Nr. 22t. Dienstag, den 30. September 1890. 7. 1-chrg. Hrgan für die Znierefsen der Arbeiter. . l.. r Das„Berliner Volksblatt" AWWSKMSMM Jnsertionsgebühr beträgt für die 5 gespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pf., für Vereins- und VftfaintlilrtngS» Anzeigen 20 Pf. Inserate werden bis 4 Uhr Nachmittags in der Expedition, Berlin SW., Bcnthstrakc 3, sowie von allen Annoncen-Bureaur, ohne Erhöhung des Preises, angenommen. Die Expedition ist an Wochentagen bis 1 Uhr Mittaas und von 3—7 Uhr Nachmittags, an! t ,-v- � SÜrtVM' � Sonn und Festtagen bis 9 Uhr Vormittags geöffnet. Fernsprecher: Amt VI. Ur. 4106. i— MednKkion: Vettkhstvcrtze S.— Sxpedition: VvutMvMv 3. II Mit dem 1. Oktober eröffnen wir ein neues Abonnement aus das „Wiw MM-tt" mit dem als Gratisbeilage. Große Veränderungen sind mit Bezug auf unsere Partei er- folgt, größere stehen ihr bevor. Ter diesjährige 1. Oktober ist ein historischer Augenblick für die proletarische Bewegung, er ist der wichtigste Moment, den die heutige politische Geschichte kennt. Mit dem l. Oktober füllt ein Gesetz, welches zwölf Jahre lang die Enlivickelung der modernen Arbeiterbewegung einzudämmen suchte; mit dem 1. Oktober wird das deutsche Proletariat seinen Weg ohne die Fesseln eines Ausnahmegesetzes zu gehen haben. Die zweite Hälfte der ausnahmcgesctzlichen Zeit in Berlin ist eng und unauflöslich mit dem Organ der Berliner Arbeiter, dem ,, berliner Uoliisblatt" verknüpft. Das..Hertinrr UolKs- blatt" hat das Sozialistengesetz überdauert, aber in seinen Spalten spiegelt sich die Geschichte der unterdrückten Berliner Arbeiterschaft wieder. Bon denZeiten des berüchtigten„Volksfreund" an bis zu den letzten Erlassen des Ministers Herrfurth hat das ..Kerlinrr Uolbsbtatt" treu und unentivegt zur Berliner Sozialdemokratie gehalten— und so soll es auch für alle Zeiten bleiben. Aber neue und sckpvere Kämpfe stehen uns bevor. Die sozialdemokratische Presse kennt keine Zeit der Ruhe, sie muß fortwährend gewappnet sein, denn wenn irgendwo, so gilt für uns der Spruch:„Feinde ringsum!" Um den erhöhten Pflichten und Aufgaben, welche das Er- löschen des Sozialistengesetzes unserer Partei auferlegt, nach jeder Richtung hin gewachsen zu sein, trete» wir vom 1. Oktober an mit verstärkten Kräften vor unsere Leser. Wie unseren Lesern schon bekannt ist, wird von diesem Tage an Wilhelm Liebknecht der Redaktion des„Kerliner Uolkobtatt" angehören. Auch nach anderen Richtungen ist der Stab unserer Mitarbeiter vermehrt worden. Für unser tägliches Feuilleton haben wir den sozialen Roman von Wimm Kantok»» erworben. Der Name der seit Jahren in der proletarischen Literatur thätigen Verfasserin bürgt dafür, daß den Berliner Arbeitern hier etwas wirklich Gediegenes gebolcn wird. Wir hoffen daher, das: sich unser Blatt immer mehr»nd'mehr bei den Arbeitern einbürgern, daß in der kommenden neuen Zeit sich immer mehr die Ueberzeugung Bah» brechen wird, daß Der den Gegner unterstützt, der dessen Presse unterstützt. Arbeiter. Ihr seid die Majorität der Bevölkerung, Eure Presse muß daher die gelescnsle sein. Der Abonurmentspreia beträgt frei ins Hans für das ganze Vierteljahr 3 Mark 30 Pf., monatlich 1 Mark 10 Uf., wöchentlich S8 Pf. Bestellungen werden von sännntlichen Zeitnngsspediteuren entgegengenommen. Für außerhalb nehmen s ä m m t l i ch e Postanstalten Ve- stellungen für das Vierteljahr gegen Zahlung von 3 Mark 30 pf. an. (Eingetragen in der Post-Zeitnngsliste für 1800 unter Nr. 892, V. Nachtrag.) Die Nedaktion und Expedition des- „Krrtinrr Noltzvblatt". TcittUcfOlt. Nachdruck verböte»! (11 Eine Zluyliicklichr. Erzählung voil Iwan T u r g e n i e iv. Alexander!" sprach ich, von einem unwillkürlichen ze getrieben:„Ich bitte, ich beschwöre Dich; gehe sofort cksch hin, schiebe es nicht bis morgen auf! Eine innere ne sagt mir, daß Tu Susanne heut noch sehen mußt." sustoff zuckte die Achseln. Ich bitte Dich, was füllt Dir ein! Die Uhr geht s auf elf und dort im Hause schläft wahrscheinlich schon." Gleichviel,. Gel um GotteS Willen! Ich habe wse Ahnung... Bittr,, c mir! Gehe gleich, nimm Schlitten...." Was ist das für dummes /».I!" antwortete kalt- Fustoff;„unter welchem Pj/�ande sollte ich denn iiigehen? Morgen in der Frühe will ich hingehen, ann wird sich alles aufklären." Aber, Alexander, erinnere Dich, sie sprach von ihrem ilild daß Du sie nicht mehr ani Leben sinden würdest lud wenn Dn ihr Gesicht gesehen hättest! Bedenke stelle Dir vor, was es sie kosten innßte, um.. zn mir nmen.. Sie ist ein phantastischer Kopf," sagte Fustoff, welcher Selbstbeherrschung vollkommen ivieder erhalten hatte. jirngen Mädchen sind sc»,. in der Jugend. Ich vhole Dir, morgen wird aites in Ordnung kommen. FUun 30. Sepkemlrev. Wir stehen am offenen Grabe des Sozialistengesetzes, und nirgends mehr als heute zeigt es sich mit sinnen- fälliger Klarheit, wie thöricht und pharisäisch jenes Wort ist, das uns heißt, über die Todten nur Gutes zu reden. Zwölf lange Jahre war die Polizeiwillkür, Dank der Willfährigkeit eines in den Dienst der Klasseninteressen ge- stellten Parlaments, welches nach der Pfeife des redseligen Greises von Friedrichsruh knechtisch zn tanzen pflegte, der leitende Grundsatz unserer inneren Politik. Zwölf Jahre hat es gedauert, bis die Regierung, bis die Bourgeoisie zn der unwillkommenen Einsicht gelangte, daß iitit den Nucken und Tücken von Polizeimaßregeln, mit den kleinlichen Kniffen der Unterdrückung nichts ge- than sei. Nach dem ersten Rausch der reaktionären Be- geisterung, nach den wohlfeilen Triumphen eines Büttel- thums, das die geschichtliche Entwickelung von dem absurden Gesichtspunkte der Krieter und Zacher betrachtete, nach den trübseligen Erfahrungen, welche aus dem offenen Widerstreit zwischen dem Rechtsgefühl des Volkes und den Erkenntnissen der rechtsgelehrten Richter sich ergaben, folgte allnüilig die graue Stimmung des Aschermittwochs. Der Fortschritt der modernen- Ideen, wie sie in der Arbeiterbewegung zu Tage treten, war ein nnauf- haltsamer, trotz des Sozialistengesetzes und gerade wegen des Sozialistengesetzes. Die gewaltige Macht des demokratischen Sozialismus beruht darauf, daß er eine natürliche Konsequenz der bisherigen gesell- schaftlichen Entwickelung, daß er das nothwendige Er- gebniß der sozialen und politischen Zustände ist, ivelche der Kapitalismus ins Leben rief. Indem dieser den Gegensatz von Arm und Reich fortgesetzt verschärft und steigert, indem er die Aufhäufung des Riesenreichthums auf der einen Seite durch die Aufhäufung des Massen- elends auf der andern Seite so logisch ivie brutal er- Bis dahin Lebewohl! Ich bin müde und auch Du scheinst schläfrig zu sein." Er nahm seine Mütze und ging auZ dem Zimmer. „Aber, Dn versprichst mir doch gleich nachher zn mir zn kommen?" rief kch ihm noch nach. „Ich verspreche es... Lebewohl." Ich legte mich zn Bette, aber mein Herz war voll Nu- ruhe und ich ärgerte mich über meinen Freund. Spät erst schlief ich ein und mir träumte, daß ich mit Susauua in feuchten, unterirdischen Gängen umherstreifte, enge, steile Treppen ans und abstieg und ivir immer tiefer und tiefer hinnnterkamen, obgleich wir nnS durchaus hinauf an die Luft hindurcharbeiten wollten, und eine klagende, einförmige Stimme uns fortn'ährcnd rief. E.iu u n d z w a n z i g st c s K a p i t e l. Eine Hand legte sich auf meine Schulter und schüttelte mich ein paar Mal..... Ich öffnete die Angcn und sah bei dem schwachen Scheine eines einzigen Lichtes Fustoff vor mir stehen. Sein Anblick erschreckte mich. Er schwankte auf den Füßen; seine Gesichtsfarbe war gelb, fast wie die Farbe seiner Haare; seine Mundwinkel hingen herab und die trüben Augen sahen gedankenlos auf die Seite... Wo war sein freundlicher, immer wohlwollender Blick geblieben? Ich hatte einen Vetter, den die Epilepsie zum Idioten ge- macht hatte... Diesem glich Fustoff jetzt. Ich erhob mich in Eile. „Was ist? Mein Gott, was ist mit Dir geschehen?" Er antwortete nicht. „Was ist geschehen? Fustoff! So sprich doch Susanna?..." Fustoff erbebte leicht. gäuzt, schafft er das moderne Proletariat, aus dessen jugendfrischem Boden die Sozialdemokratie cmporge- sprossen ist. Die Sozialdemokratie ist die Partei des werkthätigen Volks, sie vertritt die politischen und wirthschaftlichen Forderungen der Arbeiterklasse, sie ist deren Wortführerin, sie ist mit einem Wort die politisch organisirte Arbeiter- klaffe selbst. Der Zusammenstoß zwischen den Besitzenden und den Besitzlosen, der Klassenkampf hat in Deutschland zur Bildung der Arbeiterpartei, wie wir sie jetzt haben, geführt, und das Ausnahmegesetz, das heute in den Orkus hinabsteigt, war eine Szene in dem weltgeschichtlichen Drama, bei welchem vor der(Hand der Deutschen Ar- bciterschaft die erste Rolle zugewiesen ist. In der That, es war verlorene Liebesmüh', gegen uns mit Konstablern ins Feld zu ziehen, es war ein eitles Bemühen, den Sozialismus in Ketten und Banden schlagen zn wollen. So verkehrt und kindisch es ist, angesichts der Riesenbetriebe, die heute mit allen Mitteln der Technik wirthschaftend. Tausende von Arbeitern unter ihr Kom- mando stellen, angesichts der großartigen Unternehmerver- bände, die mit vollen Segeln in das Meer der kollekti- vistischeu Produktionsweise hinausfahren, an eine Wieder- auferstehung der mittelalterlichen Zunftherrlichkeit zn glauben, ebenso unverständlich ist es zu wähnen, daß das klaffen- bewußte Proletariat auf die Dauer durch Gewaltmittel niedergehalten und endgiltig daran verhindert werden könne, seinen Befreiungskampf zu einem siegreichen Ende zu führen. Die Geschichte des Sozialistengesetzes ist eines der denkwürdigsten Blätter in der Historie des deutschen Volkes. Hier die Bourgeoisie, welche ohne Scheu Hunderte in die Verbannung jagt, die Existenz zahlreicher Familien ver- nichtet, die Preßfreiheit unterdrückt, das Koalitiousrecht zum Kiuderspott werden läßt, das freie Wort unniöglich macht, das arbeitende Volk außerhalb des gemeinen Rechts stellt und jeden Versuch desselben, seine Lage zu verbessern, mit Verboten, mit Konfiskationen, mit dem Kerker beant- wortet. Dort die deutsche Arbeiterklasse, geächtet, gehetzt, vogelfrei und dennoch niemals auch nur uni eines Haares- breite von dem steilen und steinigen Pfade abweichend, ivelcher sie zu dem ersehnten Ziele führen soll, in ge- schlosscncu Reihen jedem Ansturm unter dem Banner der Sozialdemokratie die Stirn bietend, aus unzähligen Wunden und doch nicht wankend, jeden Verlust an tapferen Streitern durch neue Kämpfer deckend, welche un- verzagt für die Gefallenen in die Bresche treten. Wir wissen, daß jener Winkelried, der bei Sempach sich die Lanzen der österreichischen Ritter in die Brust trieb, die feindliche Schlachtrcihe ins Wanken brachte und den Sturz „Sic," fing er mit heiserer Stimme an und ver- stammte. „Was ist mit ihr? Hast Du sie gesehen?" Er fixirtc mich.* „Sic ist nicht mehr." „Wie das?" „Sic ist nicht mehr. Sic ist tobt." Ich sprang vom Bette auf. „Wie tobt? Susanna? Gestorben?" Fustoff sah wieder von mir weg. „Ja tobt; um Mitternacht." „Er hat den Verstand verloren!" blitzte mir durch den Kopf. „Um Mitternacht! WaS ist denn jetzt die Uhr?" „Jetzt ist es acht Uhr früh. Man hat zn mir geschickt, um es mir anzuzeigen. Morgen wird sie bestattet." Ich ergriff seine Hand. „Alexander, redest Dn nicht irre? Bist Dn ganz bei Sinnen?" „Ich bin bei voller Besinnung," antwortete er.„Sobald ich eZ erfuhr, begab ich mich hierher." Mein Herz erstarrte schmerzlich, wie das immer geschieht, ivenn uns die Gewißheit eines nmvicdcrbringlich'erfüllten Unglücks erfaßt. „Ah, Gott! Ah, Gott! Gestorben!" wiederholte ich.„Wie ist daS möglich? So plötzlich! Oder hat sie sich vielleicht selbst das Leben genommen?" „Ich weis; es nicht," wiederholte Fustoff. Ich weiß gar Nichts. Man hat mir bloß sagen lassen: sie sei um Mitternacht verschieden und würde morgen be- stattet." „Um Mitternacht," dachte ich..„Sie lebte also gestern der Zlvüigherri'i v lehrte, nur eine sagenhafte Gestalt, daß er die dichterische Personifikation des ungebrochenen, urkräftigen schweizerischen Bauernthums ist, das um 9. Juni 1886 für seine Rechte und Freiheiten siegreich kämpfte. Das Volk, die Masse ist es, welche, sobald sie zur Einsicht in ihre Lage gelangt, stets die entscheiden- den Schlachten schlägt, die soziale Massenbewegung ist es, in welcher die Lebensbedingungen unserer Partei wurzeln, die deutsche Arbeiterklasse ist der Arnold von Winkelried, welcher der nenreichsdeutschen Reaktion ihr Sempach bereitet hat und dereinst die Emanzipation vom Joche des Kapitalismus zum Heil der Menschheit zum glücklichen Ende führen wird. Den Tausenden und Abertausenden, die still und un- bemerkt gewirkt und geduldet haben, all' den Wackeren, die auf dem Felde der Ehre geblieben sind, ohne daß nur ein Stein die Stätte zeigt, wo sie ruhen, den Braven allen, die den Pfennig sich vom Munde abgedarbt, um ihn für unsere Sache� zu opfern, ihnen, die ohne Hoffnung auf Dank und Lohn als Sendboten des Sozialismus hinausgezogen sind, der Masse sei unser erster Dank gezollt. Die Märtyrer, deren Namen verwehen wie die Fußtapfen im Flugsand, die endlosen Reihen der Streiter und der Dulder, das deutsche Volk, wir grüßen es. Die Genossen, welche im Vordertreffen die ganze lange Zeit gestanden, welche thatkräftig und unentwegt ihre schwere Pflicht gethan haben, mögen sie nun in der Fremde, aus einem Asyl in das andere gejagt, den geistigen Zu- sammenhang der Partei ermöglicht und befördert haben, oder mögen sie mitten im Kugelregen als einsichtsvolle Taktiker, als erfahrene Strategen im Parlament, und außerhalb desselben unseren Freiheitskrieg ge- leitet haben, verlangen keinen Dank, als die einfache Anerkennung, daß fie immerdar und allerorten nur das gethan haben, was sie im Interesse der Partei für fördersam, für zeitgemäß, für ersprießlich hielten. Wenn ein Bourbonenkönig starb, wurde feierlich ver- kündet, der König ist tobt, es lebe der König!" Das Sozialistengesetz vom 21. Oktober 1878 läuft.heute ab, aber es wäre ein verhängnißvoller Jrrthum, wenn man annähme, daß die Zwangspolitik überhaupt damit ihr Ende erreicht habe. Das Zirkular des Herrn Herrfurth zeigt mit handgreiflicher Deutlichkeit, daß der Glaube an die Heilsamkeit mechanischer Mittel noch keineswegs aus- gerottet ist. Der Kampf gegen uns wird vorläufig wie- der auf dem Boden des gemeinen Rechtes geführt werden, das wahrlich der Handhaben genug bietet, um der politischen Freiheit Zaum und Zügel anzulegen. Auf's ein- dringlichste ist deshalb davor zu warnen, Hoffnungen zu hegen, deren Eitelkeit sich nur zu bald herausstellen würde. Voraussichtlich wird die Aera der Preßprozesse und der An- klagen wegen Versammlungsreden wieder beginnen. Und man vergesse nicht, daß die Aufhebung des Sozialistengesetzes nur ein Experiment ist, dessen un- günstiger Ausfall die Volksfeinde aller Schattirungen mit inbrünstiger Sehnsucht erhoffen: Die alte Zwangsakte fiel, was an uns liegt, soll geschehen, daß die Erwartung der Reaktionäre, eine neue Zwangsakte werde kommen. elend zu Schanden werde. Der alte Puttkamer lebt noch, und es laufen viele kleine Tessendorf's herum, die nach dein Ruhm ihres Vorbildes lüstern sind. Mit Stolz können wir auf den Fall des Sozialisten- gesetzes zurückblicken, mit Stolz des 20. Februar 1890 gedenken, an dem die Sozialdemokratie ihre großartige Heer- schau hielt, aber unsere Losung sei: Keine Illusionen, die kühlste Auffassung der Verhältnisse, damit wir stets in der Lage sind, zu kämpfen wie der Augenblick es gebietet. Wir müssen bereit sein, in der Sonne und im Schatten zu fechten, wir müssen stets dessen eingedenk sein, daß wir im Klassenkampf stehen, und daß nur dann der Sieg sich an unsere Fahnen heften wird, wenn wir eine unüber- windliche Macht sind. Das sollen, das müssen wir werden. Unser Feldgeschrei lautet: Vorwärts zu neuem Ringen! Hoch die Sozialdemokratie! noch, als sie mir auf dem Fensterbrett erschien, als ich ihn beschwor, zu ihr zu eilen.. „Sie war noch am Leben, als Du mich gestern zu Iwan Demjanüsch sandtest," sagte Fustosf, als hätte er meine Ge- danken erratheu. „Wie wenig er sie doch gekannt hat," dachte ich weiter. „Wie wenig wir Beide sie kannten. Einen phantastischen Kopf nannte er sie— alle jungen Mädchen seien so... Und um dieselbe Minute vielleicht hat sie die Schaale an ihre Lippen... Ist es denn möglich, daß man Jemand �lieben, und sich so grob in ihm täuschen kann?" Fustoff stand unbeweglich an meinem Bett... die Hände waren ihm hinabgesunken... er glich einem Ver- brecher. Z w e i u n d z w a n z i g st e s Kapitel. Ich kleidete mich eilig an. „Und was denkst Du jetzt zu thun, Alexander?" fragte ich. Er sah mich fragend an, als wundere er sich über die einfältige Frage. Und in der That, was konnte er thun? „Du mußt aber doch hingehen," fing ich wieder an. „Du mußt erfahren, wie das zugegangen ist. Darunter ist vielleicht ein Verbrechen verborgen. Von diesem Menschen kann man Alles erwarten... Das muß Alles aufgeklärt werden. Denke daran, was in ihrem Heftchen steht: die Pension hört mit ihrer Heirath auf; mit ihrem Tode aber geht sie an Ratsch iiber. In jedem Falle muß Du wenig- steus die letzte Pflicht erfüllen, und Dich vor ihrer sterblichen Hülle beugen." Ich sprach wie ein Mentor, wie ein älterer Bruder zu Fustoff. Jnniitten all des Schreckes, des Schmerzes und des Erstaunens, stieg plötzlich und willkürlich ein Gefühl der Ueberlegenheit in mir auf... War es, weil ich ihn bedrückt, verwirrt und vernichtet sah von dem Bewußtsein seiner Schuld; oder war es, weil das Unglück, wenn es einen Menschen trifft, denselben fast imnier in der Meinung seiner Mitmenschen umwirft und erniedrigt;„es ist also schwach mit Dir bestellt, da Du Dich nicht heraus zu finden NovveMmtdenzen. Paris, den 25. September. Seit dem 21. September besitzen die französischen KoMiivisten wieder ein offizielles, wöchentlich erscheinendes Zentralorgan. Wer aus Erfahrung die für die französische Arbeiterpresse, auch die, welche sich sozialistisch betitelt, geltenden Verhältnisse kennt, der muß das Erscheinen des ..Looialistö" geradezu als ein Ercigniß begrüßen. Wohl besitzen die Kollektivisten in der Provinz verschiedene Lokalblätter, vor allem den wackeren„Cri du Trayeilleur"(Arbeiterschrei) von Lille, die in recht prinzipieller Weise für die Sache deö Proletariats eintreten, allein ihr lokaler Charakter zieht ihrer Wirksamkeit ge- wisse Grenzen, welche infolge des den Franzosen eigen- thümlichen Kirchthurmgeistes ziemlich enge sind. Der von einer Gruppe Kollektivisten in Paris herausgegebenen Revue:„L'Idee nouvelle"(Die neue Idee) liegt gewiß das Bestreben zu Grunde, den modernen Sozialismus besonders durch Abdruck Guesde'scher und Lafargne'scher Artikel zu propagiren, jedoch sie bringt meist Arbeiten, die vor vielen Jahren geschrieben sind, theilweise Modifikationen, resp. Erweiterungen und Er- gänzungen erheischten, und die meist der Aktualität entbehren. Dazu hat die Zeitschrist nur einen kleinen Leserkreis, der sich außerdem am wenigsten aus dem Arbeiterstande rekrutirt. Die possibilistische Presse andererseits, der Hauptsache nach «präsentirt. durch das offizielle Wochenblatt„Le Proletariat", das nicht offizielle Tageblatt ,.Le Parti Ouvrier" und die Revue „Pa France socialiote"(Das sozialistische Frankreich) läßt in prinzipienfester, klarer, wissenschaftlich gedachter und gestütztcrBehand- lung der Zeit- und Streitfragen ungemein viel zu wünschen übrig. Hier macht sich im Allgemeinen ein durchaus kleinbürgerlicher, vernebelter und verwässerter Sozialismus breit, der auf etlichen sich philosophisch spreizenden Gemeinplätzen herumreitet, welche sich aus den vierziger Jahren und der Zeit der Kommune in unsere Tage hinübergerettet haben. Ferner enthielt die possibilistische Presse bis dato nicht etwa zum Rahmen der possibilistische» Fraktion, sondern zu Nutz und Frommen der Koterie possibi- listischer Führer solche Fälschungen und Verdrehungen von Theorien und Thatsachen, daß die betreffenden Organe nicht er- zieherisch, vielmehr geradezu vergiftend auf die Entwickelung der Arbeiter einwirken mußten. Zur Zeit des Boulangismus ganz ans den Hund gekommen, zeigen die possibilistischen Blätter in letzter Zeit das Bestreben, ihr Niveau etwas z» heben, dem mo- deinen Sozialismus näher zu komme». Aber die Wahr- heit zu sagen, das possibilistische Lager weist, wenigstens was die bis jetzt die geistige Führung haltenden Leute anbetrifft, keine Kräfte auf, die in Bezug auf Kenntnisse, Durchbildung, kritisches Verständnis!, politischen Takt und prinzipienfeste Haltung geeignet scheinen, dem französischen Proletariat die Theorien des modernen Sozialismus unverfälscht zu übermitteln. Tie von Malon, dem Vater und Fournier, dem Sohn der Schule der„Rc- lativisten"— der heilige Geist fehlt derselben aus leicht begreif- sicht» Gründen— redigirte„Eevue soeialiste" ist ganz einfach ein Sammelsurium der absonderlichsten Theorien, die sich— Papier ist ja geduldig— als sozialistisch qualifiziren, die aber mit dem modernen, wissenschaftlichen Sozialismus nicht mehr gemein haben, als die Puttkamcr'schen Kanonenrezepte mit Sozial- reform.oder die freisinnige, allerunterthänigstcOppositionmitMänner- stolz vor Königsthronen. Eine ganz eigenthüinliche optischcTäuschung des geistigen Sehvermögens läßt die„Rclativisten" überall Sozialis- mus entdecken, wo keine Spur davon vorhanden ist, dagegen denselben niemals dort auffinden, wo er gerade par exccllence existirt. Die Blanquisten haben es seit dem Verschwinden des Organes „Fi visu, ni maitre"(Weder Gott noch Herr) zu keinem dauernd bestehenden Blatt bringen können. Die Blanquistcn-öiochcfortisten, d. h. die zn Boulanger übergelaufene Gruppe der Granger, Roche w., gab in diesem Frllhjar„Le Blanquiste" heraus, der jedoch außer geradezu widerlich kriechenden Schmeicheleien an die Adresse der Pariser und einer blöden Lobhudelei Rochefort's so gut wie nichts Bildendes und Ausklärendes enthielt. Auch die auf dem sozialistischen Standpunkt verharrte Gruppe der Blangnisten unter Vaillani's Führung gab ein Blatt heraus:„Le Parti soeialiste"(Die sozialistische Partei) betitelt, wenn uns die Erinnerung nicht täuscht. ANein mit einziger Ausnahme der Vnillant'schen Artikel waren die Leistungen des Blattes herzlich unbedeutend. Die von verschiedenen unabhängigen Sozialisten herausgegebenen Zeitungen sind im Groben und Ganzen traurige Beweise, wie sehr es der sozialistischen Arbeiterbewegung Frankreichs an kenntnißrcichen und prinzipienfesten Kräften mangelt, so baß es nicht einmal zu bedauern ist, wenn diese Blätter ivie Eintagsfliegen erstehen und vergehen. Die Kollektivisten, die einzige sozialistische Fraktion in Frank- reich, welche mit ihrer Auffassung ans die Höhe der Zeit und der Wissenschäst steht, besaß schon mehrmals cm eigenes Zentralorgan. Die drei, eigentlich sogar vier Serien der„vAalite" haben Ende der siebenziger und Anfangs der achtziger Jahre mehr geleistet als irgend ein anderes Blatt, um den modernen Sozialismus dem französischen Proletariat in Fleisch und Blut über- zuführen. Tie beiden Serien deS„Sozialiste" von 1886 und 1887 arbeiteten in der gleichen Richtung in und mit dem gleichen Geiste weiter. Leider konnten sich dieselben trotz ihrer Vortreff- lichkeit— man ist fast versucht, zu sagen, gerade wegen ihrer Vortrefflichkeit— nicht halten. Als Zentralorgan mußten die- verstandest!" Gott allein iveiß es! Fustosf kam mir vor wie ein Kind, ich fühlte Mitleid mit ihm und fühlte doch auch die Nothwendigkeit der Strenge. Ich reichte ihm meine Hand von oben herab. Das Mitleid der Frauen allein kommt nicht von oben herab! Allein Fustoff fuhr fort, stumpf und wild ans mich zn sehen. Meine Autorität machte offenbar gar keinen Eindruck auf ihn— und ans meine wiederholte Frage:„Du wirst doch zn ihnen gehen?" antwortete er;„Nein! ich werde nicht hingehen." „Um Gottes Wille»! Wie ist das möglich? Du wirst doch selbst wissen und anfragen wollen: Wie? und Was? Vielleicht hat sie einen Brief zurückgelassen... irgend ein Dokument.... Um Gottes Willen!" Fustoff schüttelte den Kopf. „Ich kann nicht dorthin gehen," sagte er.„Ich bin deshalb zu Dir gekommen, um Dich zu bitten.... statt meiner... denn ich kann nicht... kann nicht..." Und Fustoff setzte sich plötzlich an den Tisch, barg sein Gesicht in beide Hände und brach in ein bitteres Schluchzen ans. „Ach, Ach!" wiederholte er durch seine Thränen hindurch. „Ach die Arme... die Aermste... Ich... ich liebte sie... Ach, Ach!" Ich stand neben ihm und muß gestehen, daß diese unstreitig aufrichtigen Thränen gar keine Theiluahme in mir erivecktcn; ich wunderte mich nur darüber, daß Fustoff so weinen konnte, und mir war, als begriffe ich erst jetzt, ivie klein der Mensch war, und wie ganz anders ich an seiner Stelle gehandelt hätte. Da sehe Einer! Wenn Fustoff vollkommen ruhig geblieben wäre, ich hätte ihn vielleicht ge- haßt, hätte Abscheu vor ihm empfunden, aber er wäre nicht so in meiner Meinung gefallen... sein Prestige wäre ihm geblieben, der Don Juan wäre Don Juan nach wie vor! Sehr spät im Leben erst— und das nach vielen Prüfungen — lernt der Mensch, bei dem wirklichen Falle oder der Schwäche eines Mitbruders, ihm ohne den Selbstgenuß der eigenen Tugend und Kraft, mit jeglicher Demuth und dem selben in Paris erscheinen. Aber gerade das Pariser Proletariat, infolge einer überwiegend kleinindnstriellen, ergo kleinbürgerliche» Mitte, der Tradition seiner Revolutionen, des Nachspukens des? lltopismus, des Verlustes seiner besten Kräfte in der Kommune und mannichfacher anderer Gründe am wenigsten geneigt, de» streng wissenschaftlichen Sozialismus anzunehmen, welcher der revolutionären Revolverphrase ebenso wenig Raum laßt, wie der sozialistischen„eminent praktischen" Kurpfuscheret Um unter der Masse der Pariser Arbeiter Absatz zu finden, müßte außerdem ein sozialistisches Organ nicht als Wochen-, sondern als Tageblatt erscheinen. Ter Pariser Arbeiter sucht in seinem Leibblatt zunächst nicht Beleh- rung, Aufklärung über theoretische Fragen, sondern politische und Tagesneuigkeiten. Die Herausgabe eines täglichen Blattes>» Paris ist aber mit ungeheuren Geldkosten verknüpft, Hunden- tausende von Franks werden in der Regel verschlungen, bis em Blatt anfängt, festen Fuß zu fassen und seine Kosten zu decken. Die meisten und größten französischen Blätter sind in erster Linie kapitalistische Unternehmungen seitens großer Aktiengesellschaften, die in erster Linie die Plusmacherei im Auge haben, daher zu allen politischen und Finanzmogeleicn bereit sind. Der hohen Kosten wegen konnte« die sozialistischen Organisationen nicht daran denken, in Paris ein Tageblatt mit eigenen Mitteln, als Parteieigenthum herauszugeben. Ließen die Sozialisten schon hier und da ein tägliches Blatt erscheinen, so war dieses doch nie ihr Eigenthum, in der Regel gehörte es einem kapitalistischen Unternehnier, sofern nicht ein Freund großherzig die Mittel zu seiner Gründung geliefert hatte. In keinem von beiden Fällen aber hatten die sozialistischen Tageblätter langen Bestand. In dem letzteren Falle reichten die Mittel nie lange genug aus, um der Konkurrenz Stand zu halten und die Her- siellungskosten eines Blattes so lange zu liefern, bis es dieselben selbst deckte. In dem ersteren Falle aber hing es durchaus vom Belieben des Zeitungseigenthümers ab, einer xbeliebigen politischen oder finanziellen Spekulation zu liebe den sozialistischen Re- daktionsstab von heut auf morgen an die Luft zu setzen. Dies ist denn auch den Kollektivisten— wie übrigens auch den Possibilisten mehrfach geschehen, z. B. im„Citoyen et Bataiile"(Bürger und Schlacht) durch Lissagaray, im„Cri du Peuple"(Volksschrei), durch Frau Severine, Balles Freundin, in letztgenannter Zeitung gerade in dem Moment, wo sich dieselbe eingebürgert hatte und anfing, einen bedeutenden Einfluß auf das Pariser Proletariat auszuüben. Ans den angeführten Gründen ist an das dauernde Eftcheinen eines rein sozialistischen Tageblatts in Paris nicht eher zu denken, bis der moderne Sozialismus seine Anhänger in Paris nach Hnnderttausenden zählt, bis er aus einer Schulbewegnng zu einer Volksbewegung geworden ist. Um aber inzwischen das zur unabweisbaren Nothwendigkeit gewordene dauernde Erscheinen wenigstens eines wöchentlichen sozialistischen Zentralorgans zu sichern, das nirgends anders als in Paris erscheinen muß, so crjolgt die Herausgabe des„Soeialiste" diesmal auf einer neuen Basis. Das Blatt wird nicht verkauft, es kann nur durch Abonnement erhalten werden. Die erste Nummer des Blattes ist deshalb nicht eher erschienen, als bis eine genügend große Anzahl von Abonnenten gewonnen waren, oaß der Bestand des„Soeialiste" sicher gestellt war. Wächst der Abonnentenstand, so daß sich ein Ueber- schuß über die Kosten ergiebt, so werden den Organisationen eine entsprechende Anzahl von Nummern behufs Propaganda gratis zur Verfügung gestellt. Die Redaktion des„Soeialiste" ruht in den Händen der be- währten Genossen I. Guesde, P. Lafargue, G. Deville, denen sich noch eine neue treffliche Kraft, Genosse Bernard, zugesellt hat. Tie besten Kräfte der Provinz, wie Fortist, Dormoy, Delory, Delescluze und viele andere berichten über den Fortgang der Bewegung in allen Theile» Frankreichs. Vom Auslande her korrespondiren Vorkämpfer des Sozialismus wie Liebknecht, Dr. Adler, Anfiele, van Bevern, Cuningham Graham, Plechanoff, Jglesias und andre für das Blatt. Kurz, der„Soeialiste" hat einen Redaktionsstab aufzuweisen, der an Durchbildung, Gesinnungstüchtigkeit und Talent seinesgleichen sucht und der die feste Garantie dafür ist, daß das Blatt seinen Zweck voll und ganz erfüllen wird: das Bildungs- und Kampf- organ zu sein, das dem französischen Proletariat bisher so mangelte. » Mailand, 27; September. Der hier versammelte Bäcker, K o n g r e ß erzielte in dem wichtigsten Theile seiner VerHand- lnugen, in der Frage der Nachtarbeit, kein endgiltiges Re- sullat. Zwei Versammlungen, welche recht stark besucht waren, führten zu lebhafte» Debatten, wobei merkliche Meinungs- Ver- schiedenheilen und auch unangenehme persönliche Streitigkeiten zum Vorschein kamen. Die Hauptfrage drehte sich um ein Schrei- den der Bäckermeister mehrerer lombardischer Städte aus dem Vorjahre, worin versprochen war, vom I. Oktober 1890 an die Nachtarbeit abzuschaffen. Jetzt aber erklärten die Meister, daß seitens der Gesellen die eingegangenen Verpflichtungen nicht ein- gehalten seien, was offenbar nur ein Vorwand war. Ein Theil der Kongreßtheilnehmer schrieb nun dem geschäftsführenden Komitee des Bäckcrverbandes die Schuld daran zu, daß die Ver- Handlungen kein Ergebnis! gezeitigt hätten. Unter der Mitwir- kung der anwesenden Meister wurde schließlich eine neue Kom- Mission gewählt, welche mit einer gleich starken Kommission der vollen Verständniß des natürlichen und fast Unvermeidlichen der Schuld, zu helfen, mit ihm zu fühlen. Dreiundzwanzigstes Kapitel. Ich hatte Fustoff sehr entschieden und muthig überredet, zu Ratsch Hinzugeheu, aber als ich mich gegen zwölf Uhr selbst dorthin begab(Fustoff konnte sich durchaus nicht ent- schließen, mich zu begleiten und bat mich nur, ihm die um- ständlichsten Mittheilungen zu machen) und das Haus mich bei der Wendung einer Straße aus der Ferne ansah mit dem mattgelben Flecken einer Todtenkerze in dem einen Fenster, da schnürte mir eine unsagbare Furcht den Athem zu, und ich wäre gern umgekehrt.... Ich beherrschte mich indessen, und trat ins Vorzimmer. Weihrauch und Kerzengeruch schlug mir aus demselben entgegen; der Deckel eines rosenrothen, mit silbernen Borden beschlagenen Sarges stand in einer Ecke, an die Wand gelehnt. Ans einem Nebenzimmer, dem Speisezimmer, tönte das einförmige Mur- mein deS Diakonus, dem Summen einer hineingeflogenen Hummel gleich. Das verschlafene Gesicht einer Tiensrmagd blickte aus dem Gastzimmer heraus. Sie fragte halblaut: „Sie sind gekommen, um Ihre Verbeugung zu machen," und wies auf die Thür des Speisezimmers. Ich trat hinein. Der Sarg stand mit dem Kopfende zur Thüre. Susannens schwarzes Haar mit dem weißen Kranze auf' der etwas gehobenen Franze des Kissens, bot sich zuerst den Augen dar. Ich trat an die Seite hin, bekreuzte mich beugte mich bis zur Erde und sah hin... Ach Gott! Welch ein schmerzlicher Anblick! Die Unglückliche! Der Tod selbst hatte kein Mitleid mit ihr gehabt, er hatte ihr — ich will gar nicht von Schönheit sprechen— er hatte ihr jene Ruhe, jene rührende, unbeschreibliche Ruhe versagt, die uns oft in den Zügen der Entschlafenen begegnet. Das kleine, dunkle, beinahe braune Gesicht Susannens erinnerte an die Gesichter auf den allerältesten Heiligenbildern, und welch einen Ausdruck trug dieses Gesicht! Es war, als wenn sie eben einen verzweifelten Schrei hätte ausstoßen wollen, und so erstarrt wäre, ehe sie einen Ton hervor- gebracht... kein Fältchen zwischen den Augenbrauen war Meister von Neuem in Unterhandlung treten wird. Der nächste Kongreß wird im Frühjahr abgehalten werden, bis wohin die Verhandlungen beendet sein sollen. DolikiWlxe Molrevstchk. Zum Parteitag tu Halle macht der Lokalausschuß folgende' bekannt: Bezugnehmend auf die Bekanntmachung der sozialdemokratischen Fraktion vom I. August d. I. geben wir hiermit bekannt, daß alle Anmeldungen der Telcgirtcn, betreffs ihrer Unterkunft, spätestens bis zum 4. Oktober in unseren Händen sein wüssen, widrigenfalls wir keine Garantie für ihre Unterbringung bieten können. Der Lokalausschuß. I. A.: W. Grothe, Jakob- straße 2. Der Aufruf der 300 freistuuige» Arbeiter(vergl. unsere Numnier vom letzten Sonnabend) ist uns nunmehr zu Gesicht gekommen. Die zwauzic; Forderungen, welche er aufstellt, sind theils dem deutschfreisinnigen Parteiprogramm entnommen, theils gehen sie über dasselbe hinaus oder wider- sprechen sogar den Ansichten der deutschfreisiimigcn Fraktion. Auf sozialem Gebiet stellen die 200 freisinnigen Arbeiter folgende Forderungen:„4. Ausbau der Arbeiterschutz- Gesetzgebung. Beschränkung der Frauenarbeit und Verbot der Fabrikarbeit von Kindern unter vierzehn Jahren. 6. Beseitigung der Arbeit in den Strafanstalten, soweit sie die freie Arbeit schädigt. G. Beschränkung der Militärwerkstätten auf Reparatnrarbeiten. 7. Regelung der Arbeitszeit nach Vereinbarung aller Industriestaaten. 8. Obligatorische Einführung von Gewerbeschiedsgerichten und Einigungsämtern zu gleichen Theilen aus Arbeitgebern und Arbeitnehmern bestehend. 9. Anerkennung der Gcwerk- und anderer Bcrufsvcreine durch gesetzliche Grnndbestiminuugen." Zu diesen Forde- rungen ist im einzelnen zu bemerken:„Beschränkung der Frauenarbeit" ist sehr unbestimmt und nichtssagend; einer! erheblichen Beschränkung der Frauenarbeit wird die freisinnige Partei im Interesse der Industrie, d. st der Arbeitkänfer, jedenfalls Widerstand entgegensetzen. Die ganze Forderung ist, als eine grundsätzliche, gcnon>iiien,falsch. Die Kinderarbeit in dcrHausindustric ist nicht erwähnt. Die anderen Forderungen klingen ganz leidlich, aber welche Bedeutung haben sie im Munde der freisinnigen Arbeiter, wenn die eigene Partei derselben sie nicht in ihr Programm aufnimmt? Jnsbcson- dere-.st die dentschfreisinnige Fraktion bekanntlich die ent< schiedenste Gegnerin der gesetzlichen Regelung der Arbeitszeit. Demnach ist die Aufnahme dieser Forderung in den Aufruf der 200 Arbeiter eine Komödie, ein Bauernfang. Wir begreifen nunmehr auch, warum die„Freist Ztg." die Forderungen bis jetzt nicht abgedruckt hat; sie weiß wahrscheinlich nicht, welche Stellung sie z. B. zu dieser siebenten Forderung nehmen soll. In ihrer letzten Nummer versucht sie sich gegen unsere Vorwürfe zu wehren und schreibt:„Nirgend ist einem freisinnigen Arbeiter die Aufnahme in einen frei- sinnigen Parteiverein verivehrt worden." Das wäre auch ein bischen zu dumm.'Aber die freisinnige Partei überläßt es den freisinnigen Arbeitern, die das Interesse der Arbeiter berührenden Forderungen in besonderen Vereint Programmen zu erheben, und hütet sich davor, die nämlichen Foroeruugen in das freisinnige Parteiprogramm aufzunehmen. Weiter kann man den Bauernfang nicht gut treiben. Wie der Versuch plump ist, wird denn auch wohl die Wirkung gleich Null sein. Die„Freist Ztg." sagt selbst:„Viele Mit glieder der freisinnigen Arbeitervereine sind zugleich Mit gliedcr der freisinnigen Wählvcreine, ebenso die Mitglieder des Vereins Wolbeck zugleich den freisinnigen Wahlvereinen angehören." Daß die Mitglieder der verschiedensten freisinnigen Vereine in Berlin immer dieselben Personen sind, ist bekannt. In der That befinden sich denn auch unter den 200 Unterzeichnern des AnfrnsS viele Namen von harmlosen Personen, die nicht der Arbeiter klasse angehören. So sehen wir darunter die Namen des Redakteurs Isaak, des Großdestillateurs Max Schulz, Gastwirths Herzberg und einige Mitglieder des Vereins „Waldeck"; ferner unterzeichnen ein Wäschehändler aus Brandenburg, ein Oekonomie-Kommissarius aus Fürsten- walde, mehrere Redakteure u. st w. Wir fürchten, wir haben dem Aufrufe der 200 freisinnigen„Arbeiter" bereits zu viele Worte gewidmet. Kitterer Ernst ist es der„Freist Ztg." mit ihrer Be kämpsung der Sozialdemokratie. Sie begann am Sonntag mit deni Abdruck emer Artikelserie„Sozialdemokratische Irrlehren nach deren Beendigung von der deutschen Sozialdemokratie ver- mnthlich kein Atom mehr zu entdecken sein wird. Es schadet der Bedeutung der Artikel auch gewiß nichts, daß sie, wie ihr erster vermuthen läßt, dem freisinnigen Abcschützenbuch entnommen sind. Was Herr Eugen Richter über die Sozialdemokratie weiß, hat er dort niedergelegt, und es ist ihm nicht zu verdenke», wenn er sich die Mühe erspart, neue Gedanken zu haben. Hia zuletzt stramm gchandhabt wird das Sozialistengesetz von dem Landrath in Meiningen. Noch am 25. September hat derselbe unter Berufung auf das Sozialistengesetz sozialdemokratische Versammlungen untersagt. Die Ernennung de« Ermiuister« t». Pnttllamer zum Oberpräsidenten der Provinz Sachsen wird von der„Post" in folgenden anscheinend etwas schüchternen Sätzen angekündigt: An den jüngsten Ausenthalt des Staatsministers von Puttkamer in Berlin werden in der hiesigen Gesellschaft Kombinationen geknüpft, von denen wir wenigstens refe- rirend Notiz nehmen wollen. Wie es scheint, sind diese Kombinationen von dem Umstände ausgegangen, daß Herr v. Puttkamer zu derselben Zeit nach Berlin kam, wo Herr Staatsminister Herrfurth aus Karlsbad zurückkehrte. Es heißt nun, Herr v. Puttkamer sei dazu ausersehen, Herrn v. Wolff's Nachfolger als Oberpräsident der Provinz Sachsen zu werden. Die Kombinattonen gehen insofern noch weiter, als behauptet wird, Herr v. Wolff sei über- Haupt an die Spitze des Rechnungshofes berufen worden, um den Posten in Magdeburg für Herrn v. Puttkamer frei zu machen. Daß Herr v. Puttkamer gerade in dem Augenblick, wo dnS Sozialistengesetz aushört, wieder ein hohes'Amt übernehmen soll, wäre ein sehr bezeichnendes Zusamnientrcfsen. Vielleicht erscheint er seit seiner Stolper„Kanoncnrede" zu dem Posten eines Ober- Präsidenten besonders geeignet. Erg tu die„Uebevliiufer," gegen diejenigen Theile der Bourgeolsklasse, die einer Sozialresorm nicht von vornherein eindlich gegenüberstehe», wettert die„5iöln. Ztg.: „Man erhalt den Eindruck, sagt sie,„daß bei manchen Politikern dieses Schlages der kostenlose sozialpolitische Taumel lediglich eine Form für das Bestreben ist, den sozialdemokratischen Haß von der Börse und dem Großgrundbesitz auf den produk- tiven Gewerbsfleiß abzulenken. Wie kurzsichtig dieses selbst- evangelischen Christenthums aufgenommen haben, waren Männer, welche der liberalen Sache dienten. Wohl hat der Liberalismus heute diesen Kampf eingestellt, wohl sucht er heute gegen uns die Allianz des katholischen Klerus und der evangelischen inneren Mission, aber trotzdem bleibt der geistige Kampf gegen die Kirche Sache des Liberalismus. Wir brauchen die ihnen entfallene Waffe nicht aufzuheben und neuerdings zu schwingen. Bei der Auflösung der heutigen Gesellschaft, bei der Entwicklung des Pri- vateigenthums und dem Wachsen des kritischen Geistes in den Massen einerseits, den Fortschritten der Statur- und Geschichts- Wissenschaft andererseits, kann dem Zersetzungsprozcß in den herrschenden'Religionen nicht Einhalt gethan werden. Lassen wir die Religion deshalb ruhig Privatsache sein, ihre Fortcxistenz in ihren heutigen Formen wird durch uns weder ernstlich ge- fährdet noch durch unsere Neutralität erheblich gestützt werden. Wir haben wichtigere Aufgaben vor uns, als den Massen den Austritt aus der Kirche zu empfehlen, der aus Hunderten von ökonomischen Gründen viel leichter empfohlen als ausgeführt werden kann." Iludaulltzare Arbeiterinneu. Die Wiener„Neue Freie Presse" läßt sich aus Bologna folgende Schaudermär be- richten. Im dortigen Arsenal wurde von der Regierung eine Lieferung von 21 Millionen Patronen bestellt. Die Bilanz des Arsenals werde sich daher dieses Jahr ans 13 bis 14 Millionen Lire belaufen, die zum größten T h e i l der B e v ö l k e- r u n g zu Gute kommen.(Vielleicht auch noch die Patronen selber!) Im Arsenal werden augenblicklich 2000 Arbeiterinnen beschäftigt, deren Monatslohn zusammen 100 000 Lire beträgt. Diese pompöse Summe von 100 000 Lire Monatslohn für die 'Arbeiterinnen zerfällt, so viel Ehrfurcht sie der„N. Fr. Pr." einflößt, in winzige Theile, wenn man den zweitausendsten Theil herausdividirt, der auf eine Arbeiterin kommt. Fünfzig Lire oder 40 baare Mark monatlich kämen auf den Kopf, würde die Summe in gleiche Theile getheilt werden, was gewiß nicht der Fall ist. Aber angenommen, die Arbeiterin hätte 40 M. monatlich, so dünkt UNS das noch immer kein Grund zur beschaulichen Zu- sriedcnheit!! Nachdem nun der Leser, durch die 100 000 Lire geblendet, überzeugt ist, daß die Arbeiterinnen in Bologna in glänzenden Verhältnissen leben, wird iveiter erzählt, daß Bologna dieses Glück der Arbeiterinnen mit Unruhe und Auf- isgeglättet und die Finger an den Händen waren verdreht id zusamniengeprcßt. Ich wendete den Blick unwill- rlich ab; eine kleine Weile darauf zwang ich mich er, wieder hinzusehen, sie lange und aufmerksam zu be- ichteu. Mitleid,— und nicht dieses Gefühl allein erfüllte niie Seele.„Dieses Mädchen ist eines gewaltsamen Todes storben," das stand nnzwciselhast bei mir fest. Während l da stand und die Leiche betrachtete, verfiel der Diakonns, r bei meinem Eintritt die Stimme erhöht und einige ilben deutlich gesprochen hatte, wieder in den summenden an und gähnte mehrnials. Ich beugte mich noch einmal s zur Erde und trat ins Vorzimmer hinaus. An der chwelle des Gastzimmers erwartete mich schon Herr Ratsch. : trug einen bunten Bochara-Schlnfrock, winkte mir mit r Hand und führte mich in sein 5kabinet,— ich hätte bei- he gesagt, in sein Loch. Dieses 5kabinet, finster, eng und nz gesättigt mit einem säuern Gerüche von Wichse, erweckte mir stets Vergleiche mit der Höhle eines Wolfes oder «es Fuchses. V i e r h n d z w a n z i g st e s Kapitel. „Eine Verletzung! eine Zerreißung jener Hüllen... ierhäntchen!... Sic wissen... Oberhäutchen!" sagte irr'Ratsch, sobald er die Thür geschlossen hatte.—„Solch i Unglück! Gestern noch konnte man nichts bemerken und f einmal r— r— ras— s! krach! entzwei! und ans!— i kann man wohl sagen: Hcuthc roth, und morgen todt. warten konnte man es freilich; ich habe es immer er- «rtet. In Tanibow hat ein Negimcntsarzt Galimbowsky, ncenz Kasimirowitsch... Sie haben gewiß von ihm ge- et... ein ausgezeichneter Praktikus, Spezialist!" »Ich höre zum erstell Male seinen Namen," be- rkte ich. „Nun, gleichviel; Dieser also," fuhr Herr Ratsch zuerst t leiser Stimme, dann immer lauter, und zu meiner Ver- mderung mit einem sehr bemcrklichen deutschen Akzente »dieser also hat mich immer gewarnt: Eh! Iwan Eh! mein Freund! nehmen Sie sich in Acht! ...------■...... Bologna oieies csiucr ver Arbeiterinnen mit Unruhe und Auf- süchtige Bestreben ist, liegt auf der Hand; es gehört in das große Regung büßen müsse, welche diese Weibermassen verursachen, indem Gebiet der Verrätherei und Ucberlänferei, an denen die ersten An- üg nm Feierabend stets schreiend und lärmend durch die Straßen sänge der sozialen Klassenkampfe so reich sind. ES ist als wenn.jehen und trotz aller polizeilicher UeberredungSknnst nicht zum in der Steppe eine von hungrigen Wölfen verfolgte Reisegesellschaft Schweigen zu bringen seien. Geradezu gefährlich seien diese Weiber sich entschließen wollte, die stärksten Männer aus ihrer Mitte den reit jiuci Tagen geworden, und zwar soll es sich um nichts li.-f.-rw..............."' weniger als um einen„Akt der Lynchjustiz" handeln! Der Herr kiorrespondent aus Bologna findet eine höchst romantische Ursache für diesen Aufruhr. Eifersucht, nichts als kleinlicher Weiberneid veranlasse diese Unruhen! Eine schmucke und daher bei den Offizieren beliebte Aufseherin sei die alleinige ..... w.v...uj», iimutui|ic vegruiii jeoe Aue- 1 Ursache dieser Weiberemeute; jene„schmucke" Auffeherin habe die dehnnna des Großbetriebes, jeden Fortschritt in der Aklumulation!»-> h-r v-o �.'i f 4" �...... gierigen Unholden zu opfern, um dadurch einen Vorsprung von wenigen Minuten zu erkaufen." Die Sozialdemokratie haßt weder die Börse, noch den Groß grundbesitz, noch den„produktiven Gewerbeflciß", worunter die „Köln. Ztg." vermuthlich das fleißige Handhabe» der Koupon scheere versteht. Sie haßt nicht, sondern sie begrüßt jede Aus y, jeden Fortschritt in der Alkumulatioi des Kapitals, mit Freuden, weil sie darin die Vorbedingung für die Erfüllung ihrer Ideale sieht. Und das besorgen Börse, Großgrundbesitz und„produktiverjGewerbefleiß" ja sehr gründlich •Ueber die Agitation auf Austritt lau« t>tv Laude«» Kirche nrtheilt in der Wiener„Arb.-Ztg." ihr?-Korrespondent aus Berlin:„Der Punkt unseres Programms, daß die Religion Privatsache sei, hat einen tieferen Sin», als allgemein an- genommen wird. Nicht aus praktischen Rücksichten, zur Ver- meidung von Konflikten mit den Behörden wurde diese Ar stimmung dein Parteiprogramme einverleibt,- sondern weil die Sozialdemokratie eine politische und ökonomische, nicht eine religiöse oder irreligiöse Partei ist. Sicherlich wird die Folge des 'Arbeiterinnen bei der höchst verantwortlichen und gefahrvollen Ladung der Patronen zu überwachen. Diese Ladung kann nicht nach Gewicht, sondern muß nach Augenmaß berechnet werden; das kleinste Versehen könne aber das Platzen des Gewehres veranlassen. Nun hatte die„schmucke" Ausseherin einige nach- lässige Arbeiterinnen bei den Vorgesetzten angezeigt, worauf deren Entlassung erfolgte. Nun, so uieinr der Herr Korrespondent, wollen sich die Arbeiterinnen rächen. Das kann sein, und kann auch nicht sein—— warum erkätt uns der Herr Korre- spondent nur die Unruhen der letzten zwei Tage? Ter Grund dieses Aufruhrs wird wohl tiefer liegen. Wenn 2000 arme Frauen bei einer so furchtbar gefährlichen Arbeit, welche sie stündlich dem Tode Aussetzt und bei der in „.,..——.—,.......................... j u. y. die heute nur mehr als Trümmer früherer Weltanschauungen in„schmucken" und die häßlichen ineinander gerechnet— dann unsere Zeit hineinragen, in der sozialistischen Gesellschaft nicht glauben wir es gerne, daß der geringste Anlaß genügt, um die ' auch ruhig zugestanden, Empörung über solche Zustände zum Ausbruch zu bringen, und weiter exisliren können. Aber all dies... so hoben wir doch k e i n e Veranlassung, unseren Genopen zu empfehlen, die religiösen Streitfragen ,n den Vordergrund der Agitation zu stellen. Wir sind eine Partei des Klassenkampses, wir müssen suchen all diejenigen um uns zu schaare», die durch die heutige Produktionsiveise ausgebeutet, verde», denen das von daß sie, die gewohnt sind, täglich den Tod vor Augen zu haben, auch den Kolbenschlägen der Karabinieri nicht so leicht weichen. Aber wo so grausige Verhältnisse offen zu Tage liegen, sieht der italienische Schmock der„N. Fr. Pr." nur Gelegenheit jür ein pikantes Histörchen. Hachadlige Freigedigkrit. Bei dem Erntefeste auf dem .r, ryv» vviiv>»/ Hirtel UUJ Utllfc nähme zu den religiösen Fragen schaden, die Verbreitung unserer Ideen gefährde» muß, versteht sich von selbst. Heute, wo unsere Partei die unumschränkte Herrscherin im politischen Gedanken- kreise der deutschen Groß- und Jndiistriestädte ist, wo deshalb das Hauptgewicht der Agitation ans die ländlichen Bezirke gelegt , verde» muß, ist es entschieden taktisch unklug, unsere politische Agitation mit irgend einer Stellungnahme zu religiösen Fragen verquicken zu wollen. Man darf es den Gegnern doch nicht gar zu leicht machen! Und endlich liegt in, Gegensatze zu den herrschenden Kirchen etwas spezifisch Sozialistisches? Mit nichten. Diejenigen, welche den philosophischen und politischen Kampf mit den Vertretern des Christenthuins, ebenso des katholischen wie des Diese 15 M. auf 40 Jahr vertheilt, ergeben für jedes Dienstjahr Pf. Wenn solche großartigen Beweise der Hochherzigkeit von den Herren Gntsbesttzeru gegeben werden, so dürfen sie nicht nnbeachte: der Aergessenheit anheimfallen. Wir wünschen die weiteste Verbreitung. Eine kleine Frage sei aber noch erlaubt und zwar die: Welchen Gewi»» hat der Herr Baron aus der Thätigkeit jedes der beiden prämiirlen Leute in den 40 Jahren gehabt? Aus einer geordneten Buchführung läßt sich derselbe leicht nachweisen, und da der Herr Baron öffentlich als Wohlthäter aufgetreten ist, so ist von ihm zu erwarten, daß er bereitwilligst öffentlich Antivorl aus die gestellte Frage geben werde. Ihre Stieftochter hat eitlen organischen Herzfehler— Hyper- tropliia cordialis! DaS Geringste— und das Unglück ist da. Heftige Gcmüthsbcivegungen müssen vor Allein ver- mieden werden...." Ich bitte Sie, ivie ist das wohl möglich bei einem jungen Mädchen!... Auf die Vcrnimft wirken? Ha— h...ha.. Herr Ratsch war im Begriffe, seiner alten Gewohnheit gemäß, in Lachen auszubrechen, besann sich aber noch zur rechten Zeit und verwandelte den begonnenen Laut in ein Husten. Und daS konnte Herr Ratsch sagen! Nach Allem, was ich über ihn wußte... Ich erachtete es für meine Pflicht, ihn zu fragen, ob ein Arzt gerufen worden war? Herr Ratsch sprang auf. „Freilich ist ein Arzt da gewesen... Zwei Aerztc wurden gerufen; aber es ivar schon Alles ans— abgemacht! Und stellen Sie sich vor: Beide begegneten sich darin:„eine Zerreißung! Zerreißung des Herzens!" riefen sie Beide wie aus einem Munde. Sie schlugen'Anatomie vor; aber Sie begreifen... ich habe mich nicht dazu ent- schloffen." „Und die Beerdigung ist morgen?" „Ja, ja, morgen; morgen wollen wir unser Täubchcn beerdigen. Präzis um elf Uhr früh wird die Leiche aus dein Hause hinaus getragen... von hier in die Kirche Nicolai auf Hühnerfüßen... Kennen Sie sie? Seltsame Namen haben" Ihre russischen Kirchen! Und dann zur letzten Rlihestätte unserer Tochter in feuchter Mutter Erde! Sie kommen doch? Wir kennen uns zwar kurze Zeit; aber ich wage zu behaupten, daß die Liebenswürdigkeit Ihres Charakters, das Edle Ihrer Empfindungen..." Ich beeilte mich, eine bejahende Verbeugung zu machen. „Ja, ja, ja!" seufzte Herr Ratsch.„Das ist ivahrhaftig ein Donnerschlag, wie man zu sagen pflegt,— ein Blitz vom heiteren Himmel!" „Hat Snsanua Jwanowim nichts gesagt vor dem Tode? Hat sie keine Bestimmnng hinterlassen?" „Durchaus gar nichts! Kein Pulverkvrnchen! Kein fing einziges Papierfetzcheu! Ich bitte Sie! Als man mich zu ihr rief, als mau mich weckte, so war sie— stellen Sie sich vor— schon kalt und starr! Das mar mir äußerst schmerz- lich! Sie hat uns Alle in tiefes Leid versetzt! Alexander Daviditsch wird es auch bedauern, wenn er es hört... man sagt, er sei nicht in Moskau anwesend?" „Er reiste in der That für einige Tage... ich an. „Fictor Jmamtsch beklagt sich darüber, daß es so lang« dauert mit dem Anspannen des Schlittens," unterbrach mich ein eintretendes Dienstmädchen, dasselbe, welches ich im Vorzimmer gesehen hatte. Ihr noch immer verschlafenes Ge- sieht frappirte mich diesmal durch jenen Ausdruck grobei Frechheit, den man an Dienern wahrnimmt, welche wissen. daß die Herrschaft in ihrer Hand ist, und sie weder zu schelten noch zur Rechenschaft zu ziehen wagen darf. „Gleich, gleich," stampfte Iwan Demjanitsch mit dem ließe.„Eleonore Karpowna, konnnen Sie her. Lconore! tilcheu!" Schwerfällig nahte Etwas der Thür und in demselben Augenblicke wurde Fictors befehlende Stimme hörbar: „Warum wird das Pferd denn nicht angespannt? Ich kann mich doch nicht zu Fuße ans die Polizei schleppen? „Gleich, gleich," wiederholte Iwan Demjanitsch.— „Eleonore Karpowna, so konnnen Sie doch her!" „Aber Iwan Demjanitsch," wurde ihre Stimme hörbar, „ich habe ja keine Toilette gemacht!" „Macht nichts! Komm herein!" Eleonore Karpo.ona trat herein, mit zwei Fingern ein Tuch über ihrem bloßen Halse zusammenhaltend. Sie trug einen offenen Morgenrock und ihre Haare waren ungekämmt. Iwan Demjanitsch sprang sogleich auf sie zu. „Sie hören, Fictor verlangt die Equipage," sagte er, hastig mit dem Finger bald auf die Thür, bald ans das Fenster zeigend.„So treffen Sie Anordnungen und schnell! Der Kerl schreit so!" (Fortsetzung folgt.) Kn», desvatl» hat in seiner Sitzung vom 24. April d. I. :inem Uebereinkommen zwischen Deutschland und den Nieder- landen zum Schutze weiblicher Personen seine Zustimmung er- heilt. Ein gleiches Uebereinkoinmen ist am 4. d. M. zwischen Deutschland und Belgien unterzeichnet worden. Der Vundesrath ist ersucht worden, diesem Uebereinkommen seine Zustimmung zu crtheilen. Gin neues sozialdemokratisches Klatt erscheint vom 1. Oktober ab in Riesa wöchentlich dreimal. Es ist für den '. Reichstags-Wahlkreis bestimmt und führt den Namen„Volks- I ceund". ?»nunziantenthum. Folgende Geschichte wird dem aus Apenrade berichtet:„Auf einer Landpartie in nlerer schönen Umgegend versammelte sich eine Anzahl Theil- ehmer in der Wirthschaft„Seeluft", wo Bürgermeister Vreden - on hier ein Hoch auf die Kaiserin ausbrachte; als das Hoch >'klang, erhob sich der anwesende Malermeister Sörensen nicht ' on seinem Stuhle; kurzer Hand warf der Böttchermeister Tögesen ' em Sitzenden eine Kaffetasse mit Inhalt, angeblich Kaffeepunsch, ' n den Kopf. Nunmehr hat S. den T. wegen seiner raschen : hat angeklagt; T. aber hat S. wegen Majestätsbeleidigung an- '-zeigt." Mannheim, 27. September. Bei der gestrigen Stadt- -rordneten- Wahl, Klasse der Niederbesteuerten, erhielten die ozialdemokraten 1809, die Nationalliberalen 1494, die Demo- Uaten 483, die Ultramontanen 242 Stimmen. Aus wilde Zettel fielen 211 Stimmen. Gewühlt wurden 14 Sozialdemokraten und 2 Demokraten; letztere standen auf den Zetteln der National- !' beralen, �er Demokraten und der Ultramontanen. Mainz, 23. September. In einer gestern hier abgehaltenen t hr zahlreich besuchten sozialdemokratischen Versammlung wurden ' e Herren Reichstags-Abgeordneter Jöst und Schuhmacher Konrad Delegirten des in Haus stattfindenden Parteitages gewählt. Straßbnrg, 2ß.' September. Die Sozialdemokraten ent- . lten in den oberelsässischen Jndustriebezirken eine rege Thätig- ' it. Am Dienstag Abend fand eine sehr zahlreich besuchte A.beiterversammlung zu Mülhausen statt, in welcher Brinkmann a s Magdeburg unter dem brausenden Beifall der Anwesenden zl festein Zusammenschluß in Fachvereinen aufforderte, um gegen- u er dem riesigen Anwachsen der Reichthümer der Fabrikanten •e Forderungen des Arbeiterstandes auf Verbesserung ihrer Lage durchzusetzen. Ein weiterer Redner ermahnte zu eifriger Be- theilignng an der auf den 1. Oktober anberaumten Versammlung, in welcher ein Abgeordneter für den Kongrefi in Halle gewählt werden soll. Auch Reichstags-Abgeordneter Hickel sprach. Eine Resolution, welche die Zustimmung zu den Ausführungen Brink- mann's ausdrückte, wurde unter Hochrufen angenommen. Auch in Colmar soll demnächst eine große sozialdemokratische Versamm- lung stattfinden. Großlrrtta»n»ien. T i p p e r a r y, 27. September. Der Prozeß gegen die ver- hafteten irischen Deputirten nimmt einen langsamen Verlauf. Der Dcputirte Healy, einer der Vertheidiger, überreichte heute eine Erklärung, in welcher die Theilnahme des Richters Schannon an den Verhandlungen protestirt wird, weil derselbe einmal einen Streit mit O'Brien gehabt hätte. Der Gerichtshof unterbrach die Verlesung dieser Erklärung unter dem Proteste des Angeklagte». London, 26. September. Der im Zuchthause in Chatham sitzende John Daly, welcher 1884 wegen Landesvcrraths zu lebens- länglichem Gefängnisse verurtheilt worden war, soll ein Opfer von Polizeiintriguen sein und man behauptet, daß das Dynamit, welches bei seiner Verhaftung in seinem Besitz gefunden wurde, ihm von der Polizei in die Hände gespielt worden sei. Michael Davitt und William O'Brien haben sich der Sache angenommen und Letztgenannter will in nächster Parlamentssesfion eine Unter- suchung der Angelegenheit Seitens eines Sonderansschusses des Hauses der Gemeinen beantragen. Der Alderman Manton von Birmingham behauptet, daß ein höherer Polizeibeamter bereits ein die irische Polizeibehörde stark koinpromittircndes volles Ge- ständniß abgelegt habe, welches zur gehörigen Zeit der Oeffent- lichkeit übergeben werden würde. Daly selbst soll keine dies- bezügliche Aeußerung gethan haben. Michael Davitt behauptet in dem von ihm seit Kurzem herausgegebenen Blatte„The Labour World", daß alle Dynamitattentate in London von der Tory- Regierung selber angezettelt worden seien und er verspricht, dem- nächst Beweise dafür beizubringen. Schweden und Norwegen. lieber die Sozialdemokratie in Schweden bringt die national- liberale„Magdeb. Ztg." folgende interessante Betrachtungen: „Für Stockholm tritt jetzt auch zum ersten Mal ein Sozialdemokrat in das Unterhaus, der Redakteur Hjalmar Branting. Der Vorgang ist um so bemerkenswerther, als das schwedische Unterhaus- Wahlrecht an einen Zensus von 800 Kr. versteuerten Einkommens geknüpft ist; nach verhältnißmäßig nur sehr kurzer Dauer hat damit in Schweden die sozialdemokratische Agitation einen beachtenswerthen ersten Erfolg errungen. Genährt worden ist sie von Kopenhagen aus, wo von Alters her die be- zeichnete Partei eine starke Stellung besitzt, und über die flüssige Landesgrenze nach Schweden hinübergegriffen hat. Den ersten Landungspunkt bildet das gegenüber gelegene Malmö, dessen Hafenbevölkerung, wie diejenige sämmtlicher nordischer Seestädte, in ihren materiellen Verhüllnissen der sozialistischen Propaganda ein fruchtbares Arbeitsfeld darbietet. Auch in Schweden wird man nach diesem Ausgang künstig mit der Sozialdemokratie zu rechnen haben. Frankreich. Das Programm des französischen Soziali st en- kongresses in Lille umfaßt folgende Punkte: 1. Definitive Beschlußfassung über den Arbeiterfeiertag am 1. Mai. 2. Die Anträge der französischen Sozialisten für den Jnter- nationalen Sozialistenkongreß des Jahres 1891. 3. Wie weit ist die Verantwortlichkeit der Unternehmer bei Unglücksfällen der Arbeiter auszudehnen? 4. Die 5tontrole der Fabrikinspektoren über die genaue Ve- solgung aller staatlicherseits erlassenen Arbeilerschutzgesetze. 5. Die Zulässigkeit der von den Unternehmern eingeführten Fabrikordnungen und Strafbestimmungen für Vergehen der Ar- beiter. 6. Die Frage des achtstündigen Maximalarbeitstages. 7. Die Beschränkung der Mandatsdauer für Mitglieder der Sachvcrständigen-Kommissionen. 8. Welche Vortheile bietet die Proklamirnng eines General- streiks. 9. Statistik der Arbeiterorganisationen aller Länder. 10. Revision der Statuten der sozialistischcn>Föderation Frank- reichs. Paris, 28. September. Wie die Morgenblätter berichten, ist in Nancy eine Persönlichkeit verhaftet worden, welche im Auftrage eines Börsenagenten und an dessen Adresse ein Telegramm abgeschickt hatte, dem zufolge der französische Kommissar von Avri- court deutscherseits in einen Hinterhalt gelockt und nach Straßburg abgeführt worden wäre. Derselbe Pariser Börsenagent soll bereits im vorigen Jahre derartige unwahre Depeschen über schwere Grenzzivischenfälle zum Zwecke von Börsenmanövern von Nancy hierher gesandt haben. In A r r a s haben etiva 1000 Bergarbeiter der Carvin- Mincn infolge von Lohnherabsetzung die Arbeit eingestellt. Paris, 23. September. Wie die Blätter melden, hat der Gerichtshof von Nancy gegen den verhafteten Absender von lügen- hasten, Börsenspekulationen dienenden Telegrammen die Unter- suchung eingeleitet. Schweix. Bern, 28. September. Der Bundesrath hat in seiner Sitzung vom 26. d. die offizielle Anerkennung der jetzigen Regierung von Brasilien beschloffen. Psrtngal. Nach Depeschen aus San Sebastian wäre die Lage in Portugal kritischer geivorden. Lissabon, 25. September. Gewiß ist es nicht die Er- bitternng des Volkes über die Verluste in Afrika, welche den jetzigen Zustand der Aufregung hervorgerufen hat, sondern es ist der Unwille über die kläglichen politischen und sozialen Zustände des Landes selbst, welche dringender Reformen bedürfen. Die wirthschaftliche Lage ist seit Monaten eine äußerst traurige, die Lebensmittelpreise sind bis ins Ungeheuerliche gestiegen, die Steuer- last wird täglich drückender, da die Regierung wegen des Kon- fliktes mit England neue Gewehre und Kanonen gekauft, mehrere Panzerschiffe bestellt und eine wesentliche Verstärkung des stehenden Heeres eingeführt hat. Durch den Handelskrieg mit England sind ferner viele Geschäfte geschädigt worden und die Zahl der Arbeits- losen ist trotz der„guten" Jahreszeit ins Ungemessene gestiegen. Dazu kommt, daß die Regierung mit äußerster Rücksichtslosigkeit gegen die im Entstehen begriffene Arbeiterbewegung vorgegangen ist. Bei allen Arbeitseinstellungen nahm sie für die Unternehmer Partei und schickte bereitwilligst bei jeder Gelegenheit Polizei und Militär in Menge zum'„Schutze" der Fabrikanten, wodurch meist blutige Zusammen- stöße verursacht wurden. Deshalb steht auch die große Maffe der Arbeiter gegenwärtig auf Seiten der Republikaner, welche den Sturz der Monarchie verlangen. Leider ist aber die sozialistische Bewegung in Portugal noch zu jung, um schon jetzt bei einer etwaigen Umwandlung der Staatsform ein gewichtiges Work mitsprechen zu können; andererseits ist die Gefahr vorhanden, daß, wenn die gewaltsame Erhebung von der Militärmacht nieder- geschlagen wird, alsdann eine um so schlimmere Reaktion ein- treten würde, unter welcher die versprechenden Anfänge der Ar« beiterbewegung auf lange Zeit hinaus verkiimmern müßten. KalKitkUiind-v., Belgrad, 28. September. Von 15 Wahlkreise« sind die Resultate aus 13 Kreisen bekannt. Gewählt sind 80 Radikale/ 5 Liberale und ein Kandidat der Fortschrittspartei. Amerika. Washington, 27. September- Die Repräsentanten« kammer berieth heute die Tarifbill nach dem von der gemein- samen Konferenz beider Hänser erstatteten Bericht und nahm die- selbe endgiltig mit 151 gegen 79 Stimmen an. Hierauf ver- tagte sich das Hans bis zum 30. d. M. Der demokratisch-sozialistische Journalist S w i n t o n, welcher der sozialdeniokratffchen Bewegung in Amerika viel Vorschub ge- leistet hat und, wenn auch nicht Parteigenoffe im engeren Sinn, unserer Partei doch wesentliche Dienste geleistet hat, erkrankte Ende vorigen Jahres so schwer, daß die Aerzte ihn aufgaben und er bereits todtgesagt wurde. Wie wir jetzt zu unserer Freude hören, hat er den Aerzten ein Schnippchen geschlagen, ist aus 8 Monate nach Europa gegangen und kerngesund zurückgekehrt. Wir wünschen dem braven Veteranen Glück zu seiner Genesung: Möge er noch lange der Sache des unterdrückten Volkes dienen» Asien. Der Aufstand in Goa hat einen tiefernsten Charakter angenommen. Wie es heißt, schießt das Militär auf das Volk, ohne Unterschied zu machen. Mehrere Volkssührer sind verhaftet und erschossen worden. Die Häuser anderer werden förmlich be- lagert. Die Soldaten feuern Schüsse hinein und die Bewohne« erwidern aus ihren verrammelten Wohnungen das Feuer kräftig. Viele Leute sind nach Alt-Goa geflohen und haben sich in die alte Kathedrale und die Jesnskirche geflüchtet, deren Heiligkeit sie vor der Wuth der Soldateska schützt. Der Gouverneur soll sich im Palast versteckt halte» und taub gegen die Petitionen de« Einwohner sein. Die Wachen aber sollen viele Frauen und Kinder mit dem Bajonnet niedergestochen haben, welche zu ihrem Schutze in den Palast flüchteten. Gestern Abend sollen Dynamitbomben von plötzlich erscheinenden Bürgersoldaten in den Palast ge- schleudert sein. An die Lissaboner Regierung sind Petitionen ge- schickt worden. Der Generalgouverneur billigt das Versahren des Militärs und sagt, eine Revolution sei erklärt worden, um die Regierung zu stürzen und die Intervention der Engländer herbeizusühren. Heute Abend hielten die in Bombay wohnenden Goanesen eine Versammlung ab, verurtheilten den Despotismus der Regierung von Goa und baten um britische Annexion. In den zweitägigen Kämpfen in Goa sollen nicht weniger als 300 Per- sonen getödtet und verwundet sein. Theater. D i e n st a g, d e n 80. S e p t. Gpernhauo. Tannhäuser und der Sängerkrieg ans der Wartburg. Schanlpiclhans. Geschichte Gott- sricden's von Berlichingen mit der eisernen Hand. Serlinrr Tkrtrtrv. Gräfin Lea. entschrs Thraker. Die Hauben- lerche. Lrsstng- Theater. Ein Volksfeind. Frirdrich-Wilhrlmstiidt. Theater. Die Puppensee. Schwätzerin von Saragossa. Mallner- Theater. Aus der Kou- lissenwelt. Restdenz-Theater. Ferreol. Viktoria- Theater. Die Million. Krlleallianrr-Theater. Geschlossen. Ostend» Theater. Der Fall Clc- menceau. Thomas-Theater. Der Raub der Sabinerinnen. Adolph Ernst-Theater. Unsere Don Juans. Kanfmann'o Uariötö. Große Spe- zialitäten-Borstellung. Theater der Reichshallen. Große Spezialitüten-Vorft cllung. Eonrordia. Große Spezialitäten- Vorstellung. Gebr. Richter'» Uariötö. Große Spezialitäten-Vorstellung. Wintergarten. Große Spezialitüten- Vorstellung._ Circus G. Schumann. Friedrich-Karl-Ufer. Dienstag, den 30. September, Abends 71/2 Uhr: Grosse Extra- Vorstellung. Speziell wird hervorgehoben: Zum ersten Male! Ken für Berlin! Grosse Doppel- Voltige mit Sprüngen über große Barrieren, stehend zu Pferde, ausgeführt von den Geschwistern mt(w«. Cooke_ Spezialität Fräul. Brase. Spezialität Faml. Leon, 6 Personen. Urkomische Klown Duroff. Alles Nähere die Tageszettel. Kornmandanienstr. 77—79, Täglich: Grosses Costcert mit Ouartrtt-Siiugern, ausgeführt von dem Musik- Direktor H. S a n f t l e b e n. Wochentags: Frei-Concert. Sonntags Entree 20 Fi. Empfehle auch zugleich 8 Billards, 3 Kegelbahnen und cmcn Saal zu Vergnügungen und Versammlungen. 703 F. Sodtke. pastag- 1 Tr. 9 Uhr M. b. 10 Uhr Ab Kaiser-Panorama. Hervorrag. Sehenswürdig- kit be« Dtesibenz. täSmm* Zum ersten Male: Neu: Äelgoland. Uebcrgabe. Ankunft des Kaisers. Feldgottcsdienst jc. «roeite Reise durch Portugal. Eine Reise 20 Pf., Kind nur 10 Pf. Abonnement I M Englischer Garten. Direktion: C. Andress, Alcxander- straße 27c. Auftreten der Chansonnette Fräulein Ehreufeld. Austreten der Kostüm-Soubrette Fräul. Rosa Valerie. Auftreten des Gesangshumoristen Herrn Ziegler. Austreten des Malabaristen und Equi- lebristen Mr. Charles. Auftreten des Professors Herrn Jean Clermout mit seinen dressirte» Schweb neu, Esel und Gänsen. Anfang Wochentags 8 Uhr. Sonntags SVa Uhr. Entrcc Wochentags». Sonntags 30 Pf 50 Pf. und 75 Pf., im Vorverkauf 20 und 30 Pf. Der Garten ist an Vereine f. Sommer- festlichkeitenm.Spezialitäten-Vorstellung zu vergeben. Buggenliagen am iVioritzplatz. Täglich: Grosses Garlen-Conccrt. Direktion A. Rödman». Dienstag und Freitag: Walzer-Abend. Iflnfvaa Wochentags 10 Flg., JlmlltL Sonn- und Festtags 25 Pfg. Bei ungünstiger Witterung in den unteren Restaurationsräumen, Großer Frühstücks- und Mittagstisch Spezial-Ansschank von Patzenhofer Export-Bier, Seidel 15 Pf. Die oberen Säle bleiben bis au Weiteres wegen Lienovirung geschlossen, 611 F. Müller. Knrfnrsteudamm,©rite Augsburgerstraste, bei Station Zoologischer Garten. Dr. Barver s Wild-Amerika.| Täglich 2 grosse Vorstellungen. 4 Uhr und 7 Uhr(bei elektrischer Beleuchtung)... preise der plähe: Eintritt 50 Pf.. Sihplat? 1 M.. Tribüne 3 M.» Logenplatz 3 M., Kinder auf allen Plätzen die Halste. Militär ohne Charge Ä5 Pf. 233' I KgLPr.Stuts-Lotterä Zielimig I. Klasse am 7. und 8. Oktober 1890. 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Srnnerei£vicktidjsljitiu(ifiil)Ct Äps), Königsthor. Jorl's Kala» tsrilhtt Ktlin), Andreasstr. 21. UoltroiloS. Krkanntlich habcir in lehter Zrit dir frrisinnigr» sritungrn die Lärmtroinniel zur geistigen Bekcinipfung der �ozinldeinokratie gerührt. Man hätte nun nieinen sollen, dop das Ende der Sozialdemokratie nahe bevorstehe. Wie aber dieser »geistige Kninps" von den tapseren Freisinnigen geführt wird, daS beweist eine Versauimlnng dieser Sozialistcntödter, welche am Montag Abend Lindenstraste 110 abgehalten wurde. Dortselbst wurde ein Vortrag über„Bürgerthnm und Sozialdemokratie" vom Schriftsteller Herrn Perls gehalten, in welchem er in den bekannten Redewendungen nachzuweisen suchte, daß die Sozial- demokratie unerreichbaren Idealen nachstrebe. Nachdem unter dem Beifall seiner Gesinnungsgenossen Herr Perls seine sozialisten- todterische Mission erfüllt hatte, meldete sich ein Genosse zum Wort, um den„geistigen Kampf" aufzunehmen, worauf ihm der Borsitzende erklärte,„hier habe er das Hansrccht", es dürften nur Fragen gestellt werden, eine Diskussion finde nicht statt. Das war der erste Streich, folgt der zweite gleich? Bcnierkenswerth ist noch, daß eine polizeiliche U e b e r>v a ch u u g des hoch- politischen Vortrages nicht st a t t f a n d. I» der hriligrn Kreui-Kircheiigcineiiide ist bekanntlich ein Streit darüber ausgebrochen, ob die Konfirmandinnen statt des bisher gebräuchlichen schwarzen 5tleidcs ein weißes tragen dürfen. Für uns sind solche Streitigkeiten lächerlich, und deshalb haben wir ihrer noch nicht erwähnt. Da aber, wie uns mitge- theilt worden ist, als Grund für das Verbot der weißen Kleider angegeben ist, daß jede Unterscheidung zwischen ärmeren und reicheren Konfirmandinnen vermieden werden müsse, so ist es auffallend, daß demgemäß nicht in allen Kirchen Berlins gehandelt wird. Aus der Andrcaskirch-Parochie schreibt uns ein Genosse, daß schon bei Ertheilung des Konfirmandenunterrichts von dem Prediger Bitthorn dadurch ein Unterschied zwischen Reich und Arm gemacht wird, als diejenigen Kinder, welche eine höhere Töchterschule besuchen, nicht geineiiischaftlichen Religionsunterricht mit denen, welche in die Gemeindcschule gehen, erhalten. Da wird doch gewiß ein ganz ungerechtfertigter Unterschied gemacht, der noch dazu gänzlich überflüssig erscheint, weil doch hoffentlich de» Gcmcindcschulkindcrn dieselbe Unterweisung in der Ncligion ivic denjenigen der höhern Töchterschulen von dem Prediger zu Theil werden wird. Es ist indes, gar nicht unmöglich, daß es infolge unserer wirthschaftlichen Entwickclung dem Prediger angemessen erscheinen mag, die Kinder der Aermeren ganz besonders darauf hinzuweisen, daß sie zum Dienen, zum Gehorchen und zur Entsagung bestimmt seien und als Lohn dafür sicher in das Himmelreich eingehen würden nach dem Spruche;„Es gehet eher ein Kaineel durch ein Nadelöhr, als daß ein Reicher in daS Reich Gottes komme." Ebenso wie eine Trennung beim Unterrichte, hat auch eine bei der Konfirmation stattgefunden, die höheren Töchter sind zu einer anderen Zeit eingesegnet worden, und was noch besonders hervorgehoben zu werden verdient, ist, daß selbst wieder unter den Aermeren ein Unterschied gemacht worden ist. Derjenigen Kinder Angehörige, welche 25 Pfg. zahlten, erhielte» einen Platz in der Nähe des Altars, für sie war auch ein besonderer Eingang in die Kirche bestimmt, während nicht zahlende Angehörige den gewöhnlichen Eingang benutzen mußten und zu den rcservirten Plätzen nicht zugelassen wurden. Ob die durch diese Anordnung erzielte Einnahme der Kirchen- kasse oder Personen zu Gute gekommen, ist gleichgültig, der gefüllte Geldsack entscheidet überall. Sich aber durch solche An- ordnungen, wie die beschriebene», gekränkt zu fühle», haben die Eltern kein Recht, warum lassen sie ihre Kinder konfirmiren. Die klerikale„Germania" weiß wirklich nicht mehr, was sie schreibt. Sic bringt jetzt bandwürmclnde Artikel über„Wahl- bündelcien zwischen Sozialdemokratie und Kartell". In den Artikeln wird nun ein Wahlbündniß zwischen Sozialdemokraten nicht in einem einzigen Falle bewiese» oder anch nur behauptet; es wird anch nicht behauptet, daß die Sozialdemokraten jemals bei einer Wahl das Kartell unterstützt hätten; in den Artikeln selbst wird also nicht gelogen. Was soll aber dann die Ucberschrift „Wahlbündelcicn zwischen Sozialdemokratie und Kartell" für einen Sinn haben V Tie„Germania" mag wohl bloß dies Kartell, ins- besondere die Nationalliberalen zu treffe» die'Absicht haben. Dan» versteht sie aber ihre eigene», in der Ueberschrist gebrauchten Worte nicht. Wir ersuchen das fromme Blatt, bei der angekündigten Fortsetzung seiner Artikel die Ueberschrist, welche unwahr ist und auch durch ben Inhalt der Artikel nicht gerechtfertigt wird, ent- weder fortzulassen oder aber sich über Sinn und Berechtigung derselben zu äußern. Seit einiger Zeit befindet stch ei» Arhkel im Kandel. der für kleine Kinder bestimmt ist und in Bäckerläden, bescheidenen Konditoreien u. s. w. seilgehalten wird; kleine Glasbehältcr mit sehr engen, Halse und mit verdünntem Himbeersaft gefüllt. Diese kleinen Behälter kosten pro Stück»ur fünf Pfennig, ganz kleine werden vier Stück zu zehn Pfennigen verkauft. Sie haben eine durchaus gefällige Form und sind von mannigfacher Gestalt: Vögel, Pfeifen u. s. w. Wie gesagt, die Billigkeit, das Eigen- artige der Neuheil und die immer neue Gestaltung derselben wirken zusammen, um die Kleinigkeit als Geschenk beliebt zu mache». Nun aber ist das Glas von so außerordentlicher Feinheit, daß solche kleine Kinder, die noch keine Zähne haben, im Stande sind, es beim Saugen zusammenzudrücken und Kinder, die nur einige Zähne haben, es durchbeißen können. Ei» Junge von drei Jahren, in dessen Hand unser Gewährsmann, so schreibt die «Stat.-Ztg.", eine mit Himbeer gefüllte Flasche sah, hatte das Sangrohr, weil er nicht gleich genug daraus ziehen konnte, durch- gebiffcn. In diesem Falle ging die Sache gut ab. Aber sie hatte auch eine» sehr schlimmen Verlauf nehmen können und birgt Ge- fahren in sich, aus die besonders aufmerksam gemacht werde» muß. Eine Ditrioleuse. Ein in der Frankfurter Allee wohnender Tapezier unterhielt schon seit längerer Zeit mit der in derselben Straße dienenden unverehelichten Anna H. ein intimes Liebes- oerhältniß, knüpfte gleichzeitig jedoch hinter dem Rücken der Braut ein Verhältniß niit einer Schenkmamsell an. Die betrogene Braut hatte von dieser Nntreue ihres Bräutigams Wind bekommen und beschloß deshalb, sich zu rächen. Als ihr Bräutigam am Freitag mit der anderen zuin Tanz gehen wollte und in den Boxhagener Weg einbog, trat plötzlich die Betrogene hinter dein Bahnviadukt hervor und goß dem Ungetreue» aus einer bereitgehaltenen Flasche eine ätzende Flüssigkeit über den 5topf, so daß er mit einem Aufschrei zu Boden sank. Dann ergriff die Atlcntäterin schleunigst die Flucht. Der Verletzte, welcher erhebliche Brand- wunden iin Gesicht und an den Händen erlitten hatte, wurde von hinzugekomnienen Passanten mittelst requirirter Droschke zunächst nach der Sanitätswache und sodann nach seiner Wohnung ge- schafft, woselbst ein herbeizitirter Arzt die Uebcrsührung nach dem Krankenhause verordnete. Die Vitrioleusc wurde auf der Chaussee ergriffen und der Polizei übergeben. Sie gestand die That sofort ein und gab an, daß sie nur ihre Stäche habe kühlen ivolle». Gegen das Mädchen ist seitens des Bräutigams der Strafanlrag gestellt worden. Htbtv einen großen Krawall, der in der verflossenen Nacht am nördlichen Ende der Friedrichstraße stattgefunden hat, wird uns folgendes berichtet: In der Nähe der dortigen Kaserne des ziveiten Garderegiments soll mil Mitternacht ein Sergeant Passanten behelligt und einem Fleischer, der sich dieS verbat, eine beleidigende Antivort gegeben haben. Der Beleidigte verlangte darauf von dein vor der Kaserne stehenden Wachtposten die Fest- stellllng der Persönlichkeit jenes Sergeanten, wurde aber selbst zur Wache gebracht, ebenso einige andere Passanten, welche sich miß- billigend über den Vorgang geäußert hatten. Die Sistirtcn wurden, nachdem ihre Personalien festgestellt worden waren, zwar wieder entlassen, imttleuveile hatte sich aber vor dem Eingang zur Kaserne eine so große Menschenmenge angestaut, daß ein Theil der Wachtmanuschaft angewiesen wurde, die Menge mit aufgepflanztem Seitengewehr zu zerstreuen. Bei dem starken Verkehr, der in einer Sonntagsnacht in jener Gegcnd auch in dieser vorgerückten Nachtstunde noch herrscht, wuchs natürlich die Menschenmasse immer mehr an; dieselbe wurde von den vorrückenden Gardisten, über den Damm der Friedrichstraße hiluveg, nach der Karlstraße zu gedrängt, woselbst sie sich aufs Neue staute. WaS eigentlich vorgegangen war, da- von halten nur die Wenigsten eine Ahnung, es ivurden daher die unsinnigste» Gerüchte kolportirt, bis ein„Zwischenfall" die Ansmerksamkeit der Volksmenge nach einer anderen Richtung hin lenkte. Die„zarten Hände", die in einem im ersten Stockwerk gelegenen Restaurant der dortigen Gegend serviren, warfen näm- lich Sand aus den Fenstern auf die dichtbcsetzte Straße hinab. Die Betroffenen waren natürlich erbittert darüber und schickten sich an, daS Lokal zu stürmen, welches von dem vorsorglichen Wirth indeß schleunigst geschlossen wurde. Diese Episode hatte dem Mcnschcnandrange neue Nahrung gegeben, der Tumult wurde i, linier ärger, und erst den vereinigten Kräften der in- zwischen zur Stelle erschienenen Polizeibcamten und Nachtwächter, sowie der Militär-Wachtmannschaft gelang es mit vieler Mühe, die Straße frei zu machen. Durch eine» rnchlasrn Knbenstreich wurden am Sonn tag Abend die Bewohner des StadttheilS Moabit in hochgradige Aufregung versetzt.'Ans dem zwischen diesem Stadtthcil und der Spree belegenen großen Terrain, der sogenannten„Judenwiese", hatten, wie eine Lokalkorrespondenz berichtet, halbwüchsige Burschen große Quantitäten Stroh und Packmaterial, wie solches bei dem momentanen großen Wohnungswechsel viel umher liegt, daselbst zusammen getragen, und zu einem mächtigen Haufen auf- gethllrml und diesen angezündet. Der helle Feuerschein, nament- lich aber das durch den Wind angefachte und weiter fortgctriebene Stroh gab zunächst zu der Annahme Veranlassung, daß im süd- lichcn Theile, in der Borsig'schen Nachbarschaft, ein größeres Schadenfeuer ausgebrochen sei, welches mit seinem Flugfeuer die nahegelegenen Gebäude gefährde. Eine höchst bedenkliche Auf- reguna entstand insbesondere in dem nahe gelegenen Spezialitäten- Etablissement, dem„Moabiter Gesellschaftsyaus", in welchem gerade Vorstellung stattfand. Das Publikum, in dem Glauben, daß in dem Etablissement selbst ein Feuer cutstanden sei, ver- suchte in wilder Haft aus die Straße zu gelangen, was glück- lichcr Weise auch von Allen ohne Uniall bewerkstelligt werden konnte. Die inzwischen auf der„Brandstätte" erschienene Feuer- wehr machte der„Feuersbrunst" sehr bald ein Ende. Gin Uevoluerhrld. In dem Hanse Kanonierstraße— Ecke Jngerslraße— betreiben die beiden Geschwister Kösling ein Restanrationsgeschäst mit Daincnbedicnnng. Die Privatwohnung, mit den Fenstern nach der Jägerstraße gekehrt, befindet sich im fünften Stock. Bei den Schwestern wohnt der Vater derselben, ein 53 jähriger, stark dem Trünke ergebener Mann. Derselbe wurde wegen dieses Lasters vor einigen Jahren von seiner hier am Grünen Weg lebenden Frau verlassen und läßt sich seitdem von seinen Töchtern ernähren. Kösling, der in den letzten Tagen bereits Spuren von Säuferwahnsinn zeigte, fing vorgestern Stach- mittag plötzlich an zu deliriren, ergriff, nachdem er die Korridor- thüre von innen verriegelt, einen mit mehreren scharfen Patronen geladenen Revolver, öffnete ein Stnbcnscnster und eröffnete nunmehr ein Schnellfeuer ans die harmlosen Passanten der Jäger- straße. Der erste Schuß alarmirte begreiflicher Weise nicht nur die Passanten, sondern auch mehrere in der genannten Straße patronillirende Schutzleute, und schleunigst begaben sich die letz- teren zu der Kösling'schen Wohnung hinauf, um den Dcliranten unschädlich zu machen. Nach längeren vergeblichen Versuchen, in die Wohnung zu gelangen, schritt man zu einer geivaltsamen Er- öffnung und bewerkstelligte, da K. glücklicher Weise seinen Kugel- vorrath verschossen, die Verhaftung des gefährlichen Schützen. Zwei Menschen in Mrißensee ertrunken. Wieder ist aus bis jetzt noch unaufgeklärten Ursachen ein Boot gekentert, diesmal auf dem Weißcnsee, und wieder hat dieser bedauerliche Unglücksfall leider zwei junge blühende Menschenleben vernichtet. Das„Kleine Journal" erfährt über dieses Unglück folgende Einzel- Helten: Auf dem den Weißcnsee von Sterncckcr's Restaurant aus befahrenden Dampfer ist der 28 jährige Strignla als Steuer- mann angestellt. Der junge Mann, der binnen Kurzem sich ver- Heirathen wollte, erhielt vorgestern Vormittag den Besuch zweier Freunde, der 20 und IG Jahre alten Gebrüder Müller, bei ihren Eltern in der Friedenstraße wohnhaft, die den Steuermann auf- forderten, doch mit ihnen eine Bootspartie auf dem See zu machen. Anfänglich wollte Strignla den Bitten der jungen Leute nicht nachgeben, dann aber bestieg er mit denselben gegen halb zwölf Uhr ein kleines Ruderboot und alle Drei fuhren aus den See hinaus. Plötzlich sah man vom Ufer aus, wie das noch nicht ganz in die Mitte des Wassers gelangte Boot umschlug und dessen Insassen in die Finthen stürzten. DieVerunglückten suchten sich durch Schwimmen zu retten und der ältere Müller hielt sich dicht an den Steuermann. Ob nun den Müller so schnell seine Kräfte verließen, ob ein Krampf oder dergleichen ihn befallen— kurz, er sank unter und versuchte sich krampfhaft an dem Körper deS Strignla festzuhalten, der hierdurch gleichfalls hinuntergezogen wurde, so daß beide ertranken. Nur der jüngere Bruder Müller, welcher schon eine Strecke vorausgeschwommen, rettete sich da- durch, daß er von einem entgegenfahrenden Boote aufgenommen wurde. Die Leichen der Ertrunkenen, nach welchen sofort gesucht wurde, sind bis jetzt noch nicht gefunden. Bedauernswerth ist vor Allem das Schicksal des Steuermannes, der als Matrose schon oft glücklich die Reise über den Ozean nach Amerika auf Auswandererdampfcrn mitgemacht hat, um nun hier auf dem kleinen See sein Leben zu verlieren, nachdem er noch Sonnabend Abend, als seine Braut ihn bat, das immerhin gefährliche Ge- werbe auszugeben, lachend erklärte, daß nur unvorsichtige Men- scheu ertrinken. In drm Kefiudrn des Kestauvatenro Albers ist wieder eine Besserung eingetreten. Sein Zustand ist im Allgemeinen zu- fricdcnstcllend. Doch trägt Herr Albcrs den rechten Arm in einem Winkel gebogen und geht etwas lahm. ES gewinnt fast den Eindruck, als ob bei ihm zeitlebens von der Mißhandlung durch den Grafen Meist die Spuren zurückbleiben werden. In Friedenau ist ein Lehrer wegen Sittlichkeitsverbrechen verhaftet worden. „Dach berühmtem Muster." Die Aachener Polizeibehörde hat der hiesigen Kriminalpolizei Mittheiluna von einem Vorfalle gemacht, welcher lebhaft an das am 12. März 1883 im Hause Adalbcrtstr. 20 auf den Geldbriefträger Kossäth verübte Attentat erinnert. Der Genannte wurde bekanntlich von dem aus Magde- bürg hierhergekommenen Sobbe, welcher einen kleinen Geldbetrag per Postanweisung an sich selbst adressirt hatte, bei Ablieferung des Geldes überfallen und mittelst eines Hammers erschlagen. Am 18. Juni desselben Jahres wurde Sobbe wegen dieses Raub- mordcs hier hingerichtet. Ein ganz ähnliches Manöver hat am 18. d. M. ein etwa 20 Jahre alter Mensch, welcher rhein- ländischcn Dialekt spricht, mit langem bleichen Gesicht, dunkel- blondem Haar und(wahrscheinlich falschem) Schnurrbart in Aachen geplant. Am genannten Tage begab sich ein bei einem dortigen Postamt beschäftigter Geldbriefträger mit einer von ihm zu bestellenden Postanweisung nach der Wohnung des Adressaten, Holzgrabcn 14. Dort sollte ein Herr Hautcrive wohnen, an welchen eine geringfügige Geldsumme auszuzahlen war. Der Postbeamte fand in der bezeichneten Wohnung den oben beschriebenen jungen Menschen auf dem Sopha liegend vor; er war somit gezwungen, um mit dem Adressaten verhandeln zu können, in das Zimmer einzutreten. Der Unbekannte erhob sich nun und versuchte, die Thür hinter dem Beamten einzuklinken. Da dem Postboten das Gebühren des Menschen verdächtig vorkam, so trat er in die Thür zurück und forderte den Adressaten auf, ihm Legitimationspapiere über den auf der Postanweisung genannten Empfänger Hautcrive vorzulegen. Da der angebliche Hautcrive diesem Ersuchen nicht Folge leisten konnte, so entfernte sich der Geldbriesträger mit dem Anheimstellen, der Fremde möge sich unter Ausweis über seine Persönlichkeit den Geldbetrag persönlich vom zuständigen Post- mute abholen. Dies ist indessen nicht geschehen, vielmehr hat der Angeklagte Hautcrive die zwei Tage zuvor auf sechs Monate ge- mielhete Wohnung, in welcher er nicht einmal übernachtet hatte. sofort verlassen und ist dann spurlos verschwunden. Auch der angebliche Absender der kleinen Geldsumme, Georg Dubais, hat nicht ermittelt werden können. Bei seinem„Zuzuae" in die be- treffende Wohnung hat der Unbekannte keinerlei Gepäckstücke be- sessen; von ihm herrührend, fand man in dem von ihm nicht be- nutzten Bett nur zwei Stücke starker Garnschnur, deren eines mit einer Schlinge versehen war. Aus alledem schließt die Aachener Behörde, daß der Fremde ein Attentat k la Sobbe vorbereitet hat, welches nur durch das vorsichtige Verhalten des betreffenden Postbeamten vereitelt worden ist. Eine Warnung vor dem un- heimlichen Gaste erscheint jedenfalls am Platze. Dolizribrvicht. Am 27. d. M. Nachmittags siel der Maler Wiese, der im Hause Schwerinstr. 1 mit Reparaturarbeiten beschäftigt war, bei der Arbeit mit der Leiter um und brach den linken Unterschenkel. Wiese wurde nach der Charitee gebracht.— In der Nacht zum 28. d. M. wurden zwei Arbeiter an der Ecke des Marianncnplatzes und der Mariannenstraße von mehreren Personen überfallen und am Kopfe verletzt.— Am 28. d. Mts. Vormittags wurde eine Handelsfrau an der Ecke der Krauts- und Großen Frankfurterstraße von einem Arbeitswagen überfahren und an beiden Unterschenkeln nicht unbedeutend verletzt, so daß sie nach ihrer Wohnung gebracht werden mußte.— Abends ver- suchte eine Frau, anscheinend infolge ehelicher Zwistigkeitcn. sich auf einer Bank im Kleinen Thiergarten durch den Genuß von Branntwein, in welchem sie die Köpfe von Phosphor-Streich- hölzern aufgelöst hatte, zu vergiften. Sic wurde nach dem Krankenhanse in Moabit gebracht.— Am 27. und 28 d. Mtö. fanden zehn kleinere Jener ftart. Gevirftts-Fleitumz. Eine Drij'c bekannt schuft, die der Handlungskommis Hermann B öge auf der Fahrt von Rostock nach Berlin machte, hat derselbe zu einem allerdings mißlungenen Betrugsversuch be- nutzt. Böge wandte sich nach Berlin, um stck hier eine Stelle Zu suchen. Er kain hier fast mittellos an, stieg aber trotzdem in einem Hotel in der Jnvalidenstraße ab. Unterwegs hatte er einen Reisegefährten getroffen, der sich als der Sohn eines bc- kannten Lübecker Großhändlers vorstellte und dessen Ziel ebenfalls Berlin war. Kaum im Hotel angekommen, schickte Böge an den Kaufmann zu Lübeck tm Namen des Sohnes desselben eine Depesche ab, in welcher er um schleunige telegraphische Zusendung von 85 M. bat, da er in großer Verlegenheit sei. Dem Adressaten kam die Geschichte nicht geheuer vor, er verständigte die Berliner Polizei, die den Schwindel aufdeckte. Böge stand gestern wegen Urkundenfälschung und versuchten Betruges vor der zweiten Strafkammer des Landgerichts I. Der Angeklagte hatte es seiner Nothlage und seinem offenen Geständniß zu verdanken, daß er mit einer Gefängnißstrafe von sechs Wochen davonkam. Eine rigrnnetige Anklage wegen Keteuges führten gestern die Kaufleute Louis Schleich sen. und zun. vor die dritte Strafkammer hiesigen Landgerichts I. Die beiden Angeklagren waren die Eigenthümcr des Hauses Saarbrllckerstraße SO und erbauten auf ihrem Grundstück ein Fabrikgebäude, in welchem der Kaufmann Leonhardt Räumlichkeiten für seine Stollenfabrik Leonhardt und Ko. miethete. Bei den Unterhandlungen, die dem Abschlüsse des Micthsvcrtrages vorausgingen, erkundigte sich der Miether niehrfach danach, ob außer der genügenden Wasser- leitung, welche er zum Betriebe eines Motors gebrauchte, auch die ausreichende Beleuchtung für die Fabrikräume vorhanden ! wären und erhielt darüber von den Angeklagten die beruhigendsten Versicherungen. Dieselben wiesen auf die an der Decke sichtbareist Gasknöpfe hin und behaupteten, daß nur die entsprechenden Gasarme angeschraubt zu werden brauchten. Nach seinem Einzüge bemerkte aber Herr Leonhardt, daß die Gasleitung absolut ungenügend war und nur nothdürstig dazu ausreichte, die Treppenflure zu beleuchten. Er war ge- zwungen, sich mit einem Kosteuaufwand von ca. 2800 M. interimistisch eine elektrische Beleuchtungsaulage zu schaffeil und erstritt un Zivilwege, daß die Grundstücksbesitzer zur Anlage einer aus- reichenden Gasbeleuchtung verurthtilt wurden. Dem Verfahren vor dem Zivilgericht folgte der Strafprozeß, in welchem behauptet wurde, daß die Augeklagten zu der Zeit, als der Miethskontrakt abgeschlossen wurde, die völlige Unzulänglichkeit der Gasleitung wohl gekannt hätten. Die Anklagebehörde folgerte dies namentlich daraus, daß der Architekt, ivelcher das Haus gebaut, die Angeklagten gleich nach Fertig- stellnng der Rohrleitung auf die ungenügende Leistungsfähigkeit aufmerksam gemacht und darauf die Antwort erhalten habe, daß die Miether selbst für ihre Beleuchtung sorgen könnten. Die An- geklagten dagegen beriefen sich auf ihren nüt dem Rohrleger ab- geschlossenen Bertrag, tu welchem eine ausreichende Beleuchtung als Bedingung hingestellt war; der Rohrleger aber behauptete, daß sein ganzer Voranschlag sich nur auf eine ausreichende Beleuchtung der Treppen bezogen habe. Staatsauwalt Rietze! beantragte gegen beide Angeklagte eine Gefängnißstrafe von je 0 Monaten Gefängniß itnd 1 Jahr Ehrverlust, der Ge- richtshof dagegen erkannte auf Freisprechung, da er die Sache doch nicht für so aufgeklärt erachtete, um sich von einer betrüge- rischen Absicht der Angeklagten zu überzeugen. ... Die Kchwierigkeit der Ktellnttg eines vevantwort- lichen Redakteurs auseinander zusetzen hatte der Redakteur der „Vosstschen Zeitung", Fr. Stephany, gestern vor der I. Straf- kammer des Landgerichts 1 Veranlassung. Derselbe war be- schuldigt, den Rechnungsrath Heinrich zu Kiel durch eine Notiz beleidigt zu haben, welche aus der„ltöln. Ztg." stainmte und von mehreren Berliner Zeitungen, u. A. auch von der„Voss. Ztg." übernommen worden war. Diese Notiz besagte, daß von der kaiserlichen Werst in Kiel der Rechnungsrath Heinrich und der Beamte Kochanowski nach Berlin überführt worden seien, um als Bctheiligte an der Beamten-Bestechungsangelcgenheit Pannecke, Warnebold und Genossen vernommen zu werden. Diese Nachricht war bezüglich des Herrn Heinrich unrichtig und derselbe hatte Strafantrag gegen die Redakteure aller derjenigen Zeitungen gestellt, welche die Nachricht gebracht hatten. Die„Vossische Zeitung" hatte seiner Zeit nicht nur die„Kölnische Ztg." als Quelle augegeben, sondern auch nach einiger Zeit eine Berichtigung gebracht. Der Angeklagte Stephany hielt gerade diesen Fall für charakteristisch, um zu zeigen, in welch' schwieriger Lage sich der verantwortliche Redakteur einer großen Zeitung befindet, der trotz der größten Sorgfalt, trotz entsandter Rechercheure und oft trotz der Auskunst der maßgebenden Behörden sofort vor dem Strafrichter erscheinen muß, sobald sich in einer Zeitungsnotiz auch nur eine einzige Unrichtigkeit vorfindet. In diesem Falle habe sich zu den persönlichen Recherchen auch noch die Thatsache gesellt, daß man der„Kölnischen Zeitung" nach ihren damaliger, Verbindungen eine zalsche Information nicht zutrauen konnte Der Gerichtshof verkannte nicht die geltend gemachten Schwierig- leiten, vernrtheilte aber den Angeklagten zu 30 M. Geldbuße— derselben Strafe, welche über die übrigen Redakteure verhängt worden ist. Jener mit nnszerordentlicher Frechheit ansgefiihrte räuberische UeberfaU, der am 13. Juni d. I., gegen die im ersten Stock des Hauses Pallisadenstr. 20 wohnende Ehefrau des Tischlermeisters Richter ausgeführt wurde, gelaugte gestern zur Kenntntß des Schwurgerichts des Landgerichts I. An dem Vormittage des genannten Tages hatte der Tischlermeister Richter sich nach dem Gericht begeben, um einen Termin wahrzunehmen. Bald nach seinem Weggange klingelte es, worauf die allein in der Wohnung anwesende Ehefrau Richter öffnete. Auf dem Korridor stand ein ihr unbekannter junger Mensch, der ihr einen Zettel überreichte. Frau Richter trat einige Schritte zurück, um den Zettel zu lesen und nun trat auch der fremde Mensch über die Schwelle. Es>var ein, angeblich von dein Möbelhändler Caro gc- und unterschriebener Bestellschein, wonach um sofortige Ueber- sendung voit zwei Blumentischen gebeten wurde. Frau Richter erklärte dem Boten, daß ihr Mann nicht zu Hause sei, er möge sich nach der auf dem Hose belegenen Werkstätte wenden. In diesem Augenblicke stürzte der Fremde auf sie zu und umklammerte mit beiden Händen ihren Hals, den er so fest zudrückte, daß Frau Richter auch nicht einen Laut von sich zu geben vermochte. Die Wucht des Angriffs war dabei eine so große, daß Frau Richter hinterrücks zu Boden stürzte. Ter Angreiser kam mit zu Falle, er kniete auf sein Opfer, ohne seilte Finger zu lockern. Der Ge- würgten schwanden schon die Sinne, da erschien ein zweiter Mensch in der offenstehenden Korridorthür, der mit der einen Hand sein Gesicht zu verdecken suchte und mit der anderen seinem Komplizen eine warnende Bewegung machte. Der Letztere sprang auf, schlug noch einmal den Kopf der Frau Richter gegen den Fußboden und stürzte zur Thür hinaus. Frau Richter kaut gleich wieder zu sich, sie eilte an'S Fenster und sah zwei junge Leute die Straße entlang laufen. Auf ihr Hilfe- geschrei und ihre Andeutungen wurde die Verfolgung der Flüchtigen aufgenommen. Beide wurden ergriffe». Sie thaten höchst überrascht und wollten nur mit der Menschenmenge mitgelaufen sein, ohne zu wissen, um was es sich handelte. Einer der Ergriffenen war der 22jährige Bäcker Robert Wenzel, der früher bei Richter Hausdiener gewesen, aber wegen mehrerer Unterschlagüngen entlassen worden war. Der zweite, der die Erdrosselungsversuche gemacht hatte, war der 24 jährige Schreiber Friedrich Groth, beide sind ver- bummelte, mehrfach vorbestrafte Menschen. Die Anklage nimmt an, daß die beiden Beschuldigten einen Raub haben ausführen wollen, welcher von Wenzel, der mit den lokalen und sonstigen Verhältnissen der Richter'schen Wohnung vertraut war, ausgeheckt wurde. Wenzel wußte, daß sein ehemaliger Brotherr in seinein Schreibtisch eine größere Suinnte Geldes aufzubewahren pflegte. Voraussichtlich würde Wenzel den Diebstahl ausgeführt haben, nachdeni Frau Richter betäubt worden war. Trotz der schweren Belastungsmoiuente hielt die Staatsanwaltschaft nicht die Anklage wegen versuchten Raubes ausrecht, Indern erhob nur Anklage wegen schwerer Körperverletzung in einer das Leben gefährdenden Weise, verbunden mit Urkunden- fälschung bezw. Anstiftung und Beihilfe dazu. Die derzeit vor der Strafkaminer stattfindende Verhandlung belastete die Ange- klagten trotz ihres Leugnens so schwer, daß der Gerichtshof an- nahm, es liege doch ein geplanter Raub vor. Er erklärte sich deshalb für unzuständig und verwies die Sache an das Schwur- gericht. Im gestrigen Termine zogen die Angeklagten es vor, ein Geständniß abzulegen und sich für schuldig zu bekennen. Sie hatten sich am Morgen des 13. Juni vor dein Asyl für Obdachlose getroffen und die That so geplant und ausgeführt, wie die Anklage annahm. Die Geschivorenen sprachen dem Angeklagten mildernde Umstände ab. Da Wenzel wegen anderer Strafthaten noch U/s Jahre Zuchthaus zu verbüßen hat, so mußte in Betreff seiner auf eine Zusatzstrafe erkannt werden. Das Urtheil lautete gegen Wenzel ans insgesammt SVs, gegen Groth auf 3 Jahre Z u ch t h a u s. � Mit der Ermittelung der Ursache des am 0. September er. auf dem hiesigen Anhalter Bahnhofe durch Versagen der Karpen terbremse stattgehabten Eise nbahn-Un glucks- falls sind nicht nur die verschiedenen Eisenbahnbehörden, dar- unter auch das R e i ch s e i s e n b a h n- A in t durch seineil Vertreter, Geheimen Regierungsrath E m m e r i ch, sondern ist auch das hiesige Amtsgericht I. eingehend beschäftigt. Als am meisten wahrscheinlich für das Nichtfunktioniren der Luftdruckbremse wird die Annahme des Lokomotivführers Kümmel erachtet, daß auf der sehr schnellen Fahrt von Luckenwalde nach Berlin infolge der schüttelnden Bewegung die in dem sächsischen Gepäckbeiwagen angebrachte Hülssleitung durch Umknicken des Gummi- schlauchs defekt geworden ist und so das Ausströmen der Luft verhindert hat. Auf den Vorstationen Burg, Falkenberg, Herzberg, Jüterbock und Luckenwalde hatte nämlich der Karpenter auf das Wirksamste fungirt, und hat auch bei der Einfahrt in Berlin der Manometer den zum Bremsen erforder- lichen Luftdruck angezeigt. Dem Lokomotivführer K ü m m e l wird nun von der Staatsanwaltschaft der Vorwurf gemacht, daß er ba der Wahrnehmung der Nichtwirkung des Karpenters unter- lassen hat, das N o t h s i g n a l zu geben. Hierfür giebt der Be- schuldigte als Grund an, daß er sich einmal hiervon bei der Nichtbesetzung der Zugbremsen keine Wirkung ver- sprochen habe, da z. B. auch der den Schluß des Zuges besetzt haltende Bremswärter vor der Einfahrt in den Bahnhof hinab- gesprungen sei, andererseits befürchten mußte, die Passagiere zu ängstigen und zu übereilten Rettungsversuchen zu veranlassen. Hoffentlich führt die Untersuchung zu einem Ersatz der Gummischläuche, welche bisher stets die Ursache von Unglücksfällen ge- wesen sind. Soziale MelreMÄzt. An die Gold-«nd Sildernrdeiter Kerlins. Kollegen! Laut Beschluß des Hamburger Zentralvorstanves wird die Sannn- lung für die ausgesperrten dortigen Kollegen eingestellt. Es wird deshalb ersucht, sämmtliche noch im Umlauf befindlichen Sammel- listen und Gelder sobald wie möglich abzullefern, damit möglichst bald eine Rechnungslegung darüber erfolgen kann.— NB. Die Wohnung des Vorsitzenden der Zahlstelle Berlin, H. Faber, be- ludet sich seit 28. September Böckhslr. 5, Hos rechts parterre. Avis fiiv Former! In der Dvhner'schen Eisengießerei in Krefeld ist ein Streik der Former ausgebrochen. Theodor Schwartz, Vertrauensmann der Eisen- und Metallgießer. Kongreß der Graoenre und Ziseleure Deutschlands. Zweiter Berhandlungstag. Ueber Zentral-joder Lokal-Organisation referirte Zack-Berlin; derselbe bespricht in eingehender Weise die Kämpfe der Bürger, Handwerker und Gesellen im Mittelalter zur Erringung von kräftigen Organisationen, sowie den Zerfall derselben. Er empfiehlt, den heutigen Verhältnissen entsprechend, Lokalorganisation. Es sprachen sich nachdem alle Redner für Lokalorganisation auS, trotzdem 5 Delegirte beaustragt waren für Zentral-Organisation zu stimmen. Milberg-Stuttgart erklärt sich unter keinen Umständen für Zentral-Organisation der Graveure und Ziseleure, sondern nur für Lokal-Organision zu stimmen. Er be- gründet einenAntrag, sich dem bestehenden Gold- und Silberarbeiter- Verband anzuschließen. Derselbe wurde aber mit 12 gegen 1 Stimmen abgelehnt. Von Zack-Berlin wird folgende Resolution gestellt: „In Erwägung, daß eine dauernde Besserung unserer Ver- Hältnisse nur durch gesetzliche Regelung vieler wichtiger Fragen (wie Besprechung über Normalarbeitstag,■ Verbot der Sonntagsarbeit, Beschränkung der Arbeitszeit der Lehrlinge, soivie der jugendliche» Arbeiter u. s. w.) herbeigeführt werden kann, in fernerer Erwägung, daß die Erörterung dieser Fragen eine unbedingte Nothwendigkeit für alle Organisationen ist, und in Erwägung, daß die Erörterung derartiger Frage» durch die bestehenden Vereinsgesetze in einer Zentralorganisation verboten ist, beschließt der Kongreß, von der Gründung einer Zentral- organisation der Graveure und Ziseleure Abstand zu nehmen. Der Kongreß hält es aber für die Pflicht aller Kollegen, in denjenigen Städten, wo noch keine Organisationen bestehen, mit der Gründung von Lokalorganisationen vorzugehen oder wo solche schoil bestehen, für die Kräftigung derselben einzutreten, um eine Fühlung mit den Kollege» in den einzelnen Städten zu bewerkstelligen, beschließt der Kongreß eine Agitations- kommission für Deutschland zu wählen und den Kollegen Deutschlands zu empfehlen, in jeder Stadt einen Vertrauensmann zu wählen." Dlese lllesolution wurde mit 11 gegen 3 Stimmen angenommen. Dagegen stimmten Körber-Hamburg lind Milberg-Stuttgart, sie er- klärten aber persönlich, für Lokalorganisation zu sein, aber ge- bundenes Mandat zu besitzen. Eine Resolution von Guttmann- Berlin, ivelcher in den betreffenden öffentlichen Versammlungen wo die Vertrauensmänner gewählt werden, vorgelegt weide» soll, wird einstimmig angenommen. Zack- Berlin stellt den Antrag, drei Personen in die Agitationslommission für Deutschland zu wählen. Es wurden einstimmig gewühlt Uhrbach, Schimansky und Zack, sämmtlich aus Berlin. Ferner wurde mit 12 gegen 1 Stimme beschlossen, die Gold- und Silberarbeiter auszufordern, wenn möglich, un nächsten Jahre einen Kongreß abzuhalten und die Graveure und Ziseleure dazu einzuladen. Zum nächsten Punkt„Die Bedeutung und der Werth der Fachpresse", spricht zunächst Uhrbach-Berlin, welcher es für nothwendig hält, eine Fachpresse zu gründen, die aber wenigstens alle 14 Tage erscheinen muß. Es betheiligen sich daran noch Körber-Hamburg, Hornisch-Leipzig, Milberg-Stuttgart, Käster- Dresden n. a. in., von welchen einige Redner der Ansicht waren, die Leipziger„Graveur-Zeitung" als Fachorgan zu erklären. Durch die Diskussion tvurden dieselben aber anderer Meinung und lvurde beschlossen, vom I.Januar 1890 eine 14 tägige Fachzeitung in Berlin erscheinen zu lassen. Die Fachzeitnng führt den Namen„Der Fachgenosse", Organ zur Wahrung der Interessen der Graveure und Ziseleure Deutsch- lands. Zum Redakteur wurde mit 12 gegen l Stimme Bernhard Zack— Berlin gewählt. Zum 5. Punkt der Tagesordnung„Der Werth der Verkürzung der'Arbeitszeit" ergreist das Wort Zack— Berlin, erörtert den Werth der Verkürzung der Arbeitszeit, welcher auch von sämmt- lichen Rednern anerkannt wird. Diesbezügliche Resolution wird einstlmmig angenommen. Zum 6. Punkt„Der Werth der Statistik", wird ein Normal- sragebogen ausgearbeitet, mit der Motivirnng periodische statistische Erhebungen anzustellen, und ein Antrag von Guttmann-Berlin, welcher darauf Bezug nimmt, einstimmig angenommen. Ueber Punkt 7„Das Lehrlingsivesen", referirte Schimansky- Berlin, derselbe will, daß die Gehilsen für die Ausklärung der Lehrlinge eintreten sollen und sind auch Hornusf-Leipzia und Körber-Hamburg derselben Ansicht. Heß-Annaberg spricht sich gegen die übermäßige Ausnutzung der Lehrlinge aus, Zack-Berlin hält die große Zahl der Lehrlinge, welche früher z. B. die hilfenzahl überstieg für ganz erklärlich und führt dieselbe auf die Blüthezeit unseres Gewerbes zurück. Eine Resolution, welche be- sagt, daß nur durch gesetzliche und gut geleitete Staatswerkstätten die Lehrlingssrage geregelt iverden kann, wird einstimmig ange- nommen. Hierauf wird der Kongreß bis Dienstag, den 23. September, vertagt. 3. Verhandlungstag. Die Unterstützung»' frage wird durch folgende Resolution geregelt:„Der Kongreß be- schließt, die bestehenden Organisationen mögen die Unterstützung«' frage in der Weise regeln, so daß Arbeitslose, Gemaßregelte und Abreisende nur unterstützt werden, wenn sie der betreffenden Organisation angehören, ferner beschließt der Kongreß, dl« Vereine aufzufordern, durchreisende Kollegen nur zu unterstützen, wenn sie sich mit unseren Bestrebungen dadurch einverstanden er- klären, daß sie auf unsere Fachzeitung abonnirt sind. An die Former Kerlins. Kollegen, es ist bereits eine ganze Zeit her, daß ihr gezwungen wurdet, die Arbeit unter den alten Bedingungen wieder aufzunehmen. Glaubt Ihr nun, die Arbeitgeber sind schon damit zufrieden? Nicht im Geringsten. Sie werden Euch noch mehr zumuthen, als es jetzt der Fall ist, man verbietet Euch sogar für Eure reisenden Kollegen in den Fabriken zu sammeln; denkt doch, wenn das so weiter geht, cht« es zum Beispiel die Arbeitgeber-Kontrole heute schon handhabt, Ihr müßt dort Tausschein, Militärpapiere, vielleicht auch noch den Nachlveis bringen, daß Ihr kirchlich getraut seid, und dennoch ist man nicht im Stande, den Kollegen einigermaßen Arbeit zu verschaffen.- In der'ersten Zeit des Bestehens der Arbeitgeber- Kontrole würben die Arbeitsstellen gratis vergeben, heute schon ist die Sache eine andere geworden, man vergiebt nur noch Stellen gegen Bezahlung, ähnlich wie im Gesinde-Vermiethungs-K o m t o r. Kollegen, Ihr seht, das kapitalistische Protzenthum will, nachdem ihm die Verwaltuugskosten zu hoch waren, dieselben langsam aus die Schultern des Arbeitslosen abwälzen, nicht genug, daß man Euch Stellen nachweist, welche gar nicht vorhanden sind, oder Euch aber nach solchen Stellen hinschickt, welche schon vor Monaten besetzt sind. Es kann uns ja auch nicht wundern, daß es so g«- kommen ist, denn das wird Euch doch allen klar sein, daß ein Hauptmann a. D. keine Ahnung von der Arbeit eines Formers hat. Glaubt sicher, ebenso wie die Arbeitgeber-Kontrole entstanden, ebenso schnell werden wir selbige zu Grabe tragen, denn halb steht sie schon auf dem Aussterbeetat; jeder überzeugungstreue Kollege tvird mit Nichtachtung auf derartige Zwangskontrolen herablicken; es wird gerade Zeit, daß die übrigen Kollegen er- wachen, und sich so schnell wie möglich organisiren, sonst wird Euch vielleicht später vom Protzenthum noch mehr von Eurer persönlichen Freiheit abgepreßt. Zeigt, daß Ihr Männer der Zeit jseid, schüttelt den Hirsch-Duncker'schen Staub von Euch, tretet so schnell wie möglich dem Fachverein bei und kämpft inck uns gemeinsam, denn gegen geschlossene Macht ist daS Kapital machtlos. Ich rufe Euch die schönen Worte zu: „Mann der Arbeit, aufgewacht l Und erkenne Deine Macht, Alle Räder stehen still, Wenn Dein starker Arm es will. I. A.: Emil Jost, Vorsitzender des Fachvereins der Former, Mariannenstraße 21. lOcffmumUimicu. Jln* Fachverein der Tischler für den Osten Berlins hielt iontag, den 22. September, in Joels Festsälen eine Mit- gliederversammlung ab mit folgender Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn Jost über:„Unsere Entbehrung." 2. Diskussion. 3. Werkstattangelegenheiten. 4. Verschiedenes.— Der Vortragende erledigte seine Aufgabe unter reichlichem Beifall der Versamm- lung, indem er aus den(jüngst un„Berl. Bolksbl." veröffent- lichten) Abrechnungen der Aktiengesellschaften nachwies, was für Riesensummen Gelbes aus der Arbeit herausgeschlagen wird; verglich dann die Löhne der Arbeiter mit denen der Herren Direktoren, wobei sich ein ziemlich großer Unterschied bemerkbar machte. Z. B. hätte manch ein Zlktientheilnehmer ebenso viel Lohn wie 600 Arbeiter in derselben Zeit. Redner weift dann nach, daß die Arbeiter neben den niedrigen Löhnen ihr höchstes Gut, ihre Gesundheit, und oft genug sogar ihr Leben aufs Spiel setzen müssen, wie der Bergarbeiter, Dachdecker, Maurer u. s. w., und alles der fetten Dividende wegen. Um all den Mißständen nun abzuhelfen, ermahnt Red- »er zum Schluß kräftig für die Organisation zu wirken und ein- müthig zusammen zu stehen, so wird uns auch der Sieg gewiß. An der hierauf folgenden Diskussion betheiligten sich im Sinne des Referenten die Kollegen Klose, Bogasch, Oelze, Hoffmann und Markmann. Zu Werkstattangelegenheiten waren die Werkstätten von Krüger, Langestr. 109, Walter, Rüdersdorserstr. 47 und Lud- wig, Fruchtstr. 54, eingeladen, wo nur von letzterer ein Kollege erschienen war. Kollege Koblenzer bemerkte hierbei, daß die Werk- stätten schon öfters eingeladen waren, aber niemals Zeit haben zu erscheinen, da sie arbeiten müssen. Unter Verschiedenes macht der Bevollmächtigte noch auf das Slrbeiterfest am 30. Septeinber aufmerksam. Schluß der Versammlung HVs Uhr., Der Verein deutscher Schniimacher(Filiale Berlin) hielt am Montag, den 22. September, Alte Jakobstr. 75, bei Feuerstein seine Mitgliederversammlung ab. Die Tagesordnung lautete: 1. Vortrag des Kollegen König, über: Produktion und Technik. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes und Fragekasten. Zu Punkt 1 hielt König seinen mit Beifall aufgenommenen Vortrag. Zn Punkt 2 nimmt Kollege Kördel das Wort und ermahnt zu reger Agitation, nachdem er die traurigen Verhälnisse in der Schuh- brauche, besonders der in Schlesien und Posen geschildert. Nur ausgeklärte und zielbewußte Arbeiter können eine Besserung herbeiführen. Deshalb müsse ein jeder Kollege es sich zur Auf- gäbe machen, neue Mitglieder für die Organisation heranzuziehen. Es sprachen noch zur Diskussion im Sinne des Referenten die Kollegen Benck und Dörr. Unter Verschiedenes giebt der Vor- sitzende bekannt, daß Kollege König als Telegirter zur General- Versammlung gewühlt ist. Hieraus ersucht Kollege Benck den Telegirten, gegen Anträge, welche eine Erweiterung der Unter- stützung bezwecken, eine ablehnende Stellung einzunehmen. Nach Erledigung des Fragekastens giebt der Vorsitzende bekannt, daß die nächste Versammlung den 13. Oktober in Scheffer's Salon, Jnselstr. 10, stattfindet. Die freie Vereinigung der Aartonarbeiter tagte am Sonnabend, den 27. er., bei Säger, Grüner Weg 29, mit folgen- der Tagesordnung: 1. Bortrag. Die Moral und die wirthschast- lichen Verhältnisse. Referent Kollege Wach. 2. Diskussion. 3. Wahl der Revisoren. 4. Verschiedenes und Fragekasten. Zum ersten Punkt erledigte der Referent sich seines Vortrages zur vollen Zufriedenheit aller Anwesenden. Die Diskussion wurde mit Zustimmung sämmtlicher Mitglieder abgelehnt; zum dritten Punkt wurden als Revisoren die Kollegen Hasse und Barsch ge- wählt. Unter Verschiedenem wurden die Mitglieder aufgefordert, ihre Beiträge pünktlich zn bezahlen. Weiter wurde in Erwägung gezogen, daß diejenigen, welche noch im Besitze von Billets vom Stiftungsfest sind, dieselben so schnell als möglich abzurechnen haben, widrigenfalls die Namen veröffentlicht werden sollen. Es ist unverzeihlich, daß nach einer so langen Zeit diese Angelegen- heit noch nicht erledigt ist. Da weiter nichts vorlag, schloß der Vorsitzende die Versammlung um 11 Uhr.— Das Vergnügen gestaltete sich zu einem recht amüsanten Familienabend, an ivelchem sich viele Kollegen, welche lauge der Vereinigung indifferent gegenüberstanden, betheiligten und währte dieses Beisammensein bis zur Morgenstunde. Es war klar, daß heute wieder die alte Harmonie zurückgekehrt sei, welche längere Zeit der Vereinigung Der Fach verein der Metallarbeiter in Gas-, Master nnd Dampf-Armatnren hielt am Sonnabend, den 20. September, bei Zemter, Münzstraße 11, feine regelmäßige Mit- glieds-Versammlung ab. Auf der TageZordnung stand: 1. Vor- trag uou Herrn Paul Heitmann über:„Kapital, Arbeit und So- m l'�engesetz". 2. Diskussion. 3. VerschiedeneZ und Fragekasten. �cachdein durch den Sckiriftführer das Protokoll der vorigen Ver- 'ammlung verlesen, erhielt Herr Heitmann zu seinein Vortrage ???. Wort. Da sick) nach Beendigung des Vortrages zum Punkt 2, �lskusiio», Iiicmand zum Wort meldete, wurde zum 3. Punkt, Verschiedenes, geschritten. Kollege Printz führte mit kurzen Worte» an, daß über kurz. oder laug eine andere Organisation in Vereinen stattfinden muß, da es so wie jetzt, in An betracht der Fabrikantcn-Koalition nicht weiter gehen kann; jedoch vath Kollege Printz, diese Angelegenheit bis Mitte November zu vertagen, da dann die allgemeine Gewerkschaftskonferenz statt- findet, und ivahrscheinlich eine Umgestaltung der Organisationen angeregt werden wird. Ferner wurde bekannt gegeben, daß nicht wie bisher auf Listen Gelder gesammelt werden, sondern nur gegen Marken, welch« von dem Vertrauensmann der Metallarbeiter, Herrn Segitz, zu erhalten sind, für den Unterstützungs-, soivie Agitationsfonds gesammelt wird, und werde» die Kollegen ersucht, solche Marlen vom Vereinskassirer zu entnehmen. Nach- dem die neuen Mitglieder verlesen und angenommen waren, machte der Vorsitzende bekannt, daß die nächste Versammlung ausfallt, dafür eine Mitgliedesversammlung mit Damen stattfindet und zwar im selbigen Lokale am 18. Oktober. Köpenick. Wenn Minister Herrfurth neuerlich den Polizei- behvrden empfahl, das Vereinsgesetz bis zur äußersten Grenze des Zulässigen gegen die Sozialdemvrraten anzuwenden, so scheint es fast, als ob das Festsetzen dieser Grenzen ganz in das Belieben einzelner Polizeiverwaltungen oder Beamten gestellt sei. So sind Z. B. hier ivie an einzelnen anderen Orten die Vereins- und auch die Volksversammlungen auf Polizeistunde gesetzt, und in| der am 22. d. M. stattgesundencn ösfentlicheii VolsiZversanimlung Mußten sogar, um eine seitens des hiesigen Polizeiinspektors Jäckel angedrohte Auflösung zu vermeiden, die anwesenden Frauen das Versammlungslokal verlassen. Es ist dies um so eigenthüm- sicher, als der Polizeiinspcktor soivohl durch den Referenten, W. Werner(Berlin), als auch durch den Vorfitzenden auf das Ungesetzliche seiner Handlungsweise wie darauf aufmerksam gc- macht war, daß erst am vorhergehenden Tage in Rixdorf eine Volksversammlung unter Theilnahme von Frauen stattgefunden habe, und daß dieses ebenso in Berlin Usus sei. Tie sehr stark besuchte Volksversammlung tagte im Ww. Scheer'schcn Lokale unter Leitung des Genossen Rautmann, Un gering und Jwelker. Referent legte in anderthalbstündigem Vortrage seine aus der Rixdorfer Versamnilung bekannten Ansichten für den Organisations- Entwurf dar und nach kurzer Diskussion, an der sich die Ge- Nossen Höster, Bernitzky, Janke, der Vorsitzende und der Referent betheiligten, wurde eine Resolution, die sich mit den Aus- führungen des Referenten einverstanden erklärt, gegen 2 Stimmen angenommen. Unter Verschiedenes beschloß die Versammlung, am SO. September zu illuminiren. Zur Vorbereitung eines, am Sonnabend, den 4. Oktober, im Kaiserhof stattfindenden Arbeiter- festes wurde eine Kommission gewählt, und die Versammluug um 11 Uhr mit einem Hoch auf die internationale Sozialdemokratie geschlossen.—Erwähnt mag noch werden, daß— jedenfalls zum Schutze der Versammelten— im Lokale und dem dazu gehörigen Garten eine starke Polizeimacht, ca. 20 Mann, sich aufhielt. Achtung:«. Matzilir«,»! All- Genossen des S.Berliner NcichswgS- Wahltretses, welche gewillt find, am Dienstag, den so. Septoinber, die Feier zur Heimkehr der Änsgewicfenc» mitzumach.m, werden ersticht, sich zuvor im Besch von Billets zu sehen: dieselben find zu haben in allen betannlen Arbeiter- lolalen des Nordens. Das Fest findet nicht nur allein im Eiskeller, sondern auch in der Norddeutschen Brauerei statt. Achtung: Achtung! Billets zu dem am so. September statlsindendcn Nrbeitelsseste in den Lokalen«lyslum, Landsberger Allee Nr. ss— n»d Joel (früher Keller). AndreaSstraste%i, find zum Preise von eo Pf. bei folaenden Herren zu haben: Eotlfr. Schulz, Admiralftr.-loa; Ernst Wersch ke, Adalbert- »»rwR/rn». nm frsna Stiefel, Skalitzerstr. is; Otto Heindorf, Langestr. 70: Jul. Henke, Blumen- strafte 33; Lock, FriedrichSbergerstr. 6; Emil Vöhl, Frankfurter ülllee 71. Soiintdrmonrati scher Lese- und Diokutirktnd Aajsalle am Dienstag. den so. September, Abends Uhr, Skalitzerstr. los bei Haupt.— Gäste haben Zutritt. Die für Dienstag, de»:10. d.|tl., in Aussicht ycuomnicne Der sauiuilung der„Freien Volksbühne" fällt des Arheiterfestes ivegen aus Dagegen findet am Freitag, den s. Oktober, eins Versammlung für Männer und Frauen im Saale des Herrn Feuerstein, Alle Jalobstr. 75, statt. Herr Dr. Konrad Schmidt lvird in derselben einen Vortrag über:„Ter Staturalismus und die Arbeiter", halten. bn-otie ii strutlichr Dersum Minna der sofialdeuioltratischen Griidsse» des Ä. Drrliuer Reichstags- Ulahlüreise» am Mittwoch, den l. Oktober, SlbendS s Nhr, im großen Saals der Berliner Boikbrauerci, Am Tempel- hofer Berg. O-fseutliche Dersaiumlnug der Soiialdemotirate» des 4. Serliner Rcichstags-Walilsirrise» am Mittwoch, den I. Oltober, Abends 8% Uhr, bei Joel, Andreasstr. 21. Krausten- nud Sterbestasse der Kerliner Kausdieuer tE. H. Nr. 01). i. ordentliche Gensraiversammlung am Freitag, den 17. Ottbr., Abends o Uhr Neue Grünstr. 28 bei Jordan. 8. Ktistunasfeft der frühere» Dereiuigittig, jestt Derband dcntscher Korbmacher(Fillale Berlin) am Sonnabend, den 4. Ottober, Abends 8 Nhr, tn Dcigmüller'S Salon, Alte Jalobstr.«Sa, bestehend tn Tanz und komischen Vorträgen. bZesanguerein„ilorddeutsche Kchleifc". Heule Dienstag findet, des Arbeiterfeftes wegen, keine Uebungsftunde statt. Achtung! Für die Arbeiter! Filiale II. UI. der Maler und verwandte» KrrufSgeuosse» feiert am so. d. M. im Restaurant Kvnigshof. Bitlowstr. 37—40, ihr 2. Stiftungsfest. Ein allgemeines Arbeiterfest! Ver- bundcn mit theatralischen Ausführungen, sowie Aufführungen von lebenden Bildern, dem i. Oktober angemessen, und ersuchen daher alle Arbeiter wie Ar- bsiterirnien, uns durch ihr Erscheinen an diesem Tage zu unterstützen. Achtung, Atciniuchr» I Am Dienstag, den 30. September, Abends 8% Uhr, findet für sämmtliche Berliner Steinmetzen JohanniSstr. 20 ei» Großer Herren- Kommers statt. Für Unterhaltung ist bestens Sorge getragen. VZrsscutlich» sojialdrmostratifche Devsaunnluug für den l>. Drrlince Hieichstags-DIahlstrrio am Mittwoch, den l. Oltober er., Abends 8% Uhr, im EiSleller, Chausfeestr. 88. Der Derei»«ur Regelung der gewerblich«» Derhöltnisse der Töpfer Sertins und Dmgcgrnd feiert am 11. Oklober lsoo, im großen Saals der Braueret Fricdrichshain, vormals Lips(am Königsthor) sein 2. Slistungsfest unter Mitwirkung des Gesangverews„Nord". Die Musik wird von der Kapelle des Herrn Schonat ausgeführt. «r-tablissement„Kuggenhagett" N!» Moritzptah. Sonnabend, den lt. Ottober 1820: 2. Stiftungsfest des Allgem. Arbciterinnen-Bereins fämmt- lichcr BernfSzweigs Berlins und Umgegend. Gcscliiger Derei»„Rrgiua". Mittwoch Sitzung mit Damen 8% Uhr, nach derselben Fwelllas Borlräge, Tanz. Gäsle willkommen. Herren nicht unter 20, Damen nicht unter n Jahren al« Mitglteder erwünscht. BercinSlokal Armin-Hallcn, Kommandanlenftr. 20. Frrie D-reinigung der Kausicute. Doimcrslag, den 2. Oktober, AbciidS 8% Uhr, Ordentliche Generalversammlung bei Zeniter, Münzstr. Ii. Um zahlreiches Erscheinen wird dringend gebeten. SKtVechTZrnl. Die Nedaktion stellt die Benutzung des Sprechsaals, soweit Raum dafür abzu- "ssprechung von Angelegcnheile» allgemeinen sie verwahrt sich aber gletchjeillg dagegen, mildem zoben ist, dein Publikum zur Besprechung von Interesses zur Verfügung; Inhalt desselben idcnttsizirt zu werbe». In Betreff des heutigen Sprcchsaal- Artikels ersuche ich Sie nm folgende Aufnahme: Unterzeichneter hat 16,09 M. im Komtoir des„Berliner Volksblatt" am 1. September zur Weiterbeförderung nach Greiz unter Chiffre:„Lassallefeier Friedrichshagen. Ein „Berliner Volksblatt" verankiionirt IG M. 09 Pf.", abgeliefert. Achtungsvoll Jß a u l Loose, Dieffenbachstr. 29. Auf die Anfrage im Cprechsaal von Nr. 225 habe ich den Genossen zu erwidern, daß ich den Ertrag einer Zigarrenspitze von 42,49 M.(zwciundvierzig Mark neunundvierzig Pfennige) gewissenhast nach Greiz abgeführt habe. Quittimg ist bei mir einzusehen. Achtungsvoll Eduard Strohbach, Münchedergerstr. 22, vorn 4 Tr. rechts. In Erwiderung der Sprechsalnotiz vom 27. d. M. wollte ich dem Genossen H. Pohl und Anderen kundthun, daß an Meinem Tisch ca. 126 M. für amerikanische Auktion eingckommen: 1. für ein Lassallebild 41 M., 2. für ein„Berliner Volksblatt» 17 M., 3. fürZein Paar Strumpfbänder 5,71 M., für eine Zigarrenspitze 43 M., für ein Lasiallebild mit Fahne 16,70 M.; bei letzterem war Genosse Fritz Mielentz, Johannisthal, anwesend bei den an- deren Gegenständen ein gewisser Lorenz, der mir jedoch unbekannt, ferner zwei Genosse», die mir jedoch ebenfalls unbekannt sind, von welchen ich jedoch einen, der auch die Beiträge, außer den letzten 10,70 M., in Empfang genommen, neulich in der Volks- Versammlung bei Joel, Andreasstraße, getroffen habe und nach seinem Namen gefragt, welcher mir jedoch leider entfallen, den Bescheid erhielt, daß er erst eine Quittung aus Greiz habe und die Kirchaincr noch erwarte und dieselben dann im„Berliner Volks- blatt" veröffentliche. Ich ersuche hiermit, daß bezeichneter Genosse im Interesse aller Anfragenden über den Verbleib dieser übrigen ca. 110 M. Auskunft giebt. Achtungsvoll R. Nitzschke, Markthalle VIII, Stand 92, Blumenstraße 51 c. Nviofliclstcn dvv Beim Mimt* Bei Anfragen bitten wir die Abonncments-Quittung beizufügen. Brieflich Antwort wird nicht ertheilt. F. Sch. Kommen Sie mit sämmtsichen Belägen persönlich zu uns, eine schriftliche Auskunft ist nicht gut möglich. Atter Aiionnent. 1. Der Wirth kann darum nicht vom Kontrakte zurücktreten. 2. Der Miether muß am 1. räumen. 3. Uns ist kein derartiges Mittel bekannt. U.<£. Das niedrigste Strafmaß wegen Hausfriedensbruchs sind drei Mark Geldstrafe. Ziirdorf. Zur Unterhaltung ihrer jüngeren Geschwister find Sie nur dann verpflichtet, wenn Sie ohne Ihren eigenen Unterhalt und den Ihrer Frau und Kinder zu gefährden, dazu im Stande sind. Ob dies der Fall ist, können wir ohne Kennt- niß der Ziffern Ihres Einkommens nicht benrtheilen. Ihre weitere Anfrage, ob nicht in der Aufforderung, bei Vermeidung der Klage zu zahlen, eine Erpressung siegt, ist wohl nicht ernst gemeint. ö, K. Als Vater eines unehelichen Kindes wird der- jenige angesehen, der mit dessen Mutter innerhalb des Zeitraums vom 235. bis zuin 210. Tage vor der Entbindung geschlechtlich verkehrt hat. DU. Kch. 75, Der Meister kann die Krankenkassen-Beiträge, oweit sie rückständig, auf einmal vom Lohne abziehen. G. M. I. Natürlich können Sie, wenn die Bezahlung von Ueberstlluden ausgemacht ist, solche verlangen. 2. Ist ausgemacht, daß jeder Theil das Arbeitsverhältniß stets ohne Kündigung lösen kann, so kann von einer Klage auf vierzehntägige Lohn- entschädigung wegen ungerechtfertigter Entlassung keine Rede sein. A. K. Frohrnstv. 1. Sie können für drei Wintermonate den erhöhten Satz verlangen. Wenn aber der Wirth sich die 10 M. nicht von der Miethe will abziehen lassen, so zahlen Sie die volle Miethe und verklagen ihn wegen der 10 M., da»r Sie sonst nicht zichcil läßt. 2. Für die Reinignng der Treppe können Sie Nichts fordern, wenn Sie nicht bei Uebernahme des Auftrages gleich erklärt haben, daß Sie das nicht um- onst thnn. Gövlifferstr. 1. Wenn ein Angestellter 18 Wochen wegen Krankheit fehlt, ohne daß in der Zivischenzeit über sein Ver- bleiben in der Fabrik Abreden getroffen sind, so gilt das Ber- haltniß als anfgelöst, ohne daß es einer Kündigung bedarf. 2. Weder Wirth noch Mieiher sind verpflichtet, eine Schaufenster- Scheibe zu versichern. Zch., DUaldeinarstr. Sie brauchen erst am 2. Oktober zu ziehen. iles#1# A am Mittwoch, den Oktober, Abends 8 Uhr, im Lokal uBismarckshöhc", Wilmersdorf erstrasse E3o. 39, Tages-Ordnung: 2359 1. Wie stellen sich die Parteigenossen zum Organisations-Entwurf? 2. Dli-kussion. 3. Dclegirtcnwahl zum Parteitag. Der Einberufer: Albert Wilde. Unserem Freunde und Genossen Wilhelm Graef ein dreimal donnerndes Hoch! 2356 Die rothe 8 aus dem 1. Unserem Freunde und Genossen, dem Äizc-Töpfer-Polier 2340 Donnerstag, den 2. Oktober d. J., Abends 8 ühr: .„.....;"-'"MlW Brawere: PiraedlmGlkskam(früker Lupe). Tagesordnung: 1. Die Organisation der Maurer Teutschlands mit besonderer Berücksichtigung der Berliner Verhältnisse. Referent: AuSgewicsencr Carl Bchrend. 2. Diskussion. 3. Verschiedene?. KB. Tic Abrechnung der Vertrauensmänner gelangt zur Ausgabe. Kollegen! Erscheint allesammt in dieser Versammlung. 2351 Drv Einbrrnfrr. Auf dem KttN fflviftßtv. 2, woselbst der Töpfermeister Zahis�die Töpferarbeiten ausführt, haben neun Kollegen, welche dort arbeiteten, die Arbeit am 26. d. Mts. niedergelegt, weil Herr Zahn den Lohntarif, welchen er seinerzeit anerkannte, nicht lveiter bezahlen will, sondern, wie er zu den Kollegen sagte:„Für jeden Preis Arbeiter bekäme." Ueber das Geschäft ist die Sperre verhängt, und ersuche die Kollegen, den Bau zu meiden. 234i OaH TThiieme. Zum bevorstehenden Quartal-Wechsel nnpfehle ich bei pünktlicher Lieferung das„Kerliner Notllsblatt", sowie aminlliche in Berlin erscheinende Zei- ungen und Journale. ,,Dteue KNelt- ralrnder" und,.Wahre Jakob" ind stets vorräthig zu haben. 2314 Hl. Kirsch, Zeitungsspediteur, Ritterstr. 107, Ecke Prinzenstr. 28. koh-Tatmk rtÄ" Größte Auswahl, billigste Preise. 31 6. Elkhuyseu, MiinM. 10 Gr. Brem Mlter-WWtteill„NM" Zrnte, Dienstag, deuNV.Septbr. Abrndo 8 Dlhr im„Eiskeller", Ehaulserstr. SS, pünktlich zu erscheine» bittet Der Darstand. Für den Westen Berlins und Umgegend empfiehlt sich zur pünktlichen Lieferung des Berliner Volksblatt, Ber- liner Vols-Tribüne, Wahren Jakob, sowie fämmtl. Zeitliiigcn u. Journale. Ferd. Henzka, Winterfeldstraße 9 zu seinem 34. Geburtstage ein dreimal donnerndes Hoch! daß der ganze Bau wackelt. Otto, merkst Du nischt, es ist heute der 80. September 1890, die Reifen sind geplatzt, das feste Zusammengehen des ganzen Proletariats hat dem Faß den Boden ausgeschlagen. Die rothe» Töpfer von» Da» Acker- u. Inualidenstrasicn-Ecke. Todesanzeige. Am 26. September d. I. verstarb unser Kollege der Töpfer Herrmann �________ Tie Beerdigung findet am Dienstag, den SO, d. Mts., Dach mittag« 4 Uhr, von der Leichenhalle de- Denen Lnisenkirchhofeo, Krihcr Ehanstee statt. 2352 Um zahlreiche Vetheilignng bittet vor Vorstand der Zontral-Krankenliasso clor Töpfer. Allen denen, welche meinen mir un- vergeßliche» Mann am Sonntag zur letzten Ruhe bestattet haben, sowie den Herren Zsteistern und Kollegen von Schmekel u. Komp. und den Kollegen von Herrn Ecke sage ich meinen tief- gesühlteficn Dank. 2361 Die trauernde Wittive Bertha Metzuor »ebst Familie. Für die vielen Beweise der Freund- schaft und Theilnahme bei der Bc- crdignng meiner innigst geliebten Frau Adelheid geb. F r c u n d t sage ich allen lieben Vcrivandlcn, Frennden und Kollegen, soivie dem Verein für Technik und Gewerbe herzlichsten Dank. Ebenso Herrn Pens für seine herzlichen Worte am Sarge der Entschlafenen. 2349_('?. Sllpevcslsuolii. 5lfl|lllG[4iHCH-�M-i0RWoia ' Schwcdterflraße 253a. WiMWer Tuntlel, gcn.:..DicftdrtcDagelkiste". Berlin N., Elsasserstraße 73, gegenüber der Bergstraße. Rendez-vous aller lebenslustigen Herren. Brömmels, Radaubrüder und Quasselfritzen haben keinen Ein- tritt. Kapellmeister: R. Blank. Gesang: Lucia Hloor. H. Schnitze(mit'n tz), Plansch-Apotheker. Klihdrahtinridung. Heute fmdet die fricvlicho Gin- fargnng des kleinen 12jährigen wohl- gehegten und gepflegten Big.? im Rothen Meer statt, damit er auf Erden nie wieder sein Umvesen treibt, ersaufen wir ihn in ein Füßchen echt en Slierri. Dieses allen Genossen zur besonderen Kenntnißnahme. M. Haugk, 2363 Boeckhstraße 12. wee mache ich meine werthe Kundschaft auf meinen vorzüglichen 2860 und Abendtisch. helles und dnnkleo Kirr, direkt vom Fast, ganz besonder- aufmerksam. n w-"—- Oranicn- und Ale�andi inen« Strassen« Ecke. Allen Freunden und Bekannten zur Kenntnißnahme, daß ich mein Nestau- ratio»» lokal von der Wallnertheater- straße nach der Christinrnstraffr 17, parterre, verlegt habe. 2365 August Rocper, Mitbegr. des Vereins Verl. Hausdiener. teiichimitt m. Silauiet% im Restaurant Kimronstr. SS.[2257 Ein Uereinozimmer ist zu vergeben octÄdolf Laeje, Fürbringerstr. 22. J2293 Vcrcinszimmer für 30—100 Personen Mit Pianino Donnerstag u. Sonnabend zu vergeben. A. Roll, Adalbertstr. 21. Gnmow's ZujiiiltnriA, Brunnenstr. 9, bcg. 2. Oktbr. Ab. 8 Uhr. I Klagen, Eingaben, Rath in Prozessen, Einziehung von Forderungen.[2354 Pollak, jetzt Georgenkirchstr. 24 11. Gbr.Hobelb.b.z.v.Hermannst.l5,Rixdorf. Nach 12jähriger Krankheit starb heute das Sozialistengesetz und lade ich alle Freunde und Genossen zur Beisetzung ergebenst ein. 2335 Fritz Wlndisch, Dresdenerstr. 45. Wir nehmen die Beleidigung, welche wir der Frau Mann, Gartenstraße 55, angethan, zurück und erklären dieselbe für eine ehrenhafte Frau. Frau Schrnarcwsky. 2869 Frau Echardt. WlMMN, Werkzellge, Ksus- M Küchellgeriithe E. Vogtherr,=»"= v.. 3 Landabergor str. 04, amAleranderpl. Ktephanstr. 16(Moabit). (Sonntags geschlossen.) Gl» Ztgarrengcfchäft Umstände halber zu verkaufen. Näheres Waster- thorstraßo SO._ 2244 Pianino, prachtv. kreuzs. u. gut gebr. höh. f. 60 M. z. v. Oranienstr. 60, II. r. Moritzplatz. Theilzahlung gest. 2343 Eine Platte, 2 Böcke, zu verkaufen. Wittwe Quade, Kottbuserstr. 6a, 4 Tr. Die Stelle des ersten Ferllg" mackers ist per 1. November zu besetzen. Schirmfabrik Leo Wolfs, __ WaUstr. 7-8. 2353 Schuhm., Sohlen u. Ausbessern verl. Hochmelsterstr. 29. 2353 Eaupttrelfer: V. 50 000,31. Loose, soweit geringer Vorrath reicht, a 1 M.(für Porto U.Liste 25Pf.) empf. ■ A> Aechenheim, Berlin W.Friedrichstr.l 7 1, :'1 Geschäfts- Uebernahme und-Eröffnung. Theile hierdurch ergebenst mit, daß ich das meiner Schwester Clara verw. Wilh. Hasenclever, in der Brunnenstr. 622 9 Ecke Anklamerstraße, käuflich übernommen habe und Grüner Weg 1365, Nähe des Andreasplatz, ein 3. Geschäft morgen, am 1. Oktober, eröffne. Um freundlichen Zuspruch bittet Gtkn Geo�ue. NB. Zur Feier des Falles des Sozialistengesetzes bleibt das Geschäft in der Brunnenstr. 132 heute Nachmittag von 3 Uhr ab geschlossen. 2371 21 Stück 20 MI. «v Ziehung 2. Oktober er. ISr Bremer Loose ä I Hfl., Ziehung 8— 10. Oktober er. Marienburger Loose ä 8 M.,% Anth. 1,50. Erste Klasse, Ziehung 7.-8. Oktober. KgL Preussische Lotterie Antheile; 1/2 271/2 M., Vi 14 M.. Vs 11 M.. Vs 7 M., V10 SVa M., Vie 3Va M., V20 2% M., Vsa IV« M., Vio IV2 M. Klassenweise derselbe Betrag zu zahlen. Originale: vi 120 M., va 60 ffl., v« 30 M., v« ig M. Die nächstfolgenden Klassen sind bei dem betreffenden Einnehmer znm Originalpreiso zu erneuern. Für Porto erbitten 10 Pf., Einschreiben 30 Pf., für jede Liste 20 Pf. extra. 1842 Oscar Bräuer& Comp., Bank-Geschäft, W.y Leipzigersir. 603. Telegr.-Adr.: Lotteriebräuer, Berlin. Berlin Relchsbank-Giro-Konto. Erstes und ältestes Geschäft des Ostens! (Gegründet 18:9.) Centrai-Bazar für Herren- und Knaben- Garderobe von Jul. Lindenbaum, 139 Crosse Frankfurterstrasse 139 (zweites Haus von der Fruchlstraße), empfiehlt sein großes Lager in Herren- und Knalien-Garderoben vom einfachsten bis zum elegantesten Genre zu billigsten Preisen. Speziniität: Anfertigung nach Maaß. Cr. Lager in- und ausländischer Stoffe. SRST Urreino-Mitnliedern, die stch nlo solche legitimirrn, gewühre 5 pCt. Rabatt. 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Winter-Saison sollen nunmehr schleunigst zu den billigsten, festen Taxpreisen ausverlaust ivcrden. 1933 Herren- Jagnet Anzug e, Taxe M. 12,50 Herren-Rock- Anzüge, Taxe„ 17,50 Herren-Winter-Paletots, Taxe„ 11,50 Herreu-Stoif-Hosen, Taxe„ 5,85 Herren-Schlafröcke, Taxe„ 9, so Knaben-Stofianzüge, i-s Jahr. Taxe„ 4,25 Knaben-Stoffanzüge, 7-i23ahrf( Taxe„ 8,40 Burschen-Stoff anzöge, is-iGJ.Taxe ,, 12,35 Stoss-AvSslhuitt ciiom billig. M solide, bliiltthliste Mine. Oer Verwalter. 7. Spandauer Srüdte 7. Mitgliederversammlung bes Vereins ber Arbeiteriiluell an Bilch- u. SteinbrilDuchreM am I. Oktober 1890, b. Beyer, Alte Jakob-Straße Nr. 83. Tagesordnnng: 1. Vorlesung übet die Kreuzersonate von Tolstoi. 2. Diskussion. 2336 3. Verschiedenes. Der Vorstand. Gewandte Personen jeden Standes, welche für unsere„Arbeiter-Versiche rnng auf den Todes- und Erlebensfall, Aussteuer- und Begräbniss- geld- Versicherung für Kinder mit wöchentlicher Beitragszahlung(von 10—60 Pf.) als Agenten thätig sein wollen, lönnen sich dadurch ein gutes Nebeneinkommen verschaffen. 1816 Schriftliche Meldungen an die Belriebsdirektion der Gesellschaft Friedrich Wilhelm, Berlin w., Behrenstr. 54 TegMe mit MeMrn jed. Art u. Größe, Portiören, Gardinen, Tischdecken, Läuferstoffe, Steppdecken unterm Kostenpreis. Einzel- Verkauf Teppichweberei Zimmerstr. 86, Hof parterre._ 853 Kettfedern! H. M aiCUS, Strasse 5. Vom I. Oktober an befindet sich mein Schuhwaaron-Lager Waldemarstrasse 64, worauf ich meine Freunde und Be- kannte aufmerksam mache. 2338 Gr. Auswahl. Reelle Dedienung Ernst Grossmann. Empfehle mein Geschäft in trischen Blumoa und Kränzen. 1866 Robert Meyer, Nr 2. Mariannenstraße Nr. 2. 11 für Herrn Bildhauer Ernst Prüfer, Wienerstr. 54. Es sind im IV. Neichstags-Wahl- kreise über den Bildhauer Herrn Ernst Prüfer von dritten Personen ehren- rührige Behauptungen ausgesprengt und demnächst von mir in gutem Glauben weiter verbreitet worden. Nachdem ich mich von der völligen Haltlosigkeit und Unwahrheit der frag- lichen Behauptungen überzeugt habe, bitte ich Herrn Prüfer wegen der ihm meinerseits zugefügten Beleidigung um Verzeihung und spreche mein Bedauern darüber aus, daß solche Verleumdungen gegen Herrn Prüfer aufgekommen sind. 2342 Franz Kreidemann. Chrrnerklärung. Die von mir über Frau Melis, Griinauerstr. 6, verbreiteten unwahren Gerüchte nehme ich hierdurch reuevoll zurück und erkläre Frau Melis für eine ehrenhafte Frau. 2306 Wittwe Dameis, Griinauerstr. 6. am hiesigen Platze bekanntlich Grösste Auswahl. (Barnntirt sicher brennende aw Tabake."139B Streng reelle Bedienung, billigste Preise! Sämmtliche im Handel befindlichen Nohtabake sind am 1653 Lager. A. Gelsohmidt, Spandauerbr. 6, am Hacke'schen Markt. Bitte lese» Sie! Jedem, der billig und reell kaufen will, empfehle mein reichhalt. Lager in Winter-Paletots, Rock- and Jaqaet-Anzügen, einzelnen Röcken, Jaqaets, Hosen tmd Westen, Stiefeln, Hüten, Betten, Wäsche, Uhren, Reise- und Holzkofiern etc., sowie Dmen-Mteln iinü Kleibern. Alles in alt und neu! Kaufe sämmt- liehe Sachen ans Auktionen und von Leihämtern, auch sind verfallene Pfänder dabei, daher die enorm billigen Preise. A. Weryien, Schneidermeister.(Gegründet 1874.) 127. Skalitzerstr. 127. Bitte sehr, recht genau auf Namen und Hausnummer zu achten. 2347 Kettfedern. Wer bei mir kauft, wird sicherlich zu frieden gestellt sein, denn mein laug- zähriges Bestehen bürgt für strengste Reellität. Ich empfehle Kettfedrr», das Pfund von 85 Rf. bis zu den allerfeinsten in 58 Sorten. Ketten, ein vollständiger Stand von 0,00 an, bessere verhäitnikmiistig spottbillig, wie Niemand un Stande ist, dafür zu liefern, verkaufe ich cn detail zu Engrospreisen. 1584a J. Smslowski. 1. Geschäft: Kottbuserstrajie 4. 2. Geschäft: Krnnnenstraste 130. Damenmäntel-Fabrik Beuthstr. 17. Negenmäntel, Wintermäntel. Reisemuster halbe Preise.[2180 Kettfedern und fertige Betten, staubfreie, per Stand von 12 Mk. an, bis zu den feinsten Sorten. 2363 Jubus Hopp. 1. Geschäft: 2. Geschäft: Brunnenstr. 133. Weinbergsweg 10. Acbtung! Acbtung! 35" Killet« zu den» am 30. September stattfindenden"WH Arbeiter-Feste m den Lokalen Elysium, Landsberger Allee 39— 41, und Joel(früher Keller), Andreasstraße 21, sind zum Preise von 20 Pf. bei folgenden Herren zu Häven: Gottfr. Schulz, Admiralstr. 40a; Ernst Werschke, Adalbertstr. 16; Willy Schmidt, Wrangel- straße; Fritz Zubeil, Naunynstr. 86; Hugo Stöhn, Naunynstr. 84; Gust. Tempel» Breslauerstr. 27; Im lustigen Stiesel, Skalitzerstr. 13; Otto Heindorf, Lange- straße 70; Jul. Henke, Blumenstr. 33; Lock, Friedrichsbergerstr. 5; Emil Böhl, Frankfurter Allee 74. NB. Die Billets für Lips sind vergriffen. Freunde und Genossen, welche gewillt find, mitzuwirken in Vorträgen» komischen und ernsten Inhalts, mögen sich melden bei G. Schulz und Fr. Znbeil. Allen Genossen zur Nachricht» daß die Billets, welche auf Brauerer Friedrichshain(früher Lips) lauten, auch Giltigkeit in den Lokalen Elysium, Landsberger Allee 30—41, und Joel(früher Keller), Andreasstraße 21, haben. Jedoch haben die Billets der beiden letztgenannten Lokale keine Giltigkeit in. der Brauerei Friedrichshain. Achtung Genoffen des 3. Mahlkreifes! Heute Aheud, den 30. September, 2350 findet in Sanssouci 9 Kottbnferstraße Ur. 4a, zur Frier der Hrimkrhr der aus tai> des SsMiMgeW ausgemestnen CenW ein großes Arb@äier=Fest statt. Die Billets, welche zu dem Arbeiterfest auf dem Bock ausgegeben worden, haben zu obigem Arbeiterfeste Giltigkeit. Billets werden ausgegeben im Lokal bei Nfmetscheck, Skalitzerstr. 18. Das Comitee. Achtung,_ Ant Dienstag, den 30. September, Abends 8 2 Uhr, findet für sämmtliche Berliner Steinmetzen Johannissti". 20 ein Großer Herren- Kommers statt. Für Unterhaltung ist bestens Sorge getragen. Es ladet freundlichst 2270 Albert Hempel. Kteimneüen! Ihr, find mdlichst eial Große Volks-Zersllmmlmlg für den ersten Wahlkreis Mittwoch, den 1. Oktober, Abends L- Uhr, in May's Festsälen, Beutlistrasse 22, 1 Treppe. 2348 1. 2. Der Kongreß in Halle. Diskussion. T a g es-Ordnung: Delegirten-Wahl. 3. 4. Verschiedenes. Oer Einberufer. Grosse öffentliche Versammlung der WOtlnokrotisilM Geiioßell des 1 Berliner ReiPtags-Wchlkreises am Mitfwoch, den I. Oktober de. js., Abends SVa Uhr, Ü*1 Konzerthaus Sanssouci, Kotibuserstrasse 4a. Tagesordnung: 1. Der Parteitag in Halle a. d. S. Referent Karl Wildberger. 2. Diskussion. 3. Wahl der Delcgirten znm Parteitag. 4. Verschiedenes. Um zahlreiches Erscheinen ersucht Oer Einberufer. Oeffentliche Versammlung der sozialdemobrotifchen Uorteigenoßen im 4. HerUner Reichstags- Woßlkreise am Mittwoch, in Joel' i. 2. 3. 4. 5. den 1. Oktober, Abends 8 Uhr, s Salon, Andreasstr. 21. Tagesordnung: 2231 Der Parteitag in Halle. Diskussion. Wahl der Delegirten. Wahl einer Kommission zur Aufbringung der Delegationskosten. Verschiedenes. Oer Einberufer. Achtung! Arbeiter! Ja Henschel's Kola-Bitter verändert durch längeres Lagern seine Farbe, es ist dies eine Eigenthumlick k'it der Kola-Rnß! Im Geschmack und in der Wirkung bleibt sich J. Honachel• Kola-Bitter stets gleich.-8� Verantwortlicher Redakteur: Cur* Kaakr in Berlin. Druck und Verlag von Mar Kading in Berlin SW., Beuthstraße 2.