! , Ztr. 230. 1 w � Frrttagl, drn 3. Gktodrr 1890. 7. Jahrg. Hrgan für die Interessen der Arbeiter. Das„Berliner Bolksblatt" erscheint täglich Morgens außer nach Sonn- und Festtagen. Abonnementspreis für Berlin frei in's Hans vierteljährlich 3,30 Mark, monatlich 1,10 Mark, wöchentlich 28 Pf. Einzelne Nummer 5 Pf. Sonntags-Nummer mit dem„Sonntags-Blatt" 10 Pf. Postabounemeut 3,30 Mark pro Quartal. (Eingetragen in der Postzeituugsprcisliste für 1890 unter Nr. 892, V. Nachtrag.) Unter Kreuzband, täglich durch die Expedition, für Deutschland und Ocstcrrcich-Ungarn Ä Mark, für das übrige Ausland 3 Mark pro Monat. Insertion sgebühr beträgt für die 5 gespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pf., für Vereins- und VersammlungS- Anzeigen 20 Pf. Inserate werden bis 4 Uhr Nachmittags in der Expedition, Berlin SW., Bcuthttraße 3, sowie von allen Annonccn-Bureaur. ohne Erhöhimg dcS Preises, angenommen. Die Expedition ist an Wochentagen bis 1 Uhr Mittags und von 3—7 Uhr Nachmittags, an Sonn- und Festtagen bis 9 Uhr Vormittags geöffnet. -» Lernsprecher: Amt vi. Zlr. 4106.,■> Vedslkkion: Vvukhskvcrtzr S.— Exprdiiion: VeukNtvÄitzv 3. m : UZ 188t | Nlll ihr? luv» bei« cdeii !vo< r| alle« : E» ti bW NOT über 1 llug« nw� i ' s i i ItJ Di- dilZ ■OliW ®(il MiV » Ä iDtitf Der Oktoborflt, recke»» hat sich ebenso als eine Ausgeburt des bösen Gewissens und der Unwissenheit erwiesen, wie vor 5 Monaten der Maischrecken. Solche Angstprodukte, die jeder thatsäch- lichen Begründung ermangeln, sind der Beweis einer krankhaften Disposition. Ein Mensch, der sich beständig von Gefahren umringt steht, bei jedem Geräusch auffährt, stets seine Existenz bedroht glaubt, ist nicht in einem normalen Geistes- und Körperzustand, und muß ärztlicher Pflege überliefert werden. Was von einzelnen Individuen gilt, das gilt auch von Kollektivorganismen, wie dem Staat, der'Gesellschaft und einzelnen Bevölkerungsklassen. Ein Staat, der vermeintlich immer in Gefahr ist, hat eine zerrüttete Konstitution. Eine Gesellschaft, die bei jedem Luftzug zittert und sich für das Ziel unaufhörlicher Mordanschläge und sonstiger Attentate hält, dokumentirt dadurchaus das Deutlichste ihre vollständigeUngesundheit. Und unsere moderne Bourgeoisie— insbesondere die deutsche, welche unter allen Bourgeoisien der Welt die unvortheil- haftest entwickelte ist, bekundet durch ihre fortwähren- den Beängstigungen und Anfälle von Zitterfieber, daß sie krank ist bis in den innersten Lebensnerv. Der Maischrecken und der Oktoberschrecken waren die vernichtendsten Armuthszeugniffe, welche unsere Bourgeoisie sich ausstellen konnte. Und der Umstand, daß der 1. Oktober dem deutschen Unternehmerthum und unseren sämmtlichen Reaktionsparteien Gelegenheit gegeben hat, ihren geistigen und moralischen Bankrutt vor aller Welt zu bekunden, kann die Freude uud das Hochgefühl der Sozial- demokratie nur erhöhen. Die Feier des 1. Oktober ist genau so verlaufen, wie jeder vernünftige Mensch mit gesunden Sinnen es er- wartet— und genau umgekehrt so, wie die Bourgeoisie und die sonstige Reaktion es sich eingebildet hatte. Ueberall in Deutschland wurde der Fall des Sozia- listengesetzes in dem gleichen Geiste und mit der gleichen Begeisterung gefeiert. Rirgends fand auch nur die' leiseste Störung statt, nirgends der leiseste Mißklang— überall herrschte die vollkommenste Harmonie und Brüderlichkeit bei klarer Beurtheilung der Sachlage. Nirgends äußerte der Siegesjubel sich in thörichten Ueberschwänglichkeiten. Ueberall wissen ja die Genossen, daß der Kampf mit dem Erlöschen des Sozialistengesetzes nicht zu Ende ist, und daß von einer neuen Aera nur in dem Sinne einer neuen Aera d e s 5k a m p f e s die Rede sein kann. Die deutschen Arbeiter waren am 1. Oktober auf der Höhe des Moments. Der Sieger freute sich der ersoch- tenen Siege, und gedachte der schwereren Kämpfe, die noch bevorstehe». So fehlte dem Fcstjubel nirgends der weihe- Feuilleton. Nachdrua verbolen.l cUll«1 t indC < •IITIK fi Ä el'� rtrff B Uirtorii». Roman von Minna K a n t s k y. Das junge Mädchen biß die Lippen zusammen, wie unter dem Schmerze einer Beleidigung, dann sagte sie kurz angebunden und hoffärtig:„Wegwerfen werde ich mich niemals, da bleibe ich lieber ledig." Paul wandte sich mit höchst aleichgiltigcr Miene an den Vater und fragte, ob er Nachrichten von seinem Sohne habe. Der Alte blähte sich aus und nickte bejahend. Tann nahm er die Pfeife ans dem Munde, gleichsam aus Respekt vor dein Gegenstand, der da zur Sprache kommen sollte: „Mein Sohn—" bald hätte er Herr Sohn gesagt— „ist in Wien, natürlicherweise viel beschäftigt— der ist ganz in seinen Studien, der ist ganz in der Wissenschaft— mein Sohn." „Da hat er also schon eine Anstellung?" fragte Paul. „Das heißt, er wartet auf eine Professur, nichts Ge- ringcres darf er mir nicht annehmen." „Da. wird er lange warten können," warf Poldl da- zwischen. „Ach, es lauern so Viele auf ein Amt", klagte Mili, „er hat uns selbst geschrieben." ..»Es ist unerklärlich, daß sich grad Alles zum Lehrsach drangt", brummte der Alte. „Dorthin wie überallhin," bemerkte Poldl,„die Leute volle, entschlossene Ernst, der eine kämpfende Armee in einer Kampfpause beseelen muß. Nicht daß, wie einige Klugmeier ansgetiftelt hatten, der Sozialdemokratie die Festfreude durch den Gedanken vergällt worden wäre, daß nicht die S o z i a l d e m o- kr a ti e es gewesen, welche die Aushebung des Sozialisten- gesetzes erwirkt, sondern daß dies das Werk von Faktoren außerhalb der Sozialdemokratie sei. Das ist albernes Gerede. Jeder Sozialdemokrat weiß, daß die Sozial- demokratie es war, welche das Sozialistengesetz ge- tödtet hat. Hätte sie sich mit Hammelsgcduld unter- worfen, und in stiller Ergebenheit gewartet, bis von oben herab die Erlösung kommen, und der 5knebcl uns ab- genommen werde— noch hente wäre das Sozialisten- gesetz in Kraft und noch heute spielte Fürst Bismarck seine unheilvolle Rolle fort. Aber die deutsche Sozialdemokratie unterwarf sich nicht, sie„pfiff auf das Gesetz", sie wehrte sich ihrer Haut, beivies ihren Feinden durch die kräftigen Hiebe, die sie ihnen versetzte, die Unsinnigkeit und Zwecklosigkeit der Knebelakte, und drehte so erfolg- reich den Spieß um, daß den Angreifern Sehen und Hören verging. Statt sich feig zu ducken, huldigte die geächtete Partei dem guten Grundsatz:„auf einen Schelmen anderthalbe" und statt um Gnade zu bitten und reuig Besserung zu geloben, verleideten wir unseren Feinden die Lust znin Weiterkämpfen. Wir sorgten dafür, daß von den„erzieherischen Wirkungen des Sozialistengesetzes" die schlechten alle unseren Feinden, die guten alle uns zu Theil wurden, und, indeni wir unsere Feinde schlugen, schlugen wir das Sozialistengesetz todt. Am 20. Februar dieses Jahres wurde es hingerichtet — in der Nacht vom 80. September auf den 1. Oktober wurde der einbalsamirte jedoch trotzdem den widerlichsten Verwesungsdnft ausdünstende Kadaver begraben. Also die S o z i a l d c m o k r a t i e hat das S o z i a- l i st e n g e s e tz g e t ö d t e t— den Ruhm lassen wir uns nicht raube». Allein wir wissen mich, daß die Parteien noch nicht todt find, welche das Sozialistengesetz gemacht haben, daß die weitaus größere Hälfte unserer Aufgabe noch zu erledigen ist, und daß die schwersten Kämpfe noch gekämpft werden müssen. Jndeß, wir sind bis jetzt mit unseren Feinden fertig geworben und werden auch später mit ihnen fertig werden, so lange es noch Feinde giebt. Ter 1. Oktober— sagten wir— ist der Anfang einer neuen Aera des K a m p f e s. Das weiß ein Jeder von u»S. Und ein Jeder von uns weiß, daß er für die heilige Sache der Sozialdemokratie seine ganze Persönlichkeit ein- stürzen sich nur auf die Arbeit, als ob es gar nichts anderes zn thnn gab' auf der Welt." „Da spricht der Faulpelz in Dir, der sein Lebtag nichts anderes gcthan hat, als im Wald herumgebummelt," fuhr der Sattler wieder gegen ihn auf. „Niemals Hütt' es so viel Studenten gegeben," sagte Mili rasch einlenkend,„und für jeden Posten wären hundert Bewerber da." „Aber trotzdem glaubt jeder Vater, er muß seinen Buben auf die Universität schicken," lachte der Pecher. Das war aber dem Sattler zn viel. „Hütt' ich den mcinigcn vielleicht sollen zum Handwerk geben V da hält' ich ihn doch lieber gleich erschlagen. Was ist denn ein Handwerker hciitzntag anders als ein Hunger- leider, und gar ein Sattler.— Sollt' vielleicht noch ein Tritter sich im Ort etabliren und zuschauen, wie ein Train nach dem andern ihm vor der Nase dahinfährt, und zn- schauen, wie der fruchtbare Acker sich in Gärten und Parks verwandelt, so daß ein ordentliches Paar Ochsen gar nirgends mehr zu sehen ist. Nein, ich dank dafür, dafür war mir mein Sohn zu gut. Ter soll's einmal besser haben, als sein Vater, und der hat auch, Gott sei Dank, den 5to darnach." „Ja, das ist wahr", bestätigte dieMutter, die sich nun ebenfalls unter der Thüre zeigte.„Ter Rudi, der hat schon alles ausgelernt, was es nur zn lernen giebt. Freilich, er hat auch g'nng Geld gekostet. Wir stünden anders, wenn wir den nicht hätten flndiren lassen, und—" „Red' nicht so dumm über Sachen, die Du nicht verstehst," herrschte sie der Gatte an.„Mich reut es nicht. So ein Talent, das muß seinen Weg machen, und er kann mich einmal Minister werden." zusetzen hat. Und darum wird die neue Aera des Kampfes für uns eine Aera des Sieges werden. Die Befürchtungen, welche unsere Feinde an den 1. Oktober knüpften, haben sich nicht erfüllt. Und dennoch hatten sie allen Grund, den 1. Oktober zu fürchten, denn er zwingt sie, jetzt hinter den Schößen der Polizeiunisorm hervorzutreten, und sich am Tageslicht in ihrer wahren Gestalt zupräsentiren. Hie Rhodus hie salta! Unsere Feinde müssen jetzt Farbe bekennen, und zeigen, was sie leisten können. Die Deckung des Sozialisten» gesetzes hat für sie aufgehört. Wir haben sie am Kragen uud ihr N n f ä h i g k e i t s- N a ch w e i s soll nun durch sie selbst, und durch uns mit erschöpfendster Gründ- lichkeit erbracht werden. Ja, unsere Feinds haben Ursache gehabt, den 1. Oktober zu fürchten— wenn auch nicht in der kindischen Form, wie es der Fall gewesen— der 1. Oktober entzieht ihnen den Schild, hinter dem sie ihre Impotenz verbergen konnten, uud giebt uns die Möglichkeit, sie rascher zu überwinde n. Friedrich Engels schreibt in der letzten Nummer des„Sozialdemokrat": Zweimal in meinem Leben hatte ich die Ehre und die Freude, an einem Vlatt mitzuarbeiten, wo ich die beiden günsligsten Bedingungen vollauf genoß, unter welchen man über- Haupt in der Presse wirken kann: erstens unbedingte Prepfreiheit und zweitens die Gewißheit, von gerade dem Publikum gehört zu werden, von dem man gehört sein will. Das erste Mal 1848—49 bei der„Neuen Rheinischen Zeitung". Das waren Revolutionszeiten und da ist es ohnehin eine Lust, an der Tagespreise zn arbeiten. Man sieht die Wirkung jedes Worts vor Augen, man sieht, wie die Artikel förmlich einschlagen, als wären sie Granaten, uud wie die Sprengladung platzt. Das zweite Mal beim„Sozialdemokrat". Und das war auch ein Stück Revolutionszeit, seitdem die Partei sich auf dem Wydener Kongreß widerfand, uud von da an„mit allen Mitteln", gesetzlich oder nicht, den Kampf wieder aufnahm. Der„Sozialdemokrat" war die Verkörperung dieser Ungesetzlichkeit. Für ihn bestand Grenzen des heiligen Deutschen Reichs; Häscherj Spione, Lock- spitzet, Zöllner, verdoppelte und verdreifachte Grenzwacht waren ohnmächtig; fast mit der Sicherheit eines Wechsels wurde er am Versalltag den Abonnenten präsentirt; kein Stephan konnte hindern, daß die deutsche Reichspost ihn versenden und austragen mußte. Und das bei über zehntausend Abonnenten; und während die verbotenen Schriften von vor 1848 von ihren Bourgeoiskäufern nur in de» seltensten Fällen bezahlt wurden, zahlten die Arbeiter für ihren„Sozialdemokrat" zwölf Jahre lang mit der gkößten Regelmäßigkeit. Wie oft hat mir altem Revolutionär das Herz im Leibe gelacht, wenn ich diese so ausgezeichnet eingeölte, ge- ränschlose Wechselwirkung zwischen Siedaktion, Expedition und „Da wird er freilich auch eine starke Konkurrenz zu be- stehen haben," scherzte der Pecher, der sein loses Maul nicht halten konnte. „Es giebt Nebcrprodnktion auch an Ministern," sekundirte . In dem Augenblick trat der Briefträger heran und übergab dem Meister einen Brief, der mit der letzten Post gckoiniiicn war. „Er besah das Kouvert.„Von meinem Sohn," sagte er stolz. „Ah, vom Rudi!" rief Mili erfreut. „Was schreibt er denn?" fragte die Mutter. „Wahrscheinlich hat er die Professur schon in der Tasche," versetzte nicht ohne Bosheit der junge Arbeiter. „Höchst wahrscheinlich sogar," erwiderte der Sattler mit Nachdruck,„wenn überhaupt Einer ernannt wird, so wird er es sein." Sprachs und ging, seinen Brief in der Hand, in das Zimmer zurück, ohne die Beiden auch nur eines Blickes zu würdigen. Der Pecher Poldl und sein Freund grüßten die Frauen, der Erstere mußte noch einmal der Mili die Hand drücken, der Mutter ein Witzwort zurufen, dann gingen' sie über die Brücke, nach dem jenseitigen Ufer, ihrer Behausung ent- gegen. Zweites Kapitel. Eine Stunde später kamen Frau Brandhofer und Mili nach dein Garten heraus. Ihre Stimmung war eine durch- ans veränderte und sie sahen Beide recht trübselig aus. Die Erstere fuhr mit ihrem Schürzenzipfel immer wieder über die tropfenden Augen. Mutter und Tochter trugen ein Bettgestcll, das sie Abonnenten, diese businesslike, geschäftsmäßig organisirte revolutionäre Arbeit, Woche für Woche, jahraus, jahrein, mit gleicher Sicherheit sich abwickeln sah! Und das Blatt war der Mühen und Gefahren wcrth, die seine Verbreitung kostete. Cs war unbedingt das beste Blatt, das die Partei je besessen. Und zwar nicht blos, weil es, allein von allen, volle Preßfrciheit genoß. Tie Grundsätze der Partei wurden mit seltener Klarheit und Bestimmtheit dargelegt und festgehalten,' und die Taktik der Redaktion war fast ausnahmslos die richtige. Dazu kam noch eins. Während unsere Bourgeois- presse sich der ertödtendsten Langweiligkeit befleißigt, spiegelte sich im„Sozialdemokrat" auch der heitere Humor reichlich wieder, womit unsere Arbeiter den Kamps gegen Polizeichikanen zu führen gewohnt sind. Dabei war der„Sozialdemokrat" alles, nur kein bloßes Mundstück der Fraktion. Als die Majorität der Fraktion 1883 der Dampfersubvention zuneigte, vertrat das Blatt entschieden die entgegengesetzte Meinung, und behauptete sein Recht dazu auch noch, als diese Majorität in einem Tages- vefehl, der ihr heute wohl selbst unbegreiflich erscheinen wird, ihm dies verbot. Der Kampf dauerte gerade vier Wochen, während deren die Redaktion von den Parteigenossen Deutsch- lands und des Auslandes kräftig unterstützt wurde. Am 2. April erschien das Verbot; am 80. brachte der„Sozialdemokrat" eine zwischen Fraktion und Redaktion vereinbarte Erklärung, woraus hervorging, daß die Fraktion ihren Befehl zurücknahm. Zu einer späteren Zeit war es dem„Sozialdemokrat" vor- behalten, das viel gerühmte schweizerische Asylrecht auf die Probe zu stellen. Da zeigte sich, wie in allen ähnlichen Fällen seit 1830, daß dies Asylrecht jedesmal gerade da versagt, wo es wirklich in Kraft zu treten hat. Das ist nun nichts Neues. Seit ihrer von 1890 an bewirkten Demokratisirung erlauben die benachbarten Groß- mächte der kleinen Republik die demokratischen Experimente im Innern nur unter der Bedingung, daß das Flüchtlingsasyl nur unter Kontrole der jedesmal interessirten Großmacht ausgeübt wird. Die Schweiz ist zu schwach, um nicht nachzugeben. Man kann ihr das nicht übel nehmen. Marx pflegte zu sagen, in Bezug namentlich auf Holland, die Schweiz und Dänemark, heutzutage sei die schlimmste Lage die eines kleinen Landes, das eine große Geschichte gehabt. Aber nun höre man doch endlich auf, in der „fryen Schwyz" vom unbefleckten Asylrecht zu flunkern. Der„Sozialdemokrat" war die Flagge der deutschen Partei; nach zwölijährigem Kampf ist die Partei siegreich. Das So- zialistengesey ist gefallen, Bismarck ist gestürzt. Das mächtige Deutsche Reich hat alle seine Machtmittel gegen uns in Bewegung gesetzt; die Partei hat ihrer gespottet, bis endlich das Deutsche Reich seine Flagge hat streichen müssen vor der unfern. Die Reichsregierung will es uns gegenüber einstweilen wieder mit dem gemeinen Recht versuchen, und so wollen wir es einstweilen wieder nnt den gesetzlichen Mitteln versuchen, die wir uns, vermittelst kräftigen Gebrauchs der ungesetzlichen, wieder erobert haben. Ob dabei die gesetzlichen Mittel ivieder ins Programm aufgenommen wer- den oder nicht, ist ziemlich gleichgilt'ig. Versucht muß werden, vor der Hand mit den gesetzlichen Kampfmitteln auszukommen. Das thun nicht nur wir, das thun alle Arbeiterparteien aller Länder, wo die Arbeiter ein gewisses Maß gesetzlicher Be- iveguugsfreiheit haben, und zwar aus dem einfachen Grunde, weil dabei am meisten für sie herauskommt. Das hat aber zur Voraussetzung, daß die Gegenpartei ebenfalls gesetzlich verfährt. Versucht man, sei cs durch neue Ausnahmsgesetze, durch rechts- widrige Urtheile und Retchsgcrichtspraxis,"durch Polizeiwillkür oder durch sonstige ungesetzliche Uebergriffe der Exekutive, unsere Partei wieder thatsächlich außerhalb des gemeinen Rechts zu stellen, so treibt man die deutsche Sozialdemokratie abermals auf den ungesetzlichen Weg, als den einzigen, der ihr noch offen steht. Selbst bet der gesetzliebendsten Ration, den Engländern, ist die erste Bedingung der Gesetzlichkeit von Seiten des Volkes die, daß die andern Machtfaktoren ebenfalls in den Schranken des Gesetzes bleiben; geschieht das nicht, so ist nach englischer Rechts- anschauung Rebellion erste Bürgerpflicht. Tritt dieser Fall ein, ivas dann? Wird die Partei Barri- laden bauen, an die Gewalt der Waffen appellire» V Diesen Gefallen wird sie ihren Gegnern sicher nicht thun. Davor bewahrt sie die Erkenntniß ihrer eigenen Machtstellung, die ihr jede allge- meine Reichstagswahl giebt. Zwanzig Prozent der abgegebenen Stimmen ist eine sehr respektable Zahl, aber das heißt auch, daß die vereinigten Gegner noch immer achtzig Prozent davon haben. Und wenn unsere Partei dabei sieht, daß sie ihre Stimmenzahl in den letzten drei Jahren verdoppelt hat, und daß sie bis zur nächsten Wahl auf ein noch stärkeres Wachsthum rechnen darf, so müßte sie verrückt sein, heute mit Zwanzig gegen Achtzig und gegen die Armee obendrein, einen Putsch zu versuchen, dessen sicherer Aus- gang wäre— der Verlust aller seit lünfundzwanzig Jahren eroberten Machtposten. Die Partei hat ein viel besseres, gründlich erprobtes Mittel. An dem Tage, wo uns das gemeine Recht streitig gemacht wird, erscheint der„Sozialdemokrat" wieder. Die alte Maschinerie, in Reserve gehalten für diesen Fall, tritt wieder in Thätigkeit, vor- bessert, vermehrt, neu eingeölt. Und eins ist sicher: Zum zweite! Mal halt das Deutsche Reich das keine zwölf Jahre aus. An die deutsche Sozialdemokratie sind nachstehende Zuschriften und Telegranune emgelaufen: Aus Dänemark: „Deutsche Parteigenossen! Die Sozialdemokratie in Dänemark sendet Euch ihren herz- lichen Glückwunsch am Tage der Aufhebung des infamen Sozia- listcngesetzes. Die schändlichen Verfolgungen, die man gegen Euch ins Werk gesetzt hat, sind nur ein Zeichen der Machtlosigkeit der kapitalistischen Gesellschaft. Eure ungeschwächte Energie ist ein Zeichen der Uuübcrwind- lichkeit des Sozialismus. Innigsten Dank für Eure Opferwillig- keit im Kampfe für unsere große Sache. Gleichzeitig mit Eurem Sieg über das Sozialistengesetz hat die Sozialdemokratie in Däne- mark eine neue Bresche in die Mauer des Kapitalismus ge- schössen. Heute haben wir einen Wahlsieg errungen, durch welchen wir zwei Sozialdemokraten, P. Knudsen undC. C. Andersen, in den Senat Dänemarks eingesetzt. Dänemark hat jetzt fünf sozialdemokratische Reichstags-Abgeordnete, drei im Abgeordneten- hause(Folkething) und zwei im Senate(Landsthing). Eine große sozialistische Versammlung in Kopenhagen hat ihre einmüthige Zustimmung zu dieser Depesche gegeben. Der Parleivorstand der Sozialdemokratie für Dänemark. Andersen. Christensen. A. Hansen. Chr. Hansen. Jens Hansen. Hermansen. Holm. Hurop. Hördum. Harald Jensen. I. Jensen. Klausen. Knudsen. Mardse». Marolt. Meyer. Mortensen. Petersen. Rasmussen. Sabrol. Wiinblad. Vorstehende Adresse sollte als Telegramm an Liebknecht ge- sandt werden, die Berliner Telegraphenleitung verweigerte jedoch die Beförderung von nachstehendem Telegramm: Telegramme nach Kopenhagen von Berlin: 30. Sep- tember. Ihre Stummer 6983 an Liebknecht,„Berliner Volksblatt", wird auf Grund des Artikels 7 des internationalen Telegraphen- Vertrages nicht ausgehändigt. Aus Kähmen: Prag, den 1. Oktober. Prags Sozialdemokratie sendet den freudigsten Gruß und Wunsch den deutschen Brüdern zum heutigen Siegesfeste über die Bismarck- Putt- kcimer'sche Despotie. Hoch die internationale Brüderschaft!(Folgen die Uuterschriiten.) Aus Kollnud: Haag, I.Oktober. Die holländische Partei bringt ein herzliches Hoch für die tapferen deutschen Kampf- ge»ohe!i. Ans An0+i-> 9U1 vti>i stet« naiiieullicki bei solcben Anlässen und bei den tische Partei stets, namentlich bei solchen'Anlässen und bei den Wahlen gerne paradirt, um die Arbeiter zu dupire», angehörten. Trotzdem nun die Unterschriftensammlung ini besten Zuge ist, stellte einer der Demokraten im Nationalrath die Molion, den Bunde srath einzuladen, baldmöglichst Bericht und Antrag zn hinterbringen über die Revision Frau Brandhofer nickte,„ja, ja, cs ist wahr, die armen Leute zeigen jetzt so wenig Respekt vor Unfern nein, und besonders seit es bekannt ist, daß wir so tief in Schulden stecken. Und die Neichen schauen uns seitdem ganz über die Achsel an, die Mühlenbesitzerin zun» Beispiel—" „Laß gut sein, Mutter", rief das Mädchen mit auf- flammenden Wangen,„sobald nur der Rudi erst Professor geworden ist, datin werden»vir uns auch auf die Gnädigen spielen." Sie hatte ihr Betttheil an das Stacket gelehnt, daß den Hof von» Garten trennte, und die Mutter that das Gleiche. Mili schob hierauf ihren Arn» in den der Mutter ui»d flüsterte:„Jetzt gehen»vir doch hinunter und setzen»ins ein »venig ans die Bank an» Wasser. Herr Hnber soll nicht glauben, daß»vir»rnS vor ihm geflüchtet hätten." Langsam schlenderten sie unter den großen Nußbäume» dahin, dem Wasser entgegen. A»>i andern User stano eine Grllppe von Häuschen. Patil Hnber bewohnte das eine derselbe!» in Gemeinschaft mit der Familie seines Schivagcrs. Ein weiter Rasenplatz breitete sich vor demselben aus, der von spielendei» Kindern belebt war. Seitlvärts,»ind bis ans Wasser reichend, befand sich ein kleines von einer natürlichen Hecke umfriedetes Gärtchen, i>» dem hohe Sonnenblumen, blauer Rittersporn und rothe Geranien blühten. Paul war nach dem Tode seiner Frau mit seinen» Söhnchen hierher gezogen, da seine Schwester Therese versprochen hatte, Mutterstelle an dem kleinen Wurm zu vertreten. Sie hatte damit zn ihren eigenen fünf Kindern noch ein sechstes bekommen. Ihr Mann»var Spinner und verdiente, als einer der bestgestellten Arbeiter, acht Gulden die Woche. Die Summe»vollte aber für den Ui»terhalt einer so großen Familie nicht a»»sreichci»,»u»d so »var es als ein Glücksfall anzusehen, daß der Bruder zum gemeinschaftlichen Hanshalt sich herbeigelassen. Sic wachte jetzt nur sorgsam darüber, daß sie dieser Wohlthat nicht wieder vcrlilstig ging und bekämpfte daher die Absicht des Bruders, ein Mädchen z»lr Ueberivachnng des Kleinen ins Hans zu nehmen, mit aller Entschiedenheit. Therese»var ein resolntes Weib, tüchtig und verstmrdig, soweit sich dies mit gänzlicher des Artikel 89 der Bundesverfassung in dein Sinne, daß dem Bunde das ausschließliche Recht der Notenemission zusteht und daß er diese- Recht einem zu schaffenden zentralen Bant« i n st i t u t ü b e r t r a g e n k a n n. Dieser Motion wurde denn auch zugestimmt, obivohl sit völlig gegenstandslos»vird, sobald durch das Jnitiativkomich die 50 000 Unterschriften dem Bundesrathe übergeben und so d« Revision des oben bezeichneten Verfassungsartikels im Sinne dck Einführung des staatlichen Banknoten-Monopols gefordert wird. Aber zene Demokraten, die in der Herrschsucht mit den Liberale» und Ultramontanen»vetteisern können, haben doch die Genug' thuung, dem„sozialdemokratischen Initiativkomitee" ein Schnipp' chen geschlagen zu haben.. j In der Bundesverfassung war bisher nur eine Totalrevisio» und keine Partialrevision vorgesehen. Das erwies sich im praktischen Leben als sehr unpraktisch und hinderlich res?. schwerfällig und darum forderten die Arbeiter und dü Demokraten schon längst die Abänderung der Verfassung in de»> Sinne, daß auch Partialrevision zulässig sei und vom Volke ver> langt»verden könne. Vom Nationalrath wurde s. Z. damit eint Kommission beauftragt, die nun die Abänderung der VerfassunS in dieser Richkung beantragte. Der betreffende Berichterstatte» bemerkte u. a. in seinen» Referate:„Das Recht der Jnitiatiot ist ein Ausfluß der Volkssouveränität, das zudeu» geeignet, ge> »vissen Strömungen im Denken und Wünschen des Volkes ßW druck zu geben; endlich ist es undemokratisch, daß der gesch gebende Körper Befugnisse besitze, welche das Volk selber nich> habe." Und Bundesrath Schenk bemerkte in seiner Rede:„A»' gesichts der großen Revolutionen, die sich vorbereiten, muß ma« dem Schweizer Volke freie Luft schaffen,»hm freie Beiveguns gebe»», dann werden die kommenden Umwälzungen keine Gefahre» bringen.". Die Revision(Artikel 121)»vird dergestalt beschlossen, nach Eingang des Jnitiativsiegehrens das Volk angefragt werde« solle, ob es die Revision»volle oder nicht. Die Zahl der Unteo schriften»vird unverändert, 30 000, belassen. Eine Motion auf Einführung des proportionale» Wahlsystems wurde abgelehnt. Im'Anschlüsse hieran sei bemerkt, daß die Regierung dck Kantons Neuenbürg in den letzten Tagen dem Großen Rat? einen Gesetzentivurs vorlegte, nach»velchein derselbe in Zukun? nach den» proportionalen Wahlsystem geivählt»verde»» solle. In Sachen der N a t i o n a l r a t h s»v a h l e n fand gester» iin„Schivanen" dahier eineVersaminlung statt, die eine sozio' l i st i s ch c P a r t e i v e r s a m in l»» n g s e i n s o l l t e, es ab«> augenscheinlich nicht»var, sondern eine solche der demokratischt» Partei—, um die Kandidaten für die Nationalrathsivahlen nominiren. Es wurden als„Arbeiterkandidaten", nicht soW der Sozialdemokratie, dazu hatte man nicht den Muth und d» Konsequenz, aufgestellt der Redakteur des„Grütlianer", He« Vogelfänger und der Redakteur der„Züricher Post", C u r t i. 1 In Oberstroß-Wipkingen war gestern eine Na# wähl in denKantonsrath, bei welcher der Sozialdemokrat, Bezirk- amvalt Lang, 986, der liberale Kandidat, Statthalter Meie- 1062 Stimmen erhielt. Es ist ein ziveiter Wahlgang nöthig. Polikil'rhe«eberstiftt. Die„Kölnische Zeitung" bringt als neueste„En� hüllung" daß der Kaiser f ü r die Beibehaltung des Sozt»' listengesetzes, Fürst Bismarck aber„anderer Meinung"$ »vesen fei. Tie„Kölnische Zeitung", welche bekanntlich in de? verflossenen Reichskanzler noch heute den Chef de« reaktionären Unter nehmerthu m s verehck lügt im Interesse ihres Klienten und Patrons, der � kanntlich noch vor wenigen Wochen mit verbohrtest� Fanatismus für sein heißgeliebtes Sozialistengesetz eintraf Diese neueste Lüge der Kölnern» ruft uns ins Gedächtfl'! zurück, daß die Kreaturen des Fürsten Bismarck gegen SchA der letzten Session des vorigen Reichstags, als über dfl „ewige Sozialistengesetz" verhandelt»vard, eifrigst die kolportirt, Fürst Bismarck sei für, der Kaiser aber geg«' die Abschaffung des Sozialistengesetzes. Dies wurde in � offenbare!» Absicht verbreitet, den Kaiser unpopulär zu mach« und den Einfluß des„treuen Vasallen" zu vergrößern. Dur keine IUustonen. Zum Fall des Ausnahmegeseh« sagt-dns Leipziger Parteiorgan, der„Wähler": DaS Schandgesetz ist gefallen!■, Wir nennen das Gesetz vom 21. Oktober 1878 so zuna# wegen seines Urhebers, eines Mannes, der niit noch nie gewesener Menschenverachtung und Brutalität Deutschland Menschenalter hindurch tyrannisirt hat. Unbildung verträgt. Sie nnißte hübsch gewesen sein, M waren in dem verwitterten, von Sorgen gefurchten GesiE nur mehr Spuren davon übrig, obivohl sie erst 33 Jahre zähle Ihre Ansdrucksweise ivar eine herrische und nngeschlach und ein durch das Elend großgezogener Egoism»ls verdräng' alle anderen Empfindungen. Sie hantirte in der Küche, trat aber häufig an die g öffnete Thür derselben, um ihrem Töchterchen eine Znreff iveisung zuzuschreien. Die achtjährige Pepi, die Wärter' des Kleinsten, hatte ihn in den Schlaf zn singen. Sie Hop? das schivere Kind am Arme, auf und nieder und plär»» bereits außer Athem gebracht, unermüdlich einige Takte ei? Melodie herunter. Aber das Kind schreckte alle Augenblf» aufs Neue auf und begann zn schreien, worauf die Kletff in nervöser Zusaminenfassung all' ihrer Kräfte, noch law zn plärren und, die ihr schier entsinkende Last an ff pressend, noch heftiger herumzuspringen begann. Hier da warf sie einen sehnsüchtigen Blick nach den Jungen, in ungebundener Lust sich am User und im Waffer tummel? und deren fröhliches Lärmen die Luft erfüllte. Der Va? saß auf der Bank vor dem Hanse, unbekümmert»nn T Vorgänge um sich herum. Er hatte seine Jacke a> gezogen und die weiche warme Sommerluft trocknete yvöVöV*V"»IV VIV*VVVV4)V«VVrClllV WWJIUIVVHV(V■ das vom Schweiße feuchte Hemd, das er am Leibe tr« en, lag»»eben ihi% völlige Apathie versnn« Eine Zeitung, in»velcher Paul beachtete sie nicht, er schien in„ � und glotzte mit leeren, gedankenlosen Augen vor sich hi». Abgerackert und übermüdet, befand er sich in je»' Stadium, wo kein Reiz»nid kein Wille»nehr für ii0e eine Kraftäußerung vorhanden ist. Paul hatte sein zweijähriges Söhnchen am Arm ging mit ihm am Ufer auf und nieder, den» lustigen Tre� das den Kleinen aufs Lebhafteste! der Knaben zusehend, interessiren schien. Er»väre auch schon gerne dabei geivesen und verfolg jedes Manöver dieser in» Wasser watenden Jungen,, denen einige die Höschen hoch hinaufgenommen, wäh», sich andere sich ihrer ganz entledigt, mit Aufmerksaii'n Die Ersteren hielten sich anfänglich uür im Seichten, aber durch die Spitzbübereien der Anderen ver»« 2 iii Wir nennen dieses Gesetz ferner so, weil es von der national- cht liberalen Partei, der elendesten und knechtseligsten von allen, sofort e\ akzeptirt wurde. ,1) Wir nennen dieses Gesetz weiter so, wegen seiner verheerenden Wirkungen, wegen der Opfer an Menschenleben und Menschen- st glück, die es in verfassungswidriger Weise dem um sein Recht itd kämpfenden Proletariat aufgebürdet hat. die„Verbrecherische Thorheit" zu bekämpfen, wie der Urheber des d« Sozialistengesetzes vorgab, ward dasselbe geschaffen— in Wahr- ird. heit war es selbst eine der größten verbrecherischen Thorheiten, (Cii welche die Geschichte aufzuweisen hat. Die organisch fort- ug- schreitende Entwicklung des Deutschen Reiches ist durch diese ver- «m brecherische Thorheit auf Jahrzehnte hinaus verkümmert und ge- 1 schädigt worden. ■:0j Aber endlich ist es gefallen, dieses Schandgesetz, dessen -ich Erbärmlichkeit zur Genüge jetzt bei seinem Fall des weiteren L noch bewiesen wird durch die Qualität der Leute, welche seinen jU Fall beklagen.... Von heute ab leben wir Sozialdemokraten also, wie es heißt, wieder unter den Woblthaten des gemeinen Rechts! Der Partei als Ganzem und ihrem Wachslhum hat die zwölfjährige ' Brutalität dieses Gesetzes nicht den geringsten Eintrag gethan; Lj mächtiger denn je steht sie da!— Aber unser allgemeines öffent- tin» liches Leben ist durch das Schandgesetz bis auf das tiefste Mark ' vergiftet worden. Darum ist mit der einfachen Aufhebung desselben noch lange ' nicht einmal der statns quo ante, der vorherige Stand der Dinge, wieder hergestellt! Zwölf Jahre fortwährenden Rechts- bruches, fortwährender Rechtlosigkeit eines so gewaltig großen Theiles der Bevölkerung eines Landes gehen nicht spurlos au dem Gesammtstaat und seinen Einrichtungen vorüber. uitj Die Erkenntniß dessen, was dem Gesammtvolke noch thut, die-Einsicht in die nothwendig kommende Entwickelung unseres Wirthschaftslebens zum Sozialismus hin, ist für weite Kreise des das Volkes gehemmt und aufgehalten worden durch die Vervehmung de« der Sozialdemokratie, welche die kommende Gesellschaftsform ter> vorbereiten, den Uebergang zu ihr erleichtern wollte und noch will.... 'e« Die tiefsten Wunden aber weist unser Rechtsleben auf. Selbst eine für nur kurze Dauer geltende Ausnahmegesetzgebung veriälscht de! und verdirbt die Rechtsbegrifse des Volkes und ebenso sehr der ai&i Vertreter des Rechts, d. i. aller der Personen, die berufsmäßig unß mit Recht und Gesetz zu thun haben, um wie viel mehr ein Aus- nahmegesetz, das zwölf lange Jahre in Kraft stand!... W Und diese Begriffsverwüstung und-Verwirrung ist mit dem i a( Fall des Ausnahmegesetzes noch keineswegs beseitigt; daran werden ab«> wir noch lange zu kauen haben! cht« Das allgemeine Rechtsgeftthl ist ebenso abgestumpft, wie i z« die öffentliche Rechtssicherheit und das Vertrauen auf dieselbe er- zldji schüttelt ist. S« Vom 21. Oktober 1878 bis zum Chemnitzer Sozialistenprozeß jjes und zum Freiberger Urtheil, bis zum Elberfeloer Prozeß und von ßef da bis zum Fall des Sozialistengesetzes führt ein Weg voll Dornen und Steinen;— daß unser Volk solch eine Straße ge- lalb führt worden ist durch den Zwang des Sozialistengesetzes, ist irl? aber namentlich auch für unser politisches Leben als eine ver- !eick hängnißvolle Schädigung zu betrachten. Die persönliche Freiheit der harmlosesten Staatsbürger ist fortwährenden Vergewaltigungen ausgesetzt gewesen zwölf Jahre lang. Man gab vor, die„Aus- schreitungen der Sozialoemokraten" zu treffen— aber die allgemeine politische Freiheit war es, welche darunter ge- r 1 litten hat! Der Polizei, die in ganz unverhältnißmüßigen Umfang . Regierungsinstrument ward, siel durch das Gesetz eine Macht- Em Vollkommenheit zu, wie sie nur in sinkenden Staatswesen gerade zzi«« dieser Behörde eignen. Die Eingriffe der Organe derselben, von gs denen wir Zeugen— und Opfer— gewesen sind, zählen nicht nach Hunderten, sondern nach taufenden und abertausenden!... kein Die gewohnheitsmäßig 12 Jahre lang ausgeübte Macht- kgf Vollkommenheit, welche oft genug ungeeignete, zu solchen Zwecken , j mangelhaft vorgebildete und recht ungeschickte Organe zu Hand- W haben berufen waren, wird von jener Seite nicht sogleich wieder � fahren gelassen. Ebenso wie die Gesundung unserer Rechts- fft» zustände wird die Zurückweisung der Polizei in ihre Verfassung-- traf mäßigen Schranken noch längere Zeit in Anspruch nehmen! ittiif Und— geben wir uns nur ja keinen Illusionen hin!— hl»l wieder werden wir Sozialdemokraten in erster Linie den Kampf für die faktische Rückkehr zum allgemeinen Recht und zu dessen Mi strengerer Wahrung ausfechten müssen! -S Die Hauptlast des Kampfes für allgemeine Staatsbürger- ... sreiheit und für die Wahrung der Staatsbürgerrechte wird auch fernerhin auf unseren Schultern ruhen! Und wir werden sie auf uns nehmen, stolz und muchig, wie . von jeher, so auch fortan! Aber klar müssen wir uns darüber fep sein, daß der Kampf um die Rückkehr zum gemeinen Recht jetzt erst begonnen hat! ■ Auch die übrigen Parteien werden nicht aufhören, uns bis aw aufs Messer zu bekämpfen, obgleich wir für sie mit zum Theil die ds Rechte der Staatsbürger weiter wie bisher vertheidigen werden. ck Sehnen sie sich doch schon hier und da nach dem gesallenen Ge- ich" immer weiter zu gehen, bis ihnen die rasch dahin- st? fluthenden Wellen die Hüften umspülten, sie umzu- ich reißen drohten, und auch wirklich den Einen oder hl? Anderen mit fortrissen. Aber die gewandten Kerle puddel- ich ten sich unter dem Gelächter der Uebrigeu alsbald wieder ich heraus. Jetzt überschritt Frau Therese die Schwelle, sie be- : T deutete ihrer Tochter, mit dem Kinde hineinzugehen, und ech näherte sich hieraus dem Bruder,< mit der bestimmten Ab- #: ficht, den kleine� Franzel in Empfang zu nehmen. Dieser Pc wollte aber davon nichts wissen. Er schlang die kleinen est Aermchen um den Hals des Vaters, schmiegte sich fest und ich innig an ihn an, und rief in seinem Kinderjargon:„Nein, ich. nein, Nanzi nicht'lasen, Nauzi da'leiben!" ei>« Du mußt schlafen gehen," entschied Taute Theres. ch„Laß ihn noch ein Weilchen," bat Paul.„Er ist so gar vergnügt." m„Dabei kommt er aus dem Schlaf, dann magst Du JJ selbst mit ihm herumspielen, ich habe keine Zeit dazu," ver- i" setzte sie unwirsch. ch„Nun, ich will das schon besorgen," sagte Paul lächelnd, indem er seinem Söhnchen das Flachshaar a? streichelte und ihm voll väterlicher Zärtlichkeit in die Augen i? sah.„Wir Zwei werden schon miteinander fertig werden, v? gelt?" t,? Der Kleine begriff vollkommen, daß er gesiegt hatte, i# er schlug entzückt die Händchen zusammen:„Papa gut— h ii.— is, Nauzi ihn lieb haben." Daun machte er eine ab- n«' wehrende Beweg»>g mit der Linken. st*„Tante Hesi ortgehen— fort!" „Hast Du h wirklich lieb, Nanzi," fragte ihn sein Papa, als könne er das herzige Gestäudniß nicht oft genug $ hören. i i Nanzi hob beide Aermchen empor, so hoch sie nur reichen wollten:„So h— oß Papa lieb haben." „Daun giebt mir auch der Nanzi einen Kuß." e- Er hielt den Knaben in gleicher Höhe mit seinem Ge- «2 ficht, und der Kleine legte beide Händchen an die gebräunten » Wangen des Vaters und küßte ihn voll Zärtlichkeit auf die c? Nasenspitze.(Fortsetzung folgt). waltmenschen und nach seinem ureigensten Werke, dem Ausnahmegesetz, zurück! Darum: nur keine Illusionen!! Glücklicherweise ist auch Niemand Illusionen weniger zugängig als die Sozialdemokratie, und diese Thatsache festzustellen hielten wir gerade am 1. Oktober— als am ersten Tage ohne Aus- nahmegesetz— für angezeigt. Dao Kpiauenft-brv grassirt jetzt in Deutschland mit einer wahrhaft beunruhigenden Heftigkeit. Kein Tag, ohne daß irgend ein unschuldiger Reiseuder als Spion verhaftet wird. Neulich waren es ein paar Engländer, vorgestern ein Holländer, gestern zwei dänische Gelehrte— der vielen Deutschen nicht zu gedenken.— Die ge- fährlichsteu Stelleu scheinen in der Gegend von M aiuz und Köln zu sein. In Mainz ist es so arg, daß die Stadtverordneten dem Militärkommando Vorstellungen machten— jedoch erfolglos. Wenn das so fortgeht, wird Deutschland bald als„wildes Land" von zivilisirteu Reisenden ebenso gemieden werden, wie die wildesten Regionen von Afrika. Uns kann es beiläufig nur Recht fein, daß der Militarismus auch nach dieser Richtung hin seine Gemein- schädlichkeit und Naturfeindlichkeit vor aller Welt znr Schan stellt. Der Leipziger Millionendieb Winkelmann wird nicht ausgeliefert— er ist im Gegeutheil von den argentinischen Behörden wieder aus der Haft entlassen worden. Wie war das möglich? Die Antwort findet sich im„Leipziger Tageblatt", welches den Beschluß der argen- tiuischeu Behörden abdruckt.'Es heißt da ausdrücklich, die Auslieferung könne deshalb nicht erfolgen, weil das d e n t s ch e Konsul a t inkorrekt verfahren sei und das Auslieferungsgesuch unrichtig begründet Habs. Es ist daS sehr merkwürdig— ein Konsul sollte doch ivahr- haftig die für sein Amt nöthige Gesetzeskenntuiß haben. Jedenfalls hatHerrWinkelmanusehr einflußreiche Freunde; und jedenfalls ist einen Leipziger Genossen, die söit der Verhaftung das ordnungsparteilicheu Millioneudiebes keine Nacht ruhig geschlafen haben, ein Zeutnersteiu vom Herzen genommen: Vielleicht findet sich Gelegenheit, die Sache im Reichstag vorzubringen— die Konsuln stehen ja im Dienste des Reichs und kommen im Etat vor. Die Arbeiterj'chub-Kommil'sion tritt bekanntlich am 4. November, das Plenum des Reichstags erst am 18. November- wieder zusammen. In einigen Zeitungen wird nun ausgesprengt, es bestehe in der Kommission die Absicht, die Berathungen so zu be- schleunigen, daß dem Reichstag bei seinem Zu- sammentritt schon der fertige Bericht vorgelegt werden könne. Das ist aber einfach unmöglich. Die Kommission hat erst den kleinsten Theil ihrer Arbeit verrichtet und die Berathnngeu müßten in rücksichtslosester Weise über's Knie gebrochen werden, wenn sie binnen 14 Tagen zum Schluß gelangen sollten. Ein über's Knie brechen, das gewissen Leuten allerdings sehr angenehm wäre, wird aber von den sozialdemokratischen Abgeordneten nicht geduldet werden. Sonderbare Schwärmer. Unter der Aufschrift:„Das deutsche Volkslied ein Aschenbrödel, richtet die„Berliner Morgenzeitung" einen„Appell au Schulbehörden und Ge- sangvereine", in welchem„der Niedergaug des deutscheu Volksliedes" bitterlich beklagt wird. Es heißt da: „Wo singt denn der Einzelne frisch und lebendig aus dem Innern heraus, so unvermittelt, so ganz, wie es das Herz eingiebt? Wo begleitet der Gesang die. Arbeit? Wo verkürzt er die Mußestunde»? Wo erschallen fröhliche Stimmen nach dem Feierabend? Gewiß geschieht es noch hier und da, aber man findet es selten, viel seltener wenigstens als zu der Zeit, da Wanderburschen die Straße zogen, da das junge Volk sich in den Spinnstnben ver- sammelte und die Buben und Mädchen von der Groß- mutier alte Weise» lernten. Unser Volk ist liederarm ge- worden, diese Thatsache tritt offen und klar zu Tage und fällt ganz besonders in solchen Gegenden auf, in welchen während des Sommers polnische Frauen und Mädchen be- schäftigt werden. Die Polinnen singen, wenn sie zum Felde hinausziehen, sie singen auf dem Heimwege, sie singen in ihrer Kaserne. Hört man da im Freien fröhlichen Ge- fang, so kann man'mit der größten Sicherheit behaupten, daß es ein polnischer ist, denn der deutsche Arbeiter, männ- liehen wie weiblichen Geschlechts, geht meist grübelnd seines Weges und verrichtet seine Beschäftigung gewöhnlich ohne Sang und Klang. Und nicht nur bei dem Arbeiter, in den weitesten Kreisen des Volkes, bei den Jungen und den Alten dieselbe Gesanglosigkeit! Und doch besitzt unser Volk einen herrlichen Schatz an Liedern. Aber das Volkslied will gepflegt werden, in Schulen und Vereinen. Doch wie sieht es damit ans? In den Schulen übt man den geistlichen und den K nstgesang, drei- und vierstimmig. Und das vielstimmige Lied ist fein Volkslied mehr. Aber dabei geht die Schule noch weiter: Mit den Volksliedern vielstimmigen Satzes begnügt sie sich nicht; da müssen zur Freude des geistlichen Schulinspektors auch die Kirchen- lieber drei- und vierstimmig gesungen werden, und an dem Exameutage läßt der Gesanglehrer znr größeren Feier des Tages oder aus irgend welchen anderen Gründen einen komponirten Psalm vortragen oder wohl gar eine Motette, mit deren Einübung die Kinder imtürlich wochen- und monatelang gequält worden sind. Was es also mit der Schule als Pflanzstätte des Volksliedes auf sich hat, ist nicht schwer zu erkennen, und ähnlich verhält eS sich mit Gesangvereinen, gleichviel ob in Dorf oder Stadt.„Der Werth des Volksliedes" für das soziale Leben wird lange nicht gewürdigt. Wie viel Mißmuth könnte es verscheuchen, wie viel Sorgen vertreiben! Wie könnte es Zufriedenheit verbreiten, die Herzen von Arm und Reich, von Hoch und Niedrig einander nähern, um alle Kinder eines Vater- landes ein gemeinsames Band schwingen und damit einen, wenn auch minimalen Beitrag zum sozialen Frieden liefern. Daß es geschehe, liegt ganz allein in der Hand der Schul- behörden und der Herren, welche Gesangvereine leiten, und es wäre so sehr' leicht zu erreichen. Nur eines Feder- zuges bedarf es und eines Wortes!" Das ist gewiß recht wohl gemeint und wir sind sicher- lich so warmherzige Freunde des Volksliedes, wie die Ver- fasser des„Aufrufs" es nur sein können. Allein die Herren feheinen einen laugen, laugen Schlaf ü la Rip von Winkle gethan und nicht bemerkt zu haben, daß Deutschland ein industrielles Land geworden ist. Und der Moloch- Gott des modernen Jndustrialismus ist ein sehr uu- musikalischer, liederfeiudlicher Gott. Er liebt nur das Knarren der Eisenräder, das Pfeifen und Zischen des Dampfes; jeder Arbeiter aber, der sich unterstehen wollte, in seinem— dcS Molochs— Bereich ein„Volkslied", und wäre es das schönste, zu singen, würde nunachsichtlich mit einer Geldstrafe belegt und im Wiederholungsfalle auf das Pflaster geworfen werden. Da läßt der Arbeiter das Singen sein. Die Engländer waren in früheren Zeiten eines der fangreichsten, liederfrohesten Völker— das men-y cid England— das lustige alte England— war sprichwörtlich; doch es ist vom Jndustrialismus weggefegt und durch ein freud- und sangloses England ersetzt worden, das die Welt mit Waaren versieht und seine Arbeiter zu stummen An- hängseln seiner Maschinen gemacht hat. Und derselbe Entwicklungsprozeß vollzieht sich jetzt in Deutschland, das freilich erst ein paar Menschenalter später als England in die Aera des Jndustrialismus eingetreten ist. Wenn die naiven Verfasser des Aufrufs sich einbilden, durch das Volkslied könne ein Stückchen sozialer Frage ge- löst werden, so stellen sie die Dinge direkt aus den Kops: erst muß die soziale Frage gelöst sein, ehe das Volkslied, wie überhaupt die Kunst, den gebührenden Platz im Leben der Nation mit einnehmen können. Ein Fall von Spioneuviechevek,(f. oben den Artikel: Das Spionenfieber. Red.) wird in der„Strals. Ztg." von der Insel Rügen berichtet. Zwei dänische Reisende, die auch in deutschen Gelehrtenkreisen bekannten Architekt Professor Löffler und der Archäologe Dr. Henry Petersen, Inspektor der Denkmäler in Dänemark, ans Kopenhagen, machten am Donnerstag, den 18. September, auf Arkona Messungen und Anfnahmen von dem alten Burgwall. Der auf dem Leuchtthurm amtirende erste Wärter holte nun einige zufällig auf Arkona anwesende deutsche- Marinesoldaten herbei, welche die Verhaftung der Fremden vor- nahmen nnd dieselben dem Ortsvorsteher von Putgarten über- gaben. Dieser erklärte, daß, da die Fremden militärisch verhaftet seien, er in der Sache nichts machen könne.' Die Gefangenen müßten dem Amtsvorsteher in Altenkirchen zugeführt werden. Als diesem die beiden in französischer Sprache ausgefertigten Pässe der Fremden vorgelegt wurden, erklärte er, so viel französisch nicht zu verstehen, er müsse die Sache dem Landraths- mute melden. Die Fremden sprachen den Wunsch aus, sich sofort nach Bergen zu begeben. Dagegen sprach sich aber der inzwischen herbeigerufene Herr Gendarm(!) aus; die Fremden müßten nach Arkona zurück und dort die weitere Entscheidung abwarten. So wurde denn also in diesem Sinne dekretirt. Die Pässe wurden vom Amtsvorsteher an das Landrathsamt gesandt; eben- falls an dasselbe ging ein Schreiben der beiden mit Arrest Be- legten; die Einsendung dieses letzteren Briefes zusammen mit dem Berichte des Amtsvorstehers hatte der Gendarm(!) für unzulässig und tingesetzlich erklärt. Und nachdem dies geschehen, blieb den beiden Fremden nichts übrig, als sich der amtlichen Gewalt zu fügen und sich nach Arkona zurückzubegeben. Hier wurden die Fremden drei Tage lang festgehalten, bis endlich die Entscheidung vom Landrathsamte eintraf.— Da rede noch einer von der Spioneufurcht der Franzosen! Grge» dir Sachsirngnitger scheint allerlei beabsichtigt zu werden. Gegenwärtig finden Erhebungen über die Auswanderung ländlicher Arbeiter und Arbeiterinnen nach Niederschlesien, Sachsen und anderen Gebieten statt. Es handelt sich dabei, dem Ver- nehmen nach, darum, festzustellen, wie viel Auswanderer wider- rechtlich das Dienstverhältniß gelöst haben und wie viel nach beendeter Arbeit außerhalb ihres Heimathsbezirks wieder in den letzteren zurückgekehrt sind.— Die„Sachsengängerei" ist eine soziale Erscheinung. Sie hat ihren Grund in den erbärmlichen Löhnen, welche die oberschlesischen Großgrundbesitzer den Land- arbeitern zahlen. Mit gesetzlichen Strafbestimmungen oder mit Polizeimandaten wird gar nichts dagegen ausgerichtet werden. Auch rinr Erinueruug, und zwar eine recht erfreuliche ans den Tagen der großen Sozialistenhatz im Jahre 1878 giebt das„Hamb. Echo" jetzt wieder. Es schreibt:„Als im Sommer 1878, kurz vor den Neuwahlen zum Reichstage, das patriotische Delirium am tollsten wüthete, geschah es auch hier in unserer Republik Hamburg, daß aus den Kreisen der„gebildeten" Gesell- schast eine Anzahl sogenannter„Männer" zusammen traten, um dem„großen" Staatsmann ein Freiwilligenkorps zur Unter- stützung im Kampfe gegen die Sozialdemokratie zu stellen. Die Herreu Anstifter verstanden sich auf den Rummel; sie arbeiteten die Liste der nach ihrer Ansicht„Tauglichen" in der Weise aus, daß sie einfach über die Namen der betreffenden Personen will kürlich verfügten. Dieselben sollten dann wohl oder übel den „moralischen Zwange" Folge leisten müssen. Die Anstifter meinten, es werde wohl so leicht keiner der„moralisch" mit Beschlag Belegten den moralischen Muth haben, die ihm zugedachte Ehre zurück- zuweisen. Aber es gab doch wenigstens einen Mann, einen wirklichen Manu, der diesen Muth offenbarte. Und das war Land- gerichtsdirektor Dr. Föhring. Derselbe erließ im„Hamb. Corre- spondeut" folgende Erklärung:„Aus dem„Hamb. Corr." ersehe ich, daß gestern Nachmittag in der Börse eine Versammlung be- treffS der bestehenden Reichstags-Wahlen stattgefunden hat, deren Zwecke ivesentlich dahin gehen, die Regierung des Deutschen Reiches in allen für den neuen Reichstag vorzuschlagenden Maß- regeln gegen die Sozialdemokraten zu unterstützen und daß auf „Grund eines aus der Versammlung gemachten Vorschlages ein Komitee ernannt ist, in welchem auch mein Name vorkommt". Diese gewaltsame Verfügung über meine Person muß mich aus verschiedenen Gründen Wunder nehmen. Am 12. Juni stellte sich zu mehreren Malen ein Herr im Strafgericht ein, der mich sprechen wollte und der mich auch 2V4 Uhr, als ich im Begriff war, fortzugehen, traf. Es war, wie er sich selbst nannte, der hiesige Kaufmann Herr Julius Schnitze. Derselbe hatte mir einige Tage vorher anonym ein Exemplar der„Nordd. Allg. Ztg." zu- geschickt, in welcher er einen politischen Artikel geschrieben hatte; die Zusendung war wahrscheinlich erfolgt, um mich politisch zu belehren. An diese Zusendung und den Inhalt des staaten- rettenden Schriftstückes anknüpfend, machte mir nun Herr I. Schnitze Mittheilung von der auf den nächsten Tag beabsichtigten Versammlung„zur Unterstützung der Regierung" und erklarte mir, daß namhafte Persönlichkeiten auf meinen Beitritt rechneten. Ich erwiderte ihm, daß sich Ausnahmegesetze, wie die jetzt beab- sichtigten, und Strafparagrapheu, wie die 1876 vorgeschlagenen, weder mit meiner rechtlichen Ueberzeugung vertrügen, noch daß ich auf Grund meiner langjährigen Erfahrung in der Polizei- und in der Strafjustiz Nutzen und Erfolg von denselben erwartete, daß also der Standpunkt seiner Mandanten nicht der meinige sei, und daß ich mich- für die Zwecke, die man mit meiner Hihe verfolgen wolle, nicht qualisizire."— Ob dieses mannhaften Auftretens eines hohen Justizbeamten herrschte natürlich in den Kreisen der sogenannten„Gutgesinnten" eine gar gewaltige„sittliche Entrüstung", um so mehr, als an anderen Orten sich Richter, Staatsanwälte und Polizeibeamte nnr Z» leicht bereit finden ließe», an der„patriotischen".Hetze gegen die Sozialdemokratie theilzunehmen, was nicht wenig dazu bei- trug, daß die Justiz den Charakter der Parteijustiz annahm. Denn von Beamte», die eine„Ehre" uns die Erfüllung einer „patriotischen Pflicht" darin sehen, öffentlich und außerhalb der Grenzen ihres Amts bei der„Hätz auf die Wildsauen der mensch- liche» Gesellschaft" sich hervorzuthun, ließ sich unparteiische Rechtspflege gegenüber der Sozialdemokratie nicht erwarten. Um so anerkennet, Swerther war das mannhafte Auftreten des Herrn Dr. Föhring gegen die ihm zugedachte Rolle. Heute erlebt er durch den Fall des Ausnahmegesetzes eine Rechtfertigung, die i hu wohl reichlich entschädigen mag für die Unbill, welche die „sittliche Entrüstung" ob seiner Erklärung damals an ihn verübte."„ . Herfords 1. Oktober. Eine zahlreich besuchte sozialdemo- kraufche Parteiversammlung wählte heute einstimmig Herrn Joses Zimcner in Bielefeld zum Delcgivten des ReichstagS-Wahlkreiscs Herford— Halle für den Parteitag. Gvoßlirttiittnie:». London, 1. Oktober. Nach einer Depesche aus Glasgow ist wenig Hoffnung vorhanden für eine Regelung der Meinungs- vei-fchiedenheiteii zwischen den Besitzer» der Eisenwerke Schott- lands und den Arbeitern der Hochöfen. Gutem Vernehmen nach sollen fast alle Hochöfen in Schottland bis zum Sonnabend aus- gelöscht werden. Sllis London kommt eine Nachricht, welche unsere, für die „Ordnung" nach altem Styl schlvärmende Presse ganz aus dem Häuschen bringt; hören wir sie selbst jammern: „Die soziale Revolution klopft immer ungestümer an das Thor des Staatsgebäudes. Der autoritätsfeindliche, gewalt- thätige Trades-Unionismus hat bereits frei und offen seinen Einzug in die Organisation der Londoner Polizei gehalten. Slin Mittwoch fand unter Vorsitz des berüchtigten Hydepark- Zlgitators Chapman eine Ver- sammluug von etwa 50 aktiven(!) Polizeibeamten statt, welche 16 Polizeidivisionen der Metropole vertraten, und vahni einen von zwei ehemaligen Kameraden, welche zu den wegen Betheiligung an der neulichen Meuterei Ent- la, sencn gehörten, gestellten Antrag auf Bildung einer Verelnigung unter dem Titel„Nationale Schutz- und .Hilfsgenossenschaft für Polizei- und Staatsbeamte" an. Ehapmait wurde zum Sekretär der neuen Trade-Union gewählt und ferner beschlossen, dasi die Wirksamkeit der- selben lm Geheimen stattzusinden habe. Eines Koinmentars bedarf letzterer Beschluß wohl nicht. Wenn erst die in erster mr-6.|.um der ruhigen Staatsbürger berufenen Polizelbeamten in aller Form zu den Sozialrevolutionären ubergehen, Vereine mit lliustürzender Tendenz llnd ae- helmcr Wirksamkeit gründen, da thut sich eine erbauliche Perspektive auf. Es scheint, daß die in England verhältniß- mäßig zungc revolutionäre Bewegung durch verzehnfachten Elfer das bisher Versäumte nachholen will und ivcnn sie noch ein Weilchen so fortmacht, könnte es allerdings dahin kommen, daß England binnen absehbarer Zeit an die Spitze der sozialen Revolution inarschirt! Und das ist das freisinnige Musterland!" co x. �rt W iß zum Verzweifeln, wenn die Hüter der Ruhe und Ordnung sich zum Schutze und zur Wahrung ihrer" Interessen gegen ihre Brotgebcr, die herrschende Klasse, verbinden und sich nicht mehr wie willenlose Maschinen behandeln lassen wollen, die bei ihrem lebensgefährlichen Beruf für geringen Lohn oftmals auf Kosten ihrer Gesuiidheit, die Kastanien für Tie- jenigen aus dem Feuer holen uiüssen, welche ihr gerüttelt Maß voll Schuld an dem großstädtischen Elend mit tragen. ,..„_ Frankreich. Jatto, 80. September. Die erbaulichsten Geschichtchen von Belt erzahlt heute der„Matin" über die Camelots und ihre der Rolle bei den boulangistischen Wahlen. Zuerst wurde ein Range interviewet, welcher als Pariser Gamin(Gassenbube), wie' es scheint, Unglaubliches leistete und überall den Kommandostab führte, wo viel Lärm und Aufsehen gemacht iverden mußte. Der „kleine Paulus" bekam als Führer der„Camelots" jedesmal zwanzig Franken, die gewöhnliche» Schreier zwei und die Unter- offiziere in dem Brüllerheere vier Franken. Wenn es aber Hiebe absetzen konnte, so wurde der Lohn erhöht. Ter Kleine war Bonlanger von Mermeix vorgestellt worden und der General hatte ihn zärtlich umarmt. Von jenem Augenblicke an spielte der„petit Paulus" das„Kind des Grubenarbeiters", das heißt, er schwang sich mitten in dem Gewühle auf den Kr.tschcnschlag und der General ließ die Pferde halten, um sein Begehr zu hören. Der Pariser Camelot erzählte beweglich von dem Elende seiner Eltern, wackerer Grubenarbeiter, und der General küßte ihn nnter rauschendem Zurufe, nachdem er den guten Eltern tröstliche Ver- heißungen gespendet hatte.„Viele Zuschauer fielen d'raus rein", versicherte der kleine Mann,„und sie flennten aufrichtig". Italien. Mailand, 30. Septeniber. Das sozialdemokratische Partei- komitee zu Ravenna hat soeben an alle sozialistischen Gruppen Italiens einen Aufruf versandt, in welchem diese zur Beschickung des ersten sozialdemokratischen Kongresses der italienischen Arbeiter eingeladen werden. Derselbe soll am 10. Oktober zu RaveNna zusammen treten und ein gemein- sames Vorgehen aller Arbeitervereinigungen bei den demnächstigen Kammerwahlen vereinbaren. Die erste Anregung zu diesem Kongreß hatte der im Exil lebende Abgeordnete für Ravenna, Andreas Costa, gegeben. Welche Bedeutung der Parteitag ge- winnen wird, ist jedoch bei den augenblicklichen zerfahrenden Ver- Hältnissen der italienischen Arbeiterbewegung nicht voraus zu sagen; jedenfalls aber werden die Verhandlungen und etwaigen Beschlüsse des Kongresses einen Gradmesser für die Leistungs- fähigkeit des Sozialismus in Italien abgeben. Kpanien. Madrid, I. Oktober. Das Austreten der Cholera in Gelves bei Sevilla ist heute amtlich konstatirl worden. zlnßUnd. Petersburg, 29. September. Mit der Arbeiterbewegung im russischen Reiche ist es eine eigene Sache; das erfuhren dieser Tage die Hafenarbeiter in R e v a l, welche von englischen Schiffsrhedern für die mühevolle Arbeit des Salztragens eine Er- höhung ihres Tagelohns auf fünf Rubel durch eine Arbeit einstellnng erlangen wollte». Die Arbeiter ernannten eine Ko» Mission von drei Personen, welche am Sonnabend Abend tk Rheder« miltheilten, daß ihre Kollegen von Montag an die f nannte Erhöhung ihres Lohnes erwarteten. Als jedoch die Ä beiter am Montag früh auf der Arbeitsstelle erschienen, wur! ihnen rundweg erklärt, daß die Herren ihrer Dienste nicht inet benöthigten, und eine halbe Stunde später erschienen 25 S ol baten, welche das Salzladen übernahmen. Die Arbeiter abi gaben ihre Sache noch nicht verloren, sondern suchten die baten zu überreden, ebenfalls fünf Rubel für den Tag zu forderi Hierauf gingen sie zwar nicht ein, aber schließlich forderten? drei Rubel. Als deshalb am Dienstag Morgen die Soldat«' wieder kamen, wurden sie von den Rhedern auch abgewiesen, W inzwischen noch billigere Arbeitskräfte erhalten hatten, die dßs auch kurz darauf in einer Abtheiluug von Gefangenen# Begleitung ihrer Aufseher erschienen. Diesen branchen die Rhedtz abgesehen von den Trinkgeldern für die Gefängnißdirektoren, ntf einen Rubel pro Tag zu bezahlen. Dieses ienchtende Beisp» fand auch sofort weitere Nachahmung, so daß heute bereits l» 120 Arrestanten im Hafen zu Neval arbeiten, während die bi» herigen Hafenarbeiter sämmtlich feiern müssen. KalKaulünder. Bukarest, 29. September. Nunmehr hat auch dil sozialistische Arbeiterpartei in Jassy definitiv bc schlössen, bei den bevorstehenden Kommunalwahlen selbst' st ä n d i g aufzutreten. Die Verhandlungen bezüglich ciiv Kompromisses mit der radikalen Partei führten, wie vorausz sehen war, zu keinem Ergebniß, da man sich auf jener Seite w- die Unterstützung seitens der Arbeiter gefallen lassen, nicht a die hauptsächlichsten Führer der Sozialisten in die Kandidatenlif aufnehmen wollte. An der Spitze der Liste in Jassy steht rnii mehr der Genosse Nadejde, während in Bukarest Genosse.Ko stantin Millo an erster Stelle steht. Die Agitation für dl Wahle» ist in den beideir Hauptstädten Rumäniens bereits i vollsten Gange, und die Gegner, die bisher nur über das„kin! liche Spiel" der Sozialdemokraten lachten, werden jetzt vielleich einsehe», daß trotz allen Ableugnens die Arbeiterbewegung»>> Rumänien im Erstarken begriffen ist. Theater. Freitag, den 3. O k t o b e r. Gperuhano. Coppelia. Schauspielhaus, f Geschichte Gott- srieden's von Berlichingen mit der eisernen Hand. Kerliner Theater. Kean. Deutsches Theater. Die Haubenlerche. Lesstug- Theater. Das zweite Ge- ficht. Friedrich-Wilhelmstädt. Theater. Die Puppenfee. Schwätzerin von Saragossa. Mallner- Theater. Aus der Kon- lissenwelt. Refideu; Theater. Ferreol. Diktcria- Theater. Die Million. KeUeallia ure-Theater. Mein junger Mann. Ostend- Theater. Der Fall Clö- menceau. Thoinao-Thrater. Der Raub der Sabinerinnen. Adolph Ernst-Theater. Unsere Don Juans. Kaufmann'« Dariöte. Große Spe- zialitäten-Borstellung. Theater der Reichshalle». Große Spezialitäten-Vorftellung. Toneordia. Große Spezialitäten- Vorstellung. Gebr. Richter'« Dariste. Große Spezialitüten-Vorstellung. Wintergarten. Große Spezialitäten- Vorstellung. Englischer Garten. Direktion: C. Andres«, Alexanderstraße 27 c. Margarethe Steinow, Lieder- u. Walzersängerin. Ann! Carelii, Kostüm-Soubrette. Herr Rosäe, Gesangs-Humorist. Adolf Gödicke, Mimiker, Stimmen- Imitator nnd Charakter-Komiker. Familie Blumenfeld, Parterre- Potpourri, Drahtseil, Tanz. Anfang Wochentags 8 Uhr. Sonntags 5% Uhr. Eutrce Wochentags u. Sonntags 80 Pf. 50 Pf. und 75 Pf., im Vorverkauf 20 und 30 Pf. Wlifmeilt Buggenhagen am Moritzplatz. Täglich: Grosses Garten-Concert. Direktion A. Rödman». Dienstag und Freitag: Walzer-Abend. Fllfriio Wochentags 10 Flg., I-Uli cc sonn- und Festtags 25 Pf g. Bei ungünstiger Witterung in den unteren Restaurationsränme». Großer Frühstücks- und Mittagstisch. Spezial-Ausschank von Patzenhofer Export-Bicr, Seidel 15 Ps. Die oberen Säle bleiben biS auf Weiteres wegen Renovirung geschlossen. 641 F. Müller. süratmilHcVierljllllell Kommandantenstr. 77—79. Täglich: Grosses Goncert mit Onartett-Sängern, � ausgeführt von dem Musik- Direktor H. S a n f t l e b e n. Wochentags: Frei-Concert. Sonntags Entree 20 Pf. Empfehle auch zugleich 8 Billards, 3 Kegelbahnen und einen Saal zu Ver- gnügungen und Versammlungen. '68_ F. Sodtke. Circus G. Schumann. Friedrich-Karl-Ufer. Frritas, den 3. Oktober, Abends 7l/s Uhr: Grosse Elite-Vorstellung. Sportsnummern!! 3fache Spring- fahrschule, geritten mit 3 englischen Pferden von Herrn E. Schumann. Altdeutsche Quadrille, geritteil von 6 Danien und 6 Herren. Jockeyreiter Herr Achilles. Parforcereiterin Frl. Paula Nelson. Doppel-Trapez Ge- schwister Leon. Original-Clown Duroff. Pas de deux gracieux. Schulreiterin Frl. Ada. Clown Tom Filix. Sonntag, den 5. Oktober: 2 große Vorstellungen, 4 und 7Va Uhr._ pnfsnge 1 Tr. 9 Uhr M. b. 10 Uhr Ab. Kaiser-Panorama. Hervorrag. 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Kautsks' Komplett in ca. 11 Heften A 50 Pf- 1 Zu beziehen durch die Gvpeditia"' Äenth straffe Kr. it(im Faden). Wiederverkäufer erhalten Rabatt. Verantwortlicher Redakteur: Cnrt Kaake in Berlin. Druck und Verlag von Mar Kading in Berlin SW„ Beuthstraße 2. Kirr-u eine Seilage« I >*» Eof US :» Nr. 230. Zo«_ 3 dt« m >«>> it :bB 3 b» Beilage zum Berliner Freitag, den 3. Gktober 189V. 7. Jahrg. um } oü' ,. f ei« Hommitjurlcs.. Stadtverordneten Versammlung. Sitzung vom Donnerstag, den 2. Oktober. Der Vorsteher, Stadtv. Dr. Stryck, eröffnet die Sitzung 5 Uhr mit einer Reihe geschäftlicher Aiittheiluugeu. Durch den Tod des Stadtraths Spielberg ist der Posten eines unbesoldeten Stadtraths frei geivordeu. Eine Kommission von 15 Mitgliedern, die vor Beginn der nächsten Sitzung gewählt werden soll, hat die vorbereitenden Schritte für die Neuwahl zu unternehmen. Der deutschfreisinnige Arbeiterverein spricht der Versammlung sei» Bedauern aus, das; sie über den Autrag Vogtherr und Genossen(Militärposten-Frage) zur Tagesordnung übergegangen ist. Eine weitere Resolution desselbeu Vereins, die sich mit dem Verhalten der 15 Stadtverordneten beschäftigt, die in voriger Sitzung durch ihren Antrag die Berathung des Antrages Richter verhindert haben, erklärt der Vorsteher nicht verlesen zu wolle», da sie persönliche Angriffe enthalte. Erster Gegenstand der Tagesordnung ist der Antrag des Stadtv. Richter und Genossen, die Versammlung wolle be- schließen, den Magistrat um Auskunst zu ersuchen, welche Schritte derselbe angesichts der jüngsten B r a n d k a t a st r o p h e i n der F r i e d r i ch st r. 131 gethan hat. Stadtv. L ü b e n wünscht in einem Autrage vom Magistrat das Resultat der Versuche mit dem Löp'schen Respirator init- getheilt. Stadtv. W o h l g e m u t h beantragt, den Magistrat zu er- suchen, mit der Regierung in Verhandlung zu treten, um die Uebernahine der Markt-, Eesundheits- und Baupolizei, sowie der Feuerwehr in städtische Verwaltung herbeizuführen. Stadtv. Richter erklärt, daß die Stadtvv. Spinola und Schweißer vor der vorigen Sitzung auf ihn einzuwirken versucht hätten, daß er seinen Antrag zurückziehe. Da sei ihm die Angelegenheit verdächtig vorgekommen. Man hätte seinen An- trag in der vorigen Sitzung ruhig zur Verhandlung kommen lassen sollen. Vier Menschenleben sind bei dem letzten Brand umgekommen. Tie Untersuchung wird ergeben, wer die Schuld trägt. Zu dem Artikel, der zur Vertheidigung der Feuerwehr von einein Berichterstatter, der dieser Behörde nahe steht, in die Zeitungen gebracht worden>väre, könne der Branddirektor Stüde sagen: Gott schütze mich vor meine» Freunden. Schwere An- klagen ließen sich auf Grund dieses Artikels gerade gegen den Branddirektor erheben. Die Untersuchung, die sehr streng ge- führt, werde alles klär stellen. Die Feuerwehr habe stets als ein sehr tüchtiges Institut gegolten; sie sei sehr populär und beliebt. Sie verdanke diesen tzkuhm der Thatsache, daß bei Schaffung der Feuerwehr die Offiziere aus bürgerlichen Kreisen genommen wären, die wohl nnlitärischen Geist aber nicht militärischen Drill in dieFeuer- wehr getragen hätten. Ter Antrag gebe dem Magistrat Gelegenheit, ein rechtes Wort zur rechten Zeil zu sprechen. Sein(Redners) Antrag solle dem Antrag Wohlgemuth die Wege ebnen.(Ruf: Aha!) Stadtrath V a i n: Wir haben Einsicht von dem bisherigen Untersnchungsmaterial genommen. Tie Untersuchung ist aber noch nicht abgeschlossen und ihr Ergebnis; uns noch nicht völlig mitgetheilt. Erst wenn dies geschehen, werden wir sehen, was zu lhun ist. Stadtv. Singer(zur Geschäftsordnung) legt Protest da- gegen ein, daß das zweite Schreiben des deutschfreisiunigen Arbeiter- Vereins vom Vorsitzenden nicht verlesen worden sei. Die Geschäfts- ordnung gebe dein Vorsteher nicht das Recht dazu. Redner er- sucht deshalb den Vorsteher, das Versäumniß nachzuholen. Vorsteher Dr. S t r y ck glaubt, daß diese diskretionäre Ge- walt dem Vorsteher belassen bleiben müsse. Er könne nicht jede unflüthige Karte hier verlesen. Stadtv. V ogtherr meint, daß es sich hier wohl nicht um eine unflätihge Karte, sondern um eine�bcrcchtigte Meinungs- Äußerung handle. Stadtv. Langerhans: Die Resolution ist ja schon aus den Zeitungen bekannt. Wird der'Antrag Singer freilich an genommen, dam; muß der Vorsteher die Resolutiou verlesen. Vorsteher Dr. Stryck: Es geht nicht an, daß dissentirende Theile der Bürgerschaft hier durch'Anschreiben an die Versamm- lung einzelne Mitglieder der Versammlung beleidigen. Stadtv. Singer: Alles, waS an die Versammlung eingeht, muß hier bekannt gemacht werden. Die Schreiben sind nicht an den Vorsteher, sondern an die Versammlung gerichtet. Tie dis- kretionäre Gewalt, wenn sie sich auch in der väterlichen Weise des Herrn Vorsteher äußert, verträgt sich nicht mit der Oesfent- lichkett, unter der wir tagen. Stadtv. M e y e r II hält die Singer'sche Ansicht für zu weit- gehend. Tie Zeit erlaubt nicht alles zu verlesen. Jedes Mit- glied habe das Recht, im Bureau von den Zuschreiben Kenntniß zu nehmen und daraufhin'Anträge zu stellen. Stadtv. L o e w e l hat, obgleich er zu den Unterzeichnern des Richter'schen Antrages gehört, nichts darin gesunden, daß die Debatte um acht Tage verschoben wurde.(Zinse: Zur Geschäfts- ordnung!) Vorsteher: Sie reden nicht zur Geschäftsordnung, aber ich weiß, Sie werden schon dazu kommen.(Große Heiterkeit.) Stadtv. Loewel bekämpff die Singer'sche Ansicht. Der Geschästsordnungs-'Antrag Singer wird hierauf ab gehnl. Es wird in der Debatte fortgefahren. Stadtv. Vogt Herr freut sich, daß keine Kompetenzbedenken die Berathung der wichtigen Angelegenheit hier unmöglich gemacht hätten. Es wird seit lange beklagt, daß die Stadt, ! welche die Koste» trägt, keinen Einfluß auf die Verwaltung der !■ Feuerwehr ausübe» kann. So müssen lvir uns mit philosophische» Debatten genügen lassen. Militärischer Drill ist das Hauptnbel. I Zu persönlichen Tienstleistungen werden Feuerwehrleute von ihren ! vorgesetzten verwandt. Ein Feuerwehrmann holt für seinen l nächsten Vorgesetzten täglich das Mittagessen von der Breslauer- �.taße nach der Schönebergerstraße. Tadelnswerth ist serner das i Verhalten und Auftreten der Polizei, die niemals dort zu finden cfll ist, wo«e gebraucht wird. Nichts darf verheimlicht werden. Viel ls, dw Untersuchung nicht ergeben. Was die Frage der ärzt- d lichen Hilfeleistung betrifft, so zeigen die verschiedenen Vorschläge, die laut werden, ivie mangelhast die jetzigen Zustände in dieser Beziehung sind. Die Sanitätswachen leisten in ihrer jetzigen -"l Form nichts, weil sie auf die Privatwohlthätigkeil angewiesen I sind; sie müssen von der Stadt in Verwaltung genommen werden, | sonst bleiben ihre Grundlagen ewig unsicher.'Auch dieser Frage { muß der Magistrat näher treten. Sanitätswesen, Feuerwehr und I der betreffende Theil der Polizei muß dem städtischen Einfluß J unterworfen werden. In dieser Richtung sollte der Magistrat * arbeiten, statt sich nur auf das Ergebniß einer Untersuchung zu j verlasse», die von den Leuten geführt wird, die ein Interesse i daran haben, daß die alten Zustände bestehen bleibe». A Stadtv. Meyer II: Wir müssen die traurige Angelegenheit |"!» Reserve, nicht mit voreiligem Urtheil beHandel». Wir warten e, die Ergebnisse der Untersuchung ab.(Zustimmung.) Stadtv. Richter zieht Angesichts des Antrages Wohl- gemuth, sowie der Erklärung vom Magistratstische seinen Antrag zurück.* Stadtv. Lüben zieht seinen Antrag gleichfalls zurück. Die übrigen Gegenstände der Tagesordnung sind jun- wesentlich. Schluß 7V2 Uhr. Windmühlenlrninpf. Die Mucker und Muckergenossen werden also auch ihren Triumph haben; dem Reichstag wird ein Gesetz behufs Bekämpfung der Trunksucht zugehen. Es wäre dies nicht das erste Mal, daß sich der Reichstag mit dieser Materie zu beschäftigen hätte. Bis jetzt ist aber Nichts dabei zu Stande gekommen. Was man von den Grundzügen des neuen Gesetzes hört, ist, daß die Sache doppelt in Angriff genommen werden soll, sowohl aus den; Gebiet des Strafgesetzbuchs als auch der Gewerbeordnung. Man wird also die„Trunksucht" bestrafen und gegen das Schank- wesen vorgehen. Wir lesen in gesinnungStüchtigcn Blätter», daß solche Maß- regeln nothwendig seien, un; die N a t i 0 n a l w 0 h l f a h r t vor weiteren Schädigungen zu bewahren durch die zahllosen Schank- kälten, die überall aufgethan werden; die Familie werde durch das Kueipenlebcn zerstört und überhaupt würden 42 pCt. aller Verbrechen in; Rausche begangen. In diesen 42 pCt. „Verbrechen" werden wohl auch sämmtlichc Wirthshansschlägereien und Straßenskandale bei Nacht inbegriffen sein, denn die meisten Vergehen und Verbrechen sind heute bekannt- lich gegen das Eigenthum gerichtet und bei solchen Gelegenheiten hört man in den allerseltensten Fällen von Trunkenheit. Wir wollen alle die hundert und tausend Gründe, die sich gegen ein Strafgesetz gegen die Trunksucht vorbringen lassen, heute nicht noch einmal aufführen. Wir wollen nur das klägliche Blindekuh-Spiel charakterisiren, das von den herrschenden Klassen aufgeführt wird, indem man die Schuld an der Schädigung der„Nationalwohlfahrt" den Kneipen und Schank- stätten zuschreibt. Man ist endlich soweit gekonnnen, daß man sich die furcht- baren Verluste au Kraft und Gesundheit, die der Volkskörper er- leidet, nicht mehr verheimliche» kann; man gesteht sie nachgerade zu. Aber man darf beileibe nicht die wahren Ursachen zugestehen, sonst müßte man ja die heutige Produktionssorm und ein gut Theil der bürgerlichen Einrichtungen anklagen, und das kann man von den herrschenden Klassen nicht erwarten. Sie wollen die heutigen Zustände bestehen lassen, deren Grundlagen von ihren Gelehrten mit derselben Zähigkeit vertheidigt werden, wie die Sklaverei von den Philosophen der alten Welt. Und so will man der ganzen sehenden Welt eine Nebelkappe über?luge» und Ohren ziehen und sie glauben inachen, die Verwüstungen in unserem Volksleben kämen von der Trunk- sucht her! Wenn man von der Trunksucht spricht, so zeigt es sich so recht, ivelches Pharisäerthum sich bei uns breit macht, das den Splitter bei Anderen und den Balken bei sich selber nicht sieht. Die Regierung sollte sich doch bedanken, dein Drängen dieser Leute nachzugeben. Wir glaube» kaum, daß das Trunksuchtsgesetz seine 'Anwendung finden soll gegen die Völlerei in de» sogenannten ge- bildeten Kreisen. Wird man vielleicht die Herren Studiosen mit dein Gesetz verfolgen und den B i e r k 0 m m e n t als eine An- stistung zur Völlerei und als eine Verleitung zur Trunksucht be- trachte» wollen? Kaum! Oder wird man von nun an au' unsere liebenswürdigen Poeten, die des Zechers Lust besingen, als„unmoralisch" aus den gewöhnlichen Lesebüchern verbannen und die Jugend ihren Verführungen entziehen? Nein, darum handelt es sich nicht. Die Schäden i»; Volks- leben sollen der Trunksucht zugeschrieben werden, damit— „etivas geschieht". Die herrschenden Klassen haben ja nach ihrer Meinung die hohe sittliche'Aufgabe, über die Entwickelung deS Volkslebens zu wachen, und so müssen sie eben auch dafür sorgen, daß der Arbeiter nicht zu viel trinkt und seine Familie dadurch zerstört! Mau mache heute einen Spaziergang durch die Straßen einer Stadt um die Mittagsstunde. Ans allen öffentlichen Plätze», au Bänken, auf Treppen, auf dem Grasboden, unt« Bäumen und wo es angeht, sieht man Arbeiter ihr Mittagsmahl einnehmen Im Arbeitslokal können sie über Mittag nicht bleiben; nach Hause zu gehen, haben sie k c i n e Zeit. Viele von ihnen müssen der Miethe wegen draußen wohnen, was ja die wohl wollenden Herren Bourgeois so gerne sehen, iveil es den Leuten „gesund ist". Eine Frau oder ein Kind muß dem Arbeiter in tausend Fällen, sein Essen bringen. Wo bleibt nun da für diese die Familie? Und wenn die Frau und die Kinder auch in die Fabrik oder sonst aus Arbeit gehen, wie wohlwollende Bourgeois gleichfalls wünsche»— wo bleibt dann die Familie? Der liebe Gott läßt nicht nur die Sonne scheinen, sondern auch regnen über Gerechte und Ungerechte. Wo soll dann der Arbeiter, der nicht nach Hause kann, sein Mahl einnehme»? So geinüth lich und behaglich»nacht es ihm die heutige Industrie und ihre Produktionsart. Diesen Zustand nennt man dann„individuelle Freiheit", es gehört zum„gesunden Individualismus", und Herr Stichler»vird nicht müde, die So zialdeiuokratie, die eine Verkürzung der Arbeitszeit erstrebt, zu beschuldigen, ihr Ideal sei ein„ Z>v a n g s st a a t"! Nun, mancher arme Arbeiter nimmt sein kärglich Mahl auch unter der Unbill der Witterung im Freien zu sich, um zu sparen. Andere aber gehen in irgend ei» nahes Restaurationslokal und esse» dort; es ist behaglicher. Selbstverständlich»missen sie dort auch etivas trinken— ah, da haben»vir schon die„Trunksucht". Kneipen, die aus die Arbeiter spekuliren, schießen„ivie Pilze" aus der Erde; da»miß eingeschritten»verde». Und auch Abends geht mancher Arbeiter in die Kneipe, denn es ist ihm zu Hause nicht behaglich; er hat kern richtiges Familienleben,»venu We,b und Kinder nicht zu Hause ivalten könne». Zivar hat der Fiskus seinen Vortheil davon, seitdem Bier und Branntwein durch Abgabe» vertheuert sind, aber— die Trunksucht m»ß bestrast »verde»! Wir bestreiten nicht die verderblichen Wirkungen deZ Alkoholismus, aber sie»verde»» nur mit Erfolg bekämpft durch eine bessere und g e s ü 1» d e r e Ernährung de Volkes und durch die W i e d e r h eX st c l l u n g de Familie, die durch die kapitalistische Ausnutzung der Arbeits kraft längst zerstört ist. Allerdings ist es leichter, gegen die„Trunksucht" anzukämpfen. als eine bessere VolkSernähruug zu beschaffen! Dcv Staat war grstrr»»»» Gefahr. In der Frieden straße, in der Nähe des alten Georgenkirchhofes, ließen gestern Nachmittag mehrere 5t'i»der sclbstverfertigte Lnstballons steigen Einer dieser Ballons, der nuS rothein Seidenpapier angefertigt »var, flog in die Höhe und blieb a» einer der alten Pappel»», die alls den, Kirchhof, nahe an den» Zaun stehen, hängen. Lustig flatterte das rothe Seidcnpapier im Wind. Da kam des Nach mittags ein Polizeilieutenant die Friedenstraßc eittlang und sah; die„sozialdemokratische Demonstration." Sofort»vurde die Feuer- »vehr allarmirt. Ein Zug von 3 Wagen rückte an. Ein Feuer- ivehrman» stieg über den Zaun und kletterte an dem Baun» hinauf. Das staatsaefährliche Papier»vurde losgerissen»»»d— log auf die danebenstehende Pappel. Von dort»vurde es de»»»» glücklich hinunter geholt. Der„Fall Lindau" hat seine Opfer gefordert. Der„Berk. Börs.-Cour." theilt Folgendes»nit: „In der. Leitung der„Volks-Zeitung"»verden, ivie»vir hören, in nächster Zeit einige Aenderungen vor sich gehen. Herr Dr. Franz Mehring scheidet aus seiner Stellung »md den» Redakteur Herrn Ledebour ist die Kündigung z»»- gegangen." So hat sich also wieder einmal gezeigt, wie allmächtig die Klique um Lindau ist. Vielleicht»vird es mich de»» Leuten aus unseren Reihe», die in der Angelegenheit bisher nur eine» Skandal erblickte»», nunmehr klar, daß die vereinigten Bourgeois Jeden erbarmungslos erdrosseln, der es»vagt, ihren» schändlichen Treiben entgegenzutrete». Mögen die Mosse's und Cohn's sich der moralischen Genugthunng, die sie Herrn Lindau zu theil werden ließen, freuen— die anständige öffentliche Meinung»vird über, »e mit Verachtung z»lr Tagesordnung übergehe». Troff aller Dlofflfahrtopolizei»vird täglich die Gesund- heit und das Leben des Publikuins in leichtsinnigster Weise auf das Spiel gesetzt. Da hat beispielsiveise die Verivaltung der Görlitzer-Eisenbahn zivischen ihren Geleisanlagen und den» Bürger- »eig der Wienerstraße einen schmalen Streifen Land zu Holz- und Kohleiiplätzen verniiethet. Um nun den Platz auf das Aeußerste auszunützen, sind die Bretterstapel bis zu schivindelnder Höhe aufgethürmt und oben mit losen Brettern zugedeckt. Daß ein solcher Thurnibau eine Gefahr für die Passanten ist, erken»»t »na» auf den ersten Blick, und»venn sich ein Sturn» erhebt, ivie er gestern durch die Straßen raste, dann geschieht»vas geschehen muß, die Bretter»verde»; aufgehoben und auf den Viirgersteig hinabgeschleudert. Die Vorübergehende»» mögen dann sehe»,»viel sie sich mit einem solche», aus Himmelshöhen niederprasselnden Holzstnrz abfinden. Wegr»» Keilegung rineo falsche»» Namens»vird sich; demnächst eine Frauensperson zu verantlvortei» haben,»velche vor einiger Zeit von sich reden machte. Wie»vir damals berichteten, »vollte eine angebliche Wirthschasterin K. aus dem Bahnhofe Fricdrichstraße, auf»velchcn» sie aus Neisse angekommen sei, um ihr ganzes Gepäck, darunter auch ein Sparkassenbuch über 12 OOO Mark gekonnnen sein, und zivar durch einen Mann, bei der sie habe Wohnung nehmen wollen. Es stellte sich bald heraus, daß die Frau, in welcher unterdessen eine gewisse B. erinittelt»vorden ist, schivindele. Denn in Neisse kannte»nan»veder eine Wirth- 'chasteri» K., noch hatte die dortige Sparkasse ein Buch über 12 000 M. für eine solche ausgestellt. lieber das Motiv der lunkcreien»var man aber bisher in» Unklaren. Jetzt hat die !. gestanden, sie habe dainals durch ihre falschen Angaben das Mitleid ihrer Mitmenschen erregen wollen, um ein Nnterko»n»nen zu finden. Sie habe ihrer Entbindung entgegen gesehei» und sich in einer gänzlich hilflosen Lage befunden. Die B. ist mittler- »veile in der Charitee entbunden»»nd»vird wegen oben erivähnten Vergehens unter Anklage gestellt»verde»». Gin Diebstahl auf offener Straffe wurde vorgestern Nachmittag von einen» gewissen Bohl verübt. Die Wittive B.»var »nit ihrem Umzüge»ach der Rügenerstraße beschäftigt und ließ dabei ihr Mobiliar einstiveilen aus de»» Bürgersteige stehen. Nach einiger Zeit vermißte sie ein Spind, und»n der Nähe spielende Kinder konnten ihr mittheilei», daß kurz vorher zwei Männer dasselbe fortgetragen hätten. Eines der Kinder vermochte sogar bald nachher einen der betheiligten Männer zu zeige». Dieser gab auch ohne Weiteres zu, das Spind fort- getragen zu haben, aber er verwahrte sich dagegen, daß dies in der Absicht rechtsividrigcr Aneignung geschehe» sei. Er habe vielmehr beinerkt, daß das Spind auf dem Bürgersteige den Passanten in» Wege geivesen sei, und dasselbe nach einem benach- barten Hausflur getragen, auf ivelchem der verlorene Gegenstand in der That auch gefunden»vurde. Seine vorgebliche löbliche Absicht»vürde»nan den» B. vielleicht geglaubt habe»», wei»n er auch bisher noch nicht beiviesei» hat, daß ihn» ein gehinderter Verkehr so sehr am Herzen liegt. Zu seinein Unglück aber ist sein Konto schon»nit zwei Diebstählen belastet, und er kann es »vohl Niemand verdenke»», wenn dieser Umstand einigerinaßen gegen ihn einniinmt und die Kriminalpolizei so»nißtramsch machte, daß sie ihn in sichern Geivahrsau» nahm, um ihn dein- nächst den» Staatsanivalte und dem Strafrichter vorzuführen. A»u So»»»»tag. dri»!».(')Irtobeo cv., Vormittags 11 Uhr, findet in Joöl's Saal eine Matinee statt. Der Erlrag dieser Matinee fällt einem seit Jahren kranken Handwerker zu. Das reichhaltige Prograu»»» verspricht einen genußreichen Vorinittag und»väre auch des guten Zivcckes halber ein recht reger Besuch dieser Matinee erwünscht. gm' F. Nlielenk-Ioffinmiothal ersucht uns»»»»» die Mittheilung, daß er von der Auktion eines Lassallebildes 17 M. 60 Pf. an die Kirchhainer Weißgerber abgesandt hat. Herr Mielenz be- sitzt darüber den Posischein. Der GrsViiißvemn, der zur Hrgrnffnngofoiov der A»»oßr»»>irfc»»rn auf den» Berliner Bock i»itiv»rkte, ist der Ge- snngvereii»„Liedessreibeit". Der Verein steht unter dein Dm- genten Tietz»»nd besteht a»»sschließlich ans Parteigenossen. Nolizribrricht. Als am 1. d. M. Nachinittags ein Kaufmann und dessen Lehrling im Geschäftskeller des Hauses Blumenstr. 25 mit dem Umgießen von Schivefclsäure beschäftigt»varen, platzte ein Glasballon und ergoß sich dessen Inhalt über Beide, so daß sie an den Armen und Beinen nicht»»»bedeutende Verletzungen erlitten. Der Lehrling mußte nach Anlegung eines Ltothver- bandes nach der elterlichen Wohnllng gebracht»verde»».— Mittags wurde in» Keller des Hauses Marianneustr. 23 die Leiche einer etiva 30 Jahre alten Frauensperson aufgesuitdei» und nach den, Schauhailse geschafft. Verinuthlich ist der- Tod infolge eines Schlagansalles erfolgt.— Nachmittags gerieth ei» Mann mit seiner von ihn» getrennt lebende»» Ehefrau im Hause Dalldorfer- straße 19,>vo dieselbe sich allfhielt, in Streit,»vobei er ihr»»it einein dolchartigen Messer»»it solcher Kraft»nehrere Stiche in de» Kopf beibrachte, daß die Klinge abbrach und im Kopfe stecken blieb. Die Frau»vurde nach der königl. Klinik gebracht und der Thäter verhastet.— Zu derselben Zeit wurde ein dreijähriger Knabe vor den» Hmise Skalitzerstr. 5 von einem Pferdebahmvagen überfahren und am Hinterkopfe nicht unbedeutend verletzt. Nach- dem ihn» von einen, Heilgehilsen ein Nothverband angelegt»vor- den»var,»vurde er nach der elterlichen Wohnung gebracht.— Abends vergiftete sich ein Mann i» seiner Wohnung, in der Feilnerstraße.— Zu derselbe» Zeit»vurde in der Spree, an der Kronprinzenbrücke, die Leiche eines etiva 45 Jahre altett Mannes angeschiveinint und nach dem Schauhause geschafft.— Am 1. d. M. fanden fünf kleinere Brände statt. Gertshks Jeikung. ®iu trnbrs Licht auf«»»re Zicherliritsznstände wirft eine Zusammeustellung derjenigen Zinklagesachen, mit denen sich die gestern beendete Periode des Schwurgerichts des Landgerichts I zu beschäftigen hatte. In zehn Sitzungstagen gelangten nicht weniger als sechs schwere Geivaltthaten gegen das Leben und Eigenthum, wie Todtschlag, Körperverletzung mit tödtlichem Aus- gange und räuberische tleberfälle, zur Aburtheilung, ferner je eine Anklage wegen Nothzucht und Urkundenfälschung. Es wurden tnsgesammt 44 I a h r e 6 Monate Zuchthaus und 4 Jahre 6 Monate Gefängniß über die Angeklagten verhängt. Am 13. d. M. begumt bereits wieder eine neue Schwurgerichtsperiode beim Landgericht I unter dem Vorsitz des Landgerichtsraths Braun. Ltöthiizniig» und Kedrohung mit einem Uerbveche» wurde dem Kaufmann Siegfried A l t m a n n zur Last gelegt, welcher gestern vor der ersten Strafkammer des Landgerichts I stand. Der Angeklagte war»>it einer Dame verlobt, die das Verhältniß zu ihm wieder löste und zu einem anderen Herrn, der st� bald heirathete, in Beziehungen trat. Es waren wenig lautere Mittel, die der entlassene Bräutigam anwandte, um eine Wer- blndung mit seinem Nachfolger zu hintertreiben. Nicht nur sandte er Briefe überschwänglichen Inhalts an seine frühere Braut und deren Angehörige, in welchen er schreckcnerregende Ereignisse in Aussicht stellte, falls die Heirath stattfände, sondern er richtete auch ofseue Posikarten an seinen Nebenbuhler, in welchen er in verblümter Weise Andeutungen machte, daft das Verhältniß zu seiner früheren Braut ein derartiges gewesen sei, daß die letztere eine andere Verbindung nicht eingehen könne. In diesen Andeutungen erblickte die Anklagbehörde die Thatbestands- Merkmale der Nöthigung, da die Be- theiligteu dadurch abgehalten werden sollten, die Verbindung ein- zugehen. Einem Bekannten seiner früheren Braut gegenüber äußerte der Angeklagte, daß er nie und nimmer die Heiralh zu- geben werde und wenn drei Leichen daraus entstcheii sollten. Der Staatsanwalt hielt die Anklage im vollen Umfange aufrecht und beantragte dafür eine Gefängnißstrafe von drei Wochen. Der Ge- richtshof vermißte zunächst den Thatbestand der Bedrohung, denn die Aeußerung in Betreff der drei Leichen sei nicht ernst zu nehmen, sondern nur als die leere Redensart eines erregten Men- schen anzllsehen. Aber auch eine versuchte Nöthigung könne in dem Inhalte der Briefe und Postkarten nicht gesunden werden und deshalb sei wegen beider Vergehen aus Freisprechung erkannt worden. Die Aöprnirlirv Unvuh«» beschäftigten am Donnerstag in drei verschiedenen� Terminen die erste Strafkammer am Land- gericht II. Alle diejenigen Personen, welche an den Vorabenden des großen Krawalls, am Abend des 20. März,— am 17., 18. und 10. März— der Polizei in die Hände sielen, sind vom Köpenicker Schöffengericht ziemlich streng bestraft worden und versuchen nunmehr ihr Heil in der zweiten Instanz, zum Theil mit recht glücklichem Erfolge. In dem ersten Termine, welcher anstand, berief sich der Angeklagte, Arbeiter Karl Pretz, direkt auf das Zeugniß des Bürgermeisters von Köpenick, welcher bekunden sollte, daß der Augeklagte sich bereits während der Ausforderung des Bürgermeisters zum Auseinandergehen auf den Weg gemacht habe, und daß der Polizeidiener, welcher den Auftrag erhalten hatte, den„ersten Besten herauszugreifen", mit seiner Person einen Mißgriff gemacht habe. Der Bürgermeister ivar geladen, aber nicht erschienen, und da dessen Zeugniß ein sehr wesentliches ivar, so mußte die Verhandlung vertagt werden. Im zweiten Termine wurde der Angeklagte, Arbeiter Wilhelm Kegel, der wegen Betheiligung an einem Auflaufe am 19. März zu drei Monaten Gefängniß verurtheilt worden war, gänzlich frei- gesprochen, weil der vom Verlheidigsr geführte Entlastungsbeweis es hoch wahrscheinlich machte, daß die Beamten hier in der That einen Mißgriff begangen und einen Unbetheiligten ergriffen hatten. Ein vollkommen einwandsfreier Zeuge bekundet nämlich, daß er mit dem Angeklagten einen Geschäftsgang gemacht habe, der sie durch die Grünstraße führte. Die Straße und namentlich der Bürgersteig sei sehr belebt gewesen, plötzlich sei ein Gendarm auf dos Trottoir geritten, dadurch hätten sich die Passanten gestaut, r und der Augeklagte seien dicht vor dem Pferde gewesen, zurück ättcn sie nicht gekonnt, weil zu viel Menschen sich hinter ihnen auten und da sei der Angeklagte von seiner, deS Zeugen Seite >eg verhaftet worden. Ter Gerichtshof schenkte zwar den Aus- >igen der Beamten vollsten Glauben, hielt aber doch einen Miß- ciff in der Person nicht für ausgeschlossen und daher die Sache icht genügend aufgeklärt. In der dritten Verhandlung waren es ie Arbeiter Schuft und Ureck, die zu sechs Wochen Gefängniß ernrtheilt worden waren, weil sie sich am 17. März an dem aiflaufe betheiligt hatten, welcher vor dem Streichan'schen Lokäle attfand, als das Versammlungsvorbot bekan"! wurde. In diesem alle vermochten die Angeklagten zwar nicht ihre Freisprechung .u erreichen, doch setzte der Gerichtshof die Strafe auf je vier Lochen Gefängniß herab. Mit großer KchliUtsteit und Dreistigkeit haben die Gebr. teorg und Bernhard Guhle Unterschlagungen und Be- .-ügereien in Szene gesetzt, welche sie gestern vor der 1. Strafammer hiesigen Landgerichts I. zu verantworten hatten. Der rste Angeklagte war bei der Preußischen Hypotheken- Versich erungs-Aktiengesellschaft angestellt und hatte mit einem anderen Kommis gemeinschaftlich die zur Einlösung präsentirten Dividenden und Zinsscheine zu verarbeiten. Die Entmerthung dieser eingelösten Scheine geschieht dadurch, daß mit einer Papierschecre eine Ecke abgeschnitten wird. Dem Direktor Dannenbaum wurde nun seitens der Koutrol- beamteu gemeldet, daß mit diesen Dividendenscheinen, deren jeder über 30 M. lautet, ein Unfug getrieben werden müsse, da mehrere derselben, welche als bereits bezahlt worden, nochmals prüsentirt worden waren. Es wurden ein- gehende Nachforschungen angestellt und dabei ergab es sich, daß die qu. Dividendenscheine von zwei jungen Leuten bei hiesigen Bankiers umgewechselt worden waren. Aus den ersten Angeklagten lenkte sich sofort ein bestimmter Verdacht und als mau ihn ins Gebet nahm, gestand er auch bald ein 21 Stück solcher Dividendeuscheine unterschlagen zu haben. Er hatte sich solche Scheine herausgesucht, bei welchen der Entwerthnngsschnitt nicht weit genug gegangen und die Grenze des ziemlich breiten Randes nicht überschritten hatte. Durch gleichmäßiges Abschneiden aller 4 Ränder hatte er dann jede Spur der Entwerthung be- seitigt. Der zweite Angeklagte hat dann die so bearbeiteten Scheine bei den Baukiers umgesetzt und sich dabei gelegentlich einer Urkundenfälschung schuldig gemacht. Einer der Bankiers war etwas mißtrauisch und ließ sich eine Nota ausstellen und diese hat der Angeklagte mit falschem Namen unterzeichnet. "leide waren gestündig und der Gerichtshof verurtheilte mit Rück- icht auf den grobe» Vcrtraueusbruch den Angeklagte» Georg G u h l e zu 1 I a h r Gefängniß, Bernhardt Guhle zu 4 Monaten Gefängniß. GW Griind-rp»'-«ß.(Fortsetzung).( E r st° r VerHand l u n g s t a g). In der Nachmittags, itznng gelangte der Geschäftsbericht pro 1888 zur Verlesung, wonach eine Dividende von 9 pCt. zur Vertheilnng gelangen stoll. Auf dem Gewinn- konto figurirt der Betrag von 87 637 M. Präsident: Es ist von sachverständiger Seite nachgewiesen worden, daß der Gewinn um 47 pCt. zu hoch augesetzt worden ist;(zu L. Wolfs): War denn der angebliche Gewinn überhaupt zu erwarten?— Angekl.: Das scheint allerdings ausgeschlossen.- Verlesen wird sodann em Prospekt der Banksirma L. u. S. Wolfs, worin dieselbe auf Grund 'bigen Geschäftsberichts ein glänzendes Bild von dem Unter- .lehmen entwarft und Ankauf der Aktien zum Kurse von 136 empfiehlt, aber verschweigt, daß die Firmeninhaber selbst Auf- sichtsrathsmitglieder der Gesellschaft sind. Dadurch haben sie sich, wie der Vorsitzende betont, eines doppelten Vergehens gegen das Handelsgesetzbuch schuldig gemacht. Wie der Angekl. S. Wol,, behauptet, ist der Prospekt von dem Kommissionsrath Haußmann verfaßt worden. Es wird hierauf der Kaufmann Liersch aus Guben als Zeuge vernommen— eine jener Personen, welche s. Z. von den Gebr. Wolff wegen Verbreitung böswilliger Gerüchte verklagt worden waren. Dieselben hatten sich durch die Erzählung be- leidigt gefühlt, daß einer der Wolff's in Hamburg, der andere auf der Flucht im Gotthardt-Tunnel verhastet worden sei. Ohne jedes Zulhun dieses Zeugen ist die Klage aber wieder zurück- genommen worden. Die Angeklagten Gebr. Wolfs wollen dazu durch einen Geschäftsfreund bewogen worden sein, jedoch die Bedingung gestellt haben, daß die Verbreiter jener Gerüchte ihre Behauptung öffentlich zurückziehen. Der nächste Zeuge, Dr. Neumann, hat den wahnsinnig gewordenen Dipektor Gützloe einige Zeit vor dessen Ueber- führung in eine Heilanstalt behandelt. Er giebt sein Gut- achten dahin ab, daß G. durchaus geistig gestört ist. Auf verschiedene Fragen des Präsidenten über den früheren Zustand des G. erklärt Zeuge, daß er nur über seine persön- lichen Beobachtungen berichten könne und sich„laienhafte Fragen", die auf Mittheilunaen dritter Personen beruhen und Zeiten betreffen, die außerhalb seiner Beobachtung lägen, verbitten müsse.— Der Gerichtshof verhängt wegen dieser Rede- wendung über den Zeugen eine Ungebührstrafe von 20 Mark. Zeuge Reg.-Rath a. D. Beniner aus Berlin bekundet, daß er die Gebr. Wolff gar nicht gekannt habe und nur auf Ein- ladung des Generalkonsuls Spiegelthal in den Aufsichtsrath ein- getreten sei. Nach seiner Rückkehr von einer Auslandsreise sei er mit Spiegelthal nach Guben gereist, um sich das Etablissement der Gesellschaft anzusehen, welches damals einen durchaus nicht unaugenehmeii Eindruck auf ihn gemacht habe. Er habe nur einer einzigen Anfsichtsrathssttzuug beigewohnt und sein Bedenken gegen eine Erhöhung des Aktienkapitals ausgedrückt. Seine Bevenken seien auch in das Protokoll aufgenommen worden, doch habe er dieses Protokoll später nicht mehr vorfinden können. Als er dann spater erfahren, daß die General- Versammlung die Erhöhung doch beschlösse», sei er sofort zurück- getreten.— Präs.: Haben Sie es nicht auch mißfällig empfunden, daß der Vorsitzende des Aufsichtsraths zugleich der Bankier der Gesellschaft war.— Zeuge: Allerdings ivar dies auch ein Moment für meinen Entschluß des Rücktritts, die Hauptsache ivar aber die Erhöhung des Aktienkapitals.— Die Angeklagten Gebr. Wolff behaupten, daß der Zeuge gar keiner Aufsichtsraths- Sitzung beigeivohnt habe, was Zeuge Beutner unter Hinweis ans ganz bestimmte Vorkommnisse bestreitet.— Rechtsaiuvalt Dr. Friedmann weist darauf hin, daß bei zahl- reichen Gesellschaften die Bankiers der letzteren auch Mitglieder des Aufsichtsrathes seien.— Bon einer Beweisführung in dieser Beziehung sieht der Gerichtshof ab, da er mit dem Staats- anwalt ftarnatz annimmt, daß der von dem Vertheidiger be- hauptete, allerdings nicht wünschenswerthe Zustand thatsächlich besteht. Zeuge Seifensabrikant Bohne ist derjenige, welcher die Gebr. Wolff veranlaßt hat, die Beleidigungsklagen gegen die Ver- breiter der bösen Gerüchte zurückzunehmen. Als Jugendfreund der Wolff's sei er diesen Gerüchten entgegengetreten, er sei dann für den Denunzianten der von Wolff verklagten Personen gehalten worden und die Letzteren hätten dann jede Geschäftsvervindung mit ihm abgebrochen. Er selbst sei Aktionär im Betrage von 3000 M. gewesen und habe das Unternehmen stets für gut ge- halten.— Präs.: Sie haben aber einmal eine Unterredung mit dem verstorbenen Gützloe gehabt, welcher einer ganz andere Meinung über das Unternehmen hatte.— Zeuge: Ja wohl, Gützloe hat sich geäußert:„Die verfluchten Juden wollen mich zwingen, die Bilanz zu unterschreibe», das thue ich aber nicht!" Ich habe ihm damals das Gefährliche einer solchen Aeußerung ernstlich vorgehalten.— Auf Befragen des Präsideuten giebt Zeuge zu, daß er Sigismund Wolff alle Sonntage besucht hat und daß er auch einmal Direktor werven sollte, aber lieber Seifensieder geblieben sei.— Rechtsanwalt Friedmann: Ist der Zeuge bei seinen Besuchen jemals durch Wolff beeinflußt worden, indem ihm dieser etwa länzende Schilderungen des Geschäfts machte?— Zeuge: 'eh machte meist Sonntagsbesuche und Sonntags will ich über- iirnt nichts nnn ßiefdv'iitpn Tifiren! f.fSmtprfpift Haupt nichts von Geschäften hören!(Heiterkeit) Unter mehreren dann vernommenen Zeugen, welche s. Z. üble Gerüchte über die Gründung ausgesprengt hatten, befindet sich auch der Fabrikant Steinke. Derselbe erklärt, daß sein Miß- trauen gegen die Wolff's bei Prüfung von deren Bilanz rege ge- worden sei. Alle darin angegebenen Zahlen seien ihm zu hoch vorgekommen, namentlich habe er die Angaben über den Verdienst sür außerordentlich übertrieben angesehen. Uhrmacher Beyer hat ans Zureden der Wolff's drei Aktien a 1000 Mark zum Kurse von 125 erworden. Nach dem Brande habe er aber Mißtrauen gehabt und persönlich bei den Gebrüdern Wolff in Berlin Nachfrage gehalten, eine wirk- liche Auskunst aber nicht erhalten. Ter Zeuge hat dann seine Aktien zum Kurse von resp. 40,25 und 19 verkauft, also einen großen Verlust erlitten. Rechtsanwalt Friedmann: Das war der zweite Kauf von Ihnen, aber bei einem früheren Kauf und Verkauf d«rselben Aktien haben Sie 16 pCt. am Kurse ge- wonnen, außerdem haben Sie Jahre hindurch unter Bermittlung der Gebr. Wolff in anderen Papieren an der Börse spekulirt und größtentheils Gewinne eingestrichen.— Zeuge giebt dies zu, will aber eigentlich im Ganzen nichts gewonnen haben. ES folgt sodann die Vernehmung des Amtsgerichtsraths Krauß bezüglich des Bietnngsprotokolls bei der Snbhastatio» des Donezk- schen Grundstücks. Präs.: S. Wolff hat hier behauptet, daß Sie Herrn Sack und S. Wolff damals den Vorschlag gemacht, daß Sack 5 M. mehr bieten solle, um Eigeilthümer zu werden.— Zeuge: Ich erinnere mich, daß Wolff mich fragte, wie es anzustellen sei, daß Sack Erwerber werde, wenn er auch nicht Meistbietender werde. Auf diese bei Sübhastatione« sehr häufig wiederkehrende Frage gab ich lediglich den Rath, daß dieser Zustand doch am einfachsten dadurch hergestellt werden könne, daß Sack, wenn auch nur durch ein kleines Mehrgebot könne schon von 1 M. ab erfolgen. Martin Sack, der Sohn des vorgenannte», durch Krank- heit am Erscheinen verhinderten Fabrikanten Fr. Sack, weiß bezüglich der Subhastation des Donegk'schen Grund- siücks, daß sein Vater mit den Wolff's einen Vertrag über den Ankauf des Grundstücks geschlossen hatte. Dar- nach sollten die Wolff's das nöthige Draufgeld vorläufig her- geben, sein Vater aber das Grundstück nur zum Zwecke der späteren Weiterveräußerung durch Wolff's erwerben und dafür eine Gratisikation von 3ooo M. nebst Erstattung der Auslagen erhalten.— Präs.: Hat Ihr Vater wirklich nicht mehr erhalten? — Zeuge: Nein! Als mein Vater erfuhr, daß die Firma Wolff das Grundstück an die Aktiengesellschaft für 100 000 M. weiter verkauft habe, wollte er auch etwas von diesen, Profit abhaben, worauf ihm Wolff erklärte: Dieser Gewinn sei bereits unter den Gründern vertheilt. In Wirklichkeit hat also mein Vater nur 12 000 M. für seine ansgefallenen Schuldbuchbriefe und 3000 M. Aktien erhalten.— Präs.: Hnt man nicht auch eine Quittung über einen Betrag von 63 282 M. für gelieferte Maschinen von Ihnen verlangt?-y Zeuge: Ja wohl, ich habe quittirt, aber weder ich, noch mein Vater haben etwas von jener Sunnne er- halten. Geh. Kommerzienrath Wille, Inhaber einer Hutfabrik zu Guben, hat den Werth der Douegl'sche» Fabrik aus 53 000 M. geschätzt. Präs.:(Zum Angellagten Hoffmann)? Waren die Gebrüder Wolfs im März»icht bei Ihnen, um Sie zu bereden, daß Sie Alles auf sich nehmen sollten, daß Sie die beiden Brüder nicht unglücklich machen sollte», und daß für Sie gesorgt werden würde? — Angeklagter Hoffmanii: So ist es allerdings, das kann ich beeiden.— Rechksanwalt Friedmann bemängelt die Wahrheits- liebe dieses Zeugen und weist darauf hin, daß dieser s. Z., i er den Gebrüdern Wolff seine Dienste anbot, sich als„unvi heirathet" bezeichnet habe, in Wirklichkeit aber verheirathet# Der Zeuge erwiderte dagegen, daß er damals schon von sei» Frau geschieden war. Hierauf wird die Verhandlung um 8 Uhr Abends vertagt. Zweiter Verhandlungstag. Die Beweiserhebung wird fortgesetzt. Zunächst wird af Veranlassung des Rechtsanwalts Hömann der Angeklagte Hc' mann darüber vernommen, wvrum�er mit seinen Beschuldigung« gegen die Gebrüder Wolff erst so spät aufgetreten sei, währe« er ihnen vorher stets das größte Lob ertheilt habe. Bemerke!« werth sei dabei, daß Hoffmann in der Zeit, als er schon« Untersuchungshaft gewesen, einen Jnjurienprozeß gegen Sig« mnnd Wolfs angestrengt hatte. Wer habe ihm nun die M« theilnng von einer Beleidigung gemacht, die S. Wolff in p letzten Generalversammlung angeblich ausgestoßen, indem er d Schuld der Verschlechterung der Lage ans Hoffmann schob u« äußerte:„Vor einem Hansdieb kann man sich nicht schützen"?J Angekl. Hoffmann erklärt, daß er infolge der unausgesetzt« Bitten der Wolff's so lange geschwiegen; dem Drucke folget dem er unterlege», habe er auch den Wünschen derselben# Ausstellung der Bilanz nachgegeben. Als er aber obigen V«s ivurf durch den Untersuchungsrichter erfahren, sei er klage« gegen S. Wolff aufgetreten, und das Resultat sei gewesen, d« S. Wolff zu 60 Mark Geldstrafe wegen Beleidigung verurthe wurde. Rechtsanwalt Koch(Vertheidiger des Hoffmann): Das gai'i Vorgehen der Gebr. Wolff ging dahin, die Schuld auf Hoffina« zu schieben, der auch in ZeirungSartikelu, die augenscheinlich«' die Initiative der Gebr. Wolff zurückzuführen waren, für tz schlechte Lage der Gesellsiyaft verantwortlich gemacht ivur» Der hiesige Buchdruckereibesitzer Krollmann wird auch bekunds daß er dem Hoffmann Mittheilung von diesen Vorlommnisst gemacht, und daß letzterer sich auch dahin ausgesprochen ha» daß ihn nur das Drängen der Gebr. Wolff bisher zum Schweiz« bewogen. Zeuge Buchdruckereibesitzer Krollmann bestätigt diese A« gaben.— Zeuge und Sachverständiger Jaenicke beknnd« daß im Kassenbuch in Ausgaben für den Ankauf des frü? Donegk'schen und dann Sack'scheii Grundstückes 100 000 M. Wj außerdem für den Ankauf der Maschinen, Utensilien u. s.« 63 392 M. verzeichnet sind. � Bücherrevisor Franz Töpfer aus Berlin bekundet, daß* Bücher der Firma L. u. S. Wolff mit dem von derselben at» gegebenen Prospekt genau übereinstimmen.— Präs.: Hieraus« giebt sich also, daß die Firma Wolff 100 000 resp. 62 392 M. P Ankauf des Sack'scheii Besitzes und der betreffenden Maschinen? Aktiengesellschaft angerechnet hat?— Zeuge: Jawohl.— Praj Die Sache verhält sich also derart, daß Sack über 100 000* quittirt hat, von denen er höchstens nur 70 000 M. erhalten, d« ferner von ihm 63 392 M. quittirt wurden, für welche die Fi««« Wölfs gar nichts gegeben hat.. Hierauf gelangen die Untersuchungsakten gegen HJ manu wegen seines Konkurses in Krimmitschau zur Verlesu» Daraus ergiebt sich, daß das Verfahre» auf Antrag der Sla»« anwaltschast selbst eingestellt wuroe. Der Präsident geht jetzt zu dem Ankauf des Grundstücks über. Die Gebrüder Wolff hatten hier' als_ glieder des Aufsichtsraths der Generalversammlung v« 27. August 1888 einen von der Firma L. u. S. Wolff mit d« Fabrikbesitzer Lejeune am 2. August 1888 geschlossenen Berit« vorgelegt, worin der Verlaufspreis der Lejeune'schen Hutsab« mit 403 000 Mark angegeben ist. Zugleich wurde ein Berit« vom 11. August vorgelegt, worin die Firma Wolff den bj« Besitz zu obigem Preise an die Aktiengesellschaft überträgt.*! Aufsichtsrath hatte diese Verträge geprüft und den Kaufpreis ff „angemessen" erachtet, worauf die Besitzllbertragung ohne stand erfolgte.. Präsident(zu L. Wolff): Haben Sie von den 127 000M.,dieA Bruder Sigismund am Tage des Ankaufs von Lejeune zur»«' erhalten hat, irgend ein Aequivalent erhalten?— Angeklagt L. Wolff: Nicht das geringste; ich habe überhaupt erst 7. März d. I. erfahren, daß mein Bruder dieses Geld" halten hat. Es folgt die Vernehmung des Kommissionsraths Spatz« (Berlin). Präsident zum Zeugen: Sie haben seiner Zeit Aufforderung der Gebr. Wolff die Taxe über die Lejeune!» Fabrik gemacht und in der Voruntersuchung bekundet, daß»«. sie dahin habe beinfluffen wollen, eine recht hohe Taxe antj stellen.— Zeuge: Diesen Eindruck habe ich allerdings gel' Präs.: Jahre Taxe war um etwa 40— 50 000 M. niedriger, die Schätzung des L. Wolff.— Zeuge: Jawohl.— Präs.._ ivaren auch nach dem Brande zur Abschätzung des Schadens F und fanden die Versichernngssumme außerordentlich hoch- j Zeuge: Ich fand einige Posten allerdings sehr hoch. Den W«? der Maschinen in der Lejeune'schen und in der früher DoM dann Sack'schen Fabrik hat der Zeuge, welcher auch vom GeriÄ Hof als Sachverständiger besonders vereidigt wurde, mit 112-« bezw. 190 004 M. angegeben. Der Zeuge und Sachverständige für das Baufach, Beb? Berlin, hat am 9. resp. 11. August 1888 nach den in Berlin r derartige Abschätzungen geltenden Prinzipien den Werth � Lejeune'schen Grundstücks ans 256 000 M. den des Donegk'sv Grundstücks mit 214 000 M. festgestellt., Zeuge Blaschkauer, ein Verwandter der Gattin des 21 geklagten L. Wolff erklärt, daß er von L. Wolff in dessen L«> eingeweiht worden sei, und zwar anläßlich eines Brie? den Hoffmann an die Firma Wolff nach Berlin am 6. M dieses Jahres gesandt. Hoffmann macht darin den enipsindli«? Geldmangel geltend, der'in der Kasse herrsche. Die Auszah««« der Löhne habe alle Kassenbestände absorbirt, ein Wechsel j fällig, die nächste Lohnzahlung stehe vor der Thür. Sodann«? die nächste Bilanz übergehend, spricht Hoffmann die Ansicht»«' daß eine Dividende nicht vertheilt werden solle, da in der von? Bilanz Werthe eingestellt worden seien, die gar nicht vorhan» waren. Allerdings würden die Feuerversicheriings-Gesellschal? diese„Werths" nicht ersetze», aber dennoch liege nunmehr � Vermögenslage klar vor. Sollten wir in Konflikt mit der Sta»' anwaltschast gelangen, so muß auch das erlragen werden u. st, Zeuge deponirt ferner, daß er dann mit den beiden SB«! nach Guben gefahren sei und daß er den Eindruck empfan? habe, daß L. Wolff damals von der Transaktion des Sigisnl«? Wolff, betreffs der 127 000 M. noch keine Kenntniß gehavt Eine bestimmte Bekundung, die doch eben nur ein Urtheil bll«« würde, sei er nicht ini Stande abzugeben.. Präs.: Der Angeklagte Sigismund Wolff hat von den 127 000 M. allerdings der Gesellschaft auch Zuwendungen gei»a«j (zum Buchrevisor Jaenicke): geht dieser Betrag aus den Büch« hervor? Sachverständiger Jaenicke: Allerdings, es wurden 3«. Posten in Beträgen von 23 000 und 34 000 M. von der F«st Gebr. Wolff an die Aktiengesellschaft überwiesen, ohne daß den Grund dieser Zahlungen etwas Näheres hervorgeht.— P), Konnte diese Summe Einfluß auf den Kurs der demnächst»'.««', führende» Aktien haben?— Jänicke: Allerdings.— Präp! L. Wolff: Aus welcher Veranlassimg ist denn dieser Betrag l zahlt worden?— Angekl. L. Wolff: Das weiß ich nicht, A Zahlung erfolgte ans Anweisung meines Bruders.— P«A Und Sie konnten die Zahlungen solcher großen Summe»? der Kasse Ihrer Firma gestatten, ohne daß eine GegenleÄ dafür erfolgte? Das erscheint doch unglaublich.— Z geklagte L. Wolff: Ich weiß wirklich nichts Näheres,*3 ich war damals nach Hamburg gereist.— Angekl. S. i®? Ich habe thatsächlich der Aktiengesellschaft 57 000 M. gesche»«st Nach den weiteren Bekundungen des Sachverständigen st diese Beträge dem Gründungs- und Organisationskouto ck» her ähtftcht öeS SÖiW Kredit zugeschrieben worden. Nach der Ansicht des L««" . revisors Jänicke sollte dieser Betrag in einem Jahre, nach der Ansicht des Sachverständigen Bodstein in 10 Jahren getilgt werden. Der Zeuge und Sachverständige Direktor Bodstein führt noch Folgendes aus: Es ist naturgemäß, daß ein Bankier als Gründer einer Gesellschaft auch deren Bankier bleibt, denn es würde unliebsames Aufsehen erregen, wenn man ein Depositum bei einem anderen Bankier als dem der Gesellschaft hinterlegen müßte. Die Erhöhung des Aktienkapitals auf eine Million hat auf mich nicht den Eindruck, wie auf den Zeugen Regierungsrath Beutner gemacht. Ter Umstand, daß ein Bankier zugleich Mitglied des Aussichtsrath ist, ist eine in der kaufmännischen Welt allgemein gebilligte Usance. Präs.: Sie meinen also, daß in kaufmännischen Kreisen eine solche Doppelstettung nicht als Gefährdung der kaufmännischen Interessen erachtet wird?— Zeuge: Keineswegs. Zeuge Direktor Weil(Berlin, Mitglied der Firma Sörgel, Parists u. Co.) schließt sich den Ausführungen des Herrn Bodstein voll und ganz an. Der Präsident kommt nun zu dem Punkte der Anklage, worin von Uebertreibungen und Verschleierungen der Bilanz vom Zeitpunkt der Gründung im Jahre 1887 bis Schluß 1888 die Rechtsanwalt Friedmann: Diese Unrichtigkeiten der Bilanz, von denen die Angeklagten aber keine Kenntniß hatten, sind er- wiesen und wäre daher wohl von einer weiteren Beweisausnahme darüber abzusehe». Staatsanwalt Karnah: Ich möchte gerade die Beweis- aufnähme, denn daraus wird sich ergeben, daß die Angeklagten von der Fälschung Kenntniß hatten. Der Gerichtshof beschließt die Beineisausnahme und ver- nimmt zunächst den Bücherrevisor Jaenicke. Derselbe weist 88 Posten von Wolle nach, wo zwischen dem Eingangspreise und der Ansehung in der Bilanz eine Differenz und Täuschung statt- findet. So wurden in einem Falle 1100 M. mit 1217 M., in einem anderen 282 M. mit 558 M. eingestellt. Die gesammte Differenz dürste etwa 25 000 bis 30 000 M. betragen. Tie Angcllagten L. und S. Wolfs führten diesen Umstand ans falsche Berichte der beiden Direktoren Hoffmann und Gützloe zurück. S. Wolfs meint, daß ihm und seinem Bruder selbst Bedenken-über die betr. Wochenberichte der Direktion ans- gestiegen seien und daß er diese Bedenke auch im Aussichtsrathe zur Sprache gebracht habe. Präs.(zu S. Wolfs): Warum haben Sie dann diese Bedenken nicht in der Generalversammlung zur Sprache gebracht? Angekl. S. Wolff: Ich wohnte der betr. Generalversammlung nicht bei. Der Angeklagte L. Wolfs, welcher in der Generalversamm- lung anwesend war, bemerkt, daß er gar keine Ursache gehakt habe, den Angaben der Direktion zu mißtra en, weshalb er auch keine Ausstellungen damals in der Versammlung gemacht habe. — Präsident zu den beiden S. u. L. Wolff: Hoffmann hat ja aber bekundet, daß er gerade durch Sie Beide zu den unwahren Angaben über die Vorrathe verleilet worden sei! Beide Brüder Wolff weisen diese Behauptung des Hoffmann als durchaus unwahr zurück. Angekl. Hoffmann: Ich kann nur auf meiner darüber bereits gemachten Abgabe bestehen bleiben. (Es folgt eine Pause.) Kuben, 2. Okto.er.(Privattelegramm.) Der Staatsanwalt beantragte bei Sigismund Wolff eine Gesammtstrase von 8 Jahre» G e s a n g n i ß, 5 Jahre Ehrverlust und 38 000 M. Geldbuße, gegen Louis Wolff 5 Jahre Gefängniß und 5 Jahre Ehrverlust sowie 23 000 M. Geldbuße, gegen Hoff- mann SVe Jahre Gefängniß, 3 Jahre Ehrverlust und 2uu0 M. Geldbuße. den öffentlichen Versammlungen finden wöchentlich einmal Lese- abende statt. Auch steht den Mitgliedern die Vcrcinsbibliothek zur Verfügung. Hoffen wir nun, daß es dem Berein nicht so gehen mag, wie es schon so manchem pro patria Verein ergangen ist, daß er wegen zu schwacher Belheiligung aufgelöst wurde, sondern zeigen wir uns in unserer ganzen Größe und Macht. Darum Genossen und Genossinnen, welche noch keinem derartigen Verein angehören, entschließen Sie sie sich recht zahlreich zum Beitritt in den Verein, um darin mitarbeiten zu können, daß unsere Ziele recht bald erreicht werden. Die Sitzungen finden vom 8. Oktober regelmäßig jeden Mitt- woch im Restaurant Nürnberg(früher Neige), Schönhauser Allee Nr. 28, statt. Hugo Lehmann. Carl Meyer. Wilh. Kusche. Si o b. Krause. P. D e w i t t. Sozinle Uelievstrlzk. Aufruf a» fümmtlichr Kollcgen nun Arbritrr dcv In» und Auslande». Werths Kollegen und'Arbeiter! In vtachstehendem geben wir einen Uederblick über die Aussperrung der Glasarbeiter. Bekanntlich befinden sich die Glasarbeiter in Bergedorf, Flensburg und Ottensen seit dem 5. Juli d. I. iin Aichstand; es ist bis jetzt noch keine Aenderung im Stand der Aussperrung zu verzeichnen, da bis jetzt von keiner Seile Annäherungsversuche gemacht worden sind. Unter Zuzug haben wir bis jetzt wenig zu leiden und find die Verhältnisse stir uns bis jetzt günstig. Die Fabrikanten können auch weniger auf Zuzug rechneu, da sie sich verpflichtet haben, gegenseitig sich keine Leute wegzn- nehmen; ihre Geißel, welche uns zum Nachgeben zwingen soll, ist der Hunger. Da nun die Ausgesperrten in Deutschland nir- gends Arbeit bekommen, so glaubte man, die vorerwähnte Geißel würde baldigst ihre Wirkung thun. Nun, bis jetzt ist unser Muth ungebrochen» und wenn wir auch kein Leben wie manche Fa- brikanten führen können, so ist bis jetzt doch noch Niemand von uns verhungert. Nur eins, wodurch wir in eine unangenehme Lage kommen können, müssen wir hier erwähnen. . Bekanntlich ist vom„Hamburger Echo" für die Ausgesperrten gesammelt worden; nun ist vor Kurzem die Lage in Hamburg vom„Hamburger Echo" als normal hingestellt und sind die Sammlungen eingestellt worden; dies müssen wir dahin richtig stellen, daß wohl bei einigen Gewerken der Ausstand beendigt ist, wir Glasarbeiter und auch noch andere Gewerke(z. B. die Gas- arbeiter) befinden uns noch im Ausstand; außerdem sind noch eine große Anzahl Gemaßregelter vorhanden, die sich zum großen Theil in einer argen Roth befinden; andererseits sind aber die Hamburger Arbeiter durch die langen Aussräude dermaßen er- schöpft, daß sie für die Ausgesperrten und Gemaßregelten nicht allzuviel leisten können. Wie ans dem oben Angeführten ersichtlich, kann von einer normalen Lage nicht gut die Rede sein. Wir wenden uns daher an die Arbeiter des In- und Aus- landes mit der Bitte, uns in diesem uns ausgedrnngenen Kampfe auch ferner zu unterstützen, damit wir nicht der Brutalität des Kapitalismus unterliegen. Was die Arbeiter von den Unternehmer» zu erwarten haben, JJi wenn es gelingt, die Organisationen der ersteren zu vernichten, xlli das können wir an den Ewersührcr-Baasen sehen; dieselben sind ifll; lsttzt lustig dabei, die Löhne der'Arbeiter zu beschneide»; auf diese (si Weise hoffen diese Herren, am eheste» zu ihrem Prosit zu kommen. Lasse sich also jeder Arbeiter durch derartige Beispiele warnen ,£l und gebe sich'Niemand dem Kapitalismus auf Gnade oder Un- .Ä finace hin. Also nochmals, Arbeiter allerorts, unterstützt uns nach bb Krajten, dann kann unser Sieg nicht ausbleiben. i l�s sind noch zirka 350 Glasarbeiter zu unterstützen, von denen . die Mehrzahl verheirathot ist. Mit kollegialischem Gruß, Die aus & gesperrten Glasarbeiter. .gi Sendungen find zu richten an Glasarbeiter Hermann Hallwas iräi'n®nrl')e bei Bergedorf, Markt Nr. 4, auch nimmt Sendungen entgegen die Redaktion des„Fachgenosse" in Löbtau bei Dresden; ;| in Berlin rnmiiit Glasschleifer'Adolf Nichter, Wrangelstr. 75, Lluergeb. 4 Tr., Gelder für die ausgesperrten Glasarbeiter ent- 3? gegen, auch sind dort Sammellisten zu haben. Aller arbeiter- : j freundlichen Blätter werden um Abdruck gebeten. Arbeiter n»d Arbeiterinnen Ter unterzeichnete Vor- iick stand des'Allgemeinen Arbeiter- und Arbeiterinnen- Bildungs- P rereins„Berlin Nord" ladet Genossen und Genossinnen des Nordens und Nordosten Berlins zum Beitritt in den Verein pl' biernut herzlichst ein. Die Gründung dieses Vereins geschah auf sit Anregung unserer Genossen und sind Unterzeichnete in den Vor- Ä Itand gewühlt. Wir glauben, durch die Gründung des Vereins ) einem längst gefühlten Bedürfniß entsprochen zu haben. Außer VevfrmmiUmgeH. Dir Uevfammlnttg, die zur Mahl dcr Dclegirten für de» 1. Wahlkreis bei May, Veuthftr. 22/23, abgehalten wurde, war vom besten Geiste beseelt. Genosse Metzner hielt einen mit großem Beifall aufgenommenen Vortrag über den Organisations- entwurf. Hieran schloß sich eine lebhafte Debatte, an welcher sich die Genossen Täterow, Feldmann, Wach u. A. betheiligten. Die Wahl hatte das bereits mitgetheilte Resultat. Ginr Urrsammlung uuferrr Zlartrigenost'rn dro Ä. Aieichstags-Mahlkreifra tagte am Mittwoch Abend in der Bockbrauerei, Tempelhofer Berg, unter dem Vorsitz der Ge- »offen Wilschke, Manien und Fahrcnwald. Das Referat über- nahm der Stadtverordnete Otto Klein. Redner wies auf einige Mängel hin, die nach seiner Meinung an dem Organisations- entwurf zu finden seien, jedoch müsse man sachlich darüber dis- lutiren und sich gegenseitig belehren, damit unser nächster Parteilag den erneuten Beweis liefere, daß sehr wohl Einigkeit und Zu- friedenheit in unseren Reihen herrsche. Er hielt es für tvünschenswerth, daß der Parteitag seine Stellung zur Gewerk- schastsbewegung, zu Streiks und Boykotts genau präzisire, damit sich nicht die Kräfte wie bisher so zersplittern. Mit einem„Frisch auf zum Parteitag" endete er seinen mit Beisall aufgenommenen Vortrag.— Eine Resolution, welche verlangt, solche Leute nach Halle zu senden, welche im Sinne des Referenten wirken werden— jedoch ohne gebundenes Mandat— wurde von Fahrenwald eingebracht.— Herr Schweitzer kritisirt alsdann den„freien Staat" in unserem Pro- gramm und hält ihn für überflüssig, weil er in der„sozialistischen Gesellschaft" mit enthalten sei.— Er verlangt eine direkte Leitung der Gewerkschaften durch den Parteitag, durch die politische Partei und eine gründliche Programmrevifion.— Genosse Fahren- wald tritt für einen Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein ein.— Nunmehr erhält der anwesende Abg. Auer das Wort.— Er erklärt, daß die in St. Gallen gewählte Programmändernngs- Kommission nicht über die Vorarbeiten hinaus gekommen sei. Slrbeitsüberbürdung, Krankheit, Prozesse und sonstige Ver- Hältnisse der Mitglieder derselben seien daran schuld gewesen.— Andererseits aber sei unser Programm nicht in dem Maße verbesserungsbedürftig, daß seine Revision förmlich auf die Nägel brenne.— Das Meiste, was man in demselben angeblich vermisse, fei schon darin enthalten, allerdings in kurzer, bündiger Form. In dem Pasfus z. A.:„Religio» ist Privatsache" liegt schon die Thalsache, daß die Sozialdemokratie für Trennung der Kirche von der Schule eintritt, daß sie als demo- kratische Partei größtmöglichste Freiheit auch in religiösen Dingen befürwortete. Der erzwungene Atheismus beeinträchtige jedoch die Gewissensfreiheit des einzelnen, er tragt das Ketzer richterthum, den Gewissenszwang in unsere Reihen und mache unsere Partei zu einer Kirche. Jeder habe das Recht, es in pimkto der Kindererziehung zu halten, wie er als Vater, als Erzieher einer neuen Generation es für nöihig erachte, darin werde jeder überzeugte Genosse seine Pflicht thun; unsere Ideen bürgen wohl genug dafür, daß man in unserem Zukunfts- slaate keinen Stöcker zum Hohenpriester machen, jedenfalls bürge sie mehr als gewisse„freireligiöse" Bestrebungen der Gegenwart, die sich nicht selten durch Fanatismus auszeichnen und durch ihre gehässigen'Angriffe auf die„Pfaffenwirthschaft" jc. mehr Leute vor den Kopf stoße», als sie gut machen. Tie besondere Er wähnung der Forderung des Stimmrechtes für die Frauen in unserem Programm hielt Redner für überflüssig, da dasselbe bereits für alle Staatsangehörigen, also auch für die Frauen, verlangt werde.— Tie Gewerkschaftsbewegung an sich marschirt vollkommen getrennt von der politischen; so hat sie auch ferner zu marschire». Eine Verquickung»>it der politischen Partei würde nur zu vereinsgesetzlichcn Schwierigkeiten führen.— Was den Organisationsentwurf betreffe, so stehe er, Redner, dieser Angelegenheit sehr kühl gegenüber. Leider könnten wir da nicht handeln, wie wir wünschen, sondern die Polizei werde da immer ein gewichtiges Wort mitsprechen. Der tobte Buch- stabe des Statuts macht es übrigens auch nicht, wenn uns der Geist, das Klassenbewußtsein nicht trägt. Stur das Gefühl der Zusammengehörigkeit läßt uns immer größere Erfolge erringen (anhaltender Bciinll).— Nachdem die Herren Krause und Kroll noch für die Aufnahme der Bestrebungen des Atheismus in unser Programm eingetreten waren, sprach nochmals Genosse Auer in oben angeführtem Sinne. Genosse Werthmann stattete den Berliner Genossen für ihre zwölfjährige Thätigkeit während des Ausnahmegesetzes seinen Tank ab.— Hierauf schritt man zur Delegirtenwahl. Vorgeschlagen ivurdcn nenn(O. Klein, Karl Grau, Herm. Werner, Hitzing, Wilschke, Krause, Kroll, Schweitzer, Janiszewski, von denen Gran und Schweitzer ab- lehnten. Von den übrigen wurden Otto Klein, Konstantin Janiszewski und E. Wilschke gewählt.— Die Diäten wurden fast einstimmig mit 10 Mark pro Mann und Tag(exkl. Reisespcsen) festgesetzt, zur Beschaffung der Gelder wählte die Versammlung eine fünfgliedrige Kommission. Schluß gegen 1 Uhr. 3. Wahlkreis. Im Etablissement Sanssouci(Kottbuser- slraße 4») kam es zu sehr stürmischen Debatten. Tapezirer Wild- bcrgcr äußerte sich zunächst über den Kongreß ungefähr folgender- maßen: Unsere Führer haben einmal geäußert, das Sozialistengesetz werde nicht eher fallen, als bis das ganze heutige System gefallen sei. Die Erfahrung habe wieder einmal bewiesen, daß die Führer Unrecht hatten, denn eine Aenderung des Systems chabe in keiner Weise stattgefunden. Auf dem Kongreß zu Halle wird gerügt werden, daß der Vorstand der sozialdemokralfschen Reichstags Fraktion, entgegen dem Beschlüsse des Kongresses zu St. Gallen, die Parole ausgegeben habe, bei Stichwahlen für die Freisinnigen zu stimmen.'Auch werde getadelt werden müssen, daß die Fraktion, trotz des Beschlusses des internationalen'ArbeiterkongresseS zn Paris, betreffs der I.Maifeier abgewinkt habe. Die Wahlparole sei um so befremdlicher, wenn man erwäge, daß es früher immer geheißen habe: lieber jeden anderen gegnerischen Kandidaten, als en frei- sinnigen zu unterstützen(Widerspruch). Der betreffende Beschluß sei doch in St. Gallen nicht gefaßt worden, damit er kurzer Hand von fünf Leuten über den Hausen geworfen werde. Der Einwand Bebels, daß man die Verewigung des Sozialistengesetzes mit dieser Paroleausgabe habe verhindern wollen, sei nicht stichhaltig, denn wenn die Regierung gewollt hätte, dann wäre das Gesetz ver längert worden. Durch den Ausruf der Fraktion betreffs de- 1. Mai sei das Schicksal des Hamburger Zlusstandes verschuldet worden. Das Unternehmerthu»' sei aber dadurch frecher und übermüthiger geworden. Auch mit der parlamentarischen Thätig- keit der Fraktion könne man nicht zufrieden sein. Bebel habe sogar geäußert, er würde wenn aus Anlaß des rauchlosen Pulvers eine dunkle Uniform eingeführt werden solle, für die alsdann erfor- derliche Anleihe stimmen. Welchen praktischen Nutzen die Antheib »ahme an den parlamentarischen Arbeiten haben solle, sei ihm ab solut unerfindlich. Auch wisse er nicht, weshalb die Abgeordneten nicht den achtstündigen Normalarbeitstag fordern, sondern sich mit dem zehnstündigen zufrieden gebe». Durch ein derartiges Paktiren werde der Unterschied zwischen den Sozialdemokraten und den Freisinnigen verwischt. Im Weiteren sei zu rügen, daß laut Organisations-Entwurf der Reichstagsfraktion die Kontrole über den Parteivorstand übertragen werde und endlich, daß das„Verl. Volksbl." Zentralorgan werden solle. Einmal verdiene die Reichstagssraktion, die doch auch, wie die Stichwahlen gezeigt haben, szum Theil von den Gegnern gewählt worden sei, kein unbegrenztes Vertrauen und zweitens sitzen in der Fraktion eine Anzahl Expedienten und Redakteure von Parteiblättcrn, die kein unbefangenes Urtheil beanspruchen dürften. Auch könne man nicht ein Blatt zum Zentralorgan machen, das den Fall Lindau breit getreten und Liefländer boykottirt habe, überhaupt eine gegentheilige Meinung nicht aufkommen lasse(mit Herrn Wildberger können wir keine Polemik führen; wir wissen ja auch nicht, in welchem„Zu st a n d" derselbe geredet hat. Herrn Liefländer über- lassen wir Herrn Wildberger, es wird ihn Niemand darum beneiden, und Herrn Wild- berger überlassen wir den Parteigenossen. Red. des„Berk. Volksbl.") und sich zu drei Vierteln im Besitze eines Privatmannes befinde.(Rufe: Das ist nicht wahr!) Obwohl dies bestritten werde, so sei ihm bekannt, daß der Drucker bedeutend mehr zu sagen habe, als die Redaktion. Im Uebrigen wäre es ungerecht, wenn die Ber- liner nicht gleich den Magdeburger und Dresdener Genossen ein Lokalorgan haben sollten.' Der Redner bestritt hierauf, die be- kannte Aeußerung im Berliner Arbeiterverein gethan zu haben; wenn der betreffende Berichterstatter in der Versammlung wäre, dann würde er dessen Ausweisung beantragen. Er habe nur ge- agt, daß angesichts des ehernen ökonomischen Lohngesetzes auf zem Boden der heutigen Gesellschaftsordnung keinerlei Besserung 'ür die'Arbeiter zu erreichen sei.(Stürmischer Beifall und heftiger Widerspruch.)— Tischler Barth: Die Zeit, in der kein Aus- nahmegesetz herrsche, sei vielleicht eine sehr kurze; deshalb müsse dieselbe benützt werden, um derartig zu agitiren, damit schon im nächsten Reichstage die Sozialdemokraten die Majcrirät hätb> Wenn die parlamentarische Thätigkeit auch keinen praktisch' Nutzen habe, so sei doch die Wahlagitation von großer Bedeutm Im Uebrigen wäre zu wünschen, daß die Nörgeleien in Partei nun endlich einmal aushören würden.(Beifall und W. 'pruch.)— Buchbinder Jahn: Er wundere sich, daß sich AI ?erger zum Reichstage habe aufstellen lassen. Lassalle habe r das allgemeine Wahlrecht als die wichtigste Waffe der Arbeiter zeichnet. Wenn Liebknecht 1869 anderer Meinung gewesen sei, habe er eben den veränderten Verhältnissen Rechnung getrag. Wildberger habe sich nicht blos bei der Hauptwahl in Verl sondern auch bei einer Nachwahl im Kreise Prenzlau aufste» lassen, er habe somit früher auf dem Boden des Parlamentarismus gestanden. Da die gegenwärtige Generation den sozial- demokratischen Zukunstsstaat nicht erleben werde, so sei es doch nothwendig, schon jetzt so weit als möglich Besserungen zu schaffe». Und diese seien mittelst des Parlamentarismus und der Gewerkschaften wohl zu erreichen.(Beifall und Widerspruch.)— Tischler Nöske: Wenn Wildberger gewählt worden wäre, dann würde er jedenfalls zu den Angegriffenen und nicht zu den An- greifern gehören. Es sei sehr bedauerlich, daß ein solcher Ton in der Partei eingerissen sei.(Unruhe.) Die Genossen dürsten sich nicht der Stimme enthalten bei einer Stichwahl zwischen Virchow und Stöcker und zwischen Eugen Richter und Cremer. (Beifall.) Die Genossen Bebel und Lievknecht hätten jahrelang im Kerker gesessen, sie seien von Haus und Hof gejagt worden und es sei deshalb sehr zn bedauern, wenn in der Weise, wie es Wildberger beliebe, der Stab über sie gebrochen werde. (Lebhafter Beisall.)— Tischler Fritz kann dem Wildberger in keiner Weise beistimmen. Wenn die'Abgeordneten sehen, daß der achtstündige Arbeitstag vorläufig nicht zu erreichen sei, dann empfiehlt cs sich jedenfalls, daß sie sich zunächst mit dem zehn- stündigen begnügen. Man möge doch nicht vergessen, daß es noch viele Genossen gebe, die täglich 15— 17 Stunden arbeiten müssen. (Beifall.)— Schuhmacher Max Baginski: Er ersuche die Genossen, nicht Jeden als Nörgler zu bezeichnen, der gegen die Fraktion auftritt. Tie Fraktion habe eben die Prinzipien der Partei ver- letzt, denn die Sozialdemokratie dürfe mit den herrschenden Par- teien in keiner Weise paktiren. Am allerwenigsten dürfe man für eine Anleihe zn militärischen Zwecken stimmen. Es dürfe doch nicht vergessen werden, daß das Militär hauptsächlich der Arbeiter wegen gehalten werde.— Zigarrenhändler Kräker: Selbst wenn durch die Antheilnahme an den parlamentarische» Arbeite» nichts zu erreichen sei, so könne doch vielleicht eine Verstärkung des Drucke? auf die Arbeiter verhindert werden.(Beifall.)— Tischler Bruns: Er sei in der Versamm- lung des Berliner Arbeitervereins gewesen und müsse sagen, daß Wildberger wohl so gesprochen habe, wie berichtet worden sei. Wildberger habe sich aber in einem Zustande befunden, daß er nicht mehr gewußt habe, was er spreche. Es sei das um so be- dauerlicher gewesen, als er seinem Gegenkandidaten, dem Rechts- anwalt Mnnckel, in jener Versammlung gegenübergetreten sei. Nach kurzer Debatte wurde alsdann zur Delegirtenwahl ge- schritten. Als zunächst Wildberger vorgeschlagen wurde, sprach Zigarrenhändler Kräker gegen dessen Wahl, da derselbe im Casü Royal und in einer Versammlung zwei Genossen in arger Weise geschlagen habe. Derartige Rohheiten würden leider immer der Partei zur Last gelegt. Einen derartigen Mann dürfe man nicht zum 5tongreßdelegirtcn wählen.(Beifall und heftiger Wider- spruch.) Wildberger erklärt, daß er, nachdem er in dieser Weise angegriffen worden sei, eine Wahl nicht annehme. Die Zlartcigrnofl'en de» 5. Kerlinev Ucichotago» Wahlkreis«» versammelten sich am Mittwoch Abend in der Brancrei„Köniastadt", Schönhauser Allee, um die Delegirten zum bevorstehenden Parteitage zu wählen. Das Bureau bildeten die Genossen Kutzbach, Emil Fritsche und Maagcr. Genosse Fritz Berndt hielt ein beifällig aufgenommenes Referat, in welchem er seiner Stellung zu der vorläufigen Tagesordnung des Kongresses zum Organisationscntwurf und zum Parteiprogramm Ausdruck gab. An dem Organisationsentivnrs hatte der Referent folgendes auszusetzen: Die Wahl der Delegirten zu einem Parteitage müsse in der Weise geschehen, daß ein Wahlkreis mit unter 5000 Stimmen eine» Delegirten, bis zn 10 000 Stimmen zwei Delegirtc zu wählen haben. Jede weiteren 10 000 Stimmen seien durch je einen Delegirten zu vertreten. Ferner sei nicht der Vorstand auf die Dauer eines Jahwes zu wählen, sondern die Amtszeit des Vorstandes habe mit jedem neuen Parteitag, ganz gleich ob ordentlichem oder außerordentlichem, ihr Ende zu erreichen. Wiederwahl müsse zu- lässig sein. Die Aussicht über die Geschäftsleitung des Vorstandes habe nicht durch die Fraktion zn geschehen, sondern durch eine auf den Parteitagen zu wählende Kontrolkommission von sieben Mann, die an einem Orte ihren Wohnsitz habe» müssen. Von dieser Kontrolkommission seien alle Beschwerden gegen die Partei- leitung zu prüfen und zu entscheiden. Redner ermahnt, auf keiner Seite Böswilligkeit vorauszusetzen. Der Fraktion, der man über ihre Thätigkeit im Parlament keine Vorwürfe machen könne, habe gewiß nur das Beste der Partei gewollt, als sie den Entwurf ausarbeitete. Aber auch die Opposition habe sich von diesem Gedanken leiten lassen. Wenn auch die Verhandlungen auf dem Parteilage stürmisch werden, die Ideen werden nur eine Klärung erfahren. Alle auftauchenden Gedanken und Vorschläge müssen ruhig und sachlich, ohne Vor- eingenommenheit geprüft werden; das liegt im Interesse unserer Partei, die dadurch gestärkt wird. In der nun folgenden Dis- kussion spricht zunächst Genosse John, welcher wünscht, daß die Zugehörigkeit zur Partei nicht von einer sortlaufenden materiellen Unterstützung abhängig gemachtj wird.§ 1 des Organisations- Statuts müsse lauten: Parteigenosse ist Jeder, der sich als solcher fühlt. Der Fraktion will Redner nicht eine Kontrole über die prinzipielle Haltung der Blätter zusprechen. Das hätten die Sefct jedes Blattes selbst zu besorgen. Ebenso wenig sei die Fraktion nöthig, den Vorstand zu kontroliren. Dazu seien die Parteigenossen in ihrer Allgemeinheit da. In Bezug aus das Programm wünscht Redner u. a., daß der Anfang lautet: Die Arbeit im Verein mit den Kräften der Natur ist die Quelle aller Güter. Genosse Lambrecht wider- spricht diesen Ausführungen zum Theil. Nachdem noch Genosse Schulz gesprochen. resuniirt der Referent in seinem Schlußwort seine'Ansichten und übergiebt deni Vorsitzenden mehrere Anträge an den Parteitag zur Abstimmung. Genosse Auerbach spricht sich gegen eine Abstimmung auS, da damit den Delegaten ein gebundenes Mandat gegeben werde. Obgleich der Referent bemerkt, daß die Delegaten nur verpflichtet seiu sollten, die in den Anträgen zum Ausdruck gebrachten Wünsche zur Anregung zu bringen, beschließt die Versammlung, keine Abstimmung vor- zunehmen. Es wird hierauf zur Delegirtenwahl geschritten. Vor- geschlagen wurden die Genossen Reinhold Jacubik, Aug. Miller, Fritz Berndt, Albert Auerbach, Em. Fritsche und Paul John. Es wurde der Reihe nach abgestimmt. Für Genossen Aug. Miller fand sich keine Majorität. Gegen Jacubik, Berndt und Auerbach, stimmten nur wenige Theilnehmer an der Versammlung. Die übrigen Kandidaten kamen nicht zur Abstimmung. Nachdem noch eine Kommission zur Aufbringung der Gelder für die Beschickung des PariMlages gewählt und„Verschiedenes" erledigt war, schloß die Versaiumlung. Ziir den ö. Srrliirev Ueichvtags-Mnlilkveio fand am >.?. Mts. die Versammlung der Genossen zur Wahl der D e l e g i r t e n zum Parteitage nach Halle im Eiskeller statt. Das einleitende Referat hatte Genosse Wernau übernommen, welcher in seinem Vortrage der gewerkschaftlichen Organisationssrage besondere Berücksichtigung angedeihen ließ, die Dringlichkeit hervorhebend, daß sich der Parteitag in Halle chr eingehend mit dieser zu beschäftigen haben werde und ihm -e Aufgabe zufallen müsse, die Frage zu berathen event. zu lösen, r.e durchgreifende, den heutigen Verhältnissen entsprechende, t"'* r Polizei unabhängige, die untrennbare Politik berück- che Gewcrkschastsorganisation geschaffen werden könne. backe bewegte sich in einem dem Referenten zustimmenden ige. Von einer nochmaligen Diskussion über den - at:�nsentwurf der Fraktion wurde im Allgemeinen 1 1 genommen, das Erforderliche hierüber vielmehr t. Parteitage überlassen. Unter Anderem nahm auch sc Ewald das Wort, welche»» eine herzliche Ovation n.--acht wurde. Derselbe kam noch einmal auf die Streitigkeiten anläßlich des Organisationsentwurfs zu srrechcn, welche, wie er versicherte, die Genossen in den Provinz- s'ädlen'infach nicht begreifen, und war der festen Ueberzeugung, i%. •«t; daß die Partei nach dem Parteitage in Halle neu gefestigt, ge- wappnet und kampfbereit allen Gegnern gegenüber stehen werde. Der lebhafte Beifall, ivelcher dem Genossen Ewald bei seinen AuS- führnngen gezollt ivurde, bewies, daß er noch immer eines Sinnes mit den Genossen des 6. Wahlkreises ist. Den größten Theil des Abends nahm die Delegirtenwahl in Anspruch und kam es, da über jeden Kandidaten eine Spezialdiskussion beschlossen ivurde, gelegentlich dieser zu mancher kleinen Mohrenwäsche. Das Re- sultat der Wahl ist gestern bereits bekannt gegeben worden. Es wurde beschlossen, daß die Delegaten die Ansichten der Genossen des G. Wahlkreises, soweit sich dies ermöglichen lasse, ans dem Parteitage in Halle vertreten solle», daß ihnen jedoch bei allen Abstimmungen freie Hand zu lassen sei. Die Regelung der Diäten- frage wurde einer Kommission übertragen. Im Kreise Teltow-Keeskow-Storkom sind die Genossen Weruer-Berlin, Wernicke-Charlottenburg und Schütz-Rixdorf zu Delegirten zum Parteitag in Halle gewählt worden. Am A7. September fand die erste Mitglieder- Versammlung der„Freien Gemeinde" zu Friedrichs Hägen statt. Leider war nur der dritte Theil von den eingeschriebenen Mitgliedern erschienen. Die Tages- ordnung lautete: Statutenberathung, Vorstandswahl und Ver- schiedenes. Zu dem angenommenen Statut sei besonders auf den Passus im§ l: Mitglied der Freien Gemeinde kann nur»verden, »ver aus der Kirche ausgeschieden ist— hingewiesen. In den Vdrstand wurden gewählt die Herren Martens(Vorsitzender), Richnoiv(Schriftführer), Laddei(Kassirer). Außerdem die Herren Knappe und Kutenberg als Beisitzer. In den» Nersani»nl«»gsbrricht der kombinirten Maler- Versammlung heißt es: Zentral-Streik-Prüfungskommission; es soll heißen: Berliner S t r e i k- K o n t r o l k o m in i s s i o n. Krrie zierri»ig»»g der ztlanrer Kerl,»» n»d Zlmgegend. Sonntag, den ü. Oktober, Vormittags io% Uhr, Beuthstr. 20, Saal» Treppe(Verein junger Kauflsute). lSenerawersammlung. prltrn. Am Sonntag, den s. Oktober, veranstalten die sozialdemokra- tischen Parteigenosse» von Velten einen Abschied vom Sozialistengesetz. Leichen- seier, bestehend in: Konzert, Vorträgen und Kränzchen von Abends 7 Uhr ab, wozu alle Freunde der Arbeitersache eingeladen sind. Genosse Wartlig, der aus Velten, resp. aus dem Kreise ausgewiesen, wird hierzu erschelnen. pcrri»„WandrrMst". Sitzung Montag o Uhr, Grünauerstr. it. Gäste willkommen. Ko>ialdr»loi>rat!s»'ier»nd Oioliutirlliub..Süden". Freitag, den s. Oktober, Abends o Uhr, Sitzung, bei Schwarzkopf, Skalitzerstraße»». Gäste willkommen. Filinl» 4 der Allg.»nd Zentral-Kranste»-«»d Sterbrliassen der zUetatlarbeiter<£. f). Ü!)»»d 80, Hamburg. Sonnabend, den t. Oktober, Abends o Uhr, Mitgltcder-Bersnmmlung, Andrcasstr. 28, bei Volzmaun. Tagesordnung: I. Vortrag des Herrn Dr. Rehfisch. Thema: Tie Seele im Thierkörper. 2. Kassenbericht. 8. Verschiedenes. Lreireligiase Gemeinde, Rosenthalerftr. ss. Sonntag, den 8. Oktober, Vorm. 10 Uhr, Vortrag deS Herrn S. PeuS über die Charakterlosigkeit in heutigen Erziehung: Gäste sehr ivillkoinme». Freie ZgatKobühne. Am Freitag, den 8. Oktober, Abends Sh Uhr, im Saale des Herrn Feuerstein cwe große Versammlung siir Männer Frauen statt. i Achtung! Äähmisches Krauhau». Sonnabend, den 4. Oktober ä so jähriges Gesellenjubiläum deS Tischlers Joh. Oberänder, verbunden» Konzert, Vorträgen und Gesang, unter Mitwirkung deS Arbeiter- Gesa* vereinS„Hoffnung", Festrede, gehalten vom Herrn Reichstags- Abgeordne* Franz Tutzauer. E !>e> lamintung de» Vereins der in der Schaftebraiiche besns» tigtcn Arbeiterin»»» am Sonnabend, den 4. Oktober er., Abends 8% bei Beier, Reue Grünstr.>4(Gartensaal r.): Vortrag deS Herrn Millai Gäste, Herren und Damen, haben Zutritt. Soiiatdemohrntischer Kefe» und Diokutirklnb ,,Nrinc", Sonn> den 4. Oktober, Hornstr. It bei Zechlin. ttZrohe öffentliche Kersainmliuig der| Tababarbeiter»nd arbriteriniie» am Dienstag, den 7. Oktober, Abends 8% Uhr, im Saale Bötzow'schen Brauerei, Vor dem Prenzlauer Thor. Tagesordnung: t. Ben erftattung vom internationalen Kongreß zu Antwerpen. 2. Ter Ausschluß Kollegen zu Eschwege. 8. Abrechnung der Kommission pro 8. Quartal H 4. Verschiedenes. Fachverein der Töpfer Äharlottenburg»»nd Umgegend. Sonnt* den 5. Oktober, Vorm. 10 Uhr, Mitglieder-Versammlung in der Gambrii Brauerei, Charlottenburg, Wallstr. 48. Tagesordnung) i. Vortrag: lehren uns die Unternehmerkoalitionen der Neuzeit? Referent: Herr Pik 2/BierteljahrSbericht. 3. Vereinsangelegenheiten.— Um zahlreichen Best» insbesondere der Berliner Kollegen, wird ersucht. Vvieflmjfv« dev Mednlrkron. Bei Ausragen bitten wir die AbonnementS-Quitlung beizufügen. Briesti�su:»:. Antwort wird nicht erthetlt. jin'S H Miele»?-jIostannistlial. Sie geben in Ihren, Schreib> Quartalsersten ohne zuvoriae Kündigung verlaffen. Dageg> kann sie außerhalb dieser Zeit nicht kündigen. In Ihren» ist daher nur eine gütliche Verständigung init der Herrschast zurathen. ©. K. Mühlenstr. Was sich die Eheleute geineinsan» j spart haben, gehört aNein den» Manne. Stirbt dieser, so ert* die Frau und seine Geschwister den ganzen Nachlaß je zur HälMief n Stirbt die Frau, so ist, außer ihren Kleidungsstücken ein NachMerha nicht vorhanden. Durch ein bei Gericht niederzulegendes»vechstjh� � seitiges Testament, könne» sich die Eheleute gegenseitig zu alleimZst•, Erben einsetzen.® lar g Lchlltl. sszillldtmskr. Berslliümlyitg für den Kreis läiesier»Barnim So««te»g, den 5.©UioUrr 1890, Uorinittagv 11 llljr in der Gräfl. Reischach'schen Brauerei zu Stralau. a g e s- O r d i» u n g: 1. Ansprache des Reichst.-Abgeordn. Staüthogcn. 2. Ter Parteitag zu Halle und seine Bedeutung mit Einfügung deS Organisations- Entwurfs. Referent: Herr Theodor CVletziiep. 3. Diskussion. 4. Wahl der Delegaten zum Parteitag. Genossen aus allen Ortschaften des Kreises Stieder- Barnim sind zu dieser V.asaniuilung eingeladen. Zur Deckung der Unkosten Entree nach Belieben. 7 3 Der Gindernfer. Älaser-Gesellschaft Berlins und Umgegend. Unseren Mitgliedern zur Kenntniß, daß unsere img- GeneraB-VersanaBnlung am Dirustag, den 7. Oktober, Abends GGa Uhr in Gralweil's Bierhallen, Kommandantenstr. 77/79 stattfindet. 813 Tages-Ordnung: 1. Geschäftsbericht des 1. Vorsitzenden. 2. Abrechnung vom letzten Quartal. 3. Anträge des Vorstandes. 4. Wahl des Eesamml- vorstandes. 5. Festsetzung der Entschädigung für das Leiten des Arbeits- Nachiveises. 6. Wie verhalten mir uns den Mitgliedern gegenüber, die ihren Verpflichtungen laut§ 2, Abs. 2 nicht nachgekomnien sind. 8. Verschiedenes. Zutritt haben nur Mitglieder, die in» Besitz eines Quittungsbuches sind, oder wo das Kassenbuch ausweist, daß Betreffender Mitglied ist. Oer Vorstand. I. 3(.: A. Stampehl. General- Y ersammlung her Freie« VereichW her Ziiiliilerec VerliilS Zimmerleute Berlins. VerslmMllg hes Verbanhes Montag, 6.©Ut., Ab. SV: UI,r. in Feuerstein s Lokal, Alte Jakobstr. 75. Vortrag des Herrn Wildherger über:„Ludivig Birr e". Es ist Pflicht eines jeden Zimmerers zu erscheinen. 825 H. Ortland. Ausserordentliche General- Versammlung des Medizinal- Unterstützungs- Vereins der Tabakarbeiter, deren Ehefrauen n. Tabakarbeiterinnen zu Krrli»(©. K. K.|lr. 88) Sonnabend, den 11. Oktbr., Ab. 9 Uhr 799 bei G r ü n, Clisabethstr. 29. T.-O.: 1. Abänderung der§§3 und 4 des Statuts. 2. Verschiedenes. Oer Vorstand: Louis Dechand. Fchvereill her Kernmacher und verwandter Hrrnfsgenost'e» -erlin» und Uingegend. r:. Sonnabend, den 4. Oktober, Abends 8V2 Uhr, im Lokal des Herrn Gnadt, Brunnenstraße 38. Tagesordnung: 1. Vereinsangelegenheiten. 2. Beschlußfassung über Aende- rung des Vereinstitels. 3. Diskussion. 4. Verschiedenes.— Um recht zahlreiches Erscheinen bittet 808 Oer Vorstand. Mzm. heutsch. Sattler-Verei« Mitgliedschaft K-rlin. H W Versammlung"Miß. Sonnabend, den 14. Oktober 1890, bei tteyer, Alte Jqkobstraße Nr. 83, Abends Punkt 8l/-i Uhr. 8C6 Tagesordnung; 1. Vortrag des Herrn Julius Türk. 2. Diskussion. 3. Wahl der Zlrbiits- vermittelnug. 4. Verschiedenes. Um zahlreiches und pünktliches Er- scheinen ersucht Der Dorstaud. Die Versammlung»vird besonderer Umständeivegen pünktlich eröffnet. D.O. lZroje össeiltliche Bersammlililg sämmtlicher Hoizbearbeitungs-Maacbinen an beschäftigten Arbeiter an» Montag, den 6. Oktober, Abends 8V2 Uhr, im Lokal Köuigsbank, Große Frankfurterstraße 117. Tagesordnung: 1. Bericht der Delegirten der Berliner Streik-Kontrol- Kommission. 2. Diskussion. 3. Verschiedeues.— Zu dieser Versammlung siiid die Kollegen der I. C. Psaff'schen Möbelfabrik speziell eingeladen. Auch machen wir die Kollegen aus dem Norden auf diese Versammlung be- sonderS ausmerksau». Zur Deckung der Unkosten findet eine Tellersammlung statt. 817 I. A.: E. Stein, Friedenstraße 79. Mitgliederversammlung der Cenfral-Kraukenkasse der Töpfer. Sonntag, 5. d. Mts., Born». HVa Uhr, in Gratweil's Bierliallcn, Kommandantenstr. 77/79. T.-O.: 1. Quartalsabrechnung. 2. Das revidirte Statut. 3. Verschiedenes. Carl Habantz, 803 Bcvollm., Kesselstr. 20., BiHilldtt-MilllttiM Berli« Alken Freunden des Vereins zur Nachricht, daß»vir vom 5. Oktober ab bis auf»veitercS alle 14 Tage einen Vrrgnug»»gs-Abe»d mit Tai»? veranstalten in Feuerstein'S Tunnel, Alte Jakobstraße 73. Gäste herzlich willkomme». Anfang 5 Uhr. Hierzu ladet freundlichst ein 811 Oer Vorstand. JohannisthaB. Sonntag, den 5. Okt., Nachm. 4 Uhr, in Ludwig s Salon 1 Gr. Arbeiter-Fest, veranstaltet vom U-rrin gewerblicher Hilfsarbeiter für Iahanniotbat»»,d Mngegend Billets sind bei IM i e I e n z zu haben. 805 Das Comitee. aw Montag, den ti. Gütober er., Abends 8V2 Uhr, in Wilke's Salon, Hochstr. 32. Tagesordnung: 1. Vortrag und Diskussion über unser Verhäl'tniß zuu» Judenthuu» und zun» Antisemitismus. Referent: Dr. LGtgenau. 2. Abrechnung von» Vergnügen und des 3. Quartals. Htrltungnahine zn de»» Krfchlufz der H»enrralverfa«»n»lnng von» *4. September d. I. 802 Der Vorstand. I. A.: Hugo Lehmann, Str. 60, Nr. 20. 11. NB. Heute(Freitag) Abends SVa Uhr Vorstandssitzung. D. O. 3. Generaiversammlimg unterzeichneter Firma nach§ 34 des Statuts findet Sonntag, den 5. Oktober 1890, Nachmittags 3 Uhr, im Lokal des Herrn R. Nürnberg (Firma Neige), Schönhauser Allee 28. statt. Tagesordnung: Beschluß: Lequidi- rung der Genossenschast. 601 Der Antsicbtsratb der Vereinsbäckeroien in Deutschland Sitz Berlin. (Eingetragene Geuosaenschait). Rieh. Hoppe, Vorsitzender. Achtung Die ausgewiesenen Genossen,»velche am 1. Oktober nach Berlin zurück- gekehrt,»verde» ersucht, heute Nachmittag 4 Uhr, im Restaurant Zubeil, Naunynstrassc 86 zu einem gemüthlichen Beisammensein sich zu versammeln. 826 Das Comitee. Indem ich meinen hochverehrten Gästen hiermit meinen besten Dank ansspreche für das mir in so reichem Maße geschenkte Wohlwollen ,j zeige ich hierdurch ergebcnst an, daß ich mein Rcstaurations-Geschäft„Zum kühlen Grunde" in Adlershof an Herrn Ferd. Hoffmann käuflich abgegeben habe. Adlershof, den 1. Oktober 1890. Ergebcnst Gustav Kleinschewsky. Auf Obiges Bezug nehmend, bitte ich das hochverehrte Publikum von Adlershof und Umgegend, das meinen» Vorgänger Herrn Kleiuschewsk») ge- schenkte Vertrauen auch auf mich über- tragen zu»vollen. Ich»verde bestrebt sein, den Wünschen meiner Gäste stets zu entsprechen. 810 Hochachtungsvoll Ferdiuand Ho�maim. Sonnabend, den 4. Gütoben, Abends 8 Uhr in Deweiu's Gesellschaftshans Fest der Sozialdemokraten Weissensees zur Semkehr st. Ailsgemeseuell n. Beendigung des Ausnahmegesetzes. Hegriisinng der Ansgewicfenen. Gelelligrs Seisa»n»»rnfei»r. Tan». Pflicht eines jeden Genossen ist zu erscheinen.[812] Das Comitee. Fchvereui ster Pujer Berliils. Mitgliester-AerDilliilililg am Sonntag, den 5, Oktbr., Vorm. 11 Uhr, in den„Rürgersälen", DreSdenerstraße Nr. 96. Tagesordnung: 1. Abrechnung des Kassirers pro 3. Quartal und Jahres- bericht deS Vorstandes. 2. Neuivahl des Gesanimtvorstaudes. 3. Erledigung von Rechtsschutzsache». 807 Der Vorstand. Dem hochverehrten Publikum zeige ich hiermit ergebenst an, daß ich das Restaurant„Ludivig's Salon" in Johannisthal käuflich erivorben habe und von» 3. Oktober 1890 ab dasselbe übernehme. 809 Um geneigten Zuspruch bittet Ergebenst Gustav Kleinschewsky. Möbel, Spiegel und Polsterwaaren. Ganze Auostattunge» empfiehlt Moritz Gläser, 1451 Reichenberg er str. 167. 167. Emil Tierisch Uhrmacher 21—22 Brunnenstr. 21—22 (neben Greifenhagen) empfiehlt sein großes Lager aller Arten Uhren, Goldwaaren u. Ketten zu soliden Preisen. 804 Reparaturen unter Garantie J Zahsi-AteBier Andreasstrasse 60 1 Treppe Eingang Kleine Andreasstraße Otto Arendt. Schmerzloses Zahnziehen, Nervtödten, Plombiren, Anfertigung ganzer Gebisse und einzelner Zähne unter Garantie guter Ausführung bei solidesten Preise». Allen Freunden und Genossen em- psehle mein 796 Weist- 11. BsW-Bier-LM Weinstrasse 23. K r u m 8 i n g y früher Sische, Reicheuberger-Straße. Meinen»verthen Freunden und Ge- nossen zeige ich ergebenst an, daß ich Gneisenaustr. 30 ein Grünkramgeschäft übernommen habe. Un» gütigen Zu- spruch bittet[793] W. Burmann. Mein Obst- und Gemüsegeschäst mit Rolle beabsichtige ich an einen Partei- genossen billig zu verkaufen. Näheres Skalitzerstrasse 66. Jahn. Soeben erschien Ter mi# IM Nr. 809. Mit riurr Ettra-Krilage: Unsere Todten Zu beziehen durch die Expedition Bcuthstraße 3.__ Achtung! den C Unseren» Freunde Emil Broc"© ch e meier, dem Lumpenfritzen, zu seinlFoxn, Wiegenfeste ein donnerndes Hoch! jnLnW F. B. F. H. A. H. F.W. �"'0 Emil, Du quatschst ja heut»nick V so viel? Sl g tltd zu Unserem Freunde und Genol Hugo Röhn zu seinem heutfi Wiegenfeste ein donnerndes Hoch! der dicke Bauch wackelt. Die ganz Sanften aus Süd-Ofl Danksagung. Allen Freunden und Bekait insbesondere seinen Kollegen, die liebevolle Theilnahnie bei der erdigung nieines liebe», Mannes unseres unvergeßlichen Vaters/ Töpfers Hermann Franke,[ dem Herrn Prediger Reishaus für trostreichen Worte am Sarge des« schlasenen unseren innigsten Dank: Die tiefbetrübte Witt*» 821 nebst Kindern. Danksagung. Für die viele»» Beiveise herM Theilnahnie beim Begräbniß»iniJL.. theuren Vaters, so>vie allen VerwaNl�ulser und Freunden des Entschlafenen, solcher den Gesangvereinen„Nord" u.„Ju°5stellen. unseren tiefgefühltesten Dank.\,,m m Ww. Cerzol..... C. S. 200 ist wieder Junker�iünstig Verden Die Beleidigung gegen Frl. nchiNe ich zurück und erkläre diepvie für ehrenhaft.[814] Erns&NOQlich Jestc Mhiiiaschiiie Garantie des Gutnähens 2,50 �sichten kleine Reparaturen billiger. W. Maaske, Christincnslraße 34, vorn 2 Tremozltller T Voh-Sabak Größte Llnsivahl, billigste Preis�achdrue l G. Elkhuysen, Muuzftr. 831 üaii* 8 Nlark Klagen, Eingaben, Rath in ProM Einziehung von Forderungen. ck Pollak, jetzt Georgenkirchstr. 2*, Ta Cigarrcnspitzen mit StereosAich erz Bildern von Sozialdemokraten. Jv Max Samuel jr., hendigk» Kaiser Wilhelmstr. 38, am Neuen P�qualvol als sch 'Inders Mein Schankgeschäft(mehrere Beckes ,of. zu verkaufen. 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