W. sss. Komltag, de« 28. Äcptrmbrr 1890. V. Jahrg. Hrgan für die Interessen der Arbeiter. erstem. r-x cm Das„Berliner Volksblatt" '>'�WAWUWWNr! is'ism» � vÄ.5'Är»i.Äe st?Ä Jsfwsasrs Sonn- und Festtagen bis 9 Uhr Vormittags geotsnet. -, Fernsprecher: Amt VI.|lr. 4100.«-*»- NcdQÜkion: BenkhfivLtHo S.— Expvdikion: Vettkhflrtttze 3. Äbgmitiileiits-Eliillilüiiig. . Mit dem 1. Oktober eröffnen wir ein neues Abonnement auf das mit dein „Verliiter Kslksblstt" ** „SottNkÄgSvlQkt als Gratisbeilage. Große Veränderungen sind mit Bezug auf unsere Partei er- folgt, größere stehen ihr bevor. Der diesjährige 1. Oktober ist ein historischer Aiigenblick für die proletarische Bewegung, er ist der wichtigste Moment, den die heutige politische Geschichte kennt. Mit dem t. Oktober fällt ein Gesetz, welches zwölf Jahre lang die Entwickelung der modernen Arbeiterbeivcgung einzudämmen suchte; mit dem I. Oktober wird das deutsche Proletariat seinen Weg ohne die Fesseln eines Ausnahmegesetzes zu gehen haben. Die zweite Hälfte der ausnahmegesctzlichen Zeit in Berlin ist eng und unauflöslich mit dem Organ der Berliner Arbeiter, dem ..Krrliuer Nolbsblatt" verknüpft. Das„Krrtinru VolKo- btatt" hat das Sozialistengesetz überdauert, aber in seinen Spalten spichelt sich die Geschichte der unterdrückten Berliner- Arbeiterschaft wieder. Von den Zeilen des berüchtigten„Volkssrcund" an bis zu den letzten Erlassen des Ministers Herrsurth hat das ..Kcrtinep Kolbsblatt" treu und unentwegt zur Berliner Sozialdemokrati! gehalten— und so soll es auch für alle Zeiten bleiben. Aber neue und schwere Kämpfe stehen uns bevor. Die sozialdemokratische Presse kennt keine Zeit der Ruhe, sie muß sortivährend geivappnet sein, denn wenn irgendwo, so gilt für uns der Spruch:„Feinde ringsum!" Um den erhöhten Pflichten und'Aufgaben, welche das Er- löschen des Sozialistengesetzes unserer Partei auferlegt, nach jeder Richtung hin gewachsen zu sein, trete» wir voin 1. Oktober an mit verstärkten Kräften vor unsere Leser. Wie unseren Lesern schon bekannt ist, wird von diesem Tage an Wilhelm Liebknecht der Redaktion des„K/rliuer Uolkvblatt" angehören. Auch nach anderen Richtungen ist der Stab unserer Mitarbeiter vermehrt worden. Für unser tägliches Feuilleton haben wir den sozialen Roman Viltjovicr <6 von Minna Kautosty erworben. Ter Name der seit Jahren in der proletarischen Literatur thätigen Verfasserin bürgt dafür, daß den Berliner Arbeiter» hier ktwas wirklich Gediegenes geboten wird. Wir hoffen daher, daß sich unscr Blatt immer mehr nnd'mehr bei den Arbeitern einbürgern, daß in der kommenden neuen Zeit sich immer mehr die Ueberzeugung Bahn brechen wird, daß Derben Gegner unterstützt, der dessen Presse unterstützt. Arbeiter, Ihr seid die Majorität der Bevölkerung. Eure Presse muß daher die gelesenste sein. ZleuiNeton. Nachdruck verboten. I (10 Eine Unglückliche. Erzählung von I iv a n T u r g e n i e w. „Aha!* schrie er und ballte seine Faust!„Aha! so bin h also der Bruder.. meines Bruders! Bande des Blutes, ne V Eh?— Aber den Vetter kann man heirathcn? Das t möglich? Eh?— Führe sie ab. Du!" wandte er sich zu leinen, Stiefvater.„Lasse es Dir gesagt sein: halte das )hr spitz! Für den geringsten Verkehr mit ihr— soll keine strafe groß genug sein-- Führe sie ab!" „Herr Ratsch brachte mich in mein Zimmer. Während str über den Hof gingen, sprach er kein Wort zu mir und ichte nur tonlos vor sich hin. Er schloß die Fensterladen, ie Thüren und dann, sich vor mir verbeugend, wie vor iimeon Matveitsch, platzte er in ein unaufhaltsames, änmphirendes Gelächter aus.„Gute Nacht, Prinzessin lielikitrice," stöhnte er athemlos.„Hast den Zarewitsch siitrofan nicht sangen können! Schade! Die Idee war in lrer Art gar nicht dumm! Hieraus ist für die Zukunft die ehre zu ziehen: Man soll keinen Briefwechsel beginnen. a— ha, ha! Wie gut sich übrigens das Alles abgewickelt lt!" Er ging hinaus, steckte den Kopf aber noch einmal i Thür hinein:„Nun? Ich habe es Ihnen nicht ver- ssen? Wie? Habe mein Wort gehalten? Ho— ho— ho!" er Schlüssel drehte sich im Schlosse. Ich athmete frei. ich hatte gefürchtet, daß er mir die Hände binden würde, .. allein sie waren mein,— sie waren frei! Ach riß Der Abonnrmrutopreis beträgt frei in« Kauo für das ganze Vierteljahr 3 Mark 30 Pf., monatlich 1 Mark 10 Pf., wöchentlich 28 Pf. Bestellungen werden von sämmtlichen Zeitungsspediteuren entgegengenommen. Für außerhalb nehmen sämmtliche Postanstalten Be- stellungcn für das Vierteljahr gegen Zahlung von 3 Mark 30 Pf. an. (Eingetragen in der Post-Zeitungsliste für 1900 unter Nr. 892, V. Nachtrag.) Die Redaktion und Expedition des „berliner Uolksklatt". Die ltQpikQlistisckxen VQuevnMnijeretvn. Für unsere Bourgeoisie wäre die Gegenwart in der That das goldene Zeitalter, wenn nicht die soziale Frage vorhanden wäre und sich ihr wie der Schatten an die Ferse heften würde; wenn sie nicht in allen[ihren Genüssen, bei wohlbesetzter Tafel, beim Champagner, wenn sie das Leben genießen will, beständig gestört würde durch das plötzliche Auftauchen des sozialen Gespenstes. Dessen- ungeachtet lebt, was die materielle Seite desselben betrifft, die Bourgeoisie doch thatsächlich im goldenen Zeit- alter, dessen besceligendc Annehnilichkeiten sie auch nicht entbehrt, trotz der Beeinträchtigung durch die soziale Frage. Diese leidigen Störungen des Genusses und die A n- f e ch t u n g e n des mühelosen Erwerbs zu beseitigen— das ist zur Zeit das große Problem, das die besitzenden und herrschenden Klaffen in Aufregung erhält. D i e Existenz der sozialen Frage verneint die G r o ß- B o u r g e o i s i e noch heute trotz alledem, trotz der Anerkennung derselben durch die Wissenschast und selbst durch die Gesetzgebung; in den Augen der Groß- Bourgeoisie ist heute noch die soziale Frage ein Luft- gebilde ohne reale Gestalt, und ohne realen Untergrund, das künstlich geschaffene Produkt sozialistischer Hetzer und Unruhestifter. Für diese Auffassung der Dinge seitens der Bourgeoisie spricht die Thatsache, daß sie trotz des kläg- liehen Fiaskos des Sozialistengesetzes und mit ihm der ganzen GewaltSpolitik doch wüthend ist über den Fortfall des Ausnahmegesetzes, daß sie nach wie vor jede Noth- wendigkeit bestreitet, die wirthschaftlichen und sozialen Ver- Hältnisse in Rücksicht auf den Arbeiter etivas zu ver- ändern. Da die Bourgeoisie die soziale Frage als solche kon- sequent negirt und in ihr nicht das Produkt des historischen Entwickelungsprozesses zu erkennen vermag, so ist es frei- augenblicklich eine seidene Schnur ans meinem Schlafrocke, machte eine Schlinge und näherte sie dem Halse, warf die Schnur aber sofort wieder von mir.„Ich will Euch nicht die Frende machen," sagte ich laut.„Und in der That! Welch ein Wahnsinn! 5kann ich denn ohne Michaels Wissen über mein Leben verfügen, mein Leben, das ihm gehört, ein freies Geschenk von mir selbst? Nein, Ihr Bösewichte! Stein! Eure Sache ist noch nicht gewonnen! Er wird mich retten, er wird mich auS dieser Hölle herausreißen, er.... oh, mein Michael!".. „Und dann fiel mir ein, daß ja auch er, gleich mir, eingeschlossen war,— und ich warf niich mit dem Gesichte auf mein Bette und schluchzte, schluchzte... und nur der Gedanke, daß nicin Peiniger vielleicht hinter der Thür stand und triumphirte, dieser Gedanke allein machte es mir mög- lich, meine Thräncn zu verschlucken... „Ich bin erschöpft. Ich schreibe vom Morgen an, und jetzt, ist es Abend; wenn ich einmal mich von dem Papier losreiße, werde ich nicht mehr im Stande sein, die Feder von Neuem zu ergreifen... Also schnell, schnell zum Ende! Mich bei all dem Häßlichen aufzuhalten, was auf jenen fürchterlichen Tag folgte, übersteigt übrigens auch meine Kräfte! „Bierundzivanzia Stunden später wurde ich in einem verdeckten Schlitten in ein zum Hofe gehöriges Bauernhaus übergeführt, und mit Wache haltende»» Mushiks umgeben; dort blieb ich sechs volle Wochen eingeschlossen! ich»var nicht einen Augenblick allein... Ich habe in der Folge erfahren, daß mein Stiefvater von Michaels Ankunft an»»»ich und ihn mit Spionen umgeben und den Diei»er, der mir Michaels Pries zustellte, erkauft hatte. Ich habe auch erfahre»», daß zivischcn Vater ui»d Sohn am folgenden lich nichts Wunderbares, daß sie für die Beseitigung der ihr widerlichen Arbeiter-Unzufriedenheit die kleinlichsten, ja geradezu kindlich- naiven Mittelchen in Vor- schlag und Anwendung bringt. Wenn man eines der kapitalistischen Organe in die Hand nimmt, ist man sicher, ein soziales Heilmittel angegeben zu finden. Da wird empfohlen, von nationalliberalen Bauernfängern eine „Arbeiter"-Presse gründen zu lassen, die den„Aus- schreitungen und Umtrieben der sozialistischen Zeitungen" energisch ei»tgegeiltreten, die Arbeiter wieder zur Pflicht zurückführen, sie z»lin Sparen an- halten, z»lr Achtung und Liebe gegenüber dem„Arbeit- geber"(„Brotgeber"), zur Folgsamkeit gegen denselben und zu Fleiß und Arbeitsamkeit„erziehen" soll. Zu demselben Zivecke werden Flugschriften enipfohlen und nament- lich die„sozialpolitischen Klopfsechtereien" des„um die Förderung der Arbeiterfrage hochverdienten" Kommerziell- rathes und Reichstags-Abgeordneten Oechelhäuser als Musterleistung vorangestellt. Diese sozialen Heilmittel sind bereits befolgt»Vörden und werden»veiter augewandt wer- den. Wenn sich aber die Bourgeoisie von einer Dema- gogie, wie sie sich in ihrem Berliner Organ, der „Deutschen Arbeiterzeitung" breit macht, Erfolg und Eindruck auf die Massen verspricht— dann ist sie sehe auf den» Holz»vege. So abstoßendes, plumpes Spiel, wie es in den„sozialpolitischen Preßerzeugnissen der national- großkapitalistischen Demagogie»nit dem deutschen Arbeiter getrieben wird, würde von diesem durchschaut und»i»it Ver- achtung weggeworfen,»venu er selbst weniger intelligent »väre, als er es in der That ist. Da man als die Quelle der sozialen Reibungen die F a ch v e r e i n e" ansieht, so haßt»»»an sie und man hat es uuter der Herrschaft des Sozialistengesetzes sehr gerne gesehen, wem» die Polizei in der Auflösung und Verfolgung dieser Vereine eine umfassende Thätigkeit ent- faltete. Aber man ist für Ersatz besorgt. Es giebt heute noch in Deutschlaitd eine ziemliche Anzahl, ans der alten Zeit herübergerettete sogenannte„ A r b e i t e r- B i l- d u»» g s v e r e i»» e", deren Leitung in den Händen von Fabriks- oder öffentlichen Beamten, von Fabrikanten, strebsamen Lehrern oder ähnlichen Elementen liegt und die den Ziveck habe»», die Arbeiterschaft vor der Sozialdemokratie zu„schützen". In diesen Vereinen wird geturnt, gesungen, Sedan gefeiert, den Fabrikailten, dem Bürgermeister w. gelegentlich ein Ständchen gebracht, für Bismarck oder für Afrika gesammelt. Feste gefeiert und dann vielleicht»vird zu Weihnachten den braven Arbeitern ein Geschenk— Almosen— zu Theil. Die Arbeiter, die diesen Vereinen augehören, lassen sich in drei 5tategorien theilen: 1. in solche, die nie von der Mutter weggekommen Morgen eine fürchterliche, empörende Szene vorgefallen war ... Der Vater verfluchte ihn, Michael schwor, das vätcr- liche Ha»iS mit keinem Fuße mehr zu betreten und reiste nach Petersburg. Aber der Schlag, den mein Stiefvater auf mich gefüllt hatte, traf ihn selbst; Simeon Matveitsch erklärte ihm, daß er nicht mehr auf dem Lande bleiben ul»d die Besitzung nicht»nehr verivalten könne. Es»nag wohl schiver sein,»»»»geschickten Eifer zu vergeben, und der daraus entstandene Skandal mußte doch an Jemand gerügt werden. Ucbrigcns»vurde Herr Ratsch freigebig von Simeon Mat- veitsch bclobnt. Er gab»hm Mittel, nach Moskau über- zusiedeln und sich dort»»iederzulassen. Vor»»nserer Abreise nach Bioskau»vurde ich in unseren Flügel zurückgebracht, aber»vie früher, unter strenger'Aufsicht behalten. Der Ver- tust des„ivarmcn Plätzchens", das er„durch»»»eine Güte verloren", vermehrte noch die Erbittennig meines Stiefvaters gegen mich. „Und, iven haben Sie da verivunden»vollen?" pflegte er, vor Wuth schnaubend, zu sagen.—„Der Alte»nußte freilich heftig werden, sich übereilen, ui»d»tun sitzt er drin. Jetzt freilich hat seine Eigenliebe gelitten,»md das Uebel ist »»»cht mehr wieder gut zu machen. Er hätte nur einige Tage zu»varten gebraucht und Alles wäre»vie B»ltter ge- flössen. Sie»vürden jetzt nicht bei trockenein Brote sitzen, und ich wäre geblieben,»vas ich»var! Das ist es eben: Lang ist der Frauen Haar... aber kurz ihr Verstand! Nun, schon gut!- Von Ihnen»verde ich schon nehmen was mir zukommt, und jenes Täubchen(er»»einte Michael)»vird auch an»»»»ch denken! „Ich mußte natürlich alle diese Beleidigungen still- Hiveigel»d ertragen. Simeon Matveitsch habe ich nie»vicder gesehen. Die Trennung von seinem Soh»ic hatte ihn sehr sind; 2. in solche, deren Ehrgeiz es schmeichelt, mit dem Herrn Fabrikanten oder Bürgermeister oder Lehrer in ein und demselben Verein sein und mit so angesehenen Leuten verkehren zu können und 3. in solche, die moralisch defekt sind, keine Manneswürde besitzen, auf keine Achtung An- spruch erheben, vor dem„Brotgeber" auf dem Bauch liegen und darauf rechnen, für ihre Bravheit durch ein Almosen belohnt zu werden. Intelligente Arbeiter mit entschiedener Charakterbildung und Lebenserfahrung wird man in diesen Vereinen, deren noch fortwährend neue er- richtet werden, vergebens suchen. In diesen Vereinen werden natürlich auch zweckdienliche Vorträge gehalten. Höre man, was F. A. Lange vor einem Vielteljahr- hundert in seiner„Arbeiterfrage" über die kapitalistisch- demagogischen„Arbeiter-Bildungsoereine" sagte:. Man sagt den Arbeitern vor, sie seien nicht reif, Politik zu treiben, weil sie nicht gebildet seien; sie müßten erst zum Verständniß der großen Fragen herangebildet werden und damit dies gelänge, müßten sie fein mit dem A-B-C anfangen und sich gedulden, bis sie Alles begriffen hätten. Darin liegt denn wieder jene abscheuliche Verwechselung von Bildung und niännlicher Reife. Bildung! Wie schön ist das Wort! Es bezeichnet eines der höchsten Güter, nach welchen wir streben können, wenn es nicht die höchsten alle in sich schließt. Und doch darf es keine, wenn auch nur vorübergehende Scheidewand bilden zwischenberechtigten Menschen und unberechtigten. Selbst wenn Du Bildung im höchsten Sinne des Wortes besitzest, ist Dein Mitmensch Dir gegenüber kein 5kind. Entweder Du erniedrigst ihn zum Sklaven— so lange die Kette halten will— oder Du anerkennst ihn als freien Mann und in der Hauptsache als ebenbürtig. Das Gängelband gehört nicht in Deinen Umgang mit Männern und wenn Du ihnen gegenüber ein Riese an Kenntrissen wärest. Wie vollends, wenn nun die ganze„Bildung", die sich eine so vor- nehme Rolle anmaßt, weiter nichts ist, als jene Politur der Erscheinung und der Rede, welche sich gegenwärtig oft mit vollendeter Hohlheit verbindet? Wie, wenn Eitelkeit und doktrinäre Verblen- dung— und fügen wir hinzu, brutaler Egoismus und maßlose Herrschgier und Habsucht— den Gebil- deten unfähig gemacht haben, einfache Wahrheiten einzusehen, d i e d a s V o l k i m Leben gewissermaßen in i t H ä n d e n greift? Wir wollen nicht leugnen, daß die Arbeiter nicht immer Gewandtheit genug haben, allen Feinheiten einer Jnter- pretation der Verfassung zu folgen oder in diplomatischen Noten zwischen den Zeilen zu lesen. Es ist aber auch gar nicht nöthig, daß der Staat, der allen gehört, mit solchen Kniffen verwaltet werde. Wohl aber ist nöthig, daß eine Berücksichtigung der Bedürfnisse desArbeiter st andes inder Gesetzgebung durchgesetzt, daß das Recht zu Gunsten der Unbemittelten refor mir t werde, daß die ganze Richtung der öffentlichen Thätigkeit nrebr auf das W o h l der Massen hingelenkt werde. Und nicht minder ist nöthig, daß der Arbeiter durch die Theilnahme am öffentlichen Leben im Staat— und besonders auch in der Gemeinde— das Selbstgefühl wieder erhalte, dessen er zu seiner freieren und besseren Ent- wickelung bedarf." So urtheilte Lange vor fast einem Menschenalter über die bauernfängerischen Arbeiter-Bildungsoereine. Das Ziel, welches die Bourgeoisie, mit diesen Wechselbälgen und mit allen ihren anderen derartigen Unternehmungen verfolgt, istdie Ablenkung der Arbeiterschaftvon der ehrlichen sozialdemokratisch enArbeiterbewegung, die Verewigung der Lohnsklaverei und die Erhöhung der Abhängigkeit des Arbeiters vom Kapitalistenthum. Die Bourgeoisie will keine, gar keine Sozialreform, sie will die vollständige soziale und politische Rechtlosigkeit des erschüttert. Fühlte er nun Reue, oder— wohl wahrscheinlicher— wünschte er mich für immer an sein Haus, meine Familie— Familie!!— zu ketten; genug, er bestimmte mir eine Pension, die mein Stiefvater empfangen und mir auszahlen sollte, bis ich heirathcn würde... Dieses er- niedrigende Almosen erhalte ich bis jetzt, das heißt, er erhält sie, statt meiner... „Wir ließen uns in Moskau nieder. Ich schwöre bei deni Andenken meiner arnien Mutter, daß ich, nach unserer Ankunft in der Stadt, nicht einen Tag, nicht zwei Stunden bei meinem Stiefvater geblieben wäre... Ich wäre davon gelaufen, ich weiß nicht wohin— in die Polizei— ich hätte mich dem General-Gouverneur, den Senatoren zu Füßen geworfen— ich weiß nicht, was ich, gemacht hätte, wenn es nicht in dein Augenblicke unserer Abreise vom Lande einer gewesenen Stubenmagd von mir gelungen wäre, mir einen Brief von Michael zuzustellen. Ach, dieser Brief! Wie viele Male habe ich jede Zeile desselben gelesen, wie oft habe ich ihn mit Küssen bedeckt! Michael beschwor mich, den Muth nicht zu verlieren, und seiner treuen Liebe gewiß zu sein. Er schwor. Niemand anders anzugehören als mir; er nannte mich sein Weib; er versprach, alle Hindernisse ails dem Wege zu räumen, nialtc mir das Bild unserer Zukunft aus und bat mich nur um das Eine: zu dulden und zu warten... und ich war entschlossen zn dulden und zu warten. Ach! worin hätte ich nicht gewilligt, was hätte ich nicht getragen, um nur seinen Willen zu erfüllen! Dieser Brief wurde mein Heiligthum, niein Leitstern, mein Anker. Oft, wenn mein Stiefvater mir Vorwürfe machte, mich be- leidigtc, legte ich still meine Hand auf die Brust(ich trug seinen Brief, in ein Säckchen eingenäht, immer bei nur) und lächelte nur, und je mehr er wüthete und schalt, desto leichter und süßer wurde mir zu Muthe... Zuletzt sah ich ihm an den Augen an, daß er zu glauben anfing, daß ich wahnsinnig würde.— Auf jenen ersten Brief folgte ein zweiter; er war noch glücklicher, noch mehr voll Hoffnung... er sprach von einem baldigen Wiedersehen. „Ach, statt dieses Wiedersehens kam ein Morgen.... Und ich sah wieder Herrn Ratsch hereintreten— und wieder war Triumph, schadenfroher Triumph auf seinem Gesicht— Arbeiters, sie will hohe Dividenden und schlechte Arbeits- löhne, lange Arbeitszeit und unbeschränkte Frauen- und Kinderarbeit, viel Polizei und etwas Almosen; statt in die Versammlung schickt sie den Arbeiter in die Kirche, und sie fordert die Diener der Kirche aller Konfessionen auf, ihr dabei behilflich zu sein, ihr, der„liberale n" Bourgeoisie, die einen Kulturkampf auf dem Gewissen hat — und so glaubt sie, nicht die soziale Frage lösen, son- dern die Begehrlichkeit, das Vorwärtsstreben der Massen unterdrücken, den Flügelschlag einer neuen Zeit hemmen zu können. M ovvoMQNdenzett. London, 25. Sept. Was ist Freiheit, was Unterdrückung? Diejenigen, welche die moderne Arbeiterbewegung nach den Schlag- worten aus den Kämpfen des Bügerthums zu modeln suchen, wer- den durch die Praxis der Ersteren vor arge Prüfungen gestellt. In der heutigen Nummer des„Daily Chronicle" stoße ich auf folgendes Eingesandt: „Vor einigen Tagen las ich in Ihrem Blatt von den „freiwilligen Beiträgen" der Docker für ihre australischen Brüder. Aber was halten Sie von einem Streik in dem Tabak-Departement der Victoria- Docks, wo heute(Mitt- woch) früh, weil ein Mann sich weigerte, mehr als einen Schilling pro Woche zu dem Streikfonds zu steuern, über 300 Mann sich weigerte», weiter zu arbeiten, wenn der Betreffende nicht bedingungslos entlassen würde. Ich frage die Leiter, ob dies das geeignete Verfahren ist, die Gewerk- schaftssache zn fördern resp. ihren Brüdern jenseits des Wassers zu helfen?" Als Einsender dieses Klagebriefes wird„Ein Docker" bezeichnet. Ob es, wenn überhaupt ein solcher, derselbe Docker ist, wegen dessen die Dreihundert die Arbeit niedergelegt, wird nicht hinzugefügt. Es wird aber wohl„ein Docker" mit aus- geschriebener kaufmännischer Handschrift gewesen sein. Jedenfalls haben die„Times", die„St. James Gazette", die „Morning Post" und der Chorus der gleichgesinnten Blätter wieder eine schöne Gelegenheit, über die„"Tyrannei der Gewerk- schasten", und ganz besonders der„neuen" Gewerkschaften zn Felde zu ziehen. Ist es erhört, daß Arbeiter ihren Kollegen vor- schreiben, wie viel sie für irgend einen Zweck, der außerhalb des Bereichs der Aufgaben ihrer eigenen Organisation licgi, ausgeben sollen? Und daß sie, wenn der Kollege sich dem Gebot nicht auf den Buchstaben unterwirft, der Gesellschaft befehlen: Du darfst diesen Mann nicht mehr beschästigen? Wo bleibt da die persönliche Freiheit, dieses höchste Gut der Menschheit, wenn solche Tyrannei sich einnisten darf, solch' abscheulicher Zwang Gewohn- heitsrecht erlangt? Thatsache ist: wie viel Heuchelei auch in diesem, oft wieder- holtem Nüsonnement steckt, mit der bürgerlichen Freiheits- Vorstellung, mit der bürgerlichen Auffassung des freien Selbst- bestimmungsrechts läßt sich das Verhalten der 300 Dockarbeiter kauni vereinbaren. Wir mögen uns drehen und wenden, hier liegt ein Eingriff in dieses freie Selbstbestimmungsrecht vor, der, wenn man ihn abstrakt betrachtet, dem zwischen Despotismus oder,»m ein Beispiel der Unterdrückung durch eine Vielheit zu wählen, dem Zwang fanatisirter Bauern gegen einen Ungläubigen in der Gemeinde in Nichts nachsteht. Es nützt auch nichts, zu sagen, hier ist der Zweck ein guter und da ein schlechter. Denn was ist„gut" und was ist„schlecht"? Die fanatisirten Bauern, ob es sich nun um römische Katholiken, um bibelgläubige Lutheraner oder um orthodoxeJuden(man erinnere sich nur an Galizien) handelt, sind von der Güte ihrer Sache fest durchdrungen, und auch der Zar ist wahrscheinlich überzeugt, daß seine Alleinherrschaft für das Glück seiner Unterthancn unentbehrlich ist. Wenn Hegel einmal halb ironisch gesagt hat, Alles, was in der Welt verdorben worden sei, sei aus guten Gründen verdorben worden, so kann man in analoger Weise auch sagen, jeder Zwang, jede Unterdrückung, von denen die Weltgeschichte erzählt, seien um guter Zwecke willen ausgeübt worden. Nur, daß immer diejenigen über die Güte entschieden, welche das Verderben, bezw. das Unterdrücken bc- sorgten. Die Berechtigung des Zwangs aus dem guten Zweck herleiten, führt direkt zur katholischen Kirche. Dann hätten also die 300 Doktor Unrecht? Nichts liegt mir ferner, als daS behaupten zu wollen. Im Gegentheil, ich be- wundere ihre eiserne Konsequenz, und ich bin überzeugt, daß die große Masse der Leser dieses Blattes es gleichfalls thut. Worauf es mir ankommt, ist nur, an diesem einen Fall, der sich bekannt- lich täglich wiederholt, zu zeigen, daß es einfach nicht angeht, auf den Emanzipationskampf der Arbeiterklasse die bürgerlichen Schlagworte anzuwenden. Er hat seine eigene Moral, sein eigenes Liechtsprinzip, und dieses stammt allerdings „nicht von Außen her". Es entwickelt sich aus der Natur dieses besonderen Kampfes, und wenn„das Herz allein davon Kunde" giebt, so ist es nicht jedes beliebige Herz schlechtweg, sondern das Herz des Proletariers, das Herz dessen, der Jisit dem Proletariat in seiner Hand eine Nummer des„Invaliden" und darin die Nachricht von dem Tode des Rittmeisters von der Garde Michael Koltowskoy— aus dem Namensregister gestrichen. „Was kann ich noch hinzufügen? Ich blieb leben und fuhr fort bei Herrn Ratsch zn wohnen. Er haßte mich ärger als je— er hatte seine schwarze Seele zn sehr vor mir bloßgestellt und konnte mir das nicht vergeben. Aber mir war Alles gleichgiltig. Ich wurde ganz gefühllos: niein eigenes Schicksal hatte kein Interesse mehr für mich. An ihn, an ihn zu denken ivar meine einzige Beschäftigung, meine einzige Freude. Mein armer Michael war mit nWnem Namen auf den Lippen gestorben... das erfuhr ich von einem ihm ergebenen Diener, der ihn aufs Land begleitet hatte. In demselben Jahre heirathete mein Stief- vater Eleonore 5tarpoivna. Bald darauf starb auch Simeon Matveitsch, nachdem er in seinem Testamente die mir be- willigte Pension bestätigt und vergrößert hatte.... Im Falle meines Todes geht sie auf Herrn Ratsch über. „Zwei, drei Jahre vergingen... sechs, sieben Jahre vergingen.... das Leben floß und floh dahin.... und ich schaute nur zn, wie es dahin floß. So pflegen Kinder ant Ufer des Flusses zu spielen, Fischkasten und Dämme anS Sand aufzubauen, und auf jede Weise zu versuchen, daß das Wasser nicht durchsickert und durchbricht... aber endlich bricht es denn doch durch, und sie geben alle ihre Mühe auf, und sehen fröhlich zu, wie alle aufgespeicherte Herrlichkeit bis auf das letzte Körnchen weggebracht ist... „So lebte, so vegetirte ich, bis endlich ein neuer un- verhofftcr Strahl von Wärme und Licht... Bei diesem Worte brach die Handschrift ab; die übrigen Blätter waren abgerissen und ein paar Zeilen; welche den begonnenen Satz beendigten, waren durchstrichen und mit Dinte geschwärzt. Achtzehntes K a p i t e k. Das Durchlesen dieses Heftchens regte mich so auf, der Besuch Susannens hatte mir einen so tiefen Eindruck hinterlassen, daß ich die ganze Nacht schlaflos zubrachte. Früh am Morgen schickte ich per Estafette einen Brief an Fustoff ab, in welchem ich ihn beschwor, so schnell wie möglich nach Moskau zurückzukehren, da seine Abwesen- denkt und fühlt: genau so, wie es nicht das erste beste ö«}; sondern das Schiller'sche Bürgerherz ist, das die bekannten„oie Worte inhaltsschwer"— Freiheit, Tugend/ Gott—„ewig 0115 sich hervorbringt. Dieselbe Nummer des„Daily Chronicle", der das obige Zu- 'gesandt entnommen ist, bringt an erster Stelle des poluichzen Theils eine Znsammenstellung von Nachrichten aus der Provmz» aus denen hervorgeht, daß die Bewegung unter den Arveuern, die im Vorjahr begonnen, immer weitere Kreise erfaßt. In Birmingham haben die Angestellten der Ommbus- und Pferdebahn-Gesellschaften beschlossen, Erhöhung chjes Löhne und Herabsetzung ihrer Arbeitsstunden zu verlangen. In Liverpool verlangen die Polizeibeamten, nachdem sie kürzlich eine kleine Lohnerhöhung durchgesetzt, eine Vermehrung ihrer Frei- Tage, soivie eine Verlängerung ihres Ferienurlaubes,-rw Einrichtung der Ferien auch dem Proletariat zu Gute kommen»u lassen, ist ein Gedanke, gegen den sich das moralische Hun deutscher Unternehmer nicht wenig sträuben wird. Nichts deßo weniger wird es ihm mit der Zeit wohl ebenso Einlaß gewahren müssen, wie es das englische Unternehmerthum immer mehr lyur. Was die Liverpooler Polizisten anbetrifft, so haben sie schon d�- halb größere Aussichten, ihre Forderungen bewilligt zu erhallen, als ihre Londoner Kollegen, als sie nicht vom Staat, sondern von der Stadtverwaltung angestellt sind. Und wenn die Liverpooler Stadtväter zwar auch nichts weniger als musterhafte Arbeu-' Herren sind, so werden sie trotzdem— wenn nicht gerade deswegen — den Polizisten gegenüber sich nachgiebig zeien.. Aus Wales kommt die Nachricht, daß einige der Haupt- gewerkschaften dieses Fürstenthums in Newyork eine Konferenz abgehalten und beschlossen haben, einen Verband aller Gewer c- schasten des Landes ins Leben zu rufen, um der von den groP» Schiffseigenthümern gegründeten Unternehmerföderation die Spitz- bieten'zu können. Streiks einzelner Gewerke sollen dann nur noch nach vorher eingeholter Zustimmung der Exekutive des Verbandes stattfinden dürfen, dafür aber die ganze Kraft und die Mittel des Gesammtverbandcs hinter sich haben. Also eine AN Landes-Streik-Zcntralkommission. Gegen den Gedanken läßt 1>U> im Prinzip nichts einwenden, im Gegentheil, es ist nur zu ver- wundern, daß er, dem hier kein Vereinsgesetz im Wege steht, ntap schon längst ausgeführt ist. Lokale Verbände dieser Art giebt e- genug, es sind dies die sogenannten Trades-Councils. Aver wenn dieselben auch nicht alle so schwerfällig Mff, wie■ der Londoner bisher war, so scheinen sie in»hrer Mehrheit doch viel zu bureaukratisch eingerichtet, um chrem wichtigsten Zweck gerecht zu werden. Auch hier hat sich Iver „neue Geist" zu bewähren, und wir wollen nur hoffen, daß er dieser Aufgabe— nicht der geringsten, die er vor sich sieht— voll und ganz gerecht wird., Ich übergehe einige weniger bedeutende Streiks und bemerre der Kuriosität halber nur noch, daß auch im niederen Klerus sny das Bedürfniß nach einer auf gewerkschaftlichen Grundsätzen er- richteten Verbindung geltend macht. Ein kirchliches Blatt, Per „Guardian", brachte neulich ein drastisches Beispiel, wisseyr eine solche Organisation nöthig sei. Ein Pfarrnmts-Vorueher hatte die Stelle eines Pfarrgehilsen ausgeschrieben, für die ein Gehalt von 150 Pfd. Sterl. ausgesetzt war. Unter den Be- werbern waren die geeignetsten ein älterer verheiratheter Mann und ein Junggeselle. Der Erstere erbot sich, die Stelle s»* 120 Pfd. Sterl. jährlich zu übernehmen, der Junggeselle aber ver- langte gar nur 100 Pfd. Sterl. Und richtig, er erhielt die Stelle. Durch die Konkurrenz unter den Pfarrgehilsen war ihr Werth utn ein volles Drittel herabgedrückt worden.„Dieses Resultat," meint der betreffende Korrespondent des„Guardian", wäre nicht möglich gewesen, wenn eine Gewerkschaft der Pfarrgehilsen bestanden hätte." � Eine„Gewerkschaft der Pfarrgehilsen" wäre allerdings nicht übel. Ob sie aber mit dem berühmten:„Sehet die Vögel unter dem Himmel an, sie säen nicht ec." zu vereinbaren ist? Ich fühle mich nicht kompetent, die Frage zu untersuchen. Aber daß der Herr Pfarramts-Vorsteher ein sehr praktischer— Geschäft-- mann ist, werden ihm die frommen rhcinisch-westfälischen Kohlen- barone und die noch frömmeren Baumivollenritter Sachsens gewiß gern bestätigen. In einem Vortrage, den John Burns vor einigen Tagen rn seinem Wahlkreise Baltersea hielt, gab derselbe eine interessante Statistik über die Abstimmung über die Achtstundenfeng� auf dem Liverpooler Kongreß zum Besten. In Liverpool hatte ein Delegirter beantragt, festzustellen, wie viel organifirte Arbeiter die Delegirten vertreten, welche für, und w>e viel Diejenigen, die gegen den gesetzlichen Achtstundentag gestimmt. Der Antrag ging jedoch nicht durch. Burns hat sich jedoch die Mühe genommen und bei den Delegirten selbst Umfrage gehalten, und hat nun folgendes Resultat festgestellt: 134 von den 193 Delegirten, die für den gesetzlichen Acht- stundentag stimmten, vertraten zusammen 904 000 organifirte Arbeiter, die 155 Delegirten, die dagegen stimmten, zusammen mit 100 Delegirten, die sich neutral verhielten, nur 540 000 organifirte Arbeiter. Die Majorität würde aber noch größer sein, hätten nicht etwa 12 Delegirte gegen ihr Mandat gestimmt. Alles in Allem sei diese günstige Abstimmung nur der Vorläufer eines noch viel glänzenderen Votums für den gesetzlichen Achtstundentag aus heit die schwersten Folgen haben könne. Ich deutete ihm auch meine Zusammenkunst mit Susanna an und ermähnte des Heftes, das sie in meinen Händen zurückgelassen hatte. Nachdem ich diesen Brief abgeschickt, ging ich den ganzen Tag nicht aus dem Hause und grübelte fortwährend darüber, was wohl jetzt bei"Ratsch vorging. Ich konnte mich nicht entschließen, selbst dahin zu gehen. Unterdessen befand sich meine Tante, ivie ich nicht umhin konnte zu bemerken, in immerwährender Aufregung, sie ließ alle Augenblicke räuchern und legte den„Wanderer", eine Gattung Patience, aus, welche sich dadurch auszeichnet, daß sie niemals gelingt! Der Besuch einer ihr unbekannten Dame, und das zu einer so späten Stunde, blieb ihr kein Geheimniß. Ihre Phantasie spiegelte ihr sofort einen gähnenden Abgrund vor, an dessen Rande ich stand; sie seufzte und ächzte fortwährend, und sagte leise vor sich hin französische Sentenzen her, die sie aus einem geschriebenen Büchelchen, unter dem Titel „Extraits de lecture" geschöpft hatte. Am Abende fand ich aus meinem Nachttischchen ein Werk von De Gerandeau; es war anfgeschlagen bei dem lkapctel:„Uebcr den Nachtheil der Leidenschaften." Diese Schrift war auf Befehl meiner Tante durch die ältere ihrer Gefells chaftcrinucn in mein Zimmer hingelegt worden; sie wurde ini Hause Amischka genannt, infolge ihrer Aehnlichkeit mit einem kleinen Pudel desselben Namens, und ivar ein sehr sentimentales, sogar romantisches, aber überreifes Mädchen. Der ganze folgende Tag verging in sehnsüchtiger Erwartung von Fustoffs Ankunft, einein Briefe von ihm, oder Nachrichten aus den» Hause Ratsch,— obgleich ich wohl nicht wußte, wie sie dazu kommen sollten, zu mir zn sdsicken. Susanna konnte eher voraussetzen, daß ich sie besucheu würde... aber ich konnte mich nicht entschließen, sie wiederzusehen, ehe ich Fustoff gesprochen hatte. Ich suchte mir alle Ausdrücke meines Briefes ins Gedächniß zurückzurufen... und ich hoffte, sie seien stark genug gewesen. Endlich spät am Abend erschien er. Neunzehntes Kapitel. Er trat mit seinein gewöhnlichen, raschen, aber nicht hastigen Schritte zu nur ins Zimmer. Er sah bleich und angegriffen von der Reise aus; sein Gesicht drückte Zweifel Kongreß in Neivcastle. Weiter erklnrte sich N!»l. bereit, nuf drei Senate nach Lancashire zu gehen und rmfu n 11110 Spinnern Vorträge über die Achtstundenfrage ?n> er sei überzeugt, die Herren Maivdsley und Birtivistle uroen alsdann auf dein nächsten Kongreß eine andere Haltung . Rehmen. Weiter meinte' er. der Unterschied zwischen den Ver- »I �beiZ»alten" und denen des neuen Trades-Unionisinus habe cvon» f*ntfpn käs bebäbiae Jlus- >">-�u veo„auen" uno oenen oes neuen braves- ee»,»»,»,»»» yuu- t'ch auch im Aeußcrn gezeigt. Jene hätten das behäbige Aus Ichen von Gemeinderäthen gehabt,„unter uns aber war n i ch «in einziger Zylinderhut"! Volikisrhe Aelrersiihk. ..Nie KeftigKeit der poleiuik, welche die Kapitalisten presse gegen den Arbeiterschutz-Gesetzentwurf der Regierung eröffnet hat, ist an sich ganz unverständlich, denn der Ne- Mrungs-Entwurf schont die kapitalistischen Interessen aufs Sorgfältigste und leistet ihnen sogar positiven Vorschub durch die Bxdingungen gegen das Koalitionsrecht der Arbeiter. l�ei genauem Abwäget: der Vortheile und Rachtheile muß jeder denksähige Kapitalist zu dein Schlüsse gelangen, daß erstere überiviegen. Warum also das wüthende Gc- schimpfe? Es hat offenbar»den Schalk hinter ch'»", und wenn wir uns der Bismarck'schen Kampfart erinnern, die für die Kapitalistenprcsse heute noch Ö'lt, dann fällt es auch nicht schwer, den Schalk zu entdecken. Die Scheinangriffe— denn weiter sind sie nichts— ans das Arbeiterschutz-Gesetz haben, gleich jedem Schein °usriff, den Zweck, den Feind an der richtigen Entfaltung seiner Kräfte zu hindern, und seine Aufincrksanikeit von dem Punkt abzulenken, auf welchen es anromint Der Feind, das sind in diesem Falle die Sozial demokraten. Dem Arbeiterschutz-Gesctzentwurf der Regie rung gegenüber kommt es aber für die Sozialdenw kratze darauf an— von Unwichtigerem abgesehen — den N o r rn a l- A r b e ick s t a g einzufügen, alle gegen das Koalitionsrecht gerichteten Bestimmungen auszumerzen und einen Paragraphen einzufügen, welcher Angriffe au' das Koalitiousrecht mit Strafe belegt. Das wollen die Herren Kapitalisten um jeden Preis hintertreiben, und darum dieses fürchterliche Geschrei, der Gesetz- entwurf der Regierung, der thatsächlich ini Interesse der Herren Kapitalisten gemacht ist, lege ihnen zu große Opfer auf. Mit anderen Worten: dies Manöver der Herren Ka pitalisten richtet sich in Wirklichkeit nicht gegen den Rcgierungsentwurf, sondern gegen dieVer besserungs-Vorschläge unserer Abgcord n e t e n und die der Sozialdemokraten. Unserer Agitation soll die Spitze abgebrochen, und namentlich einer ■ Massenbewegung zu Gunsten der sozialdemokratischen Vcr- besserungsanträge vorgebeugt werden. Die Herren Kapi- talisten wünschen nichts sehnlicher, als daß dieser Arbeiter- schntz-Gesetzentwnrf vom Reichstag angenommen iverde. Gehen wir nicht auf den Leim. Und vereiteln wir das Spiel durch eine möglichst kräftige Agitation gegen die reaktionären Bestimmungen des Regierungsentwurfs. Gegen den Kinderschuh eifert die bekanntlich nur für eine „verständige und besonnene, die Bedürfnisse der nationalen In- dustrie wie auch des Arbeiterwohles" schwärmende Bourgeoisie ebenso sehr, wie gegen den Noxmalarbeitstag u. s. w. Die Handels- und G e iv e r b e k a in in e r n, als die uiiver- . fälschten Organe der deutschen Kapitalisten haben in diesem Jahre sich fast ausschließlich bei ihrer Berichterstattung auf die Oppo- sitio» gegen jede Arbeiterschutz- Gesetzgebung beschränkt. Die Handels- und Gewerbekainilier von Plauen- ist jedoch noch > weiter gegangen, sie hat vor einiger Zeit beschlossen, sich gegen -den ges-«tzlicheii Kinderschutz in einer besonderen Gi»- gabe an den Reichstag zu wende». Der„Köln. Ztg." wurde dar- über aus Plauen berichtet:„Um die im sächsischen Voigtlande �vertretene Industrie, namentlich die Maschinenstickerei, welche auf dle Mitarbeit der Kinder(beim Einfädeln) angeiviesen ist, lebens- 'fähig zu erhalten, aber auch uiu der arbeitenden Be- 'vblkerung selbst willen hat die hiesige Handels- und Gewerbekammer an den Reichstag das Gesuch zu richten be- schlössen, von einer weiteren Beschränkung der gewerblichen - Kinderarbeit Abstand zu nchmbn, aber die Ausdehnung der gesetzlichen Beschränkung der Kinderarbeit in Fabriken 'auf die viel schädlicher wirkende Hausindustrie'durch kaiser- liehe Verordnung unter Zustimmung des BundesrathZ ohne Rücksicht auf den Umfang derselben und auf die Beschäftigung «.eigener oder fremder Kinder zu gestatten und für den Fall der Ablehnung des ersteren gegen weitere Beschränkung der Kinder- Neugierde, Unzufriedenheit aus— Gefühle, die ihm sonst wenig bekannt waren. Ich stürzte auf ihn zu, umarmte ihn und dankte ihm auf das Wärmste, daß er mir gefolgt war. Ich theilte ihm mit einigen Worten meine Unter- redung mit Susanna mit— und händigte ihm das Heftchcn ein. Ohne mir ein Wort zu antworten, trat er ans Fenster, an dasselbe Fenster, an welchem Susanne zwei Tage früher gesessen hatte, und fing an zu lesen. Ich zog mich sogleich -in die entfernteste Ecke des Zimmers zurück und nahm zuni Schein ein Buch in die Hand. Aber ich gestehe, daß ich die ' ganze Zeit über verstohlen über den Rand des Einbaudes zu Fustoff hinüberblickte. Anfangs las er ziemlich ruhig und zupfte dabei immer die Härchen über seiner Lippe; dann ließ er die Hand sinken, beugte sich nach vorn und regte sich nicht mehr. Seine Augen liefen förmlich über die Zeilen hin, der Mund war leicht geöffnet. Und dann be- eudigte er das Heft, wandte es um und um, betrachtete es von allen Seiten und verfiel in Nachdenken. Dann sing er von neuem wieder an und las es von Anfang bis z» Ende noch einmal durch. Hierauf stand er auf, that das .Heft in die Tasche, wandte sich zur Thür, kehrte aber um .und blieb mitten im Zimmer stehen. „Und ivas denkst Dn davon V" fragte ich, ohne abzn- ' warten, was er sagen würde. »Ich habe ihr Unrecht gethan/ sprach Fustoff dumpf, ..»Ach habe... unüberlegt, unverantwortlich, roh gehandelt. "Ich habe diesem— Fictor geglaubt."■/ „Wie'i* rief ich ans;—„diesem selben Fictor, den 'Du so sehr verachtest? Was hat er Dir denn sagen können?" Fustoff kreuzte die Arme und wandte sich seitwärts. Er mar verlegen, ich sah es deutlich. „Erinnerst Du Dich/ sagte er nicht ohne einige An- .strengung,—„wie dieser... Fictor einer... Pension erwähnte? Dieses unglückliche Wort setzte sich in mir fest. Dieses Wort ist an Allem schuld. Ich sing an, ihn aus- zufragen... und er..." „Nun? Und er..." „Er sagte mir, daß dieser alte Mann... wie heißt er denn.... Koltovskoy— Susannen diese Pension ans- arbeit in den Fabriken nur von der Vollendung des dreizehnten Lebensjahres ohneNucksichtansdielandesgesetzlich Schulpflicht abhängig zu machen. Die Ausdehnung des Schutzes der Kinder auf die in der Hausindustrie beschäftigten wird dadurch nothwendig-, daß von den 2500 Stickmaschinen-Besihern des Boigtlandes vier Fünftel nicht mehr als höchstens drei Maschinen besitzen und mithin als Hausindustrielle anzusehen sind. Daß es gerade deren Betriebe sind und nicht die Fabriken, auf welche die Unzuträglichkciten der Kinderbeschäftignng in der Maschinenstickerei zurückgeführt werden müssen, ist durch ausschlaggebende Gutachten unzweiscl- Haft festgestellt worden.„Es sei," bemerkt die Kammer in ihrem Gesuche,„nicht zu rechtfertigen, wenn man durch weitere Ver schärfung unserer, ohnehin schon den wichtigsten mit uns weit eifernden Industriestaaten weit vorausgeeilten Gesetzgebung über die Kinderarbeit in den Fabriken eine immer größere Zahl von Kindern in die Hausindustrie drängt". Hübsch ist in der Einleitung dieser Darstellung die Rede wendung„aber auch um der arbeitenden Bevölkerung selbst willen." Der deutsche Bourgeois kann eben nicht anders als „sentimental, gefühlvoll und human" sein, er thnt nichts um de-. eigenen Geldsackes, des heiligen Profites wegen, sondern edel und selbstlos, wie er ist, denkt er nur an die Interessen seiner Reben- menschen, der„arbeitenden" Bevölkerung, deren Bestes er will— wovon wir allerdings überzeugt sind. Hübsch ist ferner auch die Hinlenkung des Kinderschutzes auf die Hausindustrie, um die Fabrik davor zu retten. Sicherlich bedürfen die in der Haus Industrie Beschäftigten, und zwar nicht allein die Kinder, dringend des gesetzlichen Schutzes, aber die Fabrikarbeiter aller Kategorien nicht minder. Nach dem Gewinsel in dem er wähnten Gesuch über den projektirten weiteren Kinderschuh könnte man glauben, die deutsche Regierung und mit ihr der Reichetag beabsichtigten, die Kinderarbeit in gewerblichen Anlagen vor dem sechszehnten Alterejahre zu verbieten. Allein einen solchen kühnen und entschiedenen Gedanken hegt kein einziger unserer großen Staatsmänner und Kapitalspolitiker. Die Planenschs Handelskammer hätte unter diesen Umständen weder nöthig gehabt, zur Heuchelei zu greifen, noch die Thatsachen zu fälschen. Es ist eine Fälschung der Thatsachen, wenn der deutsche gesetzliche Kinderschutz als der„weitestgehende" bezeichnet wird. Gerade der wichligste Konkurrent der sächsischen Stickerei, die Schweiz, hat die Kinderarbcit vor dem vier- zehnten Altersjahre schon seit 1878 verboten und desgleichen Oesterreich. Sollten die Organe der Plauen'schen Handelskammer jedoch nicht gefälscht haben, nun dann sind sie bei solcher Unwissenheit doch zu unfähig, ihren Posten auszu- iillen. zianbba« in der amerikanischen Landmirthfchaft. Daß in der amerikanischen Landwirthschaft, ob es sich nM den Latifundienbesttzer oder den kleinen Farmer handelt, in: Großen und Ganzen nicht rationeller, sondern Raubbau betrieben wurde und noch wird, darüber ist schon vor Jahren viel geschrieben und gesprochen worden. Neuerdings veröffentlicht der„St. Galler Stadt-Zlnzeiger" einen Artikel aus Nordamerika, in welchem die Amerikaner der Verschwendung mit dem natürlichen Rezchthum des Landes bezichtigt und böse Folgen aus dieser Versündigung gegen die Natur prophezeit werden. In dem Artikel heißt es «. A.:„Die brachliegenden Felder in den Staaten des Nord- Ostens, einst die reichsten Ernten der Welt erzeugend, klagen es dem Himmel, was menschlicher Unverstand auS ihnen gemacht hat. Und wie lange wird es dauern, bis auch die reiche» Felder Pennsylvanien's und Ohiv's erschöpft sind, wenn nicht bald eine Umkehr zu besseren Methoden der Farmwirthschast Platz greift! Aber der Farmer ist eS nicht allein, der anzuklagen ist; es geht auf allen anderen Gebieten um kein Haar besser, oft noch 'chlechter. Was hat der Amerikaner aus seinen u n e r m e ß- lichen Wäldereien gemacht? Diese Wälder, die bei auch nur einigermaßen rationeller Behandlung genügt hätten, um die Bedürfnisse von Generationen und Abergenerationen zu be friedigen, lichten sich in erschreckender Weise und in wenig mehr als einem Menschenalter werden die einst fast un- durchdringlichen Forsten des Nordwestens aufgebraucht sein. Axt und Feuer führen da einen förmlichen Ver- nichtungc-krieg. Aber auch in unserem Ohio beginnen wir bald unter den Sünden unserer Väter zn leiden. Der Wald ist schon weit, weit zurückgetreten und gleichwohl denkt kein Mensch an eine Nachpflanzung! Noch holt man sich, wenn man seiner bedürftig, den Slam m des Waldbauines oder auch nur einen Theil desselben und läßt alles Andere— verfaulen. Ebenso räuberisch wird der Bergbau betrieben und nur dem unermeßlichen Reichthum der Schätze, welche der Boden unseres Landes an Kohlen und Erzen birgt, ist es zu danken, daß die verderblichen Folgen dieses Raubbaues sich nicht schon etzt fühlbar machen. Von einer rationellen Be- und Ausnutzung der Milien ist nirgends die Rede.... So geht es überall. Wie lange wird es sodann dauern, bis nahezu alles Wild aus- gerottet, bis unsere Gewässer von Fischen entvölkert sein werden. Wir befinden uns auf dem besten Wege dazu. Von einem vernünftigen Schutze des Reichthums an diesen Thier- gattiingen sind erst einige Spuren da und zwar in wenigen weil nun mit einem Worte,— als zahle, weil.. Entschädigung." Ich schlug die Hände zusamnien. „Und Dn hast ihm geglaubt?" Fustoff nickte mit dem Kopfe. „Ja, ich habe ihm geglaubt... Er sagte mir, daß auch mit dem Jungen... Mit einein Worte, meine Hand- lung ist nicht zu rechtfertigen." „Und Du entferntest Dich, um Alles abzubrechen?" „Ja; das ist in... solchen Fällen das beste Mittel. Ich habe roh, roh gehandelt," fügte er hinzu. Wir schwiegen Beide. Jeder von uns fühlte, daß der Andere sick schämte; mir aber war es leichter, denn ich schämte mich nicht für mich. Zwanzigstes Kapitel. „Ich würde jetzt diesem Fictor alle Knoche» zerbrechen," uhr Fustoff zu reden fort,„wenn ich mich nicht auch selbst chuldig suhlte. Jetzt verstehe ich. woraus die ganze Sache angelegt war: mit Susaiincns Heirath verloren sie ihre Pension... die niederträchtigen Menschen!" Ich faßte seine Hand. „'Alexander," fragte ich,„warst Du bei ihr?" „Nein: ich kam gerade von der Reise zn Dir. Ich will morgen hin... morgen früh. Das kann nicht so bleiben. Unmöglich!" „Du... Du liebst sie, Alexander?" Es war, als wenn steh Fustoff beleidigt fühlte. „Freilich liebe ich sie. Ich bin ihr sehr zugethan." „Sie ist ein herrliches, braves Mädchen!" rief ich aus. Fustoff stampfte ungeduldig mit dem Fuße. „Was bildest Du Dir denn ein? Ich war bereit, sie zn hcirathen und bin auch jetzt noch bereit dazu. Ich habe mir das schon überlegt, obgleich sie älter ist als ich." In diesem Augenblicke schien es mir, als säße eine bleiche, weibliche Figur, sich aus ihre Hände stützend, auf dem Fensterbrett. Die Lichte waren niedergebrannt; es dunkelte im Zimmer. Ich erbebte und sah unverwandt auf den Punkt hin. Es war natürlich Nichts, aber—. ein seltsames Gefühl, ein Gemisch von Schreck, Träner und Mit- leid erfüllte mich.(Fortsetzung folgt). Staaten und auch, dort nur auf dem— Papier; statt dessen zahlen wir Prämien für die Vertilgung' der armen Spatzen!" Das sind die verheerenden Folgen des P r i v a t e i g e n t h n m L an Grund rind Boden, eines zügellosen I n d i v i d u a- l i S in u s, der sich ohne Rücksicht ans die Gesammtheit und auf die Zukiiuft den Raubbau und die Ausbeutung in jeder Gestalt erlauben darf, zu dem einzigen Zwecke, fette Profile zu machen und sich zu bereichern. Und ein solches ungesundes System, das derartige Früchte zeitigt, soll der Gipfelpunkt der sozialen Ent- Wickelung der Menschheit sein. Rur Thoren können solchen Unsinn behaupten! Mit Avveiterentlaffunge» seitens der Schienenwerke droht die„Rheinisch-Westfälische Zeitung", wenn„die freisinnig-ultra- montane Hetze" gegen die deutschen Stahlschienen nicht aufhöre. Während das Blatt selbst zugeben muß, daß diese braven Schienenwerke das Inland übertheuern, Um dem Ausland die Schienen desto billiger zu liefern, spricht der Artikel von dem Humanitätsgefühl, welches abhalten müßte, die deutschen Stahl- werke bei der Regierung und der Volksvertretung zu verdächtigen. Diese Schienenwerke beschäftigen aber nicht aus Humanitätsgefuhl Arbeiter, wie die„Freis. Ztg.", die im Kampf gegen die Schutz- zöllnerei offenherzig ist, zugiebt, sondern weil sie dabei verdienen. Wenn sie glauben, bei geringerer Produktion und bei hohen Koalitionspreisen bessere Geschäfte machen zn können, so lassen sich diese schutzzölliierischen Großindustriellen keinen Augenblick durch Hiimmiitätsgefi'ihl davon abhalten, die Produktion zn verringern und Arbeiter zu entlassen, im Gegentheil loben sie alsdann solche Produktionsbeschränkungen als eine volkswirthschaftliche That. Sech» Monate Reichskanzler und noch keine Beleidi- gungsklage. Herr v. Eapmsi ist, wie die„Frs. Ztg." hervorhebt. schon über G Monate im Ami, aber noch hat man nicht gehört, daß er sich irgendwie vercmlaßt gesehen hat, einen Strafantrag ans strafrechtliche Bersolgiing wegen einer gegen ihn gerichteten Beleidigung zu stellen. Fürst Bismarck hatte bekanntlich zur Er- leichteriing der Geschäftslast sich für solche Zwecke Antrags- formulare drucken lassen müssen, welche er unterzeichnete und den Staatsanwälten zukommen ließ. Keine Woche verging, naMent- lich in der sinkenden Periode seiner Amtszeit, ohne eine solche Verhandlung über eine derartige Klage des Reichskanzlers wegen Beleidigung.— Man sieht nun, es geht auch so. Uov dem Schöffengericht in Kautzen gelangte vorgestern eine Beleidigungsklage des freisinnigen Oberlehrers E. Haupt- Leipzig gegen den Buchdriickereibesitzer Schmaler zur Verhandlung. Es handelte sich dabei um ein wendisches Flugblatt, welches von Schmaler gedruckt und verlegt worden war, und daß zur Zeit der letzten Reichstagswahl in dem wendischen Theile des zweiten säch« fischen Wahlkreises verbreitet würde. In diesem Flugblatte wurb» u. A. von dem freisinnigen Reichstags-Kandidaten Haupt gesagt, derselbe sei von den Berliner Juden gemiethet und empfange vo" letzteren fette Besoldung. Auch war in diesem Flugblatte der weitere beleidigende Passus enthalten:„Hütet Euch vor dem Burschen!" Der Gerichtshof erkannte auf— 10 M. Geldstrafe.— In einem ganz ähnlichen Prozesse des freisinnigen Rechtsanwalts Friedemann-Verlin, der ebenfalls wegen eines wendischen Flug- dlattes eine Klage gegen Schmaler angestrengt hatte, erfolgte be- lanntlich seiner Zeit eine Freisprechung des Älngeklaaten, dem damals der Schutz des§ 193(Wahrung berechtigter Interessen) zuerkannt wurde. G-sterr-ich-Ungarn. Die Aufhebung des deutschenSozialistengesetzes bleibt auch im Auslande nicht ohne Einfluß. Ein eigener Draht- bericht meldet der„Boss. Ztg." aus Wien, daß der dortige demo- kratische Zentralverein mit Rücksicht auf den bevorstehenden Ab- laus des deutschenSozialistengesetzes den Beschluß gefaßt hat, bei der Regierung und dem Reichsrath wegen Aufhebung des Aus- nahmezustandes in Wien und in Niederösterreich Schritte zu thun, Schwei?. Bern, 26. September. Zwei von den zu der morgigen Ausgleichskonferenz eingeladenen Tessiner Rüthen haben abgelehnt. Der Bundesrath hat dieselben ersetzt. Die eingeladenen konservativen Räthe haben, gutem Vernehmen nach, beschlossen, in die Konferenz nur eine Deputation von 2 bis 3 Mitgliedern zu senden und die sofortige Wiedereinsetzung des Staatsrathes zu verlangen. Frankreich. Die S p a l t u n g der s r a n z ö s i s ch e n P o s s i b i l i st e n ist eine vollendete Thatsache. Im Wahlkreise von Clignancourt haben sie zwei Kandidaten aufgestellt: Ä l l e m a n e und G e l y, von denen jeder sein eigenes Wahlkomitee hat. die sich natürlich lebhaft bekämpfen. Mit den boulangistischen Deputirten gehen die Wähler scharf ins Gericht. Die in Paris gewühlten sind bereits sämmtlich „hingerichtet"— oxsentös, d. h. des Mandats verlustig erklärt durch Resolutionen! Die betreffenden Biedermänner kehren sich indeß nicht daran— sie sind durch die Bank geldgierige Burschen, und die 25 Irls., welche das Mandat täglich einbringt, gefallen ihnen zu gut, als daß sie freiwillig darauf verzichteten. Paris, 27. September. In Carvin(Arrond. Bothune) haben 1200 Grubenarbeiter die Arbeit niedergelegt. In einem umfassenden Programm stellen sie eine Reihe von Forderungen auf. Die, mit der Lohnerhöhung beginnend, sich mich auf das Verlangen größerer �Rücksichtnahme seitens der Arbeitgeber er- strecken. Es herrscht große Erregung. Ketgien. Brüssel, 25. September. Der Korrespondent der„Kreuz- zeitung" schreibt:„Gar seltsame Gerüchte durchschwirren seit einigen Tagen die Luft. Es heißt, die Regierung habe die Absicht, zu einem gewaltigen und entscheidenden Schlage gegen die belgische Sozialdemokratie auszuholen und s ä m in t l i ch e Mit g l-i e d e r des Generalraths der belgischen Arbeiterpartei wegen ihrer Agitation zn Gunsten des allgeineinen Ausstandes verhaften zn lassen. Wir wissen nicht, ob die belgische Regierung wirklich bereits zu einem so radikalen Entschlüsse gelangt ist. Soviel aber wissen wir, daß es höchste Zeit ist, der sozialistischen Agitation, die sich allenthalben in der ungenirtesten Weise breit macht entgegenzutreten."— Dieser Wunsch sieht der„Kreuzzeitung" sehr ähnlich. Spanien. Madrid, 26. Seplember. In den von der Cholera inst- zirten Provinzen haben gestern 67 Erkrankungen und 40 Todesfälle stattgefunden. Portngnl. Wie die letzten Nachrichten aus Lissabon sagen, wird dort die Bildung eines neuen Kabinets immer schwieriger. Die revolutionäre Bewegiing im Lande nimmt zu; in Almeida fand eine antimonarchische Manifestation statt. Die Lage wird als sehr ernst geschildert. In Lissabon haben revolutionäre Kund- gebinigen stattgefiinden, wobei vielfach die Rufe:„Nieder mit der Monarchie! Nieder mit dein Könige!" laut wurden. Das Journal„Seculo" meldet über den in Coimbra stattgehabten Zusammenstoß zwischen der Polizei und einer Volksmenge, derselbe sei bei der Entlassung des Jouriia- listen Almeiba ans dem Gefängnisse erfolgt. in'welchem derselbe wegen eines Zeitungsartikels eine Strafe verbüßt hatte. Eine über 2000 Köpfe zählende Menge habe Almeida am Thore des Gefängnisses erwartet»nd mit einer Musikkapelle an der Spitze denselben nach Hause begleiten wollen. Da aufrührerische Riffe aus der Menge ausgestoßen wurde», sei die Polizei eingeschritten und habe die Ruhestörer mit den Waffen zerstreut. Hierbei seien zwei Personen aus der Menge uiid ein Polizeisoldar verwundet worden.— Nach gestern Morgen eingetroffenen Nachrichten herrsche in Coiinbra wieder vollständige Ruhe. Tifeater. Sonntag, ben 28. Sept. Gprrnlians. Don Juan. Montag: Das Käthchen von Heil- bronn. Kchanspirlhau». Ein Schritt vom Wege. Montag: Keine Vorstellung. Krrliner Theater. Kcan. Montag: Maria Stuart. Deutsche» Theater. Die Hauben- lerche. Montag: Das Wintermärcheu. Zesstug-Theater. Das zweite Gesicht. Montag: Dieselbe Vorstellung. Friedrich-Wilhelmstädt. Theater. Die Puppensec. Schwätzerin von Saragossa. Montag: Dieselbe Vorstellung. WaUner- Theater. Mamsell Ni- touche. Montag: Dieselbe Vorstellung. Residenz-Theater. Ferreol. Montag: Dieselbe Vorstellung. Dilttoria- Theater. Die Million. Montag: Dieselbe Vorstellung. HeUeaUianre- Theater. Madame Bonivard. Montag: Dieselbe Vorstellung. Vstend- Theater. Der Traum ein Leben. Montag: Der Fall Cl�menceau. Thomas-Theater. Der Naub der Sabinerinne». Montag: Dieselbe Vorstellung. Adolph Grust»Theater. Unsere Do» Juans. Montag: Dieselbe Vorstellung. Kaufmann'» Darietö. Große Spe. zialitäten-Vorstellung. Theater der ReichshaUe«. Große Spezialitäten-V orst ellung. Tonrordia. Große Spezialitäten- Vorstellung. Gedr. Richter'» UarHtö. Große Spezialitäten-Vorstellung. Wintergarte«. Große Spezialitäten- Vorstellung. Circus G. Schumann. Friedrich-Karl-Ufer. Konntag, den 38. September. Abends TVe Uhr: | Grosse brillante Vorstellung. Ausgesuchte» Programm. I Vorführen und reiten der besten Schul- und Freihcitspferde. Montag, den 3i). September, Abends T'/a Uhr: ßtoSc Elite-VlirßMvg. Zum ersten Male: Oamen-Hurdlerface, geritten mit englischen Voll- und Halb blutpserden von 15 Damen. Tandem, geritten mit 4 Schulpserden von Herrn E. Schumanns Batonde amencain, mehrere Herren der Gesellschaft. Pas de deux, graziöse Stellungen auf zwei Pferden v. Herrn u. Frau V. m_____■ i"—-"— 1A7«>U Bergschlossbranerei, Hasenhaide. neue weil. Heute, Sonntag: 2294 Nachmittags�: Concert und Speciali täten-Vorstellung. Bai champötre. Luitbahn. Roll-Corso. Lachkabinet WM" Pracht- Feuerwerk!-WZ Buir« 25 Ii-, IS.'S! 20 W., I 1---—■-jv*»»• Travail sans seile v.' Schumann rl. Edith Adams. furo? Englischer Garten. Direktion: C. Andrcss, Alcxandcr- straße 27c. Auftreten der Chansonnette Fräulein Ehrenfold. Auftreten der Kostüm-Soubrette Fräul. Roaa Valerie. Auftreten des Gesangshumoristen Herr» Ziogler. Austreten des Malabaristen und Equi- lebristen Mr. Charles. Auftreten des Professors Herrn Jean Clermont mit seilten dressirten Schweinen, Esel und Gänsen. Ansang Wochentags 8 Uhr. Sonntags öVa Uhr. Entree Wochentags u. Sonntags SO Pf. i 60 Pf. und 75 Pf., im Vorverkauf 20 und 30 Pf. Der Garten ist an Vereine f. Sommer- festlichkeiten m.Spezialitäten-Vorstellung zu vergeben. Aablijsement Buggenhagen am Moritzplatz. Täglich: Grosses Garten-Concert. Direktion A. Uödmann. Dienstag und Freitag: Walzer-Abend. Vntrua Wochentags 10 Flg., MIHI cc sonn- und Festtags 25 Flg. Bei ungünstiger Witterung in den unteren Restaurati ausräumen. Großer Frühstücks- und Mittagstisch Spezial-Ausschank von Patzenhofer Export-Bier, Seidel 15 Pt. Die oberen Säle bleiben bis aus Weiteres wegen Renovirun �geschlossen. riginal Clown_ Uemmarkrt, engl Jagdpferd, in der hohen Schule ger. v. Hrn. M. Schumann. Alles Nähere die Tageszettel. PißmülTs Tanzikstitut Rosenthalerstr. 39. Der neue Tanzkursus beg. Donnerstag, d. 2. Okt., Abends 8 Uhr. V Pipfcrli Tanz-Institut, r. i iclddl; Dresdenerstr. 10. Ein neuer Lehrkursus f. Damen U.Herren beg. Sonntag, 5. Oktbr, Nachm. 4 Uhr. Meld. Adalbertstr. 93 und bei Beginn des Unterrichts. 709, Alt- Moabit 104—105, beginnt Dienstag, den 7. Oktober, Abends 8 Uhr, ein neuer Lehrkursus für Damen und Herren. Meld, daselbst am Büffet und bei Beginn des Unterrichts. Ich empfehle mich den Vereinen bei| vorkommenden Bällen zur Tanzleitung. H. Amtenbrink, Tanzlehrer,! 1797 Büschiugstr. 23, Part. r. Fünfte Marienburg er Geld- Lotterie. Ziehung am 8., 9. u. lO.Octhr. 1890 unter Aufsicht d. Kgl. Preuss. Staatsregierung. Hauptgewinne; 90000, 30 000, 15 000, 2 ä 6000 Mk. etc. Loose a 3 M. Halbe Antheil-Loose ä 1,50 M., für Porto und Gewinnliste 30 Pf. extra, empfiehlt und versendet prompt He lutze» Bank-Geschäft, 2251 Berlin W., Unter den Linden No. 3. Telegramm- Adresse:„Lotteriebank, Berlin". Ich bitte die Bestellung auf Postanweisung zu machen und den Namen und Wohnung deutlich zu schreiben, damit eine prompte Zusendung möglich ist. DU besleu Glüdwünfche senden dein Wirklichen Odergeheimsn IBiordinstru- menten- Zufammensieller Aricholt zu seinein morgenden Wiegenfeste Die reiben Barttraber und Genossen aus Spanien. 2276 Unsen» Freunde und Genoffen Gustav Jünger, gen. schleescher Kronprinz, zu seinem heutigen Wiegenfeste ein dreimal donnerndesHoch, daß die ganze Neetze»- bürg ivackelff 2286 Einige Rothe aus der Landwehrstraße. Unserm 1. Propfenbruder Hermann .— J.___ P' r i•___ lYM 1 I Kranken- n. ßegräbnisskasse der Berliner Gürtler n.Broncenre (E. H. 60). Die Beerdigung des am 26. d. Mts. verstorbenen Mitgliedes, Gürtler Emil Rüdiger, findet am Dienstag, den 30. Septbr., Nachmittags 3 Uhr, von der Charitee aus statt. Um zahlreiche Betheiligung bittet[2298] Der Vorstand. Versammlung des Uerems der Varquetfußdoden- leger Kerlins Montag, den 29. Septbr., Abends 8 Uhr,' bei Weit, Markgrafenstr. 87. 2265 Tagesordnung: 1. Vortrag. 2. Verschiedenes. Der Vorstand., bes'eh»l� Leinen- und | GeslijSstshlUlS E. Heine. �Chausseestraße 14 Die schönsten Kuiiierkleider«iiii Zacken für Mädchen jeden Alters, sowie Morgenröcke, Unterröcke, Trikottaillen v. Blousen auch im Einzelverkauf sehr billig! Massbestellnngen n. Reparaturen j werden prompt erledigt! sChauffeestraßel4. | Geschastöhaus T. Heine. 641 Komman'dantenstr. 77—79 Täglich: Grosses Concert mit �»artett-Sängern, ausgeführt von dem Musik- Direktor H. Sanftleben. 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Verschiedenes ____ v rv..-------«r-— f. und Fragekasten. legitimirt. Quittungsbuch 2263 Wische CeseWst. Sonntag, den 23. Septbr., Abends 6 Uhr, IGrenadierstr. 33 bei Seefeldt: Vortrag des Herrn H. Pens übet: .,D i e Verwandlung bedeuten» der Menschen in Götter".— Nachher gesellige Unterhaltung und Tanz.— Gäste, Damen und Herren, tvillkommen. 2237 Oetfenti. Versammlnng sämmtlicher RiflenZNLtchev Montag, den 29. Septbr., Abds. 8VeUhr, im Lokale des Herrn F e u e r st e i n, Alte Jakobstr. 75. Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn Mi kl arg über: Neuorganisation der Gewerk- schasten. 2. Bericht der Delegirten von der Berliner Streik-Kontrolkommission. 3. Abrechnung des Vertrauensmannes und Wahl eines Revisoren. 2254 Oer Einberufer. Kranken-«nd Sterbekaste der! Kerliner Hausdiener(E. H. Nr. 61). 4. ordentl. Generalversammlung am Freitag, den 17. Okt., Abends 9 Uhr, Neue Grünstr. 28 bei Jordan. Tagesordnung: 1. Mittheilungen. 2. Vierteljahresbericht. 3. Abänderung des Statuts, speziell der§§ 2, 4, 6, 6, 7, 7a, s, 11, 20, 27, und Genehmigung des revidirten Statuts. 4. Wahl eines Krankenkontrolenrs. 5. Antrag auf Verlegung des Kassenlokals. 6. Verschie- dencs.Auflage u.Fragekasten. Quittungs- buch lcgitiinirt. Um zahlreiches Er- scheinen ersucht der wichtigen Tages- Ordnung wegen_ Der Vorstand. Verein der Zilzslsinh-Kbeiter und Kerusvgenost'r». Versammlung mit Montag, den 29. September 1890, Abends 8V2 Uhr, bei Zenit er, Münzstr. 11. Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn Theodor M e tz n e r über: Unsere gewerkschaft- liche Lage vor und nach dem Sozialisten- -esetz. 2. Diskussion. 3. Bericht des iollegen Geschke über den Verlauf unserer Lage. 4. Verschiedenes. Um zahlreiches Erscheinen bittet 2255 Oer Vorstand. Dr. Hoeschy Homöopath. Arzt, Artilleriestr. 27. 8-10,6:7; Sonnt. 8-10. Verantivortlicher Redakteur: Curt Sänke in Berlin. Druck und Verlag von Mae Kading in Berlin SW„ Beuthstraße 2. Hierzu zwei Keilagen. 1. Beilage zum Berliuer Nr. 336. Sonntag, den 38. September 1890. 7. Jahrg. Uokreles. ®eöv erden polizeilich als im August begangen gemeldet, ebenso endeten die weiblichen unverheirathclen, »um Theil auch verheirathetcn Sclbstiuördcrinnen aus Motiven, die dem Liebesgram entsprungen sind. Der Aeltestc der freiwillig auS dem Leben Scheidenden zählte 70, der Jüngste IG Jahre. Debrr ein lllrinco, aber doch iniiunchi» nicht z« eni- schnldigrndro Srtrugvmnnönrp wird in dc» letzten Tagen viel geklagt. Einige Verkäufer von schwedischen Streichhölzern liehen ihren allerdings recht kläglichen Erwerb dadurch einiger- maßen zu erhöhen, indem sie die untere Hälfte der Schachteln mit Papier und nur den oberen Theil mit Streichhölzern fülle». Be- sonders unangenchm ivird die Uebervorlhcilung empfunden, wenn der Käufer solcher Schachteln dc» Betrug erst bei einem Ausfluge oder auf der Reise entdeckt. Die Sammelitelle» fiir gelrj'ene Arboitrrbliittrr sind i»i ff) sie»»nd zlordostr» dco 4. Krvliner Deichstagv- IValillireijes bei folgenden Genossen: Gustav Tempel, Brcslauerstr. 27, Wilhelm Lock, Friedrichsbcrgcrstr. 5, Otto Heindorf, Langeflr. 7v. Friß Rockendorsf, Poscncrstr. 5. Heinrich Hoffmann, Kaiscrstr. 4, Robert Berger, Gr. Franksurterstr. 92, H. I., Emil Böhl, Frankfurter'Allee 74, Otto Zabel, Frankfurter Allee 90. Oskar Weinberg, Elisabethstr. 10. Earl Müller, Landwehrstr. 13, III., Adolf Scholh, Landsberger Allee 144, H. III. Tie Genossen werden gebeten, die Blätter nur einmal zu alten, die Beilagen in das Hauptblatt zu legen und die Zeitungen in möglichst sauberem Zustande abz»lie,crn. Doliiribovicht. Am 20. d. M. Mittags brachte sich ein Stadtreisender auf dem Treppenflur deS Hauses Leipzigcrstr. 78 »littelst eines Revolvers einen Schuß in die Stirn bei. Er ver- letzte sich anscheinend jedoch nur leicht und wurde aus seinen Wunsch nach dem jüdischen Krankenhause gebracht.— Abends wurde ein Mann in seiner Wohnung in der Bergstraße erhängt vorgefunden.— Zu derselben Zeit ivurde der Maurer Belle in der Danzigerstraße, zwischen der Hochmeister- und Hagenauer- straße, von zwei unbekannten Männern überfalle», seiner Uhr beraubt und im Gesicht und am Kopfe verletzt.— Im Laufe des Tages fanden drei kleinere Brände statt. Eine eigenartige Anklage wegen fakrläskger Tödtnng beschäftigte gestern die 2. Strafkammer des Land- gcrichts I. In der Nacht zum 1. Juli d. I. wollen einige Per- sonen, ivelche über die Oberbaumbrücke gingen, drei Männer be- nierkt haben, die einen ebenso sonderbaren als gewagten Scherz ausführten. Die Zuschauer beobachteten, wie zwei jener Männer den dritten ergriffen und über das Geländer zerrten. Sie ver- mochten den sich Sträubenden nicht zu halte», derselbe entglitt ihren Händen und fiel in die Tiefe. Nun machten die äugen- scheinlich Erschrockenen Rettungsversuche, einer lief ans Ufer, um einen Kahn, der zweite bemühte sich, den Rettungsball zu lösen. Bevor aber eines dieser Nettungsmittel zur Anwendung gebracht werden konnte, war der mit den Wellen Kämpfende untergegangen. Der Ertrunkene, war der Tischlcrgeselle Sabatzky, die beiden Begleiter desselben waren der Pianofortc-Fabrikant Franz Denn er t und der Tischlergesellc Reinhold May, welche sich gestern auf der An« klagebauk befanden. Beide erklärten sich für nichtschuldig. Der Angeklagte Dennert gab folgende Schilderung des Vorfalls: Der Verunglückte sowohl wie der Mitangeklagte May waren in seiner Fabrik beschäftigt. Zivischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern habe ein sehr gutes Verhältniß bestanden. Am 80. Juni seien in der Fabrik gemeinschaftlich zwei Fäßchen Bier getrunken worden. Nach Feierabend trafen die beiden Angeklagten mit Sabatzky in einer Restauration zusammen, wo noch mehr Bier getrunken wurde. Sabatzky war in einer trüben Stimmung, er klagte seinen Zcchgenossc», daß er die Miethe zum folgenden Tage noch nicht habe. Gegen 12 Uhr hätten sich alle drei auf den Heimweg begebe». Während sie die Oberbaumbrücke passirten, gingen sie im Gänsemarsch, voran ging May, in der Mitte Dennert und den Schluß bildete Sabatzky. Etwa in der Mitte der Brücke will Dennert, der ivie seine beiden Begleiter angetrunken war, sich zu Sabatzky mit den Worten ge- wandt haben:„Wollen wir hier mal herübersäuseln?" Sofort habe Sabatzky erwidert:„DaS können wir ja machen" und gleich darauf habe er sich über das Geländer geschwungen und sei in die Tiefe gestürzt. Der Angeklagte Dennert glaubt nicht, daß Sabatzky einen Selbstmord habe begehen wollen, er nimmt vielmehr an, daß derselbe in seiner Angetrunkenheit einen Scherz machen wollte. Mit Entschiedenheit müsse er bestreiten, daß er Sabatzky auch nur angerührt habe. Als Sabatzky in die Tiefe stürzte, habe er noch unwillkürlich über das Geländer gefaßt, um wennmöglich nach einem Rockzipfel des Fallenden zu ergreifen, diese Bewegung möge bei der auf der Brücke herrschenden schlechten Beleuchtung und bei der Entfernung, in der sich die Zeugen be- fanden, gemißdeutet worden sein. Er sei die Brücke zurück und die Böschung hinunter zum Rettungskahn gelaufen, er habe den letzteren auch losgelöst, aber eingesehen, daß er seines ange- trunkenen Zustandes wegen außer Stande war, den Kahn zu führen. Er habe deshalb von Rettungsversuchen Ab- stand genommen, zumal sich zwei Dampfer näherten, und sei ivieder auf die Brücke gegangen. Hier fand er May von einigen Personen umringt, ivelche denselben zur Wache führen wollten, da sie ihn beschuldigte», einen Menschen ins Wasser ge- stürzt zu haben. May müsse geglaubt haben, daß er, Dennert, sich ins Wasser gestürzt habe, denn alS er ihn erblickte, umarmte und küste er ihn mit den Worten: Franz, da bist Du ja!"— Sie seien dann beide zur Wache geführt worden.— Diese Schilderung deS Angeklagten Dennert deckte sich mit derjenigen, die May von dem Vorfalle gab. Er habe die Worte Dennert's: Wollen wir hier mal heruntersäuscln und gleich darauf das Geräusch eines ins Wasser Fallenden ge- hört. Er habe geglaubt, daß Dennert, der ein vorzüg- licher Schwimmer sei, sich einen Scherz geleistet habe. Mit den Worte»:„Franz! Franz! Was hast Du gemacht?" habe er übers Geländer geblickt und als er sah, daß Gefahr vor- Händen ivar, nach dem Rettungöball gesucht. In diesen» Augen- blicke seien andere Personen hinzugekommen. Dem ersten sich nähernden Dampfer wurde von der Brücke aus zugerufen, er möge ei» Boot aussetzen; die Bemannung müsse aber wohl ge- glaubt haben, daß sie gefoppt werden sollte, denn es erfolgte nur eine ungezogene Antwort. Als Donnert gleich darauf von seiner Suche»ach dem RettungSkahn zurückkehrte, sei seine Freude groß gewesen, daß dieser nicht der Verunglückte sei. Die Klärung dieses eigenthümlichcn Vorfalls machte dem Gerichtshose bedeutende Schwierigkeiten. Es traten drei Zeugen auf, welche eine andere Auffassung von der Szene auf der Brücke geivonnen hatten, wie sie von den Angeklagten dargestellt wurde. Diese drei Personen ivarcn im Begriffe, die Brücke zu über- schreite» und etwa zwanzig Schritte von der Mitte entfernt, als sie auf die Gruppe aufmerksam wurden, die sich am Geländer zu schaffe» machte. Drei Personen hätten dicht nebeneinander ge- standen, so daß man die Beivegungcn der Einzelnen nicht ver- folgen konnte. Sie glaubten zu sehen, daß einer der drei Männer von den beiden anderen hochgehoben und über das Geländer gebeugt wurde. Sie hörten den Fall ins Wasser und de- schleunigten ihre Schritte. Von den beiden übrig- bleibenden Männern entfernte sich der eine eilig nach der entgegengesetzten Richtung zu und dies wurde von den Zeugen als eine Flucht angesehen. Sie hielten deshalb den Angeklagten May fest, der allerdings jammerte, daß sein Ehef sich ins Wasser gestürzt habe. Nach einiger Zeit sei der Angeklagte Dennert zurückgekommen und übereinstimmend stellten die drei Zeugen eine Behauptung auf, wodurch Dennert belastet wurde. Sie er- klärten nämlich, daß Dennert schon weit hinter der Brücke auf der Warschauerstraße war, als er wieder umkehrte. Er sei nicht die Böschung herausgekommen, an deren Ufer der Rettungskahn lag und es sei deshalb nicht anzunehmen, daß er Rettungsversuche habe machen wollen. Der Angeklagte Dennert bestritt ent- schieden, daß er die Flucht habe ergreisen wollen, die drei Zeugen müßten sich irren. Ein vierter Zeuge unterstützte diese Be- Häuptling Dennert's insoiveit, als er denselben erst dicht an der Brücke getroffen habe. Dennert habe zu ihm gesagt:„Hätte ich nur nicht gesagt:„Wollen wir da mal herübersäuseln," das bricht nur den Hals." Belastend für den Eingeklagten Dennert war ferner die Bekundung einiger Zeugen, daß Dennert scherzweise an demselben Abende in der Restauration zu Sabatzky die Aeußerung gethan iiabe:„Warte nur, wenn wir über die 0„_______.w.,...vi«, iiver vie Brücke gehen, ivcrfe ich Dich herunter." Nach beendeter Beweis- aufnähme führte Staatsanwalt Dich aus, daß der Verstorbene Sabatzky das Opfer eines unzeitigen Scherzes gcivorden sei. Für die Annahme, daß der Letztere einen Selbstmord begangen habe, spreche gar nichts, vieles aber dafür, daß die Angeklagten in ihrer Tmnkenheit den Sabatzky an den Beinen ergriffen und ihn mit dein Oberkörper über das Geländer schoben. Hierbei sei derselbe ihnen wahrscheinlich entfallen und ins Wasser gestürzt. Nun hätten die Angeklagten den Kopf vcr- loren und Dennert sei davongelaufen. Seine Behauptung, daß er einen Rettungskahn habe suchen wollen, verdiene keinen Glauben und ebenso müsse er die von May an den Tag gelegte Freude bei der Rückkehr Dennert's für einen Ausbruch des Gefühls halten, daß er nun nicht als allein Schuldiger zur Wache geführt wurde. Der Staatsanwalt beantragte gegen die Angeklagten je neun Monate Gefängniß. Tie beiden Bertheidiger, Rechtsanwälte Dr. Friedmann und W r e s ch n e r plaidirten für Freisprechung der Angeklagten, da das durch die Beweisaufnahme erbrachte Material keineswegs hinreiche, eine Uebcrzeugung von der Schuld der Angeklagten zu gewinnen. Bei allen derartigen Unglücksfällen spiele die Phantasie und die Kombinationsgabe der Zeuge» eine Hauptrolle und jeder� Augenzeuge pflege eine andere Darstellung von dem betreffenden Ereigniß zu geben. Ein Unglücksfall der jüngsten Zeit, der Brand in der Friedrichstraße, liefere einem treffenden Beweis für diese Behauptung, die Berichte des Polizeipräsidiums, der Feuerwehr und des Herrn Kadelburg gingen weit auseinander. Die Bertheidiger führten des Längeren aus, daß die von den Angeklagten ge- gebene Darstellung des Vorfalls weit mehr Wahrscheinlichkeit für sich habe, als die der Belastungszeuge». Ter verstorbene Sa- batzky habe in seiner Trunkenheit entweder einfach das söge- nannte„graue Elend" gehabt und sich ums Leben bringen wollen, oder er wollte ein Bravourstück ausführen. Der Gerichtshof hielt nicht für erwiesen, daß die Angeklagten den Sabatzky angefaßt hatten und ebenso sei die Möglichkeit nicht ausgeschlossen, daß die Zeugen sich bei der Entfernung und der schlechten Beleuchtung geirrt hätten. Das Urtheil lautete daher auf F r e i s p r e ch u n g. Die Älutthat, welche am Abend des 8. Juni die Passanten in der Ltaunynstraße in Ausregung versetzte und leider ein Menschenleben als Opfer forderte, unterlag gestern der Prüfung des hiesigen Schwurgerichts. Der wegen Körperverletzung nnt tödtlichem Erfolge angeklagte Schlosser Wilhelm D e m b s k y ist ein gefährlicher Vcrtreler des MesserheldenthumS, welcher schon welsach wegen Gewaltthatcn vorbestraft ist. Zuletzt ist er noch wegen eines frechen Attentats, welches er kurz vor seinem jetzigen Verbrechen begangen, zu 6 Monaten Gefängniß verurtheilt worden. Damals hatte er ohne jeden stichhaltigen Grund auf der Straße eine ältere Frau attackirt und mit un- flächigen Redensarten belästigt, und als sich dieselbe dies verbat, einfach eine Kellertreppe hinabgeworfen.— Jelzt hat er ein Menschenleben auf dem Gewissen. Der Angeklagte betrat am Sonntag, den 8. Juni, Zlbends gegen 0 Uhr, das in der Naunynstraße 77 belegene Kellerlokal von Nielsch. Dort saßen der Metallschleiser Hildebrand mit mehreren Personen beim Würfelspiel und ihnen gesellte sich der Angeklagte zu, welchem man die Theilnahme am Spiel gestattete, obwohl man infolge seines ziemlich lauten Auftretens und weil er mit den Kellnerinnen schon in Streit gerathen war, annehmen konnte, daß er nicht mehr ganz nüchtern war. Als er den Verlust beim Spiel bezahlen sollte, weigerte er sich dessen, lehnte eS auch ab, wenigstens eine Weiße zum Besten zu geben und nun wurde ihm das Weiterspielen verboten. Es kam darüher zu lebhasten Auseinandersetzungen und als der Wirth den Angeklagten schließ- lich aus den» Lokale verwies, auch zu einem Handgemenge,»vobei der Angeklagte Herrn St. mit einen» Dietrich, den er bei sich führte,»nehrcre, glücklicher Weise niir leichte Verletzungen im Ge- ficht beibrachte. Der Störenfried wurde gcivaltsam aus dein Lokal hinausbefördert, als er aber auf der Straße»var, bemerkte ein Vorübergehender, daß er ein Messer herauszog und sich äugen- scheinlich auf die Lauer legte. Kurze Zeit darauf kam auch Hildebrandt, der dem Wirthe beigestanden hatte, auf die Straße und wurde von dem er»väh»ten Manne zur Vorsicht gemahnt, da der An- geklagte ein Messer in der Hand habe. Daß der letztere böse Absichten hatte, ging auch daraus hervor, daß er sofort beim Erscheine» Hildebrandt's diesem zurief:„Kon»»»»' doch mal her. Du Lump!" Hildebrandt ließ sich leider nicht warnen, sondern antivortete: „Was kann mir denn dieser Lump! Der sticht doch nicht!" Darauf replizirte der Angeklagte:„Komi»»' doch inal heran! Purzeln mußt Du»vie eine Fliege!" Hildebrandt hielt eL nun »vohl für eine Feigheit, wenn er sich vor dem Angeklagten fürchte»» »vürde und so trat er auf denselben zu und erklärte ihm:„Steck das Messer»veg! Wen»» ich nicht»nehr bedächte, schlüge ich Dir ins Gesicht!" Kanin hatte er geendet, da fiel er mit einem Aufschrei zu Boden. Der Angeklagte war auf ihn zugesprungen und hatte ihm das Messer derartig in den Hals gestoßen, daß die Schlagader durchschnitten wurde und der Angegriffene nach wenigen Minuten seinen Geist aufgab. Der Angeklagte floh uninittelbar darauf in einen Buchbindcrladen und als der letztere von einer großen Menschenmenge umzingelt»vurde, suchte er sich durchzuschlagen. Er>v»lrde jedoch von zivei Soldaten festgehalten, überivältigt und nach der Wache des 4y. Polizeireviers gebracht,»vo er gefesselt und dann nach den» Polizei- Geivahrsam übergeführt»vurde. Trotz der Klarheit der ganzen Sachlage leugnete der Angeklagte hartnäckig. Er hatte zuerst bestritten, daß er überhaupt in dem Schai»klokal vo» Rietsch ge>vesen und stellte die Sache so dar, daß er bei einem zufälligen Gange durch die Naunyn- straße auf zivei sich schlagende Personen gestoßen sei, daß er den einen, der auch ihn angegriffen, von sich gestoßen habe und dann plötzlich von zahlreichen Personen verfolgt»vorden sei. Als man aber das blutvefleckte Messer a»is seiner Tasche holte, erklärte er, daß diese Flecke von der Lynchjllstiz herrührten,»velche die erbitterte Menschenmenge auf dem Wege zur Wache an ihm geübt habe. Später änderte er sein Vertheidigungssysten»»ind be- hauptete, infolge sinnloser Trunkenheit von den ganzen Vorgängen überhaupt nichts zu»vissen. Sä»nmtliche Zeugen»varen aber darin einig, daß der Angeklagte durchaus nicht siitnlos geivesen und ein Augenzeuge bekundete, daß der Angeklagte nach der That seinein ain Boden liegenden Opfer noch einen höhnischen Blick zu- geivorsen habe. Staatsanivalt Flicke! empfahl die Bejahung der Schl»Idsragcn und Ausschluß mildernder Umstände, iveil der Angeklagte ein sehr geivaltthätiger Mensch sei»ind sich das Messerheldenlhum in Berlin leider iinmer breiter mache. Der Bertheidiger R.-A. W o l f g r a n» in suchte aus der Angetrunken- heit und Gereiztheit des Angeklagton Mikderungsgründe herzu- leiten. Nach den» in» Sinne der Anklage ausgesalienen Wahrsprnch der Geschivorenen verurtheilte der Gerichtshof den Zlngcktagtei» (unter Einrechnung der letzten ü»nonatlichen Gefängnißstrafe) zu ti I a h r e n Z»» ch t h a u s. Das Vorhandensriir einer Kernfungvinstans hat sich gester»»vieder einmal als segensreich für eine vom Schöffen- gericht zu Gefängnißstrafe Verurtheilte bewährt. Wegen Sach- beschädigung hatte das Schöffengericht die Wittive A in a l i c G a tz k e zu 10 Tage» Gefängniß verurtheilt. Dieselbe»vurde für überführt erachtet, aus Rachsucht gegen eine von ihr fortgezogene Asterniietherin derselben ein Kleid,»velches sie derselben nachträg- lich durch einen Dienstmann zuzusenden hatte, durch sBcgießen mit Schwefelsäure verdorben zu haben. In ziveiter Instanz gelang es den» Bertheidiger Dr. Rosen stock,»welcher noch einmal die gesamnite Beweisführung vor dem Gerichtshof entrollt und im letzten Augenblick auch noch ein Gutachten des Chemikers Dr. Bischofs veranlaßte, die Verdachtsmomente derartig.zu erschüttern, daß der Gerichtshof das erste Urtheil aufhob und auf Freisprechung erkannte. Gin i'rljf nmfangreichrrK-Ieidignngoprakest an» der Gewerkschaftsbewegung fand vor der 99. Adtheilung des hiesigen Schöffengerichts seinen Abschluß. Der Drechsler Kasparczakow hatte im November v. I. in einer Gastivirthschaft in Gegenwart zahlreicher Gäste die Aeußerung gethan, der eben- falls anwesende Drechsler Julius Müller habe bei der Drechsler- Krankenkasse 3000 M. unterschlagen. Müller strengte erst nach Ablauf von 3 Monaten die Klage wegen verleuinderischer Be- leidigung gegen Kasparczakoiv an, da er den Namen und die Wohnung des Beleidigers nicht früher in Erfahrung gebracht. Das Gericht»vies die Klage»vege» verspäteter Einreichung ab, leitete dieselbe jedoch auf erhobenen Widerspruch ein. Der Beklagte Kasparczakow bestritt zivar die Absicht der Beleidigung, erklärte jedoch, daß seine Behauptung aus Wahrheit beruhe,»veshalb in die Beiveiserhebung eingetreten»verde»»»ußte. In rnchrercn Terminen»vurden 12 Zeugen vernommen, darunter die in Hamburg»vohnenden Vorstandsmitglieder Mehlhaff und Fischer. Aus den Zeugenaussagen und den Verhandlungen ist zu entnehmen, daß der Privatkläger vom November 1884 bis zun» 29. Januar 1883 Bevollmächtigter der Berliner'Zahlstelle der Krankenkasse für die Drechsler Deutschlands in Hainburg geivesen. Vier Monate nach Niederlegung des Amtes seitens des Klägers stellte eine Revisionskommission fest, daß in der Berliner Filiale ein Manko in Höhe von 3000 M. vorhanden sei. Müller bestritt die Nichtigkeit dieser Suinine und erklärte, für einen Fehlbetrag nicht auskommen zu können, da er erstens »vährend der kurzen Zeit seiner Geschäftsführung auf Anordnung des Hauptvorstandes 18 Tage als Agitator für die Kasse gereist sei und deshalb nicht»vissen und verantworten könne, was»väh- rend seiner Abivesenheit geschehe»», und»vcil ziveitens das Defizit erst nach vier Monaten aufgestellt»vorden sei. Uebrigens habe er laut seiner Abrechnung»och ein Guthaben an die Kasse. Die Akten und Bücher der Filiale iv»trden der Staatsanwaltschaft eingereicht, Anklage gegen Müller jedoch nicht erhoben. Wohl aber wurde in einer Drechslerversammlung a»lf Antrag des Drechslers Sünderinann, der Kläger ails der Drechsler- beivegung ausgeschloffen. Der Hauptkassirer Mehlhaff deponirte, daß es gar nicht möglich sei, daß Müller soviel Geld vereinnahmt haben könnte. Auch könnten Marken verloren gegangen oder von einen» andern Beainten der Filiale Geld unterschlagen worden sei». Fischer sagt aus, nach seiner Meinung sei das Defizit durch die nachlässig!: Buchführung des Filialkassirers Kühn entstanden. Letzterer giebt zu, daß seine Frau Quittungsmarken vera»lsgabt habe, die nicht immer gebucht»vorden seien. Das Vorstandsmitglied Schmädicke be- hauptet, daß Müller keine Bücher geführt habe, giebt sodann aber auf Vorhalt desselben zu, daß die Bücher»lebst Abrechirung von Müller richtig abgeliefert»vorden. Ferner behauptet Schmädicke, daß Müller s. Z. seines Postens entsetzt»vorden,»vährend eine von ersteren» an letzteren gerichtete Postkarte, die verlesen»vird, von der Niederlegung des Anites spricht. Der Vertreter des Klägers, Herr Rechtsanivalt Heine, führte aus, daß den» Kläger nichts an Bestrafung des Angeklagten liege, sondern daß es dem- selben nur auf die Klärung der baiiialigeii Kassen- Verhältnisse ankomme und uin Wiederherstellung seines ehr- lichen Namens handle. Der vom'Angeklagten als Be- »veismitel angeführte Beschluß der Drechsler- Versa»»»»- lung leide an denselben Mängeln,»vie die vom Angeklagten angeführte», auf gnlndlosen Verdächtigungen gestützten Wahrheits- beiveise. Er enthalte sich jedes Antrages und bitte nür seinen» Klienten die Publikationsbefugiciß des Urtheils zuzilsprechen. Der Gerichtshof verkündet, daß den» Beklagten der Wahrheitsbeiveis vollständig»nißlungen sei. Der 5iläger könne, da die Abrechnung erst 4 Monate nach der Niederlegung seines Postens erfolgte, und da er für Handlungen fremder Personen nicht einstehen konnte, für ein entstandenes Defizit nicht verc»nt>v ortlich gemacht werden. Bei der Schivere der Beleidigung habe der Gerichtshof auf eine Geldstrafe von 50 Mark, der im Unvermögenssalle eine Gesängnißstrnfe von 10 Tage» zu substituiren sei, soivie auf Publikation des Urtheils durch Aushang an der Gerichtsstelle er- kannt. Den» Beklagten fallen auch die sehr bede»ltenden Kosten zur Last. ZU'lleitcvlmueNnng. Saarbrücken, 26. September. Die von einigen Zeitungen gebrachte Meldung, daß»»» Schooße des bergmännischen Rechts- schutz-Vereins»vegen des.Hallenser Kongresses und seiner Beschlüsse Zivistigkeiten ausgebrochen seien, durch welche der Bestand des Vereins gefährdet erscheint, entbehren jeglicher Begründung. Alle in den lcyteu Tagen unternonimenen Versuche, Uneinigkeit unter den Arbeitern hervorzcirufen, sind gescheitert. Die Gründung des deutschen Bergarbeiter- Verbandes hat die volle Billigung der Arbeiterschaft. Sozialbrinokrakisistev Mastlurrrin für den zweiten Hevliner Neich»t>»gs-Walill:reio. Eine den großen Saal der „Bockbrauerei" zur Hälfte füllende Versammlung des sozialdemo- kratischen Wahlvereins für den ziveite» Berliner Reichstags- Wahlkreis fand am 18. September statt. Ans der Tagesordnung stand: I.Vortrag des Herrn'Auerbach über:„Die politische Lage." 2. Diskussion und Verschiedenes. An Stelle des am Er- scheinen verhinderten Genossen Auerbach ergriff Genosse W. Wach das Wort zu eine»» Vortrage über:„Die Moral und die»virth- schastlichen Verhältnisse." An der Diskussion bctheiligte» sich die Genossen Knaak, Kroll, Klein und Ebert. Knaak drückt seine Freude darüber aus, daß man sich zum letzten Male unter der Herrschaft des Sozialistengesetzes im Wahlverein zusaininengeflinden. Alle Sozialdemokraten müßten an un- seren» Feiertag, dem 80. September, illuminiren. Kroll geht in längerer Ausführung auf den Vortrag ein, speziell ans die Bediiigungeii der Prostitution und deS Verbrecherlhuins. Stadtv. Klein: Man könne beobachten, daß viele Menschen durch die heutige Gesellschaft, durch ihre Produktionsverhältnisse zu etwas gezivungeii»verde», das sie dann in die Gefängnisse und Zuchthäuser bringe. Redner geht dann auf die Disk»>ssioii, »velche in der Stadtverordneteii-Versainmlung über den Antrag der Sozialdemokraten betreffend das Erschieße» von Mensche»» durch Wachtposten,»venn dieselben nicht nach dreimaligen» Hakt- rufe stehe»» bleibe», gepflogen ist, ein. Man solle nicht glauben, daß nach den» Falle deS Sozialistengesetzes ein freies Beivegen möglich»verde; es bleibe das Vereinsgesetz, welches sich sehr gut ausbeuten lasse und jedenfalls ausgebeutet»verde. Man müsse politisch reise Menschen schaffen, nur mit solchen lassen sich unsere Bestrebungen verivirkliche».(Beifall.) Eberl»weist ans die Schate»» des adligen Roivdies, Grasen Kleist, hin. Unter Ver- schiedenein»vird folgende, vom Kellner Ebert eingereichte Mahnung verlesen:„Die Theilnehmer der heutigen Versaminlung des Sozialsemolratischen Wahlvereins für den 2. Reichstags-Wahlkreis mögen dafür eintrete»», daß jeder einzelne Arbeiter, soviel es in seiiien Kräften steht, dafür agitire, daß jeder Gastwirthsgehilfe (Kellner k.)— der von den Arbeitern sei»» Gutes hat— ver- anlaßt»verde, sich der für dieselben geschaffenen Organisatioi», den» „Verein Berliner Gastivirthsgehilfe», der seine Satzungen auf demokratischer Grundlage und unter Anschluß au die»noderne allgemeine'Arbeiterbeivegung ausgearbeitet und mit großer Ma- jorität angenommen hat, anzuschließen hat; insofern, als in diesen Kreisen die'Angstmeierei»och ihr Uinvcsen treibt. Es spräche» hierzu die Kellner Boller und Elvert. Sei ein Kellner nicht i n dem betreffenden Verein(es giebt ca. 20 Kellncrvereine in Berlin), so müsse man»vissen,»vaS man zu thun habe. Herr- Klein macht bekannt, daß am 30. Septeinber in der Bockbrauerei ein großes Fest, das Fest der Beerdigung des Sozialistengesetzes und des Empfanges der Ansge>viesenen, gefeiert»verde. Man möge recht zahlreich die Billets kaufen, aber auch zahlreich er- scheinen. Ebenso an» 1. Oktober, an»welchem die Wahlen der Delegirten des 2. Wahlkreises zum Kongreß,»wahrscheinlich an» selben Ort, stattfinden. Die Urrrinigung der Drr,st«l«r Denifchlnnds Orts- verwaltung Berlin 2(Stockbranche) hielt am 24. Septeinber ihre regelmäßige Mitgliederversainmlung ab. Der Vortrag des Herrn Mattuthat hat nicht stattgefilnden,»veil an demselben Tage eint. öffentliche Drechslerversamnilung in Feuerstein's Salon stattfand. Die anderen beiden Punkte»wurden schnell erledigt, damit die Mitglieder noch die Drechslerversamnilung besuchen konnten. Be» der Vorstandsivahl»wurden die Kollegen Fenslein als Vorsitzender, Strohmeier als Kassirer, Hoffmann als Schriftführer, Heinke und Menschner als Beisitzer und Meißner und Böttcher als Revisoren gewählt. Unter„Verschiedines" wurde nochmals ans die Petitionslisten und auf die Fragebogen aufmerksam gemacht, daß dieselben doch so schnell»vie möglich erledigt»verden sollen. Dcr Urrein zur Wahrung der Interessen der Klavier- arbeiter und Kernfsgenossen hielt am 22. September»n Deigmüller's Salon, Alte Jakobstr. 48a, eine Generalversammlung ab. Tagesordnung: 1. Wahl einer Werkstatt-Kontrol-Kommisfion. 2. Resolution betreffend die Arbeitszeit. 3. Verschiedenes. Der 2. Vorsitzende eröffnet die Versammlung um 3/i9 Uhr. l Krön verliest den Antrag des Vorstandes, welcher lautet:„Der Vorstand empfiehlt der Generalversammlung die Wahl einer Werkstatt-Kontrol-Kommission zur Regelung der Werkstatt- angelegenheiten. Diese hat die Pflicht, Unregelmäßigkeiten in den einzelnen Werkstätten zur Besprechung zu bringen und selbst- ständig die Kollegen der einzelnen Werkstätten einzuladen. Die Kommission besteht aus fünf Mitgliedern»nd»vahu u»ter sich einen Vorsitzenden. Be»»vichtigen Vorkommnijsen ist der Vereinsversainmlung Bericht zu erstatten. Beschlüsse der Komyiission sind dem Vorstand mit der Kommission zun» ent- giltigen Beschluß vorzulegen." Zur Begründung des Antrage� führt Kollege Krön an, daß der Antrag hauptsächlich desivcgen eingebracht»vorden ist, um die Vereinsversainmlung von den viele» und gewöhnlich sich sehr spät hinziehenden Debatten über Werkstattangelegenheiten zu befreien»»nd spricht den Wunsch au», die Versammlung möge den Antrag annehisien und aus»hrer Mitte tüchtige, gewissenhafte und vor»>rtheilsfreie Männer»vühlen, »welche die Geschäfte in» Prinzip und zum Nutzen des Ver�ns erledige». Die Diskussion wurde eine sehr lebhafte und sprachen sich alle Redner zustimmend zu dem Antrag aus. Derselbe»mro angenoiilmen. Vorgeschlagen und gewählt wurden folgendeKollegen: Vlogis, Elisabethstr. 44. Köppen, Manteuffelstr. 71, Hos parterre. Höflich, Reichenbergerstr. 30, vorn 2 Treppen. E. N i t s ch e, Grünauerstr. 7. S ch u l z, Langestr. 22, bei Recks. Die Kollege»»»verde»» ersucht, bei Werkstattangelegenheiten sich an die Kommission zu»wenden... Zu Punkt 2, Resolution betreffend die Arbeitszeit, verllest Kollege Meier dieselbe:„Resolution. Die heute, am 22. Sep- tember, tagende Generalversammlung des Vereins zur Wahrung der Jnteresten der Klavierarbeiter und Berufsgenossen beschliept: In allen Werkstätten»ind Fabriken, wo das Verlangen an die Kollegen gestellt»vird, die übliche Arbeitszeit zu überschreiten, ganz gleich, ob die Arbeitszeit regulär 8, SVe oder 9 Stunden- ist, selbiges energisch zurückzuweisen und sofort die Werkstatt- Kontrolkommission zu benachrichtigen. Ferner beschließt die Ver- sainnilung, dein Vorstand die Vollmacht zu geben, über die- zenigen Fabriken, wo Uebergriffe dieser Art vorkommen, nach Anhören der Kommission eigenmächtig zu urtheilen»»nd zu verfahren. Der Vorstand ist der Ansicht, auf diese Weise der Neberarbeit, d. h. nach Feierabend zu arbeiten, einen Tain»»» entgegenzusetzen und den Prinzipien des Vereins in den Werl- stätten»»ehr Geltung zu verschaffen." Kollege Meyer führt»» eingehender Weise an,»velche Gründe den Vorstand bewogen haben, diese Resolution zur Diskussion zu stellen und der Annasßine derselben zu empfehlen. Da die Resolution von sehr»wichtigem Inhalt ist, wünscht er, daß sich jeder Kollege darüber aussprechen möge, denn es komme nicht darauf an,»n der Versammlung nur die Hand hoch zu heben, sondern voll und ganz auch das z»'» halten und zur Ausführung zu bringen, für das man gestimmt hat. Niendorf»wünscht, daß der Passus 3, SVe Stunden gestrichen und statt dessen OVe und 10 Stunden gesetzt»verde. Den» wird von verschiedenen Kollegen entgegnet, daß es ganz gleich ob die reguläre Zeit überschritten bei 3 Stunden oder 10 Stunden. Wir streben ejne Verkürzung der Arbeitszeit an und da können»vir die Fabriken,»velche schon 8 oder 8V2 Stunden arbeiten, nicht zurückdrängen. Kollege Blogis spricht in längerer Ausführung für die Resolution, anführend, welchen Werth die verkürzte Arbeitszeit für Jeden hat und ermahnt die Kollegen, die Arbeitszeit nicht zu verlängern, sondern fest- zuhalte» auch in der sogenannten Saison, noch hinzufügend, die heutige Abstimmung gleich einem Schivur zu betrachten. Möchten die Kollegen etivas»weniger egoistisch sein»»nd sich der Kollegen erinnern,»welche arbeitslos aus der Straße herumlaufen;»welche, »wenn keine Ucberarbeit stattfände, doch verringert würden. — Es sprechen noch in überzeugender Weise für die Resolution die Kollegen Scholz, Sparfeld, Heinrich, Krön»c. Niendorf beantragt die Abstiminung über die"Resolution zu ver- tagen»vege»» zu schivache» Besuch. Kollege Blogis ist derselben Meinung. Der Antrag»vird»nit dem Bemerke» abgelehnt, daß die heutige Versammlung eine doppelt bekannt gemachte General- Versammlung ist und Niemand die Kollegen mit Geivalt her- schaffen könnte. Die Abstimmung ergiebt Annahme der Resolu- tion gegen 1 Stimme. Zu„Verschiedenes"»wirb Anklage gegen das frühere Vorstandsmitglied Nagel erhoben und der Alttrag, den- selben aus den» Verein auszuschließen, angenommen. Neu auf- genommen wurden 7 Mitglieder. Der ziveite Vorsitzende schließt die Versai»»ii»lnng%12 Uhr. Drr Urrbnnd druischrr Mechaniker»ind verwandter Berufsgenossen hielt am 19. September eine Mitgliederversammlung ab. In derselben hielt Herr Verndt einen Vortrag über „Die Ursachen der Verbrechen". Nach Beendigung einer äußerst lebhafte» Diskussion»vurde ein Geschäftsordnungsantrag angc- nominen,»wonach von der Verlesung der'Anträge zum Verbands- tag Abstand genommen»wird. Sodann»vurde der Bericht des Bremer Mechanikertags verlesen. Eine in nächster Zeit statt- findende öffentliche Versammlung»vird sich»nit den in Bremen stattgesundenen Verhandlungen des Näheren zu befassen haben. Folgende Resolution wurde einstimmig angenommen. Die Zahlstelle Berlin des Verbandes deutscher Mechaniker und verivander Berufsgenossen hält die direkte Wahl für das einzige Mittel, um geeignete Vertreter in die Einigungsämter senden zu kömien. Zu den Verhandlungen des Breiner Mechaniker- tages»wurde dann noch von verschiedenen Rednern hervorgehoben, daß auch dort von Seiten der Prinzipale ein festes Zusamme»- »wirken aller Arbeitgeber befürivorlet»wurde. Demgegenüber»wäre es doch endlich an der Zeit, daß auch die Gehilfen ihren In- differentismus aufgeben und sich einer Organisation anschließeiu möchte», nm als Ganzes vereint, das zu erreichen, wozu der Einzelne zu schivach ist. Die Dergoider und Uergotderinnen hatten sich an» 25. September bei Scheffer, unter dem Vorsitz des Herrn N i e b e r g a l l zusanimengefundcn, um sich über die Aroeits- niederlegung der Versilberer bei Herrn Ruthenberg zu informiron. Es ergriff hierzu Herr Sprenger das Wort:„Echo»» vor sechs Wochen sei versucht»worden, von dem Preis, der für Barock- rahmen gezahlt»verde, 25 pCt. abzuziehen. Anstatt des früher vereinbarten Preises von 2 M. für ein bestimmtes Quant»»»» sollte nur noch 1,30 M. gezahlt»werden. Daraus sei man aber nicht eingegangen; unter 2 M. könnte man die Leiste nicht machen. In der vorigen Versanunlung habe sich nun Herr Ltuthenberg bemüßigt gefühlt, den Preis auf 1,85 M. festzusetzen; aber aucy hierauf sei man nicht eingegangen, sondern eu» Versilverer nach dem anderen habe mit Fertigstellung seines'Akkordes die Arbeit einKstellt. Jetzt, nach acht Tagen, ist der Streik als beigelegt zu betrachten; die 2 M.»verde»» bezahlt." An diese Aussnhrungei» schloß sich eine lebhaste Debatte, in»welcher die Vorgänge, die der Streik bei Ruthenberg mit sich gebracht hatte, noch einer spezielleren Erörterung unterzogen»vurden. Gerügt »wurde, daß Herr Ruthenberg als Exporteur geringere Löhne zahle,»wie der kleine Meister.'Außerdem»wurde eine schivarze Liste zur Verlesung gebracht, a»lf»welcher ca. 25 Ar- in.,ls- r Nuthenberg'schen Fabrik enthalten waren. Dieselben nrs ß?!1 ,en Mitgliedern des Vereins der Goldleisten-Fabrikanten � und darum als nicht in Arbeit zu nehmende be- �?uet.— Ein Vorsckilag, ein Schiedsgericht zu wählen, welches i'- luie&en Ruthenberg'schen zu erledigen habe, wurde von etjchiedenen Rednern, als in unsere Zeit nicht passend, bekämpft. ra.n.'ß noch zur Sache Ruthenberg, das! alle anderen �>epreikthabenden dort wieder arbeiten, mit Ausnahme des Herrn Sprenger, welcher als gemaßregelt zu betrachten sei. Auf ein Ein- S; m r Ruthenberg'schen Kollegen für sich hat derselbe verzichtet. �le Versammlung beschloß, daß auch Herr Mehring als gemäß- «gelt zu betrachten sei. Dieser mußte dieJnberg'sche Fabrik verlassen, -- Löprozentigen Ausschlag für eine Leiste, welche in jener tfNbrik lange nicht gemacht war, beanspruchte. Hierauf wurde vie Schlußabrechnung der Freien Vereinigung der Vergolder von verrn Niebergall verlesen. Die Freie Vereinigung wurde be- lanntlich beim Inkrafttreten des Verbandes aufgelöst. Nach der Abrechnung bleibt noch ein Betrag von 20.86 M. übrig. Der- leibe ist der Streikkommissiou überwiesen worden. Dem Kassirer iaUo Decharge ertheilt. Ein Tellcrsannnlungs-Ueberschuß von i, At. wurde ebenfalls dem �Streikkomitee überwiesen. Die Unterstützungen betreffend wurde ein Antrag angenommen, auch Ollcht-Verbandsmitglieder zu unterstützen. Für Verheirathete wurde eine wöchentliche Unterstützung von 14 M., und für Unver- heirathete eine solche von 12 M. festgesetzt. Hierauf wurden zwei Delegirte zur Berliner Streik-Kontrolkomimssion gewählt, und Zwar die Herren Sprenger und Gerndt. Die früheren Delegirten ffnd Mitglieder des Vereinsvorstandes und legen darum ihr Mandat nieder. Eine g„t liesuchte öffentliche Uolltoversanimlung für Stralau, Rummelsburg und Umgegend fand am Sonntag, den 21. d. M,, in der Gräsl. Reischach'schen Brauerei zu Stralau unter Vorsitz der Herren Baum, Wille, Kette statt. Auf der Tages- ordnung stand: 1. Das Programm der Sozialdemokratie. 2. Organisations-Entwurf. 3. Diskussion. Referent: Herr Curt Vaake. Da Herr Vaake am Erscheinen verhindert war, so über- «ahm Herr Berndt das Referat. Redner erntete für seinen Vor- trag reichen Beifall. Auf einen Antrag wurde der ziveite Punkt der Tagesordnung bis zur nächsten Versammlung, welche am 6. Oktober stattfindet, verschoben. An der Diskussion nahmen Fräulein Baader und die Herren Pätzold, Voigt, Berndt, Seit, Fischöder, Müde, Hoch thcil. Eine Resolution, am 80. September zu illumimren, wurde angenommen. Zu erivähnen ist die Beschränkung seitens der BeHorde, welche die 'Tauer der Versammlung auf zwei Stunden, von 12—2 Uhr be- stimmt. Hiergegen wird Beschwerde erhoben werden. Mit einem Hoch auf die Sozialdemokratie schloß die Versammlung. h-roAe iiffentlichr zirrraminlniig siir Wä»»rr»»d Lea»«» am Eomuao, dcn 26. September, Abends o Uhr, in den chentral-Festsäle», Oranien- Beschlusjfassung schiedencs. Groft» Sir«»tliche Heute. Sonntag, den es. September, Nachmittags Gratwetl'Z, Aiiss»»S, Kildhaurr! 4% Nhr, findet eine öffentliche Versammtuna aller Bildhauer und deren A»ge hörigen in Feuerstetn's Salon, Alte Jalobstr. 75(unterer Saal), stau. Her zierrin Berliner Hausdiener hält am Montag, den 20. September, Abends 0 Uhr, Neue Grünstr. 28, die erste ordentliche Eeneralvorsammlung ab. Tagesordnung siehe Inserat. (iZroste öffentliche Schuhmacheruersanonlnng am Montag, den 20. Sep- tember, Abends% Uhr, im Lolals Feuerstcin's Salon(oberer Saal), Alte Jalobstr. 75. Tagesordnung: 1. Die Nothwendtgrett der Organisation der Arbeiter. Referent: Wilhelm Werner. 2. Bericht der Delegirten der Berliner Strcik-Kontrol-Kommisston und Wahl eines Delegirten. 4. Verschiedenes. Fachvrrri» der i» Buchbindereien»nd uerniandte» Betriebe» be- schaftiotru Arbeiter. Montag, SO, September, Annenstr. 16, Vereins-Versammlung. Tagesordnung: t. Der Werth der Berussstalistik. Referent: Herr W. Schweitzer. 2. Verschiedenes und Fragelasten. Aufnahme neuer Mitglieder. Um ,ahlreichcs Erscheinen wird ersucht. Allgemrinrr M-ta»arb«itrr-zter»iu Krrlina und Zlmgegend. Große Versammlung t» Eharlotlinburg am Montag, den 29. September, AbendS% Uhr, im Saals der Gambrtnus-Braueret, Wallstr. 46. Achtuno, Kranrnre, Ziseleure! Große öffentliche Versammlung am Montag, den 29. September, Abend« 8% Uhr, im Köntgstadl-Kastuo, Holz- inarkislr. 72(oberer Saal). Achtung! Achtung! Am Dienstag, den so. September, Abends s Uhr! i) große Arbeiter-Teste arrangirt voin Komitee zur Feier der Heimkehr der auf Grund deS Sozialistengesetzes ausgewiesenen Genossen in der Berliner Bock- brauerei, Tempclhoser Berg, Brauerei Friedrichshain,(früher Lips) Königs- lhor, Joel'S Salon(früher Keller), AdreaSstr. 2t Elyfium, Landsberger Allee, und Eiskeller, Ehausseeftraße: Grobes Volal- und Jnstrumental-Konzert ver- bunden mit Tanz. Zu zahlreichem Besuch ladet ergcbenft ein DaS Komitee. ZZotlrcTch« Ktenographeii-hlrrrin„Siid-Zerlin": Sitzung Montag, AbendS 6% Uhr, im Restaurant Protz, Annenstraße 9. Schreib- und Lese- Ucbungen-c. (gcsang-, Turn- und gesellige zierriff» rtc. am Montag: Gesang- verein„Sängcrlust" Abends 9 Uhr im Restaurant Landsbergerstraße 80.— Liedertafel der Maler und verwandten Berufsgenossen, Restaurant Berg, Kaiser- Franz-Grenadier-Plah Rr. 7. Aufnahme stinnnbegabter Kollegen.— Männer- gesangverein„Weiße Rose" Abends 9 Uhr im Restaurant Kleine Gerichts- straße 10.— Männcrgesangveretn„Eintracht I" Abends 9 Uhr Köpntcker- straße 68 im Restaurant.— Gesangverein„Echo 1872" Abends 9 Uhr Oranten- straße 100.—„Deutsche Liedertafel" Abends 0 Uhr, Oranienstraße 190.— Gesangverein„Mrirthcnblätter" Uebungsst. Alte Schönhauserstr. 42 b. Malzahn.— Männergesangverein„Senefclder". Uebungsstunde Abends 9 Uhr in Mtnner'S Restaurant, Rosenthalerstr. 11—12. Aufnahme neuer, auch passiver, Mitglieder.— Verein Berliner Theaterfreunde AbendS 6% Uhr bei Lülow, Admiralslr. 68.— Vcrgnügungsvercin„ZIck-Zack" Abends 9 Uhr in Möwe's GcsellschaftshauS, Fichtcftraße 20.— Verein„Lustig" Abends o Uhr bei Thannn, Schönhauser Allee 28.— Verein„Ratibor" Abends 8% Uhr im Königstadt-Kasino, Holz- marltstr. 72.— AhrenbS'schcr Slcnographenverein„Apollobund" illbends 8), Uhr Thurmstraße 31(Moabit).— Wiffenschaftlichsr Verein für Roller'schc Steno- graphic Abends 8% Uhr im Münchener Brätchaus, Reue Jriedrtchstr. I, Unter- rtchts- und Uebungsstunde.— Slatllub„Ramsch", 8s4 Uhr, Fürstcnbergerslr. 10. Gäste willkommen.— Rauchllub„Nordstern" in Susnt's Lokal Franlsurter Allee 174, Frtedrichsberg.— Rauchllub„Hellblau" Abends 0 Uhr Skalitzer- slrabe 14s,— Verein ehemaliger Schüler der 42. Gemeindeschule Abends !> Uhr bei Kloth, Dresdcncrstr. 10.— Zitherklub„Waldrose" Abends'/.ä Uhr. Uebungsstunde bei Schneider, Albertstr. 8. Dirigent: Wcgoner. Ausnahme neuer Mitglieder. Gäste willkommen.—„Friedrichs Verein"(ehemalige Zöglinge des großen Friedrichs- Waisenhauses der Stadt Berlin) Abends 8% Uhr bei Bormann, Ohmgassc 2.— Unter haltungsklub Schiller Abends 8 Uhr tut Restaurant Giesel, Tristslraße 41.— Vergnügungsverein„Freundes treue" Abends 8% Uhr im Restaurant Vrenß, Prinzenstr. 07. Gäste willkommen.— Ranchklub„Goldene Quaste" Abends 9 Uhr, Nestauraiton Barnimstr. 21. Gäste willkommen. Verinifrhtes. Nrrfiilschnng von—? Nun was wird heutzutage nicht verfälscht? In dem von Dr. van Hamel Roos in Amsterdam herausgegebenen„Monatsblatt gegen Verfälschungen" findet sich eine Mittheilung über die Verfälschung von— Pferden. In Arkansas scheint nämlich bei den dortigen Pferdedieben ein Mittel im Schwung zu sein, durch welches die gestohlenen Thiers un- kenntlich gemacht und dann verkauft werden. Ein Zufall veranlaßte die Entdeckung dieses Industriezweiges. Bei einer Schlägerei zwischen den Mitgliedern der Diebesbande hatte es blutige Köpfe gesetzt und es mußte deshalb ein Arzt geholt werden. Dieser scheint aber zu sehr ungelegener Zeit ge- kommen zu sein, denn er kam gerade dazu, wie man damit beschäftigt war, ein Pferd zu„bleichen", das heißt dasselbe mit Schwefeldämpfen zu behandeln, wobei es mit einer Guttaperchadecke bedeckt wurde. Eine Frau, welche diese Behand- lungsweise erfunden und zuerst Versuche an ihrem eigenen Haar angestellt hatte, leitete und überwachte das Verfahren. In der That kann durch dieses Mittel jeder Rappe oder Fuchs in einen Schimmel oder Apfelschimmel verwandelt werden, und wenn die Pferdediebe dabei noch die Vorsicht gebrauchen, Mähnen und Schwanz zu stutzen, so wird selbst ein langzähriacr Eigenthümer sein Pferd nicht mehr erkennen. In Amsterdam kam vor einigen ~ ahren ein ähnlicher Fall der Pferdeverfälschung vor, indem der Verkauf eines Pferdes vom Gericht für inchtig erklärt wurde, weil der Verkäufer seiner alten Rosinante durch einen Zahnarzt ein ganz neues Gebiß hatte einsetzen lassen. VviefkÄlflen dev Nodaktron. Bei Anfragen bitlen wir die Aboimemsuts-Quitiung beizufügen. Brieflich Antwort wird nicht ertheilt. F. K. C. B. wohnt jetzt Waldemarstr. 40. 1. F. L— v. Minterfeldstr. 22. Sie haben die Schreibe- gebühren nicht zu bezahlen. Die betreffende Gesellschaft, auf die wir noch besonders zurückkommen, versucht, die Schreibegebühren von denen einzuziehen, die sie gutwillig bezahlen. Wer nicht bezahlt, wird in Ruhe gelassen. Also zahlen Sie nicht. Rechtlich sind Sie übrigens auch nicht dazu verpflichtet. G. M. 4. Für ein uneheliches Kind, dessen Mutter schon früher von eincin Anderen unehelich geboren hatte, braucht der Vater in keinem Falle Mimente zu zahlen. G. T. Sie sind nur berechtigt, die Zahlung der verab- redeten wöchentlichen Raten sofort bei Fätligkelt zu verlangen und, wenn Zahlung nicht erfolgt klagbar zu werden. Die Näh- Maschine ist durch die vorbehaltslose Uebergabe Eigenthum des Käufers geworden. P. Wenn Sie den Arzt zu Ihrer Schwägerin rufen ließe», ohne ihm zu sagen, daß Sie lediglich in deren Auftrage handelten, so müssen Sie für die Kosten auskommen. Suchen Sie sich auf Ratenzahlungeu zu einigen. I. U. 25. Sie sind zweifellos auch nach sächsischem Recht erbberechtigt. Alter Abomuut in K. Ihre Vorstrafe wird dem Gericht durch die Straflisten bekannt, auch ohne daß Sie dieselben an- geben. Zu näherer mündlicher Auskunft sind wir bereit. F. I., Urne Frirdrichstrnsse. Sie würden aller Voraus- ficht nach den Prozeß gewinnen; erheben Sie gegen den Zahlungs- befehl Widerspruch. Kuch. 1. Nein. 2, Die Uhr kann gepfändet werden. ögarren in allen Qualitäten. 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Verschiedenes. 2311 Zur Deckung der Unkosten findet eine Tellersammlung statt. Um recht zahlreiches Erscheinen ersucht Der Einbernfer. Oeffentl. Versammlung der Sozialdemokraten des 4. Kerliner Reichstags- Wahlkreises am Mittwoch, den 1. Gktol>er er., Alirndo 8Vs Uhr, bei Joel, Andreasstraße Nr. 21. Tagesordnung: 1. Der Parteitag zu Halle. Ref.: Herr Franz Bernd t. 2. Diskussion. 3. Wahl von Delegirten zum Parteitag. 4. Verschiedenes. 2281 Es ist Pflicht jedes Genossen, zu dieser Versammlung zu erscheinen. Der Einbernfer: R. Knntze. Achtung! VI. Wahlkreis! welche Oeffentliche sozialdemokratische Uersammlnng für den VI. Berliner Reichstags-Wahlkreis am Mittwoch, den 1.(Oktober cr., Abends 8Ve Uhr, im EiskeHer, Chausseestraße 88. Tages-Ordnung: I. Der Kongreß in Halle. Refer.: Gen. Julius Wernau. 2. Diskussion. 8. Wahl der Delegirten. 4. Verschiedenes. 2325 Zur Deckung der Unkosten findet eine Tellersammlung statt. __ Der Einbernfer: R. Fatschel. Flch.s.SMer«.MMeMü-AMer Verl.u.MMlld. Montag, den 29. Sept, Abends 8V2 Uhr, bei Feuerstein, Alte Jakobstr. 75: Grosse Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Hrn. Dr. Lütgenan über: Das Urogramm d. Sozial- demokratte. 2. Diskussion. 3. Aufnahme neuer Mitglieder und Entrichtung der Beiträge. 4. Verschiedenes nnd Fragekasten. 2206 Gäste willkommen. Bei der Wichtigkeit der Tagesordnung ist es Pflicht sämmtlicher Kollegen, dafür zu agitiren, daß die Versammlung rege besucht wird._ Der Dorstand._ Alle Genossen des 0. Kerliner Reichstags- Ulahlkreifeo, gewillt sind, am Dienstag, den 30. September er., die Feier zur Heimkehr der Ausgewiesenen Mitzumachen, werden ersucht, sich zuvor im Besitz vonBillcts zusetzen; dieselben sind zu haben in allen bekannten Slrbeiterlokalen des Nordens. Das Fest findet nicht nur allrin im 2330 Eiskeller; joiiiwn(llldj ill kl Norddeutschen Brauerei statt._ Das Komitee. McEhtungS AoMung! Killeta zu dem am 30. September stattfindenden Ar heiter feste in den Lokalen Ei�sium, Landsberger Allee 39-41, und Joel(früher Keller), Andreasstr. 21, sind zum Preise von SO Uf. bei folgenden Herren zu haben: Gottfr. Schulz, Admiralstr. 40a; Emst Wcrschke, Adalbertstr. 16; Willy Schmidt, Wrangelstraße; Fritz Znbeil, Naunynstr. 86; Hugo Röhn, Naunynstr. 84; Gust. Tempel, Brcslaucrstr. 27; Im lustigen Stieiol, Skalitzerstr. 18; Otto Heindorf, Langestr. Nr. 70; Jul. Renke, Blumenslr. 30; Lock, Friedrichsbergerstr. 5; Emil Böhl, Frankfurter Allee 74. NB. Die Billets für Lips sind vergriffen. 2329 Freunde und Genossen, welche gewillt sind, mitzuwirken in Vorträgen, komischen und ernsten Inhalts, mögen sich melden bei G. Schulz und Fr. Zubell. AUgememer Arkeiterumen-Uerem (Filiale Osten). Montag, den 29. September, Abend« 8Va Uhr, in Säger' s Salon, Grüner Weg SO: Grosse Versammlung. Tages-Ordnung: I. Vortrag des Stadtv. Herrn Klein über: Drang nach Selbstständig- keit. 2. Diskussion. 3. Aufnahme neuer Mitglieder. 4. Verschiedenes. Zur Deckung der Unkosten findet eine Tellersammlung statt. Damen und Herren als Gäste haben Zutritt. Um recht zahlreiches Erscheinen ersucht 2250 Der Vorstand. 8. Stifiungs-F est der früheren Vereinignug, jetzt Uerdand deutscher Kordmacher (Filiale Berlin) am Sonnabend, den 4. Oktober, Abends 8 Uhr, in Gelgmüller's Salon, Alte JMstr.48a, bestehend in Tanz und komischen Vorträgen. Billets für Herren 50 Pf., für Damen 25 Pf., sind bei folgenden Mit- 1 gliedern zu haben: Uier, Elisabethufer 54, v. 4Tr.; Lehmann, bei Langkau, Hallesche Straße 9, Hof pt.; Grnndmann bei Flebig, Metzerftr. 24, H. 1 Tr.; Schul» bei Wwe. Borger, Krautstr. 37, 2271 Zahlreiche Betheiligung wünscht QaS Komitee. Der Verein zur Regelmig der gmerblilhen VerhiiltMe der Töpser Verlnis und Niilgegend feiert am II. Oktober 1890, im grossen Saale der„Brauerei Friedrichshain'*, vormals Lips(am Königsthor) sein AW�- 2. Stiftungsfest unter Mitwirkung des Gesangvereins„Nord". Die Musik " Kapelle des Herrn Schonat ausgeführt. Prolog. Festrede. Kall. Der UeLerscliuss ist zu Woliltliiitigkeitszweekeu bestimmt. Anfang 8V2 Uhr. Entree Herren 50 Ufg., Damen 30 Ufg. Billets sind bei folgenden Komiteemitgliedern zu habe»: Paul Hoffmann, Memelerstraße 23; Paul Waldem, Adlershof, Geuossenschaftsstr. 21; Emil Larson, Friedenstr. 71; Janecke, Oderbergerstr. 8; Klische, Webcrstr. 15a; Engel, Belforterstr. 5, sowie bei sämmtlichen Äorstandsmitgliedern. Kollegen und Freunde von Nah und Fern werden freundlichst hierzu eingeladen. 2253 Das Komitee. Achtung! Für die Arbeiter! Filiale II. W. der Muler und verivliudteu Beriissgeuoiseu feiert am 30. d. Mts. im Restaurant Königshof, Bülowstr. 37— 40, ihr 2. Stiftungsfest. Ein allgemeines Arbeiterfest! Verbunden mit theatralischen Aufführungen, sowie Aufführungen von lebenden Bildern, dem 1. Oktober angemessen, und ersuchen daher alle Arbeiter wie - Arbeiterinnen, uns durch ihr Erscheinen an diesem Tage zu unterstützen. Prolog von Herrn Auerbach. Anfang 8Va Uhr. Da kein öffentlicher Kassen- Billetverkauf stattfindet, bitte die Billets vorher bei benannten Firmen zu kaufen und kosten p. Stck. 30 Pf. Tereinslokal Hämmerlo, Bülowstr. 59; Restaurant Königshof, Bülow- straße 37—40; Herren Antrick, Steinmetzsir. 60; in sämmtlichen Maler- fllialen Berlins'und in allen mit Plakaten belegten Handlungen. 2021 Das Comitee. Achwng, Steinmetzen! Am Dienstag, den 30. September, Abends 8 e Uhr, findet für sämmtliche Berliner Steinmetzen Johannisstr. 20 ein Großer Herren- Kommers""#0 statt. Für Unterhaltung ist bestens Sorge getragen. Es ladet freundlichst ein 2270_ Albert Hempel. i 1 Nur i Mark Klagen, Eingaben, Rath in Prozessen, Einziehung von Forderungen.[2192 Pollak, jetzt Gcorgenkirchstr. 24 II. Kautschuk-Stempel für Uereine u. Gewerbe B. Guttmann, Brunnenstr. 9. Piano, eleg. kreuzs. eins 60 M. schnell z. verk. Oranienstr. 60, 2 Tr. r. Moritzpl. Thcilzahlung gestattet. 2300 Herren, welche gewillt sind, einen! Lese- und Disüntirklub beizutreten, wollen sich am Donnerstag Abend um 8,2 Uhr in, Restaurant Markus- straße 31 einfinden. 2299 Grtskrankenkaste des Zimertt-Geniecks. Vom 2. Oktober ab befindet sich unser Kassenlokal 2261 Alte Schützenstr. 10, v. I Tr. Der Dorstand. Plötz, Vorsitzender. J. Müntz, N., Reinickendorierstr. 66, empfiehlt Arbeiter-Literatur, Bilder bewährter Volksgenossen, Schulbedarf. Bitte letzteren recht zeitig zu decken resp. zu bestellen. 2223 Zuin bevorstehenden Quartalswechsel empfehle ich bei pünktlicher Lieferung das„Serliner Dolkoblatt", sowie sämmtliche in Berlin erscheinende Zer- tungen und Journale...Ueue Melt- kalendrr" und„Mahre Jakab find stets vorräthig zu haben. 2314 M. Kirsch, Zeitungsspediteur, Ritterstr. 107, Ecke Prinzenstr. 28. Kranzbinderei und Blumenhandlung J. Meyer, wuTJf.'i. in der Ecke bei der Manteuffelstraße, liefert Guirlanden Meter von 15 Psi, Doppelbügel-Lorbeerkränze von 50 Pfau. 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Anfang 8 Uhr. 2128 Um recht zahlreiche Betheiligung bittet Das Vergnägungskomitee Billets für Herren 50 pf., Damen Ä» Pf. Billets sind in den mit Plakaten belegten Geschäfte» und bei folgenden Damen zn haben: Frau Stöcking, Koppensir. 35, v. 1 Tr.; Frau Siegemund, Pücklerstr. 61; Frl. Sachs, Kleine Markusstr. 10; Frl. Janz, Breslauerstr. 29 §rl. Nakonzer, Mariannenstr. 30, v. 4Tr.; Fr. Hubert, Wrangelstr. 31, v. 3Tr. Wegen gänzlicher Auflösung unferra feit 15 Jahren bestehenden Teppich-, Eiardinen-, Leinen- nnd Kanmwallwaaren- Eiefchästa um Umwandlung in ein Spezial- Grfchiift für Damen- Kieiderstosse nnd Mäntel Uollstandiger Ausverkauf nachstehender Artikel: Großes Lager Teppiche in allen neuen Geweben nnd sämmtlichen Größen. Gewöhnliche Zimmer- größe: 5 M., 6 M., 8 M., 10 M.. 15 M. Salongröße: 10 M.. 15 M., 20 M., 25 M., 30 M. Großes Lager Gardinen, das Fenster: 2 M., 3 M., 4 M., 8 M., 10 M., 15 M. Slhivarze geßreifte, geblümte liilb glatte Jamen-Kleiberstaffe. 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Wer sie einmal sieht, also wer auf der der Erde Zugekehrten Mondhälfte wohnt, sieht sie immer. Sie bildet für den Mondbewohner in der Erscheinungen Flucht den unverrückbaren Pol. Aber ändert sie auch niemals ihren Stand und ihre Gc- "alt, so ist sie doch für den Mondbewohner das Bild der Ber anderlichkeit selbst. Vor seinen Augen dreht sie sich unablässig um ihre Axe, und für die Geschwindigkeit, mit der sie es thut, findet sich am ganzen Mondhimmel nichts Achnliches. Denn man wusz bedenken, daß die Sonne und alle Sterne aus dem Monde nur alle 291/2 Tage aufgehen und also 20 mal langsamer um den Mond herumgehen, als die Erde sich dreht. Diese Drehung inner- halb 24 Stunden aber ist selbst für ein unbewaffnetes Auge so deutlich wahrzunehmen, daß sie �iir etwaige Monduhren geradezu die nöthigen Anhaltspunkte geben kann. Es wäre daher gar nicht unmöglich, daß die etwaigen Mondbewohner in Er- mangelung anderer gleichmäßiger Bewegung nach Erdzeit rechnen würden. Denn das Gesicht, das die beleuchtete Erdscheibe zur Zeit der Vollerde dem Monde darbietet, rt noch weit charakteristischer gezeichnet, als das Vollmondsgcsia,., das wir auf der Erde zu sehen bekomme». Zwar die Schatten, die unsere Erdgebirge bei klarem Himmel werfen, sind nicht so schivarz wie dort, weil auch auf denzenigen Stellen, die vom Sonnenlicht nicht unmittelbar beschienen sind, die Helligkeit des zerstreuten Tages- lichtes liegt, aber die ungeheuren Wasserflächen, welche auf de Erdoberfläche sich finden, die Menge See'n und großen Flüsse geben dem Gesicht eine so auffallende Zeichnung, daß die Umrisse des Festlands völlig deutlich erkennbar sind. Aber nicht bloS mit hinlänglicher Schärfe hell ans grauem Grunde gezeichnet ist der am Himmel schwebende Globus, weil das Wasser gegen- über dem Festland wenig Licht zurückwirft, sondern das Bild prangt auch in Farben. Es ist kein Zweifel, daß die unermeßlichen Strecken von Wald und Wiesen auf der Erde ei» grünliches, daß Strecken wie die Wüste Sahara, Gobi und dergl. ein braunes Licht zurückwerscn und vollends beiden(lnskappen am Nord- und Südpol und die Gletscher des Himalaya, der Alpen und Anden, sie müssen in hellstem Weiß erstrahlen. Könnten die Mondbewohner aus den Um- rissen der Erdfestländer ebenso ein Gesicht herauslesen, wie das seit den ältesten Zeilen auf der Erde mit dem Manu im Monde der Fall ist, so wäre es wohl sicher ein guter aber strenger Alter mit weißem Haupthaar und Kinnbart, mit weißen Brauen und Schnurrbart, der in regelmäßigen Zeitabschnitten also mit Pünktlichkeit und unverbrüchlicher Treue seines Amtes das Treiben der Mondbewohner zu überschauen, waltete. Ei, wäre aber der Einbildungskraft des Volkes schon dadurch, daß der am Himmel glänzende Globus in beständiger Bewegung begriffen ist und ihnen bald die alte, bald die neue Welt mit ihren so verschiedenen Formen zeigt, ein ungeheures Gebiet eröffnet. Denn es ist kein Zweifel, daß lange vor 1492. lauge vor Kolumbus, lange ehe die Erdbewohner Amerika entdeckt haben, die Mondbewohner diesen Welttheil gesehen hätten. Ja wenn sie in der„Kultur" es schon„so herrlich weit gebracht" hätten, wie wir, und z. B. unsere Fernröhre und Photographie- apparate sich in langer Geistesarbeit erivorben hätten, so stände das, was die Wissenschaft auf Grund ihrer genaueren Beob- achtungen feststellte,' noch in unvergleichlich stärkerem Gegensatz zu dem, was eine schaffenskräftige Einbildungskraft vorher dem Volke dargeboten hätte. Denn mit unseren bewaffneten Augen könnten sie sogar das Treiben der Menschen und ihre Werke wenigstens in ihren großen Umrissen wie aus der Vogelschau beobachten. Kunstwerke, von Menschenhand erbaut, wie die Pyramiden, würden sich ihrem Anblick nicht völlig entziehen: das Anwachsen der großen Städte, also zum Beispiel Berlins nach 1870, könnte ihnen nicht entgehen, selbst das neue Ulmer Munster würde noch die Ansmerkfamkeit der pünklichsten Forscher auf sich gezogen haben. Sie könnten also, wenn sie Überhaupt wüßten, was Menschen sind, die Geschichte der Erd- bewohner, die Gründung des Deutschen Reichs mit ahnungsvollem Gemüthe verfolgen. Denn das Schlachtengctümmel von Sedan würden sie als' ein auffallendes Gewusel noch haben herausfinden können. Doch- es sei genug an diesen Ausführungen, die nur den Zweck haben, zu zeigen, was man vom Monde aus mit unseren Instrumenten sehen kann. Viel merkwürdiger, schon weil mit . bloßem Auge fichtbar, müßten ihnen die Veränderungen sein, welche die Jahreszeiten auf der Erde hervorbringen. Das rcgcl- mäßige Anwachsen der Schneefelder im Winter, abwechslungs- weise von Norden und Süden, und das Zurückgehen derselben im Fvühling wäre ihnen nicht verborgen. Selbst dann. wenn fie die Erde, weil von der Sonne nicht beleuchtet, nicht sehen wür- de», würden sie bei einem großartigen weitverbreiteten nächt- lichen Gewitter dis'Blitze als zuckende Strahle» über de» fast dunklen Raum dahinfahreu sehen. Ein wahrhaft majestätischer Anblick aber müßte es sein, wenn die Umrisse der Erde im Norden und zugleich im Süden im Strahlenkranz deS Polar lichtes aufleuchteten. Aber auch die regelmäßigen Veränderungen des Erdbildes würden den Bewohnern des Mondes einen großartigen Stoff zum Beobachten und Nachdenken neben. Boin Mond aus gesehen durchläuft die Erde dieselben Phasen, wie für uns der Mond. Bald erscheint sie als Neuerde und Zwar dann, wen» wir Vollmond haben, bald als erstes und letztes Viertel, nämlich wenn der Moßd sich uns im letzten und im ersten Viertel zeigt, bald als Vollerde, wenn wir Neumond .haben. Aber auch zur Zeit der Neuerde wäre sie dem Mond- bewohner nicht völlig unsichtbar, denn das zarte Licht des Voll- uionds verbreitet doch eine solche Helligkeit auf der Erde, daß sie im mildesten Schinimer deni suchenden Auge auf dem Monde noch ihre Umrisse zeigen würde. Wirkliche Räthsel würden die Wolken- Züge die über der Erde dahingehen, dem Mondbewohner sein, da er auf seinem Wellkörper niemals etwas Achnliches sehen kann. Man sieht ein Astronom ans dem Monde würde Arbeit genug tili- V» V»»-V V»—________ � � sin den, UNI seinen Scharfsinn zu üben. Von den Verfinsterungen der Himmelskörper könnte eine Erdvcrfinsleruug durch den Schatten des Mondes nur bei sorgfältiger Beobachtung wahrgenommen werden. Denn der Mondschatlen, der sie erzeugt, ist so klein, daß Uber die sonst vollbeleuchtete Erde nur ein schwarzer oder vielmehr infolge der Einwirkung des zerstreuten Tageslichts ein dunkel- grauer Kreis über die Erdscheibe hinzöge. Aber eine wahrhast großartige Erscheinung ist eine Sonnenfinsterniß auf dem Monde. Sie wird so oft stattfinden, als wir auf der Erde eine Mond- finsterniß wahrnehmen.- Ist diese letztere für uns eine totale, so haben die Mondbewohner eine totale Sonnenfinsterniß, denn alsdann steht die Erde zwischen Sonne und Mond in gerader �-inie und der Mond liegt im Schalten der Erde. Die zehnmal kleinere Sonnenscheibe versteckt sich hinter der Erde, deren Durch- Messer nicht ganz viermal größer ist als der Sonnendurchmesser. «''U0"1" Wahrheit keine Sonnenverfinsterung, was man vom Mond aus sehen kann, sondern eine Sonnenbedecknng, wie auch für uns eine Sonnenfinsterniß eigentlich eine Be deckung der Sonne durch den Mond heißen sollte. Aber weil der Mond so klein ist und sein kegelförmiger Schatten nur mit seiner letzten Spitze über die Erde dahingeht, so ist die Sonnenfinsterniß nur für einen schmalen Streifen der Erdoberfläche sichtbar. Bei einer Sonnenfinsterniß auf dem Monde aber ist die ganze Mondoberfläche in den gewaltigen Erdschatten ein- getaucht, und während daher auf der Erde die totale Sonnen- finsterniß nur einige wenige Minuten dauert, dauert sie auf dem Monde einige Stunden. Denn der Mond braucht, um den von dem Erdschatten umfaßten Raum zu durchwandern, nahezu 4 Stunden. Ist also räumlich und zeitlich die Sonnenfinsterniß auf dem Monde ein viel großartigeres Schauspiel als auf der Erde, so macht der die Erde umgebende Luftkreis dasselbe zu einem geradezu wunderbaren Ercigniß. Denn die Brechung, welche die Sonnenstrahlen in der Luft der Erde erfahren, macht, daß obgleich die Sonne hinter der Erde steht, die Mondbewohner doch noch einzelne Theile der Sonne fehen. An den Rändern der Erdscheibe quellen die Sonnenstrahlen stromweise hervor und stürzen sich in feuriger Farbenpracht gerade auf den Mond zu In diesen Stunden erscheint die Erde auf dem Monde in wahr. hast verklärtem Glänze. Wer will ermessen, in welcher Weise ein fo erhabenes Schauspiel auf die Einbildungskraft etwaiger Mond- bewohner wirken würde! Welche Gedanken-und Gefühle müßten in diesen Augenblicken einen andächtig bewundernden Beschauer erfüllen! Wir wissen die Thalsache, daß es dort so ist, nur zu gewiß. Denn bekanntlich ist der Mond auch bei einer totalen Aiondfinstcrniß für uns nicht verschwunden, sondern ein blutig- rother Schimmer überdeckt ihn. Nach der Auffassung unserer kindlichen Vorfahren war dies das Blut, das der Mond verspritzte, wenn der Drache der Finsterniß in seinem Kampf mit dem Licht den Mond zu zerfleischen und zu verschlingen begann. Für die Mondbewohner aber wäre der Borgang noch viel geheimniß- und weihevoller als für uns. Denn wever haben sie sonst Gelegen- hcit, die Brechung des Lichts kennen zu lernen, es fehlt ihnen ja an Lust und Wasser, und höchstens hätten die schönen Ltrystalle, welche die Mondgcbirge bergen müssen, ihnen Gelegenheit gc- geben, diese wunderbare Erscheinung, daß das Licht durch einen durchsichtigen Körper hindurchgehend von der geraden Linie ab weicht, näher zu erforschen, noch auch würden sie für die herrliche Farbenpracht, in welcher dieser Vorgang sich abwickelt, auf dem Monde nahe liegende ähnliche Erscheinungen kennen. Man sieht, nicht nur der Astronom, sondern auch der Physiker fände aus dem Monde gewaltige Ausgaben zu lösen. Soziolo Aoboostchk. KoiiOreff der Kran eure«ud Ziseleure Deiitschlnuds Am 21. Sep ember, Nachmittags 3 llhr, nahm in Erfurt dcr Kongreß der Graveure und Ziseleure seinen Anfang. Wenn man bedenkt, daß gerade unter dieser Kategorie von Arbeitern vor noch gar nicht so langer Zeit ein besonderer Dünkel, genannt Künstler- stolz herrschte, so ist es um so mehr erfreulich, daß dieser Kongreß überhaupt nicht nur stattfand, sondern auch vom besten Geiste beseelt war. Die Beschlüsse des Kongresses waren durchweg im Sinne der modernen Arbeiterbewcgnng gefaßt worden und zwar ast immer einstimmig. Ter Einberpfer Beruhard Zack-Berlin eröffnete nüt einer kurzen Ansprache den Kongreß und wurde zur Bureauwnhl ge- 'chritten. Gewühlt wurde zum 1. Vorsitzenden Zack-Berlin, zum !. Vorsitzenden John- Leipzig und zu Schriftführern Kästner- Dresden und Schleyer-Dölcln. Nachdem die Mandate geprüft worden waren, wurde festgestellt, daß folgende Delegirtc anwesend waren:„Kästner für Dresden, Milberg für Stuttgart» Hcilbronn, Gmünd, Urbach, Zack, Schimansky und Guttmann für Berlin Hornuff und John für Leipzig, Heß für Annaberg- Buchholtj, Schleyer für Döbeln, Körber für Hamburg, Michel für Erfurt, nachträglich erschien noch Uhl für Bremen. Es waren also vertreten 11 Städte durch 13 Telcgirte Nachdem in die Tagesordnung, welche da lautete: 1. Berichterstattung der Telcgirten über die Lage der Kol- legen in den einzelnen Städten. 2. Zentralorganisation oder Lokalorgauisation? a) Wenn Zentralisation beschlossen wird: l. Statutenberathung. 2. Wahl eines Vororts. 3. Wahl eines Vorsitzenden und eines Kassirers. d) Wenn Lokalorgauisation beschlossen wird: 1. Wahl einer Agitationskommission. 2. Besprechung über die Wahl von Vertrauensmännern in den cinzelnxn Städte.-.. ß. Die Bedeutung der Fachpresse. 4. Der Werth der Verkürzung der Arbeitszeit. 5. Der Werth der Statistik. 0. Das Lchrlingswesen. 7. Tie llnterstütznngssrage. 8. Protollhcrausgabe. 9. Verschiedenes. eingetreten war, beantragte der Vorsitzende, Punkt 8 zuerst zu verhandeln. Ter Antrag wurde einstimmig angenommen und ebenfalls einstimmig beschlossen, ein Protokoll hcranszugebcn. Zur Berichterstattung erhielt zunächst Güttmann-Berliu das Wort, derselbe schildert in längerer Rede die Verhältnisse von Berlin und wird dessen Rede von verschiedenen Berliner Tclegirtcn oweit ergänzt, daß sich die Verhältnisse für Berlin als olgende herausstellen: Arbeitszeit durchschnittlich: Graveure ) Stunden, Ziseleure 10 Stunden, Verdienst 21 Mark durchschnittlich, lleberstundenarbeit findet während der Saison überall statt, dieselbe wird jedoch nicht besser bezahlt. Die Arbeitslosigkeit ist im Sommer eine sehr große, sehr häufig 2— 3 Monate. Milberg- Stuttgart berichtet über die württem- bergischen Verhältnisse; Hornnsj-Lcipzig verliest eine Statistik über die Lohn- und Arbeitsoerhältniffe und wird durch John-Leipzig in seinen Ansführunge» ergänzt, welcher hauptsächlich das Wachs- thum des Vereins hervorhebt. Körbcr-Hamburg hebt hervor, daß von Seiten der dortigen Kollegen der Versuch gemacht worden war, einen Minimallohn von 18 M. zu erringen, jedoch sehr schlechte Resultate erzielt wurden. Kästner-Dresveu bemerkt, daß in Dresden schon einmal ein Verein gegrändet worden war, der aber bald einging, der jetzige besteht seit dem 19. Juli und zählt 22 Mitglieder. Ferner berichten noch Hcß-Buchholz, Schleyer- Döbeln, Michel-Ersurt und der Vorsitzende Zack-Berlin, welcher über die Berhältnisse derjenigen Städte berichtet, die nicht ver- treten sind. Diese Städte, wie München, Mainz, Karlsruhe, Nürnberg und Krefeld, haben sich sehr mit der Abhaltuug deS Kongresses einverstanden erklärt. Hieraus wurde der Kongreß bis auf Montag, den 22. September, Bormiltags 8 Uhr, vertagt. Den Verhandlungen wohnten sämmtliche Erfurter Kollegen, sowie auch verschiedene Kollegen ans anderen Städten bei. An die Tabaliariiriter und Arbriterinne» Äri tino und Unigegend wandten sich Unterzeichnete in einem Flugblatte, worin aufgefordert wurde: 1) Mitglied des Unterstützunasvereins der Tabakarbeiter Deutschlands zu werden und 2) wie in der öffentlichen Tabakarbeiter-Bersammlung am 30. Juni d. I. be- schloffen, 10 Pf. für männliche und 5 Pf. für weibliche Mitarbeiter wöchentlich für öffentliche Angelegenheiten zu zahlen. Unserer Aufforderung ist zu Punkt I) in verhältnißmäßig sehr wenigen Fällen nachgekommen worden und zu Punkt 2) sind cS fast nur dieselben Personen, welche schon ihre Pflichten zum Unterstützungs- Verein erfüllen. Wir waren aber durch das wenige Zu- sammengebrachte in der Lage, 200 Mark für die aus- geschlossenen Arbeiter in Hamburg, 100 Mark für die Potsdamer Ausgesperrten,(ca. 200 bis auf 0 organisirte Kollegen und Kolleginnen) zu geben, welche Summe nicht zum kleinsten Theile dazu beitrug, die Potsdamer Zigarren- fabrikanten zu bewegen, die Aussperre zn annehmbaren B-- dingungen in 8 Tagen zurückzunehmen. Weiter konnten wir den seit vielen Wochen sich im Streik befindlichen Stettiner Kollegen leider nur 30 M. senden. • Außerdem werden von den Geldern laut Beschluß einer öffentlichen Tabakarbeiter-Bersammlung die Kosten für unfern Kollegen Witzke, welcher die Berliner Kollege» und Kolleginnen als Delcgirtcr zum„Internationalen Tabakarbciter-Kongreb am 28. d. M. in Antwerpen vertritt, gedeckt. Daselbst soll eine inter- nationale Verständigung angebahnt werden. llln unsere sämmtlichen Mitarbeiter, und speziell an die alte Garde, die„Pioniere in der Älrbeiterbcwegung", welche meinen, genug gethan zu haben, wenn sie ab und zu eine politische Ver- sammlnng besuche», wenden wir uns mit der Bitte, wieder voll und ganz, wie früher, einzutreten, auch für unsere gewerkschaft lichen Interessen. Und auch Ihr, Kleinfabrikanten und sclbstständigen Zigarren- arbeiter, dünkt Euch nicht mehr, als Eure für andere Rechnung arbeitenden Kollege», da Ihr hünsig größere, meistens aber ebenso große Nahrnngssorgen habt, als die Vorgenannten. Um so mehr müßt Ihr mit eintreten, da ani Sonnabend, den 27. September dieses Jahres in Eschwege 400 Tabakarbeiter und Arbeiterinnen von den protzigen Fabrikanten, welche nur halbsoviel an Arbeitslöhnen zahlen, als hier in Berlin, also Hungerlöhne(siehe Ausruf in der Beilage dieses Blattes vom 25. d. M. aus Eschwege), ausgesperrt sind. Mau will ihnen, und damit auch uns, das Konlitionsrecht nehmen, d. h. sie sollen aus dem Unterstützimgsvercin austreten, welches selbige mit Entrüstung zurückgewiesen haben. Da nun die Berliner Fabrikanten sich gegebenen Falls und oft mit Recht auf die Schmuhkonkurrenz, welche ihnen von Außerhalb erwächst, berufen und die Eschweger Fabrikanten den Druck jetzt nur vornehmen, um, wenn sie Sieger, weiteren Druck folgen zu lassen, so ist es Pflicht aller Kleinfabrikanten, mit denArbeitern gemeinsame Sache zu machen, d.h. theilzunehmen am Verein und den öffentlichen Beiträgen für solche Zwecke, denn nur dann habt Ihr ein Recht, über die Schmutzkonkurrenz zu klagen, wenn Ihr an der energischen Beseitigung derselben mitarbeitet, und die Möglichkeit ist hier Euch jetzt gegebe». Darum rufen wir Euch zu, wenn Ihr nicht wollt, daß unser Geschäft voll- ständig rninirt werden soll, tretet ein in die Organisation und verlaßt Euch nicht auf die schon organisirten Tabakarbeiter, welche für Euch die Kastanien aus dem Feuer holen sollen, während Jyr im Schmollwinkel sitzt. Ausnahme von Mitgliedern und Beiträge werden in folgenden Zahlstellen angenommen: Freitag, Abends von 7—9 llhr, Sonntag, Vormittags, Rheins» bergerstr. 19 im Lokale; Sonnabend, Abends von 7—91/2 llhr, Elisabethstraße 80 (vom 1. Oktober Elisabethsir. 29) im Lokale; Montag, Abends von 7—9 Uhr, Adalbertstr. 4 im Lokale. Zu allen Anfragen und Aiiskünsten ist der Unterzeichnete gern erbölig. Mit kollegialischein Gruß Die Kommission für öffentliche Angelegenheiten der Berliner Tabakarbeiter. I. A.: W i l h. B ö r n e r, Ritterstr. 108, VevsLNNMlnngen. Eine gut besuchte Uevsaiumliiiig des sozialdemo» k ratischen Wahlvereiiis für den vierten Ber« liuer Reichstags-Wahlkreis fand am 23. September im Lokale„Süd-Ost" statt. Auf der Tagesordnung stand: Vor- trag, Diskussion und Berschiedcnes. Zum 1. Punkt der Tagesordnung hielt der Genosse Wach einen beifällig aufgenommenen Vortrag über„Moral und wirthschastliche Verhältnisse". Hieran schloß sich eine äußerst animirle Diskussion, an welcher sich die Genossen Bander, Stabcrnack, Häckel, Zubeil, Raimann und Eicke bctheiligten. Unter Verschiedenem wurde, angeregt durch eine aus der Mitte der Versammlung gekommene Beschwerde über einen der bedienenden Kellner, die Organisationsfrage derselben einer eingehenden Erörterung unterzogen. Neber das Ver- halten deS Slrbeiterpiiblikums gegenüber den in solchen Lokalen, in welchen dasselbe verkehrt, beschäftigten Kell- nern wurden zwei Meinungen in der Versammlung ver- treten. Ans der einen Seite wurde in Frage gestellt, ob man sich nicht ein Heuchlerthnm groß ziehe, wenn man die in Arbeiter- lokalen beschäftigten Kellner nach der Mitgliedschaft des Gast- wirths-Gehilsenvereins frage, bezw. die Vorzeigung der Mit- glicdskarte verlange; während man auf der anderen Seite diese Befürchtung als grundlos bezeichnete und ihre Richtigkeit nachzuweisen suchte. Jedenfalls sei die Organisationsfrage ver Kellner Berlins, da von 20 000 blos 200 organisirt�sind, in entschiedenerer Weise in die Hand zu nehmen, wie bisher, und hauptsächlich von der Arbeiterschaft, da sie dazu die Macht in der Hand habe. Nach einer längeren Diskussion über die am 30. September statt- sindende Begräbnißfeier für das Sozialistengesetz, wurde die Versammlung mit einem dreimaligen Hoch auf die internationale Sozialdemokratie geschlossen. Waffeiiiiiistritt ans der Laiidevliinste. In dem am Ausgange der Landsberger Allee belegenen Saale zum„Elysium" fand Donnerstag Abend eine von etwa 2000 Personen besuchte Volksversammlung behufs Besprechung über den Massenaustritt aus der Landeskirche statt. Diese Versammlung, in der sich auch viele Frauen. und Geistliche befanden, bildete gewissermaßen die Fortsetzung der in voriger Woche auf Grund des allgemeinen Landrechts polizeilich aufgelösten Versammlung. Stadtv. Vogt- Herr äußerte sich ungefähr solgendermaßen: Nach der letzten Ver- sammlnng habe er eine wahre Fluth von Schmähbriesen aus Berlin, Düsseldorf, Nürnberg, Stuttgart, Nordhausen ic., sogar offene Postkarten erhalten. Es sei das der beste Beweis, daß eine offene Wunde berührt worden sei. Er betone ausdrücklich: der Austritt aus der Landeskirche stehe in keinem Zusammen- hange mit dem Programm der sozialdemokratischen Partei. Der Austritt aus der Landeskirche werde von den Parteigenossen nicht als Dogma gefordert. Allein trotzdem sei die Forderung des Zlustritts aus der Landeskirche kein geistiger Sport. EL müsse aus wirthschastlichen und allgemeinen Bildungsgründen gefordert werden, daß diejenigen, die im Herzen nicht mehr zur Kirche gehören, aus derselben auch austreten. Einmal müsse verhütet werden, daß die Kinder von Atheisten ferner Religions- Unterricht erhalten, und andererseits dürfe es nicht vorkommen, daß auf Kosten der Steuerzahler Kirchen gebaut werden.'mit den« f inweis auf die große Zahl der Gläubigen, obwohl die größte ahl der Letzteren mit ihrem Herzen längst nicht mehr der Kirche angehören. Die Kultur, die von den Sozialdemokraten erstrebt werde, könne sich selbstverständlich nicht auf dem Christenthum aufbauen. Obwohl es nicht erforderlich sei, daß für den Glauben ein direkter Ersatz ge- schaffen werde, so müsse doch betont werden, daß an Stelle des Betens die Labung an der freien Natur trete. Wir müssen dahin streben, daß die Arbeiter und Arbeiterinnen nicht blos politisch, sondern daß sie auch in religiöser Beziehung frei werden.(Stürmischer Beifall.) Gauel, phil. Pöus: Die Sozialdemokratie führe nicht blos einen politischen Kampf, sie müsse auch den Kampf führen gegen alles Beengende, mithin auch gegen die Kirche.(Beifall.) Selbst ein Mann, wie Prof. Dr. Harnack, sage: Wenn die Kirche an der sozialen Arbeit theilnehmen solle, dann müsse sie ihr Bekenntniß ausgeben. Er gebe sich der Hoff- nung hin, daß die große Mehrheit des Volkes sehr bald die Volks- Versammlungen als Kirchen betrachten werde.(Stürmischer Bei- fall.) Pastor Werkenthin(zum Theil mit Zischen empfangen): Ich will nur ein christliches Wort zu Ihnen sprechen. In Ihrer„Bolks-Zeitnng" stand vor einiger Zeit:„Die Zeit ist nicht mehr fern, wo die Kirche zur Sozial- demokratie gehen wird." Ich wünschte sehnlichst, daß dieser Zeitpunkt bald eintreten möge. Ich kenne den Nothstand, unter dem das Volk leidet, sehr wohl. Ich bin deshalb nach Berlin gekommen, um hier bei der Stadtmission thätig zu sein. Ich sage nicht, wie ein junger Gesinnungsgenosse vor mir: Es ist gut, wenn Sie aus der Landeskirche austreten; ich sage im Gegentheil: bleiben Sie in der Landeskirche und wenn in der- selben etwas faul ist, so helfen Sie uns, daß es besser werde. Die drei köstlichen Worte„Gleichheit, Freiheit, Brüderlichkeit" finden Sie auch in der Bibel. Wenn diese Worte in der Kirche nicht immer zur Geltung gekommen sind, so liegt das daran, daß an dem Aufbau der Kirche Menschen arbeiten. Allein Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit ist nirgends mehr enthalten als im Evangelium. Der Herr Vorredner sagte: ein orthodoxer Christ ist ihm lieber als ein sogenannter liberaler. Ich muß offen gestehen, ich habe auch am liebsten mit einem offenen Sozialdemokraten zu thun, der keine Heuchelei kennt. Ich gebe Ihnen mein ehrliches Manneswort: wenn Sie uns helfen, daß das Evangelium wieder zur Wahrheit werde, dann wird auch Gleichheit, Freiheit und Brüderlichkeit zur Geltung gelangen, dann wird der große Nothstand, der das Volk bedrückt, beseitigt werden und der Segen Gottes wird uns bei dieser Arbeit nicht fehlen.(Beifall und Zischen.)— Gand. tlieol. Probst, der nunmehr das Wort nehmen soll, verzichtet auf dasselbe.— Stadtv. Vogtherr: Er sei überzeugt, daß der Vorredner es ehrlich gemeint und den besten Willen habe, an der Beseitigung des Nothstandes mitzuarbeiten, allein dazu sei der Vorredner außer Stande. Wollte er es, dann wäre er eben nicht mehr der richtige Vertreter seiner Klasse. Die Partei, der der Vorredner angehört, erhebe ja gegen die Sozialdemokraten unaushörlich den Vorwurf, da sie den gewaltsamen Umsturz von Staat und Gesellschaft erstrebe. Ja unter dem Beifall dieser Partei habe wohl ein Drittel aller deutschen Staatsbürger zwölf Jahre lang unter einem Ausnahmegesetz geschmachtet, das über Tausende von Familien das größte Elend gebracht habe. Wollte Herr Pastor Werkenthin hiergegen austreten, dann würde er von seiner Partei ebenso in Acht und Bann gethan werden, wie s.Z. Prinz Schönaich von Carolath. Obwohl der Vorredner sich voll- ständig im Jrrthum befinde, wenn er der Meinung sei, das Christenthum sei im Stande, die soziale Frage zu lösen, so sei es doch jedenfalls erfreulich, daß derselbe hierher gekommen sei, um offen und ehrlich feine Meinung zu sagen und daß er auch Willens sei, seine ganz Kraft für Beseitigung des Nothstandes einzusetzen.(Stürmischer Beifall.)— Kaufmann Ernst Müller: Er sei der Meinung, daß außer dem Wissen noch jeder Mensch ein innerliches Gefühl habe, das sei die Religion. Die Bibel ent- halte jedenfalls die sittlichen Grundgesetze und daß das Christenthum auf Beseitigung des Nothstandes bedacht sei, davon geben die vielen Wohlthätigkeitsanstalten Zeugniß. Der Referent habe von der Sklaverei im eigenen Lande gesprochen. Die Kohlenbarone in Obcrschlesien, wo die Arbeiter so furchtbar darben, heißen Wollheim u. Friedlaender.(Lautes Aha! Rufe: Antisemit!) So wie oiese Leute handelt kein Christ.(Rufe: Stumm!) Die Kirche habe vielfach Zeugniß vom praktischen Christenthum ge- geben. Jedenfalls sei es erfreulich, daß das Sozialistengesetz am i. Oktober aufhöre, dadurch sei zu einer offenen und freien Tis- kussion wieder Gelegenheit gegeben.(Zischen und vereinzelter Beifall.) Cand. phil. Pöns: Herr Pastor Werkenthin habe es sehr gut gemeint, allein ohne Erkenntniß der wirthschaftlich«: Verhältnisse lasse sich die soziale Frage nicht lösen. Salbungsvolle Phrasen helfen hierbei nicht das Geringste. Er habe die Worte: „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit" in der Bibel nicht gefunden. Wenn dieselben aber darin stehen, dann haben sie jedenfalls eine ganz andere Bedeutung als die Sozialdemokraten denselben bei- legen. Im übrigen sei es ziemlich gleichgiltig, ob diese Worte auch in der Bibel stehen, jedenfalls herrschte zur Zeit, als die Bibel geschrieben wurde, eine andere Weltanschauung als heute (Beifall). Tischlermeister Stange: Er ersuche ooch, nicht so kurzer Hand über die Bibel abzuurtheilen.(Lachen.) Ehe man die Bibel verwerfe, möge man dieselbe erst prüfen. Möge man erwägen, was Seitens der Kirche auf dem Gebiet der Krankenpflege ge- schehe und daß in der Sterbestunde die Religion die einzige Trösterin des Sterbenden sei.(Beifall und Lachen.) Graveur- Kluge: Gerade das Christenthum habe die Sklaverei abgeschafft und seitdem Christus gestorben und gegen Himmel gefahren (Lachen), habe das Christenthum seinen Siegeslauf durch die ganze Welt genommen. Das Christenthum sei gerade die Religion der Armen. Daß das Christenthum der Bildung nicht Feind sei, beweise, daß die bedeutendsten Männer der Wissenschaft über- zeugte Christen seien. Im übrigen finde er es wunderbar, daß die Sozialdemokraten sich den Kirchenbauten widersetzen, obwohl gerade dadurch den Arbeitern ein lohnender Verdienst geschaffen werde.(Lachen und vereinzelter Beifall.)— Nach einem kurzen Schlußwort des Stadtv. Vogtherr, in dem dieser wiederholt zum Austritt aus der Landeskirche auffordert, wurde mit Rücksicht auf den Umstand, daß die große Mehrheit der Arbeiter nicht vorn- heraus wohne, beschlossen, von der beabsichtigten Illumination am SO. September Abstand zu nehmen. Danach wurde die Versamm- lung gegen IVi Uhr Nachts geschlossen. Furie Ueueinigung aller in der chiruraische» Branche beschäftigte» Kerufogenossen. Am Dienstag, den LS. d. M., fand die von zirka 120 Mitgliedern besuchte Versammlung bei Zemter, Münzstraße 11, im Vereinszimmer statt. Durch diesen Andrang mußten die Tische aus dem Zimmer entfernt werden, um einigermaßen Platz zu haben. Auf der Tagesordnung stand: Vortrag des Herrn Türk über die französische Revolution, Diskussion, Wahl eines Beisitzenden, Verschiedenes. Unter großer Aufmerksamkeit und Beifallbezeugunaen erledigte der Referent seinen Vortrag durch eine einstündige Rede. In begeisternden Worten zog er häufig Parallelen zwischen dem vor 100 Jahren passirten und der Jetzt- zeit. Ein langanhaltender Beifall wurde ihm zu Theil. Ter anwesende Schriftsteller Herr Hcrzfeldt führte in der Diskussion einen Vergleich, indem er aus dem Vortrag die Er- stürmung der Bastille mit dem Abschluß des Sozialisten- aesetzes verglich. Beide Umstände veranlaßten den Herrn Redner, auf einen moralischen Sieg hinzuweisen, da auch der Druck dieses Gesetzes als eine Zwingburg an- zusehen ist. Redner sprach die Ansicht aus, daß wohl der Kommandant der Bastille, Dclaunay, dieselbe hätte halten können, aber der moralische Druck, welcher durch das Volk zu ihm sprach als Hunderttausende stürzten, vcranlaßte ihn, die Thore zu öffnen. Der dritte Punkt der Tagesordnung fand seine Erledigung durch die Wahl des Kollegen der Stahlbranche, G. Müller. Im Verschiedenen kam zuerst die Sprache auf die Fabrik von Dewitt und Hertz, da dort unangenehme Zu- stände vorhanden sind, welche, nachdem noch Material hinzugefügt werden ivird, in die öffentliche Versammlung des nächsten Monats diskutirt werden soll. Beachtenswerth ist der Rath unseres Vorsitzenden, in betr. Fabrik eine Lohnübcrwachungs-Kommission zu bilden, um dadurch die uns bewilligten 5 pCt. Zulage auch zu erhalten. Der Streik, unserer Kollegen in Cassel wurde erläutert durch die eingelaufenen Briefe. ES handelt sich hauptsächlich um die Aufrcchterhaltung des Er- rungeneu, wie neunstündige Arbeitszeit und b pCt. Lohnerhöhung. Es tritt noch hinzu Entlassung des Werkführers tili brecht und des Gehilsen Hundshagen. Von hiesigen neun Werkstätten sind gesammelt worden 90 Mark 90 Pfennig. Dieselben waren mit Dank angenommen. Da nicht um Weitersamineln ersucht worden war, ist dasselbe vorläufig einzustellen. Jedoch ist dem Vorsitzenden gestattet, event. 60 M. aus dem Kassenbestand nachzusenden. Aufnehmen haben sich in den letzten Wochen 20 Personen lassen, abgereist sind 2, ausgefchieden 1. Schluß dn Versammlung%12 Uhr. Der Fachverein der Lederarbeiter tagte am 22. d. M. m den Zentral-Festsälen, Oranienstraße 180, mit folgender Tages- ordnung: 1. Vortrag des Herrn Pinn über: Nationalität und Humanität. 2. Vereinsangelegenheiten. Anträge zum Statut. S. Verschiedenes. Der Referent erledigte sich zur Zufriedenheit seiner Zuhörerschaft. Unter Vereinsangelegcnheitcn wurden der Versammlung mehrere Anträge zum Statut vorgelegt, um die- selben»ach§ 11 des Vereinsstatuts von 16 Mitgliedern unter- stutzt, vier Wochen vor der Generalversammlung zu berathen, Eingegangen war unter anderem ein Antrag, wonach im Wieder« aufnahmefalle von Mitgliedern nur das übliche Eintrittsgeld von 40 Pf. zu erheben fei, sowie ein von der Arbeits- nachweis-Kominission angeregter Zusatzantrag, nach welchem Vereinsmitglieder, die sich bei etwaiger Arbeitslosigkeit die Mü- gliedschaft unentgeltlich erhalten wollen, verpflichtet sind, dies beim Beginn sowie beim Ende der Arbeitslosigkeit dem Vorstand oder der Kommission mündlich oder schriftlich anzuzeigen. wurden der Arbeitsnachiveis-Kommisston Packetfahrtkarten be- willigt, um den arbeitsuchenden Kollegen im Falle der Arbeits- annähme die Mühe zu erleichtern, die Kommission davon m Kenntniß zu setzen. Kollege Zander ersucht, die statistischen Fragebogen baldigst einzuschicken, da das Material derselben in der am 6. Oktober im oben genannten Lokal stattfindenden öffentlichen Versammlung zu Gunsten welcher die an de», Tage stattfindende Vereinsver- sammlnng ausfällt, veröffentlicht werden soll. Der Fachvrrri» der berliner Stuckatenre hielt sam Montag, den 22. September, in Zemter's Lokal, Münzstraße 11, seine regelmäßige Versammlung ab, in welcher Herr Karl Hübsch aus Weißensee einen interessanten Vortrag über„Karl Marr Werththeorie" hielt, der von den Anwesenden mit lautem Beisau aufgenommen wurde. Da sich Niemand zur Diskussion meldete, kam man zum zweiten Punkt der Tagesordnung,„Gewerkschaft- liches". Hierbei wurde der Arbeitsnachweis berührt; die Kow- Mission bekümmere sich sehr wenig um denselben und führte die Angelegenheit zu heftigen Auseinandersetzungen, welche im Vor- stände zu regeln sind. Unter„Verschieoenem" referirte Bildhauer Schmiedel über den Werth der Freien Volksbühne, und fordert Redner zum Schluß zur regen Vetheiligung auf. Nachdem noch hinsichtlich des Arbeiterfestes Erwähnung gethan, welches am 30. September stattfindet, erfolgte Schluß der Verfammlung. „ S« Uorrinignng der Drechsler Deutschlands(Zahl- stelle VI Kammmacher) hielt am Montag, den 22. d. M, Munz- straße 11, eine Generalversammlung mit folgender Tagesordnung ab: 1. Vorftandswahl. 2. Wodurch können wir bester besuchte Versammlungen erzielen? 3. Einziehung der statistischen Frage- bogen. 4. Verschiedenes. Als Bevollmächtigter wurde Kollege Klotzsch, als Schriftführer Kollege Holz und als Kassirer Kollege Fels wiedergewählt und zwar fand die Wahl durch Stimmzettel statt. Durch Akklamation wurden Kollege Streich als erster, Kollege Hofmann als zweiter Beisitzer und die Kollegen Haserick und Beetz als Revisoren gewählt. Punkt 2 der Tagesordnung wurde damit erledigt, daß sämmmche anwesende Mitglieder ihren persönlichen Einfluß ausüben wollen, die noch fernstehenden Kollegen, sowie die fäumigen Mitglieder in den Versammluiigeii mit einzuführen. Unter Verschiedenem theilt Kollege Klotzsch die uns für die streikenden auswärtigen Drechsler zugesandten Sammellisten aus, welche sofort abgenommen wurden und bereitwilligst in Umlauf gesetzt werden. Auch wurden die jkollegen aufgefordert, der Krankenkasse unserer Berussgenoffen beizutreten und hoffen wir eventuell eine Filiale zu gründen. Hierauf schilderten Kollegen Jesche und Voigt(Charlottenburg) d'e Lage unseres Handwerks und theilten den Kollegen mit, w>e traurig gerade auch in Charlottenburg die Verhältnisse liegen und fordern zum festen Zusammenhalt auf. Hierauf kam die Werk- statt R. Krönert Nächst, zur Sprache, in welcher ca. 5 Mitglieder unserer Vereinigung beschäftigt sind, welche, seitdem die alten Arbeiter sämmtlich entlassen, auch keiner von denselben wieder Beschäftigung erhält, von dem Chef der Firma Sieg- fried Sorauer jedenfalls beeinflußt werden, unsere Versammlungen nicht mehr zu besuchen. Um hierüber näheren Bescheid zu holen, wurden zwei Vertrauensmänner gewählt. Nachdem noch bk- schlössen ivurde, die Versammlungen Montags weiter abzuhalten erfolgte Schluß. Damen Mäntel und-Kostüme. Felix Oppenheim- ReM-Mtel voll 11 ,(in. ElMute imi) billige Winter-PMots. RoseMhaSerstr. II— 82- Kostüme von 15 üUai'H an. Ginfeg»«»gs-, Kall- und Grsellschafto-Kostümr. 2252 9 Marl Preis-Kour. gratis u I Billigste Quelle für deutsche und englische eiserne Bettstellen s �Fabrik mit Dampfbetrieb von E. Sass, KöMilkerßrllße U. Letzte Dvrch und gezwungenen Abschluß bin ich veranlaßt, in meinem altrenommirten Geschäft neben Panlinon, Holz- it. 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Um all diese Unzuträglichleiten abzufchwächrn, sowie unlautere« Glenrente« entgegen zu wirken, besonders aber dein lesenden Publikum die Gewähr einer zuuerläfstge» und geregelten Znstellung sichern zu können, hat sich im August d. I. ein Verein gegründet unter dein Namen Freie Dereinignttg d.Kerl. Zeitnngsspeditenre%-Verkäufer. Genannter Verein wird es sicli zur Ehre schätzen, dem lesenden Publikum in reeller und niuerlässtger Meise dienen zu können. Das verehrte Publikum wolle sich daher vertrauensvoll an irgend einen der unterzeichneten Spediteure resp. Verkäufer mit Aufträgen zur Befriedigung des Lesebedürfnisses wenden. Jeder Gin?el»e der hier Verzeichneten empfiehlt sich zur pünktliche» Lieferung aller gewünschten Zeitungen und Licfernngswerke, sowie auch besonders der grsnuuntc» Arbeiter-Kiteratur. Das verehrte Publikum wolle diesem reellen Streben die wohlwollendste Berücksichtigung zu Theil werden lassen. Mit dieser Bitte zeichnet Hochachtungsvoll Der Uarsiand. 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