Nr. 225. Sonnabeud, den 27. September 1890. ?• K°>>rg.. Mim Usllisbliill. Organ für die Inkeressen der Arbeiter. rrs-bein, r.rj. cm Das..Berliner Volksblatt« MWjulllWiwmin Sonn- und Festtagen bis 9 Uhr Vormittags geognet. -4.-« Lernsprechcr: Amt VI.|lr. 4100,•'• NedÄÜkion: VvukhgvLrtze 3.— Expedrkwn: Vcukhstv-rtzr 3. Der„svzinllttiswe �»vattgsstaat«' spukt wieder eiimtal in der Kapitalistenpresse zum Schrecken aller gesitteten Bürger, denen nichts mehr verhaßt ist als «Wang und Knechtschaft und denen nichts höher steht als Freiheit. Was auch kein Wunder; hat doch das Bismarck'sche Regiment den Freiheitssinn des deutschen Bürgerthums dermaßen entwickelt und ausgebildet, daß es eine wahre Pracht ist. Freilich ist diese Freiheit nicht von der Sorte, von welcher Uhland singt: „Der Dienst der Freiheit ist ein strenger Dienst, Er trägt nicht Gold, er trägt nicht Fürstengunst." Denn die Freiheit, für welche unsere Bourgeoisie schwärmt, trägt sowohl Gold als Fürstengunst. Das schönste Antlitz wird von einem Hohlspiegel zu einer abscheulichen Fratze verzerret, und ebenso geht es dem sozialistischen Gesellschaftsideal: in den Hohlspiegeln oder Hohlköpfen unserer Gegne� wird seine edle Physiog- nomie zur abschreckenden Karrikatur. So traurig das ist, so spaßhaft sind wiederum die komischen Bilderchen� die sich die gegnerische Phantasie vom sozialistischen Bolfö staat ausmalt und welche auf's Deutlichste die geistige Impotenz beweisen, an welcher die Gegner leiden. Da sie sich nach den Meldungen der Blätter mit Beginn der sozialistengesetzlosen Zeit auf den Broschüren-, Flugblatt und Zcitungskampf verlegen wollen, so dürfen wir uns in dieser Hinsicht auf Großes gefaßt machen und unsere Satire wird eine reiche Ernte haben.- Also der sozialistische Staat ist ein Zwangsstaa Sehen wir uns dagegen den kapitalistischen Freiheitsstaat ein wenig näher an. Im„kapitalistischen Freiheitsstaat" kann Jeder thun und lassen was ihm beliebt, er kann speisen, wohnen, sich kleiden, ganz nach seiner Neigung, wenn er nämlich das nöthige 5tleingeld hat; denn andernfalls muß er sehr oft essen was ihm nicht schmeckt und nicht bekonnnt, und sein Weib und seine-Kinder ebenfalls; unter Umständen haben sie nicht einmal genug oder auch gar nichts zu essen. Er muß, wenn ihm besagtes Kleingeld fehlt, wohnen und sich aufhalten an Orten, in Räumen, wo allen Anforderungen der Behaglichkeit Hohn gesprochen und die Gesundheit langsam oder auch schnell zerrüttet wird. Im„kapitalistischen Freiheitsstaat" kann serner Jeder arbeiten wann er will und ruhen wann er will, wenn er nämlich ein Rentier oder Privatier ist; denn andern- falls muß er oft arbeiten, wenn ihm die Arbeit nicht blos unangenehm und zuwider ist, sondern sogar wenn sie ihn fast zu Boden drückt, seine Gesundheit unter- J'emlletmi. Nachdruck verböte». I (9 Cwe Unglückliche. Erzählung von Iwan Tnrgeniew. Wir wurden beobachtet und beivacht. Zuweilen be- ftrkte ich die bösen Augen meines Stiefvaters, hörte sein uderwärtiges Lachen... allein es war, als wenn diese lugen und dieses Lachen nur auf einen Augenblick aus Meni Nebel heraustraten.... Ich erbebte und vergaß so- ftich wieder uicd ließ mich von dem schönen, reißenden ttronie weiter treiben. .„Am Vorabende des Tages, welcher für Michaels Ab- -ise festgesetzt war.(er. sollte heimlich von der. Reise zurück- 'hren uud mich mitnehmen), erhielt ich durch seinen vermuten Kammerdiener einen Brief von ihm, in welchem er är uni halb.10 Uhr Abends eine.Zusammcnknnst im 'illardzimmer. bestinimte; dies war ein großes, niedriges, a der Gartenseite angebautes Zimmer. Er schrieb, daß er ch mit mir zu besprechen und cngültige Bestinimungen l treffen, wünschte. Ich hatte Michael schon zweimal in lesem Billardzinimer gesehen.,. und besaß den Schlüssel > der äußeren Thür. Sobald es halb 10 schlug, warf ich leine Dnschagreika über die Schultern. verließ leise das -ebengebäude und gelangte glücklich über den knisternden 'chnee in das Billardzimmer. Der Mond, von Dünsten svzogen, stand wie ein matter Punkt über dem Giebel des -aches und der Winh pfiff klagend um- die Ecke der Mauer. überlief mich ein Schauer, indessen legte ich den Schlüssel gräbt, seine Nerven zerrüttet und ausreibt; und zwar ist dies nicht blos der Fall beim Industriearbeiter, sondern vielfach sogar bei Industriellen und Angestellten aller Art. Zweifellos ist die zunehmende Nervosität der Besser- situirten, welche sie so häufig ein Opfer des Morphium- dämons werden läßt, eine Folge der Neberanstrengung im Geschäftsleben, das infolge des wachsenden Großbetriebs und der stets sich steigernden Heftigkeit des Konkurrenz- kampfes immer größere Anforderungen an die Inhaber und Leiter stellt.— Beide, Proletarier und Bourgeois, müssen auf die edelsten Freuden des Daseins, welche Wissenschaft, Kunst und Natur gewähren, verzichten, sie können der intellektuellen, ästhetischen und ethischen Vervollkommnung, welche dieselben gewähren, nicht theil- haftig werden, weil der Zwang des Berufs sie daran hindert. Im„kapitalistischen Freiheitsstaat" kann Jeder den Beruf wählen, der seinen Fähigkeiten und Neigungen entspricht, vorausgesetzt, daß die Eltern das Geld dazu haben und auch dann nur, wenn sie nicht, im Klassen- vorurtheil befangen, das Kind zu einem Beruf bestimmen, wozu es keine Anlagen und Fähigkeiten hat, zum Bei- spiel zum Gelehrten, Künstler, Beamten, wenn es die Nawr zum Schuhmacher oder Schneider bestimmt hat, was ja oft genug vorkommt. Wie manches Kommerzien- rathssöhuchen würde eine Zierde der Hobelbank sein, und wie mancher Schreiner würde eine Leuchte des Wissens, der Forschung, der Kunst, eine Zierde der Staatsver- waltung sein. Im„kapitalistischen Fmheitsstaat" können sich alle Paare ehelich verbinden, die einander lieben und für ein- ander passen. Da giebt es keinen Zwang der Eltern und Vormünder, noch einen Zwang der Verhältnisse, des Vcr- mögens oder des Standes. Darum hört man auch so selten etwas von unglücklichen oder glücklosen Ehen, von Ehebrüchen und von Scheidungen. Eitel Harmonie herrscht im Verhältnis der Gatten. Wie ganz anders dagegen im „sozialistischen Zwangsstaat", wo weder Vermögensver- Hältnisse noch Standes- und Klassenvortheile im Eheleben eine Rolle spielen. Wie ungemüthlich; es gruselt Einen, wenn man nur daran denkt. Im„kapitalistischen Freiheitsstaat" braucht sich kein Mensch zu verstellen, braucht Niemand seine Ansichten über Religion und Politik zu verbergen, braucht Niemand eine andere Ansicht zur Schau zu tragen als die, welche er wirklich hat, braucht Niemand heucheln, schmeicheln, lügen, übertreiben, geschäftlich ausschneiden, lästigen gesell- schäftlichcn Verpflichtungen und Anforderungen nach- kommen, mit Personen schön thun, die er nicht riechen 'ann, braucht sich Niemand von Vorgesetzten oder sonst Jemand ungerechte Vorwürfe, unziemliche, grobe, schlechte Behandlung gefallen lassen. f estige Freiheit, Himmclstochter des Kapitalismus! eseligst du die Menschen in den Fabriken, in den Kontors, in den Kanzleien und gar in den— Kasernen! Und um diese herrliche Freiheit will uns der böse „sozialistische Zwangsstaat" prellen. Es ist Himmel- schreiend!— Das ganze Märchen vom„sozialistischen Zwangs- staat" beruht aus der grundfalschen Vorstellung, im so- zialistischen Volksstaat gebe es keine Freiheit der Berufs- wähl, sondern Jeder würde zu dieser und jener Arbeit von Angestellten oder Beamten kommandirt. Wie thöricht, ja albern diese Vorstellung ist, welche Verhältnisse des kapitalistischen Klassenstaates auf den sozialistischen Volks- staat überträgt, und daß in diesem vielmehr absolute Freiheit der Berufswahl herrscht, ist nicht blos in unserer Parteiliteratur evident gezeigt,(z. B. in Bebels„Frau" und in Sterns„Thesen über den Sozialismus"), son- dern auch von Schäsfle im„Bau und Leben des sozialen Körpers" und in der„Quintessenz des Sozialismus". Und Ferd. Lassalle hat eben in der Freiheit das unter- scheidende Merkmal des Sozialisnius gegenüber der an- tiken Gesellschaft erblickt. Die gesanimte alte Welt und das ganze Mittelalter, sagt er, suchten die menschliche Solidarität oder Gemeinsamkeit in Gebundenheit oder Unterwerfung; die sranzöfische Revolution von 1789 und die von ihr beherrschte Geschichtsperiode suchten die Freiheit in der Auflösung aller Solidarität und Gemein- samkeit. Die neue Zeit endlich sucht die Solidarität in der Freiheit. Wann endlich wird man im gegnerischen Lager ein- sehen, daß es keinen größeren und schlimmeren Zwang giebt, als den Zwang der individualistischen Gesellschafts- form, den Zwang der Existenz- und Erwerbsvcrhältnisse, die eine Sklaverei Aller unter Allen schaffen, die mit ihren eisernen Saugarmen polypengleich die Individuen umklammern und der Freiheit das Herzblut aussaugen! Und wann wird man erkennen, daß von jenem Zwang, der an antiken Staaten wie Sparta und an den kommu- nistischen Zukunftsgemälden der Utopisten uns so sehr ab- geschreckt, im Sozialismus, der die Produktion durch die Maschinerie und deren ausgiebigste Verwerthung voraus- setzt, keine Rede sein kann! Der„sozialistische Zwangsstaat" gehört zur Klasse jener Ideen, welche der Philosoph Spinoza icleae rnuti- lat;e et confusce,„verstümmelte und verworrene Ideen" nennt.— ins Schloß. Ich trat ins Zimmer, lehnte die Thür hinter mir zu und drehte mich um... Eine dunkle Figur löste sich von einer der Zwischenwände los, machte ein paar Schritte, und blieb stehen... „Michael?" flüsterte ich. „Michael befindet sich auf meinen Befehl hinter Schloß und Riegel, und das bin ich 1" antwortete mir eine Stimme, die nicin Herzblut stocken machte. „Simeon Matvcitsch stand vor mir! „Ich wollte fliehen aber er ergriff meine Hand. „Wohin? elende Dirne!" zischte er.—„Verstehst Du es, zu einer Zusammcnknnst mit einem jungen Narren zu gehen, so verstehe mir jetzt auch Rede und Antwort zu geben." „Ich erstarrte vor Schreck und drängte immer zur Thür.... Vergebens! Die Finger Simeon Matveitschs drangen gleich eisernen Haken in mich hinein. „Lassen Sie mich, lassen Sie mich!" flehte ich endlich. „Man sagt es Ihnen, nicht von der Stelle!" „Simeon Matvcitsch ließ mich niedcrsitzcn. Im Halb- dunkel konnte ich sein Gesicht nicht unterscheiden, zudem wandte ich mich vou ihm ad, aber ich horte, daß er schivcr athmcte und niit den Zähnen knirschte. Ich fühlte weder Furcht.noch Verzweiflung, aber so Etwas wie gcdanken- loscS Erstaunen.... So muß ein gefangener Vogel unter den Krallen des Geiers erstarren>nid die Hand Simeon Matveitschs, die mich immer noch ebenso festhielt, drückte mich wie eine eiserne Klammer... „Aha!" wiederholte er,„aha! So also!.... Dahin also ist es gekommcil... Run warte nur!" „Ich wollte mich erheben, aber er schüttelte mich mit solch einer Kraft, daß ich fast aufschrie vor Schmerz, und Scheltivorte, Beleidigungen, Drohungen ergossen sich in einem Strome über mich hin... „Michael, Michael! Wo bist Du, rette mich," stöhnte ich. „Simeon Matveitsch schüttelte mich noch einmal.... Und diesmal konnte ich es nicht mehr ertragen.... ich schrie ans... „Dieses schien einigen Eindruck auf ihn zu machen. Er wurde etwas ruhiger, ließ meine Hand los, blieb aber zwei Schritte von mir, zwischen mir und der Thür stehen. „Es vergingen einige Minuten.... Ich regte mich nicht; er athmete schwer wie früher. „Sitzen Sie ruhig," fing er endlich an,„und antworten Sie mir. Beweisen Sic mir, daß Ihre MoralitD noch nicht ganz verloren ist und daß sie im Stande sind, oie Stimme der Vernunft zu vernehmen. Wenn Sie sich hinreißen ließen — das kann ich noch vergeben, aber eingewurzelte Hals- starrigkeit— nie! Mein Sohn..."— Hier athmete er schwer—„Michael Simeonitsch hat Ihnen versprochen, Sie zu heirathen? Nicht wahr? So antworten Sie doch! Hat er es Ihnen versprochen, eh?" Ich antivortete natürlich nichts. Simeon Matveitsch war nahe daran, wieder aufzubrausen. „Ich nehme Ihr Schweigen als eine bejahende Antwort an," fuhr er nach einer kleinen Weile fort.„Sie haben sich also einfallen lassen, meine Schwiegertochter werden zu ivollen? Vortrefflich! Aber ich will gar nicht einmal davon sprechen, daß Sie kein vierzehnjähriges Kind mehr sind und wohl wissen müsse», daß alle zungen Gelbschnäbel freigebig genug mit den einfältigsten Versprechungen sind, um nur zu ihrem Ziele zu gelangen... ich will, wie gesagt, davon garnicht sprechen... aber haben Sie denn wirktich hoffen An die Verwaltungen der Partei- und Gewerkschaftspresse. Auf das zu Anfang dieses Monats an die Verwaltungen der Partei- und Gewerkschaftspresse gerichtete Ersuchen, mir die unten folgenden Fragen beantworten zu wollen, sind bis heute noch nicht alle Antworten eingegangen. Ich bitte hiermit dringend, mir diese nunmehr bis zum 1. Oktober zukommen zu lassen. Auch richte ich an diejenigen Verwaltungen, die jenes Zirkulär nicht erhalten haben sollten, die Bitte, die Beantwortung jener Fragen an mich einzusenden. Dieselben lauteten: 1. Wie ist der Titel der Blätter, die unter Ihrer Verwaltung herausgegeben werden? 2, Wie hoch ist die Auflage derselben? 8. Wie oft erscheinen die Blätter? Meine jetzige Adresse ist: Berlin W., Groß-Görschenstr. 22a. Den 26. September 1890. A. Bebel. WoMisrhe Mevevstchk. I» j?enutwortn»g der neulich von uns mitgetheilten Adresse der sozialdemokratischen Ar- b e i t e r p a r t e i Frankreichs an die deutsche Sozial- dcmokratie hat der V o r st a n d der sozialdemokratischen Reichstags-Fraktion nachstehende Zuschrift an die franzöiische Arbeiterpartei gerichtet:. Die deutsche Sozialdemokratie an die französische Arbeiterpartei! Genossen! Im Na"'en der sozialdemokratischen Partei Deutschlands danken wir Euch für den erhebenden Zuruf, welchen Ihr am 30. August d. I. an uns gerichtet habt, und für die brüderlichen Glückwünsche, mit denen Ihr uns zu unserem Parteitag in Halle begleitet. Wir fühlen uns solidarisch mit Euch in dem Kampfe für die Befreiung der Arbeit und erinnern uns mit hoher Freude der denkwürdigen Tage des vorigen Jahres, an denen zu Paris die Vertreter der Proletarier aller Länder die Grundlagen feststellten, auf welchen fortan der internationale Kamps gegen die verheerenden Wirkungen des heutigen Gesellschaftssystems, der kapitalistischen Produktions- weise zu führen ist. Für Euren bevorstehenden nationalen Kongreß in Lille senden wir Euch brüderlichen Gruß, überzeugt, daß Eure Thätigkeit den Arbeitern Frankreichs zum Vortheil gereichen wird; je fester und unüberivindlicher Ihr Euch organisirt, desto nachhaltiger und erfolgreicher werdet Ihr Antheil nehmen können an den Kämpfen für die Befreiung der Menschheit, welche durchzuführen die geschichtliche Mission der Arberterklasse ist. Mit Euch erachten wir den Völkersrieden als unerläßlich für die Lösung der zivilisatorischen Aufgabe des Proletariats und rvir sind mit Euch stolz darauf, daß lunsere Parteigenossen in allen Ländern es sind, welche die hehre Fahne der Völker- Verbrüderung der sich nach Frieden sehnenden Menschheit vorantragen. Hoch die französische Sozialdemokratie! Hoch der internationale Sozialismus! Berlin, 25. September 1890. Der Vorstand der sozialdemokratischen Fraktion des Deutschen Reichstages. A. B e b e l. C. G r i l l e n b e r g e r. W. L i e b k n e ch t. H. Meister. P. Singer. Zur Alters- und Inualivenuerstcherung schreibt der „Rcichs-Anz.":„Wiederholt sind in jüngster Zeit— theils offen, theils mehr verschämt— in der Presse Versuche gemacht worden, das in Aussicht stehende volle Inkrafttreten des Juvaliditäts- und Altersversicherungsgesotzes zu hintertreiben oder wenigstens auf eine noch weitere Verzögerung der Inkraftsetzung hinzuwirken. Diesen Bestrebungen gegenüber ist darauf hinzuweisen, daß der § 162 des Gesetzes bei redlicher Auslegung dein Bundesrath nicht die Befugniß giebt, das Gesetz unausgeführt zu lassen und von der vollen Inkraftsetzung desselben abzusehen. Denn da die Vor- schriftcn des Gesetzes, welche sich aus die Herstellung der zur Durchführung der Jnvaliditäts- und Altersversicherung erforderlichen Einrichtungen beziehen, kraft Gesetzes bc- reits mit dem Tage der Verkündigung desselben in Kraft getreten sind, so kann die weitere Bestimmung, nach welcher im übrigen der Zeitpunkt des Inkrafttretens des Gesetzes durch kaiser- liche Verordnung mit Zustimmung des Bundesraths bestimmt können, daß ich, ich, Simeon Matveitsch Koltowskoy, Edel- mann des ersten Ranges, jemals meine Einwilligung zu einer solchen Heirath geben würde? Oder haben Sie sich ohne den väterlichen Segen behelfen wollen? Haben Sie fliehen, sich heimlich trauen lassen wollen, um dann zurück- zukehren, Komödie zu spielen, sich zu meinen Füßen hin- werfen zu wollen, in der Hoffnung, daß der Alte sich wohl würde erweichen lassen? So antworten Sie doch! Daß Sie der Teufel hole!" „Ich senkte blos den Kopf. Er konnte mich tödtcn: aber mich sprechen machen...das überstieg seine Macht. Er ging eine Weile auf und nieder. „Nun, hören Sie," fing er endlich mit ruhigerer Stimme-an.„Denken Sie nicht... bilden Sie sich nicht ein...— ich sehe, mit Ihnen muß nian anders reden. Hören Sie: ich verstehe Ihre Lage vollkommen. Sie sind erschreckt, verwirrt... Kommen Sie zu sich. In diesen Augenblick muß ich Ihnen ein Ungeheuer, ein Tyrann er- scheinen... Allein gehen Sie auch in meine Lage ein: Wie sollte ich hier nicht unwillig werden? nicht zu viel sagen? Doch ich habe Ihnen schon bewiesen, daß ich kein Ungeheuer bin, daß ich ein Herz habe. Denken Sie daran, wie ich Sje nach meiner Ankunft auf dem Lande behandelt habe, und dann, bis.... bis in die letzte Zeit... bis zur Krankheit meines Sohnes. Ich will mich nicht nnt meinen Wohlthaten brüsten, allein nur scheint, daß Dank- barkeit schon Sie hätte abhalten sollen von dem schlüpfrigen Pfade, den Sie sich zu betreten entschlossen!..." „Simeon Matveitsch ging wieder auf und nieder, blieb dann stehen und schüttelte leicht die Hand, dieselbe Hand, welche mir noch schmerzte von seiner Gewaltthätigkeit, und an welcher ich lange nachher noch die blauen Zeichen der- selben trug.... � ,,. „Das ist es eben...." fing er wieder an.„Unser Kopf, unser Kopf ist zu warm! Wir wollen uns nicht die Mühe nehmen, nachzudenken, wollen uns nicht Äiechenschaft darüber geben, worin unser Vortheil besteht und wo wir denselben zu suchen haben. Sie iverden mich fragen: Wo lieat dieser Vortheil?... Er ist vielleicht unter Ihrer Hand... Da bin ich zum Beispiel.— Als Vater, als wird, nur die Bedeutung haben, daß.zunächst die zur Durchfüh- rung der Versicherung erforderlichen Einrichtungen hergestellt werden sollen, und daß, sobald dies geschehen ist, das Gesetz seinem vollen Umfange nach in 5kraft gesetzt iverden muß. In diesem Sinne sind von den dazu berufenen Behörden seinerzeit die sehr uinfangreichen Vorarbeiten unverzüglich in Angriff genommen worden, deren Abschluß die Vorbedingung für das volle Jnkraft- treten des Gesetzes ist. Die Rcichsbehörden und die zuständigen Behörden der Bundesstaaten sind mit gleichmäßigem Eifer bemüht gewesen, das erstrebte Ziel so früh wie möglich zu erreichen. Schon jetzt läßt sich mit Sicherheit annehmen, daß die Jnkraft- setzung des Gesetzes zum 1. Januar 1891, dem von vorn herein dafür in Aussicht genommenen Zeitpunkt, erfolgen wird. Von der Absicht, diesen Zeitpunkt noch weiter hinaus zu schieben, kann gar keine Rede sein." Krtrrsta der Gewerbeordmmgs- Novelle hat die preußische Regierung bekanntlich Erhebungen über einzelne Punkte angestellt. Zuni Beweise, daß diese Erhebungen sich nicht blos auf die Handelskammern und Arbeitgeber-Verbände beschranken, sondern auch Arbeitervereine in Betracht gezogen haben, theilt die Regierung in dem nichtamtlichen Theile der neuesten Nummer des„Reichsanzeigers" den Wortlaut der Zirkularverfügung vom 6. Juli d. I. mit, welche es dem Ermessen der höheren Verwaltungsbehörden überläßt, außer dem Gewerberath, den Landräthen und den Kommunalbehörden auch die Handelskammern und diejenigen Vereine von Arbeitgebern und Arbeitern zu hören, bei welchen eine nähere Kenntniß der betreffenden Verhältnisse vorauszusetzen ist. (Diese Beweisführung kann nicht als besonders glücklich gelten. Getadelt war worden, daß die Arbeiter verhältnißmäßig wenig um ihre Meinung befragt worden seien. Wenn diese Unter- lassung nun auch nur dem„Ermessen" der höheren Vcrwaltungs- behörden zuzuschreiben ist, so bleibt sie nichtsdestoweniger zu tadeln. Red.) Nach dieser Verfügung, die vom„Reichsanzeiger" im Wortlaut mitgctheilt wird, erstrecken sich die einzelnen Punkte der Erhebungen ans die Frage der Sonntagsarbeit, auf dre Be- schränknngen der Arbeitszeit der verheiratheten Frauen, besonders bezüglich der Nachtarbeit, ferner auf die Arbeitszeit der jugend- liehen Arbeiter in bestimmten Betrieben, also beispielsweise auf Spinnereien und Ziegeleien. Am Schlüsse der Zirkularverfügung wird besonders Gewicht auf die pünktliche Junehaltung des zur Beantwortung festgesetzten Termins, des 1. Oktober, gelegt, oamit das gewonnene Material noch für die weitere Beräthung der Gewerbenovelle in der Reichstags-Kommission vcrwcrthet wer- den kann.. Die Fveistnnigcn grhett auf den Arbeiterfang ans und nehmen dabei natürlich den Mund recht voll. Die„Freist Zeitung" macht Mittheilung von einem Aufruf an die Ar- beiter und Handwerker, unterzeichnet von 200 Arbeitern aus verschiedenen freisinnigen Arbeitervereinen in Berlin, Char- lottenburg, Potsdam, Dresden, Brandenburg, Neurnppin, Kott- bus, Greifenberg i. Schl., Neuendorf-Nowawes, Rathenow, Sagan, Spremberg, Velten, in welchem es heißt:„Arbeiter, Handwerker! In Stadt und Land regt sich ein frischer Geist der Zuversicht in den endlichen Sieg der alten freisinnigen Ideen und immer grö- ßere Schichten der Bevölkerung schließen sich zusammen zur Gel- tendmachung der politischen und wirthschaftlichcn Forderungen der deutsch-freisinnigen Partei. Mehr und mehr wird es auch denjenigen Arbeitern klar, welche bisher in Bezug auf die frei- sinnige Partei irre geführt und mit Mißtrauen gegen dieselbe er- füllt worden sind, daß ihnen auf dem Boden der freisinnigen Partei die Erfüllung ihrer berechtigten Forderungen gewährt werden kann. Die Sozialdemokratie, welche sich gern als die alleinige Vertreterin der Arbeiterinteresscn ausspielt, zauberte den Arbeitern einen unerfüllbaren Zukunftstraum vor, für die Gegen- wart reicht sie ihnen den Stein der zunehmenden Erwerbslosig- keit, hervorgerufen durch die Zügellosigkeit einer einseitigen Lohn- bewegung. Die freisinnige Partei gemäß ihrem Hauptgruudsatz: Gleiches Recht für Alle, will keine Zersplitterung'der Gesellschaft in Kasten und Stände, sondern das Wohl der Gesamnrtheit. Die freisinnige Arbeiterbewegring, welche erst im Beginn ihrer Ent- Wickelung steht und schon den Erfolg der Begründung von 20 Arbeitervereinen zu verzeichnen hat, ist bestrebt, dem werk- thätigen Theile des Volkes die Arbeit der freisinnigen Partei nutzbar zu mache». Die freisinnige Arbeiterschaft stellt sich nicht in Gegensatz zu anderen Theilen des Bürgerthums, sie hält es nur für ersprießlich, innerhalb der deutschsreisinnigc» Partei die Arbeiter zu sammeln zu zielbewußter Verfechtung ihrer Ideen. Die Wahlen der letzten Zeit haben es gezeigt, daß die freisinnige Arbeiterschaft eine«sturmkolonne der freisinnigen Partei ist(?), welche vereint mit den anderen Parteifreunden die Feinde der Aufklärung mit frischem Mnth bekämpft. Streng aus dem Boden der deutsch-freisinnigcn Partei stehend unter Zurückweisung jeder Sonderbestrebung, hebt die freisinnige Arbeiterbewegung ins- besondere denjenigen Theil der freisinnigen Forderungen hervor, welche in erster Linie die Wohlfahrt der iverkthätigen Bevölkerung bezwecken und die im Uebrigen auf die sreiheitliche Gestaltung des ganzen Volkslebens abzielen." Im Anschluß hieran werden zwanzig verschiedene Forderungen auf- gestellt, welche die sreisinnige Arbeiterschaft besonders zu betonen habe und welche theils Forderungen des Programms der frei- Haupt, mußte ich Sie natürlich zur Rechenschaft ziehen... Das war meine Pflicht. Aber ich bin auch Mensch zugleich und Sie wissen es. Ich bin ein praktischer Mensch, und es versteht sich, daß ich keine Art Abgeschmacktheit zugeben kann: unerfüllbare Hoffnungen müssen natürlich aus Ihrem Kopfe vertrieben werden, denn, was haben Sie für einen Sinn? Ich spreche gar nicht einmal von der Unsittlichkeit der Handlung selbst... Das alles werden Sie selbst ein- sehen, sobald sie wieder zu sich selbst gekommen sein werden. Und, ohne damit groß zu thnn, will ich Ihnen sagen, daß ich mich nicht darauf beschränken würde, was ich schon für Sie gethan. Ich beabsichtigte stets— und bin auch jetzt noch bereit, Ihren Wohlstand zu gründen und zu befestigen, Sie vollkommen sorglos hinzustellen, denn ich kenne Ihren Werth, ich lasse Ihren Talenten, Ihrem Geiste Gerechtigkeit widerfahren, und endlich....(hier bog sich Simeon Matveitsch zu mir herab)... haben Sie Aeuglein, die... ich gestehe... Ich bin ein alter Mann... aber Sie voll- kommen glcichgiltig anzusehen... ich begreise... daß es schwer ist, wirklich schwer ist." „Es überlief mich eiskalt bei diesen Worten. Ich konnte nieinen Ohren nicht trauen. Im ersten Augenblicke hatte es mir geschienen, daß Simeon Matveitsch mein Los- sagen von Michael erkaufen, mir einen„Rückzug" gestatten wollte... Aber diese Worte!! Meine Augen fingen an, sich an die Finsternis! zu gewöhnen und ich konnte das Ge- ficht Simeon Matveitschs unterscheiden. Es lächelte, das alte Gesicht; er ging mit kleinen Schritten auf und nieder und blieb dann vor nur stehen, ungeduldig die Füße bc- wcgend... „Nun, also?" fragte er endlich,„gefällt Ihnen mein Antrag?" „Antrag?"... wiederholte ich unwillkürlich... ich verstand ihn nicht. „Simeon Btatvcitstl> lachte auf.... er lachte in der Tbat... mit seinem widerwärtigen, feinen Lachen. „Freilich!" rief er aus.„Ihr SMdchen alle..."— er verbesserte— Fräulein... Fräulein.. Ihr habt nur immer das Eine im Kopfe: Ihr müßt immer Jugend haben!— Ohne Liebe könnt Ihr nicht leben! Natürlich. sinnigen Partei enthalten, theils Fragen betreffen, die 8# wärtig im Vordergrund der politischen Erörterung stehen,"ic macht die„Freis. Ztg." diese Forderungen aber nicht emff namhaft und man muß daher das Wollen der aus allen Lü zusammengelesenen 200„freisinnigen Arbeiter"(wie viele anp diesen noch vorhanden sind, erfahren wir leider nicht) nach ce« vorstehenden Inhalt deS Aufrufs beurtheilen. Da muß man ven anerkennen, daß die 200„freisinnigen Arbeiter" ihren Herrn u» Meister Eugen Richter trefflich zu kopiren verstehen u in der Verdrehung der Thatsachen es ihm gleich zu W suchen. Die Sozialdemokratie für die zunehmende Erweros- losigkeit verantwortlich machen zu wollen, indem man»«1 auf die„Zügellosigkeit der einseitigen Lohnbewegung" MU»' führt, welche natürlich die Sozialdemokratie verschuldet have soll, ist ein so blühender doppelter Unsinn, daß die Annahme, es oder die Verfasser hätten im guten Glauben diese Behaupiunz aufgestellt, vollständig ausgeschlossen ist.. Eine merkwürdige Beleuchtung erfährt der„Hauptgrundsatz v» freisinnigen Partei:„Gleiches Recht für Alle" durch den Aufruf. W-e bleibt denn das„gleiche Recht für Alle", wenn die Partei, bü ß? auf die Zahl ihrer Parteivereine soviel zu Gute thut, die„iffu sinnigen Arbeiter" nicht in diese Parteivereine aufnimmt, sonder" in besonderen Vereinen organisirt, die natürlich bestimmt fMy ein treues Schwänzchen der Partei, oder wie es im Aufruf he>p- deren Sturmkolonne zu sein. Das ist natürlich keine Sonderling nach„Kasten und Ständen", auch kein„Gegensatz zu andere» Theilen des Bürgerthums". Bewahre!,. Auch die Stellung zur Arbeiterfrage, die diese 200 sinnigen Arbeiter" einnehmen, entspricht ganz dem Uebrigen. De» Arbeitern soll die Erfüllung ihrer„berechtigten" Forderungen«F mährt werden. Wie gnädig! Die Entscheidung darüber, iveiälf Forderungen„berechtigt" sind, behalten die 200 freisinnigen Arbeiter natürlich sich, oder auch Herrn Eugen Richter vor; ge»ou so, wie die westfälischen Eisen- und Kohlenbarone; die Arbeiter selbst haben darüber bei Herrn Richter und Konsorten ebenj o- wenig mitzureden, wie bei Jenen oder bei unseren offizielle» Sozialreformer». Der Unterschied ist nur: auf der einen SleU- sollen die Arbeiter„glücklich gemacht" werden nach dem Geschm»»- der Großindustriellen oder der Büreaukratie, auf der anderen nacy dem Gutdünken der Herren Richter-Rickert-Hänel ee. Den Arbeitern selbst wollen die Einen, wie die Anderen kein Selbstbestimmung«' recht einräumen. Und mit solchen Zumuthnngen will man deutsche Arbeiter kapern! Internntionalc Kestvebungen d«r Arbeiter zur B«- beffernng ihrer Lage und zur Lösung der sozialen Frage sind ve« kauntlich in den Augen gewisser Leute„verbrecherische Thor- heiten", wie der gewesene Reichskanzler einstmals sich ausdrückte- Wenn aber die Angehörigen anderer Gesellschaftsklassen für ihre sogenannte„Sozialreform" die Jnternationalität in Anspruch nehmen, dann ist das selbstverständlich und löblich. Den A»' schluß derartiger Unternehmungen für dieses Jahr wird ein m» 6. Oktober in Antwerpen beginnender Kongreß für öffentliche Wohlthütigkeit bilden-. Mehrere auswärtige Regierungen werden amtlich vertreten sein. Eine Hauptrolle auf dem Kongreß so» die bedingungsweise Entlassung der Gefangenen spielen, �in übrigen wird der Schutz der Kinder, der Gefangenen und aus dem Gefängniß Entlassenen, sowie die Bettelei und Landstreicherei zur Beräthung gelangen. Ueber die Bettelei und Landstreicherei werden dem Kongreß die Fragen unterbreltet: 1. Welches sitz' die Vorbeugungsmittel gegen Bettelei und Landstreicherei f 2. Welche Beziehungen find in diesem Sinne zwischen den Organen der öffentlichen Unterstützung und den Wohlthätigkeits- vereinen anzuknüpfen?— Auch dieser Kongreß wird nur dazu beitragen, daß die Erkenntniß immer weiter greift und immer fester Wurzel faßt: daß zum Heile der Völker die Sozim- gerechtigkeit international gepflegt und zum Austrag gebracht werden muß.. Etwas über die„Zufeiedenl/eit der Armuth". Tie Böhuiert'fche„Sozial-Korrefpondenz", dieser Futterkasten für alle „gutgesinnten" Blatter, die auch etwas in„sozialer Frage" machen wollen, stimmt ein Klagelied darüber an, daß in unseren Tagen keine Volkslieder mehr entstehen, in denen die„Glückseligkeit der Armuth", der„tranliche Herd in dürftiger Hülle" gepriesen werden. Mit„gewaltigem Sturmlanf" suchen die ärmeren Klassen „einen größeren Antheil auch an den materiellen Freuden des Daseins zu erringen". Die glänzende, üppige Lebenshaltung, der mau in vielen begüterten Häusern begegne, trage dazu bei, daß „auch im schlichten Bürger- und Ardeiterstand die einfachen Sitten früherer Zeiten, die Genügsamkeit unserer Voreltern immer mehr in Vergessenheit gerathen". Ueberall werde die Klage laut, daß der Arbeiter„vielfach über seinen Stand hinaus- lebe".(Siehe Handelskammer- und Fabrikinspektoren-Berichte.) Die Mehrzahl der Menschen betrachte heute großen Reichthum als den Inbegriff aller Glückseligkeit, und wer das Loos der Armuth preise, der lause Gefahr,„als ein Heuchler oder Sonder- ling. mindestens aber für einen beschränkten Kopf gehalten zu werden". Wir wissen, daß zu allen Zeiten irrende Philosophen und fromnie Schwärmer der Armuth und Bedürfnißlosigkeit Lob ge- spendet haben. Schon der alte Cicero meinte ja bekanntlich: Was ist dagegen einzuwenden? Die Jugend ist eine schöne Sache! Aber verstehen denn nur junge Leute zu lieben? So mancher Greis hat noch ein heißeres Herz, und wenn ein alter Mann einmal Jemand liebt, nun— dann ist es ein steinerner Fels! Das ist für eine Ewigkeit! Nicht wie bei diesen bartlosen Himmelsstnrmern, durch deren Köpfe nur Wind weht! Ja, ja; vor alten Männern hat man sich nicht zu ekeln! Sie können Vieles thun. Vieles! Man muß sie nur zu behandeln verstehen! Ja.. ja! Und auch das Liebkosen verstehen die Alten, hi— hi....."— und Simeon Matveitsch lachte wieder.—„Sehen Sie, erlauben Sie mir Ihr Händchen... zur Probe.. nur so... zu Probe.." „Ich sprang vom Stuhle auf und gab ihm mit aller Macht einen Stoß in die Brust. Er schwankte, gab eine» hinfälligen, erschreckten Laut von sich und wäre beinahe ge- fallen. Die menschliche Sprache hat keine Worte, um aus- zudrücken, bis zu einem' welchen Grade er mir verab- scheuungswürdig, niedrig und verächtlich erschien. Jede Spur von Furcht hatte mich verlassen. „Hinweg! verächtlicher Greis," entriß sich meiner Brust. „Hinweg, Herr Koltowskoy, Edelmann ersten Ranges! Auch in meinen Ädern fließt Ihr Blut, das Blut der Koltovskoy's und ich verfluche den Tag und die Stunde, wo es in meine Adern floß!" „Wie?... Was sagst Du?... Was?" lallte er- stickend Simeon Matveitsch..„Du wagst es... und in demselben Augenblick, wo ich Dich ertappte... wie Du zu Mischka gingst... Wie? wie? wie?..." „Ich konnte mich nicht mehr halten... Etwas wie schonungslose Verzweiflung war in mir erwacht. „Und Sie, Sie, der Bruder... Bruder Ihres Bruders, Sie wagten... Sie konnten sich entschließen... Aber für wen halten Sie mich denn? Und sind Sie denn wirklich so blind, daß Sie nicht längst schon den Abscheu bemerkten, den Sie in mir erregen? Sie haben sich erfrecht, das Wort Antrag zu gebraucben!... Lassen Sie mich sogleich in diesem Augenblicke hinaus." „Ich ging auf die Thür zu. „Ach, so also! So hast Du jetzt die Sprache wieder- ..Nichts bedürfen ist göttlich, wenig bedürfen komint der Gottheit am nächsten".— Besonders die„Mutter Kirche" hat ja bis in v>e neueste Zeit hinein einen förmlichen Kultus der Armuth ge pflegt und all ihren Einfluß und ihre Macht daran geseht, die logenannte„Untugend der Begehrlichkeit" auszurotten. Aber unsere national-ökonomisch gebildete Zeit hat dafür nur ein mit 'eiötgcs Lächeln und die schönste Kanzelrede über das Thema vom Vorzug der Armuth im„besseren Jenseits" verfängt nicht lnehr. Die Poesie der Armuth mit ihrer Verherrlichung der Er gebung und unbedingten Zufriedenheit ist gerichtet von der Vcr nun st. An die Stelle der duldenden Armuth ist die für die Aechte der Arbeit kämpfende getreten. Wie ist es doch so unerhört lächerlich, von bodenloser Uiu kenntniß mit den Gesetzen der gesellschaftlichen Entivicklung Zeugend, wenn Diejenigen, welche sich berufen glauben, die Ge- schicke des Volkes zu bestimmen, erklären:„Die Völksmassen kennen im Genuß gar kein Maß und Ziel mehr; die Tugend der Bedürfnißlosigkeit ist ihnen abhanden gekommen; wenig arbeiten, viel verdienen, gut leben ist ihr Ziel."— Die guten Leutchen, die so sprechen, scheinen gar keine Ahnung davon zu haben, daß das Bestreben der arbeiten- den Klassen, ihr Arbeitseinkommen zu erhöhen und ihre Lage zu verbessern, mit entwickclungsgesetzlicher Nothwcndigkeit vor sich geht. Was in diesem Bestreben sich offenbart, das ist mcht kleinlicher Neid gegenüber den Beffersituirten, nicht der Drang, die„glänzend-üppige Lebensführung" der Begüterten nach- iuahmen, nicht die Sucht nach„großem Reichthum" als der «.Inbegriff aller Glückseligkeit"— nein, das ist das erwachte und immer mehr sich läuternde Bewußtsein des wahren Menschthums, oaS hinausstrebt aus dem geistigen und materiellen Zwang, »littels welchem das Sonderinteresse die Armuth geschaffen hat lmd ausrecht erhält— der Geist der echten Humanität, welcher Menschenglück und-Wohlfahrt, soiveit sie von materiellen Mitteln und ihrem vernunftgemäßen Gebrauch abhängig, gründen ivill auf die praktische Bewährung des Rechtes der Arbeit. Ter soziale Kampf, der unter unseren Augen sich abspielt und in der sogenannte»„Begehrlichkeit" der arbeitenden Klassen einen Ausdruck findet, er bedeutet mehr als das, was seine Gegner hineinlegen möchten,— mehr als eine» Sturmlauf der arbeitenden Klassen, einen größeren Antheil auch an den materiellen Freuden des Daseins zu erringen". Tas� ist nur die nothwcudige Bcgleit- erscheinung; der innerste Kern der sozialen Frage und der Arbeiterbewegung ist ein neues Gesellschastsprinzip, welches entwicklungsgcsctzlich gezeugt, unter harten Wehen sich dem Mutterschooße entringt, geboren werden will. Wer das nicht einsieht und glaubt,„Sozialreform" zu betreiben, indem er den arbeitenden Klassen neue Variationen des alten ThemaS bietet, daß Zufriedenheit der Armuth Rcichsthum sei, der kann allerdings nur als Heuchler, oder als beschränkter Kopf erachtet werden. Alle diese sonderbaren Heiligen lassen sich von der entweder be- wußten oder instinktiv sich ihnen aufdrängenden Erwägung leiten, daß für die gegenwärtige Gesellschaftsorganisation, die Arinuth, günstigen Falls die Sicherung eines Eristcnz-Minimums für die Armuth die unerläßlkye Bedingung sei. Aber diese Gesellschafts- organisation bedeutet nicht die höchste und letzte, nicht den Ab- schluß der Entivicklung; aus ihr nutß eine bessere sich ergeben. Was heißt es doch:„Der Arbeiter lebt über, seinen Stand?" Er verzehrt doch nur das, was er sich redlich erarbeitet hat. Der Fortschritt der Kultur richtet sich nicht nach Standesbegriffen und Standesvorurtheilen; er überwindet sie. In der Aneigiiung von mehr und besseren Bedürfnissen muß dieser Fortschritt zunächst sich offenbare». Wer dem Arbeiter vorivirft, daß er„über seinen Stand" lebe, der spricht ihm sei» menschliches und staatsbürgerliches Recht, eine höhere Stufe der Kultur zu gewinnen, ab; der will ihn gefesselt ivissen an jciieö Existenz-Minimum, was das herrschende Sonderinteresse ihm zu bewilligen lediglich deshalb geboten hält, weil, wie die„Sozial- Korrespondenz" am Schlüsse ihres Artikels sagt, das„Staats- interesse" erfordere, daß der Arbeiter das„normale Maß körper- licher Tüchtigkeit" erlange,— d. h. daß er kräftig genug sei das zu leisten, was der Kapitalismus von ihm fordert. Da erscheint der Arbeiter nur als Mittel für fremde Zwecke, seinem mensch- t liehe» Selbstzweck vollständig entrissen. Wunder» muß man sich nur über die große Naivetät, mit welcher das sogenannte„Organ für das Wohl der arbeitenden Klassen" hier die„Geheimnisse" des Kapitalismus auf offenem Markte preisgiebt und den Arbeiter» sagt:„Ihr seid dazu da, gefüttert zu werden, damit Ihr aroeiten könnt. Und wenn das geschieht, so habt Ihr hübsch zu- frieden zu sein." Uns kann's schon recht sein, wenn unsere Gegner so in der ' Bekämpfung des Jndifferentisinus der Arbeiter uns unterstützen! Die Gpposttioi« des Dnternehmerthunrs und der Ver- treter desselben gegen die„Sozialreform" der Regierungen wächst won Tag zu Tag. Die begehrlichen Herren, die sich kein Pro- zentchen ihres Profits durch irgend welche„arbeiterfreundliche" Maßregeln entgehen lassen wollen, dafüb aber um so lauter nach „Schutzmitteln" zur Niedcrhaltung der Arbeiter schreie», damit diese auch nicht aus eigener Macht den Unternehmern unbequeme Forderungen stellen und durchsetzen können, beschränke» sich jetzt nicht mehr darauf, noch in Aussicht stehende Maßregeln verhindern zu wollen, sie bemühen sich auch, bereits beschlossene nachträglich zu Fall zu bringen. Die sozialpolitischen Handelskannner-Sekretäre stehen natürlich als Klopffechter des Kapitalismus in erster Reihe, wo es gilt, ihre Brotgeber vor solch unangenehmen Dingen zu schützen und zu bewahren und ganz im Sinne des Herrn Eugen Richter warnt die Handelskammer in Bielefeld vor„übereilter Einführung des Alters- und Jnvaliditäts- Versicherungsgcsetzes". Die Kammer hat einstimmig beschlossen, eine Eingabe an den Reichstag und Bundesrath zu richten mit der Bitte, das Inkrafttreten des genannten Gesetzes zunächst hinauszuschieben und sodann den Gesetzentwurf einer nochmaligen Prüfung zu unterziehen. Zugleich soll den übrigen Handelskammern von diesem Beschluß Mittheilung gemacht werden mit dem Ersuchen, in gleicher Richtung thätig zu sein. Daß sich die Kollegen der Herren in anderen Handels- kaminern bereit finden lassen werben, dem Wunsche derselben nachzukommen, daran ist ivohl kaum zu zweifeln. Und so er- leben wir vielleicht in nächster Zeit einen Entrüstungsslurm der Handelskammern geg fürst Bismarck iin en das fragliche Gesetz, das durchzudrücken, Frühjahr v. I. nur durch Einsetzung seiner ganzen Autorität gelungen ist. Vielleicht sind es zum Theil die- selben Herren, die sich srüher schon mehrmals für Bismarck ent- rüstet haben. Ein großes Unglück würde es freilich nicht sein, wenn das Gesetz in seiner jetzigen Verfassung noch im letzten Augenblick scheiterte: die Mängel desselben sind so groß, die voraussichtliche Wirksamkeit desselben in wirthschastlicher Beziehung ist, was speziell den für die Arbeiter herausspringenden Richen anbetrifft, so unbedeutend, daß man ihm nicht viel Thränen nachweinen würde. Bezeichnend ist es aber immerhin, daß das Unternehmer- thum das Gesetz, welches seine Vertreter mit Pauken und Trompeten rühmten, jetzt noch eben vor Thorschluß zu Fall bringen will. Für die völliizc Kesritiguilg des Arbeitsbuches, auch für Arbeiter unter 18 Jahren hat sich die Bielefelder Handelekammer bei Berathung der GewerbeordnungS- Novelle erklärt; das Arbeitsbuch sei durch eine einfache Legitimation zu ersehen. Von allen Seiten wurde betont, daß in der Praxis das Arbeitsbuch völlig seinen Zweck verfehle. Jedenfalls aber verwarf die Kammer die Bestimmung des Entwurfs, nach ivelcher das Arbeits- buch an die Eltern oder Vormünder ausgeliefert werden muß resp. kann. Im Zusammenhang damit kam der§ 134 b des Ge- 'eyes zur Debatte, welcher die Ermächtigung ertheilt, in der Arbeitsordnung zu bestimmen, daß der von minderjährigen Arbeitern verdiente Lohn an deren Eltern oder Vormünder ausgezahlt wird. Die Handelskammer erklärte sich auch dagegen, nachdem in der Debatte ausdrücklich betont war, daß, so wünschenswerth es auch sei, unter den jugendlichen Arbeitern die Zucht zu erhöhen, es dennoch gelte, auch die Rechte der Arbeiter zu wahren und diese vor einer möglichen Ansbeutung durch die Eltern zu schützen. Arbeiterristllö. Nicht genug, daß die Arbeiter bei ihrer Thätigkeit Leib und Leben zu Markte tragen und oft auch zum Opfer bringen müssen, verhöhnt und beschimpft die Unternehmer- presse sie dafür noch obendrein. So berichtet die„Köln. Ztg.": Die weitere Zunahme der Unglücksfälle bei der Knapp- chafts-BSrufsgenoffenschaft im laufenden Jahre erscheint als eine bemerkenswerthe Thatsache. Bei den zur Sektion 2(Bochum) gehörigen Betrieben ist die Vermehrung!gegen das Vorjahr ganz erheblich. In der Zeit vom 1. Januar bis zum 1. August nämlich kamen im Jahre 1689 im Ganzen 056 Verletzungen vor, während in dem gleiche» Zeiträume des laufenden Jahres deren 1173 zu verzeichnen sind. Die Zahl der tödtlichen Unfälle wäh- verwaltungsgerichtlichen Verfahren so bald wie möglich aus der Welt zu schaffen. Korr Dr. Ernst Kenriri, der bekannte frühere Antisemiten- Häuptling, veröffentlicht in der antisemitischen„Staatso. Ztg." einen aus„Hof Ernsthausen bei Gaphe, 14. August 1890"(Togogebiet) datirten Brief, in welchem er seine neuesten Heldenthaten gegen die Eingeborenen berichtet. Er hat wie ein Löwe gegen eine fünffache Uebernmcht von Schwarzen gekämpft und natürlich glänzend gesiegt. Der Bericht schließt:„Ich selbst bin diesmal besser fortgekommen, als im vorigen Jahre: nur eine Dolch- schramme an der Hand und einen Hieb über die Schulter. Vom Feinde habe ich vier Gefangene, davon einer verwundet; nach deren Aussage waren drüben noch zwei Schiververwundete und zahlreiche Leichtverwundete. Der Rest der Bande ist geflüchtet, die schwarz-weiße-rothe Flagge weht auf dem Kampfplätze." Kielefeld, 25. Septenrber. Gestern Abend hat sich hier unter Führung des Pastor Jskraut, eines Inspektors für innere Mission, eine„soziale Vereinigung" gebildet, welche aus allen staatserhaltenden Parteien bestehen und gegen die Be- strebungen der Sozialdemokratie Front machen soll. Es wurde ein Ausschuß von 27 Herren gebildet und in denselben gewählt: 3 Deutschkonservative, 8 Fretkonservative, B Nationalliberale, 4 Freisinnige, 4 Ultramontane und 3„Handwerker". Somit wäre also die Partei der„ e i n e n reaktionären M a s s e" zur Tyatsache geworden. Sehr intcresjant ist es, daß die Frei- sinnigen, deren Organ der„Bielefelder Wächter" sich sogar hin und wieder als alt-forschrittliches Blatt aufspielt, sich der Führung eines Mannes unterordnen, der sich öffentlich als An- Hänger Stöcker's erklärt hat und der auch dieses seines Meisters völlig würdig ist. Clirmniff, 24. September. Die sächsischen Metallarbeiter haben auf einem hier stattgehabten Delegirtentage beschlossen, dem sächsischen Landtag Material über die Handhabung des säch- fische» Vereins- und Versammlungsrechtes vorzulegen und durch eine Petition den Reichstag um Annahme des von der sozial- demokratischen Partei eingebrachten Arbeiterschutz- Gesetzes zu bitten. Schweiz. Bern, 26. September. Ter Ständerath hat heute einstimmig. den BundeSrath aufgefordert, über eine Verstaatlichung der Bahnen zu berichte» und dazu einen Antrag zu stellen. Hieraus wurde in die Berathung des Auslieferungsgesetzes eingetreten. Kelgien. Die Großartigkeit der bekannten Arbeitergenossenschaft V o o r u i t" zu G e n t erhellt aufs neue aus der eben statt- gefundenen Veröffentlichung ihrer Abrechnung für das Halbjahr Dezember 1889 bis Mai 1890. Nach derselben stellen sich die Geschäfte der Gesellschaft folgendermaßen: Bäckerei: Umsatz 286 969 Fr., Gewinn 39 960 Fr.; Kolonialwaaren: Umsatz 56 147 Fr., Gewinn 5116 Fr.; Schnitt- und Weißwaaren: Um- satz 85 824 Fr., Gewinn 8862 Fr; Leder und Schuhe: Umsatz 33 533 Fr., Gewinn 5598 Fr.; Steinkohlen; Umsatz 166 382 Fr., Gewinn 5844 Fr.; Gastwirthfchast: Umsatz 12 274 Fr., Gewinn 1818 Fr.; Apotheken: Umsatz 28 740 Fr., Gewinn 8729 Fr.; zusammen 55 191 Fr. Gewinn. Hiervon kommen zur Vertheilung an die Mitglieder zirka 40 000 Fr. Die Größe des Gewinns ist um so bemerkenswerther, als gerade im vorigen Winter seitens der Feinde des„Vooruit", welcher allmälig alle Konkurrenz aus dem Felde schlägt und daher zahlreichen Leute» ihren bisherigen Profit wegnimmt— alles denkbare zur Verlästerung der Gesell- schast geschehen ist. Von einem Blatte, welches mit lügenhasten rend obiger Periode ist von 177 auf 235 und die der gemeldeten> und verleumderischen Behauptungen über die Geschäftsgebarung schweren Verletzungen von 479 auf 933 gestiegen� Schlagwetter- des„Vooruit" angefüllt war. waren nicht weniger als 2000 Stück c—..»------— k-mbre 80. im 1;« s."»_______..... �?...•- dieser Zeit im Vorjahre 30, im Als Ursachen dieser bedeuten- gesunden!" pfiff Simeon Matveitsch in stumpfem Zorne, offenbar aber nicht wagend, zu mir heranzutreten..„So warte denn Du! Herr Ratsch.' Jivan Temajauisch! Kommen Sie!" „Eine Thür im Billardzimmer, derjenigen, auf welche �ch zuging, gegenüber, öffnete sich weit und niein Stiefvater erschien mit einem brennenden Armleuchter in jeder Hand. Sein rundes, rothcs, von seiden Seiten durch die Lichter scharf beleuchtetes Gesicht erglänzte in dem Triumphe besrie- digter Rache und einer lakaienhaften Freude über eine ge- lungene Dicnstleistullg.. Oh, diese ividerwartigen, weiß- lichen Augen! Wann«verde ich aufhören, sie zu sehen! „Haben Sie die Güte, sofort dieses Mädchen zu er- greifen," rief Simeon Matveitsch ans, sich zu meinem Stics- oatcr wendend und mit zitternder Hand gebieterisch auf wich«veisend.„Führen Sie dasselbe ab in Ihr Haus und schließen Sie es ein, unter Schloß und Riegel... daß es •.. keinen Finger rühren kann und keine Fliege zu ihm hinein kann!... Bis auf ivcitereu Befehl! Die Fenster bermagelt, wenn es nöthig ist! Du stehst inir für sie mit Deinem Kopfe!" „Herr Ratsch stellte die Armleuchter ans das Billard, vorbeugte sich tief gegen Matveitsch Z und kam, sich leicht wiegend und schadenfroh lächelnd, auf niich zu. So muß ein Kater ans eine Maus losgehen, die sich nirgendhin retten kann. All' mein Muth hatte mich verlassen. Ich ivußtc, dieser Mensch war iin Stande... niich zu schlagen. Ich öltterte; ja, oh Schmach,, oh Schande... ich zitterte. „Nun, mein Fräulein," sagte Herr Ratsch.„Geruhen zu kommen.",, Er faßte mich langsam über den Ellenbogen am Arme -.- Er begriff, daß ich niich nicht widersetzen würde/ Ich PS selbst zur Thür; in diesem Augenblicke hatte ich nur den emeil Gedaiileii, ivic ich mich a>n schuellsten von der Gegenwart Simeon Matveitschs befreien koiiute. „Aber der ividerwärtiae Greis sprang uns nach, und pZch hielt mich auf mch kehrte niich mit dem Geficht.zu, Einern Patrone. (Fortsetzung folgt.) Explosionen kämen während kaufenden Jahre dagegen 49 vor...W den Zunahme der Unglücksfälle werden, dem„Kompaß" zufolge, angenommen: a) die größere Zahl der in den Betrieben beschäf- tigten Arbeiter p b) Heranziehung sremder, nicht vorgebildeter Arbeiter; c) Unbotmäßigkeit der Arbeiter nach dem Ausstand den Anordnungen der Beamten und den bestehenden Vorschriften gegenüber; ck) Unsolidität der Arbeiter, namentlich an Sonn- und Feiertagen soivie nach der Lohnzählung." Also eine Zunähme der Gesammtzahl der Unglücksfälle um nahezu 79 pCt., der schweren Verletzungen um rund 100 pCt. Das ist die. Bedeutung des Fortschritts der Bergbauindustrie ür die Bergarbeiter, der sich für die Bergwcrksbesitzer in der Form einträglicher Dividenden bemerkbar macht. Anstatt die Ur- fachen der entsetzlichen Thatsachen, die sich in obigen Zahlen aus- drücken, da zu suchen, wo sie sind: in der Mangelhaftigkeit der Betriebscinrichtungen und in der Ueberanstrengnng der Arbeiter bei der schwere» gesmidheitsschädlichen Arbeit, versucht iiian in zqnischer Weise den Arbeitern auch»och die Schuld an den Uli- glückssäll e» aufzubürden, die ihnen, selbst oder ihren 5kai»crade» die gesunden Gliedmaßen oder gar das Leben kosten. Eine rohere Gefühllosigkeit kann man sich kaum vorstellen. Bezeichnend ist übrigens, daß selbst die Schmäher der Arbeiter zugeben müsse», daß sie lügen. Wer hat denn veranlaßt, daß eine größere Zahl von Arbeitern und nicht vorgebildet? Arbeite? beschäftigt iverden? Etwa die Arbeiter selbst? Haben die Arbeiter den Vortheil davon oder die Unternehmer? Nur»in die wirklich Schuldigen zu ver- decken, sucht man nach Ursachen, die man den Arbeitern zur Last legen kann. Die'Arbeiter durchschauen dieses frevelhafte Spiel, leider aber nicht die übrigen Bevölkerungskreise, die mir zu leichtgläubig sind in Bezug an, daS, was die Soldschreiber des kapita- listischen Unternehnierthlims ihnen vorlügen. Dolitik i» Krirgcvuereinr». Auf dem Verbandstag des Gothaer Kriegerverbandes kam die Frage ivegen Ausschlusses eines Vereins, ans Gnuid sozialistischer Umtriebe einzelner Mit- gliedcr zur Sprache. Stach dem Bericht des Vorsitzenden Voller- mann-Gotha ist sestgsstellt worden, daß der Landwehrverein Horbs leben drei Mitglieder besitze, welche öffentlich für die Sozial- demokratie wirken. Wiederholte Slnsrage» des VerbandSv orstau des an den Bercinsvorstand n»d entsprechende Alifforderungen, che» Vorschriften des Statuts gemäß zu verfahren, seien ergebnislos geblieben, schließlich habe der Verein sogar durch ein Schreiben erklärt, er könne machen, was er wolle. Im Namen des Verbands- Vorstandes uiusse daher die Answeisung beantragt werden. In namentlicher Absliinmunff ivurde dem„Verl. Tgbl." znfolae die 'Ausschließung des Vereins mit allen Stimmen gegen die des Kriegervereins Ohrdruf beschlossen. Tnu?brlnstig»»gr» grschlostenev Vereine. Der Regie- rungspräsident Dr. Schultz in Hildeshrii» hat eine sonderbare aimticho Bekalintmachmig veröffentlicht. Nachdem das Ober- verwaltimgsgericht cntschledcn hat, daß die von Vereinen ver, anslallete» Tanzbelnstigiingen als öffentliche nicht anzusehen sind und daher der polizeilichen Genehmigung nicht bedürfen, legt nunmehr der Regierungspräsident die hannoversche Sabbath- ordiinng vom 25. Januar 1822 dahin ans, daß nach derselbe» an den den Sonn- und Festlagen vorhergehenden Tagen beziv. an den ersten Tagen der drei hohen Jahrcsfesle Tanzpartien auch seitens gcschloiscncr Vereine nicht veranstaltet werden dürsen. Allerdings ist auch in jener Sabbathordnung ausdrücklich nur von öffentlichen Tanzpartien und dergleict)en öffentlichen Lustbarleite» die Rede. Der Hildesheimer Regiernngspräsident aber legt iin Widerspruch mit allen sonstigen Auslegungen-der Gerichte und Verivaltiingsbehörden„öffentlich" ans als gleichbodentend mit geräuschvoll, in die Oeffentlichkeit dringend. Zur Verum- dring von Störnngen für de» Gottesdienst, welchem die hierauf folgenden Tage gewidmet seien, habe der Gesetzgeber solche Privat- tmijpartien ausschließen wollen. Der Regieruiigspräsident ersucht in der ganzen Stadl verbreitet worden. Der Erfolg war, daß die Gesellschaft in diesem Halbjahr 687 neue Mitglieder bc- kani, 129 351 Brote mehr backte und 96 643 Verkausskarten mehr absetzte. Salkanliiuder. Heber die bulgarische Frage hat der deutsche Vertreter in Sofia, Baron Wangenheii», sich dem russischen Exdiplomaten Tati- tschew gegenüber ausgesprochen. Der letztere berichtet darüber in der panslavistischen„Nowoje Wremja". Baron Wangenheim habe Gtambnlam als eine hervorragende Persönlichkeit bezeichnet, die an Geist und Willenskraft alle seine Freunde und Gegner über- treffe, aber sehr geneigt sei, der Leidenschaft die Zügel schießen zu lassen. Baron Waiigeuheim verneinte die Existenz bestimmter politischer Parteien in Bulgarien. So viel Führer es gäbe, so viel Parteien seien auch da, und jede strebe darnach, zur Macht zu gelangen.'Auch de» Prinzen von Koburg schilderte Bäron Wnngenheiin als einen Mann mit glänzenden Gaben des Geistes lind des Eharakters, der im Lande unvergleichlich mehr Geivicht und Bedeutung habe, als man in Europa gewöhnlich annehme. Der Prinz ersüllc sorgsam und gewissenhaft seine'Regentenpflichten, beschäftige sich eifrig niit den Staatsangelegenheiten und widme viel Arbeit seiner Armee. Er wolle nicht n>lr Fürst sein, sondern auch regieren, und werde sich aus Bulgarien freiwillig niemals cntsernen.„Das weiß ich aber alles nur aus Mittheilungen Anderer, da ich selbst, auf Grund meiner Weisungen, zu dein Prinzen in keiner Beziehung stehe"— fügte Baron Wangenheim hinzu, wozu jedoch Tätitschew bemertt, daß Baron Wangen- heim in letzter Zeit doch angeblich mit dem Prinzen in Verkehr getreten sei, wenn auch nicht offen und offiziell. Tätitschew be- schuldigt die deutsche Politik der Doppelzüiiglgkeit. So habe z. B. nach der Wahl des Prinzeii von Kobnrg Fürst Bismarck den» russische» Hofe versichert, daß er auf den Koburger als auf einen österreichisch-ungarischen Lieutenant sähe, der seiner Privat- angelegenheiten wegen sich in Bulgarien aufhalte. Dagegen wäre den Vertretern Oesterreichs, Englands und Italiens erklärt für egie- worden, daß die deutsche Regierung ihre, � äußerst korrekt und weise hielte. Auch theilte die deuffche rung mit, daß die Lage des Fürstenthums keineswegs kritisch sei, das, sich dort keinerlei Spuren der Unzufriedenheit reaten, daß an Geld kein Mangel sei und daß man somit hoffen könne, Bul- aarien werde sich selbst vor der Gefahr der Anarchie oder eines UZ."«x."2...----- KeWge» �»(Mstmidsg» her gegenwAAig?» L� In Sing?% Ihlllnnv PIT lirtm hen(s-i« si,* i.. k.___*...... Bulgarien, nach den Eindrücken, die er in der langen Unter- redung mit dem Baron Wangenheim gewönne» habe, sich in einer, dem Koburger noch günstigeren Richtung geändert hätten. Deutschland beabsichtige die Russen zur Besatzung Bulgariens zu veranlassen, um dadurch allgemcin-europäische Verwicklungen her- vorrufen zu können-c.— Herr Tätitschew sieht zu sehr durch die panslavistische Brille, um ein unparteiischer Benrtheiler der Balkansrage zu sein. Bei«»fragen bitten wir die Ndounemenli. Quittung beipililg»». Brieflich Anlworl wird nicht erldeill. 0. M. Ol, Wenn Sie mit der Trennung Ihrer kinderlosen unüberwindlicher Abiieigung einverstanden sind, » m---"-'......|* Jedoch kann, wenn Sie Ehe auf Grund.......— so gebrauchen Sie keinen Rechtsanwalt. Ln...<«..... i-~• __ IW ncaji gicici) ein Urtheil erlassen werden, sondern es wird ein neuer Termin auf etwa ein Vierteljahr hinaus anberaumt, und dann muß noch etiva sechs Wochen bis zur Rechtskraft des Urtheils geivartet werden. Haben mmsmmm»»»—-...........* so kann im ersten Termine das UitheÜ §. Einen ivegen Diebstahls Bestrasten kann die Er- theilnng der Scha»kkoiizession oder Fahrerlaubniß verweigert werden. »dlung gegen den Schlosser Demsli statt, der an, 8. Juni verhaftet»vorden ist, »veil er den Metallarbeiter Hildebrandt in der Naunynstraße er- stachen hat. Da allgenrein erzählt»vird, daß die Mittheilungen, »velche bisher über diesen Vorfall in die Oeffentlichkeit gedrungen sind, der Wahrheit nicht entsprechen, wird der Ausgang der ge- richtlichen Entscheidlmg»nit großer Spannung erivartet. An» Somltng, den 2H. September, Vormittag» nm UVa Uhr, eröffnet die 1. städtische Fortbildungsschule für Jünglinge und Männer, Wafferthorftr. 31, eine Ausstellung von Zeich- nungen und Modellirarbeiten, welche iin letzten Schuljahr ange- fertigt»vorden sind. Die Ausstellung ist geöffnet bis einschl. den 5. Oktober täglich 10—5 Uhr. Der Abgeordnete Aner,»velcher jetzt seinen Wohnsitz in Berlin genommen hat, wohnt SW. Knhbachstraste 9«nd, nicht, »vie gestern irrthümlich angegeben ist, Katzbachstraße 6. Uolizeibericht. Am 25. d. M. Vormittags versuchte ein Mann in seiner Wohnirng in der Jakobikirchstraße sich mittelst eines Taschenmessers die Pulsader» an beiden Armen zu durch- schneiden. Nach Anlegung eines Stothverbandes»vurde er nach der Charitee gebracht.— Nachmittags stürzte ei» 4 jähr. Mädchen aus einem Feirster des vierten Stocks des Hauses Thurinstraße49 aus den Hof hinab und verstarb auf der Stelle an den erlittenen schweren Verletzungen.— Abends fand vor dem Hause Flottwell- straße 15 ein Zusammenstoß zwischen einer Droschke»ind einen» laschenbierivagen statt, bei»reichem der Droschkenrutscher vom ocke geschleudert»vurde und eine Ncrstauch>»ng der linken Hüfte, soivie eine Verletzung im. Gesicht erlitt.— In der Nacht zun» 26. d. M. iv»lrde eine seit längerer Zeit an Schivermnth leidende Frau in ihrer Wohnung in der Metzerstraße erhängt vor- gefunden.— Am 25. d. M. fanden fünf kleinere Brände statt. trlzeQkev. Thomas-Theater. Einen vollen Lacherfolg errang vor- gestern Abend in» Thomas-Theater der Schivauk der Gebrüder Schönthan: Der Raub der Sabinerinnen. Es ist der harmlose, satte, behagliche Humor des Spießbürgers, der in den» bekannten Licstspiel zürn Ausdruck kommt. Den Haupterfolg des Abends errang der Direktor des Theaters, Herr Thomas, der als Komiker hinunelhoch über allen Mitgliedern der Bühne steht. Im Uebrigen »var außer der Rolle eines Dienstmädchens die Vorstellung nur mähig— die Stainmgäste des HauseS begrüßten allerdings trotz- dein ieden der auftretenden Darfteller»»»»( stürmischem Klatsche». »verde»». Wo die Macht des Besitzes entscheidet,>vo die Klassen- Herrschast allein Bestehenden ihren verhängnißvollen Stempel aufdrückt, wo die Kunst»vie die Künstlerin eine Waare bildet,»vo die Käuflichkeit der Frau zun» Axiom der herrschende»» Moral geworden ist, da müssen solche Früchte reisen. Wenn es noch eines»veiteren Beiveises dafür bedürfte, so liefert ihn uns Herr Eugen Richter in der„Frei- sinnigen Zeitung". Dieser Repräsentant deS rabbiaten Spießbürgerthums kritisirte zunächst»nit verhältnißmäßiger Schärfe den Fall Lindau, das heißt, so lange es sich um das Jndividnuu» Lindau,»nn den Parteigänger des von Richter so sehr gehaßten Bismarck handelte. Nun aber die Rechnung aufgeinacht»vird, und das Fazit zu einer schweren Belastung des Kontos unserer Bourgeoisie»vird, nun Herr Lindau und Else v. Schabelsky als soziale Typen reklamirt»verde»», da bäumt sich die Bourgeoisseele in Herrn Richter auf, und jeder Tropfen seines Bluts revoltirt gegen eine Zumuthung,»velche den heißgeliebten Kapitalismus für all diese Gemeinheiten in letzter Linie verantivortlich macht. Wie Sokrates seineu kleinen Dämon hatte, der ihn in Stunde» der Gefahr»varirte, so hat auch der StaatSweise des deutschen Freisinns einen Geist, ach, einen kleinen Geist, der ihm im ent- scheidenden Augenblick zuruft: Die Bourgeoisivirthschast ist in Gefahr. Daun halten den Erschreckten keine vier Pferde mehr, und so liefert er eine Besprechung des Mehring'schen Schristchens die in schi»rählicher Entstellung des Thatbestandes, in beivnßten» Berschiveigen und Vertuschen wichtige» Thatsachen, kurz gesagt, in ausgesuchter Persidie und Barnay'scher Wahrheitsliebe das Menscheninögliche leistet. Es kann eben Niemand aus seiner Haut heraus, auch der kapitalistisch gesinnte Herr Richter nicht. Herr Lindau ist gerichtet, mag er aber fallen oder nicht, es giebt"noch zahlreiche Lindau'» anßer ihm, und der Augiasstall, der eben erst geremigt, bedarf schon»vieder eine» stählerne» Besens. Das Proletariat, das mit so vielen alten Institutionen ans- geräumt hat,»vird uns von den Lindau und Genossen befreie», indem es sich und dainit die Kulturmcnschheit von den» Joch deS Kapitalismus emanzipirt. Anonymen Denunziationen hatte es der Schankivirth C. Schivadtke zu danken, daß sein am Kaiser Franz-Greiiadier- platz belegenes Schanklokal geraume Zeit hindurch den Gegeii- stand besonderer polizeilicher Ueberivachung bildete. ZsP" wurde von dem Kriminalschutzmann Neinhold von der Slrax aus ausgeübt und hatte das Ergebniß, daß Schwadtke sia) auf die Anklage von Glücksspielen vor dem hiesigen Schöffengericht zu verantivorten hatte. Der Beamte behauptete, dafi er durch einen kleinen Schlitz der herabgelassenen Vorhänge dmuicy gesehen habe, daß an einein Tisch„getempelt" wurde. Tiefer Tisch sei zwar von mehreren Personen umstanden geivesen, yw und wieder habe sich aber der eine und der andere entfern» und durch die dann entstandene Lücke habe er von Außen genau wahrnehmen können, daß es sich um ein Glücksspte» handelte. Ein Zeuge hatte seiner Zeit dem Schutzmann auch 5"' gegeben, der Bankhalter bei einem Tempelbau geivesen zu sein, er behauptete aber im Termii», dies nur aus Angst gethnn zuhaben und der Vertheidiger Rechtsanwalt Leop. Meyer stellte fest, daß diesen» Zeugen, obwohl er dem Beamten will»» zur Wache folgte, anempfohlen»vorden»var, nicht etwa zu fliehen, da»hm„sonst etwas passive". Der Behauptung dieses Zeugen, daß der Schutzmann dieser Drohung durch Vorhaltung eines ge- ladenen Revolvers Nachdruck geben, widersprach jedoch oeic Beamte.— Der Staatsanwalt hielt den Schutzmann für völlig glaub- »vürdig und beantragte gegen den Angeklagten eine Geldbuße von 60 M.— Rechtsanwalt Meyer bestritt dagegen entschiede»», daß oie Wahrnehmungen eines auf der Straße stehenden Lauscher--, welcher nur mühsam durch eine Gardinenspalte und durch eine zufällige Lücke rn der den Tisch umgebenden Menscheninauer blicken konnte, Anspruch auf große Zuverlässigkeit haben. Der Vertheidiger betonte die Nothivendigkeit einer Freisprechung be» der Ziveiselhaftigkeit dieses Falles auch aus dem Gesichtspunkte, weil sich an jede Verurtheilung»vegen Dtildens von Glücksspleleff — und bestehe sie auch nur in der geringsten Geldstrafe— die Entziehung der Konzession zur Folge habe.— Das Schöffengerich» hielt mit dem Vertheidiger die Beobachtungen des Schutzmanns nicht für absolut beiveiskräftig und erkannte deshalb aus Fr«»- � �„fiiub der Kloppstaifl-Kruder" ist der Titel eines Ver- eins,»velcher,»vie die vielen Hunderte seines Gleichen die„Pfleg» der Geselligkeit" auf sein Panier geschrieben hat. Der geschinack- volle Name deutet nicht etiva aus den Dichter Kloppstock h»n, sondern ist auf prosaischeren» Boden erivachsen, nämlich auf den Gefilden von Weißensee, in der nächsten Hingebung des berühmten Mannes,»velcher die thatkräftige Jugend mit»vunder- barer Beredsainkeit einladet, seinen Kraftmesser zu erproben unv den Glücklichen, bei»reichen»„die Pforte platzt" mit„meinen Gruß, 099 J" zum„Kloppstock-Bruder" ernennt. Eine Anzahl junger Leute,»velche in Weißensee geineinsain vergnügte Stunden verlebt, haben in dankbarer Erinnerung an den wackeren Mann ihren Klub den obigen Namen gegeben. Die Kunde von der Existenz desselben»vurde uns durch eine gestern vor dem Schöffengericht stattgehabte Gerichtsverhandlung, bei welcher zw« Angeklagte aus den Reihen dieses Klubs den Verdacht erweckten, als ob der Titel des Vereins noch eine andere Bedeutung habe»» könnte. Sie waren nämlich»vegen Körperverletzung angeklagt und zivar handelte es sich um eine unstatthafte Anivendung des „Klopfstocks" gegenüber harmlosen Straßenpassanten zur Nachtzeit. Die„Kloppstock-Brüder"begabensicheinesNachts,nachdem siestatuten- mäßig die Geselligkeit gepflegt, gemeinsam auf den Heimiveg, welcher durch die Leipzigerstraße führte. In der Gegend des Cafös der Reichshallen kam ihnen eine Gesellschaft entgegen, die nach dem alte» Mahnivort,„Böse Menschen haben keine Lieder", aus vor- trefflichen Leuten bestand, denn die Zahl ihrer Lieder»var Legion. Sie kamen aus einem Gesangverein—„Keuchhusten" taufte ihn ein Spötter des Gerichtssaales— und hatten das deutsche Lied so getreulich gepriesen, daß es erklärlich ist, wem» sie das Be- dürfniß empfanden, ihre trockenen Kehlen im Cafe der Reichshallen etivas anzufeuchten. Als aber die Ersten im Begriff »varen, ihren Damen die Thür des Cafös zu öffnen, wurde» sie ohne jede Veranlassung von den„Kloppstock-Brüdern" angerempelt, es kam zun, Wortivechsel und der Schlußeffekt»var der, daß die beiden Angeklagten— z>vei Augestellte hiesiger kaufmännischer Geschäfte— auf ihre Gegner losschlugen und einer der Sanges- brüder durch Stockhiebe eine blutige Wunde an der Stirn davon- trug. Die rasche That hat den beiden schneidigen Herren später sehr leid gethan; sie erbaten sich die Verzeihung des Verletzten und da ihnen diese auch gewährt»vorden ist, brachte der Staatsamvalt nur eine geringe Geldbuße in Antrag. Das Schöffengericht faßte die Sache aber doch ernster auf; es»var der Meinung, daß solche uluthivillig inszenirten nächtlichen Exzesse gerade gebildeten Leuten schiver anzurechnen seien und das Publikum nachdrücklich vor solchen Attacken geschützt»verde»» müsse. Aus diesen Gründen »vurde der eine der Schläger zu 250 M., der andere zu 100 M- Geldbuße verurtheilt. Stozierie Mevevflchk. Von Oer»»» A. Moiviff, Tisch- und Stuhlfabrik, erhalten »vir folgende Berichtigung: In Bezug den meine Fabrik be- treffenden Artikel in Nr. 221 habe ich Folgendes zu bemerken: Zuerst muß richtig gestellt»verde», daß eine drciivöchentliche Arbeit nach den neuen'Akkordsätzen des neuen Lohntarifs nicht einen Verdienst von 8—10 M. pro Woche und Mann, sondern einen solchen von 12—19 M., und durchschnittlich einen solchen von 16 M. ergeben hat. Diesen»reisen die Lohnbücher nach. Sodann beziehen sich die in Ihren» Blatte ausgeführten Akkordlöhne fast ausschließlich auf solche Gegenstände, die nur nebensächlich und vereinzelt gearbeitet»verde». Etiva festgesetzter Akkord für diese Gegenstände ist für die zu erreichende Höhe des Wochenlohnes nicht ausschlaggebend. Die angegebenen hohen, alten Preise sind für einzelne meist nach besonderen Angaben zu drehende Stücke gezahlt»vorden, »vährend die angeführten niedrigen Preise für geivöhnliche, in Massen zu drehende Artikel von jetzt ab gelten sollen. Gegen- stände, die in Mengen in meiner Fabrikation gebraucht und an- gefertigt»verde», sind Stuhl-, Tisch-»ind Bettfüße, auch geivöhn- (»che Treppentraillen, und sind für diese folgende Akkordsätze für die Drechsler neu von niir festgesetzt. Für das Dutzend: 1. Tischsuße, aus Birken- oder Buchenholz zu drehen und poliren a) einfache«,.##.#•«,# l,»o iR. b) bessere 2,o5„ Tischfüße, aus Eichenholz, nur zu drehen, also roh o.) einfache........... 1,20„ b) bessere............ 1,80„ 2. Stuhlfüße, aus Birken- oder Buchenholz zu drehen und zu poliren c») einfache.».»»»»,«,,. l,2o„ b) bessere............ 1,50„ Stuhlfüße, auS Eichenholz, nur zu drehen also roh............. 1,00„ 3. Bettfüße, ganz und gar von oben bis unten glatt gedreht, ohne jedes Profil und ohne Rosette, unpolirt........... 0,75„ Vettfüße, unterer Fußthcil mit Profil, Stollen und ohne Rosette zu drehen und zn poliren. 1,60„ 4. Traillen, ganz geivöhnliche, Itz's und 2" stark nur zu drehen.......... 0,75 ,, Taille», etwas bessere, 2" stark nur zu drehen.......... 1,00„ Für bessere und kannelirte Traille», auch für gute und be- bAw für Nußbaum- und Mahagoni-Tisch- und Stnhlfüße sind �'ordsatze unverändert geblieben. m„r.fUcÜ muß ich bemerken, daß die Preise fnr Drechsler gelten, i» svr>«u dünken stehen, die durch Dampf getrieben merden, daß �A�ulerkzeuge. Beize und Politur vorhalte und die Leute nur das 'dpnp.er selbst zu beschaffen haben. �°rurtheilssreie Fachmann wird zugestehen muffen, daß . Mordpreise angemessen und durchaus nicht niedriger sind 'v>e in Werkstätten anderer und größerer Städte. ,,. Sl. M o w i tz. Fabrik siir Holzarbeit. Deutschlands! Der Streik der Weißgerber in hJrli01" �uert nun bereits die 30. Woche, ohne daß sich bei cr� kenden Mulhlosigkeit gezeigt hat. 6 Meister haben die uMdetung der Gesellen bewilligt und haben bereits SO Mann «ilr mEacf>t werden können. 90 Mann sind abgereist, darunter Verheirathete. deren Familien nnterstüht werden müssen. „'"'Orte sind noch ISO Mann, darunter S Ledige zu unterstützen. »lcrstnhung läuft spärlich ein und sind viele Berheirathetc in großer Ü�ihen. Trotzdem wird noch ausgehalten, da die Aussichten sind. Die Leipziger Ledermeffe, welche Anfang dieser Woche ' mird manchem dieser Starrköpfe die Augen geöffnet ?, en; sie mußten sehen, daß andere Meister, welche die Kirch- ?�lNer Situation ausgenutzt haben, mehr Waare als sonst auf {.«i Markt brachten und ein gutes Geschäft machten, während sie um den Arbeitern ihre mäßigen Forderungen nicht zu be- 'ütgen, die Kundschaft verdarben. Einige 30 Gesellen haben sich zusammengcthan und bilden zum I. Oktober eine Genossenschaft, um den Meistern zu zeigen, }Mß es auch ohne sie geht. Das paßt den Herren ja nicht in uin Kram und wird wohl den Widerstand breche». Arbeiter Berlins! Wir appclliren noch einmal an Euer «olidaritätsgcsühl. Helft uns diesen erfchöpfeudeu Kampf zu �»de führen. Ter Kampf gilt der Organisation, mit dessen Aus- gang steht und fällt dieselbe. Man will die Forderungen be- "Mige»,>venn die Streikenden der Organisation entsage». Der Plan ist zu durchsichtig als daß unsere Kollegen darauf hinein- lallen könnten. Hilfe thut dringend noth. Unterstützungen nehmen entgegen: A. Wunderlich, Weißgerber, Kirchhain i./L., W. Brinkmann, Berlin N., Wriezenerstraße 13 I. Versrnntttluttgett. Ihre lelitr Drrlnmuilnng«utcr der Aerrschaf! des «»o?ialiste»gesrhc» hielt die Freie Bereinigung der Maurer Berlins und Umgegend am 25. d. Mts. bei Orschel ab. Dieselbe hörte zunächst voller Interesse die Aus- emandersetzungen des Herrn P i r ch über die Arbeiterbewegung vor und nach dem Sozialistengesetze, in welchen Redner in kurzen Umrissen, doch in markigen Zügen die Leidens- und Triumph- geschichte der letzten 12 Jahre des arbeitenden Volkes Revue passiren ließ und betreffs der Zukunft forderte, nach dem Falle des Sozialistengesetzes nicht in Unthätigkeit zu verfallen, sondern auf dem für recht erkannten Wege unentwegt weiter zu schreiten und zu ringen und zu kämpfen nach wie vor für Freiheit und Recht. Dem Vortrage folgte eine rege Diskussion. Im kommen- den Monat feiert die Vereinigung ihr Stiftungsfest in den Sälen der Berliner Boclbrauerei. Die Versammlung wählte hierzu einen Vergnügungsausschuß von 3 Personen und beschloß, auch Gästen den Zutritt zur Feier zu gestatten. Der Eintrittspreis wurde für Herren auf 50 Pf., für Damen auf 25 Pf. festgesetzt. Beschlossen wurde ferner einstimmig folgende Resolution:„In Erwägung, daß der„Berliner Lokal-Slnzciger" kein Organ ist, welches die Interessen der Arbeiter vertritt, leider aber noch zum großen Theile von Arbeitern gelesen wird und somit diese Arbeiter selber dem kapitalistischen Organ die Waffen liefern, die berechtigten Bestrebungen der Arbeiter zu bekämpfen; in fernerer Erwägung, daß die Arbeiter, welche in der Offizin des„Berliner Lokal Anzeiger" arbeiten, gedrängt werden, ihre Organisation preiszu geben, um schutzlos ausgebeutet werden zu können, verpflichtet sich jedes Mitglied der Freien Vereinigung der Maurer Berlins und Umgegend, dahin zu wirken, daß aus seinem Bekanntenkreise dieses Blatt ausgemerzt wird und daß nur Blätter gelesen werden, welche in scharfer und offene Weise die Interessen der Arbeiter vertreten." Nach Erledigung sonstiger Angelegenheiten sagte die Versammlung dem Sozialistengesetz Valet durch ein dreifaches brausendes Hoch auf die internationale Arbeiterbewegung, auf die Sozialdemokratie. JtCc- und Diotintirklub Fruirdach am Sonnabend, 27. September, Abends � Uhr, bei Schröder, Relchenbergerstr. 24. Tagesordnung: Vorlesung und Tiölussion, Moste durch Mitglieder eingeführt, sind Willrommen. Lachverri» siir Schlosser- n»i> Nlaschineiibauarliriter Kerlin» und zlma-a-nd. Aroßc Versammlung am Montag, de» 2S. September, Abends Uhr, bei Feuerslein, Alte Jakobslr. 7S. Tagesordnung: I. Vortrag deL Herrn Dr. Lülgenau Uber: Tas Programm der Sozialdemorratic. 2. Dis- tussion. 3. Ausnahme neuer Mitglieder und Sntrichtang der Beiträge. 4.Ver- schicdeneS und Fragelasten.(Softe haben Zutritt. Bei der wichtigen TageS- ordnung ist eS Pflicht sämmllichcr Kollegen dasur zu agitirc», dab die Ver- sammlung besucht wird. zirrg»>iou»o»ver«i».Coufidentia" Sonnabend, den 27. September, ....nds Uhr, Sthung im Ncftauranl zur guten Quelle, Landsbergerstr. 66, Abrechnung vom Kränzchen, Aufnahme neuer Mitglieder. Pünktliches Er- "-einen erbeten. «effentlich» Kersammluno Iau»»tiich.r Hissenmachec. Montag, den 2?. September, Abends 8% Uhr, im Lokale des Herrn Feuerstein, Alte Jakob- ftraße 76. Tagesordnung: i. Bortrag des HerrnMillargüberNeuorgantjaiio» der iSewerkschasle». 2. Bericht der Tclegirten der Srreit-uontrol-Kommission. 3. Abrechnung des Vertrauensmannes und Wahl eines Nevisorcn. Fachvrvein der Tischler. Sonnabend, den 27. September, Abends 8 Uhr, ln Jordan'» Salon, Neue Grünstr. 28, EemüthlieheS Beisammensein (Dame» und Herren) zum Abschied von unserem langjährigen Bereinslokal. Dasselbe geht am l. Oktober in andere Hände über, die eS wahrscheinlich mehr zur Jnnungskpielerei als für Arbciterversammlungen frei geben. l>,rohe»ffenilich» �>crs»i»»il»»g de» AUgeineiur» Arbeiterinne»- Vevei»» siimmtlichrr Kerossiiveige Kerlin»>l»d ziingeaend(Filiale III., Urdorf), am Sonnabend, den 27. September, Abends 8% Uhr, im Lokals des Herrn Kummer, Berlinerstr. 136. --------------'■' Fnchverel»» siimmtlichrr a» jloli- gtrr Arbritcr am Sonntag, den �WW.. in Lehmann's Salon, Echwedterstrabe Ar"• Arbciter-Sildiina-verri» ,» Kirdorf und Kmg-a-»d. Grobe öffent- liche Versammlung am Sonnabend, den 27. September, Abend» 8), Uhr, im LokaU�c« e�u�n�offmaun, K�oirrnrdritrr und ver Abends präzise Bnner's Lokal, Rosen- ivnndtc» Kerufogeiiossrn. Sonnabend, den 27. September. 8 Uhr. Düiglieder-Versaininlung für den Norden ln thalerstr. 11—12. 1. Stifiungsseft de» soiialdemoliratischr» Zrfeklub» ,,znssl»u«" unter Mitwirkung des Bisangvercins W. Scgert'sche Liedertafel am Sonn- abend, den 27. September, Abends» Uhr, in Renz' Salon, Naunynstr. 27. Der Steinsrtrag wird zu einem woyllhätigen Zwerle verwandt. Achtung! bZrnvcure. Zifrlrurr. Herrenpartle nach Station Strauh- berg, Schlesiicher Bahnhof. ArbciterbillctS. l. Zug: 6,16 Min. 2. Zug 7 Uhr. Nachzügler Restaurant Waldschlöhchen. «Zcncralversammluug de» Arb«iier-Kild«ltg»verr>ii» für Kleislrufec und zlinzegrnd am Sonnabend, den 27. September, Abends 8 Uhr, im Saale des Herrn Dewei», Königs- Chaussee. Tagesordnung: I. Beretnsangelegen- heiten. 1. Angelegenheit„Clruncnbcrg" und Wahl eines ersten Borsilienden, 2. Wahl eines Revisors, s. Bericht der Bibltothekkommlssion und Neuwahl derselben. 4.(»eldbewilligung zur Anschaffung von Büchern für die Vereins- biblioihek. 11, Verschiedenes und gragekasten.— In Anbetracht dieser aufier- ordentlich wichtigen Tagesordnung ist es Ehrensache eines jeden MUgliedes, """filich zu erscheinen. Achtung! Schäftebranche! Sonnabend, den 27. September, Abends 8% Uhr, Versammlung der Fielen Vereinigung der Zuschneider, Aorrichter und Slcpper im Lolale Neue Clrünslr. 14. Vortrag vom(Senossen Millarg: Tie iSeivinnbelheiltgung der Arbeiter und die Steuern w. Große außerordentlichr Ulilltiir- und Liefernngsschneider- K«r- fammlung am Sonnabend, den 27. September Abends 8% Uhr, ti» Münchener Brauhaus, JohanntSstr. 2u. Lachverei» der vohrirgcr und Helfer. Versammlung am Sonntag, den 23. September, Vormittags 11 Uhr, in Feuerstcin'S Lolal, Alte Jalvb- slraft» Ar ,,„ftzchnernn der in Kiichdindereien und verwandte» Ketriebe» be- fchastigtr» Arbeiter. Heute Abend im Äereinslokal, Annensir. 18: fflemüch« liches Beisammensein. Freunde, ivelche durch Bereinsmitglteder«ingefuhrt werden, zahle» 80 Pf. Um zahlreiche BetheiUgung wird ersucht. K«r«>»igu»g der Zlrechoier Deutschland»(gahtflelle Rirdors und Umgegend). Versammlung am Sonnlag, den 28. September, Vorm. 11 Uhr, bei Paple, Ziethenstr. 7i. Große ösfeniliche Dersammtung für Männer und Frauen am Sonntag, den 28. September, Abends 6 Uhr, tn den Zentral-Festsälen, Oranien- straße 180. Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn Max Bagtnöli über: Die Ursachen der Armnth. 2. Dislussson. 8. Verschiedenes.— Nach der Versammlung: Geselliges Beisammensein. Gihischr GrseUschaft. Sonntag, den 28. September ct., Abends 8 Uhr, Grenadtersir. 83 bei Seeseidl: Vortrag des Herrn H. Pcus über:„Tie Ver- Wandlung bedeutender Menschen in Götter". Nachher gesellige Unteihallung und Tanz. Gäste, Damen und Herren, willkommen. Große öffentlich« Drrfammlung fämintlicher Schraube»., Fafon» dreher und Krrufsgenosse» Kerlin» am Montag, den 28. September ct., Abends 7 Uhr, tn Tetgmllller's Salon, Aste Jakobslr. 48a. Tagesordnung: 1. Bericht der Delegirten der Berliner Sireit-Kontrollommission. 2. Diskussion. 3. Bericht über die siaiigesuiidene WerkftaUagttatlon. 4. Verschiedenes.— Um zahlreiches Erscheine» wird ersucht. iSjIt-crfrfCTCiI. Die Redaktion stellt die Benutzung des Sprechsaals, soweit Raum dafür abzu- geben ist, dem Pubkilum zur Besprechung von Angelegenheiten allgemeinen Interesses zur Verfügung; sie verwahrt sich aber gletchzeilig dagegen, nitt dem Inhalt desselben tdentistztrt zu werden. Bescheidene Anfrage. Bei der diesjäarigen Lassalle- Feier im Müggelschlößchen herrschte ein wahres Zluktionsfieber, Jeder war bemüht, Gegen- stände nack) amerikanischer Weise zu versteigern. Wie hervor- gehoben wurde, wären die Ueberschüsse für die ausgesperrten Weber in Greiz und die Hamburger Arbeiter ic. bestimmt worden. Rechnung resp. die Summe, welche den Greizer und Hamburger Genossen zugekommen ist, sind bis jetzt nur von Zweien und zwar Karl Scholz, Wrangelstraße, und von einem anderen Genossen öffentlich in»„Berliner Volksblatt" abgelegt worden. Vielleicht sehen sich auch die anderen Betheiligten hierdurch veranlaßt, nähere Angaben zu machen. H. Pohl, Skalitzersir. 120. F. Wichert, Grimmstr. 38. P. Pritzkow, Dieffenbachstr. 72. E. Müller, Schmidstr. 39. G. Link, Britzerstr. 6. H. Boich ert, Münchebcrgerstr. 25. Vviefltttfkvtt vev Nedoiltkion. Bei Anfragen bitten wir die Abonncmenis-QuiUung beiznfügen. Brieflich Zlntwort wird nicht erlheilt. Wir ersuchen alle Diejenigen, welche Annonzen bei uns brieflich aufgeben, gleich den Betrag(40 Pfennig pro Zeile) in Briefmarken beizufügen, davon ausgenommen sind Vereins- und Versammlungsinserate. Die Expedition, Beuthstraße Nr. S. Sermann. Wir verweisen auf die Bemerkung an der Spitze unseres Brieskastens(3 Zl.). E. K. Krüssel. Ja. Dezreflhen. (Wolss's Trlegraplsrn-Kuvean.) London. 26. September. Wie das„Reuter'sche Bureau" erfährt, hat die englische Regierung gestern einem ,n Sansibar stationirien Kriegsschiffe telegraphischen Befehl erthellt, nach Witu abzugehen,' damit der Sachverhalt der Ermordung des Deutschen Künzel und seiner Begleiter an Ort und Stelle fest- gestellt werden könne. Große öffentliche am Montag, den 29. Sept., Ab. 8 Uhr, bei Uoll, Adalbertstr. 21. Tagesordnung: 1. Definitive Beschlußfassung über Gründung einer freienHilfskrankenkasse. 2. Verschiedenes. Um zahlreiches und pünkliches Er- scheinen ersucht 2208 Die Kommissto». Leseklub fftumaniiat. Ten Mitgliedern zur Siachricht, daß die nächste Sitzung Montag, den 29. d. M., Abends 8'/2 Uhr, stattfindet. Tagesordnung: 1. Der vorletzte Tag des Sozialistengesetzes. 2. Diskussion. Vereinslokal: Meinssvaste 2ti bei P i e t s ch.— Gäste willkommen. SCSein. 2225 Uhrmach«?. 2o Neue Hochstr. 25 empfiehlt sein Lager aller Arten . Wllili!- üui) Tasßes-Uhttlk. Ärparaturr» zu soliden Dreisen. f Meine sänimtlichen ■aunutiy; Seiden- und Filz- hute sind mit Kontrotinnrüe» versehen und werden nicht erst beim Kaufen eingeklebt. A. Langr, 2224 B r ll n II e II st r. 136/37. Alb. Hintze, Dalldorforstr. 18, dicht am Weddingpl., empfiehlt sein Lager fertiger Schuhwaaren für Herren, Damen und Kinder. 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Vormittags 9V2 Uhr, entschlief nach langem, schwerem Leide mein lieber Mann und unser gu» Vater, der Zimmermann 2<äu Rudolf Mollenhauer im 50. Lebensjahre.— Die Beerdigung findet am Sonntag, Nachmittags 2 Utst, vom Trauerhause, Heimstr. 7 aus naM dem Neuen Jerusalemer Kirchhof fiam Die trauernden Hinterbliebenen. Frau Aug. Mollenhauer nebst Kindern. Am Donnerstag starb nach, kurzem, schweren Leiden der Werkmeister Hk" Robert Igel, in seinem 30. Lebensjahre. Ich verliere in dem Dahingegangene» einen durch 12 Jahre in meinem Haust thätigen treuen Mitarbeiter, welchen ich stets ein treues Andenke» bewahren werde. A. Dietzschold. Die Beerdigung findet Sonntag, 5 tust» von der Halle des St. Thomas-Kirch- Hofes aus, statt._ 2229 Orts-Krankenkasse d. Stein" drucker und Lithographen. Ilm 25. September verstarb unser Mitglied, der Steindrucker- Invalide Herr Julius Lüders. Die Beerdigung findet statt am Sonntag, den 23. d. M., Nachmittag» 4 llhr, von der Leichenhalle des 2. Be» gräbnißplatzes der Jacobigemeinde» Herrinannstraße in Britz, aus. ' Um zahlreiche Betheiligung bittet 2228 DerVorstand. Nachruf I Am 24. d. M., 63/4 Uhr Abds., verstarb tlnser Kollege, der Jnstru- mentenmacher 2238 Theodor Metzner, im Alter von 34 Jahren, am Herzschlage. Die Beerdigung findet am Sonntag, 28. Sept., Vorm. 10 Uhr, von der Leichenhalle d. Parochial- kirchhofes, Boxhagenerstraße, aus, statt. Ehre seinem Andenken. Die Kollegen der Pianofabrik von Schmekel& Comp. Nachruf I Am 24. d. M. verstarb der Jnstrnmentenmacher Theodor Mehner, am Herzschlage. 2289 Wir verlieren in ihm einen ehrlichen und pflichtgetreuen 'Arbeiter. Ehre seinem Andenken. Sdimeket Ä Eo.,Pianofortefabr. Mr de» WHen Berlins � Umgegend(Schöneberg:c.) empfiehlt sich zur pünktlichsten Lieferung des Hrri. Uoilrol-Intt, Noiirs-Trivunr» Wahrr» Jacob, Kirnen Writ-Ka- lenders sowie aller anderen Zeitungen u. Journale. Ferd. Kleinert, 2177 Zsorkstr. 71. 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Druck und Verlag von Mae Kading in Berlin SW., Beuchstraße 2.