bereits in Tula wegen Laiidstraßendiebstght» mit einem Jahre und in London wegen verschiedener, in gleiche« Weise wie in Berlin ausgeführten Hoteldiebstähle mit anderthalb Jahren Gefängniß bestraft sein soll. Bor fast zwei Jahre» wurde Ostrowski wegen dieser Diebstähle zu fünf Jahren fängniß. verurtheilt. Er verbüßt diese Strafe in Plönenseei gestern wurde er vorgeführt,»im sich wegen eines veisuch"» Diebstahls zu verantworten, der bei der ersten Verhandlung nicht erledigt werden konnte. Der russische Wirkliche Staatsrath Bloch au« Warschau ist zu diesem Falle als Zeuge kommissarisch ver- nommen worden. Er giebt folgende Schilderung vo» einer nächtlichen Begegnung mit dem Angeklagten: Mai 1888 habe er mit seiner Gattin im Kaiserhof gewohn« und hier im ersten Stock drei Zimmer innegehabt. In der Mit» befand sich das gemeinschaftliche Empfangszimmer, zur Rechten und Linken je ein Schlafzimmer. In der Nacht zum 19. Mai si» er durch ein verdächtiges Geräusch geweckt worden, es habe M angehört, als ob Jemand versuche, die vom Empfangszimmer nach dem Schlafzimmer führende Thür zu öffnen. Der Zeuge riel mehrmals, wer da sei, erhielt aber keine Antwort. Gleich daraui Hörle er die Schritte eines sich leise Entfernenden. Nun sprang er auf, ergriff einen auf dem Nachttische liegenden Revolver un» eilte inS Nebenzimmer. Er hörte gerade, wie die nach dem 5iorrido» führende Thür zugemacht wurde. Er öffnete sie und sah in ein«« Entfernung von etwa zehn Schritt eine Person in der Kleidung eines Schornsteinfegers durch den Korridor gehen. Sie hielt dl« Hände gegen de» Bauch gepreßt, als ob sie Leibschmerzen Hab« und beachtete aufmerksam die Zimmernummern.„Bleiben S>« stehen, oder ich schieße!" rief der Zeuge dem unheimlich«» Wandler zu; dieser kehrte sich aber nicht daran, sondern ging- unverständliche Laute murmelnd, weiter. Der Zeuge ist da»» wieder in sein Schlafzimmer gegangen. Der Angeklagte bestritt, daß er jener schwarze Mann gewesen sei, sowie er ebenfalls all« früheren Versuche bestritten hat, und sogar leugnet, daß er jemals vorbestraft worden ist. Ter Gerichtshof zweiselte dagegen nicht an seiner Schuld und erkannte auf eine Zusatzslrase von einen« Monat Gefängniß. Dir uerhängniffuoUe Schiffsschraube oder—„sie werde» nicht alle", so könnte man die Gerichtsverhandlung betiteln, welche gestern vor dem Schwurgericht hiesigen Landgerichts« sich abspielte. Die Anklage, welche auf wiederholte Urkunde»- sälschung und Betrug lautete, richtete sich gegen den Techniker Leopold Boldt, welcher die seltene Naivetät und Vertrauens- seligkeit eines gutmüthigen Menschen in fast unglaublicher Weis« gemißbraucht und denselben um die Ersdarnisse vieler Jahre g«- bracht hat. Ter Angeklagte, ein Mann von sehr gewandtem Auftreten, ist bereits«n Jahre 1885 zu 3«/: Jahren Gesängu«? verurtheilt worden, weil er damals denselben Mann um vi« Summe von 5000 Mark betrogen hatte. Dieses Unikum der Gutmüthigkeit ist der Bierfahrer Völker, Oberhaupt einer sehr zahlreichen Familie, welcher während seines 18 lährtgc» I Dienstes als Biexfahrer beim Böhmischen Brauhaus sich ein Klei»«-- pBerinögcn erspart hatte. Zu seinem Schaden hat er den Aug«- klagten kennen gelernt, welcher ihn für eine neue epochcmacheuv« „Schiffsschraube" zu iuteressiren wupte, die Boldt angeblich!««' funden hatte. Zur Ausbeutung des ihm crtheilten„Patentes'' welches in Wirklichkeit gar nicht cxistirte, brauchte er angeblich einen Theilnehmer, welchen er in dem Bierfahrer Völker ta»v- Dieser trug damals kein Bedenken, dem Angeklagten in 54 Rat«» eine Summe von 5000 Mark hinzugeben, um welche er glücklich betrogen ist, denn vor Gericht wurde festgestellt, daß Alle--- was Herr Boldt von s seiner Schiffsschraube und bei» Patent erzählt hatte, eitel Lug und Trug war. Ab«« r>,fie werden nicht alle!" Schon ivähreud der Angeklagte im sechngniß saß, wußte'derselbe das Interesse des vo» ihm Be- MinnnDelten wieder so zu. erregen, daß dieser ihn im Gefängniß neyrmals besuchte und von der Ueberredungskunst des Auge- �Lten förmlich hypnotisirt und von der Wunderkraft der m?,' Traube" aufs Neue bestrickt wurde. Er kam trotz der uyilmmen Erfahrungen, die er gemacht, aus den Händen des Lln- gMagten nicht heraus, gab sogar, als derselbe endlich aus dem �([angniß kam, ihn noch die Summe von 180 M. als Zehr- und ließ sich aufs Neue von dem Vamptzr aussaugen. , � Elaube an die Schiffsschraube beherrschte den braven Bier- sayrer aufs Neue, denn der Angeklagte hatte ihm wiederholt die �ertzchermig gegeben, daß er unschuldig verurtheilt wor- oen sei und sich durch nähere Angaben über die Schiffs- icyraube hätte retten können, aber darauf verzichtet habe, wn nicht sein Geheimniß preiszugeben. Die dämonische Gewalt, welche der Angeklagte auf den Vertrauens- seligen Völker ausübte, wurde ganz unwiderstehlich, als Letzterer aus Dokumenten und Schriftstücken, welche ihm von Boldt vor Lelegt wurden, zu ersehen glaubt, daß die Sache mit der Schifft Ichraube ihre volle Richtigkeit habe. Der Angeklagte erzählte ihm, daß er einen Generalkonsul Schulz zu Stolpmünde mit der Aus- beutuna des Patents betraut habe und daß die Firma C. E. van dW Höfen mit der Fabrikation der Schiffsschraube beschäftigt sei. Er überreichte dem Völker ein mit allen Zeichen der Echtheit ver- sehenes und sehr sauber ausgestattetes Dokument, eine Notaritäts- deffätigung, wonach Herr Boldt ein Guthaben von 51 750 M. haben sollte. Ein anderes, ebenso prächtig nachgemachtes Dokument war w>e„Generalquittung" der„Werftkommission Abtheilung II", wonach der Angeklagte für Benutzung des Ufers, aus welchem an den betreffenden Schiffen gearbeitet' iverde, eine Abgabe gezahlt habe. Schließlich zeigte der Angeklagte auch ein Schriftstück des �Notars van Dyren" vor, welcher ihm bestätigte, daß er aus seiner Geschäftsverbindung mit dem Hause van der Häsen um- fangreiche Forderungen habe. Herr Völker war durch alle diese Dinge so verwirrt worden, daß er aufs Neue sich breit schlagen ließ, dem Angeklagten nach und nach 7000 Mark hinzugeben. Er würde vielleicht noch zu weiteren Opfern bereit ge- wesen sein, wen» dem verblendeten Manne nicht ein Retter in Person seines Arbeitgebers, des Direktors Stiioblanch erstanden wäre. Demselben fielen einige Urregelmäßig- leiten in der Geschäftsführung des sonst schr Pflicht- treuen und grundehrlichen Namens auf und als dieser ihn ins Gebet nahm, gestand Völker zu, daß er noch immer in dem Banne der Schiffsschraube stehe. Der arme bethöite Mann wankte in seinem Glauben an die Erfindung des Angeklagten absolut nicht, sondern zeigte Herrn Knoblauch stolz die Dckumcnte, welche ihm die Gewißheit gäben, daß er nicht hineinfallet lönnte. Als man die Schriftslücke näher besichtigte, fand man, daß hier außerordentlich geschickt hergestellte Fälschungen vorläget und Alles, ivas gedruckt erschien in künstlerischer Weise uait der Feder gezeichnet ivar. Direktor Knoblauch schickte die Dokumente nach Holland und erhielt von dort den Bescheid, daß dieselbe» von Anfang bis zu Ende gefälscht waren, ebenso kamen Briese, die aa mchieren von dem Angeklagten angegebenen Firmen geschickt worden waren, als unbestellbar zurück. Trotzdem dem Bierfihrer Volker nunmehr die Augen geöffnet waren, hat er dem Angflagten doch noch zweimal kleinere Summen überlassen und so flh sich denn Direktor Knoblauch veranlaßt, die Anzeige zu ertatten. Ter Letztere erklärte, daß der Einfluß des Angeklagten au den Zeugen Völker ein so unbegreiflicher sei, daß man fast vesncht iverde, au Hypnotismus zu glauben. Der Angeklagte gab den Betrug ohne Weiteres zu, ivehrte sich aber gegen die Dinklage dr Urkundenfälschungen, deren Vorhandensein ihm Zuchtaus adrohte. So kam er denn gestern zum ersten Male mit der gaz neuen Be- hauptung heraus,' daß er von den gefälschten Urknden keinen Gebrauch gemacht, da er sie dem Völker gar»ich übergeben habe, dieselben dem Zeugen vielmehr durch Zufall i die Hände gefallen seien. Und inerkiviirdig: als der BiersahretVölker als Zeuge vernommen wurde, trat auch er mit derselben Phauptung, welche seinen früheren Bekundungen schnurstracks entxgen war, hervor. Alle Verwarnungen des Vorsitzenden tind lle Kreuz- fragen der Geschworenen vermochten nicht, diese e!ge»>rtige Er- scheiiiung zu erklären; der Zeuge blieb bei seiner Bekudung und beschwor dieselbe. Im übrigen scheint es so, als ol der Be- trogene durch übertriebenen Respekt vor dem geistisn Ueber gewicht des Angeklagten und durch die Hoffnung auf d-einstigen großen Geldgewinn zur fortgesetzten Hergabe der gro?n Geld- summen beivogen worden ist. Die Geschworenen oben ihr Verdikt auf schuldig der Urkundenfälschung und des Bezugs ab. Der Staatsanwalt beantragte 5 Jahre Zuchthaus und Z Jahre Ehrverlust und der Gerichtshof erkannte auf Jahre Zchihaus und 5 Jahre Ehrverlust. Drv vrrlnchie Einbruch in die Kiimmcreilr/s« zu Nauen, über welchen im Januar d. I. berichtet wurde, be�istigte gestern die erste Strafkammer am Landgericht II. Auf W Anklagebank erschienen der„Arbeiter" Gustav Adolf Ziegl-, der „Arbeiter" Karl Wilhelm Hermann Neumann,„Arbeiter" jugust Christian Berndt und„Arbeiter" Hermann Ewald Drabep Der Angeklagte Ziegler hat seinem eigenen Geständnisse naci eine ganze Reihe von Einbrüchen verübt, hauptsächlich bei RestauratweU, Ivo er sich aber— wenn Geld nicht zu finden war— stet-niit einer Menge von Gelränken und Eßwaaren begnügte. Nagern er in den ersten Tagen des Januar drei solcher Einbrüche chs- geführt halte, reiste er nach Halle, angeblich um Arbeit zu f,W Er hat sich aber um Arbeit gar nicht bemüht, sondern sich dn�f beschränkt, gleich in der ersten Nacht bei einem dortigen Res,,.. ratcur einzubrechen und 12,80 M. baares Geld sowie eine von Nahrungsmitteln zu stehlen. Nach geschehener That r� er sofort nach Nauen zurück und verabredete mit dem Angeklagt Neumann, in der Kämmereikasse einzubrechen und dieselbe, leeren In der Nackt vom 20. zum 21. Januar wurde zur Atz sührung der That geschritten. Da die Diebe ohne Werkzeug n,ch Saale behufs Protest erheb ung gegen das von der Innung eingerichtete Schiedsgericht statt. An Stelle des angekündigten, jedoch am Erscheinen verhinderten Referenten Herrn W i l s ch k e hielt Herr W e r n a u den ein- leitenden Vortrag. Derselbe ivies auf die willkürliche Handlungs- weise der Innung bei Schaffung des Jnnungs-Schiedsgerichtes hin, indem die Gesellen gar nicht gefragt worden seien, denselben demzusolge das Schiedsgericht aufgezwungen sei. Den Innungen sei allerdings das Privilegium verliehen, Schiedsgerichte zu bilden, jedoch mit dem Vorbehalte, daß die Beisitzer von beiden Theilen gewählt werden müssen. Nachdem die Gesellenschast die Wahl eines Gesellenausschusses verweigert, habe die Innung einen solchen einfach ernannt, ebenso die Beisitzer zum Schiedsgerichte. Daß diese Beisitzer nicht die Garantie bieten, daß den Gesellen vor dem Jniulngs-Schiedsgerichtc ihr Recht wird, liege auf der Hand. Mit der Schaffung desSchiedsgerichtswerde dieJnnung sich nicht begnügen, sie iverde sich auch bemühen, die Regelung des Arbeitsnachweises in die Hände zu bekommen. Dan» sei für viele Berliner Maurer die Zeit gekommen, ihr Ränzel zu schnüren. Abgesehen von den Plackereien, die den Gesellen erivachsen, indem sie selten wissen, ob der Meister, bei dem sie arbeite», Jnnungsmeister ist, ivird das innungsgerichtliche Verfahren für den unterliegenden Theil nicht, wie bisher, kostenlos sein. Auch auf die Wahlen zu den Ge- werbegcrichten, welche laut Reichstagsbeschluß mit dem 1. April kommenden Jahres errichtet werden sollen, haben die Jnnungs- meister den wesentlichsten Einfluß, ivie schon s. Z. der Ab- georgnete Auer im Reichstage ausführlich dargelegt habe. Gegen das eigenmächtige Verfahren der Innung müsse entschieden Protest erhoben werden. Demzufolge beantragt er folgende Resolution: „Die heute am 28. September bei Joel, Andreasstr. 21, tagende öffentliche Generalversammlung der Maurer Ber- lins und Umgegend protestirt gegen das von der Innung (Bund der Bau-, Maurer- und Zimmermeister) zu Berlin errichtete Schiedsgericht. Das heutige Bureau wird beaustragt, gegen die Et richtung des Jnnungs-Schiedsgerichtes beim Berlinei Magistrate als der Aufsichtsbehörde der Innung Be schiverde zu führen, damit dieses Schiedsgericht, welches die Rechtsformen in jeder Weise verletzt und nur als eine Vergewaltiguug der Gesellschaft betrachtet werden kann, wieder aufgehoben wird. Ferner erklärt die Versammlung, daß sie entgegen- gesetzter Ansicht des Herrn Minister v. Bötticher ist, indem sie in der Schaffung von Gewerbegerichten keine segens- reiche sozialreformatorische Thätigkeit für die Arbeiter er- blicken kann. Die Versammlung betrachtet es vielmehr als eine starke Znmnthung, die Arbeiter Glauben machen zu wollen, eine rechtliche Schlichtung von Streitigkeiten zwischen Kapital und Arbeit wäre bei der Ver- theilung des Produktionsertrages innerhalb der heutigen kapitalistischen Produktionsweise möglich zu machen. Dem Mißtrauen, welches heute schon die Arbeiter bezüglich der Entscheidungen der Gewerbcgerichte haben, wird durch Aufoktroirung solcher Institute, wie das von der Innung geschaffene, noch in höherem Maße ein Nähr- boden geschaffen." Nach einer eingehenden Diskussion, an welcher sich die Herren I c z o r k e und Weiße bctheiligten, gelangte vorstehende Resolution zur einstimmigen Annahme.— Unter„Verschiedenes" beantragte Herr Julius Wagner, da der Unterstützungs- verein den Wünschen der Berliner Maurer Rechnung getragen und den Verein auf unbestimmte Zeit vertagt habe, daß die öffentliche Generalversammlung beschließen möge, aus öffentlichen Mitteln das dem Verein anläßlich des bei Weimann abgehaltene» Vergnügens erwachsene Defizit zu decken. Nach längerer Debatte über diesen Antrag wurde derselbe abgelehnt. Die Abrechnung der alten Vertrauensmänner wird in der nächsten Woche erscheinen. Eine Uerjammlnitg des Fachuereius der Kürste»- und|n»jel«»arfjeu Berlins und llingegend tagte am Sonntag, den 21. d. M., bei Feuerstein. Herr Türk hielt einen Vortrag über Frauenbcfreiung, welcher mit großem Beifall aufgenommen wurde. Zur Diskussion sprach Herr Soyka im Sinne des Referenten. Als Vergnügungskoinitee zum bevorstehenden Stiftungsfest wurden folgende Mitglieder gewählt: Loose, Kaiser, Jrrgang, Blümcke und Mettke. Für einen zur Zeit kranken und in Noch gerathenen Kollegen Sammellisten auszugeben, beantragt Kollege 5laiser. Dies wird angenominen und der Vorstand mit der Ausfiihrung betraut. Mit einem dreifachen Hoch auf die moderne Arbeiterbewegung schloß die Versammlung. Der Verein zur Waffruug der Interrssru der Dchnst machrr und verwandten Äerussgenossen tagte am Montag in de» Arminhallen. Den 1. Punkt der Tagesordnung bildete ein Vortrag des Herrn Türk, über„Hexenprozesse im Mittelalter," der mit vielem Beifall ausgenommen wurde. In der Diskussion wurde darauf hingewiesen, daß die uerfloffenen Sozialistenpro- zesse sehr den mittelalterlichen Hexenprozessen ähnelten. Weiter wurde aufgefordert, aus der Landeskirche auszutreten. Unter „Verschiedenem" wurde bekannt gegebe», daß die nächste öffentliche Versammlung am 20. d. M. bei Feuerstein stattfinden»verde. Nachdem noch einige Fragen beantwortet waren, schloß der Vor- sitzende die Versammlung. Die öH'entliche Eeirrt-alvevsammluug der Zimmerleute Berlins und Umgegend, welche am 24. d. M. den Feucrstein'schen Saal füllte, hatte über zwei wichtige gewerkschaftliche Fragen zu berathen, deren erste lautete:„W i e treten w i r d e n u n- gerechtferttgtenLohnabzü gen entgegen?" während die zivcite Frage wie folgt gestellt war:„Ist es nothwendig, daß der G e s e l l e n a u s s ch u ß ferner bestehen bleibt?" Obgleich die letztere Frage den Gesellenausschuß eng berührte, wurde deuiselben doch auf allgemeines Verlangen ent- gegen einem Antrag Wolter die Leitung der Versammlung übertragen. Zur ersten Frage nahm sodann Herr Wolter das ""ho fiovnovlPft* hn» hti» O" �~—..C �- zeit die Verkürzung der Löhne auszugleichen suchten. Herr Weiß war seinerseits der Meinung, daß künftighin für Ueberstunden- und Sonntagsarbeit ein höherer Preis gefordert werden müsse, um diese etwas einzudämmen. Unvermeidlicherweise wurde in die weitere Debatte wiederum die Organisationsfrage hinein- gezogen und ventilirt, trotzdem in der vorigen Versamm- lung beschlossen worden war, dies zu vermeiden. Herr L e h ni a n n stand in dieser Frage aus dem Standpunkt, daß sehr wohl zwei Organisationen neben einander be- stehen können, wenn nur der gute Wille dazu vorhanden sei. Er empfahl demzufolge, dahin zu wirken, daß die bisherigen Feindseligkeiten zwischen beiden Organisationen unterbleiben, daß der Gesellenausschuß bestehen bleibe und die Sammlungen zum Generalfonds regelmäßig betrieben werden. Hiermit wurde die zweite zur Tagesordnung stehende Frage gleich mit in die Er- örterung der ersten Frage hineingezogen. Die heutigen Zustände wurden namentlich auch vonHerrn R eu ter recht charakteristisch beleuchtet durch die Darlegungen, daß vielfach Gesellen, die arbeiten, keinen Lohn erhalten bezw. erhalten können, indem hunderte von Bauunternehmern manifestirt hätten, und die Bau- leiter nur vorgeschobene Strohmänner seien. Diese korrumpirten Verhältnisse endlich einmal der Oeffentlichkeit zu übergeben, war sein. dringendes Verlangen. Die Organisationsfrage kam durch die Erörterung der zweiten Frage, ob der Gesellenausschuß ferner- hin bestehen bieiben solle, erst recht in Fluß und fand eine leb- hafte Aussprache über die Lokal- und Zentralorganisation statt. Von Herrn Lehmann wurden folgende Anträge gestellt: 1. Beantrage, daß die beiderseitigen Vorstände, wie auch Mitglieder der hiesigen beiden geiverkschaftlichen Ver- eine dahin wirken, daß eine gemeinsame, friedliche Agitation für die Erstarkung dieser Vereine(Verband und Freie Vereinigung, Zentral- und Lokalorganisation) ent- falten. 2. Der Gesellcnausschuß bleibt bestehen und hat die Lohnregulirung zu leiten. 8. Die heutige Versammlung beschließt, von den Ber- liner Zimmerleaten einen wöchentlichen freiwilligen Bei- trag von 25 Pf. pr. Mann zur Gesellenausschuß-Kasse zu entrichten. Diesen Anträgen gegenüber stand folgende Resolution: „In Erwägung, daß der heutige Gcsellenausschuß unter den bestehenden Verhältnissen nichts Positives leisten kann, in fernerer Erwägung, daß laut Kongreßbeschluß in Gotha die Zentralorganisation als die zweckmäßigste anerkannt worden ist, beschließt die heutige Versammlung, den Gesellen-Aus- schuß seines Amtes zu entheben und dem Vorstande der Zentralorganisation die Wahrung der allgemeinen In- teressen der Berliner Zimmerer bis auf Weiteres zu über- tragen." Diese Resolution erhielt bei vollzogener Abstimmung Mehrheit der Stimmen, trotzdem vor der Annahme derselben ivarnt worden war, indem diese einer Vergewaltigung Minorität gleichkommen würde. .-—----- die gc- der Im Anschlüsse hieran gelangte noch folgende Resolution Stimmenmehrheit zur Annahme: mit „Die heutige Versammlung beschließt, auf allen Plätzen beziv. Bauten Platzdeputirte zu wählen, welche die Ver- unternedmev konnten, brachen sie zunächst in eine Schmiede ei», w Wort. Derselbe bemerkte, daß die Gründe, diese Frage auf die sie sich ei» Beil und einen Meißel aneigneten. sie im Bureau der Kämmerei eine Scheibe Werkzeuge waren jedoch dazu nicht aus sie die Erfolglosigkeit ihrer Bemühungen einsehen»nd'diese auf geben. Sie nahmen aber zivei de» Kassenbeamten gehörige Röcke Und eine Kleiderbürste mit. Später hat Ziegler noch mehrere Tiebstähle bei Restaurateuren, theils mit Komplizen, theils allein Ausgeführt, unter Anderen einen Einbruch beim Restaurateiir Eteuer in Plötzensee, bei welchem Neuwann und Berndt bctheiligt 'uaren. Dort stahlen sie mehrere Flaschen Wein, zehn Flaschen Weißbier, eine Anzahl Würste, Brot und Schmalz, womit in derselben Nacht eine große Schmauserei tu der Jungfernhaide ver- unstallet wurde. Am 20. Februar wurde die ganze Gesellschaft uerhastet. Ei» Einbruch, bei welchem Drabest bctheiligt sein sollte, sst außer Anklage geblieben, und so lag gegen denselben nur eine intellektuelle Urkundenfälschung— Veranlassung der Eintragung °u>es falsche» Namens in die Gefängnißregistcr— vor, die mit �4 Tagen Gefängniß geahndet wurde. Gegen Ziegler, als einen "ot keinem Hindernisse zurückweichenden Einbrecher beantragte Staatsamvalt 5 Jahre Zuchthaus. Ziegler gelobte aber so es der Gerichtshof bei drei deii ließ. Neu- vier Monate Ee- nnd theuer Besserung, daß........ -v a h r e n Gefängniß nnd Ehrverlust bewenden ließ. �"".schielt zwei Jahre und Berndt mi---- Verla, ttMluttgoil Genernlvrrsamtnlung Eine öffentliche Krrlin» und Umgegend fand Wernau, Weiße und Roll der Utanrer "'s, a.3..s am Knuden täglich gearbeitet worden ist, nein, es wird jetzt ich der Lohn in unerhörter Weise gedrückt. So sei auf einein latze bereits ein Lohn von 4t Ps. pro Stinide geboten ivorden. �'ereilt warf berechtigter Weise die Frage ans, ivohin dies Gesichts des bevorstehenden Winters führen solle? Leider sei Agroße Masse derartig erschlafft, daß sie sich nicht miszuraffeii üLüQe, derartigen Zuständen energisch entgegenzutreten. Die ""fluchte Bedärfiiißlosigkeit" und der„Unverstand der Massen" sei, wesentliche Faktoren, denen eine große Schuld an den heitzen Zuständen beizumessen sei. Dies werde so weiter gehen, bistzi» große Masse zu Verzweiflungöthate» gedrängt iverde, es unter keinen Umstände» kommen dürfe. Ter einzige weg sei ein fester Zusaminenschluß aller Kamerade». So sich aber diese Erkenntniß nicht Bahn breche, sei eine U-(.ru»g der Verhältnisse nicht zu erwarten. Und doch sei f Pflicht aller denkenden Kameraden, nicht zu verzag imt) die indifferenten Kameraden ailfznmimter» und aL�Zre», damit den gewinnsüchtigsten Lohndrückern einmal das Handwerk gelegt werden könne. Die gegenwärtigen VctHälW auch die kommenden Zustände fanden auch in Hi m i d k einen beredten Schilderer und auch er richtete, 'vie de>�m�m. ml Kameraden einen dringenden Appell, encrgiscll Mitireii. daß den heutigen Ailsbeutnngen kraftvoll entgegciZreten- iverde. Auch Herr Pagst und Herr Weiß schildert�. Kalamitäten in etiigehender Welse und stimmten darin lifr.£- die Kameraden selber Schuld seien an der nugemeinsgj'�(a0e, indem sie durch Verlängerung der Arbeits- zu Ret lang! pflichtung haben, jeden Monat Bericht über Lohn- und Arbeitsverhältnisse bei ihren Arbeitgebern an die zu- ständige Geselleuvertretung gelangen zu lassen, damit diese Schritte thun kann, den ungerechtsertigten Lohnabzügen entgegenzutreten." DieS das Ergebniß mehrstündiger Verhandlungen. Der Lachvrvei« der Former tagte am 22. September in Schröder's Lokal, Müllcrstr. 148. Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn Türk über: Die französische Revolution. 2. Diskussion. 8. Stiftungsfest. 4. Verschiedenes. Der Referent sprach in fach- (ich klarer Weise und dankte» ihm die Anwesenden durch Erheben von den Sitzen. Diskussion wurde abgelehnt. Sodann wurde beschlossen, ein Stiftiingsfest zu feiern nnd wurde der 22. No- vember dazu bestimmt. In das Vergnüglingskomitee wurden folgende Kollegen gewühlt: Petzelt, Tauschet, Schnarchendorff, terburg, Jahnke und Steinmetz. In„Verschiedenes" wurden die ollegen ermahnt, recht fleißig zu iverde», daß der Verein wieder groß und stark werde. Dann thcilte der Vorsitzende mit, daß An- sang Oktober die Uutcrstützling für zugereiste Kollegen nur noch durch Marken, welche in das Buch geklebt werden, ausbezahlt wird, und dasselbe dann zu jeder Tageszeit erhoben werden tan». Auch der Arbeitsnachweis der Metallindustriellen ivurde noch- mals in gebührender Weise kritisirt".nd darauf hin- gewiesen, daß auch der Berliner„Stubenhuck" lein ivohlverdientes Ende nehmen wird. Ueber einen Antrag, gegen den„Lokal-Anzeiger" wurde mit der Motivirung zur Tagesordnung übergegangen, daß jeder Arbeiter wissen müßte, wo derartige Wurstblätter hingehören. Nach der Aufforderung recht zahlreich sich aii der Arbeiterseier zu betheiligen, und mög- lichst viel gelesene Arbeiterblätter in sauberem Zustande an die Sammelstellen abzugeben, ivurde die Versammlung geschlossen. Drr Fachverrin fömmkticher in der Lirinenschilder- Krauche bel'chnftigte» Arbeiter hielt am 23. September seine erste außerordentliche Generalversammlung unter starker Be- theiliglliig der Mitglieder und Gäste ab. Auf der Tagesordnung stand: l. Neuwahl des zweiten Vorsitzenden, 2. Vortrag des Herrn Buchdrucker Hugo Lehman», 8. Diskussion, 4. Wie stellen sich die Mitglieder zum Weiterbestehen des Vereins. 5. Verschiedenes. Zui» ersten Punkt wurde die Neuwahl mittelst Akklamation vor- genommen und wurde Herr Dewitt mit Majorität gewählt. Da der Referent noch nicht erschienen war, wurde zu Punkt 4 ge- 'chritten und diesbeziiglich zwei Anträge eingebracht, wo- von jedoch nur über den des Herrn Edelheim ab- gestimmt wurde, dahingehend, die Versammlungen bis An- fang November zu vertagen, um Zeit zu gewinnen, unter den noch säumigen Kollege» zu agitiren. Der Antrag wurde einstimmig angenommen und die nächste Versammlung auf den 4. November festgesetzt. Da der Referent inzwischen er- schienen war, konnte Punkt 2 erledigt werde». Der Vortragende wählte als Referat des Programm der sozialistischen Partei. Er verlas die einzelnen Theile desselben und erläuterte dieselben in klarer und eingehendster Weise. An de» Vortrag knüpfte sich eine sehr lebhafte Diskussion, in der Herr Hoffmann, Holz-Bild- haner, unter Anderem die so fürsorglich eingerichteten, von den 'Arbeitern aber verschmähten Volks-Spciseanstalte» in Sachsen hervorhob und so beiveisen wollte, was alles für den Arbeiter seitens der Unternehmer gethan wird. Er wurde aber vom Referenten in seinen Ausführungen vollständig widerlegt. Unter „Verschiedenem" wurde solgende Slesoliition einstimmig an- genommen: „Die heutige, am 28. September, in Schesser's Salon tagende Versammlung des Fachvereins sämmtlicher in der Firmenschilder-Branche beschäftigten Arbeiter erklärt sich mit den Ausführungen des Referenten vollkommen ein- verstanden nnd verspricht, auf gesetzlichem Wege dahin zu wirken, daß das sozialistische Parteiprogramm zur Ver- wirklichling kommt." Da, veiter nichts vorlag, schloß der Vorsitzende die Ver- sannnlnng um 12 Uhr mit einem Hoch aus die moderne Arbeiter- beivegniig. Drr nllgemrino Metnttnvbeiterverei» KrrUnv»md Umgegend hielt am Sonnabend, den 20. September, in Rixdorf eine Nlitgliederversammlung ab. Wegen zu schwachen Besuchs wilrden die ersten beiden Punkte von der Tagesordnuna abgesetzt. Gewählt wurden zum Bevollmächtigten Kollege F. Rohm, Rix- dorf, Bergsir. 100, zum Hilsskassirer Kollege H. Born, Ren-Britz. Wederftr. 50, zum Protokollführer Kollege R. Rohm, Rixdorf, Bergftr. 87. Im„Verschiedenen" werde» die Kollegen ausgesordert, recht rege zu agitiren, damit sich recht viele der Organisation an- schließen und auch wir den Unternehmerverbäuden gerüstet gegen» übertreten können, auch dafür zu sorgen, daß die nächsten Ver- fammlungen besser besucht werden. Mit dem Hinweis nur Arbeiter- blätter zu lesen und nicht auf solche Machwerke wie der„Lokal- Anzeiger" zu abonniren, ebenso recht zahlreich in der demnächst stattfindenden beschließenden Mitgliederversammlung zu erscheinen, schloß der Vorsitzende die Versammlung. Der Uerei» der in der Schäftebranche beschäftigte» Arbriterinne» hielt am Sonnabend, den 20. d. M., Abends 9 Uhr, eine sehr gut besuchte Versammlung ab. Herr Franz Berndt hielt einen interessanten Vortrag über„Die Ursachen der Verbrechen." An diesen mit großem Beifall ausgenommenen Vor- trag schloß sich eine rege Diskussion. Unter„Verschiedenes" wurde bekannt gegeben, daß der Verein sein 1. Stiftungsfest am Sonnabend, den 1. November im Elysium, Landsberger Allee 39—41, feiern wird. Billets sind zu haben bei Frau Fürst, Pallisadenstr. 63, Hof 3 Tr. „ Lesinsky, Platz am Neuen Thor 1. Fräulein Krautwnrst, Gr. Frankfnrterstr. 96, Hof 8 Tr. „ Kasper, Langestr. 72, v. 2 Tr. „ Geiseler, Pallisadenstr. 48, v. 1 Tr. „ Baader, Holzmarktstr. 8, Hof 4 Tr. „ Schimm, Prenzlauer Allee 237, v. 2 Tr. Nachdem noch Herr Gabriel aufgefordert, den 30. September festlich zu begehen, wurde die Versammlung um 11 Uhr geschlossen. Uirdorf. Am Sonntag, den 21. September, Vormittags lOVa Uhr, fand hier im Niesigk'schen Lokale eine gut besuchte öffentliche Volksversammlung behufs Stellungnahme zum Partei- tage statt, zu der die Genossen des ganzen Wahlkreises eingeladen waren. Bei der Crüffnung derselben verlangte der überwachende Beamte die Entfernung einiger anwesenden Frauen, nahm aber, als Genosse Werner ihn auf daS Unzulässige seiner Forderung aufmerksam gemacht, davon Abstand. In das Bureau wurden gewählt: G. Ostermann-Rixdorf, 1. Vorsitzender; H. Wernicke- Eharlottenburg, 2. Vors.; I. Rautmann-Köpenick, Schriftführer. Zum 1. Vunkt der Tagesordnung, Stellungnahme zum Organi- sationsentwurf, erhielt als Referent Genosse Werner das Wort: Der Entwurf sei seitens der Fraktion zu dem Zwecke veröffent- licht worden, daß er von den Parteigenossen geprüft und kritisirt werden solle. Aber denjenigen, welche Kritik übten, würden die unlautersten Motive untergeschoben; so sei auch ihm der Vor- wurs des Geschästssozialismus gemacht. Sogar als agent provocateur habe man ihn schon bezeichnet und als Anarchist. Redner berührt kurz die anarchistischen Theorien, zu deren Ver- wirklichung ideale Menschen gehören, wie sie nie und nirgends existiren. Er sei kein Anarchist, kein Anhänger der Propaganda der That; er halte keine Person, ivelche Stellung sie auch einnehmen möge, für so dedeutend, daß durch ihre Beseitigung eine wesentliche Aenderung der Verhältnisse eintreten könne. Doch das Recht der freien 5tritik werde er sich nicht nehmen lassen; selbst auf die Gefahr hin, nicht als Delegirter für den Parteitag gewählt zu werden, werde er seine persönliche Meinung nicht in den Hintergrund stellen. Das Ausnahmegesetz habe das Mißtrauen großgezogen; die Fraktion habe naturgemäß eine gewisse Diktatur geübt, das demokratische Prinzip sei zurück- gesetzt, die Massen schwören auf die Namen der Führer, die Partei sei korrumpirt. Zum Organisationsentwurf selbst übergehend, wendet sich Redner zunächst gegen die Kontrolkommission als ein Unding, wenn sie aus der Fraktion hervorgehe. Der Parteivorstand kontrolire die Fraktion, die Fraktion(als Kontrol- kommission) wieder den Parteivorstand. Niemand könne Richter sein in eigener Sache. Die Gründe, die Genosse Auer s. Z. dafür vorgebracht, seien nicht stichhaltig. Die Abgeordneten seien nur während der Session unantastbar. Daß andere Parteien eine ähnliche Organisation haben, komme für uns nicht in Be- tracht. Wenn zwei dasselbe thun, ist es doch nicht dasselbe. Redner wünscht im Ganzen eine losere Organisation, als die im Entwurf vorgeschlagene, um den Fallstricken des Vereinsgesetzes zu entgehen. Auch gegen den Wahlmodus wendet sich Redner und empfiehlt Proportionalwahl, bis zu 5000 Stimmen 1 Delegirter, bis 10 000 2 Delegirte, für jede angefangenen weiteren 10 000 Stimmen 1 Delegirter mehr. War man von vornherein überzeugt, daß die ländlichen Kreise keine drei Delegirte wählen, warum giebt man ihnen erst das Recht dazu? Im§ 1 deS Entwurfs will Referent das Wort„dauernd gestrichen haben. Wer sei denn in der Lage, d a u e r n d e materielle Unterstützung geben zu können? Der Partcivorstand soll in geschäftlichen Fragen nur berathende Stimme haben, die Fraktion als solche in allen Fragen nur berathende Stimme, da sie als geschlossene Körperschaft sehr leicht ausschlaggebend sein könnte. Tie Fraktionsmitglicdcr sollen sich als Delegirte zur Wahl stellen, wenn sie auf dem Parteitage mit beschließen wollen Um etivaigein Mißtrauen entgegen zu treten, hält es Redner für besser, wenn die Gehälter der Parteibeamten vom Partei- tage festgesetzt werde», anstatt vom Parteivorstande und Fraktion. Redner nimmt Abstand davon, über das Partei- organ zu sprechen, um sich nicht der Gefahr auszusetzen, als Geschäftssozialist angesehen zu werden, Grillcnberger habe ihn doch schon aus offener Karte als nicht mehr zur Partei gehörig bezeichnet.(Der Vorsitzende unterbrach hier den Redner mit dem Hinweis auf die bei Lips gefaßte Resolution.) Eine Kontrole der Presse durch den Parteivorstand hält Redner für unnöthig. Die Fraktion habe dadurch, daß beinahe alle ihre Mitglieder in der Presse oder als Wanderredner thätig seien, bereits einen überwiegenden Einfluß, und so solle man wohl die unabhängige Presse noch beschränken. Redner schließt:„Ich bleibe Sozial- demokrat, auch wenn man mich hinauswirft. Sie aber fordere ich auf, Leute als Delegirte zu wählen, die sich nicht fürchte», die unabhängig genug sind, jedem entgegenzutreten, wenn es sein muß.(Bravo!) Zur Diskussion erhält zunächst Wurbs-Rixdorf das Wort: Die Art und Weise der Angriffe auf die Fraktion verdamme er, nicht die Angriffe an sich. Diskussion solle und nillsse stattfinden. Die Wahl der Kontrolkommission auS der Fraktion halte er für un- bedenklich. Es wäre zweckentsprechender gewesen, gar keine Zahl Delegirter anzunehmen, sondern einfach zur Beschickung des Partei- tages aufzufordern. Paul Litfiu: Die Partei ist korrumpirt. Oder ist es nicht Korruption, wen» gesungen wird:„August Bebels Lieblingsblume ist die rothe Nelke nur"? Die alten Götzen sind gestürzt, aber nur um neue an ihre Stelle zu setzen. Die Annahme der Resolution bei Lips sei entschieden gewesen, als Bebel die Tribüne betrat. Redner wendet sich gegen den Unfug, der durch den Verkauf von Bildern lebender Partei- genossen getrieben werde und kann sich nicht damit einverstanden erklären, daß das„Berliner Volksblatt" zum offiziellen Partei- organ gemacht werde. Buchholz-Schmargendorf wendet sich da- gegen, daß nicht mehr als 3000 überzeugte Genossen in Berlin sein sollen. Daß die Fraktionsmitglieder die intelligentesten Ge- nossen sind, sei ziemlich selbstverständlich, sonst seien sie eben nicht gewählt worden. Benk, Feldmann und Frau Gubela sprachen sich im Sinne des Referenten aus, der noch zum Schluß der Dis- kussion das Wort erhielt. Von einer Resolution wurde ab- gesehen, da die Streitigkeiten auf dem Parteitage zum Austrage zu bringen seien. Zum Vorschlag der Delegirten und zur Aufbringung der Delegationskosten würde eine Kommission gewählt, bestehend aus: Wilde-Charlottenburg, Däumig-Schöneberg, Wurbs-Rixdorf, Ungering-Köpnick, Donner« Wilmersdorf. Unter Verschiedenes wurde zur Illumination am 30. September aufgefordert und eine Kommission zur Vorbereitung einer Bcgräbnißfeier des Sozialistengesetzes gewählt und zwar: Böttcher, Wurbs, Schütz, Ostermann, Schneeberg. Zur Entgegen- nähme gelesener Arbeiterzeitungen erklärt sich bereit Fritz Zier, Falkstr. 46. Schluß där Versammlung SVä Uhr. Kerichtignng. Wir erhalten folgendes Schreiben: In der- Nr. 222 steht im Bericht des Wahlvereins für den 6. Reichstags- Wahlkreis, daß ich für Abhängigkeit der Schule und Kirche vom Staate eingetreten bin, das ist falsch. Ich habe vielmehr die Forderung aufgestellt: Trennung der Kirche von Schule und Staat. Karl Pirch, Fehrbcllinerstr. 46. Koilaldimollratis-chrr£«!«-«»d Diol-utirliliib„Süden". Heute Freiing, den eo. September, AbdS. s Uhr, bei EchwarSkopf, Staltycrstrabs Ii, regelmäbige Sitzung. Gäste willkommen. Achtung. Maler! Am Sonnabend, den 27. September, Abends a Uhr, 2. Stiftungssest der Filiale 5(Nord) tu der Brauerei Bötzow(großer Saal), verbunden mit Festball und Vorträgen ernsten und heiteren Inhalts, sowie Ueberraschungen. Frrir£i«r«i»ig»»g der Kartonarbeiter, Versammlung am Sonn- abend, den 27. September 1890, Abends 8% Uhr, im Lolale des Herrn Saeger. Gruner Weg 29. Achtung, Schneider-Kommisstonostchnng am Sonnabend, den 27. Sep- tember, Abends 9 Uhr, bei Neyer, Alts Jatobstraße 88. Die Lbhnlommisstoil. Wiesemann. Koziaideuiostratischer Lese->md Zliolintierbinb„Knternationalr Sounabend, den 27. September, in Schröder-s Salon und Garten, Vlanteussel- slraße 9: Großes Freudenfest zum Gedächtnisse des Sozialistengesetzes, seiner wjährigen Dauer und formellen Aufhebung. Programm: Vortrag des Herrn N. Gertfch über Schiller's„Ton Carlos". Hieraus: Großes Konzert und Ball. Ansang Abends s Uhr. Billets a 2S Pf. sind zu haben bei Herrn Oelze, fil. AndreaSstr. 19. Siehe Annonze am Eonnabend. Kachverri» lammtlicher an Aoljbearb»tt»ngs-Malchincil beschäftigten Arbeiter. Mitglieder-Versammluna am Sonntag, den 28. September 1890, Vormittags 10 Uhr, bei Lehmann, Schwedterstraßs 28, Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn Türk über die Französische Revolution. 2. Dislussio». 8. Verschiedenes und Fragetastcn. Um recht zahlreiches Erscheinen wird ersucht. Verein znr Negelnng der gewerbliche» Verhältnisse der Köpfrr Kerlino und Umgegend, ivlontag, den 29. September, Abends 7% Uhr, in GratweMs Bierhalleu, Komniandanteustraße 77—79: Ordentliche Mitgltedcr- Berfainnilung. Lreireiigiöf« Gemeinde. Die Feier der Jugendaufuahme(Einsuhrung) findet am Sonntag, den 28. September, Vormittags 10 Uhr, im Konzerlhause, Leipzigerstraße 48, statt. Die Festrede hält Herr Dr. Bruno Wille. Gäste sehr willkoiumen. «effentltche Kerfammlnng für Männer»nd Fr nnen für!»ar> träger Berlins Abends 8 Uhr Große Hamburgerstr. 4 Uebuugsftunos.—" sangvereiu„Ohnesorge" Abends 9 Uhr, Restaurant Neyer, Alte JaMbstr.• — Gesangverein„Widerhall" Abends 9 Uhr bei Herrn Boge, Köpnickersn-' — Gesangverein„Lorbeerkranz" 8� Uhr Restaurant Weinstr. 11.— 3Iv»e» Gesangverein„Nord" Uebungsstunde Abends 8% Uhr im Restaurant Ena-« Brunnenstr. 88. Stimmbegable auch passive Mitglieder werden ausgenomm-- — Eesangverei»„Collegia" Abends von 9—11 Uhr bei Schuster, Oranienslr.- — Voigl-scher Dilellauten-Orcheslerveretn, Uebungsstunde von 81;— 11 Abends im Louisenstädtischeu Klubhaus, Annenstr. 10, I Tr. Turngenostenschafl(6. Männerabtheilung) Abends sy Uhr in der stadtisch Turnballe, Wasserlhorstr. ZI.— Turnverein„Hasenhaide"(Männeradlheuungi Ab. 8 Uhr Ti-fs-nvachstr. 00—01.— Turnverein„Froh u. Frei"(Männeraowo Abends 8% Uhr Bergstraße 59.— Wissenschasllicher Verein für Roller Ich, Stenographie Abends 8% Uhr im Restaurant Ziethen, Dorotheenstr. 8l. unrr rtcht»nd Uebungsstunde.— Allgemeiner Arends'scher Stenoaraphenvere' Abiheiiung„Vorwärts". Abends 8% Uhr im Restaurant Koll, Marianne platz n.— ArendS'fcher Stenographenverein„Apollobund" Abends s Uhr> Restaurant Seydelstr. so.— Berem ehemaliger Dr. Doebbelinscher Schüler Aoe» 9 Uhr im Nestour. Krebs, Friedrtchstr. 20s.— Zilherverein„Alpenveilchen Aven 8% Uhr im Reslauranl„Wahlstart" Bellealltancestr. 89.— Rauchllub„Westen Abends 9 Uhr im Hohenzollcrngarten Sieglitzcrstr« 27.— Rauchllub„Welch! blait" Abends ali Uhr im Restaurant Slalitzerstt'. 147z.— Rauchllub„vist Zwang" Abends»x Uhr im Restaurant W. Späth Weinstr. 28.— Verein-y maliger Schuler der 22. Gemeindeschule Abends 9 Uhr im Restaurant Schroo Steglitzerfireße 18.— Sozialdemotratischer Lese- und Disluttrllub La i» Abends 8% Uhr Adalbertstratze 8 bei Schneider. Gäste durch Wtgn--. tönnen eimeführt werden.— Sozialdemotratischer Lese- und Diskulirn Vorwärts Abends 8% Uhr in Poland's Lokal, Naunynstr. 83, Sitzung. Eni tönnen drrch Mitalteder eingeführt werden.— Männerchor der„Vernn. Mechanidr" Abends 9 Uhr im Restaurant Krüger, Franzstr. 8.— Le»" „Karl Aarx" Abends von 9—11 Uhr bei Schönfeld, Mariendorferfw.' „Musterzeichner-Verbaird Deutschlands" Abends 8% Uhr. Zum®cbu»% Landsbrrgerstr 78.— Verein ehemaliger Schüler der 88. Gemeindeschule staurast„Kornblume", AndreaSstr. 3, Anfang 9 Uhr.— Geselliger-iier- „Jmnrrgrün", Sitzung, Adalbertstr. 21 bei Roll. Zlnsang 9 Uhr. Gaste w toimmn.— Verein ehemaliger Schüler der 38. Gemeindeschule Restant»' „Korivlume", AndreaSstr. s, Sitzung 9 Uhr. e Firma nicht nennen. ankhause. Vvieflmlken dov ModKltkion. Bei Anfragm bitten wir die Abonnements-Quittung beizufügen. Brieflich Antwort wird nicht ertheilt. Sah», KanouierstraHe. Das wissen wir nicht. lü Kothe». Hamburg. G. U. Wir können Ihnen eine soll A. K 1000. In jedem größeren Bunryn»,». � D. AeUeallinnrestr. Es ist anzunehmen, daß das Protokoll über den etzten deutschen Bergarbeitertag in Halle als BroschuH erscheinenwird. Bestimmtes wissen wir allerdings selber nich» Urrbbung. Eine solche öffentliche Erklärung Ihres Vater» können Sz nicht verhindern. M. S. 100. Bis zum Zweiten.... W. Inn, ig. Eine derartige Zentralorganisation exifl""« Fragen Ze bei der Redaktion des„Hamburger Echo" in Haiw bürg an. Ue»»l»«er. Hierzu sind Sie nicht verpflichtet. Schrm Speichenräder. Zwi Mettsud?. In Thorn. Käser. Das„schöne" Lied beginnt:„Nur einmal blüh« im Jak' der Mai"—. AL. Kcriinurrstr. Das kommt auf den Wortlaut oer Wette a. zUt-Kritz. Borax. M K. 1. Zigarrenasche ist so gut wie ganz werrhlo»- 2. Nei.. FE. 40. Wenn ein Schlafbursche zum 1. ohne vorherige Kündiung zieht, so hat er noch für einen Monat Schlafgeld 5" zahlex der Wirth kann auch dessen Sachen retiniren. Die Klag- ist bcn Amtsgericht anzustrengen. i, L. 1000. Die Strafverfolgung wegen Meineides»er« jährln 10 Jahren. Crche llchemheMche MM-ll.Liejerllngsjliiilethtt- Berslliiliülilillj »«» Sonnabend, den äV. Septbr., Abend» 8Va Uhr, im MUnchencr Brauhaus, Johannisstr. 20. Tagesordnung: 1. Vortrag des Stadtverordneten Hrn. Otto Hein dorf über: „Das Invaliden- und Alters- versicherungs-Gesetz. 2. Diskussion. 3. Berathnng über Gründung einer Fachschule und Einführung der „Fachzeitung Deutscher Schneider und Schneiderinnen. 2174 4. Verschiedenes und Fragekasten. Wegen dieser hochwichtigen Tages- ordnnng ist es Pflicht aller Kollegen, recht pünktlich und zahlreich zu er- scheinen. Oer Vorstand. her Drechsler DeutschlMs. Zahlstelle Uixtlorl und Umgegend. W© s a mm B&simg am Sonntag, den 28. September, Vormittags 11 Uhr, bei Papkc, Ziethenstraße 71, Tagesordnung: 1. Geschäftliches.— 2. Vorstandswahl. 3. Verschiedenes. ES istPflicht jedes Kollegen zu erscheinen. Fchliemil her Rohrleger imh Mr. am Sonntag, den 28. September, Vormittags 11 Uhr, in Feuerstein's Lokal, Alte Jakobstr. 73. T.-O.: 1. Arbeiterschutz und internationale Arbeiterschutz- Gesetzgebung. Referent I. R e ck n c r. 2. Diskussion. 3. Wahl eines Vcrgnügnngs-Komitees zum Wintcroergnügen. 4. Verschiedenes und Fragekasten. Oer Vorstand. NB. Nicht-Vereinsmitglieder haben als Gäste Zutritt._ 2147 Möbel, Spiegel und Polsterwaaren. Ganze Anostattnngcn empfiehlt Moritz Gläser, usi 167. Beichenberoerstr. 167. Fachverein der Aldmnardeiter. Laut Beschlitß der außerordentlichen General-Versanimlnug vom 8. Septbr. ist der Vorstand ermächtigt worden, die Versammlungen nach Maßgabe der Verhältnisse, wenigstens einmal im Monate, zu veranstalten. Dem zufolge findet die nächste Versammiunt, (General-Versammlung) am 6. Oktober in den Central- Festsälen, Oranieu- strassc 180, statt. Ferner fordern>vir die Mitglieder, Vertrauensleute, welche Beitragsmarken noch in Händen haben, ans, umgehend mit dem Kassirer, Herrn K a y s e r, Boppstraße 3, abzurechnen. Die Mitglieder inachen wir darauf besonders aufmerksam, daß Zahlstellen Adalbertstraße 4 bei Herschlcb, Ritterstraß« äl bei Judisch stnd. Sonnabendo von 8— 0>/a Uhr. Die Mitgliedsbücher sind stets mitzubringen, auch an Ver- trauensleute stets vorzuzeigen, ebenso zur genauen Kontrole mit dem Ein- nahme-Journal sind die Bücher in die Generalversammlung mitzubringen. 2175 Oer Vorstand. Achtung S 2193 Graveure, Ziseleure. Kerrenvartie n. Station Straußberg, Schles.Bahnhof. Arbeiterbillets6,15Mln. 2.3119 7 Uhr. Nachz.Rest.Waldschlößchen. CIh-aIUv'■ Gro'sbcnogt. Wll Mecklenburg. I'" Architekt HitlCDkofer, Direktor.|| 3- Aoskunn kostenlos.-"" kauschule s a f u. w., J; s" 2 Bahnttunden von Berlin. [Spiegel mul p Polsterwaaren.! eigener Gr. Lager, bill. Preises Fabrik. Emil Heyn, Brunnenstraße 28, Hof parterre. 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Gin Redakteur wird für ciil in Siid-Anterika � scheinendes sozialdemokratisches Blat» in drntschee Sprache gesucht. Er muß ein tüchliger, prinzipienfester Genosse sein und einige Kenntniß der spanischen Sprache haben. Näheres zu erfahren durch 2139 W. Liebknecht, Kantstraße 160, El) arlottenburg- Tischler a. Kundenarb. v. Stephanstr. 35. 8 l>io 3 tüchtige Ciseleure finden Stellung bei 2169 Billerbeck&Kelch, Hcfiirt» , Einen tüchtigen Einpacker für Gold- leisten suchen Neumann, Hcnnifl & Co., Reichenbergerstr. 47. 2185 Ein zuverlässiger Heizer mit guten Zeugnissen und vertraut mit dem Heize» uon Steinmüller's oder Heine's Röhre»' kessel wird sofort verlangt. Offerte» bitte unter F. G. in der Exped. d.»i. niederzitlegen. 219 Geübte Plattenschneider auf Steina nußknöpfe verl. Pape, Orauienstr. 1°� Altkoedpnher w. verl. v. F. FulN' plun& Co., Tt.-Wilmersdorf, Berliner' firaße 157.__ 21� Bildhauerlehrl. v. Bad, Gitschinerstr.�: E.Maler ti.Anstr.v.Vlsrtli,Andreasst� Verantwortlicher Redakteur: Gnrt Knakc in Berlin. Druck und Verlag vontar Snding in Verlin 8W.. Beuthstraße 2.